2. Hauptrunde: Empor Erfurt - FC Carl Zeiss JENA 0:4 (0:3)

Jena: Keller; Raickovic; Friedrich, Kowalik; Markovic, Treitl, Hempel, Quade, Nowotny; Rusjaev, Weber (16. Schwesinger)

Zuschauer:: 350

Schiedsrichter:: Nimptsch (Sömmerda)

Tore: 0:1 Quade (36.), 0:2 Markovic (40.), 0:3 Schwesinger (43.), 0:4 Quade (90., FE)

Die Prognose im Programmheftchen des SV Empor Erfurt drückte vorsichtigen Optimismus aus: "Jena gilt zwar als Favorit, aber vielleicht gelingt unserer 1. Mannschaft eine Sensation."

Um es vorweg zu nehmen: Von einem Sieg gegen den Pokalverteidiger war der Landesklassenvertreter ziemlich weit entfernt. Zu klar bestimmte der FCC von Anbeginn das Geschehen. Schon nach sieben Minuten musste der Beste im Erfurter Dress, Torhüter Haase, gegen Treitl sein ganzes Können aufbieten. Auch einen Freistoss von Kowalik (es muss nicht immer Hempel sein!) fischte der Keeper aus dem Eck (13.). Nach der torlosen Anfangsoffensive verfielen die Jenaer keineswegs in Hektik, spulten nach der Devise 'irgendwann wird's schon klappen' locker ihr Pensum ab und schraubten das Eckenverhältnis bis zur Pause auf 10:1. Doch solch eine Spielweise verführt zum Leichtsinn. 25 Minuten waren gespielt, ein Konterversuch der Gastgeber war eigentlich schon vereitelt, da spielte Kowalik auf Keller, der auf Raickovic und als der neue Libero den Dreiecks-Spielzug mit Pass auf Kowalik vollenden wollte, spritzte ein Erfurter dazwischen. Dem Häuflein mitgereister Zeiss-Fans stockte der Atem - Kunze lief unbedrängt auf Keller zu, traf aus spitzem Winkel aber nur das Aussennetz. Täuschte mein Eindruck, dass die bis dahin so abgeklärten Jenaer einige Minuten benötigten, um diesen Schreck zu verdauen ? Erst in den letzten zehn Minuten der ersten Halbzeit fanden sie zu ihrer Souveränität zurück und sorgten für die Spielentscheidung. Einen schwer zu nehmenden Eckball köpfte Schwesinger noch daneben (34.), eine Minute später fiel dann aber doch das längste überfällige 1:0. Raickovics Fernschuss wird von einem Erfurter abgefälscht, der Ball kommt zu Quade und trifft unten links. Einstand nach Mass für den Kapitän der Zweiten in seinem ersten Pflichtspiel fürs Regionalliga-Team. - Fünf Minuten später: Ein Freistoss fliegt diagonal durch den Erfurter Strafraum, Freund und Feind springen daran vorbei, der Ball landet im Netz. Torschütze laut Ansager: AUTO Markovic. Sorgte dies bei unsereins schon für Erheiterung, machte Treffer Nummer drei noch mehr Freude. Andreas Schwesinger holte sich das Leder am eigenen Sechzehner und startete von dort ein Solo über den ganzen Platz. Am gegnerischen Strafraum angekomen rechnete alles mit einem Abspiel, doch "Schwes" dachte gar nicht daran abzuspielen, sondern schlenzte den Ball ins linke obere Eck. Sehenswert !

Dieses Prädikat kann man der 2. Halbzeit leider nicht verleihen. Im Gefühl des sicheren Sieges liess die Konzentration des Favoriten merklich nach. Nur Markovic und Treitl auf der rechten Seite setzten ab und an noch Akzente. Aus dem regelrecht zähflüssig anmutenden Spiel entwickelten sich noch Möglichkeiten für Schwesinger (62.) und Rusjaev (81.) sowie das zweite Erfolgserlebnis Nico Quades. Der Stürmer war von Markovic in Szene gesetzt und im Strafraum gefoult worden. Den Strafstoss verwandelte er gleich selbst. Man könnte noch die sichere Abwehrarbeit loben, weil zu der einen Erfurter Chance aus Hälfte eins keine weitere hinzu kam. Doch wäre dies Augenwischerei. Denn der drei Klassen tiefer spielende Kontrahent verkaufte sich in der Defensive teuer, brachte im Spiel nach vorn aber nicht viel auf die Reihe. Erfreulich die faire Athmosphäre auf und neben dem Spielfeld in Erfurt-Hochheim. Lediglich ein paar Vertreter der Rot-Weiss-Jugend, die das Gastspiel des FCC attraktiver fanden als den zeitgleich stattfindenden RWE-Kick, übten ein paar provokante Chorgesänge.

