VfB Stuttgart II - FC Carl Zeiss Jena 3:2

Tore: 0:1 Öztürk (33.), 1:1 Holzhauser (53.), 2:1 Vier (58.), 2:2 Öztürk (68., FE), 3:2 Vecchione (83.)

Stuttgart: Krauss; Vecchione, Geyer, Vier, Hertner; Gardawski, Müller (57. Schimmel), Rathgeb, Holzhauser (78. Lagerblom); Rühle (85. Schwarz), Benyamina
Jena: Siefkes; Landeka, Riemer, Eismann (54. Osadchenko), Ullmann; Eckardt (78. Grob), Pichinot, Nagy (61. Fries), Nikol; Hähnge, Öztürk

Zuschauer: 820

Schiedsrichter: Cortus (Nürnberg)

Spielbericht
Selten war ich nach einer Auswärtsniederlage auf der Heimfahrt so entspannt und frei jeglichen Ärgers. Der Klassenerhalt war bereits vor 2 Wochen geschafft worden und so konnte man in der Waldau stressfrei 90 Minuten Fußball gucken.

Die II. Mannschaft des VfB hatte wenig Grund, dieses Spiel vielleicht nur mit halber Kraft zu bestreiten, da sich alle Spieler immer wieder für die I. Mannschaft empfehlen wollen / müssen. Und so begannen die Gastgeber - Ist das der VfB im Kickers-Stadion? - sehr druckvoll und mit viel Elan. Effektiv sprangen aber nur ein Schuss Holzhausers von der Strafraumgrenze, der aufs Tornetz traf (10.), und nach einem Abwehrfehler und Versuch Rathgebs aus Nahdistanz (wurde von Siefkes zur Ecke abgewehrt, 13.) heraus. Der FCC spielte "Safety first" und konzentrierte sich auf Ballbesitz und -kontrolle. Und trotz der interessanten und ungewöhnlichen Variante mit Ullmann als Rechtsverteidiger und Nagy auf der linken Außenbahn ging dieses Konzept bis zur Pause auf. Auch deshalb, weil bei Stuttgart fast alles über Benyamina ging. Im offensiven Bereich setzte der FCC seltene Nadelstiche und dabei tauschten Hähnge und Öztürk immer wieder die Positionen (einige Male sogar Hähnge und Nagy). Wurde Pichinots Flankenversuch von der Grundlinie in der 27. Spielminute noch abgeblockt, tauchte Öztürk in der 33. Minute im Strafraum auf, vernaschte den Verteidiger und setzte den Ball ins lange Toreck - 1:0! Vor der Pause hatte Eckardt noch eine gute Schussposition, als die Verteidiger auf seinen Pass auf Pichinot warteten und er dadurch plötzlich an der Strafraumgrenze freie Bahn hatte. Leider war er selbst offensichtlich überrascht und brachte nur einen besseren Rückpass zustande.

Waren die Torszenen in der 1. Halbzeit noch Mangelware, so lösten beide Teams nach Wiederanpfiff die taktischen Handbremsen und boten ein beiderseits schwungvolles, offensives Spiel. Die erste Chance bot sich Öztürk (51.) mit einem Schuss aus der Drehung, aber bereits im Gegenzug kassierte der FCC den Ausgleich: Ein Freistoss von links wurde zu kurz und in die Mitte abgewehrt, wieder in den Strafraum geschossen, flipperte quer vors Tor und Holzhauser ließ Siefkes aus nächster Nähe keine Chance. Dann war wieder der FCC in Person Landekas an der Reihe - er zog von links in den Strafraum, sein Schuss wurde quer vors Tor abgelenkt, aber im Gegensatz zum Ausgleich schaffte keiner der beiden Jenaer, denen er vor die Füße rollte, den Torschuss (55.). Die Stuttgarter antworteten mit ihrem Führungstreffer, als nach einer Ecke Vier (Name) mit der Fünf (Rückennummer) unbedrängt einköpfen konnte (58.). Zehn Minuten später schickte Hähnge den eingewechselten Fries mit einem Zuckerpass in den Strafraum, der abprallende Schuss kam über Eckardt nach rechts zu Öztürk, gegen dessen Dribbling sich der Verteidiger nur mit einem Foul zu helfen wusste. Nach kurzer "Dienstberatung" über den Schützen verwandelte der Gefoulte den fälligen Strafstoss sicher. Und das Spiel wogte weiter zwischen den Toren hin und her. Pichinot etwa scheiterte kurz nach dem 2:2 freistehend am Keeper. In der 77. Minute spielte Hähnge von rechts außen einen Diagonalpass genau auf den auf links mitlaufenden Fries, der schob den Ball aufs Tor Richtung Eckardt, dieser schoss jedoch nicht, sondern legte per Hacke zurück auf Fries - schade, dass ein Verteidiger den berühmten Tick schneller war und so ein Tor des jungen Jenaer Stürmers verhinderte. Und der FCC hatte noch eine Riesenchance (80.), als Öztürk (der auffälligste Spieler beim FCC) es in der Mitte gegen zwei versuchte, der Ball nach rechts zu Pichinot kam, dieser sich jedoch, statt für den Pass auf den in der Mitte freistehenden Öztürk, für einen Schuss aus spitzem Winkel - ans Außennetz. Wiederum im Gegenzug fing sich der FCC den erneuten Gegentreffer ein, als man vergeblich auf eine Abseitsposition Gardawskis spekulierte, dieser aufs Siefkes zumarschierte und rechtzeitig quer auf Vecchione ablegte, der keine Mühe hatte, den Ball zum Siegtreffer ins Tor zu schieben.

Letztendlich erlebten alle Zeiss-Fans einen versöhnlichen Abschluss dieser allseits schwierigen Saison - versöhnlich dahingehend, dass wir nach vielen Jahren endlich einen letzten Spieltag ohne Zittern und mit einem Klassenerhalt erleben konnten. Dieses auch im Mai 2012 wäre ein weiteres Glücksgefühl. Also auf ein Neues ab Juli! <uk>

FC Carl Zeiss Jena - Eintracht Braunschweig 2:2

Tore: 0:1 Kumbela (17.), 1:1 Orlando (20.), 1:2 Vrancic (27.), 2:2 Hähnge (39.)

Jena: Siefkes; Pichinot, Eismann, Voigt, Landeka; Öztürk (53. Ullmann), R. Schmidt, Eckardt, Hähnge (67. Nikol), Fries (74. Nagy); Orlando
Braunschweig: Davari; Washausen, Henn, Turan, Reichel; Reinhardt (86. Unger), Theuerkauf, Amrhein (60. Calamita), Vrancic, Boland; Kumbela (82. Fetsch)

Zuschauer: 7549

Schiedsrichter: Dittrich (Bremen)

Spielbericht
"Heute ist uns alles scheißegal", sang ein Fan unserer Mannschaft als ich ins Stadion kam und hatte damit wohl die richtige Einstellung für das letzte Heimspiel der Saison 2010/2011 getroffen. Braunschweig stand als Aufsteiger eh schon fest und der FCC hatte den Klassenerhalt auch schon in der Tasche. Dennoch wurde es zu keiner Zeit langweilig, weil beide Mannschaften Spaß am Fußball hatten und den sonnigen Tag für eine muntere Partie nutzten. Vor Spielbeginn gab es noch Blumen zum Abschied für Orlando und ebenso für Felix Holzner, der seine aktive Karriere nach mehreren Verletzungen nicht mehr fortsetzen kann.

Die erste Chance im Spiel hatte der FCC in der 7. Minute als Sebastian Fries aus halblinker Position für Orlando auflegt, aber klären kann. Auf der anderen Seite steht Kumbela nach einem langen Ball von Vrancic völlig frei vor Siefkes, weil die Abseitsfalle nicht funktionierte (oder der Linienrichter?). Der ehemalige Erfurter ließ sich diese Möglichkeit nicht nehmen und schob nach sehenswerter Ballannahme souverän zum 0:1 ein, ohne Siefkes eine Chance zu lassen. Wirklich beeindruckt zeigte sich davon aber niemand und nur drei Minuten später gelang Orlando der Ausgleich auf kuriose Art und Weise: Eigentlich wollte er den Ball für Hähnge auflegen, doch dessen Schuss missglückt völlig und landet wieder bei Orlando, der am schnellsten reagiert und aus kurzer Distanz den Ausgleich erzielt.
Ein Freistoß, nach einem Faul von Eckardt an Vrancic eröffnet für die Gäste eine weitere Torgelegenheit. Vrancic schießt selbst und Hähnge fälscht noch ab, so dass Siefkes im Tor keine Chance bleibt. - 1:2 in der 27. Minute. Nur 11 Minuten später ist es erneut ein weiter Ball von Voigt in die Spitze. Hähnge bekommt das Leder und kann aus 18m flach und unhaltbar für Davari einschießen. Der Ausgleich! 2:2 zur Halbzeit. Das war doch mal was, nachdem in den letzen Heimspielen, noch unter dem damaligen Cheftrainer Wolfgang Frank, jeweils die erste Halbzeit komplett verschlafen wurde...

Mit Beginn der zweiten Halbzeit spielt Öztürk bis zu seiner Auswechslung alleinige Spitze, diesen Part hatte in der ersten Halbzeit Orlando inne. Braunschweig beginnt gefährlich mit Kumbela, aber Eismann und Pichinot können ihn im Strafraum erfolgreich abdrängen. Dann kommen Martin Ullmann für Aykut Öztürk (53.) und Ronny Nikol für Sebastian Hähnge (67.), später bekommt auch Timo Nagy noch seinen Einsatz (73.) für Sebastian Fries. Nach mehreren guten Möglichkeiten für Braunschweig durch Kumbela hat auch der FCC wieder eine gute Chance: Ein langer Ball von Alexander Voigt über rund 50m erreicht Martin Ullman kurz vor dem Strafraum, doch dieser kann ihn nur bedingt kontrollieren und verfehlt das Tor deutlich. Auf der anderen Seite hatte Kumbela erneut eine Chance, aber Eismann kann in letzter Sekunde klären. In der 81. Minute wird Fetsch für Kumbela eingewechselt, der an der Strafraumgrenze frei zum Schuss kommt, aber Patrick Siefkes reagiert glänzend und verhindert eine erneute Führung. Dass er heute gut drauf war, kann er kurz danach unter Beweis stellen, als Vrancic aus gut 25m voll draufhält und er den Ball zur Ecke fausten kann. Die Ecke bringt nichts mehr und so bleibt es nach 90 Minuten bei einem gerechten 2:2.

Für Heiko Weber war es EIN weiteres Testspiel. Angetan zeigte sich der neue alte Trainer von den Toren, bei der Spielweise sah er aber noch deutliche Reserven. Am letzten Spieltag darf der FCC bei der Reserve des VfB Stuttgart die Saison ausklingen lassen und ähnlich wie gegen Braunschweig geht es auch dort um Nichts mehr. Bleibt zu hoffen, dass die mitreisenden Jena-Fans dennoch ein ansehnliches Spiel zu sehen bekommen und der FCC die Saison würdig ausklingen lässt. <jh>

Fotos von Jens Weißenburger
Bericht auf eintracht.com

Kickers Offenbach - FC Carl Zeiss Jena 0:2

Tore: 0:1 Pichinot (49.), 0:2 Eckardt (90.+3)

Offenbach: Wulnikowski; Lamprecht, Kopilas, Stadel, Teixeira; Huber (67. Sommer), Gunkel (46. Haas), Mehic, Laux (79. Feldhahn); Occean, Vunguidica
Jena: Siefkes; Eismann, Riemer, Voigt, Landeka; Pichinot (62. Eckardt), R. Schmidt, Nikol (83. Osadchenko), Hähnge, Orlando (82. Fries); Öztürk

Zuschauer: 7031

Schiedsrichter: Sippel (München)

Spielbericht
Was wäre wohl passiert? Halbzeit in Babelsberg, der FCC liegt nach einem Katastrophenauftritt auf dem sprichwörtlichen Boden und dann käme jemand zu Wort und würde verkünden: Knapp eineinhalb Wochen später wird der FCC in Offenbach kurz vor Ende völlig verdient mit 1:0 führen, Siefkes wird mit einer tollen Leistung auch in seinem 2. Punktspiel unbezwungen bleiben und dann wird der von Trainer Weber eingewechselte Rene Eckardt mit seinem 2. Punktspieltor in Folge den Klassenerhalt des FCC sichern! Diskutiert worden wäre wohl lediglich die Frage, wie weit die nächste Klinik weg sei, die derartige Phantasien zu behandeln wisse ... Zu befürchten war eher das jährlich gleiche Procedere: Jenas hessischer Dampfplauderer würde in der Presse was von seinem "ganz persönlichen Derby" rumschäumen und da Schaum auch immer viele Blasen enthält, die auch gerne mal wunderbar platzen, würden ihm die Offenbacher am Ende wieder reichlich Bälle um die Ohren und ins Netz hauen. Wobei - das mit den geplatzten Träumen kennen die Offenbacher ja auch und ihre Rückrundenbilanz dürfte ihnen eher wie ein Alptraum vorkommen.
Was also war von diesem Match zu erwarten? Danach und nach dem Rest der Saison befragt antwortete der ehemalige FCC- und jetzige OFC-Trainer Thomas Gerstner: "So kurios wie diese Saison für die Kickers gelaufen ist, ist alles möglich. So müssen wir es angehen: alles ist möglich ..." Man ersetze "die Kickers" durch "den FCC" und schon hat man das Drehbuch für dieses Spiel auch aus Thüringer Sicht.
Das Set, um in der Filmsprache zu bleiben, verhieß ebenfalls Außergewöhnliches. Wie kann man eigentlich nur auf die Idee kommen, inmitten der Saison das eigene Stadion derart umfassend zu amputieren, daß sich jeglicher Heim-Spirit zwangsläufig verflüchtigen muß? Naja, unseren Platz fanden wir daher wenigstens auf einem Tribünen Teil, dem mein kundiger Nachbar diesen liebenswerten "Good-Old-England-Charme" beschied.

Beide Teams liefen ein, im OFC-Teil der Tribüne qualmte es mächtig in den Fehlfarben und Schiri Sippel schaute ein wenig verdutzt drein, daß sich kein Jenaer zwecks Platzwahl im Mittelkreis einfand. Ralf Schmidt hatte, sein neues Amt vergessend, schon mal seinen Platz in der Startformation eingenommen. Dann fiel ihm ein, daß da ja doch noch was war und so trabte er, wenn auch verspätet, zur Mitte, seines Amtes zu walten.
Bedingt durch die Abwesenheit des Turnbeutelvergessers Brown-Forbes, hatte Weber die Abwehr nur etwas umgebaut, Riemer kehrte als "Mann mit der Maske" in die Viererkette zurück. Und Riemer mußte auch als erster ran, um gegen den steil angespielten Vunguidica nach 3 Minuten zu klären. Kurz darauf segelt ein hoher Ball von links Richtung FCC-Tor und sekundiert von Voigt packt Siefkes sicher zu. Nur durch einen knappen Abseits-Angriff (Smeekes) unterbrochen bleiben die OFC-Kicker am Drücker, so daß erst Eismann, dann Siefkes und danach Schmidt bei 3 Offenbacher Angriffen klären müssen. Noch ist unsere Defensive dabei sich zu finden, tut das allerdings ohne größere Fehler. Vorwärt geht wenig und die erste gute Konterchance vertändelt Smeekes, heute als Mittelstürmer agierend, nach einer Viertelstunde auf der rechten Seite. Den ersten Fehler der FCC-Defensive begeht dann mit Nikol der seit Wochen beste Jenaer, dessen Ruf als untadeliger Sportsmann auch im aktuellen Jenaer Intrigantenstadel nicht gelitten hat. Sein Aussetze auf der rechten Abwehrseite samt Herzinfarkt-Querpass bleibt aber folgenlos. Schon eine Minute später läuft links Vunguidica allein auf Siefkes zu. Der bleibt ruhig und gelassen - und klärt ganz stark per Fuß zur Ecke. Gerade als sich die Hausherren anschickten, das Spiel mehr oder weniger zu beherrschen, versetzte sie Smeekes in Angst und schrecken. Urplötzlich und raketenschnell stürmte dieser allein auf Wulnikowski zu, brachte den Ball aber auf nicht nachvollziehbare Art und weise nur im Außennetz unter.
Fortan dominierte der OFC und dennoch passierte Seltsames. Je größer die optische Überlegenheit der Offenbacher zu werden schien, desto sicherer und stabiler wurde gleichzeitig die Gäste-Defensive. Nur nach vorn ging bei den Unseren wenig, Ballhalten im Mittelfeld und schnelles Umkehrspiel fanden nicht mehr statt. Als Hähnge dann nach etwas mehr als einer halben Stunde Wulnikowski mal aus gut 40 Metern überraschen will, paßt diese jedoch auf. Gegen Ende der ersten Halbzeit nehmen die Angriffe der Hausherren nochmals ein wenig Fahrt auf. So muß zum Beispiel Voigt nach einem einfachen aber gefährlichen Flachpaß in die Spitze in höchster Not klären und ab Minute 40 erkämpft sich der OFC dann noch Eckbälle im Minutentakt. Siefkes und seine Vorderleute bleiben aber immer Herr der Situation und so geht es mit einem gerechten Unentschieden in die Kabinen. Klar strahlte der OFC in Gänze mehr permanente Gefahr aus aber echte und wirklich große Torchancen gab´s dennoch nicht zuhauf, da Stand es sogar 1:1. Würden die Blaugelbweißen mehr wollen, dann sollten sie in Halbzeit 2 weniger ängstlich nach vorne spielen und vor allem dafür sorgen, daß die Bälle von jenseits der Mittellinie nicht immer wieder zu schnell zurück kämen.

Die zweite Hälfte beginnt mit einem OFC-Angriff, den Voigt und Riemer klären sowie einem Konter, den Smeekes leider überhastet abschließt und von halblinks nur am langen Pfosten vorbei trifft. Kurz darauf taucht Smeekes auf der rechten Seite auf und paßt in Richtung 16er Linie. Hähnge scheitert mit seinem Schuß zunächst an Wulnikowski, doch der abprallende Ball kommt zu Pichinot und der schiebt sauber zum 0:1 ins Tor! Die passende Antwort versucht der OFC gleich mit dem nächsten Angriff und einem 20-Meter-Schuß zu geben, aber Siefkes paßt auf und hat den Ball sicher. Es muß wohl nicht besonders erwähnt werden, daß die Hessen jetzt versuchten ständig und immer wieder unseren Strafraum zu belagern und zu erstürmen. Erwähnenswert aber, daß die Jenaer cool blieben, in der Abwehr keinen Ball unumkämpft hergaben, Eismann auf der linken Lieblingsangriffseite der einheimischen immer souveräner wurde und der FCC in der 53., 55., 57. und 59. Minute hervorragende Konterchancen besaß, daß Spiel vorzuentscheiden. Leider überboten sich dabei Ötztürk, Hähnge, Smeekes und einmal auch der Linienrichter beim Treffen falscher Entscheidungen. Aber jetzt, in der 63. Minute muß es doch klappen! Von Voigt kommt der Ball über Hähnge zu Smeekes und der läuft erneut allein gen Wulnikowski - und scheitert!
Jetzt reicht es den OFC-Fans und "Gerstner raus!" hallt es über die Baustelle Bieberer Berg. Kurz darauf verdribbelt sich Smeekes in aussichtsreicher Position und in Minute 71 hat Hähnge die Entscheidung auf dem Fuß. Ungefähr am Elfmeterpunkt stehend muß er den Ball nur noch an Wulnikowski vorbei bringen - in der jetzigen Form leider nicht möglich für den Jenaer Routinier. Bis zur 80 Minute wechseln sich Offenbacher Angriffe und Jenaer Gegenzüge mehr oder weniger regelmäßig ab, doch danach hat man nur noch den Eindruck, als würden sich Offenbacher Freistöße und Eckbälle im Minutentakt abwechseln. Dumm auch, daß plötzlich alle Uhren langsamer gehen. Aber in allem bangen Flehen und Bangen scheint ein Jenaer Akteur von Minute zu Minute besser zu werden und daran auch noch Spaß zu haben: Patrick Siefkes! Was die Hausherren auch versuchen, hohe Bälle, flache Zuspiele, weite Flanken, Drehschüsse von der 16er-Linie, Kopfbälle - Siefkes fischt, fängt und angelt sich alles was rund ist und durch seinen Strafraum fliegt.
Endlich scheint auch die Nachspielzeit abgelaufen, als nochmals ein weiter Ball auf der linken seite den eingewechselten Fries erreicht, der den Ball auch trotz Bedrängnis behauptet. Was würde der junge, unerfahrene Fries nun tun? Den Ball weit weg schlagen? Zur Eckfahne dribbeln und wertvolle Sekunden schinden? Fries verlädt zunächst mal seinen Gegenspieler und paßt den Ball dann in die Mitte. Aus Richtung Mittelkreis kommt der ebenfalls eingewechselte Eckardt angerauscht. Schade, den Ball wird der kleine Jenaer wohl nicht erreichen. Doch was ist das? Eckardt wandelt sich binnen Zehntelsekunden zum Riesen und mit riesigen Schritten erreicht er diesen Ball! Den schiebt er dann an Wulnikowski vorbei zum 0:2 ins Tor! Riesig!

Aus! Sieg! Klassenerhalt! Nach weiteren Lobhudeleien steht mir hier dann aber doch nicht der Sinn. Das Klassenziel zu erreichen, bedurfte es immerhin dreier Trainer sowie eines geschaßten Sportdirektors. Die Art und Weise wie die Mannschaft (zumindest große Teile davon) im Laufe der Saison ihre charakterliche Reputation verspielte, Trainer und Verantwortliche desavouierte und dabei mit dem (sportlichen) Feuer spielte, sollte also nicht so einfach abgehakt werden. Auch dann nicht, wenn das fußballerische Tagesgeschäft dies als Lösung suggeriert. <jk>

Bilder des Tages <uk>
Bericht auf ofc.de

FC Carl Zeiss Jena - SV Wacker Burghausen 1:0

Tore: 1:0 Eckardt (83.)

Jena: Siefkes; Brown Forbes, Eismann, Voigt, Landeka; Pichinot (78. Eckardt), Nikol, R. Schmidt, Hähnge (72. Reimann), Orlando; Öztürk (84. Ullmann)
Burghausen: Vollath; Holz, Eberlein, Omodiagbe, Halfar; Grübl (63. Schmidt), Leberfinger, Burkhard (85. Behr), Holzer, Brucia (83. Knappmann); Agyemang

Zuschauer: 5056

Schiedsrichter: Dr. Kunzmann (Bad Hersfeld)

Spielbericht
Turbulente Tage hat der FCC unter der Woche hinter sich. Nach der erneut desolaten Leistung der Mannschaft in Babelsberg wurde Trainer Wolfgang Frank beurlaubt und mit Heiko Weber der dritte Trainer der Saison verpflichtet. Dabei wollte Weber nach seiner Entlassung vor Jahren nie wieder für den FCC aktiv werden. Aber manchmal kommt es anders, und zweitens als man denkt. Dann wurde Nulle aus dem Team kurzerhand gestrichen und mit Patrick Siefkes die neue Nummer eins verkündet. Warum der Capitano aus dem Team flog, ist weiter unklar.

Bereits nach zehn Minuten war der Ball im Tor der Gäste, doch erkannte Schiedsrichter Dr. Kunzmann den Treffer von Öztürk wegen Abseitsstellung nicht an. Doch trotz herrlichstem Frühlingswetter wollte im heutigen Abstiegsduell kein großes Spiel entstehen. Beide Teams "glänzten" mit Fehlabspielen oder der Ball wurde so ungenau zum Mitspieler gepasst, dass dadurch kein richtiger Spielaufbau möglich war. Nach 25 Minuten die nächste Chance für den FCC, doch Pichinot konnte nach Pass von Öztürk den Ball nur noch im Fallen bekommen und dadurch gelang es ihm nicht mehr, Gästekeeper Vollath zu bezwingen. In der 42. Minute die erste große Bewährungsprobe für Youngster Siefkes im Tor, der einen Schuss aus 25m nur noch zur Ecke klären konnte. Wenige Sekunden später war er erneut im Blickpunkt, doch auch hier konnte er einen scharf geschossenen Freistoß von Eberlein entschärfen. Fast mit dem Pausenpfiff noch einmal die Gastgeber durch Orlando, der sich mit viel Kämpferherz den Ball eroberte und wenig später aus 20m abzog. Aber Vollath konnte mit einer großartigen Glanzparade die Führung der Jenaer verhindern.

Beide Teams kamen unverändert aus der Kabine. In der 56. Minute passte Orlando im Strafraum auf Öztürk, doch auch er konnte mit seinem Schuss Vollrath nicht überwinden. Das spielerische Niveau der Partie sank immer mehr in den Keller und es wurde Abstiegskampf pur. Beide Teams schenkten sich nichts im Mittelfeld, aber jede Aktion wurde zu überhastet oder zu ungenau abgeschlossen, so dass bei beiden Mannschaften fast nichts mehr nach vorne ging. Eine Viertelstunde vor dem Ende ein schlimmer Ballverlust in der Vorwärtsbewegung von Eismann, der sofort mit einem schnellen Konter beantwortet wurde. Doch zum Glück konnten die Burghausender die Chance durch Holzner nicht nutzen. Die Partie plätscherte so dahin und sieben Minuten vor Ultimo kam die beste Aktion des Spiels. Der kurz zuvor eingewechselte Eckardt schraubte sich im Strafraum hoch und traf mit einem herrlichen Kopfball zum vielumjubelten Führungstreffer für die Platzherren. Zum Glück verstanden es die Gäste nicht, den FCC in den verbleibenden Minuten noch einmal ernsthaft in Gefahr zu bringen. Die drei Minuten Nachspielzeit wurden auch überstanden und kurz darauf konnte sich Trainer Weber über seinen ersten Dreier im ersten Spiel freuen.

Auch wenn der Sieg nach neun erfolglosen Spielen Mut machen sollte, so bleibt für Weber noch eine Menge Arbeit im Training. Spielerisch haben es seine Jungs ja drauf, nur es gelingt nicht, die im Spiel auch mal umzusetzen. Am besten legen die Jenaer gleich am Dienstag beim Thüringenpokal in Meuselwitz nach, denn mit denen ist ja auch noch eine Rechnung zu begleichen. <vg>

Fotos auf weissenburger.de
Bericht auf sv-wacker.de

SV Babelsberg - FC Carl Zeiss Jena 4:1

Tore: 1:0 Kocer (11.), 2:0 Makarenko (28.), 3:0 Kocer (41.), 3:1 Nikol (53. FE), 4:1 Herrem (87.)

Babelsberg: Unger; Jovanovic, Schütz, Oumari, Rudolph; Müller, Prochnow (78. Civa), Kocer (84. Surma), Stroh-Engel, Makarenko; Hebisch (65. Herrem)
Jena: Nulle; Eismann, Riemer (24. Landeka), Voigt, Nikol; Brown Forbes, Bopp, R. Schmidt, Orlando; Ullmann (66. Reimann), Öztürk (49. Pichinot)

Zuschauer: 3713

Schiedsrichter: Osmers (Hannover)

Spielbericht
Drei Tage nach der deprimierenden Heimniederlage gegen Unterhaching ging die Reise ins Karl-Liebknecht-Stadion des SV Babelsberg 03. Offenbar hatten die Gastgeber nicht damit gerechnet das viele FCC Anhänger ihre Mannschaft im Abstiegskampf unterstützen wollen. So gab es zunächst nur ein geöffnetes Kassenhäuschen und ein offenbar nicht ausreichendes Kontingent an Karten. Wenige Minuten vor Anpfiff wurde das Gedränge am Eingang bei immer noch 200 wartenden FCC Fans heftiger - letztendlich konnten bzw durften viele der Wartenden auch ohne Karte den Eingang passieren. Die später genannte Zuschauerzahl von 3714 kann man also ein wenig nach oben korrigieren.
Eine eher ungewöhnliche Geste des gastgebenden Vereins bei Vorstellung der Gäste - FCC Liedgut wurde präsentiert. Muss aber meiner Meinung nach nicht unbedingt Schule machen ;-) In der Aufstellung gab es drei Veränderungen. Neben Hähnge und Ziegner wich auch Pichinot aus der Startelf, stattdessen durften Orlando, Eismann und Ullmann von Beginn an ran.

Die Gastgeber in der Anfangsphase erstmal um Spielkontrolle bemüht, ohne auf bedingsungslose Offensive zu setzen. Erste vorsichtige Annäherungen an unser Tor resultierten in einem Schuß, der 5m über das Tor gesetzt wurde und einen 30m Freistoß, der jedoch eine sichere Beute von Nulle wurde. In Minute 7 wurde es erstmals brenzliger, ein langer Ball zentral auf den Babelsberger Stürmer Hebesch. Nulle war jedoch herausgelaufen und konnte per Faustabwehr klären. In der 11. Minute ein erster Versuch eines Angriffs auf unserer Seite, doch Öztürk stolperte letztendlich samt Ball ins Seitenaus. Nur 1 Minute später musste sich Carsten Nulle erstmals geschlagen geben. Wieder ein weiter Ball zentral nach vorn, der Babelsberger Kocer tankte sich gegen unsere Innenverteidiger durch und schloß zum 1:0 ab. Die Gastgeber mit der Führung im Rücken jetzt druckvoller. In der 20. Minute rettete nach einer Ecke und großem Durcheinander Öztürk auf der Linie gegen Stroh-Engel. Es sollte für lange Zeit Öztürks einzige positive Szene bleiben, die nächste hatte er erst mit seiner Bitte um Auswechslung kurz nach Pausenpfiff. In oben beschriebener Szene zog sich Marco Riemer eine Kopfverletzung zu. Landeka wurde eingewechselt, Eismann wechselte fortan auf die Position des Innenverteidigers.
In der 28. Minute die 2:0 Führung für die Gastgeber. Erneut war nach einer Ecke die Defensivabteilung nicht im Bilde, ein leichtes für den Babelsberger Mittelfeldspieler Makarenko aus Nahdistanz zu vollenden. In der 32. Minute aber dann auch ein ähnliches Tohuwabuhu auf der anderen Seite. Nach der 1. Ecke brannte es lichterloh im Babelsberger Strafraum - Voigts Kopfball am Ende wurde jedoch von der Linie gekratzt. Obwohl das Babelsberger Offensivspiel nicht mal sonderlich variabel war (das Flügelspiel wurde meist vernachlässigt), stürzten die Gastgeber unsere Verteidigung weiter von einer Verlegenheit in die nächste. Ein langer Pass zentral und wieder war es Kocer, der sich trotz ihn umgebenden 3 Verteidigern energisch durchtankte und flach zum 3:0 einschob. Kurz vor dem Pausenpfiff noch ein Schuß von Ullmann von der Strafraumgrenze, 5 Meter am Tor vorbei. So endete letztendlich eine erste Halbzeit, die nahtlos an die 45 Minuten vom Unterhaching Spiel anknüpfte. Riesige Lücken im Defensivverbund - das schließt ausdrücklich die pomadig agierenden Eugen Bopp und Ralf Schmidt im Mittelfeld mit ein. Aber auch offensiv regierte der Zufall, es gab kein Miteinander im Kombinationsspiel.

Dennoch gab erstmal keine weiteren personellen Änderungen zum Wiederanpfiff. Die erste Aktion sah plötzlich Ralf Schmidt aufs Tor zueilend, leider lies er sich abdrängen und wie ein Statist von seinem Gegenspieler abkochen. In der 50. Minute endlich mal so etwas wie Agressiviät in unserem Spiel, Landeka zwingt seinen Gegenspieler durch Pressing den Ball ins Aus zu spielen, Orlando wird angespielt und tankt sich energisch auf dem Flügel durch. Beim Versuch nach innen zu passen wird er jedoch gelegt. Keine Frage - Elfmeter. Ronny Nikol verwandelte gewohnt sicher.
Erneut wirkte dieser Treffer wie ein "hallo wach" Erlebnis. Fortan unsere Spieler weitaus giftiger in den Zweikämpfen, das vorherige Phlegma war verschwunden. Das Wollen war also nun spürbar, konstruktiv vorgetragene Angriffe blieben dennoch Mangelware, In der 60. Minute passt Pichinot nach innen, Bopp zieht zentral ab. Der Ball geht jedoch weit vorbei. Auch 8 Minuten später passt der einsatzfreudige Pichinot nach innen, die Abnahme des eingewechselten Christian Reimann knallt jedoch an den Pfosten. In der 73. Minute rettete das Lattenkreuz auf der anderen Seite nach einem Freistoß des Babelsbergers Schütz. In Minute 79 ein langer Ball von Landeka, der mit nach vorn geeilte Nikol trifft den Ball jedoch nicht richtig. Zu diesem Zeitpunkt spielte der FCC bereits 10 Minuten nur noch zu zehnt. Eugen Bopp hatte sich offensichtlich eine Oberschenkelverletzung zugezogen, seinem Wunsch ihn auszuwechseln konnte jedoch aufgrund des Regelwerks nicht entsprochen werden. Mit einem Mann weniger boten sich natürlich Konterräume für die Babelsberger. So wurde in der 87. Minute der eingewechselte Herrem steil geschickt. Der fackelte nicht lange und donnerte den Ball unters Gebälk. Kurz nach Wiederanpfiff noch einmal Aufregung. Orlando wurde erneut im Strafraum gelegt, diesmal blieb der Pfiff jedoch aus. Die letzte Möglichkeit des Spiels hatten die Gastgeber - der quirlige Makarenko tanzte unsere Verteidiger mühelos aus, verzog jedoch im Abschluß aus aussichtsreicher Position überhastet.

