Stefan Jakobs hat dem FC Carl Zeiss JENA einen Brief geschrieben und uns gebeten, dieses Schreiben in wesentlichen Teilen auf unserer Homepage zu veröffentlichen. Wie immer in solchen Fällen stellen wir den Inhalt zur Diskussion. Meinungen und Kommentare sendet bitte an zfc@rz.uni-jena.de.

 

Jena, 17.08.1999

Sehr geehrte Damen und Herren,

seit nunmehr 7 Jahren bin ich treuer Besucher fast aller Heim- und vieler Auswärtsspiele des FC Carl Zeiss, seit 1997 auch Vereinsmitglied. Dafür, dass es wie am Anfang dieser Saison sportlich nicht immer wunschgemäß läuft, habe ich viel Verständnis. Sehr verärgert bin ich allerdings über die neue Ordnung der Zuschauerränge im Ernst-Abbe-Stadion. Mein Stammplatz in der Südkurve ist gesperrt, auf dem Damm der Gegentribüne ist das Stehen aus unerfindlichen Gründen untersagt, somit bleiben nur die wenig attraktiven Stehplätze der Nordkurve. Man mag dies ja als mein persönliches Problem abtun, andererseits hat meines Erachtens schon im vergangenen Frühjahr die gesamte Atmosphäre im Stadion sehr unter der Sperrung der Südkurve gelitten. Der 12 Millionen - Stadionumbau hat letztendlich auf den Stehplätzen nur zu einer Verschlechterung geführt und auch auf der Tribüne wird mangels Stimmung wenig Freude aufkommen. Schade um das Geld.

Die in der Lokalpresse wiedergegebenen Überlegungen zur Sicherheit im Stadion sind für mich kaum nachvollziehbar. Die Sicherheitsbestrebungen nehmen meines Erachtens ohnehin oft irrationale Züge an: Da darf ein Fahrradhelm nicht ins Stadion mitgenommen werden oder der Weg vom Tribünenaufgang zum oberen Quergang wird von einem Ordner abgesperrt. Selbst wenn sich jemand eine Begründung für ein solches Vorgehen ausgedacht haben mag, sollte der Verein doch abwägen, ob er es sich leisten kann, seine Zuschauer auf diese Art und Weise zu vergraulen.

Ich hoffe sehr, dass Sie eine Lösung finden, und verbleibe mit freundlichen Grüßen

Stefan Jakobs

Etwas anders sieht Uwe Kaiser die Angelegenheit:

Hallo, Stefan,

tut mir leid, aber ich kann das ganze Gejammer über den "Verlust" der Südkurve als Fanblock nicht verstehen. Als ich vor knapp 20 Jahren mit meinen Besuchen im EAS begann, stand der Fanblock unter der Uhr. Dort gab es prima Sicht und prima Stimmung. Selbst als wir zu Hause im EC gegen Uerdingen 0:4 unter die Räder kamen, wurde der FCC bis zum Schluß so unterstützt, daß Feldkamp (damals Trainer bei 05) nach dem Spiel sagte: "Solche Fans müßten wir auch haben" (sinngemäß wiedergegeben). Als der Zwangsumzug unter die Anzeigetafel kam, waren verständlicherweise damals alle Fans sauer, da die Sicht wesentlich schlechter wurde und der Support nicht mehr so rüberkam, wie von der Gegengerade.