Zehn passable Minuten reichten für einen alles in allem glanzlosen Pflichtsieg auf dem Weg zur möglichen Pokalverteidigung. Stünde am kommenden Sonntag nach dem Punktspiel ein ähnliches Ergebnis für den FCC zu Buche, hätten wir mehr Grund zum Jubeln. <fc>


Achtelfinale, 30.10. 13.30 Uhr: BW Niederpöllnitz - FC Carl Zeiss JENA 0:2

Jena: Keller; Raickovic; Hartung, Findeisen; Markovic, Treitl, Hempel, Kaiser (72. Azevedo), Noll; Nowotny (32. Hauser), Schwesinger

Zuschauer:: 650

Schiedsrichter:: Weise (Könitz)

Tore: 0:1 Treitl (32.), 0:2 Hauser (90.)

Um es gleich vorweg zunehmen - das beste an diesem Tag waren das Ergebnis und das Wetter. Die Strecke von Gera nach Niederpöllnitz gab sich an diesem Tag redliche Mühe, dem berühmten "Indian summer" nachzueifern: Herbstsonne und wunderschön gefärbte Laubwälder. Wem allerdings die Mannschaft des FCC an diesem Tag nacheifern wollte, blieb mir - wie auch den anderen Zuschauern - schleierhaft. Auch der gutwilligste Fan kam während der 90 Minuten nicht aus dem Kopfschütteln heraus.

Nach 10 Spielminuten hatten die Gastgeber begriffen, daß sie vor dem 4 Klassen höher spielenden Gegner nicht in verteidigender Ehrfurcht in der eigenen Hälfte erstarren mußten, sondern auch selbst nach vorn spielen konnten. Und dann gab es eine Lehrstunde dafür, was Ehrgeiz und Engagement bewirken können. Nach der ersten "Chance" des FCC (ein Kopfball von Schwesinger in der 18. [!] Minute) blieb im Gegenzug der blau-weiße Führungstreffer nur deshalb aus, weil der Stürmer freistehend direkt auf Weißgärber (der einzige Jenaer, der so ziemlich fehlerfrei blieb) köpfte. Jena brachte in der nächsten Viertelstunde lediglich noch einen Fernschuß zustande, der aber zur Ecke abgefälscht wurde. Niederpöllnitz dagegen vergab dagegen in der 33. min die zweite Riesenchance zur Führung: den scharfen und plazierten Kopfball nach Flanke von links kann Weißgärber aus der unteren Ecke kratzen, den Nachschuß aus vielleicht 5 Metern wehrt er dann, am Boden liegend, reaktionsschnell mit dem Fuß ab. Endlich reagierte man auf der Jenaer Bank und brachte Hauser für Nowotny, bei dem man sich ernsthaft fragen mußte, ob er nicht mehr zeigen kann oder nicht mehr zeigen will: ihm gelang in den 33 Minuten NICHTS - NULL - ZERO. Entsetzlich ! Kurze Zeit später gab es den einzigen Angriff, der wirklich "flutschte" - Paß aus der Verteidigung auf Markovic, der geht rechts außen auf und davon und seine maßgenaue Flanke donnert Treitl per Kopf ins Tor. Jetzt hatte es den Anschein, als ob der Knoten geplatzt sei. Bis zur Pause wurde Druck gemacht: Wieder ein Konter, Hauser nimmt Hempels Flanke direkt, aber der Keeper kann mit Ach und Krach zur Ecke abwehren. Unmittelbar vor dem Halbzeitpfiff muß er dann noch einen Schuß Findeisens abwehren.

