FC Carl Zeiss Jena - VfB Stuttgart II 1:2
Tore: :0 Holwijn (28.), 1:1 Schipplock (74.), 1:2 Hofmann (90.)
- Jena: Nulle - Riemer, Sträßer, Lukimya (90. Osadchenko), Wuttke - Gardawski
(89. Kühne), Schmidt, Truckenbrod, Amrhein (52. Petersen) - Kolb, Holwijn
- Stuttgart: Leno - Funk, Bicakcic, Hertner, Geyer - Schwarz, Vier (45.
Karatas), Feisthammel, Didavi - Rühle (45. Hofmann), Schipplock (89. Klauß)
- Zuschauer: 8878
- Schiedsrichter: Deniz Aytekin (Oberasbach)
- Spielbericht
- Wer den Jena-Fans nach dem Hinspiel in Stuttgart gesagt hätte, dass man sich
nach dem Rückspiel über den fünften Platz in der Tabelle ärgern würde, hätte
wohl eine Menge Kopfschütteln geerntet. Nach der tollen Rückrunde, in der
phasenweise sogar der Aufstieg möglich schien, fiel die Freude über Platz
fünf aber doch einigermaßen verhalten aus. Die letzte Aufstiegshoffnung
wurde den FCC-Fans am Montag vom DFB-Schiedsgericht genommen, denn mit drei
Punkten aus dem Heidenheim-Spiel hätte man gegen die zweite Mannschaft des
VfB Stuttgart noch voll ins Aufstiegsrennen eingreifen können. Ohne diese
Punkte bestand nur noch die Hoffnung auf den vierten Platz, der zur
Teilnahme am DFB-Pokal berechtigt und somit eine ansehnliche Summe in die
leeren FCC-Kassen gespült hätte.
Vor dem Anpfiff wurden mit Assani Lukimya und Michael Gardawski noch zwei
der Garanten der starken Rückrunde verabschiedet, aber nach aktuellem
Kenntnisstand werden diesen beiden noch einige weitere Abgänge folgen, weil
die finanzielle Situation umfangreiche Sparmaßnahmen fordert. Trotz dieser
für den Verein durchaus dramatischen Ausgangslage hatte man während der
ersten Halbzeit stellenweise den Eindruck, Besucher eines
Freundschaftsspiels zu sein. In den ersten Minuten beobachtete man das
gewohnte Abtasten, aber mit einem Kopfball von Stefan Kolb an den rechten
Außenpfosten nach einer Gardawski-Flanke in der 14. Minute wurden wohl auch
die anderen Akteure geweckt. Diesem ersten guten Angriff des Spiels war eine
Einzelaktion von Melwin Holwijn vorausgegangen, der im Gegensatz zu den
letzten Spielen einen ordentlichen Tag erwischt hatte. Die Gäste kamen im
Gegenzug zur ersten gefährlichen Aktion, der Schlenzer von Didavi verfehlte
das Tor allerdings knapp. Aber auch der FCC war nun gefährlicher und nach
einer Ecke kommt der Ball zu Gardawski, der an der Strafraumgrenze gewartet
hatte. Während sein erster Schuss noch geblockt werden konnte, zischte der
zweite Ball zielstrebig in Richtung Tor. Während Gäste-Keeper Leno dem Ball
nur hinterhergucken konnte, erledigte die Latte seinen Job und verhinderte
den Jenaer Führungstreffer. Die Möglichkeit zum Nachsetzen erhielten die
Jenaer nicht, weil der Schiedsrichterassistent eine Abseitsstellung gesehen
haben wollte. Mit der nächsten Offensivaktion kam es aber doch zur Jenaer
Führung, denn nachdem sich ein Jenaer an der Grundlinie gut durchsetzen
konnte, versagten einem Stuttgarter Verteidiger die Nerven und die Kugel lag
plötzlich vor den Füßen von Melvin Holwijn, der den Ball aus rund fünf
Metern mit Wucht ins Tor beförderte. Die Schwaben zeigen erneut im direkten
Gegenzug ihre Stärke und kommen beinahe zum Ausgleich, weil Didavi nicht
richtig angegriffen wird. Sein Schuss, dem ein nicht geahndetes Foulspiel an
Carsten Sträßer vorausgegangen war, knallt allerdings an die Latte,
ansonsten wäre Carsten Nulle im FCC-Tor wohl chancenlos gewesen. In den
folgenden Minuten kam der FCC durch einen Kopfball von Ralf Schmidt sowie
nach Einzelaktionen von Amrhein und Holwijn zu weiteren Gelegenheiten,
konnte die Führung aber nicht ausbauen. So ging es mit einem 1:0 in die
Kabinen und in Anbetracht des Chancenverhältnisses ging diese Führung auch
in Ordnung. Dafür war allerdings auch der VfB Stuttgart verantwortlich, denn
die Gäste taten selten mehr als nötig und strahlten trotz der nicht immer
sicher wirkenden Jenaer Hintermannschaft wenig Gefahr aus.
Gleich zu Beginn der zweiten Halbzeit sahen die 8878 Zuschauer, wie man
seine Gäste zu Chancen einlädt: Im gegnerischen Strafraum hat Holwijn freie
Schussbahn, traut sich den Abschluss aber offensichtlich nicht zu und legt
stattdessen zu Patrick Amrhein zurück. Auch der will aber nicht schießen,
stattdessen verliert er den Ball völlig überflüssig an die Verteidiger der
Gäste, die einen schnellen Konter einleiten. Dieser wird in Folge der
aufgerückten Jenaer Mannschaft auch brandgefährlich, in der Mitte verpasst
Hofmann den Ball allerdings knapp und es bleibt vorerst beim 1:0. René van
Eck hatte jedenfalls genug gesehen und holte Amrhein kurz darauf vom Platz,
für ihn kam Petersen. Wer nun dachte, dass Petersen die Verteidigung
stabilisieren sollte, sah sich getäuscht, denn der gelernte Verteidiger
spielte fortan als Mittelstürmer und rief allen Zuschauern ins Gedächtnis,
dass mit Orlando und Hähnge die beiden wichtigsten Offensivkräfte nicht mit
von der Partie waren. Die Gäste blieben derweil bei ihrer Strategie, mit
Schüssen aus der zweiten Reihe für Gefahr zu sorgen. Auch wenn hier zunächst
die Präzision fehlte, sollten sich die zahlreichen Versuche in der 74.
Minute bezahlt machen. Erneut konnte mit Schipplock ein Gästespieler in
Richtung des Jenaer Strafraums marschieren und wird von den Verteidigern
eher beobachtet als angegriffen. Kurz vor der Strafraumgrenze entscheidet
sich der derart Eingeladene zum Schuss und macht es besser als seine
Mitspieler, denn sein Ball schlägt unten rechts im Jenaer Tor ein und sorgt
für den Ausgleich. Auch wenn dem Treffer zwei strittige Entscheidungen von
Schiedsrichter Aytekin vorausgegangen waren, sollte man einen Stürmer
natürlich nicht so frei zum Schuss kommen lassen.
Bei den anderen Partien
gab es zu dieser Zeit Zwischenstände, die die Teilnahme am DFB-Pokal bei
einem Jenaer Sieg gesichert hätten. Wer nun mit einem Jenaer Sturmlauf und
zahlreichen Chancen gerechnet hatte, sah sich allerdings getäuscht. Fünf
Minuten nach dem Ausgleich tritt Schmidt einen Freistoß auf das Tornetz der
Gäste, danach folgen nur noch ein paar ungefährliche Versuche aus der
Distanz. Der FCC strahlte wenig Gefahr aus und die Gäste konnten sich aufs
Kontern verlegen und spielten auf Zeit, denn sie waren mit dem Punkt
offenbar sehr zufrieden. Kurz vor Ablauf der regulären Spielzeit gönnte van
Eck der Leihgabe Michael Gardawski einen Extra-Applaus und brachte Kühne ins
Spiel. Während der FCC es weiter mit der Brechstange versuchte, spielten die
Gäste einen Konter wunderbar aus und kamen durch Hofmann zum 2:1. Wie schon
gegen Heidenheim profitierte ein Gegner des FCC davon, dass Lukimya wegen
seiner Torgefahr gegen Spielende mit nach vorne geht und dann hinten fehlt.
Direkt im Anschluss gelingt den Jenaern zwar noch ein Treffer, der
vermeintliche Ausgleich findet wegen einer Abseitsstellung allerdings keine
Anerkennung.
Mit Blick auf die Resultate der anderen Spiele schmerzt die Niederlage
doppelt, denn mit einem Sieg wären die Jenaer Farben in der nächsten Saison
im DFB-Pokal vertreten gewesen. Besonders mit Blick auf die offenbar äußerst
angespannte Finanzlage hätte der vierte Platz also für etwas Entspannung
gesorgt. Leider verfielen die Jenaer Spieler zum Abschluss der Rückrunde
aber wieder in Verhaltensmuster, die man aus der Vorrunde bestens kannte -
fehlender Mut vor dem Tor, unnötige Ballverluste, unentschlossene Arbeit in
der Defensive. Diese Geschenke ließ sich letztlich auch die zweite
Mannschaft des VfB Stuttgart nicht nehmen und ging am Ende als Sieger vom
Platz. Trotz allem hatten die FCC-Fans eine tolle Rückrunde erlebt und
bedankten sich bei der Mannschaft für die letzten Monate, auch wenn der
krönende Abschluss in den letzten Wochen verspielt wurde. Wie es nun
weitergeht, hängt vor allem vom Kontostand ab. Sicher ist offenbar schon
jetzt, dass einige Leistungsträger nicht länger in Jena bleiben können und
auch der Raum für Neuverpflichtungen dürfte sehr eng bemessen sein. Für die
Sommerpause bleibt uns somit nur, den Verantwortlichen viel Erfolg und ein
glückliches Händchen beim Zusammenstellen der neuen Mannschaft zu wünschen,
denn ohne die Unterstützung von Fortuna wird man in der kommenden Saison
wohl von Anfang an gegen den Abstieg spielen müssen.
<bh>
Wuppertaler SV - FC Carl Zeiss Jena 1:1
Tore: 1:0 Fischer (17.), 1:1 Amrhein (89.)
- Wuppertal: Maly (35. Samulewicz); Neunaber, Lorenz, Incilli, Neppe;
Asaeda, Fischer, Weikl, Uca (59. Müller); Sindi (73. Bernhardt), Damm
- Jena: Nulle; Sträßer, Riemer (84. Petersen), Wuttke,
R. Schmidt; Holwijn (46. Kolb), Truckenbrod, Kühne (53. Amrhein),
Gardawski; Hähnge, Orlando (
, 90.+2)
- Zuschauer: 1954
- Schiedsrichter: Ittrich (Hamburg)
- Spielbericht
- Wenn der Vorletzte auf den Zweitbesten der Rückrundentabelle
trifft und der Vorletzte bereits als Absteiger in die Regionalliga feststeht,
gelten die Rollen in dieser Paarung gemeinhin als verteilt. Doch gibt es
Mannschaften, die frei nach dem Motto "und ist der Ruf erst ruiniert, lebt es
sich völlig ungeniert" erst dann befreit aufspielen, wenn es für
sie zu spät ist. So wie Kiel drei Tage zuvor gegen Dresden. Der FCC
war gewarnt.
Im Stadion bot sich einem das erwartete Bild eines Abgesangs
aus Liga drei. Transparente mit der Aufschrift "Versager" und "ihr seid keine
Wuppertaler", ein weißes Kreuz längs über den
linken Tribünenblock und ein selbst auferlegter Stimmungsboykott der
wenigen verbliebenen WSV-Anhänger. In solch tristen Umgebungen hatte
sich der FCC schon während der letzten Wochen schwer getan, ins eigene
Spiel zu finden. Ein Truckenbrod-Schuss übers Lattenkreuz wurde mit
zwei Schussversuchen der Einheimischen beantwortet - mehr gibt es nicht zu
berichten aus der ersten Viertelstunde. Es folgte ein Eckball für die
Wuppertaler in Minute 17. Carsten Fischer kam zum Kopfball, den Namensvetter
Carsten Nulle zur linken Seite abwehren konnte. Von dort flog das Leder
allerdings postwendend zurück zum immer noch freistehenden Fischer,
der es volley nahm und humorlos zum 1:0 ins Netz drosch. Mit Ausnahme ihres
Torhüters waren die Jenaer Abwehrspieler bei diesem Gegentreffer zu
Statisten degradiert und sie hinterließen auch in den Folgeminuten
keinen souveränen Eindruck. Mehr als befürchtet machte es
sich bemerkbar, dass mit dem gesperrten Lukimya und dem verletzten Lanzaat
beide Leitwölfe in der Hintermannschaft fehlten. Zudem hatte der
Kreuzbandriss von Timo Nagy eine Lücke gerissen. Der im defensiven
Mittelfeld so wertvolle, in der Abwehr aber gehemmt wirkende Ralf Schmidt
vermochte sie nur notdürftig auszufüllen.
Konnte man angesichts dieser personellen Probleme für
die eine oder andere Unsicherheit hinten drin noch Verständnis
aufbringen, lässt sich für
das mangelhafte Offensivspiel während der ersten 45 Minuten nur
schwerlich eine Erklärung finden. Da Punktegarant Michael Gardawski
(mit ihm hat der FCC noch kein Spiel verloren) nach seiner Rotsperre wieder
mitwirken durfte, war die Wunschformation eigentlich beisammen. Dass im Laufe einer
Halbzeit keine einzige heraus gespielte Torchance zustande kommt, wo man den
Aufstieg doch so nah vor Augen hat, ist dann schon ernüchternd. Wenn
die Probleme wenigstens von Übereifer hervorgerufen sein würden...
das Gegenteil schien eher der Fall. An Melvin Holwijn lief das Spiel
derart vorbei, dass sich Stefan Kolb schon während der ersten Hälfte
aufzuwärmen begann. Die in Führung liegenden Gastgeber
zeigten sich einen Tick engagierter, ohne selbst in der Lage zu sein, klare
Chancen heraus zu spielen und damit eine Vorentscheidung herbeiführen
zu können. Dass WSV-Fan Heike das Spiel der ersten 45 Minuten ohne Anflug
von Ironie ganz toll fand, kann eigentlich nur dem Spielstand geschuldet
gewesen sein oder dem Umstand, dass auf diesem Rasen noch Übleres die
Saison über stattgefunden hat.
Ein ähnliches Bild hatte sich zuletzt in Bremen
geboten. Auch da verschlief der FCC die erste Hälfte komplett, um
nach der Pause aufzudrehen und dem Spiel gerade noch eine Wende zu geben. Die
Hoffnung auf eine Wiederholung dieses Verlaufs erhielt nach Wiederanpfiff zunächst
einen Dämpfer, denn das Spiel der in Gelb gekleideten Gäste
wirkte noch immer merkwürdig unorganisiert. Stefan Kühne räumte
nach einer ganzen Reihe von Fehlabspielen kurz nach der Pause schon wieder das Feld,
die Einwechslung von Patrick Amrhein sollte sich später noch als bedeutsam erweisen. Endlich, nach fünfundfünfzig
Spielminuten, spielten sich die Jenaer mal eine Möglichkeit heraus. Im
gegnerischen Strafraum passte Orlando rüber auf Hähnge,
dessen Torschuss verunglückte und zur Vorlage für Truckenbrod
wurde. Dieser konnte nicht damit rechnen, noch einbezogen zu werden und so
sprang der Ball von Truckenbrods Fuß relativ ungefährlich in
die Arme von Samulewicz, der für den an der Patellasehne verletzten Maly
ins Spiel gekommen war. Immerhin, nach dieser Szene nimmt die Partie
etwas an Fahrt auf. Zwei aneinander gekoppelte Fehler von Riemer und Schmidt
bleiben ohne Folgen (62.). Auf der Gegenseite flankt Orlando genau auf den Kopf
seines Sturmpartners Sebastian Hähnge, dessen herrlicher Kopfball über
Samuliewicz hinweg fliegt, aber an der Querlatte hängen bleibt (71.). Den
beiden Angreifern vorn drin ist am
wenigsten ein Vorwurf zu machen, insbesondere Orlando versucht nun viel, drückt
auf den Ausgleich. Auch Gardawski taut endlich auf. Sein Schrägschuss
in Minute 75 streicht am langen Pfosten vorbei. Kurz darauf erreicht seine
Vorlage den aufgerückten Wuttke, welcher mit einem Kopfball aus
Nahdistanz die Zeiss-Fans hinter dem Tor schon zum Jubeln ansetzen lässt.
Doch das Leder fliegt knapp am Pfosten vorbei. Die Jenaer Spieler agieren nun
so, wie man es sich von Anfang gewünscht hatte. Doch die Zeit läuft
ihnen davon. Als Orlando in der vorletzten Spielminute bei einem
erfolgversprechenden Angriff am letzten WSV-Verteidiger hängen bleibt,
läuft er weiter und tritt wütend gegen den Aluminium-Pfosten.
Als wüsste er: Verdammt, das war's. Doch noch ist nicht Schluss.
Carsten Nulle eilt bei einem Eckball mit nach vorn - vielleicht klappt es ja
noch einmal mit solch einem Wahnsinnstor wie gegen Osnabrück. Oder er
irritiert wenigstens den Kontrahenten. Und tatsächlich, Jenas Keeper
bindet einen Gegenspieler mehr ins gegnerische Abwehrzentrum, Patrick Amrhein an der
Strafraumgrenze kommt somit unbedrängt zum Schuss und trifft links
unten zum mittlerweile hochverdienten Ausgleich kurz vor Schluss.
Das war es jedoch immer noch nicht. Als wolle dieses Match
in den letzten Minuten all das aufholen, was es während der ersten
Stunde schuldig geblieben war, haben die Spieler aus der bergischen Metropole gleich nach Wiederanstoß ihre
Chance zum Sieg. Nulle steht inzwischen aber wieder zwischen den Pfosten, pariert den
Schuss und schlägt den Ball unverzüglich nach vorn. Der
Konter führt natürlich über den schnellen Orlando,
doch als dieser in vollem Lauf hinterrücks von den Beinen geholt wird,
brennt ihm eine Sicherung durch. Wütend springt er auf, schubst Lorenz
um. Gelb für den Wuppertaler, Rot für den Jenaer, den wir
deshalb in dieser Saison nicht mehr spielen sehen werden. Oh Mann, bei diesem
Orlando liegen Genie und Wahnsinn wirklich ganz dicht beieinander ! Der
anschließende Freistoß fliegt übers Tor.
Mit dem Abpfiff gab es betretene Gesichter auf beiden
Seiten. Die Wuppertaler werden mit dem späten Gegentor hadern und dass
der vergebene Sieg ein Spiegelbild der ganzen Saison darstellt. Und die Jenaer
dürften sich im Klaren darüber sein, dass sie sich mit ihrer Spielweise über
fast eine Stunde hinweg möglicherweise selbst um die Ernte einer
herausragenden Rückrunde gebracht haben. Es sei denn, der DFB folgt
der Meinung des Weltverbandes FIFA und es gibt wirklich noch die drei Punkte
aus dem Heidenheim-Spiel am grünen Tisch zurück. Entscheidung
am Montag. <fc>
Wacker Burghausen - FC Carl Zeiss Jena 2:3
Tore: 0:1 Hähnge (2.), 1:1 Cappek (20.), 1:2 Wolf (79., ET), 2:2 Wolf (81.), 2:3 Orlando (84.)
- Burghausen: Michl; Holz, Kirsch, Wolf, Kokocinski; Burkhard, Hertl,
Holzer (82. Kresin), Schmidt (25. Traut); El Haj Ali, Cappek (77. Grübl)
- Jena: Nulle; Sträßer, Lukimya (

, 90.+1), Wuttke, Nagy (24. Riemer);
Holwijn (61. Kolb), Truckenbrod, R. Schmidt, Ullmann (46. Amrhein); Hähnge, Orlando
- Zuschauer: 2750
- Schiedsrichter: Benedum (Mehlingen)
- Spielbericht
- Im Gegensatz zur Tour
nach München lag diesmal nicht so viel auf bayerischen Autobahnen herum.
Lediglich kurz vor Burghausen ließ eine Verkehrsmeldung aufhorchen: "...hat ein
Bierlaster jede Menge Ladung verloren." Leider lag die kontaminierte Abfahrt
weit weg, so dass man auf meine Mithilfe bei dieser Kampfmittelbeseitigung
verzichten musste. Allerdings wäre ein gewisser Alkoholpegel für die in der
Wacker-Arena anwesenden Zeiss-Fans ganz gut gewesen, denn das Spiel gehört in
die Kategorie "Nicht möglich" und war mit 0,0 Promille nur schwer zu verkraften.
Vorm Spiel war natürlich
die ominöse 10. Gelbe Karte für den Heidenheimer Klarer und das statistische Muschebubu der DFB Thema Nummer 1 der Jenaer Stadiongespräche.
Egal, der FCC musste einfach den Kopf freibekommen und zusehen, dass Beste aus
dem Rest der Saison machen. Bei wunderbarem Frühlingswetter legte der FCC - wie
schon vor 3 Tagen gegen Heidenheim - los wie die Feuerwehr und nach anderthalb
Minuten nahm Hähnge die erste Jenaer Ecke an und schob zur Führung ein. Die
folgenden Minuten nährten die Hoffnung auf einen Spaziergang, denn die Gastgeber
waren praktisch nicht anwesend. Erst in der 13. Spielminute verirrte sich ein
harmloses Schüsschen zu Nulle. Aber wie schon gegen Heidenheim, schaffte es
unser Team nicht, das frühe 1:0 auszubauen und mit dem Nutzen weiterer
verheißungsvoller Gelegenheiten den Sack zuzubinden. U. a. wurde Hähnge in der
Mitte wunderbar freigespielt, soll aber im Abseits gestanden haben (17.). Bei
einem Zweikampf (18.) wurde Nagy verletzt und am Spielfeldrand behandelt. Dann
wurden weitere szenische Elemente unseres Heimspiels vom vorigen Sonnabend
eingebaut: Burghausen nutzte die Überzahl und mit einem Schuss (dem ersten
ernsthaften überhaupt) ins lange Eck - ähnlich dem Siegestreffer der
Heidenheimer - erzielte Cappek, der Mann mit der
markanten Frisur, den Ausgleich. Nagy wurde durch Riemer ersetzt, der ins
Mittelfeld ging. Dafür rückte Schmidt auf die rechte Abwehrseite, dessen Kreativität
im Spielaufbau von nun an schmerzlich vermisst wurde. Hatte bis dahin des FCC
durch Pressing faktisch jeglichen Spielaufbau der
Gastgeber unterbunden und selbst nach vorn gespielt, kippte das Spiel nun
völlig. Wacker setzte immer wieder mit langen Bällen
auf die Außen gefährliche Akzente, während Jena nach vorn nichts mehr zustande
brachte. Einzige Ausnahme: In der 28. Minute steht Orlando nach Doppelpass mit
Truckenbrod vollkommen allein vor Michl, der jedoch mit schnellem Herausstürzen
abwehren kann. Burghausen wurde immer stärker und der FCC fiel von einer
Verlegenheit in die andere. Dazu hatte Referee Benedum,
der eigentlich recht ordentlich agierte, irgendwie aus der Vorspieldebatte "10.
Gelbe Karte" aufgeschnappt und arbeite nun zügig daran, den
Jenaern die 10 Verwarnungen zu verpassen. Faktisch jedes ernsthafte Foul
zog "Gelb" gegen den FCC nach sich, während bei rüden Attacken der Wackeren
lediglich der Zeigefinger drohte. In der Nachspielzeit der 1. Halbzeit hatten
die Hausherren die beste Chance, als nach einem schnellen Konter Wuttke die
scharfe Flanke im letzten Moment vorm Stürmer wegschlagen kann.
Nach Wiederanpfiff keimte
kurz die Hoffnung, dass der FCC jetzt wieder mitspielen würde. Erst zog Hähnge
aus der Drehung ab (46., gehalten), dann konnte Michl den Schlenzer Amrheins
auf lange Eck nur mit ganz langen Fingernägeln zur Ecke lenken. Dann wieder der
übliche Ablauf: Burghausen stürmte, geriet stellenweise in einen regelrechten
Spielrausch und erarbeitete sich eine Chance nach der anderen. Entweder hielt
Nulle (zweimal in der 47., 55., 63.) oder Burghausen vergab einfach. Einzige
für den FCC notierenswert die Gelbe Karte, die der Schiedsrichter nach einem
normalen Zweikampf im Strafraum (der Verteidiger war erfolgreich) an Orlando
vergab - wegen angeblicher Schwalbe! Weder Orlando noch jemand anderes forderte
in dieser Szene Strafstoß oder zeigte sonst wie Unmut, die Verwarnung gab es
wirklich ohne jeden Anlass. Die Wackeren lieferten aber die Höhepunkte dieser
Druckphase und sorgten bei allen Zuschauern zweimal für untertassengroße Augen,
wenn auch aus unterschiedlichen Beweggründen: Zunächst tauchte Ali
mutterseelenallein vorm Tor auf (61.) und hob den Ball über den heranfliegenden
Nulle hinweg AN DIE LATTE! Die himmlischen Heerscharen dürften eine Weile mit
dem Bearbeiten der in diesem Moment über der Wacker-Arena aufsteigenden
Stoßgebete zu tun gehabt haben. Und vermutlich war man dort oben immer noch bei
der Arbeit, als der nächste Schwall in der 76. Spielminute eintraf: Nulle wehrte
einen Schuss zur Mitte ab und Cappek brachte das
Kunststück fertig, den Abpraller aus 6-7 Metern am leeren Tor vorbeizuschieben!
Kategorie "Nicht möglich"!
Es gibt im Leben aber immer
Steigerungsmöglichkeiten, denn während die FCC-Fans zehn Minuten vor Abpfiff
bereits ein Pünktchen als höchstes Glück ansahen, stand es plötzlich 2:1 für
Jena. Wolf sprang in Orlandos Pass, damit der Ball Hähnge nicht erreichte. Dies
gelang ihm tadellos, denn vom Fuß des Verteidigers sauste der Ball ins Tor.
Fassungslose Freude bei allen Zeiss-Fans angesichts der völlig unverdienten
Führung! Dagegen zeigte sich die
Mannschaft sehr gönnerhaft und gab das Geschenk prompt zurück, indem bei der
nächsten Ecke alle Blauen zuschauten, wie Wolf sein Eigentor korrigierte und die
Ecke zum erneuten Ausgleich einköpfte. Burghausen musste diese Art Revanche
erst einmal verdauen, die nächsten fünf Minuten gehörten dem FCC. Lukimya setzte sich in bester Stürmermanier links an der
Grundlinie durch und ... kam noch vorm Keeper an den Ball, allerdings ohne
Torerfolg (84). Und sechzig Sekunden später schwebte ein langer Ball von links
diagonal in den Strafraum ein, Orlando nahm ihn runter, drehte sich jedoch
nicht eine Vierteldrehung rechts, sondern wählte den langen Weg 270 Grad links
herum. Während Michl brav versuchte, diesem Dreher zu folgen, und die
Verteidiger unten alles dicht machten, knallte Orlando den Ball aus spitzem
Winkel maßgenau unter die Latte - 3:2!!! Nun versuchte Burghausen alles, aber
die Jenaer passten auf und Nulle entschärfte in der 89. min ein aus rund 20 m
abgefeuertes scharfes Geschoss. In der Nachspielzeit warf sich Lukimya, bereits verwarnt, vor der Strafraumgrenze einem
Weißen entgegen - der Schiedsrichter entschied nicht nur auf Foul, sondern
zeigte bar jeglichen Feingefühls dem Jenaer Abwehrchef auch noch die zweite
Verwarnung und schickte ihn vom Rasen. Der von Holz direkt ausgeführte Freistoß
hatte alle Attribute eines Tor des Monats, aber Nulle boxte mit der letzten
Aktion des Spieles den sich senkenden Schuss weg. Sieg! Drei Punkte und ab in
den Bus und wegfahren, bevor die jemand zurückhaben möchte! Wer solche Spiele
mit so viel Dusel gewinnt, steigt normalerweise auf. Wenn da nicht jemand an
den Karten dreht.
Auf der Heimfahrt gab es
keine Biermeldungen mehr, lediglich eine Holzlatte, Lkw-Reifen und eine tote
Katze wurden gemeldet. Warum allerdings gerade bei letzterer "Fahren Sie hier
bitte ganz vorsichtig!" gebeten wurde, ist unklar, denn die Mieze war ja,
ebenso wie gesunde Fußballmenschenverstand an diesem Abend, mausetot. <uk>
FC Carl Zeiss Jena - 1. FC Heidenheim 1:2
Tore: 1:0 Orlando (1.), 1:1 Spann (24.), 1:2 Schnatterer (89.)
- Jena: Nulle; Sträßer, Lukimya, Wuttke, Nagy;
Holwijn (53. Benyamina), Truckenbrod, R. Schmidt (60. Kühne), Amrhein (86. Ullmann);
Hähnge, Orlando
- Heidenheim: Baum; Meier, Göhlert, Krebs, Feistle; Schittenhelm,
Bageci (70. Gül), Klarer, Schnatterer; Spann (87. Heidenfelder), Mayer
(80. Jarosch)
- Zuschauer: 9664
- Schiedsrichter: Nowak (Bottrop)
- Spielbericht
- Normalerweise verlasse ich meinen Platz während des Spiels
nicht. Das gehört sich einfach nicht! Man steht das durch. Der einen langsam
übermannende Hunger, die bittere Kälte bei viel zu dünner Jacke, das dritte Bier,
welches langsam damit droht, aus den Augenhöhlen wieder auszutreten, wenn nicht
umgehend eine Toilette aufgesucht wird und das Ganze bei einem 3-Tore-Rückstand
zehn Minuten vor Schluß. Alles kein Grund! Es wird stehengeblieben und
anständig gelitten! Wenn ich also mitten im Spiel am Bulettenstand auftauche, ist
der cholerische Ausnahmezustand bereits erreicht. Da sollte der Klops schön
durch sein und der Senf nicht zu schwerfällig aus der Flasche kommen...
Schon dieses elende Wetter. Man hätte es ja wissen müssen. So eine
Wohlfühltemperatur ist einfach der Tod für ein ordentliches Fußballspiel. Ein
bißchen Regen ist doch nun wirklich nicht zu viel verlangt mitten im
Aufstiegskampf. Dann wäre sicher auch die Fraktion mit den rot-weißen (!) Mützchen
ein wenig kleiner ausgefallen, die mich so auf Puls bringt. Damit hatte man
offensichtlich alle Erstgucker ausgestattet, die sich im Stadion noch nicht so
stilsicher bewegen. Insofern versprühte die Gegengerade einen
gespenstischen Charme, dem umgehend jede Stimmung erlag. Dominiert von agilen
Klatschrhythmen, war es wie bei der Schlagerparade auf Radio Sachsen oder der
wöchentlichen Gaudiveranstaltung bei der TSG Hoffenheim.
Je nachdem, wo gerade mal weniger los ist. Ja sicher, es zeugt
nicht immer von intellektueller Überlegenheit, wenn ich so loslege. Aber so
eine Multitoleranz gegenüber Gegner und dessen sportlichen Leistung? Damit kann
ich nicht umgehen! Eigentlich ein Grund zum Gehen! Aber ich durfte ja nicht.
Zur Belohnung gibt es aber wenigstens gleich ein zukünftiges
Tor des Monats zu bewundern. Der Orlando macht offensichtlich lieber die
Schwierigen - die, wenn er keine Zeit zum Überlegen hat. Hähnges langer Paß ist
an sich schon ein Hingucker, wie sich der Orlando dann aber in der Luft
verknotet und den Ball aus Nahdistanz über den Heidenheimer Tormann bugsiert,
läßt schon nach 54 Sekunden von Höherem träumen. 10000facher Freudentaumel von
zum Teil rot-weiß bemützten Fans. Wenn mir vorher jemand gesagt hätte, daß ich
da auch dabei bin. Meine Güte...
Aber wie so oft, führt so ein zeitiger Treffer zu einer
trügerischen Sicherheit, die im Zusammenspiel mit dem einschläfernden Sonnenschein
ihre tückischen Nebenwirkungen voll entfalten kann. So gibt Jena zwar weiter
den Ton an und hat durch Orlandos Schuß aufs lange Eck auch noch eine schöne
Chance (18.), Heidenheim läßt sich aber zunehmend weniger bieten. Im Gegenteil,
die Angriffsbemühungen der Gäste wirken nach und nach immer gefälliger. Jenas
Spiel schläft förmlich ein und die ohne rote Mützen sehen auch schon, daß der
Ausgleich mit bleierner Schwere über dem Stadion hängt. Kurz bevor ich am
Bulettenstand aufschlage, arbeitet Holwijn den Ball zielsicher
und ohne große Not den Gästen zu, die in Jenas Vorwärtsbewegung hinein den
Ausgleich erzielen. Das klingt jetzt alles wahnsinnig schnell, wenn man aber
ehrlich ist, formiert sich unsere Heldenabwehr in dieser Szene derart pomadig,
daß einem schon beim Hinschauen die Augen zufallen. So hat Spann keinerlei
Mühe, den Ball erst anzunehmen, sich dann in Ruhe in Position zu bringen und
zum Schluß auch noch aus vielleicht zwanzig Metern Maß zu nehmen. Zu allem
Überfluß steht der Nulle auch noch viel zu weit vor seinem Tor, so daß alles prächtig
zusammenpaßt (25.). Die schöne Führung, einfach futsch. Sauwetter... Richtigerweise
sucht Jena danach sein Heil weiter in der Offensive, wodurch sich die
Deckungslücken bis zur Halbzeit weitestgehend kaschieren lassen. Aber es klappt
einfach nicht mit dem zweiten Treffer. Holwijns Diagonalpaß durch den Strafraum
schiebt der gute Orlando aus Nahdistanz einfach am Tor vorbei (34.). Da kann er
heilfroh sein, daß der Linienrichter bereits auf Abseits entschieden hat! Fünf
Minten später muß Amrhein eigentlich nur noch ein langes Bein machen, um
Schmidts Flanke im Tor unterzubringen, kriegt das aber auch nicht hin und so
kommen die Gäste mit einem blauen Auge in die Kabine.
Wer sich nun erhofft hat, eine zweite Hälfte wie in Dresden
geboten zu bekommen, sieht sich aber schon kurz nach der Pause schwer verladen.
Vor allem das Umschalten auf die notwendigen Defensivarbeiten will nicht so
recht klappen, so daß die schnellen Gästeangreifer immer wieder gefährlich
kontern können. Als Schnatterer mit dem Ball am Fuß über den ganzen Platz
marschiert und den mitgelaufenen Mayer bedient, kann Nulle den Gewaltschuß mit
viel Können gerade noch entschärfen (47.). Kurze Zeit später hat er einfach nur
Megadusel, als Spanns Kopfballverlängerung quer vor unserem verwaisten Tor
rumspringt, ohne einen Abnehmer in den Heidenheimer Reihen zu finden. Vor
dieser Aktion war in Jenas Abwehrreihe keine Art von Organisation mehr auszumachen.
Die ohne Mützen stellen spätestens ab jetzt auf Pessimismus um. Normalerweise
die ideale Zeit für einen zweiten Klops. Wo ist die Mannschaft, die in Erfurt
spielerisch so dominierte? Wo ist der unbedingte Siegeswille vom
Dresdenspiel? Dazu dieser eklatante Mangel an guten Ideen.
Da rumpelt Orlando einen Freistoß von der Strafraumgrenze einfach in die Mauer
(70.), dann schießt Truckenbrod aus ähnlich aussichtsreicher Position dem viel
zu kleinen Heidenheimer Tormann genau in die Arme (86.). In 1.80 Meter Höhe wäre
er doch chancenlos gewesen! Und zwischendurch noch Orlandos Flugeinlage, als er
sich über links schön durchsetzen kann und dann spektakulär abhebt (78.). Den
Elfer hätte er höchstens auf dem Betzenberg gekriegt (und dort nicht mal
sicher, was schon zeigt, wie schlecht die Schwalbe eigentlich war). Also wenn
er sich schon fallen läßt, dann sollte er das a) ein bißchen eleganter tun und
b) wenigstens bis in den Strafraum rennen und nicht davor schon umfallen.
Manchmal ist es kaum zu verstehen, wie dicht der Wahnsinn beim Genie wohnt.
Was letztlich aus dem Ganzen folgt, kann sich schon jeder
denken: Schnatterer war gerade noch mit einem Flachschuß von der
Strafraumgrenze an Nulle gescheitert, als ihn Benyamina einlädt, das Ganze doch
noch mal zu probieren. Es sah wirklich so unprofessionell aus, wie sich der
Neunzehnjährige anstellte, daß es
einem schon leid tun konnte. Will er nächste Saison wirklich in Hoffenheim
spielen, würde er mit einem solchen Aussetzer auf einen Schlag viele neue
Freunde in der ganzen Republik gewinnen. Im aktuellen Fall aber stiegen sicher
nur ein paar verbliebenen Rot-Weiss-Fans die Freudentränen in die Augen.
Überliefert ist weiter, daß Schnatterer nach Benyamina auch noch um Wuttke ein
Schlenker macht und dann trocken den Auswärtssieg sicherstellt (90.).
Das wars mit dem Aufstieg. Nach dreizehn ungeschlagenen Spielen eine
wirklich dümmliche Niederlage, die aber auch viel über die Wirklichkeit beim
FCC in sich trägt. Wir haben eine gute erste Elf, mit der alles möglich
scheint. Sobald aber ein Gardawski fehlt, ein Lanzaat verletzt ist oder einfach
nur einer einen schlechten Tag erwischt, hat die Herrlichkeit ein abruptes
Ende. Das war schon die ganze Saison so, man erinnere sich da nur an die wochenlange
Phase in der weder Hähnge noch Orlando als Fußballer durchgegangen wären. Wir
hatten das nur schon fast vergessen.
Für die Planung der kommenden Saison könnten die gute
Rückrunde und der Fast-Aufstieg eine ziemliche Bürde werden. Einige
Leistungsträger haben sich mit Sicherheit für höhere Ligen empfohlen und sind
schon am Kofferpacken. Da fangen wir dann wieder ganz von vorne an. Wenigstens haben
dann aber die mit den Mützen wieder 36 Spieltage frei... <bpf>
FC Bayern München II - FC Carl Zeiss Jena 0:0
Tore: -
- München: Rensing; Kopplin, Haas, Schütz, Rohracker;
Knasmüller, Schwarz, Ekici (65. Sikorski), Rieß; Sene, Yilmaz
- Jena: Nulle; Sträßer, Lukimya, Wuttke, Nagy;
Benyamina (37. Kolitsch), Kühne, Truckenbrod, R. Schmidt; Amrhein (76. Petersen), Hähnge
- Zuschauer: 1300
- Schiedsrichter: Osmers (Hannover)
- Spielbericht
- Es schien auf der
Hinfahrt angesichts der Verkehrsmeldungen so, als ob der liebe Gott sein
Gartenhaus überm blau-weißen Freistaat entleert hatte. Was da nicht alles auf
den Autobahnen lag: eine Leiter, eine Schaufel, ein Hammer, ein Fahrrad, ein 4
m langes Eisenteil, ein Besen und eine Schubkarre. Zudem noch eine Ente - aber
die lag nicht, sondern lief. Bei so viel Großzügigkeit auf "Bayern III" hofft man natürlich, auch von Bayern II etwas zu bekommen.
Das altehrwürdige
Stadion an der Grünwalder Straße war wohlbekannt und wehmütig erinnert man sich
an die tolle Kulisse 1993 vor 24.000 Zuschauern. Allerdings gab es damals null
Punkte, wie so oft in der Grünwalder Straße. Nur beim allerersten Auftritt 1991
ergatterte der FCC mit einem 0:0 ein Pünktchen. Auch diesmal wurden es ein
torloses Remis und ein Punkt. Trotzdem konnte man damit zufrieden sein, denn in
letzter Zeit waren die Bayern-"Amateure" recht gut drauf und Aufstiegsaspirant Ingolstadt
unterlag dort kürzlich sogar.
Es war insgesamt
ein Spiel zweier starker Mannschaften, in dem die Gastgeber den etwas
offensiveren Part gaben, während der FCC - auch angesichts der Ausfälle im
offensiven Bereich - aus einer massiven Deckung heraus agierte. Bayern II wollte
(ähnlich den Dresdnern 3 Tage zuvor) schnell ein Tor erzielen, dies zeigten sie
in der Anfangsviertelstunde sehr deutlich. Bereits nach 3 Minuten hatten sie
nach einem Freistoß mit anschließendem Kopf ihre erste Torchance. Kurz danach
vermittelten zwei kreuzgefährliche Ecken den Eindruck, dass unsere Abwehr noch
nicht richtig sortiert sei. Dies war in
den anderen Mannschaftsteilen aber nicht anders, denn viele Ungenauigkeiten und
das starke Pressing der Bayern, die zudem
balltechnisch 1A waren, verhinderten einen vernünftigen Spielaufbau. In der 17.
Minute hatte der FCC seine erste Chance, als Hähnge eine Flanke
Amrheins leider nicht mit dem notwendigen Druck aufs Tor
köpfte und der aus der 1. Mannschaft importierte Rensing
keine Mühe hatte. Insgesamt konnte der FCC jetzt das Spiel etwas von seinem
Strafraum wegdrücken und die Abwehr gab sich kaum noch eine Blöße. Nur einmal
(25. min) erwischte Sene einen Traumpass und
marschierte allein auf Nulle zu. Der nachsetzende Wuttke riskierte den Ritt auf
der Rasierklinge und attackierte ihn im Strafraum von hinten erfolgreich und
fair, so dass Sene keinen Torschuss ansetzen konnte.
Nach vorn lief beim FCC nicht viel, denn zumeist beschränkte man sich auf die
"Orlando-Taktik" und ballerte lange Bälle nach vorn. Hähnge und Amrhein rannten
vorn viel und vergeblich, denn genau darauf hatte sich Bayern eingerichtet und
klärte alles problemlos. Erfolgversprechender schienen Angriffe über die Flügel
- und prompt, nach dem ich dies notiert hatte, versuchte man dies zweimal
hintereinander (45.). Doch auch da ließ sich die Bayernabwehr nicht
überraschen.
0:0 zur Pause und
starken Gastgebern Paroli geboten, deutete sich da eine Wiederholung des
Gastspiels bei Dynamo an? Mitnichten, denn im Gegensatz zu den Schwarz-Gelben
spielten die ganz in Rot gekleideten Bayern weiter und zeigten keinen
Leistungsabfall. Im Wesentlichen lief das Spiel jetzt zwischen beiden
Strafräumen hin und her und beide Teams gaben sich größte Mühe, Fehler zu
vermeiden. Nur gelegentlich konnten Torchancen notiert werden. So in der 55.
min, als Truckenbrod nach einer zu kurz abgewehrten Ecke Rensing
prüfte. Es dauerte auch mehr als eine Viertelstunde, bis Bayern II überhaupt
einen Torschuss hatte, aber Yilmaz verfehlte das Ziel deutlich. Der bereits
gegen Ende der ersten Hälfte für den indisponierten Benyamina
eingewechselte Kolitsch und Amrhein versuchten über die
Außenbahnen den Jenaer Angriff anzukurbeln, aber die sehr diszipliniert
spielenden Bayern ließen nichts zu. Und so war es Truckenbrod mit einem 25-m-Freistoß,
flach aufs Tor getreten, der die nächste Jenaer Chance hatte. Eine Minute
später versuchte es Hähnge nach einer Ecke per Kopf, aber Rensing
war auf dem Posten. Und wiederum eine Minute später stockte den rund 500
Zeiss-Fans im Stadion der Atem, als nach Senes
Zuspiel der eingewechselte Sikorski frei vor Nulle stand, dieser jedoch mit
einer sensationellen Fußabwehr den Gegentreffer verhinderte. Und damit war auch
die vorletzte - und die hochkarätigste - Bayern-Chance dahin. Yilmaz hatte in
der 86. min offensichtlich noch zu viel Adrenalin geladen (er war sehr
frustriert auf Grund seiner Gegenspieler) und so ballerte er aus 7 - 8 Metern
übers Tor. Der FCC nutzte allerdings seine Chancen auch nicht: Nach
Kolitsch' Flanke entschied sich Petersen für eine Ablage
anstatt selbst zu schießen (81), und Truckenbrods
Flachschuss aus 25 Metern Entfernung erwischte Rensing
gerade noch so (88.).
Letztendlich war
es ein leistungsgerechtes Unentschieden. Ob dieser Punkt als Gewinn für den
Kampf um den Aufstieg anzusehen ist, werden die verbleibenden Spiele der Saison
zeigen. <uk>
SG Dynamo Dresden - FC Carl Zeiss Jena 0:3
Tore: 0:1 Hähnge (59.), 0:2 Truckenbrod (71.), 0:3 Amrhein (79.)
- Dresden: Keller; Strifler, Hübener, Palionis, Mikolajczak;
G. Müller, Jungnickel (67. Dobry), Wagefeld, Kegel, Koch (67. Gundersen);
Savran
- Jena: Nulle; Sträßer, Lukimya, Lanzaat (31. Amrhein),
Nagy; Wuttke, Truckenbrod, R. Schmidt (53. Kühne), Gardawski
(
, 82.); Hähnge,
Orlando (86. Petersen)
- Zuschauer: 29.000
- Schiedsrichter: Gorniak (Bremen)
- Spielbericht
- Ganze
6.500 Zuschauer waren es im Rudolf-Harbig-Stadion zu Dresden, die im Oktober
1990 Jenas letzten Sieg beim ewig jungen Duell der beiden Traditionsvereine
bewunderten. Heiko Weber traf zum 2:1 im Achtelfinale des Pokals der soeben
beerdigten DDR, schon einige Monate zuvor beim 4:0-Punktspielsieg an gleicher
Stelle war er - unter anderem gegen den jetzigen Dynamo-Trainer Mauksch -
doppelt erfolgreich gewesen. Eine lange Zeit war seitdem vergangen, fast 20
Jahre, aber eben auch nur vier Punktspiele, in denen der FCC jeweils ohne Tor
die Heimreise aus Elbflorenz antreten musste.
Wollte
man weiter im Kampf um die ersten 4 Plätze mitmischen, hatte sich das
zu ändern vor der rekordverdächtigen Kulisse von fast 30.000
Fans, was für ein Kontrast zu eben jenem letzten Auswärtssieg
in Elbflorenz. Präsentierte sich der Neubau Rudolf-Harbig-Stadion vor
einem Jahr noch als Baustelle, so durften Jenas Anhänger sich nun
neidvoll in einem schicken, engen und steilen Fußballtempel
umschauen. Dresdens Fans taten ihr übriges mit einer hübschen
Choreographie, das Jackpot-Motiv möglicherweise ein Dankeschön
an die Finanzhilfen durch die Stadt. Dynamo-Coach Mauksch hatte vor dem Spiel
der Hoffnung Ausdruck verliehen, dass Jenas Spieler dieser imposanten Kulisse
nicht gewachsen sein könnten, doch die nahmen in den Anfangsminuten
den Kampf sofort auf und agierten so, wie man das in einem Derby erwartet. Es
war der in orange-schwarz gewandete Referee Gorniak aus Bremen, der sichtlich
größere Probleme hatte, unter dem Druck von 26.500 Sachsen
eine beiderseits faire Gewichtung von Zweikämpfen vorzunehmen. Und spätestens
als infolge einer seiner abstrusen Freistoßentscheidungen Robert Koch
nach 10 Minuten Carsten Nulle zu einer Glanzparade zwang, schlug das Pendel
auch spielerisch klar zugunsten der Gasteber aus. Vornehmlich über
ihre quirligen Außenspieler Koch und vor allem Müller beschäftigten
die Dynamos Jenas Hintermannschaft pausenlos, Nagy und Sträßer
hatten Schwerstarbeit zu leisten, während van Eck nach 31 Minuten auch
noch Abwehrchef Lanzaat auswechseln musste, der in einem Laufduell mit dem
ebenso giftigen wie theatralischen Savran einen Pferdekuss mitbekommen hatte. Müller
mit knapp am langen Pfosten vorbei streichenden Flachschuss nach 35 Minuten und
Savran per Kopf mit dem Pausenpfiff hatten die größten Möglichkeiten,
die Sachsen verdient in Führung zu bringen.
Jena fand im Offensivspiel
kaum statt, viel zu sehr waren die Außenspieler zu Defensivaufgaben
gezwungen, die erste Halbchance datierte aus der 40. Spielminute, als der
eingewechselte Amrhein sein schönes Solo nicht erfolgreich abschließen
konnte. Das Resultat war aus FCC-Sicht das Beste zum Pausentee, und manch einer
erinnerte sich an die Begegnung vor Jahresfrist an gleicher Stelle. Da war es
der FC Carl Zeiss, der reihenweise Großchancen liegen ließ,
drei Mal Aluminium traf und am Ende unglücklich verlor.
Würde
sich die Geschichte unter umgekehrten Vorzeichen vielleicht wiederholen? Ja!
Denn der FCC kam nun besser aus der Kabine, spielte endlich auch selbst Fußball,
statt nur zu reagieren und kam durch Hähnge und den kurz darauf gegen
Kühne ausgetauschten Schmidt zu ersten Möglichkeiten. Nach 59
Minuten explodierte dann der mit 2.500 bangenden Zeissfans gefüllte Gästeblock
endlich. Amrhein erkämpfte sich gegen Mikolajczak das Leder in der eigenen
Hälfte, schickte Smeekes steil den rechten Flügel entlang,
der gänzlich uneigensinnig millimetergenau auf den in der Mitte
mitlaufenden Hähnge gab. Linker Fuß hingehalten, Tor, 1:0
Jena!
Zehn Minuten später fast das zweite Tor für Thüringens
Nummer eins, doch Amrheins Schuss bleibt hängen und Truckenbrod bringt
den Abpraller nicht unter Kontrolle. Auf der Gegenseite pariert Nulle gegen Müllers
Hereingabe glänzend und hat Glück, dass der gemeinsam mit
Dobry eingewechselte Gundersen haarscharf an einer Linksflanke vorbeitaucht.
Eine Co-Produktion zweier Ex-Dynamos bringt dann die Vorentscheidung. Hähnge
düpiert die Abseitsfalle der ausschließlich auf Smeekes
fixierten schwarz-gelben Verteidiger und schickt den von hinten durchstartenden
Truckenbrod auf die Reise zum 2:0. Der gefühlvolle Heber des sonst
eher für brachiale Schusstechnik bekannten Mittelfeldspielers ins Netz
verwundert und verzückt Jenas Anhang gleichermaßen. Party in
blau-gelb-weiß auf den Rängen, und als Patrick Amrhein einen
klugen Pass Gardawskis in die Gasse erläuft, das Leder an Keller
vorbei spitzelt und dem Ball dabei einen solchen Drall mitgibt, dass er sich
noch an den Innenpfosten und ins Tor dreht, brechen alle Dämme. Es
scheint einfach der Tag des FCC zu sein, während Dobry noch an Nulle
und Gundersen an der Latte scheitert. Einziger Wermutstropfen der dumme
Platzverweis für Michael Gardawski kurz vor Spielende, der auf die
Provokation von Dynamos Hübener ebenso hereinfällt, wie
Referee Gorniak auf dessen schauspielerische Einlage. Hübener, in
Halbzeit eins gegen Smeekes ordentlich und ungestraft austeilend hatte durch
eine ähnlich hollywoodreife Leistung bereits die fünfte gelbe
Karte gegen Orlando provoziert, so dass die Fahrt nach München am
Dienstag nun keine leichtere sein wird.
Doch derartige Gedanken waren noch weit
weg an jenem denkwürdigen Nachmittag, als im Dynamo-Block das "Wir
gewinnen sowieso"-Plakat verschämt eingerollt wurde, während
das komplette FCC-Team noch einmal aus der Kabine zu seinen Fans kam, um bei
Uffta, Pogo und Orlandos Moonwalk einen hart erkämpften Auswärtssieg
zu feiern, der die Dresdner Serie von 8 Heimsiegen in Folge beendet und Jenas
auf nunmehr 12 ungeschlagene Begegnungen anwachsen lässt. <gunner>
FC Carl Zeiss Jena - SSV Jahn Regensburg 3:1
Tore: 0:1 Kreis (4.), 1:1 Truckenbrod (34.), 2:1 Gardawski (67.),
3:1 Orlando (77.)
- Jena: Nulle; Sträßer, Lukimya, Lanzaat, Nagy; Wuttke
(90. Petersen), Truckenbrod, R. Schmidt, Gardawski (82. Kühne);
Amrhein, Orlando (90. Ullmann)
- Regensburg: Sattelmaier; Erfen, Maul, Hagmann, Romminger; Hein
(58. Zellner), Kreis (71. Schmid), Schlauderer (75. Berger), Shynder;
Stoilov, Reichwein
- Zuschauer: 6246
- Schiedsrichter: Dankert (Rostock)
- Spielbericht
- Anfang Februar hatte die Erfolgsserie des FC Carl Zeiss in
der Rückrunde ihren Anfang genommen. Mehrere englische Wochen hindurch eilte
die Elf von Sieg zu Sieg, selbst die Unentschieden zwischendurch fühlten sich
irgendwie so an. Dass die erste Enttäuschung, ein Heimremis gegen Unterhaching,
mit dem Abschluss der englischen Wochen zusammenfiel, mag kein Zufall
gewesen sein. Vielleicht hatte der eine oder andere Spieler mit einem Mal zu
viel Zeit zum Rechnen gehabt und sich selbst jenen Druck auferlegt, den der
Trainer standhaft zu vermeiden sucht. Doch könnte das 1:1 vom Sonnabend nicht
auch positive Auswirkungen gebracht haben ? Die Rückkehr der Erkenntnis zum
Beispiel, dass jeder Erfolg aufs Neue erarbeitet werden muss und kein einziger
Kontrahent auf die leichte Schulter genommen werden darf ?
Nimmt man die ersten 100 Sekunden der Partie gegen
Regensburg zum Maßstab, haben das unsere Spieler verinnerlicht. Einem Tornado
gleich bestürmten sie mit dem Anpfiff das Gästegehäuse. Nach dreißig Sekunden
war Orlando freigespielt und scheiterte nur knapp beim Versuch, den Ball am
Torhüter vorbei zu legen, um anschließend freie Bahn haben zu können. Dann
setzte Timo Nagy einen Freistoß aus 25 Metern derart raffiniert aufs Tor, dass
ihn Sattelmaier nur mit Mühe über die Latte zur Ecke lenken konnte. Schließlich
war da noch der Kopfball von Jens Truckenbrod, den ein Regensburger Verteidiger
von der Linie fischte. Auftakt furioso ! Die Gäste kommen nach drei
Spielminuten erstmals an den Jenaer
Strafraum. Ralf Schmidt wirft sich zunächst mit Erfolg in einen Schuss, der
Abpraller aber fällt Sebastian Kreis vor die Füße, welcher aus achtzehn Metern
gleich noch mal abzieht und den Innenpfosten trifft, von wo aus der Ball ins
Netz fliegt. 0:1. Erst kein Glück gehabt und dann kam auch noch Pech hinzu -
zeitig wie nie zuvor fand dieser abgenutzte Fußballerspruch bereits nach 240
Sekunden seine Berechtigung.
Der Gegentreffer zeigte Wirkung, der Spielfaden nun erst
einmal gerissen. Nur sporadisch strahlten die Jenaer Angriffbemühungen in
dieser Phase Torgefahr aus. So wie in Minute 20, als Amrhein einen Pass fast
ängstlich in die Spitze spielte. Immerhin fand dieser Pass mal seinen
Adressaten namens Orlando, welcher aber an Sattelmaier scheiterte. Fünf Minuten
darauf bekamen die SSV-Verteidiger das Leder nach einem Eckball nicht aus dem
eigenen Sechzehner. Tim Wuttke versuchte dies zu nutzen, schoss dem Gästekeeper
aber direkt in die Arme. Schnell war klar, die Jenaer brauchen ein
Erfolgserlebnis, um in diese Begegnung zurück zu finden. In Minute 33 spielt
Gardawski flach nach innen. Der Ball rollt durch bis zu Jens Truckenbrod, der
aus zwanzig Metern Torentfernung drauf hält und links unten ins Eck trifft.
Jubel unter den leider nur gut sechstausend Zuschauern, die gleich darauf die
schönste Kombination in Hälfte eins zu sehen bekommen. Schnell und direkt
zaubern sich Amrhein, Wuttke und Truckenbrod mit
neuem Selbstvertrauen vors Tor, diesmal bleibt „Trucke“ mit
seinem Schuss allerdings hängen. Halbzeit.
Nach der Pause machten die Jenaer zunächst da weiter, wo sie
aufgehört hatten. Orlando eröffnete sich in der 51. Minute eine Doppelchance,
von der er hinterher selbst sagen wird, er hätte eine von ihnen nutzen müssen.
Scheiterte er im ersten Versuch mit straffem Schuss an Sattelmaier, bugsierte
er den zurückspringenden Ball direkt ans Außennetz. Dem folgte noch ein schöner
Schuss von Amrhein nach Zuspiel von Orlando, ehe sich das Spiel seine nächste
kleine Auszeit nahm. Bis zu Minute 67. Wieder ist es Orlando, der sich einen
Ball auf der linken Seite erläuft. Einmal, zweimal täuscht er ein Dribbling an
und als das halbe Stadion schon verzweifelt 'Spiel doch ab' brüllt, kommt
endlich das Zuspiel, rüber zu Michael Gardawski. Dessen Fackel aus 20 Metern
zischt nur so ins Netz zum längst verdienten Führungstreffer. Wir wissen nicht,
weshalb die Kölner Leihgabe ("Ob ich hier bleibe, müssen die Vereine unter sich
klären. An mir wird's nicht liegen") diesmal seine roten Schuhe in der Kabine
gelassen hatte. Doch die Erfolgsgeschichte im Jenaer Dress fand für Gardawski
auch mit den weißen Tretern ihre Fortsetzung.
Regensburg wäre mit einem Unentschieden sicher zufrieden gewesen, hatte eine
gefühlte Ewigkeit keine Torchance mehr herausgespielt. Das blieb auch so,
in Rückstand liegend taten sie nun aber gezwungenermaßen mehr für den
Spielaufbau und schufen zumindest mit Standarts Gefahr.
Spätestens nachdem Shynder
einen Freistoßball ans Lattenkreuz verlängert hatte (69.), waren die
Glückskonten beider Mannschaften wieder ausgeglichen. In Anbetracht solcher
Schrecksekunden sind wir Orlando mehr als dankbar, dass er uns mit seinem
Treffer dreizehn Minuten vor Schluss eine nervenaufreibende Schlussphase
ersparte. Mit einem Solo von der linken Seite in die Mitte ziehend an drei
Gegenspielern vorbei und dem Torschuss von der Strafraumgrenze schraubte der
Holländer seine Trefferquote auf nunmehr 15 nach oben ! Ihm verschaffte sein
Trainer mittels Auswechslung genauso noch den verdienten Einzelbeifall wie den
beiden Außen Gardawski und Wuttke, welche ebenfalls zu den Besten zählten.
Wuttke war statt des an der Ferse verletzten Benyamina diesmal vom Start weg
zum Einsatz gekommen. Und obwohl er nicht zum ersten Mal in seiner Karriere
so weit vorn spielte - seine erfrischenden Offensivaktionen auf der rechten Seite waren die vielleicht
überraschendste Entdeckung dieser neunzig Minuten.
"Jetzt sieht es nicht so schlecht aus", freute sich Carsten
Nulle als Mannschaftskapitän darüber, nach dem Hachinger Remis wieder die Kurve
bekommen zu haben. Da in Jena aber offiziell niemand von einem möglichen Aufstieg redet,
sondern nur von Spiel zu Spiel denkt, darf sich erst einmal auf die Atmosphäre
vor 25.000 im neuen Dresdner Dynamo-Stadion gefreut werden. <fc>
FC Carl Zeiss Jena - SpVgg Unterhaching 1:1
Tore: 1:0 Gardawski (41.), 1:1 Bischoff (72.)
- Jena: Nulle; Sträßer, Lukimya, Lanzaat, Nagy; Benyamina (84. Amrhein), Truckenbrod,
Schmidt (86. Kühne), Gardawski (74. Wuttke); Orlando, Holwijn
- Unterhaching: Kampa; Brysch, Susak, Hain, Ziegler; Grech (86.Pasiciel), Schaschko,
Kanca (46. Schwabl), Mützel; Rathgeber (70. Bischoff), Schweinsteiger
- Zuschauer: 7165
- Schiedsrichter: Aarnink (Nordhorn)
- Spielbericht
-
Neun Spiele ungeschlagen - seit der Heimniederlage am 23.Januar gegen Sandhausen setzte der FCC zu einer Serie an, die ihn ganz
schnell aus der grauen Masse des Mittelfelds in die oberen Tabellenpositionen beförderte. Und gegen den Tabellen-Vierzehnten
aus Unterhaching sollte auch nach dem heutigen Spiel diese Serie noch weiter Bestand haben.
Die Jenaer begannen auch von Beginn an druckvoll und drückten die Bayern in deren Hälfte und prompt gab es bereits nach
vier Minuten die erste gute Möglichkeit für die Platzherren. Nachdem der zu flach geschossene Eckball von Nagy noch
geblockt werden konnte, versuchte er es mit seinem zweiten Versuch auf den langen Pfosten, doch Orlando rutschte knapp am Ball
vorbei. Fortan blieb der FCC auch weiter am Drücker, doch mehr als Eckstöße sprangen nicht heraus. Die Gäste,
die auf 7-8 Stammkräfte verzichten mussten, taten nicht mehr als nötig und blieben bei ihren Angriffsbemühungen lau.
Aber ein richtiges Rezept fanden die Jenaer am heutigen Tage nicht, das Abwehrbollwerk der Hachinger zu knacken. Nach 25 Minuten mal
wieder eine schöne Einzelaktion von Orlando, aber sein Schuss aus der halblinken Position ging am langen Pfosten vorbei.
Keine 120 Sekunden später ein erster Jubelschrei im Ernst-Abbe-Sportfeld, doch leider erkannte Schiedsrichter Aarnink den
Schuss von Holwijn wegen Abseitsstellung nicht an. Herrliche Kombination in der 36. Minute zwischen Holwijn und Orlando, doch der
Versuch einer Flanke landet hinter dem Tor. Vier Minuten vor der Pause dann der Höhepunkt der ersten Halbzeit. Zunächst
hatte Orlando aufs Tor geschossen, doch sein geblockter Schuss kommt erneut hoch in den Strafraum, wo am langen Pfosten Gardawski
steht und die Kugel unter die Latte nagelt. 1:0 für Jena. Nach den Spielanteilen eine hoch verdiente Führung, denn von
den Gästen war bis dato nur sehr wenig zu sehen.
Das änderte sich auch nach der Pause zunächst nicht gravierend, denn auch in Halbzeit zwei waren die Platzherren das
spielbestimmende Team. Ralf Schmidt setzte nach 51 Minuten zu einem wunderschönen Sololauf an, bei dem er gleich mehrere Gegenspieler
locker umkurvte, doch sein Schuss aus gut 20m konnte Kampa parieren. Sekunden später erneut eine gute Chance für die Jenaer.
Gardawski probierte sich diesmal per Eckstoß, der Ball kam hoch hinein und in der Mitte springt Orlando zum Fallrückzieher ab,
doch leider ging sein Ball über den Kasten. Aber der FCC setzte nicht nach, sondern ließ fortan die Gäste mehr und mehr
ins Spiel kommen, die aber bis dato nach vorn immer noch sehr harmlos blieben. Das änderte sich schlagartig nach der Einwechslung
vom langzeitverletzten Bastian Bischoff in der 70. Minute, der nun die Jenaer Abwehrreihen beschäftige. Keine zwei Minuten waren
nach seiner Einwechslung vorbei, da stand er nach einer langen Flanke völlig frei und konnte zum Ausgleich für Unterhachinger
einköpfen. Siebzig Minuten war von den Gästen nichts zu sehen und gleich die erste Torchance konnten sie nutzen. So ist manchmal
Fußball… Aber der Treffer schien die Bayern erweckt zu haben, denn nun trauten sie sich schlagartig mehr zu und ließen die
Jenaer gar nicht mehr richtig ins Spiel kommen. So verging über eine Viertelstunde, in der es zum Ende der Partie zu keiner nennenswerten
Tormöglichkeit mehr kam. Erst wieder zwei Minuten vor Ultimo noch eine gute Möglichkeit, als der gerade eingewechselte Stefan
Kühne einfach frech aus der zweiten Reihe abzog, doch zum Pech der Jenaer konnte Kampa seinen schönen Schuss gerade noch parieren.
Sekunden vor dem Abpfiff noch eine allerletzte Chance, diesmal für Amrhein, doch auch er hatte kein Glück mehr und sein Kopfball
ging über das Tor.
Für die Hachinger am Ende ein glücklicher Punkt, während der Punkt den Jenaern zweifelsohne weniger hilft, denn von
der Tabellenkonstellation musste heute einfach ein Heimsieg her. Aber Jenas Coach René van Eck war am Ende auch mit diesem
Unentschieden zufrieden, zumal die Serie der Jenaer nun auch im zehnten Spiel noch Bestand hat.
<vg>
FC Ingolstadt - FC Carl Zeiss Jena 2:2
Tore: 1:0 Wohlfahrt (1.), 2:0 Wohlfarth (60.), 2:1 Orlando (68.), 2:2 Orlando (84.)
- Ingolstadt: Sejna; Keidel, Pisot, Fleßers, Fink; Bambara,
Metzelder, Leitl, Buchner (83. Neuendorf); Hartmann (58. Gerber), Wohlfarth
(76. Braber)
- Jena: Nulle; Wuttke, Lukimya, Lanzaat, Nagy; Benjamina (62. Amrhein),
Truckenbrod, R. Schmidt, Gardawski (89. Kühne); Holwijn, Orlando
- Zuschauer: 5353
- Schiedsrichter: Petersen (Stuttgart)
- Spielbericht
-
Fußball unmittelbar zur Osterzeit. Wie günstig, da kann man in Spielberichten
von (selbst) ins Nest gelegten Eiern fabulieren und trefflich das Motiv der
Wiederauferstehung ergreifen. Muß man aber nicht.
Man stelle sich vor, daß
Editorial des Jenaer "Anpfiff"-Heftes würde am 38. Spieltag mit dem
Satz beginnen: Mit dem VfB stellt sich zum 16. und letzten Mal in dieser Saison
ein Westklub im EAS vor. Klingt albern und wäre es auch. Die Macher
der "Schanzer News" hielten derart absurdes Kategorisieren jedoch für
angebracht und begrüßten daher mit dem FCC "zum letzten Mal
in dieser Saison einen Ostklub in Ingolstadt". Aber man hätte ja
gewarnt sein müssen, denn sollte jemals das peinlichste Titelbild
eines Stadionheftes gewählt werden, so wäre der gestrigen Ausgabe
der FCI-Postille Platz 1 unangefochten sicher. Wundern würde dies
sicher nicht, verfügt der FCI doch zusätzlich über
einen jener Stadionsprecher, die ihren Job mit dem eines mittelmäßigen
Animateurs auf einer provinziellen Dorfkirmes verwechseln. Ich bin ja sonst
kein großer Freund von Stadionverboten, aber in dem Fall...
Mit solchen Ärgerlichkeiten
konnte man sich allerdings nicht lange aufhalten, denn die nächste
ereignete sich schon eine halbe Minute nach Anpfiff. Direkt vorm Block der ca.
1200 FCC-Fans einigten sich Nagy und Lanzaat darauf, die Abseitsvariante zu
probieren, statt die Attacke zu suchen und bescherten damit Wuttke in der Mitte
ein nicht lösbares Problem. Drei Rote tauchten somit frei vor Nulle
auf und Wohlfahrt hatte keine Mühe beim 1:0, auch wenn etliche
FCC-Fans meinten, zumindest der Paß auf den Torschützen
entspräche dem Abseitstatbestand. Die Jenaer schüttelten sich
kurz und waren fortan bemüht, das Spiel unter Kontrolle zu bekommen,
diesmal wieder ohne Sievers (dafür Lanzaat)und mit Holwijn für
den gesperrten Hähnge. Die ersten beiden langen Pässe auf
Orlando konnten die Hausherren noch ungestraft foulend bzw. haltend verhindern,
was beim 3. allerdings schon nicht mehr gelang. (9.) Dafür hatte Jenas
Sturmpfeil etwas zu viel Schwung, versuchte sich an Sejna festzuhalten und sank
gemeinsam mit diesem völlig harmlos zu Boden. Sejna ist ja so etwas,
wie der Prototyp des torhütenden Mittelmaßes. Der taucht
immer mal irgendwo wieder auf, ohne daß ihn jemand bemerkt oder
anderswo vermißt. Logisch, daß der eine solche
Harmlosigkeit nutzt, um sich aufzuplustern wie ein lüsterner Pfau.
Nach gut einer Viertelstunde hatte der FCC sein Ziel, das Spiel zu beruhigen
und es zu kontrollieren, erreicht. Die Ingolstädter begannen, sich
aufs Kontern zu verlegen. Die offensiveren Akzente setzte der FCC, z. B. über
Gardawski in der 14., Orlando in der 16. und erneut Gardawski in der 20.
Minute. Ja, die Unseren wehrten sich gegen diesen unnötigen Rückstand,
den entscheidenden Erfolg verhinderten aber kleine Konzentrationsmängel
in den finalen Aktionen. Vielleicht würden ja Freistöße
helfen? Einen trat Nagy (zuvor Foul an Ralf Schmidt) von halbrechts, die Aktion
endete jedoch mit einem Abseitspfiff. Nach Foul an Orlando im linken Halbfeld,
zirkelte Gardawski den nächsten aus 30 Metern auf die lange Ecke, wo
Sejna allerdings faustend klären konnte. (23., 28.) Schon rollte der nächste
FCC-Angriff über rechts, doch Orlando mag sich nicht so recht zwischen
Schuß und Hereingabe zu entscheiden, wodurch der Ball am langen
Pfosten ins Aus geht. Nach knapp einer halben Stunde muß dann auch
Nulle mal wieder beweisen, was für ein famoser Torwächter er
ist und nach FCI-Freistoß und Schmidt-Fehler gelingt dieser Beweis
eindrucksvoll.
Dennoch, zu dieser Zeit verfügte
der FCC eindeutig über mehr Spielanteile, was vor allem einem offensiv
eindrucksvoll agierenden Schmidt zu verdanken war, ebenso einem starken Nagy
und einem emsigen Gardawski. Holwijns Spiel wirkte dagegen war zwar bemüht
aber etwas fahrig und unkonzentriert und Benyamina blieb unauffällig
(sieht man mal von seinen neuen Schuhen ab). In den Minuten 33 und 34 durfte
man sich dann darüber wundern, daß zwei grobe Fouls an
Wuttke und Benyamina kartenlos blieben. Letzteren schien das allerdings
anzustacheln, denn gleich darauf zog er von links außen nach innen,
setzte seinen 18-Meter-Schuß allerdings neben das Tor. (37.) Bis zur
Pause dominierte weiter der FCC, erst mit einem schönen Wuttke-Solo über
rechts und dann mit einem Gardawski-Freistoß von halblinks, den Sejna
nur mühevoll zu Ecke bugsieren kann. Letzter Aufreger in HZ 1 war
dann das brutale (natürlich nicht mit Gelb geahndete) Foul an RS, als
dieser nach einem FCI-Freistoß einen Jenaer Konter einleitete. (41.)
Nach dem Pausenpfiff wußte man eigentlich nicht so recht, was man
unseren Jungs (außer der mißratenen
Aktion nach 20 Sekunden) trotz des Rückstandes vorwerfen sollte. Sie
hatten das Spiel unter Kontrolle, führten die Mehrzahl der Angriffe
und hatten sich in etwa doppelt soviel bewegt wie ihre Gegenspieler. Immer und
immer wieder spielten sie aus einem starken Mittelfeld couragiert nach vorn, wo
sie dann allerdings leider die notwendige Präzision vermissen ließen.
Während wir also den deutlich höheren spielerischen und läuferischen
Aufwand betrieben, hatten sich die Gastgeber auf frühzeitiges Abwarten
-allerdings nicht ungefährlich- verlegt.
Nach einem gruseligen
Pausenspektakel glich der Wiederanpfiff einer Erlösung und Ralf
Schmidt setzte mit seinem 20-Meter-Schuß von halblinks das erste
Achtungszeichen. (46.) Kurz darauf parierte Nulle nach einem bereits
abgewehrten Ingolstädter Freistoß erneut prächtig.
(49.) Dann wieder 2 Gardawski-Aktionen über rechts. Sein erster Schuß
(nach Orlando-Zuspiel per Kopf) wurde jedoch abgeblockt (51.) Dann kommt der
Ball auf direktem Wege über Benyamina und Holwijn erneut zu Gardawski
und der zieht, halbrechts im Strafraum stehend, direkt per Außenrisst
ab. Leider etwas zu schwach und so ist Sejna noch rechtzeitig unten. (52.) Beim
anschließenden FCI-Angriff über links unternimmt dann Nulle
einen Osterausflug raus aus dem Strafraum, letztendlich erfolgreich. Nach knapp
einer Stunde ahndet der Gelbe Mann dann Holwijns Körpereinsatz mit
einem Freistoß, 35 bis 40 Meter vor Nulles Kasten. Dieser Freistoß
findet dann direkt seinen Weg in Richtung Nulle, der nur nach vorne abwehren
kann. Dort kommt Lanzaat einen Schritt zu spät gegen Wohlfahrt und
ebenso unerwartet wie unverdient steht es plötzlich 2:0.
Im Normalfall scheint ein
solches Match gelaufen. Aber was ist beim FCC schon der Normalfall? Mindestens
4 gute Gründe sprachen dafür, daß die RvE-Elf zurückkommen
würde: Erstens steht da seit einigen Wochen eine Mannschaft auf dem
Platz, die sich spielerisch und taktisch enorm weiterentwickelt hat. Zweitens
handelt es sich inzwischen wieder um ein echtes Team, das an sich und seine Fähigkeiten
glaubt. Drittens gehört zu diesem Team neuerdings ein Michael
Gardawski und mit diesem unbekümmerten Typen auf der rechten Seite hat
der FCC noch kein Spiel verloren, warum dann gerade in Ingolstadt? (Schade, daß
Gardawski nicht schon gegen Sandhausen wirbelte!) Und Viertens hat der FCC
einen Orlando Smeekes, also jene launenhafte Diva, die noch vor einiger Zeit
desorientiert durchs Paradies irrlichtete. Inzwischen scheint klar, daß
van Eck wohl genau jene Ansprache gefunden hat, die dieser extrovertierte Typ
versteht. Diesen Orlando kannst du pro Spiel zigfach wegen verlorener Zweikämpfe,
unterlassener Flanken, aussichtsloser Dribblings oder versprungener Bälle
verfluchen, aber mit seiner aufdringlichen Präsenz entnervt er
irgendwann jeden Gegenspieler. Und neuerdings macht er aus genau diesen ein,
zwei Szenen pro Spiel seine Buden. Was will man mehr?
Teil Eins der Orlando-Show
leitete Gardawski ein. Er reagiert nach einem Freistoßpfiff blitzschnell
und schlägt den Ball weit und präzise nach halblinks. Als
Keidel den Ball auf sich zukommen sieht und Orlandos Atem spürt,
werden ihm sofort die Knie weich und das sein Rückkopfball daneben
gehen würde, war absehbar. Diebisch grinsend erlief sich Jenas Stürmer
den Ball, düpierte den schwerfälligen Sejna und haspelte den
Ball ins Netz zum Anschlußtreffer. (67.) Jetzt beherrscht der FCC die
Hausherren und hat dennoch Glück, da er von einer umstrittenen
Abseitsentscheidung profitiert. (78.) Pech hat dann Wuttke, als er zunächst
auf der rechten Seite einen wunderbaren Doppelpaß mit Gardawski
spielt, sein Laufduell mit einem Ingolstädter aber fälschlicherweise
abgepfiffen wird. Was soll's, es gab ja noch Teil 2 der Orlando-Show. Zunächst
wurde Holwijn 20 Meter vor dem Tor in zentraler Position umgerissen,
folgerichtig Freistoß. Orlando läuft an. Gardawski blockt in
der Abwehrmauer eine Lücke frei. Orlando schießt, der Ball
findet den von Gardawski geebneten Weg und Sejna kann mit seinem Alibi-Flug
auch nichts mehr ausrichten - TOOOR! 2:2 (84.) Völlig verdienter
Ausgleich!
Seinen gerechten Ausgang hätte
das Spiel dann in Minute 89 finden können, als Ralf Schmidt ein feines
Zuspiel ebenso elegant mit der Brust annimmt und vom rechten Fünfmeterraumeck
volley abzieht - leider mit etwas zu viel Rücklage. Seinen ungerechten
Ausgang hätte das Spiel dann in Minute 90 finden können, wenn
Nulle nicht sensationell den letzten Ingolstädter Kopfball abgewehrt hätte.
Was mit dieser Truppe und
deren Moral tatsächlich noch zu erreichen ist - wer weiß das
schon? Für Überraschungen ist der FCC ja immer gut - auch
nach Ostern! Gute Gründe dafür gibt es genügend... <jk>
FC Carl Zeiss Jena - Kickers Offenbach 0:0
Tore: Fehlanzeige
- Jena: Nulle; Sievers, Wuttke, Lukimya, Nagy; Benyamina (53. Holwijn),
Truckenbrod (88. Ziegner), Schmidt, Gardawski (69. Amrhein); Smeekes,
Hähnge (
, 88.)
- Offenbach: Wulnikowski; Huber; Schutzbach, Heitmeier, Kopilas; Zinnow, Pospischil (63. Ulm), Pfingsten-Reddig,
Fröhlich (46. Moosmayer); Mesic, Hesse
- Zuschauer: 9431
- Schiedsrichter: Dittrich (Bremen)
- Spielbericht
-
Fünf Spiele - Fünf Siege. Wann hatte es zuletzt diese beindruckende Serie gegeben? Da müssen wir schon
in der Chronik bis ins Jahr 2006 zurückschauen. Damals schafften die Kicker des FCC sogar sechs Siege in Folge
und stiegen am Ende der Saison verdient in die 2.Bundesliga auf. Ob es den Mannen um René van Eck noch einmal
gelingen sollte, so eine Serie hinzulegen? Der sechste Sieg in Folge ist gegen die heutigen Gäste aus Offenbach
allemal möglich, zumal sich die Hessen gerade in einer kleinen Krise befinden. Aber meist sind gerade immer diese Spiele die schwierigsten.
Der FCC begann auch von Beginn an druckvoll, aber die Gäste hielten voll dagegen. Es dauerte bis zur achten Minute, bis Gardawski
mit einem Schuss aus 22m für die erste Jenaer Aktion sorgte. Aber fortan warteten beide Teams mit schönem Kombinationsfußball
im Mittelfeld auf, ohne jedoch für Torchancen zu sorgen. Ein Freistoß von Orlando (13.) landete in den Beinen der Abwehr,
Hähnge schaltete am schnellsten und bediente Lukyima, der allerdings nicht zum Torschuss kommt. Nach 19 Minuten glänzte
Gardawski mit einer herrlichen Hackenablage genau in den Lauf von Truckenbrod, doch dessen Schuss konnte Wulnikowski parieren. Kurz
darauf ließ Orlando mit zwei guten Aktionen (21./24.) sein Können aufblitzen, doch leider stand ihm bei diesen Aktionen
das Glück nicht zur Seite. Nach 24 Minuten dann die erste Möglichkeit für die Hessen durch den Ex-Jenaer Christian
Fröhlich, aber sein Schuss ging um einiges über das Tor. Der FCC erhöhte nun kontinuierlich den Druck und erspielte
sich Chance um Chance. Zunächst war es erneut Orlando, der mit seinem Schuss aufs kurze Eck in Wulnikowski seinen Meister fand.
Wenig später eine schöne Ballstafette zwischen dem überragenden Gardawaski und Schmidt, doch leider verfehlte letzterer
mit seinem Schuss das Tor. Vier Minuten vor der Pause die schönste Aktion der Jenaer in Halbzeit eins: Orlando passte nach einem
Sturmlauf von rechts flach in den Lauf von Truckenbrod, der sofort scharf und platziert aufs untere Toreck abzog, doch der Gästekeeper
war erneut zu Stelle und konnte mit einer super Parade den Rückstand gerade noch verhindern.
Auch nach der Pause machten die Platzherren weiter Druck und kamen schon in der 48.Minute zur nächsten guten Tormöglichkeit,
aber Schmidt hatte heute wirklich nicht das richtige Zielwasser getrunken und sein Schuss verfehlte erneut das Tor. In der 54.Minute
hatten die meisten Zuschauer schon den Torschrei auf den Lippen, Wulnikowski war endlich einmal nicht an den Ball gekommen, doch Orlandos
scharf geschossener Ball aus spitzem Winkel donnerte an den Pfosten. Erst nach gut einer Stunde erholten sich die Offenbacher von der
Jenaer Offensive und kamen zum ersten Mal in Halbzeit Zwei gefährlich vor das Jenaer Gehäuse. Aber die beste Möglichkeit
bot sich dem OFC in der 71. Minute, als Zinnow auf der rechten Seite bis zur Grundlinie durchstieß, aber zum Glück fand seine
flache und scharfe Hereingabe keinen Abnehmer, so dass der Ball durch den Jenaer Strafraum zischte. Aber das war es dann auch schon von
den Angriffbemühungen der Gäste, denn Orlando (80.) setzte erneut zu einem seiner vielen Sturmläufe an, aber auch mit
seinem herrlich ansatzlosen Schuss konnte er am heutige Tage Wulnikowski nicht überwinden. Fünf Minuten vor Ultimo stockte
dem Jenaer Anhang der Atem, als Hesse mutterseelenallein auf Nulle zustürmte. Doch zum Glück blieb der Jenaer Kapitän
ganz cool und machte den Winkel spitz, so dass Hesse scheiterte.
Das Spiel war nun quasi gelaufen, doch dann kam es zum eigentlichen
"Höhepunkt" der Partie. Holwijn war bis zur Grundlinie durchgestürmt, aber der Ball ging ins Aus. Wie von einer Tarantel
gestochen kam Gästekeeper Wulnikowski aus seinem Tor und ging Holwijn an. Sofort kamen andere Spieler hinzu und es kam zu einer
Rudelbildung, bei der der eine oder andere Spieler zu Boden ging. Schiedsrichter Dittrich, der mit dieser Aktion nun völlig
überfordert schien, zeigte Holwijn und Wulnikowski die Gelbe Karte und zu allem Übel sah Sebastian Hähnge auch noch
die Rote. Die Fans, Spieler und auch Verantwortlichen waren natürlich außer sich vor Wut, denn Wulnikowski hätte
mindestens ebenso die Rote Karte sehen müssen. Stattdessen schickte der Schiri nun auch noch beide Trainer auf die Tribüne,
was am Ende nun gar keiner mehr verstand. Die letzten Sekunden gingen vorbei und eine turbulente Partie war zu Ende.
Die Offenbacher werden in ihrer Situation mit diesem Punkt sicherlich zufrieden sein, doch für die Jenaer war der sechste
Sieg in Folge allemal drin. Allerdings hatten die Hessen mit Wulnikowski den spielentscheidenden Mann in ihren Reihen, der 88. Minuten
überragend hielt, aber dann mit seiner sinnlosen Aktion für solche Unruhe sorgte, dass die Jenaer in den kommenden Spielen
auf einen wichtigen Angreifer verzichten müssen, was am Ende am meisten schmerzt.<vg>
SV Werder Bremen II - FC Carl Zeiss Jena 1:2
Tore: 1:0 Artmann (42.), 1:1 Orlando (49.), 1:2 Holwijn (85.)
- Bremen: Wiedwald; Gerdes, Schmidt, Stallbaum, Perthel; Ronneburg,
Feldhahn, Kempe, Artmann (74. Enga); Thy, Furtacs (
, 90.)
- Jena: Nulle; Wuttke, Lukimya, Lanzaat, R. Schmidt; Gardawski
(86. Sievers), Kühne (27. Ziegner), Truckenbrod, Benyamina (79.
Holwijn); Orlando, Hähnge
- Zuschauer: 950
- Schiedsrichter: Beitinger (Regensburg)
- Spielbericht
- So in etwa muss der Unterschied auf einen
Championsleague-Teilnehmer wirken, der nach einem Gala-Auftritt vier Tage später
in den Bundesliga-Alltag zurückkehrt. Nach zwölfeinhalbtausend
Zuschauern am Mittwoch beim Thüringenderby musste der FCC auf einem Nebenplatz
des Weser-Stadions vor einer nicht mal vierstelligen Besucherzahl antreten. Die
Lightversion eines Drittligaspiels.
Da kann ein Trainer noch so oft betonen, dass genau wie in
Erfurt drei Punkte zu vergeben sind - die Einstellung, mit der solch ein Spiel
begonnen wird, ist eine ganz andere. Jeder Zeiss-Fan kann das an sich selbst
nachvollziehen und die Tatsache, dass nach den zurückliegenden
Erfolgswochen nur deren 300 den Weg nach Bremen fanden, belegt dies auch. Ein
gewisses Maß an Verständnis für den
offensichtlichen Druckabfall während der ersten 45 Minuten dürfen
unsere Kicker also für sich in Anspruch nehmen. Zumal in dieser
Halbzeit auch noch ein böiger Gegenwind ihren Spielaufbau massiv
erschwerte. So kam es, dass Gardawski mit einem Kopfball in der 4. Minute eine
erste Chance besaß - die folgende halbe Stunde aber keine einzige
mehr hinzu kam. Bremens lange Kerle besaßen im Mittelfeld die
Lufthoheit, taten sich in der Spielgestaltung jedoch schwer und wurden nur nach
Standards gefährlich oder wenn Jena im Vorwärtsgang
Abspielfehler unterliefen. Trieben uns Feldhahns Gelegenheiten noch nicht den
Angstschweiß auf die Stirn (sein von Nulle zur Ecke gelenkter
Flachschuss wäre ohnehin vorbei gegangen), war Perthels Geschoss aus
20 Metern und vollem Lauf schon von anderem Kaliber. Carsten Nulle lenkte es
mit toller Flugeinlage über die Latte (24.). Dessen Vorderleute
schienen noch immer nicht bei der Sache. Bei Einwürfen bietet sich
keiner an und selbst dem über alle Zweifel erhabenen Assani Lukimya
rollt als letzter Mann einmal der Ball durch die Beine.
Erst zehn Minuten vor
der Pause lassen sich auch die Jenaer mal wieder vor dem gegnerischen
Kasten sehen. Torsten Ziegner, für den verletzten Kühne frühzeitig
eingewechselt, nimmt eine Vorlage Wuttkes auf, rennt damit Richtung Eckfahne
und flankt scharf in die Mitte. Der heranpreschende Hähnge verfehlt
unter Bedrängnis das Leder knapp. Zwei Schüsse von Wuttke und
Truckenbrod noch, zaghaft wie kleine Knospen in der ersten Frühlingssonne
begann Jenas Offensivspiel aufzublühen. Die Werderaner erhöhten
derweil noch mal den Druck vor der Pause. Nach einem Eckball von der rechten
Seite konnten Nulle und ein Verteidiger noch mit vereinten Kräften klären.
In Minute 42 aber kam niemand mehr an den Ball, Artmanns Freistoß
rutschte direkt durch ins lange Eck. Bremen führte verdient mit 1:0,
da Jenas Vorstellung bis dahin einem Neujahrskater nach durchfeierter
Silvesternacht glich.
René van Eck schien in der Kabine die richtige Medizin
gefunden zu haben, denn seine Jungs kamen mit sichtbar veränderter
Einstellung aus der Pause. Schmidts Flanke nur vier Minuten nach Wiederanpfiff
verlängerte Lukimya mustergültig mit dem Hinterkopf. Über
Torhüter Wiedwald hinweg senkte sich das Leder an den Innenpfosten
und sprang dem Keeper direkt in die Arme. Ein Großteil der Zeiss-Fans
hatte diesen Ball schon drin gesehen, ihr Torjubel kam also verfrüht -
um exakt 10 Sekunden ! Denn während Wiedwald noch durchatmet, den Ball
nach vorn wirft auf der Suche nach einer freien Anspielstation, pirscht sich
Orlando in seinem Rücken an ihn heran. Jenas Stürmer hatte an
der Torauslinie noch mit fehlendem Fortune in der Szene davor gehadert, als er
plötzlich seine eigene Chance zu wittern beginnt. Listig mogelt er
sich um Bremens verdutzten Keeper herum und schießt das Leder ins
leere Tor. Der kuriose Ausgleich durch einen Orlando, dem in der ersten Hälfte
so ziemlich jede Aktion misslungen war und der damit als das personifizierte
Sinnbild zweier vollkommen unterschiedlicher Halbzeiten herhalten kann. Denn
von nun an wehte für Jena ein anderer Wind in diesem Spiel - und das
nicht nur meteorologisch gesehen ! Orlando hätte es zugunsten
der Blau-Gelb-Weißen allein entscheiden können. Den von Gardawski
adressierten, noch aufspringenden Ball bugsierte er über das
Lattenkreuz (51.), Benyaminas Vorlage schob er am langen Pfosten vorbei.
Zwischendurch scheiterte Hähnge aus 15 Metern am untröstlichen
Wiedwald und dann blieb auch Orlando nach Vorarbeit Truckenbrods am Bremer
Keeper hängen.
Jena will mehr als ein Unentschieden, doch allmählich
läuft die Zeit davon. Melvin Holwijn kommt neu ins Spiel, setzt ab der
Mittellinie zu einem unwiderstehlichen Solo an, lässt drei Bremer
stehen und zielt um Zentimeter am linken Pfosten vorbei. Noch fünf
Minuten. Ein hoher Ball in Werders Sechzehner wird nach links abgewehrt. Dort
steht wieder Holwijn, der mit Ball am Fuß ein paar Meter nach innen läuft,
abzieht - und trifft ! Spieler, Betreuer und Fans fallen sich in die Arme. 2:1,
diesen Vorsprung geben sie nicht mehr aus der Hand. An Tim Wuttke kommt auf
der rechten Seite nun niemand mehr vorbei, was den baumlangen Furtacs derart frustiert, dass
er sich hinter dem Rücken des Schiedsrichters zu einem angedeuteten
Kopfstoß hinreißen lässt. Der Assistent an der
Seitenlinie hatte es beobachtet und deshalb beendete die U23 das Spiel zu
zehnt.
Nachdem die für den Klassenerhalt erforderlichen 45
Punkte unter Dach und Fach gebracht sind, werden sich Trainer und Sportdirektor
schon mal auf Fragen nach neuen Zielen gefasst machen können. Wie immer
ihre Antwort ausfallen wird - einer Mannschaft, die solch ein Spiel wie das in
Bremen noch zieht, ist einiges zuzutrauen. Wir haben das vor Jahren schon einmal erlebt... <fc>
FC Rot-Weiß Erfurt - FC Carl Zeiss Jena 0:3
Tore: 0:1 Orlando (3.), 0:2 Hähnge (28.), 0:3 Benyamina (56.)
- Erfurt: Orlishausen; Handke (26. Stenzel), Pohl (58. Humbert),
Möckel, Ströhl (54. Pagenburg); Becker, Bölster, Rockenbach
da Silva, Hillebrand; Kammlott, Semmer
- Jena: Nulle; Sträßer (62. Wuttke), Lukimya, Lanzaat,
Nagy; Gardawski, Kühne, Truckenbrod, Benyamina; Orlando (89.
Osadchenko), Hähnge (76. Holwijn)
- Zuschauer: 12.435
- Schiedsrichter: Cortus (Nürnberg)
- Spielbericht
- In den Stadien der Republik versammeln sich jede Woche
allerlei seltsame Menschen. Gestern teilte wieder ein besonders ungewöhnliches
Geschöpf meine Nähe. Entweder hatte der Typ - nennen wir ihn der Einfachheit
halber mal Philipp - überhaupt keine Ahnung vom Fußball, was ich aber nicht
glaube. Er sah einfach nicht so aus, als würde er beim Wort Viererkette
ausschließlich an die nächste Raucherpause denken. Oder aber, Philipp hatte das
Spiel schon mal irgendwo gesehen und wußte, daß am Ende alles gut sein würde.
So, als ob sich Vati die x-te Wiederholung des 54er-Finales reinzieht, bereits
genüßlich darauf wartend, daß Rahn irgendwann schießen müßte und das auch
tatsächlich tut und sich - wie immer - das Wunder erfüllt. Bei solch
übersinnlicher Befähigung hätte mich Philipp aber sicher gewarnt, als ich mich
anschickte, mir die schlechteste Bratwurst der Fußballgeschichte zu kaufen.
Nein, so bösartig wirkte er eigentlich nicht... Die dritte, von mir inzwischen
favorisierte Möglichkeit, ist, daß Philipp an jenem Maiabend im letzten Jahr nicht da war. Er hat es einfach nicht gesehen. Ihm fehlte die
knallharte Erfahrung, wie eine Mannschaft die ohnehin verkorkste Saison in
nicht mal einer Viertelstunde gänzlich vor die Wand fahren kann. Ja, Philipp
war völlig ahnungslos! Das war es. Er freute sich am 1:0, ohne an die 87
folgenden Minuten zu denken, war nach dem 2:0 in Gedanken bereits beim Feiern
und schaute sich den Rest mit der emotionalen Besessenheit an, mit der man sich
in den 90ern einen Werbespot für Timotei-Shampoo
reingezogen hat. Nein, ohne Zweifel, er war nicht dagewesen im Mai. Und da ich
nun mal da war, war ich auch ein wenig neidisch auf Philipps naive
Bedenkenlosigkeit. Ich habe dazugelernt! Kein "Auswärtssieg!
Auswärtssieg!"-Gebrülle bei 2:0-Führung eine Viertelstunde vor Schluß, keine
verfrühten "Derbysieger"-Rufe. Nur ab und zu mal "Die Nummer 1 im Land sind
wir", aber das hatte ja auch nix mit dem Spiel gestern zu tun. Das ist
historisch gewachsen.
Dabei bekommt mein Mißtrauen gleich zu Beginn einen herben
Dämpfer. Als Kühnes Paß den blitzschnellen Orlando mustergültig erreicht, läßt
der sich nicht lange bitten und hebt den Ball über den herausstürzenden
Orle hinweg ins leere Tor. Die Führung nach nur drei
gespielten Minuten. Ein unbeschreiblicher Freudentaumel bricht los. Aber ich
reiße mich am Riemen. Die bösen Erinnerungen des letzten Frühjahrs mahnen zur
Zurückhaltung, Ihr wißt schon. Und meine Vorbehalte erhalten auch gleich wieder
ausreichend frische Nahrung, als Jena damit beginnt, ein Großkontingent guter
Möglichkeiten zu verdaddeln. Der Gardawski muß nach
17 Minuten den Ball eigentlich nur noch an Orle
vorbeischieben, macht statt dessen einen Haken mehr als gut und legt eine
Millisekunde zu spät auf Benyamina ab, so daß Erfurts Abwehr noch klären kann.
Drei Minuten später fliegt Hähnges Kopfball nach Gardawskis
Musterflanke genau in Orles Arme. Fahrlässig! Ich
fluche, Philipp lächelt überlegen. Vielleicht hat er das Spiel ja doch schon
mal gesehen...
Dann dieser Freistoß von Erfurt, bei dem Nulle zunächst am
Ball vorbeisegelt, ihn einen Moment später dann aber doch hat. "Das war knapp!"
entfährt es mir erschrocken, "Souverän!" raunzt Philipp. Ich begreife ihn
nicht... Jetzt nur den Gegner nicht stark machen. Lieber weiter nach vorn!!! Ecke
für Jena. Diesmal kommt Orle angeflogen, hat aber den
Ball am Ende genausowenig wie seine vier Kumpels auf der Linie, an denen Hähnge
- der geduldig am langen Pfosten gewartet hatte - das Leder vorbei schiebt (28.).
Waaaahnsinn! Mein Tanz fällt nun schon etwas lockerer
aus. Aber sicher sein? Lieber noch nicht. Allein Jena läßt jetzt nicht mehr
locker, entzieht der Phobie das Fundament. Erfurt steht völlig neben sich.
Getragen von 3000facher Anfeuerung tritt Orlando abermals an, wird dann aber an
der Strafraumgrenze unfair zu Fall gebracht, wobei die Strafraumgrenze
offensichtlich ein ganzes Stück in den Strafraum reicht (37.). Um das 3:0
gebracht! So ein Mist aber auch.
Die Halbzeit hätte trotzdem kaum fröhlicher sein können.
Entweder war zum Pokalfinale letztes Jahr kaum jemand im Steigerwald zugegen
oder danach hat sich kollektiver Alzheimer weiter Fankreise bemächtigt, so daß
die Sich-noch-gut-erinnern-Könnenden der Philipp-Fraktion nichts
entgegenzusetzen haben. Mein Pessimismus prallt schlichtweg ab! Meine ganzen
Lebensweisheiten will einfach keiner hören. Sowas!
Und auch der Mannschaft waren die wenigen mahnenden
Zeigefinger herzlich egal. Keine Spur von Angst. Zwar kam Erfurt mit etwas mehr
Schwung aus der Kabine, mehr als ein gefährlich getretener Freistoß durch
Becker nach knapp einer Stunde und einen Lattentreffer durch Stenzel (77.)
bekamen die Rot-Weiß-Fans aber nicht zu sehen. Im Gegenteil, die Mutter der
Unzulänglichkeiten, ich nenne sie mal Desolatia, hielt
die Rot-Weißen jetzt noch fester umarmt, so daß Benyamina zehn Minuten nach der
Pause ungehindert (also einfach geradeaus) über den halben Platz rennen und den
Ball an Orle vorbei ins lange Eck schieben konnte.
Philipp wußte es. Jetzt glaubte ich es auch langsam. Diesmal wird es keinen
Zusammenbruch geben. Die Thüringer Fußball-Welt steht wieder auf den Füßen.
"Auswärtssieg! Auswärtssieg!". Und der hätte auch noch deutlicher ausfallen
können. Allein der lange Truckenbrod-Pass auf Smeekes war für die dritte Liga deutlich zu genau, daß der
den Ball aber aus vollem Lauf auch noch sauber mitnimmt, wäre letzte Saison
allein ein Grund zum Kommen gewesen. Schade, daß sich Orlishausen
mit letztem Einsatz noch in Orlandos Schuß werfen kann (77.). Und dann noch der
schöne Konter über Holwijn, der aber viel zu lange
mit seinem Anspiel auf Smeekes rumbummelt, so daß
sich selbst Erfurts schläfrige Abwehr wieder imstande sieht, die Situation zu
klären (84.). Sehen tut das schon längst nicht mehr jeder, der mal im Stadion
war. Die Haupttribüne erstrahlt schon wieder im herrlichsten Rosa, viele Fans
des Thüringer Vizekönigs schauen wahrscheinlich schon lange den Bayern im
DFB-Pokal zu. Die, die noch da sind, höhnen gegen Hörgl.
Auf der anderen Seite tobt die Blau-Gelb-Weiße Herrlichkeit, geht eine
Laola nach der anderen durch den Block. Ein lang
herbeigesehnter Sieg, über den nach etlichen grausamen Gastspielen in der
Blumenstadt, auch in ein paar Jahren noch geredet werden dürfte.
Erfurt ist mit dem Ergebnis noch gut bedient und muß sich
jetzt ganz schön strecken, um mit dem Abstieg am Ende nichts zu tun zu haben.
Wünschen tue ich es ihnen nicht, allein in der Hoffnung, beizeiten mal wieder
so einen Abend erleben zu dürfen. Und vielleicht bin ich ja dann der Philipp
und wundere mich über all jene, die gestern nicht da waren. Von den Bratwürsten
würde ich dann aber auch keinem abraten; die Erfahrung muß jeder selber machen. <bpf>
FC Carl Zeiss Jena - Eintracht Braunschweig 2:1
Tore: 0:1 Banser (8.), 1:1 Benyamina (29.), 2:1 Gardawski (39.)
- Jena: Nulle; Sträßer, Lukimya, Lanzaat, Nagy; Gardawski
(68. Wuttke), Kühne, R. Schmidt, Benyamina (89. Petersen); Orlando
(76. Holwijn), Hähnge
- Braunschweig: Petkovic; Reichel, Henn, Dogan, Boland;
Onuegbu (46. Vrancic), Pfitzner (80. Morabit), Banser, Kragl (58.
Calamita); Kruppke, Kumbela
- Zuschauer: 7249
- Schiedsrichter: Nowak (Bottrop)
- Spielbericht
-
Kurz nach Abpfiff in der sogenannten Mixed Zone des
Ernst-Abbe-Sportfelds. In die Freude über drei Punkte mischen sich
nach Blick auf die Tabelle Journalistenfragen, ob nach drei Siegen in Folge
nicht noch gänzlich andere Ziele angestrebt werden könnten als
nur der Klassenerhalt. Doch Carsten Nulle bleibt auch diesmal cool und überlegt. "Wir sollten mal die
Kirche im Dorf lassen", diktiert er den Reportern in die Schreibblöcke und Mikrofone,
"im Januar waren wir fast tot. Da jetzt irgendwelche Dinge hinaus zu posaunen wäre
töricht. Das haben wir letzte Saison so gemacht und dann sieben Spiele
verloren. Wobei ich nichts dagegen hätte, wenn es so weiter geht. Aber
noch haben wir keine 45 Punkte."
Anfangs sah es ganz und gar nicht nach einer Fortsetzung der
kleinen Siegesserie aus. Braunschweig kam schon nach drei Minuten zu seiner
ersten Gelegenheit, die ihr Torschütze vom Dienst, Dennis Kruppke
gegen Nagy und Nulle vergab. So ähnlich hatte es für die
Jenaer gegen Kiel auch begonnen, nur mit dem Unterschied, dass sie diesmal nicht ungeschoren über
die (Anfangs-)Runden kommen sollten. Nach Kruppkes Freistoß von der rechten Außenlinie
stieg Fait-Florian Banser an der Torraumlinie am höchsten und ließ
unserem Keeper keine Chance zum Reagieren. 0:1, eine verdiente Führung,
weil die Eintracht besser ins Spiel gekommen war und die Mehrheit der Zweikämpfe
für sich entschied. Gegen ihr konsequentes Pressing bis in die Jenaer
Hälfte hinein fand der FCC zunächst kein Rezept. Erschwerend
kam hinzu, dass sich zwischen den beiden defensiven Mittelfeldspielern und den
Offensiven davor eine ungewohnte Lücke auftat, die den Aufbau geordneter
Angriffsaktionen massiv erschwerte. Infolgedessen hatte sich der Ausgleich
nach einer halben Stunde nicht unbedingt abgezeichnet, ein schönes Tor
war es trotzdem. Soufian Benyamina bekam den Ball von Ralf Schmidt in den
Strafraum serviert und lupfte ihn mit rechts über Torhüter
Petkovic hinweg in die lange Ecke. Jenas erster Treffer mit dem ersten
Torschuss - effizienter geht's nicht.
Als wenn es eines solchen Weckrufes bedurft hätte,
drehten die Jenaer nun richtig auf. 36. Minute, der starke Gardawski spielt
Orlando an. Dem wirft man vielleicht nicht zu Unrecht vor, gern mal zu
eigensinnig ohne Blick für den Nebenmann zu agieren. Nicht so aber in
dieser Szene. In einer Position, aus der er selbst hätte den Abschluss
suchen können, übersah er den noch besser postierten
Sebastian Hähnge nicht. Jenas Stürmer schoss sofort, Petkovic
war geschlagen, doch der rechte Pfosten verhinderte die Jenaer Führung
zu diesem Zeitpunkt. Keine vier Minuten später
gibt es den ersten Eckball des Spiels. Petkovic faustet ihn aus dem Strafraum,
von wo aus aber wieder Orlando loszieht. Dessen Flanke von der rechten Seite
fliegt hinüber in die linke Strafraumhälfte, wird von Michael
Gardawski volley genommen und aus sieben, acht Metern direkt ins Netz befördert.
2:1, das Stadion tobt. Gar nicht auszudenken, wenn vor der Pause noch der
dritte Jenaer Treffer gefallen wäre. Die Möglichkeit dazu war
da, als Kühne nach Vorarbeit Gardawskis aus sechs Metern aufs Tor
schoss, Henn und Petkovic mit vereinten Kräften gerade noch so klären
konnten. An der Leistung Stefan Kühnes lassen sich die zwei
unterschiedlichen Gesichter dieser ersten 45 Minuten anschaulich beschreiben.
Gerade er hatte anfangs riesige Probleme, allein zwischen der 16. und 19.
Spielminute registrierten wir von ihm fünf unglückliche
Aktionen voller Verunsicherung. Und nun, kurz vor der Pause, gewinnt er plötzlich
jeden seiner Zweikämpfe und wäre um ein Haar noch zum Torschützen
geworden.
Es war zu vermuten, dass die zweite Halbzeit nicht so
losgehen würde, wie die Erste geendet hatte. Braunschweigs Trainer
Torsten Lieberknecht ("Ich habe schon vor der Saison Jena als
Aufstiegskandidaten gesehen") hatte seine Elf wieder auf Kurs gebracht,
wenngleich den Aktionen der Norddeutschen das letzte Bisschen an
Entschlossenheit fehlte. Klar, sie waren häufiger in Ballbesitz, doch
trafen sie auf eine nun kompakter stehende Jenaer Hintermannschaft mit einem
wiederum überzeugenden Assani Lukimya in deren Zentrum. Einziger
Wermutstropfen war nur die fünfte Gelbe Karte für
Ralf Schmidt, für den das Thüringenderby damit nur von
der Tribüne aus stattfinden darf. Da auch der FCC dem Dortmunder Spiel
vom Mittwoch kräftemäßig ein wenig Tribut zollen
musste, gab es nach der Pause so gut wie keine Tormöglichkeiten mehr.
Den ersten Schuss aufs Gästetor gab Orlando mit einem Freistoß
in Minute 71 ab. Auf der Gegenseite dauerte es noch fünf Minuten länger,
ehe Calamita aus 16 Metern das Nulle-Gehäuse knapp verfehlte. Dies
sollte jedoch die einzige Schrecksekunde bleiben, weil die in Rückstand
liegenden Braunschweiger erstaunlicherweise auch in der Schlussphase ein höheres
Risiko scheuten. Der Ausflug ihres Torhüters Petkovic während
der Nachspielzeit in den gegnerischen Sechzehner vermochte darüber
nicht hinweg zu täuschen. So blieb es bis zum Schluss beim knappen und
verdienten Jenaer Sieg, den die Elf in Blau-Weiß mit einem von ihr so
noch nicht beobachteten Jubelkreis feierte.
Zurück in der Mixed Zone. Auch Carsten Sträßer,
mit Töchterchen Felicia Sophie auf dem Arm, stellt sich den Journalistenfragen.
Spricht von einer gefestigten Jenaer Mannschaft, in der Einer für den
Anderen einsteht. Und blickt vier Tage voraus: "Gegen Erfurt haben wir einiges
gut zu machen !". Jenas Anhänger werden ihn beim Wort nehmen. <fc>
Borussia Dortmund II - FC Carl Zeiss Jena 0:3
Tore: 0:1 Orlando (13.), 0:2 Nagy (32.), 0:3 Orlando (45., FE)
- Dortmund: Höttecke; Evers, Hünemeier, Neumeister,
Kaptan (
, 45.); Großkeutz (46.
Kandziora), Koch, Tyrala, Piossek (72. Oscislawski), Nottbeck; Kullmann
(62. Hille)
- Jena: Nulle; Wuttke, Lukimya, Lanzaat, Nagy; Gardawski (61.
Holwijn), Kühne, R. Schmidt (74. Truckenbrod), Benyamina; Hähnge,
Orlando (79. Sievers)
- Zuschauer: 1256
- Schiedsrichter: Kampka (Mainz)
- Spielbericht
- (von Gastkommentator Tobias Häfner)
Vergessen sollten sie nun endgültig sein sein, die endlosen Diskussionen in den Fußballforen
um Schnee, Matsch und Rasenheizungen - das Gastspiel in der klassischen Fußballarena
direkt neben dem "Signal Iduna Park" fand bei herrlichem Vorfrühlingswetter statt.
In der Startelf unserer Mannschaft nur die eine bereits vorher vermutete Veränderung -
für den gesperrten Carsten Sträßer rückte erwartungsgemäß Tim Wuttke auf die
Position des Rechtsverteidigers, Ralf Schmidt dagegen konnte entgegen aller Befürchtungen
im Vorfeld des Spiels auflaufen.
Die ersten Offensivaktionen kamen von unserem Team.
Hähnges Kopfball konnte jedoch der Dortmunder Torhüter Höttecke mühelos
aus der Luft pflücken und Orlando verpasste einen gut getimten Paß
von Stefan Kühne. In der 6. Minute die erste richtige Chance jedoch auf
der anderen Seite. Einen Flachschuß aus 14 Metern Entfernung konnte jedoch
Nulle parieren. Dennoch nahm nun unser Team mehr und mehr das Heft des Handelns
in die Hand und bereits in der 13. Minute wurden die ersten Früchte dieses
Engagements geerntet. Wieder wurde Smeekes steil von Kühne geschickt und
dieses Mal ließ er sich die Chance nicht entgehen und versenkte den Ball eiskalt.
In der 16. Minuten prüfte Tim Wuttke den Torhüter der schwarz-gelben mit einem Schuß
von der Außenposition.
4 Minuten später nach längerer Zeit mal wieder der Gastgeber mit einer Torraumszene,
doch der scharf angeschnittene Freistoß des einst von uns umworbenen Tyrala
wird von jedermann verpasst und landet hinter dem Tor.
Danach verlagerten sich die Torgelegenheiten wieder vor das andere Gehäuse.
Zunächst geht ein Freistoß von Orlando aus 28 Metern noch recht deutlich
übers Tor. Aber mehr und mehr wird nun deutlich das vor allem in punkto Zweikampfverhalten unsere Mannschaft den Gastgebern deutlich überlegen war. Vor allem Lukimya, Kühne und Wuttke blieben nahezu in jedem defensiven Zweikampf Sieger. Aber auch offensiv sah das richtig gut aus. Kein schleppendes Aufbauspiel wie man es noch viel zu häufig in der Hinrunde beobachten musste, sondern meistens wurde schnell und schnörkellos nach vorn gespielt.
Die nächste Chance aus einem solch zügig nach vorn getragenen Angriff hatte Gardawski
auf dem Fuß der mit einem Schuß aus halbrechter Position Höttecke zu einer
tollen Parade zwang. Das nächste Beispiel - Orlando am Seitenaus in Höhe der Mittellinie
scheinbar von viel zu vielen Dortmundern bedrängt. Jedoch weiß er sich daraus
zu befreien und legt ein wahres Zaubersolo hin bis er 10 Meter von dem Strafraum
unsanft gestoppt wird. Den folgendes Freistoß schlug Nagy mit viel Effet und
scheinbar so verwirrend das der Ball - wie später bestätigt wurde
ohne Freund- und Feindberührung - plötzlich im Netz zappelte. 0:2 nach 32 Minuten !
Aber unsere Jungs hatten in dieser bärenstarken ersten Halbzeit noch nicht
genug. In der 35. Minute ist bei einem Flachschuß von Orlando der Dortmunder
Keeper rechtzeitig ab Boden. In der 40. Minute wieder Orlando - sein gefühlvoller
Linksschuß verfehlte jedoch knapp das Tor. Eine Minute vor Pausenpfiff
ein mustergültiger Konter eingeleitet von Hähnge, dann sieht der wieder auf
und davon gesprintete Orlando den mitgelaufenen Wuttke. Offenbar kurz hinter der
Strafraumlinie wurde Wuttke aber vom Dortmunder Kaptan niedergemäht.
Eine hundertprozentige Torchance verhindert, die folgerichtige Entscheidung war
Rot für den schwarz-gelben Außenverteidiger und Elfmeter. Orlando schnappt sich den
Ball und schoß scharf und platziert, auch war der Dortmunder Torwart in der falschen Ecke.
Pausenstand also 0:3 und die folgenden 15 Pausenminuten wurden bei dem einen
oder anderen der ca. 150 mitgereisten FCC Anhänger zum Anlaß genommen die
Gedächtnisprotokolle zu verifizieren nach einer letzmaligen Pausenführung mit
3 Toren Unterschied. Auflösung : beim Studium alter Spielberichte auf dieser Website
muss man bis zur Saison 2003/2004 zurückblättern ;-)
2 Minuten nach Wiederanpfiff gleich die erste dicke Chance um das vierte
Tor zu erzielen, den Schuß von Benyamina lenkt Höttecke mit den Fingerspitzen
übers Tor. Aber mit fortschreitender Spielzeit sind nennenswerte Torszenen
nun rarer gesät. Die Dortmunder versuchten mit viel läuferischem Einsatz
ihre Unterzahl auszugleichen. Das gelang ihnen auch nun leidlich - aber
der Versuch mit kurzen, flachen Pässen unsere Abwehr auszuhebeln scheiterte
meistens so 5 Meter vor der Strafraumgrenze. Erwähnenswert lediglich
in der 60. Minute ein Kopfball nach einem Freistoß an dem Nulle mit den Fingerspitzen
dran war. Auf die gleiche Art und Weise klärte Nulle in der 77. Minute nach einem
Schuß aus spitzen Winkel. Beim Lattentreffer der Gastgeber in der 88. Minute
zeigte der Schiriassistent bereits Abseits an.
Auf der richtigen Seite gab es ebenfalls noch einige Chancen den Vorsprung
sogar noch auszubauen. So in der 62. Minute eine gute Kopfballchance von
Lukimya nach Ecke von Nagy. 3 Minuten später zwingt Hähnge den guten Dortmunder
Keeper zu einer Fußparade. In der 85. Minute prüfte Truckenbrod am Ende
einer schönen Kombination über Hähnge und Benyamina nochmals Höttecker.
Sicher war die zweite Halbzeit offensiv nicht mehr so zwingend wie
die 45 Minuten vor der Pause. Geschenkt - und irgendwie auch legitim aufgrund der vielen
anstehenden englischen Wochen. In Gefahr geriet der sichere Sieg aufgrund der
aufmerksamen Defensive nie.
FC Carl Zeiss Jena - Holstein Kiel 3:0
Tore: 1:0 Lukimya (32.), 2:0 Orlando (41.), 3:0 Hähnge (74.)
- Jena: Nulle; Sträßer, Lanzaat, Lukimya, Nagy; Gardawski
(76. Holwijn), Kühne (66. Truckenbrod), R. Schmidt, Benyamina; Hähnge
(89. Wuttke), Orlando
- Kiel: Frech; Lamprecht, Müller, Boy, Jürgensen (

, 88.);
Schüßler (4. Siedschlag), Vujcic, Jerat, Meyer; Sykora (57. Holt),
Cannizaro (70. Wulff)
- Zuschauer: 5205
- Schiedsrichter: Osmers (Hannover)
- Spielbericht
-
Holstein Kiel war mit beachtlichem Etat und daraus
resultierenden Erwartungen in die Saison gestartet. Schnell fand sich der
Neuling jedoch auf dem Boden der Realität wieder und derzeit auf einem
der Abstiegsränge. Das 1:6 in Bremen vor einer Woche wurde auf der
vereinseigenen Homepage als Tiefpunkt der Auswärtsmisere bezeichnet.
Solch einen Kontrahenten kann man als angeschlagenen Boxer ansehen, der umso
gefährlicher ist, je mehr er sich in die Ecke gedrängt fühlt.
Oder man kann ihn unterschätzen. Welche Einstellung würde
sich die Jenaer Elf zueigen machen ?
Positiv war schon mal, dass sie in der selben Formation
auflaufen konnte wie beim überzeugenden Auftritt gegen Osnabrück.
Der angeschlagene Ralf Schmidt hatte beim Abschlusstraining grünes
Licht gegeben und stand die neunzig Minuten durch. Die Anfangsphase freilich
hielt einem Vergleich mit jener gegen den VfL nicht stand. Zwar besaß
Orlando nach fünf Minuten die erste Chance im Spiel, als er gezwungen
war, aus eher ungünstiger Position abzuschließen, weil
keiner seiner Mitspieler mitgekommen war. Alles in allem aber konnte sich der
Gastgeber glücklich schätzen, nach zwanzig Minuten nicht in Rückstand
zu liegen. Da Lanzaat gegen Canizzaro das Nachsehen hatte, lief der bei Erfurt
ausgemusterte Kieler Stürmer in Minute 15 unbedrängt auf
Carsten Nulle zu. Unser Keeper, gerade erst zum Torschützen des Monats
nominiert, warf sich ihm mit Erfolg entgegen und zeigte, dass er nicht nur
offensiv, sondern auch defensiv zu überzeugen weiß, wie sein
Trainer nach dem Spiel flachste. Da auch Jerat mit einem Freistoß am
Jenaer Kapitän scheiterte und Sykoras Ablage nach einer Unsicherheit
in der Thüringer Hintermannschaft nicht ankam, überstand der
FCC die Anfangsperiode mit etwas Glück unbeschadet. Nach vorn lief zunächst
nicht viel zusammen. Schon zweiundzwanzig Minuten waren vorbei, als Kiels
Schlussmann Michael Frech mittels Faustabwehr das erste Mal eingreifen musste.
Die Jenaer Führung, sie fiel wie so häufig in den letzten
Wochen aus einer Standartsituation heraus. Assani Lukimya hatte vor Wochenfrist
beim Torerfolg seines Keepers genau hingeschaut und köpfte einen
Freistoßball von Nagy in die Maschen. Dass der Freistoßpfiff
zuvor durch Schiedsrichter Osmers eher geschenkt war, muss kein schlechtes
Gewissen bereiten. Auch auf der Gegenseite gabs hier und da umstrittene
Entscheidungen.
Vielleicht reagierten die "Störche" eine Spur zu passiv
auf die neue Spielsituation, indem sie hinten drin blieben und auf Jenaer
Angriffe warteten statt selbst welche zu initiieren. Andererseits muss man
vielleicht auch Verständnis für ihre Situation haben. Nach
der Klatsche gegen Werders U23 hatten sie hier passabel begonnen, sich auch von
der schweren Verletzung ihres Mittelfeldspielers Schüßler
(Verdacht auf Kreuzbandriss) nicht aus dem Konzept bringen lassen und lagen
dennoch schon wieder im Rückstand. Als sie dann doch nochmal versuchten,
vor der Pause den Ausgleich zu erzielen, liefen sie prompt in einen
Konter. Nagy schlug aus der eigenen Hälfte einen weiten Pass auf
Orlando. Dem war bis dahin noch nicht viel gelungen, doch jetzt machte er
alles richtig. Vom Ex-Jenaer Robert Müller nicht einzuholen, schob der
schnelle Holländer das Leder an Frech vorbei zum 2:0 über die
Linie. Ohne geglänzt zu haben, lag der FCC zur Pause mit scheinbar
beruhigenden zwei Toren in Front. Wann hatte es dies zuletzt gegeben ?
Der Schuss von Florian Meyer, einem der Besten in den Reihen
der Holsteiner, nur zwei Minuten nach dem Wechsel sollte sich als Kieler
Strohfeuer erweisen. Mit "Schüsschen, Eckbällchen und Freistößchen"
(O-Ton Christian Wück) war den Jenaern nicht beizukommen. Und so
lehnte der Gästecoach phasenweise selbst resigniert an der
Trainerbank. Während das Dutzend Gästefans, welches aufgrund des
Nachholtermins die weite Strecke womöglich zum zweiten Mal
innerhalb weniger Tage auf sich genommen hatte, eine nun deutlich überlegene
Jenaer Elf zu sehen bekam. Welch tolle Aktion war das zum Beispiel in Minute
62, als Orlando gleich zwei Gegenspieler düpierte und eine feine
Vorlage für Hähnge zustande brachte. Der schoss sofort aus
der Drehung und zwang Frech zu einer spektakulären Parade. Drei
Minuten später wurden die Rollen getauscht. Hähnge spielte
den Vorbereiter für Orlando, welcher sich hinterher maßlos ärgerte,
in dieser Szene den Ball am langen Pfosten vorbei geschoben zu haben. Ein Happy
End gab es dennoch für beide, denn nach Orlando in Hälfte
eins kam auch Sebastian Hähnge noch zu Torehren. Sein Antritt ab Mitte
der gegnerischen Hälfte, das Täuschungsmanöver, dann
der Schuss mit dem linken Außenrist aus 18 Metern genau ins
Dreiangel war nach Meinung aller das
schönste Tor des Tages. Mit solchen Aktionen lässt Jenas Stürmer
auch seine letzten Kritiker auf den Rängen für hoffentlich längere
Zeit verstummen.
Dem Schiri saßen mit zunehmender Spielzeit die Karten allzu locker. Das mit Gelb geahndete Foul von Jürgensen kurz vor
Schluss war genauso wenig verwarnungswürdig wie das von Carsten Sträßer
eine halbe Stunde zuvor. Für den Jenaer war es die fünfte
Gelbe in dieser Saison, für den Kieler die zweite im Match. Als
Konsequenz müssen beide beim nächsten Mal zuschauen.
Drei Punkte zum 50. - wer Mannschaftsleiter Uwe Dern kennt,
der weiß, dass ihm die Mannschaft kein schöneres
Geburtstagsgeschenk hätte bereiten können. Auch von
dieser Stelle aus herzlichen Glückwunsch, Uwe und alles Gute fürs nächste
halbe Jahrhundert ! <fc>
FC Carl Zeiss Jena - VfL Osnabrück 1:1
Tore: 0:1 Barletta (72.,HE), 1:1 Nulle (90.+2)
- Jena: Nulle; Sträßer, Lanzaat, Lukimya, Nagy; Gardawski, Kühne, R.Schmidt (82.Kolb),
Benyamina; Hähnge, Orlando
- Osnabrück: Berbig; Engel, Barletta, Nickenig (

, 75.),
Tauer; Pinheiro, Heidrich (61.Schmidt); Siegert, Lejan (64.Grieneinsen), Kotuljac (76.Stang), Lindemann
- Zuschauer: 5694
- Schiedsrichter: Thomsen (Kleve)
- Spielbericht
-
Der FCC empfing den Spitzenreiter Osnabrück, Weiß gegen Schwarz (nach den Trikotfarben), wie beim Schach. Und in den ersten
45 Minuten boten beide Mannschaften auch gepflegtes Rasenschach - taktisch diszipliniert, vorsichtig, unbedingt ein Gegentor vermeiden
wollend, ohne große Aufregungen. Der FCC wählte dabei - trotz Doppelspitze mit zwei offensiven Außenbahnen - eine
geschlossene Eröffnung, die auch den gewünschten Erfolg brachte. Aus einer sicheren Abwehr heraus suchte man mit gepflegten
Pässen den Mitspieler und ließ dem Ligaspitzenreiter - der eigentlich im gesamten Spiel seine Auswärtsschwäche
bewies - im Mittelfeld keinen Raum für den eigenen Aufbau. Die einzigen Ausnahmen bildeten die 35. und die 39. Minute: Nach einem
misslungen Tackling Nagys starteten die Gäste einen schnellen Angriff über rechts, in dessen Ergebnis Pinheiro an die Latte
des Jenaer Tores köpfte. Der FCC "revanchierte" sich nach einer Ecke, als Lanzaats Kopfball von einem Osnabrücker noch am Tor
vorbeigelenkt werden konnte. Trotzdem war der FCC im Vergleich zu den vorigen Heimspielen nicht wiederzuerkennen. Es waren die kleinen
Ungenauigkeiten, die Zählbares für den FCC verhinderten, obwohl man mit kleinen Nadelstichen den Favoriten einige Male ärgern
konnte. Dabei rückte Orlando in den Mittelpunkt: Entweder er stand im Abseits (20., 21. min) oder der Ball wurde auf dem
nassen Rasen zu schnell (22.) oder er war einfach zu überrascht, als ihm am langen Pfosten der Ball vor die Füße
fiel (30.). Positiv fiel das gute Zusammenspiel zwischen Hähnge und Gardawski auf. Nicht zu übersehen war bereits in der
erste Halbzeit die Unart der Gäste, bei Ballverlust am Boden liegen zu bleiben - gegen Ende des Spiels wurde diese Theatralik
durch Bodenpirouetten und Schmerzensschreie ergänzt - und auf das Wohlwollen des Referees zu hoffen.
Die Spieler des FCC hatten dann gemerkt, dass heute mehr drin war als nur eine Schadensbegrenzung und so startete man nach der Pause
deutlich offensiver. Vor allem Benyamina, der vor der Pause etliche Fehlabspiele bot, zeigte sein Stürmerblut. So in der 48. min
als er den Verteidiger mit einem Haken alt aussehen ließ und den Ball an die Lattenunterkante hämmerte. Den zurückspringen
Ball konnte Schmidt leider nicht mehr ins Tor drücken. Dann versuchte es Orlando über links, scheiterte jedoch am Verteidiger (53.).
Benyamina testete Berbigs Reflexe mit einem Schuss aus etwa 8 Metern Entfernung (56.), bevor Orlando kurz danach mit einem Sprint mit Ball
drei Osnabrücker in Verlegenheit brachte. Diese lösten das Problem mit einem Foul kurz vor der Strafraumgrenze, dass Schiedsrichter
Thomsen jedoch nur mit "Gelb" ahndete. "Rot" wegen Notbremse wäre die richtige Entscheidung gewesen! Den Freistoß selbst vergab
Orlando kläglich, in dem er ihn gefühlvoll mitten in die Mauer setzte. Einige Minuten später zeigte sich Orlando zu
egoistisch, als er lieber allein einen Schuss versuchte, anstatt den besser stehenden Gardawski mit einem Steilpass zu bedienen.
Der
FCC hatte den VfL in fester Umklammerung und ein Tor schien nur eine Frage der Zeit zu sein. Das fiel dann auch in der 72. min per
Foulstrafstoß: Nach einer Ecke versuchte sich Orlando so deutlich als Handballer, dass der Referee gar nichts anderes als
Elfmeter entscheiden konnte. 1:0 für Osnabrück - das Spiel nach der Pause war auf den Kopf gestellt! Der FCC ruckte noch
einmal an, alle knieten sich mit doppeltem Eifer rein, Orlando warf sich in einen Abschlag Berbigs und so ergab sich für Hähnge
die Chance, mit Ball am Fuß in den Strafraum einzudringen. Wieder kam die Notbremse zum Einsatz, gefühlt auf der
Strafraumgrenze - aber anstatt Strafstoß und Feldverweis entschied Thomsen, der von dieser Szene an völlig den Überblick
verlor, auf Freistoß und gab Nickenig nur "Gelb" (75.)! Lediglich die Tatsache, dass es bereits dessen zweite Verwarnung war,
beförderte ihn vom Feld. Der Freistoß brachte nichts ein (diesmal versuchte sich Nagy), aber von da an brannte die Luft im
Stadion. Die Gäste versuchten mit langen Bällen nach vorn und übelsten Schauspieleinlagen die den Vorsprung über
die Zeit zu retten, der FCC rannte mit aller Macht an. Der Schiedsrichter - bis zur 75. min zwar kleinlich, aber dies auf beiden
Seiten - verteilte nun munter Freistöße für die Gäste und Verwarnungen an Schmidt, Sträßer und
Lukimya für Peanuts und animierte so das Publikum. Der FCC schien sich vergeblich zu bemühen, entweder das Außennetz
(Orlando, 86.) oder Berbig (gegen Gardawski, 87.) waren jeweils Endstation. Nulle verhinderte zwischenzeitlich bei einem VfL-Konter
das entscheidende 0:2, als er einen Schuss aus Nahdistanz parierte. Schlussminute, Eckball für Jena, Nulle ging mit vor - nichts.
Nachspielzeit, weiterer Eckball für den FCC, wieder war Nulle vorn. Gardawski tritt die Ecke und aus der Ansammlung von 22 Spielern
schraubte sich ein gelbes Trikot einen gefühlten halben Meter über den Rest der Meute und köpfte in bester Stürmermanier
unhaltbar zum Ausgleich ein! Nulle als Torschütze - er lässt in dieser Saison wirklich nichts aus!!!
Vor dem Spiel wären viele sicher mit einem Punkt gegen den Spitzenreiter zufrieden gewesen, nach dem Abpfiff haderte
man ein klein wenig mit den vergebenen zwei Punkten. In jedem Fall bot der FCC die beste Heimleistung seit einem halben Jahr und
wusste endlich auch einmal spielerisch zu überzeugen. <uk>
Fotos von Jens Weißenburger
"Unglaubliches Spiel in Jena" - der Bericht auf vfl.de
FC Carl Zeiss Jena - FC Erzgebirge Aue 1:0
Tore: 1:0 Hähnge (88.)
- Jena: Nulle; Sträßer, Wuttke, Lanzaat Nagy; Gardawski (75. Benyamina), Kühne,
R. Schmidt, Kolb (65. Amrhein); Orlando (90.+3 Truckenbrodt), Hähnge
- Aue: Männel; Klingbeil, Kos, Paulus, le Beau; Stark, Hensel,
Curri (46. Klotz), Hochscheidt (78. Müller); Ramaj, Braham (70. Glasner)
- Zuschauer: 7206
- Schiedsrichter: Valentin (Taufkirchen)
- Spielbericht
-
Derbyzeit in Jena. Innerhalb weniger Tage haben die Männer um René van Eck zwei eminent wichtige Derbys vor der Brust.
Am heutigen Tag kamen die Veilchen aus Aue ins Jenaer Rund und bereits am Donnerstag geht die Reise des FCC zum 40 km entfernten
Nachbarn aus Thüringen. Aber da die letzten Derbys der Jenaer alles andere als erfolgreich waren, so sollte heute unbedingt ein Sieg gelingen.
Die Platzherren waren auch sofort bemüht, das Zepter des Handelns in die Hand zu nehmen. Bereits nach fünf Minuten die erste Chance
für den FCC durch Hähnge, doch leider verfehlte er mit seinem Schuss aus der Drehung das Tor nur knapp. Wenig später erneut
eine gute Möglichkeit für den Jenaer Stürmer, aber nach Flanke von Schmidt stand er zwar goldrichtig, traf aber er den Ball
nicht richtig. Die Gäste versteckten sich keinesfalls und kamen in der achten Minute zu ihrer ersten Chance. Einen hoch getretenen
Freistoss verpassten alle Spieler im Strafraum, so dass der Ball an Freund und Feind vorbei zischte und um Zentimeter das Tor verfehlte.
Ein Kopfball vom völlig freistehenden Najeh Braham (18.) hätte die Führung der Auer bedeuten können, denn auch hier
fehlte nur wenig. Trotz der noch immer torlosen Begegnung sahen die 7200 Zuschauer eine hart umkämpfte Partie, bei der sich beide
Teams keinen Zentimeter des Rasens schenkten. Nach gut einer halben Stunde (32.) dann der schönste Spielzug der Platzherren bis
dato. Schmidt hatte mit einem Steilpass auf Hähnge gepasst, der aber zu lange brauchte, den Ball unter Kontrolle zu bringen -
Querpass auf unseren Neuzugang Gardawski, der zum kurzen Sololauf ansetzte, seinen Gegenspieler umkurvte und mit einem mustergültigen
Querpass vors Tor auf Orlando passte. Die meisten Fans hatten bereits den Jubelschrei auf den Lippen angesichts dieser 100% Torchance,
doch Orlando brachte das Kunststück fertig, den Ball aus Nahdistanz Gästekeeper Männel vor die Brust zu schießen.
Auch nach der Pause das gleiche Spiel. Beide Teams fighteten um jeden Ball und die ein oder andere Gelbe Karte blieb nun auch nicht mehr
aus. Zum Ärger der Jenaer traf es auch Tim Wuttke, dem nun durch seine fünfte Karte nur die Rolle des Zuschauers beim Thüringenderby
bleibt. Die erste nennenswerte Möglichkeit der zweiten Halbzeit gehörte den Gästen, doch Nulle konnte einen gefährlichen
Flachschuss von Hochscheidt zur Seite klären. Drei Minuten später hätte Braham erneut für die Führung der Veilchen
sorgen können, doch glücklicherweise konnte er aus Nahdistanz seine Chance nicht nutzen. Schnell ausgeführter Gegenzug der
Jenaer mit einem schönen Steilpass auf Hähnge, der von halb links aufs Gästetor zustürmte. Es folgte ein kurzer Schwenk
nach rechts und anstatt nun sofort zu abzudrücken, entschied er sich erneut für einen Schwenk diesmal nach links, wodurch er sich
selber den Winkel zum Tor so verkürzte, dass sein anschließender Schuss für Männel keine Gefahr mehr darstellte. Der
Druck der Jenaer Mannschaft nahm nun stetig zu und der FCC drehte sein Eckenkonto nach oben. Nur leider wollte noch immer kein Tor gelingen.
Beim 13. Eckball! der Thüringer hätte es dann fast geklappt, doch leider verfehlte Wuttke mit seinem wuchtigen Kopfball nur ganz
knapp das Tor. Zehn Minuten vor Ultimo sorgte die mittlerweile 15. Ecke der Jenaer (Endstand 17:3) erneut für große Gefahr im
Strafraum der Gäste, doch Ramaj konnte den Kopfball vom eingewechselten Benyamina noch auf der Torlinie klären. Die letzten
Minuten plätscherten so dahin und beide Teams hatten sich eigentlich schon mit einem Unentschieden abgefunden. Doch es gab in der
88. Minute noch einmal Freistoß für den FCC. Nagy flanke platziert nach innen und dort schraubte sich Hähnge am höchsten
und traf per Hinterkopf zum viel umjubelten Führungstreffer. Die Auer warfen in den wenigen verbliebenen Minuten noch einmal alles nach
vorn, doch die Jenaer ließen sich am heutigen Tage diesen hoch verdienten Sieg nicht mehr nehmen.
Nach derben Pleiten in den letzten großen Derbys ist es dem FCC endlich mal wieder gelungen, ein so wichtiges Prestigeduell
zu seinen Gunsten zu entscheiden. Nun gilt es die Kräfte zu bündeln, um beim zweiten Traditionsduell am kommenden Donnerstag
erneut als Sieger den Platz zu verlassen. <vg>
FC Carl Zeiss Jena - SV Sandhausen 0:1
Tore: 0:1 Dorn (44.)
- Jena: Nulle; Sträßer, Lanzaat (53. Eckardt), R. Schmidt;
Wuttke, Truckenbrod, Ziegner (87. Kühne), Orlando (75. Mayombo);
Kolb, Hähnge
- Sandhausen: Kirschbaum; Bindnagel, Tausenpfund, Glibo, Mintzel;
Pinto (90. Throm), Hillenbrand, Jungwirth, Schauerte (74. Öztürk);
Cenci, Dorn (90. Hosiner)
- Zuschauer: 5513
- Schiedsrichter: Dr. Kunzmann (Bad Hersfeld)
- Spielbericht
-
"Meine Spieler sind so heiß im Training, dass ich
Angst hatte, der Rasen könne verbrennen." - Sprüche wie
dieser von René van Eck wecken nach dem Jahreswechsel Erwartungen, die
vielleicht ein paar Zuschauer mehr ins winterkalte Stadion locken, dann aber auch
erfüllt werden wollen. Im Falle eines Misserfolgs nämlich können
einem die Zitate auch buchstäblich um die Ohren fliegen.
Den Auftakt dieses Nachholspiels bildete ein Kopfball des
aufgerückten Lukimya-Mulongoti nach Freistoß Ziegners. Gäste-Torwart
Kirschbaum zeigte sich auf dem Posten (3.). Ansonsten war es ein gemächlicher
Beginn, zu dem die Theatralik nicht passen wollte, mit der sich die
Sandhausener Spieler jedes Mal auch nach harmlosen Fouls auf dem Rasen wälzten.
Das nahm ein Ende, als sie die erste Gelbe Karte des Spiels für Wuttke
provoziert hatten. Am Schiedsrichtergespann allerdings sollten sich im Laufe
der Partie noch häufiger die Gemüter erhitzen.
Sportlich tat sich zunächst wenig und wenn, dann
in der Gästehälfte. Nach siebzehn Spielminuten
spielte Ziegner schön in den Lauf des überraschend in die
Anfangself gerückten Kolb. Dieser flankte von der rechten Seite vors
Tor, wo Hähnge zunächst einen Schritt zu spät kam.
Der von links heranbrausende Orlando kam zwar noch zum Schuss, mehr als ein
Eckball sprang aus spitzem Winkel jedoch nicht heraus. Szenenapplaus gab es für
Carsten Sträßer sieben Minuten später, als er einen
schon verloren scheinenden Ball zurück eroberte. Hier bekam man einmal
einen Ahnung von dem, was van Eck gemeint haben könnte. Doch die Regel
war das leider nicht. Wie oft musste ein Spieler den Einwurf bis zum letzten
Moment hinauszögern, weil die eigenen Mannschaftskameraden bei ihren
Gegenspielern stehen blieben anstatt sich frei zu laufen ! Orlandos nächste
Aktion - nach energischem Antritt übersah der Holländer den
freistehenden Landsmann Lanzaat am Elfmeterpunkt - war Jenas letzte Gelegenheit
vor der Pause. Und die Gäste ? Erspielten sich ihre erste Chance eine
Minute vor dem Halbzeitpfiff. Einen mit dem Kopf verlängerten Ball
nimmt Neuzugang Cenci gekonnt mit der Brust an, leitet ihn sauber mit der Hacke
weiter und bringt Sturmpartner Dorn damit in eine vorzügliche
Schussposition. Dieser Regis Dorn ist viel zu sehr Torjäger, um sich
solch eine Gelegenheit entgehen zu lassen. Gegen seinen Schuss ins lange Eck
hat Nulle nicht die Spur einer Chance. Mit der einzigen Möglichkeit in
45 Minuten die Führung zu erzielen - mehr an Effizienz geht nicht. Es war übrigens
kein Konterzug, als welcher dieser Angriff vonseiten unseres
Trainer bezeichnet wurde. Jenas Defensive durfte sich in aller Ruhe formieren
und stand mit sieben gegen zwei Mann im eigenen Strafraum.
Quido Lanzaat hatte beim Gegentor etwas abbekommen, wollte
sich aber durchbeißen und kam mit aus der Kabine. Um ein Haar wäre
ihm in der 51. Minute der Ausgleichstreffer geglückt. Nach Foul an
Kolb führte Ziegner einen Freistoß fünf Meter vorm
rechten Strafraumeck aus. Den hohen Ball erwischte Lanzaat unter Bedrängnis
mit dem Kopf, drückte ihn von der Torraumgrenze aus Richtung Gästegehäuse,
doch Kirchbaum lenkte das Leder mit starkem Reflex zu Ecke. Gleich danach war
Schluss für den auch gelbbelasteten Innenverteidiger. Wuttke nahm
dessen Position ein, Eckardt kam neu ins Mittelfeld. Beim Doppelpass mit Hähnge
führte sich Eckardt gut ein und weckte als Einwechsler Hoffnungen, die
(nicht nur) sein Trainer nach dem Spiel als unerfüllt ansah. Gleiches
gilt auch für Mayombo, dem jedoch rund eine Viertelstunde vor Schluss
ein Elfmeter hätte zugesprochen werden müssen. Gegenspieler
Tausendpfund hatte Jenas Stürmer von den Beinen geholt, Dr. Kunzmann
entschied auf Weiterspielen. Diese Szene lag inmitten einer kurzen Drangperiode
mit zwei hochwertigen Chancen für Sebastian Hähnge. Beim
Kopfball in Minute 73 fehlte neben dem Druck auch die Präzision, da
Kirchbaum sich nicht vom Fleck bewegen musste, um zu parieren. Doch fünf
Minuten darauf hätte auch Sandhausens Schlussmann den Ausgleich nicht
verhindern können, wenn Hähnges Kopfball nach Ziegners Ecke
ins Netz statt nur ans Lattenkreuz geflogen wäre. Welch ein Pech.
Doch weder strittige Schiedsrichterentscheidungen noch
Aluminiumtreffer dürfen darüber hinwegtäuschen, dass
die Jenaer Spieler allzu viel schuldig blieben von dem, was man von ihnen nach
der Winterpause erwarten durfte. Gefahr strahlten sie nur bei
Standartsituationen aus. Zu statisch wirkten sie im Spielaufbau, sodass das grüne
Geläuf lediglich von der Rasenheizung auf Temperatur gehalten
wurde. Die Gäste, von denen man ein Hintenreinstellen nach der Pause
vermutete, konnten wahrscheinlich irgendwann nicht mehr anders, als auf eigene
Faust die Entscheidung zu suchen. Beim
Kopfball von Tausendpfund und Schüssen des eingewechselten Öztürk
boten sich Gelegenheiten dazu. Ihr knapper Vorsprung geriet während
der Schlussminuten nicht weiter in Gefahr. Stattdessen bettelte Torsten Ziegner
um seine fünfte Gelbe Karte, indem er auch nach zweimaligem Zurückweisen
beim Schiri immer noch weiter meckerte. Und den Karton letztlich
bekam.
In einem Spiel, das eigentlich keinen Sieger verdient, kann
eine einzige geniale Idee während neunzig Minuten entscheidend sein.
Cencis Hackentrick war solch eine Idee. Den Jenaer Spielern hingegen ist es nicht
gelungen, ihren so hoch gelobten Trainingsfleiß ins erste Punktspiel
des Jahres 2010 zu transportieren. <fc>
SV Wehen Wiesbaden - FC Carl Zeiss Jena 1:1
Tore: 1:0 Schönheim (72.), 1:1 Hähnge (77.)
- Wehen: Domaschke; Hollmann, Gehring, Schönheim, Weigelt;
Ziegenbein (90.+1 Bohl), Reinert, Hübner, Öztürk; Ziemer
(82. Stroh-Engel), Boskovic (88. Kunert)
- Jena: Nulle; Sträßer, Lanzaat, Lukimya, R. Schmidt
(76. Nagy); Kühne (14. Amrhein), Truckenbrod (90.+1 Mayombo), Ziegner;
Wuttke, Hähnge, Orlando
- Zuschauer: 3386
- Schiedsrichter: Beitinger (Regensburg)
- Spielbericht
- Weniger die sportliche als vielmehr die wirtschaftliche Situation geriet in dieser
Woche in den Mittelpunkt des öffentlichen Interesses. Die Nachricht, dass sich
die Liquiditätslücke während der letzten Wochen nochmals kräftig auf
947.000 Euro vergrößert hat und nun im Rahmen eines Sanierungskonzepts umfassende
DFB-Auflagen zu erfüllen sind, sorgt für Gesprächsstoff unter den
Kernbergen und darüber hinaus.
Die Spieler können in solch einer Situation nichts weiter tun als bestmöglich
ihren Job zu erledigen. Könnte es doch sein, dass jeder von ihnen errungene Punkt
in der Endabrechnung noch von Bedeutung sein wird.
Beide Teams bemühten sich
vom Anpfiff weg um Offensivaktionen, wobei ihnen dabei die Genauigkeit im
Zusammenspiel abging. So verging eine Viertelstunde bis zur ersten
Torgelegenheit, einem Schuss des freistehenden Boskovic genau auf
unseren Schlussmann. Zu dieser Zeit hatte Trainer van Eck bereits das erste Mal
wechseln müssen, da Stefan Kühne nach einem Zweikampf in der eigenen Hälfte
mit einer Knieverletzung vom Platz musste. Tim Wuttke hat in dieser Saison
schon fast alles gespielt, vom Innenverteidiger bis zur hängenden Spitze auf
Außen - entsprechend reibunsglos ging nach der Hereinnahme Amrheins sein Wechsel auf die Kühne-Position vonstatten.
Geschickt verlagerten er und seine Nebenleute die Positionen hin zum
ballführenden Gegenspieler. Die häufiger in Ballbesitz befindlichen Gastgeber fanden
dagegen lange Zeit kein Mittel. Es bedurfte eines direkt geschossenen
Freistoßes, um Carsten Nulle nach 31 Minuten das zweite Mal zu fordern.
Dessen Gegenüber hatte zu diesem Zeitpunkt noch keinen einzigen Ball
halten müssen.
Doch mit einem Mal, ab Minute 38 veränderte sich die Szenerie. Schön freigespielt steht Sebastian Hähnge frei vor Eric Domaschke - und scheitert am
herauslaufenden Keeper. Eine Minute später schießt der bis dahin noch
gar nicht zur Geltung gekommene Orlando aus vollem Lauf über die Querlatte und
nochmals 60 Sekunden darauf Hähnge flach aufs Tor. Die größte Gelegenheit vor
der Pause aber bietet sich in Minute 43. Freistoß, knapp 30 Meter Torentfernung,
halbrechte Position. Orlando steht zur Ausführung bereit, so als wolle er
zum zweiten Mal das Tor des Monats gegen den selben Kontrahenten erzielen. Doch nicht
er sondern Ziegner führt den Freistoß aus. Domaschke lässt prallen, zum
aufgerückten Assani Lukimya, der jedoch aus bester Position vergibt.
Freistoßschütze Torsten Ziegner hatte sich zu diesem Zeitpunkt bereits eine Gelbe Karte abgeholt. Nur gut, dass sich seine Verwarnung von voriger
Woche als Falschmeldung herausgestellt hatte. Sonst wäre es jetzt die 5.
gewesen und Ziegner hätte gegen Sandhausen ersetzt werden müssen.
Selbst wenn er zuletzt auswärts eher zu überzeugen wusste als in Heimspielen.
Apropos Trainer, wie hatte René van Eck vor dem Spiel prophezeit ? Viele
Chancen wird es in Wiesbaden nicht geben. Deshalb müssen diese konsequent
genutzt werden. Genau das hatten seine Jungs vor der Pause versäumt, weshalb
es mit Spielstand 0:0 in die zweite Halbzeit ging. Hier zeigte sich
Nulle bei einem Schuss von Reinert gleich wieder auf dem Posten (49.).
Das Spiel des SVW, dessen Hauptsponsor mit Wasser-Technologie seinen Umsatz
macht, lief nun etwas flüssiger. Jenaer Konter besaßen Seltenheitswert,
in Minute 64 war es wieder mal soweit. Hähnge auf der rechten Seite fehlte
jedoch sein Anspielpartner im Zentrum, weil Hübner dem losspurtenden
Orlando in die Hacken getreten war, ohne dass dies der Referee geahndet hätte.
Jenas Hintermannschaft stand weiterhin sicher, geriet meist nur durch
Standartsituationen in Gefahr. Weigelts Freistoß aus fast dreißig Metern
hob Nulle in großem Stil über die Torlatte (65.). Und dann gab es da noch die Eckstöße.
Es mag der sechste oder siebente gewesen sein in Minute 72 - Jenas
Elf hatte sich wie immer komplett im eigenen Strafraum versammelt.
Zunächst gelang es, den Eckball nach vorn abzuwehren. Doch genau an der
Grenze zum Sechzehner stand Fabian Schönheim, welcher den als
Befreiungsschlag gedachten Ball dreisterweise als Vorlage ansah und direkt
ins rechte untere Eck traf.
Die seit sieben Spielen daheim ungeschlagenen Gastgeber führen 1:0 und nicht mal mehr zwanzig Minuten sind noch zu spielen. So manch einer
mit Blau-Gelb-Weiß im Herzen wird hinterher zugeben, er hätte nicht mehr an einen
Punktgewinn geglaubt. Doch Jenas Routiniers auf dem Spielfeld sehen das
anders. Torsten Ziegner hebt einen Ball vor in den Sechzehner auf Sebastian
Hähnge, der mit langem Bein zunächst dafür sorgt, dass das Leder
nicht ins Toraus verspringt. Danach tunnelt er Domaschke im zweiten Versuch und
vollendet überlegt mit halbhohem Schuss über zwei grätschende Verteidiger
hinweg ins Netz. Jubel im gut gefüllten Gästeblock direkt dahinter. Obwohl es
wie die meiste Zeit zuvor nun wieder unentschieden steht, scheint der Ausgleichstreffer
noch einmal richtig das Feuer anzufachen. Nicht nur auf den Rängen, auch bei
den blau-gelb gekleideten Spielern. Ein Torsten Ziegner erobert erst den
Ball, lässt ihn dann zu weit wegspringen, verliert ihn dadurch wieder und
hüpft vor Ärger darüber wie Rumpelstilzchen auf dem grünen Rasen. Jenas
Spieler wollen drei Punkte, das ist zu spüren. Doch die geniale Idee,
mit der der Willen in die Tat umzusetzen wäre, kommt ihnen an diesem Tag nicht
mehr. Stattdessen besitzen sie bei Schönheims Chance in der 87.
Minute sogar noch Glück, am Ende nicht mit leeren Händen
da zu stehen. Dass beide Trainer in der Nachspielzeit noch je
einen frischen Spieler für gerade mal fünfzehn Sekunden aufs Feld schicken, zeigt an, dass alle
mit dem Punkt leben können. Auf Jenaer Seite wird er sogar wie
ein Sieg gefeiert.
Mag es in der spielerisch-taktischen Umsetzung noch etliche Reserven geben,
kämpferisch war's allemal in Ordnung. Zumindest vom Sportlichen her scheint
das Schlimmste erst einmal überwunden. <fc>
VfB Stuttgart II - FC Carl Zeiss Jena 0:1
Tore: 0:1 Orlando (68.)
- Stuttgart: Stolz; Schimmel, Pischorn, Vier, Enderle; Didavi, Funk,
Vecchione (83. Pala), Hertner (79. Riedle); Schipplock, Fischer (58. Walch)
- Jena: Nulle; Sträßer, Lanzaat, Lukimya, R. Schmidt;
Kühne, Truckenbrod (62. Amrhein), Ziegner, Wuttke; Hähnge
(85. Mayombo), Orlando (90. A. Schmidt)
- Zuschauer: 680
- Schiedsrichter: Dingert (Thallichtenberg)
- Spielbericht
- Im fünften Spiel gegen Stuttgart II gelang das zweite Tor. Dieses brachte, da der FCC im Gegensatz zu den sonst üblichen
dreieinhalb Gegentreffern pro Stuttgart-Spiel den Gastgebern keinen Treffer gönnte,
drei Punkte ein.
Nach 13 Sekunden hätte der Abend bereits
einen schlechten Verlauf nehmen können, als Nulle das erste Schüsschen
prallen ließ, der Stuttgarter den Nachschuss jedoch nicht am Jenaer
Torwart vorbeibrachte. Nach 5 Spielminuten brannte es erneut lichterloh vor
Nulles Kasten, als ein Angreifer eine Eingabe um Haaresbreite verfehlte. Die
einzig erwähnenswerte Situation des Jenaer Angriffsspiels war ein
Schuss Wuttkes nach einer Ecke aus 20 Metern in die zweite Etage des kalten
Stuttgarter Abendhimmels (9. min). Ansonsten sah sich Jenas einziger Stürmer
Hähnge immer von einer erdrückenden weißen Abwehrübermacht
umgeben, gegen die alle Dribblings nichts fruchteten. Die Unterstützung
der Mitspieler war nicht gegeben, da z. B. Orlando sich im Hinfallen und
Abseitsstehen übte. Die Jenaer Harmlosigkeit wurde in der 19. min
perfekt demonstriert, als man auf Höhe des Stuttgarter Strafraums
einen Einwurf hatte und den Ball innerhalb von fünf Sekunden
zielsicher zurück zu Nulle brachte. Da Stuttgart außer einem
Schuss am langen Eck vorbei (35.) auch nichts weiter zustande brachte, ging es
nach einer langweiligen Halbzeit torlos in die Kabinen.
Nach Wiederanpfiff änderte sich das Bild.
Der FCC hatte sofort eine Ecke, die aber gefahrlos in einem schnellen Konter
der Gastgeber mündete und uns wie schon zu Beginn der ersten Halbzeit
beinahe ein Gegentor beschert hätte. In der 52. min schirmte Lukimya
den Ball gegen einen Angreifer ab, Nulle sorgte aber für kurzes
Herzflattern, da er den Ball erst im zweiten Zupacken sicher hatte. Die Partie
wurde nun deutlich besser. Ursachen waren nicht nur die jetzt deutlich gefälligeren
Spielzüge der Stuttgarter, sondern auch die Leistungssteigerung
etlicher Jenaer Spieler. So präsentierte sich Schmidt deutlich
selbstbewusster und auch offensiver als vor der Pause, und Ziegner zog immer
aktiver die Fäden im Jenaer Mittelfeld. Doch wieder waren es die
Gastgeber, die kurz vorm Führungstreffer standen, als Schipplock nach
einem langen Pass Lanzaat einfach überlief und Nulle im wahrsten Sinne
Kopf und Kragen riskieren musste. Dafür bekam er eine dreiminütige
Behandlungspause auf dem Rasen. In der 58. Spielminute hatte der FCC seine
erste Torchance: Orlando vernaschte
links seinen Gegenspieler, passte flach in die Mitte, aber Hähnge
setzte den Direktschuss leider übers Tor. Zwei Minuten danach stand
Nulle wieder im Brennpunkt, als er einen Fernschuss Schipplocks über
die Querlatte lenken konnte.
Eine entscheidende Veränderung brachte
die Einwechslung Amrheins für Truckenbrod. Amrhein ging auf die linke
Außenbahn, Orlando wechselte nach rechts und Wuttke rückte
auf die defensive Mittelfeldposition. Damit war Hähnge nicht mehr ganz
allein in der Stuttgarter Hälfte und obwohl sich neben ihm zumeist nur
Amrhein, Orlando und Ziegner in die gegnerische Hälfte getrauten, kam
deutlich mehr Offensivleben ins Jenaer Spiel. Und nur wenige Minuten später,
nach einem zwischenzeitlich weiteren Kapitel des Duells Schipplock vs. Nulle
(66., letzterer klärte zur Ecke), gab es den verdienten Lohn: Hähnge
bekommt in der Mitte kurz hinterm Mittelkreis den Ball, sieht rechts außen
den startenden Orlando, passt die Spielkugel maßgenau hinüber,
Jenas Nummer 10 setzt sich mit einem eleganten Haken gegen den Verteidiger
durch und ballert aus spitzem Winkel ins lange Eck. 1:0!!! Nicht nur der Gästeblock,
auch im sogenannten Heimbereich flippte ein gutes Drittel der Besucher aus.
Drei Minuten später verhinderte das Gebälk des Stuttgarter Tores
Hähnges Nominierung für das "Tor des Monats": Der Jenaer Stürmer
ignorierte die beiden Stuttgarter und zog aus der Drehung vom rechten
Strafraumeck ab. Stolz, der VfB-Keeper, schaute bewundernd dem Ball, den er
sowieso nie und nimmer erwischt hätte, hinterher und ihm dürfte
einige Tonnen Gestein vom Herzen gefallen sein, dass ihm sein Torpfosten
hilfreich zur Seite stand. Bis zur 88. min versuchte Stuttgarts Zweite mit viel
Energie, jedoch ohne Ideen, Jenas Bollwerk zu knacken, Angstperlen trieb dies
aber nicht einmal den sonst aus Prinzip vorm Gegentor zitternden FCC-Fans auf
die Stirn. In jener 88. min kamen zwei Angreifer doch einmal fast in der Mitte
durch, Nr. 1 nahm jedoch der schussbereiten Nr. 2 den Ball vom Fuß.
Einer von beiden, ob Nr. 1 oder 2 ist egal, sank zu Boden (Nase voll?) und der
Referee pfiff zum Entsetzen der Jenaer und zur Verwunderung der Stuttgarter
Zuschauer und zeigte auf den Elfmeterpunkt. Nulle korrigierte den Fehler des
Referees, wehrte den Schuss ins linke untere Eck ab und schubste den
wegspringenden Ball vorm nachsetzenden Schützen zur Seite. Die
verbleibende Zeit inklusive der vier Nachspielminuten überstand der
FCC ziemlich problemlos, auch weil sich van Eck daran erinnerte, dass man
dreimal pro Spiel auswechseln darf und dies immer ein paar Sekunden schindet. Und
so hatten wir endlich, nach einem Vierteljahr (Kiel!!!), wieder einmal eine
Heimfahrt, auf der man sich mit Freude an das erlebte Spiel erinnerte.
<uk>
Spielbericht auf der Stuttgarter Homepage
Fotos auf fanclub-family.de
FC Carl Zeiss Jena - Wuppertaler SV 1:0
Tore: 1:0 Hähnge (43.)
- Jena: Nulle; Sträßer, Lanzaat, Lukimya,
R. Schmidt (46. Wuttke); Kühne, Truckenbrod (78. Mayombo), Ziegner,
Amrhein (88. Nagy); Hähnge, Orlando
- Wuppertal: Maly (
, 6.);
Neunaber, Neppe (76. Altin), Lorenz, Schauml;fer; Müller, Weikl
(79. Bernhardt), Fischer, Celikovic; Formento (6. Karagiannis), Damm
- Zuschauer: 5076
- Schiedsrichter: Schriever (Dorum)
- Spielbericht
- Wie gewohnt konnte man sich auch im Vorfeld dieses Spiels nicht
über mangelnde Unruhe im Umfeld des FC Carl Zeiss Jena beschweren, in
der Woche vor dem Spiel wurde mit Hartmut Beyer der neue Präsident
vorgestellt, der dann auch gleich die Kündigung für Salvatore
Amirante zurückzog und diesem so formal die Rückkehr in die
erste Mannschaft ermöglichte - der Italiener meldete sich aber zunächst
krank und blieb Training und Spiel fern. Die personelle Situation hatte sich
dennoch etwas entspannt, denn mit Sebastian Hähnge war zumindest eine
der Stützen der Jenaer Elf wieder in der Anfangself zu finden. Das
bestimmende Thema im Vorfeld war aber naturgemäß der Freitod
von Robert Enke, der seine Karriere ja in Jena begann und der auch bis zuletzt
noch den Kontakt in seine Heimat gehalten hat. Wie praktisch alle Außenstehenden
traf die Nachricht vom Selbstmord Enkes auch seine Freunde in Jena
unvorbereitet, der Schock über die nur schwierig nachvollziehbare
Entscheidung des erfolgreichen Torhüters saß auch in Jena
entsprechend tief.
Das Spiel begann dann auch mit einer Schweigeminute für
den achtfachen Nationalspieler, bei der manchem Besucher die eine oder andere
Träne über die Wange rollte. Die ersten Minuten des Spiels
hatten dann auch irgendwie den Anschein, als ob die 22 Akteure nicht ganz bei
der Sache wären. Zunächst schenken die Gäste den
Jenaern eine Ecke, weil es ein Missverständnis zwischen einem
Abwehrspieler und Gäste-Keeper Christian Maly gibt, ähnliches
gibt es nur Sekunden später auf der Gegenseite zu sehen. Die erste
halbwegs gefährliche Aktion ist dann ein langer Ball auf Orlando, der
mit seiner Schnelligkeit auch die WSV-Abwehr überrascht und den Gäste-Torwart
mit seiner plötzlichen Anwesenheit direkt vor dem Strafraum offenbar
so überrascht, dass dieser in einem Moment der Unaufmerksamkeit die Hände
zu Hilfe nimmt, obwohl er sich haarscharf außerhalb des Strafraums
befindet. Schiedsrichter-Assistent und Schiedsrichter können in dieser
Situation gar nicht anders, als Maly mit Rot vom Feld zu schicken und dem FCC
eine aussichtsreiche Freistoßposition an der Strafraumgrenze
zuzusprechen. Spätestens jetzt waren die Gedanken von Spielern und
Zuschauern voll und ganz beim heutigen Spiel. Opfer der Aktion von Maly war
letztlich der Wuppertaler Stürmer Formento, für den Gäste-Trainer
Uwe Fuchs nun Ersatz-Torhüter Asterios Karagiannis bringen musste.
Dieser sah sich gleich einer unbequemen Situation gegenüber, denn den
Freistoß von der Strafraumgrenze wollten die Gastgeber natürlich
im Tor unterbringen und dem Spiel so schon früh die richtige Tendenz
geben. Letztlich war es Torsten Ziegner, der sich den Ball zurechtlegte, anlief
und den Ball in Richtung Tor brachte - allerdings fehlten die berühmten
Zentimeter und der Ball strich am rechten Pfosten vorbei. Schon direkt im
Anschluss wurde klar, dass der WSV auch in Unterzahl ein unangenehmer Gegner
sein würde, der sich keineswegs entmutigen ließ. Die Spieler
aus der Stadt mit der Schwebebahn standen nun noch tiefer, als es vermutlich
ohnehin geplant war, Tobias Damm stand jedoch jederzeit bereit, um einen
schnellen Konter vorzutragen. Nach 13 Minuten waren es dann auch die Gäste,
die die nächste gute Gelegenheit hatten: Ein Freistoß aus
rund 25 Metern wurde von Celikovic vorbei an Freund und Feind auf den langen Pfosten
geschlenzt, wo Nulle aber hellwach und mit guter Reaktion zur Ecke klären
konnte. In der Folge bestimmte die in Überzahl spielende Jenaer Elf
zwar die Partie und hatte deutlich mehr Ballbesitz, dennoch muss sie sich den
Vorwurf einer gewissen Ideenlosigkeit anhören, denn gefährlich
wurde es für das Gäste-Tor nur äußerst
selten. Die tief stehenden Gäste machten geschickt die Räume
eng und unterbanden es effektiv, dass Orlando seine Schnelligkeit ausspielen
oder gefährliche Flanken in den Strafraum schlagen konnte. Wenn doch
mal ein Jenaer die Gelegenheit zur Flanke bekam, landete diese meist weit
hinter dem Tor und ließ das Jenaer Spiel entsprechend harmlos
erscheinen. Nach 35 Minuten fasste sich Amrhein ein Herz, sein Schuss bedrohte
aber vordergründig die Eckfahne und kann insofern als symptomatisch für
die Harmlosigkeit des FCC bis zu diesem Punkt gesehen werden.
Nur eine Minute später wären beinahe die Gäste
in Führung gegangen, denn einen schnellen Gegenzug konnte der schon
erwähnte Damm aus rund acht Metern abschließen, allerdings
war auch der selten geforderte Carsten Nulle gut drauf und konnte den Ball zwar
nicht festhalten, aber doch parieren. Bis zu diesem Zeitpunkt waren es damit
aber trotz Unterzahl doch die Wuppertaler, die die beste Chance der ersten
Halbzeit herausgespielt hatten. Die Szene der ersten Halbzeit stand aber noch
bevor, denn einmal mehr war es Orlando, der mit dem Ball am Fuß Fahrt
aufnahm und gleich mehrere Gegenspieler ausspielte. Beim letzten Verteidiger
Lorzenz versagten die Künste des kleinen Dribblers aber und es kam zum
Zusammenstoß, den die Gäste als freistoßwürdig
betrachteten und vehement den Pfiff des Schiedsrichters forderten. Dieser blieb
aber aus und Jens Truckenbrod nahm sich den Ball, zog sofort
ab und prüfte Karagiannis, der den Ball nicht festhalten konnte.
Dieser prallte nun vor die Füße von Sebastian Hähnge,
der bisher in dieser Saison torlos geblieben war und nun aus wenigen Metern nur
noch einschieben musste - TOOOOR für den FCC, endlich das erlösende
1:0!
Mit diesem Ergebnis ging es dann auch in die Kabinen, aus
denen die Gäste unverändert zur zweiten Halbzeit zurückkamen.
Beim FCC kam Wuttke für Schmidt, der aus Sicht von Trainer René van
Eck Gelb Rot-gefährdet war. Schon direkt nach Wiederanpfiff ist es
erneut Orlando, der die Gäste-Abwehr quasi im Alleingang umspielt und
dann nur noch den Torhüter vor sich hat, den Ball dann aber leider
etwas überhastet am Tor vorbeihämmert, anstatt ihn überlegt
einzuschieben. Die Gäste änderten zunächst wenig an
ihrer Spielweise und standen weiter tief, genauso schwer taten sich aber auch
die Jenaer. In der Folge plätscherte das Spiel dahin und auch in Folge
zahlreicher unnötiger Ballverluste im Spielaufbau konnte keine der
beiden Mannschaften gefährliche Chancen herausspielen. Wenn überhaupt
etwas Gefahr zustande kam, dann in Folge von Freistößen.
Doch auch hier versäumten es Gastgeber und Gäste, die Torhüter
zum Eingreifen zu zwingen oder gar vor ernsthafte Herausforderungen zu stellen.
In den letzten zehn Minuten wurden auch die Gäste noch einmal mutiger,
die Jenaer Verteidigung stand aber überwiegend sicher und zwang Nulle
nicht zum Eingreifen. Als bereits einige Minuten der Nachspielzeit gespielt
waren, eröffnete sich dem FCC noch die Chance auf 2:0 zu erhöhen.
Nach einem langen Ball lief Ziegner zusammen mit Orlando
aufs Gäste-Tor zu, begleitet nur von einem letzten Gäste-Verteidiger.
Als Ziegner den Ball zum einschussbereiten Orlando spielen wollte,
versagten ihm aber die Kräfte und die Nerven, sodass der Ball
unerreichbar für den mitgelaufenen Stürmer ins Aus trudelte.
Kurz darauf war aber auch Schluss und die Jenaer konnten
sich über drei Punkte freuen, die gegen den direkten Tabellennachbarn
natürlich sehr wichtig waren. Mit etwas mehr Kreativität und
Konsequenz im Torabschluss hätte man die Partie allerdings weniger anstrengend
für das leidgeprüfte Nervenkostüm der Jena-Fans
gestalten können. Nun bleibt zu Hoffen, dass die Jenaer in den
kommenden beiden Auswärtsspielen ebenfalls Punkten und so die Distanz
zu den Abstiegsrängen weiter vergrößern können. <bh>
1. FC Heidenheim - FC Carl Zeiss Jena 3:1
Tore: 0:1 Truckenbrod (35.), 1:1 Lukimya (60., ET), 2:1 Mayer (79.), 3:1 Weil (90.)
- Heidenheim: Bodemer; Meier, Göhlert, Krebs, Feistle; Bagceci
(46. Gül), Klarer, Weil, Essig (59. Mayer); Spann (88. D. Jarosch),
Heidenfelder
- Jena: Nulle; Sträßer, Lanzaat, Lukimya, Wuttke;
Kühne, Truckenbrod (86. Petersen), Ziegner, Amrhein; Orlando, Mayombo
(75. Eckardt)
- Zuschauer: 6130
- Schiedsrichter: Nowak (Bottrop)
- Spielbericht
- Im Spiel eins nach seinem Tod war Robert Enke auch fern der thüringischen
Heimat in Heidenheim allgegenwärtig. Der FCC verzichtete auf den
üblichen Aufdruck der Trikotbrust und die FCH-Fans auf ihre geplante
Choreo, beide Teams liefen mit Trauerflor auf und während der
holprigen Gedenkrede des Heidenheimer Stadionsprechers erinnerte der
Gästeblock ganz in schwarz an Jenas großen Sohn.
Wer gedacht hatte, der Nachmittag ginge derart besinnlich weiter, sah sich sehr
schnell getäuscht. Auf der Stadionbaustelle nahe des Schlosses
Hellenstein entwickelte sich ein überaus temporeiches Spiel mit
Chancen hüben wie drüben. Amrhein und Ziegner
(Außenpfosten) nach zwei und fünf Minuten hier - Meier (14.)
und Weil (16.) dort, Smeekes mit Hammerschuß (17.), Amrhein nach
Traumkombination (22.) sowie Kühne und Mayombo nach Eckball (25.)
wieder hier, es brannte unentwegt in beiden Strafräumen.
Gefährlich wurden die Gastgeber dabei fast immer bei ihren Angriffen
über Jenas lichterloh brennende linke Abwehrseite. Es ist nicht
überliefert, ob dies von Rene van Eck so gewollt war, aber Jena
spielte quasi mit Dreierabwehrkette, während
Sträßer als linker Läufer seine Seite über
die gesamte Länge des Spielfeldes allein zu beackern hatte, Smeekes
neben Mayombo im Zentrum stürmte. Was defensiv einem Harakiri glich,
führte aber gleichzeitig zu einem personellen Übergewicht des
FCC im Mittelfeld, welches die Heidenheimer vor große Probleme
stellte, und Jenas Fans ob des gebotenen Kombinationsflusses erstaunte. Der FCC
spielte als komplettes Kontrastprogramm zum letzten Heimauftritt einfach
schön anzusehen, die Einstellung stimmte bei jedem Einzelnen und nach
35 Minuten folgte die Belohnung in Form der Führung. Der ins Team
zurückgekehrte Torsten Ziegner tankt sich wie in alten
Regionalligazeiten auf der rechten Seite ein, an zwei Heidenheimern vorbei zur
Grundlinie durch, passt millimetergenau zurück auf Jens Truckenbrod,
der den Ball aus zehn Metern zu seinem so lange überfälligen
ersten Punktspieltor für den FCC versenkt. Was in Robert Enkes
ehemaligem Klassenkamerad Torsten Ziegner vorgeht, der im stillen Jubel beide
Arme gen Himmel reckt, kann man erahnen. Kurz darauf muss Smeekes eigentlich
das zweite Tor nachlegen, als er mutterseelenallein von der Mittellinie aus
aufs Tor zurast, aber am einzig verbliebenen Heidenheimer Verteidiger
hängenbleibt. Dann heißt es erst einmal Sichern des
Vorsprunges, Smeekes besetzt nun das linke Mittelfeld und nur noch einmal ist
Zittern angesagt, als Weils Schuss nur knapp am Nulle-Gehäuse
vorbeischrammt (37.). Pause, Jena führt und das verdient, wenn auch in
der Innenverteidigung mit Lukimya und Rückkehrer Lanzaat alles andere
als sicher.
René van Eck wechselt nicht, lässt aber seine Flügelzange Patrick
Amrhein und Orlando Smeekes die Seiten tauschen, ein Schachzug mit Folgen.
Jenas linke Seite ist nun endgültig zu für die Heidenheimer
Angriffsbemühungen, während Smeekes auf rechts im
völlig überforderten Außenverteidiger Feistle ein
ums andere Mal ein leichtes Opfer für seine
Flügelläufe vorfindet. Von Heidenheimer Ausgleichsdruck ist
nicht einmal ein Ansatz zu spüren, hier und jetzt geht es ganz klar um
die Spielentscheidung zugunsten der Gäste, die sich mit laufintensivem
und beängstigend temporeichem Spiel Chance um Chance erarbeiten. Der
als einzige Spitze stets anspielbereite Mayombo nach Kühne-Zuspiel
knapp vorbei (46.), Ziegner mit Freistoß in die Mauer (49.), Amrhein
aus dem Fußgelenk nur um Haaresbreite am Winkel vorbei (52.), Mayombo
nach Ziegner-Zuckerpass mit von Ersatz-Ersatzkeeper Bodemer glanzvoll pariertem
Schuss (55.), Kühne mit Flachschuss (61.), es stellte sich beinahe nur
die Frage, welcher der 11 Jenaer der kommende Torschütze sein
würde. Assani Lukimya war es dann, den der Stadionsprecher als solchen
verkündete, leider im Jubelton und begleitet vom
Kopfschütteln 500 fassungsloser Gesichter im Gästeblock. Was
war passiert? Ballverlust Truckenbrods im Mittelfeld, geschickter Pass
Güls auf den gerade eingewechselten Mayer, dessen Schuss Nulle
sensationell nach vorn abwehrt, wo er von der Brust Jenas Abwehrchefs
über den verdutzten Keeper ins Tor hüpft. Jenas Antwort
ließ nicht auf sich warten: Aber Smeekes findet in Bodemer seinen
Meister (66.), Ziegner zielt aus 20m knapp daneben (67.), Mayombo erwischt
Ziegners Zuspiel drei Meter vor dem Tor eine Hundertstelsekunde zu
spät (69.). Als dann nach 70 gespielten Minuten sowohl Lukimya, als
auch Truckenbrod und Mayombo Wuttkes wunderbare Eingabe von rechts nicht im
leeren Tor unterbringen können, hat der FCC nicht nur sein Pulver
verschossen, sondern sich auch selbst den Nerv gezogen. Eckardts Einwechslung
für Mayombo geht nach hinten los, weil nun die ballsichere Anspielstation
in der Spitze fehlt, und Nulle muss bei Kontern der nun aufdrehenden
Heidenheimer gleich zwei Mal binnen einer Minute sein ganzes Können
aufbieten. Nach 79 Minuten ist auch er machtlos, als Ziegner Heidenfelders
Schuss zunächst abblockt, aber der schwache Referee Nowak
Göhlerts Foul an Kühne nicht ahndet und Mayer aus Nahdistanz
vollendet. Ob der mitten in diese Aktion zu hörende Pfiff vom Referee
oder aus dem Publikum kam, bleibt das Geheimnis des Mannes aus Bottrop, der Treffer
zählte.
Jena blieben noch 11 Minuten, doch der Akku schien leer, zu
sehr hatte das Powerplay nach der Pause geschlaucht, stattdessen konterten die
Gastgeber ein ums andere Mal gefährlich und beseitigten mit dem
dritten Treffer in der Nachspielzeit alle Zweifel am mehr als
glücklichen Heimsieg. Dass Tim Wuttke - heute auch als rechter
Außenverteidiger gewohnt zuverlässig - den Schuss Weils
unhaltbar abfälschte, war ein sinnbildlicher Abschluss eines
unglücklichen Spieles, in dem der FC Carl Zeiss vieles richtig machte,
aber mit Fortuna und der eigenen Qualität vor dem gegnerischen Tor
hadern muss. <gunner>
FC Carl Zeiss Jena - SG Dynamo Dresden 0:4
Tore: 0:1 Röttger (4.), 0:2 Röttger (22.), 0:3 Kühne (36., ET), 0:4 Müller (77.)
- Jena: Nulle; Sträßer, Wuttke, Lukimya, Nagy (46.
Ziegner); Amrhein, Kühne, Truckenbrod, Eckardt (33. Orlando);
Mayombo, Benyamina (70. Kolb)
- Dresden: Keller; Cozza (35. Kunze), Oppitz, Trehkopf, Röttger
(46. Koch); Strifler, Hübener, Petrovic, Müller; Savran, Dobry
(78. Jungnickel)
- Zuschauer: 9846
- Schiedsrichter: Kempter (Sauldorf)
- Spielbericht
- Eigentlich sollte man mit dem
Schreiben erst anfangen, wenn man sich selbst wieder im Griff hat, der Puls die
200er-Marke unterschreitet, die Gedanken anfangen sich zu ordnen. Aber diesmal
geht es nicht. Die Wut muß raus, muß ungefiltert aufs Papier,
auch wenn es kein passendes Vokabular für ein derartiges Versagen
geben dürfte.
Es war eine Demütigung,
ein Untergang! Alleine die ersten fünf Minuten gegen Dresden sind bei
normaler Finanzlage ein Kündigungsgrund für den Trainer und
die halbe Mannschaft. Statt dem Tabellenvorletzten zu zeigen, warum er dort
unten steht, wird die Schlacht kampflos preisgegeben, die Initiative gar nicht
erst ergriffen. Dazu kommen diese dümmlichen Fehler bei der
Ballbehandlung und schon wird es ein unvergeßlicher Nachmittag! Ein grundloser
Querschläger von Nagy, ein bewunderndes Platzmachen Sträßers
(wo war der denn auf einmal hin?), ein Schuß von Röttger. 0:1
(4.). Dann: Ein leichter Ballverlust von Mayombo in der Spitze, eine schnelle Kombination
über den ganzen Platz ohne Jenaer Ballberührung oder auch nur
die Chance dazu, eine flache Hereingabe von Dobry auf den völlig
vereinsamten Röttger. Noch ein Schuß, diesmal ins andere
Eck. 0:2 (23.). Und dann zu allem Überfluß auch noch so ein
Eigentor der Kategorie 'Schöner geht's nicht', als Kühne einen
Müller-Freistoß mit dem Knie in den Winkel donnert. Absolut
unhaltbar für Nulle (35.). Ich hätte hier gerne ein bißchen
was vom Aufbäumen geschrieben, vom Kampfgeist, der einfach nicht
belohnt wurde oder so. Aber es war einfach nur erbärmlich. Ein Zweikampfverhalten wie zur Love-Parade. Kein Biß, kein Wille. Nicht mal
den Ansatz einer Jenaer Chance gibt es hier zu beschreiben.
Dafür müssen
die Zuschauer im Stadion noch 20 Spielminuten voller Jenaer Unzulänglichkeiten
plus Halbzeit über sich ergehen lassen und das alles bei
Heimspielatmosphäre für Dresden. Ich kann das hier gottlob schneller
machen. Es war Lukimya, der einen Ziegner-Freistoß gefährlich
in Richtung des Dresdner Tors verlängerte und Keller zu einer schönen
Parade zwang (54.). Immerhin der Auftakt zu den stärksten fünfzehn
Minuten unserer Helden, in denen sich zwei, drei gute Möglichkeiten zu
einem Anschlußtreffer ergaben. Erst scheiterte Orlando mit einem Schuß
von der Strafraumgrenze an Keller (55.), kurz darauf segelte ein
30-Meter-Knaller von Amrhein knapp am Dresdner Gehäuse vorbei (57.). Und
dann die 68. Spielminute! Der erste Spielzug der Jenaer, der aussah wie gewollt.
Da läuft der Ball mal über fünf, sechs Stationen, da
kann sich Amrhein auf der linken Seite schön durchsetzen und auch
Mayombo macht eigentlich alles richtig. Pech, daß sein Drehschuß
am gedankenschnellen Keller hängenbleibt. Wäre diese erste Katastrophenhalbzeit
nicht gewesen, das Publikum hätte sicherlich verzückt
applaudiert. So aber war nur ein langgezogener Seufzer zu hören.
Aber die Jenaer Erfolgsgeschichte für diesen Nachmittag ist ohnehin schon wieder zu Ende.
Was noch kommt ist stattdessen der endgültige
Offenbarungseid. Nachdem Savran aus Ermangelung an Gegenspielen den Ball
ungehindert aus 20 m an die Latte donnern kann (wieder waren Sträßer
und Lukimya erst ganz eng dran und dann wie vom Erdboden verschluckt), bringen
es die Jenaer dreißig Sekunden lang nicht fertig, für klare
Verhältnisse im Strafraum zu sorgen. Als Savran zig verlorene Zweikämpfe
später den Ball wieder kriegt, sehen alle Zuschauer schon was jetzt kommen
muß, können in Ruhe ihre Fahnen einrollen, ihre Kissen
einpacken und was sonst noch so zu tun ist, um ganz schnell nach Hause zu
kommen. Es war wirklich so offensichtlich, daß der Savran dem Müller
das Ding auflegt, daß man schon fast enttäuscht darüber sein mußte, nichts Spektakuläreres geboten zu bekommen.
Noch den Nulle hübsch ausgekurvt und dann rein damit (77.). Schöner
geht's nicht mehr. Nie habe bereits eine Viertelstunde vor dem Abpfiff so eine Abwanderungswelle erlebt (O-Ton: "Da glotze ich mir lieber die Kandinsky-Ausstellung an")
Es tut mir leid, wenn das hier alles sehr sarkastisch rüberkommt,
aber es war bei diesem Spiel die einzige Möglichkeit, nicht völlig
die Beherrschung zu verlieren oder sich diversen Gewaltphantasien hinzugeben.
Eine solche Darbietung ist mir in Jena noch nicht untergekommen. Das
Pfeifkonzert zum Ende konnte nicht annähernd wiedergeben, was sich
hier gerade abgespielt hatte. Es ist ja nicht, daß Jena inzwischen
nahezu jedes Ostderby als Zweitplazierter beendet, sondern es ist die Art und
Weise, wie hier untergegangen wird. Spielerische Mängel sind
verzeihlich, wenn auch nicht immer nachvollziehbar. Aber kämpferisch
muß es einfach stimmen. Jeder Kreisklassespieler weiß, daß
man sich in der Anfangsphase erst mal Respekt verschaffen muß, will
man nicht den Rest des Spiels wie ein Depp aussehen ("gib dem Neuner gleich
einen mit, damit er weiß, dass er seinen Hutzebutz hier
vergessen kann" war der bekannte Slogan unseres Trainers vor jedem Derby in
Zottelstedt). Die Dresdner wußten das, die Jenaer nicht. In meinen
Augen das größte Problem ist und bleibt aber dieses konfuse
Miteinander. Da sind keine Laufwege aufeinander abgestimmt, da gibt es
keinerlei Zuordnung, da fehlen vorne die Leute, die hinten zu wenig sind. Was
machen die eigentlich die Woche über?
Persönlich fürchte ich, daß van Eck trotz
aller Sympathien nicht der richtige Mann für diesen Job ist. Aber neu
ist diese Erkenntnis im Verein ja nun auch nicht...
Das war ein grauenhafter Samstag!
Wollen wir uns nicht schneller im Abstiegskampf wiederfinden als uns lieb ist, darf sowas nicht so schnell wieder passieren. Es sind jetzt zwei Wochen Zeit,
irgendwie zu reagieren und diesem nervösen Haufen wieder
Selbstvertrauen einzuflößen. Wie das gehen soll, ist mir
ehrlich gesagt ein Rätsel. Aber vielleicht reicht es ja auch schon, wieder
vor den für die dritte Liga typischen Gruselkulissen anzutreten. Zu
viel Öffentlichkeit ist unserer Mannschaft scheinbar ein Graus. Insofern
liegt über den nächsten Wochen ein zarter Hoffnungsschimmer,
wenn wir uns mit Fußballgrößen wie dem 1. FC
Heidenheim oder dem Wuppertaler SV der üblichen Tristesse hinzugeben haben. <bpf>
SSV Jahn Regensburg - FC Carl Zeiss Jena 1:1
Tore: 0:1 Mayombo (27.), 1:1 Würll (90.)
- Regensburg: Sattelmaier; Hörnig (57. Jarosch),
Hagmann (
, 88.), Maul, Binder; Zellner,
Kreis (74. Schlauderer), Haller, Berger; Stoilov, Schmid (60. Würll)
- Jena: Nulle; Sträßer, Lukimya, Wuttke, Nagy; Eckardt
(70. Orlando), Truckenbrod, Kühne, Amrhein; Mayombo, Benyamina (90. Kolb)
- Zuschauer: 4108
- Schiedsrichter: Glasmacher (Alsdorf)
- Spielbericht
- Im letztjährigen Abstiegskampf hatte mir der
Spielberichtsorganisator das Angebot abgerungen, im Falle des Nichtabstiegs mal
wieder einen Spielbericht zu verfassen. Dies hatte die FCC-Helden dann
tatsächlich noch so angestachelt, dass sie sich auf der Zielgeraden
über den Strich retteten. Mein Versprechen sollte nun zum Abschluss
der "Bayrischen Wochen" beim Gastspiel bei Jahn Regensburg
eingelöst werden. Die Münchner FCC-Gemeinde um "Gleis
26" traf sich pünktlich nach dem Frühstück
zur gemeinsam Fahrt in die Hauptstadt der Oberpfalz. Die Stimmung war
entspannt, denn gegen Regensburg hatte der FCC noch nie verloren und in
Regensburg stets 2:2 gespielt. Ein Resultat mit welchem man in der aktuellen
Situation auch wieder zufrieden gewesen wäre.
Nach problemloser und zügiger Fahrt im ALEX wartete
in Regensburg noch eine Busfahrt zum Stadion auf uns, die gefühlt so
lange wie die Zugfahrt dauerte. Der Fahrer wollte uns wohl die
Schönheit der Stadt genießen lassen, anders sind die
minutenlangen Stopps an den Haltestellen nicht zu erklären.
Letztendlich erreichten wir aber pünktlich das Jahnstadion, dessen
Charme gleich deutlich darauf hinweist, dass man sich in einer der ältesten
Städte Deutschlands befindet.
Die Gastgeber hatten
nach ihrem sehr guten Saisonstart zuletzt etwas geschwächelt und vier
Spiele in Folge nicht gewonnen (3 Niederlagen, 1 Unentschieden) und waren von
den Aufstiegsrängen auf Platz sieben zurückgefallen.
Angeführt vom Kapitän und Ex-Jenaer Alexander Maul
übernahm Regensburg gleich die Initiative und bereits nach drei
Minuten knallte der Ball zum ersten Mal gegen den Pfosten des Jenaer Tores.
Allerdings stand Schütze Haller dabei im Abseits. Der FCC startete mit
der Elf der zweiten Halbzeit vom Spiel in Unterhaching und meldet sich mit
einem Schuss von Amrhein, den Sattelmaier zur Ecke abwehrte, in Minute sieben
erstmals offensiv zu Wort. Regensburg blieb aber spielbestimmend und traf durch
Stoilov erneut den Pfosten (19.). Den zurückspringenden Ball bugsierte
Haller unbedrängt über das leere Tor. Dies wirkte allerdings
als Wachruf für die Jenaer Kicker, die nun doch auch etwas mehr nach
vorn versuchten. In der 26. Minute konnte Alexander Maul gerade noch René
Eckardt an der Strafraumgrenze am Schuss hindern. Eine Minute später
lupfte Amrhein im Mittelfeld den Ball schön zu Truckenbrod, der einen
feinen Pass in den Strafraum spielte und Mayombo mit prima Einsatz noch vor dem
zögerlichen Abwehrspieler am Ball war und ihn an Sattelmaier vorbei
zum 1:0 ins Tor spitzelte. Die Führung war zu diesem Zeitpunkt sicher
etwas überraschend, wäre aber fast noch erhöht
worden, doch Truckenbrod kam bei einem weiten Pass von Nagy einen Schritt zu
spät (34.). Regensburg kam vor der Pause nur noch zu einer Chance, die
Nulle aber souverän meisterte (41.).
Der FCC kam besser aus der Pause und bestimmte nun
zunächst das Spielgeschehen. Eckardt passt zu Amrhein, der legt auf
Mayombo ab, der leider einen Schritt zu spät kommt (47.). Zwei Minuten
später behauptete Mayombo im Strafraum den Ball gegen Maul. Dieser
konnte sich nur mit einer Ringereinlage helfen. Der fällige
Elfmeterpfiff des insgesamt recht schwachen Schiedsrichters Glasmacher blieb
aber aus. Die nächste Chance hatte Sträßer nach
Doppelpass mit Eckardt. Doch sein Schuss ging knapp am rechten Pfosten vorbei
(53.). Regensburgs erste Offensivaktion in der zweiten Halbzeit war ein
Fernschuss aus knapp 30 Metern, der aber weit am Kasten von Nuller vorbei ging
(55.). Trainer Weinzierl reagierte und brachte mit Würll nach einer
Stunde einen weiteren Angreifer. Auch wenn Regensburg damit das Spiel wieder
etwas ausgeglichener gestalten konnte, blieben Chancen nun auf beiden Seiten
zunächst aus. Nach 70 Minuten kam Orlando für Eckardt und
damit auch neuer Schwung ins Spiel. Zunächst setzt sich Orlando auf
rechts durch und flankt von der Grundlinie, den Kopfball von Amrhein kann
Sattelmaier aber entschärfen (76.). Drei Minuten später ein
Konter des FCC, Truckenbrod passt auf Mayombo, der in aussichtsreicher Position
verstolpert. Und drei Minuten vor Ablauf der regulären Spielzeit wird
Orlando über links geschickt, Hagmann kommt nicht hinterher und
erwischt Orlando nur noch am Fuß und kassiert dafür - da
letzter Mann - die Rote Karte. Die 90 Minuten waren abgelaufen, Regensburg
bemüht sich noch einmal in
Richtung Jenaer Tor und Mayombo geht etwas ungeschickt in den Zweikampf -
Freistoß und wohl die letzte Aktion im Spiel. In der
Gästekurve bangte man nun schon, dass es doch nicht schon wieder mit
einem späten Ausgleich in Regensburg enden kann und darf ... Aus dem
Fanblock vom anderen Ende des Spielfeldes sah man den Freistoß
über Freund und Feind hinwegsegeln und dann tatsächlich im
Netz zappeln. Hinterher hörte man, dass wohl Mayombo unglücklich
ins eigene Tor getroffen hatte. Sehr ärgerlich! Dem Spielverlauf nach
sicher eine akzeptable Punkteteilung. Aufgrund der besseren zweiten Halbzeit,
in der vergessen wurde, den berühmten Sack zuzumachen,
aber doch zwei verschenkte Punkte mit einem
tragischen Helden Mayombo. <jw>
SpVgg Unterhaching - FC Carl Zeiss Jena 3:1
Tore: 1:0 Steegmann (43.), 2:0 Steegmann (63.), 3:0 Kanca (76.), 3:1 Benjamina (82.)
- U'haching:Kampa; Konrad, Hain, Brysch, Schaschko (90. Ziegler);
Tyce, Mitterhuber, Zillner, Leandro; Schweinsteiger (73. Kanca), Steegmann (79. Rathgeber)
- Jena: Nulle; Sträßer (73. Osadchenko), Lukimya, Wuttke, Nagy; Eckardt, Kühne, Truckenbrod, Ziegner (46. Benyamina), Orlando (46.
Mayombo); Amrhein
- Zuschauer: 3300
- Schiedsrichter: Fischer (Hemer)
- Spielbericht
- Same procedure as every year.
Der FCC verliert obligatorisch sein Auswärtsspiel bei der Spielvereinigung Unterhaching, diesmal
mit 3:1 und nach zwei völlig unterschiedlichen Halbzeiten.
Der
Minutenzeiger hatte noch nicht einmal eine volle Umdrehung gemacht, da hatten
Jenas Fans den Torschrei auf den Lippen, als Patrick Amrhein von Ziegner
mustergültig bedient von der Strafraumgrenze abziehen kann, aber nur ein
klägliches Schüsschen zustande bringt. Ein Auftakt mit Signalwirkung konnte man
hoffen, doch als Referee Fischer 45 Minuten später zur Pause pfiff, war aus
Sicht des FCC keine einzige weitere Möglichkeit zu notieren gewesen, von einem
großzügig verzogenen Distanzschuss des überraschend sofort eingesetzten Kühne
einmal abgesehen. Jena lieferte eine erste Hälfte ohne jeden Esprit, blieb im
Offensivspiel erschreckend harmlos und lag verdient mit 0:1 zurück. Dass dieses
Gegentor aus einer lächerlichen Schauspieleinlage Zillners an der
Seitenauslinie direkt vor den Augen des schwachen Linienrichters und folgender
Freistoßflanke resultierte, war bitter. Aber Steegmanns gegen Lukimya
folgenschwer gewonnenes Kopfballduell zum Führungstreffer kurz vor der Pause
(43.) eben auch nur eine der zahlreichen Hachinger Möglichkeiten. Von denen
vergab der Torschütze selbst üppig (12., 26., 34.), aber Zillner nach seinem
Sturmlauf zwischen den verdutzten Sträßer und Ziegner hindurch zweifellos die
größte - Nulle rettete glanzvoll (33.).
So konnte es nicht weitergehen, und van Eck, der schon vor Anpfiff auf den sich
beim Aufwärmen verletzenden Holwijn verzichten musste, stellte erneut um. Auch,
weil der blasse Orlando Smeekes mit ausgekugelter Schulter passen musste. Aus
dem 3-5-1 mit Doppelsechs Kühne/Truckenbrod und Amrhein als einziger Spitze
wurde nun ein 4-4-2. Amrhein rückte zurück auf die linke Mittelfeldposition,
als Spitzen agierte dabei das Sturmduo der in dieser Saison so begeisternden
II. Mannschaft, und plötzlich ging beim FCC nach vorn die Post ab. Insbesondere
Exaucé Mayombo war von Hachings Verteidigern kaum zu stellen und lieferte eine
starke Partie ab. Kühnes Schuss nach Truckenbrod-Ablage gab nach 51 Minuten die
Richtung vor, Mayombos abgefälschter Schuss folgte zwei Minuten später, Amrhein
prüfte Kampa im Hachinger Tor aus 18 Metern (54.), Truckenbrod zieht knapp
übers Tor (58.). Jena war jetzt richtig im Spiel, die Kombinationen liefen
flüssig und spätestens in der 59. Minute musste es einfach soweit sein, als
Rene Eckardt auf rechts mustergültig von Sträßer bedient wird, aber statt Kampa
den Ball um die Ohren zu ballern eine unmotivierte Mischung aus Heber und
Flanke ansetzt. Wie einfach Fußball sein kann, demonstrierten die Bayern kurz
darauf auf der Gegenseite: Langer Befreiungsschlag Hains aus der eigenen Hälfte
auf den durchstartenden Steegmann, der vernascht Wuttke im 16er und schiebt
lässig zum 2:0 ein. Bewundernde Worte fielen im Gästeblock über die weise
Voraussicht jenes sonst so viel- und weitreisenden Münchner FCC-Fans, der einem
Gelübde folgend den Nachmittag lieber weit abseits seinen Hund Gassi führend
verbrachte. Seit dem Sieg vor 17 Jahren scheint für unseren Club ein Fluch auf
diesem Sportplatz zu liegen. Sonst hätten vielleicht auch Mayombo nach
Traumzuspiel Benyaminas freistehend vor Kampa die Nerven nicht versagt (65.).
Und sonst würde ein Schiedsrichter bei einem Foul wie dem Kampas an Carsten
Sträßer im 16er auch einmal auf Elfmeter entscheiden. Für Sträßer bedeutete
Kampas übles Einsteigen das Ende der Partie - Jenas dritte Verletzung an diesem
Tage - und die Unordnung in der Hintermannschaft des FCC nutzte der
eingewechselte Kanca zur endgültigen Entscheidung. Dabei hätte es vielleicht
noch einmal eng werden können, wenn nach Benyaminas Anschlusstreffer per Kopf -
Nagy hatte von links geflankt - mehr gekommen wäre als die vergebenen
Möglichkeiten Benyaminas (Kopfball nach Eckball von rechts, 83.) und Amrheins
Freistoßversuch übers Tor (84.). Wo das Problem des FCC liegt, demonstrierte
dann eine Minute vor dem Ende René Eckardt noch einmal final, als er völlig
freistehend an Kampas Blitzreaktion scheitert. Nein, nichts zu holen in
Münchens Süden. Verflucht! <gunner>
FC Carl Zeiss Jena - FC Ingolstadt 04 2:0
Tore: 1:0 Lukimya (72.), 2:0 Holwijn (83.)
- Jena: Nulle; Sträßer, Lukimya, Wuttke, Nagy; Holwijn,
Truckenbrod, Ziegner (85. Eckardt), Orlando (90. Fuss); Amrhein,
Hähnge (73. Benyamina)
- Ingolstadt: Lutz; Keidel, Pisot, Wenczel, Ruprecht; Leitl,
Fleßers (71. Braber), Karl, Buchner; Neuendorf, Hartmann
- Zuschauer: 5099
- Schiedsrichter: Siebert (Berlin)
- Spielbericht
-
Im Vorfeld des Spiels gab es jede Menge Aufregung im Umfeld des FCC: Spätestens mit der Pokalniederlage in
Meuselwitz und der anschließenden Suspendierung von Salvatore Amirante hatte der FCC wieder einmal demonstriert,
dass man in Jena mit allem rechnen muss. Dazu kam noch die Vorstellung des neuen Geschäftsführers Michael
Born unter der Woche, Ablenkung von der Vorbereitung auf das Spiel gegen einen der Staffelfavoriten des Jahres gab
es also zur Genüge.
Mit dem FC Ingolstadt 04 war eine Mannschaft im Ernst Abbe Sportfeld zu Gast, gegen die der FC Carl Zeiss Jena erst
ein einziges Mal im Rahmen eines Winter-Trainingslagers gespielt hat. Das ist allerdings weniger überraschend,
zumindest wenn man betrachtet, dass der FC Ingolstadt 04 erst im Jahr 2004 als Zusammenschluss von MTV 1881 und ESV
Ingolstadt entstanden ist. Seitdem hat der Verein mit der Unterstützung des großen Sponsors im Rücken
einen steilen Aufstieg erlebt und konnte schon im Jahr 2007 den Aufstieg in die zweite Bundesliga feiern. Der letztjährige
Abstieg darf als Betriebsunfall verstanden werden, der den langfristigen Weg in Richtung erste Bundesliga wohl nur verzögert
hat. Spätestens beim Blick auf das Mannschaftsfoto der Gäste wird deutlich, wie der Verein verstanden werden soll: Der
Star ist nicht die Mannschaft, auch nicht bundesligaerfahrene Spieler wie "Zecke" Neuendorf Stefan Leitl, selbst Trainer
Horst Köppel steht im zweiten Glied. Bei Ingolstadt 04 gilt einzig und allein: Der Star ist der Sponsor.
Aber kommen wir zum Spiel: Den Spielern des FCC war von Beginn an anzumerken, dass die Geschehnisse außerhalb
des Platzes nicht völlig verdrängt werden konnten, jedenfalls waren die Gäste aus Ingolstadt von Beginn an
die spielbestimmende Mannschaft. Bereits in der ersten Minute kommen die Gäste gefährlich vors Jenaer Tor, die
Flanke von Leitl kann Buchner aber nicht verwerten. Nur wenige Augenblicke später versucht der rehabilitierte Ziegner
einen Rückpass zu Carsten Nulle, der Ball ist allerdings beinahe zu kurz und bringt Nulle erstmals in Bedrängnis.
Dank einer schnellen Reaktion kommt er allerdings noch vor dem Ingolstädter Spieler an den Ball und kann die Situation
klären. Dennoch blieben die Gäste dominant und kamen noch in der zweiten Minute nach einer Keidel-Flanke durch
Buchner zur nächsten Chance, auch dieser Kopfball verfehlte das Jenaer Tor aber knapp. Erst nach diesen drei Aufregern
konnten die Jenaer Fans erstmals durchatmen; auch wenn die FCC-Elf sich keine eigenen Chancen erspielen konnte, gelang es
nun immerhin, die Gäste vom eigenen Tor fernzuhalten. Dennoch wirkten die Gäste auf dem vom Regen getränkten
Rasen stets spritziger und technisch versierter und konnten mit einfachen Doppelpässen immer wieder schnelle
Vorstöße einleiten, die zum Glück für die Jenaer Elf nicht mit letzter Konsequenz ausgespielt
wurden. Wenn die Ingolstädter doch einmal den Abschluss fanden, war dann allerdings Carsten Nulle zur Stelle,
der insgesamt eine überzeugende Partie ablieferte. Auch nach einem Schuss von Karl aus rund zehn Metern war
Nulle zur Stelle und konnte per Fußabwehr klären. Nach knapp einer halben Stunde kamen auch die Jenaer
erstmals zu so etwas ähnlichem wie einer Torchance, als Patrick Amrhein auf der rechten Außenbahn vor
dem unnötigerweise herauseilenden Ingolstädter Torhüter Lutz an den Ball kommt und an diesem auch
vorbeikommt, dann aber ausrutscht und damit das großzügige Geschenk der Gäste dankend ablehnt. Kurz
vor dem Halbzeitpfiff ist es wieder Amrhein, der an der Strafraumgrenze der Ingolstädter glücklich an den
Ball kommt, die gebotene Chance aber mit einem Schuss zur Eckfahne kläglich vergibt. Damit blieb es zur Halbzeit
beim 0:0 und obwohl die Ingolstädter nicht viele klare Torchancen erspielt hatten, waren sie doch ohne Zweifel
die gefälliger spielende Mannschaft, die eine Führung zu diesem Zeitpunkt absolut verdient hätte.
In den Minuten nach Wiederanpfiff hatte man nicht den Eindruck, als ob René van Eck der Mannschaft in der Kabine
entscheidende Impulse gegeben hat. Wieder hatten die Ingolstädter den besseren Beginn für sich: Mit zwei
Freistößen aus rund 20 Metern brachte Keidel den Jenaer Torhüter Nulle in Bedrängnis, dieser war
aber hellwach und ging in Anbetracht des glitschigen Balls zwei mal auf Nummer sicher und faustete den Ball wieder
ins Spielfeld zurück. In der 51. Minute war es wieder Karl, der die Führung auf dem Fuß hat, aber im
letzten Moment mit viel Glück von mehreren Jenaer Verteidigern am Abschluss gehindert wird. Nur zwei Minuten
später die nächste Großchance für die Gäste, nun rettet wieder Nulle gegen Leitl, der
völlig unbedrängt zum Schuss kommt - die Ingolstädter Führung schien nur eine Frage der Zeit
zu sein, von Jenaer Seite kamen wie in der ersten Halbzeit praktisch keine Impulse für das Spiel. Nach 55 Spielminuten
kam aber auch der FCC mal wieder vors Gäste-Tor, die Flanke von Truckenbrod auf Hähnge war präzise und
gefühlvoll getreten, allerdings war auch Gäste-Torwart Lutz auf dem Posten und konnte mit den Fäusten
vor Hähnge an den Ball kommen. Zehn Minuten später war es erneut Nulle, der die letzte Rettung für das
scheinbar unverrückbare 0:0 an der Anzeigetafel darstellte. Gleich mehrere Stürmer der Gäste
scheiterten mit ihren Schussversuchen am Jenaer Keeper, bevor die Situation endlich bereinigt werden konnte.
Die rot-weiß gekleidete Marketingmaßnahme der bekannten VW-Tochter hielt bis dahin also fast, was
der Bus mit großen Lettern versprach: Der "Vorsprung durch Technik" schlug sich allerdings nur in
Spielanteilen und Torchancen nieder, das Spielergebnis zeigte sich bisher unbeeindruckt. In der Folge gönnten
sich die Gäste allerdings eine kleine Verschnaufpause und die Jenaer kämpften sich zurück ins Spiel.
Torchancen blieben zwar zunächst Mangelware, aber immerhin musste man sich in dieser Phase keine großen
Sorgen um das FCC-Tor machen. In der 72. Minute passierte dann das, was auch dem FCC schon oft genug widerfahren ist:
Die Mannschaft, die bis dahin klar unterlegen war und praktisch keine echte Torchance zu verzeichnen hatte, geht
völlig unverdient in Führung. Nach einem Freistoß aus halbrechter Position und rund 30 Metern
Entfernung ist es Abwehrmann Assani Lukimya, der als erster an den Ball kommt und diesen per Kopf ins lange
Ecke verlängern kann - 1:0 für den FCC und der Spielverlauf stand auf dem Kopf! Die Jenaer Zuschauer
hatten sich noch nicht wieder hingesetzt, da wäre beinahe der hochverdiente Ausgleich gefallen, als Buchner
per Kopf nur die Latte trifft und ein weiterer Ingolstädter seinen Nachschuss wenige Zentimeter neben den
linken Pfosten setzt. Die Angriffe der Gäste wurden nun verständlicherweise wütender und brachten
Nulle noch mehrmals in Bedrängnis. Nur zwei Minuten nach der Führung muss der Jenaer Torwart erneut per
Faustabwehr retten, nachdem ein Angreifer eine Gäste-Ecke per Volleyschuss von der Strafraumgrenze aufs Tor
brachte. Weitere drei Minuten später machte sich Nulle endgültig zum Mann des Spiels, als er einen
weiteren Freistoß von "Zecke" Neuendorf, der ansonsten unauffällig agierte, klären konnte.
Während die Gäste auf den Ausgleich drängten, zeigten die Jenaer, wie effizienter Fußball
aussehen kann: Einen hohen Ball aus dem Mittelfeld legt Amrhein per Kopf auf Melvin Holwijn ab, der sich ein Herz
nimmt und aus rund 18 Metern einfach mal draufhält. Der von Gäste-Trainer Köppel nicht ganz zu
Unrecht als "Sonntagsschuss" bezeichnete Ball schlug unhaltbar für Gäste-Keeper Lutz in der linken
Ecke ein und sicherte den Jenaer Sieg, der bis dahin noch heftig wankte.
Die Ingolstädter Bemühungen blieben auch in der Folge unbelohnt und fast hätte man den Eindruck
haben können, dass sich an diesem Tag die über 100 Jahre längere Tradition des FCC gegen den noch in
den Kinderschuhen steckenden Gast aus Ingolstadt durchgesetzt hat. Dennoch darf nicht unerwähnt bleiben, dass
der Sieg und die damit verbundenen drei Punkte sehr glücklich für René van Eck und den FC Carl
Zeiss waren, von einem verdienten Sieg kann beim besten Willen nicht die Rede sein. Entsprechend gedrückt
dürfte die Stimmung im Ingolstädter Bus bei der Heimreise gewesen sein, denn es ist ohne Zweifel bitter,
nach einem derart kraftraubenden und über weite Strecken gut geführten Spiel ohne Punkte nach Hause
fahren zu müssen. Es bleibt zu hoffen, dass die Jenaer beim nächsten Spiel in Unterhaching auch
spielerisch zu überzeugen wissen und auch in Bayern Punkte holen, bevor die bayerischen Wochen mit dem Spiel
in Regensburg hoffentlich erfolgreich beendet werden. <bh>
Kickers Offenbach - FC Carl Zeiss Jena 4:0
Tore: 1:0 Pospischil (24.), 2:0 Ulm (41.), 3:0 Mesic (78.), 4:0 Pfingsten-Reddig (88.)
- Offenbach: Wulnikowski; Huber, Hysky, Kopilas, Schutzbach;
Haas (84. Pfingsten-Reddig), Pospischil, Zinnow, Fröhlich (72. Laux);
Ulm, Mesic (81. Albayrak)
- Jena: Nulle; Fuss, Lukimya, Wuttke, Sträßer;
Holwijn (72. Kolb), Lanzaat (
, 79.),
Truckenbrod, Hähnge (46. Nagy), Orlando; Amirante
- Zuschauer: 8563
- Schiedsrichter: Thomsen (Kleve)
- Spielbericht
- Auf den Tag genau vor einem Jahr begleitete ich den FCC zum
Auswärtsspiel nach Wuppertal. "Am Tag der deutschen Einheit flossen
die Punkte von West nach Ost", beendete ich damals den Spielbericht und hoffte
jetzt auf einen vergleichbaren Spielausgang ein Jahr später.
Ein entlaufener Bulle vorm Polizeiauto auf der Hinfahrt sollte hierbei
eigentlich als Glücksbringer fungieren.
Allerdings ließen die letzten Auftritte der aktuellen Zeiss-Elf
ebenso wenig einen Feier(tags)auftritt erwarten wie die Bilanz am Bieberer Berg
mit nur einem mageren Pünktchen aus vier Spielen.
Ein Amirante-Schuss nach hundert Sekunden eröffnete
die Partie, in der Wuttke auch nach Lanzaats Rückkehr zunächst
in der Innenverteidigung blieb. Obwohl der Holländer bei seinem
Kurzeinsatz gegen Bremen alles andere als souverän gewirkt hatte,
wurde er ein weiteres Mal auf der Position vor der Abwehr neben Truckenbrod
besetzt. Sein Fehler ohne Not nach 16 Minuten ließ Pospischil von der
Strafraumgrenze aus zum Schuss kommen, Nulle bügelte aus. Es war die
zweite Chance der Hausherren in diesem Match, da sich zuvor bereits Zinnow
durch den kompletten Jenaer Strafraum gedribbelt hatte, dabei jedoch vergaß,
aufs Tor zu schießen. Auch Truckenbrod probierte es nach siebzehn
Minuten mal mit einem Schuss von der Strafraumgrenze. Wulnikowski kam mit einer
Faust an den Ball und lenkte zur Ecke. Fünf Minuten später.
Zinnows Faller nach Zweikampf mit Sträßer sah nach Schwalbe
aus, der bis dahin großzügige Schiedsrichter gab jedoch
Freistoß. Der Ball blieb in der 6-Mann-Mauer hängen, sprang
aber nach seiner ersten Bodenberührung mit ungewöhnlichem
Drall wieder zurück. Ein Lupfer in den Jenaer Strafraum, wo die Blauen
vergebens auf Abseits reklamierten, ein zur Vorlage werdendes Luftloch sowie
ein straffer Schuss auf zehn Metern führten zum 1:0.
Wie schon gegen
Bremen galt es einem Rückstand hinterher zu laufen. Genau das aber
wird zum schwierigen Unterfangen, wenn der Trainer ausgerechnet vor diesem
Spiel klammheimlich zur Ein-Stürmer-Taktik zurückgekehrt ist,
die schon im Jahr zuvor für Unverständnis und Erfolglosigkeit
gesorgt hatte. Sebastian Hähnge ("Ich erwarte mehr von mir und die
Leute auch") blieb nach dem Rückstand weiterhin konsequent im
zentralen Mittelfeld und versuchte sich erfolglos als Ballverteiler für
die einzige Spitze Salvatore Amirante. Da auch Melvin Holwijn sowie Orlando auf
den Außenpositionen nichts rissen, verwalteten die Hessen ihren
knappen Vorsprung ohne große Mühe und lauerten auf den möglicherweise
vorentscheidenden Fehler des Kontrahenten. Den gab es dann auch in Form eines
Jenaer Fehlpasses wenige Meter vorm Anstoßkreis. Dass er Lukimya
unterlief, einem der wenigen beständig guten Spieler während
der letzten Wochen, werteten einige Fans später als Zeichen um sich
greifender Verunsicherung in den Jenaer Reihen. Jedenfalls nutzte David Ulm das
Geschenk zu einem Solo durch die Jenaer Hälfte, um das Leder dann aus
gut zwanzig Metern über Nulle hinweg ins Tor zu heben. Sehenswert, mit
wie viel Gefühl im Fuß Ulm diesen Treffer markierte. Carsten
Nulle eine Mitschuld zu geben, wäre aber wohl verfehlt. Wie sollte er
ahnen, dass seinen Vorderleuten im Spielaufbau ein solcher Patzer unterläuft
? Unser Keeper schlich nach dem Pausenpfiff als Letzter vom Platz, begleitet
von Schmährufen der OFC-Anhänger, die in einem bekennenden
Sympathisanten von Eintracht Frankfurt so etwas wie ihren natürlichen
Feind sehen.
Drei Jahre zuvor war es einer Jenaer Mannschaft an gleicher
Stelle mal gelungen, aus einem 0:2-Pausenrückstand noch ein Remis
werden zu lassen. Um eine Wiederholung dessen herbei zu führen,
stellte van Eck während der Pause mehrfach um. Nagy kam für Hähnge
rein, begab sich wie gewohnt nach links und schickte Holwijn auf die andere
Seite. Aus Orlando wurde doch noch ein zweiter zentraler Stürmer.
Dahinter tauschten Lanzaat und Wuttke ihre Positionen aus der ersten Hälfte,
rückte Truckenbrod ein Stück weiter nach vorn. Der OFC ließ
die Gäste nach Wiederanpfiff zunächst gewähren. Als
sich die Hausherren dann doch mal wieder zu einem eigenen Angriff entschlossen,
brachte der schnelle Gegenstoß endlich mal wieder Gefahr. Durch vier
Abwehrbeine hindurch legte Orlando für Amirante auf, der schoss aus
der Drehung jedoch genau zu Wulnikowski. Der Ball von Nagy drei Minuten später
versprach mehr Erfolg, strich aus 19 Metern Torentfernung aber knapp am rechten
Pfosten vorbei. Eine weitere Steigerung erfuhren Jenas Bemühungen um
den Anschlusstreffer schließlich in Minute 69. Wiederholt versuchte
sich Truckenbrod an einem Fernschuss, selten zuvor aber war das Geschoss von
jener Güte wie diesmal. Aus 17 Metern volley abgefeuert, flog das
Leder oben ans Gebälk, dass es nur so krachte.
Die Hausherren hatten
offensiv nach dem Wechsel überhaupt noch nichts gezeigt. Doch mit
ihrem ersten gelungenen Angriff in Halbzeit zwei, bezeichnenderweise einem
Konter, sorgten sie fünfzehn Minuten vor Schluss für die
Entscheidung. Ulm legte an Sträßer vorbei in die Mitte ab,
wo Quido Lanzaat seinem Gegenspieler Mesic nicht hatte folgen können. 3:0. Dass Jenas
Abwehrchef eben jenem Mesic kurz darauf in die Hacken trat, roch nach Frustfoul
und wurde mit der Roten Karte geahndet. Und als hätte das alles nicht
schon gereicht, flog auch noch der Schuss des eingewechselten Pfingsten-Reddig
genau ins linke untere Eck. "Vier zu Nulle", höhnte es nach Ende der
zweiten 45 Minuten von der Offenbacher Fangeraden.
Dass dem OFC eine durchschnittliche Leistung zu einem derart
klaren Sieg reichte, sollte in Jena die Alarmglocken schellen lassen. Was nutzt
ein sich steigernder Truckenbrod, ein auf allen Positionen sein Ding machender
Wuttke - sie sind nun mal keine Antreiber, die den tödlichen Pass
spielen können. Genau so einer fehlt dem Zeiss-Spiel aber zunehmend.
Es scheint deshalb an der Zeit, die Verbannung Torsten Ziegners zu beenden.
Zwar ist nicht garantiert, dass es mit ihm schlagartig besser laufen wird. In
einer Phase, wo die Jenaer Mannschaft in ihren Leistungen nicht mehr nur
stagniert, sondern abzubauen beginnt, müssen jedoch ausnahmslos alle
Alternativen ausgelotet werden, die der Kader hergibt ! Es wird Zeit, sich mal
wieder gemeinsam an einen Tisch zu setzen. <fc>
FC Carl Zeiss Jena - SV Werder Bremen II 2:2
Tore: 0:1 Testroet (32.), 1:1 Orlando (52.), 1:2 Testroet (80.), 2:2 Amirante (82., FE)
- Jena: Nulle; Sievers (70. Fuss), Lukimya, Wuttke, Sträßer;
Eckardt, Truckenbrod, Hähnge, Nagy (46. Amirante); Kolb (74. Lanzaat),
Orlando
- Bremen: Wiedwald; Hessel, Gerdes, Stallbaum, Andersen; Ronneburg,
Ayik, Menga, Feldhahn; Testroet, Oehrl
- Zuschauer: 6062
- Schiedsrichter: Blos (Köngen)
- Spielbericht
-
Keiner weiß warum, doch in den vergangenen Jahren
hatte der FC Carl Zeiss mit den zweiten Mannschaften von Bundesligavereinen so
seine liebe Mühe. Mittlerweile sind drei von vier Hinrundenpartien gegen die
U23-Teams gespielt, mit zwei Siegen und einem Remis gestaltet sich die
Saisonzwischenbilanz ungewohnt positiv. Doch egal in welches Gesicht man auf
Jenaer Seite nach Abpfiff des Bremen-Spiels blickte - Zufriedenheit schaut
anders aus.
Daran hatte die erste Halbzeit einen gewichtigen Anteil.
Denn es war ein äußerst müder Kick, den 6062
Zuschauer (darunter exakt zwei Dutzend Bremer Fans) während der ersten
45 Minuten geboten bekamen. Dass es nach gut einer Viertelstunde Beifall gab für
einen ins Sturmzentrum gespielten Ball, den Kolb als eine von zwei Spitzen gar
nicht erreichte, mag als Beschreibung für das Niveau in der
Anfangsphase genügen. Eine Freistoßvorlage, die Wiedwald
gegen die Sonne blickend im zweiten Zupacken fing, war die einzige Szene, in
welcher ein Torhüter überhaupt
eingreifen musste. Beim ersten gelungenen Angriffszug nach
zwanzig Minuten stand Hähnge knapp im Abseits. Kurz darauf spielte
Rene Eckardt zwar schön Doppelpass mit Orlando, stolperte danach aber über
seine eigenen Beine. Und bei Lukimyias flacher Hereingabe erkannte der
freistehende Kolb in der Mitte die Situation zu spät. So blieb ein
satter 23-Meter-Schuss von Jens Truckenbrod, den Bremens Keeper über
die Latte lenkte, die einzig wirkliche Torchance
in Hälfte eins. Die Gästebilanz vor der Pause hätte
sich sogar noch ärmlicher gelesen, wenn Testroet im Gegenzug nicht der
Führungstreffer gelungen wäre.
Begünstigt wurde er durch einen Fehler von Jan-Andre
Sievers, welcher den Torschützen unbedrängt den Ball annehmen
ließ und dann nicht hinterher kam. Nach einer überzeugenden
Leistung im letzten Heimspiel gegen Burghausen blieb der Neuzugang aus Emden
damit das zweite Match in Folge hinter den Erwartungen zurück, wurde
später auch ausgewechselt.
Doch zunächst war es Nagy, der in der Kabine
bleiben musste. Mit der Hereinnahme von Amirante wechselte Orlando ab Beginn
der zweiten Halbzeit auf die Linksaußenposition. Eine Umstellung, die
sich sofort bezahlt machte. War der Holländer bei seinem energischen
Antritt von der linken Seite Richtung Zentrum doch nur mit unfairen Mitteln zu
bremsen. Freistoß, 25 Meter Torentfernung. Ein paar der
Stammzuschauer des FC Carl Zeiss werden es bemerkt haben, dieses ungewöhnliche
Positionieren Jenaer Spieler im Rudel neben der gegnerischen Mauer. Von dort lösten
sich wie auf Kommando vier Blaue bei der Freistoßausführung
und rannten in den Sechzehner hinein. Truckenbrod schoss nicht direkt, sondern beförderte
das Leder lang vor zu Orlando, welcher aus fünf Metern volley zum
Ausgleich traf. 1:1 - eine eben erst im Training einstudierte Freistoßvariante
hatte auf Anhieb funktioniert ! Damit lösten
sich endlich einige der im bisherigen Spielverlauf eingebauten Bremsen.
Salvatore Amirante zog auf 30 Metern ab, Wiedwald lenkte das Leder um den
Pfosten (54.). Der Schlenzer von Feldhahn auf der anderen Seite flog nur knapp
nebens Tor (56.). Und dass Kolb die schöne Vorarbeit von Orlando
lieber selbst verwertet hätte, statt auf Eckardt zu spielen, war ihm
hinterher auch klar.
Sie bildeten die stärkste Phase in einem mäßigen Jenaer Spiel,
jene gut zwanzig Minuten nach dem Ausgleichstreffer. Sogar Sebastian Hähnge,
bekanntlich nicht der Allerschnellste, ging hier mal aus einem Sprintduell als
Sieger hervor. Den Gästen darf man bescheinigen, ebenfalls die
Offensive gesucht und so zu einer deutlich spannenderen zweiten Halbzeit
beigetragen zu haben. Beim Schuss des Deutschtüren Ayik reagierte
Carsten Nulle im Tor hervorragend.
Dann war noch eine Viertelstunde zu spielen und Orlando hatte wieder
seinen Auftritt. Es ist beileibe nicht so, dass hier Jenas Schnellstem eine
durchgängig überzeugende Leistung bescheinigt werden soll.
Manches wirkt schon zu sehr auf Show getrimmt, zwischendurch taucht er auch mal
ab und nach hinten lässt er eh lieber andere ackern. Doch klar ist
auch - ohne Orlando wäre das Jenaer Spiel um viele Attraktionen ärmer
! Klasse, wie er in Minute 76 zwei Werder-Verteidiger förmlich stehen
ließ und den Blick für den freistehenden Nebenmann hatte. Es
war Salvatore Amirante, der in zehn Metern Torentfernung sofort abschloss - und
an einem Abwehrbein hängen blieb.
Das Tragische an diesem Spiel ist aus Jenaer Sicht, dass
immer im Anschluss an eine knapp vergebene Großchance die Quittung in
Form eines Gegentreffers folgte. Hatte Pascal Testroet schon vor der Pause
direkt nach Truckenbrodts Schuss getroffen, verging auch nach Amirantes Möglichkeit
nicht viel Zeit, bis Bremens Spieler mit der Nummer 43 zum Erfolg kam. Dabei
profitierte er wiederum von einem fehlenden Gegenspieler - der eingewechselte
Benjamin Fuss war an der Strafraumgrenze ausgerutscht. Unter dem Körper
Carsten Nulles hindurch flog der Ball ins Netz. Und nun ? Waren nur noch zehn Minuten
Zeit für Jenaer Bemühungen um den abermaligen Ausgleich.
Scheinbar unbeteiligt steht Orlando nach dem Anstoß an jener Stelle,
wo Mittel- und Außenlinie aufeinander treffen. Genau da wird er angespielt,
nimmt ein paar Meter lang Fahrt auf und legt dann den Turbo ein. Gerdes hatte
sich diesmal vorgenommen, ihm im Sprintduell Paroli zu bieten - auch er war
chancenlos und wusste sich deswegen nur mit einem Rempler im Strafraum zu
helfen. Elfmeter. Als Amirante sich vor Sträßer den Ball zur
Ausführung schnappte, stockte vielen der Atem - hatte der nicht schon
einmal.... ? Noch ehe der Gedanke zuende gebracht wurde, hatte Salvatore den
Werder-Schlussmann in die andere Ecke geschickt und zum 2:2-Endstand getroffen.
Zweimal war der FCC nach Rückstand wieder gekommen.
Doch wie eingangs schon erwähnt -
Zufriedenheit sieht anders aus. Mannschaftskapitän Nulle ärgerte
sich über die beiden Gegentreffer sowie "Negativeinflüsse von
außen", mit denen wohl Pressespekulationen über Notverkäufe
von Leistungsträgern in der Winterpause gemeint sein dürften.
Und Trainer van Eck monierte die Vorstellung seiner
Mannschaft vor der Pause. Zurecht, denn dadurch sind zwei Punkte gegen
talentierte, aber durchaus schlagbare Bremer verschenkt worden. <fc>
Eintracht Braunschweig - FC Carl Zeiss Jena 2:1
Tore: 0:1 Orlando (46.), 1:1 Kruppke (62., HE), 2:1 Kragl (69.)
- Braunschweig: Petkovic; Fuchs, Brinkmann, Dogan, Boland; Pfitzner, Danneberg,
Kruppke (86. Banser), Kragl (77. Theuerkauf); Onuegbu, Calamita (60. Morabit)
- Jena: Nulle; Sievers, Lukimya, Wuttke, Sträßer (56. Riemer); Truckenbrod, Holwijn (

, 71.)
Hähnge, Nagy (79. Kolb); Mayombo (66. Amirante), Orlando
- Zuschauer: 12.200
- Schiedsrichter: Achmüller (Bad Füssing)
- Spielbericht
-
Der zehnte Spieltag bringt das Auswärtsspiel in Braunschweig auf den Plan und da die Stammautoren dieser
Seite offensichtlich angesichts der letzten Ergebnisse von 0:3 bis 6:0 die Adjektive auszugehen scheinen darf
ich mal wieder ran, als es gilt in Niedersachsen den Platz im oberen Tabellendrittel zu sichern.
Für die erste kleine Überraschung im Gästeblock sorgt Trainer Rene van Eck, der statt des zuletzt stark
auftrumpfenden Stefan Kolb oder des wieder spielberechtigten Amirante, mit Mayombo einen Stürmer in der
Startaufstellung aufbietet, der zuletzt suspendiert worden war, lediglich in der zweiten Mannschaft
spielte und dessen letzter Pflichtspieleinsatz in der Ersten bereits vier Monate zurückliegt. Neben ihm
soll Orlando für den nötigen Angriffsdruck sorgen, während Sebastian Hähnge auf der offensiven Mittelfeldposition
die beiden Stürmer mit Bällen versorgen soll. Und es beginnt gut: Bereits in der ersten Minute kann Orlando über
die linke Seite die Braunschweiger Abwehr überlaufen, scheitert jedoch an Torwart Petkovic. In der Folgezeit
kann der FCC eine optische Überlegenheit erarbeiten - "kontrolliert Ball und Gegner" - wie man so schön sagt, ohne
dabei übermäßig torgefährlich zu werden. Mayombo wirkt dabei aber noch engagierter, als sein Sturmpartner. Die Blau-Gelben
aus Niedersachsen kommen erst nach cirka zwanzig Minuten besser zu Rande und beginnen einzelne Konter zu setzen, die in einem
durch die Mitte angespielten Calamita gipfeln, der aber, völlig frei vor Nulle auftauchend, an diesem scheitert. Damit hat es
sich dann aber auch mit dem Braunschweiger Offensivdrang für die erste Hälfte und die Jenaer Viererkette in der Abwehr kann
wiederholt mit starkem Zweikampfverhalten (Wuttke, Sträßer) die gegnerischen Angreifer "abkochen". Für den eigentlichen
Gesprächsstoff der Halbzeitpause unter dem Jenaer Anhang sorgt Amirante, der bereits kurz vor der Halbzeitpause sich zum
Aufwärmen hinter das Tor von Nulle begibt.
Die zweite Hälfte beginnt mit einem Paukenschlag der angenehmeren Sorte, als Holwijn wunderschön auf der rechten
Seite lang durch Sträßer angespielt wird, im spitzen Winkel auf das Petkovic-Tor zusteuert, scheinbar die lange Ecke
mit seinem Schuß anvisiert, es aber verfehlt, bevor Orlando am langen Pfosten den Ball erreicht und ihn gekonnt flach
über die Linie drückt.
Die Wende im gesamten Spiel wird eingeläutet, als Sträßer in der 56. Minute, leicht humpelnd, verletzt ausgewechselt
werden muss. Die bis dahin äußerst souverän wirkende Jenaer Abwehrviererkette wird mit Marco Riemer wieder aufgefüllt
und ist fortan kaum noch wieder zu erkennen. Obwohl sowohl bei der Entstehung des Elfmeters (aus dem Gästeblock schlecht
einzusehendes Handspiel Riemers), als auch bei der Entwicklung des Führungstreffers ein gehörige Portion Glück für die
Niedersachsen im Spiel ist, kommt man nicht umhin festzustellen, daß vor allem die Jenaer Elf plötzlich den Faden verlor.
Als Holwijn in der 72. Minute diese "schwarze" Viertelstunde für den FCC mit einem Foul an der Mittellinie und nachfolgendem
Ballwegschlagen abschließt, ist die Partie quasi gelaufen. Nur noch zu Zehnt gelingt es nun nicht mehr die Eintracht noch
mal in Bedrängnis zu bringen. Die Braunschweiger lassen sich nun auch nicht mehr aus der Defensive locken und glänzen im
Vorwärtsgang in den letzten zwanzig Minuten lediglich mit einem gefühlten Dutzend Fehlpässen. Auch der Versuch von van Eck,
mit der Einwechslung von Kolb, mit einem Dreiersturm noch einmal auf den Ausgleich zu gehen verpufft relativ wirkungslos.
Ein Sieg in Braunschweig wäre, meiner Meinung nach, für den FC Carl Zeiss Jena ohne weiteres zu realisieren gewesen,
wenn man nach dem Führungstor, das zu einem äußerst günstigen Zeitpunkt fiel, weiter aggressiv die Entscheidung gesucht hätte
und sich mit dem Ausgleich nicht so aus dem Takt hätte bringen lassen. Nicht Eintracht Braunschweig hat gewonnen, sondern
der FCC hat verloren. Und zwar, weil man den Gegner zurück ins Spiel brachte, den der "Ringrichter" schon bis zur "9"
ausgezählt hatte. Schade drum.
Nachtrag: Die Stadt Braunschweig bietet den per Zug anreisenden Gästefans einen kostenlosen Bustransfer vom Bahnhof zum
Stadion an. Soweit so gut. Warum man aber nicht die ca. 6 km lange, direkte Strecke durch die Stadt nimmt, sondern den
Gästefans eine ca. 20-minütige Strecke über die ortsansässigen Autobahnen anbietet, scheint schleierhaft. Ich
habe diese "Stadtrundfahrt" jetzt insgesamt viermal genossen und hätte beim nächsten Mal gern eine andere Route. Danke im voraus.
<tn>
FC Carl Zeiss Jena - SV Wacker Burghausen 0:0
Tore: Fehlanzeige
- Jena: Nulle; Sievers, Wuttke, Lukimya, Sträßer;
Nagy (74.Holwijn), Truckenbrod, Riemer, Eckardt, Hähnge, Kolb (62.Orlando)
- Burghausen: Riemann; Wolf, Hertl, Kokocinski, Kresin, Nebihi (84.Schmidt), Burkhard, Grübl (73.Belleri),
El Haj Ali, Gorka, Cappek (89.Holz)
- Zuschauer: 6948
- Schiedsrichter: Sönder (Lübeck)
- Spielbericht
-
Dritter gegen Vierter - vom Papier her das Topspiel des heutigen Tages in der dritten Liga. Sonne pur und warme Temperaturen
waren beste Vorraussetzungen, um dem Spitzenspiel auch einen würdigen Rahmen zu verleihen. Die Partie musste eine
Viertelstunde später angepfiffen werden, da die Gäste bei Ihrer Anreise aus dem Hotel in Stadtroda infolge einer
Bombendrohung im Stau standen, und dadurch nicht rechtzeitig eine Stunde vor Spielbeginn im Stadion sein konnten.
Die erste gute Aktion des Spiel leitete Jenas Abwehrspieler Sträßer ein, der mit einem herrlichen Diagonalpass
René Eckardt bediente, doch dessen Schuss in der siebenten Minute stellte für Keeper Riemann keine echte Gefahr dar.
In der 18. Minute nutzte Truckenbrodt einen Ballverlust der Gäste aus und prüfte Riemann mit einem Schuss aus der zweiten
Reihe, doch leider landete der Ball genau in den Armen des Schlussmannes. Nach der doch spielerisch armseligen Partie in Kiel
wusste der FCC am heutigen Tage zu gefallen und kontrollierte im gesamten Spielverlauf die Partie. Doch auch mit schönen
Kombinationen und Ballstafetten im Mittelfeld blieben die Torchancen auf Jenaer Seite Mangelware. Die Burghausener, die infolge
einer Grippe auf vier wichtige Spieler verzichten mussten, stellten sich konsequent hinten rein, so dass es für die Jenaer
recht schwierig war, in der dicht gestaffelten Abwehr eine Lücke zu finden. Erst nach gut einer halben Stunde die nächste
Tormöglichkeit für die Jenaer. Hähnge hatte per Kopfball in den Lauf von Youngster Kolb verlängert, doch obwohl
Riemann in dieser Aktion zu weit vor seinem Kasten stand, konnte Kolb diese gute Torchance nicht nutzen und ballerte über das Tor.
Auch nach der Pause änderte sich das Spiel nicht gravierend. In der 51. Minute versuchte sich Sievers mit einer hohen Flanke in
den Strafraum, der Ball wurde lang und länger und fiel zur Verwunderung des Gästekeepers hinter ihm aufs Tornetz. Mit etwas
Glück hätte diese Flanke auch zum erneuten Tor des Monats avancieren können. Gut eine Stunde war vorbei und ein Jubel
auf den Rängen machte sich breit, als Publikumsliebling Orlando für Kolb eingewechselt wurde. Manch einer machte sich
Gedanken, warum und weshalb dieser nicht von Anfang an spielen durfte. Doch Trainer van Eck machte in der anschließenden Pressekonferenz
alle Gerüchte zunichte, als er gleich als erstes vermeldete, dass Orlando im am Vorabend ihm mitgeteilt habe, dass er sich für ein
komplettes Spiel nicht fit fühle. Doch als er den Rasen betrat, spürte man noch einmal einen Ruck durch die Jenaer Mannschaft gehen.
Er war es auch, der in der 71. Minute gleich eine gute Einschusschance hatte, doch leider kam er einen Schritt zu spät und rutschte
einschussbereit knapp am Ball vorbei. Eine Viertelstunde vor dem Ende donnerte Nulle einen super weiten Abschlag heraus, der Ball sprang
vor Orlando auf, doch leider konnte er diese Gelegenheit nicht verwerten oder den Ball zumindest unter Kontrolle nehmen. Die Abwehr der
Gäste stand weiter recht sicher, so dass es die Spieler des FCC nun immer mehr mit Einzelaktionen probierten, die aber allesamt nichts
einbrachten. Höhepunkt des Spiels war zweifelsohne die 82. Minute, in der bereits die Jenaer Fans von ihren Sitzen aufsprangen. Doch
leider stand Orlando das Glück am heutigen Tag nicht zur Seite, denn sein gut getimter Kopfball nach Flanke vom starken Sievers klatschte
an den Innenpfosten, von wo er anschließend direkt in die Arme des Keepers sprang. Da war sie, diese eine 100% Möglichkeit, doch
leider sollte es auch die letzte nennenswerte Aktion gewesen sein.
Mit einer Minute Nachspielzeit pfiff Schiedsrichter Tim Sönder das Topspiel der 3.Liga ab, was es leider nicht geworden war. Die Gäste
waren am Ende mit diesem Punkt hochzufrieden, während die Zeiss-Kicker mit hängenden Köpfen den Rasen verließen. Denn jedem
war nach der Partie klar, dass es selten so leicht gewesen sei, heute die ansonsten starken Kicker von Wacker Burghausen zu bezwingen. Auch wenn
viele Trainer und Verantwortliche eine Einzelkritik nicht unbedingt mögen, so muss doch am heutigen Tage die gesamte Abwehr mal explizit
hervor gehoben werden. Besonders die beiden Außen mit Sträßer und Sievers taten sich heute besonders hervor und ermöglichten
den Gästen während der gesamten Spielzeit keine nennenswerte Torchance.<vg>
Bilder auf fcc.weissenburger.de
Bericht auf fussball.sv-wacker.de
Holstein Kiel - FC Carl Zeiss Jena 0:1
Tore: 0:1 Kolb (72.)
- Kiel: Frech; Lamprecht, R. Müller, Schyrba, Meyer, K.Schulz, Holt,
Jerat (80. Siedschlag), Sembolo, Sykora (9. Guscinas), Heider (66. Stier)
- Jena: Nulle; Sievers, Wuttke, Lukimya, Sträßer;
Nagy (90. Fuss), Truckenbrod, Eckardt, Riemer, Orlando (64. Kolb), Hähnge (87. Petersen)
- Zuschauer: 4511
- Schiedsrichter: Dittrich (Bremen)
- Spielbericht
-
Mit Müller, Hasse und Sykora stehen gleich drei Ex-Jenaer im Kader der Kieler. Aber Hasse war gar nicht im Aufgebot
und Fiete Sykora musste bereits in der 9. min verletzungsbedingt ausgewechselt werden und konnte so gegen seinen
Ex-Club keinen Schaden anrichten. Bis zu diesem Zeitpunkt gab es bereits die ersten aufregenden Situationen vorm
Jenaer Tor. Kiel begann von Anpfiff an offensiv und setzte die Gäste unter Druck. Im Großen und Ganzen
stand Jenas Abwehr, stark unterstützt von den vier Mittelfeldspielern und Hähnge, relativ gut. Wenn man
aber 80 der 90 Spielminuten quasi mit dem Rücken an der Wand, sprich im eigenem Strafraum steht, ist es klar,
dass die Torchancen für die Gastgeber nicht ausbleiben. Vor allem bei Ecken konnte man immer wieder die Luft
anhalten. In der 5. min wehrte Nulle einen Kopfball Haiders aus 3 m Torentfernung zur nächsten Ecke ab. Diese
konnte von Orlando nicht geklärt werden und so hatte Robert Müller die Gelegenheit, seine ehemaligen
Mannschaftskollegen per Fernschuss (der aber in der vielbeinigen Abwehr hängenblieb) zu erschrecken. Nach
einem Stolper Riemers musste sich Lukimya, der wieder eine sehr gute Partie spielte, im letzten Moment in einen
Schuss werfen und zur Ecke klären. Diese führte zu einem Kopfballaufsetzer, gegen den wohl auch Nulle
keine Chance gehabt hätte, aber der Ball ging über die Torlatte. Ganz stark bei den Kielern war in der
Anfangsviertelstunde Sembolo, der ein paar Mal den Jenaern Knoten in die Beine dribbelte. Nachdem aber Sträßer
ihn mal etwas energischer bremste, wurde der auch ruhiger. Nach ein paar Minuten relativer Ruhe musst Nulle, wiederum
nach Ecke, sehr energisch den Ball (samt Gegner) wegfausten, um Schlimmeres zu vermeiden (25.). Nochmals zehn Minuten
danach hatten die Heimzuschauer den Jubelschrei auf den Lippen: Ein weiter Einwurf von rechts wurde verlängert
und den folgenden Kopfball Holts erwischte Nulle mit sensationellem Reflex gerade noch so. Holstein ließ den
Ball in dieser Phase schnell laufen und spielte oft direkt ab. Allerdings ging es zumeist nur bis zur Strafraumgrenze,
an der eine gelbe Wand sie aufhielt. Und so probierte es Sykora-Ersatz Guscinas aus 20 Metern mit einem Fernschuß,
der jedoch nur die Latte traf und die Zuschauern aufstöhnen ließ. Zur Pause konnte man über das
Unentschieden heilfroh sein, denn die Angriffsbemühungen des FCC konnte man bis dahin mit der Zahl "Null" beschreiben.
Nach der Pause ging es wie gehabt weiter, lediglich die Spielhälfte, in der sich alles abspielte, änderte sich.
Allerdings war Holstein jetzt so nett und verzichtete fast völlig auf das Spiel über die Flügel. 7,32 m ist
die Torbreite und ungefähr ebenso breit war der Korridor an Jenas Strafraumgrenze, durch den die "Störche" ihre
Angriffe versuchten. Die Jenaer Abwehrspieler hatten dadurch eigentlich ein leichtes Spiel, wurde doch einmal einer ausgetanzt,
so standen garantiert gleich zwei weitere Gelbe dahinter und klärten. Nur bei einem Fernschuss Lamprechts von rechts
außen (52.) und einem abgefälschten Freistoß (55.) kam der Ball mal in Nulles "Sichtweite", der Rest
waren Kinkerlitzchen. Nach vorn blieb alles unverändert, es ging nichts. Kam man doch einmal über die Mittellinie,
so war es ziemlich sicher, dass Orlando im Rücken der Abwehr im Abseits stand. In der 60. min dann hatte der FCC
mal eine Chance auf einen aussichtsreichen Angriff, aber Orlando rannte mit gesenktem Kopf in zwei Gegner hinein und
übersah den mitgelaufenen und freistehenden Hähnge. So konnte das nichts werden und folgerichtig kam in der
65. Minute Kolb für Orlando. Schon die ersten Zweikämpfe Kolb sahen völlig anders aus als Orlandos
Vorstellung: Der Achtzehnjährige ging in die Zweikämpfe, setzte bei Ballverlust sofort nach und steckte
nie auf. Mir rutschte da ein "Dem Kolb gönne ich ein Tor, der hat schon gegen Dortmund so gut gespielt" heraus
(wenn die Weissagung der Lottozahlen nur ebenso klappen würde…). Drei Minuten nach dem Wechsel (in der 68. min!!!)
hatte der FCC seinen ersten Torschuss, aber Truckenbrods Geschoss ging knapp am langen Pfosten vorbei. Der nächste
Kieler Angriff wurde kurz hinter der Mittellinie abgefangen und der FCC hatte eine perfekte Konterchance in 3:2-Überzahl,
jedoch vergeigte Riemer diese Gelegenheit kläglich. Kurz danach bekam Hähnge auf der rechten Seite den Ball,
ging bis zur Grundlinie, beschäftigte zwei Gegenspieler und spielte mit der Hacke auf den mitgelaufenen Eckardt.
Der schickte seinen Gegenspieler und bediente - wie schon in vorhergehenden Spielen - mit einer maßgenauen
Zuckerflanke den in der Mitte wartenden Mitspieler. Diesmal war es Kolb, der sich die Chance nicht entgehen ließ
und zur überraschenden Führung des FCC einnickte und auf der Gegentribüne für eisiges Schweigen um
mich herum sorgte (ich jubelte solo *g*).
Das Spiel war gekippt. Die "Störche" hatten einen gewaltigen Knacks bekommen,
denn sie versuchten zwar in der verbleibenden Zeit mit viel Einsatz und Elan, dieses Resultat zu reparieren, aber lediglich
ein weiterer Lattentreffer wiederum durch Guscina sorgte für Aufregung. Im Gegenteil, mit etwas Cleverness hätte
Jena jetzt den berühmten Sack zubinden könne, aber zunächst war nach Doppelpass Eckardt - Hähnge der
Kieler Torwart einen Tick schneller am Ball als Eckardt (85.) und dann fehlte Truckenbrod einfach die Kaltschnäuzigkeit,
allein vor Frech - der bis zur Strafraumgrenze herausgekommen war - mit einem Heber das 2:0 zu machen, er ballerte den Ball
voll auf den Keeper drauf. Ansonsten versuchte man ziemlich geschickt und erfolgreich, in den verbleibenden Minuten das Tempo
aus dem Spiel zu nehmen und den Ball in den eigenen Reihen zu halten.
Bis zu Kolbs Einwechslung wäre ich mit einem Punkt hochzufrieden gewesen. Der "Dreier" ist mit etwas Glück in
den ersten 70 und mit ansprechender Leistung in den letzten 20 Minuten eingefahren worden. <uk>
FC Carl Zeiss Jena - Borussia Dortmund II 2:1
Tore: 0:1 Neumeister (6.), 1:1 Lukimya (13.), 2:1 Riemer (80.)
- Jena: Nulle; Sievers, Wuttke, Lukimya, Sträßer;
Nagy (90. Petersen), Truckenbrod, Hähnge, Eckardt (85. Fuss); Orlando,
Kolb (73. Riemer)
- Dortmund: Höttecke; Koch, Eggert, Hünemeier, Neumeister;
Hille, Hasanbegovic (85. Boztepe), Tyrala, Öztekin; Ginczek (57.
Piossek), Kullmann
- Zuschauer: 6983
- Schiedsrichter: Dankert (Rostock)
- Spielbericht
-
Das Chaos beim FCC wurde gerade mal wieder etwas unübersichtlich. Nachdem
Peter Schreiber offenbar keine unbezahlten Rechnungen mehr auf seinem Wühltisch
findet (oder diese lieber wieder untendrunter steckt), fängt die
liebevoll zusammengesparte Mannschaft an sich in Wohlgefallen aufzulösen.
Der eine haut mit südländischer Besonnenheit einem Blumenzüchter
ins Gesicht, der andere wird aufgrund seiner Großartigkeit
suspendiert und der Dritte hat seine Bandscheiben nicht im Griff. Hinzu kommen
ungezählte Zerrungen und Risse diverser Muskelgruppen, schlechte
Blutwerte und Verstauchungen. Und die wenigen Verbliebenen, die sich stets gut
benommen haben und dazu gesund sind, können auch nicht mehr so
richtig. Zu groß ist der Druck nach dem Kulturarena-Debakel für
Rom, Ähnliches vollbringen zu müssen. Ernüchternde
Aussichten also für das gestrige Spiel gegen Dortmunds Zwote, zumal
die nach fünf Minuten schon in Führung lag. Neumeister hatte
die Aufwachprobleme in Jenas Deckungsverbund schamlos ausgenutzt und per Kopf
die Gästeführung hergestellt (6.). Zwar war der ursächliche
Freistoßpfiff völliger Mumpitz, gezählt hat es
trotzdem. Aber was soll's. Aus Ruinen wird auferstanden! Und überhaupt:
Bandscheibenvorfälle werden total überbewertet!
Zwar
folgte die Trotzreaktion erst nachdem Nulle das 0:2 und damit den unabwendbaren
Untergang verhindert hatte, dann aber kam die große Zeit des Rene
Eckardt. Ganz ehrlich, wenn der immer so spielen würde wie die
folgende Viertelstunde, die Nationalmannschaft wäre kein Thema. Seine
Vorlage auf Wuttke nach einer Ecke und sein Heber aus spitzem Winkel wären
bereits Treffer wert gewesen, Hötteke bekam aber beidemal noch
irgendein Körperteil dazwischen. Gegen Lukimyas Schuß aus
Nahdistanz konnte aber auch der Dortmunder Schlußmann nichts mehr
machen. Eckardt hatte Neumeister auf der rechten Seite schön zur
Schere gemacht und den Ball dann flach nach innen geschlagen. Von dort hätte
es wohl nur noch Gomez und dann auch nur im Nationaltrikot noch fertiggebracht,
das Tor nicht zu treffen. Jubeln unter Vorbehalt (13.). Ein Unentschieden
konnte hier ja nicht das Ziel sein! Dieser Vorbehalt legitimierte sich
schneller als gedacht. Mit der Gewißheit der uneingeschränkten
Überlegenheit zog sich Jena wieder aus dem Dortmunder Strafraum zurück.
Alle Maschinen Stop - im Notfall gleichen wir halt wieder aus. Zwar hatte
Eckardt nach eine Wuttke-Vorlage noch einmal die große Chance zur Führung,
sein strammer Volleyschuß fand aber den Weg ins Tor nicht und ist
jetzt wahrscheinlich ein dicker blauer Fleck auf einem Dortmunder Gesäß
(16.). Danach tickte nur noch die Uhr runter. Was dieser taktische Unsinn soll,
ist schwer zu sagen, zumal der Schwung des Ausgleichstreffers dadurch völlig
verpuffte. Die Kräfte jedenfalls hätten eigentlich noch ein
bißchen länger reichen sollen. Kurz vor der Pause hätte
sich dieses unheilvolle Fehlverhalten tatsächlich fast gerächt.
Wäre Kullmann nicht um Zentimeter an Boztepes Eingabe vorbeigerutscht,
die etwa 300 Mitgereisten Dortmunder hätten wohl unsere leise vor sich
hin tirilierende Südkurve vollends unter den Tisch gesungen. Glück
gehabt!
Nach der Pause war es vor allem Orlando, der für Aufsehen sorgte.
Inzwischen ist es für jeden Gegner offenbar ein probates taktisches
Mittel geworden, ihn einfach am Losrennen zu hindern. Ein kurzes Halten, ein
Schubser auf Höhe der Mittellinie, eigentlich ist alles besser als ihm
später hinterherzugucken. Zwei oder drei gelbe Karten werden dafür
augenscheinlich in Kauf genommen, welche die Schiedsrichter (vor allem der von
gestern) oft nicht mal geben. Wenn dann auch noch klarste Pfiffe ausbleiben,
geht mir langsam das ohnehin knapp bemessene Verständnis aus.
Stattdessen reichten auf der Gegenseite mitunter kleinste Scharmützel
aus, um aus gefährlichsten Positionen Freistöße zu
verhängen. Einer davon wäre Jena fast zum Verhängnis
geworden, als Hünemeier den hoch hineingeschlagenen Ball von Tyrala
nur knapp verfehlt, kann Nulle erst im Nachfassen das Unentschieden festhalten
(63.). Knapp! In dieser Phase überzeugt der FCC aber auch allenfalls
durch Gleichwertigkeit auf niedrigem Niveau. Die Führung kommt
dementsprechend wie aus dem Nichts. Wieder ist es Eckardt, dessen präzise
Flanke die Entscheidung bringt. Punktgenau schießt der den Ball auf
den eingewechselten Riemer, dessen Kopfstoß die vor sich hindämmernden
Fans aus der allgemeinen Lethargie reißt (80.). Nicht zu glauben! Dieses Murksspiel und dann auch noch der Riemer. Der
hatte gegen Erfurt nun wirklich einen Scheißtag erwischt. Und dann
noch das Ding mit seinem Rücken. Schön, daß es
offenbar doch nicht so schlimm war oder Bandscheibenvorfälle halt
einfach überbewertet werden (-:
Was folgt sind noch zehn zerrige Minuten Warterei plus einer unendlich
langen Nachspielzeit. Dann ist der dritte Sieg endlich in Sack und Tüten.
Glanzvoll war es nicht! Spielerisch herrschte mitunter unbeschreibliches Elend
auf dem Platz. Dazu kommen die Abstimmungsschwierigkeiten, die bei einer neu
formierten Elf aber ganz normal sind. Entscheidend aber war der größere
Wille. Das was Erfurt in Jena zum Sieg getragen hat, war gestern Jenas
Unterpfand. Die Mannschaft wollte einfach mehr. Das Derby ist damit nicht
vergessen, dieser Stachel sitzt zu tief. Aber ein Rückspiel in Erfurt
ist ja auch noch. Ein neues Spiel mit neuen Chancen. Und nächstes Jahr
wollen wir ja auch wieder in die Kulturarena... <bpf>
VfL Osnabrück - FC Carl Zeiss Jena 2:0
Tore: 1:0 Lindemann (21.), 2:0 Reichenberger (63.)
- Osnabrück: Berbig; Herrmann, Barletta, Nickenig, Krük;
Siegert, Heidrich, Lindemann, Hansen (76. Grieneisen); Reichenberger (85.
Samide), Schmidt
- Jena: Nulle; Sievers, Wuttke, Lukimya, Sträßer;
Nagy (66. Kolb), Truckenbrod, Ziegner, Holwijn (83. Eckardt); Orlando,
Hähnge
- Zuschauer: 9800
- Schiedsrichter: Aytekin (Oberasbach)
- Spielbericht
-
Der Überkreuzvergleich der bisherigen
Saisonresultate sprach von vornherein gegen den FCC: Ingolstadt hatte Erfurt
klar besiegt, Osnabrück die Ingolstädter und Erfurt am
vergangenen Sonntag....ach, lassen wir das. Fußballspiele werden
nicht mit dem Taschenrechner entschieden. Klären wir stattdessen
lieber die Frage: Was stellt eine Mannschaft am gescheitesten an, die mit
Lanzaat, Riemer, Petersen, Osadchenko sowie Ralf Schmidt gleich fünf
Ausfälle in der Abwehr zu verkraften hat ? Klar, sie spielt munter
nach vorn !
Genau das tat Jenas Elf in der Anfangsphase. Da Salvatore
Amirante nach seiner Rot-Sperre für mindestens vier Spiele von der
Bildfläche verschwunden sein wird, teilten sich die beiden Holländer
Orlando und Holwijn von außen kommend in die Rolle des zweiten Stürmers
hinein. Wobei Melvin Holwijn in seinem ersten Match von Anbeginn wesentlich mehr
auffiel. Selbst zwei Gegenspieler vermochten ihn nach fünf Minuten
nicht zu stoppen, zumindest nicht mit fairen Mitteln. Erst als Holwijn wie
nichts zwischen ihnen hindurch geschlüpft war, holte ihn der düpierte
Krük von den Beinen. Freistoß also von der rechten
Strafraumseite, lang auf die andere Seite geschlagen zu Wuttke, dieser sofort
zurück auf den vorm Tor stehenden Hähnge. Zeit zu überlegen
hatte Sebastian nicht, zwei Meter vor dem Kasten inmitten einer lila
Spielertraube handelt man sowieso besser instinktiv - wenn dann aber der Ball
Osnabrücks Keeper Tino Berbig mitten ins Gesicht fliegt, ist das
einfach nur riesengroßes Pech. Doch Jena blieb am Drücker.
Gerade mal zehn Minuten waren gespielt, als ein sichtlich
motivierter Sebastian Hähnge
diesmal von der rechten Seite kommend durchzog. Berbig verkürzte den
Winkel, Hähnge legte deshalb auf den zentral stehenden Truckenbrod ab,
doch schoss dieser aus sieben Metern weit über das leere VfL-Gehäuse.
Dies freilich war mit Pech nicht mehr zu erklären, muss doch auch von
einem defensiven Mittelfeldspieler erwartet werden dürfen, beim unbedrängten
Torschuss nicht in starke Rückenlage zu verfallen.
Ein Führungstreffer
wäre der gerechte Lohn für ansehnlichen Kombinationsfußball
in der ersten Viertelstunde gewesen. Außer einer Einzelleistung von
Jenas Ex-Kapitän Niels Hansen hatten die Gastgeber bis zu diesem
Zeitpunkt noch nichts zustande gebracht, unter anderem weil sich Tim Wuttke auf
der ungewohnten Innenverteidiger-Position gut in Jenas Viererkette einfügte.
Doch dann brach Minute 21 an. Siegert legte für Björn Lindemann
auf und der hatte als erster VfL-Spieler in diesem Match mal richtig Platz am
gegnerischen Sechzehner. Wie er den nutzte - mit einem Sonntagsschuss ins
Dreiangel - war zweifellos sehenswert. Die Führung ansich aber äußerst
glücklich. Erst jetzt kamen die Niedersachsen besser ins Spiel. Nachdem sich zwei Jenaer
gegenseitig angeschossen hatten (29.), drohte für Carsten Nulle ebenso
Gefahr wie beim Freistoß zehn Minuten später, den der Torhüter
aber auf Nummer sicher gehend über die Latte lenkte. Seinem Gegenüber
Tino Berbig, der selbst mal in Jena zwischen den Pfosten gestanden hatte und
hierher noch familäre Bindungen hat, misslang in der 40. Minute bei
einsetzendem Gewitterregen ein Abschlag, sodass Hähnge den Ball mit
einem Heber postwendend zurück brachte. Leider nur aufs Tornetz. Als
sich einige schon auf den Pausentee zu freuen schienen, gabs den ersten
erfolgreichen Antritt von Orlando. Bei dessen Eingabe von der linken Seite kam
Hähnge einen Schritt zu spät. Oder ließ er den Ball
absichtlich für Holwijn durch ? Möglich wäre es,
denn der Neuzugang hatte freie Bahn, nur -
was machte er daraus ? Halb Ballannahme, halb Torschuss, nichts von
beiden richtig, und so beförderte der Nationalspieler das Leder weit
am Pfosten vorbei ins Toraus. Zwei, drei dicke Torchancen teils kläglich
vergeben zu haben war der einzige Vorwurf, den man der Zeiss-Elf beim Gang in
die Kabinen machen konnte.
Die erste Aktion nach Wiederanpfiff war nahezu eine Kopie
der letzten Szene vor der Pause. Wieder ging Orlando auf der linken Seite auf
und davon, wieder kam Hähnge in der Mitte einen Schritt zu spät.
Nur dass diesmal kein Holwijn daneben stand. Auf der anderen Seite köpfte
Nickenig aufs Tornetz (48.). So wie sich das Spiel danach entwickelte, war
absehbar, dass es nicht bei dem einen Treffer in dieser Partie bleiben würde.
Beide Mannschaften schenkten sich nichts, noch aber fand niemand die Lücke.
Die Emotionen im Spiel übertragen sich sogar auf die Ersatzleute
hinter dem Tor. Als Sträßer bei einer Abwehraktion gehalten
wurde und somit nicht in der Lage war, den Eckball zu verhindern,
regte sich André Schmidt berechtigterweise über
den Schiri-Assistenten auf, der das Foul eigentlich hätte sehen müssen.
Die Konsequenz war die Gelbe Karte für einen Spieler, der in dieser
Saison noch nicht eine Punktspielminute in der ersten Mannschaft verbracht hat
(58.). Besagte Ecke beschwörte übrigens Gefahr durch
Reichenbergers Kopfball herauf, den Nulle wegfaustete.
Osnabrücks Stürmer-Oldie
drehte nun richtig auf. War beim Schuss in Minute 62 abermals bei Carsten Nulle
Endstation, sorgte Thomas Reichenberger schon zwei Minuten später für
die Spielentscheidung, indem er aus sieben Metern zum 2:0 traf. Ein Tor,
das Carsten Sträßer auf seine Kappe nehmen muss, vertändelte
er doch das Leder im eigenen Strafraum ohne Not gegen Hansen, der dann
Reichenberger ins Spiel brachte. Zwar hatte eine Jenaer Mannschaft schon einmal
im Osnabrücker Stadion das Kunststück fertig gebracht, aus
einem 0:2 noch ein Remis werden zu lassen - doch die Körpersprache
nach dem zweiten Gegentreffer zeigte an, dass sich das diesmal nicht
wiederholen würde. Weshalb ein über 70 Minuten recht intensiv
geführtes Spiel die verbleibende Zeit gemächlich austrudeln
durfte.
Die Art und Weise, wie diese Niederlage zustande kam, war
eine ganz andere als eine Woche zuvor. Kein Vergleich mit dem fast
hergeschenkten Derby. Und doch gerät die Mannschaft nach einem Punkt
und null Treffern aus den letzten drei Partien in Zugzwang. Schon im nächsten
Spiel muss der Schalter wieder umgelegt werden, soll eine weitere Spielzeit in
den Tabellenregionen der Vorsaison vermieden werden. <fc>
FC Carl Zeiss Jena - FC Rot-Weiß Erfurt 0:3
Tore: 0:1 Kammlott (1.), 0:2 Semmer (40.), 0:3 Kammlott (55.)
- Jena: Nulle; Sievers, Riemer (46.Petersen), Lukimya,
Sträßer; Nagy (46. Hähnge), Truckenbrod, Ziegner, Eckardt
(68. Holwijn); Smeekes, Amirante (
, 59.)
- Erfurt: Orlishausen; Malura (

, 59.), Pohl, Möckel,
Ströhl; Cinaz, Rockenbach da Silva, Stenzel, Hauswald (84. Pinske); Semmer (64. Peßolat),
Kammlott (78. Cannizzaro)
- Zuschauer: 11.200
- Schiedsrichter: Leicher (Landshut)
- Spielbericht
- Ein paar Worte vorweg, zu den wenigen positiven Aspekten dieses Spiels:
Endlich,endlich, endlich hat es der Verein einmal geschafft, die Stadiontore mit
ausreichend Leuten zu besetzen, um einen flüssigen Einlass zu gewährleisten.
Man mag sich gar nicht ausmalen, wieviele frustrierte Zuschauer des FCC in
den letzten Monaten nicht wieder gekommen sind - nur weil der Verein die paar
Euro sparen wollte, die zusätzliche Einlasskräfte kosten? Bitte lasst es
keine Derby-Eintagsfliege sein...
Eine zweite gute Nachricht: Das Stadion war
nahezu ausverkauft, nur die Gäste hatten zu Hause irgendwie kleine Probleme
mit dem Kartenverteilen. Ja, und die Choreos kurz vor Beginn des Spiels:
die große Flagge auf der Haupttribüne und dann die Herzchen für Jena, erst
rot (WTF?!) und dann blau-gelb-weiß mit Feuer.
Beeindruckend(!) - dachten
sich wohl auch die Spieler des FCC, die sich in der ersten Minute
anscheinend auf alles andere drumherum konzentrierten, nur
nicht auf's Spiel. Der Anstoß des FCC wurde abgefangen, ein steiler Pass in
die Spitze, Abschluss von der Strafraumkante ins linke untere Eck, und nach
gefühlten drei Sekunden stand es Null-zu-Eins.
Braucht es wirklich nur ein Gegentor in der ersten Minute, um das in den
letzten Wochen vielgerühmte Wahnsinns-Jenaer Publikum komplett ruhigzustellen?
Offensichtlich. Nur die Südkurve zuckte noch in den ersten zehn Minuten,
in denen Jena sichtlich geschockt wirkte und nichts auf die Reihe kriegte.
Die Unaussprechlichen waren auch nicht wirklich gefährlich, und so plätscherte
es dahin bis zur 14. Minute, als Amirante kurz vor dem Strafraum gelegt
wurde. Ziegner trat an und schlenzte den Ball an die Querlatte... was für ein
Pech! Wenigstens war der FCC in dieser Phase gleichwertig und kam über das
Kurzpassspiel und gewonnene 1:1-Situationen auch mehrmals schnell bis
zum Strafraum der anderen. Irgendwie schienen sie aber den Ball heute
reintragen zu wollen: immer noch ein Abspiel oder Dribbling mehr aus aussichtsreicher
Position, aus der man auch einfach mal hätte draufhauen können und
müssen. Jenaer Verunsicherung wurde merklich. Je weiter die erste Halbzeit
voranschritt, desto mehr unforcierte Fehler schlichen sich in das Jenaer
Spiel ein. Kurz vor der Halbzeit verschätzte sich dann auch noch Nulle bei
einem Eckball und es stand 0:2. Auf den Tribünen machte sich Ratlosigkeit breit
- war das wirklich die gleiche Mannschaft, die bislang so begeisternden
Fußball gespielt hatte?
Es konnte nur besser werden und es wurde - bitterer. Da hatte der FCC
gleich nach der Pause eine gute Kopfballchance (der Ball landete auf dem
Tornetz), doch in der 54. Minute kam eine Bogenlampe in den Jenaer Strafraum
hereingesegelt, die ewig in der Luft war und trotzdem nach Direktabnahme
im Jenaer Tor landete. Wenn der Torschütze demnächst im Training versucht,
dieses Tor nachzustellen, wird er von 100 Versuchen wahrscheinlich 99 nicht
treffen...aber im Spiel ging er halt rein, und damit war die Luft vollständig raus.
Was danach passierte, war haarsträubend.
Es ist nicht unüblich, dass Mannschaften sich bei einem Rückstand von 0:3
nach 55 Minuten mitunter hängenlassen (wobei meine ganz persönliche Meinung
dazu ist, dass das dann auch keine Mannschaft ist). Aber dass so absolut gar
nichts mehr ging, dass einfachste Bälle zum Gegner gespielt, wirklich sinnlose
Dribblings angesetzt und Laufwege einfach abgebrochen wurden, macht
nachdenklich. Die erste Chance für den FCC gab es erst wieder in der 71.
(Hähnge vergibt aussichtsreich), dann nochmal eine kleine in der 75. Auf
der Gegenseite konnten wir uns bei Nulle bedanken, dass es am Ende nicht 0:5
stand - und zwar nicht, weil der Landeshauptstadtclub überragenden Fußball
gespielt hätte.
Einen "positiven" Aspekt hat die Sache am Ende doch noch: Dieses ganze
Geklapse mit angekündigtem Moonwalk, "Wir steigen auf"-Gesängen und 100:0-Fahnen
gehört erst mal wieder der Vergangenheit an. Die Chance besteht, dass die
Jenaer Spieler am Sonntag begriffen haben, dass sich Spiele gegen Mannschaften,
die unten stehen, nicht von selbst gewinnen. <ragnar>
Derby-Fotos von Jens Weißenburger
Bericht auf der Erfurter Homepage
FC Erzgebirge Aue - FC Carl Zeiss Jena 0:0
- Aue: Männel; Klingbeil, le Beau, Paulus, Schaffrath;
Cimen (68. Gambo), Stark, Müller (72. Klotz); Curri, Braham, Ramaj (90.
Hiemer)
- Jena: Nulle; Sievers, Riemer, Petersen, Sträßer;
Nagy, Truckenbrod, Ziegner, Orlando; Hähnge, Amirante (87. Eckardt)
- Zuschauer: 11.400
- Schiedsrichter: Dr. Fleischer (Sigmertshausen)
- Spielbericht
- 5:1, 5:0, 5:0. In den vergangenen drei Jahren ist der FCC im
Erzgebirgsstadion regelrecht vermöbelt worden. Bekanntlich hat der
Optimist keine Ahnung von den freudigen Überraschungen, die ein
Pessimist erlebt. Trotzdem fuhren wir diesmal mit einem besseren Gefühl
nach Aue und weigerten uns von vornherein, an eine Fortsetzung dieser schwarzen
Serie zu glauben. Dafür hatte die neue Jenaer Mannschaft in den ersten
Wochen der noch jungen Saison schon zu viel an Potential offenbart.
Entgegen seiner Ankündigung hatte René van Eck im
Vergleich zum letzten Spiel eine Änderung vorgenommen. Rene Eckardt
blieb trotz ansprechender Leistung gegen Bayerns Zweite erst mal wieder auf der
Bank, wohingegen Sebastian Hähnge zu seiner Premiere in der Startelf
kam. Waren es die besseren Trainingsleistungen, die dafür den
Ausschlag gaben ? Fürchtet van Eck, den Youngster zu schnell zu
verheizen ? Oder will er Jenas Offensivtaktik ein Stück weit
unberechenbarer für die Ligakonkurrenz gestalten ? Wie auch immer -
Smeekes, der am liebsten nur Orlando genannt werden möchte, rückte
aus dem Zentrum auf die Außenposition. Von da, nur in der anderen Hälfte,
kamen auch die meisten Bälle in den ersten zwanzig Minuten. Eckball um
Eckball holten die Gastgeber während ihrer Anfangssoffensive heraus.
Den ersten richtigen Torschuss gabs dennoch von einem Jenaer. Salvarore
Amirante prüfte Martin Männel nach achtzehn Minuten. Darüber
hinaus tat sich allerdings vor der Pause nicht viel an Offensivgeschehen
seitens der Thüringer. Dazu fehlte es im Mittelfeld an einem
Gestalter, der die Bälle verteilte oder einfach mal länger in
den eigenen Reihen hielt. Hähnge und Amirante hatten es schwer mit
ihren Gegenspielern. Und Orlando ? Zeigte auf rechtsaußen mehrmals
technische Kabinettstückchen, doch in echte Torgefahr mündeten
die meist nicht, sodass sich die Umstellung alles in allem nicht bezahlt
machte. Ein einziges Mal brachte er vor der Pause nach energischem Sprint eine
Eingabe vors Tor, doch die fing Männel vor dem einschussbereiten
Amirante weg.
Erfreulich hingegen, dass Jenas Viererkette auch ohne Lanzaat
lange Zeit nichts zuließ. Da konnten Curri und Ramaj rochieren, wie
sie wollten - sowohl Sievers wie auch Sträßer ließen
sie nicht zu Entfaltung kommen. Auch die 7:0 Ecken der Veilchen in Hälfte
eins bereiteten Nulle und seinen Vorderleuten keine Probleme. Lediglich in den
letzten drei Minuten vor dem Pausenpfiff schlich sich kurzzeitig mal etwas
Sorglosigkeit ins Jenaer Abwehrzentrum. Denn dass ausgerechnet der Kleinste auf
dem Platz, Skerdilaid Curri, nur um wenige Zentimeter an einem Kopfballtor
vorbeischrammt, darf eigentlich nicht
passieren. Und was war in Minute 44 los ? Bei Müllers Heber in den
Strafraum rannten gleich zwei Weiße mit Ramaj mit, wodurch sich
Braham zentral in 13 Metern
Torentfernung seelenruhig auf seinen Torschuss vorbereiten konnte. Doch vergeht
kein Spiel ohne eine Heldentat von Carsten Nulle ! Jenas Keeper entschärfte
Brahams Schuss mit toller Reaktion. Der Halbzeitpfiff kam den Jenaern nicht
ungelegen.
Mit Beginn der zweiten Hälfte hatte sich Jenas
Hintermannschaft wieder formiert. Aue zunächst wieder leicht feldüberlegen,
ohne groß zu Tormöglichkeiten zu gelangen. Ramajs Schlenzer
Richtung Dreiangel fing Nulle noch in dessen Steigphase (57.). Die optische Überlegenheit
auf Seiten der Gastgeber verschwand dann nach etwa einer Stunde Spielzeit. Erst
jetzt fiel auf, dass mit Kos auch bei den Erzgebirglern der Abwehrchef fehlte
und deren Hintermannschaft nicht unüberwindbar ist. Als Orlando seinen
Gegenspieler ins Leere rutschen ließ, die flache Hereingabe nur
unkontrolliert nach vorn abgewehrt werden konnte, kam Jens Truckenbrod aus fünfzehn
Metern zum Torschuss. Wie gern hätten wir DEN ankommen sehen ! Doch
Paulus warf sich hinein, bescherte Jena damit nach 61 Minuten wenigstens noch
die erste Ecke, welche aber wie generell alle Standards an diesem Tag nichts
einbrachte. Die hohen Temperaturen sollten in der Schlussphase bei beiden
Mannschaften ihren Tribut fordern. Das Wort Sommerfußball machte nun
die Runde. Van Eck schien dennoch nicht unzufrieden,
tätigte seinen ersten Wechsel erst drei Minuten vor
Schluss und dies aus Verletzungsgründen. Dass auch Trainerkollege
Schmitt in der 90. Minuten noch einen neuen Mann auflaufen ließ, lässt
den Schluss zu, dass mit dem unentschiedenen Spielausgang am Ende alle recht
zufrieden waren. Die Gastgeber hatten dem Spitzenreiter einen Punkt abgerungen,
der FCC bereitete seiner schwarzen Serie im Erzgebirgsstadion endlich ein Ende.
Zwar ist die Tabellenführung damit schon wieder
passé, doch ist der FC Carl Zeiss Jena auch nach dem Auer Auswärtsspiel noch ungeschlagen in dieser Saison.
Und das ist schließlich auch schon etwas wert. <fc>
FC Carl Zeiss Jena - FC Bayern München II 6:0
Tore: 1:0 Eckardt (8.), 2:0 Smeekes (28.), 3:0 Amirante (48.), 4:0 Amirante (62.), 5:0 Amirante (64.), 6:0 Amirante (76.)
- Jena: Nulle; Sievers, Riemer, Lanzaat (23. Petersen),
Sträßer; Nagy, Truckenbrod, Ziegner, Eckardt; Smeekes (68.
Hähnge), Amirante (77. Benyamina)
- München: Kraft; Schütz, Lell
(
, 38.), Saba (56. Kopplin), Contento;
Erb, Rieß, Görlitz, Schürf (53. Yilmaz); Sikorski, Sene (43. Duhnke)
- Zuschauer: 8346
- Schiedsrichter: Gorniak (Bremen)
- Spielbericht
- Vor dem Spiel bestimmten noch Sorgen die Gedanken der
meisten Zuschauer, an die sich nach dem Spiel kaum noch jemand erinnerte. Wie
wird die Mannschaft die befürchteten Ausfälle von Carsten Sträßer
und Ralf Schmidt verkraften können? Wie kommt der FCC mit den
bundesligaerfahrenen Christian Lell und Andreas Görlitz zurecht? Wird
die zweite Garde des großen FC Bayern am dritten Spieltag ihr
zweifellos vorhandenes Potential zeigen, nachdem man eher schwach in die Saison
gestartet war?
Zumindest einer der Fragen löst sich noch vor dem
Anpfiff in Wohlgefallen auf, denn Carsten Sträßer stand in
der Startformation. Der Abwehrspieler ist mitverantwortlich für den
derzeitigen Erfolg des FCC und wird von vielen aufgrund seiner in der letzten
Saison oft gut versteckten Souveränität mit einem
Augenzwinkern als "Neuzugang" bezeichnet, entsprechend groß war die
Erleichterung bei der Lektüre seines Namens in der Startaufstellung. Die
Elf des gut in die Saison gestarteten FCC begann das Spiel auch gleich druckvoll
und schon die ersten Minuten ließen keinen Zweifel daran aufkommen,
wer heute der Herr im Haus sein wollte. Die erste Ecke des Spiels erhielten
trotzdem die Bayern, aber mehr als ein schneller Gegenstoß über
den starken Sievers sprang dabei nicht heraus. Dieser Konter war es, den Timo
Nagy mit einem herrlichen Pass auf Salvatore Amirante fortsetzte. Der Italiener
stand plötzlich vor Kraft im Tor des FCB und wollte den Ball in der
langen Ecke unterbringen, hatte dabei aber die Reflexe des Schlussmanns der
Bayern unterschätzt. Festhalten konnte er den scharfen Schuss aus
kurzer Distanz allerdings nicht, der mitgelaufene René Eckardt schaltete am
Schnellsten und konnte den Ball unbedrängt aus kurzer Distanz im Tor
unterbringen - 1:0 für den FCC nach nur acht Minuten! Die erfahrenen
Spieler der Bayern, namentlich Görlitz und Lell, sahen beim
vorhergehenden Zusammenspiel von Nagy und Amirante alles andere als gut aus und
verloren schon nach diesen wenigen Minuten einen Teil des von ihren Namen
ausgehenden Glanzes.
Die Gäste aus München zeigten sich aber
keineswegs geschockt vom frühen Rückstand, stattdessen bemühten
sie sich von nun an intensiv um den Ausgleich. Nur fünf Minuten nach
der Führung war es Carsten Nulle, der gegen den in dieser Phase
starken Sikorski klären musste. Der war nach einem Missverständnis
in der Jenaer Hintermannschaft plötzlich frei vor Nulle aufgetaucht
und scheiterte nur an der blitzschnellen Reaktion des auch heute sicheren Rückhalts.
Im Gegenzug hat Eckardt das 2:0 auf dem Fuß, nachdem er mit einem
herrlichen langen Ball von Nagy freigespielt wurde. Sein Ball geht aber leider
nicht nur an Torhüter Kraft vorbei, sondern auch am Tor. Für
die nächsten Minuten sollte dieser Gegenstoß das letzte
Lebenszeichen des FCC sein, von nun an drückten die Bayern. Dabei war
es immer wieder Marco Riemer, der in der Abwehr nicht überzeugen
konnte. In der 16. Minute profitiert er allein von der Fairness des Münchner
Stürmers Sikorski, der sich trotz leichtem Trikotzupfer aufrafft und
sich nicht fallen lässt, anderenfalls hätte man diese
Situation wohl als Notbremse werten müssen. So stand Sikorski zwar
allein vor dem Jenaer Gehäuse, aber dieses wurde ja von Carsten Nulle
bewacht - und dieser reagierte erneut glänzend. Auch wenn man sich
mittlerweile schon fast daran gewöhnt hat, mit Nulle einen extrem
sicheren Rückhalt zu haben - was dieser Mann Woche für Woche
für Bälle hält, ist aller Ehren wert. Völlig
zu Recht wurde "Wild Thing" auch vor dem Spiel als Spieler der letzten Saison
ausgezeichnet, denn ohne ihn hätte der FCC die Klasse wohl kaum
gehalten. Richtig ernste Mienen konnte man nur kurz darauf erblicken, denn
offenbar hatte sich Abwehrchef Quido Lanzaat ohne Fremdeinwirkung verletzt und
drängte auf seine Auswechslung, die nach 23 Spielminuten vollzogen
werden musste. Nicht wenige fürchteten nun den baldigen Ausgleich oder
zumindest massive Probleme mit den schnellen und ballsicheren Angreifern der
Bayern für die umgestellte Innenverteidigung. Genau in diese Phase des
größten Drucks der Bayern stürmt aber erneut
Orlando Smeekes hinein und spielte sich endgültig in die Herzen der
Fans. Nach einer kampfgeprägten Balleroberung des Hachinger Neuzugangs
Nagy hat Orlando nur noch Lell und das Tor vor sich. In seiner gewohnten,
unheimlich schnellen Art stürmt er auf Lell zu, schlägt noch
einen Haken und streichelt den Ball dann mit der Innenseite an den kurzen
Pfosten - von dem das Leder den erstrebenswertesten Weg wählt, nämlich
den ins Tor von Jenas Gegnern! Das 2:0 in der 28. Minuten fiel sprichwörtlich
genau zum richtigen Zeitpunkt, denn es setzte einen Schlussstrich unter eine
Phase gefährlicher Angriffe der Gäste, die immer wieder nur
vom Jenaer Schlussmann aufgehalten werden konnten. Auch in der Folge überforderte
der Mann von den niederländischen Antillen, der nun bereits vier Tore
in drei Spielen erzielt hat, seinen Gegenspieler Lell immer wieder mit seiner
Schnelligkeit. Zehn Minuten nach dem 2:0 wurde die Sprintstärke dem Münchner
endgültig zum Verhängnis, als ihn Orlando einmal mehr
regelrecht überlaufen konnte und von Lell nur noch per Foul zu stoppen
war. Da Lell zu diesem Zeitpunkt letzter Mann war und Smeekes freie Bahn aufs
Tor gehabt hätte, war die Entscheidung des unauffälligen
Schiedsrichters Gorniak durchaus nachvollziehbar - Rote Karte wegen Notbremse
und Freistoß für den FCC, denn der Bremer Unparteiische
hatte das Foul außerhalb des Strafraums gesehen. Auch wenn der
Freistoß und die folgenden Minuten vor der Halbzeit nichts
einbrachten, so hatte sich der FCC doch eine hervorragende Ausgangslage für
den zweiten Durchgang geschaffen. Doch trotz der Zwei-Tore-Führung und
der Jenaer Überzahl erwarteten viele eine spannende zweite Hälfte,
in der den Bayern im Falle eines schnellen Anschlusstreffers durchaus noch
Chancen eingeräumt wurden.
Derartige Sorgen und Ängste lösten sich
aber schon kurz nach dem Wiederanpfiff auf, denn die 8346 Zuschauer im Ernst
Abbe Sportfeld sahen einen FC Carl Zeiss Jena, der weiterhin mit voller
Konzentration zu Werke ging. Das aus der Führung und dem Spielverlauf
resultierende Selbstvertrauen sorgte außerdem dafür, dass
Flanken und Pässe scheinbar präziser ankamen und
leichtfertiger von der Hand gingen als in anderen Spielen. Nur drei Minuten
nach Wiederanpfiff war es dann auch schon so weit, dass auch die letzten
Zweifler vom Optimismus übermannt wurden, denn nach einer präzisen
Flanke des starken René Eckardt auf den Kopf von Salvatore Amirante dürfte
die Halbzeitansprache von Gästetrainer Mehmet Scholl bereits hinfällig
gewesen sein. Der Italiener stieg als einziger im Strafraum hoch zum Kopfball,
begleitet nur von den ungläubigen Blicken seines Gegenspielers. Der
musste mit ansehen, wie der wuchtige Kopfball unhaltbar für Kraft im
Netz landete und das Spiel faktisch entschieden war. Anders als nach dem 1:0
war nun auch ein gewisser Schockzustand bei den Bayern zu erkennen, die mit
einer derart druckvollen Offensive seitens der Jenaer offenbar nicht gerechnet
hatten. Nach einer guten Chance für den unauffälligen, aber
ebenfalls überzeugenden Truckenbrod in der 59. Minute war es nach
knapp über einer Stunde erneut Amirante, der einen Eckball von Nagy
per Kopf über die Linie bugsierte. Wieder fühlte sich keiner
der Bayern so richtig zuständig, erneut war gegen den starken Kopfball
aus kurzer Distanz nichts zu machen - 4:0 für den FC Carl Zeiss Jena!
Schon jetzt fragten sich einige, wann sie derartiges zuletzt erlebt hatten,
nicht ahnend, was die folgenden Minuten noch bringen würden. Der FCC
hatte nämlich noch lange nicht genug und spielte weiter attraktiven
Offensivfußball. Nur zwei Minuten später hatte sich Smeekes
auf links einmal mehr aller Gegenspieler entledigt und spielte dann einen
perfekten Pass in den Lauf des Doppeltorschützen Amirante, der den
Ball aus fünf Metern nur noch über die Linie schieben musste
und damit das 5:0 sowie seinen Hattrick vollendete! Nach 68 Spielminuten gönnt
Jena-Trainer René van Eck dem neuen Publikumsliebling und Torschützen
des Monats Orlando Smeekes nach einer weiteren starken Partie seinen verdienten
Applaus. Von stehenden Ovationen begleitet verlässt der Shooting-Star
den Platz, für ihn kommt Sebastian Hähnge. Der Eingewechselte
fügt sich sofort gut in das Spiel der Blau-Gelb-Weißen ein
und hat nur Minuten nach seiner Einwechslung das 6:0 auf dem Fuß, als
ihm Truckenbrod den Ball überlegt in den Lauf lupft. In dieser
Situation konnte sich allerdings zunächst der Münchner Torhüter
Kraft auszeichnen, als er den scharfen Schuss Hähnges pariert. Doch
das sollte am heutigen Tag nicht ausreichen, denn Hähnge setzt nach,
holt sich den Abpraller und flankt den Ball erneut butterweich auf den langen
Pfosten. Dort wartet, wie könnte es anders sein, Salvatore Amirante
und hat erneut keine Mühe, den Ball im Tor unterzubringen - 6:0 nach
76 Spielminuten, vier Tore von Amirante innerhalb von nicht einmal einer halben
Stunde, ungläubiges Staunen mischt sich in den unbändigen
Jubel im weiten Rund des Ernst Abbe Sportfelds.
Das halbe Dutzend war voll und die Jenaer Spieler ließen
es dabei bewenden, die folgenden fünfzehn Minuten waren mehr Schaulaufen
als ernsthafter Fußball und die Bayern hatten sich längst
mit der demütigenden Realität abgefunden. Gegenwehr wäre
bei diesem Spielstand ohnehin zwecklos gewesen und so konnten die leidgeprüften
Anhänger des FCC endlich mal wieder eine Schlussviertelstunde ohne
Angst vor späten Gegentoren oder in der Hoffnung auf ein dringend benötigtes
Jenaer Tor verbringen, stattdessen wurde der in dieser Form von niemandem
erwartete Sieg ausgiebig gefeiert. Neben dem Ergebnis gefiel vor allem die
Tatsache, dass neben dem beinahe unheimlich schnellen Orlando Smeekes auch die
beiden Außen Sievers und Nagy überzeugen konnten und Jena über
weite Strecken des Spiels sehr sehenswerten und dynamischen Offensivfußball
zeigte. Auch in Anbetracht eines bestimmten Ergebnisses vom Samstag bildete das
6:0 den perfekten Abschluss eines paradiesischen Wochenendes, das so schnell
keiner der anwesenden Jena-Fans wieder vergessen wird. Nun muss der neue
Spitzenreiter der Dritten Liga in Aue nachlegen bevor am kommenden Wochenende
ein ganz spezieller Gast im Ernst Abbe Sportfeld erwartet wird. Sollten Orlando
Smeekes & Co. auch dann wieder einen ähnlichen Auftritt wie in den
bisherigen Saisonspielen hinlegen, dürfte der Jubel selbst die
heutigen Freudenschreie noch einmal deutlich übertönen. Bis
es so weit sein kann, liegen aber noch zwei mal 90 Minuten vor der Mannschaft
von René van Eck - zumindest das nötige Selbstvertrauen für
die erfolgreiche Gestaltung der beiden Ostderbys sollte spätestens
nach dem heutigen Spiel vorhanden sein. <bh>
SV Sandhausen - FC Carl Zeiss Jena 2:2
Tore: 1:0 Schuon (9.), 1:1 Smeekes (19.), 1:2 Riemer (32.), 2:2 Pinto (90., FE)
- Sandhausen: Gurski; Bindnagel, Schuon, Eberlein, Mintzel; Pinto,
Hillenbrand, Jungwirth (66. Fischer), Schauerte (77. Hosiner); Ristic (23.
Öztürk, Dorn
- Jena: Nulle; Sträßer, Lanzaat, Riemer, R. Schmidt;
Sievers (60. Hähnge), Truckenbrod, Ziegner, Nagy; Smeekes (88.
Petersen), Amirante (81. Benyamina)
- Zuschauer: 3150
- Schiedsrichter: Kempter (Sauldorf)
- Spielbericht
- Gleiches
Ergebnis - unterschiedliche Gefühle. Wo vor zwei Monaten 3.500 verzückte
Zeissfans ob des Klassenerhalts den Sandhäuser Rasen stürmten, herrschte
diesmal betretenes Schweigen unter beachtlichen gut 500 mitgereisten
Blau-gelb-weißen. Die meisten unter ihnen wären vor dem Spiel wohl mit einem
Zähler zufrieden gewesen, doch nach diesem Spielverlauf musste man einfach
hadern. Mit einer späten und nicht nachvollziehbaren Spielentscheidung durch
Referee Kempter, und mit dem Auslassen unzähliger
Möglichkeiten zur Vorentscheidung durch die eigene Elf.
Dass
dieses Spiel ein ganz intensives werden sollte, deutete sich schon nach wenigen
Minuten an. Riemers und Smeekes' gefährlichen
Toraktionen folgte auf der Gegenseite nach 8 Minuten die Führung der Gastgeber.
Ralf Schmidt hatte einen unnötigen Eckball verursacht - nicht der einzige
Fehler des sich nach dem Wechsel steigernden Studenten in den ersten 45 Minuten
- und Sandhausens bulliger Neuzugang Schuon köpfte
das Leder kompromisslos wuchtig zur frühen Führung ins Netz. Und die Gastgeber
drängten weiter mit schön anzusehendem Kombinationsfußball, waren durch das nur
schwer zu bändigende bundesligaerfahrene Sturmduo Ristic/Dorn stets
kreuzgefährlich. Doch anders als im Mai behielt Jena die Ordnung und schlug
zurück. Sträßer und Sievers kämpften im Duett
Mintzel den Ball im eigenen Strafraum ab,
Sträßers weiter gefühlvoller Ball erreichte zur
Überraschung von Sandhausens Hintermannschaft Orlando Smeekes,
der dem verdutzten Gurski das Leder in die Maschen
servierte (19.). 1:1! Und Jena machte weiter. Nur zwei Minuten später die
nächste Riesenchance für den Holländer nach tollem Diagonalpass von Sievers,
doch der Hammer zischt knapp am Tor vorbei. Eine Minute drauf hatte Nagy dann
die Führung auf dem Fuß, als er eine schöne Kombination zu harmlos abschloss.
Jena war im Spiel, und bald begann auch der Tag des Marco Riemer freundlichere
Züge anzunehmen. Zunächst erlöste ihn die verletzungsbedingte Auswechslung
Ristics von diesem unangenehmen, einen Kopf größeren Gegenspieler. Dann durfte
sich der Apoldaer sogar in die Torschützenliste
eintragen, als er nach Amirantes artistischer
Fallrückziehervorlage aus Nahdistanz zur verdienten Führung nach 33 Minuten
abstaubte.
Von
Sandhausen kam bis zum Wechsel nichts mehr, und dennoch hatten 3.500 Zuschauer
ein packendes und völlig offen geführtes Spiel gesehen. Glaubten sie zumindest,
denn nach dem Pausentee ging es erst richtig los. Bindnagel eröffnete das
Offensivfestival mit einem Knallbonbon knapp am rechten Pfosten vorbei (48.).
Smeekes antwortete mit Zuckerpass auf Sievers, der sich
völlig freistehend vor Gurski den Ball etwas zu weit
vorlegte (49.). Minuten später zwei dicke Patzer von Riemer, die die Gastgeber
nicht zu nutzen verstehen. Jungwirth zieht nach 56 Minuten ab und zwingt Nulle
zu einer Glanzparade. Dann kommt Nagy über die rechte Seite, doch seine
Hereingabe auf den blank stehenden Amirante misslingt (59.). Es war eine der
wenigen Offensivaktionen Nagys, der sich nach vorn wenig zutraute. Ausgewechselt
wurde nach einer Stunde aber sein Flügel-Gegenüber Sievers, bei dem sich
gelungene Offensivakzente mit schlampigem Defensivverhalten abwechselten.
Sebastian Hähnge kam ins Spiel und legte Sekunden
später gleich gekonnt per Kopf auf Amirante auf, Gurski
klärt. Wiederum Sekunden später umkurvt Hähne den Sandhäuser Keeper, ist
eigentlich schon vorbei und der Ball gefühlt auf dem Weg ins Tor, doch
irgendwie kommt Gurski doch noch einmal ans Leder
(61.). Eine Minute darauf darf Smeekes die nächste
hundertprozentige Torchance versieben, allein rechts vor dem Kasten entscheidet
er sich gegen den Pass auf den mitlaufenden Amirante und für den Flachschuss,
den Gurski mit Fußbabwehr
pariert. Wahnsinn! Quasi im Gegenzug rettet Lanzaat
vor dem einschussbereiten Pinto (62.). 63. Minute, ein Schuss Sandhausens aus
dem Hinterhalt wird unfreiwillig von Hillenbrand abgefälscht und trudelt an den
Pfosten! Vier Minuten später dann wieder dann wieder Bindnagel mit
Volleyschuss, Nulle pariert.
Sandhausen ging nun noch mehr auf Risiko und
drückte die Thüringer, bei denen die ordnende Hand im Mittelfeld vermisst
wurde, mehr und mehr in die eigene Hälfte, in der sich Carsten
Sträßer mit einer tadellosen Leistung Bestnoten verdiente.
Einen Entlastungsangriff über die rechte Seite kann der bisweilen selbst
auffällig fallsüchtige Mintzel nur mittels einer
Mischung aus grobem und taktischem Foul an Smeekes an
der Torauslinie verhindern, ohne dafür den Karton zu sehen. In
Ziegners frechen Freistoß spritzt Amirante, und als der Ball
hinter dem Keeper die Torlinie entlang zischt, ist wieder einmal
Haareraufen im Gästeblock angesagt. Mehr noch als
Smeekes nach 80 Minuten die nächste Hundertprozentige
vergibt, allein vor Gurski diesen nicht überwinden
kann. So kam das, was kommen musste. Sandhausen verlegte sich auf das
Erarbeiten von Freistößen, von deren Berechtigung nur wenige im Gästeblock
überzeugt waren, und so stand Carsten Nulle mehr und mehr im Mittelpunkt,
rettete mehrmals großartig. Machtlos war er jedoch, als Robert
Kempter - wie Sandhausen in Baden-Württemberg beheimatet -
in der Schlussminute auf den Elfmeterpunkt zeigte, ein Foulspiel Riemers an
Dorn gesehen haben wollte. Roberto Pinto ließ sich das späte Geschenk nicht
entgehen und schickte die Zuschauer mit dem gleichen Ergebnis nach Hause wie
vor zwei Monaten.
Diesmal bleibt für den FCC zu konstatieren, zwei Zähler
verschenkt zu haben, und das in erster Linie wegen der sträflich ausgelassenen
Großchancen im zweiten Abschnitt. Auf der Leistung der Mannschaft aber darf aufgebaut
werden, und diesen positiven Eindruck nahm Jenas Anhang mit auf die 400
Kilometer lange Heimreise. <gunner>
FC Carl Zeiss Jena - SV Wehen Wiesbaden 2:1
Tore: 1:0 Smeekes (50.), 2:0 Smeekes (56.), 2:1 Bohl (74.)
- Jena: Nulle; Sträßer, Lanzaat, Riemer, R. Schmidt;
Sievers, Ziegner, Truckenbrod, Nagy (87. Petersen); Smeekes (90.+1
Eckardt), Amirante
- Wehen: Birkenbach; Hollmann, Barg, Glibo, Weigelt; Bohl, Reinert
(61. Ziegenbein), Hübner, Öztürk (72. Landeka); Boskovic,
Stroh-Engel (58. Ziemer)
- Zuschauer: 7713
- Schiedsrichter: Dr. Brych (München)
- Spielbericht
- Gemeinhin gilt es als Vorteil, gegen Absteiger aus der 2.
Bundesliga gleich am Anfang einer Saison antreten zu dürfen. Deren
personelle Fluktuation ist meist recht hoch, der neuformierte Kader muss sich
erst einspielen. Im Gegensatz zu den beiden anderen Absteigern blieb dem SV
Wehen aber die große Abgangswelle erspart. Und so versprach der 1.
Spieltag gleich eine Standortbestimmung für den FC Carl Zeiss zu
werden.
Erstmals seit 2003 durfte die Punktspielsaison mal wieder
mit einem Heimspiel eingeläutet werden. Wenn dabei trotz Aprilwetters
7713 Zuschauer ins Ernst-Abbe-Sportfeld kommen, zeugt das ungeachtet der
miserablen letzten Saison von einer deutlichen Erwartungshaltung. Sebastian Hähnge
saß mit auf der Tribüne. Schon einen Tag vor dem Match hatte seine linke
Wade zu zwicken begonnen, am Spieltag selbst war dann nicht einmal mehr ein
Kurzeinsatz möglich. Sollte es deshalb ein schnelles Revival der
Ein-Stürmer-Taktik von René van Eck geben ? Nein, denn der Rückkehrer
auf den Trainerstuhl beorderte Orlando Smeekes auf die zweite Angriffsposition.
Da Jan-André Sievers in die Startelf nachrückte, war diese mit allen fünf
Neuzugängen besetzt.
Verteiltes Spiel zu Beginn. Ein Kopfball im Anschluss an
Wehens zweite Ecke wurde am kurzen Pfosten abgefangen, den Spurt von Reinert in
den Strafraum stoppte Sträßer. Auf der anderen Seite war es
Salvatore Amirante, der mit einem Kopfball aus sechs Metern Birkenbach prüfte
und mit einem 19-Meter-Flachschuss knapp verzog.
All das waren Szenen aus den ersten 20 Minuten, danach
dominierten die Abwehrreihen und weitere nennenswerte Aktionen vor der Pause
blieben rar. Einzig Timo Nagy aus guter Schussposition in zwanzig Metern
Torentfernung forderte nach 35 Minuten noch einmal den Beifall heraus. So sehr
man sich über die stabile Viererkette mit dem neuen Abwehrchef Lanzaat
und dem wie ausgewechselt wirkenden Sträßer freuen durfte -
beim Offensivspiel blieb zunächst noch viel Luft nach oben.
Van Eck hatte seiner Mannschaft in der Kabine mehr Risiko
verordnet und diese setzte das gleich mit Wiederanpfiff um. Bälle, die
während der ersten 45 Minuten noch als Querpass gespielt worden waren,
flogen nun steil ins Angriffszentrum. Es war Salvatore Amirante, der von der
Mittellinie aus seinen Sturmpartner Orlando Smeekes mit einem Diagonalpass auf
die Reise schickte. Diese Reise führte um einen Gegenspieler herum,
zwischen zwei Verteidigern hindurch direkt zu Torhüter Birkenbach, an
dem vorbei Smeekes das Leder ins lange Eck schob. 1:0 - Zeit für den
ersten Torjubel der neuen Saison mit einem Flickflack, wie man ihn im
Ernst-Abbe-Sportfeld so wohl noch nie gesehen hat. Miroslav Kloses berühmte
Überschläge in der Nationalmannschaft wirken geradezu
armselig gegen jene eines Orlando
Smeekes beim FC Carl Zeiss Jena ! Auch wenn dessen artistische Brillanz nicht
von ungefähr kommt, war er in seiner Jugend doch dreimal holländischer
Meister im Turn-Mehrkampf, bevor er sich für die fußballerische
Laufbahn entschied. Eine gute Entscheidung, wie uns nur sechs Minuten später
ein weiteres Mal klar werden sollte. Da trat Smeekes in 35 Metern Torentfernung
zum Freistoß an. Für eine direkte Ausführung noch
viel zu weit vom Kasten entfernt, dachten die meisten. Doch der Nationalspieler der
niederländischen Antillen schoss direkt durch die Drei-Mann-Mauer der
Wehener hindurch ins linke untere Eck. Welch ein (P)fund !
Während wir Beobachter noch ganz fasziniert waren
von den gleichsam schönen und doch auf so unterschiedliche Weise
zustande gekommenen Treffern unseres Orlando, setzten die Gäste mit
dem Mute der Verzweiflung zur Aufholjagd an. Diese hatten sie in der
Vorbereitung bereits gegen Koblenz und Saarbrücken mit Erfolg
praktiziert. Boskovic mit Schuss ans Außennetz sowie die frisch
eingewechselten Ziemer und Ziegenbein zeigten an, dass dieses Mahl mit
den zwei Toren noch lange nicht gegessen war. Und tatsächlich, in der
74. Spielminute traf Bohl unhaltbar per Kopf zum Anschlusstreffer. Eine
Viertelstunde war danach noch zu spielen. 15 Minuten, die besonders der aus
Kaiserlautern gekommene Marcel Ziemer mit mehreren Chancen zur Zitterpartie für
alle Blau-Gelb-Weißen werden ließ. Bei Ziemers
Aufsetzerkopfball sechs Minuten vor Schluss rührte selbst Geburtskind
Carsten Nulle (Glückwunsch zum 34. !) keinen Finger mehr - doch das
Leder klatschte nur an die Werbebande hinter dem Tor. In der 89. kam Nulle an
einen Eckball nicht heran, dafür stand Sträßer
goldrichtig und konnte an der Torraumgrenze per Kopf klären. Mit
tollen Einzelaktionen hatte einer aus der Mannschaft den Vorsprung heraus geschossen
- alle elf zusammen sorgten nun dafür, dass aus ihm drei Punkte wurden.
Auch wenn in der letzten halben Stunde das Geschehen etwas
aus der Hand gegeben worden war - mit dem Sieg gegen Wehen hat die neue Jenaer
Mannschaft schon mal einen ersten Fingerzeig erhalten, dass auch gegen
Staffelfavoriten etwas gehen kann. Orlando Smeekes, der in seiner Freizeit auch
noch Thai-Boxen betreibt, will übrigens trotz seiner Erfolgserlebnisse
im Sturm so schnell wie möglich auf die Außenbahn zurück.
Nur da kann er seine Sprintschnelligkeit mit (wie man hört) 11,3
Sekunden über 100 Meter und die Stärken im eins gegen eins
voll zur Geltung bringen. Scheint so, als könnten wir uns auf die
Saison mit ihm freuen. <fc>
Fotos von Jens Weißenburger
Spielbericht auf svwehen-wiesbaden.de
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Vor dem Anpfiff wurden mit Assani Lukimya und Michael Gardawski noch zwei der Garanten der starken Rückrunde verabschiedet, aber nach aktuellem Kenntnisstand werden diesen beiden noch einige weitere Abgänge folgen, weil die finanzielle Situation umfangreiche Sparmaßnahmen fordert. Trotz dieser für den Verein durchaus dramatischen Ausgangslage hatte man während der ersten Halbzeit stellenweise den Eindruck, Besucher eines Freundschaftsspiels zu sein. In den ersten Minuten beobachtete man das gewohnte Abtasten, aber mit einem Kopfball von Stefan Kolb an den rechten Außenpfosten nach einer Gardawski-Flanke in der 14. Minute wurden wohl auch die anderen Akteure geweckt. Diesem ersten guten Angriff des Spiels war eine Einzelaktion von Melwin Holwijn vorausgegangen, der im Gegensatz zu den letzten Spielen einen ordentlichen Tag erwischt hatte. Die Gäste kamen im Gegenzug zur ersten gefährlichen Aktion, der Schlenzer von Didavi verfehlte das Tor allerdings knapp. Aber auch der FCC war nun gefährlicher und nach einer Ecke kommt der Ball zu Gardawski, der an der Strafraumgrenze gewartet hatte. Während sein erster Schuss noch geblockt werden konnte, zischte der zweite Ball zielstrebig in Richtung Tor. Während Gäste-Keeper Leno dem Ball nur hinterhergucken konnte, erledigte die Latte seinen Job und verhinderte den Jenaer Führungstreffer. Die Möglichkeit zum Nachsetzen erhielten die Jenaer nicht, weil der Schiedsrichterassistent eine Abseitsstellung gesehen haben wollte. Mit der nächsten Offensivaktion kam es aber doch zur Jenaer Führung, denn nachdem sich ein Jenaer an der Grundlinie gut durchsetzen konnte, versagten einem Stuttgarter Verteidiger die Nerven und die Kugel lag plötzlich vor den Füßen von Melvin Holwijn, der den Ball aus rund fünf Metern mit Wucht ins Tor beförderte. Die Schwaben zeigen erneut im direkten Gegenzug ihre Stärke und kommen beinahe zum Ausgleich, weil Didavi nicht richtig angegriffen wird. Sein Schuss, dem ein nicht geahndetes Foulspiel an Carsten Sträßer vorausgegangen war, knallt allerdings an die Latte, ansonsten wäre Carsten Nulle im FCC-Tor wohl chancenlos gewesen. In den folgenden Minuten kam der FCC durch einen Kopfball von Ralf Schmidt sowie nach Einzelaktionen von Amrhein und Holwijn zu weiteren Gelegenheiten, konnte die Führung aber nicht ausbauen. So ging es mit einem 1:0 in die Kabinen und in Anbetracht des Chancenverhältnisses ging diese Führung auch in Ordnung. Dafür war allerdings auch der VfB Stuttgart verantwortlich, denn die Gäste taten selten mehr als nötig und strahlten trotz der nicht immer sicher wirkenden Jenaer Hintermannschaft wenig Gefahr aus.
Gleich zu Beginn der zweiten Halbzeit sahen die 8878 Zuschauer, wie man
seine Gäste zu Chancen einlädt: Im gegnerischen Strafraum hat Holwijn freie
Schussbahn, traut sich den Abschluss aber offensichtlich nicht zu und legt
stattdessen zu Patrick Amrhein zurück. Auch der will aber nicht schießen,
stattdessen verliert er den Ball völlig überflüssig an die Verteidiger der
Gäste, die einen schnellen Konter einleiten. Dieser wird in Folge der
aufgerückten Jenaer Mannschaft auch brandgefährlich, in der Mitte verpasst
Hofmann den Ball allerdings knapp und es bleibt vorerst beim 1:0. René van
Eck hatte jedenfalls genug gesehen und holte Amrhein kurz darauf vom Platz,
für ihn kam Petersen. Wer nun dachte, dass Petersen die Verteidigung
stabilisieren sollte, sah sich getäuscht, denn der gelernte Verteidiger
spielte fortan als Mittelstürmer und rief allen Zuschauern ins Gedächtnis,
dass mit Orlando und Hähnge die beiden wichtigsten Offensivkräfte nicht mit
von der Partie waren. Die Gäste blieben derweil bei ihrer Strategie, mit
Schüssen aus der zweiten Reihe für Gefahr zu sorgen. Auch wenn hier zunächst
die Präzision fehlte, sollten sich die zahlreichen Versuche in der 74.
Minute bezahlt machen. Erneut konnte mit Schipplock ein Gästespieler in
Richtung des Jenaer Strafraums marschieren und wird von den Verteidigern
eher beobachtet als angegriffen. Kurz vor der Strafraumgrenze entscheidet
sich der derart Eingeladene zum Schuss und macht es besser als seine
Mitspieler, denn sein Ball schlägt unten rechts im Jenaer Tor ein und sorgt
für den Ausgleich. Auch wenn dem Treffer zwei strittige Entscheidungen von
Schiedsrichter Aytekin vorausgegangen waren, sollte man einen Stürmer
natürlich nicht so frei zum Schuss kommen lassen.
Bei den anderen Partien
gab es zu dieser Zeit Zwischenstände, die die Teilnahme am DFB-Pokal bei
einem Jenaer Sieg gesichert hätten. Wer nun mit einem Jenaer Sturmlauf und
zahlreichen Chancen gerechnet hatte, sah sich allerdings getäuscht. Fünf
Minuten nach dem Ausgleich tritt Schmidt einen Freistoß auf das Tornetz der
Gäste, danach folgen nur noch ein paar ungefährliche Versuche aus der
Distanz. Der FCC strahlte wenig Gefahr aus und die Gäste konnten sich aufs
Kontern verlegen und spielten auf Zeit, denn sie waren mit dem Punkt
offenbar sehr zufrieden. Kurz vor Ablauf der regulären Spielzeit gönnte van
Eck der Leihgabe Michael Gardawski einen Extra-Applaus und brachte Kühne ins
Spiel. Während der FCC es weiter mit der Brechstange versuchte, spielten die
Gäste einen Konter wunderbar aus und kamen durch Hofmann zum 2:1. Wie schon
gegen Heidenheim profitierte ein Gegner des FCC davon, dass Lukimya wegen
seiner Torgefahr gegen Spielende mit nach vorne geht und dann hinten fehlt.
Direkt im Anschluss gelingt den Jenaern zwar noch ein Treffer, der
vermeintliche Ausgleich findet wegen einer Abseitsstellung allerdings keine
Anerkennung.
Mit Blick auf die Resultate der anderen Spiele schmerzt die Niederlage doppelt, denn mit einem Sieg wären die Jenaer Farben in der nächsten Saison im DFB-Pokal vertreten gewesen. Besonders mit Blick auf die offenbar äußerst angespannte Finanzlage hätte der vierte Platz also für etwas Entspannung gesorgt. Leider verfielen die Jenaer Spieler zum Abschluss der Rückrunde aber wieder in Verhaltensmuster, die man aus der Vorrunde bestens kannte - fehlender Mut vor dem Tor, unnötige Ballverluste, unentschlossene Arbeit in der Defensive. Diese Geschenke ließ sich letztlich auch die zweite Mannschaft des VfB Stuttgart nicht nehmen und ging am Ende als Sieger vom Platz. Trotz allem hatten die FCC-Fans eine tolle Rückrunde erlebt und bedankten sich bei der Mannschaft für die letzten Monate, auch wenn der krönende Abschluss in den letzten Wochen verspielt wurde. Wie es nun weitergeht, hängt vor allem vom Kontostand ab. Sicher ist offenbar schon jetzt, dass einige Leistungsträger nicht länger in Jena bleiben können und auch der Raum für Neuverpflichtungen dürfte sehr eng bemessen sein. Für die Sommerpause bleibt uns somit nur, den Verantwortlichen viel Erfolg und ein glückliches Händchen beim Zusammenstellen der neuen Mannschaft zu wünschen, denn ohne die Unterstützung von Fortuna wird man in der kommenden Saison wohl von Anfang an gegen den Abstieg spielen müssen. <bh>
- Wuppertal: Maly (35. Samulewicz); Neunaber, Lorenz, Incilli, Neppe;
Asaeda, Fischer, Weikl, Uca (59. Müller); Sindi (73. Bernhardt), Damm
- Jena: Nulle; Sträßer, Riemer (84. Petersen), Wuttke, R. Schmidt; Holwijn (46. Kolb), Truckenbrod, Kühne (53. Amrhein), Gardawski; Hähnge, Orlando (
, 90.+2)
- Zuschauer: 1954
- Schiedsrichter: Ittrich (Hamburg)
- Spielbericht
- Jena: Nulle; Sträßer, Riemer (84. Petersen), Wuttke, R. Schmidt; Holwijn (46. Kolb), Truckenbrod, Kühne (53. Amrhein), Gardawski; Hähnge, Orlando (
- Wenn der Vorletzte auf den Zweitbesten der Rückrundentabelle
trifft und der Vorletzte bereits als Absteiger in die Regionalliga feststeht,
gelten die Rollen in dieser Paarung gemeinhin als verteilt. Doch gibt es
Mannschaften, die frei nach dem Motto "und ist der Ruf erst ruiniert, lebt es
sich völlig ungeniert" erst dann befreit aufspielen, wenn es für
sie zu spät ist. So wie Kiel drei Tage zuvor gegen Dresden. Der FCC
war gewarnt.
Im Stadion bot sich einem das erwartete Bild eines Abgesangs aus Liga drei. Transparente mit der Aufschrift "Versager" und "ihr seid keine Wuppertaler", ein weißes Kreuz längs über den linken Tribünenblock und ein selbst auferlegter Stimmungsboykott der wenigen verbliebenen WSV-Anhänger. In solch tristen Umgebungen hatte sich der FCC schon während der letzten Wochen schwer getan, ins eigene Spiel zu finden. Ein Truckenbrod-Schuss übers Lattenkreuz wurde mit zwei Schussversuchen der Einheimischen beantwortet - mehr gibt es nicht zu berichten aus der ersten Viertelstunde. Es folgte ein Eckball für die Wuppertaler in Minute 17. Carsten Fischer kam zum Kopfball, den Namensvetter Carsten Nulle zur linken Seite abwehren konnte. Von dort flog das Leder allerdings postwendend zurück zum immer noch freistehenden Fischer, der es volley nahm und humorlos zum 1:0 ins Netz drosch. Mit Ausnahme ihres Torhüters waren die Jenaer Abwehrspieler bei diesem Gegentreffer zu Statisten degradiert und sie hinterließen auch in den Folgeminuten keinen souveränen Eindruck. Mehr als befürchtet machte es sich bemerkbar, dass mit dem gesperrten Lukimya und dem verletzten Lanzaat beide Leitwölfe in der Hintermannschaft fehlten. Zudem hatte der Kreuzbandriss von Timo Nagy eine Lücke gerissen. Der im defensiven Mittelfeld so wertvolle, in der Abwehr aber gehemmt wirkende Ralf Schmidt vermochte sie nur notdürftig auszufüllen.
Konnte man angesichts dieser personellen Probleme für die eine oder andere Unsicherheit hinten drin noch Verständnis aufbringen, lässt sich für das mangelhafte Offensivspiel während der ersten 45 Minuten nur schwerlich eine Erklärung finden. Da Punktegarant Michael Gardawski (mit ihm hat der FCC noch kein Spiel verloren) nach seiner Rotsperre wieder mitwirken durfte, war die Wunschformation eigentlich beisammen. Dass im Laufe einer Halbzeit keine einzige heraus gespielte Torchance zustande kommt, wo man den Aufstieg doch so nah vor Augen hat, ist dann schon ernüchternd. Wenn die Probleme wenigstens von Übereifer hervorgerufen sein würden... das Gegenteil schien eher der Fall. An Melvin Holwijn lief das Spiel derart vorbei, dass sich Stefan Kolb schon während der ersten Hälfte aufzuwärmen begann. Die in Führung liegenden Gastgeber zeigten sich einen Tick engagierter, ohne selbst in der Lage zu sein, klare Chancen heraus zu spielen und damit eine Vorentscheidung herbeiführen zu können. Dass WSV-Fan Heike das Spiel der ersten 45 Minuten ohne Anflug von Ironie ganz toll fand, kann eigentlich nur dem Spielstand geschuldet gewesen sein oder dem Umstand, dass auf diesem Rasen noch Übleres die Saison über stattgefunden hat.Ein ähnliches Bild hatte sich zuletzt in Bremen geboten. Auch da verschlief der FCC die erste Hälfte komplett, um nach der Pause aufzudrehen und dem Spiel gerade noch eine Wende zu geben. Die Hoffnung auf eine Wiederholung dieses Verlaufs erhielt nach Wiederanpfiff zunächst einen Dämpfer, denn das Spiel der in Gelb gekleideten Gäste wirkte noch immer merkwürdig unorganisiert. Stefan Kühne räumte nach einer ganzen Reihe von Fehlabspielen kurz nach der Pause schon wieder das Feld, die Einwechslung von Patrick Amrhein sollte sich später noch als bedeutsam erweisen. Endlich, nach fünfundfünfzig Spielminuten, spielten sich die Jenaer mal eine Möglichkeit heraus. Im gegnerischen Strafraum passte Orlando rüber auf Hähnge, dessen Torschuss verunglückte und zur Vorlage für Truckenbrod wurde. Dieser konnte nicht damit rechnen, noch einbezogen zu werden und so sprang der Ball von Truckenbrods Fuß relativ ungefährlich in die Arme von Samulewicz, der für den an der Patellasehne verletzten Maly ins Spiel gekommen war. Immerhin, nach dieser Szene nimmt die Partie etwas an Fahrt auf. Zwei aneinander gekoppelte Fehler von Riemer und Schmidt bleiben ohne Folgen (62.). Auf der Gegenseite flankt Orlando genau auf den Kopf seines Sturmpartners Sebastian Hähnge, dessen herrlicher Kopfball über Samuliewicz hinweg fliegt, aber an der Querlatte hängen bleibt (71.). Den beiden Angreifern vorn drin ist am wenigsten ein Vorwurf zu machen, insbesondere Orlando versucht nun viel, drückt auf den Ausgleich. Auch Gardawski taut endlich auf. Sein Schrägschuss in Minute 75 streicht am langen Pfosten vorbei. Kurz darauf erreicht seine Vorlage den aufgerückten Wuttke, welcher mit einem Kopfball aus Nahdistanz die Zeiss-Fans hinter dem Tor schon zum Jubeln ansetzen lässt. Doch das Leder fliegt knapp am Pfosten vorbei. Die Jenaer Spieler agieren nun so, wie man es sich von Anfang gewünscht hatte. Doch die Zeit läuft ihnen davon. Als Orlando in der vorletzten Spielminute bei einem erfolgversprechenden Angriff am letzten WSV-Verteidiger hängen bleibt, läuft er weiter und tritt wütend gegen den Aluminium-Pfosten. Als wüsste er: Verdammt, das war's. Doch noch ist nicht Schluss. Carsten Nulle eilt bei einem Eckball mit nach vorn - vielleicht klappt es ja noch einmal mit solch einem Wahnsinnstor wie gegen Osnabrück. Oder er irritiert wenigstens den Kontrahenten. Und tatsächlich, Jenas Keeper bindet einen Gegenspieler mehr ins gegnerische Abwehrzentrum, Patrick Amrhein an der Strafraumgrenze kommt somit unbedrängt zum Schuss und trifft links unten zum mittlerweile hochverdienten Ausgleich kurz vor Schluss.
Das war es jedoch immer noch nicht. Als wolle dieses Match in den letzten Minuten all das aufholen, was es während der ersten Stunde schuldig geblieben war, haben die Spieler aus der bergischen Metropole gleich nach Wiederanstoß ihre Chance zum Sieg. Nulle steht inzwischen aber wieder zwischen den Pfosten, pariert den Schuss und schlägt den Ball unverzüglich nach vorn. Der Konter führt natürlich über den schnellen Orlando, doch als dieser in vollem Lauf hinterrücks von den Beinen geholt wird, brennt ihm eine Sicherung durch. Wütend springt er auf, schubst Lorenz um. Gelb für den Wuppertaler, Rot für den Jenaer, den wir deshalb in dieser Saison nicht mehr spielen sehen werden. Oh Mann, bei diesem Orlando liegen Genie und Wahnsinn wirklich ganz dicht beieinander ! Der anschließende Freistoß fliegt übers Tor.Mit dem Abpfiff gab es betretene Gesichter auf beiden Seiten. Die Wuppertaler werden mit dem späten Gegentor hadern und dass der vergebene Sieg ein Spiegelbild der ganzen Saison darstellt. Und die Jenaer dürften sich im Klaren darüber sein, dass sie sich mit ihrer Spielweise über fast eine Stunde hinweg möglicherweise selbst um die Ernte einer herausragenden Rückrunde gebracht haben. Es sei denn, der DFB folgt der Meinung des Weltverbandes FIFA und es gibt wirklich noch die drei Punkte aus dem Heidenheim-Spiel am grünen Tisch zurück. Entscheidung am Montag. <fc>
Wacker Burghausen - FC Carl Zeiss Jena 2:3
Tore: 0:1 Hähnge (2.), 1:1 Cappek (20.), 1:2 Wolf (79., ET), 2:2 Wolf (81.), 2:3 Orlando (84.)
- Burghausen: Michl; Holz, Kirsch, Wolf, Kokocinski; Burkhard, Hertl,
Holzer (82. Kresin), Schmidt (25. Traut); El Haj Ali, Cappek (77. Grübl)
- Jena: Nulle; Sträßer, Lukimya (

, 90.+1), Wuttke, Nagy (24. Riemer);
Holwijn (61. Kolb), Truckenbrod, R. Schmidt, Ullmann (46. Amrhein); Hähnge, Orlando
- Zuschauer: 2750
- Schiedsrichter: Benedum (Mehlingen)
- Spielbericht
- Im Gegensatz zur Tour
nach München lag diesmal nicht so viel auf bayerischen Autobahnen herum.
Lediglich kurz vor Burghausen ließ eine Verkehrsmeldung aufhorchen: "...hat ein
Bierlaster jede Menge Ladung verloren." Leider lag die kontaminierte Abfahrt
weit weg, so dass man auf meine Mithilfe bei dieser Kampfmittelbeseitigung
verzichten musste. Allerdings wäre ein gewisser Alkoholpegel für die in der
Wacker-Arena anwesenden Zeiss-Fans ganz gut gewesen, denn das Spiel gehört in
die Kategorie "Nicht möglich" und war mit 0,0 Promille nur schwer zu verkraften.
Vorm Spiel war natürlich
die ominöse 10. Gelbe Karte für den Heidenheimer Klarer und das statistische Muschebubu der DFB Thema Nummer 1 der Jenaer Stadiongespräche.
Egal, der FCC musste einfach den Kopf freibekommen und zusehen, dass Beste aus
dem Rest der Saison machen. Bei wunderbarem Frühlingswetter legte der FCC - wie
schon vor 3 Tagen gegen Heidenheim - los wie die Feuerwehr und nach anderthalb
Minuten nahm Hähnge die erste Jenaer Ecke an und schob zur Führung ein. Die
folgenden Minuten nährten die Hoffnung auf einen Spaziergang, denn die Gastgeber
waren praktisch nicht anwesend. Erst in der 13. Spielminute verirrte sich ein
harmloses Schüsschen zu Nulle. Aber wie schon gegen Heidenheim, schaffte es
unser Team nicht, das frühe 1:0 auszubauen und mit dem Nutzen weiterer
verheißungsvoller Gelegenheiten den Sack zuzubinden. U. a. wurde Hähnge in der
Mitte wunderbar freigespielt, soll aber im Abseits gestanden haben (17.). Bei
einem Zweikampf (18.) wurde Nagy verletzt und am Spielfeldrand behandelt. Dann
wurden weitere szenische Elemente unseres Heimspiels vom vorigen Sonnabend
eingebaut: Burghausen nutzte die Überzahl und mit einem Schuss (dem ersten
ernsthaften überhaupt) ins lange Eck - ähnlich dem Siegestreffer der
Heidenheimer - erzielte Cappek, der Mann mit der
markanten Frisur, den Ausgleich. Nagy wurde durch Riemer ersetzt, der ins
Mittelfeld ging. Dafür rückte Schmidt auf die rechte Abwehrseite, dessen Kreativität
im Spielaufbau von nun an schmerzlich vermisst wurde. Hatte bis dahin des FCC
durch Pressing faktisch jeglichen Spielaufbau der
Gastgeber unterbunden und selbst nach vorn gespielt, kippte das Spiel nun
völlig. Wacker setzte immer wieder mit langen Bällen
auf die Außen gefährliche Akzente, während Jena nach vorn nichts mehr zustande
brachte. Einzige Ausnahme: In der 28. Minute steht Orlando nach Doppelpass mit
Truckenbrod vollkommen allein vor Michl, der jedoch mit schnellem Herausstürzen
abwehren kann. Burghausen wurde immer stärker und der FCC fiel von einer
Verlegenheit in die andere. Dazu hatte Referee Benedum,
der eigentlich recht ordentlich agierte, irgendwie aus der Vorspieldebatte "10.
Gelbe Karte" aufgeschnappt und arbeite nun zügig daran, den
Jenaern die 10 Verwarnungen zu verpassen. Faktisch jedes ernsthafte Foul
zog "Gelb" gegen den FCC nach sich, während bei rüden Attacken der Wackeren
lediglich der Zeigefinger drohte. In der Nachspielzeit der 1. Halbzeit hatten
die Hausherren die beste Chance, als nach einem schnellen Konter Wuttke die
scharfe Flanke im letzten Moment vorm Stürmer wegschlagen kann.
Nach Wiederanpfiff keimte
kurz die Hoffnung, dass der FCC jetzt wieder mitspielen würde. Erst zog Hähnge
aus der Drehung ab (46., gehalten), dann konnte Michl den Schlenzer Amrheins
auf lange Eck nur mit ganz langen Fingernägeln zur Ecke lenken. Dann wieder der
übliche Ablauf: Burghausen stürmte, geriet stellenweise in einen regelrechten
Spielrausch und erarbeitete sich eine Chance nach der anderen. Entweder hielt
Nulle (zweimal in der 47., 55., 63.) oder Burghausen vergab einfach. Einzige
für den FCC notierenswert die Gelbe Karte, die der Schiedsrichter nach einem
normalen Zweikampf im Strafraum (der Verteidiger war erfolgreich) an Orlando
vergab - wegen angeblicher Schwalbe! Weder Orlando noch jemand anderes forderte
in dieser Szene Strafstoß oder zeigte sonst wie Unmut, die Verwarnung gab es
wirklich ohne jeden Anlass. Die Wackeren lieferten aber die Höhepunkte dieser
Druckphase und sorgten bei allen Zuschauern zweimal für untertassengroße Augen,
wenn auch aus unterschiedlichen Beweggründen: Zunächst tauchte Ali
mutterseelenallein vorm Tor auf (61.) und hob den Ball über den heranfliegenden
Nulle hinweg AN DIE LATTE! Die himmlischen Heerscharen dürften eine Weile mit
dem Bearbeiten der in diesem Moment über der Wacker-Arena aufsteigenden
Stoßgebete zu tun gehabt haben. Und vermutlich war man dort oben immer noch bei
der Arbeit, als der nächste Schwall in der 76. Spielminute eintraf: Nulle wehrte
einen Schuss zur Mitte ab und Cappek brachte das
Kunststück fertig, den Abpraller aus 6-7 Metern am leeren Tor vorbeizuschieben!
Kategorie "Nicht möglich"!
Es gibt im Leben aber immer
Steigerungsmöglichkeiten, denn während die FCC-Fans zehn Minuten vor Abpfiff
bereits ein Pünktchen als höchstes Glück ansahen, stand es plötzlich 2:1 für
Jena. Wolf sprang in Orlandos Pass, damit der Ball Hähnge nicht erreichte. Dies
gelang ihm tadellos, denn vom Fuß des Verteidigers sauste der Ball ins Tor.
Fassungslose Freude bei allen Zeiss-Fans angesichts der völlig unverdienten
Führung! Dagegen zeigte sich die
Mannschaft sehr gönnerhaft und gab das Geschenk prompt zurück, indem bei der
nächsten Ecke alle Blauen zuschauten, wie Wolf sein Eigentor korrigierte und die
Ecke zum erneuten Ausgleich einköpfte. Burghausen musste diese Art Revanche
erst einmal verdauen, die nächsten fünf Minuten gehörten dem FCC. Lukimya setzte sich in bester Stürmermanier links an der
Grundlinie durch und ... kam noch vorm Keeper an den Ball, allerdings ohne
Torerfolg (84). Und sechzig Sekunden später schwebte ein langer Ball von links
diagonal in den Strafraum ein, Orlando nahm ihn runter, drehte sich jedoch
nicht eine Vierteldrehung rechts, sondern wählte den langen Weg 270 Grad links
herum. Während Michl brav versuchte, diesem Dreher zu folgen, und die
Verteidiger unten alles dicht machten, knallte Orlando den Ball aus spitzem
Winkel maßgenau unter die Latte - 3:2!!! Nun versuchte Burghausen alles, aber
die Jenaer passten auf und Nulle entschärfte in der 89. min ein aus rund 20 m
abgefeuertes scharfes Geschoss. In der Nachspielzeit warf sich Lukimya, bereits verwarnt, vor der Strafraumgrenze einem
Weißen entgegen - der Schiedsrichter entschied nicht nur auf Foul, sondern
zeigte bar jeglichen Feingefühls dem Jenaer Abwehrchef auch noch die zweite
Verwarnung und schickte ihn vom Rasen. Der von Holz direkt ausgeführte Freistoß
hatte alle Attribute eines Tor des Monats, aber Nulle boxte mit der letzten
Aktion des Spieles den sich senkenden Schuss weg. Sieg! Drei Punkte und ab in
den Bus und wegfahren, bevor die jemand zurückhaben möchte! Wer solche Spiele
mit so viel Dusel gewinnt, steigt normalerweise auf. Wenn da nicht jemand an
den Karten dreht.
Auf der Heimfahrt gab es
keine Biermeldungen mehr, lediglich eine Holzlatte, Lkw-Reifen und eine tote
Katze wurden gemeldet. Warum allerdings gerade bei letzterer "Fahren Sie hier
bitte ganz vorsichtig!" gebeten wurde, ist unklar, denn die Mieze war ja,
ebenso wie gesunde Fußballmenschenverstand an diesem Abend, mausetot. <uk>
FC Carl Zeiss Jena - 1. FC Heidenheim 1:2
Tore: 1:0 Orlando (1.), 1:1 Spann (24.), 1:2 Schnatterer (89.)
- Jena: Nulle; Sträßer, Lukimya, Wuttke, Nagy;
Holwijn (53. Benyamina), Truckenbrod, R. Schmidt (60. Kühne), Amrhein (86. Ullmann);
Hähnge, Orlando
- Heidenheim: Baum; Meier, Göhlert, Krebs, Feistle; Schittenhelm,
Bageci (70. Gül), Klarer, Schnatterer; Spann (87. Heidenfelder), Mayer
(80. Jarosch)
- Zuschauer: 9664
- Schiedsrichter: Nowak (Bottrop)
- Spielbericht
- Normalerweise verlasse ich meinen Platz während des Spiels
nicht. Das gehört sich einfach nicht! Man steht das durch. Der einen langsam
übermannende Hunger, die bittere Kälte bei viel zu dünner Jacke, das dritte Bier,
welches langsam damit droht, aus den Augenhöhlen wieder auszutreten, wenn nicht
umgehend eine Toilette aufgesucht wird und das Ganze bei einem 3-Tore-Rückstand
zehn Minuten vor Schluß. Alles kein Grund! Es wird stehengeblieben und
anständig gelitten! Wenn ich also mitten im Spiel am Bulettenstand auftauche, ist
der cholerische Ausnahmezustand bereits erreicht. Da sollte der Klops schön
durch sein und der Senf nicht zu schwerfällig aus der Flasche kommen...
Schon dieses elende Wetter. Man hätte es ja wissen müssen. So eine
Wohlfühltemperatur ist einfach der Tod für ein ordentliches Fußballspiel. Ein
bißchen Regen ist doch nun wirklich nicht zu viel verlangt mitten im
Aufstiegskampf. Dann wäre sicher auch die Fraktion mit den rot-weißen (!) Mützchen
ein wenig kleiner ausgefallen, die mich so auf Puls bringt. Damit hatte man
offensichtlich alle Erstgucker ausgestattet, die sich im Stadion noch nicht so
stilsicher bewegen. Insofern versprühte die Gegengerade einen
gespenstischen Charme, dem umgehend jede Stimmung erlag. Dominiert von agilen
Klatschrhythmen, war es wie bei der Schlagerparade auf Radio Sachsen oder der
wöchentlichen Gaudiveranstaltung bei der TSG Hoffenheim.
Je nachdem, wo gerade mal weniger los ist. Ja sicher, es zeugt
nicht immer von intellektueller Überlegenheit, wenn ich so loslege. Aber so
eine Multitoleranz gegenüber Gegner und dessen sportlichen Leistung? Damit kann
ich nicht umgehen! Eigentlich ein Grund zum Gehen! Aber ich durfte ja nicht.
Zur Belohnung gibt es aber wenigstens gleich ein zukünftiges
Tor des Monats zu bewundern. Der Orlando macht offensichtlich lieber die
Schwierigen - die, wenn er keine Zeit zum Überlegen hat. Hähnges langer Paß ist
an sich schon ein Hingucker, wie sich der Orlando dann aber in der Luft
verknotet und den Ball aus Nahdistanz über den Heidenheimer Tormann bugsiert,
läßt schon nach 54 Sekunden von Höherem träumen. 10000facher Freudentaumel von
zum Teil rot-weiß bemützten Fans. Wenn mir vorher jemand gesagt hätte, daß ich
da auch dabei bin. Meine Güte...
Aber wie so oft, führt so ein zeitiger Treffer zu einer
trügerischen Sicherheit, die im Zusammenspiel mit dem einschläfernden Sonnenschein
ihre tückischen Nebenwirkungen voll entfalten kann. So gibt Jena zwar weiter
den Ton an und hat durch Orlandos Schuß aufs lange Eck auch noch eine schöne
Chance (18.), Heidenheim läßt sich aber zunehmend weniger bieten. Im Gegenteil,
die Angriffsbemühungen der Gäste wirken nach und nach immer gefälliger. Jenas
Spiel schläft förmlich ein und die ohne rote Mützen sehen auch schon, daß der
Ausgleich mit bleierner Schwere über dem Stadion hängt. Kurz bevor ich am
Bulettenstand aufschlage, arbeitet Holwijn den Ball zielsicher
und ohne große Not den Gästen zu, die in Jenas Vorwärtsbewegung hinein den
Ausgleich erzielen. Das klingt jetzt alles wahnsinnig schnell, wenn man aber
ehrlich ist, formiert sich unsere Heldenabwehr in dieser Szene derart pomadig,
daß einem schon beim Hinschauen die Augen zufallen. So hat Spann keinerlei
Mühe, den Ball erst anzunehmen, sich dann in Ruhe in Position zu bringen und
zum Schluß auch noch aus vielleicht zwanzig Metern Maß zu nehmen. Zu allem
Überfluß steht der Nulle auch noch viel zu weit vor seinem Tor, so daß alles prächtig
zusammenpaßt (25.). Die schöne Führung, einfach futsch. Sauwetter... Richtigerweise
sucht Jena danach sein Heil weiter in der Offensive, wodurch sich die
Deckungslücken bis zur Halbzeit weitestgehend kaschieren lassen. Aber es klappt
einfach nicht mit dem zweiten Treffer. Holwijns Diagonalpaß durch den Strafraum
schiebt der gute Orlando aus Nahdistanz einfach am Tor vorbei (34.). Da kann er
heilfroh sein, daß der Linienrichter bereits auf Abseits entschieden hat! Fünf
Minten später muß Amrhein eigentlich nur noch ein langes Bein machen, um
Schmidts Flanke im Tor unterzubringen, kriegt das aber auch nicht hin und so
kommen die Gäste mit einem blauen Auge in die Kabine.
Wer sich nun erhofft hat, eine zweite Hälfte wie in Dresden
geboten zu bekommen, sieht sich aber schon kurz nach der Pause schwer verladen.
Vor allem das Umschalten auf die notwendigen Defensivarbeiten will nicht so
recht klappen, so daß die schnellen Gästeangreifer immer wieder gefährlich
kontern können. Als Schnatterer mit dem Ball am Fuß über den ganzen Platz
marschiert und den mitgelaufenen Mayer bedient, kann Nulle den Gewaltschuß mit
viel Können gerade noch entschärfen (47.). Kurze Zeit später hat er einfach nur
Megadusel, als Spanns Kopfballverlängerung quer vor unserem verwaisten Tor
rumspringt, ohne einen Abnehmer in den Heidenheimer Reihen zu finden. Vor
dieser Aktion war in Jenas Abwehrreihe keine Art von Organisation mehr auszumachen.
Die ohne Mützen stellen spätestens ab jetzt auf Pessimismus um. Normalerweise
die ideale Zeit für einen zweiten Klops. Wo ist die Mannschaft, die in Erfurt
spielerisch so dominierte? Wo ist der unbedingte Siegeswille vom
Dresdenspiel? Dazu dieser eklatante Mangel an guten Ideen.
Da rumpelt Orlando einen Freistoß von der Strafraumgrenze einfach in die Mauer
(70.), dann schießt Truckenbrod aus ähnlich aussichtsreicher Position dem viel
zu kleinen Heidenheimer Tormann genau in die Arme (86.). In 1.80 Meter Höhe wäre
er doch chancenlos gewesen! Und zwischendurch noch Orlandos Flugeinlage, als er
sich über links schön durchsetzen kann und dann spektakulär abhebt (78.). Den
Elfer hätte er höchstens auf dem Betzenberg gekriegt (und dort nicht mal
sicher, was schon zeigt, wie schlecht die Schwalbe eigentlich war). Also wenn
er sich schon fallen läßt, dann sollte er das a) ein bißchen eleganter tun und
b) wenigstens bis in den Strafraum rennen und nicht davor schon umfallen.
Manchmal ist es kaum zu verstehen, wie dicht der Wahnsinn beim Genie wohnt.
Was letztlich aus dem Ganzen folgt, kann sich schon jeder
denken: Schnatterer war gerade noch mit einem Flachschuß von der
Strafraumgrenze an Nulle gescheitert, als ihn Benyamina einlädt, das Ganze doch
noch mal zu probieren. Es sah wirklich so unprofessionell aus, wie sich der
Neunzehnjährige anstellte, daß es
einem schon leid tun konnte. Will er nächste Saison wirklich in Hoffenheim
spielen, würde er mit einem solchen Aussetzer auf einen Schlag viele neue
Freunde in der ganzen Republik gewinnen. Im aktuellen Fall aber stiegen sicher
nur ein paar verbliebenen Rot-Weiss-Fans die Freudentränen in die Augen.
Überliefert ist weiter, daß Schnatterer nach Benyamina auch noch um Wuttke ein
Schlenker macht und dann trocken den Auswärtssieg sicherstellt (90.).
Das wars mit dem Aufstieg. Nach dreizehn ungeschlagenen Spielen eine
wirklich dümmliche Niederlage, die aber auch viel über die Wirklichkeit beim
FCC in sich trägt. Wir haben eine gute erste Elf, mit der alles möglich
scheint. Sobald aber ein Gardawski fehlt, ein Lanzaat verletzt ist oder einfach
nur einer einen schlechten Tag erwischt, hat die Herrlichkeit ein abruptes
Ende. Das war schon die ganze Saison so, man erinnere sich da nur an die wochenlange
Phase in der weder Hähnge noch Orlando als Fußballer durchgegangen wären. Wir
hatten das nur schon fast vergessen.
Für die Planung der kommenden Saison könnten die gute
Rückrunde und der Fast-Aufstieg eine ziemliche Bürde werden. Einige
Leistungsträger haben sich mit Sicherheit für höhere Ligen empfohlen und sind
schon am Kofferpacken. Da fangen wir dann wieder ganz von vorne an. Wenigstens haben
dann aber die mit den Mützen wieder 36 Spieltage frei... <bpf>
FC Bayern München II - FC Carl Zeiss Jena 0:0
Tore: -
- München: Rensing; Kopplin, Haas, Schütz, Rohracker;
Knasmüller, Schwarz, Ekici (65. Sikorski), Rieß; Sene, Yilmaz
- Jena: Nulle; Sträßer, Lukimya, Wuttke, Nagy;
Benyamina (37. Kolitsch), Kühne, Truckenbrod, R. Schmidt; Amrhein (76. Petersen), Hähnge
- Zuschauer: 1300
- Schiedsrichter: Osmers (Hannover)
- Spielbericht
- Es schien auf der
Hinfahrt angesichts der Verkehrsmeldungen so, als ob der liebe Gott sein
Gartenhaus überm blau-weißen Freistaat entleert hatte. Was da nicht alles auf
den Autobahnen lag: eine Leiter, eine Schaufel, ein Hammer, ein Fahrrad, ein 4
m langes Eisenteil, ein Besen und eine Schubkarre. Zudem noch eine Ente - aber
die lag nicht, sondern lief. Bei so viel Großzügigkeit auf "Bayern III" hofft man natürlich, auch von Bayern II etwas zu bekommen.
Das altehrwürdige
Stadion an der Grünwalder Straße war wohlbekannt und wehmütig erinnert man sich
an die tolle Kulisse 1993 vor 24.000 Zuschauern. Allerdings gab es damals null
Punkte, wie so oft in der Grünwalder Straße. Nur beim allerersten Auftritt 1991
ergatterte der FCC mit einem 0:0 ein Pünktchen. Auch diesmal wurden es ein
torloses Remis und ein Punkt. Trotzdem konnte man damit zufrieden sein, denn in
letzter Zeit waren die Bayern-"Amateure" recht gut drauf und Aufstiegsaspirant Ingolstadt
unterlag dort kürzlich sogar.
Es war insgesamt
ein Spiel zweier starker Mannschaften, in dem die Gastgeber den etwas
offensiveren Part gaben, während der FCC - auch angesichts der Ausfälle im
offensiven Bereich - aus einer massiven Deckung heraus agierte. Bayern II wollte
(ähnlich den Dresdnern 3 Tage zuvor) schnell ein Tor erzielen, dies zeigten sie
in der Anfangsviertelstunde sehr deutlich. Bereits nach 3 Minuten hatten sie
nach einem Freistoß mit anschließendem Kopf ihre erste Torchance. Kurz danach
vermittelten zwei kreuzgefährliche Ecken den Eindruck, dass unsere Abwehr noch
nicht richtig sortiert sei. Dies war in
den anderen Mannschaftsteilen aber nicht anders, denn viele Ungenauigkeiten und
das starke Pressing der Bayern, die zudem
balltechnisch 1A waren, verhinderten einen vernünftigen Spielaufbau. In der 17.
Minute hatte der FCC seine erste Chance, als Hähnge eine Flanke
Amrheins leider nicht mit dem notwendigen Druck aufs Tor
köpfte und der aus der 1. Mannschaft importierte Rensing
keine Mühe hatte. Insgesamt konnte der FCC jetzt das Spiel etwas von seinem
Strafraum wegdrücken und die Abwehr gab sich kaum noch eine Blöße. Nur einmal
(25. min) erwischte Sene einen Traumpass und
marschierte allein auf Nulle zu. Der nachsetzende Wuttke riskierte den Ritt auf
der Rasierklinge und attackierte ihn im Strafraum von hinten erfolgreich und
fair, so dass Sene keinen Torschuss ansetzen konnte.
Nach vorn lief beim FCC nicht viel, denn zumeist beschränkte man sich auf die
"Orlando-Taktik" und ballerte lange Bälle nach vorn. Hähnge und Amrhein rannten
vorn viel und vergeblich, denn genau darauf hatte sich Bayern eingerichtet und
klärte alles problemlos. Erfolgversprechender schienen Angriffe über die Flügel
- und prompt, nach dem ich dies notiert hatte, versuchte man dies zweimal
hintereinander (45.). Doch auch da ließ sich die Bayernabwehr nicht
überraschen.
0:0 zur Pause und
starken Gastgebern Paroli geboten, deutete sich da eine Wiederholung des
Gastspiels bei Dynamo an? Mitnichten, denn im Gegensatz zu den Schwarz-Gelben
spielten die ganz in Rot gekleideten Bayern weiter und zeigten keinen
Leistungsabfall. Im Wesentlichen lief das Spiel jetzt zwischen beiden
Strafräumen hin und her und beide Teams gaben sich größte Mühe, Fehler zu
vermeiden. Nur gelegentlich konnten Torchancen notiert werden. So in der 55.
min, als Truckenbrod nach einer zu kurz abgewehrten Ecke Rensing
prüfte. Es dauerte auch mehr als eine Viertelstunde, bis Bayern II überhaupt
einen Torschuss hatte, aber Yilmaz verfehlte das Ziel deutlich. Der bereits
gegen Ende der ersten Hälfte für den indisponierten Benyamina
eingewechselte Kolitsch und Amrhein versuchten über die
Außenbahnen den Jenaer Angriff anzukurbeln, aber die sehr diszipliniert
spielenden Bayern ließen nichts zu. Und so war es Truckenbrod mit einem 25-m-Freistoß,
flach aufs Tor getreten, der die nächste Jenaer Chance hatte. Eine Minute
später versuchte es Hähnge nach einer Ecke per Kopf, aber Rensing
war auf dem Posten. Und wiederum eine Minute später stockte den rund 500
Zeiss-Fans im Stadion der Atem, als nach Senes
Zuspiel der eingewechselte Sikorski frei vor Nulle stand, dieser jedoch mit
einer sensationellen Fußabwehr den Gegentreffer verhinderte. Und damit war auch
die vorletzte - und die hochkarätigste - Bayern-Chance dahin. Yilmaz hatte in
der 86. min offensichtlich noch zu viel Adrenalin geladen (er war sehr
frustriert auf Grund seiner Gegenspieler) und so ballerte er aus 7 - 8 Metern
übers Tor. Der FCC nutzte allerdings seine Chancen auch nicht: Nach
Kolitsch' Flanke entschied sich Petersen für eine Ablage
anstatt selbst zu schießen (81), und Truckenbrods
Flachschuss aus 25 Metern Entfernung erwischte Rensing
gerade noch so (88.).
Letztendlich war
es ein leistungsgerechtes Unentschieden. Ob dieser Punkt als Gewinn für den
Kampf um den Aufstieg anzusehen ist, werden die verbleibenden Spiele der Saison
zeigen. <uk>
SG Dynamo Dresden - FC Carl Zeiss Jena 0:3
Tore: 0:1 Hähnge (59.), 0:2 Truckenbrod (71.), 0:3 Amrhein (79.)
- Dresden: Keller; Strifler, Hübener, Palionis, Mikolajczak;
G. Müller, Jungnickel (67. Dobry), Wagefeld, Kegel, Koch (67. Gundersen);
Savran
- Jena: Nulle; Sträßer, Lukimya, Lanzaat (31. Amrhein),
Nagy; Wuttke, Truckenbrod, R. Schmidt (53. Kühne), Gardawski
(
, 82.); Hähnge,
Orlando (86. Petersen)
- Zuschauer: 29.000
- Schiedsrichter: Gorniak (Bremen)
- Spielbericht
- Ganze
6.500 Zuschauer waren es im Rudolf-Harbig-Stadion zu Dresden, die im Oktober
1990 Jenas letzten Sieg beim ewig jungen Duell der beiden Traditionsvereine
bewunderten. Heiko Weber traf zum 2:1 im Achtelfinale des Pokals der soeben
beerdigten DDR, schon einige Monate zuvor beim 4:0-Punktspielsieg an gleicher
Stelle war er - unter anderem gegen den jetzigen Dynamo-Trainer Mauksch -
doppelt erfolgreich gewesen. Eine lange Zeit war seitdem vergangen, fast 20
Jahre, aber eben auch nur vier Punktspiele, in denen der FCC jeweils ohne Tor
die Heimreise aus Elbflorenz antreten musste.
Wollte
man weiter im Kampf um die ersten 4 Plätze mitmischen, hatte sich das
zu ändern vor der rekordverdächtigen Kulisse von fast 30.000
Fans, was für ein Kontrast zu eben jenem letzten Auswärtssieg
in Elbflorenz. Präsentierte sich der Neubau Rudolf-Harbig-Stadion vor
einem Jahr noch als Baustelle, so durften Jenas Anhänger sich nun
neidvoll in einem schicken, engen und steilen Fußballtempel
umschauen. Dresdens Fans taten ihr übriges mit einer hübschen
Choreographie, das Jackpot-Motiv möglicherweise ein Dankeschön
an die Finanzhilfen durch die Stadt. Dynamo-Coach Mauksch hatte vor dem Spiel
der Hoffnung Ausdruck verliehen, dass Jenas Spieler dieser imposanten Kulisse
nicht gewachsen sein könnten, doch die nahmen in den Anfangsminuten
den Kampf sofort auf und agierten so, wie man das in einem Derby erwartet. Es
war der in orange-schwarz gewandete Referee Gorniak aus Bremen, der sichtlich
größere Probleme hatte, unter dem Druck von 26.500 Sachsen
eine beiderseits faire Gewichtung von Zweikämpfen vorzunehmen. Und spätestens
als infolge einer seiner abstrusen Freistoßentscheidungen Robert Koch
nach 10 Minuten Carsten Nulle zu einer Glanzparade zwang, schlug das Pendel
auch spielerisch klar zugunsten der Gasteber aus. Vornehmlich über
ihre quirligen Außenspieler Koch und vor allem Müller beschäftigten
die Dynamos Jenas Hintermannschaft pausenlos, Nagy und Sträßer
hatten Schwerstarbeit zu leisten, während van Eck nach 31 Minuten auch
noch Abwehrchef Lanzaat auswechseln musste, der in einem Laufduell mit dem
ebenso giftigen wie theatralischen Savran einen Pferdekuss mitbekommen hatte. Müller
mit knapp am langen Pfosten vorbei streichenden Flachschuss nach 35 Minuten und
Savran per Kopf mit dem Pausenpfiff hatten die größten Möglichkeiten,
die Sachsen verdient in Führung zu bringen.
Jena fand im Offensivspiel
kaum statt, viel zu sehr waren die Außenspieler zu Defensivaufgaben
gezwungen, die erste Halbchance datierte aus der 40. Spielminute, als der
eingewechselte Amrhein sein schönes Solo nicht erfolgreich abschließen
konnte. Das Resultat war aus FCC-Sicht das Beste zum Pausentee, und manch einer
erinnerte sich an die Begegnung vor Jahresfrist an gleicher Stelle. Da war es
der FC Carl Zeiss, der reihenweise Großchancen liegen ließ,
drei Mal Aluminium traf und am Ende unglücklich verlor.
Würde
sich die Geschichte unter umgekehrten Vorzeichen vielleicht wiederholen? Ja!
Denn der FCC kam nun besser aus der Kabine, spielte endlich auch selbst Fußball,
statt nur zu reagieren und kam durch Hähnge und den kurz darauf gegen
Kühne ausgetauschten Schmidt zu ersten Möglichkeiten. Nach 59
Minuten explodierte dann der mit 2.500 bangenden Zeissfans gefüllte Gästeblock
endlich. Amrhein erkämpfte sich gegen Mikolajczak das Leder in der eigenen
Hälfte, schickte Smeekes steil den rechten Flügel entlang,
der gänzlich uneigensinnig millimetergenau auf den in der Mitte
mitlaufenden Hähnge gab. Linker Fuß hingehalten, Tor, 1:0
Jena!
Zehn Minuten später fast das zweite Tor für Thüringens
Nummer eins, doch Amrheins Schuss bleibt hängen und Truckenbrod bringt
den Abpraller nicht unter Kontrolle. Auf der Gegenseite pariert Nulle gegen Müllers
Hereingabe glänzend und hat Glück, dass der gemeinsam mit
Dobry eingewechselte Gundersen haarscharf an einer Linksflanke vorbeitaucht.
Eine Co-Produktion zweier Ex-Dynamos bringt dann die Vorentscheidung. Hähnge
düpiert die Abseitsfalle der ausschließlich auf Smeekes
fixierten schwarz-gelben Verteidiger und schickt den von hinten durchstartenden
Truckenbrod auf die Reise zum 2:0. Der gefühlvolle Heber des sonst
eher für brachiale Schusstechnik bekannten Mittelfeldspielers ins Netz
verwundert und verzückt Jenas Anhang gleichermaßen. Party in
blau-gelb-weiß auf den Rängen, und als Patrick Amrhein einen
klugen Pass Gardawskis in die Gasse erläuft, das Leder an Keller
vorbei spitzelt und dem Ball dabei einen solchen Drall mitgibt, dass er sich
noch an den Innenpfosten und ins Tor dreht, brechen alle Dämme. Es
scheint einfach der Tag des FCC zu sein, während Dobry noch an Nulle
und Gundersen an der Latte scheitert. Einziger Wermutstropfen der dumme
Platzverweis für Michael Gardawski kurz vor Spielende, der auf die
Provokation von Dynamos Hübener ebenso hereinfällt, wie
Referee Gorniak auf dessen schauspielerische Einlage. Hübener, in
Halbzeit eins gegen Smeekes ordentlich und ungestraft austeilend hatte durch
eine ähnlich hollywoodreife Leistung bereits die fünfte gelbe
Karte gegen Orlando provoziert, so dass die Fahrt nach München am
Dienstag nun keine leichtere sein wird.
Doch derartige Gedanken waren noch weit
weg an jenem denkwürdigen Nachmittag, als im Dynamo-Block das "Wir
gewinnen sowieso"-Plakat verschämt eingerollt wurde, während
das komplette FCC-Team noch einmal aus der Kabine zu seinen Fans kam, um bei
Uffta, Pogo und Orlandos Moonwalk einen hart erkämpften Auswärtssieg
zu feiern, der die Dresdner Serie von 8 Heimsiegen in Folge beendet und Jenas
auf nunmehr 12 ungeschlagene Begegnungen anwachsen lässt. <gunner>
FC Carl Zeiss Jena - SSV Jahn Regensburg 3:1
Tore: 0:1 Kreis (4.), 1:1 Truckenbrod (34.), 2:1 Gardawski (67.),
3:1 Orlando (77.)
- Jena: Nulle; Sträßer, Lukimya, Lanzaat, Nagy; Wuttke
(90. Petersen), Truckenbrod, R. Schmidt, Gardawski (82. Kühne);
Amrhein, Orlando (90. Ullmann)
- Regensburg: Sattelmaier; Erfen, Maul, Hagmann, Romminger; Hein
(58. Zellner), Kreis (71. Schmid), Schlauderer (75. Berger), Shynder;
Stoilov, Reichwein
- Zuschauer: 6246
- Schiedsrichter: Dankert (Rostock)
- Spielbericht
- Anfang Februar hatte die Erfolgsserie des FC Carl Zeiss in
der Rückrunde ihren Anfang genommen. Mehrere englische Wochen hindurch eilte
die Elf von Sieg zu Sieg, selbst die Unentschieden zwischendurch fühlten sich
irgendwie so an. Dass die erste Enttäuschung, ein Heimremis gegen Unterhaching,
mit dem Abschluss der englischen Wochen zusammenfiel, mag kein Zufall
gewesen sein. Vielleicht hatte der eine oder andere Spieler mit einem Mal zu
viel Zeit zum Rechnen gehabt und sich selbst jenen Druck auferlegt, den der
Trainer standhaft zu vermeiden sucht. Doch könnte das 1:1 vom Sonnabend nicht
auch positive Auswirkungen gebracht haben ? Die Rückkehr der Erkenntnis zum
Beispiel, dass jeder Erfolg aufs Neue erarbeitet werden muss und kein einziger
Kontrahent auf die leichte Schulter genommen werden darf ?
Nimmt man die ersten 100 Sekunden der Partie gegen
Regensburg zum Maßstab, haben das unsere Spieler verinnerlicht. Einem Tornado
gleich bestürmten sie mit dem Anpfiff das Gästegehäuse. Nach dreißig Sekunden
war Orlando freigespielt und scheiterte nur knapp beim Versuch, den Ball am
Torhüter vorbei zu legen, um anschließend freie Bahn haben zu können. Dann
setzte Timo Nagy einen Freistoß aus 25 Metern derart raffiniert aufs Tor, dass
ihn Sattelmaier nur mit Mühe über die Latte zur Ecke lenken konnte. Schließlich
war da noch der Kopfball von Jens Truckenbrod, den ein Regensburger Verteidiger
von der Linie fischte. Auftakt furioso ! Die Gäste kommen nach drei
Spielminuten erstmals an den Jenaer
Strafraum. Ralf Schmidt wirft sich zunächst mit Erfolg in einen Schuss, der
Abpraller aber fällt Sebastian Kreis vor die Füße, welcher aus achtzehn Metern
gleich noch mal abzieht und den Innenpfosten trifft, von wo aus der Ball ins
Netz fliegt. 0:1. Erst kein Glück gehabt und dann kam auch noch Pech hinzu -
zeitig wie nie zuvor fand dieser abgenutzte Fußballerspruch bereits nach 240
Sekunden seine Berechtigung.
Der Gegentreffer zeigte Wirkung, der Spielfaden nun erst
einmal gerissen. Nur sporadisch strahlten die Jenaer Angriffbemühungen in
dieser Phase Torgefahr aus. So wie in Minute 20, als Amrhein einen Pass fast
ängstlich in die Spitze spielte. Immerhin fand dieser Pass mal seinen
Adressaten namens Orlando, welcher aber an Sattelmaier scheiterte. Fünf Minuten
darauf bekamen die SSV-Verteidiger das Leder nach einem Eckball nicht aus dem
eigenen Sechzehner. Tim Wuttke versuchte dies zu nutzen, schoss dem Gästekeeper
aber direkt in die Arme. Schnell war klar, die Jenaer brauchen ein
Erfolgserlebnis, um in diese Begegnung zurück zu finden. In Minute 33 spielt
Gardawski flach nach innen. Der Ball rollt durch bis zu Jens Truckenbrod, der
aus zwanzig Metern Torentfernung drauf hält und links unten ins Eck trifft.
Jubel unter den leider nur gut sechstausend Zuschauern, die gleich darauf die
schönste Kombination in Hälfte eins zu sehen bekommen. Schnell und direkt
zaubern sich Amrhein, Wuttke und Truckenbrod mit
neuem Selbstvertrauen vors Tor, diesmal bleibt „Trucke“ mit
seinem Schuss allerdings hängen. Halbzeit.
Nach der Pause machten die Jenaer zunächst da weiter, wo sie
aufgehört hatten. Orlando eröffnete sich in der 51. Minute eine Doppelchance,
von der er hinterher selbst sagen wird, er hätte eine von ihnen nutzen müssen.
Scheiterte er im ersten Versuch mit straffem Schuss an Sattelmaier, bugsierte
er den zurückspringenden Ball direkt ans Außennetz. Dem folgte noch ein schöner
Schuss von Amrhein nach Zuspiel von Orlando, ehe sich das Spiel seine nächste
kleine Auszeit nahm. Bis zu Minute 67. Wieder ist es Orlando, der sich einen
Ball auf der linken Seite erläuft. Einmal, zweimal täuscht er ein Dribbling an
und als das halbe Stadion schon verzweifelt 'Spiel doch ab' brüllt, kommt
endlich das Zuspiel, rüber zu Michael Gardawski. Dessen Fackel aus 20 Metern
zischt nur so ins Netz zum längst verdienten Führungstreffer. Wir wissen nicht,
weshalb die Kölner Leihgabe ("Ob ich hier bleibe, müssen die Vereine unter sich
klären. An mir wird's nicht liegen") diesmal seine roten Schuhe in der Kabine
gelassen hatte. Doch die Erfolgsgeschichte im Jenaer Dress fand für Gardawski
auch mit den weißen Tretern ihre Fortsetzung.
Regensburg wäre mit einem Unentschieden sicher zufrieden gewesen, hatte eine
gefühlte Ewigkeit keine Torchance mehr herausgespielt. Das blieb auch so,
in Rückstand liegend taten sie nun aber gezwungenermaßen mehr für den
Spielaufbau und schufen zumindest mit Standarts Gefahr.
Spätestens nachdem Shynder
einen Freistoßball ans Lattenkreuz verlängert hatte (69.), waren die
Glückskonten beider Mannschaften wieder ausgeglichen. In Anbetracht solcher
Schrecksekunden sind wir Orlando mehr als dankbar, dass er uns mit seinem
Treffer dreizehn Minuten vor Schluss eine nervenaufreibende Schlussphase
ersparte. Mit einem Solo von der linken Seite in die Mitte ziehend an drei
Gegenspielern vorbei und dem Torschuss von der Strafraumgrenze schraubte der
Holländer seine Trefferquote auf nunmehr 15 nach oben ! Ihm verschaffte sein
Trainer mittels Auswechslung genauso noch den verdienten Einzelbeifall wie den
beiden Außen Gardawski und Wuttke, welche ebenfalls zu den Besten zählten.
Wuttke war statt des an der Ferse verletzten Benyamina diesmal vom Start weg
zum Einsatz gekommen. Und obwohl er nicht zum ersten Mal in seiner Karriere
so weit vorn spielte - seine erfrischenden Offensivaktionen auf der rechten Seite waren die vielleicht
überraschendste Entdeckung dieser neunzig Minuten.
"Jetzt sieht es nicht so schlecht aus", freute sich Carsten
Nulle als Mannschaftskapitän darüber, nach dem Hachinger Remis wieder die Kurve
bekommen zu haben. Da in Jena aber offiziell niemand von einem möglichen Aufstieg redet,
sondern nur von Spiel zu Spiel denkt, darf sich erst einmal auf die Atmosphäre
vor 25.000 im neuen Dresdner Dynamo-Stadion gefreut werden. <fc>
FC Carl Zeiss Jena - SpVgg Unterhaching 1:1
Tore: 1:0 Gardawski (41.), 1:1 Bischoff (72.)
- Jena: Nulle; Sträßer, Lukimya, Lanzaat, Nagy; Benyamina (84. Amrhein), Truckenbrod,
Schmidt (86. Kühne), Gardawski (74. Wuttke); Orlando, Holwijn
- Unterhaching: Kampa; Brysch, Susak, Hain, Ziegler; Grech (86.Pasiciel), Schaschko,
Kanca (46. Schwabl), Mützel; Rathgeber (70. Bischoff), Schweinsteiger
- Zuschauer: 7165
- Schiedsrichter: Aarnink (Nordhorn)
- Spielbericht
-
Neun Spiele ungeschlagen - seit der Heimniederlage am 23.Januar gegen Sandhausen setzte der FCC zu einer Serie an, die ihn ganz
schnell aus der grauen Masse des Mittelfelds in die oberen Tabellenpositionen beförderte. Und gegen den Tabellen-Vierzehnten
aus Unterhaching sollte auch nach dem heutigen Spiel diese Serie noch weiter Bestand haben.
Die Jenaer begannen auch von Beginn an druckvoll und drückten die Bayern in deren Hälfte und prompt gab es bereits nach
vier Minuten die erste gute Möglichkeit für die Platzherren. Nachdem der zu flach geschossene Eckball von Nagy noch
geblockt werden konnte, versuchte er es mit seinem zweiten Versuch auf den langen Pfosten, doch Orlando rutschte knapp am Ball
vorbei. Fortan blieb der FCC auch weiter am Drücker, doch mehr als Eckstöße sprangen nicht heraus. Die Gäste,
die auf 7-8 Stammkräfte verzichten mussten, taten nicht mehr als nötig und blieben bei ihren Angriffsbemühungen lau.
Aber ein richtiges Rezept fanden die Jenaer am heutigen Tage nicht, das Abwehrbollwerk der Hachinger zu knacken. Nach 25 Minuten mal
wieder eine schöne Einzelaktion von Orlando, aber sein Schuss aus der halblinken Position ging am langen Pfosten vorbei.
Keine 120 Sekunden später ein erster Jubelschrei im Ernst-Abbe-Sportfeld, doch leider erkannte Schiedsrichter Aarnink den
Schuss von Holwijn wegen Abseitsstellung nicht an. Herrliche Kombination in der 36. Minute zwischen Holwijn und Orlando, doch der
Versuch einer Flanke landet hinter dem Tor. Vier Minuten vor der Pause dann der Höhepunkt der ersten Halbzeit. Zunächst
hatte Orlando aufs Tor geschossen, doch sein geblockter Schuss kommt erneut hoch in den Strafraum, wo am langen Pfosten Gardawski
steht und die Kugel unter die Latte nagelt. 1:0 für Jena. Nach den Spielanteilen eine hoch verdiente Führung, denn von
den Gästen war bis dato nur sehr wenig zu sehen.
Das änderte sich auch nach der Pause zunächst nicht gravierend, denn auch in Halbzeit zwei waren die Platzherren das
spielbestimmende Team. Ralf Schmidt setzte nach 51 Minuten zu einem wunderschönen Sololauf an, bei dem er gleich mehrere Gegenspieler
locker umkurvte, doch sein Schuss aus gut 20m konnte Kampa parieren. Sekunden später erneut eine gute Chance für die Jenaer.
Gardawski probierte sich diesmal per Eckstoß, der Ball kam hoch hinein und in der Mitte springt Orlando zum Fallrückzieher ab,
doch leider ging sein Ball über den Kasten. Aber der FCC setzte nicht nach, sondern ließ fortan die Gäste mehr und mehr
ins Spiel kommen, die aber bis dato nach vorn immer noch sehr harmlos blieben. Das änderte sich schlagartig nach der Einwechslung
vom langzeitverletzten Bastian Bischoff in der 70. Minute, der nun die Jenaer Abwehrreihen beschäftige. Keine zwei Minuten waren
nach seiner Einwechslung vorbei, da stand er nach einer langen Flanke völlig frei und konnte zum Ausgleich für Unterhachinger
einköpfen. Siebzig Minuten war von den Gästen nichts zu sehen und gleich die erste Torchance konnten sie nutzen. So ist manchmal
Fußball… Aber der Treffer schien die Bayern erweckt zu haben, denn nun trauten sie sich schlagartig mehr zu und ließen die
Jenaer gar nicht mehr richtig ins Spiel kommen. So verging über eine Viertelstunde, in der es zum Ende der Partie zu keiner nennenswerten
Tormöglichkeit mehr kam. Erst wieder zwei Minuten vor Ultimo noch eine gute Möglichkeit, als der gerade eingewechselte Stefan
Kühne einfach frech aus der zweiten Reihe abzog, doch zum Pech der Jenaer konnte Kampa seinen schönen Schuss gerade noch parieren.
Sekunden vor dem Abpfiff noch eine allerletzte Chance, diesmal für Amrhein, doch auch er hatte kein Glück mehr und sein Kopfball
ging über das Tor.
Für die Hachinger am Ende ein glücklicher Punkt, während der Punkt den Jenaern zweifelsohne weniger hilft, denn von
der Tabellenkonstellation musste heute einfach ein Heimsieg her. Aber Jenas Coach René van Eck war am Ende auch mit diesem
Unentschieden zufrieden, zumal die Serie der Jenaer nun auch im zehnten Spiel noch Bestand hat.
<vg>
FC Ingolstadt - FC Carl Zeiss Jena 2:2
Tore: 1:0 Wohlfahrt (1.), 2:0 Wohlfarth (60.), 2:1 Orlando (68.), 2:2 Orlando (84.)
- Ingolstadt: Sejna; Keidel, Pisot, Fleßers, Fink; Bambara,
Metzelder, Leitl, Buchner (83. Neuendorf); Hartmann (58. Gerber), Wohlfarth
(76. Braber)
- Jena: Nulle; Wuttke, Lukimya, Lanzaat, Nagy; Benjamina (62. Amrhein),
Truckenbrod, R. Schmidt, Gardawski (89. Kühne); Holwijn, Orlando
- Zuschauer: 5353
- Schiedsrichter: Petersen (Stuttgart)
- Spielbericht
-
Fußball unmittelbar zur Osterzeit. Wie günstig, da kann man in Spielberichten
von (selbst) ins Nest gelegten Eiern fabulieren und trefflich das Motiv der
Wiederauferstehung ergreifen. Muß man aber nicht.
Man stelle sich vor, daß
Editorial des Jenaer "Anpfiff"-Heftes würde am 38. Spieltag mit dem
Satz beginnen: Mit dem VfB stellt sich zum 16. und letzten Mal in dieser Saison
ein Westklub im EAS vor. Klingt albern und wäre es auch. Die Macher
der "Schanzer News" hielten derart absurdes Kategorisieren jedoch für
angebracht und begrüßten daher mit dem FCC "zum letzten Mal
in dieser Saison einen Ostklub in Ingolstadt". Aber man hätte ja
gewarnt sein müssen, denn sollte jemals das peinlichste Titelbild
eines Stadionheftes gewählt werden, so wäre der gestrigen Ausgabe
der FCI-Postille Platz 1 unangefochten sicher. Wundern würde dies
sicher nicht, verfügt der FCI doch zusätzlich über
einen jener Stadionsprecher, die ihren Job mit dem eines mittelmäßigen
Animateurs auf einer provinziellen Dorfkirmes verwechseln. Ich bin ja sonst
kein großer Freund von Stadionverboten, aber in dem Fall...
Mit solchen Ärgerlichkeiten
konnte man sich allerdings nicht lange aufhalten, denn die nächste
ereignete sich schon eine halbe Minute nach Anpfiff. Direkt vorm Block der ca.
1200 FCC-Fans einigten sich Nagy und Lanzaat darauf, die Abseitsvariante zu
probieren, statt die Attacke zu suchen und bescherten damit Wuttke in der Mitte
ein nicht lösbares Problem. Drei Rote tauchten somit frei vor Nulle
auf und Wohlfahrt hatte keine Mühe beim 1:0, auch wenn etliche
FCC-Fans meinten, zumindest der Paß auf den Torschützen
entspräche dem Abseitstatbestand. Die Jenaer schüttelten sich
kurz und waren fortan bemüht, das Spiel unter Kontrolle zu bekommen,
diesmal wieder ohne Sievers (dafür Lanzaat)und mit Holwijn für
den gesperrten Hähnge. Die ersten beiden langen Pässe auf
Orlando konnten die Hausherren noch ungestraft foulend bzw. haltend verhindern,
was beim 3. allerdings schon nicht mehr gelang. (9.) Dafür hatte Jenas
Sturmpfeil etwas zu viel Schwung, versuchte sich an Sejna festzuhalten und sank
gemeinsam mit diesem völlig harmlos zu Boden. Sejna ist ja so etwas,
wie der Prototyp des torhütenden Mittelmaßes. Der taucht
immer mal irgendwo wieder auf, ohne daß ihn jemand bemerkt oder
anderswo vermißt. Logisch, daß der eine solche
Harmlosigkeit nutzt, um sich aufzuplustern wie ein lüsterner Pfau.
Nach gut einer Viertelstunde hatte der FCC sein Ziel, das Spiel zu beruhigen
und es zu kontrollieren, erreicht. Die Ingolstädter begannen, sich
aufs Kontern zu verlegen. Die offensiveren Akzente setzte der FCC, z. B. über
Gardawski in der 14., Orlando in der 16. und erneut Gardawski in der 20.
Minute. Ja, die Unseren wehrten sich gegen diesen unnötigen Rückstand,
den entscheidenden Erfolg verhinderten aber kleine Konzentrationsmängel
in den finalen Aktionen. Vielleicht würden ja Freistöße
helfen? Einen trat Nagy (zuvor Foul an Ralf Schmidt) von halbrechts, die Aktion
endete jedoch mit einem Abseitspfiff. Nach Foul an Orlando im linken Halbfeld,
zirkelte Gardawski den nächsten aus 30 Metern auf die lange Ecke, wo
Sejna allerdings faustend klären konnte. (23., 28.) Schon rollte der nächste
FCC-Angriff über rechts, doch Orlando mag sich nicht so recht zwischen
Schuß und Hereingabe zu entscheiden, wodurch der Ball am langen
Pfosten ins Aus geht. Nach knapp einer halben Stunde muß dann auch
Nulle mal wieder beweisen, was für ein famoser Torwächter er
ist und nach FCI-Freistoß und Schmidt-Fehler gelingt dieser Beweis
eindrucksvoll.
Dennoch, zu dieser Zeit verfügte
der FCC eindeutig über mehr Spielanteile, was vor allem einem offensiv
eindrucksvoll agierenden Schmidt zu verdanken war, ebenso einem starken Nagy
und einem emsigen Gardawski. Holwijns Spiel wirkte dagegen war zwar bemüht
aber etwas fahrig und unkonzentriert und Benyamina blieb unauffällig
(sieht man mal von seinen neuen Schuhen ab). In den Minuten 33 und 34 durfte
man sich dann darüber wundern, daß zwei grobe Fouls an
Wuttke und Benyamina kartenlos blieben. Letzteren schien das allerdings
anzustacheln, denn gleich darauf zog er von links außen nach innen,
setzte seinen 18-Meter-Schuß allerdings neben das Tor. (37.) Bis zur
Pause dominierte weiter der FCC, erst mit einem schönen Wuttke-Solo über
rechts und dann mit einem Gardawski-Freistoß von halblinks, den Sejna
nur mühevoll zu Ecke bugsieren kann. Letzter Aufreger in HZ 1 war
dann das brutale (natürlich nicht mit Gelb geahndete) Foul an RS, als
dieser nach einem FCI-Freistoß einen Jenaer Konter einleitete. (41.)
Nach dem Pausenpfiff wußte man eigentlich nicht so recht, was man
unseren Jungs (außer der mißratenen
Aktion nach 20 Sekunden) trotz des Rückstandes vorwerfen sollte. Sie
hatten das Spiel unter Kontrolle, führten die Mehrzahl der Angriffe
und hatten sich in etwa doppelt soviel bewegt wie ihre Gegenspieler. Immer und
immer wieder spielten sie aus einem starken Mittelfeld couragiert nach vorn, wo
sie dann allerdings leider die notwendige Präzision vermissen ließen.
Während wir also den deutlich höheren spielerischen und läuferischen
Aufwand betrieben, hatten sich die Gastgeber auf frühzeitiges Abwarten
-allerdings nicht ungefährlich- verlegt.
Nach einem gruseligen
Pausenspektakel glich der Wiederanpfiff einer Erlösung und Ralf
Schmidt setzte mit seinem 20-Meter-Schuß von halblinks das erste
Achtungszeichen. (46.) Kurz darauf parierte Nulle nach einem bereits
abgewehrten Ingolstädter Freistoß erneut prächtig.
(49.) Dann wieder 2 Gardawski-Aktionen über rechts. Sein erster Schuß
(nach Orlando-Zuspiel per Kopf) wurde jedoch abgeblockt (51.) Dann kommt der
Ball auf direktem Wege über Benyamina und Holwijn erneut zu Gardawski
und der zieht, halbrechts im Strafraum stehend, direkt per Außenrisst
ab. Leider etwas zu schwach und so ist Sejna noch rechtzeitig unten. (52.) Beim
anschließenden FCI-Angriff über links unternimmt dann Nulle
einen Osterausflug raus aus dem Strafraum, letztendlich erfolgreich. Nach knapp
einer Stunde ahndet der Gelbe Mann dann Holwijns Körpereinsatz mit
einem Freistoß, 35 bis 40 Meter vor Nulles Kasten. Dieser Freistoß
findet dann direkt seinen Weg in Richtung Nulle, der nur nach vorne abwehren
kann. Dort kommt Lanzaat einen Schritt zu spät gegen Wohlfahrt und
ebenso unerwartet wie unverdient steht es plötzlich 2:0.
Im Normalfall scheint ein
solches Match gelaufen. Aber was ist beim FCC schon der Normalfall? Mindestens
4 gute Gründe sprachen dafür, daß die RvE-Elf zurückkommen
würde: Erstens steht da seit einigen Wochen eine Mannschaft auf dem
Platz, die sich spielerisch und taktisch enorm weiterentwickelt hat. Zweitens
handelt es sich inzwischen wieder um ein echtes Team, das an sich und seine Fähigkeiten
glaubt. Drittens gehört zu diesem Team neuerdings ein Michael
Gardawski und mit diesem unbekümmerten Typen auf der rechten Seite hat
der FCC noch kein Spiel verloren, warum dann gerade in Ingolstadt? (Schade, daß
Gardawski nicht schon gegen Sandhausen wirbelte!) Und Viertens hat der FCC
einen Orlando Smeekes, also jene launenhafte Diva, die noch vor einiger Zeit
desorientiert durchs Paradies irrlichtete. Inzwischen scheint klar, daß
van Eck wohl genau jene Ansprache gefunden hat, die dieser extrovertierte Typ
versteht. Diesen Orlando kannst du pro Spiel zigfach wegen verlorener Zweikämpfe,
unterlassener Flanken, aussichtsloser Dribblings oder versprungener Bälle
verfluchen, aber mit seiner aufdringlichen Präsenz entnervt er
irgendwann jeden Gegenspieler. Und neuerdings macht er aus genau diesen ein,
zwei Szenen pro Spiel seine Buden. Was will man mehr?
Teil Eins der Orlando-Show
leitete Gardawski ein. Er reagiert nach einem Freistoßpfiff blitzschnell
und schlägt den Ball weit und präzise nach halblinks. Als
Keidel den Ball auf sich zukommen sieht und Orlandos Atem spürt,
werden ihm sofort die Knie weich und das sein Rückkopfball daneben
gehen würde, war absehbar. Diebisch grinsend erlief sich Jenas Stürmer
den Ball, düpierte den schwerfälligen Sejna und haspelte den
Ball ins Netz zum Anschlußtreffer. (67.) Jetzt beherrscht der FCC die
Hausherren und hat dennoch Glück, da er von einer umstrittenen
Abseitsentscheidung profitiert. (78.) Pech hat dann Wuttke, als er zunächst
auf der rechten Seite einen wunderbaren Doppelpaß mit Gardawski
spielt, sein Laufduell mit einem Ingolstädter aber fälschlicherweise
abgepfiffen wird. Was soll's, es gab ja noch Teil 2 der Orlando-Show. Zunächst
wurde Holwijn 20 Meter vor dem Tor in zentraler Position umgerissen,
folgerichtig Freistoß. Orlando läuft an. Gardawski blockt in
der Abwehrmauer eine Lücke frei. Orlando schießt, der Ball
findet den von Gardawski geebneten Weg und Sejna kann mit seinem Alibi-Flug
auch nichts mehr ausrichten - TOOOR! 2:2 (84.) Völlig verdienter
Ausgleich!
Seinen gerechten Ausgang hätte
das Spiel dann in Minute 89 finden können, als Ralf Schmidt ein feines
Zuspiel ebenso elegant mit der Brust annimmt und vom rechten Fünfmeterraumeck
volley abzieht - leider mit etwas zu viel Rücklage. Seinen ungerechten
Ausgang hätte das Spiel dann in Minute 90 finden können, wenn
Nulle nicht sensationell den letzten Ingolstädter Kopfball abgewehrt hätte.
Was mit dieser Truppe und
deren Moral tatsächlich noch zu erreichen ist - wer weiß das
schon? Für Überraschungen ist der FCC ja immer gut - auch
nach Ostern! Gute Gründe dafür gibt es genügend... <jk>
FC Carl Zeiss Jena - Kickers Offenbach 0:0
Tore: Fehlanzeige
- Jena: Nulle; Sievers, Wuttke, Lukimya, Nagy; Benyamina (53. Holwijn),
Truckenbrod (88. Ziegner), Schmidt, Gardawski (69. Amrhein); Smeekes,
Hähnge (
, 88.)
- Offenbach: Wulnikowski; Huber; Schutzbach, Heitmeier, Kopilas; Zinnow, Pospischil (63. Ulm), Pfingsten-Reddig,
Fröhlich (46. Moosmayer); Mesic, Hesse
- Zuschauer: 9431
- Schiedsrichter: Dittrich (Bremen)
- Spielbericht
-
Fünf Spiele - Fünf Siege. Wann hatte es zuletzt diese beindruckende Serie gegeben? Da müssen wir schon
in der Chronik bis ins Jahr 2006 zurückschauen. Damals schafften die Kicker des FCC sogar sechs Siege in Folge
und stiegen am Ende der Saison verdient in die 2.Bundesliga auf. Ob es den Mannen um René van Eck noch einmal
gelingen sollte, so eine Serie hinzulegen? Der sechste Sieg in Folge ist gegen die heutigen Gäste aus Offenbach
allemal möglich, zumal sich die Hessen gerade in einer kleinen Krise befinden. Aber meist sind gerade immer diese Spiele die schwierigsten.
Der FCC begann auch von Beginn an druckvoll, aber die Gäste hielten voll dagegen. Es dauerte bis zur achten Minute, bis Gardawski
mit einem Schuss aus 22m für die erste Jenaer Aktion sorgte. Aber fortan warteten beide Teams mit schönem Kombinationsfußball
im Mittelfeld auf, ohne jedoch für Torchancen zu sorgen. Ein Freistoß von Orlando (13.) landete in den Beinen der Abwehr,
Hähnge schaltete am schnellsten und bediente Lukyima, der allerdings nicht zum Torschuss kommt. Nach 19 Minuten glänzte
Gardawski mit einer herrlichen Hackenablage genau in den Lauf von Truckenbrod, doch dessen Schuss konnte Wulnikowski parieren. Kurz
darauf ließ Orlando mit zwei guten Aktionen (21./24.) sein Können aufblitzen, doch leider stand ihm bei diesen Aktionen
das Glück nicht zur Seite. Nach 24 Minuten dann die erste Möglichkeit für die Hessen durch den Ex-Jenaer Christian
Fröhlich, aber sein Schuss ging um einiges über das Tor. Der FCC erhöhte nun kontinuierlich den Druck und erspielte
sich Chance um Chance. Zunächst war es erneut Orlando, der mit seinem Schuss aufs kurze Eck in Wulnikowski seinen Meister fand.
Wenig später eine schöne Ballstafette zwischen dem überragenden Gardawaski und Schmidt, doch leider verfehlte letzterer
mit seinem Schuss das Tor. Vier Minuten vor der Pause die schönste Aktion der Jenaer in Halbzeit eins: Orlando passte nach einem
Sturmlauf von rechts flach in den Lauf von Truckenbrod, der sofort scharf und platziert aufs untere Toreck abzog, doch der Gästekeeper
war erneut zu Stelle und konnte mit einer super Parade den Rückstand gerade noch verhindern.
Auch nach der Pause machten die Platzherren weiter Druck und kamen schon in der 48.Minute zur nächsten guten Tormöglichkeit,
aber Schmidt hatte heute wirklich nicht das richtige Zielwasser getrunken und sein Schuss verfehlte erneut das Tor. In der 54.Minute
hatten die meisten Zuschauer schon den Torschrei auf den Lippen, Wulnikowski war endlich einmal nicht an den Ball gekommen, doch Orlandos
scharf geschossener Ball aus spitzem Winkel donnerte an den Pfosten. Erst nach gut einer Stunde erholten sich die Offenbacher von der
Jenaer Offensive und kamen zum ersten Mal in Halbzeit Zwei gefährlich vor das Jenaer Gehäuse. Aber die beste Möglichkeit
bot sich dem OFC in der 71. Minute, als Zinnow auf der rechten Seite bis zur Grundlinie durchstieß, aber zum Glück fand seine
flache und scharfe Hereingabe keinen Abnehmer, so dass der Ball durch den Jenaer Strafraum zischte. Aber das war es dann auch schon von
den Angriffbemühungen der Gäste, denn Orlando (80.) setzte erneut zu einem seiner vielen Sturmläufe an, aber auch mit
seinem herrlich ansatzlosen Schuss konnte er am heutige Tage Wulnikowski nicht überwinden. Fünf Minuten vor Ultimo stockte
dem Jenaer Anhang der Atem, als Hesse mutterseelenallein auf Nulle zustürmte. Doch zum Glück blieb der Jenaer Kapitän
ganz cool und machte den Winkel spitz, so dass Hesse scheiterte.
Das Spiel war nun quasi gelaufen, doch dann kam es zum eigentlichen
"Höhepunkt" der Partie. Holwijn war bis zur Grundlinie durchgestürmt, aber der Ball ging ins Aus. Wie von einer Tarantel
gestochen kam Gästekeeper Wulnikowski aus seinem Tor und ging Holwijn an. Sofort kamen andere Spieler hinzu und es kam zu einer
Rudelbildung, bei der der eine oder andere Spieler zu Boden ging. Schiedsrichter Dittrich, der mit dieser Aktion nun völlig
überfordert schien, zeigte Holwijn und Wulnikowski die Gelbe Karte und zu allem Übel sah Sebastian Hähnge auch noch
die Rote. Die Fans, Spieler und auch Verantwortlichen waren natürlich außer sich vor Wut, denn Wulnikowski hätte
mindestens ebenso die Rote Karte sehen müssen. Stattdessen schickte der Schiri nun auch noch beide Trainer auf die Tribüne,
was am Ende nun gar keiner mehr verstand. Die letzten Sekunden gingen vorbei und eine turbulente Partie war zu Ende.
Die Offenbacher werden in ihrer Situation mit diesem Punkt sicherlich zufrieden sein, doch für die Jenaer war der sechste
Sieg in Folge allemal drin. Allerdings hatten die Hessen mit Wulnikowski den spielentscheidenden Mann in ihren Reihen, der 88. Minuten
überragend hielt, aber dann mit seiner sinnlosen Aktion für solche Unruhe sorgte, dass die Jenaer in den kommenden Spielen
auf einen wichtigen Angreifer verzichten müssen, was am Ende am meisten schmerzt.<vg>
SV Werder Bremen II - FC Carl Zeiss Jena 1:2
Tore: 1:0 Artmann (42.), 1:1 Orlando (49.), 1:2 Holwijn (85.)
- Bremen: Wiedwald; Gerdes, Schmidt, Stallbaum, Perthel; Ronneburg,
Feldhahn, Kempe, Artmann (74. Enga); Thy, Furtacs (
, 90.)
- Jena: Nulle; Wuttke, Lukimya, Lanzaat, R. Schmidt; Gardawski
(86. Sievers), Kühne (27. Ziegner), Truckenbrod, Benyamina (79.
Holwijn); Orlando, Hähnge
- Zuschauer: 950
- Schiedsrichter: Beitinger (Regensburg)
- Spielbericht
- So in etwa muss der Unterschied auf einen
Championsleague-Teilnehmer wirken, der nach einem Gala-Auftritt vier Tage später
in den Bundesliga-Alltag zurückkehrt. Nach zwölfeinhalbtausend
Zuschauern am Mittwoch beim Thüringenderby musste der FCC auf einem Nebenplatz
des Weser-Stadions vor einer nicht mal vierstelligen Besucherzahl antreten. Die
Lightversion eines Drittligaspiels.
Da kann ein Trainer noch so oft betonen, dass genau wie in
Erfurt drei Punkte zu vergeben sind - die Einstellung, mit der solch ein Spiel
begonnen wird, ist eine ganz andere. Jeder Zeiss-Fan kann das an sich selbst
nachvollziehen und die Tatsache, dass nach den zurückliegenden
Erfolgswochen nur deren 300 den Weg nach Bremen fanden, belegt dies auch. Ein
gewisses Maß an Verständnis für den
offensichtlichen Druckabfall während der ersten 45 Minuten dürfen
unsere Kicker also für sich in Anspruch nehmen. Zumal in dieser
Halbzeit auch noch ein böiger Gegenwind ihren Spielaufbau massiv
erschwerte. So kam es, dass Gardawski mit einem Kopfball in der 4. Minute eine
erste Chance besaß - die folgende halbe Stunde aber keine einzige
mehr hinzu kam. Bremens lange Kerle besaßen im Mittelfeld die
Lufthoheit, taten sich in der Spielgestaltung jedoch schwer und wurden nur nach
Standards gefährlich oder wenn Jena im Vorwärtsgang
Abspielfehler unterliefen. Trieben uns Feldhahns Gelegenheiten noch nicht den
Angstschweiß auf die Stirn (sein von Nulle zur Ecke gelenkter
Flachschuss wäre ohnehin vorbei gegangen), war Perthels Geschoss aus
20 Metern und vollem Lauf schon von anderem Kaliber. Carsten Nulle lenkte es
mit toller Flugeinlage über die Latte (24.). Dessen Vorderleute
schienen noch immer nicht bei der Sache. Bei Einwürfen bietet sich
keiner an und selbst dem über alle Zweifel erhabenen Assani Lukimya
rollt als letzter Mann einmal der Ball durch die Beine.
Erst zehn Minuten vor
der Pause lassen sich auch die Jenaer mal wieder vor dem gegnerischen
Kasten sehen. Torsten Ziegner, für den verletzten Kühne frühzeitig
eingewechselt, nimmt eine Vorlage Wuttkes auf, rennt damit Richtung Eckfahne
und flankt scharf in die Mitte. Der heranpreschende Hähnge verfehlt
unter Bedrängnis das Leder knapp. Zwei Schüsse von Wuttke und
Truckenbrod noch, zaghaft wie kleine Knospen in der ersten Frühlingssonne
begann Jenas Offensivspiel aufzublühen. Die Werderaner erhöhten
derweil noch mal den Druck vor der Pause. Nach einem Eckball von der rechten
Seite konnten Nulle und ein Verteidiger noch mit vereinten Kräften klären.
In Minute 42 aber kam niemand mehr an den Ball, Artmanns Freistoß
rutschte direkt durch ins lange Eck. Bremen führte verdient mit 1:0,
da Jenas Vorstellung bis dahin einem Neujahrskater nach durchfeierter
Silvesternacht glich.
René van Eck schien in der Kabine die richtige Medizin
gefunden zu haben, denn seine Jungs kamen mit sichtbar veränderter
Einstellung aus der Pause. Schmidts Flanke nur vier Minuten nach Wiederanpfiff
verlängerte Lukimya mustergültig mit dem Hinterkopf. Über
Torhüter Wiedwald hinweg senkte sich das Leder an den Innenpfosten
und sprang dem Keeper direkt in die Arme. Ein Großteil der Zeiss-Fans
hatte diesen Ball schon drin gesehen, ihr Torjubel kam also verfrüht -
um exakt 10 Sekunden ! Denn während Wiedwald noch durchatmet, den Ball
nach vorn wirft auf der Suche nach einer freien Anspielstation, pirscht sich
Orlando in seinem Rücken an ihn heran. Jenas Stürmer hatte an
der Torauslinie noch mit fehlendem Fortune in der Szene davor gehadert, als er
plötzlich seine eigene Chance zu wittern beginnt. Listig mogelt er
sich um Bremens verdutzten Keeper herum und schießt das Leder ins
leere Tor. Der kuriose Ausgleich durch einen Orlando, dem in der ersten Hälfte
so ziemlich jede Aktion misslungen war und der damit als das personifizierte
Sinnbild zweier vollkommen unterschiedlicher Halbzeiten herhalten kann. Denn
von nun an wehte für Jena ein anderer Wind in diesem Spiel - und das
nicht nur meteorologisch gesehen ! Orlando hätte es zugunsten
der Blau-Gelb-Weißen allein entscheiden können. Den von Gardawski
adressierten, noch aufspringenden Ball bugsierte er über das
Lattenkreuz (51.), Benyaminas Vorlage schob er am langen Pfosten vorbei.
Zwischendurch scheiterte Hähnge aus 15 Metern am untröstlichen
Wiedwald und dann blieb auch Orlando nach Vorarbeit Truckenbrods am Bremer
Keeper hängen.
Jena will mehr als ein Unentschieden, doch allmählich
läuft die Zeit davon. Melvin Holwijn kommt neu ins Spiel, setzt ab der
Mittellinie zu einem unwiderstehlichen Solo an, lässt drei Bremer
stehen und zielt um Zentimeter am linken Pfosten vorbei. Noch fünf
Minuten. Ein hoher Ball in Werders Sechzehner wird nach links abgewehrt. Dort
steht wieder Holwijn, der mit Ball am Fuß ein paar Meter nach innen läuft,
abzieht - und trifft ! Spieler, Betreuer und Fans fallen sich in die Arme. 2:1,
diesen Vorsprung geben sie nicht mehr aus der Hand. An Tim Wuttke kommt auf
der rechten Seite nun niemand mehr vorbei, was den baumlangen Furtacs derart frustiert, dass
er sich hinter dem Rücken des Schiedsrichters zu einem angedeuteten
Kopfstoß hinreißen lässt. Der Assistent an der
Seitenlinie hatte es beobachtet und deshalb beendete die U23 das Spiel zu
zehnt.
Nachdem die für den Klassenerhalt erforderlichen 45
Punkte unter Dach und Fach gebracht sind, werden sich Trainer und Sportdirektor
schon mal auf Fragen nach neuen Zielen gefasst machen können. Wie immer
ihre Antwort ausfallen wird - einer Mannschaft, die solch ein Spiel wie das in
Bremen noch zieht, ist einiges zuzutrauen. Wir haben das vor Jahren schon einmal erlebt... <fc>
FC Rot-Weiß Erfurt - FC Carl Zeiss Jena 0:3
Tore: 0:1 Orlando (3.), 0:2 Hähnge (28.), 0:3 Benyamina (56.)
- Erfurt: Orlishausen; Handke (26. Stenzel), Pohl (58. Humbert),
Möckel, Ströhl (54. Pagenburg); Becker, Bölster, Rockenbach
da Silva, Hillebrand; Kammlott, Semmer
- Jena: Nulle; Sträßer (62. Wuttke), Lukimya, Lanzaat,
Nagy; Gardawski, Kühne, Truckenbrod, Benyamina; Orlando (89.
Osadchenko), Hähnge (76. Holwijn)
- Zuschauer: 12.435
- Schiedsrichter: Cortus (Nürnberg)
- Spielbericht
- In den Stadien der Republik versammeln sich jede Woche
allerlei seltsame Menschen. Gestern teilte wieder ein besonders ungewöhnliches
Geschöpf meine Nähe. Entweder hatte der Typ - nennen wir ihn der Einfachheit
halber mal Philipp - überhaupt keine Ahnung vom Fußball, was ich aber nicht
glaube. Er sah einfach nicht so aus, als würde er beim Wort Viererkette
ausschließlich an die nächste Raucherpause denken. Oder aber, Philipp hatte das
Spiel schon mal irgendwo gesehen und wußte, daß am Ende alles gut sein würde.
So, als ob sich Vati die x-te Wiederholung des 54er-Finales reinzieht, bereits
genüßlich darauf wartend, daß Rahn irgendwann schießen müßte und das auch
tatsächlich tut und sich - wie immer - das Wunder erfüllt. Bei solch
übersinnlicher Befähigung hätte mich Philipp aber sicher gewarnt, als ich mich
anschickte, mir die schlechteste Bratwurst der Fußballgeschichte zu kaufen.
Nein, so bösartig wirkte er eigentlich nicht... Die dritte, von mir inzwischen
favorisierte Möglichkeit, ist, daß Philipp an jenem Maiabend im letzten Jahr nicht da war. Er hat es einfach nicht gesehen. Ihm fehlte die
knallharte Erfahrung, wie eine Mannschaft die ohnehin verkorkste Saison in
nicht mal einer Viertelstunde gänzlich vor die Wand fahren kann. Ja, Philipp
war völlig ahnungslos! Das war es. Er freute sich am 1:0, ohne an die 87
folgenden Minuten zu denken, war nach dem 2:0 in Gedanken bereits beim Feiern
und schaute sich den Rest mit der emotionalen Besessenheit an, mit der man sich
in den 90ern einen Werbespot für Timotei-Shampoo
reingezogen hat. Nein, ohne Zweifel, er war nicht dagewesen im Mai. Und da ich
nun mal da war, war ich auch ein wenig neidisch auf Philipps naive
Bedenkenlosigkeit. Ich habe dazugelernt! Kein "Auswärtssieg!
Auswärtssieg!"-Gebrülle bei 2:0-Führung eine Viertelstunde vor Schluß, keine
verfrühten "Derbysieger"-Rufe. Nur ab und zu mal "Die Nummer 1 im Land sind
wir", aber das hatte ja auch nix mit dem Spiel gestern zu tun. Das ist
historisch gewachsen.
Dabei bekommt mein Mißtrauen gleich zu Beginn einen herben
Dämpfer. Als Kühnes Paß den blitzschnellen Orlando mustergültig erreicht, läßt
der sich nicht lange bitten und hebt den Ball über den herausstürzenden
Orle hinweg ins leere Tor. Die Führung nach nur drei
gespielten Minuten. Ein unbeschreiblicher Freudentaumel bricht los. Aber ich
reiße mich am Riemen. Die bösen Erinnerungen des letzten Frühjahrs mahnen zur
Zurückhaltung, Ihr wißt schon. Und meine Vorbehalte erhalten auch gleich wieder
ausreichend frische Nahrung, als Jena damit beginnt, ein Großkontingent guter
Möglichkeiten zu verdaddeln. Der Gardawski muß nach
17 Minuten den Ball eigentlich nur noch an Orle
vorbeischieben, macht statt dessen einen Haken mehr als gut und legt eine
Millisekunde zu spät auf Benyamina ab, so daß Erfurts Abwehr noch klären kann.
Drei Minuten später fliegt Hähnges Kopfball nach Gardawskis
Musterflanke genau in Orles Arme. Fahrlässig! Ich
fluche, Philipp lächelt überlegen. Vielleicht hat er das Spiel ja doch schon
mal gesehen...
Dann dieser Freistoß von Erfurt, bei dem Nulle zunächst am
Ball vorbeisegelt, ihn einen Moment später dann aber doch hat. "Das war knapp!"
entfährt es mir erschrocken, "Souverän!" raunzt Philipp. Ich begreife ihn
nicht... Jetzt nur den Gegner nicht stark machen. Lieber weiter nach vorn!!! Ecke
für Jena. Diesmal kommt Orle angeflogen, hat aber den
Ball am Ende genausowenig wie seine vier Kumpels auf der Linie, an denen Hähnge
- der geduldig am langen Pfosten gewartet hatte - das Leder vorbei schiebt (28.).
Waaaahnsinn! Mein Tanz fällt nun schon etwas lockerer
aus. Aber sicher sein? Lieber noch nicht. Allein Jena läßt jetzt nicht mehr
locker, entzieht der Phobie das Fundament. Erfurt steht völlig neben sich.
Getragen von 3000facher Anfeuerung tritt Orlando abermals an, wird dann aber an
der Strafraumgrenze unfair zu Fall gebracht, wobei die Strafraumgrenze
offensichtlich ein ganzes Stück in den Strafraum reicht (37.). Um das 3:0
gebracht! So ein Mist aber auch.
Die Halbzeit hätte trotzdem kaum fröhlicher sein können.
Entweder war zum Pokalfinale letztes Jahr kaum jemand im Steigerwald zugegen
oder danach hat sich kollektiver Alzheimer weiter Fankreise bemächtigt, so daß
die Sich-noch-gut-erinnern-Könnenden der Philipp-Fraktion nichts
entgegenzusetzen haben. Mein Pessimismus prallt schlichtweg ab! Meine ganzen
Lebensweisheiten will einfach keiner hören. Sowas!
Und auch der Mannschaft waren die wenigen mahnenden
Zeigefinger herzlich egal. Keine Spur von Angst. Zwar kam Erfurt mit etwas mehr
Schwung aus der Kabine, mehr als ein gefährlich getretener Freistoß durch
Becker nach knapp einer Stunde und einen Lattentreffer durch Stenzel (77.)
bekamen die Rot-Weiß-Fans aber nicht zu sehen. Im Gegenteil, die Mutter der
Unzulänglichkeiten, ich nenne sie mal Desolatia, hielt
die Rot-Weißen jetzt noch fester umarmt, so daß Benyamina zehn Minuten nach der
Pause ungehindert (also einfach geradeaus) über den halben Platz rennen und den
Ball an Orle vorbei ins lange Eck schieben konnte.
Philipp wußte es. Jetzt glaubte ich es auch langsam. Diesmal wird es keinen
Zusammenbruch geben. Die Thüringer Fußball-Welt steht wieder auf den Füßen.
"Auswärtssieg! Auswärtssieg!". Und der hätte auch noch deutlicher ausfallen
können. Allein der lange Truckenbrod-Pass auf Smeekes war für die dritte Liga deutlich zu genau, daß der
den Ball aber aus vollem Lauf auch noch sauber mitnimmt, wäre letzte Saison
allein ein Grund zum Kommen gewesen. Schade, daß sich Orlishausen
mit letztem Einsatz noch in Orlandos Schuß werfen kann (77.). Und dann noch der
schöne Konter über Holwijn, der aber viel zu lange
mit seinem Anspiel auf Smeekes rumbummelt, so daß
sich selbst Erfurts schläfrige Abwehr wieder imstande sieht, die Situation zu
klären (84.). Sehen tut das schon längst nicht mehr jeder, der mal im Stadion
war. Die Haupttribüne erstrahlt schon wieder im herrlichsten Rosa, viele Fans
des Thüringer Vizekönigs schauen wahrscheinlich schon lange den Bayern im
DFB-Pokal zu. Die, die noch da sind, höhnen gegen Hörgl.
Auf der anderen Seite tobt die Blau-Gelb-Weiße Herrlichkeit, geht eine
Laola nach der anderen durch den Block. Ein lang
herbeigesehnter Sieg, über den nach etlichen grausamen Gastspielen in der
Blumenstadt, auch in ein paar Jahren noch geredet werden dürfte.
Erfurt ist mit dem Ergebnis noch gut bedient und muß sich
jetzt ganz schön strecken, um mit dem Abstieg am Ende nichts zu tun zu haben.
Wünschen tue ich es ihnen nicht, allein in der Hoffnung, beizeiten mal wieder
so einen Abend erleben zu dürfen. Und vielleicht bin ich ja dann der Philipp
und wundere mich über all jene, die gestern nicht da waren. Von den Bratwürsten
würde ich dann aber auch keinem abraten; die Erfahrung muß jeder selber machen. <bpf>
FC Carl Zeiss Jena - Eintracht Braunschweig 2:1
Tore: 0:1 Banser (8.), 1:1 Benyamina (29.), 2:1 Gardawski (39.)
- Jena: Nulle; Sträßer, Lukimya, Lanzaat, Nagy; Gardawski
(68. Wuttke), Kühne, R. Schmidt, Benyamina (89. Petersen); Orlando
(76. Holwijn), Hähnge
- Braunschweig: Petkovic; Reichel, Henn, Dogan, Boland;
Onuegbu (46. Vrancic), Pfitzner (80. Morabit), Banser, Kragl (58.
Calamita); Kruppke, Kumbela
- Zuschauer: 7249
- Schiedsrichter: Nowak (Bottrop)
- Spielbericht
-
Kurz nach Abpfiff in der sogenannten Mixed Zone des
Ernst-Abbe-Sportfelds. In die Freude über drei Punkte mischen sich
nach Blick auf die Tabelle Journalistenfragen, ob nach drei Siegen in Folge
nicht noch gänzlich andere Ziele angestrebt werden könnten als
nur der Klassenerhalt. Doch Carsten Nulle bleibt auch diesmal cool und überlegt. "Wir sollten mal die
Kirche im Dorf lassen", diktiert er den Reportern in die Schreibblöcke und Mikrofone,
"im Januar waren wir fast tot. Da jetzt irgendwelche Dinge hinaus zu posaunen wäre
töricht. Das haben wir letzte Saison so gemacht und dann sieben Spiele
verloren. Wobei ich nichts dagegen hätte, wenn es so weiter geht. Aber
noch haben wir keine 45 Punkte."
Anfangs sah es ganz und gar nicht nach einer Fortsetzung der
kleinen Siegesserie aus. Braunschweig kam schon nach drei Minuten zu seiner
ersten Gelegenheit, die ihr Torschütze vom Dienst, Dennis Kruppke
gegen Nagy und Nulle vergab. So ähnlich hatte es für die
Jenaer gegen Kiel auch begonnen, nur mit dem Unterschied, dass sie diesmal nicht ungeschoren über
die (Anfangs-)Runden kommen sollten. Nach Kruppkes Freistoß von der rechten Außenlinie
stieg Fait-Florian Banser an der Torraumlinie am höchsten und ließ
unserem Keeper keine Chance zum Reagieren. 0:1, eine verdiente Führung,
weil die Eintracht besser ins Spiel gekommen war und die Mehrheit der Zweikämpfe
für sich entschied. Gegen ihr konsequentes Pressing bis in die Jenaer
Hälfte hinein fand der FCC zunächst kein Rezept. Erschwerend
kam hinzu, dass sich zwischen den beiden defensiven Mittelfeldspielern und den
Offensiven davor eine ungewohnte Lücke auftat, die den Aufbau geordneter
Angriffsaktionen massiv erschwerte. Infolgedessen hatte sich der Ausgleich
nach einer halben Stunde nicht unbedingt abgezeichnet, ein schönes Tor
war es trotzdem. Soufian Benyamina bekam den Ball von Ralf Schmidt in den
Strafraum serviert und lupfte ihn mit rechts über Torhüter
Petkovic hinweg in die lange Ecke. Jenas erster Treffer mit dem ersten
Torschuss - effizienter geht's nicht.
Als wenn es eines solchen Weckrufes bedurft hätte,
drehten die Jenaer nun richtig auf. 36. Minute, der starke Gardawski spielt
Orlando an. Dem wirft man vielleicht nicht zu Unrecht vor, gern mal zu
eigensinnig ohne Blick für den Nebenmann zu agieren. Nicht so aber in
dieser Szene. In einer Position, aus der er selbst hätte den Abschluss
suchen können, übersah er den noch besser postierten
Sebastian Hähnge nicht. Jenas Stürmer schoss sofort, Petkovic
war geschlagen, doch der rechte Pfosten verhinderte die Jenaer Führung
zu diesem Zeitpunkt. Keine vier Minuten später
gibt es den ersten Eckball des Spiels. Petkovic faustet ihn aus dem Strafraum,
von wo aus aber wieder Orlando loszieht. Dessen Flanke von der rechten Seite
fliegt hinüber in die linke Strafraumhälfte, wird von Michael
Gardawski volley genommen und aus sieben, acht Metern direkt ins Netz befördert.
2:1, das Stadion tobt. Gar nicht auszudenken, wenn vor der Pause noch der
dritte Jenaer Treffer gefallen wäre. Die Möglichkeit dazu war
da, als Kühne nach Vorarbeit Gardawskis aus sechs Metern aufs Tor
schoss, Henn und Petkovic mit vereinten Kräften gerade noch so klären
konnten. An der Leistung Stefan Kühnes lassen sich die zwei
unterschiedlichen Gesichter dieser ersten 45 Minuten anschaulich beschreiben.
Gerade er hatte anfangs riesige Probleme, allein zwischen der 16. und 19.
Spielminute registrierten wir von ihm fünf unglückliche
Aktionen voller Verunsicherung. Und nun, kurz vor der Pause, gewinnt er plötzlich
jeden seiner Zweikämpfe und wäre um ein Haar noch zum Torschützen
geworden.
Es war zu vermuten, dass die zweite Halbzeit nicht so
losgehen würde, wie die Erste geendet hatte. Braunschweigs Trainer
Torsten Lieberknecht ("Ich habe schon vor der Saison Jena als
Aufstiegskandidaten gesehen") hatte seine Elf wieder auf Kurs gebracht,
wenngleich den Aktionen der Norddeutschen das letzte Bisschen an
Entschlossenheit fehlte. Klar, sie waren häufiger in Ballbesitz, doch
trafen sie auf eine nun kompakter stehende Jenaer Hintermannschaft mit einem
wiederum überzeugenden Assani Lukimya in deren Zentrum. Einziger
Wermutstropfen war nur die fünfte Gelbe Karte für
Ralf Schmidt, für den das Thüringenderby damit nur von
der Tribüne aus stattfinden darf. Da auch der FCC dem Dortmunder Spiel
vom Mittwoch kräftemäßig ein wenig Tribut zollen
musste, gab es nach der Pause so gut wie keine Tormöglichkeiten mehr.
Den ersten Schuss aufs Gästetor gab Orlando mit einem Freistoß
in Minute 71 ab. Auf der Gegenseite dauerte es noch fünf Minuten länger,
ehe Calamita aus 16 Metern das Nulle-Gehäuse knapp verfehlte. Dies
sollte jedoch die einzige Schrecksekunde bleiben, weil die in Rückstand
liegenden Braunschweiger erstaunlicherweise auch in der Schlussphase ein höheres
Risiko scheuten. Der Ausflug ihres Torhüters Petkovic während
der Nachspielzeit in den gegnerischen Sechzehner vermochte darüber
nicht hinweg zu täuschen. So blieb es bis zum Schluss beim knappen und
verdienten Jenaer Sieg, den die Elf in Blau-Weiß mit einem von ihr so
noch nicht beobachteten Jubelkreis feierte.
Zurück in der Mixed Zone. Auch Carsten Sträßer,
mit Töchterchen Felicia Sophie auf dem Arm, stellt sich den Journalistenfragen.
Spricht von einer gefestigten Jenaer Mannschaft, in der Einer für den
Anderen einsteht. Und blickt vier Tage voraus: "Gegen Erfurt haben wir einiges
gut zu machen !". Jenas Anhänger werden ihn beim Wort nehmen. <fc>
Borussia Dortmund II - FC Carl Zeiss Jena 0:3
Tore: 0:1 Orlando (13.), 0:2 Nagy (32.), 0:3 Orlando (45., FE)
- Dortmund: Höttecke; Evers, Hünemeier, Neumeister,
Kaptan (
, 45.); Großkeutz (46.
Kandziora), Koch, Tyrala, Piossek (72. Oscislawski), Nottbeck; Kullmann
(62. Hille)
- Jena: Nulle; Wuttke, Lukimya, Lanzaat, Nagy; Gardawski (61.
Holwijn), Kühne, R. Schmidt (74. Truckenbrod), Benyamina; Hähnge,
Orlando (79. Sievers)
- Zuschauer: 1256
- Schiedsrichter: Kampka (Mainz)
- Spielbericht
- (von Gastkommentator Tobias Häfner)
Vergessen sollten sie nun endgültig sein sein, die endlosen Diskussionen in den Fußballforen
um Schnee, Matsch und Rasenheizungen - das Gastspiel in der klassischen Fußballarena
direkt neben dem "Signal Iduna Park" fand bei herrlichem Vorfrühlingswetter statt.
In der Startelf unserer Mannschaft nur die eine bereits vorher vermutete Veränderung -
für den gesperrten Carsten Sträßer rückte erwartungsgemäß Tim Wuttke auf die
Position des Rechtsverteidigers, Ralf Schmidt dagegen konnte entgegen aller Befürchtungen
im Vorfeld des Spiels auflaufen.
Die ersten Offensivaktionen kamen von unserem Team.
Hähnges Kopfball konnte jedoch der Dortmunder Torhüter Höttecke mühelos
aus der Luft pflücken und Orlando verpasste einen gut getimten Paß
von Stefan Kühne. In der 6. Minute die erste richtige Chance jedoch auf
der anderen Seite. Einen Flachschuß aus 14 Metern Entfernung konnte jedoch
Nulle parieren. Dennoch nahm nun unser Team mehr und mehr das Heft des Handelns
in die Hand und bereits in der 13. Minute wurden die ersten Früchte dieses
Engagements geerntet. Wieder wurde Smeekes steil von Kühne geschickt und
dieses Mal ließ er sich die Chance nicht entgehen und versenkte den Ball eiskalt.
In der 16. Minuten prüfte Tim Wuttke den Torhüter der schwarz-gelben mit einem Schuß
von der Außenposition.
4 Minuten später nach längerer Zeit mal wieder der Gastgeber mit einer Torraumszene,
doch der scharf angeschnittene Freistoß des einst von uns umworbenen Tyrala
wird von jedermann verpasst und landet hinter dem Tor.
Danach verlagerten sich die Torgelegenheiten wieder vor das andere Gehäuse.
Zunächst geht ein Freistoß von Orlando aus 28 Metern noch recht deutlich
übers Tor. Aber mehr und mehr wird nun deutlich das vor allem in punkto Zweikampfverhalten unsere Mannschaft den Gastgebern deutlich überlegen war. Vor allem Lukimya, Kühne und Wuttke blieben nahezu in jedem defensiven Zweikampf Sieger. Aber auch offensiv sah das richtig gut aus. Kein schleppendes Aufbauspiel wie man es noch viel zu häufig in der Hinrunde beobachten musste, sondern meistens wurde schnell und schnörkellos nach vorn gespielt.
Die nächste Chance aus einem solch zügig nach vorn getragenen Angriff hatte Gardawski
auf dem Fuß der mit einem Schuß aus halbrechter Position Höttecke zu einer
tollen Parade zwang. Das nächste Beispiel - Orlando am Seitenaus in Höhe der Mittellinie
scheinbar von viel zu vielen Dortmundern bedrängt. Jedoch weiß er sich daraus
zu befreien und legt ein wahres Zaubersolo hin bis er 10 Meter von dem Strafraum
unsanft gestoppt wird. Den folgendes Freistoß schlug Nagy mit viel Effet und
scheinbar so verwirrend das der Ball - wie später bestätigt wurde
ohne Freund- und Feindberührung - plötzlich im Netz zappelte. 0:2 nach 32 Minuten !
Aber unsere Jungs hatten in dieser bärenstarken ersten Halbzeit noch nicht
genug. In der 35. Minute ist bei einem Flachschuß von Orlando der Dortmunder
Keeper rechtzeitig ab Boden. In der 40. Minute wieder Orlando - sein gefühlvoller
Linksschuß verfehlte jedoch knapp das Tor. Eine Minute vor Pausenpfiff
ein mustergültiger Konter eingeleitet von Hähnge, dann sieht der wieder auf
und davon gesprintete Orlando den mitgelaufenen Wuttke. Offenbar kurz hinter der
Strafraumlinie wurde Wuttke aber vom Dortmunder Kaptan niedergemäht.
Eine hundertprozentige Torchance verhindert, die folgerichtige Entscheidung war
Rot für den schwarz-gelben Außenverteidiger und Elfmeter. Orlando schnappt sich den
Ball und schoß scharf und platziert, auch war der Dortmunder Torwart in der falschen Ecke.
Pausenstand also 0:3 und die folgenden 15 Pausenminuten wurden bei dem einen
oder anderen der ca. 150 mitgereisten FCC Anhänger zum Anlaß genommen die
Gedächtnisprotokolle zu verifizieren nach einer letzmaligen Pausenführung mit
3 Toren Unterschied. Auflösung : beim Studium alter Spielberichte auf dieser Website
muss man bis zur Saison 2003/2004 zurückblättern ;-)
2 Minuten nach Wiederanpfiff gleich die erste dicke Chance um das vierte
Tor zu erzielen, den Schuß von Benyamina lenkt Höttecke mit den Fingerspitzen
übers Tor. Aber mit fortschreitender Spielzeit sind nennenswerte Torszenen
nun rarer gesät. Die Dortmunder versuchten mit viel läuferischem Einsatz
ihre Unterzahl auszugleichen. Das gelang ihnen auch nun leidlich - aber
der Versuch mit kurzen, flachen Pässen unsere Abwehr auszuhebeln scheiterte
meistens so 5 Meter vor der Strafraumgrenze. Erwähnenswert lediglich
in der 60. Minute ein Kopfball nach einem Freistoß an dem Nulle mit den Fingerspitzen
dran war. Auf die gleiche Art und Weise klärte Nulle in der 77. Minute nach einem
Schuß aus spitzen Winkel. Beim Lattentreffer der Gastgeber in der 88. Minute
zeigte der Schiriassistent bereits Abseits an.
Auf der richtigen Seite gab es ebenfalls noch einige Chancen den Vorsprung
sogar noch auszubauen. So in der 62. Minute eine gute Kopfballchance von
Lukimya nach Ecke von Nagy. 3 Minuten später zwingt Hähnge den guten Dortmunder
Keeper zu einer Fußparade. In der 85. Minute prüfte Truckenbrod am Ende
einer schönen Kombination über Hähnge und Benyamina nochmals Höttecker.
Sicher war die zweite Halbzeit offensiv nicht mehr so zwingend wie
die 45 Minuten vor der Pause. Geschenkt - und irgendwie auch legitim aufgrund der vielen
anstehenden englischen Wochen. In Gefahr geriet der sichere Sieg aufgrund der
aufmerksamen Defensive nie.
FC Carl Zeiss Jena - Holstein Kiel 3:0
Tore: 1:0 Lukimya (32.), 2:0 Orlando (41.), 3:0 Hähnge (74.)
- Jena: Nulle; Sträßer, Lanzaat, Lukimya, Nagy; Gardawski
(76. Holwijn), Kühne (66. Truckenbrod), R. Schmidt, Benyamina; Hähnge
(89. Wuttke), Orlando
- Kiel: Frech; Lamprecht, Müller, Boy, Jürgensen (

