An dieser Fandiskussion beteiligten sich bisher:

Natürlich sind wir auch noch an weiteren Meinungen interessiert. Schickt Eure E-Mails bitte an zfc@rz.uni-jena.de


Ausgangspunkt war folgende Mail von Mario aus Plauen zur Situation des FCC nach den ersten fünf Spieltagen:

Hallo FCC-Fanīs !

Als langjähriger (mittlerweile fast 20 Jahre!!) FCC Fan möchte ich einmal meinen ganz persönlichen Beitrag zur derzeitigen Lage beim FCC loswerden !
Heute ist der 23.08.1998 um 19.00 Uhr und der 5. Spieltag der Regionalliga Nordost ist Geschichte. Alle Jena Fan`s schauen auf die Tabelle und müssen feststellen, das war erstmal nix !
Ich bin nun bemüht, so gut es geht, einmal die Ursachen und Gründe für den "Niedergang" eines der traditionsträchtigsten Club`s aus der ehemaligen DDR seit den letzten 3-4 Jahren zu ergründen. Vorher möchte ich aber noch meine "Vision" loswerden, die sich hoffentlich nie bewarheiten wird aber im Moment leider sehr wahrscheinlich ist;
In etwa 3-4 Jahren wird man eine Fußballmannschaft Namens FC Carl Zeiss Jena vergeblich in den 3 höchsten deutschen Spielklassen suchen !! Die Gründe hierfür sind einmal in der Neustrukturierung der Regionalligen mit dann (evtl.) 7 Mannschaften aus dem Bereich Nordost sein und der Vermutung, daß es der FCC sportlich bis dahin nicht schaffen wird !!
Die Gründe sind in allen Bereichen, in die eine Fußballclub aufgegliedert ist, zu suchen und auch zu finden. Ich versuche einige anzusprechen, alle würden den Rahmen sprengen.