Wer aber nun hoffte, daß es nach der Pause so weiterginge, wurde enttäuscht. Die besten 10 Jenaer Minuten dieses Matches waren schon vorbei. In der 48. hatte Treitl noch eine Großchance. die Sven Färber (der blau-weiße Torwart) wieder zunichte macht und im Nachschuß trifft Treitl dann aus der Drehung mit voller Wucht nicht den Ball, sondern (unabsichtlich) den Kopf des Torwarts, der sich in Treitls Rücken voll in den zu erwartenden Schuß warf. Färber mußte (mit Gehirnerschütterung vermutlich) ins Krankenhaus eingeliefert werden. Danach sah es rein optisch so aus, als ob Jena das Spiel bestimmte, es war aber alles brotlose Kunst. Gefälliges Ballgeschiebe im Mittelfeld, aber eigentlich kaum richtiger Angriffswirbel. Ab und zu Fernschüsse (65. Kaiser knapp drüber, 67. Treitl Lattenoberkante) ... Doch außer einigen Soloversuchen Hausers gab es nichts. In der 70. kam dann Azewedo für Kaiser, doch das verbesserte die Situation auch nicht. Auch seine Aktionen - doch, doch, er ist tatsächlich als Stürmer beim FCC unter Vertrag - wirkten genauso hilflos wie die Angriffsbemühungen der anderen, daß einem die Haare zu Berge standen. 3 Beispiele: 79. min - Azewedo geht halblinks in den Strafraum, seinen Schuß "wehrt" Schwesinger 2 m vor der Linie "ab"; 86. von links außen schlägt er einen Ball, bei dem bis heute keiner weiß, ob es nun ein Torschuß oder eine Flanke war (das Ding war für beide Varianten völlig verunglückt); 93. Azewedo spielt am Torraum den Torwart aus und schießt den einzigen Verteidiger an, der sich auf der 7,32 m langen Torlinie "breitmachte". Zwischendurch versuchten sich die Niederpöllnitzer einige Male mit Kontern, die aber glücklicherweise erfolglos blieben. Nicht etwa, daß ihnen die meisten Zuschauer den (nicht unverdienten) Ausgleich nicht gegönnt hätten, aber in der Verlängerung nochmals 30 Minuten solche fußballerischen Grausamkeiten seitens des FCC zu erdulden, wäre zu hart gewesen. Statt dessen war es wieder mal Hauser, der in der 94. Minute rechts durchlief, es aber diesmal allein machte (in der 78. suchte er an dieser Stelle den Doppelpaß mit Azewedo) und den Ball zum erlösenden (ist eigentlich schlimm, bei diesem Match diesen Ausdruck verwenden zu müssen) 2:0 ins lange Eck knallte.

Es bleibt die Hoffnung, daß sich der FCC die fünf weiteren Tore, die angesichts des nominellen Klassenunterschiedes in diesem Pokalspiel normalerweise fällig gewesen wären, aufgespart hat, um sie am Freitag de VfB Leipzig einzuschenken. <uk>
Auch Landesklassen-Vertreter Niederpöllnitz besitzt eine eigene
Homepage. Und auch dort gibt es einen Spielbericht, wie ihn keine Zeitung druckt.


Viertelfinale, 27.11.99 13.30 Uhr: TSV 1880 Gera-Zwötzen - FC Carl Zeiss JENA 0:4

Jena: Keller; Raickovic; Findeisen (34. Barich), Noll; Markovic, Treitl, Hempel (52. Fröhner), Kaiser, Hauser; Quade, Schwesinger (52. Azevedo)

Zuschauer:: 841

Schiedsrichter:: Beck (Eisenach)

Tore: 0:1 Noll (8.), 0:2 Schwesinger (22.), 0:3 Azevedo (56.), 0:4 Hauser (70.)

Ein Sechstligist sollte dem FC Carl Zeiss eigentlich nicht die Schweissperlen auf die Stirn treiben. Vorsicht war dennoch geboten, musste man vom ungeschlagenen Spitzenreiter der Landesklasse Ost noch etwas mehr Gegenwehr erwarten als von dessen Staffelkonkurrenten Empor Erfurt und Niederpöllnitz. Und gegen die hatte sich der FCC in den Runden zuvor bekanntlich schwer genug getan.
Dementsprechend konzentriert ging der Favorit von Anbeginn zu Werke. Ein frühes Tor brachte auch gleich noch die nötige Sicherheit. Nach einem Freistoss von links und einem abgeblockten Schuss Hausers war Eric Noll zur Stelle und erzielte nach sieben Spielminuten das 1:0. Einem Raickovic-Kopfball, den Geras Torhüter Reichenbach parierte (15.), folgte der erste Angriff der Gastgeber. Der 20-Meter-Schuss verfehlte das Keller-Gehäuse jedoch klar (17.). Die Jenaer Möglichkeiten waren da von weitaus grösserem Kaliber: 20. Minute, Kaisers Vorbereitung über links, Hausers Schuss faustet Reichenbach weg, Nachschuss Treitls an den Pfosten. 22. Minute, in einen Hauser-Schuss grätscht ein Geraer Spieler hinein, was zur Vorlage für Schwesinger wird, der aus 14 Metern ins linke Eck trifft. 29. Minute, ein Zucker-Pass Hausers und Hempel hat freie Bahn, bringt das Leder aber nicht im Kasten unter. 31. Minute, einen Abpraller befördert Hauser aus Nahdistanz über die Latte. - Dem aufmerksamen Leser wird nicht entgangen sein, dass an all diesen Aktionen in Jenas stärkster Phase ein und derselbe Spieler beteiligt war: Christian Hauser. Der gebürtige Geraer machte ein prima Spiel, was auch dem anwesenden Beinahe-Cheftrainer Petrovic nicht entgangen sein wird. Nicht verschwiegen werden soll eine ansehnliche Einzelaktion Nolls (23.) und der einzige wirklich gefährliche Konter der Zwötzener über Hahn und Kowalski (32.). Der Geraer Torjäger mit 12 Treffern aus 11 Spielen konnte im letzten Moment von Findeisen gestoppt werden. Leider verletzte sich der Jenaer Vorstopper bei dieser Aktion (Kreuzband?) und musste ausgewechselt werden.

