1. Hauptrunde am 31. August 1999, 15.30 Uhr

FC Carl Zeiss JENA gegen SpVgg Greuther Fürth 1:2

Durch den unausgegorenen neuen Pokalmodus und fehlendem Losglück musste der FC Carl Zeiss bereits in Runde eins gegen einen Zweitligisten ran. Bedauerlich, dass hier schon Endstation sein sollte. Zumal an diesem Tage sicher mehr möglich war.

Kalte Duschen sind bei sommerlichen Temperaturen eigentlich angenehm. Aus diesem Grunde sollte man nach anderen Begriffen suchen für das, was die Jenaer Spieler bereits nach 73 Sekunden ereilte: Ballverlust in der Vorwärtsbewegung, das Leder fliegt von der Mittellinie zurück in die eigenen Hälfte. Der eine Jenaer hebt die Abseitsfalle auf, der andere (Noll) liefert eine unfreiwillige Kopfballvorlage für Ruman, welcher Torwart Weissgärber mit scharfem Schuss ins lange Eck keine Abwehrchance lässt. Dieser frühe Rückstand hinterliess Spuren. Es war die Angst vorm 0:2 und damit einem eventuellen frühzeitigen k.o., welche die Jenaer Elf vor der Pause überhaupt nicht ins Spiel finden liess. So spricht Bände, dass wir nach 37 Minuten die erste Gastgeber-Chance notierten, eingeleitet vom diesmal hängende Spitze spielenden Michail Rusjaev. Seine Linksflanke nimmt Hanus für Paulo Azevedo an, der aus sieben Metern an Teuber scheitert. Der Ex-Dresdener Torhüter in Fürther Diensten war zwischenzeitlich für den fussverletzten Hain ins Spiel gekommen. Die Pausenführung für ihn und seine Vorderleute ging absolut in Ordnung. Schliesslich waren sie nicht nur am eigenen Strafraum Herr der Lage, sondern besassen durch Ruman (4., Glanztat Weissgärbers), Walther und Sbordone weitere gute Möglichkeiten.

Dieses Bild änderte sich mehr und mehr nach Wiederanpfiff. Den Franken, gerade drei Wochen in der Vorbereitung, unterliefen in zunehmender Anzahl Konzentrationsfehler, der FCC nun mit mehr Durck und auch Torchancen. Hempel (48.), Hanus (51.) und Azevedo (60.) waren dem Ausgleich nahe. Bitter deshalb der zweite Gegentreffer. Ein Teuber-Abschlag bis hinter die Mittellinie erreicht Lamptey, der Schiri-Assistent lässt die Fahne unten. Da Friedrich gegen den ghanaischen Ex-Nationalspieler im Laufduell den Kürzeren zieht, bleibt Weissgärber nicht viel anderes übrig als aus seinem Tor zu kommen. Pech für den Jens, dass er den Ball zwar mit dem Fuss erwischte, der Abpraller aber von Lamptey aufgenommen und aus spitzem Winkel ins leere Tor geschoben werden kann. Nun hatten wir genau jenes 0:2, welches unbedingt vermieden werden wollte. Es spricht aber für die Moral der Truppe, dass sie nicht aufsteckte und sieben Minuten später mit dem Ausgleichstreffer belohnt wurde. Der Schuss Dirk Hempels aus mehr als zwanzig Metern war eine Augenweide, trieb Spieler wie Zuschauer nochmal an und brachte die konditionell weiter abbauenden Gäste in arge Verlegenheit. Eine Rechtsflanke Kaisers an die Torraumlinie verpasste Rusjaev nur knapp, einen Fernschuss wiederum von Kaiser lenkte Teuber über die Latte (86.). Aufregung dann beim Abpfiff, weil die mitlaufende Uhr an der Anzeigetafel noch nicht einmal die 44:00 min-Marke erreicht hatte. Proteste der Jenaer Spieler, Schieber-Rufe der Zuschauer. Jenas Sonntagspresse glaubte sogar, einen Skandal-Schiri fast wie in alten DDR-Oberligazeiten entdeckt zu haben. Irrtum ! Der Referee hatte alles richtig gemacht, für jeden sichtbar eine Nachspielminute angezeigt und nach von uns handgestoppten 46 Minuten und 2 Sekunden in Hälfte zwei abgepfiffen. Die einzig berechtigten Diskussionen waren jene, ob eine mitlaufende Digitaluhr bei solchen Spielen überhaupt gestattet ist und durch wessen Verschulden sie zwischendurch einfach mal anhält.

Im Endeffekt war diese DFB-Pokalrunde nichts weiter als ein hochwertiger Test auf die bevorstehenden Punktspiele, was das ausgefallene Freundschaftsspiel gegen Werder Bremen freilich auch dargestellt hätte. Aber was soll's - eine knappe Niederlage gegen ein Team, dass in der vorigen Saison sogar mal an die Tür zur ersten Bundesliga geklopft hatte, ist beileibe keine Schande. Nach je einer passablen Halbzeit gegen Sofia und Fürth muss der FCC zum Punktspielauftakt allerdings nun mal deren zwei folgen lassen. <fc>

Jena:
Weißgärber; Noll; Pivarnik, Friedrich; Nowotny (74. Weber), Gerstner (62. Treitl), Hempel, Kaiser, Hanus, Rusjaev; Azevedo (64. Jaworek)
Fürth:
Hain (24. Teuber); Prinzen; Jonkov, Sbordone; Hassa, Felgenhauer, Reichel, Walther, Meichelbeck; Patschinski (66. Lamptey), Ruman (80. Hube)

Zuschauer: 2550

Schiedsrichter: Lange (Herrenberg)

Tore: 0:1 Ruman (2.), 0:2 Lamptey (71.), 1:2 Hempel (78.)

Trainerstimmen
Thomas Gerstner:
"Der Gegner machte schon nach rund einer Minute einen Strich durch unsere Rechnung. Wir wollten eigentlich mit nur einem Stürmer und Rusjaev zurückhängend agieren, wollten Pressing spielen und selbst Druck nach vorn erzeugen. Dann zeigten wir lange Zeit zu viel Respekt vor dem Gegner. Aber in der zweiten Halbzeit hat man wohl gesehen, dass die Mannschaft Charakter hat. Leider kam das Anschlusstor Dirk Hempels zu spät. Ein verdienter Sieg des Gastes, weil er in der ersten Halbzeit klar besser war."

Benno Möhlmann:
"Nach drei Wochen Vorbereitungszeit kann man noch nicht in der Verfassung sein, über neunzig Minuten vernünftigen Fussball zu spielen. In der 2. Halbzeit haben wir nicht mehr die Kraft gehabt und uns über die Runden gerettet. Gerade als bei der Hitze die Kräfte nachzulassen begannen, fiel gottseidank das wichtige 2:0 für uns."

Die wichtigsten Szenen im Bild
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