1. Hauptrunde am 14. August 1997, 19.30 Uhr

FC Carl Zeiss JENA gegen FC St. Pauli 5:3 n. E.

Nach dem verpatzten Punktspielstart, speziell dem schlimmen Cottbus-Spiel, war uns Wiedergutmachung versprochen worden. Und diese Ankündigung wurde vollends in die Tat umgesetzt. Von Anbeginn setzten sich die Jenaer in der gegnerischen Hälfte fest. Der FC St. Pauli kam bei dem aggressiven Offensivspiel der Jenaer kaum einmal vor Kischkos Gehäuse, fiel mehr durch ständiges Reklamieren und daraus resultierenden Verwarnungen auf. Umso bitterer für die Zeiss-Elf, als kurz vor der Halbzeitpause Trulsen mit einem Kopfball ins linke obere Eck den Spielverlauf auf den Kopf stellte. Da rächte sich zunächst, daß die guten Tormöglichkeiten zuvor nicht genutzt worden waren. Weber stand zum Beispiel schon nach drei Minuten völlig frei vor Thomforde, scheiterte aber. Zimmermann nach Flanke Webers und Hauser per Kopf hatten weitere gute Chancen. Am bittersten war freilich, als (wie schon gegen Cottbus) ein Elfmeter nicht verwandelt werden konnte; der mit einer Handmanschette spielende Olaf Holetschek jagte den Ball an die Lattenoberkante (27.)
Diesen Fehler machte er gleich nach Wiederbeginn wett. 47. Minute: "Holle" jagt Meggle den Ball ab, rennt aufs Tor zu und zieht aus 25 Metern ab - gegen den halbhohen Ball ins linke Eck hatte Thomforde keine Chance. Und beinahe wäre dem Jenaer Kapitän, dessen Saisondebüt im Mittelfeld immens wichtig war, auch noch ein zweiter Treffer geglückt. Doch sein 18-Meter-Freistoß landete am linken Pfosten. Zu dieser Zeit spielten die Hamburger nur noch mit zehn Mann, da Springer in der 65. Minute nach Foul an Schneider die Gelb-Rote Karte gesehen hatte. Nun, in Unterzahl, nahm der Gast den Fight an und hätte Mason seine Riesenchance 90 Sekunden vor Schluß genutzt - der FCC wäre erneut ziemlich "betröppelt" vom Feld gezogen.
So aber gab es Verlängerung, und da hieß es: CZ Jena gegen den FC Thomforde. Nierlich (93.), Schneider (105., 114.) und Ziegner (119.) fanden allesamt im Hamburger Original ihren Meister. Speziell gegen Ende der Verlängerung merkte man auch den Jenaern an, wieviel Kraft das Anrennen zuvor gekostet hatte. Da half die Kontellation elf gegen zehn wenig, die Gäste stellten sich mit Mann und Maus hinten rein und retteten sich ins Elfmeterschiessen.
Als Thomforde den ersten Elfer von Schneider hielt, schwahnte den Zuschauern nichts Gutes. Doch Sekunden später parierte Kischko Pröppers Strafstoß, und als er auch noch Dammann den Schneid abkaufte, Lindner schließlich verwandelte, war der Jubel groß im Ernst-Abbe-Sportfeld. Der Sieg und die enorme Steigerung besonders im kämpferischen Bereich sollten der Truppe endlich das nötige Selbstvertrauen für die Meisterschaft gegeben haben. Daß es im Abwehrbereich erneut ein paar Aussetzer gab, im Überzahlspiel hätte mehr über die Flügel gespielt werden müssen - das alles wird Trainer Engel gewiß bemerkt haben, berührte nach diesem glücklichen Ausgang aber sicher niemand mehr. <fc>

Jena:
Kischko; Lindner; Wentzel, Röser (91. Pfitzner); Gerlach (115. Ziegner), Schneider, Holetschek, Nierlich, Hauser (73. Rousajew); Weber, Zimmermann
St Pauli:
Thomforde; Dammann; Trulsen, Werner; Hanke, Seeliger, Meggle, Springer (GR), Franco; Scharping (53. Mason), Sawitschew (83. Goumai, 117. Pröpper)

Zuschauer: 3408

Schiedsrichter: Gettke (Haltern)

Tore: 0:1 Trulsen (42.), 1:1 Holetschek (47.)
Elmeterschiessen: Schneider - gehalten, Pröpper - gehalten, 2:1 Weber, 2:2 Seeliger, 3:2 Holetschek, 3:3 Trulsen, 4:3 Rousajew, Dammann - gehalten, 5:3 Lindner

Trainerstimmen:

Frank Engel:
"Die Mannschaft stand nach der blamablen Vorstellung gegen Cottbus in der Pflicht. Ich denke, das ist in der Art und Weise, wie die Mannschaft aufgetreten ist, hundertprozentig gelungen. Ich wünsche mir als nächstes eine richtige Zugnummer, daß die Hütte voll wird."

