Ist der FCC aus dem Schneider ?

 Nee, die Überschrift bezieht sich nicht auf den Rest der verkorksten Saison, sondern auf Bernd Schneider und Schalkes Interesse an ihm.

 Ich weiß schon, warum ich in jeder Saison auf das frühzeitige Ausscheiden der deutschen Mannschaften hoffe (Ja, ich weiß, daß ich mir jetzt millionenfachen Unmut zuziehe!): Im EC spielen sich die Truppen, die schon uferlos Kohle haben, noch ein paar Millionen ein und gehen damit bei den kleinen Vereinen auf Shoppingtour. Schalke hat sich in dieser Saison mit der Anfrage nach Bernd Schneider größte Mühe gegeben, meine Ansichten zu bestätigen.

 Bräutigam (jetzt Rostock), Enke (M’gladbach), Karavajev (Zwickau), Peschke (Uerdingen), Gerlach (Mannheim), Böger (Gütersloh, bald HSV), Schreiber (Bochum), Molata (Bielefeld), Akpoborie (Rostock, bald Stuttgart) – alles Spieler (ohne Anspruch auf Vollständigkeit), die zumindestens lange in Jena waren und jetzt bei anderen Clubs sind. Und da habe ich noch nicht mal gute Spieler aufgeführt, die nur ein relativ kurzes "Gastspiel" im Abbe-Sportfeld gaben und nicht gehalten werden konnten, wie z.B. Hutwelker (Bochum). Stellt Euch vor, die wären alle noch bei uns...

 Nach dem Wiederaufstieg 1995 habe ich gehofft, daß wir mal eine Mannschaft für zwei bis drei Jahre zusammenhalten können und ich noch in diesem Jahrtausend zu Erstligaspielen des FCC fahren kann. War es voriges Jahr schon leicht, in die 1. Bundesliga aufzusteigen, so sind in dieser Saison die Chancen noch besser gewesen. Schaut Euch doch an, wer sich alles größte Mühe gibt, NICHT auf den 3. Tabellenplatz zu kommen. Wenn wir uns statt der 10 Heimunentschieden 5 Heimsiege und 5 -niederlagen geleistet hätten, wäre auch der FCC schon fast in akuter Aufstiegsgefahr ;-). Mit einem eingespielten Team ist ein Aufstieg in die "First class" des deutschen Fußballs also keine unerreichbare Utopie.

 Ich weiß, daß der FCC kein / wenig Geld, einen Mini-Jahresetat und von Ausnahmen abgesehen kein starkes wirtschaftliches Umfeld (allgemein im Osten) hat. Aber wenn wir immer wieder die besten Spieler abgeben, werden wir bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag jedes Jahr "Klassenerhalt" als Saisonziel ausgeben und uns mehr oder weniger durchwursteln (ganz zu schweigen von der permanenten Gefahr, irgendwann ganz abzusacken). Drücken wir also die Daumen, daß "Schnix" auch Ende Juli wieder "unsere" Nr. 10 trägt.

Uwe Kaiser, Fanclub "family"

 

 

Hier die Reaktionen darauf;
Andy schrieb:

Ich gebe Dir vollkommen recht zu diesem Thema. Werden jedes Jahr die besten Spieler verkauft geht das durchwursteln irgendwann mal schief und dann hilft auch das eingenommene Geld nicht mehr , man sieht ja wie schwer es ist aus der RL wieder aufzusteigen. Man sollte wenigstens versuchen einen Teil von den wirklich guten Spielern zu halten denn die 2. Liga ist so ausgeglichen , da bestehen doch die besten Chancen aufzusteigen - siehe letzte Saison. Für den Rest dieser Saison kann ich bei dem schweren Restprogramm nur hoffen daß nichts schiefgeht.

Und Torsten Zentraf meinte:

Uwe Kaiser hat natürlich in allen Punkten recht. Dummerweise sind die herrschenden Zustände von uns nicht zu beeinflussen, und auch die wirtschaftliche Lage im Osten wird auf absehbare Zeit keine großen finanziellen Sprünge zulassen. Frei nach dem Motto "Du hast keine Chance - nutze sie" sollte der FCC konsequent den Aufstieg in die 1.Liga anstreben egal wie utopisch das klingt. Zumindest ist das besser für die Motivation (der Spieler auf dem Platz und auch des Umfeldes), als nur gegen den Abstieg oder für einen einstelligen Tabellenplatz zu kämpfen.

