3. Hauptrunde: SC Leinefelde - FC CARL ZEISS JENA 0:1 (0:0)

Leinefelde: bitte der Thüringer Presse entnehmen

Jena: Weißgärber - Sträßer, Hauser, Kaschuba (ab 46. Röser), Sänger, Wenzel, Friedrich, Berger (ab 46. Noll), Nowacki (ab 62. Kaiser), Hempel, Schwesinger

Tor: Hempel (89.)

Was kann einem besseres passieren, als so ein toller Sonnabend: herrliches Wetter, kurze Anfahrt auf leerer Autobahn, Klasseleistung, klarer 6:0-Sieg... HALT!!! Das war die falsche Filmrolle, hier soll ja vom Pokalauftritt unseres FC CARL ZEISS JENA beim SC Leinefelde berichtet werden.

Also wenigstens anfangs stimmte das Wetter, als wir mit kompletter Familie ab Hainichen Richtung Eichsfeld starteten. Bald schon zog sich der Himmel zu und ab Jena wechselte es kontinuierlich zwischen Dauerregen und Wolkenbruch. Zur Abrundung der Tour stellten wir uns hinter Jena eine Stunde in einer Schlange von Gaffern auf der A 4 an, die den Crash auf der Gegenfahrbahn unbedingt live begutachten mußten. Da schließlich noch zwischen Gotha und Mühlhausen jede Ampel bei unserem Erscheinen errötete, trafen wir eine Viertelstunde vor dem Anpfiff am Leinefelder Ground ein. Wie sich herausstellte, war das völlig ausreichend und keine Minute zu spät. Der Parkplatz direkt neben dem Stadion, am Kartenhäuschen eine Schlange, in der es schnell voran ging und sozialistische Eintrittspreise - Fußballfan, was willst Du mehr? Gut, auf die Schlammwüste auf dem Parkplatz und das Spitzenwetter - es hatte sich zum kontinuierlichen Dauerregen beruhigt - hätten wir gern verzichtet. Anmerkung: Das Wetter machte Notizen unmöglich, ich versuche alles "nach besten Wissen und Gewissen" aus dem Gedächtnis wiederzugeben, aber verlangt bitte nicht genaue Zeit- und Spielerangaben. Ihr hättet ja die Liveübertragung im Pay-TV anschauen können... :-)

Es begann eigentlich recht unterhaltsam: nach 30 s war der FCC das erste Mal gefährlich vor dem gegnerischen Tor, aber schon hier zeigte sich unser Dilemma - man traf das Tor nicht. Ich weiß nicht, ob es für Webers und Azewedos Fehlen verletzungsbedingte Gründe gab, aber ich fand es in Ordnung, im Spiel gegen den Spitzenreiter der Thüringer Landesklasse West (Ist das eigentlich 3 oder 4 Klassen tiefer als die Regionalliga?) mit den jungen Stürmern aufzulaufen - von nichts entwickelt sich nichts, was unser Stürmerproblem lösen könnte. Aber was wir in den nächsten 90 Minuten an Chancen vergaben, paßte nicht mehr auf die berühmt berüchtigte Kuhhaut. Im Fünfminutentakt (5., 10.,15., 20.) tauchten unsere "Blauen" vorn auf, man scheiterte entweder am eigenen (Un)Vermögen (ab und zu war es auch Pech, z.B. auch Lattenkopfball ca. in der 70. min) oder am besten Leinefelder, dem Torwart. Egal ob Flanken, Schüsse aus der Distanz oder auch aus der Nähe, der Keeper hielt seinen Kasten mit z.T. Klasseparaden sauber. Insgesamt spielte unser Team aber zu unkonzentriert und macht zu viele "einfache" Fehler, obwohl man niemandem mangelnden Einsatz hätte vorwerfen können.