1. Wann wurde der letzte durchschlagende Einkauf eines Spielers getätigt ?? Meines Wissens nach trugen diese die Namen Dejan Raickovic, Milos Nedic, Thomas Vogel und Karsten Hutwelker vor mittlerweile 3 (!!!!) Jahren. Blickt man weiter zurück, dann stößt man auf noch klangvollere Namen wie Jonathan Akpoborie (!) oder Olaf Schreiber (mehr Namen fallen mir in solch frustrierenden Momententen nicht ein, für Ergänzungen im Forum bin ich dankbar). Apropos Jonathan Akpoborie. Hat noch einer die Transferentwicklungen in diesem Fall in Erinnerung?? Hier eine kleine Hilfe: Jena kaufte ihn vom 1. FC Saarbrücken für sage und schreibe 100.000 DM und verkaufte ihn 2 Jahre später nach dem Abstieg für 50.000 DM an die Kickers aus Stuttgart. Jeder Börsianer schnalzt bei dieser "Wertentwicklung" vor Dollarzeichen in den Augen mit der Zunge (Entschuldigung für meinen Sarkasmus). Aber damit war der "Fall" Akpoborie nocht nicht ganz (für Jena doch) erledigt. Die Kickers waren vielleicht etwas schlauer und bekamen beim Weiterverkauf immerhin schon 500.000 DM - die Zahlung kam aus Mannheim. Was die können, können wir schon lange dachten sich die Mannheimer und verkauften ihn (nachdem er unter anderem das Tor des Tages gegen Jena geschossen hatte) nach Rostock - für 2.000.000 DM. Wer jetzt denkt, das war`s, der sah sich getäuscht. Rostock letztendlich kassierte nach dem kometenhaften Aufstieg des J. Akboborie schlappe 7.000.000 DM !! Fällt euch hier was auf ?? Die einzigsten, die hier ein sattes Verlustgeschäft eingefahren haben, waren die (damaligen) Verantwortlichen des FC Carl Zeiss Jena. Unter anderem ist dies ein Indiz für die "erfolgreiche" Transferpolitik des FCC. Bei den anderen, oben erwähnten, Spielern ist das Wort "Transfererlöse" sowieso nicht angebracht - es gab schlichtweg keine (zumindest keine Nennenswerten)!
2. Ein besonderes Kapitel sind verpflichtete Spieler, die in Jena unerklärlicherweise keinen Fuß vor den anderen brachten, aber nachdem sie wieder abgestoßen oder fallengelassen worden sind wieder "befreit aufspielen. Schaut man sich deren Entwicklung nach der Zeit in Jena an, muß man sich aus Sicht der Verantwortlichen fragen lassen, wie konnte es soweit kommen. Beispiele gefällig ?? Gediminas Sugzda, ein Spieler aus Litauen, dessen Stärke im zentralen offensiven/halboffensiven Bereich liegen. Wo spielte er in Jena ?? Er mußte versuchen, seine Stärken von "Außen" einzubringen - erst von der Außenlinie und dann von der Ersatzbank/Tribüne. Wo spielt er heute ?? Nachdem er Mühe hatte, nach den verkorksten 2 Jahren wieder einen Arbeitgeber zu finden, erbarmte sich RWE seiner und nahm ihn auf. Resultat: 5 Tore nach 5 Spieltagen in der Saison 98/99, bester Spieler seines Teams, Spitzenplatz mit RWE (auch wenn es einige nicht gern hören wollen). Ein weiteres Beispiel ist der Spieler Heiko Cramer. Meines Erachtens ein Spieler mit einer ausgefeilten Technik und mit Spielmacherqaulitäten. Die Gründe seines Abgangs sind wohl diese, daß er 2 Jahre lang nicht an Bernd Schneider vorbeikam. Hätte man in Jena weitsichtiger gehandelt, hätte man dem abwanderungswilligen Bernd Schneider die letzten 10 Spiele ruhig die Rolle von Cramer zuschieben können und diesen für die Zeit danach (nur Augenkranke konnten die absehbaren Folgen der vorangegangenen Spiele zu diesem Zeitpunkt ignorieren) für eine schlagkräftige Regionalligatruppe aufbauen können. Sicherlich alles hypothetisch, für mich jedoch ein Puzzleteil. Zum Fall Schneider nur soviel: wieviel hätte er bei einem Verkauf 1 Jahr früher in die leergespülten Kassen gebracht ?? Vielleicht soviel wie Cottbus für das Erreichen des Pokalhalbfinales im DFB-Pokal bekam ?? Seht hin welche Spieler man dafür bekommt...
damit kommen wir zu 3. - den Finanzen oder der Frage: Wer hat noch nicht, wer will nochmal (die Trikot`s kostenlos mit dem eigenen Firmennamen spazierentragen lassen, Call me... or call me not !) Wenn nicht für Transfer`s, für was gibt man sonst einen Etat von 7.000.000 DM aus ?? Die Frage stellt sich ja auch auf Grund der Tatsache, daß Spieler in Jena eigentlich nicht die große Kasse gemacht haben.
zu 4. nur soviel: Bauzeit für die Stadionerweiterung im Dortmunder Westfalenstadion ca. 8 Wochen. Bauzeit für den Tribünenneubau im Jenaer Abbe-Sportfeld ca. 8 Jahre ?? Etwas krass, aber was soll die Aussage deutlich machen ?? Alles was unmöglich erscheint klappt auf Anhieb in Jena (oder auch nicht). Frage hier an alle FCC Fan`s: waren das in der letzten Saison Heimspiele ??? Geht man rein nach den Resultaten hat man schon die Antwort !!

Ich denke, das sollte erst einmal genug sein obwohl der Beitrag noch einiges gehen könnte.Ich hoffe ich war nicht zu krass, aber es lag mir schon lange auf meiner strapazierten Fußballseele. Es sollte aber auch jedem die Augen öffnen, daß, um es mal in der Börsensprache zu formulieren (immer dieses Gelddenken...), der Boden charttechnisch noch nicht erreicht ist und für eine Wiederaufnahme eines steigendes Kurses nur ein festes Fundament und gute Unternehmensnachrichten zählen !!
Also drücken wir für erfolgreichere Zeiten des FCC ganz fest die Daumen.