, 88.);
Schüßler (4. Siedschlag), Vujcic, Jerat, Meyer; Sykora (57. Holt),
Cannizaro (70. Wulff)
- Zuschauer: 5205
- Schiedsrichter: Osmers (Hannover)
- Spielbericht
-
Holstein Kiel war mit beachtlichem Etat und daraus
resultierenden Erwartungen in die Saison gestartet. Schnell fand sich der
Neuling jedoch auf dem Boden der Realität wieder und derzeit auf einem
der Abstiegsränge. Das 1:6 in Bremen vor einer Woche wurde auf der
vereinseigenen Homepage als Tiefpunkt der Auswärtsmisere bezeichnet.
Solch einen Kontrahenten kann man als angeschlagenen Boxer ansehen, der umso
gefährlicher ist, je mehr er sich in die Ecke gedrängt fühlt.
Oder man kann ihn unterschätzen. Welche Einstellung würde
sich die Jenaer Elf zueigen machen ?
Positiv war schon mal, dass sie in der selben Formation
auflaufen konnte wie beim überzeugenden Auftritt gegen Osnabrück.
Der angeschlagene Ralf Schmidt hatte beim Abschlusstraining grünes
Licht gegeben und stand die neunzig Minuten durch. Die Anfangsphase freilich
hielt einem Vergleich mit jener gegen den VfL nicht stand. Zwar besaß
Orlando nach fünf Minuten die erste Chance im Spiel, als er gezwungen
war, aus eher ungünstiger Position abzuschließen, weil
keiner seiner Mitspieler mitgekommen war. Alles in allem aber konnte sich der
Gastgeber glücklich schätzen, nach zwanzig Minuten nicht in Rückstand
zu liegen. Da Lanzaat gegen Canizzaro das Nachsehen hatte, lief der bei Erfurt
ausgemusterte Kieler Stürmer in Minute 15 unbedrängt auf
Carsten Nulle zu. Unser Keeper, gerade erst zum Torschützen des Monats
nominiert, warf sich ihm mit Erfolg entgegen und zeigte, dass er nicht nur
offensiv, sondern auch defensiv zu überzeugen weiß, wie sein
Trainer nach dem Spiel flachste. Da auch Jerat mit einem Freistoß am
Jenaer Kapitän scheiterte und Sykoras Ablage nach einer Unsicherheit
in der Thüringer Hintermannschaft nicht ankam, überstand der
FCC die Anfangsperiode mit etwas Glück unbeschadet. Nach vorn lief zunächst
nicht viel zusammen. Schon zweiundzwanzig Minuten waren vorbei, als Kiels
Schlussmann Michael Frech mittels Faustabwehr das erste Mal eingreifen musste.
Die Jenaer Führung, sie fiel wie so häufig in den letzten
Wochen aus einer Standartsituation heraus. Assani Lukimya hatte vor Wochenfrist
beim Torerfolg seines Keepers genau hingeschaut und köpfte einen
Freistoßball von Nagy in die Maschen. Dass der Freistoßpfiff
zuvor durch Schiedsrichter Osmers eher geschenkt war, muss kein schlechtes
Gewissen bereiten. Auch auf der Gegenseite gabs hier und da umstrittene
Entscheidungen.
Vielleicht reagierten die "Störche" eine Spur zu passiv
auf die neue Spielsituation, indem sie hinten drin blieben und auf Jenaer
Angriffe warteten statt selbst welche zu initiieren. Andererseits muss man
vielleicht auch Verständnis für ihre Situation haben. Nach
der Klatsche gegen Werders U23 hatten sie hier passabel begonnen, sich auch von
der schweren Verletzung ihres Mittelfeldspielers Schüßler
(Verdacht auf Kreuzbandriss) nicht aus dem Konzept bringen lassen und lagen
dennoch schon wieder im Rückstand. Als sie dann doch nochmal versuchten,
vor der Pause den Ausgleich zu erzielen, liefen sie prompt in einen
Konter. Nagy schlug aus der eigenen Hälfte einen weiten Pass auf
Orlando. Dem war bis dahin noch nicht viel gelungen, doch jetzt machte er
alles richtig. Vom Ex-Jenaer Robert Müller nicht einzuholen, schob der
schnelle Holländer das Leder an Frech vorbei zum 2:0 über die
Linie. Ohne geglänzt zu haben, lag der FCC zur Pause mit scheinbar
beruhigenden zwei Toren in Front. Wann hatte es dies zuletzt gegeben ?
Der Schuss von Florian Meyer, einem der Besten in den Reihen
der Holsteiner, nur zwei Minuten nach dem Wechsel sollte sich als Kieler
Strohfeuer erweisen. Mit "Schüsschen, Eckbällchen und Freistößchen"
(O-Ton Christian Wück) war den Jenaern nicht beizukommen. Und so
lehnte der Gästecoach phasenweise selbst resigniert an der
Trainerbank. Während das Dutzend Gästefans, welches aufgrund des
Nachholtermins die weite Strecke womöglich zum zweiten Mal
innerhalb weniger Tage auf sich genommen hatte, eine nun deutlich überlegene
Jenaer Elf zu sehen bekam. Welch tolle Aktion war das zum Beispiel in Minute
62, als Orlando gleich zwei Gegenspieler düpierte und eine feine
Vorlage für Hähnge zustande brachte. Der schoss sofort aus
der Drehung und zwang Frech zu einer spektakulären Parade. Drei
Minuten später wurden die Rollen getauscht. Hähnge spielte
den Vorbereiter für Orlando, welcher sich hinterher maßlos ärgerte,
in dieser Szene den Ball am langen Pfosten vorbei geschoben zu haben. Ein Happy
End gab es dennoch für beide, denn nach Orlando in Hälfte
eins kam auch Sebastian Hähnge noch zu Torehren. Sein Antritt ab Mitte
der gegnerischen Hälfte, das Täuschungsmanöver, dann
der Schuss mit dem linken Außenrist aus 18 Metern genau ins
Dreiangel war nach Meinung aller das
schönste Tor des Tages. Mit solchen Aktionen lässt Jenas Stürmer
auch seine letzten Kritiker auf den Rängen für hoffentlich längere
Zeit verstummen.
Dem Schiri saßen mit zunehmender Spielzeit die Karten allzu locker. Das mit Gelb geahndete Foul von Jürgensen kurz vor
Schluss war genauso wenig verwarnungswürdig wie das von Carsten Sträßer
eine halbe Stunde zuvor. Für den Jenaer war es die fünfte
Gelbe in dieser Saison, für den Kieler die zweite im Match. Als
Konsequenz müssen beide beim nächsten Mal zuschauen.
Drei Punkte zum 50. - wer Mannschaftsleiter Uwe Dern kennt,
der weiß, dass ihm die Mannschaft kein schöneres
Geburtstagsgeschenk hätte bereiten können. Auch von
dieser Stelle aus herzlichen Glückwunsch, Uwe und alles Gute fürs nächste
halbe Jahrhundert ! <fc>
FC Carl Zeiss Jena - VfL Osnabrück 1:1
Tore: 0:1 Barletta (72.,HE), 1:1 Nulle (90.+2)
- Jena: Nulle; Sträßer, Lanzaat, Lukimya, Nagy; Gardawski, Kühne, R.Schmidt (82.Kolb),
Benyamina; Hähnge, Orlando
- Osnabrück: Berbig; Engel, Barletta, Nickenig (

, 75.),
Tauer; Pinheiro, Heidrich (61.Schmidt); Siegert, Lejan (64.Grieneinsen), Kotuljac (76.Stang), Lindemann
- Zuschauer: 5694
- Schiedsrichter: Thomsen (Kleve)
- Spielbericht
-
Der FCC empfing den Spitzenreiter Osnabrück, Weiß gegen Schwarz (nach den Trikotfarben), wie beim Schach. Und in den ersten
45 Minuten boten beide Mannschaften auch gepflegtes Rasenschach - taktisch diszipliniert, vorsichtig, unbedingt ein Gegentor vermeiden
wollend, ohne große Aufregungen. Der FCC wählte dabei - trotz Doppelspitze mit zwei offensiven Außenbahnen - eine
geschlossene Eröffnung, die auch den gewünschten Erfolg brachte. Aus einer sicheren Abwehr heraus suchte man mit gepflegten
Pässen den Mitspieler und ließ dem Ligaspitzenreiter - der eigentlich im gesamten Spiel seine Auswärtsschwäche
bewies - im Mittelfeld keinen Raum für den eigenen Aufbau. Die einzigen Ausnahmen bildeten die 35. und die 39. Minute: Nach einem
misslungen Tackling Nagys starteten die Gäste einen schnellen Angriff über rechts, in dessen Ergebnis Pinheiro an die Latte
des Jenaer Tores köpfte. Der FCC "revanchierte" sich nach einer Ecke, als Lanzaats Kopfball von einem Osnabrücker noch am Tor
vorbeigelenkt werden konnte. Trotzdem war der FCC im Vergleich zu den vorigen Heimspielen nicht wiederzuerkennen. Es waren die kleinen
Ungenauigkeiten, die Zählbares für den FCC verhinderten, obwohl man mit kleinen Nadelstichen den Favoriten einige Male ärgern
konnte. Dabei rückte Orlando in den Mittelpunkt: Entweder er stand im Abseits (20., 21. min) oder der Ball wurde auf dem
nassen Rasen zu schnell (22.) oder er war einfach zu überrascht, als ihm am langen Pfosten der Ball vor die Füße
fiel (30.). Positiv fiel das gute Zusammenspiel zwischen Hähnge und Gardawski auf. Nicht zu übersehen war bereits in der
erste Halbzeit die Unart der Gäste, bei Ballverlust am Boden liegen zu bleiben - gegen Ende des Spiels wurde diese Theatralik
durch Bodenpirouetten und Schmerzensschreie ergänzt - und auf das Wohlwollen des Referees zu hoffen.
Die Spieler des FCC hatten dann gemerkt, dass heute mehr drin war als nur eine Schadensbegrenzung und so startete man nach der Pause
deutlich offensiver. Vor allem Benyamina, der vor der Pause etliche Fehlabspiele bot, zeigte sein Stürmerblut. So in der 48. min
als er den Verteidiger mit einem Haken alt aussehen ließ und den Ball an die Lattenunterkante hämmerte. Den zurückspringen
Ball konnte Schmidt leider nicht mehr ins Tor drücken. Dann versuchte es Orlando über links, scheiterte jedoch am Verteidiger (53.).
Benyamina testete Berbigs Reflexe mit einem Schuss aus etwa 8 Metern Entfernung (56.), bevor Orlando kurz danach mit einem Sprint mit Ball
drei Osnabrücker in Verlegenheit brachte. Diese lösten das Problem mit einem Foul kurz vor der Strafraumgrenze, dass Schiedsrichter
Thomsen jedoch nur mit "Gelb" ahndete. "Rot" wegen Notbremse wäre die richtige Entscheidung gewesen! Den Freistoß selbst vergab
Orlando kläglich, in dem er ihn gefühlvoll mitten in die Mauer setzte. Einige Minuten später zeigte sich Orlando zu
egoistisch, als er lieber allein einen Schuss versuchte, anstatt den besser stehenden Gardawski mit einem Steilpass zu bedienen.
Der
FCC hatte den VfL in fester Umklammerung und ein Tor schien nur eine Frage der Zeit zu sein. Das fiel dann auch in der 72. min per
Foulstrafstoß: Nach einer Ecke versuchte sich Orlando so deutlich als Handballer, dass der Referee gar nichts anderes als
Elfmeter entscheiden konnte. 1:0 für Osnabrück - das Spiel nach der Pause war auf den Kopf gestellt! Der FCC ruckte noch
einmal an, alle knieten sich mit doppeltem Eifer rein, Orlando warf sich in einen Abschlag Berbigs und so ergab sich für Hähnge
die Chance, mit Ball am Fuß in den Strafraum einzudringen. Wieder kam die Notbremse zum Einsatz, gefühlt auf der
Strafraumgrenze - aber anstatt Strafstoß und Feldverweis entschied Thomsen, der von dieser Szene an völlig den Überblick
verlor, auf Freistoß und gab Nickenig nur "Gelb" (75.)! Lediglich die Tatsache, dass es bereits dessen zweite Verwarnung war,
beförderte ihn vom Feld. Der Freistoß brachte nichts ein (diesmal versuchte sich Nagy), aber von da an brannte die Luft im
Stadion. Die Gäste versuchten mit langen Bällen nach vorn und übelsten Schauspieleinlagen die den Vorsprung über
die Zeit zu retten, der FCC rannte mit aller Macht an. Der Schiedsrichter - bis zur 75. min zwar kleinlich, aber dies auf beiden
Seiten - verteilte nun munter Freistöße für die Gäste und Verwarnungen an Schmidt, Sträßer und
Lukimya für Peanuts und animierte so das Publikum. Der FCC schien sich vergeblich zu bemühen, entweder das Außennetz
(Orlando, 86.) oder Berbig (gegen Gardawski, 87.) waren jeweils Endstation. Nulle verhinderte zwischenzeitlich bei einem VfL-Konter
das entscheidende 0:2, als er einen Schuss aus Nahdistanz parierte. Schlussminute, Eckball für Jena, Nulle ging mit vor - nichts.
Nachspielzeit, weiterer Eckball für den FCC, wieder war Nulle vorn. Gardawski tritt die Ecke und aus der Ansammlung von 22 Spielern
schraubte sich ein gelbes Trikot einen gefühlten halben Meter über den Rest der Meute und köpfte in bester Stürmermanier
unhaltbar zum Ausgleich ein! Nulle als Torschütze - er lässt in dieser Saison wirklich nichts aus!!!
Vor dem Spiel wären viele sicher mit einem Punkt gegen den Spitzenreiter zufrieden gewesen, nach dem Abpfiff haderte
man ein klein wenig mit den vergebenen zwei Punkten. In jedem Fall bot der FCC die beste Heimleistung seit einem halben Jahr und
wusste endlich auch einmal spielerisch zu überzeugen. <uk>
Fotos von Jens Weißenburger
"Unglaubliches Spiel in Jena" - der Bericht auf vfl.de
FC Carl Zeiss Jena - FC Erzgebirge Aue 1:0
Tore: 1:0 Hähnge (88.)
- Jena: Nulle; Sträßer, Wuttke, Lanzaat Nagy; Gardawski (75. Benyamina), Kühne,
R. Schmidt, Kolb (65. Amrhein); Orlando (90.+3 Truckenbrodt), Hähnge
- Aue: Männel; Klingbeil, Kos, Paulus, le Beau; Stark, Hensel,
Curri (46. Klotz), Hochscheidt (78. Müller); Ramaj, Braham (70. Glasner)
- Zuschauer: 7206
- Schiedsrichter: Valentin (Taufkirchen)
- Spielbericht
-
Derbyzeit in Jena. Innerhalb weniger Tage haben die Männer um René van Eck zwei eminent wichtige Derbys vor der Brust.
Am heutigen Tag kamen die Veilchen aus Aue ins Jenaer Rund und bereits am Donnerstag geht die Reise des FCC zum 40 km entfernten
Nachbarn aus Thüringen. Aber da die letzten Derbys der Jenaer alles andere als erfolgreich waren, so sollte heute unbedingt ein Sieg gelingen.
Die Platzherren waren auch sofort bemüht, das Zepter des Handelns in die Hand zu nehmen. Bereits nach fünf Minuten die erste Chance
für den FCC durch Hähnge, doch leider verfehlte er mit seinem Schuss aus der Drehung das Tor nur knapp. Wenig später erneut
eine gute Möglichkeit für den Jenaer Stürmer, aber nach Flanke von Schmidt stand er zwar goldrichtig, traf aber er den Ball
nicht richtig. Die Gäste versteckten sich keinesfalls und kamen in der achten Minute zu ihrer ersten Chance. Einen hoch getretenen
Freistoss verpassten alle Spieler im Strafraum, so dass der Ball an Freund und Feind vorbei zischte und um Zentimeter das Tor verfehlte.
Ein Kopfball vom völlig freistehenden Najeh Braham (18.) hätte die Führung der Auer bedeuten können, denn auch hier
fehlte nur wenig. Trotz der noch immer torlosen Begegnung sahen die 7200 Zuschauer eine hart umkämpfte Partie, bei der sich beide
Teams keinen Zentimeter des Rasens schenkten. Nach gut einer halben Stunde (32.) dann der schönste Spielzug der Platzherren bis
dato. Schmidt hatte mit einem Steilpass auf Hähnge gepasst, der aber zu lange brauchte, den Ball unter Kontrolle zu bringen -
Querpass auf unseren Neuzugang Gardawski, der zum kurzen Sololauf ansetzte, seinen Gegenspieler umkurvte und mit einem mustergültigen
Querpass vors Tor auf Orlando passte. Die meisten Fans hatten bereits den Jubelschrei auf den Lippen angesichts dieser 100% Torchance,
doch Orlando brachte das Kunststück fertig, den Ball aus Nahdistanz Gästekeeper Männel vor die Brust zu schießen.
Auch nach der Pause das gleiche Spiel. Beide Teams fighteten um jeden Ball und die ein oder andere Gelbe Karte blieb nun auch nicht mehr
aus. Zum Ärger der Jenaer traf es auch Tim Wuttke, dem nun durch seine fünfte Karte nur die Rolle des Zuschauers beim Thüringenderby
bleibt. Die erste nennenswerte Möglichkeit der zweiten Halbzeit gehörte den Gästen, doch Nulle konnte einen gefährlichen
Flachschuss von Hochscheidt zur Seite klären. Drei Minuten später hätte Braham erneut für die Führung der Veilchen
sorgen können, doch glücklicherweise konnte er aus Nahdistanz seine Chance nicht nutzen. Schnell ausgeführter Gegenzug der
Jenaer mit einem schönen Steilpass auf Hähnge, der von halb links aufs Gästetor zustürmte. Es folgte ein kurzer Schwenk
nach rechts und anstatt nun sofort zu abzudrücken, entschied er sich erneut für einen Schwenk diesmal nach links, wodurch er sich
selber den Winkel zum Tor so verkürzte, dass sein anschließender Schuss für Männel keine Gefahr mehr darstellte. Der
Druck der Jenaer Mannschaft nahm nun stetig zu und der FCC drehte sein Eckenkonto nach oben. Nur leider wollte noch immer kein Tor gelingen.
Beim 13. Eckball! der Thüringer hätte es dann fast geklappt, doch leider verfehlte Wuttke mit seinem wuchtigen Kopfball nur ganz
knapp das Tor. Zehn Minuten vor Ultimo sorgte die mittlerweile 15. Ecke der Jenaer (Endstand 17:3) erneut für große Gefahr im
Strafraum der Gäste, doch Ramaj konnte den Kopfball vom eingewechselten Benyamina noch auf der Torlinie klären. Die letzten
Minuten plätscherten so dahin und beide Teams hatten sich eigentlich schon mit einem Unentschieden abgefunden. Doch es gab in der
88. Minute noch einmal Freistoß für den FCC. Nagy flanke platziert nach innen und dort schraubte sich Hähnge am höchsten
und traf per Hinterkopf zum viel umjubelten Führungstreffer. Die Auer warfen in den wenigen verbliebenen Minuten noch einmal alles nach
vorn, doch die Jenaer ließen sich am heutigen Tage diesen hoch verdienten Sieg nicht mehr nehmen.
Nach derben Pleiten in den letzten großen Derbys ist es dem FCC endlich mal wieder gelungen, ein so wichtiges Prestigeduell
zu seinen Gunsten zu entscheiden. Nun gilt es die Kräfte zu bündeln, um beim zweiten Traditionsduell am kommenden Donnerstag
erneut als Sieger den Platz zu verlassen. <vg>
FC Carl Zeiss Jena - SV Sandhausen 0:1
Tore: 0:1 Dorn (44.)
- Jena: Nulle; Sträßer, Lanzaat (53. Eckardt), R. Schmidt;
Wuttke, Truckenbrod, Ziegner (87. Kühne), Orlando (75. Mayombo);
Kolb, Hähnge
- Sandhausen: Kirschbaum; Bindnagel, Tausenpfund, Glibo, Mintzel;
Pinto (90. Throm), Hillenbrand, Jungwirth, Schauerte (74. Öztürk);
Cenci, Dorn (90. Hosiner)
- Zuschauer: 5513
- Schiedsrichter: Dr. Kunzmann (Bad Hersfeld)
- Spielbericht
-
"Meine Spieler sind so heiß im Training, dass ich
Angst hatte, der Rasen könne verbrennen." - Sprüche wie
dieser von René van Eck wecken nach dem Jahreswechsel Erwartungen, die
vielleicht ein paar Zuschauer mehr ins winterkalte Stadion locken, dann aber auch
erfüllt werden wollen. Im Falle eines Misserfolgs nämlich können
einem die Zitate auch buchstäblich um die Ohren fliegen.
Den Auftakt dieses Nachholspiels bildete ein Kopfball des
aufgerückten Lukimya-Mulongoti nach Freistoß Ziegners. Gäste-Torwart
Kirschbaum zeigte sich auf dem Posten (3.). Ansonsten war es ein gemächlicher
Beginn, zu dem die Theatralik nicht passen wollte, mit der sich die
Sandhausener Spieler jedes Mal auch nach harmlosen Fouls auf dem Rasen wälzten.
Das nahm ein Ende, als sie die erste Gelbe Karte des Spiels für Wuttke
provoziert hatten. Am Schiedsrichtergespann allerdings sollten sich im Laufe
der Partie noch häufiger die Gemüter erhitzen.
Sportlich tat sich zunächst wenig und wenn, dann
in der Gästehälfte. Nach siebzehn Spielminuten
spielte Ziegner schön in den Lauf des überraschend in die
Anfangself gerückten Kolb. Dieser flankte von der rechten Seite vors
Tor, wo Hähnge zunächst einen Schritt zu spät kam.
Der von links heranbrausende Orlando kam zwar noch zum Schuss, mehr als ein
Eckball sprang aus spitzem Winkel jedoch nicht heraus. Szenenapplaus gab es für
Carsten Sträßer sieben Minuten später, als er einen
schon verloren scheinenden Ball zurück eroberte. Hier bekam man einmal
einen Ahnung von dem, was van Eck gemeint haben könnte. Doch die Regel
war das leider nicht. Wie oft musste ein Spieler den Einwurf bis zum letzten
Moment hinauszögern, weil die eigenen Mannschaftskameraden bei ihren
Gegenspielern stehen blieben anstatt sich frei zu laufen ! Orlandos nächste
Aktion - nach energischem Antritt übersah der Holländer den
freistehenden Landsmann Lanzaat am Elfmeterpunkt - war Jenas letzte Gelegenheit
vor der Pause. Und die Gäste ? Erspielten sich ihre erste Chance eine
Minute vor dem Halbzeitpfiff. Einen mit dem Kopf verlängerten Ball
nimmt Neuzugang Cenci gekonnt mit der Brust an, leitet ihn sauber mit der Hacke
weiter und bringt Sturmpartner Dorn damit in eine vorzügliche
Schussposition. Dieser Regis Dorn ist viel zu sehr Torjäger, um sich
solch eine Gelegenheit entgehen zu lassen. Gegen seinen Schuss ins lange Eck
hat Nulle nicht die Spur einer Chance. Mit der einzigen Möglichkeit in
45 Minuten die Führung zu erzielen - mehr an Effizienz geht nicht. Es war übrigens
kein Konterzug, als welcher dieser Angriff vonseiten unseres
Trainer bezeichnet wurde. Jenas Defensive durfte sich in aller Ruhe formieren
und stand mit sieben gegen zwei Mann im eigenen Strafraum.
Quido Lanzaat hatte beim Gegentor etwas abbekommen, wollte
sich aber durchbeißen und kam mit aus der Kabine. Um ein Haar wäre
ihm in der 51. Minute der Ausgleichstreffer geglückt. Nach Foul an
Kolb führte Ziegner einen Freistoß fünf Meter vorm
rechten Strafraumeck aus. Den hohen Ball erwischte Lanzaat unter Bedrängnis
mit dem Kopf, drückte ihn von der Torraumgrenze aus Richtung Gästegehäuse,
doch Kirchbaum lenkte das Leder mit starkem Reflex zu Ecke. Gleich danach war
Schluss für den auch gelbbelasteten Innenverteidiger. Wuttke nahm
dessen Position ein, Eckardt kam neu ins Mittelfeld. Beim Doppelpass mit Hähnge
führte sich Eckardt gut ein und weckte als Einwechsler Hoffnungen, die
(nicht nur) sein Trainer nach dem Spiel als unerfüllt ansah. Gleiches
gilt auch für Mayombo, dem jedoch rund eine Viertelstunde vor Schluss
ein Elfmeter hätte zugesprochen werden müssen. Gegenspieler
Tausendpfund hatte Jenas Stürmer von den Beinen geholt, Dr. Kunzmann
entschied auf Weiterspielen. Diese Szene lag inmitten einer kurzen Drangperiode
mit zwei hochwertigen Chancen für Sebastian Hähnge. Beim
Kopfball in Minute 73 fehlte neben dem Druck auch die Präzision, da
Kirchbaum sich nicht vom Fleck bewegen musste, um zu parieren. Doch fünf
Minuten darauf hätte auch Sandhausens Schlussmann den Ausgleich nicht
verhindern können, wenn Hähnges Kopfball nach Ziegners Ecke
ins Netz statt nur ans Lattenkreuz geflogen wäre. Welch ein Pech.
Doch weder strittige Schiedsrichterentscheidungen noch
Aluminiumtreffer dürfen darüber hinwegtäuschen, dass
die Jenaer Spieler allzu viel schuldig blieben von dem, was man von ihnen nach
der Winterpause erwarten durfte. Gefahr strahlten sie nur bei
Standartsituationen aus. Zu statisch wirkten sie im Spielaufbau, sodass das grüne
Geläuf lediglich von der Rasenheizung auf Temperatur gehalten
wurde. Die Gäste, von denen man ein Hintenreinstellen nach der Pause
vermutete, konnten wahrscheinlich irgendwann nicht mehr anders, als auf eigene
Faust die Entscheidung zu suchen. Beim
Kopfball von Tausendpfund und Schüssen des eingewechselten Öztürk
boten sich Gelegenheiten dazu. Ihr knapper Vorsprung geriet während
der Schlussminuten nicht weiter in Gefahr. Stattdessen bettelte Torsten Ziegner
um seine fünfte Gelbe Karte, indem er auch nach zweimaligem Zurückweisen
beim Schiri immer noch weiter meckerte. Und den Karton letztlich
bekam.
In einem Spiel, das eigentlich keinen Sieger verdient, kann
eine einzige geniale Idee während neunzig Minuten entscheidend sein.
Cencis Hackentrick war solch eine Idee. Den Jenaer Spielern hingegen ist es nicht
gelungen, ihren so hoch gelobten Trainingsfleiß ins erste Punktspiel
des Jahres 2010 zu transportieren. <fc>
SV Wehen Wiesbaden - FC Carl Zeiss Jena 1:1
Tore: 1:0 Schönheim (72.), 1:1 Hähnge (77.)
- Wehen: Domaschke; Hollmann, Gehring, Schönheim, Weigelt;
Ziegenbein (90.+1 Bohl), Reinert, Hübner, Öztürk; Ziemer
(82. Stroh-Engel), Boskovic (88. Kunert)
- Jena: Nulle; Sträßer, Lanzaat, Lukimya, R. Schmidt
(76. Nagy); Kühne (14. Amrhein), Truckenbrod (90.+1 Mayombo), Ziegner;
Wuttke, Hähnge, Orlando
- Zuschauer: 3386
- Schiedsrichter: Beitinger (Regensburg)
- Spielbericht
- Weniger die sportliche als vielmehr die wirtschaftliche Situation geriet in dieser
Woche in den Mittelpunkt des öffentlichen Interesses. Die Nachricht, dass sich
die Liquiditätslücke während der letzten Wochen nochmals kräftig auf
947.000 Euro vergrößert hat und nun im Rahmen eines Sanierungskonzepts umfassende
DFB-Auflagen zu erfüllen sind, sorgt für Gesprächsstoff unter den
Kernbergen und darüber hinaus.
Die Spieler können in solch einer Situation nichts weiter tun als bestmöglich
ihren Job zu erledigen. Könnte es doch sein, dass jeder von ihnen errungene Punkt
in der Endabrechnung noch von Bedeutung sein wird.
Beide Teams bemühten sich
vom Anpfiff weg um Offensivaktionen, wobei ihnen dabei die Genauigkeit im
Zusammenspiel abging. So verging eine Viertelstunde bis zur ersten
Torgelegenheit, einem Schuss des freistehenden Boskovic genau auf
unseren Schlussmann. Zu dieser Zeit hatte Trainer van Eck bereits das erste Mal
wechseln müssen, da Stefan Kühne nach einem Zweikampf in der eigenen Hälfte
mit einer Knieverletzung vom Platz musste. Tim Wuttke hat in dieser Saison
schon fast alles gespielt, vom Innenverteidiger bis zur hängenden Spitze auf
Außen - entsprechend reibunsglos ging nach der Hereinnahme Amrheins sein Wechsel auf die Kühne-Position vonstatten.
Geschickt verlagerten er und seine Nebenleute die Positionen hin zum
ballführenden Gegenspieler. Die häufiger in Ballbesitz befindlichen Gastgeber fanden
dagegen lange Zeit kein Mittel. Es bedurfte eines direkt geschossenen
Freistoßes, um Carsten Nulle nach 31 Minuten das zweite Mal zu fordern.
Dessen Gegenüber hatte zu diesem Zeitpunkt noch keinen einzigen Ball
halten müssen.
Doch mit einem Mal, ab Minute 38 veränderte sich die Szenerie. Schön freigespielt steht Sebastian Hähnge frei vor Eric Domaschke - und scheitert am
herauslaufenden Keeper. Eine Minute später schießt der bis dahin noch
gar nicht zur Geltung gekommene Orlando aus vollem Lauf über die Querlatte und
nochmals 60 Sekunden darauf Hähnge flach aufs Tor. Die größte Gelegenheit vor
der Pause aber bietet sich in Minute 43. Freistoß, knapp 30 Meter Torentfernung,
halbrechte Position. Orlando steht zur Ausführung bereit, so als wolle er
zum zweiten Mal das Tor des Monats gegen den selben Kontrahenten erzielen. Doch nicht
er sondern Ziegner führt den Freistoß aus. Domaschke lässt prallen, zum
aufgerückten Assani Lukimya, der jedoch aus bester Position vergibt.
Freistoßschütze Torsten Ziegner hatte sich zu diesem Zeitpunkt bereits eine Gelbe Karte abgeholt. Nur gut, dass sich seine Verwarnung von voriger
Woche als Falschmeldung herausgestellt hatte. Sonst wäre es jetzt die 5.
gewesen und Ziegner hätte gegen Sandhausen ersetzt werden müssen.
Selbst wenn er zuletzt auswärts eher zu überzeugen wusste als in Heimspielen.
Apropos Trainer, wie hatte René van Eck vor dem Spiel prophezeit ? Viele
Chancen wird es in Wiesbaden nicht geben. Deshalb müssen diese konsequent
genutzt werden. Genau das hatten seine Jungs vor der Pause versäumt, weshalb
es mit Spielstand 0:0 in die zweite Halbzeit ging. Hier zeigte sich
Nulle bei einem Schuss von Reinert gleich wieder auf dem Posten (49.).
Das Spiel des SVW, dessen Hauptsponsor mit Wasser-Technologie seinen Umsatz
macht, lief nun etwas flüssiger. Jenaer Konter besaßen Seltenheitswert,
in Minute 64 war es wieder mal soweit. Hähnge auf der rechten Seite fehlte
jedoch sein Anspielpartner im Zentrum, weil Hübner dem losspurtenden
Orlando in die Hacken getreten war, ohne dass dies der Referee geahndet hätte.
Jenas Hintermannschaft stand weiterhin sicher, geriet meist nur durch
Standartsituationen in Gefahr. Weigelts Freistoß aus fast dreißig Metern
hob Nulle in großem Stil über die Torlatte (65.). Und dann gab es da noch die Eckstöße.
Es mag der sechste oder siebente gewesen sein in Minute 72 - Jenas
Elf hatte sich wie immer komplett im eigenen Strafraum versammelt.
Zunächst gelang es, den Eckball nach vorn abzuwehren. Doch genau an der
Grenze zum Sechzehner stand Fabian Schönheim, welcher den als
Befreiungsschlag gedachten Ball dreisterweise als Vorlage ansah und direkt
ins rechte untere Eck traf.
Die seit sieben Spielen daheim ungeschlagenen Gastgeber führen 1:0 und nicht mal mehr zwanzig Minuten sind noch zu spielen. So manch einer
mit Blau-Gelb-Weiß im Herzen wird hinterher zugeben, er hätte nicht mehr an einen
Punktgewinn geglaubt. Doch Jenas Routiniers auf dem Spielfeld sehen das
anders. Torsten Ziegner hebt einen Ball vor in den Sechzehner auf Sebastian
Hähnge, der mit langem Bein zunächst dafür sorgt, dass das Leder
nicht ins Toraus verspringt. Danach tunnelt er Domaschke im zweiten Versuch und
vollendet überlegt mit halbhohem Schuss über zwei grätschende Verteidiger
hinweg ins Netz. Jubel im gut gefüllten Gästeblock direkt dahinter. Obwohl es
wie die meiste Zeit zuvor nun wieder unentschieden steht, scheint der Ausgleichstreffer
noch einmal richtig das Feuer anzufachen. Nicht nur auf den Rängen, auch bei
den blau-gelb gekleideten Spielern. Ein Torsten Ziegner erobert erst den
Ball, lässt ihn dann zu weit wegspringen, verliert ihn dadurch wieder und
hüpft vor Ärger darüber wie Rumpelstilzchen auf dem grünen Rasen. Jenas
Spieler wollen drei Punkte, das ist zu spüren. Doch die geniale Idee,
mit der der Willen in die Tat umzusetzen wäre, kommt ihnen an diesem Tag nicht
mehr. Stattdessen besitzen sie bei Schönheims Chance in der 87.
Minute sogar noch Glück, am Ende nicht mit leeren Händen
da zu stehen. Dass beide Trainer in der Nachspielzeit noch je
einen frischen Spieler für gerade mal fünfzehn Sekunden aufs Feld schicken, zeigt an, dass alle
mit dem Punkt leben können. Auf Jenaer Seite wird er sogar wie
ein Sieg gefeiert.
Mag es in der spielerisch-taktischen Umsetzung noch etliche Reserven geben,
kämpferisch war's allemal in Ordnung. Zumindest vom Sportlichen her scheint
das Schlimmste erst einmal überwunden. <fc>
VfB Stuttgart II - FC Carl Zeiss Jena 0:1
Tore: 0:1 Orlando (68.)
- Stuttgart: Stolz; Schimmel, Pischorn, Vier, Enderle; Didavi, Funk,
Vecchione (83. Pala), Hertner (79. Riedle); Schipplock, Fischer (58. Walch)
- Jena: Nulle; Sträßer, Lanzaat, Lukimya, R. Schmidt;
Kühne, Truckenbrod (62. Amrhein), Ziegner, Wuttke; Hähnge
(85. Mayombo), Orlando (90. A. Schmidt)
- Zuschauer: 680
- Schiedsrichter: Dingert (Thallichtenberg)
- Spielbericht
- Im fünften Spiel gegen Stuttgart II gelang das zweite Tor. Dieses brachte, da der FCC im Gegensatz zu den sonst üblichen
dreieinhalb Gegentreffern pro Stuttgart-Spiel den Gastgebern keinen Treffer gönnte,
drei Punkte ein.
Nach 13 Sekunden hätte der Abend bereits
einen schlechten Verlauf nehmen können, als Nulle das erste Schüsschen
prallen ließ, der Stuttgarter den Nachschuss jedoch nicht am Jenaer
Torwart vorbeibrachte. Nach 5 Spielminuten brannte es erneut lichterloh vor
Nulles Kasten, als ein Angreifer eine Eingabe um Haaresbreite verfehlte. Die
einzig erwähnenswerte Situation des Jenaer Angriffsspiels war ein
Schuss Wuttkes nach einer Ecke aus 20 Metern in die zweite Etage des kalten
Stuttgarter Abendhimmels (9. min). Ansonsten sah sich Jenas einziger Stürmer
Hähnge immer von einer erdrückenden weißen Abwehrübermacht
umgeben, gegen die alle Dribblings nichts fruchteten. Die Unterstützung
der Mitspieler war nicht gegeben, da z. B. Orlando sich im Hinfallen und
Abseitsstehen übte. Die Jenaer Harmlosigkeit wurde in der 19. min
perfekt demonstriert, als man auf Höhe des Stuttgarter Strafraums
einen Einwurf hatte und den Ball innerhalb von fünf Sekunden
zielsicher zurück zu Nulle brachte. Da Stuttgart außer einem
Schuss am langen Eck vorbei (35.) auch nichts weiter zustande brachte, ging es
nach einer langweiligen Halbzeit torlos in die Kabinen.
Nach Wiederanpfiff änderte sich das Bild.
Der FCC hatte sofort eine Ecke, die aber gefahrlos in einem schnellen Konter
der Gastgeber mündete und uns wie schon zu Beginn der ersten Halbzeit
beinahe ein Gegentor beschert hätte. In der 52. min schirmte Lukimya
den Ball gegen einen Angreifer ab, Nulle sorgte aber für kurzes
Herzflattern, da er den Ball erst im zweiten Zupacken sicher hatte. Die Partie
wurde nun deutlich besser. Ursachen waren nicht nur die jetzt deutlich gefälligeren
Spielzüge der Stuttgarter, sondern auch die Leistungssteigerung
etlicher Jenaer Spieler. So präsentierte sich Schmidt deutlich
selbstbewusster und auch offensiver als vor der Pause, und Ziegner zog immer
aktiver die Fäden im Jenaer Mittelfeld. Doch wieder waren es die
Gastgeber, die kurz vorm Führungstreffer standen, als Schipplock nach
einem langen Pass Lanzaat einfach überlief und Nulle im wahrsten Sinne
Kopf und Kragen riskieren musste. Dafür bekam er eine dreiminütige
Behandlungspause auf dem Rasen. In der 58. Spielminute hatte der FCC seine
erste Torchance: Orlando vernaschte
links seinen Gegenspieler, passte flach in die Mitte, aber Hähnge
setzte den Direktschuss leider übers Tor. Zwei Minuten danach stand
Nulle wieder im Brennpunkt, als er einen Fernschuss Schipplocks über
die Querlatte lenken konnte.
Eine entscheidende Veränderung brachte
die Einwechslung Amrheins für Truckenbrod. Amrhein ging auf die linke
Außenbahn, Orlando wechselte nach rechts und Wuttke rückte
auf die defensive Mittelfeldposition. Damit war Hähnge nicht mehr ganz
allein in der Stuttgarter Hälfte und obwohl sich neben ihm zumeist nur
Amrhein, Orlando und Ziegner in die gegnerische Hälfte getrauten, kam
deutlich mehr Offensivleben ins Jenaer Spiel. Und nur wenige Minuten später,
nach einem zwischenzeitlich weiteren Kapitel des Duells Schipplock vs. Nulle
(66., letzterer klärte zur Ecke), gab es den verdienten Lohn: Hähnge
bekommt in der Mitte kurz hinterm Mittelkreis den Ball, sieht rechts außen
den startenden Orlando, passt die Spielkugel maßgenau hinüber,
Jenas Nummer 10 setzt sich mit einem eleganten Haken gegen den Verteidiger
durch und ballert aus spitzem Winkel ins lange Eck. 1:0!!! Nicht nur der Gästeblock,
auch im sogenannten Heimbereich flippte ein gutes Drittel der Besucher aus.
Drei Minuten später verhinderte das Gebälk des Stuttgarter Tores
Hähnges Nominierung für das "Tor des Monats": Der Jenaer Stürmer
ignorierte die beiden Stuttgarter und zog aus der Drehung vom rechten
Strafraumeck ab. Stolz, der VfB-Keeper, schaute bewundernd dem Ball, den er
sowieso nie und nimmer erwischt hätte, hinterher und ihm dürfte
einige Tonnen Gestein vom Herzen gefallen sein, dass ihm sein Torpfosten
hilfreich zur Seite stand. Bis zur 88. min versuchte Stuttgarts Zweite mit viel
Energie, jedoch ohne Ideen, Jenas Bollwerk zu knacken, Angstperlen trieb dies
aber nicht einmal den sonst aus Prinzip vorm Gegentor zitternden FCC-Fans auf
die Stirn. In jener 88. min kamen zwei Angreifer doch einmal fast in der Mitte
durch, Nr. 1 nahm jedoch der schussbereiten Nr. 2 den Ball vom Fuß.
Einer von beiden, ob Nr. 1 oder 2 ist egal, sank zu Boden (Nase voll?) und der
Referee pfiff zum Entsetzen der Jenaer und zur Verwunderung der Stuttgarter
Zuschauer und zeigte auf den Elfmeterpunkt. Nulle korrigierte den Fehler des
Referees, wehrte den Schuss ins linke untere Eck ab und schubste den
wegspringenden Ball vorm nachsetzenden Schützen zur Seite. Die
verbleibende Zeit inklusive der vier Nachspielminuten überstand der
FCC ziemlich problemlos, auch weil sich van Eck daran erinnerte, dass man
dreimal pro Spiel auswechseln darf und dies immer ein paar Sekunden schindet. Und
so hatten wir endlich, nach einem Vierteljahr (Kiel!!!), wieder einmal eine
Heimfahrt, auf der man sich mit Freude an das erlebte Spiel erinnerte.
<uk>
Spielbericht auf der Stuttgarter Homepage
Fotos auf fanclub-family.de
FC Carl Zeiss Jena - Wuppertaler SV 1:0
Tore: 1:0 Hähnge (43.)
- Jena: Nulle; Sträßer, Lanzaat, Lukimya,
R. Schmidt (46. Wuttke); Kühne, Truckenbrod (78. Mayombo), Ziegner,
Amrhein (88. Nagy); Hähnge, Orlando
- Wuppertal: Maly (
, 6.);
Neunaber, Neppe (76. Altin), Lorenz, Schauml;fer; Müller, Weikl
(79. Bernhardt), Fischer, Celikovic; Formento (6. Karagiannis), Damm
- Zuschauer: 5076
- Schiedsrichter: Schriever (Dorum)
- Spielbericht
- Wie gewohnt konnte man sich auch im Vorfeld dieses Spiels nicht
über mangelnde Unruhe im Umfeld des FC Carl Zeiss Jena beschweren, in
der Woche vor dem Spiel wurde mit Hartmut Beyer der neue Präsident
vorgestellt, der dann auch gleich die Kündigung für Salvatore
Amirante zurückzog und diesem so formal die Rückkehr in die
erste Mannschaft ermöglichte - der Italiener meldete sich aber zunächst
krank und blieb Training und Spiel fern. Die personelle Situation hatte sich
dennoch etwas entspannt, denn mit Sebastian Hähnge war zumindest eine
der Stützen der Jenaer Elf wieder in der Anfangself zu finden. Das
bestimmende Thema im Vorfeld war aber naturgemäß der Freitod
von Robert Enke, der seine Karriere ja in Jena begann und der auch bis zuletzt
noch den Kontakt in seine Heimat gehalten hat. Wie praktisch alle Außenstehenden
traf die Nachricht vom Selbstmord Enkes auch seine Freunde in Jena
unvorbereitet, der Schock über die nur schwierig nachvollziehbare
Entscheidung des erfolgreichen Torhüters saß auch in Jena
entsprechend tief.
Das Spiel begann dann auch mit einer Schweigeminute für
den achtfachen Nationalspieler, bei der manchem Besucher die eine oder andere
Träne über die Wange rollte. Die ersten Minuten des Spiels
hatten dann auch irgendwie den Anschein, als ob die 22 Akteure nicht ganz bei
der Sache wären. Zunächst schenken die Gäste den
Jenaern eine Ecke, weil es ein Missverständnis zwischen einem
Abwehrspieler und Gäste-Keeper Christian Maly gibt, ähnliches
gibt es nur Sekunden später auf der Gegenseite zu sehen. Die erste
halbwegs gefährliche Aktion ist dann ein langer Ball auf Orlando, der
mit seiner Schnelligkeit auch die WSV-Abwehr überrascht und den Gäste-Torwart
mit seiner plötzlichen Anwesenheit direkt vor dem Strafraum offenbar
so überrascht, dass dieser in einem Moment der Unaufmerksamkeit die Hände
zu Hilfe nimmt, obwohl er sich haarscharf außerhalb des Strafraums
befindet. Schiedsrichter-Assistent und Schiedsrichter können in dieser
Situation gar nicht anders, als Maly mit Rot vom Feld zu schicken und dem FCC
eine aussichtsreiche Freistoßposition an der Strafraumgrenze
zuzusprechen. Spätestens jetzt waren die Gedanken von Spielern und
Zuschauern voll und ganz beim heutigen Spiel. Opfer der Aktion von Maly war
letztlich der Wuppertaler Stürmer Formento, für den Gäste-Trainer
Uwe Fuchs nun Ersatz-Torhüter Asterios Karagiannis bringen musste.
Dieser sah sich gleich einer unbequemen Situation gegenüber, denn den
Freistoß von der Strafraumgrenze wollten die Gastgeber natürlich
im Tor unterbringen und dem Spiel so schon früh die richtige Tendenz
geben. Letztlich war es Torsten Ziegner, der sich den Ball zurechtlegte, anlief
und den Ball in Richtung Tor brachte - allerdings fehlten die berühmten
Zentimeter und der Ball strich am rechten Pfosten vorbei. Schon direkt im
Anschluss wurde klar, dass der WSV auch in Unterzahl ein unangenehmer Gegner
sein würde, der sich keineswegs entmutigen ließ. Die Spieler
aus der Stadt mit der Schwebebahn standen nun noch tiefer, als es vermutlich
ohnehin geplant war, Tobias Damm stand jedoch jederzeit bereit, um einen
schnellen Konter vorzutragen. Nach 13 Minuten waren es dann auch die Gäste,
die die nächste gute Gelegenheit hatten: Ein Freistoß aus
rund 25 Metern wurde von Celikovic vorbei an Freund und Feind auf den langen Pfosten
geschlenzt, wo Nulle aber hellwach und mit guter Reaktion zur Ecke klären
konnte. In der Folge bestimmte die in Überzahl spielende Jenaer Elf
zwar die Partie und hatte deutlich mehr Ballbesitz, dennoch muss sie sich den
Vorwurf einer gewissen Ideenlosigkeit anhören, denn gefährlich
wurde es für das Gäste-Tor nur äußerst
selten. Die tief stehenden Gäste machten geschickt die Räume
eng und unterbanden es effektiv, dass Orlando seine Schnelligkeit ausspielen
oder gefährliche Flanken in den Strafraum schlagen konnte. Wenn doch
mal ein Jenaer die Gelegenheit zur Flanke bekam, landete diese meist weit
hinter dem Tor und ließ das Jenaer Spiel entsprechend harmlos
erscheinen. Nach 35 Minuten fasste sich Amrhein ein Herz, sein Schuss bedrohte
aber vordergründig die Eckfahne und kann insofern als symptomatisch für
die Harmlosigkeit des FCC bis zu diesem Punkt gesehen werden.
Nur eine Minute später wären beinahe die Gäste
in Führung gegangen, denn einen schnellen Gegenzug konnte der schon
erwähnte Damm aus rund acht Metern abschließen, allerdings
war auch der selten geforderte Carsten Nulle gut drauf und konnte den Ball zwar
nicht festhalten, aber doch parieren. Bis zu diesem Zeitpunkt waren es damit
aber trotz Unterzahl doch die Wuppertaler, die die beste Chance der ersten
Halbzeit herausgespielt hatten. Die Szene der ersten Halbzeit stand aber noch
bevor, denn einmal mehr war es Orlando, der mit dem Ball am Fuß Fahrt
aufnahm und gleich mehrere Gegenspieler ausspielte. Beim letzten Verteidiger
Lorzenz versagten die Künste des kleinen Dribblers aber und es kam zum
Zusammenstoß, den die Gäste als freistoßwürdig
betrachteten und vehement den Pfiff des Schiedsrichters forderten. Dieser blieb
aber aus und Jens Truckenbrod nahm sich den Ball, zog sofort
ab und prüfte Karagiannis, der den Ball nicht festhalten konnte.
Dieser prallte nun vor die Füße von Sebastian Hähnge,
der bisher in dieser Saison torlos geblieben war und nun aus wenigen Metern nur
noch einschieben musste - TOOOOR für den FCC, endlich das erlösende
1:0!
Mit diesem Ergebnis ging es dann auch in die Kabinen, aus
denen die Gäste unverändert zur zweiten Halbzeit zurückkamen.
Beim FCC kam Wuttke für Schmidt, der aus Sicht von Trainer René van
Eck Gelb Rot-gefährdet war. Schon direkt nach Wiederanpfiff ist es
erneut Orlando, der die Gäste-Abwehr quasi im Alleingang umspielt und
dann nur noch den Torhüter vor sich hat, den Ball dann aber leider
etwas überhastet am Tor vorbeihämmert, anstatt ihn überlegt
einzuschieben. Die Gäste änderten zunächst wenig an
ihrer Spielweise und standen weiter tief, genauso schwer taten sich aber auch
die Jenaer. In der Folge plätscherte das Spiel dahin und auch in Folge
zahlreicher unnötiger Ballverluste im Spielaufbau konnte keine der
beiden Mannschaften gefährliche Chancen herausspielen. Wenn überhaupt
etwas Gefahr zustande kam, dann in Folge von Freistößen.
Doch auch hier versäumten es Gastgeber und Gäste, die Torhüter
zum Eingreifen zu zwingen oder gar vor ernsthafte Herausforderungen zu stellen.
In den letzten zehn Minuten wurden auch die Gäste noch einmal mutiger,
die Jenaer Verteidigung stand aber überwiegend sicher und zwang Nulle
nicht zum Eingreifen. Als bereits einige Minuten der Nachspielzeit gespielt
waren, eröffnete sich dem FCC noch die Chance auf 2:0 zu erhöhen.
Nach einem langen Ball lief Ziegner zusammen mit Orlando
aufs Gäste-Tor zu, begleitet nur von einem letzten Gäste-Verteidiger.
Als Ziegner den Ball zum einschussbereiten Orlando spielen wollte,
versagten ihm aber die Kräfte und die Nerven, sodass der Ball
unerreichbar für den mitgelaufenen Stürmer ins Aus trudelte.
Kurz darauf war aber auch Schluss und die Jenaer konnten
sich über drei Punkte freuen, die gegen den direkten Tabellennachbarn
natürlich sehr wichtig waren. Mit etwas mehr Kreativität und
Konsequenz im Torabschluss hätte man die Partie allerdings weniger anstrengend
für das leidgeprüfte Nervenkostüm der Jena-Fans
gestalten können. Nun bleibt zu Hoffen, dass die Jenaer in den
kommenden beiden Auswärtsspielen ebenfalls Punkten und so die Distanz
zu den Abstiegsrängen weiter vergrößern können. <bh>
1. FC Heidenheim - FC Carl Zeiss Jena 3:1
Tore: 0:1 Truckenbrod (35.), 1:1 Lukimya (60., ET), 2:1 Mayer (79.), 3:1 Weil (90.)
- Heidenheim: Bodemer; Meier, Göhlert, Krebs, Feistle; Bagceci
(46. Gül), Klarer, Weil, Essig (59. Mayer); Spann (88. D. Jarosch),
Heidenfelder
- Jena: Nulle; Sträßer, Lanzaat, Lukimya, Wuttke;
Kühne, Truckenbrod (86. Petersen), Ziegner, Amrhein; Orlando, Mayombo
(75. Eckardt)
- Zuschauer: 6130
- Schiedsrichter: Nowak (Bottrop)
- Spielbericht
- Im Spiel eins nach seinem Tod war Robert Enke auch fern der thüringischen
Heimat in Heidenheim allgegenwärtig. Der FCC verzichtete auf den
üblichen Aufdruck der Trikotbrust und die FCH-Fans auf ihre geplante
Choreo, beide Teams liefen mit Trauerflor auf und während der
holprigen Gedenkrede des Heidenheimer Stadionsprechers erinnerte der
Gästeblock ganz in schwarz an Jenas großen Sohn.
Wer gedacht hatte, der Nachmittag ginge derart besinnlich weiter, sah sich sehr
schnell getäuscht. Auf der Stadionbaustelle nahe des Schlosses
Hellenstein entwickelte sich ein überaus temporeiches Spiel mit
Chancen hüben wie drüben. Amrhein und Ziegner
(Außenpfosten) nach zwei und fünf Minuten hier - Meier (14.)
und Weil (16.) dort, Smeekes mit Hammerschuß (17.), Amrhein nach
Traumkombination (22.) sowie Kühne und Mayombo nach Eckball (25.)
wieder hier, es brannte unentwegt in beiden Strafräumen.
Gefährlich wurden die Gastgeber dabei fast immer bei ihren Angriffen
über Jenas lichterloh brennende linke Abwehrseite. Es ist nicht
überliefert, ob dies von Rene van Eck so gewollt war, aber Jena
spielte quasi mit Dreierabwehrkette, während
Sträßer als linker Läufer seine Seite über
die gesamte Länge des Spielfeldes allein zu beackern hatte, Smeekes
neben Mayombo im Zentrum stürmte. Was defensiv einem Harakiri glich,
führte aber gleichzeitig zu einem personellen Übergewicht des
FCC im Mittelfeld, welches die Heidenheimer vor große Probleme
stellte, und Jenas Fans ob des gebotenen Kombinationsflusses erstaunte. Der FCC
spielte als komplettes Kontrastprogramm zum letzten Heimauftritt einfach
schön anzusehen, die Einstellung stimmte bei jedem Einzelnen und nach
35 Minuten folgte die Belohnung in Form der Führung. Der ins Team
zurückgekehrte Torsten Ziegner tankt sich wie in alten
Regionalligazeiten auf der rechten Seite ein, an zwei Heidenheimern vorbei zur
Grundlinie durch, passt millimetergenau zurück auf Jens Truckenbrod,
der den Ball aus zehn Metern zu seinem so lange überfälligen
ersten Punktspieltor für den FCC versenkt. Was in Robert Enkes
ehemaligem Klassenkamerad Torsten Ziegner vorgeht, der im stillen Jubel beide
Arme gen Himmel reckt, kann man erahnen. Kurz darauf muss Smeekes eigentlich
das zweite Tor nachlegen, als er mutterseelenallein von der Mittellinie aus
aufs Tor zurast, aber am einzig verbliebenen Heidenheimer Verteidiger
hängenbleibt. Dann heißt es erst einmal Sichern des
Vorsprunges, Smeekes besetzt nun das linke Mittelfeld und nur noch einmal ist
Zittern angesagt, als Weils Schuss nur knapp am Nulle-Gehäuse
vorbeischrammt (37.). Pause, Jena führt und das verdient, wenn auch in
der Innenverteidigung mit Lukimya und Rückkehrer Lanzaat alles andere
als sicher.
René van Eck wechselt nicht, lässt aber seine Flügelzange Patrick
Amrhein und Orlando Smeekes die Seiten tauschen, ein Schachzug mit Folgen.
Jenas linke Seite ist nun endgültig zu für die Heidenheimer
Angriffsbemühungen, während Smeekes auf rechts im
völlig überforderten Außenverteidiger Feistle ein
ums andere Mal ein leichtes Opfer für seine
Flügelläufe vorfindet. Von Heidenheimer Ausgleichsdruck ist
nicht einmal ein Ansatz zu spüren, hier und jetzt geht es ganz klar um
die Spielentscheidung zugunsten der Gäste, die sich mit laufintensivem
und beängstigend temporeichem Spiel Chance um Chance erarbeiten. Der
als einzige Spitze stets anspielbereite Mayombo nach Kühne-Zuspiel
knapp vorbei (46.), Ziegner mit Freistoß in die Mauer (49.), Amrhein
aus dem Fußgelenk nur um Haaresbreite am Winkel vorbei (52.), Mayombo
nach Ziegner-Zuckerpass mit von Ersatz-Ersatzkeeper Bodemer glanzvoll pariertem
Schuss (55.), Kühne mit Flachschuss (61.), es stellte sich beinahe nur
die Frage, welcher der 11 Jenaer der kommende Torschütze sein
würde. Assani Lukimya war es dann, den der Stadionsprecher als solchen
verkündete, leider im Jubelton und begleitet vom
Kopfschütteln 500 fassungsloser Gesichter im Gästeblock. Was
war passiert? Ballverlust Truckenbrods im Mittelfeld, geschickter Pass
Güls auf den gerade eingewechselten Mayer, dessen Schuss Nulle
sensationell nach vorn abwehrt, wo er von der Brust Jenas Abwehrchefs
über den verdutzten Keeper ins Tor hüpft. Jenas Antwort
ließ nicht auf sich warten: Aber Smeekes findet in Bodemer seinen
Meister (66.), Ziegner zielt aus 20m knapp daneben (67.), Mayombo erwischt
Ziegners Zuspiel drei Meter vor dem Tor eine Hundertstelsekunde zu
spät (69.). Als dann nach 70 gespielten Minuten sowohl Lukimya, als
auch Truckenbrod und Mayombo Wuttkes wunderbare Eingabe von rechts nicht im
leeren Tor unterbringen können, hat der FCC nicht nur sein Pulver
verschossen, sondern sich auch selbst den Nerv gezogen. Eckardts Einwechslung
für Mayombo geht nach hinten los, weil nun die ballsichere Anspielstation
in der Spitze fehlt, und Nulle muss bei Kontern der nun aufdrehenden
Heidenheimer gleich zwei Mal binnen einer Minute sein ganzes Können
aufbieten. Nach 79 Minuten ist auch er machtlos, als Ziegner Heidenfelders
Schuss zunächst abblockt, aber der schwache Referee Nowak
Göhlerts Foul an Kühne nicht ahndet und Mayer aus Nahdistanz
vollendet. Ob der mitten in diese Aktion zu hörende Pfiff vom Referee
oder aus dem Publikum kam, bleibt das Geheimnis des Mannes aus Bottrop, der Treffer
zählte.
Jena blieben noch 11 Minuten, doch der Akku schien leer, zu
sehr hatte das Powerplay nach der Pause geschlaucht, stattdessen konterten die
Gastgeber ein ums andere Mal gefährlich und beseitigten mit dem
dritten Treffer in der Nachspielzeit alle Zweifel am mehr als
glücklichen Heimsieg. Dass Tim Wuttke - heute auch als rechter
Außenverteidiger gewohnt zuverlässig - den Schuss Weils
unhaltbar abfälschte, war ein sinnbildlicher Abschluss eines
unglücklichen Spieles, in dem der FC Carl Zeiss vieles richtig machte,
aber mit Fortuna und der eigenen Qualität vor dem gegnerischen Tor
hadern muss. <gunner>
FC Carl Zeiss Jena - SG Dynamo Dresden 0:4
Tore: 0:1 Röttger (4.), 0:2 Röttger (22.), 0:3 Kühne (36., ET), 0:4 Müller (77.)
- Jena: Nulle; Sträßer, Wuttke, Lukimya, Nagy (46.
Ziegner); Amrhein, Kühne, Truckenbrod, Eckardt (33. Orlando);
Mayombo, Benyamina (70. Kolb)
- Dresden: Keller; Cozza (35. Kunze), Oppitz, Trehkopf, Röttger
(46. Koch); Strifler, Hübener, Petrovic, Müller; Savran, Dobry
(78. Jungnickel)
- Zuschauer: 9846
- Schiedsrichter: Kempter (Sauldorf)
- Spielbericht
- Eigentlich sollte man mit dem
Schreiben erst anfangen, wenn man sich selbst wieder im Griff hat, der Puls die
200er-Marke unterschreitet, die Gedanken anfangen sich zu ordnen. Aber diesmal
geht es nicht. Die Wut muß raus, muß ungefiltert aufs Papier,
auch wenn es kein passendes Vokabular für ein derartiges Versagen
geben dürfte.
Es war eine Demütigung,
ein Untergang! Alleine die ersten fünf Minuten gegen Dresden sind bei
normaler Finanzlage ein Kündigungsgrund für den Trainer und
die halbe Mannschaft. Statt dem Tabellenvorletzten zu zeigen, warum er dort
unten steht, wird die Schlacht kampflos preisgegeben, die Initiative gar nicht
erst ergriffen. Dazu kommen diese dümmlichen Fehler bei der
Ballbehandlung und schon wird es ein unvergeßlicher Nachmittag! Ein grundloser
Querschläger von Nagy, ein bewunderndes Platzmachen Sträßers
(wo war der denn auf einmal hin?), ein Schuß von Röttger. 0:1
(4.). Dann: Ein leichter Ballverlust von Mayombo in der Spitze, eine schnelle Kombination
über den ganzen Platz ohne Jenaer Ballberührung oder auch nur
die Chance dazu, eine flache Hereingabe von Dobry auf den völlig
vereinsamten Röttger. Noch ein Schuß, diesmal ins andere
Eck. 0:2 (23.). Und dann zu allem Überfluß auch noch so ein
Eigentor der Kategorie 'Schöner geht's nicht', als Kühne einen
Müller-Freistoß mit dem Knie in den Winkel donnert. Absolut
unhaltbar für Nulle (35.). Ich hätte hier gerne ein bißchen
was vom Aufbäumen geschrieben, vom Kampfgeist, der einfach nicht
belohnt wurde oder so. Aber es war einfach nur erbärmlich. Ein Zweikampfverhalten wie zur Love-Parade. Kein Biß, kein Wille. Nicht mal
den Ansatz einer Jenaer Chance gibt es hier zu beschreiben.
Dafür müssen
die Zuschauer im Stadion noch 20 Spielminuten voller Jenaer Unzulänglichkeiten
plus Halbzeit über sich ergehen lassen und das alles bei
Heimspielatmosphäre für Dresden. Ich kann das hier gottlob schneller
machen. Es war Lukimya, der einen Ziegner-Freistoß gefährlich
in Richtung des Dresdner Tors verlängerte und Keller zu einer schönen
Parade zwang (54.). Immerhin der Auftakt zu den stärksten fünfzehn
Minuten unserer Helden, in denen sich zwei, drei gute Möglichkeiten zu
einem Anschlußtreffer ergaben. Erst scheiterte Orlando mit einem Schuß
von der Strafraumgrenze an Keller (55.), kurz darauf segelte ein
30-Meter-Knaller von Amrhein knapp am Dresdner Gehäuse vorbei (57.). Und
dann die 68. Spielminute! Der erste Spielzug der Jenaer, der aussah wie gewollt.
Da läuft der Ball mal über fünf, sechs Stationen, da
kann sich Amrhein auf der linken Seite schön durchsetzen und auch
Mayombo macht eigentlich alles richtig. Pech, daß sein Drehschuß
am gedankenschnellen Keller hängenbleibt. Wäre diese erste Katastrophenhalbzeit
nicht gewesen, das Publikum hätte sicherlich verzückt
applaudiert. So aber war nur ein langgezogener Seufzer zu hören.
Aber die Jenaer Erfolgsgeschichte für diesen Nachmittag ist ohnehin schon wieder zu Ende.
Was noch kommt ist stattdessen der endgültige
Offenbarungseid. Nachdem Savran aus Ermangelung an Gegenspielen den Ball
ungehindert aus 20 m an die Latte donnern kann (wieder waren Sträßer
und Lukimya erst ganz eng dran und dann wie vom Erdboden verschluckt), bringen
es die Jenaer dreißig Sekunden lang nicht fertig, für klare
Verhältnisse im Strafraum zu sorgen. Als Savran zig verlorene Zweikämpfe
später den Ball wieder kriegt, sehen alle Zuschauer schon was jetzt kommen
muß, können in Ruhe ihre Fahnen einrollen, ihre Kissen
einpacken und was sonst noch so zu tun ist, um ganz schnell nach Hause zu
kommen. Es war wirklich so offensichtlich, daß der Savran dem Müller
das Ding auflegt, daß man schon fast enttäuscht darüber sein mußte, nichts Spektakuläreres geboten zu bekommen.
Noch den Nulle hübsch ausgekurvt und dann rein damit (77.). Schöner
geht's nicht mehr. Nie habe bereits eine Viertelstunde vor dem Abpfiff so eine Abwanderungswelle erlebt (O-Ton: "Da glotze ich mir lieber die Kandinsky-Ausstellung an")
Es tut mir leid, wenn das hier alles sehr sarkastisch rüberkommt,
aber es war bei diesem Spiel die einzige Möglichkeit, nicht völlig
die Beherrschung zu verlieren oder sich diversen Gewaltphantasien hinzugeben.
Eine solche Darbietung ist mir in Jena noch nicht untergekommen. Das
Pfeifkonzert zum Ende konnte nicht annähernd wiedergeben, was sich
hier gerade abgespielt hatte. Es ist ja nicht, daß Jena inzwischen
nahezu jedes Ostderby als Zweitplazierter beendet, sondern es ist die Art und
Weise, wie hier untergegangen wird. Spielerische Mängel sind
verzeihlich, wenn auch nicht immer nachvollziehbar. Aber kämpferisch
muß es einfach stimmen. Jeder Kreisklassespieler weiß, daß
man sich in der Anfangsphase erst mal Respekt verschaffen muß, will
man nicht den Rest des Spiels wie ein Depp aussehen ("gib dem Neuner gleich
einen mit, damit er weiß, dass er seinen Hutzebutz hier
vergessen kann" war der bekannte Slogan unseres Trainers vor jedem Derby in
Zottelstedt). Die Dresdner wußten das, die Jenaer nicht. In meinen
Augen das größte Problem ist und bleibt aber dieses konfuse
Miteinander. Da sind keine Laufwege aufeinander abgestimmt, da gibt es
keinerlei Zuordnung, da fehlen vorne die Leute, die hinten zu wenig sind. Was
machen die eigentlich die Woche über?
Persönlich fürchte ich, daß van Eck trotz
aller Sympathien nicht der richtige Mann für diesen Job ist. Aber neu
ist diese Erkenntnis im Verein ja nun auch nicht...
Das war ein grauenhafter Samstag!
Wollen wir uns nicht schneller im Abstiegskampf wiederfinden als uns lieb ist, darf sowas nicht so schnell wieder passieren. Es sind jetzt zwei Wochen Zeit,
irgendwie zu reagieren und diesem nervösen Haufen wieder
Selbstvertrauen einzuflößen. Wie das gehen soll, ist mir
ehrlich gesagt ein Rätsel. Aber vielleicht reicht es ja auch schon, wieder
vor den für die dritte Liga typischen Gruselkulissen anzutreten. Zu
viel Öffentlichkeit ist unserer Mannschaft scheinbar ein Graus. Insofern
liegt über den nächsten Wochen ein zarter Hoffnungsschimmer,
wenn wir uns mit Fußballgrößen wie dem 1. FC
Heidenheim oder dem Wuppertaler SV der üblichen Tristesse hinzugeben haben. <bpf>
SSV Jahn Regensburg - FC Carl Zeiss Jena 1:1
Tore: 0:1 Mayombo (27.), 1:1 Würll (90.)
- Regensburg: Sattelmaier; Hörnig (57. Jarosch),
Hagmann (
, 88.), Maul, Binder; Zellner,
Kreis (74. Schlauderer), Haller, Berger; Stoilov, Schmid (60. Würll)
- Jena: Nulle; Sträßer, Lukimya, Wuttke, Nagy; Eckardt
(70. Orlando), Truckenbrod, Kühne, Amrhein; Mayombo, Benyamina (90. Kolb)
- Zuschauer: 4108
- Schiedsrichter: Glasmacher (Alsdorf)
- Spielbericht
- Im letztjährigen Abstiegskampf hatte mir der
Spielberichtsorganisator das Angebot abgerungen, im Falle des Nichtabstiegs mal
wieder einen Spielbericht zu verfassen. Dies hatte die FCC-Helden dann
tatsächlich noch so angestachelt, dass sie sich auf der Zielgeraden
über den Strich retteten. Mein Versprechen sollte nun zum Abschluss
der "Bayrischen Wochen" beim Gastspiel bei Jahn Regensburg
eingelöst werden. Die Münchner FCC-Gemeinde um "Gleis
26" traf sich pünktlich nach dem Frühstück
zur gemeinsam Fahrt in die Hauptstadt der Oberpfalz. Die Stimmung war
entspannt, denn gegen Regensburg hatte der FCC noch nie verloren und in
Regensburg stets 2:2 gespielt. Ein Resultat mit welchem man in der aktuellen
Situation auch wieder zufrieden gewesen wäre.
Nach problemloser und zügiger Fahrt im ALEX wartete
in Regensburg noch eine Busfahrt zum Stadion auf uns, die gefühlt so
lange wie die Zugfahrt dauerte. Der Fahrer wollte uns wohl die
Schönheit der Stadt genießen lassen, anders sind die
minutenlangen Stopps an den Haltestellen nicht zu erklären.
Letztendlich erreichten wir aber pünktlich das Jahnstadion, dessen
Charme gleich deutlich darauf hinweist, dass man sich in einer der ältesten
Städte Deutschlands befindet.
Die Gastgeber hatten
nach ihrem sehr guten Saisonstart zuletzt etwas geschwächelt und vier
Spiele in Folge nicht gewonnen (3 Niederlagen, 1 Unentschieden) und waren von
den Aufstiegsrängen auf Platz sieben zurückgefallen.
Angeführt vom Kapitän und Ex-Jenaer Alexander Maul
übernahm Regensburg gleich die Initiative und bereits nach drei
Minuten knallte der Ball zum ersten Mal gegen den Pfosten des Jenaer Tores.
Allerdings stand Schütze Haller dabei im Abseits. Der FCC startete mit
der Elf der zweiten Halbzeit vom Spiel in Unterhaching und meldet sich mit
einem Schuss von Amrhein, den Sattelmaier zur Ecke abwehrte, in Minute sieben
erstmals offensiv zu Wort. Regensburg blieb aber spielbestimmend und traf durch
Stoilov erneut den Pfosten (19.). Den zurückspringenden Ball bugsierte
Haller unbedrängt über das leere Tor. Dies wirkte allerdings
als Wachruf für die Jenaer Kicker, die nun doch auch etwas mehr nach
vorn versuchten. In der 26. Minute konnte Alexander Maul gerade noch René
Eckardt an der Strafraumgrenze am Schuss hindern. Eine Minute später
lupfte Amrhein im Mittelfeld den Ball schön zu Truckenbrod, der einen
feinen Pass in den Strafraum spielte und Mayombo mit prima Einsatz noch vor dem
zögerlichen Abwehrspieler am Ball war und ihn an Sattelmaier vorbei
zum 1:0 ins Tor spitzelte. Die Führung war zu diesem Zeitpunkt sicher
etwas überraschend, wäre aber fast noch erhöht
worden, doch Truckenbrod kam bei einem weiten Pass von Nagy einen Schritt zu
spät (34.). Regensburg kam vor der Pause nur noch zu einer Chance, die
Nulle aber souverän meisterte (41.).
Der FCC kam besser aus der Pause und bestimmte nun
zunächst das Spielgeschehen. Eckardt passt zu Amrhein, der legt auf
Mayombo ab, der leider einen Schritt zu spät kommt (47.). Zwei Minuten
später behauptete Mayombo im Strafraum den Ball gegen Maul. Dieser
konnte sich nur mit einer Ringereinlage helfen. Der fällige
Elfmeterpfiff des insgesamt recht schwachen Schiedsrichters Glasmacher blieb
aber aus. Die nächste Chance hatte Sträßer nach
Doppelpass mit Eckardt. Doch sein Schuss ging knapp am rechten Pfosten vorbei
(53.). Regensburgs erste Offensivaktion in der zweiten Halbzeit war ein
Fernschuss aus knapp 30 Metern, der aber weit am Kasten von Nuller vorbei ging
(55.). Trainer Weinzierl reagierte und brachte mit Würll nach einer
Stunde einen weiteren Angreifer. Auch wenn Regensburg damit das Spiel wieder
etwas ausgeglichener gestalten konnte, blieben Chancen nun auf beiden Seiten
zunächst aus. Nach 70 Minuten kam Orlando für Eckardt und
damit auch neuer Schwung ins Spiel. Zunächst setzt sich Orlando auf
rechts durch und flankt von der Grundlinie, den Kopfball von Amrhein kann
Sattelmaier aber entschärfen (76.). Drei Minuten später ein
Konter des FCC, Truckenbrod passt auf Mayombo, der in aussichtsreicher Position
verstolpert. Und drei Minuten vor Ablauf der regulären Spielzeit wird
Orlando über links geschickt, Hagmann kommt nicht hinterher und
erwischt Orlando nur noch am Fuß und kassiert dafür - da
letzter Mann - die Rote Karte. Die 90 Minuten waren abgelaufen, Regensburg
bemüht sich noch einmal in
Richtung Jenaer Tor und Mayombo geht etwas ungeschickt in den Zweikampf -
Freistoß und wohl die letzte Aktion im Spiel. In der
Gästekurve bangte man nun schon, dass es doch nicht schon wieder mit
einem späten Ausgleich in Regensburg enden kann und darf ... Aus dem
Fanblock vom anderen Ende des Spielfeldes sah man den Freistoß
über Freund und Feind hinwegsegeln und dann tatsächlich im
Netz zappeln. Hinterher hörte man, dass wohl Mayombo unglücklich
ins eigene Tor getroffen hatte. Sehr ärgerlich! Dem Spielverlauf nach
sicher eine akzeptable Punkteteilung. Aufgrund der besseren zweiten Halbzeit,
in der vergessen wurde, den berühmten Sack zuzumachen,
aber doch zwei verschenkte Punkte mit einem
tragischen Helden Mayombo. <jw>
SpVgg Unterhaching - FC Carl Zeiss Jena 3:1
Tore: 1:0 Steegmann (43.), 2:0 Steegmann (63.), 3:0 Kanca (76.), 3:1 Benjamina (82.)
- U'haching:Kampa; Konrad, Hain, Brysch, Schaschko (90. Ziegler);
Tyce, Mitterhuber, Zillner, Leandro; Schweinsteiger (73. Kanca), Steegmann (79. Rathgeber)
- Jena: Nulle; Sträßer (73. Osadchenko), Lukimya, Wuttke, Nagy; Eckardt, Kühne, Truckenbrod, Ziegner (46. Benyamina), Orlando (46.
Mayombo); Amrhein
- Zuschauer: 3300
- Schiedsrichter: Fischer (Hemer)
- Spielbericht
- Same procedure as every year.
Der FCC verliert obligatorisch sein Auswärtsspiel bei der Spielvereinigung Unterhaching, diesmal
mit 3:1 und nach zwei völlig unterschiedlichen Halbzeiten.
Der
Minutenzeiger hatte noch nicht einmal eine volle Umdrehung gemacht, da hatten
Jenas Fans den Torschrei auf den Lippen, als Patrick Amrhein von Ziegner
mustergültig bedient von der Strafraumgrenze abziehen kann, aber nur ein
klägliches Schüsschen zustande bringt. Ein Auftakt mit Signalwirkung konnte man
hoffen, doch als Referee Fischer 45 Minuten später zur Pause pfiff, war aus
Sicht des FCC keine einzige weitere Möglichkeit zu notieren gewesen, von einem
großzügig verzogenen Distanzschuss des überraschend sofort eingesetzten Kühne
einmal abgesehen. Jena lieferte eine erste Hälfte ohne jeden Esprit, blieb im
Offensivspiel erschreckend harmlos und lag verdient mit 0:1 zurück. Dass dieses
Gegentor aus einer lächerlichen Schauspieleinlage Zillners an der
Seitenauslinie direkt vor den Augen des schwachen Linienrichters und folgender
Freistoßflanke resultierte, war bitter. Aber Steegmanns gegen Lukimya
folgenschwer gewonnenes Kopfballduell zum Führungstreffer kurz vor der Pause
(43.) eben auch nur eine der zahlreichen Hachinger Möglichkeiten. Von denen
vergab der Torschütze selbst üppig (12., 26., 34.), aber Zillner nach seinem
Sturmlauf zwischen den verdutzten Sträßer und Ziegner hindurch zweifellos die
größte - Nulle rettete glanzvoll (33.).
So konnte es nicht weitergehen, und van Eck, der schon vor Anpfiff auf den sich
beim Aufwärmen verletzenden Holwijn verzichten musste, stellte erneut um. Auch,
weil der blasse Orlando Smeekes mit ausgekugelter Schulter passen musste. Aus
dem 3-5-1 mit Doppelsechs Kühne/Truckenbrod und Amrhein als einziger Spitze
wurde nun ein 4-4-2. Amrhein rückte zurück auf die linke Mittelfeldposition,
als Spitzen agierte dabei das Sturmduo der in dieser Saison so begeisternden
II. Mannschaft, und plötzlich ging beim FCC nach vorn die Post ab. Insbesondere
Exaucé Mayombo war von Hachings Verteidigern kaum zu stellen und lieferte eine
starke Partie ab. Kühnes Schuss nach Truckenbrod-Ablage gab nach 51 Minuten die
Richtung vor, Mayombos abgefälschter Schuss folgte zwei Minuten später, Amrhein
prüfte Kampa im Hachinger Tor aus 18 Metern (54.), Truckenbrod zieht knapp
übers Tor (58.). Jena war jetzt richtig im Spiel, die Kombinationen liefen
flüssig und spätestens in der 59. Minute musste es einfach soweit sein, als
Rene Eckardt auf rechts mustergültig von Sträßer bedient wird, aber statt Kampa
den Ball um die Ohren zu ballern eine unmotivierte Mischung aus Heber und
Flanke ansetzt. Wie einfach Fußball sein kann, demonstrierten die Bayern kurz
darauf auf der Gegenseite: Langer Befreiungsschlag Hains aus der eigenen Hälfte
auf den durchstartenden Steegmann, der vernascht Wuttke im 16er und schiebt
lässig zum 2:0 ein. Bewundernde Worte fielen im Gästeblock über die weise
Voraussicht jenes sonst so viel- und weitreisenden Münchner FCC-Fans, der einem
Gelübde folgend den Nachmittag lieber weit abseits seinen Hund Gassi führend
verbrachte. Seit dem Sieg vor 17 Jahren scheint für unseren Club ein Fluch auf
diesem Sportplatz zu liegen. Sonst hätten vielleicht auch Mayombo nach
Traumzuspiel Benyaminas freistehend vor Kampa die Nerven nicht versagt (65.).
Und sonst würde ein Schiedsrichter bei einem Foul wie dem Kampas an Carsten
Sträßer im 16er auch einmal auf Elfmeter entscheiden. Für Sträßer bedeutete
Kampas übles Einsteigen das Ende der Partie - Jenas dritte Verletzung an diesem
Tage - und die Unordnung in der Hintermannschaft des FCC nutzte der
eingewechselte Kanca zur endgültigen Entscheidung. Dabei hätte es vielleicht
noch einmal eng werden können, wenn nach Benyaminas Anschlusstreffer per Kopf -
Nagy hatte von links geflankt - mehr gekommen wäre als die vergebenen
Möglichkeiten Benyaminas (Kopfball nach Eckball von rechts, 83.) und Amrheins
Freistoßversuch übers Tor (84.). Wo das Problem des FCC liegt, demonstrierte
dann eine Minute vor dem Ende René Eckardt noch einmal final, als er völlig
freistehend an Kampas Blitzreaktion scheitert. Nein, nichts zu holen in
Münchens Süden. Verflucht! <gunner>
FC Carl Zeiss Jena - FC Ingolstadt 04 2:0
Tore: 1:0 Lukimya (72.), 2:0 Holwijn (83.)
- Jena: Nulle; Sträßer, Lukimya, Wuttke, Nagy; Holwijn,
Truckenbrod, Ziegner (85. Eckardt), Orlando (90. Fuss); Amrhein,
Hähnge (73. Benyamina)
- Ingolstadt: Lutz; Keidel, Pisot, Wenczel, Ruprecht; Leitl,
Fleßers (71. Braber), Karl, Buchner; Neuendorf, Hartmann
- Zuschauer: 5099
- Schiedsrichter: Siebert (Berlin)
- Spielbericht
-
Im Vorfeld des Spiels gab es jede Menge Aufregung im Umfeld des FCC: Spätestens mit der Pokalniederlage in
Meuselwitz und der anschließenden Suspendierung von Salvatore Amirante hatte der FCC wieder einmal demonstriert,
dass man in Jena mit allem rechnen muss. Dazu kam noch die Vorstellung des neuen Geschäftsführers Michael
Born unter der Woche, Ablenkung von der Vorbereitung auf das Spiel gegen einen der Staffelfavoriten des Jahres gab
es also zur Genüge.
Mit dem FC Ingolstadt 04 war eine Mannschaft im Ernst Abbe Sportfeld zu Gast, gegen die der FC Carl Zeiss Jena erst
ein einziges Mal im Rahmen eines Winter-Trainingslagers gespielt hat. Das ist allerdings weniger überraschend,
zumindest wenn man betrachtet, dass der FC Ingolstadt 04 erst im Jahr 2004 als Zusammenschluss von MTV 1881 und ESV
Ingolstadt entstanden ist. Seitdem hat der Verein mit der Unterstützung des großen Sponsors im Rücken
einen steilen Aufstieg erlebt und konnte schon im Jahr 2007 den Aufstieg in die zweite Bundesliga feiern. Der letztjährige
Abstieg darf als Betriebsunfall verstanden werden, der den langfristigen Weg in Richtung erste Bundesliga wohl nur verzögert
hat. Spätestens beim Blick auf das Mannschaftsfoto der Gäste wird deutlich, wie der Verein verstanden werden soll: Der
Star ist nicht die Mannschaft, auch nicht bundesligaerfahrene Spieler wie "Zecke" Neuendorf Stefan Leitl, selbst Trainer
Horst Köppel steht im zweiten Glied. Bei Ingolstadt 04 gilt einzig und allein: Der Star ist der Sponsor.
Aber kommen wir zum Spiel: Den Spielern des FCC war von Beginn an anzumerken, dass die Geschehnisse außerhalb
des Platzes nicht völlig verdrängt werden konnten, jedenfalls waren die Gäste aus Ingolstadt von Beginn an
die spielbestimmende Mannschaft. Bereits in der ersten Minute kommen die Gäste gefährlich vors Jenaer Tor, die
Flanke von Leitl kann Buchner aber nicht verwerten. Nur wenige Augenblicke später versucht der rehabilitierte Ziegner
einen Rückpass zu Carsten Nulle, der Ball ist allerdings beinahe zu kurz und bringt Nulle erstmals in Bedrängnis.
Dank einer schnellen Reaktion kommt er allerdings noch vor dem Ingolstädter Spieler an den Ball und kann die Situation
klären. Dennoch blieben die Gäste dominant und kamen noch in der zweiten Minute nach einer Keidel-Flanke durch
Buchner zur nächsten Chance, auch dieser Kopfball verfehlte das Jenaer Tor aber knapp. Erst nach diesen drei Aufregern
konnten die Jenaer Fans erstmals durchatmen; auch wenn die FCC-Elf sich keine eigenen Chancen erspielen konnte, gelang es
nun immerhin, die Gäste vom eigenen Tor fernzuhalten. Dennoch wirkten die Gäste auf dem vom Regen getränkten
Rasen stets spritziger und technisch versierter und konnten mit einfachen Doppelpässen immer wieder schnelle
Vorstöße einleiten, die zum Glück für die Jenaer Elf nicht mit letzter Konsequenz ausgespielt
wurden. Wenn die Ingolstädter doch einmal den Abschluss fanden, war dann allerdings Carsten Nulle zur Stelle,
der insgesamt eine überzeugende Partie ablieferte. Auch nach einem Schuss von Karl aus rund zehn Metern war
Nulle zur Stelle und konnte per Fußabwehr klären. Nach knapp einer halben Stunde kamen auch die Jenaer
erstmals zu so etwas ähnlichem wie einer Torchance, als Patrick Amrhein auf der rechten Außenbahn vor
dem unnötigerweise herauseilenden Ingolstädter Torhüter Lutz an den Ball kommt und an diesem auch
vorbeikommt, dann aber ausrutscht und damit das großzügige Geschenk der Gäste dankend ablehnt. Kurz
vor dem Halbzeitpfiff ist es wieder Amrhein, der an der Strafraumgrenze der Ingolstädter glücklich an den
Ball kommt, die gebotene Chance aber mit einem Schuss zur Eckfahne kläglich vergibt. Damit blieb es zur Halbzeit
beim 0:0 und obwohl die Ingolstädter nicht viele klare Torchancen erspielt hatten, waren sie doch ohne Zweifel
die gefälliger spielende Mannschaft, die eine Führung zu diesem Zeitpunkt absolut verdient hätte.
In den Minuten nach Wiederanpfiff hatte man nicht den Eindruck, als ob René van Eck der Mannschaft in der Kabine
entscheidende Impulse gegeben hat. Wieder hatten die Ingolstädter den besseren Beginn für sich: Mit zwei
Freistößen aus rund 20 Metern brachte Keidel den Jenaer Torhüter Nulle in Bedrängnis, dieser war
aber hellwach und ging in Anbetracht des glitschigen Balls zwei mal auf Nummer sicher und faustete den Ball wieder
ins Spielfeld zurück. In der 51. Minute war es wieder Karl, der die Führung auf dem Fuß hat, aber im
letzten Moment mit viel Glück von mehreren Jenaer Verteidigern am Abschluss gehindert wird. Nur zwei Minuten
später die nächste Großchance für die Gäste, nun rettet wieder Nulle gegen Leitl, der
völlig unbedrängt zum Schuss kommt - die Ingolstädter Führung schien nur eine Frage der Zeit
zu sein, von Jenaer Seite kamen wie in der ersten Halbzeit praktisch keine Impulse für das Spiel. Nach 55 Spielminuten
kam aber auch der FCC mal wieder vors Gäste-Tor, die Flanke von Truckenbrod auf Hähnge war präzise und
gefühlvoll getreten, allerdings war auch Gäste-Torwart Lutz auf dem Posten und konnte mit den Fäusten
vor Hähnge an den Ball kommen. Zehn Minuten später war es erneut Nulle, der die letzte Rettung für das
scheinbar unverrückbare 0:0 an der Anzeigetafel darstellte. Gleich mehrere Stürmer der Gäste
scheiterten mit ihren Schussversuchen am Jenaer Keeper, bevor die Situation endlich bereinigt werden konnte.
Die rot-weiß gekleidete Marketingmaßnahme der bekannten VW-Tochter hielt bis dahin also fast, was
der Bus mit großen Lettern versprach: Der "Vorsprung durch Technik" schlug sich allerdings nur in
Spielanteilen und Torchancen nieder, das Spielergebnis zeigte sich bisher unbeeindruckt. In der Folge gönnten
sich die Gäste allerdings eine kleine Verschnaufpause und die Jenaer kämpften sich zurück ins Spiel.
Torchancen blieben zwar zunächst Mangelware, aber immerhin musste man sich in dieser Phase keine großen
Sorgen um das FCC-Tor machen. In der 72. Minute passierte dann das, was auch dem FCC schon oft genug widerfahren ist:
Die Mannschaft, die bis dahin klar unterlegen war und praktisch keine echte Torchance zu verzeichnen hatte, geht
völlig unverdient in Führung. Nach einem Freistoß aus halbrechter Position und rund 30 Metern
Entfernung ist es Abwehrmann Assani Lukimya, der als erster an den Ball kommt und diesen per Kopf ins lange
Ecke verlängern kann - 1:0 für den FCC und der Spielverlauf stand auf dem Kopf! Die Jenaer Zuschauer
hatten sich noch nicht wieder hingesetzt, da wäre beinahe der hochverdiente Ausgleich gefallen, als Buchner
per Kopf nur die Latte trifft und ein weiterer Ingolstädter seinen Nachschuss wenige Zentimeter neben den
linken Pfosten setzt. Die Angriffe der Gäste wurden nun verständlicherweise wütender und brachten
Nulle noch mehrmals in Bedrängnis. Nur zwei Minuten nach der Führung muss der Jenaer Torwart erneut per
Faustabwehr retten, nachdem ein Angreifer eine Gäste-Ecke per Volleyschuss von der Strafraumgrenze aufs Tor
brachte. Weitere drei Minuten später machte sich Nulle endgültig zum Mann des Spiels, als er einen
weiteren Freistoß von "Zecke" Neuendorf, der ansonsten unauffällig agierte, klären konnte.
Während die Gäste auf den Ausgleich drängten, zeigten die Jenaer, wie effizienter Fußball
aussehen kann: Einen hohen Ball aus dem Mittelfeld legt Amrhein per Kopf auf Melvin Holwijn ab, der sich ein Herz
nimmt und aus rund 18 Metern einfach mal draufhält. Der von Gäste-Trainer Köppel nicht ganz zu
Unrecht als "Sonntagsschuss" bezeichnete Ball schlug unhaltbar für Gäste-Keeper Lutz in der linken
Ecke ein und sicherte den Jenaer Sieg, der bis dahin noch heftig wankte.
Die Ingolstädter Bemühungen blieben auch in der Folge unbelohnt und fast hätte man den Eindruck
haben können, dass sich an diesem Tag die über 100 Jahre längere Tradition des FCC gegen den noch in
den Kinderschuhen steckenden Gast aus Ingolstadt durchgesetzt hat. Dennoch darf nicht unerwähnt bleiben, dass
der Sieg und die damit verbundenen drei Punkte sehr glücklich für René van Eck und den FC Carl
Zeiss waren, von einem verdienten Sieg kann beim besten Willen nicht die Rede sein. Entsprechend gedrückt
dürfte die Stimmung im Ingolstädter Bus bei der Heimreise gewesen sein, denn es ist ohne Zweifel bitter,
nach einem derart kraftraubenden und über weite Strecken gut geführten Spiel ohne Punkte nach Hause
fahren zu müssen. Es bleibt zu hoffen, dass die Jenaer beim nächsten Spiel in Unterhaching auch
spielerisch zu überzeugen wissen und auch in Bayern Punkte holen, bevor die bayerischen Wochen mit dem Spiel
in Regensburg hoffentlich erfolgreich beendet werden. <bh>
Kickers Offenbach - FC Carl Zeiss Jena 4:0
Tore: 1:0 Pospischil (24.), 2:0 Ulm (41.), 3:0 Mesic (78.), 4:0 Pfingsten-Reddig (88.)
- Offenbach: Wulnikowski; Huber, Hysky, Kopilas, Schutzbach;
Haas (84. Pfingsten-Reddig), Pospischil, Zinnow, Fröhlich (72. Laux);
Ulm, Mesic (81. Albayrak)
- Jena: Nulle; Fuss, Lukimya, Wuttke, Sträßer;
Holwijn (72. Kolb), Lanzaat (
, 79.),
Truckenbrod, Hähnge (46. Nagy), Orlando; Amirante
- Zuschauer: 8563
- Schiedsrichter: Thomsen (Kleve)
- Spielbericht
- Auf den Tag genau vor einem Jahr begleitete ich den FCC zum
Auswärtsspiel nach Wuppertal. "Am Tag der deutschen Einheit flossen
die Punkte von West nach Ost", beendete ich damals den Spielbericht und hoffte
jetzt auf einen vergleichbaren Spielausgang ein Jahr später.
Ein entlaufener Bulle vorm Polizeiauto auf der Hinfahrt sollte hierbei
eigentlich als Glücksbringer fungieren.
Allerdings ließen die letzten Auftritte der aktuellen Zeiss-Elf
ebenso wenig einen Feier(tags)auftritt erwarten wie die Bilanz am Bieberer Berg
mit nur einem mageren Pünktchen aus vier Spielen.
Ein Amirante-Schuss nach hundert Sekunden eröffnete
die Partie, in der Wuttke auch nach Lanzaats Rückkehr zunächst
in der Innenverteidigung blieb. Obwohl der Holländer bei seinem
Kurzeinsatz gegen Bremen alles andere als souverän gewirkt hatte,
wurde er ein weiteres Mal auf der Position vor der Abwehr neben Truckenbrod
besetzt. Sein Fehler ohne Not nach 16 Minuten ließ Pospischil von der
Strafraumgrenze aus zum Schuss kommen, Nulle bügelte aus. Es war die
zweite Chance der Hausherren in diesem Match, da sich zuvor bereits Zinnow
durch den kompletten Jenaer Strafraum gedribbelt hatte, dabei jedoch vergaß,
aufs Tor zu schießen. Auch Truckenbrod probierte es nach siebzehn
Minuten mal mit einem Schuss von der Strafraumgrenze. Wulnikowski kam mit einer
Faust an den Ball und lenkte zur Ecke. Fünf Minuten später.
Zinnows Faller nach Zweikampf mit Sträßer sah nach Schwalbe
aus, der bis dahin großzügige Schiedsrichter gab jedoch
Freistoß. Der Ball blieb in der 6-Mann-Mauer hängen, sprang
aber nach seiner ersten Bodenberührung mit ungewöhnlichem
Drall wieder zurück. Ein Lupfer in den Jenaer Strafraum, wo die Blauen
vergebens auf Abseits reklamierten, ein zur Vorlage werdendes Luftloch sowie
ein straffer Schuss auf zehn Metern führten zum 1:0.
Wie schon gegen
Bremen galt es einem Rückstand hinterher zu laufen. Genau das aber
wird zum schwierigen Unterfangen, wenn der Trainer ausgerechnet vor diesem
Spiel klammheimlich zur Ein-Stürmer-Taktik zurückgekehrt ist,
die schon im Jahr zuvor für Unverständnis und Erfolglosigkeit
gesorgt hatte. Sebastian Hähnge ("Ich erwarte mehr von mir und die
Leute auch") blieb nach dem Rückstand weiterhin konsequent im
zentralen Mittelfeld und versuchte sich erfolglos als Ballverteiler für
die einzige Spitze Salvatore Amirante. Da auch Melvin Holwijn sowie Orlando auf
den Außenpositionen nichts rissen, verwalteten die Hessen ihren
knappen Vorsprung ohne große Mühe und lauerten auf den möglicherweise
vorentscheidenden Fehler des Kontrahenten. Den gab es dann auch in Form eines
Jenaer Fehlpasses wenige Meter vorm Anstoßkreis. Dass er Lukimya
unterlief, einem der wenigen beständig guten Spieler während
der letzten Wochen, werteten einige Fans später als Zeichen um sich
greifender Verunsicherung in den Jenaer Reihen. Jedenfalls nutzte David Ulm das
Geschenk zu einem Solo durch die Jenaer Hälfte, um das Leder dann aus
gut zwanzig Metern über Nulle hinweg ins Tor zu heben. Sehenswert, mit
wie viel Gefühl im Fuß Ulm diesen Treffer markierte. Carsten
Nulle eine Mitschuld zu geben, wäre aber wohl verfehlt. Wie sollte er
ahnen, dass seinen Vorderleuten im Spielaufbau ein solcher Patzer unterläuft
? Unser Keeper schlich nach dem Pausenpfiff als Letzter vom Platz, begleitet
von Schmährufen der OFC-Anhänger, die in einem bekennenden
Sympathisanten von Eintracht Frankfurt so etwas wie ihren natürlichen
Feind sehen.
Drei Jahre zuvor war es einer Jenaer Mannschaft an gleicher
Stelle mal gelungen, aus einem 0:2-Pausenrückstand noch ein Remis
werden zu lassen. Um eine Wiederholung dessen herbei zu führen,
stellte van Eck während der Pause mehrfach um. Nagy kam für Hähnge
rein, begab sich wie gewohnt nach links und schickte Holwijn auf die andere
Seite. Aus Orlando wurde doch noch ein zweiter zentraler Stürmer.
Dahinter tauschten Lanzaat und Wuttke ihre Positionen aus der ersten Hälfte,
rückte Truckenbrod ein Stück weiter nach vorn. Der OFC ließ
die Gäste nach Wiederanpfiff zunächst gewähren. Als
sich die Hausherren dann doch mal wieder zu einem eigenen Angriff entschlossen,
brachte der schnelle Gegenstoß endlich mal wieder Gefahr. Durch vier
Abwehrbeine hindurch legte Orlando für Amirante auf, der schoss aus
der Drehung jedoch genau zu Wulnikowski. Der Ball von Nagy drei Minuten später
versprach mehr Erfolg, strich aus 19 Metern Torentfernung aber knapp am rechten
Pfosten vorbei. Eine weitere Steigerung erfuhren Jenas Bemühungen um
den Anschlusstreffer schließlich in Minute 69. Wiederholt versuchte
sich Truckenbrod an einem Fernschuss, selten zuvor aber war das Geschoss von
jener Güte wie diesmal. Aus 17 Metern volley abgefeuert, flog das
Leder oben ans Gebälk, dass es nur so krachte.
Die Hausherren hatten
offensiv nach dem Wechsel überhaupt noch nichts gezeigt. Doch mit
ihrem ersten gelungenen Angriff in Halbzeit zwei, bezeichnenderweise einem
Konter, sorgten sie fünfzehn Minuten vor Schluss für die
Entscheidung. Ulm legte an Sträßer vorbei in die Mitte ab,
wo Quido Lanzaat seinem Gegenspieler Mesic nicht hatte folgen können. 3:0. Dass Jenas
Abwehrchef eben jenem Mesic kurz darauf in die Hacken trat, roch nach Frustfoul
und wurde mit der Roten Karte geahndet. Und als hätte das alles nicht
schon gereicht, flog auch noch der Schuss des eingewechselten Pfingsten-Reddig
genau ins linke untere Eck. "Vier zu Nulle", höhnte es nach Ende der
zweiten 45 Minuten von der Offenbacher Fangeraden.
Dass dem OFC eine durchschnittliche Leistung zu einem derart
klaren Sieg reichte, sollte in Jena die Alarmglocken schellen lassen. Was nutzt
ein sich steigernder Truckenbrod, ein auf allen Positionen sein Ding machender
Wuttke - sie sind nun mal keine Antreiber, die den tödlichen Pass
spielen können. Genau so einer fehlt dem Zeiss-Spiel aber zunehmend.
Es scheint deshalb an der Zeit, die Verbannung Torsten Ziegners zu beenden.
Zwar ist nicht garantiert, dass es mit ihm schlagartig besser laufen wird. In
einer Phase, wo die Jenaer Mannschaft in ihren Leistungen nicht mehr nur
stagniert, sondern abzubauen beginnt, müssen jedoch ausnahmslos alle
Alternativen ausgelotet werden, die der Kader hergibt ! Es wird Zeit, sich mal
wieder gemeinsam an einen Tisch zu setzen. <fc>
FC Carl Zeiss Jena - SV Werder Bremen II 2:2
Tore: 0:1 Testroet (32.), 1:1 Orlando (52.), 1:2 Testroet (80.), 2:2 Amirante (82., FE)
- Jena: Nulle; Sievers (70. Fuss), Lukimya, Wuttke, Sträßer;
Eckardt, Truckenbrod, Hähnge, Nagy (46. Amirante); Kolb (74. Lanzaat),
Orlando
- Bremen: Wiedwald; Hessel, Gerdes, Stallbaum, Andersen; Ronneburg,
Ayik, Menga, Feldhahn; Testroet, Oehrl
- Zuschauer: 6062
- Schiedsrichter: Blos (Köngen)
- Spielbericht
-
Keiner weiß warum, doch in den vergangenen Jahren
hatte der FC Carl Zeiss mit den zweiten Mannschaften von Bundesligavereinen so
seine liebe Mühe. Mittlerweile sind drei von vier Hinrundenpartien gegen die
U23-Teams gespielt, mit zwei Siegen und einem Remis gestaltet sich die
Saisonzwischenbilanz ungewohnt positiv. Doch egal in welches Gesicht man auf
Jenaer Seite nach Abpfiff des Bremen-Spiels blickte - Zufriedenheit schaut
anders aus.
Daran hatte die erste Halbzeit einen gewichtigen Anteil.
Denn es war ein äußerst müder Kick, den 6062
Zuschauer (darunter exakt zwei Dutzend Bremer Fans) während der ersten
45 Minuten geboten bekamen. Dass es nach gut einer Viertelstunde Beifall gab für
einen ins Sturmzentrum gespielten Ball, den Kolb als eine von zwei Spitzen gar
nicht erreichte, mag als Beschreibung für das Niveau in der
Anfangsphase genügen. Eine Freistoßvorlage, die Wiedwald
gegen die Sonne blickend im zweiten Zupacken fing, war die einzige Szene, in
welcher ein Torhüter überhaupt
eingreifen musste. Beim ersten gelungenen Angriffszug nach
zwanzig Minuten stand Hähnge knapp im Abseits. Kurz darauf spielte
Rene Eckardt zwar schön Doppelpass mit Orlando, stolperte danach aber über
seine eigenen Beine. Und bei Lukimyias flacher Hereingabe erkannte der
freistehende Kolb in der Mitte die Situation zu spät. So blieb ein
satter 23-Meter-Schuss von Jens Truckenbrod, den Bremens Keeper über
die Latte lenkte, die einzig wirkliche Torchance
in Hälfte eins. Die Gästebilanz vor der Pause hätte
sich sogar noch ärmlicher gelesen, wenn Testroet im Gegenzug nicht der
Führungstreffer gelungen wäre.
Begünstigt wurde er durch einen Fehler von Jan-Andre
Sievers, welcher den Torschützen unbedrängt den Ball annehmen
ließ und dann nicht hinterher kam. Nach einer überzeugenden
Leistung im letzten Heimspiel gegen Burghausen blieb der Neuzugang aus Emden
damit das zweite Match in Folge hinter den Erwartungen zurück, wurde
später auch ausgewechselt.
Doch zunächst war es Nagy, der in der Kabine
bleiben musste. Mit der Hereinnahme von Amirante wechselte Orlando ab Beginn
der zweiten Halbzeit auf die Linksaußenposition. Eine Umstellung, die
sich sofort bezahlt machte. War der Holländer bei seinem energischen
Antritt von der linken Seite Richtung Zentrum doch nur mit unfairen Mitteln zu
bremsen. Freistoß, 25 Meter Torentfernung. Ein paar der
Stammzuschauer des FC Carl Zeiss werden es bemerkt haben, dieses ungewöhnliche
Positionieren Jenaer Spieler im Rudel neben der gegnerischen Mauer. Von dort lösten
sich wie auf Kommando vier Blaue bei der Freistoßausführung
und rannten in den Sechzehner hinein. Truckenbrod schoss nicht direkt, sondern beförderte
das Leder lang vor zu Orlando, welcher aus fünf Metern volley zum
Ausgleich traf. 1:1 - eine eben erst im Training einstudierte Freistoßvariante
hatte auf Anhieb funktioniert ! Damit lösten
sich endlich einige der im bisherigen Spielverlauf eingebauten Bremsen.
Salvatore Amirante zog auf 30 Metern ab, Wiedwald lenkte das Leder um den
Pfosten (54.). Der Schlenzer von Feldhahn auf der anderen Seite flog nur knapp
nebens Tor (56.). Und dass Kolb die schöne Vorarbeit von Orlando
lieber selbst verwertet hätte, statt auf Eckardt zu spielen, war ihm
hinterher auch klar.
Sie bildeten die stärkste Phase in einem mäßigen Jenaer Spiel,
jene gut zwanzig Minuten nach dem Ausgleichstreffer. Sogar Sebastian Hähnge,
bekanntlich nicht der Allerschnellste, ging hier mal aus einem Sprintduell als
Sieger hervor. Den Gästen darf man bescheinigen, ebenfalls die
Offensive gesucht und so zu einer deutlich spannenderen zweiten Halbzeit
beigetragen zu haben. Beim Schuss des Deutschtüren Ayik reagierte
Carsten Nulle im Tor hervorragend.
Dann war noch eine Viertelstunde zu spielen und Orlando hatte wieder
seinen Auftritt. Es ist beileibe nicht so, dass hier Jenas Schnellstem eine
durchgängig überzeugende Leistung bescheinigt werden soll.
Manches wirkt schon zu sehr auf Show getrimmt, zwischendurch taucht er auch mal
ab und nach hinten lässt er eh lieber andere ackern. Doch klar ist
auch - ohne Orlando wäre das Jenaer Spiel um viele Attraktionen ärmer
! Klasse, wie er in Minute 76 zwei Werder-Verteidiger förmlich stehen
ließ und den Blick für den freistehenden Nebenmann hatte. Es
war Salvatore Amirante, der in zehn Metern Torentfernung sofort abschloss - und
an einem Abwehrbein hängen blieb.
Das Tragische an diesem Spiel ist aus Jenaer Sicht, dass
immer im Anschluss an eine knapp vergebene Großchance die Quittung in
Form eines Gegentreffers folgte. Hatte Pascal Testroet schon vor der Pause
direkt nach Truckenbrodts Schuss getroffen, verging auch nach Amirantes Möglichkeit
nicht viel Zeit, bis Bremens Spieler mit der Nummer 43 zum Erfolg kam. Dabei
profitierte er wiederum von einem fehlenden Gegenspieler - der eingewechselte
Benjamin Fuss war an der Strafraumgrenze ausgerutscht. Unter dem Körper
Carsten Nulles hindurch flog der Ball ins Netz. Und nun ? Waren nur noch zehn Minuten
Zeit für Jenaer Bemühungen um den abermaligen Ausgleich.
Scheinbar unbeteiligt steht Orlando nach dem Anstoß an jener Stelle,
wo Mittel- und Außenlinie aufeinander treffen. Genau da wird er angespielt,
nimmt ein paar Meter lang Fahrt auf und legt dann den Turbo ein. Gerdes hatte
sich diesmal vorgenommen, ihm im Sprintduell Paroli zu bieten - auch er war
chancenlos und wusste sich deswegen nur mit einem Rempler im Strafraum zu
helfen. Elfmeter. Als Amirante sich vor Sträßer den Ball zur
Ausführung schnappte, stockte vielen der Atem - hatte der nicht schon
einmal.... ? Noch ehe der Gedanke zuende gebracht wurde, hatte Salvatore den
Werder-Schlussmann in die andere Ecke geschickt und zum 2:2-Endstand getroffen.
Zweimal war der FCC nach Rückstand wieder gekommen.
Doch wie eingangs schon erwähnt -
Zufriedenheit sieht anders aus. Mannschaftskapitän Nulle ärgerte
sich über die beiden Gegentreffer sowie "Negativeinflüsse von
außen", mit denen wohl Pressespekulationen über Notverkäufe
von Leistungsträgern in der Winterpause gemeint sein dürften.
Und Trainer van Eck monierte die Vorstellung seiner
Mannschaft vor der Pause. Zurecht, denn dadurch sind zwei Punkte gegen
talentierte, aber durchaus schlagbare Bremer verschenkt worden. <fc>
Eintracht Braunschweig - FC Carl Zeiss Jena 2:1
Tore: 0:1 Orlando (46.), 1:1 Kruppke (62., HE), 2:1 Kragl (69.)
- Braunschweig: Petkovic; Fuchs, Brinkmann, Dogan, Boland; Pfitzner, Danneberg,
Kruppke (86. Banser), Kragl (77. Theuerkauf); Onuegbu, Calamita (60. Morabit)
- Jena: Nulle; Sievers, Lukimya, Wuttke, Sträßer (56. Riemer); Truckenbrod, Holwijn (

, 71.)
Hähnge, Nagy (79. Kolb); Mayombo (66. Amirante), Orlando
- Zuschauer: 12.200
- Schiedsrichter: Achmüller (Bad Füssing)
- Spielbericht
-
Der zehnte Spieltag bringt das Auswärtsspiel in Braunschweig auf den Plan und da die Stammautoren dieser
Seite offensichtlich angesichts der letzten Ergebnisse von 0:3 bis 6:0 die Adjektive auszugehen scheinen darf
ich mal wieder ran, als es gilt in Niedersachsen den Platz im oberen Tabellendrittel zu sichern.
Für die erste kleine Überraschung im Gästeblock sorgt Trainer Rene van Eck, der statt des zuletzt stark
auftrumpfenden Stefan Kolb oder des wieder spielberechtigten Amirante, mit Mayombo einen Stürmer in der
Startaufstellung aufbietet, der zuletzt suspendiert worden war, lediglich in der zweiten Mannschaft
spielte und dessen letzter Pflichtspieleinsatz in der Ersten bereits vier Monate zurückliegt. Neben ihm
soll Orlando für den nötigen Angriffsdruck sorgen, während Sebastian Hähnge auf der offensiven Mittelfeldposition
die beiden Stürmer mit Bällen versorgen soll. Und es beginnt gut: Bereits in der ersten Minute kann Orlando über
die linke Seite die Braunschweiger Abwehr überlaufen, scheitert jedoch an Torwart Petkovic. In der Folgezeit
kann der FCC eine optische Überlegenheit erarbeiten - "kontrolliert Ball und Gegner" - wie man so schön sagt, ohne
dabei übermäßig torgefährlich zu werden. Mayombo wirkt dabei aber noch engagierter, als sein Sturmpartner. Die Blau-Gelben
aus Niedersachsen kommen erst nach cirka zwanzig Minuten besser zu Rande und beginnen einzelne Konter zu setzen, die in einem
durch die Mitte angespielten Calamita gipfeln, der aber, völlig frei vor Nulle auftauchend, an diesem scheitert. Damit hat es
sich dann aber auch mit dem Braunschweiger Offensivdrang für die erste Hälfte und die Jenaer Viererkette in der Abwehr kann
wiederholt mit starkem Zweikampfverhalten (Wuttke, Sträßer) die gegnerischen Angreifer "abkochen". Für den eigentlichen
Gesprächsstoff der Halbzeitpause unter dem Jenaer Anhang sorgt Amirante, der bereits kurz vor der Halbzeitpause sich zum
Aufwärmen hinter das Tor von Nulle begibt.
Die zweite Hälfte beginnt mit einem Paukenschlag der angenehmeren Sorte, als Holwijn wunderschön auf der rechten
Seite lang durch Sträßer angespielt wird, im spitzen Winkel auf das Petkovic-Tor zusteuert, scheinbar die lange Ecke
mit seinem Schuß anvisiert, es aber verfehlt, bevor Orlando am langen Pfosten den Ball erreicht und ihn gekonnt flach
über die Linie drückt.
Die Wende im gesamten Spiel wird eingeläutet, als Sträßer in der 56. Minute, leicht humpelnd, verletzt ausgewechselt
werden muss. Die bis dahin äußerst souverän wirkende Jenaer Abwehrviererkette wird mit Marco Riemer wieder aufgefüllt
und ist fortan kaum noch wieder zu erkennen. Obwohl sowohl bei der Entstehung des Elfmeters (aus dem Gästeblock schlecht
einzusehendes Handspiel Riemers), als auch bei der Entwicklung des Führungstreffers ein gehörige Portion Glück für die
Niedersachsen im Spiel ist, kommt man nicht umhin festzustellen, daß vor allem die Jenaer Elf plötzlich den Faden verlor.
Als Holwijn in der 72. Minute diese "schwarze" Viertelstunde für den FCC mit einem Foul an der Mittellinie und nachfolgendem
Ballwegschlagen abschließt, ist die Partie quasi gelaufen. Nur noch zu Zehnt gelingt es nun nicht mehr die Eintracht noch
mal in Bedrängnis zu bringen. Die Braunschweiger lassen sich nun auch nicht mehr aus der Defensive locken und glänzen im
Vorwärtsgang in den letzten zwanzig Minuten lediglich mit einem gefühlten Dutzend Fehlpässen. Auch der Versuch von van Eck,
mit der Einwechslung von Kolb, mit einem Dreiersturm noch einmal auf den Ausgleich zu gehen verpufft relativ wirkungslos.
Ein Sieg in Braunschweig wäre, meiner Meinung nach, für den FC Carl Zeiss Jena ohne weiteres zu realisieren gewesen,
wenn man nach dem Führungstor, das zu einem äußerst günstigen Zeitpunkt fiel, weiter aggressiv die Entscheidung gesucht hätte
und sich mit dem Ausgleich nicht so aus dem Takt hätte bringen lassen. Nicht Eintracht Braunschweig hat gewonnen, sondern
der FCC hat verloren. Und zwar, weil man den Gegner zurück ins Spiel brachte, den der "Ringrichter" schon bis zur "9"
ausgezählt hatte. Schade drum.
Nachtrag: Die Stadt Braunschweig bietet den per Zug anreisenden Gästefans einen kostenlosen Bustransfer vom Bahnhof zum
Stadion an. Soweit so gut. Warum man aber nicht die ca. 6 km lange, direkte Strecke durch die Stadt nimmt, sondern den
Gästefans eine ca. 20-minütige Strecke über die ortsansässigen Autobahnen anbietet, scheint schleierhaft. Ich
habe diese "Stadtrundfahrt" jetzt insgesamt viermal genossen und hätte beim nächsten Mal gern eine andere Route. Danke im voraus.
<tn>
FC Carl Zeiss Jena - SV Wacker Burghausen 0:0
Tore: Fehlanzeige
- Jena: Nulle; Sievers, Wuttke, Lukimya, Sträßer;
Nagy (74.Holwijn), Truckenbrod, Riemer, Eckardt, Hähnge, Kolb (62.Orlando)
- Burghausen: Riemann; Wolf, Hertl, Kokocinski, Kresin, Nebihi (84.Schmidt), Burkhard, Grübl (73.Belleri),
El Haj Ali, Gorka, Cappek (89.Holz)
- Zuschauer: 6948
- Schiedsrichter: Sönder (Lübeck)
- Spielbericht
-
Dritter gegen Vierter - vom Papier her das Topspiel des heutigen Tages in der dritten Liga. Sonne pur und warme Temperaturen
waren beste Vorraussetzungen, um dem Spitzenspiel auch einen würdigen Rahmen zu verleihen. Die Partie musste eine
Viertelstunde später angepfiffen werden, da die Gäste bei Ihrer Anreise aus dem Hotel in Stadtroda infolge einer
Bombendrohung im Stau standen, und dadurch nicht rechtzeitig eine Stunde vor Spielbeginn im Stadion sein konnten.
Die erste gute Aktion des Spiel leitete Jenas Abwehrspieler Sträßer ein, der mit einem herrlichen Diagonalpass
René Eckardt bediente, doch dessen Schuss in der siebenten Minute stellte für Keeper Riemann keine echte Gefahr dar.
In der 18. Minute nutzte Truckenbrodt einen Ballverlust der Gäste aus und prüfte Riemann mit einem Schuss aus der zweiten
Reihe, doch leider landete der Ball genau in den Armen des Schlussmannes. Nach der doch spielerisch armseligen Partie in Kiel
wusste der FCC am heutigen Tage zu gefallen und kontrollierte im gesamten Spielverlauf die Partie. Doch auch mit schönen
Kombinationen und Ballstafetten im Mittelfeld blieben die Torchancen auf Jenaer Seite Mangelware. Die Burghausener, die infolge
einer Grippe auf vier wichtige Spieler verzichten mussten, stellten sich konsequent hinten rein, so dass es für die Jenaer
recht schwierig war, in der dicht gestaffelten Abwehr eine Lücke zu finden. Erst nach gut einer halben Stunde die nächste
Tormöglichkeit für die Jenaer. Hähnge hatte per Kopfball in den Lauf von Youngster Kolb verlängert, doch obwohl
Riemann in dieser Aktion zu weit vor seinem Kasten stand, konnte Kolb diese gute Torchance nicht nutzen und ballerte über das Tor.
Auch nach der Pause änderte sich das Spiel nicht gravierend. In der 51. Minute versuchte sich Sievers mit einer hohen Flanke in
den Strafraum, der Ball wurde lang und länger und fiel zur Verwunderung des Gästekeepers hinter ihm aufs Tornetz. Mit etwas
Glück hätte diese Flanke auch zum erneuten Tor des Monats avancieren können. Gut eine Stunde war vorbei und ein Jubel
auf den Rängen machte sich breit, als Publikumsliebling Orlando für Kolb eingewechselt wurde. Manch einer machte sich
Gedanken, warum und weshalb dieser nicht von Anfang an spielen durfte. Doch Trainer van Eck machte in der anschließenden Pressekonferenz
alle Gerüchte zunichte, als er gleich als erstes vermeldete, dass Orlando im am Vorabend ihm mitgeteilt habe, dass er sich für ein
komplettes Spiel nicht fit fühle. Doch als er den Rasen betrat, spürte man noch einmal einen Ruck durch die Jenaer Mannschaft gehen.
Er war es auch, der in der 71. Minute gleich eine gute Einschusschance hatte, doch leider kam er einen Schritt zu spät und rutschte
einschussbereit knapp am Ball vorbei. Eine Viertelstunde vor dem Ende donnerte Nulle einen super weiten Abschlag heraus, der Ball sprang
vor Orlando auf, doch leider konnte er diese Gelegenheit nicht verwerten oder den Ball zumindest unter Kontrolle nehmen. Die Abwehr der
Gäste stand weiter recht sicher, so dass es die Spieler des FCC nun immer mehr mit Einzelaktionen probierten, die aber allesamt nichts
einbrachten. Höhepunkt des Spiels war zweifelsohne die 82. Minute, in der bereits die Jenaer Fans von ihren Sitzen aufsprangen. Doch
leider stand Orlando das Glück am heutigen Tag nicht zur Seite, denn sein gut getimter Kopfball nach Flanke vom starken Sievers klatschte
an den Innenpfosten, von wo er anschließend direkt in die Arme des Keepers sprang. Da war sie, diese eine 100% Möglichkeit, doch
leider sollte es auch die letzte nennenswerte Aktion gewesen sein.
Mit einer Minute Nachspielzeit pfiff Schiedsrichter Tim Sönder das Topspiel der 3.Liga ab, was es leider nicht geworden war. Die Gäste
waren am Ende mit diesem Punkt hochzufrieden, während die Zeiss-Kicker mit hängenden Köpfen den Rasen verließen. Denn jedem
war nach der Partie klar, dass es selten so leicht gewesen sei, heute die ansonsten starken Kicker von Wacker Burghausen zu bezwingen. Auch wenn
viele Trainer und Verantwortliche eine Einzelkritik nicht unbedingt mögen, so muss doch am heutigen Tage die gesamte Abwehr mal explizit
hervor gehoben werden. Besonders die beiden Außen mit Sträßer und Sievers taten sich heute besonders hervor und ermöglichten
den Gästen während der gesamten Spielzeit keine nennenswerte Torchance.<vg>
Bilder auf fcc.weissenburger.de
Bericht auf fussball.sv-wacker.de
Holstein Kiel - FC Carl Zeiss Jena 0:1
Tore: 0:1 Kolb (72.)
- Kiel: Frech; Lamprecht, R. Müller, Schyrba, Meyer, K.Schulz, Holt,
Jerat (80. Siedschlag), Sembolo, Sykora (9. Guscinas), Heider (66. Stier)
- Jena: Nulle; Sievers, Wuttke, Lukimya, Sträßer;
Nagy (90. Fuss), Truckenbrod, Eckardt, Riemer, Orlando (64. Kolb), Hähnge (87. Petersen)
- Zuschauer: 4511
- Schiedsrichter: Dittrich (Bremen)
- Spielbericht
-
Mit Müller, Hasse und Sykora stehen gleich drei Ex-Jenaer im Kader der Kieler. Aber Hasse war gar nicht im Aufgebot
und Fiete Sykora musste bereits in der 9. min verletzungsbedingt ausgewechselt werden und konnte so gegen seinen
Ex-Club keinen Schaden anrichten. Bis zu diesem Zeitpunkt gab es bereits die ersten aufregenden Situationen vorm
Jenaer Tor. Kiel begann von Anpfiff an offensiv und setzte die Gäste unter Druck. Im Großen und Ganzen
stand Jenas Abwehr, stark unterstützt von den vier Mittelfeldspielern und Hähnge, relativ gut. Wenn man
aber 80 der 90 Spielminuten quasi mit dem Rücken an der Wand, sprich im eigenem Strafraum steht, ist es klar,
dass die Torchancen für die Gastgeber nicht ausbleiben. Vor allem bei Ecken konnte man immer wieder die Luft
anhalten. In der 5. min wehrte Nulle einen Kopfball Haiders aus 3 m Torentfernung zur nächsten Ecke ab. Diese
konnte von Orlando nicht geklärt werden und so hatte Robert Müller die Gelegenheit, seine ehemaligen
Mannschaftskollegen per Fernschuss (der aber in der vielbeinigen Abwehr hängenblieb) zu erschrecken. Nach
einem Stolper Riemers musste sich Lukimya, der wieder eine sehr gute Partie spielte, im letzten Moment in einen
Schuss werfen und zur Ecke klären. Diese führte zu einem Kopfballaufsetzer, gegen den wohl auch Nulle
keine Chance gehabt hätte, aber der Ball ging über die Torlatte. Ganz stark bei den Kielern war in der
Anfangsviertelstunde Sembolo, der ein paar Mal den Jenaern Knoten in die Beine dribbelte. Nachdem aber Sträßer
ihn mal etwas energischer bremste, wurde der auch ruhiger. Nach ein paar Minuten relativer Ruhe musst Nulle, wiederum
nach Ecke, sehr energisch den Ball (samt Gegner) wegfausten, um Schlimmeres zu vermeiden (25.). Nochmals zehn Minuten
danach hatten die Heimzuschauer den Jubelschrei auf den Lippen: Ein weiter Einwurf von rechts wurde verlängert
und den folgenden Kopfball Holts erwischte Nulle mit sensationellem Reflex gerade noch so. Holstein ließ den
Ball in dieser Phase schnell laufen und spielte oft direkt ab. Allerdings ging es zumeist nur bis zur Strafraumgrenze,
an der eine gelbe Wand sie aufhielt. Und so probierte es Sykora-Ersatz Guscinas aus 20 Metern mit einem Fernschuß,
der jedoch nur die Latte traf und die Zuschauern aufstöhnen ließ. Zur Pause konnte man über das
Unentschieden heilfroh sein, denn die Angriffsbemühungen des FCC konnte man bis dahin mit der Zahl "Null" beschreiben.
Nach der Pause ging es wie gehabt weiter, lediglich die Spielhälfte, in der sich alles abspielte, änderte sich.
Allerdings war Holstein jetzt so nett und verzichtete fast völlig auf das Spiel über die Flügel. 7,32 m ist
die Torbreite und ungefähr ebenso breit war der Korridor an Jenas Strafraumgrenze, durch den die "Störche" ihre
Angriffe versuchten. Die Jenaer Abwehrspieler hatten dadurch eigentlich ein leichtes Spiel, wurde doch einmal einer ausgetanzt,
so standen garantiert gleich zwei weitere Gelbe dahinter und klärten. Nur bei einem Fernschuss Lamprechts von rechts
außen (52.) und einem abgefälschten Freistoß (55.) kam der Ball mal in Nulles "Sichtweite", der Rest
waren Kinkerlitzchen. Nach vorn blieb alles unverändert, es ging nichts. Kam man doch einmal über die Mittellinie,
so war es ziemlich sicher, dass Orlando im Rücken der Abwehr im Abseits stand. In der 60. min dann hatte der FCC
mal eine Chance auf einen aussichtsreichen Angriff, aber Orlando rannte mit gesenktem Kopf in zwei Gegner hinein und
übersah den mitgelaufenen und freistehenden Hähnge. So konnte das nichts werden und folgerichtig kam in der
65. Minute Kolb für Orlando. Schon die ersten Zweikämpfe Kolb sahen völlig anders aus als Orlandos
Vorstellung: Der Achtzehnjährige ging in die Zweikämpfe, setzte bei Ballverlust sofort nach und steckte
nie auf. Mir rutschte da ein "Dem Kolb gönne ich ein Tor, der hat schon gegen Dortmund so gut gespielt" heraus
(wenn die Weissagung der Lottozahlen nur ebenso klappen würde…). Drei Minuten nach dem Wechsel (in der 68. min!!!)
hatte der FCC seinen ersten Torschuss, aber Truckenbrods Geschoss ging knapp am langen Pfosten vorbei. Der nächste
Kieler Angriff wurde kurz hinter der Mittellinie abgefangen und der FCC hatte eine perfekte Konterchance in 3:2-Überzahl,
jedoch vergeigte Riemer diese Gelegenheit kläglich. Kurz danach bekam Hähnge auf der rechten Seite den Ball,
ging bis zur Grundlinie, beschäftigte zwei Gegenspieler und spielte mit der Hacke auf den mitgelaufenen Eckardt.
Der schickte seinen Gegenspieler und bediente - wie schon in vorhergehenden Spielen - mit einer maßgenauen
Zuckerflanke den in der Mitte wartenden Mitspieler. Diesmal war es Kolb, der sich die Chance nicht entgehen ließ
und zur überraschenden Führung des FCC einnickte und auf der Gegentribüne für eisiges Schweigen um
mich herum sorgte (ich jubelte solo *g*).
Das Spiel war gekippt. Die "Störche" hatten einen gewaltigen Knacks bekommen,
denn sie versuchten zwar in der verbleibenden Zeit mit viel Einsatz und Elan, dieses Resultat zu reparieren, aber lediglich
ein weiterer Lattentreffer wiederum durch Guscina sorgte für Aufregung. Im Gegenteil, mit etwas Cleverness hätte
Jena jetzt den berühmten Sack zubinden könne, aber zunächst war nach Doppelpass Eckardt - Hähnge der
Kieler Torwart einen Tick schneller am Ball als Eckardt (85.) und dann fehlte Truckenbrod einfach die Kaltschnäuzigkeit,
allein vor Frech - der bis zur Strafraumgrenze herausgekommen war - mit einem Heber das 2:0 zu machen, er ballerte den Ball
voll auf den Keeper drauf. Ansonsten versuchte man ziemlich geschickt und erfolgreich, in den verbleibenden Minuten das Tempo
aus dem Spiel zu nehmen und den Ball in den eigenen Reihen zu halten.
Bis zu Kolbs Einwechslung wäre ich mit einem Punkt hochzufrieden gewesen. Der "Dreier" ist mit etwas Glück in
den ersten 70 und mit ansprechender Leistung in den letzten 20 Minuten eingefahren worden. <uk>
FC Carl Zeiss Jena - Borussia Dortmund II 2:1
Tore: 0:1 Neumeister (6.), 1:1 Lukimya (13.), 2:1 Riemer (80.)
- Jena: Nulle; Sievers, Wuttke, Lukimya, Sträßer;
Nagy (90. Petersen), Truckenbrod, Hähnge, Eckardt (85. Fuss); Orlando,
Kolb (73. Riemer)
- Dortmund: Höttecke; Koch, Eggert, Hünemeier, Neumeister;
Hille, Hasanbegovic (85. Boztepe), Tyrala, Öztekin; Ginczek (57.
Piossek), Kullmann
- Zuschauer: 6983
- Schiedsrichter: Dankert (Rostock)
- Spielbericht
-
Das Chaos beim FCC wurde gerade mal wieder etwas unübersichtlich. Nachdem
Peter Schreiber offenbar keine unbezahlten Rechnungen mehr auf seinem Wühltisch
findet (oder diese lieber wieder untendrunter steckt), fängt die
liebevoll zusammengesparte Mannschaft an sich in Wohlgefallen aufzulösen.
Der eine haut mit südländischer Besonnenheit einem Blumenzüchter
ins Gesicht, der andere wird aufgrund seiner Großartigkeit
suspendiert und der Dritte hat seine Bandscheiben nicht im Griff. Hinzu kommen
ungezählte Zerrungen und Risse diverser Muskelgruppen, schlechte
Blutwerte und Verstauchungen. Und die wenigen Verbliebenen, die sich stets gut
benommen haben und dazu gesund sind, können auch nicht mehr so
richtig. Zu groß ist der Druck nach dem Kulturarena-Debakel für
Rom, Ähnliches vollbringen zu müssen. Ernüchternde
Aussichten also für das gestrige Spiel gegen Dortmunds Zwote, zumal
die nach fünf Minuten schon in Führung lag. Neumeister hatte
die Aufwachprobleme in Jenas Deckungsverbund schamlos ausgenutzt und per Kopf
die Gästeführung hergestellt (6.). Zwar war der ursächliche
Freistoßpfiff völliger Mumpitz, gezählt hat es
trotzdem. Aber was soll's. Aus Ruinen wird auferstanden! Und überhaupt:
Bandscheibenvorfälle werden total überbewertet!
Zwar
folgte die Trotzreaktion erst nachdem Nulle das 0:2 und damit den unabwendbaren
Untergang verhindert hatte, dann aber kam die große Zeit des Rene
Eckardt. Ganz ehrlich, wenn der immer so spielen würde wie die
folgende Viertelstunde, die Nationalmannschaft wäre kein Thema. Seine
Vorlage auf Wuttke nach einer Ecke und sein Heber aus spitzem Winkel wären
bereits Treffer wert gewesen, Hötteke bekam aber beidemal noch
irgendein Körperteil dazwischen. Gegen Lukimyas Schuß aus
Nahdistanz konnte aber auch der Dortmunder Schlußmann nichts mehr
machen. Eckardt hatte Neumeister auf der rechten Seite schön zur
Schere gemacht und den Ball dann flach nach innen geschlagen. Von dort hätte
es wohl nur noch Gomez und dann auch nur im Nationaltrikot noch fertiggebracht,
das Tor nicht zu treffen. Jubeln unter Vorbehalt (13.). Ein Unentschieden
konnte hier ja nicht das Ziel sein! Dieser Vorbehalt legitimierte sich
schneller als gedacht. Mit der Gewißheit der uneingeschränkten
Überlegenheit zog sich Jena wieder aus dem Dortmunder Strafraum zurück.
Alle Maschinen Stop - im Notfall gleichen wir halt wieder aus. Zwar hatte
Eckardt nach eine Wuttke-Vorlage noch einmal die große Chance zur Führung,
sein strammer Volleyschuß fand aber den Weg ins Tor nicht und ist
jetzt wahrscheinlich ein dicker blauer Fleck auf einem Dortmunder Gesäß
(16.). Danach tickte nur noch die Uhr runter. Was dieser taktische Unsinn soll,
ist schwer zu sagen, zumal der Schwung des Ausgleichstreffers dadurch völlig
verpuffte. Die Kräfte jedenfalls hätten eigentlich noch ein
bißchen länger reichen sollen. Kurz vor der Pause hätte
sich dieses unheilvolle Fehlverhalten tatsächlich fast gerächt.
Wäre Kullmann nicht um Zentimeter an Boztepes Eingabe vorbeigerutscht,
die etwa 300 Mitgereisten Dortmunder hätten wohl unsere leise vor sich
hin tirilierende Südkurve vollends unter den Tisch gesungen. Glück
gehabt!
Nach der Pause war es vor allem Orlando, der für Aufsehen sorgte.
Inzwischen ist es für jeden Gegner offenbar ein probates taktisches
Mittel geworden, ihn einfach am Losrennen zu hindern. Ein kurzes Halten, ein
Schubser auf Höhe der Mittellinie, eigentlich ist alles besser als ihm
später hinterherzugucken. Zwei oder drei gelbe Karten werden dafür
augenscheinlich in Kauf genommen, welche die Schiedsrichter (vor allem der von
gestern) oft nicht mal geben. Wenn dann auch noch klarste Pfiffe ausbleiben,
geht mir langsam das ohnehin knapp bemessene Verständnis aus.
Stattdessen reichten auf der Gegenseite mitunter kleinste Scharmützel
aus, um aus gefährlichsten Positionen Freistöße zu
verhängen. Einer davon wäre Jena fast zum Verhängnis
geworden, als Hünemeier den hoch hineingeschlagenen Ball von Tyrala
nur knapp verfehlt, kann Nulle erst im Nachfassen das Unentschieden festhalten
(63.). Knapp! In dieser Phase überzeugt der FCC aber auch allenfalls
durch Gleichwertigkeit auf niedrigem Niveau. Die Führung kommt
dementsprechend wie aus dem Nichts. Wieder ist es Eckardt, dessen präzise
Flanke die Entscheidung bringt. Punktgenau schießt der den Ball auf
den eingewechselten Riemer, dessen Kopfstoß die vor sich hindämmernden
Fans aus der allgemeinen Lethargie reißt (80.). Nicht zu glauben! Dieses Murksspiel und dann auch noch der Riemer. Der
hatte gegen Erfurt nun wirklich einen Scheißtag erwischt. Und dann
noch das Ding mit seinem Rücken. Schön, daß es
offenbar doch nicht so schlimm war oder Bandscheibenvorfälle halt
einfach überbewertet werden (-:
Was folgt sind noch zehn zerrige Minuten Warterei plus einer unendlich
langen Nachspielzeit. Dann ist der dritte Sieg endlich in Sack und Tüten.
Glanzvoll war es nicht! Spielerisch herrschte mitunter unbeschreibliches Elend
auf dem Platz. Dazu kommen die Abstimmungsschwierigkeiten, die bei einer neu
formierten Elf aber ganz normal sind. Entscheidend aber war der größere
Wille. Das was Erfurt in Jena zum Sieg getragen hat, war gestern Jenas
Unterpfand. Die Mannschaft wollte einfach mehr. Das Derby ist damit nicht
vergessen, dieser Stachel sitzt zu tief. Aber ein Rückspiel in Erfurt
ist ja auch noch. Ein neues Spiel mit neuen Chancen. Und nächstes Jahr
wollen wir ja auch wieder in die Kulturarena... <bpf>
VfL Osnabrück - FC Carl Zeiss Jena 2:0
Tore: 1:0 Lindemann (21.), 2:0 Reichenberger (63.)
- Osnabrück: Berbig; Herrmann, Barletta, Nickenig, Krük;
Siegert, Heidrich, Lindemann, Hansen (76. Grieneisen); Reichenberger (85.
Samide), Schmidt
- Jena: Nulle; Sievers, Wuttke, Lukimya, Sträßer;
Nagy (66. Kolb), Truckenbrod, Ziegner, Holwijn (83. Eckardt); Orlando,
Hähnge
- Zuschauer: 9800
- Schiedsrichter: Aytekin (Oberasbach)
- Spielbericht
-
Der Überkreuzvergleich der bisherigen
Saisonresultate sprach von vornherein gegen den FCC: Ingolstadt hatte Erfurt
klar besiegt, Osnabrück die Ingolstädter und Erfurt am
vergangenen Sonntag....ach, lassen wir das. Fußballspiele werden
nicht mit dem Taschenrechner entschieden. Klären wir stattdessen
lieber die Frage: Was stellt eine Mannschaft am gescheitesten an, die mit
Lanzaat, Riemer, Petersen, Osadchenko sowie Ralf Schmidt gleich fünf
Ausfälle in der Abwehr zu verkraften hat ? Klar, sie spielt munter
nach vorn !
Genau das tat Jenas Elf in der Anfangsphase. Da Salvatore
Amirante nach seiner Rot-Sperre für mindestens vier Spiele von der
Bildfläche verschwunden sein wird, teilten sich die beiden Holländer
Orlando und Holwijn von außen kommend in die Rolle des zweiten Stürmers
hinein. Wobei Melvin Holwijn in seinem ersten Match von Anbeginn wesentlich mehr
auffiel. Selbst zwei Gegenspieler vermochten ihn nach fünf Minuten
nicht zu stoppen, zumindest nicht mit fairen Mitteln. Erst als Holwijn wie
nichts zwischen ihnen hindurch geschlüpft war, holte ihn der düpierte
Krük von den Beinen. Freistoß also von der rechten
Strafraumseite, lang auf die andere Seite geschlagen zu Wuttke, dieser sofort
zurück auf den vorm Tor stehenden Hähnge. Zeit zu überlegen
hatte Sebastian nicht, zwei Meter vor dem Kasten inmitten einer lila
Spielertraube handelt man sowieso besser instinktiv - wenn dann aber der Ball
Osnabrücks Keeper Tino Berbig mitten ins Gesicht fliegt, ist das
einfach nur riesengroßes Pech. Doch Jena blieb am Drücker.
Gerade mal zehn Minuten waren gespielt, als ein sichtlich
motivierter Sebastian Hähnge
diesmal von der rechten Seite kommend durchzog. Berbig verkürzte den
Winkel, Hähnge legte deshalb auf den zentral stehenden Truckenbrod ab,
doch schoss dieser aus sieben Metern weit über das leere VfL-Gehäuse.
Dies freilich war mit Pech nicht mehr zu erklären, muss doch auch von
einem defensiven Mittelfeldspieler erwartet werden dürfen, beim unbedrängten
Torschuss nicht in starke Rückenlage zu verfallen.
Ein Führungstreffer
wäre der gerechte Lohn für ansehnlichen Kombinationsfußball
in der ersten Viertelstunde gewesen. Außer einer Einzelleistung von
Jenas Ex-Kapitän Niels Hansen hatten die Gastgeber bis zu diesem
Zeitpunkt noch nichts zustande gebracht, unter anderem weil sich Tim Wuttke auf
der ungewohnten Innenverteidiger-Position gut in Jenas Viererkette einfügte.
Doch dann brach Minute 21 an. Siegert legte für Björn Lindemann
auf und der hatte als erster VfL-Spieler in diesem Match mal richtig Platz am
gegnerischen Sechzehner. Wie er den nutzte - mit einem Sonntagsschuss ins
Dreiangel - war zweifellos sehenswert. Die Führung ansich aber äußerst
glücklich. Erst jetzt kamen die Niedersachsen besser ins Spiel. Nachdem sich zwei Jenaer
gegenseitig angeschossen hatten (29.), drohte für Carsten Nulle ebenso
Gefahr wie beim Freistoß zehn Minuten später, den der Torhüter
aber auf Nummer sicher gehend über die Latte lenkte. Seinem Gegenüber
Tino Berbig, der selbst mal in Jena zwischen den Pfosten gestanden hatte und
hierher noch familäre Bindungen hat, misslang in der 40. Minute bei
einsetzendem Gewitterregen ein Abschlag, sodass Hähnge den Ball mit
einem Heber postwendend zurück brachte. Leider nur aufs Tornetz. Als
sich einige schon auf den Pausentee zu freuen schienen, gabs den ersten
erfolgreichen Antritt von Orlando. Bei dessen Eingabe von der linken Seite kam
Hähnge einen Schritt zu spät. Oder ließ er den Ball
absichtlich für Holwijn durch ? Möglich wäre es,
denn der Neuzugang hatte freie Bahn, nur -
was machte er daraus ? Halb Ballannahme, halb Torschuss, nichts von
beiden richtig, und so beförderte der Nationalspieler das Leder weit
am Pfosten vorbei ins Toraus. Zwei, drei dicke Torchancen teils kläglich
vergeben zu haben war der einzige Vorwurf, den man der Zeiss-Elf beim Gang in
die Kabinen machen konnte.
Die erste Aktion nach Wiederanpfiff war nahezu eine Kopie
der letzten Szene vor der Pause. Wieder ging Orlando auf der linken Seite auf
und davon, wieder kam Hähnge in der Mitte einen Schritt zu spät.
Nur dass diesmal kein Holwijn daneben stand. Auf der anderen Seite köpfte
Nickenig aufs Tornetz (48.). So wie sich das Spiel danach entwickelte, war
absehbar, dass es nicht bei dem einen Treffer in dieser Partie bleiben würde.
Beide Mannschaften schenkten sich nichts, noch aber fand niemand die Lücke.
Die Emotionen im Spiel übertragen sich sogar auf die Ersatzleute
hinter dem Tor. Als Sträßer bei einer Abwehraktion gehalten
wurde und somit nicht in der Lage war, den Eckball zu verhindern,
regte sich André Schmidt berechtigterweise über
den Schiri-Assistenten auf, der das Foul eigentlich hätte sehen müssen.
Die Konsequenz war die Gelbe Karte für einen Spieler, der in dieser
Saison noch nicht eine Punktspielminute in der ersten Mannschaft verbracht hat
(58.). Besagte Ecke beschwörte übrigens Gefahr durch
Reichenbergers Kopfball herauf, den Nulle wegfaustete.
Osnabrücks Stürmer-Oldie
drehte nun richtig auf. War beim Schuss in Minute 62 abermals bei Carsten Nulle
Endstation, sorgte Thomas Reichenberger schon zwei Minuten später für
die Spielentscheidung, indem er aus sieben Metern zum 2:0 traf. Ein Tor,
das Carsten Sträßer auf seine Kappe nehmen muss, vertändelte
er doch das Leder im eigenen Strafraum ohne Not gegen Hansen, der dann
Reichenberger ins Spiel brachte. Zwar hatte eine Jenaer Mannschaft schon einmal
im Osnabrücker Stadion das Kunststück fertig gebracht, aus
einem 0:2 noch ein Remis werden zu lassen - doch die Körpersprache
nach dem zweiten Gegentreffer zeigte an, dass sich das diesmal nicht
wiederholen würde. Weshalb ein über 70 Minuten recht intensiv
geführtes Spiel die verbleibende Zeit gemächlich austrudeln
durfte.
Die Art und Weise, wie diese Niederlage zustande kam, war
eine ganz andere als eine Woche zuvor. Kein Vergleich mit dem fast
hergeschenkten Derby. Und doch gerät die Mannschaft nach einem Punkt
und null Treffern aus den letzten drei Partien in Zugzwang. Schon im nächsten
Spiel muss der Schalter wieder umgelegt werden, soll eine weitere Spielzeit in
den Tabellenregionen der Vorsaison vermieden werden. <fc>
FC Carl Zeiss Jena - FC Rot-Weiß Erfurt 0:3
Tore: 0:1 Kammlott (1.), 0:2 Semmer (40.), 0:3 Kammlott (55.)
- Jena: Nulle; Sievers, Riemer (46.Petersen), Lukimya,
Sträßer; Nagy (46. Hähnge), Truckenbrod, Ziegner, Eckardt
(68. Holwijn); Smeekes, Amirante (
, 59.)
- Erfurt: Orlishausen; Malura (

, 59.), Pohl, Möckel,
Ströhl; Cinaz, Rockenbach da Silva, Stenzel, Hauswald (84. Pinske); Semmer (64. Peßolat),
Kammlott (78. Cannizzaro)
- Zuschauer: 11.200
- Schiedsrichter: Leicher (Landshut)
- Spielbericht
- Ein paar Worte vorweg, zu den wenigen positiven Aspekten dieses Spiels:
Endlich,endlich, endlich hat es der Verein einmal geschafft, die Stadiontore mit
ausreichend Leuten zu besetzen, um einen flüssigen Einlass zu gewährleisten.
Man mag sich gar nicht ausmalen, wieviele frustrierte Zuschauer des FCC in
den letzten Monaten nicht wieder gekommen sind - nur weil der Verein die paar
Euro sparen wollte, die zusätzliche Einlasskräfte kosten? Bitte lasst es
keine Derby-Eintagsfliege sein...
Eine zweite gute Nachricht: Das Stadion war
nahezu ausverkauft, nur die Gäste hatten zu Hause irgendwie kleine Probleme
mit dem Kartenverteilen. Ja, und die Choreos kurz vor Beginn des Spiels:
die große Flagge auf der Haupttribüne und dann die Herzchen für Jena, erst
rot (WTF?!) und dann blau-gelb-weiß mit Feuer.
Beeindruckend(!) - dachten
sich wohl auch die Spieler des FCC, die sich in der ersten Minute
anscheinend auf alles andere drumherum konzentrierten, nur
nicht auf's Spiel. Der Anstoß des FCC wurde abgefangen, ein steiler Pass in
die Spitze, Abschluss von der Strafraumkante ins linke untere Eck, und nach
gefühlten drei Sekunden stand es Null-zu-Eins.
Braucht es wirklich nur ein Gegentor in der ersten Minute, um das in den
letzten Wochen vielgerühmte Wahnsinns-Jenaer Publikum komplett ruhigzustellen?
Offensichtlich. Nur die Südkurve zuckte noch in den ersten zehn Minuten,
in denen Jena sichtlich geschockt wirkte und nichts auf die Reihe kriegte.
Die Unaussprechlichen waren auch nicht wirklich gefährlich, und so plätscherte
es dahin bis zur 14. Minute, als Amirante kurz vor dem Strafraum gelegt
wurde. Ziegner trat an und schlenzte den Ball an die Querlatte... was für ein
Pech! Wenigstens war der FCC in dieser Phase gleichwertig und kam über das
Kurzpassspiel und gewonnene 1:1-Situationen auch mehrmals schnell bis
zum Strafraum der anderen. Irgendwie schienen sie aber den Ball heute
reintragen zu wollen: immer noch ein Abspiel oder Dribbling mehr aus aussichtsreicher
Position, aus der man auch einfach mal hätte draufhauen können und
müssen. Jenaer Verunsicherung wurde merklich. Je weiter die erste Halbzeit
voranschritt, desto mehr unforcierte Fehler schlichen sich in das Jenaer
Spiel ein. Kurz vor der Halbzeit verschätzte sich dann auch noch Nulle bei
einem Eckball und es stand 0:2. Auf den Tribünen machte sich Ratlosigkeit breit
- war das wirklich die gleiche Mannschaft, die bislang so begeisternden
Fußball gespielt hatte?
Es konnte nur besser werden und es wurde - bitterer. Da hatte der FCC
gleich nach der Pause eine gute Kopfballchance (der Ball landete auf dem
Tornetz), doch in der 54. Minute kam eine Bogenlampe in den Jenaer Strafraum
hereingesegelt, die ewig in der Luft war und trotzdem nach Direktabnahme
im Jenaer Tor landete. Wenn der Torschütze demnächst im Training versucht,
dieses Tor nachzustellen, wird er von 100 Versuchen wahrscheinlich 99 nicht
treffen...aber im Spiel ging er halt rein, und damit war die Luft vollständig raus.
Was danach passierte, war haarsträubend.
Es ist nicht unüblich, dass Mannschaften sich bei einem Rückstand von 0:3
nach 55 Minuten mitunter hängenlassen (wobei meine ganz persönliche Meinung
dazu ist, dass das dann auch keine Mannschaft ist). Aber dass so absolut gar
nichts mehr ging, dass einfachste Bälle zum Gegner gespielt, wirklich sinnlose
Dribblings angesetzt und Laufwege einfach abgebrochen wurden, macht
nachdenklich. Die erste Chance für den FCC gab es erst wieder in der 71.
(Hähnge vergibt aussichtsreich), dann nochmal eine kleine in der 75. Auf
der Gegenseite konnten wir uns bei Nulle bedanken, dass es am Ende nicht 0:5
stand - und zwar nicht, weil der Landeshauptstadtclub überragenden Fußball
gespielt hätte.
Einen "positiven" Aspekt hat die Sache am Ende doch noch: Dieses ganze
Geklapse mit angekündigtem Moonwalk, "Wir steigen auf"-Gesängen und 100:0-Fahnen
gehört erst mal wieder der Vergangenheit an. Die Chance besteht, dass die
Jenaer Spieler am Sonntag begriffen haben, dass sich Spiele gegen Mannschaften,
die unten stehen, nicht von selbst gewinnen. <ragnar>
Derby-Fotos von Jens Weißenburger
Bericht auf der Erfurter Homepage
FC Erzgebirge Aue - FC Carl Zeiss Jena 0:0
- Aue: Männel; Klingbeil, le Beau, Paulus, Schaffrath;
Cimen (68. Gambo), Stark, Müller (72. Klotz); Curri, Braham, Ramaj (90.
Hiemer)
- Jena: Nulle; Sievers, Riemer, Petersen, Sträßer;
Nagy, Truckenbrod, Ziegner, Orlando; Hähnge, Amirante (87. Eckardt)
- Zuschauer: 11.400
- Schiedsrichter: Dr. Fleischer (Sigmertshausen)
- Spielbericht
- 5:1, 5:0, 5:0. In den vergangenen drei Jahren ist der FCC im
Erzgebirgsstadion regelrecht vermöbelt worden. Bekanntlich hat der
Optimist keine Ahnung von den freudigen Überraschungen, die ein
Pessimist erlebt. Trotzdem fuhren wir diesmal mit einem besseren Gefühl
nach Aue und weigerten uns von vornherein, an eine Fortsetzung dieser schwarzen
Serie zu glauben. Dafür hatte die neue Jenaer Mannschaft in den ersten
Wochen der noch jungen Saison schon zu viel an Potential offenbart.
Entgegen seiner Ankündigung hatte René van Eck im
Vergleich zum letzten Spiel eine Änderung vorgenommen. Rene Eckardt
blieb trotz ansprechender Leistung gegen Bayerns Zweite erst mal wieder auf der
Bank, wohingegen Sebastian Hähnge zu seiner Premiere in der Startelf
kam. Waren es die besseren Trainingsleistungen, die dafür den
Ausschlag gaben ? Fürchtet van Eck, den Youngster zu schnell zu
verheizen ? Oder will er Jenas Offensivtaktik ein Stück weit
unberechenbarer für die Ligakonkurrenz gestalten ? Wie auch immer -
Smeekes, der am liebsten nur Orlando genannt werden möchte, rückte
aus dem Zentrum auf die Außenposition. Von da, nur in der anderen Hälfte,
kamen auch die meisten Bälle in den ersten zwanzig Minuten. Eckball um
Eckball holten die Gastgeber während ihrer Anfangssoffensive heraus.
Den ersten richtigen Torschuss gabs dennoch von einem Jenaer. Salvarore
Amirante prüfte Martin Männel nach achtzehn Minuten. Darüber
hinaus tat sich allerdings vor der Pause nicht viel an Offensivgeschehen
seitens der Thüringer. Dazu fehlte es im Mittelfeld an einem
Gestalter, der die Bälle verteilte oder einfach mal länger in
den eigenen Reihen hielt. Hähnge und Amirante hatten es schwer mit
ihren Gegenspielern. Und Orlando ? Zeigte auf rechtsaußen mehrmals
technische Kabinettstückchen, doch in echte Torgefahr mündeten
die meist nicht, sodass sich die Umstellung alles in allem nicht bezahlt
machte. Ein einziges Mal brachte er vor der Pause nach energischem Sprint eine
Eingabe vors Tor, doch die fing Männel vor dem einschussbereiten
Amirante weg.
Erfreulich hingegen, dass Jenas Viererkette auch ohne Lanzaat
lange Zeit nichts zuließ. Da konnten Curri und Ramaj rochieren, wie
sie wollten - sowohl Sievers wie auch Sträßer ließen
sie nicht zu Entfaltung kommen. Auch die 7:0 Ecken der Veilchen in Hälfte
eins bereiteten Nulle und seinen Vorderleuten keine Probleme. Lediglich in den
letzten drei Minuten vor dem Pausenpfiff schlich sich kurzzeitig mal etwas
Sorglosigkeit ins Jenaer Abwehrzentrum. Denn dass ausgerechnet der Kleinste auf
dem Platz, Skerdilaid Curri, nur um wenige Zentimeter an einem Kopfballtor
vorbeischrammt, darf eigentlich nicht
passieren. Und was war in Minute 44 los ? Bei Müllers Heber in den
Strafraum rannten gleich zwei Weiße mit Ramaj mit, wodurch sich
Braham zentral in 13 Metern
Torentfernung seelenruhig auf seinen Torschuss vorbereiten konnte. Doch vergeht
kein Spiel ohne eine Heldentat von Carsten Nulle ! Jenas Keeper entschärfte
Brahams Schuss mit toller Reaktion. Der Halbzeitpfiff kam den Jenaern nicht
ungelegen.
Mit Beginn der zweiten Hälfte hatte sich Jenas
Hintermannschaft wieder formiert. Aue zunächst wieder leicht feldüberlegen,
ohne groß zu Tormöglichkeiten zu gelangen. Ramajs Schlenzer
Richtung Dreiangel fing Nulle noch in dessen Steigphase (57.). Die optische Überlegenheit
auf Seiten der Gastgeber verschwand dann nach etwa einer Stunde Spielzeit. Erst
jetzt fiel auf, dass mit Kos auch bei den Erzgebirglern der Abwehrchef fehlte
und deren Hintermannschaft nicht unüberwindbar ist. Als Orlando seinen
Gegenspieler ins Leere rutschen ließ, die flache Hereingabe nur
unkontrolliert nach vorn abgewehrt werden konnte, kam Jens Truckenbrod aus fünfzehn
Metern zum Torschuss. Wie gern hätten wir DEN ankommen sehen ! Doch
Paulus warf sich hinein, bescherte Jena damit nach 61 Minuten wenigstens noch
die erste Ecke, welche aber wie generell alle Standards an diesem Tag nichts
einbrachte. Die hohen Temperaturen sollten in der Schlussphase bei beiden
Mannschaften ihren Tribut fordern. Das Wort Sommerfußball machte nun
die Runde. Van Eck schien dennoch nicht unzufrieden,
tätigte seinen ersten Wechsel erst drei Minuten vor
Schluss und dies aus Verletzungsgründen. Dass auch Trainerkollege
Schmitt in der 90. Minuten noch einen neuen Mann auflaufen ließ, lässt
den Schluss zu, dass mit dem unentschiedenen Spielausgang am Ende alle recht
zufrieden waren. Die Gastgeber hatten dem Spitzenreiter einen Punkt abgerungen,
der FCC bereitete seiner schwarzen Serie im Erzgebirgsstadion endlich ein Ende.
Zwar ist die Tabellenführung damit schon wieder
passé, doch ist der FC Carl Zeiss Jena auch nach dem Auer Auswärtsspiel noch ungeschlagen in dieser Saison.
Und das ist schließlich auch schon etwas wert. <fc>
FC Carl Zeiss Jena - FC Bayern München II 6:0
Tore: 1:0 Eckardt (8.), 2:0 Smeekes (28.), 3:0 Amirante (48.), 4:0 Amirante (62.), 5:0 Amirante (64.), 6:0 Amirante (76.)
- Jena: Nulle; Sievers, Riemer, Lanzaat (23. Petersen),
Sträßer; Nagy, Truckenbrod, Ziegner, Eckardt; Smeekes (68.
Hähnge), Amirante (77. Benyamina)
- München: Kraft; Schütz, Lell
(
, 38.), Saba (56. Kopplin), Contento;
Erb, Rieß, Görlitz, Schürf (53. Yilmaz); Sikorski, Sene (43. Duhnke)
- Zuschauer: 8346
- Schiedsrichter: Gorniak (Bremen)
- Spielbericht
- Vor dem Spiel bestimmten noch Sorgen die Gedanken der
meisten Zuschauer, an die sich nach dem Spiel kaum noch jemand erinnerte. Wie
wird die Mannschaft die befürchteten Ausfälle von Carsten Sträßer
und Ralf Schmidt verkraften können? Wie kommt der FCC mit den
bundesligaerfahrenen Christian Lell und Andreas Görlitz zurecht? Wird
die zweite Garde des großen FC Bayern am dritten Spieltag ihr
zweifellos vorhandenes Potential zeigen, nachdem man eher schwach in die Saison
gestartet war?
Zumindest einer der Fragen löst sich noch vor dem
Anpfiff in Wohlgefallen auf, denn Carsten Sträßer stand in
der Startformation. Der Abwehrspieler ist mitverantwortlich für den
derzeitigen Erfolg des FCC und wird von vielen aufgrund seiner in der letzten
Saison oft gut versteckten Souveränität mit einem
Augenzwinkern als "Neuzugang" bezeichnet, entsprechend groß war die
Erleichterung bei der Lektüre seines Namens in der Startaufstellung. Die
Elf des gut in die Saison gestarteten FCC begann das Spiel auch gleich druckvoll
und schon die ersten Minuten ließen keinen Zweifel daran aufkommen,
wer heute der Herr im Haus sein wollte. Die erste Ecke des Spiels erhielten
trotzdem die Bayern, aber mehr als ein schneller Gegenstoß über
den starken Sievers sprang dabei nicht heraus. Dieser Konter war es, den Timo
Nagy mit einem herrlichen Pass auf Salvatore Amirante fortsetzte. Der Italiener
stand plötzlich vor Kraft im Tor des FCB und wollte den Ball in der
langen Ecke unterbringen, hatte dabei aber die Reflexe des Schlussmanns der
Bayern unterschätzt. Festhalten konnte er den scharfen Schuss aus
kurzer Distanz allerdings nicht, der mitgelaufene René Eckardt schaltete am
Schnellsten und konnte den Ball unbedrängt aus kurzer Distanz im Tor
unterbringen - 1:0 für den FCC nach nur acht Minuten! Die erfahrenen
Spieler der Bayern, namentlich Görlitz und Lell, sahen beim
vorhergehenden Zusammenspiel von Nagy und Amirante alles andere als gut aus und
verloren schon nach diesen wenigen Minuten einen Teil des von ihren Namen
ausgehenden Glanzes.
Die Gäste aus München zeigten sich aber
keineswegs geschockt vom frühen Rückstand, stattdessen bemühten
sie sich von nun an intensiv um den Ausgleich. Nur fünf Minuten nach
der Führung war es Carsten Nulle, der gegen den in dieser Phase
starken Sikorski klären musste. Der war nach einem Missverständnis
in der Jenaer Hintermannschaft plötzlich frei vor Nulle aufgetaucht
und scheiterte nur an der blitzschnellen Reaktion des auch heute sicheren Rückhalts.
Im Gegenzug hat Eckardt das 2:0 auf dem Fuß, nachdem er mit einem
herrlichen langen Ball von Nagy freigespielt wurde. Sein Ball geht aber leider
nicht nur an Torhüter Kraft vorbei, sondern auch am Tor. Für
die nächsten Minuten sollte dieser Gegenstoß das letzte
Lebenszeichen des FCC sein, von nun an drückten die Bayern. Dabei war
es immer wieder Marco Riemer, der in der Abwehr nicht überzeugen
konnte. In der 16. Minute profitiert er allein von der Fairness des Münchner
Stürmers Sikorski, der sich trotz leichtem Trikotzupfer aufrafft und
sich nicht fallen lässt, anderenfalls hätte man diese
Situation wohl als Notbremse werten müssen. So stand Sikorski zwar
allein vor dem Jenaer Gehäuse, aber dieses wurde ja von Carsten Nulle
bewacht - und dieser reagierte erneut glänzend. Auch wenn man sich
mittlerweile schon fast daran gewöhnt hat, mit Nulle einen extrem
sicheren Rückhalt zu haben - was dieser Mann Woche für Woche
für Bälle hält, ist aller Ehren wert. Völlig
zu Recht wurde "Wild Thing" auch vor dem Spiel als Spieler der letzten Saison
ausgezeichnet, denn ohne ihn hätte der FCC die Klasse wohl kaum
gehalten. Richtig ernste Mienen konnte man nur kurz darauf erblicken, denn
offenbar hatte sich Abwehrchef Quido Lanzaat ohne Fremdeinwirkung verletzt und
drängte auf seine Auswechslung, die nach 23 Spielminuten vollzogen
werden musste. Nicht wenige fürchteten nun den baldigen Ausgleich oder
zumindest massive Probleme mit den schnellen und ballsicheren Angreifern der
Bayern für die umgestellte Innenverteidigung. Genau in diese Phase des
größten Drucks der Bayern stürmt aber erneut
Orlando Smeekes hinein und spielte sich endgültig in die Herzen der
Fans. Nach einer kampfgeprägten Balleroberung des Hachinger Neuzugangs
Nagy hat Orlando nur noch Lell und das Tor vor sich. In seiner gewohnten,
unheimlich schnellen Art stürmt er auf Lell zu, schlägt noch
einen Haken und streichelt den Ball dann mit der Innenseite an den kurzen
Pfosten - von dem das Leder den erstrebenswertesten Weg wählt, nämlich
den ins Tor von Jenas Gegnern! Das 2:0 in der 28. Minuten fiel sprichwörtlich
genau zum richtigen Zeitpunkt, denn es setzte einen Schlussstrich unter eine
Phase gefährlicher Angriffe der Gäste, die immer wieder nur
vom Jenaer Schlussmann aufgehalten werden konnten. Auch in der Folge überforderte
der Mann von den niederländischen Antillen, der nun bereits vier Tore
in drei Spielen erzielt hat, seinen Gegenspieler Lell immer wieder mit seiner
Schnelligkeit. Zehn Minuten nach dem 2:0 wurde die Sprintstärke dem Münchner
endgültig zum Verhängnis, als ihn Orlando einmal mehr
regelrecht überlaufen konnte und von Lell nur noch per Foul zu stoppen
war. Da Lell zu diesem Zeitpunkt letzter Mann war und Smeekes freie Bahn aufs
Tor gehabt hätte, war die Entscheidung des unauffälligen
Schiedsrichters Gorniak durchaus nachvollziehbar - Rote Karte wegen Notbremse
und Freistoß für den FCC, denn der Bremer Unparteiische
hatte das Foul außerhalb des Strafraums gesehen. Auch wenn der
Freistoß und die folgenden Minuten vor der Halbzeit nichts
einbrachten, so hatte sich der FCC doch eine hervorragende Ausgangslage für
den zweiten Durchgang geschaffen. Doch trotz der Zwei-Tore-Führung und
der Jenaer Überzahl erwarteten viele eine spannende zweite Hälfte,
in der den Bayern im Falle eines schnellen Anschlusstreffers durchaus noch
Chancen eingeräumt wurden.
Derartige Sorgen und Ängste lösten sich
aber schon kurz nach dem Wiederanpfiff auf, denn die 8346 Zuschauer im Ernst
Abbe Sportfeld sahen einen FC Carl Zeiss Jena, der weiterhin mit voller
Konzentration zu Werke ging. Das aus der Führung und dem Spielverlauf
resultierende Selbstvertrauen sorgte außerdem dafür, dass
Flanken und Pässe scheinbar präziser ankamen und
leichtfertiger von der Hand gingen als in anderen Spielen. Nur drei Minuten
nach Wiederanpfiff war es dann auch schon so weit, dass auch die letzten
Zweifler vom Optimismus übermannt wurden, denn nach einer präzisen
Flanke des starken René Eckardt auf den Kopf von Salvatore Amirante dürfte
die Halbzeitansprache von Gästetrainer Mehmet Scholl bereits hinfällig
gewesen sein. Der Italiener stieg als einziger im Strafraum hoch zum Kopfball,
begleitet nur von den ungläubigen Blicken seines Gegenspielers. Der
musste mit ansehen, wie der wuchtige Kopfball unhaltbar für Kraft im
Netz landete und das Spiel faktisch entschieden war. Anders als nach dem 1:0
war nun auch ein gewisser Schockzustand bei den Bayern zu erkennen, die mit
einer derart druckvollen Offensive seitens der Jenaer offenbar nicht gerechnet
hatten. Nach einer guten Chance für den unauffälligen, aber
ebenfalls überzeugenden Truckenbrod in der 59. Minute war es nach
knapp über einer Stunde erneut Amirante, der einen Eckball von Nagy
per Kopf über die Linie bugsierte. Wieder fühlte sich keiner
der Bayern so richtig zuständig, erneut war gegen den starken Kopfball
aus kurzer Distanz nichts zu machen - 4:0 für den FC Carl Zeiss Jena!
Schon jetzt fragten sich einige, wann sie derartiges zuletzt erlebt hatten,
nicht ahnend, was die folgenden Minuten noch bringen würden. Der FCC
hatte nämlich noch lange nicht genug und spielte weiter attraktiven
Offensivfußball. Nur zwei Minuten später hatte sich Smeekes
auf links einmal mehr aller Gegenspieler entledigt und spielte dann einen
perfekten Pass in den Lauf des Doppeltorschützen Amirante, der den
Ball aus fünf Metern nur noch über die Linie schieben musste
und damit das 5:0 sowie seinen Hattrick vollendete! Nach 68 Spielminuten gönnt
Jena-Trainer René van Eck dem neuen Publikumsliebling und Torschützen
des Monats Orlando Smeekes nach einer weiteren starken Partie seinen verdienten
Applaus. Von stehenden Ovationen begleitet verlässt der Shooting-Star
den Platz, für ihn kommt Sebastian Hähnge. Der Eingewechselte
fügt sich sofort gut in das Spiel der Blau-Gelb-Weißen ein
und hat nur Minuten nach seiner Einwechslung das 6:0 auf dem Fuß, als
ihm Truckenbrod den Ball überlegt in den Lauf lupft. In dieser
Situation konnte sich allerdings zunächst der Münchner Torhüter
Kraft auszeichnen, als er den scharfen Schuss Hähnges pariert. Doch
das sollte am heutigen Tag nicht ausreichen, denn Hähnge setzt nach,
holt sich den Abpraller und flankt den Ball erneut butterweich auf den langen
Pfosten. Dort wartet, wie könnte es anders sein, Salvatore Amirante
und hat erneut keine Mühe, den Ball im Tor unterzubringen - 6:0 nach
76 Spielminuten, vier Tore von Amirante innerhalb von nicht einmal einer halben
Stunde, ungläubiges Staunen mischt sich in den unbändigen
Jubel im weiten Rund des Ernst Abbe Sportfelds.
Das halbe Dutzend war voll und die Jenaer Spieler ließen
es dabei bewenden, die folgenden fünfzehn Minuten waren mehr Schaulaufen
als ernsthafter Fußball und die Bayern hatten sich längst
mit der demütigenden Realität abgefunden. Gegenwehr wäre
bei diesem Spielstand ohnehin zwecklos gewesen und so konnten die leidgeprüften
Anhänger des FCC endlich mal wieder eine Schlussviertelstunde ohne
Angst vor späten Gegentoren oder in der Hoffnung auf ein dringend benötigtes
Jenaer Tor verbringen, stattdessen wurde der in dieser Form von niemandem
erwartete Sieg ausgiebig gefeiert. Neben dem Ergebnis gefiel vor allem die
Tatsache, dass neben dem beinahe unheimlich schnellen Orlando Smeekes auch die
beiden Außen Sievers und Nagy überzeugen konnten und Jena über
weite Strecken des Spiels sehr sehenswerten und dynamischen Offensivfußball
zeigte. Auch in Anbetracht eines bestimmten Ergebnisses vom Samstag bildete das
6:0 den perfekten Abschluss eines paradiesischen Wochenendes, das so schnell
keiner der anwesenden Jena-Fans wieder vergessen wird. Nun muss der neue
Spitzenreiter der Dritten Liga in Aue nachlegen bevor am kommenden Wochenende
ein ganz spezieller Gast im Ernst Abbe Sportfeld erwartet wird. Sollten Orlando
Smeekes & Co. auch dann wieder einen ähnlichen Auftritt wie in den
bisherigen Saisonspielen hinlegen, dürfte der Jubel selbst die
heutigen Freudenschreie noch einmal deutlich übertönen. Bis
es so weit sein kann, liegen aber noch zwei mal 90 Minuten vor der Mannschaft
von René van Eck - zumindest das nötige Selbstvertrauen für
die erfolgreiche Gestaltung der beiden Ostderbys sollte spätestens
nach dem heutigen Spiel vorhanden sein. <bh>
SV Sandhausen - FC Carl Zeiss Jena 2:2
Tore: 1:0 Schuon (9.), 1:1 Smeekes (19.), 1:2 Riemer (32.), 2:2 Pinto (90., FE)
- Sandhausen: Gurski; Bindnagel, Schuon, Eberlein, Mintzel; Pinto,
Hillenbrand, Jungwirth (66. Fischer), Schauerte (77. Hosiner); Ristic (23.
Öztürk, Dorn
- Jena: Nulle; Sträßer, Lanzaat, Riemer, R. Schmidt;
Sievers (60. Hähnge), Truckenbrod, Ziegner, Nagy; Smeekes (88.
Petersen), Amirante (81. Benyamina)
- Zuschauer: 3150
- Schiedsrichter: Kempter (Sauldorf)
- Spielbericht
- Gleiches
Ergebnis - unterschiedliche Gefühle. Wo vor zwei Monaten 3.500 verzückte
Zeissfans ob des Klassenerhalts den Sandhäuser Rasen stürmten, herrschte
diesmal betretenes Schweigen unter beachtlichen gut 500 mitgereisten
Blau-gelb-weißen. Die meisten unter ihnen wären vor dem Spiel wohl mit einem
Zähler zufrieden gewesen, doch nach diesem Spielverlauf musste man einfach
hadern. Mit einer späten und nicht nachvollziehbaren Spielentscheidung durch
Referee Kempter, und mit dem Auslassen unzähliger
Möglichkeiten zur Vorentscheidung durch die eigene Elf.
Dass
dieses Spiel ein ganz intensives werden sollte, deutete sich schon nach wenigen
Minuten an. Riemers und Smeekes' gefährlichen
Toraktionen folgte auf der Gegenseite nach 8 Minuten die Führung der Gastgeber.
Ralf Schmidt hatte einen unnötigen Eckball verursacht - nicht der einzige
Fehler des sich nach dem Wechsel steigernden Studenten in den ersten 45 Minuten
- und Sandhausens bulliger Neuzugang Schuon köpfte
das Leder kompromisslos wuchtig zur frühen Führung ins Netz. Und die Gastgeber
drängten weiter mit schön anzusehendem Kombinationsfußball, waren durch das nur
schwer zu bändigende bundesligaerfahrene Sturmduo Ristic/Dorn stets
kreuzgefährlich. Doch anders als im Mai behielt Jena die Ordnung und schlug
zurück. Sträßer und Sievers kämpften im Duett
Mintzel den Ball im eigenen Strafraum ab,
Sträßers weiter gefühlvoller Ball erreichte zur
Überraschung von Sandhausens Hintermannschaft Orlando Smeekes,
der dem verdutzten Gurski das Leder in die Maschen
servierte (19.). 1:1! Und Jena machte weiter. Nur zwei Minuten später die
nächste Riesenchance für den Holländer nach tollem Diagonalpass von Sievers,
doch der Hammer zischt knapp am Tor vorbei. Eine Minute drauf hatte Nagy dann
die Führung auf dem Fuß, als er eine schöne Kombination zu harmlos abschloss.
Jena war im Spiel, und bald begann auch der Tag des Marco Riemer freundlichere
Züge anzunehmen. Zunächst erlöste ihn die verletzungsbedingte Auswechslung
Ristics von diesem unangenehmen, einen Kopf größeren Gegenspieler. Dann durfte
sich der Apoldaer sogar in die Torschützenliste
eintragen, als er nach Amirantes artistischer
Fallrückziehervorlage aus Nahdistanz zur verdienten Führung nach 33 Minuten
abstaubte.
Von
Sandhausen kam bis zum Wechsel nichts mehr, und dennoch hatten 3.500 Zuschauer
ein packendes und völlig offen geführtes Spiel gesehen. Glaubten sie zumindest,
denn nach dem Pausentee ging es erst richtig los. Bindnagel eröffnete das
Offensivfestival mit einem Knallbonbon knapp am rechten Pfosten vorbei (48.).
Smeekes antwortete mit Zuckerpass auf Sievers, der sich
völlig freistehend vor Gurski den Ball etwas zu weit
vorlegte (49.). Minuten später zwei dicke Patzer von Riemer, die die Gastgeber
nicht zu nutzen verstehen. Jungwirth zieht nach 56 Minuten ab und zwingt Nulle
zu einer Glanzparade. Dann kommt Nagy über die rechte Seite, doch seine
Hereingabe auf den blank stehenden Amirante misslingt (59.). Es war eine der
wenigen Offensivaktionen Nagys, der sich nach vorn wenig zutraute. Ausgewechselt
wurde nach einer Stunde aber sein Flügel-Gegenüber Sievers, bei dem sich
gelungene Offensivakzente mit schlampigem Defensivverhalten abwechselten.
Sebastian Hähnge kam ins Spiel und legte Sekunden
später gleich gekonnt per Kopf auf Amirante auf, Gurski
klärt. Wiederum Sekunden später umkurvt Hähne den Sandhäuser Keeper, ist
eigentlich schon vorbei und der Ball gefühlt auf dem Weg ins Tor, doch
irgendwie kommt Gurski doch noch einmal ans Leder
(61.). Eine Minute darauf darf Smeekes die nächste
hundertprozentige Torchance versieben, allein rechts vor dem Kasten entscheidet
er sich gegen den Pass auf den mitlaufenden Amirante und für den Flachschuss,
den Gurski mit Fußbabwehr
pariert. Wahnsinn! Quasi im Gegenzug rettet Lanzaat
vor dem einschussbereiten Pinto (62.). 63. Minute, ein Schuss Sandhausens aus
dem Hinterhalt wird unfreiwillig von Hillenbrand abgefälscht und trudelt an den
Pfosten! Vier Minuten später dann wieder dann wieder Bindnagel mit
Volleyschuss, Nulle pariert.
Sandhausen ging nun noch mehr auf Risiko und
drückte die Thüringer, bei denen die ordnende Hand im Mittelfeld vermisst
wurde, mehr und mehr in die eigene Hälfte, in der sich Carsten
Sträßer mit einer tadellosen Leistung Bestnoten verdiente.
Einen Entlastungsangriff über die rechte Seite kann der bisweilen selbst
auffällig fallsüchtige Mintzel nur mittels einer
Mischung aus grobem und taktischem Foul an Smeekes an
der Torauslinie verhindern, ohne dafür den Karton zu sehen. In
Ziegners frechen Freistoß spritzt Amirante, und als der Ball
hinter dem Keeper die Torlinie entlang zischt, ist wieder einmal
Haareraufen im Gästeblock angesagt. Mehr noch als
Smeekes nach 80 Minuten die nächste Hundertprozentige
vergibt, allein vor Gurski diesen nicht überwinden
kann. So kam das, was kommen musste. Sandhausen verlegte sich auf das
Erarbeiten von Freistößen, von deren Berechtigung nur wenige im Gästeblock
überzeugt waren, und so stand Carsten Nulle mehr und mehr im Mittelpunkt,
rettete mehrmals großartig. Machtlos war er jedoch, als Robert
Kempter - wie Sandhausen in Baden-Württemberg beheimatet -
in der Schlussminute auf den Elfmeterpunkt zeigte, ein Foulspiel Riemers an
Dorn gesehen haben wollte. Roberto Pinto ließ sich das späte Geschenk nicht
entgehen und schickte die Zuschauer mit dem gleichen Ergebnis nach Hause wie
vor zwei Monaten.
Diesmal bleibt für den FCC zu konstatieren, zwei Zähler
verschenkt zu haben, und das in erster Linie wegen der sträflich ausgelassenen
Großchancen im zweiten Abschnitt. Auf der Leistung der Mannschaft aber darf aufgebaut
werden, und diesen positiven Eindruck nahm Jenas Anhang mit auf die 400
Kilometer lange Heimreise. <gunner>
FC Carl Zeiss Jena - SV Wehen Wiesbaden 2:1
Tore: 1:0 Smeekes (50.), 2:0 Smeekes (56.), 2:1 Bohl (74.)
- Jena: Nulle; Sträßer, Lanzaat, Riemer, R. Schmidt;
Sievers, Ziegner, Truckenbrod, Nagy (87. Petersen); Smeekes (90.+1
Eckardt), Amirante
- Wehen: Birkenbach; Hollmann, Barg, Glibo, Weigelt; Bohl, Reinert
(61. Ziegenbein), Hübner, Öztürk (72. Landeka); Boskovic,
Stroh-Engel (58. Ziemer)
- Zuschauer: 7713
- Schiedsrichter: Dr. Brych (München)
- Spielbericht
- Gemeinhin gilt es als Vorteil, gegen Absteiger aus der 2.
Bundesliga gleich am Anfang einer Saison antreten zu dürfen. Deren
personelle Fluktuation ist meist recht hoch, der neuformierte Kader muss sich
erst einspielen. Im Gegensatz zu den beiden anderen Absteigern blieb dem SV
Wehen aber die große Abgangswelle erspart. Und so versprach der 1.
Spieltag gleich eine Standortbestimmung für den FC Carl Zeiss zu
werden.
Erstmals seit 2003 durfte die Punktspielsaison mal wieder
mit einem Heimspiel eingeläutet werden. Wenn dabei trotz Aprilwetters
7713 Zuschauer ins Ernst-Abbe-Sportfeld kommen, zeugt das ungeachtet der
miserablen letzten Saison von einer deutlichen Erwartungshaltung. Sebastian Hähnge
saß mit auf der Tribüne. Schon einen Tag vor dem Match hatte seine linke
Wade zu zwicken begonnen, am Spieltag selbst war dann nicht einmal mehr ein
Kurzeinsatz möglich. Sollte es deshalb ein schnelles Revival der
Ein-Stürmer-Taktik von René van Eck geben ? Nein, denn der Rückkehrer
auf den Trainerstuhl beorderte Orlando Smeekes auf die zweite Angriffsposition.
Da Jan-André Sievers in die Startelf nachrückte, war diese mit allen fünf
Neuzugängen besetzt.
Verteiltes Spiel zu Beginn. Ein Kopfball im Anschluss an
Wehens zweite Ecke wurde am kurzen Pfosten abgefangen, den Spurt von Reinert in
den Strafraum stoppte Sträßer. Auf der anderen Seite war es
Salvatore Amirante, der mit einem Kopfball aus sechs Metern Birkenbach prüfte
und mit einem 19-Meter-Flachschuss knapp verzog.
All das waren Szenen aus den ersten 20 Minuten, danach
dominierten die Abwehrreihen und weitere nennenswerte Aktionen vor der Pause
blieben rar. Einzig Timo Nagy aus guter Schussposition in zwanzig Metern
Torentfernung forderte nach 35 Minuten noch einmal den Beifall heraus. So sehr
man sich über die stabile Viererkette mit dem neuen Abwehrchef Lanzaat
und dem wie ausgewechselt wirkenden Sträßer freuen durfte -
beim Offensivspiel blieb zunächst noch viel Luft nach oben.
Van Eck hatte seiner Mannschaft in der Kabine mehr Risiko
verordnet und diese setzte das gleich mit Wiederanpfiff um. Bälle, die
während der ersten 45 Minuten noch als Querpass gespielt worden waren,
flogen nun steil ins Angriffszentrum. Es war Salvatore Amirante, der von der
Mittellinie aus seinen Sturmpartner Orlando Smeekes mit einem Diagonalpass auf
die Reise schickte. Diese Reise führte um einen Gegenspieler herum,
zwischen zwei Verteidigern hindurch direkt zu Torhüter Birkenbach, an
dem vorbei Smeekes das Leder ins lange Eck schob. 1:0 - Zeit für den
ersten Torjubel der neuen Saison mit einem Flickflack, wie man ihn im
Ernst-Abbe-Sportfeld so wohl noch nie gesehen hat. Miroslav Kloses berühmte
Überschläge in der Nationalmannschaft wirken geradezu
armselig gegen jene eines Orlando
Smeekes beim FC Carl Zeiss Jena ! Auch wenn dessen artistische Brillanz nicht
von ungefähr kommt, war er in seiner Jugend doch dreimal holländischer
Meister im Turn-Mehrkampf, bevor er sich für die fußballerische
Laufbahn entschied. Eine gute Entscheidung, wie uns nur sechs Minuten später
ein weiteres Mal klar werden sollte. Da trat Smeekes in 35 Metern Torentfernung
zum Freistoß an. Für eine direkte Ausführung noch
viel zu weit vom Kasten entfernt, dachten die meisten. Doch der Nationalspieler der
niederländischen Antillen schoss direkt durch die Drei-Mann-Mauer der
Wehener hindurch ins linke untere Eck. Welch ein (P)fund !
Während wir Beobachter noch ganz fasziniert waren
von den gleichsam schönen und doch auf so unterschiedliche Weise
zustande gekommenen Treffern unseres Orlando, setzten die Gäste mit
dem Mute der Verzweiflung zur Aufholjagd an. Diese hatten sie in der
Vorbereitung bereits gegen Koblenz und Saarbrücken mit Erfolg
praktiziert. Boskovic mit Schuss ans Außennetz sowie die frisch
eingewechselten Ziemer und Ziegenbein zeigten an, dass dieses Mahl mit
den zwei Toren noch lange nicht gegessen war. Und tatsächlich, in der
74. Spielminute traf Bohl unhaltbar per Kopf zum Anschlusstreffer. Eine
Viertelstunde war danach noch zu spielen. 15 Minuten, die besonders der aus
Kaiserlautern gekommene Marcel Ziemer mit mehreren Chancen zur Zitterpartie für
alle Blau-Gelb-Weißen werden ließ. Bei Ziemers
Aufsetzerkopfball sechs Minuten vor Schluss rührte selbst Geburtskind
Carsten Nulle (Glückwunsch zum 34. !) keinen Finger mehr - doch das
Leder klatschte nur an die Werbebande hinter dem Tor. In der 89. kam Nulle an
einen Eckball nicht heran, dafür stand Sträßer
goldrichtig und konnte an der Torraumgrenze per Kopf klären. Mit
tollen Einzelaktionen hatte einer aus der Mannschaft den Vorsprung heraus geschossen
- alle elf zusammen sorgten nun dafür, dass aus ihm drei Punkte wurden.
Auch wenn in der letzten halben Stunde das Geschehen etwas
aus der Hand gegeben worden war - mit dem Sieg gegen Wehen hat die neue Jenaer
Mannschaft schon mal einen ersten Fingerzeig erhalten, dass auch gegen
Staffelfavoriten etwas gehen kann. Orlando Smeekes, der in seiner Freizeit auch
noch Thai-Boxen betreibt, will übrigens trotz seiner Erfolgserlebnisse
im Sturm so schnell wie möglich auf die Außenbahn zurück.
Nur da kann er seine Sprintschnelligkeit mit (wie man hört) 11,3
Sekunden über 100 Meter und die Stärken im eins gegen eins
voll zur Geltung bringen. Scheint so, als könnten wir uns auf die
Saison mit ihm freuen. <fc>
Fotos von Jens Weißenburger
Spielbericht auf svwehen-wiesbaden.de
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, 90.+1), Wuttke, Nagy (24. Riemer);
Holwijn (61. Kolb), Truckenbrod, R. Schmidt, Ullmann (46. Amrhein); Hähnge, Orlando
Vorm Spiel war natürlich die ominöse 10. Gelbe Karte für den Heidenheimer Klarer und das statistische Muschebubu der DFB Thema Nummer 1 der Jenaer Stadiongespräche. Egal, der FCC musste einfach den Kopf freibekommen und zusehen, dass Beste aus dem Rest der Saison machen. Bei wunderbarem Frühlingswetter legte der FCC - wie schon vor 3 Tagen gegen Heidenheim - los wie die Feuerwehr und nach anderthalb Minuten nahm Hähnge die erste Jenaer Ecke an und schob zur Führung ein. Die folgenden Minuten nährten die Hoffnung auf einen Spaziergang, denn die Gastgeber waren praktisch nicht anwesend. Erst in der 13. Spielminute verirrte sich ein harmloses Schüsschen zu Nulle. Aber wie schon gegen Heidenheim, schaffte es unser Team nicht, das frühe 1:0 auszubauen und mit dem Nutzen weiterer verheißungsvoller Gelegenheiten den Sack zuzubinden. U. a. wurde Hähnge in der Mitte wunderbar freigespielt, soll aber im Abseits gestanden haben (17.). Bei einem Zweikampf (18.) wurde Nagy verletzt und am Spielfeldrand behandelt. Dann wurden weitere szenische Elemente unseres Heimspiels vom vorigen Sonnabend eingebaut: Burghausen nutzte die Überzahl und mit einem Schuss (dem ersten ernsthaften überhaupt) ins lange Eck - ähnlich dem Siegestreffer der Heidenheimer - erzielte Cappek, der Mann mit der markanten Frisur, den Ausgleich. Nagy wurde durch Riemer ersetzt, der ins Mittelfeld ging. Dafür rückte Schmidt auf die rechte Abwehrseite, dessen Kreativität im Spielaufbau von nun an schmerzlich vermisst wurde. Hatte bis dahin des FCC durch Pressing faktisch jeglichen Spielaufbau der Gastgeber unterbunden und selbst nach vorn gespielt, kippte das Spiel nun völlig. Wacker setzte immer wieder mit langen Bällen auf die Außen gefährliche Akzente, während Jena nach vorn nichts mehr zustande brachte. Einzige Ausnahme: In der 28. Minute steht Orlando nach Doppelpass mit Truckenbrod vollkommen allein vor Michl, der jedoch mit schnellem Herausstürzen abwehren kann. Burghausen wurde immer stärker und der FCC fiel von einer Verlegenheit in die andere. Dazu hatte Referee Benedum, der eigentlich recht ordentlich agierte, irgendwie aus der Vorspieldebatte "10. Gelbe Karte" aufgeschnappt und arbeite nun zügig daran, den Jenaern die 10 Verwarnungen zu verpassen. Faktisch jedes ernsthafte Foul zog "Gelb" gegen den FCC nach sich, während bei rüden Attacken der Wackeren lediglich der Zeigefinger drohte. In der Nachspielzeit der 1. Halbzeit hatten die Hausherren die beste Chance, als nach einem schnellen Konter Wuttke die scharfe Flanke im letzten Moment vorm Stürmer wegschlagen kann.
Nach Wiederanpfiff keimte
kurz die Hoffnung, dass der FCC jetzt wieder mitspielen würde. Erst zog Hähnge
aus der Drehung ab (46., gehalten), dann konnte Michl den Schlenzer Amrheins
auf lange Eck nur mit ganz langen Fingernägeln zur Ecke lenken. Dann wieder der
übliche Ablauf: Burghausen stürmte, geriet stellenweise in einen regelrechten
Spielrausch und erarbeitete sich eine Chance nach der anderen. Entweder hielt
Nulle (zweimal in der 47., 55., 63.) oder Burghausen vergab einfach. Einzige
für den FCC notierenswert die Gelbe Karte, die der Schiedsrichter nach einem
normalen Zweikampf im Strafraum (der Verteidiger war erfolgreich) an Orlando
vergab - wegen angeblicher Schwalbe! Weder Orlando noch jemand anderes forderte
in dieser Szene Strafstoß oder zeigte sonst wie Unmut, die Verwarnung gab es
wirklich ohne jeden Anlass. Die Wackeren lieferten aber die Höhepunkte dieser
Druckphase und sorgten bei allen Zuschauern zweimal für untertassengroße Augen,
wenn auch aus unterschiedlichen Beweggründen: Zunächst tauchte Ali
mutterseelenallein vorm Tor auf (61.) und hob den Ball über den heranfliegenden
Nulle hinweg AN DIE LATTE! Die himmlischen Heerscharen dürften eine Weile mit
dem Bearbeiten der in diesem Moment über der Wacker-Arena aufsteigenden
Stoßgebete zu tun gehabt haben. Und vermutlich war man dort oben immer noch bei
der Arbeit, als der nächste Schwall in der 76. Spielminute eintraf: Nulle wehrte
einen Schuss zur Mitte ab und Cappek brachte das
Kunststück fertig, den Abpraller aus 6-7 Metern am leeren Tor vorbeizuschieben!
Kategorie "Nicht möglich"!
Es gibt im Leben aber immer
Steigerungsmöglichkeiten, denn während die FCC-Fans zehn Minuten vor Abpfiff
bereits ein Pünktchen als höchstes Glück ansahen, stand es plötzlich 2:1 für
Jena. Wolf sprang in Orlandos Pass, damit der Ball Hähnge nicht erreichte. Dies
gelang ihm tadellos, denn vom Fuß des Verteidigers sauste der Ball ins Tor.
Fassungslose Freude bei allen Zeiss-Fans angesichts der völlig unverdienten
Führung! Dagegen zeigte sich die
Mannschaft sehr gönnerhaft und gab das Geschenk prompt zurück, indem bei der
nächsten Ecke alle Blauen zuschauten, wie Wolf sein Eigentor korrigierte und die
Ecke zum erneuten Ausgleich einköpfte. Burghausen musste diese Art Revanche
erst einmal verdauen, die nächsten fünf Minuten gehörten dem FCC. Lukimya setzte sich in bester Stürmermanier links an der
Grundlinie durch und ... kam noch vorm Keeper an den Ball, allerdings ohne
Torerfolg (84). Und sechzig Sekunden später schwebte ein langer Ball von links
diagonal in den Strafraum ein, Orlando nahm ihn runter, drehte sich jedoch
nicht eine Vierteldrehung rechts, sondern wählte den langen Weg 270 Grad links
herum. Während Michl brav versuchte, diesem Dreher zu folgen, und die
Verteidiger unten alles dicht machten, knallte Orlando den Ball aus spitzem
Winkel maßgenau unter die Latte - 3:2!!! Nun versuchte Burghausen alles, aber
die Jenaer passten auf und Nulle entschärfte in der 89. min ein aus rund 20 m
abgefeuertes scharfes Geschoss. In der Nachspielzeit warf sich Lukimya, bereits verwarnt, vor der Strafraumgrenze einem
Weißen entgegen - der Schiedsrichter entschied nicht nur auf Foul, sondern
zeigte bar jeglichen Feingefühls dem Jenaer Abwehrchef auch noch die zweite
Verwarnung und schickte ihn vom Rasen. Der von Holz direkt ausgeführte Freistoß
hatte alle Attribute eines Tor des Monats, aber Nulle boxte mit der letzten
Aktion des Spieles den sich senkenden Schuss weg. Sieg! Drei Punkte und ab in
den Bus und wegfahren, bevor die jemand zurückhaben möchte! Wer solche Spiele
mit so viel Dusel gewinnt, steigt normalerweise auf. Wenn da nicht jemand an
den Karten dreht.
Auf der Heimfahrt gab es keine Biermeldungen mehr, lediglich eine Holzlatte, Lkw-Reifen und eine tote Katze wurden gemeldet. Warum allerdings gerade bei letzterer "Fahren Sie hier bitte ganz vorsichtig!" gebeten wurde, ist unklar, denn die Mieze war ja, ebenso wie gesunde Fußballmenschenverstand an diesem Abend, mausetot. <uk>
- Jena: Nulle; Sträßer, Lukimya, Wuttke, Nagy;
Holwijn (53. Benyamina), Truckenbrod, R. Schmidt (60. Kühne), Amrhein (86. Ullmann);
Hähnge, Orlando
- Heidenheim: Baum; Meier, Göhlert, Krebs, Feistle; Schittenhelm, Bageci (70. Gül), Klarer, Schnatterer; Spann (87. Heidenfelder), Mayer (80. Jarosch)
- Zuschauer: 9664
- Schiedsrichter: Nowak (Bottrop)
- Spielbericht
- Heidenheim: Baum; Meier, Göhlert, Krebs, Feistle; Schittenhelm, Bageci (70. Gül), Klarer, Schnatterer; Spann (87. Heidenfelder), Mayer (80. Jarosch)
- Normalerweise verlasse ich meinen Platz während des Spiels
nicht. Das gehört sich einfach nicht! Man steht das durch. Der einen langsam
übermannende Hunger, die bittere Kälte bei viel zu dünner Jacke, das dritte Bier,
welches langsam damit droht, aus den Augenhöhlen wieder auszutreten, wenn nicht
umgehend eine Toilette aufgesucht wird und das Ganze bei einem 3-Tore-Rückstand
zehn Minuten vor Schluß. Alles kein Grund! Es wird stehengeblieben und
anständig gelitten! Wenn ich also mitten im Spiel am Bulettenstand auftauche, ist
der cholerische Ausnahmezustand bereits erreicht. Da sollte der Klops schön
durch sein und der Senf nicht zu schwerfällig aus der Flasche kommen...
Schon dieses elende Wetter. Man hätte es ja wissen müssen. So eine Wohlfühltemperatur ist einfach der Tod für ein ordentliches Fußballspiel. Ein bißchen Regen ist doch nun wirklich nicht zu viel verlangt mitten im Aufstiegskampf. Dann wäre sicher auch die Fraktion mit den rot-weißen (!) Mützchen ein wenig kleiner ausgefallen, die mich so auf Puls bringt. Damit hatte man offensichtlich alle Erstgucker ausgestattet, die sich im Stadion noch nicht so stilsicher bewegen. Insofern versprühte die Gegengerade einen gespenstischen Charme, dem umgehend jede Stimmung erlag. Dominiert von agilen Klatschrhythmen, war es wie bei der Schlagerparade auf Radio Sachsen oder der wöchentlichen Gaudiveranstaltung bei der TSG Hoffenheim. Je nachdem, wo gerade mal weniger los ist. Ja sicher, es zeugt nicht immer von intellektueller Überlegenheit, wenn ich so loslege. Aber so eine Multitoleranz gegenüber Gegner und dessen sportlichen Leistung? Damit kann ich nicht umgehen! Eigentlich ein Grund zum Gehen! Aber ich durfte ja nicht.Zur Belohnung gibt es aber wenigstens gleich ein zukünftiges Tor des Monats zu bewundern. Der Orlando macht offensichtlich lieber die Schwierigen - die, wenn er keine Zeit zum Überlegen hat. Hähnges langer Paß ist an sich schon ein Hingucker, wie sich der Orlando dann aber in der Luft verknotet und den Ball aus Nahdistanz über den Heidenheimer Tormann bugsiert, läßt schon nach 54 Sekunden von Höherem träumen. 10000facher Freudentaumel von zum Teil rot-weiß bemützten Fans. Wenn mir vorher jemand gesagt hätte, daß ich da auch dabei bin. Meine Güte...
Aber wie so oft, führt so ein zeitiger Treffer zu einer trügerischen Sicherheit, die im Zusammenspiel mit dem einschläfernden Sonnenschein ihre tückischen Nebenwirkungen voll entfalten kann. So gibt Jena zwar weiter den Ton an und hat durch Orlandos Schuß aufs lange Eck auch noch eine schöne Chance (18.), Heidenheim läßt sich aber zunehmend weniger bieten. Im Gegenteil, die Angriffsbemühungen der Gäste wirken nach und nach immer gefälliger. Jenas Spiel schläft förmlich ein und die ohne rote Mützen sehen auch schon, daß der Ausgleich mit bleierner Schwere über dem Stadion hängt. Kurz bevor ich am Bulettenstand aufschlage, arbeitet Holwijn den Ball zielsicher und ohne große Not den Gästen zu, die in Jenas Vorwärtsbewegung hinein den Ausgleich erzielen. Das klingt jetzt alles wahnsinnig schnell, wenn man aber ehrlich ist, formiert sich unsere Heldenabwehr in dieser Szene derart pomadig, daß einem schon beim Hinschauen die Augen zufallen. So hat Spann keinerlei Mühe, den Ball erst anzunehmen, sich dann in Ruhe in Position zu bringen und zum Schluß auch noch aus vielleicht zwanzig Metern Maß zu nehmen. Zu allem Überfluß steht der Nulle auch noch viel zu weit vor seinem Tor, so daß alles prächtig zusammenpaßt (25.). Die schöne Führung, einfach futsch. Sauwetter... Richtigerweise sucht Jena danach sein Heil weiter in der Offensive, wodurch sich die Deckungslücken bis zur Halbzeit weitestgehend kaschieren lassen. Aber es klappt einfach nicht mit dem zweiten Treffer. Holwijns Diagonalpaß durch den Strafraum schiebt der gute Orlando aus Nahdistanz einfach am Tor vorbei (34.). Da kann er heilfroh sein, daß der Linienrichter bereits auf Abseits entschieden hat! Fünf Minten später muß Amrhein eigentlich nur noch ein langes Bein machen, um Schmidts Flanke im Tor unterzubringen, kriegt das aber auch nicht hin und so kommen die Gäste mit einem blauen Auge in die Kabine.Wer sich nun erhofft hat, eine zweite Hälfte wie in Dresden geboten zu bekommen, sieht sich aber schon kurz nach der Pause schwer verladen. Vor allem das Umschalten auf die notwendigen Defensivarbeiten will nicht so recht klappen, so daß die schnellen Gästeangreifer immer wieder gefährlich kontern können. Als Schnatterer mit dem Ball am Fuß über den ganzen Platz marschiert und den mitgelaufenen Mayer bedient, kann Nulle den Gewaltschuß mit viel Können gerade noch entschärfen (47.). Kurze Zeit später hat er einfach nur Megadusel, als Spanns Kopfballverlängerung quer vor unserem verwaisten Tor rumspringt, ohne einen Abnehmer in den Heidenheimer Reihen zu finden. Vor dieser Aktion war in Jenas Abwehrreihe keine Art von Organisation mehr auszumachen. Die ohne Mützen stellen spätestens ab jetzt auf Pessimismus um. Normalerweise die ideale Zeit für einen zweiten Klops. Wo ist die Mannschaft, die in Erfurt spielerisch so dominierte? Wo ist der unbedingte Siegeswille vom Dresdenspiel? Dazu dieser eklatante Mangel an guten Ideen. Da rumpelt Orlando einen Freistoß von der Strafraumgrenze einfach in die Mauer (70.), dann schießt Truckenbrod aus ähnlich aussichtsreicher Position dem viel zu kleinen Heidenheimer Tormann genau in die Arme (86.). In 1.80 Meter Höhe wäre er doch chancenlos gewesen! Und zwischendurch noch Orlandos Flugeinlage, als er sich über links schön durchsetzen kann und dann spektakulär abhebt (78.). Den Elfer hätte er höchstens auf dem Betzenberg gekriegt (und dort nicht mal sicher, was schon zeigt, wie schlecht die Schwalbe eigentlich war). Also wenn er sich schon fallen läßt, dann sollte er das a) ein bißchen eleganter tun und b) wenigstens bis in den Strafraum rennen und nicht davor schon umfallen. Manchmal ist es kaum zu verstehen, wie dicht der Wahnsinn beim Genie wohnt.
Was letztlich aus dem Ganzen folgt, kann sich schon jeder denken: Schnatterer war gerade noch mit einem Flachschuß von der Strafraumgrenze an Nulle gescheitert, als ihn Benyamina einlädt, das Ganze doch noch mal zu probieren. Es sah wirklich so unprofessionell aus, wie sich der Neunzehnjährige anstellte, daß es einem schon leid tun konnte. Will er nächste Saison wirklich in Hoffenheim spielen, würde er mit einem solchen Aussetzer auf einen Schlag viele neue Freunde in der ganzen Republik gewinnen. Im aktuellen Fall aber stiegen sicher nur ein paar verbliebenen Rot-Weiss-Fans die Freudentränen in die Augen. Überliefert ist weiter, daß Schnatterer nach Benyamina auch noch um Wuttke ein Schlenker macht und dann trocken den Auswärtssieg sicherstellt (90.).Das wars mit dem Aufstieg. Nach dreizehn ungeschlagenen Spielen eine wirklich dümmliche Niederlage, die aber auch viel über die Wirklichkeit beim FCC in sich trägt. Wir haben eine gute erste Elf, mit der alles möglich scheint. Sobald aber ein Gardawski fehlt, ein Lanzaat verletzt ist oder einfach nur einer einen schlechten Tag erwischt, hat die Herrlichkeit ein abruptes Ende. Das war schon die ganze Saison so, man erinnere sich da nur an die wochenlange Phase in der weder Hähnge noch Orlando als Fußballer durchgegangen wären. Wir hatten das nur schon fast vergessen.
Für die Planung der kommenden Saison könnten die gute Rückrunde und der Fast-Aufstieg eine ziemliche Bürde werden. Einige Leistungsträger haben sich mit Sicherheit für höhere Ligen empfohlen und sind schon am Kofferpacken. Da fangen wir dann wieder ganz von vorne an. Wenigstens haben dann aber die mit den Mützen wieder 36 Spieltage frei... <bpf>
FC Bayern München II - FC Carl Zeiss Jena 0:0
Tore: -
- München: Rensing; Kopplin, Haas, Schütz, Rohracker;
Knasmüller, Schwarz, Ekici (65. Sikorski), Rieß; Sene, Yilmaz
- Jena: Nulle; Sträßer, Lukimya, Wuttke, Nagy;
Benyamina (37. Kolitsch), Kühne, Truckenbrod, R. Schmidt; Amrhein (76. Petersen), Hähnge
- Zuschauer: 1300
- Schiedsrichter: Osmers (Hannover)
- Spielbericht
- Es schien auf der
Hinfahrt angesichts der Verkehrsmeldungen so, als ob der liebe Gott sein
Gartenhaus überm blau-weißen Freistaat entleert hatte. Was da nicht alles auf
den Autobahnen lag: eine Leiter, eine Schaufel, ein Hammer, ein Fahrrad, ein 4
m langes Eisenteil, ein Besen und eine Schubkarre. Zudem noch eine Ente - aber
die lag nicht, sondern lief. Bei so viel Großzügigkeit auf "Bayern III" hofft man natürlich, auch von Bayern II etwas zu bekommen.
Das altehrwürdige
Stadion an der Grünwalder Straße war wohlbekannt und wehmütig erinnert man sich
an die tolle Kulisse 1993 vor 24.000 Zuschauern. Allerdings gab es damals null
Punkte, wie so oft in der Grünwalder Straße. Nur beim allerersten Auftritt 1991
ergatterte der FCC mit einem 0:0 ein Pünktchen. Auch diesmal wurden es ein
torloses Remis und ein Punkt. Trotzdem konnte man damit zufrieden sein, denn in
letzter Zeit waren die Bayern-"Amateure" recht gut drauf und Aufstiegsaspirant Ingolstadt
unterlag dort kürzlich sogar.
Es war insgesamt
ein Spiel zweier starker Mannschaften, in dem die Gastgeber den etwas
offensiveren Part gaben, während der FCC - auch angesichts der Ausfälle im
offensiven Bereich - aus einer massiven Deckung heraus agierte. Bayern II wollte
(ähnlich den Dresdnern 3 Tage zuvor) schnell ein Tor erzielen, dies zeigten sie
in der Anfangsviertelstunde sehr deutlich. Bereits nach 3 Minuten hatten sie
nach einem Freistoß mit anschließendem Kopf ihre erste Torchance. Kurz danach
vermittelten zwei kreuzgefährliche Ecken den Eindruck, dass unsere Abwehr noch
nicht richtig sortiert sei. Dies war in
den anderen Mannschaftsteilen aber nicht anders, denn viele Ungenauigkeiten und
das starke Pressing der Bayern, die zudem
balltechnisch 1A waren, verhinderten einen vernünftigen Spielaufbau. In der 17.
Minute hatte der FCC seine erste Chance, als Hähnge eine Flanke
Amrheins leider nicht mit dem notwendigen Druck aufs Tor
köpfte und der aus der 1. Mannschaft importierte Rensing
keine Mühe hatte. Insgesamt konnte der FCC jetzt das Spiel etwas von seinem
Strafraum wegdrücken und die Abwehr gab sich kaum noch eine Blöße. Nur einmal
(25. min) erwischte Sene einen Traumpass und
marschierte allein auf Nulle zu. Der nachsetzende Wuttke riskierte den Ritt auf
der Rasierklinge und attackierte ihn im Strafraum von hinten erfolgreich und
fair, so dass Sene keinen Torschuss ansetzen konnte.
Nach vorn lief beim FCC nicht viel, denn zumeist beschränkte man sich auf die
"Orlando-Taktik" und ballerte lange Bälle nach vorn. Hähnge und Amrhein rannten
vorn viel und vergeblich, denn genau darauf hatte sich Bayern eingerichtet und
klärte alles problemlos. Erfolgversprechender schienen Angriffe über die Flügel
- und prompt, nach dem ich dies notiert hatte, versuchte man dies zweimal
hintereinander (45.). Doch auch da ließ sich die Bayernabwehr nicht
überraschen.
0:0 zur Pause und
starken Gastgebern Paroli geboten, deutete sich da eine Wiederholung des
Gastspiels bei Dynamo an? Mitnichten, denn im Gegensatz zu den Schwarz-Gelben
spielten die ganz in Rot gekleideten Bayern weiter und zeigten keinen
Leistungsabfall. Im Wesentlichen lief das Spiel jetzt zwischen beiden
Strafräumen hin und her und beide Teams gaben sich größte Mühe, Fehler zu
vermeiden. Nur gelegentlich konnten Torchancen notiert werden. So in der 55.
min, als Truckenbrod nach einer zu kurz abgewehrten Ecke Rensing
prüfte. Es dauerte auch mehr als eine Viertelstunde, bis Bayern II überhaupt
einen Torschuss hatte, aber Yilmaz verfehlte das Ziel deutlich. Der bereits
gegen Ende der ersten Hälfte für den indisponierten Benyamina
eingewechselte Kolitsch und Amrhein versuchten über die
Außenbahnen den Jenaer Angriff anzukurbeln, aber die sehr diszipliniert
spielenden Bayern ließen nichts zu. Und so war es Truckenbrod mit einem 25-m-Freistoß,
flach aufs Tor getreten, der die nächste Jenaer Chance hatte. Eine Minute
später versuchte es Hähnge nach einer Ecke per Kopf, aber Rensing
war auf dem Posten. Und wiederum eine Minute später stockte den rund 500
Zeiss-Fans im Stadion der Atem, als nach Senes
Zuspiel der eingewechselte Sikorski frei vor Nulle stand, dieser jedoch mit
einer sensationellen Fußabwehr den Gegentreffer verhinderte. Und damit war auch
die vorletzte - und die hochkarätigste - Bayern-Chance dahin. Yilmaz hatte in
der 86. min offensichtlich noch zu viel Adrenalin geladen (er war sehr
frustriert auf Grund seiner Gegenspieler) und so ballerte er aus 7 - 8 Metern
übers Tor. Der FCC nutzte allerdings seine Chancen auch nicht: Nach
Kolitsch' Flanke entschied sich Petersen für eine Ablage
anstatt selbst zu schießen (81), und Truckenbrods
Flachschuss aus 25 Metern Entfernung erwischte Rensing
gerade noch so (88.).
Letztendlich war
es ein leistungsgerechtes Unentschieden. Ob dieser Punkt als Gewinn für den
Kampf um den Aufstieg anzusehen ist, werden die verbleibenden Spiele der Saison
zeigen. <uk>
SG Dynamo Dresden - FC Carl Zeiss Jena 0:3
Tore: 0:1 Hähnge (59.), 0:2 Truckenbrod (71.), 0:3 Amrhein (79.)
- Dresden: Keller; Strifler, Hübener, Palionis, Mikolajczak;
G. Müller, Jungnickel (67. Dobry), Wagefeld, Kegel, Koch (67. Gundersen);
Savran
- Jena: Nulle; Sträßer, Lukimya, Lanzaat (31. Amrhein),
Nagy; Wuttke, Truckenbrod, R. Schmidt (53. Kühne), Gardawski
(
, 82.); Hähnge,
Orlando (86. Petersen)
- Zuschauer: 29.000
- Schiedsrichter: Gorniak (Bremen)
- Spielbericht
- Ganze
6.500 Zuschauer waren es im Rudolf-Harbig-Stadion zu Dresden, die im Oktober
1990 Jenas letzten Sieg beim ewig jungen Duell der beiden Traditionsvereine
bewunderten. Heiko Weber traf zum 2:1 im Achtelfinale des Pokals der soeben
beerdigten DDR, schon einige Monate zuvor beim 4:0-Punktspielsieg an gleicher
Stelle war er - unter anderem gegen den jetzigen Dynamo-Trainer Mauksch -
doppelt erfolgreich gewesen. Eine lange Zeit war seitdem vergangen, fast 20
Jahre, aber eben auch nur vier Punktspiele, in denen der FCC jeweils ohne Tor
die Heimreise aus Elbflorenz antreten musste.
Wollte
man weiter im Kampf um die ersten 4 Plätze mitmischen, hatte sich das
zu ändern vor der rekordverdächtigen Kulisse von fast 30.000
Fans, was für ein Kontrast zu eben jenem letzten Auswärtssieg
in Elbflorenz. Präsentierte sich der Neubau Rudolf-Harbig-Stadion vor
einem Jahr noch als Baustelle, so durften Jenas Anhänger sich nun
neidvoll in einem schicken, engen und steilen Fußballtempel
umschauen. Dresdens Fans taten ihr übriges mit einer hübschen
Choreographie, das Jackpot-Motiv möglicherweise ein Dankeschön
an die Finanzhilfen durch die Stadt. Dynamo-Coach Mauksch hatte vor dem Spiel
der Hoffnung Ausdruck verliehen, dass Jenas Spieler dieser imposanten Kulisse
nicht gewachsen sein könnten, doch die nahmen in den Anfangsminuten
den Kampf sofort auf und agierten so, wie man das in einem Derby erwartet. Es
war der in orange-schwarz gewandete Referee Gorniak aus Bremen, der sichtlich
größere Probleme hatte, unter dem Druck von 26.500 Sachsen
eine beiderseits faire Gewichtung von Zweikämpfen vorzunehmen. Und spätestens
als infolge einer seiner abstrusen Freistoßentscheidungen Robert Koch
nach 10 Minuten Carsten Nulle zu einer Glanzparade zwang, schlug das Pendel
auch spielerisch klar zugunsten der Gasteber aus. Vornehmlich über
ihre quirligen Außenspieler Koch und vor allem Müller beschäftigten
die Dynamos Jenas Hintermannschaft pausenlos, Nagy und Sträßer
hatten Schwerstarbeit zu leisten, während van Eck nach 31 Minuten auch
noch Abwehrchef Lanzaat auswechseln musste, der in einem Laufduell mit dem
ebenso giftigen wie theatralischen Savran einen Pferdekuss mitbekommen hatte. Müller
mit knapp am langen Pfosten vorbei streichenden Flachschuss nach 35 Minuten und
Savran per Kopf mit dem Pausenpfiff hatten die größten Möglichkeiten,
die Sachsen verdient in Führung zu bringen.
Jena fand im Offensivspiel
kaum statt, viel zu sehr waren die Außenspieler zu Defensivaufgaben
gezwungen, die erste Halbchance datierte aus der 40. Spielminute, als der
eingewechselte Amrhein sein schönes Solo nicht erfolgreich abschließen
konnte. Das Resultat war aus FCC-Sicht das Beste zum Pausentee, und manch einer
erinnerte sich an die Begegnung vor Jahresfrist an gleicher Stelle. Da war es
der FC Carl Zeiss, der reihenweise Großchancen liegen ließ,
drei Mal Aluminium traf und am Ende unglücklich verlor.
Würde
sich die Geschichte unter umgekehrten Vorzeichen vielleicht wiederholen? Ja!
Denn der FCC kam nun besser aus der Kabine, spielte endlich auch selbst Fußball,
statt nur zu reagieren und kam durch Hähnge und den kurz darauf gegen
Kühne ausgetauschten Schmidt zu ersten Möglichkeiten. Nach 59
Minuten explodierte dann der mit 2.500 bangenden Zeissfans gefüllte Gästeblock
endlich. Amrhein erkämpfte sich gegen Mikolajczak das Leder in der eigenen
Hälfte, schickte Smeekes steil den rechten Flügel entlang,
der gänzlich uneigensinnig millimetergenau auf den in der Mitte
mitlaufenden Hähnge gab. Linker Fuß hingehalten, Tor, 1:0
Jena!
Zehn Minuten später fast das zweite Tor für Thüringens
Nummer eins, doch Amrheins Schuss bleibt hängen und Truckenbrod bringt
den Abpraller nicht unter Kontrolle. Auf der Gegenseite pariert Nulle gegen Müllers
Hereingabe glänzend und hat Glück, dass der gemeinsam mit
Dobry eingewechselte Gundersen haarscharf an einer Linksflanke vorbeitaucht.
Eine Co-Produktion zweier Ex-Dynamos bringt dann die Vorentscheidung. Hähnge
düpiert die Abseitsfalle der ausschließlich auf Smeekes
fixierten schwarz-gelben Verteidiger und schickt den von hinten durchstartenden
Truckenbrod auf die Reise zum 2:0. Der gefühlvolle Heber des sonst
eher für brachiale Schusstechnik bekannten Mittelfeldspielers ins Netz
verwundert und verzückt Jenas Anhang gleichermaßen. Party in
blau-gelb-weiß auf den Rängen, und als Patrick Amrhein einen
klugen Pass Gardawskis in die Gasse erläuft, das Leder an Keller
vorbei spitzelt und dem Ball dabei einen solchen Drall mitgibt, dass er sich
noch an den Innenpfosten und ins Tor dreht, brechen alle Dämme. Es
scheint einfach der Tag des FCC zu sein, während Dobry noch an Nulle
und Gundersen an der Latte scheitert. Einziger Wermutstropfen der dumme
Platzverweis für Michael Gardawski kurz vor Spielende, der auf die
Provokation von Dynamos Hübener ebenso hereinfällt, wie
Referee Gorniak auf dessen schauspielerische Einlage. Hübener, in
Halbzeit eins gegen Smeekes ordentlich und ungestraft austeilend hatte durch
eine ähnlich hollywoodreife Leistung bereits die fünfte gelbe
Karte gegen Orlando provoziert, so dass die Fahrt nach München am
Dienstag nun keine leichtere sein wird.
Doch derartige Gedanken waren noch weit
weg an jenem denkwürdigen Nachmittag, als im Dynamo-Block das "Wir
gewinnen sowieso"-Plakat verschämt eingerollt wurde, während
das komplette FCC-Team noch einmal aus der Kabine zu seinen Fans kam, um bei
Uffta, Pogo und Orlandos Moonwalk einen hart erkämpften Auswärtssieg
zu feiern, der die Dresdner Serie von 8 Heimsiegen in Folge beendet und Jenas
auf nunmehr 12 ungeschlagene Begegnungen anwachsen lässt. <gunner>
FC Carl Zeiss Jena - SSV Jahn Regensburg 3:1
Tore: 0:1 Kreis (4.), 1:1 Truckenbrod (34.), 2:1 Gardawski (67.),
3:1 Orlando (77.)
- Jena: Nulle; Sträßer, Lukimya, Lanzaat, Nagy; Wuttke
(90. Petersen), Truckenbrod, R. Schmidt, Gardawski (82. Kühne);
Amrhein, Orlando (90. Ullmann)
- Regensburg: Sattelmaier; Erfen, Maul, Hagmann, Romminger; Hein
(58. Zellner), Kreis (71. Schmid), Schlauderer (75. Berger), Shynder;
Stoilov, Reichwein
- Zuschauer: 6246
- Schiedsrichter: Dankert (Rostock)
- Spielbericht
- Anfang Februar hatte die Erfolgsserie des FC Carl Zeiss in
der Rückrunde ihren Anfang genommen. Mehrere englische Wochen hindurch eilte
die Elf von Sieg zu Sieg, selbst die Unentschieden zwischendurch fühlten sich
irgendwie so an. Dass die erste Enttäuschung, ein Heimremis gegen Unterhaching,
mit dem Abschluss der englischen Wochen zusammenfiel, mag kein Zufall
gewesen sein. Vielleicht hatte der eine oder andere Spieler mit einem Mal zu
viel Zeit zum Rechnen gehabt und sich selbst jenen Druck auferlegt, den der
Trainer standhaft zu vermeiden sucht. Doch könnte das 1:1 vom Sonnabend nicht
auch positive Auswirkungen gebracht haben ? Die Rückkehr der Erkenntnis zum
Beispiel, dass jeder Erfolg aufs Neue erarbeitet werden muss und kein einziger
Kontrahent auf die leichte Schulter genommen werden darf ?
Nimmt man die ersten 100 Sekunden der Partie gegen
Regensburg zum Maßstab, haben das unsere Spieler verinnerlicht. Einem Tornado
gleich bestürmten sie mit dem Anpfiff das Gästegehäuse. Nach dreißig Sekunden
war Orlando freigespielt und scheiterte nur knapp beim Versuch, den Ball am
Torhüter vorbei zu legen, um anschließend freie Bahn haben zu können. Dann
setzte Timo Nagy einen Freistoß aus 25 Metern derart raffiniert aufs Tor, dass
ihn Sattelmaier nur mit Mühe über die Latte zur Ecke lenken konnte. Schließlich
war da noch der Kopfball von Jens Truckenbrod, den ein Regensburger Verteidiger
von der Linie fischte. Auftakt furioso ! Die Gäste kommen nach drei
Spielminuten erstmals an den Jenaer
Strafraum. Ralf Schmidt wirft sich zunächst mit Erfolg in einen Schuss, der
Abpraller aber fällt Sebastian Kreis vor die Füße, welcher aus achtzehn Metern
gleich noch mal abzieht und den Innenpfosten trifft, von wo aus der Ball ins
Netz fliegt. 0:1. Erst kein Glück gehabt und dann kam auch noch Pech hinzu -
zeitig wie nie zuvor fand dieser abgenutzte Fußballerspruch bereits nach 240
Sekunden seine Berechtigung.
Der Gegentreffer zeigte Wirkung, der Spielfaden nun erst
einmal gerissen. Nur sporadisch strahlten die Jenaer Angriffbemühungen in
dieser Phase Torgefahr aus. So wie in Minute 20, als Amrhein einen Pass fast
ängstlich in die Spitze spielte. Immerhin fand dieser Pass mal seinen
Adressaten namens Orlando, welcher aber an Sattelmaier scheiterte. Fünf Minuten
darauf bekamen die SSV-Verteidiger das Leder nach einem Eckball nicht aus dem
eigenen Sechzehner. Tim Wuttke versuchte dies zu nutzen, schoss dem Gästekeeper
aber direkt in die Arme. Schnell war klar, die Jenaer brauchen ein
Erfolgserlebnis, um in diese Begegnung zurück zu finden. In Minute 33 spielt
Gardawski flach nach innen. Der Ball rollt durch bis zu Jens Truckenbrod, der
aus zwanzig Metern Torentfernung drauf hält und links unten ins Eck trifft.
Jubel unter den leider nur gut sechstausend Zuschauern, die gleich darauf die
schönste Kombination in Hälfte eins zu sehen bekommen. Schnell und direkt
zaubern sich Amrhein, Wuttke und Truckenbrod mit
neuem Selbstvertrauen vors Tor, diesmal bleibt „Trucke“ mit
seinem Schuss allerdings hängen. Halbzeit.
Nach der Pause machten die Jenaer zunächst da weiter, wo sie
aufgehört hatten. Orlando eröffnete sich in der 51. Minute eine Doppelchance,
von der er hinterher selbst sagen wird, er hätte eine von ihnen nutzen müssen.
Scheiterte er im ersten Versuch mit straffem Schuss an Sattelmaier, bugsierte
er den zurückspringenden Ball direkt ans Außennetz. Dem folgte noch ein schöner
Schuss von Amrhein nach Zuspiel von Orlando, ehe sich das Spiel seine nächste
kleine Auszeit nahm. Bis zu Minute 67. Wieder ist es Orlando, der sich einen
Ball auf der linken Seite erläuft. Einmal, zweimal täuscht er ein Dribbling an
und als das halbe Stadion schon verzweifelt 'Spiel doch ab' brüllt, kommt
endlich das Zuspiel, rüber zu Michael Gardawski. Dessen Fackel aus 20 Metern
zischt nur so ins Netz zum längst verdienten Führungstreffer. Wir wissen nicht,
weshalb die Kölner Leihgabe ("Ob ich hier bleibe, müssen die Vereine unter sich
klären. An mir wird's nicht liegen") diesmal seine roten Schuhe in der Kabine
gelassen hatte. Doch die Erfolgsgeschichte im Jenaer Dress fand für Gardawski
auch mit den weißen Tretern ihre Fortsetzung.
Regensburg wäre mit einem Unentschieden sicher zufrieden gewesen, hatte eine
gefühlte Ewigkeit keine Torchance mehr herausgespielt. Das blieb auch so,
in Rückstand liegend taten sie nun aber gezwungenermaßen mehr für den
Spielaufbau und schufen zumindest mit Standarts Gefahr.
Spätestens nachdem Shynder
einen Freistoßball ans Lattenkreuz verlängert hatte (69.), waren die
Glückskonten beider Mannschaften wieder ausgeglichen. In Anbetracht solcher
Schrecksekunden sind wir Orlando mehr als dankbar, dass er uns mit seinem
Treffer dreizehn Minuten vor Schluss eine nervenaufreibende Schlussphase
ersparte. Mit einem Solo von der linken Seite in die Mitte ziehend an drei
Gegenspielern vorbei und dem Torschuss von der Strafraumgrenze schraubte der
Holländer seine Trefferquote auf nunmehr 15 nach oben ! Ihm verschaffte sein
Trainer mittels Auswechslung genauso noch den verdienten Einzelbeifall wie den
beiden Außen Gardawski und Wuttke, welche ebenfalls zu den Besten zählten.
Wuttke war statt des an der Ferse verletzten Benyamina diesmal vom Start weg
zum Einsatz gekommen. Und obwohl er nicht zum ersten Mal in seiner Karriere
so weit vorn spielte - seine erfrischenden Offensivaktionen auf der rechten Seite waren die vielleicht
überraschendste Entdeckung dieser neunzig Minuten.
"Jetzt sieht es nicht so schlecht aus", freute sich Carsten
Nulle als Mannschaftskapitän darüber, nach dem Hachinger Remis wieder die Kurve
bekommen zu haben. Da in Jena aber offiziell niemand von einem möglichen Aufstieg redet,
sondern nur von Spiel zu Spiel denkt, darf sich erst einmal auf die Atmosphäre
vor 25.000 im neuen Dresdner Dynamo-Stadion gefreut werden. <fc>
FC Carl Zeiss Jena - SpVgg Unterhaching 1:1
Tore: 1:0 Gardawski (41.), 1:1 Bischoff (72.)
- Jena: Nulle; Sträßer, Lukimya, Lanzaat, Nagy; Benyamina (84. Amrhein), Truckenbrod,
Schmidt (86. Kühne), Gardawski (74. Wuttke); Orlando, Holwijn
- Unterhaching: Kampa; Brysch, Susak, Hain, Ziegler; Grech (86.Pasiciel), Schaschko,
Kanca (46. Schwabl), Mützel; Rathgeber (70. Bischoff), Schweinsteiger
- Zuschauer: 7165
- Schiedsrichter: Aarnink (Nordhorn)
- Spielbericht
-
Neun Spiele ungeschlagen - seit der Heimniederlage am 23.Januar gegen Sandhausen setzte der FCC zu einer Serie an, die ihn ganz
schnell aus der grauen Masse des Mittelfelds in die oberen Tabellenpositionen beförderte. Und gegen den Tabellen-Vierzehnten
aus Unterhaching sollte auch nach dem heutigen Spiel diese Serie noch weiter Bestand haben.
Die Jenaer begannen auch von Beginn an druckvoll und drückten die Bayern in deren Hälfte und prompt gab es bereits nach
vier Minuten die erste gute Möglichkeit für die Platzherren. Nachdem der zu flach geschossene Eckball von Nagy noch
geblockt werden konnte, versuchte er es mit seinem zweiten Versuch auf den langen Pfosten, doch Orlando rutschte knapp am Ball
vorbei. Fortan blieb der FCC auch weiter am Drücker, doch mehr als Eckstöße sprangen nicht heraus. Die Gäste,
die auf 7-8 Stammkräfte verzichten mussten, taten nicht mehr als nötig und blieben bei ihren Angriffsbemühungen lau.
Aber ein richtiges Rezept fanden die Jenaer am heutigen Tage nicht, das Abwehrbollwerk der Hachinger zu knacken. Nach 25 Minuten mal
wieder eine schöne Einzelaktion von Orlando, aber sein Schuss aus der halblinken Position ging am langen Pfosten vorbei.
Keine 120 Sekunden später ein erster Jubelschrei im Ernst-Abbe-Sportfeld, doch leider erkannte Schiedsrichter Aarnink den
Schuss von Holwijn wegen Abseitsstellung nicht an. Herrliche Kombination in der 36. Minute zwischen Holwijn und Orlando, doch der
Versuch einer Flanke landet hinter dem Tor. Vier Minuten vor der Pause dann der Höhepunkt der ersten Halbzeit. Zunächst
hatte Orlando aufs Tor geschossen, doch sein geblockter Schuss kommt erneut hoch in den Strafraum, wo am langen Pfosten Gardawski
steht und die Kugel unter die Latte nagelt. 1:0 für Jena. Nach den Spielanteilen eine hoch verdiente Führung, denn von
den Gästen war bis dato nur sehr wenig zu sehen.
Das änderte sich auch nach der Pause zunächst nicht gravierend, denn auch in Halbzeit zwei waren die Platzherren das
spielbestimmende Team. Ralf Schmidt setzte nach 51 Minuten zu einem wunderschönen Sololauf an, bei dem er gleich mehrere Gegenspieler
locker umkurvte, doch sein Schuss aus gut 20m konnte Kampa parieren. Sekunden später erneut eine gute Chance für die Jenaer.
Gardawski probierte sich diesmal per Eckstoß, der Ball kam hoch hinein und in der Mitte springt Orlando zum Fallrückzieher ab,
doch leider ging sein Ball über den Kasten. Aber der FCC setzte nicht nach, sondern ließ fortan die Gäste mehr und mehr
ins Spiel kommen, die aber bis dato nach vorn immer noch sehr harmlos blieben. Das änderte sich schlagartig nach der Einwechslung
vom langzeitverletzten Bastian Bischoff in der 70. Minute, der nun die Jenaer Abwehrreihen beschäftige. Keine zwei Minuten waren
nach seiner Einwechslung vorbei, da stand er nach einer langen Flanke völlig frei und konnte zum Ausgleich für Unterhachinger
einköpfen. Siebzig Minuten war von den Gästen nichts zu sehen und gleich die erste Torchance konnten sie nutzen. So ist manchmal
Fußball… Aber der Treffer schien die Bayern erweckt zu haben, denn nun trauten sie sich schlagartig mehr zu und ließen die
Jenaer gar nicht mehr richtig ins Spiel kommen. So verging über eine Viertelstunde, in der es zum Ende der Partie zu keiner nennenswerten
Tormöglichkeit mehr kam. Erst wieder zwei Minuten vor Ultimo noch eine gute Möglichkeit, als der gerade eingewechselte Stefan
Kühne einfach frech aus der zweiten Reihe abzog, doch zum Pech der Jenaer konnte Kampa seinen schönen Schuss gerade noch parieren.
Sekunden vor dem Abpfiff noch eine allerletzte Chance, diesmal für Amrhein, doch auch er hatte kein Glück mehr und sein Kopfball
ging über das Tor.
Für die Hachinger am Ende ein glücklicher Punkt, während der Punkt den Jenaern zweifelsohne weniger hilft, denn von
der Tabellenkonstellation musste heute einfach ein Heimsieg her. Aber Jenas Coach René van Eck war am Ende auch mit diesem
Unentschieden zufrieden, zumal die Serie der Jenaer nun auch im zehnten Spiel noch Bestand hat.
<vg>
FC Ingolstadt - FC Carl Zeiss Jena 2:2
Tore: 1:0 Wohlfahrt (1.), 2:0 Wohlfarth (60.), 2:1 Orlando (68.), 2:2 Orlando (84.)
- Ingolstadt: Sejna; Keidel, Pisot, Fleßers, Fink; Bambara,
Metzelder, Leitl, Buchner (83. Neuendorf); Hartmann (58. Gerber), Wohlfarth
(76. Braber)
- Jena: Nulle; Wuttke, Lukimya, Lanzaat, Nagy; Benjamina (62. Amrhein),
Truckenbrod, R. Schmidt, Gardawski (89. Kühne); Holwijn, Orlando
- Zuschauer: 5353
- Schiedsrichter: Petersen (Stuttgart)
- Spielbericht
-
Fußball unmittelbar zur Osterzeit. Wie günstig, da kann man in Spielberichten
von (selbst) ins Nest gelegten Eiern fabulieren und trefflich das Motiv der
Wiederauferstehung ergreifen. Muß man aber nicht.
Man stelle sich vor, daß
Editorial des Jenaer "Anpfiff"-Heftes würde am 38. Spieltag mit dem
Satz beginnen: Mit dem VfB stellt sich zum 16. und letzten Mal in dieser Saison
ein Westklub im EAS vor. Klingt albern und wäre es auch. Die Macher
der "Schanzer News" hielten derart absurdes Kategorisieren jedoch für
angebracht und begrüßten daher mit dem FCC "zum letzten Mal
in dieser Saison einen Ostklub in Ingolstadt". Aber man hätte ja
gewarnt sein müssen, denn sollte jemals das peinlichste Titelbild
eines Stadionheftes gewählt werden, so wäre der gestrigen Ausgabe
der FCI-Postille Platz 1 unangefochten sicher. Wundern würde dies
sicher nicht, verfügt der FCI doch zusätzlich über
einen jener Stadionsprecher, die ihren Job mit dem eines mittelmäßigen
Animateurs auf einer provinziellen Dorfkirmes verwechseln. Ich bin ja sonst
kein großer Freund von Stadionverboten, aber in dem Fall...
Mit solchen Ärgerlichkeiten
konnte man sich allerdings nicht lange aufhalten, denn die nächste
ereignete sich schon eine halbe Minute nach Anpfiff. Direkt vorm Block der ca.
1200 FCC-Fans einigten sich Nagy und Lanzaat darauf, die Abseitsvariante zu
probieren, statt die Attacke zu suchen und bescherten damit Wuttke in der Mitte
ein nicht lösbares Problem. Drei Rote tauchten somit frei vor Nulle
auf und Wohlfahrt hatte keine Mühe beim 1:0, auch wenn etliche
FCC-Fans meinten, zumindest der Paß auf den Torschützen
entspräche dem Abseitstatbestand. Die Jenaer schüttelten sich
kurz und waren fortan bemüht, das Spiel unter Kontrolle zu bekommen,
diesmal wieder ohne Sievers (dafür Lanzaat)und mit Holwijn für
den gesperrten Hähnge. Die ersten beiden langen Pässe auf
Orlando konnten die Hausherren noch ungestraft foulend bzw. haltend verhindern,
was beim 3. allerdings schon nicht mehr gelang. (9.) Dafür hatte Jenas
Sturmpfeil etwas zu viel Schwung, versuchte sich an Sejna festzuhalten und sank
gemeinsam mit diesem völlig harmlos zu Boden. Sejna ist ja so etwas,
wie der Prototyp des torhütenden Mittelmaßes. Der taucht
immer mal irgendwo wieder auf, ohne daß ihn jemand bemerkt oder
anderswo vermißt. Logisch, daß der eine solche
Harmlosigkeit nutzt, um sich aufzuplustern wie ein lüsterner Pfau.
Nach gut einer Viertelstunde hatte der FCC sein Ziel, das Spiel zu beruhigen
und es zu kontrollieren, erreicht. Die Ingolstädter begannen, sich
aufs Kontern zu verlegen. Die offensiveren Akzente setzte der FCC, z. B. über
Gardawski in der 14., Orlando in der 16. und erneut Gardawski in der 20.
Minute. Ja, die Unseren wehrten sich gegen diesen unnötigen Rückstand,
den entscheidenden Erfolg verhinderten aber kleine Konzentrationsmängel
in den finalen Aktionen. Vielleicht würden ja Freistöße
helfen? Einen trat Nagy (zuvor Foul an Ralf Schmidt) von halbrechts, die Aktion
endete jedoch mit einem Abseitspfiff. Nach Foul an Orlando im linken Halbfeld,
zirkelte Gardawski den nächsten aus 30 Metern auf die lange Ecke, wo
Sejna allerdings faustend klären konnte. (23., 28.) Schon rollte der nächste
FCC-Angriff über rechts, doch Orlando mag sich nicht so recht zwischen
Schuß und Hereingabe zu entscheiden, wodurch der Ball am langen
Pfosten ins Aus geht. Nach knapp einer halben Stunde muß dann auch
Nulle mal wieder beweisen, was für ein famoser Torwächter er
ist und nach FCI-Freistoß und Schmidt-Fehler gelingt dieser Beweis
eindrucksvoll.
Dennoch, zu dieser Zeit verfügte
der FCC eindeutig über mehr Spielanteile, was vor allem einem offensiv
eindrucksvoll agierenden Schmidt zu verdanken war, ebenso einem starken Nagy
und einem emsigen Gardawski. Holwijns Spiel wirkte dagegen war zwar bemüht
aber etwas fahrig und unkonzentriert und Benyamina blieb unauffällig
(sieht man mal von seinen neuen Schuhen ab). In den Minuten 33 und 34 durfte
man sich dann darüber wundern, daß zwei grobe Fouls an
Wuttke und Benyamina kartenlos blieben. Letzteren schien das allerdings
anzustacheln, denn gleich darauf zog er von links außen nach innen,
setzte seinen 18-Meter-Schuß allerdings neben das Tor. (37.) Bis zur
Pause dominierte weiter der FCC, erst mit einem schönen Wuttke-Solo über
rechts und dann mit einem Gardawski-Freistoß von halblinks, den Sejna
nur mühevoll zu Ecke bugsieren kann. Letzter Aufreger in HZ 1 war
dann das brutale (natürlich nicht mit Gelb geahndete) Foul an RS, als
dieser nach einem FCI-Freistoß einen Jenaer Konter einleitete. (41.)
Nach dem Pausenpfiff wußte man eigentlich nicht so recht, was man
unseren Jungs (außer der mißratenen
Aktion nach 20 Sekunden) trotz des Rückstandes vorwerfen sollte. Sie
hatten das Spiel unter Kontrolle, führten die Mehrzahl der Angriffe
und hatten sich in etwa doppelt soviel bewegt wie ihre Gegenspieler. Immer und
immer wieder spielten sie aus einem starken Mittelfeld couragiert nach vorn, wo
sie dann allerdings leider die notwendige Präzision vermissen ließen.
Während wir also den deutlich höheren spielerischen und läuferischen
Aufwand betrieben, hatten sich die Gastgeber auf frühzeitiges Abwarten
-allerdings nicht ungefährlich- verlegt.
Nach einem gruseligen
Pausenspektakel glich der Wiederanpfiff einer Erlösung und Ralf
Schmidt setzte mit seinem 20-Meter-Schuß von halblinks das erste
Achtungszeichen. (46.) Kurz darauf parierte Nulle nach einem bereits
abgewehrten Ingolstädter Freistoß erneut prächtig.
(49.) Dann wieder 2 Gardawski-Aktionen über rechts. Sein erster Schuß
(nach Orlando-Zuspiel per Kopf) wurde jedoch abgeblockt (51.) Dann kommt der
Ball auf direktem Wege über Benyamina und Holwijn erneut zu Gardawski
und der zieht, halbrechts im Strafraum stehend, direkt per Außenrisst
ab. Leider etwas zu schwach und so ist Sejna noch rechtzeitig unten. (52.) Beim
anschließenden FCI-Angriff über links unternimmt dann Nulle
einen Osterausflug raus aus dem Strafraum, letztendlich erfolgreich. Nach knapp
einer Stunde ahndet der Gelbe Mann dann Holwijns Körpereinsatz mit
einem Freistoß, 35 bis 40 Meter vor Nulles Kasten. Dieser Freistoß
findet dann direkt seinen Weg in Richtung Nulle, der nur nach vorne abwehren
kann. Dort kommt Lanzaat einen Schritt zu spät gegen Wohlfahrt und
ebenso unerwartet wie unverdient steht es plötzlich 2:0.
Im Normalfall scheint ein
solches Match gelaufen. Aber was ist beim FCC schon der Normalfall? Mindestens
4 gute Gründe sprachen dafür, daß die RvE-Elf zurückkommen
würde: Erstens steht da seit einigen Wochen eine Mannschaft auf dem
Platz, die sich spielerisch und taktisch enorm weiterentwickelt hat. Zweitens
handelt es sich inzwischen wieder um ein echtes Team, das an sich und seine Fähigkeiten
glaubt. Drittens gehört zu diesem Team neuerdings ein Michael
Gardawski und mit diesem unbekümmerten Typen auf der rechten Seite hat
der FCC noch kein Spiel verloren, warum dann gerade in Ingolstadt? (Schade, daß
Gardawski nicht schon gegen Sandhausen wirbelte!) Und Viertens hat der FCC
einen Orlando Smeekes, also jene launenhafte Diva, die noch vor einiger Zeit
desorientiert durchs Paradies irrlichtete. Inzwischen scheint klar, daß
van Eck wohl genau jene Ansprache gefunden hat, die dieser extrovertierte Typ
versteht. Diesen Orlando kannst du pro Spiel zigfach wegen verlorener Zweikämpfe,
unterlassener Flanken, aussichtsloser Dribblings oder versprungener Bälle
verfluchen, aber mit seiner aufdringlichen Präsenz entnervt er
irgendwann jeden Gegenspieler. Und neuerdings macht er aus genau diesen ein,
zwei Szenen pro Spiel seine Buden. Was will man mehr?
Teil Eins der Orlando-Show
leitete Gardawski ein. Er reagiert nach einem Freistoßpfiff blitzschnell
und schlägt den Ball weit und präzise nach halblinks. Als
Keidel den Ball auf sich zukommen sieht und Orlandos Atem spürt,
werden ihm sofort die Knie weich und das sein Rückkopfball daneben
gehen würde, war absehbar. Diebisch grinsend erlief sich Jenas Stürmer
den Ball, düpierte den schwerfälligen Sejna und haspelte den
Ball ins Netz zum Anschlußtreffer. (67.) Jetzt beherrscht der FCC die
Hausherren und hat dennoch Glück, da er von einer umstrittenen
Abseitsentscheidung profitiert. (78.) Pech hat dann Wuttke, als er zunächst
auf der rechten Seite einen wunderbaren Doppelpaß mit Gardawski
spielt, sein Laufduell mit einem Ingolstädter aber fälschlicherweise
abgepfiffen wird. Was soll's, es gab ja noch Teil 2 der Orlando-Show. Zunächst
wurde Holwijn 20 Meter vor dem Tor in zentraler Position umgerissen,
folgerichtig Freistoß. Orlando läuft an. Gardawski blockt in
der Abwehrmauer eine Lücke frei. Orlando schießt, der Ball
findet den von Gardawski geebneten Weg und Sejna kann mit seinem Alibi-Flug
auch nichts mehr ausrichten - TOOOR! 2:2 (84.) Völlig verdienter
Ausgleich!
Seinen gerechten Ausgang hätte
das Spiel dann in Minute 89 finden können, als Ralf Schmidt ein feines
Zuspiel ebenso elegant mit der Brust annimmt und vom rechten Fünfmeterraumeck
volley abzieht - leider mit etwas zu viel Rücklage. Seinen ungerechten
Ausgang hätte das Spiel dann in Minute 90 finden können, wenn
Nulle nicht sensationell den letzten Ingolstädter Kopfball abgewehrt hätte.
Was mit dieser Truppe und
deren Moral tatsächlich noch zu erreichen ist - wer weiß das
schon? Für Überraschungen ist der FCC ja immer gut - auch
nach Ostern! Gute Gründe dafür gibt es genügend... <jk>
FC Carl Zeiss Jena - Kickers Offenbach 0:0
Tore: Fehlanzeige
- Jena: Nulle; Sievers, Wuttke, Lukimya, Nagy; Benyamina (53. Holwijn),
Truckenbrod (88. Ziegner), Schmidt, Gardawski (69. Amrhein); Smeekes,
Hähnge (
, 88.)
- Offenbach: Wulnikowski; Huber; Schutzbach, Heitmeier, Kopilas; Zinnow, Pospischil (63. Ulm), Pfingsten-Reddig,
Fröhlich (46. Moosmayer); Mesic, Hesse
- Zuschauer: 9431
- Schiedsrichter: Dittrich (Bremen)
- Spielbericht
-
Fünf Spiele - Fünf Siege. Wann hatte es zuletzt diese beindruckende Serie gegeben? Da müssen wir schon
in der Chronik bis ins Jahr 2006 zurückschauen. Damals schafften die Kicker des FCC sogar sechs Siege in Folge
und stiegen am Ende der Saison verdient in die 2.Bundesliga auf. Ob es den Mannen um René van Eck noch einmal
gelingen sollte, so eine Serie hinzulegen? Der sechste Sieg in Folge ist gegen die heutigen Gäste aus Offenbach
allemal möglich, zumal sich die Hessen gerade in einer kleinen Krise befinden. Aber meist sind gerade immer diese Spiele die schwierigsten.
Der FCC begann auch von Beginn an druckvoll, aber die Gäste hielten voll dagegen. Es dauerte bis zur achten Minute, bis Gardawski
mit einem Schuss aus 22m für die erste Jenaer Aktion sorgte. Aber fortan warteten beide Teams mit schönem Kombinationsfußball
im Mittelfeld auf, ohne jedoch für Torchancen zu sorgen. Ein Freistoß von Orlando (13.) landete in den Beinen der Abwehr,
Hähnge schaltete am schnellsten und bediente Lukyima, der allerdings nicht zum Torschuss kommt. Nach 19 Minuten glänzte
Gardawski mit einer herrlichen Hackenablage genau in den Lauf von Truckenbrod, doch dessen Schuss konnte Wulnikowski parieren. Kurz
darauf ließ Orlando mit zwei guten Aktionen (21./24.) sein Können aufblitzen, doch leider stand ihm bei diesen Aktionen
das Glück nicht zur Seite. Nach 24 Minuten dann die erste Möglichkeit für die Hessen durch den Ex-Jenaer Christian
Fröhlich, aber sein Schuss ging um einiges über das Tor. Der FCC erhöhte nun kontinuierlich den Druck und erspielte
sich Chance um Chance. Zunächst war es erneut Orlando, der mit seinem Schuss aufs kurze Eck in Wulnikowski seinen Meister fand.
Wenig später eine schöne Ballstafette zwischen dem überragenden Gardawaski und Schmidt, doch leider verfehlte letzterer
mit seinem Schuss das Tor. Vier Minuten vor der Pause die schönste Aktion der Jenaer in Halbzeit eins: Orlando passte nach einem
Sturmlauf von rechts flach in den Lauf von Truckenbrod, der sofort scharf und platziert aufs untere Toreck abzog, doch der Gästekeeper
war erneut zu Stelle und konnte mit einer super Parade den Rückstand gerade noch verhindern.
Auch nach der Pause machten die Platzherren weiter Druck und kamen schon in der 48.Minute zur nächsten guten Tormöglichkeit,
aber Schmidt hatte heute wirklich nicht das richtige Zielwasser getrunken und sein Schuss verfehlte erneut das Tor. In der 54.Minute
hatten die meisten Zuschauer schon den Torschrei auf den Lippen, Wulnikowski war endlich einmal nicht an den Ball gekommen, doch Orlandos
scharf geschossener Ball aus spitzem Winkel donnerte an den Pfosten. Erst nach gut einer Stunde erholten sich die Offenbacher von der
Jenaer Offensive und kamen zum ersten Mal in Halbzeit Zwei gefährlich vor das Jenaer Gehäuse. Aber die beste Möglichkeit
bot sich dem OFC in der 71. Minute, als Zinnow auf der rechten Seite bis zur Grundlinie durchstieß, aber zum Glück fand seine
flache und scharfe Hereingabe keinen Abnehmer, so dass der Ball durch den Jenaer Strafraum zischte. Aber das war es dann auch schon von
den Angriffbemühungen der Gäste, denn Orlando (80.) setzte erneut zu einem seiner vielen Sturmläufe an, aber auch mit
seinem herrlich ansatzlosen Schuss konnte er am heutige Tage Wulnikowski nicht überwinden. Fünf Minuten vor Ultimo stockte
dem Jenaer Anhang der Atem, als Hesse mutterseelenallein auf Nulle zustürmte. Doch zum Glück blieb der Jenaer Kapitän
ganz cool und machte den Winkel spitz, so dass Hesse scheiterte.
Das Spiel war nun quasi gelaufen, doch dann kam es zum eigentlichen
"Höhepunkt" der Partie. Holwijn war bis zur Grundlinie durchgestürmt, aber der Ball ging ins Aus. Wie von einer Tarantel
gestochen kam Gästekeeper Wulnikowski aus seinem Tor und ging Holwijn an. Sofort kamen andere Spieler hinzu und es kam zu einer
Rudelbildung, bei der der eine oder andere Spieler zu Boden ging. Schiedsrichter Dittrich, der mit dieser Aktion nun völlig
überfordert schien, zeigte Holwijn und Wulnikowski die Gelbe Karte und zu allem Übel sah Sebastian Hähnge auch noch
die Rote. Die Fans, Spieler und auch Verantwortlichen waren natürlich außer sich vor Wut, denn Wulnikowski hätte
mindestens ebenso die Rote Karte sehen müssen. Stattdessen schickte der Schiri nun auch noch beide Trainer auf die Tribüne,
was am Ende nun gar keiner mehr verstand. Die letzten Sekunden gingen vorbei und eine turbulente Partie war zu Ende.
Die Offenbacher werden in ihrer Situation mit diesem Punkt sicherlich zufrieden sein, doch für die Jenaer war der sechste
Sieg in Folge allemal drin. Allerdings hatten die Hessen mit Wulnikowski den spielentscheidenden Mann in ihren Reihen, der 88. Minuten
überragend hielt, aber dann mit seiner sinnlosen Aktion für solche Unruhe sorgte, dass die Jenaer in den kommenden Spielen
auf einen wichtigen Angreifer verzichten müssen, was am Ende am meisten schmerzt.<vg>
SV Werder Bremen II - FC Carl Zeiss Jena 1:2
Tore: 1:0 Artmann (42.), 1:1 Orlando (49.), 1:2 Holwijn (85.)
- Bremen: Wiedwald; Gerdes, Schmidt, Stallbaum, Perthel; Ronneburg,
Feldhahn, Kempe, Artmann (74. Enga); Thy, Furtacs (
, 90.)
- Jena: Nulle; Wuttke, Lukimya, Lanzaat, R. Schmidt; Gardawski
(86. Sievers), Kühne (27. Ziegner), Truckenbrod, Benyamina (79.
Holwijn); Orlando, Hähnge
- Zuschauer: 950
- Schiedsrichter: Beitinger (Regensburg)
- Spielbericht
- So in etwa muss der Unterschied auf einen
Championsleague-Teilnehmer wirken, der nach einem Gala-Auftritt vier Tage später
in den Bundesliga-Alltag zurückkehrt. Nach zwölfeinhalbtausend
Zuschauern am Mittwoch beim Thüringenderby musste der FCC auf einem Nebenplatz
des Weser-Stadions vor einer nicht mal vierstelligen Besucherzahl antreten. Die
Lightversion eines Drittligaspiels.
Da kann ein Trainer noch so oft betonen, dass genau wie in
Erfurt drei Punkte zu vergeben sind - die Einstellung, mit der solch ein Spiel
begonnen wird, ist eine ganz andere. Jeder Zeiss-Fan kann das an sich selbst
nachvollziehen und die Tatsache, dass nach den zurückliegenden
Erfolgswochen nur deren 300 den Weg nach Bremen fanden, belegt dies auch. Ein
gewisses Maß an Verständnis für den
offensichtlichen Druckabfall während der ersten 45 Minuten dürfen
unsere Kicker also für sich in Anspruch nehmen. Zumal in dieser
Halbzeit auch noch ein böiger Gegenwind ihren Spielaufbau massiv
erschwerte. So kam es, dass Gardawski mit einem Kopfball in der 4. Minute eine
erste Chance besaß - die folgende halbe Stunde aber keine einzige
mehr hinzu kam. Bremens lange Kerle besaßen im Mittelfeld die
Lufthoheit, taten sich in der Spielgestaltung jedoch schwer und wurden nur nach
Standards gefährlich oder wenn Jena im Vorwärtsgang
Abspielfehler unterliefen. Trieben uns Feldhahns Gelegenheiten noch nicht den
Angstschweiß auf die Stirn (sein von Nulle zur Ecke gelenkter
Flachschuss wäre ohnehin vorbei gegangen), war Perthels Geschoss aus
20 Metern und vollem Lauf schon von anderem Kaliber. Carsten Nulle lenkte es
mit toller Flugeinlage über die Latte (24.). Dessen Vorderleute
schienen noch immer nicht bei der Sache. Bei Einwürfen bietet sich
keiner an und selbst dem über alle Zweifel erhabenen Assani Lukimya
rollt als letzter Mann einmal der Ball durch die Beine.
Erst zehn Minuten vor
der Pause lassen sich auch die Jenaer mal wieder vor dem gegnerischen
Kasten sehen. Torsten Ziegner, für den verletzten Kühne frühzeitig
eingewechselt, nimmt eine Vorlage Wuttkes auf, rennt damit Richtung Eckfahne
und flankt scharf in die Mitte. Der heranpreschende Hähnge verfehlt
unter Bedrängnis das Leder knapp. Zwei Schüsse von Wuttke und
Truckenbrod noch, zaghaft wie kleine Knospen in der ersten Frühlingssonne
begann Jenas Offensivspiel aufzublühen. Die Werderaner erhöhten
derweil noch mal den Druck vor der Pause. Nach einem Eckball von der rechten
Seite konnten Nulle und ein Verteidiger noch mit vereinten Kräften klären.
In Minute 42 aber kam niemand mehr an den Ball, Artmanns Freistoß
rutschte direkt durch ins lange Eck. Bremen führte verdient mit 1:0,
da Jenas Vorstellung bis dahin einem Neujahrskater nach durchfeierter
Silvesternacht glich.
René van Eck schien in der Kabine die richtige Medizin
gefunden zu haben, denn seine Jungs kamen mit sichtbar veränderter
Einstellung aus der Pause. Schmidts Flanke nur vier Minuten nach Wiederanpfiff
verlängerte Lukimya mustergültig mit dem Hinterkopf. Über
Torhüter Wiedwald hinweg senkte sich das Leder an den Innenpfosten
und sprang dem Keeper direkt in die Arme. Ein Großteil der Zeiss-Fans
hatte diesen Ball schon drin gesehen, ihr Torjubel kam also verfrüht -
um exakt 10 Sekunden ! Denn während Wiedwald noch durchatmet, den Ball
nach vorn wirft auf der Suche nach einer freien Anspielstation, pirscht sich
Orlando in seinem Rücken an ihn heran. Jenas Stürmer hatte an
der Torauslinie noch mit fehlendem Fortune in der Szene davor gehadert, als er
plötzlich seine eigene Chance zu wittern beginnt. Listig mogelt er
sich um Bremens verdutzten Keeper herum und schießt das Leder ins
leere Tor. Der kuriose Ausgleich durch einen Orlando, dem in der ersten Hälfte
so ziemlich jede Aktion misslungen war und der damit als das personifizierte
Sinnbild zweier vollkommen unterschiedlicher Halbzeiten herhalten kann. Denn
von nun an wehte für Jena ein anderer Wind in diesem Spiel - und das
nicht nur meteorologisch gesehen ! Orlando hätte es zugunsten
der Blau-Gelb-Weißen allein entscheiden können. Den von Gardawski
adressierten, noch aufspringenden Ball bugsierte er über das
Lattenkreuz (51.), Benyaminas Vorlage schob er am langen Pfosten vorbei.
Zwischendurch scheiterte Hähnge aus 15 Metern am untröstlichen
Wiedwald und dann blieb auch Orlando nach Vorarbeit Truckenbrods am Bremer
Keeper hängen.
Jena will mehr als ein Unentschieden, doch allmählich
läuft die Zeit davon. Melvin Holwijn kommt neu ins Spiel, setzt ab der
Mittellinie zu einem unwiderstehlichen Solo an, lässt drei Bremer
stehen und zielt um Zentimeter am linken Pfosten vorbei. Noch fünf
Minuten. Ein hoher Ball in Werders Sechzehner wird nach links abgewehrt. Dort
steht wieder Holwijn, der mit Ball am Fuß ein paar Meter nach innen läuft,
abzieht - und trifft ! Spieler, Betreuer und Fans fallen sich in die Arme. 2:1,
diesen Vorsprung geben sie nicht mehr aus der Hand. An Tim Wuttke kommt auf
der rechten Seite nun niemand mehr vorbei, was den baumlangen Furtacs derart frustiert, dass
er sich hinter dem Rücken des Schiedsrichters zu einem angedeuteten
Kopfstoß hinreißen lässt. Der Assistent an der
Seitenlinie hatte es beobachtet und deshalb beendete die U23 das Spiel zu
zehnt.
Nachdem die für den Klassenerhalt erforderlichen 45
Punkte unter Dach und Fach gebracht sind, werden sich Trainer und Sportdirektor
schon mal auf Fragen nach neuen Zielen gefasst machen können. Wie immer
ihre Antwort ausfallen wird - einer Mannschaft, die solch ein Spiel wie das in
Bremen noch zieht, ist einiges zuzutrauen. Wir haben das vor Jahren schon einmal erlebt... <fc>
FC Rot-Weiß Erfurt - FC Carl Zeiss Jena 0:3
Tore: 0:1 Orlando (3.), 0:2 Hähnge (28.), 0:3 Benyamina (56.)
- Erfurt: Orlishausen; Handke (26. Stenzel), Pohl (58. Humbert),
Möckel, Ströhl (54. Pagenburg); Becker, Bölster, Rockenbach
da Silva, Hillebrand; Kammlott, Semmer
- Jena: Nulle; Sträßer (62. Wuttke), Lukimya, Lanzaat,
Nagy; Gardawski, Kühne, Truckenbrod, Benyamina; Orlando (89.
Osadchenko), Hähnge (76. Holwijn)
- Zuschauer: 12.435
- Schiedsrichter: Cortus (Nürnberg)
- Spielbericht
- In den Stadien der Republik versammeln sich jede Woche
allerlei seltsame Menschen. Gestern teilte wieder ein besonders ungewöhnliches
Geschöpf meine Nähe. Entweder hatte der Typ - nennen wir ihn der Einfachheit
halber mal Philipp - überhaupt keine Ahnung vom Fußball, was ich aber nicht
glaube. Er sah einfach nicht so aus, als würde er beim Wort Viererkette
ausschließlich an die nächste Raucherpause denken. Oder aber, Philipp hatte das
Spiel schon mal irgendwo gesehen und wußte, daß am Ende alles gut sein würde.
So, als ob sich Vati die x-te Wiederholung des 54er-Finales reinzieht, bereits
genüßlich darauf wartend, daß Rahn irgendwann schießen müßte und das auch
tatsächlich tut und sich - wie immer - das Wunder erfüllt. Bei solch
übersinnlicher Befähigung hätte mich Philipp aber sicher gewarnt, als ich mich
anschickte, mir die schlechteste Bratwurst der Fußballgeschichte zu kaufen.
Nein, so bösartig wirkte er eigentlich nicht... Die dritte, von mir inzwischen
favorisierte Möglichkeit, ist, daß Philipp an jenem Maiabend im letzten Jahr nicht da war. Er hat es einfach nicht gesehen. Ihm fehlte die
knallharte Erfahrung, wie eine Mannschaft die ohnehin verkorkste Saison in
nicht mal einer Viertelstunde gänzlich vor die Wand fahren kann. Ja, Philipp
war völlig ahnungslos! Das war es. Er freute sich am 1:0, ohne an die 87
folgenden Minuten zu denken, war nach dem 2:0 in Gedanken bereits beim Feiern
und schaute sich den Rest mit der emotionalen Besessenheit an, mit der man sich
in den 90ern einen Werbespot für Timotei-Shampoo
reingezogen hat. Nein, ohne Zweifel, er war nicht dagewesen im Mai. Und da ich
nun mal da war, war ich auch ein wenig neidisch auf Philipps naive
Bedenkenlosigkeit. Ich habe dazugelernt! Kein "Auswärtssieg!
Auswärtssieg!"-Gebrülle bei 2:0-Führung eine Viertelstunde vor Schluß, keine
verfrühten "Derbysieger"-Rufe. Nur ab und zu mal "Die Nummer 1 im Land sind
wir", aber das hatte ja auch nix mit dem Spiel gestern zu tun. Das ist
historisch gewachsen.
Dabei bekommt mein Mißtrauen gleich zu Beginn einen herben
Dämpfer. Als Kühnes Paß den blitzschnellen Orlando mustergültig erreicht, läßt
der sich nicht lange bitten und hebt den Ball über den herausstürzenden
Orle hinweg ins leere Tor. Die Führung nach nur drei
gespielten Minuten. Ein unbeschreiblicher Freudentaumel bricht los. Aber ich
reiße mich am Riemen. Die bösen Erinnerungen des letzten Frühjahrs mahnen zur
Zurückhaltung, Ihr wißt schon. Und meine Vorbehalte erhalten auch gleich wieder
ausreichend frische Nahrung, als Jena damit beginnt, ein Großkontingent guter
Möglichkeiten zu verdaddeln. Der Gardawski muß nach
17 Minuten den Ball eigentlich nur noch an Orle
vorbeischieben, macht statt dessen einen Haken mehr als gut und legt eine
Millisekunde zu spät auf Benyamina ab, so daß Erfurts Abwehr noch klären kann.
Drei Minuten später fliegt Hähnges Kopfball nach Gardawskis
Musterflanke genau in Orles Arme. Fahrlässig! Ich
fluche, Philipp lächelt überlegen. Vielleicht hat er das Spiel ja doch schon
mal gesehen...
Dann dieser Freistoß von Erfurt, bei dem Nulle zunächst am
Ball vorbeisegelt, ihn einen Moment später dann aber doch hat. "Das war knapp!"
entfährt es mir erschrocken, "Souverän!" raunzt Philipp. Ich begreife ihn
nicht... Jetzt nur den Gegner nicht stark machen. Lieber weiter nach vorn!!! Ecke
für Jena. Diesmal kommt Orle angeflogen, hat aber den
Ball am Ende genausowenig wie seine vier Kumpels auf der Linie, an denen Hähnge
- der geduldig am langen Pfosten gewartet hatte - das Leder vorbei schiebt (28.).
Waaaahnsinn! Mein Tanz fällt nun schon etwas lockerer
aus. Aber sicher sein? Lieber noch nicht. Allein Jena läßt jetzt nicht mehr
locker, entzieht der Phobie das Fundament. Erfurt steht völlig neben sich.
Getragen von 3000facher Anfeuerung tritt Orlando abermals an, wird dann aber an
der Strafraumgrenze unfair zu Fall gebracht, wobei die Strafraumgrenze
offensichtlich ein ganzes Stück in den Strafraum reicht (37.). Um das 3:0
gebracht! So ein Mist aber auch.
Die Halbzeit hätte trotzdem kaum fröhlicher sein können.
Entweder war zum Pokalfinale letztes Jahr kaum jemand im Steigerwald zugegen
oder danach hat sich kollektiver Alzheimer weiter Fankreise bemächtigt, so daß
die Sich-noch-gut-erinnern-Könnenden der Philipp-Fraktion nichts
entgegenzusetzen haben. Mein Pessimismus prallt schlichtweg ab! Meine ganzen
Lebensweisheiten will einfach keiner hören. Sowas!
Und auch der Mannschaft waren die wenigen mahnenden
Zeigefinger herzlich egal. Keine Spur von Angst. Zwar kam Erfurt mit etwas mehr
Schwung aus der Kabine, mehr als ein gefährlich getretener Freistoß durch
Becker nach knapp einer Stunde und einen Lattentreffer durch Stenzel (77.)
bekamen die Rot-Weiß-Fans aber nicht zu sehen. Im Gegenteil, die Mutter der
Unzulänglichkeiten, ich nenne sie mal Desolatia, hielt
die Rot-Weißen jetzt noch fester umarmt, so daß Benyamina zehn Minuten nach der
Pause ungehindert (also einfach geradeaus) über den halben Platz rennen und den
Ball an Orle vorbei ins lange Eck schieben konnte.
Philipp wußte es. Jetzt glaubte ich es auch langsam. Diesmal wird es keinen
Zusammenbruch geben. Die Thüringer Fußball-Welt steht wieder auf den Füßen.
"Auswärtssieg! Auswärtssieg!". Und der hätte auch noch deutlicher ausfallen
können. Allein der lange Truckenbrod-Pass auf Smeekes war für die dritte Liga deutlich zu genau, daß der
den Ball aber aus vollem Lauf auch noch sauber mitnimmt, wäre letzte Saison
allein ein Grund zum Kommen gewesen. Schade, daß sich Orlishausen
mit letztem Einsatz noch in Orlandos Schuß werfen kann (77.). Und dann noch der
schöne Konter über Holwijn, der aber viel zu lange
mit seinem Anspiel auf Smeekes rumbummelt, so daß
sich selbst Erfurts schläfrige Abwehr wieder imstande sieht, die Situation zu
klären (84.). Sehen tut das schon längst nicht mehr jeder, der mal im Stadion
war. Die Haupttribüne erstrahlt schon wieder im herrlichsten Rosa, viele Fans
des Thüringer Vizekönigs schauen wahrscheinlich schon lange den Bayern im
DFB-Pokal zu. Die, die noch da sind, höhnen gegen Hörgl.
Auf der anderen Seite tobt die Blau-Gelb-Weiße Herrlichkeit, geht eine
Laola nach der anderen durch den Block. Ein lang
herbeigesehnter Sieg, über den nach etlichen grausamen Gastspielen in der
Blumenstadt, auch in ein paar Jahren noch geredet werden dürfte.
Erfurt ist mit dem Ergebnis noch gut bedient und muß sich
jetzt ganz schön strecken, um mit dem Abstieg am Ende nichts zu tun zu haben.
Wünschen tue ich es ihnen nicht, allein in der Hoffnung, beizeiten mal wieder
so einen Abend erleben zu dürfen. Und vielleicht bin ich ja dann der Philipp
und wundere mich über all jene, die gestern nicht da waren. Von den Bratwürsten
würde ich dann aber auch keinem abraten; die Erfahrung muß jeder selber machen. <bpf>
FC Carl Zeiss Jena - Eintracht Braunschweig 2:1
Tore: 0:1 Banser (8.), 1:1 Benyamina (29.), 2:1 Gardawski (39.)
- Jena: Nulle; Sträßer, Lukimya, Lanzaat, Nagy; Gardawski
(68. Wuttke), Kühne, R. Schmidt, Benyamina (89. Petersen); Orlando
(76. Holwijn), Hähnge
- Braunschweig: Petkovic; Reichel, Henn, Dogan, Boland;
Onuegbu (46. Vrancic), Pfitzner (80. Morabit), Banser, Kragl (58.
Calamita); Kruppke, Kumbela
- Zuschauer: 7249
- Schiedsrichter: Nowak (Bottrop)
- Spielbericht
-
Kurz nach Abpfiff in der sogenannten Mixed Zone des
Ernst-Abbe-Sportfelds. In die Freude über drei Punkte mischen sich
nach Blick auf die Tabelle Journalistenfragen, ob nach drei Siegen in Folge
nicht noch gänzlich andere Ziele angestrebt werden könnten als
nur der Klassenerhalt. Doch Carsten Nulle bleibt auch diesmal cool und überlegt. "Wir sollten mal die
Kirche im Dorf lassen", diktiert er den Reportern in die Schreibblöcke und Mikrofone,
"im Januar waren wir fast tot. Da jetzt irgendwelche Dinge hinaus zu posaunen wäre
töricht. Das haben wir letzte Saison so gemacht und dann sieben Spiele
verloren. Wobei ich nichts dagegen hätte, wenn es so weiter geht. Aber
noch haben wir keine 45 Punkte."
Anfangs sah es ganz und gar nicht nach einer Fortsetzung der
kleinen Siegesserie aus. Braunschweig kam schon nach drei Minuten zu seiner
ersten Gelegenheit, die ihr Torschütze vom Dienst, Dennis Kruppke
gegen Nagy und Nulle vergab. So ähnlich hatte es für die
Jenaer gegen Kiel auch begonnen, nur mit dem Unterschied, dass sie diesmal nicht ungeschoren über
die (Anfangs-)Runden kommen sollten. Nach Kruppkes Freistoß von der rechten Außenlinie
stieg Fait-Florian Banser an der Torraumlinie am höchsten und ließ
unserem Keeper keine Chance zum Reagieren. 0:1, eine verdiente Führung,
weil die Eintracht besser ins Spiel gekommen war und die Mehrheit der Zweikämpfe
für sich entschied. Gegen ihr konsequentes Pressing bis in die Jenaer
Hälfte hinein fand der FCC zunächst kein Rezept. Erschwerend
kam hinzu, dass sich zwischen den beiden defensiven Mittelfeldspielern und den
Offensiven davor eine ungewohnte Lücke auftat, die den Aufbau geordneter
Angriffsaktionen massiv erschwerte. Infolgedessen hatte sich der Ausgleich
nach einer halben Stunde nicht unbedingt abgezeichnet, ein schönes Tor
war es trotzdem. Soufian Benyamina bekam den Ball von Ralf Schmidt in den
Strafraum serviert und lupfte ihn mit rechts über Torhüter
Petkovic hinweg in die lange Ecke. Jenas erster Treffer mit dem ersten
Torschuss - effizienter geht's nicht.
Als wenn es eines solchen Weckrufes bedurft hätte,
drehten die Jenaer nun richtig auf. 36. Minute, der starke Gardawski spielt
Orlando an. Dem wirft man vielleicht nicht zu Unrecht vor, gern mal zu
eigensinnig ohne Blick für den Nebenmann zu agieren. Nicht so aber in
dieser Szene. In einer Position, aus der er selbst hätte den Abschluss
suchen können, übersah er den noch besser postierten
Sebastian Hähnge nicht. Jenas Stürmer schoss sofort, Petkovic
war geschlagen, doch der rechte Pfosten verhinderte die Jenaer Führung
zu diesem Zeitpunkt. Keine vier Minuten später
gibt es den ersten Eckball des Spiels. Petkovic faustet ihn aus dem Strafraum,
von wo aus aber wieder Orlando loszieht. Dessen Flanke von der rechten Seite
fliegt hinüber in die linke Strafraumhälfte, wird von Michael
Gardawski volley genommen und aus sieben, acht Metern direkt ins Netz befördert.
2:1, das Stadion tobt. Gar nicht auszudenken, wenn vor der Pause noch der
dritte Jenaer Treffer gefallen wäre. Die Möglichkeit dazu war
da, als Kühne nach Vorarbeit Gardawskis aus sechs Metern aufs Tor
schoss, Henn und Petkovic mit vereinten Kräften gerade noch so klären
konnten. An der Leistung Stefan Kühnes lassen sich die zwei
unterschiedlichen Gesichter dieser ersten 45 Minuten anschaulich beschreiben.
Gerade er hatte anfangs riesige Probleme, allein zwischen der 16. und 19.
Spielminute registrierten wir von ihm fünf unglückliche
Aktionen voller Verunsicherung. Und nun, kurz vor der Pause, gewinnt er plötzlich
jeden seiner Zweikämpfe und wäre um ein Haar noch zum Torschützen
geworden.
Es war zu vermuten, dass die zweite Halbzeit nicht so
losgehen würde, wie die Erste geendet hatte. Braunschweigs Trainer
Torsten Lieberknecht ("Ich habe schon vor der Saison Jena als
Aufstiegskandidaten gesehen") hatte seine Elf wieder auf Kurs gebracht,
wenngleich den Aktionen der Norddeutschen das letzte Bisschen an
Entschlossenheit fehlte. Klar, sie waren häufiger in Ballbesitz, doch
trafen sie auf eine nun kompakter stehende Jenaer Hintermannschaft mit einem
wiederum überzeugenden Assani Lukimya in deren Zentrum. Einziger
Wermutstropfen war nur die fünfte Gelbe Karte für
Ralf Schmidt, für den das Thüringenderby damit nur von
der Tribüne aus stattfinden darf. Da auch der FCC dem Dortmunder Spiel
vom Mittwoch kräftemäßig ein wenig Tribut zollen
musste, gab es nach der Pause so gut wie keine Tormöglichkeiten mehr.
Den ersten Schuss aufs Gästetor gab Orlando mit einem Freistoß
in Minute 71 ab. Auf der Gegenseite dauerte es noch fünf Minuten länger,
ehe Calamita aus 16 Metern das Nulle-Gehäuse knapp verfehlte. Dies
sollte jedoch die einzige Schrecksekunde bleiben, weil die in Rückstand
liegenden Braunschweiger erstaunlicherweise auch in der Schlussphase ein höheres
Risiko scheuten. Der Ausflug ihres Torhüters Petkovic während
der Nachspielzeit in den gegnerischen Sechzehner vermochte darüber
nicht hinweg zu täuschen. So blieb es bis zum Schluss beim knappen und
verdienten Jenaer Sieg, den die Elf in Blau-Weiß mit einem von ihr so
noch nicht beobachteten Jubelkreis feierte.
Zurück in der Mixed Zone. Auch Carsten Sträßer,
mit Töchterchen Felicia Sophie auf dem Arm, stellt sich den Journalistenfragen.
Spricht von einer gefestigten Jenaer Mannschaft, in der Einer für den
Anderen einsteht. Und blickt vier Tage voraus: "Gegen Erfurt haben wir einiges
gut zu machen !". Jenas Anhänger werden ihn beim Wort nehmen. <fc>
Borussia Dortmund II - FC Carl Zeiss Jena 0:3
Tore: 0:1 Orlando (13.), 0:2 Nagy (32.), 0:3 Orlando (45., FE)
- Dortmund: Höttecke; Evers, Hünemeier, Neumeister,
Kaptan (
, 45.); Großkeutz (46.
Kandziora), Koch, Tyrala, Piossek (72. Oscislawski), Nottbeck; Kullmann
(62. Hille)
- Jena: Nulle; Wuttke, Lukimya, Lanzaat, Nagy; Gardawski (61.
Holwijn), Kühne, R. Schmidt (74. Truckenbrod), Benyamina; Hähnge,
Orlando (79. Sievers)
- Zuschauer: 1256
- Schiedsrichter: Kampka (Mainz)
- Spielbericht
- (von Gastkommentator Tobias Häfner)
Vergessen sollten sie nun endgültig sein sein, die endlosen Diskussionen in den Fußballforen
um Schnee, Matsch und Rasenheizungen - das Gastspiel in der klassischen Fußballarena
direkt neben dem "Signal Iduna Park" fand bei herrlichem Vorfrühlingswetter statt.
In der Startelf unserer Mannschaft nur die eine bereits vorher vermutete Veränderung -
für den gesperrten Carsten Sträßer rückte erwartungsgemäß Tim Wuttke auf die
Position des Rechtsverteidigers, Ralf Schmidt dagegen konnte entgegen aller Befürchtungen
im Vorfeld des Spiels auflaufen.
Die ersten Offensivaktionen kamen von unserem Team.
Hähnges Kopfball konnte jedoch der Dortmunder Torhüter Höttecke mühelos
aus der Luft pflücken und Orlando verpasste einen gut getimten Paß
von Stefan Kühne. In der 6. Minute die erste richtige Chance jedoch auf
der anderen Seite. Einen Flachschuß aus 14 Metern Entfernung konnte jedoch
Nulle parieren. Dennoch nahm nun unser Team mehr und mehr das Heft des Handelns
in die Hand und bereits in der 13. Minute wurden die ersten Früchte dieses
Engagements geerntet. Wieder wurde Smeekes steil von Kühne geschickt und
dieses Mal ließ er sich die Chance nicht entgehen und versenkte den Ball eiskalt.
In der 16. Minuten prüfte Tim Wuttke den Torhüter der schwarz-gelben mit einem Schuß
von der Außenposition.
4 Minuten später nach längerer Zeit mal wieder der Gastgeber mit einer Torraumszene,
doch der scharf angeschnittene Freistoß des einst von uns umworbenen Tyrala
wird von jedermann verpasst und landet hinter dem Tor.
Danach verlagerten sich die Torgelegenheiten wieder vor das andere Gehäuse.
Zunächst geht ein Freistoß von Orlando aus 28 Metern noch recht deutlich
übers Tor. Aber mehr und mehr wird nun deutlich das vor allem in punkto Zweikampfverhalten unsere Mannschaft den Gastgebern deutlich überlegen war. Vor allem Lukimya, Kühne und Wuttke blieben nahezu in jedem defensiven Zweikampf Sieger. Aber auch offensiv sah das richtig gut aus. Kein schleppendes Aufbauspiel wie man es noch viel zu häufig in der Hinrunde beobachten musste, sondern meistens wurde schnell und schnörkellos nach vorn gespielt.
Die nächste Chance aus einem solch zügig nach vorn getragenen Angriff hatte Gardawski
auf dem Fuß der mit einem Schuß aus halbrechter Position Höttecke zu einer
tollen Parade zwang. Das nächste Beispiel - Orlando am Seitenaus in Höhe der Mittellinie
scheinbar von viel zu vielen Dortmundern bedrängt. Jedoch weiß er sich daraus
zu befreien und legt ein wahres Zaubersolo hin bis er 10 Meter von dem Strafraum
unsanft gestoppt wird. Den folgendes Freistoß schlug Nagy mit viel Effet und
scheinbar so verwirrend das der Ball - wie später bestätigt wurde
ohne Freund- und Feindberührung - plötzlich im Netz zappelte. 0:2 nach 32 Minuten !
Aber unsere Jungs hatten in dieser bärenstarken ersten Halbzeit noch nicht
genug. In der 35. Minute ist bei einem Flachschuß von Orlando der Dortmunder
Keeper rechtzeitig ab Boden. In der 40. Minute wieder Orlando - sein gefühlvoller
Linksschuß verfehlte jedoch knapp das Tor. Eine Minute vor Pausenpfiff
ein mustergültiger Konter eingeleitet von Hähnge, dann sieht der wieder auf
und davon gesprintete Orlando den mitgelaufenen Wuttke. Offenbar kurz hinter der
Strafraumlinie wurde Wuttke aber vom Dortmunder Kaptan niedergemäht.
Eine hundertprozentige Torchance verhindert, die folgerichtige Entscheidung war
Rot für den schwarz-gelben Außenverteidiger und Elfmeter. Orlando schnappt sich den
Ball und schoß scharf und platziert, auch war der Dortmunder Torwart in der falschen Ecke.
Pausenstand also 0:3 und die folgenden 15 Pausenminuten wurden bei dem einen
oder anderen der ca. 150 mitgereisten FCC Anhänger zum Anlaß genommen die
Gedächtnisprotokolle zu verifizieren nach einer letzmaligen Pausenführung mit
3 Toren Unterschied. Auflösung : beim Studium alter Spielberichte auf dieser Website
muss man bis zur Saison 2003/2004 zurückblättern ;-)
2 Minuten nach Wiederanpfiff gleich die erste dicke Chance um das vierte
Tor zu erzielen, den Schuß von Benyamina lenkt Höttecke mit den Fingerspitzen
übers Tor. Aber mit fortschreitender Spielzeit sind nennenswerte Torszenen
nun rarer gesät. Die Dortmunder versuchten mit viel läuferischem Einsatz
ihre Unterzahl auszugleichen. Das gelang ihnen auch nun leidlich - aber
der Versuch mit kurzen, flachen Pässen unsere Abwehr auszuhebeln scheiterte
meistens so 5 Meter vor der Strafraumgrenze. Erwähnenswert lediglich
in der 60. Minute ein Kopfball nach einem Freistoß an dem Nulle mit den Fingerspitzen
dran war. Auf die gleiche Art und Weise klärte Nulle in der 77. Minute nach einem
Schuß aus spitzen Winkel. Beim Lattentreffer der Gastgeber in der 88. Minute
zeigte der Schiriassistent bereits Abseits an.
Auf der richtigen Seite gab es ebenfalls noch einige Chancen den Vorsprung
sogar noch auszubauen. So in der 62. Minute eine gute Kopfballchance von
Lukimya nach Ecke von Nagy. 3 Minuten später zwingt Hähnge den guten Dortmunder
Keeper zu einer Fußparade. In der 85. Minute prüfte Truckenbrod am Ende
einer schönen Kombination über Hähnge und Benyamina nochmals Höttecker.
Sicher war die zweite Halbzeit offensiv nicht mehr so zwingend wie
die 45 Minuten vor der Pause. Geschenkt - und irgendwie auch legitim aufgrund der vielen
anstehenden englischen Wochen. In Gefahr geriet der sichere Sieg aufgrund der
aufmerksamen Defensive nie.
FC Carl Zeiss Jena - Holstein Kiel 3:0
Tore: 1:0 Lukimya (32.), 2:0 Orlando (41.), 3:0 Hähnge (74.)
- Jena: Nulle; Sträßer, Lanzaat, Lukimya, Nagy; Gardawski
(76. Holwijn), Kühne (66. Truckenbrod), R. Schmidt, Benyamina; Hähnge
(89. Wuttke), Orlando
- Kiel: Frech; Lamprecht, Müller, Boy, Jürgensen (

, 88.);
Schüßler (4. Siedschlag), Vujcic, Jerat, Meyer; Sykora (57. Holt),
Cannizaro (70. Wulff)
- Zuschauer: 5205
- Schiedsrichter: Osmers (Hannover)
- Spielbericht
-
Holstein Kiel war mit beachtlichem Etat und daraus
resultierenden Erwartungen in die Saison gestartet. Schnell fand sich der
Neuling jedoch auf dem Boden der Realität wieder und derzeit auf einem
der Abstiegsränge. Das 1:6 in Bremen vor einer Woche wurde auf der
vereinseigenen Homepage als Tiefpunkt der Auswärtsmisere bezeichnet.
Solch einen Kontrahenten kann man als angeschlagenen Boxer ansehen, der umso
gefährlicher ist, je mehr er sich in die Ecke gedrängt fühlt.
Oder man kann ihn unterschätzen. Welche Einstellung würde
sich die Jenaer Elf zueigen machen ?
Positiv war schon mal, dass sie in der selben Formation
auflaufen konnte wie beim überzeugenden Auftritt gegen Osnabrück.
Der angeschlagene Ralf Schmidt hatte beim Abschlusstraining grünes
Licht gegeben und stand die neunzig Minuten durch. Die Anfangsphase freilich
hielt einem Vergleich mit jener gegen den VfL nicht stand. Zwar besaß
Orlando nach fünf Minuten die erste Chance im Spiel, als er gezwungen
war, aus eher ungünstiger Position abzuschließen, weil
keiner seiner Mitspieler mitgekommen war. Alles in allem aber konnte sich der
Gastgeber glücklich schätzen, nach zwanzig Minuten nicht in Rückstand
zu liegen. Da Lanzaat gegen Canizzaro das Nachsehen hatte, lief der bei Erfurt
ausgemusterte Kieler Stürmer in Minute 15 unbedrängt auf
Carsten Nulle zu. Unser Keeper, gerade erst zum Torschützen des Monats
nominiert, warf sich ihm mit Erfolg entgegen und zeigte, dass er nicht nur
offensiv, sondern auch defensiv zu überzeugen weiß, wie sein
Trainer nach dem Spiel flachste. Da auch Jerat mit einem Freistoß am
Jenaer Kapitän scheiterte und Sykoras Ablage nach einer Unsicherheit
in der Thüringer Hintermannschaft nicht ankam, überstand der
FCC die Anfangsperiode mit etwas Glück unbeschadet. Nach vorn lief zunächst
nicht viel zusammen. Schon zweiundzwanzig Minuten waren vorbei, als Kiels
Schlussmann Michael Frech mittels Faustabwehr das erste Mal eingreifen musste.
Die Jenaer Führung, sie fiel wie so häufig in den letzten
Wochen aus einer Standartsituation heraus. Assani Lukimya hatte vor Wochenfrist
beim Torerfolg seines Keepers genau hingeschaut und köpfte einen
Freistoßball von Nagy in die Maschen. Dass der Freistoßpfiff
zuvor durch Schiedsrichter Osmers eher geschenkt war, muss kein schlechtes
Gewissen bereiten. Auch auf der Gegenseite gabs hier und da umstrittene
Entscheidungen.
Vielleicht reagierten die "Störche" eine Spur zu passiv
auf die neue Spielsituation, indem sie hinten drin blieben und auf Jenaer
Angriffe warteten statt selbst welche zu initiieren. Andererseits muss man
vielleicht auch Verständnis für ihre Situation haben. Nach
der Klatsche gegen Werders U23 hatten sie hier passabel begonnen, sich auch von
der schweren Verletzung ihres Mittelfeldspielers Schüßler
(Verdacht auf Kreuzbandriss) nicht aus dem Konzept bringen lassen und lagen
dennoch schon wieder im Rückstand. Als sie dann doch nochmal versuchten,
vor der Pause den Ausgleich zu erzielen, liefen sie prompt in einen
Konter. Nagy schlug aus der eigenen Hälfte einen weiten Pass auf
Orlando. Dem war bis dahin noch nicht viel gelungen, doch jetzt machte er
alles richtig. Vom Ex-Jenaer Robert Müller nicht einzuholen, schob der
schnelle Holländer das Leder an Frech vorbei zum 2:0 über die
Linie. Ohne geglänzt zu haben, lag der FCC zur Pause mit scheinbar
beruhigenden zwei Toren in Front. Wann hatte es dies zuletzt gegeben ?
Der Schuss von Florian Meyer, einem der Besten in den Reihen
der Holsteiner, nur zwei Minuten nach dem Wechsel sollte sich als Kieler
Strohfeuer erweisen. Mit "Schüsschen, Eckbällchen und Freistößchen"
(O-Ton Christian Wück) war den Jenaern nicht beizukommen. Und so
lehnte der Gästecoach phasenweise selbst resigniert an der
Trainerbank. Während das Dutzend Gästefans, welches aufgrund des
Nachholtermins die weite Strecke womöglich zum zweiten Mal
innerhalb weniger Tage auf sich genommen hatte, eine nun deutlich überlegene
Jenaer Elf zu sehen bekam. Welch tolle Aktion war das zum Beispiel in Minute
62, als Orlando gleich zwei Gegenspieler düpierte und eine feine
Vorlage für Hähnge zustande brachte. Der schoss sofort aus
der Drehung und zwang Frech zu einer spektakulären Parade. Drei
Minuten später wurden die Rollen getauscht. Hähnge spielte
den Vorbereiter für Orlando, welcher sich hinterher maßlos ärgerte,
in dieser Szene den Ball am langen Pfosten vorbei geschoben zu haben. Ein Happy
End gab es dennoch für beide, denn nach Orlando in Hälfte
eins kam auch Sebastian Hähnge noch zu Torehren. Sein Antritt ab Mitte
der gegnerischen Hälfte, das Täuschungsmanöver, dann
der Schuss mit dem linken Außenrist aus 18 Metern genau ins
Dreiangel war nach Meinung aller das
schönste Tor des Tages. Mit solchen Aktionen lässt Jenas Stürmer
auch seine letzten Kritiker auf den Rängen für hoffentlich längere
Zeit verstummen.
Dem Schiri saßen mit zunehmender Spielzeit die Karten allzu locker. Das mit Gelb geahndete Foul von Jürgensen kurz vor
Schluss war genauso wenig verwarnungswürdig wie das von Carsten Sträßer
eine halbe Stunde zuvor. Für den Jenaer war es die fünfte
Gelbe in dieser Saison, für den Kieler die zweite im Match. Als
Konsequenz müssen beide beim nächsten Mal zuschauen.
Drei Punkte zum 50. - wer Mannschaftsleiter Uwe Dern kennt,
der weiß, dass ihm die Mannschaft kein schöneres
Geburtstagsgeschenk hätte bereiten können. Auch von
dieser Stelle aus herzlichen Glückwunsch, Uwe und alles Gute fürs nächste
halbe Jahrhundert ! <fc>
FC Carl Zeiss Jena - VfL Osnabrück 1:1
Tore: 0:1 Barletta (72.,HE), 1:1 Nulle (90.+2)
- Jena: Nulle; Sträßer, Lanzaat, Lukimya, Nagy; Gardawski, Kühne, R.Schmidt (82.Kolb),
Benyamina; Hähnge, Orlando
- Osnabrück: Berbig; Engel, Barletta, Nickenig (