Eckehardt Krautzun:
"Ich muß Carl Zeiss Jena ein Kompliment machen, die Mannschaft hat hervorragend und aggressiv gespielt. Ich wünsche ihr für die nächste Runde alles Gute."

2. Hauptrunde am 24. September 1997, 19.30 Uhr

VfR Mannheim gegen FC Carl Zeiss JENA 4:5 n.E.

Fußball-Mannheim scheint fest in Waldhof-Hand zu sein. Pilgerten am Vortag noch 6000 Zuschauer zum Spiel des SVW ins moderne Carl-Benz-Stadion, brachte es der VfR Mannheim im Rhein-Neckar-Stadion auf klägliche 851 Besucher. Erstaunlich, hatte doch eben diese VfR-Elf mit dem sensationell deutlichen 6:2 gegen Zweitligist Fortuna Köln in der 1. Runde für Schlagzeilen gesorgt.
Einem ähnlichen Schicksal wie die Kölner schien der FC Carl Zeiss entgegen zu gehen. Keine 120 Sekunden waren gespielt, da lenkte Karamehmedovic einen Freistoß von Dakic ins Jenaer Tor. Dakic hatte vier Minuten später sogar das 2:0 auf dem Fuß, vergab aber. Zum Glück machte es Heiko Cramer nach zehn Minuten besser, als er einen Doppelpaß mit Zimmermann unter Mitwirkung des Mannheimer Torwarts erfolgreich abschloß. Die Jenaer hatten in der Folgezeit zwar optische Vorteile, doch blieb der VfR stets gefährlich, hatte sogar die besseren Tormöglichkeiten. So, als Frank Nierlich für Kischko den Ball von der Linie holen mußte.
Als in der Verlängerung Heiko Weber nach einem Solo scheiterte (107.), war klar, daß auch in dieser Runde die Entscheidung im Elfmeterschiessen fallen mußte. Während Schneider, Pfitzner, Rousajew, Weber verwandelten, versagten Kapitän Olaf Holetschek die Nerven. Aber zum Glück hat der FCC neuerdings einen Elfmeterkiller zwischen den Pfosten. Maik Kischko, der schon gegen St. Pauli zweimal gehalten hatte, parierte den Elfer von Karamehmedovic. Und da Mannheims Perfetto zudem neben das Tor schoß, bleibt wenigstens eine Nordost-Mannschaft im Pokalrennen. Egal ob der kommende Kontrahent nun ein Erstligist wird oder nicht - auf ein Elfmeterschießen sollte er sich besser nicht einlassen ! <fc>

Jena:
Kischko; Lindner; Nierlich, Röser (91. Pfitzner); Gerlach, Cramer (85. Rousajew), Schneider, Holetschek, Hauser; Zimmermann (113. Bärwolf), Weber

Zuschauer: 851

Schiedsrichter: Albrecht (Kaufbeuren)

Tore: 1:0 Karamehmedovic (2.), 1:1 Cramer (11.)


Achtelfinale am 2. Dezember 1997, 19.30 Uhr

Hannover 96 gegen FC Carl Zeiss JENA 3:5 n.E.