Mario

Die erste Reaktion kam von einem Nutzer, der nachträglich anonymisiert werden wollte:

Was die Fehler der letzten Jahre und den daraus resultierenden Niedergang des FC Carl Zeiss Jena angeht, muß man Marios Beitrag zustimmen. Er hätte auch noch gut in das Forum gegen Ende der letzten Saison gepaßt. Gerade was Sugzda angeht, war ich schon immer der Meinung, daß dies ein Spieler mit Spielintelligenz und guter Technik ist, den man nie hätte abgeben dürfen. Stattdessen belastete man sich mit Versagern wie Bärwolf. Akpoborie hätte man eine Saison vor dem Abstieg für 1Mio verkaufen sollen. Dann hätte man ca. 5-10 erfahrene Zweitligaspieler dafür bekommen. Nach dem Abstieg konnte man ihn logischerweise nicht mehr halten und mußte ihn billig abgeben. Ähnlich verhält es sich mit Schneider, für den man nun nur einen warmen Händedruck erhielt. Das alles ist letztenendes aber Schnee von gestern, den wir alle kennen. Daß nach dem Auseinanderbrechen der Mannschaft der FCC mit seinem mageren Kader nun sofort wieder die Tabellenspitze erklimmt, konnte aber doch selbst der optimistischste Fan nicht erwarten. Wir müssen uns mit der bitteren Realität abfinden, daß Jena diese Saison mit dem Aufstieg nichts zu tun hat. Mit viel Pessimismus kann man wie Mario befürchten, daß in Jena bald nicht mal 3.-klassiger Fußball zu sehen sein wird. Man kann aber auch versuchen, das Positive zu sehen und zu einer anderen Prognose zu gelangen:
Es hat den geforderten Schnitt im Club doch bereits gegeben. Vom Manager über den Trainer, gezwungenermaßen beim Kader, bis hin zum Stadionsprecher gab es personelle Veränderungen. Das ist zu begrüßen. Die Lösung mit Gerstner/Vogel scheint nicht unvernünftig, da sie das Umfeld und die übriggebliebenen Spieler sehr gut kennen und nicht wie ein Herr Hollmann nur auf Durchreise sind. Zaubern können sie natürlich auch nicht. Daß im Management entscheidende Fehler gemacht wurden, ist bekannt. Doch ob ein Herr Patzer, der keinerlei Erfahrungen und Kontakte auf dem Gebiet des Profifußballs besitzt, der richtige Mann ist, darf bezweifelt werden, bzw. bleibt abzuwarten. Skeptisch bin ich da schon beim neuen Hauptsponsor. Ehrlich gesagt bezweifle ich, daß die Stadtbäckerei eine Summe aufbringen kann bzw. möchte, die dem FCC wirklich weiterhilft. Was bringt es denn dieser Firma, wenn in Berlin, Eisenhüttenstadt oder Magdeburg für Jenaer Brötchen und Kuchen geworben wird? Ich glaube nicht, daß sie ihre Produkte bundesweit vermarktet. Oder spekuliert die Jenaer Bäckerei schon damit, daß der FCC langfristig gesehen in der Thüringenliga spielt? Andererseits: die Herren Patzer und Kurbjuweit werden sich schon was dabei gedacht haben. Lassen wir sie erst einmal in Ruhe arbeiten, vielleicht erweist sich Patzers Verpflichtung ja noch als gewinnbringend...(?)
Daß nach dem Wegfall von Fernsehgeldern und Wegbleiben vieler Zuschauer nun keine spektakulären Verstärkungen vermeldet werden konnten, ist nicht überraschend. Man sollte da auch nicht zum 1.FC Union schauen, der mit Közle einen Bundesligaspieler verpflichten konnte. Dort hat man schon immer unseriös gearbeitet, doch rentiert hat es sich nie! OK., der Kader des FCC ist nicht eben üppig bestückt, vor allem, wenn man sich die Ersatzbank anschaut. Doch muß man postiv bewerten, daß jetzt endlich alle die Nachwuchsspieler eine Chance bekommen, die in vorangegangenen Spielzeiten fast nie berücksichtigt wurden. Ich traue z.B. einem genesenen Kanopa zu, ein neuer Zimmermann zu werden. Hauser könnte Schneider vergessen machen usw. Wenn man das Beispiel Jörg Böhme sieht, der so gut wie nie in der 1. Mannschaft spielte, sondern von der Oberliga sofort in die 2. Liga und später in die 1. Liga wechselte, fragt man sich: Warum sollen andere nicht dasselbe Potential besitzen? Die hervorragende Nachwuchsarbeit ist doch das einzige Kapital, das unser FCC hat. Es sollte darum auch genutzt werden. Klar muß diese junge Mannschaft auch Lehrgeld bezahlen! Doch wenn sie diese Saison übersteht, dann ist mit einer Leistungssteigerung zu rechnen und Jena wird mit einigen bezahlbaren Verstärkungen auch wieder oben mitspielen. Nehmen wir doch mal das Beispiel Chemnitz: Dort hat man nach dem Abstieg eigentlich keine Rolle im Kampf um die vorderen Regionalligaplätze gespielt. Nun scheint sich der CFC erholt zu haben und spielt mit Rückkehrer Mehlhorn nun auch wieder vorne mit. Warum soll das in Jena nicht auch möglich sein? Die letzten Spiele zeigen doch, daß man mithalten kann und nur das gewisse "Quentchen" fehlt. Laßt uns also etwas optimistischer in die Zukunft blicken. In den Dreck ist der Karren schnell gefahren, doch ihn wieder herauszuholen, erfordert große Anstrengungen und viel Geduld...