So blieb am Ende ein auch in der Höhe verdienter 4:1 Sieg der Babelsbeger. Wie in den letzten Heimspielen lies die Mannschaft vor allem in der ersten Halbzeit alles vermissen was man im Abstiegskampf an Tugenden benötigt. Eine gewisse Verunsicherung nach so vielen sieglosen Spielen ist sicher nachvollziehbar, aber es fehlte auch gerade in den ersten 45 Minuten an Laufbereitschaft und dem grundsätzlichen Willen in Zweikämpfe zu gehen und sich zu quälen. Wahrlich wenig mutmachende Beobachtungen vor dem nächsten Schicksalsspiel am Samstag gegen das gleichfalls stark gefährdete Team von Wacker Burghausen. <th>

FC Carl Zeiss Jena - SpVgg. Unteraching 1:2

Tore: 0:1 Hain (19.), 0:2 Amachaibou (29.), 1:2 Nikol (36., FE)

Jena: Nulle; R. Schmidt, Riemer, Voigt, Nikol; Brown Forbes, Bopp (46. Eismann), Ziegner (59. Ullmann), Öztürk; Pichinot (46. Orlando), Hähnge
U'haching: Kampa; Balkan, Hain, Hefele, Stegmayer; Yilmaz (86. Tyce), Mitterhuber, Thee, Tunjic (68. Kadrijaj); Gunlaugsson (90.+2 Avdic), Amachaibou

Zuschauer: 4940

Schiedsrichter: Benedum (Mehlingen)

Spielbericht
Anspruch und Wirklichkeit, Ankündigungen und deren Umsetzung klaffen weit auseinander in diesen Wochen beim FC Carl Zeiss. Hatte vor dem Werder-Spiel Aykut Öztürk als Mannschaftsvertreter noch eine sich im positiven Sinne anders präsentierende Mannschaft versprochen, gestaltete sich deren Auftritt in Bremen so, dass nach Abpfiff Schmährufe aus dem eigenen Fanblock ertönten. Nach diesen Vorfällen und einem klärenden Gespräch drei Tage später bestand wieder einmal die Hoffnung, dass nun jeder Spieler über den Ernst der Lage im Bilde ist. Und mit Leidenschaft fortan sein Bestes gibt. Soweit der Anspruch.

Die Realität in Halbzeit eins sah einmal mehr anders aus. Bereits nach vier Minuten konnte sich die Abwehr bei ihrem Torwart Carsten Nulle bedanken, dass dieser einen 18-Meter-Schuss von Thee noch eben so um den Pfosten hatte lenken können. Nach dem Abspiel von Gunnlaugsson stand Hachings Nummer 18 nämlich recht ungedeckt vor der Strafraumgrenze. Dabei hatte Wolfgang Frank die zentrale Offensivposition im Mittelfeld unbesetzt gelassen, um mit Eugen Bopp und Torsten Ziegner wieder zwei Abräumer vor der Abwehr als Doppelsechs installieren zu können. Wütende Proteste setzte es in Minute 13. Erinnerungen an eine folgenschwere Fehlentscheidung aus dem Thüringen-Derby kamen hoch, als viele Zuschauer Yilmaz im Abseits sahen. "Und dann wundern die sich, wenn Bierbecher fliegen", spielte ein wütender Fan auf Vorfälle beim FC St. Pauli an. Doch diesmal waren die Proteste unberechtigt. Yilmaz stand bei der Ballabgabe nicht im Abseits und vermochte darüber hinaus aus der sich bietenden Chance kein Kapital schlagen, weil Nulle erneut hervorragend reagierte.
Die Erinnerungen an die letzten Spiele ließen einen freilich auch in der Folgezeit nicht los. Wer rekapitulierte, wie beim Heimspiel gegen Koblenz beide Gegentreffer zustande gekommen waren, konnte nur mit dem Kopf schütteln über die Art und Weise, mit der Jena erneut in Rückstand geriet. Dabei waren wie immer bei Standards ausnahmslos alle Zeiss-Spieler im und am eigenen Strafraum versammelt, als Mitterhuber einen Freistoß von der linken Seite hoch hinein beförderte, Hain zum Kopfball hochstieg und aus sechs Metern verwandelte. Hätte Nulle hier eingreifen müssen ? Oder durfte er annehmen, Hains Bewacher Marco Riemer würde die Situation klären können ? Wie immer auch die Antwort lautet, das dritte Gegentor in Folge nach einem ruhenden Ball hoch in den Strafraum hinein schreit geradezu nach gezielter Trainingsarbeit unter der Woche. Auch eine zweite Parallele zum Heimspiel vor zwei Wochen blieb uns nicht erspart, denn der gegnerische Doppelpack innerhalb kurzer Zeit war nach einer halben Stunde perfekt. Wieder gab Marco Riemer eine unglückliche Figur ab, als er sich Mitte der eigenen Hälfte tunneln ließ. Tunjic hätte daraufhin bereits selbst den Abschluss suchen können, spielte aber noch mal nach rechts ab, wo Amchaibou aus vollem Lauf Nulle keine Chance ließ.
Zwei Gegentore und noch keine eigene Möglichkeit. Unsicher hinten und wirkungslos vorn - kein Wunder, dass sich mit Orlando und Sören Eismann neue Spieler für Abwehr UND Angriff umziehen durften. Ihrer Einwechslung noch in Halbzeit eins kam jedoch der Anschlusstreffer zuvor. Nils Pichinot war von Orkan Balkan gelegt worden. Der sonst etwas kleinlich leitende Schiedsrichter Benedum pfiff hier zurecht. "Ziege, Ziege", ertönte es vereinzelt von den Rängen. Doch Jenas Mittelfeldroutinier war in Bremen mit einem schwach geschossenen Elfer gescheitert und trabte deshalb nur zögerlich Richtung Elfmeterpunkt. Mit ungleich mehr Entschlossenheit schnappte sich Ronny Nikol das Leder, visierte die rechte untere Ecke genau an und war gut beraten damit, denn Kampa im Gästegehäuse ahnte die Richtung, kam aber zu spät. Dass sich trotz dieses Hoffnungsschimmers nichts weiter tat bis zum Kabinengang rundete das traurige Bild ab, welches die Jenaer Elf vor der Pause bot. Vergnügungssteuer kann auf Heimspiele des FC Carl Zeiss seit einiger Zeit ohnehin nicht mehr erhoben werden, aber weshalb die Vorpausenleistungen stets und ständig derart radikal abfallen, hat noch niemand plausibel erklären können.

Für die bestenfalls unauffälligen Bopp und Pichinot kamen Eismann und Orlando mit Beginn der zweiten 45 Minuten doch noch zum Einsatz. Prompt ergaben sich die ersten, kleineren Chancen aus dem Spiel heraus, bei denen Hähnge aber kein Erfolg beschieden war. Als Brown Forbes auf der rechten Seite engagiert den Ball behauptete, anschließend Schmidt schön in den Strafraum flankte und Orlando per Kopf den Abschluss suchte (51.), wehte mal ein Hauch von ansehnlichem Fußball durchs Ernst-Abbe-Sportfeld. Alles in allem aber blieb es ein von Kampf geprägtes Match, das seine Vorentscheidung hätte erfahren können, wenn Carsten Nulle nicht auch in Minute 59 reaktionsschnell einen Ball von Gunlaugsson vereitelt hätte. Linksverteidiger Nikol hatte in der Mitte aushelfen müssen, wodurch dessen Seite kurzzeitig verwaist war und die Hachinger dort freie Bahn hatten. Keine sechzig Sekunden nach Nulles Rettungstat bietet sich Sebastian Hähnge dann die Riesenchance zum Ausgleich: Exakt im richtigen Moment von Orlando angespielt, sieht Jenas noch immer erfolgreichster Schütze einzig und allein Gästeschlussmann Darius Kampa vor sich. Zwar zirkelt Hähnge das Leder am Keeper vorbei, doch zum Entsetzen des eigenen Publikums fliegt es auch neben den linken Pfosten. Lange Zeit noch einer der Besten im Saisonverlauf, zeigte die Formkurve von Sebastian während der letzten Wochen merklich nach unten. Ein Treffer hätte gerade ihm neuen Auftrieb verleihen können.
Chance vertan, aber noch war immerhin eine halbe Stunde zu spielen. Statt der ausgewechselten Bopp und Ziegner spielten nun Schmidt und Eismann vor der Abwehr, Brown Forbes war auf seiner Seite nach hinten gerutscht. Um ein Haar hätten sich zwei Hachinger Verteidiger beim Abwehrversuch gegen Orlando den Ball ins eigene Netz gelegt. Kampa war bereits geschlagen, doch der Pfosten rettete in der 70. Minute für die Vorstadt-Münchener. Ausgerechnet Orlando, dessen Weggang zum Saisonende bereits feststeht, blieb auch die letzte nennenswerte Chance in Minute 77 vorbehalten. Nach schönem Solo gestaltete sich sein Schuss leider nicht platziert genug, weil genau auf den Torhüter. In den restlichen Minuten trieb es beide Innenverteidiger mit nach vorn. Sogar Nulle tauchte bei einem Eckball wieder mal im gegnerischen Strafraum auf. Wirkliche Gefahr wussten aber auch sie nicht mehr herauf zu beschwören. In den letzten Ball des Spiels, unkontrolliert von Ullmann ins Seitenaus befördert, ertönte der Schlusspfiff, welcher die Serie an sieglosen Spielen auf acht anwachsen ließ.

Obwohl sich am Abstand zu den Abstiegsrängen nichts veränderte, liegen die Nerven blank. Aykut Öztürk kritisiert öffentlich Mannschaftskameraden, weil diese ihm zu lässig trainieren. Und den Trainer dafür, dass er Josip Landeka gar nicht in den Kader genommen hat. Öztürks Forderung "Irgendwer muss mal einen Punkt setzen", würde Aufsichtsratschef Dr. Töpel lieber heute als morgen in die Tat umsetzen. Dem Vereinspräsidenten Hartmut Beyer bei geöffneten Mikrofonen einen Mangel an Charakter zu unterstellen, ist allerdings ganz schlechter Stil. Denn eine zwischen den Entscheidungsträgern geführte und über die Medien ausgetragene Schlammschlacht ist nun wirklich das Letzte, was der FCC in seiner Situation braucht. Es scheint, als würde derzeit auch der Anspruch an einen besonnen und seriös geführten Verein der Realität ein bisschen hinterher hinken. <fc>

SV Werder Bremen II - FC Carl Zeiss Jena 0:0

Bremen: Vander; Schmidt, Balogun, Stallbaum, Hessel; Schindler (74. Thy), Kroos (58. Ronneburg), Ikeng, Trinks (58. Nagel), Stevanovic; Testroet
Jena: Nulle; R. Schmidt, Riemer, Voigt, Nikol; Brown Forbes (85. Eismann), Bopp, Ziegner, Öztürk (88. Ullmann); Pichinot (73. Orlando), Hähnge

Zuschauer: 876

Schiedsrichter: Thomsen (Kleve)

Spielbericht
Am Ende einer englischen Woche wartete am 32. Spieltag die zweite Vertretung von Werder Bremen auf den FC Carl Zeiss Jena, deren derzeitige Platzierung als Vorletzter in den Medien die Vokabel vom "6-Punktespiel" aufkommen ließ. Sicherlich, nachdem für den FCC nach sechs sieglosen Spielen die Abstiegsgrenze gefährlich nahe gekommen ist, würde ein Auswärtssieg an der Weser einen willkommenen Punktabstand nach unten schaffen. Die Chancen dafür standen eigentlich nicht so schlecht, wenn man bedenkt, dass es sich bei den Werder-Bubis um den einzigen Gegner in dieser Saison handelt gegen den wir noch nie verloren haben.

Bremen empfängt die Gäste wie gewohnt auf Platz 11 des Geländes neben dem Weserstadion bei nettem Frühlingswetter um die 15 Grad und Sonnenschein. Rund 300 Blau-Gelb-Weiße haben sich in der Gästekurve eingefunden und verlieren sich etwas im weiten Rund. In der ersten Halbzeit starten beide Mannschaften mit körperlich engagierten Spiel im Mittelfeld können jedoch beide kaum große Torgefahr ausstrahlen, da die Abwehrreihen die gegnerischen Stürmer jeweils gut im Griff hatten. Auf Jenaer Seite versucht man je länger das Spiel andauert immer häufiger mit hohen Bällen auf die Spitzen, die diese jedoch überhaupt nicht verarbeiten können. Optisch wirkt der FCC leicht besser, kann aber lediglich zwei, drei Halbchancen durch Fernschüsse und Standards für sich verbuchen, während die Bremer lediglich einmal gefährlich nach einem Freistoß abschließen können. Das spielerische Niveau der Begegnung entsprach dabei weitestgehend der Tabellenposition beider Mannschaften.

In die zweite Halbzeit starten die Bremer engagierter und drücken die Jenaer nun tiefer in deren Hälfte. Lediglich mit Konterangriffen können die Jenaer jetzt für Entlastung sorgen. Und bei genau so einem Konterangriff wird Öztürk in der 50. Minute durch einen Bremer im Strafraum regelrecht über den Haufen gerannt und Schiedsrichter Thomsen zeigt auf den Elfmeterpunkt. Daß Elfmeterschütze Torsten Ziegner dann mit einem schlecht platzierten Schuss an Vander scheitert wunderte dann eigentlich schon gar nicht mehr. Denn bis zu diesem Zeitpunkt machte die Partie schon viel zu sehr den Eindruck, dass nur ein Eigentor noch einen Sieger der Partie ermitteln würde. Zwar wurden die Bremer nun im Mittelfeld besser und es gelang ihnen auch, das eine oder andere Mal eine Anspielstation im Strafraum zu finden, aber zwingende Chancen können sie sich wieder nicht erspielen. Wieder sind es nur Fernschüsse und Zufälligkeiten die Gefahr vor dem Jenaer Tor erzeugen.

Am Ende bleibt ein 0:0 der besseren Sorte, wenn man die Tabellenplätze der beiden Mannschaften mit in Betracht zieht. Auf Jenaer Seite waren vor allen Dingen die Außen Öztürk und Brown-Forbes die auffälligsten Spieler und auch Torsten Ziegner hat, trotz des verschossenen Elfers, nachgewiesen, dass er ohne weiteres noch im Mittelfeld des FCC in der dritten Liga in die Startformation gehören kann. Ob das Sturmduo Pichinot - Hähnge allerdings der Weisheit letzter Schluß ist, darf angezweifelt werden, dafür blieben beide in den 90 Minuten zu unauffällig. Aber war auch Orlandos Einsatz in den letzten zwanzig Minuten von wenig Erfolg gekrönt. Hier dürfte das Hauptproblem für Trainer Frank für die nächste Partie liegen, nachdem der Abwehrverbund gegen Bremen einen ordentlichen Eindruck hinterließ. Fazit: Beide Mannschaften waren "stets bemüht", ob das am Ende der Saison ein "genügend" oder ein "ungenügend" bedeutet, werden erst die nächsten Spiele zeigen. Die Punkteteilung in Bremen war jedenfalls verdient und geht auch mit diesem Ergebnis so in Ordnung. <tn>

Bericht auf werder.de

FC Carl Zeiss Jena - TuS Koblenz 2:2

Tore: 0:1 Kittner (13.), 0:2 Steegmann (19), 1:2 Brown-Forbes (29.), 2:2 Brown-Forbes (86.)

Jena: Nulle; Riemer, Voigt, Nikol, Landeka (24. Brown-Forbes); Ullmann (62. Reimann), Bopp (51. Ziegner), Eismann, Orlando; Hähnge, Öztürk
Koblenz: Paucken; Riemer, Kittner, Haben, Gentner; Bender (83. Laux), Stahl, Hornig, Rahn; Steegmann (88. Hawel), Hahn (90. Mund)

Zuschauer: 4819

Schiedsrichter: Achmüller (Bad Füssing)

Spielbericht
Die Siegesserie unmittelbar nach der Winterpause hatte manchem Jenaer Fußballer offenbar eine trügerische Sicherheit vermittelt und während sich die Blicke in der Tabelle bereits nach oben richteten, hörte man auf dem Platz auf, die nötigen Punkte zu sammeln. Vor dem Koblenz-Spiel mahnten fünf sieglose Spiele in Folge und ein Abstand von nur noch drei Punkten zu den Abstiegsplätzen dringend dazu, guten Leistungen wie in der zweiten Halbzeit bei Hansa Rostock auch wieder Punkte folgen zu lassen.

Dennoch beginnt der FCC erneut unkonzentriert, kann aus diversen Standards kein Kapital schlagen. Ganz anders die Gäste aus Koblenz: Innerhalb weniger Minuten spielt sich die TuS einen beruhigenden 2:0-Vorsprung heraus und nutzt die Fehler in der Jenaer Hintermannschaft gnadenlos aus. Bei zwei Freistößen in der 13. und in der 19. Minute agiert die Jenaer Abwehr ungeschickt und stellt Carsten Nulle vor unlösbare Aufgaben. Aus Nahdistanz hat er weder beim ersten Tor von Kittner noch beim 2:0 durch Steegmann eine Chance, die Einschläge zu verhindern. In der Folge zeigte der FCC zunächst jene Verunsicherung, die nach einem solchen Doppelschlag zu erwarten ist, aber nur fünf Minuten später reagiert Trainer Wolfgang Frank und bringt Felicio Brown-Forbes für Josip Landeka, der bereits in der 11. Minute die gelbe Karte nach einem Foul gesehen hatte. Als Forbes dann in der 29. Minute einen Pass aus der Abwehr im Mittelfeld aufnimmt und den Ball am herausstürzenden Gästetorwart Paucken vorbei ins Tor schieben kann, geht doch so etwas wie ein Ruck durch die Mannschaft. Der FCC ließ sich von nun an nicht mehr in der eigenen Hälfte einschnüren, ging mit mehr Biss in die Zweikämpfe und sorgte somit endlich für ein ausgeglichenes Spiel. Selbst der Ausgleich wäre noch vor der Halbzeitpause möglich gewesen, zweimal Öztürk und auch Orlando hatten die Chancen dazu auf dem Fuß.

Die zweite Halbzeit beginnt mit unveränderter Aufstellung auf beiden Seiten und zum Glück für die Fans spielt die Jenaer Elf so weiter, wie sie es in den letzten Minuten der ersten Halbzeit getan hat. Die Mannschaft drückt und erarbeitet sich durch Öztürk (47.), Hähnge (54.) und Nikol (63.) mehrere gute Einschussmöglichkeiten, die alle nur knapp vergeben werden. In dieser Phase war von Koblenz nichts zu sehen. Der FCC ging viel besser in die Zweikämpfe und konnte sich so viele Bälle erkämpfen. Leider vermasselte zu oft die fehlende Präzision im Abschluss den Erfolg. So kam lange nichts Zählbares heraus, aber weil auch die Fans mit ihrer Unterstützung nicht nachließen, gelang der Mannschaft durch Felicio Brown-Forbes in der 86. Minute doch noch der verdiente Ausgleich nachdem Paucken einen Ziegner-Freistoß nur zur Ecke ablenken konnte. Der folgende Eckball kam zu Orlando, der diesen wieder in den Strafraum zurückbrachte, wo ihn Felicio Brown-Forbes dann im Netz versenkte. Mit etwas zu viel Glück hätte Jena dieses Spiel sogar noch gewinnen können, aber zuerst Christian Reimann und dann Sebastian Hähnge per Kopf verfehlten in der Nachspielzeit nur ganz knapp das Koblenzer Tor.

Am Ende bleibt erneut nur ein Punkt in Jena. Wie wichtig er im Abstiegskampf noch werden kann, bleibt abzuwarten. Trainer Wolfgang Frank legte in seiner Spieleinschätzung den Finger in die Wunde. "… die ersten 20 Minuten sind unter der Kategorie einzuordnen: nicht potent gewesen, alles vergessen, den Gegner eingeladen…" Für das Spiel am Wochenende gegen Bremens Zweite fordert er "… brutalsten Einsatz" und hofft darauf, dass die Spieler "… die richtigen Lehren aus den vergangenen Spielen ziehen". Mit dieser Hoffnung dürfte Frank nicht alleine sein, denn auch die Fans warten seit Wochen auf einen Dreier, um das Abstiegsgespenst langsam aber sicher aus dem Paradies vertreiben zu können. <jh>

Spielbericht auf tuskoblenz.de

FC Hansa Rostock - FC Carl Zeiss Jena 2:1

Tore: 1:0 Jänicke (61.), 2:0 Landeka (67., ET), 2:1 Voigt (73.)

Rostock: Hahnel; Schyrba, Stoll, Pannewitz, Pelzer; R. Müller (74. Trybull), Ziegenbein, Lartey, Jänicke; Schied (82. Albrecht), Vujanovic (86. Evljuskin )
Jena: Nulle; Riemer, Voigt, Nikol (78. Ziegner), Landeka; Brown Forbes (62. Reimann), Truckenbrod (17. Eismann), Bopp, Öztürk; Ullmann, Hähnge

Zuschauer: 18000

Schiedsrichter: Thielert (Buchholz i. d. Nordheide)

Spielbericht
Sonne, frühsommerliche Temperaturen, 18.000 Zuschauer - beste Bedingungen für einen DDR-Oberligaklassiker. Ein dunkler Fleck trübte aber die Freude vorm Spiel: Ich hatte mir leichtsinnigerweise im Stadion ein Bier (hieß "Rostocker" und schmeckte wie "Hafen-Bräu") gekauft und erntete unter der Gegentribüne entgeisterte Blicke der umstehenden Fischköppe, als ich den Becher nach einigen gequälten Schlucken mehr als halb voll im Müllcontainer versenkte, weil der Geschmack scheußlicher war als es jeder Spielausgang sein konnte. Wobei man selbst mit viel Optimismus angesichts der Ausgangslage nicht mehr als auf ein glückliches Pünktchen zu hoffen wagte, als die Mannschaften zur Titelmusik der Serie "Zur See" aufliefen.

Bopp hatte den ersten - und übrigens auch den letzten - Torschuss der Partie, als er nach 50 Sekunden leider 3-4 Meter zu hoch zielte. In der 3. Minute traf Hansas Jänicke aus spitzem Winkel das Außennetz - und dann gab es bis zur 40. Minute keine Torchance, die die Tinte zum Notieren wert gewesen wäre. Der FCC stand sicher in der umgestellten Abwehr (Nikol als IV, Riemer als RV) und störte die Gastgeber von Anfang an bereits in deren eigenen Hälfte. So lief in deren Spielaufbau nicht viel zusammen und sie versuchten es oft und schlecht mit langen Bällen. Rutschte der Ball doch einmal in den Jenaer Strafraum, so klärten Nikol und Voigt gnadenlos. Hansa konnte sich dann zwar über einen Eckenstand von 5:0 freuen, der FCC aber über den viel wichtigeren Spielstand von 0:0. Selbst als Eismann nach einer Viertelstunde für Truckenbrod kam, änderte sich daran nichts, dass der FCC mit viel Engagement die spielerischen Vorteile Rostocks kompensierte. Erst in den letzten fünf Minuten vor der Pause wurde es noch einmal brenzlig: Als Riemer am Ball vorbeigrätschte, traf Ziegenbein aus spitzem Winkel nur das Außennetz (40.). Zwei Minuten später flankte Lartey von der rechten Seite punktgenau auf den Kopf des an der Torraumlinie hochsteigenden Vujanovic, aber Nulle entschärfte den Ball reaktionsschnell. Nochmals zwei Minuten später stand wiederum Vujanovic völlig frei vor Nulle, traf aber zum einen den Ball nicht voll, und stoppte aber zum anderen den Ball mit den Armen und der insgesamt sehr gute Referee Thielert pfiff folgerichtig die Aktion ab.

Nach der Halbzeitpause erwarteten wir eine Fortsetzung der letzten fünf Vorpausenminuten, aber zunächst entlockte mir Hähnge einen lauten Fluch (war aber dahingehend egal, da man uns schon zu Spielbeginn als Zeiss-Fans in Zivil geoutet hatte und es bis auf einzelne Pöbeleien erträglich blieb), als er sich im Laufduell gegen den Verteidiger durch- und den Ball an den Posten setzte (47). So rollte die nächste Viertelstunde eine Angriffswelle nach der anderen aufs Jenaer Tor zu, aber Nulle hielt, etwa gegen Jänicke in der 53. Minute, das torlose Remis fest. Fast schon konnte man den Eindruck bekommen Rostocks Spieler und Zuschauer standen angesichts der Erfolglosigkeit des Anrennens nur wenige Millimeter vorm Verzweifeln, als plötzlich Jänicke mit dem Ball auf der linken Seite losstürmte, erst einen, dann den zweiten Jenaer ignorierte, in den Strafraum ging und aus relativ spitzem Winkel Nulle mit einem Schuss ins lange Ecke überwand (61.). Eine wilde Einzelaktion statt eines gepflegten Spielzugs brach den Bann! Rostock suchte die Entscheidung und fünf Minuten später parierte Nulle einen Schuss aus Nahdistanz (nach vorhergehendem Freistoß und Kopfballablage) mit den Fäusten und erhielt den blau-gelb-weißen Hoffnungsfunken. Aber dann wandte sich Glücksgöttin Fortuna für einen Moment vom FCC ab und eine Hansaflanke prallte von Landekas Oberschenkel ab und ging als Bogenlampe über Nulle hinweg ins Netz - 0:2 (68.). Im ersten Moment resignierte ich innerlich, aber der FCC reagierte nicht bedrückt-resignierend, sondern spielte plötzlich nach vorn! Ullmanns Schuss von der rechten Außenbahn konnte Hansa-Keeper Hähnel erst im zweiten Zupacken kontrollieren (72.) und keine sechzig Sekunden später lag der Ball fast auf der gleichen Stelle - Freistoß für den FCC. Landeka brachte den Ball scharf aufs Tor und - ob Voigt mit dem Kopf dran war oder nicht, war live in der Spielertraube nicht zu sehen - er stoppte erst im Tornetz - 1:2. Und nun ging es in diesem in der zweiten Halbzeit für einen neutralen Zuschauer sowieso schon ansehenswerten Match hin und her. Rostock wollte das dritte Tor zur endgültigen Spielentscheidung, der FCC den Ausgleich. Dabei hatten die Hanseaten aber offensichtlich mehr Angst vorm Versagen als unsere Jungs, denn ihren Angriffen fehlte ganz vorn die Gefährlichkeit. Lediglich einmal noch musste Nulle ernsthaft eingreifen, als er einen 20-m-Schuss Jänickes hielt. Dagegen verfehlte Landeka in der 78. Minute mit einem direkten Freistoß ganz knapp den langen Pfosten, Bopp (83. min) schoss nach Doppelpass mit Ullmann an der Strafraumgrenze freistehend direkt auf den Torwart und als der eingewechselte Ziegner Riemann mit einem Traumsteilpass bediente, warf sich im letzten Moment ein Hansa-Verteidiger in den Schuss (85.). Eine Minute später schieben sich Bopp und Hähnge am Strafraum in Mittelstürmerposition mehrmals den Ball hin und her, aber keiner der beiden kommt zum Schuss. Und Bopp blieb, wie schon erwähnt, auch der letzte Torschuss vorbehalten, Hähnel ließ sich aber nicht überwinden. Nach nur zwei Minuten Nachspielzeit gab der Schiedsrichter den wiederholten "Abpfiffen" aus dem Publikum (solche Pfeifen gibt es also nicht nur bei uns) nach und erlöste die Rostocker Zuschauer.

Es bleibt als Resümee, dass der FCC große Teile der Partie gut spielte, Hansa mehr als erwartet abverlangte und sich letztendlich durch wenige unaufmerksame Momente und Inkonsequenz im Abschluss selbst bestrafte. Das Problem war und ist nicht die Niederlage in Rostock - dort kann man verlieren -, sondern die vorhergehenden vier Spiele im März. Es kommt darauf an, diese an sich gute Leistung gegen die nächsten Gegner erneut abzurufen. <uk>

Spielbericht der Hanseaten

SSV Jahn Regensburg - FC Carl Zeiss Jena 0:0

Regensburg: Hofmann; Jarosch, Maul, Nachreiner, Binder (83. Erfen); Haller, Hörnig, Hein, Alibaz (71. Temür); Stoilov (85. Schmid), Schweinsteiger
Jena: Nulle; R. Schmidt, Riemer, Sichone (46. Brown Forbes), Nikol; Landeka, Truckenbrod, Bopp (46. Ziegner), Öztürk; Reimann (64. Pichinot), Ullmann

Zuschauer: 3086

Schiedsrichter: Steinberg (Korntal)

Spielbericht
Vier Wochen nach dem ursprünglich vorgesehenen Termin, gastierte der FCC unter komplett veränderten Rahmenbedingungen beim SSV Jahn Regensburg. Nicht nur, dass der Rasen im städtischen Jahnstadion trotz bedecktem Himmel nicht gefroren und damit im Gegensatz zu Ende Februar bespielbar war, auch personell musste Trainer Wolfgang Frank einige Veränderungen vornehmen. Für den aufgrund seiner fünften gelben Karte aus dem Derby gesperrten Alexander Voigt rückte Moses Sichone in die Innenverteidigung, Josip Landeka begann auf der ungewohnten rechten Seite im Mittelfeld und Aykut Öztürk, der trotz Knieproblemen auflaufen konnte, nahm die Position im linken Mittelfeld ein, nachdem Orlando Smeekes aufgrund seiner gelb-roten Karte aus dem Derby ebenfalls nicht spielberechtigt war.  In der Sturmreihe musste Wolfgang Frank Sebastian Hähnge ersetzen, der aufgrund einer Bronchitis gar nicht mit in die Oberpfalz gereist war. Zum Einsatz kam hier neben Martin Ullmann Christian Reimann, der damit erstmals seit dem 21. Spieltag wieder in der Startelf stand.

Der gastgebende SSV Jahn Regensburg begann forsch und legte alles daran, den Heimfluch von zehn sieglosen Spielen in Folge  zu beenden. Auf Seiten des FCC machten sich die Umstellungen deutlich negativ bemerkbar und gerade der Defensive gelang es anfangs nur mit Mühe, eine gewisse Ordnung zu finden. Die wenigen Szenen mit Ballbesitz des FCC in der Anfangsphase, wurden leichtfertig verspielt. Hierzu trug sicherlich auch bei, dass sich weder Linksfuß Landeka auf der rechten, noch Aykut Öztürk auf der linken Seite im Mittelfeld wirklich wohl fühlten und daher ebenfalls deutliche Schwierigkeiten hatten, ins Spiel zu finden. Folgerichtig musste Carsten Nulle bereits in der 2. Minute einen Schuss von Jahn-Stürmer Petr Stoilov zur Ecke klären, der nahe des Fünfmeterraumes recht unbedrängt zum Abschluss kam. In Minute 10 war es ebenfalls am Schlussmann des FCC, eine gefährliche Offensivaktion der Regensburger zu entschärfen - diesmal konnte er einen Schuss im Nachfassen entschärfen. Und auch in der Folgezeit war der SSV Jahn Regensburg klar die spielbestimmende Mannschaft, während sich der FCC auf die Defensivarbeit beschränkte und hiermit alle Hände voll zu tun hatte. Nach einer Viertelstunde kam der ehemalige FCC-Spieler und jetzige Jahn-Kapitän Alexander Maul zunächst im Strafraum von Carsten Nulle zu Fall, doch nachdem der Ball nicht geklärt werden kann, kommt erneut Maul an den Ball und prüft Carsten Nulle mit einem Flachschuss, der bei dem tückisch aufsetzenden Ball seine ganze Klasse zeigen muss, um den Rückstand zu vermeiden. In der 18. Minute gab es die erste halbwegs gefährliche Offensivszene für den FCC: Eugen Bopps Schuss auf den Kasten von Michael Hofmann wird von einem Regensburger Spieler noch abgefälscht, so dass es den ersten Eckball für den FCC gibt. Dieser wird jedoch von Ronny Nikol ins Toraus gespielt, nachdem vor der Schussszene von Eugen Bopp auf Höhe der Mittellinie Josip Landeka und Sebastian Nachreiner zusammengestoßen waren und sich die Regensburger, allen voran Tobias Schweinsteiger, durch das Weiterspielen des FCC ungerecht behandelt fühlten. Fünf Minuten später profitierte Christian Reimann nach einem Eckball von Eugen Bopp davon, dass Regensburgs Torhüter Michael Hofmann den Ball nicht fangen konnte - Reimanns Kopfball ging dennoch deutlich rechts am Gehäuse vorbei. In der 24. Minute kam es vor dem Tor von Carsten Nulle erneut zu einer gefährlichen Szene, weil die Defensive des FCC nicht im Bilde war. Zum wiederholten Mal war es Alexander Maul, der per Kopf an den Ball kam und diesen zum Entsetzen der ca. 400 – 500 FCC-Fans vor Ort über die Linie drückte. Doch Schiedsrichter Florian Steinberg aus Korntal unterbrach den Jubel der Hausherren recht abrupt durch seinen Pfiff. Er hatte in dieser Szene ein Stoßen eines Regensburger Spielers gesehen und wertete den Treffer daher, zum Glück für den FCC, nicht. Über den Rückstand hätte man sich nach den Spielanteilen und den Chancenvorteilen für Regensburg zu diesem Zeitpunkt sicher nicht beschweren dürfen. Der Seitentausch der beiden Außenspieler im Mittelfeld des FCC (Josip Landeka und Aykut Öztürk) nach ca. 25 Minuten verpuffte dabei nahezu ungesehen.
Einen rabenschwarzen Tag erwischte heute Moses Sichone, dem in der Innenverteidigung so gut wie nichts gelang und der mit beiden Regensburger Stürmern massive Probleme hatte. In der 29. Minute ließ er sich von Tobias Schweinsteiger an der rechten Strafraumkante viel zu leicht austanzen. Er durfte sich in dieser Szene bei Carsten Nulle bedanken,  der den anschließenden Schuss von Schweinsteiger aus spitzem Winkel klasse entschärfte und zur Ecke klärte, die nichts einbrachte. Zwei Minuten nach dieser Szene gab es infolge eines Fouls an Josip Landeka Freistoß für den FCC aus ca. 25 - 30 Metern halblinker Position. Nachdem dieser von Jens Truckenbrod getreten, durch die Regensburger Abwehrreihe geblockt wurde, entwickelte sich eine sehr gefährliche Konterchance für den SSV Jahn und es ist nur dem Umstand zu verdanken, dass die Offensivspieler der Regensburger diese überhastet vergaben, dass hierdurch nicht deutlich mehr Gefahr für das Tor des FCC entstanden ist. Als in der 36. Minute ein Kopfballaufsetzer der Regensburger nur knapp über das Tor ging, hatte Wolfgang Frank offenbar genug gesehen und schickte noch vor der Halbzeit die Auswechselspieler zum Aufwärmen hinter das Tor von Carsten Nulle. Ein klares Zeichen an die gesamte Mannschaft! Kurz vor der Pause vertändelte Eugen Bopp vor dem eigenen 16er vollkommen unnötig einen Ball und weiß sich letztendlich gegen den Regensburger Spieler nur noch durch ein Foul zu helfen. Zum Glück können die Oberpfälzer aus der sich bietenden Freistoßchance aus 20 Meter kein Kapital schlagen, nachdem der Ball von der Mauer der FCC-Spieler abgeblockt werden kann. Anschließend pfiff der Schiedsrichter zur Halbzeit und man konnte sich ob der klaren Torchancen für Jahn Regensburg und der deutlich größeren Spielanteile glücklich schätzen, dass es noch torlos 0:0 stand.