Die Gastgeber gaben sich zwar die erste Viertelstunde Mühe, gegenzuhalten und selbst Torchancen zu erarbeiten, beschränkten sich dann jedoch zumeist auf Verteidigung und Konterversuche. Im 2. Durchgang war Leinefelde nur einmal richtig gefährlich vorn, als in der 65. min ein Freistoß von links außen vors Jenaer Tor geschlagen wurde und die anschließenden Kopfballversuche Weißgärber ernsthaft beschäftigten. Die beste Chance hatte der FCC in der 2. Halbzeit so um die 75. Minute herum als ??? (hier versperrten mir Regenschirme die Sicht auf den Spieler, könnte vielleicht Hauser gewesen sein) einige Verteidiger stehenließ, von links in den Leinefelder Strafraum marschierte und aus 6-7 m aufs kurze Eck schoß. Leider war auch hier der Keeper der Sieger und hielt. Die ungefähr 60 erkennbaren Zeiss-Fans unter den 620 Zuschauer hatten sich angesichts des Wetters und der Leistung der eigenen Mannschaft schon fluchend auf eine Verlängerung eingestellt, als Hempel eine Querablage eines Mitspielers an der Strafraumgrenze in die rechte untere Ecke knallte und uns vor einer Verlängerung bewahrte. Danke!

Auf der stundenlangen Rückfahrt hatte ich dann Erklärungsbedarf gegenüber dem Rest der Familie. Als ich auf der Hinfahrt Frau und Kinder über die Klasse informierte, in der Leinefelde spielt, sagte Liane: "Da müßte es ja endlich mal paar Tore geben und nicht wieder so ein lahmes 1:0..." <uk>


Achtelfinale: Holzthalleben - FC CARL ZEISS JENA 0:2 (0:0)

Hinweis: Alle Minutenangaben sind mit Toleranz zu behandeln, da ich bei der Saukälte nichts aufschreiben konnte und wollte.

Jena mit: Keller - Gerstner, Sträßer, Noll, Sänger, Wentzel, Friedrich, Kaiser, Rousajew, Hempel, Azewedo

Tore: Azewedo (65. und 73. min)

Zum 1. Advent zum Pokalspiel ans Ende der Welt - Herz, was willst Du mehr ! Wenigstens hat sich die Fahrt ans nördliche Ende Thüringens gelohnt, sowohl vom Spielausgang als auch vom Verlauf her, obwohl daß angesichts "nur" eines 2:0 gegen einen Landesklassengegners vielleicht etwas komisch erscheinen mag. Aber wer sich noch an den K(r)ampf in Leinefelde erinnert, konnte echt zufrieden sein.

Während der gesamten Spielzeit sah man deutlich, wer das höherklassige Team war. Und auf dem glatten Schnee-Eis-Boden zeigte der FCC auch eine relativ ordentliche spielerisch-technische Leistung, obwohl die Gastgeber mit viel kämpferischen Engagement (und manchmal sehr rustikalen Mitteln) dagegenhielt. Allerdings "klemmte die Säge" wieder bei der Chancenverwertung. Bis zur Halbzeit wäre ein 2:0 locker machbar gewesen und bevor das tatsächliche 1:0 fiel, hätte unser Team die ca. 100 Zeiss-Fans mit 4 Toren zufriedenstellen müssen. So landete nach einer Ecke in der 21. Minute Friedrichs Kopfball nur an der Latte und nach einer halben Stunde ein Schuß am Pfosten. Holzthaleben hatte seine erste Chance 3 Minuten vor der Pause, als nach einem Konter über links der Ball knapp an Kellers (Insgesamt sehr sicher !) Kasten vorbeikullerte.

Nach der Pause das gewohnte Bild - Jena stürmte und vergab seine Chancen: Azewedo köpfte in der 52. min aus 5 m direkt auf den Tormann und bekommt 4 Minuten später nach flacher Eingabe von rechts den Ball nicht ins leere Tor (Standschwierigkeiten). Als 20 Minuten in Hälfte 2 gespielt waren, zeigte aber Paulo, was er drauf hat: Eine weite Flanke von der Mittellinie nimmt er auf dem eisglatten Untergrund im Strafraum sauber an, läßt seinen Gegenspieler mit schöner Finte stehen und schießt flach ein. Nun entwickelten die schwarz-gelben Gastgeber (Warum hatten da eigentlich einige Zuschauer rot-weiße Schals, doch nicht etwa...?) 10 Minuten lang richtig Druck, jedenfalls bis 5 m vorm Jenaer Strafraum. Und unser Team probierte es mit Kontern, von denen so um die 75. Spielminute herum auch einer erfolgreich war: Azewedo brauchte nur noch sein Knie in die Flanke halten, um das Verlängerungsgespenst (dafür hätte das Tageslicht sowieso nicht mehr gereicht) endgültig zu vertreiben.