Was wollen die "Südkurvenfans" denn noch: da bietet der Verein den Fans Plätze auf Höhe der Mittellinie zum günstigen Stehplatzpreis an und es wird gejammert, was das Zeug hält. Stefan, vielleicht solltest Du Dich mal ein paar Spiele auf die Tribüne setzen und die akustische Wirkung des Fanblocks von hier aus beurteilen. Schon als Ihr noch unter der Anzeigetafel standet, entsprach Eure akustische Wirkung im EAS der eines piepsenden Zaunkönigs 50 m über den Niagarafällen, und auch gegen Sachsen Leipzig war von Euch aus der Nordkurve nichts zu hören. Die teilweise fehlende Stimmung hat absolut nichts mit der Sperrung der Südkurve zu tun ! Wenn Stimmung aufkam, dann wurde sie in den Blöcken A und B der Haupttribüne gemacht; das Dach bietet nämlich eine wunderbare Akustik. Und auch in der letzten Saison brannte eigentlich nur beim Spiel gegen den 1. FCM so richtig die Luft, teilweise auch gegen Dynamo Dresden. Gegen Dresden gab es nämlich einen richtigen Block unter der Uhr und gegen den FCM durften ja alle auf die Tribüne.

Es gibt aus meiner Sicht nur eine vernünftige Lösung: Hört mit dem "Wir wollen in die Südkurve"-Gewinsel auf - dafür haben wir in diesem Spieljahr überhaupt keine Zeit - und versammelt Euch alle im K-Block unter der Uhr; nicht auf den oberen 2 Reihen entlang über die ganze Gegengerade verteilt, sondern wirklich richtig kompakt im Block K. Dann gibt es auch von der anderen Stadionseite her die Unterstützung für den FCC, die wir alle in dieser Schicksalssaison brauchen. Und vielleicht gibt es sogar ein wechselseitiges Anstacheln zwischen Haupttribüne (wo viele Auswärtsfahrer sitzen) und "Unter der Uhr" !

Also hoffe ich mal auf einen vollen Fanblock "Unter der Uhr" gegen Stendal ! YOU'LL NEVER WALK ALONE !!!

P.S. 1. Vielleicht läßt sich die Vereinsführung sogar dazu überreden, die Sitzschalen im K-Block (wenigstens in dieser Saison) abzubauen, um den Block "Unter der Uhr" und den von ihm ausgehenden Support zu fördern.
2. Warum baut man eigentlich überm K-Block nicht wieder eine richtige Uhr auf ? Vielleicht läßt sich irgendwo noch eine alte Bahnhofsuhr auftreiben ?

Uwe Kaiser, Fanclub "family"

Felix aus Ilmenau schreibt dazu:

Mit der Wegrationalisierung der Südkurve wurde den Fans - ohne sie zu fragen - der Stammplatz der vergangenen Jahre genommen.
Das ist Fakt!
Daraus resultierend verteilen sich nun die wenigen anfeuerungsbereiten Anhänger über die Gegengerade, die ehemaligen Gäste-Fanblocks und die Tribüne, da sie keinen gemeinsamen Anlaufpunkt mehr vorfinden. Da es sich aber im Gedränge und im Pulk besser anfeuern läßt, als wenn man lose verteilt in irgendeinem Block rumhängt, hat die Stimmung im Ernst-Abbe-Sportfeld nun merklich nachgelassen. Das ist auch Fakt!
Der für Regionalligaverhältnisse eigentlich recht stimmgewaltige Jenaer Fanblock ist damit praktisch VOM EIGENEN VEREIN wie nach einem Bombenattentat AUSEINANDERGESPRENGT worden und zu einer Ansammlung jämmerlich quäkender Grüppchen verkommen. Auch optisch wirkten die Heerscharen der Sachsen-Anhänger überlegen, da die Südtribüne höher ist und ein größeres Fassungsvermögen hat, als die Gegenseite. In die früheren Gästeblöcke gepresst wären sie nicht so zur Geltung gekommen. Wenn diese Zustände so erhalten bleiben, dann wird der Jenaer Fan in seinem EIGENEN STADION zum geduldeten GAST degradiert. Das wirkt sich negativ auf die Stimmung und damit auch auf das Spiel der Mannschaft aus und kann somit sogar wertvolle Punkte kosten. Wenn man das in der Vereinsführung nicht kapiert, dann sollte man den Verein in einen Billiardclub umwandeln. Dort ist absolute Ruhe während des Wettkampfes sogar erwünscht und Fans braucht man dafür auch nicht.