Stefan Meißner, Jena schrieb:

In den meisten Punkten kann man nur zustimmen, besonders das Thema Tribünenbau kann einen schon zur Weißglut treiben. In der selben Zeit, in der hier gerade einmal der Rohbau fertig war wäre in anderen  Städten schon ein ganz neues Stadion erbaut worden. Was die Einkaufspolitik betrifft, wurde ja schon im Forum der vergangenen Saison schon ausgiebig geschimpft. Hinterher ist man halt immer schlauer. Ich war damals auch gegen Bärwolf, erst recht gegen Pfitzner, aber was wäre gewesen, hätten sie beide eingeschlagen? Wie skeptisch war man anfangs bei Karsten Hutwelker? Ich kann mich an sein erstes Spiel in Unterhaching erinnern. Nach der Niederlage dort schimpfte jeder über den Fehleinkauf, nun ist er als Messias in die Geschichte eingegangen. Was Jonny betrifft, lief sicherlich einiges unglücklich, dennoch muß ich Felix widersprechen. Wenn Ernst Schmidt ihn für 1 Mio hätte verkaufen können, wäre dies auch geschehen, diese Angebote gab es aber nicht. Zudem war er damals einer DER Leistungsträger und es war doch nicht abzusehen, daß man im darauffolgenden Jahr absteigen würde, zumal die damalige Mannschaft - im Gegensatz zu der letztjährigen - absolute Zweitligareife hatte.
Was den Neuanfang betrifft, so sehe ich auch sehr positiv, daß - bis auf den Präsidenten - jede Position neu besetzt wurde. Paule Patzer traue ich die neue Aufgabe in jedem Fall zu, mit dem neuen Sponsor habe ich aber auch so meine Probleme. Bleibt zu hoffen, daß die Aussage, dies wäre nur eine Notlösung auf wenige Monate in einem halben Jahr nicht wieder vergessen ist und in der Kasse etwas mehr als 200TDM vom Trikotsponsor liegen.
Hinsichtlich der Mannschaft fehlt meiner Meinung nach einfach ein gestandener kreativer Spieler für das Mittelfeld, Hempel ist überfordert und ein junger Spieler wie er kann nur an der Seite von Erfahrenen reifen. Die ersten Spiele haben ja gezeigt, daß der FCC gegen Teams Probleme bekommt, wo man das Spiel machen muß. Dagegen spielte man in Leipzig beispielsweise sehr gut. Wenn sich das Team eingespielt hat, halte ich sie in der Besetzung gut für Platz 5 bis 9. In der nächsten Saison sollten mit 2-3 guten neuen Leuten wieder Höheres angepeilt werden.

Mario aus Plauen, der Auslöser dieser Diskussionsrunde, meldet sich mit folgendem noch einmal selbst zu Wort:

Zunächst möchte ich mich aber erst einmal für die Meinungen zu meinem Beitrag zur Lage des FCC bei den beiden "Schreiberlingen" bedanken ! Vielleicht packt ja auch noch andere die Lust am Schreiben...