Die Auslosung für die nächste Runde des Thüringen-Pokals sollten wir als Geschenk begreifen: Der FC CARL ZEISS JENA bekommt die Gelegenheit, in dieser Saison doch noch beim Zahnpastaverein zu gewinnen ! Freuen wir uns drauf ! <uk>


Viertelfinale: FC Rot-Weiß Erfurt - FC Carl Zeiss JENA 0:2 (0:0)

Erfurt: Kraus - Schönberg, Tews, Scheller, Wehrmann (83. Alilovic), Bach, Schmidt, Münzberg, Pätz (68. Sugzda), Treitl, Koslov

Jena: Keller - Sträßer, Noll, Sänger, Wentzel, Friedrich, Kaiser, Gerstner, Hempel, Nowacki (77. Schwesinger), Nowotny (77. Hauser)

Tore: 0:1 Schwesinger (80.), 0:2 Gerstner (84.)

Zuschauer: 3700

Schiedsrichter: Weise (Könitz)

Erfurt kontra Jena - der Papierform nach nicht nur das vorweg genommene Endspiel im Thüringenpokal, sondern wie immer auch eine Sache der Emotionen. Dutzende Anhänger aus beiden Lagern sollen in Sicherheitsgewahrsam genommen worden sein, um Ausschreitungen zu vermeiden. Nachts um eins wurden sie wieder auf freien Fuß gesetzt.

Wie gut, daß es Schiedsrichter Weise in der Anfangsphase gelang, wenigstens die Gemüter auf dem Spielfeld etwas abzukühlen. Treitl und Hempel hatten bereits nach zwei Minuten ihre gelben Karten weg. Erfurts Südkurvenfans zündeten schon zu Beginn bengalisches Feuer und das war symbolisch für das Geschehen auf dem Platz. Die Rot-Weißen zunächst tonangebend. Jena, von der Aufstellung her etwas defensiver mit nur einer Spitze beginnend, mußte zunächst einiges an Abwehrarbeit verrichten, tat dies aber hervorragend und ließ lediglich eine Mini-Chance durch Koslov zu (15., verpaßter Kopfball). Nach zirka 25 Minuten orientierten sich die Saalestädter allmählich nach vorn, gestalteten die Partie ausgeglichen und besaßen bis zur Pause die besseren Möglichkeiten. So paßte der einsatzstarke Noll nach einem Solo von der Mittellinie auf den völlig freistehenden Kaiser, doch ein Erfurter spritzte gerade noch dazwischen (31.). Als Nowacki nach Gerstner-Freistoß den Ball über Erfurts Torhüter Kraus hinweghob, hatten wir im Jena-Block den Torschrei schon auf den Lippen. Doch der Ex-Kahlaer Treitl bugsierte den Ball noch von der Torlinie (42.).

Nach dem Wechsel bekam der FCC endgültig Oberwasser und dies nicht nur auf dem Spielfeld ("Und wieder keine Stimmung, RWE"). Nur Kraus verhinderte noch die Führung, faustete Nowotnys Scharfschuß nach unwiderstehlichem Solo weg und blieb an der Strafraumgrenze gegen Nowacki Sieger, als dieser von Hempel freigespielt worden war. Ich will nicht verhehlen, daß ich spätestens nach dieser Szene in Minute 61 ein ungutes Gefühl hatte. Denn wer derart klare Chancen vergibt, hat am Ende schließlich schon oftmals die Quittung dafür bekommen. Eine Viertelstunde später ein Doppelwechsel. Für Nowotny (offensiv überzeugend, nach hinten etwas nachlässig) kam Hauser auf die linke Außenbahn, im Sturm ersetzte Schwesinger Nowacki. Und wie ! Drei Minuten nach seiner Hereinnahme erwischte der nur 1,74 m große Andreas Schwesinger eine Hempel-Ecke und köpfte den Ball aus acht Metern Entfernung unter die Latte - 1:0. Nun packten die Jenaer Fans frei nach dem Motto "Wer zuletzt zündet, feiert am besten" das bengalische Feuer aus. Nichtahnend, daß ihnen der Höhepunkt des Spieles noch bevorstand. - Ob es nun fünfzig oder "nur" 45 Meter waren, wird so genau nie ermittelt werden. Feststeht, daß Thomas Gerstner sechs Minuten vor Schluß ein Wahnsinns-Tor gelang, als er einen Kraus-Abschlag annahm und aus unglaublicher Entfernung das Leder über den zurückstürzenden Torhüter hinweg genau ins Netz beförderte. "Gerste" rannte jubelnd Richtung Jena-Block und wurde dann von seinen Mitspielern fast erdrückt. Nicht vergessen werden soll Kellers Fußabwehr kurz vor Schluß, mit der er die einzige Gastgeber-Chance in Hälfte zwei zunichte machte.