, 75.),
Tauer; Pinheiro, Heidrich (61.Schmidt); Siegert, Lejan (64.Grieneinsen), Kotuljac (76.Stang), Lindemann
- Zuschauer: 5694
- Schiedsrichter: Thomsen (Kleve)
- Spielbericht
-
Der FCC empfing den Spitzenreiter Osnabrück, Weiß gegen Schwarz (nach den Trikotfarben), wie beim Schach. Und in den ersten
45 Minuten boten beide Mannschaften auch gepflegtes Rasenschach - taktisch diszipliniert, vorsichtig, unbedingt ein Gegentor vermeiden
wollend, ohne große Aufregungen. Der FCC wählte dabei - trotz Doppelspitze mit zwei offensiven Außenbahnen - eine
geschlossene Eröffnung, die auch den gewünschten Erfolg brachte. Aus einer sicheren Abwehr heraus suchte man mit gepflegten
Pässen den Mitspieler und ließ dem Ligaspitzenreiter - der eigentlich im gesamten Spiel seine Auswärtsschwäche
bewies - im Mittelfeld keinen Raum für den eigenen Aufbau. Die einzigen Ausnahmen bildeten die 35. und die 39. Minute: Nach einem
misslungen Tackling Nagys starteten die Gäste einen schnellen Angriff über rechts, in dessen Ergebnis Pinheiro an die Latte
des Jenaer Tores köpfte. Der FCC "revanchierte" sich nach einer Ecke, als Lanzaats Kopfball von einem Osnabrücker noch am Tor
vorbeigelenkt werden konnte. Trotzdem war der FCC im Vergleich zu den vorigen Heimspielen nicht wiederzuerkennen. Es waren die kleinen
Ungenauigkeiten, die Zählbares für den FCC verhinderten, obwohl man mit kleinen Nadelstichen den Favoriten einige Male ärgern
konnte. Dabei rückte Orlando in den Mittelpunkt: Entweder er stand im Abseits (20., 21. min) oder der Ball wurde auf dem
nassen Rasen zu schnell (22.) oder er war einfach zu überrascht, als ihm am langen Pfosten der Ball vor die Füße
fiel (30.). Positiv fiel das gute Zusammenspiel zwischen Hähnge und Gardawski auf. Nicht zu übersehen war bereits in der
erste Halbzeit die Unart der Gäste, bei Ballverlust am Boden liegen zu bleiben - gegen Ende des Spiels wurde diese Theatralik
durch Bodenpirouetten und Schmerzensschreie ergänzt - und auf das Wohlwollen des Referees zu hoffen.
Die Spieler des FCC hatten dann gemerkt, dass heute mehr drin war als nur eine Schadensbegrenzung und so startete man nach der Pause
deutlich offensiver. Vor allem Benyamina, der vor der Pause etliche Fehlabspiele bot, zeigte sein Stürmerblut. So in der 48. min
als er den Verteidiger mit einem Haken alt aussehen ließ und den Ball an die Lattenunterkante hämmerte. Den zurückspringen
Ball konnte Schmidt leider nicht mehr ins Tor drücken. Dann versuchte es Orlando über links, scheiterte jedoch am Verteidiger (53.).
Benyamina testete Berbigs Reflexe mit einem Schuss aus etwa 8 Metern Entfernung (56.), bevor Orlando kurz danach mit einem Sprint mit Ball
drei Osnabrücker in Verlegenheit brachte. Diese lösten das Problem mit einem Foul kurz vor der Strafraumgrenze, dass Schiedsrichter
Thomsen jedoch nur mit "Gelb" ahndete. "Rot" wegen Notbremse wäre die richtige Entscheidung gewesen! Den Freistoß selbst vergab
Orlando kläglich, in dem er ihn gefühlvoll mitten in die Mauer setzte. Einige Minuten später zeigte sich Orlando zu
egoistisch, als er lieber allein einen Schuss versuchte, anstatt den besser stehenden Gardawski mit einem Steilpass zu bedienen.
Der
FCC hatte den VfL in fester Umklammerung und ein Tor schien nur eine Frage der Zeit zu sein. Das fiel dann auch in der 72. min per
Foulstrafstoß: Nach einer Ecke versuchte sich Orlando so deutlich als Handballer, dass der Referee gar nichts anderes als
Elfmeter entscheiden konnte. 1:0 für Osnabrück - das Spiel nach der Pause war auf den Kopf gestellt! Der FCC ruckte noch
einmal an, alle knieten sich mit doppeltem Eifer rein, Orlando warf sich in einen Abschlag Berbigs und so ergab sich für Hähnge
die Chance, mit Ball am Fuß in den Strafraum einzudringen. Wieder kam die Notbremse zum Einsatz, gefühlt auf der
Strafraumgrenze - aber anstatt Strafstoß und Feldverweis entschied Thomsen, der von dieser Szene an völlig den Überblick
verlor, auf Freistoß und gab Nickenig nur "Gelb" (75.)! Lediglich die Tatsache, dass es bereits dessen zweite Verwarnung war,
beförderte ihn vom Feld. Der Freistoß brachte nichts ein (diesmal versuchte sich Nagy), aber von da an brannte die Luft im
Stadion. Die Gäste versuchten mit langen Bällen nach vorn und übelsten Schauspieleinlagen die den Vorsprung über
die Zeit zu retten, der FCC rannte mit aller Macht an. Der Schiedsrichter - bis zur 75. min zwar kleinlich, aber dies auf beiden
Seiten - verteilte nun munter Freistöße für die Gäste und Verwarnungen an Schmidt, Sträßer und
Lukimya für Peanuts und animierte so das Publikum. Der FCC schien sich vergeblich zu bemühen, entweder das Außennetz
(Orlando, 86.) oder Berbig (gegen Gardawski, 87.) waren jeweils Endstation. Nulle verhinderte zwischenzeitlich bei einem VfL-Konter
das entscheidende 0:2, als er einen Schuss aus Nahdistanz parierte. Schlussminute, Eckball für Jena, Nulle ging mit vor - nichts.
Nachspielzeit, weiterer Eckball für den FCC, wieder war Nulle vorn. Gardawski tritt die Ecke und aus der Ansammlung von 22 Spielern
schraubte sich ein gelbes Trikot einen gefühlten halben Meter über den Rest der Meute und köpfte in bester Stürmermanier
unhaltbar zum Ausgleich ein! Nulle als Torschütze - er lässt in dieser Saison wirklich nichts aus!!!
Vor dem Spiel wären viele sicher mit einem Punkt gegen den Spitzenreiter zufrieden gewesen, nach dem Abpfiff haderte
man ein klein wenig mit den vergebenen zwei Punkten. In jedem Fall bot der FCC die beste Heimleistung seit einem halben Jahr und
wusste endlich auch einmal spielerisch zu überzeugen. <uk>
Fotos von Jens Weißenburger
"Unglaubliches Spiel in Jena" - der Bericht auf vfl.de
FC Carl Zeiss Jena - FC Erzgebirge Aue 1:0
Tore: 1:0 Hähnge (88.)
- Jena: Nulle; Sträßer, Wuttke, Lanzaat Nagy; Gardawski (75. Benyamina), Kühne,
R. Schmidt, Kolb (65. Amrhein); Orlando (90.+3 Truckenbrodt), Hähnge
- Aue: Männel; Klingbeil, Kos, Paulus, le Beau; Stark, Hensel,
Curri (46. Klotz), Hochscheidt (78. Müller); Ramaj, Braham (70. Glasner)
- Zuschauer: 7206
- Schiedsrichter: Valentin (Taufkirchen)
- Spielbericht
-
Derbyzeit in Jena. Innerhalb weniger Tage haben die Männer um René van Eck zwei eminent wichtige Derbys vor der Brust.
Am heutigen Tag kamen die Veilchen aus Aue ins Jenaer Rund und bereits am Donnerstag geht die Reise des FCC zum 40 km entfernten
Nachbarn aus Thüringen. Aber da die letzten Derbys der Jenaer alles andere als erfolgreich waren, so sollte heute unbedingt ein Sieg gelingen.
Die Platzherren waren auch sofort bemüht, das Zepter des Handelns in die Hand zu nehmen. Bereits nach fünf Minuten die erste Chance
für den FCC durch Hähnge, doch leider verfehlte er mit seinem Schuss aus der Drehung das Tor nur knapp. Wenig später erneut
eine gute Möglichkeit für den Jenaer Stürmer, aber nach Flanke von Schmidt stand er zwar goldrichtig, traf aber er den Ball
nicht richtig. Die Gäste versteckten sich keinesfalls und kamen in der achten Minute zu ihrer ersten Chance. Einen hoch getretenen
Freistoss verpassten alle Spieler im Strafraum, so dass der Ball an Freund und Feind vorbei zischte und um Zentimeter das Tor verfehlte.
Ein Kopfball vom völlig freistehenden Najeh Braham (18.) hätte die Führung der Auer bedeuten können, denn auch hier
fehlte nur wenig. Trotz der noch immer torlosen Begegnung sahen die 7200 Zuschauer eine hart umkämpfte Partie, bei der sich beide
Teams keinen Zentimeter des Rasens schenkten. Nach gut einer halben Stunde (32.) dann der schönste Spielzug der Platzherren bis
dato. Schmidt hatte mit einem Steilpass auf Hähnge gepasst, der aber zu lange brauchte, den Ball unter Kontrolle zu bringen -
Querpass auf unseren Neuzugang Gardawski, der zum kurzen Sololauf ansetzte, seinen Gegenspieler umkurvte und mit einem mustergültigen
Querpass vors Tor auf Orlando passte. Die meisten Fans hatten bereits den Jubelschrei auf den Lippen angesichts dieser 100% Torchance,
doch Orlando brachte das Kunststück fertig, den Ball aus Nahdistanz Gästekeeper Männel vor die Brust zu schießen.
Auch nach der Pause das gleiche Spiel. Beide Teams fighteten um jeden Ball und die ein oder andere Gelbe Karte blieb nun auch nicht mehr
aus. Zum Ärger der Jenaer traf es auch Tim Wuttke, dem nun durch seine fünfte Karte nur die Rolle des Zuschauers beim Thüringenderby
bleibt. Die erste nennenswerte Möglichkeit der zweiten Halbzeit gehörte den Gästen, doch Nulle konnte einen gefährlichen
Flachschuss von Hochscheidt zur Seite klären. Drei Minuten später hätte Braham erneut für die Führung der Veilchen
sorgen können, doch glücklicherweise konnte er aus Nahdistanz seine Chance nicht nutzen. Schnell ausgeführter Gegenzug der
Jenaer mit einem schönen Steilpass auf Hähnge, der von halb links aufs Gästetor zustürmte. Es folgte ein kurzer Schwenk
nach rechts und anstatt nun sofort zu abzudrücken, entschied er sich erneut für einen Schwenk diesmal nach links, wodurch er sich
selber den Winkel zum Tor so verkürzte, dass sein anschließender Schuss für Männel keine Gefahr mehr darstellte. Der
Druck der Jenaer Mannschaft nahm nun stetig zu und der FCC drehte sein Eckenkonto nach oben. Nur leider wollte noch immer kein Tor gelingen.
Beim 13. Eckball! der Thüringer hätte es dann fast geklappt, doch leider verfehlte Wuttke mit seinem wuchtigen Kopfball nur ganz
knapp das Tor. Zehn Minuten vor Ultimo sorgte die mittlerweile 15. Ecke der Jenaer (Endstand 17:3) erneut für große Gefahr im
Strafraum der Gäste, doch Ramaj konnte den Kopfball vom eingewechselten Benyamina noch auf der Torlinie klären. Die letzten
Minuten plätscherten so dahin und beide Teams hatten sich eigentlich schon mit einem Unentschieden abgefunden. Doch es gab in der
88. Minute noch einmal Freistoß für den FCC. Nagy flanke platziert nach innen und dort schraubte sich Hähnge am höchsten
und traf per Hinterkopf zum viel umjubelten Führungstreffer. Die Auer warfen in den wenigen verbliebenen Minuten noch einmal alles nach
vorn, doch die Jenaer ließen sich am heutigen Tage diesen hoch verdienten Sieg nicht mehr nehmen.
Nach derben Pleiten in den letzten großen Derbys ist es dem FCC endlich mal wieder gelungen, ein so wichtiges Prestigeduell
zu seinen Gunsten zu entscheiden. Nun gilt es die Kräfte zu bündeln, um beim zweiten Traditionsduell am kommenden Donnerstag
erneut als Sieger den Platz zu verlassen. <vg>
FC Carl Zeiss Jena - SV Sandhausen 0:1
Tore: 0:1 Dorn (44.)
- Jena: Nulle; Sträßer, Lanzaat (53. Eckardt), R. Schmidt;
Wuttke, Truckenbrod, Ziegner (87. Kühne), Orlando (75. Mayombo);
Kolb, Hähnge
- Sandhausen: Kirschbaum; Bindnagel, Tausenpfund, Glibo, Mintzel;
Pinto (90. Throm), Hillenbrand, Jungwirth, Schauerte (74. Öztürk);
Cenci, Dorn (90. Hosiner)
- Zuschauer: 5513
- Schiedsrichter: Dr. Kunzmann (Bad Hersfeld)
- Spielbericht
-
"Meine Spieler sind so heiß im Training, dass ich
Angst hatte, der Rasen könne verbrennen." - Sprüche wie
dieser von René van Eck wecken nach dem Jahreswechsel Erwartungen, die
vielleicht ein paar Zuschauer mehr ins winterkalte Stadion locken, dann aber auch
erfüllt werden wollen. Im Falle eines Misserfolgs nämlich können
einem die Zitate auch buchstäblich um die Ohren fliegen.
Den Auftakt dieses Nachholspiels bildete ein Kopfball des
aufgerückten Lukimya-Mulongoti nach Freistoß Ziegners. Gäste-Torwart
Kirschbaum zeigte sich auf dem Posten (3.). Ansonsten war es ein gemächlicher
Beginn, zu dem die Theatralik nicht passen wollte, mit der sich die
Sandhausener Spieler jedes Mal auch nach harmlosen Fouls auf dem Rasen wälzten.
Das nahm ein Ende, als sie die erste Gelbe Karte des Spiels für Wuttke
provoziert hatten. Am Schiedsrichtergespann allerdings sollten sich im Laufe
der Partie noch häufiger die Gemüter erhitzen.
Sportlich tat sich zunächst wenig und wenn, dann
in der Gästehälfte. Nach siebzehn Spielminuten
spielte Ziegner schön in den Lauf des überraschend in die
Anfangself gerückten Kolb. Dieser flankte von der rechten Seite vors
Tor, wo Hähnge zunächst einen Schritt zu spät kam.
Der von links heranbrausende Orlando kam zwar noch zum Schuss, mehr als ein
Eckball sprang aus spitzem Winkel jedoch nicht heraus. Szenenapplaus gab es für
Carsten Sträßer sieben Minuten später, als er einen
schon verloren scheinenden Ball zurück eroberte. Hier bekam man einmal
einen Ahnung von dem, was van Eck gemeint haben könnte. Doch die Regel
war das leider nicht. Wie oft musste ein Spieler den Einwurf bis zum letzten
Moment hinauszögern, weil die eigenen Mannschaftskameraden bei ihren
Gegenspielern stehen blieben anstatt sich frei zu laufen ! Orlandos nächste
Aktion - nach energischem Antritt übersah der Holländer den
freistehenden Landsmann Lanzaat am Elfmeterpunkt - war Jenas letzte Gelegenheit
vor der Pause. Und die Gäste ? Erspielten sich ihre erste Chance eine
Minute vor dem Halbzeitpfiff. Einen mit dem Kopf verlängerten Ball
nimmt Neuzugang Cenci gekonnt mit der Brust an, leitet ihn sauber mit der Hacke
weiter und bringt Sturmpartner Dorn damit in eine vorzügliche
Schussposition. Dieser Regis Dorn ist viel zu sehr Torjäger, um sich
solch eine Gelegenheit entgehen zu lassen. Gegen seinen Schuss ins lange Eck
hat Nulle nicht die Spur einer Chance. Mit der einzigen Möglichkeit in
45 Minuten die Führung zu erzielen - mehr an Effizienz geht nicht. Es war übrigens
kein Konterzug, als welcher dieser Angriff vonseiten unseres
Trainer bezeichnet wurde. Jenas Defensive durfte sich in aller Ruhe formieren
und stand mit sieben gegen zwei Mann im eigenen Strafraum.
Quido Lanzaat hatte beim Gegentor etwas abbekommen, wollte
sich aber durchbeißen und kam mit aus der Kabine. Um ein Haar wäre
ihm in der 51. Minute der Ausgleichstreffer geglückt. Nach Foul an
Kolb führte Ziegner einen Freistoß fünf Meter vorm
rechten Strafraumeck aus. Den hohen Ball erwischte Lanzaat unter Bedrängnis
mit dem Kopf, drückte ihn von der Torraumgrenze aus Richtung Gästegehäuse,
doch Kirchbaum lenkte das Leder mit starkem Reflex zu Ecke. Gleich danach war
Schluss für den auch gelbbelasteten Innenverteidiger. Wuttke nahm
dessen Position ein, Eckardt kam neu ins Mittelfeld. Beim Doppelpass mit Hähnge
führte sich Eckardt gut ein und weckte als Einwechsler Hoffnungen, die
(nicht nur) sein Trainer nach dem Spiel als unerfüllt ansah. Gleiches
gilt auch für Mayombo, dem jedoch rund eine Viertelstunde vor Schluss
ein Elfmeter hätte zugesprochen werden müssen. Gegenspieler
Tausendpfund hatte Jenas Stürmer von den Beinen geholt, Dr. Kunzmann
entschied auf Weiterspielen. Diese Szene lag inmitten einer kurzen Drangperiode
mit zwei hochwertigen Chancen für Sebastian Hähnge. Beim
Kopfball in Minute 73 fehlte neben dem Druck auch die Präzision, da
Kirchbaum sich nicht vom Fleck bewegen musste, um zu parieren. Doch fünf
Minuten darauf hätte auch Sandhausens Schlussmann den Ausgleich nicht
verhindern können, wenn Hähnges Kopfball nach Ziegners Ecke
ins Netz statt nur ans Lattenkreuz geflogen wäre. Welch ein Pech.
Doch weder strittige Schiedsrichterentscheidungen noch
Aluminiumtreffer dürfen darüber hinwegtäuschen, dass
die Jenaer Spieler allzu viel schuldig blieben von dem, was man von ihnen nach
der Winterpause erwarten durfte. Gefahr strahlten sie nur bei
Standartsituationen aus. Zu statisch wirkten sie im Spielaufbau, sodass das grüne
Geläuf lediglich von der Rasenheizung auf Temperatur gehalten
wurde. Die Gäste, von denen man ein Hintenreinstellen nach der Pause
vermutete, konnten wahrscheinlich irgendwann nicht mehr anders, als auf eigene
Faust die Entscheidung zu suchen. Beim
Kopfball von Tausendpfund und Schüssen des eingewechselten Öztürk
boten sich Gelegenheiten dazu. Ihr knapper Vorsprung geriet während
der Schlussminuten nicht weiter in Gefahr. Stattdessen bettelte Torsten Ziegner
um seine fünfte Gelbe Karte, indem er auch nach zweimaligem Zurückweisen
beim Schiri immer noch weiter meckerte. Und den Karton letztlich
bekam.
In einem Spiel, das eigentlich keinen Sieger verdient, kann
eine einzige geniale Idee während neunzig Minuten entscheidend sein.
Cencis Hackentrick war solch eine Idee. Den Jenaer Spielern hingegen ist es nicht
gelungen, ihren so hoch gelobten Trainingsfleiß ins erste Punktspiel
des Jahres 2010 zu transportieren. <fc>
SV Wehen Wiesbaden - FC Carl Zeiss Jena 1:1
Tore: 1:0 Schönheim (72.), 1:1 Hähnge (77.)
- Wehen: Domaschke; Hollmann, Gehring, Schönheim, Weigelt;
Ziegenbein (90.+1 Bohl), Reinert, Hübner, Öztürk; Ziemer
(82. Stroh-Engel), Boskovic (88. Kunert)
- Jena: Nulle; Sträßer, Lanzaat, Lukimya, R. Schmidt
(76. Nagy); Kühne (14. Amrhein), Truckenbrod (90.+1 Mayombo), Ziegner;
Wuttke, Hähnge, Orlando
- Zuschauer: 3386
- Schiedsrichter: Beitinger (Regensburg)
- Spielbericht
- Weniger die sportliche als vielmehr die wirtschaftliche Situation geriet in dieser
Woche in den Mittelpunkt des öffentlichen Interesses. Die Nachricht, dass sich
die Liquiditätslücke während der letzten Wochen nochmals kräftig auf
947.000 Euro vergrößert hat und nun im Rahmen eines Sanierungskonzepts umfassende
DFB-Auflagen zu erfüllen sind, sorgt für Gesprächsstoff unter den
Kernbergen und darüber hinaus.
Die Spieler können in solch einer Situation nichts weiter tun als bestmöglich
ihren Job zu erledigen. Könnte es doch sein, dass jeder von ihnen errungene Punkt
in der Endabrechnung noch von Bedeutung sein wird.
Beide Teams bemühten sich
vom Anpfiff weg um Offensivaktionen, wobei ihnen dabei die Genauigkeit im
Zusammenspiel abging. So verging eine Viertelstunde bis zur ersten
Torgelegenheit, einem Schuss des freistehenden Boskovic genau auf
unseren Schlussmann. Zu dieser Zeit hatte Trainer van Eck bereits das erste Mal
wechseln müssen, da Stefan Kühne nach einem Zweikampf in der eigenen Hälfte
mit einer Knieverletzung vom Platz musste. Tim Wuttke hat in dieser Saison
schon fast alles gespielt, vom Innenverteidiger bis zur hängenden Spitze auf
Außen - entsprechend reibunsglos ging nach der Hereinnahme Amrheins sein Wechsel auf die Kühne-Position vonstatten.
Geschickt verlagerten er und seine Nebenleute die Positionen hin zum
ballführenden Gegenspieler. Die häufiger in Ballbesitz befindlichen Gastgeber fanden
dagegen lange Zeit kein Mittel. Es bedurfte eines direkt geschossenen
Freistoßes, um Carsten Nulle nach 31 Minuten das zweite Mal zu fordern.
Dessen Gegenüber hatte zu diesem Zeitpunkt noch keinen einzigen Ball
halten müssen.
Doch mit einem Mal, ab Minute 38 veränderte sich die Szenerie. Schön freigespielt steht Sebastian Hähnge frei vor Eric Domaschke - und scheitert am
herauslaufenden Keeper. Eine Minute später schießt der bis dahin noch
gar nicht zur Geltung gekommene Orlando aus vollem Lauf über die Querlatte und
nochmals 60 Sekunden darauf Hähnge flach aufs Tor. Die größte Gelegenheit vor
der Pause aber bietet sich in Minute 43. Freistoß, knapp 30 Meter Torentfernung,
halbrechte Position. Orlando steht zur Ausführung bereit, so als wolle er
zum zweiten Mal das Tor des Monats gegen den selben Kontrahenten erzielen. Doch nicht
er sondern Ziegner führt den Freistoß aus. Domaschke lässt prallen, zum
aufgerückten Assani Lukimya, der jedoch aus bester Position vergibt.
Freistoßschütze Torsten Ziegner hatte sich zu diesem Zeitpunkt bereits eine Gelbe Karte abgeholt. Nur gut, dass sich seine Verwarnung von voriger
Woche als Falschmeldung herausgestellt hatte. Sonst wäre es jetzt die 5.
gewesen und Ziegner hätte gegen Sandhausen ersetzt werden müssen.
Selbst wenn er zuletzt auswärts eher zu überzeugen wusste als in Heimspielen.
Apropos Trainer, wie hatte René van Eck vor dem Spiel prophezeit ? Viele
Chancen wird es in Wiesbaden nicht geben. Deshalb müssen diese konsequent
genutzt werden. Genau das hatten seine Jungs vor der Pause versäumt, weshalb
es mit Spielstand 0:0 in die zweite Halbzeit ging. Hier zeigte sich
Nulle bei einem Schuss von Reinert gleich wieder auf dem Posten (49.).
Das Spiel des SVW, dessen Hauptsponsor mit Wasser-Technologie seinen Umsatz
macht, lief nun etwas flüssiger. Jenaer Konter besaßen Seltenheitswert,
in Minute 64 war es wieder mal soweit. Hähnge auf der rechten Seite fehlte
jedoch sein Anspielpartner im Zentrum, weil Hübner dem losspurtenden
Orlando in die Hacken getreten war, ohne dass dies der Referee geahndet hätte.
Jenas Hintermannschaft stand weiterhin sicher, geriet meist nur durch
Standartsituationen in Gefahr. Weigelts Freistoß aus fast dreißig Metern
hob Nulle in großem Stil über die Torlatte (65.). Und dann gab es da noch die Eckstöße.
Es mag der sechste oder siebente gewesen sein in Minute 72 - Jenas
Elf hatte sich wie immer komplett im eigenen Strafraum versammelt.
Zunächst gelang es, den Eckball nach vorn abzuwehren. Doch genau an der
Grenze zum Sechzehner stand Fabian Schönheim, welcher den als
Befreiungsschlag gedachten Ball dreisterweise als Vorlage ansah und direkt
ins rechte untere Eck traf.
Die seit sieben Spielen daheim ungeschlagenen Gastgeber führen 1:0 und nicht mal mehr zwanzig Minuten sind noch zu spielen. So manch einer
mit Blau-Gelb-Weiß im Herzen wird hinterher zugeben, er hätte nicht mehr an einen
Punktgewinn geglaubt. Doch Jenas Routiniers auf dem Spielfeld sehen das
anders. Torsten Ziegner hebt einen Ball vor in den Sechzehner auf Sebastian
Hähnge, der mit langem Bein zunächst dafür sorgt, dass das Leder
nicht ins Toraus verspringt. Danach tunnelt er Domaschke im zweiten Versuch und
vollendet überlegt mit halbhohem Schuss über zwei grätschende Verteidiger
hinweg ins Netz. Jubel im gut gefüllten Gästeblock direkt dahinter. Obwohl es
wie die meiste Zeit zuvor nun wieder unentschieden steht, scheint der Ausgleichstreffer
noch einmal richtig das Feuer anzufachen. Nicht nur auf den Rängen, auch bei
den blau-gelb gekleideten Spielern. Ein Torsten Ziegner erobert erst den
Ball, lässt ihn dann zu weit wegspringen, verliert ihn dadurch wieder und
hüpft vor Ärger darüber wie Rumpelstilzchen auf dem grünen Rasen. Jenas
Spieler wollen drei Punkte, das ist zu spüren. Doch die geniale Idee,
mit der der Willen in die Tat umzusetzen wäre, kommt ihnen an diesem Tag nicht
mehr. Stattdessen besitzen sie bei Schönheims Chance in der 87.
Minute sogar noch Glück, am Ende nicht mit leeren Händen
da zu stehen. Dass beide Trainer in der Nachspielzeit noch je
einen frischen Spieler für gerade mal fünfzehn Sekunden aufs Feld schicken, zeigt an, dass alle
mit dem Punkt leben können. Auf Jenaer Seite wird er sogar wie
ein Sieg gefeiert.
Mag es in der spielerisch-taktischen Umsetzung noch etliche Reserven geben,
kämpferisch war's allemal in Ordnung. Zumindest vom Sportlichen her scheint
das Schlimmste erst einmal überwunden. <fc>
VfB Stuttgart II - FC Carl Zeiss Jena 0:1
Tore: 0:1 Orlando (68.)
- Stuttgart: Stolz; Schimmel, Pischorn, Vier, Enderle; Didavi, Funk,
Vecchione (83. Pala), Hertner (79. Riedle); Schipplock, Fischer (58. Walch)
- Jena: Nulle; Sträßer, Lanzaat, Lukimya, R. Schmidt;
Kühne, Truckenbrod (62. Amrhein), Ziegner, Wuttke; Hähnge
(85. Mayombo), Orlando (90. A. Schmidt)
- Zuschauer: 680
- Schiedsrichter: Dingert (Thallichtenberg)
- Spielbericht
- Im fünften Spiel gegen Stuttgart II gelang das zweite Tor. Dieses brachte, da der FCC im Gegensatz zu den sonst üblichen
dreieinhalb Gegentreffern pro Stuttgart-Spiel den Gastgebern keinen Treffer gönnte,
drei Punkte ein.
Nach 13 Sekunden hätte der Abend bereits
einen schlechten Verlauf nehmen können, als Nulle das erste Schüsschen
prallen ließ, der Stuttgarter den Nachschuss jedoch nicht am Jenaer
Torwart vorbeibrachte. Nach 5 Spielminuten brannte es erneut lichterloh vor
Nulles Kasten, als ein Angreifer eine Eingabe um Haaresbreite verfehlte. Die
einzig erwähnenswerte Situation des Jenaer Angriffsspiels war ein
Schuss Wuttkes nach einer Ecke aus 20 Metern in die zweite Etage des kalten
Stuttgarter Abendhimmels (9. min). Ansonsten sah sich Jenas einziger Stürmer
Hähnge immer von einer erdrückenden weißen Abwehrübermacht
umgeben, gegen die alle Dribblings nichts fruchteten. Die Unterstützung
der Mitspieler war nicht gegeben, da z. B. Orlando sich im Hinfallen und
Abseitsstehen übte. Die Jenaer Harmlosigkeit wurde in der 19. min
perfekt demonstriert, als man auf Höhe des Stuttgarter Strafraums
einen Einwurf hatte und den Ball innerhalb von fünf Sekunden
zielsicher zurück zu Nulle brachte. Da Stuttgart außer einem
Schuss am langen Eck vorbei (35.) auch nichts weiter zustande brachte, ging es
nach einer langweiligen Halbzeit torlos in die Kabinen.
Nach Wiederanpfiff änderte sich das Bild.
Der FCC hatte sofort eine Ecke, die aber gefahrlos in einem schnellen Konter
der Gastgeber mündete und uns wie schon zu Beginn der ersten Halbzeit
beinahe ein Gegentor beschert hätte. In der 52. min schirmte Lukimya
den Ball gegen einen Angreifer ab, Nulle sorgte aber für kurzes
Herzflattern, da er den Ball erst im zweiten Zupacken sicher hatte. Die Partie
wurde nun deutlich besser. Ursachen waren nicht nur die jetzt deutlich gefälligeren
Spielzüge der Stuttgarter, sondern auch die Leistungssteigerung
etlicher Jenaer Spieler. So präsentierte sich Schmidt deutlich
selbstbewusster und auch offensiver als vor der Pause, und Ziegner zog immer
aktiver die Fäden im Jenaer Mittelfeld. Doch wieder waren es die
Gastgeber, die kurz vorm Führungstreffer standen, als Schipplock nach
einem langen Pass Lanzaat einfach überlief und Nulle im wahrsten Sinne
Kopf und Kragen riskieren musste. Dafür bekam er eine dreiminütige
Behandlungspause auf dem Rasen. In der 58. Spielminute hatte der FCC seine
erste Torchance: Orlando vernaschte
links seinen Gegenspieler, passte flach in die Mitte, aber Hähnge
setzte den Direktschuss leider übers Tor. Zwei Minuten danach stand
Nulle wieder im Brennpunkt, als er einen Fernschuss Schipplocks über
die Querlatte lenken konnte.
Eine entscheidende Veränderung brachte
die Einwechslung Amrheins für Truckenbrod. Amrhein ging auf die linke
Außenbahn, Orlando wechselte nach rechts und Wuttke rückte
auf die defensive Mittelfeldposition. Damit war Hähnge nicht mehr ganz
allein in der Stuttgarter Hälfte und obwohl sich neben ihm zumeist nur
Amrhein, Orlando und Ziegner in die gegnerische Hälfte getrauten, kam
deutlich mehr Offensivleben ins Jenaer Spiel. Und nur wenige Minuten später,
nach einem zwischenzeitlich weiteren Kapitel des Duells Schipplock vs. Nulle
(66., letzterer klärte zur Ecke), gab es den verdienten Lohn: Hähnge
bekommt in der Mitte kurz hinterm Mittelkreis den Ball, sieht rechts außen
den startenden Orlando, passt die Spielkugel maßgenau hinüber,
Jenas Nummer 10 setzt sich mit einem eleganten Haken gegen den Verteidiger
durch und ballert aus spitzem Winkel ins lange Eck. 1:0!!! Nicht nur der Gästeblock,
auch im sogenannten Heimbereich flippte ein gutes Drittel der Besucher aus.
Drei Minuten später verhinderte das Gebälk des Stuttgarter Tores
Hähnges Nominierung für das "Tor des Monats": Der Jenaer Stürmer
ignorierte die beiden Stuttgarter und zog aus der Drehung vom rechten
Strafraumeck ab. Stolz, der VfB-Keeper, schaute bewundernd dem Ball, den er
sowieso nie und nimmer erwischt hätte, hinterher und ihm dürfte
einige Tonnen Gestein vom Herzen gefallen sein, dass ihm sein Torpfosten
hilfreich zur Seite stand. Bis zur 88. min versuchte Stuttgarts Zweite mit viel
Energie, jedoch ohne Ideen, Jenas Bollwerk zu knacken, Angstperlen trieb dies
aber nicht einmal den sonst aus Prinzip vorm Gegentor zitternden FCC-Fans auf
die Stirn. In jener 88. min kamen zwei Angreifer doch einmal fast in der Mitte
durch, Nr. 1 nahm jedoch der schussbereiten Nr. 2 den Ball vom Fuß.
Einer von beiden, ob Nr. 1 oder 2 ist egal, sank zu Boden (Nase voll?) und der
Referee pfiff zum Entsetzen der Jenaer und zur Verwunderung der Stuttgarter
Zuschauer und zeigte auf den Elfmeterpunkt. Nulle korrigierte den Fehler des
Referees, wehrte den Schuss ins linke untere Eck ab und schubste den
wegspringenden Ball vorm nachsetzenden Schützen zur Seite. Die
verbleibende Zeit inklusive der vier Nachspielminuten überstand der
FCC ziemlich problemlos, auch weil sich van Eck daran erinnerte, dass man
dreimal pro Spiel auswechseln darf und dies immer ein paar Sekunden schindet. Und
so hatten wir endlich, nach einem Vierteljahr (Kiel!!!), wieder einmal eine
Heimfahrt, auf der man sich mit Freude an das erlebte Spiel erinnerte.
<uk>
Spielbericht auf der Stuttgarter Homepage
Fotos auf fanclub-family.de
FC Carl Zeiss Jena - Wuppertaler SV 1:0
Tore: 1:0 Hähnge (43.)
- Jena: Nulle; Sträßer, Lanzaat, Lukimya,
R. Schmidt (46. Wuttke); Kühne, Truckenbrod (78. Mayombo), Ziegner,
Amrhein (88. Nagy); Hähnge, Orlando
- Wuppertal: Maly (
, 6.);
Neunaber, Neppe (76. Altin), Lorenz, Schauml;fer; Müller, Weikl
(79. Bernhardt), Fischer, Celikovic; Formento (6. Karagiannis), Damm
- Zuschauer: 5076
- Schiedsrichter: Schriever (Dorum)
- Spielbericht
- Wie gewohnt konnte man sich auch im Vorfeld dieses Spiels nicht
über mangelnde Unruhe im Umfeld des FC Carl Zeiss Jena beschweren, in
der Woche vor dem Spiel wurde mit Hartmut Beyer der neue Präsident
vorgestellt, der dann auch gleich die Kündigung für Salvatore
Amirante zurückzog und diesem so formal die Rückkehr in die
erste Mannschaft ermöglichte - der Italiener meldete sich aber zunächst
krank und blieb Training und Spiel fern. Die personelle Situation hatte sich
dennoch etwas entspannt, denn mit Sebastian Hähnge war zumindest eine
der Stützen der Jenaer Elf wieder in der Anfangself zu finden. Das
bestimmende Thema im Vorfeld war aber naturgemäß der Freitod
von Robert Enke, der seine Karriere ja in Jena begann und der auch bis zuletzt
noch den Kontakt in seine Heimat gehalten hat. Wie praktisch alle Außenstehenden
traf die Nachricht vom Selbstmord Enkes auch seine Freunde in Jena
unvorbereitet, der Schock über die nur schwierig nachvollziehbare
Entscheidung des erfolgreichen Torhüters saß auch in Jena
entsprechend tief.
Das Spiel begann dann auch mit einer Schweigeminute für
den achtfachen Nationalspieler, bei der manchem Besucher die eine oder andere
Träne über die Wange rollte. Die ersten Minuten des Spiels
hatten dann auch irgendwie den Anschein, als ob die 22 Akteure nicht ganz bei
der Sache wären. Zunächst schenken die Gäste den
Jenaern eine Ecke, weil es ein Missverständnis zwischen einem
Abwehrspieler und Gäste-Keeper Christian Maly gibt, ähnliches
gibt es nur Sekunden später auf der Gegenseite zu sehen. Die erste
halbwegs gefährliche Aktion ist dann ein langer Ball auf Orlando, der
mit seiner Schnelligkeit auch die WSV-Abwehr überrascht und den Gäste-Torwart
mit seiner plötzlichen Anwesenheit direkt vor dem Strafraum offenbar
so überrascht, dass dieser in einem Moment der Unaufmerksamkeit die Hände
zu Hilfe nimmt, obwohl er sich haarscharf außerhalb des Strafraums
befindet. Schiedsrichter-Assistent und Schiedsrichter können in dieser
Situation gar nicht anders, als Maly mit Rot vom Feld zu schicken und dem FCC
eine aussichtsreiche Freistoßposition an der Strafraumgrenze
zuzusprechen. Spätestens jetzt waren die Gedanken von Spielern und
Zuschauern voll und ganz beim heutigen Spiel. Opfer der Aktion von Maly war
letztlich der Wuppertaler Stürmer Formento, für den Gäste-Trainer
Uwe Fuchs nun Ersatz-Torhüter Asterios Karagiannis bringen musste.
Dieser sah sich gleich einer unbequemen Situation gegenüber, denn den
Freistoß von der Strafraumgrenze wollten die Gastgeber natürlich
im Tor unterbringen und dem Spiel so schon früh die richtige Tendenz
geben. Letztlich war es Torsten Ziegner, der sich den Ball zurechtlegte, anlief
und den Ball in Richtung Tor brachte - allerdings fehlten die berühmten
Zentimeter und der Ball strich am rechten Pfosten vorbei. Schon direkt im
Anschluss wurde klar, dass der WSV auch in Unterzahl ein unangenehmer Gegner
sein würde, der sich keineswegs entmutigen ließ. Die Spieler
aus der Stadt mit der Schwebebahn standen nun noch tiefer, als es vermutlich
ohnehin geplant war, Tobias Damm stand jedoch jederzeit bereit, um einen
schnellen Konter vorzutragen. Nach 13 Minuten waren es dann auch die Gäste,
die die nächste gute Gelegenheit hatten: Ein Freistoß aus
rund 25 Metern wurde von Celikovic vorbei an Freund und Feind auf den langen Pfosten
geschlenzt, wo Nulle aber hellwach und mit guter Reaktion zur Ecke klären
konnte. In der Folge bestimmte die in Überzahl spielende Jenaer Elf
zwar die Partie und hatte deutlich mehr Ballbesitz, dennoch muss sie sich den
Vorwurf einer gewissen Ideenlosigkeit anhören, denn gefährlich
wurde es für das Gäste-Tor nur äußerst
selten. Die tief stehenden Gäste machten geschickt die Räume
eng und unterbanden es effektiv, dass Orlando seine Schnelligkeit ausspielen
oder gefährliche Flanken in den Strafraum schlagen konnte. Wenn doch
mal ein Jenaer die Gelegenheit zur Flanke bekam, landete diese meist weit
hinter dem Tor und ließ das Jenaer Spiel entsprechend harmlos
erscheinen. Nach 35 Minuten fasste sich Amrhein ein Herz, sein Schuss bedrohte
aber vordergründig die Eckfahne und kann insofern als symptomatisch für
die Harmlosigkeit des FCC bis zu diesem Punkt gesehen werden.
Nur eine Minute später wären beinahe die Gäste
in Führung gegangen, denn einen schnellen Gegenzug konnte der schon
erwähnte Damm aus rund acht Metern abschließen, allerdings
war auch der selten geforderte Carsten Nulle gut drauf und konnte den Ball zwar
nicht festhalten, aber doch parieren. Bis zu diesem Zeitpunkt waren es damit
aber trotz Unterzahl doch die Wuppertaler, die die beste Chance der ersten
Halbzeit herausgespielt hatten. Die Szene der ersten Halbzeit stand aber noch
bevor, denn einmal mehr war es Orlando, der mit dem Ball am Fuß Fahrt
aufnahm und gleich mehrere Gegenspieler ausspielte. Beim letzten Verteidiger
Lorzenz versagten die Künste des kleinen Dribblers aber und es kam zum
Zusammenstoß, den die Gäste als freistoßwürdig
betrachteten und vehement den Pfiff des Schiedsrichters forderten. Dieser blieb
aber aus und Jens Truckenbrod nahm sich den Ball, zog sofort
ab und prüfte Karagiannis, der den Ball nicht festhalten konnte.
Dieser prallte nun vor die Füße von Sebastian Hähnge,
der bisher in dieser Saison torlos geblieben war und nun aus wenigen Metern nur
noch einschieben musste - TOOOOR für den FCC, endlich das erlösende
1:0!
Mit diesem Ergebnis ging es dann auch in die Kabinen, aus
denen die Gäste unverändert zur zweiten Halbzeit zurückkamen.
Beim FCC kam Wuttke für Schmidt, der aus Sicht von Trainer René van
Eck Gelb Rot-gefährdet war. Schon direkt nach Wiederanpfiff ist es
erneut Orlando, der die Gäste-Abwehr quasi im Alleingang umspielt und
dann nur noch den Torhüter vor sich hat, den Ball dann aber leider
etwas überhastet am Tor vorbeihämmert, anstatt ihn überlegt
einzuschieben. Die Gäste änderten zunächst wenig an
ihrer Spielweise und standen weiter tief, genauso schwer taten sich aber auch
die Jenaer. In der Folge plätscherte das Spiel dahin und auch in Folge
zahlreicher unnötiger Ballverluste im Spielaufbau konnte keine der
beiden Mannschaften gefährliche Chancen herausspielen. Wenn überhaupt
etwas Gefahr zustande kam, dann in Folge von Freistößen.
Doch auch hier versäumten es Gastgeber und Gäste, die Torhüter
zum Eingreifen zu zwingen oder gar vor ernsthafte Herausforderungen zu stellen.
In den letzten zehn Minuten wurden auch die Gäste noch einmal mutiger,
die Jenaer Verteidigung stand aber überwiegend sicher und zwang Nulle
nicht zum Eingreifen. Als bereits einige Minuten der Nachspielzeit gespielt
waren, eröffnete sich dem FCC noch die Chance auf 2:0 zu erhöhen.
Nach einem langen Ball lief Ziegner zusammen mit Orlando
aufs Gäste-Tor zu, begleitet nur von einem letzten Gäste-Verteidiger.
Als Ziegner den Ball zum einschussbereiten Orlando spielen wollte,
versagten ihm aber die Kräfte und die Nerven, sodass der Ball
unerreichbar für den mitgelaufenen Stürmer ins Aus trudelte.
Kurz darauf war aber auch Schluss und die Jenaer konnten
sich über drei Punkte freuen, die gegen den direkten Tabellennachbarn
natürlich sehr wichtig waren. Mit etwas mehr Kreativität und
Konsequenz im Torabschluss hätte man die Partie allerdings weniger anstrengend
für das leidgeprüfte Nervenkostüm der Jena-Fans
gestalten können. Nun bleibt zu Hoffen, dass die Jenaer in den
kommenden beiden Auswärtsspielen ebenfalls Punkten und so die Distanz
zu den Abstiegsrängen weiter vergrößern können. <bh>
1. FC Heidenheim - FC Carl Zeiss Jena 3:1
Tore: 0:1 Truckenbrod (35.), 1:1 Lukimya (60., ET), 2:1 Mayer (79.), 3:1 Weil (90.)
- Heidenheim: Bodemer; Meier, Göhlert, Krebs, Feistle; Bagceci
(46. Gül), Klarer, Weil, Essig (59. Mayer); Spann (88. D. Jarosch),
Heidenfelder
- Jena: Nulle; Sträßer, Lanzaat, Lukimya, Wuttke;
Kühne, Truckenbrod (86. Petersen), Ziegner, Amrhein; Orlando, Mayombo
(75. Eckardt)
- Zuschauer: 6130
- Schiedsrichter: Nowak (Bottrop)
- Spielbericht
- Im Spiel eins nach seinem Tod war Robert Enke auch fern der thüringischen
Heimat in Heidenheim allgegenwärtig. Der FCC verzichtete auf den
üblichen Aufdruck der Trikotbrust und die FCH-Fans auf ihre geplante
Choreo, beide Teams liefen mit Trauerflor auf und während der
holprigen Gedenkrede des Heidenheimer Stadionsprechers erinnerte der
Gästeblock ganz in schwarz an Jenas großen Sohn.
Wer gedacht hatte, der Nachmittag ginge derart besinnlich weiter, sah sich sehr
schnell getäuscht. Auf der Stadionbaustelle nahe des Schlosses
Hellenstein entwickelte sich ein überaus temporeiches Spiel mit
Chancen hüben wie drüben. Amrhein und Ziegner
(Außenpfosten) nach zwei und fünf Minuten hier - Meier (14.)
und Weil (16.) dort, Smeekes mit Hammerschuß (17.), Amrhein nach
Traumkombination (22.) sowie Kühne und Mayombo nach Eckball (25.)
wieder hier, es brannte unentwegt in beiden Strafräumen.
Gefährlich wurden die Gastgeber dabei fast immer bei ihren Angriffen
über Jenas lichterloh brennende linke Abwehrseite. Es ist nicht
überliefert, ob dies von Rene van Eck so gewollt war, aber Jena
spielte quasi mit Dreierabwehrkette, während
Sträßer als linker Läufer seine Seite über
die gesamte Länge des Spielfeldes allein zu beackern hatte, Smeekes
neben Mayombo im Zentrum stürmte. Was defensiv einem Harakiri glich,
führte aber gleichzeitig zu einem personellen Übergewicht des
FCC im Mittelfeld, welches die Heidenheimer vor große Probleme
stellte, und Jenas Fans ob des gebotenen Kombinationsflusses erstaunte. Der FCC
spielte als komplettes Kontrastprogramm zum letzten Heimauftritt einfach
schön anzusehen, die Einstellung stimmte bei jedem Einzelnen und nach
35 Minuten folgte die Belohnung in Form der Führung. Der ins Team
zurückgekehrte Torsten Ziegner tankt sich wie in alten
Regionalligazeiten auf der rechten Seite ein, an zwei Heidenheimern vorbei zur
Grundlinie durch, passt millimetergenau zurück auf Jens Truckenbrod,
der den Ball aus zehn Metern zu seinem so lange überfälligen
ersten Punktspieltor für den FCC versenkt. Was in Robert Enkes
ehemaligem Klassenkamerad Torsten Ziegner vorgeht, der im stillen Jubel beide
Arme gen Himmel reckt, kann man erahnen. Kurz darauf muss Smeekes eigentlich
das zweite Tor nachlegen, als er mutterseelenallein von der Mittellinie aus
aufs Tor zurast, aber am einzig verbliebenen Heidenheimer Verteidiger
hängenbleibt. Dann heißt es erst einmal Sichern des
Vorsprunges, Smeekes besetzt nun das linke Mittelfeld und nur noch einmal ist
Zittern angesagt, als Weils Schuss nur knapp am Nulle-Gehäuse
vorbeischrammt (37.). Pause, Jena führt und das verdient, wenn auch in
der Innenverteidigung mit Lukimya und Rückkehrer Lanzaat alles andere
als sicher.
René van Eck wechselt nicht, lässt aber seine Flügelzange Patrick
Amrhein und Orlando Smeekes die Seiten tauschen, ein Schachzug mit Folgen.
Jenas linke Seite ist nun endgültig zu für die Heidenheimer
Angriffsbemühungen, während Smeekes auf rechts im
völlig überforderten Außenverteidiger Feistle ein
ums andere Mal ein leichtes Opfer für seine
Flügelläufe vorfindet. Von Heidenheimer Ausgleichsdruck ist
nicht einmal ein Ansatz zu spüren, hier und jetzt geht es ganz klar um
die Spielentscheidung zugunsten der Gäste, die sich mit laufintensivem
und beängstigend temporeichem Spiel Chance um Chance erarbeiten. Der
als einzige Spitze stets anspielbereite Mayombo nach Kühne-Zuspiel
knapp vorbei (46.), Ziegner mit Freistoß in die Mauer (49.), Amrhein
aus dem Fußgelenk nur um Haaresbreite am Winkel vorbei (52.), Mayombo
nach Ziegner-Zuckerpass mit von Ersatz-Ersatzkeeper Bodemer glanzvoll pariertem
Schuss (55.), Kühne mit Flachschuss (61.), es stellte sich beinahe nur
die Frage, welcher der 11 Jenaer der kommende Torschütze sein
würde. Assani Lukimya war es dann, den der Stadionsprecher als solchen
verkündete, leider im Jubelton und begleitet vom
Kopfschütteln 500 fassungsloser Gesichter im Gästeblock. Was
war passiert? Ballverlust Truckenbrods im Mittelfeld, geschickter Pass
Güls auf den gerade eingewechselten Mayer, dessen Schuss Nulle
sensationell nach vorn abwehrt, wo er von der Brust Jenas Abwehrchefs
über den verdutzten Keeper ins Tor hüpft. Jenas Antwort
ließ nicht auf sich warten: Aber Smeekes findet in Bodemer seinen
Meister (66.), Ziegner zielt aus 20m knapp daneben (67.), Mayombo erwischt
Ziegners Zuspiel drei Meter vor dem Tor eine Hundertstelsekunde zu
spät (69.). Als dann nach 70 gespielten Minuten sowohl Lukimya, als
auch Truckenbrod und Mayombo Wuttkes wunderbare Eingabe von rechts nicht im
leeren Tor unterbringen können, hat der FCC nicht nur sein Pulver
verschossen, sondern sich auch selbst den Nerv gezogen. Eckardts Einwechslung
für Mayombo geht nach hinten los, weil nun die ballsichere Anspielstation
in der Spitze fehlt, und Nulle muss bei Kontern der nun aufdrehenden
Heidenheimer gleich zwei Mal binnen einer Minute sein ganzes Können
aufbieten. Nach 79 Minuten ist auch er machtlos, als Ziegner Heidenfelders
Schuss zunächst abblockt, aber der schwache Referee Nowak
Göhlerts Foul an Kühne nicht ahndet und Mayer aus Nahdistanz
vollendet. Ob der mitten in diese Aktion zu hörende Pfiff vom Referee
oder aus dem Publikum kam, bleibt das Geheimnis des Mannes aus Bottrop, der Treffer
zählte.
Jena blieben noch 11 Minuten, doch der Akku schien leer, zu
sehr hatte das Powerplay nach der Pause geschlaucht, stattdessen konterten die
Gastgeber ein ums andere Mal gefährlich und beseitigten mit dem
dritten Treffer in der Nachspielzeit alle Zweifel am mehr als
glücklichen Heimsieg. Dass Tim Wuttke - heute auch als rechter
Außenverteidiger gewohnt zuverlässig - den Schuss Weils
unhaltbar abfälschte, war ein sinnbildlicher Abschluss eines
unglücklichen Spieles, in dem der FC Carl Zeiss vieles richtig machte,
aber mit Fortuna und der eigenen Qualität vor dem gegnerischen Tor
hadern muss. <gunner>
FC Carl Zeiss Jena - SG Dynamo Dresden 0:4
Tore: 0:1 Röttger (4.), 0:2 Röttger (22.), 0:3 Kühne (36., ET), 0:4 Müller (77.)
- Jena: Nulle; Sträßer, Wuttke, Lukimya, Nagy (46.
Ziegner); Amrhein, Kühne, Truckenbrod, Eckardt (33. Orlando);
Mayombo, Benyamina (70. Kolb)
- Dresden: Keller; Cozza (35. Kunze), Oppitz, Trehkopf, Röttger
(46. Koch); Strifler, Hübener, Petrovic, Müller; Savran, Dobry
(78. Jungnickel)
- Zuschauer: 9846
- Schiedsrichter: Kempter (Sauldorf)
- Spielbericht
- Eigentlich sollte man mit dem
Schreiben erst anfangen, wenn man sich selbst wieder im Griff hat, der Puls die
200er-Marke unterschreitet, die Gedanken anfangen sich zu ordnen. Aber diesmal
geht es nicht. Die Wut muß raus, muß ungefiltert aufs Papier,
auch wenn es kein passendes Vokabular für ein derartiges Versagen
geben dürfte.
Es war eine Demütigung,
ein Untergang! Alleine die ersten fünf Minuten gegen Dresden sind bei
normaler Finanzlage ein Kündigungsgrund für den Trainer und
die halbe Mannschaft. Statt dem Tabellenvorletzten zu zeigen, warum er dort
unten steht, wird die Schlacht kampflos preisgegeben, die Initiative gar nicht
erst ergriffen. Dazu kommen diese dümmlichen Fehler bei der
Ballbehandlung und schon wird es ein unvergeßlicher Nachmittag! Ein grundloser
Querschläger von Nagy, ein bewunderndes Platzmachen Sträßers
(wo war der denn auf einmal hin?), ein Schuß von Röttger. 0:1
(4.). Dann: Ein leichter Ballverlust von Mayombo in der Spitze, eine schnelle Kombination
über den ganzen Platz ohne Jenaer Ballberührung oder auch nur
die Chance dazu, eine flache Hereingabe von Dobry auf den völlig
vereinsamten Röttger. Noch ein Schuß, diesmal ins andere
Eck. 0:2 (23.). Und dann zu allem Überfluß auch noch so ein
Eigentor der Kategorie 'Schöner geht's nicht', als Kühne einen
Müller-Freistoß mit dem Knie in den Winkel donnert. Absolut
unhaltbar für Nulle (35.). Ich hätte hier gerne ein bißchen
was vom Aufbäumen geschrieben, vom Kampfgeist, der einfach nicht
belohnt wurde oder so. Aber es war einfach nur erbärmlich. Ein Zweikampfverhalten wie zur Love-Parade. Kein Biß, kein Wille. Nicht mal
den Ansatz einer Jenaer Chance gibt es hier zu beschreiben.
Dafür müssen
die Zuschauer im Stadion noch 20 Spielminuten voller Jenaer Unzulänglichkeiten
plus Halbzeit über sich ergehen lassen und das alles bei
Heimspielatmosphäre für Dresden. Ich kann das hier gottlob schneller
machen. Es war Lukimya, der einen Ziegner-Freistoß gefährlich
in Richtung des Dresdner Tors verlängerte und Keller zu einer schönen
Parade zwang (54.). Immerhin der Auftakt zu den stärksten fünfzehn
Minuten unserer Helden, in denen sich zwei, drei gute Möglichkeiten zu
einem Anschlußtreffer ergaben. Erst scheiterte Orlando mit einem Schuß
von der Strafraumgrenze an Keller (55.), kurz darauf segelte ein
30-Meter-Knaller von Amrhein knapp am Dresdner Gehäuse vorbei (57.). Und
dann die 68. Spielminute! Der erste Spielzug der Jenaer, der aussah wie gewollt.
Da läuft der Ball mal über fünf, sechs Stationen, da
kann sich Amrhein auf der linken Seite schön durchsetzen und auch
Mayombo macht eigentlich alles richtig. Pech, daß sein Drehschuß
am gedankenschnellen Keller hängenbleibt. Wäre diese erste Katastrophenhalbzeit
nicht gewesen, das Publikum hätte sicherlich verzückt
applaudiert. So aber war nur ein langgezogener Seufzer zu hören.
Aber die Jenaer Erfolgsgeschichte für diesen Nachmittag ist ohnehin schon wieder zu Ende.
Was noch kommt ist stattdessen der endgültige
Offenbarungseid. Nachdem Savran aus Ermangelung an Gegenspielen den Ball
ungehindert aus 20 m an die Latte donnern kann (wieder waren Sträßer
und Lukimya erst ganz eng dran und dann wie vom Erdboden verschluckt), bringen
es die Jenaer dreißig Sekunden lang nicht fertig, für klare
Verhältnisse im Strafraum zu sorgen. Als Savran zig verlorene Zweikämpfe
später den Ball wieder kriegt, sehen alle Zuschauer schon was jetzt kommen
muß, können in Ruhe ihre Fahnen einrollen, ihre Kissen
einpacken und was sonst noch so zu tun ist, um ganz schnell nach Hause zu
kommen. Es war wirklich so offensichtlich, daß der Savran dem Müller
das Ding auflegt, daß man schon fast enttäuscht darüber sein mußte, nichts Spektakuläreres geboten zu bekommen.
Noch den Nulle hübsch ausgekurvt und dann rein damit (77.). Schöner
geht's nicht mehr. Nie habe bereits eine Viertelstunde vor dem Abpfiff so eine Abwanderungswelle erlebt (O-Ton: "Da glotze ich mir lieber die Kandinsky-Ausstellung an")
Es tut mir leid, wenn das hier alles sehr sarkastisch rüberkommt,
aber es war bei diesem Spiel die einzige Möglichkeit, nicht völlig
die Beherrschung zu verlieren oder sich diversen Gewaltphantasien hinzugeben.
Eine solche Darbietung ist mir in Jena noch nicht untergekommen. Das
Pfeifkonzert zum Ende konnte nicht annähernd wiedergeben, was sich
hier gerade abgespielt hatte. Es ist ja nicht, daß Jena inzwischen
nahezu jedes Ostderby als Zweitplazierter beendet, sondern es ist die Art und
Weise, wie hier untergegangen wird. Spielerische Mängel sind
verzeihlich, wenn auch nicht immer nachvollziehbar. Aber kämpferisch
muß es einfach stimmen. Jeder Kreisklassespieler weiß, daß
man sich in der Anfangsphase erst mal Respekt verschaffen muß, will
man nicht den Rest des Spiels wie ein Depp aussehen ("gib dem Neuner gleich
einen mit, damit er weiß, dass er seinen Hutzebutz hier
vergessen kann" war der bekannte Slogan unseres Trainers vor jedem Derby in
Zottelstedt). Die Dresdner wußten das, die Jenaer nicht. In meinen
Augen das größte Problem ist und bleibt aber dieses konfuse
Miteinander. Da sind keine Laufwege aufeinander abgestimmt, da gibt es
keinerlei Zuordnung, da fehlen vorne die Leute, die hinten zu wenig sind. Was
machen die eigentlich die Woche über?
Persönlich fürchte ich, daß van Eck trotz
aller Sympathien nicht der richtige Mann für diesen Job ist. Aber neu
ist diese Erkenntnis im Verein ja nun auch nicht...
Das war ein grauenhafter Samstag!
Wollen wir uns nicht schneller im Abstiegskampf wiederfinden als uns lieb ist, darf sowas nicht so schnell wieder passieren. Es sind jetzt zwei Wochen Zeit,
irgendwie zu reagieren und diesem nervösen Haufen wieder
Selbstvertrauen einzuflößen. Wie das gehen soll, ist mir
ehrlich gesagt ein Rätsel. Aber vielleicht reicht es ja auch schon, wieder
vor den für die dritte Liga typischen Gruselkulissen anzutreten. Zu
viel Öffentlichkeit ist unserer Mannschaft scheinbar ein Graus. Insofern
liegt über den nächsten Wochen ein zarter Hoffnungsschimmer,
wenn wir uns mit Fußballgrößen wie dem 1. FC
Heidenheim oder dem Wuppertaler SV der üblichen Tristesse hinzugeben haben. <bpf>
SSV Jahn Regensburg - FC Carl Zeiss Jena 1:1
Tore: 0:1 Mayombo (27.), 1:1 Würll (90.)
- Regensburg: Sattelmaier; Hörnig (57. Jarosch),
Hagmann (
, 88.), Maul, Binder; Zellner,
Kreis (74. Schlauderer), Haller, Berger; Stoilov, Schmid (60. Würll)
- Jena: Nulle; Sträßer, Lukimya, Wuttke, Nagy; Eckardt
(70. Orlando), Truckenbrod, Kühne, Amrhein; Mayombo, Benyamina (90. Kolb)
- Zuschauer: 4108
- Schiedsrichter: Glasmacher (Alsdorf)
- Spielbericht
- Im letztjährigen Abstiegskampf hatte mir der
Spielberichtsorganisator das Angebot abgerungen, im Falle des Nichtabstiegs mal
wieder einen Spielbericht zu verfassen. Dies hatte die FCC-Helden dann
tatsächlich noch so angestachelt, dass sie sich auf der Zielgeraden
über den Strich retteten. Mein Versprechen sollte nun zum Abschluss
der "Bayrischen Wochen" beim Gastspiel bei Jahn Regensburg
eingelöst werden. Die Münchner FCC-Gemeinde um "Gleis
26" traf sich pünktlich nach dem Frühstück
zur gemeinsam Fahrt in die Hauptstadt der Oberpfalz. Die Stimmung war
entspannt, denn gegen Regensburg hatte der FCC noch nie verloren und in
Regensburg stets 2:2 gespielt. Ein Resultat mit welchem man in der aktuellen
Situation auch wieder zufrieden gewesen wäre.
Nach problemloser und zügiger Fahrt im ALEX wartete
in Regensburg noch eine Busfahrt zum Stadion auf uns, die gefühlt so
lange wie die Zugfahrt dauerte. Der Fahrer wollte uns wohl die
Schönheit der Stadt genießen lassen, anders sind die
minutenlangen Stopps an den Haltestellen nicht zu erklären.
Letztendlich erreichten wir aber pünktlich das Jahnstadion, dessen
Charme gleich deutlich darauf hinweist, dass man sich in einer der ältesten
Städte Deutschlands befindet.
Die Gastgeber hatten
nach ihrem sehr guten Saisonstart zuletzt etwas geschwächelt und vier
Spiele in Folge nicht gewonnen (3 Niederlagen, 1 Unentschieden) und waren von
den Aufstiegsrängen auf Platz sieben zurückgefallen.
Angeführt vom Kapitän und Ex-Jenaer Alexander Maul
übernahm Regensburg gleich die Initiative und bereits nach drei
Minuten knallte der Ball zum ersten Mal gegen den Pfosten des Jenaer Tores.
Allerdings stand Schütze Haller dabei im Abseits. Der FCC startete mit
der Elf der zweiten Halbzeit vom Spiel in Unterhaching und meldet sich mit
einem Schuss von Amrhein, den Sattelmaier zur Ecke abwehrte, in Minute sieben
erstmals offensiv zu Wort. Regensburg blieb aber spielbestimmend und traf durch
Stoilov erneut den Pfosten (19.). Den zurückspringenden Ball bugsierte
Haller unbedrängt über das leere Tor. Dies wirkte allerdings
als Wachruf für die Jenaer Kicker, die nun doch auch etwas mehr nach
vorn versuchten. In der 26. Minute konnte Alexander Maul gerade noch René
Eckardt an der Strafraumgrenze am Schuss hindern. Eine Minute später
lupfte Amrhein im Mittelfeld den Ball schön zu Truckenbrod, der einen
feinen Pass in den Strafraum spielte und Mayombo mit prima Einsatz noch vor dem
zögerlichen Abwehrspieler am Ball war und ihn an Sattelmaier vorbei
zum 1:0 ins Tor spitzelte. Die Führung war zu diesem Zeitpunkt sicher
etwas überraschend, wäre aber fast noch erhöht
worden, doch Truckenbrod kam bei einem weiten Pass von Nagy einen Schritt zu
spät (34.). Regensburg kam vor der Pause nur noch zu einer Chance, die
Nulle aber souverän meisterte (41.).
Der FCC kam besser aus der Pause und bestimmte nun
zunächst das Spielgeschehen. Eckardt passt zu Amrhein, der legt auf
Mayombo ab, der leider einen Schritt zu spät kommt (47.). Zwei Minuten
später behauptete Mayombo im Strafraum den Ball gegen Maul. Dieser
konnte sich nur mit einer Ringereinlage helfen. Der fällige
Elfmeterpfiff des insgesamt recht schwachen Schiedsrichters Glasmacher blieb
aber aus. Die nächste Chance hatte Sträßer nach
Doppelpass mit Eckardt. Doch sein Schuss ging knapp am rechten Pfosten vorbei
(53.). Regensburgs erste Offensivaktion in der zweiten Halbzeit war ein
Fernschuss aus knapp 30 Metern, der aber weit am Kasten von Nuller vorbei ging
(55.). Trainer Weinzierl reagierte und brachte mit Würll nach einer
Stunde einen weiteren Angreifer. Auch wenn Regensburg damit das Spiel wieder
etwas ausgeglichener gestalten konnte, blieben Chancen nun auf beiden Seiten
zunächst aus. Nach 70 Minuten kam Orlando für Eckardt und
damit auch neuer Schwung ins Spiel. Zunächst setzt sich Orlando auf
rechts durch und flankt von der Grundlinie, den Kopfball von Amrhein kann
Sattelmaier aber entschärfen (76.). Drei Minuten später ein
Konter des FCC, Truckenbrod passt auf Mayombo, der in aussichtsreicher Position
verstolpert. Und drei Minuten vor Ablauf der regulären Spielzeit wird
Orlando über links geschickt, Hagmann kommt nicht hinterher und
erwischt Orlando nur noch am Fuß und kassiert dafür - da
letzter Mann - die Rote Karte. Die 90 Minuten waren abgelaufen, Regensburg
bemüht sich noch einmal in
Richtung Jenaer Tor und Mayombo geht etwas ungeschickt in den Zweikampf -
Freistoß und wohl die letzte Aktion im Spiel. In der
Gästekurve bangte man nun schon, dass es doch nicht schon wieder mit
einem späten Ausgleich in Regensburg enden kann und darf ... Aus dem
Fanblock vom anderen Ende des Spielfeldes sah man den Freistoß
über Freund und Feind hinwegsegeln und dann tatsächlich im
Netz zappeln. Hinterher hörte man, dass wohl Mayombo unglücklich
ins eigene Tor getroffen hatte. Sehr ärgerlich! Dem Spielverlauf nach
sicher eine akzeptable Punkteteilung. Aufgrund der besseren zweiten Halbzeit,
in der vergessen wurde, den berühmten Sack zuzumachen,
aber doch zwei verschenkte Punkte mit einem
tragischen Helden Mayombo. <jw>
SpVgg Unterhaching - FC Carl Zeiss Jena 3:1
Tore: 1:0 Steegmann (43.), 2:0 Steegmann (63.), 3:0 Kanca (76.), 3:1 Benjamina (82.)
- U'haching:Kampa; Konrad, Hain, Brysch, Schaschko (90. Ziegler);
Tyce, Mitterhuber, Zillner, Leandro; Schweinsteiger (73. Kanca), Steegmann (79. Rathgeber)
- Jena: Nulle; Sträßer (73. Osadchenko), Lukimya, Wuttke, Nagy; Eckardt, Kühne, Truckenbrod, Ziegner (46. Benyamina), Orlando (46.
Mayombo); Amrhein
- Zuschauer: 3300
- Schiedsrichter: Fischer (Hemer)
- Spielbericht
- Same procedure as every year.
Der FCC verliert obligatorisch sein Auswärtsspiel bei der Spielvereinigung Unterhaching, diesmal
mit 3:1 und nach zwei völlig unterschiedlichen Halbzeiten.
Der
Minutenzeiger hatte noch nicht einmal eine volle Umdrehung gemacht, da hatten
Jenas Fans den Torschrei auf den Lippen, als Patrick Amrhein von Ziegner
mustergültig bedient von der Strafraumgrenze abziehen kann, aber nur ein
klägliches Schüsschen zustande bringt. Ein Auftakt mit Signalwirkung konnte man
hoffen, doch als Referee Fischer 45 Minuten später zur Pause pfiff, war aus
Sicht des FCC keine einzige weitere Möglichkeit zu notieren gewesen, von einem
großzügig verzogenen Distanzschuss des überraschend sofort eingesetzten Kühne
einmal abgesehen. Jena lieferte eine erste Hälfte ohne jeden Esprit, blieb im
Offensivspiel erschreckend harmlos und lag verdient mit 0:1 zurück. Dass dieses
Gegentor aus einer lächerlichen Schauspieleinlage Zillners an der
Seitenauslinie direkt vor den Augen des schwachen Linienrichters und folgender
Freistoßflanke resultierte, war bitter. Aber Steegmanns gegen Lukimya
folgenschwer gewonnenes Kopfballduell zum Führungstreffer kurz vor der Pause
(43.) eben auch nur eine der zahlreichen Hachinger Möglichkeiten. Von denen
vergab der Torschütze selbst üppig (12., 26., 34.), aber Zillner nach seinem
Sturmlauf zwischen den verdutzten Sträßer und Ziegner hindurch zweifellos die
größte - Nulle rettete glanzvoll (33.).
So konnte es nicht weitergehen, und van Eck, der schon vor Anpfiff auf den sich
beim Aufwärmen verletzenden Holwijn verzichten musste, stellte erneut um. Auch,
weil der blasse Orlando Smeekes mit ausgekugelter Schulter passen musste. Aus
dem 3-5-1 mit Doppelsechs Kühne/Truckenbrod und Amrhein als einziger Spitze
wurde nun ein 4-4-2. Amrhein rückte zurück auf die linke Mittelfeldposition,
als Spitzen agierte dabei das Sturmduo der in dieser Saison so begeisternden
II. Mannschaft, und plötzlich ging beim FCC nach vorn die Post ab. Insbesondere
Exaucé Mayombo war von Hachings Verteidigern kaum zu stellen und lieferte eine
starke Partie ab. Kühnes Schuss nach Truckenbrod-Ablage gab nach 51 Minuten die
Richtung vor, Mayombos abgefälschter Schuss folgte zwei Minuten später, Amrhein
prüfte Kampa im Hachinger Tor aus 18 Metern (54.), Truckenbrod zieht knapp
übers Tor (58.). Jena war jetzt richtig im Spiel, die Kombinationen liefen
flüssig und spätestens in der 59. Minute musste es einfach soweit sein, als
Rene Eckardt auf rechts mustergültig von Sträßer bedient wird, aber statt Kampa
den Ball um die Ohren zu ballern eine unmotivierte Mischung aus Heber und
Flanke ansetzt. Wie einfach Fußball sein kann, demonstrierten die Bayern kurz
darauf auf der Gegenseite: Langer Befreiungsschlag Hains aus der eigenen Hälfte
auf den durchstartenden Steegmann, der vernascht Wuttke im 16er und schiebt
lässig zum 2:0 ein. Bewundernde Worte fielen im Gästeblock über die weise
Voraussicht jenes sonst so viel- und weitreisenden Münchner FCC-Fans, der einem
Gelübde folgend den Nachmittag lieber weit abseits seinen Hund Gassi führend
verbrachte. Seit dem Sieg vor 17 Jahren scheint für unseren Club ein Fluch auf
diesem Sportplatz zu liegen. Sonst hätten vielleicht auch Mayombo nach
Traumzuspiel Benyaminas freistehend vor Kampa die Nerven nicht versagt (65.).
Und sonst würde ein Schiedsrichter bei einem Foul wie dem Kampas an Carsten
Sträßer im 16er auch einmal auf Elfmeter entscheiden. Für Sträßer bedeutete
Kampas übles Einsteigen das Ende der Partie - Jenas dritte Verletzung an diesem
Tage - und die Unordnung in der Hintermannschaft des FCC nutzte der
eingewechselte Kanca zur endgültigen Entscheidung. Dabei hätte es vielleicht
noch einmal eng werden können, wenn nach Benyaminas Anschlusstreffer per Kopf -
Nagy hatte von links geflankt - mehr gekommen wäre als die vergebenen
Möglichkeiten Benyaminas (Kopfball nach Eckball von rechts, 83.) und Amrheins
Freistoßversuch übers Tor (84.). Wo das Problem des FCC liegt, demonstrierte
dann eine Minute vor dem Ende René Eckardt noch einmal final, als er völlig
freistehend an Kampas Blitzreaktion scheitert. Nein, nichts zu holen in
Münchens Süden. Verflucht! <gunner>
FC Carl Zeiss Jena - FC Ingolstadt 04 2:0
Tore: 1:0 Lukimya (72.), 2:0 Holwijn (83.)
- Jena: Nulle; Sträßer, Lukimya, Wuttke, Nagy; Holwijn,
Truckenbrod, Ziegner (85. Eckardt), Orlando (90. Fuss); Amrhein,
Hähnge (73. Benyamina)
- Ingolstadt: Lutz; Keidel, Pisot, Wenczel, Ruprecht; Leitl,
Fleßers (71. Braber), Karl, Buchner; Neuendorf, Hartmann
- Zuschauer: 5099
- Schiedsrichter: Siebert (Berlin)
- Spielbericht
-
Im Vorfeld des Spiels gab es jede Menge Aufregung im Umfeld des FCC: Spätestens mit der Pokalniederlage in
Meuselwitz und der anschließenden Suspendierung von Salvatore Amirante hatte der FCC wieder einmal demonstriert,
dass man in Jena mit allem rechnen muss. Dazu kam noch die Vorstellung des neuen Geschäftsführers Michael
Born unter der Woche, Ablenkung von der Vorbereitung auf das Spiel gegen einen der Staffelfavoriten des Jahres gab
es also zur Genüge.
Mit dem FC Ingolstadt 04 war eine Mannschaft im Ernst Abbe Sportfeld zu Gast, gegen die der FC Carl Zeiss Jena erst
ein einziges Mal im Rahmen eines Winter-Trainingslagers gespielt hat. Das ist allerdings weniger überraschend,
zumindest wenn man betrachtet, dass der FC Ingolstadt 04 erst im Jahr 2004 als Zusammenschluss von MTV 1881 und ESV
Ingolstadt entstanden ist. Seitdem hat der Verein mit der Unterstützung des großen Sponsors im Rücken
einen steilen Aufstieg erlebt und konnte schon im Jahr 2007 den Aufstieg in die zweite Bundesliga feiern. Der letztjährige
Abstieg darf als Betriebsunfall verstanden werden, der den langfristigen Weg in Richtung erste Bundesliga wohl nur verzögert
hat. Spätestens beim Blick auf das Mannschaftsfoto der Gäste wird deutlich, wie der Verein verstanden werden soll: Der
Star ist nicht die Mannschaft, auch nicht bundesligaerfahrene Spieler wie "Zecke" Neuendorf Stefan Leitl, selbst Trainer
Horst Köppel steht im zweiten Glied. Bei Ingolstadt 04 gilt einzig und allein: Der Star ist der Sponsor.
Aber kommen wir zum Spiel: Den Spielern des FCC war von Beginn an anzumerken, dass die Geschehnisse außerhalb
des Platzes nicht völlig verdrängt werden konnten, jedenfalls waren die Gäste aus Ingolstadt von Beginn an
die spielbestimmende Mannschaft. Bereits in der ersten Minute kommen die Gäste gefährlich vors Jenaer Tor, die
Flanke von Leitl kann Buchner aber nicht verwerten. Nur wenige Augenblicke später versucht der rehabilitierte Ziegner
einen Rückpass zu Carsten Nulle, der Ball ist allerdings beinahe zu kurz und bringt Nulle erstmals in Bedrängnis.
Dank einer schnellen Reaktion kommt er allerdings noch vor dem Ingolstädter Spieler an den Ball und kann die Situation
klären. Dennoch blieben die Gäste dominant und kamen noch in der zweiten Minute nach einer Keidel-Flanke durch
Buchner zur nächsten Chance, auch dieser Kopfball verfehlte das Jenaer Tor aber knapp. Erst nach diesen drei Aufregern
konnten die Jenaer Fans erstmals durchatmen; auch wenn die FCC-Elf sich keine eigenen Chancen erspielen konnte, gelang es
nun immerhin, die Gäste vom eigenen Tor fernzuhalten. Dennoch wirkten die Gäste auf dem vom Regen getränkten
Rasen stets spritziger und technisch versierter und konnten mit einfachen Doppelpässen immer wieder schnelle
Vorstöße einleiten, die zum Glück für die Jenaer Elf nicht mit letzter Konsequenz ausgespielt
wurden. Wenn die Ingolstädter doch einmal den Abschluss fanden, war dann allerdings Carsten Nulle zur Stelle,
der insgesamt eine überzeugende Partie ablieferte. Auch nach einem Schuss von Karl aus rund zehn Metern war
Nulle zur Stelle und konnte per Fußabwehr klären. Nach knapp einer halben Stunde kamen auch die Jenaer
erstmals zu so etwas ähnlichem wie einer Torchance, als Patrick Amrhein auf der rechten Außenbahn vor
dem unnötigerweise herauseilenden Ingolstädter Torhüter Lutz an den Ball kommt und an diesem auch
vorbeikommt, dann aber ausrutscht und damit das großzügige Geschenk der Gäste dankend ablehnt. Kurz
vor dem Halbzeitpfiff ist es wieder Amrhein, der an der Strafraumgrenze der Ingolstädter glücklich an den
Ball kommt, die gebotene Chance aber mit einem Schuss zur Eckfahne kläglich vergibt. Damit blieb es zur Halbzeit
beim 0:0 und obwohl die Ingolstädter nicht viele klare Torchancen erspielt hatten, waren sie doch ohne Zweifel
die gefälliger spielende Mannschaft, die eine Führung zu diesem Zeitpunkt absolut verdient hätte.
In den Minuten nach Wiederanpfiff hatte man nicht den Eindruck, als ob René van Eck der Mannschaft in der Kabine
entscheidende Impulse gegeben hat. Wieder hatten die Ingolstädter den besseren Beginn für sich: Mit zwei
Freistößen aus rund 20 Metern brachte Keidel den Jenaer Torhüter Nulle in Bedrängnis, dieser war
aber hellwach und ging in Anbetracht des glitschigen Balls zwei mal auf Nummer sicher und faustete den Ball wieder
ins Spielfeld zurück. In der 51. Minute war es wieder Karl, der die Führung auf dem Fuß hat, aber im
letzten Moment mit viel Glück von mehreren Jenaer Verteidigern am Abschluss gehindert wird. Nur zwei Minuten
später die nächste Großchance für die Gäste, nun rettet wieder Nulle gegen Leitl, der
völlig unbedrängt zum Schuss kommt - die Ingolstädter Führung schien nur eine Frage der Zeit
zu sein, von Jenaer Seite kamen wie in der ersten Halbzeit praktisch keine Impulse für das Spiel. Nach 55 Spielminuten
kam aber auch der FCC mal wieder vors Gäste-Tor, die Flanke von Truckenbrod auf Hähnge war präzise und
gefühlvoll getreten, allerdings war auch Gäste-Torwart Lutz auf dem Posten und konnte mit den Fäusten
vor Hähnge an den Ball kommen. Zehn Minuten später war es erneut Nulle, der die letzte Rettung für das
scheinbar unverrückbare 0:0 an der Anzeigetafel darstellte. Gleich mehrere Stürmer der Gäste
scheiterten mit ihren Schussversuchen am Jenaer Keeper, bevor die Situation endlich bereinigt werden konnte.
Die rot-weiß gekleidete Marketingmaßnahme der bekannten VW-Tochter hielt bis dahin also fast, was
der Bus mit großen Lettern versprach: Der "Vorsprung durch Technik" schlug sich allerdings nur in
Spielanteilen und Torchancen nieder, das Spielergebnis zeigte sich bisher unbeeindruckt. In der Folge gönnten
sich die Gäste allerdings eine kleine Verschnaufpause und die Jenaer kämpften sich zurück ins Spiel.
Torchancen blieben zwar zunächst Mangelware, aber immerhin musste man sich in dieser Phase keine großen
Sorgen um das FCC-Tor machen. In der 72. Minute passierte dann das, was auch dem FCC schon oft genug widerfahren ist:
Die Mannschaft, die bis dahin klar unterlegen war und praktisch keine echte Torchance zu verzeichnen hatte, geht
völlig unverdient in Führung. Nach einem Freistoß aus halbrechter Position und rund 30 Metern
Entfernung ist es Abwehrmann Assani Lukimya, der als erster an den Ball kommt und diesen per Kopf ins lange
Ecke verlängern kann - 1:0 für den FCC und der Spielverlauf stand auf dem Kopf! Die Jenaer Zuschauer
hatten sich noch nicht wieder hingesetzt, da wäre beinahe der hochverdiente Ausgleich gefallen, als Buchner
per Kopf nur die Latte trifft und ein weiterer Ingolstädter seinen Nachschuss wenige Zentimeter neben den
linken Pfosten setzt. Die Angriffe der Gäste wurden nun verständlicherweise wütender und brachten
Nulle noch mehrmals in Bedrängnis. Nur zwei Minuten nach der Führung muss der Jenaer Torwart erneut per
Faustabwehr retten, nachdem ein Angreifer eine Gäste-Ecke per Volleyschuss von der Strafraumgrenze aufs Tor
brachte. Weitere drei Minuten später machte sich Nulle endgültig zum Mann des Spiels, als er einen
weiteren Freistoß von "Zecke" Neuendorf, der ansonsten unauffällig agierte, klären konnte.
Während die Gäste auf den Ausgleich drängten, zeigten die Jenaer, wie effizienter Fußball
aussehen kann: Einen hohen Ball aus dem Mittelfeld legt Amrhein per Kopf auf Melvin Holwijn ab, der sich ein Herz
nimmt und aus rund 18 Metern einfach mal draufhält. Der von Gäste-Trainer Köppel nicht ganz zu
Unrecht als "Sonntagsschuss" bezeichnete Ball schlug unhaltbar für Gäste-Keeper Lutz in der linken
Ecke ein und sicherte den Jenaer Sieg, der bis dahin noch heftig wankte.
Die Ingolstädter Bemühungen blieben auch in der Folge unbelohnt und fast hätte man den Eindruck
haben können, dass sich an diesem Tag die über 100 Jahre längere Tradition des FCC gegen den noch in
den Kinderschuhen steckenden Gast aus Ingolstadt durchgesetzt hat. Dennoch darf nicht unerwähnt bleiben, dass
der Sieg und die damit verbundenen drei Punkte sehr glücklich für René van Eck und den FC Carl
Zeiss waren, von einem verdienten Sieg kann beim besten Willen nicht die Rede sein. Entsprechend gedrückt
dürfte die Stimmung im Ingolstädter Bus bei der Heimreise gewesen sein, denn es ist ohne Zweifel bitter,
nach einem derart kraftraubenden und über weite Strecken gut geführten Spiel ohne Punkte nach Hause
fahren zu müssen. Es bleibt zu hoffen, dass die Jenaer beim nächsten Spiel in Unterhaching auch
spielerisch zu überzeugen wissen und auch in Bayern Punkte holen, bevor die bayerischen Wochen mit dem Spiel
in Regensburg hoffentlich erfolgreich beendet werden. <bh>
Kickers Offenbach - FC Carl Zeiss Jena 4:0
Tore: 1:0 Pospischil (24.), 2:0 Ulm (41.), 3:0 Mesic (78.), 4:0 Pfingsten-Reddig (88.)
- Offenbach: Wulnikowski; Huber, Hysky, Kopilas, Schutzbach;
Haas (84. Pfingsten-Reddig), Pospischil, Zinnow, Fröhlich (72. Laux);
Ulm, Mesic (81. Albayrak)
- Jena: Nulle; Fuss, Lukimya, Wuttke, Sträßer;
Holwijn (72. Kolb), Lanzaat (
, 79.),
Truckenbrod, Hähnge (46. Nagy), Orlando; Amirante
- Zuschauer: 8563
- Schiedsrichter: Thomsen (Kleve)
- Spielbericht
- Auf den Tag genau vor einem Jahr begleitete ich den FCC zum
Auswärtsspiel nach Wuppertal. "Am Tag der deutschen Einheit flossen
die Punkte von West nach Ost", beendete ich damals den Spielbericht und hoffte
jetzt auf einen vergleichbaren Spielausgang ein Jahr später.
Ein entlaufener Bulle vorm Polizeiauto auf der Hinfahrt sollte hierbei
eigentlich als Glücksbringer fungieren.
Allerdings ließen die letzten Auftritte der aktuellen Zeiss-Elf
ebenso wenig einen Feier(tags)auftritt erwarten wie die Bilanz am Bieberer Berg
mit nur einem mageren Pünktchen aus vier Spielen.
Ein Amirante-Schuss nach hundert Sekunden eröffnete
die Partie, in der Wuttke auch nach Lanzaats Rückkehr zunächst
in der Innenverteidigung blieb. Obwohl der Holländer bei seinem
Kurzeinsatz gegen Bremen alles andere als souverän gewirkt hatte,
wurde er ein weiteres Mal auf der Position vor der Abwehr neben Truckenbrod
besetzt. Sein Fehler ohne Not nach 16 Minuten ließ Pospischil von der
Strafraumgrenze aus zum Schuss kommen, Nulle bügelte aus. Es war die
zweite Chance der Hausherren in diesem Match, da sich zuvor bereits Zinnow
durch den kompletten Jenaer Strafraum gedribbelt hatte, dabei jedoch vergaß,
aufs Tor zu schießen. Auch Truckenbrod probierte es nach siebzehn
Minuten mal mit einem Schuss von der Strafraumgrenze. Wulnikowski kam mit einer
Faust an den Ball und lenkte zur Ecke. Fünf Minuten später.
Zinnows Faller nach Zweikampf mit Sträßer sah nach Schwalbe
aus, der bis dahin großzügige Schiedsrichter gab jedoch
Freistoß. Der Ball blieb in der 6-Mann-Mauer hängen, sprang
aber nach seiner ersten Bodenberührung mit ungewöhnlichem
Drall wieder zurück. Ein Lupfer in den Jenaer Strafraum, wo die Blauen
vergebens auf Abseits reklamierten, ein zur Vorlage werdendes Luftloch sowie
ein straffer Schuss auf zehn Metern führten zum 1:0.
Wie schon gegen
Bremen galt es einem Rückstand hinterher zu laufen. Genau das aber
wird zum schwierigen Unterfangen, wenn der Trainer ausgerechnet vor diesem
Spiel klammheimlich zur Ein-Stürmer-Taktik zurückgekehrt ist,
die schon im Jahr zuvor für Unverständnis und Erfolglosigkeit
gesorgt hatte. Sebastian Hähnge ("Ich erwarte mehr von mir und die
Leute auch") blieb nach dem Rückstand weiterhin konsequent im
zentralen Mittelfeld und versuchte sich erfolglos als Ballverteiler für
die einzige Spitze Salvatore Amirante. Da auch Melvin Holwijn sowie Orlando auf
den Außenpositionen nichts rissen, verwalteten die Hessen ihren
knappen Vorsprung ohne große Mühe und lauerten auf den möglicherweise
vorentscheidenden Fehler des Kontrahenten. Den gab es dann auch in Form eines
Jenaer Fehlpasses wenige Meter vorm Anstoßkreis. Dass er Lukimya
unterlief, einem der wenigen beständig guten Spieler während
der letzten Wochen, werteten einige Fans später als Zeichen um sich
greifender Verunsicherung in den Jenaer Reihen. Jedenfalls nutzte David Ulm das
Geschenk zu einem Solo durch die Jenaer Hälfte, um das Leder dann aus
gut zwanzig Metern über Nulle hinweg ins Tor zu heben. Sehenswert, mit
wie viel Gefühl im Fuß Ulm diesen Treffer markierte. Carsten
Nulle eine Mitschuld zu geben, wäre aber wohl verfehlt. Wie sollte er
ahnen, dass seinen Vorderleuten im Spielaufbau ein solcher Patzer unterläuft
? Unser Keeper schlich nach dem Pausenpfiff als Letzter vom Platz, begleitet
von Schmährufen der OFC-Anhänger, die in einem bekennenden
Sympathisanten von Eintracht Frankfurt so etwas wie ihren natürlichen
Feind sehen.
Drei Jahre zuvor war es einer Jenaer Mannschaft an gleicher
Stelle mal gelungen, aus einem 0:2-Pausenrückstand noch ein Remis
werden zu lassen. Um eine Wiederholung dessen herbei zu führen,
stellte van Eck während der Pause mehrfach um. Nagy kam für Hähnge
rein, begab sich wie gewohnt nach links und schickte Holwijn auf die andere
Seite. Aus Orlando wurde doch noch ein zweiter zentraler Stürmer.
Dahinter tauschten Lanzaat und Wuttke ihre Positionen aus der ersten Hälfte,
rückte Truckenbrod ein Stück weiter nach vorn. Der OFC ließ
die Gäste nach Wiederanpfiff zunächst gewähren. Als
sich die Hausherren dann doch mal wieder zu einem eigenen Angriff entschlossen,
brachte der schnelle Gegenstoß endlich mal wieder Gefahr. Durch vier
Abwehrbeine hindurch legte Orlando für Amirante auf, der schoss aus
der Drehung jedoch genau zu Wulnikowski. Der Ball von Nagy drei Minuten später
versprach mehr Erfolg, strich aus 19 Metern Torentfernung aber knapp am rechten
Pfosten vorbei. Eine weitere Steigerung erfuhren Jenas Bemühungen um
den Anschlusstreffer schließlich in Minute 69. Wiederholt versuchte
sich Truckenbrod an einem Fernschuss, selten zuvor aber war das Geschoss von
jener Güte wie diesmal. Aus 17 Metern volley abgefeuert, flog das
Leder oben ans Gebälk, dass es nur so krachte.
Die Hausherren hatten
offensiv nach dem Wechsel überhaupt noch nichts gezeigt. Doch mit
ihrem ersten gelungenen Angriff in Halbzeit zwei, bezeichnenderweise einem
Konter, sorgten sie fünfzehn Minuten vor Schluss für die
Entscheidung. Ulm legte an Sträßer vorbei in die Mitte ab,
wo Quido Lanzaat seinem Gegenspieler Mesic nicht hatte folgen können. 3:0. Dass Jenas
Abwehrchef eben jenem Mesic kurz darauf in die Hacken trat, roch nach Frustfoul
und wurde mit der Roten Karte geahndet. Und als hätte das alles nicht
schon gereicht, flog auch noch der Schuss des eingewechselten Pfingsten-Reddig
genau ins linke untere Eck. "Vier zu Nulle", höhnte es nach Ende der
zweiten 45 Minuten von der Offenbacher Fangeraden.
Dass dem OFC eine durchschnittliche Leistung zu einem derart
klaren Sieg reichte, sollte in Jena die Alarmglocken schellen lassen. Was nutzt
ein sich steigernder Truckenbrod, ein auf allen Positionen sein Ding machender
Wuttke - sie sind nun mal keine Antreiber, die den tödlichen Pass
spielen können. Genau so einer fehlt dem Zeiss-Spiel aber zunehmend.
Es scheint deshalb an der Zeit, die Verbannung Torsten Ziegners zu beenden.
Zwar ist nicht garantiert, dass es mit ihm schlagartig besser laufen wird. In
einer Phase, wo die Jenaer Mannschaft in ihren Leistungen nicht mehr nur
stagniert, sondern abzubauen beginnt, müssen jedoch ausnahmslos alle
Alternativen ausgelotet werden, die der Kader hergibt ! Es wird Zeit, sich mal
wieder gemeinsam an einen Tisch zu setzen. <fc>
FC Carl Zeiss Jena - SV Werder Bremen II 2:2
Tore: 0:1 Testroet (32.), 1:1 Orlando (52.), 1:2 Testroet (80.), 2:2 Amirante (82., FE)
- Jena: Nulle; Sievers (70. Fuss), Lukimya, Wuttke, Sträßer;
Eckardt, Truckenbrod, Hähnge, Nagy (46. Amirante); Kolb (74. Lanzaat),
Orlando
- Bremen: Wiedwald; Hessel, Gerdes, Stallbaum, Andersen; Ronneburg,
Ayik, Menga, Feldhahn; Testroet, Oehrl
- Zuschauer: 6062
- Schiedsrichter: Blos (Köngen)
- Spielbericht
-
Keiner weiß warum, doch in den vergangenen Jahren
hatte der FC Carl Zeiss mit den zweiten Mannschaften von Bundesligavereinen so
seine liebe Mühe. Mittlerweile sind drei von vier Hinrundenpartien gegen die
U23-Teams gespielt, mit zwei Siegen und einem Remis gestaltet sich die
Saisonzwischenbilanz ungewohnt positiv. Doch egal in welches Gesicht man auf
Jenaer Seite nach Abpfiff des Bremen-Spiels blickte - Zufriedenheit schaut
anders aus.
Daran hatte die erste Halbzeit einen gewichtigen Anteil.
Denn es war ein äußerst müder Kick, den 6062
Zuschauer (darunter exakt zwei Dutzend Bremer Fans) während der ersten
45 Minuten geboten bekamen. Dass es nach gut einer Viertelstunde Beifall gab für
einen ins Sturmzentrum gespielten Ball, den Kolb als eine von zwei Spitzen gar
nicht erreichte, mag als Beschreibung für das Niveau in der
Anfangsphase genügen. Eine Freistoßvorlage, die Wiedwald
gegen die Sonne blickend im zweiten Zupacken fing, war die einzige Szene, in
welcher ein Torhüter überhaupt
eingreifen musste. Beim ersten gelungenen Angriffszug nach
zwanzig Minuten stand Hähnge knapp im Abseits. Kurz darauf spielte
Rene Eckardt zwar schön Doppelpass mit Orlando, stolperte danach aber über
seine eigenen Beine. Und bei Lukimyias flacher Hereingabe erkannte der
freistehende Kolb in der Mitte die Situation zu spät. So blieb ein
satter 23-Meter-Schuss von Jens Truckenbrod, den Bremens Keeper über
die Latte lenkte, die einzig wirkliche Torchance
in Hälfte eins. Die Gästebilanz vor der Pause hätte
sich sogar noch ärmlicher gelesen, wenn Testroet im Gegenzug nicht der
Führungstreffer gelungen wäre.
Begünstigt wurde er durch einen Fehler von Jan-Andre
Sievers, welcher den Torschützen unbedrängt den Ball annehmen
ließ und dann nicht hinterher kam. Nach einer überzeugenden
Leistung im letzten Heimspiel gegen Burghausen blieb der Neuzugang aus Emden
damit das zweite Match in Folge hinter den Erwartungen zurück, wurde
später auch ausgewechselt.
Doch zunächst war es Nagy, der in der Kabine
bleiben musste. Mit der Hereinnahme von Amirante wechselte Orlando ab Beginn
der zweiten Halbzeit auf die Linksaußenposition. Eine Umstellung, die
sich sofort bezahlt machte. War der Holländer bei seinem energischen
Antritt von der linken Seite Richtung Zentrum doch nur mit unfairen Mitteln zu
bremsen. Freistoß, 25 Meter Torentfernung. Ein paar der
Stammzuschauer des FC Carl Zeiss werden es bemerkt haben, dieses ungewöhnliche
Positionieren Jenaer Spieler im Rudel neben der gegnerischen Mauer. Von dort lösten
sich wie auf Kommando vier Blaue bei der Freistoßausführung
und rannten in den Sechzehner hinein. Truckenbrod schoss nicht direkt, sondern beförderte
das Leder lang vor zu Orlando, welcher aus fünf Metern volley zum
Ausgleich traf. 1:1 - eine eben erst im Training einstudierte Freistoßvariante
hatte auf Anhieb funktioniert ! Damit lösten
sich endlich einige der im bisherigen Spielverlauf eingebauten Bremsen.
Salvatore Amirante zog auf 30 Metern ab, Wiedwald lenkte das Leder um den
Pfosten (54.). Der Schlenzer von Feldhahn auf der anderen Seite flog nur knapp
nebens Tor (56.). Und dass Kolb die schöne Vorarbeit von Orlando
lieber selbst verwertet hätte, statt auf Eckardt zu spielen, war ihm
hinterher auch klar.
Sie bildeten die stärkste Phase in einem mäßigen Jenaer Spiel,
jene gut zwanzig Minuten nach dem Ausgleichstreffer. Sogar Sebastian Hähnge,
bekanntlich nicht der Allerschnellste, ging hier mal aus einem Sprintduell als
Sieger hervor. Den Gästen darf man bescheinigen, ebenfalls die
Offensive gesucht und so zu einer deutlich spannenderen zweiten Halbzeit
beigetragen zu haben. Beim Schuss des Deutschtüren Ayik reagierte
Carsten Nulle im Tor hervorragend.
Dann war noch eine Viertelstunde zu spielen und Orlando hatte wieder
seinen Auftritt. Es ist beileibe nicht so, dass hier Jenas Schnellstem eine
durchgängig überzeugende Leistung bescheinigt werden soll.
Manches wirkt schon zu sehr auf Show getrimmt, zwischendurch taucht er auch mal
ab und nach hinten lässt er eh lieber andere ackern. Doch klar ist
auch - ohne Orlando wäre das Jenaer Spiel um viele Attraktionen ärmer
! Klasse, wie er in Minute 76 zwei Werder-Verteidiger förmlich stehen
ließ und den Blick für den freistehenden Nebenmann hatte. Es
war Salvatore Amirante, der in zehn Metern Torentfernung sofort abschloss - und
an einem Abwehrbein hängen blieb.
Das Tragische an diesem Spiel ist aus Jenaer Sicht, dass
immer im Anschluss an eine knapp vergebene Großchance die Quittung in
Form eines Gegentreffers folgte. Hatte Pascal Testroet schon vor der Pause
direkt nach Truckenbrodts Schuss getroffen, verging auch nach Amirantes Möglichkeit
nicht viel Zeit, bis Bremens Spieler mit der Nummer 43 zum Erfolg kam. Dabei
profitierte er wiederum von einem fehlenden Gegenspieler - der eingewechselte
Benjamin Fuss war an der Strafraumgrenze ausgerutscht. Unter dem Körper
Carsten Nulles hindurch flog der Ball ins Netz. Und nun ? Waren nur noch zehn Minuten
Zeit für Jenaer Bemühungen um den abermaligen Ausgleich.
Scheinbar unbeteiligt steht Orlando nach dem Anstoß an jener Stelle,
wo Mittel- und Außenlinie aufeinander treffen. Genau da wird er angespielt,
nimmt ein paar Meter lang Fahrt auf und legt dann den Turbo ein. Gerdes hatte
sich diesmal vorgenommen, ihm im Sprintduell Paroli zu bieten - auch er war
chancenlos und wusste sich deswegen nur mit einem Rempler im Strafraum zu
helfen. Elfmeter. Als Amirante sich vor Sträßer den Ball zur
Ausführung schnappte, stockte vielen der Atem - hatte der nicht schon
einmal.... ? Noch ehe der Gedanke zuende gebracht wurde, hatte Salvatore den
Werder-Schlussmann in die andere Ecke geschickt und zum 2:2-Endstand getroffen.
Zweimal war der FCC nach Rückstand wieder gekommen.
Doch wie eingangs schon erwähnt -
Zufriedenheit sieht anders aus. Mannschaftskapitän Nulle ärgerte
sich über die beiden Gegentreffer sowie "Negativeinflüsse von
außen", mit denen wohl Pressespekulationen über Notverkäufe
von Leistungsträgern in der Winterpause gemeint sein dürften.
Und Trainer van Eck monierte die Vorstellung seiner
Mannschaft vor der Pause. Zurecht, denn dadurch sind zwei Punkte gegen
talentierte, aber durchaus schlagbare Bremer verschenkt worden. <fc>
Eintracht Braunschweig - FC Carl Zeiss Jena 2:1
Tore: 0:1 Orlando (46.), 1:1 Kruppke (62., HE), 2:1 Kragl (69.)
- Braunschweig: Petkovic; Fuchs, Brinkmann, Dogan, Boland; Pfitzner, Danneberg,
Kruppke (86. Banser), Kragl (77. Theuerkauf); Onuegbu, Calamita (60. Morabit)
- Jena: Nulle; Sievers, Lukimya, Wuttke, Sträßer (56. Riemer); Truckenbrod, Holwijn (

, 71.)
Hähnge, Nagy (79. Kolb); Mayombo (66. Amirante), Orlando
- Zuschauer: 12.200
- Schiedsrichter: Achmüller (Bad Füssing)
- Spielbericht
-
Der zehnte Spieltag bringt das Auswärtsspiel in Braunschweig auf den Plan und da die Stammautoren dieser
Seite offensichtlich angesichts der letzten Ergebnisse von 0:3 bis 6:0 die Adjektive auszugehen scheinen darf
ich mal wieder ran, als es gilt in Niedersachsen den Platz im oberen Tabellendrittel zu sichern.
Für die erste kleine Überraschung im Gästeblock sorgt Trainer Rene van Eck, der statt des zuletzt stark
auftrumpfenden Stefan Kolb oder des wieder spielberechtigten Amirante, mit Mayombo einen Stürmer in der
Startaufstellung aufbietet, der zuletzt suspendiert worden war, lediglich in der zweiten Mannschaft
spielte und dessen letzter Pflichtspieleinsatz in der Ersten bereits vier Monate zurückliegt. Neben ihm
soll Orlando für den nötigen Angriffsdruck sorgen, während Sebastian Hähnge auf der offensiven Mittelfeldposition
die beiden Stürmer mit Bällen versorgen soll. Und es beginnt gut: Bereits in der ersten Minute kann Orlando über
die linke Seite die Braunschweiger Abwehr überlaufen, scheitert jedoch an Torwart Petkovic. In der Folgezeit
kann der FCC eine optische Überlegenheit erarbeiten - "kontrolliert Ball und Gegner" - wie man so schön sagt, ohne
dabei übermäßig torgefährlich zu werden. Mayombo wirkt dabei aber noch engagierter, als sein Sturmpartner. Die Blau-Gelben
aus Niedersachsen kommen erst nach cirka zwanzig Minuten besser zu Rande und beginnen einzelne Konter zu setzen, die in einem
durch die Mitte angespielten Calamita gipfeln, der aber, völlig frei vor Nulle auftauchend, an diesem scheitert. Damit hat es
sich dann aber auch mit dem Braunschweiger Offensivdrang für die erste Hälfte und die Jenaer Viererkette in der Abwehr kann
wiederholt mit starkem Zweikampfverhalten (Wuttke, Sträßer) die gegnerischen Angreifer "abkochen". Für den eigentlichen
Gesprächsstoff der Halbzeitpause unter dem Jenaer Anhang sorgt Amirante, der bereits kurz vor der Halbzeitpause sich zum
Aufwärmen hinter das Tor von Nulle begibt.
Die zweite Hälfte beginnt mit einem Paukenschlag der angenehmeren Sorte, als Holwijn wunderschön auf der rechten
Seite lang durch Sträßer angespielt wird, im spitzen Winkel auf das Petkovic-Tor zusteuert, scheinbar die lange Ecke
mit seinem Schuß anvisiert, es aber verfehlt, bevor Orlando am langen Pfosten den Ball erreicht und ihn gekonnt flach
über die Linie drückt.
Die Wende im gesamten Spiel wird eingeläutet, als Sträßer in der 56. Minute, leicht humpelnd, verletzt ausgewechselt
werden muss. Die bis dahin äußerst souverän wirkende Jenaer Abwehrviererkette wird mit Marco Riemer wieder aufgefüllt
und ist fortan kaum noch wieder zu erkennen. Obwohl sowohl bei der Entstehung des Elfmeters (aus dem Gästeblock schlecht
einzusehendes Handspiel Riemers), als auch bei der Entwicklung des Führungstreffers ein gehörige Portion Glück für die
Niedersachsen im Spiel ist, kommt man nicht umhin festzustellen, daß vor allem die Jenaer Elf plötzlich den Faden verlor.
Als Holwijn in der 72. Minute diese "schwarze" Viertelstunde für den FCC mit einem Foul an der Mittellinie und nachfolgendem
Ballwegschlagen abschließt, ist die Partie quasi gelaufen. Nur noch zu Zehnt gelingt es nun nicht mehr die Eintracht noch
mal in Bedrängnis zu bringen. Die Braunschweiger lassen sich nun auch nicht mehr aus der Defensive locken und glänzen im
Vorwärtsgang in den letzten zwanzig Minuten lediglich mit einem gefühlten Dutzend Fehlpässen. Auch der Versuch von van Eck,
mit der Einwechslung von Kolb, mit einem Dreiersturm noch einmal auf den Ausgleich zu gehen verpufft relativ wirkungslos.
Ein Sieg in Braunschweig wäre, meiner Meinung nach, für den FC Carl Zeiss Jena ohne weiteres zu realisieren gewesen,
wenn man nach dem Führungstor, das zu einem äußerst günstigen Zeitpunkt fiel, weiter aggressiv die Entscheidung gesucht hätte
und sich mit dem Ausgleich nicht so aus dem Takt hätte bringen lassen. Nicht Eintracht Braunschweig hat gewonnen, sondern
der FCC hat verloren. Und zwar, weil man den Gegner zurück ins Spiel brachte, den der "Ringrichter" schon bis zur "9"
ausgezählt hatte. Schade drum.
Nachtrag: Die Stadt Braunschweig bietet den per Zug anreisenden Gästefans einen kostenlosen Bustransfer vom Bahnhof zum
Stadion an. Soweit so gut. Warum man aber nicht die ca. 6 km lange, direkte Strecke durch die Stadt nimmt, sondern den
Gästefans eine ca. 20-minütige Strecke über die ortsansässigen Autobahnen anbietet, scheint schleierhaft. Ich
habe diese "Stadtrundfahrt" jetzt insgesamt viermal genossen und hätte beim nächsten Mal gern eine andere Route. Danke im voraus.
<tn>
FC Carl Zeiss Jena - SV Wacker Burghausen 0:0
Tore: Fehlanzeige
- Jena: Nulle; Sievers, Wuttke, Lukimya, Sträßer;
Nagy (74.Holwijn), Truckenbrod, Riemer, Eckardt, Hähnge, Kolb (62.Orlando)
- Burghausen: Riemann; Wolf, Hertl, Kokocinski, Kresin, Nebihi (84.Schmidt), Burkhard, Grübl (73.Belleri),
El Haj Ali, Gorka, Cappek (89.Holz)
- Zuschauer: 6948
- Schiedsrichter: Sönder (Lübeck)
- Spielbericht
-
Dritter gegen Vierter - vom Papier her das Topspiel des heutigen Tages in der dritten Liga. Sonne pur und warme Temperaturen
waren beste Vorraussetzungen, um dem Spitzenspiel auch einen würdigen Rahmen zu verleihen. Die Partie musste eine
Viertelstunde später angepfiffen werden, da die Gäste bei Ihrer Anreise aus dem Hotel in Stadtroda infolge einer
Bombendrohung im Stau standen, und dadurch nicht rechtzeitig eine Stunde vor Spielbeginn im Stadion sein konnten.
Die erste gute Aktion des Spiel leitete Jenas Abwehrspieler Sträßer ein, der mit einem herrlichen Diagonalpass
René Eckardt bediente, doch dessen Schuss in der siebenten Minute stellte für Keeper Riemann keine echte Gefahr dar.
In der 18. Minute nutzte Truckenbrodt einen Ballverlust der Gäste aus und prüfte Riemann mit einem Schuss aus der zweiten
Reihe, doch leider landete der Ball genau in den Armen des Schlussmannes. Nach der doch spielerisch armseligen Partie in Kiel
wusste der FCC am heutigen Tage zu gefallen und kontrollierte im gesamten Spielverlauf die Partie. Doch auch mit schönen
Kombinationen und Ballstafetten im Mittelfeld blieben die Torchancen auf Jenaer Seite Mangelware. Die Burghausener, die infolge
einer Grippe auf vier wichtige Spieler verzichten mussten, stellten sich konsequent hinten rein, so dass es für die Jenaer
recht schwierig war, in der dicht gestaffelten Abwehr eine Lücke zu finden. Erst nach gut einer halben Stunde die nächste
Tormöglichkeit für die Jenaer. Hähnge hatte per Kopfball in den Lauf von Youngster Kolb verlängert, doch obwohl
Riemann in dieser Aktion zu weit vor seinem Kasten stand, konnte Kolb diese gute Torchance nicht nutzen und ballerte über das Tor.
Auch nach der Pause änderte sich das Spiel nicht gravierend. In der 51. Minute versuchte sich Sievers mit einer hohen Flanke in
den Strafraum, der Ball wurde lang und länger und fiel zur Verwunderung des Gästekeepers hinter ihm aufs Tornetz. Mit etwas
Glück hätte diese Flanke auch zum erneuten Tor des Monats avancieren können. Gut eine Stunde war vorbei und ein Jubel
auf den Rängen machte sich breit, als Publikumsliebling Orlando für Kolb eingewechselt wurde. Manch einer machte sich
Gedanken, warum und weshalb dieser nicht von Anfang an spielen durfte. Doch Trainer van Eck machte in der anschließenden Pressekonferenz
alle Gerüchte zunichte, als er gleich als erstes vermeldete, dass Orlando im am Vorabend ihm mitgeteilt habe, dass er sich für ein
komplettes Spiel nicht fit fühle. Doch als er den Rasen betrat, spürte man noch einmal einen Ruck durch die Jenaer Mannschaft gehen.
Er war es auch, der in der 71. Minute gleich eine gute Einschusschance hatte, doch leider kam er einen Schritt zu spät und rutschte
einschussbereit knapp am Ball vorbei. Eine Viertelstunde vor dem Ende donnerte Nulle einen super weiten Abschlag heraus, der Ball sprang
vor Orlando auf, doch leider konnte er diese Gelegenheit nicht verwerten oder den Ball zumindest unter Kontrolle nehmen. Die Abwehr der
Gäste stand weiter recht sicher, so dass es die Spieler des FCC nun immer mehr mit Einzelaktionen probierten, die aber allesamt nichts
einbrachten. Höhepunkt des Spiels war zweifelsohne die 82. Minute, in der bereits die Jenaer Fans von ihren Sitzen aufsprangen. Doch
leider stand Orlando das Glück am heutigen Tag nicht zur Seite, denn sein gut getimter Kopfball nach Flanke vom starken Sievers klatschte
an den Innenpfosten, von wo er anschließend direkt in die Arme des Keepers sprang. Da war sie, diese eine 100% Möglichkeit, doch
leider sollte es auch die letzte nennenswerte Aktion gewesen sein.
Mit einer Minute Nachspielzeit pfiff Schiedsrichter Tim Sönder das Topspiel der 3.Liga ab, was es leider nicht geworden war. Die Gäste
waren am Ende mit diesem Punkt hochzufrieden, während die Zeiss-Kicker mit hängenden Köpfen den Rasen verließen. Denn jedem
war nach der Partie klar, dass es selten so leicht gewesen sei, heute die ansonsten starken Kicker von Wacker Burghausen zu bezwingen. Auch wenn
viele Trainer und Verantwortliche eine Einzelkritik nicht unbedingt mögen, so muss doch am heutigen Tage die gesamte Abwehr mal explizit
hervor gehoben werden. Besonders die beiden Außen mit Sträßer und Sievers taten sich heute besonders hervor und ermöglichten
den Gästen während der gesamten Spielzeit keine nennenswerte Torchance.<vg>
Bilder auf fcc.weissenburger.de
Bericht auf fussball.sv-wacker.de
Holstein Kiel - FC Carl Zeiss Jena 0:1
Tore: 0:1 Kolb (72.)
- Kiel: Frech; Lamprecht, R. Müller, Schyrba, Meyer, K.Schulz, Holt,
Jerat (80. Siedschlag), Sembolo, Sykora (9. Guscinas), Heider (66. Stier)
- Jena: Nulle; Sievers, Wuttke, Lukimya, Sträßer;
Nagy (90. Fuss), Truckenbrod, Eckardt, Riemer, Orlando (64. Kolb), Hähnge (87. Petersen)
- Zuschauer: 4511
- Schiedsrichter: Dittrich (Bremen)
- Spielbericht
-
Mit Müller, Hasse und Sykora stehen gleich drei Ex-Jenaer im Kader der Kieler. Aber Hasse war gar nicht im Aufgebot
und Fiete Sykora musste bereits in der 9. min verletzungsbedingt ausgewechselt werden und konnte so gegen seinen
Ex-Club keinen Schaden anrichten. Bis zu diesem Zeitpunkt gab es bereits die ersten aufregenden Situationen vorm
Jenaer Tor. Kiel begann von Anpfiff an offensiv und setzte die Gäste unter Druck. Im Großen und Ganzen
stand Jenas Abwehr, stark unterstützt von den vier Mittelfeldspielern und Hähnge, relativ gut. Wenn man
aber 80 der 90 Spielminuten quasi mit dem Rücken an der Wand, sprich im eigenem Strafraum steht, ist es klar,
dass die Torchancen für die Gastgeber nicht ausbleiben. Vor allem bei Ecken konnte man immer wieder die Luft
anhalten. In der 5. min wehrte Nulle einen Kopfball Haiders aus 3 m Torentfernung zur nächsten Ecke ab. Diese
konnte von Orlando nicht geklärt werden und so hatte Robert Müller die Gelegenheit, seine ehemaligen
Mannschaftskollegen per Fernschuss (der aber in der vielbeinigen Abwehr hängenblieb) zu erschrecken. Nach
einem Stolper Riemers musste sich Lukimya, der wieder eine sehr gute Partie spielte, im letzten Moment in einen
Schuss werfen und zur Ecke klären. Diese führte zu einem Kopfballaufsetzer, gegen den wohl auch Nulle
keine Chance gehabt hätte, aber der Ball ging über die Torlatte. Ganz stark bei den Kielern war in der
Anfangsviertelstunde Sembolo, der ein paar Mal den Jenaern Knoten in die Beine dribbelte. Nachdem aber Sträßer
ihn mal etwas energischer bremste, wurde der auch ruhiger. Nach ein paar Minuten relativer Ruhe musst Nulle, wiederum
nach Ecke, sehr energisch den Ball (samt Gegner) wegfausten, um Schlimmeres zu vermeiden (25.). Nochmals zehn Minuten
danach hatten die Heimzuschauer den Jubelschrei auf den Lippen: Ein weiter Einwurf von rechts wurde verlängert
und den folgenden Kopfball Holts erwischte Nulle mit sensationellem Reflex gerade noch so. Holstein ließ den
Ball in dieser Phase schnell laufen und spielte oft direkt ab. Allerdings ging es zumeist nur bis zur Strafraumgrenze,
an der eine gelbe Wand sie aufhielt. Und so probierte es Sykora-Ersatz Guscinas aus 20 Metern mit einem Fernschuß,
der jedoch nur die Latte traf und die Zuschauern aufstöhnen ließ. Zur Pause konnte man über das
Unentschieden heilfroh sein, denn die Angriffsbemühungen des FCC konnte man bis dahin mit der Zahl "Null" beschreiben.
Nach der Pause ging es wie gehabt weiter, lediglich die Spielhälfte, in der sich alles abspielte, änderte sich.
Allerdings war Holstein jetzt so nett und verzichtete fast völlig auf das Spiel über die Flügel. 7,32 m ist
die Torbreite und ungefähr ebenso breit war der Korridor an Jenas Strafraumgrenze, durch den die "Störche" ihre
Angriffe versuchten. Die Jenaer Abwehrspieler hatten dadurch eigentlich ein leichtes Spiel, wurde doch einmal einer ausgetanzt,
so standen garantiert gleich zwei weitere Gelbe dahinter und klärten. Nur bei einem Fernschuss Lamprechts von rechts
außen (52.) und einem abgefälschten Freistoß (55.) kam der Ball mal in Nulles "Sichtweite", der Rest
waren Kinkerlitzchen. Nach vorn blieb alles unverändert, es ging nichts. Kam man doch einmal über die Mittellinie,
so war es ziemlich sicher, dass Orlando im Rücken der Abwehr im Abseits stand. In der 60. min dann hatte der FCC
mal eine Chance auf einen aussichtsreichen Angriff, aber Orlando rannte mit gesenktem Kopf in zwei Gegner hinein und
übersah den mitgelaufenen und freistehenden Hähnge. So konnte das nichts werden und folgerichtig kam in der
65. Minute Kolb für Orlando. Schon die ersten Zweikämpfe Kolb sahen völlig anders aus als Orlandos
Vorstellung: Der Achtzehnjährige ging in die Zweikämpfe, setzte bei Ballverlust sofort nach und steckte
nie auf. Mir rutschte da ein "Dem Kolb gönne ich ein Tor, der hat schon gegen Dortmund so gut gespielt" heraus
(wenn die Weissagung der Lottozahlen nur ebenso klappen würde…). Drei Minuten nach dem Wechsel (in der 68. min!!!)
hatte der FCC seinen ersten Torschuss, aber Truckenbrods Geschoss ging knapp am langen Pfosten vorbei. Der nächste
Kieler Angriff wurde kurz hinter der Mittellinie abgefangen und der FCC hatte eine perfekte Konterchance in 3:2-Überzahl,
jedoch vergeigte Riemer diese Gelegenheit kläglich. Kurz danach bekam Hähnge auf der rechten Seite den Ball,
ging bis zur Grundlinie, beschäftigte zwei Gegenspieler und spielte mit der Hacke auf den mitgelaufenen Eckardt.
Der schickte seinen Gegenspieler und bediente - wie schon in vorhergehenden Spielen - mit einer maßgenauen
Zuckerflanke den in der Mitte wartenden Mitspieler. Diesmal war es Kolb, der sich die Chance nicht entgehen ließ
und zur überraschenden Führung des FCC einnickte und auf der Gegentribüne für eisiges Schweigen um
mich herum sorgte (ich jubelte solo *g*).
Das Spiel war gekippt. Die "Störche" hatten einen gewaltigen Knacks bekommen,
denn sie versuchten zwar in der verbleibenden Zeit mit viel Einsatz und Elan, dieses Resultat zu reparieren, aber lediglich
ein weiterer Lattentreffer wiederum durch Guscina sorgte für Aufregung. Im Gegenteil, mit etwas Cleverness hätte
Jena jetzt den berühmten Sack zubinden könne, aber zunächst war nach Doppelpass Eckardt - Hähnge der
Kieler Torwart einen Tick schneller am Ball als Eckardt (85.) und dann fehlte Truckenbrod einfach die Kaltschnäuzigkeit,
allein vor Frech - der bis zur Strafraumgrenze herausgekommen war - mit einem Heber das 2:0 zu machen, er ballerte den Ball
voll auf den Keeper drauf. Ansonsten versuchte man ziemlich geschickt und erfolgreich, in den verbleibenden Minuten das Tempo
aus dem Spiel zu nehmen und den Ball in den eigenen Reihen zu halten.
Bis zu Kolbs Einwechslung wäre ich mit einem Punkt hochzufrieden gewesen. Der "Dreier" ist mit etwas Glück in
den ersten 70 und mit ansprechender Leistung in den letzten 20 Minuten eingefahren worden. <uk>
FC Carl Zeiss Jena - Borussia Dortmund II 2:1
Tore: 0:1 Neumeister (6.), 1:1 Lukimya (13.), 2:1 Riemer (80.)
- Jena: Nulle; Sievers, Wuttke, Lukimya, Sträßer;
Nagy (90. Petersen), Truckenbrod, Hähnge, Eckardt (85. Fuss); Orlando,
Kolb (73. Riemer)
- Dortmund: Höttecke; Koch, Eggert, Hünemeier, Neumeister;
Hille, Hasanbegovic (85. Boztepe), Tyrala, Öztekin; Ginczek (57.
Piossek), Kullmann
- Zuschauer: 6983
- Schiedsrichter: Dankert (Rostock)
- Spielbericht
-
Das Chaos beim FCC wurde gerade mal wieder etwas unübersichtlich. Nachdem
Peter Schreiber offenbar keine unbezahlten Rechnungen mehr auf seinem Wühltisch
findet (oder diese lieber wieder untendrunter steckt), fängt die
liebevoll zusammengesparte Mannschaft an sich in Wohlgefallen aufzulösen.
Der eine haut mit südländischer Besonnenheit einem Blumenzüchter
ins Gesicht, der andere wird aufgrund seiner Großartigkeit
suspendiert und der Dritte hat seine Bandscheiben nicht im Griff. Hinzu kommen
ungezählte Zerrungen und Risse diverser Muskelgruppen, schlechte
Blutwerte und Verstauchungen. Und die wenigen Verbliebenen, die sich stets gut
benommen haben und dazu gesund sind, können auch nicht mehr so
richtig. Zu groß ist der Druck nach dem Kulturarena-Debakel für
Rom, Ähnliches vollbringen zu müssen. Ernüchternde
Aussichten also für das gestrige Spiel gegen Dortmunds Zwote, zumal
die nach fünf Minuten schon in Führung lag. Neumeister hatte
die Aufwachprobleme in Jenas Deckungsverbund schamlos ausgenutzt und per Kopf
die Gästeführung hergestellt (6.). Zwar war der ursächliche
Freistoßpfiff völliger Mumpitz, gezählt hat es
trotzdem. Aber was soll's. Aus Ruinen wird auferstanden! Und überhaupt:
Bandscheibenvorfälle werden total überbewertet!
Zwar
folgte die Trotzreaktion erst nachdem Nulle das 0:2 und damit den unabwendbaren
Untergang verhindert hatte, dann aber kam die große Zeit des Rene
Eckardt. Ganz ehrlich, wenn der immer so spielen würde wie die
folgende Viertelstunde, die Nationalmannschaft wäre kein Thema. Seine
Vorlage auf Wuttke nach einer Ecke und sein Heber aus spitzem Winkel wären
bereits Treffer wert gewesen, Hötteke bekam aber beidemal noch
irgendein Körperteil dazwischen. Gegen Lukimyas Schuß aus
Nahdistanz konnte aber auch der Dortmunder Schlußmann nichts mehr
machen. Eckardt hatte Neumeister auf der rechten Seite schön zur
Schere gemacht und den Ball dann flach nach innen geschlagen. Von dort hätte
es wohl nur noch Gomez und dann auch nur im Nationaltrikot noch fertiggebracht,
das Tor nicht zu treffen. Jubeln unter Vorbehalt (13.). Ein Unentschieden
konnte hier ja nicht das Ziel sein! Dieser Vorbehalt legitimierte sich
schneller als gedacht. Mit der Gewißheit der uneingeschränkten
Überlegenheit zog sich Jena wieder aus dem Dortmunder Strafraum zurück.
Alle Maschinen Stop - im Notfall gleichen wir halt wieder aus. Zwar hatte
Eckardt nach eine Wuttke-Vorlage noch einmal die große Chance zur Führung,
sein strammer Volleyschuß fand aber den Weg ins Tor nicht und ist
jetzt wahrscheinlich ein dicker blauer Fleck auf einem Dortmunder Gesäß
(16.). Danach tickte nur noch die Uhr runter. Was dieser taktische Unsinn soll,
ist schwer zu sagen, zumal der Schwung des Ausgleichstreffers dadurch völlig
verpuffte. Die Kräfte jedenfalls hätten eigentlich noch ein
bißchen länger reichen sollen. Kurz vor der Pause hätte
sich dieses unheilvolle Fehlverhalten tatsächlich fast gerächt.
Wäre Kullmann nicht um Zentimeter an Boztepes Eingabe vorbeigerutscht,
die etwa 300 Mitgereisten Dortmunder hätten wohl unsere leise vor sich
hin tirilierende Südkurve vollends unter den Tisch gesungen. Glück
gehabt!
Nach der Pause war es vor allem Orlando, der für Aufsehen sorgte.
Inzwischen ist es für jeden Gegner offenbar ein probates taktisches
Mittel geworden, ihn einfach am Losrennen zu hindern. Ein kurzes Halten, ein
Schubser auf Höhe der Mittellinie, eigentlich ist alles besser als ihm
später hinterherzugucken. Zwei oder drei gelbe Karten werden dafür
augenscheinlich in Kauf genommen, welche die Schiedsrichter (vor allem der von
gestern) oft nicht mal geben. Wenn dann auch noch klarste Pfiffe ausbleiben,
geht mir langsam das ohnehin knapp bemessene Verständnis aus.
Stattdessen reichten auf der Gegenseite mitunter kleinste Scharmützel
aus, um aus gefährlichsten Positionen Freistöße zu
verhängen. Einer davon wäre Jena fast zum Verhängnis
geworden, als Hünemeier den hoch hineingeschlagenen Ball von Tyrala
nur knapp verfehlt, kann Nulle erst im Nachfassen das Unentschieden festhalten
(63.). Knapp! In dieser Phase überzeugt der FCC aber auch allenfalls
durch Gleichwertigkeit auf niedrigem Niveau. Die Führung kommt
dementsprechend wie aus dem Nichts. Wieder ist es Eckardt, dessen präzise
Flanke die Entscheidung bringt. Punktgenau schießt der den Ball auf
den eingewechselten Riemer, dessen Kopfstoß die vor sich hindämmernden
Fans aus der allgemeinen Lethargie reißt (80.). Nicht zu glauben! Dieses Murksspiel und dann auch noch der Riemer. Der
hatte gegen Erfurt nun wirklich einen Scheißtag erwischt. Und dann
noch das Ding mit seinem Rücken. Schön, daß es
offenbar doch nicht so schlimm war oder Bandscheibenvorfälle halt
einfach überbewertet werden (-:
Was folgt sind noch zehn zerrige Minuten Warterei plus einer unendlich
langen Nachspielzeit. Dann ist der dritte Sieg endlich in Sack und Tüten.
Glanzvoll war es nicht! Spielerisch herrschte mitunter unbeschreibliches Elend
auf dem Platz. Dazu kommen die Abstimmungsschwierigkeiten, die bei einer neu
formierten Elf aber ganz normal sind. Entscheidend aber war der größere
Wille. Das was Erfurt in Jena zum Sieg getragen hat, war gestern Jenas
Unterpfand. Die Mannschaft wollte einfach mehr. Das Derby ist damit nicht
vergessen, dieser Stachel sitzt zu tief. Aber ein Rückspiel in Erfurt
ist ja auch noch. Ein neues Spiel mit neuen Chancen. Und nächstes Jahr
wollen wir ja auch wieder in die Kulturarena... <bpf>
VfL Osnabrück - FC Carl Zeiss Jena 2:0
Tore: 1:0 Lindemann (21.), 2:0 Reichenberger (63.)
- Osnabrück: Berbig; Herrmann, Barletta, Nickenig, Krük;
Siegert, Heidrich, Lindemann, Hansen (76. Grieneisen); Reichenberger (85.
Samide), Schmidt
- Jena: Nulle; Sievers, Wuttke, Lukimya, Sträßer;
Nagy (66. Kolb), Truckenbrod, Ziegner, Holwijn (83. Eckardt); Orlando,
Hähnge
- Zuschauer: 9800
- Schiedsrichter: Aytekin (Oberasbach)
- Spielbericht
-
Der Überkreuzvergleich der bisherigen
Saisonresultate sprach von vornherein gegen den FCC: Ingolstadt hatte Erfurt
klar besiegt, Osnabrück die Ingolstädter und Erfurt am
vergangenen Sonntag....ach, lassen wir das. Fußballspiele werden
nicht mit dem Taschenrechner entschieden. Klären wir stattdessen
lieber die Frage: Was stellt eine Mannschaft am gescheitesten an, die mit
Lanzaat, Riemer, Petersen, Osadchenko sowie Ralf Schmidt gleich fünf
Ausfälle in der Abwehr zu verkraften hat ? Klar, sie spielt munter
nach vorn !
Genau das tat Jenas Elf in der Anfangsphase. Da Salvatore
Amirante nach seiner Rot-Sperre für mindestens vier Spiele von der
Bildfläche verschwunden sein wird, teilten sich die beiden Holländer
Orlando und Holwijn von außen kommend in die Rolle des zweiten Stürmers
hinein. Wobei Melvin Holwijn in seinem ersten Match von Anbeginn wesentlich mehr
auffiel. Selbst zwei Gegenspieler vermochten ihn nach fünf Minuten
nicht zu stoppen, zumindest nicht mit fairen Mitteln. Erst als Holwijn wie
nichts zwischen ihnen hindurch geschlüpft war, holte ihn der düpierte
Krük von den Beinen. Freistoß also von der rechten
Strafraumseite, lang auf die andere Seite geschlagen zu Wuttke, dieser sofort
zurück auf den vorm Tor stehenden Hähnge. Zeit zu überlegen
hatte Sebastian nicht, zwei Meter vor dem Kasten inmitten einer lila
Spielertraube handelt man sowieso besser instinktiv - wenn dann aber der Ball
Osnabrücks Keeper Tino Berbig mitten ins Gesicht fliegt, ist das
einfach nur riesengroßes Pech. Doch Jena blieb am Drücker.
Gerade mal zehn Minuten waren gespielt, als ein sichtlich
motivierter Sebastian Hähnge
diesmal von der rechten Seite kommend durchzog. Berbig verkürzte den
Winkel, Hähnge legte deshalb auf den zentral stehenden Truckenbrod ab,
doch schoss dieser aus sieben Metern weit über das leere VfL-Gehäuse.
Dies freilich war mit Pech nicht mehr zu erklären, muss doch auch von
einem defensiven Mittelfeldspieler erwartet werden dürfen, beim unbedrängten
Torschuss nicht in starke Rückenlage zu verfallen.
Ein Führungstreffer
wäre der gerechte Lohn für ansehnlichen Kombinationsfußball
in der ersten Viertelstunde gewesen. Außer einer Einzelleistung von
Jenas Ex-Kapitän Niels Hansen hatten die Gastgeber bis zu diesem
Zeitpunkt noch nichts zustande gebracht, unter anderem weil sich Tim Wuttke auf
der ungewohnten Innenverteidiger-Position gut in Jenas Viererkette einfügte.
Doch dann brach Minute 21 an. Siegert legte für Björn Lindemann
auf und der hatte als erster VfL-Spieler in diesem Match mal richtig Platz am
gegnerischen Sechzehner. Wie er den nutzte - mit einem Sonntagsschuss ins
Dreiangel - war zweifellos sehenswert. Die Führung ansich aber äußerst
glücklich. Erst jetzt kamen die Niedersachsen besser ins Spiel. Nachdem sich zwei Jenaer
gegenseitig angeschossen hatten (29.), drohte für Carsten Nulle ebenso
Gefahr wie beim Freistoß zehn Minuten später, den der Torhüter
aber auf Nummer sicher gehend über die Latte lenkte. Seinem Gegenüber
Tino Berbig, der selbst mal in Jena zwischen den Pfosten gestanden hatte und
hierher noch familäre Bindungen hat, misslang in der 40. Minute bei
einsetzendem Gewitterregen ein Abschlag, sodass Hähnge den Ball mit
einem Heber postwendend zurück brachte. Leider nur aufs Tornetz. Als
sich einige schon auf den Pausentee zu freuen schienen, gabs den ersten
erfolgreichen Antritt von Orlando. Bei dessen Eingabe von der linken Seite kam
Hähnge einen Schritt zu spät. Oder ließ er den Ball
absichtlich für Holwijn durch ? Möglich wäre es,
denn der Neuzugang hatte freie Bahn, nur -
was machte er daraus ? Halb Ballannahme, halb Torschuss, nichts von
beiden richtig, und so beförderte der Nationalspieler das Leder weit
am Pfosten vorbei ins Toraus. Zwei, drei dicke Torchancen teils kläglich
vergeben zu haben war der einzige Vorwurf, den man der Zeiss-Elf beim Gang in
die Kabinen machen konnte.
Die erste Aktion nach Wiederanpfiff war nahezu eine Kopie
der letzten Szene vor der Pause. Wieder ging Orlando auf der linken Seite auf
und davon, wieder kam Hähnge in der Mitte einen Schritt zu spät.
Nur dass diesmal kein Holwijn daneben stand. Auf der anderen Seite köpfte
Nickenig aufs Tornetz (48.). So wie sich das Spiel danach entwickelte, war
absehbar, dass es nicht bei dem einen Treffer in dieser Partie bleiben würde.
Beide Mannschaften schenkten sich nichts, noch aber fand niemand die Lücke.
Die Emotionen im Spiel übertragen sich sogar auf die Ersatzleute
hinter dem Tor. Als Sträßer bei einer Abwehraktion gehalten
wurde und somit nicht in der Lage war, den Eckball zu verhindern,
regte sich André Schmidt berechtigterweise über
den Schiri-Assistenten auf, der das Foul eigentlich hätte sehen müssen.
Die Konsequenz war die Gelbe Karte für einen Spieler, der in dieser
Saison noch nicht eine Punktspielminute in der ersten Mannschaft verbracht hat
(58.). Besagte Ecke beschwörte übrigens Gefahr durch
Reichenbergers Kopfball herauf, den Nulle wegfaustete.
Osnabrücks Stürmer-Oldie
drehte nun richtig auf. War beim Schuss in Minute 62 abermals bei Carsten Nulle
Endstation, sorgte Thomas Reichenberger schon zwei Minuten später für
die Spielentscheidung, indem er aus sieben Metern zum 2:0 traf. Ein Tor,
das Carsten Sträßer auf seine Kappe nehmen muss, vertändelte
er doch das Leder im eigenen Strafraum ohne Not gegen Hansen, der dann
Reichenberger ins Spiel brachte. Zwar hatte eine Jenaer Mannschaft schon einmal
im Osnabrücker Stadion das Kunststück fertig gebracht, aus
einem 0:2 noch ein Remis werden zu lassen - doch die Körpersprache
nach dem zweiten Gegentreffer zeigte an, dass sich das diesmal nicht
wiederholen würde. Weshalb ein über 70 Minuten recht intensiv
geführtes Spiel die verbleibende Zeit gemächlich austrudeln
durfte.
Die Art und Weise, wie diese Niederlage zustande kam, war
eine ganz andere als eine Woche zuvor. Kein Vergleich mit dem fast
hergeschenkten Derby. Und doch gerät die Mannschaft nach einem Punkt
und null Treffern aus den letzten drei Partien in Zugzwang. Schon im nächsten
Spiel muss der Schalter wieder umgelegt werden, soll eine weitere Spielzeit in
den Tabellenregionen der Vorsaison vermieden werden. <fc>
FC Carl Zeiss Jena - FC Rot-Weiß Erfurt 0:3
Tore: 0:1 Kammlott (1.), 0:2 Semmer (40.), 0:3 Kammlott (55.)
- Jena: Nulle; Sievers, Riemer (46.Petersen), Lukimya,
Sträßer; Nagy (46. Hähnge), Truckenbrod, Ziegner, Eckardt
(68. Holwijn); Smeekes, Amirante (
, 59.)
- Erfurt: Orlishausen; Malura (

, 59.), Pohl, Möckel,
Ströhl; Cinaz, Rockenbach da Silva, Stenzel, Hauswald (84. Pinske); Semmer (64. Peßolat),
Kammlott (78. Cannizzaro)
- Zuschauer: 11.200
- Schiedsrichter: Leicher (Landshut)
- Spielbericht
- Ein paar Worte vorweg, zu den wenigen positiven Aspekten dieses Spiels:
Endlich,endlich, endlich hat es der Verein einmal geschafft, die Stadiontore mit
ausreichend Leuten zu besetzen, um einen flüssigen Einlass zu gewährleisten.
Man mag sich gar nicht ausmalen, wieviele frustrierte Zuschauer des FCC in
den letzten Monaten nicht wieder gekommen sind - nur weil der Verein die paar
Euro sparen wollte, die zusätzliche Einlasskräfte kosten? Bitte lasst es
keine Derby-Eintagsfliege sein...
Eine zweite gute Nachricht: Das Stadion war
nahezu ausverkauft, nur die Gäste hatten zu Hause irgendwie kleine Probleme
mit dem Kartenverteilen. Ja, und die Choreos kurz vor Beginn des Spiels:
die große Flagge auf der Haupttribüne und dann die Herzchen für Jena, erst
rot (WTF?!) und dann blau-gelb-weiß mit Feuer.
Beeindruckend(!) - dachten
sich wohl auch die Spieler des FCC, die sich in der ersten Minute
anscheinend auf alles andere drumherum konzentrierten, nur
nicht auf's Spiel. Der Anstoß des FCC wurde abgefangen, ein steiler Pass in
die Spitze, Abschluss von der Strafraumkante ins linke untere Eck, und nach
gefühlten drei Sekunden stand es Null-zu-Eins.
Braucht es wirklich nur ein Gegentor in der ersten Minute, um das in den
letzten Wochen vielgerühmte Wahnsinns-Jenaer Publikum komplett ruhigzustellen?
Offensichtlich. Nur die Südkurve zuckte noch in den ersten zehn Minuten,
in denen Jena sichtlich geschockt wirkte und nichts auf die Reihe kriegte.
Die Unaussprechlichen waren auch nicht wirklich gefährlich, und so plätscherte
es dahin bis zur 14. Minute, als Amirante kurz vor dem Strafraum gelegt
wurde. Ziegner trat an und schlenzte den Ball an die Querlatte... was für ein
Pech! Wenigstens war der FCC in dieser Phase gleichwertig und kam über das
Kurzpassspiel und gewonnene 1:1-Situationen auch mehrmals schnell bis
zum Strafraum der anderen. Irgendwie schienen sie aber den Ball heute
reintragen zu wollen: immer noch ein Abspiel oder Dribbling mehr aus aussichtsreicher
Position, aus der man auch einfach mal hätte draufhauen können und
müssen. Jenaer Verunsicherung wurde merklich. Je weiter die erste Halbzeit
voranschritt, desto mehr unforcierte Fehler schlichen sich in das Jenaer
Spiel ein. Kurz vor der Halbzeit verschätzte sich dann auch noch Nulle bei
einem Eckball und es stand 0:2. Auf den Tribünen machte sich Ratlosigkeit breit
- war das wirklich die gleiche Mannschaft, die bislang so begeisternden
Fußball gespielt hatte?
Es konnte nur besser werden und es wurde - bitterer. Da hatte der FCC
gleich nach der Pause eine gute Kopfballchance (der Ball landete auf dem
Tornetz), doch in der 54. Minute kam eine Bogenlampe in den Jenaer Strafraum
hereingesegelt, die ewig in der Luft war und trotzdem nach Direktabnahme
im Jenaer Tor landete. Wenn der Torschütze demnächst im Training versucht,
dieses Tor nachzustellen, wird er von 100 Versuchen wahrscheinlich 99 nicht
treffen...aber im Spiel ging er halt rein, und damit war die Luft vollständig raus.
Was danach passierte, war haarsträubend.
Es ist nicht unüblich, dass Mannschaften sich bei einem Rückstand von 0:3
nach 55 Minuten mitunter hängenlassen (wobei meine ganz persönliche Meinung
dazu ist, dass das dann auch keine Mannschaft ist). Aber dass so absolut gar
nichts mehr ging, dass einfachste Bälle zum Gegner gespielt, wirklich sinnlose
Dribblings angesetzt und Laufwege einfach abgebrochen wurden, macht
nachdenklich. Die erste Chance für den FCC gab es erst wieder in der 71.
(Hähnge vergibt aussichtsreich), dann nochmal eine kleine in der 75. Auf
der Gegenseite konnten wir uns bei Nulle bedanken, dass es am Ende nicht 0:5
stand - und zwar nicht, weil der Landeshauptstadtclub überragenden Fußball
gespielt hätte.
Einen "positiven" Aspekt hat die Sache am Ende doch noch: Dieses ganze
Geklapse mit angekündigtem Moonwalk, "Wir steigen auf"-Gesängen und 100:0-Fahnen
gehört erst mal wieder der Vergangenheit an. Die Chance besteht, dass die
Jenaer Spieler am Sonntag begriffen haben, dass sich Spiele gegen Mannschaften,
die unten stehen, nicht von selbst gewinnen. <ragnar>
Derby-Fotos von Jens Weißenburger
Bericht auf der Erfurter Homepage
FC Erzgebirge Aue - FC Carl Zeiss Jena 0:0
- Aue: Männel; Klingbeil, le Beau, Paulus, Schaffrath;
Cimen (68. Gambo), Stark, Müller (72. Klotz); Curri, Braham, Ramaj (90.
Hiemer)
- Jena: Nulle; Sievers, Riemer, Petersen, Sträßer;
Nagy, Truckenbrod, Ziegner, Orlando; Hähnge, Amirante (87. Eckardt)
- Zuschauer: 11.400
- Schiedsrichter: Dr. Fleischer (Sigmertshausen)
- Spielbericht
- 5:1, 5:0, 5:0. In den vergangenen drei Jahren ist der FCC im
Erzgebirgsstadion regelrecht vermöbelt worden. Bekanntlich hat der
Optimist keine Ahnung von den freudigen Überraschungen, die ein
Pessimist erlebt. Trotzdem fuhren wir diesmal mit einem besseren Gefühl
nach Aue und weigerten uns von vornherein, an eine Fortsetzung dieser schwarzen
Serie zu glauben. Dafür hatte die neue Jenaer Mannschaft in den ersten
Wochen der noch jungen Saison schon zu viel an Potential offenbart.
Entgegen seiner Ankündigung hatte René van Eck im
Vergleich zum letzten Spiel eine Änderung vorgenommen. Rene Eckardt
blieb trotz ansprechender Leistung gegen Bayerns Zweite erst mal wieder auf der
Bank, wohingegen Sebastian Hähnge zu seiner Premiere in der Startelf
kam. Waren es die besseren Trainingsleistungen, die dafür den
Ausschlag gaben ? Fürchtet van Eck, den Youngster zu schnell zu
verheizen ? Oder will er Jenas Offensivtaktik ein Stück weit
unberechenbarer für die Ligakonkurrenz gestalten ? Wie auch immer -
Smeekes, der am liebsten nur Orlando genannt werden möchte, rückte
aus dem Zentrum auf die Außenposition. Von da, nur in der anderen Hälfte,
kamen auch die meisten Bälle in den ersten zwanzig Minuten. Eckball um
Eckball holten die Gastgeber während ihrer Anfangssoffensive heraus.
Den ersten richtigen Torschuss gabs dennoch von einem Jenaer. Salvarore
Amirante prüfte Martin Männel nach achtzehn Minuten. Darüber
hinaus tat sich allerdings vor der Pause nicht viel an Offensivgeschehen
seitens der Thüringer. Dazu fehlte es im Mittelfeld an einem
Gestalter, der die Bälle verteilte oder einfach mal länger in
den eigenen Reihen hielt. Hähnge und Amirante hatten es schwer mit
ihren Gegenspielern. Und Orlando ? Zeigte auf rechtsaußen mehrmals
technische Kabinettstückchen, doch in echte Torgefahr mündeten
die meist nicht, sodass sich die Umstellung alles in allem nicht bezahlt
machte. Ein einziges Mal brachte er vor der Pause nach energischem Sprint eine
Eingabe vors Tor, doch die fing Männel vor dem einschussbereiten
Amirante weg.
Erfreulich hingegen, dass Jenas Viererkette auch ohne Lanzaat
lange Zeit nichts zuließ. Da konnten Curri und Ramaj rochieren, wie
sie wollten - sowohl Sievers wie auch Sträßer ließen
sie nicht zu Entfaltung kommen. Auch die 7:0 Ecken der Veilchen in Hälfte
eins bereiteten Nulle und seinen Vorderleuten keine Probleme. Lediglich in den
letzten drei Minuten vor dem Pausenpfiff schlich sich kurzzeitig mal etwas
Sorglosigkeit ins Jenaer Abwehrzentrum. Denn dass ausgerechnet der Kleinste auf
dem Platz, Skerdilaid Curri, nur um wenige Zentimeter an einem Kopfballtor
vorbeischrammt, darf eigentlich nicht
passieren. Und was war in Minute 44 los ? Bei Müllers Heber in den
Strafraum rannten gleich zwei Weiße mit Ramaj mit, wodurch sich
Braham zentral in 13 Metern
Torentfernung seelenruhig auf seinen Torschuss vorbereiten konnte. Doch vergeht
kein Spiel ohne eine Heldentat von Carsten Nulle ! Jenas Keeper entschärfte
Brahams Schuss mit toller Reaktion. Der Halbzeitpfiff kam den Jenaern nicht
ungelegen.
Mit Beginn der zweiten Hälfte hatte sich Jenas
Hintermannschaft wieder formiert. Aue zunächst wieder leicht feldüberlegen,
ohne groß zu Tormöglichkeiten zu gelangen. Ramajs Schlenzer
Richtung Dreiangel fing Nulle noch in dessen Steigphase (57.). Die optische Überlegenheit
auf Seiten der Gastgeber verschwand dann nach etwa einer Stunde Spielzeit. Erst
jetzt fiel auf, dass mit Kos auch bei den Erzgebirglern der Abwehrchef fehlte
und deren Hintermannschaft nicht unüberwindbar ist. Als Orlando seinen
Gegenspieler ins Leere rutschen ließ, die flache Hereingabe nur
unkontrolliert nach vorn abgewehrt werden konnte, kam Jens Truckenbrod aus fünfzehn
Metern zum Torschuss. Wie gern hätten wir DEN ankommen sehen ! Doch
Paulus warf sich hinein, bescherte Jena damit nach 61 Minuten wenigstens noch
die erste Ecke, welche aber wie generell alle Standards an diesem Tag nichts
einbrachte. Die hohen Temperaturen sollten in der Schlussphase bei beiden
Mannschaften ihren Tribut fordern. Das Wort Sommerfußball machte nun
die Runde. Van Eck schien dennoch nicht unzufrieden,
tätigte seinen ersten Wechsel erst drei Minuten vor
Schluss und dies aus Verletzungsgründen. Dass auch Trainerkollege
Schmitt in der 90. Minuten noch einen neuen Mann auflaufen ließ, lässt
den Schluss zu, dass mit dem unentschiedenen Spielausgang am Ende alle recht
zufrieden waren. Die Gastgeber hatten dem Spitzenreiter einen Punkt abgerungen,
der FCC bereitete seiner schwarzen Serie im Erzgebirgsstadion endlich ein Ende.
Zwar ist die Tabellenführung damit schon wieder
passé, doch ist der FC Carl Zeiss Jena auch nach dem Auer Auswärtsspiel noch ungeschlagen in dieser Saison.
Und das ist schließlich auch schon etwas wert. <fc>
FC Carl Zeiss Jena - FC Bayern München II 6:0
Tore: 1:0 Eckardt (8.), 2:0 Smeekes (28.), 3:0 Amirante (48.), 4:0 Amirante (62.), 5:0 Amirante (64.), 6:0 Amirante (76.)
- Jena: Nulle; Sievers, Riemer, Lanzaat (23. Petersen),
Sträßer; Nagy, Truckenbrod, Ziegner, Eckardt; Smeekes (68.
Hähnge), Amirante (77. Benyamina)
- München: Kraft; Schütz, Lell
(
, 38.), Saba (56. Kopplin), Contento;
Erb, Rieß, Görlitz, Schürf (53. Yilmaz); Sikorski, Sene (43. Duhnke)
- Zuschauer: 8346
- Schiedsrichter: Gorniak (Bremen)
- Spielbericht
- Vor dem Spiel bestimmten noch Sorgen die Gedanken der
meisten Zuschauer, an die sich nach dem Spiel kaum noch jemand erinnerte. Wie
wird die Mannschaft die befürchteten Ausfälle von Carsten Sträßer
und Ralf Schmidt verkraften können? Wie kommt der FCC mit den
bundesligaerfahrenen Christian Lell und Andreas Görlitz zurecht? Wird
die zweite Garde des großen FC Bayern am dritten Spieltag ihr
zweifellos vorhandenes Potential zeigen, nachdem man eher schwach in die Saison
gestartet war?
Zumindest einer der Fragen löst sich noch vor dem
Anpfiff in Wohlgefallen auf, denn Carsten Sträßer stand in
der Startformation. Der Abwehrspieler ist mitverantwortlich für den
derzeitigen Erfolg des FCC und wird von vielen aufgrund seiner in der letzten
Saison oft gut versteckten Souveränität mit einem
Augenzwinkern als "Neuzugang" bezeichnet, entsprechend groß war die
Erleichterung bei der Lektüre seines Namens in der Startaufstellung. Die
Elf des gut in die Saison gestarteten FCC begann das Spiel auch gleich druckvoll
und schon die ersten Minuten ließen keinen Zweifel daran aufkommen,
wer heute der Herr im Haus sein wollte. Die erste Ecke des Spiels erhielten
trotzdem die Bayern, aber mehr als ein schneller Gegenstoß über
den starken Sievers sprang dabei nicht heraus. Dieser Konter war es, den Timo
Nagy mit einem herrlichen Pass auf Salvatore Amirante fortsetzte. Der Italiener
stand plötzlich vor Kraft im Tor des FCB und wollte den Ball in der
langen Ecke unterbringen, hatte dabei aber die Reflexe des Schlussmanns der
Bayern unterschätzt. Festhalten konnte er den scharfen Schuss aus
kurzer Distanz allerdings nicht, der mitgelaufene René Eckardt schaltete am
Schnellsten und konnte den Ball unbedrängt aus kurzer Distanz im Tor
unterbringen - 1:0 für den FCC nach nur acht Minuten! Die erfahrenen
Spieler der Bayern, namentlich Görlitz und Lell, sahen beim
vorhergehenden Zusammenspiel von Nagy und Amirante alles andere als gut aus und
verloren schon nach diesen wenigen Minuten einen Teil des von ihren Namen
ausgehenden Glanzes.
Die Gäste aus München zeigten sich aber
keineswegs geschockt vom frühen Rückstand, stattdessen bemühten
sie sich von nun an intensiv um den Ausgleich. Nur fünf Minuten nach
der Führung war es Carsten Nulle, der gegen den in dieser Phase
starken Sikorski klären musste. Der war nach einem Missverständnis
in der Jenaer Hintermannschaft plötzlich frei vor Nulle aufgetaucht
und scheiterte nur an der blitzschnellen Reaktion des auch heute sicheren Rückhalts.
Im Gegenzug hat Eckardt das 2:0 auf dem Fuß, nachdem er mit einem
herrlichen langen Ball von Nagy freigespielt wurde. Sein Ball geht aber leider
nicht nur an Torhüter Kraft vorbei, sondern auch am Tor. Für
die nächsten Minuten sollte dieser Gegenstoß das letzte
Lebenszeichen des FCC sein, von nun an drückten die Bayern. Dabei war
es immer wieder Marco Riemer, der in der Abwehr nicht überzeugen
konnte. In der 16. Minute profitiert er allein von der Fairness des Münchner
Stürmers Sikorski, der sich trotz leichtem Trikotzupfer aufrafft und
sich nicht fallen lässt, anderenfalls hätte man diese
Situation wohl als Notbremse werten müssen. So stand Sikorski zwar
allein vor dem Jenaer Gehäuse, aber dieses wurde ja von Carsten Nulle
bewacht - und dieser reagierte erneut glänzend. Auch wenn man sich
mittlerweile schon fast daran gewöhnt hat, mit Nulle einen extrem
sicheren Rückhalt zu haben - was dieser Mann Woche für Woche
für Bälle hält, ist aller Ehren wert. Völlig
zu Recht wurde "Wild Thing" auch vor dem Spiel als Spieler der letzten Saison
ausgezeichnet, denn ohne ihn hätte der FCC die Klasse wohl kaum
gehalten. Richtig ernste Mienen konnte man nur kurz darauf erblicken, denn
offenbar hatte sich Abwehrchef Quido Lanzaat ohne Fremdeinwirkung verletzt und
drängte auf seine Auswechslung, die nach 23 Spielminuten vollzogen
werden musste. Nicht wenige fürchteten nun den baldigen Ausgleich oder
zumindest massive Probleme mit den schnellen und ballsicheren Angreifern der
Bayern für die umgestellte Innenverteidigung. Genau in diese Phase des
größten Drucks der Bayern stürmt aber erneut
Orlando Smeekes hinein und spielte sich endgültig in die Herzen der
Fans. Nach einer kampfgeprägten Balleroberung des Hachinger Neuzugangs
Nagy hat Orlando nur noch Lell und das Tor vor sich. In seiner gewohnten,
unheimlich schnellen Art stürmt er auf Lell zu, schlägt noch
einen Haken und streichelt den Ball dann mit der Innenseite an den kurzen
Pfosten - von dem das Leder den erstrebenswertesten Weg wählt, nämlich
den ins Tor von Jenas Gegnern! Das 2:0 in der 28. Minuten fiel sprichwörtlich
genau zum richtigen Zeitpunkt, denn es setzte einen Schlussstrich unter eine
Phase gefährlicher Angriffe der Gäste, die immer wieder nur
vom Jenaer Schlussmann aufgehalten werden konnten. Auch in der Folge überforderte
der Mann von den niederländischen Antillen, der nun bereits vier Tore
in drei Spielen erzielt hat, seinen Gegenspieler Lell immer wieder mit seiner
Schnelligkeit. Zehn Minuten nach dem 2:0 wurde die Sprintstärke dem Münchner
endgültig zum Verhängnis, als ihn Orlando einmal mehr
regelrecht überlaufen konnte und von Lell nur noch per Foul zu stoppen
war. Da Lell zu diesem Zeitpunkt letzter Mann war und Smeekes freie Bahn aufs
Tor gehabt hätte, war die Entscheidung des unauffälligen
Schiedsrichters Gorniak durchaus nachvollziehbar - Rote Karte wegen Notbremse
und Freistoß für den FCC, denn der Bremer Unparteiische
hatte das Foul außerhalb des Strafraums gesehen. Auch wenn der
Freistoß und die folgenden Minuten vor der Halbzeit nichts
einbrachten, so hatte sich der FCC doch eine hervorragende Ausgangslage für
den zweiten Durchgang geschaffen. Doch trotz der Zwei-Tore-Führung und
der Jenaer Überzahl erwarteten viele eine spannende zweite Hälfte,
in der den Bayern im Falle eines schnellen Anschlusstreffers durchaus noch
Chancen eingeräumt wurden.
Derartige Sorgen und Ängste lösten sich
aber schon kurz nach dem Wiederanpfiff auf, denn die 8346 Zuschauer im Ernst
Abbe Sportfeld sahen einen FC Carl Zeiss Jena, der weiterhin mit voller
Konzentration zu Werke ging. Das aus der Führung und dem Spielverlauf
resultierende Selbstvertrauen sorgte außerdem dafür, dass
Flanken und Pässe scheinbar präziser ankamen und
leichtfertiger von der Hand gingen als in anderen Spielen. Nur drei Minuten
nach Wiederanpfiff war es dann auch schon so weit, dass auch die letzten
Zweifler vom Optimismus übermannt wurden, denn nach einer präzisen
Flanke des starken René Eckardt auf den Kopf von Salvatore Amirante dürfte
die Halbzeitansprache von Gästetrainer Mehmet Scholl bereits hinfällig
gewesen sein. Der Italiener stieg als einziger im Strafraum hoch zum Kopfball,
begleitet nur von den ungläubigen Blicken seines Gegenspielers. Der
musste mit ansehen, wie der wuchtige Kopfball unhaltbar für Kraft im
Netz landete und das Spiel faktisch entschieden war. Anders als nach dem 1:0
war nun auch ein gewisser Schockzustand bei den Bayern zu erkennen, die mit
einer derart druckvollen Offensive seitens der Jenaer offenbar nicht gerechnet
hatten. Nach einer guten Chance für den unauffälligen, aber
ebenfalls überzeugenden Truckenbrod in der 59. Minute war es nach
knapp über einer Stunde erneut Amirante, der einen Eckball von Nagy
per Kopf über die Linie bugsierte. Wieder fühlte sich keiner
der Bayern so richtig zuständig, erneut war gegen den starken Kopfball
aus kurzer Distanz nichts zu machen - 4:0 für den FC Carl Zeiss Jena!
Schon jetzt fragten sich einige, wann sie derartiges zuletzt erlebt hatten,
nicht ahnend, was die folgenden Minuten noch bringen würden. Der FCC
hatte nämlich noch lange nicht genug und spielte weiter attraktiven
Offensivfußball. Nur zwei Minuten später hatte sich Smeekes
auf links einmal mehr aller Gegenspieler entledigt und spielte dann einen
perfekten Pass in den Lauf des Doppeltorschützen Amirante, der den
Ball aus fünf Metern nur noch über die Linie schieben musste
und damit das 5:0 sowie seinen Hattrick vollendete! Nach 68 Spielminuten gönnt
Jena-Trainer René van Eck dem neuen Publikumsliebling und Torschützen
des Monats Orlando Smeekes nach einer weiteren starken Partie seinen verdienten
Applaus. Von stehenden Ovationen begleitet verlässt der Shooting-Star
den Platz, für ihn kommt Sebastian Hähnge. Der Eingewechselte
fügt sich sofort gut in das Spiel der Blau-Gelb-Weißen ein
und hat nur Minuten nach seiner Einwechslung das 6:0 auf dem Fuß, als
ihm Truckenbrod den Ball überlegt in den Lauf lupft. In dieser
Situation konnte sich allerdings zunächst der Münchner Torhüter
Kraft auszeichnen, als er den scharfen Schuss Hähnges pariert. Doch
das sollte am heutigen Tag nicht ausreichen, denn Hähnge setzt nach,
holt sich den Abpraller und flankt den Ball erneut butterweich auf den langen
Pfosten. Dort wartet, wie könnte es anders sein, Salvatore Amirante
und hat erneut keine Mühe, den Ball im Tor unterzubringen - 6:0 nach
76 Spielminuten, vier Tore von Amirante innerhalb von nicht einmal einer halben
Stunde, ungläubiges Staunen mischt sich in den unbändigen
Jubel im weiten Rund des Ernst Abbe Sportfelds.
Das halbe Dutzend war voll und die Jenaer Spieler ließen
es dabei bewenden, die folgenden fünfzehn Minuten waren mehr Schaulaufen
als ernsthafter Fußball und die Bayern hatten sich längst
mit der demütigenden Realität abgefunden. Gegenwehr wäre
bei diesem Spielstand ohnehin zwecklos gewesen und so konnten die leidgeprüften
Anhänger des FCC endlich mal wieder eine Schlussviertelstunde ohne
Angst vor späten Gegentoren oder in der Hoffnung auf ein dringend benötigtes
Jenaer Tor verbringen, stattdessen wurde der in dieser Form von niemandem
erwartete Sieg ausgiebig gefeiert. Neben dem Ergebnis gefiel vor allem die
Tatsache, dass neben dem beinahe unheimlich schnellen Orlando Smeekes auch die
beiden Außen Sievers und Nagy überzeugen konnten und Jena über
weite Strecken des Spiels sehr sehenswerten und dynamischen Offensivfußball
zeigte. Auch in Anbetracht eines bestimmten Ergebnisses vom Samstag bildete das
6:0 den perfekten Abschluss eines paradiesischen Wochenendes, das so schnell
keiner der anwesenden Jena-Fans wieder vergessen wird. Nun muss der neue
Spitzenreiter der Dritten Liga in Aue nachlegen bevor am kommenden Wochenende
ein ganz spezieller Gast im Ernst Abbe Sportfeld erwartet wird. Sollten Orlando
Smeekes & Co. auch dann wieder einen ähnlichen Auftritt wie in den
bisherigen Saisonspielen hinlegen, dürfte der Jubel selbst die
heutigen Freudenschreie noch einmal deutlich übertönen. Bis
es so weit sein kann, liegen aber noch zwei mal 90 Minuten vor der Mannschaft
von René van Eck - zumindest das nötige Selbstvertrauen für
die erfolgreiche Gestaltung der beiden Ostderbys sollte spätestens
nach dem heutigen Spiel vorhanden sein. <bh>
SV Sandhausen - FC Carl Zeiss Jena 2:2
Tore: 1:0 Schuon (9.), 1:1 Smeekes (19.), 1:2 Riemer (32.), 2:2 Pinto (90., FE)
- Sandhausen: Gurski; Bindnagel, Schuon, Eberlein, Mintzel; Pinto,
Hillenbrand, Jungwirth (66. Fischer), Schauerte (77. Hosiner); Ristic (23.
Öztürk, Dorn
- Jena: Nulle; Sträßer, Lanzaat, Riemer, R. Schmidt;
Sievers (60. Hähnge), Truckenbrod, Ziegner, Nagy; Smeekes (88.
Petersen), Amirante (81. Benyamina)
- Zuschauer: 3150
- Schiedsrichter: Kempter (Sauldorf)
- Spielbericht
- Gleiches
Ergebnis - unterschiedliche Gefühle. Wo vor zwei Monaten 3.500 verzückte
Zeissfans ob des Klassenerhalts den Sandhäuser Rasen stürmten, herrschte
diesmal betretenes Schweigen unter beachtlichen gut 500 mitgereisten
Blau-gelb-weißen. Die meisten unter ihnen wären vor dem Spiel wohl mit einem
Zähler zufrieden gewesen, doch nach diesem Spielverlauf musste man einfach
hadern. Mit einer späten und nicht nachvollziehbaren Spielentscheidung durch
Referee Kempter, und mit dem Auslassen unzähliger
Möglichkeiten zur Vorentscheidung durch die eigene Elf.
Dass
dieses Spiel ein ganz intensives werden sollte, deutete sich schon nach wenigen
Minuten an. Riemers und Smeekes' gefährlichen
Toraktionen folgte auf der Gegenseite nach 8 Minuten die Führung der Gastgeber.
Ralf Schmidt hatte einen unnötigen Eckball verursacht - nicht der einzige
Fehler des sich nach dem Wechsel steigernden Studenten in den ersten 45 Minuten
- und Sandhausens bulliger Neuzugang Schuon köpfte
das Leder kompromisslos wuchtig zur frühen Führung ins Netz. Und die Gastgeber
drängten weiter mit schön anzusehendem Kombinationsfußball, waren durch das nur
schwer zu bändigende bundesligaerfahrene Sturmduo Ristic/Dorn stets
kreuzgefährlich. Doch anders als im Mai behielt Jena die Ordnung und schlug
zurück. Sträßer und Sievers kämpften im Duett
Mintzel den Ball im eigenen Strafraum ab,
Sträßers weiter gefühlvoller Ball erreichte zur
Überraschung von Sandhausens Hintermannschaft Orlando Smeekes,
der dem verdutzten Gurski das Leder in die Maschen
servierte (19.). 1:1! Und Jena machte weiter. Nur zwei Minuten später die
nächste Riesenchance für den Holländer nach tollem Diagonalpass von Sievers,
doch der Hammer zischt knapp am Tor vorbei. Eine Minute drauf hatte Nagy dann
die Führung auf dem Fuß, als er eine schöne Kombination zu harmlos abschloss.
Jena war im Spiel, und bald begann auch der Tag des Marco Riemer freundlichere
Züge anzunehmen. Zunächst erlöste ihn die verletzungsbedingte Auswechslung
Ristics von diesem unangenehmen, einen Kopf größeren Gegenspieler. Dann durfte
sich der Apoldaer sogar in die Torschützenliste
eintragen, als er nach Amirantes artistischer
Fallrückziehervorlage aus Nahdistanz zur verdienten Führung nach 33 Minuten
abstaubte.
Von
Sandhausen kam bis zum Wechsel nichts mehr, und dennoch hatten 3.500 Zuschauer
ein packendes und völlig offen geführtes Spiel gesehen. Glaubten sie zumindest,
denn nach dem Pausentee ging es erst richtig los. Bindnagel eröffnete das
Offensivfestival mit einem Knallbonbon knapp am rechten Pfosten vorbei (48.).
Smeekes antwortete mit Zuckerpass auf Sievers, der sich
völlig freistehend vor Gurski den Ball etwas zu weit
vorlegte (49.). Minuten später zwei dicke Patzer von Riemer, die die Gastgeber
nicht zu nutzen verstehen. Jungwirth zieht nach 56 Minuten ab und zwingt Nulle
zu einer Glanzparade. Dann kommt Nagy über die rechte Seite, doch seine
Hereingabe auf den blank stehenden Amirante misslingt (59.). Es war eine der
wenigen Offensivaktionen Nagys, der sich nach vorn wenig zutraute. Ausgewechselt
wurde nach einer Stunde aber sein Flügel-Gegenüber Sievers, bei dem sich
gelungene Offensivakzente mit schlampigem Defensivverhalten abwechselten.
Sebastian Hähnge kam ins Spiel und legte Sekunden
später gleich gekonnt per Kopf auf Amirante auf, Gurski
klärt. Wiederum Sekunden später umkurvt Hähne den Sandhäuser Keeper, ist
eigentlich schon vorbei und der Ball gefühlt auf dem Weg ins Tor, doch
irgendwie kommt Gurski doch noch einmal ans Leder
(61.). Eine Minute darauf darf Smeekes die nächste
hundertprozentige Torchance versieben, allein rechts vor dem Kasten entscheidet
er sich gegen den Pass auf den mitlaufenden Amirante und für den Flachschuss,
den Gurski mit Fußbabwehr
pariert. Wahnsinn! Quasi im Gegenzug rettet Lanzaat
vor dem einschussbereiten Pinto (62.). 63. Minute, ein Schuss Sandhausens aus
dem Hinterhalt wird unfreiwillig von Hillenbrand abgefälscht und trudelt an den
Pfosten! Vier Minuten später dann wieder dann wieder Bindnagel mit
Volleyschuss, Nulle pariert.
Sandhausen ging nun noch mehr auf Risiko und
drückte die Thüringer, bei denen die ordnende Hand im Mittelfeld vermisst
wurde, mehr und mehr in die eigene Hälfte, in der sich Carsten
Sträßer mit einer tadellosen Leistung Bestnoten verdiente.
Einen Entlastungsangriff über die rechte Seite kann der bisweilen selbst
auffällig fallsüchtige Mintzel nur mittels einer
Mischung aus grobem und taktischem Foul an Smeekes an
der Torauslinie verhindern, ohne dafür den Karton zu sehen. In
Ziegners frechen Freistoß spritzt Amirante, und als der Ball
hinter dem Keeper die Torlinie entlang zischt, ist wieder einmal
Haareraufen im Gästeblock angesagt. Mehr noch als
Smeekes nach 80 Minuten die nächste Hundertprozentige
vergibt, allein vor Gurski diesen nicht überwinden
kann. So kam das, was kommen musste. Sandhausen verlegte sich auf das
Erarbeiten von Freistößen, von deren Berechtigung nur wenige im Gästeblock
überzeugt waren, und so stand Carsten Nulle mehr und mehr im Mittelpunkt,
rettete mehrmals großartig. Machtlos war er jedoch, als Robert
Kempter - wie Sandhausen in Baden-Württemberg beheimatet -
in der Schlussminute auf den Elfmeterpunkt zeigte, ein Foulspiel Riemers an
Dorn gesehen haben wollte. Roberto Pinto ließ sich das späte Geschenk nicht
entgehen und schickte die Zuschauer mit dem gleichen Ergebnis nach Hause wie
vor zwei Monaten.
Diesmal bleibt für den FCC zu konstatieren, zwei Zähler
verschenkt zu haben, und das in erster Linie wegen der sträflich ausgelassenen
Großchancen im zweiten Abschnitt. Auf der Leistung der Mannschaft aber darf aufgebaut
werden, und diesen positiven Eindruck nahm Jenas Anhang mit auf die 400
Kilometer lange Heimreise. <gunner>
FC Carl Zeiss Jena - SV Wehen Wiesbaden 2:1
Tore: 1:0 Smeekes (50.), 2:0 Smeekes (56.), 2:1 Bohl (74.)
- Jena: Nulle; Sträßer, Lanzaat, Riemer, R. Schmidt;
Sievers, Ziegner, Truckenbrod, Nagy (87. Petersen); Smeekes (90.+1
Eckardt), Amirante
- Wehen: Birkenbach; Hollmann, Barg, Glibo, Weigelt; Bohl, Reinert
(61. Ziegenbein), Hübner, Öztürk (72. Landeka); Boskovic,
Stroh-Engel (58. Ziemer)
- Zuschauer: 7713
- Schiedsrichter: Dr. Brych (München)
- Spielbericht
- Gemeinhin gilt es als Vorteil, gegen Absteiger aus der 2.
Bundesliga gleich am Anfang einer Saison antreten zu dürfen. Deren
personelle Fluktuation ist meist recht hoch, der neuformierte Kader muss sich
erst einspielen. Im Gegensatz zu den beiden anderen Absteigern blieb dem SV
Wehen aber die große Abgangswelle erspart. Und so versprach der 1.
Spieltag gleich eine Standortbestimmung für den FC Carl Zeiss zu
werden.
Erstmals seit 2003 durfte die Punktspielsaison mal wieder
mit einem Heimspiel eingeläutet werden. Wenn dabei trotz Aprilwetters
7713 Zuschauer ins Ernst-Abbe-Sportfeld kommen, zeugt das ungeachtet der
miserablen letzten Saison von einer deutlichen Erwartungshaltung. Sebastian Hähnge
saß mit auf der Tribüne. Schon einen Tag vor dem Match hatte seine linke
Wade zu zwicken begonnen, am Spieltag selbst war dann nicht einmal mehr ein
Kurzeinsatz möglich. Sollte es deshalb ein schnelles Revival der
Ein-Stürmer-Taktik von René van Eck geben ? Nein, denn der Rückkehrer
auf den Trainerstuhl beorderte Orlando Smeekes auf die zweite Angriffsposition.
Da Jan-André Sievers in die Startelf nachrückte, war diese mit allen fünf
Neuzugängen besetzt.
Verteiltes Spiel zu Beginn. Ein Kopfball im Anschluss an
Wehens zweite Ecke wurde am kurzen Pfosten abgefangen, den Spurt von Reinert in
den Strafraum stoppte Sträßer. Auf der anderen Seite war es
Salvatore Amirante, der mit einem Kopfball aus sechs Metern Birkenbach prüfte
und mit einem 19-Meter-Flachschuss knapp verzog.
All das waren Szenen aus den ersten 20 Minuten, danach
dominierten die Abwehrreihen und weitere nennenswerte Aktionen vor der Pause
blieben rar. Einzig Timo Nagy aus guter Schussposition in zwanzig Metern
Torentfernung forderte nach 35 Minuten noch einmal den Beifall heraus. So sehr
man sich über die stabile Viererkette mit dem neuen Abwehrchef Lanzaat
und dem wie ausgewechselt wirkenden Sträßer freuen durfte -
beim Offensivspiel blieb zunächst noch viel Luft nach oben.
Van Eck hatte seiner Mannschaft in der Kabine mehr Risiko
verordnet und diese setzte das gleich mit Wiederanpfiff um. Bälle, die
während der ersten 45 Minuten noch als Querpass gespielt worden waren,
flogen nun steil ins Angriffszentrum. Es war Salvatore Amirante, der von der
Mittellinie aus seinen Sturmpartner Orlando Smeekes mit einem Diagonalpass auf
die Reise schickte. Diese Reise führte um einen Gegenspieler herum,
zwischen zwei Verteidigern hindurch direkt zu Torhüter Birkenbach, an
dem vorbei Smeekes das Leder ins lange Eck schob. 1:0 - Zeit für den
ersten Torjubel der neuen Saison mit einem Flickflack, wie man ihn im
Ernst-Abbe-Sportfeld so wohl noch nie gesehen hat. Miroslav Kloses berühmte
Überschläge in der Nationalmannschaft wirken geradezu
armselig gegen jene eines Orlando
Smeekes beim FC Carl Zeiss Jena ! Auch wenn dessen artistische Brillanz nicht
von ungefähr kommt, war er in seiner Jugend doch dreimal holländischer
Meister im Turn-Mehrkampf, bevor er sich für die fußballerische
Laufbahn entschied. Eine gute Entscheidung, wie uns nur sechs Minuten später
ein weiteres Mal klar werden sollte. Da trat Smeekes in 35 Metern Torentfernung
zum Freistoß an. Für eine direkte Ausführung noch
viel zu weit vom Kasten entfernt, dachten die meisten. Doch der Nationalspieler der
niederländischen Antillen schoss direkt durch die Drei-Mann-Mauer der
Wehener hindurch ins linke untere Eck. Welch ein (P)fund !
Während wir Beobachter noch ganz fasziniert waren
von den gleichsam schönen und doch auf so unterschiedliche Weise
zustande gekommenen Treffern unseres Orlando, setzten die Gäste mit
dem Mute der Verzweiflung zur Aufholjagd an. Diese hatten sie in der
Vorbereitung bereits gegen Koblenz und Saarbrücken mit Erfolg
praktiziert. Boskovic mit Schuss ans Außennetz sowie die frisch
eingewechselten Ziemer und Ziegenbein zeigten an, dass dieses Mahl mit
den zwei Toren noch lange nicht gegessen war. Und tatsächlich, in der
74. Spielminute traf Bohl unhaltbar per Kopf zum Anschlusstreffer. Eine
Viertelstunde war danach noch zu spielen. 15 Minuten, die besonders der aus
Kaiserlautern gekommene Marcel Ziemer mit mehreren Chancen zur Zitterpartie für
alle Blau-Gelb-Weißen werden ließ. Bei Ziemers
Aufsetzerkopfball sechs Minuten vor Schluss rührte selbst Geburtskind
Carsten Nulle (Glückwunsch zum 34. !) keinen Finger mehr - doch das
Leder klatschte nur an die Werbebande hinter dem Tor. In der 89. kam Nulle an
einen Eckball nicht heran, dafür stand Sträßer
goldrichtig und konnte an der Torraumgrenze per Kopf klären. Mit
tollen Einzelaktionen hatte einer aus der Mannschaft den Vorsprung heraus geschossen
- alle elf zusammen sorgten nun dafür, dass aus ihm drei Punkte wurden.
Auch wenn in der letzten halben Stunde das Geschehen etwas
aus der Hand gegeben worden war - mit dem Sieg gegen Wehen hat die neue Jenaer
Mannschaft schon mal einen ersten Fingerzeig erhalten, dass auch gegen
Staffelfavoriten etwas gehen kann. Orlando Smeekes, der in seiner Freizeit auch
noch Thai-Boxen betreibt, will übrigens trotz seiner Erfolgserlebnisse
im Sturm so schnell wie möglich auf die Außenbahn zurück.
Nur da kann er seine Sprintschnelligkeit mit (wie man hört) 11,3
Sekunden über 100 Meter und die Stärken im eins gegen eins
voll zur Geltung bringen. Scheint so, als könnten wir uns auf die
Saison mit ihm freuen. <fc>
Fotos von Jens Weißenburger
Spielbericht auf svwehen-wiesbaden.de
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Das altehrwürdige Stadion an der Grünwalder Straße war wohlbekannt und wehmütig erinnert man sich an die tolle Kulisse 1993 vor 24.000 Zuschauern. Allerdings gab es damals null Punkte, wie so oft in der Grünwalder Straße. Nur beim allerersten Auftritt 1991 ergatterte der FCC mit einem 0:0 ein Pünktchen. Auch diesmal wurden es ein torloses Remis und ein Punkt. Trotzdem konnte man damit zufrieden sein, denn in letzter Zeit waren die Bayern-"Amateure" recht gut drauf und Aufstiegsaspirant Ingolstadt unterlag dort kürzlich sogar.
Es war insgesamt ein Spiel zweier starker Mannschaften, in dem die Gastgeber den etwas offensiveren Part gaben, während der FCC - auch angesichts der Ausfälle im offensiven Bereich - aus einer massiven Deckung heraus agierte. Bayern II wollte (ähnlich den Dresdnern 3 Tage zuvor) schnell ein Tor erzielen, dies zeigten sie in der Anfangsviertelstunde sehr deutlich. Bereits nach 3 Minuten hatten sie nach einem Freistoß mit anschließendem Kopf ihre erste Torchance. Kurz danach vermittelten zwei kreuzgefährliche Ecken den Eindruck, dass unsere Abwehr noch nicht richtig sortiert sei. Dies war in den anderen Mannschaftsteilen aber nicht anders, denn viele Ungenauigkeiten und das starke Pressing der Bayern, die zudem balltechnisch 1A waren, verhinderten einen vernünftigen Spielaufbau. In der 17. Minute hatte der FCC seine erste Chance, als Hähnge eine Flanke Amrheins leider nicht mit dem notwendigen Druck aufs Tor köpfte und der aus der 1. Mannschaft importierte Rensing keine Mühe hatte. Insgesamt konnte der FCC jetzt das Spiel etwas von seinem Strafraum wegdrücken und die Abwehr gab sich kaum noch eine Blöße. Nur einmal (25. min) erwischte Sene einen Traumpass und marschierte allein auf Nulle zu. Der nachsetzende Wuttke riskierte den Ritt auf der Rasierklinge und attackierte ihn im Strafraum von hinten erfolgreich und fair, so dass Sene keinen Torschuss ansetzen konnte. Nach vorn lief beim FCC nicht viel, denn zumeist beschränkte man sich auf die "Orlando-Taktik" und ballerte lange Bälle nach vorn. Hähnge und Amrhein rannten vorn viel und vergeblich, denn genau darauf hatte sich Bayern eingerichtet und klärte alles problemlos. Erfolgversprechender schienen Angriffe über die Flügel - und prompt, nach dem ich dies notiert hatte, versuchte man dies zweimal hintereinander (45.). Doch auch da ließ sich die Bayernabwehr nicht überraschen.
0:0 zur Pause und starken Gastgebern Paroli geboten, deutete sich da eine Wiederholung des Gastspiels bei Dynamo an? Mitnichten, denn im Gegensatz zu den Schwarz-Gelben spielten die ganz in Rot gekleideten Bayern weiter und zeigten keinen Leistungsabfall. Im Wesentlichen lief das Spiel jetzt zwischen beiden Strafräumen hin und her und beide Teams gaben sich größte Mühe, Fehler zu vermeiden. Nur gelegentlich konnten Torchancen notiert werden. So in der 55. min, als Truckenbrod nach einer zu kurz abgewehrten Ecke Rensing prüfte. Es dauerte auch mehr als eine Viertelstunde, bis Bayern II überhaupt einen Torschuss hatte, aber Yilmaz verfehlte das Ziel deutlich. Der bereits gegen Ende der ersten Hälfte für den indisponierten Benyamina eingewechselte Kolitsch und Amrhein versuchten über die Außenbahnen den Jenaer Angriff anzukurbeln, aber die sehr diszipliniert spielenden Bayern ließen nichts zu. Und so war es Truckenbrod mit einem 25-m-Freistoß, flach aufs Tor getreten, der die nächste Jenaer Chance hatte. Eine Minute später versuchte es Hähnge nach einer Ecke per Kopf, aber Rensing war auf dem Posten. Und wiederum eine Minute später stockte den rund 500 Zeiss-Fans im Stadion der Atem, als nach Senes Zuspiel der eingewechselte Sikorski frei vor Nulle stand, dieser jedoch mit einer sensationellen Fußabwehr den Gegentreffer verhinderte. Und damit war auch die vorletzte - und die hochkarätigste - Bayern-Chance dahin. Yilmaz hatte in der 86. min offensichtlich noch zu viel Adrenalin geladen (er war sehr frustriert auf Grund seiner Gegenspieler) und so ballerte er aus 7 - 8 Metern übers Tor. Der FCC nutzte allerdings seine Chancen auch nicht: Nach Kolitsch' Flanke entschied sich Petersen für eine Ablage anstatt selbst zu schießen (81), und Truckenbrods Flachschuss aus 25 Metern Entfernung erwischte Rensing gerade noch so (88.).
Letztendlich war es ein leistungsgerechtes Unentschieden. Ob dieser Punkt als Gewinn für den Kampf um den Aufstieg anzusehen ist, werden die verbleibenden Spiele der Saison zeigen. <uk>
- Dresden: Keller; Strifler, Hübener, Palionis, Mikolajczak;
G. Müller, Jungnickel (67. Dobry), Wagefeld, Kegel, Koch (67. Gundersen);
Savran
- Jena: Nulle; Sträßer, Lukimya, Lanzaat (31. Amrhein), Nagy; Wuttke, Truckenbrod, R. Schmidt (53. Kühne), Gardawski (
, 82.); Hähnge,
Orlando (86. Petersen)
- Zuschauer: 29.000
- Schiedsrichter: Gorniak (Bremen)
- Spielbericht
- Jena: Nulle; Sträßer, Lukimya, Lanzaat (31. Amrhein), Nagy; Wuttke, Truckenbrod, R. Schmidt (53. Kühne), Gardawski (
- Ganze
6.500 Zuschauer waren es im Rudolf-Harbig-Stadion zu Dresden, die im Oktober
1990 Jenas letzten Sieg beim ewig jungen Duell der beiden Traditionsvereine
bewunderten. Heiko Weber traf zum 2:1 im Achtelfinale des Pokals der soeben
beerdigten DDR, schon einige Monate zuvor beim 4:0-Punktspielsieg an gleicher
Stelle war er - unter anderem gegen den jetzigen Dynamo-Trainer Mauksch -
doppelt erfolgreich gewesen. Eine lange Zeit war seitdem vergangen, fast 20
Jahre, aber eben auch nur vier Punktspiele, in denen der FCC jeweils ohne Tor
die Heimreise aus Elbflorenz antreten musste.
Wollte man weiter im Kampf um die ersten 4 Plätze mitmischen, hatte sich das zu ändern vor der rekordverdächtigen Kulisse von fast 30.000 Fans, was für ein Kontrast zu eben jenem letzten Auswärtssieg in Elbflorenz. Präsentierte sich der Neubau Rudolf-Harbig-Stadion vor einem Jahr noch als Baustelle, so durften Jenas Anhänger sich nun neidvoll in einem schicken, engen und steilen Fußballtempel umschauen. Dresdens Fans taten ihr übriges mit einer hübschen Choreographie, das Jackpot-Motiv möglicherweise ein Dankeschön an die Finanzhilfen durch die Stadt. Dynamo-Coach Mauksch hatte vor dem Spiel der Hoffnung Ausdruck verliehen, dass Jenas Spieler dieser imposanten Kulisse nicht gewachsen sein könnten, doch die nahmen in den Anfangsminuten den Kampf sofort auf und agierten so, wie man das in einem Derby erwartet. Es war der in orange-schwarz gewandete Referee Gorniak aus Bremen, der sichtlich größere Probleme hatte, unter dem Druck von 26.500 Sachsen eine beiderseits faire Gewichtung von Zweikämpfen vorzunehmen. Und spätestens als infolge einer seiner abstrusen Freistoßentscheidungen Robert Koch nach 10 Minuten Carsten Nulle zu einer Glanzparade zwang, schlug das Pendel auch spielerisch klar zugunsten der Gasteber aus. Vornehmlich über ihre quirligen Außenspieler Koch und vor allem Müller beschäftigten die Dynamos Jenas Hintermannschaft pausenlos, Nagy und Sträßer hatten Schwerstarbeit zu leisten, während van Eck nach 31 Minuten auch noch Abwehrchef Lanzaat auswechseln musste, der in einem Laufduell mit dem ebenso giftigen wie theatralischen Savran einen Pferdekuss mitbekommen hatte. Müller mit knapp am langen Pfosten vorbei streichenden Flachschuss nach 35 Minuten und Savran per Kopf mit dem Pausenpfiff hatten die größten Möglichkeiten, die Sachsen verdient in Führung zu bringen.
Jena fand im Offensivspiel kaum statt, viel zu sehr waren die Außenspieler zu Defensivaufgaben gezwungen, die erste Halbchance datierte aus der 40. Spielminute, als der eingewechselte Amrhein sein schönes Solo nicht erfolgreich abschließen konnte. Das Resultat war aus FCC-Sicht das Beste zum Pausentee, und manch einer erinnerte sich an die Begegnung vor Jahresfrist an gleicher Stelle. Da war es der FC Carl Zeiss, der reihenweise Großchancen liegen ließ, drei Mal Aluminium traf und am Ende unglücklich verlor.Würde sich die Geschichte unter umgekehrten Vorzeichen vielleicht wiederholen? Ja! Denn der FCC kam nun besser aus der Kabine, spielte endlich auch selbst Fußball, statt nur zu reagieren und kam durch Hähnge und den kurz darauf gegen Kühne ausgetauschten Schmidt zu ersten Möglichkeiten. Nach 59 Minuten explodierte dann der mit 2.500 bangenden Zeissfans gefüllte Gästeblock endlich. Amrhein erkämpfte sich gegen Mikolajczak das Leder in der eigenen Hälfte, schickte Smeekes steil den rechten Flügel entlang, der gänzlich uneigensinnig millimetergenau auf den in der Mitte mitlaufenden Hähnge gab. Linker Fuß hingehalten, Tor, 1:0 Jena!
Zehn Minuten später fast das zweite Tor für Thüringens Nummer eins, doch Amrheins Schuss bleibt hängen und Truckenbrod bringt den Abpraller nicht unter Kontrolle. Auf der Gegenseite pariert Nulle gegen Müllers Hereingabe glänzend und hat Glück, dass der gemeinsam mit Dobry eingewechselte Gundersen haarscharf an einer Linksflanke vorbeitaucht. Eine Co-Produktion zweier Ex-Dynamos bringt dann die Vorentscheidung. Hähnge düpiert die Abseitsfalle der ausschließlich auf Smeekes fixierten schwarz-gelben Verteidiger und schickt den von hinten durchstartenden Truckenbrod auf die Reise zum 2:0. Der gefühlvolle Heber des sonst eher für brachiale Schusstechnik bekannten Mittelfeldspielers ins Netz verwundert und verzückt Jenas Anhang gleichermaßen. Party in blau-gelb-weiß auf den Rängen, und als Patrick Amrhein einen klugen Pass Gardawskis in die Gasse erläuft, das Leder an Keller vorbei spitzelt und dem Ball dabei einen solchen Drall mitgibt, dass er sich noch an den Innenpfosten und ins Tor dreht, brechen alle Dämme. Es scheint einfach der Tag des FCC zu sein, während Dobry noch an Nulle und Gundersen an der Latte scheitert. Einziger Wermutstropfen der dumme Platzverweis für Michael Gardawski kurz vor Spielende, der auf die Provokation von Dynamos Hübener ebenso hereinfällt, wie Referee Gorniak auf dessen schauspielerische Einlage. Hübener, in Halbzeit eins gegen Smeekes ordentlich und ungestraft austeilend hatte durch eine ähnlich hollywoodreife Leistung bereits die fünfte gelbe Karte gegen Orlando provoziert, so dass die Fahrt nach München am Dienstag nun keine leichtere sein wird.
Doch derartige Gedanken waren noch weit weg an jenem denkwürdigen Nachmittag, als im Dynamo-Block das "Wir gewinnen sowieso"-Plakat verschämt eingerollt wurde, während das komplette FCC-Team noch einmal aus der Kabine zu seinen Fans kam, um bei Uffta, Pogo und Orlandos Moonwalk einen hart erkämpften Auswärtssieg zu feiern, der die Dresdner Serie von 8 Heimsiegen in Folge beendet und Jenas auf nunmehr 12 ungeschlagene Begegnungen anwachsen lässt. <gunner>
FC Carl Zeiss Jena - SSV Jahn Regensburg 3:1
Tore: 0:1 Kreis (4.), 1:1 Truckenbrod (34.), 2:1 Gardawski (67.),
3:1 Orlando (77.)
- Jena: Nulle; Sträßer, Lukimya, Lanzaat, Nagy; Wuttke
(90. Petersen), Truckenbrod, R. Schmidt, Gardawski (82. Kühne);
Amrhein, Orlando (90. Ullmann)
- Regensburg: Sattelmaier; Erfen, Maul, Hagmann, Romminger; Hein
(58. Zellner), Kreis (71. Schmid), Schlauderer (75. Berger), Shynder;
Stoilov, Reichwein
- Zuschauer: 6246
- Schiedsrichter: Dankert (Rostock)
- Spielbericht
- Anfang Februar hatte die Erfolgsserie des FC Carl Zeiss in
der Rückrunde ihren Anfang genommen. Mehrere englische Wochen hindurch eilte
die Elf von Sieg zu Sieg, selbst die Unentschieden zwischendurch fühlten sich
irgendwie so an. Dass die erste Enttäuschung, ein Heimremis gegen Unterhaching,
mit dem Abschluss der englischen Wochen zusammenfiel, mag kein Zufall
gewesen sein. Vielleicht hatte der eine oder andere Spieler mit einem Mal zu
viel Zeit zum Rechnen gehabt und sich selbst jenen Druck auferlegt, den der
Trainer standhaft zu vermeiden sucht. Doch könnte das 1:1 vom Sonnabend nicht
auch positive Auswirkungen gebracht haben ? Die Rückkehr der Erkenntnis zum
Beispiel, dass jeder Erfolg aufs Neue erarbeitet werden muss und kein einziger
Kontrahent auf die leichte Schulter genommen werden darf ?
Nimmt man die ersten 100 Sekunden der Partie gegen
Regensburg zum Maßstab, haben das unsere Spieler verinnerlicht. Einem Tornado
gleich bestürmten sie mit dem Anpfiff das Gästegehäuse. Nach dreißig Sekunden
war Orlando freigespielt und scheiterte nur knapp beim Versuch, den Ball am
Torhüter vorbei zu legen, um anschließend freie Bahn haben zu können. Dann
setzte Timo Nagy einen Freistoß aus 25 Metern derart raffiniert aufs Tor, dass
ihn Sattelmaier nur mit Mühe über die Latte zur Ecke lenken konnte. Schließlich
war da noch der Kopfball von Jens Truckenbrod, den ein Regensburger Verteidiger
von der Linie fischte. Auftakt furioso ! Die Gäste kommen nach drei
Spielminuten erstmals an den Jenaer
Strafraum. Ralf Schmidt wirft sich zunächst mit Erfolg in einen Schuss, der
Abpraller aber fällt Sebastian Kreis vor die Füße, welcher aus achtzehn Metern
gleich noch mal abzieht und den Innenpfosten trifft, von wo aus der Ball ins
Netz fliegt. 0:1. Erst kein Glück gehabt und dann kam auch noch Pech hinzu -
zeitig wie nie zuvor fand dieser abgenutzte Fußballerspruch bereits nach 240
Sekunden seine Berechtigung.
Der Gegentreffer zeigte Wirkung, der Spielfaden nun erst
einmal gerissen. Nur sporadisch strahlten die Jenaer Angriffbemühungen in
dieser Phase Torgefahr aus. So wie in Minute 20, als Amrhein einen Pass fast
ängstlich in die Spitze spielte. Immerhin fand dieser Pass mal seinen
Adressaten namens Orlando, welcher aber an Sattelmaier scheiterte. Fünf Minuten
darauf bekamen die SSV-Verteidiger das Leder nach einem Eckball nicht aus dem
eigenen Sechzehner. Tim Wuttke versuchte dies zu nutzen, schoss dem Gästekeeper
aber direkt in die Arme. Schnell war klar, die Jenaer brauchen ein
Erfolgserlebnis, um in diese Begegnung zurück zu finden. In Minute 33 spielt
Gardawski flach nach innen. Der Ball rollt durch bis zu Jens Truckenbrod, der
aus zwanzig Metern Torentfernung drauf hält und links unten ins Eck trifft.
Jubel unter den leider nur gut sechstausend Zuschauern, die gleich darauf die
schönste Kombination in Hälfte eins zu sehen bekommen. Schnell und direkt
zaubern sich Amrhein, Wuttke und Truckenbrod mit
neuem Selbstvertrauen vors Tor, diesmal bleibt „Trucke“ mit
seinem Schuss allerdings hängen. Halbzeit.
Nach der Pause machten die Jenaer zunächst da weiter, wo sie
aufgehört hatten. Orlando eröffnete sich in der 51. Minute eine Doppelchance,
von der er hinterher selbst sagen wird, er hätte eine von ihnen nutzen müssen.
Scheiterte er im ersten Versuch mit straffem Schuss an Sattelmaier, bugsierte
er den zurückspringenden Ball direkt ans Außennetz. Dem folgte noch ein schöner
Schuss von Amrhein nach Zuspiel von Orlando, ehe sich das Spiel seine nächste
kleine Auszeit nahm. Bis zu Minute 67. Wieder ist es Orlando, der sich einen
Ball auf der linken Seite erläuft. Einmal, zweimal täuscht er ein Dribbling an
und als das halbe Stadion schon verzweifelt 'Spiel doch ab' brüllt, kommt
endlich das Zuspiel, rüber zu Michael Gardawski. Dessen Fackel aus 20 Metern
zischt nur so ins Netz zum längst verdienten Führungstreffer. Wir wissen nicht,
weshalb die Kölner Leihgabe ("Ob ich hier bleibe, müssen die Vereine unter sich
klären. An mir wird's nicht liegen") diesmal seine roten Schuhe in der Kabine
gelassen hatte. Doch die Erfolgsgeschichte im Jenaer Dress fand für Gardawski
auch mit den weißen Tretern ihre Fortsetzung.
Regensburg wäre mit einem Unentschieden sicher zufrieden gewesen, hatte eine
gefühlte Ewigkeit keine Torchance mehr herausgespielt. Das blieb auch so,
in Rückstand liegend taten sie nun aber gezwungenermaßen mehr für den
Spielaufbau und schufen zumindest mit Standarts Gefahr.
Spätestens nachdem Shynder
einen Freistoßball ans Lattenkreuz verlängert hatte (69.), waren die
Glückskonten beider Mannschaften wieder ausgeglichen. In Anbetracht solcher
Schrecksekunden sind wir Orlando mehr als dankbar, dass er uns mit seinem
Treffer dreizehn Minuten vor Schluss eine nervenaufreibende Schlussphase
ersparte. Mit einem Solo von der linken Seite in die Mitte ziehend an drei
Gegenspielern vorbei und dem Torschuss von der Strafraumgrenze schraubte der
Holländer seine Trefferquote auf nunmehr 15 nach oben ! Ihm verschaffte sein
Trainer mittels Auswechslung genauso noch den verdienten Einzelbeifall wie den
beiden Außen Gardawski und Wuttke, welche ebenfalls zu den Besten zählten.
Wuttke war statt des an der Ferse verletzten Benyamina diesmal vom Start weg
zum Einsatz gekommen. Und obwohl er nicht zum ersten Mal in seiner Karriere
so weit vorn spielte - seine erfrischenden Offensivaktionen auf der rechten Seite waren die vielleicht
überraschendste Entdeckung dieser neunzig Minuten.
"Jetzt sieht es nicht so schlecht aus", freute sich Carsten
Nulle als Mannschaftskapitän darüber, nach dem Hachinger Remis wieder die Kurve
bekommen zu haben. Da in Jena aber offiziell niemand von einem möglichen Aufstieg redet,
sondern nur von Spiel zu Spiel denkt, darf sich erst einmal auf die Atmosphäre
vor 25.000 im neuen Dresdner Dynamo-Stadion gefreut werden. <fc>
FC Carl Zeiss Jena - SpVgg Unterhaching 1:1
Tore: 1:0 Gardawski (41.), 1:1 Bischoff (72.)
- Jena: Nulle; Sträßer, Lukimya, Lanzaat, Nagy; Benyamina (84. Amrhein), Truckenbrod,
Schmidt (86. Kühne), Gardawski (74. Wuttke); Orlando, Holwijn
- Unterhaching: Kampa; Brysch, Susak, Hain, Ziegler; Grech (86.Pasiciel), Schaschko,
Kanca (46. Schwabl), Mützel; Rathgeber (70. Bischoff), Schweinsteiger
- Zuschauer: 7165
- Schiedsrichter: Aarnink (Nordhorn)
- Spielbericht
-
Neun Spiele ungeschlagen - seit der Heimniederlage am 23.Januar gegen Sandhausen setzte der FCC zu einer Serie an, die ihn ganz
schnell aus der grauen Masse des Mittelfelds in die oberen Tabellenpositionen beförderte. Und gegen den Tabellen-Vierzehnten
aus Unterhaching sollte auch nach dem heutigen Spiel diese Serie noch weiter Bestand haben.
Die Jenaer begannen auch von Beginn an druckvoll und drückten die Bayern in deren Hälfte und prompt gab es bereits nach
vier Minuten die erste gute Möglichkeit für die Platzherren. Nachdem der zu flach geschossene Eckball von Nagy noch
geblockt werden konnte, versuchte er es mit seinem zweiten Versuch auf den langen Pfosten, doch Orlando rutschte knapp am Ball
vorbei. Fortan blieb der FCC auch weiter am Drücker, doch mehr als Eckstöße sprangen nicht heraus. Die Gäste,
die auf 7-8 Stammkräfte verzichten mussten, taten nicht mehr als nötig und blieben bei ihren Angriffsbemühungen lau.
Aber ein richtiges Rezept fanden die Jenaer am heutigen Tage nicht, das Abwehrbollwerk der Hachinger zu knacken. Nach 25 Minuten mal
wieder eine schöne Einzelaktion von Orlando, aber sein Schuss aus der halblinken Position ging am langen Pfosten vorbei.
Keine 120 Sekunden später ein erster Jubelschrei im Ernst-Abbe-Sportfeld, doch leider erkannte Schiedsrichter Aarnink den
Schuss von Holwijn wegen Abseitsstellung nicht an. Herrliche Kombination in der 36. Minute zwischen Holwijn und Orlando, doch der
Versuch einer Flanke landet hinter dem Tor. Vier Minuten vor der Pause dann der Höhepunkt der ersten Halbzeit. Zunächst
hatte Orlando aufs Tor geschossen, doch sein geblockter Schuss kommt erneut hoch in den Strafraum, wo am langen Pfosten Gardawski
steht und die Kugel unter die Latte nagelt. 1:0 für Jena. Nach den Spielanteilen eine hoch verdiente Führung, denn von
den Gästen war bis dato nur sehr wenig zu sehen.
Das änderte sich auch nach der Pause zunächst nicht gravierend, denn auch in Halbzeit zwei waren die Platzherren das
spielbestimmende Team. Ralf Schmidt setzte nach 51 Minuten zu einem wunderschönen Sololauf an, bei dem er gleich mehrere Gegenspieler
locker umkurvte, doch sein Schuss aus gut 20m konnte Kampa parieren. Sekunden später erneut eine gute Chance für die Jenaer.
Gardawski probierte sich diesmal per Eckstoß, der Ball kam hoch hinein und in der Mitte springt Orlando zum Fallrückzieher ab,
doch leider ging sein Ball über den Kasten. Aber der FCC setzte nicht nach, sondern ließ fortan die Gäste mehr und mehr
ins Spiel kommen, die aber bis dato nach vorn immer noch sehr harmlos blieben. Das änderte sich schlagartig nach der Einwechslung
vom langzeitverletzten Bastian Bischoff in der 70. Minute, der nun die Jenaer Abwehrreihen beschäftige. Keine zwei Minuten waren
nach seiner Einwechslung vorbei, da stand er nach einer langen Flanke völlig frei und konnte zum Ausgleich für Unterhachinger
einköpfen. Siebzig Minuten war von den Gästen nichts zu sehen und gleich die erste Torchance konnten sie nutzen. So ist manchmal
Fußball… Aber der Treffer schien die Bayern erweckt zu haben, denn nun trauten sie sich schlagartig mehr zu und ließen die
Jenaer gar nicht mehr richtig ins Spiel kommen. So verging über eine Viertelstunde, in der es zum Ende der Partie zu keiner nennenswerten
Tormöglichkeit mehr kam. Erst wieder zwei Minuten vor Ultimo noch eine gute Möglichkeit, als der gerade eingewechselte Stefan
Kühne einfach frech aus der zweiten Reihe abzog, doch zum Pech der Jenaer konnte Kampa seinen schönen Schuss gerade noch parieren.
Sekunden vor dem Abpfiff noch eine allerletzte Chance, diesmal für Amrhein, doch auch er hatte kein Glück mehr und sein Kopfball
ging über das Tor.
Für die Hachinger am Ende ein glücklicher Punkt, während der Punkt den Jenaern zweifelsohne weniger hilft, denn von
der Tabellenkonstellation musste heute einfach ein Heimsieg her. Aber Jenas Coach René van Eck war am Ende auch mit diesem
Unentschieden zufrieden, zumal die Serie der Jenaer nun auch im zehnten Spiel noch Bestand hat.
<vg>
FC Ingolstadt - FC Carl Zeiss Jena 2:2
Tore: 1:0 Wohlfahrt (1.), 2:0 Wohlfarth (60.), 2:1 Orlando (68.), 2:2 Orlando (84.)
- Ingolstadt: Sejna; Keidel, Pisot, Fleßers, Fink; Bambara,
Metzelder, Leitl, Buchner (83. Neuendorf); Hartmann (58. Gerber), Wohlfarth
(76. Braber)
- Jena: Nulle; Wuttke, Lukimya, Lanzaat, Nagy; Benjamina (62. Amrhein),
Truckenbrod, R. Schmidt, Gardawski (89. Kühne); Holwijn, Orlando
- Zuschauer: 5353
- Schiedsrichter: Petersen (Stuttgart)
- Spielbericht
-
Fußball unmittelbar zur Osterzeit. Wie günstig, da kann man in Spielberichten
von (selbst) ins Nest gelegten Eiern fabulieren und trefflich das Motiv der
Wiederauferstehung ergreifen. Muß man aber nicht.
Man stelle sich vor, daß
Editorial des Jenaer "Anpfiff"-Heftes würde am 38. Spieltag mit dem
Satz beginnen: Mit dem VfB stellt sich zum 16. und letzten Mal in dieser Saison
ein Westklub im EAS vor. Klingt albern und wäre es auch. Die Macher
der "Schanzer News" hielten derart absurdes Kategorisieren jedoch für
angebracht und begrüßten daher mit dem FCC "zum letzten Mal
in dieser Saison einen Ostklub in Ingolstadt". Aber man hätte ja
gewarnt sein müssen, denn sollte jemals das peinlichste Titelbild
eines Stadionheftes gewählt werden, so wäre der gestrigen Ausgabe
der FCI-Postille Platz 1 unangefochten sicher. Wundern würde dies
sicher nicht, verfügt der FCI doch zusätzlich über
einen jener Stadionsprecher, die ihren Job mit dem eines mittelmäßigen
Animateurs auf einer provinziellen Dorfkirmes verwechseln. Ich bin ja sonst
kein großer Freund von Stadionverboten, aber in dem Fall...
Mit solchen Ärgerlichkeiten
konnte man sich allerdings nicht lange aufhalten, denn die nächste
ereignete sich schon eine halbe Minute nach Anpfiff. Direkt vorm Block der ca.
1200 FCC-Fans einigten sich Nagy und Lanzaat darauf, die Abseitsvariante zu
probieren, statt die Attacke zu suchen und bescherten damit Wuttke in der Mitte
ein nicht lösbares Problem. Drei Rote tauchten somit frei vor Nulle
auf und Wohlfahrt hatte keine Mühe beim 1:0, auch wenn etliche
FCC-Fans meinten, zumindest der Paß auf den Torschützen
entspräche dem Abseitstatbestand. Die Jenaer schüttelten sich
kurz und waren fortan bemüht, das Spiel unter Kontrolle zu bekommen,
diesmal wieder ohne Sievers (dafür Lanzaat)und mit Holwijn für
den gesperrten Hähnge. Die ersten beiden langen Pässe auf
Orlando konnten die Hausherren noch ungestraft foulend bzw. haltend verhindern,
was beim 3. allerdings schon nicht mehr gelang. (9.) Dafür hatte Jenas
Sturmpfeil etwas zu viel Schwung, versuchte sich an Sejna festzuhalten und sank
gemeinsam mit diesem völlig harmlos zu Boden. Sejna ist ja so etwas,
wie der Prototyp des torhütenden Mittelmaßes. Der taucht
immer mal irgendwo wieder auf, ohne daß ihn jemand bemerkt oder
anderswo vermißt. Logisch, daß der eine solche
Harmlosigkeit nutzt, um sich aufzuplustern wie ein lüsterner Pfau.
Nach gut einer Viertelstunde hatte der FCC sein Ziel, das Spiel zu beruhigen
und es zu kontrollieren, erreicht. Die Ingolstädter begannen, sich
aufs Kontern zu verlegen. Die offensiveren Akzente setzte der FCC, z. B. über
Gardawski in der 14., Orlando in der 16. und erneut Gardawski in der 20.
Minute. Ja, die Unseren wehrten sich gegen diesen unnötigen Rückstand,
den entscheidenden Erfolg verhinderten aber kleine Konzentrationsmängel
in den finalen Aktionen. Vielleicht würden ja Freistöße
helfen? Einen trat Nagy (zuvor Foul an Ralf Schmidt) von halbrechts, die Aktion
endete jedoch mit einem Abseitspfiff. Nach Foul an Orlando im linken Halbfeld,
zirkelte Gardawski den nächsten aus 30 Metern auf die lange Ecke, wo
Sejna allerdings faustend klären konnte. (23., 28.) Schon rollte der nächste
FCC-Angriff über rechts, doch Orlando mag sich nicht so recht zwischen
Schuß und Hereingabe zu entscheiden, wodurch der Ball am langen
Pfosten ins Aus geht. Nach knapp einer halben Stunde muß dann auch
Nulle mal wieder beweisen, was für ein famoser Torwächter er
ist und nach FCI-Freistoß und Schmidt-Fehler gelingt dieser Beweis
eindrucksvoll.
Dennoch, zu dieser Zeit verfügte
der FCC eindeutig über mehr Spielanteile, was vor allem einem offensiv
eindrucksvoll agierenden Schmidt zu verdanken war, ebenso einem starken Nagy
und einem emsigen Gardawski. Holwijns Spiel wirkte dagegen war zwar bemüht
aber etwas fahrig und unkonzentriert und Benyamina blieb unauffällig
(sieht man mal von seinen neuen Schuhen ab). In den Minuten 33 und 34 durfte
man sich dann darüber wundern, daß zwei grobe Fouls an
Wuttke und Benyamina kartenlos blieben. Letzteren schien das allerdings
anzustacheln, denn gleich darauf zog er von links außen nach innen,
setzte seinen 18-Meter-Schuß allerdings neben das Tor. (37.) Bis zur
Pause dominierte weiter der FCC, erst mit einem schönen Wuttke-Solo über
rechts und dann mit einem Gardawski-Freistoß von halblinks, den Sejna
nur mühevoll zu Ecke bugsieren kann. Letzter Aufreger in HZ 1 war
dann das brutale (natürlich nicht mit Gelb geahndete) Foul an RS, als
dieser nach einem FCI-Freistoß einen Jenaer Konter einleitete. (41.)
Nach dem Pausenpfiff wußte man eigentlich nicht so recht, was man
unseren Jungs (außer der mißratenen
Aktion nach 20 Sekunden) trotz des Rückstandes vorwerfen sollte. Sie
hatten das Spiel unter Kontrolle, führten die Mehrzahl der Angriffe
und hatten sich in etwa doppelt soviel bewegt wie ihre Gegenspieler. Immer und
immer wieder spielten sie aus einem starken Mittelfeld couragiert nach vorn, wo
sie dann allerdings leider die notwendige Präzision vermissen ließen.
Während wir also den deutlich höheren spielerischen und läuferischen
Aufwand betrieben, hatten sich die Gastgeber auf frühzeitiges Abwarten
-allerdings nicht ungefährlich- verlegt.
Nach einem gruseligen
Pausenspektakel glich der Wiederanpfiff einer Erlösung und Ralf
Schmidt setzte mit seinem 20-Meter-Schuß von halblinks das erste
Achtungszeichen. (46.) Kurz darauf parierte Nulle nach einem bereits
abgewehrten Ingolstädter Freistoß erneut prächtig.
(49.) Dann wieder 2 Gardawski-Aktionen über rechts. Sein erster Schuß
(nach Orlando-Zuspiel per Kopf) wurde jedoch abgeblockt (51.) Dann kommt der
Ball auf direktem Wege über Benyamina und Holwijn erneut zu Gardawski
und der zieht, halbrechts im Strafraum stehend, direkt per Außenrisst
ab. Leider etwas zu schwach und so ist Sejna noch rechtzeitig unten. (52.) Beim
anschließenden FCI-Angriff über links unternimmt dann Nulle
einen Osterausflug raus aus dem Strafraum, letztendlich erfolgreich. Nach knapp
einer Stunde ahndet der Gelbe Mann dann Holwijns Körpereinsatz mit
einem Freistoß, 35 bis 40 Meter vor Nulles Kasten. Dieser Freistoß
findet dann direkt seinen Weg in Richtung Nulle, der nur nach vorne abwehren
kann. Dort kommt Lanzaat einen Schritt zu spät gegen Wohlfahrt und
ebenso unerwartet wie unverdient steht es plötzlich 2:0.
Im Normalfall scheint ein
solches Match gelaufen. Aber was ist beim FCC schon der Normalfall? Mindestens
4 gute Gründe sprachen dafür, daß die RvE-Elf zurückkommen
würde: Erstens steht da seit einigen Wochen eine Mannschaft auf dem
Platz, die sich spielerisch und taktisch enorm weiterentwickelt hat. Zweitens
handelt es sich inzwischen wieder um ein echtes Team, das an sich und seine Fähigkeiten
glaubt. Drittens gehört zu diesem Team neuerdings ein Michael
Gardawski und mit diesem unbekümmerten Typen auf der rechten Seite hat
der FCC noch kein Spiel verloren, warum dann gerade in Ingolstadt? (Schade, daß
Gardawski nicht schon gegen Sandhausen wirbelte!) Und Viertens hat der FCC
einen Orlando Smeekes, also jene launenhafte Diva, die noch vor einiger Zeit
desorientiert durchs Paradies irrlichtete. Inzwischen scheint klar, daß
van Eck wohl genau jene Ansprache gefunden hat, die dieser extrovertierte Typ
versteht. Diesen Orlando kannst du pro Spiel zigfach wegen verlorener Zweikämpfe,
unterlassener Flanken, aussichtsloser Dribblings oder versprungener Bälle
verfluchen, aber mit seiner aufdringlichen Präsenz entnervt er
irgendwann jeden Gegenspieler. Und neuerdings macht er aus genau diesen ein,
zwei Szenen pro Spiel seine Buden. Was will man mehr?
Teil Eins der Orlando-Show
leitete Gardawski ein. Er reagiert nach einem Freistoßpfiff blitzschnell
und schlägt den Ball weit und präzise nach halblinks. Als
Keidel den Ball auf sich zukommen sieht und Orlandos Atem spürt,
werden ihm sofort die Knie weich und das sein Rückkopfball daneben
gehen würde, war absehbar. Diebisch grinsend erlief sich Jenas Stürmer
den Ball, düpierte den schwerfälligen Sejna und haspelte den
Ball ins Netz zum Anschlußtreffer. (67.) Jetzt beherrscht der FCC die
Hausherren und hat dennoch Glück, da er von einer umstrittenen
Abseitsentscheidung profitiert. (78.) Pech hat dann Wuttke, als er zunächst
auf der rechten Seite einen wunderbaren Doppelpaß mit Gardawski
spielt, sein Laufduell mit einem Ingolstädter aber fälschlicherweise
abgepfiffen wird. Was soll's, es gab ja noch Teil 2 der Orlando-Show. Zunächst
wurde Holwijn 20 Meter vor dem Tor in zentraler Position umgerissen,
folgerichtig Freistoß. Orlando läuft an. Gardawski blockt in
der Abwehrmauer eine Lücke frei. Orlando schießt, der Ball
findet den von Gardawski geebneten Weg und Sejna kann mit seinem Alibi-Flug
auch nichts mehr ausrichten - TOOOR! 2:2 (84.) Völlig verdienter
Ausgleich!
Seinen gerechten Ausgang hätte
das Spiel dann in Minute 89 finden können, als Ralf Schmidt ein feines
Zuspiel ebenso elegant mit der Brust annimmt und vom rechten Fünfmeterraumeck
volley abzieht - leider mit etwas zu viel Rücklage. Seinen ungerechten
Ausgang hätte das Spiel dann in Minute 90 finden können, wenn
Nulle nicht sensationell den letzten Ingolstädter Kopfball abgewehrt hätte.
Was mit dieser Truppe und
deren Moral tatsächlich noch zu erreichen ist - wer weiß das
schon? Für Überraschungen ist der FCC ja immer gut - auch
nach Ostern! Gute Gründe dafür gibt es genügend... <jk>
FC Carl Zeiss Jena - Kickers Offenbach 0:0
Tore: Fehlanzeige
- Jena: Nulle; Sievers, Wuttke, Lukimya, Nagy; Benyamina (53. Holwijn),
Truckenbrod (88. Ziegner), Schmidt, Gardawski (69. Amrhein); Smeekes,
Hähnge (
, 88.)
- Offenbach: Wulnikowski; Huber; Schutzbach, Heitmeier, Kopilas; Zinnow, Pospischil (63. Ulm), Pfingsten-Reddig,
Fröhlich (46. Moosmayer); Mesic, Hesse
- Zuschauer: 9431
- Schiedsrichter: Dittrich (Bremen)
- Spielbericht
-
Fünf Spiele - Fünf Siege. Wann hatte es zuletzt diese beindruckende Serie gegeben? Da müssen wir schon
in der Chronik bis ins Jahr 2006 zurückschauen. Damals schafften die Kicker des FCC sogar sechs Siege in Folge
und stiegen am Ende der Saison verdient in die 2.Bundesliga auf. Ob es den Mannen um René van Eck noch einmal
gelingen sollte, so eine Serie hinzulegen? Der sechste Sieg in Folge ist gegen die heutigen Gäste aus Offenbach
allemal möglich, zumal sich die Hessen gerade in einer kleinen Krise befinden. Aber meist sind gerade immer diese Spiele die schwierigsten.
Der FCC begann auch von Beginn an druckvoll, aber die Gäste hielten voll dagegen. Es dauerte bis zur achten Minute, bis Gardawski
mit einem Schuss aus 22m für die erste Jenaer Aktion sorgte. Aber fortan warteten beide Teams mit schönem Kombinationsfußball
im Mittelfeld auf, ohne jedoch für Torchancen zu sorgen. Ein Freistoß von Orlando (13.) landete in den Beinen der Abwehr,
Hähnge schaltete am schnellsten und bediente Lukyima, der allerdings nicht zum Torschuss kommt. Nach 19 Minuten glänzte
Gardawski mit einer herrlichen Hackenablage genau in den Lauf von Truckenbrod, doch dessen Schuss konnte Wulnikowski parieren. Kurz
darauf ließ Orlando mit zwei guten Aktionen (21./24.) sein Können aufblitzen, doch leider stand ihm bei diesen Aktionen
das Glück nicht zur Seite. Nach 24 Minuten dann die erste Möglichkeit für die Hessen durch den Ex-Jenaer Christian
Fröhlich, aber sein Schuss ging um einiges über das Tor. Der FCC erhöhte nun kontinuierlich den Druck und erspielte
sich Chance um Chance. Zunächst war es erneut Orlando, der mit seinem Schuss aufs kurze Eck in Wulnikowski seinen Meister fand.
Wenig später eine schöne Ballstafette zwischen dem überragenden Gardawaski und Schmidt, doch leider verfehlte letzterer
mit seinem Schuss das Tor. Vier Minuten vor der Pause die schönste Aktion der Jenaer in Halbzeit eins: Orlando passte nach einem
Sturmlauf von rechts flach in den Lauf von Truckenbrod, der sofort scharf und platziert aufs untere Toreck abzog, doch der Gästekeeper
war erneut zu Stelle und konnte mit einer super Parade den Rückstand gerade noch verhindern.
Auch nach der Pause machten die Platzherren weiter Druck und kamen schon in der 48.Minute zur nächsten guten Tormöglichkeit,
aber Schmidt hatte heute wirklich nicht das richtige Zielwasser getrunken und sein Schuss verfehlte erneut das Tor. In der 54.Minute
hatten die meisten Zuschauer schon den Torschrei auf den Lippen, Wulnikowski war endlich einmal nicht an den Ball gekommen, doch Orlandos
scharf geschossener Ball aus spitzem Winkel donnerte an den Pfosten. Erst nach gut einer Stunde erholten sich die Offenbacher von der
Jenaer Offensive und kamen zum ersten Mal in Halbzeit Zwei gefährlich vor das Jenaer Gehäuse. Aber die beste Möglichkeit
bot sich dem OFC in der 71. Minute, als Zinnow auf der rechten Seite bis zur Grundlinie durchstieß, aber zum Glück fand seine
flache und scharfe Hereingabe keinen Abnehmer, so dass der Ball durch den Jenaer Strafraum zischte. Aber das war es dann auch schon von
den Angriffbemühungen der Gäste, denn Orlando (80.) setzte erneut zu einem seiner vielen Sturmläufe an, aber auch mit
seinem herrlich ansatzlosen Schuss konnte er am heutige Tage Wulnikowski nicht überwinden. Fünf Minuten vor Ultimo stockte
dem Jenaer Anhang der Atem, als Hesse mutterseelenallein auf Nulle zustürmte. Doch zum Glück blieb der Jenaer Kapitän
ganz cool und machte den Winkel spitz, so dass Hesse scheiterte.
Das Spiel war nun quasi gelaufen, doch dann kam es zum eigentlichen
"Höhepunkt" der Partie. Holwijn war bis zur Grundlinie durchgestürmt, aber der Ball ging ins Aus. Wie von einer Tarantel
gestochen kam Gästekeeper Wulnikowski aus seinem Tor und ging Holwijn an. Sofort kamen andere Spieler hinzu und es kam zu einer
Rudelbildung, bei der der eine oder andere Spieler zu Boden ging. Schiedsrichter Dittrich, der mit dieser Aktion nun völlig
überfordert schien, zeigte Holwijn und Wulnikowski die Gelbe Karte und zu allem Übel sah Sebastian Hähnge auch noch
die Rote. Die Fans, Spieler und auch Verantwortlichen waren natürlich außer sich vor Wut, denn Wulnikowski hätte
mindestens ebenso die Rote Karte sehen müssen. Stattdessen schickte der Schiri nun auch noch beide Trainer auf die Tribüne,
was am Ende nun gar keiner mehr verstand. Die letzten Sekunden gingen vorbei und eine turbulente Partie war zu Ende.
Die Offenbacher werden in ihrer Situation mit diesem Punkt sicherlich zufrieden sein, doch für die Jenaer war der sechste
Sieg in Folge allemal drin. Allerdings hatten die Hessen mit Wulnikowski den spielentscheidenden Mann in ihren Reihen, der 88. Minuten
überragend hielt, aber dann mit seiner sinnlosen Aktion für solche Unruhe sorgte, dass die Jenaer in den kommenden Spielen
auf einen wichtigen Angreifer verzichten müssen, was am Ende am meisten schmerzt.<vg>
SV Werder Bremen II - FC Carl Zeiss Jena 1:2
Tore: 1:0 Artmann (42.), 1:1 Orlando (49.), 1:2 Holwijn (85.)
- Bremen: Wiedwald; Gerdes, Schmidt, Stallbaum, Perthel; Ronneburg,
Feldhahn, Kempe, Artmann (74. Enga); Thy, Furtacs (
, 90.)
- Jena: Nulle; Wuttke, Lukimya, Lanzaat, R. Schmidt; Gardawski
(86. Sievers), Kühne (27. Ziegner), Truckenbrod, Benyamina (79.
Holwijn); Orlando, Hähnge
- Zuschauer: 950
- Schiedsrichter: Beitinger (Regensburg)
- Spielbericht
- So in etwa muss der Unterschied auf einen
Championsleague-Teilnehmer wirken, der nach einem Gala-Auftritt vier Tage später
in den Bundesliga-Alltag zurückkehrt. Nach zwölfeinhalbtausend
Zuschauern am Mittwoch beim Thüringenderby musste der FCC auf einem Nebenplatz
des Weser-Stadions vor einer nicht mal vierstelligen Besucherzahl antreten. Die
Lightversion eines Drittligaspiels.
Da kann ein Trainer noch so oft betonen, dass genau wie in
Erfurt drei Punkte zu vergeben sind - die Einstellung, mit der solch ein Spiel
begonnen wird, ist eine ganz andere. Jeder Zeiss-Fan kann das an sich selbst
nachvollziehen und die Tatsache, dass nach den zurückliegenden
Erfolgswochen nur deren 300 den Weg nach Bremen fanden, belegt dies auch. Ein
gewisses Maß an Verständnis für den
offensichtlichen Druckabfall während der ersten 45 Minuten dürfen
unsere Kicker also für sich in Anspruch nehmen. Zumal in dieser
Halbzeit auch noch ein böiger Gegenwind ihren Spielaufbau massiv
erschwerte. So kam es, dass Gardawski mit einem Kopfball in der 4. Minute eine
erste Chance besaß - die folgende halbe Stunde aber keine einzige
mehr hinzu kam. Bremens lange Kerle besaßen im Mittelfeld die
Lufthoheit, taten sich in der Spielgestaltung jedoch schwer und wurden nur nach
Standards gefährlich oder wenn Jena im Vorwärtsgang
Abspielfehler unterliefen. Trieben uns Feldhahns Gelegenheiten noch nicht den
Angstschweiß auf die Stirn (sein von Nulle zur Ecke gelenkter
Flachschuss wäre ohnehin vorbei gegangen), war Perthels Geschoss aus
20 Metern und vollem Lauf schon von anderem Kaliber. Carsten Nulle lenkte es
mit toller Flugeinlage über die Latte (24.). Dessen Vorderleute
schienen noch immer nicht bei der Sache. Bei Einwürfen bietet sich
keiner an und selbst dem über alle Zweifel erhabenen Assani Lukimya
rollt als letzter Mann einmal der Ball durch die Beine.
Erst zehn Minuten vor
der Pause lassen sich auch die Jenaer mal wieder vor dem gegnerischen
Kasten sehen. Torsten Ziegner, für den verletzten Kühne frühzeitig
eingewechselt, nimmt eine Vorlage Wuttkes auf, rennt damit Richtung Eckfahne
und flankt scharf in die Mitte. Der heranpreschende Hähnge verfehlt
unter Bedrängnis das Leder knapp. Zwei Schüsse von Wuttke und
Truckenbrod noch, zaghaft wie kleine Knospen in der ersten Frühlingssonne
begann Jenas Offensivspiel aufzublühen. Die Werderaner erhöhten
derweil noch mal den Druck vor der Pause. Nach einem Eckball von der rechten
Seite konnten Nulle und ein Verteidiger noch mit vereinten Kräften klären.
In Minute 42 aber kam niemand mehr an den Ball, Artmanns Freistoß
rutschte direkt durch ins lange Eck. Bremen führte verdient mit 1:0,
da Jenas Vorstellung bis dahin einem Neujahrskater nach durchfeierter
Silvesternacht glich.
René van Eck schien in der Kabine die richtige Medizin
gefunden zu haben, denn seine Jungs kamen mit sichtbar veränderter
Einstellung aus der Pause. Schmidts Flanke nur vier Minuten nach Wiederanpfiff
verlängerte Lukimya mustergültig mit dem Hinterkopf. Über
Torhüter Wiedwald hinweg senkte sich das Leder an den Innenpfosten
und sprang dem Keeper direkt in die Arme. Ein Großteil der Zeiss-Fans
hatte diesen Ball schon drin gesehen, ihr Torjubel kam also verfrüht -
um exakt 10 Sekunden ! Denn während Wiedwald noch durchatmet, den Ball
nach vorn wirft auf der Suche nach einer freien Anspielstation, pirscht sich
Orlando in seinem Rücken an ihn heran. Jenas Stürmer hatte an
der Torauslinie noch mit fehlendem Fortune in der Szene davor gehadert, als er
plötzlich seine eigene Chance zu wittern beginnt. Listig mogelt er
sich um Bremens verdutzten Keeper herum und schießt das Leder ins
leere Tor. Der kuriose Ausgleich durch einen Orlando, dem in der ersten Hälfte
so ziemlich jede Aktion misslungen war und der damit als das personifizierte
Sinnbild zweier vollkommen unterschiedlicher Halbzeiten herhalten kann. Denn
von nun an wehte für Jena ein anderer Wind in diesem Spiel - und das
nicht nur meteorologisch gesehen ! Orlando hätte es zugunsten
der Blau-Gelb-Weißen allein entscheiden können. Den von Gardawski
adressierten, noch aufspringenden Ball bugsierte er über das
Lattenkreuz (51.), Benyaminas Vorlage schob er am langen Pfosten vorbei.
Zwischendurch scheiterte Hähnge aus 15 Metern am untröstlichen
Wiedwald und dann blieb auch Orlando nach Vorarbeit Truckenbrods am Bremer
Keeper hängen.
Jena will mehr als ein Unentschieden, doch allmählich
läuft die Zeit davon. Melvin Holwijn kommt neu ins Spiel, setzt ab der
Mittellinie zu einem unwiderstehlichen Solo an, lässt drei Bremer
stehen und zielt um Zentimeter am linken Pfosten vorbei. Noch fünf
Minuten. Ein hoher Ball in Werders Sechzehner wird nach links abgewehrt. Dort
steht wieder Holwijn, der mit Ball am Fuß ein paar Meter nach innen läuft,
abzieht - und trifft ! Spieler, Betreuer und Fans fallen sich in die Arme. 2:1,
diesen Vorsprung geben sie nicht mehr aus der Hand. An Tim Wuttke kommt auf
der rechten Seite nun niemand mehr vorbei, was den baumlangen Furtacs derart frustiert, dass
er sich hinter dem Rücken des Schiedsrichters zu einem angedeuteten
Kopfstoß hinreißen lässt. Der Assistent an der
Seitenlinie hatte es beobachtet und deshalb beendete die U23 das Spiel zu
zehnt.
Nachdem die für den Klassenerhalt erforderlichen 45
Punkte unter Dach und Fach gebracht sind, werden sich Trainer und Sportdirektor
schon mal auf Fragen nach neuen Zielen gefasst machen können. Wie immer
ihre Antwort ausfallen wird - einer Mannschaft, die solch ein Spiel wie das in
Bremen noch zieht, ist einiges zuzutrauen. Wir haben das vor Jahren schon einmal erlebt... <fc>
FC Rot-Weiß Erfurt - FC Carl Zeiss Jena 0:3
Tore: 0:1 Orlando (3.), 0:2 Hähnge (28.), 0:3 Benyamina (56.)
- Erfurt: Orlishausen; Handke (26. Stenzel), Pohl (58. Humbert),
Möckel, Ströhl (54. Pagenburg); Becker, Bölster, Rockenbach
da Silva, Hillebrand; Kammlott, Semmer
- Jena: Nulle; Sträßer (62. Wuttke), Lukimya, Lanzaat,
Nagy; Gardawski, Kühne, Truckenbrod, Benyamina; Orlando (89.
Osadchenko), Hähnge (76. Holwijn)
- Zuschauer: 12.435
- Schiedsrichter: Cortus (Nürnberg)
- Spielbericht
- In den Stadien der Republik versammeln sich jede Woche
allerlei seltsame Menschen. Gestern teilte wieder ein besonders ungewöhnliches
Geschöpf meine Nähe. Entweder hatte der Typ - nennen wir ihn der Einfachheit
halber mal Philipp - überhaupt keine Ahnung vom Fußball, was ich aber nicht
glaube. Er sah einfach nicht so aus, als würde er beim Wort Viererkette
ausschließlich an die nächste Raucherpause denken. Oder aber, Philipp hatte das
Spiel schon mal irgendwo gesehen und wußte, daß am Ende alles gut sein würde.
So, als ob sich Vati die x-te Wiederholung des 54er-Finales reinzieht, bereits
genüßlich darauf wartend, daß Rahn irgendwann schießen müßte und das auch
tatsächlich tut und sich - wie immer - das Wunder erfüllt. Bei solch
übersinnlicher Befähigung hätte mich Philipp aber sicher gewarnt, als ich mich
anschickte, mir die schlechteste Bratwurst der Fußballgeschichte zu kaufen.
Nein, so bösartig wirkte er eigentlich nicht... Die dritte, von mir inzwischen
favorisierte Möglichkeit, ist, daß Philipp an jenem Maiabend im letzten Jahr nicht da war. Er hat es einfach nicht gesehen. Ihm fehlte die
knallharte Erfahrung, wie eine Mannschaft die ohnehin verkorkste Saison in
nicht mal einer Viertelstunde gänzlich vor die Wand fahren kann. Ja, Philipp
war völlig ahnungslos! Das war es. Er freute sich am 1:0, ohne an die 87
folgenden Minuten zu denken, war nach dem 2:0 in Gedanken bereits beim Feiern
und schaute sich den Rest mit der emotionalen Besessenheit an, mit der man sich
in den 90ern einen Werbespot für Timotei-Shampoo
reingezogen hat. Nein, ohne Zweifel, er war nicht dagewesen im Mai. Und da ich
nun mal da war, war ich auch ein wenig neidisch auf Philipps naive
Bedenkenlosigkeit. Ich habe dazugelernt! Kein "Auswärtssieg!
Auswärtssieg!"-Gebrülle bei 2:0-Führung eine Viertelstunde vor Schluß, keine
verfrühten "Derbysieger"-Rufe. Nur ab und zu mal "Die Nummer 1 im Land sind
wir", aber das hatte ja auch nix mit dem Spiel gestern zu tun. Das ist
historisch gewachsen.
Dabei bekommt mein Mißtrauen gleich zu Beginn einen herben
Dämpfer. Als Kühnes Paß den blitzschnellen Orlando mustergültig erreicht, läßt
der sich nicht lange bitten und hebt den Ball über den herausstürzenden
Orle hinweg ins leere Tor. Die Führung nach nur drei
gespielten Minuten. Ein unbeschreiblicher Freudentaumel bricht los. Aber ich
reiße mich am Riemen. Die bösen Erinnerungen des letzten Frühjahrs mahnen zur
Zurückhaltung, Ihr wißt schon. Und meine Vorbehalte erhalten auch gleich wieder
ausreichend frische Nahrung, als Jena damit beginnt, ein Großkontingent guter
Möglichkeiten zu verdaddeln. Der Gardawski muß nach
17 Minuten den Ball eigentlich nur noch an Orle
vorbeischieben, macht statt dessen einen Haken mehr als gut und legt eine
Millisekunde zu spät auf Benyamina ab, so daß Erfurts Abwehr noch klären kann.
Drei Minuten später fliegt Hähnges Kopfball nach Gardawskis
Musterflanke genau in Orles Arme. Fahrlässig! Ich
fluche, Philipp lächelt überlegen. Vielleicht hat er das Spiel ja doch schon
mal gesehen...
Dann dieser Freistoß von Erfurt, bei dem Nulle zunächst am
Ball vorbeisegelt, ihn einen Moment später dann aber doch hat. "Das war knapp!"
entfährt es mir erschrocken, "Souverän!" raunzt Philipp. Ich begreife ihn
nicht... Jetzt nur den Gegner nicht stark machen. Lieber weiter nach vorn!!! Ecke
für Jena. Diesmal kommt Orle angeflogen, hat aber den
Ball am Ende genausowenig wie seine vier Kumpels auf der Linie, an denen Hähnge
- der geduldig am langen Pfosten gewartet hatte - das Leder vorbei schiebt (28.).
Waaaahnsinn! Mein Tanz fällt nun schon etwas lockerer
aus. Aber sicher sein? Lieber noch nicht. Allein Jena läßt jetzt nicht mehr
locker, entzieht der Phobie das Fundament. Erfurt steht völlig neben sich.
Getragen von 3000facher Anfeuerung tritt Orlando abermals an, wird dann aber an
der Strafraumgrenze unfair zu Fall gebracht, wobei die Strafraumgrenze
offensichtlich ein ganzes Stück in den Strafraum reicht (37.). Um das 3:0
gebracht! So ein Mist aber auch.
Die Halbzeit hätte trotzdem kaum fröhlicher sein können.
Entweder war zum Pokalfinale letztes Jahr kaum jemand im Steigerwald zugegen
oder danach hat sich kollektiver Alzheimer weiter Fankreise bemächtigt, so daß
die Sich-noch-gut-erinnern-Könnenden der Philipp-Fraktion nichts
entgegenzusetzen haben. Mein Pessimismus prallt schlichtweg ab! Meine ganzen
Lebensweisheiten will einfach keiner hören. Sowas!
Und auch der Mannschaft waren die wenigen mahnenden
Zeigefinger herzlich egal. Keine Spur von Angst. Zwar kam Erfurt mit etwas mehr
Schwung aus der Kabine, mehr als ein gefährlich getretener Freistoß durch
Becker nach knapp einer Stunde und einen Lattentreffer durch Stenzel (77.)
bekamen die Rot-Weiß-Fans aber nicht zu sehen. Im Gegenteil, die Mutter der
Unzulänglichkeiten, ich nenne sie mal Desolatia, hielt
die Rot-Weißen jetzt noch fester umarmt, so daß Benyamina zehn Minuten nach der
Pause ungehindert (also einfach geradeaus) über den halben Platz rennen und den
Ball an Orle vorbei ins lange Eck schieben konnte.
Philipp wußte es. Jetzt glaubte ich es auch langsam. Diesmal wird es keinen
Zusammenbruch geben. Die Thüringer Fußball-Welt steht wieder auf den Füßen.
"Auswärtssieg! Auswärtssieg!". Und der hätte auch noch deutlicher ausfallen
können. Allein der lange Truckenbrod-Pass auf Smeekes war für die dritte Liga deutlich zu genau, daß der
den Ball aber aus vollem Lauf auch noch sauber mitnimmt, wäre letzte Saison
allein ein Grund zum Kommen gewesen. Schade, daß sich Orlishausen
mit letztem Einsatz noch in Orlandos Schuß werfen kann (77.). Und dann noch der
schöne Konter über Holwijn, der aber viel zu lange
mit seinem Anspiel auf Smeekes rumbummelt, so daß
sich selbst Erfurts schläfrige Abwehr wieder imstande sieht, die Situation zu
klären (84.). Sehen tut das schon längst nicht mehr jeder, der mal im Stadion
war. Die Haupttribüne erstrahlt schon wieder im herrlichsten Rosa, viele Fans
des Thüringer Vizekönigs schauen wahrscheinlich schon lange den Bayern im
DFB-Pokal zu. Die, die noch da sind, höhnen gegen Hörgl.
Auf der anderen Seite tobt die Blau-Gelb-Weiße Herrlichkeit, geht eine
Laola nach der anderen durch den Block. Ein lang
herbeigesehnter Sieg, über den nach etlichen grausamen Gastspielen in der
Blumenstadt, auch in ein paar Jahren noch geredet werden dürfte.
Erfurt ist mit dem Ergebnis noch gut bedient und muß sich
jetzt ganz schön strecken, um mit dem Abstieg am Ende nichts zu tun zu haben.
Wünschen tue ich es ihnen nicht, allein in der Hoffnung, beizeiten mal wieder
so einen Abend erleben zu dürfen. Und vielleicht bin ich ja dann der Philipp
und wundere mich über all jene, die gestern nicht da waren. Von den Bratwürsten
würde ich dann aber auch keinem abraten; die Erfahrung muß jeder selber machen. <bpf>
FC Carl Zeiss Jena - Eintracht Braunschweig 2:1
Tore: 0:1 Banser (8.), 1:1 Benyamina (29.), 2:1 Gardawski (39.)
- Jena: Nulle; Sträßer, Lukimya, Lanzaat, Nagy; Gardawski
(68. Wuttke), Kühne, R. Schmidt, Benyamina (89. Petersen); Orlando
(76. Holwijn), Hähnge
- Braunschweig: Petkovic; Reichel, Henn, Dogan, Boland;
Onuegbu (46. Vrancic), Pfitzner (80. Morabit), Banser, Kragl (58.
Calamita); Kruppke, Kumbela
- Zuschauer: 7249
- Schiedsrichter: Nowak (Bottrop)
- Spielbericht
-
Kurz nach Abpfiff in der sogenannten Mixed Zone des
Ernst-Abbe-Sportfelds. In die Freude über drei Punkte mischen sich
nach Blick auf die Tabelle Journalistenfragen, ob nach drei Siegen in Folge
nicht noch gänzlich andere Ziele angestrebt werden könnten als
nur der Klassenerhalt. Doch Carsten Nulle bleibt auch diesmal cool und überlegt. "Wir sollten mal die
Kirche im Dorf lassen", diktiert er den Reportern in die Schreibblöcke und Mikrofone,
"im Januar waren wir fast tot. Da jetzt irgendwelche Dinge hinaus zu posaunen wäre
töricht. Das haben wir letzte Saison so gemacht und dann sieben Spiele
verloren. Wobei ich nichts dagegen hätte, wenn es so weiter geht. Aber
noch haben wir keine 45 Punkte."
Anfangs sah es ganz und gar nicht nach einer Fortsetzung der
kleinen Siegesserie aus. Braunschweig kam schon nach drei Minuten zu seiner
ersten Gelegenheit, die ihr Torschütze vom Dienst, Dennis Kruppke
gegen Nagy und Nulle vergab. So ähnlich hatte es für die
Jenaer gegen Kiel auch begonnen, nur mit dem Unterschied, dass sie diesmal nicht ungeschoren über
die (Anfangs-)Runden kommen sollten. Nach Kruppkes Freistoß von der rechten Außenlinie
stieg Fait-Florian Banser an der Torraumlinie am höchsten und ließ
unserem Keeper keine Chance zum Reagieren. 0:1, eine verdiente Führung,
weil die Eintracht besser ins Spiel gekommen war und die Mehrheit der Zweikämpfe
für sich entschied. Gegen ihr konsequentes Pressing bis in die Jenaer
Hälfte hinein fand der FCC zunächst kein Rezept. Erschwerend
kam hinzu, dass sich zwischen den beiden defensiven Mittelfeldspielern und den
Offensiven davor eine ungewohnte Lücke auftat, die den Aufbau geordneter
Angriffsaktionen massiv erschwerte. Infolgedessen hatte sich der Ausgleich
nach einer halben Stunde nicht unbedingt abgezeichnet, ein schönes Tor
war es trotzdem. Soufian Benyamina bekam den Ball von Ralf Schmidt in den
Strafraum serviert und lupfte ihn mit rechts über Torhüter
Petkovic hinweg in die lange Ecke. Jenas erster Treffer mit dem ersten
Torschuss - effizienter geht's nicht.
Als wenn es eines solchen Weckrufes bedurft hätte,
drehten die Jenaer nun richtig auf. 36. Minute, der starke Gardawski spielt
Orlando an. Dem wirft man vielleicht nicht zu Unrecht vor, gern mal zu
eigensinnig ohne Blick für den Nebenmann zu agieren. Nicht so aber in
dieser Szene. In einer Position, aus der er selbst hätte den Abschluss
suchen können, übersah er den noch besser postierten
Sebastian Hähnge nicht. Jenas Stürmer schoss sofort, Petkovic
war geschlagen, doch der rechte Pfosten verhinderte die Jenaer Führung
zu diesem Zeitpunkt. Keine vier Minuten später
gibt es den ersten Eckball des Spiels. Petkovic faustet ihn aus dem Strafraum,
von wo aus aber wieder Orlando loszieht. Dessen Flanke von der rechten Seite
fliegt hinüber in die linke Strafraumhälfte, wird von Michael
Gardawski volley genommen und aus sieben, acht Metern direkt ins Netz befördert.
2:1, das Stadion tobt. Gar nicht auszudenken, wenn vor der Pause noch der
dritte Jenaer Treffer gefallen wäre. Die Möglichkeit dazu war
da, als Kühne nach Vorarbeit Gardawskis aus sechs Metern aufs Tor
schoss, Henn und Petkovic mit vereinten Kräften gerade noch so klären
konnten. An der Leistung Stefan Kühnes lassen sich die zwei
unterschiedlichen Gesichter dieser ersten 45 Minuten anschaulich beschreiben.
Gerade er hatte anfangs riesige Probleme, allein zwischen der 16. und 19.
Spielminute registrierten wir von ihm fünf unglückliche
Aktionen voller Verunsicherung. Und nun, kurz vor der Pause, gewinnt er plötzlich
jeden seiner Zweikämpfe und wäre um ein Haar noch zum Torschützen
geworden.
Es war zu vermuten, dass die zweite Halbzeit nicht so
losgehen würde, wie die Erste geendet hatte. Braunschweigs Trainer
Torsten Lieberknecht ("Ich habe schon vor der Saison Jena als
Aufstiegskandidaten gesehen") hatte seine Elf wieder auf Kurs gebracht,
wenngleich den Aktionen der Norddeutschen das letzte Bisschen an
Entschlossenheit fehlte. Klar, sie waren häufiger in Ballbesitz, doch
trafen sie auf eine nun kompakter stehende Jenaer Hintermannschaft mit einem
wiederum überzeugenden Assani Lukimya in deren Zentrum. Einziger
Wermutstropfen war nur die fünfte Gelbe Karte für
Ralf Schmidt, für den das Thüringenderby damit nur von
der Tribüne aus stattfinden darf. Da auch der FCC dem Dortmunder Spiel
vom Mittwoch kräftemäßig ein wenig Tribut zollen
musste, gab es nach der Pause so gut wie keine Tormöglichkeiten mehr.
Den ersten Schuss aufs Gästetor gab Orlando mit einem Freistoß
in Minute 71 ab. Auf der Gegenseite dauerte es noch fünf Minuten länger,
ehe Calamita aus 16 Metern das Nulle-Gehäuse knapp verfehlte. Dies
sollte jedoch die einzige Schrecksekunde bleiben, weil die in Rückstand
liegenden Braunschweiger erstaunlicherweise auch in der Schlussphase ein höheres
Risiko scheuten. Der Ausflug ihres Torhüters Petkovic während
der Nachspielzeit in den gegnerischen Sechzehner vermochte darüber
nicht hinweg zu täuschen. So blieb es bis zum Schluss beim knappen und
verdienten Jenaer Sieg, den die Elf in Blau-Weiß mit einem von ihr so
noch nicht beobachteten Jubelkreis feierte.
Zurück in der Mixed Zone. Auch Carsten Sträßer,
mit Töchterchen Felicia Sophie auf dem Arm, stellt sich den Journalistenfragen.
Spricht von einer gefestigten Jenaer Mannschaft, in der Einer für den
Anderen einsteht. Und blickt vier Tage voraus: "Gegen Erfurt haben wir einiges
gut zu machen !". Jenas Anhänger werden ihn beim Wort nehmen. <fc>
Borussia Dortmund II - FC Carl Zeiss Jena 0:3
Tore: 0:1 Orlando (13.), 0:2 Nagy (32.), 0:3 Orlando (45., FE)
- Dortmund: Höttecke; Evers, Hünemeier, Neumeister,
Kaptan (
, 45.); Großkeutz (46.
Kandziora), Koch, Tyrala, Piossek (72. Oscislawski), Nottbeck; Kullmann
(62. Hille)
- Jena: Nulle; Wuttke, Lukimya, Lanzaat, Nagy; Gardawski (61.
Holwijn), Kühne, R. Schmidt (74. Truckenbrod), Benyamina; Hähnge,
Orlando (79. Sievers)
- Zuschauer: 1256
- Schiedsrichter: Kampka (Mainz)
- Spielbericht
- (von Gastkommentator Tobias Häfner)
Vergessen sollten sie nun endgültig sein sein, die endlosen Diskussionen in den Fußballforen
um Schnee, Matsch und Rasenheizungen - das Gastspiel in der klassischen Fußballarena
direkt neben dem "Signal Iduna Park" fand bei herrlichem Vorfrühlingswetter statt.
In der Startelf unserer Mannschaft nur die eine bereits vorher vermutete Veränderung -
für den gesperrten Carsten Sträßer rückte erwartungsgemäß Tim Wuttke auf die
Position des Rechtsverteidigers, Ralf Schmidt dagegen konnte entgegen aller Befürchtungen
im Vorfeld des Spiels auflaufen.
Die ersten Offensivaktionen kamen von unserem Team.
Hähnges Kopfball konnte jedoch der Dortmunder Torhüter Höttecke mühelos
aus der Luft pflücken und Orlando verpasste einen gut getimten Paß
von Stefan Kühne. In der 6. Minute die erste richtige Chance jedoch auf
der anderen Seite. Einen Flachschuß aus 14 Metern Entfernung konnte jedoch
Nulle parieren. Dennoch nahm nun unser Team mehr und mehr das Heft des Handelns
in die Hand und bereits in der 13. Minute wurden die ersten Früchte dieses
Engagements geerntet. Wieder wurde Smeekes steil von Kühne geschickt und
dieses Mal ließ er sich die Chance nicht entgehen und versenkte den Ball eiskalt.
In der 16. Minuten prüfte Tim Wuttke den Torhüter der schwarz-gelben mit einem Schuß
von der Außenposition.
4 Minuten später nach längerer Zeit mal wieder der Gastgeber mit einer Torraumszene,
doch der scharf angeschnittene Freistoß des einst von uns umworbenen Tyrala
wird von jedermann verpasst und landet hinter dem Tor.
Danach verlagerten sich die Torgelegenheiten wieder vor das andere Gehäuse.
Zunächst geht ein Freistoß von Orlando aus 28 Metern noch recht deutlich
übers Tor. Aber mehr und mehr wird nun deutlich das vor allem in punkto Zweikampfverhalten unsere Mannschaft den Gastgebern deutlich überlegen war. Vor allem Lukimya, Kühne und Wuttke blieben nahezu in jedem defensiven Zweikampf Sieger. Aber auch offensiv sah das richtig gut aus. Kein schleppendes Aufbauspiel wie man es noch viel zu häufig in der Hinrunde beobachten musste, sondern meistens wurde schnell und schnörkellos nach vorn gespielt.
Die nächste Chance aus einem solch zügig nach vorn getragenen Angriff hatte Gardawski
auf dem Fuß der mit einem Schuß aus halbrechter Position Höttecke zu einer
tollen Parade zwang. Das nächste Beispiel - Orlando am Seitenaus in Höhe der Mittellinie
scheinbar von viel zu vielen Dortmundern bedrängt. Jedoch weiß er sich daraus
zu befreien und legt ein wahres Zaubersolo hin bis er 10 Meter von dem Strafraum
unsanft gestoppt wird. Den folgendes Freistoß schlug Nagy mit viel Effet und
scheinbar so verwirrend das der Ball - wie später bestätigt wurde
ohne Freund- und Feindberührung - plötzlich im Netz zappelte. 0:2 nach 32 Minuten !
Aber unsere Jungs hatten in dieser bärenstarken ersten Halbzeit noch nicht
genug. In der 35. Minute ist bei einem Flachschuß von Orlando der Dortmunder
Keeper rechtzeitig ab Boden. In der 40. Minute wieder Orlando - sein gefühlvoller
Linksschuß verfehlte jedoch knapp das Tor. Eine Minute vor Pausenpfiff
ein mustergültiger Konter eingeleitet von Hähnge, dann sieht der wieder auf
und davon gesprintete Orlando den mitgelaufenen Wuttke. Offenbar kurz hinter der
Strafraumlinie wurde Wuttke aber vom Dortmunder Kaptan niedergemäht.
Eine hundertprozentige Torchance verhindert, die folgerichtige Entscheidung war
Rot für den schwarz-gelben Außenverteidiger und Elfmeter. Orlando schnappt sich den
Ball und schoß scharf und platziert, auch war der Dortmunder Torwart in der falschen Ecke.
Pausenstand also 0:3 und die folgenden 15 Pausenminuten wurden bei dem einen
oder anderen der ca. 150 mitgereisten FCC Anhänger zum Anlaß genommen die
Gedächtnisprotokolle zu verifizieren nach einer letzmaligen Pausenführung mit
3 Toren Unterschied. Auflösung : beim Studium alter Spielberichte auf dieser Website
muss man bis zur Saison 2003/2004 zurückblättern ;-)
2 Minuten nach Wiederanpfiff gleich die erste dicke Chance um das vierte
Tor zu erzielen, den Schuß von Benyamina lenkt Höttecke mit den Fingerspitzen
übers Tor. Aber mit fortschreitender Spielzeit sind nennenswerte Torszenen
nun rarer gesät. Die Dortmunder versuchten mit viel läuferischem Einsatz
ihre Unterzahl auszugleichen. Das gelang ihnen auch nun leidlich - aber
der Versuch mit kurzen, flachen Pässen unsere Abwehr auszuhebeln scheiterte
meistens so 5 Meter vor der Strafraumgrenze. Erwähnenswert lediglich
in der 60. Minute ein Kopfball nach einem Freistoß an dem Nulle mit den Fingerspitzen
dran war. Auf die gleiche Art und Weise klärte Nulle in der 77. Minute nach einem
Schuß aus spitzen Winkel. Beim Lattentreffer der Gastgeber in der 88. Minute
zeigte der Schiriassistent bereits Abseits an.
Auf der richtigen Seite gab es ebenfalls noch einige Chancen den Vorsprung
sogar noch auszubauen. So in der 62. Minute eine gute Kopfballchance von
Lukimya nach Ecke von Nagy. 3 Minuten später zwingt Hähnge den guten Dortmunder
Keeper zu einer Fußparade. In der 85. Minute prüfte Truckenbrod am Ende
einer schönen Kombination über Hähnge und Benyamina nochmals Höttecker.
Sicher war die zweite Halbzeit offensiv nicht mehr so zwingend wie
die 45 Minuten vor der Pause. Geschenkt - und irgendwie auch legitim aufgrund der vielen
anstehenden englischen Wochen. In Gefahr geriet der sichere Sieg aufgrund der
aufmerksamen Defensive nie.
FC Carl Zeiss Jena - Holstein Kiel 3:0
Tore: 1:0 Lukimya (32.), 2:0 Orlando (41.), 3:0 Hähnge (74.)
- Jena: Nulle; Sträßer, Lanzaat, Lukimya, Nagy; Gardawski
(76. Holwijn), Kühne (66. Truckenbrod), R. Schmidt, Benyamina; Hähnge
(89. Wuttke), Orlando
- Kiel: Frech; Lamprecht, Müller, Boy, Jürgensen (

, 88.);
Schüßler (4. Siedschlag), Vujcic, Jerat, Meyer; Sykora (57. Holt),
Cannizaro (70. Wulff)
- Zuschauer: 5205
- Schiedsrichter: Osmers (Hannover)
- Spielbericht
-
Holstein Kiel war mit beachtlichem Etat und daraus
resultierenden Erwartungen in die Saison gestartet. Schnell fand sich der
Neuling jedoch auf dem Boden der Realität wieder und derzeit auf einem
der Abstiegsränge. Das 1:6 in Bremen vor einer Woche wurde auf der
vereinseigenen Homepage als Tiefpunkt der Auswärtsmisere bezeichnet.
Solch einen Kontrahenten kann man als angeschlagenen Boxer ansehen, der umso
gefährlicher ist, je mehr er sich in die Ecke gedrängt fühlt.
Oder man kann ihn unterschätzen. Welche Einstellung würde
sich die Jenaer Elf zueigen machen ?
Positiv war schon mal, dass sie in der selben Formation
auflaufen konnte wie beim überzeugenden Auftritt gegen Osnabrück.
Der angeschlagene Ralf Schmidt hatte beim Abschlusstraining grünes
Licht gegeben und stand die neunzig Minuten durch. Die Anfangsphase freilich
hielt einem Vergleich mit jener gegen den VfL nicht stand. Zwar besaß
Orlando nach fünf Minuten die erste Chance im Spiel, als er gezwungen
war, aus eher ungünstiger Position abzuschließen, weil
keiner seiner Mitspieler mitgekommen war. Alles in allem aber konnte sich der
Gastgeber glücklich schätzen, nach zwanzig Minuten nicht in Rückstand
zu liegen. Da Lanzaat gegen Canizzaro das Nachsehen hatte, lief der bei Erfurt
ausgemusterte Kieler Stürmer in Minute 15 unbedrängt auf
Carsten Nulle zu. Unser Keeper, gerade erst zum Torschützen des Monats
nominiert, warf sich ihm mit Erfolg entgegen und zeigte, dass er nicht nur
offensiv, sondern auch defensiv zu überzeugen weiß, wie sein
Trainer nach dem Spiel flachste. Da auch Jerat mit einem Freistoß am
Jenaer Kapitän scheiterte und Sykoras Ablage nach einer Unsicherheit
in der Thüringer Hintermannschaft nicht ankam, überstand der
FCC die Anfangsperiode mit etwas Glück unbeschadet. Nach vorn lief zunächst
nicht viel zusammen. Schon zweiundzwanzig Minuten waren vorbei, als Kiels
Schlussmann Michael Frech mittels Faustabwehr das erste Mal eingreifen musste.
Die Jenaer Führung, sie fiel wie so häufig in den letzten
Wochen aus einer Standartsituation heraus. Assani Lukimya hatte vor Wochenfrist
beim Torerfolg seines Keepers genau hingeschaut und köpfte einen
Freistoßball von Nagy in die Maschen. Dass der Freistoßpfiff
zuvor durch Schiedsrichter Osmers eher geschenkt war, muss kein schlechtes
Gewissen bereiten. Auch auf der Gegenseite gabs hier und da umstrittene
Entscheidungen.
Vielleicht reagierten die "Störche" eine Spur zu passiv
auf die neue Spielsituation, indem sie hinten drin blieben und auf Jenaer
Angriffe warteten statt selbst welche zu initiieren. Andererseits muss man
vielleicht auch Verständnis für ihre Situation haben. Nach
der Klatsche gegen Werders U23 hatten sie hier passabel begonnen, sich auch von
der schweren Verletzung ihres Mittelfeldspielers Schüßler
(Verdacht auf Kreuzbandriss) nicht aus dem Konzept bringen lassen und lagen
dennoch schon wieder im Rückstand. Als sie dann doch nochmal versuchten,
vor der Pause den Ausgleich zu erzielen, liefen sie prompt in einen
Konter. Nagy schlug aus der eigenen Hälfte einen weiten Pass auf
Orlando. Dem war bis dahin noch nicht viel gelungen, doch jetzt machte er
alles richtig. Vom Ex-Jenaer Robert Müller nicht einzuholen, schob der
schnelle Holländer das Leder an Frech vorbei zum 2:0 über die
Linie. Ohne geglänzt zu haben, lag der FCC zur Pause mit scheinbar
beruhigenden zwei Toren in Front. Wann hatte es dies zuletzt gegeben ?
Der Schuss von Florian Meyer, einem der Besten in den Reihen
der Holsteiner, nur zwei Minuten nach dem Wechsel sollte sich als Kieler
Strohfeuer erweisen. Mit "Schüsschen, Eckbällchen und Freistößchen"
(O-Ton Christian Wück) war den Jenaern nicht beizukommen. Und so
lehnte der Gästecoach phasenweise selbst resigniert an der
Trainerbank. Während das Dutzend Gästefans, welches aufgrund des
Nachholtermins die weite Strecke womöglich zum zweiten Mal
innerhalb weniger Tage auf sich genommen hatte, eine nun deutlich überlegene
Jenaer Elf zu sehen bekam. Welch tolle Aktion war das zum Beispiel in Minute
62, als Orlando gleich zwei Gegenspieler düpierte und eine feine
Vorlage für Hähnge zustande brachte. Der schoss sofort aus
der Drehung und zwang Frech zu einer spektakulären Parade. Drei
Minuten später wurden die Rollen getauscht. Hähnge spielte
den Vorbereiter für Orlando, welcher sich hinterher maßlos ärgerte,
in dieser Szene den Ball am langen Pfosten vorbei geschoben zu haben. Ein Happy
End gab es dennoch für beide, denn nach Orlando in Hälfte
eins kam auch Sebastian Hähnge noch zu Torehren. Sein Antritt ab Mitte
der gegnerischen Hälfte, das Täuschungsmanöver, dann
der Schuss mit dem linken Außenrist aus 18 Metern genau ins
Dreiangel war nach Meinung aller das
schönste Tor des Tages. Mit solchen Aktionen lässt Jenas Stürmer
auch seine letzten Kritiker auf den Rängen für hoffentlich längere
Zeit verstummen.
Dem Schiri saßen mit zunehmender Spielzeit die Karten allzu locker. Das mit Gelb geahndete Foul von Jürgensen kurz vor
Schluss war genauso wenig verwarnungswürdig wie das von Carsten Sträßer
eine halbe Stunde zuvor. Für den Jenaer war es die fünfte
Gelbe in dieser Saison, für den Kieler die zweite im Match. Als
Konsequenz müssen beide beim nächsten Mal zuschauen.
Drei Punkte zum 50. - wer Mannschaftsleiter Uwe Dern kennt,
der weiß, dass ihm die Mannschaft kein schöneres
Geburtstagsgeschenk hätte bereiten können. Auch von
dieser Stelle aus herzlichen Glückwunsch, Uwe und alles Gute fürs nächste
halbe Jahrhundert ! <fc>
FC Carl Zeiss Jena - VfL Osnabrück 1:1
Tore: 0:1 Barletta (72.,HE), 1:1 Nulle (90.+2)
- Jena: Nulle; Sträßer, Lanzaat, Lukimya, Nagy; Gardawski, Kühne, R.Schmidt (82.Kolb),
Benyamina; Hähnge, Orlando
- Osnabrück: Berbig; Engel, Barletta, Nickenig (

, 75.),
Tauer; Pinheiro, Heidrich (61.Schmidt); Siegert, Lejan (64.Grieneinsen), Kotuljac (76.Stang), Lindemann
- Zuschauer: 5694
- Schiedsrichter: Thomsen (Kleve)
- Spielbericht
-
Der FCC empfing den Spitzenreiter Osnabrück, Weiß gegen Schwarz (nach den Trikotfarben), wie beim Schach. Und in den ersten
45 Minuten boten beide Mannschaften auch gepflegtes Rasenschach - taktisch diszipliniert, vorsichtig, unbedingt ein Gegentor vermeiden
wollend, ohne große Aufregungen. Der FCC wählte dabei - trotz Doppelspitze mit zwei offensiven Außenbahnen - eine
geschlossene Eröffnung, die auch den gewünschten Erfolg brachte. Aus einer sicheren Abwehr heraus suchte man mit gepflegten
Pässen den Mitspieler und ließ dem Ligaspitzenreiter - der eigentlich im gesamten Spiel seine Auswärtsschwäche
bewies - im Mittelfeld keinen Raum für den eigenen Aufbau. Die einzigen Ausnahmen bildeten die 35. und die 39. Minute: Nach einem
misslungen Tackling Nagys starteten die Gäste einen schnellen Angriff über rechts, in dessen Ergebnis Pinheiro an die Latte
des Jenaer Tores köpfte. Der FCC "revanchierte" sich nach einer Ecke, als Lanzaats Kopfball von einem Osnabrücker noch am Tor
vorbeigelenkt werden konnte. Trotzdem war der FCC im Vergleich zu den vorigen Heimspielen nicht wiederzuerkennen. Es waren die kleinen
Ungenauigkeiten, die Zählbares für den FCC verhinderten, obwohl man mit kleinen Nadelstichen den Favoriten einige Male ärgern
konnte. Dabei rückte Orlando in den Mittelpunkt: Entweder er stand im Abseits (20., 21. min) oder der Ball wurde auf dem
nassen Rasen zu schnell (22.) oder er war einfach zu überrascht, als ihm am langen Pfosten der Ball vor die Füße
fiel (30.). Positiv fiel das gute Zusammenspiel zwischen Hähnge und Gardawski auf. Nicht zu übersehen war bereits in der
erste Halbzeit die Unart der Gäste, bei Ballverlust am Boden liegen zu bleiben - gegen Ende des Spiels wurde diese Theatralik
durch Bodenpirouetten und Schmerzensschreie ergänzt - und auf das Wohlwollen des Referees zu hoffen.
Die Spieler des FCC hatten dann gemerkt, dass heute mehr drin war als nur eine Schadensbegrenzung und so startete man nach der Pause
deutlich offensiver. Vor allem Benyamina, der vor der Pause etliche Fehlabspiele bot, zeigte sein Stürmerblut. So in der 48. min
als er den Verteidiger mit einem Haken alt aussehen ließ und den Ball an die Lattenunterkante hämmerte. Den zurückspringen
Ball konnte Schmidt leider nicht mehr ins Tor drücken. Dann versuchte es Orlando über links, scheiterte jedoch am Verteidiger (53.).
Benyamina testete Berbigs Reflexe mit einem Schuss aus etwa 8 Metern Entfernung (56.), bevor Orlando kurz danach mit einem Sprint mit Ball
drei Osnabrücker in Verlegenheit brachte. Diese lösten das Problem mit einem Foul kurz vor der Strafraumgrenze, dass Schiedsrichter
Thomsen jedoch nur mit "Gelb" ahndete. "Rot" wegen Notbremse wäre die richtige Entscheidung gewesen! Den Freistoß selbst vergab
Orlando kläglich, in dem er ihn gefühlvoll mitten in die Mauer setzte. Einige Minuten später zeigte sich Orlando zu
egoistisch, als er lieber allein einen Schuss versuchte, anstatt den besser stehenden Gardawski mit einem Steilpass zu bedienen.
Der
FCC hatte den VfL in fester Umklammerung und ein Tor schien nur eine Frage der Zeit zu sein. Das fiel dann auch in der 72. min per
Foulstrafstoß: Nach einer Ecke versuchte sich Orlando so deutlich als Handballer, dass der Referee gar nichts anderes als
Elfmeter entscheiden konnte. 1:0 für Osnabrück - das Spiel nach der Pause war auf den Kopf gestellt! Der FCC ruckte noch
einmal an, alle knieten sich mit doppeltem Eifer rein, Orlando warf sich in einen Abschlag Berbigs und so ergab sich für Hähnge
die Chance, mit Ball am Fuß in den Strafraum einzudringen. Wieder kam die Notbremse zum Einsatz, gefühlt auf der
Strafraumgrenze - aber anstatt Strafstoß und Feldverweis entschied Thomsen, der von dieser Szene an völlig den Überblick
verlor, auf Freistoß und gab Nickenig nur "Gelb" (75.)! Lediglich die Tatsache, dass es bereits dessen zweite Verwarnung war,
beförderte ihn vom Feld. Der Freistoß brachte nichts ein (diesmal versuchte sich Nagy), aber von da an brannte die Luft im
Stadion. Die Gäste versuchten mit langen Bällen nach vorn und übelsten Schauspieleinlagen die den Vorsprung über
die Zeit zu retten, der FCC rannte mit aller Macht an. Der Schiedsrichter - bis zur 75. min zwar kleinlich, aber dies auf beiden
Seiten - verteilte nun munter Freistöße für die Gäste und Verwarnungen an Schmidt, Sträßer und
Lukimya für Peanuts und animierte so das Publikum. Der FCC schien sich vergeblich zu bemühen, entweder das Außennetz
(Orlando, 86.) oder Berbig (gegen Gardawski, 87.) waren jeweils Endstation. Nulle verhinderte zwischenzeitlich bei einem VfL-Konter
das entscheidende 0:2, als er einen Schuss aus Nahdistanz parierte. Schlussminute, Eckball für Jena, Nulle ging mit vor - nichts.
Nachspielzeit, weiterer Eckball für den FCC, wieder war Nulle vorn. Gardawski tritt die Ecke und aus der Ansammlung von 22 Spielern
schraubte sich ein gelbes Trikot einen gefühlten halben Meter über den Rest der Meute und köpfte in bester Stürmermanier
unhaltbar zum Ausgleich ein! Nulle als Torschütze - er lässt in dieser Saison wirklich nichts aus!!!
Vor dem Spiel wären viele sicher mit einem Punkt gegen den Spitzenreiter zufrieden gewesen, nach dem Abpfiff haderte
man ein klein wenig mit den vergebenen zwei Punkten. In jedem Fall bot der FCC die beste Heimleistung seit einem halben Jahr und
wusste endlich auch einmal spielerisch zu überzeugen. <uk>
Fotos von Jens Weißenburger
"Unglaubliches Spiel in Jena" - der Bericht auf vfl.de
FC Carl Zeiss Jena - FC Erzgebirge Aue 1:0
Tore: 1:0 Hähnge (88.)
- Jena: Nulle; Sträßer, Wuttke, Lanzaat Nagy; Gardawski (75. Benyamina), Kühne,
R. Schmidt, Kolb (65. Amrhein); Orlando (90.+3 Truckenbrodt), Hähnge
- Aue: Männel; Klingbeil, Kos, Paulus, le Beau; Stark, Hensel,
Curri (46. Klotz), Hochscheidt (78. Müller); Ramaj, Braham (70. Glasner)
- Zuschauer: 7206
- Schiedsrichter: Valentin (Taufkirchen)
- Spielbericht
-
Derbyzeit in Jena. Innerhalb weniger Tage haben die Männer um René van Eck zwei eminent wichtige Derbys vor der Brust.
Am heutigen Tag kamen die Veilchen aus Aue ins Jenaer Rund und bereits am Donnerstag geht die Reise des FCC zum 40 km entfernten
Nachbarn aus Thüringen. Aber da die letzten Derbys der Jenaer alles andere als erfolgreich waren, so sollte heute unbedingt ein Sieg gelingen.
Die Platzherren waren auch sofort bemüht, das Zepter des Handelns in die Hand zu nehmen. Bereits nach fünf Minuten die erste Chance
für den FCC durch Hähnge, doch leider verfehlte er mit seinem Schuss aus der Drehung das Tor nur knapp. Wenig später erneut
eine gute Möglichkeit für den Jenaer Stürmer, aber nach Flanke von Schmidt stand er zwar goldrichtig, traf aber er den Ball
nicht richtig. Die Gäste versteckten sich keinesfalls und kamen in der achten Minute zu ihrer ersten Chance. Einen hoch getretenen
Freistoss verpassten alle Spieler im Strafraum, so dass der Ball an Freund und Feind vorbei zischte und um Zentimeter das Tor verfehlte.
Ein Kopfball vom völlig freistehenden Najeh Braham (18.) hätte die Führung der Auer bedeuten können, denn auch hier
fehlte nur wenig. Trotz der noch immer torlosen Begegnung sahen die 7200 Zuschauer eine hart umkämpfte Partie, bei der sich beide
Teams keinen Zentimeter des Rasens schenkten. Nach gut einer halben Stunde (32.) dann der schönste Spielzug der Platzherren bis
dato. Schmidt hatte mit einem Steilpass auf Hähnge gepasst, der aber zu lange brauchte, den Ball unter Kontrolle zu bringen -
Querpass auf unseren Neuzugang Gardawski, der zum kurzen Sololauf ansetzte, seinen Gegenspieler umkurvte und mit einem mustergültigen
Querpass vors Tor auf Orlando passte. Die meisten Fans hatten bereits den Jubelschrei auf den Lippen angesichts dieser 100% Torchance,
doch Orlando brachte das Kunststück fertig, den Ball aus Nahdistanz Gästekeeper Männel vor die Brust zu schießen.
Auch nach der Pause das gleiche Spiel. Beide Teams fighteten um jeden Ball und die ein oder andere Gelbe Karte blieb nun auch nicht mehr
aus. Zum Ärger der Jenaer traf es auch Tim Wuttke, dem nun durch seine fünfte Karte nur die Rolle des Zuschauers beim Thüringenderby
bleibt. Die erste nennenswerte Möglichkeit der zweiten Halbzeit gehörte den Gästen, doch Nulle konnte einen gefährlichen
Flachschuss von Hochscheidt zur Seite klären. Drei Minuten später hätte Braham erneut für die Führung der Veilchen
sorgen können, doch glücklicherweise konnte er aus Nahdistanz seine Chance nicht nutzen. Schnell ausgeführter Gegenzug der
Jenaer mit einem schönen Steilpass auf Hähnge, der von halb links aufs Gästetor zustürmte. Es folgte ein kurzer Schwenk
nach rechts und anstatt nun sofort zu abzudrücken, entschied er sich erneut für einen Schwenk diesmal nach links, wodurch er sich
selber den Winkel zum Tor so verkürzte, dass sein anschließender Schuss für Männel keine Gefahr mehr darstellte. Der
Druck der Jenaer Mannschaft nahm nun stetig zu und der FCC drehte sein Eckenkonto nach oben. Nur leider wollte noch immer kein Tor gelingen.
Beim 13. Eckball! der Thüringer hätte es dann fast geklappt, doch leider verfehlte Wuttke mit seinem wuchtigen Kopfball nur ganz
knapp das Tor. Zehn Minuten vor Ultimo sorgte die mittlerweile 15. Ecke der Jenaer (Endstand 17:3) erneut für große Gefahr im
Strafraum der Gäste, doch Ramaj konnte den Kopfball vom eingewechselten Benyamina noch auf der Torlinie klären. Die letzten
Minuten plätscherten so dahin und beide Teams hatten sich eigentlich schon mit einem Unentschieden abgefunden. Doch es gab in der
88. Minute noch einmal Freistoß für den FCC. Nagy flanke platziert nach innen und dort schraubte sich Hähnge am höchsten
und traf per Hinterkopf zum viel umjubelten Führungstreffer. Die Auer warfen in den wenigen verbliebenen Minuten noch einmal alles nach
vorn, doch die Jenaer ließen sich am heutigen Tage diesen hoch verdienten Sieg nicht mehr nehmen.
Nach derben Pleiten in den letzten großen Derbys ist es dem FCC endlich mal wieder gelungen, ein so wichtiges Prestigeduell
zu seinen Gunsten zu entscheiden. Nun gilt es die Kräfte zu bündeln, um beim zweiten Traditionsduell am kommenden Donnerstag
erneut als Sieger den Platz zu verlassen. <vg>
FC Carl Zeiss Jena - SV Sandhausen 0:1
Tore: 0:1 Dorn (44.)
- Jena: Nulle; Sträßer, Lanzaat (53. Eckardt), R. Schmidt;
Wuttke, Truckenbrod, Ziegner (87. Kühne), Orlando (75. Mayombo);
Kolb, Hähnge
- Sandhausen: Kirschbaum; Bindnagel, Tausenpfund, Glibo, Mintzel;
Pinto (90. Throm), Hillenbrand, Jungwirth, Schauerte (74. Öztürk);
Cenci, Dorn (90. Hosiner)
- Zuschauer: 5513
- Schiedsrichter: Dr. Kunzmann (Bad Hersfeld)
- Spielbericht
-
"Meine Spieler sind so heiß im Training, dass ich
Angst hatte, der Rasen könne verbrennen." - Sprüche wie
dieser von René van Eck wecken nach dem Jahreswechsel Erwartungen, die
vielleicht ein paar Zuschauer mehr ins winterkalte Stadion locken, dann aber auch
erfüllt werden wollen. Im Falle eines Misserfolgs nämlich können
einem die Zitate auch buchstäblich um die Ohren fliegen.
Den Auftakt dieses Nachholspiels bildete ein Kopfball des
aufgerückten Lukimya-Mulongoti nach Freistoß Ziegners. Gäste-Torwart
Kirschbaum zeigte sich auf dem Posten (3.). Ansonsten war es ein gemächlicher
Beginn, zu dem die Theatralik nicht passen wollte, mit der sich die
Sandhausener Spieler jedes Mal auch nach harmlosen Fouls auf dem Rasen wälzten.
Das nahm ein Ende, als sie die erste Gelbe Karte des Spiels für Wuttke
provoziert hatten. Am Schiedsrichtergespann allerdings sollten sich im Laufe
der Partie noch häufiger die Gemüter erhitzen.
Sportlich tat sich zunächst wenig und wenn, dann
in der Gästehälfte. Nach siebzehn Spielminuten
spielte Ziegner schön in den Lauf des überraschend in die
Anfangself gerückten Kolb. Dieser flankte von der rechten Seite vors
Tor, wo Hähnge zunächst einen Schritt zu spät kam.
Der von links heranbrausende Orlando kam zwar noch zum Schuss, mehr als ein
Eckball sprang aus spitzem Winkel jedoch nicht heraus. Szenenapplaus gab es für
Carsten Sträßer sieben Minuten später, als er einen
schon verloren scheinenden Ball zurück eroberte. Hier bekam man einmal
einen Ahnung von dem, was van Eck gemeint haben könnte. Doch die Regel
war das leider nicht. Wie oft musste ein Spieler den Einwurf bis zum letzten
Moment hinauszögern, weil die eigenen Mannschaftskameraden bei ihren
Gegenspielern stehen blieben anstatt sich frei zu laufen ! Orlandos nächste
Aktion - nach energischem Antritt übersah der Holländer den
freistehenden Landsmann Lanzaat am Elfmeterpunkt - war Jenas letzte Gelegenheit
vor der Pause. Und die Gäste ? Erspielten sich ihre erste Chance eine
Minute vor dem Halbzeitpfiff. Einen mit dem Kopf verlängerten Ball
nimmt Neuzugang Cenci gekonnt mit der Brust an, leitet ihn sauber mit der Hacke
weiter und bringt Sturmpartner Dorn damit in eine vorzügliche
Schussposition. Dieser Regis Dorn ist viel zu sehr Torjäger, um sich
solch eine Gelegenheit entgehen zu lassen. Gegen seinen Schuss ins lange Eck
hat Nulle nicht die Spur einer Chance. Mit der einzigen Möglichkeit in
45 Minuten die Führung zu erzielen - mehr an Effizienz geht nicht. Es war übrigens
kein Konterzug, als welcher dieser Angriff vonseiten unseres
Trainer bezeichnet wurde. Jenas Defensive durfte sich in aller Ruhe formieren
und stand mit sieben gegen zwei Mann im eigenen Strafraum.
Quido Lanzaat hatte beim Gegentor etwas abbekommen, wollte
sich aber durchbeißen und kam mit aus der Kabine. Um ein Haar wäre
ihm in der 51. Minute der Ausgleichstreffer geglückt. Nach Foul an
Kolb führte Ziegner einen Freistoß fünf Meter vorm
rechten Strafraumeck aus. Den hohen Ball erwischte Lanzaat unter Bedrängnis
mit dem Kopf, drückte ihn von der Torraumgrenze aus Richtung Gästegehäuse,
doch Kirchbaum lenkte das Leder mit starkem Reflex zu Ecke. Gleich danach war
Schluss für den auch gelbbelasteten Innenverteidiger. Wuttke nahm
dessen Position ein, Eckardt kam neu ins Mittelfeld. Beim Doppelpass mit Hähnge
führte sich Eckardt gut ein und weckte als Einwechsler Hoffnungen, die
(nicht nur) sein Trainer nach dem Spiel als unerfüllt ansah. Gleiches
gilt auch für Mayombo, dem jedoch rund eine Viertelstunde vor Schluss
ein Elfmeter hätte zugesprochen werden müssen. Gegenspieler
Tausendpfund hatte Jenas Stürmer von den Beinen geholt, Dr. Kunzmann
entschied auf Weiterspielen. Diese Szene lag inmitten einer kurzen Drangperiode
mit zwei hochwertigen Chancen für Sebastian Hähnge. Beim
Kopfball in Minute 73 fehlte neben dem Druck auch die Präzision, da
Kirchbaum sich nicht vom Fleck bewegen musste, um zu parieren. Doch fünf
Minuten darauf hätte auch Sandhausens Schlussmann den Ausgleich nicht
verhindern können, wenn Hähnges Kopfball nach Ziegners Ecke
ins Netz statt nur ans Lattenkreuz geflogen wäre. Welch ein Pech.
Doch weder strittige Schiedsrichterentscheidungen noch
Aluminiumtreffer dürfen darüber hinwegtäuschen, dass
die Jenaer Spieler allzu viel schuldig blieben von dem, was man von ihnen nach
der Winterpause erwarten durfte. Gefahr strahlten sie nur bei
Standartsituationen aus. Zu statisch wirkten sie im Spielaufbau, sodass das grüne
Geläuf lediglich von der Rasenheizung auf Temperatur gehalten
wurde. Die Gäste, von denen man ein Hintenreinstellen nach der Pause
vermutete, konnten wahrscheinlich irgendwann nicht mehr anders, als auf eigene
Faust die Entscheidung zu suchen. Beim
Kopfball von Tausendpfund und Schüssen des eingewechselten Öztürk
boten sich Gelegenheiten dazu. Ihr knapper Vorsprung geriet während
der Schlussminuten nicht weiter in Gefahr. Stattdessen bettelte Torsten Ziegner
um seine fünfte Gelbe Karte, indem er auch nach zweimaligem Zurückweisen
beim Schiri immer noch weiter meckerte. Und den Karton letztlich
bekam.
In einem Spiel, das eigentlich keinen Sieger verdient, kann
eine einzige geniale Idee während neunzig Minuten entscheidend sein.
Cencis Hackentrick war solch eine Idee. Den Jenaer Spielern hingegen ist es nicht
gelungen, ihren so hoch gelobten Trainingsfleiß ins erste Punktspiel
des Jahres 2010 zu transportieren. <fc>
SV Wehen Wiesbaden - FC Carl Zeiss Jena 1:1
Tore: 1:0 Schönheim (72.), 1:1 Hähnge (77.)
- Wehen: Domaschke; Hollmann, Gehring, Schönheim, Weigelt;
Ziegenbein (90.+1 Bohl), Reinert, Hübner, Öztürk; Ziemer
(82. Stroh-Engel), Boskovic (88. Kunert)
- Jena: Nulle; Sträßer, Lanzaat, Lukimya, R. Schmidt
(76. Nagy); Kühne (14. Amrhein), Truckenbrod (90.+1 Mayombo), Ziegner;
Wuttke, Hähnge, Orlando
- Zuschauer: 3386
- Schiedsrichter: Beitinger (Regensburg)
- Spielbericht
- Weniger die sportliche als vielmehr die wirtschaftliche Situation geriet in dieser
Woche in den Mittelpunkt des öffentlichen Interesses. Die Nachricht, dass sich
die Liquiditätslücke während der letzten Wochen nochmals kräftig auf
947.000 Euro vergrößert hat und nun im Rahmen eines Sanierungskonzepts umfassende
DFB-Auflagen zu erfüllen sind, sorgt für Gesprächsstoff unter den
Kernbergen und darüber hinaus.
Die Spieler können in solch einer Situation nichts weiter tun als bestmöglich
ihren Job zu erledigen. Könnte es doch sein, dass jeder von ihnen errungene Punkt
in der Endabrechnung noch von Bedeutung sein wird.
Beide Teams bemühten sich
vom Anpfiff weg um Offensivaktionen, wobei ihnen dabei die Genauigkeit im
Zusammenspiel abging. So verging eine Viertelstunde bis zur ersten
Torgelegenheit, einem Schuss des freistehenden Boskovic genau auf
unseren Schlussmann. Zu dieser Zeit hatte Trainer van Eck bereits das erste Mal
wechseln müssen, da Stefan Kühne nach einem Zweikampf in der eigenen Hälfte
mit einer Knieverletzung vom Platz musste. Tim Wuttke hat in dieser Saison
schon fast alles gespielt, vom Innenverteidiger bis zur hängenden Spitze auf
Außen - entsprechend reibunsglos ging nach der Hereinnahme Amrheins sein Wechsel auf die Kühne-Position vonstatten.
Geschickt verlagerten er und seine Nebenleute die Positionen hin zum
ballführenden Gegenspieler. Die häufiger in Ballbesitz befindlichen Gastgeber fanden
dagegen lange Zeit kein Mittel. Es bedurfte eines direkt geschossenen
Freistoßes, um Carsten Nulle nach 31 Minuten das zweite Mal zu fordern.
Dessen Gegenüber hatte zu diesem Zeitpunkt noch keinen einzigen Ball
halten müssen.
Doch mit einem Mal, ab Minute 38 veränderte sich die Szenerie. Schön freigespielt steht Sebastian Hähnge frei vor Eric Domaschke - und scheitert am
herauslaufenden Keeper. Eine Minute später schießt der bis dahin noch
gar nicht zur Geltung gekommene Orlando aus vollem Lauf über die Querlatte und
nochmals 60 Sekunden darauf Hähnge flach aufs Tor. Die größte Gelegenheit vor
der Pause aber bietet sich in Minute 43. Freistoß, knapp 30 Meter Torentfernung,
halbrechte Position. Orlando steht zur Ausführung bereit, so als wolle er
zum zweiten Mal das Tor des Monats gegen den selben Kontrahenten erzielen. Doch nicht
er sondern Ziegner führt den Freistoß aus. Domaschke lässt prallen, zum
aufgerückten Assani Lukimya, der jedoch aus bester Position vergibt.
Freistoßschütze Torsten Ziegner hatte sich zu diesem Zeitpunkt bereits eine Gelbe Karte abgeholt. Nur gut, dass sich seine Verwarnung von voriger
Woche als Falschmeldung herausgestellt hatte. Sonst wäre es jetzt die 5.
gewesen und Ziegner hätte gegen Sandhausen ersetzt werden müssen.
Selbst wenn er zuletzt auswärts eher zu überzeugen wusste als in Heimspielen.
Apropos Trainer, wie hatte René van Eck vor dem Spiel prophezeit ? Viele
Chancen wird es in Wiesbaden nicht geben. Deshalb müssen diese konsequent
genutzt werden. Genau das hatten seine Jungs vor der Pause versäumt, weshalb
es mit Spielstand 0:0 in die zweite Halbzeit ging. Hier zeigte sich
Nulle bei einem Schuss von Reinert gleich wieder auf dem Posten (49.).
Das Spiel des SVW, dessen Hauptsponsor mit Wasser-Technologie seinen Umsatz
macht, lief nun etwas flüssiger. Jenaer Konter besaßen Seltenheitswert,
in Minute 64 war es wieder mal soweit. Hähnge auf der rechten Seite fehlte
jedoch sein Anspielpartner im Zentrum, weil Hübner dem losspurtenden
Orlando in die Hacken getreten war, ohne dass dies der Referee geahndet hätte.
Jenas Hintermannschaft stand weiterhin sicher, geriet meist nur durch
Standartsituationen in Gefahr. Weigelts Freistoß aus fast dreißig Metern
hob Nulle in großem Stil über die Torlatte (65.). Und dann gab es da noch die Eckstöße.
Es mag der sechste oder siebente gewesen sein in Minute 72 - Jenas
Elf hatte sich wie immer komplett im eigenen Strafraum versammelt.
Zunächst gelang es, den Eckball nach vorn abzuwehren. Doch genau an der
Grenze zum Sechzehner stand Fabian Schönheim, welcher den als
Befreiungsschlag gedachten Ball dreisterweise als Vorlage ansah und direkt
ins rechte untere Eck traf.
Die seit sieben Spielen daheim ungeschlagenen Gastgeber führen 1:0 und nicht mal mehr zwanzig Minuten sind noch zu spielen. So manch einer
mit Blau-Gelb-Weiß im Herzen wird hinterher zugeben, er hätte nicht mehr an einen
Punktgewinn geglaubt. Doch Jenas Routiniers auf dem Spielfeld sehen das
anders. Torsten Ziegner hebt einen Ball vor in den Sechzehner auf Sebastian
Hähnge, der mit langem Bein zunächst dafür sorgt, dass das Leder
nicht ins Toraus verspringt. Danach tunnelt er Domaschke im zweiten Versuch und
vollendet überlegt mit halbhohem Schuss über zwei grätschende Verteidiger
hinweg ins Netz. Jubel im gut gefüllten Gästeblock direkt dahinter. Obwohl es
wie die meiste Zeit zuvor nun wieder unentschieden steht, scheint der Ausgleichstreffer
noch einmal richtig das Feuer anzufachen. Nicht nur auf den Rängen, auch bei
den blau-gelb gekleideten Spielern. Ein Torsten Ziegner erobert erst den
Ball, lässt ihn dann zu weit wegspringen, verliert ihn dadurch wieder und
hüpft vor Ärger darüber wie Rumpelstilzchen auf dem grünen Rasen. Jenas
Spieler wollen drei Punkte, das ist zu spüren. Doch die geniale Idee,
mit der der Willen in die Tat umzusetzen wäre, kommt ihnen an diesem Tag nicht
mehr. Stattdessen besitzen sie bei Schönheims Chance in der 87.
Minute sogar noch Glück, am Ende nicht mit leeren Händen
da zu stehen. Dass beide Trainer in der Nachspielzeit noch je
einen frischen Spieler für gerade mal fünfzehn Sekunden aufs Feld schicken, zeigt an, dass alle
mit dem Punkt leben können. Auf Jenaer Seite wird er sogar wie
ein Sieg gefeiert.
Mag es in der spielerisch-taktischen Umsetzung noch etliche Reserven geben,
kämpferisch war's allemal in Ordnung. Zumindest vom Sportlichen her scheint
das Schlimmste erst einmal überwunden. <fc>
VfB Stuttgart II - FC Carl Zeiss Jena 0:1
Tore: 0:1 Orlando (68.)
- Stuttgart: Stolz; Schimmel, Pischorn, Vier, Enderle; Didavi, Funk,
Vecchione (83. Pala), Hertner (79. Riedle); Schipplock, Fischer (58. Walch)
- Jena: Nulle; Sträßer, Lanzaat, Lukimya, R. Schmidt;
Kühne, Truckenbrod (62. Amrhein), Ziegner, Wuttke; Hähnge
(85. Mayombo), Orlando (90. A. Schmidt)
- Zuschauer: 680
- Schiedsrichter: Dingert (Thallichtenberg)
- Spielbericht
- Im fünften Spiel gegen Stuttgart II gelang das zweite Tor. Dieses brachte, da der FCC im Gegensatz zu den sonst üblichen
dreieinhalb Gegentreffern pro Stuttgart-Spiel den Gastgebern keinen Treffer gönnte,
drei Punkte ein.
Nach 13 Sekunden hätte der Abend bereits
einen schlechten Verlauf nehmen können, als Nulle das erste Schüsschen
prallen ließ, der Stuttgarter den Nachschuss jedoch nicht am Jenaer
Torwart vorbeibrachte. Nach 5 Spielminuten brannte es erneut lichterloh vor
Nulles Kasten, als ein Angreifer eine Eingabe um Haaresbreite verfehlte. Die
einzig erwähnenswerte Situation des Jenaer Angriffsspiels war ein
Schuss Wuttkes nach einer Ecke aus 20 Metern in die zweite Etage des kalten
Stuttgarter Abendhimmels (9. min). Ansonsten sah sich Jenas einziger Stürmer
Hähnge immer von einer erdrückenden weißen Abwehrübermacht
umgeben, gegen die alle Dribblings nichts fruchteten. Die Unterstützung
der Mitspieler war nicht gegeben, da z. B. Orlando sich im Hinfallen und
Abseitsstehen übte. Die Jenaer Harmlosigkeit wurde in der 19. min
perfekt demonstriert, als man auf Höhe des Stuttgarter Strafraums
einen Einwurf hatte und den Ball innerhalb von fünf Sekunden
zielsicher zurück zu Nulle brachte. Da Stuttgart außer einem
Schuss am langen Eck vorbei (35.) auch nichts weiter zustande brachte, ging es
nach einer langweiligen Halbzeit torlos in die Kabinen.
Nach Wiederanpfiff änderte sich das Bild.
Der FCC hatte sofort eine Ecke, die aber gefahrlos in einem schnellen Konter
der Gastgeber mündete und uns wie schon zu Beginn der ersten Halbzeit
beinahe ein Gegentor beschert hätte. In der 52. min schirmte Lukimya
den Ball gegen einen Angreifer ab, Nulle sorgte aber für kurzes
Herzflattern, da er den Ball erst im zweiten Zupacken sicher hatte. Die Partie
wurde nun deutlich besser. Ursachen waren nicht nur die jetzt deutlich gefälligeren
Spielzüge der Stuttgarter, sondern auch die Leistungssteigerung
etlicher Jenaer Spieler. So präsentierte sich Schmidt deutlich
selbstbewusster und auch offensiver als vor der Pause, und Ziegner zog immer
aktiver die Fäden im Jenaer Mittelfeld. Doch wieder waren es die
Gastgeber, die kurz vorm Führungstreffer standen, als Schipplock nach
einem langen Pass Lanzaat einfach überlief und Nulle im wahrsten Sinne
Kopf und Kragen riskieren musste. Dafür bekam er eine dreiminütige
Behandlungspause auf dem Rasen. In der 58. Spielminute hatte der FCC seine
erste Torchance: Orlando vernaschte
links seinen Gegenspieler, passte flach in die Mitte, aber Hähnge
setzte den Direktschuss leider übers Tor. Zwei Minuten danach stand
Nulle wieder im Brennpunkt, als er einen Fernschuss Schipplocks über
die Querlatte lenken konnte.
Eine entscheidende Veränderung brachte
die Einwechslung Amrheins für Truckenbrod. Amrhein ging auf die linke
Außenbahn, Orlando wechselte nach rechts und Wuttke rückte
auf die defensive Mittelfeldposition. Damit war Hähnge nicht mehr ganz
allein in der Stuttgarter Hälfte und obwohl sich neben ihm zumeist nur
Amrhein, Orlando und Ziegner in die gegnerische Hälfte getrauten, kam
deutlich mehr Offensivleben ins Jenaer Spiel. Und nur wenige Minuten später,
nach einem zwischenzeitlich weiteren Kapitel des Duells Schipplock vs. Nulle
(66., letzterer klärte zur Ecke), gab es den verdienten Lohn: Hähnge
bekommt in der Mitte kurz hinterm Mittelkreis den Ball, sieht rechts außen
den startenden Orlando, passt die Spielkugel maßgenau hinüber,
Jenas Nummer 10 setzt sich mit einem eleganten Haken gegen den Verteidiger
durch und ballert aus spitzem Winkel ins lange Eck. 1:0!!! Nicht nur der Gästeblock,
auch im sogenannten Heimbereich flippte ein gutes Drittel der Besucher aus.
Drei Minuten später verhinderte das Gebälk des Stuttgarter Tores
Hähnges Nominierung für das "Tor des Monats": Der Jenaer Stürmer
ignorierte die beiden Stuttgarter und zog aus der Drehung vom rechten
Strafraumeck ab. Stolz, der VfB-Keeper, schaute bewundernd dem Ball, den er
sowieso nie und nimmer erwischt hätte, hinterher und ihm dürfte
einige Tonnen Gestein vom Herzen gefallen sein, dass ihm sein Torpfosten
hilfreich zur Seite stand. Bis zur 88. min versuchte Stuttgarts Zweite mit viel
Energie, jedoch ohne Ideen, Jenas Bollwerk zu knacken, Angstperlen trieb dies
aber nicht einmal den sonst aus Prinzip vorm Gegentor zitternden FCC-Fans auf
die Stirn. In jener 88. min kamen zwei Angreifer doch einmal fast in der Mitte
durch, Nr. 1 nahm jedoch der schussbereiten Nr. 2 den Ball vom Fuß.
Einer von beiden, ob Nr. 1 oder 2 ist egal, sank zu Boden (Nase voll?) und der
Referee pfiff zum Entsetzen der Jenaer und zur Verwunderung der Stuttgarter
Zuschauer und zeigte auf den Elfmeterpunkt. Nulle korrigierte den Fehler des
Referees, wehrte den Schuss ins linke untere Eck ab und schubste den
wegspringenden Ball vorm nachsetzenden Schützen zur Seite. Die
verbleibende Zeit inklusive der vier Nachspielminuten überstand der
FCC ziemlich problemlos, auch weil sich van Eck daran erinnerte, dass man
dreimal pro Spiel auswechseln darf und dies immer ein paar Sekunden schindet. Und
so hatten wir endlich, nach einem Vierteljahr (Kiel!!!), wieder einmal eine
Heimfahrt, auf der man sich mit Freude an das erlebte Spiel erinnerte.
<uk>
Spielbericht auf der Stuttgarter Homepage
Fotos auf fanclub-family.de
FC Carl Zeiss Jena - Wuppertaler SV 1:0
Tore: 1:0 Hähnge (43.)
- Jena: Nulle; Sträßer, Lanzaat, Lukimya,
R. Schmidt (46. Wuttke); Kühne, Truckenbrod (78. Mayombo), Ziegner,
Amrhein (88. Nagy); Hähnge, Orlando
- Wuppertal: Maly (
, 6.);
Neunaber, Neppe (76. Altin), Lorenz, Schauml;fer; Müller, Weikl
(79. Bernhardt), Fischer, Celikovic; Formento (6. Karagiannis), Damm
- Zuschauer: 5076
- Schiedsrichter: Schriever (Dorum)
- Spielbericht
- Wie gewohnt konnte man sich auch im Vorfeld dieses Spiels nicht
über mangelnde Unruhe im Umfeld des FC Carl Zeiss Jena beschweren, in
der Woche vor dem Spiel wurde mit Hartmut Beyer der neue Präsident
vorgestellt, der dann auch gleich die Kündigung für Salvatore
Amirante zurückzog und diesem so formal die Rückkehr in die
erste Mannschaft ermöglichte - der Italiener meldete sich aber zunächst
krank und blieb Training und Spiel fern. Die personelle Situation hatte sich
dennoch etwas entspannt, denn mit Sebastian Hähnge war zumindest eine
der Stützen der Jenaer Elf wieder in der Anfangself zu finden. Das
bestimmende Thema im Vorfeld war aber naturgemäß der Freitod
von Robert Enke, der seine Karriere ja in Jena begann und der auch bis zuletzt
noch den Kontakt in seine Heimat gehalten hat. Wie praktisch alle Außenstehenden
traf die Nachricht vom Selbstmord Enkes auch seine Freunde in Jena
unvorbereitet, der Schock über die nur schwierig nachvollziehbare
Entscheidung des erfolgreichen Torhüters saß auch in Jena
entsprechend tief.
Das Spiel begann dann auch mit einer Schweigeminute für
den achtfachen Nationalspieler, bei der manchem Besucher die eine oder andere
Träne über die Wange rollte. Die ersten Minuten des Spiels
hatten dann auch irgendwie den Anschein, als ob die 22 Akteure nicht ganz bei
der Sache wären. Zunächst schenken die Gäste den
Jenaern eine Ecke, weil es ein Missverständnis zwischen einem
Abwehrspieler und Gäste-Keeper Christian Maly gibt, ähnliches
gibt es nur Sekunden später auf der Gegenseite zu sehen. Die erste
halbwegs gefährliche Aktion ist dann ein langer Ball auf Orlando, der
mit seiner Schnelligkeit auch die WSV-Abwehr überrascht und den Gäste-Torwart
mit seiner plötzlichen Anwesenheit direkt vor dem Strafraum offenbar
so überrascht, dass dieser in einem Moment der Unaufmerksamkeit die Hände
zu Hilfe nimmt, obwohl er sich haarscharf außerhalb des Strafraums
befindet. Schiedsrichter-Assistent und Schiedsrichter können in dieser
Situation gar nicht anders, als Maly mit Rot vom Feld zu schicken und dem FCC
eine aussichtsreiche Freistoßposition an der Strafraumgrenze
zuzusprechen. Spätestens jetzt waren die Gedanken von Spielern und
Zuschauern voll und ganz beim heutigen Spiel. Opfer der Aktion von Maly war
letztlich der Wuppertaler Stürmer Formento, für den Gäste-Trainer
Uwe Fuchs nun Ersatz-Torhüter Asterios Karagiannis bringen musste.
Dieser sah sich gleich einer unbequemen Situation gegenüber, denn den
Freistoß von der Strafraumgrenze wollten die Gastgeber natürlich
im Tor unterbringen und dem Spiel so schon früh die richtige Tendenz
geben. Letztlich war es Torsten Ziegner, der sich den Ball zurechtlegte, anlief
und den Ball in Richtung Tor brachte - allerdings fehlten die berühmten
Zentimeter und der Ball strich am rechten Pfosten vorbei. Schon direkt im
Anschluss wurde klar, dass der WSV auch in Unterzahl ein unangenehmer Gegner
sein würde, der sich keineswegs entmutigen ließ. Die Spieler
aus der Stadt mit der Schwebebahn standen nun noch tiefer, als es vermutlich
ohnehin geplant war, Tobias Damm stand jedoch jederzeit bereit, um einen
schnellen Konter vorzutragen. Nach 13 Minuten waren es dann auch die Gäste,
die die nächste gute Gelegenheit hatten: Ein Freistoß aus
rund 25 Metern wurde von Celikovic vorbei an Freund und Feind auf den langen Pfosten
geschlenzt, wo Nulle aber hellwach und mit guter Reaktion zur Ecke klären
konnte. In der Folge bestimmte die in Überzahl spielende Jenaer Elf
zwar die Partie und hatte deutlich mehr Ballbesitz, dennoch muss sie sich den
Vorwurf einer gewissen Ideenlosigkeit anhören, denn gefährlich
wurde es für das Gäste-Tor nur äußerst
selten. Die tief stehenden Gäste machten geschickt die Räume
eng und unterbanden es effektiv, dass Orlando seine Schnelligkeit ausspielen
oder gefährliche Flanken in den Strafraum schlagen konnte. Wenn doch
mal ein Jenaer die Gelegenheit zur Flanke bekam, landete diese meist weit
hinter dem Tor und ließ das Jenaer Spiel entsprechend harmlos
erscheinen. Nach 35 Minuten fasste sich Amrhein ein Herz, sein Schuss bedrohte
aber vordergründig die Eckfahne und kann insofern als symptomatisch für
die Harmlosigkeit des FCC bis zu diesem Punkt gesehen werden.
Nur eine Minute später wären beinahe die Gäste
in Führung gegangen, denn einen schnellen Gegenzug konnte der schon
erwähnte Damm aus rund acht Metern abschließen, allerdings
war auch der selten geforderte Carsten Nulle gut drauf und konnte den Ball zwar
nicht festhalten, aber doch parieren. Bis zu diesem Zeitpunkt waren es damit
aber trotz Unterzahl doch die Wuppertaler, die die beste Chance der ersten
Halbzeit herausgespielt hatten. Die Szene der ersten Halbzeit stand aber noch
bevor, denn einmal mehr war es Orlando, der mit dem Ball am Fuß Fahrt
aufnahm und gleich mehrere Gegenspieler ausspielte. Beim letzten Verteidiger
Lorzenz versagten die Künste des kleinen Dribblers aber und es kam zum
Zusammenstoß, den die Gäste als freistoßwürdig
betrachteten und vehement den Pfiff des Schiedsrichters forderten. Dieser blieb
aber aus und Jens Truckenbrod nahm sich den Ball, zog sofort
ab und prüfte Karagiannis, der den Ball nicht festhalten konnte.
Dieser prallte nun vor die Füße von Sebastian Hähnge,
der bisher in dieser Saison torlos geblieben war und nun aus wenigen Metern nur
noch einschieben musste - TOOOOR für den FCC, endlich das erlösende
1:0!
Mit diesem Ergebnis ging es dann auch in die Kabinen, aus
denen die Gäste unverändert zur zweiten Halbzeit zurückkamen.
Beim FCC kam Wuttke für Schmidt, der aus Sicht von Trainer René van
Eck Gelb Rot-gefährdet war. Schon direkt nach Wiederanpfiff ist es
erneut Orlando, der die Gäste-Abwehr quasi im Alleingang umspielt und
dann nur noch den Torhüter vor sich hat, den Ball dann aber leider
etwas überhastet am Tor vorbeihämmert, anstatt ihn überlegt
einzuschieben. Die Gäste änderten zunächst wenig an
ihrer Spielweise und standen weiter tief, genauso schwer taten sich aber auch
die Jenaer. In der Folge plätscherte das Spiel dahin und auch in Folge
zahlreicher unnötiger Ballverluste im Spielaufbau konnte keine der
beiden Mannschaften gefährliche Chancen herausspielen. Wenn überhaupt
etwas Gefahr zustande kam, dann in Folge von Freistößen.
Doch auch hier versäumten es Gastgeber und Gäste, die Torhüter
zum Eingreifen zu zwingen oder gar vor ernsthafte Herausforderungen zu stellen.
In den letzten zehn Minuten wurden auch die Gäste noch einmal mutiger,
die Jenaer Verteidigung stand aber überwiegend sicher und zwang Nulle
nicht zum Eingreifen. Als bereits einige Minuten der Nachspielzeit gespielt
waren, eröffnete sich dem FCC noch die Chance auf 2:0 zu erhöhen.
Nach einem langen Ball lief Ziegner zusammen mit Orlando
aufs Gäste-Tor zu, begleitet nur von einem letzten Gäste-Verteidiger.
Als Ziegner den Ball zum einschussbereiten Orlando spielen wollte,
versagten ihm aber die Kräfte und die Nerven, sodass der Ball
unerreichbar für den mitgelaufenen Stürmer ins Aus trudelte.
Kurz darauf war aber auch Schluss und die Jenaer konnten
sich über drei Punkte freuen, die gegen den direkten Tabellennachbarn
natürlich sehr wichtig waren. Mit etwas mehr Kreativität und
Konsequenz im Torabschluss hätte man die Partie allerdings weniger anstrengend
für das leidgeprüfte Nervenkostüm der Jena-Fans
gestalten können. Nun bleibt zu Hoffen, dass die Jenaer in den
kommenden beiden Auswärtsspielen ebenfalls Punkten und so die Distanz
zu den Abstiegsrängen weiter vergrößern können. <bh>
1. FC Heidenheim - FC Carl Zeiss Jena 3:1
Tore: 0:1 Truckenbrod (35.), 1:1 Lukimya (60., ET), 2:1 Mayer (79.), 3:1 Weil (90.)
- Heidenheim: Bodemer; Meier, Göhlert, Krebs, Feistle; Bagceci
(46. Gül), Klarer, Weil, Essig (59. Mayer); Spann (88. D. Jarosch),
Heidenfelder
- Jena: Nulle; Sträßer, Lanzaat, Lukimya, Wuttke;
Kühne, Truckenbrod (86. Petersen), Ziegner, Amrhein; Orlando, Mayombo
(75. Eckardt)
- Zuschauer: 6130
- Schiedsrichter: Nowak (Bottrop)
- Spielbericht
- Im Spiel eins nach seinem Tod war Robert Enke auch fern der thüringischen
Heimat in Heidenheim allgegenwärtig. Der FCC verzichtete auf den
üblichen Aufdruck der Trikotbrust und die FCH-Fans auf ihre geplante
Choreo, beide Teams liefen mit Trauerflor auf und während der
holprigen Gedenkrede des Heidenheimer Stadionsprechers erinnerte der
Gästeblock ganz in schwarz an Jenas großen Sohn.
Wer gedacht hatte, der Nachmittag ginge derart besinnlich weiter, sah sich sehr
schnell getäuscht. Auf der Stadionbaustelle nahe des Schlosses
Hellenstein entwickelte sich ein überaus temporeiches Spiel mit
Chancen hüben wie drüben. Amrhein und Ziegner
(Außenpfosten) nach zwei und fünf Minuten hier - Meier (14.)
und Weil (16.) dort, Smeekes mit Hammerschuß (17.), Amrhein nach
Traumkombination (22.) sowie Kühne und Mayombo nach Eckball (25.)
wieder hier, es brannte unentwegt in beiden Strafräumen.
Gefährlich wurden die Gastgeber dabei fast immer bei ihren Angriffen
über Jenas lichterloh brennende linke Abwehrseite. Es ist nicht
überliefert, ob dies von Rene van Eck so gewollt war, aber Jena
spielte quasi mit Dreierabwehrkette, während
Sträßer als linker Läufer seine Seite über
die gesamte Länge des Spielfeldes allein zu beackern hatte, Smeekes
neben Mayombo im Zentrum stürmte. Was defensiv einem Harakiri glich,
führte aber gleichzeitig zu einem personellen Übergewicht des
FCC im Mittelfeld, welches die Heidenheimer vor große Probleme
stellte, und Jenas Fans ob des gebotenen Kombinationsflusses erstaunte. Der FCC
spielte als komplettes Kontrastprogramm zum letzten Heimauftritt einfach
schön anzusehen, die Einstellung stimmte bei jedem Einzelnen und nach
35 Minuten folgte die Belohnung in Form der Führung. Der ins Team
zurückgekehrte Torsten Ziegner tankt sich wie in alten
Regionalligazeiten auf der rechten Seite ein, an zwei Heidenheimern vorbei zur
Grundlinie durch, passt millimetergenau zurück auf Jens Truckenbrod,
der den Ball aus zehn Metern zu seinem so lange überfälligen
ersten Punktspieltor für den FCC versenkt. Was in Robert Enkes
ehemaligem Klassenkamerad Torsten Ziegner vorgeht, der im stillen Jubel beide
Arme gen Himmel reckt, kann man erahnen. Kurz darauf muss Smeekes eigentlich
das zweite Tor nachlegen, als er mutterseelenallein von der Mittellinie aus
aufs Tor zurast, aber am einzig verbliebenen Heidenheimer Verteidiger
hängenbleibt. Dann heißt es erst einmal Sichern des
Vorsprunges, Smeekes besetzt nun das linke Mittelfeld und nur noch einmal ist
Zittern angesagt, als Weils Schuss nur knapp am Nulle-Gehäuse
vorbeischrammt (37.). Pause, Jena führt und das verdient, wenn auch in
der Innenverteidigung mit Lukimya und Rückkehrer Lanzaat alles andere
als sicher.
René van Eck wechselt nicht, lässt aber seine Flügelzange Patrick
Amrhein und Orlando Smeekes die Seiten tauschen, ein Schachzug mit Folgen.
Jenas linke Seite ist nun endgültig zu für die Heidenheimer
Angriffsbemühungen, während Smeekes auf rechts im
völlig überforderten Außenverteidiger Feistle ein
ums andere Mal ein leichtes Opfer für seine
Flügelläufe vorfindet. Von Heidenheimer Ausgleichsdruck ist
nicht einmal ein Ansatz zu spüren, hier und jetzt geht es ganz klar um
die Spielentscheidung zugunsten der Gäste, die sich mit laufintensivem
und beängstigend temporeichem Spiel Chance um Chance erarbeiten. Der
als einzige Spitze stets anspielbereite Mayombo nach Kühne-Zuspiel
knapp vorbei (46.), Ziegner mit Freistoß in die Mauer (49.), Amrhein
aus dem Fußgelenk nur um Haaresbreite am Winkel vorbei (52.), Mayombo
nach Ziegner-Zuckerpass mit von Ersatz-Ersatzkeeper Bodemer glanzvoll pariertem
Schuss (55.), Kühne mit Flachschuss (61.), es stellte sich beinahe nur
die Frage, welcher der 11 Jenaer der kommende Torschütze sein
würde. Assani Lukimya war es dann, den der Stadionsprecher als solchen
verkündete, leider im Jubelton und begleitet vom
Kopfschütteln 500 fassungsloser Gesichter im Gästeblock. Was
war passiert? Ballverlust Truckenbrods im Mittelfeld, geschickter Pass
Güls auf den gerade eingewechselten Mayer, dessen Schuss Nulle
sensationell nach vorn abwehrt, wo er von der Brust Jenas Abwehrchefs
über den verdutzten Keeper ins Tor hüpft. Jenas Antwort
ließ nicht auf sich warten: Aber Smeekes findet in Bodemer seinen
Meister (66.), Ziegner zielt aus 20m knapp daneben (67.), Mayombo erwischt
Ziegners Zuspiel drei Meter vor dem Tor eine Hundertstelsekunde zu
spät (69.). Als dann nach 70 gespielten Minuten sowohl Lukimya, als
auch Truckenbrod und Mayombo Wuttkes wunderbare Eingabe von rechts nicht im
leeren Tor unterbringen können, hat der FCC nicht nur sein Pulver
verschossen, sondern sich auch selbst den Nerv gezogen. Eckardts Einwechslung
für Mayombo geht nach hinten los, weil nun die ballsichere Anspielstation
in der Spitze fehlt, und Nulle muss bei Kontern der nun aufdrehenden
Heidenheimer gleich zwei Mal binnen einer Minute sein ganzes Können
aufbieten. Nach 79 Minuten ist auch er machtlos, als Ziegner Heidenfelders
Schuss zunächst abblockt, aber der schwache Referee Nowak
Göhlerts Foul an Kühne nicht ahndet und Mayer aus Nahdistanz
vollendet. Ob der mitten in diese Aktion zu hörende Pfiff vom Referee
oder aus dem Publikum kam, bleibt das Geheimnis des Mannes aus Bottrop, der Treffer
zählte.
Jena blieben noch 11 Minuten, doch der Akku schien leer, zu
sehr hatte das Powerplay nach der Pause geschlaucht, stattdessen konterten die
Gastgeber ein ums andere Mal gefährlich und beseitigten mit dem
dritten Treffer in der Nachspielzeit alle Zweifel am mehr als
glücklichen Heimsieg. Dass Tim Wuttke - heute auch als rechter
Außenverteidiger gewohnt zuverlässig - den Schuss Weils
unhaltbar abfälschte, war ein sinnbildlicher Abschluss eines
unglücklichen Spieles, in dem der FC Carl Zeiss vieles richtig machte,
aber mit Fortuna und der eigenen Qualität vor dem gegnerischen Tor
hadern muss. <gunner>
FC Carl Zeiss Jena - SG Dynamo Dresden 0:4
Tore: 0:1 Röttger (4.), 0:2 Röttger (22.), 0:3 Kühne (36., ET), 0:4 Müller (77.)
- Jena: Nulle; Sträßer, Wuttke, Lukimya, Nagy (46.
Ziegner); Amrhein, Kühne, Truckenbrod, Eckardt (33. Orlando);
Mayombo, Benyamina (70. Kolb)
- Dresden: Keller; Cozza (35. Kunze), Oppitz, Trehkopf, Röttger
(46. Koch); Strifler, Hübener, Petrovic, Müller; Savran, Dobry
(78. Jungnickel)
- Zuschauer: 9846
- Schiedsrichter: Kempter (Sauldorf)
- Spielbericht
- Eigentlich sollte man mit dem
Schreiben erst anfangen, wenn man sich selbst wieder im Griff hat, der Puls die
200er-Marke unterschreitet, die Gedanken anfangen sich zu ordnen. Aber diesmal
geht es nicht. Die Wut muß raus, muß ungefiltert aufs Papier,
auch wenn es kein passendes Vokabular für ein derartiges Versagen
geben dürfte.
Es war eine Demütigung,
ein Untergang! Alleine die ersten fünf Minuten gegen Dresden sind bei
normaler Finanzlage ein Kündigungsgrund für den Trainer und
die halbe Mannschaft. Statt dem Tabellenvorletzten zu zeigen, warum er dort
unten steht, wird die Schlacht kampflos preisgegeben, die Initiative gar nicht
erst ergriffen. Dazu kommen diese dümmlichen Fehler bei der
Ballbehandlung und schon wird es ein unvergeßlicher Nachmittag! Ein grundloser
Querschläger von Nagy, ein bewunderndes Platzmachen Sträßers
(wo war der denn auf einmal hin?), ein Schuß von Röttger. 0:1
(4.). Dann: Ein leichter Ballverlust von Mayombo in der Spitze, eine schnelle Kombination
über den ganzen Platz ohne Jenaer Ballberührung oder auch nur
die Chance dazu, eine flache Hereingabe von Dobry auf den völlig
vereinsamten Röttger. Noch ein Schuß, diesmal ins andere
Eck. 0:2 (23.). Und dann zu allem Überfluß auch noch so ein
Eigentor der Kategorie 'Schöner geht's nicht', als Kühne einen
Müller-Freistoß mit dem Knie in den Winkel donnert. Absolut
unhaltbar für Nulle (35.). Ich hätte hier gerne ein bißchen
was vom Aufbäumen geschrieben, vom Kampfgeist, der einfach nicht
belohnt wurde oder so. Aber es war einfach nur erbärmlich. Ein Zweikampfverhalten wie zur Love-Parade. Kein Biß, kein Wille. Nicht mal
den Ansatz einer Jenaer Chance gibt es hier zu beschreiben.
Dafür müssen
die Zuschauer im Stadion noch 20 Spielminuten voller Jenaer Unzulänglichkeiten
plus Halbzeit über sich ergehen lassen und das alles bei
Heimspielatmosphäre für Dresden. Ich kann das hier gottlob schneller
machen. Es war Lukimya, der einen Ziegner-Freistoß gefährlich
in Richtung des Dresdner Tors verlängerte und Keller zu einer schönen
Parade zwang (54.). Immerhin der Auftakt zu den stärksten fünfzehn
Minuten unserer Helden, in denen sich zwei, drei gute Möglichkeiten zu
einem Anschlußtreffer ergaben. Erst scheiterte Orlando mit einem Schuß
von der Strafraumgrenze an Keller (55.), kurz darauf segelte ein
30-Meter-Knaller von Amrhein knapp am Dresdner Gehäuse vorbei (57.). Und
dann die 68. Spielminute! Der erste Spielzug der Jenaer, der aussah wie gewollt.
Da läuft der Ball mal über fünf, sechs Stationen, da
kann sich Amrhein auf der linken Seite schön durchsetzen und auch
Mayombo macht eigentlich alles richtig. Pech, daß sein Drehschuß
am gedankenschnellen Keller hängenbleibt. Wäre diese erste Katastrophenhalbzeit
nicht gewesen, das Publikum hätte sicherlich verzückt
applaudiert. So aber war nur ein langgezogener Seufzer zu hören.
Aber die Jenaer Erfolgsgeschichte für diesen Nachmittag ist ohnehin schon wieder zu Ende.
Was noch kommt ist stattdessen der endgültige
Offenbarungseid. Nachdem Savran aus Ermangelung an Gegenspielen den Ball
ungehindert aus 20 m an die Latte donnern kann (wieder waren Sträßer
und Lukimya erst ganz eng dran und dann wie vom Erdboden verschluckt), bringen
es die Jenaer dreißig Sekunden lang nicht fertig, für klare
Verhältnisse im Strafraum zu sorgen. Als Savran zig verlorene Zweikämpfe
später den Ball wieder kriegt, sehen alle Zuschauer schon was jetzt kommen
muß, können in Ruhe ihre Fahnen einrollen, ihre Kissen
einpacken und was sonst noch so zu tun ist, um ganz schnell nach Hause zu
kommen. Es war wirklich so offensichtlich, daß der Savran dem Müller
das Ding auflegt, daß man schon fast enttäuscht darüber sein mußte, nichts Spektakuläreres geboten zu bekommen.
Noch den Nulle hübsch ausgekurvt und dann rein damit (77.). Schöner
geht's nicht mehr. Nie habe bereits eine Viertelstunde vor dem Abpfiff so eine Abwanderungswelle erlebt (O-Ton: "Da glotze ich mir lieber die Kandinsky-Ausstellung an")
Es tut mir leid, wenn das hier alles sehr sarkastisch rüberkommt,
aber es war bei diesem Spiel die einzige Möglichkeit, nicht völlig
die Beherrschung zu verlieren oder sich diversen Gewaltphantasien hinzugeben.
Eine solche Darbietung ist mir in Jena noch nicht untergekommen. Das
Pfeifkonzert zum Ende konnte nicht annähernd wiedergeben, was sich
hier gerade abgespielt hatte. Es ist ja nicht, daß Jena inzwischen
nahezu jedes Ostderby als Zweitplazierter beendet, sondern es ist die Art und
Weise, wie hier untergegangen wird. Spielerische Mängel sind
verzeihlich, wenn auch nicht immer nachvollziehbar. Aber kämpferisch
muß es einfach stimmen. Jeder Kreisklassespieler weiß, daß
man sich in der Anfangsphase erst mal Respekt verschaffen muß, will
man nicht den Rest des Spiels wie ein Depp aussehen ("gib dem Neuner gleich
einen mit, damit er weiß, dass er seinen Hutzebutz hier
vergessen kann" war der bekannte Slogan unseres Trainers vor jedem Derby in
Zottelstedt). Die Dresdner wußten das, die Jenaer nicht. In meinen
Augen das größte Problem ist und bleibt aber dieses konfuse
Miteinander. Da sind keine Laufwege aufeinander abgestimmt, da gibt es
keinerlei Zuordnung, da fehlen vorne die Leute, die hinten zu wenig sind. Was
machen die eigentlich die Woche über?
Persönlich fürchte ich, daß van Eck trotz
aller Sympathien nicht der richtige Mann für diesen Job ist. Aber neu
ist diese Erkenntnis im Verein ja nun auch nicht...
Das war ein grauenhafter Samstag!
Wollen wir uns nicht schneller im Abstiegskampf wiederfinden als uns lieb ist, darf sowas nicht so schnell wieder passieren. Es sind jetzt zwei Wochen Zeit,
irgendwie zu reagieren und diesem nervösen Haufen wieder
Selbstvertrauen einzuflößen. Wie das gehen soll, ist mir
ehrlich gesagt ein Rätsel. Aber vielleicht reicht es ja auch schon, wieder
vor den für die dritte Liga typischen Gruselkulissen anzutreten. Zu
viel Öffentlichkeit ist unserer Mannschaft scheinbar ein Graus. Insofern
liegt über den nächsten Wochen ein zarter Hoffnungsschimmer,
wenn wir uns mit Fußballgrößen wie dem 1. FC
Heidenheim oder dem Wuppertaler SV der üblichen Tristesse hinzugeben haben. <bpf>
SSV Jahn Regensburg - FC Carl Zeiss Jena 1:1
Tore: 0:1 Mayombo (27.), 1:1 Würll (90.)
- Regensburg: Sattelmaier; Hörnig (57. Jarosch),
Hagmann (
, 88.), Maul, Binder; Zellner,
Kreis (74. Schlauderer), Haller, Berger; Stoilov, Schmid (60. Würll)
- Jena: Nulle; Sträßer, Lukimya, Wuttke, Nagy; Eckardt
(70. Orlando), Truckenbrod, Kühne, Amrhein; Mayombo, Benyamina (90. Kolb)
- Zuschauer: 4108
- Schiedsrichter: Glasmacher (Alsdorf)
- Spielbericht
- Im letztjährigen Abstiegskampf hatte mir der
Spielberichtsorganisator das Angebot abgerungen, im Falle des Nichtabstiegs mal
wieder einen Spielbericht zu verfassen. Dies hatte die FCC-Helden dann
tatsächlich noch so angestachelt, dass sie sich auf der Zielgeraden
über den Strich retteten. Mein Versprechen sollte nun zum Abschluss
der "Bayrischen Wochen" beim Gastspiel bei Jahn Regensburg
eingelöst werden. Die Münchner FCC-Gemeinde um "Gleis
26" traf sich pünktlich nach dem Frühstück
zur gemeinsam Fahrt in die Hauptstadt der Oberpfalz. Die Stimmung war
entspannt, denn gegen Regensburg hatte der FCC noch nie verloren und in
Regensburg stets 2:2 gespielt. Ein Resultat mit welchem man in der aktuellen
Situation auch wieder zufrieden gewesen wäre.
Nach problemloser und zügiger Fahrt im ALEX wartete
in Regensburg noch eine Busfahrt zum Stadion auf uns, die gefühlt so
lange wie die Zugfahrt dauerte. Der Fahrer wollte uns wohl die
Schönheit der Stadt genießen lassen, anders sind die
minutenlangen Stopps an den Haltestellen nicht zu erklären.
Letztendlich erreichten wir aber pünktlich das Jahnstadion, dessen
Charme gleich deutlich darauf hinweist, dass man sich in einer der ältesten
Städte Deutschlands befindet.
Die Gastgeber hatten
nach ihrem sehr guten Saisonstart zuletzt etwas geschwächelt und vier
Spiele in Folge nicht gewonnen (3 Niederlagen, 1 Unentschieden) und waren von
den Aufstiegsrängen auf Platz sieben zurückgefallen.
Angeführt vom Kapitän und Ex-Jenaer Alexander Maul
übernahm Regensburg gleich die Initiative und bereits nach drei
Minuten knallte der Ball zum ersten Mal gegen den Pfosten des Jenaer Tores.
Allerdings stand Schütze Haller dabei im Abseits. Der FCC startete mit
der Elf der zweiten Halbzeit vom Spiel in Unterhaching und meldet sich mit
einem Schuss von Amrhein, den Sattelmaier zur Ecke abwehrte, in Minute sieben
erstmals offensiv zu Wort. Regensburg blieb aber spielbestimmend und traf durch
Stoilov erneut den Pfosten (19.). Den zurückspringenden Ball bugsierte
Haller unbedrängt über das leere Tor. Dies wirkte allerdings
als Wachruf für die Jenaer Kicker, die nun doch auch etwas mehr nach
vorn versuchten. In der 26. Minute konnte Alexander Maul gerade noch René
Eckardt an der Strafraumgrenze am Schuss hindern. Eine Minute später
lupfte Amrhein im Mittelfeld den Ball schön zu Truckenbrod, der einen
feinen Pass in den Strafraum spielte und Mayombo mit prima Einsatz noch vor dem
zögerlichen Abwehrspieler am Ball war und ihn an Sattelmaier vorbei
zum 1:0 ins Tor spitzelte. Die Führung war zu diesem Zeitpunkt sicher
etwas überraschend, wäre aber fast noch erhöht
worden, doch Truckenbrod kam bei einem weiten Pass von Nagy einen Schritt zu
spät (34.). Regensburg kam vor der Pause nur noch zu einer Chance, die
Nulle aber souverän meisterte (41.).
Der FCC kam besser aus der Pause und bestimmte nun
zunächst das Spielgeschehen. Eckardt passt zu Amrhein, der legt auf
Mayombo ab, der leider einen Schritt zu spät kommt (47.). Zwei Minuten
später behauptete Mayombo im Strafraum den Ball gegen Maul. Dieser
konnte sich nur mit einer Ringereinlage helfen. Der fällige
Elfmeterpfiff des insgesamt recht schwachen Schiedsrichters Glasmacher blieb
aber aus. Die nächste Chance hatte Sträßer nach
Doppelpass mit Eckardt. Doch sein Schuss ging knapp am rechten Pfosten vorbei
(53.). Regensburgs erste Offensivaktion in der zweiten Halbzeit war ein
Fernschuss aus knapp 30 Metern, der aber weit am Kasten von Nuller vorbei ging
(55.). Trainer Weinzierl reagierte und brachte mit Würll nach einer
Stunde einen weiteren Angreifer. Auch wenn Regensburg damit das Spiel wieder
etwas ausgeglichener gestalten konnte, blieben Chancen nun auf beiden Seiten
zunächst aus. Nach 70 Minuten kam Orlando für Eckardt und
damit auch neuer Schwung ins Spiel. Zunächst setzt sich Orlando auf
rechts durch und flankt von der Grundlinie, den Kopfball von Amrhein kann
Sattelmaier aber entschärfen (76.). Drei Minuten später ein
Konter des FCC, Truckenbrod passt auf Mayombo, der in aussichtsreicher Position
verstolpert. Und drei Minuten vor Ablauf der regulären Spielzeit wird
Orlando über links geschickt, Hagmann kommt nicht hinterher und
erwischt Orlando nur noch am Fuß und kassiert dafür - da
letzter Mann - die Rote Karte. Die 90 Minuten waren abgelaufen, Regensburg
bemüht sich noch einmal in
Richtung Jenaer Tor und Mayombo geht etwas ungeschickt in den Zweikampf -
Freistoß und wohl die letzte Aktion im Spiel. In der
Gästekurve bangte man nun schon, dass es doch nicht schon wieder mit
einem späten Ausgleich in Regensburg enden kann und darf ... Aus dem
Fanblock vom anderen Ende des Spielfeldes sah man den Freistoß
über Freund und Feind hinwegsegeln und dann tatsächlich im
Netz zappeln. Hinterher hörte man, dass wohl Mayombo unglücklich
ins eigene Tor getroffen hatte. Sehr ärgerlich! Dem Spielverlauf nach
sicher eine akzeptable Punkteteilung. Aufgrund der besseren zweiten Halbzeit,
in der vergessen wurde, den berühmten Sack zuzumachen,
aber doch zwei verschenkte Punkte mit einem
tragischen Helden Mayombo. <jw>
SpVgg Unterhaching - FC Carl Zeiss Jena 3:1
Tore: 1:0 Steegmann (43.), 2:0 Steegmann (63.), 3:0 Kanca (76.), 3:1 Benjamina (82.)
- U'haching:Kampa; Konrad, Hain, Brysch, Schaschko (90. Ziegler);
Tyce, Mitterhuber, Zillner, Leandro; Schweinsteiger (73. Kanca), Steegmann (79. Rathgeber)
- Jena: Nulle; Sträßer (73. Osadchenko), Lukimya, Wuttke, Nagy; Eckardt, Kühne, Truckenbrod, Ziegner (46. Benyamina), Orlando (46.
Mayombo); Amrhein
- Zuschauer: 3300
- Schiedsrichter: Fischer (Hemer)
- Spielbericht
- Same procedure as every year.
Der FCC verliert obligatorisch sein Auswärtsspiel bei der Spielvereinigung Unterhaching, diesmal
mit 3:1 und nach zwei völlig unterschiedlichen Halbzeiten.
Der
Minutenzeiger hatte noch nicht einmal eine volle Umdrehung gemacht, da hatten
Jenas Fans den Torschrei auf den Lippen, als Patrick Amrhein von Ziegner
mustergültig bedient von der Strafraumgrenze abziehen kann, aber nur ein
klägliches Schüsschen zustande bringt. Ein Auftakt mit Signalwirkung konnte man
hoffen, doch als Referee Fischer 45 Minuten später zur Pause pfiff, war aus
Sicht des FCC keine einzige weitere Möglichkeit zu notieren gewesen, von einem
großzügig verzogenen Distanzschuss des überraschend sofort eingesetzten Kühne
einmal abgesehen. Jena lieferte eine erste Hälfte ohne jeden Esprit, blieb im
Offensivspiel erschreckend harmlos und lag verdient mit 0:1 zurück. Dass dieses
Gegentor aus einer lächerlichen Schauspieleinlage Zillners an der
Seitenauslinie direkt vor den Augen des schwachen Linienrichters und folgender
Freistoßflanke resultierte, war bitter. Aber Steegmanns gegen Lukimya
folgenschwer gewonnenes Kopfballduell zum Führungstreffer kurz vor der Pause
(43.) eben auch nur eine der zahlreichen Hachinger Möglichkeiten. Von denen
vergab der Torschütze selbst üppig (12., 26., 34.), aber Zillner nach seinem
Sturmlauf zwischen den verdutzten Sträßer und Ziegner hindurch zweifellos die
größte - Nulle rettete glanzvoll (33.).
So konnte es nicht weitergehen, und van Eck, der schon vor Anpfiff auf den sich
beim Aufwärmen verletzenden Holwijn verzichten musste, stellte erneut um. Auch,
weil der blasse Orlando Smeekes mit ausgekugelter Schulter passen musste. Aus
dem 3-5-1 mit Doppelsechs Kühne/Truckenbrod und Amrhein als einziger Spitze
wurde nun ein 4-4-2. Amrhein rückte zurück auf die linke Mittelfeldposition,
als Spitzen agierte dabei das Sturmduo der in dieser Saison so begeisternden
II. Mannschaft, und plötzlich ging beim FCC nach vorn die Post ab. Insbesondere
Exaucé Mayombo war von Hachings Verteidigern kaum zu stellen und lieferte eine
starke Partie ab. Kühnes Schuss nach Truckenbrod-Ablage gab nach 51 Minuten die
Richtung vor, Mayombos abgefälschter Schuss folgte zwei Minuten später, Amrhein
prüfte Kampa im Hachinger Tor aus 18 Metern (54.), Truckenbrod zieht knapp
übers Tor (58.). Jena war jetzt richtig im Spiel, die Kombinationen liefen
flüssig und spätestens in der 59. Minute musste es einfach soweit sein, als
Rene Eckardt auf rechts mustergültig von Sträßer bedient wird, aber statt Kampa
den Ball um die Ohren zu ballern eine unmotivierte Mischung aus Heber und
Flanke ansetzt. Wie einfach Fußball sein kann, demonstrierten die Bayern kurz
darauf auf der Gegenseite: Langer Befreiungsschlag Hains aus der eigenen Hälfte
auf den durchstartenden Steegmann, der vernascht Wuttke im 16er und schiebt
lässig zum 2:0 ein. Bewundernde Worte fielen im Gästeblock über die weise
Voraussicht jenes sonst so viel- und weitreisenden Münchner FCC-Fans, der einem
Gelübde folgend den Nachmittag lieber weit abseits seinen Hund Gassi führend
verbrachte. Seit dem Sieg vor 17 Jahren scheint für unseren Club ein Fluch auf
diesem Sportplatz zu liegen. Sonst hätten vielleicht auch Mayombo nach
Traumzuspiel Benyaminas freistehend vor Kampa die Nerven nicht versagt (65.).
Und sonst würde ein Schiedsrichter bei einem Foul wie dem Kampas an Carsten
Sträßer im 16er auch einmal auf Elfmeter entscheiden. Für Sträßer bedeutete
Kampas übles Einsteigen das Ende der Partie - Jenas dritte Verletzung an diesem
Tage - und die Unordnung in der Hintermannschaft des FCC nutzte der
eingewechselte Kanca zur endgültigen Entscheidung. Dabei hätte es vielleicht
noch einmal eng werden können, wenn nach Benyaminas Anschlusstreffer per Kopf -
Nagy hatte von links geflankt - mehr gekommen wäre als die vergebenen
Möglichkeiten Benyaminas (Kopfball nach Eckball von rechts, 83.) und Amrheins
Freistoßversuch übers Tor (84.). Wo das Problem des FCC liegt, demonstrierte
dann eine Minute vor dem Ende René Eckardt noch einmal final, als er völlig
freistehend an Kampas Blitzreaktion scheitert. Nein, nichts zu holen in
Münchens Süden. Verflucht! <gunner>
FC Carl Zeiss Jena - FC Ingolstadt 04 2:0
Tore: 1:0 Lukimya (72.), 2:0 Holwijn (83.)
- Jena: Nulle; Sträßer, Lukimya, Wuttke, Nagy; Holwijn,
Truckenbrod, Ziegner (85. Eckardt), Orlando (90. Fuss); Amrhein,
Hähnge (73. Benyamina)
- Ingolstadt: Lutz; Keidel, Pisot, Wenczel, Ruprecht; Leitl,
Fleßers (71. Braber), Karl, Buchner; Neuendorf, Hartmann
- Zuschauer: 5099
- Schiedsrichter: Siebert (Berlin)
- Spielbericht
-
Im Vorfeld des Spiels gab es jede Menge Aufregung im Umfeld des FCC: Spätestens mit der Pokalniederlage in
Meuselwitz und der anschließenden Suspendierung von Salvatore Amirante hatte der FCC wieder einmal demonstriert,
dass man in Jena mit allem rechnen muss. Dazu kam noch die Vorstellung des neuen Geschäftsführers Michael
Born unter der Woche, Ablenkung von der Vorbereitung auf das Spiel gegen einen der Staffelfavoriten des Jahres gab
es also zur Genüge.
Mit dem FC Ingolstadt 04 war eine Mannschaft im Ernst Abbe Sportfeld zu Gast, gegen die der FC Carl Zeiss Jena erst
ein einziges Mal im Rahmen eines Winter-Trainingslagers gespielt hat. Das ist allerdings weniger überraschend,
zumindest wenn man betrachtet, dass der FC Ingolstadt 04 erst im Jahr 2004 als Zusammenschluss von MTV 1881 und ESV
Ingolstadt entstanden ist. Seitdem hat der Verein mit der Unterstützung des großen Sponsors im Rücken
einen steilen Aufstieg erlebt und konnte schon im Jahr 2007 den Aufstieg in die zweite Bundesliga feiern. Der letztjährige
Abstieg darf als Betriebsunfall verstanden werden, der den langfristigen Weg in Richtung erste Bundesliga wohl nur verzögert
hat. Spätestens beim Blick auf das Mannschaftsfoto der Gäste wird deutlich, wie der Verein verstanden werden soll: Der
Star ist nicht die Mannschaft, auch nicht bundesligaerfahrene Spieler wie "Zecke" Neuendorf Stefan Leitl, selbst Trainer
Horst Köppel steht im zweiten Glied. Bei Ingolstadt 04 gilt einzig und allein: Der Star ist der Sponsor.
Aber kommen wir zum Spiel: Den Spielern des FCC war von Beginn an anzumerken, dass die Geschehnisse außerhalb
des Platzes nicht völlig verdrängt werden konnten, jedenfalls waren die Gäste aus Ingolstadt von Beginn an
die spielbestimmende Mannschaft. Bereits in der ersten Minute kommen die Gäste gefährlich vors Jenaer Tor, die
Flanke von Leitl kann Buchner aber nicht verwerten. Nur wenige Augenblicke später versucht der rehabilitierte Ziegner
einen Rückpass zu Carsten Nulle, der Ball ist allerdings beinahe zu kurz und bringt Nulle erstmals in Bedrängnis.
Dank einer schnellen Reaktion kommt er allerdings noch vor dem Ingolstädter Spieler an den Ball und kann die Situation
klären. Dennoch blieben die Gäste dominant und kamen noch in der zweiten Minute nach einer Keidel-Flanke durch
Buchner zur nächsten Chance, auch dieser Kopfball verfehlte das Jenaer Tor aber knapp. Erst nach diesen drei Aufregern
konnten die Jenaer Fans erstmals durchatmen; auch wenn die FCC-Elf sich keine eigenen Chancen erspielen konnte, gelang es
nun immerhin, die Gäste vom eigenen Tor fernzuhalten. Dennoch wirkten die Gäste auf dem vom Regen getränkten
Rasen stets spritziger und technisch versierter und konnten mit einfachen Doppelpässen immer wieder schnelle
Vorstöße einleiten, die zum Glück für die Jenaer Elf nicht mit letzter Konsequenz ausgespielt
wurden. Wenn die Ingolstädter doch einmal den Abschluss fanden, war dann allerdings Carsten Nulle zur Stelle,
der insgesamt eine überzeugende Partie ablieferte. Auch nach einem Schuss von Karl aus rund zehn Metern war
Nulle zur Stelle und konnte per Fußabwehr klären. Nach knapp einer halben Stunde kamen auch die Jenaer
erstmals zu so etwas ähnlichem wie einer Torchance, als Patrick Amrhein auf der rechten Außenbahn vor
dem unnötigerweise herauseilenden Ingolstädter Torhüter Lutz an den Ball kommt und an diesem auch
vorbeikommt, dann aber ausrutscht und damit das großzügige Geschenk der Gäste dankend ablehnt. Kurz
vor dem Halbzeitpfiff ist es wieder Amrhein, der an der Strafraumgrenze der Ingolstädter glücklich an den
Ball kommt, die gebotene Chance aber mit einem Schuss zur Eckfahne kläglich vergibt. Damit blieb es zur Halbzeit
beim 0:0 und obwohl die Ingolstädter nicht viele klare Torchancen erspielt hatten, waren sie doch ohne Zweifel
die gefälliger spielende Mannschaft, die eine Führung zu diesem Zeitpunkt absolut verdient hätte.
In den Minuten nach Wiederanpfiff hatte man nicht den Eindruck, als ob René van Eck der Mannschaft in der Kabine
entscheidende Impulse gegeben hat. Wieder hatten die Ingolstädter den besseren Beginn für sich: Mit zwei
Freistößen aus rund 20 Metern brachte Keidel den Jenaer Torhüter Nulle in Bedrängnis, dieser war
aber hellwach und ging in Anbetracht des glitschigen Balls zwei mal auf Nummer sicher und faustete den Ball wieder
ins Spielfeld zurück. In der 51. Minute war es wieder Karl, der die Führung auf dem Fuß hat, aber im
letzten Moment mit viel Glück von mehreren Jenaer Verteidigern am Abschluss gehindert wird. Nur zwei Minuten
später die nächste Großchance für die Gäste, nun rettet wieder Nulle gegen Leitl, der
völlig unbedrängt zum Schuss kommt - die Ingolstädter Führung schien nur eine Frage der Zeit
zu sein, von Jenaer Seite kamen wie in der ersten Halbzeit praktisch keine Impulse für das Spiel. Nach 55 Spielminuten
kam aber auch der FCC mal wieder vors Gäste-Tor, die Flanke von Truckenbrod auf Hähnge war präzise und
gefühlvoll getreten, allerdings war auch Gäste-Torwart Lutz auf dem Posten und konnte mit den Fäusten
vor Hähnge an den Ball kommen. Zehn Minuten später war es erneut Nulle, der die letzte Rettung für das
scheinbar unverrückbare 0:0 an der Anzeigetafel darstellte. Gleich mehrere Stürmer der Gäste
scheiterten mit ihren Schussversuchen am Jenaer Keeper, bevor die Situation endlich bereinigt werden konnte.
Die rot-weiß gekleidete Marketingmaßnahme der bekannten VW-Tochter hielt bis dahin also fast, was
der Bus mit großen Lettern versprach: Der "Vorsprung durch Technik" schlug sich allerdings nur in
Spielanteilen und Torchancen nieder, das Spielergebnis zeigte sich bisher unbeeindruckt. In der Folge gönnten
sich die Gäste allerdings eine kleine Verschnaufpause und die Jenaer kämpften sich zurück ins Spiel.
Torchancen blieben zwar zunächst Mangelware, aber immerhin musste man sich in dieser Phase keine großen
Sorgen um das FCC-Tor machen. In der 72. Minute passierte dann das, was auch dem FCC schon oft genug widerfahren ist:
Die Mannschaft, die bis dahin klar unterlegen war und praktisch keine echte Torchance zu verzeichnen hatte, geht
völlig unverdient in Führung. Nach einem Freistoß aus halbrechter Position und rund 30 Metern
Entfernung ist es Abwehrmann Assani Lukimya, der als erster an den Ball kommt und diesen per Kopf ins lange
Ecke verlängern kann - 1:0 für den FCC und der Spielverlauf stand auf dem Kopf! Die Jenaer Zuschauer
hatten sich noch nicht wieder hingesetzt, da wäre beinahe der hochverdiente Ausgleich gefallen, als Buchner
per Kopf nur die Latte trifft und ein weiterer Ingolstädter seinen Nachschuss wenige Zentimeter neben den
linken Pfosten setzt. Die Angriffe der Gäste wurden nun verständlicherweise wütender und brachten
Nulle noch mehrmals in Bedrängnis. Nur zwei Minuten nach der Führung muss der Jenaer Torwart erneut per
Faustabwehr retten, nachdem ein Angreifer eine Gäste-Ecke per Volleyschuss von der Strafraumgrenze aufs Tor
brachte. Weitere drei Minuten später machte sich Nulle endgültig zum Mann des Spiels, als er einen
weiteren Freistoß von "Zecke" Neuendorf, der ansonsten unauffällig agierte, klären konnte.
Während die Gäste auf den Ausgleich drängten, zeigten die Jenaer, wie effizienter Fußball
aussehen kann: Einen hohen Ball aus dem Mittelfeld legt Amrhein per Kopf auf Melvin Holwijn ab, der sich ein Herz
nimmt und aus rund 18 Metern einfach mal draufhält. Der von Gäste-Trainer Köppel nicht ganz zu
Unrecht als "Sonntagsschuss" bezeichnete Ball schlug unhaltbar für Gäste-Keeper Lutz in der linken
Ecke ein und sicherte den Jenaer Sieg, der bis dahin noch heftig wankte.
Die Ingolstädter Bemühungen blieben auch in der Folge unbelohnt und fast hätte man den Eindruck
haben können, dass sich an diesem Tag die über 100 Jahre längere Tradition des FCC gegen den noch in
den Kinderschuhen steckenden Gast aus Ingolstadt durchgesetzt hat. Dennoch darf nicht unerwähnt bleiben, dass
der Sieg und die damit verbundenen drei Punkte sehr glücklich für René van Eck und den FC Carl
Zeiss waren, von einem verdienten Sieg kann beim besten Willen nicht die Rede sein. Entsprechend gedrückt
dürfte die Stimmung im Ingolstädter Bus bei der Heimreise gewesen sein, denn es ist ohne Zweifel bitter,
nach einem derart kraftraubenden und über weite Strecken gut geführten Spiel ohne Punkte nach Hause
fahren zu müssen. Es bleibt zu hoffen, dass die Jenaer beim nächsten Spiel in Unterhaching auch
spielerisch zu überzeugen wissen und auch in Bayern Punkte holen, bevor die bayerischen Wochen mit dem Spiel
in Regensburg hoffentlich erfolgreich beendet werden. <bh>
Kickers Offenbach - FC Carl Zeiss Jena 4:0
Tore: 1:0 Pospischil (24.), 2:0 Ulm (41.), 3:0 Mesic (78.), 4:0 Pfingsten-Reddig (88.)
- Offenbach: Wulnikowski; Huber, Hysky, Kopilas, Schutzbach;
Haas (84. Pfingsten-Reddig), Pospischil, Zinnow, Fröhlich (72. Laux);
Ulm, Mesic (81. Albayrak)
- Jena: Nulle; Fuss, Lukimya, Wuttke, Sträßer;
Holwijn (72. Kolb), Lanzaat (
, 79.),
Truckenbrod, Hähnge (46. Nagy), Orlando; Amirante
- Zuschauer: 8563
- Schiedsrichter: Thomsen (Kleve)
- Spielbericht
- Auf den Tag genau vor einem Jahr begleitete ich den FCC zum
Auswärtsspiel nach Wuppertal. "Am Tag der deutschen Einheit flossen
die Punkte von West nach Ost", beendete ich damals den Spielbericht und hoffte
jetzt auf einen vergleichbaren Spielausgang ein Jahr später.
Ein entlaufener Bulle vorm Polizeiauto auf der Hinfahrt sollte hierbei
eigentlich als Glücksbringer fungieren.
Allerdings ließen die letzten Auftritte der aktuellen Zeiss-Elf
ebenso wenig einen Feier(tags)auftritt erwarten wie die Bilanz am Bieberer Berg
mit nur einem mageren Pünktchen aus vier Spielen.
Ein Amirante-Schuss nach hundert Sekunden eröffnete
die Partie, in der Wuttke auch nach Lanzaats Rückkehr zunächst
in der Innenverteidigung blieb. Obwohl der Holländer bei seinem
Kurzeinsatz gegen Bremen alles andere als souverän gewirkt hatte,
wurde er ein weiteres Mal auf der Position vor der Abwehr neben Truckenbrod
besetzt. Sein Fehler ohne Not nach 16 Minuten ließ Pospischil von der
Strafraumgrenze aus zum Schuss kommen, Nulle bügelte aus. Es war die
zweite Chance der Hausherren in diesem Match, da sich zuvor bereits Zinnow
durch den kompletten Jenaer Strafraum gedribbelt hatte, dabei jedoch vergaß,
aufs Tor zu schießen. Auch Truckenbrod probierte es nach siebzehn
Minuten mal mit einem Schuss von der Strafraumgrenze. Wulnikowski kam mit einer
Faust an den Ball und lenkte zur Ecke. Fünf Minuten später.
Zinnows Faller nach Zweikampf mit Sträßer sah nach Schwalbe
aus, der bis dahin großzügige Schiedsrichter gab jedoch
Freistoß. Der Ball blieb in der 6-Mann-Mauer hängen, sprang
aber nach seiner ersten Bodenberührung mit ungewöhnlichem
Drall wieder zurück. Ein Lupfer in den Jenaer Strafraum, wo die Blauen
vergebens auf Abseits reklamierten, ein zur Vorlage werdendes Luftloch sowie
ein straffer Schuss auf zehn Metern führten zum 1:0.
Wie schon gegen
Bremen galt es einem Rückstand hinterher zu laufen. Genau das aber
wird zum schwierigen Unterfangen, wenn der Trainer ausgerechnet vor diesem
Spiel klammheimlich zur Ein-Stürmer-Taktik zurückgekehrt ist,
die schon im Jahr zuvor für Unverständnis und Erfolglosigkeit
gesorgt hatte. Sebastian Hähnge ("Ich erwarte mehr von mir und die
Leute auch") blieb nach dem Rückstand weiterhin konsequent im
zentralen Mittelfeld und versuchte sich erfolglos als Ballverteiler für
die einzige Spitze Salvatore Amirante. Da auch Melvin Holwijn sowie Orlando auf
den Außenpositionen nichts rissen, verwalteten die Hessen ihren
knappen Vorsprung ohne große Mühe und lauerten auf den möglicherweise
vorentscheidenden Fehler des Kontrahenten. Den gab es dann auch in Form eines
Jenaer Fehlpasses wenige Meter vorm Anstoßkreis. Dass er Lukimya
unterlief, einem der wenigen beständig guten Spieler während
der letzten Wochen, werteten einige Fans später als Zeichen um sich
greifender Verunsicherung in den Jenaer Reihen. Jedenfalls nutzte David Ulm das
Geschenk zu einem Solo durch die Jenaer Hälfte, um das Leder dann aus
gut zwanzig Metern über Nulle hinweg ins Tor zu heben. Sehenswert, mit
wie viel Gefühl im Fuß Ulm diesen Treffer markierte. Carsten
Nulle eine Mitschuld zu geben, wäre aber wohl verfehlt. Wie sollte er
ahnen, dass seinen Vorderleuten im Spielaufbau ein solcher Patzer unterläuft
? Unser Keeper schlich nach dem Pausenpfiff als Letzter vom Platz, begleitet
von Schmährufen der OFC-Anhänger, die in einem bekennenden
Sympathisanten von Eintracht Frankfurt so etwas wie ihren natürlichen
Feind sehen.
Drei Jahre zuvor war es einer Jenaer Mannschaft an gleicher
Stelle mal gelungen, aus einem 0:2-Pausenrückstand noch ein Remis
werden zu lassen. Um eine Wiederholung dessen herbei zu führen,
stellte van Eck während der Pause mehrfach um. Nagy kam für Hähnge
rein, begab sich wie gewohnt nach links und schickte Holwijn auf die andere
Seite. Aus Orlando wurde doch noch ein zweiter zentraler Stürmer.
Dahinter tauschten Lanzaat und Wuttke ihre Positionen aus der ersten Hälfte,
rückte Truckenbrod ein Stück weiter nach vorn. Der OFC ließ
die Gäste nach Wiederanpfiff zunächst gewähren. Als
sich die Hausherren dann doch mal wieder zu einem eigenen Angriff entschlossen,
brachte der schnelle Gegenstoß endlich mal wieder Gefahr. Durch vier
Abwehrbeine hindurch legte Orlando für Amirante auf, der schoss aus
der Drehung jedoch genau zu Wulnikowski. Der Ball von Nagy drei Minuten später
versprach mehr Erfolg, strich aus 19 Metern Torentfernung aber knapp am rechten
Pfosten vorbei. Eine weitere Steigerung erfuhren Jenas Bemühungen um
den Anschlusstreffer schließlich in Minute 69. Wiederholt versuchte
sich Truckenbrod an einem Fernschuss, selten zuvor aber war das Geschoss von
jener Güte wie diesmal. Aus 17 Metern volley abgefeuert, flog das
Leder oben ans Gebälk, dass es nur so krachte.
Die Hausherren hatten
offensiv nach dem Wechsel überhaupt noch nichts gezeigt. Doch mit
ihrem ersten gelungenen Angriff in Halbzeit zwei, bezeichnenderweise einem
Konter, sorgten sie fünfzehn Minuten vor Schluss für die
Entscheidung. Ulm legte an Sträßer vorbei in die Mitte ab,
wo Quido Lanzaat seinem Gegenspieler Mesic nicht hatte folgen können. 3:0. Dass Jenas
Abwehrchef eben jenem Mesic kurz darauf in die Hacken trat, roch nach Frustfoul
und wurde mit der Roten Karte geahndet. Und als hätte das alles nicht
schon gereicht, flog auch noch der Schuss des eingewechselten Pfingsten-Reddig
genau ins linke untere Eck. "Vier zu Nulle", höhnte es nach Ende der
zweiten 45 Minuten von der Offenbacher Fangeraden.
Dass dem OFC eine durchschnittliche Leistung zu einem derart
klaren Sieg reichte, sollte in Jena die Alarmglocken schellen lassen. Was nutzt
ein sich steigernder Truckenbrod, ein auf allen Positionen sein Ding machender
Wuttke - sie sind nun mal keine Antreiber, die den tödlichen Pass
spielen können. Genau so einer fehlt dem Zeiss-Spiel aber zunehmend.
Es scheint deshalb an der Zeit, die Verbannung Torsten Ziegners zu beenden.
Zwar ist nicht garantiert, dass es mit ihm schlagartig besser laufen wird. In
einer Phase, wo die Jenaer Mannschaft in ihren Leistungen nicht mehr nur
stagniert, sondern abzubauen beginnt, müssen jedoch ausnahmslos alle
Alternativen ausgelotet werden, die der Kader hergibt ! Es wird Zeit, sich mal
wieder gemeinsam an einen Tisch zu setzen. <fc>
FC Carl Zeiss Jena - SV Werder Bremen II 2:2
Tore: 0:1 Testroet (32.), 1:1 Orlando (52.), 1:2 Testroet (80.), 2:2 Amirante (82., FE)
- Jena: Nulle; Sievers (70. Fuss), Lukimya, Wuttke, Sträßer;
Eckardt, Truckenbrod, Hähnge, Nagy (46. Amirante); Kolb (74. Lanzaat),
Orlando
- Bremen: Wiedwald; Hessel, Gerdes, Stallbaum, Andersen; Ronneburg,
Ayik, Menga, Feldhahn; Testroet, Oehrl
- Zuschauer: 6062
- Schiedsrichter: Blos (Köngen)
- Spielbericht
-
Keiner weiß warum, doch in den vergangenen Jahren
hatte der FC Carl Zeiss mit den zweiten Mannschaften von Bundesligavereinen so
seine liebe Mühe. Mittlerweile sind drei von vier Hinrundenpartien gegen die
U23-Teams gespielt, mit zwei Siegen und einem Remis gestaltet sich die
Saisonzwischenbilanz ungewohnt positiv. Doch egal in welches Gesicht man auf
Jenaer Seite nach Abpfiff des Bremen-Spiels blickte - Zufriedenheit schaut
anders aus.
Daran hatte die erste Halbzeit einen gewichtigen Anteil.
Denn es war ein äußerst müder Kick, den 6062
Zuschauer (darunter exakt zwei Dutzend Bremer Fans) während der ersten
45 Minuten geboten bekamen. Dass es nach gut einer Viertelstunde Beifall gab für
einen ins Sturmzentrum gespielten Ball, den Kolb als eine von zwei Spitzen gar
nicht erreichte, mag als Beschreibung für das Niveau in der
Anfangsphase genügen. Eine Freistoßvorlage, die Wiedwald
gegen die Sonne blickend im zweiten Zupacken fing, war die einzige Szene, in
welcher ein Torhüter überhaupt
eingreifen musste. Beim ersten gelungenen Angriffszug nach
zwanzig Minuten stand Hähnge knapp im Abseits. Kurz darauf spielte
Rene Eckardt zwar schön Doppelpass mit Orlando, stolperte danach aber über
seine eigenen Beine. Und bei Lukimyias flacher Hereingabe erkannte der
freistehende Kolb in der Mitte die Situation zu spät. So blieb ein
satter 23-Meter-Schuss von Jens Truckenbrod, den Bremens Keeper über
die Latte lenkte, die einzig wirkliche Torchance
in Hälfte eins. Die Gästebilanz vor der Pause hätte
sich sogar noch ärmlicher gelesen, wenn Testroet im Gegenzug nicht der
Führungstreffer gelungen wäre.
Begünstigt wurde er durch einen Fehler von Jan-Andre
Sievers, welcher den Torschützen unbedrängt den Ball annehmen
ließ und dann nicht hinterher kam. Nach einer überzeugenden
Leistung im letzten Heimspiel gegen Burghausen blieb der Neuzugang aus Emden
damit das zweite Match in Folge hinter den Erwartungen zurück, wurde
später auch ausgewechselt.
Doch zunächst war es Nagy, der in der Kabine
bleiben musste. Mit der Hereinnahme von Amirante wechselte Orlando ab Beginn
der zweiten Halbzeit auf die Linksaußenposition. Eine Umstellung, die
sich sofort bezahlt machte. War der Holländer bei seinem energischen
Antritt von der linken Seite Richtung Zentrum doch nur mit unfairen Mitteln zu
bremsen. Freistoß, 25 Meter Torentfernung. Ein paar der
Stammzuschauer des FC Carl Zeiss werden es bemerkt haben, dieses ungewöhnliche
Positionieren Jenaer Spieler im Rudel neben der gegnerischen Mauer. Von dort lösten
sich wie auf Kommando vier Blaue bei der Freistoßausführung
und rannten in den Sechzehner hinein. Truckenbrod schoss nicht direkt, sondern beförderte
das Leder lang vor zu Orlando, welcher aus fünf Metern volley zum
Ausgleich traf. 1:1 - eine eben erst im Training einstudierte Freistoßvariante
hatte auf Anhieb funktioniert ! Damit lösten
sich endlich einige der im bisherigen Spielverlauf eingebauten Bremsen.
Salvatore Amirante zog auf 30 Metern ab, Wiedwald lenkte das Leder um den
Pfosten (54.). Der Schlenzer von Feldhahn auf der anderen Seite flog nur knapp
nebens Tor (56.). Und dass Kolb die schöne Vorarbeit von Orlando
lieber selbst verwertet hätte, statt auf Eckardt zu spielen, war ihm
hinterher auch klar.
Sie bildeten die stärkste Phase in einem mäßigen Jenaer Spiel,
jene gut zwanzig Minuten nach dem Ausgleichstreffer. Sogar Sebastian Hähnge,
bekanntlich nicht der Allerschnellste, ging hier mal aus einem Sprintduell als
Sieger hervor. Den Gästen darf man bescheinigen, ebenfalls die
Offensive gesucht und so zu einer deutlich spannenderen zweiten Halbzeit
beigetragen zu haben. Beim Schuss des Deutschtüren Ayik reagierte
Carsten Nulle im Tor hervorragend.
Dann war noch eine Viertelstunde zu spielen und Orlando hatte wieder
seinen Auftritt. Es ist beileibe nicht so, dass hier Jenas Schnellstem eine
durchgängig überzeugende Leistung bescheinigt werden soll.
Manches wirkt schon zu sehr auf Show getrimmt, zwischendurch taucht er auch mal
ab und nach hinten lässt er eh lieber andere ackern. Doch klar ist
auch - ohne Orlando wäre das Jenaer Spiel um viele Attraktionen ärmer
! Klasse, wie er in Minute 76 zwei Werder-Verteidiger förmlich stehen
ließ und den Blick für den freistehenden Nebenmann hatte. Es
war Salvatore Amirante, der in zehn Metern Torentfernung sofort abschloss - und
an einem Abwehrbein hängen blieb.
Das Tragische an diesem Spiel ist aus Jenaer Sicht, dass
immer im Anschluss an eine knapp vergebene Großchance die Quittung in
Form eines Gegentreffers folgte. Hatte Pascal Testroet schon vor der Pause
direkt nach Truckenbrodts Schuss getroffen, verging auch nach Amirantes Möglichkeit
nicht viel Zeit, bis Bremens Spieler mit der Nummer 43 zum Erfolg kam. Dabei
profitierte er wiederum von einem fehlenden Gegenspieler - der eingewechselte
Benjamin Fuss war an der Strafraumgrenze ausgerutscht. Unter dem Körper
Carsten Nulles hindurch flog der Ball ins Netz. Und nun ? Waren nur noch zehn Minuten
Zeit für Jenaer Bemühungen um den abermaligen Ausgleich.
Scheinbar unbeteiligt steht Orlando nach dem Anstoß an jener Stelle,
wo Mittel- und Außenlinie aufeinander treffen. Genau da wird er angespielt,
nimmt ein paar Meter lang Fahrt auf und legt dann den Turbo ein. Gerdes hatte
sich diesmal vorgenommen, ihm im Sprintduell Paroli zu bieten - auch er war
chancenlos und wusste sich deswegen nur mit einem Rempler im Strafraum zu
helfen. Elfmeter. Als Amirante sich vor Sträßer den Ball zur
Ausführung schnappte, stockte vielen der Atem - hatte der nicht schon
einmal.... ? Noch ehe der Gedanke zuende gebracht wurde, hatte Salvatore den
Werder-Schlussmann in die andere Ecke geschickt und zum 2:2-Endstand getroffen.
Zweimal war der FCC nach Rückstand wieder gekommen.
Doch wie eingangs schon erwähnt -
Zufriedenheit sieht anders aus. Mannschaftskapitän Nulle ärgerte
sich über die beiden Gegentreffer sowie "Negativeinflüsse von
außen", mit denen wohl Pressespekulationen über Notverkäufe
von Leistungsträgern in der Winterpause gemeint sein dürften.
Und Trainer van Eck monierte die Vorstellung seiner
Mannschaft vor der Pause. Zurecht, denn dadurch sind zwei Punkte gegen
talentierte, aber durchaus schlagbare Bremer verschenkt worden. <fc>
Eintracht Braunschweig - FC Carl Zeiss Jena 2:1
Tore: 0:1 Orlando (46.), 1:1 Kruppke (62., HE), 2:1 Kragl (69.)
- Braunschweig: Petkovic; Fuchs, Brinkmann, Dogan, Boland; Pfitzner, Danneberg,
Kruppke (86. Banser), Kragl (77. Theuerkauf); Onuegbu, Calamita (60. Morabit)
- Jena: Nulle; Sievers, Lukimya, Wuttke, Sträßer (56. Riemer); Truckenbrod, Holwijn (

, 71.)
Hähnge, Nagy (79. Kolb); Mayombo (66. Amirante), Orlando
- Zuschauer: 12.200
- Schiedsrichter: Achmüller (Bad Füssing)
- Spielbericht
-
Der zehnte Spieltag bringt das Auswärtsspiel in Braunschweig auf den Plan und da die Stammautoren dieser
Seite offensichtlich angesichts der letzten Ergebnisse von 0:3 bis 6:0 die Adjektive auszugehen scheinen darf
ich mal wieder ran, als es gilt in Niedersachsen den Platz im oberen Tabellendrittel zu sichern.
Für die erste kleine Überraschung im Gästeblock sorgt Trainer Rene van Eck, der statt des zuletzt stark
auftrumpfenden Stefan Kolb oder des wieder spielberechtigten Amirante, mit Mayombo einen Stürmer in der
Startaufstellung aufbietet, der zuletzt suspendiert worden war, lediglich in der zweiten Mannschaft
spielte und dessen letzter Pflichtspieleinsatz in der Ersten bereits vier Monate zurückliegt. Neben ihm
soll Orlando für den nötigen Angriffsdruck sorgen, während Sebastian Hähnge auf der offensiven Mittelfeldposition
die beiden Stürmer mit Bällen versorgen soll. Und es beginnt gut: Bereits in der ersten Minute kann Orlando über
die linke Seite die Braunschweiger Abwehr überlaufen, scheitert jedoch an Torwart Petkovic. In der Folgezeit
kann der FCC eine optische Überlegenheit erarbeiten - "kontrolliert Ball und Gegner" - wie man so schön sagt, ohne
dabei übermäßig torgefährlich zu werden. Mayombo wirkt dabei aber noch engagierter, als sein Sturmpartner. Die Blau-Gelben
aus Niedersachsen kommen erst nach cirka zwanzig Minuten besser zu Rande und beginnen einzelne Konter zu setzen, die in einem
durch die Mitte angespielten Calamita gipfeln, der aber, völlig frei vor Nulle auftauchend, an diesem scheitert. Damit hat es
sich dann aber auch mit dem Braunschweiger Offensivdrang für die erste Hälfte und die Jenaer Viererkette in der Abwehr kann
wiederholt mit starkem Zweikampfverhalten (Wuttke, Sträßer) die gegnerischen Angreifer "abkochen". Für den eigentlichen
Gesprächsstoff der Halbzeitpause unter dem Jenaer Anhang sorgt Amirante, der bereits kurz vor der Halbzeitpause sich zum
Aufwärmen hinter das Tor von Nulle begibt.
Die zweite Hälfte beginnt mit einem Paukenschlag der angenehmeren Sorte, als Holwijn wunderschön auf der rechten
Seite lang durch Sträßer angespielt wird, im spitzen Winkel auf das Petkovic-Tor zusteuert, scheinbar die lange Ecke
mit seinem Schuß anvisiert, es aber verfehlt, bevor Orlando am langen Pfosten den Ball erreicht und ihn gekonnt flach
über die Linie drückt.
Die Wende im gesamten Spiel wird eingeläutet, als Sträßer in der 56. Minute, leicht humpelnd, verletzt ausgewechselt
werden muss. Die bis dahin äußerst souverän wirkende Jenaer Abwehrviererkette wird mit Marco Riemer wieder aufgefüllt
und ist fortan kaum noch wieder zu erkennen. Obwohl sowohl bei der Entstehung des Elfmeters (aus dem Gästeblock schlecht
einzusehendes Handspiel Riemers), als auch bei der Entwicklung des Führungstreffers ein gehörige Portion Glück für die
Niedersachsen im Spiel ist, kommt man nicht umhin festzustellen, daß vor allem die Jenaer Elf plötzlich den Faden verlor.
Als Holwijn in der 72. Minute diese "schwarze" Viertelstunde für den FCC mit einem Foul an der Mittellinie und nachfolgendem
Ballwegschlagen abschließt, ist die Partie quasi gelaufen. Nur noch zu Zehnt gelingt es nun nicht mehr die Eintracht noch
mal in Bedrängnis zu bringen. Die Braunschweiger lassen sich nun auch nicht mehr aus der Defensive locken und glänzen im
Vorwärtsgang in den letzten zwanzig Minuten lediglich mit einem gefühlten Dutzend Fehlpässen. Auch der Versuch von van Eck,
mit der Einwechslung von Kolb, mit einem Dreiersturm noch einmal auf den Ausgleich zu gehen verpufft relativ wirkungslos.
Ein Sieg in Braunschweig wäre, meiner Meinung nach, für den FC Carl Zeiss Jena ohne weiteres zu realisieren gewesen,
wenn man nach dem Führungstor, das zu einem äußerst günstigen Zeitpunkt fiel, weiter aggressiv die Entscheidung gesucht hätte
und sich mit dem Ausgleich nicht so aus dem Takt hätte bringen lassen. Nicht Eintracht Braunschweig hat gewonnen, sondern
der FCC hat verloren. Und zwar, weil man den Gegner zurück ins Spiel brachte, den der "Ringrichter" schon bis zur "9"
ausgezählt hatte. Schade drum.
Nachtrag: Die Stadt Braunschweig bietet den per Zug anreisenden Gästefans einen kostenlosen Bustransfer vom Bahnhof zum
Stadion an. Soweit so gut. Warum man aber nicht die ca. 6 km lange, direkte Strecke durch die Stadt nimmt, sondern den
Gästefans eine ca. 20-minütige Strecke über die ortsansässigen Autobahnen anbietet, scheint schleierhaft. Ich
habe diese "Stadtrundfahrt" jetzt insgesamt viermal genossen und hätte beim nächsten Mal gern eine andere Route. Danke im voraus.
<tn>
FC Carl Zeiss Jena - SV Wacker Burghausen 0:0
Tore: Fehlanzeige
- Jena: Nulle; Sievers, Wuttke, Lukimya, Sträßer;
Nagy (74.Holwijn), Truckenbrod, Riemer, Eckardt, Hähnge, Kolb (62.Orlando)
- Burghausen: Riemann; Wolf, Hertl, Kokocinski, Kresin, Nebihi (84.Schmidt), Burkhard, Grübl (73.Belleri),
El Haj Ali, Gorka, Cappek (89.Holz)
- Zuschauer: 6948
- Schiedsrichter: Sönder (Lübeck)
- Spielbericht
-
Dritter gegen Vierter - vom Papier her das Topspiel des heutigen Tages in der dritten Liga. Sonne pur und warme Temperaturen
waren beste Vorraussetzungen, um dem Spitzenspiel auch einen würdigen Rahmen zu verleihen. Die Partie musste eine
Viertelstunde später angepfiffen werden, da die Gäste bei Ihrer Anreise aus dem Hotel in Stadtroda infolge einer
Bombendrohung im Stau standen, und dadurch nicht rechtzeitig eine Stunde vor Spielbeginn im Stadion sein konnten.
Die erste gute Aktion des Spiel leitete Jenas Abwehrspieler Sträßer ein, der mit einem herrlichen Diagonalpass
René Eckardt bediente, doch dessen Schuss in der siebenten Minute stellte für Keeper Riemann keine echte Gefahr dar.
In der 18. Minute nutzte Truckenbrodt einen Ballverlust der Gäste aus und prüfte Riemann mit einem Schuss aus der zweiten
Reihe, doch leider landete der Ball genau in den Armen des Schlussmannes. Nach der doch spielerisch armseligen Partie in Kiel
wusste der FCC am heutigen Tage zu gefallen und kontrollierte im gesamten Spielverlauf die Partie. Doch auch mit schönen
Kombinationen und Ballstafetten im Mittelfeld blieben die Torchancen auf Jenaer Seite Mangelware. Die Burghausener, die infolge
einer Grippe auf vier wichtige Spieler verzichten mussten, stellten sich konsequent hinten rein, so dass es für die Jenaer
recht schwierig war, in der dicht gestaffelten Abwehr eine Lücke zu finden. Erst nach gut einer halben Stunde die nächste
Tormöglichkeit für die Jenaer. Hähnge hatte per Kopfball in den Lauf von Youngster Kolb verlängert, doch obwohl
Riemann in dieser Aktion zu weit vor seinem Kasten stand, konnte Kolb diese gute Torchance nicht nutzen und ballerte über das Tor.
Auch nach der Pause änderte sich das Spiel nicht gravierend. In der 51. Minute versuchte sich Sievers mit einer hohen Flanke in
den Strafraum, der Ball wurde lang und länger und fiel zur Verwunderung des Gästekeepers hinter ihm aufs Tornetz. Mit etwas
Glück hätte diese Flanke auch zum erneuten Tor des Monats avancieren können. Gut eine Stunde war vorbei und ein Jubel
auf den Rängen machte sich breit, als Publikumsliebling Orlando für Kolb eingewechselt wurde. Manch einer machte sich
Gedanken, warum und weshalb dieser nicht von Anfang an spielen durfte. Doch Trainer van Eck machte in der anschließenden Pressekonferenz
alle Gerüchte zunichte, als er gleich als erstes vermeldete, dass Orlando im am Vorabend ihm mitgeteilt habe, dass er sich für ein
komplettes Spiel nicht fit fühle. Doch als er den Rasen betrat, spürte man noch einmal einen Ruck durch die Jenaer Mannschaft gehen.
Er war es auch, der in der 71. Minute gleich eine gute Einschusschance hatte, doch leider kam er einen Schritt zu spät und rutschte
einschussbereit knapp am Ball vorbei. Eine Viertelstunde vor dem Ende donnerte Nulle einen super weiten Abschlag heraus, der Ball sprang
vor Orlando auf, doch leider konnte er diese Gelegenheit nicht verwerten oder den Ball zumindest unter Kontrolle nehmen. Die Abwehr der
Gäste stand weiter recht sicher, so dass es die Spieler des FCC nun immer mehr mit Einzelaktionen probierten, die aber allesamt nichts
einbrachten. Höhepunkt des Spiels war zweifelsohne die 82. Minute, in der bereits die Jenaer Fans von ihren Sitzen aufsprangen. Doch
leider stand Orlando das Glück am heutigen Tag nicht zur Seite, denn sein gut getimter Kopfball nach Flanke vom starken Sievers klatschte
an den Innenpfosten, von wo er anschließend direkt in die Arme des Keepers sprang. Da war sie, diese eine 100% Möglichkeit, doch
leider sollte es auch die letzte nennenswerte Aktion gewesen sein.
Mit einer Minute Nachspielzeit pfiff Schiedsrichter Tim Sönder das Topspiel der 3.Liga ab, was es leider nicht geworden war. Die Gäste
waren am Ende mit diesem Punkt hochzufrieden, während die Zeiss-Kicker mit hängenden Köpfen den Rasen verließen. Denn jedem
war nach der Partie klar, dass es selten so leicht gewesen sei, heute die ansonsten starken Kicker von Wacker Burghausen zu bezwingen. Auch wenn
viele Trainer und Verantwortliche eine Einzelkritik nicht unbedingt mögen, so muss doch am heutigen Tage die gesamte Abwehr mal explizit
hervor gehoben werden. Besonders die beiden Außen mit Sträßer und Sievers taten sich heute besonders hervor und ermöglichten
den Gästen während der gesamten Spielzeit keine nennenswerte Torchance.<vg>
Bilder auf fcc.weissenburger.de
Bericht auf fussball.sv-wacker.de
Holstein Kiel - FC Carl Zeiss Jena 0:1
Tore: 0:1 Kolb (72.)
- Kiel: Frech; Lamprecht, R. Müller, Schyrba, Meyer, K.Schulz, Holt,
Jerat (80. Siedschlag), Sembolo, Sykora (9. Guscinas), Heider (66. Stier)
- Jena: Nulle; Sievers, Wuttke, Lukimya, Sträßer;
Nagy (90. Fuss), Truckenbrod, Eckardt, Riemer, Orlando (64. Kolb), Hähnge (87. Petersen)
- Zuschauer: 4511
- Schiedsrichter: Dittrich (Bremen)
- Spielbericht
-
Mit Müller, Hasse und Sykora stehen gleich drei Ex-Jenaer im Kader der Kieler. Aber Hasse war gar nicht im Aufgebot
und Fiete Sykora musste bereits in der 9. min verletzungsbedingt ausgewechselt werden und konnte so gegen seinen
Ex-Club keinen Schaden anrichten. Bis zu diesem Zeitpunkt gab es bereits die ersten aufregenden Situationen vorm
Jenaer Tor. Kiel begann von Anpfiff an offensiv und setzte die Gäste unter Druck. Im Großen und Ganzen
stand Jenas Abwehr, stark unterstützt von den vier Mittelfeldspielern und Hähnge, relativ gut. Wenn man
aber 80 der 90 Spielminuten quasi mit dem Rücken an der Wand, sprich im eigenem Strafraum steht, ist es klar,
dass die Torchancen für die Gastgeber nicht ausbleiben. Vor allem bei Ecken konnte man immer wieder die Luft
anhalten. In der 5. min wehrte Nulle einen Kopfball Haiders aus 3 m Torentfernung zur nächsten Ecke ab. Diese
konnte von Orlando nicht geklärt werden und so hatte Robert Müller die Gelegenheit, seine ehemaligen
Mannschaftskollegen per Fernschuss (der aber in der vielbeinigen Abwehr hängenblieb) zu erschrecken. Nach
einem Stolper Riemers musste sich Lukimya, der wieder eine sehr gute Partie spielte, im letzten Moment in einen
Schuss werfen und zur Ecke klären. Diese führte zu einem Kopfballaufsetzer, gegen den wohl auch Nulle
keine Chance gehabt hätte, aber der Ball ging über die Torlatte. Ganz stark bei den Kielern war in der
Anfangsviertelstunde Sembolo, der ein paar Mal den Jenaern Knoten in die Beine dribbelte. Nachdem aber Sträßer
ihn mal etwas energischer bremste, wurde der auch ruhiger. Nach ein paar Minuten relativer Ruhe musst Nulle, wiederum
nach Ecke, sehr energisch den Ball (samt Gegner) wegfausten, um Schlimmeres zu vermeiden (25.). Nochmals zehn Minuten
danach hatten die Heimzuschauer den Jubelschrei auf den Lippen: Ein weiter Einwurf von rechts wurde verlängert
und den folgenden Kopfball Holts erwischte Nulle mit sensationellem Reflex gerade noch so. Holstein ließ den
Ball in dieser Phase schnell laufen und spielte oft direkt ab. Allerdings ging es zumeist nur bis zur Strafraumgrenze,
an der eine gelbe Wand sie aufhielt. Und so probierte es Sykora-Ersatz Guscinas aus 20 Metern mit einem Fernschuß,
der jedoch nur die Latte traf und die Zuschauern aufstöhnen ließ. Zur Pause konnte man über das
Unentschieden heilfroh sein, denn die Angriffsbemühungen des FCC konnte man bis dahin mit der Zahl "Null" beschreiben.
Nach der Pause ging es wie gehabt weiter, lediglich die Spielhälfte, in der sich alles abspielte, änderte sich.
Allerdings war Holstein jetzt so nett und verzichtete fast völlig auf das Spiel über die Flügel. 7,32 m ist
die Torbreite und ungefähr ebenso breit war der Korridor an Jenas Strafraumgrenze, durch den die "Störche" ihre
Angriffe versuchten. Die Jenaer Abwehrspieler hatten dadurch eigentlich ein leichtes Spiel, wurde doch einmal einer ausgetanzt,
so standen garantiert gleich zwei weitere Gelbe dahinter und klärten. Nur bei einem Fernschuss Lamprechts von rechts
außen (52.) und einem abgefälschten Freistoß (55.) kam der Ball mal in Nulles "Sichtweite", der Rest
waren Kinkerlitzchen. Nach vorn blieb alles unverändert, es ging nichts. Kam man doch einmal über die Mittellinie,
so war es ziemlich sicher, dass Orlando im Rücken der Abwehr im Abseits stand. In der 60. min dann hatte der FCC
mal eine Chance auf einen aussichtsreichen Angriff, aber Orlando rannte mit gesenktem Kopf in zwei Gegner hinein und
übersah den mitgelaufenen und freistehenden Hähnge. So konnte das nichts werden und folgerichtig kam in der
65. Minute Kolb für Orlando. Schon die ersten Zweikämpfe Kolb sahen völlig anders aus als Orlandos
Vorstellung: Der Achtzehnjährige ging in die Zweikämpfe, setzte bei Ballverlust sofort nach und steckte
nie auf. Mir rutschte da ein "Dem Kolb gönne ich ein Tor, der hat schon gegen Dortmund so gut gespielt" heraus
(wenn die Weissagung der Lottozahlen nur ebenso klappen würde…). Drei Minuten nach dem Wechsel (in der 68. min!!!)
hatte der FCC seinen ersten Torschuss, aber Truckenbrods Geschoss ging knapp am langen Pfosten vorbei. Der nächste
Kieler Angriff wurde kurz hinter der Mittellinie abgefangen und der FCC hatte eine perfekte Konterchance in 3:2-Überzahl,
jedoch vergeigte Riemer diese Gelegenheit kläglich. Kurz danach bekam Hähnge auf der rechten Seite den Ball,
ging bis zur Grundlinie, beschäftigte zwei Gegenspieler und spielte mit der Hacke auf den mitgelaufenen Eckardt.
Der schickte seinen Gegenspieler und bediente - wie schon in vorhergehenden Spielen - mit einer maßgenauen
Zuckerflanke den in der Mitte wartenden Mitspieler. Diesmal war es Kolb, der sich die Chance nicht entgehen ließ
und zur überraschenden Führung des FCC einnickte und auf der Gegentribüne für eisiges Schweigen um
mich herum sorgte (ich jubelte solo *g*).
Das Spiel war gekippt. Die "Störche" hatten einen gewaltigen Knacks bekommen,
denn sie versuchten zwar in der verbleibenden Zeit mit viel Einsatz und Elan, dieses Resultat zu reparieren, aber lediglich
ein weiterer Lattentreffer wiederum durch Guscina sorgte für Aufregung. Im Gegenteil, mit etwas Cleverness hätte
Jena jetzt den berühmten Sack zubinden könne, aber zunächst war nach Doppelpass Eckardt - Hähnge der
Kieler Torwart einen Tick schneller am Ball als Eckardt (85.) und dann fehlte Truckenbrod einfach die Kaltschnäuzigkeit,
allein vor Frech - der bis zur Strafraumgrenze herausgekommen war - mit einem Heber das 2:0 zu machen, er ballerte den Ball
voll auf den Keeper drauf. Ansonsten versuchte man ziemlich geschickt und erfolgreich, in den verbleibenden Minuten das Tempo
aus dem Spiel zu nehmen und den Ball in den eigenen Reihen zu halten.
Bis zu Kolbs Einwechslung wäre ich mit einem Punkt hochzufrieden gewesen. Der "Dreier" ist mit etwas Glück in
den ersten 70 und mit ansprechender Leistung in den letzten 20 Minuten eingefahren worden. <uk>
FC Carl Zeiss Jena - Borussia Dortmund II 2:1
Tore: 0:1 Neumeister (6.), 1:1 Lukimya (13.), 2:1 Riemer (80.)
- Jena: Nulle; Sievers, Wuttke, Lukimya, Sträßer;
Nagy (90. Petersen), Truckenbrod, Hähnge, Eckardt (85. Fuss); Orlando,
Kolb (73. Riemer)
- Dortmund: Höttecke; Koch, Eggert, Hünemeier, Neumeister;
Hille, Hasanbegovic (85. Boztepe), Tyrala, Öztekin; Ginczek (57.
Piossek), Kullmann
- Zuschauer: 6983
- Schiedsrichter: Dankert (Rostock)
- Spielbericht
-
Das Chaos beim FCC wurde gerade mal wieder etwas unübersichtlich. Nachdem
Peter Schreiber offenbar keine unbezahlten Rechnungen mehr auf seinem Wühltisch
findet (oder diese lieber wieder untendrunter steckt), fängt die
liebevoll zusammengesparte Mannschaft an sich in Wohlgefallen aufzulösen.
Der eine haut mit südländischer Besonnenheit einem Blumenzüchter
ins Gesicht, der andere wird aufgrund seiner Großartigkeit
suspendiert und der Dritte hat seine Bandscheiben nicht im Griff. Hinzu kommen
ungezählte Zerrungen und Risse diverser Muskelgruppen, schlechte
Blutwerte und Verstauchungen. Und die wenigen Verbliebenen, die sich stets gut
benommen haben und dazu gesund sind, können auch nicht mehr so
richtig. Zu groß ist der Druck nach dem Kulturarena-Debakel für
Rom, Ähnliches vollbringen zu müssen. Ernüchternde
Aussichten also für das gestrige Spiel gegen Dortmunds Zwote, zumal
die nach fünf Minuten schon in Führung lag. Neumeister hatte
die Aufwachprobleme in Jenas Deckungsverbund schamlos ausgenutzt und per Kopf
die Gästeführung hergestellt (6.). Zwar war der ursächliche
Freistoßpfiff völliger Mumpitz, gezählt hat es
trotzdem. Aber was soll's. Aus Ruinen wird auferstanden! Und überhaupt:
Bandscheibenvorfälle werden total überbewertet!
Zwar
folgte die Trotzreaktion erst nachdem Nulle das 0:2 und damit den unabwendbaren
Untergang verhindert hatte, dann aber kam die große Zeit des Rene
Eckardt. Ganz ehrlich, wenn der immer so spielen würde wie die
folgende Viertelstunde, die Nationalmannschaft wäre kein Thema. Seine
Vorlage auf Wuttke nach einer Ecke und sein Heber aus spitzem Winkel wären
bereits Treffer wert gewesen, Hötteke bekam aber beidemal noch
irgendein Körperteil dazwischen. Gegen Lukimyas Schuß aus
Nahdistanz konnte aber auch der Dortmunder Schlußmann nichts mehr
machen. Eckardt hatte Neumeister auf der rechten Seite schön zur
Schere gemacht und den Ball dann flach nach innen geschlagen. Von dort hätte
es wohl nur noch Gomez und dann auch nur im Nationaltrikot noch fertiggebracht,
das Tor nicht zu treffen. Jubeln unter Vorbehalt (13.). Ein Unentschieden
konnte hier ja nicht das Ziel sein! Dieser Vorbehalt legitimierte sich
schneller als gedacht. Mit der Gewißheit der uneingeschränkten
Überlegenheit zog sich Jena wieder aus dem Dortmunder Strafraum zurück.
Alle Maschinen Stop - im Notfall gleichen wir halt wieder aus. Zwar hatte
Eckardt nach eine Wuttke-Vorlage noch einmal die große Chance zur Führung,
sein strammer Volleyschuß fand aber den Weg ins Tor nicht und ist
jetzt wahrscheinlich ein dicker blauer Fleck auf einem Dortmunder Gesäß
(16.). Danach tickte nur noch die Uhr runter. Was dieser taktische Unsinn soll,
ist schwer zu sagen, zumal der Schwung des Ausgleichstreffers dadurch völlig
verpuffte. Die Kräfte jedenfalls hätten eigentlich noch ein
bißchen länger reichen sollen. Kurz vor der Pause hätte
sich dieses unheilvolle Fehlverhalten tatsächlich fast gerächt.
Wäre Kullmann nicht um Zentimeter an Boztepes Eingabe vorbeigerutscht,
die etwa 300 Mitgereisten Dortmunder hätten wohl unsere leise vor sich
hin tirilierende Südkurve vollends unter den Tisch gesungen. Glück
gehabt!
Nach der Pause war es vor allem Orlando, der für Aufsehen sorgte.
Inzwischen ist es für jeden Gegner offenbar ein probates taktisches
Mittel geworden, ihn einfach am Losrennen zu hindern. Ein kurzes Halten, ein
Schubser auf Höhe der Mittellinie, eigentlich ist alles besser als ihm
später hinterherzugucken. Zwei oder drei gelbe Karten werden dafür
augenscheinlich in Kauf genommen, welche die Schiedsrichter (vor allem der von
gestern) oft nicht mal geben. Wenn dann auch noch klarste Pfiffe ausbleiben,
geht mir langsam das ohnehin knapp bemessene Verständnis aus.
Stattdessen reichten auf der Gegenseite mitunter kleinste Scharmützel
aus, um aus gefährlichsten Positionen Freistöße zu
verhängen. Einer davon wäre Jena fast zum Verhängnis
geworden, als Hünemeier den hoch hineingeschlagenen Ball von Tyrala
nur knapp verfehlt, kann Nulle erst im Nachfassen das Unentschieden festhalten
(63.). Knapp! In dieser Phase überzeugt der FCC aber auch allenfalls
durch Gleichwertigkeit auf niedrigem Niveau. Die Führung kommt
dementsprechend wie aus dem Nichts. Wieder ist es Eckardt, dessen präzise
Flanke die Entscheidung bringt. Punktgenau schießt der den Ball auf
den eingewechselten Riemer, dessen Kopfstoß die vor sich hindämmernden
Fans aus der allgemeinen Lethargie reißt (80.). Nicht zu glauben! Dieses Murksspiel und dann auch noch der Riemer. Der
hatte gegen Erfurt nun wirklich einen Scheißtag erwischt. Und dann
noch das Ding mit seinem Rücken. Schön, daß es
offenbar doch nicht so schlimm war oder Bandscheibenvorfälle halt
einfach überbewertet werden (-:
Was folgt sind noch zehn zerrige Minuten Warterei plus einer unendlich
langen Nachspielzeit. Dann ist der dritte Sieg endlich in Sack und Tüten.
Glanzvoll war es nicht! Spielerisch herrschte mitunter unbeschreibliches Elend
auf dem Platz. Dazu kommen die Abstimmungsschwierigkeiten, die bei einer neu
formierten Elf aber ganz normal sind. Entscheidend aber war der größere
Wille. Das was Erfurt in Jena zum Sieg getragen hat, war gestern Jenas
Unterpfand. Die Mannschaft wollte einfach mehr. Das Derby ist damit nicht
vergessen, dieser Stachel sitzt zu tief. Aber ein Rückspiel in Erfurt
ist ja auch noch. Ein neues Spiel mit neuen Chancen. Und nächstes Jahr
wollen wir ja auch wieder in die Kulturarena... <bpf>
VfL Osnabrück - FC Carl Zeiss Jena 2:0
Tore: 1:0 Lindemann (21.), 2:0 Reichenberger (63.)
- Osnabrück: Berbig; Herrmann, Barletta, Nickenig, Krük;
Siegert, Heidrich, Lindemann, Hansen (76. Grieneisen); Reichenberger (85.
Samide), Schmidt
- Jena: Nulle; Sievers, Wuttke, Lukimya, Sträßer;
Nagy (66. Kolb), Truckenbrod, Ziegner, Holwijn (83. Eckardt); Orlando,
Hähnge
- Zuschauer: 9800
- Schiedsrichter: Aytekin (Oberasbach)
- Spielbericht
-
Der Überkreuzvergleich der bisherigen
Saisonresultate sprach von vornherein gegen den FCC: Ingolstadt hatte Erfurt
klar besiegt, Osnabrück die Ingolstädter und Erfurt am
vergangenen Sonntag....ach, lassen wir das. Fußballspiele werden
nicht mit dem Taschenrechner entschieden. Klären wir stattdessen
lieber die Frage: Was stellt eine Mannschaft am gescheitesten an, die mit
Lanzaat, Riemer, Petersen, Osadchenko sowie Ralf Schmidt gleich fünf
Ausfälle in der Abwehr zu verkraften hat ? Klar, sie spielt munter
nach vorn !
Genau das tat Jenas Elf in der Anfangsphase. Da Salvatore
Amirante nach seiner Rot-Sperre für mindestens vier Spiele von der
Bildfläche verschwunden sein wird, teilten sich die beiden Holländer
Orlando und Holwijn von außen kommend in die Rolle des zweiten Stürmers
hinein. Wobei Melvin Holwijn in seinem ersten Match von Anbeginn wesentlich mehr
auffiel. Selbst zwei Gegenspieler vermochten ihn nach fünf Minuten
nicht zu stoppen, zumindest nicht mit fairen Mitteln. Erst als Holwijn wie
nichts zwischen ihnen hindurch geschlüpft war, holte ihn der düpierte
Krük von den Beinen. Freistoß also von der rechten
Strafraumseite, lang auf die andere Seite geschlagen zu Wuttke, dieser sofort
zurück auf den vorm Tor stehenden Hähnge. Zeit zu überlegen
hatte Sebastian nicht, zwei Meter vor dem Kasten inmitten einer lila
Spielertraube handelt man sowieso besser instinktiv - wenn dann aber der Ball
Osnabrücks Keeper Tino Berbig mitten ins Gesicht fliegt, ist das
einfach nur riesengroßes Pech. Doch Jena blieb am Drücker.
Gerade mal zehn Minuten waren gespielt, als ein sichtlich
motivierter Sebastian Hähnge
diesmal von der rechten Seite kommend durchzog. Berbig verkürzte den
Winkel, Hähnge legte deshalb auf den zentral stehenden Truckenbrod ab,
doch schoss dieser aus sieben Metern weit über das leere VfL-Gehäuse.
Dies freilich war mit Pech nicht mehr zu erklären, muss doch auch von
einem defensiven Mittelfeldspieler erwartet werden dürfen, beim unbedrängten
Torschuss nicht in starke Rückenlage zu verfallen.
Ein Führungstreffer
wäre der gerechte Lohn für ansehnlichen Kombinationsfußball
in der ersten Viertelstunde gewesen. Außer einer Einzelleistung von
Jenas Ex-Kapitän Niels Hansen hatten die Gastgeber bis zu diesem
Zeitpunkt noch nichts zustande gebracht, unter anderem weil sich Tim Wuttke auf
der ungewohnten Innenverteidiger-Position gut in Jenas Viererkette einfügte.
Doch dann brach Minute 21 an. Siegert legte für Björn Lindemann
auf und der hatte als erster VfL-Spieler in diesem Match mal richtig Platz am
gegnerischen Sechzehner. Wie er den nutzte - mit einem Sonntagsschuss ins
Dreiangel - war zweifellos sehenswert. Die Führung ansich aber äußerst
glücklich. Erst jetzt kamen die Niedersachsen besser ins Spiel. Nachdem sich zwei Jenaer
gegenseitig angeschossen hatten (29.), drohte für Carsten Nulle ebenso
Gefahr wie beim Freistoß zehn Minuten später, den der Torhüter
aber auf Nummer sicher gehend über die Latte lenkte. Seinem Gegenüber
Tino Berbig, der selbst mal in Jena zwischen den Pfosten gestanden hatte und
hierher noch familäre Bindungen hat, misslang in der 40. Minute bei
einsetzendem Gewitterregen ein Abschlag, sodass Hähnge den Ball mit
einem Heber postwendend zurück brachte. Leider nur aufs Tornetz. Als
sich einige schon auf den Pausentee zu freuen schienen, gabs den ersten
erfolgreichen Antritt von Orlando. Bei dessen Eingabe von der linken Seite kam
Hähnge einen Schritt zu spät. Oder ließ er den Ball
absichtlich für Holwijn durch ? Möglich wäre es,
denn der Neuzugang hatte freie Bahn, nur -
was machte er daraus ? Halb Ballannahme, halb Torschuss, nichts von
beiden richtig, und so beförderte der Nationalspieler das Leder weit
am Pfosten vorbei ins Toraus. Zwei, drei dicke Torchancen teils kläglich
vergeben zu haben war der einzige Vorwurf, den man der Zeiss-Elf beim Gang in
die Kabinen machen konnte.
Die erste Aktion nach Wiederanpfiff war nahezu eine Kopie
der letzten Szene vor der Pause. Wieder ging Orlando auf der linken Seite auf
und davon, wieder kam Hähnge in der Mitte einen Schritt zu spät.
Nur dass diesmal kein Holwijn daneben stand. Auf der anderen Seite köpfte
Nickenig aufs Tornetz (48.). So wie sich das Spiel danach entwickelte, war
absehbar, dass es nicht bei dem einen Treffer in dieser Partie bleiben würde.
Beide Mannschaften schenkten sich nichts, noch aber fand niemand die Lücke.
Die Emotionen im Spiel übertragen sich sogar auf die Ersatzleute
hinter dem Tor. Als Sträßer bei einer Abwehraktion gehalten
wurde und somit nicht in der Lage war, den Eckball zu verhindern,
regte sich André Schmidt berechtigterweise über
den Schiri-Assistenten auf, der das Foul eigentlich hätte sehen müssen.
Die Konsequenz war die Gelbe Karte für einen Spieler, der in dieser
Saison noch nicht eine Punktspielminute in der ersten Mannschaft verbracht hat
(58.). Besagte Ecke beschwörte übrigens Gefahr durch
Reichenbergers Kopfball herauf, den Nulle wegfaustete.
Osnabrücks Stürmer-Oldie
drehte nun richtig auf. War beim Schuss in Minute 62 abermals bei Carsten Nulle
Endstation, sorgte Thomas Reichenberger schon zwei Minuten später für
die Spielentscheidung, indem er aus sieben Metern zum 2:0 traf. Ein Tor,
das Carsten Sträßer auf seine Kappe nehmen muss, vertändelte
er doch das Leder im eigenen Strafraum ohne Not gegen Hansen, der dann
Reichenberger ins Spiel brachte. Zwar hatte eine Jenaer Mannschaft schon einmal
im Osnabrücker Stadion das Kunststück fertig gebracht, aus
einem 0:2 noch ein Remis werden zu lassen - doch die Körpersprache
nach dem zweiten Gegentreffer zeigte an, dass sich das diesmal nicht
wiederholen würde. Weshalb ein über 70 Minuten recht intensiv
geführtes Spiel die verbleibende Zeit gemächlich austrudeln
durfte.
Die Art und Weise, wie diese Niederlage zustande kam, war
eine ganz andere als eine Woche zuvor. Kein Vergleich mit dem fast
hergeschenkten Derby. Und doch gerät die Mannschaft nach einem Punkt
und null Treffern aus den letzten drei Partien in Zugzwang. Schon im nächsten
Spiel muss der Schalter wieder umgelegt werden, soll eine weitere Spielzeit in
den Tabellenregionen der Vorsaison vermieden werden. <fc>
FC Carl Zeiss Jena - FC Rot-Weiß Erfurt 0:3
Tore: 0:1 Kammlott (1.), 0:2 Semmer (40.), 0:3 Kammlott (55.)
- Jena: Nulle; Sievers, Riemer (46.Petersen), Lukimya,
Sträßer; Nagy (46. Hähnge), Truckenbrod, Ziegner, Eckardt
(68. Holwijn); Smeekes, Amirante (
, 59.)
- Erfurt: Orlishausen; Malura (