Obgleich es der FC Carl Zeiss nach der Pause eine Spur ruhiger angehen liess, wirkte er optisch nun noch überlegener. Der Gegner konnte seinen Respekt nie gänzlich ablegen und hielt eine Wende wohl selbst nicht mehr für möglich. Locker und leicht fielen somit noch zwei weitere Treffer. Beim 3:0 hatte Paulo Azevedo endlich einmal jenen Platz, den er zur Zeit braucht und in der Regionalliga so selten bekommt. In seinem Volleyschuss aus sieben Metern an den Innenpfosten und dann ins Netz steckte wohl all der Frust der letzten Wochen. Später gelang ihm auch noch eine Muster-Flanke von der rechten Seite, die Barich nicht verwertete. Auch Christian Hauser kam noch zu seinem Tor nach Vorarbeit Markovics. Raickovic (82., Fernschuss an Lattenoberkante) und Fröhnert (90., wegen Abseits aberkannter Treffer) nahmen dagegen schon mal Maß fürs Halbfinale. Gegen die Konkurrenz aus Erfurt oder Leinefelde wird eine bessere Chancenverwertung notwendig sein. Ansonsten war das gegenüber den bisherigen Pokalauftritten schon ganz ansehnlich.

Zum Schluss noch eine kleine Randepisode. Im Sächsischen gibt es ein paar Fans, die eine blau-gelb-weisse Fahne mit ihrem Lieblingsmotto "Saufen schmeckt" mit sich führen. So auch in Gera. Bisher hatte sich keiner daran gestört. Nach dem Spiel am Samstag aber kam ein Spieler des FCC angesaust und bombardierte einen dieser Fans mit Fragen; was das soll, was er damit bezwecke, auf wen er anspiele usw. Erst auf den Hinweis von Homepage-Mitarbeiter Uwe, dass diese Fahne schon seit längerer Zeit existiert, liess er vom verdutzten Fahnenbesitzer ab. - Was lehrt uns das ? 1.) Spieler beachten die Fahnen, die am Zaun hängen. 2.) die Vorwürfe über unprofessionelle Verhaltensweisen gehen nicht spurlos an den Kickern vorüber und 3.) ist ihnen die Meinung der Fans nicht egal. Dass 4.) die Volkweisheit von den getroffenen Hunden in jedem Falle gilt, wollen wir mal nicht unterstellen. <fc>


Halbfinale: FC Carl Zeiss JENA - SSV Erfurt-Nord 2:4

Jena: Weißgärber; Pivarnik (68. Richter); Beckert, Friedrich; Lischke (68. Wolter), Kämpfe, Kurbjuweit, Barich, Findeisen; Schwesinger, Quade (68. Nowacki)

Erfurt-Nord: Hoffmeister; Leinhos; Beyer, Heinrich; Schneider (85. Rosenstengel), Hausdörfer, Wehrmann, Tanz, Schmdt; Fischer, Janke (81. Hochmuth)

Zuschauer:: 619

Schiedsrichter:: Jauch (Benshausen)

Tore: 0:1 Schneider (24.), 1:1 Schwesinger (45.), 1:2 Fischer (52.), 1:3 Schneider (60.), 1:4 Schneider (76.), 2:4 Barich (90.)

In dieser Saison ist vieles anders. Galt im Vorjahr der Gewinn des Thüringen-Cups als erstrebenswertes Ziel, weil der Zug in der Meisterschaft längst abgefahren war, hat er in dieser entscheidenden Spielzeit nur den Stellenwert eines Anhängsels. Erst recht, wenn das Halbfinale in eine Serie mit drei Spielen in sechs Tagen fällt. So war schon lange vorher klar, dass Jenas 1B-Auswahl eine Bewährungschance erhalten würde.