Ein Weiterkommen im Pokal, die souveränste Vorstellung in der Rückrunde und das alles gegen unseren Erzrivalen - fast 1000 Mitgereiste feierten ihre Helden und liessen sich auch nicht von einer Horde frustierter RWE-Fans stören, die über den Zaun geklettert war und von der Polizei umgehend zurückgetrieben wurde. Auf dem Weg zum Bahnhof "informierten" dann Jena-Fans flankiert von reichlich Polizei die Nicht-Stadionbesucher Erfurts darüber, daß der Pokalverteidiger seinen Pokal nicht mehr verteidigen kann. Die Auslosung für's Halbfinale findet in Jena statt, und zwar in der Halbzeitpause des Punktspieles gegen Leipzig. <fc>


Halbfinale Vimaria Weimar - FC Carl Zeiss JENA 1:4 (0:2)

Weimar:: Fröling - Kuhn, Goldacker, Mücke, Mey, Wollweber (63. Schmidt), Steinsdörfer (84. Wannagat), Klaus, Brüheim, Reimann, Langbein

Jena: Keller - Barich (85. Noll), Hauser, Nowotny, Hartung, Kämpfe, Friedrich (58. Kaschuba), Kaiser, Benedyk (22. Azevedo), Hempel, Rousajew

Tore: 0:1, 0:2 Hempel (32., 35.), 0:3 Kaschuba (65.) 0:4 Azevedo (73.), 1:4 Brüheim (89.)

Zuschauer: 1896

Schiedsrichter: Jauch (Suhl)

Vimaria Weimar im Halbfinale des Landespokals - für den 1991 gegründeten Verein der größte Erfolg in seiner noch jungen Geschichte. Schon die Siege gegen Sonneberg (Landesklasse) und RW Erfurt II (Landesliga) waren Überraschungen gewesen. Das Ausschalten der Oberligisten Jenaer Glas und Erfurt Nord kleine Sensationen. Nun also das "Traumlos" (Weimars Trainer Gabel), der FC Carl Zeiss Jena. Auch in der Saalestadt war man durchaus zufrieden gewesen mit der Auslosung, freilich aus anderen Gründen. Der Vier-Klassen-Unterschied zwischen Bezirksliga und Regionalliga versprach keine allzu hohe Hürde auf dem Weg ins Endspiel.

Lag es daran, daß der Favorit das Spiel äußerst gemächlich anging ? Die einzige Chance in der ersten halben Stunde besaß der Gastgeber: Mey nahm den Ball mit der Brust an und schoß aus acht Meterns auf's Tor. Axel Keller war auf der Hut. - FCC-Coach Thomas Gerstner ist dafür bekannt, daß er schon mal frühzeitig auswechselt, wenn es nicht nach seinen Vorstellungen läuft. Das war diesmal der Fall. Und so kam für den Polen Benedyk der Portugiese Azevedo, was gleich mehr Schwung in die Angriffsaktionen brachte. Innerhalb von drei Minuten fielen die bereits vorentscheidenden Treffer Nummer eins und zwei. Zunächst dribbelte Barich bis in den Strafraum, legte zurück auf Hempel und der nahm Maß aus 16 Metern ins rechte untere Eck. Kurz darauf wieder Hempel, gleiche Entfernung, gleiche Ecke. Die Kopfballvorlage kam von Azevedo. Vielleicht hätte es der FCC häufiger mit Fernschüssen probieren sollen, denn auf diesem Untergrund war ein gutes Kombinationsspiel schwer möglich. Man muß sich das mal vorstellen - ein Hartplatz a la "Rote Erde", welcher die Aktiven in dichte Staubwolken einhüllte, sobald es etwas mehr zur Sache ging. Für ein Thüringencup-Halbfinale absolut unwürdig ! Regelrecht Mitleid konnte man empfinden, als Tobias Friedrich einmal nach Foulspiel der Länge nach aufschlug und neben der notwendigen medizinischen Betreuung auch erstmal provisorisch gereinigt werden mußte.