, 59.), Pohl, Möckel,
Ströhl; Cinaz, Rockenbach da Silva, Stenzel, Hauswald (84. Pinske); Semmer (64. Peßolat),
Kammlott (78. Cannizzaro)
- Zuschauer: 11.200
- Schiedsrichter: Leicher (Landshut)
- Spielbericht
- Ein paar Worte vorweg, zu den wenigen positiven Aspekten dieses Spiels:
Endlich,endlich, endlich hat es der Verein einmal geschafft, die Stadiontore mit
ausreichend Leuten zu besetzen, um einen flüssigen Einlass zu gewährleisten.
Man mag sich gar nicht ausmalen, wieviele frustrierte Zuschauer des FCC in
den letzten Monaten nicht wieder gekommen sind - nur weil der Verein die paar
Euro sparen wollte, die zusätzliche Einlasskräfte kosten? Bitte lasst es
keine Derby-Eintagsfliege sein...
Eine zweite gute Nachricht: Das Stadion war
nahezu ausverkauft, nur die Gäste hatten zu Hause irgendwie kleine Probleme
mit dem Kartenverteilen. Ja, und die Choreos kurz vor Beginn des Spiels:
die große Flagge auf der Haupttribüne und dann die Herzchen für Jena, erst
rot (WTF?!) und dann blau-gelb-weiß mit Feuer.
Beeindruckend(!) - dachten
sich wohl auch die Spieler des FCC, die sich in der ersten Minute
anscheinend auf alles andere drumherum konzentrierten, nur
nicht auf's Spiel. Der Anstoß des FCC wurde abgefangen, ein steiler Pass in
die Spitze, Abschluss von der Strafraumkante ins linke untere Eck, und nach
gefühlten drei Sekunden stand es Null-zu-Eins.
Braucht es wirklich nur ein Gegentor in der ersten Minute, um das in den
letzten Wochen vielgerühmte Wahnsinns-Jenaer Publikum komplett ruhigzustellen?
Offensichtlich. Nur die Südkurve zuckte noch in den ersten zehn Minuten,
in denen Jena sichtlich geschockt wirkte und nichts auf die Reihe kriegte.
Die Unaussprechlichen waren auch nicht wirklich gefährlich, und so plätscherte
es dahin bis zur 14. Minute, als Amirante kurz vor dem Strafraum gelegt
wurde. Ziegner trat an und schlenzte den Ball an die Querlatte... was für ein
Pech! Wenigstens war der FCC in dieser Phase gleichwertig und kam über das
Kurzpassspiel und gewonnene 1:1-Situationen auch mehrmals schnell bis
zum Strafraum der anderen. Irgendwie schienen sie aber den Ball heute
reintragen zu wollen: immer noch ein Abspiel oder Dribbling mehr aus aussichtsreicher
Position, aus der man auch einfach mal hätte draufhauen können und
müssen. Jenaer Verunsicherung wurde merklich. Je weiter die erste Halbzeit
voranschritt, desto mehr unforcierte Fehler schlichen sich in das Jenaer
Spiel ein. Kurz vor der Halbzeit verschätzte sich dann auch noch Nulle bei
einem Eckball und es stand 0:2. Auf den Tribünen machte sich Ratlosigkeit breit
- war das wirklich die gleiche Mannschaft, die bislang so begeisternden
Fußball gespielt hatte?
Es konnte nur besser werden und es wurde - bitterer. Da hatte der FCC
gleich nach der Pause eine gute Kopfballchance (der Ball landete auf dem
Tornetz), doch in der 54. Minute kam eine Bogenlampe in den Jenaer Strafraum
hereingesegelt, die ewig in der Luft war und trotzdem nach Direktabnahme
im Jenaer Tor landete. Wenn der Torschütze demnächst im Training versucht,
dieses Tor nachzustellen, wird er von 100 Versuchen wahrscheinlich 99 nicht
treffen...aber im Spiel ging er halt rein, und damit war die Luft vollständig raus.
Was danach passierte, war haarsträubend.
Es ist nicht unüblich, dass Mannschaften sich bei einem Rückstand von 0:3
nach 55 Minuten mitunter hängenlassen (wobei meine ganz persönliche Meinung
dazu ist, dass das dann auch keine Mannschaft ist). Aber dass so absolut gar
nichts mehr ging, dass einfachste Bälle zum Gegner gespielt, wirklich sinnlose
Dribblings angesetzt und Laufwege einfach abgebrochen wurden, macht
nachdenklich. Die erste Chance für den FCC gab es erst wieder in der 71.
(Hähnge vergibt aussichtsreich), dann nochmal eine kleine in der 75. Auf
der Gegenseite konnten wir uns bei Nulle bedanken, dass es am Ende nicht 0:5
stand - und zwar nicht, weil der Landeshauptstadtclub überragenden Fußball
gespielt hätte.
Einen "positiven" Aspekt hat die Sache am Ende doch noch: Dieses ganze
Geklapse mit angekündigtem Moonwalk, "Wir steigen auf"-Gesängen und 100:0-Fahnen
gehört erst mal wieder der Vergangenheit an. Die Chance besteht, dass die
Jenaer Spieler am Sonntag begriffen haben, dass sich Spiele gegen Mannschaften,
die unten stehen, nicht von selbst gewinnen. <ragnar>
Derby-Fotos von Jens Weißenburger
Bericht auf der Erfurter Homepage
FC Erzgebirge Aue - FC Carl Zeiss Jena 0:0
- Aue: Männel; Klingbeil, le Beau, Paulus, Schaffrath;
Cimen (68. Gambo), Stark, Müller (72. Klotz); Curri, Braham, Ramaj (90.
Hiemer)
- Jena: Nulle; Sievers, Riemer, Petersen, Sträßer;
Nagy, Truckenbrod, Ziegner, Orlando; Hähnge, Amirante (87. Eckardt)
- Zuschauer: 11.400
- Schiedsrichter: Dr. Fleischer (Sigmertshausen)
- Spielbericht
- 5:1, 5:0, 5:0. In den vergangenen drei Jahren ist der FCC im
Erzgebirgsstadion regelrecht vermöbelt worden. Bekanntlich hat der
Optimist keine Ahnung von den freudigen Überraschungen, die ein
Pessimist erlebt. Trotzdem fuhren wir diesmal mit einem besseren Gefühl
nach Aue und weigerten uns von vornherein, an eine Fortsetzung dieser schwarzen
Serie zu glauben. Dafür hatte die neue Jenaer Mannschaft in den ersten
Wochen der noch jungen Saison schon zu viel an Potential offenbart.
Entgegen seiner Ankündigung hatte René van Eck im
Vergleich zum letzten Spiel eine Änderung vorgenommen. Rene Eckardt
blieb trotz ansprechender Leistung gegen Bayerns Zweite erst mal wieder auf der
Bank, wohingegen Sebastian Hähnge zu seiner Premiere in der Startelf
kam. Waren es die besseren Trainingsleistungen, die dafür den
Ausschlag gaben ? Fürchtet van Eck, den Youngster zu schnell zu
verheizen ? Oder will er Jenas Offensivtaktik ein Stück weit
unberechenbarer für die Ligakonkurrenz gestalten ? Wie auch immer -
Smeekes, der am liebsten nur Orlando genannt werden möchte, rückte
aus dem Zentrum auf die Außenposition. Von da, nur in der anderen Hälfte,
kamen auch die meisten Bälle in den ersten zwanzig Minuten. Eckball um
Eckball holten die Gastgeber während ihrer Anfangssoffensive heraus.
Den ersten richtigen Torschuss gabs dennoch von einem Jenaer. Salvarore
Amirante prüfte Martin Männel nach achtzehn Minuten. Darüber
hinaus tat sich allerdings vor der Pause nicht viel an Offensivgeschehen
seitens der Thüringer. Dazu fehlte es im Mittelfeld an einem
Gestalter, der die Bälle verteilte oder einfach mal länger in
den eigenen Reihen hielt. Hähnge und Amirante hatten es schwer mit
ihren Gegenspielern. Und Orlando ? Zeigte auf rechtsaußen mehrmals
technische Kabinettstückchen, doch in echte Torgefahr mündeten
die meist nicht, sodass sich die Umstellung alles in allem nicht bezahlt
machte. Ein einziges Mal brachte er vor der Pause nach energischem Sprint eine
Eingabe vors Tor, doch die fing Männel vor dem einschussbereiten
Amirante weg.
Erfreulich hingegen, dass Jenas Viererkette auch ohne Lanzaat
lange Zeit nichts zuließ. Da konnten Curri und Ramaj rochieren, wie
sie wollten - sowohl Sievers wie auch Sträßer ließen
sie nicht zu Entfaltung kommen. Auch die 7:0 Ecken der Veilchen in Hälfte
eins bereiteten Nulle und seinen Vorderleuten keine Probleme. Lediglich in den
letzten drei Minuten vor dem Pausenpfiff schlich sich kurzzeitig mal etwas
Sorglosigkeit ins Jenaer Abwehrzentrum. Denn dass ausgerechnet der Kleinste auf
dem Platz, Skerdilaid Curri, nur um wenige Zentimeter an einem Kopfballtor
vorbeischrammt, darf eigentlich nicht
passieren. Und was war in Minute 44 los ? Bei Müllers Heber in den
Strafraum rannten gleich zwei Weiße mit Ramaj mit, wodurch sich
Braham zentral in 13 Metern
Torentfernung seelenruhig auf seinen Torschuss vorbereiten konnte. Doch vergeht
kein Spiel ohne eine Heldentat von Carsten Nulle ! Jenas Keeper entschärfte
Brahams Schuss mit toller Reaktion. Der Halbzeitpfiff kam den Jenaern nicht
ungelegen.
Mit Beginn der zweiten Hälfte hatte sich Jenas
Hintermannschaft wieder formiert. Aue zunächst wieder leicht feldüberlegen,
ohne groß zu Tormöglichkeiten zu gelangen. Ramajs Schlenzer
Richtung Dreiangel fing Nulle noch in dessen Steigphase (57.). Die optische Überlegenheit
auf Seiten der Gastgeber verschwand dann nach etwa einer Stunde Spielzeit. Erst
jetzt fiel auf, dass mit Kos auch bei den Erzgebirglern der Abwehrchef fehlte
und deren Hintermannschaft nicht unüberwindbar ist. Als Orlando seinen
Gegenspieler ins Leere rutschen ließ, die flache Hereingabe nur
unkontrolliert nach vorn abgewehrt werden konnte, kam Jens Truckenbrod aus fünfzehn
Metern zum Torschuss. Wie gern hätten wir DEN ankommen sehen ! Doch
Paulus warf sich hinein, bescherte Jena damit nach 61 Minuten wenigstens noch
die erste Ecke, welche aber wie generell alle Standards an diesem Tag nichts
einbrachte. Die hohen Temperaturen sollten in der Schlussphase bei beiden
Mannschaften ihren Tribut fordern. Das Wort Sommerfußball machte nun
die Runde. Van Eck schien dennoch nicht unzufrieden,
tätigte seinen ersten Wechsel erst drei Minuten vor
Schluss und dies aus Verletzungsgründen. Dass auch Trainerkollege
Schmitt in der 90. Minuten noch einen neuen Mann auflaufen ließ, lässt
den Schluss zu, dass mit dem unentschiedenen Spielausgang am Ende alle recht
zufrieden waren. Die Gastgeber hatten dem Spitzenreiter einen Punkt abgerungen,
der FCC bereitete seiner schwarzen Serie im Erzgebirgsstadion endlich ein Ende.
Zwar ist die Tabellenführung damit schon wieder
passé, doch ist der FC Carl Zeiss Jena auch nach dem Auer Auswärtsspiel noch ungeschlagen in dieser Saison.
Und das ist schließlich auch schon etwas wert. <fc>
FC Carl Zeiss Jena - FC Bayern München II 6:0
Tore: 1:0 Eckardt (8.), 2:0 Smeekes (28.), 3:0 Amirante (48.), 4:0 Amirante (62.), 5:0 Amirante (64.), 6:0 Amirante (76.)
- Jena: Nulle; Sievers, Riemer, Lanzaat (23. Petersen),
Sträßer; Nagy, Truckenbrod, Ziegner, Eckardt; Smeekes (68.
Hähnge), Amirante (77. Benyamina)
- München: Kraft; Schütz, Lell
(
, 38.), Saba (56. Kopplin), Contento;
Erb, Rieß, Görlitz, Schürf (53. Yilmaz); Sikorski, Sene (43. Duhnke)
- Zuschauer: 8346
- Schiedsrichter: Gorniak (Bremen)
- Spielbericht
- Vor dem Spiel bestimmten noch Sorgen die Gedanken der
meisten Zuschauer, an die sich nach dem Spiel kaum noch jemand erinnerte. Wie
wird die Mannschaft die befürchteten Ausfälle von Carsten Sträßer
und Ralf Schmidt verkraften können? Wie kommt der FCC mit den
bundesligaerfahrenen Christian Lell und Andreas Görlitz zurecht? Wird
die zweite Garde des großen FC Bayern am dritten Spieltag ihr
zweifellos vorhandenes Potential zeigen, nachdem man eher schwach in die Saison
gestartet war?
Zumindest einer der Fragen löst sich noch vor dem
Anpfiff in Wohlgefallen auf, denn Carsten Sträßer stand in
der Startformation. Der Abwehrspieler ist mitverantwortlich für den
derzeitigen Erfolg des FCC und wird von vielen aufgrund seiner in der letzten
Saison oft gut versteckten Souveränität mit einem
Augenzwinkern als "Neuzugang" bezeichnet, entsprechend groß war die
Erleichterung bei der Lektüre seines Namens in der Startaufstellung. Die
Elf des gut in die Saison gestarteten FCC begann das Spiel auch gleich druckvoll
und schon die ersten Minuten ließen keinen Zweifel daran aufkommen,
wer heute der Herr im Haus sein wollte. Die erste Ecke des Spiels erhielten
trotzdem die Bayern, aber mehr als ein schneller Gegenstoß über
den starken Sievers sprang dabei nicht heraus. Dieser Konter war es, den Timo
Nagy mit einem herrlichen Pass auf Salvatore Amirante fortsetzte. Der Italiener
stand plötzlich vor Kraft im Tor des FCB und wollte den Ball in der
langen Ecke unterbringen, hatte dabei aber die Reflexe des Schlussmanns der
Bayern unterschätzt. Festhalten konnte er den scharfen Schuss aus
kurzer Distanz allerdings nicht, der mitgelaufene René Eckardt schaltete am
Schnellsten und konnte den Ball unbedrängt aus kurzer Distanz im Tor
unterbringen - 1:0 für den FCC nach nur acht Minuten! Die erfahrenen
Spieler der Bayern, namentlich Görlitz und Lell, sahen beim
vorhergehenden Zusammenspiel von Nagy und Amirante alles andere als gut aus und
verloren schon nach diesen wenigen Minuten einen Teil des von ihren Namen
ausgehenden Glanzes.
Die Gäste aus München zeigten sich aber
keineswegs geschockt vom frühen Rückstand, stattdessen bemühten
sie sich von nun an intensiv um den Ausgleich. Nur fünf Minuten nach
der Führung war es Carsten Nulle, der gegen den in dieser Phase
starken Sikorski klären musste. Der war nach einem Missverständnis
in der Jenaer Hintermannschaft plötzlich frei vor Nulle aufgetaucht
und scheiterte nur an der blitzschnellen Reaktion des auch heute sicheren Rückhalts.
Im Gegenzug hat Eckardt das 2:0 auf dem Fuß, nachdem er mit einem
herrlichen langen Ball von Nagy freigespielt wurde. Sein Ball geht aber leider
nicht nur an Torhüter Kraft vorbei, sondern auch am Tor. Für
die nächsten Minuten sollte dieser Gegenstoß das letzte
Lebenszeichen des FCC sein, von nun an drückten die Bayern. Dabei war
es immer wieder Marco Riemer, der in der Abwehr nicht überzeugen
konnte. In der 16. Minute profitiert er allein von der Fairness des Münchner
Stürmers Sikorski, der sich trotz leichtem Trikotzupfer aufrafft und
sich nicht fallen lässt, anderenfalls hätte man diese
Situation wohl als Notbremse werten müssen. So stand Sikorski zwar
allein vor dem Jenaer Gehäuse, aber dieses wurde ja von Carsten Nulle
bewacht - und dieser reagierte erneut glänzend. Auch wenn man sich
mittlerweile schon fast daran gewöhnt hat, mit Nulle einen extrem
sicheren Rückhalt zu haben - was dieser Mann Woche für Woche
für Bälle hält, ist aller Ehren wert. Völlig
zu Recht wurde "Wild Thing" auch vor dem Spiel als Spieler der letzten Saison
ausgezeichnet, denn ohne ihn hätte der FCC die Klasse wohl kaum
gehalten. Richtig ernste Mienen konnte man nur kurz darauf erblicken, denn
offenbar hatte sich Abwehrchef Quido Lanzaat ohne Fremdeinwirkung verletzt und
drängte auf seine Auswechslung, die nach 23 Spielminuten vollzogen
werden musste. Nicht wenige fürchteten nun den baldigen Ausgleich oder
zumindest massive Probleme mit den schnellen und ballsicheren Angreifern der
Bayern für die umgestellte Innenverteidigung. Genau in diese Phase des
größten Drucks der Bayern stürmt aber erneut
Orlando Smeekes hinein und spielte sich endgültig in die Herzen der
Fans. Nach einer kampfgeprägten Balleroberung des Hachinger Neuzugangs
Nagy hat Orlando nur noch Lell und das Tor vor sich. In seiner gewohnten,
unheimlich schnellen Art stürmt er auf Lell zu, schlägt noch
einen Haken und streichelt den Ball dann mit der Innenseite an den kurzen
Pfosten - von dem das Leder den erstrebenswertesten Weg wählt, nämlich
den ins Tor von Jenas Gegnern! Das 2:0 in der 28. Minuten fiel sprichwörtlich
genau zum richtigen Zeitpunkt, denn es setzte einen Schlussstrich unter eine
Phase gefährlicher Angriffe der Gäste, die immer wieder nur
vom Jenaer Schlussmann aufgehalten werden konnten. Auch in der Folge überforderte
der Mann von den niederländischen Antillen, der nun bereits vier Tore
in drei Spielen erzielt hat, seinen Gegenspieler Lell immer wieder mit seiner
Schnelligkeit. Zehn Minuten nach dem 2:0 wurde die Sprintstärke dem Münchner
endgültig zum Verhängnis, als ihn Orlando einmal mehr
regelrecht überlaufen konnte und von Lell nur noch per Foul zu stoppen
war. Da Lell zu diesem Zeitpunkt letzter Mann war und Smeekes freie Bahn aufs
Tor gehabt hätte, war die Entscheidung des unauffälligen
Schiedsrichters Gorniak durchaus nachvollziehbar - Rote Karte wegen Notbremse
und Freistoß für den FCC, denn der Bremer Unparteiische
hatte das Foul außerhalb des Strafraums gesehen. Auch wenn der
Freistoß und die folgenden Minuten vor der Halbzeit nichts
einbrachten, so hatte sich der FCC doch eine hervorragende Ausgangslage für
den zweiten Durchgang geschaffen. Doch trotz der Zwei-Tore-Führung und
der Jenaer Überzahl erwarteten viele eine spannende zweite Hälfte,
in der den Bayern im Falle eines schnellen Anschlusstreffers durchaus noch
Chancen eingeräumt wurden.
Derartige Sorgen und Ängste lösten sich
aber schon kurz nach dem Wiederanpfiff auf, denn die 8346 Zuschauer im Ernst
Abbe Sportfeld sahen einen FC Carl Zeiss Jena, der weiterhin mit voller
Konzentration zu Werke ging. Das aus der Führung und dem Spielverlauf
resultierende Selbstvertrauen sorgte außerdem dafür, dass
Flanken und Pässe scheinbar präziser ankamen und
leichtfertiger von der Hand gingen als in anderen Spielen. Nur drei Minuten
nach Wiederanpfiff war es dann auch schon so weit, dass auch die letzten
Zweifler vom Optimismus übermannt wurden, denn nach einer präzisen
Flanke des starken René Eckardt auf den Kopf von Salvatore Amirante dürfte
die Halbzeitansprache von Gästetrainer Mehmet Scholl bereits hinfällig
gewesen sein. Der Italiener stieg als einziger im Strafraum hoch zum Kopfball,
begleitet nur von den ungläubigen Blicken seines Gegenspielers. Der
musste mit ansehen, wie der wuchtige Kopfball unhaltbar für Kraft im
Netz landete und das Spiel faktisch entschieden war. Anders als nach dem 1:0
war nun auch ein gewisser Schockzustand bei den Bayern zu erkennen, die mit
einer derart druckvollen Offensive seitens der Jenaer offenbar nicht gerechnet
hatten. Nach einer guten Chance für den unauffälligen, aber
ebenfalls überzeugenden Truckenbrod in der 59. Minute war es nach
knapp über einer Stunde erneut Amirante, der einen Eckball von Nagy
per Kopf über die Linie bugsierte. Wieder fühlte sich keiner
der Bayern so richtig zuständig, erneut war gegen den starken Kopfball
aus kurzer Distanz nichts zu machen - 4:0 für den FC Carl Zeiss Jena!
Schon jetzt fragten sich einige, wann sie derartiges zuletzt erlebt hatten,
nicht ahnend, was die folgenden Minuten noch bringen würden. Der FCC
hatte nämlich noch lange nicht genug und spielte weiter attraktiven
Offensivfußball. Nur zwei Minuten später hatte sich Smeekes
auf links einmal mehr aller Gegenspieler entledigt und spielte dann einen
perfekten Pass in den Lauf des Doppeltorschützen Amirante, der den
Ball aus fünf Metern nur noch über die Linie schieben musste
und damit das 5:0 sowie seinen Hattrick vollendete! Nach 68 Spielminuten gönnt
Jena-Trainer René van Eck dem neuen Publikumsliebling und Torschützen
des Monats Orlando Smeekes nach einer weiteren starken Partie seinen verdienten
Applaus. Von stehenden Ovationen begleitet verlässt der Shooting-Star
den Platz, für ihn kommt Sebastian Hähnge. Der Eingewechselte
fügt sich sofort gut in das Spiel der Blau-Gelb-Weißen ein
und hat nur Minuten nach seiner Einwechslung das 6:0 auf dem Fuß, als
ihm Truckenbrod den Ball überlegt in den Lauf lupft. In dieser
Situation konnte sich allerdings zunächst der Münchner Torhüter
Kraft auszeichnen, als er den scharfen Schuss Hähnges pariert. Doch
das sollte am heutigen Tag nicht ausreichen, denn Hähnge setzt nach,
holt sich den Abpraller und flankt den Ball erneut butterweich auf den langen
Pfosten. Dort wartet, wie könnte es anders sein, Salvatore Amirante
und hat erneut keine Mühe, den Ball im Tor unterzubringen - 6:0 nach
76 Spielminuten, vier Tore von Amirante innerhalb von nicht einmal einer halben
Stunde, ungläubiges Staunen mischt sich in den unbändigen
Jubel im weiten Rund des Ernst Abbe Sportfelds.
Das halbe Dutzend war voll und die Jenaer Spieler ließen
es dabei bewenden, die folgenden fünfzehn Minuten waren mehr Schaulaufen
als ernsthafter Fußball und die Bayern hatten sich längst
mit der demütigenden Realität abgefunden. Gegenwehr wäre
bei diesem Spielstand ohnehin zwecklos gewesen und so konnten die leidgeprüften
Anhänger des FCC endlich mal wieder eine Schlussviertelstunde ohne
Angst vor späten Gegentoren oder in der Hoffnung auf ein dringend benötigtes
Jenaer Tor verbringen, stattdessen wurde der in dieser Form von niemandem
erwartete Sieg ausgiebig gefeiert. Neben dem Ergebnis gefiel vor allem die
Tatsache, dass neben dem beinahe unheimlich schnellen Orlando Smeekes auch die
beiden Außen Sievers und Nagy überzeugen konnten und Jena über
weite Strecken des Spiels sehr sehenswerten und dynamischen Offensivfußball
zeigte. Auch in Anbetracht eines bestimmten Ergebnisses vom Samstag bildete das
6:0 den perfekten Abschluss eines paradiesischen Wochenendes, das so schnell
keiner der anwesenden Jena-Fans wieder vergessen wird. Nun muss der neue
Spitzenreiter der Dritten Liga in Aue nachlegen bevor am kommenden Wochenende
ein ganz spezieller Gast im Ernst Abbe Sportfeld erwartet wird. Sollten Orlando
Smeekes & Co. auch dann wieder einen ähnlichen Auftritt wie in den
bisherigen Saisonspielen hinlegen, dürfte der Jubel selbst die
heutigen Freudenschreie noch einmal deutlich übertönen. Bis
es so weit sein kann, liegen aber noch zwei mal 90 Minuten vor der Mannschaft
von René van Eck - zumindest das nötige Selbstvertrauen für
die erfolgreiche Gestaltung der beiden Ostderbys sollte spätestens
nach dem heutigen Spiel vorhanden sein. <bh>
SV Sandhausen - FC Carl Zeiss Jena 2:2
Tore: 1:0 Schuon (9.), 1:1 Smeekes (19.), 1:2 Riemer (32.), 2:2 Pinto (90., FE)
- Sandhausen: Gurski; Bindnagel, Schuon, Eberlein, Mintzel; Pinto,
Hillenbrand, Jungwirth (66. Fischer), Schauerte (77. Hosiner); Ristic (23.
Öztürk, Dorn
- Jena: Nulle; Sträßer, Lanzaat, Riemer, R. Schmidt;
Sievers (60. Hähnge), Truckenbrod, Ziegner, Nagy; Smeekes (88.
Petersen), Amirante (81. Benyamina)
- Zuschauer: 3150
- Schiedsrichter: Kempter (Sauldorf)
- Spielbericht
- Gleiches
Ergebnis - unterschiedliche Gefühle. Wo vor zwei Monaten 3.500 verzückte
Zeissfans ob des Klassenerhalts den Sandhäuser Rasen stürmten, herrschte
diesmal betretenes Schweigen unter beachtlichen gut 500 mitgereisten
Blau-gelb-weißen. Die meisten unter ihnen wären vor dem Spiel wohl mit einem
Zähler zufrieden gewesen, doch nach diesem Spielverlauf musste man einfach
hadern. Mit einer späten und nicht nachvollziehbaren Spielentscheidung durch
Referee Kempter, und mit dem Auslassen unzähliger
Möglichkeiten zur Vorentscheidung durch die eigene Elf.
Dass
dieses Spiel ein ganz intensives werden sollte, deutete sich schon nach wenigen
Minuten an. Riemers und Smeekes' gefährlichen
Toraktionen folgte auf der Gegenseite nach 8 Minuten die Führung der Gastgeber.
Ralf Schmidt hatte einen unnötigen Eckball verursacht - nicht der einzige
Fehler des sich nach dem Wechsel steigernden Studenten in den ersten 45 Minuten
- und Sandhausens bulliger Neuzugang Schuon köpfte
das Leder kompromisslos wuchtig zur frühen Führung ins Netz. Und die Gastgeber
drängten weiter mit schön anzusehendem Kombinationsfußball, waren durch das nur
schwer zu bändigende bundesligaerfahrene Sturmduo Ristic/Dorn stets
kreuzgefährlich. Doch anders als im Mai behielt Jena die Ordnung und schlug
zurück. Sträßer und Sievers kämpften im Duett
Mintzel den Ball im eigenen Strafraum ab,
Sträßers weiter gefühlvoller Ball erreichte zur
Überraschung von Sandhausens Hintermannschaft Orlando Smeekes,
der dem verdutzten Gurski das Leder in die Maschen
servierte (19.). 1:1! Und Jena machte weiter. Nur zwei Minuten später die
nächste Riesenchance für den Holländer nach tollem Diagonalpass von Sievers,
doch der Hammer zischt knapp am Tor vorbei. Eine Minute drauf hatte Nagy dann
die Führung auf dem Fuß, als er eine schöne Kombination zu harmlos abschloss.
Jena war im Spiel, und bald begann auch der Tag des Marco Riemer freundlichere
Züge anzunehmen. Zunächst erlöste ihn die verletzungsbedingte Auswechslung
Ristics von diesem unangenehmen, einen Kopf größeren Gegenspieler. Dann durfte
sich der Apoldaer sogar in die Torschützenliste
eintragen, als er nach Amirantes artistischer
Fallrückziehervorlage aus Nahdistanz zur verdienten Führung nach 33 Minuten
abstaubte.
Von
Sandhausen kam bis zum Wechsel nichts mehr, und dennoch hatten 3.500 Zuschauer
ein packendes und völlig offen geführtes Spiel gesehen. Glaubten sie zumindest,
denn nach dem Pausentee ging es erst richtig los. Bindnagel eröffnete das
Offensivfestival mit einem Knallbonbon knapp am rechten Pfosten vorbei (48.).
Smeekes antwortete mit Zuckerpass auf Sievers, der sich
völlig freistehend vor Gurski den Ball etwas zu weit
vorlegte (49.). Minuten später zwei dicke Patzer von Riemer, die die Gastgeber
nicht zu nutzen verstehen. Jungwirth zieht nach 56 Minuten ab und zwingt Nulle
zu einer Glanzparade. Dann kommt Nagy über die rechte Seite, doch seine
Hereingabe auf den blank stehenden Amirante misslingt (59.). Es war eine der
wenigen Offensivaktionen Nagys, der sich nach vorn wenig zutraute. Ausgewechselt
wurde nach einer Stunde aber sein Flügel-Gegenüber Sievers, bei dem sich
gelungene Offensivakzente mit schlampigem Defensivverhalten abwechselten.
Sebastian Hähnge kam ins Spiel und legte Sekunden
später gleich gekonnt per Kopf auf Amirante auf, Gurski
klärt. Wiederum Sekunden später umkurvt Hähne den Sandhäuser Keeper, ist
eigentlich schon vorbei und der Ball gefühlt auf dem Weg ins Tor, doch
irgendwie kommt Gurski doch noch einmal ans Leder
(61.). Eine Minute darauf darf Smeekes die nächste
hundertprozentige Torchance versieben, allein rechts vor dem Kasten entscheidet
er sich gegen den Pass auf den mitlaufenden Amirante und für den Flachschuss,
den Gurski mit Fußbabwehr
pariert. Wahnsinn! Quasi im Gegenzug rettet Lanzaat
vor dem einschussbereiten Pinto (62.). 63. Minute, ein Schuss Sandhausens aus
dem Hinterhalt wird unfreiwillig von Hillenbrand abgefälscht und trudelt an den
Pfosten! Vier Minuten später dann wieder dann wieder Bindnagel mit
Volleyschuss, Nulle pariert.
Sandhausen ging nun noch mehr auf Risiko und
drückte die Thüringer, bei denen die ordnende Hand im Mittelfeld vermisst
wurde, mehr und mehr in die eigene Hälfte, in der sich Carsten
Sträßer mit einer tadellosen Leistung Bestnoten verdiente.
Einen Entlastungsangriff über die rechte Seite kann der bisweilen selbst
auffällig fallsüchtige Mintzel nur mittels einer
Mischung aus grobem und taktischem Foul an Smeekes an
der Torauslinie verhindern, ohne dafür den Karton zu sehen. In
Ziegners frechen Freistoß spritzt Amirante, und als der Ball
hinter dem Keeper die Torlinie entlang zischt, ist wieder einmal
Haareraufen im Gästeblock angesagt. Mehr noch als
Smeekes nach 80 Minuten die nächste Hundertprozentige
vergibt, allein vor Gurski diesen nicht überwinden
kann. So kam das, was kommen musste. Sandhausen verlegte sich auf das
Erarbeiten von Freistößen, von deren Berechtigung nur wenige im Gästeblock
überzeugt waren, und so stand Carsten Nulle mehr und mehr im Mittelpunkt,
rettete mehrmals großartig. Machtlos war er jedoch, als Robert
Kempter - wie Sandhausen in Baden-Württemberg beheimatet -
in der Schlussminute auf den Elfmeterpunkt zeigte, ein Foulspiel Riemers an
Dorn gesehen haben wollte. Roberto Pinto ließ sich das späte Geschenk nicht
entgehen und schickte die Zuschauer mit dem gleichen Ergebnis nach Hause wie
vor zwei Monaten.
Diesmal bleibt für den FCC zu konstatieren, zwei Zähler
verschenkt zu haben, und das in erster Linie wegen der sträflich ausgelassenen
Großchancen im zweiten Abschnitt. Auf der Leistung der Mannschaft aber darf aufgebaut
werden, und diesen positiven Eindruck nahm Jenas Anhang mit auf die 400
Kilometer lange Heimreise. <gunner>
FC Carl Zeiss Jena - SV Wehen Wiesbaden 2:1
Tore: 1:0 Smeekes (50.), 2:0 Smeekes (56.), 2:1 Bohl (74.)
- Jena: Nulle; Sträßer, Lanzaat, Riemer, R. Schmidt;
Sievers, Ziegner, Truckenbrod, Nagy (87. Petersen); Smeekes (90.+1
Eckardt), Amirante
- Wehen: Birkenbach; Hollmann, Barg, Glibo, Weigelt; Bohl, Reinert
(61. Ziegenbein), Hübner, Öztürk (72. Landeka); Boskovic,
Stroh-Engel (58. Ziemer)
- Zuschauer: 7713
- Schiedsrichter: Dr. Brych (München)
- Spielbericht
- Gemeinhin gilt es als Vorteil, gegen Absteiger aus der 2.
Bundesliga gleich am Anfang einer Saison antreten zu dürfen. Deren
personelle Fluktuation ist meist recht hoch, der neuformierte Kader muss sich
erst einspielen. Im Gegensatz zu den beiden anderen Absteigern blieb dem SV
Wehen aber die große Abgangswelle erspart. Und so versprach der 1.
Spieltag gleich eine Standortbestimmung für den FC Carl Zeiss zu
werden.
Erstmals seit 2003 durfte die Punktspielsaison mal wieder
mit einem Heimspiel eingeläutet werden. Wenn dabei trotz Aprilwetters
7713 Zuschauer ins Ernst-Abbe-Sportfeld kommen, zeugt das ungeachtet der
miserablen letzten Saison von einer deutlichen Erwartungshaltung. Sebastian Hähnge
saß mit auf der Tribüne. Schon einen Tag vor dem Match hatte seine linke
Wade zu zwicken begonnen, am Spieltag selbst war dann nicht einmal mehr ein
Kurzeinsatz möglich. Sollte es deshalb ein schnelles Revival der
Ein-Stürmer-Taktik von René van Eck geben ? Nein, denn der Rückkehrer
auf den Trainerstuhl beorderte Orlando Smeekes auf die zweite Angriffsposition.
Da Jan-André Sievers in die Startelf nachrückte, war diese mit allen fünf
Neuzugängen besetzt.
Verteiltes Spiel zu Beginn. Ein Kopfball im Anschluss an
Wehens zweite Ecke wurde am kurzen Pfosten abgefangen, den Spurt von Reinert in
den Strafraum stoppte Sträßer. Auf der anderen Seite war es
Salvatore Amirante, der mit einem Kopfball aus sechs Metern Birkenbach prüfte
und mit einem 19-Meter-Flachschuss knapp verzog.
All das waren Szenen aus den ersten 20 Minuten, danach
dominierten die Abwehrreihen und weitere nennenswerte Aktionen vor der Pause
blieben rar. Einzig Timo Nagy aus guter Schussposition in zwanzig Metern
Torentfernung forderte nach 35 Minuten noch einmal den Beifall heraus. So sehr
man sich über die stabile Viererkette mit dem neuen Abwehrchef Lanzaat
und dem wie ausgewechselt wirkenden Sträßer freuen durfte -
beim Offensivspiel blieb zunächst noch viel Luft nach oben.
Van Eck hatte seiner Mannschaft in der Kabine mehr Risiko
verordnet und diese setzte das gleich mit Wiederanpfiff um. Bälle, die
während der ersten 45 Minuten noch als Querpass gespielt worden waren,
flogen nun steil ins Angriffszentrum. Es war Salvatore Amirante, der von der
Mittellinie aus seinen Sturmpartner Orlando Smeekes mit einem Diagonalpass auf
die Reise schickte. Diese Reise führte um einen Gegenspieler herum,
zwischen zwei Verteidigern hindurch direkt zu Torhüter Birkenbach, an
dem vorbei Smeekes das Leder ins lange Eck schob. 1:0 - Zeit für den
ersten Torjubel der neuen Saison mit einem Flickflack, wie man ihn im
Ernst-Abbe-Sportfeld so wohl noch nie gesehen hat. Miroslav Kloses berühmte
Überschläge in der Nationalmannschaft wirken geradezu
armselig gegen jene eines Orlando
Smeekes beim FC Carl Zeiss Jena ! Auch wenn dessen artistische Brillanz nicht
von ungefähr kommt, war er in seiner Jugend doch dreimal holländischer
Meister im Turn-Mehrkampf, bevor er sich für die fußballerische
Laufbahn entschied. Eine gute Entscheidung, wie uns nur sechs Minuten später
ein weiteres Mal klar werden sollte. Da trat Smeekes in 35 Metern Torentfernung
zum Freistoß an. Für eine direkte Ausführung noch
viel zu weit vom Kasten entfernt, dachten die meisten. Doch der Nationalspieler der
niederländischen Antillen schoss direkt durch die Drei-Mann-Mauer der
Wehener hindurch ins linke untere Eck. Welch ein (P)fund !
Während wir Beobachter noch ganz fasziniert waren
von den gleichsam schönen und doch auf so unterschiedliche Weise
zustande gekommenen Treffern unseres Orlando, setzten die Gäste mit
dem Mute der Verzweiflung zur Aufholjagd an. Diese hatten sie in der
Vorbereitung bereits gegen Koblenz und Saarbrücken mit Erfolg
praktiziert. Boskovic mit Schuss ans Außennetz sowie die frisch
eingewechselten Ziemer und Ziegenbein zeigten an, dass dieses Mahl mit
den zwei Toren noch lange nicht gegessen war. Und tatsächlich, in der
74. Spielminute traf Bohl unhaltbar per Kopf zum Anschlusstreffer. Eine
Viertelstunde war danach noch zu spielen. 15 Minuten, die besonders der aus
Kaiserlautern gekommene Marcel Ziemer mit mehreren Chancen zur Zitterpartie für
alle Blau-Gelb-Weißen werden ließ. Bei Ziemers
Aufsetzerkopfball sechs Minuten vor Schluss rührte selbst Geburtskind
Carsten Nulle (Glückwunsch zum 34. !) keinen Finger mehr - doch das
Leder klatschte nur an die Werbebande hinter dem Tor. In der 89. kam Nulle an
einen Eckball nicht heran, dafür stand Sträßer
goldrichtig und konnte an der Torraumgrenze per Kopf klären. Mit
tollen Einzelaktionen hatte einer aus der Mannschaft den Vorsprung heraus geschossen
- alle elf zusammen sorgten nun dafür, dass aus ihm drei Punkte wurden.
Auch wenn in der letzten halben Stunde das Geschehen etwas
aus der Hand gegeben worden war - mit dem Sieg gegen Wehen hat die neue Jenaer
Mannschaft schon mal einen ersten Fingerzeig erhalten, dass auch gegen
Staffelfavoriten etwas gehen kann. Orlando Smeekes, der in seiner Freizeit auch
noch Thai-Boxen betreibt, will übrigens trotz seiner Erfolgserlebnisse
im Sturm so schnell wie möglich auf die Außenbahn zurück.
Nur da kann er seine Sprintschnelligkeit mit (wie man hört) 11,3
Sekunden über 100 Meter und die Stärken im eins gegen eins
voll zur Geltung bringen. Scheint so, als könnten wir uns auf die
Saison mit ihm freuen. <fc>
Fotos von Jens Weißenburger
Spielbericht auf svwehen-wiesbaden.de
Impressum
Startseite Fanpage
Startseite offizielle Page
Nimmt man die ersten 100 Sekunden der Partie gegen
Regensburg zum Maßstab, haben das unsere Spieler verinnerlicht. Einem Tornado
gleich bestürmten sie mit dem Anpfiff das Gästegehäuse. Nach dreißig Sekunden
war Orlando freigespielt und scheiterte nur knapp beim Versuch, den Ball am
Torhüter vorbei zu legen, um anschließend freie Bahn haben zu können. Dann
setzte Timo Nagy einen Freistoß aus 25 Metern derart raffiniert aufs Tor, dass
ihn Sattelmaier nur mit Mühe über die Latte zur Ecke lenken konnte. Schließlich
war da noch der Kopfball von Jens Truckenbrod, den ein Regensburger Verteidiger
von der Linie fischte. Auftakt furioso ! Die Gäste kommen nach drei
Spielminuten erstmals an den Jenaer
Strafraum. Ralf Schmidt wirft sich zunächst mit Erfolg in einen Schuss, der
Abpraller aber fällt Sebastian Kreis vor die Füße, welcher aus achtzehn Metern
gleich noch mal abzieht und den Innenpfosten trifft, von wo aus der Ball ins
Netz fliegt. 0:1. Erst kein Glück gehabt und dann kam auch noch Pech hinzu -
zeitig wie nie zuvor fand dieser abgenutzte Fußballerspruch bereits nach 240
Sekunden seine Berechtigung.
Der Gegentreffer zeigte Wirkung, der Spielfaden nun erst
einmal gerissen. Nur sporadisch strahlten die Jenaer Angriffbemühungen in
dieser Phase Torgefahr aus. So wie in Minute 20, als Amrhein einen Pass fast
ängstlich in die Spitze spielte. Immerhin fand dieser Pass mal seinen
Adressaten namens Orlando, welcher aber an Sattelmaier scheiterte. Fünf Minuten
darauf bekamen die SSV-Verteidiger das Leder nach einem Eckball nicht aus dem
eigenen Sechzehner. Tim Wuttke versuchte dies zu nutzen, schoss dem Gästekeeper
aber direkt in die Arme. Schnell war klar, die Jenaer brauchen ein
Erfolgserlebnis, um in diese Begegnung zurück zu finden. In Minute 33 spielt
Gardawski flach nach innen. Der Ball rollt durch bis zu Jens Truckenbrod, der
aus zwanzig Metern Torentfernung drauf hält und links unten ins Eck trifft.
Jubel unter den leider nur gut sechstausend Zuschauern, die gleich darauf die
schönste Kombination in Hälfte eins zu sehen bekommen. Schnell und direkt
zaubern sich Amrhein, Wuttke und Truckenbrod mit
neuem Selbstvertrauen vors Tor, diesmal bleibt „Trucke“ mit
seinem Schuss allerdings hängen. Halbzeit.
Nach der Pause machten die Jenaer zunächst da weiter, wo sie
aufgehört hatten. Orlando eröffnete sich in der 51. Minute eine Doppelchance,
von der er hinterher selbst sagen wird, er hätte eine von ihnen nutzen müssen.
Scheiterte er im ersten Versuch mit straffem Schuss an Sattelmaier, bugsierte
er den zurückspringenden Ball direkt ans Außennetz. Dem folgte noch ein schöner
Schuss von Amrhein nach Zuspiel von Orlando, ehe sich das Spiel seine nächste
kleine Auszeit nahm. Bis zu Minute 67. Wieder ist es Orlando, der sich einen
Ball auf der linken Seite erläuft. Einmal, zweimal täuscht er ein Dribbling an
und als das halbe Stadion schon verzweifelt 'Spiel doch ab' brüllt, kommt
endlich das Zuspiel, rüber zu Michael Gardawski. Dessen Fackel aus 20 Metern
zischt nur so ins Netz zum längst verdienten Führungstreffer. Wir wissen nicht,
weshalb die Kölner Leihgabe ("Ob ich hier bleibe, müssen die Vereine unter sich
klären. An mir wird's nicht liegen") diesmal seine roten Schuhe in der Kabine
gelassen hatte. Doch die Erfolgsgeschichte im Jenaer Dress fand für Gardawski
auch mit den weißen Tretern ihre Fortsetzung.
Regensburg wäre mit einem Unentschieden sicher zufrieden gewesen, hatte eine
gefühlte Ewigkeit keine Torchance mehr herausgespielt. Das blieb auch so,
in Rückstand liegend taten sie nun aber gezwungenermaßen mehr für den
Spielaufbau und schufen zumindest mit Standarts Gefahr.
Spätestens nachdem Shynder
einen Freistoßball ans Lattenkreuz verlängert hatte (69.), waren die
Glückskonten beider Mannschaften wieder ausgeglichen. In Anbetracht solcher
Schrecksekunden sind wir Orlando mehr als dankbar, dass er uns mit seinem
Treffer dreizehn Minuten vor Schluss eine nervenaufreibende Schlussphase
ersparte. Mit einem Solo von der linken Seite in die Mitte ziehend an drei
Gegenspielern vorbei und dem Torschuss von der Strafraumgrenze schraubte der
Holländer seine Trefferquote auf nunmehr 15 nach oben ! Ihm verschaffte sein
Trainer mittels Auswechslung genauso noch den verdienten Einzelbeifall wie den
beiden Außen Gardawski und Wuttke, welche ebenfalls zu den Besten zählten.
Wuttke war statt des an der Ferse verletzten Benyamina diesmal vom Start weg
zum Einsatz gekommen. Und obwohl er nicht zum ersten Mal in seiner Karriere
so weit vorn spielte - seine erfrischenden Offensivaktionen auf der rechten Seite waren die vielleicht
überraschendste Entdeckung dieser neunzig Minuten.
"Jetzt sieht es nicht so schlecht aus", freute sich Carsten Nulle als Mannschaftskapitän darüber, nach dem Hachinger Remis wieder die Kurve bekommen zu haben. Da in Jena aber offiziell niemand von einem möglichen Aufstieg redet, sondern nur von Spiel zu Spiel denkt, darf sich erst einmal auf die Atmosphäre vor 25.000 im neuen Dresdner Dynamo-Stadion gefreut werden. <fc>
- Jena: Nulle; Sträßer, Lukimya, Lanzaat, Nagy; Benyamina (84. Amrhein), Truckenbrod,
Schmidt (86. Kühne), Gardawski (74. Wuttke); Orlando, Holwijn
- Unterhaching: Kampa; Brysch, Susak, Hain, Ziegler; Grech (86.Pasiciel), Schaschko, Kanca (46. Schwabl), Mützel; Rathgeber (70. Bischoff), Schweinsteiger
- Zuschauer: 7165
- Schiedsrichter: Aarnink (Nordhorn)
- Spielbericht
- Unterhaching: Kampa; Brysch, Susak, Hain, Ziegler; Grech (86.Pasiciel), Schaschko, Kanca (46. Schwabl), Mützel; Rathgeber (70. Bischoff), Schweinsteiger
-
Neun Spiele ungeschlagen - seit der Heimniederlage am 23.Januar gegen Sandhausen setzte der FCC zu einer Serie an, die ihn ganz
schnell aus der grauen Masse des Mittelfelds in die oberen Tabellenpositionen beförderte. Und gegen den Tabellen-Vierzehnten
aus Unterhaching sollte auch nach dem heutigen Spiel diese Serie noch weiter Bestand haben.
Die Jenaer begannen auch von Beginn an druckvoll und drückten die Bayern in deren Hälfte und prompt gab es bereits nach
vier Minuten die erste gute Möglichkeit für die Platzherren. Nachdem der zu flach geschossene Eckball von Nagy noch
geblockt werden konnte, versuchte er es mit seinem zweiten Versuch auf den langen Pfosten, doch Orlando rutschte knapp am Ball
vorbei. Fortan blieb der FCC auch weiter am Drücker, doch mehr als Eckstöße sprangen nicht heraus. Die Gäste,
die auf 7-8 Stammkräfte verzichten mussten, taten nicht mehr als nötig und blieben bei ihren Angriffsbemühungen lau.
Aber ein richtiges Rezept fanden die Jenaer am heutigen Tage nicht, das Abwehrbollwerk der Hachinger zu knacken. Nach 25 Minuten mal
wieder eine schöne Einzelaktion von Orlando, aber sein Schuss aus der halblinken Position ging am langen Pfosten vorbei.
Keine 120 Sekunden später ein erster Jubelschrei im Ernst-Abbe-Sportfeld, doch leider erkannte Schiedsrichter Aarnink den
Schuss von Holwijn wegen Abseitsstellung nicht an. Herrliche Kombination in der 36. Minute zwischen Holwijn und Orlando, doch der
Versuch einer Flanke landet hinter dem Tor. Vier Minuten vor der Pause dann der Höhepunkt der ersten Halbzeit. Zunächst
hatte Orlando aufs Tor geschossen, doch sein geblockter Schuss kommt erneut hoch in den Strafraum, wo am langen Pfosten Gardawski
steht und die Kugel unter die Latte nagelt. 1:0 für Jena. Nach den Spielanteilen eine hoch verdiente Führung, denn von
den Gästen war bis dato nur sehr wenig zu sehen.
Das änderte sich auch nach der Pause zunächst nicht gravierend, denn auch in Halbzeit zwei waren die Platzherren das spielbestimmende Team. Ralf Schmidt setzte nach 51 Minuten zu einem wunderschönen Sololauf an, bei dem er gleich mehrere Gegenspieler locker umkurvte, doch sein Schuss aus gut 20m konnte Kampa parieren. Sekunden später erneut eine gute Chance für die Jenaer. Gardawski probierte sich diesmal per Eckstoß, der Ball kam hoch hinein und in der Mitte springt Orlando zum Fallrückzieher ab, doch leider ging sein Ball über den Kasten. Aber der FCC setzte nicht nach, sondern ließ fortan die Gäste mehr und mehr ins Spiel kommen, die aber bis dato nach vorn immer noch sehr harmlos blieben. Das änderte sich schlagartig nach der Einwechslung vom langzeitverletzten Bastian Bischoff in der 70. Minute, der nun die Jenaer Abwehrreihen beschäftige. Keine zwei Minuten waren nach seiner Einwechslung vorbei, da stand er nach einer langen Flanke völlig frei und konnte zum Ausgleich für Unterhachinger einköpfen. Siebzig Minuten war von den Gästen nichts zu sehen und gleich die erste Torchance konnten sie nutzen. So ist manchmal Fußball… Aber der Treffer schien die Bayern erweckt zu haben, denn nun trauten sie sich schlagartig mehr zu und ließen die Jenaer gar nicht mehr richtig ins Spiel kommen. So verging über eine Viertelstunde, in der es zum Ende der Partie zu keiner nennenswerten Tormöglichkeit mehr kam. Erst wieder zwei Minuten vor Ultimo noch eine gute Möglichkeit, als der gerade eingewechselte Stefan Kühne einfach frech aus der zweiten Reihe abzog, doch zum Pech der Jenaer konnte Kampa seinen schönen Schuss gerade noch parieren. Sekunden vor dem Abpfiff noch eine allerletzte Chance, diesmal für Amrhein, doch auch er hatte kein Glück mehr und sein Kopfball ging über das Tor.
Für die Hachinger am Ende ein glücklicher Punkt, während der Punkt den Jenaern zweifelsohne weniger hilft, denn von der Tabellenkonstellation musste heute einfach ein Heimsieg her. Aber Jenas Coach René van Eck war am Ende auch mit diesem Unentschieden zufrieden, zumal die Serie der Jenaer nun auch im zehnten Spiel noch Bestand hat. <vg>
FC Ingolstadt - FC Carl Zeiss Jena 2:2
Tore: 1:0 Wohlfahrt (1.), 2:0 Wohlfarth (60.), 2:1 Orlando (68.), 2:2 Orlando (84.)
- Ingolstadt: Sejna; Keidel, Pisot, Fleßers, Fink; Bambara,
Metzelder, Leitl, Buchner (83. Neuendorf); Hartmann (58. Gerber), Wohlfarth
(76. Braber)
- Jena: Nulle; Wuttke, Lukimya, Lanzaat, Nagy; Benjamina (62. Amrhein),
Truckenbrod, R. Schmidt, Gardawski (89. Kühne); Holwijn, Orlando
- Zuschauer: 5353
- Schiedsrichter: Petersen (Stuttgart)
- Spielbericht
-
Fußball unmittelbar zur Osterzeit. Wie günstig, da kann man in Spielberichten
von (selbst) ins Nest gelegten Eiern fabulieren und trefflich das Motiv der
Wiederauferstehung ergreifen. Muß man aber nicht.
Man stelle sich vor, daß
Editorial des Jenaer "Anpfiff"-Heftes würde am 38. Spieltag mit dem
Satz beginnen: Mit dem VfB stellt sich zum 16. und letzten Mal in dieser Saison
ein Westklub im EAS vor. Klingt albern und wäre es auch. Die Macher
der "Schanzer News" hielten derart absurdes Kategorisieren jedoch für
angebracht und begrüßten daher mit dem FCC "zum letzten Mal
in dieser Saison einen Ostklub in Ingolstadt". Aber man hätte ja
gewarnt sein müssen, denn sollte jemals das peinlichste Titelbild
eines Stadionheftes gewählt werden, so wäre der gestrigen Ausgabe
der FCI-Postille Platz 1 unangefochten sicher. Wundern würde dies
sicher nicht, verfügt der FCI doch zusätzlich über
einen jener Stadionsprecher, die ihren Job mit dem eines mittelmäßigen
Animateurs auf einer provinziellen Dorfkirmes verwechseln. Ich bin ja sonst
kein großer Freund von Stadionverboten, aber in dem Fall...
Mit solchen Ärgerlichkeiten
konnte man sich allerdings nicht lange aufhalten, denn die nächste
ereignete sich schon eine halbe Minute nach Anpfiff. Direkt vorm Block der ca.
1200 FCC-Fans einigten sich Nagy und Lanzaat darauf, die Abseitsvariante zu
probieren, statt die Attacke zu suchen und bescherten damit Wuttke in der Mitte
ein nicht lösbares Problem. Drei Rote tauchten somit frei vor Nulle
auf und Wohlfahrt hatte keine Mühe beim 1:0, auch wenn etliche
FCC-Fans meinten, zumindest der Paß auf den Torschützen
entspräche dem Abseitstatbestand. Die Jenaer schüttelten sich
kurz und waren fortan bemüht, das Spiel unter Kontrolle zu bekommen,
diesmal wieder ohne Sievers (dafür Lanzaat)und mit Holwijn für
den gesperrten Hähnge. Die ersten beiden langen Pässe auf
Orlando konnten die Hausherren noch ungestraft foulend bzw. haltend verhindern,
was beim 3. allerdings schon nicht mehr gelang. (9.) Dafür hatte Jenas
Sturmpfeil etwas zu viel Schwung, versuchte sich an Sejna festzuhalten und sank
gemeinsam mit diesem völlig harmlos zu Boden. Sejna ist ja so etwas,
wie der Prototyp des torhütenden Mittelmaßes. Der taucht
immer mal irgendwo wieder auf, ohne daß ihn jemand bemerkt oder
anderswo vermißt. Logisch, daß der eine solche
Harmlosigkeit nutzt, um sich aufzuplustern wie ein lüsterner Pfau.
Nach gut einer Viertelstunde hatte der FCC sein Ziel, das Spiel zu beruhigen
und es zu kontrollieren, erreicht. Die Ingolstädter begannen, sich
aufs Kontern zu verlegen. Die offensiveren Akzente setzte der FCC, z. B. über
Gardawski in der 14., Orlando in der 16. und erneut Gardawski in der 20.
Minute. Ja, die Unseren wehrten sich gegen diesen unnötigen Rückstand,
den entscheidenden Erfolg verhinderten aber kleine Konzentrationsmängel
in den finalen Aktionen. Vielleicht würden ja Freistöße
helfen? Einen trat Nagy (zuvor Foul an Ralf Schmidt) von halbrechts, die Aktion
endete jedoch mit einem Abseitspfiff. Nach Foul an Orlando im linken Halbfeld,
zirkelte Gardawski den nächsten aus 30 Metern auf die lange Ecke, wo
Sejna allerdings faustend klären konnte. (23., 28.) Schon rollte der nächste
FCC-Angriff über rechts, doch Orlando mag sich nicht so recht zwischen
Schuß und Hereingabe zu entscheiden, wodurch der Ball am langen
Pfosten ins Aus geht. Nach knapp einer halben Stunde muß dann auch
Nulle mal wieder beweisen, was für ein famoser Torwächter er
ist und nach FCI-Freistoß und Schmidt-Fehler gelingt dieser Beweis
eindrucksvoll.
Dennoch, zu dieser Zeit verfügte
der FCC eindeutig über mehr Spielanteile, was vor allem einem offensiv
eindrucksvoll agierenden Schmidt zu verdanken war, ebenso einem starken Nagy
und einem emsigen Gardawski. Holwijns Spiel wirkte dagegen war zwar bemüht
aber etwas fahrig und unkonzentriert und Benyamina blieb unauffällig
(sieht man mal von seinen neuen Schuhen ab). In den Minuten 33 und 34 durfte
man sich dann darüber wundern, daß zwei grobe Fouls an
Wuttke und Benyamina kartenlos blieben. Letzteren schien das allerdings
anzustacheln, denn gleich darauf zog er von links außen nach innen,
setzte seinen 18-Meter-Schuß allerdings neben das Tor. (37.) Bis zur
Pause dominierte weiter der FCC, erst mit einem schönen Wuttke-Solo über
rechts und dann mit einem Gardawski-Freistoß von halblinks, den Sejna
nur mühevoll zu Ecke bugsieren kann. Letzter Aufreger in HZ 1 war
dann das brutale (natürlich nicht mit Gelb geahndete) Foul an RS, als
dieser nach einem FCI-Freistoß einen Jenaer Konter einleitete. (41.)
Nach dem Pausenpfiff wußte man eigentlich nicht so recht, was man
unseren Jungs (außer der mißratenen
Aktion nach 20 Sekunden) trotz des Rückstandes vorwerfen sollte. Sie
hatten das Spiel unter Kontrolle, führten die Mehrzahl der Angriffe
und hatten sich in etwa doppelt soviel bewegt wie ihre Gegenspieler. Immer und
immer wieder spielten sie aus einem starken Mittelfeld couragiert nach vorn, wo
sie dann allerdings leider die notwendige Präzision vermissen ließen.
Während wir also den deutlich höheren spielerischen und läuferischen
Aufwand betrieben, hatten sich die Gastgeber auf frühzeitiges Abwarten
-allerdings nicht ungefährlich- verlegt.
Nach einem gruseligen
Pausenspektakel glich der Wiederanpfiff einer Erlösung und Ralf
Schmidt setzte mit seinem 20-Meter-Schuß von halblinks das erste
Achtungszeichen. (46.) Kurz darauf parierte Nulle nach einem bereits
abgewehrten Ingolstädter Freistoß erneut prächtig.
(49.) Dann wieder 2 Gardawski-Aktionen über rechts. Sein erster Schuß
(nach Orlando-Zuspiel per Kopf) wurde jedoch abgeblockt (51.) Dann kommt der
Ball auf direktem Wege über Benyamina und Holwijn erneut zu Gardawski
und der zieht, halbrechts im Strafraum stehend, direkt per Außenrisst
ab. Leider etwas zu schwach und so ist Sejna noch rechtzeitig unten. (52.) Beim
anschließenden FCI-Angriff über links unternimmt dann Nulle
einen Osterausflug raus aus dem Strafraum, letztendlich erfolgreich. Nach knapp
einer Stunde ahndet der Gelbe Mann dann Holwijns Körpereinsatz mit
einem Freistoß, 35 bis 40 Meter vor Nulles Kasten. Dieser Freistoß
findet dann direkt seinen Weg in Richtung Nulle, der nur nach vorne abwehren
kann. Dort kommt Lanzaat einen Schritt zu spät gegen Wohlfahrt und
ebenso unerwartet wie unverdient steht es plötzlich 2:0.
Im Normalfall scheint ein
solches Match gelaufen. Aber was ist beim FCC schon der Normalfall? Mindestens
4 gute Gründe sprachen dafür, daß die RvE-Elf zurückkommen
würde: Erstens steht da seit einigen Wochen eine Mannschaft auf dem
Platz, die sich spielerisch und taktisch enorm weiterentwickelt hat. Zweitens
handelt es sich inzwischen wieder um ein echtes Team, das an sich und seine Fähigkeiten
glaubt. Drittens gehört zu diesem Team neuerdings ein Michael
Gardawski und mit diesem unbekümmerten Typen auf der rechten Seite hat
der FCC noch kein Spiel verloren, warum dann gerade in Ingolstadt? (Schade, daß
Gardawski nicht schon gegen Sandhausen wirbelte!) Und Viertens hat der FCC
einen Orlando Smeekes, also jene launenhafte Diva, die noch vor einiger Zeit
desorientiert durchs Paradies irrlichtete. Inzwischen scheint klar, daß
van Eck wohl genau jene Ansprache gefunden hat, die dieser extrovertierte Typ
versteht. Diesen Orlando kannst du pro Spiel zigfach wegen verlorener Zweikämpfe,
unterlassener Flanken, aussichtsloser Dribblings oder versprungener Bälle
verfluchen, aber mit seiner aufdringlichen Präsenz entnervt er
irgendwann jeden Gegenspieler. Und neuerdings macht er aus genau diesen ein,
zwei Szenen pro Spiel seine Buden. Was will man mehr?
Teil Eins der Orlando-Show
leitete Gardawski ein. Er reagiert nach einem Freistoßpfiff blitzschnell
und schlägt den Ball weit und präzise nach halblinks. Als
Keidel den Ball auf sich zukommen sieht und Orlandos Atem spürt,
werden ihm sofort die Knie weich und das sein Rückkopfball daneben
gehen würde, war absehbar. Diebisch grinsend erlief sich Jenas Stürmer
den Ball, düpierte den schwerfälligen Sejna und haspelte den
Ball ins Netz zum Anschlußtreffer. (67.) Jetzt beherrscht der FCC die
Hausherren und hat dennoch Glück, da er von einer umstrittenen
Abseitsentscheidung profitiert. (78.) Pech hat dann Wuttke, als er zunächst
auf der rechten Seite einen wunderbaren Doppelpaß mit Gardawski
spielt, sein Laufduell mit einem Ingolstädter aber fälschlicherweise
abgepfiffen wird. Was soll's, es gab ja noch Teil 2 der Orlando-Show. Zunächst
wurde Holwijn 20 Meter vor dem Tor in zentraler Position umgerissen,
folgerichtig Freistoß. Orlando läuft an. Gardawski blockt in
der Abwehrmauer eine Lücke frei. Orlando schießt, der Ball
findet den von Gardawski geebneten Weg und Sejna kann mit seinem Alibi-Flug
auch nichts mehr ausrichten - TOOOR! 2:2 (84.) Völlig verdienter
Ausgleich!
Seinen gerechten Ausgang hätte
das Spiel dann in Minute 89 finden können, als Ralf Schmidt ein feines
Zuspiel ebenso elegant mit der Brust annimmt und vom rechten Fünfmeterraumeck
volley abzieht - leider mit etwas zu viel Rücklage. Seinen ungerechten
Ausgang hätte das Spiel dann in Minute 90 finden können, wenn
Nulle nicht sensationell den letzten Ingolstädter Kopfball abgewehrt hätte.
Was mit dieser Truppe und
deren Moral tatsächlich noch zu erreichen ist - wer weiß das
schon? Für Überraschungen ist der FCC ja immer gut - auch
nach Ostern! Gute Gründe dafür gibt es genügend... <jk>
FC Carl Zeiss Jena - Kickers Offenbach 0:0
Tore: Fehlanzeige
- Jena: Nulle; Sievers, Wuttke, Lukimya, Nagy; Benyamina (53. Holwijn),
Truckenbrod (88. Ziegner), Schmidt, Gardawski (69. Amrhein); Smeekes,
Hähnge (
, 88.)
- Offenbach: Wulnikowski; Huber; Schutzbach, Heitmeier, Kopilas; Zinnow, Pospischil (63. Ulm), Pfingsten-Reddig,
Fröhlich (46. Moosmayer); Mesic, Hesse
- Zuschauer: 9431
- Schiedsrichter: Dittrich (Bremen)
- Spielbericht
-
Fünf Spiele - Fünf Siege. Wann hatte es zuletzt diese beindruckende Serie gegeben? Da müssen wir schon
in der Chronik bis ins Jahr 2006 zurückschauen. Damals schafften die Kicker des FCC sogar sechs Siege in Folge
und stiegen am Ende der Saison verdient in die 2.Bundesliga auf. Ob es den Mannen um René van Eck noch einmal
gelingen sollte, so eine Serie hinzulegen? Der sechste Sieg in Folge ist gegen die heutigen Gäste aus Offenbach
allemal möglich, zumal sich die Hessen gerade in einer kleinen Krise befinden. Aber meist sind gerade immer diese Spiele die schwierigsten.
Der FCC begann auch von Beginn an druckvoll, aber die Gäste hielten voll dagegen. Es dauerte bis zur achten Minute, bis Gardawski
mit einem Schuss aus 22m für die erste Jenaer Aktion sorgte. Aber fortan warteten beide Teams mit schönem Kombinationsfußball
im Mittelfeld auf, ohne jedoch für Torchancen zu sorgen. Ein Freistoß von Orlando (13.) landete in den Beinen der Abwehr,
Hähnge schaltete am schnellsten und bediente Lukyima, der allerdings nicht zum Torschuss kommt. Nach 19 Minuten glänzte
Gardawski mit einer herrlichen Hackenablage genau in den Lauf von Truckenbrod, doch dessen Schuss konnte Wulnikowski parieren. Kurz
darauf ließ Orlando mit zwei guten Aktionen (21./24.) sein Können aufblitzen, doch leider stand ihm bei diesen Aktionen
das Glück nicht zur Seite. Nach 24 Minuten dann die erste Möglichkeit für die Hessen durch den Ex-Jenaer Christian
Fröhlich, aber sein Schuss ging um einiges über das Tor. Der FCC erhöhte nun kontinuierlich den Druck und erspielte
sich Chance um Chance. Zunächst war es erneut Orlando, der mit seinem Schuss aufs kurze Eck in Wulnikowski seinen Meister fand.
Wenig später eine schöne Ballstafette zwischen dem überragenden Gardawaski und Schmidt, doch leider verfehlte letzterer
mit seinem Schuss das Tor. Vier Minuten vor der Pause die schönste Aktion der Jenaer in Halbzeit eins: Orlando passte nach einem
Sturmlauf von rechts flach in den Lauf von Truckenbrod, der sofort scharf und platziert aufs untere Toreck abzog, doch der Gästekeeper
war erneut zu Stelle und konnte mit einer super Parade den Rückstand gerade noch verhindern.
Auch nach der Pause machten die Platzherren weiter Druck und kamen schon in der 48.Minute zur nächsten guten Tormöglichkeit,
aber Schmidt hatte heute wirklich nicht das richtige Zielwasser getrunken und sein Schuss verfehlte erneut das Tor. In der 54.Minute
hatten die meisten Zuschauer schon den Torschrei auf den Lippen, Wulnikowski war endlich einmal nicht an den Ball gekommen, doch Orlandos
scharf geschossener Ball aus spitzem Winkel donnerte an den Pfosten. Erst nach gut einer Stunde erholten sich die Offenbacher von der
Jenaer Offensive und kamen zum ersten Mal in Halbzeit Zwei gefährlich vor das Jenaer Gehäuse. Aber die beste Möglichkeit
bot sich dem OFC in der 71. Minute, als Zinnow auf der rechten Seite bis zur Grundlinie durchstieß, aber zum Glück fand seine
flache und scharfe Hereingabe keinen Abnehmer, so dass der Ball durch den Jenaer Strafraum zischte. Aber das war es dann auch schon von
den Angriffbemühungen der Gäste, denn Orlando (80.) setzte erneut zu einem seiner vielen Sturmläufe an, aber auch mit
seinem herrlich ansatzlosen Schuss konnte er am heutige Tage Wulnikowski nicht überwinden. Fünf Minuten vor Ultimo stockte
dem Jenaer Anhang der Atem, als Hesse mutterseelenallein auf Nulle zustürmte. Doch zum Glück blieb der Jenaer Kapitän
ganz cool und machte den Winkel spitz, so dass Hesse scheiterte.
Das Spiel war nun quasi gelaufen, doch dann kam es zum eigentlichen
"Höhepunkt" der Partie. Holwijn war bis zur Grundlinie durchgestürmt, aber der Ball ging ins Aus. Wie von einer Tarantel
gestochen kam Gästekeeper Wulnikowski aus seinem Tor und ging Holwijn an. Sofort kamen andere Spieler hinzu und es kam zu einer
Rudelbildung, bei der der eine oder andere Spieler zu Boden ging. Schiedsrichter Dittrich, der mit dieser Aktion nun völlig
überfordert schien, zeigte Holwijn und Wulnikowski die Gelbe Karte und zu allem Übel sah Sebastian Hähnge auch noch
die Rote. Die Fans, Spieler und auch Verantwortlichen waren natürlich außer sich vor Wut, denn Wulnikowski hätte
mindestens ebenso die Rote Karte sehen müssen. Stattdessen schickte der Schiri nun auch noch beide Trainer auf die Tribüne,
was am Ende nun gar keiner mehr verstand. Die letzten Sekunden gingen vorbei und eine turbulente Partie war zu Ende.
Die Offenbacher werden in ihrer Situation mit diesem Punkt sicherlich zufrieden sein, doch für die Jenaer war der sechste
Sieg in Folge allemal drin. Allerdings hatten die Hessen mit Wulnikowski den spielentscheidenden Mann in ihren Reihen, der 88. Minuten
überragend hielt, aber dann mit seiner sinnlosen Aktion für solche Unruhe sorgte, dass die Jenaer in den kommenden Spielen
auf einen wichtigen Angreifer verzichten müssen, was am Ende am meisten schmerzt.<vg>
SV Werder Bremen II - FC Carl Zeiss Jena 1:2
Tore: 1:0 Artmann (42.), 1:1 Orlando (49.), 1:2 Holwijn (85.)
- Bremen: Wiedwald; Gerdes, Schmidt, Stallbaum, Perthel; Ronneburg,
Feldhahn, Kempe, Artmann (74. Enga); Thy, Furtacs (
, 90.)
- Jena: Nulle; Wuttke, Lukimya, Lanzaat, R. Schmidt; Gardawski
(86. Sievers), Kühne (27. Ziegner), Truckenbrod, Benyamina (79.
Holwijn); Orlando, Hähnge
- Zuschauer: 950
- Schiedsrichter: Beitinger (Regensburg)
- Spielbericht
- So in etwa muss der Unterschied auf einen
Championsleague-Teilnehmer wirken, der nach einem Gala-Auftritt vier Tage später
in den Bundesliga-Alltag zurückkehrt. Nach zwölfeinhalbtausend
Zuschauern am Mittwoch beim Thüringenderby musste der FCC auf einem Nebenplatz
des Weser-Stadions vor einer nicht mal vierstelligen Besucherzahl antreten. Die
Lightversion eines Drittligaspiels.
Da kann ein Trainer noch so oft betonen, dass genau wie in
Erfurt drei Punkte zu vergeben sind - die Einstellung, mit der solch ein Spiel
begonnen wird, ist eine ganz andere. Jeder Zeiss-Fan kann das an sich selbst
nachvollziehen und die Tatsache, dass nach den zurückliegenden
Erfolgswochen nur deren 300 den Weg nach Bremen fanden, belegt dies auch. Ein
gewisses Maß an Verständnis für den
offensichtlichen Druckabfall während der ersten 45 Minuten dürfen
unsere Kicker also für sich in Anspruch nehmen. Zumal in dieser
Halbzeit auch noch ein böiger Gegenwind ihren Spielaufbau massiv
erschwerte. So kam es, dass Gardawski mit einem Kopfball in der 4. Minute eine
erste Chance besaß - die folgende halbe Stunde aber keine einzige
mehr hinzu kam. Bremens lange Kerle besaßen im Mittelfeld die
Lufthoheit, taten sich in der Spielgestaltung jedoch schwer und wurden nur nach
Standards gefährlich oder wenn Jena im Vorwärtsgang
Abspielfehler unterliefen. Trieben uns Feldhahns Gelegenheiten noch nicht den
Angstschweiß auf die Stirn (sein von Nulle zur Ecke gelenkter
Flachschuss wäre ohnehin vorbei gegangen), war Perthels Geschoss aus
20 Metern und vollem Lauf schon von anderem Kaliber. Carsten Nulle lenkte es
mit toller Flugeinlage über die Latte (24.). Dessen Vorderleute
schienen noch immer nicht bei der Sache. Bei Einwürfen bietet sich
keiner an und selbst dem über alle Zweifel erhabenen Assani Lukimya
rollt als letzter Mann einmal der Ball durch die Beine.
Erst zehn Minuten vor
der Pause lassen sich auch die Jenaer mal wieder vor dem gegnerischen
Kasten sehen. Torsten Ziegner, für den verletzten Kühne frühzeitig
eingewechselt, nimmt eine Vorlage Wuttkes auf, rennt damit Richtung Eckfahne
und flankt scharf in die Mitte. Der heranpreschende Hähnge verfehlt
unter Bedrängnis das Leder knapp. Zwei Schüsse von Wuttke und
Truckenbrod noch, zaghaft wie kleine Knospen in der ersten Frühlingssonne
begann Jenas Offensivspiel aufzublühen. Die Werderaner erhöhten
derweil noch mal den Druck vor der Pause. Nach einem Eckball von der rechten
Seite konnten Nulle und ein Verteidiger noch mit vereinten Kräften klären.
In Minute 42 aber kam niemand mehr an den Ball, Artmanns Freistoß
rutschte direkt durch ins lange Eck. Bremen führte verdient mit 1:0,
da Jenas Vorstellung bis dahin einem Neujahrskater nach durchfeierter
Silvesternacht glich.
René van Eck schien in der Kabine die richtige Medizin
gefunden zu haben, denn seine Jungs kamen mit sichtbar veränderter
Einstellung aus der Pause. Schmidts Flanke nur vier Minuten nach Wiederanpfiff
verlängerte Lukimya mustergültig mit dem Hinterkopf. Über
Torhüter Wiedwald hinweg senkte sich das Leder an den Innenpfosten
und sprang dem Keeper direkt in die Arme. Ein Großteil der Zeiss-Fans
hatte diesen Ball schon drin gesehen, ihr Torjubel kam also verfrüht -
um exakt 10 Sekunden ! Denn während Wiedwald noch durchatmet, den Ball
nach vorn wirft auf der Suche nach einer freien Anspielstation, pirscht sich
Orlando in seinem Rücken an ihn heran. Jenas Stürmer hatte an
der Torauslinie noch mit fehlendem Fortune in der Szene davor gehadert, als er
plötzlich seine eigene Chance zu wittern beginnt. Listig mogelt er
sich um Bremens verdutzten Keeper herum und schießt das Leder ins
leere Tor. Der kuriose Ausgleich durch einen Orlando, dem in der ersten Hälfte
so ziemlich jede Aktion misslungen war und der damit als das personifizierte
Sinnbild zweier vollkommen unterschiedlicher Halbzeiten herhalten kann. Denn
von nun an wehte für Jena ein anderer Wind in diesem Spiel - und das
nicht nur meteorologisch gesehen ! Orlando hätte es zugunsten
der Blau-Gelb-Weißen allein entscheiden können. Den von Gardawski
adressierten, noch aufspringenden Ball bugsierte er über das
Lattenkreuz (51.), Benyaminas Vorlage schob er am langen Pfosten vorbei.
Zwischendurch scheiterte Hähnge aus 15 Metern am untröstlichen
Wiedwald und dann blieb auch Orlando nach Vorarbeit Truckenbrods am Bremer
Keeper hängen.
Jena will mehr als ein Unentschieden, doch allmählich
läuft die Zeit davon. Melvin Holwijn kommt neu ins Spiel, setzt ab der
Mittellinie zu einem unwiderstehlichen Solo an, lässt drei Bremer
stehen und zielt um Zentimeter am linken Pfosten vorbei. Noch fünf
Minuten. Ein hoher Ball in Werders Sechzehner wird nach links abgewehrt. Dort
steht wieder Holwijn, der mit Ball am Fuß ein paar Meter nach innen läuft,
abzieht - und trifft ! Spieler, Betreuer und Fans fallen sich in die Arme. 2:1,
diesen Vorsprung geben sie nicht mehr aus der Hand. An Tim Wuttke kommt auf
der rechten Seite nun niemand mehr vorbei, was den baumlangen Furtacs derart frustiert, dass
er sich hinter dem Rücken des Schiedsrichters zu einem angedeuteten
Kopfstoß hinreißen lässt. Der Assistent an der
Seitenlinie hatte es beobachtet und deshalb beendete die U23 das Spiel zu
zehnt.
Nachdem die für den Klassenerhalt erforderlichen 45
Punkte unter Dach und Fach gebracht sind, werden sich Trainer und Sportdirektor
schon mal auf Fragen nach neuen Zielen gefasst machen können. Wie immer
ihre Antwort ausfallen wird - einer Mannschaft, die solch ein Spiel wie das in
Bremen noch zieht, ist einiges zuzutrauen. Wir haben das vor Jahren schon einmal erlebt... <fc>
FC Rot-Weiß Erfurt - FC Carl Zeiss Jena 0:3
Tore: 0:1 Orlando (3.), 0:2 Hähnge (28.), 0:3 Benyamina (56.)
- Erfurt: Orlishausen; Handke (26. Stenzel), Pohl (58. Humbert),
Möckel, Ströhl (54. Pagenburg); Becker, Bölster, Rockenbach
da Silva, Hillebrand; Kammlott, Semmer
- Jena: Nulle; Sträßer (62. Wuttke), Lukimya, Lanzaat,
Nagy; Gardawski, Kühne, Truckenbrod, Benyamina; Orlando (89.
Osadchenko), Hähnge (76. Holwijn)
- Zuschauer: 12.435
- Schiedsrichter: Cortus (Nürnberg)
- Spielbericht
- In den Stadien der Republik versammeln sich jede Woche
allerlei seltsame Menschen. Gestern teilte wieder ein besonders ungewöhnliches
Geschöpf meine Nähe. Entweder hatte der Typ - nennen wir ihn der Einfachheit
halber mal Philipp - überhaupt keine Ahnung vom Fußball, was ich aber nicht
glaube. Er sah einfach nicht so aus, als würde er beim Wort Viererkette
ausschließlich an die nächste Raucherpause denken. Oder aber, Philipp hatte das
Spiel schon mal irgendwo gesehen und wußte, daß am Ende alles gut sein würde.
So, als ob sich Vati die x-te Wiederholung des 54er-Finales reinzieht, bereits
genüßlich darauf wartend, daß Rahn irgendwann schießen müßte und das auch
tatsächlich tut und sich - wie immer - das Wunder erfüllt. Bei solch
übersinnlicher Befähigung hätte mich Philipp aber sicher gewarnt, als ich mich
anschickte, mir die schlechteste Bratwurst der Fußballgeschichte zu kaufen.
Nein, so bösartig wirkte er eigentlich nicht... Die dritte, von mir inzwischen
favorisierte Möglichkeit, ist, daß Philipp an jenem Maiabend im letzten Jahr nicht da war. Er hat es einfach nicht gesehen. Ihm fehlte die
knallharte Erfahrung, wie eine Mannschaft die ohnehin verkorkste Saison in
nicht mal einer Viertelstunde gänzlich vor die Wand fahren kann. Ja, Philipp
war völlig ahnungslos! Das war es. Er freute sich am 1:0, ohne an die 87
folgenden Minuten zu denken, war nach dem 2:0 in Gedanken bereits beim Feiern
und schaute sich den Rest mit der emotionalen Besessenheit an, mit der man sich
in den 90ern einen Werbespot für Timotei-Shampoo
reingezogen hat. Nein, ohne Zweifel, er war nicht dagewesen im Mai. Und da ich
nun mal da war, war ich auch ein wenig neidisch auf Philipps naive
Bedenkenlosigkeit. Ich habe dazugelernt! Kein "Auswärtssieg!
Auswärtssieg!"-Gebrülle bei 2:0-Führung eine Viertelstunde vor Schluß, keine
verfrühten "Derbysieger"-Rufe. Nur ab und zu mal "Die Nummer 1 im Land sind
wir", aber das hatte ja auch nix mit dem Spiel gestern zu tun. Das ist
historisch gewachsen.
Dabei bekommt mein Mißtrauen gleich zu Beginn einen herben
Dämpfer. Als Kühnes Paß den blitzschnellen Orlando mustergültig erreicht, läßt
der sich nicht lange bitten und hebt den Ball über den herausstürzenden
Orle hinweg ins leere Tor. Die Führung nach nur drei
gespielten Minuten. Ein unbeschreiblicher Freudentaumel bricht los. Aber ich
reiße mich am Riemen. Die bösen Erinnerungen des letzten Frühjahrs mahnen zur
Zurückhaltung, Ihr wißt schon. Und meine Vorbehalte erhalten auch gleich wieder
ausreichend frische Nahrung, als Jena damit beginnt, ein Großkontingent guter
Möglichkeiten zu verdaddeln. Der Gardawski muß nach
17 Minuten den Ball eigentlich nur noch an Orle
vorbeischieben, macht statt dessen einen Haken mehr als gut und legt eine
Millisekunde zu spät auf Benyamina ab, so daß Erfurts Abwehr noch klären kann.
Drei Minuten später fliegt Hähnges Kopfball nach Gardawskis
Musterflanke genau in Orles Arme. Fahrlässig! Ich
fluche, Philipp lächelt überlegen. Vielleicht hat er das Spiel ja doch schon
mal gesehen...
Dann dieser Freistoß von Erfurt, bei dem Nulle zunächst am
Ball vorbeisegelt, ihn einen Moment später dann aber doch hat. "Das war knapp!"
entfährt es mir erschrocken, "Souverän!" raunzt Philipp. Ich begreife ihn
nicht... Jetzt nur den Gegner nicht stark machen. Lieber weiter nach vorn!!! Ecke
für Jena. Diesmal kommt Orle angeflogen, hat aber den
Ball am Ende genausowenig wie seine vier Kumpels auf der Linie, an denen Hähnge
- der geduldig am langen Pfosten gewartet hatte - das Leder vorbei schiebt (28.).
Waaaahnsinn! Mein Tanz fällt nun schon etwas lockerer
aus. Aber sicher sein? Lieber noch nicht. Allein Jena läßt jetzt nicht mehr
locker, entzieht der Phobie das Fundament. Erfurt steht völlig neben sich.
Getragen von 3000facher Anfeuerung tritt Orlando abermals an, wird dann aber an
der Strafraumgrenze unfair zu Fall gebracht, wobei die Strafraumgrenze
offensichtlich ein ganzes Stück in den Strafraum reicht (37.). Um das 3:0
gebracht! So ein Mist aber auch.
Die Halbzeit hätte trotzdem kaum fröhlicher sein können.
Entweder war zum Pokalfinale letztes Jahr kaum jemand im Steigerwald zugegen
oder danach hat sich kollektiver Alzheimer weiter Fankreise bemächtigt, so daß
die Sich-noch-gut-erinnern-Könnenden der Philipp-Fraktion nichts
entgegenzusetzen haben. Mein Pessimismus prallt schlichtweg ab! Meine ganzen
Lebensweisheiten will einfach keiner hören. Sowas!
Und auch der Mannschaft waren die wenigen mahnenden
Zeigefinger herzlich egal. Keine Spur von Angst. Zwar kam Erfurt mit etwas mehr
Schwung aus der Kabine, mehr als ein gefährlich getretener Freistoß durch
Becker nach knapp einer Stunde und einen Lattentreffer durch Stenzel (77.)
bekamen die Rot-Weiß-Fans aber nicht zu sehen. Im Gegenteil, die Mutter der
Unzulänglichkeiten, ich nenne sie mal Desolatia, hielt
die Rot-Weißen jetzt noch fester umarmt, so daß Benyamina zehn Minuten nach der
Pause ungehindert (also einfach geradeaus) über den halben Platz rennen und den
Ball an Orle vorbei ins lange Eck schieben konnte.
Philipp wußte es. Jetzt glaubte ich es auch langsam. Diesmal wird es keinen
Zusammenbruch geben. Die Thüringer Fußball-Welt steht wieder auf den Füßen.
"Auswärtssieg! Auswärtssieg!". Und der hätte auch noch deutlicher ausfallen
können. Allein der lange Truckenbrod-Pass auf Smeekes war für die dritte Liga deutlich zu genau, daß der
den Ball aber aus vollem Lauf auch noch sauber mitnimmt, wäre letzte Saison
allein ein Grund zum Kommen gewesen. Schade, daß sich Orlishausen
mit letztem Einsatz noch in Orlandos Schuß werfen kann (77.). Und dann noch der
schöne Konter über Holwijn, der aber viel zu lange
mit seinem Anspiel auf Smeekes rumbummelt, so daß
sich selbst Erfurts schläfrige Abwehr wieder imstande sieht, die Situation zu
klären (84.). Sehen tut das schon längst nicht mehr jeder, der mal im Stadion
war. Die Haupttribüne erstrahlt schon wieder im herrlichsten Rosa, viele Fans
des Thüringer Vizekönigs schauen wahrscheinlich schon lange den Bayern im
DFB-Pokal zu. Die, die noch da sind, höhnen gegen Hörgl.
Auf der anderen Seite tobt die Blau-Gelb-Weiße Herrlichkeit, geht eine
Laola nach der anderen durch den Block. Ein lang
herbeigesehnter Sieg, über den nach etlichen grausamen Gastspielen in der
Blumenstadt, auch in ein paar Jahren noch geredet werden dürfte.
Erfurt ist mit dem Ergebnis noch gut bedient und muß sich
jetzt ganz schön strecken, um mit dem Abstieg am Ende nichts zu tun zu haben.
Wünschen tue ich es ihnen nicht, allein in der Hoffnung, beizeiten mal wieder
so einen Abend erleben zu dürfen. Und vielleicht bin ich ja dann der Philipp
und wundere mich über all jene, die gestern nicht da waren. Von den Bratwürsten
würde ich dann aber auch keinem abraten; die Erfahrung muß jeder selber machen. <bpf>
FC Carl Zeiss Jena - Eintracht Braunschweig 2:1
Tore: 0:1 Banser (8.), 1:1 Benyamina (29.), 2:1 Gardawski (39.)
- Jena: Nulle; Sträßer, Lukimya, Lanzaat, Nagy; Gardawski
(68. Wuttke), Kühne, R. Schmidt, Benyamina (89. Petersen); Orlando
(76. Holwijn), Hähnge
- Braunschweig: Petkovic; Reichel, Henn, Dogan, Boland;
Onuegbu (46. Vrancic), Pfitzner (80. Morabit), Banser, Kragl (58.
Calamita); Kruppke, Kumbela
- Zuschauer: 7249
- Schiedsrichter: Nowak (Bottrop)
- Spielbericht
-
Kurz nach Abpfiff in der sogenannten Mixed Zone des
Ernst-Abbe-Sportfelds. In die Freude über drei Punkte mischen sich
nach Blick auf die Tabelle Journalistenfragen, ob nach drei Siegen in Folge
nicht noch gänzlich andere Ziele angestrebt werden könnten als
nur der Klassenerhalt. Doch Carsten Nulle bleibt auch diesmal cool und überlegt. "Wir sollten mal die
Kirche im Dorf lassen", diktiert er den Reportern in die Schreibblöcke und Mikrofone,
"im Januar waren wir fast tot. Da jetzt irgendwelche Dinge hinaus zu posaunen wäre
töricht. Das haben wir letzte Saison so gemacht und dann sieben Spiele
verloren. Wobei ich nichts dagegen hätte, wenn es so weiter geht. Aber
noch haben wir keine 45 Punkte."
Anfangs sah es ganz und gar nicht nach einer Fortsetzung der
kleinen Siegesserie aus. Braunschweig kam schon nach drei Minuten zu seiner
ersten Gelegenheit, die ihr Torschütze vom Dienst, Dennis Kruppke
gegen Nagy und Nulle vergab. So ähnlich hatte es für die
Jenaer gegen Kiel auch begonnen, nur mit dem Unterschied, dass sie diesmal nicht ungeschoren über
die (Anfangs-)Runden kommen sollten. Nach Kruppkes Freistoß von der rechten Außenlinie
stieg Fait-Florian Banser an der Torraumlinie am höchsten und ließ
unserem Keeper keine Chance zum Reagieren. 0:1, eine verdiente Führung,
weil die Eintracht besser ins Spiel gekommen war und die Mehrheit der Zweikämpfe
für sich entschied. Gegen ihr konsequentes Pressing bis in die Jenaer
Hälfte hinein fand der FCC zunächst kein Rezept. Erschwerend
kam hinzu, dass sich zwischen den beiden defensiven Mittelfeldspielern und den
Offensiven davor eine ungewohnte Lücke auftat, die den Aufbau geordneter
Angriffsaktionen massiv erschwerte. Infolgedessen hatte sich der Ausgleich
nach einer halben Stunde nicht unbedingt abgezeichnet, ein schönes Tor
war es trotzdem. Soufian Benyamina bekam den Ball von Ralf Schmidt in den
Strafraum serviert und lupfte ihn mit rechts über Torhüter
Petkovic hinweg in die lange Ecke. Jenas erster Treffer mit dem ersten
Torschuss - effizienter geht's nicht.
Als wenn es eines solchen Weckrufes bedurft hätte,
drehten die Jenaer nun richtig auf. 36. Minute, der starke Gardawski spielt
Orlando an. Dem wirft man vielleicht nicht zu Unrecht vor, gern mal zu
eigensinnig ohne Blick für den Nebenmann zu agieren. Nicht so aber in
dieser Szene. In einer Position, aus der er selbst hätte den Abschluss
suchen können, übersah er den noch besser postierten
Sebastian Hähnge nicht. Jenas Stürmer schoss sofort, Petkovic
war geschlagen, doch der rechte Pfosten verhinderte die Jenaer Führung
zu diesem Zeitpunkt. Keine vier Minuten später
gibt es den ersten Eckball des Spiels. Petkovic faustet ihn aus dem Strafraum,
von wo aus aber wieder Orlando loszieht. Dessen Flanke von der rechten Seite
fliegt hinüber in die linke Strafraumhälfte, wird von Michael
Gardawski volley genommen und aus sieben, acht Metern direkt ins Netz befördert.
2:1, das Stadion tobt. Gar nicht auszudenken, wenn vor der Pause noch der
dritte Jenaer Treffer gefallen wäre. Die Möglichkeit dazu war
da, als Kühne nach Vorarbeit Gardawskis aus sechs Metern aufs Tor
schoss, Henn und Petkovic mit vereinten Kräften gerade noch so klären
konnten. An der Leistung Stefan Kühnes lassen sich die zwei
unterschiedlichen Gesichter dieser ersten 45 Minuten anschaulich beschreiben.
Gerade er hatte anfangs riesige Probleme, allein zwischen der 16. und 19.
Spielminute registrierten wir von ihm fünf unglückliche
Aktionen voller Verunsicherung. Und nun, kurz vor der Pause, gewinnt er plötzlich
jeden seiner Zweikämpfe und wäre um ein Haar noch zum Torschützen
geworden.
Es war zu vermuten, dass die zweite Halbzeit nicht so
losgehen würde, wie die Erste geendet hatte. Braunschweigs Trainer
Torsten Lieberknecht ("Ich habe schon vor der Saison Jena als
Aufstiegskandidaten gesehen") hatte seine Elf wieder auf Kurs gebracht,
wenngleich den Aktionen der Norddeutschen das letzte Bisschen an
Entschlossenheit fehlte. Klar, sie waren häufiger in Ballbesitz, doch
trafen sie auf eine nun kompakter stehende Jenaer Hintermannschaft mit einem
wiederum überzeugenden Assani Lukimya in deren Zentrum. Einziger
Wermutstropfen war nur die fünfte Gelbe Karte für
Ralf Schmidt, für den das Thüringenderby damit nur von
der Tribüne aus stattfinden darf. Da auch der FCC dem Dortmunder Spiel
vom Mittwoch kräftemäßig ein wenig Tribut zollen
musste, gab es nach der Pause so gut wie keine Tormöglichkeiten mehr.
Den ersten Schuss aufs Gästetor gab Orlando mit einem Freistoß
in Minute 71 ab. Auf der Gegenseite dauerte es noch fünf Minuten länger,
ehe Calamita aus 16 Metern das Nulle-Gehäuse knapp verfehlte. Dies
sollte jedoch die einzige Schrecksekunde bleiben, weil die in Rückstand
liegenden Braunschweiger erstaunlicherweise auch in der Schlussphase ein höheres
Risiko scheuten. Der Ausflug ihres Torhüters Petkovic während
der Nachspielzeit in den gegnerischen Sechzehner vermochte darüber
nicht hinweg zu täuschen. So blieb es bis zum Schluss beim knappen und
verdienten Jenaer Sieg, den die Elf in Blau-Weiß mit einem von ihr so
noch nicht beobachteten Jubelkreis feierte.
Zurück in der Mixed Zone. Auch Carsten Sträßer,
mit Töchterchen Felicia Sophie auf dem Arm, stellt sich den Journalistenfragen.
Spricht von einer gefestigten Jenaer Mannschaft, in der Einer für den
Anderen einsteht. Und blickt vier Tage voraus: "Gegen Erfurt haben wir einiges
gut zu machen !". Jenas Anhänger werden ihn beim Wort nehmen. <fc>
Borussia Dortmund II - FC Carl Zeiss Jena 0:3
Tore: 0:1 Orlando (13.), 0:2 Nagy (32.), 0:3 Orlando (45., FE)
- Dortmund: Höttecke; Evers, Hünemeier, Neumeister,
Kaptan (
, 45.); Großkeutz (46.
Kandziora), Koch, Tyrala, Piossek (72. Oscislawski), Nottbeck; Kullmann
(62. Hille)
- Jena: Nulle; Wuttke, Lukimya, Lanzaat, Nagy; Gardawski (61.
Holwijn), Kühne, R. Schmidt (74. Truckenbrod), Benyamina; Hähnge,
Orlando (79. Sievers)
- Zuschauer: 1256
- Schiedsrichter: Kampka (Mainz)
- Spielbericht
- (von Gastkommentator Tobias Häfner)
Vergessen sollten sie nun endgültig sein sein, die endlosen Diskussionen in den Fußballforen
um Schnee, Matsch und Rasenheizungen - das Gastspiel in der klassischen Fußballarena
direkt neben dem "Signal Iduna Park" fand bei herrlichem Vorfrühlingswetter statt.
In der Startelf unserer Mannschaft nur die eine bereits vorher vermutete Veränderung -
für den gesperrten Carsten Sträßer rückte erwartungsgemäß Tim Wuttke auf die
Position des Rechtsverteidigers, Ralf Schmidt dagegen konnte entgegen aller Befürchtungen
im Vorfeld des Spiels auflaufen.
Die ersten Offensivaktionen kamen von unserem Team.
Hähnges Kopfball konnte jedoch der Dortmunder Torhüter Höttecke mühelos
aus der Luft pflücken und Orlando verpasste einen gut getimten Paß
von Stefan Kühne. In der 6. Minute die erste richtige Chance jedoch auf
der anderen Seite. Einen Flachschuß aus 14 Metern Entfernung konnte jedoch
Nulle parieren. Dennoch nahm nun unser Team mehr und mehr das Heft des Handelns
in die Hand und bereits in der 13. Minute wurden die ersten Früchte dieses
Engagements geerntet. Wieder wurde Smeekes steil von Kühne geschickt und
dieses Mal ließ er sich die Chance nicht entgehen und versenkte den Ball eiskalt.
In der 16. Minuten prüfte Tim Wuttke den Torhüter der schwarz-gelben mit einem Schuß
von der Außenposition.
4 Minuten später nach längerer Zeit mal wieder der Gastgeber mit einer Torraumszene,
doch der scharf angeschnittene Freistoß des einst von uns umworbenen Tyrala
wird von jedermann verpasst und landet hinter dem Tor.
Danach verlagerten sich die Torgelegenheiten wieder vor das andere Gehäuse.
Zunächst geht ein Freistoß von Orlando aus 28 Metern noch recht deutlich
übers Tor. Aber mehr und mehr wird nun deutlich das vor allem in punkto Zweikampfverhalten unsere Mannschaft den Gastgebern deutlich überlegen war. Vor allem Lukimya, Kühne und Wuttke blieben nahezu in jedem defensiven Zweikampf Sieger. Aber auch offensiv sah das richtig gut aus. Kein schleppendes Aufbauspiel wie man es noch viel zu häufig in der Hinrunde beobachten musste, sondern meistens wurde schnell und schnörkellos nach vorn gespielt.
Die nächste Chance aus einem solch zügig nach vorn getragenen Angriff hatte Gardawski
auf dem Fuß der mit einem Schuß aus halbrechter Position Höttecke zu einer
tollen Parade zwang. Das nächste Beispiel - Orlando am Seitenaus in Höhe der Mittellinie
scheinbar von viel zu vielen Dortmundern bedrängt. Jedoch weiß er sich daraus
zu befreien und legt ein wahres Zaubersolo hin bis er 10 Meter von dem Strafraum
unsanft gestoppt wird. Den folgendes Freistoß schlug Nagy mit viel Effet und
scheinbar so verwirrend das der Ball - wie später bestätigt wurde
ohne Freund- und Feindberührung - plötzlich im Netz zappelte. 0:2 nach 32 Minuten !
Aber unsere Jungs hatten in dieser bärenstarken ersten Halbzeit noch nicht
genug. In der 35. Minute ist bei einem Flachschuß von Orlando der Dortmunder
Keeper rechtzeitig ab Boden. In der 40. Minute wieder Orlando - sein gefühlvoller
Linksschuß verfehlte jedoch knapp das Tor. Eine Minute vor Pausenpfiff
ein mustergültiger Konter eingeleitet von Hähnge, dann sieht der wieder auf
und davon gesprintete Orlando den mitgelaufenen Wuttke. Offenbar kurz hinter der
Strafraumlinie wurde Wuttke aber vom Dortmunder Kaptan niedergemäht.
Eine hundertprozentige Torchance verhindert, die folgerichtige Entscheidung war
Rot für den schwarz-gelben Außenverteidiger und Elfmeter. Orlando schnappt sich den
Ball und schoß scharf und platziert, auch war der Dortmunder Torwart in der falschen Ecke.
Pausenstand also 0:3 und die folgenden 15 Pausenminuten wurden bei dem einen
oder anderen der ca. 150 mitgereisten FCC Anhänger zum Anlaß genommen die
Gedächtnisprotokolle zu verifizieren nach einer letzmaligen Pausenführung mit
3 Toren Unterschied. Auflösung : beim Studium alter Spielberichte auf dieser Website
muss man bis zur Saison 2003/2004 zurückblättern ;-)
2 Minuten nach Wiederanpfiff gleich die erste dicke Chance um das vierte
Tor zu erzielen, den Schuß von Benyamina lenkt Höttecke mit den Fingerspitzen
übers Tor. Aber mit fortschreitender Spielzeit sind nennenswerte Torszenen
nun rarer gesät. Die Dortmunder versuchten mit viel läuferischem Einsatz
ihre Unterzahl auszugleichen. Das gelang ihnen auch nun leidlich - aber
der Versuch mit kurzen, flachen Pässen unsere Abwehr auszuhebeln scheiterte
meistens so 5 Meter vor der Strafraumgrenze. Erwähnenswert lediglich
in der 60. Minute ein Kopfball nach einem Freistoß an dem Nulle mit den Fingerspitzen
dran war. Auf die gleiche Art und Weise klärte Nulle in der 77. Minute nach einem
Schuß aus spitzen Winkel. Beim Lattentreffer der Gastgeber in der 88. Minute
zeigte der Schiriassistent bereits Abseits an.
Auf der richtigen Seite gab es ebenfalls noch einige Chancen den Vorsprung
sogar noch auszubauen. So in der 62. Minute eine gute Kopfballchance von
Lukimya nach Ecke von Nagy. 3 Minuten später zwingt Hähnge den guten Dortmunder
Keeper zu einer Fußparade. In der 85. Minute prüfte Truckenbrod am Ende
einer schönen Kombination über Hähnge und Benyamina nochmals Höttecker.
Sicher war die zweite Halbzeit offensiv nicht mehr so zwingend wie
die 45 Minuten vor der Pause. Geschenkt - und irgendwie auch legitim aufgrund der vielen
anstehenden englischen Wochen. In Gefahr geriet der sichere Sieg aufgrund der
aufmerksamen Defensive nie.
FC Carl Zeiss Jena - Holstein Kiel 3:0
Tore: 1:0 Lukimya (32.), 2:0 Orlando (41.), 3:0 Hähnge (74.)
- Jena: Nulle; Sträßer, Lanzaat, Lukimya, Nagy; Gardawski
(76. Holwijn), Kühne (66. Truckenbrod), R. Schmidt, Benyamina; Hähnge
(89. Wuttke), Orlando
- Kiel: Frech; Lamprecht, Müller, Boy, Jürgensen (

, 88.);
Schüßler (4. Siedschlag), Vujcic, Jerat, Meyer; Sykora (57. Holt),
Cannizaro (70. Wulff)
- Zuschauer: 5205
- Schiedsrichter: Osmers (Hannover)
- Spielbericht
-
Holstein Kiel war mit beachtlichem Etat und daraus
resultierenden Erwartungen in die Saison gestartet. Schnell fand sich der
Neuling jedoch auf dem Boden der Realität wieder und derzeit auf einem
der Abstiegsränge. Das 1:6 in Bremen vor einer Woche wurde auf der
vereinseigenen Homepage als Tiefpunkt der Auswärtsmisere bezeichnet.
Solch einen Kontrahenten kann man als angeschlagenen Boxer ansehen, der umso
gefährlicher ist, je mehr er sich in die Ecke gedrängt fühlt.
Oder man kann ihn unterschätzen. Welche Einstellung würde
sich die Jenaer Elf zueigen machen ?
Positiv war schon mal, dass sie in der selben Formation
auflaufen konnte wie beim überzeugenden Auftritt gegen Osnabrück.
Der angeschlagene Ralf Schmidt hatte beim Abschlusstraining grünes
Licht gegeben und stand die neunzig Minuten durch. Die Anfangsphase freilich
hielt einem Vergleich mit jener gegen den VfL nicht stand. Zwar besaß
Orlando nach fünf Minuten die erste Chance im Spiel, als er gezwungen
war, aus eher ungünstiger Position abzuschließen, weil
keiner seiner Mitspieler mitgekommen war. Alles in allem aber konnte sich der
Gastgeber glücklich schätzen, nach zwanzig Minuten nicht in Rückstand
zu liegen. Da Lanzaat gegen Canizzaro das Nachsehen hatte, lief der bei Erfurt
ausgemusterte Kieler Stürmer in Minute 15 unbedrängt auf
Carsten Nulle zu. Unser Keeper, gerade erst zum Torschützen des Monats
nominiert, warf sich ihm mit Erfolg entgegen und zeigte, dass er nicht nur
offensiv, sondern auch defensiv zu überzeugen weiß, wie sein
Trainer nach dem Spiel flachste. Da auch Jerat mit einem Freistoß am
Jenaer Kapitän scheiterte und Sykoras Ablage nach einer Unsicherheit
in der Thüringer Hintermannschaft nicht ankam, überstand der
FCC die Anfangsperiode mit etwas Glück unbeschadet. Nach vorn lief zunächst
nicht viel zusammen. Schon zweiundzwanzig Minuten waren vorbei, als Kiels
Schlussmann Michael Frech mittels Faustabwehr das erste Mal eingreifen musste.
Die Jenaer Führung, sie fiel wie so häufig in den letzten
Wochen aus einer Standartsituation heraus. Assani Lukimya hatte vor Wochenfrist
beim Torerfolg seines Keepers genau hingeschaut und köpfte einen
Freistoßball von Nagy in die Maschen. Dass der Freistoßpfiff
zuvor durch Schiedsrichter Osmers eher geschenkt war, muss kein schlechtes
Gewissen bereiten. Auch auf der Gegenseite gabs hier und da umstrittene
Entscheidungen.
Vielleicht reagierten die "Störche" eine Spur zu passiv
auf die neue Spielsituation, indem sie hinten drin blieben und auf Jenaer
Angriffe warteten statt selbst welche zu initiieren. Andererseits muss man
vielleicht auch Verständnis für ihre Situation haben. Nach
der Klatsche gegen Werders U23 hatten sie hier passabel begonnen, sich auch von
der schweren Verletzung ihres Mittelfeldspielers Schüßler
(Verdacht auf Kreuzbandriss) nicht aus dem Konzept bringen lassen und lagen
dennoch schon wieder im Rückstand. Als sie dann doch nochmal versuchten,
vor der Pause den Ausgleich zu erzielen, liefen sie prompt in einen
Konter. Nagy schlug aus der eigenen Hälfte einen weiten Pass auf
Orlando. Dem war bis dahin noch nicht viel gelungen, doch jetzt machte er
alles richtig. Vom Ex-Jenaer Robert Müller nicht einzuholen, schob der
schnelle Holländer das Leder an Frech vorbei zum 2:0 über die
Linie. Ohne geglänzt zu haben, lag der FCC zur Pause mit scheinbar
beruhigenden zwei Toren in Front. Wann hatte es dies zuletzt gegeben ?
Der Schuss von Florian Meyer, einem der Besten in den Reihen
der Holsteiner, nur zwei Minuten nach dem Wechsel sollte sich als Kieler
Strohfeuer erweisen. Mit "Schüsschen, Eckbällchen und Freistößchen"
(O-Ton Christian Wück) war den Jenaern nicht beizukommen. Und so
lehnte der Gästecoach phasenweise selbst resigniert an der
Trainerbank. Während das Dutzend Gästefans, welches aufgrund des
Nachholtermins die weite Strecke womöglich zum zweiten Mal
innerhalb weniger Tage auf sich genommen hatte, eine nun deutlich überlegene
Jenaer Elf zu sehen bekam. Welch tolle Aktion war das zum Beispiel in Minute
62, als Orlando gleich zwei Gegenspieler düpierte und eine feine
Vorlage für Hähnge zustande brachte. Der schoss sofort aus
der Drehung und zwang Frech zu einer spektakulären Parade. Drei
Minuten später wurden die Rollen getauscht. Hähnge spielte
den Vorbereiter für Orlando, welcher sich hinterher maßlos ärgerte,
in dieser Szene den Ball am langen Pfosten vorbei geschoben zu haben. Ein Happy
End gab es dennoch für beide, denn nach Orlando in Hälfte
eins kam auch Sebastian Hähnge noch zu Torehren. Sein Antritt ab Mitte
der gegnerischen Hälfte, das Täuschungsmanöver, dann
der Schuss mit dem linken Außenrist aus 18 Metern genau ins
Dreiangel war nach Meinung aller das
schönste Tor des Tages. Mit solchen Aktionen lässt Jenas Stürmer
auch seine letzten Kritiker auf den Rängen für hoffentlich längere
Zeit verstummen.
Dem Schiri saßen mit zunehmender Spielzeit die Karten allzu locker. Das mit Gelb geahndete Foul von Jürgensen kurz vor
Schluss war genauso wenig verwarnungswürdig wie das von Carsten Sträßer
eine halbe Stunde zuvor. Für den Jenaer war es die fünfte
Gelbe in dieser Saison, für den Kieler die zweite im Match. Als
Konsequenz müssen beide beim nächsten Mal zuschauen.
Drei Punkte zum 50. - wer Mannschaftsleiter Uwe Dern kennt,
der weiß, dass ihm die Mannschaft kein schöneres
Geburtstagsgeschenk hätte bereiten können. Auch von
dieser Stelle aus herzlichen Glückwunsch, Uwe und alles Gute fürs nächste
halbe Jahrhundert ! <fc>
FC Carl Zeiss Jena - VfL Osnabrück 1:1
Tore: 0:1 Barletta (72.,HE), 1:1 Nulle (90.+2)
- Jena: Nulle; Sträßer, Lanzaat, Lukimya, Nagy; Gardawski, Kühne, R.Schmidt (82.Kolb),
Benyamina; Hähnge, Orlando
- Osnabrück: Berbig; Engel, Barletta, Nickenig (

, 75.),
Tauer; Pinheiro, Heidrich (61.Schmidt); Siegert, Lejan (64.Grieneinsen), Kotuljac (76.Stang), Lindemann
- Zuschauer: 5694
- Schiedsrichter: Thomsen (Kleve)
- Spielbericht
-
Der FCC empfing den Spitzenreiter Osnabrück, Weiß gegen Schwarz (nach den Trikotfarben), wie beim Schach. Und in den ersten
45 Minuten boten beide Mannschaften auch gepflegtes Rasenschach - taktisch diszipliniert, vorsichtig, unbedingt ein Gegentor vermeiden
wollend, ohne große Aufregungen. Der FCC wählte dabei - trotz Doppelspitze mit zwei offensiven Außenbahnen - eine
geschlossene Eröffnung, die auch den gewünschten Erfolg brachte. Aus einer sicheren Abwehr heraus suchte man mit gepflegten
Pässen den Mitspieler und ließ dem Ligaspitzenreiter - der eigentlich im gesamten Spiel seine Auswärtsschwäche
bewies - im Mittelfeld keinen Raum für den eigenen Aufbau. Die einzigen Ausnahmen bildeten die 35. und die 39. Minute: Nach einem
misslungen Tackling Nagys starteten die Gäste einen schnellen Angriff über rechts, in dessen Ergebnis Pinheiro an die Latte
des Jenaer Tores köpfte. Der FCC "revanchierte" sich nach einer Ecke, als Lanzaats Kopfball von einem Osnabrücker noch am Tor
vorbeigelenkt werden konnte. Trotzdem war der FCC im Vergleich zu den vorigen Heimspielen nicht wiederzuerkennen. Es waren die kleinen
Ungenauigkeiten, die Zählbares für den FCC verhinderten, obwohl man mit kleinen Nadelstichen den Favoriten einige Male ärgern
konnte. Dabei rückte Orlando in den Mittelpunkt: Entweder er stand im Abseits (20., 21. min) oder der Ball wurde auf dem
nassen Rasen zu schnell (22.) oder er war einfach zu überrascht, als ihm am langen Pfosten der Ball vor die Füße
fiel (30.). Positiv fiel das gute Zusammenspiel zwischen Hähnge und Gardawski auf. Nicht zu übersehen war bereits in der
erste Halbzeit die Unart der Gäste, bei Ballverlust am Boden liegen zu bleiben - gegen Ende des Spiels wurde diese Theatralik
durch Bodenpirouetten und Schmerzensschreie ergänzt - und auf das Wohlwollen des Referees zu hoffen.
Die Spieler des FCC hatten dann gemerkt, dass heute mehr drin war als nur eine Schadensbegrenzung und so startete man nach der Pause
deutlich offensiver. Vor allem Benyamina, der vor der Pause etliche Fehlabspiele bot, zeigte sein Stürmerblut. So in der 48. min
als er den Verteidiger mit einem Haken alt aussehen ließ und den Ball an die Lattenunterkante hämmerte. Den zurückspringen
Ball konnte Schmidt leider nicht mehr ins Tor drücken. Dann versuchte es Orlando über links, scheiterte jedoch am Verteidiger (53.).
Benyamina testete Berbigs Reflexe mit einem Schuss aus etwa 8 Metern Entfernung (56.), bevor Orlando kurz danach mit einem Sprint mit Ball
drei Osnabrücker in Verlegenheit brachte. Diese lösten das Problem mit einem Foul kurz vor der Strafraumgrenze, dass Schiedsrichter
Thomsen jedoch nur mit "Gelb" ahndete. "Rot" wegen Notbremse wäre die richtige Entscheidung gewesen! Den Freistoß selbst vergab
Orlando kläglich, in dem er ihn gefühlvoll mitten in die Mauer setzte. Einige Minuten später zeigte sich Orlando zu
egoistisch, als er lieber allein einen Schuss versuchte, anstatt den besser stehenden Gardawski mit einem Steilpass zu bedienen.
Der
FCC hatte den VfL in fester Umklammerung und ein Tor schien nur eine Frage der Zeit zu sein. Das fiel dann auch in der 72. min per
Foulstrafstoß: Nach einer Ecke versuchte sich Orlando so deutlich als Handballer, dass der Referee gar nichts anderes als
Elfmeter entscheiden konnte. 1:0 für Osnabrück - das Spiel nach der Pause war auf den Kopf gestellt! Der FCC ruckte noch
einmal an, alle knieten sich mit doppeltem Eifer rein, Orlando warf sich in einen Abschlag Berbigs und so ergab sich für Hähnge
die Chance, mit Ball am Fuß in den Strafraum einzudringen. Wieder kam die Notbremse zum Einsatz, gefühlt auf der
Strafraumgrenze - aber anstatt Strafstoß und Feldverweis entschied Thomsen, der von dieser Szene an völlig den Überblick
verlor, auf Freistoß und gab Nickenig nur "Gelb" (75.)! Lediglich die Tatsache, dass es bereits dessen zweite Verwarnung war,
beförderte ihn vom Feld. Der Freistoß brachte nichts ein (diesmal versuchte sich Nagy), aber von da an brannte die Luft im
Stadion. Die Gäste versuchten mit langen Bällen nach vorn und übelsten Schauspieleinlagen die den Vorsprung über
die Zeit zu retten, der FCC rannte mit aller Macht an. Der Schiedsrichter - bis zur 75. min zwar kleinlich, aber dies auf beiden
Seiten - verteilte nun munter Freistöße für die Gäste und Verwarnungen an Schmidt, Sträßer und
Lukimya für Peanuts und animierte so das Publikum. Der FCC schien sich vergeblich zu bemühen, entweder das Außennetz
(Orlando, 86.) oder Berbig (gegen Gardawski, 87.) waren jeweils Endstation. Nulle verhinderte zwischenzeitlich bei einem VfL-Konter
das entscheidende 0:2, als er einen Schuss aus Nahdistanz parierte. Schlussminute, Eckball für Jena, Nulle ging mit vor - nichts.
Nachspielzeit, weiterer Eckball für den FCC, wieder war Nulle vorn. Gardawski tritt die Ecke und aus der Ansammlung von 22 Spielern
schraubte sich ein gelbes Trikot einen gefühlten halben Meter über den Rest der Meute und köpfte in bester Stürmermanier
unhaltbar zum Ausgleich ein! Nulle als Torschütze - er lässt in dieser Saison wirklich nichts aus!!!
Vor dem Spiel wären viele sicher mit einem Punkt gegen den Spitzenreiter zufrieden gewesen, nach dem Abpfiff haderte
man ein klein wenig mit den vergebenen zwei Punkten. In jedem Fall bot der FCC die beste Heimleistung seit einem halben Jahr und
wusste endlich auch einmal spielerisch zu überzeugen. <uk>
Fotos von Jens Weißenburger
"Unglaubliches Spiel in Jena" - der Bericht auf vfl.de
FC Carl Zeiss Jena - FC Erzgebirge Aue 1:0
Tore: 1:0 Hähnge (88.)
- Jena: Nulle; Sträßer, Wuttke, Lanzaat Nagy; Gardawski (75. Benyamina), Kühne,
R. Schmidt, Kolb (65. Amrhein); Orlando (90.+3 Truckenbrodt), Hähnge
- Aue: Männel; Klingbeil, Kos, Paulus, le Beau; Stark, Hensel,
Curri (46. Klotz), Hochscheidt (78. Müller); Ramaj, Braham (70. Glasner)
- Zuschauer: 7206
- Schiedsrichter: Valentin (Taufkirchen)
- Spielbericht
-
Derbyzeit in Jena. Innerhalb weniger Tage haben die Männer um René van Eck zwei eminent wichtige Derbys vor der Brust.
Am heutigen Tag kamen die Veilchen aus Aue ins Jenaer Rund und bereits am Donnerstag geht die Reise des FCC zum 40 km entfernten
Nachbarn aus Thüringen. Aber da die letzten Derbys der Jenaer alles andere als erfolgreich waren, so sollte heute unbedingt ein Sieg gelingen.
Die Platzherren waren auch sofort bemüht, das Zepter des Handelns in die Hand zu nehmen. Bereits nach fünf Minuten die erste Chance
für den FCC durch Hähnge, doch leider verfehlte er mit seinem Schuss aus der Drehung das Tor nur knapp. Wenig später erneut
eine gute Möglichkeit für den Jenaer Stürmer, aber nach Flanke von Schmidt stand er zwar goldrichtig, traf aber er den Ball
nicht richtig. Die Gäste versteckten sich keinesfalls und kamen in der achten Minute zu ihrer ersten Chance. Einen hoch getretenen
Freistoss verpassten alle Spieler im Strafraum, so dass der Ball an Freund und Feind vorbei zischte und um Zentimeter das Tor verfehlte.
Ein Kopfball vom völlig freistehenden Najeh Braham (18.) hätte die Führung der Auer bedeuten können, denn auch hier
fehlte nur wenig. Trotz der noch immer torlosen Begegnung sahen die 7200 Zuschauer eine hart umkämpfte Partie, bei der sich beide
Teams keinen Zentimeter des Rasens schenkten. Nach gut einer halben Stunde (32.) dann der schönste Spielzug der Platzherren bis
dato. Schmidt hatte mit einem Steilpass auf Hähnge gepasst, der aber zu lange brauchte, den Ball unter Kontrolle zu bringen -
Querpass auf unseren Neuzugang Gardawski, der zum kurzen Sololauf ansetzte, seinen Gegenspieler umkurvte und mit einem mustergültigen
Querpass vors Tor auf Orlando passte. Die meisten Fans hatten bereits den Jubelschrei auf den Lippen angesichts dieser 100% Torchance,
doch Orlando brachte das Kunststück fertig, den Ball aus Nahdistanz Gästekeeper Männel vor die Brust zu schießen.
Auch nach der Pause das gleiche Spiel. Beide Teams fighteten um jeden Ball und die ein oder andere Gelbe Karte blieb nun auch nicht mehr
aus. Zum Ärger der Jenaer traf es auch Tim Wuttke, dem nun durch seine fünfte Karte nur die Rolle des Zuschauers beim Thüringenderby
bleibt. Die erste nennenswerte Möglichkeit der zweiten Halbzeit gehörte den Gästen, doch Nulle konnte einen gefährlichen
Flachschuss von Hochscheidt zur Seite klären. Drei Minuten später hätte Braham erneut für die Führung der Veilchen
sorgen können, doch glücklicherweise konnte er aus Nahdistanz seine Chance nicht nutzen. Schnell ausgeführter Gegenzug der
Jenaer mit einem schönen Steilpass auf Hähnge, der von halb links aufs Gästetor zustürmte. Es folgte ein kurzer Schwenk
nach rechts und anstatt nun sofort zu abzudrücken, entschied er sich erneut für einen Schwenk diesmal nach links, wodurch er sich
selber den Winkel zum Tor so verkürzte, dass sein anschließender Schuss für Männel keine Gefahr mehr darstellte. Der
Druck der Jenaer Mannschaft nahm nun stetig zu und der FCC drehte sein Eckenkonto nach oben. Nur leider wollte noch immer kein Tor gelingen.
Beim 13. Eckball! der Thüringer hätte es dann fast geklappt, doch leider verfehlte Wuttke mit seinem wuchtigen Kopfball nur ganz
knapp das Tor. Zehn Minuten vor Ultimo sorgte die mittlerweile 15. Ecke der Jenaer (Endstand 17:3) erneut für große Gefahr im
Strafraum der Gäste, doch Ramaj konnte den Kopfball vom eingewechselten Benyamina noch auf der Torlinie klären. Die letzten
Minuten plätscherten so dahin und beide Teams hatten sich eigentlich schon mit einem Unentschieden abgefunden. Doch es gab in der
88. Minute noch einmal Freistoß für den FCC. Nagy flanke platziert nach innen und dort schraubte sich Hähnge am höchsten
und traf per Hinterkopf zum viel umjubelten Führungstreffer. Die Auer warfen in den wenigen verbliebenen Minuten noch einmal alles nach
vorn, doch die Jenaer ließen sich am heutigen Tage diesen hoch verdienten Sieg nicht mehr nehmen.
Nach derben Pleiten in den letzten großen Derbys ist es dem FCC endlich mal wieder gelungen, ein so wichtiges Prestigeduell
zu seinen Gunsten zu entscheiden. Nun gilt es die Kräfte zu bündeln, um beim zweiten Traditionsduell am kommenden Donnerstag
erneut als Sieger den Platz zu verlassen. <vg>
FC Carl Zeiss Jena - SV Sandhausen 0:1
Tore: 0:1 Dorn (44.)
- Jena: Nulle; Sträßer, Lanzaat (53. Eckardt), R. Schmidt;
Wuttke, Truckenbrod, Ziegner (87. Kühne), Orlando (75. Mayombo);
Kolb, Hähnge
- Sandhausen: Kirschbaum; Bindnagel, Tausenpfund, Glibo, Mintzel;
Pinto (90. Throm), Hillenbrand, Jungwirth, Schauerte (74. Öztürk);
Cenci, Dorn (90. Hosiner)
- Zuschauer: 5513
- Schiedsrichter: Dr. Kunzmann (Bad Hersfeld)
- Spielbericht
-
"Meine Spieler sind so heiß im Training, dass ich
Angst hatte, der Rasen könne verbrennen." - Sprüche wie
dieser von René van Eck wecken nach dem Jahreswechsel Erwartungen, die
vielleicht ein paar Zuschauer mehr ins winterkalte Stadion locken, dann aber auch
erfüllt werden wollen. Im Falle eines Misserfolgs nämlich können
einem die Zitate auch buchstäblich um die Ohren fliegen.
Den Auftakt dieses Nachholspiels bildete ein Kopfball des
aufgerückten Lukimya-Mulongoti nach Freistoß Ziegners. Gäste-Torwart
Kirschbaum zeigte sich auf dem Posten (3.). Ansonsten war es ein gemächlicher
Beginn, zu dem die Theatralik nicht passen wollte, mit der sich die
Sandhausener Spieler jedes Mal auch nach harmlosen Fouls auf dem Rasen wälzten.
Das nahm ein Ende, als sie die erste Gelbe Karte des Spiels für Wuttke
provoziert hatten. Am Schiedsrichtergespann allerdings sollten sich im Laufe
der Partie noch häufiger die Gemüter erhitzen.
Sportlich tat sich zunächst wenig und wenn, dann
in der Gästehälfte. Nach siebzehn Spielminuten
spielte Ziegner schön in den Lauf des überraschend in die
Anfangself gerückten Kolb. Dieser flankte von der rechten Seite vors
Tor, wo Hähnge zunächst einen Schritt zu spät kam.
Der von links heranbrausende Orlando kam zwar noch zum Schuss, mehr als ein
Eckball sprang aus spitzem Winkel jedoch nicht heraus. Szenenapplaus gab es für
Carsten Sträßer sieben Minuten später, als er einen
schon verloren scheinenden Ball zurück eroberte. Hier bekam man einmal
einen Ahnung von dem, was van Eck gemeint haben könnte. Doch die Regel
war das leider nicht. Wie oft musste ein Spieler den Einwurf bis zum letzten
Moment hinauszögern, weil die eigenen Mannschaftskameraden bei ihren
Gegenspielern stehen blieben anstatt sich frei zu laufen ! Orlandos nächste
Aktion - nach energischem Antritt übersah der Holländer den
freistehenden Landsmann Lanzaat am Elfmeterpunkt - war Jenas letzte Gelegenheit
vor der Pause. Und die Gäste ? Erspielten sich ihre erste Chance eine
Minute vor dem Halbzeitpfiff. Einen mit dem Kopf verlängerten Ball
nimmt Neuzugang Cenci gekonnt mit der Brust an, leitet ihn sauber mit der Hacke
weiter und bringt Sturmpartner Dorn damit in eine vorzügliche
Schussposition. Dieser Regis Dorn ist viel zu sehr Torjäger, um sich
solch eine Gelegenheit entgehen zu lassen. Gegen seinen Schuss ins lange Eck
hat Nulle nicht die Spur einer Chance. Mit der einzigen Möglichkeit in
45 Minuten die Führung zu erzielen - mehr an Effizienz geht nicht. Es war übrigens
kein Konterzug, als welcher dieser Angriff vonseiten unseres
Trainer bezeichnet wurde. Jenas Defensive durfte sich in aller Ruhe formieren
und stand mit sieben gegen zwei Mann im eigenen Strafraum.
Quido Lanzaat hatte beim Gegentor etwas abbekommen, wollte
sich aber durchbeißen und kam mit aus der Kabine. Um ein Haar wäre
ihm in der 51. Minute der Ausgleichstreffer geglückt. Nach Foul an
Kolb führte Ziegner einen Freistoß fünf Meter vorm
rechten Strafraumeck aus. Den hohen Ball erwischte Lanzaat unter Bedrängnis
mit dem Kopf, drückte ihn von der Torraumgrenze aus Richtung Gästegehäuse,
doch Kirchbaum lenkte das Leder mit starkem Reflex zu Ecke. Gleich danach war
Schluss für den auch gelbbelasteten Innenverteidiger. Wuttke nahm
dessen Position ein, Eckardt kam neu ins Mittelfeld. Beim Doppelpass mit Hähnge
führte sich Eckardt gut ein und weckte als Einwechsler Hoffnungen, die
(nicht nur) sein Trainer nach dem Spiel als unerfüllt ansah. Gleiches
gilt auch für Mayombo, dem jedoch rund eine Viertelstunde vor Schluss
ein Elfmeter hätte zugesprochen werden müssen. Gegenspieler
Tausendpfund hatte Jenas Stürmer von den Beinen geholt, Dr. Kunzmann
entschied auf Weiterspielen. Diese Szene lag inmitten einer kurzen Drangperiode
mit zwei hochwertigen Chancen für Sebastian Hähnge. Beim
Kopfball in Minute 73 fehlte neben dem Druck auch die Präzision, da
Kirchbaum sich nicht vom Fleck bewegen musste, um zu parieren. Doch fünf
Minuten darauf hätte auch Sandhausens Schlussmann den Ausgleich nicht
verhindern können, wenn Hähnges Kopfball nach Ziegners Ecke
ins Netz statt nur ans Lattenkreuz geflogen wäre. Welch ein Pech.
Doch weder strittige Schiedsrichterentscheidungen noch
Aluminiumtreffer dürfen darüber hinwegtäuschen, dass
die Jenaer Spieler allzu viel schuldig blieben von dem, was man von ihnen nach
der Winterpause erwarten durfte. Gefahr strahlten sie nur bei
Standartsituationen aus. Zu statisch wirkten sie im Spielaufbau, sodass das grüne
Geläuf lediglich von der Rasenheizung auf Temperatur gehalten
wurde. Die Gäste, von denen man ein Hintenreinstellen nach der Pause
vermutete, konnten wahrscheinlich irgendwann nicht mehr anders, als auf eigene
Faust die Entscheidung zu suchen. Beim
Kopfball von Tausendpfund und Schüssen des eingewechselten Öztürk
boten sich Gelegenheiten dazu. Ihr knapper Vorsprung geriet während
der Schlussminuten nicht weiter in Gefahr. Stattdessen bettelte Torsten Ziegner
um seine fünfte Gelbe Karte, indem er auch nach zweimaligem Zurückweisen
beim Schiri immer noch weiter meckerte. Und den Karton letztlich
bekam.
In einem Spiel, das eigentlich keinen Sieger verdient, kann
eine einzige geniale Idee während neunzig Minuten entscheidend sein.
Cencis Hackentrick war solch eine Idee. Den Jenaer Spielern hingegen ist es nicht
gelungen, ihren so hoch gelobten Trainingsfleiß ins erste Punktspiel
des Jahres 2010 zu transportieren. <fc>
SV Wehen Wiesbaden - FC Carl Zeiss Jena 1:1
Tore: 1:0 Schönheim (72.), 1:1 Hähnge (77.)
- Wehen: Domaschke; Hollmann, Gehring, Schönheim, Weigelt;
Ziegenbein (90.+1 Bohl), Reinert, Hübner, Öztürk; Ziemer
(82. Stroh-Engel), Boskovic (88. Kunert)
- Jena: Nulle; Sträßer, Lanzaat, Lukimya, R. Schmidt
(76. Nagy); Kühne (14. Amrhein), Truckenbrod (90.+1 Mayombo), Ziegner;
Wuttke, Hähnge, Orlando
- Zuschauer: 3386
- Schiedsrichter: Beitinger (Regensburg)
- Spielbericht
- Weniger die sportliche als vielmehr die wirtschaftliche Situation geriet in dieser
Woche in den Mittelpunkt des öffentlichen Interesses. Die Nachricht, dass sich
die Liquiditätslücke während der letzten Wochen nochmals kräftig auf
947.000 Euro vergrößert hat und nun im Rahmen eines Sanierungskonzepts umfassende
DFB-Auflagen zu erfüllen sind, sorgt für Gesprächsstoff unter den
Kernbergen und darüber hinaus.
Die Spieler können in solch einer Situation nichts weiter tun als bestmöglich
ihren Job zu erledigen. Könnte es doch sein, dass jeder von ihnen errungene Punkt
in der Endabrechnung noch von Bedeutung sein wird.
Beide Teams bemühten sich
vom Anpfiff weg um Offensivaktionen, wobei ihnen dabei die Genauigkeit im
Zusammenspiel abging. So verging eine Viertelstunde bis zur ersten
Torgelegenheit, einem Schuss des freistehenden Boskovic genau auf
unseren Schlussmann. Zu dieser Zeit hatte Trainer van Eck bereits das erste Mal
wechseln müssen, da Stefan Kühne nach einem Zweikampf in der eigenen Hälfte
mit einer Knieverletzung vom Platz musste. Tim Wuttke hat in dieser Saison
schon fast alles gespielt, vom Innenverteidiger bis zur hängenden Spitze auf
Außen - entsprechend reibunsglos ging nach der Hereinnahme Amrheins sein Wechsel auf die Kühne-Position vonstatten.
Geschickt verlagerten er und seine Nebenleute die Positionen hin zum
ballführenden Gegenspieler. Die häufiger in Ballbesitz befindlichen Gastgeber fanden
dagegen lange Zeit kein Mittel. Es bedurfte eines direkt geschossenen
Freistoßes, um Carsten Nulle nach 31 Minuten das zweite Mal zu fordern.
Dessen Gegenüber hatte zu diesem Zeitpunkt noch keinen einzigen Ball
halten müssen.
Doch mit einem Mal, ab Minute 38 veränderte sich die Szenerie. Schön freigespielt steht Sebastian Hähnge frei vor Eric Domaschke - und scheitert am
herauslaufenden Keeper. Eine Minute später schießt der bis dahin noch
gar nicht zur Geltung gekommene Orlando aus vollem Lauf über die Querlatte und
nochmals 60 Sekunden darauf Hähnge flach aufs Tor. Die größte Gelegenheit vor
der Pause aber bietet sich in Minute 43. Freistoß, knapp 30 Meter Torentfernung,
halbrechte Position. Orlando steht zur Ausführung bereit, so als wolle er
zum zweiten Mal das Tor des Monats gegen den selben Kontrahenten erzielen. Doch nicht
er sondern Ziegner führt den Freistoß aus. Domaschke lässt prallen, zum
aufgerückten Assani Lukimya, der jedoch aus bester Position vergibt.
Freistoßschütze Torsten Ziegner hatte sich zu diesem Zeitpunkt bereits eine Gelbe Karte abgeholt. Nur gut, dass sich seine Verwarnung von voriger
Woche als Falschmeldung herausgestellt hatte. Sonst wäre es jetzt die 5.
gewesen und Ziegner hätte gegen Sandhausen ersetzt werden müssen.
Selbst wenn er zuletzt auswärts eher zu überzeugen wusste als in Heimspielen.
Apropos Trainer, wie hatte René van Eck vor dem Spiel prophezeit ? Viele
Chancen wird es in Wiesbaden nicht geben. Deshalb müssen diese konsequent
genutzt werden. Genau das hatten seine Jungs vor der Pause versäumt, weshalb
es mit Spielstand 0:0 in die zweite Halbzeit ging. Hier zeigte sich
Nulle bei einem Schuss von Reinert gleich wieder auf dem Posten (49.).
Das Spiel des SVW, dessen Hauptsponsor mit Wasser-Technologie seinen Umsatz
macht, lief nun etwas flüssiger. Jenaer Konter besaßen Seltenheitswert,
in Minute 64 war es wieder mal soweit. Hähnge auf der rechten Seite fehlte
jedoch sein Anspielpartner im Zentrum, weil Hübner dem losspurtenden
Orlando in die Hacken getreten war, ohne dass dies der Referee geahndet hätte.
Jenas Hintermannschaft stand weiterhin sicher, geriet meist nur durch
Standartsituationen in Gefahr. Weigelts Freistoß aus fast dreißig Metern
hob Nulle in großem Stil über die Torlatte (65.). Und dann gab es da noch die Eckstöße.
Es mag der sechste oder siebente gewesen sein in Minute 72 - Jenas
Elf hatte sich wie immer komplett im eigenen Strafraum versammelt.
Zunächst gelang es, den Eckball nach vorn abzuwehren. Doch genau an der
Grenze zum Sechzehner stand Fabian Schönheim, welcher den als
Befreiungsschlag gedachten Ball dreisterweise als Vorlage ansah und direkt
ins rechte untere Eck traf.
Die seit sieben Spielen daheim ungeschlagenen Gastgeber führen 1:0 und nicht mal mehr zwanzig Minuten sind noch zu spielen. So manch einer
mit Blau-Gelb-Weiß im Herzen wird hinterher zugeben, er hätte nicht mehr an einen
Punktgewinn geglaubt. Doch Jenas Routiniers auf dem Spielfeld sehen das
anders. Torsten Ziegner hebt einen Ball vor in den Sechzehner auf Sebastian
Hähnge, der mit langem Bein zunächst dafür sorgt, dass das Leder
nicht ins Toraus verspringt. Danach tunnelt er Domaschke im zweiten Versuch und
vollendet überlegt mit halbhohem Schuss über zwei grätschende Verteidiger
hinweg ins Netz. Jubel im gut gefüllten Gästeblock direkt dahinter. Obwohl es
wie die meiste Zeit zuvor nun wieder unentschieden steht, scheint der Ausgleichstreffer
noch einmal richtig das Feuer anzufachen. Nicht nur auf den Rängen, auch bei
den blau-gelb gekleideten Spielern. Ein Torsten Ziegner erobert erst den
Ball, lässt ihn dann zu weit wegspringen, verliert ihn dadurch wieder und
hüpft vor Ärger darüber wie Rumpelstilzchen auf dem grünen Rasen. Jenas
Spieler wollen drei Punkte, das ist zu spüren. Doch die geniale Idee,
mit der der Willen in die Tat umzusetzen wäre, kommt ihnen an diesem Tag nicht
mehr. Stattdessen besitzen sie bei Schönheims Chance in der 87.
Minute sogar noch Glück, am Ende nicht mit leeren Händen
da zu stehen. Dass beide Trainer in der Nachspielzeit noch je
einen frischen Spieler für gerade mal fünfzehn Sekunden aufs Feld schicken, zeigt an, dass alle
mit dem Punkt leben können. Auf Jenaer Seite wird er sogar wie
ein Sieg gefeiert.
Mag es in der spielerisch-taktischen Umsetzung noch etliche Reserven geben,
kämpferisch war's allemal in Ordnung. Zumindest vom Sportlichen her scheint
das Schlimmste erst einmal überwunden. <fc>
VfB Stuttgart II - FC Carl Zeiss Jena 0:1
Tore: 0:1 Orlando (68.)
- Stuttgart: Stolz; Schimmel, Pischorn, Vier, Enderle; Didavi, Funk,
Vecchione (83. Pala), Hertner (79. Riedle); Schipplock, Fischer (58. Walch)
- Jena: Nulle; Sträßer, Lanzaat, Lukimya, R. Schmidt;
Kühne, Truckenbrod (62. Amrhein), Ziegner, Wuttke; Hähnge
(85. Mayombo), Orlando (90. A. Schmidt)
- Zuschauer: 680
- Schiedsrichter: Dingert (Thallichtenberg)
- Spielbericht
- Im fünften Spiel gegen Stuttgart II gelang das zweite Tor. Dieses brachte, da der FCC im Gegensatz zu den sonst üblichen
dreieinhalb Gegentreffern pro Stuttgart-Spiel den Gastgebern keinen Treffer gönnte,
drei Punkte ein.
Nach 13 Sekunden hätte der Abend bereits
einen schlechten Verlauf nehmen können, als Nulle das erste Schüsschen
prallen ließ, der Stuttgarter den Nachschuss jedoch nicht am Jenaer
Torwart vorbeibrachte. Nach 5 Spielminuten brannte es erneut lichterloh vor
Nulles Kasten, als ein Angreifer eine Eingabe um Haaresbreite verfehlte. Die
einzig erwähnenswerte Situation des Jenaer Angriffsspiels war ein
Schuss Wuttkes nach einer Ecke aus 20 Metern in die zweite Etage des kalten
Stuttgarter Abendhimmels (9. min). Ansonsten sah sich Jenas einziger Stürmer
Hähnge immer von einer erdrückenden weißen Abwehrübermacht
umgeben, gegen die alle Dribblings nichts fruchteten. Die Unterstützung
der Mitspieler war nicht gegeben, da z. B. Orlando sich im Hinfallen und
Abseitsstehen übte. Die Jenaer Harmlosigkeit wurde in der 19. min
perfekt demonstriert, als man auf Höhe des Stuttgarter Strafraums
einen Einwurf hatte und den Ball innerhalb von fünf Sekunden
zielsicher zurück zu Nulle brachte. Da Stuttgart außer einem
Schuss am langen Eck vorbei (35.) auch nichts weiter zustande brachte, ging es
nach einer langweiligen Halbzeit torlos in die Kabinen.
Nach Wiederanpfiff änderte sich das Bild.
Der FCC hatte sofort eine Ecke, die aber gefahrlos in einem schnellen Konter
der Gastgeber mündete und uns wie schon zu Beginn der ersten Halbzeit
beinahe ein Gegentor beschert hätte. In der 52. min schirmte Lukimya
den Ball gegen einen Angreifer ab, Nulle sorgte aber für kurzes
Herzflattern, da er den Ball erst im zweiten Zupacken sicher hatte. Die Partie
wurde nun deutlich besser. Ursachen waren nicht nur die jetzt deutlich gefälligeren
Spielzüge der Stuttgarter, sondern auch die Leistungssteigerung
etlicher Jenaer Spieler. So präsentierte sich Schmidt deutlich
selbstbewusster und auch offensiver als vor der Pause, und Ziegner zog immer
aktiver die Fäden im Jenaer Mittelfeld. Doch wieder waren es die
Gastgeber, die kurz vorm Führungstreffer standen, als Schipplock nach
einem langen Pass Lanzaat einfach überlief und Nulle im wahrsten Sinne
Kopf und Kragen riskieren musste. Dafür bekam er eine dreiminütige
Behandlungspause auf dem Rasen. In der 58. Spielminute hatte der FCC seine
erste Torchance: Orlando vernaschte
links seinen Gegenspieler, passte flach in die Mitte, aber Hähnge
setzte den Direktschuss leider übers Tor. Zwei Minuten danach stand
Nulle wieder im Brennpunkt, als er einen Fernschuss Schipplocks über
die Querlatte lenken konnte.
Eine entscheidende Veränderung brachte
die Einwechslung Amrheins für Truckenbrod. Amrhein ging auf die linke
Außenbahn, Orlando wechselte nach rechts und Wuttke rückte
auf die defensive Mittelfeldposition. Damit war Hähnge nicht mehr ganz
allein in der Stuttgarter Hälfte und obwohl sich neben ihm zumeist nur
Amrhein, Orlando und Ziegner in die gegnerische Hälfte getrauten, kam
deutlich mehr Offensivleben ins Jenaer Spiel. Und nur wenige Minuten später,
nach einem zwischenzeitlich weiteren Kapitel des Duells Schipplock vs. Nulle
(66., letzterer klärte zur Ecke), gab es den verdienten Lohn: Hähnge
bekommt in der Mitte kurz hinterm Mittelkreis den Ball, sieht rechts außen
den startenden Orlando, passt die Spielkugel maßgenau hinüber,
Jenas Nummer 10 setzt sich mit einem eleganten Haken gegen den Verteidiger
durch und ballert aus spitzem Winkel ins lange Eck. 1:0!!! Nicht nur der Gästeblock,
auch im sogenannten Heimbereich flippte ein gutes Drittel der Besucher aus.
Drei Minuten später verhinderte das Gebälk des Stuttgarter Tores
Hähnges Nominierung für das "Tor des Monats": Der Jenaer Stürmer
ignorierte die beiden Stuttgarter und zog aus der Drehung vom rechten
Strafraumeck ab. Stolz, der VfB-Keeper, schaute bewundernd dem Ball, den er
sowieso nie und nimmer erwischt hätte, hinterher und ihm dürfte
einige Tonnen Gestein vom Herzen gefallen sein, dass ihm sein Torpfosten
hilfreich zur Seite stand. Bis zur 88. min versuchte Stuttgarts Zweite mit viel
Energie, jedoch ohne Ideen, Jenas Bollwerk zu knacken, Angstperlen trieb dies
aber nicht einmal den sonst aus Prinzip vorm Gegentor zitternden FCC-Fans auf
die Stirn. In jener 88. min kamen zwei Angreifer doch einmal fast in der Mitte
durch, Nr. 1 nahm jedoch der schussbereiten Nr. 2 den Ball vom Fuß.
Einer von beiden, ob Nr. 1 oder 2 ist egal, sank zu Boden (Nase voll?) und der
Referee pfiff zum Entsetzen der Jenaer und zur Verwunderung der Stuttgarter
Zuschauer und zeigte auf den Elfmeterpunkt. Nulle korrigierte den Fehler des
Referees, wehrte den Schuss ins linke untere Eck ab und schubste den
wegspringenden Ball vorm nachsetzenden Schützen zur Seite. Die
verbleibende Zeit inklusive der vier Nachspielminuten überstand der
FCC ziemlich problemlos, auch weil sich van Eck daran erinnerte, dass man
dreimal pro Spiel auswechseln darf und dies immer ein paar Sekunden schindet. Und
so hatten wir endlich, nach einem Vierteljahr (Kiel!!!), wieder einmal eine
Heimfahrt, auf der man sich mit Freude an das erlebte Spiel erinnerte.
<uk>
Spielbericht auf der Stuttgarter Homepage
Fotos auf fanclub-family.de
FC Carl Zeiss Jena - Wuppertaler SV 1:0
Tore: 1:0 Hähnge (43.)
- Jena: Nulle; Sträßer, Lanzaat, Lukimya,
R. Schmidt (46. Wuttke); Kühne, Truckenbrod (78. Mayombo), Ziegner,
Amrhein (88. Nagy); Hähnge, Orlando
- Wuppertal: Maly (
, 6.);
Neunaber, Neppe (76. Altin), Lorenz, Schauml;fer; Müller, Weikl
(79. Bernhardt), Fischer, Celikovic; Formento (6. Karagiannis), Damm
- Zuschauer: 5076
- Schiedsrichter: Schriever (Dorum)
- Spielbericht
- Wie gewohnt konnte man sich auch im Vorfeld dieses Spiels nicht
über mangelnde Unruhe im Umfeld des FC Carl Zeiss Jena beschweren, in
der Woche vor dem Spiel wurde mit Hartmut Beyer der neue Präsident
vorgestellt, der dann auch gleich die Kündigung für Salvatore
Amirante zurückzog und diesem so formal die Rückkehr in die
erste Mannschaft ermöglichte - der Italiener meldete sich aber zunächst
krank und blieb Training und Spiel fern. Die personelle Situation hatte sich
dennoch etwas entspannt, denn mit Sebastian Hähnge war zumindest eine
der Stützen der Jenaer Elf wieder in der Anfangself zu finden. Das
bestimmende Thema im Vorfeld war aber naturgemäß der Freitod
von Robert Enke, der seine Karriere ja in Jena begann und der auch bis zuletzt
noch den Kontakt in seine Heimat gehalten hat. Wie praktisch alle Außenstehenden
traf die Nachricht vom Selbstmord Enkes auch seine Freunde in Jena
unvorbereitet, der Schock über die nur schwierig nachvollziehbare
Entscheidung des erfolgreichen Torhüters saß auch in Jena
entsprechend tief.
Das Spiel begann dann auch mit einer Schweigeminute für
den achtfachen Nationalspieler, bei der manchem Besucher die eine oder andere
Träne über die Wange rollte. Die ersten Minuten des Spiels
hatten dann auch irgendwie den Anschein, als ob die 22 Akteure nicht ganz bei
der Sache wären. Zunächst schenken die Gäste den
Jenaern eine Ecke, weil es ein Missverständnis zwischen einem
Abwehrspieler und Gäste-Keeper Christian Maly gibt, ähnliches
gibt es nur Sekunden später auf der Gegenseite zu sehen. Die erste
halbwegs gefährliche Aktion ist dann ein langer Ball auf Orlando, der
mit seiner Schnelligkeit auch die WSV-Abwehr überrascht und den Gäste-Torwart
mit seiner plötzlichen Anwesenheit direkt vor dem Strafraum offenbar
so überrascht, dass dieser in einem Moment der Unaufmerksamkeit die Hände
zu Hilfe nimmt, obwohl er sich haarscharf außerhalb des Strafraums
befindet. Schiedsrichter-Assistent und Schiedsrichter können in dieser
Situation gar nicht anders, als Maly mit Rot vom Feld zu schicken und dem FCC
eine aussichtsreiche Freistoßposition an der Strafraumgrenze
zuzusprechen. Spätestens jetzt waren die Gedanken von Spielern und
Zuschauern voll und ganz beim heutigen Spiel. Opfer der Aktion von Maly war
letztlich der Wuppertaler Stürmer Formento, für den Gäste-Trainer
Uwe Fuchs nun Ersatz-Torhüter Asterios Karagiannis bringen musste.
Dieser sah sich gleich einer unbequemen Situation gegenüber, denn den
Freistoß von der Strafraumgrenze wollten die Gastgeber natürlich
im Tor unterbringen und dem Spiel so schon früh die richtige Tendenz
geben. Letztlich war es Torsten Ziegner, der sich den Ball zurechtlegte, anlief
und den Ball in Richtung Tor brachte - allerdings fehlten die berühmten
Zentimeter und der Ball strich am rechten Pfosten vorbei. Schon direkt im
Anschluss wurde klar, dass der WSV auch in Unterzahl ein unangenehmer Gegner
sein würde, der sich keineswegs entmutigen ließ. Die Spieler
aus der Stadt mit der Schwebebahn standen nun noch tiefer, als es vermutlich
ohnehin geplant war, Tobias Damm stand jedoch jederzeit bereit, um einen
schnellen Konter vorzutragen. Nach 13 Minuten waren es dann auch die Gäste,
die die nächste gute Gelegenheit hatten: Ein Freistoß aus
rund 25 Metern wurde von Celikovic vorbei an Freund und Feind auf den langen Pfosten
geschlenzt, wo Nulle aber hellwach und mit guter Reaktion zur Ecke klären
konnte. In der Folge bestimmte die in Überzahl spielende Jenaer Elf
zwar die Partie und hatte deutlich mehr Ballbesitz, dennoch muss sie sich den
Vorwurf einer gewissen Ideenlosigkeit anhören, denn gefährlich
wurde es für das Gäste-Tor nur äußerst
selten. Die tief stehenden Gäste machten geschickt die Räume
eng und unterbanden es effektiv, dass Orlando seine Schnelligkeit ausspielen
oder gefährliche Flanken in den Strafraum schlagen konnte. Wenn doch
mal ein Jenaer die Gelegenheit zur Flanke bekam, landete diese meist weit
hinter dem Tor und ließ das Jenaer Spiel entsprechend harmlos
erscheinen. Nach 35 Minuten fasste sich Amrhein ein Herz, sein Schuss bedrohte
aber vordergründig die Eckfahne und kann insofern als symptomatisch für
die Harmlosigkeit des FCC bis zu diesem Punkt gesehen werden.
Nur eine Minute später wären beinahe die Gäste
in Führung gegangen, denn einen schnellen Gegenzug konnte der schon
erwähnte Damm aus rund acht Metern abschließen, allerdings
war auch der selten geforderte Carsten Nulle gut drauf und konnte den Ball zwar
nicht festhalten, aber doch parieren. Bis zu diesem Zeitpunkt waren es damit
aber trotz Unterzahl doch die Wuppertaler, die die beste Chance der ersten
Halbzeit herausgespielt hatten. Die Szene der ersten Halbzeit stand aber noch
bevor, denn einmal mehr war es Orlando, der mit dem Ball am Fuß Fahrt
aufnahm und gleich mehrere Gegenspieler ausspielte. Beim letzten Verteidiger
Lorzenz versagten die Künste des kleinen Dribblers aber und es kam zum
Zusammenstoß, den die Gäste als freistoßwürdig
betrachteten und vehement den Pfiff des Schiedsrichters forderten. Dieser blieb
aber aus und Jens Truckenbrod nahm sich den Ball, zog sofort
ab und prüfte Karagiannis, der den Ball nicht festhalten konnte.
Dieser prallte nun vor die Füße von Sebastian Hähnge,
der bisher in dieser Saison torlos geblieben war und nun aus wenigen Metern nur
noch einschieben musste - TOOOOR für den FCC, endlich das erlösende
1:0!
Mit diesem Ergebnis ging es dann auch in die Kabinen, aus
denen die Gäste unverändert zur zweiten Halbzeit zurückkamen.
Beim FCC kam Wuttke für Schmidt, der aus Sicht von Trainer René van
Eck Gelb Rot-gefährdet war. Schon direkt nach Wiederanpfiff ist es
erneut Orlando, der die Gäste-Abwehr quasi im Alleingang umspielt und
dann nur noch den Torhüter vor sich hat, den Ball dann aber leider
etwas überhastet am Tor vorbeihämmert, anstatt ihn überlegt
einzuschieben. Die Gäste änderten zunächst wenig an
ihrer Spielweise und standen weiter tief, genauso schwer taten sich aber auch
die Jenaer. In der Folge plätscherte das Spiel dahin und auch in Folge
zahlreicher unnötiger Ballverluste im Spielaufbau konnte keine der
beiden Mannschaften gefährliche Chancen herausspielen. Wenn überhaupt
etwas Gefahr zustande kam, dann in Folge von Freistößen.
Doch auch hier versäumten es Gastgeber und Gäste, die Torhüter
zum Eingreifen zu zwingen oder gar vor ernsthafte Herausforderungen zu stellen.
In den letzten zehn Minuten wurden auch die Gäste noch einmal mutiger,
die Jenaer Verteidigung stand aber überwiegend sicher und zwang Nulle
nicht zum Eingreifen. Als bereits einige Minuten der Nachspielzeit gespielt
waren, eröffnete sich dem FCC noch die Chance auf 2:0 zu erhöhen.
Nach einem langen Ball lief Ziegner zusammen mit Orlando
aufs Gäste-Tor zu, begleitet nur von einem letzten Gäste-Verteidiger.
Als Ziegner den Ball zum einschussbereiten Orlando spielen wollte,
versagten ihm aber die Kräfte und die Nerven, sodass der Ball
unerreichbar für den mitgelaufenen Stürmer ins Aus trudelte.
Kurz darauf war aber auch Schluss und die Jenaer konnten
sich über drei Punkte freuen, die gegen den direkten Tabellennachbarn
natürlich sehr wichtig waren. Mit etwas mehr Kreativität und
Konsequenz im Torabschluss hätte man die Partie allerdings weniger anstrengend
für das leidgeprüfte Nervenkostüm der Jena-Fans
gestalten können. Nun bleibt zu Hoffen, dass die Jenaer in den
kommenden beiden Auswärtsspielen ebenfalls Punkten und so die Distanz
zu den Abstiegsrängen weiter vergrößern können. <bh>
1. FC Heidenheim - FC Carl Zeiss Jena 3:1
Tore: 0:1 Truckenbrod (35.), 1:1 Lukimya (60., ET), 2:1 Mayer (79.), 3:1 Weil (90.)
- Heidenheim: Bodemer; Meier, Göhlert, Krebs, Feistle; Bagceci
(46. Gül), Klarer, Weil, Essig (59. Mayer); Spann (88. D. Jarosch),
Heidenfelder
- Jena: Nulle; Sträßer, Lanzaat, Lukimya, Wuttke;
Kühne, Truckenbrod (86. Petersen), Ziegner, Amrhein; Orlando, Mayombo
(75. Eckardt)
- Zuschauer: 6130
- Schiedsrichter: Nowak (Bottrop)
- Spielbericht
- Im Spiel eins nach seinem Tod war Robert Enke auch fern der thüringischen
Heimat in Heidenheim allgegenwärtig. Der FCC verzichtete auf den
üblichen Aufdruck der Trikotbrust und die FCH-Fans auf ihre geplante
Choreo, beide Teams liefen mit Trauerflor auf und während der
holprigen Gedenkrede des Heidenheimer Stadionsprechers erinnerte der
Gästeblock ganz in schwarz an Jenas großen Sohn.
Wer gedacht hatte, der Nachmittag ginge derart besinnlich weiter, sah sich sehr
schnell getäuscht. Auf der Stadionbaustelle nahe des Schlosses
Hellenstein entwickelte sich ein überaus temporeiches Spiel mit
Chancen hüben wie drüben. Amrhein und Ziegner
(Außenpfosten) nach zwei und fünf Minuten hier - Meier (14.)
und Weil (16.) dort, Smeekes mit Hammerschuß (17.), Amrhein nach
Traumkombination (22.) sowie Kühne und Mayombo nach Eckball (25.)
wieder hier, es brannte unentwegt in beiden Strafräumen.
Gefährlich wurden die Gastgeber dabei fast immer bei ihren Angriffen
über Jenas lichterloh brennende linke Abwehrseite. Es ist nicht
überliefert, ob dies von Rene van Eck so gewollt war, aber Jena
spielte quasi mit Dreierabwehrkette, während
Sträßer als linker Läufer seine Seite über
die gesamte Länge des Spielfeldes allein zu beackern hatte, Smeekes
neben Mayombo im Zentrum stürmte. Was defensiv einem Harakiri glich,
führte aber gleichzeitig zu einem personellen Übergewicht des
FCC im Mittelfeld, welches die Heidenheimer vor große Probleme
stellte, und Jenas Fans ob des gebotenen Kombinationsflusses erstaunte. Der FCC
spielte als komplettes Kontrastprogramm zum letzten Heimauftritt einfach
schön anzusehen, die Einstellung stimmte bei jedem Einzelnen und nach
35 Minuten folgte die Belohnung in Form der Führung. Der ins Team
zurückgekehrte Torsten Ziegner tankt sich wie in alten
Regionalligazeiten auf der rechten Seite ein, an zwei Heidenheimern vorbei zur
Grundlinie durch, passt millimetergenau zurück auf Jens Truckenbrod,
der den Ball aus zehn Metern zu seinem so lange überfälligen
ersten Punktspieltor für den FCC versenkt. Was in Robert Enkes
ehemaligem Klassenkamerad Torsten Ziegner vorgeht, der im stillen Jubel beide
Arme gen Himmel reckt, kann man erahnen. Kurz darauf muss Smeekes eigentlich
das zweite Tor nachlegen, als er mutterseelenallein von der Mittellinie aus
aufs Tor zurast, aber am einzig verbliebenen Heidenheimer Verteidiger
hängenbleibt. Dann heißt es erst einmal Sichern des
Vorsprunges, Smeekes besetzt nun das linke Mittelfeld und nur noch einmal ist
Zittern angesagt, als Weils Schuss nur knapp am Nulle-Gehäuse
vorbeischrammt (37.). Pause, Jena führt und das verdient, wenn auch in
der Innenverteidigung mit Lukimya und Rückkehrer Lanzaat alles andere
als sicher.
René van Eck wechselt nicht, lässt aber seine Flügelzange Patrick
Amrhein und Orlando Smeekes die Seiten tauschen, ein Schachzug mit Folgen.
Jenas linke Seite ist nun endgültig zu für die Heidenheimer
Angriffsbemühungen, während Smeekes auf rechts im
völlig überforderten Außenverteidiger Feistle ein
ums andere Mal ein leichtes Opfer für seine
Flügelläufe vorfindet. Von Heidenheimer Ausgleichsdruck ist
nicht einmal ein Ansatz zu spüren, hier und jetzt geht es ganz klar um
die Spielentscheidung zugunsten der Gäste, die sich mit laufintensivem
und beängstigend temporeichem Spiel Chance um Chance erarbeiten. Der
als einzige Spitze stets anspielbereite Mayombo nach Kühne-Zuspiel
knapp vorbei (46.), Ziegner mit Freistoß in die Mauer (49.), Amrhein
aus dem Fußgelenk nur um Haaresbreite am Winkel vorbei (52.), Mayombo
nach Ziegner-Zuckerpass mit von Ersatz-Ersatzkeeper Bodemer glanzvoll pariertem
Schuss (55.), Kühne mit Flachschuss (61.), es stellte sich beinahe nur
die Frage, welcher der 11 Jenaer der kommende Torschütze sein
würde. Assani Lukimya war es dann, den der Stadionsprecher als solchen
verkündete, leider im Jubelton und begleitet vom
Kopfschütteln 500 fassungsloser Gesichter im Gästeblock. Was
war passiert? Ballverlust Truckenbrods im Mittelfeld, geschickter Pass
Güls auf den gerade eingewechselten Mayer, dessen Schuss Nulle
sensationell nach vorn abwehrt, wo er von der Brust Jenas Abwehrchefs
über den verdutzten Keeper ins Tor hüpft. Jenas Antwort
ließ nicht auf sich warten: Aber Smeekes findet in Bodemer seinen
Meister (66.), Ziegner zielt aus 20m knapp daneben (67.), Mayombo erwischt
Ziegners Zuspiel drei Meter vor dem Tor eine Hundertstelsekunde zu
spät (69.). Als dann nach 70 gespielten Minuten sowohl Lukimya, als
auch Truckenbrod und Mayombo Wuttkes wunderbare Eingabe von rechts nicht im
leeren Tor unterbringen können, hat der FCC nicht nur sein Pulver
verschossen, sondern sich auch selbst den Nerv gezogen. Eckardts Einwechslung
für Mayombo geht nach hinten los, weil nun die ballsichere Anspielstation
in der Spitze fehlt, und Nulle muss bei Kontern der nun aufdrehenden
Heidenheimer gleich zwei Mal binnen einer Minute sein ganzes Können
aufbieten. Nach 79 Minuten ist auch er machtlos, als Ziegner Heidenfelders
Schuss zunächst abblockt, aber der schwache Referee Nowak
Göhlerts Foul an Kühne nicht ahndet und Mayer aus Nahdistanz
vollendet. Ob der mitten in diese Aktion zu hörende Pfiff vom Referee
oder aus dem Publikum kam, bleibt das Geheimnis des Mannes aus Bottrop, der Treffer
zählte.
Jena blieben noch 11 Minuten, doch der Akku schien leer, zu
sehr hatte das Powerplay nach der Pause geschlaucht, stattdessen konterten die
Gastgeber ein ums andere Mal gefährlich und beseitigten mit dem
dritten Treffer in der Nachspielzeit alle Zweifel am mehr als
glücklichen Heimsieg. Dass Tim Wuttke - heute auch als rechter
Außenverteidiger gewohnt zuverlässig - den Schuss Weils
unhaltbar abfälschte, war ein sinnbildlicher Abschluss eines
unglücklichen Spieles, in dem der FC Carl Zeiss vieles richtig machte,
aber mit Fortuna und der eigenen Qualität vor dem gegnerischen Tor
hadern muss. <gunner>
FC Carl Zeiss Jena - SG Dynamo Dresden 0:4
Tore: 0:1 Röttger (4.), 0:2 Röttger (22.), 0:3 Kühne (36., ET), 0:4 Müller (77.)
- Jena: Nulle; Sträßer, Wuttke, Lukimya, Nagy (46.
Ziegner); Amrhein, Kühne, Truckenbrod, Eckardt (33. Orlando);
Mayombo, Benyamina (70. Kolb)
- Dresden: Keller; Cozza (35. Kunze), Oppitz, Trehkopf, Röttger
(46. Koch); Strifler, Hübener, Petrovic, Müller; Savran, Dobry
(78. Jungnickel)
- Zuschauer: 9846
- Schiedsrichter: Kempter (Sauldorf)
- Spielbericht
- Eigentlich sollte man mit dem
Schreiben erst anfangen, wenn man sich selbst wieder im Griff hat, der Puls die
200er-Marke unterschreitet, die Gedanken anfangen sich zu ordnen. Aber diesmal
geht es nicht. Die Wut muß raus, muß ungefiltert aufs Papier,
auch wenn es kein passendes Vokabular für ein derartiges Versagen
geben dürfte.
Es war eine Demütigung,
ein Untergang! Alleine die ersten fünf Minuten gegen Dresden sind bei
normaler Finanzlage ein Kündigungsgrund für den Trainer und
die halbe Mannschaft. Statt dem Tabellenvorletzten zu zeigen, warum er dort
unten steht, wird die Schlacht kampflos preisgegeben, die Initiative gar nicht
erst ergriffen. Dazu kommen diese dümmlichen Fehler bei der
Ballbehandlung und schon wird es ein unvergeßlicher Nachmittag! Ein grundloser
Querschläger von Nagy, ein bewunderndes Platzmachen Sträßers
(wo war der denn auf einmal hin?), ein Schuß von Röttger. 0:1
(4.). Dann: Ein leichter Ballverlust von Mayombo in der Spitze, eine schnelle Kombination
über den ganzen Platz ohne Jenaer Ballberührung oder auch nur
die Chance dazu, eine flache Hereingabe von Dobry auf den völlig
vereinsamten Röttger. Noch ein Schuß, diesmal ins andere
Eck. 0:2 (23.). Und dann zu allem Überfluß auch noch so ein
Eigentor der Kategorie 'Schöner geht's nicht', als Kühne einen
Müller-Freistoß mit dem Knie in den Winkel donnert. Absolut
unhaltbar für Nulle (35.). Ich hätte hier gerne ein bißchen
was vom Aufbäumen geschrieben, vom Kampfgeist, der einfach nicht
belohnt wurde oder so. Aber es war einfach nur erbärmlich. Ein Zweikampfverhalten wie zur Love-Parade. Kein Biß, kein Wille. Nicht mal
den Ansatz einer Jenaer Chance gibt es hier zu beschreiben.
Dafür müssen
die Zuschauer im Stadion noch 20 Spielminuten voller Jenaer Unzulänglichkeiten
plus Halbzeit über sich ergehen lassen und das alles bei
Heimspielatmosphäre für Dresden. Ich kann das hier gottlob schneller
machen. Es war Lukimya, der einen Ziegner-Freistoß gefährlich
in Richtung des Dresdner Tors verlängerte und Keller zu einer schönen
Parade zwang (54.). Immerhin der Auftakt zu den stärksten fünfzehn
Minuten unserer Helden, in denen sich zwei, drei gute Möglichkeiten zu
einem Anschlußtreffer ergaben. Erst scheiterte Orlando mit einem Schuß
von der Strafraumgrenze an Keller (55.), kurz darauf segelte ein
30-Meter-Knaller von Amrhein knapp am Dresdner Gehäuse vorbei (57.). Und
dann die 68. Spielminute! Der erste Spielzug der Jenaer, der aussah wie gewollt.
Da läuft der Ball mal über fünf, sechs Stationen, da
kann sich Amrhein auf der linken Seite schön durchsetzen und auch
Mayombo macht eigentlich alles richtig. Pech, daß sein Drehschuß
am gedankenschnellen Keller hängenbleibt. Wäre diese erste Katastrophenhalbzeit
nicht gewesen, das Publikum hätte sicherlich verzückt
applaudiert. So aber war nur ein langgezogener Seufzer zu hören.
Aber die Jenaer Erfolgsgeschichte für diesen Nachmittag ist ohnehin schon wieder zu Ende.
Was noch kommt ist stattdessen der endgültige
Offenbarungseid. Nachdem Savran aus Ermangelung an Gegenspielen den Ball
ungehindert aus 20 m an die Latte donnern kann (wieder waren Sträßer
und Lukimya erst ganz eng dran und dann wie vom Erdboden verschluckt), bringen
es die Jenaer dreißig Sekunden lang nicht fertig, für klare
Verhältnisse im Strafraum zu sorgen. Als Savran zig verlorene Zweikämpfe
später den Ball wieder kriegt, sehen alle Zuschauer schon was jetzt kommen
muß, können in Ruhe ihre Fahnen einrollen, ihre Kissen
einpacken und was sonst noch so zu tun ist, um ganz schnell nach Hause zu
kommen. Es war wirklich so offensichtlich, daß der Savran dem Müller
das Ding auflegt, daß man schon fast enttäuscht darüber sein mußte, nichts Spektakuläreres geboten zu bekommen.
Noch den Nulle hübsch ausgekurvt und dann rein damit (77.). Schöner
geht's nicht mehr. Nie habe bereits eine Viertelstunde vor dem Abpfiff so eine Abwanderungswelle erlebt (O-Ton: "Da glotze ich mir lieber die Kandinsky-Ausstellung an")
Es tut mir leid, wenn das hier alles sehr sarkastisch rüberkommt,
aber es war bei diesem Spiel die einzige Möglichkeit, nicht völlig
die Beherrschung zu verlieren oder sich diversen Gewaltphantasien hinzugeben.
Eine solche Darbietung ist mir in Jena noch nicht untergekommen. Das
Pfeifkonzert zum Ende konnte nicht annähernd wiedergeben, was sich
hier gerade abgespielt hatte. Es ist ja nicht, daß Jena inzwischen
nahezu jedes Ostderby als Zweitplazierter beendet, sondern es ist die Art und
Weise, wie hier untergegangen wird. Spielerische Mängel sind
verzeihlich, wenn auch nicht immer nachvollziehbar. Aber kämpferisch
muß es einfach stimmen. Jeder Kreisklassespieler weiß, daß
man sich in der Anfangsphase erst mal Respekt verschaffen muß, will
man nicht den Rest des Spiels wie ein Depp aussehen ("gib dem Neuner gleich
einen mit, damit er weiß, dass er seinen Hutzebutz hier
vergessen kann" war der bekannte Slogan unseres Trainers vor jedem Derby in
Zottelstedt). Die Dresdner wußten das, die Jenaer nicht. In meinen
Augen das größte Problem ist und bleibt aber dieses konfuse
Miteinander. Da sind keine Laufwege aufeinander abgestimmt, da gibt es
keinerlei Zuordnung, da fehlen vorne die Leute, die hinten zu wenig sind. Was
machen die eigentlich die Woche über?
Persönlich fürchte ich, daß van Eck trotz
aller Sympathien nicht der richtige Mann für diesen Job ist. Aber neu
ist diese Erkenntnis im Verein ja nun auch nicht...
Das war ein grauenhafter Samstag!
Wollen wir uns nicht schneller im Abstiegskampf wiederfinden als uns lieb ist, darf sowas nicht so schnell wieder passieren. Es sind jetzt zwei Wochen Zeit,
irgendwie zu reagieren und diesem nervösen Haufen wieder
Selbstvertrauen einzuflößen. Wie das gehen soll, ist mir
ehrlich gesagt ein Rätsel. Aber vielleicht reicht es ja auch schon, wieder
vor den für die dritte Liga typischen Gruselkulissen anzutreten. Zu
viel Öffentlichkeit ist unserer Mannschaft scheinbar ein Graus. Insofern
liegt über den nächsten Wochen ein zarter Hoffnungsschimmer,
wenn wir uns mit Fußballgrößen wie dem 1. FC
Heidenheim oder dem Wuppertaler SV der üblichen Tristesse hinzugeben haben. <bpf>
SSV Jahn Regensburg - FC Carl Zeiss Jena 1:1
Tore: 0:1 Mayombo (27.), 1:1 Würll (90.)
- Regensburg: Sattelmaier; Hörnig (57. Jarosch),
Hagmann (
, 88.), Maul, Binder; Zellner,
Kreis (74. Schlauderer), Haller, Berger; Stoilov, Schmid (60. Würll)
- Jena: Nulle; Sträßer, Lukimya, Wuttke, Nagy; Eckardt
(70. Orlando), Truckenbrod, Kühne, Amrhein; Mayombo, Benyamina (90. Kolb)
- Zuschauer: 4108
- Schiedsrichter: Glasmacher (Alsdorf)
- Spielbericht
- Im letztjährigen Abstiegskampf hatte mir der
Spielberichtsorganisator das Angebot abgerungen, im Falle des Nichtabstiegs mal
wieder einen Spielbericht zu verfassen. Dies hatte die FCC-Helden dann
tatsächlich noch so angestachelt, dass sie sich auf der Zielgeraden
über den Strich retteten. Mein Versprechen sollte nun zum Abschluss
der "Bayrischen Wochen" beim Gastspiel bei Jahn Regensburg
eingelöst werden. Die Münchner FCC-Gemeinde um "Gleis
26" traf sich pünktlich nach dem Frühstück
zur gemeinsam Fahrt in die Hauptstadt der Oberpfalz. Die Stimmung war
entspannt, denn gegen Regensburg hatte der FCC noch nie verloren und in
Regensburg stets 2:2 gespielt. Ein Resultat mit welchem man in der aktuellen
Situation auch wieder zufrieden gewesen wäre.
Nach problemloser und zügiger Fahrt im ALEX wartete
in Regensburg noch eine Busfahrt zum Stadion auf uns, die gefühlt so
lange wie die Zugfahrt dauerte. Der Fahrer wollte uns wohl die
Schönheit der Stadt genießen lassen, anders sind die
minutenlangen Stopps an den Haltestellen nicht zu erklären.
Letztendlich erreichten wir aber pünktlich das Jahnstadion, dessen
Charme gleich deutlich darauf hinweist, dass man sich in einer der ältesten
Städte Deutschlands befindet.
Die Gastgeber hatten
nach ihrem sehr guten Saisonstart zuletzt etwas geschwächelt und vier
Spiele in Folge nicht gewonnen (3 Niederlagen, 1 Unentschieden) und waren von
den Aufstiegsrängen auf Platz sieben zurückgefallen.
Angeführt vom Kapitän und Ex-Jenaer Alexander Maul
übernahm Regensburg gleich die Initiative und bereits nach drei
Minuten knallte der Ball zum ersten Mal gegen den Pfosten des Jenaer Tores.
Allerdings stand Schütze Haller dabei im Abseits. Der FCC startete mit
der Elf der zweiten Halbzeit vom Spiel in Unterhaching und meldet sich mit
einem Schuss von Amrhein, den Sattelmaier zur Ecke abwehrte, in Minute sieben
erstmals offensiv zu Wort. Regensburg blieb aber spielbestimmend und traf durch
Stoilov erneut den Pfosten (19.). Den zurückspringenden Ball bugsierte
Haller unbedrängt über das leere Tor. Dies wirkte allerdings
als Wachruf für die Jenaer Kicker, die nun doch auch etwas mehr nach
vorn versuchten. In der 26. Minute konnte Alexander Maul gerade noch René
Eckardt an der Strafraumgrenze am Schuss hindern. Eine Minute später
lupfte Amrhein im Mittelfeld den Ball schön zu Truckenbrod, der einen
feinen Pass in den Strafraum spielte und Mayombo mit prima Einsatz noch vor dem
zögerlichen Abwehrspieler am Ball war und ihn an Sattelmaier vorbei
zum 1:0 ins Tor spitzelte. Die Führung war zu diesem Zeitpunkt sicher
etwas überraschend, wäre aber fast noch erhöht
worden, doch Truckenbrod kam bei einem weiten Pass von Nagy einen Schritt zu
spät (34.). Regensburg kam vor der Pause nur noch zu einer Chance, die
Nulle aber souverän meisterte (41.).
Der FCC kam besser aus der Pause und bestimmte nun
zunächst das Spielgeschehen. Eckardt passt zu Amrhein, der legt auf
Mayombo ab, der leider einen Schritt zu spät kommt (47.). Zwei Minuten
später behauptete Mayombo im Strafraum den Ball gegen Maul. Dieser
konnte sich nur mit einer Ringereinlage helfen. Der fällige
Elfmeterpfiff des insgesamt recht schwachen Schiedsrichters Glasmacher blieb
aber aus. Die nächste Chance hatte Sträßer nach
Doppelpass mit Eckardt. Doch sein Schuss ging knapp am rechten Pfosten vorbei
(53.). Regensburgs erste Offensivaktion in der zweiten Halbzeit war ein
Fernschuss aus knapp 30 Metern, der aber weit am Kasten von Nuller vorbei ging
(55.). Trainer Weinzierl reagierte und brachte mit Würll nach einer
Stunde einen weiteren Angreifer. Auch wenn Regensburg damit das Spiel wieder
etwas ausgeglichener gestalten konnte, blieben Chancen nun auf beiden Seiten
zunächst aus. Nach 70 Minuten kam Orlando für Eckardt und
damit auch neuer Schwung ins Spiel. Zunächst setzt sich Orlando auf
rechts durch und flankt von der Grundlinie, den Kopfball von Amrhein kann
Sattelmaier aber entschärfen (76.). Drei Minuten später ein
Konter des FCC, Truckenbrod passt auf Mayombo, der in aussichtsreicher Position
verstolpert. Und drei Minuten vor Ablauf der regulären Spielzeit wird
Orlando über links geschickt, Hagmann kommt nicht hinterher und
erwischt Orlando nur noch am Fuß und kassiert dafür - da
letzter Mann - die Rote Karte. Die 90 Minuten waren abgelaufen, Regensburg
bemüht sich noch einmal in
Richtung Jenaer Tor und Mayombo geht etwas ungeschickt in den Zweikampf -
Freistoß und wohl die letzte Aktion im Spiel. In der
Gästekurve bangte man nun schon, dass es doch nicht schon wieder mit
einem späten Ausgleich in Regensburg enden kann und darf ... Aus dem
Fanblock vom anderen Ende des Spielfeldes sah man den Freistoß
über Freund und Feind hinwegsegeln und dann tatsächlich im
Netz zappeln. Hinterher hörte man, dass wohl Mayombo unglücklich
ins eigene Tor getroffen hatte. Sehr ärgerlich! Dem Spielverlauf nach
sicher eine akzeptable Punkteteilung. Aufgrund der besseren zweiten Halbzeit,
in der vergessen wurde, den berühmten Sack zuzumachen,
aber doch zwei verschenkte Punkte mit einem
tragischen Helden Mayombo. <jw>
SpVgg Unterhaching - FC Carl Zeiss Jena 3:1
Tore: 1:0 Steegmann (43.), 2:0 Steegmann (63.), 3:0 Kanca (76.), 3:1 Benjamina (82.)
- U'haching:Kampa; Konrad, Hain, Brysch, Schaschko (90. Ziegler);
Tyce, Mitterhuber, Zillner, Leandro; Schweinsteiger (73. Kanca), Steegmann (79. Rathgeber)
- Jena: Nulle; Sträßer (73. Osadchenko), Lukimya, Wuttke, Nagy; Eckardt, Kühne, Truckenbrod, Ziegner (46. Benyamina), Orlando (46.
Mayombo); Amrhein
- Zuschauer: 3300
- Schiedsrichter: Fischer (Hemer)
- Spielbericht
- Same procedure as every year.
Der FCC verliert obligatorisch sein Auswärtsspiel bei der Spielvereinigung Unterhaching, diesmal
mit 3:1 und nach zwei völlig unterschiedlichen Halbzeiten.
Der
Minutenzeiger hatte noch nicht einmal eine volle Umdrehung gemacht, da hatten
Jenas Fans den Torschrei auf den Lippen, als Patrick Amrhein von Ziegner
mustergültig bedient von der Strafraumgrenze abziehen kann, aber nur ein
klägliches Schüsschen zustande bringt. Ein Auftakt mit Signalwirkung konnte man
hoffen, doch als Referee Fischer 45 Minuten später zur Pause pfiff, war aus
Sicht des FCC keine einzige weitere Möglichkeit zu notieren gewesen, von einem
großzügig verzogenen Distanzschuss des überraschend sofort eingesetzten Kühne
einmal abgesehen. Jena lieferte eine erste Hälfte ohne jeden Esprit, blieb im
Offensivspiel erschreckend harmlos und lag verdient mit 0:1 zurück. Dass dieses
Gegentor aus einer lächerlichen Schauspieleinlage Zillners an der
Seitenauslinie direkt vor den Augen des schwachen Linienrichters und folgender
Freistoßflanke resultierte, war bitter. Aber Steegmanns gegen Lukimya
folgenschwer gewonnenes Kopfballduell zum Führungstreffer kurz vor der Pause
(43.) eben auch nur eine der zahlreichen Hachinger Möglichkeiten. Von denen
vergab der Torschütze selbst üppig (12., 26., 34.), aber Zillner nach seinem
Sturmlauf zwischen den verdutzten Sträßer und Ziegner hindurch zweifellos die
größte - Nulle rettete glanzvoll (33.).
So konnte es nicht weitergehen, und van Eck, der schon vor Anpfiff auf den sich
beim Aufwärmen verletzenden Holwijn verzichten musste, stellte erneut um. Auch,
weil der blasse Orlando Smeekes mit ausgekugelter Schulter passen musste. Aus
dem 3-5-1 mit Doppelsechs Kühne/Truckenbrod und Amrhein als einziger Spitze
wurde nun ein 4-4-2. Amrhein rückte zurück auf die linke Mittelfeldposition,
als Spitzen agierte dabei das Sturmduo der in dieser Saison so begeisternden
II. Mannschaft, und plötzlich ging beim FCC nach vorn die Post ab. Insbesondere
Exaucé Mayombo war von Hachings Verteidigern kaum zu stellen und lieferte eine
starke Partie ab. Kühnes Schuss nach Truckenbrod-Ablage gab nach 51 Minuten die
Richtung vor, Mayombos abgefälschter Schuss folgte zwei Minuten später, Amrhein
prüfte Kampa im Hachinger Tor aus 18 Metern (54.), Truckenbrod zieht knapp
übers Tor (58.). Jena war jetzt richtig im Spiel, die Kombinationen liefen
flüssig und spätestens in der 59. Minute musste es einfach soweit sein, als
Rene Eckardt auf rechts mustergültig von Sträßer bedient wird, aber statt Kampa
den Ball um die Ohren zu ballern eine unmotivierte Mischung aus Heber und
Flanke ansetzt. Wie einfach Fußball sein kann, demonstrierten die Bayern kurz
darauf auf der Gegenseite: Langer Befreiungsschlag Hains aus der eigenen Hälfte
auf den durchstartenden Steegmann, der vernascht Wuttke im 16er und schiebt
lässig zum 2:0 ein. Bewundernde Worte fielen im Gästeblock über die weise
Voraussicht jenes sonst so viel- und weitreisenden Münchner FCC-Fans, der einem
Gelübde folgend den Nachmittag lieber weit abseits seinen Hund Gassi führend
verbrachte. Seit dem Sieg vor 17 Jahren scheint für unseren Club ein Fluch auf
diesem Sportplatz zu liegen. Sonst hätten vielleicht auch Mayombo nach
Traumzuspiel Benyaminas freistehend vor Kampa die Nerven nicht versagt (65.).
Und sonst würde ein Schiedsrichter bei einem Foul wie dem Kampas an Carsten
Sträßer im 16er auch einmal auf Elfmeter entscheiden. Für Sträßer bedeutete
Kampas übles Einsteigen das Ende der Partie - Jenas dritte Verletzung an diesem
Tage - und die Unordnung in der Hintermannschaft des FCC nutzte der
eingewechselte Kanca zur endgültigen Entscheidung. Dabei hätte es vielleicht
noch einmal eng werden können, wenn nach Benyaminas Anschlusstreffer per Kopf -
Nagy hatte von links geflankt - mehr gekommen wäre als die vergebenen
Möglichkeiten Benyaminas (Kopfball nach Eckball von rechts, 83.) und Amrheins
Freistoßversuch übers Tor (84.). Wo das Problem des FCC liegt, demonstrierte
dann eine Minute vor dem Ende René Eckardt noch einmal final, als er völlig
freistehend an Kampas Blitzreaktion scheitert. Nein, nichts zu holen in
Münchens Süden. Verflucht! <gunner>
FC Carl Zeiss Jena - FC Ingolstadt 04 2:0
Tore: 1:0 Lukimya (72.), 2:0 Holwijn (83.)
- Jena: Nulle; Sträßer, Lukimya, Wuttke, Nagy; Holwijn,
Truckenbrod, Ziegner (85. Eckardt), Orlando (90. Fuss); Amrhein,
Hähnge (73. Benyamina)
- Ingolstadt: Lutz; Keidel, Pisot, Wenczel, Ruprecht; Leitl,
Fleßers (71. Braber), Karl, Buchner; Neuendorf, Hartmann
- Zuschauer: 5099
- Schiedsrichter: Siebert (Berlin)
- Spielbericht
-
Im Vorfeld des Spiels gab es jede Menge Aufregung im Umfeld des FCC: Spätestens mit der Pokalniederlage in
Meuselwitz und der anschließenden Suspendierung von Salvatore Amirante hatte der FCC wieder einmal demonstriert,
dass man in Jena mit allem rechnen muss. Dazu kam noch die Vorstellung des neuen Geschäftsführers Michael
Born unter der Woche, Ablenkung von der Vorbereitung auf das Spiel gegen einen der Staffelfavoriten des Jahres gab
es also zur Genüge.
Mit dem FC Ingolstadt 04 war eine Mannschaft im Ernst Abbe Sportfeld zu Gast, gegen die der FC Carl Zeiss Jena erst
ein einziges Mal im Rahmen eines Winter-Trainingslagers gespielt hat. Das ist allerdings weniger überraschend,
zumindest wenn man betrachtet, dass der FC Ingolstadt 04 erst im Jahr 2004 als Zusammenschluss von MTV 1881 und ESV
Ingolstadt entstanden ist. Seitdem hat der Verein mit der Unterstützung des großen Sponsors im Rücken
einen steilen Aufstieg erlebt und konnte schon im Jahr 2007 den Aufstieg in die zweite Bundesliga feiern. Der letztjährige
Abstieg darf als Betriebsunfall verstanden werden, der den langfristigen Weg in Richtung erste Bundesliga wohl nur verzögert
hat. Spätestens beim Blick auf das Mannschaftsfoto der Gäste wird deutlich, wie der Verein verstanden werden soll: Der
Star ist nicht die Mannschaft, auch nicht bundesligaerfahrene Spieler wie "Zecke" Neuendorf Stefan Leitl, selbst Trainer
Horst Köppel steht im zweiten Glied. Bei Ingolstadt 04 gilt einzig und allein: Der Star ist der Sponsor.
Aber kommen wir zum Spiel: Den Spielern des FCC war von Beginn an anzumerken, dass die Geschehnisse außerhalb
des Platzes nicht völlig verdrängt werden konnten, jedenfalls waren die Gäste aus Ingolstadt von Beginn an
die spielbestimmende Mannschaft. Bereits in der ersten Minute kommen die Gäste gefährlich vors Jenaer Tor, die
Flanke von Leitl kann Buchner aber nicht verwerten. Nur wenige Augenblicke später versucht der rehabilitierte Ziegner
einen Rückpass zu Carsten Nulle, der Ball ist allerdings beinahe zu kurz und bringt Nulle erstmals in Bedrängnis.
Dank einer schnellen Reaktion kommt er allerdings noch vor dem Ingolstädter Spieler an den Ball und kann die Situation
klären. Dennoch blieben die Gäste dominant und kamen noch in der zweiten Minute nach einer Keidel-Flanke durch
Buchner zur nächsten Chance, auch dieser Kopfball verfehlte das Jenaer Tor aber knapp. Erst nach diesen drei Aufregern
konnten die Jenaer Fans erstmals durchatmen; auch wenn die FCC-Elf sich keine eigenen Chancen erspielen konnte, gelang es
nun immerhin, die Gäste vom eigenen Tor fernzuhalten. Dennoch wirkten die Gäste auf dem vom Regen getränkten
Rasen stets spritziger und technisch versierter und konnten mit einfachen Doppelpässen immer wieder schnelle
Vorstöße einleiten, die zum Glück für die Jenaer Elf nicht mit letzter Konsequenz ausgespielt
wurden. Wenn die Ingolstädter doch einmal den Abschluss fanden, war dann allerdings Carsten Nulle zur Stelle,
der insgesamt eine überzeugende Partie ablieferte. Auch nach einem Schuss von Karl aus rund zehn Metern war
Nulle zur Stelle und konnte per Fußabwehr klären. Nach knapp einer halben Stunde kamen auch die Jenaer
erstmals zu so etwas ähnlichem wie einer Torchance, als Patrick Amrhein auf der rechten Außenbahn vor
dem unnötigerweise herauseilenden Ingolstädter Torhüter Lutz an den Ball kommt und an diesem auch
vorbeikommt, dann aber ausrutscht und damit das großzügige Geschenk der Gäste dankend ablehnt. Kurz
vor dem Halbzeitpfiff ist es wieder Amrhein, der an der Strafraumgrenze der Ingolstädter glücklich an den
Ball kommt, die gebotene Chance aber mit einem Schuss zur Eckfahne kläglich vergibt. Damit blieb es zur Halbzeit
beim 0:0 und obwohl die Ingolstädter nicht viele klare Torchancen erspielt hatten, waren sie doch ohne Zweifel
die gefälliger spielende Mannschaft, die eine Führung zu diesem Zeitpunkt absolut verdient hätte.
In den Minuten nach Wiederanpfiff hatte man nicht den Eindruck, als ob René van Eck der Mannschaft in der Kabine
entscheidende Impulse gegeben hat. Wieder hatten die Ingolstädter den besseren Beginn für sich: Mit zwei
Freistößen aus rund 20 Metern brachte Keidel den Jenaer Torhüter Nulle in Bedrängnis, dieser war
aber hellwach und ging in Anbetracht des glitschigen Balls zwei mal auf Nummer sicher und faustete den Ball wieder
ins Spielfeld zurück. In der 51. Minute war es wieder Karl, der die Führung auf dem Fuß hat, aber im
letzten Moment mit viel Glück von mehreren Jenaer Verteidigern am Abschluss gehindert wird. Nur zwei Minuten
später die nächste Großchance für die Gäste, nun rettet wieder Nulle gegen Leitl, der
völlig unbedrängt zum Schuss kommt - die Ingolstädter Führung schien nur eine Frage der Zeit
zu sein, von Jenaer Seite kamen wie in der ersten Halbzeit praktisch keine Impulse für das Spiel. Nach 55 Spielminuten
kam aber auch der FCC mal wieder vors Gäste-Tor, die Flanke von Truckenbrod auf Hähnge war präzise und
gefühlvoll getreten, allerdings war auch Gäste-Torwart Lutz auf dem Posten und konnte mit den Fäusten
vor Hähnge an den Ball kommen. Zehn Minuten später war es erneut Nulle, der die letzte Rettung für das
scheinbar unverrückbare 0:0 an der Anzeigetafel darstellte. Gleich mehrere Stürmer der Gäste
scheiterten mit ihren Schussversuchen am Jenaer Keeper, bevor die Situation endlich bereinigt werden konnte.
Die rot-weiß gekleidete Marketingmaßnahme der bekannten VW-Tochter hielt bis dahin also fast, was
der Bus mit großen Lettern versprach: Der "Vorsprung durch Technik" schlug sich allerdings nur in
Spielanteilen und Torchancen nieder, das Spielergebnis zeigte sich bisher unbeeindruckt. In der Folge gönnten
sich die Gäste allerdings eine kleine Verschnaufpause und die Jenaer kämpften sich zurück ins Spiel.
Torchancen blieben zwar zunächst Mangelware, aber immerhin musste man sich in dieser Phase keine großen
Sorgen um das FCC-Tor machen. In der 72. Minute passierte dann das, was auch dem FCC schon oft genug widerfahren ist:
Die Mannschaft, die bis dahin klar unterlegen war und praktisch keine echte Torchance zu verzeichnen hatte, geht
völlig unverdient in Führung. Nach einem Freistoß aus halbrechter Position und rund 30 Metern
Entfernung ist es Abwehrmann Assani Lukimya, der als erster an den Ball kommt und diesen per Kopf ins lange
Ecke verlängern kann - 1:0 für den FCC und der Spielverlauf stand auf dem Kopf! Die Jenaer Zuschauer
hatten sich noch nicht wieder hingesetzt, da wäre beinahe der hochverdiente Ausgleich gefallen, als Buchner
per Kopf nur die Latte trifft und ein weiterer Ingolstädter seinen Nachschuss wenige Zentimeter neben den
linken Pfosten setzt. Die Angriffe der Gäste wurden nun verständlicherweise wütender und brachten
Nulle noch mehrmals in Bedrängnis. Nur zwei Minuten nach der Führung muss der Jenaer Torwart erneut per
Faustabwehr retten, nachdem ein Angreifer eine Gäste-Ecke per Volleyschuss von der Strafraumgrenze aufs Tor
brachte. Weitere drei Minuten später machte sich Nulle endgültig zum Mann des Spiels, als er einen
weiteren Freistoß von "Zecke" Neuendorf, der ansonsten unauffällig agierte, klären konnte.
Während die Gäste auf den Ausgleich drängten, zeigten die Jenaer, wie effizienter Fußball
aussehen kann: Einen hohen Ball aus dem Mittelfeld legt Amrhein per Kopf auf Melvin Holwijn ab, der sich ein Herz
nimmt und aus rund 18 Metern einfach mal draufhält. Der von Gäste-Trainer Köppel nicht ganz zu
Unrecht als "Sonntagsschuss" bezeichnete Ball schlug unhaltbar für Gäste-Keeper Lutz in der linken
Ecke ein und sicherte den Jenaer Sieg, der bis dahin noch heftig wankte.
Die Ingolstädter Bemühungen blieben auch in der Folge unbelohnt und fast hätte man den Eindruck
haben können, dass sich an diesem Tag die über 100 Jahre längere Tradition des FCC gegen den noch in
den Kinderschuhen steckenden Gast aus Ingolstadt durchgesetzt hat. Dennoch darf nicht unerwähnt bleiben, dass
der Sieg und die damit verbundenen drei Punkte sehr glücklich für René van Eck und den FC Carl
Zeiss waren, von einem verdienten Sieg kann beim besten Willen nicht die Rede sein. Entsprechend gedrückt
dürfte die Stimmung im Ingolstädter Bus bei der Heimreise gewesen sein, denn es ist ohne Zweifel bitter,
nach einem derart kraftraubenden und über weite Strecken gut geführten Spiel ohne Punkte nach Hause
fahren zu müssen. Es bleibt zu hoffen, dass die Jenaer beim nächsten Spiel in Unterhaching auch
spielerisch zu überzeugen wissen und auch in Bayern Punkte holen, bevor die bayerischen Wochen mit dem Spiel
in Regensburg hoffentlich erfolgreich beendet werden. <bh>
Kickers Offenbach - FC Carl Zeiss Jena 4:0
Tore: 1:0 Pospischil (24.), 2:0 Ulm (41.), 3:0 Mesic (78.), 4:0 Pfingsten-Reddig (88.)
- Offenbach: Wulnikowski; Huber, Hysky, Kopilas, Schutzbach;
Haas (84. Pfingsten-Reddig), Pospischil, Zinnow, Fröhlich (72. Laux);
Ulm, Mesic (81. Albayrak)
- Jena: Nulle; Fuss, Lukimya, Wuttke, Sträßer;
Holwijn (72. Kolb), Lanzaat (
, 79.),
Truckenbrod, Hähnge (46. Nagy), Orlando; Amirante
- Zuschauer: 8563
- Schiedsrichter: Thomsen (Kleve)
- Spielbericht
- Auf den Tag genau vor einem Jahr begleitete ich den FCC zum
Auswärtsspiel nach Wuppertal. "Am Tag der deutschen Einheit flossen
die Punkte von West nach Ost", beendete ich damals den Spielbericht und hoffte
jetzt auf einen vergleichbaren Spielausgang ein Jahr später.
Ein entlaufener Bulle vorm Polizeiauto auf der Hinfahrt sollte hierbei
eigentlich als Glücksbringer fungieren.
Allerdings ließen die letzten Auftritte der aktuellen Zeiss-Elf
ebenso wenig einen Feier(tags)auftritt erwarten wie die Bilanz am Bieberer Berg
mit nur einem mageren Pünktchen aus vier Spielen.
Ein Amirante-Schuss nach hundert Sekunden eröffnete
die Partie, in der Wuttke auch nach Lanzaats Rückkehr zunächst
in der Innenverteidigung blieb. Obwohl der Holländer bei seinem
Kurzeinsatz gegen Bremen alles andere als souverän gewirkt hatte,
wurde er ein weiteres Mal auf der Position vor der Abwehr neben Truckenbrod
besetzt. Sein Fehler ohne Not nach 16 Minuten ließ Pospischil von der
Strafraumgrenze aus zum Schuss kommen, Nulle bügelte aus. Es war die
zweite Chance der Hausherren in diesem Match, da sich zuvor bereits Zinnow
durch den kompletten Jenaer Strafraum gedribbelt hatte, dabei jedoch vergaß,
aufs Tor zu schießen. Auch Truckenbrod probierte es nach siebzehn
Minuten mal mit einem Schuss von der Strafraumgrenze. Wulnikowski kam mit einer
Faust an den Ball und lenkte zur Ecke. Fünf Minuten später.
Zinnows Faller nach Zweikampf mit Sträßer sah nach Schwalbe
aus, der bis dahin großzügige Schiedsrichter gab jedoch
Freistoß. Der Ball blieb in der 6-Mann-Mauer hängen, sprang
aber nach seiner ersten Bodenberührung mit ungewöhnlichem
Drall wieder zurück. Ein Lupfer in den Jenaer Strafraum, wo die Blauen
vergebens auf Abseits reklamierten, ein zur Vorlage werdendes Luftloch sowie
ein straffer Schuss auf zehn Metern führten zum 1:0.
Wie schon gegen
Bremen galt es einem Rückstand hinterher zu laufen. Genau das aber
wird zum schwierigen Unterfangen, wenn der Trainer ausgerechnet vor diesem
Spiel klammheimlich zur Ein-Stürmer-Taktik zurückgekehrt ist,
die schon im Jahr zuvor für Unverständnis und Erfolglosigkeit
gesorgt hatte. Sebastian Hähnge ("Ich erwarte mehr von mir und die
Leute auch") blieb nach dem Rückstand weiterhin konsequent im
zentralen Mittelfeld und versuchte sich erfolglos als Ballverteiler für
die einzige Spitze Salvatore Amirante. Da auch Melvin Holwijn sowie Orlando auf
den Außenpositionen nichts rissen, verwalteten die Hessen ihren
knappen Vorsprung ohne große Mühe und lauerten auf den möglicherweise
vorentscheidenden Fehler des Kontrahenten. Den gab es dann auch in Form eines
Jenaer Fehlpasses wenige Meter vorm Anstoßkreis. Dass er Lukimya
unterlief, einem der wenigen beständig guten Spieler während
der letzten Wochen, werteten einige Fans später als Zeichen um sich
greifender Verunsicherung in den Jenaer Reihen. Jedenfalls nutzte David Ulm das
Geschenk zu einem Solo durch die Jenaer Hälfte, um das Leder dann aus
gut zwanzig Metern über Nulle hinweg ins Tor zu heben. Sehenswert, mit
wie viel Gefühl im Fuß Ulm diesen Treffer markierte. Carsten
Nulle eine Mitschuld zu geben, wäre aber wohl verfehlt. Wie sollte er
ahnen, dass seinen Vorderleuten im Spielaufbau ein solcher Patzer unterläuft
? Unser Keeper schlich nach dem Pausenpfiff als Letzter vom Platz, begleitet
von Schmährufen der OFC-Anhänger, die in einem bekennenden
Sympathisanten von Eintracht Frankfurt so etwas wie ihren natürlichen
Feind sehen.
Drei Jahre zuvor war es einer Jenaer Mannschaft an gleicher
Stelle mal gelungen, aus einem 0:2-Pausenrückstand noch ein Remis
werden zu lassen. Um eine Wiederholung dessen herbei zu führen,
stellte van Eck während der Pause mehrfach um. Nagy kam für Hähnge
rein, begab sich wie gewohnt nach links und schickte Holwijn auf die andere
Seite. Aus Orlando wurde doch noch ein zweiter zentraler Stürmer.
Dahinter tauschten Lanzaat und Wuttke ihre Positionen aus der ersten Hälfte,
rückte Truckenbrod ein Stück weiter nach vorn. Der OFC ließ
die Gäste nach Wiederanpfiff zunächst gewähren. Als
sich die Hausherren dann doch mal wieder zu einem eigenen Angriff entschlossen,
brachte der schnelle Gegenstoß endlich mal wieder Gefahr. Durch vier
Abwehrbeine hindurch legte Orlando für Amirante auf, der schoss aus
der Drehung jedoch genau zu Wulnikowski. Der Ball von Nagy drei Minuten später
versprach mehr Erfolg, strich aus 19 Metern Torentfernung aber knapp am rechten
Pfosten vorbei. Eine weitere Steigerung erfuhren Jenas Bemühungen um
den Anschlusstreffer schließlich in Minute 69. Wiederholt versuchte
sich Truckenbrod an einem Fernschuss, selten zuvor aber war das Geschoss von
jener Güte wie diesmal. Aus 17 Metern volley abgefeuert, flog das
Leder oben ans Gebälk, dass es nur so krachte.
Die Hausherren hatten
offensiv nach dem Wechsel überhaupt noch nichts gezeigt. Doch mit
ihrem ersten gelungenen Angriff in Halbzeit zwei, bezeichnenderweise einem
Konter, sorgten sie fünfzehn Minuten vor Schluss für die
Entscheidung. Ulm legte an Sträßer vorbei in die Mitte ab,
wo Quido Lanzaat seinem Gegenspieler Mesic nicht hatte folgen können. 3:0. Dass Jenas
Abwehrchef eben jenem Mesic kurz darauf in die Hacken trat, roch nach Frustfoul
und wurde mit der Roten Karte geahndet. Und als hätte das alles nicht
schon gereicht, flog auch noch der Schuss des eingewechselten Pfingsten-Reddig
genau ins linke untere Eck. "Vier zu Nulle", höhnte es nach Ende der
zweiten 45 Minuten von der Offenbacher Fangeraden.
Dass dem OFC eine durchschnittliche Leistung zu einem derart
klaren Sieg reichte, sollte in Jena die Alarmglocken schellen lassen. Was nutzt
ein sich steigernder Truckenbrod, ein auf allen Positionen sein Ding machender
Wuttke - sie sind nun mal keine Antreiber, die den tödlichen Pass
spielen können. Genau so einer fehlt dem Zeiss-Spiel aber zunehmend.
Es scheint deshalb an der Zeit, die Verbannung Torsten Ziegners zu beenden.
Zwar ist nicht garantiert, dass es mit ihm schlagartig besser laufen wird. In
einer Phase, wo die Jenaer Mannschaft in ihren Leistungen nicht mehr nur
stagniert, sondern abzubauen beginnt, müssen jedoch ausnahmslos alle
Alternativen ausgelotet werden, die der Kader hergibt ! Es wird Zeit, sich mal
wieder gemeinsam an einen Tisch zu setzen. <fc>
FC Carl Zeiss Jena - SV Werder Bremen II 2:2
Tore: 0:1 Testroet (32.), 1:1 Orlando (52.), 1:2 Testroet (80.), 2:2 Amirante (82., FE)
- Jena: Nulle; Sievers (70. Fuss), Lukimya, Wuttke, Sträßer;
Eckardt, Truckenbrod, Hähnge, Nagy (46. Amirante); Kolb (74. Lanzaat),
Orlando
- Bremen: Wiedwald; Hessel, Gerdes, Stallbaum, Andersen; Ronneburg,
Ayik, Menga, Feldhahn; Testroet, Oehrl
- Zuschauer: 6062
- Schiedsrichter: Blos (Köngen)
- Spielbericht
-
Keiner weiß warum, doch in den vergangenen Jahren
hatte der FC Carl Zeiss mit den zweiten Mannschaften von Bundesligavereinen so
seine liebe Mühe. Mittlerweile sind drei von vier Hinrundenpartien gegen die
U23-Teams gespielt, mit zwei Siegen und einem Remis gestaltet sich die
Saisonzwischenbilanz ungewohnt positiv. Doch egal in welches Gesicht man auf
Jenaer Seite nach Abpfiff des Bremen-Spiels blickte - Zufriedenheit schaut
anders aus.
Daran hatte die erste Halbzeit einen gewichtigen Anteil.
Denn es war ein äußerst müder Kick, den 6062
Zuschauer (darunter exakt zwei Dutzend Bremer Fans) während der ersten
45 Minuten geboten bekamen. Dass es nach gut einer Viertelstunde Beifall gab für
einen ins Sturmzentrum gespielten Ball, den Kolb als eine von zwei Spitzen gar
nicht erreichte, mag als Beschreibung für das Niveau in der
Anfangsphase genügen. Eine Freistoßvorlage, die Wiedwald
gegen die Sonne blickend im zweiten Zupacken fing, war die einzige Szene, in
welcher ein Torhüter überhaupt
eingreifen musste. Beim ersten gelungenen Angriffszug nach
zwanzig Minuten stand Hähnge knapp im Abseits. Kurz darauf spielte
Rene Eckardt zwar schön Doppelpass mit Orlando, stolperte danach aber über
seine eigenen Beine. Und bei Lukimyias flacher Hereingabe erkannte der
freistehende Kolb in der Mitte die Situation zu spät. So blieb ein
satter 23-Meter-Schuss von Jens Truckenbrod, den Bremens Keeper über
die Latte lenkte, die einzig wirkliche Torchance
in Hälfte eins. Die Gästebilanz vor der Pause hätte
sich sogar noch ärmlicher gelesen, wenn Testroet im Gegenzug nicht der
Führungstreffer gelungen wäre.
Begünstigt wurde er durch einen Fehler von Jan-Andre
Sievers, welcher den Torschützen unbedrängt den Ball annehmen
ließ und dann nicht hinterher kam. Nach einer überzeugenden
Leistung im letzten Heimspiel gegen Burghausen blieb der Neuzugang aus Emden
damit das zweite Match in Folge hinter den Erwartungen zurück, wurde
später auch ausgewechselt.
Doch zunächst war es Nagy, der in der Kabine
bleiben musste. Mit der Hereinnahme von Amirante wechselte Orlando ab Beginn
der zweiten Halbzeit auf die Linksaußenposition. Eine Umstellung, die
sich sofort bezahlt machte. War der Holländer bei seinem energischen
Antritt von der linken Seite Richtung Zentrum doch nur mit unfairen Mitteln zu
bremsen. Freistoß, 25 Meter Torentfernung. Ein paar der
Stammzuschauer des FC Carl Zeiss werden es bemerkt haben, dieses ungewöhnliche
Positionieren Jenaer Spieler im Rudel neben der gegnerischen Mauer. Von dort lösten
sich wie auf Kommando vier Blaue bei der Freistoßausführung
und rannten in den Sechzehner hinein. Truckenbrod schoss nicht direkt, sondern beförderte
das Leder lang vor zu Orlando, welcher aus fünf Metern volley zum
Ausgleich traf. 1:1 - eine eben erst im Training einstudierte Freistoßvariante
hatte auf Anhieb funktioniert ! Damit lösten
sich endlich einige der im bisherigen Spielverlauf eingebauten Bremsen.
Salvatore Amirante zog auf 30 Metern ab, Wiedwald lenkte das Leder um den
Pfosten (54.). Der Schlenzer von Feldhahn auf der anderen Seite flog nur knapp
nebens Tor (56.). Und dass Kolb die schöne Vorarbeit von Orlando
lieber selbst verwertet hätte, statt auf Eckardt zu spielen, war ihm
hinterher auch klar.
Sie bildeten die stärkste Phase in einem mäßigen Jenaer Spiel,
jene gut zwanzig Minuten nach dem Ausgleichstreffer. Sogar Sebastian Hähnge,
bekanntlich nicht der Allerschnellste, ging hier mal aus einem Sprintduell als
Sieger hervor. Den Gästen darf man bescheinigen, ebenfalls die
Offensive gesucht und so zu einer deutlich spannenderen zweiten Halbzeit
beigetragen zu haben. Beim Schuss des Deutschtüren Ayik reagierte
Carsten Nulle im Tor hervorragend.
Dann war noch eine Viertelstunde zu spielen und Orlando hatte wieder
seinen Auftritt. Es ist beileibe nicht so, dass hier Jenas Schnellstem eine
durchgängig überzeugende Leistung bescheinigt werden soll.
Manches wirkt schon zu sehr auf Show getrimmt, zwischendurch taucht er auch mal
ab und nach hinten lässt er eh lieber andere ackern. Doch klar ist
auch - ohne Orlando wäre das Jenaer Spiel um viele Attraktionen ärmer
! Klasse, wie er in Minute 76 zwei Werder-Verteidiger förmlich stehen
ließ und den Blick für den freistehenden Nebenmann hatte. Es
war Salvatore Amirante, der in zehn Metern Torentfernung sofort abschloss - und
an einem Abwehrbein hängen blieb.
Das Tragische an diesem Spiel ist aus Jenaer Sicht, dass
immer im Anschluss an eine knapp vergebene Großchance die Quittung in
Form eines Gegentreffers folgte. Hatte Pascal Testroet schon vor der Pause
direkt nach Truckenbrodts Schuss getroffen, verging auch nach Amirantes Möglichkeit
nicht viel Zeit, bis Bremens Spieler mit der Nummer 43 zum Erfolg kam. Dabei
profitierte er wiederum von einem fehlenden Gegenspieler - der eingewechselte
Benjamin Fuss war an der Strafraumgrenze ausgerutscht. Unter dem Körper
Carsten Nulles hindurch flog der Ball ins Netz. Und nun ? Waren nur noch zehn Minuten
Zeit für Jenaer Bemühungen um den abermaligen Ausgleich.
Scheinbar unbeteiligt steht Orlando nach dem Anstoß an jener Stelle,
wo Mittel- und Außenlinie aufeinander treffen. Genau da wird er angespielt,
nimmt ein paar Meter lang Fahrt auf und legt dann den Turbo ein. Gerdes hatte
sich diesmal vorgenommen, ihm im Sprintduell Paroli zu bieten - auch er war
chancenlos und wusste sich deswegen nur mit einem Rempler im Strafraum zu
helfen. Elfmeter. Als Amirante sich vor Sträßer den Ball zur
Ausführung schnappte, stockte vielen der Atem - hatte der nicht schon
einmal.... ? Noch ehe der Gedanke zuende gebracht wurde, hatte Salvatore den
Werder-Schlussmann in die andere Ecke geschickt und zum 2:2-Endstand getroffen.
Zweimal war der FCC nach Rückstand wieder gekommen.
Doch wie eingangs schon erwähnt -
Zufriedenheit sieht anders aus. Mannschaftskapitän Nulle ärgerte
sich über die beiden Gegentreffer sowie "Negativeinflüsse von
außen", mit denen wohl Pressespekulationen über Notverkäufe
von Leistungsträgern in der Winterpause gemeint sein dürften.
Und Trainer van Eck monierte die Vorstellung seiner
Mannschaft vor der Pause. Zurecht, denn dadurch sind zwei Punkte gegen
talentierte, aber durchaus schlagbare Bremer verschenkt worden. <fc>
Eintracht Braunschweig - FC Carl Zeiss Jena 2:1
Tore: 0:1 Orlando (46.), 1:1 Kruppke (62., HE), 2:1 Kragl (69.)
- Braunschweig: Petkovic; Fuchs, Brinkmann, Dogan, Boland; Pfitzner, Danneberg,
Kruppke (86. Banser), Kragl (77. Theuerkauf); Onuegbu, Calamita (60. Morabit)
- Jena: Nulle; Sievers, Lukimya, Wuttke, Sträßer (56. Riemer); Truckenbrod, Holwijn (

, 71.)
Hähnge, Nagy (79. Kolb); Mayombo (66. Amirante), Orlando
- Zuschauer: 12.200
- Schiedsrichter: Achmüller (Bad Füssing)
- Spielbericht
-
Der zehnte Spieltag bringt das Auswärtsspiel in Braunschweig auf den Plan und da die Stammautoren dieser
Seite offensichtlich angesichts der letzten Ergebnisse von 0:3 bis 6:0 die Adjektive auszugehen scheinen darf
ich mal wieder ran, als es gilt in Niedersachsen den Platz im oberen Tabellendrittel zu sichern.
Für die erste kleine Überraschung im Gästeblock sorgt Trainer Rene van Eck, der statt des zuletzt stark
auftrumpfenden Stefan Kolb oder des wieder spielberechtigten Amirante, mit Mayombo einen Stürmer in der
Startaufstellung aufbietet, der zuletzt suspendiert worden war, lediglich in der zweiten Mannschaft
spielte und dessen letzter Pflichtspieleinsatz in der Ersten bereits vier Monate zurückliegt. Neben ihm
soll Orlando für den nötigen Angriffsdruck sorgen, während Sebastian Hähnge auf der offensiven Mittelfeldposition
die beiden Stürmer mit Bällen versorgen soll. Und es beginnt gut: Bereits in der ersten Minute kann Orlando über
die linke Seite die Braunschweiger Abwehr überlaufen, scheitert jedoch an Torwart Petkovic. In der Folgezeit
kann der FCC eine optische Überlegenheit erarbeiten - "kontrolliert Ball und Gegner" - wie man so schön sagt, ohne
dabei übermäßig torgefährlich zu werden. Mayombo wirkt dabei aber noch engagierter, als sein Sturmpartner. Die Blau-Gelben
aus Niedersachsen kommen erst nach cirka zwanzig Minuten besser zu Rande und beginnen einzelne Konter zu setzen, die in einem
durch die Mitte angespielten Calamita gipfeln, der aber, völlig frei vor Nulle auftauchend, an diesem scheitert. Damit hat es
sich dann aber auch mit dem Braunschweiger Offensivdrang für die erste Hälfte und die Jenaer Viererkette in der Abwehr kann
wiederholt mit starkem Zweikampfverhalten (Wuttke, Sträßer) die gegnerischen Angreifer "abkochen". Für den eigentlichen
Gesprächsstoff der Halbzeitpause unter dem Jenaer Anhang sorgt Amirante, der bereits kurz vor der Halbzeitpause sich zum
Aufwärmen hinter das Tor von Nulle begibt.
Die zweite Hälfte beginnt mit einem Paukenschlag der angenehmeren Sorte, als Holwijn wunderschön auf der rechten
Seite lang durch Sträßer angespielt wird, im spitzen Winkel auf das Petkovic-Tor zusteuert, scheinbar die lange Ecke
mit seinem Schuß anvisiert, es aber verfehlt, bevor Orlando am langen Pfosten den Ball erreicht und ihn gekonnt flach
über die Linie drückt.
Die Wende im gesamten Spiel wird eingeläutet, als Sträßer in der 56. Minute, leicht humpelnd, verletzt ausgewechselt
werden muss. Die bis dahin äußerst souverän wirkende Jenaer Abwehrviererkette wird mit Marco Riemer wieder aufgefüllt
und ist fortan kaum noch wieder zu erkennen. Obwohl sowohl bei der Entstehung des Elfmeters (aus dem Gästeblock schlecht
einzusehendes Handspiel Riemers), als auch bei der Entwicklung des Führungstreffers ein gehörige Portion Glück für die
Niedersachsen im Spiel ist, kommt man nicht umhin festzustellen, daß vor allem die Jenaer Elf plötzlich den Faden verlor.
Als Holwijn in der 72. Minute diese "schwarze" Viertelstunde für den FCC mit einem Foul an der Mittellinie und nachfolgendem
Ballwegschlagen abschließt, ist die Partie quasi gelaufen. Nur noch zu Zehnt gelingt es nun nicht mehr die Eintracht noch
mal in Bedrängnis zu bringen. Die Braunschweiger lassen sich nun auch nicht mehr aus der Defensive locken und glänzen im
Vorwärtsgang in den letzten zwanzig Minuten lediglich mit einem gefühlten Dutzend Fehlpässen. Auch der Versuch von van Eck,
mit der Einwechslung von Kolb, mit einem Dreiersturm noch einmal auf den Ausgleich zu gehen verpufft relativ wirkungslos.
Ein Sieg in Braunschweig wäre, meiner Meinung nach, für den FC Carl Zeiss Jena ohne weiteres zu realisieren gewesen,
wenn man nach dem Führungstor, das zu einem äußerst günstigen Zeitpunkt fiel, weiter aggressiv die Entscheidung gesucht hätte
und sich mit dem Ausgleich nicht so aus dem Takt hätte bringen lassen. Nicht Eintracht Braunschweig hat gewonnen, sondern
der FCC hat verloren. Und zwar, weil man den Gegner zurück ins Spiel brachte, den der "Ringrichter" schon bis zur "9"
ausgezählt hatte. Schade drum.
Nachtrag: Die Stadt Braunschweig bietet den per Zug anreisenden Gästefans einen kostenlosen Bustransfer vom Bahnhof zum
Stadion an. Soweit so gut. Warum man aber nicht die ca. 6 km lange, direkte Strecke durch die Stadt nimmt, sondern den
Gästefans eine ca. 20-minütige Strecke über die ortsansässigen Autobahnen anbietet, scheint schleierhaft. Ich
habe diese "Stadtrundfahrt" jetzt insgesamt viermal genossen und hätte beim nächsten Mal gern eine andere Route. Danke im voraus.
<tn>
FC Carl Zeiss Jena - SV Wacker Burghausen 0:0
Tore: Fehlanzeige
- Jena: Nulle; Sievers, Wuttke, Lukimya, Sträßer;
Nagy (74.Holwijn), Truckenbrod, Riemer, Eckardt, Hähnge, Kolb (62.Orlando)
- Burghausen: Riemann; Wolf, Hertl, Kokocinski, Kresin, Nebihi (84.Schmidt), Burkhard, Grübl (73.Belleri),
El Haj Ali, Gorka, Cappek (89.Holz)
- Zuschauer: 6948
- Schiedsrichter: Sönder (Lübeck)
- Spielbericht
-
Dritter gegen Vierter - vom Papier her das Topspiel des heutigen Tages in der dritten Liga. Sonne pur und warme Temperaturen
waren beste Vorraussetzungen, um dem Spitzenspiel auch einen würdigen Rahmen zu verleihen. Die Partie musste eine
Viertelstunde später angepfiffen werden, da die Gäste bei Ihrer Anreise aus dem Hotel in Stadtroda infolge einer
Bombendrohung im Stau standen, und dadurch nicht rechtzeitig eine Stunde vor Spielbeginn im Stadion sein konnten.
Die erste gute Aktion des Spiel leitete Jenas Abwehrspieler Sträßer ein, der mit einem herrlichen Diagonalpass
René Eckardt bediente, doch dessen Schuss in der siebenten Minute stellte für Keeper Riemann keine echte Gefahr dar.
In der 18. Minute nutzte Truckenbrodt einen Ballverlust der Gäste aus und prüfte Riemann mit einem Schuss aus der zweiten
Reihe, doch leider landete der Ball genau in den Armen des Schlussmannes. Nach der doch spielerisch armseligen Partie in Kiel
wusste der FCC am heutigen Tage zu gefallen und kontrollierte im gesamten Spielverlauf die Partie. Doch auch mit schönen
Kombinationen und Ballstafetten im Mittelfeld blieben die Torchancen auf Jenaer Seite Mangelware. Die Burghausener, die infolge
einer Grippe auf vier wichtige Spieler verzichten mussten, stellten sich konsequent hinten rein, so dass es für die Jenaer
recht schwierig war, in der dicht gestaffelten Abwehr eine Lücke zu finden. Erst nach gut einer halben Stunde die nächste
Tormöglichkeit für die Jenaer. Hähnge hatte per Kopfball in den Lauf von Youngster Kolb verlängert, doch obwohl
Riemann in dieser Aktion zu weit vor seinem Kasten stand, konnte Kolb diese gute Torchance nicht nutzen und ballerte über das Tor.
Auch nach der Pause änderte sich das Spiel nicht gravierend. In der 51. Minute versuchte sich Sievers mit einer hohen Flanke in
den Strafraum, der Ball wurde lang und länger und fiel zur Verwunderung des Gästekeepers hinter ihm aufs Tornetz. Mit etwas
Glück hätte diese Flanke auch zum erneuten Tor des Monats avancieren können. Gut eine Stunde war vorbei und ein Jubel
auf den Rängen machte sich breit, als Publikumsliebling Orlando für Kolb eingewechselt wurde. Manch einer machte sich
Gedanken, warum und weshalb dieser nicht von Anfang an spielen durfte. Doch Trainer van Eck machte in der anschließenden Pressekonferenz
alle Gerüchte zunichte, als er gleich als erstes vermeldete, dass Orlando im am Vorabend ihm mitgeteilt habe, dass er sich für ein
komplettes Spiel nicht fit fühle. Doch als er den Rasen betrat, spürte man noch einmal einen Ruck durch die Jenaer Mannschaft gehen.
Er war es auch, der in der 71. Minute gleich eine gute Einschusschance hatte, doch leider kam er einen Schritt zu spät und rutschte
einschussbereit knapp am Ball vorbei. Eine Viertelstunde vor dem Ende donnerte Nulle einen super weiten Abschlag heraus, der Ball sprang
vor Orlando auf, doch leider konnte er diese Gelegenheit nicht verwerten oder den Ball zumindest unter Kontrolle nehmen. Die Abwehr der
Gäste stand weiter recht sicher, so dass es die Spieler des FCC nun immer mehr mit Einzelaktionen probierten, die aber allesamt nichts
einbrachten. Höhepunkt des Spiels war zweifelsohne die 82. Minute, in der bereits die Jenaer Fans von ihren Sitzen aufsprangen. Doch
leider stand Orlando das Glück am heutigen Tag nicht zur Seite, denn sein gut getimter Kopfball nach Flanke vom starken Sievers klatschte
an den Innenpfosten, von wo er anschließend direkt in die Arme des Keepers sprang. Da war sie, diese eine 100% Möglichkeit, doch
leider sollte es auch die letzte nennenswerte Aktion gewesen sein.
Mit einer Minute Nachspielzeit pfiff Schiedsrichter Tim Sönder das Topspiel der 3.Liga ab, was es leider nicht geworden war. Die Gäste
waren am Ende mit diesem Punkt hochzufrieden, während die Zeiss-Kicker mit hängenden Köpfen den Rasen verließen. Denn jedem
war nach der Partie klar, dass es selten so leicht gewesen sei, heute die ansonsten starken Kicker von Wacker Burghausen zu bezwingen. Auch wenn
viele Trainer und Verantwortliche eine Einzelkritik nicht unbedingt mögen, so muss doch am heutigen Tage die gesamte Abwehr mal explizit
hervor gehoben werden. Besonders die beiden Außen mit Sträßer und Sievers taten sich heute besonders hervor und ermöglichten
den Gästen während der gesamten Spielzeit keine nennenswerte Torchance.<vg>
Bilder auf fcc.weissenburger.de
Bericht auf fussball.sv-wacker.de
Holstein Kiel - FC Carl Zeiss Jena 0:1
Tore: 0:1 Kolb (72.)
- Kiel: Frech; Lamprecht, R. Müller, Schyrba, Meyer, K.Schulz, Holt,
Jerat (80. Siedschlag), Sembolo, Sykora (9. Guscinas), Heider (66. Stier)
- Jena: Nulle; Sievers, Wuttke, Lukimya, Sträßer;
Nagy (90. Fuss), Truckenbrod, Eckardt, Riemer, Orlando (64. Kolb), Hähnge (87. Petersen)
- Zuschauer: 4511
- Schiedsrichter: Dittrich (Bremen)
- Spielbericht
-
Mit Müller, Hasse und Sykora stehen gleich drei Ex-Jenaer im Kader der Kieler. Aber Hasse war gar nicht im Aufgebot
und Fiete Sykora musste bereits in der 9. min verletzungsbedingt ausgewechselt werden und konnte so gegen seinen
Ex-Club keinen Schaden anrichten. Bis zu diesem Zeitpunkt gab es bereits die ersten aufregenden Situationen vorm
Jenaer Tor. Kiel begann von Anpfiff an offensiv und setzte die Gäste unter Druck. Im Großen und Ganzen
stand Jenas Abwehr, stark unterstützt von den vier Mittelfeldspielern und Hähnge, relativ gut. Wenn man
aber 80 der 90 Spielminuten quasi mit dem Rücken an der Wand, sprich im eigenem Strafraum steht, ist es klar,
dass die Torchancen für die Gastgeber nicht ausbleiben. Vor allem bei Ecken konnte man immer wieder die Luft
anhalten. In der 5. min wehrte Nulle einen Kopfball Haiders aus 3 m Torentfernung zur nächsten Ecke ab. Diese
konnte von Orlando nicht geklärt werden und so hatte Robert Müller die Gelegenheit, seine ehemaligen
Mannschaftskollegen per Fernschuss (der aber in der vielbeinigen Abwehr hängenblieb) zu erschrecken. Nach
einem Stolper Riemers musste sich Lukimya, der wieder eine sehr gute Partie spielte, im letzten Moment in einen
Schuss werfen und zur Ecke klären. Diese führte zu einem Kopfballaufsetzer, gegen den wohl auch Nulle
keine Chance gehabt hätte, aber der Ball ging über die Torlatte. Ganz stark bei den Kielern war in der
Anfangsviertelstunde Sembolo, der ein paar Mal den Jenaern Knoten in die Beine dribbelte. Nachdem aber Sträßer
ihn mal etwas energischer bremste, wurde der auch ruhiger. Nach ein paar Minuten relativer Ruhe musst Nulle, wiederum
nach Ecke, sehr energisch den Ball (samt Gegner) wegfausten, um Schlimmeres zu vermeiden (25.). Nochmals zehn Minuten
danach hatten die Heimzuschauer den Jubelschrei auf den Lippen: Ein weiter Einwurf von rechts wurde verlängert
und den folgenden Kopfball Holts erwischte Nulle mit sensationellem Reflex gerade noch so. Holstein ließ den
Ball in dieser Phase schnell laufen und spielte oft direkt ab. Allerdings ging es zumeist nur bis zur Strafraumgrenze,
an der eine gelbe Wand sie aufhielt. Und so probierte es Sykora-Ersatz Guscinas aus 20 Metern mit einem Fernschuß,
der jedoch nur die Latte traf und die Zuschauern aufstöhnen ließ. Zur Pause konnte man über das
Unentschieden heilfroh sein, denn die Angriffsbemühungen des FCC konnte man bis dahin mit der Zahl "Null" beschreiben.
Nach der Pause ging es wie gehabt weiter, lediglich die Spielhälfte, in der sich alles abspielte, änderte sich.
Allerdings war Holstein jetzt so nett und verzichtete fast völlig auf das Spiel über die Flügel. 7,32 m ist
die Torbreite und ungefähr ebenso breit war der Korridor an Jenas Strafraumgrenze, durch den die "Störche" ihre
Angriffe versuchten. Die Jenaer Abwehrspieler hatten dadurch eigentlich ein leichtes Spiel, wurde doch einmal einer ausgetanzt,
so standen garantiert gleich zwei weitere Gelbe dahinter und klärten. Nur bei einem Fernschuss Lamprechts von rechts
außen (52.) und einem abgefälschten Freistoß (55.) kam der Ball mal in Nulles "Sichtweite", der Rest
waren Kinkerlitzchen. Nach vorn blieb alles unverändert, es ging nichts. Kam man doch einmal über die Mittellinie,
so war es ziemlich sicher, dass Orlando im Rücken der Abwehr im Abseits stand. In der 60. min dann hatte der FCC
mal eine Chance auf einen aussichtsreichen Angriff, aber Orlando rannte mit gesenktem Kopf in zwei Gegner hinein und
übersah den mitgelaufenen und freistehenden Hähnge. So konnte das nichts werden und folgerichtig kam in der
65. Minute Kolb für Orlando. Schon die ersten Zweikämpfe Kolb sahen völlig anders aus als Orlandos
Vorstellung: Der Achtzehnjährige ging in die Zweikämpfe, setzte bei Ballverlust sofort nach und steckte
nie auf. Mir rutschte da ein "Dem Kolb gönne ich ein Tor, der hat schon gegen Dortmund so gut gespielt" heraus
(wenn die Weissagung der Lottozahlen nur ebenso klappen würde…). Drei Minuten nach dem Wechsel (in der 68. min!!!)
hatte der FCC seinen ersten Torschuss, aber Truckenbrods Geschoss ging knapp am langen Pfosten vorbei. Der nächste
Kieler Angriff wurde kurz hinter der Mittellinie abgefangen und der FCC hatte eine perfekte Konterchance in 3:2-Überzahl,
jedoch vergeigte Riemer diese Gelegenheit kläglich. Kurz danach bekam Hähnge auf der rechten Seite den Ball,
ging bis zur Grundlinie, beschäftigte zwei Gegenspieler und spielte mit der Hacke auf den mitgelaufenen Eckardt.
Der schickte seinen Gegenspieler und bediente - wie schon in vorhergehenden Spielen - mit einer maßgenauen
Zuckerflanke den in der Mitte wartenden Mitspieler. Diesmal war es Kolb, der sich die Chance nicht entgehen ließ
und zur überraschenden Führung des FCC einnickte und auf der Gegentribüne für eisiges Schweigen um
mich herum sorgte (ich jubelte solo *g*).
Das Spiel war gekippt. Die "Störche" hatten einen gewaltigen Knacks bekommen,
denn sie versuchten zwar in der verbleibenden Zeit mit viel Einsatz und Elan, dieses Resultat zu reparieren, aber lediglich
ein weiterer Lattentreffer wiederum durch Guscina sorgte für Aufregung. Im Gegenteil, mit etwas Cleverness hätte
Jena jetzt den berühmten Sack zubinden könne, aber zunächst war nach Doppelpass Eckardt - Hähnge der
Kieler Torwart einen Tick schneller am Ball als Eckardt (85.) und dann fehlte Truckenbrod einfach die Kaltschnäuzigkeit,
allein vor Frech - der bis zur Strafraumgrenze herausgekommen war - mit einem Heber das 2:0 zu machen, er ballerte den Ball
voll auf den Keeper drauf. Ansonsten versuchte man ziemlich geschickt und erfolgreich, in den verbleibenden Minuten das Tempo
aus dem Spiel zu nehmen und den Ball in den eigenen Reihen zu halten.
Bis zu Kolbs Einwechslung wäre ich mit einem Punkt hochzufrieden gewesen. Der "Dreier" ist mit etwas Glück in
den ersten 70 und mit ansprechender Leistung in den letzten 20 Minuten eingefahren worden. <uk>
FC Carl Zeiss Jena - Borussia Dortmund II 2:1
Tore: 0:1 Neumeister (6.), 1:1 Lukimya (13.), 2:1 Riemer (80.)
- Jena: Nulle; Sievers, Wuttke, Lukimya, Sträßer;
Nagy (90. Petersen), Truckenbrod, Hähnge, Eckardt (85. Fuss); Orlando,
Kolb (73. Riemer)
- Dortmund: Höttecke; Koch, Eggert, Hünemeier, Neumeister;
Hille, Hasanbegovic (85. Boztepe), Tyrala, Öztekin; Ginczek (57.
Piossek), Kullmann
- Zuschauer: 6983
- Schiedsrichter: Dankert (Rostock)
- Spielbericht
-
Das Chaos beim FCC wurde gerade mal wieder etwas unübersichtlich. Nachdem
Peter Schreiber offenbar keine unbezahlten Rechnungen mehr auf seinem Wühltisch
findet (oder diese lieber wieder untendrunter steckt), fängt die
liebevoll zusammengesparte Mannschaft an sich in Wohlgefallen aufzulösen.
Der eine haut mit südländischer Besonnenheit einem Blumenzüchter
ins Gesicht, der andere wird aufgrund seiner Großartigkeit
suspendiert und der Dritte hat seine Bandscheiben nicht im Griff. Hinzu kommen
ungezählte Zerrungen und Risse diverser Muskelgruppen, schlechte
Blutwerte und Verstauchungen. Und die wenigen Verbliebenen, die sich stets gut
benommen haben und dazu gesund sind, können auch nicht mehr so
richtig. Zu groß ist der Druck nach dem Kulturarena-Debakel für
Rom, Ähnliches vollbringen zu müssen. Ernüchternde
Aussichten also für das gestrige Spiel gegen Dortmunds Zwote, zumal
die nach fünf Minuten schon in Führung lag. Neumeister hatte
die Aufwachprobleme in Jenas Deckungsverbund schamlos ausgenutzt und per Kopf
die Gästeführung hergestellt (6.). Zwar war der ursächliche
Freistoßpfiff völliger Mumpitz, gezählt hat es
trotzdem. Aber was soll's. Aus Ruinen wird auferstanden! Und überhaupt:
Bandscheibenvorfälle werden total überbewertet!
Zwar
folgte die Trotzreaktion erst nachdem Nulle das 0:2 und damit den unabwendbaren
Untergang verhindert hatte, dann aber kam die große Zeit des Rene
Eckardt. Ganz ehrlich, wenn der immer so spielen würde wie die
folgende Viertelstunde, die Nationalmannschaft wäre kein Thema. Seine
Vorlage auf Wuttke nach einer Ecke und sein Heber aus spitzem Winkel wären
bereits Treffer wert gewesen, Hötteke bekam aber beidemal noch
irgendein Körperteil dazwischen. Gegen Lukimyas Schuß aus
Nahdistanz konnte aber auch der Dortmunder Schlußmann nichts mehr
machen. Eckardt hatte Neumeister auf der rechten Seite schön zur
Schere gemacht und den Ball dann flach nach innen geschlagen. Von dort hätte
es wohl nur noch Gomez und dann auch nur im Nationaltrikot noch fertiggebracht,
das Tor nicht zu treffen. Jubeln unter Vorbehalt (13.). Ein Unentschieden
konnte hier ja nicht das Ziel sein! Dieser Vorbehalt legitimierte sich
schneller als gedacht. Mit der Gewißheit der uneingeschränkten
Überlegenheit zog sich Jena wieder aus dem Dortmunder Strafraum zurück.
Alle Maschinen Stop - im Notfall gleichen wir halt wieder aus. Zwar hatte
Eckardt nach eine Wuttke-Vorlage noch einmal die große Chance zur Führung,
sein strammer Volleyschuß fand aber den Weg ins Tor nicht und ist
jetzt wahrscheinlich ein dicker blauer Fleck auf einem Dortmunder Gesäß
(16.). Danach tickte nur noch die Uhr runter. Was dieser taktische Unsinn soll,
ist schwer zu sagen, zumal der Schwung des Ausgleichstreffers dadurch völlig
verpuffte. Die Kräfte jedenfalls hätten eigentlich noch ein
bißchen länger reichen sollen. Kurz vor der Pause hätte
sich dieses unheilvolle Fehlverhalten tatsächlich fast gerächt.
Wäre Kullmann nicht um Zentimeter an Boztepes Eingabe vorbeigerutscht,
die etwa 300 Mitgereisten Dortmunder hätten wohl unsere leise vor sich
hin tirilierende Südkurve vollends unter den Tisch gesungen. Glück
gehabt!
Nach der Pause war es vor allem Orlando, der für Aufsehen sorgte.
Inzwischen ist es für jeden Gegner offenbar ein probates taktisches
Mittel geworden, ihn einfach am Losrennen zu hindern. Ein kurzes Halten, ein
Schubser auf Höhe der Mittellinie, eigentlich ist alles besser als ihm
später hinterherzugucken. Zwei oder drei gelbe Karten werden dafür
augenscheinlich in Kauf genommen, welche die Schiedsrichter (vor allem der von
gestern) oft nicht mal geben. Wenn dann auch noch klarste Pfiffe ausbleiben,
geht mir langsam das ohnehin knapp bemessene Verständnis aus.
Stattdessen reichten auf der Gegenseite mitunter kleinste Scharmützel
aus, um aus gefährlichsten Positionen Freistöße zu
verhängen. Einer davon wäre Jena fast zum Verhängnis
geworden, als Hünemeier den hoch hineingeschlagenen Ball von Tyrala
nur knapp verfehlt, kann Nulle erst im Nachfassen das Unentschieden festhalten
(63.). Knapp! In dieser Phase überzeugt der FCC aber auch allenfalls
durch Gleichwertigkeit auf niedrigem Niveau. Die Führung kommt
dementsprechend wie aus dem Nichts. Wieder ist es Eckardt, dessen präzise
Flanke die Entscheidung bringt. Punktgenau schießt der den Ball auf
den eingewechselten Riemer, dessen Kopfstoß die vor sich hindämmernden
Fans aus der allgemeinen Lethargie reißt (80.). Nicht zu glauben! Dieses Murksspiel und dann auch noch der Riemer. Der
hatte gegen Erfurt nun wirklich einen Scheißtag erwischt. Und dann
noch das Ding mit seinem Rücken. Schön, daß es
offenbar doch nicht so schlimm war oder Bandscheibenvorfälle halt
einfach überbewertet werden (-:
Was folgt sind noch zehn zerrige Minuten Warterei plus einer unendlich
langen Nachspielzeit. Dann ist der dritte Sieg endlich in Sack und Tüten.
Glanzvoll war es nicht! Spielerisch herrschte mitunter unbeschreibliches Elend
auf dem Platz. Dazu kommen die Abstimmungsschwierigkeiten, die bei einer neu
formierten Elf aber ganz normal sind. Entscheidend aber war der größere
Wille. Das was Erfurt in Jena zum Sieg getragen hat, war gestern Jenas
Unterpfand. Die Mannschaft wollte einfach mehr. Das Derby ist damit nicht
vergessen, dieser Stachel sitzt zu tief. Aber ein Rückspiel in Erfurt
ist ja auch noch. Ein neues Spiel mit neuen Chancen. Und nächstes Jahr
wollen wir ja auch wieder in die Kulturarena... <bpf>
VfL Osnabrück - FC Carl Zeiss Jena 2:0
Tore: 1:0 Lindemann (21.), 2:0 Reichenberger (63.)
- Osnabrück: Berbig; Herrmann, Barletta, Nickenig, Krük;
Siegert, Heidrich, Lindemann, Hansen (76. Grieneisen); Reichenberger (85.
Samide), Schmidt
- Jena: Nulle; Sievers, Wuttke, Lukimya, Sträßer;
Nagy (66. Kolb), Truckenbrod, Ziegner, Holwijn (83. Eckardt); Orlando,
Hähnge
- Zuschauer: 9800
- Schiedsrichter: Aytekin (Oberasbach)
- Spielbericht
-
Der Überkreuzvergleich der bisherigen
Saisonresultate sprach von vornherein gegen den FCC: Ingolstadt hatte Erfurt
klar besiegt, Osnabrück die Ingolstädter und Erfurt am
vergangenen Sonntag....ach, lassen wir das. Fußballspiele werden
nicht mit dem Taschenrechner entschieden. Klären wir stattdessen
lieber die Frage: Was stellt eine Mannschaft am gescheitesten an, die mit
Lanzaat, Riemer, Petersen, Osadchenko sowie Ralf Schmidt gleich fünf
Ausfälle in der Abwehr zu verkraften hat ? Klar, sie spielt munter
nach vorn !
Genau das tat Jenas Elf in der Anfangsphase. Da Salvatore
Amirante nach seiner Rot-Sperre für mindestens vier Spiele von der
Bildfläche verschwunden sein wird, teilten sich die beiden Holländer
Orlando und Holwijn von außen kommend in die Rolle des zweiten Stürmers
hinein. Wobei Melvin Holwijn in seinem ersten Match von Anbeginn wesentlich mehr
auffiel. Selbst zwei Gegenspieler vermochten ihn nach fünf Minuten
nicht zu stoppen, zumindest nicht mit fairen Mitteln. Erst als Holwijn wie
nichts zwischen ihnen hindurch geschlüpft war, holte ihn der düpierte
Krük von den Beinen. Freistoß also von der rechten
Strafraumseite, lang auf die andere Seite geschlagen zu Wuttke, dieser sofort
zurück auf den vorm Tor stehenden Hähnge. Zeit zu überlegen
hatte Sebastian nicht, zwei Meter vor dem Kasten inmitten einer lila
Spielertraube handelt man sowieso besser instinktiv - wenn dann aber der Ball
Osnabrücks Keeper Tino Berbig mitten ins Gesicht fliegt, ist das
einfach nur riesengroßes Pech. Doch Jena blieb am Drücker.
Gerade mal zehn Minuten waren gespielt, als ein sichtlich
motivierter Sebastian Hähnge
diesmal von der rechten Seite kommend durchzog. Berbig verkürzte den
Winkel, Hähnge legte deshalb auf den zentral stehenden Truckenbrod ab,
doch schoss dieser aus sieben Metern weit über das leere VfL-Gehäuse.
Dies freilich war mit Pech nicht mehr zu erklären, muss doch auch von
einem defensiven Mittelfeldspieler erwartet werden dürfen, beim unbedrängten
Torschuss nicht in starke Rückenlage zu verfallen.
Ein Führungstreffer
wäre der gerechte Lohn für ansehnlichen Kombinationsfußball
in der ersten Viertelstunde gewesen. Außer einer Einzelleistung von
Jenas Ex-Kapitän Niels Hansen hatten die Gastgeber bis zu diesem
Zeitpunkt noch nichts zustande gebracht, unter anderem weil sich Tim Wuttke auf
der ungewohnten Innenverteidiger-Position gut in Jenas Viererkette einfügte.
Doch dann brach Minute 21 an. Siegert legte für Björn Lindemann
auf und der hatte als erster VfL-Spieler in diesem Match mal richtig Platz am
gegnerischen Sechzehner. Wie er den nutzte - mit einem Sonntagsschuss ins
Dreiangel - war zweifellos sehenswert. Die Führung ansich aber äußerst
glücklich. Erst jetzt kamen die Niedersachsen besser ins Spiel. Nachdem sich zwei Jenaer
gegenseitig angeschossen hatten (29.), drohte für Carsten Nulle ebenso
Gefahr wie beim Freistoß zehn Minuten später, den der Torhüter
aber auf Nummer sicher gehend über die Latte lenkte. Seinem Gegenüber
Tino Berbig, der selbst mal in Jena zwischen den Pfosten gestanden hatte und
hierher noch familäre Bindungen hat, misslang in der 40. Minute bei
einsetzendem Gewitterregen ein Abschlag, sodass Hähnge den Ball mit
einem Heber postwendend zurück brachte. Leider nur aufs Tornetz. Als
sich einige schon auf den Pausentee zu freuen schienen, gabs den ersten
erfolgreichen Antritt von Orlando. Bei dessen Eingabe von der linken Seite kam
Hähnge einen Schritt zu spät. Oder ließ er den Ball
absichtlich für Holwijn durch ? Möglich wäre es,
denn der Neuzugang hatte freie Bahn, nur -
was machte er daraus ? Halb Ballannahme, halb Torschuss, nichts von
beiden richtig, und so beförderte der Nationalspieler das Leder weit
am Pfosten vorbei ins Toraus. Zwei, drei dicke Torchancen teils kläglich
vergeben zu haben war der einzige Vorwurf, den man der Zeiss-Elf beim Gang in
die Kabinen machen konnte.
Die erste Aktion nach Wiederanpfiff war nahezu eine Kopie
der letzten Szene vor der Pause. Wieder ging Orlando auf der linken Seite auf
und davon, wieder kam Hähnge in der Mitte einen Schritt zu spät.
Nur dass diesmal kein Holwijn daneben stand. Auf der anderen Seite köpfte
Nickenig aufs Tornetz (48.). So wie sich das Spiel danach entwickelte, war
absehbar, dass es nicht bei dem einen Treffer in dieser Partie bleiben würde.
Beide Mannschaften schenkten sich nichts, noch aber fand niemand die Lücke.
Die Emotionen im Spiel übertragen sich sogar auf die Ersatzleute
hinter dem Tor. Als Sträßer bei einer Abwehraktion gehalten
wurde und somit nicht in der Lage war, den Eckball zu verhindern,
regte sich André Schmidt berechtigterweise über
den Schiri-Assistenten auf, der das Foul eigentlich hätte sehen müssen.
Die Konsequenz war die Gelbe Karte für einen Spieler, der in dieser
Saison noch nicht eine Punktspielminute in der ersten Mannschaft verbracht hat
(58.). Besagte Ecke beschwörte übrigens Gefahr durch
Reichenbergers Kopfball herauf, den Nulle wegfaustete.
Osnabrücks Stürmer-Oldie
drehte nun richtig auf. War beim Schuss in Minute 62 abermals bei Carsten Nulle
Endstation, sorgte Thomas Reichenberger schon zwei Minuten später für
die Spielentscheidung, indem er aus sieben Metern zum 2:0 traf. Ein Tor,
das Carsten Sträßer auf seine Kappe nehmen muss, vertändelte
er doch das Leder im eigenen Strafraum ohne Not gegen Hansen, der dann
Reichenberger ins Spiel brachte. Zwar hatte eine Jenaer Mannschaft schon einmal
im Osnabrücker Stadion das Kunststück fertig gebracht, aus
einem 0:2 noch ein Remis werden zu lassen - doch die Körpersprache
nach dem zweiten Gegentreffer zeigte an, dass sich das diesmal nicht
wiederholen würde. Weshalb ein über 70 Minuten recht intensiv
geführtes Spiel die verbleibende Zeit gemächlich austrudeln
durfte.
Die Art und Weise, wie diese Niederlage zustande kam, war
eine ganz andere als eine Woche zuvor. Kein Vergleich mit dem fast
hergeschenkten Derby. Und doch gerät die Mannschaft nach einem Punkt
und null Treffern aus den letzten drei Partien in Zugzwang. Schon im nächsten
Spiel muss der Schalter wieder umgelegt werden, soll eine weitere Spielzeit in
den Tabellenregionen der Vorsaison vermieden werden. <fc>
FC Carl Zeiss Jena - FC Rot-Weiß Erfurt 0:3
Tore: 0:1 Kammlott (1.), 0:2 Semmer (40.), 0:3 Kammlott (55.)
- Jena: Nulle; Sievers, Riemer (46.Petersen), Lukimya,
Sträßer; Nagy (46. Hähnge), Truckenbrod, Ziegner, Eckardt
(68. Holwijn); Smeekes, Amirante (
, 59.)
- Erfurt: Orlishausen; Malura (

, 59.), Pohl, Möckel,
Ströhl; Cinaz, Rockenbach da Silva, Stenzel, Hauswald (84. Pinske); Semmer (64. Peßolat),
Kammlott (78. Cannizzaro)
- Zuschauer: 11.200
- Schiedsrichter: Leicher (Landshut)
- Spielbericht
- Ein paar Worte vorweg, zu den wenigen positiven Aspekten dieses Spiels:
Endlich,endlich, endlich hat es der Verein einmal geschafft, die Stadiontore mit
ausreichend Leuten zu besetzen, um einen flüssigen Einlass zu gewährleisten.
Man mag sich gar nicht ausmalen, wieviele frustrierte Zuschauer des FCC in
den letzten Monaten nicht wieder gekommen sind - nur weil der Verein die paar
Euro sparen wollte, die zusätzliche Einlasskräfte kosten? Bitte lasst es
keine Derby-Eintagsfliege sein...
Eine zweite gute Nachricht: Das Stadion war
nahezu ausverkauft, nur die Gäste hatten zu Hause irgendwie kleine Probleme
mit dem Kartenverteilen. Ja, und die Choreos kurz vor Beginn des Spiels:
die große Flagge auf der Haupttribüne und dann die Herzchen für Jena, erst
rot (WTF?!) und dann blau-gelb-weiß mit Feuer.
Beeindruckend(!) - dachten
sich wohl auch die Spieler des FCC, die sich in der ersten Minute
anscheinend auf alles andere drumherum konzentrierten, nur
nicht auf's Spiel. Der Anstoß des FCC wurde abgefangen, ein steiler Pass in
die Spitze, Abschluss von der Strafraumkante ins linke untere Eck, und nach
gefühlten drei Sekunden stand es Null-zu-Eins.
Braucht es wirklich nur ein Gegentor in der ersten Minute, um das in den
letzten Wochen vielgerühmte Wahnsinns-Jenaer Publikum komplett ruhigzustellen?
Offensichtlich. Nur die Südkurve zuckte noch in den ersten zehn Minuten,
in denen Jena sichtlich geschockt wirkte und nichts auf die Reihe kriegte.
Die Unaussprechlichen waren auch nicht wirklich gefährlich, und so plätscherte
es dahin bis zur 14. Minute, als Amirante kurz vor dem Strafraum gelegt
wurde. Ziegner trat an und schlenzte den Ball an die Querlatte... was für ein
Pech! Wenigstens war der FCC in dieser Phase gleichwertig und kam über das
Kurzpassspiel und gewonnene 1:1-Situationen auch mehrmals schnell bis
zum Strafraum der anderen. Irgendwie schienen sie aber den Ball heute
reintragen zu wollen: immer noch ein Abspiel oder Dribbling mehr aus aussichtsreicher
Position, aus der man auch einfach mal hätte draufhauen können und
müssen. Jenaer Verunsicherung wurde merklich. Je weiter die erste Halbzeit
voranschritt, desto mehr unforcierte Fehler schlichen sich in das Jenaer
Spiel ein. Kurz vor der Halbzeit verschätzte sich dann auch noch Nulle bei
einem Eckball und es stand 0:2. Auf den Tribünen machte sich Ratlosigkeit breit
- war das wirklich die gleiche Mannschaft, die bislang so begeisternden
Fußball gespielt hatte?
Es konnte nur besser werden und es wurde - bitterer. Da hatte der FCC
gleich nach der Pause eine gute Kopfballchance (der Ball landete auf dem
Tornetz), doch in der 54. Minute kam eine Bogenlampe in den Jenaer Strafraum
hereingesegelt, die ewig in der Luft war und trotzdem nach Direktabnahme
im Jenaer Tor landete. Wenn der Torschütze demnächst im Training versucht,
dieses Tor nachzustellen, wird er von 100 Versuchen wahrscheinlich 99 nicht
treffen...aber im Spiel ging er halt rein, und damit war die Luft vollständig raus.
Was danach passierte, war haarsträubend.
Es ist nicht unüblich, dass Mannschaften sich bei einem Rückstand von 0:3
nach 55 Minuten mitunter hängenlassen (wobei meine ganz persönliche Meinung
dazu ist, dass das dann auch keine Mannschaft ist). Aber dass so absolut gar
nichts mehr ging, dass einfachste Bälle zum Gegner gespielt, wirklich sinnlose
Dribblings angesetzt und Laufwege einfach abgebrochen wurden, macht
nachdenklich. Die erste Chance für den FCC gab es erst wieder in der 71.
(Hähnge vergibt aussichtsreich), dann nochmal eine kleine in der 75. Auf
der Gegenseite konnten wir uns bei Nulle bedanken, dass es am Ende nicht 0:5
stand - und zwar nicht, weil der Landeshauptstadtclub überragenden Fußball
gespielt hätte.
Einen "positiven" Aspekt hat die Sache am Ende doch noch: Dieses ganze
Geklapse mit angekündigtem Moonwalk, "Wir steigen auf"-Gesängen und 100:0-Fahnen
gehört erst mal wieder der Vergangenheit an. Die Chance besteht, dass die
Jenaer Spieler am Sonntag begriffen haben, dass sich Spiele gegen Mannschaften,
die unten stehen, nicht von selbst gewinnen. <ragnar>
Derby-Fotos von Jens Weißenburger
Bericht auf der Erfurter Homepage
FC Erzgebirge Aue - FC Carl Zeiss Jena 0:0
- Aue: Männel; Klingbeil, le Beau, Paulus, Schaffrath;
Cimen (68. Gambo), Stark, Müller (72. Klotz); Curri, Braham, Ramaj (90.
Hiemer)
- Jena: Nulle; Sievers, Riemer, Petersen, Sträßer;
Nagy, Truckenbrod, Ziegner, Orlando; Hähnge, Amirante (87. Eckardt)
- Zuschauer: 11.400
- Schiedsrichter: Dr. Fleischer (Sigmertshausen)
- Spielbericht
- 5:1, 5:0, 5:0. In den vergangenen drei Jahren ist der FCC im
Erzgebirgsstadion regelrecht vermöbelt worden. Bekanntlich hat der
Optimist keine Ahnung von den freudigen Überraschungen, die ein
Pessimist erlebt. Trotzdem fuhren wir diesmal mit einem besseren Gefühl
nach Aue und weigerten uns von vornherein, an eine Fortsetzung dieser schwarzen
Serie zu glauben. Dafür hatte die neue Jenaer Mannschaft in den ersten
Wochen der noch jungen Saison schon zu viel an Potential offenbart.
Entgegen seiner Ankündigung hatte René van Eck im
Vergleich zum letzten Spiel eine Änderung vorgenommen. Rene Eckardt
blieb trotz ansprechender Leistung gegen Bayerns Zweite erst mal wieder auf der
Bank, wohingegen Sebastian Hähnge zu seiner Premiere in der Startelf
kam. Waren es die besseren Trainingsleistungen, die dafür den
Ausschlag gaben ? Fürchtet van Eck, den Youngster zu schnell zu
verheizen ? Oder will er Jenas Offensivtaktik ein Stück weit
unberechenbarer für die Ligakonkurrenz gestalten ? Wie auch immer -
Smeekes, der am liebsten nur Orlando genannt werden möchte, rückte
aus dem Zentrum auf die Außenposition. Von da, nur in der anderen Hälfte,
kamen auch die meisten Bälle in den ersten zwanzig Minuten. Eckball um
Eckball holten die Gastgeber während ihrer Anfangssoffensive heraus.
Den ersten richtigen Torschuss gabs dennoch von einem Jenaer. Salvarore
Amirante prüfte Martin Männel nach achtzehn Minuten. Darüber
hinaus tat sich allerdings vor der Pause nicht viel an Offensivgeschehen
seitens der Thüringer. Dazu fehlte es im Mittelfeld an einem
Gestalter, der die Bälle verteilte oder einfach mal länger in
den eigenen Reihen hielt. Hähnge und Amirante hatten es schwer mit
ihren Gegenspielern. Und Orlando ? Zeigte auf rechtsaußen mehrmals
technische Kabinettstückchen, doch in echte Torgefahr mündeten
die meist nicht, sodass sich die Umstellung alles in allem nicht bezahlt
machte. Ein einziges Mal brachte er vor der Pause nach energischem Sprint eine
Eingabe vors Tor, doch die fing Männel vor dem einschussbereiten
Amirante weg.
Erfreulich hingegen, dass Jenas Viererkette auch ohne Lanzaat
lange Zeit nichts zuließ. Da konnten Curri und Ramaj rochieren, wie
sie wollten - sowohl Sievers wie auch Sträßer ließen
sie nicht zu Entfaltung kommen. Auch die 7:0 Ecken der Veilchen in Hälfte
eins bereiteten Nulle und seinen Vorderleuten keine Probleme. Lediglich in den
letzten drei Minuten vor dem Pausenpfiff schlich sich kurzzeitig mal etwas
Sorglosigkeit ins Jenaer Abwehrzentrum. Denn dass ausgerechnet der Kleinste auf
dem Platz, Skerdilaid Curri, nur um wenige Zentimeter an einem Kopfballtor
vorbeischrammt, darf eigentlich nicht
passieren. Und was war in Minute 44 los ? Bei Müllers Heber in den
Strafraum rannten gleich zwei Weiße mit Ramaj mit, wodurch sich
Braham zentral in 13 Metern
Torentfernung seelenruhig auf seinen Torschuss vorbereiten konnte. Doch vergeht
kein Spiel ohne eine Heldentat von Carsten Nulle ! Jenas Keeper entschärfte
Brahams Schuss mit toller Reaktion. Der Halbzeitpfiff kam den Jenaern nicht
ungelegen.
Mit Beginn der zweiten Hälfte hatte sich Jenas
Hintermannschaft wieder formiert. Aue zunächst wieder leicht feldüberlegen,
ohne groß zu Tormöglichkeiten zu gelangen. Ramajs Schlenzer
Richtung Dreiangel fing Nulle noch in dessen Steigphase (57.). Die optische Überlegenheit
auf Seiten der Gastgeber verschwand dann nach etwa einer Stunde Spielzeit. Erst
jetzt fiel auf, dass mit Kos auch bei den Erzgebirglern der Abwehrchef fehlte
und deren Hintermannschaft nicht unüberwindbar ist. Als Orlando seinen
Gegenspieler ins Leere rutschen ließ, die flache Hereingabe nur
unkontrolliert nach vorn abgewehrt werden konnte, kam Jens Truckenbrod aus fünfzehn
Metern zum Torschuss. Wie gern hätten wir DEN ankommen sehen ! Doch
Paulus warf sich hinein, bescherte Jena damit nach 61 Minuten wenigstens noch
die erste Ecke, welche aber wie generell alle Standards an diesem Tag nichts
einbrachte. Die hohen Temperaturen sollten in der Schlussphase bei beiden
Mannschaften ihren Tribut fordern. Das Wort Sommerfußball machte nun
die Runde. Van Eck schien dennoch nicht unzufrieden,
tätigte seinen ersten Wechsel erst drei Minuten vor
Schluss und dies aus Verletzungsgründen. Dass auch Trainerkollege
Schmitt in der 90. Minuten noch einen neuen Mann auflaufen ließ, lässt
den Schluss zu, dass mit dem unentschiedenen Spielausgang am Ende alle recht
zufrieden waren. Die Gastgeber hatten dem Spitzenreiter einen Punkt abgerungen,
der FCC bereitete seiner schwarzen Serie im Erzgebirgsstadion endlich ein Ende.
Zwar ist die Tabellenführung damit schon wieder
passé, doch ist der FC Carl Zeiss Jena auch nach dem Auer Auswärtsspiel noch ungeschlagen in dieser Saison.
Und das ist schließlich auch schon etwas wert. <fc>
FC Carl Zeiss Jena - FC Bayern München II 6:0
Tore: 1:0 Eckardt (8.), 2:0 Smeekes (28.), 3:0 Amirante (48.), 4:0 Amirante (62.), 5:0 Amirante (64.), 6:0 Amirante (76.)
- Jena: Nulle; Sievers, Riemer, Lanzaat (23. Petersen),
Sträßer; Nagy, Truckenbrod, Ziegner, Eckardt; Smeekes (68.
Hähnge), Amirante (77. Benyamina)
- München: Kraft; Schütz, Lell
(
, 38.), Saba (56. Kopplin), Contento;
Erb, Rieß, Görlitz, Schürf (53. Yilmaz); Sikorski, Sene (43. Duhnke)
- Zuschauer: 8346
- Schiedsrichter: Gorniak (Bremen)
- Spielbericht
- Vor dem Spiel bestimmten noch Sorgen die Gedanken der
meisten Zuschauer, an die sich nach dem Spiel kaum noch jemand erinnerte. Wie
wird die Mannschaft die befürchteten Ausfälle von Carsten Sträßer
und Ralf Schmidt verkraften können? Wie kommt der FCC mit den
bundesligaerfahrenen Christian Lell und Andreas Görlitz zurecht? Wird
die zweite Garde des großen FC Bayern am dritten Spieltag ihr
zweifellos vorhandenes Potential zeigen, nachdem man eher schwach in die Saison
gestartet war?
Zumindest einer der Fragen löst sich noch vor dem
Anpfiff in Wohlgefallen auf, denn Carsten Sträßer stand in
der Startformation. Der Abwehrspieler ist mitverantwortlich für den
derzeitigen Erfolg des FCC und wird von vielen aufgrund seiner in der letzten
Saison oft gut versteckten Souveränität mit einem
Augenzwinkern als "Neuzugang" bezeichnet, entsprechend groß war die
Erleichterung bei der Lektüre seines Namens in der Startaufstellung. Die
Elf des gut in die Saison gestarteten FCC begann das Spiel auch gleich druckvoll
und schon die ersten Minuten ließen keinen Zweifel daran aufkommen,
wer heute der Herr im Haus sein wollte. Die erste Ecke des Spiels erhielten
trotzdem die Bayern, aber mehr als ein schneller Gegenstoß über
den starken Sievers sprang dabei nicht heraus. Dieser Konter war es, den Timo
Nagy mit einem herrlichen Pass auf Salvatore Amirante fortsetzte. Der Italiener
stand plötzlich vor Kraft im Tor des FCB und wollte den Ball in der
langen Ecke unterbringen, hatte dabei aber die Reflexe des Schlussmanns der
Bayern unterschätzt. Festhalten konnte er den scharfen Schuss aus
kurzer Distanz allerdings nicht, der mitgelaufene René Eckardt schaltete am
Schnellsten und konnte den Ball unbedrängt aus kurzer Distanz im Tor
unterbringen - 1:0 für den FCC nach nur acht Minuten! Die erfahrenen
Spieler der Bayern, namentlich Görlitz und Lell, sahen beim
vorhergehenden Zusammenspiel von Nagy und Amirante alles andere als gut aus und
verloren schon nach diesen wenigen Minuten einen Teil des von ihren Namen
ausgehenden Glanzes.
Die Gäste aus München zeigten sich aber
keineswegs geschockt vom frühen Rückstand, stattdessen bemühten
sie sich von nun an intensiv um den Ausgleich. Nur fünf Minuten nach
der Führung war es Carsten Nulle, der gegen den in dieser Phase
starken Sikorski klären musste. Der war nach einem Missverständnis
in der Jenaer Hintermannschaft plötzlich frei vor Nulle aufgetaucht
und scheiterte nur an der blitzschnellen Reaktion des auch heute sicheren Rückhalts.
Im Gegenzug hat Eckardt das 2:0 auf dem Fuß, nachdem er mit einem
herrlichen langen Ball von Nagy freigespielt wurde. Sein Ball geht aber leider
nicht nur an Torhüter Kraft vorbei, sondern auch am Tor. Für
die nächsten Minuten sollte dieser Gegenstoß das letzte
Lebenszeichen des FCC sein, von nun an drückten die Bayern. Dabei war
es immer wieder Marco Riemer, der in der Abwehr nicht überzeugen
konnte. In der 16. Minute profitiert er allein von der Fairness des Münchner
Stürmers Sikorski, der sich trotz leichtem Trikotzupfer aufrafft und
sich nicht fallen lässt, anderenfalls hätte man diese
Situation wohl als Notbremse werten müssen. So stand Sikorski zwar
allein vor dem Jenaer Gehäuse, aber dieses wurde ja von Carsten Nulle
bewacht - und dieser reagierte erneut glänzend. Auch wenn man sich
mittlerweile schon fast daran gewöhnt hat, mit Nulle einen extrem
sicheren Rückhalt zu haben - was dieser Mann Woche für Woche
für Bälle hält, ist aller Ehren wert. Völlig
zu Recht wurde "Wild Thing" auch vor dem Spiel als Spieler der letzten Saison
ausgezeichnet, denn ohne ihn hätte der FCC die Klasse wohl kaum
gehalten. Richtig ernste Mienen konnte man nur kurz darauf erblicken, denn
offenbar hatte sich Abwehrchef Quido Lanzaat ohne Fremdeinwirkung verletzt und
drängte auf seine Auswechslung, die nach 23 Spielminuten vollzogen
werden musste. Nicht wenige fürchteten nun den baldigen Ausgleich oder
zumindest massive Probleme mit den schnellen und ballsicheren Angreifern der
Bayern für die umgestellte Innenverteidigung. Genau in diese Phase des
größten Drucks der Bayern stürmt aber erneut
Orlando Smeekes hinein und spielte sich endgültig in die Herzen der
Fans. Nach einer kampfgeprägten Balleroberung des Hachinger Neuzugangs
Nagy hat Orlando nur noch Lell und das Tor vor sich. In seiner gewohnten,
unheimlich schnellen Art stürmt er auf Lell zu, schlägt noch
einen Haken und streichelt den Ball dann mit der Innenseite an den kurzen
Pfosten - von dem das Leder den erstrebenswertesten Weg wählt, nämlich
den ins Tor von Jenas Gegnern! Das 2:0 in der 28. Minuten fiel sprichwörtlich
genau zum richtigen Zeitpunkt, denn es setzte einen Schlussstrich unter eine
Phase gefährlicher Angriffe der Gäste, die immer wieder nur
vom Jenaer Schlussmann aufgehalten werden konnten. Auch in der Folge überforderte
der Mann von den niederländischen Antillen, der nun bereits vier Tore
in drei Spielen erzielt hat, seinen Gegenspieler Lell immer wieder mit seiner
Schnelligkeit. Zehn Minuten nach dem 2:0 wurde die Sprintstärke dem Münchner
endgültig zum Verhängnis, als ihn Orlando einmal mehr
regelrecht überlaufen konnte und von Lell nur noch per Foul zu stoppen
war. Da Lell zu diesem Zeitpunkt letzter Mann war und Smeekes freie Bahn aufs
Tor gehabt hätte, war die Entscheidung des unauffälligen
Schiedsrichters Gorniak durchaus nachvollziehbar - Rote Karte wegen Notbremse
und Freistoß für den FCC, denn der Bremer Unparteiische
hatte das Foul außerhalb des Strafraums gesehen. Auch wenn der
Freistoß und die folgenden Minuten vor der Halbzeit nichts
einbrachten, so hatte sich der FCC doch eine hervorragende Ausgangslage für
den zweiten Durchgang geschaffen. Doch trotz der Zwei-Tore-Führung und
der Jenaer Überzahl erwarteten viele eine spannende zweite Hälfte,
in der den Bayern im Falle eines schnellen Anschlusstreffers durchaus noch
Chancen eingeräumt wurden.
Derartige Sorgen und Ängste lösten sich
aber schon kurz nach dem Wiederanpfiff auf, denn die 8346 Zuschauer im Ernst
Abbe Sportfeld sahen einen FC Carl Zeiss Jena, der weiterhin mit voller
Konzentration zu Werke ging. Das aus der Führung und dem Spielverlauf
resultierende Selbstvertrauen sorgte außerdem dafür, dass
Flanken und Pässe scheinbar präziser ankamen und
leichtfertiger von der Hand gingen als in anderen Spielen. Nur drei Minuten
nach Wiederanpfiff war es dann auch schon so weit, dass auch die letzten
Zweifler vom Optimismus übermannt wurden, denn nach einer präzisen
Flanke des starken René Eckardt auf den Kopf von Salvatore Amirante dürfte
die Halbzeitansprache von Gästetrainer Mehmet Scholl bereits hinfällig
gewesen sein. Der Italiener stieg als einziger im Strafraum hoch zum Kopfball,
begleitet nur von den ungläubigen Blicken seines Gegenspielers. Der
musste mit ansehen, wie der wuchtige Kopfball unhaltbar für Kraft im
Netz landete und das Spiel faktisch entschieden war. Anders als nach dem 1:0
war nun auch ein gewisser Schockzustand bei den Bayern zu erkennen, die mit
einer derart druckvollen Offensive seitens der Jenaer offenbar nicht gerechnet
hatten. Nach einer guten Chance für den unauffälligen, aber
ebenfalls überzeugenden Truckenbrod in der 59. Minute war es nach
knapp über einer Stunde erneut Amirante, der einen Eckball von Nagy
per Kopf über die Linie bugsierte. Wieder fühlte sich keiner
der Bayern so richtig zuständig, erneut war gegen den starken Kopfball
aus kurzer Distanz nichts zu machen - 4:0 für den FC Carl Zeiss Jena!
Schon jetzt fragten sich einige, wann sie derartiges zuletzt erlebt hatten,
nicht ahnend, was die folgenden Minuten noch bringen würden. Der FCC
hatte nämlich noch lange nicht genug und spielte weiter attraktiven
Offensivfußball. Nur zwei Minuten später hatte sich Smeekes
auf links einmal mehr aller Gegenspieler entledigt und spielte dann einen
perfekten Pass in den Lauf des Doppeltorschützen Amirante, der den
Ball aus fünf Metern nur noch über die Linie schieben musste
und damit das 5:0 sowie seinen Hattrick vollendete! Nach 68 Spielminuten gönnt
Jena-Trainer René van Eck dem neuen Publikumsliebling und Torschützen
des Monats Orlando Smeekes nach einer weiteren starken Partie seinen verdienten
Applaus. Von stehenden Ovationen begleitet verlässt der Shooting-Star
den Platz, für ihn kommt Sebastian Hähnge. Der Eingewechselte
fügt sich sofort gut in das Spiel der Blau-Gelb-Weißen ein
und hat nur Minuten nach seiner Einwechslung das 6:0 auf dem Fuß, als
ihm Truckenbrod den Ball überlegt in den Lauf lupft. In dieser
Situation konnte sich allerdings zunächst der Münchner Torhüter
Kraft auszeichnen, als er den scharfen Schuss Hähnges pariert. Doch
das sollte am heutigen Tag nicht ausreichen, denn Hähnge setzt nach,
holt sich den Abpraller und flankt den Ball erneut butterweich auf den langen
Pfosten. Dort wartet, wie könnte es anders sein, Salvatore Amirante
und hat erneut keine Mühe, den Ball im Tor unterzubringen - 6:0 nach
76 Spielminuten, vier Tore von Amirante innerhalb von nicht einmal einer halben
Stunde, ungläubiges Staunen mischt sich in den unbändigen
Jubel im weiten Rund des Ernst Abbe Sportfelds.
Das halbe Dutzend war voll und die Jenaer Spieler ließen
es dabei bewenden, die folgenden fünfzehn Minuten waren mehr Schaulaufen
als ernsthafter Fußball und die Bayern hatten sich längst
mit der demütigenden Realität abgefunden. Gegenwehr wäre
bei diesem Spielstand ohnehin zwecklos gewesen und so konnten die leidgeprüften
Anhänger des FCC endlich mal wieder eine Schlussviertelstunde ohne
Angst vor späten Gegentoren oder in der Hoffnung auf ein dringend benötigtes
Jenaer Tor verbringen, stattdessen wurde der in dieser Form von niemandem
erwartete Sieg ausgiebig gefeiert. Neben dem Ergebnis gefiel vor allem die
Tatsache, dass neben dem beinahe unheimlich schnellen Orlando Smeekes auch die
beiden Außen Sievers und Nagy überzeugen konnten und Jena über
weite Strecken des Spiels sehr sehenswerten und dynamischen Offensivfußball
zeigte. Auch in Anbetracht eines bestimmten Ergebnisses vom Samstag bildete das
6:0 den perfekten Abschluss eines paradiesischen Wochenendes, das so schnell
keiner der anwesenden Jena-Fans wieder vergessen wird. Nun muss der neue
Spitzenreiter der Dritten Liga in Aue nachlegen bevor am kommenden Wochenende
ein ganz spezieller Gast im Ernst Abbe Sportfeld erwartet wird. Sollten Orlando
Smeekes & Co. auch dann wieder einen ähnlichen Auftritt wie in den
bisherigen Saisonspielen hinlegen, dürfte der Jubel selbst die
heutigen Freudenschreie noch einmal deutlich übertönen. Bis
es so weit sein kann, liegen aber noch zwei mal 90 Minuten vor der Mannschaft
von René van Eck - zumindest das nötige Selbstvertrauen für
die erfolgreiche Gestaltung der beiden Ostderbys sollte spätestens
nach dem heutigen Spiel vorhanden sein. <bh>
SV Sandhausen - FC Carl Zeiss Jena 2:2
Tore: 1:0 Schuon (9.), 1:1 Smeekes (19.), 1:2 Riemer (32.), 2:2 Pinto (90., FE)
- Sandhausen: Gurski; Bindnagel, Schuon, Eberlein, Mintzel; Pinto,
Hillenbrand, Jungwirth (66. Fischer), Schauerte (77. Hosiner); Ristic (23.
Öztürk, Dorn
- Jena: Nulle; Sträßer, Lanzaat, Riemer, R. Schmidt;
Sievers (60. Hähnge), Truckenbrod, Ziegner, Nagy; Smeekes (88.
Petersen), Amirante (81. Benyamina)
- Zuschauer: 3150
- Schiedsrichter: Kempter (Sauldorf)
- Spielbericht
- Gleiches
Ergebnis - unterschiedliche Gefühle. Wo vor zwei Monaten 3.500 verzückte
Zeissfans ob des Klassenerhalts den Sandhäuser Rasen stürmten, herrschte
diesmal betretenes Schweigen unter beachtlichen gut 500 mitgereisten
Blau-gelb-weißen. Die meisten unter ihnen wären vor dem Spiel wohl mit einem
Zähler zufrieden gewesen, doch nach diesem Spielverlauf musste man einfach
hadern. Mit einer späten und nicht nachvollziehbaren Spielentscheidung durch
Referee Kempter, und mit dem Auslassen unzähliger
Möglichkeiten zur Vorentscheidung durch die eigene Elf.
Dass
dieses Spiel ein ganz intensives werden sollte, deutete sich schon nach wenigen
Minuten an. Riemers und Smeekes' gefährlichen
Toraktionen folgte auf der Gegenseite nach 8 Minuten die Führung der Gastgeber.
Ralf Schmidt hatte einen unnötigen Eckball verursacht - nicht der einzige
Fehler des sich nach dem Wechsel steigernden Studenten in den ersten 45 Minuten
- und Sandhausens bulliger Neuzugang Schuon köpfte
das Leder kompromisslos wuchtig zur frühen Führung ins Netz. Und die Gastgeber
drängten weiter mit schön anzusehendem Kombinationsfußball, waren durch das nur
schwer zu bändigende bundesligaerfahrene Sturmduo Ristic/Dorn stets
kreuzgefährlich. Doch anders als im Mai behielt Jena die Ordnung und schlug
zurück. Sträßer und Sievers kämpften im Duett
Mintzel den Ball im eigenen Strafraum ab,
Sträßers weiter gefühlvoller Ball erreichte zur
Überraschung von Sandhausens Hintermannschaft Orlando Smeekes,
der dem verdutzten Gurski das Leder in die Maschen
servierte (19.). 1:1! Und Jena machte weiter. Nur zwei Minuten später die
nächste Riesenchance für den Holländer nach tollem Diagonalpass von Sievers,
doch der Hammer zischt knapp am Tor vorbei. Eine Minute drauf hatte Nagy dann
die Führung auf dem Fuß, als er eine schöne Kombination zu harmlos abschloss.
Jena war im Spiel, und bald begann auch der Tag des Marco Riemer freundlichere
Züge anzunehmen. Zunächst erlöste ihn die verletzungsbedingte Auswechslung
Ristics von diesem unangenehmen, einen Kopf größeren Gegenspieler. Dann durfte
sich der Apoldaer sogar in die Torschützenliste
eintragen, als er nach Amirantes artistischer
Fallrückziehervorlage aus Nahdistanz zur verdienten Führung nach 33 Minuten
abstaubte.
Von
Sandhausen kam bis zum Wechsel nichts mehr, und dennoch hatten 3.500 Zuschauer
ein packendes und völlig offen geführtes Spiel gesehen. Glaubten sie zumindest,
denn nach dem Pausentee ging es erst richtig los. Bindnagel eröffnete das
Offensivfestival mit einem Knallbonbon knapp am rechten Pfosten vorbei (48.).
Smeekes antwortete mit Zuckerpass auf Sievers, der sich
völlig freistehend vor Gurski den Ball etwas zu weit
vorlegte (49.). Minuten später zwei dicke Patzer von Riemer, die die Gastgeber
nicht zu nutzen verstehen. Jungwirth zieht nach 56 Minuten ab und zwingt Nulle
zu einer Glanzparade. Dann kommt Nagy über die rechte Seite, doch seine
Hereingabe auf den blank stehenden Amirante misslingt (59.). Es war eine der
wenigen Offensivaktionen Nagys, der sich nach vorn wenig zutraute. Ausgewechselt
wurde nach einer Stunde aber sein Flügel-Gegenüber Sievers, bei dem sich
gelungene Offensivakzente mit schlampigem Defensivverhalten abwechselten.
Sebastian Hähnge kam ins Spiel und legte Sekunden
später gleich gekonnt per Kopf auf Amirante auf, Gurski
klärt. Wiederum Sekunden später umkurvt Hähne den Sandhäuser Keeper, ist
eigentlich schon vorbei und der Ball gefühlt auf dem Weg ins Tor, doch
irgendwie kommt Gurski doch noch einmal ans Leder
(61.). Eine Minute darauf darf Smeekes die nächste
hundertprozentige Torchance versieben, allein rechts vor dem Kasten entscheidet
er sich gegen den Pass auf den mitlaufenden Amirante und für den Flachschuss,
den Gurski mit Fußbabwehr
pariert. Wahnsinn! Quasi im Gegenzug rettet Lanzaat
vor dem einschussbereiten Pinto (62.). 63. Minute, ein Schuss Sandhausens aus
dem Hinterhalt wird unfreiwillig von Hillenbrand abgefälscht und trudelt an den
Pfosten! Vier Minuten später dann wieder dann wieder Bindnagel mit
Volleyschuss, Nulle pariert.
Sandhausen ging nun noch mehr auf Risiko und
drückte die Thüringer, bei denen die ordnende Hand im Mittelfeld vermisst
wurde, mehr und mehr in die eigene Hälfte, in der sich Carsten
Sträßer mit einer tadellosen Leistung Bestnoten verdiente.
Einen Entlastungsangriff über die rechte Seite kann der bisweilen selbst
auffällig fallsüchtige Mintzel nur mittels einer
Mischung aus grobem und taktischem Foul an Smeekes an
der Torauslinie verhindern, ohne dafür den Karton zu sehen. In
Ziegners frechen Freistoß spritzt Amirante, und als der Ball
hinter dem Keeper die Torlinie entlang zischt, ist wieder einmal
Haareraufen im Gästeblock angesagt. Mehr noch als
Smeekes nach 80 Minuten die nächste Hundertprozentige
vergibt, allein vor Gurski diesen nicht überwinden
kann. So kam das, was kommen musste. Sandhausen verlegte sich auf das
Erarbeiten von Freistößen, von deren Berechtigung nur wenige im Gästeblock
überzeugt waren, und so stand Carsten Nulle mehr und mehr im Mittelpunkt,
rettete mehrmals großartig. Machtlos war er jedoch, als Robert
Kempter - wie Sandhausen in Baden-Württemberg beheimatet -
in der Schlussminute auf den Elfmeterpunkt zeigte, ein Foulspiel Riemers an
Dorn gesehen haben wollte. Roberto Pinto ließ sich das späte Geschenk nicht
entgehen und schickte die Zuschauer mit dem gleichen Ergebnis nach Hause wie
vor zwei Monaten.
Diesmal bleibt für den FCC zu konstatieren, zwei Zähler
verschenkt zu haben, und das in erster Linie wegen der sträflich ausgelassenen
Großchancen im zweiten Abschnitt. Auf der Leistung der Mannschaft aber darf aufgebaut
werden, und diesen positiven Eindruck nahm Jenas Anhang mit auf die 400
Kilometer lange Heimreise. <gunner>
FC Carl Zeiss Jena - SV Wehen Wiesbaden 2:1
Tore: 1:0 Smeekes (50.), 2:0 Smeekes (56.), 2:1 Bohl (74.)
- Jena: Nulle; Sträßer, Lanzaat, Riemer, R. Schmidt;
Sievers, Ziegner, Truckenbrod, Nagy (87. Petersen); Smeekes (90.+1
Eckardt), Amirante
- Wehen: Birkenbach; Hollmann, Barg, Glibo, Weigelt; Bohl, Reinert
(61. Ziegenbein), Hübner, Öztürk (72. Landeka); Boskovic,
Stroh-Engel (58. Ziemer)
- Zuschauer: 7713
- Schiedsrichter: Dr. Brych (München)
- Spielbericht
- Gemeinhin gilt es als Vorteil, gegen Absteiger aus der 2.
Bundesliga gleich am Anfang einer Saison antreten zu dürfen. Deren
personelle Fluktuation ist meist recht hoch, der neuformierte Kader muss sich
erst einspielen. Im Gegensatz zu den beiden anderen Absteigern blieb dem SV
Wehen aber die große Abgangswelle erspart. Und so versprach der 1.
Spieltag gleich eine Standortbestimmung für den FC Carl Zeiss zu
werden.
Erstmals seit 2003 durfte die Punktspielsaison mal wieder
mit einem Heimspiel eingeläutet werden. Wenn dabei trotz Aprilwetters
7713 Zuschauer ins Ernst-Abbe-Sportfeld kommen, zeugt das ungeachtet der
miserablen letzten Saison von einer deutlichen Erwartungshaltung. Sebastian Hähnge
saß mit auf der Tribüne. Schon einen Tag vor dem Match hatte seine linke
Wade zu zwicken begonnen, am Spieltag selbst war dann nicht einmal mehr ein
Kurzeinsatz möglich. Sollte es deshalb ein schnelles Revival der
Ein-Stürmer-Taktik von René van Eck geben ? Nein, denn der Rückkehrer
auf den Trainerstuhl beorderte Orlando Smeekes auf die zweite Angriffsposition.
Da Jan-André Sievers in die Startelf nachrückte, war diese mit allen fünf
Neuzugängen besetzt.
Verteiltes Spiel zu Beginn. Ein Kopfball im Anschluss an
Wehens zweite Ecke wurde am kurzen Pfosten abgefangen, den Spurt von Reinert in
den Strafraum stoppte Sträßer. Auf der anderen Seite war es
Salvatore Amirante, der mit einem Kopfball aus sechs Metern Birkenbach prüfte
und mit einem 19-Meter-Flachschuss knapp verzog.
All das waren Szenen aus den ersten 20 Minuten, danach
dominierten die Abwehrreihen und weitere nennenswerte Aktionen vor der Pause
blieben rar. Einzig Timo Nagy aus guter Schussposition in zwanzig Metern
Torentfernung forderte nach 35 Minuten noch einmal den Beifall heraus. So sehr
man sich über die stabile Viererkette mit dem neuen Abwehrchef Lanzaat
und dem wie ausgewechselt wirkenden Sträßer freuen durfte -
beim Offensivspiel blieb zunächst noch viel Luft nach oben.
Van Eck hatte seiner Mannschaft in der Kabine mehr Risiko
verordnet und diese setzte das gleich mit Wiederanpfiff um. Bälle, die
während der ersten 45 Minuten noch als Querpass gespielt worden waren,
flogen nun steil ins Angriffszentrum. Es war Salvatore Amirante, der von der
Mittellinie aus seinen Sturmpartner Orlando Smeekes mit einem Diagonalpass auf
die Reise schickte. Diese Reise führte um einen Gegenspieler herum,
zwischen zwei Verteidigern hindurch direkt zu Torhüter Birkenbach, an
dem vorbei Smeekes das Leder ins lange Eck schob. 1:0 - Zeit für den
ersten Torjubel der neuen Saison mit einem Flickflack, wie man ihn im
Ernst-Abbe-Sportfeld so wohl noch nie gesehen hat. Miroslav Kloses berühmte
Überschläge in der Nationalmannschaft wirken geradezu
armselig gegen jene eines Orlando
Smeekes beim FC Carl Zeiss Jena ! Auch wenn dessen artistische Brillanz nicht
von ungefähr kommt, war er in seiner Jugend doch dreimal holländischer
Meister im Turn-Mehrkampf, bevor er sich für die fußballerische
Laufbahn entschied. Eine gute Entscheidung, wie uns nur sechs Minuten später
ein weiteres Mal klar werden sollte. Da trat Smeekes in 35 Metern Torentfernung
zum Freistoß an. Für eine direkte Ausführung noch
viel zu weit vom Kasten entfernt, dachten die meisten. Doch der Nationalspieler der
niederländischen Antillen schoss direkt durch die Drei-Mann-Mauer der
Wehener hindurch ins linke untere Eck. Welch ein (P)fund !
Während wir Beobachter noch ganz fasziniert waren
von den gleichsam schönen und doch auf so unterschiedliche Weise
zustande gekommenen Treffern unseres Orlando, setzten die Gäste mit
dem Mute der Verzweiflung zur Aufholjagd an. Diese hatten sie in der
Vorbereitung bereits gegen Koblenz und Saarbrücken mit Erfolg
praktiziert. Boskovic mit Schuss ans Außennetz sowie die frisch
eingewechselten Ziemer und Ziegenbein zeigten an, dass dieses Mahl mit
den zwei Toren noch lange nicht gegessen war. Und tatsächlich, in der
74. Spielminute traf Bohl unhaltbar per Kopf zum Anschlusstreffer. Eine
Viertelstunde war danach noch zu spielen. 15 Minuten, die besonders der aus
Kaiserlautern gekommene Marcel Ziemer mit mehreren Chancen zur Zitterpartie für
alle Blau-Gelb-Weißen werden ließ. Bei Ziemers
Aufsetzerkopfball sechs Minuten vor Schluss rührte selbst Geburtskind
Carsten Nulle (Glückwunsch zum 34. !) keinen Finger mehr - doch das
Leder klatschte nur an die Werbebande hinter dem Tor. In der 89. kam Nulle an
einen Eckball nicht heran, dafür stand Sträßer
goldrichtig und konnte an der Torraumgrenze per Kopf klären. Mit
tollen Einzelaktionen hatte einer aus der Mannschaft den Vorsprung heraus geschossen
- alle elf zusammen sorgten nun dafür, dass aus ihm drei Punkte wurden.
Auch wenn in der letzten halben Stunde das Geschehen etwas
aus der Hand gegeben worden war - mit dem Sieg gegen Wehen hat die neue Jenaer
Mannschaft schon mal einen ersten Fingerzeig erhalten, dass auch gegen
Staffelfavoriten etwas gehen kann. Orlando Smeekes, der in seiner Freizeit auch
noch Thai-Boxen betreibt, will übrigens trotz seiner Erfolgserlebnisse
im Sturm so schnell wie möglich auf die Außenbahn zurück.
Nur da kann er seine Sprintschnelligkeit mit (wie man hört) 11,3
Sekunden über 100 Meter und die Stärken im eins gegen eins
voll zur Geltung bringen. Scheint so, als könnten wir uns auf die
Saison mit ihm freuen. <fc>
Fotos von Jens Weißenburger
Spielbericht auf svwehen-wiesbaden.de
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Man stelle sich vor, daß Editorial des Jenaer "Anpfiff"-Heftes würde am 38. Spieltag mit dem Satz beginnen: Mit dem VfB stellt sich zum 16. und letzten Mal in dieser Saison ein Westklub im EAS vor. Klingt albern und wäre es auch. Die Macher der "Schanzer News" hielten derart absurdes Kategorisieren jedoch für angebracht und begrüßten daher mit dem FCC "zum letzten Mal in dieser Saison einen Ostklub in Ingolstadt". Aber man hätte ja gewarnt sein müssen, denn sollte jemals das peinlichste Titelbild eines Stadionheftes gewählt werden, so wäre der gestrigen Ausgabe der FCI-Postille Platz 1 unangefochten sicher. Wundern würde dies sicher nicht, verfügt der FCI doch zusätzlich über einen jener Stadionsprecher, die ihren Job mit dem eines mittelmäßigen Animateurs auf einer provinziellen Dorfkirmes verwechseln. Ich bin ja sonst kein großer Freund von Stadionverboten, aber in dem Fall...
Mit solchen Ärgerlichkeiten
konnte man sich allerdings nicht lange aufhalten, denn die nächste
ereignete sich schon eine halbe Minute nach Anpfiff. Direkt vorm Block der ca.
1200 FCC-Fans einigten sich Nagy und Lanzaat darauf, die Abseitsvariante zu
probieren, statt die Attacke zu suchen und bescherten damit Wuttke in der Mitte
ein nicht lösbares Problem. Drei Rote tauchten somit frei vor Nulle
auf und Wohlfahrt hatte keine Mühe beim 1:0, auch wenn etliche
FCC-Fans meinten, zumindest der Paß auf den Torschützen
entspräche dem Abseitstatbestand. Die Jenaer schüttelten sich
kurz und waren fortan bemüht, das Spiel unter Kontrolle zu bekommen,
diesmal wieder ohne Sievers (dafür Lanzaat)und mit Holwijn für
den gesperrten Hähnge. Die ersten beiden langen Pässe auf
Orlando konnten die Hausherren noch ungestraft foulend bzw. haltend verhindern,
was beim 3. allerdings schon nicht mehr gelang. (9.) Dafür hatte Jenas
Sturmpfeil etwas zu viel Schwung, versuchte sich an Sejna festzuhalten und sank
gemeinsam mit diesem völlig harmlos zu Boden. Sejna ist ja so etwas,
wie der Prototyp des torhütenden Mittelmaßes. Der taucht
immer mal irgendwo wieder auf, ohne daß ihn jemand bemerkt oder
anderswo vermißt. Logisch, daß der eine solche
Harmlosigkeit nutzt, um sich aufzuplustern wie ein lüsterner Pfau.
Nach gut einer Viertelstunde hatte der FCC sein Ziel, das Spiel zu beruhigen
und es zu kontrollieren, erreicht. Die Ingolstädter begannen, sich
aufs Kontern zu verlegen. Die offensiveren Akzente setzte der FCC, z. B. über
Gardawski in der 14., Orlando in der 16. und erneut Gardawski in der 20.
Minute. Ja, die Unseren wehrten sich gegen diesen unnötigen Rückstand,
den entscheidenden Erfolg verhinderten aber kleine Konzentrationsmängel
in den finalen Aktionen. Vielleicht würden ja Freistöße
helfen? Einen trat Nagy (zuvor Foul an Ralf Schmidt) von halbrechts, die Aktion
endete jedoch mit einem Abseitspfiff. Nach Foul an Orlando im linken Halbfeld,
zirkelte Gardawski den nächsten aus 30 Metern auf die lange Ecke, wo
Sejna allerdings faustend klären konnte. (23., 28.) Schon rollte der nächste
FCC-Angriff über rechts, doch Orlando mag sich nicht so recht zwischen
Schuß und Hereingabe zu entscheiden, wodurch der Ball am langen
Pfosten ins Aus geht. Nach knapp einer halben Stunde muß dann auch
Nulle mal wieder beweisen, was für ein famoser Torwächter er
ist und nach FCI-Freistoß und Schmidt-Fehler gelingt dieser Beweis
eindrucksvoll.
Dennoch, zu dieser Zeit verfügte
der FCC eindeutig über mehr Spielanteile, was vor allem einem offensiv
eindrucksvoll agierenden Schmidt zu verdanken war, ebenso einem starken Nagy
und einem emsigen Gardawski. Holwijns Spiel wirkte dagegen war zwar bemüht
aber etwas fahrig und unkonzentriert und Benyamina blieb unauffällig
(sieht man mal von seinen neuen Schuhen ab). In den Minuten 33 und 34 durfte
man sich dann darüber wundern, daß zwei grobe Fouls an
Wuttke und Benyamina kartenlos blieben. Letzteren schien das allerdings
anzustacheln, denn gleich darauf zog er von links außen nach innen,
setzte seinen 18-Meter-Schuß allerdings neben das Tor. (37.) Bis zur
Pause dominierte weiter der FCC, erst mit einem schönen Wuttke-Solo über
rechts und dann mit einem Gardawski-Freistoß von halblinks, den Sejna
nur mühevoll zu Ecke bugsieren kann. Letzter Aufreger in HZ 1 war
dann das brutale (natürlich nicht mit Gelb geahndete) Foul an RS, als
dieser nach einem FCI-Freistoß einen Jenaer Konter einleitete. (41.)
Nach dem Pausenpfiff wußte man eigentlich nicht so recht, was man
unseren Jungs (außer der mißratenen
Aktion nach 20 Sekunden) trotz des Rückstandes vorwerfen sollte. Sie
hatten das Spiel unter Kontrolle, führten die Mehrzahl der Angriffe
und hatten sich in etwa doppelt soviel bewegt wie ihre Gegenspieler. Immer und
immer wieder spielten sie aus einem starken Mittelfeld couragiert nach vorn, wo
sie dann allerdings leider die notwendige Präzision vermissen ließen.
Während wir also den deutlich höheren spielerischen und läuferischen
Aufwand betrieben, hatten sich die Gastgeber auf frühzeitiges Abwarten
-allerdings nicht ungefährlich- verlegt.
Nach einem gruseligen
Pausenspektakel glich der Wiederanpfiff einer Erlösung und Ralf
Schmidt setzte mit seinem 20-Meter-Schuß von halblinks das erste
Achtungszeichen. (46.) Kurz darauf parierte Nulle nach einem bereits
abgewehrten Ingolstädter Freistoß erneut prächtig.
(49.) Dann wieder 2 Gardawski-Aktionen über rechts. Sein erster Schuß
(nach Orlando-Zuspiel per Kopf) wurde jedoch abgeblockt (51.) Dann kommt der
Ball auf direktem Wege über Benyamina und Holwijn erneut zu Gardawski
und der zieht, halbrechts im Strafraum stehend, direkt per Außenrisst
ab. Leider etwas zu schwach und so ist Sejna noch rechtzeitig unten. (52.) Beim
anschließenden FCI-Angriff über links unternimmt dann Nulle
einen Osterausflug raus aus dem Strafraum, letztendlich erfolgreich. Nach knapp
einer Stunde ahndet der Gelbe Mann dann Holwijns Körpereinsatz mit
einem Freistoß, 35 bis 40 Meter vor Nulles Kasten. Dieser Freistoß
findet dann direkt seinen Weg in Richtung Nulle, der nur nach vorne abwehren
kann. Dort kommt Lanzaat einen Schritt zu spät gegen Wohlfahrt und
ebenso unerwartet wie unverdient steht es plötzlich 2:0.
Im Normalfall scheint ein
solches Match gelaufen. Aber was ist beim FCC schon der Normalfall? Mindestens
4 gute Gründe sprachen dafür, daß die RvE-Elf zurückkommen
würde: Erstens steht da seit einigen Wochen eine Mannschaft auf dem
Platz, die sich spielerisch und taktisch enorm weiterentwickelt hat. Zweitens
handelt es sich inzwischen wieder um ein echtes Team, das an sich und seine Fähigkeiten
glaubt. Drittens gehört zu diesem Team neuerdings ein Michael
Gardawski und mit diesem unbekümmerten Typen auf der rechten Seite hat
der FCC noch kein Spiel verloren, warum dann gerade in Ingolstadt? (Schade, daß
Gardawski nicht schon gegen Sandhausen wirbelte!) Und Viertens hat der FCC
einen Orlando Smeekes, also jene launenhafte Diva, die noch vor einiger Zeit
desorientiert durchs Paradies irrlichtete. Inzwischen scheint klar, daß
van Eck wohl genau jene Ansprache gefunden hat, die dieser extrovertierte Typ
versteht. Diesen Orlando kannst du pro Spiel zigfach wegen verlorener Zweikämpfe,
unterlassener Flanken, aussichtsloser Dribblings oder versprungener Bälle
verfluchen, aber mit seiner aufdringlichen Präsenz entnervt er
irgendwann jeden Gegenspieler. Und neuerdings macht er aus genau diesen ein,
zwei Szenen pro Spiel seine Buden. Was will man mehr?
Teil Eins der Orlando-Show
leitete Gardawski ein. Er reagiert nach einem Freistoßpfiff blitzschnell
und schlägt den Ball weit und präzise nach halblinks. Als
Keidel den Ball auf sich zukommen sieht und Orlandos Atem spürt,
werden ihm sofort die Knie weich und das sein Rückkopfball daneben
gehen würde, war absehbar. Diebisch grinsend erlief sich Jenas Stürmer
den Ball, düpierte den schwerfälligen Sejna und haspelte den
Ball ins Netz zum Anschlußtreffer. (67.) Jetzt beherrscht der FCC die
Hausherren und hat dennoch Glück, da er von einer umstrittenen
Abseitsentscheidung profitiert. (78.) Pech hat dann Wuttke, als er zunächst
auf der rechten Seite einen wunderbaren Doppelpaß mit Gardawski
spielt, sein Laufduell mit einem Ingolstädter aber fälschlicherweise
abgepfiffen wird. Was soll's, es gab ja noch Teil 2 der Orlando-Show. Zunächst
wurde Holwijn 20 Meter vor dem Tor in zentraler Position umgerissen,
folgerichtig Freistoß. Orlando läuft an. Gardawski blockt in
der Abwehrmauer eine Lücke frei. Orlando schießt, der Ball
findet den von Gardawski geebneten Weg und Sejna kann mit seinem Alibi-Flug
auch nichts mehr ausrichten - TOOOR! 2:2 (84.) Völlig verdienter
Ausgleich!
Seinen gerechten Ausgang hätte
das Spiel dann in Minute 89 finden können, als Ralf Schmidt ein feines
Zuspiel ebenso elegant mit der Brust annimmt und vom rechten Fünfmeterraumeck
volley abzieht - leider mit etwas zu viel Rücklage. Seinen ungerechten
Ausgang hätte das Spiel dann in Minute 90 finden können, wenn
Nulle nicht sensationell den letzten Ingolstädter Kopfball abgewehrt hätte.
Was mit dieser Truppe und deren Moral tatsächlich noch zu erreichen ist - wer weiß das schon? Für Überraschungen ist der FCC ja immer gut - auch nach Ostern! Gute Gründe dafür gibt es genügend... <jk>
- Jena: Nulle; Sievers, Wuttke, Lukimya, Nagy; Benyamina (53. Holwijn),
Truckenbrod (88. Ziegner), Schmidt, Gardawski (69. Amrhein); Smeekes,
Hähnge (
, 88.)
- Offenbach: Wulnikowski; Huber; Schutzbach, Heitmeier, Kopilas; Zinnow, Pospischil (63. Ulm), Pfingsten-Reddig, Fröhlich (46. Moosmayer); Mesic, Hesse
- Zuschauer: 9431
- Schiedsrichter: Dittrich (Bremen)
- Spielbericht
- Offenbach: Wulnikowski; Huber; Schutzbach, Heitmeier, Kopilas; Zinnow, Pospischil (63. Ulm), Pfingsten-Reddig, Fröhlich (46. Moosmayer); Mesic, Hesse
-
Fünf Spiele - Fünf Siege. Wann hatte es zuletzt diese beindruckende Serie gegeben? Da müssen wir schon
in der Chronik bis ins Jahr 2006 zurückschauen. Damals schafften die Kicker des FCC sogar sechs Siege in Folge
und stiegen am Ende der Saison verdient in die 2.Bundesliga auf. Ob es den Mannen um René van Eck noch einmal
gelingen sollte, so eine Serie hinzulegen? Der sechste Sieg in Folge ist gegen die heutigen Gäste aus Offenbach
allemal möglich, zumal sich die Hessen gerade in einer kleinen Krise befinden. Aber meist sind gerade immer diese Spiele die schwierigsten.
Der FCC begann auch von Beginn an druckvoll, aber die Gäste hielten voll dagegen. Es dauerte bis zur achten Minute, bis Gardawski mit einem Schuss aus 22m für die erste Jenaer Aktion sorgte. Aber fortan warteten beide Teams mit schönem Kombinationsfußball im Mittelfeld auf, ohne jedoch für Torchancen zu sorgen. Ein Freistoß von Orlando (13.) landete in den Beinen der Abwehr, Hähnge schaltete am schnellsten und bediente Lukyima, der allerdings nicht zum Torschuss kommt. Nach 19 Minuten glänzte Gardawski mit einer herrlichen Hackenablage genau in den Lauf von Truckenbrod, doch dessen Schuss konnte Wulnikowski parieren. Kurz darauf ließ Orlando mit zwei guten Aktionen (21./24.) sein Können aufblitzen, doch leider stand ihm bei diesen Aktionen das Glück nicht zur Seite. Nach 24 Minuten dann die erste Möglichkeit für die Hessen durch den Ex-Jenaer Christian Fröhlich, aber sein Schuss ging um einiges über das Tor. Der FCC erhöhte nun kontinuierlich den Druck und erspielte sich Chance um Chance. Zunächst war es erneut Orlando, der mit seinem Schuss aufs kurze Eck in Wulnikowski seinen Meister fand. Wenig später eine schöne Ballstafette zwischen dem überragenden Gardawaski und Schmidt, doch leider verfehlte letzterer mit seinem Schuss das Tor. Vier Minuten vor der Pause die schönste Aktion der Jenaer in Halbzeit eins: Orlando passte nach einem Sturmlauf von rechts flach in den Lauf von Truckenbrod, der sofort scharf und platziert aufs untere Toreck abzog, doch der Gästekeeper war erneut zu Stelle und konnte mit einer super Parade den Rückstand gerade noch verhindern.
Auch nach der Pause machten die Platzherren weiter Druck und kamen schon in der 48.Minute zur nächsten guten Tormöglichkeit, aber Schmidt hatte heute wirklich nicht das richtige Zielwasser getrunken und sein Schuss verfehlte erneut das Tor. In der 54.Minute hatten die meisten Zuschauer schon den Torschrei auf den Lippen, Wulnikowski war endlich einmal nicht an den Ball gekommen, doch Orlandos scharf geschossener Ball aus spitzem Winkel donnerte an den Pfosten. Erst nach gut einer Stunde erholten sich die Offenbacher von der Jenaer Offensive und kamen zum ersten Mal in Halbzeit Zwei gefährlich vor das Jenaer Gehäuse. Aber die beste Möglichkeit bot sich dem OFC in der 71. Minute, als Zinnow auf der rechten Seite bis zur Grundlinie durchstieß, aber zum Glück fand seine flache und scharfe Hereingabe keinen Abnehmer, so dass der Ball durch den Jenaer Strafraum zischte. Aber das war es dann auch schon von den Angriffbemühungen der Gäste, denn Orlando (80.) setzte erneut zu einem seiner vielen Sturmläufe an, aber auch mit seinem herrlich ansatzlosen Schuss konnte er am heutige Tage Wulnikowski nicht überwinden. Fünf Minuten vor Ultimo stockte dem Jenaer Anhang der Atem, als Hesse mutterseelenallein auf Nulle zustürmte. Doch zum Glück blieb der Jenaer Kapitän ganz cool und machte den Winkel spitz, so dass Hesse scheiterte.
Das Spiel war nun quasi gelaufen, doch dann kam es zum eigentlichen "Höhepunkt" der Partie. Holwijn war bis zur Grundlinie durchgestürmt, aber der Ball ging ins Aus. Wie von einer Tarantel gestochen kam Gästekeeper Wulnikowski aus seinem Tor und ging Holwijn an. Sofort kamen andere Spieler hinzu und es kam zu einer Rudelbildung, bei der der eine oder andere Spieler zu Boden ging. Schiedsrichter Dittrich, der mit dieser Aktion nun völlig überfordert schien, zeigte Holwijn und Wulnikowski die Gelbe Karte und zu allem Übel sah Sebastian Hähnge auch noch die Rote. Die Fans, Spieler und auch Verantwortlichen waren natürlich außer sich vor Wut, denn Wulnikowski hätte mindestens ebenso die Rote Karte sehen müssen. Stattdessen schickte der Schiri nun auch noch beide Trainer auf die Tribüne, was am Ende nun gar keiner mehr verstand. Die letzten Sekunden gingen vorbei und eine turbulente Partie war zu Ende.Die Offenbacher werden in ihrer Situation mit diesem Punkt sicherlich zufrieden sein, doch für die Jenaer war der sechste Sieg in Folge allemal drin. Allerdings hatten die Hessen mit Wulnikowski den spielentscheidenden Mann in ihren Reihen, der 88. Minuten überragend hielt, aber dann mit seiner sinnlosen Aktion für solche Unruhe sorgte, dass die Jenaer in den kommenden Spielen auf einen wichtigen Angreifer verzichten müssen, was am Ende am meisten schmerzt.<vg>
SV Werder Bremen II - FC Carl Zeiss Jena 1:2
Tore: 1:0 Artmann (42.), 1:1 Orlando (49.), 1:2 Holwijn (85.)
- Bremen: Wiedwald; Gerdes, Schmidt, Stallbaum, Perthel; Ronneburg,
Feldhahn, Kempe, Artmann (74. Enga); Thy, Furtacs (
, 90.)
- Jena: Nulle; Wuttke, Lukimya, Lanzaat, R. Schmidt; Gardawski
(86. Sievers), Kühne (27. Ziegner), Truckenbrod, Benyamina (79.
Holwijn); Orlando, Hähnge
- Zuschauer: 950
- Schiedsrichter: Beitinger (Regensburg)
- Spielbericht
- So in etwa muss der Unterschied auf einen
Championsleague-Teilnehmer wirken, der nach einem Gala-Auftritt vier Tage später
in den Bundesliga-Alltag zurückkehrt. Nach zwölfeinhalbtausend
Zuschauern am Mittwoch beim Thüringenderby musste der FCC auf einem Nebenplatz
des Weser-Stadions vor einer nicht mal vierstelligen Besucherzahl antreten. Die
Lightversion eines Drittligaspiels.
Da kann ein Trainer noch so oft betonen, dass genau wie in
Erfurt drei Punkte zu vergeben sind - die Einstellung, mit der solch ein Spiel
begonnen wird, ist eine ganz andere. Jeder Zeiss-Fan kann das an sich selbst
nachvollziehen und die Tatsache, dass nach den zurückliegenden
Erfolgswochen nur deren 300 den Weg nach Bremen fanden, belegt dies auch. Ein
gewisses Maß an Verständnis für den
offensichtlichen Druckabfall während der ersten 45 Minuten dürfen
unsere Kicker also für sich in Anspruch nehmen. Zumal in dieser
Halbzeit auch noch ein böiger Gegenwind ihren Spielaufbau massiv
erschwerte. So kam es, dass Gardawski mit einem Kopfball in der 4. Minute eine
erste Chance besaß - die folgende halbe Stunde aber keine einzige
mehr hinzu kam. Bremens lange Kerle besaßen im Mittelfeld die
Lufthoheit, taten sich in der Spielgestaltung jedoch schwer und wurden nur nach
Standards gefährlich oder wenn Jena im Vorwärtsgang
Abspielfehler unterliefen. Trieben uns Feldhahns Gelegenheiten noch nicht den
Angstschweiß auf die Stirn (sein von Nulle zur Ecke gelenkter
Flachschuss wäre ohnehin vorbei gegangen), war Perthels Geschoss aus
20 Metern und vollem Lauf schon von anderem Kaliber. Carsten Nulle lenkte es
mit toller Flugeinlage über die Latte (24.). Dessen Vorderleute
schienen noch immer nicht bei der Sache. Bei Einwürfen bietet sich
keiner an und selbst dem über alle Zweifel erhabenen Assani Lukimya
rollt als letzter Mann einmal der Ball durch die Beine.
Erst zehn Minuten vor
der Pause lassen sich auch die Jenaer mal wieder vor dem gegnerischen
Kasten sehen. Torsten Ziegner, für den verletzten Kühne frühzeitig
eingewechselt, nimmt eine Vorlage Wuttkes auf, rennt damit Richtung Eckfahne
und flankt scharf in die Mitte. Der heranpreschende Hähnge verfehlt
unter Bedrängnis das Leder knapp. Zwei Schüsse von Wuttke und
Truckenbrod noch, zaghaft wie kleine Knospen in der ersten Frühlingssonne
begann Jenas Offensivspiel aufzublühen. Die Werderaner erhöhten
derweil noch mal den Druck vor der Pause. Nach einem Eckball von der rechten
Seite konnten Nulle und ein Verteidiger noch mit vereinten Kräften klären.
In Minute 42 aber kam niemand mehr an den Ball, Artmanns Freistoß
rutschte direkt durch ins lange Eck. Bremen führte verdient mit 1:0,
da Jenas Vorstellung bis dahin einem Neujahrskater nach durchfeierter
Silvesternacht glich.
René van Eck schien in der Kabine die richtige Medizin
gefunden zu haben, denn seine Jungs kamen mit sichtbar veränderter
Einstellung aus der Pause. Schmidts Flanke nur vier Minuten nach Wiederanpfiff
verlängerte Lukimya mustergültig mit dem Hinterkopf. Über
Torhüter Wiedwald hinweg senkte sich das Leder an den Innenpfosten
und sprang dem Keeper direkt in die Arme. Ein Großteil der Zeiss-Fans
hatte diesen Ball schon drin gesehen, ihr Torjubel kam also verfrüht -
um exakt 10 Sekunden ! Denn während Wiedwald noch durchatmet, den Ball
nach vorn wirft auf der Suche nach einer freien Anspielstation, pirscht sich
Orlando in seinem Rücken an ihn heran. Jenas Stürmer hatte an
der Torauslinie noch mit fehlendem Fortune in der Szene davor gehadert, als er
plötzlich seine eigene Chance zu wittern beginnt. Listig mogelt er
sich um Bremens verdutzten Keeper herum und schießt das Leder ins
leere Tor. Der kuriose Ausgleich durch einen Orlando, dem in der ersten Hälfte
so ziemlich jede Aktion misslungen war und der damit als das personifizierte
Sinnbild zweier vollkommen unterschiedlicher Halbzeiten herhalten kann. Denn
von nun an wehte für Jena ein anderer Wind in diesem Spiel - und das
nicht nur meteorologisch gesehen ! Orlando hätte es zugunsten
der Blau-Gelb-Weißen allein entscheiden können. Den von Gardawski
adressierten, noch aufspringenden Ball bugsierte er über das
Lattenkreuz (51.), Benyaminas Vorlage schob er am langen Pfosten vorbei.
Zwischendurch scheiterte Hähnge aus 15 Metern am untröstlichen
Wiedwald und dann blieb auch Orlando nach Vorarbeit Truckenbrods am Bremer
Keeper hängen.
Jena will mehr als ein Unentschieden, doch allmählich
läuft die Zeit davon. Melvin Holwijn kommt neu ins Spiel, setzt ab der
Mittellinie zu einem unwiderstehlichen Solo an, lässt drei Bremer
stehen und zielt um Zentimeter am linken Pfosten vorbei. Noch fünf
Minuten. Ein hoher Ball in Werders Sechzehner wird nach links abgewehrt. Dort
steht wieder Holwijn, der mit Ball am Fuß ein paar Meter nach innen läuft,
abzieht - und trifft ! Spieler, Betreuer und Fans fallen sich in die Arme. 2:1,
diesen Vorsprung geben sie nicht mehr aus der Hand. An Tim Wuttke kommt auf
der rechten Seite nun niemand mehr vorbei, was den baumlangen Furtacs derart frustiert, dass
er sich hinter dem Rücken des Schiedsrichters zu einem angedeuteten
Kopfstoß hinreißen lässt. Der Assistent an der
Seitenlinie hatte es beobachtet und deshalb beendete die U23 das Spiel zu
zehnt.
Nachdem die für den Klassenerhalt erforderlichen 45
Punkte unter Dach und Fach gebracht sind, werden sich Trainer und Sportdirektor
schon mal auf Fragen nach neuen Zielen gefasst machen können. Wie immer
ihre Antwort ausfallen wird - einer Mannschaft, die solch ein Spiel wie das in
Bremen noch zieht, ist einiges zuzutrauen. Wir haben das vor Jahren schon einmal erlebt... <fc>
FC Rot-Weiß Erfurt - FC Carl Zeiss Jena 0:3
Tore: 0:1 Orlando (3.), 0:2 Hähnge (28.), 0:3 Benyamina (56.)
- Erfurt: Orlishausen; Handke (26. Stenzel), Pohl (58. Humbert),
Möckel, Ströhl (54. Pagenburg); Becker, Bölster, Rockenbach
da Silva, Hillebrand; Kammlott, Semmer
- Jena: Nulle; Sträßer (62. Wuttke), Lukimya, Lanzaat,
Nagy; Gardawski, Kühne, Truckenbrod, Benyamina; Orlando (89.
Osadchenko), Hähnge (76. Holwijn)
- Zuschauer: 12.435
- Schiedsrichter: Cortus (Nürnberg)
- Spielbericht
- In den Stadien der Republik versammeln sich jede Woche
allerlei seltsame Menschen. Gestern teilte wieder ein besonders ungewöhnliches
Geschöpf meine Nähe. Entweder hatte der Typ - nennen wir ihn der Einfachheit
halber mal Philipp - überhaupt keine Ahnung vom Fußball, was ich aber nicht
glaube. Er sah einfach nicht so aus, als würde er beim Wort Viererkette
ausschließlich an die nächste Raucherpause denken. Oder aber, Philipp hatte das
Spiel schon mal irgendwo gesehen und wußte, daß am Ende alles gut sein würde.
So, als ob sich Vati die x-te Wiederholung des 54er-Finales reinzieht, bereits
genüßlich darauf wartend, daß Rahn irgendwann schießen müßte und das auch
tatsächlich tut und sich - wie immer - das Wunder erfüllt. Bei solch
übersinnlicher Befähigung hätte mich Philipp aber sicher gewarnt, als ich mich
anschickte, mir die schlechteste Bratwurst der Fußballgeschichte zu kaufen.
Nein, so bösartig wirkte er eigentlich nicht... Die dritte, von mir inzwischen
favorisierte Möglichkeit, ist, daß Philipp an jenem Maiabend im letzten Jahr nicht da war. Er hat es einfach nicht gesehen. Ihm fehlte die
knallharte Erfahrung, wie eine Mannschaft die ohnehin verkorkste Saison in
nicht mal einer Viertelstunde gänzlich vor die Wand fahren kann. Ja, Philipp
war völlig ahnungslos! Das war es. Er freute sich am 1:0, ohne an die 87
folgenden Minuten zu denken, war nach dem 2:0 in Gedanken bereits beim Feiern
und schaute sich den Rest mit der emotionalen Besessenheit an, mit der man sich
in den 90ern einen Werbespot für Timotei-Shampoo
reingezogen hat. Nein, ohne Zweifel, er war nicht dagewesen im Mai. Und da ich
nun mal da war, war ich auch ein wenig neidisch auf Philipps naive
Bedenkenlosigkeit. Ich habe dazugelernt! Kein "Auswärtssieg!
Auswärtssieg!"-Gebrülle bei 2:0-Führung eine Viertelstunde vor Schluß, keine
verfrühten "Derbysieger"-Rufe. Nur ab und zu mal "Die Nummer 1 im Land sind
wir", aber das hatte ja auch nix mit dem Spiel gestern zu tun. Das ist
historisch gewachsen.
Dabei bekommt mein Mißtrauen gleich zu Beginn einen herben
Dämpfer. Als Kühnes Paß den blitzschnellen Orlando mustergültig erreicht, läßt
der sich nicht lange bitten und hebt den Ball über den herausstürzenden
Orle hinweg ins leere Tor. Die Führung nach nur drei
gespielten Minuten. Ein unbeschreiblicher Freudentaumel bricht los. Aber ich
reiße mich am Riemen. Die bösen Erinnerungen des letzten Frühjahrs mahnen zur
Zurückhaltung, Ihr wißt schon. Und meine Vorbehalte erhalten auch gleich wieder
ausreichend frische Nahrung, als Jena damit beginnt, ein Großkontingent guter
Möglichkeiten zu verdaddeln. Der Gardawski muß nach
17 Minuten den Ball eigentlich nur noch an Orle
vorbeischieben, macht statt dessen einen Haken mehr als gut und legt eine
Millisekunde zu spät auf Benyamina ab, so daß Erfurts Abwehr noch klären kann.
Drei Minuten später fliegt Hähnges Kopfball nach Gardawskis
Musterflanke genau in Orles Arme. Fahrlässig! Ich
fluche, Philipp lächelt überlegen. Vielleicht hat er das Spiel ja doch schon
mal gesehen...
Dann dieser Freistoß von Erfurt, bei dem Nulle zunächst am
Ball vorbeisegelt, ihn einen Moment später dann aber doch hat. "Das war knapp!"
entfährt es mir erschrocken, "Souverän!" raunzt Philipp. Ich begreife ihn
nicht... Jetzt nur den Gegner nicht stark machen. Lieber weiter nach vorn!!! Ecke
für Jena. Diesmal kommt Orle angeflogen, hat aber den
Ball am Ende genausowenig wie seine vier Kumpels auf der Linie, an denen Hähnge
- der geduldig am langen Pfosten gewartet hatte - das Leder vorbei schiebt (28.).
Waaaahnsinn! Mein Tanz fällt nun schon etwas lockerer
aus. Aber sicher sein? Lieber noch nicht. Allein Jena läßt jetzt nicht mehr
locker, entzieht der Phobie das Fundament. Erfurt steht völlig neben sich.
Getragen von 3000facher Anfeuerung tritt Orlando abermals an, wird dann aber an
der Strafraumgrenze unfair zu Fall gebracht, wobei die Strafraumgrenze
offensichtlich ein ganzes Stück in den Strafraum reicht (37.). Um das 3:0
gebracht! So ein Mist aber auch.
Die Halbzeit hätte trotzdem kaum fröhlicher sein können.
Entweder war zum Pokalfinale letztes Jahr kaum jemand im Steigerwald zugegen
oder danach hat sich kollektiver Alzheimer weiter Fankreise bemächtigt, so daß
die Sich-noch-gut-erinnern-Könnenden der Philipp-Fraktion nichts
entgegenzusetzen haben. Mein Pessimismus prallt schlichtweg ab! Meine ganzen
Lebensweisheiten will einfach keiner hören. Sowas!
Und auch der Mannschaft waren die wenigen mahnenden
Zeigefinger herzlich egal. Keine Spur von Angst. Zwar kam Erfurt mit etwas mehr
Schwung aus der Kabine, mehr als ein gefährlich getretener Freistoß durch
Becker nach knapp einer Stunde und einen Lattentreffer durch Stenzel (77.)
bekamen die Rot-Weiß-Fans aber nicht zu sehen. Im Gegenteil, die Mutter der
Unzulänglichkeiten, ich nenne sie mal Desolatia, hielt
die Rot-Weißen jetzt noch fester umarmt, so daß Benyamina zehn Minuten nach der
Pause ungehindert (also einfach geradeaus) über den halben Platz rennen und den
Ball an Orle vorbei ins lange Eck schieben konnte.
Philipp wußte es. Jetzt glaubte ich es auch langsam. Diesmal wird es keinen
Zusammenbruch geben. Die Thüringer Fußball-Welt steht wieder auf den Füßen.
"Auswärtssieg! Auswärtssieg!". Und der hätte auch noch deutlicher ausfallen
können. Allein der lange Truckenbrod-Pass auf Smeekes war für die dritte Liga deutlich zu genau, daß der
den Ball aber aus vollem Lauf auch noch sauber mitnimmt, wäre letzte Saison
allein ein Grund zum Kommen gewesen. Schade, daß sich Orlishausen
mit letztem Einsatz noch in Orlandos Schuß werfen kann (77.). Und dann noch der
schöne Konter über Holwijn, der aber viel zu lange
mit seinem Anspiel auf Smeekes rumbummelt, so daß
sich selbst Erfurts schläfrige Abwehr wieder imstande sieht, die Situation zu
klären (84.). Sehen tut das schon längst nicht mehr jeder, der mal im Stadion
war. Die Haupttribüne erstrahlt schon wieder im herrlichsten Rosa, viele Fans
des Thüringer Vizekönigs schauen wahrscheinlich schon lange den Bayern im
DFB-Pokal zu. Die, die noch da sind, höhnen gegen Hörgl.
Auf der anderen Seite tobt die Blau-Gelb-Weiße Herrlichkeit, geht eine
Laola nach der anderen durch den Block. Ein lang
herbeigesehnter Sieg, über den nach etlichen grausamen Gastspielen in der
Blumenstadt, auch in ein paar Jahren noch geredet werden dürfte.
Erfurt ist mit dem Ergebnis noch gut bedient und muß sich
jetzt ganz schön strecken, um mit dem Abstieg am Ende nichts zu tun zu haben.
Wünschen tue ich es ihnen nicht, allein in der Hoffnung, beizeiten mal wieder
so einen Abend erleben zu dürfen. Und vielleicht bin ich ja dann der Philipp
und wundere mich über all jene, die gestern nicht da waren. Von den Bratwürsten
würde ich dann aber auch keinem abraten; die Erfahrung muß jeder selber machen. <bpf>
FC Carl Zeiss Jena - Eintracht Braunschweig 2:1
Tore: 0:1 Banser (8.), 1:1 Benyamina (29.), 2:1 Gardawski (39.)
- Jena: Nulle; Sträßer, Lukimya, Lanzaat, Nagy; Gardawski
(68. Wuttke), Kühne, R. Schmidt, Benyamina (89. Petersen); Orlando
(76. Holwijn), Hähnge
- Braunschweig: Petkovic; Reichel, Henn, Dogan, Boland;
Onuegbu (46. Vrancic), Pfitzner (80. Morabit), Banser, Kragl (58.
Calamita); Kruppke, Kumbela
- Zuschauer: 7249
- Schiedsrichter: Nowak (Bottrop)
- Spielbericht
-
Kurz nach Abpfiff in der sogenannten Mixed Zone des
Ernst-Abbe-Sportfelds. In die Freude über drei Punkte mischen sich
nach Blick auf die Tabelle Journalistenfragen, ob nach drei Siegen in Folge
nicht noch gänzlich andere Ziele angestrebt werden könnten als
nur der Klassenerhalt. Doch Carsten Nulle bleibt auch diesmal cool und überlegt. "Wir sollten mal die
Kirche im Dorf lassen", diktiert er den Reportern in die Schreibblöcke und Mikrofone,
"im Januar waren wir fast tot. Da jetzt irgendwelche Dinge hinaus zu posaunen wäre
töricht. Das haben wir letzte Saison so gemacht und dann sieben Spiele
verloren. Wobei ich nichts dagegen hätte, wenn es so weiter geht. Aber
noch haben wir keine 45 Punkte."
Anfangs sah es ganz und gar nicht nach einer Fortsetzung der
kleinen Siegesserie aus. Braunschweig kam schon nach drei Minuten zu seiner
ersten Gelegenheit, die ihr Torschütze vom Dienst, Dennis Kruppke
gegen Nagy und Nulle vergab. So ähnlich hatte es für die
Jenaer gegen Kiel auch begonnen, nur mit dem Unterschied, dass sie diesmal nicht ungeschoren über
die (Anfangs-)Runden kommen sollten. Nach Kruppkes Freistoß von der rechten Außenlinie
stieg Fait-Florian Banser an der Torraumlinie am höchsten und ließ
unserem Keeper keine Chance zum Reagieren. 0:1, eine verdiente Führung,
weil die Eintracht besser ins Spiel gekommen war und die Mehrheit der Zweikämpfe
für sich entschied. Gegen ihr konsequentes Pressing bis in die Jenaer
Hälfte hinein fand der FCC zunächst kein Rezept. Erschwerend
kam hinzu, dass sich zwischen den beiden defensiven Mittelfeldspielern und den
Offensiven davor eine ungewohnte Lücke auftat, die den Aufbau geordneter
Angriffsaktionen massiv erschwerte. Infolgedessen hatte sich der Ausgleich
nach einer halben Stunde nicht unbedingt abgezeichnet, ein schönes Tor
war es trotzdem. Soufian Benyamina bekam den Ball von Ralf Schmidt in den
Strafraum serviert und lupfte ihn mit rechts über Torhüter
Petkovic hinweg in die lange Ecke. Jenas erster Treffer mit dem ersten
Torschuss - effizienter geht's nicht.
Als wenn es eines solchen Weckrufes bedurft hätte,
drehten die Jenaer nun richtig auf. 36. Minute, der starke Gardawski spielt
Orlando an. Dem wirft man vielleicht nicht zu Unrecht vor, gern mal zu
eigensinnig ohne Blick für den Nebenmann zu agieren. Nicht so aber in
dieser Szene. In einer Position, aus der er selbst hätte den Abschluss
suchen können, übersah er den noch besser postierten
Sebastian Hähnge nicht. Jenas Stürmer schoss sofort, Petkovic
war geschlagen, doch der rechte Pfosten verhinderte die Jenaer Führung
zu diesem Zeitpunkt. Keine vier Minuten später
gibt es den ersten Eckball des Spiels. Petkovic faustet ihn aus dem Strafraum,
von wo aus aber wieder Orlando loszieht. Dessen Flanke von der rechten Seite
fliegt hinüber in die linke Strafraumhälfte, wird von Michael
Gardawski volley genommen und aus sieben, acht Metern direkt ins Netz befördert.
2:1, das Stadion tobt. Gar nicht auszudenken, wenn vor der Pause noch der
dritte Jenaer Treffer gefallen wäre. Die Möglichkeit dazu war
da, als Kühne nach Vorarbeit Gardawskis aus sechs Metern aufs Tor
schoss, Henn und Petkovic mit vereinten Kräften gerade noch so klären
konnten. An der Leistung Stefan Kühnes lassen sich die zwei
unterschiedlichen Gesichter dieser ersten 45 Minuten anschaulich beschreiben.
Gerade er hatte anfangs riesige Probleme, allein zwischen der 16. und 19.
Spielminute registrierten wir von ihm fünf unglückliche
Aktionen voller Verunsicherung. Und nun, kurz vor der Pause, gewinnt er plötzlich
jeden seiner Zweikämpfe und wäre um ein Haar noch zum Torschützen
geworden.
Es war zu vermuten, dass die zweite Halbzeit nicht so
losgehen würde, wie die Erste geendet hatte. Braunschweigs Trainer
Torsten Lieberknecht ("Ich habe schon vor der Saison Jena als
Aufstiegskandidaten gesehen") hatte seine Elf wieder auf Kurs gebracht,
wenngleich den Aktionen der Norddeutschen das letzte Bisschen an
Entschlossenheit fehlte. Klar, sie waren häufiger in Ballbesitz, doch
trafen sie auf eine nun kompakter stehende Jenaer Hintermannschaft mit einem
wiederum überzeugenden Assani Lukimya in deren Zentrum. Einziger
Wermutstropfen war nur die fünfte Gelbe Karte für
Ralf Schmidt, für den das Thüringenderby damit nur von
der Tribüne aus stattfinden darf. Da auch der FCC dem Dortmunder Spiel
vom Mittwoch kräftemäßig ein wenig Tribut zollen
musste, gab es nach der Pause so gut wie keine Tormöglichkeiten mehr.
Den ersten Schuss aufs Gästetor gab Orlando mit einem Freistoß
in Minute 71 ab. Auf der Gegenseite dauerte es noch fünf Minuten länger,
ehe Calamita aus 16 Metern das Nulle-Gehäuse knapp verfehlte. Dies
sollte jedoch die einzige Schrecksekunde bleiben, weil die in Rückstand
liegenden Braunschweiger erstaunlicherweise auch in der Schlussphase ein höheres
Risiko scheuten. Der Ausflug ihres Torhüters Petkovic während
der Nachspielzeit in den gegnerischen Sechzehner vermochte darüber
nicht hinweg zu täuschen. So blieb es bis zum Schluss beim knappen und
verdienten Jenaer Sieg, den die Elf in Blau-Weiß mit einem von ihr so
noch nicht beobachteten Jubelkreis feierte.
Zurück in der Mixed Zone. Auch Carsten Sträßer,
mit Töchterchen Felicia Sophie auf dem Arm, stellt sich den Journalistenfragen.
Spricht von einer gefestigten Jenaer Mannschaft, in der Einer für den
Anderen einsteht. Und blickt vier Tage voraus: "Gegen Erfurt haben wir einiges
gut zu machen !". Jenas Anhänger werden ihn beim Wort nehmen. <fc>
Borussia Dortmund II - FC Carl Zeiss Jena 0:3
Tore: 0:1 Orlando (13.), 0:2 Nagy (32.), 0:3 Orlando (45., FE)
- Dortmund: Höttecke; Evers, Hünemeier, Neumeister,
Kaptan (
, 45.); Großkeutz (46.
Kandziora), Koch, Tyrala, Piossek (72. Oscislawski), Nottbeck; Kullmann
(62. Hille)
- Jena: Nulle; Wuttke, Lukimya, Lanzaat, Nagy; Gardawski (61.
Holwijn), Kühne, R. Schmidt (74. Truckenbrod), Benyamina; Hähnge,
Orlando (79. Sievers)
- Zuschauer: 1256
- Schiedsrichter: Kampka (Mainz)
- Spielbericht
- (von Gastkommentator Tobias Häfner)
Vergessen sollten sie nun endgültig sein sein, die endlosen Diskussionen in den Fußballforen
um Schnee, Matsch und Rasenheizungen - das Gastspiel in der klassischen Fußballarena
direkt neben dem "Signal Iduna Park" fand bei herrlichem Vorfrühlingswetter statt.
In der Startelf unserer Mannschaft nur die eine bereits vorher vermutete Veränderung -
für den gesperrten Carsten Sträßer rückte erwartungsgemäß Tim Wuttke auf die
Position des Rechtsverteidigers, Ralf Schmidt dagegen konnte entgegen aller Befürchtungen
im Vorfeld des Spiels auflaufen.
Die ersten Offensivaktionen kamen von unserem Team.
Hähnges Kopfball konnte jedoch der Dortmunder Torhüter Höttecke mühelos
aus der Luft pflücken und Orlando verpasste einen gut getimten Paß
von Stefan Kühne. In der 6. Minute die erste richtige Chance jedoch auf
der anderen Seite. Einen Flachschuß aus 14 Metern Entfernung konnte jedoch
Nulle parieren. Dennoch nahm nun unser Team mehr und mehr das Heft des Handelns
in die Hand und bereits in der 13. Minute wurden die ersten Früchte dieses
Engagements geerntet. Wieder wurde Smeekes steil von Kühne geschickt und
dieses Mal ließ er sich die Chance nicht entgehen und versenkte den Ball eiskalt.
In der 16. Minuten prüfte Tim Wuttke den Torhüter der schwarz-gelben mit einem Schuß
von der Außenposition.
4 Minuten später nach längerer Zeit mal wieder der Gastgeber mit einer Torraumszene,
doch der scharf angeschnittene Freistoß des einst von uns umworbenen Tyrala
wird von jedermann verpasst und landet hinter dem Tor.
Danach verlagerten sich die Torgelegenheiten wieder vor das andere Gehäuse.
Zunächst geht ein Freistoß von Orlando aus 28 Metern noch recht deutlich
übers Tor. Aber mehr und mehr wird nun deutlich das vor allem in punkto Zweikampfverhalten unsere Mannschaft den Gastgebern deutlich überlegen war. Vor allem Lukimya, Kühne und Wuttke blieben nahezu in jedem defensiven Zweikampf Sieger. Aber auch offensiv sah das richtig gut aus. Kein schleppendes Aufbauspiel wie man es noch viel zu häufig in der Hinrunde beobachten musste, sondern meistens wurde schnell und schnörkellos nach vorn gespielt.
Die nächste Chance aus einem solch zügig nach vorn getragenen Angriff hatte Gardawski
auf dem Fuß der mit einem Schuß aus halbrechter Position Höttecke zu einer
tollen Parade zwang. Das nächste Beispiel - Orlando am Seitenaus in Höhe der Mittellinie
scheinbar von viel zu vielen Dortmundern bedrängt. Jedoch weiß er sich daraus
zu befreien und legt ein wahres Zaubersolo hin bis er 10 Meter von dem Strafraum
unsanft gestoppt wird. Den folgendes Freistoß schlug Nagy mit viel Effet und
scheinbar so verwirrend das der Ball - wie später bestätigt wurde
ohne Freund- und Feindberührung - plötzlich im Netz zappelte. 0:2 nach 32 Minuten !
Aber unsere Jungs hatten in dieser bärenstarken ersten Halbzeit noch nicht
genug. In der 35. Minute ist bei einem Flachschuß von Orlando der Dortmunder
Keeper rechtzeitig ab Boden. In der 40. Minute wieder Orlando - sein gefühlvoller
Linksschuß verfehlte jedoch knapp das Tor. Eine Minute vor Pausenpfiff
ein mustergültiger Konter eingeleitet von Hähnge, dann sieht der wieder auf
und davon gesprintete Orlando den mitgelaufenen Wuttke. Offenbar kurz hinter der
Strafraumlinie wurde Wuttke aber vom Dortmunder Kaptan niedergemäht.
Eine hundertprozentige Torchance verhindert, die folgerichtige Entscheidung war
Rot für den schwarz-gelben Außenverteidiger und Elfmeter. Orlando schnappt sich den
Ball und schoß scharf und platziert, auch war der Dortmunder Torwart in der falschen Ecke.
Pausenstand also 0:3 und die folgenden 15 Pausenminuten wurden bei dem einen
oder anderen der ca. 150 mitgereisten FCC Anhänger zum Anlaß genommen die
Gedächtnisprotokolle zu verifizieren nach einer letzmaligen Pausenführung mit
3 Toren Unterschied. Auflösung : beim Studium alter Spielberichte auf dieser Website
muss man bis zur Saison 2003/2004 zurückblättern ;-)
2 Minuten nach Wiederanpfiff gleich die erste dicke Chance um das vierte
Tor zu erzielen, den Schuß von Benyamina lenkt Höttecke mit den Fingerspitzen
übers Tor. Aber mit fortschreitender Spielzeit sind nennenswerte Torszenen
nun rarer gesät. Die Dortmunder versuchten mit viel läuferischem Einsatz
ihre Unterzahl auszugleichen. Das gelang ihnen auch nun leidlich - aber
der Versuch mit kurzen, flachen Pässen unsere Abwehr auszuhebeln scheiterte
meistens so 5 Meter vor der Strafraumgrenze. Erwähnenswert lediglich
in der 60. Minute ein Kopfball nach einem Freistoß an dem Nulle mit den Fingerspitzen
dran war. Auf die gleiche Art und Weise klärte Nulle in der 77. Minute nach einem
Schuß aus spitzen Winkel. Beim Lattentreffer der Gastgeber in der 88. Minute
zeigte der Schiriassistent bereits Abseits an.
Auf der richtigen Seite gab es ebenfalls noch einige Chancen den Vorsprung
sogar noch auszubauen. So in der 62. Minute eine gute Kopfballchance von
Lukimya nach Ecke von Nagy. 3 Minuten später zwingt Hähnge den guten Dortmunder
Keeper zu einer Fußparade. In der 85. Minute prüfte Truckenbrod am Ende
einer schönen Kombination über Hähnge und Benyamina nochmals Höttecker.
Sicher war die zweite Halbzeit offensiv nicht mehr so zwingend wie
die 45 Minuten vor der Pause. Geschenkt - und irgendwie auch legitim aufgrund der vielen
anstehenden englischen Wochen. In Gefahr geriet der sichere Sieg aufgrund der
aufmerksamen Defensive nie.
FC Carl Zeiss Jena - Holstein Kiel 3:0
Tore: 1:0 Lukimya (32.), 2:0 Orlando (41.), 3:0 Hähnge (74.)
- Jena: Nulle; Sträßer, Lanzaat, Lukimya, Nagy; Gardawski
(76. Holwijn), Kühne (66. Truckenbrod), R. Schmidt, Benyamina; Hähnge
(89. Wuttke), Orlando
- Kiel: Frech; Lamprecht, Müller, Boy, Jürgensen (

, 88.);
Schüßler (4. Siedschlag), Vujcic, Jerat, Meyer; Sykora (57. Holt),
Cannizaro (70. Wulff)
- Zuschauer: 5205
- Schiedsrichter: Osmers (Hannover)
- Spielbericht
-
Holstein Kiel war mit beachtlichem Etat und daraus
resultierenden Erwartungen in die Saison gestartet. Schnell fand sich der
Neuling jedoch auf dem Boden der Realität wieder und derzeit auf einem
der Abstiegsränge. Das 1:6 in Bremen vor einer Woche wurde auf der
vereinseigenen Homepage als Tiefpunkt der Auswärtsmisere bezeichnet.
Solch einen Kontrahenten kann man als angeschlagenen Boxer ansehen, der umso
gefährlicher ist, je mehr er sich in die Ecke gedrängt fühlt.
Oder man kann ihn unterschätzen. Welche Einstellung würde
sich die Jenaer Elf zueigen machen ?
Positiv war schon mal, dass sie in der selben Formation
auflaufen konnte wie beim überzeugenden Auftritt gegen Osnabrück.
Der angeschlagene Ralf Schmidt hatte beim Abschlusstraining grünes
Licht gegeben und stand die neunzig Minuten durch. Die Anfangsphase freilich
hielt einem Vergleich mit jener gegen den VfL nicht stand. Zwar besaß
Orlando nach fünf Minuten die erste Chance im Spiel, als er gezwungen
war, aus eher ungünstiger Position abzuschließen, weil
keiner seiner Mitspieler mitgekommen war. Alles in allem aber konnte sich der
Gastgeber glücklich schätzen, nach zwanzig Minuten nicht in Rückstand
zu liegen. Da Lanzaat gegen Canizzaro das Nachsehen hatte, lief der bei Erfurt
ausgemusterte Kieler Stürmer in Minute 15 unbedrängt auf
Carsten Nulle zu. Unser Keeper, gerade erst zum Torschützen des Monats
nominiert, warf sich ihm mit Erfolg entgegen und zeigte, dass er nicht nur
offensiv, sondern auch defensiv zu überzeugen weiß, wie sein
Trainer nach dem Spiel flachste. Da auch Jerat mit einem Freistoß am
Jenaer Kapitän scheiterte und Sykoras Ablage nach einer Unsicherheit
in der Thüringer Hintermannschaft nicht ankam, überstand der
FCC die Anfangsperiode mit etwas Glück unbeschadet. Nach vorn lief zunächst
nicht viel zusammen. Schon zweiundzwanzig Minuten waren vorbei, als Kiels
Schlussmann Michael Frech mittels Faustabwehr das erste Mal eingreifen musste.
Die Jenaer Führung, sie fiel wie so häufig in den letzten
Wochen aus einer Standartsituation heraus. Assani Lukimya hatte vor Wochenfrist
beim Torerfolg seines Keepers genau hingeschaut und köpfte einen
Freistoßball von Nagy in die Maschen. Dass der Freistoßpfiff
zuvor durch Schiedsrichter Osmers eher geschenkt war, muss kein schlechtes
Gewissen bereiten. Auch auf der Gegenseite gabs hier und da umstrittene
Entscheidungen.
Vielleicht reagierten die "Störche" eine Spur zu passiv
auf die neue Spielsituation, indem sie hinten drin blieben und auf Jenaer
Angriffe warteten statt selbst welche zu initiieren. Andererseits muss man
vielleicht auch Verständnis für ihre Situation haben. Nach
der Klatsche gegen Werders U23 hatten sie hier passabel begonnen, sich auch von
der schweren Verletzung ihres Mittelfeldspielers Schüßler
(Verdacht auf Kreuzbandriss) nicht aus dem Konzept bringen lassen und lagen
dennoch schon wieder im Rückstand. Als sie dann doch nochmal versuchten,
vor der Pause den Ausgleich zu erzielen, liefen sie prompt in einen
Konter. Nagy schlug aus der eigenen Hälfte einen weiten Pass auf
Orlando. Dem war bis dahin noch nicht viel gelungen, doch jetzt machte er
alles richtig. Vom Ex-Jenaer Robert Müller nicht einzuholen, schob der
schnelle Holländer das Leder an Frech vorbei zum 2:0 über die
Linie. Ohne geglänzt zu haben, lag der FCC zur Pause mit scheinbar
beruhigenden zwei Toren in Front. Wann hatte es dies zuletzt gegeben ?
Der Schuss von Florian Meyer, einem der Besten in den Reihen
der Holsteiner, nur zwei Minuten nach dem Wechsel sollte sich als Kieler
Strohfeuer erweisen. Mit "Schüsschen, Eckbällchen und Freistößchen"
(O-Ton Christian Wück) war den Jenaern nicht beizukommen. Und so
lehnte der Gästecoach phasenweise selbst resigniert an der
Trainerbank. Während das Dutzend Gästefans, welches aufgrund des
Nachholtermins die weite Strecke womöglich zum zweiten Mal
innerhalb weniger Tage auf sich genommen hatte, eine nun deutlich überlegene
Jenaer Elf zu sehen bekam. Welch tolle Aktion war das zum Beispiel in Minute
62, als Orlando gleich zwei Gegenspieler düpierte und eine feine
Vorlage für Hähnge zustande brachte. Der schoss sofort aus
der Drehung und zwang Frech zu einer spektakulären Parade. Drei
Minuten später wurden die Rollen getauscht. Hähnge spielte
den Vorbereiter für Orlando, welcher sich hinterher maßlos ärgerte,
in dieser Szene den Ball am langen Pfosten vorbei geschoben zu haben. Ein Happy
End gab es dennoch für beide, denn nach Orlando in Hälfte
eins kam auch Sebastian Hähnge noch zu Torehren. Sein Antritt ab Mitte
der gegnerischen Hälfte, das Täuschungsmanöver, dann
der Schuss mit dem linken Außenrist aus 18 Metern genau ins
Dreiangel war nach Meinung aller das
schönste Tor des Tages. Mit solchen Aktionen lässt Jenas Stürmer
auch seine letzten Kritiker auf den Rängen für hoffentlich längere
Zeit verstummen.
Dem Schiri saßen mit zunehmender Spielzeit die Karten allzu locker. Das mit Gelb geahndete Foul von Jürgensen kurz vor
Schluss war genauso wenig verwarnungswürdig wie das von Carsten Sträßer
eine halbe Stunde zuvor. Für den Jenaer war es die fünfte
Gelbe in dieser Saison, für den Kieler die zweite im Match. Als
Konsequenz müssen beide beim nächsten Mal zuschauen.
Drei Punkte zum 50. - wer Mannschaftsleiter Uwe Dern kennt,
der weiß, dass ihm die Mannschaft kein schöneres
Geburtstagsgeschenk hätte bereiten können. Auch von
dieser Stelle aus herzlichen Glückwunsch, Uwe und alles Gute fürs nächste
halbe Jahrhundert ! <fc>
FC Carl Zeiss Jena - VfL Osnabrück 1:1
Tore: 0:1 Barletta (72.,HE), 1:1 Nulle (90.+2)
- Jena: Nulle; Sträßer, Lanzaat, Lukimya, Nagy; Gardawski, Kühne, R.Schmidt (82.Kolb),
Benyamina; Hähnge, Orlando
- Osnabrück: Berbig; Engel, Barletta, Nickenig (