Nun habe ich es endlich geschafft ! Leider war es mir bisher vergönnt, unsere neuformierte "Fohlen"-Elf einmal live zu erleben - bis vorgestern wie gesagt. Nach einer angenehmen Anreise und dem Eintritt inīs Stadion, sah ich sie endlich - die neue Tribüne !! Sieht man von den Begleitumständen bei der Entstehung einmal ab und nimmt sie nur für sich, muß man sagen: einfach toll ! Vor lauter Begeisterung über den Anblick der neuen Tribüne saß ich auch sogleich auf selbiger.
In beiden Antworten auf meinen Beitrag wird klar die Hoffnung deutlich, die in die neue Mannschaft gesteckt wird. Und ich muß sagen, diese Hoffnung ist nicht ganz unbegründet. Wenngleich die derzeitige Entwicklung auch immense Gefahren in sich birgt. Was ist, wenn die Mannschaft trotz ordentlicher Spiele punktemäßig nicht von der Stelle kommt ? Nur alle 3-4 Spiele einen Sieg einzufahren kann in dieser Liga tötlich sein. Und wie schnell junge unerfahrene Spieler in ein "mentales Loch" fallen können ist ja hinlänglich bekannt. Sicher hätte man die Spiele gegen Zwickau und Leipzig gewinnen können, aber man muß es eben halt !
Nun möchte ich aber nicht schon wieder nur negative Aspekte ansprechen oder auch herbeireden, deshalb auch nur noch soviel; gelingt es dem Verein, diese Truppe zusammenzuhalten (da meine ich vor allem Hauser, Sträßer, Friedrich u. Azewedo - die auffälligsten im Mittwoch-Spiel) und findet man in der neuen Saison noch die ideale Mischung mit gestandenen Neuzugängen, dann braucht einem vor der 3. Liga und der Qualifikationsrunde 99/2000 nicht bange zu sein.
Stellt euch bloß die diesjährige Mannschaft mit Gerlach, Zimmermann und Cramer vor !!!
Zum Spiel: Positiv sehe ich erst einmal die Entwicklung im Abwehrbereich. 5 Gegentore in 6 Spielen stellen ja endlich wieder einen "normalen" Wert dar. Ich hätte nicht gedacht, daß das der Sänger noch mal so gebacken kriegt... Die absolute Vorstellung aber lieferte meines Erachtens nach der 18-jährige Carsten Sträßer. Einfach toll ihm beim Spielen zuzusehen. Hätten wir 11 von ihm, mit seiner Spielfreude und Technik, dann... Auch wenn das Ergebnis letztendlich nicht die erhofften 3 Punkte brachte, das sah doch schon ganz anders aus als in der vorigen Saison, mehr Spielwitz, Kampf und Dynamik. Ironie des Schicksalīs: ich komme selber aus Plauen und wußte, wie schwer es für unsere Jungīs (FCC, um Verwechslungen vorzubeugen) gegen die bissigen Plauener werden würde. Über das dumme Gegentor habe ich mich jedenfalls maßlos geärgert. Meine Nachbarn sahen das allerdings ganz anders, ich hatte nähmlich das Vergnügen mitten im Plauener Vorstand bzw. Präsidium zu sitzen.
Deutlicher Nachholebedarf besteht jedoch in der Offensive. Spielte man bis 25 m vor das Tor noch recht gefällig, so war es weiter vorne mit gewinnbringenden Ideen und der Durchschlagskraft noch nicht weit her. Die Stürmer sind zwar viel rochiert und gelaufen, aber das stand in keinem Verhältnis zum Nutzen. Habt ihr übrigens mal auf den Gegenspieler von Dirk Hempel geachtet. Das war der Ingo Walther aus Kahla. Schon als ich ihn voriges Jahr beim ersten Vorbereitungsspiel des VFC Plauen gegen den VfB Leipzig gesehen habe, dachte ich mir; wie kann man so einen Spieler vor den eigenen Toren übersehen. Soviel ich weiß, kam er damals ablösefrei nach Plauen (nach der Abstiegssaison, in der man u.a. gegen die II. von Jena spielte...). Spekulation hin und her wie er in Jena eingeschlagen hätte, wenn man in Plauen nach dem ersten Spiel zum "Fußballgott" mutiert, dann will das was heißen. Im Sommer diesen Jahres bemühte sich Herr Kurbjuweit jedenfalls um die Dienste dieser "Kampfmaschine" - wie man gesehen hat vergeblich. Schade.
Also, auch ich habe wieder Hoffnung geschöpft und hoffe, daß man sich dieses Jahr noch achtbar aus der Affäre ziehen wird. Ich hoffe aber auch, daß man das junge "Pflänzchen" weiter hegt und pflegt und das die Rahmenbedingungen für das Minimalziel 3. Liga weiter verbessert werden. Es ist zwar schön, einem Robert Enke (Glückwunsch zu seinem Karrieresprung) oder einem Bernd Schneider in der Bundesliga zuzusehen, aber viel lieber sähe ich die Talente des FCC weiter im Blau-Gelben Dress !!