Auch nach dem Seitenwechsel diktierten die Jenaer klar das Geschehen, ohne sich zu verausgaben. Die erste gute Chance besaß Sebastian Hartung nach schönem Solo (62.). Der A-Junior spielte überraschenderweise Libero von Anfang an. Ein Experiment, daß der Trainer eventuell auch mal in einem Punktspiel wagen wird. Denn wie der gleichaltrige Barich bot auch Hartung eine sehr ordentliche Vorstellung. In Minute 65 kam Stefan Kaschuba im Anschluß an eine Ecke völlig frei zum Kopfstoß. Ein Weimarer Feldspieler rettete auf der Linie und lenkte auch Azevedos Nachschuß über die Latte. Wieder Eckball - kurz ausgeführt von Kämpfe auf Hempel. Dieser flankt in den Strafraum, Kaschuba macht es diesmal besser - 3:0 per Kopf. Und auch am vierten Treffer war Dirk Hempel beteiligt. Seine Flanke von halblinks nahm Paulo Azevedo aus fünf Metern volley. Der tapfere Torhüter Fröhling erneut ohne Chance. Den Gastgebern muß man bscheinigen, daß sie sich nicht stur hintenrein stellten. Obwohl ihr rotgesperrter Torjäger Liebetrau fehlte, kamen sie kurz vor Schluß zum verdienten Ehrentreffer. Keller hatte an einem von der Mittellinie geschlagenen Freistoßball vorbei gefaustet, Brüheim bedankte sich.

Und so waren auch am Schluß alle zufrieden. Die Einheimischen hatten sich achtbar aus der Affäre gezogen und besitzen durch annähernd 2000 Besucher bei einem Kartenpreis von 10 DM nun eine gut gefüllte Vereinskasse. Nächste Woche kommt übrigens Jena-Zwätzen zum Punktspiel ins Vimaria-Stadion. Der FC Carl Zeiss erreichte locker und ungefährdet das Finale, ist auch dort favorisiert. Bliebe nur die Frage zu klären, weshalb das Endspiel zwischen Jena und Nordhausen an einem Donnerstagabend in Suhl stattfinden muß !?? <fc>


Finale in Suhl: Wacker Nordhausen - FC Carl Zeiss Jena 1:3

Nordhausen: Lihsa - Meldau (80. Pistorius), Jeckel, Trocha, Burkhardt, Kurzeja (84. Görke), Kiel, Heider (86. Kästner), Conrad, Gerlach, Küchling

Jena: Keller; Sänger; Kämpfe, Friedrich; Nowotny (66. Berger), Gerstner (90. Noll), Kaiser, Hempel (81. Barich), Hauser; Azevedo, Rousajew

Tore: 1:0 Kurzeja (42.), 1:1 Hempel (44.), 1:2 Rousajew (68.), 1:3 Azevedo (70.)

Zuschauer: 1050

Schiedsrichter: Zeng (Gotha)

"Stadtgebiet Suhl. In der Innenstadt kommt es zu Behinderungen aufgrund eines Fußballspiels." - Etwas überraschend kam diese Meldung im Thüringer Verkehrsfunk schon. Denn erstens war freie Fahrt und zweitens waren es so viele Zuschauer ja nun gerade nicht. Konnten es gar nicht sein, bei diesem Austragungsort und Zeitpunkt ! Nichts gegen die Suhler, die sich redlich mühten mit der Organisation dieser Veranstaltung. Aber ein Finale dort an einem Donnerstagabend stattfinden zu lassen - die Kritik aller Beteiligten muß sich der Thüringer Fußballverband wohl oder übel gefallen lassen.