, 75.),
Tauer; Pinheiro, Heidrich (61.Schmidt); Siegert, Lejan (64.Grieneinsen), Kotuljac (76.Stang), Lindemann
- Zuschauer: 5694
- Schiedsrichter: Thomsen (Kleve)
- Spielbericht
-
Der FCC empfing den Spitzenreiter Osnabrück, Weiß gegen Schwarz (nach den Trikotfarben), wie beim Schach. Und in den ersten
45 Minuten boten beide Mannschaften auch gepflegtes Rasenschach - taktisch diszipliniert, vorsichtig, unbedingt ein Gegentor vermeiden
wollend, ohne große Aufregungen. Der FCC wählte dabei - trotz Doppelspitze mit zwei offensiven Außenbahnen - eine
geschlossene Eröffnung, die auch den gewünschten Erfolg brachte. Aus einer sicheren Abwehr heraus suchte man mit gepflegten
Pässen den Mitspieler und ließ dem Ligaspitzenreiter - der eigentlich im gesamten Spiel seine Auswärtsschwäche
bewies - im Mittelfeld keinen Raum für den eigenen Aufbau. Die einzigen Ausnahmen bildeten die 35. und die 39. Minute: Nach einem
misslungen Tackling Nagys starteten die Gäste einen schnellen Angriff über rechts, in dessen Ergebnis Pinheiro an die Latte
des Jenaer Tores köpfte. Der FCC "revanchierte" sich nach einer Ecke, als Lanzaats Kopfball von einem Osnabrücker noch am Tor
vorbeigelenkt werden konnte. Trotzdem war der FCC im Vergleich zu den vorigen Heimspielen nicht wiederzuerkennen. Es waren die kleinen
Ungenauigkeiten, die Zählbares für den FCC verhinderten, obwohl man mit kleinen Nadelstichen den Favoriten einige Male ärgern
konnte. Dabei rückte Orlando in den Mittelpunkt: Entweder er stand im Abseits (20., 21. min) oder der Ball wurde auf dem
nassen Rasen zu schnell (22.) oder er war einfach zu überrascht, als ihm am langen Pfosten der Ball vor die Füße
fiel (30.). Positiv fiel das gute Zusammenspiel zwischen Hähnge und Gardawski auf. Nicht zu übersehen war bereits in der
erste Halbzeit die Unart der Gäste, bei Ballverlust am Boden liegen zu bleiben - gegen Ende des Spiels wurde diese Theatralik
durch Bodenpirouetten und Schmerzensschreie ergänzt - und auf das Wohlwollen des Referees zu hoffen.
Die Spieler des FCC hatten dann gemerkt, dass heute mehr drin war als nur eine Schadensbegrenzung und so startete man nach der Pause
deutlich offensiver. Vor allem Benyamina, der vor der Pause etliche Fehlabspiele bot, zeigte sein Stürmerblut. So in der 48. min
als er den Verteidiger mit einem Haken alt aussehen ließ und den Ball an die Lattenunterkante hämmerte. Den zurückspringen
Ball konnte Schmidt leider nicht mehr ins Tor drücken. Dann versuchte es Orlando über links, scheiterte jedoch am Verteidiger (53.).
Benyamina testete Berbigs Reflexe mit einem Schuss aus etwa 8 Metern Entfernung (56.), bevor Orlando kurz danach mit einem Sprint mit Ball
drei Osnabrücker in Verlegenheit brachte. Diese lösten das Problem mit einem Foul kurz vor der Strafraumgrenze, dass Schiedsrichter
Thomsen jedoch nur mit "Gelb" ahndete. "Rot" wegen Notbremse wäre die richtige Entscheidung gewesen! Den Freistoß selbst vergab
Orlando kläglich, in dem er ihn gefühlvoll mitten in die Mauer setzte. Einige Minuten später zeigte sich Orlando zu
egoistisch, als er lieber allein einen Schuss versuchte, anstatt den besser stehenden Gardawski mit einem Steilpass zu bedienen.
Der
FCC hatte den VfL in fester Umklammerung und ein Tor schien nur eine Frage der Zeit zu sein. Das fiel dann auch in der 72. min per
Foulstrafstoß: Nach einer Ecke versuchte sich Orlando so deutlich als Handballer, dass der Referee gar nichts anderes als
Elfmeter entscheiden konnte. 1:0 für Osnabrück - das Spiel nach der Pause war auf den Kopf gestellt! Der FCC ruckte noch
einmal an, alle knieten sich mit doppeltem Eifer rein, Orlando warf sich in einen Abschlag Berbigs und so ergab sich für Hähnge
die Chance, mit Ball am Fuß in den Strafraum einzudringen. Wieder kam die Notbremse zum Einsatz, gefühlt auf der
Strafraumgrenze - aber anstatt Strafstoß und Feldverweis entschied Thomsen, der von dieser Szene an völlig den Überblick
verlor, auf Freistoß und gab Nickenig nur "Gelb" (75.)! Lediglich die Tatsache, dass es bereits dessen zweite Verwarnung war,
beförderte ihn vom Feld. Der Freistoß brachte nichts ein (diesmal versuchte sich Nagy), aber von da an brannte die Luft im
Stadion. Die Gäste versuchten mit langen Bällen nach vorn und übelsten Schauspieleinlagen die den Vorsprung über
die Zeit zu retten, der FCC rannte mit aller Macht an. Der Schiedsrichter - bis zur 75. min zwar kleinlich, aber dies auf beiden
Seiten - verteilte nun munter Freistöße für die Gäste und Verwarnungen an Schmidt, Sträßer und
Lukimya für Peanuts und animierte so das Publikum. Der FCC schien sich vergeblich zu bemühen, entweder das Außennetz
(Orlando, 86.) oder Berbig (gegen Gardawski, 87.) waren jeweils Endstation. Nulle verhinderte zwischenzeitlich bei einem VfL-Konter
das entscheidende 0:2, als er einen Schuss aus Nahdistanz parierte. Schlussminute, Eckball für Jena, Nulle ging mit vor - nichts.
Nachspielzeit, weiterer Eckball für den FCC, wieder war Nulle vorn. Gardawski tritt die Ecke und aus der Ansammlung von 22 Spielern
schraubte sich ein gelbes Trikot einen gefühlten halben Meter über den Rest der Meute und köpfte in bester Stürmermanier
unhaltbar zum Ausgleich ein! Nulle als Torschütze - er lässt in dieser Saison wirklich nichts aus!!!
Vor dem Spiel wären viele sicher mit einem Punkt gegen den Spitzenreiter zufrieden gewesen, nach dem Abpfiff haderte
man ein klein wenig mit den vergebenen zwei Punkten. In jedem Fall bot der FCC die beste Heimleistung seit einem halben Jahr und
wusste endlich auch einmal spielerisch zu überzeugen. <uk>
Fotos von Jens Weißenburger
"Unglaubliches Spiel in Jena" - der Bericht auf vfl.de
FC Carl Zeiss Jena - FC Erzgebirge Aue 1:0
Tore: 1:0 Hähnge (88.)
- Jena: Nulle; Sträßer, Wuttke, Lanzaat Nagy; Gardawski (75. Benyamina), Kühne,
R. Schmidt, Kolb (65. Amrhein); Orlando (90.+3 Truckenbrodt), Hähnge
- Aue: Männel; Klingbeil, Kos, Paulus, le Beau; Stark, Hensel,
Curri (46. Klotz), Hochscheidt (78. Müller); Ramaj, Braham (70. Glasner)
- Zuschauer: 7206
- Schiedsrichter: Valentin (Taufkirchen)
- Spielbericht
-
Derbyzeit in Jena. Innerhalb weniger Tage haben die Männer um René van Eck zwei eminent wichtige Derbys vor der Brust.
Am heutigen Tag kamen die Veilchen aus Aue ins Jenaer Rund und bereits am Donnerstag geht die Reise des FCC zum 40 km entfernten
Nachbarn aus Thüringen. Aber da die letzten Derbys der Jenaer alles andere als erfolgreich waren, so sollte heute unbedingt ein Sieg gelingen.
Die Platzherren waren auch sofort bemüht, das Zepter des Handelns in die Hand zu nehmen. Bereits nach fünf Minuten die erste Chance
für den FCC durch Hähnge, doch leider verfehlte er mit seinem Schuss aus der Drehung das Tor nur knapp. Wenig später erneut
eine gute Möglichkeit für den Jenaer Stürmer, aber nach Flanke von Schmidt stand er zwar goldrichtig, traf aber er den Ball
nicht richtig. Die Gäste versteckten sich keinesfalls und kamen in der achten Minute zu ihrer ersten Chance. Einen hoch getretenen
Freistoss verpassten alle Spieler im Strafraum, so dass der Ball an Freund und Feind vorbei zischte und um Zentimeter das Tor verfehlte.
Ein Kopfball vom völlig freistehenden Najeh Braham (18.) hätte die Führung der Auer bedeuten können, denn auch hier
fehlte nur wenig. Trotz der noch immer torlosen Begegnung sahen die 7200 Zuschauer eine hart umkämpfte Partie, bei der sich beide
Teams keinen Zentimeter des Rasens schenkten. Nach gut einer halben Stunde (32.) dann der schönste Spielzug der Platzherren bis
dato. Schmidt hatte mit einem Steilpass auf Hähnge gepasst, der aber zu lange brauchte, den Ball unter Kontrolle zu bringen -
Querpass auf unseren Neuzugang Gardawski, der zum kurzen Sololauf ansetzte, seinen Gegenspieler umkurvte und mit einem mustergültigen
Querpass vors Tor auf Orlando passte. Die meisten Fans hatten bereits den Jubelschrei auf den Lippen angesichts dieser 100% Torchance,
doch Orlando brachte das Kunststück fertig, den Ball aus Nahdistanz Gästekeeper Männel vor die Brust zu schießen.
Auch nach der Pause das gleiche Spiel. Beide Teams fighteten um jeden Ball und die ein oder andere Gelbe Karte blieb nun auch nicht mehr
aus. Zum Ärger der Jenaer traf es auch Tim Wuttke, dem nun durch seine fünfte Karte nur die Rolle des Zuschauers beim Thüringenderby
bleibt. Die erste nennenswerte Möglichkeit der zweiten Halbzeit gehörte den Gästen, doch Nulle konnte einen gefährlichen
Flachschuss von Hochscheidt zur Seite klären. Drei Minuten später hätte Braham erneut für die Führung der Veilchen
sorgen können, doch glücklicherweise konnte er aus Nahdistanz seine Chance nicht nutzen. Schnell ausgeführter Gegenzug der
Jenaer mit einem schönen Steilpass auf Hähnge, der von halb links aufs Gästetor zustürmte. Es folgte ein kurzer Schwenk
nach rechts und anstatt nun sofort zu abzudrücken, entschied er sich erneut für einen Schwenk diesmal nach links, wodurch er sich
selber den Winkel zum Tor so verkürzte, dass sein anschließender Schuss für Männel keine Gefahr mehr darstellte. Der
Druck der Jenaer Mannschaft nahm nun stetig zu und der FCC drehte sein Eckenkonto nach oben. Nur leider wollte noch immer kein Tor gelingen.
Beim 13. Eckball! der Thüringer hätte es dann fast geklappt, doch leider verfehlte Wuttke mit seinem wuchtigen Kopfball nur ganz
knapp das Tor. Zehn Minuten vor Ultimo sorgte die mittlerweile 15. Ecke der Jenaer (Endstand 17:3) erneut für große Gefahr im
Strafraum der Gäste, doch Ramaj konnte den Kopfball vom eingewechselten Benyamina noch auf der Torlinie klären. Die letzten
Minuten plätscherten so dahin und beide Teams hatten sich eigentlich schon mit einem Unentschieden abgefunden. Doch es gab in der
88. Minute noch einmal Freistoß für den FCC. Nagy flanke platziert nach innen und dort schraubte sich Hähnge am höchsten
und traf per Hinterkopf zum viel umjubelten Führungstreffer. Die Auer warfen in den wenigen verbliebenen Minuten noch einmal alles nach
vorn, doch die Jenaer ließen sich am heutigen Tage diesen hoch verdienten Sieg nicht mehr nehmen.
Nach derben Pleiten in den letzten großen Derbys ist es dem FCC endlich mal wieder gelungen, ein so wichtiges Prestigeduell
zu seinen Gunsten zu entscheiden. Nun gilt es die Kräfte zu bündeln, um beim zweiten Traditionsduell am kommenden Donnerstag
erneut als Sieger den Platz zu verlassen. <vg>
FC Carl Zeiss Jena - SV Sandhausen 0:1
Tore: 0:1 Dorn (44.)
- Jena: Nulle; Sträßer, Lanzaat (53. Eckardt), R. Schmidt;
Wuttke, Truckenbrod, Ziegner (87. Kühne), Orlando (75. Mayombo);
Kolb, Hähnge
- Sandhausen: Kirschbaum; Bindnagel, Tausenpfund, Glibo, Mintzel;
Pinto (90. Throm), Hillenbrand, Jungwirth, Schauerte (74. Öztürk);
Cenci, Dorn (90. Hosiner)
- Zuschauer: 5513
- Schiedsrichter: Dr. Kunzmann (Bad Hersfeld)
- Spielbericht
-
"Meine Spieler sind so heiß im Training, dass ich
Angst hatte, der Rasen könne verbrennen." - Sprüche wie
dieser von René van Eck wecken nach dem Jahreswechsel Erwartungen, die
vielleicht ein paar Zuschauer mehr ins winterkalte Stadion locken, dann aber auch
erfüllt werden wollen. Im Falle eines Misserfolgs nämlich können
einem die Zitate auch buchstäblich um die Ohren fliegen.
Den Auftakt dieses Nachholspiels bildete ein Kopfball des
aufgerückten Lukimya-Mulongoti nach Freistoß Ziegners. Gäste-Torwart
Kirschbaum zeigte sich auf dem Posten (3.). Ansonsten war es ein gemächlicher
Beginn, zu dem die Theatralik nicht passen wollte, mit der sich die
Sandhausener Spieler jedes Mal auch nach harmlosen Fouls auf dem Rasen wälzten.
Das nahm ein Ende, als sie die erste Gelbe Karte des Spiels für Wuttke
provoziert hatten. Am Schiedsrichtergespann allerdings sollten sich im Laufe
der Partie noch häufiger die Gemüter erhitzen.
Sportlich tat sich zunächst wenig und wenn, dann
in der Gästehälfte. Nach siebzehn Spielminuten
spielte Ziegner schön in den Lauf des überraschend in die
Anfangself gerückten Kolb. Dieser flankte von der rechten Seite vors
Tor, wo Hähnge zunächst einen Schritt zu spät kam.
Der von links heranbrausende Orlando kam zwar noch zum Schuss, mehr als ein
Eckball sprang aus spitzem Winkel jedoch nicht heraus. Szenenapplaus gab es für
Carsten Sträßer sieben Minuten später, als er einen
schon verloren scheinenden Ball zurück eroberte. Hier bekam man einmal
einen Ahnung von dem, was van Eck gemeint haben könnte. Doch die Regel
war das leider nicht. Wie oft musste ein Spieler den Einwurf bis zum letzten
Moment hinauszögern, weil die eigenen Mannschaftskameraden bei ihren
Gegenspielern stehen blieben anstatt sich frei zu laufen ! Orlandos nächste
Aktion - nach energischem Antritt übersah der Holländer den
freistehenden Landsmann Lanzaat am Elfmeterpunkt - war Jenas letzte Gelegenheit
vor der Pause. Und die Gäste ? Erspielten sich ihre erste Chance eine
Minute vor dem Halbzeitpfiff. Einen mit dem Kopf verlängerten Ball
nimmt Neuzugang Cenci gekonnt mit der Brust an, leitet ihn sauber mit der Hacke
weiter und bringt Sturmpartner Dorn damit in eine vorzügliche
Schussposition. Dieser Regis Dorn ist viel zu sehr Torjäger, um sich
solch eine Gelegenheit entgehen zu lassen. Gegen seinen Schuss ins lange Eck
hat Nulle nicht die Spur einer Chance. Mit der einzigen Möglichkeit in
45 Minuten die Führung zu erzielen - mehr an Effizienz geht nicht. Es war übrigens
kein Konterzug, als welcher dieser Angriff vonseiten unseres
Trainer bezeichnet wurde. Jenas Defensive durfte sich in aller Ruhe formieren
und stand mit sieben gegen zwei Mann im eigenen Strafraum.
Quido Lanzaat hatte beim Gegentor etwas abbekommen, wollte
sich aber durchbeißen und kam mit aus der Kabine. Um ein Haar wäre
ihm in der 51. Minute der Ausgleichstreffer geglückt. Nach Foul an
Kolb führte Ziegner einen Freistoß fünf Meter vorm
rechten Strafraumeck aus. Den hohen Ball erwischte Lanzaat unter Bedrängnis
mit dem Kopf, drückte ihn von der Torraumgrenze aus Richtung Gästegehäuse,
doch Kirchbaum lenkte das Leder mit starkem Reflex zu Ecke. Gleich danach war
Schluss für den auch gelbbelasteten Innenverteidiger. Wuttke nahm
dessen Position ein, Eckardt kam neu ins Mittelfeld. Beim Doppelpass mit Hähnge
führte sich Eckardt gut ein und weckte als Einwechsler Hoffnungen, die
(nicht nur) sein Trainer nach dem Spiel als unerfüllt ansah. Gleiches
gilt auch für Mayombo, dem jedoch rund eine Viertelstunde vor Schluss
ein Elfmeter hätte zugesprochen werden müssen. Gegenspieler
Tausendpfund hatte Jenas Stürmer von den Beinen geholt, Dr. Kunzmann
entschied auf Weiterspielen. Diese Szene lag inmitten einer kurzen Drangperiode
mit zwei hochwertigen Chancen für Sebastian Hähnge. Beim
Kopfball in Minute 73 fehlte neben dem Druck auch die Präzision, da
Kirchbaum sich nicht vom Fleck bewegen musste, um zu parieren. Doch fünf
Minuten darauf hätte auch Sandhausens Schlussmann den Ausgleich nicht
verhindern können, wenn Hähnges Kopfball nach Ziegners Ecke
ins Netz statt nur ans Lattenkreuz geflogen wäre. Welch ein Pech.
Doch weder strittige Schiedsrichterentscheidungen noch
Aluminiumtreffer dürfen darüber hinwegtäuschen, dass
die Jenaer Spieler allzu viel schuldig blieben von dem, was man von ihnen nach
der Winterpause erwarten durfte. Gefahr strahlten sie nur bei
Standartsituationen aus. Zu statisch wirkten sie im Spielaufbau, sodass das grüne
Geläuf lediglich von der Rasenheizung auf Temperatur gehalten
wurde. Die Gäste, von denen man ein Hintenreinstellen nach der Pause
vermutete, konnten wahrscheinlich irgendwann nicht mehr anders, als auf eigene
Faust die Entscheidung zu suchen. Beim
Kopfball von Tausendpfund und Schüssen des eingewechselten Öztürk
boten sich Gelegenheiten dazu. Ihr knapper Vorsprung geriet während
der Schlussminuten nicht weiter in Gefahr. Stattdessen bettelte Torsten Ziegner
um seine fünfte Gelbe Karte, indem er auch nach zweimaligem Zurückweisen
beim Schiri immer noch weiter meckerte. Und den Karton letztlich
bekam.
In einem Spiel, das eigentlich keinen Sieger verdient, kann
eine einzige geniale Idee während neunzig Minuten entscheidend sein.
Cencis Hackentrick war solch eine Idee. Den Jenaer Spielern hingegen ist es nicht
gelungen, ihren so hoch gelobten Trainingsfleiß ins erste Punktspiel
des Jahres 2010 zu transportieren. <fc>
SV Wehen Wiesbaden - FC Carl Zeiss Jena 1:1
Tore: 1:0 Schönheim (72.), 1:1 Hähnge (77.)
- Wehen: Domaschke; Hollmann, Gehring, Schönheim, Weigelt;
Ziegenbein (90.+1 Bohl), Reinert, Hübner, Öztürk; Ziemer
(82. Stroh-Engel), Boskovic (88. Kunert)
- Jena: Nulle; Sträßer, Lanzaat, Lukimya, R. Schmidt
(76. Nagy); Kühne (14. Amrhein), Truckenbrod (90.+1 Mayombo), Ziegner;
Wuttke, Hähnge, Orlando
- Zuschauer: 3386
- Schiedsrichter: Beitinger (Regensburg)
- Spielbericht
- Weniger die sportliche als vielmehr die wirtschaftliche Situation geriet in dieser
Woche in den Mittelpunkt des öffentlichen Interesses. Die Nachricht, dass sich
die Liquiditätslücke während der letzten Wochen nochmals kräftig auf
947.000 Euro vergrößert hat und nun im Rahmen eines Sanierungskonzepts umfassende
DFB-Auflagen zu erfüllen sind, sorgt für Gesprächsstoff unter den
Kernbergen und darüber hinaus.
Die Spieler können in solch einer Situation nichts weiter tun als bestmöglich
ihren Job zu erledigen. Könnte es doch sein, dass jeder von ihnen errungene Punkt
in der Endabrechnung noch von Bedeutung sein wird.
Beide Teams bemühten sich
vom Anpfiff weg um Offensivaktionen, wobei ihnen dabei die Genauigkeit im
Zusammenspiel abging. So verging eine Viertelstunde bis zur ersten
Torgelegenheit, einem Schuss des freistehenden Boskovic genau auf
unseren Schlussmann. Zu dieser Zeit hatte Trainer van Eck bereits das erste Mal
wechseln müssen, da Stefan Kühne nach einem Zweikampf in der eigenen Hälfte
mit einer Knieverletzung vom Platz musste. Tim Wuttke hat in dieser Saison
schon fast alles gespielt, vom Innenverteidiger bis zur hängenden Spitze auf
Außen - entsprechend reibunsglos ging nach der Hereinnahme Amrheins sein Wechsel auf die Kühne-Position vonstatten.
Geschickt verlagerten er und seine Nebenleute die Positionen hin zum
ballführenden Gegenspieler. Die häufiger in Ballbesitz befindlichen Gastgeber fanden
dagegen lange Zeit kein Mittel. Es bedurfte eines direkt geschossenen
Freistoßes, um Carsten Nulle nach 31 Minuten das zweite Mal zu fordern.
Dessen Gegenüber hatte zu diesem Zeitpunkt noch keinen einzigen Ball
halten müssen.
Doch mit einem Mal, ab Minute 38 veränderte sich die Szenerie. Schön freigespielt steht Sebastian Hähnge frei vor Eric Domaschke - und scheitert am
herauslaufenden Keeper. Eine Minute später schießt der bis dahin noch
gar nicht zur Geltung gekommene Orlando aus vollem Lauf über die Querlatte und
nochmals 60 Sekunden darauf Hähnge flach aufs Tor. Die größte Gelegenheit vor
der Pause aber bietet sich in Minute 43. Freistoß, knapp 30 Meter Torentfernung,
halbrechte Position. Orlando steht zur Ausführung bereit, so als wolle er
zum zweiten Mal das Tor des Monats gegen den selben Kontrahenten erzielen. Doch nicht
er sondern Ziegner führt den Freistoß aus. Domaschke lässt prallen, zum
aufgerückten Assani Lukimya, der jedoch aus bester Position vergibt.
Freistoßschütze Torsten Ziegner hatte sich zu diesem Zeitpunkt bereits eine Gelbe Karte abgeholt. Nur gut, dass sich seine Verwarnung von voriger
Woche als Falschmeldung herausgestellt hatte. Sonst wäre es jetzt die 5.
gewesen und Ziegner hätte gegen Sandhausen ersetzt werden müssen.
Selbst wenn er zuletzt auswärts eher zu überzeugen wusste als in Heimspielen.
Apropos Trainer, wie hatte René van Eck vor dem Spiel prophezeit ? Viele
Chancen wird es in Wiesbaden nicht geben. Deshalb müssen diese konsequent
genutzt werden. Genau das hatten seine Jungs vor der Pause versäumt, weshalb
es mit Spielstand 0:0 in die zweite Halbzeit ging. Hier zeigte sich
Nulle bei einem Schuss von Reinert gleich wieder auf dem Posten (49.).
Das Spiel des SVW, dessen Hauptsponsor mit Wasser-Technologie seinen Umsatz
macht, lief nun etwas flüssiger. Jenaer Konter besaßen Seltenheitswert,
in Minute 64 war es wieder mal soweit. Hähnge auf der rechten Seite fehlte
jedoch sein Anspielpartner im Zentrum, weil Hübner dem losspurtenden
Orlando in die Hacken getreten war, ohne dass dies der Referee geahndet hätte.
Jenas Hintermannschaft stand weiterhin sicher, geriet meist nur durch
Standartsituationen in Gefahr. Weigelts Freistoß aus fast dreißig Metern
hob Nulle in großem Stil über die Torlatte (65.). Und dann gab es da noch die Eckstöße.
Es mag der sechste oder siebente gewesen sein in Minute 72 - Jenas
Elf hatte sich wie immer komplett im eigenen Strafraum versammelt.
Zunächst gelang es, den Eckball nach vorn abzuwehren. Doch genau an der
Grenze zum Sechzehner stand Fabian Schönheim, welcher den als
Befreiungsschlag gedachten Ball dreisterweise als Vorlage ansah und direkt
ins rechte untere Eck traf.
Die seit sieben Spielen daheim ungeschlagenen Gastgeber führen 1:0 und nicht mal mehr zwanzig Minuten sind noch zu spielen. So manch einer
mit Blau-Gelb-Weiß im Herzen wird hinterher zugeben, er hätte nicht mehr an einen
Punktgewinn geglaubt. Doch Jenas Routiniers auf dem Spielfeld sehen das
anders. Torsten Ziegner hebt einen Ball vor in den Sechzehner auf Sebastian
Hähnge, der mit langem Bein zunächst dafür sorgt, dass das Leder
nicht ins Toraus verspringt. Danach tunnelt er Domaschke im zweiten Versuch und
vollendet überlegt mit halbhohem Schuss über zwei grätschende Verteidiger
hinweg ins Netz. Jubel im gut gefüllten Gästeblock direkt dahinter. Obwohl es
wie die meiste Zeit zuvor nun wieder unentschieden steht, scheint der Ausgleichstreffer
noch einmal richtig das Feuer anzufachen. Nicht nur auf den Rängen, auch bei
den blau-gelb gekleideten Spielern. Ein Torsten Ziegner erobert erst den
Ball, lässt ihn dann zu weit wegspringen, verliert ihn dadurch wieder und
hüpft vor Ärger darüber wie Rumpelstilzchen auf dem grünen Rasen. Jenas
Spieler wollen drei Punkte, das ist zu spüren. Doch die geniale Idee,
mit der der Willen in die Tat umzusetzen wäre, kommt ihnen an diesem Tag nicht
mehr. Stattdessen besitzen sie bei Schönheims Chance in der 87.
Minute sogar noch Glück, am Ende nicht mit leeren Händen
da zu stehen. Dass beide Trainer in der Nachspielzeit noch je
einen frischen Spieler für gerade mal fünfzehn Sekunden aufs Feld schicken, zeigt an, dass alle
mit dem Punkt leben können. Auf Jenaer Seite wird er sogar wie
ein Sieg gefeiert.
Mag es in der spielerisch-taktischen Umsetzung noch etliche Reserven geben,
kämpferisch war's allemal in Ordnung. Zumindest vom Sportlichen her scheint
das Schlimmste erst einmal überwunden. <fc>
VfB Stuttgart II - FC Carl Zeiss Jena 0:1
Tore: 0:1 Orlando (68.)
- Stuttgart: Stolz; Schimmel, Pischorn, Vier, Enderle; Didavi, Funk,
Vecchione (83. Pala), Hertner (79. Riedle); Schipplock, Fischer (58. Walch)
- Jena: Nulle; Sträßer, Lanzaat, Lukimya, R. Schmidt;
Kühne, Truckenbrod (62. Amrhein), Ziegner, Wuttke; Hähnge
(85. Mayombo), Orlando (90. A. Schmidt)
- Zuschauer: 680
- Schiedsrichter: Dingert (Thallichtenberg)
- Spielbericht
- Im fünften Spiel gegen Stuttgart II gelang das zweite Tor. Dieses brachte, da der FCC im Gegensatz zu den sonst üblichen
dreieinhalb Gegentreffern pro Stuttgart-Spiel den Gastgebern keinen Treffer gönnte,
drei Punkte ein.
Nach 13 Sekunden hätte der Abend bereits
einen schlechten Verlauf nehmen können, als Nulle das erste Schüsschen
prallen ließ, der Stuttgarter den Nachschuss jedoch nicht am Jenaer
Torwart vorbeibrachte. Nach 5 Spielminuten brannte es erneut lichterloh vor
Nulles Kasten, als ein Angreifer eine Eingabe um Haaresbreite verfehlte. Die
einzig erwähnenswerte Situation des Jenaer Angriffsspiels war ein
Schuss Wuttkes nach einer Ecke aus 20 Metern in die zweite Etage des kalten
Stuttgarter Abendhimmels (9. min). Ansonsten sah sich Jenas einziger Stürmer
Hähnge immer von einer erdrückenden weißen Abwehrübermacht
umgeben, gegen die alle Dribblings nichts fruchteten. Die Unterstützung
der Mitspieler war nicht gegeben, da z. B. Orlando sich im Hinfallen und
Abseitsstehen übte. Die Jenaer Harmlosigkeit wurde in der 19. min
perfekt demonstriert, als man auf Höhe des Stuttgarter Strafraums
einen Einwurf hatte und den Ball innerhalb von fünf Sekunden
zielsicher zurück zu Nulle brachte. Da Stuttgart außer einem
Schuss am langen Eck vorbei (35.) auch nichts weiter zustande brachte, ging es
nach einer langweiligen Halbzeit torlos in die Kabinen.
Nach Wiederanpfiff änderte sich das Bild.
Der FCC hatte sofort eine Ecke, die aber gefahrlos in einem schnellen Konter
der Gastgeber mündete und uns wie schon zu Beginn der ersten Halbzeit
beinahe ein Gegentor beschert hätte. In der 52. min schirmte Lukimya
den Ball gegen einen Angreifer ab, Nulle sorgte aber für kurzes
Herzflattern, da er den Ball erst im zweiten Zupacken sicher hatte. Die Partie
wurde nun deutlich besser. Ursachen waren nicht nur die jetzt deutlich gefälligeren
Spielzüge der Stuttgarter, sondern auch die Leistungssteigerung
etlicher Jenaer Spieler. So präsentierte sich Schmidt deutlich
selbstbewusster und auch offensiver als vor der Pause, und Ziegner zog immer
aktiver die Fäden im Jenaer Mittelfeld. Doch wieder waren es die
Gastgeber, die kurz vorm Führungstreffer standen, als Schipplock nach
einem langen Pass Lanzaat einfach überlief und Nulle im wahrsten Sinne
Kopf und Kragen riskieren musste. Dafür bekam er eine dreiminütige
Behandlungspause auf dem Rasen. In der 58. Spielminute hatte der FCC seine
erste Torchance: Orlando vernaschte
links seinen Gegenspieler, passte flach in die Mitte, aber Hähnge
setzte den Direktschuss leider übers Tor. Zwei Minuten danach stand
Nulle wieder im Brennpunkt, als er einen Fernschuss Schipplocks über
die Querlatte lenken konnte.
Eine entscheidende Veränderung brachte
die Einwechslung Amrheins für Truckenbrod. Amrhein ging auf die linke
Außenbahn, Orlando wechselte nach rechts und Wuttke rückte
auf die defensive Mittelfeldposition. Damit war Hähnge nicht mehr ganz
allein in der Stuttgarter Hälfte und obwohl sich neben ihm zumeist nur
Amrhein, Orlando und Ziegner in die gegnerische Hälfte getrauten, kam
deutlich mehr Offensivleben ins Jenaer Spiel. Und nur wenige Minuten später,
nach einem zwischenzeitlich weiteren Kapitel des Duells Schipplock vs. Nulle
(66., letzterer klärte zur Ecke), gab es den verdienten Lohn: Hähnge
bekommt in der Mitte kurz hinterm Mittelkreis den Ball, sieht rechts außen
den startenden Orlando, passt die Spielkugel maßgenau hinüber,
Jenas Nummer 10 setzt sich mit einem eleganten Haken gegen den Verteidiger
durch und ballert aus spitzem Winkel ins lange Eck. 1:0!!! Nicht nur der Gästeblock,
auch im sogenannten Heimbereich flippte ein gutes Drittel der Besucher aus.
Drei Minuten später verhinderte das Gebälk des Stuttgarter Tores
Hähnges Nominierung für das "Tor des Monats": Der Jenaer Stürmer
ignorierte die beiden Stuttgarter und zog aus der Drehung vom rechten
Strafraumeck ab. Stolz, der VfB-Keeper, schaute bewundernd dem Ball, den er
sowieso nie und nimmer erwischt hätte, hinterher und ihm dürfte
einige Tonnen Gestein vom Herzen gefallen sein, dass ihm sein Torpfosten
hilfreich zur Seite stand. Bis zur 88. min versuchte Stuttgarts Zweite mit viel
Energie, jedoch ohne Ideen, Jenas Bollwerk zu knacken, Angstperlen trieb dies
aber nicht einmal den sonst aus Prinzip vorm Gegentor zitternden FCC-Fans auf
die Stirn. In jener 88. min kamen zwei Angreifer doch einmal fast in der Mitte
durch, Nr. 1 nahm jedoch der schussbereiten Nr. 2 den Ball vom Fuß.
Einer von beiden, ob Nr. 1 oder 2 ist egal, sank zu Boden (Nase voll?) und der
Referee pfiff zum Entsetzen der Jenaer und zur Verwunderung der Stuttgarter
Zuschauer und zeigte auf den Elfmeterpunkt. Nulle korrigierte den Fehler des
Referees, wehrte den Schuss ins linke untere Eck ab und schubste den
wegspringenden Ball vorm nachsetzenden Schützen zur Seite. Die
verbleibende Zeit inklusive der vier Nachspielminuten überstand der
FCC ziemlich problemlos, auch weil sich van Eck daran erinnerte, dass man
dreimal pro Spiel auswechseln darf und dies immer ein paar Sekunden schindet. Und
so hatten wir endlich, nach einem Vierteljahr (Kiel!!!), wieder einmal eine
Heimfahrt, auf der man sich mit Freude an das erlebte Spiel erinnerte.
<uk>
Spielbericht auf der Stuttgarter Homepage
Fotos auf fanclub-family.de
FC Carl Zeiss Jena - Wuppertaler SV 1:0
Tore: 1:0 Hähnge (43.)
- Jena: Nulle; Sträßer, Lanzaat, Lukimya,
R. Schmidt (46. Wuttke); Kühne, Truckenbrod (78. Mayombo), Ziegner,
Amrhein (88. Nagy); Hähnge, Orlando
- Wuppertal: Maly (
, 6.);
Neunaber, Neppe (76. Altin), Lorenz, Schauml;fer; Müller, Weikl
(79. Bernhardt), Fischer, Celikovic; Formento (6. Karagiannis), Damm
- Zuschauer: 5076
- Schiedsrichter: Schriever (Dorum)
- Spielbericht
- Wie gewohnt konnte man sich auch im Vorfeld dieses Spiels nicht
über mangelnde Unruhe im Umfeld des FC Carl Zeiss Jena beschweren, in
der Woche vor dem Spiel wurde mit Hartmut Beyer der neue Präsident
vorgestellt, der dann auch gleich die Kündigung für Salvatore
Amirante zurückzog und diesem so formal die Rückkehr in die
erste Mannschaft ermöglichte - der Italiener meldete sich aber zunächst
krank und blieb Training und Spiel fern. Die personelle Situation hatte sich
dennoch etwas entspannt, denn mit Sebastian Hähnge war zumindest eine
der Stützen der Jenaer Elf wieder in der Anfangself zu finden. Das
bestimmende Thema im Vorfeld war aber naturgemäß der Freitod
von Robert Enke, der seine Karriere ja in Jena begann und der auch bis zuletzt
noch den Kontakt in seine Heimat gehalten hat. Wie praktisch alle Außenstehenden
traf die Nachricht vom Selbstmord Enkes auch seine Freunde in Jena
unvorbereitet, der Schock über die nur schwierig nachvollziehbare
Entscheidung des erfolgreichen Torhüters saß auch in Jena
entsprechend tief.
Das Spiel begann dann auch mit einer Schweigeminute für
den achtfachen Nationalspieler, bei der manchem Besucher die eine oder andere
Träne über die Wange rollte. Die ersten Minuten des Spiels
hatten dann auch irgendwie den Anschein, als ob die 22 Akteure nicht ganz bei
der Sache wären. Zunächst schenken die Gäste den
Jenaern eine Ecke, weil es ein Missverständnis zwischen einem
Abwehrspieler und Gäste-Keeper Christian Maly gibt, ähnliches
gibt es nur Sekunden später auf der Gegenseite zu sehen. Die erste
halbwegs gefährliche Aktion ist dann ein langer Ball auf Orlando, der
mit seiner Schnelligkeit auch die WSV-Abwehr überrascht und den Gäste-Torwart
mit seiner plötzlichen Anwesenheit direkt vor dem Strafraum offenbar
so überrascht, dass dieser in einem Moment der Unaufmerksamkeit die Hände
zu Hilfe nimmt, obwohl er sich haarscharf außerhalb des Strafraums
befindet. Schiedsrichter-Assistent und Schiedsrichter können in dieser
Situation gar nicht anders, als Maly mit Rot vom Feld zu schicken und dem FCC
eine aussichtsreiche Freistoßposition an der Strafraumgrenze
zuzusprechen. Spätestens jetzt waren die Gedanken von Spielern und
Zuschauern voll und ganz beim heutigen Spiel. Opfer der Aktion von Maly war
letztlich der Wuppertaler Stürmer Formento, für den Gäste-Trainer
Uwe Fuchs nun Ersatz-Torhüter Asterios Karagiannis bringen musste.
Dieser sah sich gleich einer unbequemen Situation gegenüber, denn den
Freistoß von der Strafraumgrenze wollten die Gastgeber natürlich
im Tor unterbringen und dem Spiel so schon früh die richtige Tendenz
geben. Letztlich war es Torsten Ziegner, der sich den Ball zurechtlegte, anlief
und den Ball in Richtung Tor brachte - allerdings fehlten die berühmten
Zentimeter und der Ball strich am rechten Pfosten vorbei. Schon direkt im
Anschluss wurde klar, dass der WSV auch in Unterzahl ein unangenehmer Gegner
sein würde, der sich keineswegs entmutigen ließ. Die Spieler
aus der Stadt mit der Schwebebahn standen nun noch tiefer, als es vermutlich
ohnehin geplant war, Tobias Damm stand jedoch jederzeit bereit, um einen
schnellen Konter vorzutragen. Nach 13 Minuten waren es dann auch die Gäste,
die die nächste gute Gelegenheit hatten: Ein Freistoß aus
rund 25 Metern wurde von Celikovic vorbei an Freund und Feind auf den langen Pfosten
geschlenzt, wo Nulle aber hellwach und mit guter Reaktion zur Ecke klären
konnte. In der Folge bestimmte die in Überzahl spielende Jenaer Elf
zwar die Partie und hatte deutlich mehr Ballbesitz, dennoch muss sie sich den
Vorwurf einer gewissen Ideenlosigkeit anhören, denn gefährlich
wurde es für das Gäste-Tor nur äußerst
selten. Die tief stehenden Gäste machten geschickt die Räume
eng und unterbanden es effektiv, dass Orlando seine Schnelligkeit ausspielen
oder gefährliche Flanken in den Strafraum schlagen konnte. Wenn doch
mal ein Jenaer die Gelegenheit zur Flanke bekam, landete diese meist weit
hinter dem Tor und ließ das Jenaer Spiel entsprechend harmlos
erscheinen. Nach 35 Minuten fasste sich Amrhein ein Herz, sein Schuss bedrohte
aber vordergründig die Eckfahne und kann insofern als symptomatisch für
die Harmlosigkeit des FCC bis zu diesem Punkt gesehen werden.
Nur eine Minute später wären beinahe die Gäste
in Führung gegangen, denn einen schnellen Gegenzug konnte der schon
erwähnte Damm aus rund acht Metern abschließen, allerdings
war auch der selten geforderte Carsten Nulle gut drauf und konnte den Ball zwar
nicht festhalten, aber doch parieren. Bis zu diesem Zeitpunkt waren es damit
aber trotz Unterzahl doch die Wuppertaler, die die beste Chance der ersten
Halbzeit herausgespielt hatten. Die Szene der ersten Halbzeit stand aber noch
bevor, denn einmal mehr war es Orlando, der mit dem Ball am Fuß Fahrt
aufnahm und gleich mehrere Gegenspieler ausspielte. Beim letzten Verteidiger
Lorzenz versagten die Künste des kleinen Dribblers aber und es kam zum
Zusammenstoß, den die Gäste als freistoßwürdig
betrachteten und vehement den Pfiff des Schiedsrichters forderten. Dieser blieb
aber aus und Jens Truckenbrod nahm sich den Ball, zog sofort
ab und prüfte Karagiannis, der den Ball nicht festhalten konnte.
Dieser prallte nun vor die Füße von Sebastian Hähnge,
der bisher in dieser Saison torlos geblieben war und nun aus wenigen Metern nur
noch einschieben musste - TOOOOR für den FCC, endlich das erlösende
1:0!
Mit diesem Ergebnis ging es dann auch in die Kabinen, aus
denen die Gäste unverändert zur zweiten Halbzeit zurückkamen.
Beim FCC kam Wuttke für Schmidt, der aus Sicht von Trainer René van
Eck Gelb Rot-gefährdet war. Schon direkt nach Wiederanpfiff ist es
erneut Orlando, der die Gäste-Abwehr quasi im Alleingang umspielt und
dann nur noch den Torhüter vor sich hat, den Ball dann aber leider
etwas überhastet am Tor vorbeihämmert, anstatt ihn überlegt
einzuschieben. Die Gäste änderten zunächst wenig an
ihrer Spielweise und standen weiter tief, genauso schwer taten sich aber auch
die Jenaer. In der Folge plätscherte das Spiel dahin und auch in Folge
zahlreicher unnötiger Ballverluste im Spielaufbau konnte keine der
beiden Mannschaften gefährliche Chancen herausspielen. Wenn überhaupt
etwas Gefahr zustande kam, dann in Folge von Freistößen.
Doch auch hier versäumten es Gastgeber und Gäste, die Torhüter
zum Eingreifen zu zwingen oder gar vor ernsthafte Herausforderungen zu stellen.
In den letzten zehn Minuten wurden auch die Gäste noch einmal mutiger,
die Jenaer Verteidigung stand aber überwiegend sicher und zwang Nulle
nicht zum Eingreifen. Als bereits einige Minuten der Nachspielzeit gespielt
waren, eröffnete sich dem FCC noch die Chance auf 2:0 zu erhöhen.
Nach einem langen Ball lief Ziegner zusammen mit Orlando
aufs Gäste-Tor zu, begleitet nur von einem letzten Gäste-Verteidiger.
Als Ziegner den Ball zum einschussbereiten Orlando spielen wollte,
versagten ihm aber die Kräfte und die Nerven, sodass der Ball
unerreichbar für den mitgelaufenen Stürmer ins Aus trudelte.
Kurz darauf war aber auch Schluss und die Jenaer konnten
sich über drei Punkte freuen, die gegen den direkten Tabellennachbarn
natürlich sehr wichtig waren. Mit etwas mehr Kreativität und
Konsequenz im Torabschluss hätte man die Partie allerdings weniger anstrengend
für das leidgeprüfte Nervenkostüm der Jena-Fans
gestalten können. Nun bleibt zu Hoffen, dass die Jenaer in den
kommenden beiden Auswärtsspielen ebenfalls Punkten und so die Distanz
zu den Abstiegsrängen weiter vergrößern können. <bh>
1. FC Heidenheim - FC Carl Zeiss Jena 3:1
Tore: 0:1 Truckenbrod (35.), 1:1 Lukimya (60., ET), 2:1 Mayer (79.), 3:1 Weil (90.)
- Heidenheim: Bodemer; Meier, Göhlert, Krebs, Feistle; Bagceci
(46. Gül), Klarer, Weil, Essig (59. Mayer); Spann (88. D. Jarosch),
Heidenfelder
- Jena: Nulle; Sträßer, Lanzaat, Lukimya, Wuttke;
Kühne, Truckenbrod (86. Petersen), Ziegner, Amrhein; Orlando, Mayombo
(75. Eckardt)
- Zuschauer: 6130
- Schiedsrichter: Nowak (Bottrop)
- Spielbericht
- Im Spiel eins nach seinem Tod war Robert Enke auch fern der thüringischen
Heimat in Heidenheim allgegenwärtig. Der FCC verzichtete auf den
üblichen Aufdruck der Trikotbrust und die FCH-Fans auf ihre geplante
Choreo, beide Teams liefen mit Trauerflor auf und während der
holprigen Gedenkrede des Heidenheimer Stadionsprechers erinnerte der
Gästeblock ganz in schwarz an Jenas großen Sohn.
Wer gedacht hatte, der Nachmittag ginge derart besinnlich weiter, sah sich sehr
schnell getäuscht. Auf der Stadionbaustelle nahe des Schlosses
Hellenstein entwickelte sich ein überaus temporeiches Spiel mit
Chancen hüben wie drüben. Amrhein und Ziegner
(Außenpfosten) nach zwei und fünf Minuten hier - Meier (14.)
und Weil (16.) dort, Smeekes mit Hammerschuß (17.), Amrhein nach
Traumkombination (22.) sowie Kühne und Mayombo nach Eckball (25.)
wieder hier, es brannte unentwegt in beiden Strafräumen.
Gefährlich wurden die Gastgeber dabei fast immer bei ihren Angriffen
über Jenas lichterloh brennende linke Abwehrseite. Es ist nicht
überliefert, ob dies von Rene van Eck so gewollt war, aber Jena
spielte quasi mit Dreierabwehrkette, während
Sträßer als linker Läufer seine Seite über
die gesamte Länge des Spielfeldes allein zu beackern hatte, Smeekes
neben Mayombo im Zentrum stürmte. Was defensiv einem Harakiri glich,
führte aber gleichzeitig zu einem personellen Übergewicht des
FCC im Mittelfeld, welches die Heidenheimer vor große Probleme
stellte, und Jenas Fans ob des gebotenen Kombinationsflusses erstaunte. Der FCC
spielte als komplettes Kontrastprogramm zum letzten Heimauftritt einfach
schön anzusehen, die Einstellung stimmte bei jedem Einzelnen und nach
35 Minuten folgte die Belohnung in Form der Führung. Der ins Team
zurückgekehrte Torsten Ziegner tankt sich wie in alten
Regionalligazeiten auf der rechten Seite ein, an zwei Heidenheimern vorbei zur
Grundlinie durch, passt millimetergenau zurück auf Jens Truckenbrod,
der den Ball aus zehn Metern zu seinem so lange überfälligen
ersten Punktspieltor für den FCC versenkt. Was in Robert Enkes
ehemaligem Klassenkamerad Torsten Ziegner vorgeht, der im stillen Jubel beide
Arme gen Himmel reckt, kann man erahnen. Kurz darauf muss Smeekes eigentlich
das zweite Tor nachlegen, als er mutterseelenallein von der Mittellinie aus
aufs Tor zurast, aber am einzig verbliebenen Heidenheimer Verteidiger
hängenbleibt. Dann heißt es erst einmal Sichern des
Vorsprunges, Smeekes besetzt nun das linke Mittelfeld und nur noch einmal ist
Zittern angesagt, als Weils Schuss nur knapp am Nulle-Gehäuse
vorbeischrammt (37.). Pause, Jena führt und das verdient, wenn auch in
der Innenverteidigung mit Lukimya und Rückkehrer Lanzaat alles andere
als sicher.
René van Eck wechselt nicht, lässt aber seine Flügelzange Patrick
Amrhein und Orlando Smeekes die Seiten tauschen, ein Schachzug mit Folgen.
Jenas linke Seite ist nun endgültig zu für die Heidenheimer
Angriffsbemühungen, während Smeekes auf rechts im
völlig überforderten Außenverteidiger Feistle ein
ums andere Mal ein leichtes Opfer für seine
Flügelläufe vorfindet. Von Heidenheimer Ausgleichsdruck ist
nicht einmal ein Ansatz zu spüren, hier und jetzt geht es ganz klar um
die Spielentscheidung zugunsten der Gäste, die sich mit laufintensivem
und beängstigend temporeichem Spiel Chance um Chance erarbeiten. Der
als einzige Spitze stets anspielbereite Mayombo nach Kühne-Zuspiel
knapp vorbei (46.), Ziegner mit Freistoß in die Mauer (49.), Amrhein
aus dem Fußgelenk nur um Haaresbreite am Winkel vorbei (52.), Mayombo
nach Ziegner-Zuckerpass mit von Ersatz-Ersatzkeeper Bodemer glanzvoll pariertem
Schuss (55.), Kühne mit Flachschuss (61.), es stellte sich beinahe nur
die Frage, welcher der 11 Jenaer der kommende Torschütze sein
würde. Assani Lukimya war es dann, den der Stadionsprecher als solchen
verkündete, leider im Jubelton und begleitet vom
Kopfschütteln 500 fassungsloser Gesichter im Gästeblock. Was
war passiert? Ballverlust Truckenbrods im Mittelfeld, geschickter Pass
Güls auf den gerade eingewechselten Mayer, dessen Schuss Nulle
sensationell nach vorn abwehrt, wo er von der Brust Jenas Abwehrchefs
über den verdutzten Keeper ins Tor hüpft. Jenas Antwort
ließ nicht auf sich warten: Aber Smeekes findet in Bodemer seinen
Meister (66.), Ziegner zielt aus 20m knapp daneben (67.), Mayombo erwischt
Ziegners Zuspiel drei Meter vor dem Tor eine Hundertstelsekunde zu
spät (69.). Als dann nach 70 gespielten Minuten sowohl Lukimya, als
auch Truckenbrod und Mayombo Wuttkes wunderbare Eingabe von rechts nicht im
leeren Tor unterbringen können, hat der FCC nicht nur sein Pulver
verschossen, sondern sich auch selbst den Nerv gezogen. Eckardts Einwechslung
für Mayombo geht nach hinten los, weil nun die ballsichere Anspielstation
in der Spitze fehlt, und Nulle muss bei Kontern der nun aufdrehenden
Heidenheimer gleich zwei Mal binnen einer Minute sein ganzes Können
aufbieten. Nach 79 Minuten ist auch er machtlos, als Ziegner Heidenfelders
Schuss zunächst abblockt, aber der schwache Referee Nowak
Göhlerts Foul an Kühne nicht ahndet und Mayer aus Nahdistanz
vollendet. Ob der mitten in diese Aktion zu hörende Pfiff vom Referee
oder aus dem Publikum kam, bleibt das Geheimnis des Mannes aus Bottrop, der Treffer
zählte.
Jena blieben noch 11 Minuten, doch der Akku schien leer, zu
sehr hatte das Powerplay nach der Pause geschlaucht, stattdessen konterten die
Gastgeber ein ums andere Mal gefährlich und beseitigten mit dem
dritten Treffer in der Nachspielzeit alle Zweifel am mehr als
glücklichen Heimsieg. Dass Tim Wuttke - heute auch als rechter
Außenverteidiger gewohnt zuverlässig - den Schuss Weils
unhaltbar abfälschte, war ein sinnbildlicher Abschluss eines
unglücklichen Spieles, in dem der FC Carl Zeiss vieles richtig machte,
aber mit Fortuna und der eigenen Qualität vor dem gegnerischen Tor
hadern muss. <gunner>
FC Carl Zeiss Jena - SG Dynamo Dresden 0:4
Tore: 0:1 Röttger (4.), 0:2 Röttger (22.), 0:3 Kühne (36., ET), 0:4 Müller (77.)
- Jena: Nulle; Sträßer, Wuttke, Lukimya, Nagy (46.
Ziegner); Amrhein, Kühne, Truckenbrod, Eckardt (33. Orlando);
Mayombo, Benyamina (70. Kolb)
- Dresden: Keller; Cozza (35. Kunze), Oppitz, Trehkopf, Röttger
(46. Koch); Strifler, Hübener, Petrovic, Müller; Savran, Dobry
(78. Jungnickel)
- Zuschauer: 9846
- Schiedsrichter: Kempter (Sauldorf)
- Spielbericht
- Eigentlich sollte man mit dem
Schreiben erst anfangen, wenn man sich selbst wieder im Griff hat, der Puls die
200er-Marke unterschreitet, die Gedanken anfangen sich zu ordnen. Aber diesmal
geht es nicht. Die Wut muß raus, muß ungefiltert aufs Papier,
auch wenn es kein passendes Vokabular für ein derartiges Versagen
geben dürfte.
Es war eine Demütigung,
ein Untergang! Alleine die ersten fünf Minuten gegen Dresden sind bei
normaler Finanzlage ein Kündigungsgrund für den Trainer und
die halbe Mannschaft. Statt dem Tabellenvorletzten zu zeigen, warum er dort
unten steht, wird die Schlacht kampflos preisgegeben, die Initiative gar nicht
erst ergriffen. Dazu kommen diese dümmlichen Fehler bei der
Ballbehandlung und schon wird es ein unvergeßlicher Nachmittag! Ein grundloser
Querschläger von Nagy, ein bewunderndes Platzmachen Sträßers
(wo war der denn auf einmal hin?), ein Schuß von Röttger. 0:1
(4.). Dann: Ein leichter Ballverlust von Mayombo in der Spitze, eine schnelle Kombination
über den ganzen Platz ohne Jenaer Ballberührung oder auch nur
die Chance dazu, eine flache Hereingabe von Dobry auf den völlig
vereinsamten Röttger. Noch ein Schuß, diesmal ins andere
Eck. 0:2 (23.). Und dann zu allem Überfluß auch noch so ein
Eigentor der Kategorie 'Schöner geht's nicht', als Kühne einen
Müller-Freistoß mit dem Knie in den Winkel donnert. Absolut
unhaltbar für Nulle (35.). Ich hätte hier gerne ein bißchen
was vom Aufbäumen geschrieben, vom Kampfgeist, der einfach nicht
belohnt wurde oder so. Aber es war einfach nur erbärmlich. Ein Zweikampfverhalten wie zur Love-Parade. Kein Biß, kein Wille. Nicht mal
den Ansatz einer Jenaer Chance gibt es hier zu beschreiben.
Dafür müssen
die Zuschauer im Stadion noch 20 Spielminuten voller Jenaer Unzulänglichkeiten
plus Halbzeit über sich ergehen lassen und das alles bei
Heimspielatmosphäre für Dresden. Ich kann das hier gottlob schneller
machen. Es war Lukimya, der einen Ziegner-Freistoß gefährlich
in Richtung des Dresdner Tors verlängerte und Keller zu einer schönen
Parade zwang (54.). Immerhin der Auftakt zu den stärksten fünfzehn
Minuten unserer Helden, in denen sich zwei, drei gute Möglichkeiten zu
einem Anschlußtreffer ergaben. Erst scheiterte Orlando mit einem Schuß
von der Strafraumgrenze an Keller (55.), kurz darauf segelte ein
30-Meter-Knaller von Amrhein knapp am Dresdner Gehäuse vorbei (57.). Und
dann die 68. Spielminute! Der erste Spielzug der Jenaer, der aussah wie gewollt.
Da läuft der Ball mal über fünf, sechs Stationen, da
kann sich Amrhein auf der linken Seite schön durchsetzen und auch
Mayombo macht eigentlich alles richtig. Pech, daß sein Drehschuß
am gedankenschnellen Keller hängenbleibt. Wäre diese erste Katastrophenhalbzeit
nicht gewesen, das Publikum hätte sicherlich verzückt
applaudiert. So aber war nur ein langgezogener Seufzer zu hören.
Aber die Jenaer Erfolgsgeschichte für diesen Nachmittag ist ohnehin schon wieder zu Ende.
Was noch kommt ist stattdessen der endgültige
Offenbarungseid. Nachdem Savran aus Ermangelung an Gegenspielen den Ball
ungehindert aus 20 m an die Latte donnern kann (wieder waren Sträßer
und Lukimya erst ganz eng dran und dann wie vom Erdboden verschluckt), bringen
es die Jenaer dreißig Sekunden lang nicht fertig, für klare
Verhältnisse im Strafraum zu sorgen. Als Savran zig verlorene Zweikämpfe
später den Ball wieder kriegt, sehen alle Zuschauer schon was jetzt kommen
muß, können in Ruhe ihre Fahnen einrollen, ihre Kissen
einpacken und was sonst noch so zu tun ist, um ganz schnell nach Hause zu
kommen. Es war wirklich so offensichtlich, daß der Savran dem Müller
das Ding auflegt, daß man schon fast enttäuscht darüber sein mußte, nichts Spektakuläreres geboten zu bekommen.
Noch den Nulle hübsch ausgekurvt und dann rein damit (77.). Schöner
geht's nicht mehr. Nie habe bereits eine Viertelstunde vor dem Abpfiff so eine Abwanderungswelle erlebt (O-Ton: "Da glotze ich mir lieber die Kandinsky-Ausstellung an")
Es tut mir leid, wenn das hier alles sehr sarkastisch rüberkommt,
aber es war bei diesem Spiel die einzige Möglichkeit, nicht völlig
die Beherrschung zu verlieren oder sich diversen Gewaltphantasien hinzugeben.
Eine solche Darbietung ist mir in Jena noch nicht untergekommen. Das
Pfeifkonzert zum Ende konnte nicht annähernd wiedergeben, was sich
hier gerade abgespielt hatte. Es ist ja nicht, daß Jena inzwischen
nahezu jedes Ostderby als Zweitplazierter beendet, sondern es ist die Art und
Weise, wie hier untergegangen wird. Spielerische Mängel sind
verzeihlich, wenn auch nicht immer nachvollziehbar. Aber kämpferisch
muß es einfach stimmen. Jeder Kreisklassespieler weiß, daß
man sich in der Anfangsphase erst mal Respekt verschaffen muß, will
man nicht den Rest des Spiels wie ein Depp aussehen ("gib dem Neuner gleich
einen mit, damit er weiß, dass er seinen Hutzebutz hier
vergessen kann" war der bekannte Slogan unseres Trainers vor jedem Derby in
Zottelstedt). Die Dresdner wußten das, die Jenaer nicht. In meinen
Augen das größte Problem ist und bleibt aber dieses konfuse
Miteinander. Da sind keine Laufwege aufeinander abgestimmt, da gibt es
keinerlei Zuordnung, da fehlen vorne die Leute, die hinten zu wenig sind. Was
machen die eigentlich die Woche über?
Persönlich fürchte ich, daß van Eck trotz
aller Sympathien nicht der richtige Mann für diesen Job ist. Aber neu
ist diese Erkenntnis im Verein ja nun auch nicht...
Das war ein grauenhafter Samstag!
Wollen wir uns nicht schneller im Abstiegskampf wiederfinden als uns lieb ist, darf sowas nicht so schnell wieder passieren. Es sind jetzt zwei Wochen Zeit,
irgendwie zu reagieren und diesem nervösen Haufen wieder
Selbstvertrauen einzuflößen. Wie das gehen soll, ist mir
ehrlich gesagt ein Rätsel. Aber vielleicht reicht es ja auch schon, wieder
vor den für die dritte Liga typischen Gruselkulissen anzutreten. Zu
viel Öffentlichkeit ist unserer Mannschaft scheinbar ein Graus. Insofern
liegt über den nächsten Wochen ein zarter Hoffnungsschimmer,
wenn wir uns mit Fußballgrößen wie dem 1. FC
Heidenheim oder dem Wuppertaler SV der üblichen Tristesse hinzugeben haben. <bpf>
SSV Jahn Regensburg - FC Carl Zeiss Jena 1:1
Tore: 0:1 Mayombo (27.), 1:1 Würll (90.)
- Regensburg: Sattelmaier; Hörnig (57. Jarosch),
Hagmann (
, 88.), Maul, Binder; Zellner,
Kreis (74. Schlauderer), Haller, Berger; Stoilov, Schmid (60. Würll)
- Jena: Nulle; Sträßer, Lukimya, Wuttke, Nagy; Eckardt
(70. Orlando), Truckenbrod, Kühne, Amrhein; Mayombo, Benyamina (90. Kolb)
- Zuschauer: 4108
- Schiedsrichter: Glasmacher (Alsdorf)
- Spielbericht
- Im letztjährigen Abstiegskampf hatte mir der
Spielberichtsorganisator das Angebot abgerungen, im Falle des Nichtabstiegs mal
wieder einen Spielbericht zu verfassen. Dies hatte die FCC-Helden dann
tatsächlich noch so angestachelt, dass sie sich auf der Zielgeraden
über den Strich retteten. Mein Versprechen sollte nun zum Abschluss
der "Bayrischen Wochen" beim Gastspiel bei Jahn Regensburg
eingelöst werden. Die Münchner FCC-Gemeinde um "Gleis
26" traf sich pünktlich nach dem Frühstück
zur gemeinsam Fahrt in die Hauptstadt der Oberpfalz. Die Stimmung war
entspannt, denn gegen Regensburg hatte der FCC noch nie verloren und in
Regensburg stets 2:2 gespielt. Ein Resultat mit welchem man in der aktuellen
Situation auch wieder zufrieden gewesen wäre.
Nach problemloser und zügiger Fahrt im ALEX wartete
in Regensburg noch eine Busfahrt zum Stadion auf uns, die gefühlt so
lange wie die Zugfahrt dauerte. Der Fahrer wollte uns wohl die
Schönheit der Stadt genießen lassen, anders sind die
minutenlangen Stopps an den Haltestellen nicht zu erklären.
Letztendlich erreichten wir aber pünktlich das Jahnstadion, dessen
Charme gleich deutlich darauf hinweist, dass man sich in einer der ältesten
Städte Deutschlands befindet.
Die Gastgeber hatten
nach ihrem sehr guten Saisonstart zuletzt etwas geschwächelt und vier
Spiele in Folge nicht gewonnen (3 Niederlagen, 1 Unentschieden) und waren von
den Aufstiegsrängen auf Platz sieben zurückgefallen.
Angeführt vom Kapitän und Ex-Jenaer Alexander Maul
übernahm Regensburg gleich die Initiative und bereits nach drei
Minuten knallte der Ball zum ersten Mal gegen den Pfosten des Jenaer Tores.
Allerdings stand Schütze Haller dabei im Abseits. Der FCC startete mit
der Elf der zweiten Halbzeit vom Spiel in Unterhaching und meldet sich mit
einem Schuss von Amrhein, den Sattelmaier zur Ecke abwehrte, in Minute sieben
erstmals offensiv zu Wort. Regensburg blieb aber spielbestimmend und traf durch
Stoilov erneut den Pfosten (19.). Den zurückspringenden Ball bugsierte
Haller unbedrängt über das leere Tor. Dies wirkte allerdings
als Wachruf für die Jenaer Kicker, die nun doch auch etwas mehr nach
vorn versuchten. In der 26. Minute konnte Alexander Maul gerade noch René
Eckardt an der Strafraumgrenze am Schuss hindern. Eine Minute später
lupfte Amrhein im Mittelfeld den Ball schön zu Truckenbrod, der einen
feinen Pass in den Strafraum spielte und Mayombo mit prima Einsatz noch vor dem
zögerlichen Abwehrspieler am Ball war und ihn an Sattelmaier vorbei
zum 1:0 ins Tor spitzelte. Die Führung war zu diesem Zeitpunkt sicher
etwas überraschend, wäre aber fast noch erhöht
worden, doch Truckenbrod kam bei einem weiten Pass von Nagy einen Schritt zu
spät (34.). Regensburg kam vor der Pause nur noch zu einer Chance, die
Nulle aber souverän meisterte (41.).
Der FCC kam besser aus der Pause und bestimmte nun
zunächst das Spielgeschehen. Eckardt passt zu Amrhein, der legt auf
Mayombo ab, der leider einen Schritt zu spät kommt (47.). Zwei Minuten
später behauptete Mayombo im Strafraum den Ball gegen Maul. Dieser
konnte sich nur mit einer Ringereinlage helfen. Der fällige
Elfmeterpfiff des insgesamt recht schwachen Schiedsrichters Glasmacher blieb
aber aus. Die nächste Chance hatte Sträßer nach
Doppelpass mit Eckardt. Doch sein Schuss ging knapp am rechten Pfosten vorbei
(53.). Regensburgs erste Offensivaktion in der zweiten Halbzeit war ein
Fernschuss aus knapp 30 Metern, der aber weit am Kasten von Nuller vorbei ging
(55.). Trainer Weinzierl reagierte und brachte mit Würll nach einer
Stunde einen weiteren Angreifer. Auch wenn Regensburg damit das Spiel wieder
etwas ausgeglichener gestalten konnte, blieben Chancen nun auf beiden Seiten
zunächst aus. Nach 70 Minuten kam Orlando für Eckardt und
damit auch neuer Schwung ins Spiel. Zunächst setzt sich Orlando auf
rechts durch und flankt von der Grundlinie, den Kopfball von Amrhein kann
Sattelmaier aber entschärfen (76.). Drei Minuten später ein
Konter des FCC, Truckenbrod passt auf Mayombo, der in aussichtsreicher Position
verstolpert. Und drei Minuten vor Ablauf der regulären Spielzeit wird
Orlando über links geschickt, Hagmann kommt nicht hinterher und
erwischt Orlando nur noch am Fuß und kassiert dafür - da
letzter Mann - die Rote Karte. Die 90 Minuten waren abgelaufen, Regensburg
bemüht sich noch einmal in
Richtung Jenaer Tor und Mayombo geht etwas ungeschickt in den Zweikampf -
Freistoß und wohl die letzte Aktion im Spiel. In der
Gästekurve bangte man nun schon, dass es doch nicht schon wieder mit
einem späten Ausgleich in Regensburg enden kann und darf ... Aus dem
Fanblock vom anderen Ende des Spielfeldes sah man den Freistoß
über Freund und Feind hinwegsegeln und dann tatsächlich im
Netz zappeln. Hinterher hörte man, dass wohl Mayombo unglücklich
ins eigene Tor getroffen hatte. Sehr ärgerlich! Dem Spielverlauf nach
sicher eine akzeptable Punkteteilung. Aufgrund der besseren zweiten Halbzeit,
in der vergessen wurde, den berühmten Sack zuzumachen,
aber doch zwei verschenkte Punkte mit einem
tragischen Helden Mayombo. <jw>
SpVgg Unterhaching - FC Carl Zeiss Jena 3:1
Tore: 1:0 Steegmann (43.), 2:0 Steegmann (63.), 3:0 Kanca (76.), 3:1 Benjamina (82.)
- U'haching:Kampa; Konrad, Hain, Brysch, Schaschko (90. Ziegler);
Tyce, Mitterhuber, Zillner, Leandro; Schweinsteiger (73. Kanca), Steegmann (79. Rathgeber)
- Jena: Nulle; Sträßer (73. Osadchenko), Lukimya, Wuttke, Nagy; Eckardt, Kühne, Truckenbrod, Ziegner (46. Benyamina), Orlando (46.
Mayombo); Amrhein
- Zuschauer: 3300
- Schiedsrichter: Fischer (Hemer)
- Spielbericht
- Same procedure as every year.
Der FCC verliert obligatorisch sein Auswärtsspiel bei der Spielvereinigung Unterhaching, diesmal
mit 3:1 und nach zwei völlig unterschiedlichen Halbzeiten.
Der
Minutenzeiger hatte noch nicht einmal eine volle Umdrehung gemacht, da hatten
Jenas Fans den Torschrei auf den Lippen, als Patrick Amrhein von Ziegner
mustergültig bedient von der Strafraumgrenze abziehen kann, aber nur ein
klägliches Schüsschen zustande bringt. Ein Auftakt mit Signalwirkung konnte man
hoffen, doch als Referee Fischer 45 Minuten später zur Pause pfiff, war aus
Sicht des FCC keine einzige weitere Möglichkeit zu notieren gewesen, von einem
großzügig verzogenen Distanzschuss des überraschend sofort eingesetzten Kühne
einmal abgesehen. Jena lieferte eine erste Hälfte ohne jeden Esprit, blieb im
Offensivspiel erschreckend harmlos und lag verdient mit 0:1 zurück. Dass dieses
Gegentor aus einer lächerlichen Schauspieleinlage Zillners an der
Seitenauslinie direkt vor den Augen des schwachen Linienrichters und folgender
Freistoßflanke resultierte, war bitter. Aber Steegmanns gegen Lukimya
folgenschwer gewonnenes Kopfballduell zum Führungstreffer kurz vor der Pause
(43.) eben auch nur eine der zahlreichen Hachinger Möglichkeiten. Von denen
vergab der Torschütze selbst üppig (12., 26., 34.), aber Zillner nach seinem
Sturmlauf zwischen den verdutzten Sträßer und Ziegner hindurch zweifellos die
größte - Nulle rettete glanzvoll (33.).
So konnte es nicht weitergehen, und van Eck, der schon vor Anpfiff auf den sich
beim Aufwärmen verletzenden Holwijn verzichten musste, stellte erneut um. Auch,
weil der blasse Orlando Smeekes mit ausgekugelter Schulter passen musste. Aus
dem 3-5-1 mit Doppelsechs Kühne/Truckenbrod und Amrhein als einziger Spitze
wurde nun ein 4-4-2. Amrhein rückte zurück auf die linke Mittelfeldposition,
als Spitzen agierte dabei das Sturmduo der in dieser Saison so begeisternden
II. Mannschaft, und plötzlich ging beim FCC nach vorn die Post ab. Insbesondere
Exaucé Mayombo war von Hachings Verteidigern kaum zu stellen und lieferte eine
starke Partie ab. Kühnes Schuss nach Truckenbrod-Ablage gab nach 51 Minuten die
Richtung vor, Mayombos abgefälschter Schuss folgte zwei Minuten später, Amrhein
prüfte Kampa im Hachinger Tor aus 18 Metern (54.), Truckenbrod zieht knapp
übers Tor (58.). Jena war jetzt richtig im Spiel, die Kombinationen liefen
flüssig und spätestens in der 59. Minute musste es einfach soweit sein, als
Rene Eckardt auf rechts mustergültig von Sträßer bedient wird, aber statt Kampa
den Ball um die Ohren zu ballern eine unmotivierte Mischung aus Heber und
Flanke ansetzt. Wie einfach Fußball sein kann, demonstrierten die Bayern kurz
darauf auf der Gegenseite: Langer Befreiungsschlag Hains aus der eigenen Hälfte
auf den durchstartenden Steegmann, der vernascht Wuttke im 16er und schiebt
lässig zum 2:0 ein. Bewundernde Worte fielen im Gästeblock über die weise
Voraussicht jenes sonst so viel- und weitreisenden Münchner FCC-Fans, der einem
Gelübde folgend den Nachmittag lieber weit abseits seinen Hund Gassi führend
verbrachte. Seit dem Sieg vor 17 Jahren scheint für unseren Club ein Fluch auf
diesem Sportplatz zu liegen. Sonst hätten vielleicht auch Mayombo nach
Traumzuspiel Benyaminas freistehend vor Kampa die Nerven nicht versagt (65.).
Und sonst würde ein Schiedsrichter bei einem Foul wie dem Kampas an Carsten
Sträßer im 16er auch einmal auf Elfmeter entscheiden. Für Sträßer bedeutete
Kampas übles Einsteigen das Ende der Partie - Jenas dritte Verletzung an diesem
Tage - und die Unordnung in der Hintermannschaft des FCC nutzte der
eingewechselte Kanca zur endgültigen Entscheidung. Dabei hätte es vielleicht
noch einmal eng werden können, wenn nach Benyaminas Anschlusstreffer per Kopf -
Nagy hatte von links geflankt - mehr gekommen wäre als die vergebenen
Möglichkeiten Benyaminas (Kopfball nach Eckball von rechts, 83.) und Amrheins
Freistoßversuch übers Tor (84.). Wo das Problem des FCC liegt, demonstrierte
dann eine Minute vor dem Ende René Eckardt noch einmal final, als er völlig
freistehend an Kampas Blitzreaktion scheitert. Nein, nichts zu holen in
Münchens Süden. Verflucht! <gunner>
FC Carl Zeiss Jena - FC Ingolstadt 04 2:0
Tore: 1:0 Lukimya (72.), 2:0 Holwijn (83.)
- Jena: Nulle; Sträßer, Lukimya, Wuttke, Nagy; Holwijn,
Truckenbrod, Ziegner (85. Eckardt), Orlando (90. Fuss); Amrhein,
Hähnge (73. Benyamina)
- Ingolstadt: Lutz; Keidel, Pisot, Wenczel, Ruprecht; Leitl,
Fleßers (71. Braber), Karl, Buchner; Neuendorf, Hartmann
- Zuschauer: 5099
- Schiedsrichter: Siebert (Berlin)
- Spielbericht
-
Im Vorfeld des Spiels gab es jede Menge Aufregung im Umfeld des FCC: Spätestens mit der Pokalniederlage in
Meuselwitz und der anschließenden Suspendierung von Salvatore Amirante hatte der FCC wieder einmal demonstriert,
dass man in Jena mit allem rechnen muss. Dazu kam noch die Vorstellung des neuen Geschäftsführers Michael
Born unter der Woche, Ablenkung von der Vorbereitung auf das Spiel gegen einen der Staffelfavoriten des Jahres gab
es also zur Genüge.
Mit dem FC Ingolstadt 04 war eine Mannschaft im Ernst Abbe Sportfeld zu Gast, gegen die der FC Carl Zeiss Jena erst
ein einziges Mal im Rahmen eines Winter-Trainingslagers gespielt hat. Das ist allerdings weniger überraschend,
zumindest wenn man betrachtet, dass der FC Ingolstadt 04 erst im Jahr 2004 als Zusammenschluss von MTV 1881 und ESV
Ingolstadt entstanden ist. Seitdem hat der Verein mit der Unterstützung des großen Sponsors im Rücken
einen steilen Aufstieg erlebt und konnte schon im Jahr 2007 den Aufstieg in die zweite Bundesliga feiern. Der letztjährige
Abstieg darf als Betriebsunfall verstanden werden, der den langfristigen Weg in Richtung erste Bundesliga wohl nur verzögert
hat. Spätestens beim Blick auf das Mannschaftsfoto der Gäste wird deutlich, wie der Verein verstanden werden soll: Der
Star ist nicht die Mannschaft, auch nicht bundesligaerfahrene Spieler wie "Zecke" Neuendorf Stefan Leitl, selbst Trainer
Horst Köppel steht im zweiten Glied. Bei Ingolstadt 04 gilt einzig und allein: Der Star ist der Sponsor.
Aber kommen wir zum Spiel: Den Spielern des FCC war von Beginn an anzumerken, dass die Geschehnisse außerhalb
des Platzes nicht völlig verdrängt werden konnten, jedenfalls waren die Gäste aus Ingolstadt von Beginn an
die spielbestimmende Mannschaft. Bereits in der ersten Minute kommen die Gäste gefährlich vors Jenaer Tor, die
Flanke von Leitl kann Buchner aber nicht verwerten. Nur wenige Augenblicke später versucht der rehabilitierte Ziegner
einen Rückpass zu Carsten Nulle, der Ball ist allerdings beinahe zu kurz und bringt Nulle erstmals in Bedrängnis.
Dank einer schnellen Reaktion kommt er allerdings noch vor dem Ingolstädter Spieler an den Ball und kann die Situation
klären. Dennoch blieben die Gäste dominant und kamen noch in der zweiten Minute nach einer Keidel-Flanke durch
Buchner zur nächsten Chance, auch dieser Kopfball verfehlte das Jenaer Tor aber knapp. Erst nach diesen drei Aufregern
konnten die Jenaer Fans erstmals durchatmen; auch wenn die FCC-Elf sich keine eigenen Chancen erspielen konnte, gelang es
nun immerhin, die Gäste vom eigenen Tor fernzuhalten. Dennoch wirkten die Gäste auf dem vom Regen getränkten
Rasen stets spritziger und technisch versierter und konnten mit einfachen Doppelpässen immer wieder schnelle
Vorstöße einleiten, die zum Glück für die Jenaer Elf nicht mit letzter Konsequenz ausgespielt
wurden. Wenn die Ingolstädter doch einmal den Abschluss fanden, war dann allerdings Carsten Nulle zur Stelle,
der insgesamt eine überzeugende Partie ablieferte. Auch nach einem Schuss von Karl aus rund zehn Metern war
Nulle zur Stelle und konnte per Fußabwehr klären. Nach knapp einer halben Stunde kamen auch die Jenaer
erstmals zu so etwas ähnlichem wie einer Torchance, als Patrick Amrhein auf der rechten Außenbahn vor
dem unnötigerweise herauseilenden Ingolstädter Torhüter Lutz an den Ball kommt und an diesem auch
vorbeikommt, dann aber ausrutscht und damit das großzügige Geschenk der Gäste dankend ablehnt. Kurz
vor dem Halbzeitpfiff ist es wieder Amrhein, der an der Strafraumgrenze der Ingolstädter glücklich an den
Ball kommt, die gebotene Chance aber mit einem Schuss zur Eckfahne kläglich vergibt. Damit blieb es zur Halbzeit
beim 0:0 und obwohl die Ingolstädter nicht viele klare Torchancen erspielt hatten, waren sie doch ohne Zweifel
die gefälliger spielende Mannschaft, die eine Führung zu diesem Zeitpunkt absolut verdient hätte.
In den Minuten nach Wiederanpfiff hatte man nicht den Eindruck, als ob René van Eck der Mannschaft in der Kabine
entscheidende Impulse gegeben hat. Wieder hatten die Ingolstädter den besseren Beginn für sich: Mit zwei
Freistößen aus rund 20 Metern brachte Keidel den Jenaer Torhüter Nulle in Bedrängnis, dieser war
aber hellwach und ging in Anbetracht des glitschigen Balls zwei mal auf Nummer sicher und faustete den Ball wieder
ins Spielfeld zurück. In der 51. Minute war es wieder Karl, der die Führung auf dem Fuß hat, aber im
letzten Moment mit viel Glück von mehreren Jenaer Verteidigern am Abschluss gehindert wird. Nur zwei Minuten
später die nächste Großchance für die Gäste, nun rettet wieder Nulle gegen Leitl, der
völlig unbedrängt zum Schuss kommt - die Ingolstädter Führung schien nur eine Frage der Zeit
zu sein, von Jenaer Seite kamen wie in der ersten Halbzeit praktisch keine Impulse für das Spiel. Nach 55 Spielminuten
kam aber auch der FCC mal wieder vors Gäste-Tor, die Flanke von Truckenbrod auf Hähnge war präzise und
gefühlvoll getreten, allerdings war auch Gäste-Torwart Lutz auf dem Posten und konnte mit den Fäusten
vor Hähnge an den Ball kommen. Zehn Minuten später war es erneut Nulle, der die letzte Rettung für das
scheinbar unverrückbare 0:0 an der Anzeigetafel darstellte. Gleich mehrere Stürmer der Gäste
scheiterten mit ihren Schussversuchen am Jenaer Keeper, bevor die Situation endlich bereinigt werden konnte.
Die rot-weiß gekleidete Marketingmaßnahme der bekannten VW-Tochter hielt bis dahin also fast, was
der Bus mit großen Lettern versprach: Der "Vorsprung durch Technik" schlug sich allerdings nur in
Spielanteilen und Torchancen nieder, das Spielergebnis zeigte sich bisher unbeeindruckt. In der Folge gönnten
sich die Gäste allerdings eine kleine Verschnaufpause und die Jenaer kämpften sich zurück ins Spiel.
Torchancen blieben zwar zunächst Mangelware, aber immerhin musste man sich in dieser Phase keine großen
Sorgen um das FCC-Tor machen. In der 72. Minute passierte dann das, was auch dem FCC schon oft genug widerfahren ist:
Die Mannschaft, die bis dahin klar unterlegen war und praktisch keine echte Torchance zu verzeichnen hatte, geht
völlig unverdient in Führung. Nach einem Freistoß aus halbrechter Position und rund 30 Metern
Entfernung ist es Abwehrmann Assani Lukimya, der als erster an den Ball kommt und diesen per Kopf ins lange
Ecke verlängern kann - 1:0 für den FCC und der Spielverlauf stand auf dem Kopf! Die Jenaer Zuschauer
hatten sich noch nicht wieder hingesetzt, da wäre beinahe der hochverdiente Ausgleich gefallen, als Buchner
per Kopf nur die Latte trifft und ein weiterer Ingolstädter seinen Nachschuss wenige Zentimeter neben den
linken Pfosten setzt. Die Angriffe der Gäste wurden nun verständlicherweise wütender und brachten
Nulle noch mehrmals in Bedrängnis. Nur zwei Minuten nach der Führung muss der Jenaer Torwart erneut per
Faustabwehr retten, nachdem ein Angreifer eine Gäste-Ecke per Volleyschuss von der Strafraumgrenze aufs Tor
brachte. Weitere drei Minuten später machte sich Nulle endgültig zum Mann des Spiels, als er einen
weiteren Freistoß von "Zecke" Neuendorf, der ansonsten unauffällig agierte, klären konnte.
Während die Gäste auf den Ausgleich drängten, zeigten die Jenaer, wie effizienter Fußball
aussehen kann: Einen hohen Ball aus dem Mittelfeld legt Amrhein per Kopf auf Melvin Holwijn ab, der sich ein Herz
nimmt und aus rund 18 Metern einfach mal draufhält. Der von Gäste-Trainer Köppel nicht ganz zu
Unrecht als "Sonntagsschuss" bezeichnete Ball schlug unhaltbar für Gäste-Keeper Lutz in der linken
Ecke ein und sicherte den Jenaer Sieg, der bis dahin noch heftig wankte.
Die Ingolstädter Bemühungen blieben auch in der Folge unbelohnt und fast hätte man den Eindruck
haben können, dass sich an diesem Tag die über 100 Jahre längere Tradition des FCC gegen den noch in
den Kinderschuhen steckenden Gast aus Ingolstadt durchgesetzt hat. Dennoch darf nicht unerwähnt bleiben, dass
der Sieg und die damit verbundenen drei Punkte sehr glücklich für René van Eck und den FC Carl
Zeiss waren, von einem verdienten Sieg kann beim besten Willen nicht die Rede sein. Entsprechend gedrückt
dürfte die Stimmung im Ingolstädter Bus bei der Heimreise gewesen sein, denn es ist ohne Zweifel bitter,
nach einem derart kraftraubenden und über weite Strecken gut geführten Spiel ohne Punkte nach Hause
fahren zu müssen. Es bleibt zu hoffen, dass die Jenaer beim nächsten Spiel in Unterhaching auch
spielerisch zu überzeugen wissen und auch in Bayern Punkte holen, bevor die bayerischen Wochen mit dem Spiel
in Regensburg hoffentlich erfolgreich beendet werden. <bh>
Kickers Offenbach - FC Carl Zeiss Jena 4:0
Tore: 1:0 Pospischil (24.), 2:0 Ulm (41.), 3:0 Mesic (78.), 4:0 Pfingsten-Reddig (88.)
- Offenbach: Wulnikowski; Huber, Hysky, Kopilas, Schutzbach;
Haas (84. Pfingsten-Reddig), Pospischil, Zinnow, Fröhlich (72. Laux);
Ulm, Mesic (81. Albayrak)
- Jena: Nulle; Fuss, Lukimya, Wuttke, Sträßer;
Holwijn (72. Kolb), Lanzaat (
, 79.),
Truckenbrod, Hähnge (46. Nagy), Orlando; Amirante
- Zuschauer: 8563
- Schiedsrichter: Thomsen (Kleve)
- Spielbericht
- Auf den Tag genau vor einem Jahr begleitete ich den FCC zum
Auswärtsspiel nach Wuppertal. "Am Tag der deutschen Einheit flossen
die Punkte von West nach Ost", beendete ich damals den Spielbericht und hoffte
jetzt auf einen vergleichbaren Spielausgang ein Jahr später.
Ein entlaufener Bulle vorm Polizeiauto auf der Hinfahrt sollte hierbei
eigentlich als Glücksbringer fungieren.
Allerdings ließen die letzten Auftritte der aktuellen Zeiss-Elf
ebenso wenig einen Feier(tags)auftritt erwarten wie die Bilanz am Bieberer Berg
mit nur einem mageren Pünktchen aus vier Spielen.
Ein Amirante-Schuss nach hundert Sekunden eröffnete
die Partie, in der Wuttke auch nach Lanzaats Rückkehr zunächst
in der Innenverteidigung blieb. Obwohl der Holländer bei seinem
Kurzeinsatz gegen Bremen alles andere als souverän gewirkt hatte,
wurde er ein weiteres Mal auf der Position vor der Abwehr neben Truckenbrod
besetzt. Sein Fehler ohne Not nach 16 Minuten ließ Pospischil von der
Strafraumgrenze aus zum Schuss kommen, Nulle bügelte aus. Es war die
zweite Chance der Hausherren in diesem Match, da sich zuvor bereits Zinnow
durch den kompletten Jenaer Strafraum gedribbelt hatte, dabei jedoch vergaß,
aufs Tor zu schießen. Auch Truckenbrod probierte es nach siebzehn
Minuten mal mit einem Schuss von der Strafraumgrenze. Wulnikowski kam mit einer
Faust an den Ball und lenkte zur Ecke. Fünf Minuten später.
Zinnows Faller nach Zweikampf mit Sträßer sah nach Schwalbe
aus, der bis dahin großzügige Schiedsrichter gab jedoch
Freistoß. Der Ball blieb in der 6-Mann-Mauer hängen, sprang
aber nach seiner ersten Bodenberührung mit ungewöhnlichem
Drall wieder zurück. Ein Lupfer in den Jenaer Strafraum, wo die Blauen
vergebens auf Abseits reklamierten, ein zur Vorlage werdendes Luftloch sowie
ein straffer Schuss auf zehn Metern führten zum 1:0.
Wie schon gegen
Bremen galt es einem Rückstand hinterher zu laufen. Genau das aber
wird zum schwierigen Unterfangen, wenn der Trainer ausgerechnet vor diesem
Spiel klammheimlich zur Ein-Stürmer-Taktik zurückgekehrt ist,
die schon im Jahr zuvor für Unverständnis und Erfolglosigkeit
gesorgt hatte. Sebastian Hähnge ("Ich erwarte mehr von mir und die
Leute auch") blieb nach dem Rückstand weiterhin konsequent im
zentralen Mittelfeld und versuchte sich erfolglos als Ballverteiler für
die einzige Spitze Salvatore Amirante. Da auch Melvin Holwijn sowie Orlando auf
den Außenpositionen nichts rissen, verwalteten die Hessen ihren
knappen Vorsprung ohne große Mühe und lauerten auf den möglicherweise
vorentscheidenden Fehler des Kontrahenten. Den gab es dann auch in Form eines
Jenaer Fehlpasses wenige Meter vorm Anstoßkreis. Dass er Lukimya
unterlief, einem der wenigen beständig guten Spieler während
der letzten Wochen, werteten einige Fans später als Zeichen um sich
greifender Verunsicherung in den Jenaer Reihen. Jedenfalls nutzte David Ulm das
Geschenk zu einem Solo durch die Jenaer Hälfte, um das Leder dann aus
gut zwanzig Metern über Nulle hinweg ins Tor zu heben. Sehenswert, mit
wie viel Gefühl im Fuß Ulm diesen Treffer markierte. Carsten
Nulle eine Mitschuld zu geben, wäre aber wohl verfehlt. Wie sollte er
ahnen, dass seinen Vorderleuten im Spielaufbau ein solcher Patzer unterläuft
? Unser Keeper schlich nach dem Pausenpfiff als Letzter vom Platz, begleitet
von Schmährufen der OFC-Anhänger, die in einem bekennenden
Sympathisanten von Eintracht Frankfurt so etwas wie ihren natürlichen
Feind sehen.
Drei Jahre zuvor war es einer Jenaer Mannschaft an gleicher
Stelle mal gelungen, aus einem 0:2-Pausenrückstand noch ein Remis
werden zu lassen. Um eine Wiederholung dessen herbei zu führen,
stellte van Eck während der Pause mehrfach um. Nagy kam für Hähnge
rein, begab sich wie gewohnt nach links und schickte Holwijn auf die andere
Seite. Aus Orlando wurde doch noch ein zweiter zentraler Stürmer.
Dahinter tauschten Lanzaat und Wuttke ihre Positionen aus der ersten Hälfte,
rückte Truckenbrod ein Stück weiter nach vorn. Der OFC ließ
die Gäste nach Wiederanpfiff zunächst gewähren. Als
sich die Hausherren dann doch mal wieder zu einem eigenen Angriff entschlossen,
brachte der schnelle Gegenstoß endlich mal wieder Gefahr. Durch vier
Abwehrbeine hindurch legte Orlando für Amirante auf, der schoss aus
der Drehung jedoch genau zu Wulnikowski. Der Ball von Nagy drei Minuten später
versprach mehr Erfolg, strich aus 19 Metern Torentfernung aber knapp am rechten
Pfosten vorbei. Eine weitere Steigerung erfuhren Jenas Bemühungen um
den Anschlusstreffer schließlich in Minute 69. Wiederholt versuchte
sich Truckenbrod an einem Fernschuss, selten zuvor aber war das Geschoss von
jener Güte wie diesmal. Aus 17 Metern volley abgefeuert, flog das
Leder oben ans Gebälk, dass es nur so krachte.
Die Hausherren hatten
offensiv nach dem Wechsel überhaupt noch nichts gezeigt. Doch mit
ihrem ersten gelungenen Angriff in Halbzeit zwei, bezeichnenderweise einem
Konter, sorgten sie fünfzehn Minuten vor Schluss für die
Entscheidung. Ulm legte an Sträßer vorbei in die Mitte ab,
wo Quido Lanzaat seinem Gegenspieler Mesic nicht hatte folgen können. 3:0. Dass Jenas
Abwehrchef eben jenem Mesic kurz darauf in die Hacken trat, roch nach Frustfoul
und wurde mit der Roten Karte geahndet. Und als hätte das alles nicht
schon gereicht, flog auch noch der Schuss des eingewechselten Pfingsten-Reddig
genau ins linke untere Eck. "Vier zu Nulle", höhnte es nach Ende der
zweiten 45 Minuten von der Offenbacher Fangeraden.
Dass dem OFC eine durchschnittliche Leistung zu einem derart
klaren Sieg reichte, sollte in Jena die Alarmglocken schellen lassen. Was nutzt
ein sich steigernder Truckenbrod, ein auf allen Positionen sein Ding machender
Wuttke - sie sind nun mal keine Antreiber, die den tödlichen Pass
spielen können. Genau so einer fehlt dem Zeiss-Spiel aber zunehmend.
Es scheint deshalb an der Zeit, die Verbannung Torsten Ziegners zu beenden.
Zwar ist nicht garantiert, dass es mit ihm schlagartig besser laufen wird. In
einer Phase, wo die Jenaer Mannschaft in ihren Leistungen nicht mehr nur
stagniert, sondern abzubauen beginnt, müssen jedoch ausnahmslos alle
Alternativen ausgelotet werden, die der Kader hergibt ! Es wird Zeit, sich mal
wieder gemeinsam an einen Tisch zu setzen. <fc>
FC Carl Zeiss Jena - SV Werder Bremen II 2:2
Tore: 0:1 Testroet (32.), 1:1 Orlando (52.), 1:2 Testroet (80.), 2:2 Amirante (82., FE)
- Jena: Nulle; Sievers (70. Fuss), Lukimya, Wuttke, Sträßer;
Eckardt, Truckenbrod, Hähnge, Nagy (46. Amirante); Kolb (74. Lanzaat),
Orlando
- Bremen: Wiedwald; Hessel, Gerdes, Stallbaum, Andersen; Ronneburg,
Ayik, Menga, Feldhahn; Testroet, Oehrl
- Zuschauer: 6062
- Schiedsrichter: Blos (Köngen)
- Spielbericht
-
Keiner weiß warum, doch in den vergangenen Jahren
hatte der FC Carl Zeiss mit den zweiten Mannschaften von Bundesligavereinen so
seine liebe Mühe. Mittlerweile sind drei von vier Hinrundenpartien gegen die
U23-Teams gespielt, mit zwei Siegen und einem Remis gestaltet sich die
Saisonzwischenbilanz ungewohnt positiv. Doch egal in welches Gesicht man auf
Jenaer Seite nach Abpfiff des Bremen-Spiels blickte - Zufriedenheit schaut
anders aus.
Daran hatte die erste Halbzeit einen gewichtigen Anteil.
Denn es war ein äußerst müder Kick, den 6062
Zuschauer (darunter exakt zwei Dutzend Bremer Fans) während der ersten
45 Minuten geboten bekamen. Dass es nach gut einer Viertelstunde Beifall gab für
einen ins Sturmzentrum gespielten Ball, den Kolb als eine von zwei Spitzen gar
nicht erreichte, mag als Beschreibung für das Niveau in der
Anfangsphase genügen. Eine Freistoßvorlage, die Wiedwald
gegen die Sonne blickend im zweiten Zupacken fing, war die einzige Szene, in
welcher ein Torhüter überhaupt
eingreifen musste. Beim ersten gelungenen Angriffszug nach
zwanzig Minuten stand Hähnge knapp im Abseits. Kurz darauf spielte
Rene Eckardt zwar schön Doppelpass mit Orlando, stolperte danach aber über
seine eigenen Beine. Und bei Lukimyias flacher Hereingabe erkannte der
freistehende Kolb in der Mitte die Situation zu spät. So blieb ein
satter 23-Meter-Schuss von Jens Truckenbrod, den Bremens Keeper über
die Latte lenkte, die einzig wirkliche Torchance
in Hälfte eins. Die Gästebilanz vor der Pause hätte
sich sogar noch ärmlicher gelesen, wenn Testroet im Gegenzug nicht der
Führungstreffer gelungen wäre.
Begünstigt wurde er durch einen Fehler von Jan-Andre
Sievers, welcher den Torschützen unbedrängt den Ball annehmen
ließ und dann nicht hinterher kam. Nach einer überzeugenden
Leistung im letzten Heimspiel gegen Burghausen blieb der Neuzugang aus Emden
damit das zweite Match in Folge hinter den Erwartungen zurück, wurde
später auch ausgewechselt.
Doch zunächst war es Nagy, der in der Kabine
bleiben musste. Mit der Hereinnahme von Amirante wechselte Orlando ab Beginn
der zweiten Halbzeit auf die Linksaußenposition. Eine Umstellung, die
sich sofort bezahlt machte. War der Holländer bei seinem energischen
Antritt von der linken Seite Richtung Zentrum doch nur mit unfairen Mitteln zu
bremsen. Freistoß, 25 Meter Torentfernung. Ein paar der
Stammzuschauer des FC Carl Zeiss werden es bemerkt haben, dieses ungewöhnliche
Positionieren Jenaer Spieler im Rudel neben der gegnerischen Mauer. Von dort lösten
sich wie auf Kommando vier Blaue bei der Freistoßausführung
und rannten in den Sechzehner hinein. Truckenbrod schoss nicht direkt, sondern beförderte
das Leder lang vor zu Orlando, welcher aus fünf Metern volley zum
Ausgleich traf. 1:1 - eine eben erst im Training einstudierte Freistoßvariante
hatte auf Anhieb funktioniert ! Damit lösten
sich endlich einige der im bisherigen Spielverlauf eingebauten Bremsen.
Salvatore Amirante zog auf 30 Metern ab, Wiedwald lenkte das Leder um den
Pfosten (54.). Der Schlenzer von Feldhahn auf der anderen Seite flog nur knapp
nebens Tor (56.). Und dass Kolb die schöne Vorarbeit von Orlando
lieber selbst verwertet hätte, statt auf Eckardt zu spielen, war ihm
hinterher auch klar.
Sie bildeten die stärkste Phase in einem mäßigen Jenaer Spiel,
jene gut zwanzig Minuten nach dem Ausgleichstreffer. Sogar Sebastian Hähnge,
bekanntlich nicht der Allerschnellste, ging hier mal aus einem Sprintduell als
Sieger hervor. Den Gästen darf man bescheinigen, ebenfalls die
Offensive gesucht und so zu einer deutlich spannenderen zweiten Halbzeit
beigetragen zu haben. Beim Schuss des Deutschtüren Ayik reagierte
Carsten Nulle im Tor hervorragend.
Dann war noch eine Viertelstunde zu spielen und Orlando hatte wieder
seinen Auftritt. Es ist beileibe nicht so, dass hier Jenas Schnellstem eine
durchgängig überzeugende Leistung bescheinigt werden soll.
Manches wirkt schon zu sehr auf Show getrimmt, zwischendurch taucht er auch mal
ab und nach hinten lässt er eh lieber andere ackern. Doch klar ist
auch - ohne Orlando wäre das Jenaer Spiel um viele Attraktionen ärmer
! Klasse, wie er in Minute 76 zwei Werder-Verteidiger förmlich stehen
ließ und den Blick für den freistehenden Nebenmann hatte. Es
war Salvatore Amirante, der in zehn Metern Torentfernung sofort abschloss - und
an einem Abwehrbein hängen blieb.
Das Tragische an diesem Spiel ist aus Jenaer Sicht, dass
immer im Anschluss an eine knapp vergebene Großchance die Quittung in
Form eines Gegentreffers folgte. Hatte Pascal Testroet schon vor der Pause
direkt nach Truckenbrodts Schuss getroffen, verging auch nach Amirantes Möglichkeit
nicht viel Zeit, bis Bremens Spieler mit der Nummer 43 zum Erfolg kam. Dabei
profitierte er wiederum von einem fehlenden Gegenspieler - der eingewechselte
Benjamin Fuss war an der Strafraumgrenze ausgerutscht. Unter dem Körper
Carsten Nulles hindurch flog der Ball ins Netz. Und nun ? Waren nur noch zehn Minuten
Zeit für Jenaer Bemühungen um den abermaligen Ausgleich.
Scheinbar unbeteiligt steht Orlando nach dem Anstoß an jener Stelle,
wo Mittel- und Außenlinie aufeinander treffen. Genau da wird er angespielt,
nimmt ein paar Meter lang Fahrt auf und legt dann den Turbo ein. Gerdes hatte
sich diesmal vorgenommen, ihm im Sprintduell Paroli zu bieten - auch er war
chancenlos und wusste sich deswegen nur mit einem Rempler im Strafraum zu
helfen. Elfmeter. Als Amirante sich vor Sträßer den Ball zur
Ausführung schnappte, stockte vielen der Atem - hatte der nicht schon
einmal.... ? Noch ehe der Gedanke zuende gebracht wurde, hatte Salvatore den
Werder-Schlussmann in die andere Ecke geschickt und zum 2:2-Endstand getroffen.
Zweimal war der FCC nach Rückstand wieder gekommen.
Doch wie eingangs schon erwähnt -
Zufriedenheit sieht anders aus. Mannschaftskapitän Nulle ärgerte
sich über die beiden Gegentreffer sowie "Negativeinflüsse von
außen", mit denen wohl Pressespekulationen über Notverkäufe
von Leistungsträgern in der Winterpause gemeint sein dürften.
Und Trainer van Eck monierte die Vorstellung seiner
Mannschaft vor der Pause. Zurecht, denn dadurch sind zwei Punkte gegen
talentierte, aber durchaus schlagbare Bremer verschenkt worden. <fc>
Eintracht Braunschweig - FC Carl Zeiss Jena 2:1
Tore: 0:1 Orlando (46.), 1:1 Kruppke (62., HE), 2:1 Kragl (69.)
- Braunschweig: Petkovic; Fuchs, Brinkmann, Dogan, Boland; Pfitzner, Danneberg,
Kruppke (86. Banser), Kragl (77. Theuerkauf); Onuegbu, Calamita (60. Morabit)
- Jena: Nulle; Sievers, Lukimya, Wuttke, Sträßer (56. Riemer); Truckenbrod, Holwijn (

, 71.)
Hähnge, Nagy (79. Kolb); Mayombo (66. Amirante), Orlando
- Zuschauer: 12.200
- Schiedsrichter: Achmüller (Bad Füssing)
- Spielbericht
-
Der zehnte Spieltag bringt das Auswärtsspiel in Braunschweig auf den Plan und da die Stammautoren dieser
Seite offensichtlich angesichts der letzten Ergebnisse von 0:3 bis 6:0 die Adjektive auszugehen scheinen darf
ich mal wieder ran, als es gilt in Niedersachsen den Platz im oberen Tabellendrittel zu sichern.
Für die erste kleine Überraschung im Gästeblock sorgt Trainer Rene van Eck, der statt des zuletzt stark
auftrumpfenden Stefan Kolb oder des wieder spielberechtigten Amirante, mit Mayombo einen Stürmer in der
Startaufstellung aufbietet, der zuletzt suspendiert worden war, lediglich in der zweiten Mannschaft
spielte und dessen letzter Pflichtspieleinsatz in der Ersten bereits vier Monate zurückliegt. Neben ihm
soll Orlando für den nötigen Angriffsdruck sorgen, während Sebastian Hähnge auf der offensiven Mittelfeldposition
die beiden Stürmer mit Bällen versorgen soll. Und es beginnt gut: Bereits in der ersten Minute kann Orlando über
die linke Seite die Braunschweiger Abwehr überlaufen, scheitert jedoch an Torwart Petkovic. In der Folgezeit
kann der FCC eine optische Überlegenheit erarbeiten - "kontrolliert Ball und Gegner" - wie man so schön sagt, ohne
dabei übermäßig torgefährlich zu werden. Mayombo wirkt dabei aber noch engagierter, als sein Sturmpartner. Die Blau-Gelben
aus Niedersachsen kommen erst nach cirka zwanzig Minuten besser zu Rande und beginnen einzelne Konter zu setzen, die in einem
durch die Mitte angespielten Calamita gipfeln, der aber, völlig frei vor Nulle auftauchend, an diesem scheitert. Damit hat es
sich dann aber auch mit dem Braunschweiger Offensivdrang für die erste Hälfte und die Jenaer Viererkette in der Abwehr kann
wiederholt mit starkem Zweikampfverhalten (Wuttke, Sträßer) die gegnerischen Angreifer "abkochen". Für den eigentlichen
Gesprächsstoff der Halbzeitpause unter dem Jenaer Anhang sorgt Amirante, der bereits kurz vor der Halbzeitpause sich zum
Aufwärmen hinter das Tor von Nulle begibt.
Die zweite Hälfte beginnt mit einem Paukenschlag der angenehmeren Sorte, als Holwijn wunderschön auf der rechten
Seite lang durch Sträßer angespielt wird, im spitzen Winkel auf das Petkovic-Tor zusteuert, scheinbar die lange Ecke
mit seinem Schuß anvisiert, es aber verfehlt, bevor Orlando am langen Pfosten den Ball erreicht und ihn gekonnt flach
über die Linie drückt.
Die Wende im gesamten Spiel wird eingeläutet, als Sträßer in der 56. Minute, leicht humpelnd, verletzt ausgewechselt
werden muss. Die bis dahin äußerst souverän wirkende Jenaer Abwehrviererkette wird mit Marco Riemer wieder aufgefüllt
und ist fortan kaum noch wieder zu erkennen. Obwohl sowohl bei der Entstehung des Elfmeters (aus dem Gästeblock schlecht
einzusehendes Handspiel Riemers), als auch bei der Entwicklung des Führungstreffers ein gehörige Portion Glück für die
Niedersachsen im Spiel ist, kommt man nicht umhin festzustellen, daß vor allem die Jenaer Elf plötzlich den Faden verlor.
Als Holwijn in der 72. Minute diese "schwarze" Viertelstunde für den FCC mit einem Foul an der Mittellinie und nachfolgendem
Ballwegschlagen abschließt, ist die Partie quasi gelaufen. Nur noch zu Zehnt gelingt es nun nicht mehr die Eintracht noch
mal in Bedrängnis zu bringen. Die Braunschweiger lassen sich nun auch nicht mehr aus der Defensive locken und glänzen im
Vorwärtsgang in den letzten zwanzig Minuten lediglich mit einem gefühlten Dutzend Fehlpässen. Auch der Versuch von van Eck,
mit der Einwechslung von Kolb, mit einem Dreiersturm noch einmal auf den Ausgleich zu gehen verpufft relativ wirkungslos.
Ein Sieg in Braunschweig wäre, meiner Meinung nach, für den FC Carl Zeiss Jena ohne weiteres zu realisieren gewesen,
wenn man nach dem Führungstor, das zu einem äußerst günstigen Zeitpunkt fiel, weiter aggressiv die Entscheidung gesucht hätte
und sich mit dem Ausgleich nicht so aus dem Takt hätte bringen lassen. Nicht Eintracht Braunschweig hat gewonnen, sondern
der FCC hat verloren. Und zwar, weil man den Gegner zurück ins Spiel brachte, den der "Ringrichter" schon bis zur "9"
ausgezählt hatte. Schade drum.
Nachtrag: Die Stadt Braunschweig bietet den per Zug anreisenden Gästefans einen kostenlosen Bustransfer vom Bahnhof zum
Stadion an. Soweit so gut. Warum man aber nicht die ca. 6 km lange, direkte Strecke durch die Stadt nimmt, sondern den
Gästefans eine ca. 20-minütige Strecke über die ortsansässigen Autobahnen anbietet, scheint schleierhaft. Ich
habe diese "Stadtrundfahrt" jetzt insgesamt viermal genossen und hätte beim nächsten Mal gern eine andere Route. Danke im voraus.
<tn>
FC Carl Zeiss Jena - SV Wacker Burghausen 0:0
Tore: Fehlanzeige
- Jena: Nulle; Sievers, Wuttke, Lukimya, Sträßer;
Nagy (74.Holwijn), Truckenbrod, Riemer, Eckardt, Hähnge, Kolb (62.Orlando)
- Burghausen: Riemann; Wolf, Hertl, Kokocinski, Kresin, Nebihi (84.Schmidt), Burkhard, Grübl (73.Belleri),
El Haj Ali, Gorka, Cappek (89.Holz)
- Zuschauer: 6948
- Schiedsrichter: Sönder (Lübeck)
- Spielbericht
-
Dritter gegen Vierter - vom Papier her das Topspiel des heutigen Tages in der dritten Liga. Sonne pur und warme Temperaturen
waren beste Vorraussetzungen, um dem Spitzenspiel auch einen würdigen Rahmen zu verleihen. Die Partie musste eine
Viertelstunde später angepfiffen werden, da die Gäste bei Ihrer Anreise aus dem Hotel in Stadtroda infolge einer
Bombendrohung im Stau standen, und dadurch nicht rechtzeitig eine Stunde vor Spielbeginn im Stadion sein konnten.
Die erste gute Aktion des Spiel leitete Jenas Abwehrspieler Sträßer ein, der mit einem herrlichen Diagonalpass
René Eckardt bediente, doch dessen Schuss in der siebenten Minute stellte für Keeper Riemann keine echte Gefahr dar.
In der 18. Minute nutzte Truckenbrodt einen Ballverlust der Gäste aus und prüfte Riemann mit einem Schuss aus der zweiten
Reihe, doch leider landete der Ball genau in den Armen des Schlussmannes. Nach der doch spielerisch armseligen Partie in Kiel
wusste der FCC am heutigen Tage zu gefallen und kontrollierte im gesamten Spielverlauf die Partie. Doch auch mit schönen
Kombinationen und Ballstafetten im Mittelfeld blieben die Torchancen auf Jenaer Seite Mangelware. Die Burghausener, die infolge
einer Grippe auf vier wichtige Spieler verzichten mussten, stellten sich konsequent hinten rein, so dass es für die Jenaer
recht schwierig war, in der dicht gestaffelten Abwehr eine Lücke zu finden. Erst nach gut einer halben Stunde die nächste
Tormöglichkeit für die Jenaer. Hähnge hatte per Kopfball in den Lauf von Youngster Kolb verlängert, doch obwohl
Riemann in dieser Aktion zu weit vor seinem Kasten stand, konnte Kolb diese gute Torchance nicht nutzen und ballerte über das Tor.
Auch nach der Pause änderte sich das Spiel nicht gravierend. In der 51. Minute versuchte sich Sievers mit einer hohen Flanke in
den Strafraum, der Ball wurde lang und länger und fiel zur Verwunderung des Gästekeepers hinter ihm aufs Tornetz. Mit etwas
Glück hätte diese Flanke auch zum erneuten Tor des Monats avancieren können. Gut eine Stunde war vorbei und ein Jubel
auf den Rängen machte sich breit, als Publikumsliebling Orlando für Kolb eingewechselt wurde. Manch einer machte sich
Gedanken, warum und weshalb dieser nicht von Anfang an spielen durfte. Doch Trainer van Eck machte in der anschließenden Pressekonferenz
alle Gerüchte zunichte, als er gleich als erstes vermeldete, dass Orlando im am Vorabend ihm mitgeteilt habe, dass er sich für ein
komplettes Spiel nicht fit fühle. Doch als er den Rasen betrat, spürte man noch einmal einen Ruck durch die Jenaer Mannschaft gehen.
Er war es auch, der in der 71. Minute gleich eine gute Einschusschance hatte, doch leider kam er einen Schritt zu spät und rutschte
einschussbereit knapp am Ball vorbei. Eine Viertelstunde vor dem Ende donnerte Nulle einen super weiten Abschlag heraus, der Ball sprang
vor Orlando auf, doch leider konnte er diese Gelegenheit nicht verwerten oder den Ball zumindest unter Kontrolle nehmen. Die Abwehr der
Gäste stand weiter recht sicher, so dass es die Spieler des FCC nun immer mehr mit Einzelaktionen probierten, die aber allesamt nichts
einbrachten. Höhepunkt des Spiels war zweifelsohne die 82. Minute, in der bereits die Jenaer Fans von ihren Sitzen aufsprangen. Doch
leider stand Orlando das Glück am heutigen Tag nicht zur Seite, denn sein gut getimter Kopfball nach Flanke vom starken Sievers klatschte
an den Innenpfosten, von wo er anschließend direkt in die Arme des Keepers sprang. Da war sie, diese eine 100% Möglichkeit, doch
leider sollte es auch die letzte nennenswerte Aktion gewesen sein.
Mit einer Minute Nachspielzeit pfiff Schiedsrichter Tim Sönder das Topspiel der 3.Liga ab, was es leider nicht geworden war. Die Gäste
waren am Ende mit diesem Punkt hochzufrieden, während die Zeiss-Kicker mit hängenden Köpfen den Rasen verließen. Denn jedem
war nach der Partie klar, dass es selten so leicht gewesen sei, heute die ansonsten starken Kicker von Wacker Burghausen zu bezwingen. Auch wenn
viele Trainer und Verantwortliche eine Einzelkritik nicht unbedingt mögen, so muss doch am heutigen Tage die gesamte Abwehr mal explizit
hervor gehoben werden. Besonders die beiden Außen mit Sträßer und Sievers taten sich heute besonders hervor und ermöglichten
den Gästen während der gesamten Spielzeit keine nennenswerte Torchance.<vg>
Bilder auf fcc.weissenburger.de
Bericht auf fussball.sv-wacker.de
Holstein Kiel - FC Carl Zeiss Jena 0:1
Tore: 0:1 Kolb (72.)
- Kiel: Frech; Lamprecht, R. Müller, Schyrba, Meyer, K.Schulz, Holt,
Jerat (80. Siedschlag), Sembolo, Sykora (9. Guscinas), Heider (66. Stier)
- Jena: Nulle; Sievers, Wuttke, Lukimya, Sträßer;
Nagy (90. Fuss), Truckenbrod, Eckardt, Riemer, Orlando (64. Kolb), Hähnge (87. Petersen)
- Zuschauer: 4511
- Schiedsrichter: Dittrich (Bremen)
- Spielbericht
-
Mit Müller, Hasse und Sykora stehen gleich drei Ex-Jenaer im Kader der Kieler. Aber Hasse war gar nicht im Aufgebot
und Fiete Sykora musste bereits in der 9. min verletzungsbedingt ausgewechselt werden und konnte so gegen seinen
Ex-Club keinen Schaden anrichten. Bis zu diesem Zeitpunkt gab es bereits die ersten aufregenden Situationen vorm
Jenaer Tor. Kiel begann von Anpfiff an offensiv und setzte die Gäste unter Druck. Im Großen und Ganzen
stand Jenas Abwehr, stark unterstützt von den vier Mittelfeldspielern und Hähnge, relativ gut. Wenn man
aber 80 der 90 Spielminuten quasi mit dem Rücken an der Wand, sprich im eigenem Strafraum steht, ist es klar,
dass die Torchancen für die Gastgeber nicht ausbleiben. Vor allem bei Ecken konnte man immer wieder die Luft
anhalten. In der 5. min wehrte Nulle einen Kopfball Haiders aus 3 m Torentfernung zur nächsten Ecke ab. Diese
konnte von Orlando nicht geklärt werden und so hatte Robert Müller die Gelegenheit, seine ehemaligen
Mannschaftskollegen per Fernschuss (der aber in der vielbeinigen Abwehr hängenblieb) zu erschrecken. Nach
einem Stolper Riemers musste sich Lukimya, der wieder eine sehr gute Partie spielte, im letzten Moment in einen
Schuss werfen und zur Ecke klären. Diese führte zu einem Kopfballaufsetzer, gegen den wohl auch Nulle
keine Chance gehabt hätte, aber der Ball ging über die Torlatte. Ganz stark bei den Kielern war in der
Anfangsviertelstunde Sembolo, der ein paar Mal den Jenaern Knoten in die Beine dribbelte. Nachdem aber Sträßer
ihn mal etwas energischer bremste, wurde der auch ruhiger. Nach ein paar Minuten relativer Ruhe musst Nulle, wiederum
nach Ecke, sehr energisch den Ball (samt Gegner) wegfausten, um Schlimmeres zu vermeiden (25.). Nochmals zehn Minuten
danach hatten die Heimzuschauer den Jubelschrei auf den Lippen: Ein weiter Einwurf von rechts wurde verlängert
und den folgenden Kopfball Holts erwischte Nulle mit sensationellem Reflex gerade noch so. Holstein ließ den
Ball in dieser Phase schnell laufen und spielte oft direkt ab. Allerdings ging es zumeist nur bis zur Strafraumgrenze,
an der eine gelbe Wand sie aufhielt. Und so probierte es Sykora-Ersatz Guscinas aus 20 Metern mit einem Fernschuß,
der jedoch nur die Latte traf und die Zuschauern aufstöhnen ließ. Zur Pause konnte man über das
Unentschieden heilfroh sein, denn die Angriffsbemühungen des FCC konnte man bis dahin mit der Zahl "Null" beschreiben.
Nach der Pause ging es wie gehabt weiter, lediglich die Spielhälfte, in der sich alles abspielte, änderte sich.
Allerdings war Holstein jetzt so nett und verzichtete fast völlig auf das Spiel über die Flügel. 7,32 m ist
die Torbreite und ungefähr ebenso breit war der Korridor an Jenas Strafraumgrenze, durch den die "Störche" ihre
Angriffe versuchten. Die Jenaer Abwehrspieler hatten dadurch eigentlich ein leichtes Spiel, wurde doch einmal einer ausgetanzt,
so standen garantiert gleich zwei weitere Gelbe dahinter und klärten. Nur bei einem Fernschuss Lamprechts von rechts
außen (52.) und einem abgefälschten Freistoß (55.) kam der Ball mal in Nulles "Sichtweite", der Rest
waren Kinkerlitzchen. Nach vorn blieb alles unverändert, es ging nichts. Kam man doch einmal über die Mittellinie,
so war es ziemlich sicher, dass Orlando im Rücken der Abwehr im Abseits stand. In der 60. min dann hatte der FCC
mal eine Chance auf einen aussichtsreichen Angriff, aber Orlando rannte mit gesenktem Kopf in zwei Gegner hinein und
übersah den mitgelaufenen und freistehenden Hähnge. So konnte das nichts werden und folgerichtig kam in der
65. Minute Kolb für Orlando. Schon die ersten Zweikämpfe Kolb sahen völlig anders aus als Orlandos
Vorstellung: Der Achtzehnjährige ging in die Zweikämpfe, setzte bei Ballverlust sofort nach und steckte
nie auf. Mir rutschte da ein "Dem Kolb gönne ich ein Tor, der hat schon gegen Dortmund so gut gespielt" heraus
(wenn die Weissagung der Lottozahlen nur ebenso klappen würde…). Drei Minuten nach dem Wechsel (in der 68. min!!!)
hatte der FCC seinen ersten Torschuss, aber Truckenbrods Geschoss ging knapp am langen Pfosten vorbei. Der nächste
Kieler Angriff wurde kurz hinter der Mittellinie abgefangen und der FCC hatte eine perfekte Konterchance in 3:2-Überzahl,
jedoch vergeigte Riemer diese Gelegenheit kläglich. Kurz danach bekam Hähnge auf der rechten Seite den Ball,
ging bis zur Grundlinie, beschäftigte zwei Gegenspieler und spielte mit der Hacke auf den mitgelaufenen Eckardt.
Der schickte seinen Gegenspieler und bediente - wie schon in vorhergehenden Spielen - mit einer maßgenauen
Zuckerflanke den in der Mitte wartenden Mitspieler. Diesmal war es Kolb, der sich die Chance nicht entgehen ließ
und zur überraschenden Führung des FCC einnickte und auf der Gegentribüne für eisiges Schweigen um
mich herum sorgte (ich jubelte solo *g*).
Das Spiel war gekippt. Die "Störche" hatten einen gewaltigen Knacks bekommen,
denn sie versuchten zwar in der verbleibenden Zeit mit viel Einsatz und Elan, dieses Resultat zu reparieren, aber lediglich
ein weiterer Lattentreffer wiederum durch Guscina sorgte für Aufregung. Im Gegenteil, mit etwas Cleverness hätte
Jena jetzt den berühmten Sack zubinden könne, aber zunächst war nach Doppelpass Eckardt - Hähnge der
Kieler Torwart einen Tick schneller am Ball als Eckardt (85.) und dann fehlte Truckenbrod einfach die Kaltschnäuzigkeit,
allein vor Frech - der bis zur Strafraumgrenze herausgekommen war - mit einem Heber das 2:0 zu machen, er ballerte den Ball
voll auf den Keeper drauf. Ansonsten versuchte man ziemlich geschickt und erfolgreich, in den verbleibenden Minuten das Tempo
aus dem Spiel zu nehmen und den Ball in den eigenen Reihen zu halten.
Bis zu Kolbs Einwechslung wäre ich mit einem Punkt hochzufrieden gewesen. Der "Dreier" ist mit etwas Glück in
den ersten 70 und mit ansprechender Leistung in den letzten 20 Minuten eingefahren worden. <uk>
FC Carl Zeiss Jena - Borussia Dortmund II 2:1
Tore: 0:1 Neumeister (6.), 1:1 Lukimya (13.), 2:1 Riemer (80.)
- Jena: Nulle; Sievers, Wuttke, Lukimya, Sträßer;
Nagy (90. Petersen), Truckenbrod, Hähnge, Eckardt (85. Fuss); Orlando,
Kolb (73. Riemer)
- Dortmund: Höttecke; Koch, Eggert, Hünemeier, Neumeister;
Hille, Hasanbegovic (85. Boztepe), Tyrala, Öztekin; Ginczek (57.
Piossek), Kullmann
- Zuschauer: 6983
- Schiedsrichter: Dankert (Rostock)
- Spielbericht
-
Das Chaos beim FCC wurde gerade mal wieder etwas unübersichtlich. Nachdem
Peter Schreiber offenbar keine unbezahlten Rechnungen mehr auf seinem Wühltisch
findet (oder diese lieber wieder untendrunter steckt), fängt die
liebevoll zusammengesparte Mannschaft an sich in Wohlgefallen aufzulösen.
Der eine haut mit südländischer Besonnenheit einem Blumenzüchter
ins Gesicht, der andere wird aufgrund seiner Großartigkeit
suspendiert und der Dritte hat seine Bandscheiben nicht im Griff. Hinzu kommen
ungezählte Zerrungen und Risse diverser Muskelgruppen, schlechte
Blutwerte und Verstauchungen. Und die wenigen Verbliebenen, die sich stets gut
benommen haben und dazu gesund sind, können auch nicht mehr so
richtig. Zu groß ist der Druck nach dem Kulturarena-Debakel für
Rom, Ähnliches vollbringen zu müssen. Ernüchternde
Aussichten also für das gestrige Spiel gegen Dortmunds Zwote, zumal
die nach fünf Minuten schon in Führung lag. Neumeister hatte
die Aufwachprobleme in Jenas Deckungsverbund schamlos ausgenutzt und per Kopf
die Gästeführung hergestellt (6.). Zwar war der ursächliche
Freistoßpfiff völliger Mumpitz, gezählt hat es
trotzdem. Aber was soll's. Aus Ruinen wird auferstanden! Und überhaupt:
Bandscheibenvorfälle werden total überbewertet!
Zwar
folgte die Trotzreaktion erst nachdem Nulle das 0:2 und damit den unabwendbaren
Untergang verhindert hatte, dann aber kam die große Zeit des Rene
Eckardt. Ganz ehrlich, wenn der immer so spielen würde wie die
folgende Viertelstunde, die Nationalmannschaft wäre kein Thema. Seine
Vorlage auf Wuttke nach einer Ecke und sein Heber aus spitzem Winkel wären
bereits Treffer wert gewesen, Hötteke bekam aber beidemal noch
irgendein Körperteil dazwischen. Gegen Lukimyas Schuß aus
Nahdistanz konnte aber auch der Dortmunder Schlußmann nichts mehr
machen. Eckardt hatte Neumeister auf der rechten Seite schön zur
Schere gemacht und den Ball dann flach nach innen geschlagen. Von dort hätte
es wohl nur noch Gomez und dann auch nur im Nationaltrikot noch fertiggebracht,
das Tor nicht zu treffen. Jubeln unter Vorbehalt (13.). Ein Unentschieden
konnte hier ja nicht das Ziel sein! Dieser Vorbehalt legitimierte sich
schneller als gedacht. Mit der Gewißheit der uneingeschränkten
Überlegenheit zog sich Jena wieder aus dem Dortmunder Strafraum zurück.
Alle Maschinen Stop - im Notfall gleichen wir halt wieder aus. Zwar hatte
Eckardt nach eine Wuttke-Vorlage noch einmal die große Chance zur Führung,
sein strammer Volleyschuß fand aber den Weg ins Tor nicht und ist
jetzt wahrscheinlich ein dicker blauer Fleck auf einem Dortmunder Gesäß
(16.). Danach tickte nur noch die Uhr runter. Was dieser taktische Unsinn soll,
ist schwer zu sagen, zumal der Schwung des Ausgleichstreffers dadurch völlig
verpuffte. Die Kräfte jedenfalls hätten eigentlich noch ein
bißchen länger reichen sollen. Kurz vor der Pause hätte
sich dieses unheilvolle Fehlverhalten tatsächlich fast gerächt.
Wäre Kullmann nicht um Zentimeter an Boztepes Eingabe vorbeigerutscht,
die etwa 300 Mitgereisten Dortmunder hätten wohl unsere leise vor sich
hin tirilierende Südkurve vollends unter den Tisch gesungen. Glück
gehabt!
Nach der Pause war es vor allem Orlando, der für Aufsehen sorgte.
Inzwischen ist es für jeden Gegner offenbar ein probates taktisches
Mittel geworden, ihn einfach am Losrennen zu hindern. Ein kurzes Halten, ein
Schubser auf Höhe der Mittellinie, eigentlich ist alles besser als ihm
später hinterherzugucken. Zwei oder drei gelbe Karten werden dafür
augenscheinlich in Kauf genommen, welche die Schiedsrichter (vor allem der von
gestern) oft nicht mal geben. Wenn dann auch noch klarste Pfiffe ausbleiben,
geht mir langsam das ohnehin knapp bemessene Verständnis aus.
Stattdessen reichten auf der Gegenseite mitunter kleinste Scharmützel
aus, um aus gefährlichsten Positionen Freistöße zu
verhängen. Einer davon wäre Jena fast zum Verhängnis
geworden, als Hünemeier den hoch hineingeschlagenen Ball von Tyrala
nur knapp verfehlt, kann Nulle erst im Nachfassen das Unentschieden festhalten
(63.). Knapp! In dieser Phase überzeugt der FCC aber auch allenfalls
durch Gleichwertigkeit auf niedrigem Niveau. Die Führung kommt
dementsprechend wie aus dem Nichts. Wieder ist es Eckardt, dessen präzise
Flanke die Entscheidung bringt. Punktgenau schießt der den Ball auf
den eingewechselten Riemer, dessen Kopfstoß die vor sich hindämmernden
Fans aus der allgemeinen Lethargie reißt (80.). Nicht zu glauben! Dieses Murksspiel und dann auch noch der Riemer. Der
hatte gegen Erfurt nun wirklich einen Scheißtag erwischt. Und dann
noch das Ding mit seinem Rücken. Schön, daß es
offenbar doch nicht so schlimm war oder Bandscheibenvorfälle halt
einfach überbewertet werden (-:
Was folgt sind noch zehn zerrige Minuten Warterei plus einer unendlich
langen Nachspielzeit. Dann ist der dritte Sieg endlich in Sack und Tüten.
Glanzvoll war es nicht! Spielerisch herrschte mitunter unbeschreibliches Elend
auf dem Platz. Dazu kommen die Abstimmungsschwierigkeiten, die bei einer neu
formierten Elf aber ganz normal sind. Entscheidend aber war der größere
Wille. Das was Erfurt in Jena zum Sieg getragen hat, war gestern Jenas
Unterpfand. Die Mannschaft wollte einfach mehr. Das Derby ist damit nicht
vergessen, dieser Stachel sitzt zu tief. Aber ein Rückspiel in Erfurt
ist ja auch noch. Ein neues Spiel mit neuen Chancen. Und nächstes Jahr
wollen wir ja auch wieder in die Kulturarena... <bpf>
VfL Osnabrück - FC Carl Zeiss Jena 2:0
Tore: 1:0 Lindemann (21.), 2:0 Reichenberger (63.)
- Osnabrück: Berbig; Herrmann, Barletta, Nickenig, Krük;
Siegert, Heidrich, Lindemann, Hansen (76. Grieneisen); Reichenberger (85.
Samide), Schmidt
- Jena: Nulle; Sievers, Wuttke, Lukimya, Sträßer;
Nagy (66. Kolb), Truckenbrod, Ziegner, Holwijn (83. Eckardt); Orlando,
Hähnge
- Zuschauer: 9800
- Schiedsrichter: Aytekin (Oberasbach)
- Spielbericht
-
Der Überkreuzvergleich der bisherigen
Saisonresultate sprach von vornherein gegen den FCC: Ingolstadt hatte Erfurt
klar besiegt, Osnabrück die Ingolstädter und Erfurt am
vergangenen Sonntag....ach, lassen wir das. Fußballspiele werden
nicht mit dem Taschenrechner entschieden. Klären wir stattdessen
lieber die Frage: Was stellt eine Mannschaft am gescheitesten an, die mit
Lanzaat, Riemer, Petersen, Osadchenko sowie Ralf Schmidt gleich fünf
Ausfälle in der Abwehr zu verkraften hat ? Klar, sie spielt munter
nach vorn !
Genau das tat Jenas Elf in der Anfangsphase. Da Salvatore
Amirante nach seiner Rot-Sperre für mindestens vier Spiele von der
Bildfläche verschwunden sein wird, teilten sich die beiden Holländer
Orlando und Holwijn von außen kommend in die Rolle des zweiten Stürmers
hinein. Wobei Melvin Holwijn in seinem ersten Match von Anbeginn wesentlich mehr
auffiel. Selbst zwei Gegenspieler vermochten ihn nach fünf Minuten
nicht zu stoppen, zumindest nicht mit fairen Mitteln. Erst als Holwijn wie
nichts zwischen ihnen hindurch geschlüpft war, holte ihn der düpierte
Krük von den Beinen. Freistoß also von der rechten
Strafraumseite, lang auf die andere Seite geschlagen zu Wuttke, dieser sofort
zurück auf den vorm Tor stehenden Hähnge. Zeit zu überlegen
hatte Sebastian nicht, zwei Meter vor dem Kasten inmitten einer lila
Spielertraube handelt man sowieso besser instinktiv - wenn dann aber der Ball
Osnabrücks Keeper Tino Berbig mitten ins Gesicht fliegt, ist das
einfach nur riesengroßes Pech. Doch Jena blieb am Drücker.
Gerade mal zehn Minuten waren gespielt, als ein sichtlich
motivierter Sebastian Hähnge
diesmal von der rechten Seite kommend durchzog. Berbig verkürzte den
Winkel, Hähnge legte deshalb auf den zentral stehenden Truckenbrod ab,
doch schoss dieser aus sieben Metern weit über das leere VfL-Gehäuse.
Dies freilich war mit Pech nicht mehr zu erklären, muss doch auch von
einem defensiven Mittelfeldspieler erwartet werden dürfen, beim unbedrängten
Torschuss nicht in starke Rückenlage zu verfallen.
Ein Führungstreffer
wäre der gerechte Lohn für ansehnlichen Kombinationsfußball
in der ersten Viertelstunde gewesen. Außer einer Einzelleistung von
Jenas Ex-Kapitän Niels Hansen hatten die Gastgeber bis zu diesem
Zeitpunkt noch nichts zustande gebracht, unter anderem weil sich Tim Wuttke auf
der ungewohnten Innenverteidiger-Position gut in Jenas Viererkette einfügte.
Doch dann brach Minute 21 an. Siegert legte für Björn Lindemann
auf und der hatte als erster VfL-Spieler in diesem Match mal richtig Platz am
gegnerischen Sechzehner. Wie er den nutzte - mit einem Sonntagsschuss ins
Dreiangel - war zweifellos sehenswert. Die Führung ansich aber äußerst
glücklich. Erst jetzt kamen die Niedersachsen besser ins Spiel. Nachdem sich zwei Jenaer
gegenseitig angeschossen hatten (29.), drohte für Carsten Nulle ebenso
Gefahr wie beim Freistoß zehn Minuten später, den der Torhüter
aber auf Nummer sicher gehend über die Latte lenkte. Seinem Gegenüber
Tino Berbig, der selbst mal in Jena zwischen den Pfosten gestanden hatte und
hierher noch familäre Bindungen hat, misslang in der 40. Minute bei
einsetzendem Gewitterregen ein Abschlag, sodass Hähnge den Ball mit
einem Heber postwendend zurück brachte. Leider nur aufs Tornetz. Als
sich einige schon auf den Pausentee zu freuen schienen, gabs den ersten
erfolgreichen Antritt von Orlando. Bei dessen Eingabe von der linken Seite kam
Hähnge einen Schritt zu spät. Oder ließ er den Ball
absichtlich für Holwijn durch ? Möglich wäre es,
denn der Neuzugang hatte freie Bahn, nur -
was machte er daraus ? Halb Ballannahme, halb Torschuss, nichts von
beiden richtig, und so beförderte der Nationalspieler das Leder weit
am Pfosten vorbei ins Toraus. Zwei, drei dicke Torchancen teils kläglich
vergeben zu haben war der einzige Vorwurf, den man der Zeiss-Elf beim Gang in
die Kabinen machen konnte.
Die erste Aktion nach Wiederanpfiff war nahezu eine Kopie
der letzten Szene vor der Pause. Wieder ging Orlando auf der linken Seite auf
und davon, wieder kam Hähnge in der Mitte einen Schritt zu spät.
Nur dass diesmal kein Holwijn daneben stand. Auf der anderen Seite köpfte
Nickenig aufs Tornetz (48.). So wie sich das Spiel danach entwickelte, war
absehbar, dass es nicht bei dem einen Treffer in dieser Partie bleiben würde.
Beide Mannschaften schenkten sich nichts, noch aber fand niemand die Lücke.
Die Emotionen im Spiel übertragen sich sogar auf die Ersatzleute
hinter dem Tor. Als Sträßer bei einer Abwehraktion gehalten
wurde und somit nicht in der Lage war, den Eckball zu verhindern,
regte sich André Schmidt berechtigterweise über
den Schiri-Assistenten auf, der das Foul eigentlich hätte sehen müssen.
Die Konsequenz war die Gelbe Karte für einen Spieler, der in dieser
Saison noch nicht eine Punktspielminute in der ersten Mannschaft verbracht hat
(58.). Besagte Ecke beschwörte übrigens Gefahr durch
Reichenbergers Kopfball herauf, den Nulle wegfaustete.
Osnabrücks Stürmer-Oldie
drehte nun richtig auf. War beim Schuss in Minute 62 abermals bei Carsten Nulle
Endstation, sorgte Thomas Reichenberger schon zwei Minuten später für
die Spielentscheidung, indem er aus sieben Metern zum 2:0 traf. Ein Tor,
das Carsten Sträßer auf seine Kappe nehmen muss, vertändelte
er doch das Leder im eigenen Strafraum ohne Not gegen Hansen, der dann
Reichenberger ins Spiel brachte. Zwar hatte eine Jenaer Mannschaft schon einmal
im Osnabrücker Stadion das Kunststück fertig gebracht, aus
einem 0:2 noch ein Remis werden zu lassen - doch die Körpersprache
nach dem zweiten Gegentreffer zeigte an, dass sich das diesmal nicht
wiederholen würde. Weshalb ein über 70 Minuten recht intensiv
geführtes Spiel die verbleibende Zeit gemächlich austrudeln
durfte.
Die Art und Weise, wie diese Niederlage zustande kam, war
eine ganz andere als eine Woche zuvor. Kein Vergleich mit dem fast
hergeschenkten Derby. Und doch gerät die Mannschaft nach einem Punkt
und null Treffern aus den letzten drei Partien in Zugzwang. Schon im nächsten
Spiel muss der Schalter wieder umgelegt werden, soll eine weitere Spielzeit in
den Tabellenregionen der Vorsaison vermieden werden. <fc>
FC Carl Zeiss Jena - FC Rot-Weiß Erfurt 0:3
Tore: 0:1 Kammlott (1.), 0:2 Semmer (40.), 0:3 Kammlott (55.)
- Jena: Nulle; Sievers, Riemer (46.Petersen), Lukimya,
Sträßer; Nagy (46. Hähnge), Truckenbrod, Ziegner, Eckardt
(68. Holwijn); Smeekes, Amirante (
, 59.)
- Erfurt: Orlishausen; Malura (

, 59.), Pohl, Möckel,
Ströhl; Cinaz, Rockenbach da Silva, Stenzel, Hauswald (84. Pinske); Semmer (64. Peßolat),
Kammlott (78. Cannizzaro)
- Zuschauer: 11.200
- Schiedsrichter: Leicher (Landshut)
- Spielbericht
- Ein paar Worte vorweg, zu den wenigen positiven Aspekten dieses Spiels:
Endlich,endlich, endlich hat es der Verein einmal geschafft, die Stadiontore mit
ausreichend Leuten zu besetzen, um einen flüssigen Einlass zu gewährleisten.
Man mag sich gar nicht ausmalen, wieviele frustrierte Zuschauer des FCC in
den letzten Monaten nicht wieder gekommen sind - nur weil der Verein die paar
Euro sparen wollte, die zusätzliche Einlasskräfte kosten? Bitte lasst es
keine Derby-Eintagsfliege sein...
Eine zweite gute Nachricht: Das Stadion war
nahezu ausverkauft, nur die Gäste hatten zu Hause irgendwie kleine Probleme
mit dem Kartenverteilen. Ja, und die Choreos kurz vor Beginn des Spiels:
die große Flagge auf der Haupttribüne und dann die Herzchen für Jena, erst
rot (WTF?!) und dann blau-gelb-weiß mit Feuer.
Beeindruckend(!) - dachten
sich wohl auch die Spieler des FCC, die sich in der ersten Minute
anscheinend auf alles andere drumherum konzentrierten, nur
nicht auf's Spiel. Der Anstoß des FCC wurde abgefangen, ein steiler Pass in
die Spitze, Abschluss von der Strafraumkante ins linke untere Eck, und nach
gefühlten drei Sekunden stand es Null-zu-Eins.
Braucht es wirklich nur ein Gegentor in der ersten Minute, um das in den
letzten Wochen vielgerühmte Wahnsinns-Jenaer Publikum komplett ruhigzustellen?
Offensichtlich. Nur die Südkurve zuckte noch in den ersten zehn Minuten,
in denen Jena sichtlich geschockt wirkte und nichts auf die Reihe kriegte.
Die Unaussprechlichen waren auch nicht wirklich gefährlich, und so plätscherte
es dahin bis zur 14. Minute, als Amirante kurz vor dem Strafraum gelegt
wurde. Ziegner trat an und schlenzte den Ball an die Querlatte... was für ein
Pech! Wenigstens war der FCC in dieser Phase gleichwertig und kam über das
Kurzpassspiel und gewonnene 1:1-Situationen auch mehrmals schnell bis
zum Strafraum der anderen. Irgendwie schienen sie aber den Ball heute
reintragen zu wollen: immer noch ein Abspiel oder Dribbling mehr aus aussichtsreicher
Position, aus der man auch einfach mal hätte draufhauen können und
müssen. Jenaer Verunsicherung wurde merklich. Je weiter die erste Halbzeit
voranschritt, desto mehr unforcierte Fehler schlichen sich in das Jenaer
Spiel ein. Kurz vor der Halbzeit verschätzte sich dann auch noch Nulle bei
einem Eckball und es stand 0:2. Auf den Tribünen machte sich Ratlosigkeit breit
- war das wirklich die gleiche Mannschaft, die bislang so begeisternden
Fußball gespielt hatte?
Es konnte nur besser werden und es wurde - bitterer. Da hatte der FCC
gleich nach der Pause eine gute Kopfballchance (der Ball landete auf dem
Tornetz), doch in der 54. Minute kam eine Bogenlampe in den Jenaer Strafraum
hereingesegelt, die ewig in der Luft war und trotzdem nach Direktabnahme
im Jenaer Tor landete. Wenn der Torschütze demnächst im Training versucht,
dieses Tor nachzustellen, wird er von 100 Versuchen wahrscheinlich 99 nicht
treffen...aber im Spiel ging er halt rein, und damit war die Luft vollständig raus.
Was danach passierte, war haarsträubend.
Es ist nicht unüblich, dass Mannschaften sich bei einem Rückstand von 0:3
nach 55 Minuten mitunter hängenlassen (wobei meine ganz persönliche Meinung
dazu ist, dass das dann auch keine Mannschaft ist). Aber dass so absolut gar
nichts mehr ging, dass einfachste Bälle zum Gegner gespielt, wirklich sinnlose
Dribblings angesetzt und Laufwege einfach abgebrochen wurden, macht
nachdenklich. Die erste Chance für den FCC gab es erst wieder in der 71.
(Hähnge vergibt aussichtsreich), dann nochmal eine kleine in der 75. Auf
der Gegenseite konnten wir uns bei Nulle bedanken, dass es am Ende nicht 0:5
stand - und zwar nicht, weil der Landeshauptstadtclub überragenden Fußball
gespielt hätte.
Einen "positiven" Aspekt hat die Sache am Ende doch noch: Dieses ganze
Geklapse mit angekündigtem Moonwalk, "Wir steigen auf"-Gesängen und 100:0-Fahnen
gehört erst mal wieder der Vergangenheit an. Die Chance besteht, dass die
Jenaer Spieler am Sonntag begriffen haben, dass sich Spiele gegen Mannschaften,
die unten stehen, nicht von selbst gewinnen. <ragnar>
Derby-Fotos von Jens Weißenburger
Bericht auf der Erfurter Homepage
FC Erzgebirge Aue - FC Carl Zeiss Jena 0:0
- Aue: Männel; Klingbeil, le Beau, Paulus, Schaffrath;
Cimen (68. Gambo), Stark, Müller (72. Klotz); Curri, Braham, Ramaj (90.
Hiemer)
- Jena: Nulle; Sievers, Riemer, Petersen, Sträßer;
Nagy, Truckenbrod, Ziegner, Orlando; Hähnge, Amirante (87. Eckardt)
- Zuschauer: 11.400
- Schiedsrichter: Dr. Fleischer (Sigmertshausen)
- Spielbericht
- 5:1, 5:0, 5:0. In den vergangenen drei Jahren ist der FCC im
Erzgebirgsstadion regelrecht vermöbelt worden. Bekanntlich hat der
Optimist keine Ahnung von den freudigen Überraschungen, die ein
Pessimist erlebt. Trotzdem fuhren wir diesmal mit einem besseren Gefühl
nach Aue und weigerten uns von vornherein, an eine Fortsetzung dieser schwarzen
Serie zu glauben. Dafür hatte die neue Jenaer Mannschaft in den ersten
Wochen der noch jungen Saison schon zu viel an Potential offenbart.
Entgegen seiner Ankündigung hatte René van Eck im
Vergleich zum letzten Spiel eine Änderung vorgenommen. Rene Eckardt
blieb trotz ansprechender Leistung gegen Bayerns Zweite erst mal wieder auf der
Bank, wohingegen Sebastian Hähnge zu seiner Premiere in der Startelf
kam. Waren es die besseren Trainingsleistungen, die dafür den
Ausschlag gaben ? Fürchtet van Eck, den Youngster zu schnell zu
verheizen ? Oder will er Jenas Offensivtaktik ein Stück weit
unberechenbarer für die Ligakonkurrenz gestalten ? Wie auch immer -
Smeekes, der am liebsten nur Orlando genannt werden möchte, rückte
aus dem Zentrum auf die Außenposition. Von da, nur in der anderen Hälfte,
kamen auch die meisten Bälle in den ersten zwanzig Minuten. Eckball um
Eckball holten die Gastgeber während ihrer Anfangssoffensive heraus.
Den ersten richtigen Torschuss gabs dennoch von einem Jenaer. Salvarore
Amirante prüfte Martin Männel nach achtzehn Minuten. Darüber
hinaus tat sich allerdings vor der Pause nicht viel an Offensivgeschehen
seitens der Thüringer. Dazu fehlte es im Mittelfeld an einem
Gestalter, der die Bälle verteilte oder einfach mal länger in
den eigenen Reihen hielt. Hähnge und Amirante hatten es schwer mit
ihren Gegenspielern. Und Orlando ? Zeigte auf rechtsaußen mehrmals
technische Kabinettstückchen, doch in echte Torgefahr mündeten
die meist nicht, sodass sich die Umstellung alles in allem nicht bezahlt
machte. Ein einziges Mal brachte er vor der Pause nach energischem Sprint eine
Eingabe vors Tor, doch die fing Männel vor dem einschussbereiten
Amirante weg.
Erfreulich hingegen, dass Jenas Viererkette auch ohne Lanzaat
lange Zeit nichts zuließ. Da konnten Curri und Ramaj rochieren, wie
sie wollten - sowohl Sievers wie auch Sträßer ließen
sie nicht zu Entfaltung kommen. Auch die 7:0 Ecken der Veilchen in Hälfte
eins bereiteten Nulle und seinen Vorderleuten keine Probleme. Lediglich in den
letzten drei Minuten vor dem Pausenpfiff schlich sich kurzzeitig mal etwas
Sorglosigkeit ins Jenaer Abwehrzentrum. Denn dass ausgerechnet der Kleinste auf
dem Platz, Skerdilaid Curri, nur um wenige Zentimeter an einem Kopfballtor
vorbeischrammt, darf eigentlich nicht
passieren. Und was war in Minute 44 los ? Bei Müllers Heber in den
Strafraum rannten gleich zwei Weiße mit Ramaj mit, wodurch sich
Braham zentral in 13 Metern
Torentfernung seelenruhig auf seinen Torschuss vorbereiten konnte. Doch vergeht
kein Spiel ohne eine Heldentat von Carsten Nulle ! Jenas Keeper entschärfte
Brahams Schuss mit toller Reaktion. Der Halbzeitpfiff kam den Jenaern nicht
ungelegen.
Mit Beginn der zweiten Hälfte hatte sich Jenas
Hintermannschaft wieder formiert. Aue zunächst wieder leicht feldüberlegen,
ohne groß zu Tormöglichkeiten zu gelangen. Ramajs Schlenzer
Richtung Dreiangel fing Nulle noch in dessen Steigphase (57.). Die optische Überlegenheit
auf Seiten der Gastgeber verschwand dann nach etwa einer Stunde Spielzeit. Erst
jetzt fiel auf, dass mit Kos auch bei den Erzgebirglern der Abwehrchef fehlte
und deren Hintermannschaft nicht unüberwindbar ist. Als Orlando seinen
Gegenspieler ins Leere rutschen ließ, die flache Hereingabe nur
unkontrolliert nach vorn abgewehrt werden konnte, kam Jens Truckenbrod aus fünfzehn
Metern zum Torschuss. Wie gern hätten wir DEN ankommen sehen ! Doch
Paulus warf sich hinein, bescherte Jena damit nach 61 Minuten wenigstens noch
die erste Ecke, welche aber wie generell alle Standards an diesem Tag nichts
einbrachte. Die hohen Temperaturen sollten in der Schlussphase bei beiden
Mannschaften ihren Tribut fordern. Das Wort Sommerfußball machte nun
die Runde. Van Eck schien dennoch nicht unzufrieden,
tätigte seinen ersten Wechsel erst drei Minuten vor
Schluss und dies aus Verletzungsgründen. Dass auch Trainerkollege
Schmitt in der 90. Minuten noch einen neuen Mann auflaufen ließ, lässt
den Schluss zu, dass mit dem unentschiedenen Spielausgang am Ende alle recht
zufrieden waren. Die Gastgeber hatten dem Spitzenreiter einen Punkt abgerungen,
der FCC bereitete seiner schwarzen Serie im Erzgebirgsstadion endlich ein Ende.
Zwar ist die Tabellenführung damit schon wieder
passé, doch ist der FC Carl Zeiss Jena auch nach dem Auer Auswärtsspiel noch ungeschlagen in dieser Saison.
Und das ist schließlich auch schon etwas wert. <fc>
FC Carl Zeiss Jena - FC Bayern München II 6:0
Tore: 1:0 Eckardt (8.), 2:0 Smeekes (28.), 3:0 Amirante (48.), 4:0 Amirante (62.), 5:0 Amirante (64.), 6:0 Amirante (76.)
- Jena: Nulle; Sievers, Riemer, Lanzaat (23. Petersen),
Sträßer; Nagy, Truckenbrod, Ziegner, Eckardt; Smeekes (68.
Hähnge), Amirante (77. Benyamina)
- München: Kraft; Schütz, Lell
(
, 38.), Saba (56. Kopplin), Contento;
Erb, Rieß, Görlitz, Schürf (53. Yilmaz); Sikorski, Sene (43. Duhnke)
- Zuschauer: 8346
- Schiedsrichter: Gorniak (Bremen)
- Spielbericht
- Vor dem Spiel bestimmten noch Sorgen die Gedanken der
meisten Zuschauer, an die sich nach dem Spiel kaum noch jemand erinnerte. Wie
wird die Mannschaft die befürchteten Ausfälle von Carsten Sträßer
und Ralf Schmidt verkraften können? Wie kommt der FCC mit den
bundesligaerfahrenen Christian Lell und Andreas Görlitz zurecht? Wird
die zweite Garde des großen FC Bayern am dritten Spieltag ihr
zweifellos vorhandenes Potential zeigen, nachdem man eher schwach in die Saison
gestartet war?
Zumindest einer der Fragen löst sich noch vor dem
Anpfiff in Wohlgefallen auf, denn Carsten Sträßer stand in
der Startformation. Der Abwehrspieler ist mitverantwortlich für den
derzeitigen Erfolg des FCC und wird von vielen aufgrund seiner in der letzten
Saison oft gut versteckten Souveränität mit einem
Augenzwinkern als "Neuzugang" bezeichnet, entsprechend groß war die
Erleichterung bei der Lektüre seines Namens in der Startaufstellung. Die
Elf des gut in die Saison gestarteten FCC begann das Spiel auch gleich druckvoll
und schon die ersten Minuten ließen keinen Zweifel daran aufkommen,
wer heute der Herr im Haus sein wollte. Die erste Ecke des Spiels erhielten
trotzdem die Bayern, aber mehr als ein schneller Gegenstoß über
den starken Sievers sprang dabei nicht heraus. Dieser Konter war es, den Timo
Nagy mit einem herrlichen Pass auf Salvatore Amirante fortsetzte. Der Italiener
stand plötzlich vor Kraft im Tor des FCB und wollte den Ball in der
langen Ecke unterbringen, hatte dabei aber die Reflexe des Schlussmanns der
Bayern unterschätzt. Festhalten konnte er den scharfen Schuss aus
kurzer Distanz allerdings nicht, der mitgelaufene René Eckardt schaltete am
Schnellsten und konnte den Ball unbedrängt aus kurzer Distanz im Tor
unterbringen - 1:0 für den FCC nach nur acht Minuten! Die erfahrenen
Spieler der Bayern, namentlich Görlitz und Lell, sahen beim
vorhergehenden Zusammenspiel von Nagy und Amirante alles andere als gut aus und
verloren schon nach diesen wenigen Minuten einen Teil des von ihren Namen
ausgehenden Glanzes.
Die Gäste aus München zeigten sich aber
keineswegs geschockt vom frühen Rückstand, stattdessen bemühten
sie sich von nun an intensiv um den Ausgleich. Nur fünf Minuten nach
der Führung war es Carsten Nulle, der gegen den in dieser Phase
starken Sikorski klären musste. Der war nach einem Missverständnis
in der Jenaer Hintermannschaft plötzlich frei vor Nulle aufgetaucht
und scheiterte nur an der blitzschnellen Reaktion des auch heute sicheren Rückhalts.
Im Gegenzug hat Eckardt das 2:0 auf dem Fuß, nachdem er mit einem
herrlichen langen Ball von Nagy freigespielt wurde. Sein Ball geht aber leider
nicht nur an Torhüter Kraft vorbei, sondern auch am Tor. Für
die nächsten Minuten sollte dieser Gegenstoß das letzte
Lebenszeichen des FCC sein, von nun an drückten die Bayern. Dabei war
es immer wieder Marco Riemer, der in der Abwehr nicht überzeugen
konnte. In der 16. Minute profitiert er allein von der Fairness des Münchner
Stürmers Sikorski, der sich trotz leichtem Trikotzupfer aufrafft und
sich nicht fallen lässt, anderenfalls hätte man diese
Situation wohl als Notbremse werten müssen. So stand Sikorski zwar
allein vor dem Jenaer Gehäuse, aber dieses wurde ja von Carsten Nulle
bewacht - und dieser reagierte erneut glänzend. Auch wenn man sich
mittlerweile schon fast daran gewöhnt hat, mit Nulle einen extrem
sicheren Rückhalt zu haben - was dieser Mann Woche für Woche
für Bälle hält, ist aller Ehren wert. Völlig
zu Recht wurde "Wild Thing" auch vor dem Spiel als Spieler der letzten Saison
ausgezeichnet, denn ohne ihn hätte der FCC die Klasse wohl kaum
gehalten. Richtig ernste Mienen konnte man nur kurz darauf erblicken, denn
offenbar hatte sich Abwehrchef Quido Lanzaat ohne Fremdeinwirkung verletzt und
drängte auf seine Auswechslung, die nach 23 Spielminuten vollzogen
werden musste. Nicht wenige fürchteten nun den baldigen Ausgleich oder
zumindest massive Probleme mit den schnellen und ballsicheren Angreifern der
Bayern für die umgestellte Innenverteidigung. Genau in diese Phase des
größten Drucks der Bayern stürmt aber erneut
Orlando Smeekes hinein und spielte sich endgültig in die Herzen der
Fans. Nach einer kampfgeprägten Balleroberung des Hachinger Neuzugangs
Nagy hat Orlando nur noch Lell und das Tor vor sich. In seiner gewohnten,
unheimlich schnellen Art stürmt er auf Lell zu, schlägt noch
einen Haken und streichelt den Ball dann mit der Innenseite an den kurzen
Pfosten - von dem das Leder den erstrebenswertesten Weg wählt, nämlich
den ins Tor von Jenas Gegnern! Das 2:0 in der 28. Minuten fiel sprichwörtlich
genau zum richtigen Zeitpunkt, denn es setzte einen Schlussstrich unter eine
Phase gefährlicher Angriffe der Gäste, die immer wieder nur
vom Jenaer Schlussmann aufgehalten werden konnten. Auch in der Folge überforderte
der Mann von den niederländischen Antillen, der nun bereits vier Tore
in drei Spielen erzielt hat, seinen Gegenspieler Lell immer wieder mit seiner
Schnelligkeit. Zehn Minuten nach dem 2:0 wurde die Sprintstärke dem Münchner
endgültig zum Verhängnis, als ihn Orlando einmal mehr
regelrecht überlaufen konnte und von Lell nur noch per Foul zu stoppen
war. Da Lell zu diesem Zeitpunkt letzter Mann war und Smeekes freie Bahn aufs
Tor gehabt hätte, war die Entscheidung des unauffälligen
Schiedsrichters Gorniak durchaus nachvollziehbar - Rote Karte wegen Notbremse
und Freistoß für den FCC, denn der Bremer Unparteiische
hatte das Foul außerhalb des Strafraums gesehen. Auch wenn der
Freistoß und die folgenden Minuten vor der Halbzeit nichts
einbrachten, so hatte sich der FCC doch eine hervorragende Ausgangslage für
den zweiten Durchgang geschaffen. Doch trotz der Zwei-Tore-Führung und
der Jenaer Überzahl erwarteten viele eine spannende zweite Hälfte,
in der den Bayern im Falle eines schnellen Anschlusstreffers durchaus noch
Chancen eingeräumt wurden.
Derartige Sorgen und Ängste lösten sich
aber schon kurz nach dem Wiederanpfiff auf, denn die 8346 Zuschauer im Ernst
Abbe Sportfeld sahen einen FC Carl Zeiss Jena, der weiterhin mit voller
Konzentration zu Werke ging. Das aus der Führung und dem Spielverlauf
resultierende Selbstvertrauen sorgte außerdem dafür, dass
Flanken und Pässe scheinbar präziser ankamen und
leichtfertiger von der Hand gingen als in anderen Spielen. Nur drei Minuten
nach Wiederanpfiff war es dann auch schon so weit, dass auch die letzten
Zweifler vom Optimismus übermannt wurden, denn nach einer präzisen
Flanke des starken René Eckardt auf den Kopf von Salvatore Amirante dürfte
die Halbzeitansprache von Gästetrainer Mehmet Scholl bereits hinfällig
gewesen sein. Der Italiener stieg als einziger im Strafraum hoch zum Kopfball,
begleitet nur von den ungläubigen Blicken seines Gegenspielers. Der
musste mit ansehen, wie der wuchtige Kopfball unhaltbar für Kraft im
Netz landete und das Spiel faktisch entschieden war. Anders als nach dem 1:0
war nun auch ein gewisser Schockzustand bei den Bayern zu erkennen, die mit
einer derart druckvollen Offensive seitens der Jenaer offenbar nicht gerechnet
hatten. Nach einer guten Chance für den unauffälligen, aber
ebenfalls überzeugenden Truckenbrod in der 59. Minute war es nach
knapp über einer Stunde erneut Amirante, der einen Eckball von Nagy
per Kopf über die Linie bugsierte. Wieder fühlte sich keiner
der Bayern so richtig zuständig, erneut war gegen den starken Kopfball
aus kurzer Distanz nichts zu machen - 4:0 für den FC Carl Zeiss Jena!
Schon jetzt fragten sich einige, wann sie derartiges zuletzt erlebt hatten,
nicht ahnend, was die folgenden Minuten noch bringen würden. Der FCC
hatte nämlich noch lange nicht genug und spielte weiter attraktiven
Offensivfußball. Nur zwei Minuten später hatte sich Smeekes
auf links einmal mehr aller Gegenspieler entledigt und spielte dann einen
perfekten Pass in den Lauf des Doppeltorschützen Amirante, der den
Ball aus fünf Metern nur noch über die Linie schieben musste
und damit das 5:0 sowie seinen Hattrick vollendete! Nach 68 Spielminuten gönnt
Jena-Trainer René van Eck dem neuen Publikumsliebling und Torschützen
des Monats Orlando Smeekes nach einer weiteren starken Partie seinen verdienten
Applaus. Von stehenden Ovationen begleitet verlässt der Shooting-Star
den Platz, für ihn kommt Sebastian Hähnge. Der Eingewechselte
fügt sich sofort gut in das Spiel der Blau-Gelb-Weißen ein
und hat nur Minuten nach seiner Einwechslung das 6:0 auf dem Fuß, als
ihm Truckenbrod den Ball überlegt in den Lauf lupft. In dieser
Situation konnte sich allerdings zunächst der Münchner Torhüter
Kraft auszeichnen, als er den scharfen Schuss Hähnges pariert. Doch
das sollte am heutigen Tag nicht ausreichen, denn Hähnge setzt nach,
holt sich den Abpraller und flankt den Ball erneut butterweich auf den langen
Pfosten. Dort wartet, wie könnte es anders sein, Salvatore Amirante
und hat erneut keine Mühe, den Ball im Tor unterzubringen - 6:0 nach
76 Spielminuten, vier Tore von Amirante innerhalb von nicht einmal einer halben
Stunde, ungläubiges Staunen mischt sich in den unbändigen
Jubel im weiten Rund des Ernst Abbe Sportfelds.
Das halbe Dutzend war voll und die Jenaer Spieler ließen
es dabei bewenden, die folgenden fünfzehn Minuten waren mehr Schaulaufen
als ernsthafter Fußball und die Bayern hatten sich längst
mit der demütigenden Realität abgefunden. Gegenwehr wäre
bei diesem Spielstand ohnehin zwecklos gewesen und so konnten die leidgeprüften
Anhänger des FCC endlich mal wieder eine Schlussviertelstunde ohne
Angst vor späten Gegentoren oder in der Hoffnung auf ein dringend benötigtes
Jenaer Tor verbringen, stattdessen wurde der in dieser Form von niemandem
erwartete Sieg ausgiebig gefeiert. Neben dem Ergebnis gefiel vor allem die
Tatsache, dass neben dem beinahe unheimlich schnellen Orlando Smeekes auch die
beiden Außen Sievers und Nagy überzeugen konnten und Jena über
weite Strecken des Spiels sehr sehenswerten und dynamischen Offensivfußball
zeigte. Auch in Anbetracht eines bestimmten Ergebnisses vom Samstag bildete das
6:0 den perfekten Abschluss eines paradiesischen Wochenendes, das so schnell
keiner der anwesenden Jena-Fans wieder vergessen wird. Nun muss der neue
Spitzenreiter der Dritten Liga in Aue nachlegen bevor am kommenden Wochenende
ein ganz spezieller Gast im Ernst Abbe Sportfeld erwartet wird. Sollten Orlando
Smeekes & Co. auch dann wieder einen ähnlichen Auftritt wie in den
bisherigen Saisonspielen hinlegen, dürfte der Jubel selbst die
heutigen Freudenschreie noch einmal deutlich übertönen. Bis
es so weit sein kann, liegen aber noch zwei mal 90 Minuten vor der Mannschaft
von René van Eck - zumindest das nötige Selbstvertrauen für
die erfolgreiche Gestaltung der beiden Ostderbys sollte spätestens
nach dem heutigen Spiel vorhanden sein. <bh>
SV Sandhausen - FC Carl Zeiss Jena 2:2
Tore: 1:0 Schuon (9.), 1:1 Smeekes (19.), 1:2 Riemer (32.), 2:2 Pinto (90., FE)
- Sandhausen: Gurski; Bindnagel, Schuon, Eberlein, Mintzel; Pinto,
Hillenbrand, Jungwirth (66. Fischer), Schauerte (77. Hosiner); Ristic (23.
Öztürk, Dorn
- Jena: Nulle; Sträßer, Lanzaat, Riemer, R. Schmidt;
Sievers (60. Hähnge), Truckenbrod, Ziegner, Nagy; Smeekes (88.
Petersen), Amirante (81. Benyamina)
- Zuschauer: 3150
- Schiedsrichter: Kempter (Sauldorf)
- Spielbericht
- Gleiches
Ergebnis - unterschiedliche Gefühle. Wo vor zwei Monaten 3.500 verzückte
Zeissfans ob des Klassenerhalts den Sandhäuser Rasen stürmten, herrschte
diesmal betretenes Schweigen unter beachtlichen gut 500 mitgereisten
Blau-gelb-weißen. Die meisten unter ihnen wären vor dem Spiel wohl mit einem
Zähler zufrieden gewesen, doch nach diesem Spielverlauf musste man einfach
hadern. Mit einer späten und nicht nachvollziehbaren Spielentscheidung durch
Referee Kempter, und mit dem Auslassen unzähliger
Möglichkeiten zur Vorentscheidung durch die eigene Elf.
Dass
dieses Spiel ein ganz intensives werden sollte, deutete sich schon nach wenigen
Minuten an. Riemers und Smeekes' gefährlichen
Toraktionen folgte auf der Gegenseite nach 8 Minuten die Führung der Gastgeber.
Ralf Schmidt hatte einen unnötigen Eckball verursacht - nicht der einzige
Fehler des sich nach dem Wechsel steigernden Studenten in den ersten 45 Minuten
- und Sandhausens bulliger Neuzugang Schuon köpfte
das Leder kompromisslos wuchtig zur frühen Führung ins Netz. Und die Gastgeber
drängten weiter mit schön anzusehendem Kombinationsfußball, waren durch das nur
schwer zu bändigende bundesligaerfahrene Sturmduo Ristic/Dorn stets
kreuzgefährlich. Doch anders als im Mai behielt Jena die Ordnung und schlug
zurück. Sträßer und Sievers kämpften im Duett
Mintzel den Ball im eigenen Strafraum ab,
Sträßers weiter gefühlvoller Ball erreichte zur
Überraschung von Sandhausens Hintermannschaft Orlando Smeekes,
der dem verdutzten Gurski das Leder in die Maschen
servierte (19.). 1:1! Und Jena machte weiter. Nur zwei Minuten später die
nächste Riesenchance für den Holländer nach tollem Diagonalpass von Sievers,
doch der Hammer zischt knapp am Tor vorbei. Eine Minute drauf hatte Nagy dann
die Führung auf dem Fuß, als er eine schöne Kombination zu harmlos abschloss.
Jena war im Spiel, und bald begann auch der Tag des Marco Riemer freundlichere
Züge anzunehmen. Zunächst erlöste ihn die verletzungsbedingte Auswechslung
Ristics von diesem unangenehmen, einen Kopf größeren Gegenspieler. Dann durfte
sich der Apoldaer sogar in die Torschützenliste
eintragen, als er nach Amirantes artistischer
Fallrückziehervorlage aus Nahdistanz zur verdienten Führung nach 33 Minuten
abstaubte.
Von
Sandhausen kam bis zum Wechsel nichts mehr, und dennoch hatten 3.500 Zuschauer
ein packendes und völlig offen geführtes Spiel gesehen. Glaubten sie zumindest,
denn nach dem Pausentee ging es erst richtig los. Bindnagel eröffnete das
Offensivfestival mit einem Knallbonbon knapp am rechten Pfosten vorbei (48.).
Smeekes antwortete mit Zuckerpass auf Sievers, der sich
völlig freistehend vor Gurski den Ball etwas zu weit
vorlegte (49.). Minuten später zwei dicke Patzer von Riemer, die die Gastgeber
nicht zu nutzen verstehen. Jungwirth zieht nach 56 Minuten ab und zwingt Nulle
zu einer Glanzparade. Dann kommt Nagy über die rechte Seite, doch seine
Hereingabe auf den blank stehenden Amirante misslingt (59.). Es war eine der
wenigen Offensivaktionen Nagys, der sich nach vorn wenig zutraute. Ausgewechselt
wurde nach einer Stunde aber sein Flügel-Gegenüber Sievers, bei dem sich
gelungene Offensivakzente mit schlampigem Defensivverhalten abwechselten.
Sebastian Hähnge kam ins Spiel und legte Sekunden
später gleich gekonnt per Kopf auf Amirante auf, Gurski
klärt. Wiederum Sekunden später umkurvt Hähne den Sandhäuser Keeper, ist
eigentlich schon vorbei und der Ball gefühlt auf dem Weg ins Tor, doch
irgendwie kommt Gurski doch noch einmal ans Leder
(61.). Eine Minute darauf darf Smeekes die nächste
hundertprozentige Torchance versieben, allein rechts vor dem Kasten entscheidet
er sich gegen den Pass auf den mitlaufenden Amirante und für den Flachschuss,
den Gurski mit Fußbabwehr
pariert. Wahnsinn! Quasi im Gegenzug rettet Lanzaat
vor dem einschussbereiten Pinto (62.). 63. Minute, ein Schuss Sandhausens aus
dem Hinterhalt wird unfreiwillig von Hillenbrand abgefälscht und trudelt an den
Pfosten! Vier Minuten später dann wieder dann wieder Bindnagel mit
Volleyschuss, Nulle pariert.
Sandhausen ging nun noch mehr auf Risiko und
drückte die Thüringer, bei denen die ordnende Hand im Mittelfeld vermisst
wurde, mehr und mehr in die eigene Hälfte, in der sich Carsten
Sträßer mit einer tadellosen Leistung Bestnoten verdiente.
Einen Entlastungsangriff über die rechte Seite kann der bisweilen selbst
auffällig fallsüchtige Mintzel nur mittels einer
Mischung aus grobem und taktischem Foul an Smeekes an
der Torauslinie verhindern, ohne dafür den Karton zu sehen. In
Ziegners frechen Freistoß spritzt Amirante, und als der Ball
hinter dem Keeper die Torlinie entlang zischt, ist wieder einmal
Haareraufen im Gästeblock angesagt. Mehr noch als
Smeekes nach 80 Minuten die nächste Hundertprozentige
vergibt, allein vor Gurski diesen nicht überwinden
kann. So kam das, was kommen musste. Sandhausen verlegte sich auf das
Erarbeiten von Freistößen, von deren Berechtigung nur wenige im Gästeblock
überzeugt waren, und so stand Carsten Nulle mehr und mehr im Mittelpunkt,
rettete mehrmals großartig. Machtlos war er jedoch, als Robert
Kempter - wie Sandhausen in Baden-Württemberg beheimatet -
in der Schlussminute auf den Elfmeterpunkt zeigte, ein Foulspiel Riemers an
Dorn gesehen haben wollte. Roberto Pinto ließ sich das späte Geschenk nicht
entgehen und schickte die Zuschauer mit dem gleichen Ergebnis nach Hause wie
vor zwei Monaten.
Diesmal bleibt für den FCC zu konstatieren, zwei Zähler
verschenkt zu haben, und das in erster Linie wegen der sträflich ausgelassenen
Großchancen im zweiten Abschnitt. Auf der Leistung der Mannschaft aber darf aufgebaut
werden, und diesen positiven Eindruck nahm Jenas Anhang mit auf die 400
Kilometer lange Heimreise. <gunner>
FC Carl Zeiss Jena - SV Wehen Wiesbaden 2:1
Tore: 1:0 Smeekes (50.), 2:0 Smeekes (56.), 2:1 Bohl (74.)
- Jena: Nulle; Sträßer, Lanzaat, Riemer, R. Schmidt;
Sievers, Ziegner, Truckenbrod, Nagy (87. Petersen); Smeekes (90.+1
Eckardt), Amirante
- Wehen: Birkenbach; Hollmann, Barg, Glibo, Weigelt; Bohl, Reinert
(61. Ziegenbein), Hübner, Öztürk (72. Landeka); Boskovic,
Stroh-Engel (58. Ziemer)
- Zuschauer: 7713
- Schiedsrichter: Dr. Brych (München)
- Spielbericht
- Gemeinhin gilt es als Vorteil, gegen Absteiger aus der 2.
Bundesliga gleich am Anfang einer Saison antreten zu dürfen. Deren
personelle Fluktuation ist meist recht hoch, der neuformierte Kader muss sich
erst einspielen. Im Gegensatz zu den beiden anderen Absteigern blieb dem SV
Wehen aber die große Abgangswelle erspart. Und so versprach der 1.
Spieltag gleich eine Standortbestimmung für den FC Carl Zeiss zu
werden.
Erstmals seit 2003 durfte die Punktspielsaison mal wieder
mit einem Heimspiel eingeläutet werden. Wenn dabei trotz Aprilwetters
7713 Zuschauer ins Ernst-Abbe-Sportfeld kommen, zeugt das ungeachtet der
miserablen letzten Saison von einer deutlichen Erwartungshaltung. Sebastian Hähnge
saß mit auf der Tribüne. Schon einen Tag vor dem Match hatte seine linke
Wade zu zwicken begonnen, am Spieltag selbst war dann nicht einmal mehr ein
Kurzeinsatz möglich. Sollte es deshalb ein schnelles Revival der
Ein-Stürmer-Taktik von René van Eck geben ? Nein, denn der Rückkehrer
auf den Trainerstuhl beorderte Orlando Smeekes auf die zweite Angriffsposition.
Da Jan-André Sievers in die Startelf nachrückte, war diese mit allen fünf
Neuzugängen besetzt.
Verteiltes Spiel zu Beginn. Ein Kopfball im Anschluss an
Wehens zweite Ecke wurde am kurzen Pfosten abgefangen, den Spurt von Reinert in
den Strafraum stoppte Sträßer. Auf der anderen Seite war es
Salvatore Amirante, der mit einem Kopfball aus sechs Metern Birkenbach prüfte
und mit einem 19-Meter-Flachschuss knapp verzog.
All das waren Szenen aus den ersten 20 Minuten, danach
dominierten die Abwehrreihen und weitere nennenswerte Aktionen vor der Pause
blieben rar. Einzig Timo Nagy aus guter Schussposition in zwanzig Metern
Torentfernung forderte nach 35 Minuten noch einmal den Beifall heraus. So sehr
man sich über die stabile Viererkette mit dem neuen Abwehrchef Lanzaat
und dem wie ausgewechselt wirkenden Sträßer freuen durfte -
beim Offensivspiel blieb zunächst noch viel Luft nach oben.
Van Eck hatte seiner Mannschaft in der Kabine mehr Risiko
verordnet und diese setzte das gleich mit Wiederanpfiff um. Bälle, die
während der ersten 45 Minuten noch als Querpass gespielt worden waren,
flogen nun steil ins Angriffszentrum. Es war Salvatore Amirante, der von der
Mittellinie aus seinen Sturmpartner Orlando Smeekes mit einem Diagonalpass auf
die Reise schickte. Diese Reise führte um einen Gegenspieler herum,
zwischen zwei Verteidigern hindurch direkt zu Torhüter Birkenbach, an
dem vorbei Smeekes das Leder ins lange Eck schob. 1:0 - Zeit für den
ersten Torjubel der neuen Saison mit einem Flickflack, wie man ihn im
Ernst-Abbe-Sportfeld so wohl noch nie gesehen hat. Miroslav Kloses berühmte
Überschläge in der Nationalmannschaft wirken geradezu
armselig gegen jene eines Orlando
Smeekes beim FC Carl Zeiss Jena ! Auch wenn dessen artistische Brillanz nicht
von ungefähr kommt, war er in seiner Jugend doch dreimal holländischer
Meister im Turn-Mehrkampf, bevor er sich für die fußballerische
Laufbahn entschied. Eine gute Entscheidung, wie uns nur sechs Minuten später
ein weiteres Mal klar werden sollte. Da trat Smeekes in 35 Metern Torentfernung
zum Freistoß an. Für eine direkte Ausführung noch
viel zu weit vom Kasten entfernt, dachten die meisten. Doch der Nationalspieler der
niederländischen Antillen schoss direkt durch die Drei-Mann-Mauer der
Wehener hindurch ins linke untere Eck. Welch ein (P)fund !
Während wir Beobachter noch ganz fasziniert waren
von den gleichsam schönen und doch auf so unterschiedliche Weise
zustande gekommenen Treffern unseres Orlando, setzten die Gäste mit
dem Mute der Verzweiflung zur Aufholjagd an. Diese hatten sie in der
Vorbereitung bereits gegen Koblenz und Saarbrücken mit Erfolg
praktiziert. Boskovic mit Schuss ans Außennetz sowie die frisch
eingewechselten Ziemer und Ziegenbein zeigten an, dass dieses Mahl mit
den zwei Toren noch lange nicht gegessen war. Und tatsächlich, in der
74. Spielminute traf Bohl unhaltbar per Kopf zum Anschlusstreffer. Eine
Viertelstunde war danach noch zu spielen. 15 Minuten, die besonders der aus
Kaiserlautern gekommene Marcel Ziemer mit mehreren Chancen zur Zitterpartie für
alle Blau-Gelb-Weißen werden ließ. Bei Ziemers
Aufsetzerkopfball sechs Minuten vor Schluss rührte selbst Geburtskind
Carsten Nulle (Glückwunsch zum 34. !) keinen Finger mehr - doch das
Leder klatschte nur an die Werbebande hinter dem Tor. In der 89. kam Nulle an
einen Eckball nicht heran, dafür stand Sträßer
goldrichtig und konnte an der Torraumgrenze per Kopf klären. Mit
tollen Einzelaktionen hatte einer aus der Mannschaft den Vorsprung heraus geschossen
- alle elf zusammen sorgten nun dafür, dass aus ihm drei Punkte wurden.
Auch wenn in der letzten halben Stunde das Geschehen etwas
aus der Hand gegeben worden war - mit dem Sieg gegen Wehen hat die neue Jenaer
Mannschaft schon mal einen ersten Fingerzeig erhalten, dass auch gegen
Staffelfavoriten etwas gehen kann. Orlando Smeekes, der in seiner Freizeit auch
noch Thai-Boxen betreibt, will übrigens trotz seiner Erfolgserlebnisse
im Sturm so schnell wie möglich auf die Außenbahn zurück.
Nur da kann er seine Sprintschnelligkeit mit (wie man hört) 11,3
Sekunden über 100 Meter und die Stärken im eins gegen eins
voll zur Geltung bringen. Scheint so, als könnten wir uns auf die
Saison mit ihm freuen. <fc>
Fotos von Jens Weißenburger
Spielbericht auf svwehen-wiesbaden.de
Impressum
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Startseite offizielle Page
, 90.)
Da kann ein Trainer noch so oft betonen, dass genau wie in
Erfurt drei Punkte zu vergeben sind - die Einstellung, mit der solch ein Spiel
begonnen wird, ist eine ganz andere. Jeder Zeiss-Fan kann das an sich selbst
nachvollziehen und die Tatsache, dass nach den zurückliegenden
Erfolgswochen nur deren 300 den Weg nach Bremen fanden, belegt dies auch. Ein
gewisses Maß an Verständnis für den
offensichtlichen Druckabfall während der ersten 45 Minuten dürfen
unsere Kicker also für sich in Anspruch nehmen. Zumal in dieser
Halbzeit auch noch ein böiger Gegenwind ihren Spielaufbau massiv
erschwerte. So kam es, dass Gardawski mit einem Kopfball in der 4. Minute eine
erste Chance besaß - die folgende halbe Stunde aber keine einzige
mehr hinzu kam. Bremens lange Kerle besaßen im Mittelfeld die
Lufthoheit, taten sich in der Spielgestaltung jedoch schwer und wurden nur nach
Standards gefährlich oder wenn Jena im Vorwärtsgang
Abspielfehler unterliefen. Trieben uns Feldhahns Gelegenheiten noch nicht den
Angstschweiß auf die Stirn (sein von Nulle zur Ecke gelenkter
Flachschuss wäre ohnehin vorbei gegangen), war Perthels Geschoss aus
20 Metern und vollem Lauf schon von anderem Kaliber. Carsten Nulle lenkte es
mit toller Flugeinlage über die Latte (24.). Dessen Vorderleute
schienen noch immer nicht bei der Sache. Bei Einwürfen bietet sich
keiner an und selbst dem über alle Zweifel erhabenen Assani Lukimya
rollt als letzter Mann einmal der Ball durch die Beine.
Erst zehn Minuten vor
der Pause lassen sich auch die Jenaer mal wieder vor dem gegnerischen
Kasten sehen. Torsten Ziegner, für den verletzten Kühne frühzeitig
eingewechselt, nimmt eine Vorlage Wuttkes auf, rennt damit Richtung Eckfahne
und flankt scharf in die Mitte. Der heranpreschende Hähnge verfehlt
unter Bedrängnis das Leder knapp. Zwei Schüsse von Wuttke und
Truckenbrod noch, zaghaft wie kleine Knospen in der ersten Frühlingssonne
begann Jenas Offensivspiel aufzublühen. Die Werderaner erhöhten
derweil noch mal den Druck vor der Pause. Nach einem Eckball von der rechten
Seite konnten Nulle und ein Verteidiger noch mit vereinten Kräften klären.
In Minute 42 aber kam niemand mehr an den Ball, Artmanns Freistoß
rutschte direkt durch ins lange Eck. Bremen führte verdient mit 1:0,
da Jenas Vorstellung bis dahin einem Neujahrskater nach durchfeierter
Silvesternacht glich.
René van Eck schien in der Kabine die richtige Medizin
gefunden zu haben, denn seine Jungs kamen mit sichtbar veränderter
Einstellung aus der Pause. Schmidts Flanke nur vier Minuten nach Wiederanpfiff
verlängerte Lukimya mustergültig mit dem Hinterkopf. Über
Torhüter Wiedwald hinweg senkte sich das Leder an den Innenpfosten
und sprang dem Keeper direkt in die Arme. Ein Großteil der Zeiss-Fans
hatte diesen Ball schon drin gesehen, ihr Torjubel kam also verfrüht -
um exakt 10 Sekunden ! Denn während Wiedwald noch durchatmet, den Ball
nach vorn wirft auf der Suche nach einer freien Anspielstation, pirscht sich
Orlando in seinem Rücken an ihn heran. Jenas Stürmer hatte an
der Torauslinie noch mit fehlendem Fortune in der Szene davor gehadert, als er
plötzlich seine eigene Chance zu wittern beginnt. Listig mogelt er
sich um Bremens verdutzten Keeper herum und schießt das Leder ins
leere Tor. Der kuriose Ausgleich durch einen Orlando, dem in der ersten Hälfte
so ziemlich jede Aktion misslungen war und der damit als das personifizierte
Sinnbild zweier vollkommen unterschiedlicher Halbzeiten herhalten kann. Denn
von nun an wehte für Jena ein anderer Wind in diesem Spiel - und das
nicht nur meteorologisch gesehen ! Orlando hätte es zugunsten
der Blau-Gelb-Weißen allein entscheiden können. Den von Gardawski
adressierten, noch aufspringenden Ball bugsierte er über das
Lattenkreuz (51.), Benyaminas Vorlage schob er am langen Pfosten vorbei.
Zwischendurch scheiterte Hähnge aus 15 Metern am untröstlichen
Wiedwald und dann blieb auch Orlando nach Vorarbeit Truckenbrods am Bremer
Keeper hängen.
Jena will mehr als ein Unentschieden, doch allmählich
läuft die Zeit davon. Melvin Holwijn kommt neu ins Spiel, setzt ab der
Mittellinie zu einem unwiderstehlichen Solo an, lässt drei Bremer
stehen und zielt um Zentimeter am linken Pfosten vorbei. Noch fünf
Minuten. Ein hoher Ball in Werders Sechzehner wird nach links abgewehrt. Dort
steht wieder Holwijn, der mit Ball am Fuß ein paar Meter nach innen läuft,
abzieht - und trifft ! Spieler, Betreuer und Fans fallen sich in die Arme. 2:1,
diesen Vorsprung geben sie nicht mehr aus der Hand. An Tim Wuttke kommt auf
der rechten Seite nun niemand mehr vorbei, was den baumlangen Furtacs derart frustiert, dass
er sich hinter dem Rücken des Schiedsrichters zu einem angedeuteten
Kopfstoß hinreißen lässt. Der Assistent an der
Seitenlinie hatte es beobachtet und deshalb beendete die U23 das Spiel zu
zehnt.
Nachdem die für den Klassenerhalt erforderlichen 45 Punkte unter Dach und Fach gebracht sind, werden sich Trainer und Sportdirektor schon mal auf Fragen nach neuen Zielen gefasst machen können. Wie immer ihre Antwort ausfallen wird - einer Mannschaft, die solch ein Spiel wie das in Bremen noch zieht, ist einiges zuzutrauen. Wir haben das vor Jahren schon einmal erlebt... <fc>
- Erfurt: Orlishausen; Handke (26. Stenzel), Pohl (58. Humbert),
Möckel, Ströhl (54. Pagenburg); Becker, Bölster, Rockenbach
da Silva, Hillebrand; Kammlott, Semmer
- Jena: Nulle; Sträßer (62. Wuttke), Lukimya, Lanzaat, Nagy; Gardawski, Kühne, Truckenbrod, Benyamina; Orlando (89. Osadchenko), Hähnge (76. Holwijn)
- Zuschauer: 12.435
- Schiedsrichter: Cortus (Nürnberg)
- Spielbericht
- Jena: Nulle; Sträßer (62. Wuttke), Lukimya, Lanzaat, Nagy; Gardawski, Kühne, Truckenbrod, Benyamina; Orlando (89. Osadchenko), Hähnge (76. Holwijn)
- In den Stadien der Republik versammeln sich jede Woche
allerlei seltsame Menschen. Gestern teilte wieder ein besonders ungewöhnliches
Geschöpf meine Nähe. Entweder hatte der Typ - nennen wir ihn der Einfachheit
halber mal Philipp - überhaupt keine Ahnung vom Fußball, was ich aber nicht
glaube. Er sah einfach nicht so aus, als würde er beim Wort Viererkette
ausschließlich an die nächste Raucherpause denken. Oder aber, Philipp hatte das
Spiel schon mal irgendwo gesehen und wußte, daß am Ende alles gut sein würde.
So, als ob sich Vati die x-te Wiederholung des 54er-Finales reinzieht, bereits
genüßlich darauf wartend, daß Rahn irgendwann schießen müßte und das auch
tatsächlich tut und sich - wie immer - das Wunder erfüllt. Bei solch
übersinnlicher Befähigung hätte mich Philipp aber sicher gewarnt, als ich mich
anschickte, mir die schlechteste Bratwurst der Fußballgeschichte zu kaufen.
Nein, so bösartig wirkte er eigentlich nicht... Die dritte, von mir inzwischen
favorisierte Möglichkeit, ist, daß Philipp an jenem Maiabend im letzten Jahr nicht da war. Er hat es einfach nicht gesehen. Ihm fehlte die
knallharte Erfahrung, wie eine Mannschaft die ohnehin verkorkste Saison in
nicht mal einer Viertelstunde gänzlich vor die Wand fahren kann. Ja, Philipp
war völlig ahnungslos! Das war es. Er freute sich am 1:0, ohne an die 87
folgenden Minuten zu denken, war nach dem 2:0 in Gedanken bereits beim Feiern
und schaute sich den Rest mit der emotionalen Besessenheit an, mit der man sich
in den 90ern einen Werbespot für Timotei-Shampoo
reingezogen hat. Nein, ohne Zweifel, er war nicht dagewesen im Mai. Und da ich
nun mal da war, war ich auch ein wenig neidisch auf Philipps naive
Bedenkenlosigkeit. Ich habe dazugelernt! Kein "Auswärtssieg!
Auswärtssieg!"-Gebrülle bei 2:0-Führung eine Viertelstunde vor Schluß, keine
verfrühten "Derbysieger"-Rufe. Nur ab und zu mal "Die Nummer 1 im Land sind
wir", aber das hatte ja auch nix mit dem Spiel gestern zu tun. Das ist
historisch gewachsen.
Dabei bekommt mein Mißtrauen gleich zu Beginn einen herben Dämpfer. Als Kühnes Paß den blitzschnellen Orlando mustergültig erreicht, läßt der sich nicht lange bitten und hebt den Ball über den herausstürzenden Orle hinweg ins leere Tor. Die Führung nach nur drei gespielten Minuten. Ein unbeschreiblicher Freudentaumel bricht los. Aber ich reiße mich am Riemen. Die bösen Erinnerungen des letzten Frühjahrs mahnen zur Zurückhaltung, Ihr wißt schon. Und meine Vorbehalte erhalten auch gleich wieder ausreichend frische Nahrung, als Jena damit beginnt, ein Großkontingent guter Möglichkeiten zu verdaddeln. Der Gardawski muß nach 17 Minuten den Ball eigentlich nur noch an Orle vorbeischieben, macht statt dessen einen Haken mehr als gut und legt eine Millisekunde zu spät auf Benyamina ab, so daß Erfurts Abwehr noch klären kann. Drei Minuten später fliegt Hähnges Kopfball nach Gardawskis Musterflanke genau in Orles Arme. Fahrlässig! Ich fluche, Philipp lächelt überlegen. Vielleicht hat er das Spiel ja doch schon mal gesehen...
Dann dieser Freistoß von Erfurt, bei dem Nulle zunächst am Ball vorbeisegelt, ihn einen Moment später dann aber doch hat. "Das war knapp!" entfährt es mir erschrocken, "Souverän!" raunzt Philipp. Ich begreife ihn nicht... Jetzt nur den Gegner nicht stark machen. Lieber weiter nach vorn!!! Ecke für Jena. Diesmal kommt Orle angeflogen, hat aber den Ball am Ende genausowenig wie seine vier Kumpels auf der Linie, an denen Hähnge - der geduldig am langen Pfosten gewartet hatte - das Leder vorbei schiebt (28.). Waaaahnsinn! Mein Tanz fällt nun schon etwas lockerer aus. Aber sicher sein? Lieber noch nicht. Allein Jena läßt jetzt nicht mehr locker, entzieht der Phobie das Fundament. Erfurt steht völlig neben sich. Getragen von 3000facher Anfeuerung tritt Orlando abermals an, wird dann aber an der Strafraumgrenze unfair zu Fall gebracht, wobei die Strafraumgrenze offensichtlich ein ganzes Stück in den Strafraum reicht (37.). Um das 3:0 gebracht! So ein Mist aber auch.Die Halbzeit hätte trotzdem kaum fröhlicher sein können. Entweder war zum Pokalfinale letztes Jahr kaum jemand im Steigerwald zugegen oder danach hat sich kollektiver Alzheimer weiter Fankreise bemächtigt, so daß die Sich-noch-gut-erinnern-Könnenden der Philipp-Fraktion nichts entgegenzusetzen haben. Mein Pessimismus prallt schlichtweg ab! Meine ganzen Lebensweisheiten will einfach keiner hören. Sowas!
Und auch der Mannschaft waren die wenigen mahnenden Zeigefinger herzlich egal. Keine Spur von Angst. Zwar kam Erfurt mit etwas mehr Schwung aus der Kabine, mehr als ein gefährlich getretener Freistoß durch Becker nach knapp einer Stunde und einen Lattentreffer durch Stenzel (77.) bekamen die Rot-Weiß-Fans aber nicht zu sehen. Im Gegenteil, die Mutter der Unzulänglichkeiten, ich nenne sie mal Desolatia, hielt die Rot-Weißen jetzt noch fester umarmt, so daß Benyamina zehn Minuten nach der Pause ungehindert (also einfach geradeaus) über den halben Platz rennen und den Ball an Orle vorbei ins lange Eck schieben konnte. Philipp wußte es. Jetzt glaubte ich es auch langsam. Diesmal wird es keinen Zusammenbruch geben. Die Thüringer Fußball-Welt steht wieder auf den Füßen. "Auswärtssieg! Auswärtssieg!". Und der hätte auch noch deutlicher ausfallen können. Allein der lange Truckenbrod-Pass auf Smeekes war für die dritte Liga deutlich zu genau, daß der den Ball aber aus vollem Lauf auch noch sauber mitnimmt, wäre letzte Saison allein ein Grund zum Kommen gewesen. Schade, daß sich Orlishausen mit letztem Einsatz noch in Orlandos Schuß werfen kann (77.). Und dann noch der schöne Konter über Holwijn, der aber viel zu lange mit seinem Anspiel auf Smeekes rumbummelt, so daß sich selbst Erfurts schläfrige Abwehr wieder imstande sieht, die Situation zu klären (84.). Sehen tut das schon längst nicht mehr jeder, der mal im Stadion war. Die Haupttribüne erstrahlt schon wieder im herrlichsten Rosa, viele Fans des Thüringer Vizekönigs schauen wahrscheinlich schon lange den Bayern im DFB-Pokal zu. Die, die noch da sind, höhnen gegen Hörgl. Auf der anderen Seite tobt die Blau-Gelb-Weiße Herrlichkeit, geht eine Laola nach der anderen durch den Block. Ein lang herbeigesehnter Sieg, über den nach etlichen grausamen Gastspielen in der Blumenstadt, auch in ein paar Jahren noch geredet werden dürfte.
Erfurt ist mit dem Ergebnis noch gut bedient und muß sich jetzt ganz schön strecken, um mit dem Abstieg am Ende nichts zu tun zu haben. Wünschen tue ich es ihnen nicht, allein in der Hoffnung, beizeiten mal wieder so einen Abend erleben zu dürfen. Und vielleicht bin ich ja dann der Philipp und wundere mich über all jene, die gestern nicht da waren. Von den Bratwürsten würde ich dann aber auch keinem abraten; die Erfahrung muß jeder selber machen. <bpf>
FC Carl Zeiss Jena - Eintracht Braunschweig 2:1
Tore: 0:1 Banser (8.), 1:1 Benyamina (29.), 2:1 Gardawski (39.)
- Jena: Nulle; Sträßer, Lukimya, Lanzaat, Nagy; Gardawski
(68. Wuttke), Kühne, R. Schmidt, Benyamina (89. Petersen); Orlando
(76. Holwijn), Hähnge
- Braunschweig: Petkovic; Reichel, Henn, Dogan, Boland;
Onuegbu (46. Vrancic), Pfitzner (80. Morabit), Banser, Kragl (58.
Calamita); Kruppke, Kumbela
- Zuschauer: 7249
- Schiedsrichter: Nowak (Bottrop)
- Spielbericht
-
Kurz nach Abpfiff in der sogenannten Mixed Zone des
Ernst-Abbe-Sportfelds. In die Freude über drei Punkte mischen sich
nach Blick auf die Tabelle Journalistenfragen, ob nach drei Siegen in Folge
nicht noch gänzlich andere Ziele angestrebt werden könnten als
nur der Klassenerhalt. Doch Carsten Nulle bleibt auch diesmal cool und überlegt. "Wir sollten mal die
Kirche im Dorf lassen", diktiert er den Reportern in die Schreibblöcke und Mikrofone,
"im Januar waren wir fast tot. Da jetzt irgendwelche Dinge hinaus zu posaunen wäre
töricht. Das haben wir letzte Saison so gemacht und dann sieben Spiele
verloren. Wobei ich nichts dagegen hätte, wenn es so weiter geht. Aber
noch haben wir keine 45 Punkte."
Anfangs sah es ganz und gar nicht nach einer Fortsetzung der
kleinen Siegesserie aus. Braunschweig kam schon nach drei Minuten zu seiner
ersten Gelegenheit, die ihr Torschütze vom Dienst, Dennis Kruppke
gegen Nagy und Nulle vergab. So ähnlich hatte es für die
Jenaer gegen Kiel auch begonnen, nur mit dem Unterschied, dass sie diesmal nicht ungeschoren über
die (Anfangs-)Runden kommen sollten. Nach Kruppkes Freistoß von der rechten Außenlinie
stieg Fait-Florian Banser an der Torraumlinie am höchsten und ließ
unserem Keeper keine Chance zum Reagieren. 0:1, eine verdiente Führung,
weil die Eintracht besser ins Spiel gekommen war und die Mehrheit der Zweikämpfe
für sich entschied. Gegen ihr konsequentes Pressing bis in die Jenaer
Hälfte hinein fand der FCC zunächst kein Rezept. Erschwerend
kam hinzu, dass sich zwischen den beiden defensiven Mittelfeldspielern und den
Offensiven davor eine ungewohnte Lücke auftat, die den Aufbau geordneter
Angriffsaktionen massiv erschwerte. Infolgedessen hatte sich der Ausgleich
nach einer halben Stunde nicht unbedingt abgezeichnet, ein schönes Tor
war es trotzdem. Soufian Benyamina bekam den Ball von Ralf Schmidt in den
Strafraum serviert und lupfte ihn mit rechts über Torhüter
Petkovic hinweg in die lange Ecke. Jenas erster Treffer mit dem ersten
Torschuss - effizienter geht's nicht.
Als wenn es eines solchen Weckrufes bedurft hätte,
drehten die Jenaer nun richtig auf. 36. Minute, der starke Gardawski spielt
Orlando an. Dem wirft man vielleicht nicht zu Unrecht vor, gern mal zu
eigensinnig ohne Blick für den Nebenmann zu agieren. Nicht so aber in
dieser Szene. In einer Position, aus der er selbst hätte den Abschluss
suchen können, übersah er den noch besser postierten
Sebastian Hähnge nicht. Jenas Stürmer schoss sofort, Petkovic
war geschlagen, doch der rechte Pfosten verhinderte die Jenaer Führung
zu diesem Zeitpunkt. Keine vier Minuten später
gibt es den ersten Eckball des Spiels. Petkovic faustet ihn aus dem Strafraum,
von wo aus aber wieder Orlando loszieht. Dessen Flanke von der rechten Seite
fliegt hinüber in die linke Strafraumhälfte, wird von Michael
Gardawski volley genommen und aus sieben, acht Metern direkt ins Netz befördert.
2:1, das Stadion tobt. Gar nicht auszudenken, wenn vor der Pause noch der
dritte Jenaer Treffer gefallen wäre. Die Möglichkeit dazu war
da, als Kühne nach Vorarbeit Gardawskis aus sechs Metern aufs Tor
schoss, Henn und Petkovic mit vereinten Kräften gerade noch so klären
konnten. An der Leistung Stefan Kühnes lassen sich die zwei
unterschiedlichen Gesichter dieser ersten 45 Minuten anschaulich beschreiben.
Gerade er hatte anfangs riesige Probleme, allein zwischen der 16. und 19.
Spielminute registrierten wir von ihm fünf unglückliche
Aktionen voller Verunsicherung. Und nun, kurz vor der Pause, gewinnt er plötzlich
jeden seiner Zweikämpfe und wäre um ein Haar noch zum Torschützen
geworden.
Es war zu vermuten, dass die zweite Halbzeit nicht so
losgehen würde, wie die Erste geendet hatte. Braunschweigs Trainer
Torsten Lieberknecht ("Ich habe schon vor der Saison Jena als
Aufstiegskandidaten gesehen") hatte seine Elf wieder auf Kurs gebracht,
wenngleich den Aktionen der Norddeutschen das letzte Bisschen an
Entschlossenheit fehlte. Klar, sie waren häufiger in Ballbesitz, doch
trafen sie auf eine nun kompakter stehende Jenaer Hintermannschaft mit einem
wiederum überzeugenden Assani Lukimya in deren Zentrum. Einziger
Wermutstropfen war nur die fünfte Gelbe Karte für
Ralf Schmidt, für den das Thüringenderby damit nur von
der Tribüne aus stattfinden darf. Da auch der FCC dem Dortmunder Spiel
vom Mittwoch kräftemäßig ein wenig Tribut zollen
musste, gab es nach der Pause so gut wie keine Tormöglichkeiten mehr.
Den ersten Schuss aufs Gästetor gab Orlando mit einem Freistoß
in Minute 71 ab. Auf der Gegenseite dauerte es noch fünf Minuten länger,
ehe Calamita aus 16 Metern das Nulle-Gehäuse knapp verfehlte. Dies
sollte jedoch die einzige Schrecksekunde bleiben, weil die in Rückstand
liegenden Braunschweiger erstaunlicherweise auch in der Schlussphase ein höheres
Risiko scheuten. Der Ausflug ihres Torhüters Petkovic während
der Nachspielzeit in den gegnerischen Sechzehner vermochte darüber
nicht hinweg zu täuschen. So blieb es bis zum Schluss beim knappen und
verdienten Jenaer Sieg, den die Elf in Blau-Weiß mit einem von ihr so
noch nicht beobachteten Jubelkreis feierte.
Zurück in der Mixed Zone. Auch Carsten Sträßer,
mit Töchterchen Felicia Sophie auf dem Arm, stellt sich den Journalistenfragen.
Spricht von einer gefestigten Jenaer Mannschaft, in der Einer für den
Anderen einsteht. Und blickt vier Tage voraus: "Gegen Erfurt haben wir einiges
gut zu machen !". Jenas Anhänger werden ihn beim Wort nehmen. <fc>
Borussia Dortmund II - FC Carl Zeiss Jena 0:3
Tore: 0:1 Orlando (13.), 0:2 Nagy (32.), 0:3 Orlando (45., FE)
- Dortmund: Höttecke; Evers, Hünemeier, Neumeister,
Kaptan (
, 45.); Großkeutz (46.
Kandziora), Koch, Tyrala, Piossek (72. Oscislawski), Nottbeck; Kullmann
(62. Hille)
- Jena: Nulle; Wuttke, Lukimya, Lanzaat, Nagy; Gardawski (61.
Holwijn), Kühne, R. Schmidt (74. Truckenbrod), Benyamina; Hähnge,
Orlando (79. Sievers)
- Zuschauer: 1256
- Schiedsrichter: Kampka (Mainz)
- Spielbericht
- (von Gastkommentator Tobias Häfner)
Vergessen sollten sie nun endgültig sein sein, die endlosen Diskussionen in den Fußballforen
um Schnee, Matsch und Rasenheizungen - das Gastspiel in der klassischen Fußballarena
direkt neben dem "Signal Iduna Park" fand bei herrlichem Vorfrühlingswetter statt.
In der Startelf unserer Mannschaft nur die eine bereits vorher vermutete Veränderung -
für den gesperrten Carsten Sträßer rückte erwartungsgemäß Tim Wuttke auf die
Position des Rechtsverteidigers, Ralf Schmidt dagegen konnte entgegen aller Befürchtungen
im Vorfeld des Spiels auflaufen.
Die ersten Offensivaktionen kamen von unserem Team.
Hähnges Kopfball konnte jedoch der Dortmunder Torhüter Höttecke mühelos
aus der Luft pflücken und Orlando verpasste einen gut getimten Paß
von Stefan Kühne. In der 6. Minute die erste richtige Chance jedoch auf
der anderen Seite. Einen Flachschuß aus 14 Metern Entfernung konnte jedoch
Nulle parieren. Dennoch nahm nun unser Team mehr und mehr das Heft des Handelns
in die Hand und bereits in der 13. Minute wurden die ersten Früchte dieses
Engagements geerntet. Wieder wurde Smeekes steil von Kühne geschickt und
dieses Mal ließ er sich die Chance nicht entgehen und versenkte den Ball eiskalt.
In der 16. Minuten prüfte Tim Wuttke den Torhüter der schwarz-gelben mit einem Schuß
von der Außenposition.
4 Minuten später nach längerer Zeit mal wieder der Gastgeber mit einer Torraumszene,
doch der scharf angeschnittene Freistoß des einst von uns umworbenen Tyrala
wird von jedermann verpasst und landet hinter dem Tor.
Danach verlagerten sich die Torgelegenheiten wieder vor das andere Gehäuse.
Zunächst geht ein Freistoß von Orlando aus 28 Metern noch recht deutlich
übers Tor. Aber mehr und mehr wird nun deutlich das vor allem in punkto Zweikampfverhalten unsere Mannschaft den Gastgebern deutlich überlegen war. Vor allem Lukimya, Kühne und Wuttke blieben nahezu in jedem defensiven Zweikampf Sieger. Aber auch offensiv sah das richtig gut aus. Kein schleppendes Aufbauspiel wie man es noch viel zu häufig in der Hinrunde beobachten musste, sondern meistens wurde schnell und schnörkellos nach vorn gespielt.
Die nächste Chance aus einem solch zügig nach vorn getragenen Angriff hatte Gardawski
auf dem Fuß der mit einem Schuß aus halbrechter Position Höttecke zu einer
tollen Parade zwang. Das nächste Beispiel - Orlando am Seitenaus in Höhe der Mittellinie
scheinbar von viel zu vielen Dortmundern bedrängt. Jedoch weiß er sich daraus
zu befreien und legt ein wahres Zaubersolo hin bis er 10 Meter von dem Strafraum
unsanft gestoppt wird. Den folgendes Freistoß schlug Nagy mit viel Effet und
scheinbar so verwirrend das der Ball - wie später bestätigt wurde
ohne Freund- und Feindberührung - plötzlich im Netz zappelte. 0:2 nach 32 Minuten !
Aber unsere Jungs hatten in dieser bärenstarken ersten Halbzeit noch nicht
genug. In der 35. Minute ist bei einem Flachschuß von Orlando der Dortmunder
Keeper rechtzeitig ab Boden. In der 40. Minute wieder Orlando - sein gefühlvoller
Linksschuß verfehlte jedoch knapp das Tor. Eine Minute vor Pausenpfiff
ein mustergültiger Konter eingeleitet von Hähnge, dann sieht der wieder auf
und davon gesprintete Orlando den mitgelaufenen Wuttke. Offenbar kurz hinter der
Strafraumlinie wurde Wuttke aber vom Dortmunder Kaptan niedergemäht.
Eine hundertprozentige Torchance verhindert, die folgerichtige Entscheidung war
Rot für den schwarz-gelben Außenverteidiger und Elfmeter. Orlando schnappt sich den
Ball und schoß scharf und platziert, auch war der Dortmunder Torwart in der falschen Ecke.
Pausenstand also 0:3 und die folgenden 15 Pausenminuten wurden bei dem einen
oder anderen der ca. 150 mitgereisten FCC Anhänger zum Anlaß genommen die
Gedächtnisprotokolle zu verifizieren nach einer letzmaligen Pausenführung mit
3 Toren Unterschied. Auflösung : beim Studium alter Spielberichte auf dieser Website
muss man bis zur Saison 2003/2004 zurückblättern ;-)
2 Minuten nach Wiederanpfiff gleich die erste dicke Chance um das vierte
Tor zu erzielen, den Schuß von Benyamina lenkt Höttecke mit den Fingerspitzen
übers Tor. Aber mit fortschreitender Spielzeit sind nennenswerte Torszenen
nun rarer gesät. Die Dortmunder versuchten mit viel läuferischem Einsatz
ihre Unterzahl auszugleichen. Das gelang ihnen auch nun leidlich - aber
der Versuch mit kurzen, flachen Pässen unsere Abwehr auszuhebeln scheiterte
meistens so 5 Meter vor der Strafraumgrenze. Erwähnenswert lediglich
in der 60. Minute ein Kopfball nach einem Freistoß an dem Nulle mit den Fingerspitzen
dran war. Auf die gleiche Art und Weise klärte Nulle in der 77. Minute nach einem
Schuß aus spitzen Winkel. Beim Lattentreffer der Gastgeber in der 88. Minute
zeigte der Schiriassistent bereits Abseits an.
Auf der richtigen Seite gab es ebenfalls noch einige Chancen den Vorsprung
sogar noch auszubauen. So in der 62. Minute eine gute Kopfballchance von
Lukimya nach Ecke von Nagy. 3 Minuten später zwingt Hähnge den guten Dortmunder
Keeper zu einer Fußparade. In der 85. Minute prüfte Truckenbrod am Ende
einer schönen Kombination über Hähnge und Benyamina nochmals Höttecker.
Sicher war die zweite Halbzeit offensiv nicht mehr so zwingend wie
die 45 Minuten vor der Pause. Geschenkt - und irgendwie auch legitim aufgrund der vielen
anstehenden englischen Wochen. In Gefahr geriet der sichere Sieg aufgrund der
aufmerksamen Defensive nie.
FC Carl Zeiss Jena - Holstein Kiel 3:0
Tore: 1:0 Lukimya (32.), 2:0 Orlando (41.), 3:0 Hähnge (74.)
- Jena: Nulle; Sträßer, Lanzaat, Lukimya, Nagy; Gardawski
(76. Holwijn), Kühne (66. Truckenbrod), R. Schmidt, Benyamina; Hähnge
(89. Wuttke), Orlando
- Kiel: Frech; Lamprecht, Müller, Boy, Jürgensen (

, 88.);
Schüßler (4. Siedschlag), Vujcic, Jerat, Meyer; Sykora (57. Holt),
Cannizaro (70. Wulff)
- Zuschauer: 5205
- Schiedsrichter: Osmers (Hannover)
- Spielbericht
-
Holstein Kiel war mit beachtlichem Etat und daraus
resultierenden Erwartungen in die Saison gestartet. Schnell fand sich der
Neuling jedoch auf dem Boden der Realität wieder und derzeit auf einem
der Abstiegsränge. Das 1:6 in Bremen vor einer Woche wurde auf der
vereinseigenen Homepage als Tiefpunkt der Auswärtsmisere bezeichnet.
Solch einen Kontrahenten kann man als angeschlagenen Boxer ansehen, der umso
gefährlicher ist, je mehr er sich in die Ecke gedrängt fühlt.
Oder man kann ihn unterschätzen. Welche Einstellung würde
sich die Jenaer Elf zueigen machen ?
Positiv war schon mal, dass sie in der selben Formation
auflaufen konnte wie beim überzeugenden Auftritt gegen Osnabrück.
Der angeschlagene Ralf Schmidt hatte beim Abschlusstraining grünes
Licht gegeben und stand die neunzig Minuten durch. Die Anfangsphase freilich
hielt einem Vergleich mit jener gegen den VfL nicht stand. Zwar besaß
Orlando nach fünf Minuten die erste Chance im Spiel, als er gezwungen
war, aus eher ungünstiger Position abzuschließen, weil
keiner seiner Mitspieler mitgekommen war. Alles in allem aber konnte sich der
Gastgeber glücklich schätzen, nach zwanzig Minuten nicht in Rückstand
zu liegen. Da Lanzaat gegen Canizzaro das Nachsehen hatte, lief der bei Erfurt
ausgemusterte Kieler Stürmer in Minute 15 unbedrängt auf
Carsten Nulle zu. Unser Keeper, gerade erst zum Torschützen des Monats
nominiert, warf sich ihm mit Erfolg entgegen und zeigte, dass er nicht nur
offensiv, sondern auch defensiv zu überzeugen weiß, wie sein
Trainer nach dem Spiel flachste. Da auch Jerat mit einem Freistoß am
Jenaer Kapitän scheiterte und Sykoras Ablage nach einer Unsicherheit
in der Thüringer Hintermannschaft nicht ankam, überstand der
FCC die Anfangsperiode mit etwas Glück unbeschadet. Nach vorn lief zunächst
nicht viel zusammen. Schon zweiundzwanzig Minuten waren vorbei, als Kiels
Schlussmann Michael Frech mittels Faustabwehr das erste Mal eingreifen musste.
Die Jenaer Führung, sie fiel wie so häufig in den letzten
Wochen aus einer Standartsituation heraus. Assani Lukimya hatte vor Wochenfrist
beim Torerfolg seines Keepers genau hingeschaut und köpfte einen
Freistoßball von Nagy in die Maschen. Dass der Freistoßpfiff
zuvor durch Schiedsrichter Osmers eher geschenkt war, muss kein schlechtes
Gewissen bereiten. Auch auf der Gegenseite gabs hier und da umstrittene
Entscheidungen.
Vielleicht reagierten die "Störche" eine Spur zu passiv
auf die neue Spielsituation, indem sie hinten drin blieben und auf Jenaer
Angriffe warteten statt selbst welche zu initiieren. Andererseits muss man
vielleicht auch Verständnis für ihre Situation haben. Nach
der Klatsche gegen Werders U23 hatten sie hier passabel begonnen, sich auch von
der schweren Verletzung ihres Mittelfeldspielers Schüßler
(Verdacht auf Kreuzbandriss) nicht aus dem Konzept bringen lassen und lagen
dennoch schon wieder im Rückstand. Als sie dann doch nochmal versuchten,
vor der Pause den Ausgleich zu erzielen, liefen sie prompt in einen
Konter. Nagy schlug aus der eigenen Hälfte einen weiten Pass auf
Orlando. Dem war bis dahin noch nicht viel gelungen, doch jetzt machte er
alles richtig. Vom Ex-Jenaer Robert Müller nicht einzuholen, schob der
schnelle Holländer das Leder an Frech vorbei zum 2:0 über die
Linie. Ohne geglänzt zu haben, lag der FCC zur Pause mit scheinbar
beruhigenden zwei Toren in Front. Wann hatte es dies zuletzt gegeben ?
Der Schuss von Florian Meyer, einem der Besten in den Reihen
der Holsteiner, nur zwei Minuten nach dem Wechsel sollte sich als Kieler
Strohfeuer erweisen. Mit "Schüsschen, Eckbällchen und Freistößchen"
(O-Ton Christian Wück) war den Jenaern nicht beizukommen. Und so
lehnte der Gästecoach phasenweise selbst resigniert an der
Trainerbank. Während das Dutzend Gästefans, welches aufgrund des
Nachholtermins die weite Strecke womöglich zum zweiten Mal
innerhalb weniger Tage auf sich genommen hatte, eine nun deutlich überlegene
Jenaer Elf zu sehen bekam. Welch tolle Aktion war das zum Beispiel in Minute
62, als Orlando gleich zwei Gegenspieler düpierte und eine feine
Vorlage für Hähnge zustande brachte. Der schoss sofort aus
der Drehung und zwang Frech zu einer spektakulären Parade. Drei
Minuten später wurden die Rollen getauscht. Hähnge spielte
den Vorbereiter für Orlando, welcher sich hinterher maßlos ärgerte,
in dieser Szene den Ball am langen Pfosten vorbei geschoben zu haben. Ein Happy
End gab es dennoch für beide, denn nach Orlando in Hälfte
eins kam auch Sebastian Hähnge noch zu Torehren. Sein Antritt ab Mitte
der gegnerischen Hälfte, das Täuschungsmanöver, dann
der Schuss mit dem linken Außenrist aus 18 Metern genau ins
Dreiangel war nach Meinung aller das
schönste Tor des Tages. Mit solchen Aktionen lässt Jenas Stürmer
auch seine letzten Kritiker auf den Rängen für hoffentlich längere
Zeit verstummen.
Dem Schiri saßen mit zunehmender Spielzeit die Karten allzu locker. Das mit Gelb geahndete Foul von Jürgensen kurz vor
Schluss war genauso wenig verwarnungswürdig wie das von Carsten Sträßer
eine halbe Stunde zuvor. Für den Jenaer war es die fünfte
Gelbe in dieser Saison, für den Kieler die zweite im Match. Als
Konsequenz müssen beide beim nächsten Mal zuschauen.
Drei Punkte zum 50. - wer Mannschaftsleiter Uwe Dern kennt,
der weiß, dass ihm die Mannschaft kein schöneres
Geburtstagsgeschenk hätte bereiten können. Auch von
dieser Stelle aus herzlichen Glückwunsch, Uwe und alles Gute fürs nächste
halbe Jahrhundert ! <fc>
FC Carl Zeiss Jena - VfL Osnabrück 1:1
Tore: 0:1 Barletta (72.,HE), 1:1 Nulle (90.+2)
- Jena: Nulle; Sträßer, Lanzaat, Lukimya, Nagy; Gardawski, Kühne, R.Schmidt (82.Kolb),
Benyamina; Hähnge, Orlando
- Osnabrück: Berbig; Engel, Barletta, Nickenig (

, 75.),
Tauer; Pinheiro, Heidrich (61.Schmidt); Siegert, Lejan (64.Grieneinsen), Kotuljac (76.Stang), Lindemann
- Zuschauer: 5694
- Schiedsrichter: Thomsen (Kleve)
- Spielbericht
-
Der FCC empfing den Spitzenreiter Osnabrück, Weiß gegen Schwarz (nach den Trikotfarben), wie beim Schach. Und in den ersten
45 Minuten boten beide Mannschaften auch gepflegtes Rasenschach - taktisch diszipliniert, vorsichtig, unbedingt ein Gegentor vermeiden
wollend, ohne große Aufregungen. Der FCC wählte dabei - trotz Doppelspitze mit zwei offensiven Außenbahnen - eine
geschlossene Eröffnung, die auch den gewünschten Erfolg brachte. Aus einer sicheren Abwehr heraus suchte man mit gepflegten
Pässen den Mitspieler und ließ dem Ligaspitzenreiter - der eigentlich im gesamten Spiel seine Auswärtsschwäche
bewies - im Mittelfeld keinen Raum für den eigenen Aufbau. Die einzigen Ausnahmen bildeten die 35. und die 39. Minute: Nach einem
misslungen Tackling Nagys starteten die Gäste einen schnellen Angriff über rechts, in dessen Ergebnis Pinheiro an die Latte
des Jenaer Tores köpfte. Der FCC "revanchierte" sich nach einer Ecke, als Lanzaats Kopfball von einem Osnabrücker noch am Tor
vorbeigelenkt werden konnte. Trotzdem war der FCC im Vergleich zu den vorigen Heimspielen nicht wiederzuerkennen. Es waren die kleinen
Ungenauigkeiten, die Zählbares für den FCC verhinderten, obwohl man mit kleinen Nadelstichen den Favoriten einige Male ärgern
konnte. Dabei rückte Orlando in den Mittelpunkt: Entweder er stand im Abseits (20., 21. min) oder der Ball wurde auf dem
nassen Rasen zu schnell (22.) oder er war einfach zu überrascht, als ihm am langen Pfosten der Ball vor die Füße
fiel (30.). Positiv fiel das gute Zusammenspiel zwischen Hähnge und Gardawski auf. Nicht zu übersehen war bereits in der
erste Halbzeit die Unart der Gäste, bei Ballverlust am Boden liegen zu bleiben - gegen Ende des Spiels wurde diese Theatralik
durch Bodenpirouetten und Schmerzensschreie ergänzt - und auf das Wohlwollen des Referees zu hoffen.
Die Spieler des FCC hatten dann gemerkt, dass heute mehr drin war als nur eine Schadensbegrenzung und so startete man nach der Pause
deutlich offensiver. Vor allem Benyamina, der vor der Pause etliche Fehlabspiele bot, zeigte sein Stürmerblut. So in der 48. min
als er den Verteidiger mit einem Haken alt aussehen ließ und den Ball an die Lattenunterkante hämmerte. Den zurückspringen
Ball konnte Schmidt leider nicht mehr ins Tor drücken. Dann versuchte es Orlando über links, scheiterte jedoch am Verteidiger (53.).
Benyamina testete Berbigs Reflexe mit einem Schuss aus etwa 8 Metern Entfernung (56.), bevor Orlando kurz danach mit einem Sprint mit Ball
drei Osnabrücker in Verlegenheit brachte. Diese lösten das Problem mit einem Foul kurz vor der Strafraumgrenze, dass Schiedsrichter
Thomsen jedoch nur mit "Gelb" ahndete. "Rot" wegen Notbremse wäre die richtige Entscheidung gewesen! Den Freistoß selbst vergab
Orlando kläglich, in dem er ihn gefühlvoll mitten in die Mauer setzte. Einige Minuten später zeigte sich Orlando zu
egoistisch, als er lieber allein einen Schuss versuchte, anstatt den besser stehenden Gardawski mit einem Steilpass zu bedienen.
Der
FCC hatte den VfL in fester Umklammerung und ein Tor schien nur eine Frage der Zeit zu sein. Das fiel dann auch in der 72. min per
Foulstrafstoß: Nach einer Ecke versuchte sich Orlando so deutlich als Handballer, dass der Referee gar nichts anderes als
Elfmeter entscheiden konnte. 1:0 für Osnabrück - das Spiel nach der Pause war auf den Kopf gestellt! Der FCC ruckte noch
einmal an, alle knieten sich mit doppeltem Eifer rein, Orlando warf sich in einen Abschlag Berbigs und so ergab sich für Hähnge
die Chance, mit Ball am Fuß in den Strafraum einzudringen. Wieder kam die Notbremse zum Einsatz, gefühlt auf der
Strafraumgrenze - aber anstatt Strafstoß und Feldverweis entschied Thomsen, der von dieser Szene an völlig den Überblick
verlor, auf Freistoß und gab Nickenig nur "Gelb" (75.)! Lediglich die Tatsache, dass es bereits dessen zweite Verwarnung war,
beförderte ihn vom Feld. Der Freistoß brachte nichts ein (diesmal versuchte sich Nagy), aber von da an brannte die Luft im
Stadion. Die Gäste versuchten mit langen Bällen nach vorn und übelsten Schauspieleinlagen die den Vorsprung über
die Zeit zu retten, der FCC rannte mit aller Macht an. Der Schiedsrichter - bis zur 75. min zwar kleinlich, aber dies auf beiden
Seiten - verteilte nun munter Freistöße für die Gäste und Verwarnungen an Schmidt, Sträßer und
Lukimya für Peanuts und animierte so das Publikum. Der FCC schien sich vergeblich zu bemühen, entweder das Außennetz
(Orlando, 86.) oder Berbig (gegen Gardawski, 87.) waren jeweils Endstation. Nulle verhinderte zwischenzeitlich bei einem VfL-Konter
das entscheidende 0:2, als er einen Schuss aus Nahdistanz parierte. Schlussminute, Eckball für Jena, Nulle ging mit vor - nichts.
Nachspielzeit, weiterer Eckball für den FCC, wieder war Nulle vorn. Gardawski tritt die Ecke und aus der Ansammlung von 22 Spielern
schraubte sich ein gelbes Trikot einen gefühlten halben Meter über den Rest der Meute und köpfte in bester Stürmermanier
unhaltbar zum Ausgleich ein! Nulle als Torschütze - er lässt in dieser Saison wirklich nichts aus!!!
Vor dem Spiel wären viele sicher mit einem Punkt gegen den Spitzenreiter zufrieden gewesen, nach dem Abpfiff haderte
man ein klein wenig mit den vergebenen zwei Punkten. In jedem Fall bot der FCC die beste Heimleistung seit einem halben Jahr und
wusste endlich auch einmal spielerisch zu überzeugen. <uk>
Fotos von Jens Weißenburger
"Unglaubliches Spiel in Jena" - der Bericht auf vfl.de
FC Carl Zeiss Jena - FC Erzgebirge Aue 1:0
Tore: 1:0 Hähnge (88.)
- Jena: Nulle; Sträßer, Wuttke, Lanzaat Nagy; Gardawski (75. Benyamina), Kühne,
R. Schmidt, Kolb (65. Amrhein); Orlando (90.+3 Truckenbrodt), Hähnge
- Aue: Männel; Klingbeil, Kos, Paulus, le Beau; Stark, Hensel,
Curri (46. Klotz), Hochscheidt (78. Müller); Ramaj, Braham (70. Glasner)
- Zuschauer: 7206
- Schiedsrichter: Valentin (Taufkirchen)
- Spielbericht
-
Derbyzeit in Jena. Innerhalb weniger Tage haben die Männer um René van Eck zwei eminent wichtige Derbys vor der Brust.
Am heutigen Tag kamen die Veilchen aus Aue ins Jenaer Rund und bereits am Donnerstag geht die Reise des FCC zum 40 km entfernten
Nachbarn aus Thüringen. Aber da die letzten Derbys der Jenaer alles andere als erfolgreich waren, so sollte heute unbedingt ein Sieg gelingen.
Die Platzherren waren auch sofort bemüht, das Zepter des Handelns in die Hand zu nehmen. Bereits nach fünf Minuten die erste Chance
für den FCC durch Hähnge, doch leider verfehlte er mit seinem Schuss aus der Drehung das Tor nur knapp. Wenig später erneut
eine gute Möglichkeit für den Jenaer Stürmer, aber nach Flanke von Schmidt stand er zwar goldrichtig, traf aber er den Ball
nicht richtig. Die Gäste versteckten sich keinesfalls und kamen in der achten Minute zu ihrer ersten Chance. Einen hoch getretenen
Freistoss verpassten alle Spieler im Strafraum, so dass der Ball an Freund und Feind vorbei zischte und um Zentimeter das Tor verfehlte.
Ein Kopfball vom völlig freistehenden Najeh Braham (18.) hätte die Führung der Auer bedeuten können, denn auch hier
fehlte nur wenig. Trotz der noch immer torlosen Begegnung sahen die 7200 Zuschauer eine hart umkämpfte Partie, bei der sich beide
Teams keinen Zentimeter des Rasens schenkten. Nach gut einer halben Stunde (32.) dann der schönste Spielzug der Platzherren bis
dato. Schmidt hatte mit einem Steilpass auf Hähnge gepasst, der aber zu lange brauchte, den Ball unter Kontrolle zu bringen -
Querpass auf unseren Neuzugang Gardawski, der zum kurzen Sololauf ansetzte, seinen Gegenspieler umkurvte und mit einem mustergültigen
Querpass vors Tor auf Orlando passte. Die meisten Fans hatten bereits den Jubelschrei auf den Lippen angesichts dieser 100% Torchance,
doch Orlando brachte das Kunststück fertig, den Ball aus Nahdistanz Gästekeeper Männel vor die Brust zu schießen.
Auch nach der Pause das gleiche Spiel. Beide Teams fighteten um jeden Ball und die ein oder andere Gelbe Karte blieb nun auch nicht mehr
aus. Zum Ärger der Jenaer traf es auch Tim Wuttke, dem nun durch seine fünfte Karte nur die Rolle des Zuschauers beim Thüringenderby
bleibt. Die erste nennenswerte Möglichkeit der zweiten Halbzeit gehörte den Gästen, doch Nulle konnte einen gefährlichen
Flachschuss von Hochscheidt zur Seite klären. Drei Minuten später hätte Braham erneut für die Führung der Veilchen
sorgen können, doch glücklicherweise konnte er aus Nahdistanz seine Chance nicht nutzen. Schnell ausgeführter Gegenzug der
Jenaer mit einem schönen Steilpass auf Hähnge, der von halb links aufs Gästetor zustürmte. Es folgte ein kurzer Schwenk
nach rechts und anstatt nun sofort zu abzudrücken, entschied er sich erneut für einen Schwenk diesmal nach links, wodurch er sich
selber den Winkel zum Tor so verkürzte, dass sein anschließender Schuss für Männel keine Gefahr mehr darstellte. Der
Druck der Jenaer Mannschaft nahm nun stetig zu und der FCC drehte sein Eckenkonto nach oben. Nur leider wollte noch immer kein Tor gelingen.
Beim 13. Eckball! der Thüringer hätte es dann fast geklappt, doch leider verfehlte Wuttke mit seinem wuchtigen Kopfball nur ganz
knapp das Tor. Zehn Minuten vor Ultimo sorgte die mittlerweile 15. Ecke der Jenaer (Endstand 17:3) erneut für große Gefahr im
Strafraum der Gäste, doch Ramaj konnte den Kopfball vom eingewechselten Benyamina noch auf der Torlinie klären. Die letzten
Minuten plätscherten so dahin und beide Teams hatten sich eigentlich schon mit einem Unentschieden abgefunden. Doch es gab in der
88. Minute noch einmal Freistoß für den FCC. Nagy flanke platziert nach innen und dort schraubte sich Hähnge am höchsten
und traf per Hinterkopf zum viel umjubelten Führungstreffer. Die Auer warfen in den wenigen verbliebenen Minuten noch einmal alles nach
vorn, doch die Jenaer ließen sich am heutigen Tage diesen hoch verdienten Sieg nicht mehr nehmen.
Nach derben Pleiten in den letzten großen Derbys ist es dem FCC endlich mal wieder gelungen, ein so wichtiges Prestigeduell
zu seinen Gunsten zu entscheiden. Nun gilt es die Kräfte zu bündeln, um beim zweiten Traditionsduell am kommenden Donnerstag
erneut als Sieger den Platz zu verlassen. <vg>
FC Carl Zeiss Jena - SV Sandhausen 0:1
Tore: 0:1 Dorn (44.)
- Jena: Nulle; Sträßer, Lanzaat (53. Eckardt), R. Schmidt;
Wuttke, Truckenbrod, Ziegner (87. Kühne), Orlando (75. Mayombo);
Kolb, Hähnge
- Sandhausen: Kirschbaum; Bindnagel, Tausenpfund, Glibo, Mintzel;
Pinto (90. Throm), Hillenbrand, Jungwirth, Schauerte (74. Öztürk);
Cenci, Dorn (90. Hosiner)
- Zuschauer: 5513
- Schiedsrichter: Dr. Kunzmann (Bad Hersfeld)
- Spielbericht
-
"Meine Spieler sind so heiß im Training, dass ich
Angst hatte, der Rasen könne verbrennen." - Sprüche wie
dieser von René van Eck wecken nach dem Jahreswechsel Erwartungen, die
vielleicht ein paar Zuschauer mehr ins winterkalte Stadion locken, dann aber auch
erfüllt werden wollen. Im Falle eines Misserfolgs nämlich können
einem die Zitate auch buchstäblich um die Ohren fliegen.
Den Auftakt dieses Nachholspiels bildete ein Kopfball des
aufgerückten Lukimya-Mulongoti nach Freistoß Ziegners. Gäste-Torwart
Kirschbaum zeigte sich auf dem Posten (3.). Ansonsten war es ein gemächlicher
Beginn, zu dem die Theatralik nicht passen wollte, mit der sich die
Sandhausener Spieler jedes Mal auch nach harmlosen Fouls auf dem Rasen wälzten.
Das nahm ein Ende, als sie die erste Gelbe Karte des Spiels für Wuttke
provoziert hatten. Am Schiedsrichtergespann allerdings sollten sich im Laufe
der Partie noch häufiger die Gemüter erhitzen.
Sportlich tat sich zunächst wenig und wenn, dann
in der Gästehälfte. Nach siebzehn Spielminuten
spielte Ziegner schön in den Lauf des überraschend in die
Anfangself gerückten Kolb. Dieser flankte von der rechten Seite vors
Tor, wo Hähnge zunächst einen Schritt zu spät kam.
Der von links heranbrausende Orlando kam zwar noch zum Schuss, mehr als ein
Eckball sprang aus spitzem Winkel jedoch nicht heraus. Szenenapplaus gab es für
Carsten Sträßer sieben Minuten später, als er einen
schon verloren scheinenden Ball zurück eroberte. Hier bekam man einmal
einen Ahnung von dem, was van Eck gemeint haben könnte. Doch die Regel
war das leider nicht. Wie oft musste ein Spieler den Einwurf bis zum letzten
Moment hinauszögern, weil die eigenen Mannschaftskameraden bei ihren
Gegenspielern stehen blieben anstatt sich frei zu laufen ! Orlandos nächste
Aktion - nach energischem Antritt übersah der Holländer den
freistehenden Landsmann Lanzaat am Elfmeterpunkt - war Jenas letzte Gelegenheit
vor der Pause. Und die Gäste ? Erspielten sich ihre erste Chance eine
Minute vor dem Halbzeitpfiff. Einen mit dem Kopf verlängerten Ball
nimmt Neuzugang Cenci gekonnt mit der Brust an, leitet ihn sauber mit der Hacke
weiter und bringt Sturmpartner Dorn damit in eine vorzügliche
Schussposition. Dieser Regis Dorn ist viel zu sehr Torjäger, um sich
solch eine Gelegenheit entgehen zu lassen. Gegen seinen Schuss ins lange Eck
hat Nulle nicht die Spur einer Chance. Mit der einzigen Möglichkeit in
45 Minuten die Führung zu erzielen - mehr an Effizienz geht nicht. Es war übrigens
kein Konterzug, als welcher dieser Angriff vonseiten unseres
Trainer bezeichnet wurde. Jenas Defensive durfte sich in aller Ruhe formieren
und stand mit sieben gegen zwei Mann im eigenen Strafraum.
Quido Lanzaat hatte beim Gegentor etwas abbekommen, wollte
sich aber durchbeißen und kam mit aus der Kabine. Um ein Haar wäre
ihm in der 51. Minute der Ausgleichstreffer geglückt. Nach Foul an
Kolb führte Ziegner einen Freistoß fünf Meter vorm
rechten Strafraumeck aus. Den hohen Ball erwischte Lanzaat unter Bedrängnis
mit dem Kopf, drückte ihn von der Torraumgrenze aus Richtung Gästegehäuse,
doch Kirchbaum lenkte das Leder mit starkem Reflex zu Ecke. Gleich danach war
Schluss für den auch gelbbelasteten Innenverteidiger. Wuttke nahm
dessen Position ein, Eckardt kam neu ins Mittelfeld. Beim Doppelpass mit Hähnge
führte sich Eckardt gut ein und weckte als Einwechsler Hoffnungen, die
(nicht nur) sein Trainer nach dem Spiel als unerfüllt ansah. Gleiches
gilt auch für Mayombo, dem jedoch rund eine Viertelstunde vor Schluss
ein Elfmeter hätte zugesprochen werden müssen. Gegenspieler
Tausendpfund hatte Jenas Stürmer von den Beinen geholt, Dr. Kunzmann
entschied auf Weiterspielen. Diese Szene lag inmitten einer kurzen Drangperiode
mit zwei hochwertigen Chancen für Sebastian Hähnge. Beim
Kopfball in Minute 73 fehlte neben dem Druck auch die Präzision, da
Kirchbaum sich nicht vom Fleck bewegen musste, um zu parieren. Doch fünf
Minuten darauf hätte auch Sandhausens Schlussmann den Ausgleich nicht
verhindern können, wenn Hähnges Kopfball nach Ziegners Ecke
ins Netz statt nur ans Lattenkreuz geflogen wäre. Welch ein Pech.
Doch weder strittige Schiedsrichterentscheidungen noch
Aluminiumtreffer dürfen darüber hinwegtäuschen, dass
die Jenaer Spieler allzu viel schuldig blieben von dem, was man von ihnen nach
der Winterpause erwarten durfte. Gefahr strahlten sie nur bei
Standartsituationen aus. Zu statisch wirkten sie im Spielaufbau, sodass das grüne
Geläuf lediglich von der Rasenheizung auf Temperatur gehalten
wurde. Die Gäste, von denen man ein Hintenreinstellen nach der Pause
vermutete, konnten wahrscheinlich irgendwann nicht mehr anders, als auf eigene
Faust die Entscheidung zu suchen. Beim
Kopfball von Tausendpfund und Schüssen des eingewechselten Öztürk
boten sich Gelegenheiten dazu. Ihr knapper Vorsprung geriet während
der Schlussminuten nicht weiter in Gefahr. Stattdessen bettelte Torsten Ziegner
um seine fünfte Gelbe Karte, indem er auch nach zweimaligem Zurückweisen
beim Schiri immer noch weiter meckerte. Und den Karton letztlich
bekam.
In einem Spiel, das eigentlich keinen Sieger verdient, kann
eine einzige geniale Idee während neunzig Minuten entscheidend sein.
Cencis Hackentrick war solch eine Idee. Den Jenaer Spielern hingegen ist es nicht
gelungen, ihren so hoch gelobten Trainingsfleiß ins erste Punktspiel
des Jahres 2010 zu transportieren. <fc>
SV Wehen Wiesbaden - FC Carl Zeiss Jena 1:1
Tore: 1:0 Schönheim (72.), 1:1 Hähnge (77.)
- Wehen: Domaschke; Hollmann, Gehring, Schönheim, Weigelt;
Ziegenbein (90.+1 Bohl), Reinert, Hübner, Öztürk; Ziemer
(82. Stroh-Engel), Boskovic (88. Kunert)
- Jena: Nulle; Sträßer, Lanzaat, Lukimya, R. Schmidt
(76. Nagy); Kühne (14. Amrhein), Truckenbrod (90.+1 Mayombo), Ziegner;
Wuttke, Hähnge, Orlando
- Zuschauer: 3386
- Schiedsrichter: Beitinger (Regensburg)
- Spielbericht
- Weniger die sportliche als vielmehr die wirtschaftliche Situation geriet in dieser
Woche in den Mittelpunkt des öffentlichen Interesses. Die Nachricht, dass sich
die Liquiditätslücke während der letzten Wochen nochmals kräftig auf
947.000 Euro vergrößert hat und nun im Rahmen eines Sanierungskonzepts umfassende
DFB-Auflagen zu erfüllen sind, sorgt für Gesprächsstoff unter den
Kernbergen und darüber hinaus.
Die Spieler können in solch einer Situation nichts weiter tun als bestmöglich
ihren Job zu erledigen. Könnte es doch sein, dass jeder von ihnen errungene Punkt
in der Endabrechnung noch von Bedeutung sein wird.
Beide Teams bemühten sich
vom Anpfiff weg um Offensivaktionen, wobei ihnen dabei die Genauigkeit im
Zusammenspiel abging. So verging eine Viertelstunde bis zur ersten
Torgelegenheit, einem Schuss des freistehenden Boskovic genau auf
unseren Schlussmann. Zu dieser Zeit hatte Trainer van Eck bereits das erste Mal
wechseln müssen, da Stefan Kühne nach einem Zweikampf in der eigenen Hälfte
mit einer Knieverletzung vom Platz musste. Tim Wuttke hat in dieser Saison
schon fast alles gespielt, vom Innenverteidiger bis zur hängenden Spitze auf
Außen - entsprechend reibunsglos ging nach der Hereinnahme Amrheins sein Wechsel auf die Kühne-Position vonstatten.
Geschickt verlagerten er und seine Nebenleute die Positionen hin zum
ballführenden Gegenspieler. Die häufiger in Ballbesitz befindlichen Gastgeber fanden
dagegen lange Zeit kein Mittel. Es bedurfte eines direkt geschossenen
Freistoßes, um Carsten Nulle nach 31 Minuten das zweite Mal zu fordern.
Dessen Gegenüber hatte zu diesem Zeitpunkt noch keinen einzigen Ball
halten müssen.
Doch mit einem Mal, ab Minute 38 veränderte sich die Szenerie. Schön freigespielt steht Sebastian Hähnge frei vor Eric Domaschke - und scheitert am
herauslaufenden Keeper. Eine Minute später schießt der bis dahin noch
gar nicht zur Geltung gekommene Orlando aus vollem Lauf über die Querlatte und
nochmals 60 Sekunden darauf Hähnge flach aufs Tor. Die größte Gelegenheit vor
der Pause aber bietet sich in Minute 43. Freistoß, knapp 30 Meter Torentfernung,
halbrechte Position. Orlando steht zur Ausführung bereit, so als wolle er
zum zweiten Mal das Tor des Monats gegen den selben Kontrahenten erzielen. Doch nicht
er sondern Ziegner führt den Freistoß aus. Domaschke lässt prallen, zum
aufgerückten Assani Lukimya, der jedoch aus bester Position vergibt.
Freistoßschütze Torsten Ziegner hatte sich zu diesem Zeitpunkt bereits eine Gelbe Karte abgeholt. Nur gut, dass sich seine Verwarnung von voriger
Woche als Falschmeldung herausgestellt hatte. Sonst wäre es jetzt die 5.
gewesen und Ziegner hätte gegen Sandhausen ersetzt werden müssen.
Selbst wenn er zuletzt auswärts eher zu überzeugen wusste als in Heimspielen.
Apropos Trainer, wie hatte René van Eck vor dem Spiel prophezeit ? Viele
Chancen wird es in Wiesbaden nicht geben. Deshalb müssen diese konsequent
genutzt werden. Genau das hatten seine Jungs vor der Pause versäumt, weshalb
es mit Spielstand 0:0 in die zweite Halbzeit ging. Hier zeigte sich
Nulle bei einem Schuss von Reinert gleich wieder auf dem Posten (49.).
Das Spiel des SVW, dessen Hauptsponsor mit Wasser-Technologie seinen Umsatz
macht, lief nun etwas flüssiger. Jenaer Konter besaßen Seltenheitswert,
in Minute 64 war es wieder mal soweit. Hähnge auf der rechten Seite fehlte
jedoch sein Anspielpartner im Zentrum, weil Hübner dem losspurtenden
Orlando in die Hacken getreten war, ohne dass dies der Referee geahndet hätte.
Jenas Hintermannschaft stand weiterhin sicher, geriet meist nur durch
Standartsituationen in Gefahr. Weigelts Freistoß aus fast dreißig Metern
hob Nulle in großem Stil über die Torlatte (65.). Und dann gab es da noch die Eckstöße.
Es mag der sechste oder siebente gewesen sein in Minute 72 - Jenas
Elf hatte sich wie immer komplett im eigenen Strafraum versammelt.
Zunächst gelang es, den Eckball nach vorn abzuwehren. Doch genau an der
Grenze zum Sechzehner stand Fabian Schönheim, welcher den als
Befreiungsschlag gedachten Ball dreisterweise als Vorlage ansah und direkt
ins rechte untere Eck traf.
Die seit sieben Spielen daheim ungeschlagenen Gastgeber führen 1:0 und nicht mal mehr zwanzig Minuten sind noch zu spielen. So manch einer
mit Blau-Gelb-Weiß im Herzen wird hinterher zugeben, er hätte nicht mehr an einen
Punktgewinn geglaubt. Doch Jenas Routiniers auf dem Spielfeld sehen das
anders. Torsten Ziegner hebt einen Ball vor in den Sechzehner auf Sebastian
Hähnge, der mit langem Bein zunächst dafür sorgt, dass das Leder
nicht ins Toraus verspringt. Danach tunnelt er Domaschke im zweiten Versuch und
vollendet überlegt mit halbhohem Schuss über zwei grätschende Verteidiger
hinweg ins Netz. Jubel im gut gefüllten Gästeblock direkt dahinter. Obwohl es
wie die meiste Zeit zuvor nun wieder unentschieden steht, scheint der Ausgleichstreffer
noch einmal richtig das Feuer anzufachen. Nicht nur auf den Rängen, auch bei
den blau-gelb gekleideten Spielern. Ein Torsten Ziegner erobert erst den
Ball, lässt ihn dann zu weit wegspringen, verliert ihn dadurch wieder und
hüpft vor Ärger darüber wie Rumpelstilzchen auf dem grünen Rasen. Jenas
Spieler wollen drei Punkte, das ist zu spüren. Doch die geniale Idee,
mit der der Willen in die Tat umzusetzen wäre, kommt ihnen an diesem Tag nicht
mehr. Stattdessen besitzen sie bei Schönheims Chance in der 87.
Minute sogar noch Glück, am Ende nicht mit leeren Händen
da zu stehen. Dass beide Trainer in der Nachspielzeit noch je
einen frischen Spieler für gerade mal fünfzehn Sekunden aufs Feld schicken, zeigt an, dass alle
mit dem Punkt leben können. Auf Jenaer Seite wird er sogar wie
ein Sieg gefeiert.
Mag es in der spielerisch-taktischen Umsetzung noch etliche Reserven geben,
kämpferisch war's allemal in Ordnung. Zumindest vom Sportlichen her scheint
das Schlimmste erst einmal überwunden. <fc>
VfB Stuttgart II - FC Carl Zeiss Jena 0:1
Tore: 0:1 Orlando (68.)
- Stuttgart: Stolz; Schimmel, Pischorn, Vier, Enderle; Didavi, Funk,
Vecchione (83. Pala), Hertner (79. Riedle); Schipplock, Fischer (58. Walch)
- Jena: Nulle; Sträßer, Lanzaat, Lukimya, R. Schmidt;
Kühne, Truckenbrod (62. Amrhein), Ziegner, Wuttke; Hähnge
(85. Mayombo), Orlando (90. A. Schmidt)
- Zuschauer: 680
- Schiedsrichter: Dingert (Thallichtenberg)
- Spielbericht
- Im fünften Spiel gegen Stuttgart II gelang das zweite Tor. Dieses brachte, da der FCC im Gegensatz zu den sonst üblichen
dreieinhalb Gegentreffern pro Stuttgart-Spiel den Gastgebern keinen Treffer gönnte,
drei Punkte ein.
Nach 13 Sekunden hätte der Abend bereits
einen schlechten Verlauf nehmen können, als Nulle das erste Schüsschen
prallen ließ, der Stuttgarter den Nachschuss jedoch nicht am Jenaer
Torwart vorbeibrachte. Nach 5 Spielminuten brannte es erneut lichterloh vor
Nulles Kasten, als ein Angreifer eine Eingabe um Haaresbreite verfehlte. Die
einzig erwähnenswerte Situation des Jenaer Angriffsspiels war ein
Schuss Wuttkes nach einer Ecke aus 20 Metern in die zweite Etage des kalten
Stuttgarter Abendhimmels (9. min). Ansonsten sah sich Jenas einziger Stürmer
Hähnge immer von einer erdrückenden weißen Abwehrübermacht
umgeben, gegen die alle Dribblings nichts fruchteten. Die Unterstützung
der Mitspieler war nicht gegeben, da z. B. Orlando sich im Hinfallen und
Abseitsstehen übte. Die Jenaer Harmlosigkeit wurde in der 19. min
perfekt demonstriert, als man auf Höhe des Stuttgarter Strafraums
einen Einwurf hatte und den Ball innerhalb von fünf Sekunden
zielsicher zurück zu Nulle brachte. Da Stuttgart außer einem
Schuss am langen Eck vorbei (35.) auch nichts weiter zustande brachte, ging es
nach einer langweiligen Halbzeit torlos in die Kabinen.
Nach Wiederanpfiff änderte sich das Bild.
Der FCC hatte sofort eine Ecke, die aber gefahrlos in einem schnellen Konter
der Gastgeber mündete und uns wie schon zu Beginn der ersten Halbzeit
beinahe ein Gegentor beschert hätte. In der 52. min schirmte Lukimya
den Ball gegen einen Angreifer ab, Nulle sorgte aber für kurzes
Herzflattern, da er den Ball erst im zweiten Zupacken sicher hatte. Die Partie
wurde nun deutlich besser. Ursachen waren nicht nur die jetzt deutlich gefälligeren
Spielzüge der Stuttgarter, sondern auch die Leistungssteigerung
etlicher Jenaer Spieler. So präsentierte sich Schmidt deutlich
selbstbewusster und auch offensiver als vor der Pause, und Ziegner zog immer
aktiver die Fäden im Jenaer Mittelfeld. Doch wieder waren es die
Gastgeber, die kurz vorm Führungstreffer standen, als Schipplock nach
einem langen Pass Lanzaat einfach überlief und Nulle im wahrsten Sinne
Kopf und Kragen riskieren musste. Dafür bekam er eine dreiminütige
Behandlungspause auf dem Rasen. In der 58. Spielminute hatte der FCC seine
erste Torchance: Orlando vernaschte
links seinen Gegenspieler, passte flach in die Mitte, aber Hähnge
setzte den Direktschuss leider übers Tor. Zwei Minuten danach stand
Nulle wieder im Brennpunkt, als er einen Fernschuss Schipplocks über
die Querlatte lenken konnte.
Eine entscheidende Veränderung brachte
die Einwechslung Amrheins für Truckenbrod. Amrhein ging auf die linke
Außenbahn, Orlando wechselte nach rechts und Wuttke rückte
auf die defensive Mittelfeldposition. Damit war Hähnge nicht mehr ganz
allein in der Stuttgarter Hälfte und obwohl sich neben ihm zumeist nur
Amrhein, Orlando und Ziegner in die gegnerische Hälfte getrauten, kam
deutlich mehr Offensivleben ins Jenaer Spiel. Und nur wenige Minuten später,
nach einem zwischenzeitlich weiteren Kapitel des Duells Schipplock vs. Nulle
(66., letzterer klärte zur Ecke), gab es den verdienten Lohn: Hähnge
bekommt in der Mitte kurz hinterm Mittelkreis den Ball, sieht rechts außen
den startenden Orlando, passt die Spielkugel maßgenau hinüber,
Jenas Nummer 10 setzt sich mit einem eleganten Haken gegen den Verteidiger
durch und ballert aus spitzem Winkel ins lange Eck. 1:0!!! Nicht nur der Gästeblock,
auch im sogenannten Heimbereich flippte ein gutes Drittel der Besucher aus.
Drei Minuten später verhinderte das Gebälk des Stuttgarter Tores
Hähnges Nominierung für das "Tor des Monats": Der Jenaer Stürmer
ignorierte die beiden Stuttgarter und zog aus der Drehung vom rechten
Strafraumeck ab. Stolz, der VfB-Keeper, schaute bewundernd dem Ball, den er
sowieso nie und nimmer erwischt hätte, hinterher und ihm dürfte
einige Tonnen Gestein vom Herzen gefallen sein, dass ihm sein Torpfosten
hilfreich zur Seite stand. Bis zur 88. min versuchte Stuttgarts Zweite mit viel
Energie, jedoch ohne Ideen, Jenas Bollwerk zu knacken, Angstperlen trieb dies
aber nicht einmal den sonst aus Prinzip vorm Gegentor zitternden FCC-Fans auf
die Stirn. In jener 88. min kamen zwei Angreifer doch einmal fast in der Mitte
durch, Nr. 1 nahm jedoch der schussbereiten Nr. 2 den Ball vom Fuß.
Einer von beiden, ob Nr. 1 oder 2 ist egal, sank zu Boden (Nase voll?) und der
Referee pfiff zum Entsetzen der Jenaer und zur Verwunderung der Stuttgarter
Zuschauer und zeigte auf den Elfmeterpunkt. Nulle korrigierte den Fehler des
Referees, wehrte den Schuss ins linke untere Eck ab und schubste den
wegspringenden Ball vorm nachsetzenden Schützen zur Seite. Die
verbleibende Zeit inklusive der vier Nachspielminuten überstand der
FCC ziemlich problemlos, auch weil sich van Eck daran erinnerte, dass man
dreimal pro Spiel auswechseln darf und dies immer ein paar Sekunden schindet. Und
so hatten wir endlich, nach einem Vierteljahr (Kiel!!!), wieder einmal eine
Heimfahrt, auf der man sich mit Freude an das erlebte Spiel erinnerte.
<uk>
Spielbericht auf der Stuttgarter Homepage
Fotos auf fanclub-family.de
FC Carl Zeiss Jena - Wuppertaler SV 1:0
Tore: 1:0 Hähnge (43.)
- Jena: Nulle; Sträßer, Lanzaat, Lukimya,
R. Schmidt (46. Wuttke); Kühne, Truckenbrod (78. Mayombo), Ziegner,
Amrhein (88. Nagy); Hähnge, Orlando
- Wuppertal: Maly (
, 6.);
Neunaber, Neppe (76. Altin), Lorenz, Schauml;fer; Müller, Weikl
(79. Bernhardt), Fischer, Celikovic; Formento (6. Karagiannis), Damm
- Zuschauer: 5076
- Schiedsrichter: Schriever (Dorum)
- Spielbericht
- Wie gewohnt konnte man sich auch im Vorfeld dieses Spiels nicht
über mangelnde Unruhe im Umfeld des FC Carl Zeiss Jena beschweren, in
der Woche vor dem Spiel wurde mit Hartmut Beyer der neue Präsident
vorgestellt, der dann auch gleich die Kündigung für Salvatore
Amirante zurückzog und diesem so formal die Rückkehr in die
erste Mannschaft ermöglichte - der Italiener meldete sich aber zunächst
krank und blieb Training und Spiel fern. Die personelle Situation hatte sich
dennoch etwas entspannt, denn mit Sebastian Hähnge war zumindest eine
der Stützen der Jenaer Elf wieder in der Anfangself zu finden. Das
bestimmende Thema im Vorfeld war aber naturgemäß der Freitod
von Robert Enke, der seine Karriere ja in Jena begann und der auch bis zuletzt
noch den Kontakt in seine Heimat gehalten hat. Wie praktisch alle Außenstehenden
traf die Nachricht vom Selbstmord Enkes auch seine Freunde in Jena
unvorbereitet, der Schock über die nur schwierig nachvollziehbare
Entscheidung des erfolgreichen Torhüters saß auch in Jena
entsprechend tief.
Das Spiel begann dann auch mit einer Schweigeminute für
den achtfachen Nationalspieler, bei der manchem Besucher die eine oder andere
Träne über die Wange rollte. Die ersten Minuten des Spiels
hatten dann auch irgendwie den Anschein, als ob die 22 Akteure nicht ganz bei
der Sache wären. Zunächst schenken die Gäste den
Jenaern eine Ecke, weil es ein Missverständnis zwischen einem
Abwehrspieler und Gäste-Keeper Christian Maly gibt, ähnliches
gibt es nur Sekunden später auf der Gegenseite zu sehen. Die erste
halbwegs gefährliche Aktion ist dann ein langer Ball auf Orlando, der
mit seiner Schnelligkeit auch die WSV-Abwehr überrascht und den Gäste-Torwart
mit seiner plötzlichen Anwesenheit direkt vor dem Strafraum offenbar
so überrascht, dass dieser in einem Moment der Unaufmerksamkeit die Hände
zu Hilfe nimmt, obwohl er sich haarscharf außerhalb des Strafraums
befindet. Schiedsrichter-Assistent und Schiedsrichter können in dieser
Situation gar nicht anders, als Maly mit Rot vom Feld zu schicken und dem FCC
eine aussichtsreiche Freistoßposition an der Strafraumgrenze
zuzusprechen. Spätestens jetzt waren die Gedanken von Spielern und
Zuschauern voll und ganz beim heutigen Spiel. Opfer der Aktion von Maly war
letztlich der Wuppertaler Stürmer Formento, für den Gäste-Trainer
Uwe Fuchs nun Ersatz-Torhüter Asterios Karagiannis bringen musste.
Dieser sah sich gleich einer unbequemen Situation gegenüber, denn den
Freistoß von der Strafraumgrenze wollten die Gastgeber natürlich
im Tor unterbringen und dem Spiel so schon früh die richtige Tendenz
geben. Letztlich war es Torsten Ziegner, der sich den Ball zurechtlegte, anlief
und den Ball in Richtung Tor brachte - allerdings fehlten die berühmten
Zentimeter und der Ball strich am rechten Pfosten vorbei. Schon direkt im
Anschluss wurde klar, dass der WSV auch in Unterzahl ein unangenehmer Gegner
sein würde, der sich keineswegs entmutigen ließ. Die Spieler
aus der Stadt mit der Schwebebahn standen nun noch tiefer, als es vermutlich
ohnehin geplant war, Tobias Damm stand jedoch jederzeit bereit, um einen
schnellen Konter vorzutragen. Nach 13 Minuten waren es dann auch die Gäste,
die die nächste gute Gelegenheit hatten: Ein Freistoß aus
rund 25 Metern wurde von Celikovic vorbei an Freund und Feind auf den langen Pfosten
geschlenzt, wo Nulle aber hellwach und mit guter Reaktion zur Ecke klären
konnte. In der Folge bestimmte die in Überzahl spielende Jenaer Elf
zwar die Partie und hatte deutlich mehr Ballbesitz, dennoch muss sie sich den
Vorwurf einer gewissen Ideenlosigkeit anhören, denn gefährlich
wurde es für das Gäste-Tor nur äußerst
selten. Die tief stehenden Gäste machten geschickt die Räume
eng und unterbanden es effektiv, dass Orlando seine Schnelligkeit ausspielen
oder gefährliche Flanken in den Strafraum schlagen konnte. Wenn doch
mal ein Jenaer die Gelegenheit zur Flanke bekam, landete diese meist weit
hinter dem Tor und ließ das Jenaer Spiel entsprechend harmlos
erscheinen. Nach 35 Minuten fasste sich Amrhein ein Herz, sein Schuss bedrohte
aber vordergründig die Eckfahne und kann insofern als symptomatisch für
die Harmlosigkeit des FCC bis zu diesem Punkt gesehen werden.
Nur eine Minute später wären beinahe die Gäste
in Führung gegangen, denn einen schnellen Gegenzug konnte der schon
erwähnte Damm aus rund acht Metern abschließen, allerdings
war auch der selten geforderte Carsten Nulle gut drauf und konnte den Ball zwar
nicht festhalten, aber doch parieren. Bis zu diesem Zeitpunkt waren es damit
aber trotz Unterzahl doch die Wuppertaler, die die beste Chance der ersten
Halbzeit herausgespielt hatten. Die Szene der ersten Halbzeit stand aber noch
bevor, denn einmal mehr war es Orlando, der mit dem Ball am Fuß Fahrt
aufnahm und gleich mehrere Gegenspieler ausspielte. Beim letzten Verteidiger
Lorzenz versagten die Künste des kleinen Dribblers aber und es kam zum
Zusammenstoß, den die Gäste als freistoßwürdig
betrachteten und vehement den Pfiff des Schiedsrichters forderten. Dieser blieb
aber aus und Jens Truckenbrod nahm sich den Ball, zog sofort
ab und prüfte Karagiannis, der den Ball nicht festhalten konnte.
Dieser prallte nun vor die Füße von Sebastian Hähnge,
der bisher in dieser Saison torlos geblieben war und nun aus wenigen Metern nur
noch einschieben musste - TOOOOR für den FCC, endlich das erlösende
1:0!
Mit diesem Ergebnis ging es dann auch in die Kabinen, aus
denen die Gäste unverändert zur zweiten Halbzeit zurückkamen.
Beim FCC kam Wuttke für Schmidt, der aus Sicht von Trainer René van
Eck Gelb Rot-gefährdet war. Schon direkt nach Wiederanpfiff ist es
erneut Orlando, der die Gäste-Abwehr quasi im Alleingang umspielt und
dann nur noch den Torhüter vor sich hat, den Ball dann aber leider
etwas überhastet am Tor vorbeihämmert, anstatt ihn überlegt
einzuschieben. Die Gäste änderten zunächst wenig an
ihrer Spielweise und standen weiter tief, genauso schwer taten sich aber auch
die Jenaer. In der Folge plätscherte das Spiel dahin und auch in Folge
zahlreicher unnötiger Ballverluste im Spielaufbau konnte keine der
beiden Mannschaften gefährliche Chancen herausspielen. Wenn überhaupt
etwas Gefahr zustande kam, dann in Folge von Freistößen.
Doch auch hier versäumten es Gastgeber und Gäste, die Torhüter
zum Eingreifen zu zwingen oder gar vor ernsthafte Herausforderungen zu stellen.
In den letzten zehn Minuten wurden auch die Gäste noch einmal mutiger,
die Jenaer Verteidigung stand aber überwiegend sicher und zwang Nulle
nicht zum Eingreifen. Als bereits einige Minuten der Nachspielzeit gespielt
waren, eröffnete sich dem FCC noch die Chance auf 2:0 zu erhöhen.
Nach einem langen Ball lief Ziegner zusammen mit Orlando
aufs Gäste-Tor zu, begleitet nur von einem letzten Gäste-Verteidiger.
Als Ziegner den Ball zum einschussbereiten Orlando spielen wollte,
versagten ihm aber die Kräfte und die Nerven, sodass der Ball
unerreichbar für den mitgelaufenen Stürmer ins Aus trudelte.
Kurz darauf war aber auch Schluss und die Jenaer konnten
sich über drei Punkte freuen, die gegen den direkten Tabellennachbarn
natürlich sehr wichtig waren. Mit etwas mehr Kreativität und
Konsequenz im Torabschluss hätte man die Partie allerdings weniger anstrengend
für das leidgeprüfte Nervenkostüm der Jena-Fans
gestalten können. Nun bleibt zu Hoffen, dass die Jenaer in den
kommenden beiden Auswärtsspielen ebenfalls Punkten und so die Distanz
zu den Abstiegsrängen weiter vergrößern können. <bh>
1. FC Heidenheim - FC Carl Zeiss Jena 3:1
Tore: 0:1 Truckenbrod (35.), 1:1 Lukimya (60., ET), 2:1 Mayer (79.), 3:1 Weil (90.)
- Heidenheim: Bodemer; Meier, Göhlert, Krebs, Feistle; Bagceci
(46. Gül), Klarer, Weil, Essig (59. Mayer); Spann (88. D. Jarosch),
Heidenfelder
- Jena: Nulle; Sträßer, Lanzaat, Lukimya, Wuttke;
Kühne, Truckenbrod (86. Petersen), Ziegner, Amrhein; Orlando, Mayombo
(75. Eckardt)
- Zuschauer: 6130
- Schiedsrichter: Nowak (Bottrop)
- Spielbericht
- Im Spiel eins nach seinem Tod war Robert Enke auch fern der thüringischen
Heimat in Heidenheim allgegenwärtig. Der FCC verzichtete auf den
üblichen Aufdruck der Trikotbrust und die FCH-Fans auf ihre geplante
Choreo, beide Teams liefen mit Trauerflor auf und während der
holprigen Gedenkrede des Heidenheimer Stadionsprechers erinnerte der
Gästeblock ganz in schwarz an Jenas großen Sohn.
Wer gedacht hatte, der Nachmittag ginge derart besinnlich weiter, sah sich sehr
schnell getäuscht. Auf der Stadionbaustelle nahe des Schlosses
Hellenstein entwickelte sich ein überaus temporeiches Spiel mit
Chancen hüben wie drüben. Amrhein und Ziegner
(Außenpfosten) nach zwei und fünf Minuten hier - Meier (14.)
und Weil (16.) dort, Smeekes mit Hammerschuß (17.), Amrhein nach
Traumkombination (22.) sowie Kühne und Mayombo nach Eckball (25.)
wieder hier, es brannte unentwegt in beiden Strafräumen.
Gefährlich wurden die Gastgeber dabei fast immer bei ihren Angriffen
über Jenas lichterloh brennende linke Abwehrseite. Es ist nicht
überliefert, ob dies von Rene van Eck so gewollt war, aber Jena
spielte quasi mit Dreierabwehrkette, während
Sträßer als linker Läufer seine Seite über
die gesamte Länge des Spielfeldes allein zu beackern hatte, Smeekes
neben Mayombo im Zentrum stürmte. Was defensiv einem Harakiri glich,
führte aber gleichzeitig zu einem personellen Übergewicht des
FCC im Mittelfeld, welches die Heidenheimer vor große Probleme
stellte, und Jenas Fans ob des gebotenen Kombinationsflusses erstaunte. Der FCC
spielte als komplettes Kontrastprogramm zum letzten Heimauftritt einfach
schön anzusehen, die Einstellung stimmte bei jedem Einzelnen und nach
35 Minuten folgte die Belohnung in Form der Führung. Der ins Team
zurückgekehrte Torsten Ziegner tankt sich wie in alten
Regionalligazeiten auf der rechten Seite ein, an zwei Heidenheimern vorbei zur
Grundlinie durch, passt millimetergenau zurück auf Jens Truckenbrod,
der den Ball aus zehn Metern zu seinem so lange überfälligen
ersten Punktspieltor für den FCC versenkt. Was in Robert Enkes
ehemaligem Klassenkamerad Torsten Ziegner vorgeht, der im stillen Jubel beide
Arme gen Himmel reckt, kann man erahnen. Kurz darauf muss Smeekes eigentlich
das zweite Tor nachlegen, als er mutterseelenallein von der Mittellinie aus
aufs Tor zurast, aber am einzig verbliebenen Heidenheimer Verteidiger
hängenbleibt. Dann heißt es erst einmal Sichern des
Vorsprunges, Smeekes besetzt nun das linke Mittelfeld und nur noch einmal ist
Zittern angesagt, als Weils Schuss nur knapp am Nulle-Gehäuse
vorbeischrammt (37.). Pause, Jena führt und das verdient, wenn auch in
der Innenverteidigung mit Lukimya und Rückkehrer Lanzaat alles andere
als sicher.
René van Eck wechselt nicht, lässt aber seine Flügelzange Patrick
Amrhein und Orlando Smeekes die Seiten tauschen, ein Schachzug mit Folgen.
Jenas linke Seite ist nun endgültig zu für die Heidenheimer
Angriffsbemühungen, während Smeekes auf rechts im
völlig überforderten Außenverteidiger Feistle ein
ums andere Mal ein leichtes Opfer für seine
Flügelläufe vorfindet. Von Heidenheimer Ausgleichsdruck ist
nicht einmal ein Ansatz zu spüren, hier und jetzt geht es ganz klar um
die Spielentscheidung zugunsten der Gäste, die sich mit laufintensivem
und beängstigend temporeichem Spiel Chance um Chance erarbeiten. Der
als einzige Spitze stets anspielbereite Mayombo nach Kühne-Zuspiel
knapp vorbei (46.), Ziegner mit Freistoß in die Mauer (49.), Amrhein
aus dem Fußgelenk nur um Haaresbreite am Winkel vorbei (52.), Mayombo
nach Ziegner-Zuckerpass mit von Ersatz-Ersatzkeeper Bodemer glanzvoll pariertem
Schuss (55.), Kühne mit Flachschuss (61.), es stellte sich beinahe nur
die Frage, welcher der 11 Jenaer der kommende Torschütze sein
würde. Assani Lukimya war es dann, den der Stadionsprecher als solchen
verkündete, leider im Jubelton und begleitet vom
Kopfschütteln 500 fassungsloser Gesichter im Gästeblock. Was
war passiert? Ballverlust Truckenbrods im Mittelfeld, geschickter Pass
Güls auf den gerade eingewechselten Mayer, dessen Schuss Nulle
sensationell nach vorn abwehrt, wo er von der Brust Jenas Abwehrchefs
über den verdutzten Keeper ins Tor hüpft. Jenas Antwort
ließ nicht auf sich warten: Aber Smeekes findet in Bodemer seinen
Meister (66.), Ziegner zielt aus 20m knapp daneben (67.), Mayombo erwischt
Ziegners Zuspiel drei Meter vor dem Tor eine Hundertstelsekunde zu
spät (69.). Als dann nach 70 gespielten Minuten sowohl Lukimya, als
auch Truckenbrod und Mayombo Wuttkes wunderbare Eingabe von rechts nicht im
leeren Tor unterbringen können, hat der FCC nicht nur sein Pulver
verschossen, sondern sich auch selbst den Nerv gezogen. Eckardts Einwechslung
für Mayombo geht nach hinten los, weil nun die ballsichere Anspielstation
in der Spitze fehlt, und Nulle muss bei Kontern der nun aufdrehenden
Heidenheimer gleich zwei Mal binnen einer Minute sein ganzes Können
aufbieten. Nach 79 Minuten ist auch er machtlos, als Ziegner Heidenfelders
Schuss zunächst abblockt, aber der schwache Referee Nowak
Göhlerts Foul an Kühne nicht ahndet und Mayer aus Nahdistanz
vollendet. Ob der mitten in diese Aktion zu hörende Pfiff vom Referee
oder aus dem Publikum kam, bleibt das Geheimnis des Mannes aus Bottrop, der Treffer
zählte.
Jena blieben noch 11 Minuten, doch der Akku schien leer, zu
sehr hatte das Powerplay nach der Pause geschlaucht, stattdessen konterten die
Gastgeber ein ums andere Mal gefährlich und beseitigten mit dem
dritten Treffer in der Nachspielzeit alle Zweifel am mehr als
glücklichen Heimsieg. Dass Tim Wuttke - heute auch als rechter
Außenverteidiger gewohnt zuverlässig - den Schuss Weils
unhaltbar abfälschte, war ein sinnbildlicher Abschluss eines
unglücklichen Spieles, in dem der FC Carl Zeiss vieles richtig machte,
aber mit Fortuna und der eigenen Qualität vor dem gegnerischen Tor
hadern muss. <gunner>
FC Carl Zeiss Jena - SG Dynamo Dresden 0:4
Tore: 0:1 Röttger (4.), 0:2 Röttger (22.), 0:3 Kühne (36., ET), 0:4 Müller (77.)
- Jena: Nulle; Sträßer, Wuttke, Lukimya, Nagy (46.
Ziegner); Amrhein, Kühne, Truckenbrod, Eckardt (33. Orlando);
Mayombo, Benyamina (70. Kolb)
- Dresden: Keller; Cozza (35. Kunze), Oppitz, Trehkopf, Röttger
(46. Koch); Strifler, Hübener, Petrovic, Müller; Savran, Dobry
(78. Jungnickel)
- Zuschauer: 9846
- Schiedsrichter: Kempter (Sauldorf)
- Spielbericht
- Eigentlich sollte man mit dem
Schreiben erst anfangen, wenn man sich selbst wieder im Griff hat, der Puls die
200er-Marke unterschreitet, die Gedanken anfangen sich zu ordnen. Aber diesmal
geht es nicht. Die Wut muß raus, muß ungefiltert aufs Papier,
auch wenn es kein passendes Vokabular für ein derartiges Versagen
geben dürfte.
Es war eine Demütigung,
ein Untergang! Alleine die ersten fünf Minuten gegen Dresden sind bei
normaler Finanzlage ein Kündigungsgrund für den Trainer und
die halbe Mannschaft. Statt dem Tabellenvorletzten zu zeigen, warum er dort
unten steht, wird die Schlacht kampflos preisgegeben, die Initiative gar nicht
erst ergriffen. Dazu kommen diese dümmlichen Fehler bei der
Ballbehandlung und schon wird es ein unvergeßlicher Nachmittag! Ein grundloser
Querschläger von Nagy, ein bewunderndes Platzmachen Sträßers
(wo war der denn auf einmal hin?), ein Schuß von Röttger. 0:1
(4.). Dann: Ein leichter Ballverlust von Mayombo in der Spitze, eine schnelle Kombination
über den ganzen Platz ohne Jenaer Ballberührung oder auch nur
die Chance dazu, eine flache Hereingabe von Dobry auf den völlig
vereinsamten Röttger. Noch ein Schuß, diesmal ins andere
Eck. 0:2 (23.). Und dann zu allem Überfluß auch noch so ein
Eigentor der Kategorie 'Schöner geht's nicht', als Kühne einen
Müller-Freistoß mit dem Knie in den Winkel donnert. Absolut
unhaltbar für Nulle (35.). Ich hätte hier gerne ein bißchen
was vom Aufbäumen geschrieben, vom Kampfgeist, der einfach nicht
belohnt wurde oder so. Aber es war einfach nur erbärmlich. Ein Zweikampfverhalten wie zur Love-Parade. Kein Biß, kein Wille. Nicht mal
den Ansatz einer Jenaer Chance gibt es hier zu beschreiben.
Dafür müssen
die Zuschauer im Stadion noch 20 Spielminuten voller Jenaer Unzulänglichkeiten
plus Halbzeit über sich ergehen lassen und das alles bei
Heimspielatmosphäre für Dresden. Ich kann das hier gottlob schneller
machen. Es war Lukimya, der einen Ziegner-Freistoß gefährlich
in Richtung des Dresdner Tors verlängerte und Keller zu einer schönen
Parade zwang (54.). Immerhin der Auftakt zu den stärksten fünfzehn
Minuten unserer Helden, in denen sich zwei, drei gute Möglichkeiten zu
einem Anschlußtreffer ergaben. Erst scheiterte Orlando mit einem Schuß
von der Strafraumgrenze an Keller (55.), kurz darauf segelte ein
30-Meter-Knaller von Amrhein knapp am Dresdner Gehäuse vorbei (57.). Und
dann die 68. Spielminute! Der erste Spielzug der Jenaer, der aussah wie gewollt.
Da läuft der Ball mal über fünf, sechs Stationen, da
kann sich Amrhein auf der linken Seite schön durchsetzen und auch
Mayombo macht eigentlich alles richtig. Pech, daß sein Drehschuß
am gedankenschnellen Keller hängenbleibt. Wäre diese erste Katastrophenhalbzeit
nicht gewesen, das Publikum hätte sicherlich verzückt
applaudiert. So aber war nur ein langgezogener Seufzer zu hören.
Aber die Jenaer Erfolgsgeschichte für diesen Nachmittag ist ohnehin schon wieder zu Ende.
Was noch kommt ist stattdessen der endgültige
Offenbarungseid. Nachdem Savran aus Ermangelung an Gegenspielen den Ball
ungehindert aus 20 m an die Latte donnern kann (wieder waren Sträßer
und Lukimya erst ganz eng dran und dann wie vom Erdboden verschluckt), bringen
es die Jenaer dreißig Sekunden lang nicht fertig, für klare
Verhältnisse im Strafraum zu sorgen. Als Savran zig verlorene Zweikämpfe
später den Ball wieder kriegt, sehen alle Zuschauer schon was jetzt kommen
muß, können in Ruhe ihre Fahnen einrollen, ihre Kissen
einpacken und was sonst noch so zu tun ist, um ganz schnell nach Hause zu
kommen. Es war wirklich so offensichtlich, daß der Savran dem Müller
das Ding auflegt, daß man schon fast enttäuscht darüber sein mußte, nichts Spektakuläreres geboten zu bekommen.
Noch den Nulle hübsch ausgekurvt und dann rein damit (77.). Schöner
geht's nicht mehr. Nie habe bereits eine Viertelstunde vor dem Abpfiff so eine Abwanderungswelle erlebt (O-Ton: "Da glotze ich mir lieber die Kandinsky-Ausstellung an")
Es tut mir leid, wenn das hier alles sehr sarkastisch rüberkommt,
aber es war bei diesem Spiel die einzige Möglichkeit, nicht völlig
die Beherrschung zu verlieren oder sich diversen Gewaltphantasien hinzugeben.
Eine solche Darbietung ist mir in Jena noch nicht untergekommen. Das
Pfeifkonzert zum Ende konnte nicht annähernd wiedergeben, was sich
hier gerade abgespielt hatte. Es ist ja nicht, daß Jena inzwischen
nahezu jedes Ostderby als Zweitplazierter beendet, sondern es ist die Art und
Weise, wie hier untergegangen wird. Spielerische Mängel sind
verzeihlich, wenn auch nicht immer nachvollziehbar. Aber kämpferisch
muß es einfach stimmen. Jeder Kreisklassespieler weiß, daß
man sich in der Anfangsphase erst mal Respekt verschaffen muß, will
man nicht den Rest des Spiels wie ein Depp aussehen ("gib dem Neuner gleich
einen mit, damit er weiß, dass er seinen Hutzebutz hier
vergessen kann" war der bekannte Slogan unseres Trainers vor jedem Derby in
Zottelstedt). Die Dresdner wußten das, die Jenaer nicht. In meinen
Augen das größte Problem ist und bleibt aber dieses konfuse
Miteinander. Da sind keine Laufwege aufeinander abgestimmt, da gibt es
keinerlei Zuordnung, da fehlen vorne die Leute, die hinten zu wenig sind. Was
machen die eigentlich die Woche über?
Persönlich fürchte ich, daß van Eck trotz
aller Sympathien nicht der richtige Mann für diesen Job ist. Aber neu
ist diese Erkenntnis im Verein ja nun auch nicht...
Das war ein grauenhafter Samstag!
Wollen wir uns nicht schneller im Abstiegskampf wiederfinden als uns lieb ist, darf sowas nicht so schnell wieder passieren. Es sind jetzt zwei Wochen Zeit,
irgendwie zu reagieren und diesem nervösen Haufen wieder
Selbstvertrauen einzuflößen. Wie das gehen soll, ist mir
ehrlich gesagt ein Rätsel. Aber vielleicht reicht es ja auch schon, wieder
vor den für die dritte Liga typischen Gruselkulissen anzutreten. Zu
viel Öffentlichkeit ist unserer Mannschaft scheinbar ein Graus. Insofern
liegt über den nächsten Wochen ein zarter Hoffnungsschimmer,
wenn wir uns mit Fußballgrößen wie dem 1. FC
Heidenheim oder dem Wuppertaler SV der üblichen Tristesse hinzugeben haben. <bpf>
SSV Jahn Regensburg - FC Carl Zeiss Jena 1:1
Tore: 0:1 Mayombo (27.), 1:1 Würll (90.)
- Regensburg: Sattelmaier; Hörnig (57. Jarosch),
Hagmann (
, 88.), Maul, Binder; Zellner,
Kreis (74. Schlauderer), Haller, Berger; Stoilov, Schmid (60. Würll)
- Jena: Nulle; Sträßer, Lukimya, Wuttke, Nagy; Eckardt
(70. Orlando), Truckenbrod, Kühne, Amrhein; Mayombo, Benyamina (90. Kolb)
- Zuschauer: 4108
- Schiedsrichter: Glasmacher (Alsdorf)
- Spielbericht
- Im letztjährigen Abstiegskampf hatte mir der
Spielberichtsorganisator das Angebot abgerungen, im Falle des Nichtabstiegs mal
wieder einen Spielbericht zu verfassen. Dies hatte die FCC-Helden dann
tatsächlich noch so angestachelt, dass sie sich auf der Zielgeraden
über den Strich retteten. Mein Versprechen sollte nun zum Abschluss
der "Bayrischen Wochen" beim Gastspiel bei Jahn Regensburg
eingelöst werden. Die Münchner FCC-Gemeinde um "Gleis
26" traf sich pünktlich nach dem Frühstück
zur gemeinsam Fahrt in die Hauptstadt der Oberpfalz. Die Stimmung war
entspannt, denn gegen Regensburg hatte der FCC noch nie verloren und in
Regensburg stets 2:2 gespielt. Ein Resultat mit welchem man in der aktuellen
Situation auch wieder zufrieden gewesen wäre.
Nach problemloser und zügiger Fahrt im ALEX wartete
in Regensburg noch eine Busfahrt zum Stadion auf uns, die gefühlt so
lange wie die Zugfahrt dauerte. Der Fahrer wollte uns wohl die
Schönheit der Stadt genießen lassen, anders sind die
minutenlangen Stopps an den Haltestellen nicht zu erklären.
Letztendlich erreichten wir aber pünktlich das Jahnstadion, dessen
Charme gleich deutlich darauf hinweist, dass man sich in einer der ältesten
Städte Deutschlands befindet.
Die Gastgeber hatten
nach ihrem sehr guten Saisonstart zuletzt etwas geschwächelt und vier
Spiele in Folge nicht gewonnen (3 Niederlagen, 1 Unentschieden) und waren von
den Aufstiegsrängen auf Platz sieben zurückgefallen.
Angeführt vom Kapitän und Ex-Jenaer Alexander Maul
übernahm Regensburg gleich die Initiative und bereits nach drei
Minuten knallte der Ball zum ersten Mal gegen den Pfosten des Jenaer Tores.
Allerdings stand Schütze Haller dabei im Abseits. Der FCC startete mit
der Elf der zweiten Halbzeit vom Spiel in Unterhaching und meldet sich mit
einem Schuss von Amrhein, den Sattelmaier zur Ecke abwehrte, in Minute sieben
erstmals offensiv zu Wort. Regensburg blieb aber spielbestimmend und traf durch
Stoilov erneut den Pfosten (19.). Den zurückspringenden Ball bugsierte
Haller unbedrängt über das leere Tor. Dies wirkte allerdings
als Wachruf für die Jenaer Kicker, die nun doch auch etwas mehr nach
vorn versuchten. In der 26. Minute konnte Alexander Maul gerade noch René
Eckardt an der Strafraumgrenze am Schuss hindern. Eine Minute später
lupfte Amrhein im Mittelfeld den Ball schön zu Truckenbrod, der einen
feinen Pass in den Strafraum spielte und Mayombo mit prima Einsatz noch vor dem
zögerlichen Abwehrspieler am Ball war und ihn an Sattelmaier vorbei
zum 1:0 ins Tor spitzelte. Die Führung war zu diesem Zeitpunkt sicher
etwas überraschend, wäre aber fast noch erhöht
worden, doch Truckenbrod kam bei einem weiten Pass von Nagy einen Schritt zu
spät (34.). Regensburg kam vor der Pause nur noch zu einer Chance, die
Nulle aber souverän meisterte (41.).
Der FCC kam besser aus der Pause und bestimmte nun
zunächst das Spielgeschehen. Eckardt passt zu Amrhein, der legt auf
Mayombo ab, der leider einen Schritt zu spät kommt (47.). Zwei Minuten
später behauptete Mayombo im Strafraum den Ball gegen Maul. Dieser
konnte sich nur mit einer Ringereinlage helfen. Der fällige
Elfmeterpfiff des insgesamt recht schwachen Schiedsrichters Glasmacher blieb
aber aus. Die nächste Chance hatte Sträßer nach
Doppelpass mit Eckardt. Doch sein Schuss ging knapp am rechten Pfosten vorbei
(53.). Regensburgs erste Offensivaktion in der zweiten Halbzeit war ein
Fernschuss aus knapp 30 Metern, der aber weit am Kasten von Nuller vorbei ging
(55.). Trainer Weinzierl reagierte und brachte mit Würll nach einer
Stunde einen weiteren Angreifer. Auch wenn Regensburg damit das Spiel wieder
etwas ausgeglichener gestalten konnte, blieben Chancen nun auf beiden Seiten
zunächst aus. Nach 70 Minuten kam Orlando für Eckardt und
damit auch neuer Schwung ins Spiel. Zunächst setzt sich Orlando auf
rechts durch und flankt von der Grundlinie, den Kopfball von Amrhein kann
Sattelmaier aber entschärfen (76.). Drei Minuten später ein
Konter des FCC, Truckenbrod passt auf Mayombo, der in aussichtsreicher Position
verstolpert. Und drei Minuten vor Ablauf der regulären Spielzeit wird
Orlando über links geschickt, Hagmann kommt nicht hinterher und
erwischt Orlando nur noch am Fuß und kassiert dafür - da
letzter Mann - die Rote Karte. Die 90 Minuten waren abgelaufen, Regensburg
bemüht sich noch einmal in
Richtung Jenaer Tor und Mayombo geht etwas ungeschickt in den Zweikampf -
Freistoß und wohl die letzte Aktion im Spiel. In der
Gästekurve bangte man nun schon, dass es doch nicht schon wieder mit
einem späten Ausgleich in Regensburg enden kann und darf ... Aus dem
Fanblock vom anderen Ende des Spielfeldes sah man den Freistoß
über Freund und Feind hinwegsegeln und dann tatsächlich im
Netz zappeln. Hinterher hörte man, dass wohl Mayombo unglücklich
ins eigene Tor getroffen hatte. Sehr ärgerlich! Dem Spielverlauf nach
sicher eine akzeptable Punkteteilung. Aufgrund der besseren zweiten Halbzeit,
in der vergessen wurde, den berühmten Sack zuzumachen,
aber doch zwei verschenkte Punkte mit einem
tragischen Helden Mayombo. <jw>
SpVgg Unterhaching - FC Carl Zeiss Jena 3:1
Tore: 1:0 Steegmann (43.), 2:0 Steegmann (63.), 3:0 Kanca (76.), 3:1 Benjamina (82.)
- U'haching:Kampa; Konrad, Hain, Brysch, Schaschko (90. Ziegler);
Tyce, Mitterhuber, Zillner, Leandro; Schweinsteiger (73. Kanca), Steegmann (79. Rathgeber)
- Jena: Nulle; Sträßer (73. Osadchenko), Lukimya, Wuttke, Nagy; Eckardt, Kühne, Truckenbrod, Ziegner (46. Benyamina), Orlando (46.
Mayombo); Amrhein
- Zuschauer: 3300
- Schiedsrichter: Fischer (Hemer)
- Spielbericht
- Same procedure as every year.
Der FCC verliert obligatorisch sein Auswärtsspiel bei der Spielvereinigung Unterhaching, diesmal
mit 3:1 und nach zwei völlig unterschiedlichen Halbzeiten.
Der
Minutenzeiger hatte noch nicht einmal eine volle Umdrehung gemacht, da hatten
Jenas Fans den Torschrei auf den Lippen, als Patrick Amrhein von Ziegner
mustergültig bedient von der Strafraumgrenze abziehen kann, aber nur ein
klägliches Schüsschen zustande bringt. Ein Auftakt mit Signalwirkung konnte man
hoffen, doch als Referee Fischer 45 Minuten später zur Pause pfiff, war aus
Sicht des FCC keine einzige weitere Möglichkeit zu notieren gewesen, von einem
großzügig verzogenen Distanzschuss des überraschend sofort eingesetzten Kühne
einmal abgesehen. Jena lieferte eine erste Hälfte ohne jeden Esprit, blieb im
Offensivspiel erschreckend harmlos und lag verdient mit 0:1 zurück. Dass dieses
Gegentor aus einer lächerlichen Schauspieleinlage Zillners an der
Seitenauslinie direkt vor den Augen des schwachen Linienrichters und folgender
Freistoßflanke resultierte, war bitter. Aber Steegmanns gegen Lukimya
folgenschwer gewonnenes Kopfballduell zum Führungstreffer kurz vor der Pause
(43.) eben auch nur eine der zahlreichen Hachinger Möglichkeiten. Von denen
vergab der Torschütze selbst üppig (12., 26., 34.), aber Zillner nach seinem
Sturmlauf zwischen den verdutzten Sträßer und Ziegner hindurch zweifellos die
größte - Nulle rettete glanzvoll (33.).
So konnte es nicht weitergehen, und van Eck, der schon vor Anpfiff auf den sich
beim Aufwärmen verletzenden Holwijn verzichten musste, stellte erneut um. Auch,
weil der blasse Orlando Smeekes mit ausgekugelter Schulter passen musste. Aus
dem 3-5-1 mit Doppelsechs Kühne/Truckenbrod und Amrhein als einziger Spitze
wurde nun ein 4-4-2. Amrhein rückte zurück auf die linke Mittelfeldposition,
als Spitzen agierte dabei das Sturmduo der in dieser Saison so begeisternden
II. Mannschaft, und plötzlich ging beim FCC nach vorn die Post ab. Insbesondere
Exaucé Mayombo war von Hachings Verteidigern kaum zu stellen und lieferte eine
starke Partie ab. Kühnes Schuss nach Truckenbrod-Ablage gab nach 51 Minuten die
Richtung vor, Mayombos abgefälschter Schuss folgte zwei Minuten später, Amrhein
prüfte Kampa im Hachinger Tor aus 18 Metern (54.), Truckenbrod zieht knapp
übers Tor (58.). Jena war jetzt richtig im Spiel, die Kombinationen liefen
flüssig und spätestens in der 59. Minute musste es einfach soweit sein, als
Rene Eckardt auf rechts mustergültig von Sträßer bedient wird, aber statt Kampa
den Ball um die Ohren zu ballern eine unmotivierte Mischung aus Heber und
Flanke ansetzt. Wie einfach Fußball sein kann, demonstrierten die Bayern kurz
darauf auf der Gegenseite: Langer Befreiungsschlag Hains aus der eigenen Hälfte
auf den durchstartenden Steegmann, der vernascht Wuttke im 16er und schiebt
lässig zum 2:0 ein. Bewundernde Worte fielen im Gästeblock über die weise
Voraussicht jenes sonst so viel- und weitreisenden Münchner FCC-Fans, der einem
Gelübde folgend den Nachmittag lieber weit abseits seinen Hund Gassi führend
verbrachte. Seit dem Sieg vor 17 Jahren scheint für unseren Club ein Fluch auf
diesem Sportplatz zu liegen. Sonst hätten vielleicht auch Mayombo nach
Traumzuspiel Benyaminas freistehend vor Kampa die Nerven nicht versagt (65.).
Und sonst würde ein Schiedsrichter bei einem Foul wie dem Kampas an Carsten
Sträßer im 16er auch einmal auf Elfmeter entscheiden. Für Sträßer bedeutete
Kampas übles Einsteigen das Ende der Partie - Jenas dritte Verletzung an diesem
Tage - und die Unordnung in der Hintermannschaft des FCC nutzte der
eingewechselte Kanca zur endgültigen Entscheidung. Dabei hätte es vielleicht
noch einmal eng werden können, wenn nach Benyaminas Anschlusstreffer per Kopf -
Nagy hatte von links geflankt - mehr gekommen wäre als die vergebenen
Möglichkeiten Benyaminas (Kopfball nach Eckball von rechts, 83.) und Amrheins
Freistoßversuch übers Tor (84.). Wo das Problem des FCC liegt, demonstrierte
dann eine Minute vor dem Ende René Eckardt noch einmal final, als er völlig
freistehend an Kampas Blitzreaktion scheitert. Nein, nichts zu holen in
Münchens Süden. Verflucht! <gunner>
FC Carl Zeiss Jena - FC Ingolstadt 04 2:0
Tore: 1:0 Lukimya (72.), 2:0 Holwijn (83.)
- Jena: Nulle; Sträßer, Lukimya, Wuttke, Nagy; Holwijn,
Truckenbrod, Ziegner (85. Eckardt), Orlando (90. Fuss); Amrhein,
Hähnge (73. Benyamina)
- Ingolstadt: Lutz; Keidel, Pisot, Wenczel, Ruprecht; Leitl,
Fleßers (71. Braber), Karl, Buchner; Neuendorf, Hartmann
- Zuschauer: 5099
- Schiedsrichter: Siebert (Berlin)
- Spielbericht
-
Im Vorfeld des Spiels gab es jede Menge Aufregung im Umfeld des FCC: Spätestens mit der Pokalniederlage in
Meuselwitz und der anschließenden Suspendierung von Salvatore Amirante hatte der FCC wieder einmal demonstriert,
dass man in Jena mit allem rechnen muss. Dazu kam noch die Vorstellung des neuen Geschäftsführers Michael
Born unter der Woche, Ablenkung von der Vorbereitung auf das Spiel gegen einen der Staffelfavoriten des Jahres gab
es also zur Genüge.
Mit dem FC Ingolstadt 04 war eine Mannschaft im Ernst Abbe Sportfeld zu Gast, gegen die der FC Carl Zeiss Jena erst
ein einziges Mal im Rahmen eines Winter-Trainingslagers gespielt hat. Das ist allerdings weniger überraschend,
zumindest wenn man betrachtet, dass der FC Ingolstadt 04 erst im Jahr 2004 als Zusammenschluss von MTV 1881 und ESV
Ingolstadt entstanden ist. Seitdem hat der Verein mit der Unterstützung des großen Sponsors im Rücken
einen steilen Aufstieg erlebt und konnte schon im Jahr 2007 den Aufstieg in die zweite Bundesliga feiern. Der letztjährige
Abstieg darf als Betriebsunfall verstanden werden, der den langfristigen Weg in Richtung erste Bundesliga wohl nur verzögert
hat. Spätestens beim Blick auf das Mannschaftsfoto der Gäste wird deutlich, wie der Verein verstanden werden soll: Der
Star ist nicht die Mannschaft, auch nicht bundesligaerfahrene Spieler wie "Zecke" Neuendorf Stefan Leitl, selbst Trainer
Horst Köppel steht im zweiten Glied. Bei Ingolstadt 04 gilt einzig und allein: Der Star ist der Sponsor.
Aber kommen wir zum Spiel: Den Spielern des FCC war von Beginn an anzumerken, dass die Geschehnisse außerhalb
des Platzes nicht völlig verdrängt werden konnten, jedenfalls waren die Gäste aus Ingolstadt von Beginn an
die spielbestimmende Mannschaft. Bereits in der ersten Minute kommen die Gäste gefährlich vors Jenaer Tor, die
Flanke von Leitl kann Buchner aber nicht verwerten. Nur wenige Augenblicke später versucht der rehabilitierte Ziegner
einen Rückpass zu Carsten Nulle, der Ball ist allerdings beinahe zu kurz und bringt Nulle erstmals in Bedrängnis.
Dank einer schnellen Reaktion kommt er allerdings noch vor dem Ingolstädter Spieler an den Ball und kann die Situation
klären. Dennoch blieben die Gäste dominant und kamen noch in der zweiten Minute nach einer Keidel-Flanke durch
Buchner zur nächsten Chance, auch dieser Kopfball verfehlte das Jenaer Tor aber knapp. Erst nach diesen drei Aufregern
konnten die Jenaer Fans erstmals durchatmen; auch wenn die FCC-Elf sich keine eigenen Chancen erspielen konnte, gelang es
nun immerhin, die Gäste vom eigenen Tor fernzuhalten. Dennoch wirkten die Gäste auf dem vom Regen getränkten
Rasen stets spritziger und technisch versierter und konnten mit einfachen Doppelpässen immer wieder schnelle
Vorstöße einleiten, die zum Glück für die Jenaer Elf nicht mit letzter Konsequenz ausgespielt
wurden. Wenn die Ingolstädter doch einmal den Abschluss fanden, war dann allerdings Carsten Nulle zur Stelle,
der insgesamt eine überzeugende Partie ablieferte. Auch nach einem Schuss von Karl aus rund zehn Metern war
Nulle zur Stelle und konnte per Fußabwehr klären. Nach knapp einer halben Stunde kamen auch die Jenaer
erstmals zu so etwas ähnlichem wie einer Torchance, als Patrick Amrhein auf der rechten Außenbahn vor
dem unnötigerweise herauseilenden Ingolstädter Torhüter Lutz an den Ball kommt und an diesem auch
vorbeikommt, dann aber ausrutscht und damit das großzügige Geschenk der Gäste dankend ablehnt. Kurz
vor dem Halbzeitpfiff ist es wieder Amrhein, der an der Strafraumgrenze der Ingolstädter glücklich an den
Ball kommt, die gebotene Chance aber mit einem Schuss zur Eckfahne kläglich vergibt. Damit blieb es zur Halbzeit
beim 0:0 und obwohl die Ingolstädter nicht viele klare Torchancen erspielt hatten, waren sie doch ohne Zweifel
die gefälliger spielende Mannschaft, die eine Führung zu diesem Zeitpunkt absolut verdient hätte.
In den Minuten nach Wiederanpfiff hatte man nicht den Eindruck, als ob René van Eck der Mannschaft in der Kabine
entscheidende Impulse gegeben hat. Wieder hatten die Ingolstädter den besseren Beginn für sich: Mit zwei
Freistößen aus rund 20 Metern brachte Keidel den Jenaer Torhüter Nulle in Bedrängnis, dieser war
aber hellwach und ging in Anbetracht des glitschigen Balls zwei mal auf Nummer sicher und faustete den Ball wieder
ins Spielfeld zurück. In der 51. Minute war es wieder Karl, der die Führung auf dem Fuß hat, aber im
letzten Moment mit viel Glück von mehreren Jenaer Verteidigern am Abschluss gehindert wird. Nur zwei Minuten
später die nächste Großchance für die Gäste, nun rettet wieder Nulle gegen Leitl, der
völlig unbedrängt zum Schuss kommt - die Ingolstädter Führung schien nur eine Frage der Zeit
zu sein, von Jenaer Seite kamen wie in der ersten Halbzeit praktisch keine Impulse für das Spiel. Nach 55 Spielminuten
kam aber auch der FCC mal wieder vors Gäste-Tor, die Flanke von Truckenbrod auf Hähnge war präzise und
gefühlvoll getreten, allerdings war auch Gäste-Torwart Lutz auf dem Posten und konnte mit den Fäusten
vor Hähnge an den Ball kommen. Zehn Minuten später war es erneut Nulle, der die letzte Rettung für das
scheinbar unverrückbare 0:0 an der Anzeigetafel darstellte. Gleich mehrere Stürmer der Gäste
scheiterten mit ihren Schussversuchen am Jenaer Keeper, bevor die Situation endlich bereinigt werden konnte.
Die rot-weiß gekleidete Marketingmaßnahme der bekannten VW-Tochter hielt bis dahin also fast, was
der Bus mit großen Lettern versprach: Der "Vorsprung durch Technik" schlug sich allerdings nur in
Spielanteilen und Torchancen nieder, das Spielergebnis zeigte sich bisher unbeeindruckt. In der Folge gönnten
sich die Gäste allerdings eine kleine Verschnaufpause und die Jenaer kämpften sich zurück ins Spiel.
Torchancen blieben zwar zunächst Mangelware, aber immerhin musste man sich in dieser Phase keine großen
Sorgen um das FCC-Tor machen. In der 72. Minute passierte dann das, was auch dem FCC schon oft genug widerfahren ist:
Die Mannschaft, die bis dahin klar unterlegen war und praktisch keine echte Torchance zu verzeichnen hatte, geht
völlig unverdient in Führung. Nach einem Freistoß aus halbrechter Position und rund 30 Metern
Entfernung ist es Abwehrmann Assani Lukimya, der als erster an den Ball kommt und diesen per Kopf ins lange
Ecke verlängern kann - 1:0 für den FCC und der Spielverlauf stand auf dem Kopf! Die Jenaer Zuschauer
hatten sich noch nicht wieder hingesetzt, da wäre beinahe der hochverdiente Ausgleich gefallen, als Buchner
per Kopf nur die Latte trifft und ein weiterer Ingolstädter seinen Nachschuss wenige Zentimeter neben den
linken Pfosten setzt. Die Angriffe der Gäste wurden nun verständlicherweise wütender und brachten
Nulle noch mehrmals in Bedrängnis. Nur zwei Minuten nach der Führung muss der Jenaer Torwart erneut per
Faustabwehr retten, nachdem ein Angreifer eine Gäste-Ecke per Volleyschuss von der Strafraumgrenze aufs Tor
brachte. Weitere drei Minuten später machte sich Nulle endgültig zum Mann des Spiels, als er einen
weiteren Freistoß von "Zecke" Neuendorf, der ansonsten unauffällig agierte, klären konnte.
Während die Gäste auf den Ausgleich drängten, zeigten die Jenaer, wie effizienter Fußball
aussehen kann: Einen hohen Ball aus dem Mittelfeld legt Amrhein per Kopf auf Melvin Holwijn ab, der sich ein Herz
nimmt und aus rund 18 Metern einfach mal draufhält. Der von Gäste-Trainer Köppel nicht ganz zu
Unrecht als "Sonntagsschuss" bezeichnete Ball schlug unhaltbar für Gäste-Keeper Lutz in der linken
Ecke ein und sicherte den Jenaer Sieg, der bis dahin noch heftig wankte.
Die Ingolstädter Bemühungen blieben auch in der Folge unbelohnt und fast hätte man den Eindruck
haben können, dass sich an diesem Tag die über 100 Jahre längere Tradition des FCC gegen den noch in
den Kinderschuhen steckenden Gast aus Ingolstadt durchgesetzt hat. Dennoch darf nicht unerwähnt bleiben, dass
der Sieg und die damit verbundenen drei Punkte sehr glücklich für René van Eck und den FC Carl
Zeiss waren, von einem verdienten Sieg kann beim besten Willen nicht die Rede sein. Entsprechend gedrückt
dürfte die Stimmung im Ingolstädter Bus bei der Heimreise gewesen sein, denn es ist ohne Zweifel bitter,
nach einem derart kraftraubenden und über weite Strecken gut geführten Spiel ohne Punkte nach Hause
fahren zu müssen. Es bleibt zu hoffen, dass die Jenaer beim nächsten Spiel in Unterhaching auch
spielerisch zu überzeugen wissen und auch in Bayern Punkte holen, bevor die bayerischen Wochen mit dem Spiel
in Regensburg hoffentlich erfolgreich beendet werden. <bh>
Kickers Offenbach - FC Carl Zeiss Jena 4:0
Tore: 1:0 Pospischil (24.), 2:0 Ulm (41.), 3:0 Mesic (78.), 4:0 Pfingsten-Reddig (88.)
- Offenbach: Wulnikowski; Huber, Hysky, Kopilas, Schutzbach;
Haas (84. Pfingsten-Reddig), Pospischil, Zinnow, Fröhlich (72. Laux);
Ulm, Mesic (81. Albayrak)
- Jena: Nulle; Fuss, Lukimya, Wuttke, Sträßer;
Holwijn (72. Kolb), Lanzaat (
, 79.),
Truckenbrod, Hähnge (46. Nagy), Orlando; Amirante
- Zuschauer: 8563
- Schiedsrichter: Thomsen (Kleve)
- Spielbericht
- Auf den Tag genau vor einem Jahr begleitete ich den FCC zum
Auswärtsspiel nach Wuppertal. "Am Tag der deutschen Einheit flossen
die Punkte von West nach Ost", beendete ich damals den Spielbericht und hoffte
jetzt auf einen vergleichbaren Spielausgang ein Jahr später.
Ein entlaufener Bulle vorm Polizeiauto auf der Hinfahrt sollte hierbei
eigentlich als Glücksbringer fungieren.
Allerdings ließen die letzten Auftritte der aktuellen Zeiss-Elf
ebenso wenig einen Feier(tags)auftritt erwarten wie die Bilanz am Bieberer Berg
mit nur einem mageren Pünktchen aus vier Spielen.
Ein Amirante-Schuss nach hundert Sekunden eröffnete
die Partie, in der Wuttke auch nach Lanzaats Rückkehr zunächst
in der Innenverteidigung blieb. Obwohl der Holländer bei seinem
Kurzeinsatz gegen Bremen alles andere als souverän gewirkt hatte,
wurde er ein weiteres Mal auf der Position vor der Abwehr neben Truckenbrod
besetzt. Sein Fehler ohne Not nach 16 Minuten ließ Pospischil von der
Strafraumgrenze aus zum Schuss kommen, Nulle bügelte aus. Es war die
zweite Chance der Hausherren in diesem Match, da sich zuvor bereits Zinnow
durch den kompletten Jenaer Strafraum gedribbelt hatte, dabei jedoch vergaß,
aufs Tor zu schießen. Auch Truckenbrod probierte es nach siebzehn
Minuten mal mit einem Schuss von der Strafraumgrenze. Wulnikowski kam mit einer
Faust an den Ball und lenkte zur Ecke. Fünf Minuten später.
Zinnows Faller nach Zweikampf mit Sträßer sah nach Schwalbe
aus, der bis dahin großzügige Schiedsrichter gab jedoch
Freistoß. Der Ball blieb in der 6-Mann-Mauer hängen, sprang
aber nach seiner ersten Bodenberührung mit ungewöhnlichem
Drall wieder zurück. Ein Lupfer in den Jenaer Strafraum, wo die Blauen
vergebens auf Abseits reklamierten, ein zur Vorlage werdendes Luftloch sowie
ein straffer Schuss auf zehn Metern führten zum 1:0.
Wie schon gegen
Bremen galt es einem Rückstand hinterher zu laufen. Genau das aber
wird zum schwierigen Unterfangen, wenn der Trainer ausgerechnet vor diesem
Spiel klammheimlich zur Ein-Stürmer-Taktik zurückgekehrt ist,
die schon im Jahr zuvor für Unverständnis und Erfolglosigkeit
gesorgt hatte. Sebastian Hähnge ("Ich erwarte mehr von mir und die
Leute auch") blieb nach dem Rückstand weiterhin konsequent im
zentralen Mittelfeld und versuchte sich erfolglos als Ballverteiler für
die einzige Spitze Salvatore Amirante. Da auch Melvin Holwijn sowie Orlando auf
den Außenpositionen nichts rissen, verwalteten die Hessen ihren
knappen Vorsprung ohne große Mühe und lauerten auf den möglicherweise
vorentscheidenden Fehler des Kontrahenten. Den gab es dann auch in Form eines
Jenaer Fehlpasses wenige Meter vorm Anstoßkreis. Dass er Lukimya
unterlief, einem der wenigen beständig guten Spieler während
der letzten Wochen, werteten einige Fans später als Zeichen um sich
greifender Verunsicherung in den Jenaer Reihen. Jedenfalls nutzte David Ulm das
Geschenk zu einem Solo durch die Jenaer Hälfte, um das Leder dann aus
gut zwanzig Metern über Nulle hinweg ins Tor zu heben. Sehenswert, mit
wie viel Gefühl im Fuß Ulm diesen Treffer markierte. Carsten
Nulle eine Mitschuld zu geben, wäre aber wohl verfehlt. Wie sollte er
ahnen, dass seinen Vorderleuten im Spielaufbau ein solcher Patzer unterläuft
? Unser Keeper schlich nach dem Pausenpfiff als Letzter vom Platz, begleitet
von Schmährufen der OFC-Anhänger, die in einem bekennenden
Sympathisanten von Eintracht Frankfurt so etwas wie ihren natürlichen
Feind sehen.
Drei Jahre zuvor war es einer Jenaer Mannschaft an gleicher
Stelle mal gelungen, aus einem 0:2-Pausenrückstand noch ein Remis
werden zu lassen. Um eine Wiederholung dessen herbei zu führen,
stellte van Eck während der Pause mehrfach um. Nagy kam für Hähnge
rein, begab sich wie gewohnt nach links und schickte Holwijn auf die andere
Seite. Aus Orlando wurde doch noch ein zweiter zentraler Stürmer.
Dahinter tauschten Lanzaat und Wuttke ihre Positionen aus der ersten Hälfte,
rückte Truckenbrod ein Stück weiter nach vorn. Der OFC ließ
die Gäste nach Wiederanpfiff zunächst gewähren. Als
sich die Hausherren dann doch mal wieder zu einem eigenen Angriff entschlossen,
brachte der schnelle Gegenstoß endlich mal wieder Gefahr. Durch vier
Abwehrbeine hindurch legte Orlando für Amirante auf, der schoss aus
der Drehung jedoch genau zu Wulnikowski. Der Ball von Nagy drei Minuten später
versprach mehr Erfolg, strich aus 19 Metern Torentfernung aber knapp am rechten
Pfosten vorbei. Eine weitere Steigerung erfuhren Jenas Bemühungen um
den Anschlusstreffer schließlich in Minute 69. Wiederholt versuchte
sich Truckenbrod an einem Fernschuss, selten zuvor aber war das Geschoss von
jener Güte wie diesmal. Aus 17 Metern volley abgefeuert, flog das
Leder oben ans Gebälk, dass es nur so krachte.
Die Hausherren hatten
offensiv nach dem Wechsel überhaupt noch nichts gezeigt. Doch mit
ihrem ersten gelungenen Angriff in Halbzeit zwei, bezeichnenderweise einem
Konter, sorgten sie fünfzehn Minuten vor Schluss für die
Entscheidung. Ulm legte an Sträßer vorbei in die Mitte ab,
wo Quido Lanzaat seinem Gegenspieler Mesic nicht hatte folgen können. 3:0. Dass Jenas
Abwehrchef eben jenem Mesic kurz darauf in die Hacken trat, roch nach Frustfoul
und wurde mit der Roten Karte geahndet. Und als hätte das alles nicht
schon gereicht, flog auch noch der Schuss des eingewechselten Pfingsten-Reddig
genau ins linke untere Eck. "Vier zu Nulle", höhnte es nach Ende der
zweiten 45 Minuten von der Offenbacher Fangeraden.
Dass dem OFC eine durchschnittliche Leistung zu einem derart
klaren Sieg reichte, sollte in Jena die Alarmglocken schellen lassen. Was nutzt
ein sich steigernder Truckenbrod, ein auf allen Positionen sein Ding machender
Wuttke - sie sind nun mal keine Antreiber, die den tödlichen Pass
spielen können. Genau so einer fehlt dem Zeiss-Spiel aber zunehmend.
Es scheint deshalb an der Zeit, die Verbannung Torsten Ziegners zu beenden.
Zwar ist nicht garantiert, dass es mit ihm schlagartig besser laufen wird. In
einer Phase, wo die Jenaer Mannschaft in ihren Leistungen nicht mehr nur
stagniert, sondern abzubauen beginnt, müssen jedoch ausnahmslos alle
Alternativen ausgelotet werden, die der Kader hergibt ! Es wird Zeit, sich mal
wieder gemeinsam an einen Tisch zu setzen. <fc>
FC Carl Zeiss Jena - SV Werder Bremen II 2:2
Tore: 0:1 Testroet (32.), 1:1 Orlando (52.), 1:2 Testroet (80.), 2:2 Amirante (82., FE)
- Jena: Nulle; Sievers (70. Fuss), Lukimya, Wuttke, Sträßer;
Eckardt, Truckenbrod, Hähnge, Nagy (46. Amirante); Kolb (74. Lanzaat),
Orlando
- Bremen: Wiedwald; Hessel, Gerdes, Stallbaum, Andersen; Ronneburg,
Ayik, Menga, Feldhahn; Testroet, Oehrl
- Zuschauer: 6062
- Schiedsrichter: Blos (Köngen)
- Spielbericht
-
Keiner weiß warum, doch in den vergangenen Jahren
hatte der FC Carl Zeiss mit den zweiten Mannschaften von Bundesligavereinen so
seine liebe Mühe. Mittlerweile sind drei von vier Hinrundenpartien gegen die
U23-Teams gespielt, mit zwei Siegen und einem Remis gestaltet sich die
Saisonzwischenbilanz ungewohnt positiv. Doch egal in welches Gesicht man auf
Jenaer Seite nach Abpfiff des Bremen-Spiels blickte - Zufriedenheit schaut
anders aus.
Daran hatte die erste Halbzeit einen gewichtigen Anteil.
Denn es war ein äußerst müder Kick, den 6062
Zuschauer (darunter exakt zwei Dutzend Bremer Fans) während der ersten
45 Minuten geboten bekamen. Dass es nach gut einer Viertelstunde Beifall gab für
einen ins Sturmzentrum gespielten Ball, den Kolb als eine von zwei Spitzen gar
nicht erreichte, mag als Beschreibung für das Niveau in der
Anfangsphase genügen. Eine Freistoßvorlage, die Wiedwald
gegen die Sonne blickend im zweiten Zupacken fing, war die einzige Szene, in
welcher ein Torhüter überhaupt
eingreifen musste. Beim ersten gelungenen Angriffszug nach
zwanzig Minuten stand Hähnge knapp im Abseits. Kurz darauf spielte
Rene Eckardt zwar schön Doppelpass mit Orlando, stolperte danach aber über
seine eigenen Beine. Und bei Lukimyias flacher Hereingabe erkannte der
freistehende Kolb in der Mitte die Situation zu spät. So blieb ein
satter 23-Meter-Schuss von Jens Truckenbrod, den Bremens Keeper über
die Latte lenkte, die einzig wirkliche Torchance
in Hälfte eins. Die Gästebilanz vor der Pause hätte
sich sogar noch ärmlicher gelesen, wenn Testroet im Gegenzug nicht der
Führungstreffer gelungen wäre.
Begünstigt wurde er durch einen Fehler von Jan-Andre
Sievers, welcher den Torschützen unbedrängt den Ball annehmen
ließ und dann nicht hinterher kam. Nach einer überzeugenden
Leistung im letzten Heimspiel gegen Burghausen blieb der Neuzugang aus Emden
damit das zweite Match in Folge hinter den Erwartungen zurück, wurde
später auch ausgewechselt.
Doch zunächst war es Nagy, der in der Kabine
bleiben musste. Mit der Hereinnahme von Amirante wechselte Orlando ab Beginn
der zweiten Halbzeit auf die Linksaußenposition. Eine Umstellung, die
sich sofort bezahlt machte. War der Holländer bei seinem energischen
Antritt von der linken Seite Richtung Zentrum doch nur mit unfairen Mitteln zu
bremsen. Freistoß, 25 Meter Torentfernung. Ein paar der
Stammzuschauer des FC Carl Zeiss werden es bemerkt haben, dieses ungewöhnliche
Positionieren Jenaer Spieler im Rudel neben der gegnerischen Mauer. Von dort lösten
sich wie auf Kommando vier Blaue bei der Freistoßausführung
und rannten in den Sechzehner hinein. Truckenbrod schoss nicht direkt, sondern beförderte
das Leder lang vor zu Orlando, welcher aus fünf Metern volley zum
Ausgleich traf. 1:1 - eine eben erst im Training einstudierte Freistoßvariante
hatte auf Anhieb funktioniert ! Damit lösten
sich endlich einige der im bisherigen Spielverlauf eingebauten Bremsen.
Salvatore Amirante zog auf 30 Metern ab, Wiedwald lenkte das Leder um den
Pfosten (54.). Der Schlenzer von Feldhahn auf der anderen Seite flog nur knapp
nebens Tor (56.). Und dass Kolb die schöne Vorarbeit von Orlando
lieber selbst verwertet hätte, statt auf Eckardt zu spielen, war ihm
hinterher auch klar.
Sie bildeten die stärkste Phase in einem mäßigen Jenaer Spiel,
jene gut zwanzig Minuten nach dem Ausgleichstreffer. Sogar Sebastian Hähnge,
bekanntlich nicht der Allerschnellste, ging hier mal aus einem Sprintduell als
Sieger hervor. Den Gästen darf man bescheinigen, ebenfalls die
Offensive gesucht und so zu einer deutlich spannenderen zweiten Halbzeit
beigetragen zu haben. Beim Schuss des Deutschtüren Ayik reagierte
Carsten Nulle im Tor hervorragend.
Dann war noch eine Viertelstunde zu spielen und Orlando hatte wieder
seinen Auftritt. Es ist beileibe nicht so, dass hier Jenas Schnellstem eine
durchgängig überzeugende Leistung bescheinigt werden soll.
Manches wirkt schon zu sehr auf Show getrimmt, zwischendurch taucht er auch mal
ab und nach hinten lässt er eh lieber andere ackern. Doch klar ist
auch - ohne Orlando wäre das Jenaer Spiel um viele Attraktionen ärmer
! Klasse, wie er in Minute 76 zwei Werder-Verteidiger förmlich stehen
ließ und den Blick für den freistehenden Nebenmann hatte. Es
war Salvatore Amirante, der in zehn Metern Torentfernung sofort abschloss - und
an einem Abwehrbein hängen blieb.
Das Tragische an diesem Spiel ist aus Jenaer Sicht, dass
immer im Anschluss an eine knapp vergebene Großchance die Quittung in
Form eines Gegentreffers folgte. Hatte Pascal Testroet schon vor der Pause
direkt nach Truckenbrodts Schuss getroffen, verging auch nach Amirantes Möglichkeit
nicht viel Zeit, bis Bremens Spieler mit der Nummer 43 zum Erfolg kam. Dabei
profitierte er wiederum von einem fehlenden Gegenspieler - der eingewechselte
Benjamin Fuss war an der Strafraumgrenze ausgerutscht. Unter dem Körper
Carsten Nulles hindurch flog der Ball ins Netz. Und nun ? Waren nur noch zehn Minuten
Zeit für Jenaer Bemühungen um den abermaligen Ausgleich.
Scheinbar unbeteiligt steht Orlando nach dem Anstoß an jener Stelle,
wo Mittel- und Außenlinie aufeinander treffen. Genau da wird er angespielt,
nimmt ein paar Meter lang Fahrt auf und legt dann den Turbo ein. Gerdes hatte
sich diesmal vorgenommen, ihm im Sprintduell Paroli zu bieten - auch er war
chancenlos und wusste sich deswegen nur mit einem Rempler im Strafraum zu
helfen. Elfmeter. Als Amirante sich vor Sträßer den Ball zur
Ausführung schnappte, stockte vielen der Atem - hatte der nicht schon
einmal.... ? Noch ehe der Gedanke zuende gebracht wurde, hatte Salvatore den
Werder-Schlussmann in die andere Ecke geschickt und zum 2:2-Endstand getroffen.
Zweimal war der FCC nach Rückstand wieder gekommen.
Doch wie eingangs schon erwähnt -
Zufriedenheit sieht anders aus. Mannschaftskapitän Nulle ärgerte
sich über die beiden Gegentreffer sowie "Negativeinflüsse von
außen", mit denen wohl Pressespekulationen über Notverkäufe
von Leistungsträgern in der Winterpause gemeint sein dürften.
Und Trainer van Eck monierte die Vorstellung seiner
Mannschaft vor der Pause. Zurecht, denn dadurch sind zwei Punkte gegen
talentierte, aber durchaus schlagbare Bremer verschenkt worden. <fc>
Eintracht Braunschweig - FC Carl Zeiss Jena 2:1
Tore: 0:1 Orlando (46.), 1:1 Kruppke (62., HE), 2:1 Kragl (69.)
- Braunschweig: Petkovic; Fuchs, Brinkmann, Dogan, Boland; Pfitzner, Danneberg,
Kruppke (86. Banser), Kragl (77. Theuerkauf); Onuegbu, Calamita (60. Morabit)
- Jena: Nulle; Sievers, Lukimya, Wuttke, Sträßer (56. Riemer); Truckenbrod, Holwijn (

, 71.)
Hähnge, Nagy (79. Kolb); Mayombo (66. Amirante), Orlando
- Zuschauer: 12.200
- Schiedsrichter: Achmüller (Bad Füssing)
- Spielbericht
-
Der zehnte Spieltag bringt das Auswärtsspiel in Braunschweig auf den Plan und da die Stammautoren dieser
Seite offensichtlich angesichts der letzten Ergebnisse von 0:3 bis 6:0 die Adjektive auszugehen scheinen darf
ich mal wieder ran, als es gilt in Niedersachsen den Platz im oberen Tabellendrittel zu sichern.
Für die erste kleine Überraschung im Gästeblock sorgt Trainer Rene van Eck, der statt des zuletzt stark
auftrumpfenden Stefan Kolb oder des wieder spielberechtigten Amirante, mit Mayombo einen Stürmer in der
Startaufstellung aufbietet, der zuletzt suspendiert worden war, lediglich in der zweiten Mannschaft
spielte und dessen letzter Pflichtspieleinsatz in der Ersten bereits vier Monate zurückliegt. Neben ihm
soll Orlando für den nötigen Angriffsdruck sorgen, während Sebastian Hähnge auf der offensiven Mittelfeldposition
die beiden Stürmer mit Bällen versorgen soll. Und es beginnt gut: Bereits in der ersten Minute kann Orlando über
die linke Seite die Braunschweiger Abwehr überlaufen, scheitert jedoch an Torwart Petkovic. In der Folgezeit
kann der FCC eine optische Überlegenheit erarbeiten - "kontrolliert Ball und Gegner" - wie man so schön sagt, ohne
dabei übermäßig torgefährlich zu werden. Mayombo wirkt dabei aber noch engagierter, als sein Sturmpartner. Die Blau-Gelben
aus Niedersachsen kommen erst nach cirka zwanzig Minuten besser zu Rande und beginnen einzelne Konter zu setzen, die in einem
durch die Mitte angespielten Calamita gipfeln, der aber, völlig frei vor Nulle auftauchend, an diesem scheitert. Damit hat es
sich dann aber auch mit dem Braunschweiger Offensivdrang für die erste Hälfte und die Jenaer Viererkette in der Abwehr kann
wiederholt mit starkem Zweikampfverhalten (Wuttke, Sträßer) die gegnerischen Angreifer "abkochen". Für den eigentlichen
Gesprächsstoff der Halbzeitpause unter dem Jenaer Anhang sorgt Amirante, der bereits kurz vor der Halbzeitpause sich zum
Aufwärmen hinter das Tor von Nulle begibt.
Die zweite Hälfte beginnt mit einem Paukenschlag der angenehmeren Sorte, als Holwijn wunderschön auf der rechten
Seite lang durch Sträßer angespielt wird, im spitzen Winkel auf das Petkovic-Tor zusteuert, scheinbar die lange Ecke
mit seinem Schuß anvisiert, es aber verfehlt, bevor Orlando am langen Pfosten den Ball erreicht und ihn gekonnt flach
über die Linie drückt.
Die Wende im gesamten Spiel wird eingeläutet, als Sträßer in der 56. Minute, leicht humpelnd, verletzt ausgewechselt
werden muss. Die bis dahin äußerst souverän wirkende Jenaer Abwehrviererkette wird mit Marco Riemer wieder aufgefüllt
und ist fortan kaum noch wieder zu erkennen. Obwohl sowohl bei der Entstehung des Elfmeters (aus dem Gästeblock schlecht
einzusehendes Handspiel Riemers), als auch bei der Entwicklung des Führungstreffers ein gehörige Portion Glück für die
Niedersachsen im Spiel ist, kommt man nicht umhin festzustellen, daß vor allem die Jenaer Elf plötzlich den Faden verlor.
Als Holwijn in der 72. Minute diese "schwarze" Viertelstunde für den FCC mit einem Foul an der Mittellinie und nachfolgendem
Ballwegschlagen abschließt, ist die Partie quasi gelaufen. Nur noch zu Zehnt gelingt es nun nicht mehr die Eintracht noch
mal in Bedrängnis zu bringen. Die Braunschweiger lassen sich nun auch nicht mehr aus der Defensive locken und glänzen im
Vorwärtsgang in den letzten zwanzig Minuten lediglich mit einem gefühlten Dutzend Fehlpässen. Auch der Versuch von van Eck,
mit der Einwechslung von Kolb, mit einem Dreiersturm noch einmal auf den Ausgleich zu gehen verpufft relativ wirkungslos.
Ein Sieg in Braunschweig wäre, meiner Meinung nach, für den FC Carl Zeiss Jena ohne weiteres zu realisieren gewesen,
wenn man nach dem Führungstor, das zu einem äußerst günstigen Zeitpunkt fiel, weiter aggressiv die Entscheidung gesucht hätte
und sich mit dem Ausgleich nicht so aus dem Takt hätte bringen lassen. Nicht Eintracht Braunschweig hat gewonnen, sondern
der FCC hat verloren. Und zwar, weil man den Gegner zurück ins Spiel brachte, den der "Ringrichter" schon bis zur "9"
ausgezählt hatte. Schade drum.
Nachtrag: Die Stadt Braunschweig bietet den per Zug anreisenden Gästefans einen kostenlosen Bustransfer vom Bahnhof zum
Stadion an. Soweit so gut. Warum man aber nicht die ca. 6 km lange, direkte Strecke durch die Stadt nimmt, sondern den
Gästefans eine ca. 20-minütige Strecke über die ortsansässigen Autobahnen anbietet, scheint schleierhaft. Ich
habe diese "Stadtrundfahrt" jetzt insgesamt viermal genossen und hätte beim nächsten Mal gern eine andere Route. Danke im voraus.
<tn>
FC Carl Zeiss Jena - SV Wacker Burghausen 0:0
Tore: Fehlanzeige
- Jena: Nulle; Sievers, Wuttke, Lukimya, Sträßer;
Nagy (74.Holwijn), Truckenbrod, Riemer, Eckardt, Hähnge, Kolb (62.Orlando)
- Burghausen: Riemann; Wolf, Hertl, Kokocinski, Kresin, Nebihi (84.Schmidt), Burkhard, Grübl (73.Belleri),
El Haj Ali, Gorka, Cappek (89.Holz)
- Zuschauer: 6948
- Schiedsrichter: Sönder (Lübeck)
- Spielbericht
-
Dritter gegen Vierter - vom Papier her das Topspiel des heutigen Tages in der dritten Liga. Sonne pur und warme Temperaturen
waren beste Vorraussetzungen, um dem Spitzenspiel auch einen würdigen Rahmen zu verleihen. Die Partie musste eine
Viertelstunde später angepfiffen werden, da die Gäste bei Ihrer Anreise aus dem Hotel in Stadtroda infolge einer
Bombendrohung im Stau standen, und dadurch nicht rechtzeitig eine Stunde vor Spielbeginn im Stadion sein konnten.
Die erste gute Aktion des Spiel leitete Jenas Abwehrspieler Sträßer ein, der mit einem herrlichen Diagonalpass
René Eckardt bediente, doch dessen Schuss in der siebenten Minute stellte für Keeper Riemann keine echte Gefahr dar.
In der 18. Minute nutzte Truckenbrodt einen Ballverlust der Gäste aus und prüfte Riemann mit einem Schuss aus der zweiten
Reihe, doch leider landete der Ball genau in den Armen des Schlussmannes. Nach der doch spielerisch armseligen Partie in Kiel
wusste der FCC am heutigen Tage zu gefallen und kontrollierte im gesamten Spielverlauf die Partie. Doch auch mit schönen
Kombinationen und Ballstafetten im Mittelfeld blieben die Torchancen auf Jenaer Seite Mangelware. Die Burghausener, die infolge
einer Grippe auf vier wichtige Spieler verzichten mussten, stellten sich konsequent hinten rein, so dass es für die Jenaer
recht schwierig war, in der dicht gestaffelten Abwehr eine Lücke zu finden. Erst nach gut einer halben Stunde die nächste
Tormöglichkeit für die Jenaer. Hähnge hatte per Kopfball in den Lauf von Youngster Kolb verlängert, doch obwohl
Riemann in dieser Aktion zu weit vor seinem Kasten stand, konnte Kolb diese gute Torchance nicht nutzen und ballerte über das Tor.
Auch nach der Pause änderte sich das Spiel nicht gravierend. In der 51. Minute versuchte sich Sievers mit einer hohen Flanke in
den Strafraum, der Ball wurde lang und länger und fiel zur Verwunderung des Gästekeepers hinter ihm aufs Tornetz. Mit etwas
Glück hätte diese Flanke auch zum erneuten Tor des Monats avancieren können. Gut eine Stunde war vorbei und ein Jubel
auf den Rängen machte sich breit, als Publikumsliebling Orlando für Kolb eingewechselt wurde. Manch einer machte sich
Gedanken, warum und weshalb dieser nicht von Anfang an spielen durfte. Doch Trainer van Eck machte in der anschließenden Pressekonferenz
alle Gerüchte zunichte, als er gleich als erstes vermeldete, dass Orlando im am Vorabend ihm mitgeteilt habe, dass er sich für ein
komplettes Spiel nicht fit fühle. Doch als er den Rasen betrat, spürte man noch einmal einen Ruck durch die Jenaer Mannschaft gehen.
Er war es auch, der in der 71. Minute gleich eine gute Einschusschance hatte, doch leider kam er einen Schritt zu spät und rutschte
einschussbereit knapp am Ball vorbei. Eine Viertelstunde vor dem Ende donnerte Nulle einen super weiten Abschlag heraus, der Ball sprang
vor Orlando auf, doch leider konnte er diese Gelegenheit nicht verwerten oder den Ball zumindest unter Kontrolle nehmen. Die Abwehr der
Gäste stand weiter recht sicher, so dass es die Spieler des FCC nun immer mehr mit Einzelaktionen probierten, die aber allesamt nichts
einbrachten. Höhepunkt des Spiels war zweifelsohne die 82. Minute, in der bereits die Jenaer Fans von ihren Sitzen aufsprangen. Doch
leider stand Orlando das Glück am heutigen Tag nicht zur Seite, denn sein gut getimter Kopfball nach Flanke vom starken Sievers klatschte
an den Innenpfosten, von wo er anschließend direkt in die Arme des Keepers sprang. Da war sie, diese eine 100% Möglichkeit, doch
leider sollte es auch die letzte nennenswerte Aktion gewesen sein.
Mit einer Minute Nachspielzeit pfiff Schiedsrichter Tim Sönder das Topspiel der 3.Liga ab, was es leider nicht geworden war. Die Gäste
waren am Ende mit diesem Punkt hochzufrieden, während die Zeiss-Kicker mit hängenden Köpfen den Rasen verließen. Denn jedem
war nach der Partie klar, dass es selten so leicht gewesen sei, heute die ansonsten starken Kicker von Wacker Burghausen zu bezwingen. Auch wenn
viele Trainer und Verantwortliche eine Einzelkritik nicht unbedingt mögen, so muss doch am heutigen Tage die gesamte Abwehr mal explizit
hervor gehoben werden. Besonders die beiden Außen mit Sträßer und Sievers taten sich heute besonders hervor und ermöglichten
den Gästen während der gesamten Spielzeit keine nennenswerte Torchance.<vg>
Bilder auf fcc.weissenburger.de
Bericht auf fussball.sv-wacker.de
Holstein Kiel - FC Carl Zeiss Jena 0:1
Tore: 0:1 Kolb (72.)
- Kiel: Frech; Lamprecht, R. Müller, Schyrba, Meyer, K.Schulz, Holt,
Jerat (80. Siedschlag), Sembolo, Sykora (9. Guscinas), Heider (66. Stier)
- Jena: Nulle; Sievers, Wuttke, Lukimya, Sträßer;
Nagy (90. Fuss), Truckenbrod, Eckardt, Riemer, Orlando (64. Kolb), Hähnge (87. Petersen)
- Zuschauer: 4511
- Schiedsrichter: Dittrich (Bremen)
- Spielbericht
-
Mit Müller, Hasse und Sykora stehen gleich drei Ex-Jenaer im Kader der Kieler. Aber Hasse war gar nicht im Aufgebot
und Fiete Sykora musste bereits in der 9. min verletzungsbedingt ausgewechselt werden und konnte so gegen seinen
Ex-Club keinen Schaden anrichten. Bis zu diesem Zeitpunkt gab es bereits die ersten aufregenden Situationen vorm
Jenaer Tor. Kiel begann von Anpfiff an offensiv und setzte die Gäste unter Druck. Im Großen und Ganzen
stand Jenas Abwehr, stark unterstützt von den vier Mittelfeldspielern und Hähnge, relativ gut. Wenn man
aber 80 der 90 Spielminuten quasi mit dem Rücken an der Wand, sprich im eigenem Strafraum steht, ist es klar,
dass die Torchancen für die Gastgeber nicht ausbleiben. Vor allem bei Ecken konnte man immer wieder die Luft
anhalten. In der 5. min wehrte Nulle einen Kopfball Haiders aus 3 m Torentfernung zur nächsten Ecke ab. Diese
konnte von Orlando nicht geklärt werden und so hatte Robert Müller die Gelegenheit, seine ehemaligen
Mannschaftskollegen per Fernschuss (der aber in der vielbeinigen Abwehr hängenblieb) zu erschrecken. Nach
einem Stolper Riemers musste sich Lukimya, der wieder eine sehr gute Partie spielte, im letzten Moment in einen
Schuss werfen und zur Ecke klären. Diese führte zu einem Kopfballaufsetzer, gegen den wohl auch Nulle
keine Chance gehabt hätte, aber der Ball ging über die Torlatte. Ganz stark bei den Kielern war in der
Anfangsviertelstunde Sembolo, der ein paar Mal den Jenaern Knoten in die Beine dribbelte. Nachdem aber Sträßer
ihn mal etwas energischer bremste, wurde der auch ruhiger. Nach ein paar Minuten relativer Ruhe musst Nulle, wiederum
nach Ecke, sehr energisch den Ball (samt Gegner) wegfausten, um Schlimmeres zu vermeiden (25.). Nochmals zehn Minuten
danach hatten die Heimzuschauer den Jubelschrei auf den Lippen: Ein weiter Einwurf von rechts wurde verlängert
und den folgenden Kopfball Holts erwischte Nulle mit sensationellem Reflex gerade noch so. Holstein ließ den
Ball in dieser Phase schnell laufen und spielte oft direkt ab. Allerdings ging es zumeist nur bis zur Strafraumgrenze,
an der eine gelbe Wand sie aufhielt. Und so probierte es Sykora-Ersatz Guscinas aus 20 Metern mit einem Fernschuß,
der jedoch nur die Latte traf und die Zuschauern aufstöhnen ließ. Zur Pause konnte man über das
Unentschieden heilfroh sein, denn die Angriffsbemühungen des FCC konnte man bis dahin mit der Zahl "Null" beschreiben.
Nach der Pause ging es wie gehabt weiter, lediglich die Spielhälfte, in der sich alles abspielte, änderte sich.
Allerdings war Holstein jetzt so nett und verzichtete fast völlig auf das Spiel über die Flügel. 7,32 m ist
die Torbreite und ungefähr ebenso breit war der Korridor an Jenas Strafraumgrenze, durch den die "Störche" ihre
Angriffe versuchten. Die Jenaer Abwehrspieler hatten dadurch eigentlich ein leichtes Spiel, wurde doch einmal einer ausgetanzt,
so standen garantiert gleich zwei weitere Gelbe dahinter und klärten. Nur bei einem Fernschuss Lamprechts von rechts
außen (52.) und einem abgefälschten Freistoß (55.) kam der Ball mal in Nulles "Sichtweite", der Rest
waren Kinkerlitzchen. Nach vorn blieb alles unverändert, es ging nichts. Kam man doch einmal über die Mittellinie,
so war es ziemlich sicher, dass Orlando im Rücken der Abwehr im Abseits stand. In der 60. min dann hatte der FCC
mal eine Chance auf einen aussichtsreichen Angriff, aber Orlando rannte mit gesenktem Kopf in zwei Gegner hinein und
übersah den mitgelaufenen und freistehenden Hähnge. So konnte das nichts werden und folgerichtig kam in der
65. Minute Kolb für Orlando. Schon die ersten Zweikämpfe Kolb sahen völlig anders aus als Orlandos
Vorstellung: Der Achtzehnjährige ging in die Zweikämpfe, setzte bei Ballverlust sofort nach und steckte
nie auf. Mir rutschte da ein "Dem Kolb gönne ich ein Tor, der hat schon gegen Dortmund so gut gespielt" heraus
(wenn die Weissagung der Lottozahlen nur ebenso klappen würde…). Drei Minuten nach dem Wechsel (in der 68. min!!!)
hatte der FCC seinen ersten Torschuss, aber Truckenbrods Geschoss ging knapp am langen Pfosten vorbei. Der nächste
Kieler Angriff wurde kurz hinter der Mittellinie abgefangen und der FCC hatte eine perfekte Konterchance in 3:2-Überzahl,
jedoch vergeigte Riemer diese Gelegenheit kläglich. Kurz danach bekam Hähnge auf der rechten Seite den Ball,
ging bis zur Grundlinie, beschäftigte zwei Gegenspieler und spielte mit der Hacke auf den mitgelaufenen Eckardt.
Der schickte seinen Gegenspieler und bediente - wie schon in vorhergehenden Spielen - mit einer maßgenauen
Zuckerflanke den in der Mitte wartenden Mitspieler. Diesmal war es Kolb, der sich die Chance nicht entgehen ließ
und zur überraschenden Führung des FCC einnickte und auf der Gegentribüne für eisiges Schweigen um
mich herum sorgte (ich jubelte solo *g*).
Das Spiel war gekippt. Die "Störche" hatten einen gewaltigen Knacks bekommen,
denn sie versuchten zwar in der verbleibenden Zeit mit viel Einsatz und Elan, dieses Resultat zu reparieren, aber lediglich
ein weiterer Lattentreffer wiederum durch Guscina sorgte für Aufregung. Im Gegenteil, mit etwas Cleverness hätte
Jena jetzt den berühmten Sack zubinden könne, aber zunächst war nach Doppelpass Eckardt - Hähnge der
Kieler Torwart einen Tick schneller am Ball als Eckardt (85.) und dann fehlte Truckenbrod einfach die Kaltschnäuzigkeit,
allein vor Frech - der bis zur Strafraumgrenze herausgekommen war - mit einem Heber das 2:0 zu machen, er ballerte den Ball
voll auf den Keeper drauf. Ansonsten versuchte man ziemlich geschickt und erfolgreich, in den verbleibenden Minuten das Tempo
aus dem Spiel zu nehmen und den Ball in den eigenen Reihen zu halten.
Bis zu Kolbs Einwechslung wäre ich mit einem Punkt hochzufrieden gewesen. Der "Dreier" ist mit etwas Glück in
den ersten 70 und mit ansprechender Leistung in den letzten 20 Minuten eingefahren worden. <uk>
FC Carl Zeiss Jena - Borussia Dortmund II 2:1
Tore: 0:1 Neumeister (6.), 1:1 Lukimya (13.), 2:1 Riemer (80.)
- Jena: Nulle; Sievers, Wuttke, Lukimya, Sträßer;
Nagy (90. Petersen), Truckenbrod, Hähnge, Eckardt (85. Fuss); Orlando,
Kolb (73. Riemer)
- Dortmund: Höttecke; Koch, Eggert, Hünemeier, Neumeister;
Hille, Hasanbegovic (85. Boztepe), Tyrala, Öztekin; Ginczek (57.
Piossek), Kullmann
- Zuschauer: 6983
- Schiedsrichter: Dankert (Rostock)
- Spielbericht
-
Das Chaos beim FCC wurde gerade mal wieder etwas unübersichtlich. Nachdem
Peter Schreiber offenbar keine unbezahlten Rechnungen mehr auf seinem Wühltisch
findet (oder diese lieber wieder untendrunter steckt), fängt die
liebevoll zusammengesparte Mannschaft an sich in Wohlgefallen aufzulösen.
Der eine haut mit südländischer Besonnenheit einem Blumenzüchter
ins Gesicht, der andere wird aufgrund seiner Großartigkeit
suspendiert und der Dritte hat seine Bandscheiben nicht im Griff. Hinzu kommen
ungezählte Zerrungen und Risse diverser Muskelgruppen, schlechte
Blutwerte und Verstauchungen. Und die wenigen Verbliebenen, die sich stets gut
benommen haben und dazu gesund sind, können auch nicht mehr so
richtig. Zu groß ist der Druck nach dem Kulturarena-Debakel für
Rom, Ähnliches vollbringen zu müssen. Ernüchternde
Aussichten also für das gestrige Spiel gegen Dortmunds Zwote, zumal
die nach fünf Minuten schon in Führung lag. Neumeister hatte
die Aufwachprobleme in Jenas Deckungsverbund schamlos ausgenutzt und per Kopf
die Gästeführung hergestellt (6.). Zwar war der ursächliche
Freistoßpfiff völliger Mumpitz, gezählt hat es
trotzdem. Aber was soll's. Aus Ruinen wird auferstanden! Und überhaupt:
Bandscheibenvorfälle werden total überbewertet!
Zwar
folgte die Trotzreaktion erst nachdem Nulle das 0:2 und damit den unabwendbaren
Untergang verhindert hatte, dann aber kam die große Zeit des Rene
Eckardt. Ganz ehrlich, wenn der immer so spielen würde wie die
folgende Viertelstunde, die Nationalmannschaft wäre kein Thema. Seine
Vorlage auf Wuttke nach einer Ecke und sein Heber aus spitzem Winkel wären
bereits Treffer wert gewesen, Hötteke bekam aber beidemal noch
irgendein Körperteil dazwischen. Gegen Lukimyas Schuß aus
Nahdistanz konnte aber auch der Dortmunder Schlußmann nichts mehr
machen. Eckardt hatte Neumeister auf der rechten Seite schön zur
Schere gemacht und den Ball dann flach nach innen geschlagen. Von dort hätte
es wohl nur noch Gomez und dann auch nur im Nationaltrikot noch fertiggebracht,
das Tor nicht zu treffen. Jubeln unter Vorbehalt (13.). Ein Unentschieden
konnte hier ja nicht das Ziel sein! Dieser Vorbehalt legitimierte sich
schneller als gedacht. Mit der Gewißheit der uneingeschränkten
Überlegenheit zog sich Jena wieder aus dem Dortmunder Strafraum zurück.
Alle Maschinen Stop - im Notfall gleichen wir halt wieder aus. Zwar hatte
Eckardt nach eine Wuttke-Vorlage noch einmal die große Chance zur Führung,
sein strammer Volleyschuß fand aber den Weg ins Tor nicht und ist
jetzt wahrscheinlich ein dicker blauer Fleck auf einem Dortmunder Gesäß
(16.). Danach tickte nur noch die Uhr runter. Was dieser taktische Unsinn soll,
ist schwer zu sagen, zumal der Schwung des Ausgleichstreffers dadurch völlig
verpuffte. Die Kräfte jedenfalls hätten eigentlich noch ein
bißchen länger reichen sollen. Kurz vor der Pause hätte
sich dieses unheilvolle Fehlverhalten tatsächlich fast gerächt.
Wäre Kullmann nicht um Zentimeter an Boztepes Eingabe vorbeigerutscht,
die etwa 300 Mitgereisten Dortmunder hätten wohl unsere leise vor sich
hin tirilierende Südkurve vollends unter den Tisch gesungen. Glück
gehabt!
Nach der Pause war es vor allem Orlando, der für Aufsehen sorgte.
Inzwischen ist es für jeden Gegner offenbar ein probates taktisches
Mittel geworden, ihn einfach am Losrennen zu hindern. Ein kurzes Halten, ein
Schubser auf Höhe der Mittellinie, eigentlich ist alles besser als ihm
später hinterherzugucken. Zwei oder drei gelbe Karten werden dafür
augenscheinlich in Kauf genommen, welche die Schiedsrichter (vor allem der von
gestern) oft nicht mal geben. Wenn dann auch noch klarste Pfiffe ausbleiben,
geht mir langsam das ohnehin knapp bemessene Verständnis aus.
Stattdessen reichten auf der Gegenseite mitunter kleinste Scharmützel
aus, um aus gefährlichsten Positionen Freistöße zu
verhängen. Einer davon wäre Jena fast zum Verhängnis
geworden, als Hünemeier den hoch hineingeschlagenen Ball von Tyrala
nur knapp verfehlt, kann Nulle erst im Nachfassen das Unentschieden festhalten
(63.). Knapp! In dieser Phase überzeugt der FCC aber auch allenfalls
durch Gleichwertigkeit auf niedrigem Niveau. Die Führung kommt
dementsprechend wie aus dem Nichts. Wieder ist es Eckardt, dessen präzise
Flanke die Entscheidung bringt. Punktgenau schießt der den Ball auf
den eingewechselten Riemer, dessen Kopfstoß die vor sich hindämmernden
Fans aus der allgemeinen Lethargie reißt (80.). Nicht zu glauben! Dieses Murksspiel und dann auch noch der Riemer. Der
hatte gegen Erfurt nun wirklich einen Scheißtag erwischt. Und dann
noch das Ding mit seinem Rücken. Schön, daß es
offenbar doch nicht so schlimm war oder Bandscheibenvorfälle halt
einfach überbewertet werden (-:
Was folgt sind noch zehn zerrige Minuten Warterei plus einer unendlich
langen Nachspielzeit. Dann ist der dritte Sieg endlich in Sack und Tüten.
Glanzvoll war es nicht! Spielerisch herrschte mitunter unbeschreibliches Elend
auf dem Platz. Dazu kommen die Abstimmungsschwierigkeiten, die bei einer neu
formierten Elf aber ganz normal sind. Entscheidend aber war der größere
Wille. Das was Erfurt in Jena zum Sieg getragen hat, war gestern Jenas
Unterpfand. Die Mannschaft wollte einfach mehr. Das Derby ist damit nicht
vergessen, dieser Stachel sitzt zu tief. Aber ein Rückspiel in Erfurt
ist ja auch noch. Ein neues Spiel mit neuen Chancen. Und nächstes Jahr
wollen wir ja auch wieder in die Kulturarena... <bpf>
VfL Osnabrück - FC Carl Zeiss Jena 2:0
Tore: 1:0 Lindemann (21.), 2:0 Reichenberger (63.)
- Osnabrück: Berbig; Herrmann, Barletta, Nickenig, Krük;
Siegert, Heidrich, Lindemann, Hansen (76. Grieneisen); Reichenberger (85.
Samide), Schmidt
- Jena: Nulle; Sievers, Wuttke, Lukimya, Sträßer;
Nagy (66. Kolb), Truckenbrod, Ziegner, Holwijn (83. Eckardt); Orlando,
Hähnge
- Zuschauer: 9800
- Schiedsrichter: Aytekin (Oberasbach)
- Spielbericht
-
Der Überkreuzvergleich der bisherigen
Saisonresultate sprach von vornherein gegen den FCC: Ingolstadt hatte Erfurt
klar besiegt, Osnabrück die Ingolstädter und Erfurt am
vergangenen Sonntag....ach, lassen wir das. Fußballspiele werden
nicht mit dem Taschenrechner entschieden. Klären wir stattdessen
lieber die Frage: Was stellt eine Mannschaft am gescheitesten an, die mit
Lanzaat, Riemer, Petersen, Osadchenko sowie Ralf Schmidt gleich fünf
Ausfälle in der Abwehr zu verkraften hat ? Klar, sie spielt munter
nach vorn !
Genau das tat Jenas Elf in der Anfangsphase. Da Salvatore
Amirante nach seiner Rot-Sperre für mindestens vier Spiele von der
Bildfläche verschwunden sein wird, teilten sich die beiden Holländer
Orlando und Holwijn von außen kommend in die Rolle des zweiten Stürmers
hinein. Wobei Melvin Holwijn in seinem ersten Match von Anbeginn wesentlich mehr
auffiel. Selbst zwei Gegenspieler vermochten ihn nach fünf Minuten
nicht zu stoppen, zumindest nicht mit fairen Mitteln. Erst als Holwijn wie
nichts zwischen ihnen hindurch geschlüpft war, holte ihn der düpierte
Krük von den Beinen. Freistoß also von der rechten
Strafraumseite, lang auf die andere Seite geschlagen zu Wuttke, dieser sofort
zurück auf den vorm Tor stehenden Hähnge. Zeit zu überlegen
hatte Sebastian nicht, zwei Meter vor dem Kasten inmitten einer lila
Spielertraube handelt man sowieso besser instinktiv - wenn dann aber der Ball
Osnabrücks Keeper Tino Berbig mitten ins Gesicht fliegt, ist das
einfach nur riesengroßes Pech. Doch Jena blieb am Drücker.
Gerade mal zehn Minuten waren gespielt, als ein sichtlich
motivierter Sebastian Hähnge
diesmal von der rechten Seite kommend durchzog. Berbig verkürzte den
Winkel, Hähnge legte deshalb auf den zentral stehenden Truckenbrod ab,
doch schoss dieser aus sieben Metern weit über das leere VfL-Gehäuse.
Dies freilich war mit Pech nicht mehr zu erklären, muss doch auch von
einem defensiven Mittelfeldspieler erwartet werden dürfen, beim unbedrängten
Torschuss nicht in starke Rückenlage zu verfallen.
Ein Führungstreffer
wäre der gerechte Lohn für ansehnlichen Kombinationsfußball
in der ersten Viertelstunde gewesen. Außer einer Einzelleistung von
Jenas Ex-Kapitän Niels Hansen hatten die Gastgeber bis zu diesem
Zeitpunkt noch nichts zustande gebracht, unter anderem weil sich Tim Wuttke auf
der ungewohnten Innenverteidiger-Position gut in Jenas Viererkette einfügte.
Doch dann brach Minute 21 an. Siegert legte für Björn Lindemann
auf und der hatte als erster VfL-Spieler in diesem Match mal richtig Platz am
gegnerischen Sechzehner. Wie er den nutzte - mit einem Sonntagsschuss ins
Dreiangel - war zweifellos sehenswert. Die Führung ansich aber äußerst
glücklich. Erst jetzt kamen die Niedersachsen besser ins Spiel. Nachdem sich zwei Jenaer
gegenseitig angeschossen hatten (29.), drohte für Carsten Nulle ebenso
Gefahr wie beim Freistoß zehn Minuten später, den der Torhüter
aber auf Nummer sicher gehend über die Latte lenkte. Seinem Gegenüber
Tino Berbig, der selbst mal in Jena zwischen den Pfosten gestanden hatte und
hierher noch familäre Bindungen hat, misslang in der 40. Minute bei
einsetzendem Gewitterregen ein Abschlag, sodass Hähnge den Ball mit
einem Heber postwendend zurück brachte. Leider nur aufs Tornetz. Als
sich einige schon auf den Pausentee zu freuen schienen, gabs den ersten
erfolgreichen Antritt von Orlando. Bei dessen Eingabe von der linken Seite kam
Hähnge einen Schritt zu spät. Oder ließ er den Ball
absichtlich für Holwijn durch ? Möglich wäre es,
denn der Neuzugang hatte freie Bahn, nur -
was machte er daraus ? Halb Ballannahme, halb Torschuss, nichts von
beiden richtig, und so beförderte der Nationalspieler das Leder weit
am Pfosten vorbei ins Toraus. Zwei, drei dicke Torchancen teils kläglich
vergeben zu haben war der einzige Vorwurf, den man der Zeiss-Elf beim Gang in
die Kabinen machen konnte.
Die erste Aktion nach Wiederanpfiff war nahezu eine Kopie
der letzten Szene vor der Pause. Wieder ging Orlando auf der linken Seite auf
und davon, wieder kam Hähnge in der Mitte einen Schritt zu spät.
Nur dass diesmal kein Holwijn daneben stand. Auf der anderen Seite köpfte
Nickenig aufs Tornetz (48.). So wie sich das Spiel danach entwickelte, war
absehbar, dass es nicht bei dem einen Treffer in dieser Partie bleiben würde.
Beide Mannschaften schenkten sich nichts, noch aber fand niemand die Lücke.
Die Emotionen im Spiel übertragen sich sogar auf die Ersatzleute
hinter dem Tor. Als Sträßer bei einer Abwehraktion gehalten
wurde und somit nicht in der Lage war, den Eckball zu verhindern,
regte sich André Schmidt berechtigterweise über
den Schiri-Assistenten auf, der das Foul eigentlich hätte sehen müssen.
Die Konsequenz war die Gelbe Karte für einen Spieler, der in dieser
Saison noch nicht eine Punktspielminute in der ersten Mannschaft verbracht hat
(58.). Besagte Ecke beschwörte übrigens Gefahr durch
Reichenbergers Kopfball herauf, den Nulle wegfaustete.
Osnabrücks Stürmer-Oldie
drehte nun richtig auf. War beim Schuss in Minute 62 abermals bei Carsten Nulle
Endstation, sorgte Thomas Reichenberger schon zwei Minuten später für
die Spielentscheidung, indem er aus sieben Metern zum 2:0 traf. Ein Tor,
das Carsten Sträßer auf seine Kappe nehmen muss, vertändelte
er doch das Leder im eigenen Strafraum ohne Not gegen Hansen, der dann
Reichenberger ins Spiel brachte. Zwar hatte eine Jenaer Mannschaft schon einmal
im Osnabrücker Stadion das Kunststück fertig gebracht, aus
einem 0:2 noch ein Remis werden zu lassen - doch die Körpersprache
nach dem zweiten Gegentreffer zeigte an, dass sich das diesmal nicht
wiederholen würde. Weshalb ein über 70 Minuten recht intensiv
geführtes Spiel die verbleibende Zeit gemächlich austrudeln
durfte.
Die Art und Weise, wie diese Niederlage zustande kam, war
eine ganz andere als eine Woche zuvor. Kein Vergleich mit dem fast
hergeschenkten Derby. Und doch gerät die Mannschaft nach einem Punkt
und null Treffern aus den letzten drei Partien in Zugzwang. Schon im nächsten
Spiel muss der Schalter wieder umgelegt werden, soll eine weitere Spielzeit in
den Tabellenregionen der Vorsaison vermieden werden. <fc>
FC Carl Zeiss Jena - FC Rot-Weiß Erfurt 0:3
Tore: 0:1 Kammlott (1.), 0:2 Semmer (40.), 0:3 Kammlott (55.)
- Jena: Nulle; Sievers, Riemer (46.Petersen), Lukimya,
Sträßer; Nagy (46. Hähnge), Truckenbrod, Ziegner, Eckardt
(68. Holwijn); Smeekes, Amirante (
, 59.)
- Erfurt: Orlishausen; Malura (

, 59.), Pohl, Möckel,
Ströhl; Cinaz, Rockenbach da Silva, Stenzel, Hauswald (84. Pinske); Semmer (64. Peßolat),
Kammlott (78. Cannizzaro)
- Zuschauer: 11.200
- Schiedsrichter: Leicher (Landshut)
- Spielbericht
- Ein paar Worte vorweg, zu den wenigen positiven Aspekten dieses Spiels:
Endlich,endlich, endlich hat es der Verein einmal geschafft, die Stadiontore mit
ausreichend Leuten zu besetzen, um einen flüssigen Einlass zu gewährleisten.
Man mag sich gar nicht ausmalen, wieviele frustrierte Zuschauer des FCC in
den letzten Monaten nicht wieder gekommen sind - nur weil der Verein die paar
Euro sparen wollte, die zusätzliche Einlasskräfte kosten? Bitte lasst es
keine Derby-Eintagsfliege sein...
Eine zweite gute Nachricht: Das Stadion war
nahezu ausverkauft, nur die Gäste hatten zu Hause irgendwie kleine Probleme
mit dem Kartenverteilen. Ja, und die Choreos kurz vor Beginn des Spiels:
die große Flagge auf der Haupttribüne und dann die Herzchen für Jena, erst
rot (WTF?!) und dann blau-gelb-weiß mit Feuer.
Beeindruckend(!) - dachten
sich wohl auch die Spieler des FCC, die sich in der ersten Minute
anscheinend auf alles andere drumherum konzentrierten, nur
nicht auf's Spiel. Der Anstoß des FCC wurde abgefangen, ein steiler Pass in
die Spitze, Abschluss von der Strafraumkante ins linke untere Eck, und nach
gefühlten drei Sekunden stand es Null-zu-Eins.
Braucht es wirklich nur ein Gegentor in der ersten Minute, um das in den
letzten Wochen vielgerühmte Wahnsinns-Jenaer Publikum komplett ruhigzustellen?
Offensichtlich. Nur die Südkurve zuckte noch in den ersten zehn Minuten,
in denen Jena sichtlich geschockt wirkte und nichts auf die Reihe kriegte.
Die Unaussprechlichen waren auch nicht wirklich gefährlich, und so plätscherte
es dahin bis zur 14. Minute, als Amirante kurz vor dem Strafraum gelegt
wurde. Ziegner trat an und schlenzte den Ball an die Querlatte... was für ein
Pech! Wenigstens war der FCC in dieser Phase gleichwertig und kam über das
Kurzpassspiel und gewonnene 1:1-Situationen auch mehrmals schnell bis
zum Strafraum der anderen. Irgendwie schienen sie aber den Ball heute
reintragen zu wollen: immer noch ein Abspiel oder Dribbling mehr aus aussichtsreicher
Position, aus der man auch einfach mal hätte draufhauen können und
müssen. Jenaer Verunsicherung wurde merklich. Je weiter die erste Halbzeit
voranschritt, desto mehr unforcierte Fehler schlichen sich in das Jenaer
Spiel ein. Kurz vor der Halbzeit verschätzte sich dann auch noch Nulle bei
einem Eckball und es stand 0:2. Auf den Tribünen machte sich Ratlosigkeit breit
- war das wirklich die gleiche Mannschaft, die bislang so begeisternden
Fußball gespielt hatte?
Es konnte nur besser werden und es wurde - bitterer. Da hatte der FCC
gleich nach der Pause eine gute Kopfballchance (der Ball landete auf dem
Tornetz), doch in der 54. Minute kam eine Bogenlampe in den Jenaer Strafraum
hereingesegelt, die ewig in der Luft war und trotzdem nach Direktabnahme
im Jenaer Tor landete. Wenn der Torschütze demnächst im Training versucht,
dieses Tor nachzustellen, wird er von 100 Versuchen wahrscheinlich 99 nicht
treffen...aber im Spiel ging er halt rein, und damit war die Luft vollständig raus.
Was danach passierte, war haarsträubend.
Es ist nicht unüblich, dass Mannschaften sich bei einem Rückstand von 0:3
nach 55 Minuten mitunter hängenlassen (wobei meine ganz persönliche Meinung
dazu ist, dass das dann auch keine Mannschaft ist). Aber dass so absolut gar
nichts mehr ging, dass einfachste Bälle zum Gegner gespielt, wirklich sinnlose
Dribblings angesetzt und Laufwege einfach abgebrochen wurden, macht
nachdenklich. Die erste Chance für den FCC gab es erst wieder in der 71.
(Hähnge vergibt aussichtsreich), dann nochmal eine kleine in der 75. Auf
der Gegenseite konnten wir uns bei Nulle bedanken, dass es am Ende nicht 0:5
stand - und zwar nicht, weil der Landeshauptstadtclub überragenden Fußball
gespielt hätte.
Einen "positiven" Aspekt hat die Sache am Ende doch noch: Dieses ganze
Geklapse mit angekündigtem Moonwalk, "Wir steigen auf"-Gesängen und 100:0-Fahnen
gehört erst mal wieder der Vergangenheit an. Die Chance besteht, dass die
Jenaer Spieler am Sonntag begriffen haben, dass sich Spiele gegen Mannschaften,
die unten stehen, nicht von selbst gewinnen. <ragnar>
Derby-Fotos von Jens Weißenburger
Bericht auf der Erfurter Homepage
FC Erzgebirge Aue - FC Carl Zeiss Jena 0:0
- Aue: Männel; Klingbeil, le Beau, Paulus, Schaffrath;
Cimen (68. Gambo), Stark, Müller (72. Klotz); Curri, Braham, Ramaj (90.
Hiemer)
- Jena: Nulle; Sievers, Riemer, Petersen, Sträßer;
Nagy, Truckenbrod, Ziegner, Orlando; Hähnge, Amirante (87. Eckardt)
- Zuschauer: 11.400
- Schiedsrichter: Dr. Fleischer (Sigmertshausen)
- Spielbericht
- 5:1, 5:0, 5:0. In den vergangenen drei Jahren ist der FCC im
Erzgebirgsstadion regelrecht vermöbelt worden. Bekanntlich hat der
Optimist keine Ahnung von den freudigen Überraschungen, die ein
Pessimist erlebt. Trotzdem fuhren wir diesmal mit einem besseren Gefühl
nach Aue und weigerten uns von vornherein, an eine Fortsetzung dieser schwarzen
Serie zu glauben. Dafür hatte die neue Jenaer Mannschaft in den ersten
Wochen der noch jungen Saison schon zu viel an Potential offenbart.
Entgegen seiner Ankündigung hatte René van Eck im
Vergleich zum letzten Spiel eine Änderung vorgenommen. Rene Eckardt
blieb trotz ansprechender Leistung gegen Bayerns Zweite erst mal wieder auf der
Bank, wohingegen Sebastian Hähnge zu seiner Premiere in der Startelf
kam. Waren es die besseren Trainingsleistungen, die dafür den
Ausschlag gaben ? Fürchtet van Eck, den Youngster zu schnell zu
verheizen ? Oder will er Jenas Offensivtaktik ein Stück weit
unberechenbarer für die Ligakonkurrenz gestalten ? Wie auch immer -
Smeekes, der am liebsten nur Orlando genannt werden möchte, rückte
aus dem Zentrum auf die Außenposition. Von da, nur in der anderen Hälfte,
kamen auch die meisten Bälle in den ersten zwanzig Minuten. Eckball um
Eckball holten die Gastgeber während ihrer Anfangssoffensive heraus.
Den ersten richtigen Torschuss gabs dennoch von einem Jenaer. Salvarore
Amirante prüfte Martin Männel nach achtzehn Minuten. Darüber
hinaus tat sich allerdings vor der Pause nicht viel an Offensivgeschehen
seitens der Thüringer. Dazu fehlte es im Mittelfeld an einem
Gestalter, der die Bälle verteilte oder einfach mal länger in
den eigenen Reihen hielt. Hähnge und Amirante hatten es schwer mit
ihren Gegenspielern. Und Orlando ? Zeigte auf rechtsaußen mehrmals
technische Kabinettstückchen, doch in echte Torgefahr mündeten
die meist nicht, sodass sich die Umstellung alles in allem nicht bezahlt
machte. Ein einziges Mal brachte er vor der Pause nach energischem Sprint eine
Eingabe vors Tor, doch die fing Männel vor dem einschussbereiten
Amirante weg.
Erfreulich hingegen, dass Jenas Viererkette auch ohne Lanzaat
lange Zeit nichts zuließ. Da konnten Curri und Ramaj rochieren, wie
sie wollten - sowohl Sievers wie auch Sträßer ließen
sie nicht zu Entfaltung kommen. Auch die 7:0 Ecken der Veilchen in Hälfte
eins bereiteten Nulle und seinen Vorderleuten keine Probleme. Lediglich in den
letzten drei Minuten vor dem Pausenpfiff schlich sich kurzzeitig mal etwas
Sorglosigkeit ins Jenaer Abwehrzentrum. Denn dass ausgerechnet der Kleinste auf
dem Platz, Skerdilaid Curri, nur um wenige Zentimeter an einem Kopfballtor
vorbeischrammt, darf eigentlich nicht
passieren. Und was war in Minute 44 los ? Bei Müllers Heber in den
Strafraum rannten gleich zwei Weiße mit Ramaj mit, wodurch sich
Braham zentral in 13 Metern
Torentfernung seelenruhig auf seinen Torschuss vorbereiten konnte. Doch vergeht
kein Spiel ohne eine Heldentat von Carsten Nulle ! Jenas Keeper entschärfte
Brahams Schuss mit toller Reaktion. Der Halbzeitpfiff kam den Jenaern nicht
ungelegen.
Mit Beginn der zweiten Hälfte hatte sich Jenas
Hintermannschaft wieder formiert. Aue zunächst wieder leicht feldüberlegen,
ohne groß zu Tormöglichkeiten zu gelangen. Ramajs Schlenzer
Richtung Dreiangel fing Nulle noch in dessen Steigphase (57.). Die optische Überlegenheit
auf Seiten der Gastgeber verschwand dann nach etwa einer Stunde Spielzeit. Erst
jetzt fiel auf, dass mit Kos auch bei den Erzgebirglern der Abwehrchef fehlte
und deren Hintermannschaft nicht unüberwindbar ist. Als Orlando seinen
Gegenspieler ins Leere rutschen ließ, die flache Hereingabe nur
unkontrolliert nach vorn abgewehrt werden konnte, kam Jens Truckenbrod aus fünfzehn
Metern zum Torschuss. Wie gern hätten wir DEN ankommen sehen ! Doch
Paulus warf sich hinein, bescherte Jena damit nach 61 Minuten wenigstens noch
die erste Ecke, welche aber wie generell alle Standards an diesem Tag nichts
einbrachte. Die hohen Temperaturen sollten in der Schlussphase bei beiden
Mannschaften ihren Tribut fordern. Das Wort Sommerfußball machte nun
die Runde. Van Eck schien dennoch nicht unzufrieden,
tätigte seinen ersten Wechsel erst drei Minuten vor
Schluss und dies aus Verletzungsgründen. Dass auch Trainerkollege
Schmitt in der 90. Minuten noch einen neuen Mann auflaufen ließ, lässt
den Schluss zu, dass mit dem unentschiedenen Spielausgang am Ende alle recht
zufrieden waren. Die Gastgeber hatten dem Spitzenreiter einen Punkt abgerungen,
der FCC bereitete seiner schwarzen Serie im Erzgebirgsstadion endlich ein Ende.
Zwar ist die Tabellenführung damit schon wieder
passé, doch ist der FC Carl Zeiss Jena auch nach dem Auer Auswärtsspiel noch ungeschlagen in dieser Saison.
Und das ist schließlich auch schon etwas wert. <fc>
FC Carl Zeiss Jena - FC Bayern München II 6:0
Tore: 1:0 Eckardt (8.), 2:0 Smeekes (28.), 3:0 Amirante (48.), 4:0 Amirante (62.), 5:0 Amirante (64.), 6:0 Amirante (76.)
- Jena: Nulle; Sievers, Riemer, Lanzaat (23. Petersen),
Sträßer; Nagy, Truckenbrod, Ziegner, Eckardt; Smeekes (68.
Hähnge), Amirante (77. Benyamina)
- München: Kraft; Schütz, Lell
(
, 38.), Saba (56. Kopplin), Contento;
Erb, Rieß, Görlitz, Schürf (53. Yilmaz); Sikorski, Sene (43. Duhnke)
- Zuschauer: 8346
- Schiedsrichter: Gorniak (Bremen)
- Spielbericht
- Vor dem Spiel bestimmten noch Sorgen die Gedanken der
meisten Zuschauer, an die sich nach dem Spiel kaum noch jemand erinnerte. Wie
wird die Mannschaft die befürchteten Ausfälle von Carsten Sträßer
und Ralf Schmidt verkraften können? Wie kommt der FCC mit den
bundesligaerfahrenen Christian Lell und Andreas Görlitz zurecht? Wird
die zweite Garde des großen FC Bayern am dritten Spieltag ihr
zweifellos vorhandenes Potential zeigen, nachdem man eher schwach in die Saison
gestartet war?
Zumindest einer der Fragen löst sich noch vor dem
Anpfiff in Wohlgefallen auf, denn Carsten Sträßer stand in
der Startformation. Der Abwehrspieler ist mitverantwortlich für den
derzeitigen Erfolg des FCC und wird von vielen aufgrund seiner in der letzten
Saison oft gut versteckten Souveränität mit einem
Augenzwinkern als "Neuzugang" bezeichnet, entsprechend groß war die
Erleichterung bei der Lektüre seines Namens in der Startaufstellung. Die
Elf des gut in die Saison gestarteten FCC begann das Spiel auch gleich druckvoll
und schon die ersten Minuten ließen keinen Zweifel daran aufkommen,
wer heute der Herr im Haus sein wollte. Die erste Ecke des Spiels erhielten
trotzdem die Bayern, aber mehr als ein schneller Gegenstoß über
den starken Sievers sprang dabei nicht heraus. Dieser Konter war es, den Timo
Nagy mit einem herrlichen Pass auf Salvatore Amirante fortsetzte. Der Italiener
stand plötzlich vor Kraft im Tor des FCB und wollte den Ball in der
langen Ecke unterbringen, hatte dabei aber die Reflexe des Schlussmanns der
Bayern unterschätzt. Festhalten konnte er den scharfen Schuss aus
kurzer Distanz allerdings nicht, der mitgelaufene René Eckardt schaltete am
Schnellsten und konnte den Ball unbedrängt aus kurzer Distanz im Tor
unterbringen - 1:0 für den FCC nach nur acht Minuten! Die erfahrenen
Spieler der Bayern, namentlich Görlitz und Lell, sahen beim
vorhergehenden Zusammenspiel von Nagy und Amirante alles andere als gut aus und
verloren schon nach diesen wenigen Minuten einen Teil des von ihren Namen
ausgehenden Glanzes.
Die Gäste aus München zeigten sich aber
keineswegs geschockt vom frühen Rückstand, stattdessen bemühten
sie sich von nun an intensiv um den Ausgleich. Nur fünf Minuten nach
der Führung war es Carsten Nulle, der gegen den in dieser Phase
starken Sikorski klären musste. Der war nach einem Missverständnis
in der Jenaer Hintermannschaft plötzlich frei vor Nulle aufgetaucht
und scheiterte nur an der blitzschnellen Reaktion des auch heute sicheren Rückhalts.
Im Gegenzug hat Eckardt das 2:0 auf dem Fuß, nachdem er mit einem
herrlichen langen Ball von Nagy freigespielt wurde. Sein Ball geht aber leider
nicht nur an Torhüter Kraft vorbei, sondern auch am Tor. Für
die nächsten Minuten sollte dieser Gegenstoß das letzte
Lebenszeichen des FCC sein, von nun an drückten die Bayern. Dabei war
es immer wieder Marco Riemer, der in der Abwehr nicht überzeugen
konnte. In der 16. Minute profitiert er allein von der Fairness des Münchner
Stürmers Sikorski, der sich trotz leichtem Trikotzupfer aufrafft und
sich nicht fallen lässt, anderenfalls hätte man diese
Situation wohl als Notbremse werten müssen. So stand Sikorski zwar
allein vor dem Jenaer Gehäuse, aber dieses wurde ja von Carsten Nulle
bewacht - und dieser reagierte erneut glänzend. Auch wenn man sich
mittlerweile schon fast daran gewöhnt hat, mit Nulle einen extrem
sicheren Rückhalt zu haben - was dieser Mann Woche für Woche
für Bälle hält, ist aller Ehren wert. Völlig
zu Recht wurde "Wild Thing" auch vor dem Spiel als Spieler der letzten Saison
ausgezeichnet, denn ohne ihn hätte der FCC die Klasse wohl kaum
gehalten. Richtig ernste Mienen konnte man nur kurz darauf erblicken, denn
offenbar hatte sich Abwehrchef Quido Lanzaat ohne Fremdeinwirkung verletzt und
drängte auf seine Auswechslung, die nach 23 Spielminuten vollzogen
werden musste. Nicht wenige fürchteten nun den baldigen Ausgleich oder
zumindest massive Probleme mit den schnellen und ballsicheren Angreifern der
Bayern für die umgestellte Innenverteidigung. Genau in diese Phase des
größten Drucks der Bayern stürmt aber erneut
Orlando Smeekes hinein und spielte sich endgültig in die Herzen der
Fans. Nach einer kampfgeprägten Balleroberung des Hachinger Neuzugangs
Nagy hat Orlando nur noch Lell und das Tor vor sich. In seiner gewohnten,
unheimlich schnellen Art stürmt er auf Lell zu, schlägt noch
einen Haken und streichelt den Ball dann mit der Innenseite an den kurzen
Pfosten - von dem das Leder den erstrebenswertesten Weg wählt, nämlich
den ins Tor von Jenas Gegnern! Das 2:0 in der 28. Minuten fiel sprichwörtlich
genau zum richtigen Zeitpunkt, denn es setzte einen Schlussstrich unter eine
Phase gefährlicher Angriffe der Gäste, die immer wieder nur
vom Jenaer Schlussmann aufgehalten werden konnten. Auch in der Folge überforderte
der Mann von den niederländischen Antillen, der nun bereits vier Tore
in drei Spielen erzielt hat, seinen Gegenspieler Lell immer wieder mit seiner
Schnelligkeit. Zehn Minuten nach dem 2:0 wurde die Sprintstärke dem Münchner
endgültig zum Verhängnis, als ihn Orlando einmal mehr
regelrecht überlaufen konnte und von Lell nur noch per Foul zu stoppen
war. Da Lell zu diesem Zeitpunkt letzter Mann war und Smeekes freie Bahn aufs
Tor gehabt hätte, war die Entscheidung des unauffälligen
Schiedsrichters Gorniak durchaus nachvollziehbar - Rote Karte wegen Notbremse
und Freistoß für den FCC, denn der Bremer Unparteiische
hatte das Foul außerhalb des Strafraums gesehen. Auch wenn der
Freistoß und die folgenden Minuten vor der Halbzeit nichts
einbrachten, so hatte sich der FCC doch eine hervorragende Ausgangslage für
den zweiten Durchgang geschaffen. Doch trotz der Zwei-Tore-Führung und
der Jenaer Überzahl erwarteten viele eine spannende zweite Hälfte,
in der den Bayern im Falle eines schnellen Anschlusstreffers durchaus noch
Chancen eingeräumt wurden.
Derartige Sorgen und Ängste lösten sich
aber schon kurz nach dem Wiederanpfiff auf, denn die 8346 Zuschauer im Ernst
Abbe Sportfeld sahen einen FC Carl Zeiss Jena, der weiterhin mit voller
Konzentration zu Werke ging. Das aus der Führung und dem Spielverlauf
resultierende Selbstvertrauen sorgte außerdem dafür, dass
Flanken und Pässe scheinbar präziser ankamen und
leichtfertiger von der Hand gingen als in anderen Spielen. Nur drei Minuten
nach Wiederanpfiff war es dann auch schon so weit, dass auch die letzten
Zweifler vom Optimismus übermannt wurden, denn nach einer präzisen
Flanke des starken René Eckardt auf den Kopf von Salvatore Amirante dürfte
die Halbzeitansprache von Gästetrainer Mehmet Scholl bereits hinfällig
gewesen sein. Der Italiener stieg als einziger im Strafraum hoch zum Kopfball,
begleitet nur von den ungläubigen Blicken seines Gegenspielers. Der
musste mit ansehen, wie der wuchtige Kopfball unhaltbar für Kraft im
Netz landete und das Spiel faktisch entschieden war. Anders als nach dem 1:0
war nun auch ein gewisser Schockzustand bei den Bayern zu erkennen, die mit
einer derart druckvollen Offensive seitens der Jenaer offenbar nicht gerechnet
hatten. Nach einer guten Chance für den unauffälligen, aber
ebenfalls überzeugenden Truckenbrod in der 59. Minute war es nach
knapp über einer Stunde erneut Amirante, der einen Eckball von Nagy
per Kopf über die Linie bugsierte. Wieder fühlte sich keiner
der Bayern so richtig zuständig, erneut war gegen den starken Kopfball
aus kurzer Distanz nichts zu machen - 4:0 für den FC Carl Zeiss Jena!
Schon jetzt fragten sich einige, wann sie derartiges zuletzt erlebt hatten,
nicht ahnend, was die folgenden Minuten noch bringen würden. Der FCC
hatte nämlich noch lange nicht genug und spielte weiter attraktiven
Offensivfußball. Nur zwei Minuten später hatte sich Smeekes
auf links einmal mehr aller Gegenspieler entledigt und spielte dann einen
perfekten Pass in den Lauf des Doppeltorschützen Amirante, der den
Ball aus fünf Metern nur noch über die Linie schieben musste
und damit das 5:0 sowie seinen Hattrick vollendete! Nach 68 Spielminuten gönnt
Jena-Trainer René van Eck dem neuen Publikumsliebling und Torschützen
des Monats Orlando Smeekes nach einer weiteren starken Partie seinen verdienten
Applaus. Von stehenden Ovationen begleitet verlässt der Shooting-Star
den Platz, für ihn kommt Sebastian Hähnge. Der Eingewechselte
fügt sich sofort gut in das Spiel der Blau-Gelb-Weißen ein
und hat nur Minuten nach seiner Einwechslung das 6:0 auf dem Fuß, als
ihm Truckenbrod den Ball überlegt in den Lauf lupft. In dieser
Situation konnte sich allerdings zunächst der Münchner Torhüter
Kraft auszeichnen, als er den scharfen Schuss Hähnges pariert. Doch
das sollte am heutigen Tag nicht ausreichen, denn Hähnge setzt nach,
holt sich den Abpraller und flankt den Ball erneut butterweich auf den langen
Pfosten. Dort wartet, wie könnte es anders sein, Salvatore Amirante
und hat erneut keine Mühe, den Ball im Tor unterzubringen - 6:0 nach
76 Spielminuten, vier Tore von Amirante innerhalb von nicht einmal einer halben
Stunde, ungläubiges Staunen mischt sich in den unbändigen
Jubel im weiten Rund des Ernst Abbe Sportfelds.
Das halbe Dutzend war voll und die Jenaer Spieler ließen
es dabei bewenden, die folgenden fünfzehn Minuten waren mehr Schaulaufen
als ernsthafter Fußball und die Bayern hatten sich längst
mit der demütigenden Realität abgefunden. Gegenwehr wäre
bei diesem Spielstand ohnehin zwecklos gewesen und so konnten die leidgeprüften
Anhänger des FCC endlich mal wieder eine Schlussviertelstunde ohne
Angst vor späten Gegentoren oder in der Hoffnung auf ein dringend benötigtes
Jenaer Tor verbringen, stattdessen wurde der in dieser Form von niemandem
erwartete Sieg ausgiebig gefeiert. Neben dem Ergebnis gefiel vor allem die
Tatsache, dass neben dem beinahe unheimlich schnellen Orlando Smeekes auch die
beiden Außen Sievers und Nagy überzeugen konnten und Jena über
weite Strecken des Spiels sehr sehenswerten und dynamischen Offensivfußball
zeigte. Auch in Anbetracht eines bestimmten Ergebnisses vom Samstag bildete das
6:0 den perfekten Abschluss eines paradiesischen Wochenendes, das so schnell
keiner der anwesenden Jena-Fans wieder vergessen wird. Nun muss der neue
Spitzenreiter der Dritten Liga in Aue nachlegen bevor am kommenden Wochenende
ein ganz spezieller Gast im Ernst Abbe Sportfeld erwartet wird. Sollten Orlando
Smeekes & Co. auch dann wieder einen ähnlichen Auftritt wie in den
bisherigen Saisonspielen hinlegen, dürfte der Jubel selbst die
heutigen Freudenschreie noch einmal deutlich übertönen. Bis
es so weit sein kann, liegen aber noch zwei mal 90 Minuten vor der Mannschaft
von René van Eck - zumindest das nötige Selbstvertrauen für
die erfolgreiche Gestaltung der beiden Ostderbys sollte spätestens
nach dem heutigen Spiel vorhanden sein. <bh>
SV Sandhausen - FC Carl Zeiss Jena 2:2
Tore: 1:0 Schuon (9.), 1:1 Smeekes (19.), 1:2 Riemer (32.), 2:2 Pinto (90., FE)
- Sandhausen: Gurski; Bindnagel, Schuon, Eberlein, Mintzel; Pinto,
Hillenbrand, Jungwirth (66. Fischer), Schauerte (77. Hosiner); Ristic (23.
Öztürk, Dorn
- Jena: Nulle; Sträßer, Lanzaat, Riemer, R. Schmidt;
Sievers (60. Hähnge), Truckenbrod, Ziegner, Nagy; Smeekes (88.
Petersen), Amirante (81. Benyamina)
- Zuschauer: 3150
- Schiedsrichter: Kempter (Sauldorf)
- Spielbericht
- Gleiches
Ergebnis - unterschiedliche Gefühle. Wo vor zwei Monaten 3.500 verzückte
Zeissfans ob des Klassenerhalts den Sandhäuser Rasen stürmten, herrschte
diesmal betretenes Schweigen unter beachtlichen gut 500 mitgereisten
Blau-gelb-weißen. Die meisten unter ihnen wären vor dem Spiel wohl mit einem
Zähler zufrieden gewesen, doch nach diesem Spielverlauf musste man einfach
hadern. Mit einer späten und nicht nachvollziehbaren Spielentscheidung durch
Referee Kempter, und mit dem Auslassen unzähliger
Möglichkeiten zur Vorentscheidung durch die eigene Elf.
Dass
dieses Spiel ein ganz intensives werden sollte, deutete sich schon nach wenigen
Minuten an. Riemers und Smeekes' gefährlichen
Toraktionen folgte auf der Gegenseite nach 8 Minuten die Führung der Gastgeber.
Ralf Schmidt hatte einen unnötigen Eckball verursacht - nicht der einzige
Fehler des sich nach dem Wechsel steigernden Studenten in den ersten 45 Minuten
- und Sandhausens bulliger Neuzugang Schuon köpfte
das Leder kompromisslos wuchtig zur frühen Führung ins Netz. Und die Gastgeber
drängten weiter mit schön anzusehendem Kombinationsfußball, waren durch das nur
schwer zu bändigende bundesligaerfahrene Sturmduo Ristic/Dorn stets
kreuzgefährlich. Doch anders als im Mai behielt Jena die Ordnung und schlug
zurück. Sträßer und Sievers kämpften im Duett
Mintzel den Ball im eigenen Strafraum ab,
Sträßers weiter gefühlvoller Ball erreichte zur
Überraschung von Sandhausens Hintermannschaft Orlando Smeekes,
der dem verdutzten Gurski das Leder in die Maschen
servierte (19.). 1:1! Und Jena machte weiter. Nur zwei Minuten später die
nächste Riesenchance für den Holländer nach tollem Diagonalpass von Sievers,
doch der Hammer zischt knapp am Tor vorbei. Eine Minute drauf hatte Nagy dann
die Führung auf dem Fuß, als er eine schöne Kombination zu harmlos abschloss.
Jena war im Spiel, und bald begann auch der Tag des Marco Riemer freundlichere
Züge anzunehmen. Zunächst erlöste ihn die verletzungsbedingte Auswechslung
Ristics von diesem unangenehmen, einen Kopf größeren Gegenspieler. Dann durfte
sich der Apoldaer sogar in die Torschützenliste
eintragen, als er nach Amirantes artistischer
Fallrückziehervorlage aus Nahdistanz zur verdienten Führung nach 33 Minuten
abstaubte.
Von
Sandhausen kam bis zum Wechsel nichts mehr, und dennoch hatten 3.500 Zuschauer
ein packendes und völlig offen geführtes Spiel gesehen. Glaubten sie zumindest,
denn nach dem Pausentee ging es erst richtig los. Bindnagel eröffnete das
Offensivfestival mit einem Knallbonbon knapp am rechten Pfosten vorbei (48.).
Smeekes antwortete mit Zuckerpass auf Sievers, der sich
völlig freistehend vor Gurski den Ball etwas zu weit
vorlegte (49.). Minuten später zwei dicke Patzer von Riemer, die die Gastgeber
nicht zu nutzen verstehen. Jungwirth zieht nach 56 Minuten ab und zwingt Nulle
zu einer Glanzparade. Dann kommt Nagy über die rechte Seite, doch seine
Hereingabe auf den blank stehenden Amirante misslingt (59.). Es war eine der
wenigen Offensivaktionen Nagys, der sich nach vorn wenig zutraute. Ausgewechselt
wurde nach einer Stunde aber sein Flügel-Gegenüber Sievers, bei dem sich
gelungene Offensivakzente mit schlampigem Defensivverhalten abwechselten.
Sebastian Hähnge kam ins Spiel und legte Sekunden
später gleich gekonnt per Kopf auf Amirante auf, Gurski
klärt. Wiederum Sekunden später umkurvt Hähne den Sandhäuser Keeper, ist
eigentlich schon vorbei und der Ball gefühlt auf dem Weg ins Tor, doch
irgendwie kommt Gurski doch noch einmal ans Leder
(61.). Eine Minute darauf darf Smeekes die nächste
hundertprozentige Torchance versieben, allein rechts vor dem Kasten entscheidet
er sich gegen den Pass auf den mitlaufenden Amirante und für den Flachschuss,
den Gurski mit Fußbabwehr
pariert. Wahnsinn! Quasi im Gegenzug rettet Lanzaat
vor dem einschussbereiten Pinto (62.). 63. Minute, ein Schuss Sandhausens aus
dem Hinterhalt wird unfreiwillig von Hillenbrand abgefälscht und trudelt an den
Pfosten! Vier Minuten später dann wieder dann wieder Bindnagel mit
Volleyschuss, Nulle pariert.
Sandhausen ging nun noch mehr auf Risiko und
drückte die Thüringer, bei denen die ordnende Hand im Mittelfeld vermisst
wurde, mehr und mehr in die eigene Hälfte, in der sich Carsten
Sträßer mit einer tadellosen Leistung Bestnoten verdiente.
Einen Entlastungsangriff über die rechte Seite kann der bisweilen selbst
auffällig fallsüchtige Mintzel nur mittels einer
Mischung aus grobem und taktischem Foul an Smeekes an
der Torauslinie verhindern, ohne dafür den Karton zu sehen. In
Ziegners frechen Freistoß spritzt Amirante, und als der Ball
hinter dem Keeper die Torlinie entlang zischt, ist wieder einmal
Haareraufen im Gästeblock angesagt. Mehr noch als
Smeekes nach 80 Minuten die nächste Hundertprozentige
vergibt, allein vor Gurski diesen nicht überwinden
kann. So kam das, was kommen musste. Sandhausen verlegte sich auf das
Erarbeiten von Freistößen, von deren Berechtigung nur wenige im Gästeblock
überzeugt waren, und so stand Carsten Nulle mehr und mehr im Mittelpunkt,
rettete mehrmals großartig. Machtlos war er jedoch, als Robert
Kempter - wie Sandhausen in Baden-Württemberg beheimatet -
in der Schlussminute auf den Elfmeterpunkt zeigte, ein Foulspiel Riemers an
Dorn gesehen haben wollte. Roberto Pinto ließ sich das späte Geschenk nicht
entgehen und schickte die Zuschauer mit dem gleichen Ergebnis nach Hause wie
vor zwei Monaten.
Diesmal bleibt für den FCC zu konstatieren, zwei Zähler
verschenkt zu haben, und das in erster Linie wegen der sträflich ausgelassenen
Großchancen im zweiten Abschnitt. Auf der Leistung der Mannschaft aber darf aufgebaut
werden, und diesen positiven Eindruck nahm Jenas Anhang mit auf die 400
Kilometer lange Heimreise. <gunner>
FC Carl Zeiss Jena - SV Wehen Wiesbaden 2:1
Tore: 1:0 Smeekes (50.), 2:0 Smeekes (56.), 2:1 Bohl (74.)
- Jena: Nulle; Sträßer, Lanzaat, Riemer, R. Schmidt;
Sievers, Ziegner, Truckenbrod, Nagy (87. Petersen); Smeekes (90.+1
Eckardt), Amirante
- Wehen: Birkenbach; Hollmann, Barg, Glibo, Weigelt; Bohl, Reinert
(61. Ziegenbein), Hübner, Öztürk (72. Landeka); Boskovic,
Stroh-Engel (58. Ziemer)
- Zuschauer: 7713
- Schiedsrichter: Dr. Brych (München)
- Spielbericht
- Gemeinhin gilt es als Vorteil, gegen Absteiger aus der 2.
Bundesliga gleich am Anfang einer Saison antreten zu dürfen. Deren
personelle Fluktuation ist meist recht hoch, der neuformierte Kader muss sich
erst einspielen. Im Gegensatz zu den beiden anderen Absteigern blieb dem SV
Wehen aber die große Abgangswelle erspart. Und so versprach der 1.
Spieltag gleich eine Standortbestimmung für den FC Carl Zeiss zu
werden.
Erstmals seit 2003 durfte die Punktspielsaison mal wieder
mit einem Heimspiel eingeläutet werden. Wenn dabei trotz Aprilwetters
7713 Zuschauer ins Ernst-Abbe-Sportfeld kommen, zeugt das ungeachtet der
miserablen letzten Saison von einer deutlichen Erwartungshaltung. Sebastian Hähnge
saß mit auf der Tribüne. Schon einen Tag vor dem Match hatte seine linke
Wade zu zwicken begonnen, am Spieltag selbst war dann nicht einmal mehr ein
Kurzeinsatz möglich. Sollte es deshalb ein schnelles Revival der
Ein-Stürmer-Taktik von René van Eck geben ? Nein, denn der Rückkehrer
auf den Trainerstuhl beorderte Orlando Smeekes auf die zweite Angriffsposition.
Da Jan-André Sievers in die Startelf nachrückte, war diese mit allen fünf
Neuzugängen besetzt.
Verteiltes Spiel zu Beginn. Ein Kopfball im Anschluss an
Wehens zweite Ecke wurde am kurzen Pfosten abgefangen, den Spurt von Reinert in
den Strafraum stoppte Sträßer. Auf der anderen Seite war es
Salvatore Amirante, der mit einem Kopfball aus sechs Metern Birkenbach prüfte
und mit einem 19-Meter-Flachschuss knapp verzog.
All das waren Szenen aus den ersten 20 Minuten, danach
dominierten die Abwehrreihen und weitere nennenswerte Aktionen vor der Pause
blieben rar. Einzig Timo Nagy aus guter Schussposition in zwanzig Metern
Torentfernung forderte nach 35 Minuten noch einmal den Beifall heraus. So sehr
man sich über die stabile Viererkette mit dem neuen Abwehrchef Lanzaat
und dem wie ausgewechselt wirkenden Sträßer freuen durfte -
beim Offensivspiel blieb zunächst noch viel Luft nach oben.
Van Eck hatte seiner Mannschaft in der Kabine mehr Risiko
verordnet und diese setzte das gleich mit Wiederanpfiff um. Bälle, die
während der ersten 45 Minuten noch als Querpass gespielt worden waren,
flogen nun steil ins Angriffszentrum. Es war Salvatore Amirante, der von der
Mittellinie aus seinen Sturmpartner Orlando Smeekes mit einem Diagonalpass auf
die Reise schickte. Diese Reise führte um einen Gegenspieler herum,
zwischen zwei Verteidigern hindurch direkt zu Torhüter Birkenbach, an
dem vorbei Smeekes das Leder ins lange Eck schob. 1:0 - Zeit für den
ersten Torjubel der neuen Saison mit einem Flickflack, wie man ihn im
Ernst-Abbe-Sportfeld so wohl noch nie gesehen hat. Miroslav Kloses berühmte
Überschläge in der Nationalmannschaft wirken geradezu
armselig gegen jene eines Orlando
Smeekes beim FC Carl Zeiss Jena ! Auch wenn dessen artistische Brillanz nicht
von ungefähr kommt, war er in seiner Jugend doch dreimal holländischer
Meister im Turn-Mehrkampf, bevor er sich für die fußballerische
Laufbahn entschied. Eine gute Entscheidung, wie uns nur sechs Minuten später
ein weiteres Mal klar werden sollte. Da trat Smeekes in 35 Metern Torentfernung
zum Freistoß an. Für eine direkte Ausführung noch
viel zu weit vom Kasten entfernt, dachten die meisten. Doch der Nationalspieler der
niederländischen Antillen schoss direkt durch die Drei-Mann-Mauer der
Wehener hindurch ins linke untere Eck. Welch ein (P)fund !
Während wir Beobachter noch ganz fasziniert waren
von den gleichsam schönen und doch auf so unterschiedliche Weise
zustande gekommenen Treffern unseres Orlando, setzten die Gäste mit
dem Mute der Verzweiflung zur Aufholjagd an. Diese hatten sie in der
Vorbereitung bereits gegen Koblenz und Saarbrücken mit Erfolg
praktiziert. Boskovic mit Schuss ans Außennetz sowie die frisch
eingewechselten Ziemer und Ziegenbein zeigten an, dass dieses Mahl mit
den zwei Toren noch lange nicht gegessen war. Und tatsächlich, in der
74. Spielminute traf Bohl unhaltbar per Kopf zum Anschlusstreffer. Eine
Viertelstunde war danach noch zu spielen. 15 Minuten, die besonders der aus
Kaiserlautern gekommene Marcel Ziemer mit mehreren Chancen zur Zitterpartie für
alle Blau-Gelb-Weißen werden ließ. Bei Ziemers
Aufsetzerkopfball sechs Minuten vor Schluss rührte selbst Geburtskind
Carsten Nulle (Glückwunsch zum 34. !) keinen Finger mehr - doch das
Leder klatschte nur an die Werbebande hinter dem Tor. In der 89. kam Nulle an
einen Eckball nicht heran, dafür stand Sträßer
goldrichtig und konnte an der Torraumgrenze per Kopf klären. Mit
tollen Einzelaktionen hatte einer aus der Mannschaft den Vorsprung heraus geschossen
- alle elf zusammen sorgten nun dafür, dass aus ihm drei Punkte wurden.
Auch wenn in der letzten halben Stunde das Geschehen etwas
aus der Hand gegeben worden war - mit dem Sieg gegen Wehen hat die neue Jenaer
Mannschaft schon mal einen ersten Fingerzeig erhalten, dass auch gegen
Staffelfavoriten etwas gehen kann. Orlando Smeekes, der in seiner Freizeit auch
noch Thai-Boxen betreibt, will übrigens trotz seiner Erfolgserlebnisse
im Sturm so schnell wie möglich auf die Außenbahn zurück.
Nur da kann er seine Sprintschnelligkeit mit (wie man hört) 11,3
Sekunden über 100 Meter und die Stärken im eins gegen eins
voll zur Geltung bringen. Scheint so, als könnten wir uns auf die
Saison mit ihm freuen. <fc>
Fotos von Jens Weißenburger
Spielbericht auf svwehen-wiesbaden.de
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Anfangs sah es ganz und gar nicht nach einer Fortsetzung der
kleinen Siegesserie aus. Braunschweig kam schon nach drei Minuten zu seiner
ersten Gelegenheit, die ihr Torschütze vom Dienst, Dennis Kruppke
gegen Nagy und Nulle vergab. So ähnlich hatte es für die
Jenaer gegen Kiel auch begonnen, nur mit dem Unterschied, dass sie diesmal nicht ungeschoren über
die (Anfangs-)Runden kommen sollten. Nach Kruppkes Freistoß von der rechten Außenlinie
stieg Fait-Florian Banser an der Torraumlinie am höchsten und ließ
unserem Keeper keine Chance zum Reagieren. 0:1, eine verdiente Führung,
weil die Eintracht besser ins Spiel gekommen war und die Mehrheit der Zweikämpfe
für sich entschied. Gegen ihr konsequentes Pressing bis in die Jenaer
Hälfte hinein fand der FCC zunächst kein Rezept. Erschwerend
kam hinzu, dass sich zwischen den beiden defensiven Mittelfeldspielern und den
Offensiven davor eine ungewohnte Lücke auftat, die den Aufbau geordneter
Angriffsaktionen massiv erschwerte. Infolgedessen hatte sich der Ausgleich
nach einer halben Stunde nicht unbedingt abgezeichnet, ein schönes Tor
war es trotzdem. Soufian Benyamina bekam den Ball von Ralf Schmidt in den
Strafraum serviert und lupfte ihn mit rechts über Torhüter
Petkovic hinweg in die lange Ecke. Jenas erster Treffer mit dem ersten
Torschuss - effizienter geht's nicht.
Als wenn es eines solchen Weckrufes bedurft hätte,
drehten die Jenaer nun richtig auf. 36. Minute, der starke Gardawski spielt
Orlando an. Dem wirft man vielleicht nicht zu Unrecht vor, gern mal zu
eigensinnig ohne Blick für den Nebenmann zu agieren. Nicht so aber in
dieser Szene. In einer Position, aus der er selbst hätte den Abschluss
suchen können, übersah er den noch besser postierten
Sebastian Hähnge nicht. Jenas Stürmer schoss sofort, Petkovic
war geschlagen, doch der rechte Pfosten verhinderte die Jenaer Führung
zu diesem Zeitpunkt. Keine vier Minuten später
gibt es den ersten Eckball des Spiels. Petkovic faustet ihn aus dem Strafraum,
von wo aus aber wieder Orlando loszieht. Dessen Flanke von der rechten Seite
fliegt hinüber in die linke Strafraumhälfte, wird von Michael
Gardawski volley genommen und aus sieben, acht Metern direkt ins Netz befördert.
2:1, das Stadion tobt. Gar nicht auszudenken, wenn vor der Pause noch der
dritte Jenaer Treffer gefallen wäre. Die Möglichkeit dazu war
da, als Kühne nach Vorarbeit Gardawskis aus sechs Metern aufs Tor
schoss, Henn und Petkovic mit vereinten Kräften gerade noch so klären
konnten. An der Leistung Stefan Kühnes lassen sich die zwei
unterschiedlichen Gesichter dieser ersten 45 Minuten anschaulich beschreiben.
Gerade er hatte anfangs riesige Probleme, allein zwischen der 16. und 19.
Spielminute registrierten wir von ihm fünf unglückliche
Aktionen voller Verunsicherung. Und nun, kurz vor der Pause, gewinnt er plötzlich
jeden seiner Zweikämpfe und wäre um ein Haar noch zum Torschützen
geworden.
Es war zu vermuten, dass die zweite Halbzeit nicht so losgehen würde, wie die Erste geendet hatte. Braunschweigs Trainer Torsten Lieberknecht ("Ich habe schon vor der Saison Jena als Aufstiegskandidaten gesehen") hatte seine Elf wieder auf Kurs gebracht, wenngleich den Aktionen der Norddeutschen das letzte Bisschen an Entschlossenheit fehlte. Klar, sie waren häufiger in Ballbesitz, doch trafen sie auf eine nun kompakter stehende Jenaer Hintermannschaft mit einem wiederum überzeugenden Assani Lukimya in deren Zentrum. Einziger Wermutstropfen war nur die fünfte Gelbe Karte für Ralf Schmidt, für den das Thüringenderby damit nur von der Tribüne aus stattfinden darf. Da auch der FCC dem Dortmunder Spiel vom Mittwoch kräftemäßig ein wenig Tribut zollen musste, gab es nach der Pause so gut wie keine Tormöglichkeiten mehr. Den ersten Schuss aufs Gästetor gab Orlando mit einem Freistoß in Minute 71 ab. Auf der Gegenseite dauerte es noch fünf Minuten länger, ehe Calamita aus 16 Metern das Nulle-Gehäuse knapp verfehlte. Dies sollte jedoch die einzige Schrecksekunde bleiben, weil die in Rückstand liegenden Braunschweiger erstaunlicherweise auch in der Schlussphase ein höheres Risiko scheuten. Der Ausflug ihres Torhüters Petkovic während der Nachspielzeit in den gegnerischen Sechzehner vermochte darüber nicht hinweg zu täuschen. So blieb es bis zum Schluss beim knappen und verdienten Jenaer Sieg, den die Elf in Blau-Weiß mit einem von ihr so noch nicht beobachteten Jubelkreis feierte.
Zurück in der Mixed Zone. Auch Carsten Sträßer, mit Töchterchen Felicia Sophie auf dem Arm, stellt sich den Journalistenfragen. Spricht von einer gefestigten Jenaer Mannschaft, in der Einer für den Anderen einsteht. Und blickt vier Tage voraus: "Gegen Erfurt haben wir einiges gut zu machen !". Jenas Anhänger werden ihn beim Wort nehmen. <fc>
- Dortmund: Höttecke; Evers, Hünemeier, Neumeister,
Kaptan (
, 45.); Großkeutz (46.
Kandziora), Koch, Tyrala, Piossek (72. Oscislawski), Nottbeck; Kullmann
(62. Hille)
- Jena: Nulle; Wuttke, Lukimya, Lanzaat, Nagy; Gardawski (61. Holwijn), Kühne, R. Schmidt (74. Truckenbrod), Benyamina; Hähnge, Orlando (79. Sievers)
- Zuschauer: 1256
- Schiedsrichter: Kampka (Mainz)
- Spielbericht
- Jena: Nulle; Wuttke, Lukimya, Lanzaat, Nagy; Gardawski (61. Holwijn), Kühne, R. Schmidt (74. Truckenbrod), Benyamina; Hähnge, Orlando (79. Sievers)
- (von Gastkommentator Tobias Häfner)
Vergessen sollten sie nun endgültig sein sein, die endlosen Diskussionen in den Fußballforen um Schnee, Matsch und Rasenheizungen - das Gastspiel in der klassischen Fußballarena direkt neben dem "Signal Iduna Park" fand bei herrlichem Vorfrühlingswetter statt. In der Startelf unserer Mannschaft nur die eine bereits vorher vermutete Veränderung - für den gesperrten Carsten Sträßer rückte erwartungsgemäß Tim Wuttke auf die Position des Rechtsverteidigers, Ralf Schmidt dagegen konnte entgegen aller Befürchtungen im Vorfeld des Spiels auflaufen.Die ersten Offensivaktionen kamen von unserem Team. Hähnges Kopfball konnte jedoch der Dortmunder Torhüter Höttecke mühelos aus der Luft pflücken und Orlando verpasste einen gut getimten Paß von Stefan Kühne. In der 6. Minute die erste richtige Chance jedoch auf der anderen Seite. Einen Flachschuß aus 14 Metern Entfernung konnte jedoch Nulle parieren. Dennoch nahm nun unser Team mehr und mehr das Heft des Handelns in die Hand und bereits in der 13. Minute wurden die ersten Früchte dieses Engagements geerntet. Wieder wurde Smeekes steil von Kühne geschickt und dieses Mal ließ er sich die Chance nicht entgehen und versenkte den Ball eiskalt. In der 16. Minuten prüfte Tim Wuttke den Torhüter der schwarz-gelben mit einem Schuß von der Außenposition. 4 Minuten später nach längerer Zeit mal wieder der Gastgeber mit einer Torraumszene, doch der scharf angeschnittene Freistoß des einst von uns umworbenen Tyrala wird von jedermann verpasst und landet hinter dem Tor. Danach verlagerten sich die Torgelegenheiten wieder vor das andere Gehäuse. Zunächst geht ein Freistoß von Orlando aus 28 Metern noch recht deutlich übers Tor. Aber mehr und mehr wird nun deutlich das vor allem in punkto Zweikampfverhalten unsere Mannschaft den Gastgebern deutlich überlegen war. Vor allem Lukimya, Kühne und Wuttke blieben nahezu in jedem defensiven Zweikampf Sieger. Aber auch offensiv sah das richtig gut aus. Kein schleppendes Aufbauspiel wie man es noch viel zu häufig in der Hinrunde beobachten musste, sondern meistens wurde schnell und schnörkellos nach vorn gespielt.
Die nächste Chance aus einem solch zügig nach vorn getragenen Angriff hatte Gardawski auf dem Fuß der mit einem Schuß aus halbrechter Position Höttecke zu einer tollen Parade zwang. Das nächste Beispiel - Orlando am Seitenaus in Höhe der Mittellinie scheinbar von viel zu vielen Dortmundern bedrängt. Jedoch weiß er sich daraus zu befreien und legt ein wahres Zaubersolo hin bis er 10 Meter von dem Strafraum unsanft gestoppt wird. Den folgendes Freistoß schlug Nagy mit viel Effet und scheinbar so verwirrend das der Ball - wie später bestätigt wurde ohne Freund- und Feindberührung - plötzlich im Netz zappelte. 0:2 nach 32 Minuten ! Aber unsere Jungs hatten in dieser bärenstarken ersten Halbzeit noch nicht genug. In der 35. Minute ist bei einem Flachschuß von Orlando der Dortmunder Keeper rechtzeitig ab Boden. In der 40. Minute wieder Orlando - sein gefühlvoller Linksschuß verfehlte jedoch knapp das Tor. Eine Minute vor Pausenpfiff ein mustergültiger Konter eingeleitet von Hähnge, dann sieht der wieder auf und davon gesprintete Orlando den mitgelaufenen Wuttke. Offenbar kurz hinter der Strafraumlinie wurde Wuttke aber vom Dortmunder Kaptan niedergemäht. Eine hundertprozentige Torchance verhindert, die folgerichtige Entscheidung war Rot für den schwarz-gelben Außenverteidiger und Elfmeter. Orlando schnappt sich den Ball und schoß scharf und platziert, auch war der Dortmunder Torwart in der falschen Ecke. Pausenstand also 0:3 und die folgenden 15 Pausenminuten wurden bei dem einen oder anderen der ca. 150 mitgereisten FCC Anhänger zum Anlaß genommen die Gedächtnisprotokolle zu verifizieren nach einer letzmaligen Pausenführung mit 3 Toren Unterschied. Auflösung : beim Studium alter Spielberichte auf dieser Website muss man bis zur Saison 2003/2004 zurückblättern ;-)2 Minuten nach Wiederanpfiff gleich die erste dicke Chance um das vierte Tor zu erzielen, den Schuß von Benyamina lenkt Höttecke mit den Fingerspitzen übers Tor. Aber mit fortschreitender Spielzeit sind nennenswerte Torszenen nun rarer gesät. Die Dortmunder versuchten mit viel läuferischem Einsatz ihre Unterzahl auszugleichen. Das gelang ihnen auch nun leidlich - aber der Versuch mit kurzen, flachen Pässen unsere Abwehr auszuhebeln scheiterte meistens so 5 Meter vor der Strafraumgrenze. Erwähnenswert lediglich in der 60. Minute ein Kopfball nach einem Freistoß an dem Nulle mit den Fingerspitzen dran war. Auf die gleiche Art und Weise klärte Nulle in der 77. Minute nach einem Schuß aus spitzen Winkel. Beim Lattentreffer der Gastgeber in der 88. Minute zeigte der Schiriassistent bereits Abseits an.
Auf der richtigen Seite gab es ebenfalls noch einige Chancen den Vorsprung sogar noch auszubauen. So in der 62. Minute eine gute Kopfballchance von Lukimya nach Ecke von Nagy. 3 Minuten später zwingt Hähnge den guten Dortmunder Keeper zu einer Fußparade. In der 85. Minute prüfte Truckenbrod am Ende einer schönen Kombination über Hähnge und Benyamina nochmals Höttecker. Sicher war die zweite Halbzeit offensiv nicht mehr so zwingend wie die 45 Minuten vor der Pause. Geschenkt - und irgendwie auch legitim aufgrund der vielen anstehenden englischen Wochen. In Gefahr geriet der sichere Sieg aufgrund der aufmerksamen Defensive nie.
FC Carl Zeiss Jena - Holstein Kiel 3:0
Tore: 1:0 Lukimya (32.), 2:0 Orlando (41.), 3:0 Hähnge (74.)
- Jena: Nulle; Sträßer, Lanzaat, Lukimya, Nagy; Gardawski
(76. Holwijn), Kühne (66. Truckenbrod), R. Schmidt, Benyamina; Hähnge
(89. Wuttke), Orlando
- Kiel: Frech; Lamprecht, Müller, Boy, Jürgensen (

, 88.);
Schüßler (4. Siedschlag), Vujcic, Jerat, Meyer; Sykora (57. Holt),
Cannizaro (70. Wulff)
- Zuschauer: 5205
- Schiedsrichter: Osmers (Hannover)
- Spielbericht
-
Holstein Kiel war mit beachtlichem Etat und daraus
resultierenden Erwartungen in die Saison gestartet. Schnell fand sich der
Neuling jedoch auf dem Boden der Realität wieder und derzeit auf einem
der Abstiegsränge. Das 1:6 in Bremen vor einer Woche wurde auf der
vereinseigenen Homepage als Tiefpunkt der Auswärtsmisere bezeichnet.
Solch einen Kontrahenten kann man als angeschlagenen Boxer ansehen, der umso
gefährlicher ist, je mehr er sich in die Ecke gedrängt fühlt.
Oder man kann ihn unterschätzen. Welche Einstellung würde
sich die Jenaer Elf zueigen machen ?
Positiv war schon mal, dass sie in der selben Formation
auflaufen konnte wie beim überzeugenden Auftritt gegen Osnabrück.
Der angeschlagene Ralf Schmidt hatte beim Abschlusstraining grünes
Licht gegeben und stand die neunzig Minuten durch. Die Anfangsphase freilich
hielt einem Vergleich mit jener gegen den VfL nicht stand. Zwar besaß
Orlando nach fünf Minuten die erste Chance im Spiel, als er gezwungen
war, aus eher ungünstiger Position abzuschließen, weil
keiner seiner Mitspieler mitgekommen war. Alles in allem aber konnte sich der
Gastgeber glücklich schätzen, nach zwanzig Minuten nicht in Rückstand
zu liegen. Da Lanzaat gegen Canizzaro das Nachsehen hatte, lief der bei Erfurt
ausgemusterte Kieler Stürmer in Minute 15 unbedrängt auf
Carsten Nulle zu. Unser Keeper, gerade erst zum Torschützen des Monats
nominiert, warf sich ihm mit Erfolg entgegen und zeigte, dass er nicht nur
offensiv, sondern auch defensiv zu überzeugen weiß, wie sein
Trainer nach dem Spiel flachste. Da auch Jerat mit einem Freistoß am
Jenaer Kapitän scheiterte und Sykoras Ablage nach einer Unsicherheit
in der Thüringer Hintermannschaft nicht ankam, überstand der
FCC die Anfangsperiode mit etwas Glück unbeschadet. Nach vorn lief zunächst
nicht viel zusammen. Schon zweiundzwanzig Minuten waren vorbei, als Kiels
Schlussmann Michael Frech mittels Faustabwehr das erste Mal eingreifen musste.
Die Jenaer Führung, sie fiel wie so häufig in den letzten
Wochen aus einer Standartsituation heraus. Assani Lukimya hatte vor Wochenfrist
beim Torerfolg seines Keepers genau hingeschaut und köpfte einen
Freistoßball von Nagy in die Maschen. Dass der Freistoßpfiff
zuvor durch Schiedsrichter Osmers eher geschenkt war, muss kein schlechtes
Gewissen bereiten. Auch auf der Gegenseite gabs hier und da umstrittene
Entscheidungen.
Vielleicht reagierten die "Störche" eine Spur zu passiv
auf die neue Spielsituation, indem sie hinten drin blieben und auf Jenaer
Angriffe warteten statt selbst welche zu initiieren. Andererseits muss man
vielleicht auch Verständnis für ihre Situation haben. Nach
der Klatsche gegen Werders U23 hatten sie hier passabel begonnen, sich auch von
der schweren Verletzung ihres Mittelfeldspielers Schüßler
(Verdacht auf Kreuzbandriss) nicht aus dem Konzept bringen lassen und lagen
dennoch schon wieder im Rückstand. Als sie dann doch nochmal versuchten,
vor der Pause den Ausgleich zu erzielen, liefen sie prompt in einen
Konter. Nagy schlug aus der eigenen Hälfte einen weiten Pass auf
Orlando. Dem war bis dahin noch nicht viel gelungen, doch jetzt machte er
alles richtig. Vom Ex-Jenaer Robert Müller nicht einzuholen, schob der
schnelle Holländer das Leder an Frech vorbei zum 2:0 über die
Linie. Ohne geglänzt zu haben, lag der FCC zur Pause mit scheinbar
beruhigenden zwei Toren in Front. Wann hatte es dies zuletzt gegeben ?
Der Schuss von Florian Meyer, einem der Besten in den Reihen
der Holsteiner, nur zwei Minuten nach dem Wechsel sollte sich als Kieler
Strohfeuer erweisen. Mit "Schüsschen, Eckbällchen und Freistößchen"
(O-Ton Christian Wück) war den Jenaern nicht beizukommen. Und so
lehnte der Gästecoach phasenweise selbst resigniert an der
Trainerbank. Während das Dutzend Gästefans, welches aufgrund des
Nachholtermins die weite Strecke womöglich zum zweiten Mal
innerhalb weniger Tage auf sich genommen hatte, eine nun deutlich überlegene
Jenaer Elf zu sehen bekam. Welch tolle Aktion war das zum Beispiel in Minute
62, als Orlando gleich zwei Gegenspieler düpierte und eine feine
Vorlage für Hähnge zustande brachte. Der schoss sofort aus
der Drehung und zwang Frech zu einer spektakulären Parade. Drei
Minuten später wurden die Rollen getauscht. Hähnge spielte
den Vorbereiter für Orlando, welcher sich hinterher maßlos ärgerte,
in dieser Szene den Ball am langen Pfosten vorbei geschoben zu haben. Ein Happy
End gab es dennoch für beide, denn nach Orlando in Hälfte
eins kam auch Sebastian Hähnge noch zu Torehren. Sein Antritt ab Mitte
der gegnerischen Hälfte, das Täuschungsmanöver, dann
der Schuss mit dem linken Außenrist aus 18 Metern genau ins
Dreiangel war nach Meinung aller das
schönste Tor des Tages. Mit solchen Aktionen lässt Jenas Stürmer
auch seine letzten Kritiker auf den Rängen für hoffentlich längere
Zeit verstummen.
Dem Schiri saßen mit zunehmender Spielzeit die Karten allzu locker. Das mit Gelb geahndete Foul von Jürgensen kurz vor
Schluss war genauso wenig verwarnungswürdig wie das von Carsten Sträßer
eine halbe Stunde zuvor. Für den Jenaer war es die fünfte
Gelbe in dieser Saison, für den Kieler die zweite im Match. Als
Konsequenz müssen beide beim nächsten Mal zuschauen.
Drei Punkte zum 50. - wer Mannschaftsleiter Uwe Dern kennt,
der weiß, dass ihm die Mannschaft kein schöneres
Geburtstagsgeschenk hätte bereiten können. Auch von
dieser Stelle aus herzlichen Glückwunsch, Uwe und alles Gute fürs nächste
halbe Jahrhundert ! <fc>
FC Carl Zeiss Jena - VfL Osnabrück 1:1
Tore: 0:1 Barletta (72.,HE), 1:1 Nulle (90.+2)
- Jena: Nulle; Sträßer, Lanzaat, Lukimya, Nagy; Gardawski, Kühne, R.Schmidt (82.Kolb),
Benyamina; Hähnge, Orlando
- Osnabrück: Berbig; Engel, Barletta, Nickenig (

