Als Wolfgang Frank den Job beim FCC übernahm, war ich wenig begeistert.
Warum? Beim Nennen seines Namens hatte ich immer das Gefühl, dieser wabere schon seit tausenden von Jahren durch die mediale Fußballwelt - und immer wirkte Frank auf mich seltsam aufgedreht und reichlich angestrengt. Dann war er im Paradies und alles schien ganz normal: ein Trainer der mit Begeisterung und Akribie seinen Job macht. Keine aufgeblasenen Sprüche, kein Nachtreten gegen den Vorgänger und nach Siegen oder Unentschieden schien es immer so, als wolle er beim Danken bloß niemanden vergessen. Da das Team auch wieder halbwegs Fahrt aufnahm, konnte ich mir noch so viel Mühe geben, aber es war partout nichts offensichtlich Negatives an Franks Arbeit zu finden.

Jenas "Profis" hätten also weiter das tun können, wofür sie bezahlt werden, Punkte sammeln und sich im Tabellenmittelfeld festsetzen. Sowas ist natürlich auf Dauer kein "Selbstgänger" und gelegentlich bekommt man da von vermeintlich Schwächeren auch mal seine fußballerischen Grenzen gezeigt. Dagegen könnte man sich sportlich wehren, falls man sich zuvor seine eigenen Defizite eingesteht. Daran zu arbeiten wäre möglich aber auch anstrengend und da ist es natürlich einfacher rumzumosern, beleidigt zu sein, Ausflüchte zu suchen, Ausreden zu finden, sich für unangreifbar zu halten, vielleicht auch Indiskretionen zu streuen und auf die suggestive Macht alter Vorurteile zu vertrauen. Plötzlich zeigte sich erneut, daß der aktuelle Kader nicht nur sportlich schwachbrüstig daher kommt, sondern auch charakterlich ziemlich viele Leichtmatrosen an Bord sind.

Natürlich hätte man Frank seitens des Vereins vorbehaltlos den Rücken stärken können. (Mir wird es immer rätselhaft bleiben, warum sich Lothar Kurbjuweit niemals ganz laut und vernehmlich hinter die jeweils amtierenden und von der Mannschaft beinahe gedemütigten Trainer gestellt hat?!) Aber so etwas in Jena, der Hochburg der Einflüsterer, Zuträger & Ränkeschmiede zu erwarten, ist natürlich Quatsch. Wer sollte das auch tun? Das Präsidium war vom AR ja schon durch die Art und Weise der Raab-Suspendierung auf Statisten-Niveau gestutzt worden und der Aufsichtsrat selber erinnert in seiner Arbeitsweise samt Außendarstellung oftmals an das Politbüro der PPsh in den 70er Jahren.

Also trieben es die hinterlistigen Balltreter auf die Spitze und machten sich auch Trainer Nummer 2 in dieser Saison zu ihrem Opfer. Es ist schon bitter, daß man diesem charakterlich zu großen Teilen reichlich verkommenen Haufen nun auch noch Erfolg wünschen muss ...
Den Rauswurf eines Trainers zu bedauern, den ich vor 5 Monaten nur mäßig mochte, hat dieses Team in meinen Augen demaskiert. Und so ganz nebenbei, Wolfgang Franks gestriger persönlicher Abgang aus dem Paradies hatte weit mehr Stil als 95% der sportlichen und charakterlichen Aktionen derer, die dies zu verantworten haben, in welcher Rolle auch immer. <jk>

 

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