In der Nacht zum Mittwoch war es soweit: Der Winter hielt Einzug in Deutschland. Das bedeutete für eine Vielzahl der mitgereisten Jena-Fans eine um Stunden verspätete Rückkehr aufgrund chaotischer Straßenverhältnisse und Staus. Doch ein Trost blieb ihnen: Die Reise nach Hannover hatte sich hunderprozentig gelohnt !
Daß es alles andere als ein Spaziergang werden würde, war von vornherein klar. Der Regionalligaspitzenreiter Nord hatte zuvor die beiden Erstligisten Mönchengladbach und 1860 München aus dem Pokalrennen geworfen. Hannover 96 begann dann auch erwartet schwungvoll, während sich der FC Carl Zeiss ähnlich wie zuletzt in Zwickau erstmal auf die Defensive beschränkte. Eine gemeinsame Aktion des Sturmduos Weber/Zimmermann in der 44. Minute war die einzige nennenswerte Angriffs-Szene der 1. Halbzeit ! Der HSV (jaja, es gibt mehrere von der Sorte) dominierte recht deutlich, auch wenn Chancen zunächst nur nach Standarts (Ernst/24., Milovanovic/41.) raussprangen.
Wesentlich dramatischer dann die 2. Halbzeit. Speziell ab Minute sechzig entwickelte sich das Spiel zu einem abwechslungsreichen Pokalfight, in dem Hannover Chancen am Fließband bekam. Allein Milovanovic hatte genügend Möglichkeiten, unseren FCC "abzuschiessen": Zunächst scheiterte er an Maik Kischkos toller Fußabwehr (49.), dann setze er einen 16-Meter-Flachschuß knapp neben den linken Pfosten (66.) und nur zwei Minuten später stand er neun Meter mutterseelenallein vor Kischko, verzog aber kläglich. - Keine Frage, hier wie in der Folgezeit hatten die Thüringer jede Menge Glück. Immerhin starteten sie so ganz allmählich selbst erfolgversprechende Angriffe. Hatte Thomas Gerstner mit einem sehenswerten 22-Meter-Schuß an die Latte noch Pech (70.), bewies Heiko Weber drei Minuten später wieder einmal Goalgetter-Qualitäten. Ein Zuspiel von Jens Gerlach köpfte er unhaltbar für Sievers ins kurze Eck - 1:0. Der Jubel bei den (geschätzt) 400 Jenaer Fans war groß und Hannover 96 lief die Zeit davon. Doch Schiedrichter Dr. Wack hatte ein Einsehen. Nachdem er zuvor im Zweifelsfall grundsätzlich für den Gastgeber entschieden hatte, ließ er satte drei Minuten nachspielen, obwohl es zuvor nicht eine einzige Unterbrechung gab, welche diese Zeit gerechtfertigt hätte. Und so nahm das Unheil seinen Lauf: Ecke von links, Reinhard köpft an die Latte und den zurückspringenden Ball ins Tor. In diesem Moment wurden unweigerlich Erinnerungen wach an das dramatische Punktspiel bei St. Pauli, als Jena ebenfalls in der Nachspielzeit um den Lohn seiner Mühe gebracht wurde.
Doch diesmal war noch nichts verloren. Jenas Akteure überwanden den ersten Schock und stemmten sich mit unglaublicher Energie gegen die Angriffswogen der 96er. Man muß den Niedersachsen aber neidvoll bescheinigen, daß sie technisch unserer Elf um einiges überlegen waren und zumindest in Liga zwei mit diesem Potential eine gute Rolle spielen würden. Neben Milovanovic fielen dabei besonders Asamoah und Addo auf, wobei letztgenannter aber an ausgeprägter Fallsucht zu leiden scheint, was der Schiri relativ spät bemerkte. Wenigstens sah der Referee das Foul im Fünfmeterraum am glänzend aufgelegten Kischko, der zuvor gleich zweimal reaktionsschnell parierte hatte. Anschließend hätte der überraschend reaktivierte Benjamin James (defensiv auch diesmal mit Problemen) zum Helden werden können, scheiterte aber per Kopf an Sievers. Und die größte Chance der Verlängerung hatte wiederum Hannover zwei Minuten vor Ultimo: Milovanics Schuß hätte selbst Kischko nie und nimmer gehabt, doch Glückgöttin Fortuna hatte mit dem FCC längst ihren Bund geschlossen, lenkte den Ball an die Latte.
Wie hatte ich zum Schluß des Mannheim-Berichtes etwas übermütig geschrieben ? "Egal ob der kommende Kontrahent nun ein Erstligist wird oder nicht - auf ein Elfmeterschiessen sollte er sich besser nicht einlassen !" Als Bernd Schneider als erster Elfmterschütze an Sievers scheiterte, hätten mich die Gastgeber Lügen strafen können, doch auch Rasiejewski und Ernst versagten die Nerven. Axel Jüptner, in seinem vierten Spiel für Jena erneut mit deutlichen Akzenten im Mittelfeld, blieb hingegen cool und schoß den einzig noch verbliebenen Nordost-Klub ins Viertelfinale. Die ausgelassen feiernden Jena-Fans hatten auch gleich zwei Wunschgegner parat: Einer sang "Über Hannover fahren wir nach Trier. Zwei Runden weiter als der S null vier." Doch die Mehrheit hatte anderes im Sinn: "Über München fahr'n wir nach Berlin".
Notfalls eben wieder mit Elfmeterkrimi. ;-) <fc>
Eine Chronologie aus Gastgeber-Sicht inclusive Fotos befindet sich auf der Hannover-Page.