Auch aus Leipzig erhielten wir Post - von Jens Büchne:

Zum Thema "Schnix und Schalke" möchte ich sagen, daß solche Wechsel mit Sicherheit die Mannschaft schwächen (könen). Andererseits ist es für die finanziell schwachen Klubs - wie für unseren FCC - die einzige Möglichkeit, ein bißchen Geld zu bekommen, um sich neue Spieler an Land zu ziehen. Angenommen Schalke bezahlt eine Million, dann könnte Jens Gerlach zurückgekauft und ein bis zwei junge Spieler nach Jena gezogen werden. Für unseren Klub eine Chance, aus der man was machen kann. Daß der FCC mit Schnix den Mann der Saison verliert, tut weh, aber so ein Klub wie der FCC muß halt damit leben, ein Selbstbedienungsladen für die Bundesligisten zu sein - so lange man in der 2.Liga spielt. Durch Ergänzungen mit jungen, noch nicht verbrauchten Spielern, können wir auch etwas erreichen. Der Traum "1.Bundesliga" braucht für Jena kein Traum sein. Wer aber so blöd spielt wie wir derzeit... und im Verein keine Schlüsse gezogen werden, der spielt nächstes Jahr in der Regionalliga und in zwei Jahren in der Oberliga und die Lichter gehen ganz aus. Und da spielt es keine Rolle, ob Schnix nun geht oder nicht. Alle Spieler sind dann irgendwann weg... Das Problem, das unser FCC zur Zeit hat, ist nicht der Wechsel von Schnix !!!
Egal, was Schnix letztlich macht, ihm wünsche ich alles Gute. Er hat es verdient, in der 1.Bundesliga zu spielen.

Wolfgang Unbereit, nach eigenen Angaben bekennender FCC-Fan, aber auch Realist, schrieb dazu:

Vielleicht bin ich einer dieser Besserwisser, die der Zeiss-Coach in einem Interview mal ansprach, aber ich sehe das Problem etwas anders. Sicherlich strecken renommierte Clubs ihre Fühler nach talentierten Spielern aus. Aber macht das der FC Carl Zeiss nicht auch? Zu DDR-Zeiten hieß das Delegierung. Auch damals gab es Talentespäher ,die auf irgendeinem Dorfsportplatz nach Verstärkungen für ihre höherklassigen Teams suchten. Der einzige Unterschied zu damals ist, daß heutzutage eine Menge Geld im Spiel ist. Die ganze Abwanderungsmisere auf die Geldangebote der großen Vereine zu schieben ist nur die eine Seite der Medaille. Betrachten wir nun mal die andere. Ein Fußballspieler ist nun mal bestrebt mal ganz groß rauszukommen. Welcher kleine Fußballsteppke träumt nicht mal davon in der Bundesliga zu spielen oder gar an einer Weltmeisterschaft teilzunehmen. Ist er talentiert, wird er so langsam von einer Spielklasse in die nächsthöhere wechseln. Bis jetzt ist er immer noch Amateur und das Geld spielt noch eine untergeordnete Rolle. Bis er von einem Profiteam (hier 2.BL) angeheuert wird. Er macht immer sehr gute Spiele und fällt auf. Bis hierhin schön und gut. Und jetzt wird's konkret. Ein Erstligaverein tritt an ihn heran. Er bekommt ein erstklassiges Angebot. Jetzt gibt es zwei Möglichkeiten sich zu entscheiden. Entweder er sagt sich: So eine Chance bekomme ich nicht wieder! oder er überlegt: Meine jetziger Heimatverein ist eigentlich in der 2.Bundesliga eine sehr gute Mannschaft. Wenn wir alle an einem Strang ziehen, können wir den Aufstieg schaffen. Deshalb bleib ich hier.- Was ich damit sagen will ist: Auch ein Bernd Schneider denkt über seinen Entwicklungsweg nach. Wenn aber beim FC Carl Zeiss Jena das Wort "Aufstieg" für mehrere Jahre aus dem Sprachschatz gestrichen wird, ist es durchaus möglich, daß er in diesem Fußballverein keine Perspektive mehr sieht und abwandert. Anderen wird es sicher ähnlich gehen, vor allem den Nachwuchsleuten. Beste Beispiele dafür Böhme,Maul, Löbe, Strogies und in jüngster Vergangenheit Sadlo und Hempel. In Jena angeblich nicht zweitligatauglich, sind sie bei ihren jetzigen Vereinen (1+2.BL,RL) Stammspieler. Weitere Abgänge von guten Nachwuchsleuten (Ziegner, Kanopa, Hauser) sind vorprogrammiert, solange einige Spieler das Privileg eines Stammplatzes innehaben ohne dementsprechende Leistungen vorweisen zu können. Ein weiterer Hemmschuh für eine kontinuierliche Aufwärtsentwicklung ist die mit Einschränkungen (Hutwelker, Nierlich, Sänger) verfehlte Einkaufspolitik. Da werden vor allem abgehalfterte Stürmer (Gütschow, Deffke, Rousajew) zwar recht kostengünstig verpflichtet, doch eingeschlagen hat trotz vollmundigen Versprechen ihrerseits keiner von ihnen. Kaum waren sie wieder bei anderen Vereinen (Gütschow-Dresden; Deffke-Ahlen) wurden sie wieder ihrem Ruf als Torjäger wieder gerecht. Das kann doch nicht nur an der Jenaer Luft liegen. Da liegt doch beim FCC ganz schön was im argen. Andere Neueinkäufe (Janjic) drücken z. Zt. nur die Bank oder werden dann eingewechselt, wenn das Spiel schon verloren ist. Wenn man in der TLZ vom 10.5.97 liest, daß 11 Spieler Wechselabsichten haben, kann es einem angst und bange werden. Aber ist es den Spielern nicht zu verdenken, daß sie lieber bei einem Verein spielen wollen, der sich in den nächsten Jahren den Aufstieg auf die Vereinsfahnen geschrieben hat und attraktiven Angriffsfußball zeigen will. Was z. Zt. in Jena größtenteils gespielt wird ist "Angsthasenfußbal" erster Güte. Und das liegt nicht hauptsächlich an den Spielern, sondern am Trainer. Ein defensiver Spieler ist eben kein Angriffsspieler, sondern in erster Linie ein Spiel"zerstörer". Und das hat eben ein Großteil der Besserwisser begriffen, der Trainer jedoch anscheinend nicht. Ich hoffe, daß sich noch ein Umdenken unter Spielern und Offiziellen einstellt. Denn falls der Klassenerhalt diese Saison erreicht wird, kann mit derselben Einstellung nächstes Jahr wohl kaum der Abstieg vermieden werden. Und dann könnten einige Spieler sagen: Wir haben's richtig gemacht, als wir diesen "Gurkenverein" verließen.