, 75.),
Tauer; Pinheiro, Heidrich (61.Schmidt); Siegert, Lejan (64.Grieneinsen), Kotuljac (76.Stang), Lindemann
- Zuschauer: 5694
- Schiedsrichter: Thomsen (Kleve)
- Spielbericht
-
Der FCC empfing den Spitzenreiter Osnabrück, Weiß gegen Schwarz (nach den Trikotfarben), wie beim Schach. Und in den ersten
45 Minuten boten beide Mannschaften auch gepflegtes Rasenschach - taktisch diszipliniert, vorsichtig, unbedingt ein Gegentor vermeiden
wollend, ohne große Aufregungen. Der FCC wählte dabei - trotz Doppelspitze mit zwei offensiven Außenbahnen - eine
geschlossene Eröffnung, die auch den gewünschten Erfolg brachte. Aus einer sicheren Abwehr heraus suchte man mit gepflegten
Pässen den Mitspieler und ließ dem Ligaspitzenreiter - der eigentlich im gesamten Spiel seine Auswärtsschwäche
bewies - im Mittelfeld keinen Raum für den eigenen Aufbau. Die einzigen Ausnahmen bildeten die 35. und die 39. Minute: Nach einem
misslungen Tackling Nagys starteten die Gäste einen schnellen Angriff über rechts, in dessen Ergebnis Pinheiro an die Latte
des Jenaer Tores köpfte. Der FCC "revanchierte" sich nach einer Ecke, als Lanzaats Kopfball von einem Osnabrücker noch am Tor
vorbeigelenkt werden konnte. Trotzdem war der FCC im Vergleich zu den vorigen Heimspielen nicht wiederzuerkennen. Es waren die kleinen
Ungenauigkeiten, die Zählbares für den FCC verhinderten, obwohl man mit kleinen Nadelstichen den Favoriten einige Male ärgern
konnte. Dabei rückte Orlando in den Mittelpunkt: Entweder er stand im Abseits (20., 21. min) oder der Ball wurde auf dem
nassen Rasen zu schnell (22.) oder er war einfach zu überrascht, als ihm am langen Pfosten der Ball vor die Füße
fiel (30.). Positiv fiel das gute Zusammenspiel zwischen Hähnge und Gardawski auf. Nicht zu übersehen war bereits in der
erste Halbzeit die Unart der Gäste, bei Ballverlust am Boden liegen zu bleiben - gegen Ende des Spiels wurde diese Theatralik
durch Bodenpirouetten und Schmerzensschreie ergänzt - und auf das Wohlwollen des Referees zu hoffen.
Die Spieler des FCC hatten dann gemerkt, dass heute mehr drin war als nur eine Schadensbegrenzung und so startete man nach der Pause
deutlich offensiver. Vor allem Benyamina, der vor der Pause etliche Fehlabspiele bot, zeigte sein Stürmerblut. So in der 48. min
als er den Verteidiger mit einem Haken alt aussehen ließ und den Ball an die Lattenunterkante hämmerte. Den zurückspringen
Ball konnte Schmidt leider nicht mehr ins Tor drücken. Dann versuchte es Orlando über links, scheiterte jedoch am Verteidiger (53.).
Benyamina testete Berbigs Reflexe mit einem Schuss aus etwa 8 Metern Entfernung (56.), bevor Orlando kurz danach mit einem Sprint mit Ball
drei Osnabrücker in Verlegenheit brachte. Diese lösten das Problem mit einem Foul kurz vor der Strafraumgrenze, dass Schiedsrichter
Thomsen jedoch nur mit "Gelb" ahndete. "Rot" wegen Notbremse wäre die richtige Entscheidung gewesen! Den Freistoß selbst vergab
Orlando kläglich, in dem er ihn gefühlvoll mitten in die Mauer setzte. Einige Minuten später zeigte sich Orlando zu
egoistisch, als er lieber allein einen Schuss versuchte, anstatt den besser stehenden Gardawski mit einem Steilpass zu bedienen.
Der
FCC hatte den VfL in fester Umklammerung und ein Tor schien nur eine Frage der Zeit zu sein. Das fiel dann auch in der 72. min per
Foulstrafstoß: Nach einer Ecke versuchte sich Orlando so deutlich als Handballer, dass der Referee gar nichts anderes als
Elfmeter entscheiden konnte. 1:0 für Osnabrück - das Spiel nach der Pause war auf den Kopf gestellt! Der FCC ruckte noch
einmal an, alle knieten sich mit doppeltem Eifer rein, Orlando warf sich in einen Abschlag Berbigs und so ergab sich für Hähnge
die Chance, mit Ball am Fuß in den Strafraum einzudringen. Wieder kam die Notbremse zum Einsatz, gefühlt auf der
Strafraumgrenze - aber anstatt Strafstoß und Feldverweis entschied Thomsen, der von dieser Szene an völlig den Überblick
verlor, auf Freistoß und gab Nickenig nur "Gelb" (75.)! Lediglich die Tatsache, dass es bereits dessen zweite Verwarnung war,
beförderte ihn vom Feld. Der Freistoß brachte nichts ein (diesmal versuchte sich Nagy), aber von da an brannte die Luft im
Stadion. Die Gäste versuchten mit langen Bällen nach vorn und übelsten Schauspieleinlagen die den Vorsprung über
die Zeit zu retten, der FCC rannte mit aller Macht an. Der Schiedsrichter - bis zur 75. min zwar kleinlich, aber dies auf beiden
Seiten - verteilte nun munter Freistöße für die Gäste und Verwarnungen an Schmidt, Sträßer und
Lukimya für Peanuts und animierte so das Publikum. Der FCC schien sich vergeblich zu bemühen, entweder das Außennetz
(Orlando, 86.) oder Berbig (gegen Gardawski, 87.) waren jeweils Endstation. Nulle verhinderte zwischenzeitlich bei einem VfL-Konter
das entscheidende 0:2, als er einen Schuss aus Nahdistanz parierte. Schlussminute, Eckball für Jena, Nulle ging mit vor - nichts.
Nachspielzeit, weiterer Eckball für den FCC, wieder war Nulle vorn. Gardawski tritt die Ecke und aus der Ansammlung von 22 Spielern
schraubte sich ein gelbes Trikot einen gefühlten halben Meter über den Rest der Meute und köpfte in bester Stürmermanier
unhaltbar zum Ausgleich ein! Nulle als Torschütze - er lässt in dieser Saison wirklich nichts aus!!!
Vor dem Spiel wären viele sicher mit einem Punkt gegen den Spitzenreiter zufrieden gewesen, nach dem Abpfiff haderte
man ein klein wenig mit den vergebenen zwei Punkten. In jedem Fall bot der FCC die beste Heimleistung seit einem halben Jahr und
wusste endlich auch einmal spielerisch zu überzeugen. <uk>
Fotos von Jens Weißenburger
"Unglaubliches Spiel in Jena" - der Bericht auf vfl.de
FC Carl Zeiss Jena - FC Erzgebirge Aue 1:0
Tore: 1:0 Hähnge (88.)
- Jena: Nulle; Sträßer, Wuttke, Lanzaat Nagy; Gardawski (75. Benyamina), Kühne,
R. Schmidt, Kolb (65. Amrhein); Orlando (90.+3 Truckenbrodt), Hähnge
- Aue: Männel; Klingbeil, Kos, Paulus, le Beau; Stark, Hensel,
Curri (46. Klotz), Hochscheidt (78. Müller); Ramaj, Braham (70. Glasner)
- Zuschauer: 7206
- Schiedsrichter: Valentin (Taufkirchen)
- Spielbericht
-
Derbyzeit in Jena. Innerhalb weniger Tage haben die Männer um René van Eck zwei eminent wichtige Derbys vor der Brust.
Am heutigen Tag kamen die Veilchen aus Aue ins Jenaer Rund und bereits am Donnerstag geht die Reise des FCC zum 40 km entfernten
Nachbarn aus Thüringen. Aber da die letzten Derbys der Jenaer alles andere als erfolgreich waren, so sollte heute unbedingt ein Sieg gelingen.
Die Platzherren waren auch sofort bemüht, das Zepter des Handelns in die Hand zu nehmen. Bereits nach fünf Minuten die erste Chance
für den FCC durch Hähnge, doch leider verfehlte er mit seinem Schuss aus der Drehung das Tor nur knapp. Wenig später erneut
eine gute Möglichkeit für den Jenaer Stürmer, aber nach Flanke von Schmidt stand er zwar goldrichtig, traf aber er den Ball
nicht richtig. Die Gäste versteckten sich keinesfalls und kamen in der achten Minute zu ihrer ersten Chance. Einen hoch getretenen
Freistoss verpassten alle Spieler im Strafraum, so dass der Ball an Freund und Feind vorbei zischte und um Zentimeter das Tor verfehlte.
Ein Kopfball vom völlig freistehenden Najeh Braham (18.) hätte die Führung der Auer bedeuten können, denn auch hier
fehlte nur wenig. Trotz der noch immer torlosen Begegnung sahen die 7200 Zuschauer eine hart umkämpfte Partie, bei der sich beide
Teams keinen Zentimeter des Rasens schenkten. Nach gut einer halben Stunde (32.) dann der schönste Spielzug der Platzherren bis
dato. Schmidt hatte mit einem Steilpass auf Hähnge gepasst, der aber zu lange brauchte, den Ball unter Kontrolle zu bringen -
Querpass auf unseren Neuzugang Gardawski, der zum kurzen Sololauf ansetzte, seinen Gegenspieler umkurvte und mit einem mustergültigen
Querpass vors Tor auf Orlando passte. Die meisten Fans hatten bereits den Jubelschrei auf den Lippen angesichts dieser 100% Torchance,
doch Orlando brachte das Kunststück fertig, den Ball aus Nahdistanz Gästekeeper Männel vor die Brust zu schießen.
Auch nach der Pause das gleiche Spiel. Beide Teams fighteten um jeden Ball und die ein oder andere Gelbe Karte blieb nun auch nicht mehr
aus. Zum Ärger der Jenaer traf es auch Tim Wuttke, dem nun durch seine fünfte Karte nur die Rolle des Zuschauers beim Thüringenderby
bleibt. Die erste nennenswerte Möglichkeit der zweiten Halbzeit gehörte den Gästen, doch Nulle konnte einen gefährlichen
Flachschuss von Hochscheidt zur Seite klären. Drei Minuten später hätte Braham erneut für die Führung der Veilchen
sorgen können, doch glücklicherweise konnte er aus Nahdistanz seine Chance nicht nutzen. Schnell ausgeführter Gegenzug der
Jenaer mit einem schönen Steilpass auf Hähnge, der von halb links aufs Gästetor zustürmte. Es folgte ein kurzer Schwenk
nach rechts und anstatt nun sofort zu abzudrücken, entschied er sich erneut für einen Schwenk diesmal nach links, wodurch er sich
selber den Winkel zum Tor so verkürzte, dass sein anschließender Schuss für Männel keine Gefahr mehr darstellte. Der
Druck der Jenaer Mannschaft nahm nun stetig zu und der FCC drehte sein Eckenkonto nach oben. Nur leider wollte noch immer kein Tor gelingen.
Beim 13. Eckball! der Thüringer hätte es dann fast geklappt, doch leider verfehlte Wuttke mit seinem wuchtigen Kopfball nur ganz
knapp das Tor. Zehn Minuten vor Ultimo sorgte die mittlerweile 15. Ecke der Jenaer (Endstand 17:3) erneut für große Gefahr im
Strafraum der Gäste, doch Ramaj konnte den Kopfball vom eingewechselten Benyamina noch auf der Torlinie klären. Die letzten
Minuten plätscherten so dahin und beide Teams hatten sich eigentlich schon mit einem Unentschieden abgefunden. Doch es gab in der
88. Minute noch einmal Freistoß für den FCC. Nagy flanke platziert nach innen und dort schraubte sich Hähnge am höchsten
und traf per Hinterkopf zum viel umjubelten Führungstreffer. Die Auer warfen in den wenigen verbliebenen Minuten noch einmal alles nach
vorn, doch die Jenaer ließen sich am heutigen Tage diesen hoch verdienten Sieg nicht mehr nehmen.
Nach derben Pleiten in den letzten großen Derbys ist es dem FCC endlich mal wieder gelungen, ein so wichtiges Prestigeduell
zu seinen Gunsten zu entscheiden. Nun gilt es die Kräfte zu bündeln, um beim zweiten Traditionsduell am kommenden Donnerstag
erneut als Sieger den Platz zu verlassen. <vg>
FC Carl Zeiss Jena - SV Sandhausen 0:1
Tore: 0:1 Dorn (44.)
- Jena: Nulle; Sträßer, Lanzaat (53. Eckardt), R. Schmidt;
Wuttke, Truckenbrod, Ziegner (87. Kühne), Orlando (75. Mayombo);
Kolb, Hähnge
- Sandhausen: Kirschbaum; Bindnagel, Tausenpfund, Glibo, Mintzel;
Pinto (90. Throm), Hillenbrand, Jungwirth, Schauerte (74. Öztürk);
Cenci, Dorn (90. Hosiner)
- Zuschauer: 5513
- Schiedsrichter: Dr. Kunzmann (Bad Hersfeld)
- Spielbericht
-
"Meine Spieler sind so heiß im Training, dass ich
Angst hatte, der Rasen könne verbrennen." - Sprüche wie
dieser von René van Eck wecken nach dem Jahreswechsel Erwartungen, die
vielleicht ein paar Zuschauer mehr ins winterkalte Stadion locken, dann aber auch
erfüllt werden wollen. Im Falle eines Misserfolgs nämlich können
einem die Zitate auch buchstäblich um die Ohren fliegen.
Den Auftakt dieses Nachholspiels bildete ein Kopfball des
aufgerückten Lukimya-Mulongoti nach Freistoß Ziegners. Gäste-Torwart
Kirschbaum zeigte sich auf dem Posten (3.). Ansonsten war es ein gemächlicher
Beginn, zu dem die Theatralik nicht passen wollte, mit der sich die
Sandhausener Spieler jedes Mal auch nach harmlosen Fouls auf dem Rasen wälzten.
Das nahm ein Ende, als sie die erste Gelbe Karte des Spiels für Wuttke
provoziert hatten. Am Schiedsrichtergespann allerdings sollten sich im Laufe
der Partie noch häufiger die Gemüter erhitzen.
Sportlich tat sich zunächst wenig und wenn, dann
in der Gästehälfte. Nach siebzehn Spielminuten
spielte Ziegner schön in den Lauf des überraschend in die
Anfangself gerückten Kolb. Dieser flankte von der rechten Seite vors
Tor, wo Hähnge zunächst einen Schritt zu spät kam.
Der von links heranbrausende Orlando kam zwar noch zum Schuss, mehr als ein
Eckball sprang aus spitzem Winkel jedoch nicht heraus. Szenenapplaus gab es für
Carsten Sträßer sieben Minuten später, als er einen
schon verloren scheinenden Ball zurück eroberte. Hier bekam man einmal
einen Ahnung von dem, was van Eck gemeint haben könnte. Doch die Regel
war das leider nicht. Wie oft musste ein Spieler den Einwurf bis zum letzten
Moment hinauszögern, weil die eigenen Mannschaftskameraden bei ihren
Gegenspielern stehen blieben anstatt sich frei zu laufen ! Orlandos nächste
Aktion - nach energischem Antritt übersah der Holländer den
freistehenden Landsmann Lanzaat am Elfmeterpunkt - war Jenas letzte Gelegenheit
vor der Pause. Und die Gäste ? Erspielten sich ihre erste Chance eine
Minute vor dem Halbzeitpfiff. Einen mit dem Kopf verlängerten Ball
nimmt Neuzugang Cenci gekonnt mit der Brust an, leitet ihn sauber mit der Hacke
weiter und bringt Sturmpartner Dorn damit in eine vorzügliche
Schussposition. Dieser Regis Dorn ist viel zu sehr Torjäger, um sich
solch eine Gelegenheit entgehen zu lassen. Gegen seinen Schuss ins lange Eck
hat Nulle nicht die Spur einer Chance. Mit der einzigen Möglichkeit in
45 Minuten die Führung zu erzielen - mehr an Effizienz geht nicht. Es war übrigens
kein Konterzug, als welcher dieser Angriff vonseiten unseres
Trainer bezeichnet wurde. Jenas Defensive durfte sich in aller Ruhe formieren
und stand mit sieben gegen zwei Mann im eigenen Strafraum.
Quido Lanzaat hatte beim Gegentor etwas abbekommen, wollte
sich aber durchbeißen und kam mit aus der Kabine. Um ein Haar wäre
ihm in der 51. Minute der Ausgleichstreffer geglückt. Nach Foul an
Kolb führte Ziegner einen Freistoß fünf Meter vorm
rechten Strafraumeck aus. Den hohen Ball erwischte Lanzaat unter Bedrängnis
mit dem Kopf, drückte ihn von der Torraumgrenze aus Richtung Gästegehäuse,
doch Kirchbaum lenkte das Leder mit starkem Reflex zu Ecke. Gleich danach war
Schluss für den auch gelbbelasteten Innenverteidiger. Wuttke nahm
dessen Position ein, Eckardt kam neu ins Mittelfeld. Beim Doppelpass mit Hähnge
führte sich Eckardt gut ein und weckte als Einwechsler Hoffnungen, die
(nicht nur) sein Trainer nach dem Spiel als unerfüllt ansah. Gleiches
gilt auch für Mayombo, dem jedoch rund eine Viertelstunde vor Schluss
ein Elfmeter hätte zugesprochen werden müssen. Gegenspieler
Tausendpfund hatte Jenas Stürmer von den Beinen geholt, Dr. Kunzmann
entschied auf Weiterspielen. Diese Szene lag inmitten einer kurzen Drangperiode
mit zwei hochwertigen Chancen für Sebastian Hähnge. Beim
Kopfball in Minute 73 fehlte neben dem Druck auch die Präzision, da
Kirchbaum sich nicht vom Fleck bewegen musste, um zu parieren. Doch fünf
Minuten darauf hätte auch Sandhausens Schlussmann den Ausgleich nicht
verhindern können, wenn Hähnges Kopfball nach Ziegners Ecke
ins Netz statt nur ans Lattenkreuz geflogen wäre. Welch ein Pech.
Doch weder strittige Schiedsrichterentscheidungen noch
Aluminiumtreffer dürfen darüber hinwegtäuschen, dass
die Jenaer Spieler allzu viel schuldig blieben von dem, was man von ihnen nach
der Winterpause erwarten durfte. Gefahr strahlten sie nur bei
Standartsituationen aus. Zu statisch wirkten sie im Spielaufbau, sodass das grüne
Geläuf lediglich von der Rasenheizung auf Temperatur gehalten
wurde. Die Gäste, von denen man ein Hintenreinstellen nach der Pause
vermutete, konnten wahrscheinlich irgendwann nicht mehr anders, als auf eigene
Faust die Entscheidung zu suchen. Beim
Kopfball von Tausendpfund und Schüssen des eingewechselten Öztürk
boten sich Gelegenheiten dazu. Ihr knapper Vorsprung geriet während
der Schlussminuten nicht weiter in Gefahr. Stattdessen bettelte Torsten Ziegner
um seine fünfte Gelbe Karte, indem er auch nach zweimaligem Zurückweisen
beim Schiri immer noch weiter meckerte. Und den Karton letztlich
bekam.
In einem Spiel, das eigentlich keinen Sieger verdient, kann
eine einzige geniale Idee während neunzig Minuten entscheidend sein.
Cencis Hackentrick war solch eine Idee. Den Jenaer Spielern hingegen ist es nicht
gelungen, ihren so hoch gelobten Trainingsfleiß ins erste Punktspiel
des Jahres 2010 zu transportieren. <fc>
SV Wehen Wiesbaden - FC Carl Zeiss Jena 1:1
Tore: 1:0 Schönheim (72.), 1:1 Hähnge (77.)
- Wehen: Domaschke; Hollmann, Gehring, Schönheim, Weigelt;
Ziegenbein (90.+1 Bohl), Reinert, Hübner, Öztürk; Ziemer
(82. Stroh-Engel), Boskovic (88. Kunert)
- Jena: Nulle; Sträßer, Lanzaat, Lukimya, R. Schmidt
(76. Nagy); Kühne (14. Amrhein), Truckenbrod (90.+1 Mayombo), Ziegner;
Wuttke, Hähnge, Orlando
- Zuschauer: 3386
- Schiedsrichter: Beitinger (Regensburg)
- Spielbericht
- Weniger die sportliche als vielmehr die wirtschaftliche Situation geriet in dieser
Woche in den Mittelpunkt des öffentlichen Interesses. Die Nachricht, dass sich
die Liquiditätslücke während der letzten Wochen nochmals kräftig auf
947.000 Euro vergrößert hat und nun im Rahmen eines Sanierungskonzepts umfassende
DFB-Auflagen zu erfüllen sind, sorgt für Gesprächsstoff unter den
Kernbergen und darüber hinaus.
Die Spieler können in solch einer Situation nichts weiter tun als bestmöglich
ihren Job zu erledigen. Könnte es doch sein, dass jeder von ihnen errungene Punkt
in der Endabrechnung noch von Bedeutung sein wird.
Beide Teams bemühten sich
vom Anpfiff weg um Offensivaktionen, wobei ihnen dabei die Genauigkeit im
Zusammenspiel abging. So verging eine Viertelstunde bis zur ersten
Torgelegenheit, einem Schuss des freistehenden Boskovic genau auf
unseren Schlussmann. Zu dieser Zeit hatte Trainer van Eck bereits das erste Mal
wechseln müssen, da Stefan Kühne nach einem Zweikampf in der eigenen Hälfte
mit einer Knieverletzung vom Platz musste. Tim Wuttke hat in dieser Saison
schon fast alles gespielt, vom Innenverteidiger bis zur hängenden Spitze auf
Außen - entsprechend reibunsglos ging nach der Hereinnahme Amrheins sein Wechsel auf die Kühne-Position vonstatten.
Geschickt verlagerten er und seine Nebenleute die Positionen hin zum
ballführenden Gegenspieler. Die häufiger in Ballbesitz befindlichen Gastgeber fanden
dagegen lange Zeit kein Mittel. Es bedurfte eines direkt geschossenen
Freistoßes, um Carsten Nulle nach 31 Minuten das zweite Mal zu fordern.
Dessen Gegenüber hatte zu diesem Zeitpunkt noch keinen einzigen Ball
halten müssen.
Doch mit einem Mal, ab Minute 38 veränderte sich die Szenerie. Schön freigespielt steht Sebastian Hähnge frei vor Eric Domaschke - und scheitert am
herauslaufenden Keeper. Eine Minute später schießt der bis dahin noch
gar nicht zur Geltung gekommene Orlando aus vollem Lauf über die Querlatte und
nochmals 60 Sekunden darauf Hähnge flach aufs Tor. Die größte Gelegenheit vor
der Pause aber bietet sich in Minute 43. Freistoß, knapp 30 Meter Torentfernung,
halbrechte Position. Orlando steht zur Ausführung bereit, so als wolle er
zum zweiten Mal das Tor des Monats gegen den selben Kontrahenten erzielen. Doch nicht
er sondern Ziegner führt den Freistoß aus. Domaschke lässt prallen, zum
aufgerückten Assani Lukimya, der jedoch aus bester Position vergibt.
Freistoßschütze Torsten Ziegner hatte sich zu diesem Zeitpunkt bereits eine Gelbe Karte abgeholt. Nur gut, dass sich seine Verwarnung von voriger
Woche als Falschmeldung herausgestellt hatte. Sonst wäre es jetzt die 5.
gewesen und Ziegner hätte gegen Sandhausen ersetzt werden müssen.
Selbst wenn er zuletzt auswärts eher zu überzeugen wusste als in Heimspielen.
Apropos Trainer, wie hatte René van Eck vor dem Spiel prophezeit ? Viele
Chancen wird es in Wiesbaden nicht geben. Deshalb müssen diese konsequent
genutzt werden. Genau das hatten seine Jungs vor der Pause versäumt, weshalb
es mit Spielstand 0:0 in die zweite Halbzeit ging. Hier zeigte sich
Nulle bei einem Schuss von Reinert gleich wieder auf dem Posten (49.).
Das Spiel des SVW, dessen Hauptsponsor mit Wasser-Technologie seinen Umsatz
macht, lief nun etwas flüssiger. Jenaer Konter besaßen Seltenheitswert,
in Minute 64 war es wieder mal soweit. Hähnge auf der rechten Seite fehlte
jedoch sein Anspielpartner im Zentrum, weil Hübner dem losspurtenden
Orlando in die Hacken getreten war, ohne dass dies der Referee geahndet hätte.
Jenas Hintermannschaft stand weiterhin sicher, geriet meist nur durch
Standartsituationen in Gefahr. Weigelts Freistoß aus fast dreißig Metern
hob Nulle in großem Stil über die Torlatte (65.). Und dann gab es da noch die Eckstöße.
Es mag der sechste oder siebente gewesen sein in Minute 72 - Jenas
Elf hatte sich wie immer komplett im eigenen Strafraum versammelt.
Zunächst gelang es, den Eckball nach vorn abzuwehren. Doch genau an der
Grenze zum Sechzehner stand Fabian Schönheim, welcher den als
Befreiungsschlag gedachten Ball dreisterweise als Vorlage ansah und direkt
ins rechte untere Eck traf.
Die seit sieben Spielen daheim ungeschlagenen Gastgeber führen 1:0 und nicht mal mehr zwanzig Minuten sind noch zu spielen. So manch einer
mit Blau-Gelb-Weiß im Herzen wird hinterher zugeben, er hätte nicht mehr an einen
Punktgewinn geglaubt. Doch Jenas Routiniers auf dem Spielfeld sehen das
anders. Torsten Ziegner hebt einen Ball vor in den Sechzehner auf Sebastian
Hähnge, der mit langem Bein zunächst dafür sorgt, dass das Leder
nicht ins Toraus verspringt. Danach tunnelt er Domaschke im zweiten Versuch und
vollendet überlegt mit halbhohem Schuss über zwei grätschende Verteidiger
hinweg ins Netz. Jubel im gut gefüllten Gästeblock direkt dahinter. Obwohl es
wie die meiste Zeit zuvor nun wieder unentschieden steht, scheint der Ausgleichstreffer
noch einmal richtig das Feuer anzufachen. Nicht nur auf den Rängen, auch bei
den blau-gelb gekleideten Spielern. Ein Torsten Ziegner erobert erst den
Ball, lässt ihn dann zu weit wegspringen, verliert ihn dadurch wieder und
hüpft vor Ärger darüber wie Rumpelstilzchen auf dem grünen Rasen. Jenas
Spieler wollen drei Punkte, das ist zu spüren. Doch die geniale Idee,
mit der der Willen in die Tat umzusetzen wäre, kommt ihnen an diesem Tag nicht
mehr. Stattdessen besitzen sie bei Schönheims Chance in der 87.
Minute sogar noch Glück, am Ende nicht mit leeren Händen
da zu stehen. Dass beide Trainer in der Nachspielzeit noch je
einen frischen Spieler für gerade mal fünfzehn Sekunden aufs Feld schicken, zeigt an, dass alle
mit dem Punkt leben können. Auf Jenaer Seite wird er sogar wie
ein Sieg gefeiert.
Mag es in der spielerisch-taktischen Umsetzung noch etliche Reserven geben,
kämpferisch war's allemal in Ordnung. Zumindest vom Sportlichen her scheint
das Schlimmste erst einmal überwunden. <fc>
VfB Stuttgart II - FC Carl Zeiss Jena 0:1
Tore: 0:1 Orlando (68.)
- Stuttgart: Stolz; Schimmel, Pischorn, Vier, Enderle; Didavi, Funk,
Vecchione (83. Pala), Hertner (79. Riedle); Schipplock, Fischer (58. Walch)
- Jena: Nulle; Sträßer, Lanzaat, Lukimya, R. Schmidt;
Kühne, Truckenbrod (62. Amrhein), Ziegner, Wuttke; Hähnge
(85. Mayombo), Orlando (90. A. Schmidt)
- Zuschauer: 680
- Schiedsrichter: Dingert (Thallichtenberg)
- Spielbericht
- Im fünften Spiel gegen Stuttgart II gelang das zweite Tor. Dieses brachte, da der FCC im Gegensatz zu den sonst üblichen
dreieinhalb Gegentreffern pro Stuttgart-Spiel den Gastgebern keinen Treffer gönnte,
drei Punkte ein.
Nach 13 Sekunden hätte der Abend bereits
einen schlechten Verlauf nehmen können, als Nulle das erste Schüsschen
prallen ließ, der Stuttgarter den Nachschuss jedoch nicht am Jenaer
Torwart vorbeibrachte. Nach 5 Spielminuten brannte es erneut lichterloh vor
Nulles Kasten, als ein Angreifer eine Eingabe um Haaresbreite verfehlte. Die
einzig erwähnenswerte Situation des Jenaer Angriffsspiels war ein
Schuss Wuttkes nach einer Ecke aus 20 Metern in die zweite Etage des kalten
Stuttgarter Abendhimmels (9. min). Ansonsten sah sich Jenas einziger Stürmer
Hähnge immer von einer erdrückenden weißen Abwehrübermacht
umgeben, gegen die alle Dribblings nichts fruchteten. Die Unterstützung
der Mitspieler war nicht gegeben, da z. B. Orlando sich im Hinfallen und
Abseitsstehen übte. Die Jenaer Harmlosigkeit wurde in der 19. min
perfekt demonstriert, als man auf Höhe des Stuttgarter Strafraums
einen Einwurf hatte und den Ball innerhalb von fünf Sekunden
zielsicher zurück zu Nulle brachte. Da Stuttgart außer einem
Schuss am langen Eck vorbei (35.) auch nichts weiter zustande brachte, ging es
nach einer langweiligen Halbzeit torlos in die Kabinen.
Nach Wiederanpfiff änderte sich das Bild.
Der FCC hatte sofort eine Ecke, die aber gefahrlos in einem schnellen Konter
der Gastgeber mündete und uns wie schon zu Beginn der ersten Halbzeit
beinahe ein Gegentor beschert hätte. In der 52. min schirmte Lukimya
den Ball gegen einen Angreifer ab, Nulle sorgte aber für kurzes
Herzflattern, da er den Ball erst im zweiten Zupacken sicher hatte. Die Partie
wurde nun deutlich besser. Ursachen waren nicht nur die jetzt deutlich gefälligeren
Spielzüge der Stuttgarter, sondern auch die Leistungssteigerung
etlicher Jenaer Spieler. So präsentierte sich Schmidt deutlich
selbstbewusster und auch offensiver als vor der Pause, und Ziegner zog immer
aktiver die Fäden im Jenaer Mittelfeld. Doch wieder waren es die
Gastgeber, die kurz vorm Führungstreffer standen, als Schipplock nach
einem langen Pass Lanzaat einfach überlief und Nulle im wahrsten Sinne
Kopf und Kragen riskieren musste. Dafür bekam er eine dreiminütige
Behandlungspause auf dem Rasen. In der 58. Spielminute hatte der FCC seine
erste Torchance: Orlando vernaschte
links seinen Gegenspieler, passte flach in die Mitte, aber Hähnge
setzte den Direktschuss leider übers Tor. Zwei Minuten danach stand
Nulle wieder im Brennpunkt, als er einen Fernschuss Schipplocks über
die Querlatte lenken konnte.
Eine entscheidende Veränderung brachte
die Einwechslung Amrheins für Truckenbrod. Amrhein ging auf die linke
Außenbahn, Orlando wechselte nach rechts und Wuttke rückte
auf die defensive Mittelfeldposition. Damit war Hähnge nicht mehr ganz
allein in der Stuttgarter Hälfte und obwohl sich neben ihm zumeist nur
Amrhein, Orlando und Ziegner in die gegnerische Hälfte getrauten, kam
deutlich mehr Offensivleben ins Jenaer Spiel. Und nur wenige Minuten später,
nach einem zwischenzeitlich weiteren Kapitel des Duells Schipplock vs. Nulle
(66., letzterer klärte zur Ecke), gab es den verdienten Lohn: Hähnge
bekommt in der Mitte kurz hinterm Mittelkreis den Ball, sieht rechts außen
den startenden Orlando, passt die Spielkugel maßgenau hinüber,
Jenas Nummer 10 setzt sich mit einem eleganten Haken gegen den Verteidiger
durch und ballert aus spitzem Winkel ins lange Eck. 1:0!!! Nicht nur der Gästeblock,
auch im sogenannten Heimbereich flippte ein gutes Drittel der Besucher aus.
Drei Minuten später verhinderte das Gebälk des Stuttgarter Tores
Hähnges Nominierung für das "Tor des Monats": Der Jenaer Stürmer
ignorierte die beiden Stuttgarter und zog aus der Drehung vom rechten
Strafraumeck ab. Stolz, der VfB-Keeper, schaute bewundernd dem Ball, den er
sowieso nie und nimmer erwischt hätte, hinterher und ihm dürfte
einige Tonnen Gestein vom Herzen gefallen sein, dass ihm sein Torpfosten
hilfreich zur Seite stand. Bis zur 88. min versuchte Stuttgarts Zweite mit viel
Energie, jedoch ohne Ideen, Jenas Bollwerk zu knacken, Angstperlen trieb dies
aber nicht einmal den sonst aus Prinzip vorm Gegentor zitternden FCC-Fans auf
die Stirn. In jener 88. min kamen zwei Angreifer doch einmal fast in der Mitte
durch, Nr. 1 nahm jedoch der schussbereiten Nr. 2 den Ball vom Fuß.
Einer von beiden, ob Nr. 1 oder 2 ist egal, sank zu Boden (Nase voll?) und der
Referee pfiff zum Entsetzen der Jenaer und zur Verwunderung der Stuttgarter
Zuschauer und zeigte auf den Elfmeterpunkt. Nulle korrigierte den Fehler des
Referees, wehrte den Schuss ins linke untere Eck ab und schubste den
wegspringenden Ball vorm nachsetzenden Schützen zur Seite. Die
verbleibende Zeit inklusive der vier Nachspielminuten überstand der
FCC ziemlich problemlos, auch weil sich van Eck daran erinnerte, dass man
dreimal pro Spiel auswechseln darf und dies immer ein paar Sekunden schindet. Und
so hatten wir endlich, nach einem Vierteljahr (Kiel!!!), wieder einmal eine
Heimfahrt, auf der man sich mit Freude an das erlebte Spiel erinnerte.
<uk>
Spielbericht auf der Stuttgarter Homepage
Fotos auf fanclub-family.de
FC Carl Zeiss Jena - Wuppertaler SV 1:0
Tore: 1:0 Hähnge (43.)
- Jena: Nulle; Sträßer, Lanzaat, Lukimya,
R. Schmidt (46. Wuttke); Kühne, Truckenbrod (78. Mayombo), Ziegner,
Amrhein (88. Nagy); Hähnge, Orlando
- Wuppertal: Maly (
, 6.);
Neunaber, Neppe (76. Altin), Lorenz, Schauml;fer; Müller, Weikl
(79. Bernhardt), Fischer, Celikovic; Formento (6. Karagiannis), Damm
- Zuschauer: 5076
- Schiedsrichter: Schriever (Dorum)
- Spielbericht
- Wie gewohnt konnte man sich auch im Vorfeld dieses Spiels nicht
über mangelnde Unruhe im Umfeld des FC Carl Zeiss Jena beschweren, in
der Woche vor dem Spiel wurde mit Hartmut Beyer der neue Präsident
vorgestellt, der dann auch gleich die Kündigung für Salvatore
Amirante zurückzog und diesem so formal die Rückkehr in die
erste Mannschaft ermöglichte - der Italiener meldete sich aber zunächst
krank und blieb Training und Spiel fern. Die personelle Situation hatte sich
dennoch etwas entspannt, denn mit Sebastian Hähnge war zumindest eine
der Stützen der Jenaer Elf wieder in der Anfangself zu finden. Das
bestimmende Thema im Vorfeld war aber naturgemäß der Freitod
von Robert Enke, der seine Karriere ja in Jena begann und der auch bis zuletzt
noch den Kontakt in seine Heimat gehalten hat. Wie praktisch alle Außenstehenden
traf die Nachricht vom Selbstmord Enkes auch seine Freunde in Jena
unvorbereitet, der Schock über die nur schwierig nachvollziehbare
Entscheidung des erfolgreichen Torhüters saß auch in Jena
entsprechend tief.
Das Spiel begann dann auch mit einer Schweigeminute für
den achtfachen Nationalspieler, bei der manchem Besucher die eine oder andere
Träne über die Wange rollte. Die ersten Minuten des Spiels
hatten dann auch irgendwie den Anschein, als ob die 22 Akteure nicht ganz bei
der Sache wären. Zunächst schenken die Gäste den
Jenaern eine Ecke, weil es ein Missverständnis zwischen einem
Abwehrspieler und Gäste-Keeper Christian Maly gibt, ähnliches
gibt es nur Sekunden später auf der Gegenseite zu sehen. Die erste
halbwegs gefährliche Aktion ist dann ein langer Ball auf Orlando, der
mit seiner Schnelligkeit auch die WSV-Abwehr überrascht und den Gäste-Torwart
mit seiner plötzlichen Anwesenheit direkt vor dem Strafraum offenbar
so überrascht, dass dieser in einem Moment der Unaufmerksamkeit die Hände
zu Hilfe nimmt, obwohl er sich haarscharf außerhalb des Strafraums
befindet. Schiedsrichter-Assistent und Schiedsrichter können in dieser
Situation gar nicht anders, als Maly mit Rot vom Feld zu schicken und dem FCC
eine aussichtsreiche Freistoßposition an der Strafraumgrenze
zuzusprechen. Spätestens jetzt waren die Gedanken von Spielern und
Zuschauern voll und ganz beim heutigen Spiel. Opfer der Aktion von Maly war
letztlich der Wuppertaler Stürmer Formento, für den Gäste-Trainer
Uwe Fuchs nun Ersatz-Torhüter Asterios Karagiannis bringen musste.
Dieser sah sich gleich einer unbequemen Situation gegenüber, denn den
Freistoß von der Strafraumgrenze wollten die Gastgeber natürlich
im Tor unterbringen und dem Spiel so schon früh die richtige Tendenz
geben. Letztlich war es Torsten Ziegner, der sich den Ball zurechtlegte, anlief
und den Ball in Richtung Tor brachte - allerdings fehlten die berühmten
Zentimeter und der Ball strich am rechten Pfosten vorbei. Schon direkt im
Anschluss wurde klar, dass der WSV auch in Unterzahl ein unangenehmer Gegner
sein würde, der sich keineswegs entmutigen ließ. Die Spieler
aus der Stadt mit der Schwebebahn standen nun noch tiefer, als es vermutlich
ohnehin geplant war, Tobias Damm stand jedoch jederzeit bereit, um einen
schnellen Konter vorzutragen. Nach 13 Minuten waren es dann auch die Gäste,
die die nächste gute Gelegenheit hatten: Ein Freistoß aus
rund 25 Metern wurde von Celikovic vorbei an Freund und Feind auf den langen Pfosten
geschlenzt, wo Nulle aber hellwach und mit guter Reaktion zur Ecke klären
konnte. In der Folge bestimmte die in Überzahl spielende Jenaer Elf
zwar die Partie und hatte deutlich mehr Ballbesitz, dennoch muss sie sich den
Vorwurf einer gewissen Ideenlosigkeit anhören, denn gefährlich
wurde es für das Gäste-Tor nur äußerst
selten. Die tief stehenden Gäste machten geschickt die Räume
eng und unterbanden es effektiv, dass Orlando seine Schnelligkeit ausspielen
oder gefährliche Flanken in den Strafraum schlagen konnte. Wenn doch
mal ein Jenaer die Gelegenheit zur Flanke bekam, landete diese meist weit
hinter dem Tor und ließ das Jenaer Spiel entsprechend harmlos
erscheinen. Nach 35 Minuten fasste sich Amrhein ein Herz, sein Schuss bedrohte
aber vordergründig die Eckfahne und kann insofern als symptomatisch für
die Harmlosigkeit des FCC bis zu diesem Punkt gesehen werden.
Nur eine Minute später wären beinahe die Gäste
in Führung gegangen, denn einen schnellen Gegenzug konnte der schon
erwähnte Damm aus rund acht Metern abschließen, allerdings
war auch der selten geforderte Carsten Nulle gut drauf und konnte den Ball zwar
nicht festhalten, aber doch parieren. Bis zu diesem Zeitpunkt waren es damit
aber trotz Unterzahl doch die Wuppertaler, die die beste Chance der ersten
Halbzeit herausgespielt hatten. Die Szene der ersten Halbzeit stand aber noch
bevor, denn einmal mehr war es Orlando, der mit dem Ball am Fuß Fahrt
aufnahm und gleich mehrere Gegenspieler ausspielte. Beim letzten Verteidiger
Lorzenz versagten die Künste des kleinen Dribblers aber und es kam zum
Zusammenstoß, den die Gäste als freistoßwürdig
betrachteten und vehement den Pfiff des Schiedsrichters forderten. Dieser blieb
aber aus und Jens Truckenbrod nahm sich den Ball, zog sofort
ab und prüfte Karagiannis, der den Ball nicht festhalten konnte.
Dieser prallte nun vor die Füße von Sebastian Hähnge,
der bisher in dieser Saison torlos geblieben war und nun aus wenigen Metern nur
noch einschieben musste - TOOOOR für den FCC, endlich das erlösende
1:0!
Mit diesem Ergebnis ging es dann auch in die Kabinen, aus
denen die Gäste unverändert zur zweiten Halbzeit zurückkamen.
Beim FCC kam Wuttke für Schmidt, der aus Sicht von Trainer René van
Eck Gelb Rot-gefährdet war. Schon direkt nach Wiederanpfiff ist es
erneut Orlando, der die Gäste-Abwehr quasi im Alleingang umspielt und
dann nur noch den Torhüter vor sich hat, den Ball dann aber leider
etwas überhastet am Tor vorbeihämmert, anstatt ihn überlegt
einzuschieben. Die Gäste änderten zunächst wenig an
ihrer Spielweise und standen weiter tief, genauso schwer taten sich aber auch
die Jenaer. In der Folge plätscherte das Spiel dahin und auch in Folge
zahlreicher unnötiger Ballverluste im Spielaufbau konnte keine der
beiden Mannschaften gefährliche Chancen herausspielen. Wenn überhaupt
etwas Gefahr zustande kam, dann in Folge von Freistößen.
Doch auch hier versäumten es Gastgeber und Gäste, die Torhüter
zum Eingreifen zu zwingen oder gar vor ernsthafte Herausforderungen zu stellen.
In den letzten zehn Minuten wurden auch die Gäste noch einmal mutiger,
die Jenaer Verteidigung stand aber überwiegend sicher und zwang Nulle
nicht zum Eingreifen. Als bereits einige Minuten der Nachspielzeit gespielt
waren, eröffnete sich dem FCC noch die Chance auf 2:0 zu erhöhen.
Nach einem langen Ball lief Ziegner zusammen mit Orlando
aufs Gäste-Tor zu, begleitet nur von einem letzten Gäste-Verteidiger.
Als Ziegner den Ball zum einschussbereiten Orlando spielen wollte,
versagten ihm aber die Kräfte und die Nerven, sodass der Ball
unerreichbar für den mitgelaufenen Stürmer ins Aus trudelte.
Kurz darauf war aber auch Schluss und die Jenaer konnten
sich über drei Punkte freuen, die gegen den direkten Tabellennachbarn
natürlich sehr wichtig waren. Mit etwas mehr Kreativität und
Konsequenz im Torabschluss hätte man die Partie allerdings weniger anstrengend
für das leidgeprüfte Nervenkostüm der Jena-Fans
gestalten können. Nun bleibt zu Hoffen, dass die Jenaer in den
kommenden beiden Auswärtsspielen ebenfalls Punkten und so die Distanz
zu den Abstiegsrängen weiter vergrößern können. <bh>
1. FC Heidenheim - FC Carl Zeiss Jena 3:1
Tore: 0:1 Truckenbrod (35.), 1:1 Lukimya (60., ET), 2:1 Mayer (79.), 3:1 Weil (90.)
- Heidenheim: Bodemer; Meier, Göhlert, Krebs, Feistle; Bagceci
(46. Gül), Klarer, Weil, Essig (59. Mayer); Spann (88. D. Jarosch),
Heidenfelder
- Jena: Nulle; Sträßer, Lanzaat, Lukimya, Wuttke;
Kühne, Truckenbrod (86. Petersen), Ziegner, Amrhein; Orlando, Mayombo
(75. Eckardt)
- Zuschauer: 6130
- Schiedsrichter: Nowak (Bottrop)
- Spielbericht
- Im Spiel eins nach seinem Tod war Robert Enke auch fern der thüringischen
Heimat in Heidenheim allgegenwärtig. Der FCC verzichtete auf den
üblichen Aufdruck der Trikotbrust und die FCH-Fans auf ihre geplante
Choreo, beide Teams liefen mit Trauerflor auf und während der
holprigen Gedenkrede des Heidenheimer Stadionsprechers erinnerte der
Gästeblock ganz in schwarz an Jenas großen Sohn.
Wer gedacht hatte, der Nachmittag ginge derart besinnlich weiter, sah sich sehr
schnell getäuscht. Auf der Stadionbaustelle nahe des Schlosses
Hellenstein entwickelte sich ein überaus temporeiches Spiel mit
Chancen hüben wie drüben. Amrhein und Ziegner
(Außenpfosten) nach zwei und fünf Minuten hier - Meier (14.)
und Weil (16.) dort, Smeekes mit Hammerschuß (17.), Amrhein nach
Traumkombination (22.) sowie Kühne und Mayombo nach Eckball (25.)
wieder hier, es brannte unentwegt in beiden Strafräumen.
Gefährlich wurden die Gastgeber dabei fast immer bei ihren Angriffen
über Jenas lichterloh brennende linke Abwehrseite. Es ist nicht
überliefert, ob dies von Rene van Eck so gewollt war, aber Jena
spielte quasi mit Dreierabwehrkette, während
Sträßer als linker Läufer seine Seite über
die gesamte Länge des Spielfeldes allein zu beackern hatte, Smeekes
neben Mayombo im Zentrum stürmte. Was defensiv einem Harakiri glich,
führte aber gleichzeitig zu einem personellen Übergewicht des
FCC im Mittelfeld, welches die Heidenheimer vor große Probleme
stellte, und Jenas Fans ob des gebotenen Kombinationsflusses erstaunte. Der FCC
spielte als komplettes Kontrastprogramm zum letzten Heimauftritt einfach
schön anzusehen, die Einstellung stimmte bei jedem Einzelnen und nach
35 Minuten folgte die Belohnung in Form der Führung. Der ins Team
zurückgekehrte Torsten Ziegner tankt sich wie in alten
Regionalligazeiten auf der rechten Seite ein, an zwei Heidenheimern vorbei zur
Grundlinie durch, passt millimetergenau zurück auf Jens Truckenbrod,
der den Ball aus zehn Metern zu seinem so lange überfälligen
ersten Punktspieltor für den FCC versenkt. Was in Robert Enkes
ehemaligem Klassenkamerad Torsten Ziegner vorgeht, der im stillen Jubel beide
Arme gen Himmel reckt, kann man erahnen. Kurz darauf muss Smeekes eigentlich
das zweite Tor nachlegen, als er mutterseelenallein von der Mittellinie aus
aufs Tor zurast, aber am einzig verbliebenen Heidenheimer Verteidiger
hängenbleibt. Dann heißt es erst einmal Sichern des
Vorsprunges, Smeekes besetzt nun das linke Mittelfeld und nur noch einmal ist
Zittern angesagt, als Weils Schuss nur knapp am Nulle-Gehäuse
vorbeischrammt (37.). Pause, Jena führt und das verdient, wenn auch in
der Innenverteidigung mit Lukimya und Rückkehrer Lanzaat alles andere
als sicher.
René van Eck wechselt nicht, lässt aber seine Flügelzange Patrick
Amrhein und Orlando Smeekes die Seiten tauschen, ein Schachzug mit Folgen.
Jenas linke Seite ist nun endgültig zu für die Heidenheimer
Angriffsbemühungen, während Smeekes auf rechts im
völlig überforderten Außenverteidiger Feistle ein
ums andere Mal ein leichtes Opfer für seine
Flügelläufe vorfindet. Von Heidenheimer Ausgleichsdruck ist
nicht einmal ein Ansatz zu spüren, hier und jetzt geht es ganz klar um
die Spielentscheidung zugunsten der Gäste, die sich mit laufintensivem
und beängstigend temporeichem Spiel Chance um Chance erarbeiten. Der
als einzige Spitze stets anspielbereite Mayombo nach Kühne-Zuspiel
knapp vorbei (46.), Ziegner mit Freistoß in die Mauer (49.), Amrhein
aus dem Fußgelenk nur um Haaresbreite am Winkel vorbei (52.), Mayombo
nach Ziegner-Zuckerpass mit von Ersatz-Ersatzkeeper Bodemer glanzvoll pariertem
Schuss (55.), Kühne mit Flachschuss (61.), es stellte sich beinahe nur
die Frage, welcher der 11 Jenaer der kommende Torschütze sein
würde. Assani Lukimya war es dann, den der Stadionsprecher als solchen
verkündete, leider im Jubelton und begleitet vom
Kopfschütteln 500 fassungsloser Gesichter im Gästeblock. Was
war passiert? Ballverlust Truckenbrods im Mittelfeld, geschickter Pass
Güls auf den gerade eingewechselten Mayer, dessen Schuss Nulle
sensationell nach vorn abwehrt, wo er von der Brust Jenas Abwehrchefs
über den verdutzten Keeper ins Tor hüpft. Jenas Antwort
ließ nicht auf sich warten: Aber Smeekes findet in Bodemer seinen
Meister (66.), Ziegner zielt aus 20m knapp daneben (67.), Mayombo erwischt
Ziegners Zuspiel drei Meter vor dem Tor eine Hundertstelsekunde zu
spät (69.). Als dann nach 70 gespielten Minuten sowohl Lukimya, als
auch Truckenbrod und Mayombo Wuttkes wunderbare Eingabe von rechts nicht im
leeren Tor unterbringen können, hat der FCC nicht nur sein Pulver
verschossen, sondern sich auch selbst den Nerv gezogen. Eckardts Einwechslung
für Mayombo geht nach hinten los, weil nun die ballsichere Anspielstation
in der Spitze fehlt, und Nulle muss bei Kontern der nun aufdrehenden
Heidenheimer gleich zwei Mal binnen einer Minute sein ganzes Können
aufbieten. Nach 79 Minuten ist auch er machtlos, als Ziegner Heidenfelders
Schuss zunächst abblockt, aber der schwache Referee Nowak
Göhlerts Foul an Kühne nicht ahndet und Mayer aus Nahdistanz
vollendet. Ob der mitten in diese Aktion zu hörende Pfiff vom Referee
oder aus dem Publikum kam, bleibt das Geheimnis des Mannes aus Bottrop, der Treffer
zählte.
Jena blieben noch 11 Minuten, doch der Akku schien leer, zu
sehr hatte das Powerplay nach der Pause geschlaucht, stattdessen konterten die
Gastgeber ein ums andere Mal gefährlich und beseitigten mit dem
dritten Treffer in der Nachspielzeit alle Zweifel am mehr als
glücklichen Heimsieg. Dass Tim Wuttke - heute auch als rechter
Außenverteidiger gewohnt zuverlässig - den Schuss Weils
unhaltbar abfälschte, war ein sinnbildlicher Abschluss eines
unglücklichen Spieles, in dem der FC Carl Zeiss vieles richtig machte,
aber mit Fortuna und der eigenen Qualität vor dem gegnerischen Tor
hadern muss. <gunner>
FC Carl Zeiss Jena - SG Dynamo Dresden 0:4
Tore: 0:1 Röttger (4.), 0:2 Röttger (22.), 0:3 Kühne (36., ET), 0:4 Müller (77.)
- Jena: Nulle; Sträßer, Wuttke, Lukimya, Nagy (46.
Ziegner); Amrhein, Kühne, Truckenbrod, Eckardt (33. Orlando);
Mayombo, Benyamina (70. Kolb)
- Dresden: Keller; Cozza (35. Kunze), Oppitz, Trehkopf, Röttger
(46. Koch); Strifler, Hübener, Petrovic, Müller; Savran, Dobry
(78. Jungnickel)
- Zuschauer: 9846
- Schiedsrichter: Kempter (Sauldorf)
- Spielbericht
- Eigentlich sollte man mit dem
Schreiben erst anfangen, wenn man sich selbst wieder im Griff hat, der Puls die
200er-Marke unterschreitet, die Gedanken anfangen sich zu ordnen. Aber diesmal
geht es nicht. Die Wut muß raus, muß ungefiltert aufs Papier,
auch wenn es kein passendes Vokabular für ein derartiges Versagen
geben dürfte.
Es war eine Demütigung,
ein Untergang! Alleine die ersten fünf Minuten gegen Dresden sind bei
normaler Finanzlage ein Kündigungsgrund für den Trainer und
die halbe Mannschaft. Statt dem Tabellenvorletzten zu zeigen, warum er dort
unten steht, wird die Schlacht kampflos preisgegeben, die Initiative gar nicht
erst ergriffen. Dazu kommen diese dümmlichen Fehler bei der
Ballbehandlung und schon wird es ein unvergeßlicher Nachmittag! Ein grundloser
Querschläger von Nagy, ein bewunderndes Platzmachen Sträßers
(wo war der denn auf einmal hin?), ein Schuß von Röttger. 0:1
(4.). Dann: Ein leichter Ballverlust von Mayombo in der Spitze, eine schnelle Kombination
über den ganzen Platz ohne Jenaer Ballberührung oder auch nur
die Chance dazu, eine flache Hereingabe von Dobry auf den völlig
vereinsamten Röttger. Noch ein Schuß, diesmal ins andere
Eck. 0:2 (23.). Und dann zu allem Überfluß auch noch so ein
Eigentor der Kategorie 'Schöner geht's nicht', als Kühne einen
Müller-Freistoß mit dem Knie in den Winkel donnert. Absolut
unhaltbar für Nulle (35.). Ich hätte hier gerne ein bißchen
was vom Aufbäumen geschrieben, vom Kampfgeist, der einfach nicht
belohnt wurde oder so. Aber es war einfach nur erbärmlich. Ein Zweikampfverhalten wie zur Love-Parade. Kein Biß, kein Wille. Nicht mal
den Ansatz einer Jenaer Chance gibt es hier zu beschreiben.
Dafür müssen
die Zuschauer im Stadion noch 20 Spielminuten voller Jenaer Unzulänglichkeiten
plus Halbzeit über sich ergehen lassen und das alles bei
Heimspielatmosphäre für Dresden. Ich kann das hier gottlob schneller
machen. Es war Lukimya, der einen Ziegner-Freistoß gefährlich
in Richtung des Dresdner Tors verlängerte und Keller zu einer schönen
Parade zwang (54.). Immerhin der Auftakt zu den stärksten fünfzehn
Minuten unserer Helden, in denen sich zwei, drei gute Möglichkeiten zu
einem Anschlußtreffer ergaben. Erst scheiterte Orlando mit einem Schuß
von der Strafraumgrenze an Keller (55.), kurz darauf segelte ein
30-Meter-Knaller von Amrhein knapp am Dresdner Gehäuse vorbei (57.). Und
dann die 68. Spielminute! Der erste Spielzug der Jenaer, der aussah wie gewollt.
Da läuft der Ball mal über fünf, sechs Stationen, da
kann sich Amrhein auf der linken Seite schön durchsetzen und auch
Mayombo macht eigentlich alles richtig. Pech, daß sein Drehschuß
am gedankenschnellen Keller hängenbleibt. Wäre diese erste Katastrophenhalbzeit
nicht gewesen, das Publikum hätte sicherlich verzückt
applaudiert. So aber war nur ein langgezogener Seufzer zu hören.
Aber die Jenaer Erfolgsgeschichte für diesen Nachmittag ist ohnehin schon wieder zu Ende.
Was noch kommt ist stattdessen der endgültige
Offenbarungseid. Nachdem Savran aus Ermangelung an Gegenspielen den Ball
ungehindert aus 20 m an die Latte donnern kann (wieder waren Sträßer
und Lukimya erst ganz eng dran und dann wie vom Erdboden verschluckt), bringen
es die Jenaer dreißig Sekunden lang nicht fertig, für klare
Verhältnisse im Strafraum zu sorgen. Als Savran zig verlorene Zweikämpfe
später den Ball wieder kriegt, sehen alle Zuschauer schon was jetzt kommen
muß, können in Ruhe ihre Fahnen einrollen, ihre Kissen
einpacken und was sonst noch so zu tun ist, um ganz schnell nach Hause zu
kommen. Es war wirklich so offensichtlich, daß der Savran dem Müller
das Ding auflegt, daß man schon fast enttäuscht darüber sein mußte, nichts Spektakuläreres geboten zu bekommen.
Noch den Nulle hübsch ausgekurvt und dann rein damit (77.). Schöner
geht's nicht mehr. Nie habe bereits eine Viertelstunde vor dem Abpfiff so eine Abwanderungswelle erlebt (O-Ton: "Da glotze ich mir lieber die Kandinsky-Ausstellung an")
Es tut mir leid, wenn das hier alles sehr sarkastisch rüberkommt,
aber es war bei diesem Spiel die einzige Möglichkeit, nicht völlig
die Beherrschung zu verlieren oder sich diversen Gewaltphantasien hinzugeben.
Eine solche Darbietung ist mir in Jena noch nicht untergekommen. Das
Pfeifkonzert zum Ende konnte nicht annähernd wiedergeben, was sich
hier gerade abgespielt hatte. Es ist ja nicht, daß Jena inzwischen
nahezu jedes Ostderby als Zweitplazierter beendet, sondern es ist die Art und
Weise, wie hier untergegangen wird. Spielerische Mängel sind
verzeihlich, wenn auch nicht immer nachvollziehbar. Aber kämpferisch
muß es einfach stimmen. Jeder Kreisklassespieler weiß, daß
man sich in der Anfangsphase erst mal Respekt verschaffen muß, will
man nicht den Rest des Spiels wie ein Depp aussehen ("gib dem Neuner gleich
einen mit, damit er weiß, dass er seinen Hutzebutz hier
vergessen kann" war der bekannte Slogan unseres Trainers vor jedem Derby in
Zottelstedt). Die Dresdner wußten das, die Jenaer nicht. In meinen
Augen das größte Problem ist und bleibt aber dieses konfuse
Miteinander. Da sind keine Laufwege aufeinander abgestimmt, da gibt es
keinerlei Zuordnung, da fehlen vorne die Leute, die hinten zu wenig sind. Was
machen die eigentlich die Woche über?
Persönlich fürchte ich, daß van Eck trotz
aller Sympathien nicht der richtige Mann für diesen Job ist. Aber neu
ist diese Erkenntnis im Verein ja nun auch nicht...
Das war ein grauenhafter Samstag!
Wollen wir uns nicht schneller im Abstiegskampf wiederfinden als uns lieb ist, darf sowas nicht so schnell wieder passieren. Es sind jetzt zwei Wochen Zeit,
irgendwie zu reagieren und diesem nervösen Haufen wieder
Selbstvertrauen einzuflößen. Wie das gehen soll, ist mir
ehrlich gesagt ein Rätsel. Aber vielleicht reicht es ja auch schon, wieder
vor den für die dritte Liga typischen Gruselkulissen anzutreten. Zu
viel Öffentlichkeit ist unserer Mannschaft scheinbar ein Graus. Insofern
liegt über den nächsten Wochen ein zarter Hoffnungsschimmer,
wenn wir uns mit Fußballgrößen wie dem 1. FC
Heidenheim oder dem Wuppertaler SV der üblichen Tristesse hinzugeben haben. <bpf>
SSV Jahn Regensburg - FC Carl Zeiss Jena 1:1
Tore: 0:1 Mayombo (27.), 1:1 Würll (90.)
- Regensburg: Sattelmaier; Hörnig (57. Jarosch),
Hagmann (
, 88.), Maul, Binder; Zellner,
Kreis (74. Schlauderer), Haller, Berger; Stoilov, Schmid (60. Würll)
- Jena: Nulle; Sträßer, Lukimya, Wuttke, Nagy; Eckardt
(70. Orlando), Truckenbrod, Kühne, Amrhein; Mayombo, Benyamina (90. Kolb)
- Zuschauer: 4108
- Schiedsrichter: Glasmacher (Alsdorf)
- Spielbericht
- Im letztjährigen Abstiegskampf hatte mir der
Spielberichtsorganisator das Angebot abgerungen, im Falle des Nichtabstiegs mal
wieder einen Spielbericht zu verfassen. Dies hatte die FCC-Helden dann
tatsächlich noch so angestachelt, dass sie sich auf der Zielgeraden
über den Strich retteten. Mein Versprechen sollte nun zum Abschluss
der "Bayrischen Wochen" beim Gastspiel bei Jahn Regensburg
eingelöst werden. Die Münchner FCC-Gemeinde um "Gleis
26" traf sich pünktlich nach dem Frühstück
zur gemeinsam Fahrt in die Hauptstadt der Oberpfalz. Die Stimmung war
entspannt, denn gegen Regensburg hatte der FCC noch nie verloren und in
Regensburg stets 2:2 gespielt. Ein Resultat mit welchem man in der aktuellen
Situation auch wieder zufrieden gewesen wäre.
Nach problemloser und zügiger Fahrt im ALEX wartete
in Regensburg noch eine Busfahrt zum Stadion auf uns, die gefühlt so
lange wie die Zugfahrt dauerte. Der Fahrer wollte uns wohl die
Schönheit der Stadt genießen lassen, anders sind die
minutenlangen Stopps an den Haltestellen nicht zu erklären.
Letztendlich erreichten wir aber pünktlich das Jahnstadion, dessen
Charme gleich deutlich darauf hinweist, dass man sich in einer der ältesten
Städte Deutschlands befindet.
Die Gastgeber hatten
nach ihrem sehr guten Saisonstart zuletzt etwas geschwächelt und vier
Spiele in Folge nicht gewonnen (3 Niederlagen, 1 Unentschieden) und waren von
den Aufstiegsrängen auf Platz sieben zurückgefallen.
Angeführt vom Kapitän und Ex-Jenaer Alexander Maul
übernahm Regensburg gleich die Initiative und bereits nach drei
Minuten knallte der Ball zum ersten Mal gegen den Pfosten des Jenaer Tores.
Allerdings stand Schütze Haller dabei im Abseits. Der FCC startete mit
der Elf der zweiten Halbzeit vom Spiel in Unterhaching und meldet sich mit
einem Schuss von Amrhein, den Sattelmaier zur Ecke abwehrte, in Minute sieben
erstmals offensiv zu Wort. Regensburg blieb aber spielbestimmend und traf durch
Stoilov erneut den Pfosten (19.). Den zurückspringenden Ball bugsierte
Haller unbedrängt über das leere Tor. Dies wirkte allerdings
als Wachruf für die Jenaer Kicker, die nun doch auch etwas mehr nach
vorn versuchten. In der 26. Minute konnte Alexander Maul gerade noch René
Eckardt an der Strafraumgrenze am Schuss hindern. Eine Minute später
lupfte Amrhein im Mittelfeld den Ball schön zu Truckenbrod, der einen
feinen Pass in den Strafraum spielte und Mayombo mit prima Einsatz noch vor dem
zögerlichen Abwehrspieler am Ball war und ihn an Sattelmaier vorbei
zum 1:0 ins Tor spitzelte. Die Führung war zu diesem Zeitpunkt sicher
etwas überraschend, wäre aber fast noch erhöht
worden, doch Truckenbrod kam bei einem weiten Pass von Nagy einen Schritt zu
spät (34.). Regensburg kam vor der Pause nur noch zu einer Chance, die
Nulle aber souverän meisterte (41.).
Der FCC kam besser aus der Pause und bestimmte nun
zunächst das Spielgeschehen. Eckardt passt zu Amrhein, der legt auf
Mayombo ab, der leider einen Schritt zu spät kommt (47.). Zwei Minuten
später behauptete Mayombo im Strafraum den Ball gegen Maul. Dieser
konnte sich nur mit einer Ringereinlage helfen. Der fällige
Elfmeterpfiff des insgesamt recht schwachen Schiedsrichters Glasmacher blieb
aber aus. Die nächste Chance hatte Sträßer nach
Doppelpass mit Eckardt. Doch sein Schuss ging knapp am rechten Pfosten vorbei
(53.). Regensburgs erste Offensivaktion in der zweiten Halbzeit war ein
Fernschuss aus knapp 30 Metern, der aber weit am Kasten von Nuller vorbei ging
(55.). Trainer Weinzierl reagierte und brachte mit Würll nach einer
Stunde einen weiteren Angreifer. Auch wenn Regensburg damit das Spiel wieder
etwas ausgeglichener gestalten konnte, blieben Chancen nun auf beiden Seiten
zunächst aus. Nach 70 Minuten kam Orlando für Eckardt und
damit auch neuer Schwung ins Spiel. Zunächst setzt sich Orlando auf
rechts durch und flankt von der Grundlinie, den Kopfball von Amrhein kann
Sattelmaier aber entschärfen (76.). Drei Minuten später ein
Konter des FCC, Truckenbrod passt auf Mayombo, der in aussichtsreicher Position
verstolpert. Und drei Minuten vor Ablauf der regulären Spielzeit wird
Orlando über links geschickt, Hagmann kommt nicht hinterher und
erwischt Orlando nur noch am Fuß und kassiert dafür - da
letzter Mann - die Rote Karte. Die 90 Minuten waren abgelaufen, Regensburg
bemüht sich noch einmal in
Richtung Jenaer Tor und Mayombo geht etwas ungeschickt in den Zweikampf -
Freistoß und wohl die letzte Aktion im Spiel. In der
Gästekurve bangte man nun schon, dass es doch nicht schon wieder mit
einem späten Ausgleich in Regensburg enden kann und darf ... Aus dem
Fanblock vom anderen Ende des Spielfeldes sah man den Freistoß
über Freund und Feind hinwegsegeln und dann tatsächlich im
Netz zappeln. Hinterher hörte man, dass wohl Mayombo unglücklich
ins eigene Tor getroffen hatte. Sehr ärgerlich! Dem Spielverlauf nach
sicher eine akzeptable Punkteteilung. Aufgrund der besseren zweiten Halbzeit,
in der vergessen wurde, den berühmten Sack zuzumachen,
aber doch zwei verschenkte Punkte mit einem
tragischen Helden Mayombo. <jw>
SpVgg Unterhaching - FC Carl Zeiss Jena 3:1
Tore: 1:0 Steegmann (43.), 2:0 Steegmann (63.), 3:0 Kanca (76.), 3:1 Benjamina (82.)
- U'haching:Kampa; Konrad, Hain, Brysch, Schaschko (90. Ziegler);
Tyce, Mitterhuber, Zillner, Leandro; Schweinsteiger (73. Kanca), Steegmann (79. Rathgeber)
- Jena: Nulle; Sträßer (73. Osadchenko), Lukimya, Wuttke, Nagy; Eckardt, Kühne, Truckenbrod, Ziegner (46. Benyamina), Orlando (46.
Mayombo); Amrhein
- Zuschauer: 3300
- Schiedsrichter: Fischer (Hemer)
- Spielbericht
- Same procedure as every year.
Der FCC verliert obligatorisch sein Auswärtsspiel bei der Spielvereinigung Unterhaching, diesmal
mit 3:1 und nach zwei völlig unterschiedlichen Halbzeiten.
Der
Minutenzeiger hatte noch nicht einmal eine volle Umdrehung gemacht, da hatten
Jenas Fans den Torschrei auf den Lippen, als Patrick Amrhein von Ziegner
mustergültig bedient von der Strafraumgrenze abziehen kann, aber nur ein
klägliches Schüsschen zustande bringt. Ein Auftakt mit Signalwirkung konnte man
hoffen, doch als Referee Fischer 45 Minuten später zur Pause pfiff, war aus
Sicht des FCC keine einzige weitere Möglichkeit zu notieren gewesen, von einem
großzügig verzogenen Distanzschuss des überraschend sofort eingesetzten Kühne
einmal abgesehen. Jena lieferte eine erste Hälfte ohne jeden Esprit, blieb im
Offensivspiel erschreckend harmlos und lag verdient mit 0:1 zurück. Dass dieses
Gegentor aus einer lächerlichen Schauspieleinlage Zillners an der
Seitenauslinie direkt vor den Augen des schwachen Linienrichters und folgender
Freistoßflanke resultierte, war bitter. Aber Steegmanns gegen Lukimya
folgenschwer gewonnenes Kopfballduell zum Führungstreffer kurz vor der Pause
(43.) eben auch nur eine der zahlreichen Hachinger Möglichkeiten. Von denen
vergab der Torschütze selbst üppig (12., 26., 34.), aber Zillner nach seinem
Sturmlauf zwischen den verdutzten Sträßer und Ziegner hindurch zweifellos die
größte - Nulle rettete glanzvoll (33.).
So konnte es nicht weitergehen, und van Eck, der schon vor Anpfiff auf den sich
beim Aufwärmen verletzenden Holwijn verzichten musste, stellte erneut um. Auch,
weil der blasse Orlando Smeekes mit ausgekugelter Schulter passen musste. Aus
dem 3-5-1 mit Doppelsechs Kühne/Truckenbrod und Amrhein als einziger Spitze
wurde nun ein 4-4-2. Amrhein rückte zurück auf die linke Mittelfeldposition,
als Spitzen agierte dabei das Sturmduo der in dieser Saison so begeisternden
II. Mannschaft, und plötzlich ging beim FCC nach vorn die Post ab. Insbesondere
Exaucé Mayombo war von Hachings Verteidigern kaum zu stellen und lieferte eine
starke Partie ab. Kühnes Schuss nach Truckenbrod-Ablage gab nach 51 Minuten die
Richtung vor, Mayombos abgefälschter Schuss folgte zwei Minuten später, Amrhein
prüfte Kampa im Hachinger Tor aus 18 Metern (54.), Truckenbrod zieht knapp
übers Tor (58.). Jena war jetzt richtig im Spiel, die Kombinationen liefen
flüssig und spätestens in der 59. Minute musste es einfach soweit sein, als
Rene Eckardt auf rechts mustergültig von Sträßer bedient wird, aber statt Kampa
den Ball um die Ohren zu ballern eine unmotivierte Mischung aus Heber und
Flanke ansetzt. Wie einfach Fußball sein kann, demonstrierten die Bayern kurz
darauf auf der Gegenseite: Langer Befreiungsschlag Hains aus der eigenen Hälfte
auf den durchstartenden Steegmann, der vernascht Wuttke im 16er und schiebt
lässig zum 2:0 ein. Bewundernde Worte fielen im Gästeblock über die weise
Voraussicht jenes sonst so viel- und weitreisenden Münchner FCC-Fans, der einem
Gelübde folgend den Nachmittag lieber weit abseits seinen Hund Gassi führend
verbrachte. Seit dem Sieg vor 17 Jahren scheint für unseren Club ein Fluch auf
diesem Sportplatz zu liegen. Sonst hätten vielleicht auch Mayombo nach
Traumzuspiel Benyaminas freistehend vor Kampa die Nerven nicht versagt (65.).
Und sonst würde ein Schiedsrichter bei einem Foul wie dem Kampas an Carsten
Sträßer im 16er auch einmal auf Elfmeter entscheiden. Für Sträßer bedeutete
Kampas übles Einsteigen das Ende der Partie - Jenas dritte Verletzung an diesem
Tage - und die Unordnung in der Hintermannschaft des FCC nutzte der
eingewechselte Kanca zur endgültigen Entscheidung. Dabei hätte es vielleicht
noch einmal eng werden können, wenn nach Benyaminas Anschlusstreffer per Kopf -
Nagy hatte von links geflankt - mehr gekommen wäre als die vergebenen
Möglichkeiten Benyaminas (Kopfball nach Eckball von rechts, 83.) und Amrheins
Freistoßversuch übers Tor (84.). Wo das Problem des FCC liegt, demonstrierte
dann eine Minute vor dem Ende René Eckardt noch einmal final, als er völlig
freistehend an Kampas Blitzreaktion scheitert. Nein, nichts zu holen in
Münchens Süden. Verflucht! <gunner>
FC Carl Zeiss Jena - FC Ingolstadt 04 2:0
Tore: 1:0 Lukimya (72.), 2:0 Holwijn (83.)
- Jena: Nulle; Sträßer, Lukimya, Wuttke, Nagy; Holwijn,
Truckenbrod, Ziegner (85. Eckardt), Orlando (90. Fuss); Amrhein,
Hähnge (73. Benyamina)
- Ingolstadt: Lutz; Keidel, Pisot, Wenczel, Ruprecht; Leitl,
Fleßers (71. Braber), Karl, Buchner; Neuendorf, Hartmann
- Zuschauer: 5099
- Schiedsrichter: Siebert (Berlin)
- Spielbericht
-
Im Vorfeld des Spiels gab es jede Menge Aufregung im Umfeld des FCC: Spätestens mit der Pokalniederlage in
Meuselwitz und der anschließenden Suspendierung von Salvatore Amirante hatte der FCC wieder einmal demonstriert,
dass man in Jena mit allem rechnen muss. Dazu kam noch die Vorstellung des neuen Geschäftsführers Michael
Born unter der Woche, Ablenkung von der Vorbereitung auf das Spiel gegen einen der Staffelfavoriten des Jahres gab
es also zur Genüge.
Mit dem FC Ingolstadt 04 war eine Mannschaft im Ernst Abbe Sportfeld zu Gast, gegen die der FC Carl Zeiss Jena erst
ein einziges Mal im Rahmen eines Winter-Trainingslagers gespielt hat. Das ist allerdings weniger überraschend,
zumindest wenn man betrachtet, dass der FC Ingolstadt 04 erst im Jahr 2004 als Zusammenschluss von MTV 1881 und ESV
Ingolstadt entstanden ist. Seitdem hat der Verein mit der Unterstützung des großen Sponsors im Rücken
einen steilen Aufstieg erlebt und konnte schon im Jahr 2007 den Aufstieg in die zweite Bundesliga feiern. Der letztjährige
Abstieg darf als Betriebsunfall verstanden werden, der den langfristigen Weg in Richtung erste Bundesliga wohl nur verzögert
hat. Spätestens beim Blick auf das Mannschaftsfoto der Gäste wird deutlich, wie der Verein verstanden werden soll: Der
Star ist nicht die Mannschaft, auch nicht bundesligaerfahrene Spieler wie "Zecke" Neuendorf Stefan Leitl, selbst Trainer
Horst Köppel steht im zweiten Glied. Bei Ingolstadt 04 gilt einzig und allein: Der Star ist der Sponsor.
Aber kommen wir zum Spiel: Den Spielern des FCC war von Beginn an anzumerken, dass die Geschehnisse außerhalb
des Platzes nicht völlig verdrängt werden konnten, jedenfalls waren die Gäste aus Ingolstadt von Beginn an
die spielbestimmende Mannschaft. Bereits in der ersten Minute kommen die Gäste gefährlich vors Jenaer Tor, die
Flanke von Leitl kann Buchner aber nicht verwerten. Nur wenige Augenblicke später versucht der rehabilitierte Ziegner
einen Rückpass zu Carsten Nulle, der Ball ist allerdings beinahe zu kurz und bringt Nulle erstmals in Bedrängnis.
Dank einer schnellen Reaktion kommt er allerdings noch vor dem Ingolstädter Spieler an den Ball und kann die Situation
klären. Dennoch blieben die Gäste dominant und kamen noch in der zweiten Minute nach einer Keidel-Flanke durch
Buchner zur nächsten Chance, auch dieser Kopfball verfehlte das Jenaer Tor aber knapp. Erst nach diesen drei Aufregern
konnten die Jenaer Fans erstmals durchatmen; auch wenn die FCC-Elf sich keine eigenen Chancen erspielen konnte, gelang es
nun immerhin, die Gäste vom eigenen Tor fernzuhalten. Dennoch wirkten die Gäste auf dem vom Regen getränkten
Rasen stets spritziger und technisch versierter und konnten mit einfachen Doppelpässen immer wieder schnelle
Vorstöße einleiten, die zum Glück für die Jenaer Elf nicht mit letzter Konsequenz ausgespielt
wurden. Wenn die Ingolstädter doch einmal den Abschluss fanden, war dann allerdings Carsten Nulle zur Stelle,
der insgesamt eine überzeugende Partie ablieferte. Auch nach einem Schuss von Karl aus rund zehn Metern war
Nulle zur Stelle und konnte per Fußabwehr klären. Nach knapp einer halben Stunde kamen auch die Jenaer
erstmals zu so etwas ähnlichem wie einer Torchance, als Patrick Amrhein auf der rechten Außenbahn vor
dem unnötigerweise herauseilenden Ingolstädter Torhüter Lutz an den Ball kommt und an diesem auch
vorbeikommt, dann aber ausrutscht und damit das großzügige Geschenk der Gäste dankend ablehnt. Kurz
vor dem Halbzeitpfiff ist es wieder Amrhein, der an der Strafraumgrenze der Ingolstädter glücklich an den
Ball kommt, die gebotene Chance aber mit einem Schuss zur Eckfahne kläglich vergibt. Damit blieb es zur Halbzeit
beim 0:0 und obwohl die Ingolstädter nicht viele klare Torchancen erspielt hatten, waren sie doch ohne Zweifel
die gefälliger spielende Mannschaft, die eine Führung zu diesem Zeitpunkt absolut verdient hätte.
In den Minuten nach Wiederanpfiff hatte man nicht den Eindruck, als ob René van Eck der Mannschaft in der Kabine
entscheidende Impulse gegeben hat. Wieder hatten die Ingolstädter den besseren Beginn für sich: Mit zwei
Freistößen aus rund 20 Metern brachte Keidel den Jenaer Torhüter Nulle in Bedrängnis, dieser war
aber hellwach und ging in Anbetracht des glitschigen Balls zwei mal auf Nummer sicher und faustete den Ball wieder
ins Spielfeld zurück. In der 51. Minute war es wieder Karl, der die Führung auf dem Fuß hat, aber im
letzten Moment mit viel Glück von mehreren Jenaer Verteidigern am Abschluss gehindert wird. Nur zwei Minuten
später die nächste Großchance für die Gäste, nun rettet wieder Nulle gegen Leitl, der
völlig unbedrängt zum Schuss kommt - die Ingolstädter Führung schien nur eine Frage der Zeit
zu sein, von Jenaer Seite kamen wie in der ersten Halbzeit praktisch keine Impulse für das Spiel. Nach 55 Spielminuten
kam aber auch der FCC mal wieder vors Gäste-Tor, die Flanke von Truckenbrod auf Hähnge war präzise und
gefühlvoll getreten, allerdings war auch Gäste-Torwart Lutz auf dem Posten und konnte mit den Fäusten
vor Hähnge an den Ball kommen. Zehn Minuten später war es erneut Nulle, der die letzte Rettung für das
scheinbar unverrückbare 0:0 an der Anzeigetafel darstellte. Gleich mehrere Stürmer der Gäste
scheiterten mit ihren Schussversuchen am Jenaer Keeper, bevor die Situation endlich bereinigt werden konnte.
Die rot-weiß gekleidete Marketingmaßnahme der bekannten VW-Tochter hielt bis dahin also fast, was
der Bus mit großen Lettern versprach: Der "Vorsprung durch Technik" schlug sich allerdings nur in
Spielanteilen und Torchancen nieder, das Spielergebnis zeigte sich bisher unbeeindruckt. In der Folge gönnten
sich die Gäste allerdings eine kleine Verschnaufpause und die Jenaer kämpften sich zurück ins Spiel.
Torchancen blieben zwar zunächst Mangelware, aber immerhin musste man sich in dieser Phase keine großen
Sorgen um das FCC-Tor machen. In der 72. Minute passierte dann das, was auch dem FCC schon oft genug widerfahren ist:
Die Mannschaft, die bis dahin klar unterlegen war und praktisch keine echte Torchance zu verzeichnen hatte, geht
völlig unverdient in Führung. Nach einem Freistoß aus halbrechter Position und rund 30 Metern
Entfernung ist es Abwehrmann Assani Lukimya, der als erster an den Ball kommt und diesen per Kopf ins lange
Ecke verlängern kann - 1:0 für den FCC und der Spielverlauf stand auf dem Kopf! Die Jenaer Zuschauer
hatten sich noch nicht wieder hingesetzt, da wäre beinahe der hochverdiente Ausgleich gefallen, als Buchner
per Kopf nur die Latte trifft und ein weiterer Ingolstädter seinen Nachschuss wenige Zentimeter neben den
linken Pfosten setzt. Die Angriffe der Gäste wurden nun verständlicherweise wütender und brachten
Nulle noch mehrmals in Bedrängnis. Nur zwei Minuten nach der Führung muss der Jenaer Torwart erneut per
Faustabwehr retten, nachdem ein Angreifer eine Gäste-Ecke per Volleyschuss von der Strafraumgrenze aufs Tor
brachte. Weitere drei Minuten später machte sich Nulle endgültig zum Mann des Spiels, als er einen
weiteren Freistoß von "Zecke" Neuendorf, der ansonsten unauffällig agierte, klären konnte.
Während die Gäste auf den Ausgleich drängten, zeigten die Jenaer, wie effizienter Fußball
aussehen kann: Einen hohen Ball aus dem Mittelfeld legt Amrhein per Kopf auf Melvin Holwijn ab, der sich ein Herz
nimmt und aus rund 18 Metern einfach mal draufhält. Der von Gäste-Trainer Köppel nicht ganz zu
Unrecht als "Sonntagsschuss" bezeichnete Ball schlug unhaltbar für Gäste-Keeper Lutz in der linken
Ecke ein und sicherte den Jenaer Sieg, der bis dahin noch heftig wankte.
Die Ingolstädter Bemühungen blieben auch in der Folge unbelohnt und fast hätte man den Eindruck
haben können, dass sich an diesem Tag die über 100 Jahre längere Tradition des FCC gegen den noch in
den Kinderschuhen steckenden Gast aus Ingolstadt durchgesetzt hat. Dennoch darf nicht unerwähnt bleiben, dass
der Sieg und die damit verbundenen drei Punkte sehr glücklich für René van Eck und den FC Carl
Zeiss waren, von einem verdienten Sieg kann beim besten Willen nicht die Rede sein. Entsprechend gedrückt
dürfte die Stimmung im Ingolstädter Bus bei der Heimreise gewesen sein, denn es ist ohne Zweifel bitter,
nach einem derart kraftraubenden und über weite Strecken gut geführten Spiel ohne Punkte nach Hause
fahren zu müssen. Es bleibt zu hoffen, dass die Jenaer beim nächsten Spiel in Unterhaching auch
spielerisch zu überzeugen wissen und auch in Bayern Punkte holen, bevor die bayerischen Wochen mit dem Spiel
in Regensburg hoffentlich erfolgreich beendet werden. <bh>
Kickers Offenbach - FC Carl Zeiss Jena 4:0
Tore: 1:0 Pospischil (24.), 2:0 Ulm (41.), 3:0 Mesic (78.), 4:0 Pfingsten-Reddig (88.)
- Offenbach: Wulnikowski; Huber, Hysky, Kopilas, Schutzbach;
Haas (84. Pfingsten-Reddig), Pospischil, Zinnow, Fröhlich (72. Laux);
Ulm, Mesic (81. Albayrak)
- Jena: Nulle; Fuss, Lukimya, Wuttke, Sträßer;
Holwijn (72. Kolb), Lanzaat (
, 79.),
Truckenbrod, Hähnge (46. Nagy), Orlando; Amirante
- Zuschauer: 8563
- Schiedsrichter: Thomsen (Kleve)
- Spielbericht
- Auf den Tag genau vor einem Jahr begleitete ich den FCC zum
Auswärtsspiel nach Wuppertal. "Am Tag der deutschen Einheit flossen
die Punkte von West nach Ost", beendete ich damals den Spielbericht und hoffte
jetzt auf einen vergleichbaren Spielausgang ein Jahr später.
Ein entlaufener Bulle vorm Polizeiauto auf der Hinfahrt sollte hierbei
eigentlich als Glücksbringer fungieren.
Allerdings ließen die letzten Auftritte der aktuellen Zeiss-Elf
ebenso wenig einen Feier(tags)auftritt erwarten wie die Bilanz am Bieberer Berg
mit nur einem mageren Pünktchen aus vier Spielen.
Ein Amirante-Schuss nach hundert Sekunden eröffnete
die Partie, in der Wuttke auch nach Lanzaats Rückkehr zunächst
in der Innenverteidigung blieb. Obwohl der Holländer bei seinem
Kurzeinsatz gegen Bremen alles andere als souverän gewirkt hatte,
wurde er ein weiteres Mal auf der Position vor der Abwehr neben Truckenbrod
besetzt. Sein Fehler ohne Not nach 16 Minuten ließ Pospischil von der
Strafraumgrenze aus zum Schuss kommen, Nulle bügelte aus. Es war die
zweite Chance der Hausherren in diesem Match, da sich zuvor bereits Zinnow
durch den kompletten Jenaer Strafraum gedribbelt hatte, dabei jedoch vergaß,
aufs Tor zu schießen. Auch Truckenbrod probierte es nach siebzehn
Minuten mal mit einem Schuss von der Strafraumgrenze. Wulnikowski kam mit einer
Faust an den Ball und lenkte zur Ecke. Fünf Minuten später.
Zinnows Faller nach Zweikampf mit Sträßer sah nach Schwalbe
aus, der bis dahin großzügige Schiedsrichter gab jedoch
Freistoß. Der Ball blieb in der 6-Mann-Mauer hängen, sprang
aber nach seiner ersten Bodenberührung mit ungewöhnlichem
Drall wieder zurück. Ein Lupfer in den Jenaer Strafraum, wo die Blauen
vergebens auf Abseits reklamierten, ein zur Vorlage werdendes Luftloch sowie
ein straffer Schuss auf zehn Metern führten zum 1:0.
Wie schon gegen
Bremen galt es einem Rückstand hinterher zu laufen. Genau das aber
wird zum schwierigen Unterfangen, wenn der Trainer ausgerechnet vor diesem
Spiel klammheimlich zur Ein-Stürmer-Taktik zurückgekehrt ist,
die schon im Jahr zuvor für Unverständnis und Erfolglosigkeit
gesorgt hatte. Sebastian Hähnge ("Ich erwarte mehr von mir und die
Leute auch") blieb nach dem Rückstand weiterhin konsequent im
zentralen Mittelfeld und versuchte sich erfolglos als Ballverteiler für
die einzige Spitze Salvatore Amirante. Da auch Melvin Holwijn sowie Orlando auf
den Außenpositionen nichts rissen, verwalteten die Hessen ihren
knappen Vorsprung ohne große Mühe und lauerten auf den möglicherweise
vorentscheidenden Fehler des Kontrahenten. Den gab es dann auch in Form eines
Jenaer Fehlpasses wenige Meter vorm Anstoßkreis. Dass er Lukimya
unterlief, einem der wenigen beständig guten Spieler während
der letzten Wochen, werteten einige Fans später als Zeichen um sich
greifender Verunsicherung in den Jenaer Reihen. Jedenfalls nutzte David Ulm das
Geschenk zu einem Solo durch die Jenaer Hälfte, um das Leder dann aus
gut zwanzig Metern über Nulle hinweg ins Tor zu heben. Sehenswert, mit
wie viel Gefühl im Fuß Ulm diesen Treffer markierte. Carsten
Nulle eine Mitschuld zu geben, wäre aber wohl verfehlt. Wie sollte er
ahnen, dass seinen Vorderleuten im Spielaufbau ein solcher Patzer unterläuft
? Unser Keeper schlich nach dem Pausenpfiff als Letzter vom Platz, begleitet
von Schmährufen der OFC-Anhänger, die in einem bekennenden
Sympathisanten von Eintracht Frankfurt so etwas wie ihren natürlichen
Feind sehen.
Drei Jahre zuvor war es einer Jenaer Mannschaft an gleicher
Stelle mal gelungen, aus einem 0:2-Pausenrückstand noch ein Remis
werden zu lassen. Um eine Wiederholung dessen herbei zu führen,
stellte van Eck während der Pause mehrfach um. Nagy kam für Hähnge
rein, begab sich wie gewohnt nach links und schickte Holwijn auf die andere
Seite. Aus Orlando wurde doch noch ein zweiter zentraler Stürmer.
Dahinter tauschten Lanzaat und Wuttke ihre Positionen aus der ersten Hälfte,
rückte Truckenbrod ein Stück weiter nach vorn. Der OFC ließ
die Gäste nach Wiederanpfiff zunächst gewähren. Als
sich die Hausherren dann doch mal wieder zu einem eigenen Angriff entschlossen,
brachte der schnelle Gegenstoß endlich mal wieder Gefahr. Durch vier
Abwehrbeine hindurch legte Orlando für Amirante auf, der schoss aus
der Drehung jedoch genau zu Wulnikowski. Der Ball von Nagy drei Minuten später
versprach mehr Erfolg, strich aus 19 Metern Torentfernung aber knapp am rechten
Pfosten vorbei. Eine weitere Steigerung erfuhren Jenas Bemühungen um
den Anschlusstreffer schließlich in Minute 69. Wiederholt versuchte
sich Truckenbrod an einem Fernschuss, selten zuvor aber war das Geschoss von
jener Güte wie diesmal. Aus 17 Metern volley abgefeuert, flog das
Leder oben ans Gebälk, dass es nur so krachte.
Die Hausherren hatten
offensiv nach dem Wechsel überhaupt noch nichts gezeigt. Doch mit
ihrem ersten gelungenen Angriff in Halbzeit zwei, bezeichnenderweise einem
Konter, sorgten sie fünfzehn Minuten vor Schluss für die
Entscheidung. Ulm legte an Sträßer vorbei in die Mitte ab,
wo Quido Lanzaat seinem Gegenspieler Mesic nicht hatte folgen können. 3:0. Dass Jenas
Abwehrchef eben jenem Mesic kurz darauf in die Hacken trat, roch nach Frustfoul
und wurde mit der Roten Karte geahndet. Und als hätte das alles nicht
schon gereicht, flog auch noch der Schuss des eingewechselten Pfingsten-Reddig
genau ins linke untere Eck. "Vier zu Nulle", höhnte es nach Ende der
zweiten 45 Minuten von der Offenbacher Fangeraden.
Dass dem OFC eine durchschnittliche Leistung zu einem derart
klaren Sieg reichte, sollte in Jena die Alarmglocken schellen lassen. Was nutzt
ein sich steigernder Truckenbrod, ein auf allen Positionen sein Ding machender
Wuttke - sie sind nun mal keine Antreiber, die den tödlichen Pass
spielen können. Genau so einer fehlt dem Zeiss-Spiel aber zunehmend.
Es scheint deshalb an der Zeit, die Verbannung Torsten Ziegners zu beenden.
Zwar ist nicht garantiert, dass es mit ihm schlagartig besser laufen wird. In
einer Phase, wo die Jenaer Mannschaft in ihren Leistungen nicht mehr nur
stagniert, sondern abzubauen beginnt, müssen jedoch ausnahmslos alle
Alternativen ausgelotet werden, die der Kader hergibt ! Es wird Zeit, sich mal
wieder gemeinsam an einen Tisch zu setzen. <fc>
FC Carl Zeiss Jena - SV Werder Bremen II 2:2
Tore: 0:1 Testroet (32.), 1:1 Orlando (52.), 1:2 Testroet (80.), 2:2 Amirante (82., FE)
- Jena: Nulle; Sievers (70. Fuss), Lukimya, Wuttke, Sträßer;
Eckardt, Truckenbrod, Hähnge, Nagy (46. Amirante); Kolb (74. Lanzaat),
Orlando
- Bremen: Wiedwald; Hessel, Gerdes, Stallbaum, Andersen; Ronneburg,
Ayik, Menga, Feldhahn; Testroet, Oehrl
- Zuschauer: 6062
- Schiedsrichter: Blos (Köngen)
- Spielbericht
-
Keiner weiß warum, doch in den vergangenen Jahren
hatte der FC Carl Zeiss mit den zweiten Mannschaften von Bundesligavereinen so
seine liebe Mühe. Mittlerweile sind drei von vier Hinrundenpartien gegen die
U23-Teams gespielt, mit zwei Siegen und einem Remis gestaltet sich die
Saisonzwischenbilanz ungewohnt positiv. Doch egal in welches Gesicht man auf
Jenaer Seite nach Abpfiff des Bremen-Spiels blickte - Zufriedenheit schaut
anders aus.
Daran hatte die erste Halbzeit einen gewichtigen Anteil.
Denn es war ein äußerst müder Kick, den 6062
Zuschauer (darunter exakt zwei Dutzend Bremer Fans) während der ersten
45 Minuten geboten bekamen. Dass es nach gut einer Viertelstunde Beifall gab für
einen ins Sturmzentrum gespielten Ball, den Kolb als eine von zwei Spitzen gar
nicht erreichte, mag als Beschreibung für das Niveau in der
Anfangsphase genügen. Eine Freistoßvorlage, die Wiedwald
gegen die Sonne blickend im zweiten Zupacken fing, war die einzige Szene, in
welcher ein Torhüter überhaupt
eingreifen musste. Beim ersten gelungenen Angriffszug nach
zwanzig Minuten stand Hähnge knapp im Abseits. Kurz darauf spielte
Rene Eckardt zwar schön Doppelpass mit Orlando, stolperte danach aber über
seine eigenen Beine. Und bei Lukimyias flacher Hereingabe erkannte der
freistehende Kolb in der Mitte die Situation zu spät. So blieb ein
satter 23-Meter-Schuss von Jens Truckenbrod, den Bremens Keeper über
die Latte lenkte, die einzig wirkliche Torchance
in Hälfte eins. Die Gästebilanz vor der Pause hätte
sich sogar noch ärmlicher gelesen, wenn Testroet im Gegenzug nicht der
Führungstreffer gelungen wäre.
Begünstigt wurde er durch einen Fehler von Jan-Andre
Sievers, welcher den Torschützen unbedrängt den Ball annehmen
ließ und dann nicht hinterher kam. Nach einer überzeugenden
Leistung im letzten Heimspiel gegen Burghausen blieb der Neuzugang aus Emden
damit das zweite Match in Folge hinter den Erwartungen zurück, wurde
später auch ausgewechselt.
Doch zunächst war es Nagy, der in der Kabine
bleiben musste. Mit der Hereinnahme von Amirante wechselte Orlando ab Beginn
der zweiten Halbzeit auf die Linksaußenposition. Eine Umstellung, die
sich sofort bezahlt machte. War der Holländer bei seinem energischen
Antritt von der linken Seite Richtung Zentrum doch nur mit unfairen Mitteln zu
bremsen. Freistoß, 25 Meter Torentfernung. Ein paar der
Stammzuschauer des FC Carl Zeiss werden es bemerkt haben, dieses ungewöhnliche
Positionieren Jenaer Spieler im Rudel neben der gegnerischen Mauer. Von dort lösten
sich wie auf Kommando vier Blaue bei der Freistoßausführung
und rannten in den Sechzehner hinein. Truckenbrod schoss nicht direkt, sondern beförderte
das Leder lang vor zu Orlando, welcher aus fünf Metern volley zum
Ausgleich traf. 1:1 - eine eben erst im Training einstudierte Freistoßvariante
hatte auf Anhieb funktioniert ! Damit lösten
sich endlich einige der im bisherigen Spielverlauf eingebauten Bremsen.
Salvatore Amirante zog auf 30 Metern ab, Wiedwald lenkte das Leder um den
Pfosten (54.). Der Schlenzer von Feldhahn auf der anderen Seite flog nur knapp
nebens Tor (56.). Und dass Kolb die schöne Vorarbeit von Orlando
lieber selbst verwertet hätte, statt auf Eckardt zu spielen, war ihm
hinterher auch klar.
Sie bildeten die stärkste Phase in einem mäßigen Jenaer Spiel,
jene gut zwanzig Minuten nach dem Ausgleichstreffer. Sogar Sebastian Hähnge,
bekanntlich nicht der Allerschnellste, ging hier mal aus einem Sprintduell als
Sieger hervor. Den Gästen darf man bescheinigen, ebenfalls die
Offensive gesucht und so zu einer deutlich spannenderen zweiten Halbzeit
beigetragen zu haben. Beim Schuss des Deutschtüren Ayik reagierte
Carsten Nulle im Tor hervorragend.
Dann war noch eine Viertelstunde zu spielen und Orlando hatte wieder
seinen Auftritt. Es ist beileibe nicht so, dass hier Jenas Schnellstem eine
durchgängig überzeugende Leistung bescheinigt werden soll.
Manches wirkt schon zu sehr auf Show getrimmt, zwischendurch taucht er auch mal
ab und nach hinten lässt er eh lieber andere ackern. Doch klar ist
auch - ohne Orlando wäre das Jenaer Spiel um viele Attraktionen ärmer
! Klasse, wie er in Minute 76 zwei Werder-Verteidiger förmlich stehen
ließ und den Blick für den freistehenden Nebenmann hatte. Es
war Salvatore Amirante, der in zehn Metern Torentfernung sofort abschloss - und
an einem Abwehrbein hängen blieb.
Das Tragische an diesem Spiel ist aus Jenaer Sicht, dass
immer im Anschluss an eine knapp vergebene Großchance die Quittung in
Form eines Gegentreffers folgte. Hatte Pascal Testroet schon vor der Pause
direkt nach Truckenbrodts Schuss getroffen, verging auch nach Amirantes Möglichkeit
nicht viel Zeit, bis Bremens Spieler mit der Nummer 43 zum Erfolg kam. Dabei
profitierte er wiederum von einem fehlenden Gegenspieler - der eingewechselte
Benjamin Fuss war an der Strafraumgrenze ausgerutscht. Unter dem Körper
Carsten Nulles hindurch flog der Ball ins Netz. Und nun ? Waren nur noch zehn Minuten
Zeit für Jenaer Bemühungen um den abermaligen Ausgleich.
Scheinbar unbeteiligt steht Orlando nach dem Anstoß an jener Stelle,
wo Mittel- und Außenlinie aufeinander treffen. Genau da wird er angespielt,
nimmt ein paar Meter lang Fahrt auf und legt dann den Turbo ein. Gerdes hatte
sich diesmal vorgenommen, ihm im Sprintduell Paroli zu bieten - auch er war
chancenlos und wusste sich deswegen nur mit einem Rempler im Strafraum zu
helfen. Elfmeter. Als Amirante sich vor Sträßer den Ball zur
Ausführung schnappte, stockte vielen der Atem - hatte der nicht schon
einmal.... ? Noch ehe der Gedanke zuende gebracht wurde, hatte Salvatore den
Werder-Schlussmann in die andere Ecke geschickt und zum 2:2-Endstand getroffen.
Zweimal war der FCC nach Rückstand wieder gekommen.
Doch wie eingangs schon erwähnt -
Zufriedenheit sieht anders aus. Mannschaftskapitän Nulle ärgerte
sich über die beiden Gegentreffer sowie "Negativeinflüsse von
außen", mit denen wohl Pressespekulationen über Notverkäufe
von Leistungsträgern in der Winterpause gemeint sein dürften.
Und Trainer van Eck monierte die Vorstellung seiner
Mannschaft vor der Pause. Zurecht, denn dadurch sind zwei Punkte gegen
talentierte, aber durchaus schlagbare Bremer verschenkt worden. <fc>
Eintracht Braunschweig - FC Carl Zeiss Jena 2:1
Tore: 0:1 Orlando (46.), 1:1 Kruppke (62., HE), 2:1 Kragl (69.)
- Braunschweig: Petkovic; Fuchs, Brinkmann, Dogan, Boland; Pfitzner, Danneberg,
Kruppke (86. Banser), Kragl (77. Theuerkauf); Onuegbu, Calamita (60. Morabit)
- Jena: Nulle; Sievers, Lukimya, Wuttke, Sträßer (56. Riemer); Truckenbrod, Holwijn (

, 71.)
Hähnge, Nagy (79. Kolb); Mayombo (66. Amirante), Orlando
- Zuschauer: 12.200
- Schiedsrichter: Achmüller (Bad Füssing)
- Spielbericht
-
Der zehnte Spieltag bringt das Auswärtsspiel in Braunschweig auf den Plan und da die Stammautoren dieser
Seite offensichtlich angesichts der letzten Ergebnisse von 0:3 bis 6:0 die Adjektive auszugehen scheinen darf
ich mal wieder ran, als es gilt in Niedersachsen den Platz im oberen Tabellendrittel zu sichern.
Für die erste kleine Überraschung im Gästeblock sorgt Trainer Rene van Eck, der statt des zuletzt stark
auftrumpfenden Stefan Kolb oder des wieder spielberechtigten Amirante, mit Mayombo einen Stürmer in der
Startaufstellung aufbietet, der zuletzt suspendiert worden war, lediglich in der zweiten Mannschaft
spielte und dessen letzter Pflichtspieleinsatz in der Ersten bereits vier Monate zurückliegt. Neben ihm
soll Orlando für den nötigen Angriffsdruck sorgen, während Sebastian Hähnge auf der offensiven Mittelfeldposition
die beiden Stürmer mit Bällen versorgen soll. Und es beginnt gut: Bereits in der ersten Minute kann Orlando über
die linke Seite die Braunschweiger Abwehr überlaufen, scheitert jedoch an Torwart Petkovic. In der Folgezeit
kann der FCC eine optische Überlegenheit erarbeiten - "kontrolliert Ball und Gegner" - wie man so schön sagt, ohne
dabei übermäßig torgefährlich zu werden. Mayombo wirkt dabei aber noch engagierter, als sein Sturmpartner. Die Blau-Gelben
aus Niedersachsen kommen erst nach cirka zwanzig Minuten besser zu Rande und beginnen einzelne Konter zu setzen, die in einem
durch die Mitte angespielten Calamita gipfeln, der aber, völlig frei vor Nulle auftauchend, an diesem scheitert. Damit hat es
sich dann aber auch mit dem Braunschweiger Offensivdrang für die erste Hälfte und die Jenaer Viererkette in der Abwehr kann
wiederholt mit starkem Zweikampfverhalten (Wuttke, Sträßer) die gegnerischen Angreifer "abkochen". Für den eigentlichen
Gesprächsstoff der Halbzeitpause unter dem Jenaer Anhang sorgt Amirante, der bereits kurz vor der Halbzeitpause sich zum
Aufwärmen hinter das Tor von Nulle begibt.
Die zweite Hälfte beginnt mit einem Paukenschlag der angenehmeren Sorte, als Holwijn wunderschön auf der rechten
Seite lang durch Sträßer angespielt wird, im spitzen Winkel auf das Petkovic-Tor zusteuert, scheinbar die lange Ecke
mit seinem Schuß anvisiert, es aber verfehlt, bevor Orlando am langen Pfosten den Ball erreicht und ihn gekonnt flach
über die Linie drückt.
Die Wende im gesamten Spiel wird eingeläutet, als Sträßer in der 56. Minute, leicht humpelnd, verletzt ausgewechselt
werden muss. Die bis dahin äußerst souverän wirkende Jenaer Abwehrviererkette wird mit Marco Riemer wieder aufgefüllt
und ist fortan kaum noch wieder zu erkennen. Obwohl sowohl bei der Entstehung des Elfmeters (aus dem Gästeblock schlecht
einzusehendes Handspiel Riemers), als auch bei der Entwicklung des Führungstreffers ein gehörige Portion Glück für die
Niedersachsen im Spiel ist, kommt man nicht umhin festzustellen, daß vor allem die Jenaer Elf plötzlich den Faden verlor.
Als Holwijn in der 72. Minute diese "schwarze" Viertelstunde für den FCC mit einem Foul an der Mittellinie und nachfolgendem
Ballwegschlagen abschließt, ist die Partie quasi gelaufen. Nur noch zu Zehnt gelingt es nun nicht mehr die Eintracht noch
mal in Bedrängnis zu bringen. Die Braunschweiger lassen sich nun auch nicht mehr aus der Defensive locken und glänzen im
Vorwärtsgang in den letzten zwanzig Minuten lediglich mit einem gefühlten Dutzend Fehlpässen. Auch der Versuch von van Eck,
mit der Einwechslung von Kolb, mit einem Dreiersturm noch einmal auf den Ausgleich zu gehen verpufft relativ wirkungslos.
Ein Sieg in Braunschweig wäre, meiner Meinung nach, für den FC Carl Zeiss Jena ohne weiteres zu realisieren gewesen,
wenn man nach dem Führungstor, das zu einem äußerst günstigen Zeitpunkt fiel, weiter aggressiv die Entscheidung gesucht hätte
und sich mit dem Ausgleich nicht so aus dem Takt hätte bringen lassen. Nicht Eintracht Braunschweig hat gewonnen, sondern
der FCC hat verloren. Und zwar, weil man den Gegner zurück ins Spiel brachte, den der "Ringrichter" schon bis zur "9"
ausgezählt hatte. Schade drum.
Nachtrag: Die Stadt Braunschweig bietet den per Zug anreisenden Gästefans einen kostenlosen Bustransfer vom Bahnhof zum
Stadion an. Soweit so gut. Warum man aber nicht die ca. 6 km lange, direkte Strecke durch die Stadt nimmt, sondern den
Gästefans eine ca. 20-minütige Strecke über die ortsansässigen Autobahnen anbietet, scheint schleierhaft. Ich
habe diese "Stadtrundfahrt" jetzt insgesamt viermal genossen und hätte beim nächsten Mal gern eine andere Route. Danke im voraus.
<tn>
FC Carl Zeiss Jena - SV Wacker Burghausen 0:0
Tore: Fehlanzeige
- Jena: Nulle; Sievers, Wuttke, Lukimya, Sträßer;
Nagy (74.Holwijn), Truckenbrod, Riemer, Eckardt, Hähnge, Kolb (62.Orlando)
- Burghausen: Riemann; Wolf, Hertl, Kokocinski, Kresin, Nebihi (84.Schmidt), Burkhard, Grübl (73.Belleri),
El Haj Ali, Gorka, Cappek (89.Holz)
- Zuschauer: 6948
- Schiedsrichter: Sönder (Lübeck)
- Spielbericht
-
Dritter gegen Vierter - vom Papier her das Topspiel des heutigen Tages in der dritten Liga. Sonne pur und warme Temperaturen
waren beste Vorraussetzungen, um dem Spitzenspiel auch einen würdigen Rahmen zu verleihen. Die Partie musste eine
Viertelstunde später angepfiffen werden, da die Gäste bei Ihrer Anreise aus dem Hotel in Stadtroda infolge einer
Bombendrohung im Stau standen, und dadurch nicht rechtzeitig eine Stunde vor Spielbeginn im Stadion sein konnten.
Die erste gute Aktion des Spiel leitete Jenas Abwehrspieler Sträßer ein, der mit einem herrlichen Diagonalpass
René Eckardt bediente, doch dessen Schuss in der siebenten Minute stellte für Keeper Riemann keine echte Gefahr dar.
In der 18. Minute nutzte Truckenbrodt einen Ballverlust der Gäste aus und prüfte Riemann mit einem Schuss aus der zweiten
Reihe, doch leider landete der Ball genau in den Armen des Schlussmannes. Nach der doch spielerisch armseligen Partie in Kiel
wusste der FCC am heutigen Tage zu gefallen und kontrollierte im gesamten Spielverlauf die Partie. Doch auch mit schönen
Kombinationen und Ballstafetten im Mittelfeld blieben die Torchancen auf Jenaer Seite Mangelware. Die Burghausener, die infolge
einer Grippe auf vier wichtige Spieler verzichten mussten, stellten sich konsequent hinten rein, so dass es für die Jenaer
recht schwierig war, in der dicht gestaffelten Abwehr eine Lücke zu finden. Erst nach gut einer halben Stunde die nächste
Tormöglichkeit für die Jenaer. Hähnge hatte per Kopfball in den Lauf von Youngster Kolb verlängert, doch obwohl
Riemann in dieser Aktion zu weit vor seinem Kasten stand, konnte Kolb diese gute Torchance nicht nutzen und ballerte über das Tor.
Auch nach der Pause änderte sich das Spiel nicht gravierend. In der 51. Minute versuchte sich Sievers mit einer hohen Flanke in
den Strafraum, der Ball wurde lang und länger und fiel zur Verwunderung des Gästekeepers hinter ihm aufs Tornetz. Mit etwas
Glück hätte diese Flanke auch zum erneuten Tor des Monats avancieren können. Gut eine Stunde war vorbei und ein Jubel
auf den Rängen machte sich breit, als Publikumsliebling Orlando für Kolb eingewechselt wurde. Manch einer machte sich
Gedanken, warum und weshalb dieser nicht von Anfang an spielen durfte. Doch Trainer van Eck machte in der anschließenden Pressekonferenz
alle Gerüchte zunichte, als er gleich als erstes vermeldete, dass Orlando im am Vorabend ihm mitgeteilt habe, dass er sich für ein
komplettes Spiel nicht fit fühle. Doch als er den Rasen betrat, spürte man noch einmal einen Ruck durch die Jenaer Mannschaft gehen.
Er war es auch, der in der 71. Minute gleich eine gute Einschusschance hatte, doch leider kam er einen Schritt zu spät und rutschte
einschussbereit knapp am Ball vorbei. Eine Viertelstunde vor dem Ende donnerte Nulle einen super weiten Abschlag heraus, der Ball sprang
vor Orlando auf, doch leider konnte er diese Gelegenheit nicht verwerten oder den Ball zumindest unter Kontrolle nehmen. Die Abwehr der
Gäste stand weiter recht sicher, so dass es die Spieler des FCC nun immer mehr mit Einzelaktionen probierten, die aber allesamt nichts
einbrachten. Höhepunkt des Spiels war zweifelsohne die 82. Minute, in der bereits die Jenaer Fans von ihren Sitzen aufsprangen. Doch
leider stand Orlando das Glück am heutigen Tag nicht zur Seite, denn sein gut getimter Kopfball nach Flanke vom starken Sievers klatschte
an den Innenpfosten, von wo er anschließend direkt in die Arme des Keepers sprang. Da war sie, diese eine 100% Möglichkeit, doch
leider sollte es auch die letzte nennenswerte Aktion gewesen sein.
Mit einer Minute Nachspielzeit pfiff Schiedsrichter Tim Sönder das Topspiel der 3.Liga ab, was es leider nicht geworden war. Die Gäste
waren am Ende mit diesem Punkt hochzufrieden, während die Zeiss-Kicker mit hängenden Köpfen den Rasen verließen. Denn jedem
war nach der Partie klar, dass es selten so leicht gewesen sei, heute die ansonsten starken Kicker von Wacker Burghausen zu bezwingen. Auch wenn
viele Trainer und Verantwortliche eine Einzelkritik nicht unbedingt mögen, so muss doch am heutigen Tage die gesamte Abwehr mal explizit
hervor gehoben werden. Besonders die beiden Außen mit Sträßer und Sievers taten sich heute besonders hervor und ermöglichten
den Gästen während der gesamten Spielzeit keine nennenswerte Torchance.<vg>
Bilder auf fcc.weissenburger.de
Bericht auf fussball.sv-wacker.de
Holstein Kiel - FC Carl Zeiss Jena 0:1
Tore: 0:1 Kolb (72.)
- Kiel: Frech; Lamprecht, R. Müller, Schyrba, Meyer, K.Schulz, Holt,
Jerat (80. Siedschlag), Sembolo, Sykora (9. Guscinas), Heider (66. Stier)
- Jena: Nulle; Sievers, Wuttke, Lukimya, Sträßer;
Nagy (90. Fuss), Truckenbrod, Eckardt, Riemer, Orlando (64. Kolb), Hähnge (87. Petersen)
- Zuschauer: 4511
- Schiedsrichter: Dittrich (Bremen)
- Spielbericht
-
Mit Müller, Hasse und Sykora stehen gleich drei Ex-Jenaer im Kader der Kieler. Aber Hasse war gar nicht im Aufgebot
und Fiete Sykora musste bereits in der 9. min verletzungsbedingt ausgewechselt werden und konnte so gegen seinen
Ex-Club keinen Schaden anrichten. Bis zu diesem Zeitpunkt gab es bereits die ersten aufregenden Situationen vorm
Jenaer Tor. Kiel begann von Anpfiff an offensiv und setzte die Gäste unter Druck. Im Großen und Ganzen
stand Jenas Abwehr, stark unterstützt von den vier Mittelfeldspielern und Hähnge, relativ gut. Wenn man
aber 80 der 90 Spielminuten quasi mit dem Rücken an der Wand, sprich im eigenem Strafraum steht, ist es klar,
dass die Torchancen für die Gastgeber nicht ausbleiben. Vor allem bei Ecken konnte man immer wieder die Luft
anhalten. In der 5. min wehrte Nulle einen Kopfball Haiders aus 3 m Torentfernung zur nächsten Ecke ab. Diese
konnte von Orlando nicht geklärt werden und so hatte Robert Müller die Gelegenheit, seine ehemaligen
Mannschaftskollegen per Fernschuss (der aber in der vielbeinigen Abwehr hängenblieb) zu erschrecken. Nach
einem Stolper Riemers musste sich Lukimya, der wieder eine sehr gute Partie spielte, im letzten Moment in einen
Schuss werfen und zur Ecke klären. Diese führte zu einem Kopfballaufsetzer, gegen den wohl auch Nulle
keine Chance gehabt hätte, aber der Ball ging über die Torlatte. Ganz stark bei den Kielern war in der
Anfangsviertelstunde Sembolo, der ein paar Mal den Jenaern Knoten in die Beine dribbelte. Nachdem aber Sträßer
ihn mal etwas energischer bremste, wurde der auch ruhiger. Nach ein paar Minuten relativer Ruhe musst Nulle, wiederum
nach Ecke, sehr energisch den Ball (samt Gegner) wegfausten, um Schlimmeres zu vermeiden (25.). Nochmals zehn Minuten
danach hatten die Heimzuschauer den Jubelschrei auf den Lippen: Ein weiter Einwurf von rechts wurde verlängert
und den folgenden Kopfball Holts erwischte Nulle mit sensationellem Reflex gerade noch so. Holstein ließ den
Ball in dieser Phase schnell laufen und spielte oft direkt ab. Allerdings ging es zumeist nur bis zur Strafraumgrenze,
an der eine gelbe Wand sie aufhielt. Und so probierte es Sykora-Ersatz Guscinas aus 20 Metern mit einem Fernschuß,
der jedoch nur die Latte traf und die Zuschauern aufstöhnen ließ. Zur Pause konnte man über das
Unentschieden heilfroh sein, denn die Angriffsbemühungen des FCC konnte man bis dahin mit der Zahl "Null" beschreiben.
Nach der Pause ging es wie gehabt weiter, lediglich die Spielhälfte, in der sich alles abspielte, änderte sich.
Allerdings war Holstein jetzt so nett und verzichtete fast völlig auf das Spiel über die Flügel. 7,32 m ist
die Torbreite und ungefähr ebenso breit war der Korridor an Jenas Strafraumgrenze, durch den die "Störche" ihre
Angriffe versuchten. Die Jenaer Abwehrspieler hatten dadurch eigentlich ein leichtes Spiel, wurde doch einmal einer ausgetanzt,
so standen garantiert gleich zwei weitere Gelbe dahinter und klärten. Nur bei einem Fernschuss Lamprechts von rechts
außen (52.) und einem abgefälschten Freistoß (55.) kam der Ball mal in Nulles "Sichtweite", der Rest
waren Kinkerlitzchen. Nach vorn blieb alles unverändert, es ging nichts. Kam man doch einmal über die Mittellinie,
so war es ziemlich sicher, dass Orlando im Rücken der Abwehr im Abseits stand. In der 60. min dann hatte der FCC
mal eine Chance auf einen aussichtsreichen Angriff, aber Orlando rannte mit gesenktem Kopf in zwei Gegner hinein und
übersah den mitgelaufenen und freistehenden Hähnge. So konnte das nichts werden und folgerichtig kam in der
65. Minute Kolb für Orlando. Schon die ersten Zweikämpfe Kolb sahen völlig anders aus als Orlandos
Vorstellung: Der Achtzehnjährige ging in die Zweikämpfe, setzte bei Ballverlust sofort nach und steckte
nie auf. Mir rutschte da ein "Dem Kolb gönne ich ein Tor, der hat schon gegen Dortmund so gut gespielt" heraus
(wenn die Weissagung der Lottozahlen nur ebenso klappen würde…). Drei Minuten nach dem Wechsel (in der 68. min!!!)
hatte der FCC seinen ersten Torschuss, aber Truckenbrods Geschoss ging knapp am langen Pfosten vorbei. Der nächste
Kieler Angriff wurde kurz hinter der Mittellinie abgefangen und der FCC hatte eine perfekte Konterchance in 3:2-Überzahl,
jedoch vergeigte Riemer diese Gelegenheit kläglich. Kurz danach bekam Hähnge auf der rechten Seite den Ball,
ging bis zur Grundlinie, beschäftigte zwei Gegenspieler und spielte mit der Hacke auf den mitgelaufenen Eckardt.
Der schickte seinen Gegenspieler und bediente - wie schon in vorhergehenden Spielen - mit einer maßgenauen
Zuckerflanke den in der Mitte wartenden Mitspieler. Diesmal war es Kolb, der sich die Chance nicht entgehen ließ
und zur überraschenden Führung des FCC einnickte und auf der Gegentribüne für eisiges Schweigen um
mich herum sorgte (ich jubelte solo *g*).
Das Spiel war gekippt. Die "Störche" hatten einen gewaltigen Knacks bekommen,
denn sie versuchten zwar in der verbleibenden Zeit mit viel Einsatz und Elan, dieses Resultat zu reparieren, aber lediglich
ein weiterer Lattentreffer wiederum durch Guscina sorgte für Aufregung. Im Gegenteil, mit etwas Cleverness hätte
Jena jetzt den berühmten Sack zubinden könne, aber zunächst war nach Doppelpass Eckardt - Hähnge der
Kieler Torwart einen Tick schneller am Ball als Eckardt (85.) und dann fehlte Truckenbrod einfach die Kaltschnäuzigkeit,
allein vor Frech - der bis zur Strafraumgrenze herausgekommen war - mit einem Heber das 2:0 zu machen, er ballerte den Ball
voll auf den Keeper drauf. Ansonsten versuchte man ziemlich geschickt und erfolgreich, in den verbleibenden Minuten das Tempo
aus dem Spiel zu nehmen und den Ball in den eigenen Reihen zu halten.
Bis zu Kolbs Einwechslung wäre ich mit einem Punkt hochzufrieden gewesen. Der "Dreier" ist mit etwas Glück in
den ersten 70 und mit ansprechender Leistung in den letzten 20 Minuten eingefahren worden. <uk>
FC Carl Zeiss Jena - Borussia Dortmund II 2:1
Tore: 0:1 Neumeister (6.), 1:1 Lukimya (13.), 2:1 Riemer (80.)
- Jena: Nulle; Sievers, Wuttke, Lukimya, Sträßer;
Nagy (90. Petersen), Truckenbrod, Hähnge, Eckardt (85. Fuss); Orlando,
Kolb (73. Riemer)
- Dortmund: Höttecke; Koch, Eggert, Hünemeier, Neumeister;
Hille, Hasanbegovic (85. Boztepe), Tyrala, Öztekin; Ginczek (57.
Piossek), Kullmann
- Zuschauer: 6983
- Schiedsrichter: Dankert (Rostock)
- Spielbericht
-
Das Chaos beim FCC wurde gerade mal wieder etwas unübersichtlich. Nachdem
Peter Schreiber offenbar keine unbezahlten Rechnungen mehr auf seinem Wühltisch
findet (oder diese lieber wieder untendrunter steckt), fängt die
liebevoll zusammengesparte Mannschaft an sich in Wohlgefallen aufzulösen.
Der eine haut mit südländischer Besonnenheit einem Blumenzüchter
ins Gesicht, der andere wird aufgrund seiner Großartigkeit
suspendiert und der Dritte hat seine Bandscheiben nicht im Griff. Hinzu kommen
ungezählte Zerrungen und Risse diverser Muskelgruppen, schlechte
Blutwerte und Verstauchungen. Und die wenigen Verbliebenen, die sich stets gut
benommen haben und dazu gesund sind, können auch nicht mehr so
richtig. Zu groß ist der Druck nach dem Kulturarena-Debakel für
Rom, Ähnliches vollbringen zu müssen. Ernüchternde
Aussichten also für das gestrige Spiel gegen Dortmunds Zwote, zumal
die nach fünf Minuten schon in Führung lag. Neumeister hatte
die Aufwachprobleme in Jenas Deckungsverbund schamlos ausgenutzt und per Kopf
die Gästeführung hergestellt (6.). Zwar war der ursächliche
Freistoßpfiff völliger Mumpitz, gezählt hat es
trotzdem. Aber was soll's. Aus Ruinen wird auferstanden! Und überhaupt:
Bandscheibenvorfälle werden total überbewertet!
Zwar
folgte die Trotzreaktion erst nachdem Nulle das 0:2 und damit den unabwendbaren
Untergang verhindert hatte, dann aber kam die große Zeit des Rene
Eckardt. Ganz ehrlich, wenn der immer so spielen würde wie die
folgende Viertelstunde, die Nationalmannschaft wäre kein Thema. Seine
Vorlage auf Wuttke nach einer Ecke und sein Heber aus spitzem Winkel wären
bereits Treffer wert gewesen, Hötteke bekam aber beidemal noch
irgendein Körperteil dazwischen. Gegen Lukimyas Schuß aus
Nahdistanz konnte aber auch der Dortmunder Schlußmann nichts mehr
machen. Eckardt hatte Neumeister auf der rechten Seite schön zur
Schere gemacht und den Ball dann flach nach innen geschlagen. Von dort hätte
es wohl nur noch Gomez und dann auch nur im Nationaltrikot noch fertiggebracht,
das Tor nicht zu treffen. Jubeln unter Vorbehalt (13.). Ein Unentschieden
konnte hier ja nicht das Ziel sein! Dieser Vorbehalt legitimierte sich
schneller als gedacht. Mit der Gewißheit der uneingeschränkten
Überlegenheit zog sich Jena wieder aus dem Dortmunder Strafraum zurück.
Alle Maschinen Stop - im Notfall gleichen wir halt wieder aus. Zwar hatte
Eckardt nach eine Wuttke-Vorlage noch einmal die große Chance zur Führung,
sein strammer Volleyschuß fand aber den Weg ins Tor nicht und ist
jetzt wahrscheinlich ein dicker blauer Fleck auf einem Dortmunder Gesäß
(16.). Danach tickte nur noch die Uhr runter. Was dieser taktische Unsinn soll,
ist schwer zu sagen, zumal der Schwung des Ausgleichstreffers dadurch völlig
verpuffte. Die Kräfte jedenfalls hätten eigentlich noch ein
bißchen länger reichen sollen. Kurz vor der Pause hätte
sich dieses unheilvolle Fehlverhalten tatsächlich fast gerächt.
Wäre Kullmann nicht um Zentimeter an Boztepes Eingabe vorbeigerutscht,
die etwa 300 Mitgereisten Dortmunder hätten wohl unsere leise vor sich
hin tirilierende Südkurve vollends unter den Tisch gesungen. Glück
gehabt!
Nach der Pause war es vor allem Orlando, der für Aufsehen sorgte.
Inzwischen ist es für jeden Gegner offenbar ein probates taktisches
Mittel geworden, ihn einfach am Losrennen zu hindern. Ein kurzes Halten, ein
Schubser auf Höhe der Mittellinie, eigentlich ist alles besser als ihm
später hinterherzugucken. Zwei oder drei gelbe Karten werden dafür
augenscheinlich in Kauf genommen, welche die Schiedsrichter (vor allem der von
gestern) oft nicht mal geben. Wenn dann auch noch klarste Pfiffe ausbleiben,
geht mir langsam das ohnehin knapp bemessene Verständnis aus.
Stattdessen reichten auf der Gegenseite mitunter kleinste Scharmützel
aus, um aus gefährlichsten Positionen Freistöße zu
verhängen. Einer davon wäre Jena fast zum Verhängnis
geworden, als Hünemeier den hoch hineingeschlagenen Ball von Tyrala
nur knapp verfehlt, kann Nulle erst im Nachfassen das Unentschieden festhalten
(63.). Knapp! In dieser Phase überzeugt der FCC aber auch allenfalls
durch Gleichwertigkeit auf niedrigem Niveau. Die Führung kommt
dementsprechend wie aus dem Nichts. Wieder ist es Eckardt, dessen präzise
Flanke die Entscheidung bringt. Punktgenau schießt der den Ball auf
den eingewechselten Riemer, dessen Kopfstoß die vor sich hindämmernden
Fans aus der allgemeinen Lethargie reißt (80.). Nicht zu glauben! Dieses Murksspiel und dann auch noch der Riemer. Der
hatte gegen Erfurt nun wirklich einen Scheißtag erwischt. Und dann
noch das Ding mit seinem Rücken. Schön, daß es
offenbar doch nicht so schlimm war oder Bandscheibenvorfälle halt
einfach überbewertet werden (-:
Was folgt sind noch zehn zerrige Minuten Warterei plus einer unendlich
langen Nachspielzeit. Dann ist der dritte Sieg endlich in Sack und Tüten.
Glanzvoll war es nicht! Spielerisch herrschte mitunter unbeschreibliches Elend
auf dem Platz. Dazu kommen die Abstimmungsschwierigkeiten, die bei einer neu
formierten Elf aber ganz normal sind. Entscheidend aber war der größere
Wille. Das was Erfurt in Jena zum Sieg getragen hat, war gestern Jenas
Unterpfand. Die Mannschaft wollte einfach mehr. Das Derby ist damit nicht
vergessen, dieser Stachel sitzt zu tief. Aber ein Rückspiel in Erfurt
ist ja auch noch. Ein neues Spiel mit neuen Chancen. Und nächstes Jahr
wollen wir ja auch wieder in die Kulturarena... <bpf>
VfL Osnabrück - FC Carl Zeiss Jena 2:0
Tore: 1:0 Lindemann (21.), 2:0 Reichenberger (63.)
- Osnabrück: Berbig; Herrmann, Barletta, Nickenig, Krük;
Siegert, Heidrich, Lindemann, Hansen (76. Grieneisen); Reichenberger (85.
Samide), Schmidt
- Jena: Nulle; Sievers, Wuttke, Lukimya, Sträßer;
Nagy (66. Kolb), Truckenbrod, Ziegner, Holwijn (83. Eckardt); Orlando,
Hähnge
- Zuschauer: 9800
- Schiedsrichter: Aytekin (Oberasbach)
- Spielbericht
-
Der Überkreuzvergleich der bisherigen
Saisonresultate sprach von vornherein gegen den FCC: Ingolstadt hatte Erfurt
klar besiegt, Osnabrück die Ingolstädter und Erfurt am
vergangenen Sonntag....ach, lassen wir das. Fußballspiele werden
nicht mit dem Taschenrechner entschieden. Klären wir stattdessen
lieber die Frage: Was stellt eine Mannschaft am gescheitesten an, die mit
Lanzaat, Riemer, Petersen, Osadchenko sowie Ralf Schmidt gleich fünf
Ausfälle in der Abwehr zu verkraften hat ? Klar, sie spielt munter
nach vorn !
Genau das tat Jenas Elf in der Anfangsphase. Da Salvatore
Amirante nach seiner Rot-Sperre für mindestens vier Spiele von der
Bildfläche verschwunden sein wird, teilten sich die beiden Holländer
Orlando und Holwijn von außen kommend in die Rolle des zweiten Stürmers
hinein. Wobei Melvin Holwijn in seinem ersten Match von Anbeginn wesentlich mehr
auffiel. Selbst zwei Gegenspieler vermochten ihn nach fünf Minuten
nicht zu stoppen, zumindest nicht mit fairen Mitteln. Erst als Holwijn wie
nichts zwischen ihnen hindurch geschlüpft war, holte ihn der düpierte
Krük von den Beinen. Freistoß also von der rechten
Strafraumseite, lang auf die andere Seite geschlagen zu Wuttke, dieser sofort
zurück auf den vorm Tor stehenden Hähnge. Zeit zu überlegen
hatte Sebastian nicht, zwei Meter vor dem Kasten inmitten einer lila
Spielertraube handelt man sowieso besser instinktiv - wenn dann aber der Ball
Osnabrücks Keeper Tino Berbig mitten ins Gesicht fliegt, ist das
einfach nur riesengroßes Pech. Doch Jena blieb am Drücker.
Gerade mal zehn Minuten waren gespielt, als ein sichtlich
motivierter Sebastian Hähnge
diesmal von der rechten Seite kommend durchzog. Berbig verkürzte den
Winkel, Hähnge legte deshalb auf den zentral stehenden Truckenbrod ab,
doch schoss dieser aus sieben Metern weit über das leere VfL-Gehäuse.
Dies freilich war mit Pech nicht mehr zu erklären, muss doch auch von
einem defensiven Mittelfeldspieler erwartet werden dürfen, beim unbedrängten
Torschuss nicht in starke Rückenlage zu verfallen.
Ein Führungstreffer
wäre der gerechte Lohn für ansehnlichen Kombinationsfußball
in der ersten Viertelstunde gewesen. Außer einer Einzelleistung von
Jenas Ex-Kapitän Niels Hansen hatten die Gastgeber bis zu diesem
Zeitpunkt noch nichts zustande gebracht, unter anderem weil sich Tim Wuttke auf
der ungewohnten Innenverteidiger-Position gut in Jenas Viererkette einfügte.
Doch dann brach Minute 21 an. Siegert legte für Björn Lindemann
auf und der hatte als erster VfL-Spieler in diesem Match mal richtig Platz am
gegnerischen Sechzehner. Wie er den nutzte - mit einem Sonntagsschuss ins
Dreiangel - war zweifellos sehenswert. Die Führung ansich aber äußerst
glücklich. Erst jetzt kamen die Niedersachsen besser ins Spiel. Nachdem sich zwei Jenaer
gegenseitig angeschossen hatten (29.), drohte für Carsten Nulle ebenso
Gefahr wie beim Freistoß zehn Minuten später, den der Torhüter
aber auf Nummer sicher gehend über die Latte lenkte. Seinem Gegenüber
Tino Berbig, der selbst mal in Jena zwischen den Pfosten gestanden hatte und
hierher noch familäre Bindungen hat, misslang in der 40. Minute bei
einsetzendem Gewitterregen ein Abschlag, sodass Hähnge den Ball mit
einem Heber postwendend zurück brachte. Leider nur aufs Tornetz. Als
sich einige schon auf den Pausentee zu freuen schienen, gabs den ersten
erfolgreichen Antritt von Orlando. Bei dessen Eingabe von der linken Seite kam
Hähnge einen Schritt zu spät. Oder ließ er den Ball
absichtlich für Holwijn durch ? Möglich wäre es,
denn der Neuzugang hatte freie Bahn, nur -
was machte er daraus ? Halb Ballannahme, halb Torschuss, nichts von
beiden richtig, und so beförderte der Nationalspieler das Leder weit
am Pfosten vorbei ins Toraus. Zwei, drei dicke Torchancen teils kläglich
vergeben zu haben war der einzige Vorwurf, den man der Zeiss-Elf beim Gang in
die Kabinen machen konnte.
Die erste Aktion nach Wiederanpfiff war nahezu eine Kopie
der letzten Szene vor der Pause. Wieder ging Orlando auf der linken Seite auf
und davon, wieder kam Hähnge in der Mitte einen Schritt zu spät.
Nur dass diesmal kein Holwijn daneben stand. Auf der anderen Seite köpfte
Nickenig aufs Tornetz (48.). So wie sich das Spiel danach entwickelte, war
absehbar, dass es nicht bei dem einen Treffer in dieser Partie bleiben würde.
Beide Mannschaften schenkten sich nichts, noch aber fand niemand die Lücke.
Die Emotionen im Spiel übertragen sich sogar auf die Ersatzleute
hinter dem Tor. Als Sträßer bei einer Abwehraktion gehalten
wurde und somit nicht in der Lage war, den Eckball zu verhindern,
regte sich André Schmidt berechtigterweise über
den Schiri-Assistenten auf, der das Foul eigentlich hätte sehen müssen.
Die Konsequenz war die Gelbe Karte für einen Spieler, der in dieser
Saison noch nicht eine Punktspielminute in der ersten Mannschaft verbracht hat
(58.). Besagte Ecke beschwörte übrigens Gefahr durch
Reichenbergers Kopfball herauf, den Nulle wegfaustete.
Osnabrücks Stürmer-Oldie
drehte nun richtig auf. War beim Schuss in Minute 62 abermals bei Carsten Nulle
Endstation, sorgte Thomas Reichenberger schon zwei Minuten später für
die Spielentscheidung, indem er aus sieben Metern zum 2:0 traf. Ein Tor,
das Carsten Sträßer auf seine Kappe nehmen muss, vertändelte
er doch das Leder im eigenen Strafraum ohne Not gegen Hansen, der dann
Reichenberger ins Spiel brachte. Zwar hatte eine Jenaer Mannschaft schon einmal
im Osnabrücker Stadion das Kunststück fertig gebracht, aus
einem 0:2 noch ein Remis werden zu lassen - doch die Körpersprache
nach dem zweiten Gegentreffer zeigte an, dass sich das diesmal nicht
wiederholen würde. Weshalb ein über 70 Minuten recht intensiv
geführtes Spiel die verbleibende Zeit gemächlich austrudeln
durfte.
Die Art und Weise, wie diese Niederlage zustande kam, war
eine ganz andere als eine Woche zuvor. Kein Vergleich mit dem fast
hergeschenkten Derby. Und doch gerät die Mannschaft nach einem Punkt
und null Treffern aus den letzten drei Partien in Zugzwang. Schon im nächsten
Spiel muss der Schalter wieder umgelegt werden, soll eine weitere Spielzeit in
den Tabellenregionen der Vorsaison vermieden werden. <fc>
FC Carl Zeiss Jena - FC Rot-Weiß Erfurt 0:3
Tore: 0:1 Kammlott (1.), 0:2 Semmer (40.), 0:3 Kammlott (55.)
- Jena: Nulle; Sievers, Riemer (46.Petersen), Lukimya,
Sträßer; Nagy (46. Hähnge), Truckenbrod, Ziegner, Eckardt
(68. Holwijn); Smeekes, Amirante (
, 59.)
- Erfurt: Orlishausen; Malura (

, 59.), Pohl, Möckel,
Ströhl; Cinaz, Rockenbach da Silva, Stenzel, Hauswald (84. Pinske); Semmer (64. Peßolat),
Kammlott (78. Cannizzaro)
- Zuschauer: 11.200
- Schiedsrichter: Leicher (Landshut)
- Spielbericht
- Ein paar Worte vorweg, zu den wenigen positiven Aspekten dieses Spiels:
Endlich,endlich, endlich hat es der Verein einmal geschafft, die Stadiontore mit
ausreichend Leuten zu besetzen, um einen flüssigen Einlass zu gewährleisten.
Man mag sich gar nicht ausmalen, wieviele frustrierte Zuschauer des FCC in
den letzten Monaten nicht wieder gekommen sind - nur weil der Verein die paar
Euro sparen wollte, die zusätzliche Einlasskräfte kosten? Bitte lasst es
keine Derby-Eintagsfliege sein...
Eine zweite gute Nachricht: Das Stadion war
nahezu ausverkauft, nur die Gäste hatten zu Hause irgendwie kleine Probleme
mit dem Kartenverteilen. Ja, und die Choreos kurz vor Beginn des Spiels:
die große Flagge auf der Haupttribüne und dann die Herzchen für Jena, erst
rot (WTF?!) und dann blau-gelb-weiß mit Feuer.
Beeindruckend(!) - dachten
sich wohl auch die Spieler des FCC, die sich in der ersten Minute
anscheinend auf alles andere drumherum konzentrierten, nur
nicht auf's Spiel. Der Anstoß des FCC wurde abgefangen, ein steiler Pass in
die Spitze, Abschluss von der Strafraumkante ins linke untere Eck, und nach
gefühlten drei Sekunden stand es Null-zu-Eins.
Braucht es wirklich nur ein Gegentor in der ersten Minute, um das in den
letzten Wochen vielgerühmte Wahnsinns-Jenaer Publikum komplett ruhigzustellen?
Offensichtlich. Nur die Südkurve zuckte noch in den ersten zehn Minuten,
in denen Jena sichtlich geschockt wirkte und nichts auf die Reihe kriegte.
Die Unaussprechlichen waren auch nicht wirklich gefährlich, und so plätscherte
es dahin bis zur 14. Minute, als Amirante kurz vor dem Strafraum gelegt
wurde. Ziegner trat an und schlenzte den Ball an die Querlatte... was für ein
Pech! Wenigstens war der FCC in dieser Phase gleichwertig und kam über das
Kurzpassspiel und gewonnene 1:1-Situationen auch mehrmals schnell bis
zum Strafraum der anderen. Irgendwie schienen sie aber den Ball heute
reintragen zu wollen: immer noch ein Abspiel oder Dribbling mehr aus aussichtsreicher
Position, aus der man auch einfach mal hätte draufhauen können und
müssen. Jenaer Verunsicherung wurde merklich. Je weiter die erste Halbzeit
voranschritt, desto mehr unforcierte Fehler schlichen sich in das Jenaer
Spiel ein. Kurz vor der Halbzeit verschätzte sich dann auch noch Nulle bei
einem Eckball und es stand 0:2. Auf den Tribünen machte sich Ratlosigkeit breit
- war das wirklich die gleiche Mannschaft, die bislang so begeisternden
Fußball gespielt hatte?
Es konnte nur besser werden und es wurde - bitterer. Da hatte der FCC
gleich nach der Pause eine gute Kopfballchance (der Ball landete auf dem
Tornetz), doch in der 54. Minute kam eine Bogenlampe in den Jenaer Strafraum
hereingesegelt, die ewig in der Luft war und trotzdem nach Direktabnahme
im Jenaer Tor landete. Wenn der Torschütze demnächst im Training versucht,
dieses Tor nachzustellen, wird er von 100 Versuchen wahrscheinlich 99 nicht
treffen...aber im Spiel ging er halt rein, und damit war die Luft vollständig raus.
Was danach passierte, war haarsträubend.
Es ist nicht unüblich, dass Mannschaften sich bei einem Rückstand von 0:3
nach 55 Minuten mitunter hängenlassen (wobei meine ganz persönliche Meinung
dazu ist, dass das dann auch keine Mannschaft ist). Aber dass so absolut gar
nichts mehr ging, dass einfachste Bälle zum Gegner gespielt, wirklich sinnlose
Dribblings angesetzt und Laufwege einfach abgebrochen wurden, macht
nachdenklich. Die erste Chance für den FCC gab es erst wieder in der 71.
(Hähnge vergibt aussichtsreich), dann nochmal eine kleine in der 75. Auf
der Gegenseite konnten wir uns bei Nulle bedanken, dass es am Ende nicht 0:5
stand - und zwar nicht, weil der Landeshauptstadtclub überragenden Fußball
gespielt hätte.
Einen "positiven" Aspekt hat die Sache am Ende doch noch: Dieses ganze
Geklapse mit angekündigtem Moonwalk, "Wir steigen auf"-Gesängen und 100:0-Fahnen
gehört erst mal wieder der Vergangenheit an. Die Chance besteht, dass die
Jenaer Spieler am Sonntag begriffen haben, dass sich Spiele gegen Mannschaften,
die unten stehen, nicht von selbst gewinnen. <ragnar>
Derby-Fotos von Jens Weißenburger
Bericht auf der Erfurter Homepage
FC Erzgebirge Aue - FC Carl Zeiss Jena 0:0
- Aue: Männel; Klingbeil, le Beau, Paulus, Schaffrath;
Cimen (68. Gambo), Stark, Müller (72. Klotz); Curri, Braham, Ramaj (90.
Hiemer)
- Jena: Nulle; Sievers, Riemer, Petersen, Sträßer;
Nagy, Truckenbrod, Ziegner, Orlando; Hähnge, Amirante (87. Eckardt)
- Zuschauer: 11.400
- Schiedsrichter: Dr. Fleischer (Sigmertshausen)
- Spielbericht
- 5:1, 5:0, 5:0. In den vergangenen drei Jahren ist der FCC im
Erzgebirgsstadion regelrecht vermöbelt worden. Bekanntlich hat der
Optimist keine Ahnung von den freudigen Überraschungen, die ein
Pessimist erlebt. Trotzdem fuhren wir diesmal mit einem besseren Gefühl
nach Aue und weigerten uns von vornherein, an eine Fortsetzung dieser schwarzen
Serie zu glauben. Dafür hatte die neue Jenaer Mannschaft in den ersten
Wochen der noch jungen Saison schon zu viel an Potential offenbart.
Entgegen seiner Ankündigung hatte René van Eck im
Vergleich zum letzten Spiel eine Änderung vorgenommen. Rene Eckardt
blieb trotz ansprechender Leistung gegen Bayerns Zweite erst mal wieder auf der
Bank, wohingegen Sebastian Hähnge zu seiner Premiere in der Startelf
kam. Waren es die besseren Trainingsleistungen, die dafür den
Ausschlag gaben ? Fürchtet van Eck, den Youngster zu schnell zu
verheizen ? Oder will er Jenas Offensivtaktik ein Stück weit
unberechenbarer für die Ligakonkurrenz gestalten ? Wie auch immer -
Smeekes, der am liebsten nur Orlando genannt werden möchte, rückte
aus dem Zentrum auf die Außenposition. Von da, nur in der anderen Hälfte,
kamen auch die meisten Bälle in den ersten zwanzig Minuten. Eckball um
Eckball holten die Gastgeber während ihrer Anfangssoffensive heraus.
Den ersten richtigen Torschuss gabs dennoch von einem Jenaer. Salvarore
Amirante prüfte Martin Männel nach achtzehn Minuten. Darüber
hinaus tat sich allerdings vor der Pause nicht viel an Offensivgeschehen
seitens der Thüringer. Dazu fehlte es im Mittelfeld an einem
Gestalter, der die Bälle verteilte oder einfach mal länger in
den eigenen Reihen hielt. Hähnge und Amirante hatten es schwer mit
ihren Gegenspielern. Und Orlando ? Zeigte auf rechtsaußen mehrmals
technische Kabinettstückchen, doch in echte Torgefahr mündeten
die meist nicht, sodass sich die Umstellung alles in allem nicht bezahlt
machte. Ein einziges Mal brachte er vor der Pause nach energischem Sprint eine
Eingabe vors Tor, doch die fing Männel vor dem einschussbereiten
Amirante weg.
Erfreulich hingegen, dass Jenas Viererkette auch ohne Lanzaat
lange Zeit nichts zuließ. Da konnten Curri und Ramaj rochieren, wie
sie wollten - sowohl Sievers wie auch Sträßer ließen
sie nicht zu Entfaltung kommen. Auch die 7:0 Ecken der Veilchen in Hälfte
eins bereiteten Nulle und seinen Vorderleuten keine Probleme. Lediglich in den
letzten drei Minuten vor dem Pausenpfiff schlich sich kurzzeitig mal etwas
Sorglosigkeit ins Jenaer Abwehrzentrum. Denn dass ausgerechnet der Kleinste auf
dem Platz, Skerdilaid Curri, nur um wenige Zentimeter an einem Kopfballtor
vorbeischrammt, darf eigentlich nicht
passieren. Und was war in Minute 44 los ? Bei Müllers Heber in den
Strafraum rannten gleich zwei Weiße mit Ramaj mit, wodurch sich
Braham zentral in 13 Metern
Torentfernung seelenruhig auf seinen Torschuss vorbereiten konnte. Doch vergeht
kein Spiel ohne eine Heldentat von Carsten Nulle ! Jenas Keeper entschärfte
Brahams Schuss mit toller Reaktion. Der Halbzeitpfiff kam den Jenaern nicht
ungelegen.
Mit Beginn der zweiten Hälfte hatte sich Jenas
Hintermannschaft wieder formiert. Aue zunächst wieder leicht feldüberlegen,
ohne groß zu Tormöglichkeiten zu gelangen. Ramajs Schlenzer
Richtung Dreiangel fing Nulle noch in dessen Steigphase (57.). Die optische Überlegenheit
auf Seiten der Gastgeber verschwand dann nach etwa einer Stunde Spielzeit. Erst
jetzt fiel auf, dass mit Kos auch bei den Erzgebirglern der Abwehrchef fehlte
und deren Hintermannschaft nicht unüberwindbar ist. Als Orlando seinen
Gegenspieler ins Leere rutschen ließ, die flache Hereingabe nur
unkontrolliert nach vorn abgewehrt werden konnte, kam Jens Truckenbrod aus fünfzehn
Metern zum Torschuss. Wie gern hätten wir DEN ankommen sehen ! Doch
Paulus warf sich hinein, bescherte Jena damit nach 61 Minuten wenigstens noch
die erste Ecke, welche aber wie generell alle Standards an diesem Tag nichts
einbrachte. Die hohen Temperaturen sollten in der Schlussphase bei beiden
Mannschaften ihren Tribut fordern. Das Wort Sommerfußball machte nun
die Runde. Van Eck schien dennoch nicht unzufrieden,
tätigte seinen ersten Wechsel erst drei Minuten vor
Schluss und dies aus Verletzungsgründen. Dass auch Trainerkollege
Schmitt in der 90. Minuten noch einen neuen Mann auflaufen ließ, lässt
den Schluss zu, dass mit dem unentschiedenen Spielausgang am Ende alle recht
zufrieden waren. Die Gastgeber hatten dem Spitzenreiter einen Punkt abgerungen,
der FCC bereitete seiner schwarzen Serie im Erzgebirgsstadion endlich ein Ende.
Zwar ist die Tabellenführung damit schon wieder
passé, doch ist der FC Carl Zeiss Jena auch nach dem Auer Auswärtsspiel noch ungeschlagen in dieser Saison.
Und das ist schließlich auch schon etwas wert. <fc>
FC Carl Zeiss Jena - FC Bayern München II 6:0
Tore: 1:0 Eckardt (8.), 2:0 Smeekes (28.), 3:0 Amirante (48.), 4:0 Amirante (62.), 5:0 Amirante (64.), 6:0 Amirante (76.)
- Jena: Nulle; Sievers, Riemer, Lanzaat (23. Petersen),
Sträßer; Nagy, Truckenbrod, Ziegner, Eckardt; Smeekes (68.
Hähnge), Amirante (77. Benyamina)
- München: Kraft; Schütz, Lell
(
, 38.), Saba (56. Kopplin), Contento;
Erb, Rieß, Görlitz, Schürf (53. Yilmaz); Sikorski, Sene (43. Duhnke)
- Zuschauer: 8346
- Schiedsrichter: Gorniak (Bremen)
- Spielbericht
- Vor dem Spiel bestimmten noch Sorgen die Gedanken der
meisten Zuschauer, an die sich nach dem Spiel kaum noch jemand erinnerte. Wie
wird die Mannschaft die befürchteten Ausfälle von Carsten Sträßer
und Ralf Schmidt verkraften können? Wie kommt der FCC mit den
bundesligaerfahrenen Christian Lell und Andreas Görlitz zurecht? Wird
die zweite Garde des großen FC Bayern am dritten Spieltag ihr
zweifellos vorhandenes Potential zeigen, nachdem man eher schwach in die Saison
gestartet war?
Zumindest einer der Fragen löst sich noch vor dem
Anpfiff in Wohlgefallen auf, denn Carsten Sträßer stand in
der Startformation. Der Abwehrspieler ist mitverantwortlich für den
derzeitigen Erfolg des FCC und wird von vielen aufgrund seiner in der letzten
Saison oft gut versteckten Souveränität mit einem
Augenzwinkern als "Neuzugang" bezeichnet, entsprechend groß war die
Erleichterung bei der Lektüre seines Namens in der Startaufstellung. Die
Elf des gut in die Saison gestarteten FCC begann das Spiel auch gleich druckvoll
und schon die ersten Minuten ließen keinen Zweifel daran aufkommen,
wer heute der Herr im Haus sein wollte. Die erste Ecke des Spiels erhielten
trotzdem die Bayern, aber mehr als ein schneller Gegenstoß über
den starken Sievers sprang dabei nicht heraus. Dieser Konter war es, den Timo
Nagy mit einem herrlichen Pass auf Salvatore Amirante fortsetzte. Der Italiener
stand plötzlich vor Kraft im Tor des FCB und wollte den Ball in der
langen Ecke unterbringen, hatte dabei aber die Reflexe des Schlussmanns der
Bayern unterschätzt. Festhalten konnte er den scharfen Schuss aus
kurzer Distanz allerdings nicht, der mitgelaufene René Eckardt schaltete am
Schnellsten und konnte den Ball unbedrängt aus kurzer Distanz im Tor
unterbringen - 1:0 für den FCC nach nur acht Minuten! Die erfahrenen
Spieler der Bayern, namentlich Görlitz und Lell, sahen beim
vorhergehenden Zusammenspiel von Nagy und Amirante alles andere als gut aus und
verloren schon nach diesen wenigen Minuten einen Teil des von ihren Namen
ausgehenden Glanzes.
Die Gäste aus München zeigten sich aber
keineswegs geschockt vom frühen Rückstand, stattdessen bemühten
sie sich von nun an intensiv um den Ausgleich. Nur fünf Minuten nach
der Führung war es Carsten Nulle, der gegen den in dieser Phase
starken Sikorski klären musste. Der war nach einem Missverständnis
in der Jenaer Hintermannschaft plötzlich frei vor Nulle aufgetaucht
und scheiterte nur an der blitzschnellen Reaktion des auch heute sicheren Rückhalts.
Im Gegenzug hat Eckardt das 2:0 auf dem Fuß, nachdem er mit einem
herrlichen langen Ball von Nagy freigespielt wurde. Sein Ball geht aber leider
nicht nur an Torhüter Kraft vorbei, sondern auch am Tor. Für
die nächsten Minuten sollte dieser Gegenstoß das letzte
Lebenszeichen des FCC sein, von nun an drückten die Bayern. Dabei war
es immer wieder Marco Riemer, der in der Abwehr nicht überzeugen
konnte. In der 16. Minute profitiert er allein von der Fairness des Münchner
Stürmers Sikorski, der sich trotz leichtem Trikotzupfer aufrafft und
sich nicht fallen lässt, anderenfalls hätte man diese
Situation wohl als Notbremse werten müssen. So stand Sikorski zwar
allein vor dem Jenaer Gehäuse, aber dieses wurde ja von Carsten Nulle
bewacht - und dieser reagierte erneut glänzend. Auch wenn man sich
mittlerweile schon fast daran gewöhnt hat, mit Nulle einen extrem
sicheren Rückhalt zu haben - was dieser Mann Woche für Woche
für Bälle hält, ist aller Ehren wert. Völlig
zu Recht wurde "Wild Thing" auch vor dem Spiel als Spieler der letzten Saison
ausgezeichnet, denn ohne ihn hätte der FCC die Klasse wohl kaum
gehalten. Richtig ernste Mienen konnte man nur kurz darauf erblicken, denn
offenbar hatte sich Abwehrchef Quido Lanzaat ohne Fremdeinwirkung verletzt und
drängte auf seine Auswechslung, die nach 23 Spielminuten vollzogen
werden musste. Nicht wenige fürchteten nun den baldigen Ausgleich oder
zumindest massive Probleme mit den schnellen und ballsicheren Angreifern der
Bayern für die umgestellte Innenverteidigung. Genau in diese Phase des
größten Drucks der Bayern stürmt aber erneut
Orlando Smeekes hinein und spielte sich endgültig in die Herzen der
Fans. Nach einer kampfgeprägten Balleroberung des Hachinger Neuzugangs
Nagy hat Orlando nur noch Lell und das Tor vor sich. In seiner gewohnten,
unheimlich schnellen Art stürmt er auf Lell zu, schlägt noch
einen Haken und streichelt den Ball dann mit der Innenseite an den kurzen
Pfosten - von dem das Leder den erstrebenswertesten Weg wählt, nämlich
den ins Tor von Jenas Gegnern! Das 2:0 in der 28. Minuten fiel sprichwörtlich
genau zum richtigen Zeitpunkt, denn es setzte einen Schlussstrich unter eine
Phase gefährlicher Angriffe der Gäste, die immer wieder nur
vom Jenaer Schlussmann aufgehalten werden konnten. Auch in der Folge überforderte
der Mann von den niederländischen Antillen, der nun bereits vier Tore
in drei Spielen erzielt hat, seinen Gegenspieler Lell immer wieder mit seiner
Schnelligkeit. Zehn Minuten nach dem 2:0 wurde die Sprintstärke dem Münchner
endgültig zum Verhängnis, als ihn Orlando einmal mehr
regelrecht überlaufen konnte und von Lell nur noch per Foul zu stoppen
war. Da Lell zu diesem Zeitpunkt letzter Mann war und Smeekes freie Bahn aufs
Tor gehabt hätte, war die Entscheidung des unauffälligen
Schiedsrichters Gorniak durchaus nachvollziehbar - Rote Karte wegen Notbremse
und Freistoß für den FCC, denn der Bremer Unparteiische
hatte das Foul außerhalb des Strafraums gesehen. Auch wenn der
Freistoß und die folgenden Minuten vor der Halbzeit nichts
einbrachten, so hatte sich der FCC doch eine hervorragende Ausgangslage für
den zweiten Durchgang geschaffen. Doch trotz der Zwei-Tore-Führung und
der Jenaer Überzahl erwarteten viele eine spannende zweite Hälfte,
in der den Bayern im Falle eines schnellen Anschlusstreffers durchaus noch
Chancen eingeräumt wurden.
Derartige Sorgen und Ängste lösten sich
aber schon kurz nach dem Wiederanpfiff auf, denn die 8346 Zuschauer im Ernst
Abbe Sportfeld sahen einen FC Carl Zeiss Jena, der weiterhin mit voller
Konzentration zu Werke ging. Das aus der Führung und dem Spielverlauf
resultierende Selbstvertrauen sorgte außerdem dafür, dass
Flanken und Pässe scheinbar präziser ankamen und
leichtfertiger von der Hand gingen als in anderen Spielen. Nur drei Minuten
nach Wiederanpfiff war es dann auch schon so weit, dass auch die letzten
Zweifler vom Optimismus übermannt wurden, denn nach einer präzisen
Flanke des starken René Eckardt auf den Kopf von Salvatore Amirante dürfte
die Halbzeitansprache von Gästetrainer Mehmet Scholl bereits hinfällig
gewesen sein. Der Italiener stieg als einziger im Strafraum hoch zum Kopfball,
begleitet nur von den ungläubigen Blicken seines Gegenspielers. Der
musste mit ansehen, wie der wuchtige Kopfball unhaltbar für Kraft im
Netz landete und das Spiel faktisch entschieden war. Anders als nach dem 1:0
war nun auch ein gewisser Schockzustand bei den Bayern zu erkennen, die mit
einer derart druckvollen Offensive seitens der Jenaer offenbar nicht gerechnet
hatten. Nach einer guten Chance für den unauffälligen, aber
ebenfalls überzeugenden Truckenbrod in der 59. Minute war es nach
knapp über einer Stunde erneut Amirante, der einen Eckball von Nagy
per Kopf über die Linie bugsierte. Wieder fühlte sich keiner
der Bayern so richtig zuständig, erneut war gegen den starken Kopfball
aus kurzer Distanz nichts zu machen - 4:0 für den FC Carl Zeiss Jena!
Schon jetzt fragten sich einige, wann sie derartiges zuletzt erlebt hatten,
nicht ahnend, was die folgenden Minuten noch bringen würden. Der FCC
hatte nämlich noch lange nicht genug und spielte weiter attraktiven
Offensivfußball. Nur zwei Minuten später hatte sich Smeekes
auf links einmal mehr aller Gegenspieler entledigt und spielte dann einen
perfekten Pass in den Lauf des Doppeltorschützen Amirante, der den
Ball aus fünf Metern nur noch über die Linie schieben musste
und damit das 5:0 sowie seinen Hattrick vollendete! Nach 68 Spielminuten gönnt
Jena-Trainer René van Eck dem neuen Publikumsliebling und Torschützen
des Monats Orlando Smeekes nach einer weiteren starken Partie seinen verdienten
Applaus. Von stehenden Ovationen begleitet verlässt der Shooting-Star
den Platz, für ihn kommt Sebastian Hähnge. Der Eingewechselte
fügt sich sofort gut in das Spiel der Blau-Gelb-Weißen ein
und hat nur Minuten nach seiner Einwechslung das 6:0 auf dem Fuß, als
ihm Truckenbrod den Ball überlegt in den Lauf lupft. In dieser
Situation konnte sich allerdings zunächst der Münchner Torhüter
Kraft auszeichnen, als er den scharfen Schuss Hähnges pariert. Doch
das sollte am heutigen Tag nicht ausreichen, denn Hähnge setzt nach,
holt sich den Abpraller und flankt den Ball erneut butterweich auf den langen
Pfosten. Dort wartet, wie könnte es anders sein, Salvatore Amirante
und hat erneut keine Mühe, den Ball im Tor unterzubringen - 6:0 nach
76 Spielminuten, vier Tore von Amirante innerhalb von nicht einmal einer halben
Stunde, ungläubiges Staunen mischt sich in den unbändigen
Jubel im weiten Rund des Ernst Abbe Sportfelds.
Das halbe Dutzend war voll und die Jenaer Spieler ließen
es dabei bewenden, die folgenden fünfzehn Minuten waren mehr Schaulaufen
als ernsthafter Fußball und die Bayern hatten sich längst
mit der demütigenden Realität abgefunden. Gegenwehr wäre
bei diesem Spielstand ohnehin zwecklos gewesen und so konnten die leidgeprüften
Anhänger des FCC endlich mal wieder eine Schlussviertelstunde ohne
Angst vor späten Gegentoren oder in der Hoffnung auf ein dringend benötigtes
Jenaer Tor verbringen, stattdessen wurde der in dieser Form von niemandem
erwartete Sieg ausgiebig gefeiert. Neben dem Ergebnis gefiel vor allem die
Tatsache, dass neben dem beinahe unheimlich schnellen Orlando Smeekes auch die
beiden Außen Sievers und Nagy überzeugen konnten und Jena über
weite Strecken des Spiels sehr sehenswerten und dynamischen Offensivfußball
zeigte. Auch in Anbetracht eines bestimmten Ergebnisses vom Samstag bildete das
6:0 den perfekten Abschluss eines paradiesischen Wochenendes, das so schnell
keiner der anwesenden Jena-Fans wieder vergessen wird. Nun muss der neue
Spitzenreiter der Dritten Liga in Aue nachlegen bevor am kommenden Wochenende
ein ganz spezieller Gast im Ernst Abbe Sportfeld erwartet wird. Sollten Orlando
Smeekes & Co. auch dann wieder einen ähnlichen Auftritt wie in den
bisherigen Saisonspielen hinlegen, dürfte der Jubel selbst die
heutigen Freudenschreie noch einmal deutlich übertönen. Bis
es so weit sein kann, liegen aber noch zwei mal 90 Minuten vor der Mannschaft
von René van Eck - zumindest das nötige Selbstvertrauen für
die erfolgreiche Gestaltung der beiden Ostderbys sollte spätestens
nach dem heutigen Spiel vorhanden sein. <bh>
SV Sandhausen - FC Carl Zeiss Jena 2:2
Tore: 1:0 Schuon (9.), 1:1 Smeekes (19.), 1:2 Riemer (32.), 2:2 Pinto (90., FE)
- Sandhausen: Gurski; Bindnagel, Schuon, Eberlein, Mintzel; Pinto,
Hillenbrand, Jungwirth (66. Fischer), Schauerte (77. Hosiner); Ristic (23.
Öztürk, Dorn
- Jena: Nulle; Sträßer, Lanzaat, Riemer, R. Schmidt;
Sievers (60. Hähnge), Truckenbrod, Ziegner, Nagy; Smeekes (88.
Petersen), Amirante (81. Benyamina)
- Zuschauer: 3150
- Schiedsrichter: Kempter (Sauldorf)
- Spielbericht
- Gleiches
Ergebnis - unterschiedliche Gefühle. Wo vor zwei Monaten 3.500 verzückte
Zeissfans ob des Klassenerhalts den Sandhäuser Rasen stürmten, herrschte
diesmal betretenes Schweigen unter beachtlichen gut 500 mitgereisten
Blau-gelb-weißen. Die meisten unter ihnen wären vor dem Spiel wohl mit einem
Zähler zufrieden gewesen, doch nach diesem Spielverlauf musste man einfach
hadern. Mit einer späten und nicht nachvollziehbaren Spielentscheidung durch
Referee Kempter, und mit dem Auslassen unzähliger
Möglichkeiten zur Vorentscheidung durch die eigene Elf.
Dass
dieses Spiel ein ganz intensives werden sollte, deutete sich schon nach wenigen
Minuten an. Riemers und Smeekes' gefährlichen
Toraktionen folgte auf der Gegenseite nach 8 Minuten die Führung der Gastgeber.
Ralf Schmidt hatte einen unnötigen Eckball verursacht - nicht der einzige
Fehler des sich nach dem Wechsel steigernden Studenten in den ersten 45 Minuten
- und Sandhausens bulliger Neuzugang Schuon köpfte
das Leder kompromisslos wuchtig zur frühen Führung ins Netz. Und die Gastgeber
drängten weiter mit schön anzusehendem Kombinationsfußball, waren durch das nur
schwer zu bändigende bundesligaerfahrene Sturmduo Ristic/Dorn stets
kreuzgefährlich. Doch anders als im Mai behielt Jena die Ordnung und schlug
zurück. Sträßer und Sievers kämpften im Duett
Mintzel den Ball im eigenen Strafraum ab,
Sträßers weiter gefühlvoller Ball erreichte zur
Überraschung von Sandhausens Hintermannschaft Orlando Smeekes,
der dem verdutzten Gurski das Leder in die Maschen
servierte (19.). 1:1! Und Jena machte weiter. Nur zwei Minuten später die
nächste Riesenchance für den Holländer nach tollem Diagonalpass von Sievers,
doch der Hammer zischt knapp am Tor vorbei. Eine Minute drauf hatte Nagy dann
die Führung auf dem Fuß, als er eine schöne Kombination zu harmlos abschloss.
Jena war im Spiel, und bald begann auch der Tag des Marco Riemer freundlichere
Züge anzunehmen. Zunächst erlöste ihn die verletzungsbedingte Auswechslung
Ristics von diesem unangenehmen, einen Kopf größeren Gegenspieler. Dann durfte
sich der Apoldaer sogar in die Torschützenliste
eintragen, als er nach Amirantes artistischer
Fallrückziehervorlage aus Nahdistanz zur verdienten Führung nach 33 Minuten
abstaubte.
Von
Sandhausen kam bis zum Wechsel nichts mehr, und dennoch hatten 3.500 Zuschauer
ein packendes und völlig offen geführtes Spiel gesehen. Glaubten sie zumindest,
denn nach dem Pausentee ging es erst richtig los. Bindnagel eröffnete das
Offensivfestival mit einem Knallbonbon knapp am rechten Pfosten vorbei (48.).
Smeekes antwortete mit Zuckerpass auf Sievers, der sich
völlig freistehend vor Gurski den Ball etwas zu weit
vorlegte (49.). Minuten später zwei dicke Patzer von Riemer, die die Gastgeber
nicht zu nutzen verstehen. Jungwirth zieht nach 56 Minuten ab und zwingt Nulle
zu einer Glanzparade. Dann kommt Nagy über die rechte Seite, doch seine
Hereingabe auf den blank stehenden Amirante misslingt (59.). Es war eine der
wenigen Offensivaktionen Nagys, der sich nach vorn wenig zutraute. Ausgewechselt
wurde nach einer Stunde aber sein Flügel-Gegenüber Sievers, bei dem sich
gelungene Offensivakzente mit schlampigem Defensivverhalten abwechselten.
Sebastian Hähnge kam ins Spiel und legte Sekunden
später gleich gekonnt per Kopf auf Amirante auf, Gurski
klärt. Wiederum Sekunden später umkurvt Hähne den Sandhäuser Keeper, ist
eigentlich schon vorbei und der Ball gefühlt auf dem Weg ins Tor, doch
irgendwie kommt Gurski doch noch einmal ans Leder
(61.). Eine Minute darauf darf Smeekes die nächste
hundertprozentige Torchance versieben, allein rechts vor dem Kasten entscheidet
er sich gegen den Pass auf den mitlaufenden Amirante und für den Flachschuss,
den Gurski mit Fußbabwehr
pariert. Wahnsinn! Quasi im Gegenzug rettet Lanzaat
vor dem einschussbereiten Pinto (62.). 63. Minute, ein Schuss Sandhausens aus
dem Hinterhalt wird unfreiwillig von Hillenbrand abgefälscht und trudelt an den
Pfosten! Vier Minuten später dann wieder dann wieder Bindnagel mit
Volleyschuss, Nulle pariert.
Sandhausen ging nun noch mehr auf Risiko und
drückte die Thüringer, bei denen die ordnende Hand im Mittelfeld vermisst
wurde, mehr und mehr in die eigene Hälfte, in der sich Carsten
Sträßer mit einer tadellosen Leistung Bestnoten verdiente.
Einen Entlastungsangriff über die rechte Seite kann der bisweilen selbst
auffällig fallsüchtige Mintzel nur mittels einer
Mischung aus grobem und taktischem Foul an Smeekes an
der Torauslinie verhindern, ohne dafür den Karton zu sehen. In
Ziegners frechen Freistoß spritzt Amirante, und als der Ball
hinter dem Keeper die Torlinie entlang zischt, ist wieder einmal
Haareraufen im Gästeblock angesagt. Mehr noch als
Smeekes nach 80 Minuten die nächste Hundertprozentige
vergibt, allein vor Gurski diesen nicht überwinden
kann. So kam das, was kommen musste. Sandhausen verlegte sich auf das
Erarbeiten von Freistößen, von deren Berechtigung nur wenige im Gästeblock
überzeugt waren, und so stand Carsten Nulle mehr und mehr im Mittelpunkt,
rettete mehrmals großartig. Machtlos war er jedoch, als Robert
Kempter - wie Sandhausen in Baden-Württemberg beheimatet -
in der Schlussminute auf den Elfmeterpunkt zeigte, ein Foulspiel Riemers an
Dorn gesehen haben wollte. Roberto Pinto ließ sich das späte Geschenk nicht
entgehen und schickte die Zuschauer mit dem gleichen Ergebnis nach Hause wie
vor zwei Monaten.
Diesmal bleibt für den FCC zu konstatieren, zwei Zähler
verschenkt zu haben, und das in erster Linie wegen der sträflich ausgelassenen
Großchancen im zweiten Abschnitt. Auf der Leistung der Mannschaft aber darf aufgebaut
werden, und diesen positiven Eindruck nahm Jenas Anhang mit auf die 400
Kilometer lange Heimreise. <gunner>
FC Carl Zeiss Jena - SV Wehen Wiesbaden 2:1
Tore: 1:0 Smeekes (50.), 2:0 Smeekes (56.), 2:1 Bohl (74.)
- Jena: Nulle; Sträßer, Lanzaat, Riemer, R. Schmidt;
Sievers, Ziegner, Truckenbrod, Nagy (87. Petersen); Smeekes (90.+1
Eckardt), Amirante
- Wehen: Birkenbach; Hollmann, Barg, Glibo, Weigelt; Bohl, Reinert
(61. Ziegenbein), Hübner, Öztürk (72. Landeka); Boskovic,
Stroh-Engel (58. Ziemer)
- Zuschauer: 7713
- Schiedsrichter: Dr. Brych (München)
- Spielbericht
- Gemeinhin gilt es als Vorteil, gegen Absteiger aus der 2.
Bundesliga gleich am Anfang einer Saison antreten zu dürfen. Deren
personelle Fluktuation ist meist recht hoch, der neuformierte Kader muss sich
erst einspielen. Im Gegensatz zu den beiden anderen Absteigern blieb dem SV
Wehen aber die große Abgangswelle erspart. Und so versprach der 1.
Spieltag gleich eine Standortbestimmung für den FC Carl Zeiss zu
werden.
Erstmals seit 2003 durfte die Punktspielsaison mal wieder
mit einem Heimspiel eingeläutet werden. Wenn dabei trotz Aprilwetters
7713 Zuschauer ins Ernst-Abbe-Sportfeld kommen, zeugt das ungeachtet der
miserablen letzten Saison von einer deutlichen Erwartungshaltung. Sebastian Hähnge
saß mit auf der Tribüne. Schon einen Tag vor dem Match hatte seine linke
Wade zu zwicken begonnen, am Spieltag selbst war dann nicht einmal mehr ein
Kurzeinsatz möglich. Sollte es deshalb ein schnelles Revival der
Ein-Stürmer-Taktik von René van Eck geben ? Nein, denn der Rückkehrer
auf den Trainerstuhl beorderte Orlando Smeekes auf die zweite Angriffsposition.
Da Jan-André Sievers in die Startelf nachrückte, war diese mit allen fünf
Neuzugängen besetzt.
Verteiltes Spiel zu Beginn. Ein Kopfball im Anschluss an
Wehens zweite Ecke wurde am kurzen Pfosten abgefangen, den Spurt von Reinert in
den Strafraum stoppte Sträßer. Auf der anderen Seite war es
Salvatore Amirante, der mit einem Kopfball aus sechs Metern Birkenbach prüfte
und mit einem 19-Meter-Flachschuss knapp verzog.
All das waren Szenen aus den ersten 20 Minuten, danach
dominierten die Abwehrreihen und weitere nennenswerte Aktionen vor der Pause
blieben rar. Einzig Timo Nagy aus guter Schussposition in zwanzig Metern
Torentfernung forderte nach 35 Minuten noch einmal den Beifall heraus. So sehr
man sich über die stabile Viererkette mit dem neuen Abwehrchef Lanzaat
und dem wie ausgewechselt wirkenden Sträßer freuen durfte -
beim Offensivspiel blieb zunächst noch viel Luft nach oben.
Van Eck hatte seiner Mannschaft in der Kabine mehr Risiko
verordnet und diese setzte das gleich mit Wiederanpfiff um. Bälle, die
während der ersten 45 Minuten noch als Querpass gespielt worden waren,
flogen nun steil ins Angriffszentrum. Es war Salvatore Amirante, der von der
Mittellinie aus seinen Sturmpartner Orlando Smeekes mit einem Diagonalpass auf
die Reise schickte. Diese Reise führte um einen Gegenspieler herum,
zwischen zwei Verteidigern hindurch direkt zu Torhüter Birkenbach, an
dem vorbei Smeekes das Leder ins lange Eck schob. 1:0 - Zeit für den
ersten Torjubel der neuen Saison mit einem Flickflack, wie man ihn im
Ernst-Abbe-Sportfeld so wohl noch nie gesehen hat. Miroslav Kloses berühmte
Überschläge in der Nationalmannschaft wirken geradezu
armselig gegen jene eines Orlando
Smeekes beim FC Carl Zeiss Jena ! Auch wenn dessen artistische Brillanz nicht
von ungefähr kommt, war er in seiner Jugend doch dreimal holländischer
Meister im Turn-Mehrkampf, bevor er sich für die fußballerische
Laufbahn entschied. Eine gute Entscheidung, wie uns nur sechs Minuten später
ein weiteres Mal klar werden sollte. Da trat Smeekes in 35 Metern Torentfernung
zum Freistoß an. Für eine direkte Ausführung noch
viel zu weit vom Kasten entfernt, dachten die meisten. Doch der Nationalspieler der
niederländischen Antillen schoss direkt durch die Drei-Mann-Mauer der
Wehener hindurch ins linke untere Eck. Welch ein (P)fund !
Während wir Beobachter noch ganz fasziniert waren
von den gleichsam schönen und doch auf so unterschiedliche Weise
zustande gekommenen Treffern unseres Orlando, setzten die Gäste mit
dem Mute der Verzweiflung zur Aufholjagd an. Diese hatten sie in der
Vorbereitung bereits gegen Koblenz und Saarbrücken mit Erfolg
praktiziert. Boskovic mit Schuss ans Außennetz sowie die frisch
eingewechselten Ziemer und Ziegenbein zeigten an, dass dieses Mahl mit
den zwei Toren noch lange nicht gegessen war. Und tatsächlich, in der
74. Spielminute traf Bohl unhaltbar per Kopf zum Anschlusstreffer. Eine
Viertelstunde war danach noch zu spielen. 15 Minuten, die besonders der aus
Kaiserlautern gekommene Marcel Ziemer mit mehreren Chancen zur Zitterpartie für
alle Blau-Gelb-Weißen werden ließ. Bei Ziemers
Aufsetzerkopfball sechs Minuten vor Schluss rührte selbst Geburtskind
Carsten Nulle (Glückwunsch zum 34. !) keinen Finger mehr - doch das
Leder klatschte nur an die Werbebande hinter dem Tor. In der 89. kam Nulle an
einen Eckball nicht heran, dafür stand Sträßer
goldrichtig und konnte an der Torraumgrenze per Kopf klären. Mit
tollen Einzelaktionen hatte einer aus der Mannschaft den Vorsprung heraus geschossen
- alle elf zusammen sorgten nun dafür, dass aus ihm drei Punkte wurden.
Auch wenn in der letzten halben Stunde das Geschehen etwas
aus der Hand gegeben worden war - mit dem Sieg gegen Wehen hat die neue Jenaer
Mannschaft schon mal einen ersten Fingerzeig erhalten, dass auch gegen
Staffelfavoriten etwas gehen kann. Orlando Smeekes, der in seiner Freizeit auch
noch Thai-Boxen betreibt, will übrigens trotz seiner Erfolgserlebnisse
im Sturm so schnell wie möglich auf die Außenbahn zurück.
Nur da kann er seine Sprintschnelligkeit mit (wie man hört) 11,3
Sekunden über 100 Meter und die Stärken im eins gegen eins
voll zur Geltung bringen. Scheint so, als könnten wir uns auf die
Saison mit ihm freuen. <fc>
Fotos von Jens Weißenburger
Spielbericht auf svwehen-wiesbaden.de
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, 88.);
Schüßler (4. Siedschlag), Vujcic, Jerat, Meyer; Sykora (57. Holt),
Cannizaro (70. Wulff)
Positiv war schon mal, dass sie in der selben Formation
auflaufen konnte wie beim überzeugenden Auftritt gegen Osnabrück.
Der angeschlagene Ralf Schmidt hatte beim Abschlusstraining grünes
Licht gegeben und stand die neunzig Minuten durch. Die Anfangsphase freilich
hielt einem Vergleich mit jener gegen den VfL nicht stand. Zwar besaß
Orlando nach fünf Minuten die erste Chance im Spiel, als er gezwungen
war, aus eher ungünstiger Position abzuschließen, weil
keiner seiner Mitspieler mitgekommen war. Alles in allem aber konnte sich der
Gastgeber glücklich schätzen, nach zwanzig Minuten nicht in Rückstand
zu liegen. Da Lanzaat gegen Canizzaro das Nachsehen hatte, lief der bei Erfurt
ausgemusterte Kieler Stürmer in Minute 15 unbedrängt auf
Carsten Nulle zu. Unser Keeper, gerade erst zum Torschützen des Monats
nominiert, warf sich ihm mit Erfolg entgegen und zeigte, dass er nicht nur
offensiv, sondern auch defensiv zu überzeugen weiß, wie sein
Trainer nach dem Spiel flachste. Da auch Jerat mit einem Freistoß am
Jenaer Kapitän scheiterte und Sykoras Ablage nach einer Unsicherheit
in der Thüringer Hintermannschaft nicht ankam, überstand der
FCC die Anfangsperiode mit etwas Glück unbeschadet. Nach vorn lief zunächst
nicht viel zusammen. Schon zweiundzwanzig Minuten waren vorbei, als Kiels
Schlussmann Michael Frech mittels Faustabwehr das erste Mal eingreifen musste.
Die Jenaer Führung, sie fiel wie so häufig in den letzten
Wochen aus einer Standartsituation heraus. Assani Lukimya hatte vor Wochenfrist
beim Torerfolg seines Keepers genau hingeschaut und köpfte einen
Freistoßball von Nagy in die Maschen. Dass der Freistoßpfiff
zuvor durch Schiedsrichter Osmers eher geschenkt war, muss kein schlechtes
Gewissen bereiten. Auch auf der Gegenseite gabs hier und da umstrittene
Entscheidungen.
Vielleicht reagierten die "Störche" eine Spur zu passiv
auf die neue Spielsituation, indem sie hinten drin blieben und auf Jenaer
Angriffe warteten statt selbst welche zu initiieren. Andererseits muss man
vielleicht auch Verständnis für ihre Situation haben. Nach
der Klatsche gegen Werders U23 hatten sie hier passabel begonnen, sich auch von
der schweren Verletzung ihres Mittelfeldspielers Schüßler
(Verdacht auf Kreuzbandriss) nicht aus dem Konzept bringen lassen und lagen
dennoch schon wieder im Rückstand. Als sie dann doch nochmal versuchten,
vor der Pause den Ausgleich zu erzielen, liefen sie prompt in einen
Konter. Nagy schlug aus der eigenen Hälfte einen weiten Pass auf
Orlando. Dem war bis dahin noch nicht viel gelungen, doch jetzt machte er
alles richtig. Vom Ex-Jenaer Robert Müller nicht einzuholen, schob der
schnelle Holländer das Leder an Frech vorbei zum 2:0 über die
Linie. Ohne geglänzt zu haben, lag der FCC zur Pause mit scheinbar
beruhigenden zwei Toren in Front. Wann hatte es dies zuletzt gegeben ?
Der Schuss von Florian Meyer, einem der Besten in den Reihen
der Holsteiner, nur zwei Minuten nach dem Wechsel sollte sich als Kieler
Strohfeuer erweisen. Mit "Schüsschen, Eckbällchen und Freistößchen"
(O-Ton Christian Wück) war den Jenaern nicht beizukommen. Und so
lehnte der Gästecoach phasenweise selbst resigniert an der
Trainerbank. Während das Dutzend Gästefans, welches aufgrund des
Nachholtermins die weite Strecke womöglich zum zweiten Mal
innerhalb weniger Tage auf sich genommen hatte, eine nun deutlich überlegene
Jenaer Elf zu sehen bekam. Welch tolle Aktion war das zum Beispiel in Minute
62, als Orlando gleich zwei Gegenspieler düpierte und eine feine
Vorlage für Hähnge zustande brachte. Der schoss sofort aus
der Drehung und zwang Frech zu einer spektakulären Parade. Drei
Minuten später wurden die Rollen getauscht. Hähnge spielte
den Vorbereiter für Orlando, welcher sich hinterher maßlos ärgerte,
in dieser Szene den Ball am langen Pfosten vorbei geschoben zu haben. Ein Happy
End gab es dennoch für beide, denn nach Orlando in Hälfte
eins kam auch Sebastian Hähnge noch zu Torehren. Sein Antritt ab Mitte
der gegnerischen Hälfte, das Täuschungsmanöver, dann
der Schuss mit dem linken Außenrist aus 18 Metern genau ins
Dreiangel war nach Meinung aller das
schönste Tor des Tages. Mit solchen Aktionen lässt Jenas Stürmer
auch seine letzten Kritiker auf den Rängen für hoffentlich längere
Zeit verstummen.
Dem Schiri saßen mit zunehmender Spielzeit die Karten allzu locker. Das mit Gelb geahndete Foul von Jürgensen kurz vor
Schluss war genauso wenig verwarnungswürdig wie das von Carsten Sträßer
eine halbe Stunde zuvor. Für den Jenaer war es die fünfte
Gelbe in dieser Saison, für den Kieler die zweite im Match. Als
Konsequenz müssen beide beim nächsten Mal zuschauen.
Drei Punkte zum 50. - wer Mannschaftsleiter Uwe Dern kennt, der weiß, dass ihm die Mannschaft kein schöneres Geburtstagsgeschenk hätte bereiten können. Auch von dieser Stelle aus herzlichen Glückwunsch, Uwe und alles Gute fürs nächste halbe Jahrhundert ! <fc>
- Jena: Nulle; Sträßer, Lanzaat, Lukimya, Nagy; Gardawski, Kühne, R.Schmidt (82.Kolb),
Benyamina; Hähnge, Orlando
- Osnabrück: Berbig; Engel, Barletta, Nickenig (

, 75.),
Tauer; Pinheiro, Heidrich (61.Schmidt); Siegert, Lejan (64.Grieneinsen), Kotuljac (76.Stang), Lindemann
- Zuschauer: 5694
- Schiedsrichter: Thomsen (Kleve)
- Spielbericht
- Osnabrück: Berbig; Engel, Barletta, Nickenig (
-
Der FCC empfing den Spitzenreiter Osnabrück, Weiß gegen Schwarz (nach den Trikotfarben), wie beim Schach. Und in den ersten
45 Minuten boten beide Mannschaften auch gepflegtes Rasenschach - taktisch diszipliniert, vorsichtig, unbedingt ein Gegentor vermeiden
wollend, ohne große Aufregungen. Der FCC wählte dabei - trotz Doppelspitze mit zwei offensiven Außenbahnen - eine
geschlossene Eröffnung, die auch den gewünschten Erfolg brachte. Aus einer sicheren Abwehr heraus suchte man mit gepflegten
Pässen den Mitspieler und ließ dem Ligaspitzenreiter - der eigentlich im gesamten Spiel seine Auswärtsschwäche
bewies - im Mittelfeld keinen Raum für den eigenen Aufbau. Die einzigen Ausnahmen bildeten die 35. und die 39. Minute: Nach einem
misslungen Tackling Nagys starteten die Gäste einen schnellen Angriff über rechts, in dessen Ergebnis Pinheiro an die Latte
des Jenaer Tores köpfte. Der FCC "revanchierte" sich nach einer Ecke, als Lanzaats Kopfball von einem Osnabrücker noch am Tor
vorbeigelenkt werden konnte. Trotzdem war der FCC im Vergleich zu den vorigen Heimspielen nicht wiederzuerkennen. Es waren die kleinen
Ungenauigkeiten, die Zählbares für den FCC verhinderten, obwohl man mit kleinen Nadelstichen den Favoriten einige Male ärgern
konnte. Dabei rückte Orlando in den Mittelpunkt: Entweder er stand im Abseits (20., 21. min) oder der Ball wurde auf dem
nassen Rasen zu schnell (22.) oder er war einfach zu überrascht, als ihm am langen Pfosten der Ball vor die Füße
fiel (30.). Positiv fiel das gute Zusammenspiel zwischen Hähnge und Gardawski auf. Nicht zu übersehen war bereits in der
erste Halbzeit die Unart der Gäste, bei Ballverlust am Boden liegen zu bleiben - gegen Ende des Spiels wurde diese Theatralik
durch Bodenpirouetten und Schmerzensschreie ergänzt - und auf das Wohlwollen des Referees zu hoffen.
Die Spieler des FCC hatten dann gemerkt, dass heute mehr drin war als nur eine Schadensbegrenzung und so startete man nach der Pause deutlich offensiver. Vor allem Benyamina, der vor der Pause etliche Fehlabspiele bot, zeigte sein Stürmerblut. So in der 48. min als er den Verteidiger mit einem Haken alt aussehen ließ und den Ball an die Lattenunterkante hämmerte. Den zurückspringen Ball konnte Schmidt leider nicht mehr ins Tor drücken. Dann versuchte es Orlando über links, scheiterte jedoch am Verteidiger (53.). Benyamina testete Berbigs Reflexe mit einem Schuss aus etwa 8 Metern Entfernung (56.), bevor Orlando kurz danach mit einem Sprint mit Ball drei Osnabrücker in Verlegenheit brachte. Diese lösten das Problem mit einem Foul kurz vor der Strafraumgrenze, dass Schiedsrichter Thomsen jedoch nur mit "Gelb" ahndete. "Rot" wegen Notbremse wäre die richtige Entscheidung gewesen! Den Freistoß selbst vergab Orlando kläglich, in dem er ihn gefühlvoll mitten in die Mauer setzte. Einige Minuten später zeigte sich Orlando zu egoistisch, als er lieber allein einen Schuss versuchte, anstatt den besser stehenden Gardawski mit einem Steilpass zu bedienen.
Der FCC hatte den VfL in fester Umklammerung und ein Tor schien nur eine Frage der Zeit zu sein. Das fiel dann auch in der 72. min per Foulstrafstoß: Nach einer Ecke versuchte sich Orlando so deutlich als Handballer, dass der Referee gar nichts anderes als Elfmeter entscheiden konnte. 1:0 für Osnabrück - das Spiel nach der Pause war auf den Kopf gestellt! Der FCC ruckte noch einmal an, alle knieten sich mit doppeltem Eifer rein, Orlando warf sich in einen Abschlag Berbigs und so ergab sich für Hähnge die Chance, mit Ball am Fuß in den Strafraum einzudringen. Wieder kam die Notbremse zum Einsatz, gefühlt auf der Strafraumgrenze - aber anstatt Strafstoß und Feldverweis entschied Thomsen, der von dieser Szene an völlig den Überblick verlor, auf Freistoß und gab Nickenig nur "Gelb" (75.)! Lediglich die Tatsache, dass es bereits dessen zweite Verwarnung war, beförderte ihn vom Feld. Der Freistoß brachte nichts ein (diesmal versuchte sich Nagy), aber von da an brannte die Luft im Stadion. Die Gäste versuchten mit langen Bällen nach vorn und übelsten Schauspieleinlagen die den Vorsprung über die Zeit zu retten, der FCC rannte mit aller Macht an. Der Schiedsrichter - bis zur 75. min zwar kleinlich, aber dies auf beiden Seiten - verteilte nun munter Freistöße für die Gäste und Verwarnungen an Schmidt, Sträßer und Lukimya für Peanuts und animierte so das Publikum. Der FCC schien sich vergeblich zu bemühen, entweder das Außennetz (Orlando, 86.) oder Berbig (gegen Gardawski, 87.) waren jeweils Endstation. Nulle verhinderte zwischenzeitlich bei einem VfL-Konter das entscheidende 0:2, als er einen Schuss aus Nahdistanz parierte. Schlussminute, Eckball für Jena, Nulle ging mit vor - nichts. Nachspielzeit, weiterer Eckball für den FCC, wieder war Nulle vorn. Gardawski tritt die Ecke und aus der Ansammlung von 22 Spielern schraubte sich ein gelbes Trikot einen gefühlten halben Meter über den Rest der Meute und köpfte in bester Stürmermanier unhaltbar zum Ausgleich ein! Nulle als Torschütze - er lässt in dieser Saison wirklich nichts aus!!!Vor dem Spiel wären viele sicher mit einem Punkt gegen den Spitzenreiter zufrieden gewesen, nach dem Abpfiff haderte man ein klein wenig mit den vergebenen zwei Punkten. In jedem Fall bot der FCC die beste Heimleistung seit einem halben Jahr und wusste endlich auch einmal spielerisch zu überzeugen. <uk>
Fotos von Jens Weißenburger
"Unglaubliches Spiel in Jena" - der Bericht auf vfl.de
FC Carl Zeiss Jena - FC Erzgebirge Aue 1:0
Tore: 1:0 Hähnge (88.)
- Jena: Nulle; Sträßer, Wuttke, Lanzaat Nagy; Gardawski (75. Benyamina), Kühne,
R. Schmidt, Kolb (65. Amrhein); Orlando (90.+3 Truckenbrodt), Hähnge
- Aue: Männel; Klingbeil, Kos, Paulus, le Beau; Stark, Hensel,
Curri (46. Klotz), Hochscheidt (78. Müller); Ramaj, Braham (70. Glasner)
- Zuschauer: 7206
- Schiedsrichter: Valentin (Taufkirchen)
- Spielbericht
-
Derbyzeit in Jena. Innerhalb weniger Tage haben die Männer um René van Eck zwei eminent wichtige Derbys vor der Brust.
Am heutigen Tag kamen die Veilchen aus Aue ins Jenaer Rund und bereits am Donnerstag geht die Reise des FCC zum 40 km entfernten
Nachbarn aus Thüringen. Aber da die letzten Derbys der Jenaer alles andere als erfolgreich waren, so sollte heute unbedingt ein Sieg gelingen.
Die Platzherren waren auch sofort bemüht, das Zepter des Handelns in die Hand zu nehmen. Bereits nach fünf Minuten die erste Chance
für den FCC durch Hähnge, doch leider verfehlte er mit seinem Schuss aus der Drehung das Tor nur knapp. Wenig später erneut
eine gute Möglichkeit für den Jenaer Stürmer, aber nach Flanke von Schmidt stand er zwar goldrichtig, traf aber er den Ball
nicht richtig. Die Gäste versteckten sich keinesfalls und kamen in der achten Minute zu ihrer ersten Chance. Einen hoch getretenen
Freistoss verpassten alle Spieler im Strafraum, so dass der Ball an Freund und Feind vorbei zischte und um Zentimeter das Tor verfehlte.
Ein Kopfball vom völlig freistehenden Najeh Braham (18.) hätte die Führung der Auer bedeuten können, denn auch hier
fehlte nur wenig. Trotz der noch immer torlosen Begegnung sahen die 7200 Zuschauer eine hart umkämpfte Partie, bei der sich beide
Teams keinen Zentimeter des Rasens schenkten. Nach gut einer halben Stunde (32.) dann der schönste Spielzug der Platzherren bis
dato. Schmidt hatte mit einem Steilpass auf Hähnge gepasst, der aber zu lange brauchte, den Ball unter Kontrolle zu bringen -
Querpass auf unseren Neuzugang Gardawski, der zum kurzen Sololauf ansetzte, seinen Gegenspieler umkurvte und mit einem mustergültigen
Querpass vors Tor auf Orlando passte. Die meisten Fans hatten bereits den Jubelschrei auf den Lippen angesichts dieser 100% Torchance,
doch Orlando brachte das Kunststück fertig, den Ball aus Nahdistanz Gästekeeper Männel vor die Brust zu schießen.
Auch nach der Pause das gleiche Spiel. Beide Teams fighteten um jeden Ball und die ein oder andere Gelbe Karte blieb nun auch nicht mehr
aus. Zum Ärger der Jenaer traf es auch Tim Wuttke, dem nun durch seine fünfte Karte nur die Rolle des Zuschauers beim Thüringenderby
bleibt. Die erste nennenswerte Möglichkeit der zweiten Halbzeit gehörte den Gästen, doch Nulle konnte einen gefährlichen
Flachschuss von Hochscheidt zur Seite klären. Drei Minuten später hätte Braham erneut für die Führung der Veilchen
sorgen können, doch glücklicherweise konnte er aus Nahdistanz seine Chance nicht nutzen. Schnell ausgeführter Gegenzug der
Jenaer mit einem schönen Steilpass auf Hähnge, der von halb links aufs Gästetor zustürmte. Es folgte ein kurzer Schwenk
nach rechts und anstatt nun sofort zu abzudrücken, entschied er sich erneut für einen Schwenk diesmal nach links, wodurch er sich
selber den Winkel zum Tor so verkürzte, dass sein anschließender Schuss für Männel keine Gefahr mehr darstellte. Der
Druck der Jenaer Mannschaft nahm nun stetig zu und der FCC drehte sein Eckenkonto nach oben. Nur leider wollte noch immer kein Tor gelingen.
Beim 13. Eckball! der Thüringer hätte es dann fast geklappt, doch leider verfehlte Wuttke mit seinem wuchtigen Kopfball nur ganz
knapp das Tor. Zehn Minuten vor Ultimo sorgte die mittlerweile 15. Ecke der Jenaer (Endstand 17:3) erneut für große Gefahr im
Strafraum der Gäste, doch Ramaj konnte den Kopfball vom eingewechselten Benyamina noch auf der Torlinie klären. Die letzten
Minuten plätscherten so dahin und beide Teams hatten sich eigentlich schon mit einem Unentschieden abgefunden. Doch es gab in der
88. Minute noch einmal Freistoß für den FCC. Nagy flanke platziert nach innen und dort schraubte sich Hähnge am höchsten
und traf per Hinterkopf zum viel umjubelten Führungstreffer. Die Auer warfen in den wenigen verbliebenen Minuten noch einmal alles nach
vorn, doch die Jenaer ließen sich am heutigen Tage diesen hoch verdienten Sieg nicht mehr nehmen.
Nach derben Pleiten in den letzten großen Derbys ist es dem FCC endlich mal wieder gelungen, ein so wichtiges Prestigeduell
zu seinen Gunsten zu entscheiden. Nun gilt es die Kräfte zu bündeln, um beim zweiten Traditionsduell am kommenden Donnerstag
erneut als Sieger den Platz zu verlassen. <vg>
FC Carl Zeiss Jena - SV Sandhausen 0:1
Tore: 0:1 Dorn (44.)
- Jena: Nulle; Sträßer, Lanzaat (53. Eckardt), R. Schmidt;
Wuttke, Truckenbrod, Ziegner (87. Kühne), Orlando (75. Mayombo);
Kolb, Hähnge
- Sandhausen: Kirschbaum; Bindnagel, Tausenpfund, Glibo, Mintzel;
Pinto (90. Throm), Hillenbrand, Jungwirth, Schauerte (74. Öztürk);
Cenci, Dorn (90. Hosiner)
- Zuschauer: 5513
- Schiedsrichter: Dr. Kunzmann (Bad Hersfeld)
- Spielbericht
-
"Meine Spieler sind so heiß im Training, dass ich
Angst hatte, der Rasen könne verbrennen." - Sprüche wie
dieser von René van Eck wecken nach dem Jahreswechsel Erwartungen, die
vielleicht ein paar Zuschauer mehr ins winterkalte Stadion locken, dann aber auch
erfüllt werden wollen. Im Falle eines Misserfolgs nämlich können
einem die Zitate auch buchstäblich um die Ohren fliegen.
Den Auftakt dieses Nachholspiels bildete ein Kopfball des
aufgerückten Lukimya-Mulongoti nach Freistoß Ziegners. Gäste-Torwart
Kirschbaum zeigte sich auf dem Posten (3.). Ansonsten war es ein gemächlicher
Beginn, zu dem die Theatralik nicht passen wollte, mit der sich die
Sandhausener Spieler jedes Mal auch nach harmlosen Fouls auf dem Rasen wälzten.
Das nahm ein Ende, als sie die erste Gelbe Karte des Spiels für Wuttke
provoziert hatten. Am Schiedsrichtergespann allerdings sollten sich im Laufe
der Partie noch häufiger die Gemüter erhitzen.
Sportlich tat sich zunächst wenig und wenn, dann
in der Gästehälfte. Nach siebzehn Spielminuten
spielte Ziegner schön in den Lauf des überraschend in die
Anfangself gerückten Kolb. Dieser flankte von der rechten Seite vors
Tor, wo Hähnge zunächst einen Schritt zu spät kam.
Der von links heranbrausende Orlando kam zwar noch zum Schuss, mehr als ein
Eckball sprang aus spitzem Winkel jedoch nicht heraus. Szenenapplaus gab es für
Carsten Sträßer sieben Minuten später, als er einen
schon verloren scheinenden Ball zurück eroberte. Hier bekam man einmal
einen Ahnung von dem, was van Eck gemeint haben könnte. Doch die Regel
war das leider nicht. Wie oft musste ein Spieler den Einwurf bis zum letzten
Moment hinauszögern, weil die eigenen Mannschaftskameraden bei ihren
Gegenspielern stehen blieben anstatt sich frei zu laufen ! Orlandos nächste
Aktion - nach energischem Antritt übersah der Holländer den
freistehenden Landsmann Lanzaat am Elfmeterpunkt - war Jenas letzte Gelegenheit
vor der Pause. Und die Gäste ? Erspielten sich ihre erste Chance eine
Minute vor dem Halbzeitpfiff. Einen mit dem Kopf verlängerten Ball
nimmt Neuzugang Cenci gekonnt mit der Brust an, leitet ihn sauber mit der Hacke
weiter und bringt Sturmpartner Dorn damit in eine vorzügliche
Schussposition. Dieser Regis Dorn ist viel zu sehr Torjäger, um sich
solch eine Gelegenheit entgehen zu lassen. Gegen seinen Schuss ins lange Eck
hat Nulle nicht die Spur einer Chance. Mit der einzigen Möglichkeit in
45 Minuten die Führung zu erzielen - mehr an Effizienz geht nicht. Es war übrigens
kein Konterzug, als welcher dieser Angriff vonseiten unseres
Trainer bezeichnet wurde. Jenas Defensive durfte sich in aller Ruhe formieren
und stand mit sieben gegen zwei Mann im eigenen Strafraum.
Quido Lanzaat hatte beim Gegentor etwas abbekommen, wollte
sich aber durchbeißen und kam mit aus der Kabine. Um ein Haar wäre
ihm in der 51. Minute der Ausgleichstreffer geglückt. Nach Foul an
Kolb führte Ziegner einen Freistoß fünf Meter vorm
rechten Strafraumeck aus. Den hohen Ball erwischte Lanzaat unter Bedrängnis
mit dem Kopf, drückte ihn von der Torraumgrenze aus Richtung Gästegehäuse,
doch Kirchbaum lenkte das Leder mit starkem Reflex zu Ecke. Gleich danach war
Schluss für den auch gelbbelasteten Innenverteidiger. Wuttke nahm
dessen Position ein, Eckardt kam neu ins Mittelfeld. Beim Doppelpass mit Hähnge
führte sich Eckardt gut ein und weckte als Einwechsler Hoffnungen, die
(nicht nur) sein Trainer nach dem Spiel als unerfüllt ansah. Gleiches
gilt auch für Mayombo, dem jedoch rund eine Viertelstunde vor Schluss
ein Elfmeter hätte zugesprochen werden müssen. Gegenspieler
Tausendpfund hatte Jenas Stürmer von den Beinen geholt, Dr. Kunzmann
entschied auf Weiterspielen. Diese Szene lag inmitten einer kurzen Drangperiode
mit zwei hochwertigen Chancen für Sebastian Hähnge. Beim
Kopfball in Minute 73 fehlte neben dem Druck auch die Präzision, da
Kirchbaum sich nicht vom Fleck bewegen musste, um zu parieren. Doch fünf
Minuten darauf hätte auch Sandhausens Schlussmann den Ausgleich nicht
verhindern können, wenn Hähnges Kopfball nach Ziegners Ecke
ins Netz statt nur ans Lattenkreuz geflogen wäre. Welch ein Pech.
Doch weder strittige Schiedsrichterentscheidungen noch
Aluminiumtreffer dürfen darüber hinwegtäuschen, dass
die Jenaer Spieler allzu viel schuldig blieben von dem, was man von ihnen nach
der Winterpause erwarten durfte. Gefahr strahlten sie nur bei
Standartsituationen aus. Zu statisch wirkten sie im Spielaufbau, sodass das grüne
Geläuf lediglich von der Rasenheizung auf Temperatur gehalten
wurde. Die Gäste, von denen man ein Hintenreinstellen nach der Pause
vermutete, konnten wahrscheinlich irgendwann nicht mehr anders, als auf eigene
Faust die Entscheidung zu suchen. Beim
Kopfball von Tausendpfund und Schüssen des eingewechselten Öztürk
boten sich Gelegenheiten dazu. Ihr knapper Vorsprung geriet während
der Schlussminuten nicht weiter in Gefahr. Stattdessen bettelte Torsten Ziegner
um seine fünfte Gelbe Karte, indem er auch nach zweimaligem Zurückweisen
beim Schiri immer noch weiter meckerte. Und den Karton letztlich
bekam.
In einem Spiel, das eigentlich keinen Sieger verdient, kann
eine einzige geniale Idee während neunzig Minuten entscheidend sein.
Cencis Hackentrick war solch eine Idee. Den Jenaer Spielern hingegen ist es nicht
gelungen, ihren so hoch gelobten Trainingsfleiß ins erste Punktspiel
des Jahres 2010 zu transportieren. <fc>
SV Wehen Wiesbaden - FC Carl Zeiss Jena 1:1
Tore: 1:0 Schönheim (72.), 1:1 Hähnge (77.)
- Wehen: Domaschke; Hollmann, Gehring, Schönheim, Weigelt;
Ziegenbein (90.+1 Bohl), Reinert, Hübner, Öztürk; Ziemer
(82. Stroh-Engel), Boskovic (88. Kunert)
- Jena: Nulle; Sträßer, Lanzaat, Lukimya, R. Schmidt
(76. Nagy); Kühne (14. Amrhein), Truckenbrod (90.+1 Mayombo), Ziegner;
Wuttke, Hähnge, Orlando
- Zuschauer: 3386
- Schiedsrichter: Beitinger (Regensburg)
- Spielbericht
- Weniger die sportliche als vielmehr die wirtschaftliche Situation geriet in dieser
Woche in den Mittelpunkt des öffentlichen Interesses. Die Nachricht, dass sich
die Liquiditätslücke während der letzten Wochen nochmals kräftig auf
947.000 Euro vergrößert hat und nun im Rahmen eines Sanierungskonzepts umfassende
DFB-Auflagen zu erfüllen sind, sorgt für Gesprächsstoff unter den
Kernbergen und darüber hinaus.
Die Spieler können in solch einer Situation nichts weiter tun als bestmöglich
ihren Job zu erledigen. Könnte es doch sein, dass jeder von ihnen errungene Punkt
in der Endabrechnung noch von Bedeutung sein wird.
Beide Teams bemühten sich
vom Anpfiff weg um Offensivaktionen, wobei ihnen dabei die Genauigkeit im
Zusammenspiel abging. So verging eine Viertelstunde bis zur ersten
Torgelegenheit, einem Schuss des freistehenden Boskovic genau auf
unseren Schlussmann. Zu dieser Zeit hatte Trainer van Eck bereits das erste Mal
wechseln müssen, da Stefan Kühne nach einem Zweikampf in der eigenen Hälfte
mit einer Knieverletzung vom Platz musste. Tim Wuttke hat in dieser Saison
schon fast alles gespielt, vom Innenverteidiger bis zur hängenden Spitze auf
Außen - entsprechend reibunsglos ging nach der Hereinnahme Amrheins sein Wechsel auf die Kühne-Position vonstatten.
Geschickt verlagerten er und seine Nebenleute die Positionen hin zum
ballführenden Gegenspieler. Die häufiger in Ballbesitz befindlichen Gastgeber fanden
dagegen lange Zeit kein Mittel. Es bedurfte eines direkt geschossenen
Freistoßes, um Carsten Nulle nach 31 Minuten das zweite Mal zu fordern.
Dessen Gegenüber hatte zu diesem Zeitpunkt noch keinen einzigen Ball
halten müssen.
Doch mit einem Mal, ab Minute 38 veränderte sich die Szenerie. Schön freigespielt steht Sebastian Hähnge frei vor Eric Domaschke - und scheitert am
herauslaufenden Keeper. Eine Minute später schießt der bis dahin noch
gar nicht zur Geltung gekommene Orlando aus vollem Lauf über die Querlatte und
nochmals 60 Sekunden darauf Hähnge flach aufs Tor. Die größte Gelegenheit vor
der Pause aber bietet sich in Minute 43. Freistoß, knapp 30 Meter Torentfernung,
halbrechte Position. Orlando steht zur Ausführung bereit, so als wolle er
zum zweiten Mal das Tor des Monats gegen den selben Kontrahenten erzielen. Doch nicht
er sondern Ziegner führt den Freistoß aus. Domaschke lässt prallen, zum
aufgerückten Assani Lukimya, der jedoch aus bester Position vergibt.
Freistoßschütze Torsten Ziegner hatte sich zu diesem Zeitpunkt bereits eine Gelbe Karte abgeholt. Nur gut, dass sich seine Verwarnung von voriger
Woche als Falschmeldung herausgestellt hatte. Sonst wäre es jetzt die 5.
gewesen und Ziegner hätte gegen Sandhausen ersetzt werden müssen.
Selbst wenn er zuletzt auswärts eher zu überzeugen wusste als in Heimspielen.
Apropos Trainer, wie hatte René van Eck vor dem Spiel prophezeit ? Viele
Chancen wird es in Wiesbaden nicht geben. Deshalb müssen diese konsequent
genutzt werden. Genau das hatten seine Jungs vor der Pause versäumt, weshalb
es mit Spielstand 0:0 in die zweite Halbzeit ging. Hier zeigte sich
Nulle bei einem Schuss von Reinert gleich wieder auf dem Posten (49.).
Das Spiel des SVW, dessen Hauptsponsor mit Wasser-Technologie seinen Umsatz
macht, lief nun etwas flüssiger. Jenaer Konter besaßen Seltenheitswert,
in Minute 64 war es wieder mal soweit. Hähnge auf der rechten Seite fehlte
jedoch sein Anspielpartner im Zentrum, weil Hübner dem losspurtenden
Orlando in die Hacken getreten war, ohne dass dies der Referee geahndet hätte.
Jenas Hintermannschaft stand weiterhin sicher, geriet meist nur durch
Standartsituationen in Gefahr. Weigelts Freistoß aus fast dreißig Metern
hob Nulle in großem Stil über die Torlatte (65.). Und dann gab es da noch die Eckstöße.
Es mag der sechste oder siebente gewesen sein in Minute 72 - Jenas
Elf hatte sich wie immer komplett im eigenen Strafraum versammelt.
Zunächst gelang es, den Eckball nach vorn abzuwehren. Doch genau an der
Grenze zum Sechzehner stand Fabian Schönheim, welcher den als
Befreiungsschlag gedachten Ball dreisterweise als Vorlage ansah und direkt
ins rechte untere Eck traf.
Die seit sieben Spielen daheim ungeschlagenen Gastgeber führen 1:0 und nicht mal mehr zwanzig Minuten sind noch zu spielen. So manch einer
mit Blau-Gelb-Weiß im Herzen wird hinterher zugeben, er hätte nicht mehr an einen
Punktgewinn geglaubt. Doch Jenas Routiniers auf dem Spielfeld sehen das
anders. Torsten Ziegner hebt einen Ball vor in den Sechzehner auf Sebastian
Hähnge, der mit langem Bein zunächst dafür sorgt, dass das Leder
nicht ins Toraus verspringt. Danach tunnelt er Domaschke im zweiten Versuch und
vollendet überlegt mit halbhohem Schuss über zwei grätschende Verteidiger
hinweg ins Netz. Jubel im gut gefüllten Gästeblock direkt dahinter. Obwohl es
wie die meiste Zeit zuvor nun wieder unentschieden steht, scheint der Ausgleichstreffer
noch einmal richtig das Feuer anzufachen. Nicht nur auf den Rängen, auch bei
den blau-gelb gekleideten Spielern. Ein Torsten Ziegner erobert erst den
Ball, lässt ihn dann zu weit wegspringen, verliert ihn dadurch wieder und
hüpft vor Ärger darüber wie Rumpelstilzchen auf dem grünen Rasen. Jenas
Spieler wollen drei Punkte, das ist zu spüren. Doch die geniale Idee,
mit der der Willen in die Tat umzusetzen wäre, kommt ihnen an diesem Tag nicht
mehr. Stattdessen besitzen sie bei Schönheims Chance in der 87.
Minute sogar noch Glück, am Ende nicht mit leeren Händen
da zu stehen. Dass beide Trainer in der Nachspielzeit noch je
einen frischen Spieler für gerade mal fünfzehn Sekunden aufs Feld schicken, zeigt an, dass alle
mit dem Punkt leben können. Auf Jenaer Seite wird er sogar wie
ein Sieg gefeiert.
Mag es in der spielerisch-taktischen Umsetzung noch etliche Reserven geben,
kämpferisch war's allemal in Ordnung. Zumindest vom Sportlichen her scheint
das Schlimmste erst einmal überwunden. <fc>
VfB Stuttgart II - FC Carl Zeiss Jena 0:1
Tore: 0:1 Orlando (68.)
- Stuttgart: Stolz; Schimmel, Pischorn, Vier, Enderle; Didavi, Funk,
Vecchione (83. Pala), Hertner (79. Riedle); Schipplock, Fischer (58. Walch)
- Jena: Nulle; Sträßer, Lanzaat, Lukimya, R. Schmidt;
Kühne, Truckenbrod (62. Amrhein), Ziegner, Wuttke; Hähnge
(85. Mayombo), Orlando (90. A. Schmidt)
- Zuschauer: 680
- Schiedsrichter: Dingert (Thallichtenberg)
- Spielbericht
- Im fünften Spiel gegen Stuttgart II gelang das zweite Tor. Dieses brachte, da der FCC im Gegensatz zu den sonst üblichen
dreieinhalb Gegentreffern pro Stuttgart-Spiel den Gastgebern keinen Treffer gönnte,
drei Punkte ein.
Nach 13 Sekunden hätte der Abend bereits
einen schlechten Verlauf nehmen können, als Nulle das erste Schüsschen
prallen ließ, der Stuttgarter den Nachschuss jedoch nicht am Jenaer
Torwart vorbeibrachte. Nach 5 Spielminuten brannte es erneut lichterloh vor
Nulles Kasten, als ein Angreifer eine Eingabe um Haaresbreite verfehlte. Die
einzig erwähnenswerte Situation des Jenaer Angriffsspiels war ein
Schuss Wuttkes nach einer Ecke aus 20 Metern in die zweite Etage des kalten
Stuttgarter Abendhimmels (9. min). Ansonsten sah sich Jenas einziger Stürmer
Hähnge immer von einer erdrückenden weißen Abwehrübermacht
umgeben, gegen die alle Dribblings nichts fruchteten. Die Unterstützung
der Mitspieler war nicht gegeben, da z. B. Orlando sich im Hinfallen und
Abseitsstehen übte. Die Jenaer Harmlosigkeit wurde in der 19. min
perfekt demonstriert, als man auf Höhe des Stuttgarter Strafraums
einen Einwurf hatte und den Ball innerhalb von fünf Sekunden
zielsicher zurück zu Nulle brachte. Da Stuttgart außer einem
Schuss am langen Eck vorbei (35.) auch nichts weiter zustande brachte, ging es
nach einer langweiligen Halbzeit torlos in die Kabinen.
Nach Wiederanpfiff änderte sich das Bild.
Der FCC hatte sofort eine Ecke, die aber gefahrlos in einem schnellen Konter
der Gastgeber mündete und uns wie schon zu Beginn der ersten Halbzeit
beinahe ein Gegentor beschert hätte. In der 52. min schirmte Lukimya
den Ball gegen einen Angreifer ab, Nulle sorgte aber für kurzes
Herzflattern, da er den Ball erst im zweiten Zupacken sicher hatte. Die Partie
wurde nun deutlich besser. Ursachen waren nicht nur die jetzt deutlich gefälligeren
Spielzüge der Stuttgarter, sondern auch die Leistungssteigerung
etlicher Jenaer Spieler. So präsentierte sich Schmidt deutlich
selbstbewusster und auch offensiver als vor der Pause, und Ziegner zog immer
aktiver die Fäden im Jenaer Mittelfeld. Doch wieder waren es die
Gastgeber, die kurz vorm Führungstreffer standen, als Schipplock nach
einem langen Pass Lanzaat einfach überlief und Nulle im wahrsten Sinne
Kopf und Kragen riskieren musste. Dafür bekam er eine dreiminütige
Behandlungspause auf dem Rasen. In der 58. Spielminute hatte der FCC seine
erste Torchance: Orlando vernaschte
links seinen Gegenspieler, passte flach in die Mitte, aber Hähnge
setzte den Direktschuss leider übers Tor. Zwei Minuten danach stand
Nulle wieder im Brennpunkt, als er einen Fernschuss Schipplocks über
die Querlatte lenken konnte.
Eine entscheidende Veränderung brachte
die Einwechslung Amrheins für Truckenbrod. Amrhein ging auf die linke
Außenbahn, Orlando wechselte nach rechts und Wuttke rückte
auf die defensive Mittelfeldposition. Damit war Hähnge nicht mehr ganz
allein in der Stuttgarter Hälfte und obwohl sich neben ihm zumeist nur
Amrhein, Orlando und Ziegner in die gegnerische Hälfte getrauten, kam
deutlich mehr Offensivleben ins Jenaer Spiel. Und nur wenige Minuten später,
nach einem zwischenzeitlich weiteren Kapitel des Duells Schipplock vs. Nulle
(66., letzterer klärte zur Ecke), gab es den verdienten Lohn: Hähnge
bekommt in der Mitte kurz hinterm Mittelkreis den Ball, sieht rechts außen
den startenden Orlando, passt die Spielkugel maßgenau hinüber,
Jenas Nummer 10 setzt sich mit einem eleganten Haken gegen den Verteidiger
durch und ballert aus spitzem Winkel ins lange Eck. 1:0!!! Nicht nur der Gästeblock,
auch im sogenannten Heimbereich flippte ein gutes Drittel der Besucher aus.
Drei Minuten später verhinderte das Gebälk des Stuttgarter Tores
Hähnges Nominierung für das "Tor des Monats": Der Jenaer Stürmer
ignorierte die beiden Stuttgarter und zog aus der Drehung vom rechten
Strafraumeck ab. Stolz, der VfB-Keeper, schaute bewundernd dem Ball, den er
sowieso nie und nimmer erwischt hätte, hinterher und ihm dürfte
einige Tonnen Gestein vom Herzen gefallen sein, dass ihm sein Torpfosten
hilfreich zur Seite stand. Bis zur 88. min versuchte Stuttgarts Zweite mit viel
Energie, jedoch ohne Ideen, Jenas Bollwerk zu knacken, Angstperlen trieb dies
aber nicht einmal den sonst aus Prinzip vorm Gegentor zitternden FCC-Fans auf
die Stirn. In jener 88. min kamen zwei Angreifer doch einmal fast in der Mitte
durch, Nr. 1 nahm jedoch der schussbereiten Nr. 2 den Ball vom Fuß.
Einer von beiden, ob Nr. 1 oder 2 ist egal, sank zu Boden (Nase voll?) und der
Referee pfiff zum Entsetzen der Jenaer und zur Verwunderung der Stuttgarter
Zuschauer und zeigte auf den Elfmeterpunkt. Nulle korrigierte den Fehler des
Referees, wehrte den Schuss ins linke untere Eck ab und schubste den
wegspringenden Ball vorm nachsetzenden Schützen zur Seite. Die
verbleibende Zeit inklusive der vier Nachspielminuten überstand der
FCC ziemlich problemlos, auch weil sich van Eck daran erinnerte, dass man
dreimal pro Spiel auswechseln darf und dies immer ein paar Sekunden schindet. Und
so hatten wir endlich, nach einem Vierteljahr (Kiel!!!), wieder einmal eine
Heimfahrt, auf der man sich mit Freude an das erlebte Spiel erinnerte.
<uk>
Spielbericht auf der Stuttgarter Homepage
Fotos auf fanclub-family.de
FC Carl Zeiss Jena - Wuppertaler SV 1:0
Tore: 1:0 Hähnge (43.)
- Jena: Nulle; Sträßer, Lanzaat, Lukimya,
R. Schmidt (46. Wuttke); Kühne, Truckenbrod (78. Mayombo), Ziegner,
Amrhein (88. Nagy); Hähnge, Orlando
- Wuppertal: Maly (
, 6.);
Neunaber, Neppe (76. Altin), Lorenz, Schauml;fer; Müller, Weikl
(79. Bernhardt), Fischer, Celikovic; Formento (6. Karagiannis), Damm
- Zuschauer: 5076
- Schiedsrichter: Schriever (Dorum)
- Spielbericht
- Wie gewohnt konnte man sich auch im Vorfeld dieses Spiels nicht
über mangelnde Unruhe im Umfeld des FC Carl Zeiss Jena beschweren, in
der Woche vor dem Spiel wurde mit Hartmut Beyer der neue Präsident
vorgestellt, der dann auch gleich die Kündigung für Salvatore
Amirante zurückzog und diesem so formal die Rückkehr in die
erste Mannschaft ermöglichte - der Italiener meldete sich aber zunächst
krank und blieb Training und Spiel fern. Die personelle Situation hatte sich
dennoch etwas entspannt, denn mit Sebastian Hähnge war zumindest eine
der Stützen der Jenaer Elf wieder in der Anfangself zu finden. Das
bestimmende Thema im Vorfeld war aber naturgemäß der Freitod
von Robert Enke, der seine Karriere ja in Jena begann und der auch bis zuletzt
noch den Kontakt in seine Heimat gehalten hat. Wie praktisch alle Außenstehenden
traf die Nachricht vom Selbstmord Enkes auch seine Freunde in Jena
unvorbereitet, der Schock über die nur schwierig nachvollziehbare
Entscheidung des erfolgreichen Torhüters saß auch in Jena
entsprechend tief.
Das Spiel begann dann auch mit einer Schweigeminute für
den achtfachen Nationalspieler, bei der manchem Besucher die eine oder andere
Träne über die Wange rollte. Die ersten Minuten des Spiels
hatten dann auch irgendwie den Anschein, als ob die 22 Akteure nicht ganz bei
der Sache wären. Zunächst schenken die Gäste den
Jenaern eine Ecke, weil es ein Missverständnis zwischen einem
Abwehrspieler und Gäste-Keeper Christian Maly gibt, ähnliches
gibt es nur Sekunden später auf der Gegenseite zu sehen. Die erste
halbwegs gefährliche Aktion ist dann ein langer Ball auf Orlando, der
mit seiner Schnelligkeit auch die WSV-Abwehr überrascht und den Gäste-Torwart
mit seiner plötzlichen Anwesenheit direkt vor dem Strafraum offenbar
so überrascht, dass dieser in einem Moment der Unaufmerksamkeit die Hände
zu Hilfe nimmt, obwohl er sich haarscharf außerhalb des Strafraums
befindet. Schiedsrichter-Assistent und Schiedsrichter können in dieser
Situation gar nicht anders, als Maly mit Rot vom Feld zu schicken und dem FCC
eine aussichtsreiche Freistoßposition an der Strafraumgrenze
zuzusprechen. Spätestens jetzt waren die Gedanken von Spielern und
Zuschauern voll und ganz beim heutigen Spiel. Opfer der Aktion von Maly war
letztlich der Wuppertaler Stürmer Formento, für den Gäste-Trainer
Uwe Fuchs nun Ersatz-Torhüter Asterios Karagiannis bringen musste.
Dieser sah sich gleich einer unbequemen Situation gegenüber, denn den
Freistoß von der Strafraumgrenze wollten die Gastgeber natürlich
im Tor unterbringen und dem Spiel so schon früh die richtige Tendenz
geben. Letztlich war es Torsten Ziegner, der sich den Ball zurechtlegte, anlief
und den Ball in Richtung Tor brachte - allerdings fehlten die berühmten
Zentimeter und der Ball strich am rechten Pfosten vorbei. Schon direkt im
Anschluss wurde klar, dass der WSV auch in Unterzahl ein unangenehmer Gegner
sein würde, der sich keineswegs entmutigen ließ. Die Spieler
aus der Stadt mit der Schwebebahn standen nun noch tiefer, als es vermutlich
ohnehin geplant war, Tobias Damm stand jedoch jederzeit bereit, um einen
schnellen Konter vorzutragen. Nach 13 Minuten waren es dann auch die Gäste,
die die nächste gute Gelegenheit hatten: Ein Freistoß aus
rund 25 Metern wurde von Celikovic vorbei an Freund und Feind auf den langen Pfosten
geschlenzt, wo Nulle aber hellwach und mit guter Reaktion zur Ecke klären
konnte. In der Folge bestimmte die in Überzahl spielende Jenaer Elf
zwar die Partie und hatte deutlich mehr Ballbesitz, dennoch muss sie sich den
Vorwurf einer gewissen Ideenlosigkeit anhören, denn gefährlich
wurde es für das Gäste-Tor nur äußerst
selten. Die tief stehenden Gäste machten geschickt die Räume
eng und unterbanden es effektiv, dass Orlando seine Schnelligkeit ausspielen
oder gefährliche Flanken in den Strafraum schlagen konnte. Wenn doch
mal ein Jenaer die Gelegenheit zur Flanke bekam, landete diese meist weit
hinter dem Tor und ließ das Jenaer Spiel entsprechend harmlos
erscheinen. Nach 35 Minuten fasste sich Amrhein ein Herz, sein Schuss bedrohte
aber vordergründig die Eckfahne und kann insofern als symptomatisch für
die Harmlosigkeit des FCC bis zu diesem Punkt gesehen werden.
Nur eine Minute später wären beinahe die Gäste
in Führung gegangen, denn einen schnellen Gegenzug konnte der schon
erwähnte Damm aus rund acht Metern abschließen, allerdings
war auch der selten geforderte Carsten Nulle gut drauf und konnte den Ball zwar
nicht festhalten, aber doch parieren. Bis zu diesem Zeitpunkt waren es damit
aber trotz Unterzahl doch die Wuppertaler, die die beste Chance der ersten
Halbzeit herausgespielt hatten. Die Szene der ersten Halbzeit stand aber noch
bevor, denn einmal mehr war es Orlando, der mit dem Ball am Fuß Fahrt
aufnahm und gleich mehrere Gegenspieler ausspielte. Beim letzten Verteidiger
Lorzenz versagten die Künste des kleinen Dribblers aber und es kam zum
Zusammenstoß, den die Gäste als freistoßwürdig
betrachteten und vehement den Pfiff des Schiedsrichters forderten. Dieser blieb
aber aus und Jens Truckenbrod nahm sich den Ball, zog sofort
ab und prüfte Karagiannis, der den Ball nicht festhalten konnte.
Dieser prallte nun vor die Füße von Sebastian Hähnge,
der bisher in dieser Saison torlos geblieben war und nun aus wenigen Metern nur
noch einschieben musste - TOOOOR für den FCC, endlich das erlösende
1:0!
Mit diesem Ergebnis ging es dann auch in die Kabinen, aus
denen die Gäste unverändert zur zweiten Halbzeit zurückkamen.
Beim FCC kam Wuttke für Schmidt, der aus Sicht von Trainer René van
Eck Gelb Rot-gefährdet war. Schon direkt nach Wiederanpfiff ist es
erneut Orlando, der die Gäste-Abwehr quasi im Alleingang umspielt und
dann nur noch den Torhüter vor sich hat, den Ball dann aber leider
etwas überhastet am Tor vorbeihämmert, anstatt ihn überlegt
einzuschieben. Die Gäste änderten zunächst wenig an
ihrer Spielweise und standen weiter tief, genauso schwer taten sich aber auch
die Jenaer. In der Folge plätscherte das Spiel dahin und auch in Folge
zahlreicher unnötiger Ballverluste im Spielaufbau konnte keine der
beiden Mannschaften gefährliche Chancen herausspielen. Wenn überhaupt
etwas Gefahr zustande kam, dann in Folge von Freistößen.
Doch auch hier versäumten es Gastgeber und Gäste, die Torhüter
zum Eingreifen zu zwingen oder gar vor ernsthafte Herausforderungen zu stellen.
In den letzten zehn Minuten wurden auch die Gäste noch einmal mutiger,
die Jenaer Verteidigung stand aber überwiegend sicher und zwang Nulle
nicht zum Eingreifen. Als bereits einige Minuten der Nachspielzeit gespielt
waren, eröffnete sich dem FCC noch die Chance auf 2:0 zu erhöhen.
Nach einem langen Ball lief Ziegner zusammen mit Orlando
aufs Gäste-Tor zu, begleitet nur von einem letzten Gäste-Verteidiger.
Als Ziegner den Ball zum einschussbereiten Orlando spielen wollte,
versagten ihm aber die Kräfte und die Nerven, sodass der Ball
unerreichbar für den mitgelaufenen Stürmer ins Aus trudelte.
Kurz darauf war aber auch Schluss und die Jenaer konnten
sich über drei Punkte freuen, die gegen den direkten Tabellennachbarn
natürlich sehr wichtig waren. Mit etwas mehr Kreativität und
Konsequenz im Torabschluss hätte man die Partie allerdings weniger anstrengend
für das leidgeprüfte Nervenkostüm der Jena-Fans
gestalten können. Nun bleibt zu Hoffen, dass die Jenaer in den
kommenden beiden Auswärtsspielen ebenfalls Punkten und so die Distanz
zu den Abstiegsrängen weiter vergrößern können. <bh>
1. FC Heidenheim - FC Carl Zeiss Jena 3:1
Tore: 0:1 Truckenbrod (35.), 1:1 Lukimya (60., ET), 2:1 Mayer (79.), 3:1 Weil (90.)
- Heidenheim: Bodemer; Meier, Göhlert, Krebs, Feistle; Bagceci
(46. Gül), Klarer, Weil, Essig (59. Mayer); Spann (88. D. Jarosch),
Heidenfelder
- Jena: Nulle; Sträßer, Lanzaat, Lukimya, Wuttke;
Kühne, Truckenbrod (86. Petersen), Ziegner, Amrhein; Orlando, Mayombo
(75. Eckardt)
- Zuschauer: 6130
- Schiedsrichter: Nowak (Bottrop)
- Spielbericht
- Im Spiel eins nach seinem Tod war Robert Enke auch fern der thüringischen
Heimat in Heidenheim allgegenwärtig. Der FCC verzichtete auf den
üblichen Aufdruck der Trikotbrust und die FCH-Fans auf ihre geplante
Choreo, beide Teams liefen mit Trauerflor auf und während der
holprigen Gedenkrede des Heidenheimer Stadionsprechers erinnerte der
Gästeblock ganz in schwarz an Jenas großen Sohn.
Wer gedacht hatte, der Nachmittag ginge derart besinnlich weiter, sah sich sehr
schnell getäuscht. Auf der Stadionbaustelle nahe des Schlosses
Hellenstein entwickelte sich ein überaus temporeiches Spiel mit
Chancen hüben wie drüben. Amrhein und Ziegner
(Außenpfosten) nach zwei und fünf Minuten hier - Meier (14.)
und Weil (16.) dort, Smeekes mit Hammerschuß (17.), Amrhein nach
Traumkombination (22.) sowie Kühne und Mayombo nach Eckball (25.)
wieder hier, es brannte unentwegt in beiden Strafräumen.
Gefährlich wurden die Gastgeber dabei fast immer bei ihren Angriffen
über Jenas lichterloh brennende linke Abwehrseite. Es ist nicht
überliefert, ob dies von Rene van Eck so gewollt war, aber Jena
spielte quasi mit Dreierabwehrkette, während
Sträßer als linker Läufer seine Seite über
die gesamte Länge des Spielfeldes allein zu beackern hatte, Smeekes
neben Mayombo im Zentrum stürmte. Was defensiv einem Harakiri glich,
führte aber gleichzeitig zu einem personellen Übergewicht des
FCC im Mittelfeld, welches die Heidenheimer vor große Probleme
stellte, und Jenas Fans ob des gebotenen Kombinationsflusses erstaunte. Der FCC
spielte als komplettes Kontrastprogramm zum letzten Heimauftritt einfach
schön anzusehen, die Einstellung stimmte bei jedem Einzelnen und nach
35 Minuten folgte die Belohnung in Form der Führung. Der ins Team
zurückgekehrte Torsten Ziegner tankt sich wie in alten
Regionalligazeiten auf der rechten Seite ein, an zwei Heidenheimern vorbei zur
Grundlinie durch, passt millimetergenau zurück auf Jens Truckenbrod,
der den Ball aus zehn Metern zu seinem so lange überfälligen
ersten Punktspieltor für den FCC versenkt. Was in Robert Enkes
ehemaligem Klassenkamerad Torsten Ziegner vorgeht, der im stillen Jubel beide
Arme gen Himmel reckt, kann man erahnen. Kurz darauf muss Smeekes eigentlich
das zweite Tor nachlegen, als er mutterseelenallein von der Mittellinie aus
aufs Tor zurast, aber am einzig verbliebenen Heidenheimer Verteidiger
hängenbleibt. Dann heißt es erst einmal Sichern des
Vorsprunges, Smeekes besetzt nun das linke Mittelfeld und nur noch einmal ist
Zittern angesagt, als Weils Schuss nur knapp am Nulle-Gehäuse
vorbeischrammt (37.). Pause, Jena führt und das verdient, wenn auch in
der Innenverteidigung mit Lukimya und Rückkehrer Lanzaat alles andere
als sicher.
René van Eck wechselt nicht, lässt aber seine Flügelzange Patrick
Amrhein und Orlando Smeekes die Seiten tauschen, ein Schachzug mit Folgen.
Jenas linke Seite ist nun endgültig zu für die Heidenheimer
Angriffsbemühungen, während Smeekes auf rechts im
völlig überforderten Außenverteidiger Feistle ein
ums andere Mal ein leichtes Opfer für seine
Flügelläufe vorfindet. Von Heidenheimer Ausgleichsdruck ist
nicht einmal ein Ansatz zu spüren, hier und jetzt geht es ganz klar um
die Spielentscheidung zugunsten der Gäste, die sich mit laufintensivem
und beängstigend temporeichem Spiel Chance um Chance erarbeiten. Der
als einzige Spitze stets anspielbereite Mayombo nach Kühne-Zuspiel
knapp vorbei (46.), Ziegner mit Freistoß in die Mauer (49.), Amrhein
aus dem Fußgelenk nur um Haaresbreite am Winkel vorbei (52.), Mayombo
nach Ziegner-Zuckerpass mit von Ersatz-Ersatzkeeper Bodemer glanzvoll pariertem
Schuss (55.), Kühne mit Flachschuss (61.), es stellte sich beinahe nur
die Frage, welcher der 11 Jenaer der kommende Torschütze sein
würde. Assani Lukimya war es dann, den der Stadionsprecher als solchen
verkündete, leider im Jubelton und begleitet vom
Kopfschütteln 500 fassungsloser Gesichter im Gästeblock. Was
war passiert? Ballverlust Truckenbrods im Mittelfeld, geschickter Pass
Güls auf den gerade eingewechselten Mayer, dessen Schuss Nulle
sensationell nach vorn abwehrt, wo er von der Brust Jenas Abwehrchefs
über den verdutzten Keeper ins Tor hüpft. Jenas Antwort
ließ nicht auf sich warten: Aber Smeekes findet in Bodemer seinen
Meister (66.), Ziegner zielt aus 20m knapp daneben (67.), Mayombo erwischt
Ziegners Zuspiel drei Meter vor dem Tor eine Hundertstelsekunde zu
spät (69.). Als dann nach 70 gespielten Minuten sowohl Lukimya, als
auch Truckenbrod und Mayombo Wuttkes wunderbare Eingabe von rechts nicht im
leeren Tor unterbringen können, hat der FCC nicht nur sein Pulver
verschossen, sondern sich auch selbst den Nerv gezogen. Eckardts Einwechslung
für Mayombo geht nach hinten los, weil nun die ballsichere Anspielstation
in der Spitze fehlt, und Nulle muss bei Kontern der nun aufdrehenden
Heidenheimer gleich zwei Mal binnen einer Minute sein ganzes Können
aufbieten. Nach 79 Minuten ist auch er machtlos, als Ziegner Heidenfelders
Schuss zunächst abblockt, aber der schwache Referee Nowak
Göhlerts Foul an Kühne nicht ahndet und Mayer aus Nahdistanz
vollendet. Ob der mitten in diese Aktion zu hörende Pfiff vom Referee
oder aus dem Publikum kam, bleibt das Geheimnis des Mannes aus Bottrop, der Treffer
zählte.
Jena blieben noch 11 Minuten, doch der Akku schien leer, zu
sehr hatte das Powerplay nach der Pause geschlaucht, stattdessen konterten die
Gastgeber ein ums andere Mal gefährlich und beseitigten mit dem
dritten Treffer in der Nachspielzeit alle Zweifel am mehr als
glücklichen Heimsieg. Dass Tim Wuttke - heute auch als rechter
Außenverteidiger gewohnt zuverlässig - den Schuss Weils
unhaltbar abfälschte, war ein sinnbildlicher Abschluss eines
unglücklichen Spieles, in dem der FC Carl Zeiss vieles richtig machte,
aber mit Fortuna und der eigenen Qualität vor dem gegnerischen Tor
hadern muss. <gunner>
FC Carl Zeiss Jena - SG Dynamo Dresden 0:4
Tore: 0:1 Röttger (4.), 0:2 Röttger (22.), 0:3 Kühne (36., ET), 0:4 Müller (77.)
- Jena: Nulle; Sträßer, Wuttke, Lukimya, Nagy (46.
Ziegner); Amrhein, Kühne, Truckenbrod, Eckardt (33. Orlando);
Mayombo, Benyamina (70. Kolb)
- Dresden: Keller; Cozza (35. Kunze), Oppitz, Trehkopf, Röttger
(46. Koch); Strifler, Hübener, Petrovic, Müller; Savran, Dobry
(78. Jungnickel)
- Zuschauer: 9846
- Schiedsrichter: Kempter (Sauldorf)
- Spielbericht
- Eigentlich sollte man mit dem
Schreiben erst anfangen, wenn man sich selbst wieder im Griff hat, der Puls die
200er-Marke unterschreitet, die Gedanken anfangen sich zu ordnen. Aber diesmal
geht es nicht. Die Wut muß raus, muß ungefiltert aufs Papier,
auch wenn es kein passendes Vokabular für ein derartiges Versagen
geben dürfte.
Es war eine Demütigung,
ein Untergang! Alleine die ersten fünf Minuten gegen Dresden sind bei
normaler Finanzlage ein Kündigungsgrund für den Trainer und
die halbe Mannschaft. Statt dem Tabellenvorletzten zu zeigen, warum er dort
unten steht, wird die Schlacht kampflos preisgegeben, die Initiative gar nicht
erst ergriffen. Dazu kommen diese dümmlichen Fehler bei der
Ballbehandlung und schon wird es ein unvergeßlicher Nachmittag! Ein grundloser
Querschläger von Nagy, ein bewunderndes Platzmachen Sträßers
(wo war der denn auf einmal hin?), ein Schuß von Röttger. 0:1
(4.). Dann: Ein leichter Ballverlust von Mayombo in der Spitze, eine schnelle Kombination
über den ganzen Platz ohne Jenaer Ballberührung oder auch nur
die Chance dazu, eine flache Hereingabe von Dobry auf den völlig
vereinsamten Röttger. Noch ein Schuß, diesmal ins andere
Eck. 0:2 (23.). Und dann zu allem Überfluß auch noch so ein
Eigentor der Kategorie 'Schöner geht's nicht', als Kühne einen
Müller-Freistoß mit dem Knie in den Winkel donnert. Absolut
unhaltbar für Nulle (35.). Ich hätte hier gerne ein bißchen
was vom Aufbäumen geschrieben, vom Kampfgeist, der einfach nicht
belohnt wurde oder so. Aber es war einfach nur erbärmlich. Ein Zweikampfverhalten wie zur Love-Parade. Kein Biß, kein Wille. Nicht mal
den Ansatz einer Jenaer Chance gibt es hier zu beschreiben.
Dafür müssen
die Zuschauer im Stadion noch 20 Spielminuten voller Jenaer Unzulänglichkeiten
plus Halbzeit über sich ergehen lassen und das alles bei
Heimspielatmosphäre für Dresden. Ich kann das hier gottlob schneller
machen. Es war Lukimya, der einen Ziegner-Freistoß gefährlich
in Richtung des Dresdner Tors verlängerte und Keller zu einer schönen
Parade zwang (54.). Immerhin der Auftakt zu den stärksten fünfzehn
Minuten unserer Helden, in denen sich zwei, drei gute Möglichkeiten zu
einem Anschlußtreffer ergaben. Erst scheiterte Orlando mit einem Schuß
von der Strafraumgrenze an Keller (55.), kurz darauf segelte ein
30-Meter-Knaller von Amrhein knapp am Dresdner Gehäuse vorbei (57.). Und
dann die 68. Spielminute! Der erste Spielzug der Jenaer, der aussah wie gewollt.
Da läuft der Ball mal über fünf, sechs Stationen, da
kann sich Amrhein auf der linken Seite schön durchsetzen und auch
Mayombo macht eigentlich alles richtig. Pech, daß sein Drehschuß
am gedankenschnellen Keller hängenbleibt. Wäre diese erste Katastrophenhalbzeit
nicht gewesen, das Publikum hätte sicherlich verzückt
applaudiert. So aber war nur ein langgezogener Seufzer zu hören.
Aber die Jenaer Erfolgsgeschichte für diesen Nachmittag ist ohnehin schon wieder zu Ende.
Was noch kommt ist stattdessen der endgültige
Offenbarungseid. Nachdem Savran aus Ermangelung an Gegenspielen den Ball
ungehindert aus 20 m an die Latte donnern kann (wieder waren Sträßer
und Lukimya erst ganz eng dran und dann wie vom Erdboden verschluckt), bringen
es die Jenaer dreißig Sekunden lang nicht fertig, für klare
Verhältnisse im Strafraum zu sorgen. Als Savran zig verlorene Zweikämpfe
später den Ball wieder kriegt, sehen alle Zuschauer schon was jetzt kommen
muß, können in Ruhe ihre Fahnen einrollen, ihre Kissen
einpacken und was sonst noch so zu tun ist, um ganz schnell nach Hause zu
kommen. Es war wirklich so offensichtlich, daß der Savran dem Müller
das Ding auflegt, daß man schon fast enttäuscht darüber sein mußte, nichts Spektakuläreres geboten zu bekommen.
Noch den Nulle hübsch ausgekurvt und dann rein damit (77.). Schöner
geht's nicht mehr. Nie habe bereits eine Viertelstunde vor dem Abpfiff so eine Abwanderungswelle erlebt (O-Ton: "Da glotze ich mir lieber die Kandinsky-Ausstellung an")
Es tut mir leid, wenn das hier alles sehr sarkastisch rüberkommt,
aber es war bei diesem Spiel die einzige Möglichkeit, nicht völlig
die Beherrschung zu verlieren oder sich diversen Gewaltphantasien hinzugeben.
Eine solche Darbietung ist mir in Jena noch nicht untergekommen. Das
Pfeifkonzert zum Ende konnte nicht annähernd wiedergeben, was sich
hier gerade abgespielt hatte. Es ist ja nicht, daß Jena inzwischen
nahezu jedes Ostderby als Zweitplazierter beendet, sondern es ist die Art und
Weise, wie hier untergegangen wird. Spielerische Mängel sind
verzeihlich, wenn auch nicht immer nachvollziehbar. Aber kämpferisch
muß es einfach stimmen. Jeder Kreisklassespieler weiß, daß
man sich in der Anfangsphase erst mal Respekt verschaffen muß, will
man nicht den Rest des Spiels wie ein Depp aussehen ("gib dem Neuner gleich
einen mit, damit er weiß, dass er seinen Hutzebutz hier
vergessen kann" war der bekannte Slogan unseres Trainers vor jedem Derby in
Zottelstedt). Die Dresdner wußten das, die Jenaer nicht. In meinen
Augen das größte Problem ist und bleibt aber dieses konfuse
Miteinander. Da sind keine Laufwege aufeinander abgestimmt, da gibt es
keinerlei Zuordnung, da fehlen vorne die Leute, die hinten zu wenig sind. Was
machen die eigentlich die Woche über?
Persönlich fürchte ich, daß van Eck trotz
aller Sympathien nicht der richtige Mann für diesen Job ist. Aber neu
ist diese Erkenntnis im Verein ja nun auch nicht...
Das war ein grauenhafter Samstag!
Wollen wir uns nicht schneller im Abstiegskampf wiederfinden als uns lieb ist, darf sowas nicht so schnell wieder passieren. Es sind jetzt zwei Wochen Zeit,
irgendwie zu reagieren und diesem nervösen Haufen wieder
Selbstvertrauen einzuflößen. Wie das gehen soll, ist mir
ehrlich gesagt ein Rätsel. Aber vielleicht reicht es ja auch schon, wieder
vor den für die dritte Liga typischen Gruselkulissen anzutreten. Zu
viel Öffentlichkeit ist unserer Mannschaft scheinbar ein Graus. Insofern
liegt über den nächsten Wochen ein zarter Hoffnungsschimmer,
wenn wir uns mit Fußballgrößen wie dem 1. FC
Heidenheim oder dem Wuppertaler SV der üblichen Tristesse hinzugeben haben. <bpf>
SSV Jahn Regensburg - FC Carl Zeiss Jena 1:1
Tore: 0:1 Mayombo (27.), 1:1 Würll (90.)
- Regensburg: Sattelmaier; Hörnig (57. Jarosch),
Hagmann (
, 88.), Maul, Binder; Zellner,
Kreis (74. Schlauderer), Haller, Berger; Stoilov, Schmid (60. Würll)
- Jena: Nulle; Sträßer, Lukimya, Wuttke, Nagy; Eckardt
(70. Orlando), Truckenbrod, Kühne, Amrhein; Mayombo, Benyamina (90. Kolb)
- Zuschauer: 4108
- Schiedsrichter: Glasmacher (Alsdorf)
- Spielbericht
- Im letztjährigen Abstiegskampf hatte mir der
Spielberichtsorganisator das Angebot abgerungen, im Falle des Nichtabstiegs mal
wieder einen Spielbericht zu verfassen. Dies hatte die FCC-Helden dann
tatsächlich noch so angestachelt, dass sie sich auf der Zielgeraden
über den Strich retteten. Mein Versprechen sollte nun zum Abschluss
der "Bayrischen Wochen" beim Gastspiel bei Jahn Regensburg
eingelöst werden. Die Münchner FCC-Gemeinde um "Gleis
26" traf sich pünktlich nach dem Frühstück
zur gemeinsam Fahrt in die Hauptstadt der Oberpfalz. Die Stimmung war
entspannt, denn gegen Regensburg hatte der FCC noch nie verloren und in
Regensburg stets 2:2 gespielt. Ein Resultat mit welchem man in der aktuellen
Situation auch wieder zufrieden gewesen wäre.
Nach problemloser und zügiger Fahrt im ALEX wartete
in Regensburg noch eine Busfahrt zum Stadion auf uns, die gefühlt so
lange wie die Zugfahrt dauerte. Der Fahrer wollte uns wohl die
Schönheit der Stadt genießen lassen, anders sind die
minutenlangen Stopps an den Haltestellen nicht zu erklären.
Letztendlich erreichten wir aber pünktlich das Jahnstadion, dessen
Charme gleich deutlich darauf hinweist, dass man sich in einer der ältesten
Städte Deutschlands befindet.
Die Gastgeber hatten
nach ihrem sehr guten Saisonstart zuletzt etwas geschwächelt und vier
Spiele in Folge nicht gewonnen (3 Niederlagen, 1 Unentschieden) und waren von
den Aufstiegsrängen auf Platz sieben zurückgefallen.
Angeführt vom Kapitän und Ex-Jenaer Alexander Maul
übernahm Regensburg gleich die Initiative und bereits nach drei
Minuten knallte der Ball zum ersten Mal gegen den Pfosten des Jenaer Tores.
Allerdings stand Schütze Haller dabei im Abseits. Der FCC startete mit
der Elf der zweiten Halbzeit vom Spiel in Unterhaching und meldet sich mit
einem Schuss von Amrhein, den Sattelmaier zur Ecke abwehrte, in Minute sieben
erstmals offensiv zu Wort. Regensburg blieb aber spielbestimmend und traf durch
Stoilov erneut den Pfosten (19.). Den zurückspringenden Ball bugsierte
Haller unbedrängt über das leere Tor. Dies wirkte allerdings
als Wachruf für die Jenaer Kicker, die nun doch auch etwas mehr nach
vorn versuchten. In der 26. Minute konnte Alexander Maul gerade noch René
Eckardt an der Strafraumgrenze am Schuss hindern. Eine Minute später
lupfte Amrhein im Mittelfeld den Ball schön zu Truckenbrod, der einen
feinen Pass in den Strafraum spielte und Mayombo mit prima Einsatz noch vor dem
zögerlichen Abwehrspieler am Ball war und ihn an Sattelmaier vorbei
zum 1:0 ins Tor spitzelte. Die Führung war zu diesem Zeitpunkt sicher
etwas überraschend, wäre aber fast noch erhöht
worden, doch Truckenbrod kam bei einem weiten Pass von Nagy einen Schritt zu
spät (34.). Regensburg kam vor der Pause nur noch zu einer Chance, die
Nulle aber souverän meisterte (41.).
Der FCC kam besser aus der Pause und bestimmte nun
zunächst das Spielgeschehen. Eckardt passt zu Amrhein, der legt auf
Mayombo ab, der leider einen Schritt zu spät kommt (47.). Zwei Minuten
später behauptete Mayombo im Strafraum den Ball gegen Maul. Dieser
konnte sich nur mit einer Ringereinlage helfen. Der fällige
Elfmeterpfiff des insgesamt recht schwachen Schiedsrichters Glasmacher blieb
aber aus. Die nächste Chance hatte Sträßer nach
Doppelpass mit Eckardt. Doch sein Schuss ging knapp am rechten Pfosten vorbei
(53.). Regensburgs erste Offensivaktion in der zweiten Halbzeit war ein
Fernschuss aus knapp 30 Metern, der aber weit am Kasten von Nuller vorbei ging
(55.). Trainer Weinzierl reagierte und brachte mit Würll nach einer
Stunde einen weiteren Angreifer. Auch wenn Regensburg damit das Spiel wieder
etwas ausgeglichener gestalten konnte, blieben Chancen nun auf beiden Seiten
zunächst aus. Nach 70 Minuten kam Orlando für Eckardt und
damit auch neuer Schwung ins Spiel. Zunächst setzt sich Orlando auf
rechts durch und flankt von der Grundlinie, den Kopfball von Amrhein kann
Sattelmaier aber entschärfen (76.). Drei Minuten später ein
Konter des FCC, Truckenbrod passt auf Mayombo, der in aussichtsreicher Position
verstolpert. Und drei Minuten vor Ablauf der regulären Spielzeit wird
Orlando über links geschickt, Hagmann kommt nicht hinterher und
erwischt Orlando nur noch am Fuß und kassiert dafür - da
letzter Mann - die Rote Karte. Die 90 Minuten waren abgelaufen, Regensburg
bemüht sich noch einmal in
Richtung Jenaer Tor und Mayombo geht etwas ungeschickt in den Zweikampf -
Freistoß und wohl die letzte Aktion im Spiel. In der
Gästekurve bangte man nun schon, dass es doch nicht schon wieder mit
einem späten Ausgleich in Regensburg enden kann und darf ... Aus dem
Fanblock vom anderen Ende des Spielfeldes sah man den Freistoß
über Freund und Feind hinwegsegeln und dann tatsächlich im
Netz zappeln. Hinterher hörte man, dass wohl Mayombo unglücklich
ins eigene Tor getroffen hatte. Sehr ärgerlich! Dem Spielverlauf nach
sicher eine akzeptable Punkteteilung. Aufgrund der besseren zweiten Halbzeit,
in der vergessen wurde, den berühmten Sack zuzumachen,
aber doch zwei verschenkte Punkte mit einem
tragischen Helden Mayombo. <jw>
SpVgg Unterhaching - FC Carl Zeiss Jena 3:1
Tore: 1:0 Steegmann (43.), 2:0 Steegmann (63.), 3:0 Kanca (76.), 3:1 Benjamina (82.)
- U'haching:Kampa; Konrad, Hain, Brysch, Schaschko (90. Ziegler);
Tyce, Mitterhuber, Zillner, Leandro; Schweinsteiger (73. Kanca), Steegmann (79. Rathgeber)
- Jena: Nulle; Sträßer (73. Osadchenko), Lukimya, Wuttke, Nagy; Eckardt, Kühne, Truckenbrod, Ziegner (46. Benyamina), Orlando (46.
Mayombo); Amrhein
- Zuschauer: 3300
- Schiedsrichter: Fischer (Hemer)
- Spielbericht
- Same procedure as every year.
Der FCC verliert obligatorisch sein Auswärtsspiel bei der Spielvereinigung Unterhaching, diesmal
mit 3:1 und nach zwei völlig unterschiedlichen Halbzeiten.
Der
Minutenzeiger hatte noch nicht einmal eine volle Umdrehung gemacht, da hatten
Jenas Fans den Torschrei auf den Lippen, als Patrick Amrhein von Ziegner
mustergültig bedient von der Strafraumgrenze abziehen kann, aber nur ein
klägliches Schüsschen zustande bringt. Ein Auftakt mit Signalwirkung konnte man
hoffen, doch als Referee Fischer 45 Minuten später zur Pause pfiff, war aus
Sicht des FCC keine einzige weitere Möglichkeit zu notieren gewesen, von einem
großzügig verzogenen Distanzschuss des überraschend sofort eingesetzten Kühne
einmal abgesehen. Jena lieferte eine erste Hälfte ohne jeden Esprit, blieb im
Offensivspiel erschreckend harmlos und lag verdient mit 0:1 zurück. Dass dieses
Gegentor aus einer lächerlichen Schauspieleinlage Zillners an der
Seitenauslinie direkt vor den Augen des schwachen Linienrichters und folgender
Freistoßflanke resultierte, war bitter. Aber Steegmanns gegen Lukimya
folgenschwer gewonnenes Kopfballduell zum Führungstreffer kurz vor der Pause
(43.) eben auch nur eine der zahlreichen Hachinger Möglichkeiten. Von denen
vergab der Torschütze selbst üppig (12., 26., 34.), aber Zillner nach seinem
Sturmlauf zwischen den verdutzten Sträßer und Ziegner hindurch zweifellos die
größte - Nulle rettete glanzvoll (33.).
So konnte es nicht weitergehen, und van Eck, der schon vor Anpfiff auf den sich
beim Aufwärmen verletzenden Holwijn verzichten musste, stellte erneut um. Auch,
weil der blasse Orlando Smeekes mit ausgekugelter Schulter passen musste. Aus
dem 3-5-1 mit Doppelsechs Kühne/Truckenbrod und Amrhein als einziger Spitze
wurde nun ein 4-4-2. Amrhein rückte zurück auf die linke Mittelfeldposition,
als Spitzen agierte dabei das Sturmduo der in dieser Saison so begeisternden
II. Mannschaft, und plötzlich ging beim FCC nach vorn die Post ab. Insbesondere
Exaucé Mayombo war von Hachings Verteidigern kaum zu stellen und lieferte eine
starke Partie ab. Kühnes Schuss nach Truckenbrod-Ablage gab nach 51 Minuten die
Richtung vor, Mayombos abgefälschter Schuss folgte zwei Minuten später, Amrhein
prüfte Kampa im Hachinger Tor aus 18 Metern (54.), Truckenbrod zieht knapp
übers Tor (58.). Jena war jetzt richtig im Spiel, die Kombinationen liefen
flüssig und spätestens in der 59. Minute musste es einfach soweit sein, als
Rene Eckardt auf rechts mustergültig von Sträßer bedient wird, aber statt Kampa
den Ball um die Ohren zu ballern eine unmotivierte Mischung aus Heber und
Flanke ansetzt. Wie einfach Fußball sein kann, demonstrierten die Bayern kurz
darauf auf der Gegenseite: Langer Befreiungsschlag Hains aus der eigenen Hälfte
auf den durchstartenden Steegmann, der vernascht Wuttke im 16er und schiebt
lässig zum 2:0 ein. Bewundernde Worte fielen im Gästeblock über die weise
Voraussicht jenes sonst so viel- und weitreisenden Münchner FCC-Fans, der einem
Gelübde folgend den Nachmittag lieber weit abseits seinen Hund Gassi führend
verbrachte. Seit dem Sieg vor 17 Jahren scheint für unseren Club ein Fluch auf
diesem Sportplatz zu liegen. Sonst hätten vielleicht auch Mayombo nach
Traumzuspiel Benyaminas freistehend vor Kampa die Nerven nicht versagt (65.).
Und sonst würde ein Schiedsrichter bei einem Foul wie dem Kampas an Carsten
Sträßer im 16er auch einmal auf Elfmeter entscheiden. Für Sträßer bedeutete
Kampas übles Einsteigen das Ende der Partie - Jenas dritte Verletzung an diesem
Tage - und die Unordnung in der Hintermannschaft des FCC nutzte der
eingewechselte Kanca zur endgültigen Entscheidung. Dabei hätte es vielleicht
noch einmal eng werden können, wenn nach Benyaminas Anschlusstreffer per Kopf -
Nagy hatte von links geflankt - mehr gekommen wäre als die vergebenen
Möglichkeiten Benyaminas (Kopfball nach Eckball von rechts, 83.) und Amrheins
Freistoßversuch übers Tor (84.). Wo das Problem des FCC liegt, demonstrierte
dann eine Minute vor dem Ende René Eckardt noch einmal final, als er völlig
freistehend an Kampas Blitzreaktion scheitert. Nein, nichts zu holen in
Münchens Süden. Verflucht! <gunner>
FC Carl Zeiss Jena - FC Ingolstadt 04 2:0
Tore: 1:0 Lukimya (72.), 2:0 Holwijn (83.)
- Jena: Nulle; Sträßer, Lukimya, Wuttke, Nagy; Holwijn,
Truckenbrod, Ziegner (85. Eckardt), Orlando (90. Fuss); Amrhein,
Hähnge (73. Benyamina)
- Ingolstadt: Lutz; Keidel, Pisot, Wenczel, Ruprecht; Leitl,
Fleßers (71. Braber), Karl, Buchner; Neuendorf, Hartmann
- Zuschauer: 5099
- Schiedsrichter: Siebert (Berlin)
- Spielbericht
-
Im Vorfeld des Spiels gab es jede Menge Aufregung im Umfeld des FCC: Spätestens mit der Pokalniederlage in
Meuselwitz und der anschließenden Suspendierung von Salvatore Amirante hatte der FCC wieder einmal demonstriert,
dass man in Jena mit allem rechnen muss. Dazu kam noch die Vorstellung des neuen Geschäftsführers Michael
Born unter der Woche, Ablenkung von der Vorbereitung auf das Spiel gegen einen der Staffelfavoriten des Jahres gab
es also zur Genüge.
Mit dem FC Ingolstadt 04 war eine Mannschaft im Ernst Abbe Sportfeld zu Gast, gegen die der FC Carl Zeiss Jena erst
ein einziges Mal im Rahmen eines Winter-Trainingslagers gespielt hat. Das ist allerdings weniger überraschend,
zumindest wenn man betrachtet, dass der FC Ingolstadt 04 erst im Jahr 2004 als Zusammenschluss von MTV 1881 und ESV
Ingolstadt entstanden ist. Seitdem hat der Verein mit der Unterstützung des großen Sponsors im Rücken
einen steilen Aufstieg erlebt und konnte schon im Jahr 2007 den Aufstieg in die zweite Bundesliga feiern. Der letztjährige
Abstieg darf als Betriebsunfall verstanden werden, der den langfristigen Weg in Richtung erste Bundesliga wohl nur verzögert
hat. Spätestens beim Blick auf das Mannschaftsfoto der Gäste wird deutlich, wie der Verein verstanden werden soll: Der
Star ist nicht die Mannschaft, auch nicht bundesligaerfahrene Spieler wie "Zecke" Neuendorf Stefan Leitl, selbst Trainer
Horst Köppel steht im zweiten Glied. Bei Ingolstadt 04 gilt einzig und allein: Der Star ist der Sponsor.
Aber kommen wir zum Spiel: Den Spielern des FCC war von Beginn an anzumerken, dass die Geschehnisse außerhalb
des Platzes nicht völlig verdrängt werden konnten, jedenfalls waren die Gäste aus Ingolstadt von Beginn an
die spielbestimmende Mannschaft. Bereits in der ersten Minute kommen die Gäste gefährlich vors Jenaer Tor, die
Flanke von Leitl kann Buchner aber nicht verwerten. Nur wenige Augenblicke später versucht der rehabilitierte Ziegner
einen Rückpass zu Carsten Nulle, der Ball ist allerdings beinahe zu kurz und bringt Nulle erstmals in Bedrängnis.
Dank einer schnellen Reaktion kommt er allerdings noch vor dem Ingolstädter Spieler an den Ball und kann die Situation
klären. Dennoch blieben die Gäste dominant und kamen noch in der zweiten Minute nach einer Keidel-Flanke durch
Buchner zur nächsten Chance, auch dieser Kopfball verfehlte das Jenaer Tor aber knapp. Erst nach diesen drei Aufregern
konnten die Jenaer Fans erstmals durchatmen; auch wenn die FCC-Elf sich keine eigenen Chancen erspielen konnte, gelang es
nun immerhin, die Gäste vom eigenen Tor fernzuhalten. Dennoch wirkten die Gäste auf dem vom Regen getränkten
Rasen stets spritziger und technisch versierter und konnten mit einfachen Doppelpässen immer wieder schnelle
Vorstöße einleiten, die zum Glück für die Jenaer Elf nicht mit letzter Konsequenz ausgespielt
wurden. Wenn die Ingolstädter doch einmal den Abschluss fanden, war dann allerdings Carsten Nulle zur Stelle,
der insgesamt eine überzeugende Partie ablieferte. Auch nach einem Schuss von Karl aus rund zehn Metern war
Nulle zur Stelle und konnte per Fußabwehr klären. Nach knapp einer halben Stunde kamen auch die Jenaer
erstmals zu so etwas ähnlichem wie einer Torchance, als Patrick Amrhein auf der rechten Außenbahn vor
dem unnötigerweise herauseilenden Ingolstädter Torhüter Lutz an den Ball kommt und an diesem auch
vorbeikommt, dann aber ausrutscht und damit das großzügige Geschenk der Gäste dankend ablehnt. Kurz
vor dem Halbzeitpfiff ist es wieder Amrhein, der an der Strafraumgrenze der Ingolstädter glücklich an den
Ball kommt, die gebotene Chance aber mit einem Schuss zur Eckfahne kläglich vergibt. Damit blieb es zur Halbzeit
beim 0:0 und obwohl die Ingolstädter nicht viele klare Torchancen erspielt hatten, waren sie doch ohne Zweifel
die gefälliger spielende Mannschaft, die eine Führung zu diesem Zeitpunkt absolut verdient hätte.
In den Minuten nach Wiederanpfiff hatte man nicht den Eindruck, als ob René van Eck der Mannschaft in der Kabine
entscheidende Impulse gegeben hat. Wieder hatten die Ingolstädter den besseren Beginn für sich: Mit zwei
Freistößen aus rund 20 Metern brachte Keidel den Jenaer Torhüter Nulle in Bedrängnis, dieser war
aber hellwach und ging in Anbetracht des glitschigen Balls zwei mal auf Nummer sicher und faustete den Ball wieder
ins Spielfeld zurück. In der 51. Minute war es wieder Karl, der die Führung auf dem Fuß hat, aber im
letzten Moment mit viel Glück von mehreren Jenaer Verteidigern am Abschluss gehindert wird. Nur zwei Minuten
später die nächste Großchance für die Gäste, nun rettet wieder Nulle gegen Leitl, der
völlig unbedrängt zum Schuss kommt - die Ingolstädter Führung schien nur eine Frage der Zeit
zu sein, von Jenaer Seite kamen wie in der ersten Halbzeit praktisch keine Impulse für das Spiel. Nach 55 Spielminuten
kam aber auch der FCC mal wieder vors Gäste-Tor, die Flanke von Truckenbrod auf Hähnge war präzise und
gefühlvoll getreten, allerdings war auch Gäste-Torwart Lutz auf dem Posten und konnte mit den Fäusten
vor Hähnge an den Ball kommen. Zehn Minuten später war es erneut Nulle, der die letzte Rettung für das
scheinbar unverrückbare 0:0 an der Anzeigetafel darstellte. Gleich mehrere Stürmer der Gäste
scheiterten mit ihren Schussversuchen am Jenaer Keeper, bevor die Situation endlich bereinigt werden konnte.
Die rot-weiß gekleidete Marketingmaßnahme der bekannten VW-Tochter hielt bis dahin also fast, was
der Bus mit großen Lettern versprach: Der "Vorsprung durch Technik" schlug sich allerdings nur in
Spielanteilen und Torchancen nieder, das Spielergebnis zeigte sich bisher unbeeindruckt. In der Folge gönnten
sich die Gäste allerdings eine kleine Verschnaufpause und die Jenaer kämpften sich zurück ins Spiel.
Torchancen blieben zwar zunächst Mangelware, aber immerhin musste man sich in dieser Phase keine großen
Sorgen um das FCC-Tor machen. In der 72. Minute passierte dann das, was auch dem FCC schon oft genug widerfahren ist:
Die Mannschaft, die bis dahin klar unterlegen war und praktisch keine echte Torchance zu verzeichnen hatte, geht
völlig unverdient in Führung. Nach einem Freistoß aus halbrechter Position und rund 30 Metern
Entfernung ist es Abwehrmann Assani Lukimya, der als erster an den Ball kommt und diesen per Kopf ins lange
Ecke verlängern kann - 1:0 für den FCC und der Spielverlauf stand auf dem Kopf! Die Jenaer Zuschauer
hatten sich noch nicht wieder hingesetzt, da wäre beinahe der hochverdiente Ausgleich gefallen, als Buchner
per Kopf nur die Latte trifft und ein weiterer Ingolstädter seinen Nachschuss wenige Zentimeter neben den
linken Pfosten setzt. Die Angriffe der Gäste wurden nun verständlicherweise wütender und brachten
Nulle noch mehrmals in Bedrängnis. Nur zwei Minuten nach der Führung muss der Jenaer Torwart erneut per
Faustabwehr retten, nachdem ein Angreifer eine Gäste-Ecke per Volleyschuss von der Strafraumgrenze aufs Tor
brachte. Weitere drei Minuten später machte sich Nulle endgültig zum Mann des Spiels, als er einen
weiteren Freistoß von "Zecke" Neuendorf, der ansonsten unauffällig agierte, klären konnte.
Während die Gäste auf den Ausgleich drängten, zeigten die Jenaer, wie effizienter Fußball
aussehen kann: Einen hohen Ball aus dem Mittelfeld legt Amrhein per Kopf auf Melvin Holwijn ab, der sich ein Herz
nimmt und aus rund 18 Metern einfach mal draufhält. Der von Gäste-Trainer Köppel nicht ganz zu
Unrecht als "Sonntagsschuss" bezeichnete Ball schlug unhaltbar für Gäste-Keeper Lutz in der linken
Ecke ein und sicherte den Jenaer Sieg, der bis dahin noch heftig wankte.
Die Ingolstädter Bemühungen blieben auch in der Folge unbelohnt und fast hätte man den Eindruck
haben können, dass sich an diesem Tag die über 100 Jahre längere Tradition des FCC gegen den noch in
den Kinderschuhen steckenden Gast aus Ingolstadt durchgesetzt hat. Dennoch darf nicht unerwähnt bleiben, dass
der Sieg und die damit verbundenen drei Punkte sehr glücklich für René van Eck und den FC Carl
Zeiss waren, von einem verdienten Sieg kann beim besten Willen nicht die Rede sein. Entsprechend gedrückt
dürfte die Stimmung im Ingolstädter Bus bei der Heimreise gewesen sein, denn es ist ohne Zweifel bitter,
nach einem derart kraftraubenden und über weite Strecken gut geführten Spiel ohne Punkte nach Hause
fahren zu müssen. Es bleibt zu hoffen, dass die Jenaer beim nächsten Spiel in Unterhaching auch
spielerisch zu überzeugen wissen und auch in Bayern Punkte holen, bevor die bayerischen Wochen mit dem Spiel
in Regensburg hoffentlich erfolgreich beendet werden. <bh>
Kickers Offenbach - FC Carl Zeiss Jena 4:0
Tore: 1:0 Pospischil (24.), 2:0 Ulm (41.), 3:0 Mesic (78.), 4:0 Pfingsten-Reddig (88.)
- Offenbach: Wulnikowski; Huber, Hysky, Kopilas, Schutzbach;
Haas (84. Pfingsten-Reddig), Pospischil, Zinnow, Fröhlich (72. Laux);
Ulm, Mesic (81. Albayrak)
- Jena: Nulle; Fuss, Lukimya, Wuttke, Sträßer;
Holwijn (72. Kolb), Lanzaat (
, 79.),
Truckenbrod, Hähnge (46. Nagy), Orlando; Amirante
- Zuschauer: 8563
- Schiedsrichter: Thomsen (Kleve)
- Spielbericht
- Auf den Tag genau vor einem Jahr begleitete ich den FCC zum
Auswärtsspiel nach Wuppertal. "Am Tag der deutschen Einheit flossen
die Punkte von West nach Ost", beendete ich damals den Spielbericht und hoffte
jetzt auf einen vergleichbaren Spielausgang ein Jahr später.
Ein entlaufener Bulle vorm Polizeiauto auf der Hinfahrt sollte hierbei
eigentlich als Glücksbringer fungieren.
Allerdings ließen die letzten Auftritte der aktuellen Zeiss-Elf
ebenso wenig einen Feier(tags)auftritt erwarten wie die Bilanz am Bieberer Berg
mit nur einem mageren Pünktchen aus vier Spielen.
Ein Amirante-Schuss nach hundert Sekunden eröffnete
die Partie, in der Wuttke auch nach Lanzaats Rückkehr zunächst
in der Innenverteidigung blieb. Obwohl der Holländer bei seinem
Kurzeinsatz gegen Bremen alles andere als souverän gewirkt hatte,
wurde er ein weiteres Mal auf der Position vor der Abwehr neben Truckenbrod
besetzt. Sein Fehler ohne Not nach 16 Minuten ließ Pospischil von der
Strafraumgrenze aus zum Schuss kommen, Nulle bügelte aus. Es war die
zweite Chance der Hausherren in diesem Match, da sich zuvor bereits Zinnow
durch den kompletten Jenaer Strafraum gedribbelt hatte, dabei jedoch vergaß,
aufs Tor zu schießen. Auch Truckenbrod probierte es nach siebzehn
Minuten mal mit einem Schuss von der Strafraumgrenze. Wulnikowski kam mit einer
Faust an den Ball und lenkte zur Ecke. Fünf Minuten später.
Zinnows Faller nach Zweikampf mit Sträßer sah nach Schwalbe
aus, der bis dahin großzügige Schiedsrichter gab jedoch
Freistoß. Der Ball blieb in der 6-Mann-Mauer hängen, sprang
aber nach seiner ersten Bodenberührung mit ungewöhnlichem
Drall wieder zurück. Ein Lupfer in den Jenaer Strafraum, wo die Blauen
vergebens auf Abseits reklamierten, ein zur Vorlage werdendes Luftloch sowie
ein straffer Schuss auf zehn Metern führten zum 1:0.
Wie schon gegen
Bremen galt es einem Rückstand hinterher zu laufen. Genau das aber
wird zum schwierigen Unterfangen, wenn der Trainer ausgerechnet vor diesem
Spiel klammheimlich zur Ein-Stürmer-Taktik zurückgekehrt ist,
die schon im Jahr zuvor für Unverständnis und Erfolglosigkeit
gesorgt hatte. Sebastian Hähnge ("Ich erwarte mehr von mir und die
Leute auch") blieb nach dem Rückstand weiterhin konsequent im
zentralen Mittelfeld und versuchte sich erfolglos als Ballverteiler für
die einzige Spitze Salvatore Amirante. Da auch Melvin Holwijn sowie Orlando auf
den Außenpositionen nichts rissen, verwalteten die Hessen ihren
knappen Vorsprung ohne große Mühe und lauerten auf den möglicherweise
vorentscheidenden Fehler des Kontrahenten. Den gab es dann auch in Form eines
Jenaer Fehlpasses wenige Meter vorm Anstoßkreis. Dass er Lukimya
unterlief, einem der wenigen beständig guten Spieler während
der letzten Wochen, werteten einige Fans später als Zeichen um sich
greifender Verunsicherung in den Jenaer Reihen. Jedenfalls nutzte David Ulm das
Geschenk zu einem Solo durch die Jenaer Hälfte, um das Leder dann aus
gut zwanzig Metern über Nulle hinweg ins Tor zu heben. Sehenswert, mit
wie viel Gefühl im Fuß Ulm diesen Treffer markierte. Carsten
Nulle eine Mitschuld zu geben, wäre aber wohl verfehlt. Wie sollte er
ahnen, dass seinen Vorderleuten im Spielaufbau ein solcher Patzer unterläuft
? Unser Keeper schlich nach dem Pausenpfiff als Letzter vom Platz, begleitet
von Schmährufen der OFC-Anhänger, die in einem bekennenden
Sympathisanten von Eintracht Frankfurt so etwas wie ihren natürlichen
Feind sehen.
Drei Jahre zuvor war es einer Jenaer Mannschaft an gleicher
Stelle mal gelungen, aus einem 0:2-Pausenrückstand noch ein Remis
werden zu lassen. Um eine Wiederholung dessen herbei zu führen,
stellte van Eck während der Pause mehrfach um. Nagy kam für Hähnge
rein, begab sich wie gewohnt nach links und schickte Holwijn auf die andere
Seite. Aus Orlando wurde doch noch ein zweiter zentraler Stürmer.
Dahinter tauschten Lanzaat und Wuttke ihre Positionen aus der ersten Hälfte,
rückte Truckenbrod ein Stück weiter nach vorn. Der OFC ließ
die Gäste nach Wiederanpfiff zunächst gewähren. Als
sich die Hausherren dann doch mal wieder zu einem eigenen Angriff entschlossen,
brachte der schnelle Gegenstoß endlich mal wieder Gefahr. Durch vier
Abwehrbeine hindurch legte Orlando für Amirante auf, der schoss aus
der Drehung jedoch genau zu Wulnikowski. Der Ball von Nagy drei Minuten später
versprach mehr Erfolg, strich aus 19 Metern Torentfernung aber knapp am rechten
Pfosten vorbei. Eine weitere Steigerung erfuhren Jenas Bemühungen um
den Anschlusstreffer schließlich in Minute 69. Wiederholt versuchte
sich Truckenbrod an einem Fernschuss, selten zuvor aber war das Geschoss von
jener Güte wie diesmal. Aus 17 Metern volley abgefeuert, flog das
Leder oben ans Gebälk, dass es nur so krachte.
Die Hausherren hatten
offensiv nach dem Wechsel überhaupt noch nichts gezeigt. Doch mit
ihrem ersten gelungenen Angriff in Halbzeit zwei, bezeichnenderweise einem
Konter, sorgten sie fünfzehn Minuten vor Schluss für die
Entscheidung. Ulm legte an Sträßer vorbei in die Mitte ab,
wo Quido Lanzaat seinem Gegenspieler Mesic nicht hatte folgen können. 3:0. Dass Jenas
Abwehrchef eben jenem Mesic kurz darauf in die Hacken trat, roch nach Frustfoul
und wurde mit der Roten Karte geahndet. Und als hätte das alles nicht
schon gereicht, flog auch noch der Schuss des eingewechselten Pfingsten-Reddig
genau ins linke untere Eck. "Vier zu Nulle", höhnte es nach Ende der
zweiten 45 Minuten von der Offenbacher Fangeraden.
Dass dem OFC eine durchschnittliche Leistung zu einem derart
klaren Sieg reichte, sollte in Jena die Alarmglocken schellen lassen. Was nutzt
ein sich steigernder Truckenbrod, ein auf allen Positionen sein Ding machender
Wuttke - sie sind nun mal keine Antreiber, die den tödlichen Pass
spielen können. Genau so einer fehlt dem Zeiss-Spiel aber zunehmend.
Es scheint deshalb an der Zeit, die Verbannung Torsten Ziegners zu beenden.
Zwar ist nicht garantiert, dass es mit ihm schlagartig besser laufen wird. In
einer Phase, wo die Jenaer Mannschaft in ihren Leistungen nicht mehr nur
stagniert, sondern abzubauen beginnt, müssen jedoch ausnahmslos alle
Alternativen ausgelotet werden, die der Kader hergibt ! Es wird Zeit, sich mal
wieder gemeinsam an einen Tisch zu setzen. <fc>
FC Carl Zeiss Jena - SV Werder Bremen II 2:2
Tore: 0:1 Testroet (32.), 1:1 Orlando (52.), 1:2 Testroet (80.), 2:2 Amirante (82., FE)
- Jena: Nulle; Sievers (70. Fuss), Lukimya, Wuttke, Sträßer;
Eckardt, Truckenbrod, Hähnge, Nagy (46. Amirante); Kolb (74. Lanzaat),
Orlando
- Bremen: Wiedwald; Hessel, Gerdes, Stallbaum, Andersen; Ronneburg,
Ayik, Menga, Feldhahn; Testroet, Oehrl
- Zuschauer: 6062
- Schiedsrichter: Blos (Köngen)
- Spielbericht
-
Keiner weiß warum, doch in den vergangenen Jahren
hatte der FC Carl Zeiss mit den zweiten Mannschaften von Bundesligavereinen so
seine liebe Mühe. Mittlerweile sind drei von vier Hinrundenpartien gegen die
U23-Teams gespielt, mit zwei Siegen und einem Remis gestaltet sich die
Saisonzwischenbilanz ungewohnt positiv. Doch egal in welches Gesicht man auf
Jenaer Seite nach Abpfiff des Bremen-Spiels blickte - Zufriedenheit schaut
anders aus.
Daran hatte die erste Halbzeit einen gewichtigen Anteil.
Denn es war ein äußerst müder Kick, den 6062
Zuschauer (darunter exakt zwei Dutzend Bremer Fans) während der ersten
45 Minuten geboten bekamen. Dass es nach gut einer Viertelstunde Beifall gab für
einen ins Sturmzentrum gespielten Ball, den Kolb als eine von zwei Spitzen gar
nicht erreichte, mag als Beschreibung für das Niveau in der
Anfangsphase genügen. Eine Freistoßvorlage, die Wiedwald
gegen die Sonne blickend im zweiten Zupacken fing, war die einzige Szene, in
welcher ein Torhüter überhaupt
eingreifen musste. Beim ersten gelungenen Angriffszug nach
zwanzig Minuten stand Hähnge knapp im Abseits. Kurz darauf spielte
Rene Eckardt zwar schön Doppelpass mit Orlando, stolperte danach aber über
seine eigenen Beine. Und bei Lukimyias flacher Hereingabe erkannte der
freistehende Kolb in der Mitte die Situation zu spät. So blieb ein
satter 23-Meter-Schuss von Jens Truckenbrod, den Bremens Keeper über
die Latte lenkte, die einzig wirkliche Torchance
in Hälfte eins. Die Gästebilanz vor der Pause hätte
sich sogar noch ärmlicher gelesen, wenn Testroet im Gegenzug nicht der
Führungstreffer gelungen wäre.
Begünstigt wurde er durch einen Fehler von Jan-Andre
Sievers, welcher den Torschützen unbedrängt den Ball annehmen
ließ und dann nicht hinterher kam. Nach einer überzeugenden
Leistung im letzten Heimspiel gegen Burghausen blieb der Neuzugang aus Emden
damit das zweite Match in Folge hinter den Erwartungen zurück, wurde
später auch ausgewechselt.
Doch zunächst war es Nagy, der in der Kabine
bleiben musste. Mit der Hereinnahme von Amirante wechselte Orlando ab Beginn
der zweiten Halbzeit auf die Linksaußenposition. Eine Umstellung, die
sich sofort bezahlt machte. War der Holländer bei seinem energischen
Antritt von der linken Seite Richtung Zentrum doch nur mit unfairen Mitteln zu
bremsen. Freistoß, 25 Meter Torentfernung. Ein paar der
Stammzuschauer des FC Carl Zeiss werden es bemerkt haben, dieses ungewöhnliche
Positionieren Jenaer Spieler im Rudel neben der gegnerischen Mauer. Von dort lösten
sich wie auf Kommando vier Blaue bei der Freistoßausführung
und rannten in den Sechzehner hinein. Truckenbrod schoss nicht direkt, sondern beförderte
das Leder lang vor zu Orlando, welcher aus fünf Metern volley zum
Ausgleich traf. 1:1 - eine eben erst im Training einstudierte Freistoßvariante
hatte auf Anhieb funktioniert ! Damit lösten
sich endlich einige der im bisherigen Spielverlauf eingebauten Bremsen.
Salvatore Amirante zog auf 30 Metern ab, Wiedwald lenkte das Leder um den
Pfosten (54.). Der Schlenzer von Feldhahn auf der anderen Seite flog nur knapp
nebens Tor (56.). Und dass Kolb die schöne Vorarbeit von Orlando
lieber selbst verwertet hätte, statt auf Eckardt zu spielen, war ihm
hinterher auch klar.
Sie bildeten die stärkste Phase in einem mäßigen Jenaer Spiel,
jene gut zwanzig Minuten nach dem Ausgleichstreffer. Sogar Sebastian Hähnge,
bekanntlich nicht der Allerschnellste, ging hier mal aus einem Sprintduell als
Sieger hervor. Den Gästen darf man bescheinigen, ebenfalls die
Offensive gesucht und so zu einer deutlich spannenderen zweiten Halbzeit
beigetragen zu haben. Beim Schuss des Deutschtüren Ayik reagierte
Carsten Nulle im Tor hervorragend.
Dann war noch eine Viertelstunde zu spielen und Orlando hatte wieder
seinen Auftritt. Es ist beileibe nicht so, dass hier Jenas Schnellstem eine
durchgängig überzeugende Leistung bescheinigt werden soll.
Manches wirkt schon zu sehr auf Show getrimmt, zwischendurch taucht er auch mal
ab und nach hinten lässt er eh lieber andere ackern. Doch klar ist
auch - ohne Orlando wäre das Jenaer Spiel um viele Attraktionen ärmer
! Klasse, wie er in Minute 76 zwei Werder-Verteidiger förmlich stehen
ließ und den Blick für den freistehenden Nebenmann hatte. Es
war Salvatore Amirante, der in zehn Metern Torentfernung sofort abschloss - und
an einem Abwehrbein hängen blieb.
Das Tragische an diesem Spiel ist aus Jenaer Sicht, dass
immer im Anschluss an eine knapp vergebene Großchance die Quittung in
Form eines Gegentreffers folgte. Hatte Pascal Testroet schon vor der Pause
direkt nach Truckenbrodts Schuss getroffen, verging auch nach Amirantes Möglichkeit
nicht viel Zeit, bis Bremens Spieler mit der Nummer 43 zum Erfolg kam. Dabei
profitierte er wiederum von einem fehlenden Gegenspieler - der eingewechselte
Benjamin Fuss war an der Strafraumgrenze ausgerutscht. Unter dem Körper
Carsten Nulles hindurch flog der Ball ins Netz. Und nun ? Waren nur noch zehn Minuten
Zeit für Jenaer Bemühungen um den abermaligen Ausgleich.
Scheinbar unbeteiligt steht Orlando nach dem Anstoß an jener Stelle,
wo Mittel- und Außenlinie aufeinander treffen. Genau da wird er angespielt,
nimmt ein paar Meter lang Fahrt auf und legt dann den Turbo ein. Gerdes hatte
sich diesmal vorgenommen, ihm im Sprintduell Paroli zu bieten - auch er war
chancenlos und wusste sich deswegen nur mit einem Rempler im Strafraum zu
helfen. Elfmeter. Als Amirante sich vor Sträßer den Ball zur
Ausführung schnappte, stockte vielen der Atem - hatte der nicht schon
einmal.... ? Noch ehe der Gedanke zuende gebracht wurde, hatte Salvatore den
Werder-Schlussmann in die andere Ecke geschickt und zum 2:2-Endstand getroffen.
Zweimal war der FCC nach Rückstand wieder gekommen.
Doch wie eingangs schon erwähnt -
Zufriedenheit sieht anders aus. Mannschaftskapitän Nulle ärgerte
sich über die beiden Gegentreffer sowie "Negativeinflüsse von
außen", mit denen wohl Pressespekulationen über Notverkäufe
von Leistungsträgern in der Winterpause gemeint sein dürften.
Und Trainer van Eck monierte die Vorstellung seiner
Mannschaft vor der Pause. Zurecht, denn dadurch sind zwei Punkte gegen
talentierte, aber durchaus schlagbare Bremer verschenkt worden. <fc>
Eintracht Braunschweig - FC Carl Zeiss Jena 2:1
Tore: 0:1 Orlando (46.), 1:1 Kruppke (62., HE), 2:1 Kragl (69.)
- Braunschweig: Petkovic; Fuchs, Brinkmann, Dogan, Boland; Pfitzner, Danneberg,
Kruppke (86. Banser), Kragl (77. Theuerkauf); Onuegbu, Calamita (60. Morabit)
- Jena: Nulle; Sievers, Lukimya, Wuttke, Sträßer (56. Riemer); Truckenbrod, Holwijn (

, 71.)
Hähnge, Nagy (79. Kolb); Mayombo (66. Amirante), Orlando
- Zuschauer: 12.200
- Schiedsrichter: Achmüller (Bad Füssing)
- Spielbericht
-
Der zehnte Spieltag bringt das Auswärtsspiel in Braunschweig auf den Plan und da die Stammautoren dieser
Seite offensichtlich angesichts der letzten Ergebnisse von 0:3 bis 6:0 die Adjektive auszugehen scheinen darf
ich mal wieder ran, als es gilt in Niedersachsen den Platz im oberen Tabellendrittel zu sichern.
Für die erste kleine Überraschung im Gästeblock sorgt Trainer Rene van Eck, der statt des zuletzt stark
auftrumpfenden Stefan Kolb oder des wieder spielberechtigten Amirante, mit Mayombo einen Stürmer in der
Startaufstellung aufbietet, der zuletzt suspendiert worden war, lediglich in der zweiten Mannschaft
spielte und dessen letzter Pflichtspieleinsatz in der Ersten bereits vier Monate zurückliegt. Neben ihm
soll Orlando für den nötigen Angriffsdruck sorgen, während Sebastian Hähnge auf der offensiven Mittelfeldposition
die beiden Stürmer mit Bällen versorgen soll. Und es beginnt gut: Bereits in der ersten Minute kann Orlando über
die linke Seite die Braunschweiger Abwehr überlaufen, scheitert jedoch an Torwart Petkovic. In der Folgezeit
kann der FCC eine optische Überlegenheit erarbeiten - "kontrolliert Ball und Gegner" - wie man so schön sagt, ohne
dabei übermäßig torgefährlich zu werden. Mayombo wirkt dabei aber noch engagierter, als sein Sturmpartner. Die Blau-Gelben
aus Niedersachsen kommen erst nach cirka zwanzig Minuten besser zu Rande und beginnen einzelne Konter zu setzen, die in einem
durch die Mitte angespielten Calamita gipfeln, der aber, völlig frei vor Nulle auftauchend, an diesem scheitert. Damit hat es
sich dann aber auch mit dem Braunschweiger Offensivdrang für die erste Hälfte und die Jenaer Viererkette in der Abwehr kann
wiederholt mit starkem Zweikampfverhalten (Wuttke, Sträßer) die gegnerischen Angreifer "abkochen". Für den eigentlichen
Gesprächsstoff der Halbzeitpause unter dem Jenaer Anhang sorgt Amirante, der bereits kurz vor der Halbzeitpause sich zum
Aufwärmen hinter das Tor von Nulle begibt.
Die zweite Hälfte beginnt mit einem Paukenschlag der angenehmeren Sorte, als Holwijn wunderschön auf der rechten
Seite lang durch Sträßer angespielt wird, im spitzen Winkel auf das Petkovic-Tor zusteuert, scheinbar die lange Ecke
mit seinem Schuß anvisiert, es aber verfehlt, bevor Orlando am langen Pfosten den Ball erreicht und ihn gekonnt flach
über die Linie drückt.
Die Wende im gesamten Spiel wird eingeläutet, als Sträßer in der 56. Minute, leicht humpelnd, verletzt ausgewechselt
werden muss. Die bis dahin äußerst souverän wirkende Jenaer Abwehrviererkette wird mit Marco Riemer wieder aufgefüllt
und ist fortan kaum noch wieder zu erkennen. Obwohl sowohl bei der Entstehung des Elfmeters (aus dem Gästeblock schlecht
einzusehendes Handspiel Riemers), als auch bei der Entwicklung des Führungstreffers ein gehörige Portion Glück für die
Niedersachsen im Spiel ist, kommt man nicht umhin festzustellen, daß vor allem die Jenaer Elf plötzlich den Faden verlor.
Als Holwijn in der 72. Minute diese "schwarze" Viertelstunde für den FCC mit einem Foul an der Mittellinie und nachfolgendem
Ballwegschlagen abschließt, ist die Partie quasi gelaufen. Nur noch zu Zehnt gelingt es nun nicht mehr die Eintracht noch
mal in Bedrängnis zu bringen. Die Braunschweiger lassen sich nun auch nicht mehr aus der Defensive locken und glänzen im
Vorwärtsgang in den letzten zwanzig Minuten lediglich mit einem gefühlten Dutzend Fehlpässen. Auch der Versuch von van Eck,
mit der Einwechslung von Kolb, mit einem Dreiersturm noch einmal auf den Ausgleich zu gehen verpufft relativ wirkungslos.
Ein Sieg in Braunschweig wäre, meiner Meinung nach, für den FC Carl Zeiss Jena ohne weiteres zu realisieren gewesen,
wenn man nach dem Führungstor, das zu einem äußerst günstigen Zeitpunkt fiel, weiter aggressiv die Entscheidung gesucht hätte
und sich mit dem Ausgleich nicht so aus dem Takt hätte bringen lassen. Nicht Eintracht Braunschweig hat gewonnen, sondern
der FCC hat verloren. Und zwar, weil man den Gegner zurück ins Spiel brachte, den der "Ringrichter" schon bis zur "9"
ausgezählt hatte. Schade drum.
Nachtrag: Die Stadt Braunschweig bietet den per Zug anreisenden Gästefans einen kostenlosen Bustransfer vom Bahnhof zum
Stadion an. Soweit so gut. Warum man aber nicht die ca. 6 km lange, direkte Strecke durch die Stadt nimmt, sondern den
Gästefans eine ca. 20-minütige Strecke über die ortsansässigen Autobahnen anbietet, scheint schleierhaft. Ich
habe diese "Stadtrundfahrt" jetzt insgesamt viermal genossen und hätte beim nächsten Mal gern eine andere Route. Danke im voraus.
<tn>
FC Carl Zeiss Jena - SV Wacker Burghausen 0:0
Tore: Fehlanzeige
- Jena: Nulle; Sievers, Wuttke, Lukimya, Sträßer;
Nagy (74.Holwijn), Truckenbrod, Riemer, Eckardt, Hähnge, Kolb (62.Orlando)
- Burghausen: Riemann; Wolf, Hertl, Kokocinski, Kresin, Nebihi (84.Schmidt), Burkhard, Grübl (73.Belleri),
El Haj Ali, Gorka, Cappek (89.Holz)
- Zuschauer: 6948
- Schiedsrichter: Sönder (Lübeck)
- Spielbericht
-
Dritter gegen Vierter - vom Papier her das Topspiel des heutigen Tages in der dritten Liga. Sonne pur und warme Temperaturen
waren beste Vorraussetzungen, um dem Spitzenspiel auch einen würdigen Rahmen zu verleihen. Die Partie musste eine
Viertelstunde später angepfiffen werden, da die Gäste bei Ihrer Anreise aus dem Hotel in Stadtroda infolge einer
Bombendrohung im Stau standen, und dadurch nicht rechtzeitig eine Stunde vor Spielbeginn im Stadion sein konnten.
Die erste gute Aktion des Spiel leitete Jenas Abwehrspieler Sträßer ein, der mit einem herrlichen Diagonalpass
René Eckardt bediente, doch dessen Schuss in der siebenten Minute stellte für Keeper Riemann keine echte Gefahr dar.
In der 18. Minute nutzte Truckenbrodt einen Ballverlust der Gäste aus und prüfte Riemann mit einem Schuss aus der zweiten
Reihe, doch leider landete der Ball genau in den Armen des Schlussmannes. Nach der doch spielerisch armseligen Partie in Kiel
wusste der FCC am heutigen Tage zu gefallen und kontrollierte im gesamten Spielverlauf die Partie. Doch auch mit schönen
Kombinationen und Ballstafetten im Mittelfeld blieben die Torchancen auf Jenaer Seite Mangelware. Die Burghausener, die infolge
einer Grippe auf vier wichtige Spieler verzichten mussten, stellten sich konsequent hinten rein, so dass es für die Jenaer
recht schwierig war, in der dicht gestaffelten Abwehr eine Lücke zu finden. Erst nach gut einer halben Stunde die nächste
Tormöglichkeit für die Jenaer. Hähnge hatte per Kopfball in den Lauf von Youngster Kolb verlängert, doch obwohl
Riemann in dieser Aktion zu weit vor seinem Kasten stand, konnte Kolb diese gute Torchance nicht nutzen und ballerte über das Tor.
Auch nach der Pause änderte sich das Spiel nicht gravierend. In der 51. Minute versuchte sich Sievers mit einer hohen Flanke in
den Strafraum, der Ball wurde lang und länger und fiel zur Verwunderung des Gästekeepers hinter ihm aufs Tornetz. Mit etwas
Glück hätte diese Flanke auch zum erneuten Tor des Monats avancieren können. Gut eine Stunde war vorbei und ein Jubel
auf den Rängen machte sich breit, als Publikumsliebling Orlando für Kolb eingewechselt wurde. Manch einer machte sich
Gedanken, warum und weshalb dieser nicht von Anfang an spielen durfte. Doch Trainer van Eck machte in der anschließenden Pressekonferenz
alle Gerüchte zunichte, als er gleich als erstes vermeldete, dass Orlando im am Vorabend ihm mitgeteilt habe, dass er sich für ein
komplettes Spiel nicht fit fühle. Doch als er den Rasen betrat, spürte man noch einmal einen Ruck durch die Jenaer Mannschaft gehen.
Er war es auch, der in der 71. Minute gleich eine gute Einschusschance hatte, doch leider kam er einen Schritt zu spät und rutschte
einschussbereit knapp am Ball vorbei. Eine Viertelstunde vor dem Ende donnerte Nulle einen super weiten Abschlag heraus, der Ball sprang
vor Orlando auf, doch leider konnte er diese Gelegenheit nicht verwerten oder den Ball zumindest unter Kontrolle nehmen. Die Abwehr der
Gäste stand weiter recht sicher, so dass es die Spieler des FCC nun immer mehr mit Einzelaktionen probierten, die aber allesamt nichts
einbrachten. Höhepunkt des Spiels war zweifelsohne die 82. Minute, in der bereits die Jenaer Fans von ihren Sitzen aufsprangen. Doch
leider stand Orlando das Glück am heutigen Tag nicht zur Seite, denn sein gut getimter Kopfball nach Flanke vom starken Sievers klatschte
an den Innenpfosten, von wo er anschließend direkt in die Arme des Keepers sprang. Da war sie, diese eine 100% Möglichkeit, doch
leider sollte es auch die letzte nennenswerte Aktion gewesen sein.
Mit einer Minute Nachspielzeit pfiff Schiedsrichter Tim Sönder das Topspiel der 3.Liga ab, was es leider nicht geworden war. Die Gäste
waren am Ende mit diesem Punkt hochzufrieden, während die Zeiss-Kicker mit hängenden Köpfen den Rasen verließen. Denn jedem
war nach der Partie klar, dass es selten so leicht gewesen sei, heute die ansonsten starken Kicker von Wacker Burghausen zu bezwingen. Auch wenn
viele Trainer und Verantwortliche eine Einzelkritik nicht unbedingt mögen, so muss doch am heutigen Tage die gesamte Abwehr mal explizit
hervor gehoben werden. Besonders die beiden Außen mit Sträßer und Sievers taten sich heute besonders hervor und ermöglichten
den Gästen während der gesamten Spielzeit keine nennenswerte Torchance.<vg>
Bilder auf fcc.weissenburger.de
Bericht auf fussball.sv-wacker.de
Holstein Kiel - FC Carl Zeiss Jena 0:1
Tore: 0:1 Kolb (72.)
- Kiel: Frech; Lamprecht, R. Müller, Schyrba, Meyer, K.Schulz, Holt,
Jerat (80. Siedschlag), Sembolo, Sykora (9. Guscinas), Heider (66. Stier)
- Jena: Nulle; Sievers, Wuttke, Lukimya, Sträßer;
Nagy (90. Fuss), Truckenbrod, Eckardt, Riemer, Orlando (64. Kolb), Hähnge (87. Petersen)
- Zuschauer: 4511
- Schiedsrichter: Dittrich (Bremen)
- Spielbericht
-
Mit Müller, Hasse und Sykora stehen gleich drei Ex-Jenaer im Kader der Kieler. Aber Hasse war gar nicht im Aufgebot
und Fiete Sykora musste bereits in der 9. min verletzungsbedingt ausgewechselt werden und konnte so gegen seinen
Ex-Club keinen Schaden anrichten. Bis zu diesem Zeitpunkt gab es bereits die ersten aufregenden Situationen vorm
Jenaer Tor. Kiel begann von Anpfiff an offensiv und setzte die Gäste unter Druck. Im Großen und Ganzen
stand Jenas Abwehr, stark unterstützt von den vier Mittelfeldspielern und Hähnge, relativ gut. Wenn man
aber 80 der 90 Spielminuten quasi mit dem Rücken an der Wand, sprich im eigenem Strafraum steht, ist es klar,
dass die Torchancen für die Gastgeber nicht ausbleiben. Vor allem bei Ecken konnte man immer wieder die Luft
anhalten. In der 5. min wehrte Nulle einen Kopfball Haiders aus 3 m Torentfernung zur nächsten Ecke ab. Diese
konnte von Orlando nicht geklärt werden und so hatte Robert Müller die Gelegenheit, seine ehemaligen
Mannschaftskollegen per Fernschuss (der aber in der vielbeinigen Abwehr hängenblieb) zu erschrecken. Nach
einem Stolper Riemers musste sich Lukimya, der wieder eine sehr gute Partie spielte, im letzten Moment in einen
Schuss werfen und zur Ecke klären. Diese führte zu einem Kopfballaufsetzer, gegen den wohl auch Nulle
keine Chance gehabt hätte, aber der Ball ging über die Torlatte. Ganz stark bei den Kielern war in der
Anfangsviertelstunde Sembolo, der ein paar Mal den Jenaern Knoten in die Beine dribbelte. Nachdem aber Sträßer
ihn mal etwas energischer bremste, wurde der auch ruhiger. Nach ein paar Minuten relativer Ruhe musst Nulle, wiederum
nach Ecke, sehr energisch den Ball (samt Gegner) wegfausten, um Schlimmeres zu vermeiden (25.). Nochmals zehn Minuten
danach hatten die Heimzuschauer den Jubelschrei auf den Lippen: Ein weiter Einwurf von rechts wurde verlängert
und den folgenden Kopfball Holts erwischte Nulle mit sensationellem Reflex gerade noch so. Holstein ließ den
Ball in dieser Phase schnell laufen und spielte oft direkt ab. Allerdings ging es zumeist nur bis zur Strafraumgrenze,
an der eine gelbe Wand sie aufhielt. Und so probierte es Sykora-Ersatz Guscinas aus 20 Metern mit einem Fernschuß,
der jedoch nur die Latte traf und die Zuschauern aufstöhnen ließ. Zur Pause konnte man über das
Unentschieden heilfroh sein, denn die Angriffsbemühungen des FCC konnte man bis dahin mit der Zahl "Null" beschreiben.
Nach der Pause ging es wie gehabt weiter, lediglich die Spielhälfte, in der sich alles abspielte, änderte sich.
Allerdings war Holstein jetzt so nett und verzichtete fast völlig auf das Spiel über die Flügel. 7,32 m ist
die Torbreite und ungefähr ebenso breit war der Korridor an Jenas Strafraumgrenze, durch den die "Störche" ihre
Angriffe versuchten. Die Jenaer Abwehrspieler hatten dadurch eigentlich ein leichtes Spiel, wurde doch einmal einer ausgetanzt,
so standen garantiert gleich zwei weitere Gelbe dahinter und klärten. Nur bei einem Fernschuss Lamprechts von rechts
außen (52.) und einem abgefälschten Freistoß (55.) kam der Ball mal in Nulles "Sichtweite", der Rest
waren Kinkerlitzchen. Nach vorn blieb alles unverändert, es ging nichts. Kam man doch einmal über die Mittellinie,
so war es ziemlich sicher, dass Orlando im Rücken der Abwehr im Abseits stand. In der 60. min dann hatte der FCC
mal eine Chance auf einen aussichtsreichen Angriff, aber Orlando rannte mit gesenktem Kopf in zwei Gegner hinein und
übersah den mitgelaufenen und freistehenden Hähnge. So konnte das nichts werden und folgerichtig kam in der
65. Minute Kolb für Orlando. Schon die ersten Zweikämpfe Kolb sahen völlig anders aus als Orlandos
Vorstellung: Der Achtzehnjährige ging in die Zweikämpfe, setzte bei Ballverlust sofort nach und steckte
nie auf. Mir rutschte da ein "Dem Kolb gönne ich ein Tor, der hat schon gegen Dortmund so gut gespielt" heraus
(wenn die Weissagung der Lottozahlen nur ebenso klappen würde…). Drei Minuten nach dem Wechsel (in der 68. min!!!)
hatte der FCC seinen ersten Torschuss, aber Truckenbrods Geschoss ging knapp am langen Pfosten vorbei. Der nächste
Kieler Angriff wurde kurz hinter der Mittellinie abgefangen und der FCC hatte eine perfekte Konterchance in 3:2-Überzahl,
jedoch vergeigte Riemer diese Gelegenheit kläglich. Kurz danach bekam Hähnge auf der rechten Seite den Ball,
ging bis zur Grundlinie, beschäftigte zwei Gegenspieler und spielte mit der Hacke auf den mitgelaufenen Eckardt.
Der schickte seinen Gegenspieler und bediente - wie schon in vorhergehenden Spielen - mit einer maßgenauen
Zuckerflanke den in der Mitte wartenden Mitspieler. Diesmal war es Kolb, der sich die Chance nicht entgehen ließ
und zur überraschenden Führung des FCC einnickte und auf der Gegentribüne für eisiges Schweigen um
mich herum sorgte (ich jubelte solo *g*).
Das Spiel war gekippt. Die "Störche" hatten einen gewaltigen Knacks bekommen,
denn sie versuchten zwar in der verbleibenden Zeit mit viel Einsatz und Elan, dieses Resultat zu reparieren, aber lediglich
ein weiterer Lattentreffer wiederum durch Guscina sorgte für Aufregung. Im Gegenteil, mit etwas Cleverness hätte
Jena jetzt den berühmten Sack zubinden könne, aber zunächst war nach Doppelpass Eckardt - Hähnge der
Kieler Torwart einen Tick schneller am Ball als Eckardt (85.) und dann fehlte Truckenbrod einfach die Kaltschnäuzigkeit,
allein vor Frech - der bis zur Strafraumgrenze herausgekommen war - mit einem Heber das 2:0 zu machen, er ballerte den Ball
voll auf den Keeper drauf. Ansonsten versuchte man ziemlich geschickt und erfolgreich, in den verbleibenden Minuten das Tempo
aus dem Spiel zu nehmen und den Ball in den eigenen Reihen zu halten.
Bis zu Kolbs Einwechslung wäre ich mit einem Punkt hochzufrieden gewesen. Der "Dreier" ist mit etwas Glück in
den ersten 70 und mit ansprechender Leistung in den letzten 20 Minuten eingefahren worden. <uk>
FC Carl Zeiss Jena - Borussia Dortmund II 2:1
Tore: 0:1 Neumeister (6.), 1:1 Lukimya (13.), 2:1 Riemer (80.)
- Jena: Nulle; Sievers, Wuttke, Lukimya, Sträßer;
Nagy (90. Petersen), Truckenbrod, Hähnge, Eckardt (85. Fuss); Orlando,
Kolb (73. Riemer)
- Dortmund: Höttecke; Koch, Eggert, Hünemeier, Neumeister;
Hille, Hasanbegovic (85. Boztepe), Tyrala, Öztekin; Ginczek (57.
Piossek), Kullmann
- Zuschauer: 6983
- Schiedsrichter: Dankert (Rostock)
- Spielbericht
-
Das Chaos beim FCC wurde gerade mal wieder etwas unübersichtlich. Nachdem
Peter Schreiber offenbar keine unbezahlten Rechnungen mehr auf seinem Wühltisch
findet (oder diese lieber wieder untendrunter steckt), fängt die
liebevoll zusammengesparte Mannschaft an sich in Wohlgefallen aufzulösen.
Der eine haut mit südländischer Besonnenheit einem Blumenzüchter
ins Gesicht, der andere wird aufgrund seiner Großartigkeit
suspendiert und der Dritte hat seine Bandscheiben nicht im Griff. Hinzu kommen
ungezählte Zerrungen und Risse diverser Muskelgruppen, schlechte
Blutwerte und Verstauchungen. Und die wenigen Verbliebenen, die sich stets gut
benommen haben und dazu gesund sind, können auch nicht mehr so
richtig. Zu groß ist der Druck nach dem Kulturarena-Debakel für
Rom, Ähnliches vollbringen zu müssen. Ernüchternde
Aussichten also für das gestrige Spiel gegen Dortmunds Zwote, zumal
die nach fünf Minuten schon in Führung lag. Neumeister hatte
die Aufwachprobleme in Jenas Deckungsverbund schamlos ausgenutzt und per Kopf
die Gästeführung hergestellt (6.). Zwar war der ursächliche
Freistoßpfiff völliger Mumpitz, gezählt hat es
trotzdem. Aber was soll's. Aus Ruinen wird auferstanden! Und überhaupt:
Bandscheibenvorfälle werden total überbewertet!
Zwar
folgte die Trotzreaktion erst nachdem Nulle das 0:2 und damit den unabwendbaren
Untergang verhindert hatte, dann aber kam die große Zeit des Rene
Eckardt. Ganz ehrlich, wenn der immer so spielen würde wie die
folgende Viertelstunde, die Nationalmannschaft wäre kein Thema. Seine
Vorlage auf Wuttke nach einer Ecke und sein Heber aus spitzem Winkel wären
bereits Treffer wert gewesen, Hötteke bekam aber beidemal noch
irgendein Körperteil dazwischen. Gegen Lukimyas Schuß aus
Nahdistanz konnte aber auch der Dortmunder Schlußmann nichts mehr
machen. Eckardt hatte Neumeister auf der rechten Seite schön zur
Schere gemacht und den Ball dann flach nach innen geschlagen. Von dort hätte
es wohl nur noch Gomez und dann auch nur im Nationaltrikot noch fertiggebracht,
das Tor nicht zu treffen. Jubeln unter Vorbehalt (13.). Ein Unentschieden
konnte hier ja nicht das Ziel sein! Dieser Vorbehalt legitimierte sich
schneller als gedacht. Mit der Gewißheit der uneingeschränkten
Überlegenheit zog sich Jena wieder aus dem Dortmunder Strafraum zurück.
Alle Maschinen Stop - im Notfall gleichen wir halt wieder aus. Zwar hatte
Eckardt nach eine Wuttke-Vorlage noch einmal die große Chance zur Führung,
sein strammer Volleyschuß fand aber den Weg ins Tor nicht und ist
jetzt wahrscheinlich ein dicker blauer Fleck auf einem Dortmunder Gesäß
(16.). Danach tickte nur noch die Uhr runter. Was dieser taktische Unsinn soll,
ist schwer zu sagen, zumal der Schwung des Ausgleichstreffers dadurch völlig
verpuffte. Die Kräfte jedenfalls hätten eigentlich noch ein
bißchen länger reichen sollen. Kurz vor der Pause hätte
sich dieses unheilvolle Fehlverhalten tatsächlich fast gerächt.
Wäre Kullmann nicht um Zentimeter an Boztepes Eingabe vorbeigerutscht,
die etwa 300 Mitgereisten Dortmunder hätten wohl unsere leise vor sich
hin tirilierende Südkurve vollends unter den Tisch gesungen. Glück
gehabt!
Nach der Pause war es vor allem Orlando, der für Aufsehen sorgte.
Inzwischen ist es für jeden Gegner offenbar ein probates taktisches
Mittel geworden, ihn einfach am Losrennen zu hindern. Ein kurzes Halten, ein
Schubser auf Höhe der Mittellinie, eigentlich ist alles besser als ihm
später hinterherzugucken. Zwei oder drei gelbe Karten werden dafür
augenscheinlich in Kauf genommen, welche die Schiedsrichter (vor allem der von
gestern) oft nicht mal geben. Wenn dann auch noch klarste Pfiffe ausbleiben,
geht mir langsam das ohnehin knapp bemessene Verständnis aus.
Stattdessen reichten auf der Gegenseite mitunter kleinste Scharmützel
aus, um aus gefährlichsten Positionen Freistöße zu
verhängen. Einer davon wäre Jena fast zum Verhängnis
geworden, als Hünemeier den hoch hineingeschlagenen Ball von Tyrala
nur knapp verfehlt, kann Nulle erst im Nachfassen das Unentschieden festhalten
(63.). Knapp! In dieser Phase überzeugt der FCC aber auch allenfalls
durch Gleichwertigkeit auf niedrigem Niveau. Die Führung kommt
dementsprechend wie aus dem Nichts. Wieder ist es Eckardt, dessen präzise
Flanke die Entscheidung bringt. Punktgenau schießt der den Ball auf
den eingewechselten Riemer, dessen Kopfstoß die vor sich hindämmernden
Fans aus der allgemeinen Lethargie reißt (80.). Nicht zu glauben! Dieses Murksspiel und dann auch noch der Riemer. Der
hatte gegen Erfurt nun wirklich einen Scheißtag erwischt. Und dann
noch das Ding mit seinem Rücken. Schön, daß es
offenbar doch nicht so schlimm war oder Bandscheibenvorfälle halt
einfach überbewertet werden (-:
Was folgt sind noch zehn zerrige Minuten Warterei plus einer unendlich
langen Nachspielzeit. Dann ist der dritte Sieg endlich in Sack und Tüten.
Glanzvoll war es nicht! Spielerisch herrschte mitunter unbeschreibliches Elend
auf dem Platz. Dazu kommen die Abstimmungsschwierigkeiten, die bei einer neu
formierten Elf aber ganz normal sind. Entscheidend aber war der größere
Wille. Das was Erfurt in Jena zum Sieg getragen hat, war gestern Jenas
Unterpfand. Die Mannschaft wollte einfach mehr. Das Derby ist damit nicht
vergessen, dieser Stachel sitzt zu tief. Aber ein Rückspiel in Erfurt
ist ja auch noch. Ein neues Spiel mit neuen Chancen. Und nächstes Jahr
wollen wir ja auch wieder in die Kulturarena... <bpf>
VfL Osnabrück - FC Carl Zeiss Jena 2:0
Tore: 1:0 Lindemann (21.), 2:0 Reichenberger (63.)
- Osnabrück: Berbig; Herrmann, Barletta, Nickenig, Krük;
Siegert, Heidrich, Lindemann, Hansen (76. Grieneisen); Reichenberger (85.
Samide), Schmidt
- Jena: Nulle; Sievers, Wuttke, Lukimya, Sträßer;
Nagy (66. Kolb), Truckenbrod, Ziegner, Holwijn (83. Eckardt); Orlando,
Hähnge
- Zuschauer: 9800
- Schiedsrichter: Aytekin (Oberasbach)
- Spielbericht
-
Der Überkreuzvergleich der bisherigen
Saisonresultate sprach von vornherein gegen den FCC: Ingolstadt hatte Erfurt
klar besiegt, Osnabrück die Ingolstädter und Erfurt am
vergangenen Sonntag....ach, lassen wir das. Fußballspiele werden
nicht mit dem Taschenrechner entschieden. Klären wir stattdessen
lieber die Frage: Was stellt eine Mannschaft am gescheitesten an, die mit
Lanzaat, Riemer, Petersen, Osadchenko sowie Ralf Schmidt gleich fünf
Ausfälle in der Abwehr zu verkraften hat ? Klar, sie spielt munter
nach vorn !
Genau das tat Jenas Elf in der Anfangsphase. Da Salvatore
Amirante nach seiner Rot-Sperre für mindestens vier Spiele von der
Bildfläche verschwunden sein wird, teilten sich die beiden Holländer
Orlando und Holwijn von außen kommend in die Rolle des zweiten Stürmers
hinein. Wobei Melvin Holwijn in seinem ersten Match von Anbeginn wesentlich mehr
auffiel. Selbst zwei Gegenspieler vermochten ihn nach fünf Minuten
nicht zu stoppen, zumindest nicht mit fairen Mitteln. Erst als Holwijn wie
nichts zwischen ihnen hindurch geschlüpft war, holte ihn der düpierte
Krük von den Beinen. Freistoß also von der rechten
Strafraumseite, lang auf die andere Seite geschlagen zu Wuttke, dieser sofort
zurück auf den vorm Tor stehenden Hähnge. Zeit zu überlegen
hatte Sebastian nicht, zwei Meter vor dem Kasten inmitten einer lila
Spielertraube handelt man sowieso besser instinktiv - wenn dann aber der Ball
Osnabrücks Keeper Tino Berbig mitten ins Gesicht fliegt, ist das
einfach nur riesengroßes Pech. Doch Jena blieb am Drücker.
Gerade mal zehn Minuten waren gespielt, als ein sichtlich
motivierter Sebastian Hähnge
diesmal von der rechten Seite kommend durchzog. Berbig verkürzte den
Winkel, Hähnge legte deshalb auf den zentral stehenden Truckenbrod ab,
doch schoss dieser aus sieben Metern weit über das leere VfL-Gehäuse.
Dies freilich war mit Pech nicht mehr zu erklären, muss doch auch von
einem defensiven Mittelfeldspieler erwartet werden dürfen, beim unbedrängten
Torschuss nicht in starke Rückenlage zu verfallen.
Ein Führungstreffer
wäre der gerechte Lohn für ansehnlichen Kombinationsfußball
in der ersten Viertelstunde gewesen. Außer einer Einzelleistung von
Jenas Ex-Kapitän Niels Hansen hatten die Gastgeber bis zu diesem
Zeitpunkt noch nichts zustande gebracht, unter anderem weil sich Tim Wuttke auf
der ungewohnten Innenverteidiger-Position gut in Jenas Viererkette einfügte.
Doch dann brach Minute 21 an. Siegert legte für Björn Lindemann
auf und der hatte als erster VfL-Spieler in diesem Match mal richtig Platz am
gegnerischen Sechzehner. Wie er den nutzte - mit einem Sonntagsschuss ins
Dreiangel - war zweifellos sehenswert. Die Führung ansich aber äußerst
glücklich. Erst jetzt kamen die Niedersachsen besser ins Spiel. Nachdem sich zwei Jenaer
gegenseitig angeschossen hatten (29.), drohte für Carsten Nulle ebenso
Gefahr wie beim Freistoß zehn Minuten später, den der Torhüter
aber auf Nummer sicher gehend über die Latte lenkte. Seinem Gegenüber
Tino Berbig, der selbst mal in Jena zwischen den Pfosten gestanden hatte und
hierher noch familäre Bindungen hat, misslang in der 40. Minute bei
einsetzendem Gewitterregen ein Abschlag, sodass Hähnge den Ball mit
einem Heber postwendend zurück brachte. Leider nur aufs Tornetz. Als
sich einige schon auf den Pausentee zu freuen schienen, gabs den ersten
erfolgreichen Antritt von Orlando. Bei dessen Eingabe von der linken Seite kam
Hähnge einen Schritt zu spät. Oder ließ er den Ball
absichtlich für Holwijn durch ? Möglich wäre es,
denn der Neuzugang hatte freie Bahn, nur -
was machte er daraus ? Halb Ballannahme, halb Torschuss, nichts von
beiden richtig, und so beförderte der Nationalspieler das Leder weit
am Pfosten vorbei ins Toraus. Zwei, drei dicke Torchancen teils kläglich
vergeben zu haben war der einzige Vorwurf, den man der Zeiss-Elf beim Gang in
die Kabinen machen konnte.
Die erste Aktion nach Wiederanpfiff war nahezu eine Kopie
der letzten Szene vor der Pause. Wieder ging Orlando auf der linken Seite auf
und davon, wieder kam Hähnge in der Mitte einen Schritt zu spät.
Nur dass diesmal kein Holwijn daneben stand. Auf der anderen Seite köpfte
Nickenig aufs Tornetz (48.). So wie sich das Spiel danach entwickelte, war
absehbar, dass es nicht bei dem einen Treffer in dieser Partie bleiben würde.
Beide Mannschaften schenkten sich nichts, noch aber fand niemand die Lücke.
Die Emotionen im Spiel übertragen sich sogar auf die Ersatzleute
hinter dem Tor. Als Sträßer bei einer Abwehraktion gehalten
wurde und somit nicht in der Lage war, den Eckball zu verhindern,
regte sich André Schmidt berechtigterweise über
den Schiri-Assistenten auf, der das Foul eigentlich hätte sehen müssen.
Die Konsequenz war die Gelbe Karte für einen Spieler, der in dieser
Saison noch nicht eine Punktspielminute in der ersten Mannschaft verbracht hat
(58.). Besagte Ecke beschwörte übrigens Gefahr durch
Reichenbergers Kopfball herauf, den Nulle wegfaustete.
Osnabrücks Stürmer-Oldie
drehte nun richtig auf. War beim Schuss in Minute 62 abermals bei Carsten Nulle
Endstation, sorgte Thomas Reichenberger schon zwei Minuten später für
die Spielentscheidung, indem er aus sieben Metern zum 2:0 traf. Ein Tor,
das Carsten Sträßer auf seine Kappe nehmen muss, vertändelte
er doch das Leder im eigenen Strafraum ohne Not gegen Hansen, der dann
Reichenberger ins Spiel brachte. Zwar hatte eine Jenaer Mannschaft schon einmal
im Osnabrücker Stadion das Kunststück fertig gebracht, aus
einem 0:2 noch ein Remis werden zu lassen - doch die Körpersprache
nach dem zweiten Gegentreffer zeigte an, dass sich das diesmal nicht
wiederholen würde. Weshalb ein über 70 Minuten recht intensiv
geführtes Spiel die verbleibende Zeit gemächlich austrudeln
durfte.
Die Art und Weise, wie diese Niederlage zustande kam, war
eine ganz andere als eine Woche zuvor. Kein Vergleich mit dem fast
hergeschenkten Derby. Und doch gerät die Mannschaft nach einem Punkt
und null Treffern aus den letzten drei Partien in Zugzwang. Schon im nächsten
Spiel muss der Schalter wieder umgelegt werden, soll eine weitere Spielzeit in
den Tabellenregionen der Vorsaison vermieden werden. <fc>
FC Carl Zeiss Jena - FC Rot-Weiß Erfurt 0:3
Tore: 0:1 Kammlott (1.), 0:2 Semmer (40.), 0:3 Kammlott (55.)
- Jena: Nulle; Sievers, Riemer (46.Petersen), Lukimya,
Sträßer; Nagy (46. Hähnge), Truckenbrod, Ziegner, Eckardt
(68. Holwijn); Smeekes, Amirante (
, 59.)
- Erfurt: Orlishausen; Malura (