An dieser Stelle der Hinweis, dass wir auch diesmal wieder den Verein von der laufenden Diskussion in Kenntnis gesetzt haben und von dort vielleicht noch ein Beitrag zu erwarten ist. Doch zunächst der Brief von Dirk Henneberg:

Hallo an alle Zeisser,

ich möchte auf das Thema schlechthin zu sprechen kommen: die Stimmung im Stadion und in der Nordkurve.
Ersteinmal kann ich den Stefan gut verstehen, wenn er darüber wettert, dass er seinen heißgeliebten Platz in der Südkurve aufgeben mußte. Auch ich war deswegen etwas missmutig, ließ mich aber durch die netten Ordner schnell überzeugen. Da hat sich der Verein ja was einfallen lassen. Jedoch war die Stimmung auf den unüberdachten Sitzplätzen beim Sachsen-Spiel echt mies. Vielleicht wurde der Verein an diesem Abend symbolisch zu Grabe getragen. Ich muß aber dem Uwe Kaiser zustimmen, wenn er meint, dass die Tribüne die meiste Stimmung gemacht hat. Nur deswegen wurde es kein Auswärtsspiel. Wir sollten unsere (spärlichen) Kräfte auf den beiden Geraden bündeln. Solange nicht mehr als 5000 Zuschauer das EAS betreten, gibt es für mich keinen Diskussionsstoff. Bei einer eventuellen Quali für die neue 3. Liga könnte man das u.U. noch einmal überdenken. Doch für diese Saison sollte das Thema erledigt sein.
Großes Kompliment an Uli Klemm: er verstand es wieder, die Leute zu unterhalten. Schade nur, dass er bei dem Verlesen der Mannschaftsaufstellung im Stich gelassen wurde. Das kann aber auch daran gelegen haben, dass die Spielernamen zu spät auf der Anzeigetafel erschienen!
Apropos Fans: ich hoffe, dass nach Ende der Urlaubszeit wieder mehr Anhänger die Stadiontore passieren werden. An den Verein: die Werbung für das jeweilige Spiel in der Innenstadt ist wirklich dürftig. Meines Erachtens ist in dieser Schicksalssaison ein Schnitt von 3500-4000 wünschenswert und machbar.
Warum setzt Ihr in der zweiten Mannschaft den Volkssturm ein und nicht hoffnungsvolle Nachwuchstalente ???
Zur Mannschaft: nach dem schwachen Saisonbeginn bin ich mit Euch wieder im reinen. Ihr habt das Potential den 6. Platz zu erreichen. Achtet nicht nur auf die Punkte, sondern legt Wert auf einen gepflegten Spielaufbau. Dazu der nötige Einsatz und die Punkte kommen zwangsläufig. Die Spiele gegen Leipzig und Plauen geben Anlaß zur Hoffnung. Spätestens in der Rückrunde rollt Ihr das Feld von hinten auf.

Dirk Henneberg

Nach dem erfolgreichen Spiel gegen Stendal schrieb Andre Kacholdt folgende Mail:

Sehr geehrte Fans und andere Leser dieser Nachricht,

nachdem ich nun seit Januar die Freuden des Netzes genieße, wobei ich als Mitglied des glorreichen FCC's natürlich immer die Diskusionen auf der inoffiziellen, aber anerkannten Homepage verfolge, habe ich mich entschlossen auch mal meine Meinung zu den verschiedensten Themen abzugeben.

Da ja nun der erste Saisonsieg endlich unter Dach und Fach ist, klären sich meiner Meinung nach viele Fragen von selbst.