Zu Beginn der 2. Halbzeit nahm Wolfgang Frank zwei Spielerwechsel vor. Für Eugen Bopp rückte Torsten Ziegner neben Jens Truckenbrod ins zentrale Mittelfeld und auch Moses Sichone blieb nach einer erschreckend schwachen Leistung in der Kabine. Für ihn kam Felicio Brown-Forbes, der etwas überraschend nicht von Beginn an aufgelaufen ist. Forbes nahm die Position im rechten Mittelfeld von Aykut Öztürk ein, der auf die linke Mittelfeldseite wechselte. Von dort rückte Josip Landeka nach hinten auf die linke Abwehrposition und Ronny Nikol ersetzte Moses Sichone in der Innenverteidigung. Die Maßnahme von Wolfgang Frank führte dazu, dass die Innenverteidigung des FCC fortan stabiler wirkte und man nicht bei jeder Offensivaktion der Regensburger direkt Angst haben musste, ein Gegentor zu kassieren. Und auch von der Einstellung her, sah man zu Beginn der 2. Halbzeit eine grundveränderte Mannschaft. Man störte den Gegner früher und ließ ihn somit lange nicht so sehr zur Entfaltung kommen, wie noch über weite Strecken im ersten Spielabschnitt. Folglich konnte man die Regensburger weiter vom eigenen Gehäuse entfernt halten, kam selbst besser ins Spiel und erarbeitete sich zu Beginn der 2. Halbzeit auch die ein oder andere Offensivaktion, ohne jedoch wirklich für Torgefahr zu sorgen. So ging ein Schuss des heute besten Jenaers, Jens Truckenbrod, in der 51. Minute ebenso über das Tor wie ein Freistoß von Torsten Ziegner aus 35 Metern knapp 10 Minuten später. Kurz nach diesem Freistoß machte Wolfgang Frank von der dritten und letzten Wechselmöglichkeit Gebrauch und brachte Nils Pichinot für Christian Reimann, der wie immer viel lief und Einsatz zeigte, aber mangels Anspielen aus dem Mittelfeld zumeist, ebenso wie Sturmkollege Martin Ullmann, in der Luft hing. In der 65. Minute ergab sie wie aus dem Nichts die Chance zum Führungstreffer für den FCC. Nach einem Eckball von Jens Truckenbrod kam Marco Riemer in zentraler Position vor dem Regensburger Tor vollkommen unbedrängt zum Kopfball. Ihm gelang es jedoch nicht, den Kopfball ordentlich zu platzieren und so war der Ball auf die Mitte des Regensburger Gehäuses letztendlich sichere Beute für Michael Hofmann. Da war deutlich mehr drin für den FCC. Fünf Minuten später war das Glück hingegen wieder auf Seiten der Jenaer. Nach einem starken Solo von Marco Haller zog Petr Stoilov ab und traf nur den linken Pfosten des Tores von Carsten Nulle, der in dieser Situation wohl nicht mehr an den Ball gekommen wäre. Nur drei Minuten später ergab sich infolge eines Ballverlustes von Felicio Brown-Forbes erneut die große Möglichkeit für die Regensburger zum Führungstreffer, doch Schweinsteiger zielte aus halbrechter Position letztendlich deutlich links am Gehäuse des FCC vorbei.
Auch in der Schlussviertelstunde sahen die insgesamt 3.086 Zuschauer im Jahnstadion einen überlegenen SSV, der nur dank erneut toller Reaktionen von Carsten Nulle (77. und 90. Minute) nicht den verdienten Siegtreffer markierte. Der FCC beschränkte sich in dieser Zeit auf die Defensivarbeit und kam in der Nachspielzeit doch noch einmal gefährlich vor das Tor der Regensburger. 120 Sekunden nach Ende der regulären Spielzeit, zirkelte Josip Landeka einen Freistoß gefährlich auf das Tor und um Haaresbreite wäre der Ball von einem Spieler der Regensburger über die eigene Torlinie befördert worden. Im Anschluss an den dann folgenden Eckball, kam erneut der aufgerückte Verteidiger Marco Riemer mit dem Kopf an den Ball, konnte den Ball unter Bedrängnis jedoch nicht hinter die Torlinie der Regensburger drücken, auch wenn man ehrlicherweise zugeben muss, dass ein Sieg des FCC heute sicher mehr als unverdient gewesen wäre. Letztendlich ein glücklicher Punkt für den FCC, der sich bei Carsten Nulle bedanken darf, dass man die Oberpfalz nicht mit leeren Händen verlassen hat. Das heutige Spiel zeigte leider allzu deutlich, dass das Thema Abstiegskampf noch lange nicht ad acta gelegt werden kann und wer weiß, wozu der heute gewonnene Punkt im Rahmen des Abstiegskampfes noch gut sein wird. <tb>

FC Carl Zeiss Jena - FC Rot-Weiß Erfurt 1:3

Tore: 0:1 Zedi (31.), 1:1 Ullmann (59.), 1:2 Drexler (85.), 1:3 Drexler (87.)

Jena: Nulle; R. Schmidt, Riemer, Voigt, Landeka (86. Reimann); Brown Forbes (49. Ullmann), Truckenbrod, Bopp, Orlando (GRK, 35.); Hähnge, Öztürk
Erfurt: Orlishausen; Stenzel, Möckel, Bertram, Hillebrand; Weidlich (90. Lüttmann), Zedi, Pfingsten-Reddig Caillas; Reichwein (90. Ströhl), Semmer (70. Drexler)

Zuschauer: 10.992

Schiedsrichter: Rafati (Hannover)

Spielbericht
Nach Abpfiff herrschte verkehrte Welt im Ernst-Abbe-Sportfeld. "Damit kann ich nicht zufrieden sein. Da muss man sich anders präsentieren" - diese Sätze stammen vom Sieger und nicht etwa vom Verlierer dieses Thüringenderbys. Welcher hingegen viel Lob zu hören bekam, auch vom eigenen Trainer: "Kompliment an meine Mannschaft, die zweite Halbzeit war große Klasse."

Doch von vorn. Beide Mannschaften hielten sich nicht lang mit taktischem Geplänkel auf, überbrückten schnell das Mittelfeld. Bereits nach vier Minuten gab es den ersten Torjubel auf der Erfurter Bank, der jedoch schnell abebbte, als die Abseitsfahne des Schiriassistenten gesichtet wurde. Fünf Minuten später entschloss sich Orlando zu einem Alleingang. In der für ihn typischen Manier sprintete er über das halbe Spielfeld, sodass vier Erfurter im wahrsten Sinne des Wortes das Nachsehen hatten. Auch von einem versuchten Foul (für das es im Nachhinein nur eine Ermahnung gab) ließ sich Orlando nicht aufhalten. Obendrein kam noch sein Pass perfekt auf Felicio Brown Forbes, welcher von der linken Seite kommend nur noch Orlishausen vor sich sah, den aus seinem Kasten stürmenden Keeper jedoch anschoss. Welche eine Chance wurde da liegen gelassen ! Immerhin, die Nächste lässt nicht lange auf sich warten. Freistoß des für den kränkelnden Nikol ins Team gerückten Landeka, halbhoch in den Sechzehn-Meter-Raum gezogen, wo Sebastian Hähnge zum Kopfball taucht, den rechten Pfosten aber knapp verfehlt. Ein feiner Öztürk-Pass noch in Richtung Bopp, welcher gegen Orlishausen zwei Schritte zu spät kam - in zwanzig Angangsminuten wirkte Jena etwas zwingender. Danach aber zogen die Gäste die Spielregie erst einmal an sich. Ihr Stürmer Marcel Reichwein stand in Minute 25 mal nicht im Abseits, sondern zentral ohne Gegenspieler vor Carsten Nulle. Unsere Nummer 1 entschärfte diese brenzlige Situation mit einer phantastischen Beinabwehr, meisterte in den darauffolgenden Minuten auch noch einen 25-Meter-Aufsetzer Reichweins und lenkte Pfingsten-Reddigs scharf geschossenen Ball über die Latte. Nach einer halben Stunde musste aber auch er sich geschlagen geben. Zedis Ball aus gut zwanzig Metern wurde abgefälscht, nahm somit eine unvorhergesehene Flugbahn und flatterte über Nulle hinweg ins Netz. 0:1.
Ein Rückstand, mit dem sich Orlando nicht abzufinden gedachte, so derb(y) motiviert wie er war. "Um den herunter zu bekommen, braucht es mehrere Trainer", beschreibt es Wolfgang Frank, so als könne man dem Holländer auch dann nicht böse sein, wenn er mal übers Ziel hinaus schießt. Und das tat Orlando diesmal zweifelsohne. Hatte er sich doch bereits in der 33. Minute auf ein kleines Scharmützel mit Caillas eingelassen, nachdem er wegen eines Fouls die Gelbe Karte sah. Nur zwei Minuten danach auf der anderen Spielfeldseite mit Möckel auf ähnliche Art und Weise wieder aneinander zu geraten, birgt nun einmal die Gefahr einer Gelb-Roten Karte in sich, während der Erfurter als Ersttäter mit Gelb davonkam. Nach zwei Nackenschlägen innerhalb von fünf Minuten besaßen die Jenaer mit einem Mal verdammt schlechte Karten. In Unterzahl auf den Ausgleich zu drängen gelang ihnen bis zur Pause nicht mehr. Eine einzelne Offensivaktion von Hähnge neutralisierte sich mit Semmers Flachschuss.

Im Pokalspiel Ende letzten Jahres hatte der FC Carl Zeiss mit 0:1 in Rückstand liegend nach dem Seitenwechsel die Erfurter an die Wand gespielt. Aufgrund der numerischen Unterlegenheit war mit einer Wiederholung dessen aber nicht zwangsläufig zu rechnen, somit mussten zunächst einmal andere Mittel gefunden werden. Konter zum Beispiel. Wie der über Öztürk und Landeka nach 50 Minuten, in dessen Folge Landekas Hereingabe durch den Torraum flog und erst vom letztmöglichen Abwehrbein des Kontrahenten entschärft werden konnte. Oder mit Standards. Ecke von links nach 51 Minuten. Voigt erwischt den Kopfball, Pfingsten-Reddig fängt ihn auf der Torlinie stehend ab. Während unsere Elf über solche Möglichkeiten immer besser ins Spiel kam, fand ein Rot-Weißes Offensivspiel in dieser Phase überhaupt nicht statt. Aus diesem Grund war der Ausgleich in Minute 59 mehr als verdient. Der erstmals von Beginn an aufgebotene Aykut Öztürk rechtfertigte seine Nominierung allein schon mit der Vorarbeit zum Jenaer Treffer, als er energisch in den Strafraum zog,  flach vors Tor passte, sodass Martin Ullmann am langen Pfosten nur hineinrutschen musste. Ullmann ? Der war zu Beginn der zweiten Hälfte noch gar nicht auf dem Platz, kam aber vier Minuten nach Wiederanpfiff, so als wolle Wolfgang Frank nicht zusammen mit der Halbzeitansprache, sondern während des laufenden Spiels noch ein zusätzliches Signal auf Angriff stellen. Zehn Minuten später hatte der Joker gestochen. Und die Erfurter, die es sich in ihrer komfortablen Spielsituation so richtig schön gemütlich gemacht hatten, sahen einander betröppelt an.
Bemerkenswert, dass sich in den Minuten unmittelbar nach dem Ausgleich nichts am Spielgeschehen änderte ! Neun Feldspieler in Blau gewannen deutliche mehr Zweikämpfe als sie verloren, wirkten leidenschaftlicher als ihre Gegenüber. Als Martin Ullmann in Minute 77 in den Strafraum eindrang, Hillebrand seinen Laufweg kreuzte und ihn mit einem Rempler zu Fall brachte, wollte Fußball-Jena den Elfmeterpfiff. Doch Babak Rafati winkte nur ab. Und zog damit den Unmut der Zuschauer auf sich. Schon im Vorfeld der Partie war über Rafatis Ansetzung kontrovers diskutiert worden. Hatte er doch in den vergangenen beiden Bundesliga-Spielen derart kurios-abstruse Entscheidungen gefällt, dass ihm die Redakteure des Fachmagazins Kicker für seine Gesamtleistung jeweils die Note 6 verpasst hatten. Dass solch ein Referee dann erst mal aus der Schusslinie der Bundesligisten gebracht wird, ist klar. Aber muss man ihn ausgerechnet mit dem bedeutendsten Rückrundenspiel aus Thüringer Sicht beauftragen ? Bemüht objektiv betrachtet war es wohl eine Aktion aus der Rubrik 'Kann man pfeifen, muss man nicht'. Der gefoulte Akteur freilich verstand die Welt nicht mehr. "Ich lasse mich doch nicht ohne Grund fallen ! Denn wenn ich durchkomme, gehe ich allein aufs Tor", schüttelte Martin Ullmann den Kopf. Jenas Spieler ließen auch danach nicht locker. Meist wurden die Angriffsaktionen über die linke Seite eingeleitet, wo Landeka und Öztürk gut harmonierten. Von dieser Seite kam auch der Eckball in Minute 82, der zunächst direkt am Außenpfosten landete, danach von Eugen Bopp noch einmal gefährlich vors Tor gezogen wurde - nur mit etwas gar zu viel Schmackes.
Dass der Fußballgott zuweilen richtig derb ungerecht sein kann, demonstrierte er fünf Minuten vor Abpfiff.  Ein Pass aus dem Mittelfeld wird von Reichwein kurz antippend verlängert zum eingewechselten Drexler, der allein auf Nulle zuläuft und diesem keine Chance lässt. Rot-Weiß hatte bis dahin nicht eine Torchance in Hälfte zwei und zog nun so kurz vor Ultimo in Front. Die Sache hat aber eine noch viel tragischere Komponente, denn dieser Treffer hätte nie und nimmer zählen dürfen ! Ivo Leonhardt als Schiedsrichterassi auf der Tribünenseite übersah eine klare Abseitsstellung des Torschützen. Beim erster Pass stand dieser wohl noch auf gleicher Höhe mit Voigt, doch als Reichwein verlängerte, befand sich Drexler bereits drei Meter im Abseits ! Es war also nicht Herr Rafati, sondern sein Assistent, der den Spielausgang zu Jenas Ungunsten beeinflusste. Jenas neun Feldspieler mussten sich in der verbleibend kurzen Zeit zwangsläufig allesamt nach vorn orientieren. Dass Dominick Drexler wieder im Zusammenspiel mit Reichwein dadurch noch ein weiterer Treffer gelang, machte den Deckel zu über neunzig Minuten, die reichlich Stoff zum Diskutieren lieferten. Und einen äußerst glücklichen Sieger fanden. Leider aber müssen wir Gästetrainer Emmerling recht geben, wenn er meint, bei einem Derby zählen nicht so sehr die Art und Weise des Zustandekommens, sondern nur das nackte Endresultat. Jena 1. Erfurt 3. Kommende Saison darf es von uns aus gern zur Revanche kommen. <fc>

Derbyfotos

Aus der Sicht der Erfurter

VfR Aalen - FC Carl Zeiss Jena 2:1

Tore: 1:0 Fink (55., FE), 1:1 Reimann (82.), 2:1 Grüttner (85.)

Aalen: Bernhardt; Traut, Sulu, Barg, Valentini; Fink (86. Bauer), Hofmann, Schön (21. Kettemann), Dausch; Lechleiter, Grüttner (89. Haas)
Jena: Nulle; R. Schmidt, Riemer, Voigt, Nikol; Brown Forbes (78. Eckardt), Truckenbrod, Bopp, Orlando; Hähnge (32. Reimann), Ullmann (36. Öztürk)

Zuschauer: 2838

Schiedsrichter: Dittrich (Bremen)

Spielstenogramm
Erste Jenaer Niederlage im Jahr 2011 +++ Gäste finden lange Zeit nicht in die Partie +++ Trainer Frank nimmt beide Stürmer frühzeitig vom Platz +++ Nulle vereitelt Großchance von Kettemann (36.) +++ Rückstand durch einen von Voigt verschuldeten Elfmeter +++ Reimanns Kopfballtor nach Eckstoß bringt neue Hoffnung +++ Gegentreffer aus Nahdistanz lässt FCC mit leeren Händen nach Hause fahren

Fotos aus weissenburger.de
Mehr auf vfr-aalen.de

FC Carl Zeiss Jena - Rot-Weiss Ahlen 3:3

Tore: 1:0 Orlando (8.), 1:1 Vrzogic (23.), 1:2 Tayler (28.), 1:3 Tayler (43.), 2:3 Orlando (52., FE), 3:3 Hähnge (58.)

Jena: Nulle; Schmidt (45. Öztürk), Riemer, Voigt, Nikol; Brown Forbes, Truckenbrod, Bopp, Orlando; Hähnge (76. Mayombo), Ullmann (82. Pichinot)
Ahlen: Maczkowiak; Busch, Vrzogic, Flottmann, Fleßers, Piossek (83. Kluft), Tayler, Book, Hille (68. Ghasemi-Nobakht), Blacha, Wölk

Zuschauer: 4888

Schiedsrichter: Gorniak (Bremen)

Spielbericht
Nach vier siegreichen Spielen in Folge hatten wohl die meisten Zuschauer das Gefühl, dass es auch am heutigen Tage gegen die Gäste aus Ahlen nichts anderes als einen Jenaer Sieg geben dürfte. Aber genau diese Denkweise war sehr gefährlich, denn die Jenaer Kicker durften auf keinen Fall denken, dass es gegen den Tabellensechzehnten zu einem Selbstläufer werden würde.

Gerade einmal acht Minuten waren vorbei, da klingelte es bereits im Kasten der Gäste. Es gab Freistoß für die Jenaer und Orlando fasste sich ein Herz und donnerte die Kugel aus gut 30m auf das Tor. Maczkowiak, im Tor der Ahlener, konnte per Faustabwehr nicht richtig parieren und der Ball war im Netz. Traumstart für den FCC. Keine 60 Sekunden später fast das 2:0 durch Brown-Forbes, doch dessen Schuss aus halbrechter Position ging um einiges am langen Pfosten vorbei. Doch anstatt diese frühe Führung auszunutzen und im Spielaufbau ruhig und konzentrierter weiterzuspielen, nahmen die Jenaer das Tempo raus und gaben von Minute zu Minute zunehmend das Mittelfeld preis. Die Gäste wurden dadurch immer aggressiver und drückten die Jenaer in deren Hälfe. Nach 23 Minuten bekamen die Jenaer den Ball nicht aus dem Strafraum, doch Hähnge konnte sich diesen erobern. Aber anstatt die Kugel postwendend aus der Gefahrenzone zu befördern, versuchte er es auf die elegantere Weise, indem er mit Ball am Fuß aus dem Strafraum dribbeln wollte. Doch nach nur wenigen Metern blieb er hängen und es kam zum Foulspiel, so dass die Gäste in guter Position zu einem unverhofften Freistoß kamen. Vrzogic nahm Anlauf und versenkte den Ball mit einem Freistoß im Toreck. Wenige Minuten später waren dann die Jenaer Abwehrspieler sogar im kollektiven Tiefschlaf, denn eine Flanke von halbrechts landete vor den Füßen des bestes postierten Tayler, der sich diese Chance nicht entgehen ließ und eiskalt zur Führung der Gäste verwandelte. Nach gut einer halbe Stunde sogar fast das 3:1 für die Ahlener, doch Nulle konnte gerade noch dem einschussbereiten Tayler den Ball von den Füßen grätschen. Was war nur mit der Jenaer Hintermannschaft los? In den letzten Wochen so hoch gelobt und nun mit einer Reihe von Fehlern, die selbst Trainer Frank Kopfschütteln bereiteten. Drei Minuten vor der Pause hatte Ullmann die gute Möglichkeit zum Ausgleich. Nach einem Steilpass konnte er zwar den herausstürmenden Maczkowiak umspielen, doch der Ball wurde immer schneller und er erreichte ihn erst kurz vor der Grundlinie, wo der Winkel dann bereits zu spitz war, um von dort ein Tor zu erzielen. Keine 60 Sekunden später dann ein erneuter Patzer in der Jenaer Hintermannschaft. Alexander Voigt wollte per Kopf zu Nulle zurück spielen, doch sein Ball war zu kurz. Tayler spritzte dazwischen und ließ Nulle mit einem Lupfer keine Chance.

Nach 50! Minuten dann endlich der erste Eckball im Spiel für die Jenaer. Voigt kommt an den Ball und wird im Strafraum gefoult. Elfmeter! Der eingewechselte Öztürk überließ freiwillig Orlando den Ball und dieser verwandelte souverän zum Anschlusstreffer. Dieses Tor setzte bei den Platzherren auf einmal wieder Kräfte frei, denn fortan erhöhten sie die Schlagzahl und drückten auf den Ausgleich. Nur sieben Minuten später kam eine Flanke von links hoch in den Strafraum herein. Maczkowiak unterlief den Ball und Hähnge schraubte sich am höchsten, ließ sich diese Kopfballmöglichkeit nicht entgehen und traf zum vielumjubelten Ausgleich. Die wenigsten im Stadionrund hatten mit dieser Aufholjagd am heutigen Tage noch gerechnet. Und nun war sogar noch ein Jenaer Sieg drin. Orlando hätte mit seinen Torschuss (65.) oder Freistoß (70.) zum Helden des Tages werden können, doch dass wäre vielleicht des Guten zu viel gewesen. Drei Minuten vor Ultimo hätte Klaft sogar die erneute Führung für die Gäste erzielen können, aber zum Glück verfehlte er aus guter Position das Tor.

Trotz großer Moral und eines am Ende verdienten Punktes zeigte sich Jenas Trainer Frank nach dem Spiel alles andere als froh, da er sich diese vielen Unsicherheiten in der Jenaer Defensive einfach nicht erklären konnte. Nun gilt es die Fehler zu analysieren, um in der kommenden Partie wieder sicherer im Abwehrverbund zu stehen. " <vg>

Bilder des Tages
Spielbericht auf rwahlen.de

FC Carl Zeiss Jena - SV Wehen Wiesbaden 1:0

Tore: 1:0 Öztürk (77., FE)

Jena: Nulle; Schmidt, Riemer, Voigt, Nikol; Brown Forbes (83. Pichinot), Truckenbrod (88. Sichone), Bopp, Orlando; Hähnge, Ullmann (55. Öztürk)
Wiesbaden: Gurski; Neppe, Hübner, Lanzaat, Jordan; Brosinski, Abraham, Boskovic (79. Döring), Menga (58. Salem); Janjic (82. Ledgerwood), Ziemer

Zuschauer: 4808

Schiedsrichter: Glasmacher (Alsdorf)

Spielbericht
Es ist gerade mal vier Wochen her, als ich nach dem vergeigten Stuttgart-Spiel mit gesenktem Blick durchs Paradies schlich. Nur schnell heim und nein, ich will es mir nicht noch mal angucken bei ‚Sport im Osten'. Zu deprimierend erschien mir die Vorstellung einer erneuten Tauchfahrt Richtung vierte Liga. Und zunehmend realistischer! Tatsächlich fingen die ersten in Block H bereits damit an, die potentiellen Gegner der nächsten Saison zu studieren: Worte wie Havelse, Oberneuland und Meuselwitz (autsch!) machten da ganz leise die Runde und hinterließen ein beklemmendes Gefühl. Und dazu auch noch die ganzen Reservemannschaften diverser ‚Traditionsvereine', von denen ich bereits die Bundesligaausgabe als Zumutung für einen ausgeglichenen Gemütszustand empfinde. Aber 21 Punkte aus 21 zum Teil abenteuerlichen Darbietungen gaben auch wirklich nicht viel mehr her, als einen unverklärten Blick in den Abgrund. Wie gesagt, das ist vier Wochen her und wer das miterlebt hat, konnte sich gestern kaum vorstellen, daß er sich am gleichen Ort befand. Die Kritiker sind inzwischen den Optimisten gewichen und die Resignierten wurden durch Rechenkünstler ersetzt, die selbst die fußballerischen Leistungen unserer Blau-Gelb-Weißen Wundertüte noch weit in den Schatten zu stellen scheinen. Als ich nach dem Schlußpfiff irgendwo aus Reihe 7 oder 8 die Vokabel ‚Relegationsplatz' aufschnappte, bin ich vor Schreck fast umgefallen. Und manche waren doch tatsächlich fast schon wieder dabei, Fahrgemeinschaften nach Kaiserslautern und ins Bremer Weserstadion zu planen. Die Welt im Wandel, so schnell geht das!

Dabei sah es gegen Wehen-Wiesbaden lange nicht nach einem Sieg aus, weder für die einen noch für die anderen. Über weite Strecken bestand nicht mal die Notwendigkeit, die Gespräche mit den Sitzplatznachbarn über die Banalitäten des Alltags zu unterbrechen, weil sich keine der beiden Mannschaften dem gegnerischen Tor auf mehr als 20 m näherte. Meist bewegte sich eine zwölf- bis sechzehnköpfige Spielertraube von einer Strafraumgrenze zur anderen und wieder zurück. Allzuoft kam der Ball da nicht raus… Und so wurde es in der ersten Halbzeit auch nur einmal richtig gefährlich, als Nulles Abwehr viel zu kurz geriet und direkt in den Wehener Angriffslinien niederging. Das muß er wohl diese Woche bei Orle gesehen haben. Im Unterschied zu dem machte er aber seinen Fehler ohne Umschweife wieder gut und lenkte Brosinskis Flachschuß noch reaktionsschnell um den Pfosten (33.). Der hätte genau ins lange Eck gepaßt, Glück gehabt! Und Jena? Tja, was soll man schreiben, wo nix war. Ab und zu blitzte da schon mal was auf, gerade wenn man hinschauen wollte, war es aber meistens auch schon wieder weg. Der Paß zu ungenau, die Ballannahme zu schlampig. Irgendwas war immer. Nur Brown-Forbes versprühte fünf Minuten vor der Halbzeit einmal den Hauch von Gefahr, als er von Hähnge auf der rechten Seite schön freigespielt wurde, den Ball nach dem berühmten Haken zu viel aber ganz schnell wieder los war. Meine Güte, man kann sich aber auch anstellen…

Nach der Pause änderte sich am beschriebenen Zustand zunächst erst mal nichts. Beide Mannschaften beschränkten sich weiterhin ausschließlich auf die gezielte Sabotage des gegnerischen Spielaufbaus und brachten es dabei auch zu einer gewissen Perfektion. So eine Art fußballerischer Morgenthau-Plan. Erst nach geschlagenen 55 Spielminuten konnte Orlando dem frierenden Publikum ein erstes gedämpftes Raunen entlocken. Nach seinem Solo bis fast zur Grundlinie war es für ein Abspiel aber mal wieder viel zu spät und der Winkel für einen Schuß zu spitz (55.). Schade, aber immerhin waren wir jetzt schon mal munter. Nur drei Minuten nach Orlandos Aktion drosch dann Nikol von ganz hinten mal so richtig gegen den Ball. Ob nun so gewollt oder nicht, erwies sich der lange Paß als perfektes Anspiel für Hähnge, der mit seinem Schuß aus halblinker Position aber Gurski im Gästetor nicht überwinden konnte. Schade! Aber jetzt wurde es trotzdem zunehmend besser. Jena erhöhte den Druck nun deutlich und traute sich nach vorne endlich mehr zu. Dieser neue Mut resultierte zum Großteil aus der Gewißheit heraus, daß hinten eine Verteidigung stand, die auch verteidigte. Insbesondere Voigt räumte alles ab, was kam. Und wenn der mal nicht da war, dann kam irgendwo noch Riemer her. Man möchte nicht meinen, daß sich die gleichen Leute im letzten halben Jahr fast 40 Gegentreffer eingefangen haben, davon gleich zweimal sechs Richtige. Einmal sogar mit Zusatzzahl. Unvorstellbar, wenn man sah, welche Ruhe und Sicherheit die Akteure dahinten ausstrahlten! Für Wehen-Wiesbaden gab es heute unmißverständlich kein Durchkommen. Im Gegenteil, die Hessen mußten nun selber mehr und mehr aufpassen, nicht unter die Räder zu kommen, zumal ab der 55. Minute Öztürk für Ullmann auf dem Platz stand. Und daß der ein Tor gegen seien Ex-Verein schießen wollte, daran bestand von Anfang an nicht der geringste Zweifel. Geschossen wurde nun eh aus allen Lagen. Zunächst zog Bopp völlig überraschend aus dem Stand ab, seinen Knaller aus 20 m konnte Gurski aber gerade noch so zur Ecke klären (64.). Ein paar Minuten später hatte dann Öztürk seine erste Möglichkeit, sein Kopfball nach einer Ecke flog aber doch deutlich über das Tor (73.). Bei seiner zweiten Möglichkeit, fehlten dann nur noch ein paar Zentimeter zur Glückseligkeit. Brown-Forbes hatte Öztürk zuvor mustergültig freigespielt, dessen Schrägschuß flog aber knapp am langen Eck vorbei. Das Ding muß eigentlich rein, zumal man da ruhig auch mal beim linken Fuß anfragen darf! Trotzdem, langsam kamen wir der Sache schon näher. Öztürk machte jetzt den Unterschied und erzwang mit seinem unbändigen Willen letztendlich auch die Führung. Als er gedankenschnell einem bereits verloren geglaubten Ball nachsetzt, kann ihn ein Abwehrspieler der Gäste nur noch regelwidrig von den Beinen holen. Elfmeter! Daß sich Öztürk den Ball gleich selber schnappt, hätte sich im Stadion wohl jeder denken können. Kurzes Stoßgebet Richtung Himmel, weggucken und warten. Dann flippen alle um mich rum aus. Das ist wohl gutgegangen (76.). Danksagung Richtung Himmel. Erleichterung. Vorerst!

Blieb nur noch das Problem der letzten Viertelstunde zu lösen. Daß das noch ganz schön lange sein kann, dürfte jedem klar sein, der schon mal 15 Minuten DSDS gucken mußte. Und immerhin war ja der Tabellenfünfte zu Gast! Aber Wehen-Wiesbaden wirkte erschreckend hilflos. Kurz vor dem Ende fliegt dann zwar doch noch eine Flanke beängstigend gefährlich durch Jenas Strafraum, aber Döring köpft aus fünf Metern nur Nulle an (88.). Der Herzschlag setzte planmäßig kurze Zeit später wieder ein! Und mehr kommt nicht mehr, weder von Jena noch von den enttäuschenden Gästen. Schluß! Die Erleichterung ist mit den Händen greifbar, die Gesichter schäumen über vor Zufriedenheit! Die letzten vier Wochen waren Gold wert! Wenn nicht alles schief läuft, sollten die noch fehlenden Punkte ein paar Spieltage vor dem Saisonende zusammengekommen sein, ohne das große Zittern. Das wäre vor Weihnachten noch als visionäre Spinnerei durchgegangen! Kaum zu glauben, daß ein mitunter so scheintoter Haufen einen solchen Wandel durchleben kann. Klar, die Neuzugänge sind vielversprechend, insbesondere Öztürks Qualitäten sind bislang überragend. Aber das Wichtigste ist wohl, daß da wieder eine Mannschaft auf dem Platz steht, wo jeder weiß, wo er hinzurennen hat und - wichtig - dies auch tut. Hinzu kommen die unübersehbaren Verbesserungen im taktischen Bereich, wo sich ohne Frage die Handschrift von Wolfgang Frank abzeichnet. Hoffen wir, daß der Trend noch ein wenig anhält. Dann können sich auch die Rechenkünstler vielleicht doch noch mal probieren. Im Moment ist es dafür noch etwas früh. Aber warum sollten wir nicht mal wieder ein bißchen träumen dürfen? " <bpf>

Kurzbericht auf svwehen-wiesbaden.de

FC Bayern München II - FC Carl Zeiss Jena 1:2

Tore: 0:1 Ullmann (36.), 0:2 Ullmann (42.), 1:2 Wohlfarth (65.,FE)

München: Riedmüller; Lewicki, Saba, Leist, Dombrowka (54. Mujic); Jüllich, Erb, Hajdarovic (54. Pangallo), Kurz, Deul; Wohlfarth

Jena: Nulle; Schmidt (89. Sichone), Riemer, Voigt, Nikol; Brown Forbes, Truckenbrod, Bopp, Orlando (85. Landeka); Hähnge, Ullmann (67. Öztürk)

Zuschauer: 1214

Schiedsrichter: Bibiana Steinhaus (Hannover)

Spielbericht
Den Fluch besiegt
Vor knapp 20 Jahren trat der FCC erstmals im Stadion an der Grünwalder Straße zu einem Punktspiel an und konnte es noch nie mit einem Sieg verlassen. Dementsprechend schwankte die Stimmung unter den rund 400 anwesenden FCC-Fans vor dem Spiel zwischen skeptisch und verhalten optimistisch. Für letzteren Gemütszustand wurde noch der Zauber des Flutlichts bemüht, da wir im Grünwalder noch kein Gegentor kassiert hatten, wenn dieses angeschaltet war.