, 59.), Pohl, Möckel,
Ströhl; Cinaz, Rockenbach da Silva, Stenzel, Hauswald (84. Pinske); Semmer (64. Peßolat),
Kammlott (78. Cannizzaro)
- Zuschauer: 11.200
- Schiedsrichter: Leicher (Landshut)
- Spielbericht
- Ein paar Worte vorweg, zu den wenigen positiven Aspekten dieses Spiels:
Endlich,endlich, endlich hat es der Verein einmal geschafft, die Stadiontore mit
ausreichend Leuten zu besetzen, um einen flüssigen Einlass zu gewährleisten.
Man mag sich gar nicht ausmalen, wieviele frustrierte Zuschauer des FCC in
den letzten Monaten nicht wieder gekommen sind - nur weil der Verein die paar
Euro sparen wollte, die zusätzliche Einlasskräfte kosten? Bitte lasst es
keine Derby-Eintagsfliege sein...
Eine zweite gute Nachricht: Das Stadion war
nahezu ausverkauft, nur die Gäste hatten zu Hause irgendwie kleine Probleme
mit dem Kartenverteilen. Ja, und die Choreos kurz vor Beginn des Spiels:
die große Flagge auf der Haupttribüne und dann die Herzchen für Jena, erst
rot (WTF?!) und dann blau-gelb-weiß mit Feuer.
Beeindruckend(!) - dachten
sich wohl auch die Spieler des FCC, die sich in der ersten Minute
anscheinend auf alles andere drumherum konzentrierten, nur
nicht auf's Spiel. Der Anstoß des FCC wurde abgefangen, ein steiler Pass in
die Spitze, Abschluss von der Strafraumkante ins linke untere Eck, und nach
gefühlten drei Sekunden stand es Null-zu-Eins.
Braucht es wirklich nur ein Gegentor in der ersten Minute, um das in den
letzten Wochen vielgerühmte Wahnsinns-Jenaer Publikum komplett ruhigzustellen?
Offensichtlich. Nur die Südkurve zuckte noch in den ersten zehn Minuten,
in denen Jena sichtlich geschockt wirkte und nichts auf die Reihe kriegte.
Die Unaussprechlichen waren auch nicht wirklich gefährlich, und so plätscherte
es dahin bis zur 14. Minute, als Amirante kurz vor dem Strafraum gelegt
wurde. Ziegner trat an und schlenzte den Ball an die Querlatte... was für ein
Pech! Wenigstens war der FCC in dieser Phase gleichwertig und kam über das
Kurzpassspiel und gewonnene 1:1-Situationen auch mehrmals schnell bis
zum Strafraum der anderen. Irgendwie schienen sie aber den Ball heute
reintragen zu wollen: immer noch ein Abspiel oder Dribbling mehr aus aussichtsreicher
Position, aus der man auch einfach mal hätte draufhauen können und
müssen. Jenaer Verunsicherung wurde merklich. Je weiter die erste Halbzeit
voranschritt, desto mehr unforcierte Fehler schlichen sich in das Jenaer
Spiel ein. Kurz vor der Halbzeit verschätzte sich dann auch noch Nulle bei
einem Eckball und es stand 0:2. Auf den Tribünen machte sich Ratlosigkeit breit
- war das wirklich die gleiche Mannschaft, die bislang so begeisternden
Fußball gespielt hatte?
Es konnte nur besser werden und es wurde - bitterer. Da hatte der FCC
gleich nach der Pause eine gute Kopfballchance (der Ball landete auf dem
Tornetz), doch in der 54. Minute kam eine Bogenlampe in den Jenaer Strafraum
hereingesegelt, die ewig in der Luft war und trotzdem nach Direktabnahme
im Jenaer Tor landete. Wenn der Torschütze demnächst im Training versucht,
dieses Tor nachzustellen, wird er von 100 Versuchen wahrscheinlich 99 nicht
treffen...aber im Spiel ging er halt rein, und damit war die Luft vollständig raus.
Was danach passierte, war haarsträubend.
Es ist nicht unüblich, dass Mannschaften sich bei einem Rückstand von 0:3
nach 55 Minuten mitunter hängenlassen (wobei meine ganz persönliche Meinung
dazu ist, dass das dann auch keine Mannschaft ist). Aber dass so absolut gar
nichts mehr ging, dass einfachste Bälle zum Gegner gespielt, wirklich sinnlose
Dribblings angesetzt und Laufwege einfach abgebrochen wurden, macht
nachdenklich. Die erste Chance für den FCC gab es erst wieder in der 71.
(Hähnge vergibt aussichtsreich), dann nochmal eine kleine in der 75. Auf
der Gegenseite konnten wir uns bei Nulle bedanken, dass es am Ende nicht 0:5
stand - und zwar nicht, weil der Landeshauptstadtclub überragenden Fußball
gespielt hätte.
Einen "positiven" Aspekt hat die Sache am Ende doch noch: Dieses ganze
Geklapse mit angekündigtem Moonwalk, "Wir steigen auf"-Gesängen und 100:0-Fahnen
gehört erst mal wieder der Vergangenheit an. Die Chance besteht, dass die
Jenaer Spieler am Sonntag begriffen haben, dass sich Spiele gegen Mannschaften,
die unten stehen, nicht von selbst gewinnen. <ragnar>
Derby-Fotos von Jens Weißenburger
Bericht auf der Erfurter Homepage
FC Erzgebirge Aue - FC Carl Zeiss Jena 0:0
- Aue: Männel; Klingbeil, le Beau, Paulus, Schaffrath;
Cimen (68. Gambo), Stark, Müller (72. Klotz); Curri, Braham, Ramaj (90.
Hiemer)
- Jena: Nulle; Sievers, Riemer, Petersen, Sträßer;
Nagy, Truckenbrod, Ziegner, Orlando; Hähnge, Amirante (87. Eckardt)
- Zuschauer: 11.400
- Schiedsrichter: Dr. Fleischer (Sigmertshausen)
- Spielbericht
- 5:1, 5:0, 5:0. In den vergangenen drei Jahren ist der FCC im
Erzgebirgsstadion regelrecht vermöbelt worden. Bekanntlich hat der
Optimist keine Ahnung von den freudigen Überraschungen, die ein
Pessimist erlebt. Trotzdem fuhren wir diesmal mit einem besseren Gefühl
nach Aue und weigerten uns von vornherein, an eine Fortsetzung dieser schwarzen
Serie zu glauben. Dafür hatte die neue Jenaer Mannschaft in den ersten
Wochen der noch jungen Saison schon zu viel an Potential offenbart.
Entgegen seiner Ankündigung hatte René van Eck im
Vergleich zum letzten Spiel eine Änderung vorgenommen. Rene Eckardt
blieb trotz ansprechender Leistung gegen Bayerns Zweite erst mal wieder auf der
Bank, wohingegen Sebastian Hähnge zu seiner Premiere in der Startelf
kam. Waren es die besseren Trainingsleistungen, die dafür den
Ausschlag gaben ? Fürchtet van Eck, den Youngster zu schnell zu
verheizen ? Oder will er Jenas Offensivtaktik ein Stück weit
unberechenbarer für die Ligakonkurrenz gestalten ? Wie auch immer -
Smeekes, der am liebsten nur Orlando genannt werden möchte, rückte
aus dem Zentrum auf die Außenposition. Von da, nur in der anderen Hälfte,
kamen auch die meisten Bälle in den ersten zwanzig Minuten. Eckball um
Eckball holten die Gastgeber während ihrer Anfangssoffensive heraus.
Den ersten richtigen Torschuss gabs dennoch von einem Jenaer. Salvarore
Amirante prüfte Martin Männel nach achtzehn Minuten. Darüber
hinaus tat sich allerdings vor der Pause nicht viel an Offensivgeschehen
seitens der Thüringer. Dazu fehlte es im Mittelfeld an einem
Gestalter, der die Bälle verteilte oder einfach mal länger in
den eigenen Reihen hielt. Hähnge und Amirante hatten es schwer mit
ihren Gegenspielern. Und Orlando ? Zeigte auf rechtsaußen mehrmals
technische Kabinettstückchen, doch in echte Torgefahr mündeten
die meist nicht, sodass sich die Umstellung alles in allem nicht bezahlt
machte. Ein einziges Mal brachte er vor der Pause nach energischem Sprint eine
Eingabe vors Tor, doch die fing Männel vor dem einschussbereiten
Amirante weg.
Erfreulich hingegen, dass Jenas Viererkette auch ohne Lanzaat
lange Zeit nichts zuließ. Da konnten Curri und Ramaj rochieren, wie
sie wollten - sowohl Sievers wie auch Sträßer ließen
sie nicht zu Entfaltung kommen. Auch die 7:0 Ecken der Veilchen in Hälfte
eins bereiteten Nulle und seinen Vorderleuten keine Probleme. Lediglich in den
letzten drei Minuten vor dem Pausenpfiff schlich sich kurzzeitig mal etwas
Sorglosigkeit ins Jenaer Abwehrzentrum. Denn dass ausgerechnet der Kleinste auf
dem Platz, Skerdilaid Curri, nur um wenige Zentimeter an einem Kopfballtor
vorbeischrammt, darf eigentlich nicht
passieren. Und was war in Minute 44 los ? Bei Müllers Heber in den
Strafraum rannten gleich zwei Weiße mit Ramaj mit, wodurch sich
Braham zentral in 13 Metern
Torentfernung seelenruhig auf seinen Torschuss vorbereiten konnte. Doch vergeht
kein Spiel ohne eine Heldentat von Carsten Nulle ! Jenas Keeper entschärfte
Brahams Schuss mit toller Reaktion. Der Halbzeitpfiff kam den Jenaern nicht
ungelegen.
Mit Beginn der zweiten Hälfte hatte sich Jenas
Hintermannschaft wieder formiert. Aue zunächst wieder leicht feldüberlegen,
ohne groß zu Tormöglichkeiten zu gelangen. Ramajs Schlenzer
Richtung Dreiangel fing Nulle noch in dessen Steigphase (57.). Die optische Überlegenheit
auf Seiten der Gastgeber verschwand dann nach etwa einer Stunde Spielzeit. Erst
jetzt fiel auf, dass mit Kos auch bei den Erzgebirglern der Abwehrchef fehlte
und deren Hintermannschaft nicht unüberwindbar ist. Als Orlando seinen
Gegenspieler ins Leere rutschen ließ, die flache Hereingabe nur
unkontrolliert nach vorn abgewehrt werden konnte, kam Jens Truckenbrod aus fünfzehn
Metern zum Torschuss. Wie gern hätten wir DEN ankommen sehen ! Doch
Paulus warf sich hinein, bescherte Jena damit nach 61 Minuten wenigstens noch
die erste Ecke, welche aber wie generell alle Standards an diesem Tag nichts
einbrachte. Die hohen Temperaturen sollten in der Schlussphase bei beiden
Mannschaften ihren Tribut fordern. Das Wort Sommerfußball machte nun
die Runde. Van Eck schien dennoch nicht unzufrieden,
tätigte seinen ersten Wechsel erst drei Minuten vor
Schluss und dies aus Verletzungsgründen. Dass auch Trainerkollege
Schmitt in der 90. Minuten noch einen neuen Mann auflaufen ließ, lässt
den Schluss zu, dass mit dem unentschiedenen Spielausgang am Ende alle recht
zufrieden waren. Die Gastgeber hatten dem Spitzenreiter einen Punkt abgerungen,
der FCC bereitete seiner schwarzen Serie im Erzgebirgsstadion endlich ein Ende.
Zwar ist die Tabellenführung damit schon wieder
passé, doch ist der FC Carl Zeiss Jena auch nach dem Auer Auswärtsspiel noch ungeschlagen in dieser Saison.
Und das ist schließlich auch schon etwas wert. <fc>
FC Carl Zeiss Jena - FC Bayern München II 6:0
Tore: 1:0 Eckardt (8.), 2:0 Smeekes (28.), 3:0 Amirante (48.), 4:0 Amirante (62.), 5:0 Amirante (64.), 6:0 Amirante (76.)
- Jena: Nulle; Sievers, Riemer, Lanzaat (23. Petersen),
Sträßer; Nagy, Truckenbrod, Ziegner, Eckardt; Smeekes (68.
Hähnge), Amirante (77. Benyamina)
- München: Kraft; Schütz, Lell
(
, 38.), Saba (56. Kopplin), Contento;
Erb, Rieß, Görlitz, Schürf (53. Yilmaz); Sikorski, Sene (43. Duhnke)
- Zuschauer: 8346
- Schiedsrichter: Gorniak (Bremen)
- Spielbericht
- Vor dem Spiel bestimmten noch Sorgen die Gedanken der
meisten Zuschauer, an die sich nach dem Spiel kaum noch jemand erinnerte. Wie
wird die Mannschaft die befürchteten Ausfälle von Carsten Sträßer
und Ralf Schmidt verkraften können? Wie kommt der FCC mit den
bundesligaerfahrenen Christian Lell und Andreas Görlitz zurecht? Wird
die zweite Garde des großen FC Bayern am dritten Spieltag ihr
zweifellos vorhandenes Potential zeigen, nachdem man eher schwach in die Saison
gestartet war?
Zumindest einer der Fragen löst sich noch vor dem
Anpfiff in Wohlgefallen auf, denn Carsten Sträßer stand in
der Startformation. Der Abwehrspieler ist mitverantwortlich für den
derzeitigen Erfolg des FCC und wird von vielen aufgrund seiner in der letzten
Saison oft gut versteckten Souveränität mit einem
Augenzwinkern als "Neuzugang" bezeichnet, entsprechend groß war die
Erleichterung bei der Lektüre seines Namens in der Startaufstellung. Die
Elf des gut in die Saison gestarteten FCC begann das Spiel auch gleich druckvoll
und schon die ersten Minuten ließen keinen Zweifel daran aufkommen,
wer heute der Herr im Haus sein wollte. Die erste Ecke des Spiels erhielten
trotzdem die Bayern, aber mehr als ein schneller Gegenstoß über
den starken Sievers sprang dabei nicht heraus. Dieser Konter war es, den Timo
Nagy mit einem herrlichen Pass auf Salvatore Amirante fortsetzte. Der Italiener
stand plötzlich vor Kraft im Tor des FCB und wollte den Ball in der
langen Ecke unterbringen, hatte dabei aber die Reflexe des Schlussmanns der
Bayern unterschätzt. Festhalten konnte er den scharfen Schuss aus
kurzer Distanz allerdings nicht, der mitgelaufene René Eckardt schaltete am
Schnellsten und konnte den Ball unbedrängt aus kurzer Distanz im Tor
unterbringen - 1:0 für den FCC nach nur acht Minuten! Die erfahrenen
Spieler der Bayern, namentlich Görlitz und Lell, sahen beim
vorhergehenden Zusammenspiel von Nagy und Amirante alles andere als gut aus und
verloren schon nach diesen wenigen Minuten einen Teil des von ihren Namen
ausgehenden Glanzes.
Die Gäste aus München zeigten sich aber
keineswegs geschockt vom frühen Rückstand, stattdessen bemühten
sie sich von nun an intensiv um den Ausgleich. Nur fünf Minuten nach
der Führung war es Carsten Nulle, der gegen den in dieser Phase
starken Sikorski klären musste. Der war nach einem Missverständnis
in der Jenaer Hintermannschaft plötzlich frei vor Nulle aufgetaucht
und scheiterte nur an der blitzschnellen Reaktion des auch heute sicheren Rückhalts.
Im Gegenzug hat Eckardt das 2:0 auf dem Fuß, nachdem er mit einem
herrlichen langen Ball von Nagy freigespielt wurde. Sein Ball geht aber leider
nicht nur an Torhüter Kraft vorbei, sondern auch am Tor. Für
die nächsten Minuten sollte dieser Gegenstoß das letzte
Lebenszeichen des FCC sein, von nun an drückten die Bayern. Dabei war
es immer wieder Marco Riemer, der in der Abwehr nicht überzeugen
konnte. In der 16. Minute profitiert er allein von der Fairness des Münchner
Stürmers Sikorski, der sich trotz leichtem Trikotzupfer aufrafft und
sich nicht fallen lässt, anderenfalls hätte man diese
Situation wohl als Notbremse werten müssen. So stand Sikorski zwar
allein vor dem Jenaer Gehäuse, aber dieses wurde ja von Carsten Nulle
bewacht - und dieser reagierte erneut glänzend. Auch wenn man sich
mittlerweile schon fast daran gewöhnt hat, mit Nulle einen extrem
sicheren Rückhalt zu haben - was dieser Mann Woche für Woche
für Bälle hält, ist aller Ehren wert. Völlig
zu Recht wurde "Wild Thing" auch vor dem Spiel als Spieler der letzten Saison
ausgezeichnet, denn ohne ihn hätte der FCC die Klasse wohl kaum
gehalten. Richtig ernste Mienen konnte man nur kurz darauf erblicken, denn
offenbar hatte sich Abwehrchef Quido Lanzaat ohne Fremdeinwirkung verletzt und
drängte auf seine Auswechslung, die nach 23 Spielminuten vollzogen
werden musste. Nicht wenige fürchteten nun den baldigen Ausgleich oder
zumindest massive Probleme mit den schnellen und ballsicheren Angreifern der
Bayern für die umgestellte Innenverteidigung. Genau in diese Phase des
größten Drucks der Bayern stürmt aber erneut
Orlando Smeekes hinein und spielte sich endgültig in die Herzen der
Fans. Nach einer kampfgeprägten Balleroberung des Hachinger Neuzugangs
Nagy hat Orlando nur noch Lell und das Tor vor sich. In seiner gewohnten,
unheimlich schnellen Art stürmt er auf Lell zu, schlägt noch
einen Haken und streichelt den Ball dann mit der Innenseite an den kurzen
Pfosten - von dem das Leder den erstrebenswertesten Weg wählt, nämlich
den ins Tor von Jenas Gegnern! Das 2:0 in der 28. Minuten fiel sprichwörtlich
genau zum richtigen Zeitpunkt, denn es setzte einen Schlussstrich unter eine
Phase gefährlicher Angriffe der Gäste, die immer wieder nur
vom Jenaer Schlussmann aufgehalten werden konnten. Auch in der Folge überforderte
der Mann von den niederländischen Antillen, der nun bereits vier Tore
in drei Spielen erzielt hat, seinen Gegenspieler Lell immer wieder mit seiner
Schnelligkeit. Zehn Minuten nach dem 2:0 wurde die Sprintstärke dem Münchner
endgültig zum Verhängnis, als ihn Orlando einmal mehr
regelrecht überlaufen konnte und von Lell nur noch per Foul zu stoppen
war. Da Lell zu diesem Zeitpunkt letzter Mann war und Smeekes freie Bahn aufs
Tor gehabt hätte, war die Entscheidung des unauffälligen
Schiedsrichters Gorniak durchaus nachvollziehbar - Rote Karte wegen Notbremse
und Freistoß für den FCC, denn der Bremer Unparteiische
hatte das Foul außerhalb des Strafraums gesehen. Auch wenn der
Freistoß und die folgenden Minuten vor der Halbzeit nichts
einbrachten, so hatte sich der FCC doch eine hervorragende Ausgangslage für
den zweiten Durchgang geschaffen. Doch trotz der Zwei-Tore-Führung und
der Jenaer Überzahl erwarteten viele eine spannende zweite Hälfte,
in der den Bayern im Falle eines schnellen Anschlusstreffers durchaus noch
Chancen eingeräumt wurden.
Derartige Sorgen und Ängste lösten sich
aber schon kurz nach dem Wiederanpfiff auf, denn die 8346 Zuschauer im Ernst
Abbe Sportfeld sahen einen FC Carl Zeiss Jena, der weiterhin mit voller
Konzentration zu Werke ging. Das aus der Führung und dem Spielverlauf
resultierende Selbstvertrauen sorgte außerdem dafür, dass
Flanken und Pässe scheinbar präziser ankamen und
leichtfertiger von der Hand gingen als in anderen Spielen. Nur drei Minuten
nach Wiederanpfiff war es dann auch schon so weit, dass auch die letzten
Zweifler vom Optimismus übermannt wurden, denn nach einer präzisen
Flanke des starken René Eckardt auf den Kopf von Salvatore Amirante dürfte
die Halbzeitansprache von Gästetrainer Mehmet Scholl bereits hinfällig
gewesen sein. Der Italiener stieg als einziger im Strafraum hoch zum Kopfball,
begleitet nur von den ungläubigen Blicken seines Gegenspielers. Der
musste mit ansehen, wie der wuchtige Kopfball unhaltbar für Kraft im
Netz landete und das Spiel faktisch entschieden war. Anders als nach dem 1:0
war nun auch ein gewisser Schockzustand bei den Bayern zu erkennen, die mit
einer derart druckvollen Offensive seitens der Jenaer offenbar nicht gerechnet
hatten. Nach einer guten Chance für den unauffälligen, aber
ebenfalls überzeugenden Truckenbrod in der 59. Minute war es nach
knapp über einer Stunde erneut Amirante, der einen Eckball von Nagy
per Kopf über die Linie bugsierte. Wieder fühlte sich keiner
der Bayern so richtig zuständig, erneut war gegen den starken Kopfball
aus kurzer Distanz nichts zu machen - 4:0 für den FC Carl Zeiss Jena!
Schon jetzt fragten sich einige, wann sie derartiges zuletzt erlebt hatten,
nicht ahnend, was die folgenden Minuten noch bringen würden. Der FCC
hatte nämlich noch lange nicht genug und spielte weiter attraktiven
Offensivfußball. Nur zwei Minuten später hatte sich Smeekes
auf links einmal mehr aller Gegenspieler entledigt und spielte dann einen
perfekten Pass in den Lauf des Doppeltorschützen Amirante, der den
Ball aus fünf Metern nur noch über die Linie schieben musste
und damit das 5:0 sowie seinen Hattrick vollendete! Nach 68 Spielminuten gönnt
Jena-Trainer René van Eck dem neuen Publikumsliebling und Torschützen
des Monats Orlando Smeekes nach einer weiteren starken Partie seinen verdienten
Applaus. Von stehenden Ovationen begleitet verlässt der Shooting-Star
den Platz, für ihn kommt Sebastian Hähnge. Der Eingewechselte
fügt sich sofort gut in das Spiel der Blau-Gelb-Weißen ein
und hat nur Minuten nach seiner Einwechslung das 6:0 auf dem Fuß, als
ihm Truckenbrod den Ball überlegt in den Lauf lupft. In dieser
Situation konnte sich allerdings zunächst der Münchner Torhüter
Kraft auszeichnen, als er den scharfen Schuss Hähnges pariert. Doch
das sollte am heutigen Tag nicht ausreichen, denn Hähnge setzt nach,
holt sich den Abpraller und flankt den Ball erneut butterweich auf den langen
Pfosten. Dort wartet, wie könnte es anders sein, Salvatore Amirante
und hat erneut keine Mühe, den Ball im Tor unterzubringen - 6:0 nach
76 Spielminuten, vier Tore von Amirante innerhalb von nicht einmal einer halben
Stunde, ungläubiges Staunen mischt sich in den unbändigen
Jubel im weiten Rund des Ernst Abbe Sportfelds.
Das halbe Dutzend war voll und die Jenaer Spieler ließen
es dabei bewenden, die folgenden fünfzehn Minuten waren mehr Schaulaufen
als ernsthafter Fußball und die Bayern hatten sich längst
mit der demütigenden Realität abgefunden. Gegenwehr wäre
bei diesem Spielstand ohnehin zwecklos gewesen und so konnten die leidgeprüften
Anhänger des FCC endlich mal wieder eine Schlussviertelstunde ohne
Angst vor späten Gegentoren oder in der Hoffnung auf ein dringend benötigtes
Jenaer Tor verbringen, stattdessen wurde der in dieser Form von niemandem
erwartete Sieg ausgiebig gefeiert. Neben dem Ergebnis gefiel vor allem die
Tatsache, dass neben dem beinahe unheimlich schnellen Orlando Smeekes auch die
beiden Außen Sievers und Nagy überzeugen konnten und Jena über
weite Strecken des Spiels sehr sehenswerten und dynamischen Offensivfußball
zeigte. Auch in Anbetracht eines bestimmten Ergebnisses vom Samstag bildete das
6:0 den perfekten Abschluss eines paradiesischen Wochenendes, das so schnell
keiner der anwesenden Jena-Fans wieder vergessen wird. Nun muss der neue
Spitzenreiter der Dritten Liga in Aue nachlegen bevor am kommenden Wochenende
ein ganz spezieller Gast im Ernst Abbe Sportfeld erwartet wird. Sollten Orlando
Smeekes & Co. auch dann wieder einen ähnlichen Auftritt wie in den
bisherigen Saisonspielen hinlegen, dürfte der Jubel selbst die
heutigen Freudenschreie noch einmal deutlich übertönen. Bis
es so weit sein kann, liegen aber noch zwei mal 90 Minuten vor der Mannschaft
von René van Eck - zumindest das nötige Selbstvertrauen für
die erfolgreiche Gestaltung der beiden Ostderbys sollte spätestens
nach dem heutigen Spiel vorhanden sein. <bh>
SV Sandhausen - FC Carl Zeiss Jena 2:2
Tore: 1:0 Schuon (9.), 1:1 Smeekes (19.), 1:2 Riemer (32.), 2:2 Pinto (90., FE)
- Sandhausen: Gurski; Bindnagel, Schuon, Eberlein, Mintzel; Pinto,
Hillenbrand, Jungwirth (66. Fischer), Schauerte (77. Hosiner); Ristic (23.
Öztürk, Dorn
- Jena: Nulle; Sträßer, Lanzaat, Riemer, R. Schmidt;
Sievers (60. Hähnge), Truckenbrod, Ziegner, Nagy; Smeekes (88.
Petersen), Amirante (81. Benyamina)
- Zuschauer: 3150
- Schiedsrichter: Kempter (Sauldorf)
- Spielbericht
- Gleiches
Ergebnis - unterschiedliche Gefühle. Wo vor zwei Monaten 3.500 verzückte
Zeissfans ob des Klassenerhalts den Sandhäuser Rasen stürmten, herrschte
diesmal betretenes Schweigen unter beachtlichen gut 500 mitgereisten
Blau-gelb-weißen. Die meisten unter ihnen wären vor dem Spiel wohl mit einem
Zähler zufrieden gewesen, doch nach diesem Spielverlauf musste man einfach
hadern. Mit einer späten und nicht nachvollziehbaren Spielentscheidung durch
Referee Kempter, und mit dem Auslassen unzähliger
Möglichkeiten zur Vorentscheidung durch die eigene Elf.
Dass
dieses Spiel ein ganz intensives werden sollte, deutete sich schon nach wenigen
Minuten an. Riemers und Smeekes' gefährlichen
Toraktionen folgte auf der Gegenseite nach 8 Minuten die Führung der Gastgeber.
Ralf Schmidt hatte einen unnötigen Eckball verursacht - nicht der einzige
Fehler des sich nach dem Wechsel steigernden Studenten in den ersten 45 Minuten
- und Sandhausens bulliger Neuzugang Schuon köpfte
das Leder kompromisslos wuchtig zur frühen Führung ins Netz. Und die Gastgeber
drängten weiter mit schön anzusehendem Kombinationsfußball, waren durch das nur
schwer zu bändigende bundesligaerfahrene Sturmduo Ristic/Dorn stets
kreuzgefährlich. Doch anders als im Mai behielt Jena die Ordnung und schlug
zurück. Sträßer und Sievers kämpften im Duett
Mintzel den Ball im eigenen Strafraum ab,
Sträßers weiter gefühlvoller Ball erreichte zur
Überraschung von Sandhausens Hintermannschaft Orlando Smeekes,
der dem verdutzten Gurski das Leder in die Maschen
servierte (19.). 1:1! Und Jena machte weiter. Nur zwei Minuten später die
nächste Riesenchance für den Holländer nach tollem Diagonalpass von Sievers,
doch der Hammer zischt knapp am Tor vorbei. Eine Minute drauf hatte Nagy dann
die Führung auf dem Fuß, als er eine schöne Kombination zu harmlos abschloss.
Jena war im Spiel, und bald begann auch der Tag des Marco Riemer freundlichere
Züge anzunehmen. Zunächst erlöste ihn die verletzungsbedingte Auswechslung
Ristics von diesem unangenehmen, einen Kopf größeren Gegenspieler. Dann durfte
sich der Apoldaer sogar in die Torschützenliste
eintragen, als er nach Amirantes artistischer
Fallrückziehervorlage aus Nahdistanz zur verdienten Führung nach 33 Minuten
abstaubte.
Von
Sandhausen kam bis zum Wechsel nichts mehr, und dennoch hatten 3.500 Zuschauer
ein packendes und völlig offen geführtes Spiel gesehen. Glaubten sie zumindest,
denn nach dem Pausentee ging es erst richtig los. Bindnagel eröffnete das
Offensivfestival mit einem Knallbonbon knapp am rechten Pfosten vorbei (48.).
Smeekes antwortete mit Zuckerpass auf Sievers, der sich
völlig freistehend vor Gurski den Ball etwas zu weit
vorlegte (49.). Minuten später zwei dicke Patzer von Riemer, die die Gastgeber
nicht zu nutzen verstehen. Jungwirth zieht nach 56 Minuten ab und zwingt Nulle
zu einer Glanzparade. Dann kommt Nagy über die rechte Seite, doch seine
Hereingabe auf den blank stehenden Amirante misslingt (59.). Es war eine der
wenigen Offensivaktionen Nagys, der sich nach vorn wenig zutraute. Ausgewechselt
wurde nach einer Stunde aber sein Flügel-Gegenüber Sievers, bei dem sich
gelungene Offensivakzente mit schlampigem Defensivverhalten abwechselten.
Sebastian Hähnge kam ins Spiel und legte Sekunden
später gleich gekonnt per Kopf auf Amirante auf, Gurski
klärt. Wiederum Sekunden später umkurvt Hähne den Sandhäuser Keeper, ist
eigentlich schon vorbei und der Ball gefühlt auf dem Weg ins Tor, doch
irgendwie kommt Gurski doch noch einmal ans Leder
(61.). Eine Minute darauf darf Smeekes die nächste
hundertprozentige Torchance versieben, allein rechts vor dem Kasten entscheidet
er sich gegen den Pass auf den mitlaufenden Amirante und für den Flachschuss,
den Gurski mit Fußbabwehr
pariert. Wahnsinn! Quasi im Gegenzug rettet Lanzaat
vor dem einschussbereiten Pinto (62.). 63. Minute, ein Schuss Sandhausens aus
dem Hinterhalt wird unfreiwillig von Hillenbrand abgefälscht und trudelt an den
Pfosten! Vier Minuten später dann wieder dann wieder Bindnagel mit
Volleyschuss, Nulle pariert.
Sandhausen ging nun noch mehr auf Risiko und
drückte die Thüringer, bei denen die ordnende Hand im Mittelfeld vermisst
wurde, mehr und mehr in die eigene Hälfte, in der sich Carsten
Sträßer mit einer tadellosen Leistung Bestnoten verdiente.
Einen Entlastungsangriff über die rechte Seite kann der bisweilen selbst
auffällig fallsüchtige Mintzel nur mittels einer
Mischung aus grobem und taktischem Foul an Smeekes an
der Torauslinie verhindern, ohne dafür den Karton zu sehen. In
Ziegners frechen Freistoß spritzt Amirante, und als der Ball
hinter dem Keeper die Torlinie entlang zischt, ist wieder einmal
Haareraufen im Gästeblock angesagt. Mehr noch als
Smeekes nach 80 Minuten die nächste Hundertprozentige
vergibt, allein vor Gurski diesen nicht überwinden
kann. So kam das, was kommen musste. Sandhausen verlegte sich auf das
Erarbeiten von Freistößen, von deren Berechtigung nur wenige im Gästeblock
überzeugt waren, und so stand Carsten Nulle mehr und mehr im Mittelpunkt,
rettete mehrmals großartig. Machtlos war er jedoch, als Robert
Kempter - wie Sandhausen in Baden-Württemberg beheimatet -
in der Schlussminute auf den Elfmeterpunkt zeigte, ein Foulspiel Riemers an
Dorn gesehen haben wollte. Roberto Pinto ließ sich das späte Geschenk nicht
entgehen und schickte die Zuschauer mit dem gleichen Ergebnis nach Hause wie
vor zwei Monaten.
Diesmal bleibt für den FCC zu konstatieren, zwei Zähler
verschenkt zu haben, und das in erster Linie wegen der sträflich ausgelassenen
Großchancen im zweiten Abschnitt. Auf der Leistung der Mannschaft aber darf aufgebaut
werden, und diesen positiven Eindruck nahm Jenas Anhang mit auf die 400
Kilometer lange Heimreise. <gunner>
FC Carl Zeiss Jena - SV Wehen Wiesbaden 2:1
Tore: 1:0 Smeekes (50.), 2:0 Smeekes (56.), 2:1 Bohl (74.)
- Jena: Nulle; Sträßer, Lanzaat, Riemer, R. Schmidt;
Sievers, Ziegner, Truckenbrod, Nagy (87. Petersen); Smeekes (90.+1
Eckardt), Amirante
- Wehen: Birkenbach; Hollmann, Barg, Glibo, Weigelt; Bohl, Reinert
(61. Ziegenbein), Hübner, Öztürk (72. Landeka); Boskovic,
Stroh-Engel (58. Ziemer)
- Zuschauer: 7713
- Schiedsrichter: Dr. Brych (München)
- Spielbericht
- Gemeinhin gilt es als Vorteil, gegen Absteiger aus der 2.
Bundesliga gleich am Anfang einer Saison antreten zu dürfen. Deren
personelle Fluktuation ist meist recht hoch, der neuformierte Kader muss sich
erst einspielen. Im Gegensatz zu den beiden anderen Absteigern blieb dem SV
Wehen aber die große Abgangswelle erspart. Und so versprach der 1.
Spieltag gleich eine Standortbestimmung für den FC Carl Zeiss zu
werden.
Erstmals seit 2003 durfte die Punktspielsaison mal wieder
mit einem Heimspiel eingeläutet werden. Wenn dabei trotz Aprilwetters
7713 Zuschauer ins Ernst-Abbe-Sportfeld kommen, zeugt das ungeachtet der
miserablen letzten Saison von einer deutlichen Erwartungshaltung. Sebastian Hähnge
saß mit auf der Tribüne. Schon einen Tag vor dem Match hatte seine linke
Wade zu zwicken begonnen, am Spieltag selbst war dann nicht einmal mehr ein
Kurzeinsatz möglich. Sollte es deshalb ein schnelles Revival der
Ein-Stürmer-Taktik von René van Eck geben ? Nein, denn der Rückkehrer
auf den Trainerstuhl beorderte Orlando Smeekes auf die zweite Angriffsposition.
Da Jan-André Sievers in die Startelf nachrückte, war diese mit allen fünf
Neuzugängen besetzt.
Verteiltes Spiel zu Beginn. Ein Kopfball im Anschluss an
Wehens zweite Ecke wurde am kurzen Pfosten abgefangen, den Spurt von Reinert in
den Strafraum stoppte Sträßer. Auf der anderen Seite war es
Salvatore Amirante, der mit einem Kopfball aus sechs Metern Birkenbach prüfte
und mit einem 19-Meter-Flachschuss knapp verzog.
All das waren Szenen aus den ersten 20 Minuten, danach
dominierten die Abwehrreihen und weitere nennenswerte Aktionen vor der Pause
blieben rar. Einzig Timo Nagy aus guter Schussposition in zwanzig Metern
Torentfernung forderte nach 35 Minuten noch einmal den Beifall heraus. So sehr
man sich über die stabile Viererkette mit dem neuen Abwehrchef Lanzaat
und dem wie ausgewechselt wirkenden Sträßer freuen durfte -
beim Offensivspiel blieb zunächst noch viel Luft nach oben.
Van Eck hatte seiner Mannschaft in der Kabine mehr Risiko
verordnet und diese setzte das gleich mit Wiederanpfiff um. Bälle, die
während der ersten 45 Minuten noch als Querpass gespielt worden waren,
flogen nun steil ins Angriffszentrum. Es war Salvatore Amirante, der von der
Mittellinie aus seinen Sturmpartner Orlando Smeekes mit einem Diagonalpass auf
die Reise schickte. Diese Reise führte um einen Gegenspieler herum,
zwischen zwei Verteidigern hindurch direkt zu Torhüter Birkenbach, an
dem vorbei Smeekes das Leder ins lange Eck schob. 1:0 - Zeit für den
ersten Torjubel der neuen Saison mit einem Flickflack, wie man ihn im
Ernst-Abbe-Sportfeld so wohl noch nie gesehen hat. Miroslav Kloses berühmte
Überschläge in der Nationalmannschaft wirken geradezu
armselig gegen jene eines Orlando
Smeekes beim FC Carl Zeiss Jena ! Auch wenn dessen artistische Brillanz nicht
von ungefähr kommt, war er in seiner Jugend doch dreimal holländischer
Meister im Turn-Mehrkampf, bevor er sich für die fußballerische
Laufbahn entschied. Eine gute Entscheidung, wie uns nur sechs Minuten später
ein weiteres Mal klar werden sollte. Da trat Smeekes in 35 Metern Torentfernung
zum Freistoß an. Für eine direkte Ausführung noch
viel zu weit vom Kasten entfernt, dachten die meisten. Doch der Nationalspieler der
niederländischen Antillen schoss direkt durch die Drei-Mann-Mauer der
Wehener hindurch ins linke untere Eck. Welch ein (P)fund !
Während wir Beobachter noch ganz fasziniert waren
von den gleichsam schönen und doch auf so unterschiedliche Weise
zustande gekommenen Treffern unseres Orlando, setzten die Gäste mit
dem Mute der Verzweiflung zur Aufholjagd an. Diese hatten sie in der
Vorbereitung bereits gegen Koblenz und Saarbrücken mit Erfolg
praktiziert. Boskovic mit Schuss ans Außennetz sowie die frisch
eingewechselten Ziemer und Ziegenbein zeigten an, dass dieses Mahl mit
den zwei Toren noch lange nicht gegessen war. Und tatsächlich, in der
74. Spielminute traf Bohl unhaltbar per Kopf zum Anschlusstreffer. Eine
Viertelstunde war danach noch zu spielen. 15 Minuten, die besonders der aus
Kaiserlautern gekommene Marcel Ziemer mit mehreren Chancen zur Zitterpartie für
alle Blau-Gelb-Weißen werden ließ. Bei Ziemers
Aufsetzerkopfball sechs Minuten vor Schluss rührte selbst Geburtskind
Carsten Nulle (Glückwunsch zum 34. !) keinen Finger mehr - doch das
Leder klatschte nur an die Werbebande hinter dem Tor. In der 89. kam Nulle an
einen Eckball nicht heran, dafür stand Sträßer
goldrichtig und konnte an der Torraumgrenze per Kopf klären. Mit
tollen Einzelaktionen hatte einer aus der Mannschaft den Vorsprung heraus geschossen
- alle elf zusammen sorgten nun dafür, dass aus ihm drei Punkte wurden.
Auch wenn in der letzten halben Stunde das Geschehen etwas
aus der Hand gegeben worden war - mit dem Sieg gegen Wehen hat die neue Jenaer
Mannschaft schon mal einen ersten Fingerzeig erhalten, dass auch gegen
Staffelfavoriten etwas gehen kann. Orlando Smeekes, der in seiner Freizeit auch
noch Thai-Boxen betreibt, will übrigens trotz seiner Erfolgserlebnisse
im Sturm so schnell wie möglich auf die Außenbahn zurück.
Nur da kann er seine Sprintschnelligkeit mit (wie man hört) 11,3
Sekunden über 100 Meter und die Stärken im eins gegen eins
voll zur Geltung bringen. Scheint so, als könnten wir uns auf die
Saison mit ihm freuen. <fc>
Fotos von Jens Weißenburger
Spielbericht auf svwehen-wiesbaden.de
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Die Platzherren waren auch sofort bemüht, das Zepter des Handelns in die Hand zu nehmen. Bereits nach fünf Minuten die erste Chance für den FCC durch Hähnge, doch leider verfehlte er mit seinem Schuss aus der Drehung das Tor nur knapp. Wenig später erneut eine gute Möglichkeit für den Jenaer Stürmer, aber nach Flanke von Schmidt stand er zwar goldrichtig, traf aber er den Ball nicht richtig. Die Gäste versteckten sich keinesfalls und kamen in der achten Minute zu ihrer ersten Chance. Einen hoch getretenen Freistoss verpassten alle Spieler im Strafraum, so dass der Ball an Freund und Feind vorbei zischte und um Zentimeter das Tor verfehlte. Ein Kopfball vom völlig freistehenden Najeh Braham (18.) hätte die Führung der Auer bedeuten können, denn auch hier fehlte nur wenig. Trotz der noch immer torlosen Begegnung sahen die 7200 Zuschauer eine hart umkämpfte Partie, bei der sich beide Teams keinen Zentimeter des Rasens schenkten. Nach gut einer halben Stunde (32.) dann der schönste Spielzug der Platzherren bis dato. Schmidt hatte mit einem Steilpass auf Hähnge gepasst, der aber zu lange brauchte, den Ball unter Kontrolle zu bringen - Querpass auf unseren Neuzugang Gardawski, der zum kurzen Sololauf ansetzte, seinen Gegenspieler umkurvte und mit einem mustergültigen Querpass vors Tor auf Orlando passte. Die meisten Fans hatten bereits den Jubelschrei auf den Lippen angesichts dieser 100% Torchance, doch Orlando brachte das Kunststück fertig, den Ball aus Nahdistanz Gästekeeper Männel vor die Brust zu schießen.
Auch nach der Pause das gleiche Spiel. Beide Teams fighteten um jeden Ball und die ein oder andere Gelbe Karte blieb nun auch nicht mehr aus. Zum Ärger der Jenaer traf es auch Tim Wuttke, dem nun durch seine fünfte Karte nur die Rolle des Zuschauers beim Thüringenderby bleibt. Die erste nennenswerte Möglichkeit der zweiten Halbzeit gehörte den Gästen, doch Nulle konnte einen gefährlichen Flachschuss von Hochscheidt zur Seite klären. Drei Minuten später hätte Braham erneut für die Führung der Veilchen sorgen können, doch glücklicherweise konnte er aus Nahdistanz seine Chance nicht nutzen. Schnell ausgeführter Gegenzug der Jenaer mit einem schönen Steilpass auf Hähnge, der von halb links aufs Gästetor zustürmte. Es folgte ein kurzer Schwenk nach rechts und anstatt nun sofort zu abzudrücken, entschied er sich erneut für einen Schwenk diesmal nach links, wodurch er sich selber den Winkel zum Tor so verkürzte, dass sein anschließender Schuss für Männel keine Gefahr mehr darstellte. Der Druck der Jenaer Mannschaft nahm nun stetig zu und der FCC drehte sein Eckenkonto nach oben. Nur leider wollte noch immer kein Tor gelingen. Beim 13. Eckball! der Thüringer hätte es dann fast geklappt, doch leider verfehlte Wuttke mit seinem wuchtigen Kopfball nur ganz knapp das Tor. Zehn Minuten vor Ultimo sorgte die mittlerweile 15. Ecke der Jenaer (Endstand 17:3) erneut für große Gefahr im Strafraum der Gäste, doch Ramaj konnte den Kopfball vom eingewechselten Benyamina noch auf der Torlinie klären. Die letzten Minuten plätscherten so dahin und beide Teams hatten sich eigentlich schon mit einem Unentschieden abgefunden. Doch es gab in der 88. Minute noch einmal Freistoß für den FCC. Nagy flanke platziert nach innen und dort schraubte sich Hähnge am höchsten und traf per Hinterkopf zum viel umjubelten Führungstreffer. Die Auer warfen in den wenigen verbliebenen Minuten noch einmal alles nach vorn, doch die Jenaer ließen sich am heutigen Tage diesen hoch verdienten Sieg nicht mehr nehmen.
Nach derben Pleiten in den letzten großen Derbys ist es dem FCC endlich mal wieder gelungen, ein so wichtiges Prestigeduell zu seinen Gunsten zu entscheiden. Nun gilt es die Kräfte zu bündeln, um beim zweiten Traditionsduell am kommenden Donnerstag erneut als Sieger den Platz zu verlassen. <vg>
- Jena: Nulle; Sträßer, Lanzaat (53. Eckardt), R. Schmidt;
Wuttke, Truckenbrod, Ziegner (87. Kühne), Orlando (75. Mayombo);
Kolb, Hähnge
- Sandhausen: Kirschbaum; Bindnagel, Tausenpfund, Glibo, Mintzel; Pinto (90. Throm), Hillenbrand, Jungwirth, Schauerte (74. Öztürk); Cenci, Dorn (90. Hosiner)
- Zuschauer: 5513
- Schiedsrichter: Dr. Kunzmann (Bad Hersfeld)
- Spielbericht
- Sandhausen: Kirschbaum; Bindnagel, Tausenpfund, Glibo, Mintzel; Pinto (90. Throm), Hillenbrand, Jungwirth, Schauerte (74. Öztürk); Cenci, Dorn (90. Hosiner)
-
"Meine Spieler sind so heiß im Training, dass ich
Angst hatte, der Rasen könne verbrennen." - Sprüche wie
dieser von René van Eck wecken nach dem Jahreswechsel Erwartungen, die
vielleicht ein paar Zuschauer mehr ins winterkalte Stadion locken, dann aber auch
erfüllt werden wollen. Im Falle eines Misserfolgs nämlich können
einem die Zitate auch buchstäblich um die Ohren fliegen.
Den Auftakt dieses Nachholspiels bildete ein Kopfball des aufgerückten Lukimya-Mulongoti nach Freistoß Ziegners. Gäste-Torwart Kirschbaum zeigte sich auf dem Posten (3.). Ansonsten war es ein gemächlicher Beginn, zu dem die Theatralik nicht passen wollte, mit der sich die Sandhausener Spieler jedes Mal auch nach harmlosen Fouls auf dem Rasen wälzten. Das nahm ein Ende, als sie die erste Gelbe Karte des Spiels für Wuttke provoziert hatten. Am Schiedsrichtergespann allerdings sollten sich im Laufe der Partie noch häufiger die Gemüter erhitzen.
Sportlich tat sich zunächst wenig und wenn, dann in der Gästehälfte. Nach siebzehn Spielminuten spielte Ziegner schön in den Lauf des überraschend in die Anfangself gerückten Kolb. Dieser flankte von der rechten Seite vors Tor, wo Hähnge zunächst einen Schritt zu spät kam. Der von links heranbrausende Orlando kam zwar noch zum Schuss, mehr als ein Eckball sprang aus spitzem Winkel jedoch nicht heraus. Szenenapplaus gab es für Carsten Sträßer sieben Minuten später, als er einen schon verloren scheinenden Ball zurück eroberte. Hier bekam man einmal einen Ahnung von dem, was van Eck gemeint haben könnte. Doch die Regel war das leider nicht. Wie oft musste ein Spieler den Einwurf bis zum letzten Moment hinauszögern, weil die eigenen Mannschaftskameraden bei ihren Gegenspielern stehen blieben anstatt sich frei zu laufen ! Orlandos nächste Aktion - nach energischem Antritt übersah der Holländer den freistehenden Landsmann Lanzaat am Elfmeterpunkt - war Jenas letzte Gelegenheit vor der Pause. Und die Gäste ? Erspielten sich ihre erste Chance eine Minute vor dem Halbzeitpfiff. Einen mit dem Kopf verlängerten Ball nimmt Neuzugang Cenci gekonnt mit der Brust an, leitet ihn sauber mit der Hacke weiter und bringt Sturmpartner Dorn damit in eine vorzügliche Schussposition. Dieser Regis Dorn ist viel zu sehr Torjäger, um sich solch eine Gelegenheit entgehen zu lassen. Gegen seinen Schuss ins lange Eck hat Nulle nicht die Spur einer Chance. Mit der einzigen Möglichkeit in 45 Minuten die Führung zu erzielen - mehr an Effizienz geht nicht. Es war übrigens kein Konterzug, als welcher dieser Angriff vonseiten unseres Trainer bezeichnet wurde. Jenas Defensive durfte sich in aller Ruhe formieren und stand mit sieben gegen zwei Mann im eigenen Strafraum.Quido Lanzaat hatte beim Gegentor etwas abbekommen, wollte sich aber durchbeißen und kam mit aus der Kabine. Um ein Haar wäre ihm in der 51. Minute der Ausgleichstreffer geglückt. Nach Foul an Kolb führte Ziegner einen Freistoß fünf Meter vorm rechten Strafraumeck aus. Den hohen Ball erwischte Lanzaat unter Bedrängnis mit dem Kopf, drückte ihn von der Torraumgrenze aus Richtung Gästegehäuse, doch Kirchbaum lenkte das Leder mit starkem Reflex zu Ecke. Gleich danach war Schluss für den auch gelbbelasteten Innenverteidiger. Wuttke nahm dessen Position ein, Eckardt kam neu ins Mittelfeld. Beim Doppelpass mit Hähnge führte sich Eckardt gut ein und weckte als Einwechsler Hoffnungen, die (nicht nur) sein Trainer nach dem Spiel als unerfüllt ansah. Gleiches gilt auch für Mayombo, dem jedoch rund eine Viertelstunde vor Schluss ein Elfmeter hätte zugesprochen werden müssen. Gegenspieler Tausendpfund hatte Jenas Stürmer von den Beinen geholt, Dr. Kunzmann entschied auf Weiterspielen. Diese Szene lag inmitten einer kurzen Drangperiode mit zwei hochwertigen Chancen für Sebastian Hähnge. Beim Kopfball in Minute 73 fehlte neben dem Druck auch die Präzision, da Kirchbaum sich nicht vom Fleck bewegen musste, um zu parieren. Doch fünf Minuten darauf hätte auch Sandhausens Schlussmann den Ausgleich nicht verhindern können, wenn Hähnges Kopfball nach Ziegners Ecke ins Netz statt nur ans Lattenkreuz geflogen wäre. Welch ein Pech.
Doch weder strittige Schiedsrichterentscheidungen noch Aluminiumtreffer dürfen darüber hinwegtäuschen, dass die Jenaer Spieler allzu viel schuldig blieben von dem, was man von ihnen nach der Winterpause erwarten durfte. Gefahr strahlten sie nur bei Standartsituationen aus. Zu statisch wirkten sie im Spielaufbau, sodass das grüne Geläuf lediglich von der Rasenheizung auf Temperatur gehalten wurde. Die Gäste, von denen man ein Hintenreinstellen nach der Pause vermutete, konnten wahrscheinlich irgendwann nicht mehr anders, als auf eigene Faust die Entscheidung zu suchen. Beim Kopfball von Tausendpfund und Schüssen des eingewechselten Öztürk boten sich Gelegenheiten dazu. Ihr knapper Vorsprung geriet während der Schlussminuten nicht weiter in Gefahr. Stattdessen bettelte Torsten Ziegner um seine fünfte Gelbe Karte, indem er auch nach zweimaligem Zurückweisen beim Schiri immer noch weiter meckerte. Und den Karton letztlich bekam.In einem Spiel, das eigentlich keinen Sieger verdient, kann eine einzige geniale Idee während neunzig Minuten entscheidend sein. Cencis Hackentrick war solch eine Idee. Den Jenaer Spielern hingegen ist es nicht gelungen, ihren so hoch gelobten Trainingsfleiß ins erste Punktspiel des Jahres 2010 zu transportieren. <fc>
SV Wehen Wiesbaden - FC Carl Zeiss Jena 1:1
Tore: 1:0 Schönheim (72.), 1:1 Hähnge (77.)
- Wehen: Domaschke; Hollmann, Gehring, Schönheim, Weigelt;
Ziegenbein (90.+1 Bohl), Reinert, Hübner, Öztürk; Ziemer
(82. Stroh-Engel), Boskovic (88. Kunert)
- Jena: Nulle; Sträßer, Lanzaat, Lukimya, R. Schmidt
(76. Nagy); Kühne (14. Amrhein), Truckenbrod (90.+1 Mayombo), Ziegner;
Wuttke, Hähnge, Orlando
- Zuschauer: 3386
- Schiedsrichter: Beitinger (Regensburg)
- Spielbericht
- Weniger die sportliche als vielmehr die wirtschaftliche Situation geriet in dieser
Woche in den Mittelpunkt des öffentlichen Interesses. Die Nachricht, dass sich
die Liquiditätslücke während der letzten Wochen nochmals kräftig auf
947.000 Euro vergrößert hat und nun im Rahmen eines Sanierungskonzepts umfassende
DFB-Auflagen zu erfüllen sind, sorgt für Gesprächsstoff unter den
Kernbergen und darüber hinaus.
Die Spieler können in solch einer Situation nichts weiter tun als bestmöglich
ihren Job zu erledigen. Könnte es doch sein, dass jeder von ihnen errungene Punkt
in der Endabrechnung noch von Bedeutung sein wird.
Beide Teams bemühten sich
vom Anpfiff weg um Offensivaktionen, wobei ihnen dabei die Genauigkeit im
Zusammenspiel abging. So verging eine Viertelstunde bis zur ersten
Torgelegenheit, einem Schuss des freistehenden Boskovic genau auf
unseren Schlussmann. Zu dieser Zeit hatte Trainer van Eck bereits das erste Mal
wechseln müssen, da Stefan Kühne nach einem Zweikampf in der eigenen Hälfte
mit einer Knieverletzung vom Platz musste. Tim Wuttke hat in dieser Saison
schon fast alles gespielt, vom Innenverteidiger bis zur hängenden Spitze auf
Außen - entsprechend reibunsglos ging nach der Hereinnahme Amrheins sein Wechsel auf die Kühne-Position vonstatten.
Geschickt verlagerten er und seine Nebenleute die Positionen hin zum
ballführenden Gegenspieler. Die häufiger in Ballbesitz befindlichen Gastgeber fanden
dagegen lange Zeit kein Mittel. Es bedurfte eines direkt geschossenen
Freistoßes, um Carsten Nulle nach 31 Minuten das zweite Mal zu fordern.
Dessen Gegenüber hatte zu diesem Zeitpunkt noch keinen einzigen Ball
halten müssen.
Doch mit einem Mal, ab Minute 38 veränderte sich die Szenerie. Schön freigespielt steht Sebastian Hähnge frei vor Eric Domaschke - und scheitert am
herauslaufenden Keeper. Eine Minute später schießt der bis dahin noch
gar nicht zur Geltung gekommene Orlando aus vollem Lauf über die Querlatte und
nochmals 60 Sekunden darauf Hähnge flach aufs Tor. Die größte Gelegenheit vor
der Pause aber bietet sich in Minute 43. Freistoß, knapp 30 Meter Torentfernung,
halbrechte Position. Orlando steht zur Ausführung bereit, so als wolle er
zum zweiten Mal das Tor des Monats gegen den selben Kontrahenten erzielen. Doch nicht
er sondern Ziegner führt den Freistoß aus. Domaschke lässt prallen, zum
aufgerückten Assani Lukimya, der jedoch aus bester Position vergibt.
Freistoßschütze Torsten Ziegner hatte sich zu diesem Zeitpunkt bereits eine Gelbe Karte abgeholt. Nur gut, dass sich seine Verwarnung von voriger
Woche als Falschmeldung herausgestellt hatte. Sonst wäre es jetzt die 5.
gewesen und Ziegner hätte gegen Sandhausen ersetzt werden müssen.
Selbst wenn er zuletzt auswärts eher zu überzeugen wusste als in Heimspielen.
Apropos Trainer, wie hatte René van Eck vor dem Spiel prophezeit ? Viele
Chancen wird es in Wiesbaden nicht geben. Deshalb müssen diese konsequent
genutzt werden. Genau das hatten seine Jungs vor der Pause versäumt, weshalb
es mit Spielstand 0:0 in die zweite Halbzeit ging. Hier zeigte sich
Nulle bei einem Schuss von Reinert gleich wieder auf dem Posten (49.).
Das Spiel des SVW, dessen Hauptsponsor mit Wasser-Technologie seinen Umsatz
macht, lief nun etwas flüssiger. Jenaer Konter besaßen Seltenheitswert,
in Minute 64 war es wieder mal soweit. Hähnge auf der rechten Seite fehlte
jedoch sein Anspielpartner im Zentrum, weil Hübner dem losspurtenden
Orlando in die Hacken getreten war, ohne dass dies der Referee geahndet hätte.
Jenas Hintermannschaft stand weiterhin sicher, geriet meist nur durch
Standartsituationen in Gefahr. Weigelts Freistoß aus fast dreißig Metern
hob Nulle in großem Stil über die Torlatte (65.). Und dann gab es da noch die Eckstöße.
Es mag der sechste oder siebente gewesen sein in Minute 72 - Jenas
Elf hatte sich wie immer komplett im eigenen Strafraum versammelt.
Zunächst gelang es, den Eckball nach vorn abzuwehren. Doch genau an der
Grenze zum Sechzehner stand Fabian Schönheim, welcher den als
Befreiungsschlag gedachten Ball dreisterweise als Vorlage ansah und direkt
ins rechte untere Eck traf.
Die seit sieben Spielen daheim ungeschlagenen Gastgeber führen 1:0 und nicht mal mehr zwanzig Minuten sind noch zu spielen. So manch einer
mit Blau-Gelb-Weiß im Herzen wird hinterher zugeben, er hätte nicht mehr an einen
Punktgewinn geglaubt. Doch Jenas Routiniers auf dem Spielfeld sehen das
anders. Torsten Ziegner hebt einen Ball vor in den Sechzehner auf Sebastian
Hähnge, der mit langem Bein zunächst dafür sorgt, dass das Leder
nicht ins Toraus verspringt. Danach tunnelt er Domaschke im zweiten Versuch und
vollendet überlegt mit halbhohem Schuss über zwei grätschende Verteidiger
hinweg ins Netz. Jubel im gut gefüllten Gästeblock direkt dahinter. Obwohl es
wie die meiste Zeit zuvor nun wieder unentschieden steht, scheint der Ausgleichstreffer
noch einmal richtig das Feuer anzufachen. Nicht nur auf den Rängen, auch bei
den blau-gelb gekleideten Spielern. Ein Torsten Ziegner erobert erst den
Ball, lässt ihn dann zu weit wegspringen, verliert ihn dadurch wieder und
hüpft vor Ärger darüber wie Rumpelstilzchen auf dem grünen Rasen. Jenas
Spieler wollen drei Punkte, das ist zu spüren. Doch die geniale Idee,
mit der der Willen in die Tat umzusetzen wäre, kommt ihnen an diesem Tag nicht
mehr. Stattdessen besitzen sie bei Schönheims Chance in der 87.
Minute sogar noch Glück, am Ende nicht mit leeren Händen
da zu stehen. Dass beide Trainer in der Nachspielzeit noch je
einen frischen Spieler für gerade mal fünfzehn Sekunden aufs Feld schicken, zeigt an, dass alle
mit dem Punkt leben können. Auf Jenaer Seite wird er sogar wie
ein Sieg gefeiert.
Mag es in der spielerisch-taktischen Umsetzung noch etliche Reserven geben,
kämpferisch war's allemal in Ordnung. Zumindest vom Sportlichen her scheint
das Schlimmste erst einmal überwunden. <fc>
VfB Stuttgart II - FC Carl Zeiss Jena 0:1
Tore: 0:1 Orlando (68.)
- Stuttgart: Stolz; Schimmel, Pischorn, Vier, Enderle; Didavi, Funk,
Vecchione (83. Pala), Hertner (79. Riedle); Schipplock, Fischer (58. Walch)
- Jena: Nulle; Sträßer, Lanzaat, Lukimya, R. Schmidt;
Kühne, Truckenbrod (62. Amrhein), Ziegner, Wuttke; Hähnge
(85. Mayombo), Orlando (90. A. Schmidt)
- Zuschauer: 680
- Schiedsrichter: Dingert (Thallichtenberg)
- Spielbericht
- Im fünften Spiel gegen Stuttgart II gelang das zweite Tor. Dieses brachte, da der FCC im Gegensatz zu den sonst üblichen
dreieinhalb Gegentreffern pro Stuttgart-Spiel den Gastgebern keinen Treffer gönnte,
drei Punkte ein.
Nach 13 Sekunden hätte der Abend bereits
einen schlechten Verlauf nehmen können, als Nulle das erste Schüsschen
prallen ließ, der Stuttgarter den Nachschuss jedoch nicht am Jenaer
Torwart vorbeibrachte. Nach 5 Spielminuten brannte es erneut lichterloh vor
Nulles Kasten, als ein Angreifer eine Eingabe um Haaresbreite verfehlte. Die
einzig erwähnenswerte Situation des Jenaer Angriffsspiels war ein
Schuss Wuttkes nach einer Ecke aus 20 Metern in die zweite Etage des kalten
Stuttgarter Abendhimmels (9. min). Ansonsten sah sich Jenas einziger Stürmer
Hähnge immer von einer erdrückenden weißen Abwehrübermacht
umgeben, gegen die alle Dribblings nichts fruchteten. Die Unterstützung
der Mitspieler war nicht gegeben, da z. B. Orlando sich im Hinfallen und
Abseitsstehen übte. Die Jenaer Harmlosigkeit wurde in der 19. min
perfekt demonstriert, als man auf Höhe des Stuttgarter Strafraums
einen Einwurf hatte und den Ball innerhalb von fünf Sekunden
zielsicher zurück zu Nulle brachte. Da Stuttgart außer einem
Schuss am langen Eck vorbei (35.) auch nichts weiter zustande brachte, ging es
nach einer langweiligen Halbzeit torlos in die Kabinen.
Nach Wiederanpfiff änderte sich das Bild.
Der FCC hatte sofort eine Ecke, die aber gefahrlos in einem schnellen Konter
der Gastgeber mündete und uns wie schon zu Beginn der ersten Halbzeit
beinahe ein Gegentor beschert hätte. In der 52. min schirmte Lukimya
den Ball gegen einen Angreifer ab, Nulle sorgte aber für kurzes
Herzflattern, da er den Ball erst im zweiten Zupacken sicher hatte. Die Partie
wurde nun deutlich besser. Ursachen waren nicht nur die jetzt deutlich gefälligeren
Spielzüge der Stuttgarter, sondern auch die Leistungssteigerung
etlicher Jenaer Spieler. So präsentierte sich Schmidt deutlich
selbstbewusster und auch offensiver als vor der Pause, und Ziegner zog immer
aktiver die Fäden im Jenaer Mittelfeld. Doch wieder waren es die
Gastgeber, die kurz vorm Führungstreffer standen, als Schipplock nach
einem langen Pass Lanzaat einfach überlief und Nulle im wahrsten Sinne
Kopf und Kragen riskieren musste. Dafür bekam er eine dreiminütige
Behandlungspause auf dem Rasen. In der 58. Spielminute hatte der FCC seine
erste Torchance: Orlando vernaschte
links seinen Gegenspieler, passte flach in die Mitte, aber Hähnge
setzte den Direktschuss leider übers Tor. Zwei Minuten danach stand
Nulle wieder im Brennpunkt, als er einen Fernschuss Schipplocks über
die Querlatte lenken konnte.
Eine entscheidende Veränderung brachte
die Einwechslung Amrheins für Truckenbrod. Amrhein ging auf die linke
Außenbahn, Orlando wechselte nach rechts und Wuttke rückte
auf die defensive Mittelfeldposition. Damit war Hähnge nicht mehr ganz
allein in der Stuttgarter Hälfte und obwohl sich neben ihm zumeist nur
Amrhein, Orlando und Ziegner in die gegnerische Hälfte getrauten, kam
deutlich mehr Offensivleben ins Jenaer Spiel. Und nur wenige Minuten später,
nach einem zwischenzeitlich weiteren Kapitel des Duells Schipplock vs. Nulle
(66., letzterer klärte zur Ecke), gab es den verdienten Lohn: Hähnge
bekommt in der Mitte kurz hinterm Mittelkreis den Ball, sieht rechts außen
den startenden Orlando, passt die Spielkugel maßgenau hinüber,
Jenas Nummer 10 setzt sich mit einem eleganten Haken gegen den Verteidiger
durch und ballert aus spitzem Winkel ins lange Eck. 1:0!!! Nicht nur der Gästeblock,
auch im sogenannten Heimbereich flippte ein gutes Drittel der Besucher aus.
Drei Minuten später verhinderte das Gebälk des Stuttgarter Tores
Hähnges Nominierung für das "Tor des Monats": Der Jenaer Stürmer
ignorierte die beiden Stuttgarter und zog aus der Drehung vom rechten
Strafraumeck ab. Stolz, der VfB-Keeper, schaute bewundernd dem Ball, den er
sowieso nie und nimmer erwischt hätte, hinterher und ihm dürfte
einige Tonnen Gestein vom Herzen gefallen sein, dass ihm sein Torpfosten
hilfreich zur Seite stand. Bis zur 88. min versuchte Stuttgarts Zweite mit viel
Energie, jedoch ohne Ideen, Jenas Bollwerk zu knacken, Angstperlen trieb dies
aber nicht einmal den sonst aus Prinzip vorm Gegentor zitternden FCC-Fans auf
die Stirn. In jener 88. min kamen zwei Angreifer doch einmal fast in der Mitte
durch, Nr. 1 nahm jedoch der schussbereiten Nr. 2 den Ball vom Fuß.
Einer von beiden, ob Nr. 1 oder 2 ist egal, sank zu Boden (Nase voll?) und der
Referee pfiff zum Entsetzen der Jenaer und zur Verwunderung der Stuttgarter
Zuschauer und zeigte auf den Elfmeterpunkt. Nulle korrigierte den Fehler des
Referees, wehrte den Schuss ins linke untere Eck ab und schubste den
wegspringenden Ball vorm nachsetzenden Schützen zur Seite. Die
verbleibende Zeit inklusive der vier Nachspielminuten überstand der
FCC ziemlich problemlos, auch weil sich van Eck daran erinnerte, dass man
dreimal pro Spiel auswechseln darf und dies immer ein paar Sekunden schindet. Und
so hatten wir endlich, nach einem Vierteljahr (Kiel!!!), wieder einmal eine
Heimfahrt, auf der man sich mit Freude an das erlebte Spiel erinnerte.
<uk>
Spielbericht auf der Stuttgarter Homepage
Fotos auf fanclub-family.de
FC Carl Zeiss Jena - Wuppertaler SV 1:0
Tore: 1:0 Hähnge (43.)
- Jena: Nulle; Sträßer, Lanzaat, Lukimya,
R. Schmidt (46. Wuttke); Kühne, Truckenbrod (78. Mayombo), Ziegner,
Amrhein (88. Nagy); Hähnge, Orlando
- Wuppertal: Maly (
, 6.);
Neunaber, Neppe (76. Altin), Lorenz, Schauml;fer; Müller, Weikl
(79. Bernhardt), Fischer, Celikovic; Formento (6. Karagiannis), Damm
- Zuschauer: 5076
- Schiedsrichter: Schriever (Dorum)
- Spielbericht
- Wie gewohnt konnte man sich auch im Vorfeld dieses Spiels nicht
über mangelnde Unruhe im Umfeld des FC Carl Zeiss Jena beschweren, in
der Woche vor dem Spiel wurde mit Hartmut Beyer der neue Präsident
vorgestellt, der dann auch gleich die Kündigung für Salvatore
Amirante zurückzog und diesem so formal die Rückkehr in die
erste Mannschaft ermöglichte - der Italiener meldete sich aber zunächst
krank und blieb Training und Spiel fern. Die personelle Situation hatte sich
dennoch etwas entspannt, denn mit Sebastian Hähnge war zumindest eine
der Stützen der Jenaer Elf wieder in der Anfangself zu finden. Das
bestimmende Thema im Vorfeld war aber naturgemäß der Freitod
von Robert Enke, der seine Karriere ja in Jena begann und der auch bis zuletzt
noch den Kontakt in seine Heimat gehalten hat. Wie praktisch alle Außenstehenden
traf die Nachricht vom Selbstmord Enkes auch seine Freunde in Jena
unvorbereitet, der Schock über die nur schwierig nachvollziehbare
Entscheidung des erfolgreichen Torhüters saß auch in Jena
entsprechend tief.
Das Spiel begann dann auch mit einer Schweigeminute für
den achtfachen Nationalspieler, bei der manchem Besucher die eine oder andere
Träne über die Wange rollte. Die ersten Minuten des Spiels
hatten dann auch irgendwie den Anschein, als ob die 22 Akteure nicht ganz bei
der Sache wären. Zunächst schenken die Gäste den
Jenaern eine Ecke, weil es ein Missverständnis zwischen einem
Abwehrspieler und Gäste-Keeper Christian Maly gibt, ähnliches
gibt es nur Sekunden später auf der Gegenseite zu sehen. Die erste
halbwegs gefährliche Aktion ist dann ein langer Ball auf Orlando, der
mit seiner Schnelligkeit auch die WSV-Abwehr überrascht und den Gäste-Torwart
mit seiner plötzlichen Anwesenheit direkt vor dem Strafraum offenbar
so überrascht, dass dieser in einem Moment der Unaufmerksamkeit die Hände
zu Hilfe nimmt, obwohl er sich haarscharf außerhalb des Strafraums
befindet. Schiedsrichter-Assistent und Schiedsrichter können in dieser
Situation gar nicht anders, als Maly mit Rot vom Feld zu schicken und dem FCC
eine aussichtsreiche Freistoßposition an der Strafraumgrenze
zuzusprechen. Spätestens jetzt waren die Gedanken von Spielern und
Zuschauern voll und ganz beim heutigen Spiel. Opfer der Aktion von Maly war
letztlich der Wuppertaler Stürmer Formento, für den Gäste-Trainer
Uwe Fuchs nun Ersatz-Torhüter Asterios Karagiannis bringen musste.
Dieser sah sich gleich einer unbequemen Situation gegenüber, denn den
Freistoß von der Strafraumgrenze wollten die Gastgeber natürlich
im Tor unterbringen und dem Spiel so schon früh die richtige Tendenz
geben. Letztlich war es Torsten Ziegner, der sich den Ball zurechtlegte, anlief
und den Ball in Richtung Tor brachte - allerdings fehlten die berühmten
Zentimeter und der Ball strich am rechten Pfosten vorbei. Schon direkt im
Anschluss wurde klar, dass der WSV auch in Unterzahl ein unangenehmer Gegner
sein würde, der sich keineswegs entmutigen ließ. Die Spieler
aus der Stadt mit der Schwebebahn standen nun noch tiefer, als es vermutlich
ohnehin geplant war, Tobias Damm stand jedoch jederzeit bereit, um einen
schnellen Konter vorzutragen. Nach 13 Minuten waren es dann auch die Gäste,
die die nächste gute Gelegenheit hatten: Ein Freistoß aus
rund 25 Metern wurde von Celikovic vorbei an Freund und Feind auf den langen Pfosten
geschlenzt, wo Nulle aber hellwach und mit guter Reaktion zur Ecke klären
konnte. In der Folge bestimmte die in Überzahl spielende Jenaer Elf
zwar die Partie und hatte deutlich mehr Ballbesitz, dennoch muss sie sich den
Vorwurf einer gewissen Ideenlosigkeit anhören, denn gefährlich
wurde es für das Gäste-Tor nur äußerst
selten. Die tief stehenden Gäste machten geschickt die Räume
eng und unterbanden es effektiv, dass Orlando seine Schnelligkeit ausspielen
oder gefährliche Flanken in den Strafraum schlagen konnte. Wenn doch
mal ein Jenaer die Gelegenheit zur Flanke bekam, landete diese meist weit
hinter dem Tor und ließ das Jenaer Spiel entsprechend harmlos
erscheinen. Nach 35 Minuten fasste sich Amrhein ein Herz, sein Schuss bedrohte
aber vordergründig die Eckfahne und kann insofern als symptomatisch für
die Harmlosigkeit des FCC bis zu diesem Punkt gesehen werden.
Nur eine Minute später wären beinahe die Gäste
in Führung gegangen, denn einen schnellen Gegenzug konnte der schon
erwähnte Damm aus rund acht Metern abschließen, allerdings
war auch der selten geforderte Carsten Nulle gut drauf und konnte den Ball zwar
nicht festhalten, aber doch parieren. Bis zu diesem Zeitpunkt waren es damit
aber trotz Unterzahl doch die Wuppertaler, die die beste Chance der ersten
Halbzeit herausgespielt hatten. Die Szene der ersten Halbzeit stand aber noch
bevor, denn einmal mehr war es Orlando, der mit dem Ball am Fuß Fahrt
aufnahm und gleich mehrere Gegenspieler ausspielte. Beim letzten Verteidiger
Lorzenz versagten die Künste des kleinen Dribblers aber und es kam zum
Zusammenstoß, den die Gäste als freistoßwürdig
betrachteten und vehement den Pfiff des Schiedsrichters forderten. Dieser blieb
aber aus und Jens Truckenbrod nahm sich den Ball, zog sofort
ab und prüfte Karagiannis, der den Ball nicht festhalten konnte.
Dieser prallte nun vor die Füße von Sebastian Hähnge,
der bisher in dieser Saison torlos geblieben war und nun aus wenigen Metern nur
noch einschieben musste - TOOOOR für den FCC, endlich das erlösende
1:0!
Mit diesem Ergebnis ging es dann auch in die Kabinen, aus
denen die Gäste unverändert zur zweiten Halbzeit zurückkamen.
Beim FCC kam Wuttke für Schmidt, der aus Sicht von Trainer René van
Eck Gelb Rot-gefährdet war. Schon direkt nach Wiederanpfiff ist es
erneut Orlando, der die Gäste-Abwehr quasi im Alleingang umspielt und
dann nur noch den Torhüter vor sich hat, den Ball dann aber leider
etwas überhastet am Tor vorbeihämmert, anstatt ihn überlegt
einzuschieben. Die Gäste änderten zunächst wenig an
ihrer Spielweise und standen weiter tief, genauso schwer taten sich aber auch
die Jenaer. In der Folge plätscherte das Spiel dahin und auch in Folge
zahlreicher unnötiger Ballverluste im Spielaufbau konnte keine der
beiden Mannschaften gefährliche Chancen herausspielen. Wenn überhaupt
etwas Gefahr zustande kam, dann in Folge von Freistößen.
Doch auch hier versäumten es Gastgeber und Gäste, die Torhüter
zum Eingreifen zu zwingen oder gar vor ernsthafte Herausforderungen zu stellen.
In den letzten zehn Minuten wurden auch die Gäste noch einmal mutiger,
die Jenaer Verteidigung stand aber überwiegend sicher und zwang Nulle
nicht zum Eingreifen. Als bereits einige Minuten der Nachspielzeit gespielt
waren, eröffnete sich dem FCC noch die Chance auf 2:0 zu erhöhen.
Nach einem langen Ball lief Ziegner zusammen mit Orlando
aufs Gäste-Tor zu, begleitet nur von einem letzten Gäste-Verteidiger.
Als Ziegner den Ball zum einschussbereiten Orlando spielen wollte,
versagten ihm aber die Kräfte und die Nerven, sodass der Ball
unerreichbar für den mitgelaufenen Stürmer ins Aus trudelte.
Kurz darauf war aber auch Schluss und die Jenaer konnten
sich über drei Punkte freuen, die gegen den direkten Tabellennachbarn
natürlich sehr wichtig waren. Mit etwas mehr Kreativität und
Konsequenz im Torabschluss hätte man die Partie allerdings weniger anstrengend
für das leidgeprüfte Nervenkostüm der Jena-Fans
gestalten können. Nun bleibt zu Hoffen, dass die Jenaer in den
kommenden beiden Auswärtsspielen ebenfalls Punkten und so die Distanz
zu den Abstiegsrängen weiter vergrößern können. <bh>
1. FC Heidenheim - FC Carl Zeiss Jena 3:1
Tore: 0:1 Truckenbrod (35.), 1:1 Lukimya (60., ET), 2:1 Mayer (79.), 3:1 Weil (90.)
- Heidenheim: Bodemer; Meier, Göhlert, Krebs, Feistle; Bagceci
(46. Gül), Klarer, Weil, Essig (59. Mayer); Spann (88. D. Jarosch),
Heidenfelder
- Jena: Nulle; Sträßer, Lanzaat, Lukimya, Wuttke;
Kühne, Truckenbrod (86. Petersen), Ziegner, Amrhein; Orlando, Mayombo
(75. Eckardt)
- Zuschauer: 6130
- Schiedsrichter: Nowak (Bottrop)
- Spielbericht
- Im Spiel eins nach seinem Tod war Robert Enke auch fern der thüringischen
Heimat in Heidenheim allgegenwärtig. Der FCC verzichtete auf den
üblichen Aufdruck der Trikotbrust und die FCH-Fans auf ihre geplante
Choreo, beide Teams liefen mit Trauerflor auf und während der
holprigen Gedenkrede des Heidenheimer Stadionsprechers erinnerte der
Gästeblock ganz in schwarz an Jenas großen Sohn.
Wer gedacht hatte, der Nachmittag ginge derart besinnlich weiter, sah sich sehr
schnell getäuscht. Auf der Stadionbaustelle nahe des Schlosses
Hellenstein entwickelte sich ein überaus temporeiches Spiel mit
Chancen hüben wie drüben. Amrhein und Ziegner
(Außenpfosten) nach zwei und fünf Minuten hier - Meier (14.)
und Weil (16.) dort, Smeekes mit Hammerschuß (17.), Amrhein nach
Traumkombination (22.) sowie Kühne und Mayombo nach Eckball (25.)
wieder hier, es brannte unentwegt in beiden Strafräumen.
Gefährlich wurden die Gastgeber dabei fast immer bei ihren Angriffen
über Jenas lichterloh brennende linke Abwehrseite. Es ist nicht
überliefert, ob dies von Rene van Eck so gewollt war, aber Jena
spielte quasi mit Dreierabwehrkette, während
Sträßer als linker Läufer seine Seite über
die gesamte Länge des Spielfeldes allein zu beackern hatte, Smeekes
neben Mayombo im Zentrum stürmte. Was defensiv einem Harakiri glich,
führte aber gleichzeitig zu einem personellen Übergewicht des
FCC im Mittelfeld, welches die Heidenheimer vor große Probleme
stellte, und Jenas Fans ob des gebotenen Kombinationsflusses erstaunte. Der FCC
spielte als komplettes Kontrastprogramm zum letzten Heimauftritt einfach
schön anzusehen, die Einstellung stimmte bei jedem Einzelnen und nach
35 Minuten folgte die Belohnung in Form der Führung. Der ins Team
zurückgekehrte Torsten Ziegner tankt sich wie in alten
Regionalligazeiten auf der rechten Seite ein, an zwei Heidenheimern vorbei zur
Grundlinie durch, passt millimetergenau zurück auf Jens Truckenbrod,
der den Ball aus zehn Metern zu seinem so lange überfälligen
ersten Punktspieltor für den FCC versenkt. Was in Robert Enkes
ehemaligem Klassenkamerad Torsten Ziegner vorgeht, der im stillen Jubel beide
Arme gen Himmel reckt, kann man erahnen. Kurz darauf muss Smeekes eigentlich
das zweite Tor nachlegen, als er mutterseelenallein von der Mittellinie aus
aufs Tor zurast, aber am einzig verbliebenen Heidenheimer Verteidiger
hängenbleibt. Dann heißt es erst einmal Sichern des
Vorsprunges, Smeekes besetzt nun das linke Mittelfeld und nur noch einmal ist
Zittern angesagt, als Weils Schuss nur knapp am Nulle-Gehäuse
vorbeischrammt (37.). Pause, Jena führt und das verdient, wenn auch in
der Innenverteidigung mit Lukimya und Rückkehrer Lanzaat alles andere
als sicher.
René van Eck wechselt nicht, lässt aber seine Flügelzange Patrick
Amrhein und Orlando Smeekes die Seiten tauschen, ein Schachzug mit Folgen.
Jenas linke Seite ist nun endgültig zu für die Heidenheimer
Angriffsbemühungen, während Smeekes auf rechts im
völlig überforderten Außenverteidiger Feistle ein
ums andere Mal ein leichtes Opfer für seine
Flügelläufe vorfindet. Von Heidenheimer Ausgleichsdruck ist
nicht einmal ein Ansatz zu spüren, hier und jetzt geht es ganz klar um
die Spielentscheidung zugunsten der Gäste, die sich mit laufintensivem
und beängstigend temporeichem Spiel Chance um Chance erarbeiten. Der
als einzige Spitze stets anspielbereite Mayombo nach Kühne-Zuspiel
knapp vorbei (46.), Ziegner mit Freistoß in die Mauer (49.), Amrhein
aus dem Fußgelenk nur um Haaresbreite am Winkel vorbei (52.), Mayombo
nach Ziegner-Zuckerpass mit von Ersatz-Ersatzkeeper Bodemer glanzvoll pariertem
Schuss (55.), Kühne mit Flachschuss (61.), es stellte sich beinahe nur
die Frage, welcher der 11 Jenaer der kommende Torschütze sein
würde. Assani Lukimya war es dann, den der Stadionsprecher als solchen
verkündete, leider im Jubelton und begleitet vom
Kopfschütteln 500 fassungsloser Gesichter im Gästeblock. Was
war passiert? Ballverlust Truckenbrods im Mittelfeld, geschickter Pass
Güls auf den gerade eingewechselten Mayer, dessen Schuss Nulle
sensationell nach vorn abwehrt, wo er von der Brust Jenas Abwehrchefs
über den verdutzten Keeper ins Tor hüpft. Jenas Antwort
ließ nicht auf sich warten: Aber Smeekes findet in Bodemer seinen
Meister (66.), Ziegner zielt aus 20m knapp daneben (67.), Mayombo erwischt
Ziegners Zuspiel drei Meter vor dem Tor eine Hundertstelsekunde zu
spät (69.). Als dann nach 70 gespielten Minuten sowohl Lukimya, als
auch Truckenbrod und Mayombo Wuttkes wunderbare Eingabe von rechts nicht im
leeren Tor unterbringen können, hat der FCC nicht nur sein Pulver
verschossen, sondern sich auch selbst den Nerv gezogen. Eckardts Einwechslung
für Mayombo geht nach hinten los, weil nun die ballsichere Anspielstation
in der Spitze fehlt, und Nulle muss bei Kontern der nun aufdrehenden
Heidenheimer gleich zwei Mal binnen einer Minute sein ganzes Können
aufbieten. Nach 79 Minuten ist auch er machtlos, als Ziegner Heidenfelders
Schuss zunächst abblockt, aber der schwache Referee Nowak
Göhlerts Foul an Kühne nicht ahndet und Mayer aus Nahdistanz
vollendet. Ob der mitten in diese Aktion zu hörende Pfiff vom Referee
oder aus dem Publikum kam, bleibt das Geheimnis des Mannes aus Bottrop, der Treffer
zählte.
Jena blieben noch 11 Minuten, doch der Akku schien leer, zu
sehr hatte das Powerplay nach der Pause geschlaucht, stattdessen konterten die
Gastgeber ein ums andere Mal gefährlich und beseitigten mit dem
dritten Treffer in der Nachspielzeit alle Zweifel am mehr als
glücklichen Heimsieg. Dass Tim Wuttke - heute auch als rechter
Außenverteidiger gewohnt zuverlässig - den Schuss Weils
unhaltbar abfälschte, war ein sinnbildlicher Abschluss eines
unglücklichen Spieles, in dem der FC Carl Zeiss vieles richtig machte,
aber mit Fortuna und der eigenen Qualität vor dem gegnerischen Tor
hadern muss. <gunner>
FC Carl Zeiss Jena - SG Dynamo Dresden 0:4
Tore: 0:1 Röttger (4.), 0:2 Röttger (22.), 0:3 Kühne (36., ET), 0:4 Müller (77.)
- Jena: Nulle; Sträßer, Wuttke, Lukimya, Nagy (46.
Ziegner); Amrhein, Kühne, Truckenbrod, Eckardt (33. Orlando);
Mayombo, Benyamina (70. Kolb)
- Dresden: Keller; Cozza (35. Kunze), Oppitz, Trehkopf, Röttger
(46. Koch); Strifler, Hübener, Petrovic, Müller; Savran, Dobry
(78. Jungnickel)
- Zuschauer: 9846
- Schiedsrichter: Kempter (Sauldorf)
- Spielbericht
- Eigentlich sollte man mit dem
Schreiben erst anfangen, wenn man sich selbst wieder im Griff hat, der Puls die
200er-Marke unterschreitet, die Gedanken anfangen sich zu ordnen. Aber diesmal
geht es nicht. Die Wut muß raus, muß ungefiltert aufs Papier,
auch wenn es kein passendes Vokabular für ein derartiges Versagen
geben dürfte.
Es war eine Demütigung,
ein Untergang! Alleine die ersten fünf Minuten gegen Dresden sind bei
normaler Finanzlage ein Kündigungsgrund für den Trainer und
die halbe Mannschaft. Statt dem Tabellenvorletzten zu zeigen, warum er dort
unten steht, wird die Schlacht kampflos preisgegeben, die Initiative gar nicht
erst ergriffen. Dazu kommen diese dümmlichen Fehler bei der
Ballbehandlung und schon wird es ein unvergeßlicher Nachmittag! Ein grundloser
Querschläger von Nagy, ein bewunderndes Platzmachen Sträßers
(wo war der denn auf einmal hin?), ein Schuß von Röttger. 0:1
(4.). Dann: Ein leichter Ballverlust von Mayombo in der Spitze, eine schnelle Kombination
über den ganzen Platz ohne Jenaer Ballberührung oder auch nur
die Chance dazu, eine flache Hereingabe von Dobry auf den völlig
vereinsamten Röttger. Noch ein Schuß, diesmal ins andere
Eck. 0:2 (23.). Und dann zu allem Überfluß auch noch so ein
Eigentor der Kategorie 'Schöner geht's nicht', als Kühne einen
Müller-Freistoß mit dem Knie in den Winkel donnert. Absolut
unhaltbar für Nulle (35.). Ich hätte hier gerne ein bißchen
was vom Aufbäumen geschrieben, vom Kampfgeist, der einfach nicht
belohnt wurde oder so. Aber es war einfach nur erbärmlich. Ein Zweikampfverhalten wie zur Love-Parade. Kein Biß, kein Wille. Nicht mal
den Ansatz einer Jenaer Chance gibt es hier zu beschreiben.
Dafür müssen
die Zuschauer im Stadion noch 20 Spielminuten voller Jenaer Unzulänglichkeiten
plus Halbzeit über sich ergehen lassen und das alles bei
Heimspielatmosphäre für Dresden. Ich kann das hier gottlob schneller
machen. Es war Lukimya, der einen Ziegner-Freistoß gefährlich
in Richtung des Dresdner Tors verlängerte und Keller zu einer schönen
Parade zwang (54.). Immerhin der Auftakt zu den stärksten fünfzehn
Minuten unserer Helden, in denen sich zwei, drei gute Möglichkeiten zu
einem Anschlußtreffer ergaben. Erst scheiterte Orlando mit einem Schuß
von der Strafraumgrenze an Keller (55.), kurz darauf segelte ein
30-Meter-Knaller von Amrhein knapp am Dresdner Gehäuse vorbei (57.). Und
dann die 68. Spielminute! Der erste Spielzug der Jenaer, der aussah wie gewollt.
Da läuft der Ball mal über fünf, sechs Stationen, da
kann sich Amrhein auf der linken Seite schön durchsetzen und auch
Mayombo macht eigentlich alles richtig. Pech, daß sein Drehschuß
am gedankenschnellen Keller hängenbleibt. Wäre diese erste Katastrophenhalbzeit
nicht gewesen, das Publikum hätte sicherlich verzückt
applaudiert. So aber war nur ein langgezogener Seufzer zu hören.
Aber die Jenaer Erfolgsgeschichte für diesen Nachmittag ist ohnehin schon wieder zu Ende.
Was noch kommt ist stattdessen der endgültige
Offenbarungseid. Nachdem Savran aus Ermangelung an Gegenspielen den Ball
ungehindert aus 20 m an die Latte donnern kann (wieder waren Sträßer
und Lukimya erst ganz eng dran und dann wie vom Erdboden verschluckt), bringen
es die Jenaer dreißig Sekunden lang nicht fertig, für klare
Verhältnisse im Strafraum zu sorgen. Als Savran zig verlorene Zweikämpfe
später den Ball wieder kriegt, sehen alle Zuschauer schon was jetzt kommen
muß, können in Ruhe ihre Fahnen einrollen, ihre Kissen
einpacken und was sonst noch so zu tun ist, um ganz schnell nach Hause zu
kommen. Es war wirklich so offensichtlich, daß der Savran dem Müller
das Ding auflegt, daß man schon fast enttäuscht darüber sein mußte, nichts Spektakuläreres geboten zu bekommen.
Noch den Nulle hübsch ausgekurvt und dann rein damit (77.). Schöner
geht's nicht mehr. Nie habe bereits eine Viertelstunde vor dem Abpfiff so eine Abwanderungswelle erlebt (O-Ton: "Da glotze ich mir lieber die Kandinsky-Ausstellung an")
Es tut mir leid, wenn das hier alles sehr sarkastisch rüberkommt,
aber es war bei diesem Spiel die einzige Möglichkeit, nicht völlig
die Beherrschung zu verlieren oder sich diversen Gewaltphantasien hinzugeben.
Eine solche Darbietung ist mir in Jena noch nicht untergekommen. Das
Pfeifkonzert zum Ende konnte nicht annähernd wiedergeben, was sich
hier gerade abgespielt hatte. Es ist ja nicht, daß Jena inzwischen
nahezu jedes Ostderby als Zweitplazierter beendet, sondern es ist die Art und
Weise, wie hier untergegangen wird. Spielerische Mängel sind
verzeihlich, wenn auch nicht immer nachvollziehbar. Aber kämpferisch
muß es einfach stimmen. Jeder Kreisklassespieler weiß, daß
man sich in der Anfangsphase erst mal Respekt verschaffen muß, will
man nicht den Rest des Spiels wie ein Depp aussehen ("gib dem Neuner gleich
einen mit, damit er weiß, dass er seinen Hutzebutz hier
vergessen kann" war der bekannte Slogan unseres Trainers vor jedem Derby in
Zottelstedt). Die Dresdner wußten das, die Jenaer nicht. In meinen
Augen das größte Problem ist und bleibt aber dieses konfuse
Miteinander. Da sind keine Laufwege aufeinander abgestimmt, da gibt es
keinerlei Zuordnung, da fehlen vorne die Leute, die hinten zu wenig sind. Was
machen die eigentlich die Woche über?
Persönlich fürchte ich, daß van Eck trotz
aller Sympathien nicht der richtige Mann für diesen Job ist. Aber neu
ist diese Erkenntnis im Verein ja nun auch nicht...
Das war ein grauenhafter Samstag!
Wollen wir uns nicht schneller im Abstiegskampf wiederfinden als uns lieb ist, darf sowas nicht so schnell wieder passieren. Es sind jetzt zwei Wochen Zeit,
irgendwie zu reagieren und diesem nervösen Haufen wieder
Selbstvertrauen einzuflößen. Wie das gehen soll, ist mir
ehrlich gesagt ein Rätsel. Aber vielleicht reicht es ja auch schon, wieder
vor den für die dritte Liga typischen Gruselkulissen anzutreten. Zu
viel Öffentlichkeit ist unserer Mannschaft scheinbar ein Graus. Insofern
liegt über den nächsten Wochen ein zarter Hoffnungsschimmer,
wenn wir uns mit Fußballgrößen wie dem 1. FC
Heidenheim oder dem Wuppertaler SV der üblichen Tristesse hinzugeben haben. <bpf>
SSV Jahn Regensburg - FC Carl Zeiss Jena 1:1
Tore: 0:1 Mayombo (27.), 1:1 Würll (90.)
- Regensburg: Sattelmaier; Hörnig (57. Jarosch),
Hagmann (
, 88.), Maul, Binder; Zellner,
Kreis (74. Schlauderer), Haller, Berger; Stoilov, Schmid (60. Würll)
- Jena: Nulle; Sträßer, Lukimya, Wuttke, Nagy; Eckardt
(70. Orlando), Truckenbrod, Kühne, Amrhein; Mayombo, Benyamina (90. Kolb)
- Zuschauer: 4108
- Schiedsrichter: Glasmacher (Alsdorf)
- Spielbericht
- Im letztjährigen Abstiegskampf hatte mir der
Spielberichtsorganisator das Angebot abgerungen, im Falle des Nichtabstiegs mal
wieder einen Spielbericht zu verfassen. Dies hatte die FCC-Helden dann
tatsächlich noch so angestachelt, dass sie sich auf der Zielgeraden
über den Strich retteten. Mein Versprechen sollte nun zum Abschluss
der "Bayrischen Wochen" beim Gastspiel bei Jahn Regensburg
eingelöst werden. Die Münchner FCC-Gemeinde um "Gleis
26" traf sich pünktlich nach dem Frühstück
zur gemeinsam Fahrt in die Hauptstadt der Oberpfalz. Die Stimmung war
entspannt, denn gegen Regensburg hatte der FCC noch nie verloren und in
Regensburg stets 2:2 gespielt. Ein Resultat mit welchem man in der aktuellen
Situation auch wieder zufrieden gewesen wäre.
Nach problemloser und zügiger Fahrt im ALEX wartete
in Regensburg noch eine Busfahrt zum Stadion auf uns, die gefühlt so
lange wie die Zugfahrt dauerte. Der Fahrer wollte uns wohl die
Schönheit der Stadt genießen lassen, anders sind die
minutenlangen Stopps an den Haltestellen nicht zu erklären.
Letztendlich erreichten wir aber pünktlich das Jahnstadion, dessen
Charme gleich deutlich darauf hinweist, dass man sich in einer der ältesten
Städte Deutschlands befindet.
Die Gastgeber hatten
nach ihrem sehr guten Saisonstart zuletzt etwas geschwächelt und vier
Spiele in Folge nicht gewonnen (3 Niederlagen, 1 Unentschieden) und waren von
den Aufstiegsrängen auf Platz sieben zurückgefallen.
Angeführt vom Kapitän und Ex-Jenaer Alexander Maul
übernahm Regensburg gleich die Initiative und bereits nach drei
Minuten knallte der Ball zum ersten Mal gegen den Pfosten des Jenaer Tores.
Allerdings stand Schütze Haller dabei im Abseits. Der FCC startete mit
der Elf der zweiten Halbzeit vom Spiel in Unterhaching und meldet sich mit
einem Schuss von Amrhein, den Sattelmaier zur Ecke abwehrte, in Minute sieben
erstmals offensiv zu Wort. Regensburg blieb aber spielbestimmend und traf durch
Stoilov erneut den Pfosten (19.). Den zurückspringenden Ball bugsierte
Haller unbedrängt über das leere Tor. Dies wirkte allerdings
als Wachruf für die Jenaer Kicker, die nun doch auch etwas mehr nach
vorn versuchten. In der 26. Minute konnte Alexander Maul gerade noch René
Eckardt an der Strafraumgrenze am Schuss hindern. Eine Minute später
lupfte Amrhein im Mittelfeld den Ball schön zu Truckenbrod, der einen
feinen Pass in den Strafraum spielte und Mayombo mit prima Einsatz noch vor dem
zögerlichen Abwehrspieler am Ball war und ihn an Sattelmaier vorbei
zum 1:0 ins Tor spitzelte. Die Führung war zu diesem Zeitpunkt sicher
etwas überraschend, wäre aber fast noch erhöht
worden, doch Truckenbrod kam bei einem weiten Pass von Nagy einen Schritt zu
spät (34.). Regensburg kam vor der Pause nur noch zu einer Chance, die
Nulle aber souverän meisterte (41.).
Der FCC kam besser aus der Pause und bestimmte nun
zunächst das Spielgeschehen. Eckardt passt zu Amrhein, der legt auf
Mayombo ab, der leider einen Schritt zu spät kommt (47.). Zwei Minuten
später behauptete Mayombo im Strafraum den Ball gegen Maul. Dieser
konnte sich nur mit einer Ringereinlage helfen. Der fällige
Elfmeterpfiff des insgesamt recht schwachen Schiedsrichters Glasmacher blieb
aber aus. Die nächste Chance hatte Sträßer nach
Doppelpass mit Eckardt. Doch sein Schuss ging knapp am rechten Pfosten vorbei
(53.). Regensburgs erste Offensivaktion in der zweiten Halbzeit war ein
Fernschuss aus knapp 30 Metern, der aber weit am Kasten von Nuller vorbei ging
(55.). Trainer Weinzierl reagierte und brachte mit Würll nach einer
Stunde einen weiteren Angreifer. Auch wenn Regensburg damit das Spiel wieder
etwas ausgeglichener gestalten konnte, blieben Chancen nun auf beiden Seiten
zunächst aus. Nach 70 Minuten kam Orlando für Eckardt und
damit auch neuer Schwung ins Spiel. Zunächst setzt sich Orlando auf
rechts durch und flankt von der Grundlinie, den Kopfball von Amrhein kann
Sattelmaier aber entschärfen (76.). Drei Minuten später ein
Konter des FCC, Truckenbrod passt auf Mayombo, der in aussichtsreicher Position
verstolpert. Und drei Minuten vor Ablauf der regulären Spielzeit wird
Orlando über links geschickt, Hagmann kommt nicht hinterher und
erwischt Orlando nur noch am Fuß und kassiert dafür - da
letzter Mann - die Rote Karte. Die 90 Minuten waren abgelaufen, Regensburg
bemüht sich noch einmal in
Richtung Jenaer Tor und Mayombo geht etwas ungeschickt in den Zweikampf -
Freistoß und wohl die letzte Aktion im Spiel. In der
Gästekurve bangte man nun schon, dass es doch nicht schon wieder mit
einem späten Ausgleich in Regensburg enden kann und darf ... Aus dem
Fanblock vom anderen Ende des Spielfeldes sah man den Freistoß
über Freund und Feind hinwegsegeln und dann tatsächlich im
Netz zappeln. Hinterher hörte man, dass wohl Mayombo unglücklich
ins eigene Tor getroffen hatte. Sehr ärgerlich! Dem Spielverlauf nach
sicher eine akzeptable Punkteteilung. Aufgrund der besseren zweiten Halbzeit,
in der vergessen wurde, den berühmten Sack zuzumachen,
aber doch zwei verschenkte Punkte mit einem
tragischen Helden Mayombo. <jw>
SpVgg Unterhaching - FC Carl Zeiss Jena 3:1
Tore: 1:0 Steegmann (43.), 2:0 Steegmann (63.), 3:0 Kanca (76.), 3:1 Benjamina (82.)
- U'haching:Kampa; Konrad, Hain, Brysch, Schaschko (90. Ziegler);
Tyce, Mitterhuber, Zillner, Leandro; Schweinsteiger (73. Kanca), Steegmann (79. Rathgeber)
- Jena: Nulle; Sträßer (73. Osadchenko), Lukimya, Wuttke, Nagy; Eckardt, Kühne, Truckenbrod, Ziegner (46. Benyamina), Orlando (46.
Mayombo); Amrhein
- Zuschauer: 3300
- Schiedsrichter: Fischer (Hemer)
- Spielbericht
- Same procedure as every year.
Der FCC verliert obligatorisch sein Auswärtsspiel bei der Spielvereinigung Unterhaching, diesmal
mit 3:1 und nach zwei völlig unterschiedlichen Halbzeiten.
Der
Minutenzeiger hatte noch nicht einmal eine volle Umdrehung gemacht, da hatten
Jenas Fans den Torschrei auf den Lippen, als Patrick Amrhein von Ziegner
mustergültig bedient von der Strafraumgrenze abziehen kann, aber nur ein
klägliches Schüsschen zustande bringt. Ein Auftakt mit Signalwirkung konnte man
hoffen, doch als Referee Fischer 45 Minuten später zur Pause pfiff, war aus
Sicht des FCC keine einzige weitere Möglichkeit zu notieren gewesen, von einem
großzügig verzogenen Distanzschuss des überraschend sofort eingesetzten Kühne
einmal abgesehen. Jena lieferte eine erste Hälfte ohne jeden Esprit, blieb im
Offensivspiel erschreckend harmlos und lag verdient mit 0:1 zurück. Dass dieses
Gegentor aus einer lächerlichen Schauspieleinlage Zillners an der
Seitenauslinie direkt vor den Augen des schwachen Linienrichters und folgender
Freistoßflanke resultierte, war bitter. Aber Steegmanns gegen Lukimya
folgenschwer gewonnenes Kopfballduell zum Führungstreffer kurz vor der Pause
(43.) eben auch nur eine der zahlreichen Hachinger Möglichkeiten. Von denen
vergab der Torschütze selbst üppig (12., 26., 34.), aber Zillner nach seinem
Sturmlauf zwischen den verdutzten Sträßer und Ziegner hindurch zweifellos die
größte - Nulle rettete glanzvoll (33.).
So konnte es nicht weitergehen, und van Eck, der schon vor Anpfiff auf den sich
beim Aufwärmen verletzenden Holwijn verzichten musste, stellte erneut um. Auch,
weil der blasse Orlando Smeekes mit ausgekugelter Schulter passen musste. Aus
dem 3-5-1 mit Doppelsechs Kühne/Truckenbrod und Amrhein als einziger Spitze
wurde nun ein 4-4-2. Amrhein rückte zurück auf die linke Mittelfeldposition,
als Spitzen agierte dabei das Sturmduo der in dieser Saison so begeisternden
II. Mannschaft, und plötzlich ging beim FCC nach vorn die Post ab. Insbesondere
Exaucé Mayombo war von Hachings Verteidigern kaum zu stellen und lieferte eine
starke Partie ab. Kühnes Schuss nach Truckenbrod-Ablage gab nach 51 Minuten die
Richtung vor, Mayombos abgefälschter Schuss folgte zwei Minuten später, Amrhein
prüfte Kampa im Hachinger Tor aus 18 Metern (54.), Truckenbrod zieht knapp
übers Tor (58.). Jena war jetzt richtig im Spiel, die Kombinationen liefen
flüssig und spätestens in der 59. Minute musste es einfach soweit sein, als
Rene Eckardt auf rechts mustergültig von Sträßer bedient wird, aber statt Kampa
den Ball um die Ohren zu ballern eine unmotivierte Mischung aus Heber und
Flanke ansetzt. Wie einfach Fußball sein kann, demonstrierten die Bayern kurz
darauf auf der Gegenseite: Langer Befreiungsschlag Hains aus der eigenen Hälfte
auf den durchstartenden Steegmann, der vernascht Wuttke im 16er und schiebt
lässig zum 2:0 ein. Bewundernde Worte fielen im Gästeblock über die weise
Voraussicht jenes sonst so viel- und weitreisenden Münchner FCC-Fans, der einem
Gelübde folgend den Nachmittag lieber weit abseits seinen Hund Gassi führend
verbrachte. Seit dem Sieg vor 17 Jahren scheint für unseren Club ein Fluch auf
diesem Sportplatz zu liegen. Sonst hätten vielleicht auch Mayombo nach
Traumzuspiel Benyaminas freistehend vor Kampa die Nerven nicht versagt (65.).
Und sonst würde ein Schiedsrichter bei einem Foul wie dem Kampas an Carsten
Sträßer im 16er auch einmal auf Elfmeter entscheiden. Für Sträßer bedeutete
Kampas übles Einsteigen das Ende der Partie - Jenas dritte Verletzung an diesem
Tage - und die Unordnung in der Hintermannschaft des FCC nutzte der
eingewechselte Kanca zur endgültigen Entscheidung. Dabei hätte es vielleicht
noch einmal eng werden können, wenn nach Benyaminas Anschlusstreffer per Kopf -
Nagy hatte von links geflankt - mehr gekommen wäre als die vergebenen
Möglichkeiten Benyaminas (Kopfball nach Eckball von rechts, 83.) und Amrheins
Freistoßversuch übers Tor (84.). Wo das Problem des FCC liegt, demonstrierte
dann eine Minute vor dem Ende René Eckardt noch einmal final, als er völlig
freistehend an Kampas Blitzreaktion scheitert. Nein, nichts zu holen in
Münchens Süden. Verflucht! <gunner>
FC Carl Zeiss Jena - FC Ingolstadt 04 2:0
Tore: 1:0 Lukimya (72.), 2:0 Holwijn (83.)
- Jena: Nulle; Sträßer, Lukimya, Wuttke, Nagy; Holwijn,
Truckenbrod, Ziegner (85. Eckardt), Orlando (90. Fuss); Amrhein,
Hähnge (73. Benyamina)
- Ingolstadt: Lutz; Keidel, Pisot, Wenczel, Ruprecht; Leitl,
Fleßers (71. Braber), Karl, Buchner; Neuendorf, Hartmann
- Zuschauer: 5099
- Schiedsrichter: Siebert (Berlin)
- Spielbericht
-
Im Vorfeld des Spiels gab es jede Menge Aufregung im Umfeld des FCC: Spätestens mit der Pokalniederlage in
Meuselwitz und der anschließenden Suspendierung von Salvatore Amirante hatte der FCC wieder einmal demonstriert,
dass man in Jena mit allem rechnen muss. Dazu kam noch die Vorstellung des neuen Geschäftsführers Michael
Born unter der Woche, Ablenkung von der Vorbereitung auf das Spiel gegen einen der Staffelfavoriten des Jahres gab
es also zur Genüge.
Mit dem FC Ingolstadt 04 war eine Mannschaft im Ernst Abbe Sportfeld zu Gast, gegen die der FC Carl Zeiss Jena erst
ein einziges Mal im Rahmen eines Winter-Trainingslagers gespielt hat. Das ist allerdings weniger überraschend,
zumindest wenn man betrachtet, dass der FC Ingolstadt 04 erst im Jahr 2004 als Zusammenschluss von MTV 1881 und ESV
Ingolstadt entstanden ist. Seitdem hat der Verein mit der Unterstützung des großen Sponsors im Rücken
einen steilen Aufstieg erlebt und konnte schon im Jahr 2007 den Aufstieg in die zweite Bundesliga feiern. Der letztjährige
Abstieg darf als Betriebsunfall verstanden werden, der den langfristigen Weg in Richtung erste Bundesliga wohl nur verzögert
hat. Spätestens beim Blick auf das Mannschaftsfoto der Gäste wird deutlich, wie der Verein verstanden werden soll: Der
Star ist nicht die Mannschaft, auch nicht bundesligaerfahrene Spieler wie "Zecke" Neuendorf Stefan Leitl, selbst Trainer
Horst Köppel steht im zweiten Glied. Bei Ingolstadt 04 gilt einzig und allein: Der Star ist der Sponsor.
Aber kommen wir zum Spiel: Den Spielern des FCC war von Beginn an anzumerken, dass die Geschehnisse außerhalb
des Platzes nicht völlig verdrängt werden konnten, jedenfalls waren die Gäste aus Ingolstadt von Beginn an
die spielbestimmende Mannschaft. Bereits in der ersten Minute kommen die Gäste gefährlich vors Jenaer Tor, die
Flanke von Leitl kann Buchner aber nicht verwerten. Nur wenige Augenblicke später versucht der rehabilitierte Ziegner
einen Rückpass zu Carsten Nulle, der Ball ist allerdings beinahe zu kurz und bringt Nulle erstmals in Bedrängnis.
Dank einer schnellen Reaktion kommt er allerdings noch vor dem Ingolstädter Spieler an den Ball und kann die Situation
klären. Dennoch blieben die Gäste dominant und kamen noch in der zweiten Minute nach einer Keidel-Flanke durch
Buchner zur nächsten Chance, auch dieser Kopfball verfehlte das Jenaer Tor aber knapp. Erst nach diesen drei Aufregern
konnten die Jenaer Fans erstmals durchatmen; auch wenn die FCC-Elf sich keine eigenen Chancen erspielen konnte, gelang es
nun immerhin, die Gäste vom eigenen Tor fernzuhalten. Dennoch wirkten die Gäste auf dem vom Regen getränkten
Rasen stets spritziger und technisch versierter und konnten mit einfachen Doppelpässen immer wieder schnelle
Vorstöße einleiten, die zum Glück für die Jenaer Elf nicht mit letzter Konsequenz ausgespielt
wurden. Wenn die Ingolstädter doch einmal den Abschluss fanden, war dann allerdings Carsten Nulle zur Stelle,
der insgesamt eine überzeugende Partie ablieferte. Auch nach einem Schuss von Karl aus rund zehn Metern war
Nulle zur Stelle und konnte per Fußabwehr klären. Nach knapp einer halben Stunde kamen auch die Jenaer
erstmals zu so etwas ähnlichem wie einer Torchance, als Patrick Amrhein auf der rechten Außenbahn vor
dem unnötigerweise herauseilenden Ingolstädter Torhüter Lutz an den Ball kommt und an diesem auch
vorbeikommt, dann aber ausrutscht und damit das großzügige Geschenk der Gäste dankend ablehnt. Kurz
vor dem Halbzeitpfiff ist es wieder Amrhein, der an der Strafraumgrenze der Ingolstädter glücklich an den
Ball kommt, die gebotene Chance aber mit einem Schuss zur Eckfahne kläglich vergibt. Damit blieb es zur Halbzeit
beim 0:0 und obwohl die Ingolstädter nicht viele klare Torchancen erspielt hatten, waren sie doch ohne Zweifel
die gefälliger spielende Mannschaft, die eine Führung zu diesem Zeitpunkt absolut verdient hätte.
In den Minuten nach Wiederanpfiff hatte man nicht den Eindruck, als ob René van Eck der Mannschaft in der Kabine
entscheidende Impulse gegeben hat. Wieder hatten die Ingolstädter den besseren Beginn für sich: Mit zwei
Freistößen aus rund 20 Metern brachte Keidel den Jenaer Torhüter Nulle in Bedrängnis, dieser war
aber hellwach und ging in Anbetracht des glitschigen Balls zwei mal auf Nummer sicher und faustete den Ball wieder
ins Spielfeld zurück. In der 51. Minute war es wieder Karl, der die Führung auf dem Fuß hat, aber im
letzten Moment mit viel Glück von mehreren Jenaer Verteidigern am Abschluss gehindert wird. Nur zwei Minuten
später die nächste Großchance für die Gäste, nun rettet wieder Nulle gegen Leitl, der
völlig unbedrängt zum Schuss kommt - die Ingolstädter Führung schien nur eine Frage der Zeit
zu sein, von Jenaer Seite kamen wie in der ersten Halbzeit praktisch keine Impulse für das Spiel. Nach 55 Spielminuten
kam aber auch der FCC mal wieder vors Gäste-Tor, die Flanke von Truckenbrod auf Hähnge war präzise und
gefühlvoll getreten, allerdings war auch Gäste-Torwart Lutz auf dem Posten und konnte mit den Fäusten
vor Hähnge an den Ball kommen. Zehn Minuten später war es erneut Nulle, der die letzte Rettung für das
scheinbar unverrückbare 0:0 an der Anzeigetafel darstellte. Gleich mehrere Stürmer der Gäste
scheiterten mit ihren Schussversuchen am Jenaer Keeper, bevor die Situation endlich bereinigt werden konnte.
Die rot-weiß gekleidete Marketingmaßnahme der bekannten VW-Tochter hielt bis dahin also fast, was
der Bus mit großen Lettern versprach: Der "Vorsprung durch Technik" schlug sich allerdings nur in
Spielanteilen und Torchancen nieder, das Spielergebnis zeigte sich bisher unbeeindruckt. In der Folge gönnten
sich die Gäste allerdings eine kleine Verschnaufpause und die Jenaer kämpften sich zurück ins Spiel.
Torchancen blieben zwar zunächst Mangelware, aber immerhin musste man sich in dieser Phase keine großen
Sorgen um das FCC-Tor machen. In der 72. Minute passierte dann das, was auch dem FCC schon oft genug widerfahren ist:
Die Mannschaft, die bis dahin klar unterlegen war und praktisch keine echte Torchance zu verzeichnen hatte, geht
völlig unverdient in Führung. Nach einem Freistoß aus halbrechter Position und rund 30 Metern
Entfernung ist es Abwehrmann Assani Lukimya, der als erster an den Ball kommt und diesen per Kopf ins lange
Ecke verlängern kann - 1:0 für den FCC und der Spielverlauf stand auf dem Kopf! Die Jenaer Zuschauer
hatten sich noch nicht wieder hingesetzt, da wäre beinahe der hochverdiente Ausgleich gefallen, als Buchner
per Kopf nur die Latte trifft und ein weiterer Ingolstädter seinen Nachschuss wenige Zentimeter neben den
linken Pfosten setzt. Die Angriffe der Gäste wurden nun verständlicherweise wütender und brachten
Nulle noch mehrmals in Bedrängnis. Nur zwei Minuten nach der Führung muss der Jenaer Torwart erneut per
Faustabwehr retten, nachdem ein Angreifer eine Gäste-Ecke per Volleyschuss von der Strafraumgrenze aufs Tor
brachte. Weitere drei Minuten später machte sich Nulle endgültig zum Mann des Spiels, als er einen
weiteren Freistoß von "Zecke" Neuendorf, der ansonsten unauffällig agierte, klären konnte.
Während die Gäste auf den Ausgleich drängten, zeigten die Jenaer, wie effizienter Fußball
aussehen kann: Einen hohen Ball aus dem Mittelfeld legt Amrhein per Kopf auf Melvin Holwijn ab, der sich ein Herz
nimmt und aus rund 18 Metern einfach mal draufhält. Der von Gäste-Trainer Köppel nicht ganz zu
Unrecht als "Sonntagsschuss" bezeichnete Ball schlug unhaltbar für Gäste-Keeper Lutz in der linken
Ecke ein und sicherte den Jenaer Sieg, der bis dahin noch heftig wankte.
Die Ingolstädter Bemühungen blieben auch in der Folge unbelohnt und fast hätte man den Eindruck
haben können, dass sich an diesem Tag die über 100 Jahre längere Tradition des FCC gegen den noch in
den Kinderschuhen steckenden Gast aus Ingolstadt durchgesetzt hat. Dennoch darf nicht unerwähnt bleiben, dass
der Sieg und die damit verbundenen drei Punkte sehr glücklich für René van Eck und den FC Carl
Zeiss waren, von einem verdienten Sieg kann beim besten Willen nicht die Rede sein. Entsprechend gedrückt
dürfte die Stimmung im Ingolstädter Bus bei der Heimreise gewesen sein, denn es ist ohne Zweifel bitter,
nach einem derart kraftraubenden und über weite Strecken gut geführten Spiel ohne Punkte nach Hause
fahren zu müssen. Es bleibt zu hoffen, dass die Jenaer beim nächsten Spiel in Unterhaching auch
spielerisch zu überzeugen wissen und auch in Bayern Punkte holen, bevor die bayerischen Wochen mit dem Spiel
in Regensburg hoffentlich erfolgreich beendet werden. <bh>
Kickers Offenbach - FC Carl Zeiss Jena 4:0
Tore: 1:0 Pospischil (24.), 2:0 Ulm (41.), 3:0 Mesic (78.), 4:0 Pfingsten-Reddig (88.)
- Offenbach: Wulnikowski; Huber, Hysky, Kopilas, Schutzbach;
Haas (84. Pfingsten-Reddig), Pospischil, Zinnow, Fröhlich (72. Laux);
Ulm, Mesic (81. Albayrak)
- Jena: Nulle; Fuss, Lukimya, Wuttke, Sträßer;
Holwijn (72. Kolb), Lanzaat (
, 79.),
Truckenbrod, Hähnge (46. Nagy), Orlando; Amirante
- Zuschauer: 8563
- Schiedsrichter: Thomsen (Kleve)
- Spielbericht
- Auf den Tag genau vor einem Jahr begleitete ich den FCC zum
Auswärtsspiel nach Wuppertal. "Am Tag der deutschen Einheit flossen
die Punkte von West nach Ost", beendete ich damals den Spielbericht und hoffte
jetzt auf einen vergleichbaren Spielausgang ein Jahr später.
Ein entlaufener Bulle vorm Polizeiauto auf der Hinfahrt sollte hierbei
eigentlich als Glücksbringer fungieren.
Allerdings ließen die letzten Auftritte der aktuellen Zeiss-Elf
ebenso wenig einen Feier(tags)auftritt erwarten wie die Bilanz am Bieberer Berg
mit nur einem mageren Pünktchen aus vier Spielen.
Ein Amirante-Schuss nach hundert Sekunden eröffnete
die Partie, in der Wuttke auch nach Lanzaats Rückkehr zunächst
in der Innenverteidigung blieb. Obwohl der Holländer bei seinem
Kurzeinsatz gegen Bremen alles andere als souverän gewirkt hatte,
wurde er ein weiteres Mal auf der Position vor der Abwehr neben Truckenbrod
besetzt. Sein Fehler ohne Not nach 16 Minuten ließ Pospischil von der
Strafraumgrenze aus zum Schuss kommen, Nulle bügelte aus. Es war die
zweite Chance der Hausherren in diesem Match, da sich zuvor bereits Zinnow
durch den kompletten Jenaer Strafraum gedribbelt hatte, dabei jedoch vergaß,
aufs Tor zu schießen. Auch Truckenbrod probierte es nach siebzehn
Minuten mal mit einem Schuss von der Strafraumgrenze. Wulnikowski kam mit einer
Faust an den Ball und lenkte zur Ecke. Fünf Minuten später.
Zinnows Faller nach Zweikampf mit Sträßer sah nach Schwalbe
aus, der bis dahin großzügige Schiedsrichter gab jedoch
Freistoß. Der Ball blieb in der 6-Mann-Mauer hängen, sprang
aber nach seiner ersten Bodenberührung mit ungewöhnlichem
Drall wieder zurück. Ein Lupfer in den Jenaer Strafraum, wo die Blauen
vergebens auf Abseits reklamierten, ein zur Vorlage werdendes Luftloch sowie
ein straffer Schuss auf zehn Metern führten zum 1:0.
Wie schon gegen
Bremen galt es einem Rückstand hinterher zu laufen. Genau das aber
wird zum schwierigen Unterfangen, wenn der Trainer ausgerechnet vor diesem
Spiel klammheimlich zur Ein-Stürmer-Taktik zurückgekehrt ist,
die schon im Jahr zuvor für Unverständnis und Erfolglosigkeit
gesorgt hatte. Sebastian Hähnge ("Ich erwarte mehr von mir und die
Leute auch") blieb nach dem Rückstand weiterhin konsequent im
zentralen Mittelfeld und versuchte sich erfolglos als Ballverteiler für
die einzige Spitze Salvatore Amirante. Da auch Melvin Holwijn sowie Orlando auf
den Außenpositionen nichts rissen, verwalteten die Hessen ihren
knappen Vorsprung ohne große Mühe und lauerten auf den möglicherweise
vorentscheidenden Fehler des Kontrahenten. Den gab es dann auch in Form eines
Jenaer Fehlpasses wenige Meter vorm Anstoßkreis. Dass er Lukimya
unterlief, einem der wenigen beständig guten Spieler während
der letzten Wochen, werteten einige Fans später als Zeichen um sich
greifender Verunsicherung in den Jenaer Reihen. Jedenfalls nutzte David Ulm das
Geschenk zu einem Solo durch die Jenaer Hälfte, um das Leder dann aus
gut zwanzig Metern über Nulle hinweg ins Tor zu heben. Sehenswert, mit
wie viel Gefühl im Fuß Ulm diesen Treffer markierte. Carsten
Nulle eine Mitschuld zu geben, wäre aber wohl verfehlt. Wie sollte er
ahnen, dass seinen Vorderleuten im Spielaufbau ein solcher Patzer unterläuft
? Unser Keeper schlich nach dem Pausenpfiff als Letzter vom Platz, begleitet
von Schmährufen der OFC-Anhänger, die in einem bekennenden
Sympathisanten von Eintracht Frankfurt so etwas wie ihren natürlichen
Feind sehen.
Drei Jahre zuvor war es einer Jenaer Mannschaft an gleicher
Stelle mal gelungen, aus einem 0:2-Pausenrückstand noch ein Remis
werden zu lassen. Um eine Wiederholung dessen herbei zu führen,
stellte van Eck während der Pause mehrfach um. Nagy kam für Hähnge
rein, begab sich wie gewohnt nach links und schickte Holwijn auf die andere
Seite. Aus Orlando wurde doch noch ein zweiter zentraler Stürmer.
Dahinter tauschten Lanzaat und Wuttke ihre Positionen aus der ersten Hälfte,
rückte Truckenbrod ein Stück weiter nach vorn. Der OFC ließ
die Gäste nach Wiederanpfiff zunächst gewähren. Als
sich die Hausherren dann doch mal wieder zu einem eigenen Angriff entschlossen,
brachte der schnelle Gegenstoß endlich mal wieder Gefahr. Durch vier
Abwehrbeine hindurch legte Orlando für Amirante auf, der schoss aus
der Drehung jedoch genau zu Wulnikowski. Der Ball von Nagy drei Minuten später
versprach mehr Erfolg, strich aus 19 Metern Torentfernung aber knapp am rechten
Pfosten vorbei. Eine weitere Steigerung erfuhren Jenas Bemühungen um
den Anschlusstreffer schließlich in Minute 69. Wiederholt versuchte
sich Truckenbrod an einem Fernschuss, selten zuvor aber war das Geschoss von
jener Güte wie diesmal. Aus 17 Metern volley abgefeuert, flog das
Leder oben ans Gebälk, dass es nur so krachte.
Die Hausherren hatten
offensiv nach dem Wechsel überhaupt noch nichts gezeigt. Doch mit
ihrem ersten gelungenen Angriff in Halbzeit zwei, bezeichnenderweise einem
Konter, sorgten sie fünfzehn Minuten vor Schluss für die
Entscheidung. Ulm legte an Sträßer vorbei in die Mitte ab,
wo Quido Lanzaat seinem Gegenspieler Mesic nicht hatte folgen können. 3:0. Dass Jenas
Abwehrchef eben jenem Mesic kurz darauf in die Hacken trat, roch nach Frustfoul
und wurde mit der Roten Karte geahndet. Und als hätte das alles nicht
schon gereicht, flog auch noch der Schuss des eingewechselten Pfingsten-Reddig
genau ins linke untere Eck. "Vier zu Nulle", höhnte es nach Ende der
zweiten 45 Minuten von der Offenbacher Fangeraden.
Dass dem OFC eine durchschnittliche Leistung zu einem derart
klaren Sieg reichte, sollte in Jena die Alarmglocken schellen lassen. Was nutzt
ein sich steigernder Truckenbrod, ein auf allen Positionen sein Ding machender
Wuttke - sie sind nun mal keine Antreiber, die den tödlichen Pass
spielen können. Genau so einer fehlt dem Zeiss-Spiel aber zunehmend.
Es scheint deshalb an der Zeit, die Verbannung Torsten Ziegners zu beenden.
Zwar ist nicht garantiert, dass es mit ihm schlagartig besser laufen wird. In
einer Phase, wo die Jenaer Mannschaft in ihren Leistungen nicht mehr nur
stagniert, sondern abzubauen beginnt, müssen jedoch ausnahmslos alle
Alternativen ausgelotet werden, die der Kader hergibt ! Es wird Zeit, sich mal
wieder gemeinsam an einen Tisch zu setzen. <fc>
FC Carl Zeiss Jena - SV Werder Bremen II 2:2
Tore: 0:1 Testroet (32.), 1:1 Orlando (52.), 1:2 Testroet (80.), 2:2 Amirante (82., FE)
- Jena: Nulle; Sievers (70. Fuss), Lukimya, Wuttke, Sträßer;
Eckardt, Truckenbrod, Hähnge, Nagy (46. Amirante); Kolb (74. Lanzaat),
Orlando
- Bremen: Wiedwald; Hessel, Gerdes, Stallbaum, Andersen; Ronneburg,
Ayik, Menga, Feldhahn; Testroet, Oehrl
- Zuschauer: 6062
- Schiedsrichter: Blos (Köngen)
- Spielbericht
-
Keiner weiß warum, doch in den vergangenen Jahren
hatte der FC Carl Zeiss mit den zweiten Mannschaften von Bundesligavereinen so
seine liebe Mühe. Mittlerweile sind drei von vier Hinrundenpartien gegen die
U23-Teams gespielt, mit zwei Siegen und einem Remis gestaltet sich die
Saisonzwischenbilanz ungewohnt positiv. Doch egal in welches Gesicht man auf
Jenaer Seite nach Abpfiff des Bremen-Spiels blickte - Zufriedenheit schaut
anders aus.
Daran hatte die erste Halbzeit einen gewichtigen Anteil.
Denn es war ein äußerst müder Kick, den 6062
Zuschauer (darunter exakt zwei Dutzend Bremer Fans) während der ersten
45 Minuten geboten bekamen. Dass es nach gut einer Viertelstunde Beifall gab für
einen ins Sturmzentrum gespielten Ball, den Kolb als eine von zwei Spitzen gar
nicht erreichte, mag als Beschreibung für das Niveau in der
Anfangsphase genügen. Eine Freistoßvorlage, die Wiedwald
gegen die Sonne blickend im zweiten Zupacken fing, war die einzige Szene, in
welcher ein Torhüter überhaupt
eingreifen musste. Beim ersten gelungenen Angriffszug nach
zwanzig Minuten stand Hähnge knapp im Abseits. Kurz darauf spielte
Rene Eckardt zwar schön Doppelpass mit Orlando, stolperte danach aber über
seine eigenen Beine. Und bei Lukimyias flacher Hereingabe erkannte der
freistehende Kolb in der Mitte die Situation zu spät. So blieb ein
satter 23-Meter-Schuss von Jens Truckenbrod, den Bremens Keeper über
die Latte lenkte, die einzig wirkliche Torchance
in Hälfte eins. Die Gästebilanz vor der Pause hätte
sich sogar noch ärmlicher gelesen, wenn Testroet im Gegenzug nicht der
Führungstreffer gelungen wäre.
Begünstigt wurde er durch einen Fehler von Jan-Andre
Sievers, welcher den Torschützen unbedrängt den Ball annehmen
ließ und dann nicht hinterher kam. Nach einer überzeugenden
Leistung im letzten Heimspiel gegen Burghausen blieb der Neuzugang aus Emden
damit das zweite Match in Folge hinter den Erwartungen zurück, wurde
später auch ausgewechselt.
Doch zunächst war es Nagy, der in der Kabine
bleiben musste. Mit der Hereinnahme von Amirante wechselte Orlando ab Beginn
der zweiten Halbzeit auf die Linksaußenposition. Eine Umstellung, die
sich sofort bezahlt machte. War der Holländer bei seinem energischen
Antritt von der linken Seite Richtung Zentrum doch nur mit unfairen Mitteln zu
bremsen. Freistoß, 25 Meter Torentfernung. Ein paar der
Stammzuschauer des FC Carl Zeiss werden es bemerkt haben, dieses ungewöhnliche
Positionieren Jenaer Spieler im Rudel neben der gegnerischen Mauer. Von dort lösten
sich wie auf Kommando vier Blaue bei der Freistoßausführung
und rannten in den Sechzehner hinein. Truckenbrod schoss nicht direkt, sondern beförderte
das Leder lang vor zu Orlando, welcher aus fünf Metern volley zum
Ausgleich traf. 1:1 - eine eben erst im Training einstudierte Freistoßvariante
hatte auf Anhieb funktioniert ! Damit lösten
sich endlich einige der im bisherigen Spielverlauf eingebauten Bremsen.
Salvatore Amirante zog auf 30 Metern ab, Wiedwald lenkte das Leder um den
Pfosten (54.). Der Schlenzer von Feldhahn auf der anderen Seite flog nur knapp
nebens Tor (56.). Und dass Kolb die schöne Vorarbeit von Orlando
lieber selbst verwertet hätte, statt auf Eckardt zu spielen, war ihm
hinterher auch klar.
Sie bildeten die stärkste Phase in einem mäßigen Jenaer Spiel,
jene gut zwanzig Minuten nach dem Ausgleichstreffer. Sogar Sebastian Hähnge,
bekanntlich nicht der Allerschnellste, ging hier mal aus einem Sprintduell als
Sieger hervor. Den Gästen darf man bescheinigen, ebenfalls die
Offensive gesucht und so zu einer deutlich spannenderen zweiten Halbzeit
beigetragen zu haben. Beim Schuss des Deutschtüren Ayik reagierte
Carsten Nulle im Tor hervorragend.
Dann war noch eine Viertelstunde zu spielen und Orlando hatte wieder
seinen Auftritt. Es ist beileibe nicht so, dass hier Jenas Schnellstem eine
durchgängig überzeugende Leistung bescheinigt werden soll.
Manches wirkt schon zu sehr auf Show getrimmt, zwischendurch taucht er auch mal
ab und nach hinten lässt er eh lieber andere ackern. Doch klar ist
auch - ohne Orlando wäre das Jenaer Spiel um viele Attraktionen ärmer
! Klasse, wie er in Minute 76 zwei Werder-Verteidiger förmlich stehen
ließ und den Blick für den freistehenden Nebenmann hatte. Es
war Salvatore Amirante, der in zehn Metern Torentfernung sofort abschloss - und
an einem Abwehrbein hängen blieb.
Das Tragische an diesem Spiel ist aus Jenaer Sicht, dass
immer im Anschluss an eine knapp vergebene Großchance die Quittung in
Form eines Gegentreffers folgte. Hatte Pascal Testroet schon vor der Pause
direkt nach Truckenbrodts Schuss getroffen, verging auch nach Amirantes Möglichkeit
nicht viel Zeit, bis Bremens Spieler mit der Nummer 43 zum Erfolg kam. Dabei
profitierte er wiederum von einem fehlenden Gegenspieler - der eingewechselte
Benjamin Fuss war an der Strafraumgrenze ausgerutscht. Unter dem Körper
Carsten Nulles hindurch flog der Ball ins Netz. Und nun ? Waren nur noch zehn Minuten
Zeit für Jenaer Bemühungen um den abermaligen Ausgleich.
Scheinbar unbeteiligt steht Orlando nach dem Anstoß an jener Stelle,
wo Mittel- und Außenlinie aufeinander treffen. Genau da wird er angespielt,
nimmt ein paar Meter lang Fahrt auf und legt dann den Turbo ein. Gerdes hatte
sich diesmal vorgenommen, ihm im Sprintduell Paroli zu bieten - auch er war
chancenlos und wusste sich deswegen nur mit einem Rempler im Strafraum zu
helfen. Elfmeter. Als Amirante sich vor Sträßer den Ball zur
Ausführung schnappte, stockte vielen der Atem - hatte der nicht schon
einmal.... ? Noch ehe der Gedanke zuende gebracht wurde, hatte Salvatore den
Werder-Schlussmann in die andere Ecke geschickt und zum 2:2-Endstand getroffen.
Zweimal war der FCC nach Rückstand wieder gekommen.
Doch wie eingangs schon erwähnt -
Zufriedenheit sieht anders aus. Mannschaftskapitän Nulle ärgerte
sich über die beiden Gegentreffer sowie "Negativeinflüsse von
außen", mit denen wohl Pressespekulationen über Notverkäufe
von Leistungsträgern in der Winterpause gemeint sein dürften.
Und Trainer van Eck monierte die Vorstellung seiner
Mannschaft vor der Pause. Zurecht, denn dadurch sind zwei Punkte gegen
talentierte, aber durchaus schlagbare Bremer verschenkt worden. <fc>
Eintracht Braunschweig - FC Carl Zeiss Jena 2:1
Tore: 0:1 Orlando (46.), 1:1 Kruppke (62., HE), 2:1 Kragl (69.)
- Braunschweig: Petkovic; Fuchs, Brinkmann, Dogan, Boland; Pfitzner, Danneberg,
Kruppke (86. Banser), Kragl (77. Theuerkauf); Onuegbu, Calamita (60. Morabit)
- Jena: Nulle; Sievers, Lukimya, Wuttke, Sträßer (56. Riemer); Truckenbrod, Holwijn (

, 71.)
Hähnge, Nagy (79. Kolb); Mayombo (66. Amirante), Orlando
- Zuschauer: 12.200
- Schiedsrichter: Achmüller (Bad Füssing)
- Spielbericht
-
Der zehnte Spieltag bringt das Auswärtsspiel in Braunschweig auf den Plan und da die Stammautoren dieser
Seite offensichtlich angesichts der letzten Ergebnisse von 0:3 bis 6:0 die Adjektive auszugehen scheinen darf
ich mal wieder ran, als es gilt in Niedersachsen den Platz im oberen Tabellendrittel zu sichern.
Für die erste kleine Überraschung im Gästeblock sorgt Trainer Rene van Eck, der statt des zuletzt stark
auftrumpfenden Stefan Kolb oder des wieder spielberechtigten Amirante, mit Mayombo einen Stürmer in der
Startaufstellung aufbietet, der zuletzt suspendiert worden war, lediglich in der zweiten Mannschaft
spielte und dessen letzter Pflichtspieleinsatz in der Ersten bereits vier Monate zurückliegt. Neben ihm
soll Orlando für den nötigen Angriffsdruck sorgen, während Sebastian Hähnge auf der offensiven Mittelfeldposition
die beiden Stürmer mit Bällen versorgen soll. Und es beginnt gut: Bereits in der ersten Minute kann Orlando über
die linke Seite die Braunschweiger Abwehr überlaufen, scheitert jedoch an Torwart Petkovic. In der Folgezeit
kann der FCC eine optische Überlegenheit erarbeiten - "kontrolliert Ball und Gegner" - wie man so schön sagt, ohne
dabei übermäßig torgefährlich zu werden. Mayombo wirkt dabei aber noch engagierter, als sein Sturmpartner. Die Blau-Gelben
aus Niedersachsen kommen erst nach cirka zwanzig Minuten besser zu Rande und beginnen einzelne Konter zu setzen, die in einem
durch die Mitte angespielten Calamita gipfeln, der aber, völlig frei vor Nulle auftauchend, an diesem scheitert. Damit hat es
sich dann aber auch mit dem Braunschweiger Offensivdrang für die erste Hälfte und die Jenaer Viererkette in der Abwehr kann
wiederholt mit starkem Zweikampfverhalten (Wuttke, Sträßer) die gegnerischen Angreifer "abkochen". Für den eigentlichen
Gesprächsstoff der Halbzeitpause unter dem Jenaer Anhang sorgt Amirante, der bereits kurz vor der Halbzeitpause sich zum
Aufwärmen hinter das Tor von Nulle begibt.
Die zweite Hälfte beginnt mit einem Paukenschlag der angenehmeren Sorte, als Holwijn wunderschön auf der rechten
Seite lang durch Sträßer angespielt wird, im spitzen Winkel auf das Petkovic-Tor zusteuert, scheinbar die lange Ecke
mit seinem Schuß anvisiert, es aber verfehlt, bevor Orlando am langen Pfosten den Ball erreicht und ihn gekonnt flach
über die Linie drückt.
Die Wende im gesamten Spiel wird eingeläutet, als Sträßer in der 56. Minute, leicht humpelnd, verletzt ausgewechselt
werden muss. Die bis dahin äußerst souverän wirkende Jenaer Abwehrviererkette wird mit Marco Riemer wieder aufgefüllt
und ist fortan kaum noch wieder zu erkennen. Obwohl sowohl bei der Entstehung des Elfmeters (aus dem Gästeblock schlecht
einzusehendes Handspiel Riemers), als auch bei der Entwicklung des Führungstreffers ein gehörige Portion Glück für die
Niedersachsen im Spiel ist, kommt man nicht umhin festzustellen, daß vor allem die Jenaer Elf plötzlich den Faden verlor.
Als Holwijn in der 72. Minute diese "schwarze" Viertelstunde für den FCC mit einem Foul an der Mittellinie und nachfolgendem
Ballwegschlagen abschließt, ist die Partie quasi gelaufen. Nur noch zu Zehnt gelingt es nun nicht mehr die Eintracht noch
mal in Bedrängnis zu bringen. Die Braunschweiger lassen sich nun auch nicht mehr aus der Defensive locken und glänzen im
Vorwärtsgang in den letzten zwanzig Minuten lediglich mit einem gefühlten Dutzend Fehlpässen. Auch der Versuch von van Eck,
mit der Einwechslung von Kolb, mit einem Dreiersturm noch einmal auf den Ausgleich zu gehen verpufft relativ wirkungslos.
Ein Sieg in Braunschweig wäre, meiner Meinung nach, für den FC Carl Zeiss Jena ohne weiteres zu realisieren gewesen,
wenn man nach dem Führungstor, das zu einem äußerst günstigen Zeitpunkt fiel, weiter aggressiv die Entscheidung gesucht hätte
und sich mit dem Ausgleich nicht so aus dem Takt hätte bringen lassen. Nicht Eintracht Braunschweig hat gewonnen, sondern
der FCC hat verloren. Und zwar, weil man den Gegner zurück ins Spiel brachte, den der "Ringrichter" schon bis zur "9"
ausgezählt hatte. Schade drum.
Nachtrag: Die Stadt Braunschweig bietet den per Zug anreisenden Gästefans einen kostenlosen Bustransfer vom Bahnhof zum
Stadion an. Soweit so gut. Warum man aber nicht die ca. 6 km lange, direkte Strecke durch die Stadt nimmt, sondern den
Gästefans eine ca. 20-minütige Strecke über die ortsansässigen Autobahnen anbietet, scheint schleierhaft. Ich
habe diese "Stadtrundfahrt" jetzt insgesamt viermal genossen und hätte beim nächsten Mal gern eine andere Route. Danke im voraus.
<tn>
FC Carl Zeiss Jena - SV Wacker Burghausen 0:0
Tore: Fehlanzeige
- Jena: Nulle; Sievers, Wuttke, Lukimya, Sträßer;
Nagy (74.Holwijn), Truckenbrod, Riemer, Eckardt, Hähnge, Kolb (62.Orlando)
- Burghausen: Riemann; Wolf, Hertl, Kokocinski, Kresin, Nebihi (84.Schmidt), Burkhard, Grübl (73.Belleri),
El Haj Ali, Gorka, Cappek (89.Holz)
- Zuschauer: 6948
- Schiedsrichter: Sönder (Lübeck)
- Spielbericht
-
Dritter gegen Vierter - vom Papier her das Topspiel des heutigen Tages in der dritten Liga. Sonne pur und warme Temperaturen
waren beste Vorraussetzungen, um dem Spitzenspiel auch einen würdigen Rahmen zu verleihen. Die Partie musste eine
Viertelstunde später angepfiffen werden, da die Gäste bei Ihrer Anreise aus dem Hotel in Stadtroda infolge einer
Bombendrohung im Stau standen, und dadurch nicht rechtzeitig eine Stunde vor Spielbeginn im Stadion sein konnten.
Die erste gute Aktion des Spiel leitete Jenas Abwehrspieler Sträßer ein, der mit einem herrlichen Diagonalpass
René Eckardt bediente, doch dessen Schuss in der siebenten Minute stellte für Keeper Riemann keine echte Gefahr dar.
In der 18. Minute nutzte Truckenbrodt einen Ballverlust der Gäste aus und prüfte Riemann mit einem Schuss aus der zweiten
Reihe, doch leider landete der Ball genau in den Armen des Schlussmannes. Nach der doch spielerisch armseligen Partie in Kiel
wusste der FCC am heutigen Tage zu gefallen und kontrollierte im gesamten Spielverlauf die Partie. Doch auch mit schönen
Kombinationen und Ballstafetten im Mittelfeld blieben die Torchancen auf Jenaer Seite Mangelware. Die Burghausener, die infolge
einer Grippe auf vier wichtige Spieler verzichten mussten, stellten sich konsequent hinten rein, so dass es für die Jenaer
recht schwierig war, in der dicht gestaffelten Abwehr eine Lücke zu finden. Erst nach gut einer halben Stunde die nächste
Tormöglichkeit für die Jenaer. Hähnge hatte per Kopfball in den Lauf von Youngster Kolb verlängert, doch obwohl
Riemann in dieser Aktion zu weit vor seinem Kasten stand, konnte Kolb diese gute Torchance nicht nutzen und ballerte über das Tor.
Auch nach der Pause änderte sich das Spiel nicht gravierend. In der 51. Minute versuchte sich Sievers mit einer hohen Flanke in
den Strafraum, der Ball wurde lang und länger und fiel zur Verwunderung des Gästekeepers hinter ihm aufs Tornetz. Mit etwas
Glück hätte diese Flanke auch zum erneuten Tor des Monats avancieren können. Gut eine Stunde war vorbei und ein Jubel
auf den Rängen machte sich breit, als Publikumsliebling Orlando für Kolb eingewechselt wurde. Manch einer machte sich
Gedanken, warum und weshalb dieser nicht von Anfang an spielen durfte. Doch Trainer van Eck machte in der anschließenden Pressekonferenz
alle Gerüchte zunichte, als er gleich als erstes vermeldete, dass Orlando im am Vorabend ihm mitgeteilt habe, dass er sich für ein
komplettes Spiel nicht fit fühle. Doch als er den Rasen betrat, spürte man noch einmal einen Ruck durch die Jenaer Mannschaft gehen.
Er war es auch, der in der 71. Minute gleich eine gute Einschusschance hatte, doch leider kam er einen Schritt zu spät und rutschte
einschussbereit knapp am Ball vorbei. Eine Viertelstunde vor dem Ende donnerte Nulle einen super weiten Abschlag heraus, der Ball sprang
vor Orlando auf, doch leider konnte er diese Gelegenheit nicht verwerten oder den Ball zumindest unter Kontrolle nehmen. Die Abwehr der
Gäste stand weiter recht sicher, so dass es die Spieler des FCC nun immer mehr mit Einzelaktionen probierten, die aber allesamt nichts
einbrachten. Höhepunkt des Spiels war zweifelsohne die 82. Minute, in der bereits die Jenaer Fans von ihren Sitzen aufsprangen. Doch
leider stand Orlando das Glück am heutigen Tag nicht zur Seite, denn sein gut getimter Kopfball nach Flanke vom starken Sievers klatschte
an den Innenpfosten, von wo er anschließend direkt in die Arme des Keepers sprang. Da war sie, diese eine 100% Möglichkeit, doch
leider sollte es auch die letzte nennenswerte Aktion gewesen sein.
Mit einer Minute Nachspielzeit pfiff Schiedsrichter Tim Sönder das Topspiel der 3.Liga ab, was es leider nicht geworden war. Die Gäste
waren am Ende mit diesem Punkt hochzufrieden, während die Zeiss-Kicker mit hängenden Köpfen den Rasen verließen. Denn jedem
war nach der Partie klar, dass es selten so leicht gewesen sei, heute die ansonsten starken Kicker von Wacker Burghausen zu bezwingen. Auch wenn
viele Trainer und Verantwortliche eine Einzelkritik nicht unbedingt mögen, so muss doch am heutigen Tage die gesamte Abwehr mal explizit
hervor gehoben werden. Besonders die beiden Außen mit Sträßer und Sievers taten sich heute besonders hervor und ermöglichten
den Gästen während der gesamten Spielzeit keine nennenswerte Torchance.<vg>
Bilder auf fcc.weissenburger.de
Bericht auf fussball.sv-wacker.de
Holstein Kiel - FC Carl Zeiss Jena 0:1
Tore: 0:1 Kolb (72.)
- Kiel: Frech; Lamprecht, R. Müller, Schyrba, Meyer, K.Schulz, Holt,
Jerat (80. Siedschlag), Sembolo, Sykora (9. Guscinas), Heider (66. Stier)
- Jena: Nulle; Sievers, Wuttke, Lukimya, Sträßer;
Nagy (90. Fuss), Truckenbrod, Eckardt, Riemer, Orlando (64. Kolb), Hähnge (87. Petersen)
- Zuschauer: 4511
- Schiedsrichter: Dittrich (Bremen)
- Spielbericht
-
Mit Müller, Hasse und Sykora stehen gleich drei Ex-Jenaer im Kader der Kieler. Aber Hasse war gar nicht im Aufgebot
und Fiete Sykora musste bereits in der 9. min verletzungsbedingt ausgewechselt werden und konnte so gegen seinen
Ex-Club keinen Schaden anrichten. Bis zu diesem Zeitpunkt gab es bereits die ersten aufregenden Situationen vorm
Jenaer Tor. Kiel begann von Anpfiff an offensiv und setzte die Gäste unter Druck. Im Großen und Ganzen
stand Jenas Abwehr, stark unterstützt von den vier Mittelfeldspielern und Hähnge, relativ gut. Wenn man
aber 80 der 90 Spielminuten quasi mit dem Rücken an der Wand, sprich im eigenem Strafraum steht, ist es klar,
dass die Torchancen für die Gastgeber nicht ausbleiben. Vor allem bei Ecken konnte man immer wieder die Luft
anhalten. In der 5. min wehrte Nulle einen Kopfball Haiders aus 3 m Torentfernung zur nächsten Ecke ab. Diese
konnte von Orlando nicht geklärt werden und so hatte Robert Müller die Gelegenheit, seine ehemaligen
Mannschaftskollegen per Fernschuss (der aber in der vielbeinigen Abwehr hängenblieb) zu erschrecken. Nach
einem Stolper Riemers musste sich Lukimya, der wieder eine sehr gute Partie spielte, im letzten Moment in einen
Schuss werfen und zur Ecke klären. Diese führte zu einem Kopfballaufsetzer, gegen den wohl auch Nulle
keine Chance gehabt hätte, aber der Ball ging über die Torlatte. Ganz stark bei den Kielern war in der
Anfangsviertelstunde Sembolo, der ein paar Mal den Jenaern Knoten in die Beine dribbelte. Nachdem aber Sträßer
ihn mal etwas energischer bremste, wurde der auch ruhiger. Nach ein paar Minuten relativer Ruhe musst Nulle, wiederum
nach Ecke, sehr energisch den Ball (samt Gegner) wegfausten, um Schlimmeres zu vermeiden (25.). Nochmals zehn Minuten
danach hatten die Heimzuschauer den Jubelschrei auf den Lippen: Ein weiter Einwurf von rechts wurde verlängert
und den folgenden Kopfball Holts erwischte Nulle mit sensationellem Reflex gerade noch so. Holstein ließ den
Ball in dieser Phase schnell laufen und spielte oft direkt ab. Allerdings ging es zumeist nur bis zur Strafraumgrenze,
an der eine gelbe Wand sie aufhielt. Und so probierte es Sykora-Ersatz Guscinas aus 20 Metern mit einem Fernschuß,
der jedoch nur die Latte traf und die Zuschauern aufstöhnen ließ. Zur Pause konnte man über das
Unentschieden heilfroh sein, denn die Angriffsbemühungen des FCC konnte man bis dahin mit der Zahl "Null" beschreiben.
Nach der Pause ging es wie gehabt weiter, lediglich die Spielhälfte, in der sich alles abspielte, änderte sich.
Allerdings war Holstein jetzt so nett und verzichtete fast völlig auf das Spiel über die Flügel. 7,32 m ist
die Torbreite und ungefähr ebenso breit war der Korridor an Jenas Strafraumgrenze, durch den die "Störche" ihre
Angriffe versuchten. Die Jenaer Abwehrspieler hatten dadurch eigentlich ein leichtes Spiel, wurde doch einmal einer ausgetanzt,
so standen garantiert gleich zwei weitere Gelbe dahinter und klärten. Nur bei einem Fernschuss Lamprechts von rechts
außen (52.) und einem abgefälschten Freistoß (55.) kam der Ball mal in Nulles "Sichtweite", der Rest
waren Kinkerlitzchen. Nach vorn blieb alles unverändert, es ging nichts. Kam man doch einmal über die Mittellinie,
so war es ziemlich sicher, dass Orlando im Rücken der Abwehr im Abseits stand. In der 60. min dann hatte der FCC
mal eine Chance auf einen aussichtsreichen Angriff, aber Orlando rannte mit gesenktem Kopf in zwei Gegner hinein und
übersah den mitgelaufenen und freistehenden Hähnge. So konnte das nichts werden und folgerichtig kam in der
65. Minute Kolb für Orlando. Schon die ersten Zweikämpfe Kolb sahen völlig anders aus als Orlandos
Vorstellung: Der Achtzehnjährige ging in die Zweikämpfe, setzte bei Ballverlust sofort nach und steckte
nie auf. Mir rutschte da ein "Dem Kolb gönne ich ein Tor, der hat schon gegen Dortmund so gut gespielt" heraus
(wenn die Weissagung der Lottozahlen nur ebenso klappen würde…). Drei Minuten nach dem Wechsel (in der 68. min!!!)
hatte der FCC seinen ersten Torschuss, aber Truckenbrods Geschoss ging knapp am langen Pfosten vorbei. Der nächste
Kieler Angriff wurde kurz hinter der Mittellinie abgefangen und der FCC hatte eine perfekte Konterchance in 3:2-Überzahl,
jedoch vergeigte Riemer diese Gelegenheit kläglich. Kurz danach bekam Hähnge auf der rechten Seite den Ball,
ging bis zur Grundlinie, beschäftigte zwei Gegenspieler und spielte mit der Hacke auf den mitgelaufenen Eckardt.
Der schickte seinen Gegenspieler und bediente - wie schon in vorhergehenden Spielen - mit einer maßgenauen
Zuckerflanke den in der Mitte wartenden Mitspieler. Diesmal war es Kolb, der sich die Chance nicht entgehen ließ
und zur überraschenden Führung des FCC einnickte und auf der Gegentribüne für eisiges Schweigen um
mich herum sorgte (ich jubelte solo *g*).
Das Spiel war gekippt. Die "Störche" hatten einen gewaltigen Knacks bekommen,
denn sie versuchten zwar in der verbleibenden Zeit mit viel Einsatz und Elan, dieses Resultat zu reparieren, aber lediglich
ein weiterer Lattentreffer wiederum durch Guscina sorgte für Aufregung. Im Gegenteil, mit etwas Cleverness hätte
Jena jetzt den berühmten Sack zubinden könne, aber zunächst war nach Doppelpass Eckardt - Hähnge der
Kieler Torwart einen Tick schneller am Ball als Eckardt (85.) und dann fehlte Truckenbrod einfach die Kaltschnäuzigkeit,
allein vor Frech - der bis zur Strafraumgrenze herausgekommen war - mit einem Heber das 2:0 zu machen, er ballerte den Ball
voll auf den Keeper drauf. Ansonsten versuchte man ziemlich geschickt und erfolgreich, in den verbleibenden Minuten das Tempo
aus dem Spiel zu nehmen und den Ball in den eigenen Reihen zu halten.
Bis zu Kolbs Einwechslung wäre ich mit einem Punkt hochzufrieden gewesen. Der "Dreier" ist mit etwas Glück in
den ersten 70 und mit ansprechender Leistung in den letzten 20 Minuten eingefahren worden. <uk>
FC Carl Zeiss Jena - Borussia Dortmund II 2:1
Tore: 0:1 Neumeister (6.), 1:1 Lukimya (13.), 2:1 Riemer (80.)
- Jena: Nulle; Sievers, Wuttke, Lukimya, Sträßer;
Nagy (90. Petersen), Truckenbrod, Hähnge, Eckardt (85. Fuss); Orlando,
Kolb (73. Riemer)
- Dortmund: Höttecke; Koch, Eggert, Hünemeier, Neumeister;
Hille, Hasanbegovic (85. Boztepe), Tyrala, Öztekin; Ginczek (57.
Piossek), Kullmann
- Zuschauer: 6983
- Schiedsrichter: Dankert (Rostock)
- Spielbericht
-
Das Chaos beim FCC wurde gerade mal wieder etwas unübersichtlich. Nachdem
Peter Schreiber offenbar keine unbezahlten Rechnungen mehr auf seinem Wühltisch
findet (oder diese lieber wieder untendrunter steckt), fängt die
liebevoll zusammengesparte Mannschaft an sich in Wohlgefallen aufzulösen.
Der eine haut mit südländischer Besonnenheit einem Blumenzüchter
ins Gesicht, der andere wird aufgrund seiner Großartigkeit
suspendiert und der Dritte hat seine Bandscheiben nicht im Griff. Hinzu kommen
ungezählte Zerrungen und Risse diverser Muskelgruppen, schlechte
Blutwerte und Verstauchungen. Und die wenigen Verbliebenen, die sich stets gut
benommen haben und dazu gesund sind, können auch nicht mehr so
richtig. Zu groß ist der Druck nach dem Kulturarena-Debakel für
Rom, Ähnliches vollbringen zu müssen. Ernüchternde
Aussichten also für das gestrige Spiel gegen Dortmunds Zwote, zumal
die nach fünf Minuten schon in Führung lag. Neumeister hatte
die Aufwachprobleme in Jenas Deckungsverbund schamlos ausgenutzt und per Kopf
die Gästeführung hergestellt (6.). Zwar war der ursächliche
Freistoßpfiff völliger Mumpitz, gezählt hat es
trotzdem. Aber was soll's. Aus Ruinen wird auferstanden! Und überhaupt:
Bandscheibenvorfälle werden total überbewertet!
Zwar
folgte die Trotzreaktion erst nachdem Nulle das 0:2 und damit den unabwendbaren
Untergang verhindert hatte, dann aber kam die große Zeit des Rene
Eckardt. Ganz ehrlich, wenn der immer so spielen würde wie die
folgende Viertelstunde, die Nationalmannschaft wäre kein Thema. Seine
Vorlage auf Wuttke nach einer Ecke und sein Heber aus spitzem Winkel wären
bereits Treffer wert gewesen, Hötteke bekam aber beidemal noch
irgendein Körperteil dazwischen. Gegen Lukimyas Schuß aus
Nahdistanz konnte aber auch der Dortmunder Schlußmann nichts mehr
machen. Eckardt hatte Neumeister auf der rechten Seite schön zur
Schere gemacht und den Ball dann flach nach innen geschlagen. Von dort hätte
es wohl nur noch Gomez und dann auch nur im Nationaltrikot noch fertiggebracht,
das Tor nicht zu treffen. Jubeln unter Vorbehalt (13.). Ein Unentschieden
konnte hier ja nicht das Ziel sein! Dieser Vorbehalt legitimierte sich
schneller als gedacht. Mit der Gewißheit der uneingeschränkten
Überlegenheit zog sich Jena wieder aus dem Dortmunder Strafraum zurück.
Alle Maschinen Stop - im Notfall gleichen wir halt wieder aus. Zwar hatte
Eckardt nach eine Wuttke-Vorlage noch einmal die große Chance zur Führung,
sein strammer Volleyschuß fand aber den Weg ins Tor nicht und ist
jetzt wahrscheinlich ein dicker blauer Fleck auf einem Dortmunder Gesäß
(16.). Danach tickte nur noch die Uhr runter. Was dieser taktische Unsinn soll,
ist schwer zu sagen, zumal der Schwung des Ausgleichstreffers dadurch völlig
verpuffte. Die Kräfte jedenfalls hätten eigentlich noch ein
bißchen länger reichen sollen. Kurz vor der Pause hätte
sich dieses unheilvolle Fehlverhalten tatsächlich fast gerächt.
Wäre Kullmann nicht um Zentimeter an Boztepes Eingabe vorbeigerutscht,
die etwa 300 Mitgereisten Dortmunder hätten wohl unsere leise vor sich
hin tirilierende Südkurve vollends unter den Tisch gesungen. Glück
gehabt!
Nach der Pause war es vor allem Orlando, der für Aufsehen sorgte.
Inzwischen ist es für jeden Gegner offenbar ein probates taktisches
Mittel geworden, ihn einfach am Losrennen zu hindern. Ein kurzes Halten, ein
Schubser auf Höhe der Mittellinie, eigentlich ist alles besser als ihm
später hinterherzugucken. Zwei oder drei gelbe Karten werden dafür
augenscheinlich in Kauf genommen, welche die Schiedsrichter (vor allem der von
gestern) oft nicht mal geben. Wenn dann auch noch klarste Pfiffe ausbleiben,
geht mir langsam das ohnehin knapp bemessene Verständnis aus.
Stattdessen reichten auf der Gegenseite mitunter kleinste Scharmützel
aus, um aus gefährlichsten Positionen Freistöße zu
verhängen. Einer davon wäre Jena fast zum Verhängnis
geworden, als Hünemeier den hoch hineingeschlagenen Ball von Tyrala
nur knapp verfehlt, kann Nulle erst im Nachfassen das Unentschieden festhalten
(63.). Knapp! In dieser Phase überzeugt der FCC aber auch allenfalls
durch Gleichwertigkeit auf niedrigem Niveau. Die Führung kommt
dementsprechend wie aus dem Nichts. Wieder ist es Eckardt, dessen präzise
Flanke die Entscheidung bringt. Punktgenau schießt der den Ball auf
den eingewechselten Riemer, dessen Kopfstoß die vor sich hindämmernden
Fans aus der allgemeinen Lethargie reißt (80.). Nicht zu glauben! Dieses Murksspiel und dann auch noch der Riemer. Der
hatte gegen Erfurt nun wirklich einen Scheißtag erwischt. Und dann
noch das Ding mit seinem Rücken. Schön, daß es
offenbar doch nicht so schlimm war oder Bandscheibenvorfälle halt
einfach überbewertet werden (-:
Was folgt sind noch zehn zerrige Minuten Warterei plus einer unendlich
langen Nachspielzeit. Dann ist der dritte Sieg endlich in Sack und Tüten.
Glanzvoll war es nicht! Spielerisch herrschte mitunter unbeschreibliches Elend
auf dem Platz. Dazu kommen die Abstimmungsschwierigkeiten, die bei einer neu
formierten Elf aber ganz normal sind. Entscheidend aber war der größere
Wille. Das was Erfurt in Jena zum Sieg getragen hat, war gestern Jenas
Unterpfand. Die Mannschaft wollte einfach mehr. Das Derby ist damit nicht
vergessen, dieser Stachel sitzt zu tief. Aber ein Rückspiel in Erfurt
ist ja auch noch. Ein neues Spiel mit neuen Chancen. Und nächstes Jahr
wollen wir ja auch wieder in die Kulturarena... <bpf>
VfL Osnabrück - FC Carl Zeiss Jena 2:0
Tore: 1:0 Lindemann (21.), 2:0 Reichenberger (63.)
- Osnabrück: Berbig; Herrmann, Barletta, Nickenig, Krük;
Siegert, Heidrich, Lindemann, Hansen (76. Grieneisen); Reichenberger (85.
Samide), Schmidt
- Jena: Nulle; Sievers, Wuttke, Lukimya, Sträßer;
Nagy (66. Kolb), Truckenbrod, Ziegner, Holwijn (83. Eckardt); Orlando,
Hähnge
- Zuschauer: 9800
- Schiedsrichter: Aytekin (Oberasbach)
- Spielbericht
-
Der Überkreuzvergleich der bisherigen
Saisonresultate sprach von vornherein gegen den FCC: Ingolstadt hatte Erfurt
klar besiegt, Osnabrück die Ingolstädter und Erfurt am
vergangenen Sonntag....ach, lassen wir das. Fußballspiele werden
nicht mit dem Taschenrechner entschieden. Klären wir stattdessen
lieber die Frage: Was stellt eine Mannschaft am gescheitesten an, die mit
Lanzaat, Riemer, Petersen, Osadchenko sowie Ralf Schmidt gleich fünf
Ausfälle in der Abwehr zu verkraften hat ? Klar, sie spielt munter
nach vorn !
Genau das tat Jenas Elf in der Anfangsphase. Da Salvatore
Amirante nach seiner Rot-Sperre für mindestens vier Spiele von der
Bildfläche verschwunden sein wird, teilten sich die beiden Holländer
Orlando und Holwijn von außen kommend in die Rolle des zweiten Stürmers
hinein. Wobei Melvin Holwijn in seinem ersten Match von Anbeginn wesentlich mehr
auffiel. Selbst zwei Gegenspieler vermochten ihn nach fünf Minuten
nicht zu stoppen, zumindest nicht mit fairen Mitteln. Erst als Holwijn wie
nichts zwischen ihnen hindurch geschlüpft war, holte ihn der düpierte
Krük von den Beinen. Freistoß also von der rechten
Strafraumseite, lang auf die andere Seite geschlagen zu Wuttke, dieser sofort
zurück auf den vorm Tor stehenden Hähnge. Zeit zu überlegen
hatte Sebastian nicht, zwei Meter vor dem Kasten inmitten einer lila
Spielertraube handelt man sowieso besser instinktiv - wenn dann aber der Ball
Osnabrücks Keeper Tino Berbig mitten ins Gesicht fliegt, ist das
einfach nur riesengroßes Pech. Doch Jena blieb am Drücker.
Gerade mal zehn Minuten waren gespielt, als ein sichtlich
motivierter Sebastian Hähnge
diesmal von der rechten Seite kommend durchzog. Berbig verkürzte den
Winkel, Hähnge legte deshalb auf den zentral stehenden Truckenbrod ab,
doch schoss dieser aus sieben Metern weit über das leere VfL-Gehäuse.
Dies freilich war mit Pech nicht mehr zu erklären, muss doch auch von
einem defensiven Mittelfeldspieler erwartet werden dürfen, beim unbedrängten
Torschuss nicht in starke Rückenlage zu verfallen.
Ein Führungstreffer
wäre der gerechte Lohn für ansehnlichen Kombinationsfußball
in der ersten Viertelstunde gewesen. Außer einer Einzelleistung von
Jenas Ex-Kapitän Niels Hansen hatten die Gastgeber bis zu diesem
Zeitpunkt noch nichts zustande gebracht, unter anderem weil sich Tim Wuttke auf
der ungewohnten Innenverteidiger-Position gut in Jenas Viererkette einfügte.
Doch dann brach Minute 21 an. Siegert legte für Björn Lindemann
auf und der hatte als erster VfL-Spieler in diesem Match mal richtig Platz am
gegnerischen Sechzehner. Wie er den nutzte - mit einem Sonntagsschuss ins
Dreiangel - war zweifellos sehenswert. Die Führung ansich aber äußerst
glücklich. Erst jetzt kamen die Niedersachsen besser ins Spiel. Nachdem sich zwei Jenaer
gegenseitig angeschossen hatten (29.), drohte für Carsten Nulle ebenso
Gefahr wie beim Freistoß zehn Minuten später, den der Torhüter
aber auf Nummer sicher gehend über die Latte lenkte. Seinem Gegenüber
Tino Berbig, der selbst mal in Jena zwischen den Pfosten gestanden hatte und
hierher noch familäre Bindungen hat, misslang in der 40. Minute bei
einsetzendem Gewitterregen ein Abschlag, sodass Hähnge den Ball mit
einem Heber postwendend zurück brachte. Leider nur aufs Tornetz. Als
sich einige schon auf den Pausentee zu freuen schienen, gabs den ersten
erfolgreichen Antritt von Orlando. Bei dessen Eingabe von der linken Seite kam
Hähnge einen Schritt zu spät. Oder ließ er den Ball
absichtlich für Holwijn durch ? Möglich wäre es,
denn der Neuzugang hatte freie Bahn, nur -
was machte er daraus ? Halb Ballannahme, halb Torschuss, nichts von
beiden richtig, und so beförderte der Nationalspieler das Leder weit
am Pfosten vorbei ins Toraus. Zwei, drei dicke Torchancen teils kläglich
vergeben zu haben war der einzige Vorwurf, den man der Zeiss-Elf beim Gang in
die Kabinen machen konnte.
Die erste Aktion nach Wiederanpfiff war nahezu eine Kopie
der letzten Szene vor der Pause. Wieder ging Orlando auf der linken Seite auf
und davon, wieder kam Hähnge in der Mitte einen Schritt zu spät.
Nur dass diesmal kein Holwijn daneben stand. Auf der anderen Seite köpfte
Nickenig aufs Tornetz (48.). So wie sich das Spiel danach entwickelte, war
absehbar, dass es nicht bei dem einen Treffer in dieser Partie bleiben würde.
Beide Mannschaften schenkten sich nichts, noch aber fand niemand die Lücke.
Die Emotionen im Spiel übertragen sich sogar auf die Ersatzleute
hinter dem Tor. Als Sträßer bei einer Abwehraktion gehalten
wurde und somit nicht in der Lage war, den Eckball zu verhindern,
regte sich André Schmidt berechtigterweise über
den Schiri-Assistenten auf, der das Foul eigentlich hätte sehen müssen.
Die Konsequenz war die Gelbe Karte für einen Spieler, der in dieser
Saison noch nicht eine Punktspielminute in der ersten Mannschaft verbracht hat
(58.). Besagte Ecke beschwörte übrigens Gefahr durch
Reichenbergers Kopfball herauf, den Nulle wegfaustete.
Osnabrücks Stürmer-Oldie
drehte nun richtig auf. War beim Schuss in Minute 62 abermals bei Carsten Nulle
Endstation, sorgte Thomas Reichenberger schon zwei Minuten später für
die Spielentscheidung, indem er aus sieben Metern zum 2:0 traf. Ein Tor,
das Carsten Sträßer auf seine Kappe nehmen muss, vertändelte
er doch das Leder im eigenen Strafraum ohne Not gegen Hansen, der dann
Reichenberger ins Spiel brachte. Zwar hatte eine Jenaer Mannschaft schon einmal
im Osnabrücker Stadion das Kunststück fertig gebracht, aus
einem 0:2 noch ein Remis werden zu lassen - doch die Körpersprache
nach dem zweiten Gegentreffer zeigte an, dass sich das diesmal nicht
wiederholen würde. Weshalb ein über 70 Minuten recht intensiv
geführtes Spiel die verbleibende Zeit gemächlich austrudeln
durfte.
Die Art und Weise, wie diese Niederlage zustande kam, war
eine ganz andere als eine Woche zuvor. Kein Vergleich mit dem fast
hergeschenkten Derby. Und doch gerät die Mannschaft nach einem Punkt
und null Treffern aus den letzten drei Partien in Zugzwang. Schon im nächsten
Spiel muss der Schalter wieder umgelegt werden, soll eine weitere Spielzeit in
den Tabellenregionen der Vorsaison vermieden werden. <fc>
FC Carl Zeiss Jena - FC Rot-Weiß Erfurt 0:3
Tore: 0:1 Kammlott (1.), 0:2 Semmer (40.), 0:3 Kammlott (55.)
- Jena: Nulle; Sievers, Riemer (46.Petersen), Lukimya,
Sträßer; Nagy (46. Hähnge), Truckenbrod, Ziegner, Eckardt
(68. Holwijn); Smeekes, Amirante (
, 59.)
- Erfurt: Orlishausen; Malura (

, 59.), Pohl, Möckel,
Ströhl; Cinaz, Rockenbach da Silva, Stenzel, Hauswald (84. Pinske); Semmer (64. Peßolat),
Kammlott (78. Cannizzaro)
- Zuschauer: 11.200
- Schiedsrichter: Leicher (Landshut)
- Spielbericht
- Ein paar Worte vorweg, zu den wenigen positiven Aspekten dieses Spiels:
Endlich,endlich, endlich hat es der Verein einmal geschafft, die Stadiontore mit
ausreichend Leuten zu besetzen, um einen flüssigen Einlass zu gewährleisten.
Man mag sich gar nicht ausmalen, wieviele frustrierte Zuschauer des FCC in
den letzten Monaten nicht wieder gekommen sind - nur weil der Verein die paar
Euro sparen wollte, die zusätzliche Einlasskräfte kosten? Bitte lasst es
keine Derby-Eintagsfliege sein...
Eine zweite gute Nachricht: Das Stadion war
nahezu ausverkauft, nur die Gäste hatten zu Hause irgendwie kleine Probleme
mit dem Kartenverteilen. Ja, und die Choreos kurz vor Beginn des Spiels:
die große Flagge auf der Haupttribüne und dann die Herzchen für Jena, erst
rot (WTF?!) und dann blau-gelb-weiß mit Feuer.
Beeindruckend(!) - dachten
sich wohl auch die Spieler des FCC, die sich in der ersten Minute
anscheinend auf alles andere drumherum konzentrierten, nur
nicht auf's Spiel. Der Anstoß des FCC wurde abgefangen, ein steiler Pass in
die Spitze, Abschluss von der Strafraumkante ins linke untere Eck, und nach
gefühlten drei Sekunden stand es Null-zu-Eins.
Braucht es wirklich nur ein Gegentor in der ersten Minute, um das in den
letzten Wochen vielgerühmte Wahnsinns-Jenaer Publikum komplett ruhigzustellen?
Offensichtlich. Nur die Südkurve zuckte noch in den ersten zehn Minuten,
in denen Jena sichtlich geschockt wirkte und nichts auf die Reihe kriegte.
Die Unaussprechlichen waren auch nicht wirklich gefährlich, und so plätscherte
es dahin bis zur 14. Minute, als Amirante kurz vor dem Strafraum gelegt
wurde. Ziegner trat an und schlenzte den Ball an die Querlatte... was für ein
Pech! Wenigstens war der FCC in dieser Phase gleichwertig und kam über das
Kurzpassspiel und gewonnene 1:1-Situationen auch mehrmals schnell bis
zum Strafraum der anderen. Irgendwie schienen sie aber den Ball heute
reintragen zu wollen: immer noch ein Abspiel oder Dribbling mehr aus aussichtsreicher
Position, aus der man auch einfach mal hätte draufhauen können und
müssen. Jenaer Verunsicherung wurde merklich. Je weiter die erste Halbzeit
voranschritt, desto mehr unforcierte Fehler schlichen sich in das Jenaer
Spiel ein. Kurz vor der Halbzeit verschätzte sich dann auch noch Nulle bei
einem Eckball und es stand 0:2. Auf den Tribünen machte sich Ratlosigkeit breit
- war das wirklich die gleiche Mannschaft, die bislang so begeisternden
Fußball gespielt hatte?
Es konnte nur besser werden und es wurde - bitterer. Da hatte der FCC
gleich nach der Pause eine gute Kopfballchance (der Ball landete auf dem
Tornetz), doch in der 54. Minute kam eine Bogenlampe in den Jenaer Strafraum
hereingesegelt, die ewig in der Luft war und trotzdem nach Direktabnahme
im Jenaer Tor landete. Wenn der Torschütze demnächst im Training versucht,
dieses Tor nachzustellen, wird er von 100 Versuchen wahrscheinlich 99 nicht
treffen...aber im Spiel ging er halt rein, und damit war die Luft vollständig raus.
Was danach passierte, war haarsträubend.
Es ist nicht unüblich, dass Mannschaften sich bei einem Rückstand von 0:3
nach 55 Minuten mitunter hängenlassen (wobei meine ganz persönliche Meinung
dazu ist, dass das dann auch keine Mannschaft ist). Aber dass so absolut gar
nichts mehr ging, dass einfachste Bälle zum Gegner gespielt, wirklich sinnlose
Dribblings angesetzt und Laufwege einfach abgebrochen wurden, macht
nachdenklich. Die erste Chance für den FCC gab es erst wieder in der 71.
(Hähnge vergibt aussichtsreich), dann nochmal eine kleine in der 75. Auf
der Gegenseite konnten wir uns bei Nulle bedanken, dass es am Ende nicht 0:5
stand - und zwar nicht, weil der Landeshauptstadtclub überragenden Fußball
gespielt hätte.
Einen "positiven" Aspekt hat die Sache am Ende doch noch: Dieses ganze
Geklapse mit angekündigtem Moonwalk, "Wir steigen auf"-Gesängen und 100:0-Fahnen
gehört erst mal wieder der Vergangenheit an. Die Chance besteht, dass die
Jenaer Spieler am Sonntag begriffen haben, dass sich Spiele gegen Mannschaften,
die unten stehen, nicht von selbst gewinnen. <ragnar>
Derby-Fotos von Jens Weißenburger
Bericht auf der Erfurter Homepage
FC Erzgebirge Aue - FC Carl Zeiss Jena 0:0
- Aue: Männel; Klingbeil, le Beau, Paulus, Schaffrath;
Cimen (68. Gambo), Stark, Müller (72. Klotz); Curri, Braham, Ramaj (90.
Hiemer)
- Jena: Nulle; Sievers, Riemer, Petersen, Sträßer;
Nagy, Truckenbrod, Ziegner, Orlando; Hähnge, Amirante (87. Eckardt)
- Zuschauer: 11.400
- Schiedsrichter: Dr. Fleischer (Sigmertshausen)
- Spielbericht
- 5:1, 5:0, 5:0. In den vergangenen drei Jahren ist der FCC im
Erzgebirgsstadion regelrecht vermöbelt worden. Bekanntlich hat der
Optimist keine Ahnung von den freudigen Überraschungen, die ein
Pessimist erlebt. Trotzdem fuhren wir diesmal mit einem besseren Gefühl
nach Aue und weigerten uns von vornherein, an eine Fortsetzung dieser schwarzen
Serie zu glauben. Dafür hatte die neue Jenaer Mannschaft in den ersten
Wochen der noch jungen Saison schon zu viel an Potential offenbart.
Entgegen seiner Ankündigung hatte René van Eck im
Vergleich zum letzten Spiel eine Änderung vorgenommen. Rene Eckardt
blieb trotz ansprechender Leistung gegen Bayerns Zweite erst mal wieder auf der
Bank, wohingegen Sebastian Hähnge zu seiner Premiere in der Startelf
kam. Waren es die besseren Trainingsleistungen, die dafür den
Ausschlag gaben ? Fürchtet van Eck, den Youngster zu schnell zu
verheizen ? Oder will er Jenas Offensivtaktik ein Stück weit
unberechenbarer für die Ligakonkurrenz gestalten ? Wie auch immer -
Smeekes, der am liebsten nur Orlando genannt werden möchte, rückte
aus dem Zentrum auf die Außenposition. Von da, nur in der anderen Hälfte,
kamen auch die meisten Bälle in den ersten zwanzig Minuten. Eckball um
Eckball holten die Gastgeber während ihrer Anfangssoffensive heraus.
Den ersten richtigen Torschuss gabs dennoch von einem Jenaer. Salvarore
Amirante prüfte Martin Männel nach achtzehn Minuten. Darüber
hinaus tat sich allerdings vor der Pause nicht viel an Offensivgeschehen
seitens der Thüringer. Dazu fehlte es im Mittelfeld an einem
Gestalter, der die Bälle verteilte oder einfach mal länger in
den eigenen Reihen hielt. Hähnge und Amirante hatten es schwer mit
ihren Gegenspielern. Und Orlando ? Zeigte auf rechtsaußen mehrmals
technische Kabinettstückchen, doch in echte Torgefahr mündeten
die meist nicht, sodass sich die Umstellung alles in allem nicht bezahlt
machte. Ein einziges Mal brachte er vor der Pause nach energischem Sprint eine
Eingabe vors Tor, doch die fing Männel vor dem einschussbereiten
Amirante weg.
Erfreulich hingegen, dass Jenas Viererkette auch ohne Lanzaat
lange Zeit nichts zuließ. Da konnten Curri und Ramaj rochieren, wie
sie wollten - sowohl Sievers wie auch Sträßer ließen
sie nicht zu Entfaltung kommen. Auch die 7:0 Ecken der Veilchen in Hälfte
eins bereiteten Nulle und seinen Vorderleuten keine Probleme. Lediglich in den
letzten drei Minuten vor dem Pausenpfiff schlich sich kurzzeitig mal etwas
Sorglosigkeit ins Jenaer Abwehrzentrum. Denn dass ausgerechnet der Kleinste auf
dem Platz, Skerdilaid Curri, nur um wenige Zentimeter an einem Kopfballtor
vorbeischrammt, darf eigentlich nicht
passieren. Und was war in Minute 44 los ? Bei Müllers Heber in den
Strafraum rannten gleich zwei Weiße mit Ramaj mit, wodurch sich
Braham zentral in 13 Metern
Torentfernung seelenruhig auf seinen Torschuss vorbereiten konnte. Doch vergeht
kein Spiel ohne eine Heldentat von Carsten Nulle ! Jenas Keeper entschärfte
Brahams Schuss mit toller Reaktion. Der Halbzeitpfiff kam den Jenaern nicht
ungelegen.
Mit Beginn der zweiten Hälfte hatte sich Jenas
Hintermannschaft wieder formiert. Aue zunächst wieder leicht feldüberlegen,
ohne groß zu Tormöglichkeiten zu gelangen. Ramajs Schlenzer
Richtung Dreiangel fing Nulle noch in dessen Steigphase (57.). Die optische Überlegenheit
auf Seiten der Gastgeber verschwand dann nach etwa einer Stunde Spielzeit. Erst
jetzt fiel auf, dass mit Kos auch bei den Erzgebirglern der Abwehrchef fehlte
und deren Hintermannschaft nicht unüberwindbar ist. Als Orlando seinen
Gegenspieler ins Leere rutschen ließ, die flache Hereingabe nur
unkontrolliert nach vorn abgewehrt werden konnte, kam Jens Truckenbrod aus fünfzehn
Metern zum Torschuss. Wie gern hätten wir DEN ankommen sehen ! Doch
Paulus warf sich hinein, bescherte Jena damit nach 61 Minuten wenigstens noch
die erste Ecke, welche aber wie generell alle Standards an diesem Tag nichts
einbrachte. Die hohen Temperaturen sollten in der Schlussphase bei beiden
Mannschaften ihren Tribut fordern. Das Wort Sommerfußball machte nun
die Runde. Van Eck schien dennoch nicht unzufrieden,
tätigte seinen ersten Wechsel erst drei Minuten vor
Schluss und dies aus Verletzungsgründen. Dass auch Trainerkollege
Schmitt in der 90. Minuten noch einen neuen Mann auflaufen ließ, lässt
den Schluss zu, dass mit dem unentschiedenen Spielausgang am Ende alle recht
zufrieden waren. Die Gastgeber hatten dem Spitzenreiter einen Punkt abgerungen,
der FCC bereitete seiner schwarzen Serie im Erzgebirgsstadion endlich ein Ende.
Zwar ist die Tabellenführung damit schon wieder
passé, doch ist der FC Carl Zeiss Jena auch nach dem Auer Auswärtsspiel noch ungeschlagen in dieser Saison.
Und das ist schließlich auch schon etwas wert. <fc>
FC Carl Zeiss Jena - FC Bayern München II 6:0
Tore: 1:0 Eckardt (8.), 2:0 Smeekes (28.), 3:0 Amirante (48.), 4:0 Amirante (62.), 5:0 Amirante (64.), 6:0 Amirante (76.)
- Jena: Nulle; Sievers, Riemer, Lanzaat (23. Petersen),
Sträßer; Nagy, Truckenbrod, Ziegner, Eckardt; Smeekes (68.
Hähnge), Amirante (77. Benyamina)
- München: Kraft; Schütz, Lell
(
, 38.), Saba (56. Kopplin), Contento;
Erb, Rieß, Görlitz, Schürf (53. Yilmaz); Sikorski, Sene (43. Duhnke)
- Zuschauer: 8346
- Schiedsrichter: Gorniak (Bremen)
- Spielbericht
- Vor dem Spiel bestimmten noch Sorgen die Gedanken der
meisten Zuschauer, an die sich nach dem Spiel kaum noch jemand erinnerte. Wie
wird die Mannschaft die befürchteten Ausfälle von Carsten Sträßer
und Ralf Schmidt verkraften können? Wie kommt der FCC mit den
bundesligaerfahrenen Christian Lell und Andreas Görlitz zurecht? Wird
die zweite Garde des großen FC Bayern am dritten Spieltag ihr
zweifellos vorhandenes Potential zeigen, nachdem man eher schwach in die Saison
gestartet war?
Zumindest einer der Fragen löst sich noch vor dem
Anpfiff in Wohlgefallen auf, denn Carsten Sträßer stand in
der Startformation. Der Abwehrspieler ist mitverantwortlich für den
derzeitigen Erfolg des FCC und wird von vielen aufgrund seiner in der letzten
Saison oft gut versteckten Souveränität mit einem
Augenzwinkern als "Neuzugang" bezeichnet, entsprechend groß war die
Erleichterung bei der Lektüre seines Namens in der Startaufstellung. Die
Elf des gut in die Saison gestarteten FCC begann das Spiel auch gleich druckvoll
und schon die ersten Minuten ließen keinen Zweifel daran aufkommen,
wer heute der Herr im Haus sein wollte. Die erste Ecke des Spiels erhielten
trotzdem die Bayern, aber mehr als ein schneller Gegenstoß über
den starken Sievers sprang dabei nicht heraus. Dieser Konter war es, den Timo
Nagy mit einem herrlichen Pass auf Salvatore Amirante fortsetzte. Der Italiener
stand plötzlich vor Kraft im Tor des FCB und wollte den Ball in der
langen Ecke unterbringen, hatte dabei aber die Reflexe des Schlussmanns der
Bayern unterschätzt. Festhalten konnte er den scharfen Schuss aus
kurzer Distanz allerdings nicht, der mitgelaufene René Eckardt schaltete am
Schnellsten und konnte den Ball unbedrängt aus kurzer Distanz im Tor
unterbringen - 1:0 für den FCC nach nur acht Minuten! Die erfahrenen
Spieler der Bayern, namentlich Görlitz und Lell, sahen beim
vorhergehenden Zusammenspiel von Nagy und Amirante alles andere als gut aus und
verloren schon nach diesen wenigen Minuten einen Teil des von ihren Namen
ausgehenden Glanzes.
Die Gäste aus München zeigten sich aber
keineswegs geschockt vom frühen Rückstand, stattdessen bemühten
sie sich von nun an intensiv um den Ausgleich. Nur fünf Minuten nach
der Führung war es Carsten Nulle, der gegen den in dieser Phase
starken Sikorski klären musste. Der war nach einem Missverständnis
in der Jenaer Hintermannschaft plötzlich frei vor Nulle aufgetaucht
und scheiterte nur an der blitzschnellen Reaktion des auch heute sicheren Rückhalts.
Im Gegenzug hat Eckardt das 2:0 auf dem Fuß, nachdem er mit einem
herrlichen langen Ball von Nagy freigespielt wurde. Sein Ball geht aber leider
nicht nur an Torhüter Kraft vorbei, sondern auch am Tor. Für
die nächsten Minuten sollte dieser Gegenstoß das letzte
Lebenszeichen des FCC sein, von nun an drückten die Bayern. Dabei war
es immer wieder Marco Riemer, der in der Abwehr nicht überzeugen
konnte. In der 16. Minute profitiert er allein von der Fairness des Münchner
Stürmers Sikorski, der sich trotz leichtem Trikotzupfer aufrafft und
sich nicht fallen lässt, anderenfalls hätte man diese
Situation wohl als Notbremse werten müssen. So stand Sikorski zwar
allein vor dem Jenaer Gehäuse, aber dieses wurde ja von Carsten Nulle
bewacht - und dieser reagierte erneut glänzend. Auch wenn man sich
mittlerweile schon fast daran gewöhnt hat, mit Nulle einen extrem
sicheren Rückhalt zu haben - was dieser Mann Woche für Woche
für Bälle hält, ist aller Ehren wert. Völlig
zu Recht wurde "Wild Thing" auch vor dem Spiel als Spieler der letzten Saison
ausgezeichnet, denn ohne ihn hätte der FCC die Klasse wohl kaum
gehalten. Richtig ernste Mienen konnte man nur kurz darauf erblicken, denn
offenbar hatte sich Abwehrchef Quido Lanzaat ohne Fremdeinwirkung verletzt und
drängte auf seine Auswechslung, die nach 23 Spielminuten vollzogen
werden musste. Nicht wenige fürchteten nun den baldigen Ausgleich oder
zumindest massive Probleme mit den schnellen und ballsicheren Angreifern der
Bayern für die umgestellte Innenverteidigung. Genau in diese Phase des
größten Drucks der Bayern stürmt aber erneut
Orlando Smeekes hinein und spielte sich endgültig in die Herzen der
Fans. Nach einer kampfgeprägten Balleroberung des Hachinger Neuzugangs
Nagy hat Orlando nur noch Lell und das Tor vor sich. In seiner gewohnten,
unheimlich schnellen Art stürmt er auf Lell zu, schlägt noch
einen Haken und streichelt den Ball dann mit der Innenseite an den kurzen
Pfosten - von dem das Leder den erstrebenswertesten Weg wählt, nämlich
den ins Tor von Jenas Gegnern! Das 2:0 in der 28. Minuten fiel sprichwörtlich
genau zum richtigen Zeitpunkt, denn es setzte einen Schlussstrich unter eine
Phase gefährlicher Angriffe der Gäste, die immer wieder nur
vom Jenaer Schlussmann aufgehalten werden konnten. Auch in der Folge überforderte
der Mann von den niederländischen Antillen, der nun bereits vier Tore
in drei Spielen erzielt hat, seinen Gegenspieler Lell immer wieder mit seiner
Schnelligkeit. Zehn Minuten nach dem 2:0 wurde die Sprintstärke dem Münchner
endgültig zum Verhängnis, als ihn Orlando einmal mehr
regelrecht überlaufen konnte und von Lell nur noch per Foul zu stoppen
war. Da Lell zu diesem Zeitpunkt letzter Mann war und Smeekes freie Bahn aufs
Tor gehabt hätte, war die Entscheidung des unauffälligen
Schiedsrichters Gorniak durchaus nachvollziehbar - Rote Karte wegen Notbremse
und Freistoß für den FCC, denn der Bremer Unparteiische
hatte das Foul außerhalb des Strafraums gesehen. Auch wenn der
Freistoß und die folgenden Minuten vor der Halbzeit nichts
einbrachten, so hatte sich der FCC doch eine hervorragende Ausgangslage für
den zweiten Durchgang geschaffen. Doch trotz der Zwei-Tore-Führung und
der Jenaer Überzahl erwarteten viele eine spannende zweite Hälfte,
in der den Bayern im Falle eines schnellen Anschlusstreffers durchaus noch
Chancen eingeräumt wurden.
Derartige Sorgen und Ängste lösten sich
aber schon kurz nach dem Wiederanpfiff auf, denn die 8346 Zuschauer im Ernst
Abbe Sportfeld sahen einen FC Carl Zeiss Jena, der weiterhin mit voller
Konzentration zu Werke ging. Das aus der Führung und dem Spielverlauf
resultierende Selbstvertrauen sorgte außerdem dafür, dass
Flanken und Pässe scheinbar präziser ankamen und
leichtfertiger von der Hand gingen als in anderen Spielen. Nur drei Minuten
nach Wiederanpfiff war es dann auch schon so weit, dass auch die letzten
Zweifler vom Optimismus übermannt wurden, denn nach einer präzisen
Flanke des starken René Eckardt auf den Kopf von Salvatore Amirante dürfte
die Halbzeitansprache von Gästetrainer Mehmet Scholl bereits hinfällig
gewesen sein. Der Italiener stieg als einziger im Strafraum hoch zum Kopfball,
begleitet nur von den ungläubigen Blicken seines Gegenspielers. Der
musste mit ansehen, wie der wuchtige Kopfball unhaltbar für Kraft im
Netz landete und das Spiel faktisch entschieden war. Anders als nach dem 1:0
war nun auch ein gewisser Schockzustand bei den Bayern zu erkennen, die mit
einer derart druckvollen Offensive seitens der Jenaer offenbar nicht gerechnet
hatten. Nach einer guten Chance für den unauffälligen, aber
ebenfalls überzeugenden Truckenbrod in der 59. Minute war es nach
knapp über einer Stunde erneut Amirante, der einen Eckball von Nagy
per Kopf über die Linie bugsierte. Wieder fühlte sich keiner
der Bayern so richtig zuständig, erneut war gegen den starken Kopfball
aus kurzer Distanz nichts zu machen - 4:0 für den FC Carl Zeiss Jena!
Schon jetzt fragten sich einige, wann sie derartiges zuletzt erlebt hatten,
nicht ahnend, was die folgenden Minuten noch bringen würden. Der FCC
hatte nämlich noch lange nicht genug und spielte weiter attraktiven
Offensivfußball. Nur zwei Minuten später hatte sich Smeekes
auf links einmal mehr aller Gegenspieler entledigt und spielte dann einen
perfekten Pass in den Lauf des Doppeltorschützen Amirante, der den
Ball aus fünf Metern nur noch über die Linie schieben musste
und damit das 5:0 sowie seinen Hattrick vollendete! Nach 68 Spielminuten gönnt
Jena-Trainer René van Eck dem neuen Publikumsliebling und Torschützen
des Monats Orlando Smeekes nach einer weiteren starken Partie seinen verdienten
Applaus. Von stehenden Ovationen begleitet verlässt der Shooting-Star
den Platz, für ihn kommt Sebastian Hähnge. Der Eingewechselte
fügt sich sofort gut in das Spiel der Blau-Gelb-Weißen ein
und hat nur Minuten nach seiner Einwechslung das 6:0 auf dem Fuß, als
ihm Truckenbrod den Ball überlegt in den Lauf lupft. In dieser
Situation konnte sich allerdings zunächst der Münchner Torhüter
Kraft auszeichnen, als er den scharfen Schuss Hähnges pariert. Doch
das sollte am heutigen Tag nicht ausreichen, denn Hähnge setzt nach,
holt sich den Abpraller und flankt den Ball erneut butterweich auf den langen
Pfosten. Dort wartet, wie könnte es anders sein, Salvatore Amirante
und hat erneut keine Mühe, den Ball im Tor unterzubringen - 6:0 nach
76 Spielminuten, vier Tore von Amirante innerhalb von nicht einmal einer halben
Stunde, ungläubiges Staunen mischt sich in den unbändigen
Jubel im weiten Rund des Ernst Abbe Sportfelds.
Das halbe Dutzend war voll und die Jenaer Spieler ließen
es dabei bewenden, die folgenden fünfzehn Minuten waren mehr Schaulaufen
als ernsthafter Fußball und die Bayern hatten sich längst
mit der demütigenden Realität abgefunden. Gegenwehr wäre
bei diesem Spielstand ohnehin zwecklos gewesen und so konnten die leidgeprüften
Anhänger des FCC endlich mal wieder eine Schlussviertelstunde ohne
Angst vor späten Gegentoren oder in der Hoffnung auf ein dringend benötigtes
Jenaer Tor verbringen, stattdessen wurde der in dieser Form von niemandem
erwartete Sieg ausgiebig gefeiert. Neben dem Ergebnis gefiel vor allem die
Tatsache, dass neben dem beinahe unheimlich schnellen Orlando Smeekes auch die
beiden Außen Sievers und Nagy überzeugen konnten und Jena über
weite Strecken des Spiels sehr sehenswerten und dynamischen Offensivfußball
zeigte. Auch in Anbetracht eines bestimmten Ergebnisses vom Samstag bildete das
6:0 den perfekten Abschluss eines paradiesischen Wochenendes, das so schnell
keiner der anwesenden Jena-Fans wieder vergessen wird. Nun muss der neue
Spitzenreiter der Dritten Liga in Aue nachlegen bevor am kommenden Wochenende
ein ganz spezieller Gast im Ernst Abbe Sportfeld erwartet wird. Sollten Orlando
Smeekes & Co. auch dann wieder einen ähnlichen Auftritt wie in den
bisherigen Saisonspielen hinlegen, dürfte der Jubel selbst die
heutigen Freudenschreie noch einmal deutlich übertönen. Bis
es so weit sein kann, liegen aber noch zwei mal 90 Minuten vor der Mannschaft
von René van Eck - zumindest das nötige Selbstvertrauen für
die erfolgreiche Gestaltung der beiden Ostderbys sollte spätestens
nach dem heutigen Spiel vorhanden sein. <bh>
SV Sandhausen - FC Carl Zeiss Jena 2:2
Tore: 1:0 Schuon (9.), 1:1 Smeekes (19.), 1:2 Riemer (32.), 2:2 Pinto (90., FE)
- Sandhausen: Gurski; Bindnagel, Schuon, Eberlein, Mintzel; Pinto,
Hillenbrand, Jungwirth (66. Fischer), Schauerte (77. Hosiner); Ristic (23.
Öztürk, Dorn
- Jena: Nulle; Sträßer, Lanzaat, Riemer, R. Schmidt;
Sievers (60. Hähnge), Truckenbrod, Ziegner, Nagy; Smeekes (88.
Petersen), Amirante (81. Benyamina)
- Zuschauer: 3150
- Schiedsrichter: Kempter (Sauldorf)
- Spielbericht
- Gleiches
Ergebnis - unterschiedliche Gefühle. Wo vor zwei Monaten 3.500 verzückte
Zeissfans ob des Klassenerhalts den Sandhäuser Rasen stürmten, herrschte
diesmal betretenes Schweigen unter beachtlichen gut 500 mitgereisten
Blau-gelb-weißen. Die meisten unter ihnen wären vor dem Spiel wohl mit einem
Zähler zufrieden gewesen, doch nach diesem Spielverlauf musste man einfach
hadern. Mit einer späten und nicht nachvollziehbaren Spielentscheidung durch
Referee Kempter, und mit dem Auslassen unzähliger
Möglichkeiten zur Vorentscheidung durch die eigene Elf.
Dass
dieses Spiel ein ganz intensives werden sollte, deutete sich schon nach wenigen
Minuten an. Riemers und Smeekes' gefährlichen
Toraktionen folgte auf der Gegenseite nach 8 Minuten die Führung der Gastgeber.
Ralf Schmidt hatte einen unnötigen Eckball verursacht - nicht der einzige
Fehler des sich nach dem Wechsel steigernden Studenten in den ersten 45 Minuten
- und Sandhausens bulliger Neuzugang Schuon köpfte
das Leder kompromisslos wuchtig zur frühen Führung ins Netz. Und die Gastgeber
drängten weiter mit schön anzusehendem Kombinationsfußball, waren durch das nur
schwer zu bändigende bundesligaerfahrene Sturmduo Ristic/Dorn stets
kreuzgefährlich. Doch anders als im Mai behielt Jena die Ordnung und schlug
zurück. Sträßer und Sievers kämpften im Duett
Mintzel den Ball im eigenen Strafraum ab,
Sträßers weiter gefühlvoller Ball erreichte zur
Überraschung von Sandhausens Hintermannschaft Orlando Smeekes,
der dem verdutzten Gurski das Leder in die Maschen
servierte (19.). 1:1! Und Jena machte weiter. Nur zwei Minuten später die
nächste Riesenchance für den Holländer nach tollem Diagonalpass von Sievers,
doch der Hammer zischt knapp am Tor vorbei. Eine Minute drauf hatte Nagy dann
die Führung auf dem Fuß, als er eine schöne Kombination zu harmlos abschloss.
Jena war im Spiel, und bald begann auch der Tag des Marco Riemer freundlichere
Züge anzunehmen. Zunächst erlöste ihn die verletzungsbedingte Auswechslung
Ristics von diesem unangenehmen, einen Kopf größeren Gegenspieler. Dann durfte
sich der Apoldaer sogar in die Torschützenliste
eintragen, als er nach Amirantes artistischer
Fallrückziehervorlage aus Nahdistanz zur verdienten Führung nach 33 Minuten
abstaubte.
Von
Sandhausen kam bis zum Wechsel nichts mehr, und dennoch hatten 3.500 Zuschauer
ein packendes und völlig offen geführtes Spiel gesehen. Glaubten sie zumindest,
denn nach dem Pausentee ging es erst richtig los. Bindnagel eröffnete das
Offensivfestival mit einem Knallbonbon knapp am rechten Pfosten vorbei (48.).
Smeekes antwortete mit Zuckerpass auf Sievers, der sich
völlig freistehend vor Gurski den Ball etwas zu weit
vorlegte (49.). Minuten später zwei dicke Patzer von Riemer, die die Gastgeber
nicht zu nutzen verstehen. Jungwirth zieht nach 56 Minuten ab und zwingt Nulle
zu einer Glanzparade. Dann kommt Nagy über die rechte Seite, doch seine
Hereingabe auf den blank stehenden Amirante misslingt (59.). Es war eine der
wenigen Offensivaktionen Nagys, der sich nach vorn wenig zutraute. Ausgewechselt
wurde nach einer Stunde aber sein Flügel-Gegenüber Sievers, bei dem sich
gelungene Offensivakzente mit schlampigem Defensivverhalten abwechselten.
Sebastian Hähnge kam ins Spiel und legte Sekunden
später gleich gekonnt per Kopf auf Amirante auf, Gurski
klärt. Wiederum Sekunden später umkurvt Hähne den Sandhäuser Keeper, ist
eigentlich schon vorbei und der Ball gefühlt auf dem Weg ins Tor, doch
irgendwie kommt Gurski doch noch einmal ans Leder
(61.). Eine Minute darauf darf Smeekes die nächste
hundertprozentige Torchance versieben, allein rechts vor dem Kasten entscheidet
er sich gegen den Pass auf den mitlaufenden Amirante und für den Flachschuss,
den Gurski mit Fußbabwehr
pariert. Wahnsinn! Quasi im Gegenzug rettet Lanzaat
vor dem einschussbereiten Pinto (62.). 63. Minute, ein Schuss Sandhausens aus
dem Hinterhalt wird unfreiwillig von Hillenbrand abgefälscht und trudelt an den
Pfosten! Vier Minuten später dann wieder dann wieder Bindnagel mit
Volleyschuss, Nulle pariert.
Sandhausen ging nun noch mehr auf Risiko und
drückte die Thüringer, bei denen die ordnende Hand im Mittelfeld vermisst
wurde, mehr und mehr in die eigene Hälfte, in der sich Carsten
Sträßer mit einer tadellosen Leistung Bestnoten verdiente.
Einen Entlastungsangriff über die rechte Seite kann der bisweilen selbst
auffällig fallsüchtige Mintzel nur mittels einer
Mischung aus grobem und taktischem Foul an Smeekes an
der Torauslinie verhindern, ohne dafür den Karton zu sehen. In
Ziegners frechen Freistoß spritzt Amirante, und als der Ball
hinter dem Keeper die Torlinie entlang zischt, ist wieder einmal
Haareraufen im Gästeblock angesagt. Mehr noch als
Smeekes nach 80 Minuten die nächste Hundertprozentige
vergibt, allein vor Gurski diesen nicht überwinden
kann. So kam das, was kommen musste. Sandhausen verlegte sich auf das
Erarbeiten von Freistößen, von deren Berechtigung nur wenige im Gästeblock
überzeugt waren, und so stand Carsten Nulle mehr und mehr im Mittelpunkt,
rettete mehrmals großartig. Machtlos war er jedoch, als Robert
Kempter - wie Sandhausen in Baden-Württemberg beheimatet -
in der Schlussminute auf den Elfmeterpunkt zeigte, ein Foulspiel Riemers an
Dorn gesehen haben wollte. Roberto Pinto ließ sich das späte Geschenk nicht
entgehen und schickte die Zuschauer mit dem gleichen Ergebnis nach Hause wie
vor zwei Monaten.
Diesmal bleibt für den FCC zu konstatieren, zwei Zähler
verschenkt zu haben, und das in erster Linie wegen der sträflich ausgelassenen
Großchancen im zweiten Abschnitt. Auf der Leistung der Mannschaft aber darf aufgebaut
werden, und diesen positiven Eindruck nahm Jenas Anhang mit auf die 400
Kilometer lange Heimreise. <gunner>
FC Carl Zeiss Jena - SV Wehen Wiesbaden 2:1
Tore: 1:0 Smeekes (50.), 2:0 Smeekes (56.), 2:1 Bohl (74.)
- Jena: Nulle; Sträßer, Lanzaat, Riemer, R. Schmidt;
Sievers, Ziegner, Truckenbrod, Nagy (87. Petersen); Smeekes (90.+1
Eckardt), Amirante
- Wehen: Birkenbach; Hollmann, Barg, Glibo, Weigelt; Bohl, Reinert
(61. Ziegenbein), Hübner, Öztürk (72. Landeka); Boskovic,
Stroh-Engel (58. Ziemer)
- Zuschauer: 7713
- Schiedsrichter: Dr. Brych (München)
- Spielbericht
- Gemeinhin gilt es als Vorteil, gegen Absteiger aus der 2.
Bundesliga gleich am Anfang einer Saison antreten zu dürfen. Deren
personelle Fluktuation ist meist recht hoch, der neuformierte Kader muss sich
erst einspielen. Im Gegensatz zu den beiden anderen Absteigern blieb dem SV
Wehen aber die große Abgangswelle erspart. Und so versprach der 1.
Spieltag gleich eine Standortbestimmung für den FC Carl Zeiss zu
werden.
Erstmals seit 2003 durfte die Punktspielsaison mal wieder
mit einem Heimspiel eingeläutet werden. Wenn dabei trotz Aprilwetters
7713 Zuschauer ins Ernst-Abbe-Sportfeld kommen, zeugt das ungeachtet der
miserablen letzten Saison von einer deutlichen Erwartungshaltung. Sebastian Hähnge
saß mit auf der Tribüne. Schon einen Tag vor dem Match hatte seine linke
Wade zu zwicken begonnen, am Spieltag selbst war dann nicht einmal mehr ein
Kurzeinsatz möglich. Sollte es deshalb ein schnelles Revival der
Ein-Stürmer-Taktik von René van Eck geben ? Nein, denn der Rückkehrer
auf den Trainerstuhl beorderte Orlando Smeekes auf die zweite Angriffsposition.
Da Jan-André Sievers in die Startelf nachrückte, war diese mit allen fünf
Neuzugängen besetzt.
Verteiltes Spiel zu Beginn. Ein Kopfball im Anschluss an
Wehens zweite Ecke wurde am kurzen Pfosten abgefangen, den Spurt von Reinert in
den Strafraum stoppte Sträßer. Auf der anderen Seite war es
Salvatore Amirante, der mit einem Kopfball aus sechs Metern Birkenbach prüfte
und mit einem 19-Meter-Flachschuss knapp verzog.
All das waren Szenen aus den ersten 20 Minuten, danach
dominierten die Abwehrreihen und weitere nennenswerte Aktionen vor der Pause
blieben rar. Einzig Timo Nagy aus guter Schussposition in zwanzig Metern
Torentfernung forderte nach 35 Minuten noch einmal den Beifall heraus. So sehr
man sich über die stabile Viererkette mit dem neuen Abwehrchef Lanzaat
und dem wie ausgewechselt wirkenden Sträßer freuen durfte -
beim Offensivspiel blieb zunächst noch viel Luft nach oben.
Van Eck hatte seiner Mannschaft in der Kabine mehr Risiko
verordnet und diese setzte das gleich mit Wiederanpfiff um. Bälle, die
während der ersten 45 Minuten noch als Querpass gespielt worden waren,
flogen nun steil ins Angriffszentrum. Es war Salvatore Amirante, der von der
Mittellinie aus seinen Sturmpartner Orlando Smeekes mit einem Diagonalpass auf
die Reise schickte. Diese Reise führte um einen Gegenspieler herum,
zwischen zwei Verteidigern hindurch direkt zu Torhüter Birkenbach, an
dem vorbei Smeekes das Leder ins lange Eck schob. 1:0 - Zeit für den
ersten Torjubel der neuen Saison mit einem Flickflack, wie man ihn im
Ernst-Abbe-Sportfeld so wohl noch nie gesehen hat. Miroslav Kloses berühmte
Überschläge in der Nationalmannschaft wirken geradezu
armselig gegen jene eines Orlando
Smeekes beim FC Carl Zeiss Jena ! Auch wenn dessen artistische Brillanz nicht
von ungefähr kommt, war er in seiner Jugend doch dreimal holländischer
Meister im Turn-Mehrkampf, bevor er sich für die fußballerische
Laufbahn entschied. Eine gute Entscheidung, wie uns nur sechs Minuten später
ein weiteres Mal klar werden sollte. Da trat Smeekes in 35 Metern Torentfernung
zum Freistoß an. Für eine direkte Ausführung noch
viel zu weit vom Kasten entfernt, dachten die meisten. Doch der Nationalspieler der
niederländischen Antillen schoss direkt durch die Drei-Mann-Mauer der
Wehener hindurch ins linke untere Eck. Welch ein (P)fund !
Während wir Beobachter noch ganz fasziniert waren
von den gleichsam schönen und doch auf so unterschiedliche Weise
zustande gekommenen Treffern unseres Orlando, setzten die Gäste mit
dem Mute der Verzweiflung zur Aufholjagd an. Diese hatten sie in der
Vorbereitung bereits gegen Koblenz und Saarbrücken mit Erfolg
praktiziert. Boskovic mit Schuss ans Außennetz sowie die frisch
eingewechselten Ziemer und Ziegenbein zeigten an, dass dieses Mahl mit
den zwei Toren noch lange nicht gegessen war. Und tatsächlich, in der
74. Spielminute traf Bohl unhaltbar per Kopf zum Anschlusstreffer. Eine
Viertelstunde war danach noch zu spielen. 15 Minuten, die besonders der aus
Kaiserlautern gekommene Marcel Ziemer mit mehreren Chancen zur Zitterpartie für
alle Blau-Gelb-Weißen werden ließ. Bei Ziemers
Aufsetzerkopfball sechs Minuten vor Schluss rührte selbst Geburtskind
Carsten Nulle (Glückwunsch zum 34. !) keinen Finger mehr - doch das
Leder klatschte nur an die Werbebande hinter dem Tor. In der 89. kam Nulle an
einen Eckball nicht heran, dafür stand Sträßer
goldrichtig und konnte an der Torraumgrenze per Kopf klären. Mit
tollen Einzelaktionen hatte einer aus der Mannschaft den Vorsprung heraus geschossen
- alle elf zusammen sorgten nun dafür, dass aus ihm drei Punkte wurden.
Auch wenn in der letzten halben Stunde das Geschehen etwas
aus der Hand gegeben worden war - mit dem Sieg gegen Wehen hat die neue Jenaer
Mannschaft schon mal einen ersten Fingerzeig erhalten, dass auch gegen
Staffelfavoriten etwas gehen kann. Orlando Smeekes, der in seiner Freizeit auch
noch Thai-Boxen betreibt, will übrigens trotz seiner Erfolgserlebnisse
im Sturm so schnell wie möglich auf die Außenbahn zurück.
Nur da kann er seine Sprintschnelligkeit mit (wie man hört) 11,3
Sekunden über 100 Meter und die Stärken im eins gegen eins
voll zur Geltung bringen. Scheint so, als könnten wir uns auf die
Saison mit ihm freuen. <fc>
Fotos von Jens Weißenburger
Spielbericht auf svwehen-wiesbaden.de
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Beide Teams bemühten sich
vom Anpfiff weg um Offensivaktionen, wobei ihnen dabei die Genauigkeit im
Zusammenspiel abging. So verging eine Viertelstunde bis zur ersten
Torgelegenheit, einem Schuss des freistehenden Boskovic genau auf
unseren Schlussmann. Zu dieser Zeit hatte Trainer van Eck bereits das erste Mal
wechseln müssen, da Stefan Kühne nach einem Zweikampf in der eigenen Hälfte
mit einer Knieverletzung vom Platz musste. Tim Wuttke hat in dieser Saison
schon fast alles gespielt, vom Innenverteidiger bis zur hängenden Spitze auf
Außen - entsprechend reibunsglos ging nach der Hereinnahme Amrheins sein Wechsel auf die Kühne-Position vonstatten.
Geschickt verlagerten er und seine Nebenleute die Positionen hin zum
ballführenden Gegenspieler. Die häufiger in Ballbesitz befindlichen Gastgeber fanden
dagegen lange Zeit kein Mittel. Es bedurfte eines direkt geschossenen
Freistoßes, um Carsten Nulle nach 31 Minuten das zweite Mal zu fordern.
Dessen Gegenüber hatte zu diesem Zeitpunkt noch keinen einzigen Ball
halten müssen.
Doch mit einem Mal, ab Minute 38 veränderte sich die Szenerie. Schön freigespielt steht Sebastian Hähnge frei vor Eric Domaschke - und scheitert am
herauslaufenden Keeper. Eine Minute später schießt der bis dahin noch
gar nicht zur Geltung gekommene Orlando aus vollem Lauf über die Querlatte und
nochmals 60 Sekunden darauf Hähnge flach aufs Tor. Die größte Gelegenheit vor
der Pause aber bietet sich in Minute 43. Freistoß, knapp 30 Meter Torentfernung,
halbrechte Position. Orlando steht zur Ausführung bereit, so als wolle er
zum zweiten Mal das Tor des Monats gegen den selben Kontrahenten erzielen. Doch nicht
er sondern Ziegner führt den Freistoß aus. Domaschke lässt prallen, zum
aufgerückten Assani Lukimya, der jedoch aus bester Position vergibt.
Freistoßschütze Torsten Ziegner hatte sich zu diesem Zeitpunkt bereits eine Gelbe Karte abgeholt. Nur gut, dass sich seine Verwarnung von voriger
Woche als Falschmeldung herausgestellt hatte. Sonst wäre es jetzt die 5.
gewesen und Ziegner hätte gegen Sandhausen ersetzt werden müssen.
Selbst wenn er zuletzt auswärts eher zu überzeugen wusste als in Heimspielen.
Apropos Trainer, wie hatte René van Eck vor dem Spiel prophezeit ? Viele
Chancen wird es in Wiesbaden nicht geben. Deshalb müssen diese konsequent
genutzt werden. Genau das hatten seine Jungs vor der Pause versäumt, weshalb
es mit Spielstand 0:0 in die zweite Halbzeit ging. Hier zeigte sich
Nulle bei einem Schuss von Reinert gleich wieder auf dem Posten (49.).
Das Spiel des SVW, dessen Hauptsponsor mit Wasser-Technologie seinen Umsatz
macht, lief nun etwas flüssiger. Jenaer Konter besaßen Seltenheitswert,
in Minute 64 war es wieder mal soweit. Hähnge auf der rechten Seite fehlte
jedoch sein Anspielpartner im Zentrum, weil Hübner dem losspurtenden
Orlando in die Hacken getreten war, ohne dass dies der Referee geahndet hätte.
Jenas Hintermannschaft stand weiterhin sicher, geriet meist nur durch
Standartsituationen in Gefahr. Weigelts Freistoß aus fast dreißig Metern
hob Nulle in großem Stil über die Torlatte (65.). Und dann gab es da noch die Eckstöße.
Es mag der sechste oder siebente gewesen sein in Minute 72 - Jenas
Elf hatte sich wie immer komplett im eigenen Strafraum versammelt.
Zunächst gelang es, den Eckball nach vorn abzuwehren. Doch genau an der
Grenze zum Sechzehner stand Fabian Schönheim, welcher den als
Befreiungsschlag gedachten Ball dreisterweise als Vorlage ansah und direkt
ins rechte untere Eck traf.
Die seit sieben Spielen daheim ungeschlagenen Gastgeber führen 1:0 und nicht mal mehr zwanzig Minuten sind noch zu spielen. So manch einer
mit Blau-Gelb-Weiß im Herzen wird hinterher zugeben, er hätte nicht mehr an einen
Punktgewinn geglaubt. Doch Jenas Routiniers auf dem Spielfeld sehen das
anders. Torsten Ziegner hebt einen Ball vor in den Sechzehner auf Sebastian
Hähnge, der mit langem Bein zunächst dafür sorgt, dass das Leder
nicht ins Toraus verspringt. Danach tunnelt er Domaschke im zweiten Versuch und
vollendet überlegt mit halbhohem Schuss über zwei grätschende Verteidiger
hinweg ins Netz. Jubel im gut gefüllten Gästeblock direkt dahinter. Obwohl es
wie die meiste Zeit zuvor nun wieder unentschieden steht, scheint der Ausgleichstreffer
noch einmal richtig das Feuer anzufachen. Nicht nur auf den Rängen, auch bei
den blau-gelb gekleideten Spielern. Ein Torsten Ziegner erobert erst den
Ball, lässt ihn dann zu weit wegspringen, verliert ihn dadurch wieder und
hüpft vor Ärger darüber wie Rumpelstilzchen auf dem grünen Rasen. Jenas
Spieler wollen drei Punkte, das ist zu spüren. Doch die geniale Idee,
mit der der Willen in die Tat umzusetzen wäre, kommt ihnen an diesem Tag nicht
mehr. Stattdessen besitzen sie bei Schönheims Chance in der 87.
Minute sogar noch Glück, am Ende nicht mit leeren Händen
da zu stehen. Dass beide Trainer in der Nachspielzeit noch je
einen frischen Spieler für gerade mal fünfzehn Sekunden aufs Feld schicken, zeigt an, dass alle
mit dem Punkt leben können. Auf Jenaer Seite wird er sogar wie
ein Sieg gefeiert.
Mag es in der spielerisch-taktischen Umsetzung noch etliche Reserven geben, kämpferisch war's allemal in Ordnung. Zumindest vom Sportlichen her scheint das Schlimmste erst einmal überwunden. <fc>
- Stuttgart: Stolz; Schimmel, Pischorn, Vier, Enderle; Didavi, Funk,
Vecchione (83. Pala), Hertner (79. Riedle); Schipplock, Fischer (58. Walch)
- Jena: Nulle; Sträßer, Lanzaat, Lukimya, R. Schmidt; Kühne, Truckenbrod (62. Amrhein), Ziegner, Wuttke; Hähnge (85. Mayombo), Orlando (90. A. Schmidt)
- Zuschauer: 680
- Schiedsrichter: Dingert (Thallichtenberg)
- Spielbericht
- Jena: Nulle; Sträßer, Lanzaat, Lukimya, R. Schmidt; Kühne, Truckenbrod (62. Amrhein), Ziegner, Wuttke; Hähnge (85. Mayombo), Orlando (90. A. Schmidt)
- Im fünften Spiel gegen Stuttgart II gelang das zweite Tor. Dieses brachte, da der FCC im Gegensatz zu den sonst üblichen
dreieinhalb Gegentreffern pro Stuttgart-Spiel den Gastgebern keinen Treffer gönnte,
drei Punkte ein.
Nach 13 Sekunden hätte der Abend bereits einen schlechten Verlauf nehmen können, als Nulle das erste Schüsschen prallen ließ, der Stuttgarter den Nachschuss jedoch nicht am Jenaer Torwart vorbeibrachte. Nach 5 Spielminuten brannte es erneut lichterloh vor Nulles Kasten, als ein Angreifer eine Eingabe um Haaresbreite verfehlte. Die einzig erwähnenswerte Situation des Jenaer Angriffsspiels war ein Schuss Wuttkes nach einer Ecke aus 20 Metern in die zweite Etage des kalten Stuttgarter Abendhimmels (9. min). Ansonsten sah sich Jenas einziger Stürmer Hähnge immer von einer erdrückenden weißen Abwehrübermacht umgeben, gegen die alle Dribblings nichts fruchteten. Die Unterstützung der Mitspieler war nicht gegeben, da z. B. Orlando sich im Hinfallen und Abseitsstehen übte. Die Jenaer Harmlosigkeit wurde in der 19. min perfekt demonstriert, als man auf Höhe des Stuttgarter Strafraums einen Einwurf hatte und den Ball innerhalb von fünf Sekunden zielsicher zurück zu Nulle brachte. Da Stuttgart außer einem Schuss am langen Eck vorbei (35.) auch nichts weiter zustande brachte, ging es nach einer langweiligen Halbzeit torlos in die Kabinen.
Nach Wiederanpfiff änderte sich das Bild. Der FCC hatte sofort eine Ecke, die aber gefahrlos in einem schnellen Konter der Gastgeber mündete und uns wie schon zu Beginn der ersten Halbzeit beinahe ein Gegentor beschert hätte. In der 52. min schirmte Lukimya den Ball gegen einen Angreifer ab, Nulle sorgte aber für kurzes Herzflattern, da er den Ball erst im zweiten Zupacken sicher hatte. Die Partie wurde nun deutlich besser. Ursachen waren nicht nur die jetzt deutlich gefälligeren Spielzüge der Stuttgarter, sondern auch die Leistungssteigerung etlicher Jenaer Spieler. So präsentierte sich Schmidt deutlich selbstbewusster und auch offensiver als vor der Pause, und Ziegner zog immer aktiver die Fäden im Jenaer Mittelfeld. Doch wieder waren es die Gastgeber, die kurz vorm Führungstreffer standen, als Schipplock nach einem langen Pass Lanzaat einfach überlief und Nulle im wahrsten Sinne Kopf und Kragen riskieren musste. Dafür bekam er eine dreiminütige Behandlungspause auf dem Rasen. In der 58. Spielminute hatte der FCC seine erste Torchance: Orlando vernaschte links seinen Gegenspieler, passte flach in die Mitte, aber Hähnge setzte den Direktschuss leider übers Tor. Zwei Minuten danach stand Nulle wieder im Brennpunkt, als er einen Fernschuss Schipplocks über die Querlatte lenken konnte.
Eine entscheidende Veränderung brachte die Einwechslung Amrheins für Truckenbrod. Amrhein ging auf die linke Außenbahn, Orlando wechselte nach rechts und Wuttke rückte auf die defensive Mittelfeldposition. Damit war Hähnge nicht mehr ganz allein in der Stuttgarter Hälfte und obwohl sich neben ihm zumeist nur Amrhein, Orlando und Ziegner in die gegnerische Hälfte getrauten, kam deutlich mehr Offensivleben ins Jenaer Spiel. Und nur wenige Minuten später, nach einem zwischenzeitlich weiteren Kapitel des Duells Schipplock vs. Nulle (66., letzterer klärte zur Ecke), gab es den verdienten Lohn: Hähnge bekommt in der Mitte kurz hinterm Mittelkreis den Ball, sieht rechts außen den startenden Orlando, passt die Spielkugel maßgenau hinüber, Jenas Nummer 10 setzt sich mit einem eleganten Haken gegen den Verteidiger durch und ballert aus spitzem Winkel ins lange Eck. 1:0!!! Nicht nur der Gästeblock, auch im sogenannten Heimbereich flippte ein gutes Drittel der Besucher aus.
Drei Minuten später verhinderte das Gebälk des Stuttgarter Tores Hähnges Nominierung für das "Tor des Monats": Der Jenaer Stürmer ignorierte die beiden Stuttgarter und zog aus der Drehung vom rechten Strafraumeck ab. Stolz, der VfB-Keeper, schaute bewundernd dem Ball, den er sowieso nie und nimmer erwischt hätte, hinterher und ihm dürfte einige Tonnen Gestein vom Herzen gefallen sein, dass ihm sein Torpfosten hilfreich zur Seite stand. Bis zur 88. min versuchte Stuttgarts Zweite mit viel Energie, jedoch ohne Ideen, Jenas Bollwerk zu knacken, Angstperlen trieb dies aber nicht einmal den sonst aus Prinzip vorm Gegentor zitternden FCC-Fans auf die Stirn. In jener 88. min kamen zwei Angreifer doch einmal fast in der Mitte durch, Nr. 1 nahm jedoch der schussbereiten Nr. 2 den Ball vom Fuß. Einer von beiden, ob Nr. 1 oder 2 ist egal, sank zu Boden (Nase voll?) und der Referee pfiff zum Entsetzen der Jenaer und zur Verwunderung der Stuttgarter Zuschauer und zeigte auf den Elfmeterpunkt. Nulle korrigierte den Fehler des Referees, wehrte den Schuss ins linke untere Eck ab und schubste den wegspringenden Ball vorm nachsetzenden Schützen zur Seite. Die verbleibende Zeit inklusive der vier Nachspielminuten überstand der FCC ziemlich problemlos, auch weil sich van Eck daran erinnerte, dass man dreimal pro Spiel auswechseln darf und dies immer ein paar Sekunden schindet. Und so hatten wir endlich, nach einem Vierteljahr (Kiel!!!), wieder einmal eine Heimfahrt, auf der man sich mit Freude an das erlebte Spiel erinnerte. <uk>Spielbericht auf der Stuttgarter Homepage
Fotos auf fanclub-family.de
FC Carl Zeiss Jena - Wuppertaler SV 1:0
Tore: 1:0 Hähnge (43.)
- Jena: Nulle; Sträßer, Lanzaat, Lukimya,
R. Schmidt (46. Wuttke); Kühne, Truckenbrod (78. Mayombo), Ziegner,
Amrhein (88. Nagy); Hähnge, Orlando
- Wuppertal: Maly (
, 6.);
Neunaber, Neppe (76. Altin), Lorenz, Schauml;fer; Müller, Weikl
(79. Bernhardt), Fischer, Celikovic; Formento (6. Karagiannis), Damm
- Zuschauer: 5076
- Schiedsrichter: Schriever (Dorum)
- Spielbericht
- Wie gewohnt konnte man sich auch im Vorfeld dieses Spiels nicht
über mangelnde Unruhe im Umfeld des FC Carl Zeiss Jena beschweren, in
der Woche vor dem Spiel wurde mit Hartmut Beyer der neue Präsident
vorgestellt, der dann auch gleich die Kündigung für Salvatore
Amirante zurückzog und diesem so formal die Rückkehr in die
erste Mannschaft ermöglichte - der Italiener meldete sich aber zunächst
krank und blieb Training und Spiel fern. Die personelle Situation hatte sich
dennoch etwas entspannt, denn mit Sebastian Hähnge war zumindest eine
der Stützen der Jenaer Elf wieder in der Anfangself zu finden. Das
bestimmende Thema im Vorfeld war aber naturgemäß der Freitod
von Robert Enke, der seine Karriere ja in Jena begann und der auch bis zuletzt
noch den Kontakt in seine Heimat gehalten hat. Wie praktisch alle Außenstehenden
traf die Nachricht vom Selbstmord Enkes auch seine Freunde in Jena
unvorbereitet, der Schock über die nur schwierig nachvollziehbare
Entscheidung des erfolgreichen Torhüters saß auch in Jena
entsprechend tief.
Das Spiel begann dann auch mit einer Schweigeminute für
den achtfachen Nationalspieler, bei der manchem Besucher die eine oder andere
Träne über die Wange rollte. Die ersten Minuten des Spiels
hatten dann auch irgendwie den Anschein, als ob die 22 Akteure nicht ganz bei
der Sache wären. Zunächst schenken die Gäste den
Jenaern eine Ecke, weil es ein Missverständnis zwischen einem
Abwehrspieler und Gäste-Keeper Christian Maly gibt, ähnliches
gibt es nur Sekunden später auf der Gegenseite zu sehen. Die erste
halbwegs gefährliche Aktion ist dann ein langer Ball auf Orlando, der
mit seiner Schnelligkeit auch die WSV-Abwehr überrascht und den Gäste-Torwart
mit seiner plötzlichen Anwesenheit direkt vor dem Strafraum offenbar
so überrascht, dass dieser in einem Moment der Unaufmerksamkeit die Hände
zu Hilfe nimmt, obwohl er sich haarscharf außerhalb des Strafraums
befindet. Schiedsrichter-Assistent und Schiedsrichter können in dieser
Situation gar nicht anders, als Maly mit Rot vom Feld zu schicken und dem FCC
eine aussichtsreiche Freistoßposition an der Strafraumgrenze
zuzusprechen. Spätestens jetzt waren die Gedanken von Spielern und
Zuschauern voll und ganz beim heutigen Spiel. Opfer der Aktion von Maly war
letztlich der Wuppertaler Stürmer Formento, für den Gäste-Trainer
Uwe Fuchs nun Ersatz-Torhüter Asterios Karagiannis bringen musste.
Dieser sah sich gleich einer unbequemen Situation gegenüber, denn den
Freistoß von der Strafraumgrenze wollten die Gastgeber natürlich
im Tor unterbringen und dem Spiel so schon früh die richtige Tendenz
geben. Letztlich war es Torsten Ziegner, der sich den Ball zurechtlegte, anlief
und den Ball in Richtung Tor brachte - allerdings fehlten die berühmten
Zentimeter und der Ball strich am rechten Pfosten vorbei. Schon direkt im
Anschluss wurde klar, dass der WSV auch in Unterzahl ein unangenehmer Gegner
sein würde, der sich keineswegs entmutigen ließ. Die Spieler
aus der Stadt mit der Schwebebahn standen nun noch tiefer, als es vermutlich
ohnehin geplant war, Tobias Damm stand jedoch jederzeit bereit, um einen
schnellen Konter vorzutragen. Nach 13 Minuten waren es dann auch die Gäste,
die die nächste gute Gelegenheit hatten: Ein Freistoß aus
rund 25 Metern wurde von Celikovic vorbei an Freund und Feind auf den langen Pfosten
geschlenzt, wo Nulle aber hellwach und mit guter Reaktion zur Ecke klären
konnte. In der Folge bestimmte die in Überzahl spielende Jenaer Elf
zwar die Partie und hatte deutlich mehr Ballbesitz, dennoch muss sie sich den
Vorwurf einer gewissen Ideenlosigkeit anhören, denn gefährlich
wurde es für das Gäste-Tor nur äußerst
selten. Die tief stehenden Gäste machten geschickt die Räume
eng und unterbanden es effektiv, dass Orlando seine Schnelligkeit ausspielen
oder gefährliche Flanken in den Strafraum schlagen konnte. Wenn doch
mal ein Jenaer die Gelegenheit zur Flanke bekam, landete diese meist weit
hinter dem Tor und ließ das Jenaer Spiel entsprechend harmlos
erscheinen. Nach 35 Minuten fasste sich Amrhein ein Herz, sein Schuss bedrohte
aber vordergründig die Eckfahne und kann insofern als symptomatisch für
die Harmlosigkeit des FCC bis zu diesem Punkt gesehen werden.
Nur eine Minute später wären beinahe die Gäste
in Führung gegangen, denn einen schnellen Gegenzug konnte der schon
erwähnte Damm aus rund acht Metern abschließen, allerdings
war auch der selten geforderte Carsten Nulle gut drauf und konnte den Ball zwar
nicht festhalten, aber doch parieren. Bis zu diesem Zeitpunkt waren es damit
aber trotz Unterzahl doch die Wuppertaler, die die beste Chance der ersten
Halbzeit herausgespielt hatten. Die Szene der ersten Halbzeit stand aber noch
bevor, denn einmal mehr war es Orlando, der mit dem Ball am Fuß Fahrt
aufnahm und gleich mehrere Gegenspieler ausspielte. Beim letzten Verteidiger
Lorzenz versagten die Künste des kleinen Dribblers aber und es kam zum
Zusammenstoß, den die Gäste als freistoßwürdig
betrachteten und vehement den Pfiff des Schiedsrichters forderten. Dieser blieb
aber aus und Jens Truckenbrod nahm sich den Ball, zog sofort
ab und prüfte Karagiannis, der den Ball nicht festhalten konnte.
Dieser prallte nun vor die Füße von Sebastian Hähnge,
der bisher in dieser Saison torlos geblieben war und nun aus wenigen Metern nur
noch einschieben musste - TOOOOR für den FCC, endlich das erlösende
1:0!
Mit diesem Ergebnis ging es dann auch in die Kabinen, aus
denen die Gäste unverändert zur zweiten Halbzeit zurückkamen.
Beim FCC kam Wuttke für Schmidt, der aus Sicht von Trainer René van
Eck Gelb Rot-gefährdet war. Schon direkt nach Wiederanpfiff ist es
erneut Orlando, der die Gäste-Abwehr quasi im Alleingang umspielt und
dann nur noch den Torhüter vor sich hat, den Ball dann aber leider
etwas überhastet am Tor vorbeihämmert, anstatt ihn überlegt
einzuschieben. Die Gäste änderten zunächst wenig an
ihrer Spielweise und standen weiter tief, genauso schwer taten sich aber auch
die Jenaer. In der Folge plätscherte das Spiel dahin und auch in Folge
zahlreicher unnötiger Ballverluste im Spielaufbau konnte keine der
beiden Mannschaften gefährliche Chancen herausspielen. Wenn überhaupt
etwas Gefahr zustande kam, dann in Folge von Freistößen.
Doch auch hier versäumten es Gastgeber und Gäste, die Torhüter
zum Eingreifen zu zwingen oder gar vor ernsthafte Herausforderungen zu stellen.
In den letzten zehn Minuten wurden auch die Gäste noch einmal mutiger,
die Jenaer Verteidigung stand aber überwiegend sicher und zwang Nulle
nicht zum Eingreifen. Als bereits einige Minuten der Nachspielzeit gespielt
waren, eröffnete sich dem FCC noch die Chance auf 2:0 zu erhöhen.
Nach einem langen Ball lief Ziegner zusammen mit Orlando
aufs Gäste-Tor zu, begleitet nur von einem letzten Gäste-Verteidiger.
Als Ziegner den Ball zum einschussbereiten Orlando spielen wollte,
versagten ihm aber die Kräfte und die Nerven, sodass der Ball
unerreichbar für den mitgelaufenen Stürmer ins Aus trudelte.
Kurz darauf war aber auch Schluss und die Jenaer konnten
sich über drei Punkte freuen, die gegen den direkten Tabellennachbarn
natürlich sehr wichtig waren. Mit etwas mehr Kreativität und
Konsequenz im Torabschluss hätte man die Partie allerdings weniger anstrengend
für das leidgeprüfte Nervenkostüm der Jena-Fans
gestalten können. Nun bleibt zu Hoffen, dass die Jenaer in den
kommenden beiden Auswärtsspielen ebenfalls Punkten und so die Distanz
zu den Abstiegsrängen weiter vergrößern können. <bh>
1. FC Heidenheim - FC Carl Zeiss Jena 3:1
Tore: 0:1 Truckenbrod (35.), 1:1 Lukimya (60., ET), 2:1 Mayer (79.), 3:1 Weil (90.)
- Heidenheim: Bodemer; Meier, Göhlert, Krebs, Feistle; Bagceci
(46. Gül), Klarer, Weil, Essig (59. Mayer); Spann (88. D. Jarosch),
Heidenfelder
- Jena: Nulle; Sträßer, Lanzaat, Lukimya, Wuttke;
Kühne, Truckenbrod (86. Petersen), Ziegner, Amrhein; Orlando, Mayombo
(75. Eckardt)
- Zuschauer: 6130
- Schiedsrichter: Nowak (Bottrop)
- Spielbericht
- Im Spiel eins nach seinem Tod war Robert Enke auch fern der thüringischen
Heimat in Heidenheim allgegenwärtig. Der FCC verzichtete auf den
üblichen Aufdruck der Trikotbrust und die FCH-Fans auf ihre geplante
Choreo, beide Teams liefen mit Trauerflor auf und während der
holprigen Gedenkrede des Heidenheimer Stadionsprechers erinnerte der
Gästeblock ganz in schwarz an Jenas großen Sohn.
Wer gedacht hatte, der Nachmittag ginge derart besinnlich weiter, sah sich sehr
schnell getäuscht. Auf der Stadionbaustelle nahe des Schlosses
Hellenstein entwickelte sich ein überaus temporeiches Spiel mit
Chancen hüben wie drüben. Amrhein und Ziegner
(Außenpfosten) nach zwei und fünf Minuten hier - Meier (14.)
und Weil (16.) dort, Smeekes mit Hammerschuß (17.), Amrhein nach
Traumkombination (22.) sowie Kühne und Mayombo nach Eckball (25.)
wieder hier, es brannte unentwegt in beiden Strafräumen.
Gefährlich wurden die Gastgeber dabei fast immer bei ihren Angriffen
über Jenas lichterloh brennende linke Abwehrseite. Es ist nicht
überliefert, ob dies von Rene van Eck so gewollt war, aber Jena
spielte quasi mit Dreierabwehrkette, während
Sträßer als linker Läufer seine Seite über
die gesamte Länge des Spielfeldes allein zu beackern hatte, Smeekes
neben Mayombo im Zentrum stürmte. Was defensiv einem Harakiri glich,
führte aber gleichzeitig zu einem personellen Übergewicht des
FCC im Mittelfeld, welches die Heidenheimer vor große Probleme
stellte, und Jenas Fans ob des gebotenen Kombinationsflusses erstaunte. Der FCC
spielte als komplettes Kontrastprogramm zum letzten Heimauftritt einfach
schön anzusehen, die Einstellung stimmte bei jedem Einzelnen und nach
35 Minuten folgte die Belohnung in Form der Führung. Der ins Team
zurückgekehrte Torsten Ziegner tankt sich wie in alten
Regionalligazeiten auf der rechten Seite ein, an zwei Heidenheimern vorbei zur
Grundlinie durch, passt millimetergenau zurück auf Jens Truckenbrod,
der den Ball aus zehn Metern zu seinem so lange überfälligen
ersten Punktspieltor für den FCC versenkt. Was in Robert Enkes
ehemaligem Klassenkamerad Torsten Ziegner vorgeht, der im stillen Jubel beide
Arme gen Himmel reckt, kann man erahnen. Kurz darauf muss Smeekes eigentlich
das zweite Tor nachlegen, als er mutterseelenallein von der Mittellinie aus
aufs Tor zurast, aber am einzig verbliebenen Heidenheimer Verteidiger
hängenbleibt. Dann heißt es erst einmal Sichern des
Vorsprunges, Smeekes besetzt nun das linke Mittelfeld und nur noch einmal ist
Zittern angesagt, als Weils Schuss nur knapp am Nulle-Gehäuse
vorbeischrammt (37.). Pause, Jena führt und das verdient, wenn auch in
der Innenverteidigung mit Lukimya und Rückkehrer Lanzaat alles andere
als sicher.
René van Eck wechselt nicht, lässt aber seine Flügelzange Patrick
Amrhein und Orlando Smeekes die Seiten tauschen, ein Schachzug mit Folgen.
Jenas linke Seite ist nun endgültig zu für die Heidenheimer
Angriffsbemühungen, während Smeekes auf rechts im
völlig überforderten Außenverteidiger Feistle ein
ums andere Mal ein leichtes Opfer für seine
Flügelläufe vorfindet. Von Heidenheimer Ausgleichsdruck ist
nicht einmal ein Ansatz zu spüren, hier und jetzt geht es ganz klar um
die Spielentscheidung zugunsten der Gäste, die sich mit laufintensivem
und beängstigend temporeichem Spiel Chance um Chance erarbeiten. Der
als einzige Spitze stets anspielbereite Mayombo nach Kühne-Zuspiel
knapp vorbei (46.), Ziegner mit Freistoß in die Mauer (49.), Amrhein
aus dem Fußgelenk nur um Haaresbreite am Winkel vorbei (52.), Mayombo
nach Ziegner-Zuckerpass mit von Ersatz-Ersatzkeeper Bodemer glanzvoll pariertem
Schuss (55.), Kühne mit Flachschuss (61.), es stellte sich beinahe nur
die Frage, welcher der 11 Jenaer der kommende Torschütze sein
würde. Assani Lukimya war es dann, den der Stadionsprecher als solchen
verkündete, leider im Jubelton und begleitet vom
Kopfschütteln 500 fassungsloser Gesichter im Gästeblock. Was
war passiert? Ballverlust Truckenbrods im Mittelfeld, geschickter Pass
Güls auf den gerade eingewechselten Mayer, dessen Schuss Nulle
sensationell nach vorn abwehrt, wo er von der Brust Jenas Abwehrchefs
über den verdutzten Keeper ins Tor hüpft. Jenas Antwort
ließ nicht auf sich warten: Aber Smeekes findet in Bodemer seinen
Meister (66.), Ziegner zielt aus 20m knapp daneben (67.), Mayombo erwischt
Ziegners Zuspiel drei Meter vor dem Tor eine Hundertstelsekunde zu
spät (69.). Als dann nach 70 gespielten Minuten sowohl Lukimya, als
auch Truckenbrod und Mayombo Wuttkes wunderbare Eingabe von rechts nicht im
leeren Tor unterbringen können, hat der FCC nicht nur sein Pulver
verschossen, sondern sich auch selbst den Nerv gezogen. Eckardts Einwechslung
für Mayombo geht nach hinten los, weil nun die ballsichere Anspielstation
in der Spitze fehlt, und Nulle muss bei Kontern der nun aufdrehenden
Heidenheimer gleich zwei Mal binnen einer Minute sein ganzes Können
aufbieten. Nach 79 Minuten ist auch er machtlos, als Ziegner Heidenfelders
Schuss zunächst abblockt, aber der schwache Referee Nowak
Göhlerts Foul an Kühne nicht ahndet und Mayer aus Nahdistanz
vollendet. Ob der mitten in diese Aktion zu hörende Pfiff vom Referee
oder aus dem Publikum kam, bleibt das Geheimnis des Mannes aus Bottrop, der Treffer
zählte.
Jena blieben noch 11 Minuten, doch der Akku schien leer, zu
sehr hatte das Powerplay nach der Pause geschlaucht, stattdessen konterten die
Gastgeber ein ums andere Mal gefährlich und beseitigten mit dem
dritten Treffer in der Nachspielzeit alle Zweifel am mehr als
glücklichen Heimsieg. Dass Tim Wuttke - heute auch als rechter
Außenverteidiger gewohnt zuverlässig - den Schuss Weils
unhaltbar abfälschte, war ein sinnbildlicher Abschluss eines
unglücklichen Spieles, in dem der FC Carl Zeiss vieles richtig machte,
aber mit Fortuna und der eigenen Qualität vor dem gegnerischen Tor
hadern muss. <gunner>
FC Carl Zeiss Jena - SG Dynamo Dresden 0:4
Tore: 0:1 Röttger (4.), 0:2 Röttger (22.), 0:3 Kühne (36., ET), 0:4 Müller (77.)
- Jena: Nulle; Sträßer, Wuttke, Lukimya, Nagy (46.
Ziegner); Amrhein, Kühne, Truckenbrod, Eckardt (33. Orlando);
Mayombo, Benyamina (70. Kolb)
- Dresden: Keller; Cozza (35. Kunze), Oppitz, Trehkopf, Röttger
(46. Koch); Strifler, Hübener, Petrovic, Müller; Savran, Dobry
(78. Jungnickel)
- Zuschauer: 9846
- Schiedsrichter: Kempter (Sauldorf)
- Spielbericht
- Eigentlich sollte man mit dem
Schreiben erst anfangen, wenn man sich selbst wieder im Griff hat, der Puls die
200er-Marke unterschreitet, die Gedanken anfangen sich zu ordnen. Aber diesmal
geht es nicht. Die Wut muß raus, muß ungefiltert aufs Papier,
auch wenn es kein passendes Vokabular für ein derartiges Versagen
geben dürfte.
Es war eine Demütigung,
ein Untergang! Alleine die ersten fünf Minuten gegen Dresden sind bei
normaler Finanzlage ein Kündigungsgrund für den Trainer und
die halbe Mannschaft. Statt dem Tabellenvorletzten zu zeigen, warum er dort
unten steht, wird die Schlacht kampflos preisgegeben, die Initiative gar nicht
erst ergriffen. Dazu kommen diese dümmlichen Fehler bei der
Ballbehandlung und schon wird es ein unvergeßlicher Nachmittag! Ein grundloser
Querschläger von Nagy, ein bewunderndes Platzmachen Sträßers
(wo war der denn auf einmal hin?), ein Schuß von Röttger. 0:1
(4.). Dann: Ein leichter Ballverlust von Mayombo in der Spitze, eine schnelle Kombination
über den ganzen Platz ohne Jenaer Ballberührung oder auch nur
die Chance dazu, eine flache Hereingabe von Dobry auf den völlig
vereinsamten Röttger. Noch ein Schuß, diesmal ins andere
Eck. 0:2 (23.). Und dann zu allem Überfluß auch noch so ein
Eigentor der Kategorie 'Schöner geht's nicht', als Kühne einen
Müller-Freistoß mit dem Knie in den Winkel donnert. Absolut
unhaltbar für Nulle (35.). Ich hätte hier gerne ein bißchen
was vom Aufbäumen geschrieben, vom Kampfgeist, der einfach nicht
belohnt wurde oder so. Aber es war einfach nur erbärmlich. Ein Zweikampfverhalten wie zur Love-Parade. Kein Biß, kein Wille. Nicht mal
den Ansatz einer Jenaer Chance gibt es hier zu beschreiben.
Dafür müssen
die Zuschauer im Stadion noch 20 Spielminuten voller Jenaer Unzulänglichkeiten
plus Halbzeit über sich ergehen lassen und das alles bei
Heimspielatmosphäre für Dresden. Ich kann das hier gottlob schneller
machen. Es war Lukimya, der einen Ziegner-Freistoß gefährlich
in Richtung des Dresdner Tors verlängerte und Keller zu einer schönen
Parade zwang (54.). Immerhin der Auftakt zu den stärksten fünfzehn
Minuten unserer Helden, in denen sich zwei, drei gute Möglichkeiten zu
einem Anschlußtreffer ergaben. Erst scheiterte Orlando mit einem Schuß
von der Strafraumgrenze an Keller (55.), kurz darauf segelte ein
30-Meter-Knaller von Amrhein knapp am Dresdner Gehäuse vorbei (57.). Und
dann die 68. Spielminute! Der erste Spielzug der Jenaer, der aussah wie gewollt.
Da läuft der Ball mal über fünf, sechs Stationen, da
kann sich Amrhein auf der linken Seite schön durchsetzen und auch
Mayombo macht eigentlich alles richtig. Pech, daß sein Drehschuß
am gedankenschnellen Keller hängenbleibt. Wäre diese erste Katastrophenhalbzeit
nicht gewesen, das Publikum hätte sicherlich verzückt
applaudiert. So aber war nur ein langgezogener Seufzer zu hören.
Aber die Jenaer Erfolgsgeschichte für diesen Nachmittag ist ohnehin schon wieder zu Ende.
Was noch kommt ist stattdessen der endgültige
Offenbarungseid. Nachdem Savran aus Ermangelung an Gegenspielen den Ball
ungehindert aus 20 m an die Latte donnern kann (wieder waren Sträßer
und Lukimya erst ganz eng dran und dann wie vom Erdboden verschluckt), bringen
es die Jenaer dreißig Sekunden lang nicht fertig, für klare
Verhältnisse im Strafraum zu sorgen. Als Savran zig verlorene Zweikämpfe
später den Ball wieder kriegt, sehen alle Zuschauer schon was jetzt kommen
muß, können in Ruhe ihre Fahnen einrollen, ihre Kissen
einpacken und was sonst noch so zu tun ist, um ganz schnell nach Hause zu
kommen. Es war wirklich so offensichtlich, daß der Savran dem Müller
das Ding auflegt, daß man schon fast enttäuscht darüber sein mußte, nichts Spektakuläreres geboten zu bekommen.
Noch den Nulle hübsch ausgekurvt und dann rein damit (77.). Schöner
geht's nicht mehr. Nie habe bereits eine Viertelstunde vor dem Abpfiff so eine Abwanderungswelle erlebt (O-Ton: "Da glotze ich mir lieber die Kandinsky-Ausstellung an")
Es tut mir leid, wenn das hier alles sehr sarkastisch rüberkommt,
aber es war bei diesem Spiel die einzige Möglichkeit, nicht völlig
die Beherrschung zu verlieren oder sich diversen Gewaltphantasien hinzugeben.
Eine solche Darbietung ist mir in Jena noch nicht untergekommen. Das
Pfeifkonzert zum Ende konnte nicht annähernd wiedergeben, was sich
hier gerade abgespielt hatte. Es ist ja nicht, daß Jena inzwischen
nahezu jedes Ostderby als Zweitplazierter beendet, sondern es ist die Art und
Weise, wie hier untergegangen wird. Spielerische Mängel sind
verzeihlich, wenn auch nicht immer nachvollziehbar. Aber kämpferisch
muß es einfach stimmen. Jeder Kreisklassespieler weiß, daß
man sich in der Anfangsphase erst mal Respekt verschaffen muß, will
man nicht den Rest des Spiels wie ein Depp aussehen ("gib dem Neuner gleich
einen mit, damit er weiß, dass er seinen Hutzebutz hier
vergessen kann" war der bekannte Slogan unseres Trainers vor jedem Derby in
Zottelstedt). Die Dresdner wußten das, die Jenaer nicht. In meinen
Augen das größte Problem ist und bleibt aber dieses konfuse
Miteinander. Da sind keine Laufwege aufeinander abgestimmt, da gibt es
keinerlei Zuordnung, da fehlen vorne die Leute, die hinten zu wenig sind. Was
machen die eigentlich die Woche über?
Persönlich fürchte ich, daß van Eck trotz
aller Sympathien nicht der richtige Mann für diesen Job ist. Aber neu
ist diese Erkenntnis im Verein ja nun auch nicht...
Das war ein grauenhafter Samstag!
Wollen wir uns nicht schneller im Abstiegskampf wiederfinden als uns lieb ist, darf sowas nicht so schnell wieder passieren. Es sind jetzt zwei Wochen Zeit,
irgendwie zu reagieren und diesem nervösen Haufen wieder
Selbstvertrauen einzuflößen. Wie das gehen soll, ist mir
ehrlich gesagt ein Rätsel. Aber vielleicht reicht es ja auch schon, wieder
vor den für die dritte Liga typischen Gruselkulissen anzutreten. Zu
viel Öffentlichkeit ist unserer Mannschaft scheinbar ein Graus. Insofern
liegt über den nächsten Wochen ein zarter Hoffnungsschimmer,
wenn wir uns mit Fußballgrößen wie dem 1. FC
Heidenheim oder dem Wuppertaler SV der üblichen Tristesse hinzugeben haben. <bpf>
SSV Jahn Regensburg - FC Carl Zeiss Jena 1:1
Tore: 0:1 Mayombo (27.), 1:1 Würll (90.)
- Regensburg: Sattelmaier; Hörnig (57. Jarosch),
Hagmann (
, 88.), Maul, Binder; Zellner,
Kreis (74. Schlauderer), Haller, Berger; Stoilov, Schmid (60. Würll)
- Jena: Nulle; Sträßer, Lukimya, Wuttke, Nagy; Eckardt
(70. Orlando), Truckenbrod, Kühne, Amrhein; Mayombo, Benyamina (90. Kolb)
- Zuschauer: 4108
- Schiedsrichter: Glasmacher (Alsdorf)
- Spielbericht
- Im letztjährigen Abstiegskampf hatte mir der
Spielberichtsorganisator das Angebot abgerungen, im Falle des Nichtabstiegs mal
wieder einen Spielbericht zu verfassen. Dies hatte die FCC-Helden dann
tatsächlich noch so angestachelt, dass sie sich auf der Zielgeraden
über den Strich retteten. Mein Versprechen sollte nun zum Abschluss
der "Bayrischen Wochen" beim Gastspiel bei Jahn Regensburg
eingelöst werden. Die Münchner FCC-Gemeinde um "Gleis
26" traf sich pünktlich nach dem Frühstück
zur gemeinsam Fahrt in die Hauptstadt der Oberpfalz. Die Stimmung war
entspannt, denn gegen Regensburg hatte der FCC noch nie verloren und in
Regensburg stets 2:2 gespielt. Ein Resultat mit welchem man in der aktuellen
Situation auch wieder zufrieden gewesen wäre.
Nach problemloser und zügiger Fahrt im ALEX wartete
in Regensburg noch eine Busfahrt zum Stadion auf uns, die gefühlt so
lange wie die Zugfahrt dauerte. Der Fahrer wollte uns wohl die
Schönheit der Stadt genießen lassen, anders sind die
minutenlangen Stopps an den Haltestellen nicht zu erklären.
Letztendlich erreichten wir aber pünktlich das Jahnstadion, dessen
Charme gleich deutlich darauf hinweist, dass man sich in einer der ältesten
Städte Deutschlands befindet.
Die Gastgeber hatten
nach ihrem sehr guten Saisonstart zuletzt etwas geschwächelt und vier
Spiele in Folge nicht gewonnen (3 Niederlagen, 1 Unentschieden) und waren von
den Aufstiegsrängen auf Platz sieben zurückgefallen.
Angeführt vom Kapitän und Ex-Jenaer Alexander Maul
übernahm Regensburg gleich die Initiative und bereits nach drei
Minuten knallte der Ball zum ersten Mal gegen den Pfosten des Jenaer Tores.
Allerdings stand Schütze Haller dabei im Abseits. Der FCC startete mit
der Elf der zweiten Halbzeit vom Spiel in Unterhaching und meldet sich mit
einem Schuss von Amrhein, den Sattelmaier zur Ecke abwehrte, in Minute sieben
erstmals offensiv zu Wort. Regensburg blieb aber spielbestimmend und traf durch
Stoilov erneut den Pfosten (19.). Den zurückspringenden Ball bugsierte
Haller unbedrängt über das leere Tor. Dies wirkte allerdings
als Wachruf für die Jenaer Kicker, die nun doch auch etwas mehr nach
vorn versuchten. In der 26. Minute konnte Alexander Maul gerade noch René
Eckardt an der Strafraumgrenze am Schuss hindern. Eine Minute später
lupfte Amrhein im Mittelfeld den Ball schön zu Truckenbrod, der einen
feinen Pass in den Strafraum spielte und Mayombo mit prima Einsatz noch vor dem
zögerlichen Abwehrspieler am Ball war und ihn an Sattelmaier vorbei
zum 1:0 ins Tor spitzelte. Die Führung war zu diesem Zeitpunkt sicher
etwas überraschend, wäre aber fast noch erhöht
worden, doch Truckenbrod kam bei einem weiten Pass von Nagy einen Schritt zu
spät (34.). Regensburg kam vor der Pause nur noch zu einer Chance, die
Nulle aber souverän meisterte (41.).
Der FCC kam besser aus der Pause und bestimmte nun
zunächst das Spielgeschehen. Eckardt passt zu Amrhein, der legt auf
Mayombo ab, der leider einen Schritt zu spät kommt (47.). Zwei Minuten
später behauptete Mayombo im Strafraum den Ball gegen Maul. Dieser
konnte sich nur mit einer Ringereinlage helfen. Der fällige
Elfmeterpfiff des insgesamt recht schwachen Schiedsrichters Glasmacher blieb
aber aus. Die nächste Chance hatte Sträßer nach
Doppelpass mit Eckardt. Doch sein Schuss ging knapp am rechten Pfosten vorbei
(53.). Regensburgs erste Offensivaktion in der zweiten Halbzeit war ein
Fernschuss aus knapp 30 Metern, der aber weit am Kasten von Nuller vorbei ging
(55.). Trainer Weinzierl reagierte und brachte mit Würll nach einer
Stunde einen weiteren Angreifer. Auch wenn Regensburg damit das Spiel wieder
etwas ausgeglichener gestalten konnte, blieben Chancen nun auf beiden Seiten
zunächst aus. Nach 70 Minuten kam Orlando für Eckardt und
damit auch neuer Schwung ins Spiel. Zunächst setzt sich Orlando auf
rechts durch und flankt von der Grundlinie, den Kopfball von Amrhein kann
Sattelmaier aber entschärfen (76.). Drei Minuten später ein
Konter des FCC, Truckenbrod passt auf Mayombo, der in aussichtsreicher Position
verstolpert. Und drei Minuten vor Ablauf der regulären Spielzeit wird
Orlando über links geschickt, Hagmann kommt nicht hinterher und
erwischt Orlando nur noch am Fuß und kassiert dafür - da
letzter Mann - die Rote Karte. Die 90 Minuten waren abgelaufen, Regensburg
bemüht sich noch einmal in
Richtung Jenaer Tor und Mayombo geht etwas ungeschickt in den Zweikampf -
Freistoß und wohl die letzte Aktion im Spiel. In der
Gästekurve bangte man nun schon, dass es doch nicht schon wieder mit
einem späten Ausgleich in Regensburg enden kann und darf ... Aus dem
Fanblock vom anderen Ende des Spielfeldes sah man den Freistoß
über Freund und Feind hinwegsegeln und dann tatsächlich im
Netz zappeln. Hinterher hörte man, dass wohl Mayombo unglücklich
ins eigene Tor getroffen hatte. Sehr ärgerlich! Dem Spielverlauf nach
sicher eine akzeptable Punkteteilung. Aufgrund der besseren zweiten Halbzeit,
in der vergessen wurde, den berühmten Sack zuzumachen,
aber doch zwei verschenkte Punkte mit einem
tragischen Helden Mayombo. <jw>
SpVgg Unterhaching - FC Carl Zeiss Jena 3:1
Tore: 1:0 Steegmann (43.), 2:0 Steegmann (63.), 3:0 Kanca (76.), 3:1 Benjamina (82.)
- U'haching:Kampa; Konrad, Hain, Brysch, Schaschko (90. Ziegler);
Tyce, Mitterhuber, Zillner, Leandro; Schweinsteiger (73. Kanca), Steegmann (79. Rathgeber)
- Jena: Nulle; Sträßer (73. Osadchenko), Lukimya, Wuttke, Nagy; Eckardt, Kühne, Truckenbrod, Ziegner (46. Benyamina), Orlando (46.
Mayombo); Amrhein
- Zuschauer: 3300
- Schiedsrichter: Fischer (Hemer)
- Spielbericht
- Same procedure as every year.
Der FCC verliert obligatorisch sein Auswärtsspiel bei der Spielvereinigung Unterhaching, diesmal
mit 3:1 und nach zwei völlig unterschiedlichen Halbzeiten.
Der
Minutenzeiger hatte noch nicht einmal eine volle Umdrehung gemacht, da hatten
Jenas Fans den Torschrei auf den Lippen, als Patrick Amrhein von Ziegner
mustergültig bedient von der Strafraumgrenze abziehen kann, aber nur ein
klägliches Schüsschen zustande bringt. Ein Auftakt mit Signalwirkung konnte man
hoffen, doch als Referee Fischer 45 Minuten später zur Pause pfiff, war aus
Sicht des FCC keine einzige weitere Möglichkeit zu notieren gewesen, von einem
großzügig verzogenen Distanzschuss des überraschend sofort eingesetzten Kühne
einmal abgesehen. Jena lieferte eine erste Hälfte ohne jeden Esprit, blieb im
Offensivspiel erschreckend harmlos und lag verdient mit 0:1 zurück. Dass dieses
Gegentor aus einer lächerlichen Schauspieleinlage Zillners an der
Seitenauslinie direkt vor den Augen des schwachen Linienrichters und folgender
Freistoßflanke resultierte, war bitter. Aber Steegmanns gegen Lukimya
folgenschwer gewonnenes Kopfballduell zum Führungstreffer kurz vor der Pause
(43.) eben auch nur eine der zahlreichen Hachinger Möglichkeiten. Von denen
vergab der Torschütze selbst üppig (12., 26., 34.), aber Zillner nach seinem
Sturmlauf zwischen den verdutzten Sträßer und Ziegner hindurch zweifellos die
größte - Nulle rettete glanzvoll (33.).
So konnte es nicht weitergehen, und van Eck, der schon vor Anpfiff auf den sich
beim Aufwärmen verletzenden Holwijn verzichten musste, stellte erneut um. Auch,
weil der blasse Orlando Smeekes mit ausgekugelter Schulter passen musste. Aus
dem 3-5-1 mit Doppelsechs Kühne/Truckenbrod und Amrhein als einziger Spitze
wurde nun ein 4-4-2. Amrhein rückte zurück auf die linke Mittelfeldposition,
als Spitzen agierte dabei das Sturmduo der in dieser Saison so begeisternden
II. Mannschaft, und plötzlich ging beim FCC nach vorn die Post ab. Insbesondere
Exaucé Mayombo war von Hachings Verteidigern kaum zu stellen und lieferte eine
starke Partie ab. Kühnes Schuss nach Truckenbrod-Ablage gab nach 51 Minuten die
Richtung vor, Mayombos abgefälschter Schuss folgte zwei Minuten später, Amrhein
prüfte Kampa im Hachinger Tor aus 18 Metern (54.), Truckenbrod zieht knapp
übers Tor (58.). Jena war jetzt richtig im Spiel, die Kombinationen liefen
flüssig und spätestens in der 59. Minute musste es einfach soweit sein, als
Rene Eckardt auf rechts mustergültig von Sträßer bedient wird, aber statt Kampa
den Ball um die Ohren zu ballern eine unmotivierte Mischung aus Heber und
Flanke ansetzt. Wie einfach Fußball sein kann, demonstrierten die Bayern kurz
darauf auf der Gegenseite: Langer Befreiungsschlag Hains aus der eigenen Hälfte
auf den durchstartenden Steegmann, der vernascht Wuttke im 16er und schiebt
lässig zum 2:0 ein. Bewundernde Worte fielen im Gästeblock über die weise
Voraussicht jenes sonst so viel- und weitreisenden Münchner FCC-Fans, der einem
Gelübde folgend den Nachmittag lieber weit abseits seinen Hund Gassi führend
verbrachte. Seit dem Sieg vor 17 Jahren scheint für unseren Club ein Fluch auf
diesem Sportplatz zu liegen. Sonst hätten vielleicht auch Mayombo nach
Traumzuspiel Benyaminas freistehend vor Kampa die Nerven nicht versagt (65.).
Und sonst würde ein Schiedsrichter bei einem Foul wie dem Kampas an Carsten
Sträßer im 16er auch einmal auf Elfmeter entscheiden. Für Sträßer bedeutete
Kampas übles Einsteigen das Ende der Partie - Jenas dritte Verletzung an diesem
Tage - und die Unordnung in der Hintermannschaft des FCC nutzte der
eingewechselte Kanca zur endgültigen Entscheidung. Dabei hätte es vielleicht
noch einmal eng werden können, wenn nach Benyaminas Anschlusstreffer per Kopf -
Nagy hatte von links geflankt - mehr gekommen wäre als die vergebenen
Möglichkeiten Benyaminas (Kopfball nach Eckball von rechts, 83.) und Amrheins
Freistoßversuch übers Tor (84.). Wo das Problem des FCC liegt, demonstrierte
dann eine Minute vor dem Ende René Eckardt noch einmal final, als er völlig
freistehend an Kampas Blitzreaktion scheitert. Nein, nichts zu holen in
Münchens Süden. Verflucht! <gunner>
FC Carl Zeiss Jena - FC Ingolstadt 04 2:0
Tore: 1:0 Lukimya (72.), 2:0 Holwijn (83.)
- Jena: Nulle; Sträßer, Lukimya, Wuttke, Nagy; Holwijn,
Truckenbrod, Ziegner (85. Eckardt), Orlando (90. Fuss); Amrhein,
Hähnge (73. Benyamina)
- Ingolstadt: Lutz; Keidel, Pisot, Wenczel, Ruprecht; Leitl,
Fleßers (71. Braber), Karl, Buchner; Neuendorf, Hartmann
- Zuschauer: 5099
- Schiedsrichter: Siebert (Berlin)
- Spielbericht
-
Im Vorfeld des Spiels gab es jede Menge Aufregung im Umfeld des FCC: Spätestens mit der Pokalniederlage in
Meuselwitz und der anschließenden Suspendierung von Salvatore Amirante hatte der FCC wieder einmal demonstriert,
dass man in Jena mit allem rechnen muss. Dazu kam noch die Vorstellung des neuen Geschäftsführers Michael
Born unter der Woche, Ablenkung von der Vorbereitung auf das Spiel gegen einen der Staffelfavoriten des Jahres gab
es also zur Genüge.
Mit dem FC Ingolstadt 04 war eine Mannschaft im Ernst Abbe Sportfeld zu Gast, gegen die der FC Carl Zeiss Jena erst
ein einziges Mal im Rahmen eines Winter-Trainingslagers gespielt hat. Das ist allerdings weniger überraschend,
zumindest wenn man betrachtet, dass der FC Ingolstadt 04 erst im Jahr 2004 als Zusammenschluss von MTV 1881 und ESV
Ingolstadt entstanden ist. Seitdem hat der Verein mit der Unterstützung des großen Sponsors im Rücken
einen steilen Aufstieg erlebt und konnte schon im Jahr 2007 den Aufstieg in die zweite Bundesliga feiern. Der letztjährige
Abstieg darf als Betriebsunfall verstanden werden, der den langfristigen Weg in Richtung erste Bundesliga wohl nur verzögert
hat. Spätestens beim Blick auf das Mannschaftsfoto der Gäste wird deutlich, wie der Verein verstanden werden soll: Der
Star ist nicht die Mannschaft, auch nicht bundesligaerfahrene Spieler wie "Zecke" Neuendorf Stefan Leitl, selbst Trainer
Horst Köppel steht im zweiten Glied. Bei Ingolstadt 04 gilt einzig und allein: Der Star ist der Sponsor.
Aber kommen wir zum Spiel: Den Spielern des FCC war von Beginn an anzumerken, dass die Geschehnisse außerhalb
des Platzes nicht völlig verdrängt werden konnten, jedenfalls waren die Gäste aus Ingolstadt von Beginn an
die spielbestimmende Mannschaft. Bereits in der ersten Minute kommen die Gäste gefährlich vors Jenaer Tor, die
Flanke von Leitl kann Buchner aber nicht verwerten. Nur wenige Augenblicke später versucht der rehabilitierte Ziegner
einen Rückpass zu Carsten Nulle, der Ball ist allerdings beinahe zu kurz und bringt Nulle erstmals in Bedrängnis.
Dank einer schnellen Reaktion kommt er allerdings noch vor dem Ingolstädter Spieler an den Ball und kann die Situation
klären. Dennoch blieben die Gäste dominant und kamen noch in der zweiten Minute nach einer Keidel-Flanke durch
Buchner zur nächsten Chance, auch dieser Kopfball verfehlte das Jenaer Tor aber knapp. Erst nach diesen drei Aufregern
konnten die Jenaer Fans erstmals durchatmen; auch wenn die FCC-Elf sich keine eigenen Chancen erspielen konnte, gelang es
nun immerhin, die Gäste vom eigenen Tor fernzuhalten. Dennoch wirkten die Gäste auf dem vom Regen getränkten
Rasen stets spritziger und technisch versierter und konnten mit einfachen Doppelpässen immer wieder schnelle
Vorstöße einleiten, die zum Glück für die Jenaer Elf nicht mit letzter Konsequenz ausgespielt
wurden. Wenn die Ingolstädter doch einmal den Abschluss fanden, war dann allerdings Carsten Nulle zur Stelle,
der insgesamt eine überzeugende Partie ablieferte. Auch nach einem Schuss von Karl aus rund zehn Metern war
Nulle zur Stelle und konnte per Fußabwehr klären. Nach knapp einer halben Stunde kamen auch die Jenaer
erstmals zu so etwas ähnlichem wie einer Torchance, als Patrick Amrhein auf der rechten Außenbahn vor
dem unnötigerweise herauseilenden Ingolstädter Torhüter Lutz an den Ball kommt und an diesem auch
vorbeikommt, dann aber ausrutscht und damit das großzügige Geschenk der Gäste dankend ablehnt. Kurz
vor dem Halbzeitpfiff ist es wieder Amrhein, der an der Strafraumgrenze der Ingolstädter glücklich an den
Ball kommt, die gebotene Chance aber mit einem Schuss zur Eckfahne kläglich vergibt. Damit blieb es zur Halbzeit
beim 0:0 und obwohl die Ingolstädter nicht viele klare Torchancen erspielt hatten, waren sie doch ohne Zweifel
die gefälliger spielende Mannschaft, die eine Führung zu diesem Zeitpunkt absolut verdient hätte.
In den Minuten nach Wiederanpfiff hatte man nicht den Eindruck, als ob René van Eck der Mannschaft in der Kabine
entscheidende Impulse gegeben hat. Wieder hatten die Ingolstädter den besseren Beginn für sich: Mit zwei
Freistößen aus rund 20 Metern brachte Keidel den Jenaer Torhüter Nulle in Bedrängnis, dieser war
aber hellwach und ging in Anbetracht des glitschigen Balls zwei mal auf Nummer sicher und faustete den Ball wieder
ins Spielfeld zurück. In der 51. Minute war es wieder Karl, der die Führung auf dem Fuß hat, aber im
letzten Moment mit viel Glück von mehreren Jenaer Verteidigern am Abschluss gehindert wird. Nur zwei Minuten
später die nächste Großchance für die Gäste, nun rettet wieder Nulle gegen Leitl, der
völlig unbedrängt zum Schuss kommt - die Ingolstädter Führung schien nur eine Frage der Zeit
zu sein, von Jenaer Seite kamen wie in der ersten Halbzeit praktisch keine Impulse für das Spiel. Nach 55 Spielminuten
kam aber auch der FCC mal wieder vors Gäste-Tor, die Flanke von Truckenbrod auf Hähnge war präzise und
gefühlvoll getreten, allerdings war auch Gäste-Torwart Lutz auf dem Posten und konnte mit den Fäusten
vor Hähnge an den Ball kommen. Zehn Minuten später war es erneut Nulle, der die letzte Rettung für das
scheinbar unverrückbare 0:0 an der Anzeigetafel darstellte. Gleich mehrere Stürmer der Gäste
scheiterten mit ihren Schussversuchen am Jenaer Keeper, bevor die Situation endlich bereinigt werden konnte.
Die rot-weiß gekleidete Marketingmaßnahme der bekannten VW-Tochter hielt bis dahin also fast, was
der Bus mit großen Lettern versprach: Der "Vorsprung durch Technik" schlug sich allerdings nur in
Spielanteilen und Torchancen nieder, das Spielergebnis zeigte sich bisher unbeeindruckt. In der Folge gönnten
sich die Gäste allerdings eine kleine Verschnaufpause und die Jenaer kämpften sich zurück ins Spiel.
Torchancen blieben zwar zunächst Mangelware, aber immerhin musste man sich in dieser Phase keine großen
Sorgen um das FCC-Tor machen. In der 72. Minute passierte dann das, was auch dem FCC schon oft genug widerfahren ist:
Die Mannschaft, die bis dahin klar unterlegen war und praktisch keine echte Torchance zu verzeichnen hatte, geht
völlig unverdient in Führung. Nach einem Freistoß aus halbrechter Position und rund 30 Metern
Entfernung ist es Abwehrmann Assani Lukimya, der als erster an den Ball kommt und diesen per Kopf ins lange
Ecke verlängern kann - 1:0 für den FCC und der Spielverlauf stand auf dem Kopf! Die Jenaer Zuschauer
hatten sich noch nicht wieder hingesetzt, da wäre beinahe der hochverdiente Ausgleich gefallen, als Buchner
per Kopf nur die Latte trifft und ein weiterer Ingolstädter seinen Nachschuss wenige Zentimeter neben den
linken Pfosten setzt. Die Angriffe der Gäste wurden nun verständlicherweise wütender und brachten
Nulle noch mehrmals in Bedrängnis. Nur zwei Minuten nach der Führung muss der Jenaer Torwart erneut per
Faustabwehr retten, nachdem ein Angreifer eine Gäste-Ecke per Volleyschuss von der Strafraumgrenze aufs Tor
brachte. Weitere drei Minuten später machte sich Nulle endgültig zum Mann des Spiels, als er einen
weiteren Freistoß von "Zecke" Neuendorf, der ansonsten unauffällig agierte, klären konnte.
Während die Gäste auf den Ausgleich drängten, zeigten die Jenaer, wie effizienter Fußball
aussehen kann: Einen hohen Ball aus dem Mittelfeld legt Amrhein per Kopf auf Melvin Holwijn ab, der sich ein Herz
nimmt und aus rund 18 Metern einfach mal draufhält. Der von Gäste-Trainer Köppel nicht ganz zu
Unrecht als "Sonntagsschuss" bezeichnete Ball schlug unhaltbar für Gäste-Keeper Lutz in der linken
Ecke ein und sicherte den Jenaer Sieg, der bis dahin noch heftig wankte.
Die Ingolstädter Bemühungen blieben auch in der Folge unbelohnt und fast hätte man den Eindruck
haben können, dass sich an diesem Tag die über 100 Jahre längere Tradition des FCC gegen den noch in
den Kinderschuhen steckenden Gast aus Ingolstadt durchgesetzt hat. Dennoch darf nicht unerwähnt bleiben, dass
der Sieg und die damit verbundenen drei Punkte sehr glücklich für René van Eck und den FC Carl
Zeiss waren, von einem verdienten Sieg kann beim besten Willen nicht die Rede sein. Entsprechend gedrückt
dürfte die Stimmung im Ingolstädter Bus bei der Heimreise gewesen sein, denn es ist ohne Zweifel bitter,
nach einem derart kraftraubenden und über weite Strecken gut geführten Spiel ohne Punkte nach Hause
fahren zu müssen. Es bleibt zu hoffen, dass die Jenaer beim nächsten Spiel in Unterhaching auch
spielerisch zu überzeugen wissen und auch in Bayern Punkte holen, bevor die bayerischen Wochen mit dem Spiel
in Regensburg hoffentlich erfolgreich beendet werden. <bh>
Kickers Offenbach - FC Carl Zeiss Jena 4:0
Tore: 1:0 Pospischil (24.), 2:0 Ulm (41.), 3:0 Mesic (78.), 4:0 Pfingsten-Reddig (88.)
- Offenbach: Wulnikowski; Huber, Hysky, Kopilas, Schutzbach;
Haas (84. Pfingsten-Reddig), Pospischil, Zinnow, Fröhlich (72. Laux);
Ulm, Mesic (81. Albayrak)
- Jena: Nulle; Fuss, Lukimya, Wuttke, Sträßer;
Holwijn (72. Kolb), Lanzaat (
, 79.),
Truckenbrod, Hähnge (46. Nagy), Orlando; Amirante
- Zuschauer: 8563
- Schiedsrichter: Thomsen (Kleve)
- Spielbericht
- Auf den Tag genau vor einem Jahr begleitete ich den FCC zum
Auswärtsspiel nach Wuppertal. "Am Tag der deutschen Einheit flossen
die Punkte von West nach Ost", beendete ich damals den Spielbericht und hoffte
jetzt auf einen vergleichbaren Spielausgang ein Jahr später.
Ein entlaufener Bulle vorm Polizeiauto auf der Hinfahrt sollte hierbei
eigentlich als Glücksbringer fungieren.
Allerdings ließen die letzten Auftritte der aktuellen Zeiss-Elf
ebenso wenig einen Feier(tags)auftritt erwarten wie die Bilanz am Bieberer Berg
mit nur einem mageren Pünktchen aus vier Spielen.
Ein Amirante-Schuss nach hundert Sekunden eröffnete
die Partie, in der Wuttke auch nach Lanzaats Rückkehr zunächst
in der Innenverteidigung blieb. Obwohl der Holländer bei seinem
Kurzeinsatz gegen Bremen alles andere als souverän gewirkt hatte,
wurde er ein weiteres Mal auf der Position vor der Abwehr neben Truckenbrod
besetzt. Sein Fehler ohne Not nach 16 Minuten ließ Pospischil von der
Strafraumgrenze aus zum Schuss kommen, Nulle bügelte aus. Es war die
zweite Chance der Hausherren in diesem Match, da sich zuvor bereits Zinnow
durch den kompletten Jenaer Strafraum gedribbelt hatte, dabei jedoch vergaß,
aufs Tor zu schießen. Auch Truckenbrod probierte es nach siebzehn
Minuten mal mit einem Schuss von der Strafraumgrenze. Wulnikowski kam mit einer
Faust an den Ball und lenkte zur Ecke. Fünf Minuten später.
Zinnows Faller nach Zweikampf mit Sträßer sah nach Schwalbe
aus, der bis dahin großzügige Schiedsrichter gab jedoch
Freistoß. Der Ball blieb in der 6-Mann-Mauer hängen, sprang
aber nach seiner ersten Bodenberührung mit ungewöhnlichem
Drall wieder zurück. Ein Lupfer in den Jenaer Strafraum, wo die Blauen
vergebens auf Abseits reklamierten, ein zur Vorlage werdendes Luftloch sowie
ein straffer Schuss auf zehn Metern führten zum 1:0.
Wie schon gegen
Bremen galt es einem Rückstand hinterher zu laufen. Genau das aber
wird zum schwierigen Unterfangen, wenn der Trainer ausgerechnet vor diesem
Spiel klammheimlich zur Ein-Stürmer-Taktik zurückgekehrt ist,
die schon im Jahr zuvor für Unverständnis und Erfolglosigkeit
gesorgt hatte. Sebastian Hähnge ("Ich erwarte mehr von mir und die
Leute auch") blieb nach dem Rückstand weiterhin konsequent im
zentralen Mittelfeld und versuchte sich erfolglos als Ballverteiler für
die einzige Spitze Salvatore Amirante. Da auch Melvin Holwijn sowie Orlando auf
den Außenpositionen nichts rissen, verwalteten die Hessen ihren
knappen Vorsprung ohne große Mühe und lauerten auf den möglicherweise
vorentscheidenden Fehler des Kontrahenten. Den gab es dann auch in Form eines
Jenaer Fehlpasses wenige Meter vorm Anstoßkreis. Dass er Lukimya
unterlief, einem der wenigen beständig guten Spieler während
der letzten Wochen, werteten einige Fans später als Zeichen um sich
greifender Verunsicherung in den Jenaer Reihen. Jedenfalls nutzte David Ulm das
Geschenk zu einem Solo durch die Jenaer Hälfte, um das Leder dann aus
gut zwanzig Metern über Nulle hinweg ins Tor zu heben. Sehenswert, mit
wie viel Gefühl im Fuß Ulm diesen Treffer markierte. Carsten
Nulle eine Mitschuld zu geben, wäre aber wohl verfehlt. Wie sollte er
ahnen, dass seinen Vorderleuten im Spielaufbau ein solcher Patzer unterläuft
? Unser Keeper schlich nach dem Pausenpfiff als Letzter vom Platz, begleitet
von Schmährufen der OFC-Anhänger, die in einem bekennenden
Sympathisanten von Eintracht Frankfurt so etwas wie ihren natürlichen
Feind sehen.
Drei Jahre zuvor war es einer Jenaer Mannschaft an gleicher
Stelle mal gelungen, aus einem 0:2-Pausenrückstand noch ein Remis
werden zu lassen. Um eine Wiederholung dessen herbei zu führen,
stellte van Eck während der Pause mehrfach um. Nagy kam für Hähnge
rein, begab sich wie gewohnt nach links und schickte Holwijn auf die andere
Seite. Aus Orlando wurde doch noch ein zweiter zentraler Stürmer.
Dahinter tauschten Lanzaat und Wuttke ihre Positionen aus der ersten Hälfte,
rückte Truckenbrod ein Stück weiter nach vorn. Der OFC ließ
die Gäste nach Wiederanpfiff zunächst gewähren. Als
sich die Hausherren dann doch mal wieder zu einem eigenen Angriff entschlossen,
brachte der schnelle Gegenstoß endlich mal wieder Gefahr. Durch vier
Abwehrbeine hindurch legte Orlando für Amirante auf, der schoss aus
der Drehung jedoch genau zu Wulnikowski. Der Ball von Nagy drei Minuten später
versprach mehr Erfolg, strich aus 19 Metern Torentfernung aber knapp am rechten
Pfosten vorbei. Eine weitere Steigerung erfuhren Jenas Bemühungen um
den Anschlusstreffer schließlich in Minute 69. Wiederholt versuchte
sich Truckenbrod an einem Fernschuss, selten zuvor aber war das Geschoss von
jener Güte wie diesmal. Aus 17 Metern volley abgefeuert, flog das
Leder oben ans Gebälk, dass es nur so krachte.
Die Hausherren hatten
offensiv nach dem Wechsel überhaupt noch nichts gezeigt. Doch mit
ihrem ersten gelungenen Angriff in Halbzeit zwei, bezeichnenderweise einem
Konter, sorgten sie fünfzehn Minuten vor Schluss für die
Entscheidung. Ulm legte an Sträßer vorbei in die Mitte ab,
wo Quido Lanzaat seinem Gegenspieler Mesic nicht hatte folgen können. 3:0. Dass Jenas
Abwehrchef eben jenem Mesic kurz darauf in die Hacken trat, roch nach Frustfoul
und wurde mit der Roten Karte geahndet. Und als hätte das alles nicht
schon gereicht, flog auch noch der Schuss des eingewechselten Pfingsten-Reddig
genau ins linke untere Eck. "Vier zu Nulle", höhnte es nach Ende der
zweiten 45 Minuten von der Offenbacher Fangeraden.
Dass dem OFC eine durchschnittliche Leistung zu einem derart
klaren Sieg reichte, sollte in Jena die Alarmglocken schellen lassen. Was nutzt
ein sich steigernder Truckenbrod, ein auf allen Positionen sein Ding machender
Wuttke - sie sind nun mal keine Antreiber, die den tödlichen Pass
spielen können. Genau so einer fehlt dem Zeiss-Spiel aber zunehmend.
Es scheint deshalb an der Zeit, die Verbannung Torsten Ziegners zu beenden.
Zwar ist nicht garantiert, dass es mit ihm schlagartig besser laufen wird. In
einer Phase, wo die Jenaer Mannschaft in ihren Leistungen nicht mehr nur
stagniert, sondern abzubauen beginnt, müssen jedoch ausnahmslos alle
Alternativen ausgelotet werden, die der Kader hergibt ! Es wird Zeit, sich mal
wieder gemeinsam an einen Tisch zu setzen. <fc>
FC Carl Zeiss Jena - SV Werder Bremen II 2:2
Tore: 0:1 Testroet (32.), 1:1 Orlando (52.), 1:2 Testroet (80.), 2:2 Amirante (82., FE)
- Jena: Nulle; Sievers (70. Fuss), Lukimya, Wuttke, Sträßer;
Eckardt, Truckenbrod, Hähnge, Nagy (46. Amirante); Kolb (74. Lanzaat),
Orlando
- Bremen: Wiedwald; Hessel, Gerdes, Stallbaum, Andersen; Ronneburg,
Ayik, Menga, Feldhahn; Testroet, Oehrl
- Zuschauer: 6062
- Schiedsrichter: Blos (Köngen)
- Spielbericht
-
Keiner weiß warum, doch in den vergangenen Jahren
hatte der FC Carl Zeiss mit den zweiten Mannschaften von Bundesligavereinen so
seine liebe Mühe. Mittlerweile sind drei von vier Hinrundenpartien gegen die
U23-Teams gespielt, mit zwei Siegen und einem Remis gestaltet sich die
Saisonzwischenbilanz ungewohnt positiv. Doch egal in welches Gesicht man auf
Jenaer Seite nach Abpfiff des Bremen-Spiels blickte - Zufriedenheit schaut
anders aus.
Daran hatte die erste Halbzeit einen gewichtigen Anteil.
Denn es war ein äußerst müder Kick, den 6062
Zuschauer (darunter exakt zwei Dutzend Bremer Fans) während der ersten
45 Minuten geboten bekamen. Dass es nach gut einer Viertelstunde Beifall gab für
einen ins Sturmzentrum gespielten Ball, den Kolb als eine von zwei Spitzen gar
nicht erreichte, mag als Beschreibung für das Niveau in der
Anfangsphase genügen. Eine Freistoßvorlage, die Wiedwald
gegen die Sonne blickend im zweiten Zupacken fing, war die einzige Szene, in
welcher ein Torhüter überhaupt
eingreifen musste. Beim ersten gelungenen Angriffszug nach
zwanzig Minuten stand Hähnge knapp im Abseits. Kurz darauf spielte
Rene Eckardt zwar schön Doppelpass mit Orlando, stolperte danach aber über
seine eigenen Beine. Und bei Lukimyias flacher Hereingabe erkannte der
freistehende Kolb in der Mitte die Situation zu spät. So blieb ein
satter 23-Meter-Schuss von Jens Truckenbrod, den Bremens Keeper über
die Latte lenkte, die einzig wirkliche Torchance
in Hälfte eins. Die Gästebilanz vor der Pause hätte
sich sogar noch ärmlicher gelesen, wenn Testroet im Gegenzug nicht der
Führungstreffer gelungen wäre.
Begünstigt wurde er durch einen Fehler von Jan-Andre
Sievers, welcher den Torschützen unbedrängt den Ball annehmen
ließ und dann nicht hinterher kam. Nach einer überzeugenden
Leistung im letzten Heimspiel gegen Burghausen blieb der Neuzugang aus Emden
damit das zweite Match in Folge hinter den Erwartungen zurück, wurde
später auch ausgewechselt.
Doch zunächst war es Nagy, der in der Kabine
bleiben musste. Mit der Hereinnahme von Amirante wechselte Orlando ab Beginn
der zweiten Halbzeit auf die Linksaußenposition. Eine Umstellung, die
sich sofort bezahlt machte. War der Holländer bei seinem energischen
Antritt von der linken Seite Richtung Zentrum doch nur mit unfairen Mitteln zu
bremsen. Freistoß, 25 Meter Torentfernung. Ein paar der
Stammzuschauer des FC Carl Zeiss werden es bemerkt haben, dieses ungewöhnliche
Positionieren Jenaer Spieler im Rudel neben der gegnerischen Mauer. Von dort lösten
sich wie auf Kommando vier Blaue bei der Freistoßausführung
und rannten in den Sechzehner hinein. Truckenbrod schoss nicht direkt, sondern beförderte
das Leder lang vor zu Orlando, welcher aus fünf Metern volley zum
Ausgleich traf. 1:1 - eine eben erst im Training einstudierte Freistoßvariante
hatte auf Anhieb funktioniert ! Damit lösten
sich endlich einige der im bisherigen Spielverlauf eingebauten Bremsen.
Salvatore Amirante zog auf 30 Metern ab, Wiedwald lenkte das Leder um den
Pfosten (54.). Der Schlenzer von Feldhahn auf der anderen Seite flog nur knapp
nebens Tor (56.). Und dass Kolb die schöne Vorarbeit von Orlando
lieber selbst verwertet hätte, statt auf Eckardt zu spielen, war ihm
hinterher auch klar.
Sie bildeten die stärkste Phase in einem mäßigen Jenaer Spiel,
jene gut zwanzig Minuten nach dem Ausgleichstreffer. Sogar Sebastian Hähnge,
bekanntlich nicht der Allerschnellste, ging hier mal aus einem Sprintduell als
Sieger hervor. Den Gästen darf man bescheinigen, ebenfalls die
Offensive gesucht und so zu einer deutlich spannenderen zweiten Halbzeit
beigetragen zu haben. Beim Schuss des Deutschtüren Ayik reagierte
Carsten Nulle im Tor hervorragend.
Dann war noch eine Viertelstunde zu spielen und Orlando hatte wieder
seinen Auftritt. Es ist beileibe nicht so, dass hier Jenas Schnellstem eine
durchgängig überzeugende Leistung bescheinigt werden soll.
Manches wirkt schon zu sehr auf Show getrimmt, zwischendurch taucht er auch mal
ab und nach hinten lässt er eh lieber andere ackern. Doch klar ist
auch - ohne Orlando wäre das Jenaer Spiel um viele Attraktionen ärmer
! Klasse, wie er in Minute 76 zwei Werder-Verteidiger förmlich stehen
ließ und den Blick für den freistehenden Nebenmann hatte. Es
war Salvatore Amirante, der in zehn Metern Torentfernung sofort abschloss - und
an einem Abwehrbein hängen blieb.
Das Tragische an diesem Spiel ist aus Jenaer Sicht, dass
immer im Anschluss an eine knapp vergebene Großchance die Quittung in
Form eines Gegentreffers folgte. Hatte Pascal Testroet schon vor der Pause
direkt nach Truckenbrodts Schuss getroffen, verging auch nach Amirantes Möglichkeit
nicht viel Zeit, bis Bremens Spieler mit der Nummer 43 zum Erfolg kam. Dabei
profitierte er wiederum von einem fehlenden Gegenspieler - der eingewechselte
Benjamin Fuss war an der Strafraumgrenze ausgerutscht. Unter dem Körper
Carsten Nulles hindurch flog der Ball ins Netz. Und nun ? Waren nur noch zehn Minuten
Zeit für Jenaer Bemühungen um den abermaligen Ausgleich.
Scheinbar unbeteiligt steht Orlando nach dem Anstoß an jener Stelle,
wo Mittel- und Außenlinie aufeinander treffen. Genau da wird er angespielt,
nimmt ein paar Meter lang Fahrt auf und legt dann den Turbo ein. Gerdes hatte
sich diesmal vorgenommen, ihm im Sprintduell Paroli zu bieten - auch er war
chancenlos und wusste sich deswegen nur mit einem Rempler im Strafraum zu
helfen. Elfmeter. Als Amirante sich vor Sträßer den Ball zur
Ausführung schnappte, stockte vielen der Atem - hatte der nicht schon
einmal.... ? Noch ehe der Gedanke zuende gebracht wurde, hatte Salvatore den
Werder-Schlussmann in die andere Ecke geschickt und zum 2:2-Endstand getroffen.
Zweimal war der FCC nach Rückstand wieder gekommen.
Doch wie eingangs schon erwähnt -
Zufriedenheit sieht anders aus. Mannschaftskapitän Nulle ärgerte
sich über die beiden Gegentreffer sowie "Negativeinflüsse von
außen", mit denen wohl Pressespekulationen über Notverkäufe
von Leistungsträgern in der Winterpause gemeint sein dürften.
Und Trainer van Eck monierte die Vorstellung seiner
Mannschaft vor der Pause. Zurecht, denn dadurch sind zwei Punkte gegen
talentierte, aber durchaus schlagbare Bremer verschenkt worden. <fc>
Eintracht Braunschweig - FC Carl Zeiss Jena 2:1
Tore: 0:1 Orlando (46.), 1:1 Kruppke (62., HE), 2:1 Kragl (69.)
- Braunschweig: Petkovic; Fuchs, Brinkmann, Dogan, Boland; Pfitzner, Danneberg,
Kruppke (86. Banser), Kragl (77. Theuerkauf); Onuegbu, Calamita (60. Morabit)
- Jena: Nulle; Sievers, Lukimya, Wuttke, Sträßer (56. Riemer); Truckenbrod, Holwijn (

, 71.)
Hähnge, Nagy (79. Kolb); Mayombo (66. Amirante), Orlando
- Zuschauer: 12.200
- Schiedsrichter: Achmüller (Bad Füssing)
- Spielbericht
-
Der zehnte Spieltag bringt das Auswärtsspiel in Braunschweig auf den Plan und da die Stammautoren dieser
Seite offensichtlich angesichts der letzten Ergebnisse von 0:3 bis 6:0 die Adjektive auszugehen scheinen darf
ich mal wieder ran, als es gilt in Niedersachsen den Platz im oberen Tabellendrittel zu sichern.
Für die erste kleine Überraschung im Gästeblock sorgt Trainer Rene van Eck, der statt des zuletzt stark
auftrumpfenden Stefan Kolb oder des wieder spielberechtigten Amirante, mit Mayombo einen Stürmer in der
Startaufstellung aufbietet, der zuletzt suspendiert worden war, lediglich in der zweiten Mannschaft
spielte und dessen letzter Pflichtspieleinsatz in der Ersten bereits vier Monate zurückliegt. Neben ihm
soll Orlando für den nötigen Angriffsdruck sorgen, während Sebastian Hähnge auf der offensiven Mittelfeldposition
die beiden Stürmer mit Bällen versorgen soll. Und es beginnt gut: Bereits in der ersten Minute kann Orlando über
die linke Seite die Braunschweiger Abwehr überlaufen, scheitert jedoch an Torwart Petkovic. In der Folgezeit
kann der FCC eine optische Überlegenheit erarbeiten - "kontrolliert Ball und Gegner" - wie man so schön sagt, ohne
dabei übermäßig torgefährlich zu werden. Mayombo wirkt dabei aber noch engagierter, als sein Sturmpartner. Die Blau-Gelben
aus Niedersachsen kommen erst nach cirka zwanzig Minuten besser zu Rande und beginnen einzelne Konter zu setzen, die in einem
durch die Mitte angespielten Calamita gipfeln, der aber, völlig frei vor Nulle auftauchend, an diesem scheitert. Damit hat es
sich dann aber auch mit dem Braunschweiger Offensivdrang für die erste Hälfte und die Jenaer Viererkette in der Abwehr kann
wiederholt mit starkem Zweikampfverhalten (Wuttke, Sträßer) die gegnerischen Angreifer "abkochen". Für den eigentlichen
Gesprächsstoff der Halbzeitpause unter dem Jenaer Anhang sorgt Amirante, der bereits kurz vor der Halbzeitpause sich zum
Aufwärmen hinter das Tor von Nulle begibt.
Die zweite Hälfte beginnt mit einem Paukenschlag der angenehmeren Sorte, als Holwijn wunderschön auf der rechten
Seite lang durch Sträßer angespielt wird, im spitzen Winkel auf das Petkovic-Tor zusteuert, scheinbar die lange Ecke
mit seinem Schuß anvisiert, es aber verfehlt, bevor Orlando am langen Pfosten den Ball erreicht und ihn gekonnt flach
über die Linie drückt.
Die Wende im gesamten Spiel wird eingeläutet, als Sträßer in der 56. Minute, leicht humpelnd, verletzt ausgewechselt
werden muss. Die bis dahin äußerst souverän wirkende Jenaer Abwehrviererkette wird mit Marco Riemer wieder aufgefüllt
und ist fortan kaum noch wieder zu erkennen. Obwohl sowohl bei der Entstehung des Elfmeters (aus dem Gästeblock schlecht
einzusehendes Handspiel Riemers), als auch bei der Entwicklung des Führungstreffers ein gehörige Portion Glück für die
Niedersachsen im Spiel ist, kommt man nicht umhin festzustellen, daß vor allem die Jenaer Elf plötzlich den Faden verlor.
Als Holwijn in der 72. Minute diese "schwarze" Viertelstunde für den FCC mit einem Foul an der Mittellinie und nachfolgendem
Ballwegschlagen abschließt, ist die Partie quasi gelaufen. Nur noch zu Zehnt gelingt es nun nicht mehr die Eintracht noch
mal in Bedrängnis zu bringen. Die Braunschweiger lassen sich nun auch nicht mehr aus der Defensive locken und glänzen im
Vorwärtsgang in den letzten zwanzig Minuten lediglich mit einem gefühlten Dutzend Fehlpässen. Auch der Versuch von van Eck,
mit der Einwechslung von Kolb, mit einem Dreiersturm noch einmal auf den Ausgleich zu gehen verpufft relativ wirkungslos.
Ein Sieg in Braunschweig wäre, meiner Meinung nach, für den FC Carl Zeiss Jena ohne weiteres zu realisieren gewesen,
wenn man nach dem Führungstor, das zu einem äußerst günstigen Zeitpunkt fiel, weiter aggressiv die Entscheidung gesucht hätte
und sich mit dem Ausgleich nicht so aus dem Takt hätte bringen lassen. Nicht Eintracht Braunschweig hat gewonnen, sondern
der FCC hat verloren. Und zwar, weil man den Gegner zurück ins Spiel brachte, den der "Ringrichter" schon bis zur "9"
ausgezählt hatte. Schade drum.
Nachtrag: Die Stadt Braunschweig bietet den per Zug anreisenden Gästefans einen kostenlosen Bustransfer vom Bahnhof zum
Stadion an. Soweit so gut. Warum man aber nicht die ca. 6 km lange, direkte Strecke durch die Stadt nimmt, sondern den
Gästefans eine ca. 20-minütige Strecke über die ortsansässigen Autobahnen anbietet, scheint schleierhaft. Ich
habe diese "Stadtrundfahrt" jetzt insgesamt viermal genossen und hätte beim nächsten Mal gern eine andere Route. Danke im voraus.
<tn>
FC Carl Zeiss Jena - SV Wacker Burghausen 0:0
Tore: Fehlanzeige
- Jena: Nulle; Sievers, Wuttke, Lukimya, Sträßer;
Nagy (74.Holwijn), Truckenbrod, Riemer, Eckardt, Hähnge, Kolb (62.Orlando)
- Burghausen: Riemann; Wolf, Hertl, Kokocinski, Kresin, Nebihi (84.Schmidt), Burkhard, Grübl (73.Belleri),
El Haj Ali, Gorka, Cappek (89.Holz)
- Zuschauer: 6948
- Schiedsrichter: Sönder (Lübeck)
- Spielbericht
-
Dritter gegen Vierter - vom Papier her das Topspiel des heutigen Tages in der dritten Liga. Sonne pur und warme Temperaturen
waren beste Vorraussetzungen, um dem Spitzenspiel auch einen würdigen Rahmen zu verleihen. Die Partie musste eine
Viertelstunde später angepfiffen werden, da die Gäste bei Ihrer Anreise aus dem Hotel in Stadtroda infolge einer
Bombendrohung im Stau standen, und dadurch nicht rechtzeitig eine Stunde vor Spielbeginn im Stadion sein konnten.
Die erste gute Aktion des Spiel leitete Jenas Abwehrspieler Sträßer ein, der mit einem herrlichen Diagonalpass
René Eckardt bediente, doch dessen Schuss in der siebenten Minute stellte für Keeper Riemann keine echte Gefahr dar.
In der 18. Minute nutzte Truckenbrodt einen Ballverlust der Gäste aus und prüfte Riemann mit einem Schuss aus der zweiten
Reihe, doch leider landete der Ball genau in den Armen des Schlussmannes. Nach der doch spielerisch armseligen Partie in Kiel
wusste der FCC am heutigen Tage zu gefallen und kontrollierte im gesamten Spielverlauf die Partie. Doch auch mit schönen
Kombinationen und Ballstafetten im Mittelfeld blieben die Torchancen auf Jenaer Seite Mangelware. Die Burghausener, die infolge
einer Grippe auf vier wichtige Spieler verzichten mussten, stellten sich konsequent hinten rein, so dass es für die Jenaer
recht schwierig war, in der dicht gestaffelten Abwehr eine Lücke zu finden. Erst nach gut einer halben Stunde die nächste
Tormöglichkeit für die Jenaer. Hähnge hatte per Kopfball in den Lauf von Youngster Kolb verlängert, doch obwohl
Riemann in dieser Aktion zu weit vor seinem Kasten stand, konnte Kolb diese gute Torchance nicht nutzen und ballerte über das Tor.
Auch nach der Pause änderte sich das Spiel nicht gravierend. In der 51. Minute versuchte sich Sievers mit einer hohen Flanke in
den Strafraum, der Ball wurde lang und länger und fiel zur Verwunderung des Gästekeepers hinter ihm aufs Tornetz. Mit etwas
Glück hätte diese Flanke auch zum erneuten Tor des Monats avancieren können. Gut eine Stunde war vorbei und ein Jubel
auf den Rängen machte sich breit, als Publikumsliebling Orlando für Kolb eingewechselt wurde. Manch einer machte sich
Gedanken, warum und weshalb dieser nicht von Anfang an spielen durfte. Doch Trainer van Eck machte in der anschließenden Pressekonferenz
alle Gerüchte zunichte, als er gleich als erstes vermeldete, dass Orlando im am Vorabend ihm mitgeteilt habe, dass er sich für ein
komplettes Spiel nicht fit fühle. Doch als er den Rasen betrat, spürte man noch einmal einen Ruck durch die Jenaer Mannschaft gehen.
Er war es auch, der in der 71. Minute gleich eine gute Einschusschance hatte, doch leider kam er einen Schritt zu spät und rutschte
einschussbereit knapp am Ball vorbei. Eine Viertelstunde vor dem Ende donnerte Nulle einen super weiten Abschlag heraus, der Ball sprang
vor Orlando auf, doch leider konnte er diese Gelegenheit nicht verwerten oder den Ball zumindest unter Kontrolle nehmen. Die Abwehr der
Gäste stand weiter recht sicher, so dass es die Spieler des FCC nun immer mehr mit Einzelaktionen probierten, die aber allesamt nichts
einbrachten. Höhepunkt des Spiels war zweifelsohne die 82. Minute, in der bereits die Jenaer Fans von ihren Sitzen aufsprangen. Doch
leider stand Orlando das Glück am heutigen Tag nicht zur Seite, denn sein gut getimter Kopfball nach Flanke vom starken Sievers klatschte
an den Innenpfosten, von wo er anschließend direkt in die Arme des Keepers sprang. Da war sie, diese eine 100% Möglichkeit, doch
leider sollte es auch die letzte nennenswerte Aktion gewesen sein.
Mit einer Minute Nachspielzeit pfiff Schiedsrichter Tim Sönder das Topspiel der 3.Liga ab, was es leider nicht geworden war. Die Gäste
waren am Ende mit diesem Punkt hochzufrieden, während die Zeiss-Kicker mit hängenden Köpfen den Rasen verließen. Denn jedem
war nach der Partie klar, dass es selten so leicht gewesen sei, heute die ansonsten starken Kicker von Wacker Burghausen zu bezwingen. Auch wenn
viele Trainer und Verantwortliche eine Einzelkritik nicht unbedingt mögen, so muss doch am heutigen Tage die gesamte Abwehr mal explizit
hervor gehoben werden. Besonders die beiden Außen mit Sträßer und Sievers taten sich heute besonders hervor und ermöglichten
den Gästen während der gesamten Spielzeit keine nennenswerte Torchance.<vg>
Bilder auf fcc.weissenburger.de
Bericht auf fussball.sv-wacker.de
Holstein Kiel - FC Carl Zeiss Jena 0:1
Tore: 0:1 Kolb (72.)
- Kiel: Frech; Lamprecht, R. Müller, Schyrba, Meyer, K.Schulz, Holt,
Jerat (80. Siedschlag), Sembolo, Sykora (9. Guscinas), Heider (66. Stier)
- Jena: Nulle; Sievers, Wuttke, Lukimya, Sträßer;
Nagy (90. Fuss), Truckenbrod, Eckardt, Riemer, Orlando (64. Kolb), Hähnge (87. Petersen)
- Zuschauer: 4511
- Schiedsrichter: Dittrich (Bremen)
- Spielbericht
-
Mit Müller, Hasse und Sykora stehen gleich drei Ex-Jenaer im Kader der Kieler. Aber Hasse war gar nicht im Aufgebot
und Fiete Sykora musste bereits in der 9. min verletzungsbedingt ausgewechselt werden und konnte so gegen seinen
Ex-Club keinen Schaden anrichten. Bis zu diesem Zeitpunkt gab es bereits die ersten aufregenden Situationen vorm
Jenaer Tor. Kiel begann von Anpfiff an offensiv und setzte die Gäste unter Druck. Im Großen und Ganzen
stand Jenas Abwehr, stark unterstützt von den vier Mittelfeldspielern und Hähnge, relativ gut. Wenn man
aber 80 der 90 Spielminuten quasi mit dem Rücken an der Wand, sprich im eigenem Strafraum steht, ist es klar,
dass die Torchancen für die Gastgeber nicht ausbleiben. Vor allem bei Ecken konnte man immer wieder die Luft
anhalten. In der 5. min wehrte Nulle einen Kopfball Haiders aus 3 m Torentfernung zur nächsten Ecke ab. Diese
konnte von Orlando nicht geklärt werden und so hatte Robert Müller die Gelegenheit, seine ehemaligen
Mannschaftskollegen per Fernschuss (der aber in der vielbeinigen Abwehr hängenblieb) zu erschrecken. Nach
einem Stolper Riemers musste sich Lukimya, der wieder eine sehr gute Partie spielte, im letzten Moment in einen
Schuss werfen und zur Ecke klären. Diese führte zu einem Kopfballaufsetzer, gegen den wohl auch Nulle
keine Chance gehabt hätte, aber der Ball ging über die Torlatte. Ganz stark bei den Kielern war in der
Anfangsviertelstunde Sembolo, der ein paar Mal den Jenaern Knoten in die Beine dribbelte. Nachdem aber Sträßer
ihn mal etwas energischer bremste, wurde der auch ruhiger. Nach ein paar Minuten relativer Ruhe musst Nulle, wiederum
nach Ecke, sehr energisch den Ball (samt Gegner) wegfausten, um Schlimmeres zu vermeiden (25.). Nochmals zehn Minuten
danach hatten die Heimzuschauer den Jubelschrei auf den Lippen: Ein weiter Einwurf von rechts wurde verlängert
und den folgenden Kopfball Holts erwischte Nulle mit sensationellem Reflex gerade noch so. Holstein ließ den
Ball in dieser Phase schnell laufen und spielte oft direkt ab. Allerdings ging es zumeist nur bis zur Strafraumgrenze,
an der eine gelbe Wand sie aufhielt. Und so probierte es Sykora-Ersatz Guscinas aus 20 Metern mit einem Fernschuß,
der jedoch nur die Latte traf und die Zuschauern aufstöhnen ließ. Zur Pause konnte man über das
Unentschieden heilfroh sein, denn die Angriffsbemühungen des FCC konnte man bis dahin mit der Zahl "Null" beschreiben.
Nach der Pause ging es wie gehabt weiter, lediglich die Spielhälfte, in der sich alles abspielte, änderte sich.
Allerdings war Holstein jetzt so nett und verzichtete fast völlig auf das Spiel über die Flügel. 7,32 m ist
die Torbreite und ungefähr ebenso breit war der Korridor an Jenas Strafraumgrenze, durch den die "Störche" ihre
Angriffe versuchten. Die Jenaer Abwehrspieler hatten dadurch eigentlich ein leichtes Spiel, wurde doch einmal einer ausgetanzt,
so standen garantiert gleich zwei weitere Gelbe dahinter und klärten. Nur bei einem Fernschuss Lamprechts von rechts
außen (52.) und einem abgefälschten Freistoß (55.) kam der Ball mal in Nulles "Sichtweite", der Rest
waren Kinkerlitzchen. Nach vorn blieb alles unverändert, es ging nichts. Kam man doch einmal über die Mittellinie,
so war es ziemlich sicher, dass Orlando im Rücken der Abwehr im Abseits stand. In der 60. min dann hatte der FCC
mal eine Chance auf einen aussichtsreichen Angriff, aber Orlando rannte mit gesenktem Kopf in zwei Gegner hinein und
übersah den mitgelaufenen und freistehenden Hähnge. So konnte das nichts werden und folgerichtig kam in der
65. Minute Kolb für Orlando. Schon die ersten Zweikämpfe Kolb sahen völlig anders aus als Orlandos
Vorstellung: Der Achtzehnjährige ging in die Zweikämpfe, setzte bei Ballverlust sofort nach und steckte
nie auf. Mir rutschte da ein "Dem Kolb gönne ich ein Tor, der hat schon gegen Dortmund so gut gespielt" heraus
(wenn die Weissagung der Lottozahlen nur ebenso klappen würde…). Drei Minuten nach dem Wechsel (in der 68. min!!!)
hatte der FCC seinen ersten Torschuss, aber Truckenbrods Geschoss ging knapp am langen Pfosten vorbei. Der nächste
Kieler Angriff wurde kurz hinter der Mittellinie abgefangen und der FCC hatte eine perfekte Konterchance in 3:2-Überzahl,
jedoch vergeigte Riemer diese Gelegenheit kläglich. Kurz danach bekam Hähnge auf der rechten Seite den Ball,
ging bis zur Grundlinie, beschäftigte zwei Gegenspieler und spielte mit der Hacke auf den mitgelaufenen Eckardt.
Der schickte seinen Gegenspieler und bediente - wie schon in vorhergehenden Spielen - mit einer maßgenauen
Zuckerflanke den in der Mitte wartenden Mitspieler. Diesmal war es Kolb, der sich die Chance nicht entgehen ließ
und zur überraschenden Führung des FCC einnickte und auf der Gegentribüne für eisiges Schweigen um
mich herum sorgte (ich jubelte solo *g*).
Das Spiel war gekippt. Die "Störche" hatten einen gewaltigen Knacks bekommen,
denn sie versuchten zwar in der verbleibenden Zeit mit viel Einsatz und Elan, dieses Resultat zu reparieren, aber lediglich
ein weiterer Lattentreffer wiederum durch Guscina sorgte für Aufregung. Im Gegenteil, mit etwas Cleverness hätte
Jena jetzt den berühmten Sack zubinden könne, aber zunächst war nach Doppelpass Eckardt - Hähnge der
Kieler Torwart einen Tick schneller am Ball als Eckardt (85.) und dann fehlte Truckenbrod einfach die Kaltschnäuzigkeit,
allein vor Frech - der bis zur Strafraumgrenze herausgekommen war - mit einem Heber das 2:0 zu machen, er ballerte den Ball
voll auf den Keeper drauf. Ansonsten versuchte man ziemlich geschickt und erfolgreich, in den verbleibenden Minuten das Tempo
aus dem Spiel zu nehmen und den Ball in den eigenen Reihen zu halten.
Bis zu Kolbs Einwechslung wäre ich mit einem Punkt hochzufrieden gewesen. Der "Dreier" ist mit etwas Glück in
den ersten 70 und mit ansprechender Leistung in den letzten 20 Minuten eingefahren worden. <uk>
FC Carl Zeiss Jena - Borussia Dortmund II 2:1
Tore: 0:1 Neumeister (6.), 1:1 Lukimya (13.), 2:1 Riemer (80.)
- Jena: Nulle; Sievers, Wuttke, Lukimya, Sträßer;
Nagy (90. Petersen), Truckenbrod, Hähnge, Eckardt (85. Fuss); Orlando,
Kolb (73. Riemer)
- Dortmund: Höttecke; Koch, Eggert, Hünemeier, Neumeister;
Hille, Hasanbegovic (85. Boztepe), Tyrala, Öztekin; Ginczek (57.
Piossek), Kullmann
- Zuschauer: 6983
- Schiedsrichter: Dankert (Rostock)
- Spielbericht
-
Das Chaos beim FCC wurde gerade mal wieder etwas unübersichtlich. Nachdem
Peter Schreiber offenbar keine unbezahlten Rechnungen mehr auf seinem Wühltisch
findet (oder diese lieber wieder untendrunter steckt), fängt die
liebevoll zusammengesparte Mannschaft an sich in Wohlgefallen aufzulösen.
Der eine haut mit südländischer Besonnenheit einem Blumenzüchter
ins Gesicht, der andere wird aufgrund seiner Großartigkeit
suspendiert und der Dritte hat seine Bandscheiben nicht im Griff. Hinzu kommen
ungezählte Zerrungen und Risse diverser Muskelgruppen, schlechte
Blutwerte und Verstauchungen. Und die wenigen Verbliebenen, die sich stets gut
benommen haben und dazu gesund sind, können auch nicht mehr so
richtig. Zu groß ist der Druck nach dem Kulturarena-Debakel für
Rom, Ähnliches vollbringen zu müssen. Ernüchternde
Aussichten also für das gestrige Spiel gegen Dortmunds Zwote, zumal
die nach fünf Minuten schon in Führung lag. Neumeister hatte
die Aufwachprobleme in Jenas Deckungsverbund schamlos ausgenutzt und per Kopf
die Gästeführung hergestellt (6.). Zwar war der ursächliche
Freistoßpfiff völliger Mumpitz, gezählt hat es
trotzdem. Aber was soll's. Aus Ruinen wird auferstanden! Und überhaupt:
Bandscheibenvorfälle werden total überbewertet!
Zwar
folgte die Trotzreaktion erst nachdem Nulle das 0:2 und damit den unabwendbaren
Untergang verhindert hatte, dann aber kam die große Zeit des Rene
Eckardt. Ganz ehrlich, wenn der immer so spielen würde wie die
folgende Viertelstunde, die Nationalmannschaft wäre kein Thema. Seine
Vorlage auf Wuttke nach einer Ecke und sein Heber aus spitzem Winkel wären
bereits Treffer wert gewesen, Hötteke bekam aber beidemal noch
irgendein Körperteil dazwischen. Gegen Lukimyas Schuß aus
Nahdistanz konnte aber auch der Dortmunder Schlußmann nichts mehr
machen. Eckardt hatte Neumeister auf der rechten Seite schön zur
Schere gemacht und den Ball dann flach nach innen geschlagen. Von dort hätte
es wohl nur noch Gomez und dann auch nur im Nationaltrikot noch fertiggebracht,
das Tor nicht zu treffen. Jubeln unter Vorbehalt (13.). Ein Unentschieden
konnte hier ja nicht das Ziel sein! Dieser Vorbehalt legitimierte sich
schneller als gedacht. Mit der Gewißheit der uneingeschränkten
Überlegenheit zog sich Jena wieder aus dem Dortmunder Strafraum zurück.
Alle Maschinen Stop - im Notfall gleichen wir halt wieder aus. Zwar hatte
Eckardt nach eine Wuttke-Vorlage noch einmal die große Chance zur Führung,
sein strammer Volleyschuß fand aber den Weg ins Tor nicht und ist
jetzt wahrscheinlich ein dicker blauer Fleck auf einem Dortmunder Gesäß
(16.). Danach tickte nur noch die Uhr runter. Was dieser taktische Unsinn soll,
ist schwer zu sagen, zumal der Schwung des Ausgleichstreffers dadurch völlig
verpuffte. Die Kräfte jedenfalls hätten eigentlich noch ein
bißchen länger reichen sollen. Kurz vor der Pause hätte
sich dieses unheilvolle Fehlverhalten tatsächlich fast gerächt.
Wäre Kullmann nicht um Zentimeter an Boztepes Eingabe vorbeigerutscht,
die etwa 300 Mitgereisten Dortmunder hätten wohl unsere leise vor sich
hin tirilierende Südkurve vollends unter den Tisch gesungen. Glück
gehabt!
Nach der Pause war es vor allem Orlando, der für Aufsehen sorgte.
Inzwischen ist es für jeden Gegner offenbar ein probates taktisches
Mittel geworden, ihn einfach am Losrennen zu hindern. Ein kurzes Halten, ein
Schubser auf Höhe der Mittellinie, eigentlich ist alles besser als ihm
später hinterherzugucken. Zwei oder drei gelbe Karten werden dafür
augenscheinlich in Kauf genommen, welche die Schiedsrichter (vor allem der von
gestern) oft nicht mal geben. Wenn dann auch noch klarste Pfiffe ausbleiben,
geht mir langsam das ohnehin knapp bemessene Verständnis aus.
Stattdessen reichten auf der Gegenseite mitunter kleinste Scharmützel
aus, um aus gefährlichsten Positionen Freistöße zu
verhängen. Einer davon wäre Jena fast zum Verhängnis
geworden, als Hünemeier den hoch hineingeschlagenen Ball von Tyrala
nur knapp verfehlt, kann Nulle erst im Nachfassen das Unentschieden festhalten
(63.). Knapp! In dieser Phase überzeugt der FCC aber auch allenfalls
durch Gleichwertigkeit auf niedrigem Niveau. Die Führung kommt
dementsprechend wie aus dem Nichts. Wieder ist es Eckardt, dessen präzise
Flanke die Entscheidung bringt. Punktgenau schießt der den Ball auf
den eingewechselten Riemer, dessen Kopfstoß die vor sich hindämmernden
Fans aus der allgemeinen Lethargie reißt (80.). Nicht zu glauben! Dieses Murksspiel und dann auch noch der Riemer. Der
hatte gegen Erfurt nun wirklich einen Scheißtag erwischt. Und dann
noch das Ding mit seinem Rücken. Schön, daß es
offenbar doch nicht so schlimm war oder Bandscheibenvorfälle halt
einfach überbewertet werden (-:
Was folgt sind noch zehn zerrige Minuten Warterei plus einer unendlich
langen Nachspielzeit. Dann ist der dritte Sieg endlich in Sack und Tüten.
Glanzvoll war es nicht! Spielerisch herrschte mitunter unbeschreibliches Elend
auf dem Platz. Dazu kommen die Abstimmungsschwierigkeiten, die bei einer neu
formierten Elf aber ganz normal sind. Entscheidend aber war der größere
Wille. Das was Erfurt in Jena zum Sieg getragen hat, war gestern Jenas
Unterpfand. Die Mannschaft wollte einfach mehr. Das Derby ist damit nicht
vergessen, dieser Stachel sitzt zu tief. Aber ein Rückspiel in Erfurt
ist ja auch noch. Ein neues Spiel mit neuen Chancen. Und nächstes Jahr
wollen wir ja auch wieder in die Kulturarena... <bpf>
VfL Osnabrück - FC Carl Zeiss Jena 2:0
Tore: 1:0 Lindemann (21.), 2:0 Reichenberger (63.)
- Osnabrück: Berbig; Herrmann, Barletta, Nickenig, Krük;
Siegert, Heidrich, Lindemann, Hansen (76. Grieneisen); Reichenberger (85.
Samide), Schmidt
- Jena: Nulle; Sievers, Wuttke, Lukimya, Sträßer;
Nagy (66. Kolb), Truckenbrod, Ziegner, Holwijn (83. Eckardt); Orlando,
Hähnge
- Zuschauer: 9800
- Schiedsrichter: Aytekin (Oberasbach)
- Spielbericht
-
Der Überkreuzvergleich der bisherigen
Saisonresultate sprach von vornherein gegen den FCC: Ingolstadt hatte Erfurt
klar besiegt, Osnabrück die Ingolstädter und Erfurt am
vergangenen Sonntag....ach, lassen wir das. Fußballspiele werden
nicht mit dem Taschenrechner entschieden. Klären wir stattdessen
lieber die Frage: Was stellt eine Mannschaft am gescheitesten an, die mit
Lanzaat, Riemer, Petersen, Osadchenko sowie Ralf Schmidt gleich fünf
Ausfälle in der Abwehr zu verkraften hat ? Klar, sie spielt munter
nach vorn !
Genau das tat Jenas Elf in der Anfangsphase. Da Salvatore
Amirante nach seiner Rot-Sperre für mindestens vier Spiele von der
Bildfläche verschwunden sein wird, teilten sich die beiden Holländer
Orlando und Holwijn von außen kommend in die Rolle des zweiten Stürmers
hinein. Wobei Melvin Holwijn in seinem ersten Match von Anbeginn wesentlich mehr
auffiel. Selbst zwei Gegenspieler vermochten ihn nach fünf Minuten
nicht zu stoppen, zumindest nicht mit fairen Mitteln. Erst als Holwijn wie
nichts zwischen ihnen hindurch geschlüpft war, holte ihn der düpierte
Krük von den Beinen. Freistoß also von der rechten
Strafraumseite, lang auf die andere Seite geschlagen zu Wuttke, dieser sofort
zurück auf den vorm Tor stehenden Hähnge. Zeit zu überlegen
hatte Sebastian nicht, zwei Meter vor dem Kasten inmitten einer lila
Spielertraube handelt man sowieso besser instinktiv - wenn dann aber der Ball
Osnabrücks Keeper Tino Berbig mitten ins Gesicht fliegt, ist das
einfach nur riesengroßes Pech. Doch Jena blieb am Drücker.
Gerade mal zehn Minuten waren gespielt, als ein sichtlich
motivierter Sebastian Hähnge
diesmal von der rechten Seite kommend durchzog. Berbig verkürzte den
Winkel, Hähnge legte deshalb auf den zentral stehenden Truckenbrod ab,
doch schoss dieser aus sieben Metern weit über das leere VfL-Gehäuse.
Dies freilich war mit Pech nicht mehr zu erklären, muss doch auch von
einem defensiven Mittelfeldspieler erwartet werden dürfen, beim unbedrängten
Torschuss nicht in starke Rückenlage zu verfallen.
Ein Führungstreffer
wäre der gerechte Lohn für ansehnlichen Kombinationsfußball
in der ersten Viertelstunde gewesen. Außer einer Einzelleistung von
Jenas Ex-Kapitän Niels Hansen hatten die Gastgeber bis zu diesem
Zeitpunkt noch nichts zustande gebracht, unter anderem weil sich Tim Wuttke auf
der ungewohnten Innenverteidiger-Position gut in Jenas Viererkette einfügte.
Doch dann brach Minute 21 an. Siegert legte für Björn Lindemann
auf und der hatte als erster VfL-Spieler in diesem Match mal richtig Platz am
gegnerischen Sechzehner. Wie er den nutzte - mit einem Sonntagsschuss ins
Dreiangel - war zweifellos sehenswert. Die Führung ansich aber äußerst
glücklich. Erst jetzt kamen die Niedersachsen besser ins Spiel. Nachdem sich zwei Jenaer
gegenseitig angeschossen hatten (29.), drohte für Carsten Nulle ebenso
Gefahr wie beim Freistoß zehn Minuten später, den der Torhüter
aber auf Nummer sicher gehend über die Latte lenkte. Seinem Gegenüber
Tino Berbig, der selbst mal in Jena zwischen den Pfosten gestanden hatte und
hierher noch familäre Bindungen hat, misslang in der 40. Minute bei
einsetzendem Gewitterregen ein Abschlag, sodass Hähnge den Ball mit
einem Heber postwendend zurück brachte. Leider nur aufs Tornetz. Als
sich einige schon auf den Pausentee zu freuen schienen, gabs den ersten
erfolgreichen Antritt von Orlando. Bei dessen Eingabe von der linken Seite kam
Hähnge einen Schritt zu spät. Oder ließ er den Ball
absichtlich für Holwijn durch ? Möglich wäre es,
denn der Neuzugang hatte freie Bahn, nur -
was machte er daraus ? Halb Ballannahme, halb Torschuss, nichts von
beiden richtig, und so beförderte der Nationalspieler das Leder weit
am Pfosten vorbei ins Toraus. Zwei, drei dicke Torchancen teils kläglich
vergeben zu haben war der einzige Vorwurf, den man der Zeiss-Elf beim Gang in
die Kabinen machen konnte.
Die erste Aktion nach Wiederanpfiff war nahezu eine Kopie
der letzten Szene vor der Pause. Wieder ging Orlando auf der linken Seite auf
und davon, wieder kam Hähnge in der Mitte einen Schritt zu spät.
Nur dass diesmal kein Holwijn daneben stand. Auf der anderen Seite köpfte
Nickenig aufs Tornetz (48.). So wie sich das Spiel danach entwickelte, war
absehbar, dass es nicht bei dem einen Treffer in dieser Partie bleiben würde.
Beide Mannschaften schenkten sich nichts, noch aber fand niemand die Lücke.
Die Emotionen im Spiel übertragen sich sogar auf die Ersatzleute
hinter dem Tor. Als Sträßer bei einer Abwehraktion gehalten
wurde und somit nicht in der Lage war, den Eckball zu verhindern,
regte sich André Schmidt berechtigterweise über
den Schiri-Assistenten auf, der das Foul eigentlich hätte sehen müssen.
Die Konsequenz war die Gelbe Karte für einen Spieler, der in dieser
Saison noch nicht eine Punktspielminute in der ersten Mannschaft verbracht hat
(58.). Besagte Ecke beschwörte übrigens Gefahr durch
Reichenbergers Kopfball herauf, den Nulle wegfaustete.
Osnabrücks Stürmer-Oldie
drehte nun richtig auf. War beim Schuss in Minute 62 abermals bei Carsten Nulle
Endstation, sorgte Thomas Reichenberger schon zwei Minuten später für
die Spielentscheidung, indem er aus sieben Metern zum 2:0 traf. Ein Tor,
das Carsten Sträßer auf seine Kappe nehmen muss, vertändelte
er doch das Leder im eigenen Strafraum ohne Not gegen Hansen, der dann
Reichenberger ins Spiel brachte. Zwar hatte eine Jenaer Mannschaft schon einmal
im Osnabrücker Stadion das Kunststück fertig gebracht, aus
einem 0:2 noch ein Remis werden zu lassen - doch die Körpersprache
nach dem zweiten Gegentreffer zeigte an, dass sich das diesmal nicht
wiederholen würde. Weshalb ein über 70 Minuten recht intensiv
geführtes Spiel die verbleibende Zeit gemächlich austrudeln
durfte.
Die Art und Weise, wie diese Niederlage zustande kam, war
eine ganz andere als eine Woche zuvor. Kein Vergleich mit dem fast
hergeschenkten Derby. Und doch gerät die Mannschaft nach einem Punkt
und null Treffern aus den letzten drei Partien in Zugzwang. Schon im nächsten
Spiel muss der Schalter wieder umgelegt werden, soll eine weitere Spielzeit in
den Tabellenregionen der Vorsaison vermieden werden. <fc>
FC Carl Zeiss Jena - FC Rot-Weiß Erfurt 0:3
Tore: 0:1 Kammlott (1.), 0:2 Semmer (40.), 0:3 Kammlott (55.)
- Jena: Nulle; Sievers, Riemer (46.Petersen), Lukimya,
Sträßer; Nagy (46. Hähnge), Truckenbrod, Ziegner, Eckardt
(68. Holwijn); Smeekes, Amirante (
, 59.)
- Erfurt: Orlishausen; Malura (

, 59.), Pohl, Möckel,
Ströhl; Cinaz, Rockenbach da Silva, Stenzel, Hauswald (84. Pinske); Semmer (64. Peßolat),
Kammlott (78. Cannizzaro)
- Zuschauer: 11.200
- Schiedsrichter: Leicher (Landshut)
- Spielbericht
- Ein paar Worte vorweg, zu den wenigen positiven Aspekten dieses Spiels:
Endlich,endlich, endlich hat es der Verein einmal geschafft, die Stadiontore mit
ausreichend Leuten zu besetzen, um einen flüssigen Einlass zu gewährleisten.
Man mag sich gar nicht ausmalen, wieviele frustrierte Zuschauer des FCC in
den letzten Monaten nicht wieder gekommen sind - nur weil der Verein die paar
Euro sparen wollte, die zusätzliche Einlasskräfte kosten? Bitte lasst es
keine Derby-Eintagsfliege sein...
Eine zweite gute Nachricht: Das Stadion war
nahezu ausverkauft, nur die Gäste hatten zu Hause irgendwie kleine Probleme
mit dem Kartenverteilen. Ja, und die Choreos kurz vor Beginn des Spiels:
die große Flagge auf der Haupttribüne und dann die Herzchen für Jena, erst
rot (WTF?!) und dann blau-gelb-weiß mit Feuer.
Beeindruckend(!) - dachten
sich wohl auch die Spieler des FCC, die sich in der ersten Minute
anscheinend auf alles andere drumherum konzentrierten, nur
nicht auf's Spiel. Der Anstoß des FCC wurde abgefangen, ein steiler Pass in
die Spitze, Abschluss von der Strafraumkante ins linke untere Eck, und nach
gefühlten drei Sekunden stand es Null-zu-Eins.
Braucht es wirklich nur ein Gegentor in der ersten Minute, um das in den
letzten Wochen vielgerühmte Wahnsinns-Jenaer Publikum komplett ruhigzustellen?
Offensichtlich. Nur die Südkurve zuckte noch in den ersten zehn Minuten,
in denen Jena sichtlich geschockt wirkte und nichts auf die Reihe kriegte.
Die Unaussprechlichen waren auch nicht wirklich gefährlich, und so plätscherte
es dahin bis zur 14. Minute, als Amirante kurz vor dem Strafraum gelegt
wurde. Ziegner trat an und schlenzte den Ball an die Querlatte... was für ein
Pech! Wenigstens war der FCC in dieser Phase gleichwertig und kam über das
Kurzpassspiel und gewonnene 1:1-Situationen auch mehrmals schnell bis
zum Strafraum der anderen. Irgendwie schienen sie aber den Ball heute
reintragen zu wollen: immer noch ein Abspiel oder Dribbling mehr aus aussichtsreicher
Position, aus der man auch einfach mal hätte draufhauen können und
müssen. Jenaer Verunsicherung wurde merklich. Je weiter die erste Halbzeit
voranschritt, desto mehr unforcierte Fehler schlichen sich in das Jenaer
Spiel ein. Kurz vor der Halbzeit verschätzte sich dann auch noch Nulle bei
einem Eckball und es stand 0:2. Auf den Tribünen machte sich Ratlosigkeit breit
- war das wirklich die gleiche Mannschaft, die bislang so begeisternden
Fußball gespielt hatte?
Es konnte nur besser werden und es wurde - bitterer. Da hatte der FCC
gleich nach der Pause eine gute Kopfballchance (der Ball landete auf dem
Tornetz), doch in der 54. Minute kam eine Bogenlampe in den Jenaer Strafraum
hereingesegelt, die ewig in der Luft war und trotzdem nach Direktabnahme
im Jenaer Tor landete. Wenn der Torschütze demnächst im Training versucht,
dieses Tor nachzustellen, wird er von 100 Versuchen wahrscheinlich 99 nicht
treffen...aber im Spiel ging er halt rein, und damit war die Luft vollständig raus.
Was danach passierte, war haarsträubend.
Es ist nicht unüblich, dass Mannschaften sich bei einem Rückstand von 0:3
nach 55 Minuten mitunter hängenlassen (wobei meine ganz persönliche Meinung
dazu ist, dass das dann auch keine Mannschaft ist). Aber dass so absolut gar
nichts mehr ging, dass einfachste Bälle zum Gegner gespielt, wirklich sinnlose
Dribblings angesetzt und Laufwege einfach abgebrochen wurden, macht
nachdenklich. Die erste Chance für den FCC gab es erst wieder in der 71.
(Hähnge vergibt aussichtsreich), dann nochmal eine kleine in der 75. Auf
der Gegenseite konnten wir uns bei Nulle bedanken, dass es am Ende nicht 0:5
stand - und zwar nicht, weil der Landeshauptstadtclub überragenden Fußball
gespielt hätte.
Einen "positiven" Aspekt hat die Sache am Ende doch noch: Dieses ganze
Geklapse mit angekündigtem Moonwalk, "Wir steigen auf"-Gesängen und 100:0-Fahnen
gehört erst mal wieder der Vergangenheit an. Die Chance besteht, dass die
Jenaer Spieler am Sonntag begriffen haben, dass sich Spiele gegen Mannschaften,
die unten stehen, nicht von selbst gewinnen. <ragnar>
Derby-Fotos von Jens Weißenburger
Bericht auf der Erfurter Homepage
FC Erzgebirge Aue - FC Carl Zeiss Jena 0:0
- Aue: Männel; Klingbeil, le Beau, Paulus, Schaffrath;
Cimen (68. Gambo), Stark, Müller (72. Klotz); Curri, Braham, Ramaj (90.
Hiemer)
- Jena: Nulle; Sievers, Riemer, Petersen, Sträßer;
Nagy, Truckenbrod, Ziegner, Orlando; Hähnge, Amirante (87. Eckardt)
- Zuschauer: 11.400
- Schiedsrichter: Dr. Fleischer (Sigmertshausen)
- Spielbericht
- 5:1, 5:0, 5:0. In den vergangenen drei Jahren ist der FCC im
Erzgebirgsstadion regelrecht vermöbelt worden. Bekanntlich hat der
Optimist keine Ahnung von den freudigen Überraschungen, die ein
Pessimist erlebt. Trotzdem fuhren wir diesmal mit einem besseren Gefühl
nach Aue und weigerten uns von vornherein, an eine Fortsetzung dieser schwarzen
Serie zu glauben. Dafür hatte die neue Jenaer Mannschaft in den ersten
Wochen der noch jungen Saison schon zu viel an Potential offenbart.
Entgegen seiner Ankündigung hatte René van Eck im
Vergleich zum letzten Spiel eine Änderung vorgenommen. Rene Eckardt
blieb trotz ansprechender Leistung gegen Bayerns Zweite erst mal wieder auf der
Bank, wohingegen Sebastian Hähnge zu seiner Premiere in der Startelf
kam. Waren es die besseren Trainingsleistungen, die dafür den
Ausschlag gaben ? Fürchtet van Eck, den Youngster zu schnell zu
verheizen ? Oder will er Jenas Offensivtaktik ein Stück weit
unberechenbarer für die Ligakonkurrenz gestalten ? Wie auch immer -
Smeekes, der am liebsten nur Orlando genannt werden möchte, rückte
aus dem Zentrum auf die Außenposition. Von da, nur in der anderen Hälfte,
kamen auch die meisten Bälle in den ersten zwanzig Minuten. Eckball um
Eckball holten die Gastgeber während ihrer Anfangssoffensive heraus.
Den ersten richtigen Torschuss gabs dennoch von einem Jenaer. Salvarore
Amirante prüfte Martin Männel nach achtzehn Minuten. Darüber
hinaus tat sich allerdings vor der Pause nicht viel an Offensivgeschehen
seitens der Thüringer. Dazu fehlte es im Mittelfeld an einem
Gestalter, der die Bälle verteilte oder einfach mal länger in
den eigenen Reihen hielt. Hähnge und Amirante hatten es schwer mit
ihren Gegenspielern. Und Orlando ? Zeigte auf rechtsaußen mehrmals
technische Kabinettstückchen, doch in echte Torgefahr mündeten
die meist nicht, sodass sich die Umstellung alles in allem nicht bezahlt
machte. Ein einziges Mal brachte er vor der Pause nach energischem Sprint eine
Eingabe vors Tor, doch die fing Männel vor dem einschussbereiten
Amirante weg.
Erfreulich hingegen, dass Jenas Viererkette auch ohne Lanzaat
lange Zeit nichts zuließ. Da konnten Curri und Ramaj rochieren, wie
sie wollten - sowohl Sievers wie auch Sträßer ließen
sie nicht zu Entfaltung kommen. Auch die 7:0 Ecken der Veilchen in Hälfte
eins bereiteten Nulle und seinen Vorderleuten keine Probleme. Lediglich in den
letzten drei Minuten vor dem Pausenpfiff schlich sich kurzzeitig mal etwas
Sorglosigkeit ins Jenaer Abwehrzentrum. Denn dass ausgerechnet der Kleinste auf
dem Platz, Skerdilaid Curri, nur um wenige Zentimeter an einem Kopfballtor
vorbeischrammt, darf eigentlich nicht
passieren. Und was war in Minute 44 los ? Bei Müllers Heber in den
Strafraum rannten gleich zwei Weiße mit Ramaj mit, wodurch sich
Braham zentral in 13 Metern
Torentfernung seelenruhig auf seinen Torschuss vorbereiten konnte. Doch vergeht
kein Spiel ohne eine Heldentat von Carsten Nulle ! Jenas Keeper entschärfte
Brahams Schuss mit toller Reaktion. Der Halbzeitpfiff kam den Jenaern nicht
ungelegen.
Mit Beginn der zweiten Hälfte hatte sich Jenas
Hintermannschaft wieder formiert. Aue zunächst wieder leicht feldüberlegen,
ohne groß zu Tormöglichkeiten zu gelangen. Ramajs Schlenzer
Richtung Dreiangel fing Nulle noch in dessen Steigphase (57.). Die optische Überlegenheit
auf Seiten der Gastgeber verschwand dann nach etwa einer Stunde Spielzeit. Erst
jetzt fiel auf, dass mit Kos auch bei den Erzgebirglern der Abwehrchef fehlte
und deren Hintermannschaft nicht unüberwindbar ist. Als Orlando seinen
Gegenspieler ins Leere rutschen ließ, die flache Hereingabe nur
unkontrolliert nach vorn abgewehrt werden konnte, kam Jens Truckenbrod aus fünfzehn
Metern zum Torschuss. Wie gern hätten wir DEN ankommen sehen ! Doch
Paulus warf sich hinein, bescherte Jena damit nach 61 Minuten wenigstens noch
die erste Ecke, welche aber wie generell alle Standards an diesem Tag nichts
einbrachte. Die hohen Temperaturen sollten in der Schlussphase bei beiden
Mannschaften ihren Tribut fordern. Das Wort Sommerfußball machte nun
die Runde. Van Eck schien dennoch nicht unzufrieden,
tätigte seinen ersten Wechsel erst drei Minuten vor
Schluss und dies aus Verletzungsgründen. Dass auch Trainerkollege
Schmitt in der 90. Minuten noch einen neuen Mann auflaufen ließ, lässt
den Schluss zu, dass mit dem unentschiedenen Spielausgang am Ende alle recht
zufrieden waren. Die Gastgeber hatten dem Spitzenreiter einen Punkt abgerungen,
der FCC bereitete seiner schwarzen Serie im Erzgebirgsstadion endlich ein Ende.
Zwar ist die Tabellenführung damit schon wieder
passé, doch ist der FC Carl Zeiss Jena auch nach dem Auer Auswärtsspiel noch ungeschlagen in dieser Saison.
Und das ist schließlich auch schon etwas wert. <fc>
FC Carl Zeiss Jena - FC Bayern München II 6:0
Tore: 1:0 Eckardt (8.), 2:0 Smeekes (28.), 3:0 Amirante (48.), 4:0 Amirante (62.), 5:0 Amirante (64.), 6:0 Amirante (76.)
- Jena: Nulle; Sievers, Riemer, Lanzaat (23. Petersen),
Sträßer; Nagy, Truckenbrod, Ziegner, Eckardt; Smeekes (68.
Hähnge), Amirante (77. Benyamina)
- München: Kraft; Schütz, Lell
(
, 38.), Saba (56. Kopplin), Contento;
Erb, Rieß, Görlitz, Schürf (53. Yilmaz); Sikorski, Sene (43. Duhnke)
- Zuschauer: 8346
- Schiedsrichter: Gorniak (Bremen)
- Spielbericht
- Vor dem Spiel bestimmten noch Sorgen die Gedanken der
meisten Zuschauer, an die sich nach dem Spiel kaum noch jemand erinnerte. Wie
wird die Mannschaft die befürchteten Ausfälle von Carsten Sträßer
und Ralf Schmidt verkraften können? Wie kommt der FCC mit den
bundesligaerfahrenen Christian Lell und Andreas Görlitz zurecht? Wird
die zweite Garde des großen FC Bayern am dritten Spieltag ihr
zweifellos vorhandenes Potential zeigen, nachdem man eher schwach in die Saison
gestartet war?
Zumindest einer der Fragen löst sich noch vor dem
Anpfiff in Wohlgefallen auf, denn Carsten Sträßer stand in
der Startformation. Der Abwehrspieler ist mitverantwortlich für den
derzeitigen Erfolg des FCC und wird von vielen aufgrund seiner in der letzten
Saison oft gut versteckten Souveränität mit einem
Augenzwinkern als "Neuzugang" bezeichnet, entsprechend groß war die
Erleichterung bei der Lektüre seines Namens in der Startaufstellung. Die
Elf des gut in die Saison gestarteten FCC begann das Spiel auch gleich druckvoll
und schon die ersten Minuten ließen keinen Zweifel daran aufkommen,
wer heute der Herr im Haus sein wollte. Die erste Ecke des Spiels erhielten
trotzdem die Bayern, aber mehr als ein schneller Gegenstoß über
den starken Sievers sprang dabei nicht heraus. Dieser Konter war es, den Timo
Nagy mit einem herrlichen Pass auf Salvatore Amirante fortsetzte. Der Italiener
stand plötzlich vor Kraft im Tor des FCB und wollte den Ball in der
langen Ecke unterbringen, hatte dabei aber die Reflexe des Schlussmanns der
Bayern unterschätzt. Festhalten konnte er den scharfen Schuss aus
kurzer Distanz allerdings nicht, der mitgelaufene René Eckardt schaltete am
Schnellsten und konnte den Ball unbedrängt aus kurzer Distanz im Tor
unterbringen - 1:0 für den FCC nach nur acht Minuten! Die erfahrenen
Spieler der Bayern, namentlich Görlitz und Lell, sahen beim
vorhergehenden Zusammenspiel von Nagy und Amirante alles andere als gut aus und
verloren schon nach diesen wenigen Minuten einen Teil des von ihren Namen
ausgehenden Glanzes.
Die Gäste aus München zeigten sich aber
keineswegs geschockt vom frühen Rückstand, stattdessen bemühten
sie sich von nun an intensiv um den Ausgleich. Nur fünf Minuten nach
der Führung war es Carsten Nulle, der gegen den in dieser Phase
starken Sikorski klären musste. Der war nach einem Missverständnis
in der Jenaer Hintermannschaft plötzlich frei vor Nulle aufgetaucht
und scheiterte nur an der blitzschnellen Reaktion des auch heute sicheren Rückhalts.
Im Gegenzug hat Eckardt das 2:0 auf dem Fuß, nachdem er mit einem
herrlichen langen Ball von Nagy freigespielt wurde. Sein Ball geht aber leider
nicht nur an Torhüter Kraft vorbei, sondern auch am Tor. Für
die nächsten Minuten sollte dieser Gegenstoß das letzte
Lebenszeichen des FCC sein, von nun an drückten die Bayern. Dabei war
es immer wieder Marco Riemer, der in der Abwehr nicht überzeugen
konnte. In der 16. Minute profitiert er allein von der Fairness des Münchner
Stürmers Sikorski, der sich trotz leichtem Trikotzupfer aufrafft und
sich nicht fallen lässt, anderenfalls hätte man diese
Situation wohl als Notbremse werten müssen. So stand Sikorski zwar
allein vor dem Jenaer Gehäuse, aber dieses wurde ja von Carsten Nulle
bewacht - und dieser reagierte erneut glänzend. Auch wenn man sich
mittlerweile schon fast daran gewöhnt hat, mit Nulle einen extrem
sicheren Rückhalt zu haben - was dieser Mann Woche für Woche
für Bälle hält, ist aller Ehren wert. Völlig
zu Recht wurde "Wild Thing" auch vor dem Spiel als Spieler der letzten Saison
ausgezeichnet, denn ohne ihn hätte der FCC die Klasse wohl kaum
gehalten. Richtig ernste Mienen konnte man nur kurz darauf erblicken, denn
offenbar hatte sich Abwehrchef Quido Lanzaat ohne Fremdeinwirkung verletzt und
drängte auf seine Auswechslung, die nach 23 Spielminuten vollzogen
werden musste. Nicht wenige fürchteten nun den baldigen Ausgleich oder
zumindest massive Probleme mit den schnellen und ballsicheren Angreifern der
Bayern für die umgestellte Innenverteidigung. Genau in diese Phase des
größten Drucks der Bayern stürmt aber erneut
Orlando Smeekes hinein und spielte sich endgültig in die Herzen der
Fans. Nach einer kampfgeprägten Balleroberung des Hachinger Neuzugangs
Nagy hat Orlando nur noch Lell und das Tor vor sich. In seiner gewohnten,
unheimlich schnellen Art stürmt er auf Lell zu, schlägt noch
einen Haken und streichelt den Ball dann mit der Innenseite an den kurzen
Pfosten - von dem das Leder den erstrebenswertesten Weg wählt, nämlich
den ins Tor von Jenas Gegnern! Das 2:0 in der 28. Minuten fiel sprichwörtlich
genau zum richtigen Zeitpunkt, denn es setzte einen Schlussstrich unter eine
Phase gefährlicher Angriffe der Gäste, die immer wieder nur
vom Jenaer Schlussmann aufgehalten werden konnten. Auch in der Folge überforderte
der Mann von den niederländischen Antillen, der nun bereits vier Tore
in drei Spielen erzielt hat, seinen Gegenspieler Lell immer wieder mit seiner
Schnelligkeit. Zehn Minuten nach dem 2:0 wurde die Sprintstärke dem Münchner
endgültig zum Verhängnis, als ihn Orlando einmal mehr
regelrecht überlaufen konnte und von Lell nur noch per Foul zu stoppen
war. Da Lell zu diesem Zeitpunkt letzter Mann war und Smeekes freie Bahn aufs
Tor gehabt hätte, war die Entscheidung des unauffälligen
Schiedsrichters Gorniak durchaus nachvollziehbar - Rote Karte wegen Notbremse
und Freistoß für den FCC, denn der Bremer Unparteiische
hatte das Foul außerhalb des Strafraums gesehen. Auch wenn der
Freistoß und die folgenden Minuten vor der Halbzeit nichts
einbrachten, so hatte sich der FCC doch eine hervorragende Ausgangslage für
den zweiten Durchgang geschaffen. Doch trotz der Zwei-Tore-Führung und
der Jenaer Überzahl erwarteten viele eine spannende zweite Hälfte,
in der den Bayern im Falle eines schnellen Anschlusstreffers durchaus noch
Chancen eingeräumt wurden.
Derartige Sorgen und Ängste lösten sich
aber schon kurz nach dem Wiederanpfiff auf, denn die 8346 Zuschauer im Ernst
Abbe Sportfeld sahen einen FC Carl Zeiss Jena, der weiterhin mit voller
Konzentration zu Werke ging. Das aus der Führung und dem Spielverlauf
resultierende Selbstvertrauen sorgte außerdem dafür, dass
Flanken und Pässe scheinbar präziser ankamen und
leichtfertiger von der Hand gingen als in anderen Spielen. Nur drei Minuten
nach Wiederanpfiff war es dann auch schon so weit, dass auch die letzten
Zweifler vom Optimismus übermannt wurden, denn nach einer präzisen
Flanke des starken René Eckardt auf den Kopf von Salvatore Amirante dürfte
die Halbzeitansprache von Gästetrainer Mehmet Scholl bereits hinfällig
gewesen sein. Der Italiener stieg als einziger im Strafraum hoch zum Kopfball,
begleitet nur von den ungläubigen Blicken seines Gegenspielers. Der
musste mit ansehen, wie der wuchtige Kopfball unhaltbar für Kraft im
Netz landete und das Spiel faktisch entschieden war. Anders als nach dem 1:0
war nun auch ein gewisser Schockzustand bei den Bayern zu erkennen, die mit
einer derart druckvollen Offensive seitens der Jenaer offenbar nicht gerechnet
hatten. Nach einer guten Chance für den unauffälligen, aber
ebenfalls überzeugenden Truckenbrod in der 59. Minute war es nach
knapp über einer Stunde erneut Amirante, der einen Eckball von Nagy
per Kopf über die Linie bugsierte. Wieder fühlte sich keiner
der Bayern so richtig zuständig, erneut war gegen den starken Kopfball
aus kurzer Distanz nichts zu machen - 4:0 für den FC Carl Zeiss Jena!
Schon jetzt fragten sich einige, wann sie derartiges zuletzt erlebt hatten,
nicht ahnend, was die folgenden Minuten noch bringen würden. Der FCC
hatte nämlich noch lange nicht genug und spielte weiter attraktiven
Offensivfußball. Nur zwei Minuten später hatte sich Smeekes
auf links einmal mehr aller Gegenspieler entledigt und spielte dann einen
perfekten Pass in den Lauf des Doppeltorschützen Amirante, der den
Ball aus fünf Metern nur noch über die Linie schieben musste
und damit das 5:0 sowie seinen Hattrick vollendete! Nach 68 Spielminuten gönnt
Jena-Trainer René van Eck dem neuen Publikumsliebling und Torschützen
des Monats Orlando Smeekes nach einer weiteren starken Partie seinen verdienten
Applaus. Von stehenden Ovationen begleitet verlässt der Shooting-Star
den Platz, für ihn kommt Sebastian Hähnge. Der Eingewechselte
fügt sich sofort gut in das Spiel der Blau-Gelb-Weißen ein
und hat nur Minuten nach seiner Einwechslung das 6:0 auf dem Fuß, als
ihm Truckenbrod den Ball überlegt in den Lauf lupft. In dieser
Situation konnte sich allerdings zunächst der Münchner Torhüter
Kraft auszeichnen, als er den scharfen Schuss Hähnges pariert. Doch
das sollte am heutigen Tag nicht ausreichen, denn Hähnge setzt nach,
holt sich den Abpraller und flankt den Ball erneut butterweich auf den langen
Pfosten. Dort wartet, wie könnte es anders sein, Salvatore Amirante
und hat erneut keine Mühe, den Ball im Tor unterzubringen - 6:0 nach
76 Spielminuten, vier Tore von Amirante innerhalb von nicht einmal einer halben
Stunde, ungläubiges Staunen mischt sich in den unbändigen
Jubel im weiten Rund des Ernst Abbe Sportfelds.
Das halbe Dutzend war voll und die Jenaer Spieler ließen
es dabei bewenden, die folgenden fünfzehn Minuten waren mehr Schaulaufen
als ernsthafter Fußball und die Bayern hatten sich längst
mit der demütigenden Realität abgefunden. Gegenwehr wäre
bei diesem Spielstand ohnehin zwecklos gewesen und so konnten die leidgeprüften
Anhänger des FCC endlich mal wieder eine Schlussviertelstunde ohne
Angst vor späten Gegentoren oder in der Hoffnung auf ein dringend benötigtes
Jenaer Tor verbringen, stattdessen wurde der in dieser Form von niemandem
erwartete Sieg ausgiebig gefeiert. Neben dem Ergebnis gefiel vor allem die
Tatsache, dass neben dem beinahe unheimlich schnellen Orlando Smeekes auch die
beiden Außen Sievers und Nagy überzeugen konnten und Jena über
weite Strecken des Spiels sehr sehenswerten und dynamischen Offensivfußball
zeigte. Auch in Anbetracht eines bestimmten Ergebnisses vom Samstag bildete das
6:0 den perfekten Abschluss eines paradiesischen Wochenendes, das so schnell
keiner der anwesenden Jena-Fans wieder vergessen wird. Nun muss der neue
Spitzenreiter der Dritten Liga in Aue nachlegen bevor am kommenden Wochenende
ein ganz spezieller Gast im Ernst Abbe Sportfeld erwartet wird. Sollten Orlando
Smeekes & Co. auch dann wieder einen ähnlichen Auftritt wie in den
bisherigen Saisonspielen hinlegen, dürfte der Jubel selbst die
heutigen Freudenschreie noch einmal deutlich übertönen. Bis
es so weit sein kann, liegen aber noch zwei mal 90 Minuten vor der Mannschaft
von René van Eck - zumindest das nötige Selbstvertrauen für
die erfolgreiche Gestaltung der beiden Ostderbys sollte spätestens
nach dem heutigen Spiel vorhanden sein. <bh>
SV Sandhausen - FC Carl Zeiss Jena 2:2
Tore: 1:0 Schuon (9.), 1:1 Smeekes (19.), 1:2 Riemer (32.), 2:2 Pinto (90., FE)
- Sandhausen: Gurski; Bindnagel, Schuon, Eberlein, Mintzel; Pinto,
Hillenbrand, Jungwirth (66. Fischer), Schauerte (77. Hosiner); Ristic (23.
Öztürk, Dorn
- Jena: Nulle; Sträßer, Lanzaat, Riemer, R. Schmidt;
Sievers (60. Hähnge), Truckenbrod, Ziegner, Nagy; Smeekes (88.
Petersen), Amirante (81. Benyamina)
- Zuschauer: 3150
- Schiedsrichter: Kempter (Sauldorf)
- Spielbericht
- Gleiches
Ergebnis - unterschiedliche Gefühle. Wo vor zwei Monaten 3.500 verzückte
Zeissfans ob des Klassenerhalts den Sandhäuser Rasen stürmten, herrschte
diesmal betretenes Schweigen unter beachtlichen gut 500 mitgereisten
Blau-gelb-weißen. Die meisten unter ihnen wären vor dem Spiel wohl mit einem
Zähler zufrieden gewesen, doch nach diesem Spielverlauf musste man einfach
hadern. Mit einer späten und nicht nachvollziehbaren Spielentscheidung durch
Referee Kempter, und mit dem Auslassen unzähliger
Möglichkeiten zur Vorentscheidung durch die eigene Elf.
Dass
dieses Spiel ein ganz intensives werden sollte, deutete sich schon nach wenigen
Minuten an. Riemers und Smeekes' gefährlichen
Toraktionen folgte auf der Gegenseite nach 8 Minuten die Führung der Gastgeber.
Ralf Schmidt hatte einen unnötigen Eckball verursacht - nicht der einzige
Fehler des sich nach dem Wechsel steigernden Studenten in den ersten 45 Minuten
- und Sandhausens bulliger Neuzugang Schuon köpfte
das Leder kompromisslos wuchtig zur frühen Führung ins Netz. Und die Gastgeber
drängten weiter mit schön anzusehendem Kombinationsfußball, waren durch das nur
schwer zu bändigende bundesligaerfahrene Sturmduo Ristic/Dorn stets
kreuzgefährlich. Doch anders als im Mai behielt Jena die Ordnung und schlug
zurück. Sträßer und Sievers kämpften im Duett
Mintzel den Ball im eigenen Strafraum ab,
Sträßers weiter gefühlvoller Ball erreichte zur
Überraschung von Sandhausens Hintermannschaft Orlando Smeekes,
der dem verdutzten Gurski das Leder in die Maschen
servierte (19.). 1:1! Und Jena machte weiter. Nur zwei Minuten später die
nächste Riesenchance für den Holländer nach tollem Diagonalpass von Sievers,
doch der Hammer zischt knapp am Tor vorbei. Eine Minute drauf hatte Nagy dann
die Führung auf dem Fuß, als er eine schöne Kombination zu harmlos abschloss.
Jena war im Spiel, und bald begann auch der Tag des Marco Riemer freundlichere
Züge anzunehmen. Zunächst erlöste ihn die verletzungsbedingte Auswechslung
Ristics von diesem unangenehmen, einen Kopf größeren Gegenspieler. Dann durfte
sich der Apoldaer sogar in die Torschützenliste
eintragen, als er nach Amirantes artistischer
Fallrückziehervorlage aus Nahdistanz zur verdienten Führung nach 33 Minuten
abstaubte.
Von
Sandhausen kam bis zum Wechsel nichts mehr, und dennoch hatten 3.500 Zuschauer
ein packendes und völlig offen geführtes Spiel gesehen. Glaubten sie zumindest,
denn nach dem Pausentee ging es erst richtig los. Bindnagel eröffnete das
Offensivfestival mit einem Knallbonbon knapp am rechten Pfosten vorbei (48.).
Smeekes antwortete mit Zuckerpass auf Sievers, der sich
völlig freistehend vor Gurski den Ball etwas zu weit
vorlegte (49.). Minuten später zwei dicke Patzer von Riemer, die die Gastgeber
nicht zu nutzen verstehen. Jungwirth zieht nach 56 Minuten ab und zwingt Nulle
zu einer Glanzparade. Dann kommt Nagy über die rechte Seite, doch seine
Hereingabe auf den blank stehenden Amirante misslingt (59.). Es war eine der
wenigen Offensivaktionen Nagys, der sich nach vorn wenig zutraute. Ausgewechselt
wurde nach einer Stunde aber sein Flügel-Gegenüber Sievers, bei dem sich
gelungene Offensivakzente mit schlampigem Defensivverhalten abwechselten.
Sebastian Hähnge kam ins Spiel und legte Sekunden
später gleich gekonnt per Kopf auf Amirante auf, Gurski
klärt. Wiederum Sekunden später umkurvt Hähne den Sandhäuser Keeper, ist
eigentlich schon vorbei und der Ball gefühlt auf dem Weg ins Tor, doch
irgendwie kommt Gurski doch noch einmal ans Leder
(61.). Eine Minute darauf darf Smeekes die nächste
hundertprozentige Torchance versieben, allein rechts vor dem Kasten entscheidet
er sich gegen den Pass auf den mitlaufenden Amirante und für den Flachschuss,
den Gurski mit Fußbabwehr
pariert. Wahnsinn! Quasi im Gegenzug rettet Lanzaat
vor dem einschussbereiten Pinto (62.). 63. Minute, ein Schuss Sandhausens aus
dem Hinterhalt wird unfreiwillig von Hillenbrand abgefälscht und trudelt an den
Pfosten! Vier Minuten später dann wieder dann wieder Bindnagel mit
Volleyschuss, Nulle pariert.
Sandhausen ging nun noch mehr auf Risiko und
drückte die Thüringer, bei denen die ordnende Hand im Mittelfeld vermisst
wurde, mehr und mehr in die eigene Hälfte, in der sich Carsten
Sträßer mit einer tadellosen Leistung Bestnoten verdiente.
Einen Entlastungsangriff über die rechte Seite kann der bisweilen selbst
auffällig fallsüchtige Mintzel nur mittels einer
Mischung aus grobem und taktischem Foul an Smeekes an
der Torauslinie verhindern, ohne dafür den Karton zu sehen. In
Ziegners frechen Freistoß spritzt Amirante, und als der Ball
hinter dem Keeper die Torlinie entlang zischt, ist wieder einmal
Haareraufen im Gästeblock angesagt. Mehr noch als
Smeekes nach 80 Minuten die nächste Hundertprozentige
vergibt, allein vor Gurski diesen nicht überwinden
kann. So kam das, was kommen musste. Sandhausen verlegte sich auf das
Erarbeiten von Freistößen, von deren Berechtigung nur wenige im Gästeblock
überzeugt waren, und so stand Carsten Nulle mehr und mehr im Mittelpunkt,
rettete mehrmals großartig. Machtlos war er jedoch, als Robert
Kempter - wie Sandhausen in Baden-Württemberg beheimatet -
in der Schlussminute auf den Elfmeterpunkt zeigte, ein Foulspiel Riemers an
Dorn gesehen haben wollte. Roberto Pinto ließ sich das späte Geschenk nicht
entgehen und schickte die Zuschauer mit dem gleichen Ergebnis nach Hause wie
vor zwei Monaten.
Diesmal bleibt für den FCC zu konstatieren, zwei Zähler
verschenkt zu haben, und das in erster Linie wegen der sträflich ausgelassenen
Großchancen im zweiten Abschnitt. Auf der Leistung der Mannschaft aber darf aufgebaut
werden, und diesen positiven Eindruck nahm Jenas Anhang mit auf die 400
Kilometer lange Heimreise. <gunner>
FC Carl Zeiss Jena - SV Wehen Wiesbaden 2:1
Tore: 1:0 Smeekes (50.), 2:0 Smeekes (56.), 2:1 Bohl (74.)
- Jena: Nulle; Sträßer, Lanzaat, Riemer, R. Schmidt;
Sievers, Ziegner, Truckenbrod, Nagy (87. Petersen); Smeekes (90.+1
Eckardt), Amirante
- Wehen: Birkenbach; Hollmann, Barg, Glibo, Weigelt; Bohl, Reinert
(61. Ziegenbein), Hübner, Öztürk (72. Landeka); Boskovic,
Stroh-Engel (58. Ziemer)
- Zuschauer: 7713
- Schiedsrichter: Dr. Brych (München)
- Spielbericht
- Gemeinhin gilt es als Vorteil, gegen Absteiger aus der 2.
Bundesliga gleich am Anfang einer Saison antreten zu dürfen. Deren
personelle Fluktuation ist meist recht hoch, der neuformierte Kader muss sich
erst einspielen. Im Gegensatz zu den beiden anderen Absteigern blieb dem SV
Wehen aber die große Abgangswelle erspart. Und so versprach der 1.
Spieltag gleich eine Standortbestimmung für den FC Carl Zeiss zu
werden.
Erstmals seit 2003 durfte die Punktspielsaison mal wieder
mit einem Heimspiel eingeläutet werden. Wenn dabei trotz Aprilwetters
7713 Zuschauer ins Ernst-Abbe-Sportfeld kommen, zeugt das ungeachtet der
miserablen letzten Saison von einer deutlichen Erwartungshaltung. Sebastian Hähnge
saß mit auf der Tribüne. Schon einen Tag vor dem Match hatte seine linke
Wade zu zwicken begonnen, am Spieltag selbst war dann nicht einmal mehr ein
Kurzeinsatz möglich. Sollte es deshalb ein schnelles Revival der
Ein-Stürmer-Taktik von René van Eck geben ? Nein, denn der Rückkehrer
auf den Trainerstuhl beorderte Orlando Smeekes auf die zweite Angriffsposition.
Da Jan-André Sievers in die Startelf nachrückte, war diese mit allen fünf
Neuzugängen besetzt.
Verteiltes Spiel zu Beginn. Ein Kopfball im Anschluss an
Wehens zweite Ecke wurde am kurzen Pfosten abgefangen, den Spurt von Reinert in
den Strafraum stoppte Sträßer. Auf der anderen Seite war es
Salvatore Amirante, der mit einem Kopfball aus sechs Metern Birkenbach prüfte
und mit einem 19-Meter-Flachschuss knapp verzog.
All das waren Szenen aus den ersten 20 Minuten, danach
dominierten die Abwehrreihen und weitere nennenswerte Aktionen vor der Pause
blieben rar. Einzig Timo Nagy aus guter Schussposition in zwanzig Metern
Torentfernung forderte nach 35 Minuten noch einmal den Beifall heraus. So sehr
man sich über die stabile Viererkette mit dem neuen Abwehrchef Lanzaat
und dem wie ausgewechselt wirkenden Sträßer freuen durfte -
beim Offensivspiel blieb zunächst noch viel Luft nach oben.
Van Eck hatte seiner Mannschaft in der Kabine mehr Risiko
verordnet und diese setzte das gleich mit Wiederanpfiff um. Bälle, die
während der ersten 45 Minuten noch als Querpass gespielt worden waren,
flogen nun steil ins Angriffszentrum. Es war Salvatore Amirante, der von der
Mittellinie aus seinen Sturmpartner Orlando Smeekes mit einem Diagonalpass auf
die Reise schickte. Diese Reise führte um einen Gegenspieler herum,
zwischen zwei Verteidigern hindurch direkt zu Torhüter Birkenbach, an
dem vorbei Smeekes das Leder ins lange Eck schob. 1:0 - Zeit für den
ersten Torjubel der neuen Saison mit einem Flickflack, wie man ihn im
Ernst-Abbe-Sportfeld so wohl noch nie gesehen hat. Miroslav Kloses berühmte
Überschläge in der Nationalmannschaft wirken geradezu
armselig gegen jene eines Orlando
Smeekes beim FC Carl Zeiss Jena ! Auch wenn dessen artistische Brillanz nicht
von ungefähr kommt, war er in seiner Jugend doch dreimal holländischer
Meister im Turn-Mehrkampf, bevor er sich für die fußballerische
Laufbahn entschied. Eine gute Entscheidung, wie uns nur sechs Minuten später
ein weiteres Mal klar werden sollte. Da trat Smeekes in 35 Metern Torentfernung
zum Freistoß an. Für eine direkte Ausführung noch
viel zu weit vom Kasten entfernt, dachten die meisten. Doch der Nationalspieler der
niederländischen Antillen schoss direkt durch die Drei-Mann-Mauer der
Wehener hindurch ins linke untere Eck. Welch ein (P)fund !
Während wir Beobachter noch ganz fasziniert waren
von den gleichsam schönen und doch auf so unterschiedliche Weise
zustande gekommenen Treffern unseres Orlando, setzten die Gäste mit
dem Mute der Verzweiflung zur Aufholjagd an. Diese hatten sie in der
Vorbereitung bereits gegen Koblenz und Saarbrücken mit Erfolg
praktiziert. Boskovic mit Schuss ans Außennetz sowie die frisch
eingewechselten Ziemer und Ziegenbein zeigten an, dass dieses Mahl mit
den zwei Toren noch lange nicht gegessen war. Und tatsächlich, in der
74. Spielminute traf Bohl unhaltbar per Kopf zum Anschlusstreffer. Eine
Viertelstunde war danach noch zu spielen. 15 Minuten, die besonders der aus
Kaiserlautern gekommene Marcel Ziemer mit mehreren Chancen zur Zitterpartie für
alle Blau-Gelb-Weißen werden ließ. Bei Ziemers
Aufsetzerkopfball sechs Minuten vor Schluss rührte selbst Geburtskind
Carsten Nulle (Glückwunsch zum 34. !) keinen Finger mehr - doch das
Leder klatschte nur an die Werbebande hinter dem Tor. In der 89. kam Nulle an
einen Eckball nicht heran, dafür stand Sträßer
goldrichtig und konnte an der Torraumgrenze per Kopf klären. Mit
tollen Einzelaktionen hatte einer aus der Mannschaft den Vorsprung heraus geschossen
- alle elf zusammen sorgten nun dafür, dass aus ihm drei Punkte wurden.
Auch wenn in der letzten halben Stunde das Geschehen etwas
aus der Hand gegeben worden war - mit dem Sieg gegen Wehen hat die neue Jenaer
Mannschaft schon mal einen ersten Fingerzeig erhalten, dass auch gegen
Staffelfavoriten etwas gehen kann. Orlando Smeekes, der in seiner Freizeit auch
noch Thai-Boxen betreibt, will übrigens trotz seiner Erfolgserlebnisse
im Sturm so schnell wie möglich auf die Außenbahn zurück.
Nur da kann er seine Sprintschnelligkeit mit (wie man hört) 11,3
Sekunden über 100 Meter und die Stärken im eins gegen eins
voll zur Geltung bringen. Scheint so, als könnten wir uns auf die
Saison mit ihm freuen. <fc>
Fotos von Jens Weißenburger
Spielbericht auf svwehen-wiesbaden.de
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, 6.);
Neunaber, Neppe (76. Altin), Lorenz, Schauml;fer; Müller, Weikl
(79. Bernhardt), Fischer, Celikovic; Formento (6. Karagiannis), Damm
Das Spiel begann dann auch mit einer Schweigeminute für
den achtfachen Nationalspieler, bei der manchem Besucher die eine oder andere
Träne über die Wange rollte. Die ersten Minuten des Spiels
hatten dann auch irgendwie den Anschein, als ob die 22 Akteure nicht ganz bei
der Sache wären. Zunächst schenken die Gäste den
Jenaern eine Ecke, weil es ein Missverständnis zwischen einem
Abwehrspieler und Gäste-Keeper Christian Maly gibt, ähnliches
gibt es nur Sekunden später auf der Gegenseite zu sehen. Die erste
halbwegs gefährliche Aktion ist dann ein langer Ball auf Orlando, der
mit seiner Schnelligkeit auch die WSV-Abwehr überrascht und den Gäste-Torwart
mit seiner plötzlichen Anwesenheit direkt vor dem Strafraum offenbar
so überrascht, dass dieser in einem Moment der Unaufmerksamkeit die Hände
zu Hilfe nimmt, obwohl er sich haarscharf außerhalb des Strafraums
befindet. Schiedsrichter-Assistent und Schiedsrichter können in dieser
Situation gar nicht anders, als Maly mit Rot vom Feld zu schicken und dem FCC
eine aussichtsreiche Freistoßposition an der Strafraumgrenze
zuzusprechen. Spätestens jetzt waren die Gedanken von Spielern und
Zuschauern voll und ganz beim heutigen Spiel. Opfer der Aktion von Maly war
letztlich der Wuppertaler Stürmer Formento, für den Gäste-Trainer
Uwe Fuchs nun Ersatz-Torhüter Asterios Karagiannis bringen musste.
Dieser sah sich gleich einer unbequemen Situation gegenüber, denn den
Freistoß von der Strafraumgrenze wollten die Gastgeber natürlich
im Tor unterbringen und dem Spiel so schon früh die richtige Tendenz
geben. Letztlich war es Torsten Ziegner, der sich den Ball zurechtlegte, anlief
und den Ball in Richtung Tor brachte - allerdings fehlten die berühmten
Zentimeter und der Ball strich am rechten Pfosten vorbei. Schon direkt im
Anschluss wurde klar, dass der WSV auch in Unterzahl ein unangenehmer Gegner
sein würde, der sich keineswegs entmutigen ließ. Die Spieler
aus der Stadt mit der Schwebebahn standen nun noch tiefer, als es vermutlich
ohnehin geplant war, Tobias Damm stand jedoch jederzeit bereit, um einen
schnellen Konter vorzutragen. Nach 13 Minuten waren es dann auch die Gäste,
die die nächste gute Gelegenheit hatten: Ein Freistoß aus
rund 25 Metern wurde von Celikovic vorbei an Freund und Feind auf den langen Pfosten
geschlenzt, wo Nulle aber hellwach und mit guter Reaktion zur Ecke klären
konnte. In der Folge bestimmte die in Überzahl spielende Jenaer Elf
zwar die Partie und hatte deutlich mehr Ballbesitz, dennoch muss sie sich den
Vorwurf einer gewissen Ideenlosigkeit anhören, denn gefährlich
wurde es für das Gäste-Tor nur äußerst
selten. Die tief stehenden Gäste machten geschickt die Räume
eng und unterbanden es effektiv, dass Orlando seine Schnelligkeit ausspielen
oder gefährliche Flanken in den Strafraum schlagen konnte. Wenn doch
mal ein Jenaer die Gelegenheit zur Flanke bekam, landete diese meist weit
hinter dem Tor und ließ das Jenaer Spiel entsprechend harmlos
erscheinen. Nach 35 Minuten fasste sich Amrhein ein Herz, sein Schuss bedrohte
aber vordergründig die Eckfahne und kann insofern als symptomatisch für
die Harmlosigkeit des FCC bis zu diesem Punkt gesehen werden.
Nur eine Minute später wären beinahe die Gäste
in Führung gegangen, denn einen schnellen Gegenzug konnte der schon
erwähnte Damm aus rund acht Metern abschließen, allerdings
war auch der selten geforderte Carsten Nulle gut drauf und konnte den Ball zwar
nicht festhalten, aber doch parieren. Bis zu diesem Zeitpunkt waren es damit
aber trotz Unterzahl doch die Wuppertaler, die die beste Chance der ersten
Halbzeit herausgespielt hatten. Die Szene der ersten Halbzeit stand aber noch
bevor, denn einmal mehr war es Orlando, der mit dem Ball am Fuß Fahrt
aufnahm und gleich mehrere Gegenspieler ausspielte. Beim letzten Verteidiger
Lorzenz versagten die Künste des kleinen Dribblers aber und es kam zum
Zusammenstoß, den die Gäste als freistoßwürdig
betrachteten und vehement den Pfiff des Schiedsrichters forderten. Dieser blieb
aber aus und Jens Truckenbrod nahm sich den Ball, zog sofort
ab und prüfte Karagiannis, der den Ball nicht festhalten konnte.
Dieser prallte nun vor die Füße von Sebastian Hähnge,
der bisher in dieser Saison torlos geblieben war und nun aus wenigen Metern nur
noch einschieben musste - TOOOOR für den FCC, endlich das erlösende
1:0!
Mit diesem Ergebnis ging es dann auch in die Kabinen, aus denen die Gäste unverändert zur zweiten Halbzeit zurückkamen. Beim FCC kam Wuttke für Schmidt, der aus Sicht von Trainer René van Eck Gelb Rot-gefährdet war. Schon direkt nach Wiederanpfiff ist es erneut Orlando, der die Gäste-Abwehr quasi im Alleingang umspielt und dann nur noch den Torhüter vor sich hat, den Ball dann aber leider etwas überhastet am Tor vorbeihämmert, anstatt ihn überlegt einzuschieben. Die Gäste änderten zunächst wenig an ihrer Spielweise und standen weiter tief, genauso schwer taten sich aber auch die Jenaer. In der Folge plätscherte das Spiel dahin und auch in Folge zahlreicher unnötiger Ballverluste im Spielaufbau konnte keine der beiden Mannschaften gefährliche Chancen herausspielen. Wenn überhaupt etwas Gefahr zustande kam, dann in Folge von Freistößen. Doch auch hier versäumten es Gastgeber und Gäste, die Torhüter zum Eingreifen zu zwingen oder gar vor ernsthafte Herausforderungen zu stellen. In den letzten zehn Minuten wurden auch die Gäste noch einmal mutiger, die Jenaer Verteidigung stand aber überwiegend sicher und zwang Nulle nicht zum Eingreifen. Als bereits einige Minuten der Nachspielzeit gespielt waren, eröffnete sich dem FCC noch die Chance auf 2:0 zu erhöhen. Nach einem langen Ball lief Ziegner zusammen mit Orlando aufs Gäste-Tor zu, begleitet nur von einem letzten Gäste-Verteidiger. Als Ziegner den Ball zum einschussbereiten Orlando spielen wollte, versagten ihm aber die Kräfte und die Nerven, sodass der Ball unerreichbar für den mitgelaufenen Stürmer ins Aus trudelte.
Kurz darauf war aber auch Schluss und die Jenaer konnten sich über drei Punkte freuen, die gegen den direkten Tabellennachbarn natürlich sehr wichtig waren. Mit etwas mehr Kreativität und Konsequenz im Torabschluss hätte man die Partie allerdings weniger anstrengend für das leidgeprüfte Nervenkostüm der Jena-Fans gestalten können. Nun bleibt zu Hoffen, dass die Jenaer in den kommenden beiden Auswärtsspielen ebenfalls Punkten und so die Distanz zu den Abstiegsrängen weiter vergrößern können. <bh>
- Heidenheim: Bodemer; Meier, Göhlert, Krebs, Feistle; Bagceci
(46. Gül), Klarer, Weil, Essig (59. Mayer); Spann (88. D. Jarosch),
Heidenfelder
- Jena: Nulle; Sträßer, Lanzaat, Lukimya, Wuttke; Kühne, Truckenbrod (86. Petersen), Ziegner, Amrhein; Orlando, Mayombo (75. Eckardt)
- Zuschauer: 6130
- Schiedsrichter: Nowak (Bottrop)
- Spielbericht
- Jena: Nulle; Sträßer, Lanzaat, Lukimya, Wuttke; Kühne, Truckenbrod (86. Petersen), Ziegner, Amrhein; Orlando, Mayombo (75. Eckardt)
- Im Spiel eins nach seinem Tod war Robert Enke auch fern der thüringischen
Heimat in Heidenheim allgegenwärtig. Der FCC verzichtete auf den
üblichen Aufdruck der Trikotbrust und die FCH-Fans auf ihre geplante
Choreo, beide Teams liefen mit Trauerflor auf und während der
holprigen Gedenkrede des Heidenheimer Stadionsprechers erinnerte der
Gästeblock ganz in schwarz an Jenas großen Sohn.
Wer gedacht hatte, der Nachmittag ginge derart besinnlich weiter, sah sich sehr schnell getäuscht. Auf der Stadionbaustelle nahe des Schlosses Hellenstein entwickelte sich ein überaus temporeiches Spiel mit Chancen hüben wie drüben. Amrhein und Ziegner (Außenpfosten) nach zwei und fünf Minuten hier - Meier (14.) und Weil (16.) dort, Smeekes mit Hammerschuß (17.), Amrhein nach Traumkombination (22.) sowie Kühne und Mayombo nach Eckball (25.) wieder hier, es brannte unentwegt in beiden Strafräumen. Gefährlich wurden die Gastgeber dabei fast immer bei ihren Angriffen über Jenas lichterloh brennende linke Abwehrseite. Es ist nicht überliefert, ob dies von Rene van Eck so gewollt war, aber Jena spielte quasi mit Dreierabwehrkette, während Sträßer als linker Läufer seine Seite über die gesamte Länge des Spielfeldes allein zu beackern hatte, Smeekes neben Mayombo im Zentrum stürmte. Was defensiv einem Harakiri glich, führte aber gleichzeitig zu einem personellen Übergewicht des FCC im Mittelfeld, welches die Heidenheimer vor große Probleme stellte, und Jenas Fans ob des gebotenen Kombinationsflusses erstaunte. Der FCC spielte als komplettes Kontrastprogramm zum letzten Heimauftritt einfach schön anzusehen, die Einstellung stimmte bei jedem Einzelnen und nach 35 Minuten folgte die Belohnung in Form der Führung. Der ins Team zurückgekehrte Torsten Ziegner tankt sich wie in alten Regionalligazeiten auf der rechten Seite ein, an zwei Heidenheimern vorbei zur Grundlinie durch, passt millimetergenau zurück auf Jens Truckenbrod, der den Ball aus zehn Metern zu seinem so lange überfälligen ersten Punktspieltor für den FCC versenkt. Was in Robert Enkes ehemaligem Klassenkamerad Torsten Ziegner vorgeht, der im stillen Jubel beide Arme gen Himmel reckt, kann man erahnen. Kurz darauf muss Smeekes eigentlich das zweite Tor nachlegen, als er mutterseelenallein von der Mittellinie aus aufs Tor zurast, aber am einzig verbliebenen Heidenheimer Verteidiger hängenbleibt. Dann heißt es erst einmal Sichern des Vorsprunges, Smeekes besetzt nun das linke Mittelfeld und nur noch einmal ist Zittern angesagt, als Weils Schuss nur knapp am Nulle-Gehäuse vorbeischrammt (37.). Pause, Jena führt und das verdient, wenn auch in der Innenverteidigung mit Lukimya und Rückkehrer Lanzaat alles andere als sicher.
René van Eck wechselt nicht, lässt aber seine Flügelzange Patrick Amrhein und Orlando Smeekes die Seiten tauschen, ein Schachzug mit Folgen. Jenas linke Seite ist nun endgültig zu für die Heidenheimer Angriffsbemühungen, während Smeekes auf rechts im völlig überforderten Außenverteidiger Feistle ein ums andere Mal ein leichtes Opfer für seine Flügelläufe vorfindet. Von Heidenheimer Ausgleichsdruck ist nicht einmal ein Ansatz zu spüren, hier und jetzt geht es ganz klar um die Spielentscheidung zugunsten der Gäste, die sich mit laufintensivem und beängstigend temporeichem Spiel Chance um Chance erarbeiten. Der als einzige Spitze stets anspielbereite Mayombo nach Kühne-Zuspiel knapp vorbei (46.), Ziegner mit Freistoß in die Mauer (49.), Amrhein aus dem Fußgelenk nur um Haaresbreite am Winkel vorbei (52.), Mayombo nach Ziegner-Zuckerpass mit von Ersatz-Ersatzkeeper Bodemer glanzvoll pariertem Schuss (55.), Kühne mit Flachschuss (61.), es stellte sich beinahe nur die Frage, welcher der 11 Jenaer der kommende Torschütze sein würde. Assani Lukimya war es dann, den der Stadionsprecher als solchen verkündete, leider im Jubelton und begleitet vom Kopfschütteln 500 fassungsloser Gesichter im Gästeblock. Was war passiert? Ballverlust Truckenbrods im Mittelfeld, geschickter Pass Güls auf den gerade eingewechselten Mayer, dessen Schuss Nulle sensationell nach vorn abwehrt, wo er von der Brust Jenas Abwehrchefs über den verdutzten Keeper ins Tor hüpft. Jenas Antwort ließ nicht auf sich warten: Aber Smeekes findet in Bodemer seinen Meister (66.), Ziegner zielt aus 20m knapp daneben (67.), Mayombo erwischt Ziegners Zuspiel drei Meter vor dem Tor eine Hundertstelsekunde zu spät (69.). Als dann nach 70 gespielten Minuten sowohl Lukimya, als auch Truckenbrod und Mayombo Wuttkes wunderbare Eingabe von rechts nicht im leeren Tor unterbringen können, hat der FCC nicht nur sein Pulver verschossen, sondern sich auch selbst den Nerv gezogen. Eckardts Einwechslung für Mayombo geht nach hinten los, weil nun die ballsichere Anspielstation in der Spitze fehlt, und Nulle muss bei Kontern der nun aufdrehenden Heidenheimer gleich zwei Mal binnen einer Minute sein ganzes Können aufbieten. Nach 79 Minuten ist auch er machtlos, als Ziegner Heidenfelders Schuss zunächst abblockt, aber der schwache Referee Nowak Göhlerts Foul an Kühne nicht ahndet und Mayer aus Nahdistanz vollendet. Ob der mitten in diese Aktion zu hörende Pfiff vom Referee oder aus dem Publikum kam, bleibt das Geheimnis des Mannes aus Bottrop, der Treffer zählte.
Jena blieben noch 11 Minuten, doch der Akku schien leer, zu sehr hatte das Powerplay nach der Pause geschlaucht, stattdessen konterten die Gastgeber ein ums andere Mal gefährlich und beseitigten mit dem dritten Treffer in der Nachspielzeit alle Zweifel am mehr als glücklichen Heimsieg. Dass Tim Wuttke - heute auch als rechter Außenverteidiger gewohnt zuverlässig - den Schuss Weils unhaltbar abfälschte, war ein sinnbildlicher Abschluss eines unglücklichen Spieles, in dem der FC Carl Zeiss vieles richtig machte, aber mit Fortuna und der eigenen Qualität vor dem gegnerischen Tor hadern muss. <gunner>
FC Carl Zeiss Jena - SG Dynamo Dresden 0:4
Tore: 0:1 Röttger (4.), 0:2 Röttger (22.), 0:3 Kühne (36., ET), 0:4 Müller (77.)
- Jena: Nulle; Sträßer, Wuttke, Lukimya, Nagy (46.
Ziegner); Amrhein, Kühne, Truckenbrod, Eckardt (33. Orlando);
Mayombo, Benyamina (70. Kolb)
- Dresden: Keller; Cozza (35. Kunze), Oppitz, Trehkopf, Röttger
(46. Koch); Strifler, Hübener, Petrovic, Müller; Savran, Dobry
(78. Jungnickel)
- Zuschauer: 9846
- Schiedsrichter: Kempter (Sauldorf)
- Spielbericht
- Eigentlich sollte man mit dem
Schreiben erst anfangen, wenn man sich selbst wieder im Griff hat, der Puls die
200er-Marke unterschreitet, die Gedanken anfangen sich zu ordnen. Aber diesmal
geht es nicht. Die Wut muß raus, muß ungefiltert aufs Papier,
auch wenn es kein passendes Vokabular für ein derartiges Versagen
geben dürfte.
Es war eine Demütigung,
ein Untergang! Alleine die ersten fünf Minuten gegen Dresden sind bei
normaler Finanzlage ein Kündigungsgrund für den Trainer und
die halbe Mannschaft. Statt dem Tabellenvorletzten zu zeigen, warum er dort
unten steht, wird die Schlacht kampflos preisgegeben, die Initiative gar nicht
erst ergriffen. Dazu kommen diese dümmlichen Fehler bei der
Ballbehandlung und schon wird es ein unvergeßlicher Nachmittag! Ein grundloser
Querschläger von Nagy, ein bewunderndes Platzmachen Sträßers
(wo war der denn auf einmal hin?), ein Schuß von Röttger. 0:1
(4.). Dann: Ein leichter Ballverlust von Mayombo in der Spitze, eine schnelle Kombination
über den ganzen Platz ohne Jenaer Ballberührung oder auch nur
die Chance dazu, eine flache Hereingabe von Dobry auf den völlig
vereinsamten Röttger. Noch ein Schuß, diesmal ins andere
Eck. 0:2 (23.). Und dann zu allem Überfluß auch noch so ein
Eigentor der Kategorie 'Schöner geht's nicht', als Kühne einen
Müller-Freistoß mit dem Knie in den Winkel donnert. Absolut
unhaltbar für Nulle (35.). Ich hätte hier gerne ein bißchen
was vom Aufbäumen geschrieben, vom Kampfgeist, der einfach nicht
belohnt wurde oder so. Aber es war einfach nur erbärmlich. Ein Zweikampfverhalten wie zur Love-Parade. Kein Biß, kein Wille. Nicht mal
den Ansatz einer Jenaer Chance gibt es hier zu beschreiben.
Dafür müssen
die Zuschauer im Stadion noch 20 Spielminuten voller Jenaer Unzulänglichkeiten
plus Halbzeit über sich ergehen lassen und das alles bei
Heimspielatmosphäre für Dresden. Ich kann das hier gottlob schneller
machen. Es war Lukimya, der einen Ziegner-Freistoß gefährlich
in Richtung des Dresdner Tors verlängerte und Keller zu einer schönen
Parade zwang (54.). Immerhin der Auftakt zu den stärksten fünfzehn
Minuten unserer Helden, in denen sich zwei, drei gute Möglichkeiten zu
einem Anschlußtreffer ergaben. Erst scheiterte Orlando mit einem Schuß
von der Strafraumgrenze an Keller (55.), kurz darauf segelte ein
30-Meter-Knaller von Amrhein knapp am Dresdner Gehäuse vorbei (57.). Und
dann die 68. Spielminute! Der erste Spielzug der Jenaer, der aussah wie gewollt.
Da läuft der Ball mal über fünf, sechs Stationen, da
kann sich Amrhein auf der linken Seite schön durchsetzen und auch
Mayombo macht eigentlich alles richtig. Pech, daß sein Drehschuß
am gedankenschnellen Keller hängenbleibt. Wäre diese erste Katastrophenhalbzeit
nicht gewesen, das Publikum hätte sicherlich verzückt
applaudiert. So aber war nur ein langgezogener Seufzer zu hören.
Aber die Jenaer Erfolgsgeschichte für diesen Nachmittag ist ohnehin schon wieder zu Ende.
Was noch kommt ist stattdessen der endgültige
Offenbarungseid. Nachdem Savran aus Ermangelung an Gegenspielen den Ball
ungehindert aus 20 m an die Latte donnern kann (wieder waren Sträßer
und Lukimya erst ganz eng dran und dann wie vom Erdboden verschluckt), bringen
es die Jenaer dreißig Sekunden lang nicht fertig, für klare
Verhältnisse im Strafraum zu sorgen. Als Savran zig verlorene Zweikämpfe
später den Ball wieder kriegt, sehen alle Zuschauer schon was jetzt kommen
muß, können in Ruhe ihre Fahnen einrollen, ihre Kissen
einpacken und was sonst noch so zu tun ist, um ganz schnell nach Hause zu
kommen. Es war wirklich so offensichtlich, daß der Savran dem Müller
das Ding auflegt, daß man schon fast enttäuscht darüber sein mußte, nichts Spektakuläreres geboten zu bekommen.
Noch den Nulle hübsch ausgekurvt und dann rein damit (77.). Schöner
geht's nicht mehr. Nie habe bereits eine Viertelstunde vor dem Abpfiff so eine Abwanderungswelle erlebt (O-Ton: "Da glotze ich mir lieber die Kandinsky-Ausstellung an")
Es tut mir leid, wenn das hier alles sehr sarkastisch rüberkommt,
aber es war bei diesem Spiel die einzige Möglichkeit, nicht völlig
die Beherrschung zu verlieren oder sich diversen Gewaltphantasien hinzugeben.
Eine solche Darbietung ist mir in Jena noch nicht untergekommen. Das
Pfeifkonzert zum Ende konnte nicht annähernd wiedergeben, was sich
hier gerade abgespielt hatte. Es ist ja nicht, daß Jena inzwischen
nahezu jedes Ostderby als Zweitplazierter beendet, sondern es ist die Art und
Weise, wie hier untergegangen wird. Spielerische Mängel sind
verzeihlich, wenn auch nicht immer nachvollziehbar. Aber kämpferisch
muß es einfach stimmen. Jeder Kreisklassespieler weiß, daß
man sich in der Anfangsphase erst mal Respekt verschaffen muß, will
man nicht den Rest des Spiels wie ein Depp aussehen ("gib dem Neuner gleich
einen mit, damit er weiß, dass er seinen Hutzebutz hier
vergessen kann" war der bekannte Slogan unseres Trainers vor jedem Derby in
Zottelstedt). Die Dresdner wußten das, die Jenaer nicht. In meinen
Augen das größte Problem ist und bleibt aber dieses konfuse
Miteinander. Da sind keine Laufwege aufeinander abgestimmt, da gibt es
keinerlei Zuordnung, da fehlen vorne die Leute, die hinten zu wenig sind. Was
machen die eigentlich die Woche über?
Persönlich fürchte ich, daß van Eck trotz
aller Sympathien nicht der richtige Mann für diesen Job ist. Aber neu
ist diese Erkenntnis im Verein ja nun auch nicht...
Das war ein grauenhafter Samstag!
Wollen wir uns nicht schneller im Abstiegskampf wiederfinden als uns lieb ist, darf sowas nicht so schnell wieder passieren. Es sind jetzt zwei Wochen Zeit,
irgendwie zu reagieren und diesem nervösen Haufen wieder
Selbstvertrauen einzuflößen. Wie das gehen soll, ist mir
ehrlich gesagt ein Rätsel. Aber vielleicht reicht es ja auch schon, wieder
vor den für die dritte Liga typischen Gruselkulissen anzutreten. Zu
viel Öffentlichkeit ist unserer Mannschaft scheinbar ein Graus. Insofern
liegt über den nächsten Wochen ein zarter Hoffnungsschimmer,
wenn wir uns mit Fußballgrößen wie dem 1. FC
Heidenheim oder dem Wuppertaler SV der üblichen Tristesse hinzugeben haben. <bpf>
SSV Jahn Regensburg - FC Carl Zeiss Jena 1:1
Tore: 0:1 Mayombo (27.), 1:1 Würll (90.)
- Regensburg: Sattelmaier; Hörnig (57. Jarosch),
Hagmann (
, 88.), Maul, Binder; Zellner,
Kreis (74. Schlauderer), Haller, Berger; Stoilov, Schmid (60. Würll)
- Jena: Nulle; Sträßer, Lukimya, Wuttke, Nagy; Eckardt
(70. Orlando), Truckenbrod, Kühne, Amrhein; Mayombo, Benyamina (90. Kolb)
- Zuschauer: 4108
- Schiedsrichter: Glasmacher (Alsdorf)
- Spielbericht
- Im letztjährigen Abstiegskampf hatte mir der
Spielberichtsorganisator das Angebot abgerungen, im Falle des Nichtabstiegs mal
wieder einen Spielbericht zu verfassen. Dies hatte die FCC-Helden dann
tatsächlich noch so angestachelt, dass sie sich auf der Zielgeraden
über den Strich retteten. Mein Versprechen sollte nun zum Abschluss
der "Bayrischen Wochen" beim Gastspiel bei Jahn Regensburg
eingelöst werden. Die Münchner FCC-Gemeinde um "Gleis
26" traf sich pünktlich nach dem Frühstück
zur gemeinsam Fahrt in die Hauptstadt der Oberpfalz. Die Stimmung war
entspannt, denn gegen Regensburg hatte der FCC noch nie verloren und in
Regensburg stets 2:2 gespielt. Ein Resultat mit welchem man in der aktuellen
Situation auch wieder zufrieden gewesen wäre.
Nach problemloser und zügiger Fahrt im ALEX wartete
in Regensburg noch eine Busfahrt zum Stadion auf uns, die gefühlt so
lange wie die Zugfahrt dauerte. Der Fahrer wollte uns wohl die
Schönheit der Stadt genießen lassen, anders sind die
minutenlangen Stopps an den Haltestellen nicht zu erklären.
Letztendlich erreichten wir aber pünktlich das Jahnstadion, dessen
Charme gleich deutlich darauf hinweist, dass man sich in einer der ältesten
Städte Deutschlands befindet.
Die Gastgeber hatten
nach ihrem sehr guten Saisonstart zuletzt etwas geschwächelt und vier
Spiele in Folge nicht gewonnen (3 Niederlagen, 1 Unentschieden) und waren von
den Aufstiegsrängen auf Platz sieben zurückgefallen.
Angeführt vom Kapitän und Ex-Jenaer Alexander Maul
übernahm Regensburg gleich die Initiative und bereits nach drei
Minuten knallte der Ball zum ersten Mal gegen den Pfosten des Jenaer Tores.
Allerdings stand Schütze Haller dabei im Abseits. Der FCC startete mit
der Elf der zweiten Halbzeit vom Spiel in Unterhaching und meldet sich mit
einem Schuss von Amrhein, den Sattelmaier zur Ecke abwehrte, in Minute sieben
erstmals offensiv zu Wort. Regensburg blieb aber spielbestimmend und traf durch
Stoilov erneut den Pfosten (19.). Den zurückspringenden Ball bugsierte
Haller unbedrängt über das leere Tor. Dies wirkte allerdings
als Wachruf für die Jenaer Kicker, die nun doch auch etwas mehr nach
vorn versuchten. In der 26. Minute konnte Alexander Maul gerade noch René
Eckardt an der Strafraumgrenze am Schuss hindern. Eine Minute später
lupfte Amrhein im Mittelfeld den Ball schön zu Truckenbrod, der einen
feinen Pass in den Strafraum spielte und Mayombo mit prima Einsatz noch vor dem
zögerlichen Abwehrspieler am Ball war und ihn an Sattelmaier vorbei
zum 1:0 ins Tor spitzelte. Die Führung war zu diesem Zeitpunkt sicher
etwas überraschend, wäre aber fast noch erhöht
worden, doch Truckenbrod kam bei einem weiten Pass von Nagy einen Schritt zu
spät (34.). Regensburg kam vor der Pause nur noch zu einer Chance, die
Nulle aber souverän meisterte (41.).
Der FCC kam besser aus der Pause und bestimmte nun
zunächst das Spielgeschehen. Eckardt passt zu Amrhein, der legt auf
Mayombo ab, der leider einen Schritt zu spät kommt (47.). Zwei Minuten
später behauptete Mayombo im Strafraum den Ball gegen Maul. Dieser
konnte sich nur mit einer Ringereinlage helfen. Der fällige
Elfmeterpfiff des insgesamt recht schwachen Schiedsrichters Glasmacher blieb
aber aus. Die nächste Chance hatte Sträßer nach
Doppelpass mit Eckardt. Doch sein Schuss ging knapp am rechten Pfosten vorbei
(53.). Regensburgs erste Offensivaktion in der zweiten Halbzeit war ein
Fernschuss aus knapp 30 Metern, der aber weit am Kasten von Nuller vorbei ging
(55.). Trainer Weinzierl reagierte und brachte mit Würll nach einer
Stunde einen weiteren Angreifer. Auch wenn Regensburg damit das Spiel wieder
etwas ausgeglichener gestalten konnte, blieben Chancen nun auf beiden Seiten
zunächst aus. Nach 70 Minuten kam Orlando für Eckardt und
damit auch neuer Schwung ins Spiel. Zunächst setzt sich Orlando auf
rechts durch und flankt von der Grundlinie, den Kopfball von Amrhein kann
Sattelmaier aber entschärfen (76.). Drei Minuten später ein
Konter des FCC, Truckenbrod passt auf Mayombo, der in aussichtsreicher Position
verstolpert. Und drei Minuten vor Ablauf der regulären Spielzeit wird
Orlando über links geschickt, Hagmann kommt nicht hinterher und
erwischt Orlando nur noch am Fuß und kassiert dafür - da
letzter Mann - die Rote Karte. Die 90 Minuten waren abgelaufen, Regensburg
bemüht sich noch einmal in
Richtung Jenaer Tor und Mayombo geht etwas ungeschickt in den Zweikampf -
Freistoß und wohl die letzte Aktion im Spiel. In der
Gästekurve bangte man nun schon, dass es doch nicht schon wieder mit
einem späten Ausgleich in Regensburg enden kann und darf ... Aus dem
Fanblock vom anderen Ende des Spielfeldes sah man den Freistoß
über Freund und Feind hinwegsegeln und dann tatsächlich im
Netz zappeln. Hinterher hörte man, dass wohl Mayombo unglücklich
ins eigene Tor getroffen hatte. Sehr ärgerlich! Dem Spielverlauf nach
sicher eine akzeptable Punkteteilung. Aufgrund der besseren zweiten Halbzeit,
in der vergessen wurde, den berühmten Sack zuzumachen,
aber doch zwei verschenkte Punkte mit einem
tragischen Helden Mayombo. <jw>
SpVgg Unterhaching - FC Carl Zeiss Jena 3:1
Tore: 1:0 Steegmann (43.), 2:0 Steegmann (63.), 3:0 Kanca (76.), 3:1 Benjamina (82.)
- U'haching:Kampa; Konrad, Hain, Brysch, Schaschko (90. Ziegler);
Tyce, Mitterhuber, Zillner, Leandro; Schweinsteiger (73. Kanca), Steegmann (79. Rathgeber)
- Jena: Nulle; Sträßer (73. Osadchenko), Lukimya, Wuttke, Nagy; Eckardt, Kühne, Truckenbrod, Ziegner (46. Benyamina), Orlando (46.
Mayombo); Amrhein
- Zuschauer: 3300
- Schiedsrichter: Fischer (Hemer)
- Spielbericht
- Same procedure as every year.
Der FCC verliert obligatorisch sein Auswärtsspiel bei der Spielvereinigung Unterhaching, diesmal
mit 3:1 und nach zwei völlig unterschiedlichen Halbzeiten.
Der
Minutenzeiger hatte noch nicht einmal eine volle Umdrehung gemacht, da hatten
Jenas Fans den Torschrei auf den Lippen, als Patrick Amrhein von Ziegner
mustergültig bedient von der Strafraumgrenze abziehen kann, aber nur ein
klägliches Schüsschen zustande bringt. Ein Auftakt mit Signalwirkung konnte man
hoffen, doch als Referee Fischer 45 Minuten später zur Pause pfiff, war aus
Sicht des FCC keine einzige weitere Möglichkeit zu notieren gewesen, von einem
großzügig verzogenen Distanzschuss des überraschend sofort eingesetzten Kühne
einmal abgesehen. Jena lieferte eine erste Hälfte ohne jeden Esprit, blieb im
Offensivspiel erschreckend harmlos und lag verdient mit 0:1 zurück. Dass dieses
Gegentor aus einer lächerlichen Schauspieleinlage Zillners an der
Seitenauslinie direkt vor den Augen des schwachen Linienrichters und folgender
Freistoßflanke resultierte, war bitter. Aber Steegmanns gegen Lukimya
folgenschwer gewonnenes Kopfballduell zum Führungstreffer kurz vor der Pause
(43.) eben auch nur eine der zahlreichen Hachinger Möglichkeiten. Von denen
vergab der Torschütze selbst üppig (12., 26., 34.), aber Zillner nach seinem
Sturmlauf zwischen den verdutzten Sträßer und Ziegner hindurch zweifellos die
größte - Nulle rettete glanzvoll (33.).
So konnte es nicht weitergehen, und van Eck, der schon vor Anpfiff auf den sich
beim Aufwärmen verletzenden Holwijn verzichten musste, stellte erneut um. Auch,
weil der blasse Orlando Smeekes mit ausgekugelter Schulter passen musste. Aus
dem 3-5-1 mit Doppelsechs Kühne/Truckenbrod und Amrhein als einziger Spitze
wurde nun ein 4-4-2. Amrhein rückte zurück auf die linke Mittelfeldposition,
als Spitzen agierte dabei das Sturmduo der in dieser Saison so begeisternden
II. Mannschaft, und plötzlich ging beim FCC nach vorn die Post ab. Insbesondere
Exaucé Mayombo war von Hachings Verteidigern kaum zu stellen und lieferte eine
starke Partie ab. Kühnes Schuss nach Truckenbrod-Ablage gab nach 51 Minuten die
Richtung vor, Mayombos abgefälschter Schuss folgte zwei Minuten später, Amrhein
prüfte Kampa im Hachinger Tor aus 18 Metern (54.), Truckenbrod zieht knapp
übers Tor (58.). Jena war jetzt richtig im Spiel, die Kombinationen liefen
flüssig und spätestens in der 59. Minute musste es einfach soweit sein, als
Rene Eckardt auf rechts mustergültig von Sträßer bedient wird, aber statt Kampa
den Ball um die Ohren zu ballern eine unmotivierte Mischung aus Heber und
Flanke ansetzt. Wie einfach Fußball sein kann, demonstrierten die Bayern kurz
darauf auf der Gegenseite: Langer Befreiungsschlag Hains aus der eigenen Hälfte
auf den durchstartenden Steegmann, der vernascht Wuttke im 16er und schiebt
lässig zum 2:0 ein. Bewundernde Worte fielen im Gästeblock über die weise
Voraussicht jenes sonst so viel- und weitreisenden Münchner FCC-Fans, der einem
Gelübde folgend den Nachmittag lieber weit abseits seinen Hund Gassi führend
verbrachte. Seit dem Sieg vor 17 Jahren scheint für unseren Club ein Fluch auf
diesem Sportplatz zu liegen. Sonst hätten vielleicht auch Mayombo nach
Traumzuspiel Benyaminas freistehend vor Kampa die Nerven nicht versagt (65.).
Und sonst würde ein Schiedsrichter bei einem Foul wie dem Kampas an Carsten
Sträßer im 16er auch einmal auf Elfmeter entscheiden. Für Sträßer bedeutete
Kampas übles Einsteigen das Ende der Partie - Jenas dritte Verletzung an diesem
Tage - und die Unordnung in der Hintermannschaft des FCC nutzte der
eingewechselte Kanca zur endgültigen Entscheidung. Dabei hätte es vielleicht
noch einmal eng werden können, wenn nach Benyaminas Anschlusstreffer per Kopf -
Nagy hatte von links geflankt - mehr gekommen wäre als die vergebenen
Möglichkeiten Benyaminas (Kopfball nach Eckball von rechts, 83.) und Amrheins
Freistoßversuch übers Tor (84.). Wo das Problem des FCC liegt, demonstrierte
dann eine Minute vor dem Ende René Eckardt noch einmal final, als er völlig
freistehend an Kampas Blitzreaktion scheitert. Nein, nichts zu holen in
Münchens Süden. Verflucht! <gunner>
FC Carl Zeiss Jena - FC Ingolstadt 04 2:0
Tore: 1:0 Lukimya (72.), 2:0 Holwijn (83.)
- Jena: Nulle; Sträßer, Lukimya, Wuttke, Nagy; Holwijn,
Truckenbrod, Ziegner (85. Eckardt), Orlando (90. Fuss); Amrhein,
Hähnge (73. Benyamina)
- Ingolstadt: Lutz; Keidel, Pisot, Wenczel, Ruprecht; Leitl,
Fleßers (71. Braber), Karl, Buchner; Neuendorf, Hartmann
- Zuschauer: 5099
- Schiedsrichter: Siebert (Berlin)
- Spielbericht
-
Im Vorfeld des Spiels gab es jede Menge Aufregung im Umfeld des FCC: Spätestens mit der Pokalniederlage in
Meuselwitz und der anschließenden Suspendierung von Salvatore Amirante hatte der FCC wieder einmal demonstriert,
dass man in Jena mit allem rechnen muss. Dazu kam noch die Vorstellung des neuen Geschäftsführers Michael
Born unter der Woche, Ablenkung von der Vorbereitung auf das Spiel gegen einen der Staffelfavoriten des Jahres gab
es also zur Genüge.
Mit dem FC Ingolstadt 04 war eine Mannschaft im Ernst Abbe Sportfeld zu Gast, gegen die der FC Carl Zeiss Jena erst
ein einziges Mal im Rahmen eines Winter-Trainingslagers gespielt hat. Das ist allerdings weniger überraschend,
zumindest wenn man betrachtet, dass der FC Ingolstadt 04 erst im Jahr 2004 als Zusammenschluss von MTV 1881 und ESV
Ingolstadt entstanden ist. Seitdem hat der Verein mit der Unterstützung des großen Sponsors im Rücken
einen steilen Aufstieg erlebt und konnte schon im Jahr 2007 den Aufstieg in die zweite Bundesliga feiern. Der letztjährige
Abstieg darf als Betriebsunfall verstanden werden, der den langfristigen Weg in Richtung erste Bundesliga wohl nur verzögert
hat. Spätestens beim Blick auf das Mannschaftsfoto der Gäste wird deutlich, wie der Verein verstanden werden soll: Der
Star ist nicht die Mannschaft, auch nicht bundesligaerfahrene Spieler wie "Zecke" Neuendorf Stefan Leitl, selbst Trainer
Horst Köppel steht im zweiten Glied. Bei Ingolstadt 04 gilt einzig und allein: Der Star ist der Sponsor.
Aber kommen wir zum Spiel: Den Spielern des FCC war von Beginn an anzumerken, dass die Geschehnisse außerhalb
des Platzes nicht völlig verdrängt werden konnten, jedenfalls waren die Gäste aus Ingolstadt von Beginn an
die spielbestimmende Mannschaft. Bereits in der ersten Minute kommen die Gäste gefährlich vors Jenaer Tor, die
Flanke von Leitl kann Buchner aber nicht verwerten. Nur wenige Augenblicke später versucht der rehabilitierte Ziegner
einen Rückpass zu Carsten Nulle, der Ball ist allerdings beinahe zu kurz und bringt Nulle erstmals in Bedrängnis.
Dank einer schnellen Reaktion kommt er allerdings noch vor dem Ingolstädter Spieler an den Ball und kann die Situation
klären. Dennoch blieben die Gäste dominant und kamen noch in der zweiten Minute nach einer Keidel-Flanke durch
Buchner zur nächsten Chance, auch dieser Kopfball verfehlte das Jenaer Tor aber knapp. Erst nach diesen drei Aufregern
konnten die Jenaer Fans erstmals durchatmen; auch wenn die FCC-Elf sich keine eigenen Chancen erspielen konnte, gelang es
nun immerhin, die Gäste vom eigenen Tor fernzuhalten. Dennoch wirkten die Gäste auf dem vom Regen getränkten
Rasen stets spritziger und technisch versierter und konnten mit einfachen Doppelpässen immer wieder schnelle
Vorstöße einleiten, die zum Glück für die Jenaer Elf nicht mit letzter Konsequenz ausgespielt
wurden. Wenn die Ingolstädter doch einmal den Abschluss fanden, war dann allerdings Carsten Nulle zur Stelle,
der insgesamt eine überzeugende Partie ablieferte. Auch nach einem Schuss von Karl aus rund zehn Metern war
Nulle zur Stelle und konnte per Fußabwehr klären. Nach knapp einer halben Stunde kamen auch die Jenaer
erstmals zu so etwas ähnlichem wie einer Torchance, als Patrick Amrhein auf der rechten Außenbahn vor
dem unnötigerweise herauseilenden Ingolstädter Torhüter Lutz an den Ball kommt und an diesem auch
vorbeikommt, dann aber ausrutscht und damit das großzügige Geschenk der Gäste dankend ablehnt. Kurz
vor dem Halbzeitpfiff ist es wieder Amrhein, der an der Strafraumgrenze der Ingolstädter glücklich an den
Ball kommt, die gebotene Chance aber mit einem Schuss zur Eckfahne kläglich vergibt. Damit blieb es zur Halbzeit
beim 0:0 und obwohl die Ingolstädter nicht viele klare Torchancen erspielt hatten, waren sie doch ohne Zweifel
die gefälliger spielende Mannschaft, die eine Führung zu diesem Zeitpunkt absolut verdient hätte.
In den Minuten nach Wiederanpfiff hatte man nicht den Eindruck, als ob René van Eck der Mannschaft in der Kabine
entscheidende Impulse gegeben hat. Wieder hatten die Ingolstädter den besseren Beginn für sich: Mit zwei
Freistößen aus rund 20 Metern brachte Keidel den Jenaer Torhüter Nulle in Bedrängnis, dieser war
aber hellwach und ging in Anbetracht des glitschigen Balls zwei mal auf Nummer sicher und faustete den Ball wieder
ins Spielfeld zurück. In der 51. Minute war es wieder Karl, der die Führung auf dem Fuß hat, aber im
letzten Moment mit viel Glück von mehreren Jenaer Verteidigern am Abschluss gehindert wird. Nur zwei Minuten
später die nächste Großchance für die Gäste, nun rettet wieder Nulle gegen Leitl, der
völlig unbedrängt zum Schuss kommt - die Ingolstädter Führung schien nur eine Frage der Zeit
zu sein, von Jenaer Seite kamen wie in der ersten Halbzeit praktisch keine Impulse für das Spiel. Nach 55 Spielminuten
kam aber auch der FCC mal wieder vors Gäste-Tor, die Flanke von Truckenbrod auf Hähnge war präzise und
gefühlvoll getreten, allerdings war auch Gäste-Torwart Lutz auf dem Posten und konnte mit den Fäusten
vor Hähnge an den Ball kommen. Zehn Minuten später war es erneut Nulle, der die letzte Rettung für das
scheinbar unverrückbare 0:0 an der Anzeigetafel darstellte. Gleich mehrere Stürmer der Gäste
scheiterten mit ihren Schussversuchen am Jenaer Keeper, bevor die Situation endlich bereinigt werden konnte.
Die rot-weiß gekleidete Marketingmaßnahme der bekannten VW-Tochter hielt bis dahin also fast, was
der Bus mit großen Lettern versprach: Der "Vorsprung durch Technik" schlug sich allerdings nur in
Spielanteilen und Torchancen nieder, das Spielergebnis zeigte sich bisher unbeeindruckt. In der Folge gönnten
sich die Gäste allerdings eine kleine Verschnaufpause und die Jenaer kämpften sich zurück ins Spiel.
Torchancen blieben zwar zunächst Mangelware, aber immerhin musste man sich in dieser Phase keine großen
Sorgen um das FCC-Tor machen. In der 72. Minute passierte dann das, was auch dem FCC schon oft genug widerfahren ist:
Die Mannschaft, die bis dahin klar unterlegen war und praktisch keine echte Torchance zu verzeichnen hatte, geht
völlig unverdient in Führung. Nach einem Freistoß aus halbrechter Position und rund 30 Metern
Entfernung ist es Abwehrmann Assani Lukimya, der als erster an den Ball kommt und diesen per Kopf ins lange
Ecke verlängern kann - 1:0 für den FCC und der Spielverlauf stand auf dem Kopf! Die Jenaer Zuschauer
hatten sich noch nicht wieder hingesetzt, da wäre beinahe der hochverdiente Ausgleich gefallen, als Buchner
per Kopf nur die Latte trifft und ein weiterer Ingolstädter seinen Nachschuss wenige Zentimeter neben den
linken Pfosten setzt. Die Angriffe der Gäste wurden nun verständlicherweise wütender und brachten
Nulle noch mehrmals in Bedrängnis. Nur zwei Minuten nach der Führung muss der Jenaer Torwart erneut per
Faustabwehr retten, nachdem ein Angreifer eine Gäste-Ecke per Volleyschuss von der Strafraumgrenze aufs Tor
brachte. Weitere drei Minuten später machte sich Nulle endgültig zum Mann des Spiels, als er einen
weiteren Freistoß von "Zecke" Neuendorf, der ansonsten unauffällig agierte, klären konnte.
Während die Gäste auf den Ausgleich drängten, zeigten die Jenaer, wie effizienter Fußball
aussehen kann: Einen hohen Ball aus dem Mittelfeld legt Amrhein per Kopf auf Melvin Holwijn ab, der sich ein Herz
nimmt und aus rund 18 Metern einfach mal draufhält. Der von Gäste-Trainer Köppel nicht ganz zu
Unrecht als "Sonntagsschuss" bezeichnete Ball schlug unhaltbar für Gäste-Keeper Lutz in der linken
Ecke ein und sicherte den Jenaer Sieg, der bis dahin noch heftig wankte.
Die Ingolstädter Bemühungen blieben auch in der Folge unbelohnt und fast hätte man den Eindruck
haben können, dass sich an diesem Tag die über 100 Jahre längere Tradition des FCC gegen den noch in
den Kinderschuhen steckenden Gast aus Ingolstadt durchgesetzt hat. Dennoch darf nicht unerwähnt bleiben, dass
der Sieg und die damit verbundenen drei Punkte sehr glücklich für René van Eck und den FC Carl
Zeiss waren, von einem verdienten Sieg kann beim besten Willen nicht die Rede sein. Entsprechend gedrückt
dürfte die Stimmung im Ingolstädter Bus bei der Heimreise gewesen sein, denn es ist ohne Zweifel bitter,
nach einem derart kraftraubenden und über weite Strecken gut geführten Spiel ohne Punkte nach Hause
fahren zu müssen. Es bleibt zu hoffen, dass die Jenaer beim nächsten Spiel in Unterhaching auch
spielerisch zu überzeugen wissen und auch in Bayern Punkte holen, bevor die bayerischen Wochen mit dem Spiel
in Regensburg hoffentlich erfolgreich beendet werden. <bh>
Kickers Offenbach - FC Carl Zeiss Jena 4:0
Tore: 1:0 Pospischil (24.), 2:0 Ulm (41.), 3:0 Mesic (78.), 4:0 Pfingsten-Reddig (88.)
- Offenbach: Wulnikowski; Huber, Hysky, Kopilas, Schutzbach;
Haas (84. Pfingsten-Reddig), Pospischil, Zinnow, Fröhlich (72. Laux);
Ulm, Mesic (81. Albayrak)
- Jena: Nulle; Fuss, Lukimya, Wuttke, Sträßer;
Holwijn (72. Kolb), Lanzaat (
, 79.),
Truckenbrod, Hähnge (46. Nagy), Orlando; Amirante
- Zuschauer: 8563
- Schiedsrichter: Thomsen (Kleve)
- Spielbericht
- Auf den Tag genau vor einem Jahr begleitete ich den FCC zum
Auswärtsspiel nach Wuppertal. "Am Tag der deutschen Einheit flossen
die Punkte von West nach Ost", beendete ich damals den Spielbericht und hoffte
jetzt auf einen vergleichbaren Spielausgang ein Jahr später.
Ein entlaufener Bulle vorm Polizeiauto auf der Hinfahrt sollte hierbei
eigentlich als Glücksbringer fungieren.
Allerdings ließen die letzten Auftritte der aktuellen Zeiss-Elf
ebenso wenig einen Feier(tags)auftritt erwarten wie die Bilanz am Bieberer Berg
mit nur einem mageren Pünktchen aus vier Spielen.
Ein Amirante-Schuss nach hundert Sekunden eröffnete
die Partie, in der Wuttke auch nach Lanzaats Rückkehr zunächst
in der Innenverteidigung blieb. Obwohl der Holländer bei seinem
Kurzeinsatz gegen Bremen alles andere als souverän gewirkt hatte,
wurde er ein weiteres Mal auf der Position vor der Abwehr neben Truckenbrod
besetzt. Sein Fehler ohne Not nach 16 Minuten ließ Pospischil von der
Strafraumgrenze aus zum Schuss kommen, Nulle bügelte aus. Es war die
zweite Chance der Hausherren in diesem Match, da sich zuvor bereits Zinnow
durch den kompletten Jenaer Strafraum gedribbelt hatte, dabei jedoch vergaß,
aufs Tor zu schießen. Auch Truckenbrod probierte es nach siebzehn
Minuten mal mit einem Schuss von der Strafraumgrenze. Wulnikowski kam mit einer
Faust an den Ball und lenkte zur Ecke. Fünf Minuten später.
Zinnows Faller nach Zweikampf mit Sträßer sah nach Schwalbe
aus, der bis dahin großzügige Schiedsrichter gab jedoch
Freistoß. Der Ball blieb in der 6-Mann-Mauer hängen, sprang
aber nach seiner ersten Bodenberührung mit ungewöhnlichem
Drall wieder zurück. Ein Lupfer in den Jenaer Strafraum, wo die Blauen
vergebens auf Abseits reklamierten, ein zur Vorlage werdendes Luftloch sowie
ein straffer Schuss auf zehn Metern führten zum 1:0.
Wie schon gegen
Bremen galt es einem Rückstand hinterher zu laufen. Genau das aber
wird zum schwierigen Unterfangen, wenn der Trainer ausgerechnet vor diesem
Spiel klammheimlich zur Ein-Stürmer-Taktik zurückgekehrt ist,
die schon im Jahr zuvor für Unverständnis und Erfolglosigkeit
gesorgt hatte. Sebastian Hähnge ("Ich erwarte mehr von mir und die
Leute auch") blieb nach dem Rückstand weiterhin konsequent im
zentralen Mittelfeld und versuchte sich erfolglos als Ballverteiler für
die einzige Spitze Salvatore Amirante. Da auch Melvin Holwijn sowie Orlando auf
den Außenpositionen nichts rissen, verwalteten die Hessen ihren
knappen Vorsprung ohne große Mühe und lauerten auf den möglicherweise
vorentscheidenden Fehler des Kontrahenten. Den gab es dann auch in Form eines
Jenaer Fehlpasses wenige Meter vorm Anstoßkreis. Dass er Lukimya
unterlief, einem der wenigen beständig guten Spieler während
der letzten Wochen, werteten einige Fans später als Zeichen um sich
greifender Verunsicherung in den Jenaer Reihen. Jedenfalls nutzte David Ulm das
Geschenk zu einem Solo durch die Jenaer Hälfte, um das Leder dann aus
gut zwanzig Metern über Nulle hinweg ins Tor zu heben. Sehenswert, mit
wie viel Gefühl im Fuß Ulm diesen Treffer markierte. Carsten
Nulle eine Mitschuld zu geben, wäre aber wohl verfehlt. Wie sollte er
ahnen, dass seinen Vorderleuten im Spielaufbau ein solcher Patzer unterläuft
? Unser Keeper schlich nach dem Pausenpfiff als Letzter vom Platz, begleitet
von Schmährufen der OFC-Anhänger, die in einem bekennenden
Sympathisanten von Eintracht Frankfurt so etwas wie ihren natürlichen
Feind sehen.
Drei Jahre zuvor war es einer Jenaer Mannschaft an gleicher
Stelle mal gelungen, aus einem 0:2-Pausenrückstand noch ein Remis
werden zu lassen. Um eine Wiederholung dessen herbei zu führen,
stellte van Eck während der Pause mehrfach um. Nagy kam für Hähnge
rein, begab sich wie gewohnt nach links und schickte Holwijn auf die andere
Seite. Aus Orlando wurde doch noch ein zweiter zentraler Stürmer.
Dahinter tauschten Lanzaat und Wuttke ihre Positionen aus der ersten Hälfte,
rückte Truckenbrod ein Stück weiter nach vorn. Der OFC ließ
die Gäste nach Wiederanpfiff zunächst gewähren. Als
sich die Hausherren dann doch mal wieder zu einem eigenen Angriff entschlossen,
brachte der schnelle Gegenstoß endlich mal wieder Gefahr. Durch vier
Abwehrbeine hindurch legte Orlando für Amirante auf, der schoss aus
der Drehung jedoch genau zu Wulnikowski. Der Ball von Nagy drei Minuten später
versprach mehr Erfolg, strich aus 19 Metern Torentfernung aber knapp am rechten
Pfosten vorbei. Eine weitere Steigerung erfuhren Jenas Bemühungen um
den Anschlusstreffer schließlich in Minute 69. Wiederholt versuchte
sich Truckenbrod an einem Fernschuss, selten zuvor aber war das Geschoss von
jener Güte wie diesmal. Aus 17 Metern volley abgefeuert, flog das
Leder oben ans Gebälk, dass es nur so krachte.
Die Hausherren hatten
offensiv nach dem Wechsel überhaupt noch nichts gezeigt. Doch mit
ihrem ersten gelungenen Angriff in Halbzeit zwei, bezeichnenderweise einem
Konter, sorgten sie fünfzehn Minuten vor Schluss für die
Entscheidung. Ulm legte an Sträßer vorbei in die Mitte ab,
wo Quido Lanzaat seinem Gegenspieler Mesic nicht hatte folgen können. 3:0. Dass Jenas
Abwehrchef eben jenem Mesic kurz darauf in die Hacken trat, roch nach Frustfoul
und wurde mit der Roten Karte geahndet. Und als hätte das alles nicht
schon gereicht, flog auch noch der Schuss des eingewechselten Pfingsten-Reddig
genau ins linke untere Eck. "Vier zu Nulle", höhnte es nach Ende der
zweiten 45 Minuten von der Offenbacher Fangeraden.
Dass dem OFC eine durchschnittliche Leistung zu einem derart
klaren Sieg reichte, sollte in Jena die Alarmglocken schellen lassen. Was nutzt
ein sich steigernder Truckenbrod, ein auf allen Positionen sein Ding machender
Wuttke - sie sind nun mal keine Antreiber, die den tödlichen Pass
spielen können. Genau so einer fehlt dem Zeiss-Spiel aber zunehmend.
Es scheint deshalb an der Zeit, die Verbannung Torsten Ziegners zu beenden.
Zwar ist nicht garantiert, dass es mit ihm schlagartig besser laufen wird. In
einer Phase, wo die Jenaer Mannschaft in ihren Leistungen nicht mehr nur
stagniert, sondern abzubauen beginnt, müssen jedoch ausnahmslos alle
Alternativen ausgelotet werden, die der Kader hergibt ! Es wird Zeit, sich mal
wieder gemeinsam an einen Tisch zu setzen. <fc>
FC Carl Zeiss Jena - SV Werder Bremen II 2:2
Tore: 0:1 Testroet (32.), 1:1 Orlando (52.), 1:2 Testroet (80.), 2:2 Amirante (82., FE)
- Jena: Nulle; Sievers (70. Fuss), Lukimya, Wuttke, Sträßer;
Eckardt, Truckenbrod, Hähnge, Nagy (46. Amirante); Kolb (74. Lanzaat),
Orlando
- Bremen: Wiedwald; Hessel, Gerdes, Stallbaum, Andersen; Ronneburg,
Ayik, Menga, Feldhahn; Testroet, Oehrl
- Zuschauer: 6062
- Schiedsrichter: Blos (Köngen)
- Spielbericht
-
Keiner weiß warum, doch in den vergangenen Jahren
hatte der FC Carl Zeiss mit den zweiten Mannschaften von Bundesligavereinen so
seine liebe Mühe. Mittlerweile sind drei von vier Hinrundenpartien gegen die
U23-Teams gespielt, mit zwei Siegen und einem Remis gestaltet sich die
Saisonzwischenbilanz ungewohnt positiv. Doch egal in welches Gesicht man auf
Jenaer Seite nach Abpfiff des Bremen-Spiels blickte - Zufriedenheit schaut
anders aus.
Daran hatte die erste Halbzeit einen gewichtigen Anteil.
Denn es war ein äußerst müder Kick, den 6062
Zuschauer (darunter exakt zwei Dutzend Bremer Fans) während der ersten
45 Minuten geboten bekamen. Dass es nach gut einer Viertelstunde Beifall gab für
einen ins Sturmzentrum gespielten Ball, den Kolb als eine von zwei Spitzen gar
nicht erreichte, mag als Beschreibung für das Niveau in der
Anfangsphase genügen. Eine Freistoßvorlage, die Wiedwald
gegen die Sonne blickend im zweiten Zupacken fing, war die einzige Szene, in
welcher ein Torhüter überhaupt
eingreifen musste. Beim ersten gelungenen Angriffszug nach
zwanzig Minuten stand Hähnge knapp im Abseits. Kurz darauf spielte
Rene Eckardt zwar schön Doppelpass mit Orlando, stolperte danach aber über
seine eigenen Beine. Und bei Lukimyias flacher Hereingabe erkannte der
freistehende Kolb in der Mitte die Situation zu spät. So blieb ein
satter 23-Meter-Schuss von Jens Truckenbrod, den Bremens Keeper über
die Latte lenkte, die einzig wirkliche Torchance
in Hälfte eins. Die Gästebilanz vor der Pause hätte
sich sogar noch ärmlicher gelesen, wenn Testroet im Gegenzug nicht der
Führungstreffer gelungen wäre.
Begünstigt wurde er durch einen Fehler von Jan-Andre
Sievers, welcher den Torschützen unbedrängt den Ball annehmen
ließ und dann nicht hinterher kam. Nach einer überzeugenden
Leistung im letzten Heimspiel gegen Burghausen blieb der Neuzugang aus Emden
damit das zweite Match in Folge hinter den Erwartungen zurück, wurde
später auch ausgewechselt.
Doch zunächst war es Nagy, der in der Kabine
bleiben musste. Mit der Hereinnahme von Amirante wechselte Orlando ab Beginn
der zweiten Halbzeit auf die Linksaußenposition. Eine Umstellung, die
sich sofort bezahlt machte. War der Holländer bei seinem energischen
Antritt von der linken Seite Richtung Zentrum doch nur mit unfairen Mitteln zu
bremsen. Freistoß, 25 Meter Torentfernung. Ein paar der
Stammzuschauer des FC Carl Zeiss werden es bemerkt haben, dieses ungewöhnliche
Positionieren Jenaer Spieler im Rudel neben der gegnerischen Mauer. Von dort lösten
sich wie auf Kommando vier Blaue bei der Freistoßausführung
und rannten in den Sechzehner hinein. Truckenbrod schoss nicht direkt, sondern beförderte
das Leder lang vor zu Orlando, welcher aus fünf Metern volley zum
Ausgleich traf. 1:1 - eine eben erst im Training einstudierte Freistoßvariante
hatte auf Anhieb funktioniert ! Damit lösten
sich endlich einige der im bisherigen Spielverlauf eingebauten Bremsen.
Salvatore Amirante zog auf 30 Metern ab, Wiedwald lenkte das Leder um den
Pfosten (54.). Der Schlenzer von Feldhahn auf der anderen Seite flog nur knapp
nebens Tor (56.). Und dass Kolb die schöne Vorarbeit von Orlando
lieber selbst verwertet hätte, statt auf Eckardt zu spielen, war ihm
hinterher auch klar.
Sie bildeten die stärkste Phase in einem mäßigen Jenaer Spiel,
jene gut zwanzig Minuten nach dem Ausgleichstreffer. Sogar Sebastian Hähnge,
bekanntlich nicht der Allerschnellste, ging hier mal aus einem Sprintduell als
Sieger hervor. Den Gästen darf man bescheinigen, ebenfalls die
Offensive gesucht und so zu einer deutlich spannenderen zweiten Halbzeit
beigetragen zu haben. Beim Schuss des Deutschtüren Ayik reagierte
Carsten Nulle im Tor hervorragend.
Dann war noch eine Viertelstunde zu spielen und Orlando hatte wieder
seinen Auftritt. Es ist beileibe nicht so, dass hier Jenas Schnellstem eine
durchgängig überzeugende Leistung bescheinigt werden soll.
Manches wirkt schon zu sehr auf Show getrimmt, zwischendurch taucht er auch mal
ab und nach hinten lässt er eh lieber andere ackern. Doch klar ist
auch - ohne Orlando wäre das Jenaer Spiel um viele Attraktionen ärmer
! Klasse, wie er in Minute 76 zwei Werder-Verteidiger förmlich stehen
ließ und den Blick für den freistehenden Nebenmann hatte. Es
war Salvatore Amirante, der in zehn Metern Torentfernung sofort abschloss - und
an einem Abwehrbein hängen blieb.
Das Tragische an diesem Spiel ist aus Jenaer Sicht, dass
immer im Anschluss an eine knapp vergebene Großchance die Quittung in
Form eines Gegentreffers folgte. Hatte Pascal Testroet schon vor der Pause
direkt nach Truckenbrodts Schuss getroffen, verging auch nach Amirantes Möglichkeit
nicht viel Zeit, bis Bremens Spieler mit der Nummer 43 zum Erfolg kam. Dabei
profitierte er wiederum von einem fehlenden Gegenspieler - der eingewechselte
Benjamin Fuss war an der Strafraumgrenze ausgerutscht. Unter dem Körper
Carsten Nulles hindurch flog der Ball ins Netz. Und nun ? Waren nur noch zehn Minuten
Zeit für Jenaer Bemühungen um den abermaligen Ausgleich.
Scheinbar unbeteiligt steht Orlando nach dem Anstoß an jener Stelle,
wo Mittel- und Außenlinie aufeinander treffen. Genau da wird er angespielt,
nimmt ein paar Meter lang Fahrt auf und legt dann den Turbo ein. Gerdes hatte
sich diesmal vorgenommen, ihm im Sprintduell Paroli zu bieten - auch er war
chancenlos und wusste sich deswegen nur mit einem Rempler im Strafraum zu
helfen. Elfmeter. Als Amirante sich vor Sträßer den Ball zur
Ausführung schnappte, stockte vielen der Atem - hatte der nicht schon
einmal.... ? Noch ehe der Gedanke zuende gebracht wurde, hatte Salvatore den
Werder-Schlussmann in die andere Ecke geschickt und zum 2:2-Endstand getroffen.
Zweimal war der FCC nach Rückstand wieder gekommen.
Doch wie eingangs schon erwähnt -
Zufriedenheit sieht anders aus. Mannschaftskapitän Nulle ärgerte
sich über die beiden Gegentreffer sowie "Negativeinflüsse von
außen", mit denen wohl Pressespekulationen über Notverkäufe
von Leistungsträgern in der Winterpause gemeint sein dürften.
Und Trainer van Eck monierte die Vorstellung seiner
Mannschaft vor der Pause. Zurecht, denn dadurch sind zwei Punkte gegen
talentierte, aber durchaus schlagbare Bremer verschenkt worden. <fc>
Eintracht Braunschweig - FC Carl Zeiss Jena 2:1
Tore: 0:1 Orlando (46.), 1:1 Kruppke (62., HE), 2:1 Kragl (69.)
- Braunschweig: Petkovic; Fuchs, Brinkmann, Dogan, Boland; Pfitzner, Danneberg,
Kruppke (86. Banser), Kragl (77. Theuerkauf); Onuegbu, Calamita (60. Morabit)
- Jena: Nulle; Sievers, Lukimya, Wuttke, Sträßer (56. Riemer); Truckenbrod, Holwijn (