Immerhin noch 400 Jena-Fans hatten den Weg ins Suhler Stadion direkt neben einer elfgeschossigen Plattenbauwand gefunden. Sie sahen eine zerfahrene Anfangsphase. Wie schon so häufig in dieser Saison tat sich der FCC schwer gegen einen Gegner mit defensiver Grundeinstellung, hatte zudem Anpassungsprobleme an den etwas holprigen Rasenplatz. Eine einzige gefährliche Aktion, als Azevedo links durchlief und seine Eingabe vors Tor niemand verwerten konnte, war die Jenaer Ausbeute in 30 Spielminuten ! Nordhausen kam da besser zurecht, das Konterspiel vorwiegend über die Außenbahn konnte sich sehen lassen. Bei Gerlachs Schuß in der 23. Minute mußte Keller auf der Hut sein. Besser, weil ereignisreicher wurde die 1. Halbzeit erst in ihrer Endphase: Da war zunächst der Innenpfostenschuß Azevedos nach schöner, von Gerstner eingeleiteter Doublette (38.). Vier Minuten darauf wurde aus einem (fahr)lässigen Abspiel das 0:1. Kaiser, der eine ganz schwache erste Halbzeit spielte, schob den Ball halbherzig in Richtung Nowotny, Heider spritze dazwischen, Kurzeja stand frei vorm Tor und hatte keine Mühe. Nur gut, daß dem FC Carl Zeiss postwendend der Ausgleich gelang. Hempel besorgte aus Nahdistanz das 1:1 und bereitete auch die nächste Aktion vor. Leider zielte ein freistehender Jenaer (Sänger?) zu ungenau (45.)

Nicht, daß wir etwas dagegen gehabt hätten - aber es verwunderte doch, daß der Oberligist mit Beginn der zweiten Halbzeit sein Konterspiel aufgab und sich nur noch aufs Verteidigen verlegte. Hoffte er, auf diese Art die neunzig, vielleicht einhundertzwanzig Minuten zu überstehen ? Oder lag es daran, daß der FC Carl Zeiss die Zügel nun fester anzog, im Mittelfeld ein klares Übergewicht bekam ? Chancen blieben vorerst aber noch Mangelware. Bei den langen Pässen sah das Sturmduo ein paar Mal unglücklich aus und wird die Rufe einiger Fans ("Barich in den Sturm") nicht überhört haben. Eingewechselt wurde aber zunächst nicht besagter A-Junior, sondern Frank Berger. Ein Glücksgriff, wie sich herausstellen sollte ! Denn Berger war kaum zwei Minuten im Spiel, da faßte er sich ein Herz und zog aus 17 Metern ab. Wacker-Torwart Lihsa konnte den straffen Schuß nicht festhalten, Michail Rousajew war in für ihn typischer Abstaubermanier zur Stelle. - Sven Kaiser, nach dem Wechsel fast wieder der Alte, war dann Wegbereiter zum alles entscheidenden 3:1, Paulo Azevedo hieß der Nutznießer. Das gescholtene Stürmerpaar hatte also doch noch getroffen, insbesondere Azevedo war die Erleichterung anzumerken. Ein Aufbegehren der Nordhäuser fand nicht statt, der FCC agierte in den letzten zwanzig Minuten nach Belieben. In der 84. krachte ein Hauser-Schuß an die Latte, Frank Berger brachte auch den Nachschuß nicht im Kasten unter. Dennoch deutete der Mittelfeldspieler bei seinem letzten Einsatz für Jena mehrfach an, weshalb sich der VfL Halle auf ihn freuen kann. Zwei Minuten vor Ultimo landete der Ball ein weiteres Mal am Aluminium; Rousajew hatte den Pfosten getroffen. Da weitere gute Möglichkeiten ungenutzt blieben, hätte die Partie letztendlich auch 7:1 ausgehen können. Doch was spielt das für eine Rolle, wenn man nach Abpfiff inmitten einer Fan-Traube den Cup überreicht bekommt und im DFB-Pokal nächste Saison möglicherweise lukrative Gegner erwartet ?

Freie Fahrt dann wieder auf dem Heimweg mit gemütlichem Abendessen in einer Landgaststätte. Im Radio kam zunächst wieder die Meldung über Behinderungen im Suhler Stadtgebiet aufgrund eines Fußballspiels und dann der Bericht übers Finale: "...gewann der FC Carl Zeiss Jena gegen Wacker Nordhausen mit 3:1. Kurzeja hatte Nordhausen in der 42. Minute in Führung geschossen, doch danach ging nichts mehr." Punkt. Mehr kam nicht und wir sind jetzt fieberhaft am Überlegen, ob wir in der kommenden Saison nicht auch derart "prägnante" Spielberichte anbieten sollten. ;-)  <fc>

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