Wolfgang Frank schickte die gleiche Startelf aufs Feld, der er auch in den letzten beiden Spielen das Vertrauen geschenkt hatte und mit zwei Siegen belohnt worden war. Der FCC übernimmt sofort die Initiative und da auch die Reserve der Bayern sich nicht versteckt, entwickelte sich ein munteres Spiel, wobei die unsicher wirkende Hintermannschaft der Gastgeber zunächst im Brennpunkt stand. Die erste gute Chance ließ nicht lange auf sich warten. Ullmann hatte die Bayern-Abwehr unter Druck gesetzt und einen Eckball herausgeholt. Diesen brachte Nikol in den Strafraum und den Befreiungsschlag beförderte Forbes mit viel Übersicht auf die linke Seite zu Orlando, der sofort abzog, aber nur das Außennetz traf (7.). Orlando hatte drei Minuten später auch gleich die nächste Chance, als Nulle einen Eckball der Bayern abgefangen hatte und sofort einen weiten Abschlag ausführte. Orlando spekulierte und Dombrowka tat ihm den Gefallen und unterschätzte den Ball. Leider brauchte Orlando dann zu lange, um Ball und Beine in Harmonie zu bringen, sodass er nur noch unter Bedrängnis abziehen konnte und Riedmüller mit dem zu schwachen Schuss keine Probleme hatte. Um die wackelnde Abwehr zu entlasten, wurden die Bayern nach der Anfangsviertelstunde offensiver und kamen nun auch zu Chancen. Zunächst ließ sich Schmidt im Strafraum tunneln, konnte dann aber selbst gerade noch gegen Wohlfarth eingreifen und zur Ecke klären (15.). In der 23. Minute war es Chessa, der sich halblinks gegen zwei Jenaer durchgesetzt hatte und dann frei vor Nulle aus 12 Metern den Ball ganz knapp am langen Ecke vorbei schoss. Es entwickelte sich ein offener Schlagabtausch, bei dem zunächst Nulle gegen den besten Bayern-Spieler Steffen Wohlfahrth sein Können unter Beweis stellen musste (26.). Danach war der FCC wieder an der Reihe. Orlando mit einem seiner bekannten Sprints über die linke Seite, zog dann nach Innen durch 6 Gegenspieler hindurch und als man gerade stöhnen wollte, dass er wieder den richtigen Augenblick für ein Abspiel verpasst hatte, kam der Ball noch zu Ullmann, der ihn an Riedmüller vorbei zu seinem ersten Drittligatreffer ins Tor schob. 1:0 für den FCC! (36.). Die Bayern versuchten sofort zu antworten. Nulle unterläuft eine Flanke und der Ball kommt zu Wohlfahrt, dessen Schuss nur Zentimeter über die Latte zischt. Dann wieder der FCC, setzt in der gegnerischen Hälfte nach, ein Querschläger unter Bedrängnis kommt zu Ullmann, der mit dem Rücken zum Tor steht, sich kurz dreht und abzieht. Der Ball zappelt zum zweiten Mal im TOR!!! (42.). Mit dieser 2:0-Führung ging es in die Pause.

Der Beginn der zweiten Hälfte zeigte sofort, dass sich die Gastgeber noch nicht geschlagen geben wollten und Nulle muss gleich einen Schuss von Hajdarovic entschärfen. Der FCC versucht es mit Kontern, Orlando bedient Ullmann, der auf Hähnge ablegt und Riedmüller kann dessen Schuss gerade noch zur Ecke abfälschen (56.). Nur eine Minute später der wohl schönste Spielzug, Bopp schickt Ullmann über rechts, der sich schön durchsetzt und in den Strafraum passt, Forbes lässt durch und Truckenbrod steht frei vor dem Tor, schiebt den Ball aber aus 10 Metern am linken Pfosten vorbei. Riedmüller hätte keine Abwehrchance gehabt. Der FCC versäumte es jetzt, den berühmten Sack zuzumachen und hielt die Bayern am Leben. Diese wiederum hatten die rechte Jenaer Abwehrseite als Schwachpunkt erkannt und versuchten es vorwiegend darüber. Und in der 65. Minute waren sie erfolgreich, als sich Schmidt zunächst düpieren ließ und dann im Strafraum nur noch unfair nachsetzen konnte - Elfmeter für die Bayern. Diese Chance ließ sich Wohlfarth nicht entgehen und verlud Nulle, nur noch 2:1. Frank reagierte sofort und brachte Öztürk für Ullmann. Doch der FCC agierte jetzt zu lässig und überließ den Bayern das Mittelfeld. In der 70. Minute war es fast so weit, doch der Schuss des eingewechselten Pangallo brachte zum Glück nur das Gebälk des Jenaer Tores zum Wackeln. Auf der Gegenseite wurden die Konterchancen leichtfertig vergeben. Forbes völlig frei vor dem zögernden Riedmüller versucht es mit einem Lupfer statt Abspiel auf den freistehenden Hähnge, der Ball landet hinter dem Tor. Nur zwei Minuten später setzt sich Öztürk nach Pass von Hähnge gegen zwei Bayern durch, steht alleine vor Riedmüller. Das muss es doch jetzt sein! - doch der Ball passiert den Pfosten auf der falschen Seite. Wenig später eine fast identische Szene, aber Öztürk wird an der Strafraumgrenze noch gestellt, den Freistoß zirkelte Truckenbrod um die Mauer direkt in die Arme von Riedmüller (81.) und das Hin und Her und Zittern um den Sieg hielt auch in den Schlussminuten an. Auf der einen Seite Nulle mit Glanzparade gegen einen Schuss von Deul (85.), auf der anderen Seite Hähnge mit Pass auf Öztürk, der von der Grundlinie in den Strafraum passt und Riedmüller im letzten Moment den Ball vor zwei einschussbereiten Jenaern wegfängt.

Doch dann war Schluss und der Fluch des Grünwalder Stadions besiegt. Der Sieg des FCC in einem guten Drittligaspiel war verdient, auch wenn am Ende das Glück noch strapaziert wurde. Durch drei Siege in Folge gegen direkte Konkurrenten hat man sich etwas Luft im Abstiegskampf verschafft. Mit Wehen-Wiesbaden steht nächstes Wochenende die erste Prüfung nach der Winterpause gegen ein Team aus oberen Tabellenregionen an. <jw>

Fotos von Jens Weißenburger

FC Carl Zeiss Jena - SV Sandhausen 3:0

Tore: 1:0 Riemer (44.), 2:0 Öztürk (58), 3:0 Brown-Forbes (87.)

Jena: Nulle; R. Schmidt, Riemer, Voigt, Nikol; Brown-Forbes (87.Eckardt), Truckenbrod, Bopp, Orlando (82. Landeka); Hähnge, Ullmann (58. Öztürk)
Sandhausen: Kornetzky; Sievers, Pischorn, Glibo, Schick; Pinto, Schauerte, Danneberg (66. Ulm), Blum (46. Rohracker); Löning, Dorn (66. Ristic)

Zuschauer: 4644

Schiedsrichter: Beitinger (Regensburg)

Spielbericht
In der Woche vor dem Spiel sorgte der FCC mit zwei Neuverpflichtungen kurz vor dem Ende der Transferfrist für Aufsehen, aber Trainer Wolfgang Frank wollte auf die Verstärkung des Offensivbereichs nicht verzichten und so entschied man sich trotz der weiterhin angespannten finanziellen Situation für die Verpflichtung von Aykut Öztürk und Nils Pichinot bis zum Saisonende. Gegen Sandhausen galt es, die drei Auswärts-Punkte aus Saarbrücken zu versilbern und mit einem weiteren 3er nachzulegen, um sich etwas von Abstiegsrängen zu entfernen. Da die Gäste mit einigen personellen Problemen zu kämpfen haben, schien die Ausgangssituation gut zu sein.

In der Startelf war von den Neuzugängen zunächst nichts zu sehen, stattdessen schickte Frank die siegreiche Elf aus dem Saarbrücken-Spiel auf den Platz. Die Mannschaft machte gleich so weiter, wie sie aufgehört hatte und schon nach 3 Minuten gab es die erste Ecke für den FCC. Nach 9 Minuten ergab sich die nächste gute Gelegenheit, als eine schöne Flanke von Hähnge auf Orlando von diesem wieder in den Strafraum auf Hähnge kommt, der mit dem Kopf am Torwart vorbei nur den Außenpfosten trifft. Den zurückspringenden Ball kann Kornetzky aber noch vor der Torlinie aufnehmen. In der 16. Minute versuchte Hähnge es mit einem 30-Meter-Fernschuss aus halblinker Position, der leider nur im Außennetz einschlug. Im Gegenzug musste Nulle einen Schuss von Regis Dorn per Faustabwehr klären. Aber auch Nulle selbst versuchte sich im Torschuss, nachdem sein weiter Abschlag beinahe in Kornetzkys Kasten gelandet wäre. Sehr sehenswert war auch ein von Orlando bereits im Mittelfeld eingeleiteter Spielzug. Quer durch Sandhausens Abwehr an drei Gegenspielern vorbei passt er auf Braun-Forbes, dieser legt ab auf Hähnge. Dessen Flanke ermöglicht Ullmann eine gute Schusschance, aber Kornetzky kann per Fußabwehr gerade noch parieren. Kurz vor der Halbzeit führt eine Serie von 3 FCC-Ecken unmittelbar nacheinander endlich zum erlösenden 1:0 in der 44. Minute. Orlando bekommt den Ball und seine scharfe Hereingabe findet über Eugen Bopp Marco Riemers Fuß, der den Ball im Gäste-Tor unterbringt. Kurz vor der Halbzeit konnte der FCC dem Spielverlauf also auch das passende Ergebnis aufdrücken und gab Gäste-Coach Dotchev weiteren Gesprächsstoff für die Halbzeitpause.

Die zweite Halbzeit begann der FCC mit unveränderter Aufstellung. Allerdings klappte in den nächsten Minuten gar nichts mehr, weder im Mittelfeld noch bei den wenigen Pässen nach vorn. Die Zeit war reif für einen "Neuen". Trainer Wolfgang Frank warte noch auf die passende Gelegenheit. Diese war in der 58. Minute gekommen. Für Martin Ullmann kommt Neuzugang Aykut Öztürk zu seinem ersten Pflichtspiel-Einsatz auf dem Rasen des Ernst-Abbe-Sportfeldes. Das Spiel geht weiter mit einem Einwurf von Ralf Schmidt auf Sebastian Hähnge, der den Ball zu Truckenbrod weiterleitet. Dieser spielt den Ball zum eben eingewechselten Aykut Öztürk, der mit seiner ersten Ballberührung für den FCC das Tor zum 2:0 erzielt! Besser kann ein Einstand gar nicht sein und natürlich war sein Treffer nach weniger als 15 Sekunden auf dem Platz auch eine gewisse Beruhigung für die Mannschaft.

Für manchen Spieler mag die Sicherheit aber nun schon zu groß gewesen sein, denn im Anschluss kam Sandhausen wieder zu einigen torgefährlichen Aktionen, hervorzuheben besonders der Lattenkracher in der 76. Minute vom eingewechselten Dominik Rohracker. Aber der FCC bleibt dran und erarbeitet sich weitere gute Möglichkeiten, woran meist auch der dritte Winter-Neuzugang Felicio Brown-Forbes beteiligt ist. In der 87. Minute kann er sich erneut gut im Strafraum durchsetzen und seine Leistung mit dem Tor zum 3:0 Endstand krönen, womit das Spiel natürlich endgültig entschieden war.

Insgesamt ein gelungener Auftritt des FCC, der sich mit einer guten Mannschaftsleistung weitere wertvolle Punkte für den Verbleib in der 3. Liga sichern konnte. Mit dem 3:0 tat man nebenbei auch etwas für die Tordifferenz, die aber weiterhin reichlich Politur vertragen kann. Die nächste Chance dazu gibt es schon am kommenden Freitag, wenn es zur zweiten Mannschaft des FC Bayern geht." <jh>

Analyse auf svs1916.de

1. FC Saarbrücken - FC Carl Zeiss Jena 1:3

Tore: 0:1 Hähnge (10.), 1:1 Zimmermann (38.), 1:2 Hähnge (51.), 1:3 Otto (68., Eigentor)

Saarbrücken: Marina; Otto, Mann, Lerandy, Buchner; Zeitz, Sieger, Kohler (72. Schug), Pisano; Zimmermann (72. Stiefler/ (RK, 88.)); Krause (66. Grgic)

Jena: Nulle; Brown Forbes, Riemer, Voigt, Nikol; Schmidt, Truckenbrod, Bopp (75. Ziegner), Orlando (90. Landeka); Hähnge, Ullmann (88. Mayombo)

Zuschauer: 4932

Schiedsrichter: Aarnink (Nordhorn)

Spielbericht
"Wenn im Ludwigspark Fußball gespielt wird, dann trifft man sich erst zum Fußball und dann zur 3. Halbzeit im Sportlerheim des 1. FCS." Angesichts des riesigen Polizeiaufgebotes (allein die Anzahl der die Zugfahrer begleitenden "Bullis" war ebenso groß wie die Anzahl der am Bahnhof gaffenden und pöbelnden Heimfans - rund 50), das die Jenaer Fans vom Rest Saarbrückens innerhalb und außerhalb des Stadions abschirmte, wirkte diese Werbeansage des Stadionsprechers etwas komisch. Diesbezüglich blieb alles, wie erwartet, im normalen Bereich und man konnte sich dem Sportlichen zuwenden, welches eigentlich viel brisanter war. Zum einen war da die hohe Hinspielklatsche, zum anderen trauerte man beim FCC den beiden im letzten Heimspiel verschenkten Punkten hinterher.

Der FCC begann sehr konzentriert und als nach 8 Spielminuten ein Einwurf schnell ausgeführt und der Ball von Truckenbrod flach in die Mitte befördert und von Hähnge mühelos verwertet wurde, stand es 1:0 für die Guten. Das war doch mal eine freudige Überraschung für die rund 400 mitgereisten Fans. Und der FCC blieb im wahrsten Sinne des Wortes im Spiel. Zwar hatten die Hausherren unmittelbar nach dem Führungstreffer im Anschluss nach ihrer ersten Ecke eine Schusschance (10., Ball ging übers Tor), aber sie waren durch das Tor und die Spielweise des FCC doch sichtlich beeindruckt. So agierten sie viel zu hektisch und ungenau und der FCC hatte alles im Griff und unternahm seinerseits durch Nadelstiche nach vorn und Pressing im Mittelfeld - ganz abgesehen von der gut stehenden Abwehr, von einem seine Routine immer wieder ausspielenden Voigt hervorragend organisiert wurde - alles, um diesen Zustand zu erhalten. Leider änderte sich nach einer halben Stunde die Szenerie, nachdem durch eine Kopfballverlängerung plötzlich Krause frei vor Nulle auftauchte. Dieser hielt jedoch und außerdem stand der Angreifer im Abseits. Von da an war es aber um die Ordnung bei FCC geschehen und ein Angriff nach dem anderen flutete in den Jenaer Strafraum herein. Hinzu kamen einige Fehler bzw. Ungeschicklichkeiten im Abwehrverhalten. Orlando hebelte, weil er verspielt und nicht zielstrebig zum Ball ging, völlig unnötig einen Gegenspieler an der Strafraumgrenze aus (34.), der Freistoß blieb jedoch folgenlos. Zwei Minuten später pfiff der ansonsten ganz vernünftig pfeifende Referee Aarnink ein Handspiel, dass Forbes begangen haben soll, als er in einem Schuss eines Saarbrückers stand (der Arm machte keine aktive Bewegung zum Ball und Forbes wurde klar angeschossen). Nulle hatte eine breite Mauer vor sich, vielleicht lag es daran, dass er den Schützen nicht sah und instinktiv einen Schritt nach rechts machte, während der Ball in der Torwartecke einschlug - 1:1. Den Rest der ersten Halbzeit verbrachte man im Stadion mit Hoffen und Bangen - die Einheimischen hofften auf den zweiten Treffer, die Gästefans auf ein Überstehen der zahlreichen Flanken und Pässe. Und nach zwei Nachspielminuten, in denen noch ein Schuss knapp über Nulles Tor zischte, konnte man als Zeiss-Fan zunächst aufatmen.

Die ersten Minuten nach Wiederanpfiff ließen Böses befürchten, denn beide Team machten dort weiter, wo sie vor der Pause aufgehört hatten und wieder verfehlte ein Schuss, diesmal aus 25 Metern abgegeben, nur knapp das Jenaer Tor (47.). Doch plötzlich ging es ganz schnell: Truckenbrod spielte einen Sahnediagonalpass auf die linke Außenbahn, wo Orlando in D-Zug-Tempo einen Verteidiger stehenließ und einen mit einem Haken abschüttelte, sein Schuss wurde abgeblockt und fiel punktgenau Sebastian Hähnge vor die Füße, der eiskalt zum 2:1 einschoss (52.). Zunächst begehrte Saarbrücken - wie schon nach dem 1:0 - auf und erarbeitete sich sofort (53., 54.) zwei Ecken, schoss übers Tor… und wurde dann merklich ruhiger. Bzw. der FCC blieb ruhig und verzichtete auf Angst und Hektik. So konnte man dem 1. FCS zwar ein "bemühte sich" attestieren, aber ernsthafte Schwierigkeiten gab es nicht, da neben Voigt auch Riemer als Innenverteidiger ruhig und abgebrüht spielte. Zudem hatten Schmidt und Forbes auf der rechten Seite die Positionen getauscht und Forbes' offensivere Ausrichtung brachte zusätzlichen Angriffsschwung in unser Spiel. Ein Schlenzer Truckenbrods in der 64. Minute (Ausganspunkt war wiederum ein schneller Antritt Orlandos) landete noch beim Torwart, aber der nächste Angriff sechzig Sekunden später brachte die Spielentscheidung: Truckenbrod spielte einen Zuckerpass zwischen zwei Verteidiger hindurch auf den heranbrausenden Forbes, der marschierte von der Seite in den Strafraum, Verteidiger und Keeper erwarteten den Pass vors Tor, aber Forbes schoss direkt aus spitzem Winkel. Ein Verteidigerbein verhinderte den Einschlag ins lange Eck, lenkte ihn aber nur ins kurze - und auch dies zählte als 3:1! Für Saarbrücken war dies sichtlich der endgültige Knockout, planmäßiges Angriffsspiel fand nicht mehr statt. Das Publikum wurde immer unzufriedener und mit der Auswechslung des Torschützen Zimmermann versagte es der Mannschaft endgültig die Unterstützung und es hagelte laute und wüste Beschimpfungen gegen Trainer Luginger. Wieso kam mir diese Situation eigentlich bekannt vor? Ach so, ab und zu bin ich ja auch in Jena im EAS...
Den Rest des Spiels bis zum Schlusspfiff kann man eigentlich ignorieren, wären nicht jeweils in der 80. und 82. Spielminute zwei fast identische Situationen gewesen, die jener vorm 3:1 fast haargenau ähnelten: Forbes wurde per Zuckerpass in die Spur geschickt, jedoch hätte er beide Mal auf den in der Mitte freistehenden und wild gestikulierenden Ullmann spielen müssen, dann wäre die Revanche für die Hinspielpackung auch hinsichtlich der Tore ähnlich erfolgt. Insgesamt war es, abgesehen von der Phase zwischen der 30. und 50 min, ein voll und ganz überzeugendes Auswärtsspiel mit einem hochverdienten Sieger FCC! <uk>

FC Carl Zeiss Jena - VfB Stuttgart II 1:1

Tore: 1:0 Bicakcic (48., ET), 1:1 Rathgeb (69.)

Jena: Nulle; Brown Forbes, Riemer, Voigt, Nikol; Kurbjuweit (68. Eismann), Truckenbrod, Bopp (78. Ziegner), Landeka (68. Orlando); Hähnge, Ullmann
Stuttgart II: Leno; Holzhauser (RK, 73.), Geyer, Bicakcic, Vecchione; Rapp (90. Stöger), Lagerblom, Rathgeb, Schwarz; Breier (53. Rühle), Benyamina (81. Riemann)

Zuschauer: 4171

Schiedsrichter: Osmers (Hannover)

Spielbericht
Trügerisch erscheint derzeit das Tabellenbild für den FC Carl Zeiss. Platz 16 mit drei Mannschaften als Puffer zur Abstiegszone geben nur scheinbare Sicherheit, denn durch die unterschiedliche Anzahl an Spielen läuft der FCC Gefahr, schnell durchgereicht zu werden. Ein Sieg gegen den mit vier Spielen weniger im Gepäck anreisenden Tabellennachbarn aus Stuttgart hieß deshalb das erklärte Ziel.

Trainer Wolfgang Frank bescherte Felicio Brown-Forbes ein Debüt von Anfang an, musste aber auf den gelbgesperrten Ralf Schmidt und den knieverletzten Christian Reimann verzichten. Bei den Gästen wirkte der Ex-Jenaer Soufian Benyamina mit, während das Wiedersehen mit Michael Gardawski wegen dessen Ampelkarte aus einem Spiel zwei Monate zuvor ins Wasser fiel. Beide Mannschaften legten einen verhaltenen Start hin. Die Absicherung nach hinten war zunächst oberstes Gebot. Einzig und allein in Minute sieben ergab sich eine Gelegenheit für die Gastgeber, nachdem Landeka Nikol angespielt hatte, dessen Eingabe von der linken Seite Bopp erreichte und dieser mit einem Flachschuss aus 11 Metern an Leno im VfB-Gehäuse scheiterte. Danach vergingen fast zwanzig Minuten ohne eine echte Tormöglichkeit auf beiden Seiten. Die drohende Tristesse wurde verhindert durch drei aufeinanderfolgende Aktionen ab Minute 26. Sebastian Hähnge, immer mit gutem Blick für den freien Nebenmann, legte da zur Seite auf Truckenbrod ab. Dieser dribbelte an zwei Gegenspielern vorbei, zog nach links zum Torraumeck, doch beim Abschluss blieb Leno wiederum Sieger. Immerhin Eckball, bei dem Stuttgarts Keeper diesmal nicht ganz so souverän wirkte, flog das Leder doch genau über ihn hinweg durch den Torraum in Richtung langer Pfosten. Dort war der aufgerückte Alexander Voigt zur Stelle, traf aus Nahdistanz jedoch nur Aluminium. Im unmittelbaren Gegenzug besaß Benyamina die einmalige Gelegenheit, seinem Ex-Verein einen einzuschenken. Doch Ronny Nikol stand goldrichtig, lenkte den aus zwölf Metern geschossenen Ball für seinen Torwart zur Ecke. Noch ein Aufsetzerball von Bopp, bei dem Leno aber nicht eingreifen musste (42.) und dann ging es auch schon in die Kabinen. So richtig erwärmen können hatten sich die gut viertausend Zuschauer (der Gästeblock blieb mangels Kundschaft gleich mal geschlossen) an diesen ersten 45 Minuten nicht.

Dafür begann die zweite Hälfte mit einem Paukenschlag. Denn nicht einmal drei Minuten waren gespielt, als der FCC mit 1:0 in Front zog. Der Stadionsprecher verkündete Sebastian Hähnge als Torschützen und der wäre es vermutlich auch geworden - wenn ihm nicht Stuttgarts Nummer 4 zuvor gekommen wäre. Beim Versuch, vor Hähnge den Ball zur Ecke zur lenken, unterlief Ermin Bicakcic ein glasklares Eigentor und deshalb stürzten sich jubelnde Jenaer auf Martin Ullmann, der mit einer schön gezirkelten Flanke von der rechten Seite den Führungstreffer eingeleitet hatte. Ullmann, der es im bisherigen Saisonverlauf auf lediglich 27 Minuten Einsatzzeit gebracht hatte, war für Reimann in die Anfangsformation gerückt und wusste sich nach der Pause zu steigern.
Jenas Trainer und Spieler waren sich hinterher einig, nach dem glücklichen Führungstreffer zu wenig für eine Spielentscheidung getan zu haben. Von nachlassender Konzentration war da die Rede, nachdem man den Kontrahenten eigentlich klar beherrscht hatte. Tatsache ist, dass die U23 des Bundesligisten bis dato hinten ganz ordentlich gestanden hatte - nicht umsonst ist sie die Mannschaft mit den zweitwenigsten Gegentreffern - aber nach vorn recht wenig Initiative zeigte. Dass sich dies nun änderte, lag weniger am eingewechselten zweiten Stürmer auf VfB-Seite, sondern vorrangig an der fehlenden Konsequenz der Jenaer. Ein Fehler von Nikol im Mittelfeld eröffnete Stuttgart nach 61 Minuten die Möglichkeit zum Konter. In dessen Verlauf war es ein weiterer Fehler, Eugen Bopp ließ eine Flanke von der Brust genau vor die Füße von Rathgeb plumsen, der den Gästen ihre bis dahin größte Chance bescherte. Nur gut, dass Carsten Nulle die Gefahr blitzschnell erkannte und im Duell der Mannschaftskapitäne Rathgebs Schuss aus Nahdistanz zur Ecke lenken konnte. Dass es nach dieser Szene noch immer 1:0 stand, war allein Jenas Schlussmann zu verdanken. Dies soll mit Blick auf die darauffolgende Aktion sechs Minuten weiter ausdrücklich erwähnt werden. Machte Carsten Nulle beim kuriosen Ausgleichstreffer doch eine extrem unglückliche Figur. Dabei hatte Tobias Rathgeb nach Aussagen Jenaer Spieler seiner verunglückt wirkenden Bogenlampe bereits mit dem berühmten S-C-H-Wort hinterher geflucht, als diese Bogenlampe, von niemandem mehr berührt, für alle überraschend im Netz landete. Was war passiert ? Ein eigentlich harmloser Ball war zur gefährlichen Waffe geworden, weil ihn Carsten Nulle gegen die tiefstehende Sonne einfach nicht wahrnahm. Zusätzlich irritierte ihn auch noch ein vor ihm herumlaufendes Spielerpärchen und so brachte Jenas Schlussmann nur einen hilflosen Hüpfer auf der Linie zustande, mit dem der Ausgleich freilich nicht zu verhindern war.
Es stand also wieder unentschieden, doch waren jetzt mehr Bremsen im Spiel gelöst als noch in Hälfte eins. Unbestrittenen Anteil daran hatte der eingewechselte Orlando, der sich diesmal sichtbar viel vorgenommen hatte. Als Rühe gefährlich im Jenaer Strafraum auftauchte, war es eben jener Orlando, der den Stuttgarter so was von sauber ablief, dass man kurzzeitig meinte, einer Fata Morgana aufgesessen zu sein. Orlando hinten rechts in der Abwehr ? Er war es wirklich. Und hätte in Minute 79, zurück auf seiner angestammten Offensivposition, beinahe den erneuten Führungstreffer markiert, als er mit Hähnge zunächst Doppelpass spielte, dann aus vollem Lauf aber knapp verzog. Auch die Schlussminuten wurden zu einer Ein-Mann-Vorstellung von Orlando. An dessen Flanke nach Sololauf von der linken Seite bekam Leno gerade noch so die Fingerspitzen heran (82.). Und nach einem abgewehrten Ball Ziegners nahm der Holländer noch einmal Maß, ballerte aber erneut denkbar knapp daneben (89.). Die Einzelaktionen eines Orlando dürfen freilich nicht darüber hinwegtäuschen, dass von einem durchdachten Jenaer Überzahlspiel in der Schlussviertelstunde - Holzhauser war nach Einsteigen von hinten des Feldes verwiesen worden - nicht viel zu sehen war.

Wieder mal ein Match, bei dem die Gäste nach Abpfiff zufriedener den Platz verließen. Sebastian Hähnge bringt es auf den Punkt, wenn er im Resümee dieser neunzig Minuten meint: "Ich bin enttäuscht und traurig, weil hier mehr drin war. Hoffentlich fehlen uns die zwei Punkte am Ende nicht." <fc>

Fotos von Jens Weißenburger
Spielbericht auf vfb.de

1. FC Heidenheim - FC Carl Zeiss Jena 2:0

Tore: 1:0 Schnatterer (55.), 2:0 Aupperle (88.)

Heidenheim: Lehmann; Meier (46. Sirigu), Aupperle, Beisel, Feistle; Klarer, Bagceci (76. Heidenfelder), Weil (68. Schittenhelm), Schnatterer; Spann, Mayer

Jena: Nulle; Fuss, Riemer, Voigt, Nikol; Kurbjuweit (72. Luge), Bopp, Truckenbrod, R. Schmidt (68. Orlando); Reimann (72. Landeka), Hähnge

Zuschauer: 4200

Schiedsrichter: Valentin (Taukirchen)

Spielbericht
Stolz wie Bolle waren die Heidenheimer, dass einzig in ihrem Ort überhaupt eine Begegnung dieses Drittligaspieltages stattfinden konnte, und neben dem vom Schnee befreiten Stadion gestaltete sich auch die Anreise auf staufreien Straßen bei Sonnenschein tadellos. Trainer Wolfgang Frank beantwortete die meistdiskutierte Frage im Jenaer Lager nach der Besetzung der rechten Außenverteidigerposition mit der Aufstellung von Benjamin Fuss der erstmals in dieser Saison überhaupt in der ersten Elf ran durfte und es mit dem vielleicht gefährlichsten Linksaußen der Liga, Marc Schnatterer zu tun bekam. Im Sturm kehrte Sebastian Hähnge nach seiner Denkpause zurück ins Team.

Ansonsten alles wie gehabt in der Jenaer Elf, nur das Stadion der Heidenheimer hatte sich seit dem FCC-Besuch im letzten Jahr gehörig verändert, präsentierte sich nunmehr komplett überdacht. Mit der neuen Tribüne samt durchgehenden Vip-Logen machen die Heidenheimer deutlich, wohin die Reise für den Emporkömmling aus dem Süden gehen soll. Auch wenn die in einem neuen Vereinslied besungene "Sehnsucht nach der Schale" wohl noch eine Weile unerfüllt bleiben wird. Für die 250 mitgereisten Jenaer Anhänger waren die Wünsche irdischerer Natur, mussten sie hoffen, dass die beiden Unsicherheiten Nulles bei einem Rückpass (4.) und Schuss Klarers (5.) auf tückischem Geläuf die letzten der Begegnung bleiben mochten. Sie konnten bald beruhigt sein, denn das Geschehen spielte sich mehr und mehr im überraschenderweise zunehmend von Jena dominierten Mittelfeld ab. Strafraumszenen wie Hähnges Flachschuss (7.) und Reimanns knapp verpasste Hähnge-Flanke (35.) hüben, Schnatterers Schuss ans Außennetz (15.) und Aupperles gefährlicher Versuch (45.) drüben waren Mangelware. Heidenheim als ausgemachte Kontermannschaft scheute die totale Offensive und vertraute ganz auf die individuelle Stärke ihrer Einzelkönner im Angriff, der FCC seinerseits tat den Hausherren nicht den Gefallen, Räume zu überlassen. Ein Festival des Kombinationsfußballs ließ der glitschige Rasen ohnehin nicht zu, so ging es mit einem leistungsgerechten 0:0 in die Kabinen.

Hier war definitiv etwas zu holen, und das, was der Engländer als "golden opportunity" bezeichnet, bot sich genau dazu Sekunden nach dem Wiederanpfiff. Reimann war in einem Heidenheimer Querpass gespritzt, bediente den freistehenden, aber wohl etwas überraschten Hähnge, der anstatt den direkten Weg zum Tor lieber jenen zwischen zwei Abwehrspieler hindurch suchte. Es war nicht die einzige Situation, in der Jenas treffsicherster Stürmer umständlich agierte und aussichtsreiche Bälle schlicht verschenkte. Auf der Gegenseite scheiterte der Liga bester Torschütze freistehend an Carsten Nulle (51.), während Schiedsrichter Valentin eine Ringereinlage von Sirigu an Reimann an der FCH-Strafraumgrenze kurioserweise mit Freistoß in die andere Richtung bewertete. Die Begegnung war nun offener, genau das was Heidenheim-Trainer Frank Schmidt sich gewünscht hatte? In jedem Fall verlor der FCC in der 55. Minute völlig die Ordnung, Nikol war nicht zur Stelle um Mayer an seiner präzisen Flanke zu hindern, Benjamin Fuss war zentral gebunden und so hatte der herbeieilende Schnatterer bei seinem wuchtigen Kopfball nicht die Spur von Gegenwehr, auch wenn Carsten Nulle noch die Finger am Ball hatte. Es sollte Nulles letzte Tat des Tages gewesen sein, denn bis auf das Holen des Balles aus dem Netz 2 Minuten vor Spielende blieb er in der Folge beschäftigungslos. Heidenheim hatte das was es wollte, verlegte sich ausschließlich aufs Verteidigen und dem Schlagen von langen Bällen aus der Abwehr heraus auf die beiden Spitzen. Das Ärgerliche aus Jenaer Sicht war, dass auch Nulles Gegenüber nahezu keinen Ball zu fangen bekam. Die Angriffsbemühungen der Blau-Gelb-Weißen blieben sowohl vor, als auch nach drei Offensiveinwechslungen umständlich und blass. Symptomatisch die Szene in der 85. Minute, als Jens Truckenbrod anstatt den Torabschluß zu suchen, an der Strafraumgrenze noch einmal eine Flanke ansetzte. In den Fangesang "Auf geht's Jena schieß ein Tor" mischte sich ein einsamer Rufer mit den Worten "Auf geht's Jena schieß AUFS Tor", eine treffende Forderung nach allzu aufreizendem Quergeschiebe vor dem gegnerischen Strafraum. So blieb es FCH-Verteidiger Aupperle vorbehalten, mit einem Kopfstoß nach Eckball das Drei-Punkte-Weihnachtspäckchen für die seinen kurz vor dem Ende zuzuschnüren. Unverdient war der Sieg der Gastgeber keineswegs, doch unnötig aus Jenaer Sicht allemal. Hier war viel viel mehr drin! <gunner>

Fotos auf fanclub-family.com
Kurzbericht auf fc-heidenheim.de

FC Carl Zeiss Jena - SG Dynamo Dresden 1:0

Tore: 1:0 Hähnge (84.)