Die erste ist die Frage der Stimmung im Stadion nach den erfolgten Umstellungen der Fangemeinde, die ich sehr begrüße. Die bessere Sicht hat man klar aus der Position der Gegengeraden, und nicht aus den Kurven (vor allem bei Abseitsentscheidungen). Wenn die Stimmung in den ersten Heimspielen nicht so toll war (sie war ehrlich gesagt unter der Grasnarbe), so lag das eventuell am eingeschlafenen Publikum. Denn von hocker gerissen haben einen diese Spiele ja nicht. Und das es geht, wenn auch die Mannschaft Ihren Teil dazu beiträgt, hat man ja im gestrigen Spiel gesehen, wa sowohl das Spiel, als auch die Stimmung wieder mal, wenn auch noch nicht zweitligareif, so doch zumindest für jenaer Verhältnisse Regionalligaspitze. Ein mitreißendes Spiel reißt halt auch die Fans mit, daher der Name. Und daß man endlich mal wieder eine Trommel hörte, daran kann es ja nicht nur gelegen haben, denn so mitgegangen sind die Massen (der teil davon der da war) mit dem neuen Manolo dann auch nicht.

Ob die Mannschaft siegen kann dürfte ja auch entschieden sein. Allerdings finde ich trotzdem noch Sachen, die ich nicht nachvollziehen kann. Aber dazu später, denn man soll erst die positiven sachen erwähnen: Schön fand ich das Spiel des FCC. Es kamen Pässe an (zumindest der überwiegende Teil). Wenn es auch noch mal Mißverständnisse gab, wie das eine ganz krasse vor dem Fanblock in der zweiten Halbzeit, ich glaube Roman war beteiligt, so bedenke man die kurze Zeit, die die Mannschaft erst beieinander ist.

Allerdings ist der FCC derartig oft ins Abseits gelaufen, daß ich mich frage, ob man es im Training nicht besser abstimmen könnte. Auch das es bei Regionalligaschiris kein passives Abseits zu geben scheint, kann man bestimmt einplanen.

Was mir allerdings schon seit jahren auffällt, ist unsere eklatante Schwäche bei Eckbällen. In der zweiten Liga gab es mal irgendwann ein Eckballtor beim 1:1 beim VfL Bochum und voriges Jahr das 1:1 zuhause gegen den Croatia, aber ich denke, wenn man so viele Ecken hat wie gegen Stendal und in anderen Spiele, so kann da mal etwas mehr herauskommen.

Als vor der Saison bekannt wurde, daß man mit feststehenden Rückennummern antritt, war meine Freude groß, denn man weiß auch ohne mitschreiben der Mannschaftsaufstellung wer wo eine gute Aktion hatte, und wer den Bock geschossen hatte. Allerdings konnte das bisher meiner Meinung noch nicht richtig umgesetzt werden. Da lief doch laut Stadionzeitung tatsächlich Thomas Vogel gegen Sachsen Leipzig (oder Vfl halle) über den Rasen. Und das Thomas Gerstner gestern nicht Michail Roussajev war ... na ja. Eventuell beim nächsten Mal.

Nun ist unsere Umfrage keinesfalls repräsentativ. Nach der Stendal-Partie scheint sich aber ein Meinungswechsel zumindest anzudeuten. Was auch das Statement von Stefan aus Weimar verdeutlicht:

Zum Thema Fankurve denke ich das man die Südkurve aufgeben sollte da die Stimmung da in letzter Zeit (damals :-)) auch nicht mehr so toll war. Ich denke das das Umziehen " unter die Uhr" durchaus gut ist, aber nur Sinn hat wenn dort die Sitzschalen entfernt werden ! Wenn man sich, wie am Dienstag gegen Stendal geschehen, von irgenwelchen alten Leuten (ist jetzt nicht böse gemeint!) anpflaumen lassen muß weil man aufsteht und den FFC supporten will dann läuft irgendetwas falsch...

Letztlich ist es aber egal wo die Fans stehen, wichtig ist nur das sie alle zusammen stehen und nicht überall im EAS herumstehen... Den ehrlich gesagt war der Altersdurchschnitt in der Fankurve in den letzten Spielen sehr sehr jung, ältere Fans waren kaum zu sehen...

Also hoffen wir das beste .....

Stefan aus weimar

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