1. Hauptrunde am 29. August 1998, 15.30 Uhr

FC Carl Zeiss JENA gegen SSV Ulm 1:0

Nach einigen positiven Überraschungen vor dem Spiel, z.B. waren die Trikots mit neuem Sponsor schon erhältlich (sogar in XXL!!!), Fanartikelangebot + Bestellschein im Programmheft, neuer Stadionsprecher (Klasse, Uli!) hat mir der FCC die Wiedereingewöhnung in den Alltag nach unserem IRL-SCO-Urlaub wirklich erleichtert. Sicherlich hat vorher kaum jemand ernsthaft mit einem Weiterkommen gegen die "Spatzen", den Spitzenreiter der 2. Liga gerechnet, der aus seinen bisherigen 5 Punktspielen immerhin 13 Punkte geholt hat. Aber auch das spätherbstliche Wetter trug vermutlich dazu bei, daß nur etwas mehr als 1800 Zuschauer den Weg ins Abbe-Sportfeld gefunden hatten, darunter knapp 40 Ulmer Supporter.
Während des Matches besserte sich nicht nur das Wetter (in Halbzeit 2 schien sogar die Sonne), sondern auch das Stimmungsbarometer der Zeiss-Fans kletterte ständig. Gleich zu Beginn hatte Heiko Weber, der in den 90 Minuten wieder unermüdlich rackerte, eine Riesenchance, als er eine Flanke von rechts gefährlich aufs Tor köpfte, aber leider nur den Pfosten traf. Ulm machte dann zwar optisch einen dominierenden Eindruck und verhinderte mit guter Raumaufteilung wirkungsvolle Angriffe des FCC, jedoch hatte ich vom Zweitligaspitzenreiter mehr im Angriffsbemühen erwartet. Leider gehörten zum Ulmer Konzept auch viele offene und versteckte Fouls, und die erste gelbe Karte für die ganz in kanariengelb (wieso dann "Spatzen" und nicht "Canaries") gekleideten Gäste in der 16. Minute wäre eigentlich schon viel früher fällig gewesen. In der 19. Minute dann versuchte Azewedo mit einem 25-m-Schuß die Gästeabwehr zu knacken, aber der Torwart war auf dem Posten. Kurz danach zeigte unser Team einen weiteren Weg durch die "gelbe Mauer": Doppelpässe. Leider ergab sich im Endeffekt daraus keine Torchance, sondern die Ulmer kamen beim darauffolgenden Konter das erste Mal ernsthaft in den Jenaer Strafraum. Die nächste Viertelstunde spielte sich fast alles im Mittelfeld ab, sieht man einmal von der Kopfballchance nach Ecke von rechts (drüber) und einem weiteren schönen Doppelpaß (Schuß leider vorbei) der Gastgeber ab. Kurz vor der Pause drehte Ulm noch einmal auf: erst hatte Trkulja nach einer weiten Flanke eine Riesengelegenheit, doch Weißgärber hielt den Schuß in die kurze Ecke aus 4 - 5 Metern, den sicher schon viele im Jenaer Fanblock im Tor gesehen hatten. Gleich darauf war die gelbe Nr. 15 frei durch, aber Weißgärber war schneller am Ball. Insgesamt war ich - nach den telefonisch im Urlaub erfahrenen Ergebnissen und den dazugehörigen Spielberichten - zur Halbzeitpause positiv vom FCC überrascht, so engagiert hätten wir die Heimspiele in der letzten Saison bestreiten müssen... Andere, die alle bisherigen Saisonspiele des FCC gesehen hatten, bestätigten, daß es sich um die bisher beste Heimleistung handeln würde.
In der Kabine schienen unsere Kicker ein tollen Pausentee gehabt zu haben, denn nach dem Wiederanpfiff ging die Post ab. Erst vergab Hauser in der 46. eine Riesenchance, aber schon 5 Minuten später erlöste er die Fans und schoß - nach 3 bis 4 vorangegangen Fehlversuchen seiner Teamkollegen (jeder durfte innerhalb dieser 15 s mal auf Laux's Tor schießen) - zum Führungstreffer ein. Jetzt brauchte Ulm eine Weile, um zu begreifen, daß man 1. hintenlag und 2. der FCC nicht freiwillig den Vorsprung abgeben würde. Die letzte halbe Stunde bot dann einen schönen Pokalkampf, in dem es teilweise im Minutentakt hin und her ging. Schade nur, daß der Schiri mit dem an sich problemarmen Spiel überfordert war und auf beiden Seiten z.T. einen Mist pfiff, der allen im Ground die Haare zu Berge stehen ließ; glücklicherweise waren keine spielentscheidenden Fehlpfiffe dabei. In der 61. Minute hätte der FCC die Sache schon klar machen können: Kaschuba befördert einen Ball per Kopf nach vorn, Azewedo verlängert herrlich ebenfalls mit dem Kopf auf Weber, der in den 11er marschiert, dann aber leider den Ball nicht richtig traf. 120 Sekunden später sorgte Weber wieder für höchste Gefahr, doch Laux kann seinen Schuß zur Ecke abwehren. Sofort nach der Ecke, die nichts brachte, lief ein kreuzgefährlicher Konter der Ulmer, Weißgärber konnte jedoch Trkuljas scharfen Schuß halten (64. min). Und damit war auch die einzigste echte Chance der Domstädter vorbei. Die Gäste bemühten sich zwar um Angriffsdruck, aber auf Grund der folgenden Chancen wäre das 2:0 gerechter als ein eventueller Ausgleich gewesen. Sofortiger Gegenzug (65. min) des FCC: langer Ball auf Paulo Azewedo, der im Strafraum nach ein paar Schritten zu Fall kommt - aber dem Anschein nach doch eher ohne gegnerische Einwirkung. Azewedo wurde dann noch in der 72. Minute im Strafraum gut angespielt, schießt jedoch übers Tor. Unbedingt erwähnen muß man, daß der Support durch das Publikum trotz der zahlenmäßig bescheidenen Kulisse gut war, nach der Pause wurde unser Team mehrfach durch von der Tribüne ausgehendes rhythmisches Klatschen angefeuert und auch die sonstige akustische Unterstützung war für Jenaer Heimspielverhältnisse erwähnenswert. Die Zeit bis zum Schlußpfiff überstand unsere Mannschaft dann eigentlich relativ ungefährdet, da den Ulmern nichts Überraschendes mehr einfiel und so konnten Fans und Spieler gemeinsam den Einzug in die nächste Runde feiern.
Ich denke, daß man mit dieser Leistung und Einsatzbereitschaft auch in den Punktspielen gegen jeden Gegner erfolgreich bestehen kann und so hoffe ich auf den ersten Heimsieg am kommenden Mittwoch. <uk>