Jena: Nulle; Eismann (66. Sichone), Riemer, Voigt, Nikol; Kurbjuweit (87. Luge), Truckenbrod, Bopp, R. Schmidt; Reimann (71. Hähnge), Orlando
Dresden: Keller; Strifler, Jungwirth, Kister, Bührer; Hübener, Röttger (79. Müller), Kegel, Jungnickel (84. Sand); Esswein, Koch (89. Herzig)

Zuschauer: 6422

Schiedsrichter: Dr. Drees (Münster-Sarmsheim)

Spielbericht
Der Winter hatte alles voll im Griff, rundherum alles weiß, soweit das Auge blickte. Im Stadion- grüner Rasen und vom Schnee befreite Wege und Tribünen. Herzlichen Dank an rund 100 Fans und auch 3 Gästefans für ihre hervorragende Arbeit zur Unterstützung unseres Vereins. Damit war es möglich, dass dieses Spiel als eines der wenigen an diesem Spieltag stattfinden konnte. Nun waren die Aktiven am Zug.

Man konnte gespannt sein, wie und ob Wolfgang Frank die 0:6 Niederlage gegen die Braunschweiger aus den Köpfen seiner Mannschaft heraus radieren konnte. Vor 6422 Zuschauern begannen beide Mannschaften recht verhalten auf dem doch etwas rutschigen Geläuf. Zu bemerken ist noch, dass in der Anfangsaufstellung bekannte Namen fehlten, dafür der Neuzugang Eugen Bopp von der ersten Minute an seine Chance bekommt. Schon nach der zweiten Ecke ergab sich nach Zuspiel von Orlando für ihn die Gelegenheit zum Abschluss, doch er konnte seine erste Chance im FCC-Trikot leider nicht nutzen. Bis zur 39. Minute passierte dann nicht mehr viel. Beide Teams neutralisierten sich bereits im Mittelfeld und es gab keine nennenswerten Torchancen. Aus mehreren Ecken für Jena konnte kein Kapital geschlagen werden. Dann ein Dresdner Angriff, abgeschlossen mit einem Schuss von Esswein, den Carsten Nulle per Fuß abwehren konnte. Schon in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit gibt es die größte Chance für den FCC, als Orlando Smeekes nach herrlichem Zuspiel und dem Ausrutscher von Tim Kister den Ball noch auf Christian Reimann ablegen kann, dieser jedoch im 16m-Raum im ersten Versuch Axel Keller nicht überwinden kann und im Nachschuss der Ball noch vom Dresdner Florian Jungwirth fast schon auf der Linie abgewehrt wird. Halbzeit.

Zu einem unschönen Akzent hätte ein möglicher Polizeieinsatz kurz vor dem Ende der ersten Halbzeit gegen die Gästefans werden können, nachdem diese sich trotz mehrfacher Aufforderung des "Veranstalters" nicht davon überzeugen ließen, ihre Zaunfahnen zu entfernen. Erst nachdem sich ca. 100 Polizisten in "Vollschutz" vor dem Gästeblock postierten und allein dadurch die bislang sich überhaupt nicht auffällig verhaltenden Fans provozierten, wurden ein paar der Fahnen von den Fans zurückgenommen. Vielleicht ließ man dies von entsprechender Seite doch als Kompromissangebot gelten und folgerichtig die Polizei wieder abrücken, sodass man sich auf den Rängen wieder dem Spiel auf dem Rasen zuwenden konnte.

Nun sah so aus, als hätten sich beide Mannschaften für die 2. Hälfte etwas mehr vorgenommen. Es entwickelten sich immer mehr Strafraumszenen auf beiden Seiten, zum Torerfolg führten sie aber nicht. Auch war diesmal den Jenaern ein gewisser Drang zum Tor nicht abzusprechen. Leider kam man auch mit den Standards nicht weiter, denn eine Chancenverwertung nach den Ecken, die meist extrem schlecht ausgeführt wurden, war schlicht nicht möglich! Das änderte sich erst, als Sebastian Hähnge in der 71. Minute für Reimann in die Partie kam. In der 82. Minute resultierte aus einer Ecke von Ralf Schmidt die letztlich spielentscheidende Szene: Der Ex-Jenaer Axel Keller im Tor der Gäste faustete die Ecke vor die Füße von Neuzugang Eugen Bopp, der präzise zu Sebastian Hähnge flankte. Dessen erster Versuch war für Keller zwar parier-, aber nicht festhaltbar und so konnte Hähnge den Ball im Nachschuss im Tor unterbringen - die Führung für den FCC! Neben Sebastian Hähnge und dem Großteil der Zuschauer dürfte sich auch Wolfgang Frank besonders über den Treffer freuen, denn er hatte mit der Strategie, Hähnge nicht von Beginn an zu bringen, ein glückliches Händchen bewiesen. In der Folge warf Dynamo alles nach vorne, um wenigstens einen Punkt aus dem Paradies zu entführen. Mit Ausnahme einer Chance für Gerrit Müller in der 88. Minute gelang den Dresdnern aber keine gefährliche Aktion mehr, obwohl sich auch Axel Keller mehrfach in die Jenaer Hälfte verirrte.

Unterm Strich stehen drei wichtige Punkte für den FCC, die nach dem 0:6-Debakel in Braunschweig für eine etwas entspanntere Fahrt nach Heidenheim sorgen dürften. Einen guten Einstand muss man auch Eugen Bopp attestieren, der seine Leistung aus dem Dresden-Spiel hoffentlich auch in der Rückrunde bestätigen kann. "...Wenn wir solche Spiele gewinnen, sind wir auf einem gutem Weg", meint Wolfgang Frank. Wir wollen uns dieser Aussage gern anschließen und freuen uns erst mal auf das letzte Spiel vor der Winterpause. <jh>

Bericht auf dynamo-dresden.de

Eintracht Braunschweig - FC Carl Zeiss Jena 6:0

Tore: 1:0 Kumbela (26.), 2:0 Calamita (41.), 3:0 Kruppke (51.), 4:0 Bellarabi (56.), 5:0 Kumbela (59.), 6:0 Kruppke (83.)

Braunschweig: Petkovic; Kessel, Henn, Dogan, Reichel; Theuerkauf, Bellarabi, Calamita (80. Unger), Kruppke (88. Fuchs), Boland; Kumbela (66. Amrhein)
Jena: Nulle; Eismann, Sichone, Voigt, Nikol; Orlando (64. Ziegner), Truckenbrod, Schmidt, Landeka (56. Riemer); Hähnge, Reimann (69. Ullmann)

Zuschauer: 15.820

Schiedsrichter: Dietz (Kronach)

Spielbericht
Das Positive vorweg: Es dürfte sich keiner verletzt haben, vom Platz geflogen ist auch keiner und die höchste Saisonniederlage war es auch nicht. Trotzdem wohl eine ziemlich harte Bruchlandung nach dem Drei - Siege - Zwischenhoch.
Aber von vorn: Bei Temperaturen an der Frostgrenze und fast wolkenlosem Himmel finden sich ca. 300 bis 400 Fans des FC Carl Zeiss Jena im jetzt überdachten Gästeblock des Eintracht-Stadion an der Hamburger Straße in Braunschweig ein. Sicherlich nicht ohne Hoffnungen auf etwas Zählbares sind die Anhänger des Tabellensechzehnten zum Aufstiegsaspiranten gereist, da die Mannschaft aus Thüringen die große Krise scheinbar überwunden hat. Sicherlich, eine Niederlage in Braunschweig liegt selbstverständlich im Bereich des Möglichen, aber ein solches deprimierendes Endergebnis dürften selbst die größten Pessimisten vorher nicht erwartet haben.

In der ersten Halbzeit können die Jenaer das Spiel wenigstens noch ansatzweise ein wenig ausgeglichen gestalten und als Nulle kurz vor der Pause einen zweifelhaften Strafstoß halten kann, ist das Beste an der ersten Halbzeit das, für den FCC, doch recht schmeichelhafte Zwischenergebnis und die Hoffnung das die Mannschaft nun wachgerüttelt sein müsste. Über den Umstand, dass ich mir für das Schreiben dieses Spielberichtes aufgrund der frostigen Temperaturen keine Notizen machen konnte und wollte, brauche ich mich aber nicht zu ärgern. Ein Schüsschen von Landeka irgendwann um die 20. Minute herum bleibt die einzig nennenswerte Offensivaktion der Jenaer - bis zum Schluß!

Nach der Halbzeitpause drehen die Braunschweiger dann endgültig auf: Ein schlampiger Fehlpaß von Hähnge im Mittelfeld leitet den Abschuß ein. Er führt zu einem Konterangriff auf der rechten Jenaer Abwehrseite, die Flanke kommt hoch in den Strafraum, die Jenaer Innenverteidigung kann nicht weit genug per Kopf klären, der Ball kommt postwendend zurück und Kruppke kann aus spitzem Winkel den Ball unter die Latte nageln. Nach den nun noch unmittelbar folgenden Gegentreffern Nummer vier und fünf, deren Beschreibung der Entstehung ich mir an dieser Stelle lieber erspare, ist der kleine Hoffnungsschimmer von der Halbzeitpause bereits in der 60. Minute erloschen.
Im Gefühl des sicheren Sieges nimmt die Eintracht jetzt einen bis mehrere Gänge raus und lässt den Gast ein wenig mehr zur Entfaltung kommen. So wechseln sie unter anderem auch den Doppeltorschützen Kumbela aus und dürften damit vor allem Sichone einen riesigen Gefallen getan haben, der während der gesamten Zeit den besten Braunschweiger nie unter Kontrolle bekam. Offensichtlich war aber allgemein, dass über die rechte Jenaer Abwehrseite fast alle gefährlichen Angriffsaktionen der Braunschweiger eingeleitet wurden. Was dann jetzt aber folgte, sollten sich die Jenaer Spieler bei der Videoanalyse des Spiels aber trotzdem noch einmal etwas genauer zu Gemüte führen. Trotz des Braunschweiger laissez-faire gelingt es der Jenaer Mannschaft überhaupt nicht, irgendwelche gefährlichen Offensivaktionen zu setzen. Hinten schwach, im Mittelfeld mau und Vorne überhaupt nicht vorhanden, das ist die Mischung die solch ein Endergebnis zu Stande kommen lässt, das leicht hätte noch höher ausfallen können, da die Braunschweiger bestimmt noch ein halbes Dutzend weitere Hundertprozentige besaßen. Eine tiefere Spieleranalyse der Jenaer lohnt in meinen Augen nicht wirklich, da außer Nulle keiner der Jenaer die Ligatauglichkeit unter Beweis stellen konnte. Und eine Unterscheidung der Leistungen der Spieler in schwach oder ganz schwach dürfte wohl auch keinem weiterhelfen. Den Wettbewerb, wer das "ärmere Würstchen" war, haben die "Thüringer" gegen die "Braunschweiger" jedenfalls haushoch gewonnen.

Die Katerstimmung nach diesem Debakel dürfte entsprechend ausfallen. Viel Arbeit für den Cheftrainer das Ergebnis aus den Köpfen zu bekommen. Nötig wird das aber sein, wenn die Überwinterung oberhalb der Abstiegsgrenze erfolgen soll. Wünschen wir ihm ein glücklicheres Händchen als seinem Vorgänger in dieser Situation und die notwendige Ruhe im Umfeld der Mannschaft. Leichter wird die nächste Aufgabe gegen Stuttgart auf keinen Fall. <tn>

Die Demontage aus der Siegerperspektive

FC Carl Zeiss Jena - Offenbacher Kickers 1:0

Tore: 1:0 Hähnge (11.)

Jena: Nulle; Eismann, Sichone, Voigt, Nikol; Kurbjuweit (73.Kurbjuweit), Truckenbrod, Schmidt (79. Riemer), Landeka; Hähnge, Reimann (90. Ziegner)
Offenbach: Wulnikowski; Lamprecht, Kopilas, Husterer (46. Laux), Stadel; Mehic, S.Haas, Hesse, Hayer (46. Cincotta); da Costa, Mesic (58. Rathgeber)

Zuschauer: 4702

Schiedsrichter: Petersen (Stuttgart)

Spielbericht
Tabellenführer kontra Achtzehnter - vom Papier her eigentlich eine klare Angelegenheit für die Gäste. Aber seit dem Trainerwechsel beim FCC geht es auch im Paradies wieder in kleinen Schritten voran, was sich durch die zwei Siege der letzten Tage auch in Zahlen widerspiegelt. Die Offenbacher sollten daher eigentlich gewarnt gewesen sein, dass sie es am heutigen Tage mit einem nicht wirklichen Abstiegskandidaten zu tun haben würden.

Die Jenaer Kicker machten sofort dort weiter, wo sie am Dienstag im Pokalfight aufgehört hatten. Der Tabellenführer kam noch nicht einmal so richtig an den Ball, da hatten die Jenaer bereits nach 100 Sekunden die erste Möglichkeit, doch Hähnges Kopfball flog am Tor vorbei. Nach gut zehn Minuten die nächste Chance für die Platzherren. Schmidt probierte es mal mit einem Schuss aus gut 18m, der Ball wurde durch einen Offenbacher abgefälscht und landete bei Hähnge, doch dieser konnte die unverhoffte Tormöglichkeit nicht nutzen, so dass Wulnikowski klären konnte. Aber keine zwei Minuten später machte er es dann besser und traf per Kopfball zur verdienten Führung, nachdem Nikol mustergültig nach innen geflankt hatte. Nach all den Wochen der Leiden waren die Jenaer bis dahin kaum wieder zu erkennen. Es wurde gekämpft, gefightet und vor allem war mal wieder ein taktisches Konzept zu erkennen. Dagegen enttäuschte der Tabellenführer auf ganzer Linie, vor allem weil die Jenaer fast jeden Zweikampf bis dato gewinnen konnten. Aber trotzdem kamen die Hessen nach 15 Minuten zu ihrer ersten Möglichkeit durch einen Distanzschuss, der aber knapp am linken Pfosten vorbei zischte. Doch der FCC ließ nicht locker und nach 26 Minuten hätte es zum zweiten Mal im Gästetor klingeln können, denn nach einem gefährlichen Querpass von Reimann vor das Tor kam Landeka nur einen Schritt zu spät, um den Ball über die Linie zu schieben. Nach einer halben Stunde musste Nulle zum ersten Mal sein ganzen Können zeigen, als er einen Freistoß aus 30m von da Costa Junior gerade noch parieren konnte. Auf der Gegenseite war es Eismann, der nach einem Eckball den Ball im Strafraum bekam und sofort abzog, doch sein Schuss war nicht genau genug, so dass der Offenbacher Keeper retten konnte. Sechs Minuten vor der Pause dann Offenbachs dickste Chance zum Ausgleich, doch zum Glück schoss da Costa aus Nahdistanz Nulle direkt in die Arme.

Auch nach der Pause das gleiche Bild. Die Thüringer waren sowohl die aktivere als auch die tonangebende Mannschaft. Hähnge hatte in der 50.Minute die Chance, auf 2:0 zu erhöhen, doch Wulnikowski konnte auch diesmal klären. Wenig später hatten die meisten Jenaer Fans bereits den Jubelschrei auf den Lippen, denn nach einem platzierten Freistoss von Truckenbrodt stieg Eismann im Strafraum am höchsten, traf aber per Kopf nur die Lattenunterkante, von wo der Ball wieder vor die Torlinie sprang und anschließend geklärt werden konnte. Die Platzherren hatten ihr Eckenkonto auf mittlerweile 6:1 nach oben geschraubt, doch jeder wusste, dass das eine Tor gegen den Tabellenführer nur ein sehr dünner Vorsprung war. Die Minuten tickten herunter, ein jeder schaute stetig auf die Uhr, doch es waren noch immer 15 lange Minuten zu spielen. Und immer mehr merkte man, wie die Beine der Jenaer Spieler zunehmend schwerer wurden und der Pokalfight am Dienstag doch noch in den Knochen steckte. Auch den Offenbachern blieb dies nicht verborgen und so versuchten sie nun noch einmal alles, aber mehr als eine Eckenführung von 9:6 sprang dabei nicht heraus, da die Jenaer wie die Löwen kämpften und ihre dünne Führung am Ende völlig verdient über die Zeit retteten.

Eine für viele Fans und Verantwortliche des FCC so nicht erwartete und deshalb umso erfreulichere Woche mit drei Siegen in Folge ist vorüber. Die Jenaer Kicker konnten sich zudem durch den heutigen Sieg von den Abstiegsrängen befreien. Diese Siege sollten Selbstvertrauen geben, um vielleicht im kommenden Spiel gegen Braunschweig noch einmal für eine kleine Sensation sorgen zu können. <vg>

Spielbericht auf ofc.de

SV Wacker Burghausen - FC Carl Zeiss Jena 2:3

Tore: 0:1 Truckenbrod (3.), 1:1 Cappek (11.), 1:2 Kurbjuweit (23.), 2:2 Agyemang (72.), 2:3 Reimann (90.)

Burghausen: Vollath; Brucia, Omodiagbe (34. Hess), Wolf, Schmidt; Hertl, Burkhard (58. Halfar), Holzer, Cappek (77. Olumide), Eberlein; Agyemang
Jena: Nulle; Eismann, Sichone, Voigt, Nikol; Kurbjuweit (70. Orlando), R. Schmidt, Truckenbrod, Landeka (79. Riemer); Hähnge (84. Ullmann), Reimann

Zuschauer: 3850

Schiedsrichter: Glasmacher (Alsdorf)

Spielbericht
Das diesjährige Gastspiel des FCC an der deutsch-österreichischen Grenze, stand ganz im Zeichen des 80-jährigen Jubiläums des gastgebenden SV Wacker Burghausen. Zu diesem Zweck wurden innerhalb der Abteilungen des SV Wacker unter anderem auch 1.000 Freikarten verteilt, so dass sich mit 3.850 Zuschauern - bisheriger Saisonrekord des SV Wacker - deutlich mehr Fans in der Wacker-Arena eingefunden hatten, als noch bei den letzten Gastspielen des FCC in Oberbayern. Anders als vor exakt 8 Monaten, als der FCC regulär letztmals beim SV Wacker Burghausen antreten sollte, herrschten diesmal keine Witterungsverhältnisse, die das Spiel unmöglich machten, sondern bei nahezu spätsommerlichen 18 Grad und Sonnenschein, waren die äußeren Bedingungen nahezu ideal. Das Gastspiel in Burghausen war für den FCC in den vergangenen beiden Spielzeiten ein sehr gutes Pflaster, schließlich wurden beide Vergleiche mit 3:2 bzw. 2:0 gewonnen.
Auf Seiten des FCC gesellte sich in dieser Woche Torsten Ziegner zum ohnehin bereits prall gefüllten Lazarett, der wegen einer Achillessehnenentzündung die Reise nach Burghausen erst gar nicht mit angetreten hatte. Auch auf Felix Holzner muss Trainer Wolfgang Frank noch ein paar Wochen verzichten, nachdem er sich derzeit mit einer Innenbanddehnung plagt. Orlando konnte unter der Woche aufgrund von Leistenproblemen nur eingeschränkt trainieren, war jedoch im Kader und saß zu Beginn der Partie zunächst auf der Bank. Carsten Nulle, der unter der Woche aufgrund eines Infekts für 2 Tage pausieren musste, konnte von Beginn an auflaufen und führte die gleiche Anfangself auf den Rasen, mit der in der Vorwoche ein eher dürftiges 0:0 gegen den SV Babelsberg 03 gelungen war. Auf Seiten der Burghausener rückte nach seiner abgelaufenen Gelbsperre mit Darlington Omodiagbe ein alter Bekannter wieder in die Innenverteidigung.

Das Spiel begann mit einem Paukenschlag. Nach nicht einmal 2 Minuten, gelang es weder dem eben erwähnten Darlington Omodiagbe, noch seinem Teamkollegen Alexander Eberlein, den Ball zu klären. Das Spielgerät gelangte in zentraler Position zu Jens Truckenbrod, der den FCC aus ca. 20 Metern Torentfernung überlegt und unhaltbar zur viel umjubelten frühen Führung schlenzte. Die Gastgeber versuchten alles, um den frühen Rückstand recht schnell zu egalisieren, starteten eine sehr offensive Phase und setzten die Defensive des FCC in der Folgezeit recht stark unter Druck. Bei einem Freistoß in der 5. Minute musste Carsten Nulle nicht eingreifen, nachdem der Ball links an seinem Tor vorbei ins Toraus flog. Nur 2 Minuten, später gab es eine erneute Freistoßsituation für die Burghausener, die Carsten Nulle mit einer sicheren Faustabwehr bereinigen konnte, ehe er im direkten Anschluss einen Schuss von Christian Cappek aus kurzer Distanz sicher parieren konnte. Aus einem an und für sich harmlosen Befreiungsschlag des Burghausener Torhüters Rene Vollath, entwickelte sich die nächste brenzlige Situation für die Hintermannschaft des FCC. Alexander Voigt konnte jedoch den Ball im 5-Meter-Raum noch wegschlagen. Die in der 11. Minute folgende Situation, war das Ergebnis der offensiven Bemühungen der Gastgeber. Nachdem Ronny Nikol infolge eines Stoppfehlers den Ball zunächst ins Seitenaus hat laufen lassen, führte der anschließende Einwurf zu einer Flanke von der rechten Außenlinie, die über Freund und Feind hinweg durch den 16-Meter-Raum des FCC flog. Am langen Pfosten steht Christian Cappek goldrichtig und vollendete überlegt aber genauso völlig unbedrängt zum zu diesem Zeitpunkt verdienten Ausgleich. Der FCC konnte sich folglich nur sehr kurz an der Führung erfreuen, die leider nicht die entsprechende Sicherheit in den Aktionen brachte.
In den folgenden knapp 10 Minuten beruhigte sich das Spiel etwas und die meisten Aktionen fanden im Mittelfeld statt, ehe Christian Reimann in der 21. Minute auf der rechten Seite sehr schön freigespielt wurde und zum Abschluss kam. Den strammen Schuss des Stadtrodaers ließ Rene Vollath nach links abklatschen, wo der Ball den Weg zum völlig freistehenden Josip Landeka fand, der aus knapp 5 Meter Torentfernungen eigentlich nur noch einnetzen musste. Sein Schuss landete jedoch zum Entsetzen der mitgereisten ca. 300 FCC-Fans nur am linken Pfosten. Eine hundertprozentige Torchance für Landeka, die eigentlich die erneute Führung hätte bedeuten müssen. Nur 3 Minuten später machte es sein Pendant auf der rechten Mittelfeldseite besser. Nach Anspiel durch Josip Landeka, legte Sebastian Hähnge stark und mit Übersicht durch die gegnerische Abwehrreihe auf Tobias Kurbjuweit, der aus halbrechter Position zur erneuten Führung für den FCC traf.
Die Gastgeber blieben trotz des erneuten Rückstands dennoch immer gefährlich. In der 28. Minute faustete Carsten Nulle einen von Björn Hertl aus dem Getümmel heraus abgegeben Schuss zur Seite ab. Nur zwei Minuten später klärte erneut Nulle sicher, als Christian Cappek aus spitzem Winkel nahe der Grundlinie sein Glück versuchte. Auf der Gegenseite ergab sich dann in Spielminute 33 die erneute Chance für den FCC, den Vorsprung noch vor der Pause auszubauen. Christian Reimann legte den Ball uneigennützig auf den erneut vollkommen freistehenden Josip Landeka - fast eine Kopie der Schusschance des Kroaten aus der 21. Minute. Auch diesmal fehlte ihm vor dem gegnerischen Tor die Kaltschnäuzigkeit und Präzision und sein Schuss ging rechts am Tor vorbei.
Mario Basler änderte noch in der 1. Hälfte die Grundausrichtung seiner Mannschaft. Für den häufig unglücklich agierenden Abwehrspieler Darlington Omodiagbe, brachte er in der 34. Minute Martin Hess als dritten Stürmer. Bis zur Halbzeit passierte dann nicht mehr viel in der Wacker-Arena und der FCC ging insgesamt völlig verdient mit einer jedoch in Anbetracht der klaren Chancen zu knappen 2:1-Führung in die Pause. Hauptthema der Halbzeitgespräche waren die beiden hundertprozentigen Torchancen von Josip Landeka und der damit einhergehende Wunsch, dass sich das Auslassen dieser klaren Möglichkeiten hoffentlich nicht noch rächen sollte.

Beide Mannschaften kamen unverändert aus der Kabine, wobei sich auch in den ersten 10 Minuten der zweiten Hälfte keine klaren Torchancen ergaben. Einen Kopfball infolge einer Freistoßsituation konnte Carsten Nulle in der 50. Minute sicher halten. Bei einer Freistoßmöglichkeit in der Folgeminute, schoss Josip Landeka aus 18 Metern nur in die Mauer. Eine an für sich gute Gelegenheit in der 53. Minute wurde auf Seiten des FCC leider nicht zu Ende gespielt. Christian Reimann spielte von links direkt an der gegnerischen Grundlinie schön in den Rücken der Abwehr. Tobias Kurbjuweit ging dem Ball jedoch nicht konsequent entgegen, so dass sich keine direkte Tormöglichkeit für den FCC ergab. In der 54. Minute wurde FCC-Trainer Wolfgang Frank, der dem Spiel in seiner gewohnt emotionalen und aktiven Art und Weise an der Seitenlinie beiwohnte, von Schiedsrichter Stefan Glasmacher auf die Tribüne verbannt, nachdem er zuvor bereits in der Halbzeit ermahnt wurde und offenbar die Coachingzone das ein oder andere Mal verlassen haben soll. Seine Mannschaft ließ sich hierdurch nicht irritieren und kam bereits 5 Minuten später zu einer erneuten guten Möglichkeit. Infolge einer Flanke von Josip Landeka, gelangte der Ball zum sichtlich überraschten Sebastian Hähnge, dem es auf Höhe des Elfmeterpunktes nicht gelang, den Ball anzunehmen und zu einem Abschluss zu kommen. Nur 2 Minuten später verlängerte eben jener Sebastian Hähne einen Freistoß von Jens Truckenbrod zu seinem Sturmpartner Christian Reimann, dessen Kopfball allerdings die notwendige Härte fehlte und damit für den Torhüter keine ernsthafte Gefahr darstellte.
Offenbar von der tiefstehenden Sonne geblendet, anders kann man es eigentlich nicht erklären, übersah der nicht immer überzeugende Schiedsrichter Stefan Glasmacher in der 63. Minute ein Foul an Christian Reimann, der auf der rechten Außenbahn in vollem Lauf zu Fall gebracht wurde. Zur Verwunderung der FCC-Fans entschied Glasmacher nur auf Einwurf für den FCC. Freistoß und eine gelbe Karte wären wohl die richtige Entscheidung gewesen. Genau hierauf entschied Glasmacher diesmal zu Recht, als 3 Minuten später Josip Landeka auf der gegenüberliegenden Seite in einer vergleichbaren Situation umgegrätscht wurde.
20 Minuten vor Ende der Partie brachte der für Wolfgang Frank nun an der Außenlinie verantwortliche Co-Trainer Mark Zimmermann, Orlando Smeekes für Tobias Kurbjuweit, in der Hoffnung, dass sich durch die Schnelligkeit von Orlando und die sich gleichzeitig bietenden Räume, weitere Torchancen für den FCC ergeben würden. Doch nur Sekunden später stand es 2:2. Mit seiner ersten gefährlichen Aktion im zweiten Durchgang, egalisierte der SV Wacker Burghausen die Führung des FCC. Sören Halfar setzte sich auf dem linken Flügel durch und steckte auf den freistehenden Eric Agyemang durch, der überlegt und für Carsten Nulle unhaltbar zum Ausgleich einnetzte, der zu diesem Zeitpunkt sicher insgesamt als glücklich zu bezeichnen war. Nur 3 Minuten nach dem Ausgleichstreffer, hatte Orlando seine erste Torchance. Von Landeka in Szene gesetzt, spielte er den Ball am bereits geschlagenen Torwart vorbei. Letztendlich fehlten dem Schuss allerdings Kraft und Präzision, um den FCC erneut in Führung zu bringen. Es entwickelte sich nun in der Schlussphase ein vollkommen offenes Spiel. Als Sebastian Hähnge in der 83. Minute ohne Fremdeinwirkung im Anstoßkreis zusammensackte, stockte den FCC-Fans kurzzeitig der Atem. Zwar konnte er den Platz selbständig verlassen, wurde jedoch, da infolge eines Kreislaufzusammenbruchs vollkommen entkräftet, durch Martin Ullmann ersetzt.
Die letzte Minute der regulären Spielzeit hatte dann einiges zu bieten. Erst ging ein Fernschuss der Burghausener über das Tor von Carsten Nulle, ehe Schiedsrichter Glasmacher auf der anderen Seite eine Szene erneut recht exklusiv beurteilte. Christian Reimann bedrängte den Burghausener Abwehrspieler, der einen Befreiungsschlag versuchte und dabei aus kürzester Entfernung Christian Reimann anschoss, von dessen Brust und angelegten Armen der Ball in Richtung des Burghausener Tores prallte. Als sich Christian Reimann schon vollkommen alleine in Richtung Rene Vollath aufmachte, ertönte der Pfiff des Schiedsrichters, der die Szene als absichtliches Handspiel beurteilte und damit vollkommen daneben lag. Doch der FCC steckte nicht auf und wollte sich für die sehr engagierte und starke Leistung mit 3 Punkten belohnen. In der Schlussminute legte Orlando den Ball nach Innen auf den eingewechselten Martin Ullmann, der am rechten Eck des gegnerischen Fünfmeterraumes nur noch einnetzen braucht, doch zum Entsetzen der weitgereisten FCC-Fans nur neben das Tor schoss. Dass die Auswärtsfahrt nach Burghausen doch noch zu einem Erfolgserlebnis wurde, haben wir Christian Reimann zu verdanken. In der 3. Minute der Nachspielzeit, kommt dieser infolge eines Freistoßes von Sören Eismann im gegnerischen Strafraum mit dem Kopf an den Ball und köpft zum viel umjubelten 3:2 ein. Der Gästeblock tobte ob des nicht mehr für möglich gehaltenen Auswärtssiegs.

Mit diesem ersten Sieg nach zuvor 13 sieglosen Partien, belohnt sich die Mannschaft für die bisher beste Saisonleistung. Der Spielverlauf und vor allem der späte Siegtreffer sollten psychologisch so wichtig sein, dass trotz der beiden kommenden Ligaspiele gegen den Tabellenführer Kickers Offenbach und beim Tabellenzweiten Eintracht Braunschweig der sprichwörtliche Bock nun endgültig umgestoßen zu sein scheint und man mit Selbstvertrauen und Zuversicht, die kommenden, sicher nicht einfachen Aufgaben angehen kann. <tb>

Kurzbericht auf sv-wacker.de

FC Carl Zeiss Jena - SV Babelsberg 03 0:0

Jena: Nulle; Eismann, Sichone, Voigt, Nikol; Kurbjuweit (56. Orlando), R. Schmidt, Truckenbrod, Landeka (63. Luge); Hähnge, Reimann (78. Mayombo)
Babelsberg: Unger; Evers, Oumari, Hoffmann, Paul; Civa (70. Prochnow), Kocer, Schütz, Müller, Makarenko (56. Koc); Stroh-Engel (56. Hebisch)

Zuschauer: 4144

Schiedsrichter: Benedum (Mehlingen)

Spielbericht
Ab und an stöbern auch die Autoren selbst in alten Spielberichten. So geschehen letzte Woche. Saison 2007/2008, eine Liga höher. Nach einer 0:1-Heimniederlage schrieb ich damals: "Es ist ja nicht so, dass der FC Carl Zeiss weit weg wäre von der Musik. Sieben der neun Niederlagen fielen mit einem Tor Differenz aus ! Doch gerade das macht die Saison so frustrierend." Als Außenseiter nah dran an einem Punktgewinn, ging die Zeiss-Elf dann doch meist leer aus. Und holte gegen Mitbedrohte häufig nur einen Zähler, wo es deren drei hätten werden müssen. Der berühmte Schalter, er wurde nie richtig umgelegt. Nimmt man zudem den Trainerwechsel im ersten Viertel der Saison hinzu, ergeben sich schaurige Parallelen zur aktuellen Situation. Schaurig deshalb, weil Jena vor zweieinhalb Jahren als Tabellenletzter abstieg.

Mit Babelsberg war nach Bremens U23 zum zweiten Mal in Folge ein Kontrahent im Kampf um den Klassenerhalt zu Gast. Sicherheit war bei beiden Mannschaften oberstes Gebot und so musste sich das Publikum schon am Anfang mit wenig zufrieden geben. Ein ausnahmsweise mal schnell und direkt gespielter Ball, der zum Mitspieler kommen sollte, aber im Aus landete, wurde ebenso beklatscht wie ein Angriff über rechts, bei dem die Flanke im Niemandsland ankam. Nach einer Viertelstunde hatten die Gäste einmal aufs Tor geschossen, ohne damit Gefahr zu erzeugen. Die Einheimischen noch gar nicht. Dabei waren sie weitaus häufiger am Ball, was aber auch daran lag, dass der SV augenscheinlich kein Interesse daran hatte, die Initiative zu übernehmen. So, als hätte es sich herum gesprochen, dass den Jenaer Spielern im Laufe von neunzig Minuten eigentlich immer individuelle Patzer unterlaufen, auf die der Gegner nur zu warten braucht. In der 26. Minute war es wieder soweit. Eismann vertändelte leichtfertig einen Ball vor dem eigenen Strafraum, in dessen Folge Civa aus 25 Metern abzog, Nulle damit aber vor kein echtes Problem stellte.
Nach einer halbe Stunde hatte Babelsberg seine Torschussbilanz also auf zwei erhöht. Und Jena ? Beförderte einen Freistoß direkt in die gegnerische Mauer hinein - etwas, was in einem Spielbericht ansonsten nichts zu suchen hat, aber einen echten Torschuss gab es schließlich immer noch nicht. Als Kurbjuweit der nächste Ballverlust in der Vorwärtsbewegung unterlief, bügelte Alexander Voigt gegen Stroh-Engel aus. Da waren schon 43 Minuten gespielt. Ein Freistoß von Schütz ans Außennetz (45.) erhöhte die Torschussbilanz der Gäste auf drei. Die der Jenaer blieb bis zur Pause in der Null stecken. Nicht einmal einen Eckball hatten sie herauszuholen vermocht. Die desolate Vorstellung bis dahin lag in diametraler Diskrepanz zur akribischen Vorbereitung mit Mini-Trainingslager und gemeinsamer Übernachtung im Hotel, mit der man im Hinblick auf das Spiel störende Einflüsse von außen fern zu halten gedachte. Nunja.