Aus Ilmenau schrieb uns ein Fan (Name ist der Redaktion bekannt):

Jens Büchne und Wolfgang Unbereit haben Recht: Wechsel von guten Spielern zu erstklassigen Vereinen werden sich bei der gegebenen wirtschaftlichen Situation der Ostvereine kaum verhindern lassen. Wenn sie aber mit einer angemessenen Ablöse- summe einhergehen, können sie durchaus kompensiert werden. Bei cleverem Investieren der erzielten Gelder in entsprechend günstige aber dennoch motivierte aufstrebende Spieler kann ein Verein von solchen "Verkäufen" u.U. sogar profitieren. Denn wie auch im sonstigen Leben gilt: Niemand ist unersetzbar! Ein Hauptproblem dabei sind wahrscheinlich auch emotionale Aspekte. Denn ein Spieler wie Schneider, der als einziger (?) Akteur in Jena geboren ist und hier schon immer spielt, wird von den Fans eher vermißt, als ein Herr Sugzda oder Janjic. Das ist durchaus zu verstehen, denn als Fan möchte man sich auch mit seiner Mannschaft identifizieren können. Wenn aber für "Schnix" tatsächlich 1 Mio. oder mehr ausgehandelt würden, dann könnte man sich dafür 3 Schneider holen. Sind in der Vergangenheit nicht schon oft Verpflichtungen nach Jena an vergleichsweise lächerlichen Ablösesummen gescheitert? (unter 100000 DM) Wieviel hat denn der teuerste derzeit unter Vertrag stehende Spieler gekostet???!! Da kann sich ja jeder ausrechnen, daß Jena mit einer Mio fast saniert wäre. Man hätte damals Akpoborie sogar sofort nach entsprechenden Millionenangeboten verkaufen sollen, dann wäre man aller Geldsorgen ledig gewesen und hätte mit M E H R E R E N entsprechenden Neuverpflichtungen evtl. sogar den Abstieg verhindern, bzw. den vielzitierten Aufstieg anstreben können. Doch so ging Akpoborie für einen Appel und ein Ei... Dabei können wir jedoch heilfroh sein, daß in Jena nicht so gewirtschaftet wird, wie es in Dresden, bei Union oder Erfurt der Fall war, wo riesige Summen unkontrolliert versackt sind und der Verein dann plötzlich bis zum Hals in Schulden steckt. Mit dem Etat von Jena würden Vereine wie Fortuna Köln, Gütersloh, oder Unterhaching wahrscheinlich in der 4. Liga spielen!
Zu den Zielsetzungen der letzten Auswärtspiele kann ich auch nur zustimmen, daß es unmöglich ist, wenn ein Trainer schon vor dem Spiel verkündet, mit einem Unentschieden zufrieden zu sein. Das kann ja nur in die Hose gehen! Vogel hat für Jena viel geleistet, momentan scheint die Luft jedoch 'raus zu sein. Hoffen wir also auf den Klassenerhalt und auf ein schlagkräftiges motiviertes Team in der nächsten Saison!

Aus Erfurt kommt nicht nur unser neuer Trainer, sondern auch folgende Mail von Sven Roscher:

Natürlich hat Uwe Kaiser recht, aber das sind die Spielregeln im Profi- und Halbprofifußball (Regionalliga). Und ein Mann wie Schneider wäre ja auch dumm, eine sich bietende Chance nicht zu nutzen.
Im Hinblick auf den jetzt vollzogenen Trainerwechsel bekommt das ganze, wie ich meine, auch eine ganz neue Dimension: Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen, oder wie ist der plötzliche Wechsel von Frank Engel auf die Jenaer Trainerbank anders zu kommentieren. Engel war das Herz und die Seele der Erfurter Regionalligamannschaft, an dem der sportliche Aufschwung der letzten Monate namentlich festgemacht werden kann. Ich gehe davon aus, daß man ihn nächstes Jahr in Erfurt wieder als Trainer erleben wird, zumindest einmal, auf der Bank des Gästecoachs.