Jena:
Weißgärber; Sänger; Wentzel, Kaschuba; Rousajew (46. Sräßer), Kaiser, Friedrich, Hempel, Hauser (80. Röser); Weber, Azevedo
Ulm:
Laux; Bodog, Stadler, Widmayer, Kinkel (46. Otto, 68. Coulibaly); Maier Pleuler, Seslar, Gora (46. Zdrilic), Unsöld; Trkulja

Zuschauer: 1845

Schiedsrichter: Schößling (Leipzig)

Tore: 1:0 Hauser (50.)

2. Hauptrunde am 23. September 1998

FC Carl Zeiss JENA gegen MSV Duisburg 1:2

Friedhelm Funkel kommt immer wieder gerne zu uns. Dabei spielt weniger die reizvolle Lage Jenas eine Rolle - vielmehr hat Funkel früher als Spieler und später als Trainer bei Uerdingen, Duisburg noch nie im Ernst-Abbe-Sportfeld verloren. Eine Serie, die auch nach dem Mittwochabend weiter Bestand hat.
Freilich sah es zunächst nicht danach aus. Nicht der Bundesligist, sondern der Gastgeber aus der Regionalliga übernahm zu Beginn die Initiative. Rousajews Schlenzer aus der Drehung war das Signal in Richtung MSV. Rousajew leitete auch die nächste Strafraumaktion ein, als er Azevedo im Strafraum anspielte. Dieser wurde durch Neun klar von den Beinen geholt, doch der Elfmeterpfiff des ansonsten sicher amtierenden Schiedsrichters Fleischer blieb aus. Der FCC blieb am Drücker und erarbeitete sich Chancen. Nach Doppelpaß mit Kaiser flankt Azevedo hoch in den Strafraum, doch Benedyk kommt nicht mehr richtig hinter den Ball, köpft deshalb neben den Pfosten. Als Benedyk in der 40. Minute von Emmerling im Sechzehner gefoult wird, ertönt diesmal auch der Pfiff. Witzbolde meinten, die Verpflichtung des Polen hätte sich damit schon amortisiert, doch im Ernst: Unser neue Stürmer hatte bei seinem Jenaer Debüt mehrere gute Szenen, suchte die Zweikämpfe. Und wenn man bedenkt, daß er nach 15stündiger Zugfahrt erst am Vortag in Jena eingetroffen war, kann man von Krzystof Benedyk noch einiges erwarten. - Zurück zum Spiel, zurück zum Elfmeter. Einer der jüngsten im Team, Eric Noll schnappte sich das Leder und schmetterte es nervenstark in die Maschen. In der 43. Minute stand Andersen, der zuvor schon in bester Position an Weißgärber gescheitert war, erneut frei vorm Tor. Doch köpfte er aus fünf Metern weit übers Gehäuse. Mit der Halbzeitführung für den FCC wurde es dennoch nichts, denn Jörg Neun traf mit einem Freistoß aus 25 Metern unten rechts in die "Mauerecke". Zu diesem Zeitpunkt ein glücklicher Spielstand für die Gäste, die zum Teil überheblich in ihrer Spielweise wirkten.