Sieben Minuten nach Wiederanpfiff verloren die Filmstädter nach einem Freistoß den Ball. Über Reimann und Hähnge gelangt der Ball zu Landeka, mit dessen Hereingabe Gästekeeper Unger seine Schwierigkeiten hat. Jens Truckenbrod kommt einen Moment zu spät, um erfolgreich abstauben zu können - aber da war sie, die allererste Torgelegenheit für den FCC nach 51 Minuten ! Sebastian Hähnge probiert es vier Minuten später gleich wieder, sein Schuss aus der Drehung wird jedoch abgeblockt. Und weitere vier Minuten darauf versucht er einem Truckenbrod-Freistoß die entscheidende Richtungsänderung zu geben, wieder ohne Erfolg. Doch jetzt ging etwas für die Gastgeber. Erst recht, als Orlando den ob seiner Auswechslung sichtbar angesäuerten Kurbjuweit ersetzte. Der schnelle Holländer rückte auf die rechte Seite, blieb aber nicht lange dort, weil mit Luge wenig später die nächste Offensivkraft für rechts außen ins Spiel gebracht wurde. Der Youngster zögerte nach 73 Minuten einen Tick zu lang mit dem Torschuss - von der linken Seite heranfliegende Gegenspieler ließen ihn dann am rechten Pfosten vorbei schießen. Doch vom Engagement her schien jetzt eine ganze andere Mannschaft auf dem Platz. Man muss sich schon fragen, weshalb sie zum wiederholten Mal derart lethargisch ein Spiel beginnt und erst nach der Halbzeitansprache kämpferische Akzente setzt. Während die Gäste mit Eckbällen oder Freistößen wenig, aus dem Spiel heraus keine Gefahr mehr herauf beschworen, hob sich Jena die beste Gelegenheit des gesamten Spiels für die Schlussminute auf. Ausgangspunkt ist Orlando, der energisch nach innen zieht, sein straffer Schuss setzt noch mal auf. Unger lässt wieder nach vorn abklatschen. Der Ball springt dem eingewechselten Mayombo entgegen, der steht unbedrängt zentral vor dem Tor und schlägt fast vom Elfmeterpunkt aus ein Luftloch über den Ball ! Unfassbar. Lieber Exauce, du hast uns mit deinem Last-Minute-Tor gegen Erfurt mal viel Freude bereitet, aber nach dem Auslassen DIESER Chance ist der Kredit dafür aufgebraucht. Wer solche Möglichkeiten ungenutzt verstreichen lässt, holt zwangsläufig gegen Mitbedrohte höchstens einen Punkt, wo es deren drei hätten werden sollen...

Ein Trainer-Haudegen wie Wolfgang Frank weiß nur zu gut, dass es in der aktuellen Situation fatal wäre, das eine Halbzeit lang unterirdische Spiel seiner Jungs öffentlich zu sezieren und das letzte bisschen Selbstvertrauen auf die Art kaputt zu reden. Mit der Aussage "Es war ein sehr intensives Spiel, das hat Spaß gemacht" schoss er aber wohl ein bisschen übers Ziel hinaus, dürfte sich mit dieser Meinung jedenfalls in nicht allzu großer Gesellschaft befinden. Die meisten der noch gut viertausend Besucher verließen das Stadion mit einer Mischung aus Verärgerung und Frustration. <fc>

Spielbericht auf babelsberg03.de

SpVgg Unterhaching - FC Carl Zeiss Jena 1:1

Tore: 1:0 Amachaibou (22.), 1:1 Reimann (85.)

U'haching: Kampa; Schulz, Brysch, Hoffmann, Stegmayer; Tyce (75. Villar), Mitterhuber, Leandro, Zillner; Amachaibou (81. Thee), Nygaard
Jena: Nulle; Riemer (32. Eismann), Sichone, Voigt, Nikol; Kurbjuweit, Truckenbrod, Ziegner (39. Landeka), R. Schmidt, Orlando (56. Reimann), Hähnge

Zuschauer: 2450

Schiedsrichter: Willenborg (Osnabrück)

Spielbericht
Achtzehn Jahre, drei Monate und zwanzig Tage mussten Jenas Anhänger auf diesen Moment, einen erneuten Punktgewinn in Unterhaching warten, doch die Freude im ca. 350 Mann starken Gästeblock hielt sich nach Abpfiff in Grenzen. Den Zähler nahm man gern mit, doch wirklich hoffnungsvoll konnte das Gesehene nicht stimmen.

Wenn Wolfgang Frank in der Pressekonferenz nach dem Spiel davon sprach, dass ihn die erste Halbzeit an sein immerhin schon fünfzehn Jahre zurückliegendes Spiel als Trainer von Mainz 05 beim FC Carl Zeiss Jena erinnerte, als er an der Linie einem 1:6-Debakel beiwohnen musste, so sagt dies ebenso viel über die Qualität der blau-gelb-weißen Darbietungen in den ersten 45 Minuten aus wie die Tatsache, dass sich bereits nach 39 Minuten zwei FCC-Kicker auf der Bank wiederfanden. Marco Riemers Auswechslung kam einer Erlösung für den Apoldaer gleich, der mit zwei katastrophalen Ballverlusten gegen Zillner die beiden größten Chancen der Hausherren vor der Pause ermöglichte. Am ebenfalls vom Platz genommenen Torsten Ziegner ging nach Meinung von Frank das Spiel vorbei, eine Einschätzung die freilich auf alle zehn Feldspieler in Weiß zutraf. Um die Anzahl der auf das Gehäuse von Kampa abgegebenen Torschüsse zu ermitteln, benötigte man kein bayerisches Abitur: Es waren exakt Null! Dafür musste man stets die Luft anhalten, wenn wieder einmal ein Flankenball von links oder rechts durch den Jenaer Strafraum segelte und glücklicherweise keinen Abnehmer fand. Einzige Ausnahme die 22. Minute, als der fast 2 Meter große Nygaard die Kugel per Kopf seinem abseitsverdächtig am Pfosten lauernden Kollegen Amachaibou zum 1:0 auflegt. Carsten Nulle bekommt das Leder erst hinter der Linie zu fassen und nach anfänglicher Verwirrung beim Schiedsrichterkollektiv lautete die Entscheidung dann doch: Tor. Das einzige vor der Pause, denn selbst herausgespielte Möglichkeiten hatten die Bajuwaren ebenso wenig zu bieten. Es war schlicht und ergreifend ein grausames Fußballspiel.

Wolfgang Franks Halbzeitansprache fiel kurz aus und so störte das zeitige Wiedererscheinen der Thüringer auf dem Rasen das aus Geschicklichkeitsübungen mittels Laubbläsern bestehende Pausenunterhaltungsprogramm der Vorstädter, moderiert von seinem komödiantisch talentierten Stadionsprecher, der mit der Feststellung "So langsam füllt sich das Stadion" bereits kurz vor Anpfiff des Spiels die Lacher auf seiner Seite hatte. Schluss mit lustig schien die Ansage gewesen zu sein, die die FCC-Kicker nun verstanden hatten, war doch die Körpersprache eine andere und nach 48 Minuten ging bei Hähnges geblocktem Schuss und Kurbjuweits Heber neben das Tor erstmals ein Raunen durch den Gästeblock, in dem man sich ob der zahlreich rot-weiß gekleideten Münchener Ultra-Freunde unserer Horda Azzuro eher am Steigerwald wähnte, denn zwischen Fans des FCC. Bei all dem Verständnis für das Ausleben von Freundschaften, ein Mindestmaß an Anstand und Respekt für die Farben des unterstützten Vereins sollte eine Selbstverständlichkeit sein. Schade, dass dem nicht so zu sein scheint und jedem Kleinkind bei seinen ersten Stadionbesuchen vermittelte Verhaltensregeln von einer Gruppe bewusst mit Füßen getreten werden, sich die Jenaer Fanszene weiter auseinanderdividiert.
Doch zurück zum Geschehen auf dem Rasen, wo trotz eines nun bissigeren FCC beinahe die Rot-Blauen den Sack zugemacht hätten, mit den Hauptdarstellern Sichone und Nulle in der Hauptrolle. Zunächst klärt Jenas Keeper reaktionsschnell gegen Tyce nach Sichone-Fehler (54.), dann rettet Jenas sambischer Verteidiger gegen einen Heber Zillners auf der Linie für den aus dem Strafraum geeilten Nulle (56.). Auf der Gegenseite köpft Sebastian Hähnge eine Freistoßflanke Truckenbrods knapp über den Kasten, danach war wieder Tristesse im tristen Süden Münchens angesagt. Hachings Angst vor eigenen Akzenten nach vorn wurde von Minute zu Minute größer, während Jenas Versuche, die Hintermannschaft der Gastgeber wirklich unter Druck zu setzen, nicht mehr als bemüht wirkten. Dass es am Ende trotzdem noch zu einem Punktgewinn reichte, war dem für den erneut glücklosen Orlando ins Spiel gekommenen Christian Reimann zu verdanken, der etwas tat, das an einen echten Stürmer erinnerte. Keine Rauschen im Blätterwald zu verursachen, sondern sich mit allem was man hat in die Bälle zu stürzen, die erreichbar, oder auch scheinbar unerreichbar sind. Die Entschlossenheit, mit der der Stadtrodaer den Flankenball Kurbjuweits aus satten 12 Metern per Kopf ins Eck hechtete (85.), nur diese Entschlossenheit wird den FCC aus dem Tabellenkeller heraushieven können. Wenn Haching dafür der Anfang war, bleibt vielleicht doch etwas mehr Positives hängen als nur der eine Punkt. <gunner>

FC Carl Zeiss Jena - SV Werder Bremen II 1:1

Tore: 1:0 Landeka (13.), 1:1 Krisch (41.)

Jena: Nulle; Eismann (66. Luge), Sichone, Voigt, Nikol; R. Schmidt, Truckenbrod, Ziegner, Landeka (83. Reimann); Hähnge, Orlando (52. Mayombo)
Bremen: Duffner; Hessel (15. Becker), Stallbaum, Balogun, Andersen; Krisch, Artmann (71. Grieneisen), Kroos, Ronneburg; Ayik, Thiele (76. Testroet)

Zuschauer: 4364

Schiedsrichter: Dietz (Kronach)

Spielbericht
Befreiungsschlag verpasst Mit welchen Erwartungen geht man in so eine Partie? Kann es noch schlimmer kommen? Im "Keller" ist man ja schon. Das zweite Spiel unter Wolfgang Frank. Die gegnerische Mannschaft steht noch einen Punkt und einen Tabellenplatz schlechter da.
Neun (9) Spiele in Folge ohne Sieg. Man erwartet einfach eine Mannschaft, der man bei jeder Aktion ansieht, dass sie aus diesem Dilemma raus will! So schnell wie möglich! Am besten heute mit 3 Punkten vom Platz gehen, das wär's doch.

Dann das Spiel, das Wetter sonnig, die Fans voller Erwartung und gut aufgelegt. Aber auf dem Platz war wenig Erfreuliches zu sehen. Die ersten Minuten stolperten so vor sich hin, es war keinerlei Plan zu erkennen. Alles passierte eher zufällig, so wie es dann auch zum Foul an Ziegner an der Strafraumgrenze kam und Landeka in der 13. Minute mit dem daraus resultierenden Freistoß vor 4364 Zuschauern ein herrliches Tor erzielte. Wunderbar, der Bann ist gebrochen, kein früher Rückstand wie schon so oft, sondern die Führung. Nun macht was draus, war man geneigt zu hoffen. Aber leider weit gefehlt. Anstatt die Gäste vielleicht noch mit einem zweiten Treffer zu verunsichern, hatten diese nach ca. 10 Minuten das Tor "vergessen" und wurden durch die Harmlosigkeit des Jenaer Spiels wieder aufgebaut. Halbherzige und unpräzise Flanken und Freistöße taten das ihre und so war es nur eine Frage der Zeit, bis die Bremer in der 41. Minute durch Krisch den Ausgleich erzielen konnten. Die zwei Steilpässe auf Orlando Smeekes, die dieser nicht verwerten konnte und ein sehenswerter Kopfball von Hähnge können in so einem wichtigen Spiel doch nicht alles gewesen sein?

Auch in der zweiten Halbzeit war gähnende Langeweile angesagt. An allen Ecken und Enden fehlte ein Konzept, es fehlte ein "Regisseur" im Mittelfeld, der die Bälle sinnig verteilt hätte und so sah man nur ein unkonstruktives Ballgeschiebe, das zwangsläufig mit Ballverlusten endete. Aber die Gäste taten es dem FCC gleich, so dass sich aus den an einer Hand abzählbaren Möglichkeiten für beide Teams keine wirkliche Torgefahr ergab. Dass Jena schon in der 61. Minute die erste Ecke treten durfte, sagt sicher einiges über das Angriffsspiel bis dahin aus. Schmerzlich vermisste man auch den einen oder anderen Torschuss aus der Distanz.
Die letzten Minuten brachten noch ein wenig Torgefahr auf beiden Seiten, wofür wohl eher die nachlassenden Kräfte als spielerische Geistesblitze verantwortlich waren. Jena hatte in der 86. Minute Glück, dass der Schuss eines Bremers nur an den Pfosten ging. In der 89. Minute zwang Luge mit einem herrlichen Schuss aus 18 Metern Duffner im Gästetor zu einer Faustparade, um das Siegtor für Jena zu verhindern. Selbst in der 90. Minute hatte Jena noch die Chance auf ein Tor, aber auch dieser, wieder von Ziegner getretene Freistoß, war an Halbherzigkeit nicht zu toppen und wurde so zu keiner Gefahr.

Zusammenfassend ein gerechtes Unentschieden, welches keinem weiterhilft, auch wenn Jena mit diesem Punkt nun wieder einen Tabellenplatz "gewonnen" hat. Es war mehr drin und man muss weiter hoffen, dass die Arbeit des neuen Trainers Wolfgang Frank so schnell wie möglich Früchte tragen möge, die sich in möglichst vielen Punkten zählen lässt. "…Abstiegskampf ist eine Arbeit in kleinen Schritten…" Heute bleibt leider nur der eine Punkt das Gute am ansonsten erneut erschreckend schwachen Spiel des Clubs. Auch die Fans dürften ein weiteres Mal enttäuscht nach Hause gefahren sein. Und das nicht nur wegen des Ergebnisses, sondern auch wegen des mangelnden Einsatzes der Zeiss-Elf, der man den Ernst der Situation nur selten anmerken konnte. <jh>

Bilder auf weissenburger.de

TuS Koblenz - FC Carl Zeiss Jena 1:0

Tore: 1:0 Cannizzaro (34.)

Koblenz: Paucken; Bender (65. Nottbeck), Kittner, Haben, Gentner; Pospichil, Brinkmann, Stahl (70. Laux); Steegmann, Cannizzaro (88. Hawel), Rahn
Jena: Nulle; Wuttke (46. Sichone), Voigt, Eismann (81. Reimann), Nikol; Kurbjuweit (64. Landeka), Ziegner, Truckenbrod, R. Schmidt; Hähnge, Orlando

Zuschauer: 4515

Schiedsrichter: Dittrich (Bremen)

Spielbericht
Alles wie immer: Tore schießt der FCC in Koblenz nur, wenn zeitgleich die "Queen Mary" am Deutschen Eck vor Anker liegt. Und so war vor schon vor der Begegnung der beiden angeschlagenen Vereine (Koblenz 3 Niederlagen in Folge, der FCC seit 8 Spielen sieglos) klar, dass es unserem Team nur über eine stabile Abwehr gelingen würde, sich nicht die nächste Auswärtsniederlage einzuhandeln. Der neue Trainer Wolfgang Frank sorgte für eine Änderung, in dem der FCC diesmal ein lupenreines 4-4-2 wirklich mit zwei Stürmern nebeneinander spielte.

Vielleicht wurden die Gastgeber von der Nachricht beflügelt, dass der Koblenzer Ex-Trainer Uwe Rapolder in der Innenstadt gesichtet wurde, oder sie verkrafteten diese unsägliche Schunkelmusik kurz vorm Anpfiff besser, jedenfalls begannen sie optisch schwungvoller als die Jenaer. Trotzdem gab es in den ersten 20 Minuten nichts Notierenswertes auf dem Rasen, es ging so lala zwischen den Strafräumen hin und her. Umso mehr passierte allerdings in der Gästekurve: Egal, was der eigentliche Auslöser war, das pauschale Verteilen von Pfefferspray aus ca. 5 m willkürlich in einen Zuschauerblock hinein (durch einen Zaun vor den "bösen" Fans geschützt, es lag also keine Verteidigungssituation für die Beamten vor), in dem sich auch Frauen und kleine Kinder befanden, hat nichts mehr mit dem "Grundsatz der Verhältnismäßigkeit" zu tun. Provokationen, wie das Herunterreißen einer Schwenkfahne durch einen vermutlichen Polizisten in Zivil kurz nach dem Reizgaseinsatz tragen zudem auch nicht zu einer entspannten Atmosphäre bei. Der einheimische Rentnermob auf der Gegengeraden kommentierte das Durchdrehen Vorgehen der Polizei mit "Immer feste druff auf die Assis, dieses Pack, die Ossis..." (In der Halbzeitpause bekamen wir einen weiteren Einblick in die Vorstellungswelt des gesitteten Koblenzer Bürgertums, als wir gefragt wurden, ob die "Chaoten im Block alles Rechtsradikale" seien.) In der 20. min dann das erste offensive Lebenszeichen des FCC, als Ziegner einen Freistoß von halbrechts in den Strafraum schickte, Voigt (?) aber das Tor verfehlte. Kurz danach sah man eine schöne Ballstafette unserer Jungs bis zur Strafraumgrenze, allerdings ohne Abschluss. Und weitere 60 Sekunden später entwickelte sich aus einem abgewehrten Koblenzer Freistoß ein Konter, bei dem Orlando von drei Gegenspielern gebremst werden musste. Nochmals drei Minuten später (zuvor hatte Nulle nach einer Ecke glänzend reagiert und den Rückstand verhindert) ließ sich Orlando von zwei Koblenzern nicht am 80-m-Sprint hindern, letztendlich fehlten jedoch etwas Kraft und Präzision (immerhin erhielt der Koblenzer "Gelb" für den "Trikothaltbarkeitstest") im Abschluss (27.). Nach der folgenden Ecke kam der Ball zur Kurbjuweit, der jedoch in aussichtsreicher Position mehr die Koblenzer Luft als den Ball traf. In der 29. min hatten wir auch eine Portion Glück als nach einer verlängerten Flanke der Ball nur Zentimeter am langen Pfosten vorbeischrammte.
Und damit wären die gefährlichen Koblenzer Momente der ersten Halbzeit schon vorbei gewesen..., wenn nicht ausgerechnet Eismann, der in den letzten Spielen so gute Leistungen geboten hatte, einen an sich harmlosen springenden Ball verfehlt und ein großes Luftloch in die kühle Abendluft getreten hätte. Cannizzaro nutzte diesen Fehler, drehte sich um und ließ Nulle aus 10 m keine Chance. Rückstand in einer Phase, in der der bemühten, aber schwachen TuS eigentlich schon der "Zahn gezogen" war und man das Spiel in den Griff hatte! Eismann, der nach seinem Fehler offensichtlich gern im Boden versunken wäre, merkte man in der Folgezeit seine starke Verunsicherung an, die sich erst legte, als er nach der Pause auf die Position des Außenverteidigers rückte. In der 37. min hatte der FCC bereits die Chance, den Rückstand zu kompensieren: Hähnge bediente zunächst Wuttke auf der rechten Außenbahn, dessen präzise Flanke Orlando direkt aufs Tor knallte, Paucken jedoch den Ball nach vorn abwehren konnte. Hähnge scheiterte im zweiten Versuch an einem gefühlten halben Dutzend Verteidigern, die sich ihm entgegenstellten. Und in der 41. min stocherte ein Verteidiger den Ball am langen Pfosten schnell zur Ecke, bevor Orlando schießen konnte. Bei den Ecken und Freistößen zeigte sich aber ein weiteres Jenaer Manko, denn TuS-Keeper Paucken konnte die Bälle faktisch immer problemlos fangen, weil sie in der Regel maßgenau auf ihn gezirkelt wurden.

Die zweite Hälfte in einem relativ schwachen Spiel lebte von der Spannung, nicht von der Attraktivität. 2:0 oder Ausgleich, wem würde der nächste Erfolg gelingen. Auf der einen Seite wehrte Sichone einen Schuss vor Nulle und der Torlinie ab (49.), auf der anderen Seite zielte Hähnge bei seinem Versuch aus etwa 14 m Torentfernung ein klein wenig zu hoch. Bis zur 60. Spielminute war die TuS im Mittelfeld optisch besser, danach der FCC, aber so richtige ernsthafte Torversuche waren allseits Mangelware. Erst in der 73. min gab es einen Aufreger, als Koblenz nach einer "Kerze" Nikols eine Gelegenheit bekam, der Ball jedoch am kurzen Pfosten vorbeiging. Tja, und der FCC? Man ließ zwar den Ball in den eigenen Reihen kreisen, es fehlten aber die zündenden Ideen, die die Hausherren in Verlegenheit gebracht hätten. Hähnge wurde mit 2-3 Mann zugestellt und bei Orlando ging nach der Pause gar nichts mehr. Die Ballannahmen waren eine Katastrophe (Zuspiele auf ihn waren gleichbedeutend mit Ballverlust), er ging keinen Schritt dem Ball entgegen und selbst seine sonstige Sprintstärke hatte er anscheinend in der Kabine gelassen. Selbst als mit Reimann (kam für Eismann) ein 3-4-3 gespielt wurde, ging nichts. Lediglich in der 86. min ersprintete sich Reimann (ein ungenauer Beobachter hätte angesichts Frisur und Tempo glatt auf Orlando getippt) das Spielgerät an der Grundlinie im Strafraum, behauptete sich gegen zwei Verteidiger und passte punktgenau dorthin vors Tor, wo Sturmkollege Orlando hätte stehen müssen. Der jedoch war auf Reimann zugerannt - wahrscheinlich um den Zweikampf besser beobachten zu können... In der zweiten Nachspielminute ein letztes Aufstöhnen im Stadion, als Hähnge eine Flanke nur Richtung Tor abfälschen, jedoch nicht voll treffen konnte.

Letztendlich war für den FCC gegen ganz schwache "TuSsis" nicht mehr drin als die Niederlage, weil man vorn im Abschluss zu harmlos war und hinten wieder einmal quasi ein „Selbsttor“ schoss. Trainer Frank muss es unbedingt bis zur wichtigen nächsten Partie gegen Bremen II schaffen, die Köpfe der Spieler durchzupusten, denn am Willen an sich hat es auch in Koblenz nicht gelegen. <uk>

Bericht auf fansmedia.org zu den Vorkommnissen am Rande des Spiels

FC Carl Zeiss Jena - FC Hansa Rostock 1:3

Tore: 0:1 Jänicke (8.), 0:2 Schied (31.), 1:2 Hähnge (74.), 1:3 Schied (86.)

Jena: Nulle; Holzner, Eismann, Nikol, R. Schmidt (49. Voigt); Kurbjuweit, Truckenbrod, Ziegner, Landeka (68. Sevimli); Hähnge, Orlando (58. Reimann)
Rostock: Hahnel; Schyrba, Wiemann, Gusche, Pelzer; Ziegenbein, Pannewitz (78. R. Müller), Lartey, Jänicke; Albrecht (79. Bolivard), Schied (89. Evljuskin)

Zuschauer: 8462

Schiedsrichter: Perl (Pullach)

Spielbericht
Gut dreieinhalb Jahre sind vergangen, als es zum letzten Mal im Jenaer Ernst-Abbe-Sportfeld zu diesem prestigeträchtigen Match beider ehemaliger Ostvereine kam. Während die Rostocker in mehr als dreißig Gastspielen am Fuße der Kernberge meist als Verlierer die Heimreise antraten, so ging doch das letzte Match 2007 mit einem 2:1 an die Hanseaten.

Gerade einmal acht Minuten waren vergangen, da konnten die Kicker von der Ostsee zum ersten Mal feiern. Schyrba hatte mustergültig auf den am langen Pfosten stehenden Schied geflankt, der köpfe zurück vor das Tor zu Jänicke, der keine Mühe hatte, den Ball aus Nahdistanz an Nulle vorbei zu köpfen. Dabei hatten sich die Jenaer in diesem Duell heute so viel vorgenommen und dieser Plan schien bereits nach nicht einmal zehn Minuten jäh zu scheitern. Denn die Rostocker waren es auch fortan, die die Aktionen auf dem Spielfeld bestimmten und in den ersten 45 Minuten auch klar den Ton angaben. Bereits fünf Minuten nach dem Führungstreffer hätten die Hanseaten ihre Führung ausbauen können, doch Grusche konnte die Missverständnisse in der Jenaer Hintermannschaft nicht eiskalt ausnutzen und köpfte aus bester Position knapp am Tor vorbei. Nach zwanzig Minuten dann endlich mal eine gute Aktion des FCC. Ein langer Pass auf Orlando, der den Ball für Kurbjuweit abtropfen ließ, doch dessen Direktschuss ging einige Meter am Tor vorbei. Von nun an trauten sich die Platzherren endlich einmal mehr zu und der Schock des frühen Rückstandes schien verflogen. Truckenbrodt, der am heutigen Tage ein sehr gutes Spiel machte, kurbelte unermüdlich das Spiel seiner Mannschaft im Mittelfeld an. Umso unverständlicher war, dass in diesem so eminent wichtigen Spiel Orlando überhaupt keinen Stich im Angriff sah und sogar noch mit häufigen Fehlern in der Ballannahme "glänzte". Nach gut einer halben Stunde dann der nächste Rückschlag für die Jenaer Kicker. Marcel Schied wurde per Querpass angespielt und er ließ sich diese Möglichkeit nicht nehmen, den Ball aus Nahdistanz über die Linie zu befördern. Nach 37 Minuten hatten die Rostocker eine brenzlige Situation zu überstehen, denn Hahnel im Tor der Gäste konnte einen scharf getretenen Freistoss nur prallen lassen. Hähnge schaltete am schnellsten und setzte dem Ball sofort nach, doch Rostocks Keeper konnte den Ball gerade noch vor den Füssen des Jenaer Stürmers wegfischen.

Sieben Minuten nach der Pause waren vergangen, als Albrecht für die erste nennenswerte Chance in der zweiten Halbzeit sorgte. Aber seinen Schuss aus spitzen Winkel konnte Nulle sicher parieren. Von nun an wurden die Jenaer endlich mal mutiger und spielten druckvoll nach vorne, aber spätestens am Rostocker Strafraum war Schluss. Hähnge hatte nach knapp einer Stunde die Möglichkeit zum Anschlusstreffer, doch sein Kopfball ging leider knapp über den Kasten. Nach 70 Minuten hätte bereits das endgültige Aus für die Thüringer sein können, denn ein Freistoss von Lartey aus halblinker Position zischte zwischen allen Spielern hindurch und klatschte zum Glück nur an den Pfosten. Doch dann kam der Moment, mit dem eigentlich keiner mehr so richtig gerechnet hatte. Zunächst verpassten zwei Jenaer Spieler eine Flanke von Reimann, doch der Ball wurde postwendend von Voigt zurück in den Sechzehner befördert, wo Hähnge am höchsten stieg und zum Anschlusstreffer einköpfte. Ziegner hätte mit seinen zwei schönen Freistößen (78., 83) sogar noch für die Ausgleich sorgen können, doch leider konnte Hahnel parieren bzw. flog der Ball haarscharf am Kasten vorbei. Aber auch die Hanseaten hatten ihre Chance (79.), den Sack vorzeitig zuzumachen. Doch Lartey brachte das Kunststück fertig, aus fünf Metern das leere Tor zu verfehlen. Vier Minuten vor Ultimo klappte es dann doch noch mit einem Treffer für die Kicker aus dem Norden, denn ausgerechnet Jenas Ex-Spieler Schied markierte sein zweites Tor. Anschließend musste er selber über seinen Treffer lachen, denn eigentlich wollte er einen Querpass stoppen, doch der Ball prallte ihm unglücklich an sein rechtes Bein und flog von dort in das hintere Toreck. Kurz darauf war Schluss und die nächste Niederlage besiegelt.

Nach dieser erneuten Pleite wird es immer düsterer über dem Jenaer Ernst-Abbe-Sportfeld, denn durch die gerade einmal acht errungen Punkte aus elf Spielen finden sich die Jenaer nun voll im Tabellenkeller wieder. Aber leider hatte man auch im heutigen Spiel nie das Gefühl, dass die Jenaer Kicker spielerisch auch mal eine Schippe drauflegen könnten, um auch einen "größeren" Gegner mal schlagen zu können. Die Lage bleibt also spannend und bekanntlich stirbt die Hoffnung zuletzt. <vg>

Bericht auf fc-hansa.de

FC Rot-Weiß Erfurt - FC Carl Zeiss Jena 2:1

Tore: 1:0 Pfingsten-Reddig (15., FE), 1:1 Landeka (22.), 2:1 Weidlich (78.)

Erfurt: Orlishausen; Malura, Pohl, Möckel, Hillebrand; Hauswald (64. Weidlich), Zedi, Pfingsten-Reddig, Caillas; Reichwein (56. Lüttmann), Semmer (70. Drexler)
Jena: Nulle; Holzner (76. Luge), Eismann, Nikol (83. Reimann), R. Schmidt; Kurbjuweit (62. Riemer), Ziegner, Truckenbrod, Landeka; Hähnge, Orlando

Zuschauer: 10.454

Schiedsrichter: Zwayer (Berlin)

Spielbericht
Die Jenaer Fans mussten im Stadion des Erzfeindes vor dem Anpfiff viel ertragen: Neben dem Dauerregen (der leider schriftliche Notizen für diesen Bericht verhinderte) bekamen sie auch noch eine Hitparade der hässlichsten Fanlieder auf die Ohren geknallt, in der die Songs des Erzrivalen die ersten 5 Plätze belegten.

Nach dem Anpfiff gab es zunächst einiges an uneffektiven Hin und Her, bevor die Hausherren nach 5 Minuten ihren ersten guten Angriff hatten, aber ein Rot-Weißer traf am langen Pfosten - auch später immer wieder ein Ziel der Erfurter Flanken - die Eingabe nicht richtig. Jena antwortete mit einem Schuss Hähnges, den Orlishausen erst beim zweiten Zupacken sicher hatte. So richtig brenzlig vorm Jenaer Tor wurde es, als Nulle eine scharfe Eingabe eines Erfurters wegfaustete und Nikol den folgenden Flachschuss Semmers kurz vor der Linie stoppte. Kurz danach attackierte Schmidt an der seitlichen Strafraumgrenze, in einer an sich ungefährlichen Situation, Semmer so aggressiv, dass Schiedsrichter Zwayer auf Strafstoß entschied. Aus Stadionsicht gab es da auch nichts zu diskutieren, es war einfach eine ungeschickte und unnötige Aktion des Jenaer Verteidigers. Der Erfurter mit dem Doppelnamen (irgendwas mit Ostern und Rettich) ließ sich diese Chance nicht entgehen und schien mit dem 1:0 schlimmste Befürchtungen des Jenaer Fanlagers zu bestätigen und eine richtige Packung einzuleiten. Übrigens war dies einer der wenigen Momente, in denen die Lethargie im Bereich der Heimzuschauer durchbrochen wurde. Lediglich die eine Hälfte der Haupttribüne war in diesem Spiel gelegentlich zu hören. Ansonsten war die Stimmung wenig derbymäßig - übrigens auch im Gästebereich, in dem oft monotoner Singsang richtig lauten Support abwürgte - da gab es in den letzten Jahren schon Lauteres.
Die Angst, der FCC würde jetzt in sich zusammenfallen, bestätigte sich jedoch überhaupt nicht. Man versuchte, den Ball laufenzulassen und spielerisch nach vorn zu kommen. Und schon wenige Minuten nach dem Rückstand gelangte der Ball zum am linken Strafraumeck wartenden Landeka, ein kurzer Schwenk um die rot-weiße Slalomstange und dann knallte er den Ball ins lange Eck. Die allgemeine Torfreude wurde durch den Überraschungseffekt verstärkt, weil sich seit dem 0:1 schon ein gewisser Fatalismus im Block auszubreiten schien und sich einige Fans im Gegensatz zum Team schon (trotz des frühen Zeitpunkts) mit einer Niederlage abzufinden schienen. Und die Überraschung ging weiter, denn zunächst entwickelte sich ein ausgeglichenes Spiel, in dem aber mehr und mehr ein Team das Spiel bestimmte: der FCC. Den Gastgebern hatte der Ausgleich einen gehörigen Dämpfer verpasst und sie verloren allmählich den Spielfaden. Nur in der 34. min mussten die Zeiss-Fans tief durchatmen, als nach einem Freistoß von der linken Außenlinie der Erfurter Kopfball nur Zentimeter am langen Pfosten vorbeischwebte. Ansonsten lief der Ball immer besser durch die blau-gelb-weißen Reihen, man suchte den Nebenmann und vor allem Ziegner war eine wichtige Schaltstelle im Mittelfeld. Fast wäre die Leistungssteigerung vor der Pause belohnt worden, aber Orlandos Kopfball nach einer Flanke von rechts verfehlte knapp das Tor. Den Ball erwischte Landeka vor der Eckfahne, tunnelte seinen Gegenspieler und wurde, als er von links in den Strafraum zog, per Bodycheck gestoppt. Wer Schmidts Attacke als elfmeterreif pfeift, hätte auch hier auf den Strafstoßpunkt zeigen können.