Mario

Der zu unserem HP-Team gehörende Björn Pfennig meinte dazu:

Irgendwie haben die Leute ja teilweise nicht ganz unrecht. Bei einzelnen Spielern schaue ich auch nicht so ganz durch was da in Jena gelaufen ist. Aber die ganze Diskussion dreht sich doch im Kreis. Die Verantwortlichen im Verein waren und sind hoffentlich wieder wirtschaftlich kompetent und ich würde keinem vorwerfen wollen (und vor allem Ernst Schmidt nicht), daß er nicht nach besten Wissen und Gewissen alles im Interesse des Vereins getan hat. Das es nicht allein an der Vereinsführung gelegen haben kann, sieht man ja auch bei anderen Ostvereinen: ob seriös gewirtschaftet oder verschuldet bis über beide Ohren- es geht dem ostdeutschen Fußball mies.
Der FCC hat seinen finanziellen Rahmen nie gesprengt und ist am Ende dafür bestraft worden. Mehr Geld konnte man in Jena nicht ausgeben, selbst wenn man gewollt hätte! Was passiert, wenn man mit aller Macht versucht aufzusteigen, ohne das das wirtschaftlich Hinterland stark genug ist, sieht man beim FC Sachsen, der in den letzten Jahren einen rasanten sportlichen Niedergang erlitten hat. Auch dem FC Union ging es ja bekanntlich nicht viel besser. Denn - sieh nur an - als der sportliche Aufstieg geschafft war, kümmerte sich auch auf einmal der DFB und erteilte einfach die Lizenz nicht! Sicherlich wurden auch in den Vereinen Fehler gemacht. Das hauptsächliche Problem liegt doch aber in den hochgelobten Ligastrukturen des DFB (...der hat auch im Moment andere Probleme...).Ich habe mich ja darüber ja schon oft geäußert und mein Text vom letzten Diskussionsforum drückt das ja ganz gut aus (glaube ich wenigstens). Hinzu kommt, und das wird immer deutlicher, die politische Komponente: das Ost- West- Problem. Der westliche Fußball hat seine finanzielle Machtposition gegenüber dem Ostfußball voll ausgespielt. Tja, das ist Marktwirtschaft und sicherlich nicht verwerflich. Schlimmer finde ich, daß der DFB als Dachverband diese Position noch unterstützt und der NOFV, dem ja am Ostfußball wirklich was liegen sollte, so tut als wäre nichts (gut geschmiert!). Schon das 1991 nur sechs Ostvereine in die zweite Bundesliga "aufsteigen" durften, drückt einiges aus. Das nächste Glanzstück moderner Fußballpiraterie wird dann wohl die dritte Bundesliga werden. Ja, die Regionalliga Nordost war einigen Herren schon immer ein Dorn im Auge! Das man sicherlich nicht böse ist, daß im letzten Jahr drei Ostvereine abgestiegen sind, sieht man doch daran, daß man an den Plänen zur Einführung der dritten Bundesliga festhält. Das trifft dann auch wieder unsere Vereine am meisten. Also, immer feste draufgehauen! Hoch lebe die deutsche Fußballeinheit!

Björn Pfennig

Durchaus optimistisch klingt der Mailinhalt von Thomas Wohlrab:

Nachdem ich mich schon an der letzten Diskussionsrunde im Frühjahr/Sommer beteiligt habe, will ich das auch jetzt mal wieder tun. Im August weilte ich beim "Oberliga-Klassiker" Leipzig - Jena und sah zum ersten Mal nach dem Abstieg unsere neue Mannschaft. Was mir spontan zu diesem Spiel einfällt : ich habe seit Ewigkeiten kein Jena-Spiel gesehen, in dem unser FCC so drückend überlegen war und den Gegner so beherrscht hat wie in dieser Partie (Hans-Ulrich, seines Zeichens VfB-Trainer, sprach in der Pressekonferenz witzigerweise von einem VERDIENTEN Sieg SEINER Mannschaft). Aber was mir (leider) sehr vertraut vorkam, war die Tatsache, daß wir (und das schon seit Jahren) einfach keine Stürmer mehr haben, die mal aus Scheiße (sorry für den schlechten Ausdruck) Gold machen und so `n Ding reinhauen, das eigentlich gar nicht rein soll oder rein kann ... Unsere junge Mannschaft hat mir aber trotzdem gut gefallen. Bei der Zweikampfstarke und dem Willen, fehlende Erfahrung durch Bissigkeit und Laufbereitschaft auszugleichen, macht das Zuschauen im Gegensatz zu vielen Spielen der letzten Saison wieder Spaß. Mitentscheidende Szene dabei war für mich ein Konter der Leipziger, bei dem ein "Lok"-Stürmer ca. 20 (!) Meter Vorsprung hatte (Abseitsfalle an der Mittellinie klappte nicht, kann ja mal paßieren ...) und ihm einer unserer "jungen Wilden" (sorry, daß ich nicht mehr [oder noch nicht] weiß, wer es war) mit irrem Speed den Ball noch vor dem Tor abnahm. DAS will ich sehen ! DAS sind alte Jenaer Tugenden ! In der vorigen Saison hätten wahrscheinlich 10 Jenaer Feldspieler interessiert hinterhergeschaut, ob es Super-Mario oder Super-Maik wohl gelingt (in den meisten Fällen nicht), dem gegnerischen Spieler den Ball noch "abzukaufen". Ich spiele selbst Fußball und mein Trainer sagt immer, man kann mal schlecht oder schlampig spielen, aber man darf NIE "blutarm" oder phlegmatisch-emotionslos spielen ... Recht hat er. Aber zurück zu Jena : ja, die Heimspiele ... Ich kann ja mit Sarkasmus und Stolz von mir behaupten, beim letzten HeimSIEG (<--- so schreibt man das) live dabeigewesen zu sein. Das war im März (!) gegen Gütersloh ... Nun reicht es momentan nicht mal für Siege gegen Regionalligisten. Und das trotz 1:0-Führung(en) im eigenen Stadion, die man in der Vergangenheit ja auch an EINER Hand abzählen konnte ... Aber bekanntlich ist eine neue Liga eben wie ein neues Leben. Und egal, ob Popper, Punker oder Skin, nach Erfurt müssen ALLE hin ! So auch ich. Und dann hab` ich noch einen Traum : EINMAL möchte ich unser altehrwürdiges EAS inklusive neuer Tribüne VOLL erleben, so wie damals gegen "Chäämiiee" Leipzig im Aufstiegsfinale. Es muß ja nicht gleich wieder um den Aufstieg gespielt werden, so vermessen kann und darf in dieser Saison eigentlich KEINER sein. Aber spätestens nächste Saison sollen und müssen alle anderen Mannschaften wieder Respekt vor unserem FCC haben und das nicht nur aufgrund der kurzgeschorenen Köpfe unserer Spieler ... JENA, und es geht weiter ...
Hoffnungsvoll,

Thomas

Weniger optimistisch, aber nicht minder interessant die Meinung von Andre Köhler:

Nachdem ich diese HP seit Entstehen und damit auch alle bisherigen Diskussionen aufmerksam verfolgt habe, möchte ich noch einen Aspekt zur Lage unseres FCC einbringen, der uns möglicherweise das Genick brechen wird. Zunächst einmal glaube auch ich, daß in dieser Mannschaft ein erhebliches Potential steckt, wenn wohl auch ein zwei gestandene Spieler mit Kampfgeist und Erfahrung (damals Th. Vogel) fehlen. Für mich stellt sich aber die Frage, warum wir keinen finanzkräftigen Sponsor finden. Inwieweit spielen hier auch politische Entscheidungen in Thüringen eine Rolle ? Finanzzuwendungen an RWE aus Ministerien und die Tatsache, daß es in Thüringen durchaus große Sponsoren gibt, die Drittligavereine unterstützen (nämlich RWE), geben mir wirklich zu denken. Und wenn sich die finanziellle Situation beim FCC nicht deutlich bessert, spielen Hauser, Sträßer, Kanopa u.a. demnächst mindestens dort und der FCC im EAS auf dem Nebenplatz ! Ich hoffe sehr, die Situation zu pessimistisch zu sehen und würde mich gerne bald eines besseren belehren lassen.

Andre Köhler

zurück zur S tartseite