Daß man trotz Mehrfachbelastung (EC, Meisterschaft, DFB-Pokal) gegen diese Jenaer so nicht auftreten kann, soll Friedhelm Funkel seinen Mannen in der Kabine sehr deutlich gemacht haben. Und tatsächlich - nach dem Wechsel änderte sich die Szenerie. FCC-Ersatzkapitän Weißgärber, der 45 Minuten lang nur einmal was zu halten hatte, stand nun mehr und mehr im Mittelpunkt. Neuns Schuß, Wohlerts Fernschuß im Nachfassen und Hörsens gefährlicher Aufsetzerball aus 17 Metern Entfernung wurden seine Beute. Daß bei dieser Aufzählung lediglich Fernschüsse vorkommen, zeigt aber schon, daß es den MSV-Akteuren trotz nunmehr optischer Überlegenheit nicht gelang, Chancen herauszuSPIELEN. Speziell Ersatzlibero Eric Noll machte im Abwehrbollwerk eine derart gute Figur, daß Trainer Gerstner nach dem Spiel andeutete, ihn bei fortwährend guter Leistung auch dann Libero spielen zu lassen, wenn Sänger wieder fit sei. - Als die Stadionuhr exakt gespielte 44:25 min in Halbzeit zwei anzeigte und sich alles schon auf eine Verlängerung einstellte, geschah es dann; Hörsens Paß von rechts bekommt Beierle, der dreht sich entgegen der Laufrichtung seines Bewachers Röser und trifft aus elf Metern genau unter die Latte ins Tor. Doch noch war nicht Schluß ! Jena warf alles nach vorn, zweimal konnten die Westdeutschen nur mit Mühe zu Ecken klären. Bei diesen tauchte sogar Weißgärber im gegnerischen Strafraum auf, um dann rechtzeitig wieder zurück zu sein, als Komljenovic die Riesenchance zum 1:3 hatte. Aber das wäre nun wirklich des Schlechten zuviel gewesen.
Genau wie im Vorjahr, als aus der jetzigen Jenaer Elf lediglich Hauser, Wentzel und Rousajew dabei waren, war der MSV Duisburg nach einem 1:2 Pokalendstation. Und doch gab es am Ende jede Menge Applaus der Fans für eine couragierte Leistung. Und wenn wir gleich bei den Zuschauern sind: Es waren wenige, viel zu wenige. Aber diejenigen die ins Stadion gekommen waren, haben hervorragend Stimmung gemacht und zu einem alles in allem schönen Fußballabend beigetragen. <fc>

Jena:
Weißgärber; Noll (90. Nowacki); Röser, Wentzel; Rousajew, Kaiser, Friedrich, Hempel, Hauser; Benedyk, Azevedo (69. Berger)
Duisburg:
Gill; Emmerling; Wohlert, Komljenovic, Haijto; Hoersen, Töfting (62. Moravcik), Wedau, Neun (75. Hirsch); Spies, Andersen (75. Beierle)

Zuschauer: 2857

Schiedsrichter: Fleischer (Neuburg)

Tore: 1:0 Noll (40., FE), 1:1 Neun (45.), 1:2 Beierle (90.)

Trainerstimmen
Thomas Gerstner:
"Mit dem Sieg gegen Ulm haben wir schon eine Überraschung geschafft und es war nicht unbedingt zu erwarten, daß wir auch den MSV eliminieren. In der ersten Halbzeit waren auch spielerisch gute Ansätze zu sehen. Im zweiten Abschnitt haben wir es nicht verstanden, uns zu befreien und Konter nach vorne ruhiger abzuschließen. Bei Gegentreffern in der 45. und 90. Minute scheidet man zurecht aus."

Friedhelm Funkel:
"Es war das erwartet sehr sehr schwere Pokalspiel. Vor allem in den ersten 45 Minuten war Jena sehr gut, und wir können von Glück reden, daß wir den Ausgleich noch vor der Pause geschafft haben. In der zweiten Halbzeit übernahmen wir mehr und mehr die Spielgestaltung, hatten Chancen und haben am Ende wohl doch verdient gewonnen."

Fotos zum Spiel

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