Die zweite Hälfte begann unverändert: Es regnete in Strömen und der FCC hatte das Spiel im Griff. Nicht nur kämpferisch war man gut drauf, sondern vor allem spielerisch war man viel, viel besser als in den vergangenen Partien. Die erste interessante Aktion hatte Ziegner, als er einen Freistoß aus großer Torentfernung direkt (aber knapp vorbei) schoss (48.). Einige Minuten später erreichte eine weite Flanke von der linken Seite den halbrechts im Strafraum stehenden Kurbjuweit. Er legte sich jedoch den Ball erst auf den anderen Fuß und so war der Überraschungsmoment vorbei und Orlishausen hielt den genau auf den Keeper geschossenen Ball. Erfurt bemühte sich zwar immer mal wieder um Angriffe, aber die Jenaer Innenverteidigung stand sicher. Bezeichnend war, dass mit Reichwein und Semmer der rot-weiße Sturm im Verlauf der 2. Hälfte ausgewechselt wurde, weil sie keinen Stich sahen (bemüht, aber erfolglos). Und gab es doch mal einen Fehler, so kämpfte einer für den anderen, man setzte den verlorenen Bällen nach und warf sich notfalls auch in die Schüsse wie etwa in der 61. Minute. In Gegenzug wusste sich Erfurt oft nur durch Fouls zu helfen, zum Beispiel bekamen Orlando und Holzner die Grobheiten zu spüren, die auch mit "Gelb" bestraft wurden. Und nach dem bösen Foul Zedis an Holzner verfehlte Landekas butterweiche Eingabe um Haaresbreite erst Hähnges (oder war es Orlando?) Kopf und dann den langen Pfosten. Orlando vergeigte eine sehr gute Konterchance, als er stur und eigensinnig mit dem Ball in zwei Erfurter hineinrannte, anstatt auf den mitgelaufenen Landeka abzuspielen. Als Zeiss-Fan war man hin und her gerissen: Sehnte man nun ob des Regens und des Punktes den Abpfiff herbei oder sollte man dem eigenen guten Spiel weiter folgen - bis zum ersehnten und bis dahin nicht unverdienten Siegestor? Leider konnte man das nicht selbst entscheiden, sondern es ging nach der Uhr. Und diese zeigte die 78. min an, als der eingewechselte Riemer mit einem Quer- und Fehlpass mustergültig den Erfurter Weidlich bediente, der das Spielgerät unhaltbar für Nulle ins lange Eck setzte. Wieder einmal - wie fast immer in den letzten Spielen - schenkte man quasi dem Gegner durch einen simplen Fehler einen Treffer. Bitter, bitter, denn bis dahin hatte man nicht das Gefühl, das Erfurt hier noch ein Tor schießen würde. Der FCC versuchte zwar in den verbleibenden Minuten alles, aber vergeblich.

Ein verlorenes Derby schmerzt natürlich, aber diese Niederlage gibt dennoch Hoffnung, dass es beim FCC wieder aufwärts gehen wird, weil unsere Mannschaft hier ein völlig anderes Gesicht als in den vergangenen Wochen zeigte. <uk>

Bericht auf rot-weiss-erfurt.de

FC Carl Zeiss Jena - VfR Aalen 0:0

Jena: Nulle; Holzner, Eismann, Nikol, R. Schmidt; Kurbjuweit (62. Luge), Ziegner (79. Reimann), Truckenbrod, Landeka (62. Eckardt); Hähnge, Orlando
Aalen: Bernhardt; Scheuring, Kempe, Sulu, Bauer; Traut (85. Brechler), Barg, Kettemann, Kakoko (42. Schön); Grüttner (42. Dausch), Soriano

Zuschauer: 4285

Schiedsrichter: Osmers (Hannover)

Spielbericht
Zum dritten Mal gastierte in dieser Saison das aktuelle Tabellenschlusslicht im Ernst-Abbe-Sportfeld. Nach einer Niederlage gegen Saarbrücken und dem Unentschieden gegen Bayerns Zweite wäre ein Sieg gegen Aalen eigentlich die logische Folge gewesen. Doch Fußballresultate sind schwer berechenbar.

Verletzungsprobleme und die überaus dürftige Vorstellung in Ahlen hatten zu einer gründlichen Umformierung der Anfangself geführt. Auf den ersten Blick suchte man in der Startaufstellung vergebens eine Viererabwehrkette. Doch bestätigte sich schnell die Vorahnung, dass Sören Eismann aus dem Mittelfeld zurückgezogen wird und mit Ronny Nikol eine Innenverteidigung bildet, die es so noch nicht gegeben hat. Die weiße Weste des neuen Gespanns drohte schon in der 10. Minute den ersten dunklen Fleck zu erhalten, nachdem Sascha Traut einen Freistoß aus 20 Metern flach aufs Jenaer Tor geschossen hatte. Carsten Nulle, in den letzten Wochen zurecht dafür kritisiert worden, die Bälle immer abprallen zu lassen, reagierte schnell. Diesmal kann ihm niemand ernsthaft einen Vorwurf machen, das Leder nicht festgehalten zu haben, dafür war der Freistoß einfach zu gut geschossen. Nulle gab sich sogar noch Mühe, zur Seite abzulenken, konnte jedoch nicht verhindern, dass mit Marco Güttner wieder ein Spieler der gegnerischen Mannschaft zum Nutznießer des Abprallers wurde. Güttner traf aus sieben Metern aber lediglich die Latte, wobei es schien, als sei Nulle auch hier noch dran gewesen.
Auf Jenaer Seite war die allgemeine Verunsicherung in der Anfangsphase noch deutlich zu spüren. Kurbjuweit in der zweiten und Eismann in der neunten Spielminute säbelten ohne Not über den Ball - mit dem Unterschied, dass Eismanns Patzer im Abwehrzentrum gravierende Folgen hätte haben können, wenn Soriano vor lauter Überraschung nicht das gleiche Missgeschick passiert wäre. Alles in allem aber harmonierte Jenas Blondschopf recht gut mit Nikol. Beide hatten einen nicht unerheblichen Anteil daran, dass nach der erwähnten Schrecksekunde bis zur Halbzeit keine weiteren Gästechancen hinzukamen. Und obwohl eine derart klare Gelegenheit für Carl Zeiss nicht zu verzeichnen war, gab es wenigstens in Ansätzen auch mal ordentliche Aktionen nach vorn. So fehlte in der 22. Minute nur noch der berühmte finale Pass, um den in vorzügliche Schussposition laufenden Hähnge zum Abschluss kommen zu lassen. Orlandos Abspiel landete in den Füßen seines Gegenspielers. Noch einmal 22 Minuten später standen erneut Orlando und Aalens Mann mit der Nummer 36, Dennis Kempe im Mittelpunkt. Zugegeben, es war es kein Foulspiel der gröberen Art, mit dem Kempe unseren Stürmer vom Ball trennte. Doch war deutlich zu sehen, dass er mit dem Arm Orlando zur Seite schob. Ein solcher Schubser wäre von Schiri Osmers vermutlich an jeder anderen Stelle des Spielfelds mit Freistoß geahndet worden - weshalb also legt der Referee im Strafraum die Meßlatte höher an für einen Pfiff ? Jene Pfiffe der Zuschauer, die ihn dann beim Gang in die Kabinen begleiteten, hatte sich der Unparteiische selbst zuzuschreiben.

Der Mond ging auf über den Kernbergen mit Beginn der zweiten Halbzeit. Die komplette Erleuchtung darüber, wie der Aalener Abwehr am besten beizukommen sei, brachte er aber auch nicht. Orlando, wieder bedrängt von Kempe, erhielt diesmal die Gelegenheit zum Abschluss, schob das Leder aber an Torwart und langem Pfosten vorbei (51.). Als Sebastian Hähnge, assistiert von Kurbjuweit, mit großem Einsatz einen Freistoß herausholte, kam mal richtig Stimmung auf im Publikum. Leider zirkelte Landeka das Leder deutlich über die Latte (53.).
Die Gäste versuchten es in dieser Phase vornehmlich aus der Distanz. Fehlte bereits beim 16-Meter-Schuss von Soriano nicht viel, wähnten die Gäste-Reporter vom lokalen "Radio WSR" den Ball von Barg in der 69. Minute sogar schon im Netz, obwohl er es doch nur von außen berührt hatte. Auch auf der Gegenseite lagen Lust und Frust dicht beieinander. 72. Minute, Torsten Ziegner legt in einen Freistoß aus gut 30 Metern Torentfernung derart viel Wucht hinein, dass es Bernhardt beinahe die Fäuste wegreißt. Der VfR-Keeper produziert mit seiner Abwehr eine "Kerze", Luge setzt nach, doch auch an seinen Schuss bekommt Aalens Nummer 1 noch eine Hand heran. Die Partie ist fußballerisch auch jetzt kein Leckerbissen, mittlerweile jedoch recht abwechslungsreich. Drei Minuten nach Ziegners Knallbonbon liegt der Ball plötzlich im Netz des Jenaer Kastens, doch diesmal hat das Schiedsrichter-Gespann genau hingeschaut und ein Handspiel Sorianos entdeckt. Dann bringt Jürgen Raab für den defensiven Mittelfeldspieler Ziegner seinen letzten auf der Bank befindlichen Stürmer Reimann. Bei den Gästen vollzieht sich wenig später ein ähnlich gearteter Wechsel, was anzeigt, dass beide Trainer mehr wollen als nur den einen Punkt. Christian Reimann bekommt nach achtzig Minuten seine Torchance, trifft dabei aber den Ball nicht richtig und vergibt sie somit recht kläglich. Doch ihre größte Gelegenheit im ganzen Spiel heben sich die Jenaer für die Schlussminute auf: Orlando steht diesmal nicht im Abseits, als ihn Hähnge mit langem Ball bis in den Aalener Strafraum schickt. Bernhardt verkürzt im Herauslaufen etwas den Winkel, doch das kann keine Entschuldigung dafür sein, dass Orlando einfach nur den Torwart anschießt und den Big Point zum so wichtigen Siegestreffer nicht macht.

Da müssen alle etatmäßigen Innendecker ausfallen, bis der FCC endlich mal wieder zu Null spielt. Für den Heimsieg gegen ein Tabellenschlusslicht hat es aber wieder nicht gereicht. Eine solche "Glas halb voll - halb leer"- Konstellation ergab sich auch im Meinungsbild unter den Spielern im Interview. Während Ronny Nikol davon sprach, die komplette Mannschaft habe offensiv wie defensiv gut gearbeitet, resümierte Carsten Nulle trocken und direkt: "Es war nicht toll, aber es ist schon mal von Vorteil, nicht wieder eine auf den Sack bekommen zu haben." <fc>

Rot Weiss Ahlen - FC Carl Zeiss Jena 3:0

Tore: 1:0 Wölk (27.), 2:0 Taylor (41.), 3:0 Taylor (77.)

Ahlen: Koczor; Busch, Alder, Flottmann, Vrzogic; Piossek (75. Blacha), Book, Wölk, Ghasemi-Nobakht (86. Meschede); Hille (65. Knappmann), Taylor
Jena: Nulle; Holzner, Riemer, Sichone (9. Röppnack), Nikol; Ziegner, R. Schmidt (74. Eckardt), Truckenbrod, Luge (46. Orlando); Hähnge, Reimann

Zuschauer: 2136

Schiedsrichter: Bandurski (Oberhausen)

Spielbericht
Brause und Parfüm sind eigentlich verschiedene Dinge. Im Fußball aber hinterläßt das klebrige Getränk aus Österreich derzeit einen für viele üblen Beigeschmack und die angeblichen Duftwässerchen stanken einst nicht nur im Westfälischen zum Himmel. Was in Leipzig gerade beginnt, hat Ahlen bereits hinter sich. Stinkewasserproduzent und -vertreiber Spikker bemächtigte sich einst des Ahlener Fußballs, war mit seiner Namensgebung "Leichtathletik Rasensport" Ahlen e.V. sehr "kreativ" und verwandelte sogar das Vereinslogo in einen jämmerlichen Abklatsch seines Firmenslogos. Daß eine solche Mißgeburt nur im Schatten eines nahegelegenen AKW gedeihen kann, ist wohl noch unbewiesen, Fakt ist aber, Spikker ist weg, Ahlen nennt sich Rot-Weiss und ist auch nach einigen Zweitligajahren das, was es schon vorher war: eine entbehrliche Grabstätte der Fußballkultur und betoniertes Phallussymbol einer westfälischen Ausgabe des Heinrich Haffenloher. Um so ärgerlicher ist es, daß ausgerechnet unsere Kicker es fertigbrachten, die wenigen im Stadion versprengten Einheimischen (niemals 2000!) glänzend zu bespaßen ...

Trainer Jürgen Raab schien eine ausgedehnte Karussellfahrt unternommen zu haben, so gründlich hatte er das sonntägliche Verliererteam umgestaltet. Der Verzicht auf Eismann, Landeka und Orlando in der Startformation sorgte schon vor Spielbeginn für genau so viel Gesprächsstoff wie die Rückkehr Nikols und vor allem Ziegners in genau diese. Gesprächsstoff hatten jedenfalls während der Erwärmung ihrer Teams auch die beiden Trainer reichlich, immerhin verbindet sie ja gemeinsamer Aufstieg in die Bundesliga. Orlando zelebrierte derweil zur Freude der Ahlener Balljungs einige Kunststücke am und mit dem Ball, welche diese dann sofort nachmachen wollten. Sie scheiterten gründlich und setzten sich dabei einem nicht unerheblichen Verletzungsrisiko aus. Zur gleichen Zeit zelebrierte der Stadionsprecher die Mannschaftsaufstellung der Gastgeber zusammen mit den rund 34 Ahlener Fans auf der Südtribüne und ließ dem dann einen weiteren Beitrag im allwöchentlichen Wettbewerb um Deutschlands grausigstes Vereinslied folgen. Heute hieß das Machwerk "Pfosten rettet" und es hörte sich dann auch genau so dämlich an, wie der Name es vermuten läßt.

Ahlens erste Flanke von rechts näherte sich bereits nach wenigen Sekunden unserem Fünfmeterraum, aber noch schien Nulle wach und faustete. Gleich darauf (3.) folgte auf halbrechts ein blitzsauberes Zuspiel der Ahlener in die sagenumwobene "Schnittstelle" unserer Viererkette und schon lief ein Einheimischer allein auf Nulle zu. Letzterer plumpste nach links wie ein chinesischer Reissack, wurde locker vom Angreifer umkurvt und als es fast schon das 1:0 zu notieren gab, rauschte Sichone herbei und spitzelte den Ball am Pfosten vorbei. Das Geräusch, welches laut und deutlich zu vernehmen war als Sichone gegen den Pfosten rasselte, ging direkt ins Mark. Zwar rappelte sich der pummelige Retter nochmals auf, humpelte noch etwas über den Rasen und wurde dann nach 8 Minuten durch Röppnack ersetzt. Jenas Innenverteidigung wechselt also rasant zwischen Seniorenstift und Schullandheim. Den ersten guten FCC-Angriff leitete Reimann über links ein. (11.) Seine flache Hereingabe nutze erst Hähnge und dann Ziegner zum Torschuß, doch der Sieger hieß Koczor. 2 Minuten später kommt Riemer nach einem Eckball frei zum Kopfstoß. Drucklos geht das Leder aber neben das Ahlener Gehäuse. Nach 17 Minuten verliert der FCC den Ball in der Offensive, die Ahlener nutzen das für einen weiten Schlag. Da Nulle wieder mal zu zögerlich beim Rauslaufen ist, wird er locker überlupft - allerdings geht der Ball knapp vorbei. Als die Ahlener kurz danach einen Freistoß ausführen, leistet sich der FCC-Keeper den nächsten Bock, in dem er den Ball nach vorn faustet, direkt zu einem -zum Glück überraschten- Ahlener Angreifer.
Nach 26 Minuten filetieren die Ahlener mal wieder unsere Viererkette und der Ball landet bei Taylor, der trickst, sich dreht und schießt - Nulle hält. Sekunden später segelt ein harmlos scheinender Ball aus 20 Metern Entfernung hoch auf Nulle zu. Was auch immer Nulle vorhatte, es mißlang gründlich. Jenas Torwächter landete auf dem Hosenboden und Wölk bejubelte das 1:0. (27.) Mit wenig Mühe beherrschen die Ahlener jetzt Spiel und Gegner. "Gefährlichste" Aktion des FCC ist ein 40 Meter-Schuß Hähnges, der für Koczor fast zum Problem geworden wäre. Dann, nach 40 Minuten ein Eckball für Ahlen, in dessen Folge wir den Ball nicht vom Tor weg bekommen. Es folgt ein Schuß aus 20 Metern, den Nulle vor Taylors Füße prallen läßt und zum Dank dafür von diesem getunnelt wird. (2:0, 40.) Und hätte Röppnack in der 45. Minute nicht so souverän gegen den durchgelaufenen Taylor geklärt, wäre die Packung schon zur Halbzeit deftig gewesen. Trotz schwachen Spiels hätte der FCC gegen bescheiden agierende Hausherren niemals zurückliegen müssen, schien aber durch die beiden Nulle-Böcke bereits geschlagen.

Halbzeit 2 begann mit Orlando für Luge. Mit und Dank Orlando kommt der FCC in den Minuten 47, 48, 50 zu guten Offensivaktionen und Freistößen und Dank Reimann in Minute 52 zu einem weiteren Freistoß von rechts. Mit einer grottigen Ausführung beendet dann Ziegner das "Aufbegehren" des FCC. Danach starteten dann die Ahlener mal wieder einen Angriff und diesmal verhinderte noch der Pfosten das 3:0. Okay, von der 55. bis zur 75. Minute hatte der FCC &über Hähnge, Smeekes, Reimann noch einige nennenswerte Aktionen in der Offensive, ebenso wie bei einem Truckenbrod-Freistoß samt Riemer-Kopfball; aber in Summe war das deutlich zu wenig. Ein Aufbäumen, ein "sich gegen-die-Niederlage-stemmen" sehen anders aus! Mit den einfachsten, simpelsten und biedersten Mitteln hat RWA das Spiel total im Griff: laufen, schauen, passen, laufen ... Als die Ahlener diese fußballerischen Grundeigenschaften auch noch "in schnell" vorführen, wirkt der FCC, diesmal vertreten durch Holzner und Riemer, überfordert. Natürlich ist es wieder Taylor (wer sonst?!), der Ahlen weiterhilft und das entscheidende 3:0 erzielt. (76.) Alle Blicke, die man danach auf die Uhr richtet, haben nichts Hoffendes (Geht da noch was?) an sich, sie sehnen nur noch den Abpfiff herbei. Null Bock auf dieses Gekicke!

Halbzeitstände, Zuschauerzahlen und Ähnliches präsentiert in Ahlen "Die Glocke". Führende Heimatzeitung im Herzen Westfalens. In Jena allerdings fangen wohl jetzt schon die Alarmglocken an zu läuten. Aber so ist das nun mal im Fußball, da wird der Abstiegskampf oftmals schneller als erwartet eingeläutet. Einerseits diskutiert man beim FCC derzeit viel über den verpatzten oder möglichen Einsatz neuer Stürmer, andererseits ergeben 18 Gegentore eine Tordifferenz von -11! Vielleicht hilft ja auch mal ein "mutiger", "tiefer", also "überraschender" Schritt am anderen Ende des Platzes ... <jk>

FC Carl Zeiss Jena - SSV Jahn Regensburg 1:2

Tore: 0:1 Schweinsteiger (26.), 0:2 Temür (40.), 1:2 Reimann (68.)

Jena: Nulle; Riemer, Sichone (46. Reimann), Voigt, R. Schmidt; Luge, Truckenbrod, Eismann, Hähnge, Landeka (76. Kurbjuweit); Orlando (46. Holzner)
Regensburg: Hofmann; Jarosch (GRK, 84.), Nachreiner, Karikari, Binder; Haller, Schlauderer, Zellner, Temür (89. Zurawsky); Stoilov (58. Formento), Schweinsteiger (63. Buch)

Zuschauer: 5432

Schiedsrichter: Steinberg (Korntal-Münchingen)

Spielbericht
Nach seiner unnötig langen Sperre war Orlando den Medienvertretern für die Pressekonferenz vor dem Spiel gegen Regensburg als Gesprächsgast angekündigt worden. Doch der Holländer ließ sich entschuldigen. Er wolle lieber Taten auf dem Platz sprechen lassen und vorher nicht so viel reden.

Wie seine Nebenleute ging Orlando sichtlich motiviert in diese Partie. Trotzdem spielten sich die Anfangsszenen in der Jenaer Hälfte ab. Ihren ersten Eckball platzierten die Gäste zielgerichtet vor die Strafraumgrenze auf den freistehenden Haller. Dieser zirkelte den Ball Richtung linkes Dreiangel. Nulle war schon daran vorbei geflogen, ehe ihn Riemer mit einem spektakulären Hechtflugkopfball noch über die Latte befördern konnte (3.). Bei den Regensburgern waren die beiden Innenverteidiger nach Feldverweisen gesperrt. Andere Abwehrspieler wie der Ex-Jenaer Alexander Maul fehlten verletzt, sodass im Kern der Abwehr das letzte Aufgebot auf dem Feld stand. Schien es zunächst so, als würde die neue Hintermannschaft der Gäste gar nicht erst auf die Probe gestellt, kam die Zeiss-Elf vor Ablauf der ersten Viertelstunde doch noch zu einigen ansehnlichen Offensivaktionen. Landeka, Truckenbrod und der diesmal von Anbeginn aufgebotene André Luge fütterten die zentral agierenden Akteure mit Flanken. Die Nominierung von Luge kam für die meisten überraschend, wurde aber gut geheißen. Nach den positiven Eindrücken als Joker hatte sich der Junge solch eine Chance einfach verdient. Und Orlando ? Bekam in der 16. Minute seinen ersten großen Auftritt, als er einen von Landeka erkämpften Ball aufnahm, in den Strafraum hinein dribbelte, in guter Schussposition aber das Leder nur ungenügend traf. Beifall gab's trotzdem, denn genau diesen Orlando wollen die Leute sehen !
Der Tabellenfünfte bleibt aber nichts schuldig. Tobias Schweinsteiger, Bruder des Nationalspielers, schießt aus spitzem Winkel hinters Tor (23.). Und nimmt drei Minuten später einen langen Ball aus dem Mittelfeld an. Im Laufduell mit Sichone gibt keiner auch nur einen Meter preis, Schweinsteiger bleibt aber am Ball und lupft ihn über Carsten Nulle hinweg ins Netz. Da Sichone am Torschützen dran war, bestand für Jenas Keeper eigentlich kein Anlass dazu, derart weit aus seinem Kasten heraus zu kommen. Den Gegentreffer muss sich Nulle deshalb mit ankreiden lassen.
Der nächste Aufreger folgte nach genau einer halben Stunde. Landeka stolpert im Strafraum über ein Abwehrbein, kein Pfiff, stattdessen Gelb für Voigt, der sich aufgeregt hatte. Als vier Minuten später auch noch Sichone für ein Allerweltsfoul den Karton sah, war der Referee aus Baden-Würtemberg bei den Zuschauern erst einmal unten durch. Am Schiri allein lag es aber nun wirklich nicht, dass in dieser Phase nichts mehr zusammenlief im Jenaer Spiel. Die Raab-Schützlinge waren nicht mehr nah genug an ihren Gegenspielern, eroberten keine Bälle, kamen nicht mehr zu eigenen Angriffsaktionen - als wäre mit dem Gegentreffer jegliches Selbstvertrauen über Bord gegangen. Erklärungsversuche ? "Ich habe den Eindruck, da ist Angst im Spiel. Nach den ersten Misserfolgserlebnissen gehen die Köpfe nach unten und wir rufen unsere Leistung nicht mehr ab", analysiert Sebastian Hähnge diese Phase. Er wie auch Stürmer Orlando bekamen vorn kaum einen Ball mehr, weil Regensburg nach Belieben angreifen konnte. Säbelte Schlauderer nach 35 Minuten völlig freistehend noch über den Ball, gelang Mahmut Temür fünf Minuten später der Treffer zur 2:0-Führung. Und auch dies wieder unter gütiger Jenaer Mitwirkung. Riemer ließ sich austanzen, Luge und Sichone verharrten in der Beobachterrolle - gegen Temürs Schuss ins lange Eck war Nulle diesmal machtlos. Erst jetzt, als es beinahe schon wieder zu spät war, folgte die überfällige Reaktion, ein erstes Aufbäumen. Landeka bugsiert Hähnges Vorlage über die Latte (42.). Riemers straffer Distanzschuss knallt zwei Meter neben dem Tor an die Werbebanden (44.). Und auch Eismann nahm noch mal Maß (45.). Ohne Erfolg.

Das Saisondebüt von Orlando, es dauerte nur eine Halbzeit lang. In solch einer Spielsituation helfe er nicht weiter, begründete Trainer Jürgen Raab die Auswechslung zur Pause und stellte stattdessen Strafraumwühler Christian Reimann in die Spitze. Zudem gab Felix Holzner ab der 46. Minute sein Comeback in der ersten Mannschaft, ziemlich genau 15 Monate nach seinem Kreuzbandriss. Mit dem Mute der Verzweiflung machten die Jenaer da weiter, wo sie vor der Pause aufgehört hatten. Einen schön über die Mauer gezirkelten Freistoß von Landeka kann SSV-Keeper Michael Hofmann gerade noch von der Linie fischen (47.). Fünf Minuten später haben die Zuschauer den Torschrei schon wieder auf den Lippen, als André Luge den Ball an Hofmann vorbei gegen den Innenpfosten schiebt. Doch den Weg ins Tor findet er nicht. Dabei hätte ein Anschlusstreffer zu diesem Zeitpunkt so gut getan ! Den verdienten sich die Jenaer in der 65. Minute mit einer Kombination über vier Stationen, die da hießen: Schmidt - Hähnge - Truckenbrod - Reimann. So abgebrüht, wie der 30jährige Torschütze dem Hofmann den Ball durch die Beine spielte, scheint Reimann zu den wenigen im Jenaer Team zu gehören, dessen Selbstvertrauen sich im Vergleich zum Saisonstart verbessert hat. Und wäre Sören Eismann im Kopfballspiel schon etwas weiter - der FCC hätte innerhalb von vier Minuten einen Zweitore-Rückstand egalisiert. So galt es weiter auf den Ausgleich zu spielen - eine Spielsituation die Gefahren in sich birgt. Etwa wenn Marco Riemer als letzter Mann den Ball vertändelt und der aus Wuppertal nach Regensburg gewechselte Formento zielstrebig damit auf Nulle zuläuft. Riemer selbst vermochte ihn gerade noch zu stoppen (72.). Da sich der einzige verwarnte Spieler auf Gästeseite, Stefan-Marcel Jarosch in der 84. Minute das zweite gelbwürdige Foul leistete und es genug Anlass zu 240 Sekunden Nachspielzeit gab, spielten die Jenaer in der Schlussphase genau zehn Minuten lang in Überzahl. Mehr als einen Kopfball Reimanns fast schon von der Grundlinie aus sprang dabei aber nicht heraus.

Zwei Abwehrschnitzer und diese merkwürdige Mutlosigkeit in der Phase zwischen beiden Gegentoren kosteten den Jenaern die Punkte. "Ich bin kein Mentaltrainer", fand auch Jürgen Raab nach dem Match keine Erklärung dafür. Vielleicht sollten Lothar Kurbjuweit und er einfach mal wieder vorort in der Friedrich-Schiller-Universität anfragen. Wäre ja nicht das erste Mal, dass sensible Fußballerseelen beim FC Carl Zeiss von dort Hilfe erhalten. <fc>

Bericht auf ssv-jahn.de

SV Wehen Wiesbaden - FC Carl Zeiss Jena 2:1

Tore: 1:0 Barg (55.), 2:0 Janjic (60.), 2:1 Hähnge (76.)

Wiesbaden: Gurski; Hübner, Barg, Lanzaat, Schönheim; Fießer, Boskovic, Menga, Ziemer (83.Mintzel), Janjic (77.Abraham); Sailer (46.Damjanovic)
Jena: Nulle; Riemer, Sichone, Voigt, Nikol (60.Eismann); Truckenbrod, Schmidt, Kurbjuweit (67.Luge), Ziegner, Landeka (82.Reimann); Hähnge

Zuschauer: 5314

Schiedsrichter: Blos (Altbach)

Spielbericht
Vorspiel am Imbiss hinter der Gegengeraden: Brat- oder Rindswurst oder Thüringer? Wir entschieden uns für Thüringer und erhielten einen langen geknickten "Leichenfinger" ins Brötchen. "Waren Sie schon mal in Thüringen?" entfuhr es mir in Richtung Verkäuferin. Fragende Antwort: "Die Wurst??? … Oder ich?... Nein." Ihr Bratwurstbrater klärte sie dann auf, dass diese Dinger nicht einmal ansatzweise Thüringer waren. "… aber bei uns heißen die schon immer so…", erwiderte die verdutzte Dame.

Nach 20 Minuten rieb sich auch so mancher FCC-Fan verdutzt die Augen, der die letzten anderthalb Heimkatastrophen noch in Erinnerung hatte: Der FCC war bis dahin nicht nur ohne Gegentor geblieben, sondern hatte den Gastgebern deren Spiel gehörig durcheinander gebracht. WW hatte bis dahin, abgesehen von einem Fernschuss in der 10. min, außer langen Bällen aus dem Halbfeld nichts zu bieten. Jena spielte couragiert, störte den Spielaufbau des Gegners bereits im Ansatz und zeigte seinerseits ein schönes Kurzpassspiel im Mittelfeld. Und nach dem Augenreiben hatten die FCC-Fans auch den Torschrei auf den Lippen, als Landeka nach einem von Nikol schnell ausgeführten Freistoss frei vor Gurski auftauchte, dem Torwart den Ball aber auf die Fäuste statt ins Netz hämmerte. Interessant war, dass in dem Jenaer Angriffsdreieck Hähnge - Kurbjuweit - Ziegner sich Hähnge und Ziegner in der Spitze abwechselten. Dazu schalteten sich die Mittelfeldspieler und die Außenverteidiger immer wieder in die Angriffe ein und die Hausherren reagierten darauf ziemlich planlos.
Bis zur Halbzeitpause änderte sich an diesem Spielverlauf nichts. WW blieb spielerisch alles schuldig und produzierte viele Fehler. Beim FCC klappte zwar auch nicht alles - starken Aktionen folgten simple Ballverluste, ein Freistoss an der Strafraumgrenze wurde kläglich "verkombiniert" (32.), an der Strafraumgrenze war zumeist Schluss -, aber man behielt den Kopf oben und hatte das Spiel ziemlich im Griff. Nur unmittelbar vor dem Pausenpfiff hatte WW eine gute Chance, aber Nulle parierte den Kopfball nach einer Ecke glänzend. Zur Pause konnte man mit dem selbstbewussten und engagierten Auftreten der Blau-Gelb-Weißen sehr zufrieden sein.

Wenn nur jene Viertelstunde nach der Pause nicht gewesen wäre… Beim FCC hatte man dem Pausentee irgendwas aus der Kategorie "Schlafmittel" beigemischt, WW hatte einen Schluck von Miraculix' Zaubertrank erwischt, der zwar nur 15 min wirkte, dies aber so gründlich, dass der FCC nicht wusste, wie ihm geschah. Chance auf Chance - oft über Janjic auf der rechten Angriffsseite - brach über uns herein. Zweieinhalb Schüsse parierte Nulle, ein Kopfball ging drüber, dann knallte ein Schuss von der Strafraumgrenze unhaltbar ins untere Eck - das 0:1 war eine logische Folge der vorangegangenen Minuten. Und weiter rollte Angriff auf Angriff, bis Sichone mit einer versprungenen Ballannahme einen Angriff der Gastgeber über links und somit das 0:2 einleitete. Dann war Schluss mit dem Miraculix-Saft, WW wurde ruhiger, der FCC wieder besser. Die Einwechslungen von Eismann und Luge brachten frischen Wind und die Angriffsbemühungen gipfelten in einem schönen Angriff Riemer - Ziegner - Hähnge, den Letzterer mit einem wunderschönen Schuss zum 1:2 abschloss. Danach war alles möglich, von einem 3:1 nach weiteren We-Wi-Chancen (78., 79.), die Nulle vereitelte, bis hin zum Ausgleich nach Riemanns Flanke, die erst Luge verpasste und dann den langen Pfosten touchierte (84.). Der FCC kämpfte bis zur letzten Sekunde, aber es sollte nicht sein.

Letztendlich war es - abgesehen von jener Viertelstunde - ein gutes Spiel, das dem FCC die wenigsten zugetraut haben und das man nicht verlieren muss. Auf dieser Leistung kann der FCC aufbauen, um endlich wieder die Heimzuschauer mit einem Sieg im nächsten Spiel zu versöhnen.<uk>

Bilder des Tages
Bericht auf svwehen-wiesbaden.de

FC Carl Zeiss Jena - FC Bayern München II 1:1

Tore: 0:1 Haas (7.), 1:1 Kurbjuweit (82.)

Jena: Nulle; Riemer, Voigt, Sichone, Nikol (46.Eismann); Ziegner (71.Luge), R.Schmidt, Truckenbrod, Hähnge, Landeka; Mayombo (46.Kurbjuweit)
München: Oswald; Erb, Haas, Leist, Lewicki (89.Saba); Alaba, Deul (70.Kurz), Jüllich (74.Holzmann), Schwarz; Yilmaz, Knasmüllner

Zuschauer: 4672

Schiedsrichter: Seemann (Essen)

Spielbericht
Es gibt Spiele, deren Vorzeichen nicht unterschiedlicher sein könnten. Das letzte Heimspiel gegen die Kleinen Bayern in der Vorsaison endete mit einem sensationellen 6:0 Erfolg für die Thüringer, während nur vor einer Woche die Mannen um Trainer Jürgen Raab ein Fiasko erlebten und mit 0:7 die höchste Heimspielniederlage der Vereingeschichte kassierten. Auch wenn die Bayern bis dato nur das Tabellenende inne hatten (Saarbrücken war letzte Woche am Tabellenende), so war doch im Vorfeld an einen ähnlichen Erfolg wie im Vorjahr nicht zu denken. Erschwerend kam hinzu, dass durch einen vereinsinternen Fehler Jenas Stürmerstar Orlando noch immer gesperrt war und dadurch nicht zu Verfügung stand. Die Erwartungen waren seit letzter Woche schwer gedämpft und nur mit einem Sieg konnte man die herbe Schlappe der letzten Woche schnellst möglich vergessen machen.