Hannover:
Sievers; Linke, Reinhardt, Rasiejewski, Milovanovic, Ernst, Addo, Hecking (80. Arslan, 117. Fischer), Asamoah, Kreuz, Dworschak
Jena:
Kischko; Lindner; Wentzel (83. James), Holetschek (80. Hauser); Gerlach, Gerstner (102. Tomas), Schneider, Jüptner, Nierlich; Zimmermann, Weber

Zuschauer: 18751

Schiedsrichter: Dr. Wack (Biberbach)

Tore: 0:1 Weber (73.), 1:1 Reinhardt (90.)
Elmeterschiessen: Schneider - gehalten, Rasiejewski - übers Tor, 2:1 Tomas, Ernst - übers Tor, 3:1 Lindner, 3:2 Fischer, 4:2 Weber, 4:3 Linke, 5:3 Jüptner

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Viertelfinale am 16. Dezember 1997, 19.30 Uhr

FC Carl Zeiss JENA gegen MSV Duisburg 1:2

Wenn bei einem DFB-Pokal-Viertelfinale gegen einen Erstligisten nur gut viereinhalbtausend Zuschauer kommen, mag das für den Außenstehenden wenig erscheinen. Doch wenn man weiß, daß an diesem Abend Temperaturen von zehn Grad unter Null herrschten, kann man schon beinahe von viereinhalbtausend Enthusiasten sprechen.
Die 22 Akteure hatten zudem noch mit einem steinhart gefrorenen Boden zu kämpfen, was ein ansehnliches Spiel von vornherein unmöglich machte. Der FCC zunächst feldüberlegen, ohne aber zu Chancen zu kommen. Der MSV begann dagegen überraschend defensiv, kam erst nach 24 Minuten erstmals richtig vor's Jenaer Gehäuse - doch prompt zum Führungstreffer. Nach Hajtos Freistoß säbelt Hauser über den Ball, Komljenovics Schuß bleibt in der Abwehr hängen, doch als auch Wentzels Befreiungsaktion mißlingt, nutzt der freistehende Osthoff mit Schrägschuß aus acht Metern die sich bietende Chance. Es sollte die einzige vor der Pause bleiben, weil angesichts der Platzverhältnisse das Spiel zwischen den Strafräumen zwar ganz passabel wirkte, der exakte Paß in die Spitze aber nicht zustande kam und aus der Ferne zu selten geschossen wurde.
Die zweite Halbzeit begann mit einem 20-Meter-Schuß von Thomas Gerstner, dem nach Meinung vieler besten Jenaer an diesem Tag, knapp neben das Gehäuse (53.). Ausgangspunkt des 0:2 war leider erneut eine verunglückte Abwehraktion, diesmal von Matthias Lindner. Zwar sprang der Ball dem Togolesen Salou bei dessen Vorarbeit an die Hand. Schiedsrichter Buchhart wertete dies aber (wenn überhaupt) als unabsichtlich. Erneut Osthoff bedankte sich mit Schuß ins rechte Eck unhaltbar für Kischko. Hatten die FCC-Fans nach dem ersten Gegentor ihre Elf weiter unermüdlich angefeuert, spürte man die nächsten vier Minuten, daß für die meisten von ihnen nun die Vorentscheidung gefallen war. Doch weit gefehlt. Als Wentzel nach Doppelpaß mit Schneider im Strafraum fiel, zeigte der Referee auf den Elfmeterpunkt - Gerstner verwandelte unten rechts. Nun begann Jenas beste Phase, die Schlußoffensive. Jüptner, dem zuvor fast gar nichts gelungen war, traf aus achtzehn Metern die Lattenoberkante (83.). Und auch als Frank Nierlich Sekunden vor Ultimo frei zum Kopfball kam, den Gill gerade noch vor der Linie zu fassen bekam, lag der Ausgleich und damit die Verlängerung im Bereich des Möglichen.
Gästetrainer Funkel betonte dann auch nach dem Spiel, daß in einem bemerkenswert fairen Spiel nicht die bessere, sondern die glücklichere Mannschaft gewonnen hat. Überhaupt gab es Komplimente von allen Seiten für die Jenaer. Die können sich dafür zwar nichts kaufen, jedoch sollten die zuletzt gezeigten Leistungen auch und gerade im Pokal das Selbstvertrauen zurückgebracht haben.
Mit dem Ausscheiden des FC Carl Zeiss und der Uerdinger ist die zweite Liga im weiteren Wettbewerb nur noch Zuschauer. Glückwunsch dagegen an die Duisburger, deren Spielbericht hier zu lesen ist. <fc>

Jena:
Kischko; Lindner; Wentzel, Nierlich; Gerlach, Gerstner, Schneider, Jüptner, Hauser (85. Rousajew); Weber, Zimmermann
Duisburg:
Gill; Emmerling; Hajto, Wohlert; Wolters, Komljenovic, Vana, M. Zeyer (90. Reiter), Puschmann (81. Hirsch); Salou, Osthoff

Zuschauer: 4580

Schiedsrichter: Buchhart (Schrobenhausen)

Tore: 0:1 Osthoff (24.), 0:2 Osthoff (74.), 1:2 Gerstner (78.,FE)
 

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