Nur 619 Zuschauer fanden daran Interesse, was nicht nur an den angesprochenen Prioritäten lag, sondern auch an der unsinnigen Regel, für solch eine Begegnung keine Dauerkarten zuzulassen. Nach ausschließlich Mittelfeldgeplänkel in der Anfangsviertelstunde setzte Sebastian Barich ein erstes Achtungszeichen, als er einen Freistoßball aus 17 Metern an die Latte bugsierte. Vielleicht gab diese Aktion den Zeiss-Kickern das Gefühl, man werde dieses Spiel schon irgendwie erfolgreich über die Zeit schaukeln. Jedenfalls beließen sie es in den nächsten Minuten wieder beim gepflegten Ballgeschiebe. Doch wenn die zweite Garnitur nur mit halber Kraft agiert gegen ein Team, dass lediglich eine Klasse tiefer spielt als die Erste, kann das nicht gut gehen ! Beim 0:1 nahm Libero Pivarnik die Rolle des letzten Mannes allzu wörtlich und hob die Abseitsfalle auf. Tanz bediente von der linken Seite Dominik Schneider, der freistehend verwandelte. Kurz darauf zog Fischer von der Strafraumgrenze ab, Weißgärber bekam gerade noch die Fingerspitzen dran. Erst als der Unparteiische ein klares Erfurter Handspiel im Strafraum nicht ahndete und den Zorn der Minikulisse auf sich zog (29.), wachten die Gastgeber auf. Ein Beckert-Schuss neben das Tor sowie ein erst auf der Torlinie abgefangener Eckball schienen eine Wende einzuleiten. Erst recht der schönste FCC-Angriff der gesamten Partie: Holger Lischke tankte sich auf der rechten Seite durch wie zwei Tage zuvor in Leipzig, die Flanke kommt exakt auf Andreas Schwesinger, der volley aus acht Metern trifft. Zur Pause war unsereins noch halbwegs guter Dinge.

Es folgte eine indiskutable Vorstellung in Hälfte zwei. Die beiden nächsten Gegentore kamen auf nahezu identische Weise zustande. Beide Male spielte die Zeiss-Abwehr auf Abseits. Beim 1:2 schlief ein Jenaer, elf Minuten später der Schiedsrichter-Assistent. Beide Male kamen die SSVler über die linke Seite zum Erfolg. Jens Weißgärber verhinderte sogar noch Ärgeres, als er einen Schuss von Tanz zur Ecke abwehrte (66.). Nach drei Auswechslungen auf einen Schlag (die Entscheidung, wer runter muss, fiel bei dieser Auswahl ganz sicher nicht leicht), verletzte sich Findeisen Sekunden später im Zweikampf mit Schneider und musste vorzeitig den Platz verlassen. Als dann auch noch Schwesinger die beste Gelegenheit nach der Pause vergab, weit übers Tor schoss (77.), war die Finalchance endgültig dahin. Der Oberligist konnte sich nun nach Herzenslust austoben. Schneider traf noch ein drittes Mal, Fischer schoss an die Latte, Richter und Beyer vergaben freistehend. Der Freistoßtreffer Barichs ins linke obere Eck war nur noch Ergebniskosmetik, jubeln konnte darüber niemand mehr.

Wer hätte gedacht, dass die Kluft zwischen Stammelf und "denen dahinter" so groß sein würde !? Lässt Slavko Petrovic seinen Worten Taten folgen, wird der eine oder andere für die Blamage vom Samstag noch die Quittung bekommen. Darüber hinaus aber gilt es, schnell abzuhaken und sich wieder aufs Wesentliche zu konzentrieren. Deshalb: Volle Hütte gegen Hütte ! <fc>

Fotos von René Röder

Trainerstimmen:

Reinhard Häfner (Erfurt-Nord): "Für uns kleinen Verein ist dies ein besonderer Tag. Wir waren konzentriert im Abwehrverhalten, haben gute Konterangriffe gestartet und wunderschöne Tore erzielt."
Slavko Petrovic (Jena): "Ich weiß nicht, wann ich zuletzt ein solch grausames Spiel gesehen habe. Diese Einstelllung hat mit Fußball nichts zutun. Da sind Spieler, die nicht mal in der Landesliga spielen können. Ich habe aus dem Kader schon in den ersten Wochen viel ausgeräumt, doch das gnadenlose Ausräumen beginnt erst jetzt. Meinem Trainerkollegen gratuliere ich zum verdienten Sieg."

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