Die Jenaer waren es auch, die bereits nach vier Minuten die erste nennenswerte Aktion hatten, doch konnte Mayombos Schuss gerade noch zur Ecke geblockt werden. Aber leider blieb diese Aktion für sehr lange Zeit die einzige auf Seiten der Thüringer, denn die Bayern Bubis übernahmen ab sofort das Kommando. Drei Minuten später musste Nulle bereits sein ganzes Können aufbieten, um einen Distanzschuss von Deul zu entschärfen. Doch nach nur sieben Minuten war auch er machtlos, als Haas per Kopfball ins kurze Eck die Führung für die Bayern besorgte. Was sich allerdings fortan auf dem Rasen abspielte, ist sehr schwierig in Worte zu fassen. Die Gäste hatten ihre Führung und beim FCC ging nun gar nichts mehr. Selbst wenn eine derbe und schmerzvolle 0:7 Klatsche noch immer tief in den Köpfen der Spieler steckte, so ist es aber nicht zu verstehen, dass nun gar kein Spiel auf Seiten der Platzherren mehr stattfand. Die Bayern ließen den Ball fortan laufen und machten das Spiel breit, während die FCC-Kicker nur noch hinterher hechelten. Es wurden auf Jenaer Seite Zweikämpfe in Serie verloren und von Laufbereitschaft keine Spur. Und wenn die Jenaer dann doch mal den Ball eroberten, wurde er wenig später durch einen sinnlos lang geschlagenen Ball oder Fehlabspiel gleich wieder hergegeben. Und so vergingen die Minuten und der Höhepunkt der letzten dreißig Minuten der ersten Halbzeit war, als Schiedsrichter Seemann aus Essen dem grausamen Kick ein vorübergehendes Ende bereitete und zur Halbzeit pfiff. Mit einem gellenden Pfeifkonzert wurden die Jenaer Kicker in die Kabine begleitet.

Auch nach der Pause änderte sich zunächst nicht viel. Knassmüllner hätte gleich nach Wiederanpfiff den Sack für die Gäste endgültig zumachen können, doch zum Glück ging sein Schuss am langen Pfosten vorbei. Es mussten erst 50 lange Minuten vergehen, bis die Thüringer auch endlich mal eine echte Torchance hatten. Ziegner hatte aus zentraler Position auf den langen Pfosten zu Landeka geflankt und dieser zog aus guter Position auch sofort ab, doch leider konnte sich ein Münchner Spieler in dessen Schuss werfen und die gute Chance verhindern. Aber auch diese Möglichkeit sollte für längere Zeit die einzige gewesen sein. Nach einer Stunde kam es erneut zum Duell zwischen Knassmüllner und Nulle, bei dem erneut der Jenaer mit einer herrlichen Parade der Sieger blieb. Sekunden später versuchte Alaba mit einem Freistoß den Jenaer Keeper zu bezwingen, doch zum Leidwesen der Bayern klatschte die Kugel an die Querlatte.
In der 71.Minute setzte nun Trainer Raab alles auf eine Karte und warf A-Juniorenspieler André Luge mit seinem ersten Einsatz bei den Männern ins "Haifischbecken". Und wie dieser sich dort behauptete war schon sehenswert. Kaum auf dem Platz ackerte er jeden Ball hinterher, gewann seine Zweikämpfe und sorgte innerhalb weniger Sekunden für enormen Aufwind im Jenaer Angriffspiel. In der 72. Minute hatten die meisten Jenaer Fans den Jubelschrei bereits auf den Lippen, doch konnte Bayerns Schlussmann Oswald einen herrlichen Kopfball von Hähnge aus Nahdistanz vereiteln. Wenig später hätte Youngster Luge sein hervorragendes Debüt noch vergolden können. Nach einem herrlichen Sololauf durch den Münchener Strafraum zog er platziert ab, aber Oswald war auch diesmal zur Stelle und konnte mit einer Glanzparade den Ausgleich verhindern. Nun endlich wachten die Jenaer Kicker auf und wurden Sekunde für Sekunde stärker. Nur eine Minute später war es Hähnge, der den Ball nur auf das Tornetz köpfte. Acht Minuten vor Ultimo machte er es dann besser, indem er sich gegen zwei Gegenspieler durchsetzen konnte, quer auf den heran stürmenden Kurbjuweit passte, der sich die Chance nicht entgehen ließ und den Ball unter die Latte donnerte. Drei Minute vor Abpfiff hätten die Jenaer sogar noch in Führung gehen können, doch wäre dieser Treffer am heutigen Tage wahrlich nicht verdient gewesen. Nach einer schönen Kombination im Mittelfeld landete der Ball bei Truckenbrodt, der den Ball über den heraus stürmenden Oswald lupfte, doch zum Entsetzen der Zuschauer landete der Ball an der Latte.

Nach ein paar Minuten Nachspielzeit beendete Schiedsrichter Seemann das Spiel eins nach der Klatsche und die Kicker den FCC konnten sich am Ende glücklich schätzen, dass die Bayern an diesem Tage so großzügig mit ihren Torchancen umgegangen waren. Der Wille um Spielverbesserung war speziell nach der Pause schon zu erkennen, aber nur mit Willen gewinnt man leider auch keine Spiele. <vg>

Fotos von Jens Weißenburger
Bericht auf der Bayern-Homepage

FC Carl Zeiss Jena - 1. FC Saarbrücken 0:7

Tore: 0:1 Fuchs (6.), 0:2 Sieger (9.), 0:3 Özbeck (20.), 0:4 Zydko (47.), 0:5 Grgic (66.), 0:6 Özbeck (71.), 0:7 Otto (81.)

Jena: Nulle; Riemer, Voigt (26. Kurbjuweit), Sichone, Nikol; Ziegner, R. Schmidt (26. Mayombo), Truckenbrod, Hähnge, Landeka; Reimann (74. Eismann)
Saarbrücken: Hubert; Forkel, Mann, Lerandy, Buchner; Özbeck (84. Stiefler), Zeitz, Sieger, Zydko; Fuchs (64. Grgic), Zimmermann (78. Otto)

Zuschauer: 7005

Schiedsrichter: Cortus (Nürnberg)

Spielbericht
Es gibt verschiedene Varianten, im Vorfeld die eigene Favoritenrolle zu kommunizieren. Manch einer hierzulande hatte es Sandhausen als Überheblichkeit ausgelegt, Jena als vermeintlich leichteren Gegner einzustufen, obwohl dies in der Relation zu Offenbach und Braunschweig sicher nicht grundverkehrt war. Die dafür Verantwortlichen in Sandhausen drangen allerdings nicht bis zu ihren Spielern vor, welche ohne erkennbares Selbstbewusstsein mit 0:2 verloren. Eine Woche später versuchte Jürgen Raab seine Schützlingen mit mahnenden Worten auf die erste Favoritenstellung Jenas in dieser Saison vorzubereiten. Ein paar Prozent weniger Einsatz, warnte Raab, und es werde gegen den Tabellenletzten aus Saarbrücken ein böses Erwachen geben. Leider hat auch ihm niemand zugehört.

Es ist 15.45 Uhr, dreieinviertel Stunden vor Spielbeginn, als die Jenaer Mannschaft davon erfährt, dass Orlando vom Deutschen Fußball Bund noch keine Spielberechtigung erhält. Was wie eine Retourkutsche für die Heidenheim-Geschichte aus der vorigen Saison wirkt, wird vom Verband damit begründet, dass Orlando zu Saisonbeginn nicht auf der Spielerliste stand. Die Sperre von vier Partien sei deswegen erst zur Hälfte abgegolten. Schwer zu sagen, ob dieser Vorfall wie auch der Blechschaden an Marco Riemers Auto vom Mittag überhaupt einen Einfluss auf das Geschehen ab 19.00 Uhr hatte. Als General-Absolution für das, was sich an diesem Mittwochabend auf dem Rasen des Ernst-Abbe-Sportfelds ereignen sollte, darf es jedenfalls nicht herhalten.

Wie beschrieb Jürgen Raab später am Abend doch gleich die Anfangsphase ? Seine Jungs hätten richtig gut begonnen, um dann aber selbstverschuldet in Rückstand zu geraten. Nun, der gute Beginn fiel vermutlich deswegen niemandem auf, weil einfach nicht genügend Zeit dafür war. Denn schon nach fünf Minuten klingelte es zum ersten Mal in Nulles Kasten. Selbst verschuldet war der Rückstand aber tatsächlich. Was Ralf Schmidt geritten haben mag, einen solch lässig gespielten und viel zu kurzen Rückpass zu setzen, weiß möglicherweise nicht mal er selbst. Ungewollt lieferte er die perfekte Vorlage für Markus Fuchs und dessen Tor zum 0:1. Drei Minuten später stand Stephan Sieger mutterseelenallein an der Strafraumgrenze und beförderte einen als Abwehrschlag gedachten Ball postwendend ins Netz.
Jena wirkte konsterniert. Hatte man den Kontrahenten unterschwellig unterschätzt und kam deshalb nervlich so gar nicht mit dem frühen Rückstand zurande ? Ein sonst über alle Zweifel erhabener Routinier wie der Alexander Voigt unterläuft in der 16. Minute den Ball in einer Art und Weise, als stünde er zum ersten Mal auf einem Fußballplatz ! Normal war das alles nicht. In Minute 20 wurde einer der vielen Abwehrfehler wieder mal bestraft von den Gästen. Zeitz bedient Özbek genau in die Schnittschnelle zwischen zwei Verteidigern, Nulle wirft sich ihm entgegen und springt ins Leere. 0:3. Jürgen Raab reagierte, wechselte zwei Neue ein mit mehr Ambitionen nach vorn. Doch die Gäste brachte das kein bisschen ins Schwitzen. Sie standen hinten sicher, spielten weiter engagiert nach vorn. Gegen eine jetzt umformierte, aber nach wie vor überfordert wirkende Jenaer Hintermannschaft hätte Zydko schon vor der Pause das vierte Tor machen können.

Kann ja sein, dass die Jenaer Elf mit den besten Vorsätzen aus der Kabine gekommen ist. Ein schneller Anschlusstreffer und dann mal sehen, vielleicht geht noch was. Doch schon nach drei Minuten in Halbzeit zwei waren solche Gedanken nur noch Makulatur. Gleich vier Defensivleute einschließlich Torhüter mühten sich gegen zwei Gegenspieler - und berührten nicht einmal den Ball. Jonathan Zydko schaute sich das freistehend an der Strafraumgrenze in aller Ruhe an und durfte das Leder dann ins leere Tor schieben. Dieser Treffer versetzte 11 Jenaer Einzelspielern - von einer Mannschaft konnte nach dem Wechsel noch weniger die Rede sein - den entscheidenden psychischen Knacks. Und er brachte erste Unmutsbekundungen ("Ihr seid so lächerlich") aus dem Publikum. Nach dem Auswärtssieg in Sandhausen hatten unsere Fußballer jede Menge Kredit bei den Zuschauern, doch der war nun bald aufgebraucht.
Eine Stunde gespielt, Reimann nimmt Mayombo den Ball vom Fuß, befördert ihn aus kurzer Entfernung zum Tor gerade mal ans Außennetz und hatte sich obendrein noch ins Abseits gestellt. Das, was offensiv von Jenaer Seite angeboten wurde, war keinen Deut weniger kläglich als das Abwehrverhalten. Es besaß nur nicht diese gravierenden Auswirkungen. Einzig der Kopfball von Christian Reimann nach 63 Minuten erfüllte mal Mindestanforderungen. Gästeschlussmann Andy Hubert verhinderte hier den Ehrentreffer. Von Ehre konnte aber ohnehin nicht die Rede sein. Kaum war Grgic auf dem Platz, durfte er sich auch schon als Schütze des 0:5 feiern lassen. Um gleich darauf als Vorbereiter des nächsten Tores zu glänzen, mit dem Özbek das halbe Dutzend voll machte. Perfekt herausgespielt, cool vollendet - bei den Saarländern klappte alles in Perfektion an diesem Tag, wobei sie bis zum Schluss vollen Einsatz zeigten. Jenas Akteure hingegen hatten schon lange resigniert und fingen sich noch ein weiteres Jokertor ein. Alexander Otto war drei Minuten zuvor eingewechselt worden. Wer will noch mal, wer hat noch nicht. Es war demütigend. Dass einige Szenen nach Abpfiff genauso unwürdig waren wie das Jenaer Spiel neunzig Minuten zuvor, machte diesen rabenschwarzen Tag komplett.

Unter dem Eindruck einer 0:7-Klatsche ist es beinahe paradox festzustellen, dass der FCC gemessen an seinen Ambitionen mit zwei Siegen und zwei Niederlagen nach vier Spieltagen im Soll liegt. Eines aber steht fest: Nach dieser oberpeinlichen Vorstellung wird sich die Jenaer Mannschaft auf absehbare Zeit nicht mehr mit der Favoritenrolle abgeben müssen. <fc>

SV Sandhausen - FC Carl Zeiss Jena 0:2

Tore: 0:1 Reimann (12.), 0:2 Sichone (57.)

Sandhausen: Löhe; Sievers, Pischorn, Schulz, Rohracker (57. Pinto); Danneberg, Ulm (46. Schauerle), Ristic, Fischer; Löning, Dorn (64. Schick)
Jena: Nulle; Riemer, Voigt, Sichone, Nikol (46. Eismann); Kurbjuweit (42. Ziegner), R. Schmidt, Truckenbrod, Hähnge, Landeka; Reimann (83. Mayombo)

Zuschauer: 2400

Schiedsrichter: Schalk (Augsburg)

Spielbericht
"Reschbäckd vor Eich" waren die in herrlichem kurpfälzer Dialekt gesprochenen Worte eines alten Mannes mit Krückstock, als wir das Stadionidyll am Hardtwald verließen. Einen Respekt, den sich die 400 mitgereisten FCC-Fans, vor allem aber ihr an diesem Tag beeindruckendes Team redlich verdient hatten. Im dritten Spiel in Sandhausen erzielte der FC Carl Zeiss zum dritten Mal zwei Tore, die zum ersten Male auch zu einem Auswärtssieg reichten.

17 der 20 Drittligatrainer hatten den SVS ob der zahlreichen hochkarätigen Neuzugänge als Topfavorit auf den Aufstieg in die zweite Bundesliga eingeordnet, aber nach den beiden Niederlagen gegen Offenbach und Braunschweig herrschte erste Verunsicherung am Rande Heidelbergs und Trainer Leicht ließ seine Stars Benschneider und Pinto auf der Bank. Sandhausens Innenverteidigung gewann dadurch keineswegs an Stabilität, vielmehr erwies sich der Name Christian Reimann schon bald als Albtraum für Pischorn, Schulz und Co. Scheiterte der nach dem Dresden-Spiel vielgescholtene Stadtrodaer nach drei Minuten noch völlig freistehend an des Keepers Weichteilen, Nulles Abschlag und Pischorns Stellungsfehler waren vorausgegangen, und fand er nach 11 Zeigerumdrehungen erneut seinen Meister im jungen Löhe, so durfte er in der 12. Minute endlich seine Ankündigung "Ich werde schon noch meine Tore machen" bestätigt sehen und jubelnd abdrehen.
Vorausgegangen war das, was den FCC an diesem gesamten Tage stark machte. Zweikampfhärte, schnelles Umschalten, geistige Frische und Teamgeist. Alexander Voigt, erstmals in der Startformation und mit Moses Sichone ("die beiden Opas", O-Ton Jürgen Raab) ein abgezocktes Innenverteidigerduo bildend, erkämpfte sich im Duett mit Ralf Schmidt das Leder von David Ulm, auf dem Flügel wurde Truckenbrod geschickt, dessen präzise Flanke Reimanns Kahlschädel im kurzen oberen Eck unterbrachte. Sandhausen, das bis dahin noch nicht einmal auf das Tor von Carsten Nulle geschossen hatte, blieb auch im weiteren Verlauf jede Antwort schuldig, bemühte sich freilich um Spielkontrolle, wirkte aber wie eine Ansammlung von 11 technisch beschlagenen Einzelkämpfern, die es ob ihrer eigenen Klasse gar nicht nötig haben, sich taktisch auf den Gegner einzustellen. Dem schon im Programmheft als "leichterer Gegner" titulierten FCC wurden Räume überlassen, wie man sie in der dritten Liga selten zugestanden bekommt, und diese Räume nahmen die Thüringer danken an. Hähnge scheiterte einen missglückten Kopfball des Ex-Jenaers Sievers mitnehmend aus Nahdistanz an Löhe (15.), Sichone verstolperte in aussichtsreicher Position (16.), Hähnges Schlenzer pariert Löhe (39.), das zweite Tor lag in der Luft und musste spätestens nach 43 Minuten fallen, als Sebastian Hähnge einen über Reimann und Truckenbrod hervorragend herausgespielten Angriff abschließend die SVS-Verteidigung alt aussehen ließ, aber zum Entsetzen des Gästeanhangs über das leere Tor schoss. Die Gastgeber hatten in der gesamten ersten Hälfte keine einzige Tormöglichkeit zu verbuchen gehabt, würde das Sündigen mit den eigenen Chancen dem FCC auf die Füße fallen, zumal man bei Kaiserwetter einen hohen läuferischen Aufwand gegangen war? Schon im letzten Jahr hatte man an gleicher Stelle eine zu knappe Führung in letzter Minute verspielt.

Für die angeschlagenen Kurbjuweit und Nikol waren Ziegner und der junge Sören Eismann ins Spiel gekommen, und beide Einwechsler standen sogleich im Mittelpunkt. Eismanns 25-Meter-Knaller wurde von Löhe nur mit Mühe im Nachfassen vor dem heranstürmenden Reimann entschärft, quasi im Gegenzug rettete Ziegner einen Kopfball von Schulz auf der Linie (48.). Dann wieder ein Traumkonter des FCC, aber weder Truckenbrod, noch Hähnge finden in aussichtsreicher Position den Mut zum Torabschluss, der letztlich Reimann überlassen bleibt. Kurz darauf eröffnet der einzige Fehler von Alexander Voigt, zur Überraschung seines Trainers 90 Minuten durchhaltend, dem letztjährigen 3.Liga-Torschützenkönig Regis Dorn die Riesenchance zum Ausgleich, doch er schiebt den Ball am weit geöffneten Tor vorbei. Es hätte keinen perfekteren Zeitpunkt für die Spielenscheidung für den FCC geben können als diese etwas kritische Phase, und so geschah es dann auch. Spielerisch befreit man sich über Schmidt, Landeka, Truckenbrod von Sandhausens Angriffsversuch, Reimann erkämpft den Eckball, welchen Ziegner kurz ausführt, Truckenbrod nach innen flankt und Sichone - bis auf einen Aussetzer in der ersten Hälfte überragend - an der Strafraumgrenze nach oben steigend über Freund und Feind zum 2:0 köpft.
Den Gastgebern war nun der Zahn gezogen, bis auf Dorns von Nulle parierten Schuss aus 8 Metern brachte das wilde Anrennen nichts Zählbares, stattdessen hätte der FC Carl Zeiss durch Schmidt (66.), Ziegner (88.) und Riemer (90.) den Sieg noch höher schrauben können. Während im Gästeblock Schalparaden zelebriert wurden, belohnten einige Sandhäuser Zuschauer, schon während der ersten Hälfte mehr Kampfgeist ihrer Truppe einfordernd, Ballstafetten der Blau-Gelb-Gestreiften mit Ovationen. Die bekam auch der nach 83 Minuten für Mayombo ausgewechselte Christian Reimann reichlich, hatte er doch mit seiner unermüdlich kämpferischen Art gehörigen Anteil am Dreier, ebenso wie der an allen Ecken und Enden zu findende Sebastian Hähnge hervorzuheben ist aus einer an diesem Tag echten Truppe, die sich die Sensation beim Aufstiegsfavoriten mehr als verdiente. <gunner>

Fotos auf weissenburger.de
Bericht auf svs1916.de

SG Dynamo Dresden - FC Carl Zeiss Jena 2:0

Tore: 1:0 Müller (34.), 2:0 Gundersen (52.)

Dresden: Keller; Strifler, Hübener, Herzig, Bührer; Koch, Jungnickel, Kegel, Müller (68. Schuppan, 87. Franke); Gundersen, Biran (76. Sand)
Jena: Nulle; Wuttke, Riemer, Sichone, Nikol; Kurbjuweit (57. Ziegner), R. Schmidt, Truckenbrod, Hähnge, Landeka (83. Frick); Reimann (57. Mayombo)

Zuschauer: 21.604

Schiedsrichter: Meyer (Burgdorf)

Spielbericht
Lang lang ist's her, dass ich meinen letzten Auswärtsbericht aus Dresden geschrieben habe. Nach dem 0:4-Debakel in der Saison 1998/99 war ich zwar bei etlichen Jenaer Gastspielen in Elbflorenz dabei, erlebt Höhen und Tiefen mit. Doch darüber zu berichten gilt es erst 12 Jahre später wieder.

In der Woche vor diesem Match hatte Trainer Jürgen Raab sein Hauptaugenmerk darauf gelegt, die Mannschaft auf die Drittliga-Megakulisse von mehr als 20.000 Zuschauern einzustellen. Mit Erfolg, denn die Zeiss-Elf schien kein bisschen beeindruckt zu sein von der lauten Atmosphäre im Rudolf-Harbig-Stadion. Nach Kurbjuweits Einwurf und Hähnges Ablage gab Christian Reimann den ersten Torschuss dieser Partie ab (5.). Auf der Gegenseite war es Hübener, der im Anschluss an den ersten Eckball freistehend verzog (8.). Schnell wurde klar: Eine abwartende Grundhaltung hatte keines der beiden Teams verordnet bekommen. Bemerkenswerterweise spielte sich die Mehrzahl der Aktionen zunächst sogar in der Hälfte der Gastgeber ab. So als suche die Zeiss-Elf ihr Heil in der Flucht nach vorn, weil eine Kontertaktik ohne den gesperrten Orlando und mit Reimann als einziger Spitze nicht viel Aussicht auf Erfolg hätte. Dresdens Aktion mit Gerrit Müller, dessen Schrägschuss übers Dreiangel segelte, wurde umgehend beantwortet durch Hähnge, der Kurbjuweits Vorlage leider nicht unter Kontrolle bekam und deshalb an Keller hängen blieb (24.). Jenas 2000 Mann starker Anhang spürte, dass hier etwas zu holen ist. Nicht nur optisch durch extra für diesen Tag angefertigte Trikots, sondern auch stimmungstechnisch stand der Gästeblock geschlossen hinter seiner Elf. In der es nach 26 Minuten mal kurz eine Meinungsverschiedenheit gab, als Landeka meinte, einen Eckball ausführen zu dürfen und Kurbjuweit den Ball aus den Händen nahm. Da die Kugel zuvor aber die Seitenlinie überquert hatte, übergab der Kroate das Leder dann doch wieder zum Einwerfen an Kurbjuweit, was diesen nicht sonderlich zu amüsieren schien. Ein ernstes Wort unter Männern und die Sache war aus der Welt. Zumal Landeka gleich auch wieder bei Standards zutun bekommen sollte. Seinen Eckball köpfte Sichone am Tor vorbei und den Freistoß führte unser kroatischer Neuzugang gleich direkt aus, um eine Zwei-Mann-Mauer herum aufs Tor ziehend. Nur Axel Keller ließ sich nicht überlisten.
Sekunden später auf der Gegenseite. Ruhiger Spielaufbau der Dresdner, Geritt Müller bekommt inmitten der Jenaer Hälfte nahe der rechten Außenlinie den Ball. Nimmt Tempo auf, umspielt Ralf Schmidt und zieht ins Zentrum. Wo sich merkwürdigerweise kein Jenaer Abwehrspieler aufhält, Riemer zu spät kommt und Nulle zu weit vor seinem Tor stehend auch nur noch hinterher schauen kann, wie der aus 19 Metern geschossene Ball in seinem Kasten einschlägt. 1:0 für Dynamo, durch eine Unachtsamkeit hatte sich der FCC ein Stück weit selbst in Rückstand gebracht. Die Spielminuten danach glichen jenen zuvor. Jenas Akteure spielten sich gefällig vorm gegnerischen Strafraum den Ball zu, aber irgendwie ging ihren Offensivaktionen das letzte Stückchen Entschlossenheit ab. Warum versuchte niemand mal über Außen bis an die Grundlinie zu laufen, um eine Flanke in den Rücken der gegnerischen Abwehr bringen zu können ? Dresdens ebenfalls neu zusammengestellte Mannschaft, das spürte man in Halbzeit eins, war nach ihrer Auftaktniederlage alles andere als gefestigt. Was wäre für den FC Carl Zeiss da nicht alles möglich gewesen ! Stattdessen musste er nun froh sein, nicht schon mit zwei Toren Rückstand in die Halbzeitpause gehen zu müssen. Denn Biran fehlten in der 44. Minute nur wenige Zentimeter Körpergröße zum ansonsten unausweichlichen 2:0.

Torschütze Gerrit Müller sorgte auch gleich nach der Pause wieder für Gefahr. Wobei - gefährlich wurde es eigentlich erst durch falsches Distanzieren von Ronny Nikol und den Abwehrversuch von Moses Sichone, der die Hereingabe von Müller in Richtung eigenes Tor ablenkte. Carsten Nulle war eigentlich schon auf dem Weg in die Mitte und verdiente sich für seine Reflexreaktion deshalb ein Sonderlob, nachdem er Sichones Ball über die Latte gelenkt hatte. Freilich sieht auch der beste Torhüter irgendwie alt aus in einer Szene wie beim 2:0 nach 52 Minuten. Den langen Ball von der linken Seite versuchen Gundersen und Sichone zu erlaufen. Der Jenaer probiert mit langem Bein zu klären, verfehlt den Ball aber klar und verliert obendrein noch den entscheidenden Meter auf seinen Gegenspieler. Nulle baute sich zwar noch auf vorm Norweger, doch ließ sich dieser nicht beirren. Gehörte Sichone ansonsten noch zu den Besseren, beeinträchtigt dieser eine, entscheidende Abwehrschnitzer seine Gesamteinschätzung doch erheblich.
Nun sind zwei Tore Rückstand nicht unaufholbar und noch war mehr als eine halbe Stunde lang zu spielen. Doch mit seinem Treffer schien Gundersen einer ganzen Elf den Schneid abgekauft zu haben. Wenn noch etwas ging nach vorn, dann durch Einzelaktionen wie jener von Landeka nach einer Stunde, bei der wir uns allerdings fragten, ob da ein Torschuss oder eine Vorlage produziert werden sollte. Oder jener von Hähnge in Minute 71, hier bekam Keller wieder eine Hand an den Ball. Erschwerend kam hinzu, dass die Einwechselspieler im Gegensatz zur Vorwoche diesmal nicht für frischen Wind sorgten. Ziegner und Mayombo spielten keinen Deut besser als jene Akteure, für die sie gekommen waren. Als Jenas Routinier Ziegner kurz vor Schluss einen Eckball hinter die Grundlinie ins Aus bugsierte, wurde vorübergehend Unmut laut beim ansonsten geduldigen Jenaer Anhang. Sich hier vermehrt aufzuregen, hätte aber auch nichts bewirkt. Mag die Führung der Dresdner zur Pause noch ein wenig glücklich gewesen sein, in der zweiten Halbzeit hatten die Einheimischen den Kontrahenten so was von sicher im Sack, dass sie es eher noch versäumten, ihn fester zu zu binden. Gundersen wurde im letzten Moment von Nikol gestoppt (67.). Schuppan scheiterte an Nulle (85.).

Drei Monate nach dem Jenaer 3:0-Triumph an gleicher Stätte gab es diesmal Jubelwellen in schwarz-gelb. Und obwohl es im Vergleich zu '99 diesmal nur die Hälfte an Gegentoren gesetzt hatte, verließ der Kommentator ebenso enttäuscht das Dresdner Stadion wie damals. <fc>

Spielbericht auf dynamo-dresden.de

FC Carl Zeiss Jena - 1.FC Heidenheim 2:1

Tore: 1:0 Hähnge (6.), 1:1 Weil (34.), 2:1 Ziegner (75.)

Jena: Nulle; Wuttke, Riemer, Sichone (68. Voigt), Nikol; Kurbjuweit (86. Eismann), R. Schmidt, Truckenbrod, Hähnge, Landeka; Reimann (68.Ziegner)
Heidenheim: Sabanov; Meier, Weil, Sirigu, Göhlert (28.Krebs); Aupperle, Schnatterer, Klarer, Schlittenheim (78.Jarosch); Mayer (71.Gül), Spann

Zuschauer: 5581

Schiedsrichter: Dr. Kunzmann (Bad Hersfeld)

Spielbericht
Siebenundsiebzig Tage sind seit dem letzten Punktspiel vergangen, eine gute Weltmeisterschaft fand unterdessen in Südafrika statt und nun war es wieder an der Zeit, dass die neue Saison für die Kicker des FCC beginnen sollte. Gleich im ersten Match kam mit Heidenheim eine Mannschaft nach Thüringen, mit der noch eine Rechnung aus der letzten Saison zu begleichen war. Letztendlich verdarben die Heidenheimer mit ihrem Sieg in Jena die letzte Chance für die Jenaer, doch noch im Aufstiegskampf eingreifen zu können. Revanche war also angesagt…

Und wie die Revanche zunächst begann! Gerade einmal sechs Minuten waren vergangen, da zappelte die Kugel bereits im Heidenheimer Tor. Neuzugang Landeka hatte einen Freistoss von halbrechts vor das Tor geschossen, der Ball wurde während der Flugphase noch verlängert und landete auf dem Kopf von Hähnge, der diese Möglichkeit eiskalt nutzte und zur vielumjubelten Führung einköpfte. Gut zwei Minuten später fast die Kopie des Führungstreffers, doch diesmal kam Riemer per Kopf an den Ball und verfehlte das Tor nur um wenige Zentimeter. Die Jenaer waren in der Anfangsphase des Spiels stets bemüht und schon in der 12.Minute gab es die dritte gute Chance durch Kurbjuweit, der jedoch aus spitzem Winkel nur das Bein eines Verteidigers traf. Aber das sollte es mit den Angriffsbemühungen dann leider auch schon gewesen sein, denn von nun an kamen die Heidenheimer Minute für Minute besser ins Spiel. Erste gefährliche Situation für Nulle, der eine lange Flanke so nicht erwartete, doch zum Glück konnte ein Jenaer am langen Pfosten klären. Kurz darauf musste Riemer alles riskieren, um den per Steilpass auf die Reise geschickten Spann gerade noch vom Ball zu trennen. Der Druck der Gäste nahm stetig zu und so war es nicht verwunderlich, dass diese nach 34 Minuten auch den Ausgleich erzielen konnten. Ausgerechnet Ralf Schmidt, der oft zu den Besten im Jenaer Team gehört, verlor in einer kritischen Zone den Ball. Blitzschnell wurde bei den Gästen auf Angriff umgeschaltet, Spann auf der rechten Seite per Steilpass bedient und dieser flankte so gefährlich quer vor das Tor, dass Richard Weil am langen Pfosten nur noch den Ball über die Linie drücken musste. Das Tor war dann zugleich auch fast der letzte Höhepunkt der ersten 45 Minuten, denn das spielerische Niveau brach danach bei beiden Teams ziemlich ein. Nur einmal blitzte es noch auf, als Sekunden vor dem Pausenpfiff Andreas Spann fast die Gästeführung geköpft hätte, doch zum Glück flog der Ball knapp am Toreck vorbei.

Gerade einmal drei Minuten waren nach Wideranpfiff vergangen, da hätte es eigentlich 1:2 aus Jenaer Sicht stehen können. Doch zum Glück hatten die Platzherren einen erneut hervorragenden Nulle im Kasten, der diese 100%-Torchance verhindern konnte. Weil hatte gefährlich vor das Jenaer Tor genau auf Mayer gepasst, doch dieser scheiterte völlig freistehend an Nulle. Glück gehabt. Aber genau diese Aktion schien die Jenaer wach gerüttelt zu haben, denn von nun an trauten sie sich auch wieder mehr nach vorn. Gut fünf Minuten später hätten sie bereits in Führung gehen können, doch Kurbjuweit verfehlte mit einer schönen Einzelaktion knapp das Tor. In der 67. Minute hätte Reimann nun wirklich die Führung für die Thüringer erzielen müssen, doch nach einem plazierten Zuspiel von Hähnge kam er zu weit in Rücklage und donnerte die Kugel über das Gebälk. Gut zwanzig Minuten vor Ultimo nahm Trainer Raab einen Doppelwechsel vor, indem er mit Voigt und Ziegner zwei erfahrene Akteure aufs Feld schickte. Wenig später bedankte sich Ziegner dafür auf seine Weise, indem er nach Steilpass von Hähnge den Ball an Sabanov vorbei schob und die erneute Führung erzielte. Nur einmal mussten die Jenaer Fans noch die Luft anhalten, als gut zwei Minuten vor dem Ende Sirigus Nulle prüfte. Doch zum Glück konnte der mit einer erneuten Glanzparade den Ausgleich verhindern. Kurz darauf pfiff der Unparteiische das erste Heimspiel der neuen Saison ab und die Revanche war den Thüringern geglückt.

Drei Punkte sind im Sack - nicht mehr und nicht weniger. Aber mit einem Sieg im Rücken fährt es sich viel leichter nach Dresden, wo den Jenaern am kommenden Wochenende ein heißer Tanz vor voller Hütte bevorsteht.<vg>

Fotos von Jens Weißenburger
Bericht auf fc-heidenheim.de


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