, 71.)
Hähnge, Nagy (79. Kolb); Mayombo (66. Amirante), Orlando
- Zuschauer: 12.200
- Schiedsrichter: Achmüller (Bad Füssing)
- Spielbericht
-
Der zehnte Spieltag bringt das Auswärtsspiel in Braunschweig auf den Plan und da die Stammautoren dieser
Seite offensichtlich angesichts der letzten Ergebnisse von 0:3 bis 6:0 die Adjektive auszugehen scheinen darf
ich mal wieder ran, als es gilt in Niedersachsen den Platz im oberen Tabellendrittel zu sichern.
Für die erste kleine Überraschung im Gästeblock sorgt Trainer Rene van Eck, der statt des zuletzt stark
auftrumpfenden Stefan Kolb oder des wieder spielberechtigten Amirante, mit Mayombo einen Stürmer in der
Startaufstellung aufbietet, der zuletzt suspendiert worden war, lediglich in der zweiten Mannschaft
spielte und dessen letzter Pflichtspieleinsatz in der Ersten bereits vier Monate zurückliegt. Neben ihm
soll Orlando für den nötigen Angriffsdruck sorgen, während Sebastian Hähnge auf der offensiven Mittelfeldposition
die beiden Stürmer mit Bällen versorgen soll. Und es beginnt gut: Bereits in der ersten Minute kann Orlando über
die linke Seite die Braunschweiger Abwehr überlaufen, scheitert jedoch an Torwart Petkovic. In der Folgezeit
kann der FCC eine optische Überlegenheit erarbeiten - "kontrolliert Ball und Gegner" - wie man so schön sagt, ohne
dabei übermäßig torgefährlich zu werden. Mayombo wirkt dabei aber noch engagierter, als sein Sturmpartner. Die Blau-Gelben
aus Niedersachsen kommen erst nach cirka zwanzig Minuten besser zu Rande und beginnen einzelne Konter zu setzen, die in einem
durch die Mitte angespielten Calamita gipfeln, der aber, völlig frei vor Nulle auftauchend, an diesem scheitert. Damit hat es
sich dann aber auch mit dem Braunschweiger Offensivdrang für die erste Hälfte und die Jenaer Viererkette in der Abwehr kann
wiederholt mit starkem Zweikampfverhalten (Wuttke, Sträßer) die gegnerischen Angreifer "abkochen". Für den eigentlichen
Gesprächsstoff der Halbzeitpause unter dem Jenaer Anhang sorgt Amirante, der bereits kurz vor der Halbzeitpause sich zum
Aufwärmen hinter das Tor von Nulle begibt.
Die zweite Hälfte beginnt mit einem Paukenschlag der angenehmeren Sorte, als Holwijn wunderschön auf der rechten
Seite lang durch Sträßer angespielt wird, im spitzen Winkel auf das Petkovic-Tor zusteuert, scheinbar die lange Ecke
mit seinem Schuß anvisiert, es aber verfehlt, bevor Orlando am langen Pfosten den Ball erreicht und ihn gekonnt flach
über die Linie drückt.
Die Wende im gesamten Spiel wird eingeläutet, als Sträßer in der 56. Minute, leicht humpelnd, verletzt ausgewechselt
werden muss. Die bis dahin äußerst souverän wirkende Jenaer Abwehrviererkette wird mit Marco Riemer wieder aufgefüllt
und ist fortan kaum noch wieder zu erkennen. Obwohl sowohl bei der Entstehung des Elfmeters (aus dem Gästeblock schlecht
einzusehendes Handspiel Riemers), als auch bei der Entwicklung des Führungstreffers ein gehörige Portion Glück für die
Niedersachsen im Spiel ist, kommt man nicht umhin festzustellen, daß vor allem die Jenaer Elf plötzlich den Faden verlor.
Als Holwijn in der 72. Minute diese "schwarze" Viertelstunde für den FCC mit einem Foul an der Mittellinie und nachfolgendem
Ballwegschlagen abschließt, ist die Partie quasi gelaufen. Nur noch zu Zehnt gelingt es nun nicht mehr die Eintracht noch
mal in Bedrängnis zu bringen. Die Braunschweiger lassen sich nun auch nicht mehr aus der Defensive locken und glänzen im
Vorwärtsgang in den letzten zwanzig Minuten lediglich mit einem gefühlten Dutzend Fehlpässen. Auch der Versuch von van Eck,
mit der Einwechslung von Kolb, mit einem Dreiersturm noch einmal auf den Ausgleich zu gehen verpufft relativ wirkungslos.
Ein Sieg in Braunschweig wäre, meiner Meinung nach, für den FC Carl Zeiss Jena ohne weiteres zu realisieren gewesen,
wenn man nach dem Führungstor, das zu einem äußerst günstigen Zeitpunkt fiel, weiter aggressiv die Entscheidung gesucht hätte
und sich mit dem Ausgleich nicht so aus dem Takt hätte bringen lassen. Nicht Eintracht Braunschweig hat gewonnen, sondern
der FCC hat verloren. Und zwar, weil man den Gegner zurück ins Spiel brachte, den der "Ringrichter" schon bis zur "9"
ausgezählt hatte. Schade drum.
Nachtrag: Die Stadt Braunschweig bietet den per Zug anreisenden Gästefans einen kostenlosen Bustransfer vom Bahnhof zum
Stadion an. Soweit so gut. Warum man aber nicht die ca. 6 km lange, direkte Strecke durch die Stadt nimmt, sondern den
Gästefans eine ca. 20-minütige Strecke über die ortsansässigen Autobahnen anbietet, scheint schleierhaft. Ich
habe diese "Stadtrundfahrt" jetzt insgesamt viermal genossen und hätte beim nächsten Mal gern eine andere Route. Danke im voraus.
<tn>
FC Carl Zeiss Jena - SV Wacker Burghausen 0:0
Tore: Fehlanzeige
- Jena: Nulle; Sievers, Wuttke, Lukimya, Sträßer;
Nagy (74.Holwijn), Truckenbrod, Riemer, Eckardt, Hähnge, Kolb (62.Orlando)
- Burghausen: Riemann; Wolf, Hertl, Kokocinski, Kresin, Nebihi (84.Schmidt), Burkhard, Grübl (73.Belleri),
El Haj Ali, Gorka, Cappek (89.Holz)
- Zuschauer: 6948
- Schiedsrichter: Sönder (Lübeck)
- Spielbericht
-
Dritter gegen Vierter - vom Papier her das Topspiel des heutigen Tages in der dritten Liga. Sonne pur und warme Temperaturen
waren beste Vorraussetzungen, um dem Spitzenspiel auch einen würdigen Rahmen zu verleihen. Die Partie musste eine
Viertelstunde später angepfiffen werden, da die Gäste bei Ihrer Anreise aus dem Hotel in Stadtroda infolge einer
Bombendrohung im Stau standen, und dadurch nicht rechtzeitig eine Stunde vor Spielbeginn im Stadion sein konnten.
Die erste gute Aktion des Spiel leitete Jenas Abwehrspieler Sträßer ein, der mit einem herrlichen Diagonalpass
René Eckardt bediente, doch dessen Schuss in der siebenten Minute stellte für Keeper Riemann keine echte Gefahr dar.
In der 18. Minute nutzte Truckenbrodt einen Ballverlust der Gäste aus und prüfte Riemann mit einem Schuss aus der zweiten
Reihe, doch leider landete der Ball genau in den Armen des Schlussmannes. Nach der doch spielerisch armseligen Partie in Kiel
wusste der FCC am heutigen Tage zu gefallen und kontrollierte im gesamten Spielverlauf die Partie. Doch auch mit schönen
Kombinationen und Ballstafetten im Mittelfeld blieben die Torchancen auf Jenaer Seite Mangelware. Die Burghausener, die infolge
einer Grippe auf vier wichtige Spieler verzichten mussten, stellten sich konsequent hinten rein, so dass es für die Jenaer
recht schwierig war, in der dicht gestaffelten Abwehr eine Lücke zu finden. Erst nach gut einer halben Stunde die nächste
Tormöglichkeit für die Jenaer. Hähnge hatte per Kopfball in den Lauf von Youngster Kolb verlängert, doch obwohl
Riemann in dieser Aktion zu weit vor seinem Kasten stand, konnte Kolb diese gute Torchance nicht nutzen und ballerte über das Tor.
Auch nach der Pause änderte sich das Spiel nicht gravierend. In der 51. Minute versuchte sich Sievers mit einer hohen Flanke in
den Strafraum, der Ball wurde lang und länger und fiel zur Verwunderung des Gästekeepers hinter ihm aufs Tornetz. Mit etwas
Glück hätte diese Flanke auch zum erneuten Tor des Monats avancieren können. Gut eine Stunde war vorbei und ein Jubel
auf den Rängen machte sich breit, als Publikumsliebling Orlando für Kolb eingewechselt wurde. Manch einer machte sich
Gedanken, warum und weshalb dieser nicht von Anfang an spielen durfte. Doch Trainer van Eck machte in der anschließenden Pressekonferenz
alle Gerüchte zunichte, als er gleich als erstes vermeldete, dass Orlando im am Vorabend ihm mitgeteilt habe, dass er sich für ein
komplettes Spiel nicht fit fühle. Doch als er den Rasen betrat, spürte man noch einmal einen Ruck durch die Jenaer Mannschaft gehen.
Er war es auch, der in der 71. Minute gleich eine gute Einschusschance hatte, doch leider kam er einen Schritt zu spät und rutschte
einschussbereit knapp am Ball vorbei. Eine Viertelstunde vor dem Ende donnerte Nulle einen super weiten Abschlag heraus, der Ball sprang
vor Orlando auf, doch leider konnte er diese Gelegenheit nicht verwerten oder den Ball zumindest unter Kontrolle nehmen. Die Abwehr der
Gäste stand weiter recht sicher, so dass es die Spieler des FCC nun immer mehr mit Einzelaktionen probierten, die aber allesamt nichts
einbrachten. Höhepunkt des Spiels war zweifelsohne die 82. Minute, in der bereits die Jenaer Fans von ihren Sitzen aufsprangen. Doch
leider stand Orlando das Glück am heutigen Tag nicht zur Seite, denn sein gut getimter Kopfball nach Flanke vom starken Sievers klatschte
an den Innenpfosten, von wo er anschließend direkt in die Arme des Keepers sprang. Da war sie, diese eine 100% Möglichkeit, doch
leider sollte es auch die letzte nennenswerte Aktion gewesen sein.
Mit einer Minute Nachspielzeit pfiff Schiedsrichter Tim Sönder das Topspiel der 3.Liga ab, was es leider nicht geworden war. Die Gäste
waren am Ende mit diesem Punkt hochzufrieden, während die Zeiss-Kicker mit hängenden Köpfen den Rasen verließen. Denn jedem
war nach der Partie klar, dass es selten so leicht gewesen sei, heute die ansonsten starken Kicker von Wacker Burghausen zu bezwingen. Auch wenn
viele Trainer und Verantwortliche eine Einzelkritik nicht unbedingt mögen, so muss doch am heutigen Tage die gesamte Abwehr mal explizit
hervor gehoben werden. Besonders die beiden Außen mit Sträßer und Sievers taten sich heute besonders hervor und ermöglichten
den Gästen während der gesamten Spielzeit keine nennenswerte Torchance.<vg>
Bilder auf fcc.weissenburger.de
Bericht auf fussball.sv-wacker.de
Holstein Kiel - FC Carl Zeiss Jena 0:1
Tore: 0:1 Kolb (72.)
- Kiel: Frech; Lamprecht, R. Müller, Schyrba, Meyer, K.Schulz, Holt,
Jerat (80. Siedschlag), Sembolo, Sykora (9. Guscinas), Heider (66. Stier)
- Jena: Nulle; Sievers, Wuttke, Lukimya, Sträßer;
Nagy (90. Fuss), Truckenbrod, Eckardt, Riemer, Orlando (64. Kolb), Hähnge (87. Petersen)
- Zuschauer: 4511
- Schiedsrichter: Dittrich (Bremen)
- Spielbericht
-
Mit Müller, Hasse und Sykora stehen gleich drei Ex-Jenaer im Kader der Kieler. Aber Hasse war gar nicht im Aufgebot
und Fiete Sykora musste bereits in der 9. min verletzungsbedingt ausgewechselt werden und konnte so gegen seinen
Ex-Club keinen Schaden anrichten. Bis zu diesem Zeitpunkt gab es bereits die ersten aufregenden Situationen vorm
Jenaer Tor. Kiel begann von Anpfiff an offensiv und setzte die Gäste unter Druck. Im Großen und Ganzen
stand Jenas Abwehr, stark unterstützt von den vier Mittelfeldspielern und Hähnge, relativ gut. Wenn man
aber 80 der 90 Spielminuten quasi mit dem Rücken an der Wand, sprich im eigenem Strafraum steht, ist es klar,
dass die Torchancen für die Gastgeber nicht ausbleiben. Vor allem bei Ecken konnte man immer wieder die Luft
anhalten. In der 5. min wehrte Nulle einen Kopfball Haiders aus 3 m Torentfernung zur nächsten Ecke ab. Diese
konnte von Orlando nicht geklärt werden und so hatte Robert Müller die Gelegenheit, seine ehemaligen
Mannschaftskollegen per Fernschuss (der aber in der vielbeinigen Abwehr hängenblieb) zu erschrecken. Nach
einem Stolper Riemers musste sich Lukimya, der wieder eine sehr gute Partie spielte, im letzten Moment in einen
Schuss werfen und zur Ecke klären. Diese führte zu einem Kopfballaufsetzer, gegen den wohl auch Nulle
keine Chance gehabt hätte, aber der Ball ging über die Torlatte. Ganz stark bei den Kielern war in der
Anfangsviertelstunde Sembolo, der ein paar Mal den Jenaern Knoten in die Beine dribbelte. Nachdem aber Sträßer
ihn mal etwas energischer bremste, wurde der auch ruhiger. Nach ein paar Minuten relativer Ruhe musst Nulle, wiederum
nach Ecke, sehr energisch den Ball (samt Gegner) wegfausten, um Schlimmeres zu vermeiden (25.). Nochmals zehn Minuten
danach hatten die Heimzuschauer den Jubelschrei auf den Lippen: Ein weiter Einwurf von rechts wurde verlängert
und den folgenden Kopfball Holts erwischte Nulle mit sensationellem Reflex gerade noch so. Holstein ließ den
Ball in dieser Phase schnell laufen und spielte oft direkt ab. Allerdings ging es zumeist nur bis zur Strafraumgrenze,
an der eine gelbe Wand sie aufhielt. Und so probierte es Sykora-Ersatz Guscinas aus 20 Metern mit einem Fernschuß,
der jedoch nur die Latte traf und die Zuschauern aufstöhnen ließ. Zur Pause konnte man über das
Unentschieden heilfroh sein, denn die Angriffsbemühungen des FCC konnte man bis dahin mit der Zahl "Null" beschreiben.
Nach der Pause ging es wie gehabt weiter, lediglich die Spielhälfte, in der sich alles abspielte, änderte sich.
Allerdings war Holstein jetzt so nett und verzichtete fast völlig auf das Spiel über die Flügel. 7,32 m ist
die Torbreite und ungefähr ebenso breit war der Korridor an Jenas Strafraumgrenze, durch den die "Störche" ihre
Angriffe versuchten. Die Jenaer Abwehrspieler hatten dadurch eigentlich ein leichtes Spiel, wurde doch einmal einer ausgetanzt,
so standen garantiert gleich zwei weitere Gelbe dahinter und klärten. Nur bei einem Fernschuss Lamprechts von rechts
außen (52.) und einem abgefälschten Freistoß (55.) kam der Ball mal in Nulles "Sichtweite", der Rest
waren Kinkerlitzchen. Nach vorn blieb alles unverändert, es ging nichts. Kam man doch einmal über die Mittellinie,
so war es ziemlich sicher, dass Orlando im Rücken der Abwehr im Abseits stand. In der 60. min dann hatte der FCC
mal eine Chance auf einen aussichtsreichen Angriff, aber Orlando rannte mit gesenktem Kopf in zwei Gegner hinein und
übersah den mitgelaufenen und freistehenden Hähnge. So konnte das nichts werden und folgerichtig kam in der
65. Minute Kolb für Orlando. Schon die ersten Zweikämpfe Kolb sahen völlig anders aus als Orlandos
Vorstellung: Der Achtzehnjährige ging in die Zweikämpfe, setzte bei Ballverlust sofort nach und steckte
nie auf. Mir rutschte da ein "Dem Kolb gönne ich ein Tor, der hat schon gegen Dortmund so gut gespielt" heraus
(wenn die Weissagung der Lottozahlen nur ebenso klappen würde…). Drei Minuten nach dem Wechsel (in der 68. min!!!)
hatte der FCC seinen ersten Torschuss, aber Truckenbrods Geschoss ging knapp am langen Pfosten vorbei. Der nächste
Kieler Angriff wurde kurz hinter der Mittellinie abgefangen und der FCC hatte eine perfekte Konterchance in 3:2-Überzahl,
jedoch vergeigte Riemer diese Gelegenheit kläglich. Kurz danach bekam Hähnge auf der rechten Seite den Ball,
ging bis zur Grundlinie, beschäftigte zwei Gegenspieler und spielte mit der Hacke auf den mitgelaufenen Eckardt.
Der schickte seinen Gegenspieler und bediente - wie schon in vorhergehenden Spielen - mit einer maßgenauen
Zuckerflanke den in der Mitte wartenden Mitspieler. Diesmal war es Kolb, der sich die Chance nicht entgehen ließ
und zur überraschenden Führung des FCC einnickte und auf der Gegentribüne für eisiges Schweigen um
mich herum sorgte (ich jubelte solo *g*).
Das Spiel war gekippt. Die "Störche" hatten einen gewaltigen Knacks bekommen,
denn sie versuchten zwar in der verbleibenden Zeit mit viel Einsatz und Elan, dieses Resultat zu reparieren, aber lediglich
ein weiterer Lattentreffer wiederum durch Guscina sorgte für Aufregung. Im Gegenteil, mit etwas Cleverness hätte
Jena jetzt den berühmten Sack zubinden könne, aber zunächst war nach Doppelpass Eckardt - Hähnge der
Kieler Torwart einen Tick schneller am Ball als Eckardt (85.) und dann fehlte Truckenbrod einfach die Kaltschnäuzigkeit,
allein vor Frech - der bis zur Strafraumgrenze herausgekommen war - mit einem Heber das 2:0 zu machen, er ballerte den Ball
voll auf den Keeper drauf. Ansonsten versuchte man ziemlich geschickt und erfolgreich, in den verbleibenden Minuten das Tempo
aus dem Spiel zu nehmen und den Ball in den eigenen Reihen zu halten.
Bis zu Kolbs Einwechslung wäre ich mit einem Punkt hochzufrieden gewesen. Der "Dreier" ist mit etwas Glück in
den ersten 70 und mit ansprechender Leistung in den letzten 20 Minuten eingefahren worden. <uk>
FC Carl Zeiss Jena - Borussia Dortmund II 2:1
Tore: 0:1 Neumeister (6.), 1:1 Lukimya (13.), 2:1 Riemer (80.)
- Jena: Nulle; Sievers, Wuttke, Lukimya, Sträßer;
Nagy (90. Petersen), Truckenbrod, Hähnge, Eckardt (85. Fuss); Orlando,
Kolb (73. Riemer)
- Dortmund: Höttecke; Koch, Eggert, Hünemeier, Neumeister;
Hille, Hasanbegovic (85. Boztepe), Tyrala, Öztekin; Ginczek (57.
Piossek), Kullmann
- Zuschauer: 6983
- Schiedsrichter: Dankert (Rostock)
- Spielbericht
-
Das Chaos beim FCC wurde gerade mal wieder etwas unübersichtlich. Nachdem
Peter Schreiber offenbar keine unbezahlten Rechnungen mehr auf seinem Wühltisch
findet (oder diese lieber wieder untendrunter steckt), fängt die
liebevoll zusammengesparte Mannschaft an sich in Wohlgefallen aufzulösen.
Der eine haut mit südländischer Besonnenheit einem Blumenzüchter
ins Gesicht, der andere wird aufgrund seiner Großartigkeit
suspendiert und der Dritte hat seine Bandscheiben nicht im Griff. Hinzu kommen
ungezählte Zerrungen und Risse diverser Muskelgruppen, schlechte
Blutwerte und Verstauchungen. Und die wenigen Verbliebenen, die sich stets gut
benommen haben und dazu gesund sind, können auch nicht mehr so
richtig. Zu groß ist der Druck nach dem Kulturarena-Debakel für
Rom, Ähnliches vollbringen zu müssen. Ernüchternde
Aussichten also für das gestrige Spiel gegen Dortmunds Zwote, zumal
die nach fünf Minuten schon in Führung lag. Neumeister hatte
die Aufwachprobleme in Jenas Deckungsverbund schamlos ausgenutzt und per Kopf
die Gästeführung hergestellt (6.). Zwar war der ursächliche
Freistoßpfiff völliger Mumpitz, gezählt hat es
trotzdem. Aber was soll's. Aus Ruinen wird auferstanden! Und überhaupt:
Bandscheibenvorfälle werden total überbewertet!
Zwar
folgte die Trotzreaktion erst nachdem Nulle das 0:2 und damit den unabwendbaren
Untergang verhindert hatte, dann aber kam die große Zeit des Rene
Eckardt. Ganz ehrlich, wenn der immer so spielen würde wie die
folgende Viertelstunde, die Nationalmannschaft wäre kein Thema. Seine
Vorlage auf Wuttke nach einer Ecke und sein Heber aus spitzem Winkel wären
bereits Treffer wert gewesen, Hötteke bekam aber beidemal noch
irgendein Körperteil dazwischen. Gegen Lukimyas Schuß aus
Nahdistanz konnte aber auch der Dortmunder Schlußmann nichts mehr
machen. Eckardt hatte Neumeister auf der rechten Seite schön zur
Schere gemacht und den Ball dann flach nach innen geschlagen. Von dort hätte
es wohl nur noch Gomez und dann auch nur im Nationaltrikot noch fertiggebracht,
das Tor nicht zu treffen. Jubeln unter Vorbehalt (13.). Ein Unentschieden
konnte hier ja nicht das Ziel sein! Dieser Vorbehalt legitimierte sich
schneller als gedacht. Mit der Gewißheit der uneingeschränkten
Überlegenheit zog sich Jena wieder aus dem Dortmunder Strafraum zurück.
Alle Maschinen Stop - im Notfall gleichen wir halt wieder aus. Zwar hatte
Eckardt nach eine Wuttke-Vorlage noch einmal die große Chance zur Führung,
sein strammer Volleyschuß fand aber den Weg ins Tor nicht und ist
jetzt wahrscheinlich ein dicker blauer Fleck auf einem Dortmunder Gesäß
(16.). Danach tickte nur noch die Uhr runter. Was dieser taktische Unsinn soll,
ist schwer zu sagen, zumal der Schwung des Ausgleichstreffers dadurch völlig
verpuffte. Die Kräfte jedenfalls hätten eigentlich noch ein
bißchen länger reichen sollen. Kurz vor der Pause hätte
sich dieses unheilvolle Fehlverhalten tatsächlich fast gerächt.
Wäre Kullmann nicht um Zentimeter an Boztepes Eingabe vorbeigerutscht,
die etwa 300 Mitgereisten Dortmunder hätten wohl unsere leise vor sich
hin tirilierende Südkurve vollends unter den Tisch gesungen. Glück
gehabt!
Nach der Pause war es vor allem Orlando, der für Aufsehen sorgte.
Inzwischen ist es für jeden Gegner offenbar ein probates taktisches
Mittel geworden, ihn einfach am Losrennen zu hindern. Ein kurzes Halten, ein
Schubser auf Höhe der Mittellinie, eigentlich ist alles besser als ihm
später hinterherzugucken. Zwei oder drei gelbe Karten werden dafür
augenscheinlich in Kauf genommen, welche die Schiedsrichter (vor allem der von
gestern) oft nicht mal geben. Wenn dann auch noch klarste Pfiffe ausbleiben,
geht mir langsam das ohnehin knapp bemessene Verständnis aus.
Stattdessen reichten auf der Gegenseite mitunter kleinste Scharmützel
aus, um aus gefährlichsten Positionen Freistöße zu
verhängen. Einer davon wäre Jena fast zum Verhängnis
geworden, als Hünemeier den hoch hineingeschlagenen Ball von Tyrala
nur knapp verfehlt, kann Nulle erst im Nachfassen das Unentschieden festhalten
(63.). Knapp! In dieser Phase überzeugt der FCC aber auch allenfalls
durch Gleichwertigkeit auf niedrigem Niveau. Die Führung kommt
dementsprechend wie aus dem Nichts. Wieder ist es Eckardt, dessen präzise
Flanke die Entscheidung bringt. Punktgenau schießt der den Ball auf
den eingewechselten Riemer, dessen Kopfstoß die vor sich hindämmernden
Fans aus der allgemeinen Lethargie reißt (80.). Nicht zu glauben! Dieses Murksspiel und dann auch noch der Riemer. Der
hatte gegen Erfurt nun wirklich einen Scheißtag erwischt. Und dann
noch das Ding mit seinem Rücken. Schön, daß es
offenbar doch nicht so schlimm war oder Bandscheibenvorfälle halt
einfach überbewertet werden (-:
Was folgt sind noch zehn zerrige Minuten Warterei plus einer unendlich
langen Nachspielzeit. Dann ist der dritte Sieg endlich in Sack und Tüten.
Glanzvoll war es nicht! Spielerisch herrschte mitunter unbeschreibliches Elend
auf dem Platz. Dazu kommen die Abstimmungsschwierigkeiten, die bei einer neu
formierten Elf aber ganz normal sind. Entscheidend aber war der größere
Wille. Das was Erfurt in Jena zum Sieg getragen hat, war gestern Jenas
Unterpfand. Die Mannschaft wollte einfach mehr. Das Derby ist damit nicht
vergessen, dieser Stachel sitzt zu tief. Aber ein Rückspiel in Erfurt
ist ja auch noch. Ein neues Spiel mit neuen Chancen. Und nächstes Jahr
wollen wir ja auch wieder in die Kulturarena... <bpf>
VfL Osnabrück - FC Carl Zeiss Jena 2:0
Tore: 1:0 Lindemann (21.), 2:0 Reichenberger (63.)
- Osnabrück: Berbig; Herrmann, Barletta, Nickenig, Krük;
Siegert, Heidrich, Lindemann, Hansen (76. Grieneisen); Reichenberger (85.
Samide), Schmidt
- Jena: Nulle; Sievers, Wuttke, Lukimya, Sträßer;
Nagy (66. Kolb), Truckenbrod, Ziegner, Holwijn (83. Eckardt); Orlando,
Hähnge
- Zuschauer: 9800
- Schiedsrichter: Aytekin (Oberasbach)
- Spielbericht
-
Der Überkreuzvergleich der bisherigen
Saisonresultate sprach von vornherein gegen den FCC: Ingolstadt hatte Erfurt
klar besiegt, Osnabrück die Ingolstädter und Erfurt am
vergangenen Sonntag....ach, lassen wir das. Fußballspiele werden
nicht mit dem Taschenrechner entschieden. Klären wir stattdessen
lieber die Frage: Was stellt eine Mannschaft am gescheitesten an, die mit
Lanzaat, Riemer, Petersen, Osadchenko sowie Ralf Schmidt gleich fünf
Ausfälle in der Abwehr zu verkraften hat ? Klar, sie spielt munter
nach vorn !
Genau das tat Jenas Elf in der Anfangsphase. Da Salvatore
Amirante nach seiner Rot-Sperre für mindestens vier Spiele von der
Bildfläche verschwunden sein wird, teilten sich die beiden Holländer
Orlando und Holwijn von außen kommend in die Rolle des zweiten Stürmers
hinein. Wobei Melvin Holwijn in seinem ersten Match von Anbeginn wesentlich mehr
auffiel. Selbst zwei Gegenspieler vermochten ihn nach fünf Minuten
nicht zu stoppen, zumindest nicht mit fairen Mitteln. Erst als Holwijn wie
nichts zwischen ihnen hindurch geschlüpft war, holte ihn der düpierte
Krük von den Beinen. Freistoß also von der rechten
Strafraumseite, lang auf die andere Seite geschlagen zu Wuttke, dieser sofort
zurück auf den vorm Tor stehenden Hähnge. Zeit zu überlegen
hatte Sebastian nicht, zwei Meter vor dem Kasten inmitten einer lila
Spielertraube handelt man sowieso besser instinktiv - wenn dann aber der Ball
Osnabrücks Keeper Tino Berbig mitten ins Gesicht fliegt, ist das
einfach nur riesengroßes Pech. Doch Jena blieb am Drücker.
Gerade mal zehn Minuten waren gespielt, als ein sichtlich
motivierter Sebastian Hähnge
diesmal von der rechten Seite kommend durchzog. Berbig verkürzte den
Winkel, Hähnge legte deshalb auf den zentral stehenden Truckenbrod ab,
doch schoss dieser aus sieben Metern weit über das leere VfL-Gehäuse.
Dies freilich war mit Pech nicht mehr zu erklären, muss doch auch von
einem defensiven Mittelfeldspieler erwartet werden dürfen, beim unbedrängten
Torschuss nicht in starke Rückenlage zu verfallen.
Ein Führungstreffer
wäre der gerechte Lohn für ansehnlichen Kombinationsfußball
in der ersten Viertelstunde gewesen. Außer einer Einzelleistung von
Jenas Ex-Kapitän Niels Hansen hatten die Gastgeber bis zu diesem
Zeitpunkt noch nichts zustande gebracht, unter anderem weil sich Tim Wuttke auf
der ungewohnten Innenverteidiger-Position gut in Jenas Viererkette einfügte.
Doch dann brach Minute 21 an. Siegert legte für Björn Lindemann
auf und der hatte als erster VfL-Spieler in diesem Match mal richtig Platz am
gegnerischen Sechzehner. Wie er den nutzte - mit einem Sonntagsschuss ins
Dreiangel - war zweifellos sehenswert. Die Führung ansich aber äußerst
glücklich. Erst jetzt kamen die Niedersachsen besser ins Spiel. Nachdem sich zwei Jenaer
gegenseitig angeschossen hatten (29.), drohte für Carsten Nulle ebenso
Gefahr wie beim Freistoß zehn Minuten später, den der Torhüter
aber auf Nummer sicher gehend über die Latte lenkte. Seinem Gegenüber
Tino Berbig, der selbst mal in Jena zwischen den Pfosten gestanden hatte und
hierher noch familäre Bindungen hat, misslang in der 40. Minute bei
einsetzendem Gewitterregen ein Abschlag, sodass Hähnge den Ball mit
einem Heber postwendend zurück brachte. Leider nur aufs Tornetz. Als
sich einige schon auf den Pausentee zu freuen schienen, gabs den ersten
erfolgreichen Antritt von Orlando. Bei dessen Eingabe von der linken Seite kam
Hähnge einen Schritt zu spät. Oder ließ er den Ball
absichtlich für Holwijn durch ? Möglich wäre es,
denn der Neuzugang hatte freie Bahn, nur -
was machte er daraus ? Halb Ballannahme, halb Torschuss, nichts von
beiden richtig, und so beförderte der Nationalspieler das Leder weit
am Pfosten vorbei ins Toraus. Zwei, drei dicke Torchancen teils kläglich
vergeben zu haben war der einzige Vorwurf, den man der Zeiss-Elf beim Gang in
die Kabinen machen konnte.
Die erste Aktion nach Wiederanpfiff war nahezu eine Kopie
der letzten Szene vor der Pause. Wieder ging Orlando auf der linken Seite auf
und davon, wieder kam Hähnge in der Mitte einen Schritt zu spät.
Nur dass diesmal kein Holwijn daneben stand. Auf der anderen Seite köpfte
Nickenig aufs Tornetz (48.). So wie sich das Spiel danach entwickelte, war
absehbar, dass es nicht bei dem einen Treffer in dieser Partie bleiben würde.
Beide Mannschaften schenkten sich nichts, noch aber fand niemand die Lücke.
Die Emotionen im Spiel übertragen sich sogar auf die Ersatzleute
hinter dem Tor. Als Sträßer bei einer Abwehraktion gehalten
wurde und somit nicht in der Lage war, den Eckball zu verhindern,
regte sich André Schmidt berechtigterweise über
den Schiri-Assistenten auf, der das Foul eigentlich hätte sehen müssen.
Die Konsequenz war die Gelbe Karte für einen Spieler, der in dieser
Saison noch nicht eine Punktspielminute in der ersten Mannschaft verbracht hat
(58.). Besagte Ecke beschwörte übrigens Gefahr durch
Reichenbergers Kopfball herauf, den Nulle wegfaustete.
Osnabrücks Stürmer-Oldie
drehte nun richtig auf. War beim Schuss in Minute 62 abermals bei Carsten Nulle
Endstation, sorgte Thomas Reichenberger schon zwei Minuten später für
die Spielentscheidung, indem er aus sieben Metern zum 2:0 traf. Ein Tor,
das Carsten Sträßer auf seine Kappe nehmen muss, vertändelte
er doch das Leder im eigenen Strafraum ohne Not gegen Hansen, der dann
Reichenberger ins Spiel brachte. Zwar hatte eine Jenaer Mannschaft schon einmal
im Osnabrücker Stadion das Kunststück fertig gebracht, aus
einem 0:2 noch ein Remis werden zu lassen - doch die Körpersprache
nach dem zweiten Gegentreffer zeigte an, dass sich das diesmal nicht
wiederholen würde. Weshalb ein über 70 Minuten recht intensiv
geführtes Spiel die verbleibende Zeit gemächlich austrudeln
durfte.
Die Art und Weise, wie diese Niederlage zustande kam, war
eine ganz andere als eine Woche zuvor. Kein Vergleich mit dem fast
hergeschenkten Derby. Und doch gerät die Mannschaft nach einem Punkt
und null Treffern aus den letzten drei Partien in Zugzwang. Schon im nächsten
Spiel muss der Schalter wieder umgelegt werden, soll eine weitere Spielzeit in
den Tabellenregionen der Vorsaison vermieden werden. <fc>
FC Carl Zeiss Jena - FC Rot-Weiß Erfurt 0:3
Tore: 0:1 Kammlott (1.), 0:2 Semmer (40.), 0:3 Kammlott (55.)
- Jena: Nulle; Sievers, Riemer (46.Petersen), Lukimya,
Sträßer; Nagy (46. Hähnge), Truckenbrod, Ziegner, Eckardt
(68. Holwijn); Smeekes, Amirante (
, 59.)
- Erfurt: Orlishausen; Malura (

, 59.), Pohl, Möckel,
Ströhl; Cinaz, Rockenbach da Silva, Stenzel, Hauswald (84. Pinske); Semmer (64. Peßolat),
Kammlott (78. Cannizzaro)
- Zuschauer: 11.200
- Schiedsrichter: Leicher (Landshut)
- Spielbericht
- Ein paar Worte vorweg, zu den wenigen positiven Aspekten dieses Spiels:
Endlich,endlich, endlich hat es der Verein einmal geschafft, die Stadiontore mit
ausreichend Leuten zu besetzen, um einen flüssigen Einlass zu gewährleisten.
Man mag sich gar nicht ausmalen, wieviele frustrierte Zuschauer des FCC in
den letzten Monaten nicht wieder gekommen sind - nur weil der Verein die paar
Euro sparen wollte, die zusätzliche Einlasskräfte kosten? Bitte lasst es
keine Derby-Eintagsfliege sein...
Eine zweite gute Nachricht: Das Stadion war
nahezu ausverkauft, nur die Gäste hatten zu Hause irgendwie kleine Probleme
mit dem Kartenverteilen. Ja, und die Choreos kurz vor Beginn des Spiels:
die große Flagge auf der Haupttribüne und dann die Herzchen für Jena, erst
rot (WTF?!) und dann blau-gelb-weiß mit Feuer.
Beeindruckend(!) - dachten
sich wohl auch die Spieler des FCC, die sich in der ersten Minute
anscheinend auf alles andere drumherum konzentrierten, nur
nicht auf's Spiel. Der Anstoß des FCC wurde abgefangen, ein steiler Pass in
die Spitze, Abschluss von der Strafraumkante ins linke untere Eck, und nach
gefühlten drei Sekunden stand es Null-zu-Eins.
Braucht es wirklich nur ein Gegentor in der ersten Minute, um das in den
letzten Wochen vielgerühmte Wahnsinns-Jenaer Publikum komplett ruhigzustellen?
Offensichtlich. Nur die Südkurve zuckte noch in den ersten zehn Minuten,
in denen Jena sichtlich geschockt wirkte und nichts auf die Reihe kriegte.
Die Unaussprechlichen waren auch nicht wirklich gefährlich, und so plätscherte
es dahin bis zur 14. Minute, als Amirante kurz vor dem Strafraum gelegt
wurde. Ziegner trat an und schlenzte den Ball an die Querlatte... was für ein
Pech! Wenigstens war der FCC in dieser Phase gleichwertig und kam über das
Kurzpassspiel und gewonnene 1:1-Situationen auch mehrmals schnell bis
zum Strafraum der anderen. Irgendwie schienen sie aber den Ball heute
reintragen zu wollen: immer noch ein Abspiel oder Dribbling mehr aus aussichtsreicher
Position, aus der man auch einfach mal hätte draufhauen können und
müssen. Jenaer Verunsicherung wurde merklich. Je weiter die erste Halbzeit
voranschritt, desto mehr unforcierte Fehler schlichen sich in das Jenaer
Spiel ein. Kurz vor der Halbzeit verschätzte sich dann auch noch Nulle bei
einem Eckball und es stand 0:2. Auf den Tribünen machte sich Ratlosigkeit breit
- war das wirklich die gleiche Mannschaft, die bislang so begeisternden
Fußball gespielt hatte?
Es konnte nur besser werden und es wurde - bitterer. Da hatte der FCC
gleich nach der Pause eine gute Kopfballchance (der Ball landete auf dem
Tornetz), doch in der 54. Minute kam eine Bogenlampe in den Jenaer Strafraum
hereingesegelt, die ewig in der Luft war und trotzdem nach Direktabnahme
im Jenaer Tor landete. Wenn der Torschütze demnächst im Training versucht,
dieses Tor nachzustellen, wird er von 100 Versuchen wahrscheinlich 99 nicht
treffen...aber im Spiel ging er halt rein, und damit war die Luft vollständig raus.
Was danach passierte, war haarsträubend.
Es ist nicht unüblich, dass Mannschaften sich bei einem Rückstand von 0:3
nach 55 Minuten mitunter hängenlassen (wobei meine ganz persönliche Meinung
dazu ist, dass das dann auch keine Mannschaft ist). Aber dass so absolut gar
nichts mehr ging, dass einfachste Bälle zum Gegner gespielt, wirklich sinnlose
Dribblings angesetzt und Laufwege einfach abgebrochen wurden, macht
nachdenklich. Die erste Chance für den FCC gab es erst wieder in der 71.
(Hähnge vergibt aussichtsreich), dann nochmal eine kleine in der 75. Auf
der Gegenseite konnten wir uns bei Nulle bedanken, dass es am Ende nicht 0:5
stand - und zwar nicht, weil der Landeshauptstadtclub überragenden Fußball
gespielt hätte.
Einen "positiven" Aspekt hat die Sache am Ende doch noch: Dieses ganze
Geklapse mit angekündigtem Moonwalk, "Wir steigen auf"-Gesängen und 100:0-Fahnen
gehört erst mal wieder der Vergangenheit an. Die Chance besteht, dass die
Jenaer Spieler am Sonntag begriffen haben, dass sich Spiele gegen Mannschaften,
die unten stehen, nicht von selbst gewinnen. <ragnar>
Derby-Fotos von Jens Weißenburger
Bericht auf der Erfurter Homepage
FC Erzgebirge Aue - FC Carl Zeiss Jena 0:0
- Aue: Männel; Klingbeil, le Beau, Paulus, Schaffrath;
Cimen (68. Gambo), Stark, Müller (72. Klotz); Curri, Braham, Ramaj (90.
Hiemer)
- Jena: Nulle; Sievers, Riemer, Petersen, Sträßer;
Nagy, Truckenbrod, Ziegner, Orlando; Hähnge, Amirante (87. Eckardt)
- Zuschauer: 11.400
- Schiedsrichter: Dr. Fleischer (Sigmertshausen)
- Spielbericht
- 5:1, 5:0, 5:0. In den vergangenen drei Jahren ist der FCC im
Erzgebirgsstadion regelrecht vermöbelt worden. Bekanntlich hat der
Optimist keine Ahnung von den freudigen Überraschungen, die ein
Pessimist erlebt. Trotzdem fuhren wir diesmal mit einem besseren Gefühl
nach Aue und weigerten uns von vornherein, an eine Fortsetzung dieser schwarzen
Serie zu glauben. Dafür hatte die neue Jenaer Mannschaft in den ersten
Wochen der noch jungen Saison schon zu viel an Potential offenbart.
Entgegen seiner Ankündigung hatte René van Eck im
Vergleich zum letzten Spiel eine Änderung vorgenommen. Rene Eckardt
blieb trotz ansprechender Leistung gegen Bayerns Zweite erst mal wieder auf der
Bank, wohingegen Sebastian Hähnge zu seiner Premiere in der Startelf
kam. Waren es die besseren Trainingsleistungen, die dafür den
Ausschlag gaben ? Fürchtet van Eck, den Youngster zu schnell zu
verheizen ? Oder will er Jenas Offensivtaktik ein Stück weit
unberechenbarer für die Ligakonkurrenz gestalten ? Wie auch immer -
Smeekes, der am liebsten nur Orlando genannt werden möchte, rückte
aus dem Zentrum auf die Außenposition. Von da, nur in der anderen Hälfte,
kamen auch die meisten Bälle in den ersten zwanzig Minuten. Eckball um
Eckball holten die Gastgeber während ihrer Anfangssoffensive heraus.
Den ersten richtigen Torschuss gabs dennoch von einem Jenaer. Salvarore
Amirante prüfte Martin Männel nach achtzehn Minuten. Darüber
hinaus tat sich allerdings vor der Pause nicht viel an Offensivgeschehen
seitens der Thüringer. Dazu fehlte es im Mittelfeld an einem
Gestalter, der die Bälle verteilte oder einfach mal länger in
den eigenen Reihen hielt. Hähnge und Amirante hatten es schwer mit
ihren Gegenspielern. Und Orlando ? Zeigte auf rechtsaußen mehrmals
technische Kabinettstückchen, doch in echte Torgefahr mündeten
die meist nicht, sodass sich die Umstellung alles in allem nicht bezahlt
machte. Ein einziges Mal brachte er vor der Pause nach energischem Sprint eine
Eingabe vors Tor, doch die fing Männel vor dem einschussbereiten
Amirante weg.
Erfreulich hingegen, dass Jenas Viererkette auch ohne Lanzaat
lange Zeit nichts zuließ. Da konnten Curri und Ramaj rochieren, wie
sie wollten - sowohl Sievers wie auch Sträßer ließen
sie nicht zu Entfaltung kommen. Auch die 7:0 Ecken der Veilchen in Hälfte
eins bereiteten Nulle und seinen Vorderleuten keine Probleme. Lediglich in den
letzten drei Minuten vor dem Pausenpfiff schlich sich kurzzeitig mal etwas
Sorglosigkeit ins Jenaer Abwehrzentrum. Denn dass ausgerechnet der Kleinste auf
dem Platz, Skerdilaid Curri, nur um wenige Zentimeter an einem Kopfballtor
vorbeischrammt, darf eigentlich nicht
passieren. Und was war in Minute 44 los ? Bei Müllers Heber in den
Strafraum rannten gleich zwei Weiße mit Ramaj mit, wodurch sich
Braham zentral in 13 Metern
Torentfernung seelenruhig auf seinen Torschuss vorbereiten konnte. Doch vergeht
kein Spiel ohne eine Heldentat von Carsten Nulle ! Jenas Keeper entschärfte
Brahams Schuss mit toller Reaktion. Der Halbzeitpfiff kam den Jenaern nicht
ungelegen.
Mit Beginn der zweiten Hälfte hatte sich Jenas
Hintermannschaft wieder formiert. Aue zunächst wieder leicht feldüberlegen,
ohne groß zu Tormöglichkeiten zu gelangen. Ramajs Schlenzer
Richtung Dreiangel fing Nulle noch in dessen Steigphase (57.). Die optische Überlegenheit
auf Seiten der Gastgeber verschwand dann nach etwa einer Stunde Spielzeit. Erst
jetzt fiel auf, dass mit Kos auch bei den Erzgebirglern der Abwehrchef fehlte
und deren Hintermannschaft nicht unüberwindbar ist. Als Orlando seinen
Gegenspieler ins Leere rutschen ließ, die flache Hereingabe nur
unkontrolliert nach vorn abgewehrt werden konnte, kam Jens Truckenbrod aus fünfzehn
Metern zum Torschuss. Wie gern hätten wir DEN ankommen sehen ! Doch
Paulus warf sich hinein, bescherte Jena damit nach 61 Minuten wenigstens noch
die erste Ecke, welche aber wie generell alle Standards an diesem Tag nichts
einbrachte. Die hohen Temperaturen sollten in der Schlussphase bei beiden
Mannschaften ihren Tribut fordern. Das Wort Sommerfußball machte nun
die Runde. Van Eck schien dennoch nicht unzufrieden,
tätigte seinen ersten Wechsel erst drei Minuten vor
Schluss und dies aus Verletzungsgründen. Dass auch Trainerkollege
Schmitt in der 90. Minuten noch einen neuen Mann auflaufen ließ, lässt
den Schluss zu, dass mit dem unentschiedenen Spielausgang am Ende alle recht
zufrieden waren. Die Gastgeber hatten dem Spitzenreiter einen Punkt abgerungen,
der FCC bereitete seiner schwarzen Serie im Erzgebirgsstadion endlich ein Ende.
Zwar ist die Tabellenführung damit schon wieder
passé, doch ist der FC Carl Zeiss Jena auch nach dem Auer Auswärtsspiel noch ungeschlagen in dieser Saison.
Und das ist schließlich auch schon etwas wert. <fc>
FC Carl Zeiss Jena - FC Bayern München II 6:0
Tore: 1:0 Eckardt (8.), 2:0 Smeekes (28.), 3:0 Amirante (48.), 4:0 Amirante (62.), 5:0 Amirante (64.), 6:0 Amirante (76.)
- Jena: Nulle; Sievers, Riemer, Lanzaat (23. Petersen),
Sträßer; Nagy, Truckenbrod, Ziegner, Eckardt; Smeekes (68.
Hähnge), Amirante (77. Benyamina)
- München: Kraft; Schütz, Lell
(
, 38.), Saba (56. Kopplin), Contento;
Erb, Rieß, Görlitz, Schürf (53. Yilmaz); Sikorski, Sene (43. Duhnke)
- Zuschauer: 8346
- Schiedsrichter: Gorniak (Bremen)
- Spielbericht
- Vor dem Spiel bestimmten noch Sorgen die Gedanken der
meisten Zuschauer, an die sich nach dem Spiel kaum noch jemand erinnerte. Wie
wird die Mannschaft die befürchteten Ausfälle von Carsten Sträßer
und Ralf Schmidt verkraften können? Wie kommt der FCC mit den
bundesligaerfahrenen Christian Lell und Andreas Görlitz zurecht? Wird
die zweite Garde des großen FC Bayern am dritten Spieltag ihr
zweifellos vorhandenes Potential zeigen, nachdem man eher schwach in die Saison
gestartet war?
Zumindest einer der Fragen löst sich noch vor dem
Anpfiff in Wohlgefallen auf, denn Carsten Sträßer stand in
der Startformation. Der Abwehrspieler ist mitverantwortlich für den
derzeitigen Erfolg des FCC und wird von vielen aufgrund seiner in der letzten
Saison oft gut versteckten Souveränität mit einem
Augenzwinkern als "Neuzugang" bezeichnet, entsprechend groß war die
Erleichterung bei der Lektüre seines Namens in der Startaufstellung. Die
Elf des gut in die Saison gestarteten FCC begann das Spiel auch gleich druckvoll
und schon die ersten Minuten ließen keinen Zweifel daran aufkommen,
wer heute der Herr im Haus sein wollte. Die erste Ecke des Spiels erhielten
trotzdem die Bayern, aber mehr als ein schneller Gegenstoß über
den starken Sievers sprang dabei nicht heraus. Dieser Konter war es, den Timo
Nagy mit einem herrlichen Pass auf Salvatore Amirante fortsetzte. Der Italiener
stand plötzlich vor Kraft im Tor des FCB und wollte den Ball in der
langen Ecke unterbringen, hatte dabei aber die Reflexe des Schlussmanns der
Bayern unterschätzt. Festhalten konnte er den scharfen Schuss aus
kurzer Distanz allerdings nicht, der mitgelaufene René Eckardt schaltete am
Schnellsten und konnte den Ball unbedrängt aus kurzer Distanz im Tor
unterbringen - 1:0 für den FCC nach nur acht Minuten! Die erfahrenen
Spieler der Bayern, namentlich Görlitz und Lell, sahen beim
vorhergehenden Zusammenspiel von Nagy und Amirante alles andere als gut aus und
verloren schon nach diesen wenigen Minuten einen Teil des von ihren Namen
ausgehenden Glanzes.
Die Gäste aus München zeigten sich aber
keineswegs geschockt vom frühen Rückstand, stattdessen bemühten
sie sich von nun an intensiv um den Ausgleich. Nur fünf Minuten nach
der Führung war es Carsten Nulle, der gegen den in dieser Phase
starken Sikorski klären musste. Der war nach einem Missverständnis
in der Jenaer Hintermannschaft plötzlich frei vor Nulle aufgetaucht
und scheiterte nur an der blitzschnellen Reaktion des auch heute sicheren Rückhalts.
Im Gegenzug hat Eckardt das 2:0 auf dem Fuß, nachdem er mit einem
herrlichen langen Ball von Nagy freigespielt wurde. Sein Ball geht aber leider
nicht nur an Torhüter Kraft vorbei, sondern auch am Tor. Für
die nächsten Minuten sollte dieser Gegenstoß das letzte
Lebenszeichen des FCC sein, von nun an drückten die Bayern. Dabei war
es immer wieder Marco Riemer, der in der Abwehr nicht überzeugen
konnte. In der 16. Minute profitiert er allein von der Fairness des Münchner
Stürmers Sikorski, der sich trotz leichtem Trikotzupfer aufrafft und
sich nicht fallen lässt, anderenfalls hätte man diese
Situation wohl als Notbremse werten müssen. So stand Sikorski zwar
allein vor dem Jenaer Gehäuse, aber dieses wurde ja von Carsten Nulle
bewacht - und dieser reagierte erneut glänzend. Auch wenn man sich
mittlerweile schon fast daran gewöhnt hat, mit Nulle einen extrem
sicheren Rückhalt zu haben - was dieser Mann Woche für Woche
für Bälle hält, ist aller Ehren wert. Völlig
zu Recht wurde "Wild Thing" auch vor dem Spiel als Spieler der letzten Saison
ausgezeichnet, denn ohne ihn hätte der FCC die Klasse wohl kaum
gehalten. Richtig ernste Mienen konnte man nur kurz darauf erblicken, denn
offenbar hatte sich Abwehrchef Quido Lanzaat ohne Fremdeinwirkung verletzt und
drängte auf seine Auswechslung, die nach 23 Spielminuten vollzogen
werden musste. Nicht wenige fürchteten nun den baldigen Ausgleich oder
zumindest massive Probleme mit den schnellen und ballsicheren Angreifern der
Bayern für die umgestellte Innenverteidigung. Genau in diese Phase des
größten Drucks der Bayern stürmt aber erneut
Orlando Smeekes hinein und spielte sich endgültig in die Herzen der
Fans. Nach einer kampfgeprägten Balleroberung des Hachinger Neuzugangs
Nagy hat Orlando nur noch Lell und das Tor vor sich. In seiner gewohnten,
unheimlich schnellen Art stürmt er auf Lell zu, schlägt noch
einen Haken und streichelt den Ball dann mit der Innenseite an den kurzen
Pfosten - von dem das Leder den erstrebenswertesten Weg wählt, nämlich
den ins Tor von Jenas Gegnern! Das 2:0 in der 28. Minuten fiel sprichwörtlich
genau zum richtigen Zeitpunkt, denn es setzte einen Schlussstrich unter eine
Phase gefährlicher Angriffe der Gäste, die immer wieder nur
vom Jenaer Schlussmann aufgehalten werden konnten. Auch in der Folge überforderte
der Mann von den niederländischen Antillen, der nun bereits vier Tore
in drei Spielen erzielt hat, seinen Gegenspieler Lell immer wieder mit seiner
Schnelligkeit. Zehn Minuten nach dem 2:0 wurde die Sprintstärke dem Münchner
endgültig zum Verhängnis, als ihn Orlando einmal mehr
regelrecht überlaufen konnte und von Lell nur noch per Foul zu stoppen
war. Da Lell zu diesem Zeitpunkt letzter Mann war und Smeekes freie Bahn aufs
Tor gehabt hätte, war die Entscheidung des unauffälligen
Schiedsrichters Gorniak durchaus nachvollziehbar - Rote Karte wegen Notbremse
und Freistoß für den FCC, denn der Bremer Unparteiische
hatte das Foul außerhalb des Strafraums gesehen. Auch wenn der
Freistoß und die folgenden Minuten vor der Halbzeit nichts
einbrachten, so hatte sich der FCC doch eine hervorragende Ausgangslage für
den zweiten Durchgang geschaffen. Doch trotz der Zwei-Tore-Führung und
der Jenaer Überzahl erwarteten viele eine spannende zweite Hälfte,
in der den Bayern im Falle eines schnellen Anschlusstreffers durchaus noch
Chancen eingeräumt wurden.
Derartige Sorgen und Ängste lösten sich
aber schon kurz nach dem Wiederanpfiff auf, denn die 8346 Zuschauer im Ernst
Abbe Sportfeld sahen einen FC Carl Zeiss Jena, der weiterhin mit voller
Konzentration zu Werke ging. Das aus der Führung und dem Spielverlauf
resultierende Selbstvertrauen sorgte außerdem dafür, dass
Flanken und Pässe scheinbar präziser ankamen und
leichtfertiger von der Hand gingen als in anderen Spielen. Nur drei Minuten
nach Wiederanpfiff war es dann auch schon so weit, dass auch die letzten
Zweifler vom Optimismus übermannt wurden, denn nach einer präzisen
Flanke des starken René Eckardt auf den Kopf von Salvatore Amirante dürfte
die Halbzeitansprache von Gästetrainer Mehmet Scholl bereits hinfällig
gewesen sein. Der Italiener stieg als einziger im Strafraum hoch zum Kopfball,
begleitet nur von den ungläubigen Blicken seines Gegenspielers. Der
musste mit ansehen, wie der wuchtige Kopfball unhaltbar für Kraft im
Netz landete und das Spiel faktisch entschieden war. Anders als nach dem 1:0
war nun auch ein gewisser Schockzustand bei den Bayern zu erkennen, die mit
einer derart druckvollen Offensive seitens der Jenaer offenbar nicht gerechnet
hatten. Nach einer guten Chance für den unauffälligen, aber
ebenfalls überzeugenden Truckenbrod in der 59. Minute war es nach
knapp über einer Stunde erneut Amirante, der einen Eckball von Nagy
per Kopf über die Linie bugsierte. Wieder fühlte sich keiner
der Bayern so richtig zuständig, erneut war gegen den starken Kopfball
aus kurzer Distanz nichts zu machen - 4:0 für den FC Carl Zeiss Jena!
Schon jetzt fragten sich einige, wann sie derartiges zuletzt erlebt hatten,
nicht ahnend, was die folgenden Minuten noch bringen würden. Der FCC
hatte nämlich noch lange nicht genug und spielte weiter attraktiven
Offensivfußball. Nur zwei Minuten später hatte sich Smeekes
auf links einmal mehr aller Gegenspieler entledigt und spielte dann einen
perfekten Pass in den Lauf des Doppeltorschützen Amirante, der den
Ball aus fünf Metern nur noch über die Linie schieben musste
und damit das 5:0 sowie seinen Hattrick vollendete! Nach 68 Spielminuten gönnt
Jena-Trainer René van Eck dem neuen Publikumsliebling und Torschützen
des Monats Orlando Smeekes nach einer weiteren starken Partie seinen verdienten
Applaus. Von stehenden Ovationen begleitet verlässt der Shooting-Star
den Platz, für ihn kommt Sebastian Hähnge. Der Eingewechselte
fügt sich sofort gut in das Spiel der Blau-Gelb-Weißen ein
und hat nur Minuten nach seiner Einwechslung das 6:0 auf dem Fuß, als
ihm Truckenbrod den Ball überlegt in den Lauf lupft. In dieser
Situation konnte sich allerdings zunächst der Münchner Torhüter
Kraft auszeichnen, als er den scharfen Schuss Hähnges pariert. Doch
das sollte am heutigen Tag nicht ausreichen, denn Hähnge setzt nach,
holt sich den Abpraller und flankt den Ball erneut butterweich auf den langen
Pfosten. Dort wartet, wie könnte es anders sein, Salvatore Amirante
und hat erneut keine Mühe, den Ball im Tor unterzubringen - 6:0 nach
76 Spielminuten, vier Tore von Amirante innerhalb von nicht einmal einer halben
Stunde, ungläubiges Staunen mischt sich in den unbändigen
Jubel im weiten Rund des Ernst Abbe Sportfelds.
Das halbe Dutzend war voll und die Jenaer Spieler ließen
es dabei bewenden, die folgenden fünfzehn Minuten waren mehr Schaulaufen
als ernsthafter Fußball und die Bayern hatten sich längst
mit der demütigenden Realität abgefunden. Gegenwehr wäre
bei diesem Spielstand ohnehin zwecklos gewesen und so konnten die leidgeprüften
Anhänger des FCC endlich mal wieder eine Schlussviertelstunde ohne
Angst vor späten Gegentoren oder in der Hoffnung auf ein dringend benötigtes
Jenaer Tor verbringen, stattdessen wurde der in dieser Form von niemandem
erwartete Sieg ausgiebig gefeiert. Neben dem Ergebnis gefiel vor allem die
Tatsache, dass neben dem beinahe unheimlich schnellen Orlando Smeekes auch die
beiden Außen Sievers und Nagy überzeugen konnten und Jena über
weite Strecken des Spiels sehr sehenswerten und dynamischen Offensivfußball
zeigte. Auch in Anbetracht eines bestimmten Ergebnisses vom Samstag bildete das
6:0 den perfekten Abschluss eines paradiesischen Wochenendes, das so schnell
keiner der anwesenden Jena-Fans wieder vergessen wird. Nun muss der neue
Spitzenreiter der Dritten Liga in Aue nachlegen bevor am kommenden Wochenende
ein ganz spezieller Gast im Ernst Abbe Sportfeld erwartet wird. Sollten Orlando
Smeekes & Co. auch dann wieder einen ähnlichen Auftritt wie in den
bisherigen Saisonspielen hinlegen, dürfte der Jubel selbst die
heutigen Freudenschreie noch einmal deutlich übertönen. Bis
es so weit sein kann, liegen aber noch zwei mal 90 Minuten vor der Mannschaft
von René van Eck - zumindest das nötige Selbstvertrauen für
die erfolgreiche Gestaltung der beiden Ostderbys sollte spätestens
nach dem heutigen Spiel vorhanden sein. <bh>
SV Sandhausen - FC Carl Zeiss Jena 2:2
Tore: 1:0 Schuon (9.), 1:1 Smeekes (19.), 1:2 Riemer (32.), 2:2 Pinto (90., FE)
- Sandhausen: Gurski; Bindnagel, Schuon, Eberlein, Mintzel; Pinto,
Hillenbrand, Jungwirth (66. Fischer), Schauerte (77. Hosiner); Ristic (23.
Öztürk, Dorn
- Jena: Nulle; Sträßer, Lanzaat, Riemer, R. Schmidt;
Sievers (60. Hähnge), Truckenbrod, Ziegner, Nagy; Smeekes (88.
Petersen), Amirante (81. Benyamina)
- Zuschauer: 3150
- Schiedsrichter: Kempter (Sauldorf)
- Spielbericht
- Gleiches
Ergebnis - unterschiedliche Gefühle. Wo vor zwei Monaten 3.500 verzückte
Zeissfans ob des Klassenerhalts den Sandhäuser Rasen stürmten, herrschte
diesmal betretenes Schweigen unter beachtlichen gut 500 mitgereisten
Blau-gelb-weißen. Die meisten unter ihnen wären vor dem Spiel wohl mit einem
Zähler zufrieden gewesen, doch nach diesem Spielverlauf musste man einfach
hadern. Mit einer späten und nicht nachvollziehbaren Spielentscheidung durch
Referee Kempter, und mit dem Auslassen unzähliger
Möglichkeiten zur Vorentscheidung durch die eigene Elf.
Dass
dieses Spiel ein ganz intensives werden sollte, deutete sich schon nach wenigen
Minuten an. Riemers und Smeekes' gefährlichen
Toraktionen folgte auf der Gegenseite nach 8 Minuten die Führung der Gastgeber.
Ralf Schmidt hatte einen unnötigen Eckball verursacht - nicht der einzige
Fehler des sich nach dem Wechsel steigernden Studenten in den ersten 45 Minuten
- und Sandhausens bulliger Neuzugang Schuon köpfte
das Leder kompromisslos wuchtig zur frühen Führung ins Netz. Und die Gastgeber
drängten weiter mit schön anzusehendem Kombinationsfußball, waren durch das nur
schwer zu bändigende bundesligaerfahrene Sturmduo Ristic/Dorn stets
kreuzgefährlich. Doch anders als im Mai behielt Jena die Ordnung und schlug
zurück. Sträßer und Sievers kämpften im Duett
Mintzel den Ball im eigenen Strafraum ab,
Sträßers weiter gefühlvoller Ball erreichte zur
Überraschung von Sandhausens Hintermannschaft Orlando Smeekes,
der dem verdutzten Gurski das Leder in die Maschen
servierte (19.). 1:1! Und Jena machte weiter. Nur zwei Minuten später die
nächste Riesenchance für den Holländer nach tollem Diagonalpass von Sievers,
doch der Hammer zischt knapp am Tor vorbei. Eine Minute drauf hatte Nagy dann
die Führung auf dem Fuß, als er eine schöne Kombination zu harmlos abschloss.
Jena war im Spiel, und bald begann auch der Tag des Marco Riemer freundlichere
Züge anzunehmen. Zunächst erlöste ihn die verletzungsbedingte Auswechslung
Ristics von diesem unangenehmen, einen Kopf größeren Gegenspieler. Dann durfte
sich der Apoldaer sogar in die Torschützenliste
eintragen, als er nach Amirantes artistischer
Fallrückziehervorlage aus Nahdistanz zur verdienten Führung nach 33 Minuten
abstaubte.
Von
Sandhausen kam bis zum Wechsel nichts mehr, und dennoch hatten 3.500 Zuschauer
ein packendes und völlig offen geführtes Spiel gesehen. Glaubten sie zumindest,
denn nach dem Pausentee ging es erst richtig los. Bindnagel eröffnete das
Offensivfestival mit einem Knallbonbon knapp am rechten Pfosten vorbei (48.).
Smeekes antwortete mit Zuckerpass auf Sievers, der sich
völlig freistehend vor Gurski den Ball etwas zu weit
vorlegte (49.). Minuten später zwei dicke Patzer von Riemer, die die Gastgeber
nicht zu nutzen verstehen. Jungwirth zieht nach 56 Minuten ab und zwingt Nulle
zu einer Glanzparade. Dann kommt Nagy über die rechte Seite, doch seine
Hereingabe auf den blank stehenden Amirante misslingt (59.). Es war eine der
wenigen Offensivaktionen Nagys, der sich nach vorn wenig zutraute. Ausgewechselt
wurde nach einer Stunde aber sein Flügel-Gegenüber Sievers, bei dem sich
gelungene Offensivakzente mit schlampigem Defensivverhalten abwechselten.
Sebastian Hähnge kam ins Spiel und legte Sekunden
später gleich gekonnt per Kopf auf Amirante auf, Gurski
klärt. Wiederum Sekunden später umkurvt Hähne den Sandhäuser Keeper, ist
eigentlich schon vorbei und der Ball gefühlt auf dem Weg ins Tor, doch
irgendwie kommt Gurski doch noch einmal ans Leder
(61.). Eine Minute darauf darf Smeekes die nächste
hundertprozentige Torchance versieben, allein rechts vor dem Kasten entscheidet
er sich gegen den Pass auf den mitlaufenden Amirante und für den Flachschuss,
den Gurski mit Fußbabwehr
pariert. Wahnsinn! Quasi im Gegenzug rettet Lanzaat
vor dem einschussbereiten Pinto (62.). 63. Minute, ein Schuss Sandhausens aus
dem Hinterhalt wird unfreiwillig von Hillenbrand abgefälscht und trudelt an den
Pfosten! Vier Minuten später dann wieder dann wieder Bindnagel mit
Volleyschuss, Nulle pariert.
Sandhausen ging nun noch mehr auf Risiko und
drückte die Thüringer, bei denen die ordnende Hand im Mittelfeld vermisst
wurde, mehr und mehr in die eigene Hälfte, in der sich Carsten
Sträßer mit einer tadellosen Leistung Bestnoten verdiente.
Einen Entlastungsangriff über die rechte Seite kann der bisweilen selbst
auffällig fallsüchtige Mintzel nur mittels einer
Mischung aus grobem und taktischem Foul an Smeekes an
der Torauslinie verhindern, ohne dafür den Karton zu sehen. In
Ziegners frechen Freistoß spritzt Amirante, und als der Ball
hinter dem Keeper die Torlinie entlang zischt, ist wieder einmal
Haareraufen im Gästeblock angesagt. Mehr noch als
Smeekes nach 80 Minuten die nächste Hundertprozentige
vergibt, allein vor Gurski diesen nicht überwinden
kann. So kam das, was kommen musste. Sandhausen verlegte sich auf das
Erarbeiten von Freistößen, von deren Berechtigung nur wenige im Gästeblock
überzeugt waren, und so stand Carsten Nulle mehr und mehr im Mittelpunkt,
rettete mehrmals großartig. Machtlos war er jedoch, als Robert
Kempter - wie Sandhausen in Baden-Württemberg beheimatet -
in der Schlussminute auf den Elfmeterpunkt zeigte, ein Foulspiel Riemers an
Dorn gesehen haben wollte. Roberto Pinto ließ sich das späte Geschenk nicht
entgehen und schickte die Zuschauer mit dem gleichen Ergebnis nach Hause wie
vor zwei Monaten.
Diesmal bleibt für den FCC zu konstatieren, zwei Zähler
verschenkt zu haben, und das in erster Linie wegen der sträflich ausgelassenen
Großchancen im zweiten Abschnitt. Auf der Leistung der Mannschaft aber darf aufgebaut
werden, und diesen positiven Eindruck nahm Jenas Anhang mit auf die 400
Kilometer lange Heimreise. <gunner>
FC Carl Zeiss Jena - SV Wehen Wiesbaden 2:1
Tore: 1:0 Smeekes (50.), 2:0 Smeekes (56.), 2:1 Bohl (74.)
- Jena: Nulle; Sträßer, Lanzaat, Riemer, R. Schmidt;
Sievers, Ziegner, Truckenbrod, Nagy (87. Petersen); Smeekes (90.+1
Eckardt), Amirante
- Wehen: Birkenbach; Hollmann, Barg, Glibo, Weigelt; Bohl, Reinert
(61. Ziegenbein), Hübner, Öztürk (72. Landeka); Boskovic,
Stroh-Engel (58. Ziemer)
- Zuschauer: 7713
- Schiedsrichter: Dr. Brych (München)
- Spielbericht
- Gemeinhin gilt es als Vorteil, gegen Absteiger aus der 2.
Bundesliga gleich am Anfang einer Saison antreten zu dürfen. Deren
personelle Fluktuation ist meist recht hoch, der neuformierte Kader muss sich
erst einspielen. Im Gegensatz zu den beiden anderen Absteigern blieb dem SV
Wehen aber die große Abgangswelle erspart. Und so versprach der 1.
Spieltag gleich eine Standortbestimmung für den FC Carl Zeiss zu
werden.
Erstmals seit 2003 durfte die Punktspielsaison mal wieder
mit einem Heimspiel eingeläutet werden. Wenn dabei trotz Aprilwetters
7713 Zuschauer ins Ernst-Abbe-Sportfeld kommen, zeugt das ungeachtet der
miserablen letzten Saison von einer deutlichen Erwartungshaltung. Sebastian Hähnge
saß mit auf der Tribüne. Schon einen Tag vor dem Match hatte seine linke
Wade zu zwicken begonnen, am Spieltag selbst war dann nicht einmal mehr ein
Kurzeinsatz möglich. Sollte es deshalb ein schnelles Revival der
Ein-Stürmer-Taktik von René van Eck geben ? Nein, denn der Rückkehrer
auf den Trainerstuhl beorderte Orlando Smeekes auf die zweite Angriffsposition.
Da Jan-André Sievers in die Startelf nachrückte, war diese mit allen fünf
Neuzugängen besetzt.
Verteiltes Spiel zu Beginn. Ein Kopfball im Anschluss an
Wehens zweite Ecke wurde am kurzen Pfosten abgefangen, den Spurt von Reinert in
den Strafraum stoppte Sträßer. Auf der anderen Seite war es
Salvatore Amirante, der mit einem Kopfball aus sechs Metern Birkenbach prüfte
und mit einem 19-Meter-Flachschuss knapp verzog.
All das waren Szenen aus den ersten 20 Minuten, danach
dominierten die Abwehrreihen und weitere nennenswerte Aktionen vor der Pause
blieben rar. Einzig Timo Nagy aus guter Schussposition in zwanzig Metern
Torentfernung forderte nach 35 Minuten noch einmal den Beifall heraus. So sehr
man sich über die stabile Viererkette mit dem neuen Abwehrchef Lanzaat
und dem wie ausgewechselt wirkenden Sträßer freuen durfte -
beim Offensivspiel blieb zunächst noch viel Luft nach oben.
Van Eck hatte seiner Mannschaft in der Kabine mehr Risiko
verordnet und diese setzte das gleich mit Wiederanpfiff um. Bälle, die
während der ersten 45 Minuten noch als Querpass gespielt worden waren,
flogen nun steil ins Angriffszentrum. Es war Salvatore Amirante, der von der
Mittellinie aus seinen Sturmpartner Orlando Smeekes mit einem Diagonalpass auf
die Reise schickte. Diese Reise führte um einen Gegenspieler herum,
zwischen zwei Verteidigern hindurch direkt zu Torhüter Birkenbach, an
dem vorbei Smeekes das Leder ins lange Eck schob. 1:0 - Zeit für den
ersten Torjubel der neuen Saison mit einem Flickflack, wie man ihn im
Ernst-Abbe-Sportfeld so wohl noch nie gesehen hat. Miroslav Kloses berühmte
Überschläge in der Nationalmannschaft wirken geradezu
armselig gegen jene eines Orlando
Smeekes beim FC Carl Zeiss Jena ! Auch wenn dessen artistische Brillanz nicht
von ungefähr kommt, war er in seiner Jugend doch dreimal holländischer
Meister im Turn-Mehrkampf, bevor er sich für die fußballerische
Laufbahn entschied. Eine gute Entscheidung, wie uns nur sechs Minuten später
ein weiteres Mal klar werden sollte. Da trat Smeekes in 35 Metern Torentfernung
zum Freistoß an. Für eine direkte Ausführung noch
viel zu weit vom Kasten entfernt, dachten die meisten. Doch der Nationalspieler der
niederländischen Antillen schoss direkt durch die Drei-Mann-Mauer der
Wehener hindurch ins linke untere Eck. Welch ein (P)fund !
Während wir Beobachter noch ganz fasziniert waren
von den gleichsam schönen und doch auf so unterschiedliche Weise
zustande gekommenen Treffern unseres Orlando, setzten die Gäste mit
dem Mute der Verzweiflung zur Aufholjagd an. Diese hatten sie in der
Vorbereitung bereits gegen Koblenz und Saarbrücken mit Erfolg
praktiziert. Boskovic mit Schuss ans Außennetz sowie die frisch
eingewechselten Ziemer und Ziegenbein zeigten an, dass dieses Mahl mit
den zwei Toren noch lange nicht gegessen war. Und tatsächlich, in der
74. Spielminute traf Bohl unhaltbar per Kopf zum Anschlusstreffer. Eine
Viertelstunde war danach noch zu spielen. 15 Minuten, die besonders der aus
Kaiserlautern gekommene Marcel Ziemer mit mehreren Chancen zur Zitterpartie für
alle Blau-Gelb-Weißen werden ließ. Bei Ziemers
Aufsetzerkopfball sechs Minuten vor Schluss rührte selbst Geburtskind
Carsten Nulle (Glückwunsch zum 34. !) keinen Finger mehr - doch das
Leder klatschte nur an die Werbebande hinter dem Tor. In der 89. kam Nulle an
einen Eckball nicht heran, dafür stand Sträßer
goldrichtig und konnte an der Torraumgrenze per Kopf klären. Mit
tollen Einzelaktionen hatte einer aus der Mannschaft den Vorsprung heraus geschossen
- alle elf zusammen sorgten nun dafür, dass aus ihm drei Punkte wurden.
Auch wenn in der letzten halben Stunde das Geschehen etwas
aus der Hand gegeben worden war - mit dem Sieg gegen Wehen hat die neue Jenaer
Mannschaft schon mal einen ersten Fingerzeig erhalten, dass auch gegen
Staffelfavoriten etwas gehen kann. Orlando Smeekes, der in seiner Freizeit auch
noch Thai-Boxen betreibt, will übrigens trotz seiner Erfolgserlebnisse
im Sturm so schnell wie möglich auf die Außenbahn zurück.
Nur da kann er seine Sprintschnelligkeit mit (wie man hört) 11,3
Sekunden über 100 Meter und die Stärken im eins gegen eins
voll zur Geltung bringen. Scheint so, als könnten wir uns auf die
Saison mit ihm freuen. <fc>
Fotos von Jens Weißenburger
Spielbericht auf svwehen-wiesbaden.de
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Es war eine Demütigung,
ein Untergang! Alleine die ersten fünf Minuten gegen Dresden sind bei
normaler Finanzlage ein Kündigungsgrund für den Trainer und
die halbe Mannschaft. Statt dem Tabellenvorletzten zu zeigen, warum er dort
unten steht, wird die Schlacht kampflos preisgegeben, die Initiative gar nicht
erst ergriffen. Dazu kommen diese dümmlichen Fehler bei der
Ballbehandlung und schon wird es ein unvergeßlicher Nachmittag! Ein grundloser
Querschläger von Nagy, ein bewunderndes Platzmachen Sträßers
(wo war der denn auf einmal hin?), ein Schuß von Röttger. 0:1
(4.). Dann: Ein leichter Ballverlust von Mayombo in der Spitze, eine schnelle Kombination
über den ganzen Platz ohne Jenaer Ballberührung oder auch nur
die Chance dazu, eine flache Hereingabe von Dobry auf den völlig
vereinsamten Röttger. Noch ein Schuß, diesmal ins andere
Eck. 0:2 (23.). Und dann zu allem Überfluß auch noch so ein
Eigentor der Kategorie 'Schöner geht's nicht', als Kühne einen
Müller-Freistoß mit dem Knie in den Winkel donnert. Absolut
unhaltbar für Nulle (35.). Ich hätte hier gerne ein bißchen
was vom Aufbäumen geschrieben, vom Kampfgeist, der einfach nicht
belohnt wurde oder so. Aber es war einfach nur erbärmlich. Ein Zweikampfverhalten wie zur Love-Parade. Kein Biß, kein Wille. Nicht mal
den Ansatz einer Jenaer Chance gibt es hier zu beschreiben.
Dafür müssen
die Zuschauer im Stadion noch 20 Spielminuten voller Jenaer Unzulänglichkeiten
plus Halbzeit über sich ergehen lassen und das alles bei
Heimspielatmosphäre für Dresden. Ich kann das hier gottlob schneller
machen. Es war Lukimya, der einen Ziegner-Freistoß gefährlich
in Richtung des Dresdner Tors verlängerte und Keller zu einer schönen
Parade zwang (54.). Immerhin der Auftakt zu den stärksten fünfzehn
Minuten unserer Helden, in denen sich zwei, drei gute Möglichkeiten zu
einem Anschlußtreffer ergaben. Erst scheiterte Orlando mit einem Schuß
von der Strafraumgrenze an Keller (55.), kurz darauf segelte ein
30-Meter-Knaller von Amrhein knapp am Dresdner Gehäuse vorbei (57.). Und
dann die 68. Spielminute! Der erste Spielzug der Jenaer, der aussah wie gewollt.
Da läuft der Ball mal über fünf, sechs Stationen, da
kann sich Amrhein auf der linken Seite schön durchsetzen und auch
Mayombo macht eigentlich alles richtig. Pech, daß sein Drehschuß
am gedankenschnellen Keller hängenbleibt. Wäre diese erste Katastrophenhalbzeit
nicht gewesen, das Publikum hätte sicherlich verzückt
applaudiert. So aber war nur ein langgezogener Seufzer zu hören.
Aber die Jenaer Erfolgsgeschichte für diesen Nachmittag ist ohnehin schon wieder zu Ende.
Was noch kommt ist stattdessen der endgültige
Offenbarungseid. Nachdem Savran aus Ermangelung an Gegenspielen den Ball
ungehindert aus 20 m an die Latte donnern kann (wieder waren Sträßer
und Lukimya erst ganz eng dran und dann wie vom Erdboden verschluckt), bringen
es die Jenaer dreißig Sekunden lang nicht fertig, für klare
Verhältnisse im Strafraum zu sorgen. Als Savran zig verlorene Zweikämpfe
später den Ball wieder kriegt, sehen alle Zuschauer schon was jetzt kommen
muß, können in Ruhe ihre Fahnen einrollen, ihre Kissen
einpacken und was sonst noch so zu tun ist, um ganz schnell nach Hause zu
kommen. Es war wirklich so offensichtlich, daß der Savran dem Müller
das Ding auflegt, daß man schon fast enttäuscht darüber sein mußte, nichts Spektakuläreres geboten zu bekommen.
Noch den Nulle hübsch ausgekurvt und dann rein damit (77.). Schöner
geht's nicht mehr. Nie habe bereits eine Viertelstunde vor dem Abpfiff so eine Abwanderungswelle erlebt (O-Ton: "Da glotze ich mir lieber die Kandinsky-Ausstellung an")
Es tut mir leid, wenn das hier alles sehr sarkastisch rüberkommt, aber es war bei diesem Spiel die einzige Möglichkeit, nicht völlig die Beherrschung zu verlieren oder sich diversen Gewaltphantasien hinzugeben. Eine solche Darbietung ist mir in Jena noch nicht untergekommen. Das Pfeifkonzert zum Ende konnte nicht annähernd wiedergeben, was sich hier gerade abgespielt hatte. Es ist ja nicht, daß Jena inzwischen nahezu jedes Ostderby als Zweitplazierter beendet, sondern es ist die Art und Weise, wie hier untergegangen wird. Spielerische Mängel sind verzeihlich, wenn auch nicht immer nachvollziehbar. Aber kämpferisch muß es einfach stimmen. Jeder Kreisklassespieler weiß, daß man sich in der Anfangsphase erst mal Respekt verschaffen muß, will man nicht den Rest des Spiels wie ein Depp aussehen ("gib dem Neuner gleich einen mit, damit er weiß, dass er seinen Hutzebutz hier vergessen kann" war der bekannte Slogan unseres Trainers vor jedem Derby in Zottelstedt). Die Dresdner wußten das, die Jenaer nicht. In meinen Augen das größte Problem ist und bleibt aber dieses konfuse Miteinander. Da sind keine Laufwege aufeinander abgestimmt, da gibt es keinerlei Zuordnung, da fehlen vorne die Leute, die hinten zu wenig sind. Was machen die eigentlich die Woche über? Persönlich fürchte ich, daß van Eck trotz aller Sympathien nicht der richtige Mann für diesen Job ist. Aber neu ist diese Erkenntnis im Verein ja nun auch nicht...
Das war ein grauenhafter Samstag! Wollen wir uns nicht schneller im Abstiegskampf wiederfinden als uns lieb ist, darf sowas nicht so schnell wieder passieren. Es sind jetzt zwei Wochen Zeit, irgendwie zu reagieren und diesem nervösen Haufen wieder Selbstvertrauen einzuflößen. Wie das gehen soll, ist mir ehrlich gesagt ein Rätsel. Aber vielleicht reicht es ja auch schon, wieder vor den für die dritte Liga typischen Gruselkulissen anzutreten. Zu viel Öffentlichkeit ist unserer Mannschaft scheinbar ein Graus. Insofern liegt über den nächsten Wochen ein zarter Hoffnungsschimmer, wenn wir uns mit Fußballgrößen wie dem 1. FC Heidenheim oder dem Wuppertaler SV der üblichen Tristesse hinzugeben haben. <bpf>
- Regensburg: Sattelmaier; Hörnig (57. Jarosch),
Hagmann (
, 88.), Maul, Binder; Zellner,
Kreis (74. Schlauderer), Haller, Berger; Stoilov, Schmid (60. Würll)
- Jena: Nulle; Sträßer, Lukimya, Wuttke, Nagy; Eckardt (70. Orlando), Truckenbrod, Kühne, Amrhein; Mayombo, Benyamina (90. Kolb)
- Zuschauer: 4108
- Schiedsrichter: Glasmacher (Alsdorf)
- Spielbericht
- Jena: Nulle; Sträßer, Lukimya, Wuttke, Nagy; Eckardt (70. Orlando), Truckenbrod, Kühne, Amrhein; Mayombo, Benyamina (90. Kolb)
- Im letztjährigen Abstiegskampf hatte mir der
Spielberichtsorganisator das Angebot abgerungen, im Falle des Nichtabstiegs mal
wieder einen Spielbericht zu verfassen. Dies hatte die FCC-Helden dann
tatsächlich noch so angestachelt, dass sie sich auf der Zielgeraden
über den Strich retteten. Mein Versprechen sollte nun zum Abschluss
der "Bayrischen Wochen" beim Gastspiel bei Jahn Regensburg
eingelöst werden. Die Münchner FCC-Gemeinde um "Gleis
26" traf sich pünktlich nach dem Frühstück
zur gemeinsam Fahrt in die Hauptstadt der Oberpfalz. Die Stimmung war
entspannt, denn gegen Regensburg hatte der FCC noch nie verloren und in
Regensburg stets 2:2 gespielt. Ein Resultat mit welchem man in der aktuellen
Situation auch wieder zufrieden gewesen wäre.
Nach problemloser und zügiger Fahrt im ALEX wartete in Regensburg noch eine Busfahrt zum Stadion auf uns, die gefühlt so lange wie die Zugfahrt dauerte. Der Fahrer wollte uns wohl die Schönheit der Stadt genießen lassen, anders sind die minutenlangen Stopps an den Haltestellen nicht zu erklären. Letztendlich erreichten wir aber pünktlich das Jahnstadion, dessen Charme gleich deutlich darauf hinweist, dass man sich in einer der ältesten Städte Deutschlands befindet.Die Gastgeber hatten nach ihrem sehr guten Saisonstart zuletzt etwas geschwächelt und vier Spiele in Folge nicht gewonnen (3 Niederlagen, 1 Unentschieden) und waren von den Aufstiegsrängen auf Platz sieben zurückgefallen. Angeführt vom Kapitän und Ex-Jenaer Alexander Maul übernahm Regensburg gleich die Initiative und bereits nach drei Minuten knallte der Ball zum ersten Mal gegen den Pfosten des Jenaer Tores. Allerdings stand Schütze Haller dabei im Abseits. Der FCC startete mit der Elf der zweiten Halbzeit vom Spiel in Unterhaching und meldet sich mit einem Schuss von Amrhein, den Sattelmaier zur Ecke abwehrte, in Minute sieben erstmals offensiv zu Wort. Regensburg blieb aber spielbestimmend und traf durch Stoilov erneut den Pfosten (19.). Den zurückspringenden Ball bugsierte Haller unbedrängt über das leere Tor. Dies wirkte allerdings als Wachruf für die Jenaer Kicker, die nun doch auch etwas mehr nach vorn versuchten. In der 26. Minute konnte Alexander Maul gerade noch René Eckardt an der Strafraumgrenze am Schuss hindern. Eine Minute später lupfte Amrhein im Mittelfeld den Ball schön zu Truckenbrod, der einen feinen Pass in den Strafraum spielte und Mayombo mit prima Einsatz noch vor dem zögerlichen Abwehrspieler am Ball war und ihn an Sattelmaier vorbei zum 1:0 ins Tor spitzelte. Die Führung war zu diesem Zeitpunkt sicher etwas überraschend, wäre aber fast noch erhöht worden, doch Truckenbrod kam bei einem weiten Pass von Nagy einen Schritt zu spät (34.). Regensburg kam vor der Pause nur noch zu einer Chance, die Nulle aber souverän meisterte (41.).
Der FCC kam besser aus der Pause und bestimmte nun zunächst das Spielgeschehen. Eckardt passt zu Amrhein, der legt auf Mayombo ab, der leider einen Schritt zu spät kommt (47.). Zwei Minuten später behauptete Mayombo im Strafraum den Ball gegen Maul. Dieser konnte sich nur mit einer Ringereinlage helfen. Der fällige Elfmeterpfiff des insgesamt recht schwachen Schiedsrichters Glasmacher blieb aber aus. Die nächste Chance hatte Sträßer nach Doppelpass mit Eckardt. Doch sein Schuss ging knapp am rechten Pfosten vorbei (53.). Regensburgs erste Offensivaktion in der zweiten Halbzeit war ein Fernschuss aus knapp 30 Metern, der aber weit am Kasten von Nuller vorbei ging (55.). Trainer Weinzierl reagierte und brachte mit Würll nach einer Stunde einen weiteren Angreifer. Auch wenn Regensburg damit das Spiel wieder etwas ausgeglichener gestalten konnte, blieben Chancen nun auf beiden Seiten zunächst aus. Nach 70 Minuten kam Orlando für Eckardt und damit auch neuer Schwung ins Spiel. Zunächst setzt sich Orlando auf rechts durch und flankt von der Grundlinie, den Kopfball von Amrhein kann Sattelmaier aber entschärfen (76.). Drei Minuten später ein Konter des FCC, Truckenbrod passt auf Mayombo, der in aussichtsreicher Position verstolpert. Und drei Minuten vor Ablauf der regulären Spielzeit wird Orlando über links geschickt, Hagmann kommt nicht hinterher und erwischt Orlando nur noch am Fuß und kassiert dafür - da letzter Mann - die Rote Karte. Die 90 Minuten waren abgelaufen, Regensburg bemüht sich noch einmal in Richtung Jenaer Tor und Mayombo geht etwas ungeschickt in den Zweikampf - Freistoß und wohl die letzte Aktion im Spiel. In der Gästekurve bangte man nun schon, dass es doch nicht schon wieder mit einem späten Ausgleich in Regensburg enden kann und darf ... Aus dem Fanblock vom anderen Ende des Spielfeldes sah man den Freistoß über Freund und Feind hinwegsegeln und dann tatsächlich im Netz zappeln. Hinterher hörte man, dass wohl Mayombo unglücklich ins eigene Tor getroffen hatte. Sehr ärgerlich! Dem Spielverlauf nach sicher eine akzeptable Punkteteilung. Aufgrund der besseren zweiten Halbzeit, in der vergessen wurde, den berühmten Sack zuzumachen, aber doch zwei verschenkte Punkte mit einem tragischen Helden Mayombo. <jw>
SpVgg Unterhaching - FC Carl Zeiss Jena 3:1
Tore: 1:0 Steegmann (43.), 2:0 Steegmann (63.), 3:0 Kanca (76.), 3:1 Benjamina (82.)
- U'haching:Kampa; Konrad, Hain, Brysch, Schaschko (90. Ziegler);
Tyce, Mitterhuber, Zillner, Leandro; Schweinsteiger (73. Kanca), Steegmann (79. Rathgeber)
- Jena: Nulle; Sträßer (73. Osadchenko), Lukimya, Wuttke, Nagy; Eckardt, Kühne, Truckenbrod, Ziegner (46. Benyamina), Orlando (46.
Mayombo); Amrhein
- Zuschauer: 3300
- Schiedsrichter: Fischer (Hemer)
- Spielbericht
- Same procedure as every year.
Der FCC verliert obligatorisch sein Auswärtsspiel bei der Spielvereinigung Unterhaching, diesmal
mit 3:1 und nach zwei völlig unterschiedlichen Halbzeiten.
Der
Minutenzeiger hatte noch nicht einmal eine volle Umdrehung gemacht, da hatten
Jenas Fans den Torschrei auf den Lippen, als Patrick Amrhein von Ziegner
mustergültig bedient von der Strafraumgrenze abziehen kann, aber nur ein
klägliches Schüsschen zustande bringt. Ein Auftakt mit Signalwirkung konnte man
hoffen, doch als Referee Fischer 45 Minuten später zur Pause pfiff, war aus
Sicht des FCC keine einzige weitere Möglichkeit zu notieren gewesen, von einem
großzügig verzogenen Distanzschuss des überraschend sofort eingesetzten Kühne
einmal abgesehen. Jena lieferte eine erste Hälfte ohne jeden Esprit, blieb im
Offensivspiel erschreckend harmlos und lag verdient mit 0:1 zurück. Dass dieses
Gegentor aus einer lächerlichen Schauspieleinlage Zillners an der
Seitenauslinie direkt vor den Augen des schwachen Linienrichters und folgender
Freistoßflanke resultierte, war bitter. Aber Steegmanns gegen Lukimya
folgenschwer gewonnenes Kopfballduell zum Führungstreffer kurz vor der Pause
(43.) eben auch nur eine der zahlreichen Hachinger Möglichkeiten. Von denen
vergab der Torschütze selbst üppig (12., 26., 34.), aber Zillner nach seinem
Sturmlauf zwischen den verdutzten Sträßer und Ziegner hindurch zweifellos die
größte - Nulle rettete glanzvoll (33.).
So konnte es nicht weitergehen, und van Eck, der schon vor Anpfiff auf den sich
beim Aufwärmen verletzenden Holwijn verzichten musste, stellte erneut um. Auch,
weil der blasse Orlando Smeekes mit ausgekugelter Schulter passen musste. Aus
dem 3-5-1 mit Doppelsechs Kühne/Truckenbrod und Amrhein als einziger Spitze
wurde nun ein 4-4-2. Amrhein rückte zurück auf die linke Mittelfeldposition,
als Spitzen agierte dabei das Sturmduo der in dieser Saison so begeisternden
II. Mannschaft, und plötzlich ging beim FCC nach vorn die Post ab. Insbesondere
Exaucé Mayombo war von Hachings Verteidigern kaum zu stellen und lieferte eine
starke Partie ab. Kühnes Schuss nach Truckenbrod-Ablage gab nach 51 Minuten die
Richtung vor, Mayombos abgefälschter Schuss folgte zwei Minuten später, Amrhein
prüfte Kampa im Hachinger Tor aus 18 Metern (54.), Truckenbrod zieht knapp
übers Tor (58.). Jena war jetzt richtig im Spiel, die Kombinationen liefen
flüssig und spätestens in der 59. Minute musste es einfach soweit sein, als
Rene Eckardt auf rechts mustergültig von Sträßer bedient wird, aber statt Kampa
den Ball um die Ohren zu ballern eine unmotivierte Mischung aus Heber und
Flanke ansetzt. Wie einfach Fußball sein kann, demonstrierten die Bayern kurz
darauf auf der Gegenseite: Langer Befreiungsschlag Hains aus der eigenen Hälfte
auf den durchstartenden Steegmann, der vernascht Wuttke im 16er und schiebt
lässig zum 2:0 ein. Bewundernde Worte fielen im Gästeblock über die weise
Voraussicht jenes sonst so viel- und weitreisenden Münchner FCC-Fans, der einem
Gelübde folgend den Nachmittag lieber weit abseits seinen Hund Gassi führend
verbrachte. Seit dem Sieg vor 17 Jahren scheint für unseren Club ein Fluch auf
diesem Sportplatz zu liegen. Sonst hätten vielleicht auch Mayombo nach
Traumzuspiel Benyaminas freistehend vor Kampa die Nerven nicht versagt (65.).
Und sonst würde ein Schiedsrichter bei einem Foul wie dem Kampas an Carsten
Sträßer im 16er auch einmal auf Elfmeter entscheiden. Für Sträßer bedeutete
Kampas übles Einsteigen das Ende der Partie - Jenas dritte Verletzung an diesem
Tage - und die Unordnung in der Hintermannschaft des FCC nutzte der
eingewechselte Kanca zur endgültigen Entscheidung. Dabei hätte es vielleicht
noch einmal eng werden können, wenn nach Benyaminas Anschlusstreffer per Kopf -
Nagy hatte von links geflankt - mehr gekommen wäre als die vergebenen
Möglichkeiten Benyaminas (Kopfball nach Eckball von rechts, 83.) und Amrheins
Freistoßversuch übers Tor (84.). Wo das Problem des FCC liegt, demonstrierte
dann eine Minute vor dem Ende René Eckardt noch einmal final, als er völlig
freistehend an Kampas Blitzreaktion scheitert. Nein, nichts zu holen in
Münchens Süden. Verflucht! <gunner>
FC Carl Zeiss Jena - FC Ingolstadt 04 2:0
Tore: 1:0 Lukimya (72.), 2:0 Holwijn (83.)
- Jena: Nulle; Sträßer, Lukimya, Wuttke, Nagy; Holwijn,
Truckenbrod, Ziegner (85. Eckardt), Orlando (90. Fuss); Amrhein,
Hähnge (73. Benyamina)
- Ingolstadt: Lutz; Keidel, Pisot, Wenczel, Ruprecht; Leitl,
Fleßers (71. Braber), Karl, Buchner; Neuendorf, Hartmann
- Zuschauer: 5099
- Schiedsrichter: Siebert (Berlin)
- Spielbericht
-
Im Vorfeld des Spiels gab es jede Menge Aufregung im Umfeld des FCC: Spätestens mit der Pokalniederlage in
Meuselwitz und der anschließenden Suspendierung von Salvatore Amirante hatte der FCC wieder einmal demonstriert,
dass man in Jena mit allem rechnen muss. Dazu kam noch die Vorstellung des neuen Geschäftsführers Michael
Born unter der Woche, Ablenkung von der Vorbereitung auf das Spiel gegen einen der Staffelfavoriten des Jahres gab
es also zur Genüge.
Mit dem FC Ingolstadt 04 war eine Mannschaft im Ernst Abbe Sportfeld zu Gast, gegen die der FC Carl Zeiss Jena erst
ein einziges Mal im Rahmen eines Winter-Trainingslagers gespielt hat. Das ist allerdings weniger überraschend,
zumindest wenn man betrachtet, dass der FC Ingolstadt 04 erst im Jahr 2004 als Zusammenschluss von MTV 1881 und ESV
Ingolstadt entstanden ist. Seitdem hat der Verein mit der Unterstützung des großen Sponsors im Rücken
einen steilen Aufstieg erlebt und konnte schon im Jahr 2007 den Aufstieg in die zweite Bundesliga feiern. Der letztjährige
Abstieg darf als Betriebsunfall verstanden werden, der den langfristigen Weg in Richtung erste Bundesliga wohl nur verzögert
hat. Spätestens beim Blick auf das Mannschaftsfoto der Gäste wird deutlich, wie der Verein verstanden werden soll: Der
Star ist nicht die Mannschaft, auch nicht bundesligaerfahrene Spieler wie "Zecke" Neuendorf Stefan Leitl, selbst Trainer
Horst Köppel steht im zweiten Glied. Bei Ingolstadt 04 gilt einzig und allein: Der Star ist der Sponsor.
Aber kommen wir zum Spiel: Den Spielern des FCC war von Beginn an anzumerken, dass die Geschehnisse außerhalb
des Platzes nicht völlig verdrängt werden konnten, jedenfalls waren die Gäste aus Ingolstadt von Beginn an
die spielbestimmende Mannschaft. Bereits in der ersten Minute kommen die Gäste gefährlich vors Jenaer Tor, die
Flanke von Leitl kann Buchner aber nicht verwerten. Nur wenige Augenblicke später versucht der rehabilitierte Ziegner
einen Rückpass zu Carsten Nulle, der Ball ist allerdings beinahe zu kurz und bringt Nulle erstmals in Bedrängnis.
Dank einer schnellen Reaktion kommt er allerdings noch vor dem Ingolstädter Spieler an den Ball und kann die Situation
klären. Dennoch blieben die Gäste dominant und kamen noch in der zweiten Minute nach einer Keidel-Flanke durch
Buchner zur nächsten Chance, auch dieser Kopfball verfehlte das Jenaer Tor aber knapp. Erst nach diesen drei Aufregern
konnten die Jenaer Fans erstmals durchatmen; auch wenn die FCC-Elf sich keine eigenen Chancen erspielen konnte, gelang es
nun immerhin, die Gäste vom eigenen Tor fernzuhalten. Dennoch wirkten die Gäste auf dem vom Regen getränkten
Rasen stets spritziger und technisch versierter und konnten mit einfachen Doppelpässen immer wieder schnelle
Vorstöße einleiten, die zum Glück für die Jenaer Elf nicht mit letzter Konsequenz ausgespielt
wurden. Wenn die Ingolstädter doch einmal den Abschluss fanden, war dann allerdings Carsten Nulle zur Stelle,
der insgesamt eine überzeugende Partie ablieferte. Auch nach einem Schuss von Karl aus rund zehn Metern war
Nulle zur Stelle und konnte per Fußabwehr klären. Nach knapp einer halben Stunde kamen auch die Jenaer
erstmals zu so etwas ähnlichem wie einer Torchance, als Patrick Amrhein auf der rechten Außenbahn vor
dem unnötigerweise herauseilenden Ingolstädter Torhüter Lutz an den Ball kommt und an diesem auch
vorbeikommt, dann aber ausrutscht und damit das großzügige Geschenk der Gäste dankend ablehnt. Kurz
vor dem Halbzeitpfiff ist es wieder Amrhein, der an der Strafraumgrenze der Ingolstädter glücklich an den
Ball kommt, die gebotene Chance aber mit einem Schuss zur Eckfahne kläglich vergibt. Damit blieb es zur Halbzeit
beim 0:0 und obwohl die Ingolstädter nicht viele klare Torchancen erspielt hatten, waren sie doch ohne Zweifel
die gefälliger spielende Mannschaft, die eine Führung zu diesem Zeitpunkt absolut verdient hätte.
In den Minuten nach Wiederanpfiff hatte man nicht den Eindruck, als ob René van Eck der Mannschaft in der Kabine
entscheidende Impulse gegeben hat. Wieder hatten die Ingolstädter den besseren Beginn für sich: Mit zwei
Freistößen aus rund 20 Metern brachte Keidel den Jenaer Torhüter Nulle in Bedrängnis, dieser war
aber hellwach und ging in Anbetracht des glitschigen Balls zwei mal auf Nummer sicher und faustete den Ball wieder
ins Spielfeld zurück. In der 51. Minute war es wieder Karl, der die Führung auf dem Fuß hat, aber im
letzten Moment mit viel Glück von mehreren Jenaer Verteidigern am Abschluss gehindert wird. Nur zwei Minuten
später die nächste Großchance für die Gäste, nun rettet wieder Nulle gegen Leitl, der
völlig unbedrängt zum Schuss kommt - die Ingolstädter Führung schien nur eine Frage der Zeit
zu sein, von Jenaer Seite kamen wie in der ersten Halbzeit praktisch keine Impulse für das Spiel. Nach 55 Spielminuten
kam aber auch der FCC mal wieder vors Gäste-Tor, die Flanke von Truckenbrod auf Hähnge war präzise und
gefühlvoll getreten, allerdings war auch Gäste-Torwart Lutz auf dem Posten und konnte mit den Fäusten
vor Hähnge an den Ball kommen. Zehn Minuten später war es erneut Nulle, der die letzte Rettung für das
scheinbar unverrückbare 0:0 an der Anzeigetafel darstellte. Gleich mehrere Stürmer der Gäste
scheiterten mit ihren Schussversuchen am Jenaer Keeper, bevor die Situation endlich bereinigt werden konnte.
Die rot-weiß gekleidete Marketingmaßnahme der bekannten VW-Tochter hielt bis dahin also fast, was
der Bus mit großen Lettern versprach: Der "Vorsprung durch Technik" schlug sich allerdings nur in
Spielanteilen und Torchancen nieder, das Spielergebnis zeigte sich bisher unbeeindruckt. In der Folge gönnten
sich die Gäste allerdings eine kleine Verschnaufpause und die Jenaer kämpften sich zurück ins Spiel.
Torchancen blieben zwar zunächst Mangelware, aber immerhin musste man sich in dieser Phase keine großen
Sorgen um das FCC-Tor machen. In der 72. Minute passierte dann das, was auch dem FCC schon oft genug widerfahren ist:
Die Mannschaft, die bis dahin klar unterlegen war und praktisch keine echte Torchance zu verzeichnen hatte, geht
völlig unverdient in Führung. Nach einem Freistoß aus halbrechter Position und rund 30 Metern
Entfernung ist es Abwehrmann Assani Lukimya, der als erster an den Ball kommt und diesen per Kopf ins lange
Ecke verlängern kann - 1:0 für den FCC und der Spielverlauf stand auf dem Kopf! Die Jenaer Zuschauer
hatten sich noch nicht wieder hingesetzt, da wäre beinahe der hochverdiente Ausgleich gefallen, als Buchner
per Kopf nur die Latte trifft und ein weiterer Ingolstädter seinen Nachschuss wenige Zentimeter neben den
linken Pfosten setzt. Die Angriffe der Gäste wurden nun verständlicherweise wütender und brachten
Nulle noch mehrmals in Bedrängnis. Nur zwei Minuten nach der Führung muss der Jenaer Torwart erneut per
Faustabwehr retten, nachdem ein Angreifer eine Gäste-Ecke per Volleyschuss von der Strafraumgrenze aufs Tor
brachte. Weitere drei Minuten später machte sich Nulle endgültig zum Mann des Spiels, als er einen
weiteren Freistoß von "Zecke" Neuendorf, der ansonsten unauffällig agierte, klären konnte.
Während die Gäste auf den Ausgleich drängten, zeigten die Jenaer, wie effizienter Fußball
aussehen kann: Einen hohen Ball aus dem Mittelfeld legt Amrhein per Kopf auf Melvin Holwijn ab, der sich ein Herz
nimmt und aus rund 18 Metern einfach mal draufhält. Der von Gäste-Trainer Köppel nicht ganz zu
Unrecht als "Sonntagsschuss" bezeichnete Ball schlug unhaltbar für Gäste-Keeper Lutz in der linken
Ecke ein und sicherte den Jenaer Sieg, der bis dahin noch heftig wankte.
Die Ingolstädter Bemühungen blieben auch in der Folge unbelohnt und fast hätte man den Eindruck
haben können, dass sich an diesem Tag die über 100 Jahre längere Tradition des FCC gegen den noch in
den Kinderschuhen steckenden Gast aus Ingolstadt durchgesetzt hat. Dennoch darf nicht unerwähnt bleiben, dass
der Sieg und die damit verbundenen drei Punkte sehr glücklich für René van Eck und den FC Carl
Zeiss waren, von einem verdienten Sieg kann beim besten Willen nicht die Rede sein. Entsprechend gedrückt
dürfte die Stimmung im Ingolstädter Bus bei der Heimreise gewesen sein, denn es ist ohne Zweifel bitter,
nach einem derart kraftraubenden und über weite Strecken gut geführten Spiel ohne Punkte nach Hause
fahren zu müssen. Es bleibt zu hoffen, dass die Jenaer beim nächsten Spiel in Unterhaching auch
spielerisch zu überzeugen wissen und auch in Bayern Punkte holen, bevor die bayerischen Wochen mit dem Spiel
in Regensburg hoffentlich erfolgreich beendet werden. <bh>
Kickers Offenbach - FC Carl Zeiss Jena 4:0
Tore: 1:0 Pospischil (24.), 2:0 Ulm (41.), 3:0 Mesic (78.), 4:0 Pfingsten-Reddig (88.)
- Offenbach: Wulnikowski; Huber, Hysky, Kopilas, Schutzbach;
Haas (84. Pfingsten-Reddig), Pospischil, Zinnow, Fröhlich (72. Laux);
Ulm, Mesic (81. Albayrak)
- Jena: Nulle; Fuss, Lukimya, Wuttke, Sträßer;
Holwijn (72. Kolb), Lanzaat (
, 79.),
Truckenbrod, Hähnge (46. Nagy), Orlando; Amirante
- Zuschauer: 8563
- Schiedsrichter: Thomsen (Kleve)
- Spielbericht
- Auf den Tag genau vor einem Jahr begleitete ich den FCC zum
Auswärtsspiel nach Wuppertal. "Am Tag der deutschen Einheit flossen
die Punkte von West nach Ost", beendete ich damals den Spielbericht und hoffte
jetzt auf einen vergleichbaren Spielausgang ein Jahr später.
Ein entlaufener Bulle vorm Polizeiauto auf der Hinfahrt sollte hierbei
eigentlich als Glücksbringer fungieren.
Allerdings ließen die letzten Auftritte der aktuellen Zeiss-Elf
ebenso wenig einen Feier(tags)auftritt erwarten wie die Bilanz am Bieberer Berg
mit nur einem mageren Pünktchen aus vier Spielen.
Ein Amirante-Schuss nach hundert Sekunden eröffnete
die Partie, in der Wuttke auch nach Lanzaats Rückkehr zunächst
in der Innenverteidigung blieb. Obwohl der Holländer bei seinem
Kurzeinsatz gegen Bremen alles andere als souverän gewirkt hatte,
wurde er ein weiteres Mal auf der Position vor der Abwehr neben Truckenbrod
besetzt. Sein Fehler ohne Not nach 16 Minuten ließ Pospischil von der
Strafraumgrenze aus zum Schuss kommen, Nulle bügelte aus. Es war die
zweite Chance der Hausherren in diesem Match, da sich zuvor bereits Zinnow
durch den kompletten Jenaer Strafraum gedribbelt hatte, dabei jedoch vergaß,
aufs Tor zu schießen. Auch Truckenbrod probierte es nach siebzehn
Minuten mal mit einem Schuss von der Strafraumgrenze. Wulnikowski kam mit einer
Faust an den Ball und lenkte zur Ecke. Fünf Minuten später.
Zinnows Faller nach Zweikampf mit Sträßer sah nach Schwalbe
aus, der bis dahin großzügige Schiedsrichter gab jedoch
Freistoß. Der Ball blieb in der 6-Mann-Mauer hängen, sprang
aber nach seiner ersten Bodenberührung mit ungewöhnlichem
Drall wieder zurück. Ein Lupfer in den Jenaer Strafraum, wo die Blauen
vergebens auf Abseits reklamierten, ein zur Vorlage werdendes Luftloch sowie
ein straffer Schuss auf zehn Metern führten zum 1:0.
Wie schon gegen
Bremen galt es einem Rückstand hinterher zu laufen. Genau das aber
wird zum schwierigen Unterfangen, wenn der Trainer ausgerechnet vor diesem
Spiel klammheimlich zur Ein-Stürmer-Taktik zurückgekehrt ist,
die schon im Jahr zuvor für Unverständnis und Erfolglosigkeit
gesorgt hatte. Sebastian Hähnge ("Ich erwarte mehr von mir und die
Leute auch") blieb nach dem Rückstand weiterhin konsequent im
zentralen Mittelfeld und versuchte sich erfolglos als Ballverteiler für
die einzige Spitze Salvatore Amirante. Da auch Melvin Holwijn sowie Orlando auf
den Außenpositionen nichts rissen, verwalteten die Hessen ihren
knappen Vorsprung ohne große Mühe und lauerten auf den möglicherweise
vorentscheidenden Fehler des Kontrahenten. Den gab es dann auch in Form eines
Jenaer Fehlpasses wenige Meter vorm Anstoßkreis. Dass er Lukimya
unterlief, einem der wenigen beständig guten Spieler während
der letzten Wochen, werteten einige Fans später als Zeichen um sich
greifender Verunsicherung in den Jenaer Reihen. Jedenfalls nutzte David Ulm das
Geschenk zu einem Solo durch die Jenaer Hälfte, um das Leder dann aus
gut zwanzig Metern über Nulle hinweg ins Tor zu heben. Sehenswert, mit
wie viel Gefühl im Fuß Ulm diesen Treffer markierte. Carsten
Nulle eine Mitschuld zu geben, wäre aber wohl verfehlt. Wie sollte er
ahnen, dass seinen Vorderleuten im Spielaufbau ein solcher Patzer unterläuft
? Unser Keeper schlich nach dem Pausenpfiff als Letzter vom Platz, begleitet
von Schmährufen der OFC-Anhänger, die in einem bekennenden
Sympathisanten von Eintracht Frankfurt so etwas wie ihren natürlichen
Feind sehen.
Drei Jahre zuvor war es einer Jenaer Mannschaft an gleicher
Stelle mal gelungen, aus einem 0:2-Pausenrückstand noch ein Remis
werden zu lassen. Um eine Wiederholung dessen herbei zu führen,
stellte van Eck während der Pause mehrfach um. Nagy kam für Hähnge
rein, begab sich wie gewohnt nach links und schickte Holwijn auf die andere
Seite. Aus Orlando wurde doch noch ein zweiter zentraler Stürmer.
Dahinter tauschten Lanzaat und Wuttke ihre Positionen aus der ersten Hälfte,
rückte Truckenbrod ein Stück weiter nach vorn. Der OFC ließ
die Gäste nach Wiederanpfiff zunächst gewähren. Als
sich die Hausherren dann doch mal wieder zu einem eigenen Angriff entschlossen,
brachte der schnelle Gegenstoß endlich mal wieder Gefahr. Durch vier
Abwehrbeine hindurch legte Orlando für Amirante auf, der schoss aus
der Drehung jedoch genau zu Wulnikowski. Der Ball von Nagy drei Minuten später
versprach mehr Erfolg, strich aus 19 Metern Torentfernung aber knapp am rechten
Pfosten vorbei. Eine weitere Steigerung erfuhren Jenas Bemühungen um
den Anschlusstreffer schließlich in Minute 69. Wiederholt versuchte
sich Truckenbrod an einem Fernschuss, selten zuvor aber war das Geschoss von
jener Güte wie diesmal. Aus 17 Metern volley abgefeuert, flog das
Leder oben ans Gebälk, dass es nur so krachte.
Die Hausherren hatten
offensiv nach dem Wechsel überhaupt noch nichts gezeigt. Doch mit
ihrem ersten gelungenen Angriff in Halbzeit zwei, bezeichnenderweise einem
Konter, sorgten sie fünfzehn Minuten vor Schluss für die
Entscheidung. Ulm legte an Sträßer vorbei in die Mitte ab,
wo Quido Lanzaat seinem Gegenspieler Mesic nicht hatte folgen können. 3:0. Dass Jenas
Abwehrchef eben jenem Mesic kurz darauf in die Hacken trat, roch nach Frustfoul
und wurde mit der Roten Karte geahndet. Und als hätte das alles nicht
schon gereicht, flog auch noch der Schuss des eingewechselten Pfingsten-Reddig
genau ins linke untere Eck. "Vier zu Nulle", höhnte es nach Ende der
zweiten 45 Minuten von der Offenbacher Fangeraden.
Dass dem OFC eine durchschnittliche Leistung zu einem derart
klaren Sieg reichte, sollte in Jena die Alarmglocken schellen lassen. Was nutzt
ein sich steigernder Truckenbrod, ein auf allen Positionen sein Ding machender
Wuttke - sie sind nun mal keine Antreiber, die den tödlichen Pass
spielen können. Genau so einer fehlt dem Zeiss-Spiel aber zunehmend.
Es scheint deshalb an der Zeit, die Verbannung Torsten Ziegners zu beenden.
Zwar ist nicht garantiert, dass es mit ihm schlagartig besser laufen wird. In
einer Phase, wo die Jenaer Mannschaft in ihren Leistungen nicht mehr nur
stagniert, sondern abzubauen beginnt, müssen jedoch ausnahmslos alle
Alternativen ausgelotet werden, die der Kader hergibt ! Es wird Zeit, sich mal
wieder gemeinsam an einen Tisch zu setzen. <fc>
FC Carl Zeiss Jena - SV Werder Bremen II 2:2
Tore: 0:1 Testroet (32.), 1:1 Orlando (52.), 1:2 Testroet (80.), 2:2 Amirante (82., FE)
- Jena: Nulle; Sievers (70. Fuss), Lukimya, Wuttke, Sträßer;
Eckardt, Truckenbrod, Hähnge, Nagy (46. Amirante); Kolb (74. Lanzaat),
Orlando
- Bremen: Wiedwald; Hessel, Gerdes, Stallbaum, Andersen; Ronneburg,
Ayik, Menga, Feldhahn; Testroet, Oehrl
- Zuschauer: 6062
- Schiedsrichter: Blos (Köngen)
- Spielbericht
-
Keiner weiß warum, doch in den vergangenen Jahren
hatte der FC Carl Zeiss mit den zweiten Mannschaften von Bundesligavereinen so
seine liebe Mühe. Mittlerweile sind drei von vier Hinrundenpartien gegen die
U23-Teams gespielt, mit zwei Siegen und einem Remis gestaltet sich die
Saisonzwischenbilanz ungewohnt positiv. Doch egal in welches Gesicht man auf
Jenaer Seite nach Abpfiff des Bremen-Spiels blickte - Zufriedenheit schaut
anders aus.
Daran hatte die erste Halbzeit einen gewichtigen Anteil.
Denn es war ein äußerst müder Kick, den 6062
Zuschauer (darunter exakt zwei Dutzend Bremer Fans) während der ersten
45 Minuten geboten bekamen. Dass es nach gut einer Viertelstunde Beifall gab für
einen ins Sturmzentrum gespielten Ball, den Kolb als eine von zwei Spitzen gar
nicht erreichte, mag als Beschreibung für das Niveau in der
Anfangsphase genügen. Eine Freistoßvorlage, die Wiedwald
gegen die Sonne blickend im zweiten Zupacken fing, war die einzige Szene, in
welcher ein Torhüter überhaupt
eingreifen musste. Beim ersten gelungenen Angriffszug nach
zwanzig Minuten stand Hähnge knapp im Abseits. Kurz darauf spielte
Rene Eckardt zwar schön Doppelpass mit Orlando, stolperte danach aber über
seine eigenen Beine. Und bei Lukimyias flacher Hereingabe erkannte der
freistehende Kolb in der Mitte die Situation zu spät. So blieb ein
satter 23-Meter-Schuss von Jens Truckenbrod, den Bremens Keeper über
die Latte lenkte, die einzig wirkliche Torchance
in Hälfte eins. Die Gästebilanz vor der Pause hätte
sich sogar noch ärmlicher gelesen, wenn Testroet im Gegenzug nicht der
Führungstreffer gelungen wäre.
Begünstigt wurde er durch einen Fehler von Jan-Andre
Sievers, welcher den Torschützen unbedrängt den Ball annehmen
ließ und dann nicht hinterher kam. Nach einer überzeugenden
Leistung im letzten Heimspiel gegen Burghausen blieb der Neuzugang aus Emden
damit das zweite Match in Folge hinter den Erwartungen zurück, wurde
später auch ausgewechselt.
Doch zunächst war es Nagy, der in der Kabine
bleiben musste. Mit der Hereinnahme von Amirante wechselte Orlando ab Beginn
der zweiten Halbzeit auf die Linksaußenposition. Eine Umstellung, die
sich sofort bezahlt machte. War der Holländer bei seinem energischen
Antritt von der linken Seite Richtung Zentrum doch nur mit unfairen Mitteln zu
bremsen. Freistoß, 25 Meter Torentfernung. Ein paar der
Stammzuschauer des FC Carl Zeiss werden es bemerkt haben, dieses ungewöhnliche
Positionieren Jenaer Spieler im Rudel neben der gegnerischen Mauer. Von dort lösten
sich wie auf Kommando vier Blaue bei der Freistoßausführung
und rannten in den Sechzehner hinein. Truckenbrod schoss nicht direkt, sondern beförderte
das Leder lang vor zu Orlando, welcher aus fünf Metern volley zum
Ausgleich traf. 1:1 - eine eben erst im Training einstudierte Freistoßvariante
hatte auf Anhieb funktioniert ! Damit lösten
sich endlich einige der im bisherigen Spielverlauf eingebauten Bremsen.
Salvatore Amirante zog auf 30 Metern ab, Wiedwald lenkte das Leder um den
Pfosten (54.). Der Schlenzer von Feldhahn auf der anderen Seite flog nur knapp
nebens Tor (56.). Und dass Kolb die schöne Vorarbeit von Orlando
lieber selbst verwertet hätte, statt auf Eckardt zu spielen, war ihm
hinterher auch klar.
Sie bildeten die stärkste Phase in einem mäßigen Jenaer Spiel,
jene gut zwanzig Minuten nach dem Ausgleichstreffer. Sogar Sebastian Hähnge,
bekanntlich nicht der Allerschnellste, ging hier mal aus einem Sprintduell als
Sieger hervor. Den Gästen darf man bescheinigen, ebenfalls die
Offensive gesucht und so zu einer deutlich spannenderen zweiten Halbzeit
beigetragen zu haben. Beim Schuss des Deutschtüren Ayik reagierte
Carsten Nulle im Tor hervorragend.
Dann war noch eine Viertelstunde zu spielen und Orlando hatte wieder
seinen Auftritt. Es ist beileibe nicht so, dass hier Jenas Schnellstem eine
durchgängig überzeugende Leistung bescheinigt werden soll.
Manches wirkt schon zu sehr auf Show getrimmt, zwischendurch taucht er auch mal
ab und nach hinten lässt er eh lieber andere ackern. Doch klar ist
auch - ohne Orlando wäre das Jenaer Spiel um viele Attraktionen ärmer
! Klasse, wie er in Minute 76 zwei Werder-Verteidiger förmlich stehen
ließ und den Blick für den freistehenden Nebenmann hatte. Es
war Salvatore Amirante, der in zehn Metern Torentfernung sofort abschloss - und
an einem Abwehrbein hängen blieb.
Das Tragische an diesem Spiel ist aus Jenaer Sicht, dass
immer im Anschluss an eine knapp vergebene Großchance die Quittung in
Form eines Gegentreffers folgte. Hatte Pascal Testroet schon vor der Pause
direkt nach Truckenbrodts Schuss getroffen, verging auch nach Amirantes Möglichkeit
nicht viel Zeit, bis Bremens Spieler mit der Nummer 43 zum Erfolg kam. Dabei
profitierte er wiederum von einem fehlenden Gegenspieler - der eingewechselte
Benjamin Fuss war an der Strafraumgrenze ausgerutscht. Unter dem Körper
Carsten Nulles hindurch flog der Ball ins Netz. Und nun ? Waren nur noch zehn Minuten
Zeit für Jenaer Bemühungen um den abermaligen Ausgleich.
Scheinbar unbeteiligt steht Orlando nach dem Anstoß an jener Stelle,
wo Mittel- und Außenlinie aufeinander treffen. Genau da wird er angespielt,
nimmt ein paar Meter lang Fahrt auf und legt dann den Turbo ein. Gerdes hatte
sich diesmal vorgenommen, ihm im Sprintduell Paroli zu bieten - auch er war
chancenlos und wusste sich deswegen nur mit einem Rempler im Strafraum zu
helfen. Elfmeter. Als Amirante sich vor Sträßer den Ball zur
Ausführung schnappte, stockte vielen der Atem - hatte der nicht schon
einmal.... ? Noch ehe der Gedanke zuende gebracht wurde, hatte Salvatore den
Werder-Schlussmann in die andere Ecke geschickt und zum 2:2-Endstand getroffen.
Zweimal war der FCC nach Rückstand wieder gekommen.
Doch wie eingangs schon erwähnt -
Zufriedenheit sieht anders aus. Mannschaftskapitän Nulle ärgerte
sich über die beiden Gegentreffer sowie "Negativeinflüsse von
außen", mit denen wohl Pressespekulationen über Notverkäufe
von Leistungsträgern in der Winterpause gemeint sein dürften.
Und Trainer van Eck monierte die Vorstellung seiner
Mannschaft vor der Pause. Zurecht, denn dadurch sind zwei Punkte gegen
talentierte, aber durchaus schlagbare Bremer verschenkt worden. <fc>
Eintracht Braunschweig - FC Carl Zeiss Jena 2:1
Tore: 0:1 Orlando (46.), 1:1 Kruppke (62., HE), 2:1 Kragl (69.)
- Braunschweig: Petkovic; Fuchs, Brinkmann, Dogan, Boland; Pfitzner, Danneberg,
Kruppke (86. Banser), Kragl (77. Theuerkauf); Onuegbu, Calamita (60. Morabit)
- Jena: Nulle; Sievers, Lukimya, Wuttke, Sträßer (56. Riemer); Truckenbrod, Holwijn (

, 71.)
Hähnge, Nagy (79. Kolb); Mayombo (66. Amirante), Orlando
- Zuschauer: 12.200
- Schiedsrichter: Achmüller (Bad Füssing)
- Spielbericht
-
Der zehnte Spieltag bringt das Auswärtsspiel in Braunschweig auf den Plan und da die Stammautoren dieser
Seite offensichtlich angesichts der letzten Ergebnisse von 0:3 bis 6:0 die Adjektive auszugehen scheinen darf
ich mal wieder ran, als es gilt in Niedersachsen den Platz im oberen Tabellendrittel zu sichern.
Für die erste kleine Überraschung im Gästeblock sorgt Trainer Rene van Eck, der statt des zuletzt stark
auftrumpfenden Stefan Kolb oder des wieder spielberechtigten Amirante, mit Mayombo einen Stürmer in der
Startaufstellung aufbietet, der zuletzt suspendiert worden war, lediglich in der zweiten Mannschaft
spielte und dessen letzter Pflichtspieleinsatz in der Ersten bereits vier Monate zurückliegt. Neben ihm
soll Orlando für den nötigen Angriffsdruck sorgen, während Sebastian Hähnge auf der offensiven Mittelfeldposition
die beiden Stürmer mit Bällen versorgen soll. Und es beginnt gut: Bereits in der ersten Minute kann Orlando über
die linke Seite die Braunschweiger Abwehr überlaufen, scheitert jedoch an Torwart Petkovic. In der Folgezeit
kann der FCC eine optische Überlegenheit erarbeiten - "kontrolliert Ball und Gegner" - wie man so schön sagt, ohne
dabei übermäßig torgefährlich zu werden. Mayombo wirkt dabei aber noch engagierter, als sein Sturmpartner. Die Blau-Gelben
aus Niedersachsen kommen erst nach cirka zwanzig Minuten besser zu Rande und beginnen einzelne Konter zu setzen, die in einem
durch die Mitte angespielten Calamita gipfeln, der aber, völlig frei vor Nulle auftauchend, an diesem scheitert. Damit hat es
sich dann aber auch mit dem Braunschweiger Offensivdrang für die erste Hälfte und die Jenaer Viererkette in der Abwehr kann
wiederholt mit starkem Zweikampfverhalten (Wuttke, Sträßer) die gegnerischen Angreifer "abkochen". Für den eigentlichen
Gesprächsstoff der Halbzeitpause unter dem Jenaer Anhang sorgt Amirante, der bereits kurz vor der Halbzeitpause sich zum
Aufwärmen hinter das Tor von Nulle begibt.
Die zweite Hälfte beginnt mit einem Paukenschlag der angenehmeren Sorte, als Holwijn wunderschön auf der rechten
Seite lang durch Sträßer angespielt wird, im spitzen Winkel auf das Petkovic-Tor zusteuert, scheinbar die lange Ecke
mit seinem Schuß anvisiert, es aber verfehlt, bevor Orlando am langen Pfosten den Ball erreicht und ihn gekonnt flach
über die Linie drückt.
Die Wende im gesamten Spiel wird eingeläutet, als Sträßer in der 56. Minute, leicht humpelnd, verletzt ausgewechselt
werden muss. Die bis dahin äußerst souverän wirkende Jenaer Abwehrviererkette wird mit Marco Riemer wieder aufgefüllt
und ist fortan kaum noch wieder zu erkennen. Obwohl sowohl bei der Entstehung des Elfmeters (aus dem Gästeblock schlecht
einzusehendes Handspiel Riemers), als auch bei der Entwicklung des Führungstreffers ein gehörige Portion Glück für die
Niedersachsen im Spiel ist, kommt man nicht umhin festzustellen, daß vor allem die Jenaer Elf plötzlich den Faden verlor.
Als Holwijn in der 72. Minute diese "schwarze" Viertelstunde für den FCC mit einem Foul an der Mittellinie und nachfolgendem
Ballwegschlagen abschließt, ist die Partie quasi gelaufen. Nur noch zu Zehnt gelingt es nun nicht mehr die Eintracht noch
mal in Bedrängnis zu bringen. Die Braunschweiger lassen sich nun auch nicht mehr aus der Defensive locken und glänzen im
Vorwärtsgang in den letzten zwanzig Minuten lediglich mit einem gefühlten Dutzend Fehlpässen. Auch der Versuch von van Eck,
mit der Einwechslung von Kolb, mit einem Dreiersturm noch einmal auf den Ausgleich zu gehen verpufft relativ wirkungslos.
Ein Sieg in Braunschweig wäre, meiner Meinung nach, für den FC Carl Zeiss Jena ohne weiteres zu realisieren gewesen,
wenn man nach dem Führungstor, das zu einem äußerst günstigen Zeitpunkt fiel, weiter aggressiv die Entscheidung gesucht hätte
und sich mit dem Ausgleich nicht so aus dem Takt hätte bringen lassen. Nicht Eintracht Braunschweig hat gewonnen, sondern
der FCC hat verloren. Und zwar, weil man den Gegner zurück ins Spiel brachte, den der "Ringrichter" schon bis zur "9"
ausgezählt hatte. Schade drum.
Nachtrag: Die Stadt Braunschweig bietet den per Zug anreisenden Gästefans einen kostenlosen Bustransfer vom Bahnhof zum
Stadion an. Soweit so gut. Warum man aber nicht die ca. 6 km lange, direkte Strecke durch die Stadt nimmt, sondern den
Gästefans eine ca. 20-minütige Strecke über die ortsansässigen Autobahnen anbietet, scheint schleierhaft. Ich
habe diese "Stadtrundfahrt" jetzt insgesamt viermal genossen und hätte beim nächsten Mal gern eine andere Route. Danke im voraus.
<tn>
FC Carl Zeiss Jena - SV Wacker Burghausen 0:0
Tore: Fehlanzeige
- Jena: Nulle; Sievers, Wuttke, Lukimya, Sträßer;
Nagy (74.Holwijn), Truckenbrod, Riemer, Eckardt, Hähnge, Kolb (62.Orlando)
- Burghausen: Riemann; Wolf, Hertl, Kokocinski, Kresin, Nebihi (84.Schmidt), Burkhard, Grübl (73.Belleri),
El Haj Ali, Gorka, Cappek (89.Holz)
- Zuschauer: 6948
- Schiedsrichter: Sönder (Lübeck)
- Spielbericht
-
Dritter gegen Vierter - vom Papier her das Topspiel des heutigen Tages in der dritten Liga. Sonne pur und warme Temperaturen
waren beste Vorraussetzungen, um dem Spitzenspiel auch einen würdigen Rahmen zu verleihen. Die Partie musste eine
Viertelstunde später angepfiffen werden, da die Gäste bei Ihrer Anreise aus dem Hotel in Stadtroda infolge einer
Bombendrohung im Stau standen, und dadurch nicht rechtzeitig eine Stunde vor Spielbeginn im Stadion sein konnten.
Die erste gute Aktion des Spiel leitete Jenas Abwehrspieler Sträßer ein, der mit einem herrlichen Diagonalpass
René Eckardt bediente, doch dessen Schuss in der siebenten Minute stellte für Keeper Riemann keine echte Gefahr dar.
In der 18. Minute nutzte Truckenbrodt einen Ballverlust der Gäste aus und prüfte Riemann mit einem Schuss aus der zweiten
Reihe, doch leider landete der Ball genau in den Armen des Schlussmannes. Nach der doch spielerisch armseligen Partie in Kiel
wusste der FCC am heutigen Tage zu gefallen und kontrollierte im gesamten Spielverlauf die Partie. Doch auch mit schönen
Kombinationen und Ballstafetten im Mittelfeld blieben die Torchancen auf Jenaer Seite Mangelware. Die Burghausener, die infolge
einer Grippe auf vier wichtige Spieler verzichten mussten, stellten sich konsequent hinten rein, so dass es für die Jenaer
recht schwierig war, in der dicht gestaffelten Abwehr eine Lücke zu finden. Erst nach gut einer halben Stunde die nächste
Tormöglichkeit für die Jenaer. Hähnge hatte per Kopfball in den Lauf von Youngster Kolb verlängert, doch obwohl
Riemann in dieser Aktion zu weit vor seinem Kasten stand, konnte Kolb diese gute Torchance nicht nutzen und ballerte über das Tor.
Auch nach der Pause änderte sich das Spiel nicht gravierend. In der 51. Minute versuchte sich Sievers mit einer hohen Flanke in
den Strafraum, der Ball wurde lang und länger und fiel zur Verwunderung des Gästekeepers hinter ihm aufs Tornetz. Mit etwas
Glück hätte diese Flanke auch zum erneuten Tor des Monats avancieren können. Gut eine Stunde war vorbei und ein Jubel
auf den Rängen machte sich breit, als Publikumsliebling Orlando für Kolb eingewechselt wurde. Manch einer machte sich
Gedanken, warum und weshalb dieser nicht von Anfang an spielen durfte. Doch Trainer van Eck machte in der anschließenden Pressekonferenz
alle Gerüchte zunichte, als er gleich als erstes vermeldete, dass Orlando im am Vorabend ihm mitgeteilt habe, dass er sich für ein
komplettes Spiel nicht fit fühle. Doch als er den Rasen betrat, spürte man noch einmal einen Ruck durch die Jenaer Mannschaft gehen.
Er war es auch, der in der 71. Minute gleich eine gute Einschusschance hatte, doch leider kam er einen Schritt zu spät und rutschte
einschussbereit knapp am Ball vorbei. Eine Viertelstunde vor dem Ende donnerte Nulle einen super weiten Abschlag heraus, der Ball sprang
vor Orlando auf, doch leider konnte er diese Gelegenheit nicht verwerten oder den Ball zumindest unter Kontrolle nehmen. Die Abwehr der
Gäste stand weiter recht sicher, so dass es die Spieler des FCC nun immer mehr mit Einzelaktionen probierten, die aber allesamt nichts
einbrachten. Höhepunkt des Spiels war zweifelsohne die 82. Minute, in der bereits die Jenaer Fans von ihren Sitzen aufsprangen. Doch
leider stand Orlando das Glück am heutigen Tag nicht zur Seite, denn sein gut getimter Kopfball nach Flanke vom starken Sievers klatschte
an den Innenpfosten, von wo er anschließend direkt in die Arme des Keepers sprang. Da war sie, diese eine 100% Möglichkeit, doch
leider sollte es auch die letzte nennenswerte Aktion gewesen sein.
Mit einer Minute Nachspielzeit pfiff Schiedsrichter Tim Sönder das Topspiel der 3.Liga ab, was es leider nicht geworden war. Die Gäste
waren am Ende mit diesem Punkt hochzufrieden, während die Zeiss-Kicker mit hängenden Köpfen den Rasen verließen. Denn jedem
war nach der Partie klar, dass es selten so leicht gewesen sei, heute die ansonsten starken Kicker von Wacker Burghausen zu bezwingen. Auch wenn
viele Trainer und Verantwortliche eine Einzelkritik nicht unbedingt mögen, so muss doch am heutigen Tage die gesamte Abwehr mal explizit
hervor gehoben werden. Besonders die beiden Außen mit Sträßer und Sievers taten sich heute besonders hervor und ermöglichten
den Gästen während der gesamten Spielzeit keine nennenswerte Torchance.<vg>
Bilder auf fcc.weissenburger.de
Bericht auf fussball.sv-wacker.de
Holstein Kiel - FC Carl Zeiss Jena 0:1
Tore: 0:1 Kolb (72.)
- Kiel: Frech; Lamprecht, R. Müller, Schyrba, Meyer, K.Schulz, Holt,
Jerat (80. Siedschlag), Sembolo, Sykora (9. Guscinas), Heider (66. Stier)
- Jena: Nulle; Sievers, Wuttke, Lukimya, Sträßer;
Nagy (90. Fuss), Truckenbrod, Eckardt, Riemer, Orlando (64. Kolb), Hähnge (87. Petersen)
- Zuschauer: 4511
- Schiedsrichter: Dittrich (Bremen)
- Spielbericht
-
Mit Müller, Hasse und Sykora stehen gleich drei Ex-Jenaer im Kader der Kieler. Aber Hasse war gar nicht im Aufgebot
und Fiete Sykora musste bereits in der 9. min verletzungsbedingt ausgewechselt werden und konnte so gegen seinen
Ex-Club keinen Schaden anrichten. Bis zu diesem Zeitpunkt gab es bereits die ersten aufregenden Situationen vorm
Jenaer Tor. Kiel begann von Anpfiff an offensiv und setzte die Gäste unter Druck. Im Großen und Ganzen
stand Jenas Abwehr, stark unterstützt von den vier Mittelfeldspielern und Hähnge, relativ gut. Wenn man
aber 80 der 90 Spielminuten quasi mit dem Rücken an der Wand, sprich im eigenem Strafraum steht, ist es klar,
dass die Torchancen für die Gastgeber nicht ausbleiben. Vor allem bei Ecken konnte man immer wieder die Luft
anhalten. In der 5. min wehrte Nulle einen Kopfball Haiders aus 3 m Torentfernung zur nächsten Ecke ab. Diese
konnte von Orlando nicht geklärt werden und so hatte Robert Müller die Gelegenheit, seine ehemaligen
Mannschaftskollegen per Fernschuss (der aber in der vielbeinigen Abwehr hängenblieb) zu erschrecken. Nach
einem Stolper Riemers musste sich Lukimya, der wieder eine sehr gute Partie spielte, im letzten Moment in einen
Schuss werfen und zur Ecke klären. Diese führte zu einem Kopfballaufsetzer, gegen den wohl auch Nulle
keine Chance gehabt hätte, aber der Ball ging über die Torlatte. Ganz stark bei den Kielern war in der
Anfangsviertelstunde Sembolo, der ein paar Mal den Jenaern Knoten in die Beine dribbelte. Nachdem aber Sträßer
ihn mal etwas energischer bremste, wurde der auch ruhiger. Nach ein paar Minuten relativer Ruhe musst Nulle, wiederum
nach Ecke, sehr energisch den Ball (samt Gegner) wegfausten, um Schlimmeres zu vermeiden (25.). Nochmals zehn Minuten
danach hatten die Heimzuschauer den Jubelschrei auf den Lippen: Ein weiter Einwurf von rechts wurde verlängert
und den folgenden Kopfball Holts erwischte Nulle mit sensationellem Reflex gerade noch so. Holstein ließ den
Ball in dieser Phase schnell laufen und spielte oft direkt ab. Allerdings ging es zumeist nur bis zur Strafraumgrenze,
an der eine gelbe Wand sie aufhielt. Und so probierte es Sykora-Ersatz Guscinas aus 20 Metern mit einem Fernschuß,
der jedoch nur die Latte traf und die Zuschauern aufstöhnen ließ. Zur Pause konnte man über das
Unentschieden heilfroh sein, denn die Angriffsbemühungen des FCC konnte man bis dahin mit der Zahl "Null" beschreiben.
Nach der Pause ging es wie gehabt weiter, lediglich die Spielhälfte, in der sich alles abspielte, änderte sich.
Allerdings war Holstein jetzt so nett und verzichtete fast völlig auf das Spiel über die Flügel. 7,32 m ist
die Torbreite und ungefähr ebenso breit war der Korridor an Jenas Strafraumgrenze, durch den die "Störche" ihre
Angriffe versuchten. Die Jenaer Abwehrspieler hatten dadurch eigentlich ein leichtes Spiel, wurde doch einmal einer ausgetanzt,
so standen garantiert gleich zwei weitere Gelbe dahinter und klärten. Nur bei einem Fernschuss Lamprechts von rechts
außen (52.) und einem abgefälschten Freistoß (55.) kam der Ball mal in Nulles "Sichtweite", der Rest
waren Kinkerlitzchen. Nach vorn blieb alles unverändert, es ging nichts. Kam man doch einmal über die Mittellinie,
so war es ziemlich sicher, dass Orlando im Rücken der Abwehr im Abseits stand. In der 60. min dann hatte der FCC
mal eine Chance auf einen aussichtsreichen Angriff, aber Orlando rannte mit gesenktem Kopf in zwei Gegner hinein und
übersah den mitgelaufenen und freistehenden Hähnge. So konnte das nichts werden und folgerichtig kam in der
65. Minute Kolb für Orlando. Schon die ersten Zweikämpfe Kolb sahen völlig anders aus als Orlandos
Vorstellung: Der Achtzehnjährige ging in die Zweikämpfe, setzte bei Ballverlust sofort nach und steckte
nie auf. Mir rutschte da ein "Dem Kolb gönne ich ein Tor, der hat schon gegen Dortmund so gut gespielt" heraus
(wenn die Weissagung der Lottozahlen nur ebenso klappen würde…). Drei Minuten nach dem Wechsel (in der 68. min!!!)
hatte der FCC seinen ersten Torschuss, aber Truckenbrods Geschoss ging knapp am langen Pfosten vorbei. Der nächste
Kieler Angriff wurde kurz hinter der Mittellinie abgefangen und der FCC hatte eine perfekte Konterchance in 3:2-Überzahl,
jedoch vergeigte Riemer diese Gelegenheit kläglich. Kurz danach bekam Hähnge auf der rechten Seite den Ball,
ging bis zur Grundlinie, beschäftigte zwei Gegenspieler und spielte mit der Hacke auf den mitgelaufenen Eckardt.
Der schickte seinen Gegenspieler und bediente - wie schon in vorhergehenden Spielen - mit einer maßgenauen
Zuckerflanke den in der Mitte wartenden Mitspieler. Diesmal war es Kolb, der sich die Chance nicht entgehen ließ
und zur überraschenden Führung des FCC einnickte und auf der Gegentribüne für eisiges Schweigen um
mich herum sorgte (ich jubelte solo *g*).
Das Spiel war gekippt. Die "Störche" hatten einen gewaltigen Knacks bekommen,
denn sie versuchten zwar in der verbleibenden Zeit mit viel Einsatz und Elan, dieses Resultat zu reparieren, aber lediglich
ein weiterer Lattentreffer wiederum durch Guscina sorgte für Aufregung. Im Gegenteil, mit etwas Cleverness hätte
Jena jetzt den berühmten Sack zubinden könne, aber zunächst war nach Doppelpass Eckardt - Hähnge der
Kieler Torwart einen Tick schneller am Ball als Eckardt (85.) und dann fehlte Truckenbrod einfach die Kaltschnäuzigkeit,
allein vor Frech - der bis zur Strafraumgrenze herausgekommen war - mit einem Heber das 2:0 zu machen, er ballerte den Ball
voll auf den Keeper drauf. Ansonsten versuchte man ziemlich geschickt und erfolgreich, in den verbleibenden Minuten das Tempo
aus dem Spiel zu nehmen und den Ball in den eigenen Reihen zu halten.
Bis zu Kolbs Einwechslung wäre ich mit einem Punkt hochzufrieden gewesen. Der "Dreier" ist mit etwas Glück in
den ersten 70 und mit ansprechender Leistung in den letzten 20 Minuten eingefahren worden. <uk>
FC Carl Zeiss Jena - Borussia Dortmund II 2:1
Tore: 0:1 Neumeister (6.), 1:1 Lukimya (13.), 2:1 Riemer (80.)
- Jena: Nulle; Sievers, Wuttke, Lukimya, Sträßer;
Nagy (90. Petersen), Truckenbrod, Hähnge, Eckardt (85. Fuss); Orlando,
Kolb (73. Riemer)
- Dortmund: Höttecke; Koch, Eggert, Hünemeier, Neumeister;
Hille, Hasanbegovic (85. Boztepe), Tyrala, Öztekin; Ginczek (57.
Piossek), Kullmann
- Zuschauer: 6983
- Schiedsrichter: Dankert (Rostock)
- Spielbericht
-
Das Chaos beim FCC wurde gerade mal wieder etwas unübersichtlich. Nachdem
Peter Schreiber offenbar keine unbezahlten Rechnungen mehr auf seinem Wühltisch
findet (oder diese lieber wieder untendrunter steckt), fängt die
liebevoll zusammengesparte Mannschaft an sich in Wohlgefallen aufzulösen.
Der eine haut mit südländischer Besonnenheit einem Blumenzüchter
ins Gesicht, der andere wird aufgrund seiner Großartigkeit
suspendiert und der Dritte hat seine Bandscheiben nicht im Griff. Hinzu kommen
ungezählte Zerrungen und Risse diverser Muskelgruppen, schlechte
Blutwerte und Verstauchungen. Und die wenigen Verbliebenen, die sich stets gut
benommen haben und dazu gesund sind, können auch nicht mehr so
richtig. Zu groß ist der Druck nach dem Kulturarena-Debakel für
Rom, Ähnliches vollbringen zu müssen. Ernüchternde
Aussichten also für das gestrige Spiel gegen Dortmunds Zwote, zumal
die nach fünf Minuten schon in Führung lag. Neumeister hatte
die Aufwachprobleme in Jenas Deckungsverbund schamlos ausgenutzt und per Kopf
die Gästeführung hergestellt (6.). Zwar war der ursächliche
Freistoßpfiff völliger Mumpitz, gezählt hat es
trotzdem. Aber was soll's. Aus Ruinen wird auferstanden! Und überhaupt:
Bandscheibenvorfälle werden total überbewertet!
Zwar
folgte die Trotzreaktion erst nachdem Nulle das 0:2 und damit den unabwendbaren
Untergang verhindert hatte, dann aber kam die große Zeit des Rene
Eckardt. Ganz ehrlich, wenn der immer so spielen würde wie die
folgende Viertelstunde, die Nationalmannschaft wäre kein Thema. Seine
Vorlage auf Wuttke nach einer Ecke und sein Heber aus spitzem Winkel wären
bereits Treffer wert gewesen, Hötteke bekam aber beidemal noch
irgendein Körperteil dazwischen. Gegen Lukimyas Schuß aus
Nahdistanz konnte aber auch der Dortmunder Schlußmann nichts mehr
machen. Eckardt hatte Neumeister auf der rechten Seite schön zur
Schere gemacht und den Ball dann flach nach innen geschlagen. Von dort hätte
es wohl nur noch Gomez und dann auch nur im Nationaltrikot noch fertiggebracht,
das Tor nicht zu treffen. Jubeln unter Vorbehalt (13.). Ein Unentschieden
konnte hier ja nicht das Ziel sein! Dieser Vorbehalt legitimierte sich
schneller als gedacht. Mit der Gewißheit der uneingeschränkten
Überlegenheit zog sich Jena wieder aus dem Dortmunder Strafraum zurück.
Alle Maschinen Stop - im Notfall gleichen wir halt wieder aus. Zwar hatte
Eckardt nach eine Wuttke-Vorlage noch einmal die große Chance zur Führung,
sein strammer Volleyschuß fand aber den Weg ins Tor nicht und ist
jetzt wahrscheinlich ein dicker blauer Fleck auf einem Dortmunder Gesäß
(16.). Danach tickte nur noch die Uhr runter. Was dieser taktische Unsinn soll,
ist schwer zu sagen, zumal der Schwung des Ausgleichstreffers dadurch völlig
verpuffte. Die Kräfte jedenfalls hätten eigentlich noch ein
bißchen länger reichen sollen. Kurz vor der Pause hätte
sich dieses unheilvolle Fehlverhalten tatsächlich fast gerächt.
Wäre Kullmann nicht um Zentimeter an Boztepes Eingabe vorbeigerutscht,
die etwa 300 Mitgereisten Dortmunder hätten wohl unsere leise vor sich
hin tirilierende Südkurve vollends unter den Tisch gesungen. Glück
gehabt!
Nach der Pause war es vor allem Orlando, der für Aufsehen sorgte.
Inzwischen ist es für jeden Gegner offenbar ein probates taktisches
Mittel geworden, ihn einfach am Losrennen zu hindern. Ein kurzes Halten, ein
Schubser auf Höhe der Mittellinie, eigentlich ist alles besser als ihm
später hinterherzugucken. Zwei oder drei gelbe Karten werden dafür
augenscheinlich in Kauf genommen, welche die Schiedsrichter (vor allem der von
gestern) oft nicht mal geben. Wenn dann auch noch klarste Pfiffe ausbleiben,
geht mir langsam das ohnehin knapp bemessene Verständnis aus.
Stattdessen reichten auf der Gegenseite mitunter kleinste Scharmützel
aus, um aus gefährlichsten Positionen Freistöße zu
verhängen. Einer davon wäre Jena fast zum Verhängnis
geworden, als Hünemeier den hoch hineingeschlagenen Ball von Tyrala
nur knapp verfehlt, kann Nulle erst im Nachfassen das Unentschieden festhalten
(63.). Knapp! In dieser Phase überzeugt der FCC aber auch allenfalls
durch Gleichwertigkeit auf niedrigem Niveau. Die Führung kommt
dementsprechend wie aus dem Nichts. Wieder ist es Eckardt, dessen präzise
Flanke die Entscheidung bringt. Punktgenau schießt der den Ball auf
den eingewechselten Riemer, dessen Kopfstoß die vor sich hindämmernden
Fans aus der allgemeinen Lethargie reißt (80.). Nicht zu glauben! Dieses Murksspiel und dann auch noch der Riemer. Der
hatte gegen Erfurt nun wirklich einen Scheißtag erwischt. Und dann
noch das Ding mit seinem Rücken. Schön, daß es
offenbar doch nicht so schlimm war oder Bandscheibenvorfälle halt
einfach überbewertet werden (-:
Was folgt sind noch zehn zerrige Minuten Warterei plus einer unendlich
langen Nachspielzeit. Dann ist der dritte Sieg endlich in Sack und Tüten.
Glanzvoll war es nicht! Spielerisch herrschte mitunter unbeschreibliches Elend
auf dem Platz. Dazu kommen die Abstimmungsschwierigkeiten, die bei einer neu
formierten Elf aber ganz normal sind. Entscheidend aber war der größere
Wille. Das was Erfurt in Jena zum Sieg getragen hat, war gestern Jenas
Unterpfand. Die Mannschaft wollte einfach mehr. Das Derby ist damit nicht
vergessen, dieser Stachel sitzt zu tief. Aber ein Rückspiel in Erfurt
ist ja auch noch. Ein neues Spiel mit neuen Chancen. Und nächstes Jahr
wollen wir ja auch wieder in die Kulturarena... <bpf>
VfL Osnabrück - FC Carl Zeiss Jena 2:0
Tore: 1:0 Lindemann (21.), 2:0 Reichenberger (63.)
- Osnabrück: Berbig; Herrmann, Barletta, Nickenig, Krük;
Siegert, Heidrich, Lindemann, Hansen (76. Grieneisen); Reichenberger (85.
Samide), Schmidt
- Jena: Nulle; Sievers, Wuttke, Lukimya, Sträßer;
Nagy (66. Kolb), Truckenbrod, Ziegner, Holwijn (83. Eckardt); Orlando,
Hähnge
- Zuschauer: 9800
- Schiedsrichter: Aytekin (Oberasbach)
- Spielbericht
-
Der Überkreuzvergleich der bisherigen
Saisonresultate sprach von vornherein gegen den FCC: Ingolstadt hatte Erfurt
klar besiegt, Osnabrück die Ingolstädter und Erfurt am
vergangenen Sonntag....ach, lassen wir das. Fußballspiele werden
nicht mit dem Taschenrechner entschieden. Klären wir stattdessen
lieber die Frage: Was stellt eine Mannschaft am gescheitesten an, die mit
Lanzaat, Riemer, Petersen, Osadchenko sowie Ralf Schmidt gleich fünf
Ausfälle in der Abwehr zu verkraften hat ? Klar, sie spielt munter
nach vorn !
Genau das tat Jenas Elf in der Anfangsphase. Da Salvatore
Amirante nach seiner Rot-Sperre für mindestens vier Spiele von der
Bildfläche verschwunden sein wird, teilten sich die beiden Holländer
Orlando und Holwijn von außen kommend in die Rolle des zweiten Stürmers
hinein. Wobei Melvin Holwijn in seinem ersten Match von Anbeginn wesentlich mehr
auffiel. Selbst zwei Gegenspieler vermochten ihn nach fünf Minuten
nicht zu stoppen, zumindest nicht mit fairen Mitteln. Erst als Holwijn wie
nichts zwischen ihnen hindurch geschlüpft war, holte ihn der düpierte
Krük von den Beinen. Freistoß also von der rechten
Strafraumseite, lang auf die andere Seite geschlagen zu Wuttke, dieser sofort
zurück auf den vorm Tor stehenden Hähnge. Zeit zu überlegen
hatte Sebastian nicht, zwei Meter vor dem Kasten inmitten einer lila
Spielertraube handelt man sowieso besser instinktiv - wenn dann aber der Ball
Osnabrücks Keeper Tino Berbig mitten ins Gesicht fliegt, ist das
einfach nur riesengroßes Pech. Doch Jena blieb am Drücker.
Gerade mal zehn Minuten waren gespielt, als ein sichtlich
motivierter Sebastian Hähnge
diesmal von der rechten Seite kommend durchzog. Berbig verkürzte den
Winkel, Hähnge legte deshalb auf den zentral stehenden Truckenbrod ab,
doch schoss dieser aus sieben Metern weit über das leere VfL-Gehäuse.
Dies freilich war mit Pech nicht mehr zu erklären, muss doch auch von
einem defensiven Mittelfeldspieler erwartet werden dürfen, beim unbedrängten
Torschuss nicht in starke Rückenlage zu verfallen.
Ein Führungstreffer
wäre der gerechte Lohn für ansehnlichen Kombinationsfußball
in der ersten Viertelstunde gewesen. Außer einer Einzelleistung von
Jenas Ex-Kapitän Niels Hansen hatten die Gastgeber bis zu diesem
Zeitpunkt noch nichts zustande gebracht, unter anderem weil sich Tim Wuttke auf
der ungewohnten Innenverteidiger-Position gut in Jenas Viererkette einfügte.
Doch dann brach Minute 21 an. Siegert legte für Björn Lindemann
auf und der hatte als erster VfL-Spieler in diesem Match mal richtig Platz am
gegnerischen Sechzehner. Wie er den nutzte - mit einem Sonntagsschuss ins
Dreiangel - war zweifellos sehenswert. Die Führung ansich aber äußerst
glücklich. Erst jetzt kamen die Niedersachsen besser ins Spiel. Nachdem sich zwei Jenaer
gegenseitig angeschossen hatten (29.), drohte für Carsten Nulle ebenso
Gefahr wie beim Freistoß zehn Minuten später, den der Torhüter
aber auf Nummer sicher gehend über die Latte lenkte. Seinem Gegenüber
Tino Berbig, der selbst mal in Jena zwischen den Pfosten gestanden hatte und
hierher noch familäre Bindungen hat, misslang in der 40. Minute bei
einsetzendem Gewitterregen ein Abschlag, sodass Hähnge den Ball mit
einem Heber postwendend zurück brachte. Leider nur aufs Tornetz. Als
sich einige schon auf den Pausentee zu freuen schienen, gabs den ersten
erfolgreichen Antritt von Orlando. Bei dessen Eingabe von der linken Seite kam
Hähnge einen Schritt zu spät. Oder ließ er den Ball
absichtlich für Holwijn durch ? Möglich wäre es,
denn der Neuzugang hatte freie Bahn, nur -
was machte er daraus ? Halb Ballannahme, halb Torschuss, nichts von
beiden richtig, und so beförderte der Nationalspieler das Leder weit
am Pfosten vorbei ins Toraus. Zwei, drei dicke Torchancen teils kläglich
vergeben zu haben war der einzige Vorwurf, den man der Zeiss-Elf beim Gang in
die Kabinen machen konnte.
Die erste Aktion nach Wiederanpfiff war nahezu eine Kopie
der letzten Szene vor der Pause. Wieder ging Orlando auf der linken Seite auf
und davon, wieder kam Hähnge in der Mitte einen Schritt zu spät.
Nur dass diesmal kein Holwijn daneben stand. Auf der anderen Seite köpfte
Nickenig aufs Tornetz (48.). So wie sich das Spiel danach entwickelte, war
absehbar, dass es nicht bei dem einen Treffer in dieser Partie bleiben würde.
Beide Mannschaften schenkten sich nichts, noch aber fand niemand die Lücke.
Die Emotionen im Spiel übertragen sich sogar auf die Ersatzleute
hinter dem Tor. Als Sträßer bei einer Abwehraktion gehalten
wurde und somit nicht in der Lage war, den Eckball zu verhindern,
regte sich André Schmidt berechtigterweise über
den Schiri-Assistenten auf, der das Foul eigentlich hätte sehen müssen.
Die Konsequenz war die Gelbe Karte für einen Spieler, der in dieser
Saison noch nicht eine Punktspielminute in der ersten Mannschaft verbracht hat
(58.). Besagte Ecke beschwörte übrigens Gefahr durch
Reichenbergers Kopfball herauf, den Nulle wegfaustete.
Osnabrücks Stürmer-Oldie
drehte nun richtig auf. War beim Schuss in Minute 62 abermals bei Carsten Nulle
Endstation, sorgte Thomas Reichenberger schon zwei Minuten später für
die Spielentscheidung, indem er aus sieben Metern zum 2:0 traf. Ein Tor,
das Carsten Sträßer auf seine Kappe nehmen muss, vertändelte
er doch das Leder im eigenen Strafraum ohne Not gegen Hansen, der dann
Reichenberger ins Spiel brachte. Zwar hatte eine Jenaer Mannschaft schon einmal
im Osnabrücker Stadion das Kunststück fertig gebracht, aus
einem 0:2 noch ein Remis werden zu lassen - doch die Körpersprache
nach dem zweiten Gegentreffer zeigte an, dass sich das diesmal nicht
wiederholen würde. Weshalb ein über 70 Minuten recht intensiv
geführtes Spiel die verbleibende Zeit gemächlich austrudeln
durfte.
Die Art und Weise, wie diese Niederlage zustande kam, war
eine ganz andere als eine Woche zuvor. Kein Vergleich mit dem fast
hergeschenkten Derby. Und doch gerät die Mannschaft nach einem Punkt
und null Treffern aus den letzten drei Partien in Zugzwang. Schon im nächsten
Spiel muss der Schalter wieder umgelegt werden, soll eine weitere Spielzeit in
den Tabellenregionen der Vorsaison vermieden werden. <fc>
FC Carl Zeiss Jena - FC Rot-Weiß Erfurt 0:3
Tore: 0:1 Kammlott (1.), 0:2 Semmer (40.), 0:3 Kammlott (55.)
- Jena: Nulle; Sievers, Riemer (46.Petersen), Lukimya,
Sträßer; Nagy (46. Hähnge), Truckenbrod, Ziegner, Eckardt
(68. Holwijn); Smeekes, Amirante (
, 59.)
- Erfurt: Orlishausen; Malura (

, 59.), Pohl, Möckel,
Ströhl; Cinaz, Rockenbach da Silva, Stenzel, Hauswald (84. Pinske); Semmer (64. Peßolat),
Kammlott (78. Cannizzaro)
- Zuschauer: 11.200
- Schiedsrichter: Leicher (Landshut)
- Spielbericht
- Ein paar Worte vorweg, zu den wenigen positiven Aspekten dieses Spiels:
Endlich,endlich, endlich hat es der Verein einmal geschafft, die Stadiontore mit
ausreichend Leuten zu besetzen, um einen flüssigen Einlass zu gewährleisten.
Man mag sich gar nicht ausmalen, wieviele frustrierte Zuschauer des FCC in
den letzten Monaten nicht wieder gekommen sind - nur weil der Verein die paar
Euro sparen wollte, die zusätzliche Einlasskräfte kosten? Bitte lasst es
keine Derby-Eintagsfliege sein...
Eine zweite gute Nachricht: Das Stadion war
nahezu ausverkauft, nur die Gäste hatten zu Hause irgendwie kleine Probleme
mit dem Kartenverteilen. Ja, und die Choreos kurz vor Beginn des Spiels:
die große Flagge auf der Haupttribüne und dann die Herzchen für Jena, erst
rot (WTF?!) und dann blau-gelb-weiß mit Feuer.
Beeindruckend(!) - dachten
sich wohl auch die Spieler des FCC, die sich in der ersten Minute
anscheinend auf alles andere drumherum konzentrierten, nur
nicht auf's Spiel. Der Anstoß des FCC wurde abgefangen, ein steiler Pass in
die Spitze, Abschluss von der Strafraumkante ins linke untere Eck, und nach
gefühlten drei Sekunden stand es Null-zu-Eins.
Braucht es wirklich nur ein Gegentor in der ersten Minute, um das in den
letzten Wochen vielgerühmte Wahnsinns-Jenaer Publikum komplett ruhigzustellen?
Offensichtlich. Nur die Südkurve zuckte noch in den ersten zehn Minuten,
in denen Jena sichtlich geschockt wirkte und nichts auf die Reihe kriegte.
Die Unaussprechlichen waren auch nicht wirklich gefährlich, und so plätscherte
es dahin bis zur 14. Minute, als Amirante kurz vor dem Strafraum gelegt
wurde. Ziegner trat an und schlenzte den Ball an die Querlatte... was für ein
Pech! Wenigstens war der FCC in dieser Phase gleichwertig und kam über das
Kurzpassspiel und gewonnene 1:1-Situationen auch mehrmals schnell bis
zum Strafraum der anderen. Irgendwie schienen sie aber den Ball heute
reintragen zu wollen: immer noch ein Abspiel oder Dribbling mehr aus aussichtsreicher
Position, aus der man auch einfach mal hätte draufhauen können und
müssen. Jenaer Verunsicherung wurde merklich. Je weiter die erste Halbzeit
voranschritt, desto mehr unforcierte Fehler schlichen sich in das Jenaer
Spiel ein. Kurz vor der Halbzeit verschätzte sich dann auch noch Nulle bei
einem Eckball und es stand 0:2. Auf den Tribünen machte sich Ratlosigkeit breit
- war das wirklich die gleiche Mannschaft, die bislang so begeisternden
Fußball gespielt hatte?
Es konnte nur besser werden und es wurde - bitterer. Da hatte der FCC
gleich nach der Pause eine gute Kopfballchance (der Ball landete auf dem
Tornetz), doch in der 54. Minute kam eine Bogenlampe in den Jenaer Strafraum
hereingesegelt, die ewig in der Luft war und trotzdem nach Direktabnahme
im Jenaer Tor landete. Wenn der Torschütze demnächst im Training versucht,
dieses Tor nachzustellen, wird er von 100 Versuchen wahrscheinlich 99 nicht
treffen...aber im Spiel ging er halt rein, und damit war die Luft vollständig raus.
Was danach passierte, war haarsträubend.
Es ist nicht unüblich, dass Mannschaften sich bei einem Rückstand von 0:3
nach 55 Minuten mitunter hängenlassen (wobei meine ganz persönliche Meinung
dazu ist, dass das dann auch keine Mannschaft ist). Aber dass so absolut gar
nichts mehr ging, dass einfachste Bälle zum Gegner gespielt, wirklich sinnlose
Dribblings angesetzt und Laufwege einfach abgebrochen wurden, macht
nachdenklich. Die erste Chance für den FCC gab es erst wieder in der 71.
(Hähnge vergibt aussichtsreich), dann nochmal eine kleine in der 75. Auf
der Gegenseite konnten wir uns bei Nulle bedanken, dass es am Ende nicht 0:5
stand - und zwar nicht, weil der Landeshauptstadtclub überragenden Fußball
gespielt hätte.
Einen "positiven" Aspekt hat die Sache am Ende doch noch: Dieses ganze
Geklapse mit angekündigtem Moonwalk, "Wir steigen auf"-Gesängen und 100:0-Fahnen
gehört erst mal wieder der Vergangenheit an. Die Chance besteht, dass die
Jenaer Spieler am Sonntag begriffen haben, dass sich Spiele gegen Mannschaften,
die unten stehen, nicht von selbst gewinnen. <ragnar>
Derby-Fotos von Jens Weißenburger
Bericht auf der Erfurter Homepage
FC Erzgebirge Aue - FC Carl Zeiss Jena 0:0
- Aue: Männel; Klingbeil, le Beau, Paulus, Schaffrath;
Cimen (68. Gambo), Stark, Müller (72. Klotz); Curri, Braham, Ramaj (90.
Hiemer)
- Jena: Nulle; Sievers, Riemer, Petersen, Sträßer;
Nagy, Truckenbrod, Ziegner, Orlando; Hähnge, Amirante (87. Eckardt)
- Zuschauer: 11.400
- Schiedsrichter: Dr. Fleischer (Sigmertshausen)
- Spielbericht
- 5:1, 5:0, 5:0. In den vergangenen drei Jahren ist der FCC im
Erzgebirgsstadion regelrecht vermöbelt worden. Bekanntlich hat der
Optimist keine Ahnung von den freudigen Überraschungen, die ein
Pessimist erlebt. Trotzdem fuhren wir diesmal mit einem besseren Gefühl
nach Aue und weigerten uns von vornherein, an eine Fortsetzung dieser schwarzen
Serie zu glauben. Dafür hatte die neue Jenaer Mannschaft in den ersten
Wochen der noch jungen Saison schon zu viel an Potential offenbart.
Entgegen seiner Ankündigung hatte René van Eck im
Vergleich zum letzten Spiel eine Änderung vorgenommen. Rene Eckardt
blieb trotz ansprechender Leistung gegen Bayerns Zweite erst mal wieder auf der
Bank, wohingegen Sebastian Hähnge zu seiner Premiere in der Startelf
kam. Waren es die besseren Trainingsleistungen, die dafür den
Ausschlag gaben ? Fürchtet van Eck, den Youngster zu schnell zu
verheizen ? Oder will er Jenas Offensivtaktik ein Stück weit
unberechenbarer für die Ligakonkurrenz gestalten ? Wie auch immer -
Smeekes, der am liebsten nur Orlando genannt werden möchte, rückte
aus dem Zentrum auf die Außenposition. Von da, nur in der anderen Hälfte,
kamen auch die meisten Bälle in den ersten zwanzig Minuten. Eckball um
Eckball holten die Gastgeber während ihrer Anfangssoffensive heraus.
Den ersten richtigen Torschuss gabs dennoch von einem Jenaer. Salvarore
Amirante prüfte Martin Männel nach achtzehn Minuten. Darüber
hinaus tat sich allerdings vor der Pause nicht viel an Offensivgeschehen
seitens der Thüringer. Dazu fehlte es im Mittelfeld an einem
Gestalter, der die Bälle verteilte oder einfach mal länger in
den eigenen Reihen hielt. Hähnge und Amirante hatten es schwer mit
ihren Gegenspielern. Und Orlando ? Zeigte auf rechtsaußen mehrmals
technische Kabinettstückchen, doch in echte Torgefahr mündeten
die meist nicht, sodass sich die Umstellung alles in allem nicht bezahlt
machte. Ein einziges Mal brachte er vor der Pause nach energischem Sprint eine
Eingabe vors Tor, doch die fing Männel vor dem einschussbereiten
Amirante weg.
Erfreulich hingegen, dass Jenas Viererkette auch ohne Lanzaat
lange Zeit nichts zuließ. Da konnten Curri und Ramaj rochieren, wie
sie wollten - sowohl Sievers wie auch Sträßer ließen
sie nicht zu Entfaltung kommen. Auch die 7:0 Ecken der Veilchen in Hälfte
eins bereiteten Nulle und seinen Vorderleuten keine Probleme. Lediglich in den
letzten drei Minuten vor dem Pausenpfiff schlich sich kurzzeitig mal etwas
Sorglosigkeit ins Jenaer Abwehrzentrum. Denn dass ausgerechnet der Kleinste auf
dem Platz, Skerdilaid Curri, nur um wenige Zentimeter an einem Kopfballtor
vorbeischrammt, darf eigentlich nicht
passieren. Und was war in Minute 44 los ? Bei Müllers Heber in den
Strafraum rannten gleich zwei Weiße mit Ramaj mit, wodurch sich
Braham zentral in 13 Metern
Torentfernung seelenruhig auf seinen Torschuss vorbereiten konnte. Doch vergeht
kein Spiel ohne eine Heldentat von Carsten Nulle ! Jenas Keeper entschärfte
Brahams Schuss mit toller Reaktion. Der Halbzeitpfiff kam den Jenaern nicht
ungelegen.
Mit Beginn der zweiten Hälfte hatte sich Jenas
Hintermannschaft wieder formiert. Aue zunächst wieder leicht feldüberlegen,
ohne groß zu Tormöglichkeiten zu gelangen. Ramajs Schlenzer
Richtung Dreiangel fing Nulle noch in dessen Steigphase (57.). Die optische Überlegenheit
auf Seiten der Gastgeber verschwand dann nach etwa einer Stunde Spielzeit. Erst
jetzt fiel auf, dass mit Kos auch bei den Erzgebirglern der Abwehrchef fehlte
und deren Hintermannschaft nicht unüberwindbar ist. Als Orlando seinen
Gegenspieler ins Leere rutschen ließ, die flache Hereingabe nur
unkontrolliert nach vorn abgewehrt werden konnte, kam Jens Truckenbrod aus fünfzehn
Metern zum Torschuss. Wie gern hätten wir DEN ankommen sehen ! Doch
Paulus warf sich hinein, bescherte Jena damit nach 61 Minuten wenigstens noch
die erste Ecke, welche aber wie generell alle Standards an diesem Tag nichts
einbrachte. Die hohen Temperaturen sollten in der Schlussphase bei beiden
Mannschaften ihren Tribut fordern. Das Wort Sommerfußball machte nun
die Runde. Van Eck schien dennoch nicht unzufrieden,
tätigte seinen ersten Wechsel erst drei Minuten vor
Schluss und dies aus Verletzungsgründen. Dass auch Trainerkollege
Schmitt in der 90. Minuten noch einen neuen Mann auflaufen ließ, lässt
den Schluss zu, dass mit dem unentschiedenen Spielausgang am Ende alle recht
zufrieden waren. Die Gastgeber hatten dem Spitzenreiter einen Punkt abgerungen,
der FCC bereitete seiner schwarzen Serie im Erzgebirgsstadion endlich ein Ende.
Zwar ist die Tabellenführung damit schon wieder
passé, doch ist der FC Carl Zeiss Jena auch nach dem Auer Auswärtsspiel noch ungeschlagen in dieser Saison.
Und das ist schließlich auch schon etwas wert. <fc>
FC Carl Zeiss Jena - FC Bayern München II 6:0
Tore: 1:0 Eckardt (8.), 2:0 Smeekes (28.), 3:0 Amirante (48.), 4:0 Amirante (62.), 5:0 Amirante (64.), 6:0 Amirante (76.)
- Jena: Nulle; Sievers, Riemer, Lanzaat (23. Petersen),
Sträßer; Nagy, Truckenbrod, Ziegner, Eckardt; Smeekes (68.
Hähnge), Amirante (77. Benyamina)
- München: Kraft; Schütz, Lell
(
, 38.), Saba (56. Kopplin), Contento;
Erb, Rieß, Görlitz, Schürf (53. Yilmaz); Sikorski, Sene (43. Duhnke)
- Zuschauer: 8346
- Schiedsrichter: Gorniak (Bremen)
- Spielbericht
- Vor dem Spiel bestimmten noch Sorgen die Gedanken der
meisten Zuschauer, an die sich nach dem Spiel kaum noch jemand erinnerte. Wie
wird die Mannschaft die befürchteten Ausfälle von Carsten Sträßer
und Ralf Schmidt verkraften können? Wie kommt der FCC mit den
bundesligaerfahrenen Christian Lell und Andreas Görlitz zurecht? Wird
die zweite Garde des großen FC Bayern am dritten Spieltag ihr
zweifellos vorhandenes Potential zeigen, nachdem man eher schwach in die Saison
gestartet war?
Zumindest einer der Fragen löst sich noch vor dem
Anpfiff in Wohlgefallen auf, denn Carsten Sträßer stand in
der Startformation. Der Abwehrspieler ist mitverantwortlich für den
derzeitigen Erfolg des FCC und wird von vielen aufgrund seiner in der letzten
Saison oft gut versteckten Souveränität mit einem
Augenzwinkern als "Neuzugang" bezeichnet, entsprechend groß war die
Erleichterung bei der Lektüre seines Namens in der Startaufstellung. Die
Elf des gut in die Saison gestarteten FCC begann das Spiel auch gleich druckvoll
und schon die ersten Minuten ließen keinen Zweifel daran aufkommen,
wer heute der Herr im Haus sein wollte. Die erste Ecke des Spiels erhielten
trotzdem die Bayern, aber mehr als ein schneller Gegenstoß über
den starken Sievers sprang dabei nicht heraus. Dieser Konter war es, den Timo
Nagy mit einem herrlichen Pass auf Salvatore Amirante fortsetzte. Der Italiener
stand plötzlich vor Kraft im Tor des FCB und wollte den Ball in der
langen Ecke unterbringen, hatte dabei aber die Reflexe des Schlussmanns der
Bayern unterschätzt. Festhalten konnte er den scharfen Schuss aus
kurzer Distanz allerdings nicht, der mitgelaufene René Eckardt schaltete am
Schnellsten und konnte den Ball unbedrängt aus kurzer Distanz im Tor
unterbringen - 1:0 für den FCC nach nur acht Minuten! Die erfahrenen
Spieler der Bayern, namentlich Görlitz und Lell, sahen beim
vorhergehenden Zusammenspiel von Nagy und Amirante alles andere als gut aus und
verloren schon nach diesen wenigen Minuten einen Teil des von ihren Namen
ausgehenden Glanzes.
Die Gäste aus München zeigten sich aber
keineswegs geschockt vom frühen Rückstand, stattdessen bemühten
sie sich von nun an intensiv um den Ausgleich. Nur fünf Minuten nach
der Führung war es Carsten Nulle, der gegen den in dieser Phase
starken Sikorski klären musste. Der war nach einem Missverständnis
in der Jenaer Hintermannschaft plötzlich frei vor Nulle aufgetaucht
und scheiterte nur an der blitzschnellen Reaktion des auch heute sicheren Rückhalts.
Im Gegenzug hat Eckardt das 2:0 auf dem Fuß, nachdem er mit einem
herrlichen langen Ball von Nagy freigespielt wurde. Sein Ball geht aber leider
nicht nur an Torhüter Kraft vorbei, sondern auch am Tor. Für
die nächsten Minuten sollte dieser Gegenstoß das letzte
Lebenszeichen des FCC sein, von nun an drückten die Bayern. Dabei war
es immer wieder Marco Riemer, der in der Abwehr nicht überzeugen
konnte. In der 16. Minute profitiert er allein von der Fairness des Münchner
Stürmers Sikorski, der sich trotz leichtem Trikotzupfer aufrafft und
sich nicht fallen lässt, anderenfalls hätte man diese
Situation wohl als Notbremse werten müssen. So stand Sikorski zwar
allein vor dem Jenaer Gehäuse, aber dieses wurde ja von Carsten Nulle
bewacht - und dieser reagierte erneut glänzend. Auch wenn man sich
mittlerweile schon fast daran gewöhnt hat, mit Nulle einen extrem
sicheren Rückhalt zu haben - was dieser Mann Woche für Woche
für Bälle hält, ist aller Ehren wert. Völlig
zu Recht wurde "Wild Thing" auch vor dem Spiel als Spieler der letzten Saison
ausgezeichnet, denn ohne ihn hätte der FCC die Klasse wohl kaum
gehalten. Richtig ernste Mienen konnte man nur kurz darauf erblicken, denn
offenbar hatte sich Abwehrchef Quido Lanzaat ohne Fremdeinwirkung verletzt und
drängte auf seine Auswechslung, die nach 23 Spielminuten vollzogen
werden musste. Nicht wenige fürchteten nun den baldigen Ausgleich oder
zumindest massive Probleme mit den schnellen und ballsicheren Angreifern der
Bayern für die umgestellte Innenverteidigung. Genau in diese Phase des
größten Drucks der Bayern stürmt aber erneut
Orlando Smeekes hinein und spielte sich endgültig in die Herzen der
Fans. Nach einer kampfgeprägten Balleroberung des Hachinger Neuzugangs
Nagy hat Orlando nur noch Lell und das Tor vor sich. In seiner gewohnten,
unheimlich schnellen Art stürmt er auf Lell zu, schlägt noch
einen Haken und streichelt den Ball dann mit der Innenseite an den kurzen
Pfosten - von dem das Leder den erstrebenswertesten Weg wählt, nämlich
den ins Tor von Jenas Gegnern! Das 2:0 in der 28. Minuten fiel sprichwörtlich
genau zum richtigen Zeitpunkt, denn es setzte einen Schlussstrich unter eine
Phase gefährlicher Angriffe der Gäste, die immer wieder nur
vom Jenaer Schlussmann aufgehalten werden konnten. Auch in der Folge überforderte
der Mann von den niederländischen Antillen, der nun bereits vier Tore
in drei Spielen erzielt hat, seinen Gegenspieler Lell immer wieder mit seiner
Schnelligkeit. Zehn Minuten nach dem 2:0 wurde die Sprintstärke dem Münchner
endgültig zum Verhängnis, als ihn Orlando einmal mehr
regelrecht überlaufen konnte und von Lell nur noch per Foul zu stoppen
war. Da Lell zu diesem Zeitpunkt letzter Mann war und Smeekes freie Bahn aufs
Tor gehabt hätte, war die Entscheidung des unauffälligen
Schiedsrichters Gorniak durchaus nachvollziehbar - Rote Karte wegen Notbremse
und Freistoß für den FCC, denn der Bremer Unparteiische
hatte das Foul außerhalb des Strafraums gesehen. Auch wenn der
Freistoß und die folgenden Minuten vor der Halbzeit nichts
einbrachten, so hatte sich der FCC doch eine hervorragende Ausgangslage für
den zweiten Durchgang geschaffen. Doch trotz der Zwei-Tore-Führung und
der Jenaer Überzahl erwarteten viele eine spannende zweite Hälfte,
in der den Bayern im Falle eines schnellen Anschlusstreffers durchaus noch
Chancen eingeräumt wurden.
Derartige Sorgen und Ängste lösten sich
aber schon kurz nach dem Wiederanpfiff auf, denn die 8346 Zuschauer im Ernst
Abbe Sportfeld sahen einen FC Carl Zeiss Jena, der weiterhin mit voller
Konzentration zu Werke ging. Das aus der Führung und dem Spielverlauf
resultierende Selbstvertrauen sorgte außerdem dafür, dass
Flanken und Pässe scheinbar präziser ankamen und
leichtfertiger von der Hand gingen als in anderen Spielen. Nur drei Minuten
nach Wiederanpfiff war es dann auch schon so weit, dass auch die letzten
Zweifler vom Optimismus übermannt wurden, denn nach einer präzisen
Flanke des starken René Eckardt auf den Kopf von Salvatore Amirante dürfte
die Halbzeitansprache von Gästetrainer Mehmet Scholl bereits hinfällig
gewesen sein. Der Italiener stieg als einziger im Strafraum hoch zum Kopfball,
begleitet nur von den ungläubigen Blicken seines Gegenspielers. Der
musste mit ansehen, wie der wuchtige Kopfball unhaltbar für Kraft im
Netz landete und das Spiel faktisch entschieden war. Anders als nach dem 1:0
war nun auch ein gewisser Schockzustand bei den Bayern zu erkennen, die mit
einer derart druckvollen Offensive seitens der Jenaer offenbar nicht gerechnet
hatten. Nach einer guten Chance für den unauffälligen, aber
ebenfalls überzeugenden Truckenbrod in der 59. Minute war es nach
knapp über einer Stunde erneut Amirante, der einen Eckball von Nagy
per Kopf über die Linie bugsierte. Wieder fühlte sich keiner
der Bayern so richtig zuständig, erneut war gegen den starken Kopfball
aus kurzer Distanz nichts zu machen - 4:0 für den FC Carl Zeiss Jena!
Schon jetzt fragten sich einige, wann sie derartiges zuletzt erlebt hatten,
nicht ahnend, was die folgenden Minuten noch bringen würden. Der FCC
hatte nämlich noch lange nicht genug und spielte weiter attraktiven
Offensivfußball. Nur zwei Minuten später hatte sich Smeekes
auf links einmal mehr aller Gegenspieler entledigt und spielte dann einen
perfekten Pass in den Lauf des Doppeltorschützen Amirante, der den
Ball aus fünf Metern nur noch über die Linie schieben musste
und damit das 5:0 sowie seinen Hattrick vollendete! Nach 68 Spielminuten gönnt
Jena-Trainer René van Eck dem neuen Publikumsliebling und Torschützen
des Monats Orlando Smeekes nach einer weiteren starken Partie seinen verdienten
Applaus. Von stehenden Ovationen begleitet verlässt der Shooting-Star
den Platz, für ihn kommt Sebastian Hähnge. Der Eingewechselte
fügt sich sofort gut in das Spiel der Blau-Gelb-Weißen ein
und hat nur Minuten nach seiner Einwechslung das 6:0 auf dem Fuß, als
ihm Truckenbrod den Ball überlegt in den Lauf lupft. In dieser
Situation konnte sich allerdings zunächst der Münchner Torhüter
Kraft auszeichnen, als er den scharfen Schuss Hähnges pariert. Doch
das sollte am heutigen Tag nicht ausreichen, denn Hähnge setzt nach,
holt sich den Abpraller und flankt den Ball erneut butterweich auf den langen
Pfosten. Dort wartet, wie könnte es anders sein, Salvatore Amirante
und hat erneut keine Mühe, den Ball im Tor unterzubringen - 6:0 nach
76 Spielminuten, vier Tore von Amirante innerhalb von nicht einmal einer halben
Stunde, ungläubiges Staunen mischt sich in den unbändigen
Jubel im weiten Rund des Ernst Abbe Sportfelds.
Das halbe Dutzend war voll und die Jenaer Spieler ließen
es dabei bewenden, die folgenden fünfzehn Minuten waren mehr Schaulaufen
als ernsthafter Fußball und die Bayern hatten sich längst
mit der demütigenden Realität abgefunden. Gegenwehr wäre
bei diesem Spielstand ohnehin zwecklos gewesen und so konnten die leidgeprüften
Anhänger des FCC endlich mal wieder eine Schlussviertelstunde ohne
Angst vor späten Gegentoren oder in der Hoffnung auf ein dringend benötigtes
Jenaer Tor verbringen, stattdessen wurde der in dieser Form von niemandem
erwartete Sieg ausgiebig gefeiert. Neben dem Ergebnis gefiel vor allem die
Tatsache, dass neben dem beinahe unheimlich schnellen Orlando Smeekes auch die
beiden Außen Sievers und Nagy überzeugen konnten und Jena über
weite Strecken des Spiels sehr sehenswerten und dynamischen Offensivfußball
zeigte. Auch in Anbetracht eines bestimmten Ergebnisses vom Samstag bildete das
6:0 den perfekten Abschluss eines paradiesischen Wochenendes, das so schnell
keiner der anwesenden Jena-Fans wieder vergessen wird. Nun muss der neue
Spitzenreiter der Dritten Liga in Aue nachlegen bevor am kommenden Wochenende
ein ganz spezieller Gast im Ernst Abbe Sportfeld erwartet wird. Sollten Orlando
Smeekes & Co. auch dann wieder einen ähnlichen Auftritt wie in den
bisherigen Saisonspielen hinlegen, dürfte der Jubel selbst die
heutigen Freudenschreie noch einmal deutlich übertönen. Bis
es so weit sein kann, liegen aber noch zwei mal 90 Minuten vor der Mannschaft
von René van Eck - zumindest das nötige Selbstvertrauen für
die erfolgreiche Gestaltung der beiden Ostderbys sollte spätestens
nach dem heutigen Spiel vorhanden sein. <bh>
SV Sandhausen - FC Carl Zeiss Jena 2:2
Tore: 1:0 Schuon (9.), 1:1 Smeekes (19.), 1:2 Riemer (32.), 2:2 Pinto (90., FE)
- Sandhausen: Gurski; Bindnagel, Schuon, Eberlein, Mintzel; Pinto,
Hillenbrand, Jungwirth (66. Fischer), Schauerte (77. Hosiner); Ristic (23.
Öztürk, Dorn
- Jena: Nulle; Sträßer, Lanzaat, Riemer, R. Schmidt;
Sievers (60. Hähnge), Truckenbrod, Ziegner, Nagy; Smeekes (88.
Petersen), Amirante (81. Benyamina)
- Zuschauer: 3150
- Schiedsrichter: Kempter (Sauldorf)
- Spielbericht
- Gleiches
Ergebnis - unterschiedliche Gefühle. Wo vor zwei Monaten 3.500 verzückte
Zeissfans ob des Klassenerhalts den Sandhäuser Rasen stürmten, herrschte
diesmal betretenes Schweigen unter beachtlichen gut 500 mitgereisten
Blau-gelb-weißen. Die meisten unter ihnen wären vor dem Spiel wohl mit einem
Zähler zufrieden gewesen, doch nach diesem Spielverlauf musste man einfach
hadern. Mit einer späten und nicht nachvollziehbaren Spielentscheidung durch
Referee Kempter, und mit dem Auslassen unzähliger
Möglichkeiten zur Vorentscheidung durch die eigene Elf.
Dass
dieses Spiel ein ganz intensives werden sollte, deutete sich schon nach wenigen
Minuten an. Riemers und Smeekes' gefährlichen
Toraktionen folgte auf der Gegenseite nach 8 Minuten die Führung der Gastgeber.
Ralf Schmidt hatte einen unnötigen Eckball verursacht - nicht der einzige
Fehler des sich nach dem Wechsel steigernden Studenten in den ersten 45 Minuten
- und Sandhausens bulliger Neuzugang Schuon köpfte
das Leder kompromisslos wuchtig zur frühen Führung ins Netz. Und die Gastgeber
drängten weiter mit schön anzusehendem Kombinationsfußball, waren durch das nur
schwer zu bändigende bundesligaerfahrene Sturmduo Ristic/Dorn stets
kreuzgefährlich. Doch anders als im Mai behielt Jena die Ordnung und schlug
zurück. Sträßer und Sievers kämpften im Duett
Mintzel den Ball im eigenen Strafraum ab,
Sträßers weiter gefühlvoller Ball erreichte zur
Überraschung von Sandhausens Hintermannschaft Orlando Smeekes,
der dem verdutzten Gurski das Leder in die Maschen
servierte (19.). 1:1! Und Jena machte weiter. Nur zwei Minuten später die
nächste Riesenchance für den Holländer nach tollem Diagonalpass von Sievers,
doch der Hammer zischt knapp am Tor vorbei. Eine Minute drauf hatte Nagy dann
die Führung auf dem Fuß, als er eine schöne Kombination zu harmlos abschloss.
Jena war im Spiel, und bald begann auch der Tag des Marco Riemer freundlichere
Züge anzunehmen. Zunächst erlöste ihn die verletzungsbedingte Auswechslung
Ristics von diesem unangenehmen, einen Kopf größeren Gegenspieler. Dann durfte
sich der Apoldaer sogar in die Torschützenliste
eintragen, als er nach Amirantes artistischer
Fallrückziehervorlage aus Nahdistanz zur verdienten Führung nach 33 Minuten
abstaubte.
Von
Sandhausen kam bis zum Wechsel nichts mehr, und dennoch hatten 3.500 Zuschauer
ein packendes und völlig offen geführtes Spiel gesehen. Glaubten sie zumindest,
denn nach dem Pausentee ging es erst richtig los. Bindnagel eröffnete das
Offensivfestival mit einem Knallbonbon knapp am rechten Pfosten vorbei (48.).
Smeekes antwortete mit Zuckerpass auf Sievers, der sich
völlig freistehend vor Gurski den Ball etwas zu weit
vorlegte (49.). Minuten später zwei dicke Patzer von Riemer, die die Gastgeber
nicht zu nutzen verstehen. Jungwirth zieht nach 56 Minuten ab und zwingt Nulle
zu einer Glanzparade. Dann kommt Nagy über die rechte Seite, doch seine
Hereingabe auf den blank stehenden Amirante misslingt (59.). Es war eine der
wenigen Offensivaktionen Nagys, der sich nach vorn wenig zutraute. Ausgewechselt
wurde nach einer Stunde aber sein Flügel-Gegenüber Sievers, bei dem sich
gelungene Offensivakzente mit schlampigem Defensivverhalten abwechselten.
Sebastian Hähnge kam ins Spiel und legte Sekunden
später gleich gekonnt per Kopf auf Amirante auf, Gurski
klärt. Wiederum Sekunden später umkurvt Hähne den Sandhäuser Keeper, ist
eigentlich schon vorbei und der Ball gefühlt auf dem Weg ins Tor, doch
irgendwie kommt Gurski doch noch einmal ans Leder
(61.). Eine Minute darauf darf Smeekes die nächste
hundertprozentige Torchance versieben, allein rechts vor dem Kasten entscheidet
er sich gegen den Pass auf den mitlaufenden Amirante und für den Flachschuss,
den Gurski mit Fußbabwehr
pariert. Wahnsinn! Quasi im Gegenzug rettet Lanzaat
vor dem einschussbereiten Pinto (62.). 63. Minute, ein Schuss Sandhausens aus
dem Hinterhalt wird unfreiwillig von Hillenbrand abgefälscht und trudelt an den
Pfosten! Vier Minuten später dann wieder dann wieder Bindnagel mit
Volleyschuss, Nulle pariert.
Sandhausen ging nun noch mehr auf Risiko und
drückte die Thüringer, bei denen die ordnende Hand im Mittelfeld vermisst
wurde, mehr und mehr in die eigene Hälfte, in der sich Carsten
Sträßer mit einer tadellosen Leistung Bestnoten verdiente.
Einen Entlastungsangriff über die rechte Seite kann der bisweilen selbst
auffällig fallsüchtige Mintzel nur mittels einer
Mischung aus grobem und taktischem Foul an Smeekes an
der Torauslinie verhindern, ohne dafür den Karton zu sehen. In
Ziegners frechen Freistoß spritzt Amirante, und als der Ball
hinter dem Keeper die Torlinie entlang zischt, ist wieder einmal
Haareraufen im Gästeblock angesagt. Mehr noch als
Smeekes nach 80 Minuten die nächste Hundertprozentige
vergibt, allein vor Gurski diesen nicht überwinden
kann. So kam das, was kommen musste. Sandhausen verlegte sich auf das
Erarbeiten von Freistößen, von deren Berechtigung nur wenige im Gästeblock
überzeugt waren, und so stand Carsten Nulle mehr und mehr im Mittelpunkt,
rettete mehrmals großartig. Machtlos war er jedoch, als Robert
Kempter - wie Sandhausen in Baden-Württemberg beheimatet -
in der Schlussminute auf den Elfmeterpunkt zeigte, ein Foulspiel Riemers an
Dorn gesehen haben wollte. Roberto Pinto ließ sich das späte Geschenk nicht
entgehen und schickte die Zuschauer mit dem gleichen Ergebnis nach Hause wie
vor zwei Monaten.
Diesmal bleibt für den FCC zu konstatieren, zwei Zähler
verschenkt zu haben, und das in erster Linie wegen der sträflich ausgelassenen
Großchancen im zweiten Abschnitt. Auf der Leistung der Mannschaft aber darf aufgebaut
werden, und diesen positiven Eindruck nahm Jenas Anhang mit auf die 400
Kilometer lange Heimreise. <gunner>
FC Carl Zeiss Jena - SV Wehen Wiesbaden 2:1
Tore: 1:0 Smeekes (50.), 2:0 Smeekes (56.), 2:1 Bohl (74.)
- Jena: Nulle; Sträßer, Lanzaat, Riemer, R. Schmidt;
Sievers, Ziegner, Truckenbrod, Nagy (87. Petersen); Smeekes (90.+1
Eckardt), Amirante
- Wehen: Birkenbach; Hollmann, Barg, Glibo, Weigelt; Bohl, Reinert
(61. Ziegenbein), Hübner, Öztürk (72. Landeka); Boskovic,
Stroh-Engel (58. Ziemer)
- Zuschauer: 7713
- Schiedsrichter: Dr. Brych (München)
- Spielbericht
- Gemeinhin gilt es als Vorteil, gegen Absteiger aus der 2.
Bundesliga gleich am Anfang einer Saison antreten zu dürfen. Deren
personelle Fluktuation ist meist recht hoch, der neuformierte Kader muss sich
erst einspielen. Im Gegensatz zu den beiden anderen Absteigern blieb dem SV
Wehen aber die große Abgangswelle erspart. Und so versprach der 1.
Spieltag gleich eine Standortbestimmung für den FC Carl Zeiss zu
werden.
Erstmals seit 2003 durfte die Punktspielsaison mal wieder
mit einem Heimspiel eingeläutet werden. Wenn dabei trotz Aprilwetters
7713 Zuschauer ins Ernst-Abbe-Sportfeld kommen, zeugt das ungeachtet der
miserablen letzten Saison von einer deutlichen Erwartungshaltung. Sebastian Hähnge
saß mit auf der Tribüne. Schon einen Tag vor dem Match hatte seine linke
Wade zu zwicken begonnen, am Spieltag selbst war dann nicht einmal mehr ein
Kurzeinsatz möglich. Sollte es deshalb ein schnelles Revival der
Ein-Stürmer-Taktik von René van Eck geben ? Nein, denn der Rückkehrer
auf den Trainerstuhl beorderte Orlando Smeekes auf die zweite Angriffsposition.
Da Jan-André Sievers in die Startelf nachrückte, war diese mit allen fünf
Neuzugängen besetzt.
Verteiltes Spiel zu Beginn. Ein Kopfball im Anschluss an
Wehens zweite Ecke wurde am kurzen Pfosten abgefangen, den Spurt von Reinert in
den Strafraum stoppte Sträßer. Auf der anderen Seite war es
Salvatore Amirante, der mit einem Kopfball aus sechs Metern Birkenbach prüfte
und mit einem 19-Meter-Flachschuss knapp verzog.
All das waren Szenen aus den ersten 20 Minuten, danach
dominierten die Abwehrreihen und weitere nennenswerte Aktionen vor der Pause
blieben rar. Einzig Timo Nagy aus guter Schussposition in zwanzig Metern
Torentfernung forderte nach 35 Minuten noch einmal den Beifall heraus. So sehr
man sich über die stabile Viererkette mit dem neuen Abwehrchef Lanzaat
und dem wie ausgewechselt wirkenden Sträßer freuen durfte -
beim Offensivspiel blieb zunächst noch viel Luft nach oben.
Van Eck hatte seiner Mannschaft in der Kabine mehr Risiko
verordnet und diese setzte das gleich mit Wiederanpfiff um. Bälle, die
während der ersten 45 Minuten noch als Querpass gespielt worden waren,
flogen nun steil ins Angriffszentrum. Es war Salvatore Amirante, der von der
Mittellinie aus seinen Sturmpartner Orlando Smeekes mit einem Diagonalpass auf
die Reise schickte. Diese Reise führte um einen Gegenspieler herum,
zwischen zwei Verteidigern hindurch direkt zu Torhüter Birkenbach, an
dem vorbei Smeekes das Leder ins lange Eck schob. 1:0 - Zeit für den
ersten Torjubel der neuen Saison mit einem Flickflack, wie man ihn im
Ernst-Abbe-Sportfeld so wohl noch nie gesehen hat. Miroslav Kloses berühmte
Überschläge in der Nationalmannschaft wirken geradezu
armselig gegen jene eines Orlando
Smeekes beim FC Carl Zeiss Jena ! Auch wenn dessen artistische Brillanz nicht
von ungefähr kommt, war er in seiner Jugend doch dreimal holländischer
Meister im Turn-Mehrkampf, bevor er sich für die fußballerische
Laufbahn entschied. Eine gute Entscheidung, wie uns nur sechs Minuten später
ein weiteres Mal klar werden sollte. Da trat Smeekes in 35 Metern Torentfernung
zum Freistoß an. Für eine direkte Ausführung noch
viel zu weit vom Kasten entfernt, dachten die meisten. Doch der Nationalspieler der
niederländischen Antillen schoss direkt durch die Drei-Mann-Mauer der
Wehener hindurch ins linke untere Eck. Welch ein (P)fund !
Während wir Beobachter noch ganz fasziniert waren
von den gleichsam schönen und doch auf so unterschiedliche Weise
zustande gekommenen Treffern unseres Orlando, setzten die Gäste mit
dem Mute der Verzweiflung zur Aufholjagd an. Diese hatten sie in der
Vorbereitung bereits gegen Koblenz und Saarbrücken mit Erfolg
praktiziert. Boskovic mit Schuss ans Außennetz sowie die frisch
eingewechselten Ziemer und Ziegenbein zeigten an, dass dieses Mahl mit
den zwei Toren noch lange nicht gegessen war. Und tatsächlich, in der
74. Spielminute traf Bohl unhaltbar per Kopf zum Anschlusstreffer. Eine
Viertelstunde war danach noch zu spielen. 15 Minuten, die besonders der aus
Kaiserlautern gekommene Marcel Ziemer mit mehreren Chancen zur Zitterpartie für
alle Blau-Gelb-Weißen werden ließ. Bei Ziemers
Aufsetzerkopfball sechs Minuten vor Schluss rührte selbst Geburtskind
Carsten Nulle (Glückwunsch zum 34. !) keinen Finger mehr - doch das
Leder klatschte nur an die Werbebande hinter dem Tor. In der 89. kam Nulle an
einen Eckball nicht heran, dafür stand Sträßer
goldrichtig und konnte an der Torraumgrenze per Kopf klären. Mit
tollen Einzelaktionen hatte einer aus der Mannschaft den Vorsprung heraus geschossen
- alle elf zusammen sorgten nun dafür, dass aus ihm drei Punkte wurden.
Auch wenn in der letzten halben Stunde das Geschehen etwas
aus der Hand gegeben worden war - mit dem Sieg gegen Wehen hat die neue Jenaer
Mannschaft schon mal einen ersten Fingerzeig erhalten, dass auch gegen
Staffelfavoriten etwas gehen kann. Orlando Smeekes, der in seiner Freizeit auch
noch Thai-Boxen betreibt, will übrigens trotz seiner Erfolgserlebnisse
im Sturm so schnell wie möglich auf die Außenbahn zurück.
Nur da kann er seine Sprintschnelligkeit mit (wie man hört) 11,3
Sekunden über 100 Meter und die Stärken im eins gegen eins
voll zur Geltung bringen. Scheint so, als könnten wir uns auf die
Saison mit ihm freuen. <fc>
Fotos von Jens Weißenburger
Spielbericht auf svwehen-wiesbaden.de
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Der Minutenzeiger hatte noch nicht einmal eine volle Umdrehung gemacht, da hatten Jenas Fans den Torschrei auf den Lippen, als Patrick Amrhein von Ziegner mustergültig bedient von der Strafraumgrenze abziehen kann, aber nur ein klägliches Schüsschen zustande bringt. Ein Auftakt mit Signalwirkung konnte man hoffen, doch als Referee Fischer 45 Minuten später zur Pause pfiff, war aus Sicht des FCC keine einzige weitere Möglichkeit zu notieren gewesen, von einem großzügig verzogenen Distanzschuss des überraschend sofort eingesetzten Kühne einmal abgesehen. Jena lieferte eine erste Hälfte ohne jeden Esprit, blieb im Offensivspiel erschreckend harmlos und lag verdient mit 0:1 zurück. Dass dieses Gegentor aus einer lächerlichen Schauspieleinlage Zillners an der Seitenauslinie direkt vor den Augen des schwachen Linienrichters und folgender Freistoßflanke resultierte, war bitter. Aber Steegmanns gegen Lukimya folgenschwer gewonnenes Kopfballduell zum Führungstreffer kurz vor der Pause (43.) eben auch nur eine der zahlreichen Hachinger Möglichkeiten. Von denen vergab der Torschütze selbst üppig (12., 26., 34.), aber Zillner nach seinem Sturmlauf zwischen den verdutzten Sträßer und Ziegner hindurch zweifellos die größte - Nulle rettete glanzvoll (33.).
So konnte es nicht weitergehen, und van Eck, der schon vor Anpfiff auf den sich beim Aufwärmen verletzenden Holwijn verzichten musste, stellte erneut um. Auch, weil der blasse Orlando Smeekes mit ausgekugelter Schulter passen musste. Aus dem 3-5-1 mit Doppelsechs Kühne/Truckenbrod und Amrhein als einziger Spitze wurde nun ein 4-4-2. Amrhein rückte zurück auf die linke Mittelfeldposition, als Spitzen agierte dabei das Sturmduo der in dieser Saison so begeisternden II. Mannschaft, und plötzlich ging beim FCC nach vorn die Post ab. Insbesondere Exaucé Mayombo war von Hachings Verteidigern kaum zu stellen und lieferte eine starke Partie ab. Kühnes Schuss nach Truckenbrod-Ablage gab nach 51 Minuten die Richtung vor, Mayombos abgefälschter Schuss folgte zwei Minuten später, Amrhein prüfte Kampa im Hachinger Tor aus 18 Metern (54.), Truckenbrod zieht knapp übers Tor (58.). Jena war jetzt richtig im Spiel, die Kombinationen liefen flüssig und spätestens in der 59. Minute musste es einfach soweit sein, als Rene Eckardt auf rechts mustergültig von Sträßer bedient wird, aber statt Kampa den Ball um die Ohren zu ballern eine unmotivierte Mischung aus Heber und Flanke ansetzt. Wie einfach Fußball sein kann, demonstrierten die Bayern kurz darauf auf der Gegenseite: Langer Befreiungsschlag Hains aus der eigenen Hälfte auf den durchstartenden Steegmann, der vernascht Wuttke im 16er und schiebt lässig zum 2:0 ein. Bewundernde Worte fielen im Gästeblock über die weise Voraussicht jenes sonst so viel- und weitreisenden Münchner FCC-Fans, der einem Gelübde folgend den Nachmittag lieber weit abseits seinen Hund Gassi führend verbrachte. Seit dem Sieg vor 17 Jahren scheint für unseren Club ein Fluch auf diesem Sportplatz zu liegen. Sonst hätten vielleicht auch Mayombo nach Traumzuspiel Benyaminas freistehend vor Kampa die Nerven nicht versagt (65.). Und sonst würde ein Schiedsrichter bei einem Foul wie dem Kampas an Carsten Sträßer im 16er auch einmal auf Elfmeter entscheiden. Für Sträßer bedeutete Kampas übles Einsteigen das Ende der Partie - Jenas dritte Verletzung an diesem Tage - und die Unordnung in der Hintermannschaft des FCC nutzte der eingewechselte Kanca zur endgültigen Entscheidung. Dabei hätte es vielleicht noch einmal eng werden können, wenn nach Benyaminas Anschlusstreffer per Kopf - Nagy hatte von links geflankt - mehr gekommen wäre als die vergebenen Möglichkeiten Benyaminas (Kopfball nach Eckball von rechts, 83.) und Amrheins Freistoßversuch übers Tor (84.). Wo das Problem des FCC liegt, demonstrierte dann eine Minute vor dem Ende René Eckardt noch einmal final, als er völlig freistehend an Kampas Blitzreaktion scheitert. Nein, nichts zu holen in Münchens Süden. Verflucht! <gunner>
- Jena: Nulle; Sträßer, Lukimya, Wuttke, Nagy; Holwijn,
Truckenbrod, Ziegner (85. Eckardt), Orlando (90. Fuss); Amrhein,
Hähnge (73. Benyamina)
- Ingolstadt: Lutz; Keidel, Pisot, Wenczel, Ruprecht; Leitl, Fleßers (71. Braber), Karl, Buchner; Neuendorf, Hartmann
- Zuschauer: 5099
- Schiedsrichter: Siebert (Berlin)
- Spielbericht
- Ingolstadt: Lutz; Keidel, Pisot, Wenczel, Ruprecht; Leitl, Fleßers (71. Braber), Karl, Buchner; Neuendorf, Hartmann
-
Im Vorfeld des Spiels gab es jede Menge Aufregung im Umfeld des FCC: Spätestens mit der Pokalniederlage in
Meuselwitz und der anschließenden Suspendierung von Salvatore Amirante hatte der FCC wieder einmal demonstriert,
dass man in Jena mit allem rechnen muss. Dazu kam noch die Vorstellung des neuen Geschäftsführers Michael
Born unter der Woche, Ablenkung von der Vorbereitung auf das Spiel gegen einen der Staffelfavoriten des Jahres gab
es also zur Genüge.
Mit dem FC Ingolstadt 04 war eine Mannschaft im Ernst Abbe Sportfeld zu Gast, gegen die der FC Carl Zeiss Jena erst ein einziges Mal im Rahmen eines Winter-Trainingslagers gespielt hat. Das ist allerdings weniger überraschend, zumindest wenn man betrachtet, dass der FC Ingolstadt 04 erst im Jahr 2004 als Zusammenschluss von MTV 1881 und ESV Ingolstadt entstanden ist. Seitdem hat der Verein mit der Unterstützung des großen Sponsors im Rücken einen steilen Aufstieg erlebt und konnte schon im Jahr 2007 den Aufstieg in die zweite Bundesliga feiern. Der letztjährige Abstieg darf als Betriebsunfall verstanden werden, der den langfristigen Weg in Richtung erste Bundesliga wohl nur verzögert hat. Spätestens beim Blick auf das Mannschaftsfoto der Gäste wird deutlich, wie der Verein verstanden werden soll: Der Star ist nicht die Mannschaft, auch nicht bundesligaerfahrene Spieler wie "Zecke" Neuendorf Stefan Leitl, selbst Trainer Horst Köppel steht im zweiten Glied. Bei Ingolstadt 04 gilt einzig und allein: Der Star ist der Sponsor.
Aber kommen wir zum Spiel: Den Spielern des FCC war von Beginn an anzumerken, dass die Geschehnisse außerhalb des Platzes nicht völlig verdrängt werden konnten, jedenfalls waren die Gäste aus Ingolstadt von Beginn an die spielbestimmende Mannschaft. Bereits in der ersten Minute kommen die Gäste gefährlich vors Jenaer Tor, die Flanke von Leitl kann Buchner aber nicht verwerten. Nur wenige Augenblicke später versucht der rehabilitierte Ziegner einen Rückpass zu Carsten Nulle, der Ball ist allerdings beinahe zu kurz und bringt Nulle erstmals in Bedrängnis. Dank einer schnellen Reaktion kommt er allerdings noch vor dem Ingolstädter Spieler an den Ball und kann die Situation klären. Dennoch blieben die Gäste dominant und kamen noch in der zweiten Minute nach einer Keidel-Flanke durch Buchner zur nächsten Chance, auch dieser Kopfball verfehlte das Jenaer Tor aber knapp. Erst nach diesen drei Aufregern konnten die Jenaer Fans erstmals durchatmen; auch wenn die FCC-Elf sich keine eigenen Chancen erspielen konnte, gelang es nun immerhin, die Gäste vom eigenen Tor fernzuhalten. Dennoch wirkten die Gäste auf dem vom Regen getränkten Rasen stets spritziger und technisch versierter und konnten mit einfachen Doppelpässen immer wieder schnelle Vorstöße einleiten, die zum Glück für die Jenaer Elf nicht mit letzter Konsequenz ausgespielt wurden. Wenn die Ingolstädter doch einmal den Abschluss fanden, war dann allerdings Carsten Nulle zur Stelle, der insgesamt eine überzeugende Partie ablieferte. Auch nach einem Schuss von Karl aus rund zehn Metern war Nulle zur Stelle und konnte per Fußabwehr klären. Nach knapp einer halben Stunde kamen auch die Jenaer erstmals zu so etwas ähnlichem wie einer Torchance, als Patrick Amrhein auf der rechten Außenbahn vor dem unnötigerweise herauseilenden Ingolstädter Torhüter Lutz an den Ball kommt und an diesem auch vorbeikommt, dann aber ausrutscht und damit das großzügige Geschenk der Gäste dankend ablehnt. Kurz vor dem Halbzeitpfiff ist es wieder Amrhein, der an der Strafraumgrenze der Ingolstädter glücklich an den Ball kommt, die gebotene Chance aber mit einem Schuss zur Eckfahne kläglich vergibt. Damit blieb es zur Halbzeit beim 0:0 und obwohl die Ingolstädter nicht viele klare Torchancen erspielt hatten, waren sie doch ohne Zweifel die gefälliger spielende Mannschaft, die eine Führung zu diesem Zeitpunkt absolut verdient hätte.
In den Minuten nach Wiederanpfiff hatte man nicht den Eindruck, als ob René van Eck der Mannschaft in der Kabine entscheidende Impulse gegeben hat. Wieder hatten die Ingolstädter den besseren Beginn für sich: Mit zwei Freistößen aus rund 20 Metern brachte Keidel den Jenaer Torhüter Nulle in Bedrängnis, dieser war aber hellwach und ging in Anbetracht des glitschigen Balls zwei mal auf Nummer sicher und faustete den Ball wieder ins Spielfeld zurück. In der 51. Minute war es wieder Karl, der die Führung auf dem Fuß hat, aber im letzten Moment mit viel Glück von mehreren Jenaer Verteidigern am Abschluss gehindert wird. Nur zwei Minuten später die nächste Großchance für die Gäste, nun rettet wieder Nulle gegen Leitl, der völlig unbedrängt zum Schuss kommt - die Ingolstädter Führung schien nur eine Frage der Zeit zu sein, von Jenaer Seite kamen wie in der ersten Halbzeit praktisch keine Impulse für das Spiel. Nach 55 Spielminuten kam aber auch der FCC mal wieder vors Gäste-Tor, die Flanke von Truckenbrod auf Hähnge war präzise und gefühlvoll getreten, allerdings war auch Gäste-Torwart Lutz auf dem Posten und konnte mit den Fäusten vor Hähnge an den Ball kommen. Zehn Minuten später war es erneut Nulle, der die letzte Rettung für das scheinbar unverrückbare 0:0 an der Anzeigetafel darstellte. Gleich mehrere Stürmer der Gäste scheiterten mit ihren Schussversuchen am Jenaer Keeper, bevor die Situation endlich bereinigt werden konnte.
Die rot-weiß gekleidete Marketingmaßnahme der bekannten VW-Tochter hielt bis dahin also fast, was der Bus mit großen Lettern versprach: Der "Vorsprung durch Technik" schlug sich allerdings nur in Spielanteilen und Torchancen nieder, das Spielergebnis zeigte sich bisher unbeeindruckt. In der Folge gönnten sich die Gäste allerdings eine kleine Verschnaufpause und die Jenaer kämpften sich zurück ins Spiel. Torchancen blieben zwar zunächst Mangelware, aber immerhin musste man sich in dieser Phase keine großen Sorgen um das FCC-Tor machen. In der 72. Minute passierte dann das, was auch dem FCC schon oft genug widerfahren ist: Die Mannschaft, die bis dahin klar unterlegen war und praktisch keine echte Torchance zu verzeichnen hatte, geht völlig unverdient in Führung. Nach einem Freistoß aus halbrechter Position und rund 30 Metern Entfernung ist es Abwehrmann Assani Lukimya, der als erster an den Ball kommt und diesen per Kopf ins lange Ecke verlängern kann - 1:0 für den FCC und der Spielverlauf stand auf dem Kopf! Die Jenaer Zuschauer hatten sich noch nicht wieder hingesetzt, da wäre beinahe der hochverdiente Ausgleich gefallen, als Buchner per Kopf nur die Latte trifft und ein weiterer Ingolstädter seinen Nachschuss wenige Zentimeter neben den linken Pfosten setzt. Die Angriffe der Gäste wurden nun verständlicherweise wütender und brachten Nulle noch mehrmals in Bedrängnis. Nur zwei Minuten nach der Führung muss der Jenaer Torwart erneut per Faustabwehr retten, nachdem ein Angreifer eine Gäste-Ecke per Volleyschuss von der Strafraumgrenze aufs Tor brachte. Weitere drei Minuten später machte sich Nulle endgültig zum Mann des Spiels, als er einen weiteren Freistoß von "Zecke" Neuendorf, der ansonsten unauffällig agierte, klären konnte. Während die Gäste auf den Ausgleich drängten, zeigten die Jenaer, wie effizienter Fußball aussehen kann: Einen hohen Ball aus dem Mittelfeld legt Amrhein per Kopf auf Melvin Holwijn ab, der sich ein Herz nimmt und aus rund 18 Metern einfach mal draufhält. Der von Gäste-Trainer Köppel nicht ganz zu Unrecht als "Sonntagsschuss" bezeichnete Ball schlug unhaltbar für Gäste-Keeper Lutz in der linken Ecke ein und sicherte den Jenaer Sieg, der bis dahin noch heftig wankte.Die Ingolstädter Bemühungen blieben auch in der Folge unbelohnt und fast hätte man den Eindruck haben können, dass sich an diesem Tag die über 100 Jahre längere Tradition des FCC gegen den noch in den Kinderschuhen steckenden Gast aus Ingolstadt durchgesetzt hat. Dennoch darf nicht unerwähnt bleiben, dass der Sieg und die damit verbundenen drei Punkte sehr glücklich für René van Eck und den FC Carl Zeiss waren, von einem verdienten Sieg kann beim besten Willen nicht die Rede sein. Entsprechend gedrückt dürfte die Stimmung im Ingolstädter Bus bei der Heimreise gewesen sein, denn es ist ohne Zweifel bitter, nach einem derart kraftraubenden und über weite Strecken gut geführten Spiel ohne Punkte nach Hause fahren zu müssen. Es bleibt zu hoffen, dass die Jenaer beim nächsten Spiel in Unterhaching auch spielerisch zu überzeugen wissen und auch in Bayern Punkte holen, bevor die bayerischen Wochen mit dem Spiel in Regensburg hoffentlich erfolgreich beendet werden. <bh>
Kickers Offenbach - FC Carl Zeiss Jena 4:0
Tore: 1:0 Pospischil (24.), 2:0 Ulm (41.), 3:0 Mesic (78.), 4:0 Pfingsten-Reddig (88.)
- Offenbach: Wulnikowski; Huber, Hysky, Kopilas, Schutzbach;
Haas (84. Pfingsten-Reddig), Pospischil, Zinnow, Fröhlich (72. Laux);
Ulm, Mesic (81. Albayrak)
- Jena: Nulle; Fuss, Lukimya, Wuttke, Sträßer;
Holwijn (72. Kolb), Lanzaat (
, 79.),
Truckenbrod, Hähnge (46. Nagy), Orlando; Amirante
- Zuschauer: 8563
- Schiedsrichter: Thomsen (Kleve)
- Spielbericht
- Auf den Tag genau vor einem Jahr begleitete ich den FCC zum
Auswärtsspiel nach Wuppertal. "Am Tag der deutschen Einheit flossen
die Punkte von West nach Ost", beendete ich damals den Spielbericht und hoffte
jetzt auf einen vergleichbaren Spielausgang ein Jahr später.
Ein entlaufener Bulle vorm Polizeiauto auf der Hinfahrt sollte hierbei
eigentlich als Glücksbringer fungieren.
Allerdings ließen die letzten Auftritte der aktuellen Zeiss-Elf
ebenso wenig einen Feier(tags)auftritt erwarten wie die Bilanz am Bieberer Berg
mit nur einem mageren Pünktchen aus vier Spielen.
Ein Amirante-Schuss nach hundert Sekunden eröffnete
die Partie, in der Wuttke auch nach Lanzaats Rückkehr zunächst
in der Innenverteidigung blieb. Obwohl der Holländer bei seinem
Kurzeinsatz gegen Bremen alles andere als souverän gewirkt hatte,
wurde er ein weiteres Mal auf der Position vor der Abwehr neben Truckenbrod
besetzt. Sein Fehler ohne Not nach 16 Minuten ließ Pospischil von der
Strafraumgrenze aus zum Schuss kommen, Nulle bügelte aus. Es war die
zweite Chance der Hausherren in diesem Match, da sich zuvor bereits Zinnow
durch den kompletten Jenaer Strafraum gedribbelt hatte, dabei jedoch vergaß,
aufs Tor zu schießen. Auch Truckenbrod probierte es nach siebzehn
Minuten mal mit einem Schuss von der Strafraumgrenze. Wulnikowski kam mit einer
Faust an den Ball und lenkte zur Ecke. Fünf Minuten später.
Zinnows Faller nach Zweikampf mit Sträßer sah nach Schwalbe
aus, der bis dahin großzügige Schiedsrichter gab jedoch
Freistoß. Der Ball blieb in der 6-Mann-Mauer hängen, sprang
aber nach seiner ersten Bodenberührung mit ungewöhnlichem
Drall wieder zurück. Ein Lupfer in den Jenaer Strafraum, wo die Blauen
vergebens auf Abseits reklamierten, ein zur Vorlage werdendes Luftloch sowie
ein straffer Schuss auf zehn Metern führten zum 1:0.
Wie schon gegen
Bremen galt es einem Rückstand hinterher zu laufen. Genau das aber
wird zum schwierigen Unterfangen, wenn der Trainer ausgerechnet vor diesem
Spiel klammheimlich zur Ein-Stürmer-Taktik zurückgekehrt ist,
die schon im Jahr zuvor für Unverständnis und Erfolglosigkeit
gesorgt hatte. Sebastian Hähnge ("Ich erwarte mehr von mir und die
Leute auch") blieb nach dem Rückstand weiterhin konsequent im
zentralen Mittelfeld und versuchte sich erfolglos als Ballverteiler für
die einzige Spitze Salvatore Amirante. Da auch Melvin Holwijn sowie Orlando auf
den Außenpositionen nichts rissen, verwalteten die Hessen ihren
knappen Vorsprung ohne große Mühe und lauerten auf den möglicherweise
vorentscheidenden Fehler des Kontrahenten. Den gab es dann auch in Form eines
Jenaer Fehlpasses wenige Meter vorm Anstoßkreis. Dass er Lukimya
unterlief, einem der wenigen beständig guten Spieler während
der letzten Wochen, werteten einige Fans später als Zeichen um sich
greifender Verunsicherung in den Jenaer Reihen. Jedenfalls nutzte David Ulm das
Geschenk zu einem Solo durch die Jenaer Hälfte, um das Leder dann aus
gut zwanzig Metern über Nulle hinweg ins Tor zu heben. Sehenswert, mit
wie viel Gefühl im Fuß Ulm diesen Treffer markierte. Carsten
Nulle eine Mitschuld zu geben, wäre aber wohl verfehlt. Wie sollte er
ahnen, dass seinen Vorderleuten im Spielaufbau ein solcher Patzer unterläuft
? Unser Keeper schlich nach dem Pausenpfiff als Letzter vom Platz, begleitet
von Schmährufen der OFC-Anhänger, die in einem bekennenden
Sympathisanten von Eintracht Frankfurt so etwas wie ihren natürlichen
Feind sehen.
Drei Jahre zuvor war es einer Jenaer Mannschaft an gleicher
Stelle mal gelungen, aus einem 0:2-Pausenrückstand noch ein Remis
werden zu lassen. Um eine Wiederholung dessen herbei zu führen,
stellte van Eck während der Pause mehrfach um. Nagy kam für Hähnge
rein, begab sich wie gewohnt nach links und schickte Holwijn auf die andere
Seite. Aus Orlando wurde doch noch ein zweiter zentraler Stürmer.
Dahinter tauschten Lanzaat und Wuttke ihre Positionen aus der ersten Hälfte,
rückte Truckenbrod ein Stück weiter nach vorn. Der OFC ließ
die Gäste nach Wiederanpfiff zunächst gewähren. Als
sich die Hausherren dann doch mal wieder zu einem eigenen Angriff entschlossen,
brachte der schnelle Gegenstoß endlich mal wieder Gefahr. Durch vier
Abwehrbeine hindurch legte Orlando für Amirante auf, der schoss aus
der Drehung jedoch genau zu Wulnikowski. Der Ball von Nagy drei Minuten später
versprach mehr Erfolg, strich aus 19 Metern Torentfernung aber knapp am rechten
Pfosten vorbei. Eine weitere Steigerung erfuhren Jenas Bemühungen um
den Anschlusstreffer schließlich in Minute 69. Wiederholt versuchte
sich Truckenbrod an einem Fernschuss, selten zuvor aber war das Geschoss von
jener Güte wie diesmal. Aus 17 Metern volley abgefeuert, flog das
Leder oben ans Gebälk, dass es nur so krachte.
Die Hausherren hatten
offensiv nach dem Wechsel überhaupt noch nichts gezeigt. Doch mit
ihrem ersten gelungenen Angriff in Halbzeit zwei, bezeichnenderweise einem
Konter, sorgten sie fünfzehn Minuten vor Schluss für die
Entscheidung. Ulm legte an Sträßer vorbei in die Mitte ab,
wo Quido Lanzaat seinem Gegenspieler Mesic nicht hatte folgen können. 3:0. Dass Jenas
Abwehrchef eben jenem Mesic kurz darauf in die Hacken trat, roch nach Frustfoul
und wurde mit der Roten Karte geahndet. Und als hätte das alles nicht
schon gereicht, flog auch noch der Schuss des eingewechselten Pfingsten-Reddig
genau ins linke untere Eck. "Vier zu Nulle", höhnte es nach Ende der
zweiten 45 Minuten von der Offenbacher Fangeraden.
Dass dem OFC eine durchschnittliche Leistung zu einem derart
klaren Sieg reichte, sollte in Jena die Alarmglocken schellen lassen. Was nutzt
ein sich steigernder Truckenbrod, ein auf allen Positionen sein Ding machender
Wuttke - sie sind nun mal keine Antreiber, die den tödlichen Pass
spielen können. Genau so einer fehlt dem Zeiss-Spiel aber zunehmend.
Es scheint deshalb an der Zeit, die Verbannung Torsten Ziegners zu beenden.
Zwar ist nicht garantiert, dass es mit ihm schlagartig besser laufen wird. In
einer Phase, wo die Jenaer Mannschaft in ihren Leistungen nicht mehr nur
stagniert, sondern abzubauen beginnt, müssen jedoch ausnahmslos alle
Alternativen ausgelotet werden, die der Kader hergibt ! Es wird Zeit, sich mal
wieder gemeinsam an einen Tisch zu setzen. <fc>
FC Carl Zeiss Jena - SV Werder Bremen II 2:2
Tore: 0:1 Testroet (32.), 1:1 Orlando (52.), 1:2 Testroet (80.), 2:2 Amirante (82., FE)
- Jena: Nulle; Sievers (70. Fuss), Lukimya, Wuttke, Sträßer;
Eckardt, Truckenbrod, Hähnge, Nagy (46. Amirante); Kolb (74. Lanzaat),
Orlando
- Bremen: Wiedwald; Hessel, Gerdes, Stallbaum, Andersen; Ronneburg,
Ayik, Menga, Feldhahn; Testroet, Oehrl
- Zuschauer: 6062
- Schiedsrichter: Blos (Köngen)
- Spielbericht
-
Keiner weiß warum, doch in den vergangenen Jahren
hatte der FC Carl Zeiss mit den zweiten Mannschaften von Bundesligavereinen so
seine liebe Mühe. Mittlerweile sind drei von vier Hinrundenpartien gegen die
U23-Teams gespielt, mit zwei Siegen und einem Remis gestaltet sich die
Saisonzwischenbilanz ungewohnt positiv. Doch egal in welches Gesicht man auf
Jenaer Seite nach Abpfiff des Bremen-Spiels blickte - Zufriedenheit schaut
anders aus.
Daran hatte die erste Halbzeit einen gewichtigen Anteil.
Denn es war ein äußerst müder Kick, den 6062
Zuschauer (darunter exakt zwei Dutzend Bremer Fans) während der ersten
45 Minuten geboten bekamen. Dass es nach gut einer Viertelstunde Beifall gab für
einen ins Sturmzentrum gespielten Ball, den Kolb als eine von zwei Spitzen gar
nicht erreichte, mag als Beschreibung für das Niveau in der
Anfangsphase genügen. Eine Freistoßvorlage, die Wiedwald
gegen die Sonne blickend im zweiten Zupacken fing, war die einzige Szene, in
welcher ein Torhüter überhaupt
eingreifen musste. Beim ersten gelungenen Angriffszug nach
zwanzig Minuten stand Hähnge knapp im Abseits. Kurz darauf spielte
Rene Eckardt zwar schön Doppelpass mit Orlando, stolperte danach aber über
seine eigenen Beine. Und bei Lukimyias flacher Hereingabe erkannte der
freistehende Kolb in der Mitte die Situation zu spät. So blieb ein
satter 23-Meter-Schuss von Jens Truckenbrod, den Bremens Keeper über
die Latte lenkte, die einzig wirkliche Torchance
in Hälfte eins. Die Gästebilanz vor der Pause hätte
sich sogar noch ärmlicher gelesen, wenn Testroet im Gegenzug nicht der
Führungstreffer gelungen wäre.
Begünstigt wurde er durch einen Fehler von Jan-Andre
Sievers, welcher den Torschützen unbedrängt den Ball annehmen
ließ und dann nicht hinterher kam. Nach einer überzeugenden
Leistung im letzten Heimspiel gegen Burghausen blieb der Neuzugang aus Emden
damit das zweite Match in Folge hinter den Erwartungen zurück, wurde
später auch ausgewechselt.
Doch zunächst war es Nagy, der in der Kabine
bleiben musste. Mit der Hereinnahme von Amirante wechselte Orlando ab Beginn
der zweiten Halbzeit auf die Linksaußenposition. Eine Umstellung, die
sich sofort bezahlt machte. War der Holländer bei seinem energischen
Antritt von der linken Seite Richtung Zentrum doch nur mit unfairen Mitteln zu
bremsen. Freistoß, 25 Meter Torentfernung. Ein paar der
Stammzuschauer des FC Carl Zeiss werden es bemerkt haben, dieses ungewöhnliche
Positionieren Jenaer Spieler im Rudel neben der gegnerischen Mauer. Von dort lösten
sich wie auf Kommando vier Blaue bei der Freistoßausführung
und rannten in den Sechzehner hinein. Truckenbrod schoss nicht direkt, sondern beförderte
das Leder lang vor zu Orlando, welcher aus fünf Metern volley zum
Ausgleich traf. 1:1 - eine eben erst im Training einstudierte Freistoßvariante
hatte auf Anhieb funktioniert ! Damit lösten
sich endlich einige der im bisherigen Spielverlauf eingebauten Bremsen.
Salvatore Amirante zog auf 30 Metern ab, Wiedwald lenkte das Leder um den
Pfosten (54.). Der Schlenzer von Feldhahn auf der anderen Seite flog nur knapp
nebens Tor (56.). Und dass Kolb die schöne Vorarbeit von Orlando
lieber selbst verwertet hätte, statt auf Eckardt zu spielen, war ihm
hinterher auch klar.
Sie bildeten die stärkste Phase in einem mäßigen Jenaer Spiel,
jene gut zwanzig Minuten nach dem Ausgleichstreffer. Sogar Sebastian Hähnge,
bekanntlich nicht der Allerschnellste, ging hier mal aus einem Sprintduell als
Sieger hervor. Den Gästen darf man bescheinigen, ebenfalls die
Offensive gesucht und so zu einer deutlich spannenderen zweiten Halbzeit
beigetragen zu haben. Beim Schuss des Deutschtüren Ayik reagierte
Carsten Nulle im Tor hervorragend.
Dann war noch eine Viertelstunde zu spielen und Orlando hatte wieder
seinen Auftritt. Es ist beileibe nicht so, dass hier Jenas Schnellstem eine
durchgängig überzeugende Leistung bescheinigt werden soll.
Manches wirkt schon zu sehr auf Show getrimmt, zwischendurch taucht er auch mal
ab und nach hinten lässt er eh lieber andere ackern. Doch klar ist
auch - ohne Orlando wäre das Jenaer Spiel um viele Attraktionen ärmer
! Klasse, wie er in Minute 76 zwei Werder-Verteidiger förmlich stehen
ließ und den Blick für den freistehenden Nebenmann hatte. Es
war Salvatore Amirante, der in zehn Metern Torentfernung sofort abschloss - und
an einem Abwehrbein hängen blieb.
Das Tragische an diesem Spiel ist aus Jenaer Sicht, dass
immer im Anschluss an eine knapp vergebene Großchance die Quittung in
Form eines Gegentreffers folgte. Hatte Pascal Testroet schon vor der Pause
direkt nach Truckenbrodts Schuss getroffen, verging auch nach Amirantes Möglichkeit
nicht viel Zeit, bis Bremens Spieler mit der Nummer 43 zum Erfolg kam. Dabei
profitierte er wiederum von einem fehlenden Gegenspieler - der eingewechselte
Benjamin Fuss war an der Strafraumgrenze ausgerutscht. Unter dem Körper
Carsten Nulles hindurch flog der Ball ins Netz. Und nun ? Waren nur noch zehn Minuten
Zeit für Jenaer Bemühungen um den abermaligen Ausgleich.
Scheinbar unbeteiligt steht Orlando nach dem Anstoß an jener Stelle,
wo Mittel- und Außenlinie aufeinander treffen. Genau da wird er angespielt,
nimmt ein paar Meter lang Fahrt auf und legt dann den Turbo ein. Gerdes hatte
sich diesmal vorgenommen, ihm im Sprintduell Paroli zu bieten - auch er war
chancenlos und wusste sich deswegen nur mit einem Rempler im Strafraum zu
helfen. Elfmeter. Als Amirante sich vor Sträßer den Ball zur
Ausführung schnappte, stockte vielen der Atem - hatte der nicht schon
einmal.... ? Noch ehe der Gedanke zuende gebracht wurde, hatte Salvatore den
Werder-Schlussmann in die andere Ecke geschickt und zum 2:2-Endstand getroffen.
Zweimal war der FCC nach Rückstand wieder gekommen.
Doch wie eingangs schon erwähnt -
Zufriedenheit sieht anders aus. Mannschaftskapitän Nulle ärgerte
sich über die beiden Gegentreffer sowie "Negativeinflüsse von
außen", mit denen wohl Pressespekulationen über Notverkäufe
von Leistungsträgern in der Winterpause gemeint sein dürften.
Und Trainer van Eck monierte die Vorstellung seiner
Mannschaft vor der Pause. Zurecht, denn dadurch sind zwei Punkte gegen
talentierte, aber durchaus schlagbare Bremer verschenkt worden. <fc>
Eintracht Braunschweig - FC Carl Zeiss Jena 2:1
Tore: 0:1 Orlando (46.), 1:1 Kruppke (62., HE), 2:1 Kragl (69.)
- Braunschweig: Petkovic; Fuchs, Brinkmann, Dogan, Boland; Pfitzner, Danneberg,
Kruppke (86. Banser), Kragl (77. Theuerkauf); Onuegbu, Calamita (60. Morabit)
- Jena: Nulle; Sievers, Lukimya, Wuttke, Sträßer (56. Riemer); Truckenbrod, Holwijn (

, 71.)
Hähnge, Nagy (79. Kolb); Mayombo (66. Amirante), Orlando
- Zuschauer: 12.200
- Schiedsrichter: Achmüller (Bad Füssing)
- Spielbericht
-
Der zehnte Spieltag bringt das Auswärtsspiel in Braunschweig auf den Plan und da die Stammautoren dieser
Seite offensichtlich angesichts der letzten Ergebnisse von 0:3 bis 6:0 die Adjektive auszugehen scheinen darf
ich mal wieder ran, als es gilt in Niedersachsen den Platz im oberen Tabellendrittel zu sichern.
Für die erste kleine Überraschung im Gästeblock sorgt Trainer Rene van Eck, der statt des zuletzt stark
auftrumpfenden Stefan Kolb oder des wieder spielberechtigten Amirante, mit Mayombo einen Stürmer in der
Startaufstellung aufbietet, der zuletzt suspendiert worden war, lediglich in der zweiten Mannschaft
spielte und dessen letzter Pflichtspieleinsatz in der Ersten bereits vier Monate zurückliegt. Neben ihm
soll Orlando für den nötigen Angriffsdruck sorgen, während Sebastian Hähnge auf der offensiven Mittelfeldposition
die beiden Stürmer mit Bällen versorgen soll. Und es beginnt gut: Bereits in der ersten Minute kann Orlando über
die linke Seite die Braunschweiger Abwehr überlaufen, scheitert jedoch an Torwart Petkovic. In der Folgezeit
kann der FCC eine optische Überlegenheit erarbeiten - "kontrolliert Ball und Gegner" - wie man so schön sagt, ohne
dabei übermäßig torgefährlich zu werden. Mayombo wirkt dabei aber noch engagierter, als sein Sturmpartner. Die Blau-Gelben
aus Niedersachsen kommen erst nach cirka zwanzig Minuten besser zu Rande und beginnen einzelne Konter zu setzen, die in einem
durch die Mitte angespielten Calamita gipfeln, der aber, völlig frei vor Nulle auftauchend, an diesem scheitert. Damit hat es
sich dann aber auch mit dem Braunschweiger Offensivdrang für die erste Hälfte und die Jenaer Viererkette in der Abwehr kann
wiederholt mit starkem Zweikampfverhalten (Wuttke, Sträßer) die gegnerischen Angreifer "abkochen". Für den eigentlichen
Gesprächsstoff der Halbzeitpause unter dem Jenaer Anhang sorgt Amirante, der bereits kurz vor der Halbzeitpause sich zum
Aufwärmen hinter das Tor von Nulle begibt.
Die zweite Hälfte beginnt mit einem Paukenschlag der angenehmeren Sorte, als Holwijn wunderschön auf der rechten
Seite lang durch Sträßer angespielt wird, im spitzen Winkel auf das Petkovic-Tor zusteuert, scheinbar die lange Ecke
mit seinem Schuß anvisiert, es aber verfehlt, bevor Orlando am langen Pfosten den Ball erreicht und ihn gekonnt flach
über die Linie drückt.
Die Wende im gesamten Spiel wird eingeläutet, als Sträßer in der 56. Minute, leicht humpelnd, verletzt ausgewechselt
werden muss. Die bis dahin äußerst souverän wirkende Jenaer Abwehrviererkette wird mit Marco Riemer wieder aufgefüllt
und ist fortan kaum noch wieder zu erkennen. Obwohl sowohl bei der Entstehung des Elfmeters (aus dem Gästeblock schlecht
einzusehendes Handspiel Riemers), als auch bei der Entwicklung des Führungstreffers ein gehörige Portion Glück für die
Niedersachsen im Spiel ist, kommt man nicht umhin festzustellen, daß vor allem die Jenaer Elf plötzlich den Faden verlor.
Als Holwijn in der 72. Minute diese "schwarze" Viertelstunde für den FCC mit einem Foul an der Mittellinie und nachfolgendem
Ballwegschlagen abschließt, ist die Partie quasi gelaufen. Nur noch zu Zehnt gelingt es nun nicht mehr die Eintracht noch
mal in Bedrängnis zu bringen. Die Braunschweiger lassen sich nun auch nicht mehr aus der Defensive locken und glänzen im
Vorwärtsgang in den letzten zwanzig Minuten lediglich mit einem gefühlten Dutzend Fehlpässen. Auch der Versuch von van Eck,
mit der Einwechslung von Kolb, mit einem Dreiersturm noch einmal auf den Ausgleich zu gehen verpufft relativ wirkungslos.
Ein Sieg in Braunschweig wäre, meiner Meinung nach, für den FC Carl Zeiss Jena ohne weiteres zu realisieren gewesen,
wenn man nach dem Führungstor, das zu einem äußerst günstigen Zeitpunkt fiel, weiter aggressiv die Entscheidung gesucht hätte
und sich mit dem Ausgleich nicht so aus dem Takt hätte bringen lassen. Nicht Eintracht Braunschweig hat gewonnen, sondern
der FCC hat verloren. Und zwar, weil man den Gegner zurück ins Spiel brachte, den der "Ringrichter" schon bis zur "9"
ausgezählt hatte. Schade drum.
Nachtrag: Die Stadt Braunschweig bietet den per Zug anreisenden Gästefans einen kostenlosen Bustransfer vom Bahnhof zum
Stadion an. Soweit so gut. Warum man aber nicht die ca. 6 km lange, direkte Strecke durch die Stadt nimmt, sondern den
Gästefans eine ca. 20-minütige Strecke über die ortsansässigen Autobahnen anbietet, scheint schleierhaft. Ich
habe diese "Stadtrundfahrt" jetzt insgesamt viermal genossen und hätte beim nächsten Mal gern eine andere Route. Danke im voraus.
<tn>
FC Carl Zeiss Jena - SV Wacker Burghausen 0:0
Tore: Fehlanzeige
- Jena: Nulle; Sievers, Wuttke, Lukimya, Sträßer;
Nagy (74.Holwijn), Truckenbrod, Riemer, Eckardt, Hähnge, Kolb (62.Orlando)
- Burghausen: Riemann; Wolf, Hertl, Kokocinski, Kresin, Nebihi (84.Schmidt), Burkhard, Grübl (73.Belleri),
El Haj Ali, Gorka, Cappek (89.Holz)
- Zuschauer: 6948
- Schiedsrichter: Sönder (Lübeck)
- Spielbericht
-
Dritter gegen Vierter - vom Papier her das Topspiel des heutigen Tages in der dritten Liga. Sonne pur und warme Temperaturen
waren beste Vorraussetzungen, um dem Spitzenspiel auch einen würdigen Rahmen zu verleihen. Die Partie musste eine
Viertelstunde später angepfiffen werden, da die Gäste bei Ihrer Anreise aus dem Hotel in Stadtroda infolge einer
Bombendrohung im Stau standen, und dadurch nicht rechtzeitig eine Stunde vor Spielbeginn im Stadion sein konnten.
Die erste gute Aktion des Spiel leitete Jenas Abwehrspieler Sträßer ein, der mit einem herrlichen Diagonalpass
René Eckardt bediente, doch dessen Schuss in der siebenten Minute stellte für Keeper Riemann keine echte Gefahr dar.
In der 18. Minute nutzte Truckenbrodt einen Ballverlust der Gäste aus und prüfte Riemann mit einem Schuss aus der zweiten
Reihe, doch leider landete der Ball genau in den Armen des Schlussmannes. Nach der doch spielerisch armseligen Partie in Kiel
wusste der FCC am heutigen Tage zu gefallen und kontrollierte im gesamten Spielverlauf die Partie. Doch auch mit schönen
Kombinationen und Ballstafetten im Mittelfeld blieben die Torchancen auf Jenaer Seite Mangelware. Die Burghausener, die infolge
einer Grippe auf vier wichtige Spieler verzichten mussten, stellten sich konsequent hinten rein, so dass es für die Jenaer
recht schwierig war, in der dicht gestaffelten Abwehr eine Lücke zu finden. Erst nach gut einer halben Stunde die nächste
Tormöglichkeit für die Jenaer. Hähnge hatte per Kopfball in den Lauf von Youngster Kolb verlängert, doch obwohl
Riemann in dieser Aktion zu weit vor seinem Kasten stand, konnte Kolb diese gute Torchance nicht nutzen und ballerte über das Tor.
Auch nach der Pause änderte sich das Spiel nicht gravierend. In der 51. Minute versuchte sich Sievers mit einer hohen Flanke in
den Strafraum, der Ball wurde lang und länger und fiel zur Verwunderung des Gästekeepers hinter ihm aufs Tornetz. Mit etwas
Glück hätte diese Flanke auch zum erneuten Tor des Monats avancieren können. Gut eine Stunde war vorbei und ein Jubel
auf den Rängen machte sich breit, als Publikumsliebling Orlando für Kolb eingewechselt wurde. Manch einer machte sich
Gedanken, warum und weshalb dieser nicht von Anfang an spielen durfte. Doch Trainer van Eck machte in der anschließenden Pressekonferenz
alle Gerüchte zunichte, als er gleich als erstes vermeldete, dass Orlando im am Vorabend ihm mitgeteilt habe, dass er sich für ein
komplettes Spiel nicht fit fühle. Doch als er den Rasen betrat, spürte man noch einmal einen Ruck durch die Jenaer Mannschaft gehen.
Er war es auch, der in der 71. Minute gleich eine gute Einschusschance hatte, doch leider kam er einen Schritt zu spät und rutschte
einschussbereit knapp am Ball vorbei. Eine Viertelstunde vor dem Ende donnerte Nulle einen super weiten Abschlag heraus, der Ball sprang
vor Orlando auf, doch leider konnte er diese Gelegenheit nicht verwerten oder den Ball zumindest unter Kontrolle nehmen. Die Abwehr der
Gäste stand weiter recht sicher, so dass es die Spieler des FCC nun immer mehr mit Einzelaktionen probierten, die aber allesamt nichts
einbrachten. Höhepunkt des Spiels war zweifelsohne die 82. Minute, in der bereits die Jenaer Fans von ihren Sitzen aufsprangen. Doch
leider stand Orlando das Glück am heutigen Tag nicht zur Seite, denn sein gut getimter Kopfball nach Flanke vom starken Sievers klatschte
an den Innenpfosten, von wo er anschließend direkt in die Arme des Keepers sprang. Da war sie, diese eine 100% Möglichkeit, doch
leider sollte es auch die letzte nennenswerte Aktion gewesen sein.
Mit einer Minute Nachspielzeit pfiff Schiedsrichter Tim Sönder das Topspiel der 3.Liga ab, was es leider nicht geworden war. Die Gäste
waren am Ende mit diesem Punkt hochzufrieden, während die Zeiss-Kicker mit hängenden Köpfen den Rasen verließen. Denn jedem
war nach der Partie klar, dass es selten so leicht gewesen sei, heute die ansonsten starken Kicker von Wacker Burghausen zu bezwingen. Auch wenn
viele Trainer und Verantwortliche eine Einzelkritik nicht unbedingt mögen, so muss doch am heutigen Tage die gesamte Abwehr mal explizit
hervor gehoben werden. Besonders die beiden Außen mit Sträßer und Sievers taten sich heute besonders hervor und ermöglichten
den Gästen während der gesamten Spielzeit keine nennenswerte Torchance.<vg>
Bilder auf fcc.weissenburger.de
Bericht auf fussball.sv-wacker.de
Holstein Kiel - FC Carl Zeiss Jena 0:1
Tore: 0:1 Kolb (72.)
- Kiel: Frech; Lamprecht, R. Müller, Schyrba, Meyer, K.Schulz, Holt,
Jerat (80. Siedschlag), Sembolo, Sykora (9. Guscinas), Heider (66. Stier)
- Jena: Nulle; Sievers, Wuttke, Lukimya, Sträßer;
Nagy (90. Fuss), Truckenbrod, Eckardt, Riemer, Orlando (64. Kolb), Hähnge (87. Petersen)
- Zuschauer: 4511
- Schiedsrichter: Dittrich (Bremen)
- Spielbericht
-
Mit Müller, Hasse und Sykora stehen gleich drei Ex-Jenaer im Kader der Kieler. Aber Hasse war gar nicht im Aufgebot
und Fiete Sykora musste bereits in der 9. min verletzungsbedingt ausgewechselt werden und konnte so gegen seinen
Ex-Club keinen Schaden anrichten. Bis zu diesem Zeitpunkt gab es bereits die ersten aufregenden Situationen vorm
Jenaer Tor. Kiel begann von Anpfiff an offensiv und setzte die Gäste unter Druck. Im Großen und Ganzen
stand Jenas Abwehr, stark unterstützt von den vier Mittelfeldspielern und Hähnge, relativ gut. Wenn man
aber 80 der 90 Spielminuten quasi mit dem Rücken an der Wand, sprich im eigenem Strafraum steht, ist es klar,
dass die Torchancen für die Gastgeber nicht ausbleiben. Vor allem bei Ecken konnte man immer wieder die Luft
anhalten. In der 5. min wehrte Nulle einen Kopfball Haiders aus 3 m Torentfernung zur nächsten Ecke ab. Diese
konnte von Orlando nicht geklärt werden und so hatte Robert Müller die Gelegenheit, seine ehemaligen
Mannschaftskollegen per Fernschuss (der aber in der vielbeinigen Abwehr hängenblieb) zu erschrecken. Nach
einem Stolper Riemers musste sich Lukimya, der wieder eine sehr gute Partie spielte, im letzten Moment in einen
Schuss werfen und zur Ecke klären. Diese führte zu einem Kopfballaufsetzer, gegen den wohl auch Nulle
keine Chance gehabt hätte, aber der Ball ging über die Torlatte. Ganz stark bei den Kielern war in der
Anfangsviertelstunde Sembolo, der ein paar Mal den Jenaern Knoten in die Beine dribbelte. Nachdem aber Sträßer
ihn mal etwas energischer bremste, wurde der auch ruhiger. Nach ein paar Minuten relativer Ruhe musst Nulle, wiederum
nach Ecke, sehr energisch den Ball (samt Gegner) wegfausten, um Schlimmeres zu vermeiden (25.). Nochmals zehn Minuten
danach hatten die Heimzuschauer den Jubelschrei auf den Lippen: Ein weiter Einwurf von rechts wurde verlängert
und den folgenden Kopfball Holts erwischte Nulle mit sensationellem Reflex gerade noch so. Holstein ließ den
Ball in dieser Phase schnell laufen und spielte oft direkt ab. Allerdings ging es zumeist nur bis zur Strafraumgrenze,
an der eine gelbe Wand sie aufhielt. Und so probierte es Sykora-Ersatz Guscinas aus 20 Metern mit einem Fernschuß,
der jedoch nur die Latte traf und die Zuschauern aufstöhnen ließ. Zur Pause konnte man über das
Unentschieden heilfroh sein, denn die Angriffsbemühungen des FCC konnte man bis dahin mit der Zahl "Null" beschreiben.
Nach der Pause ging es wie gehabt weiter, lediglich die Spielhälfte, in der sich alles abspielte, änderte sich.
Allerdings war Holstein jetzt so nett und verzichtete fast völlig auf das Spiel über die Flügel. 7,32 m ist
die Torbreite und ungefähr ebenso breit war der Korridor an Jenas Strafraumgrenze, durch den die "Störche" ihre
Angriffe versuchten. Die Jenaer Abwehrspieler hatten dadurch eigentlich ein leichtes Spiel, wurde doch einmal einer ausgetanzt,
so standen garantiert gleich zwei weitere Gelbe dahinter und klärten. Nur bei einem Fernschuss Lamprechts von rechts
außen (52.) und einem abgefälschten Freistoß (55.) kam der Ball mal in Nulles "Sichtweite", der Rest
waren Kinkerlitzchen. Nach vorn blieb alles unverändert, es ging nichts. Kam man doch einmal über die Mittellinie,
so war es ziemlich sicher, dass Orlando im Rücken der Abwehr im Abseits stand. In der 60. min dann hatte der FCC
mal eine Chance auf einen aussichtsreichen Angriff, aber Orlando rannte mit gesenktem Kopf in zwei Gegner hinein und
übersah den mitgelaufenen und freistehenden Hähnge. So konnte das nichts werden und folgerichtig kam in der
65. Minute Kolb für Orlando. Schon die ersten Zweikämpfe Kolb sahen völlig anders aus als Orlandos
Vorstellung: Der Achtzehnjährige ging in die Zweikämpfe, setzte bei Ballverlust sofort nach und steckte
nie auf. Mir rutschte da ein "Dem Kolb gönne ich ein Tor, der hat schon gegen Dortmund so gut gespielt" heraus
(wenn die Weissagung der Lottozahlen nur ebenso klappen würde…). Drei Minuten nach dem Wechsel (in der 68. min!!!)
hatte der FCC seinen ersten Torschuss, aber Truckenbrods Geschoss ging knapp am langen Pfosten vorbei. Der nächste
Kieler Angriff wurde kurz hinter der Mittellinie abgefangen und der FCC hatte eine perfekte Konterchance in 3:2-Überzahl,
jedoch vergeigte Riemer diese Gelegenheit kläglich. Kurz danach bekam Hähnge auf der rechten Seite den Ball,
ging bis zur Grundlinie, beschäftigte zwei Gegenspieler und spielte mit der Hacke auf den mitgelaufenen Eckardt.
Der schickte seinen Gegenspieler und bediente - wie schon in vorhergehenden Spielen - mit einer maßgenauen
Zuckerflanke den in der Mitte wartenden Mitspieler. Diesmal war es Kolb, der sich die Chance nicht entgehen ließ
und zur überraschenden Führung des FCC einnickte und auf der Gegentribüne für eisiges Schweigen um
mich herum sorgte (ich jubelte solo *g*).
Das Spiel war gekippt. Die "Störche" hatten einen gewaltigen Knacks bekommen,
denn sie versuchten zwar in der verbleibenden Zeit mit viel Einsatz und Elan, dieses Resultat zu reparieren, aber lediglich
ein weiterer Lattentreffer wiederum durch Guscina sorgte für Aufregung. Im Gegenteil, mit etwas Cleverness hätte
Jena jetzt den berühmten Sack zubinden könne, aber zunächst war nach Doppelpass Eckardt - Hähnge der
Kieler Torwart einen Tick schneller am Ball als Eckardt (85.) und dann fehlte Truckenbrod einfach die Kaltschnäuzigkeit,
allein vor Frech - der bis zur Strafraumgrenze herausgekommen war - mit einem Heber das 2:0 zu machen, er ballerte den Ball
voll auf den Keeper drauf. Ansonsten versuchte man ziemlich geschickt und erfolgreich, in den verbleibenden Minuten das Tempo
aus dem Spiel zu nehmen und den Ball in den eigenen Reihen zu halten.
Bis zu Kolbs Einwechslung wäre ich mit einem Punkt hochzufrieden gewesen. Der "Dreier" ist mit etwas Glück in
den ersten 70 und mit ansprechender Leistung in den letzten 20 Minuten eingefahren worden. <uk>
FC Carl Zeiss Jena - Borussia Dortmund II 2:1
Tore: 0:1 Neumeister (6.), 1:1 Lukimya (13.), 2:1 Riemer (80.)
- Jena: Nulle; Sievers, Wuttke, Lukimya, Sträßer;
Nagy (90. Petersen), Truckenbrod, Hähnge, Eckardt (85. Fuss); Orlando,
Kolb (73. Riemer)
- Dortmund: Höttecke; Koch, Eggert, Hünemeier, Neumeister;
Hille, Hasanbegovic (85. Boztepe), Tyrala, Öztekin; Ginczek (57.
Piossek), Kullmann
- Zuschauer: 6983
- Schiedsrichter: Dankert (Rostock)
- Spielbericht
-
Das Chaos beim FCC wurde gerade mal wieder etwas unübersichtlich. Nachdem
Peter Schreiber offenbar keine unbezahlten Rechnungen mehr auf seinem Wühltisch
findet (oder diese lieber wieder untendrunter steckt), fängt die
liebevoll zusammengesparte Mannschaft an sich in Wohlgefallen aufzulösen.
Der eine haut mit südländischer Besonnenheit einem Blumenzüchter
ins Gesicht, der andere wird aufgrund seiner Großartigkeit
suspendiert und der Dritte hat seine Bandscheiben nicht im Griff. Hinzu kommen
ungezählte Zerrungen und Risse diverser Muskelgruppen, schlechte
Blutwerte und Verstauchungen. Und die wenigen Verbliebenen, die sich stets gut
benommen haben und dazu gesund sind, können auch nicht mehr so
richtig. Zu groß ist der Druck nach dem Kulturarena-Debakel für
Rom, Ähnliches vollbringen zu müssen. Ernüchternde
Aussichten also für das gestrige Spiel gegen Dortmunds Zwote, zumal
die nach fünf Minuten schon in Führung lag. Neumeister hatte
die Aufwachprobleme in Jenas Deckungsverbund schamlos ausgenutzt und per Kopf
die Gästeführung hergestellt (6.). Zwar war der ursächliche
Freistoßpfiff völliger Mumpitz, gezählt hat es
trotzdem. Aber was soll's. Aus Ruinen wird auferstanden! Und überhaupt:
Bandscheibenvorfälle werden total überbewertet!
Zwar
folgte die Trotzreaktion erst nachdem Nulle das 0:2 und damit den unabwendbaren
Untergang verhindert hatte, dann aber kam die große Zeit des Rene
Eckardt. Ganz ehrlich, wenn der immer so spielen würde wie die
folgende Viertelstunde, die Nationalmannschaft wäre kein Thema. Seine
Vorlage auf Wuttke nach einer Ecke und sein Heber aus spitzem Winkel wären
bereits Treffer wert gewesen, Hötteke bekam aber beidemal noch
irgendein Körperteil dazwischen. Gegen Lukimyas Schuß aus
Nahdistanz konnte aber auch der Dortmunder Schlußmann nichts mehr
machen. Eckardt hatte Neumeister auf der rechten Seite schön zur
Schere gemacht und den Ball dann flach nach innen geschlagen. Von dort hätte
es wohl nur noch Gomez und dann auch nur im Nationaltrikot noch fertiggebracht,
das Tor nicht zu treffen. Jubeln unter Vorbehalt (13.). Ein Unentschieden
konnte hier ja nicht das Ziel sein! Dieser Vorbehalt legitimierte sich
schneller als gedacht. Mit der Gewißheit der uneingeschränkten
Überlegenheit zog sich Jena wieder aus dem Dortmunder Strafraum zurück.
Alle Maschinen Stop - im Notfall gleichen wir halt wieder aus. Zwar hatte
Eckardt nach eine Wuttke-Vorlage noch einmal die große Chance zur Führung,
sein strammer Volleyschuß fand aber den Weg ins Tor nicht und ist
jetzt wahrscheinlich ein dicker blauer Fleck auf einem Dortmunder Gesäß
(16.). Danach tickte nur noch die Uhr runter. Was dieser taktische Unsinn soll,
ist schwer zu sagen, zumal der Schwung des Ausgleichstreffers dadurch völlig
verpuffte. Die Kräfte jedenfalls hätten eigentlich noch ein
bißchen länger reichen sollen. Kurz vor der Pause hätte
sich dieses unheilvolle Fehlverhalten tatsächlich fast gerächt.
Wäre Kullmann nicht um Zentimeter an Boztepes Eingabe vorbeigerutscht,
die etwa 300 Mitgereisten Dortmunder hätten wohl unsere leise vor sich
hin tirilierende Südkurve vollends unter den Tisch gesungen. Glück
gehabt!
Nach der Pause war es vor allem Orlando, der für Aufsehen sorgte.
Inzwischen ist es für jeden Gegner offenbar ein probates taktisches
Mittel geworden, ihn einfach am Losrennen zu hindern. Ein kurzes Halten, ein
Schubser auf Höhe der Mittellinie, eigentlich ist alles besser als ihm
später hinterherzugucken. Zwei oder drei gelbe Karten werden dafür
augenscheinlich in Kauf genommen, welche die Schiedsrichter (vor allem der von
gestern) oft nicht mal geben. Wenn dann auch noch klarste Pfiffe ausbleiben,
geht mir langsam das ohnehin knapp bemessene Verständnis aus.
Stattdessen reichten auf der Gegenseite mitunter kleinste Scharmützel
aus, um aus gefährlichsten Positionen Freistöße zu
verhängen. Einer davon wäre Jena fast zum Verhängnis
geworden, als Hünemeier den hoch hineingeschlagenen Ball von Tyrala
nur knapp verfehlt, kann Nulle erst im Nachfassen das Unentschieden festhalten
(63.). Knapp! In dieser Phase überzeugt der FCC aber auch allenfalls
durch Gleichwertigkeit auf niedrigem Niveau. Die Führung kommt
dementsprechend wie aus dem Nichts. Wieder ist es Eckardt, dessen präzise
Flanke die Entscheidung bringt. Punktgenau schießt der den Ball auf
den eingewechselten Riemer, dessen Kopfstoß die vor sich hindämmernden
Fans aus der allgemeinen Lethargie reißt (80.). Nicht zu glauben! Dieses Murksspiel und dann auch noch der Riemer. Der
hatte gegen Erfurt nun wirklich einen Scheißtag erwischt. Und dann
noch das Ding mit seinem Rücken. Schön, daß es
offenbar doch nicht so schlimm war oder Bandscheibenvorfälle halt
einfach überbewertet werden (-:
Was folgt sind noch zehn zerrige Minuten Warterei plus einer unendlich
langen Nachspielzeit. Dann ist der dritte Sieg endlich in Sack und Tüten.
Glanzvoll war es nicht! Spielerisch herrschte mitunter unbeschreibliches Elend
auf dem Platz. Dazu kommen die Abstimmungsschwierigkeiten, die bei einer neu
formierten Elf aber ganz normal sind. Entscheidend aber war der größere
Wille. Das was Erfurt in Jena zum Sieg getragen hat, war gestern Jenas
Unterpfand. Die Mannschaft wollte einfach mehr. Das Derby ist damit nicht
vergessen, dieser Stachel sitzt zu tief. Aber ein Rückspiel in Erfurt
ist ja auch noch. Ein neues Spiel mit neuen Chancen. Und nächstes Jahr
wollen wir ja auch wieder in die Kulturarena... <bpf>
VfL Osnabrück - FC Carl Zeiss Jena 2:0
Tore: 1:0 Lindemann (21.), 2:0 Reichenberger (63.)
- Osnabrück: Berbig; Herrmann, Barletta, Nickenig, Krük;
Siegert, Heidrich, Lindemann, Hansen (76. Grieneisen); Reichenberger (85.
Samide), Schmidt
- Jena: Nulle; Sievers, Wuttke, Lukimya, Sträßer;
Nagy (66. Kolb), Truckenbrod, Ziegner, Holwijn (83. Eckardt); Orlando,
Hähnge
- Zuschauer: 9800
- Schiedsrichter: Aytekin (Oberasbach)
- Spielbericht
-
Der Überkreuzvergleich der bisherigen
Saisonresultate sprach von vornherein gegen den FCC: Ingolstadt hatte Erfurt
klar besiegt, Osnabrück die Ingolstädter und Erfurt am
vergangenen Sonntag....ach, lassen wir das. Fußballspiele werden
nicht mit dem Taschenrechner entschieden. Klären wir stattdessen
lieber die Frage: Was stellt eine Mannschaft am gescheitesten an, die mit
Lanzaat, Riemer, Petersen, Osadchenko sowie Ralf Schmidt gleich fünf
Ausfälle in der Abwehr zu verkraften hat ? Klar, sie spielt munter
nach vorn !
Genau das tat Jenas Elf in der Anfangsphase. Da Salvatore
Amirante nach seiner Rot-Sperre für mindestens vier Spiele von der
Bildfläche verschwunden sein wird, teilten sich die beiden Holländer
Orlando und Holwijn von außen kommend in die Rolle des zweiten Stürmers
hinein. Wobei Melvin Holwijn in seinem ersten Match von Anbeginn wesentlich mehr
auffiel. Selbst zwei Gegenspieler vermochten ihn nach fünf Minuten
nicht zu stoppen, zumindest nicht mit fairen Mitteln. Erst als Holwijn wie
nichts zwischen ihnen hindurch geschlüpft war, holte ihn der düpierte
Krük von den Beinen. Freistoß also von der rechten
Strafraumseite, lang auf die andere Seite geschlagen zu Wuttke, dieser sofort
zurück auf den vorm Tor stehenden Hähnge. Zeit zu überlegen
hatte Sebastian nicht, zwei Meter vor dem Kasten inmitten einer lila
Spielertraube handelt man sowieso besser instinktiv - wenn dann aber der Ball
Osnabrücks Keeper Tino Berbig mitten ins Gesicht fliegt, ist das
einfach nur riesengroßes Pech. Doch Jena blieb am Drücker.
Gerade mal zehn Minuten waren gespielt, als ein sichtlich
motivierter Sebastian Hähnge
diesmal von der rechten Seite kommend durchzog. Berbig verkürzte den
Winkel, Hähnge legte deshalb auf den zentral stehenden Truckenbrod ab,
doch schoss dieser aus sieben Metern weit über das leere VfL-Gehäuse.
Dies freilich war mit Pech nicht mehr zu erklären, muss doch auch von
einem defensiven Mittelfeldspieler erwartet werden dürfen, beim unbedrängten
Torschuss nicht in starke Rückenlage zu verfallen.
Ein Führungstreffer
wäre der gerechte Lohn für ansehnlichen Kombinationsfußball
in der ersten Viertelstunde gewesen. Außer einer Einzelleistung von
Jenas Ex-Kapitän Niels Hansen hatten die Gastgeber bis zu diesem
Zeitpunkt noch nichts zustande gebracht, unter anderem weil sich Tim Wuttke auf
der ungewohnten Innenverteidiger-Position gut in Jenas Viererkette einfügte.
Doch dann brach Minute 21 an. Siegert legte für Björn Lindemann
auf und der hatte als erster VfL-Spieler in diesem Match mal richtig Platz am
gegnerischen Sechzehner. Wie er den nutzte - mit einem Sonntagsschuss ins
Dreiangel - war zweifellos sehenswert. Die Führung ansich aber äußerst
glücklich. Erst jetzt kamen die Niedersachsen besser ins Spiel. Nachdem sich zwei Jenaer
gegenseitig angeschossen hatten (29.), drohte für Carsten Nulle ebenso
Gefahr wie beim Freistoß zehn Minuten später, den der Torhüter
aber auf Nummer sicher gehend über die Latte lenkte. Seinem Gegenüber
Tino Berbig, der selbst mal in Jena zwischen den Pfosten gestanden hatte und
hierher noch familäre Bindungen hat, misslang in der 40. Minute bei
einsetzendem Gewitterregen ein Abschlag, sodass Hähnge den Ball mit
einem Heber postwendend zurück brachte. Leider nur aufs Tornetz. Als
sich einige schon auf den Pausentee zu freuen schienen, gabs den ersten
erfolgreichen Antritt von Orlando. Bei dessen Eingabe von der linken Seite kam
Hähnge einen Schritt zu spät. Oder ließ er den Ball
absichtlich für Holwijn durch ? Möglich wäre es,
denn der Neuzugang hatte freie Bahn, nur -
was machte er daraus ? Halb Ballannahme, halb Torschuss, nichts von
beiden richtig, und so beförderte der Nationalspieler das Leder weit
am Pfosten vorbei ins Toraus. Zwei, drei dicke Torchancen teils kläglich
vergeben zu haben war der einzige Vorwurf, den man der Zeiss-Elf beim Gang in
die Kabinen machen konnte.
Die erste Aktion nach Wiederanpfiff war nahezu eine Kopie
der letzten Szene vor der Pause. Wieder ging Orlando auf der linken Seite auf
und davon, wieder kam Hähnge in der Mitte einen Schritt zu spät.
Nur dass diesmal kein Holwijn daneben stand. Auf der anderen Seite köpfte
Nickenig aufs Tornetz (48.). So wie sich das Spiel danach entwickelte, war
absehbar, dass es nicht bei dem einen Treffer in dieser Partie bleiben würde.
Beide Mannschaften schenkten sich nichts, noch aber fand niemand die Lücke.
Die Emotionen im Spiel übertragen sich sogar auf die Ersatzleute
hinter dem Tor. Als Sträßer bei einer Abwehraktion gehalten
wurde und somit nicht in der Lage war, den Eckball zu verhindern,
regte sich André Schmidt berechtigterweise über
den Schiri-Assistenten auf, der das Foul eigentlich hätte sehen müssen.
Die Konsequenz war die Gelbe Karte für einen Spieler, der in dieser
Saison noch nicht eine Punktspielminute in der ersten Mannschaft verbracht hat
(58.). Besagte Ecke beschwörte übrigens Gefahr durch
Reichenbergers Kopfball herauf, den Nulle wegfaustete.
Osnabrücks Stürmer-Oldie
drehte nun richtig auf. War beim Schuss in Minute 62 abermals bei Carsten Nulle
Endstation, sorgte Thomas Reichenberger schon zwei Minuten später für
die Spielentscheidung, indem er aus sieben Metern zum 2:0 traf. Ein Tor,
das Carsten Sträßer auf seine Kappe nehmen muss, vertändelte
er doch das Leder im eigenen Strafraum ohne Not gegen Hansen, der dann
Reichenberger ins Spiel brachte. Zwar hatte eine Jenaer Mannschaft schon einmal
im Osnabrücker Stadion das Kunststück fertig gebracht, aus
einem 0:2 noch ein Remis werden zu lassen - doch die Körpersprache
nach dem zweiten Gegentreffer zeigte an, dass sich das diesmal nicht
wiederholen würde. Weshalb ein über 70 Minuten recht intensiv
geführtes Spiel die verbleibende Zeit gemächlich austrudeln
durfte.
Die Art und Weise, wie diese Niederlage zustande kam, war
eine ganz andere als eine Woche zuvor. Kein Vergleich mit dem fast
hergeschenkten Derby. Und doch gerät die Mannschaft nach einem Punkt
und null Treffern aus den letzten drei Partien in Zugzwang. Schon im nächsten
Spiel muss der Schalter wieder umgelegt werden, soll eine weitere Spielzeit in
den Tabellenregionen der Vorsaison vermieden werden. <fc>
FC Carl Zeiss Jena - FC Rot-Weiß Erfurt 0:3
Tore: 0:1 Kammlott (1.), 0:2 Semmer (40.), 0:3 Kammlott (55.)
- Jena: Nulle; Sievers, Riemer (46.Petersen), Lukimya,
Sträßer; Nagy (46. Hähnge), Truckenbrod, Ziegner, Eckardt
(68. Holwijn); Smeekes, Amirante (
, 59.)
- Erfurt: Orlishausen; Malura (

, 59.), Pohl, Möckel,
Ströhl; Cinaz, Rockenbach da Silva, Stenzel, Hauswald (84. Pinske); Semmer (64. Peßolat),
Kammlott (78. Cannizzaro)
- Zuschauer: 11.200
- Schiedsrichter: Leicher (Landshut)
- Spielbericht
- Ein paar Worte vorweg, zu den wenigen positiven Aspekten dieses Spiels:
Endlich,endlich, endlich hat es der Verein einmal geschafft, die Stadiontore mit
ausreichend Leuten zu besetzen, um einen flüssigen Einlass zu gewährleisten.
Man mag sich gar nicht ausmalen, wieviele frustrierte Zuschauer des FCC in
den letzten Monaten nicht wieder gekommen sind - nur weil der Verein die paar
Euro sparen wollte, die zusätzliche Einlasskräfte kosten? Bitte lasst es
keine Derby-Eintagsfliege sein...
Eine zweite gute Nachricht: Das Stadion war
nahezu ausverkauft, nur die Gäste hatten zu Hause irgendwie kleine Probleme
mit dem Kartenverteilen. Ja, und die Choreos kurz vor Beginn des Spiels:
die große Flagge auf der Haupttribüne und dann die Herzchen für Jena, erst
rot (WTF?!) und dann blau-gelb-weiß mit Feuer.
Beeindruckend(!) - dachten
sich wohl auch die Spieler des FCC, die sich in der ersten Minute
anscheinend auf alles andere drumherum konzentrierten, nur
nicht auf's Spiel. Der Anstoß des FCC wurde abgefangen, ein steiler Pass in
die Spitze, Abschluss von der Strafraumkante ins linke untere Eck, und nach
gefühlten drei Sekunden stand es Null-zu-Eins.
Braucht es wirklich nur ein Gegentor in der ersten Minute, um das in den
letzten Wochen vielgerühmte Wahnsinns-Jenaer Publikum komplett ruhigzustellen?
Offensichtlich. Nur die Südkurve zuckte noch in den ersten zehn Minuten,
in denen Jena sichtlich geschockt wirkte und nichts auf die Reihe kriegte.
Die Unaussprechlichen waren auch nicht wirklich gefährlich, und so plätscherte
es dahin bis zur 14. Minute, als Amirante kurz vor dem Strafraum gelegt
wurde. Ziegner trat an und schlenzte den Ball an die Querlatte... was für ein
Pech! Wenigstens war der FCC in dieser Phase gleichwertig und kam über das
Kurzpassspiel und gewonnene 1:1-Situationen auch mehrmals schnell bis
zum Strafraum der anderen. Irgendwie schienen sie aber den Ball heute
reintragen zu wollen: immer noch ein Abspiel oder Dribbling mehr aus aussichtsreicher
Position, aus der man auch einfach mal hätte draufhauen können und
müssen. Jenaer Verunsicherung wurde merklich. Je weiter die erste Halbzeit
voranschritt, desto mehr unforcierte Fehler schlichen sich in das Jenaer
Spiel ein. Kurz vor der Halbzeit verschätzte sich dann auch noch Nulle bei
einem Eckball und es stand 0:2. Auf den Tribünen machte sich Ratlosigkeit breit
- war das wirklich die gleiche Mannschaft, die bislang so begeisternden
Fußball gespielt hatte?
Es konnte nur besser werden und es wurde - bitterer. Da hatte der FCC
gleich nach der Pause eine gute Kopfballchance (der Ball landete auf dem
Tornetz), doch in der 54. Minute kam eine Bogenlampe in den Jenaer Strafraum
hereingesegelt, die ewig in der Luft war und trotzdem nach Direktabnahme
im Jenaer Tor landete. Wenn der Torschütze demnächst im Training versucht,
dieses Tor nachzustellen, wird er von 100 Versuchen wahrscheinlich 99 nicht
treffen...aber im Spiel ging er halt rein, und damit war die Luft vollständig raus.
Was danach passierte, war haarsträubend.
Es ist nicht unüblich, dass Mannschaften sich bei einem Rückstand von 0:3
nach 55 Minuten mitunter hängenlassen (wobei meine ganz persönliche Meinung
dazu ist, dass das dann auch keine Mannschaft ist). Aber dass so absolut gar
nichts mehr ging, dass einfachste Bälle zum Gegner gespielt, wirklich sinnlose
Dribblings angesetzt und Laufwege einfach abgebrochen wurden, macht
nachdenklich. Die erste Chance für den FCC gab es erst wieder in der 71.
(Hähnge vergibt aussichtsreich), dann nochmal eine kleine in der 75. Auf
der Gegenseite konnten wir uns bei Nulle bedanken, dass es am Ende nicht 0:5
stand - und zwar nicht, weil der Landeshauptstadtclub überragenden Fußball
gespielt hätte.
Einen "positiven" Aspekt hat die Sache am Ende doch noch: Dieses ganze
Geklapse mit angekündigtem Moonwalk, "Wir steigen auf"-Gesängen und 100:0-Fahnen
gehört erst mal wieder der Vergangenheit an. Die Chance besteht, dass die
Jenaer Spieler am Sonntag begriffen haben, dass sich Spiele gegen Mannschaften,
die unten stehen, nicht von selbst gewinnen. <ragnar>
Derby-Fotos von Jens Weißenburger
Bericht auf der Erfurter Homepage
FC Erzgebirge Aue - FC Carl Zeiss Jena 0:0
- Aue: Männel; Klingbeil, le Beau, Paulus, Schaffrath;
Cimen (68. Gambo), Stark, Müller (72. Klotz); Curri, Braham, Ramaj (90.
Hiemer)
- Jena: Nulle; Sievers, Riemer, Petersen, Sträßer;
Nagy, Truckenbrod, Ziegner, Orlando; Hähnge, Amirante (87. Eckardt)
- Zuschauer: 11.400
- Schiedsrichter: Dr. Fleischer (Sigmertshausen)
- Spielbericht
- 5:1, 5:0, 5:0. In den vergangenen drei Jahren ist der FCC im
Erzgebirgsstadion regelrecht vermöbelt worden. Bekanntlich hat der
Optimist keine Ahnung von den freudigen Überraschungen, die ein
Pessimist erlebt. Trotzdem fuhren wir diesmal mit einem besseren Gefühl
nach Aue und weigerten uns von vornherein, an eine Fortsetzung dieser schwarzen
Serie zu glauben. Dafür hatte die neue Jenaer Mannschaft in den ersten
Wochen der noch jungen Saison schon zu viel an Potential offenbart.
Entgegen seiner Ankündigung hatte René van Eck im
Vergleich zum letzten Spiel eine Änderung vorgenommen. Rene Eckardt
blieb trotz ansprechender Leistung gegen Bayerns Zweite erst mal wieder auf der
Bank, wohingegen Sebastian Hähnge zu seiner Premiere in der Startelf
kam. Waren es die besseren Trainingsleistungen, die dafür den
Ausschlag gaben ? Fürchtet van Eck, den Youngster zu schnell zu
verheizen ? Oder will er Jenas Offensivtaktik ein Stück weit
unberechenbarer für die Ligakonkurrenz gestalten ? Wie auch immer -
Smeekes, der am liebsten nur Orlando genannt werden möchte, rückte
aus dem Zentrum auf die Außenposition. Von da, nur in der anderen Hälfte,
kamen auch die meisten Bälle in den ersten zwanzig Minuten. Eckball um
Eckball holten die Gastgeber während ihrer Anfangssoffensive heraus.
Den ersten richtigen Torschuss gabs dennoch von einem Jenaer. Salvarore
Amirante prüfte Martin Männel nach achtzehn Minuten. Darüber
hinaus tat sich allerdings vor der Pause nicht viel an Offensivgeschehen
seitens der Thüringer. Dazu fehlte es im Mittelfeld an einem
Gestalter, der die Bälle verteilte oder einfach mal länger in
den eigenen Reihen hielt. Hähnge und Amirante hatten es schwer mit
ihren Gegenspielern. Und Orlando ? Zeigte auf rechtsaußen mehrmals
technische Kabinettstückchen, doch in echte Torgefahr mündeten
die meist nicht, sodass sich die Umstellung alles in allem nicht bezahlt
machte. Ein einziges Mal brachte er vor der Pause nach energischem Sprint eine
Eingabe vors Tor, doch die fing Männel vor dem einschussbereiten
Amirante weg.
Erfreulich hingegen, dass Jenas Viererkette auch ohne Lanzaat
lange Zeit nichts zuließ. Da konnten Curri und Ramaj rochieren, wie
sie wollten - sowohl Sievers wie auch Sträßer ließen
sie nicht zu Entfaltung kommen. Auch die 7:0 Ecken der Veilchen in Hälfte
eins bereiteten Nulle und seinen Vorderleuten keine Probleme. Lediglich in den
letzten drei Minuten vor dem Pausenpfiff schlich sich kurzzeitig mal etwas
Sorglosigkeit ins Jenaer Abwehrzentrum. Denn dass ausgerechnet der Kleinste auf
dem Platz, Skerdilaid Curri, nur um wenige Zentimeter an einem Kopfballtor
vorbeischrammt, darf eigentlich nicht
passieren. Und was war in Minute 44 los ? Bei Müllers Heber in den
Strafraum rannten gleich zwei Weiße mit Ramaj mit, wodurch sich
Braham zentral in 13 Metern
Torentfernung seelenruhig auf seinen Torschuss vorbereiten konnte. Doch vergeht
kein Spiel ohne eine Heldentat von Carsten Nulle ! Jenas Keeper entschärfte
Brahams Schuss mit toller Reaktion. Der Halbzeitpfiff kam den Jenaern nicht
ungelegen.
Mit Beginn der zweiten Hälfte hatte sich Jenas
Hintermannschaft wieder formiert. Aue zunächst wieder leicht feldüberlegen,
ohne groß zu Tormöglichkeiten zu gelangen. Ramajs Schlenzer
Richtung Dreiangel fing Nulle noch in dessen Steigphase (57.). Die optische Überlegenheit
auf Seiten der Gastgeber verschwand dann nach etwa einer Stunde Spielzeit. Erst
jetzt fiel auf, dass mit Kos auch bei den Erzgebirglern der Abwehrchef fehlte
und deren Hintermannschaft nicht unüberwindbar ist. Als Orlando seinen
Gegenspieler ins Leere rutschen ließ, die flache Hereingabe nur
unkontrolliert nach vorn abgewehrt werden konnte, kam Jens Truckenbrod aus fünfzehn
Metern zum Torschuss. Wie gern hätten wir DEN ankommen sehen ! Doch
Paulus warf sich hinein, bescherte Jena damit nach 61 Minuten wenigstens noch
die erste Ecke, welche aber wie generell alle Standards an diesem Tag nichts
einbrachte. Die hohen Temperaturen sollten in der Schlussphase bei beiden
Mannschaften ihren Tribut fordern. Das Wort Sommerfußball machte nun
die Runde. Van Eck schien dennoch nicht unzufrieden,
tätigte seinen ersten Wechsel erst drei Minuten vor
Schluss und dies aus Verletzungsgründen. Dass auch Trainerkollege
Schmitt in der 90. Minuten noch einen neuen Mann auflaufen ließ, lässt
den Schluss zu, dass mit dem unentschiedenen Spielausgang am Ende alle recht
zufrieden waren. Die Gastgeber hatten dem Spitzenreiter einen Punkt abgerungen,
der FCC bereitete seiner schwarzen Serie im Erzgebirgsstadion endlich ein Ende.
Zwar ist die Tabellenführung damit schon wieder
passé, doch ist der FC Carl Zeiss Jena auch nach dem Auer Auswärtsspiel noch ungeschlagen in dieser Saison.
Und das ist schließlich auch schon etwas wert. <fc>
FC Carl Zeiss Jena - FC Bayern München II 6:0
Tore: 1:0 Eckardt (8.), 2:0 Smeekes (28.), 3:0 Amirante (48.), 4:0 Amirante (62.), 5:0 Amirante (64.), 6:0 Amirante (76.)
- Jena: Nulle; Sievers, Riemer, Lanzaat (23. Petersen),
Sträßer; Nagy, Truckenbrod, Ziegner, Eckardt; Smeekes (68.
Hähnge), Amirante (77. Benyamina)
- München: Kraft; Schütz, Lell
(
, 38.), Saba (56. Kopplin), Contento;
Erb, Rieß, Görlitz, Schürf (53. Yilmaz); Sikorski, Sene (43. Duhnke)
- Zuschauer: 8346
- Schiedsrichter: Gorniak (Bremen)
- Spielbericht
- Vor dem Spiel bestimmten noch Sorgen die Gedanken der
meisten Zuschauer, an die sich nach dem Spiel kaum noch jemand erinnerte. Wie
wird die Mannschaft die befürchteten Ausfälle von Carsten Sträßer
und Ralf Schmidt verkraften können? Wie kommt der FCC mit den
bundesligaerfahrenen Christian Lell und Andreas Görlitz zurecht? Wird
die zweite Garde des großen FC Bayern am dritten Spieltag ihr
zweifellos vorhandenes Potential zeigen, nachdem man eher schwach in die Saison
gestartet war?
Zumindest einer der Fragen löst sich noch vor dem
Anpfiff in Wohlgefallen auf, denn Carsten Sträßer stand in
der Startformation. Der Abwehrspieler ist mitverantwortlich für den
derzeitigen Erfolg des FCC und wird von vielen aufgrund seiner in der letzten
Saison oft gut versteckten Souveränität mit einem
Augenzwinkern als "Neuzugang" bezeichnet, entsprechend groß war die
Erleichterung bei der Lektüre seines Namens in der Startaufstellung. Die
Elf des gut in die Saison gestarteten FCC begann das Spiel auch gleich druckvoll
und schon die ersten Minuten ließen keinen Zweifel daran aufkommen,
wer heute der Herr im Haus sein wollte. Die erste Ecke des Spiels erhielten
trotzdem die Bayern, aber mehr als ein schneller Gegenstoß über
den starken Sievers sprang dabei nicht heraus. Dieser Konter war es, den Timo
Nagy mit einem herrlichen Pass auf Salvatore Amirante fortsetzte. Der Italiener
stand plötzlich vor Kraft im Tor des FCB und wollte den Ball in der
langen Ecke unterbringen, hatte dabei aber die Reflexe des Schlussmanns der
Bayern unterschätzt. Festhalten konnte er den scharfen Schuss aus
kurzer Distanz allerdings nicht, der mitgelaufene René Eckardt schaltete am
Schnellsten und konnte den Ball unbedrängt aus kurzer Distanz im Tor
unterbringen - 1:0 für den FCC nach nur acht Minuten! Die erfahrenen
Spieler der Bayern, namentlich Görlitz und Lell, sahen beim
vorhergehenden Zusammenspiel von Nagy und Amirante alles andere als gut aus und
verloren schon nach diesen wenigen Minuten einen Teil des von ihren Namen
ausgehenden Glanzes.
Die Gäste aus München zeigten sich aber
keineswegs geschockt vom frühen Rückstand, stattdessen bemühten
sie sich von nun an intensiv um den Ausgleich. Nur fünf Minuten nach
der Führung war es Carsten Nulle, der gegen den in dieser Phase
starken Sikorski klären musste. Der war nach einem Missverständnis
in der Jenaer Hintermannschaft plötzlich frei vor Nulle aufgetaucht
und scheiterte nur an der blitzschnellen Reaktion des auch heute sicheren Rückhalts.
Im Gegenzug hat Eckardt das 2:0 auf dem Fuß, nachdem er mit einem
herrlichen langen Ball von Nagy freigespielt wurde. Sein Ball geht aber leider
nicht nur an Torhüter Kraft vorbei, sondern auch am Tor. Für
die nächsten Minuten sollte dieser Gegenstoß das letzte
Lebenszeichen des FCC sein, von nun an drückten die Bayern. Dabei war
es immer wieder Marco Riemer, der in der Abwehr nicht überzeugen
konnte. In der 16. Minute profitiert er allein von der Fairness des Münchner
Stürmers Sikorski, der sich trotz leichtem Trikotzupfer aufrafft und
sich nicht fallen lässt, anderenfalls hätte man diese
Situation wohl als Notbremse werten müssen. So stand Sikorski zwar
allein vor dem Jenaer Gehäuse, aber dieses wurde ja von Carsten Nulle
bewacht - und dieser reagierte erneut glänzend. Auch wenn man sich
mittlerweile schon fast daran gewöhnt hat, mit Nulle einen extrem
sicheren Rückhalt zu haben - was dieser Mann Woche für Woche
für Bälle hält, ist aller Ehren wert. Völlig
zu Recht wurde "Wild Thing" auch vor dem Spiel als Spieler der letzten Saison
ausgezeichnet, denn ohne ihn hätte der FCC die Klasse wohl kaum
gehalten. Richtig ernste Mienen konnte man nur kurz darauf erblicken, denn
offenbar hatte sich Abwehrchef Quido Lanzaat ohne Fremdeinwirkung verletzt und
drängte auf seine Auswechslung, die nach 23 Spielminuten vollzogen
werden musste. Nicht wenige fürchteten nun den baldigen Ausgleich oder
zumindest massive Probleme mit den schnellen und ballsicheren Angreifern der
Bayern für die umgestellte Innenverteidigung. Genau in diese Phase des
größten Drucks der Bayern stürmt aber erneut
Orlando Smeekes hinein und spielte sich endgültig in die Herzen der
Fans. Nach einer kampfgeprägten Balleroberung des Hachinger Neuzugangs
Nagy hat Orlando nur noch Lell und das Tor vor sich. In seiner gewohnten,
unheimlich schnellen Art stürmt er auf Lell zu, schlägt noch
einen Haken und streichelt den Ball dann mit der Innenseite an den kurzen
Pfosten - von dem das Leder den erstrebenswertesten Weg wählt, nämlich
den ins Tor von Jenas Gegnern! Das 2:0 in der 28. Minuten fiel sprichwörtlich
genau zum richtigen Zeitpunkt, denn es setzte einen Schlussstrich unter eine
Phase gefährlicher Angriffe der Gäste, die immer wieder nur
vom Jenaer Schlussmann aufgehalten werden konnten. Auch in der Folge überforderte
der Mann von den niederländischen Antillen, der nun bereits vier Tore
in drei Spielen erzielt hat, seinen Gegenspieler Lell immer wieder mit seiner
Schnelligkeit. Zehn Minuten nach dem 2:0 wurde die Sprintstärke dem Münchner
endgültig zum Verhängnis, als ihn Orlando einmal mehr
regelrecht überlaufen konnte und von Lell nur noch per Foul zu stoppen
war. Da Lell zu diesem Zeitpunkt letzter Mann war und Smeekes freie Bahn aufs
Tor gehabt hätte, war die Entscheidung des unauffälligen
Schiedsrichters Gorniak durchaus nachvollziehbar - Rote Karte wegen Notbremse
und Freistoß für den FCC, denn der Bremer Unparteiische
hatte das Foul außerhalb des Strafraums gesehen. Auch wenn der
Freistoß und die folgenden Minuten vor der Halbzeit nichts
einbrachten, so hatte sich der FCC doch eine hervorragende Ausgangslage für
den zweiten Durchgang geschaffen. Doch trotz der Zwei-Tore-Führung und
der Jenaer Überzahl erwarteten viele eine spannende zweite Hälfte,
in der den Bayern im Falle eines schnellen Anschlusstreffers durchaus noch
Chancen eingeräumt wurden.
Derartige Sorgen und Ängste lösten sich
aber schon kurz nach dem Wiederanpfiff auf, denn die 8346 Zuschauer im Ernst
Abbe Sportfeld sahen einen FC Carl Zeiss Jena, der weiterhin mit voller
Konzentration zu Werke ging. Das aus der Führung und dem Spielverlauf
resultierende Selbstvertrauen sorgte außerdem dafür, dass
Flanken und Pässe scheinbar präziser ankamen und
leichtfertiger von der Hand gingen als in anderen Spielen. Nur drei Minuten
nach Wiederanpfiff war es dann auch schon so weit, dass auch die letzten
Zweifler vom Optimismus übermannt wurden, denn nach einer präzisen
Flanke des starken René Eckardt auf den Kopf von Salvatore Amirante dürfte
die Halbzeitansprache von Gästetrainer Mehmet Scholl bereits hinfällig
gewesen sein. Der Italiener stieg als einziger im Strafraum hoch zum Kopfball,
begleitet nur von den ungläubigen Blicken seines Gegenspielers. Der
musste mit ansehen, wie der wuchtige Kopfball unhaltbar für Kraft im
Netz landete und das Spiel faktisch entschieden war. Anders als nach dem 1:0
war nun auch ein gewisser Schockzustand bei den Bayern zu erkennen, die mit
einer derart druckvollen Offensive seitens der Jenaer offenbar nicht gerechnet
hatten. Nach einer guten Chance für den unauffälligen, aber
ebenfalls überzeugenden Truckenbrod in der 59. Minute war es nach
knapp über einer Stunde erneut Amirante, der einen Eckball von Nagy
per Kopf über die Linie bugsierte. Wieder fühlte sich keiner
der Bayern so richtig zuständig, erneut war gegen den starken Kopfball
aus kurzer Distanz nichts zu machen - 4:0 für den FC Carl Zeiss Jena!
Schon jetzt fragten sich einige, wann sie derartiges zuletzt erlebt hatten,
nicht ahnend, was die folgenden Minuten noch bringen würden. Der FCC
hatte nämlich noch lange nicht genug und spielte weiter attraktiven
Offensivfußball. Nur zwei Minuten später hatte sich Smeekes
auf links einmal mehr aller Gegenspieler entledigt und spielte dann einen
perfekten Pass in den Lauf des Doppeltorschützen Amirante, der den
Ball aus fünf Metern nur noch über die Linie schieben musste
und damit das 5:0 sowie seinen Hattrick vollendete! Nach 68 Spielminuten gönnt
Jena-Trainer René van Eck dem neuen Publikumsliebling und Torschützen
des Monats Orlando Smeekes nach einer weiteren starken Partie seinen verdienten
Applaus. Von stehenden Ovationen begleitet verlässt der Shooting-Star
den Platz, für ihn kommt Sebastian Hähnge. Der Eingewechselte
fügt sich sofort gut in das Spiel der Blau-Gelb-Weißen ein
und hat nur Minuten nach seiner Einwechslung das 6:0 auf dem Fuß, als
ihm Truckenbrod den Ball überlegt in den Lauf lupft. In dieser
Situation konnte sich allerdings zunächst der Münchner Torhüter
Kraft auszeichnen, als er den scharfen Schuss Hähnges pariert. Doch
das sollte am heutigen Tag nicht ausreichen, denn Hähnge setzt nach,
holt sich den Abpraller und flankt den Ball erneut butterweich auf den langen
Pfosten. Dort wartet, wie könnte es anders sein, Salvatore Amirante
und hat erneut keine Mühe, den Ball im Tor unterzubringen - 6:0 nach
76 Spielminuten, vier Tore von Amirante innerhalb von nicht einmal einer halben
Stunde, ungläubiges Staunen mischt sich in den unbändigen
Jubel im weiten Rund des Ernst Abbe Sportfelds.
Das halbe Dutzend war voll und die Jenaer Spieler ließen
es dabei bewenden, die folgenden fünfzehn Minuten waren mehr Schaulaufen
als ernsthafter Fußball und die Bayern hatten sich längst
mit der demütigenden Realität abgefunden. Gegenwehr wäre
bei diesem Spielstand ohnehin zwecklos gewesen und so konnten die leidgeprüften
Anhänger des FCC endlich mal wieder eine Schlussviertelstunde ohne
Angst vor späten Gegentoren oder in der Hoffnung auf ein dringend benötigtes
Jenaer Tor verbringen, stattdessen wurde der in dieser Form von niemandem
erwartete Sieg ausgiebig gefeiert. Neben dem Ergebnis gefiel vor allem die
Tatsache, dass neben dem beinahe unheimlich schnellen Orlando Smeekes auch die
beiden Außen Sievers und Nagy überzeugen konnten und Jena über
weite Strecken des Spiels sehr sehenswerten und dynamischen Offensivfußball
zeigte. Auch in Anbetracht eines bestimmten Ergebnisses vom Samstag bildete das
6:0 den perfekten Abschluss eines paradiesischen Wochenendes, das so schnell
keiner der anwesenden Jena-Fans wieder vergessen wird. Nun muss der neue
Spitzenreiter der Dritten Liga in Aue nachlegen bevor am kommenden Wochenende
ein ganz spezieller Gast im Ernst Abbe Sportfeld erwartet wird. Sollten Orlando
Smeekes & Co. auch dann wieder einen ähnlichen Auftritt wie in den
bisherigen Saisonspielen hinlegen, dürfte der Jubel selbst die
heutigen Freudenschreie noch einmal deutlich übertönen. Bis
es so weit sein kann, liegen aber noch zwei mal 90 Minuten vor der Mannschaft
von René van Eck - zumindest das nötige Selbstvertrauen für
die erfolgreiche Gestaltung der beiden Ostderbys sollte spätestens
nach dem heutigen Spiel vorhanden sein. <bh>
SV Sandhausen - FC Carl Zeiss Jena 2:2
Tore: 1:0 Schuon (9.), 1:1 Smeekes (19.), 1:2 Riemer (32.), 2:2 Pinto (90., FE)
- Sandhausen: Gurski; Bindnagel, Schuon, Eberlein, Mintzel; Pinto,
Hillenbrand, Jungwirth (66. Fischer), Schauerte (77. Hosiner); Ristic (23.
Öztürk, Dorn
- Jena: Nulle; Sträßer, Lanzaat, Riemer, R. Schmidt;
Sievers (60. Hähnge), Truckenbrod, Ziegner, Nagy; Smeekes (88.
Petersen), Amirante (81. Benyamina)
- Zuschauer: 3150
- Schiedsrichter: Kempter (Sauldorf)
- Spielbericht
- Gleiches
Ergebnis - unterschiedliche Gefühle. Wo vor zwei Monaten 3.500 verzückte
Zeissfans ob des Klassenerhalts den Sandhäuser Rasen stürmten, herrschte
diesmal betretenes Schweigen unter beachtlichen gut 500 mitgereisten
Blau-gelb-weißen. Die meisten unter ihnen wären vor dem Spiel wohl mit einem
Zähler zufrieden gewesen, doch nach diesem Spielverlauf musste man einfach
hadern. Mit einer späten und nicht nachvollziehbaren Spielentscheidung durch
Referee Kempter, und mit dem Auslassen unzähliger
Möglichkeiten zur Vorentscheidung durch die eigene Elf.
Dass
dieses Spiel ein ganz intensives werden sollte, deutete sich schon nach wenigen
Minuten an. Riemers und Smeekes' gefährlichen
Toraktionen folgte auf der Gegenseite nach 8 Minuten die Führung der Gastgeber.
Ralf Schmidt hatte einen unnötigen Eckball verursacht - nicht der einzige
Fehler des sich nach dem Wechsel steigernden Studenten in den ersten 45 Minuten
- und Sandhausens bulliger Neuzugang Schuon köpfte
das Leder kompromisslos wuchtig zur frühen Führung ins Netz. Und die Gastgeber
drängten weiter mit schön anzusehendem Kombinationsfußball, waren durch das nur
schwer zu bändigende bundesligaerfahrene Sturmduo Ristic/Dorn stets
kreuzgefährlich. Doch anders als im Mai behielt Jena die Ordnung und schlug
zurück. Sträßer und Sievers kämpften im Duett
Mintzel den Ball im eigenen Strafraum ab,
Sträßers weiter gefühlvoller Ball erreichte zur
Überraschung von Sandhausens Hintermannschaft Orlando Smeekes,
der dem verdutzten Gurski das Leder in die Maschen
servierte (19.). 1:1! Und Jena machte weiter. Nur zwei Minuten später die
nächste Riesenchance für den Holländer nach tollem Diagonalpass von Sievers,
doch der Hammer zischt knapp am Tor vorbei. Eine Minute drauf hatte Nagy dann
die Führung auf dem Fuß, als er eine schöne Kombination zu harmlos abschloss.
Jena war im Spiel, und bald begann auch der Tag des Marco Riemer freundlichere
Züge anzunehmen. Zunächst erlöste ihn die verletzungsbedingte Auswechslung
Ristics von diesem unangenehmen, einen Kopf größeren Gegenspieler. Dann durfte
sich der Apoldaer sogar in die Torschützenliste
eintragen, als er nach Amirantes artistischer
Fallrückziehervorlage aus Nahdistanz zur verdienten Führung nach 33 Minuten
abstaubte.
Von
Sandhausen kam bis zum Wechsel nichts mehr, und dennoch hatten 3.500 Zuschauer
ein packendes und völlig offen geführtes Spiel gesehen. Glaubten sie zumindest,
denn nach dem Pausentee ging es erst richtig los. Bindnagel eröffnete das
Offensivfestival mit einem Knallbonbon knapp am rechten Pfosten vorbei (48.).
Smeekes antwortete mit Zuckerpass auf Sievers, der sich
völlig freistehend vor Gurski den Ball etwas zu weit
vorlegte (49.). Minuten später zwei dicke Patzer von Riemer, die die Gastgeber
nicht zu nutzen verstehen. Jungwirth zieht nach 56 Minuten ab und zwingt Nulle
zu einer Glanzparade. Dann kommt Nagy über die rechte Seite, doch seine
Hereingabe auf den blank stehenden Amirante misslingt (59.). Es war eine der
wenigen Offensivaktionen Nagys, der sich nach vorn wenig zutraute. Ausgewechselt
wurde nach einer Stunde aber sein Flügel-Gegenüber Sievers, bei dem sich
gelungene Offensivakzente mit schlampigem Defensivverhalten abwechselten.
Sebastian Hähnge kam ins Spiel und legte Sekunden
später gleich gekonnt per Kopf auf Amirante auf, Gurski
klärt. Wiederum Sekunden später umkurvt Hähne den Sandhäuser Keeper, ist
eigentlich schon vorbei und der Ball gefühlt auf dem Weg ins Tor, doch
irgendwie kommt Gurski doch noch einmal ans Leder
(61.). Eine Minute darauf darf Smeekes die nächste
hundertprozentige Torchance versieben, allein rechts vor dem Kasten entscheidet
er sich gegen den Pass auf den mitlaufenden Amirante und für den Flachschuss,
den Gurski mit Fußbabwehr
pariert. Wahnsinn! Quasi im Gegenzug rettet Lanzaat
vor dem einschussbereiten Pinto (62.). 63. Minute, ein Schuss Sandhausens aus
dem Hinterhalt wird unfreiwillig von Hillenbrand abgefälscht und trudelt an den
Pfosten! Vier Minuten später dann wieder dann wieder Bindnagel mit
Volleyschuss, Nulle pariert.
Sandhausen ging nun noch mehr auf Risiko und
drückte die Thüringer, bei denen die ordnende Hand im Mittelfeld vermisst
wurde, mehr und mehr in die eigene Hälfte, in der sich Carsten
Sträßer mit einer tadellosen Leistung Bestnoten verdiente.
Einen Entlastungsangriff über die rechte Seite kann der bisweilen selbst
auffällig fallsüchtige Mintzel nur mittels einer
Mischung aus grobem und taktischem Foul an Smeekes an
der Torauslinie verhindern, ohne dafür den Karton zu sehen. In
Ziegners frechen Freistoß spritzt Amirante, und als der Ball
hinter dem Keeper die Torlinie entlang zischt, ist wieder einmal
Haareraufen im Gästeblock angesagt. Mehr noch als
Smeekes nach 80 Minuten die nächste Hundertprozentige
vergibt, allein vor Gurski diesen nicht überwinden
kann. So kam das, was kommen musste. Sandhausen verlegte sich auf das
Erarbeiten von Freistößen, von deren Berechtigung nur wenige im Gästeblock
überzeugt waren, und so stand Carsten Nulle mehr und mehr im Mittelpunkt,
rettete mehrmals großartig. Machtlos war er jedoch, als Robert
Kempter - wie Sandhausen in Baden-Württemberg beheimatet -
in der Schlussminute auf den Elfmeterpunkt zeigte, ein Foulspiel Riemers an
Dorn gesehen haben wollte. Roberto Pinto ließ sich das späte Geschenk nicht
entgehen und schickte die Zuschauer mit dem gleichen Ergebnis nach Hause wie
vor zwei Monaten.
Diesmal bleibt für den FCC zu konstatieren, zwei Zähler
verschenkt zu haben, und das in erster Linie wegen der sträflich ausgelassenen
Großchancen im zweiten Abschnitt. Auf der Leistung der Mannschaft aber darf aufgebaut
werden, und diesen positiven Eindruck nahm Jenas Anhang mit auf die 400
Kilometer lange Heimreise. <gunner>
FC Carl Zeiss Jena - SV Wehen Wiesbaden 2:1
Tore: 1:0 Smeekes (50.), 2:0 Smeekes (56.), 2:1 Bohl (74.)
- Jena: Nulle; Sträßer, Lanzaat, Riemer, R. Schmidt;
Sievers, Ziegner, Truckenbrod, Nagy (87. Petersen); Smeekes (90.+1
Eckardt), Amirante
- Wehen: Birkenbach; Hollmann, Barg, Glibo, Weigelt; Bohl, Reinert
(61. Ziegenbein), Hübner, Öztürk (72. Landeka); Boskovic,
Stroh-Engel (58. Ziemer)
- Zuschauer: 7713
- Schiedsrichter: Dr. Brych (München)
- Spielbericht
- Gemeinhin gilt es als Vorteil, gegen Absteiger aus der 2.
Bundesliga gleich am Anfang einer Saison antreten zu dürfen. Deren
personelle Fluktuation ist meist recht hoch, der neuformierte Kader muss sich
erst einspielen. Im Gegensatz zu den beiden anderen Absteigern blieb dem SV
Wehen aber die große Abgangswelle erspart. Und so versprach der 1.
Spieltag gleich eine Standortbestimmung für den FC Carl Zeiss zu
werden.
Erstmals seit 2003 durfte die Punktspielsaison mal wieder
mit einem Heimspiel eingeläutet werden. Wenn dabei trotz Aprilwetters
7713 Zuschauer ins Ernst-Abbe-Sportfeld kommen, zeugt das ungeachtet der
miserablen letzten Saison von einer deutlichen Erwartungshaltung. Sebastian Hähnge
saß mit auf der Tribüne. Schon einen Tag vor dem Match hatte seine linke
Wade zu zwicken begonnen, am Spieltag selbst war dann nicht einmal mehr ein
Kurzeinsatz möglich. Sollte es deshalb ein schnelles Revival der
Ein-Stürmer-Taktik von René van Eck geben ? Nein, denn der Rückkehrer
auf den Trainerstuhl beorderte Orlando Smeekes auf die zweite Angriffsposition.
Da Jan-André Sievers in die Startelf nachrückte, war diese mit allen fünf
Neuzugängen besetzt.
Verteiltes Spiel zu Beginn. Ein Kopfball im Anschluss an
Wehens zweite Ecke wurde am kurzen Pfosten abgefangen, den Spurt von Reinert in
den Strafraum stoppte Sträßer. Auf der anderen Seite war es
Salvatore Amirante, der mit einem Kopfball aus sechs Metern Birkenbach prüfte
und mit einem 19-Meter-Flachschuss knapp verzog.
All das waren Szenen aus den ersten 20 Minuten, danach
dominierten die Abwehrreihen und weitere nennenswerte Aktionen vor der Pause
blieben rar. Einzig Timo Nagy aus guter Schussposition in zwanzig Metern
Torentfernung forderte nach 35 Minuten noch einmal den Beifall heraus. So sehr
man sich über die stabile Viererkette mit dem neuen Abwehrchef Lanzaat
und dem wie ausgewechselt wirkenden Sträßer freuen durfte -
beim Offensivspiel blieb zunächst noch viel Luft nach oben.
Van Eck hatte seiner Mannschaft in der Kabine mehr Risiko
verordnet und diese setzte das gleich mit Wiederanpfiff um. Bälle, die
während der ersten 45 Minuten noch als Querpass gespielt worden waren,
flogen nun steil ins Angriffszentrum. Es war Salvatore Amirante, der von der
Mittellinie aus seinen Sturmpartner Orlando Smeekes mit einem Diagonalpass auf
die Reise schickte. Diese Reise führte um einen Gegenspieler herum,
zwischen zwei Verteidigern hindurch direkt zu Torhüter Birkenbach, an
dem vorbei Smeekes das Leder ins lange Eck schob. 1:0 - Zeit für den
ersten Torjubel der neuen Saison mit einem Flickflack, wie man ihn im
Ernst-Abbe-Sportfeld so wohl noch nie gesehen hat. Miroslav Kloses berühmte
Überschläge in der Nationalmannschaft wirken geradezu
armselig gegen jene eines Orlando
Smeekes beim FC Carl Zeiss Jena ! Auch wenn dessen artistische Brillanz nicht
von ungefähr kommt, war er in seiner Jugend doch dreimal holländischer
Meister im Turn-Mehrkampf, bevor er sich für die fußballerische
Laufbahn entschied. Eine gute Entscheidung, wie uns nur sechs Minuten später
ein weiteres Mal klar werden sollte. Da trat Smeekes in 35 Metern Torentfernung
zum Freistoß an. Für eine direkte Ausführung noch
viel zu weit vom Kasten entfernt, dachten die meisten. Doch der Nationalspieler der
niederländischen Antillen schoss direkt durch die Drei-Mann-Mauer der
Wehener hindurch ins linke untere Eck. Welch ein (P)fund !
Während wir Beobachter noch ganz fasziniert waren
von den gleichsam schönen und doch auf so unterschiedliche Weise
zustande gekommenen Treffern unseres Orlando, setzten die Gäste mit
dem Mute der Verzweiflung zur Aufholjagd an. Diese hatten sie in der
Vorbereitung bereits gegen Koblenz und Saarbrücken mit Erfolg
praktiziert. Boskovic mit Schuss ans Außennetz sowie die frisch
eingewechselten Ziemer und Ziegenbein zeigten an, dass dieses Mahl mit
den zwei Toren noch lange nicht gegessen war. Und tatsächlich, in der
74. Spielminute traf Bohl unhaltbar per Kopf zum Anschlusstreffer. Eine
Viertelstunde war danach noch zu spielen. 15 Minuten, die besonders der aus
Kaiserlautern gekommene Marcel Ziemer mit mehreren Chancen zur Zitterpartie für
alle Blau-Gelb-Weißen werden ließ. Bei Ziemers
Aufsetzerkopfball sechs Minuten vor Schluss rührte selbst Geburtskind
Carsten Nulle (Glückwunsch zum 34. !) keinen Finger mehr - doch das
Leder klatschte nur an die Werbebande hinter dem Tor. In der 89. kam Nulle an
einen Eckball nicht heran, dafür stand Sträßer
goldrichtig und konnte an der Torraumgrenze per Kopf klären. Mit
tollen Einzelaktionen hatte einer aus der Mannschaft den Vorsprung heraus geschossen
- alle elf zusammen sorgten nun dafür, dass aus ihm drei Punkte wurden.
Auch wenn in der letzten halben Stunde das Geschehen etwas
aus der Hand gegeben worden war - mit dem Sieg gegen Wehen hat die neue Jenaer
Mannschaft schon mal einen ersten Fingerzeig erhalten, dass auch gegen
Staffelfavoriten etwas gehen kann. Orlando Smeekes, der in seiner Freizeit auch
noch Thai-Boxen betreibt, will übrigens trotz seiner Erfolgserlebnisse
im Sturm so schnell wie möglich auf die Außenbahn zurück.
Nur da kann er seine Sprintschnelligkeit mit (wie man hört) 11,3
Sekunden über 100 Meter und die Stärken im eins gegen eins
voll zur Geltung bringen. Scheint so, als könnten wir uns auf die
Saison mit ihm freuen. <fc>
Fotos von Jens Weißenburger
Spielbericht auf svwehen-wiesbaden.de
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, 79.),
Truckenbrod, Hähnge (46. Nagy), Orlando; Amirante
Ein Amirante-Schuss nach hundert Sekunden eröffnete
die Partie, in der Wuttke auch nach Lanzaats Rückkehr zunächst
in der Innenverteidigung blieb. Obwohl der Holländer bei seinem
Kurzeinsatz gegen Bremen alles andere als souverän gewirkt hatte,
wurde er ein weiteres Mal auf der Position vor der Abwehr neben Truckenbrod
besetzt. Sein Fehler ohne Not nach 16 Minuten ließ Pospischil von der
Strafraumgrenze aus zum Schuss kommen, Nulle bügelte aus. Es war die
zweite Chance der Hausherren in diesem Match, da sich zuvor bereits Zinnow
durch den kompletten Jenaer Strafraum gedribbelt hatte, dabei jedoch vergaß,
aufs Tor zu schießen. Auch Truckenbrod probierte es nach siebzehn
Minuten mal mit einem Schuss von der Strafraumgrenze. Wulnikowski kam mit einer
Faust an den Ball und lenkte zur Ecke. Fünf Minuten später.
Zinnows Faller nach Zweikampf mit Sträßer sah nach Schwalbe
aus, der bis dahin großzügige Schiedsrichter gab jedoch
Freistoß. Der Ball blieb in der 6-Mann-Mauer hängen, sprang
aber nach seiner ersten Bodenberührung mit ungewöhnlichem
Drall wieder zurück. Ein Lupfer in den Jenaer Strafraum, wo die Blauen
vergebens auf Abseits reklamierten, ein zur Vorlage werdendes Luftloch sowie
ein straffer Schuss auf zehn Metern führten zum 1:0.
Wie schon gegen
Bremen galt es einem Rückstand hinterher zu laufen. Genau das aber
wird zum schwierigen Unterfangen, wenn der Trainer ausgerechnet vor diesem
Spiel klammheimlich zur Ein-Stürmer-Taktik zurückgekehrt ist,
die schon im Jahr zuvor für Unverständnis und Erfolglosigkeit
gesorgt hatte. Sebastian Hähnge ("Ich erwarte mehr von mir und die
Leute auch") blieb nach dem Rückstand weiterhin konsequent im
zentralen Mittelfeld und versuchte sich erfolglos als Ballverteiler für
die einzige Spitze Salvatore Amirante. Da auch Melvin Holwijn sowie Orlando auf
den Außenpositionen nichts rissen, verwalteten die Hessen ihren
knappen Vorsprung ohne große Mühe und lauerten auf den möglicherweise
vorentscheidenden Fehler des Kontrahenten. Den gab es dann auch in Form eines
Jenaer Fehlpasses wenige Meter vorm Anstoßkreis. Dass er Lukimya
unterlief, einem der wenigen beständig guten Spieler während
der letzten Wochen, werteten einige Fans später als Zeichen um sich
greifender Verunsicherung in den Jenaer Reihen. Jedenfalls nutzte David Ulm das
Geschenk zu einem Solo durch die Jenaer Hälfte, um das Leder dann aus
gut zwanzig Metern über Nulle hinweg ins Tor zu heben. Sehenswert, mit
wie viel Gefühl im Fuß Ulm diesen Treffer markierte. Carsten
Nulle eine Mitschuld zu geben, wäre aber wohl verfehlt. Wie sollte er
ahnen, dass seinen Vorderleuten im Spielaufbau ein solcher Patzer unterläuft
? Unser Keeper schlich nach dem Pausenpfiff als Letzter vom Platz, begleitet
von Schmährufen der OFC-Anhänger, die in einem bekennenden
Sympathisanten von Eintracht Frankfurt so etwas wie ihren natürlichen
Feind sehen.
Drei Jahre zuvor war es einer Jenaer Mannschaft an gleicher
Stelle mal gelungen, aus einem 0:2-Pausenrückstand noch ein Remis
werden zu lassen. Um eine Wiederholung dessen herbei zu führen,
stellte van Eck während der Pause mehrfach um. Nagy kam für Hähnge
rein, begab sich wie gewohnt nach links und schickte Holwijn auf die andere
Seite. Aus Orlando wurde doch noch ein zweiter zentraler Stürmer.
Dahinter tauschten Lanzaat und Wuttke ihre Positionen aus der ersten Hälfte,
rückte Truckenbrod ein Stück weiter nach vorn. Der OFC ließ
die Gäste nach Wiederanpfiff zunächst gewähren. Als
sich die Hausherren dann doch mal wieder zu einem eigenen Angriff entschlossen,
brachte der schnelle Gegenstoß endlich mal wieder Gefahr. Durch vier
Abwehrbeine hindurch legte Orlando für Amirante auf, der schoss aus
der Drehung jedoch genau zu Wulnikowski. Der Ball von Nagy drei Minuten später
versprach mehr Erfolg, strich aus 19 Metern Torentfernung aber knapp am rechten
Pfosten vorbei. Eine weitere Steigerung erfuhren Jenas Bemühungen um
den Anschlusstreffer schließlich in Minute 69. Wiederholt versuchte
sich Truckenbrod an einem Fernschuss, selten zuvor aber war das Geschoss von
jener Güte wie diesmal. Aus 17 Metern volley abgefeuert, flog das
Leder oben ans Gebälk, dass es nur so krachte.
Die Hausherren hatten
offensiv nach dem Wechsel überhaupt noch nichts gezeigt. Doch mit
ihrem ersten gelungenen Angriff in Halbzeit zwei, bezeichnenderweise einem
Konter, sorgten sie fünfzehn Minuten vor Schluss für die
Entscheidung. Ulm legte an Sträßer vorbei in die Mitte ab,
wo Quido Lanzaat seinem Gegenspieler Mesic nicht hatte folgen können. 3:0. Dass Jenas
Abwehrchef eben jenem Mesic kurz darauf in die Hacken trat, roch nach Frustfoul
und wurde mit der Roten Karte geahndet. Und als hätte das alles nicht
schon gereicht, flog auch noch der Schuss des eingewechselten Pfingsten-Reddig
genau ins linke untere Eck. "Vier zu Nulle", höhnte es nach Ende der
zweiten 45 Minuten von der Offenbacher Fangeraden.
Dass dem OFC eine durchschnittliche Leistung zu einem derart klaren Sieg reichte, sollte in Jena die Alarmglocken schellen lassen. Was nutzt ein sich steigernder Truckenbrod, ein auf allen Positionen sein Ding machender Wuttke - sie sind nun mal keine Antreiber, die den tödlichen Pass spielen können. Genau so einer fehlt dem Zeiss-Spiel aber zunehmend. Es scheint deshalb an der Zeit, die Verbannung Torsten Ziegners zu beenden. Zwar ist nicht garantiert, dass es mit ihm schlagartig besser laufen wird. In einer Phase, wo die Jenaer Mannschaft in ihren Leistungen nicht mehr nur stagniert, sondern abzubauen beginnt, müssen jedoch ausnahmslos alle Alternativen ausgelotet werden, die der Kader hergibt ! Es wird Zeit, sich mal wieder gemeinsam an einen Tisch zu setzen. <fc>
- Jena: Nulle; Sievers (70. Fuss), Lukimya, Wuttke, Sträßer;
Eckardt, Truckenbrod, Hähnge, Nagy (46. Amirante); Kolb (74. Lanzaat),
Orlando
- Bremen: Wiedwald; Hessel, Gerdes, Stallbaum, Andersen; Ronneburg, Ayik, Menga, Feldhahn; Testroet, Oehrl
- Zuschauer: 6062
- Schiedsrichter: Blos (Köngen)
- Spielbericht
- Bremen: Wiedwald; Hessel, Gerdes, Stallbaum, Andersen; Ronneburg, Ayik, Menga, Feldhahn; Testroet, Oehrl
-
Keiner weiß warum, doch in den vergangenen Jahren
hatte der FC Carl Zeiss mit den zweiten Mannschaften von Bundesligavereinen so
seine liebe Mühe. Mittlerweile sind drei von vier Hinrundenpartien gegen die
U23-Teams gespielt, mit zwei Siegen und einem Remis gestaltet sich die
Saisonzwischenbilanz ungewohnt positiv. Doch egal in welches Gesicht man auf
Jenaer Seite nach Abpfiff des Bremen-Spiels blickte - Zufriedenheit schaut
anders aus.
Daran hatte die erste Halbzeit einen gewichtigen Anteil. Denn es war ein äußerst müder Kick, den 6062 Zuschauer (darunter exakt zwei Dutzend Bremer Fans) während der ersten 45 Minuten geboten bekamen. Dass es nach gut einer Viertelstunde Beifall gab für einen ins Sturmzentrum gespielten Ball, den Kolb als eine von zwei Spitzen gar nicht erreichte, mag als Beschreibung für das Niveau in der Anfangsphase genügen. Eine Freistoßvorlage, die Wiedwald gegen die Sonne blickend im zweiten Zupacken fing, war die einzige Szene, in welcher ein Torhüter überhaupt eingreifen musste. Beim ersten gelungenen Angriffszug nach zwanzig Minuten stand Hähnge knapp im Abseits. Kurz darauf spielte Rene Eckardt zwar schön Doppelpass mit Orlando, stolperte danach aber über seine eigenen Beine. Und bei Lukimyias flacher Hereingabe erkannte der freistehende Kolb in der Mitte die Situation zu spät. So blieb ein satter 23-Meter-Schuss von Jens Truckenbrod, den Bremens Keeper über die Latte lenkte, die einzig wirkliche Torchance in Hälfte eins. Die Gästebilanz vor der Pause hätte sich sogar noch ärmlicher gelesen, wenn Testroet im Gegenzug nicht der Führungstreffer gelungen wäre. Begünstigt wurde er durch einen Fehler von Jan-Andre Sievers, welcher den Torschützen unbedrängt den Ball annehmen ließ und dann nicht hinterher kam. Nach einer überzeugenden Leistung im letzten Heimspiel gegen Burghausen blieb der Neuzugang aus Emden damit das zweite Match in Folge hinter den Erwartungen zurück, wurde später auch ausgewechselt.
Doch zunächst war es Nagy, der in der Kabine bleiben musste. Mit der Hereinnahme von Amirante wechselte Orlando ab Beginn der zweiten Halbzeit auf die Linksaußenposition. Eine Umstellung, die sich sofort bezahlt machte. War der Holländer bei seinem energischen Antritt von der linken Seite Richtung Zentrum doch nur mit unfairen Mitteln zu bremsen. Freistoß, 25 Meter Torentfernung. Ein paar der Stammzuschauer des FC Carl Zeiss werden es bemerkt haben, dieses ungewöhnliche Positionieren Jenaer Spieler im Rudel neben der gegnerischen Mauer. Von dort lösten sich wie auf Kommando vier Blaue bei der Freistoßausführung und rannten in den Sechzehner hinein. Truckenbrod schoss nicht direkt, sondern beförderte das Leder lang vor zu Orlando, welcher aus fünf Metern volley zum Ausgleich traf. 1:1 - eine eben erst im Training einstudierte Freistoßvariante hatte auf Anhieb funktioniert ! Damit lösten sich endlich einige der im bisherigen Spielverlauf eingebauten Bremsen. Salvatore Amirante zog auf 30 Metern ab, Wiedwald lenkte das Leder um den Pfosten (54.). Der Schlenzer von Feldhahn auf der anderen Seite flog nur knapp nebens Tor (56.). Und dass Kolb die schöne Vorarbeit von Orlando lieber selbst verwertet hätte, statt auf Eckardt zu spielen, war ihm hinterher auch klar.
Sie bildeten die stärkste Phase in einem mäßigen Jenaer Spiel, jene gut zwanzig Minuten nach dem Ausgleichstreffer. Sogar Sebastian Hähnge, bekanntlich nicht der Allerschnellste, ging hier mal aus einem Sprintduell als Sieger hervor. Den Gästen darf man bescheinigen, ebenfalls die Offensive gesucht und so zu einer deutlich spannenderen zweiten Halbzeit beigetragen zu haben. Beim Schuss des Deutschtüren Ayik reagierte Carsten Nulle im Tor hervorragend. Dann war noch eine Viertelstunde zu spielen und Orlando hatte wieder seinen Auftritt. Es ist beileibe nicht so, dass hier Jenas Schnellstem eine durchgängig überzeugende Leistung bescheinigt werden soll. Manches wirkt schon zu sehr auf Show getrimmt, zwischendurch taucht er auch mal ab und nach hinten lässt er eh lieber andere ackern. Doch klar ist auch - ohne Orlando wäre das Jenaer Spiel um viele Attraktionen ärmer ! Klasse, wie er in Minute 76 zwei Werder-Verteidiger förmlich stehen ließ und den Blick für den freistehenden Nebenmann hatte. Es war Salvatore Amirante, der in zehn Metern Torentfernung sofort abschloss - und an einem Abwehrbein hängen blieb.
Das Tragische an diesem Spiel ist aus Jenaer Sicht, dass immer im Anschluss an eine knapp vergebene Großchance die Quittung in Form eines Gegentreffers folgte. Hatte Pascal Testroet schon vor der Pause direkt nach Truckenbrodts Schuss getroffen, verging auch nach Amirantes Möglichkeit nicht viel Zeit, bis Bremens Spieler mit der Nummer 43 zum Erfolg kam. Dabei profitierte er wiederum von einem fehlenden Gegenspieler - der eingewechselte Benjamin Fuss war an der Strafraumgrenze ausgerutscht. Unter dem Körper Carsten Nulles hindurch flog der Ball ins Netz. Und nun ? Waren nur noch zehn Minuten Zeit für Jenaer Bemühungen um den abermaligen Ausgleich. Scheinbar unbeteiligt steht Orlando nach dem Anstoß an jener Stelle, wo Mittel- und Außenlinie aufeinander treffen. Genau da wird er angespielt, nimmt ein paar Meter lang Fahrt auf und legt dann den Turbo ein. Gerdes hatte sich diesmal vorgenommen, ihm im Sprintduell Paroli zu bieten - auch er war chancenlos und wusste sich deswegen nur mit einem Rempler im Strafraum zu helfen. Elfmeter. Als Amirante sich vor Sträßer den Ball zur Ausführung schnappte, stockte vielen der Atem - hatte der nicht schon einmal.... ? Noch ehe der Gedanke zuende gebracht wurde, hatte Salvatore den Werder-Schlussmann in die andere Ecke geschickt und zum 2:2-Endstand getroffen.Zweimal war der FCC nach Rückstand wieder gekommen. Doch wie eingangs schon erwähnt - Zufriedenheit sieht anders aus. Mannschaftskapitän Nulle ärgerte sich über die beiden Gegentreffer sowie "Negativeinflüsse von außen", mit denen wohl Pressespekulationen über Notverkäufe von Leistungsträgern in der Winterpause gemeint sein dürften. Und Trainer van Eck monierte die Vorstellung seiner Mannschaft vor der Pause. Zurecht, denn dadurch sind zwei Punkte gegen talentierte, aber durchaus schlagbare Bremer verschenkt worden. <fc>
Eintracht Braunschweig - FC Carl Zeiss Jena 2:1
Tore: 0:1 Orlando (46.), 1:1 Kruppke (62., HE), 2:1 Kragl (69.)
- Braunschweig: Petkovic; Fuchs, Brinkmann, Dogan, Boland; Pfitzner, Danneberg,
Kruppke (86. Banser), Kragl (77. Theuerkauf); Onuegbu, Calamita (60. Morabit)
- Jena: Nulle; Sievers, Lukimya, Wuttke, Sträßer (56. Riemer); Truckenbrod, Holwijn (

, 71.)
Hähnge, Nagy (79. Kolb); Mayombo (66. Amirante), Orlando
- Zuschauer: 12.200
- Schiedsrichter: Achmüller (Bad Füssing)
- Spielbericht
-
Der zehnte Spieltag bringt das Auswärtsspiel in Braunschweig auf den Plan und da die Stammautoren dieser
Seite offensichtlich angesichts der letzten Ergebnisse von 0:3 bis 6:0 die Adjektive auszugehen scheinen darf
ich mal wieder ran, als es gilt in Niedersachsen den Platz im oberen Tabellendrittel zu sichern.
Für die erste kleine Überraschung im Gästeblock sorgt Trainer Rene van Eck, der statt des zuletzt stark
auftrumpfenden Stefan Kolb oder des wieder spielberechtigten Amirante, mit Mayombo einen Stürmer in der
Startaufstellung aufbietet, der zuletzt suspendiert worden war, lediglich in der zweiten Mannschaft
spielte und dessen letzter Pflichtspieleinsatz in der Ersten bereits vier Monate zurückliegt. Neben ihm
soll Orlando für den nötigen Angriffsdruck sorgen, während Sebastian Hähnge auf der offensiven Mittelfeldposition
die beiden Stürmer mit Bällen versorgen soll. Und es beginnt gut: Bereits in der ersten Minute kann Orlando über
die linke Seite die Braunschweiger Abwehr überlaufen, scheitert jedoch an Torwart Petkovic. In der Folgezeit
kann der FCC eine optische Überlegenheit erarbeiten - "kontrolliert Ball und Gegner" - wie man so schön sagt, ohne
dabei übermäßig torgefährlich zu werden. Mayombo wirkt dabei aber noch engagierter, als sein Sturmpartner. Die Blau-Gelben
aus Niedersachsen kommen erst nach cirka zwanzig Minuten besser zu Rande und beginnen einzelne Konter zu setzen, die in einem
durch die Mitte angespielten Calamita gipfeln, der aber, völlig frei vor Nulle auftauchend, an diesem scheitert. Damit hat es
sich dann aber auch mit dem Braunschweiger Offensivdrang für die erste Hälfte und die Jenaer Viererkette in der Abwehr kann
wiederholt mit starkem Zweikampfverhalten (Wuttke, Sträßer) die gegnerischen Angreifer "abkochen". Für den eigentlichen
Gesprächsstoff der Halbzeitpause unter dem Jenaer Anhang sorgt Amirante, der bereits kurz vor der Halbzeitpause sich zum
Aufwärmen hinter das Tor von Nulle begibt.
Die zweite Hälfte beginnt mit einem Paukenschlag der angenehmeren Sorte, als Holwijn wunderschön auf der rechten
Seite lang durch Sträßer angespielt wird, im spitzen Winkel auf das Petkovic-Tor zusteuert, scheinbar die lange Ecke
mit seinem Schuß anvisiert, es aber verfehlt, bevor Orlando am langen Pfosten den Ball erreicht und ihn gekonnt flach
über die Linie drückt.
Die Wende im gesamten Spiel wird eingeläutet, als Sträßer in der 56. Minute, leicht humpelnd, verletzt ausgewechselt
werden muss. Die bis dahin äußerst souverän wirkende Jenaer Abwehrviererkette wird mit Marco Riemer wieder aufgefüllt
und ist fortan kaum noch wieder zu erkennen. Obwohl sowohl bei der Entstehung des Elfmeters (aus dem Gästeblock schlecht
einzusehendes Handspiel Riemers), als auch bei der Entwicklung des Führungstreffers ein gehörige Portion Glück für die
Niedersachsen im Spiel ist, kommt man nicht umhin festzustellen, daß vor allem die Jenaer Elf plötzlich den Faden verlor.
Als Holwijn in der 72. Minute diese "schwarze" Viertelstunde für den FCC mit einem Foul an der Mittellinie und nachfolgendem
Ballwegschlagen abschließt, ist die Partie quasi gelaufen. Nur noch zu Zehnt gelingt es nun nicht mehr die Eintracht noch
mal in Bedrängnis zu bringen. Die Braunschweiger lassen sich nun auch nicht mehr aus der Defensive locken und glänzen im
Vorwärtsgang in den letzten zwanzig Minuten lediglich mit einem gefühlten Dutzend Fehlpässen. Auch der Versuch von van Eck,
mit der Einwechslung von Kolb, mit einem Dreiersturm noch einmal auf den Ausgleich zu gehen verpufft relativ wirkungslos.
Ein Sieg in Braunschweig wäre, meiner Meinung nach, für den FC Carl Zeiss Jena ohne weiteres zu realisieren gewesen,
wenn man nach dem Führungstor, das zu einem äußerst günstigen Zeitpunkt fiel, weiter aggressiv die Entscheidung gesucht hätte
und sich mit dem Ausgleich nicht so aus dem Takt hätte bringen lassen. Nicht Eintracht Braunschweig hat gewonnen, sondern
der FCC hat verloren. Und zwar, weil man den Gegner zurück ins Spiel brachte, den der "Ringrichter" schon bis zur "9"
ausgezählt hatte. Schade drum.
Nachtrag: Die Stadt Braunschweig bietet den per Zug anreisenden Gästefans einen kostenlosen Bustransfer vom Bahnhof zum
Stadion an. Soweit so gut. Warum man aber nicht die ca. 6 km lange, direkte Strecke durch die Stadt nimmt, sondern den
Gästefans eine ca. 20-minütige Strecke über die ortsansässigen Autobahnen anbietet, scheint schleierhaft. Ich
habe diese "Stadtrundfahrt" jetzt insgesamt viermal genossen und hätte beim nächsten Mal gern eine andere Route. Danke im voraus.
<tn>
FC Carl Zeiss Jena - SV Wacker Burghausen 0:0
Tore: Fehlanzeige
- Jena: Nulle; Sievers, Wuttke, Lukimya, Sträßer;
Nagy (74.Holwijn), Truckenbrod, Riemer, Eckardt, Hähnge, Kolb (62.Orlando)
- Burghausen: Riemann; Wolf, Hertl, Kokocinski, Kresin, Nebihi (84.Schmidt), Burkhard, Grübl (73.Belleri),
El Haj Ali, Gorka, Cappek (89.Holz)
- Zuschauer: 6948
- Schiedsrichter: Sönder (Lübeck)
- Spielbericht
-
Dritter gegen Vierter - vom Papier her das Topspiel des heutigen Tages in der dritten Liga. Sonne pur und warme Temperaturen
waren beste Vorraussetzungen, um dem Spitzenspiel auch einen würdigen Rahmen zu verleihen. Die Partie musste eine
Viertelstunde später angepfiffen werden, da die Gäste bei Ihrer Anreise aus dem Hotel in Stadtroda infolge einer
Bombendrohung im Stau standen, und dadurch nicht rechtzeitig eine Stunde vor Spielbeginn im Stadion sein konnten.
Die erste gute Aktion des Spiel leitete Jenas Abwehrspieler Sträßer ein, der mit einem herrlichen Diagonalpass
René Eckardt bediente, doch dessen Schuss in der siebenten Minute stellte für Keeper Riemann keine echte Gefahr dar.
In der 18. Minute nutzte Truckenbrodt einen Ballverlust der Gäste aus und prüfte Riemann mit einem Schuss aus der zweiten
Reihe, doch leider landete der Ball genau in den Armen des Schlussmannes. Nach der doch spielerisch armseligen Partie in Kiel
wusste der FCC am heutigen Tage zu gefallen und kontrollierte im gesamten Spielverlauf die Partie. Doch auch mit schönen
Kombinationen und Ballstafetten im Mittelfeld blieben die Torchancen auf Jenaer Seite Mangelware. Die Burghausener, die infolge
einer Grippe auf vier wichtige Spieler verzichten mussten, stellten sich konsequent hinten rein, so dass es für die Jenaer
recht schwierig war, in der dicht gestaffelten Abwehr eine Lücke zu finden. Erst nach gut einer halben Stunde die nächste
Tormöglichkeit für die Jenaer. Hähnge hatte per Kopfball in den Lauf von Youngster Kolb verlängert, doch obwohl
Riemann in dieser Aktion zu weit vor seinem Kasten stand, konnte Kolb diese gute Torchance nicht nutzen und ballerte über das Tor.
Auch nach der Pause änderte sich das Spiel nicht gravierend. In der 51. Minute versuchte sich Sievers mit einer hohen Flanke in
den Strafraum, der Ball wurde lang und länger und fiel zur Verwunderung des Gästekeepers hinter ihm aufs Tornetz. Mit etwas
Glück hätte diese Flanke auch zum erneuten Tor des Monats avancieren können. Gut eine Stunde war vorbei und ein Jubel
auf den Rängen machte sich breit, als Publikumsliebling Orlando für Kolb eingewechselt wurde. Manch einer machte sich
Gedanken, warum und weshalb dieser nicht von Anfang an spielen durfte. Doch Trainer van Eck machte in der anschließenden Pressekonferenz
alle Gerüchte zunichte, als er gleich als erstes vermeldete, dass Orlando im am Vorabend ihm mitgeteilt habe, dass er sich für ein
komplettes Spiel nicht fit fühle. Doch als er den Rasen betrat, spürte man noch einmal einen Ruck durch die Jenaer Mannschaft gehen.
Er war es auch, der in der 71. Minute gleich eine gute Einschusschance hatte, doch leider kam er einen Schritt zu spät und rutschte
einschussbereit knapp am Ball vorbei. Eine Viertelstunde vor dem Ende donnerte Nulle einen super weiten Abschlag heraus, der Ball sprang
vor Orlando auf, doch leider konnte er diese Gelegenheit nicht verwerten oder den Ball zumindest unter Kontrolle nehmen. Die Abwehr der
Gäste stand weiter recht sicher, so dass es die Spieler des FCC nun immer mehr mit Einzelaktionen probierten, die aber allesamt nichts
einbrachten. Höhepunkt des Spiels war zweifelsohne die 82. Minute, in der bereits die Jenaer Fans von ihren Sitzen aufsprangen. Doch
leider stand Orlando das Glück am heutigen Tag nicht zur Seite, denn sein gut getimter Kopfball nach Flanke vom starken Sievers klatschte
an den Innenpfosten, von wo er anschließend direkt in die Arme des Keepers sprang. Da war sie, diese eine 100% Möglichkeit, doch
leider sollte es auch die letzte nennenswerte Aktion gewesen sein.
Mit einer Minute Nachspielzeit pfiff Schiedsrichter Tim Sönder das Topspiel der 3.Liga ab, was es leider nicht geworden war. Die Gäste
waren am Ende mit diesem Punkt hochzufrieden, während die Zeiss-Kicker mit hängenden Köpfen den Rasen verließen. Denn jedem
war nach der Partie klar, dass es selten so leicht gewesen sei, heute die ansonsten starken Kicker von Wacker Burghausen zu bezwingen. Auch wenn
viele Trainer und Verantwortliche eine Einzelkritik nicht unbedingt mögen, so muss doch am heutigen Tage die gesamte Abwehr mal explizit
hervor gehoben werden. Besonders die beiden Außen mit Sträßer und Sievers taten sich heute besonders hervor und ermöglichten
den Gästen während der gesamten Spielzeit keine nennenswerte Torchance.<vg>
Bilder auf fcc.weissenburger.de
Bericht auf fussball.sv-wacker.de
Holstein Kiel - FC Carl Zeiss Jena 0:1
Tore: 0:1 Kolb (72.)
- Kiel: Frech; Lamprecht, R. Müller, Schyrba, Meyer, K.Schulz, Holt,
Jerat (80. Siedschlag), Sembolo, Sykora (9. Guscinas), Heider (66. Stier)
- Jena: Nulle; Sievers, Wuttke, Lukimya, Sträßer;
Nagy (90. Fuss), Truckenbrod, Eckardt, Riemer, Orlando (64. Kolb), Hähnge (87. Petersen)
- Zuschauer: 4511
- Schiedsrichter: Dittrich (Bremen)
- Spielbericht
-
Mit Müller, Hasse und Sykora stehen gleich drei Ex-Jenaer im Kader der Kieler. Aber Hasse war gar nicht im Aufgebot
und Fiete Sykora musste bereits in der 9. min verletzungsbedingt ausgewechselt werden und konnte so gegen seinen
Ex-Club keinen Schaden anrichten. Bis zu diesem Zeitpunkt gab es bereits die ersten aufregenden Situationen vorm
Jenaer Tor. Kiel begann von Anpfiff an offensiv und setzte die Gäste unter Druck. Im Großen und Ganzen
stand Jenas Abwehr, stark unterstützt von den vier Mittelfeldspielern und Hähnge, relativ gut. Wenn man
aber 80 der 90 Spielminuten quasi mit dem Rücken an der Wand, sprich im eigenem Strafraum steht, ist es klar,
dass die Torchancen für die Gastgeber nicht ausbleiben. Vor allem bei Ecken konnte man immer wieder die Luft
anhalten. In der 5. min wehrte Nulle einen Kopfball Haiders aus 3 m Torentfernung zur nächsten Ecke ab. Diese
konnte von Orlando nicht geklärt werden und so hatte Robert Müller die Gelegenheit, seine ehemaligen
Mannschaftskollegen per Fernschuss (der aber in der vielbeinigen Abwehr hängenblieb) zu erschrecken. Nach
einem Stolper Riemers musste sich Lukimya, der wieder eine sehr gute Partie spielte, im letzten Moment in einen
Schuss werfen und zur Ecke klären. Diese führte zu einem Kopfballaufsetzer, gegen den wohl auch Nulle
keine Chance gehabt hätte, aber der Ball ging über die Torlatte. Ganz stark bei den Kielern war in der
Anfangsviertelstunde Sembolo, der ein paar Mal den Jenaern Knoten in die Beine dribbelte. Nachdem aber Sträßer
ihn mal etwas energischer bremste, wurde der auch ruhiger. Nach ein paar Minuten relativer Ruhe musst Nulle, wiederum
nach Ecke, sehr energisch den Ball (samt Gegner) wegfausten, um Schlimmeres zu vermeiden (25.). Nochmals zehn Minuten
danach hatten die Heimzuschauer den Jubelschrei auf den Lippen: Ein weiter Einwurf von rechts wurde verlängert
und den folgenden Kopfball Holts erwischte Nulle mit sensationellem Reflex gerade noch so. Holstein ließ den
Ball in dieser Phase schnell laufen und spielte oft direkt ab. Allerdings ging es zumeist nur bis zur Strafraumgrenze,
an der eine gelbe Wand sie aufhielt. Und so probierte es Sykora-Ersatz Guscinas aus 20 Metern mit einem Fernschuß,
der jedoch nur die Latte traf und die Zuschauern aufstöhnen ließ. Zur Pause konnte man über das
Unentschieden heilfroh sein, denn die Angriffsbemühungen des FCC konnte man bis dahin mit der Zahl "Null" beschreiben.
Nach der Pause ging es wie gehabt weiter, lediglich die Spielhälfte, in der sich alles abspielte, änderte sich.
Allerdings war Holstein jetzt so nett und verzichtete fast völlig auf das Spiel über die Flügel. 7,32 m ist
die Torbreite und ungefähr ebenso breit war der Korridor an Jenas Strafraumgrenze, durch den die "Störche" ihre
Angriffe versuchten. Die Jenaer Abwehrspieler hatten dadurch eigentlich ein leichtes Spiel, wurde doch einmal einer ausgetanzt,
so standen garantiert gleich zwei weitere Gelbe dahinter und klärten. Nur bei einem Fernschuss Lamprechts von rechts
außen (52.) und einem abgefälschten Freistoß (55.) kam der Ball mal in Nulles "Sichtweite", der Rest
waren Kinkerlitzchen. Nach vorn blieb alles unverändert, es ging nichts. Kam man doch einmal über die Mittellinie,
so war es ziemlich sicher, dass Orlando im Rücken der Abwehr im Abseits stand. In der 60. min dann hatte der FCC
mal eine Chance auf einen aussichtsreichen Angriff, aber Orlando rannte mit gesenktem Kopf in zwei Gegner hinein und
übersah den mitgelaufenen und freistehenden Hähnge. So konnte das nichts werden und folgerichtig kam in der
65. Minute Kolb für Orlando. Schon die ersten Zweikämpfe Kolb sahen völlig anders aus als Orlandos
Vorstellung: Der Achtzehnjährige ging in die Zweikämpfe, setzte bei Ballverlust sofort nach und steckte
nie auf. Mir rutschte da ein "Dem Kolb gönne ich ein Tor, der hat schon gegen Dortmund so gut gespielt" heraus
(wenn die Weissagung der Lottozahlen nur ebenso klappen würde…). Drei Minuten nach dem Wechsel (in der 68. min!!!)
hatte der FCC seinen ersten Torschuss, aber Truckenbrods Geschoss ging knapp am langen Pfosten vorbei. Der nächste
Kieler Angriff wurde kurz hinter der Mittellinie abgefangen und der FCC hatte eine perfekte Konterchance in 3:2-Überzahl,
jedoch vergeigte Riemer diese Gelegenheit kläglich. Kurz danach bekam Hähnge auf der rechten Seite den Ball,
ging bis zur Grundlinie, beschäftigte zwei Gegenspieler und spielte mit der Hacke auf den mitgelaufenen Eckardt.
Der schickte seinen Gegenspieler und bediente - wie schon in vorhergehenden Spielen - mit einer maßgenauen
Zuckerflanke den in der Mitte wartenden Mitspieler. Diesmal war es Kolb, der sich die Chance nicht entgehen ließ
und zur überraschenden Führung des FCC einnickte und auf der Gegentribüne für eisiges Schweigen um
mich herum sorgte (ich jubelte solo *g*).
Das Spiel war gekippt. Die "Störche" hatten einen gewaltigen Knacks bekommen,
denn sie versuchten zwar in der verbleibenden Zeit mit viel Einsatz und Elan, dieses Resultat zu reparieren, aber lediglich
ein weiterer Lattentreffer wiederum durch Guscina sorgte für Aufregung. Im Gegenteil, mit etwas Cleverness hätte
Jena jetzt den berühmten Sack zubinden könne, aber zunächst war nach Doppelpass Eckardt - Hähnge der
Kieler Torwart einen Tick schneller am Ball als Eckardt (85.) und dann fehlte Truckenbrod einfach die Kaltschnäuzigkeit,
allein vor Frech - der bis zur Strafraumgrenze herausgekommen war - mit einem Heber das 2:0 zu machen, er ballerte den Ball
voll auf den Keeper drauf. Ansonsten versuchte man ziemlich geschickt und erfolgreich, in den verbleibenden Minuten das Tempo
aus dem Spiel zu nehmen und den Ball in den eigenen Reihen zu halten.
Bis zu Kolbs Einwechslung wäre ich mit einem Punkt hochzufrieden gewesen. Der "Dreier" ist mit etwas Glück in
den ersten 70 und mit ansprechender Leistung in den letzten 20 Minuten eingefahren worden. <uk>
FC Carl Zeiss Jena - Borussia Dortmund II 2:1
Tore: 0:1 Neumeister (6.), 1:1 Lukimya (13.), 2:1 Riemer (80.)
- Jena: Nulle; Sievers, Wuttke, Lukimya, Sträßer;
Nagy (90. Petersen), Truckenbrod, Hähnge, Eckardt (85. Fuss); Orlando,
Kolb (73. Riemer)
- Dortmund: Höttecke; Koch, Eggert, Hünemeier, Neumeister;
Hille, Hasanbegovic (85. Boztepe), Tyrala, Öztekin; Ginczek (57.
Piossek), Kullmann
- Zuschauer: 6983
- Schiedsrichter: Dankert (Rostock)
- Spielbericht
-
Das Chaos beim FCC wurde gerade mal wieder etwas unübersichtlich. Nachdem
Peter Schreiber offenbar keine unbezahlten Rechnungen mehr auf seinem Wühltisch
findet (oder diese lieber wieder untendrunter steckt), fängt die
liebevoll zusammengesparte Mannschaft an sich in Wohlgefallen aufzulösen.
Der eine haut mit südländischer Besonnenheit einem Blumenzüchter
ins Gesicht, der andere wird aufgrund seiner Großartigkeit
suspendiert und der Dritte hat seine Bandscheiben nicht im Griff. Hinzu kommen
ungezählte Zerrungen und Risse diverser Muskelgruppen, schlechte
Blutwerte und Verstauchungen. Und die wenigen Verbliebenen, die sich stets gut
benommen haben und dazu gesund sind, können auch nicht mehr so
richtig. Zu groß ist der Druck nach dem Kulturarena-Debakel für
Rom, Ähnliches vollbringen zu müssen. Ernüchternde
Aussichten also für das gestrige Spiel gegen Dortmunds Zwote, zumal
die nach fünf Minuten schon in Führung lag. Neumeister hatte
die Aufwachprobleme in Jenas Deckungsverbund schamlos ausgenutzt und per Kopf
die Gästeführung hergestellt (6.). Zwar war der ursächliche
Freistoßpfiff völliger Mumpitz, gezählt hat es
trotzdem. Aber was soll's. Aus Ruinen wird auferstanden! Und überhaupt:
Bandscheibenvorfälle werden total überbewertet!
Zwar
folgte die Trotzreaktion erst nachdem Nulle das 0:2 und damit den unabwendbaren
Untergang verhindert hatte, dann aber kam die große Zeit des Rene
Eckardt. Ganz ehrlich, wenn der immer so spielen würde wie die
folgende Viertelstunde, die Nationalmannschaft wäre kein Thema. Seine
Vorlage auf Wuttke nach einer Ecke und sein Heber aus spitzem Winkel wären
bereits Treffer wert gewesen, Hötteke bekam aber beidemal noch
irgendein Körperteil dazwischen. Gegen Lukimyas Schuß aus
Nahdistanz konnte aber auch der Dortmunder Schlußmann nichts mehr
machen. Eckardt hatte Neumeister auf der rechten Seite schön zur
Schere gemacht und den Ball dann flach nach innen geschlagen. Von dort hätte
es wohl nur noch Gomez und dann auch nur im Nationaltrikot noch fertiggebracht,
das Tor nicht zu treffen. Jubeln unter Vorbehalt (13.). Ein Unentschieden
konnte hier ja nicht das Ziel sein! Dieser Vorbehalt legitimierte sich
schneller als gedacht. Mit der Gewißheit der uneingeschränkten
Überlegenheit zog sich Jena wieder aus dem Dortmunder Strafraum zurück.
Alle Maschinen Stop - im Notfall gleichen wir halt wieder aus. Zwar hatte
Eckardt nach eine Wuttke-Vorlage noch einmal die große Chance zur Führung,
sein strammer Volleyschuß fand aber den Weg ins Tor nicht und ist
jetzt wahrscheinlich ein dicker blauer Fleck auf einem Dortmunder Gesäß
(16.). Danach tickte nur noch die Uhr runter. Was dieser taktische Unsinn soll,
ist schwer zu sagen, zumal der Schwung des Ausgleichstreffers dadurch völlig
verpuffte. Die Kräfte jedenfalls hätten eigentlich noch ein
bißchen länger reichen sollen. Kurz vor der Pause hätte
sich dieses unheilvolle Fehlverhalten tatsächlich fast gerächt.
Wäre Kullmann nicht um Zentimeter an Boztepes Eingabe vorbeigerutscht,
die etwa 300 Mitgereisten Dortmunder hätten wohl unsere leise vor sich
hin tirilierende Südkurve vollends unter den Tisch gesungen. Glück
gehabt!
Nach der Pause war es vor allem Orlando, der für Aufsehen sorgte.
Inzwischen ist es für jeden Gegner offenbar ein probates taktisches
Mittel geworden, ihn einfach am Losrennen zu hindern. Ein kurzes Halten, ein
Schubser auf Höhe der Mittellinie, eigentlich ist alles besser als ihm
später hinterherzugucken. Zwei oder drei gelbe Karten werden dafür
augenscheinlich in Kauf genommen, welche die Schiedsrichter (vor allem der von
gestern) oft nicht mal geben. Wenn dann auch noch klarste Pfiffe ausbleiben,
geht mir langsam das ohnehin knapp bemessene Verständnis aus.
Stattdessen reichten auf der Gegenseite mitunter kleinste Scharmützel
aus, um aus gefährlichsten Positionen Freistöße zu
verhängen. Einer davon wäre Jena fast zum Verhängnis
geworden, als Hünemeier den hoch hineingeschlagenen Ball von Tyrala
nur knapp verfehlt, kann Nulle erst im Nachfassen das Unentschieden festhalten
(63.). Knapp! In dieser Phase überzeugt der FCC aber auch allenfalls
durch Gleichwertigkeit auf niedrigem Niveau. Die Führung kommt
dementsprechend wie aus dem Nichts. Wieder ist es Eckardt, dessen präzise
Flanke die Entscheidung bringt. Punktgenau schießt der den Ball auf
den eingewechselten Riemer, dessen Kopfstoß die vor sich hindämmernden
Fans aus der allgemeinen Lethargie reißt (80.). Nicht zu glauben! Dieses Murksspiel und dann auch noch der Riemer. Der
hatte gegen Erfurt nun wirklich einen Scheißtag erwischt. Und dann
noch das Ding mit seinem Rücken. Schön, daß es
offenbar doch nicht so schlimm war oder Bandscheibenvorfälle halt
einfach überbewertet werden (-:
Was folgt sind noch zehn zerrige Minuten Warterei plus einer unendlich
langen Nachspielzeit. Dann ist der dritte Sieg endlich in Sack und Tüten.
Glanzvoll war es nicht! Spielerisch herrschte mitunter unbeschreibliches Elend
auf dem Platz. Dazu kommen die Abstimmungsschwierigkeiten, die bei einer neu
formierten Elf aber ganz normal sind. Entscheidend aber war der größere
Wille. Das was Erfurt in Jena zum Sieg getragen hat, war gestern Jenas
Unterpfand. Die Mannschaft wollte einfach mehr. Das Derby ist damit nicht
vergessen, dieser Stachel sitzt zu tief. Aber ein Rückspiel in Erfurt
ist ja auch noch. Ein neues Spiel mit neuen Chancen. Und nächstes Jahr
wollen wir ja auch wieder in die Kulturarena... <bpf>
VfL Osnabrück - FC Carl Zeiss Jena 2:0
Tore: 1:0 Lindemann (21.), 2:0 Reichenberger (63.)
- Osnabrück: Berbig; Herrmann, Barletta, Nickenig, Krük;
Siegert, Heidrich, Lindemann, Hansen (76. Grieneisen); Reichenberger (85.
Samide), Schmidt
- Jena: Nulle; Sievers, Wuttke, Lukimya, Sträßer;
Nagy (66. Kolb), Truckenbrod, Ziegner, Holwijn (83. Eckardt); Orlando,
Hähnge
- Zuschauer: 9800
- Schiedsrichter: Aytekin (Oberasbach)
- Spielbericht
-
Der Überkreuzvergleich der bisherigen
Saisonresultate sprach von vornherein gegen den FCC: Ingolstadt hatte Erfurt
klar besiegt, Osnabrück die Ingolstädter und Erfurt am
vergangenen Sonntag....ach, lassen wir das. Fußballspiele werden
nicht mit dem Taschenrechner entschieden. Klären wir stattdessen
lieber die Frage: Was stellt eine Mannschaft am gescheitesten an, die mit
Lanzaat, Riemer, Petersen, Osadchenko sowie Ralf Schmidt gleich fünf
Ausfälle in der Abwehr zu verkraften hat ? Klar, sie spielt munter
nach vorn !
Genau das tat Jenas Elf in der Anfangsphase. Da Salvatore
Amirante nach seiner Rot-Sperre für mindestens vier Spiele von der
Bildfläche verschwunden sein wird, teilten sich die beiden Holländer
Orlando und Holwijn von außen kommend in die Rolle des zweiten Stürmers
hinein. Wobei Melvin Holwijn in seinem ersten Match von Anbeginn wesentlich mehr
auffiel. Selbst zwei Gegenspieler vermochten ihn nach fünf Minuten
nicht zu stoppen, zumindest nicht mit fairen Mitteln. Erst als Holwijn wie
nichts zwischen ihnen hindurch geschlüpft war, holte ihn der düpierte
Krük von den Beinen. Freistoß also von der rechten
Strafraumseite, lang auf die andere Seite geschlagen zu Wuttke, dieser sofort
zurück auf den vorm Tor stehenden Hähnge. Zeit zu überlegen
hatte Sebastian nicht, zwei Meter vor dem Kasten inmitten einer lila
Spielertraube handelt man sowieso besser instinktiv - wenn dann aber der Ball
Osnabrücks Keeper Tino Berbig mitten ins Gesicht fliegt, ist das
einfach nur riesengroßes Pech. Doch Jena blieb am Drücker.
Gerade mal zehn Minuten waren gespielt, als ein sichtlich
motivierter Sebastian Hähnge
diesmal von der rechten Seite kommend durchzog. Berbig verkürzte den
Winkel, Hähnge legte deshalb auf den zentral stehenden Truckenbrod ab,
doch schoss dieser aus sieben Metern weit über das leere VfL-Gehäuse.
Dies freilich war mit Pech nicht mehr zu erklären, muss doch auch von
einem defensiven Mittelfeldspieler erwartet werden dürfen, beim unbedrängten
Torschuss nicht in starke Rückenlage zu verfallen.
Ein Führungstreffer
wäre der gerechte Lohn für ansehnlichen Kombinationsfußball
in der ersten Viertelstunde gewesen. Außer einer Einzelleistung von
Jenas Ex-Kapitän Niels Hansen hatten die Gastgeber bis zu diesem
Zeitpunkt noch nichts zustande gebracht, unter anderem weil sich Tim Wuttke auf
der ungewohnten Innenverteidiger-Position gut in Jenas Viererkette einfügte.
Doch dann brach Minute 21 an. Siegert legte für Björn Lindemann
auf und der hatte als erster VfL-Spieler in diesem Match mal richtig Platz am
gegnerischen Sechzehner. Wie er den nutzte - mit einem Sonntagsschuss ins
Dreiangel - war zweifellos sehenswert. Die Führung ansich aber äußerst
glücklich. Erst jetzt kamen die Niedersachsen besser ins Spiel. Nachdem sich zwei Jenaer
gegenseitig angeschossen hatten (29.), drohte für Carsten Nulle ebenso
Gefahr wie beim Freistoß zehn Minuten später, den der Torhüter
aber auf Nummer sicher gehend über die Latte lenkte. Seinem Gegenüber
Tino Berbig, der selbst mal in Jena zwischen den Pfosten gestanden hatte und
hierher noch familäre Bindungen hat, misslang in der 40. Minute bei
einsetzendem Gewitterregen ein Abschlag, sodass Hähnge den Ball mit
einem Heber postwendend zurück brachte. Leider nur aufs Tornetz. Als
sich einige schon auf den Pausentee zu freuen schienen, gabs den ersten
erfolgreichen Antritt von Orlando. Bei dessen Eingabe von der linken Seite kam
Hähnge einen Schritt zu spät. Oder ließ er den Ball
absichtlich für Holwijn durch ? Möglich wäre es,
denn der Neuzugang hatte freie Bahn, nur -
was machte er daraus ? Halb Ballannahme, halb Torschuss, nichts von
beiden richtig, und so beförderte der Nationalspieler das Leder weit
am Pfosten vorbei ins Toraus. Zwei, drei dicke Torchancen teils kläglich
vergeben zu haben war der einzige Vorwurf, den man der Zeiss-Elf beim Gang in
die Kabinen machen konnte.
Die erste Aktion nach Wiederanpfiff war nahezu eine Kopie
der letzten Szene vor der Pause. Wieder ging Orlando auf der linken Seite auf
und davon, wieder kam Hähnge in der Mitte einen Schritt zu spät.
Nur dass diesmal kein Holwijn daneben stand. Auf der anderen Seite köpfte
Nickenig aufs Tornetz (48.). So wie sich das Spiel danach entwickelte, war
absehbar, dass es nicht bei dem einen Treffer in dieser Partie bleiben würde.
Beide Mannschaften schenkten sich nichts, noch aber fand niemand die Lücke.
Die Emotionen im Spiel übertragen sich sogar auf die Ersatzleute
hinter dem Tor. Als Sträßer bei einer Abwehraktion gehalten
wurde und somit nicht in der Lage war, den Eckball zu verhindern,
regte sich André Schmidt berechtigterweise über
den Schiri-Assistenten auf, der das Foul eigentlich hätte sehen müssen.
Die Konsequenz war die Gelbe Karte für einen Spieler, der in dieser
Saison noch nicht eine Punktspielminute in der ersten Mannschaft verbracht hat
(58.). Besagte Ecke beschwörte übrigens Gefahr durch
Reichenbergers Kopfball herauf, den Nulle wegfaustete.
Osnabrücks Stürmer-Oldie
drehte nun richtig auf. War beim Schuss in Minute 62 abermals bei Carsten Nulle
Endstation, sorgte Thomas Reichenberger schon zwei Minuten später für
die Spielentscheidung, indem er aus sieben Metern zum 2:0 traf. Ein Tor,
das Carsten Sträßer auf seine Kappe nehmen muss, vertändelte
er doch das Leder im eigenen Strafraum ohne Not gegen Hansen, der dann
Reichenberger ins Spiel brachte. Zwar hatte eine Jenaer Mannschaft schon einmal
im Osnabrücker Stadion das Kunststück fertig gebracht, aus
einem 0:2 noch ein Remis werden zu lassen - doch die Körpersprache
nach dem zweiten Gegentreffer zeigte an, dass sich das diesmal nicht
wiederholen würde. Weshalb ein über 70 Minuten recht intensiv
geführtes Spiel die verbleibende Zeit gemächlich austrudeln
durfte.
Die Art und Weise, wie diese Niederlage zustande kam, war
eine ganz andere als eine Woche zuvor. Kein Vergleich mit dem fast
hergeschenkten Derby. Und doch gerät die Mannschaft nach einem Punkt
und null Treffern aus den letzten drei Partien in Zugzwang. Schon im nächsten
Spiel muss der Schalter wieder umgelegt werden, soll eine weitere Spielzeit in
den Tabellenregionen der Vorsaison vermieden werden. <fc>
FC Carl Zeiss Jena - FC Rot-Weiß Erfurt 0:3
Tore: 0:1 Kammlott (1.), 0:2 Semmer (40.), 0:3 Kammlott (55.)
- Jena: Nulle; Sievers, Riemer (46.Petersen), Lukimya,
Sträßer; Nagy (46. Hähnge), Truckenbrod, Ziegner, Eckardt
(68. Holwijn); Smeekes, Amirante (
, 59.)
- Erfurt: Orlishausen; Malura (

, 59.), Pohl, Möckel,
Ströhl; Cinaz, Rockenbach da Silva, Stenzel, Hauswald (84. Pinske); Semmer (64. Peßolat),
Kammlott (78. Cannizzaro)
- Zuschauer: 11.200
- Schiedsrichter: Leicher (Landshut)
- Spielbericht
- Ein paar Worte vorweg, zu den wenigen positiven Aspekten dieses Spiels:
Endlich,endlich, endlich hat es der Verein einmal geschafft, die Stadiontore mit
ausreichend Leuten zu besetzen, um einen flüssigen Einlass zu gewährleisten.
Man mag sich gar nicht ausmalen, wieviele frustrierte Zuschauer des FCC in
den letzten Monaten nicht wieder gekommen sind - nur weil der Verein die paar
Euro sparen wollte, die zusätzliche Einlasskräfte kosten? Bitte lasst es
keine Derby-Eintagsfliege sein...
Eine zweite gute Nachricht: Das Stadion war
nahezu ausverkauft, nur die Gäste hatten zu Hause irgendwie kleine Probleme
mit dem Kartenverteilen. Ja, und die Choreos kurz vor Beginn des Spiels:
die große Flagge auf der Haupttribüne und dann die Herzchen für Jena, erst
rot (WTF?!) und dann blau-gelb-weiß mit Feuer.
Beeindruckend(!) - dachten
sich wohl auch die Spieler des FCC, die sich in der ersten Minute
anscheinend auf alles andere drumherum konzentrierten, nur
nicht auf's Spiel. Der Anstoß des FCC wurde abgefangen, ein steiler Pass in
die Spitze, Abschluss von der Strafraumkante ins linke untere Eck, und nach
gefühlten drei Sekunden stand es Null-zu-Eins.
Braucht es wirklich nur ein Gegentor in der ersten Minute, um das in den
letzten Wochen vielgerühmte Wahnsinns-Jenaer Publikum komplett ruhigzustellen?
Offensichtlich. Nur die Südkurve zuckte noch in den ersten zehn Minuten,
in denen Jena sichtlich geschockt wirkte und nichts auf die Reihe kriegte.
Die Unaussprechlichen waren auch nicht wirklich gefährlich, und so plätscherte
es dahin bis zur 14. Minute, als Amirante kurz vor dem Strafraum gelegt
wurde. Ziegner trat an und schlenzte den Ball an die Querlatte... was für ein
Pech! Wenigstens war der FCC in dieser Phase gleichwertig und kam über das
Kurzpassspiel und gewonnene 1:1-Situationen auch mehrmals schnell bis
zum Strafraum der anderen. Irgendwie schienen sie aber den Ball heute
reintragen zu wollen: immer noch ein Abspiel oder Dribbling mehr aus aussichtsreicher
Position, aus der man auch einfach mal hätte draufhauen können und
müssen. Jenaer Verunsicherung wurde merklich. Je weiter die erste Halbzeit
voranschritt, desto mehr unforcierte Fehler schlichen sich in das Jenaer
Spiel ein. Kurz vor der Halbzeit verschätzte sich dann auch noch Nulle bei
einem Eckball und es stand 0:2. Auf den Tribünen machte sich Ratlosigkeit breit
- war das wirklich die gleiche Mannschaft, die bislang so begeisternden
Fußball gespielt hatte?
Es konnte nur besser werden und es wurde - bitterer. Da hatte der FCC
gleich nach der Pause eine gute Kopfballchance (der Ball landete auf dem
Tornetz), doch in der 54. Minute kam eine Bogenlampe in den Jenaer Strafraum
hereingesegelt, die ewig in der Luft war und trotzdem nach Direktabnahme
im Jenaer Tor landete. Wenn der Torschütze demnächst im Training versucht,
dieses Tor nachzustellen, wird er von 100 Versuchen wahrscheinlich 99 nicht
treffen...aber im Spiel ging er halt rein, und damit war die Luft vollständig raus.
Was danach passierte, war haarsträubend.
Es ist nicht unüblich, dass Mannschaften sich bei einem Rückstand von 0:3
nach 55 Minuten mitunter hängenlassen (wobei meine ganz persönliche Meinung
dazu ist, dass das dann auch keine Mannschaft ist). Aber dass so absolut gar
nichts mehr ging, dass einfachste Bälle zum Gegner gespielt, wirklich sinnlose
Dribblings angesetzt und Laufwege einfach abgebrochen wurden, macht
nachdenklich. Die erste Chance für den FCC gab es erst wieder in der 71.
(Hähnge vergibt aussichtsreich), dann nochmal eine kleine in der 75. Auf
der Gegenseite konnten wir uns bei Nulle bedanken, dass es am Ende nicht 0:5
stand - und zwar nicht, weil der Landeshauptstadtclub überragenden Fußball
gespielt hätte.
Einen "positiven" Aspekt hat die Sache am Ende doch noch: Dieses ganze
Geklapse mit angekündigtem Moonwalk, "Wir steigen auf"-Gesängen und 100:0-Fahnen
gehört erst mal wieder der Vergangenheit an. Die Chance besteht, dass die
Jenaer Spieler am Sonntag begriffen haben, dass sich Spiele gegen Mannschaften,
die unten stehen, nicht von selbst gewinnen. <ragnar>
Derby-Fotos von Jens Weißenburger
Bericht auf der Erfurter Homepage
FC Erzgebirge Aue - FC Carl Zeiss Jena 0:0
- Aue: Männel; Klingbeil, le Beau, Paulus, Schaffrath;
Cimen (68. Gambo), Stark, Müller (72. Klotz); Curri, Braham, Ramaj (90.
Hiemer)
- Jena: Nulle; Sievers, Riemer, Petersen, Sträßer;
Nagy, Truckenbrod, Ziegner, Orlando; Hähnge, Amirante (87. Eckardt)
- Zuschauer: 11.400
- Schiedsrichter: Dr. Fleischer (Sigmertshausen)
- Spielbericht
- 5:1, 5:0, 5:0. In den vergangenen drei Jahren ist der FCC im
Erzgebirgsstadion regelrecht vermöbelt worden. Bekanntlich hat der
Optimist keine Ahnung von den freudigen Überraschungen, die ein
Pessimist erlebt. Trotzdem fuhren wir diesmal mit einem besseren Gefühl
nach Aue und weigerten uns von vornherein, an eine Fortsetzung dieser schwarzen
Serie zu glauben. Dafür hatte die neue Jenaer Mannschaft in den ersten
Wochen der noch jungen Saison schon zu viel an Potential offenbart.
Entgegen seiner Ankündigung hatte René van Eck im
Vergleich zum letzten Spiel eine Änderung vorgenommen. Rene Eckardt
blieb trotz ansprechender Leistung gegen Bayerns Zweite erst mal wieder auf der
Bank, wohingegen Sebastian Hähnge zu seiner Premiere in der Startelf
kam. Waren es die besseren Trainingsleistungen, die dafür den
Ausschlag gaben ? Fürchtet van Eck, den Youngster zu schnell zu
verheizen ? Oder will er Jenas Offensivtaktik ein Stück weit
unberechenbarer für die Ligakonkurrenz gestalten ? Wie auch immer -
Smeekes, der am liebsten nur Orlando genannt werden möchte, rückte
aus dem Zentrum auf die Außenposition. Von da, nur in der anderen Hälfte,
kamen auch die meisten Bälle in den ersten zwanzig Minuten. Eckball um
Eckball holten die Gastgeber während ihrer Anfangssoffensive heraus.
Den ersten richtigen Torschuss gabs dennoch von einem Jenaer. Salvarore
Amirante prüfte Martin Männel nach achtzehn Minuten. Darüber
hinaus tat sich allerdings vor der Pause nicht viel an Offensivgeschehen
seitens der Thüringer. Dazu fehlte es im Mittelfeld an einem
Gestalter, der die Bälle verteilte oder einfach mal länger in
den eigenen Reihen hielt. Hähnge und Amirante hatten es schwer mit
ihren Gegenspielern. Und Orlando ? Zeigte auf rechtsaußen mehrmals
technische Kabinettstückchen, doch in echte Torgefahr mündeten
die meist nicht, sodass sich die Umstellung alles in allem nicht bezahlt
machte. Ein einziges Mal brachte er vor der Pause nach energischem Sprint eine
Eingabe vors Tor, doch die fing Männel vor dem einschussbereiten
Amirante weg.
Erfreulich hingegen, dass Jenas Viererkette auch ohne Lanzaat
lange Zeit nichts zuließ. Da konnten Curri und Ramaj rochieren, wie
sie wollten - sowohl Sievers wie auch Sträßer ließen
sie nicht zu Entfaltung kommen. Auch die 7:0 Ecken der Veilchen in Hälfte
eins bereiteten Nulle und seinen Vorderleuten keine Probleme. Lediglich in den
letzten drei Minuten vor dem Pausenpfiff schlich sich kurzzeitig mal etwas
Sorglosigkeit ins Jenaer Abwehrzentrum. Denn dass ausgerechnet der Kleinste auf
dem Platz, Skerdilaid Curri, nur um wenige Zentimeter an einem Kopfballtor
vorbeischrammt, darf eigentlich nicht
passieren. Und was war in Minute 44 los ? Bei Müllers Heber in den
Strafraum rannten gleich zwei Weiße mit Ramaj mit, wodurch sich
Braham zentral in 13 Metern
Torentfernung seelenruhig auf seinen Torschuss vorbereiten konnte. Doch vergeht
kein Spiel ohne eine Heldentat von Carsten Nulle ! Jenas Keeper entschärfte
Brahams Schuss mit toller Reaktion. Der Halbzeitpfiff kam den Jenaern nicht
ungelegen.
Mit Beginn der zweiten Hälfte hatte sich Jenas
Hintermannschaft wieder formiert. Aue zunächst wieder leicht feldüberlegen,
ohne groß zu Tormöglichkeiten zu gelangen. Ramajs Schlenzer
Richtung Dreiangel fing Nulle noch in dessen Steigphase (57.). Die optische Überlegenheit
auf Seiten der Gastgeber verschwand dann nach etwa einer Stunde Spielzeit. Erst
jetzt fiel auf, dass mit Kos auch bei den Erzgebirglern der Abwehrchef fehlte
und deren Hintermannschaft nicht unüberwindbar ist. Als Orlando seinen
Gegenspieler ins Leere rutschen ließ, die flache Hereingabe nur
unkontrolliert nach vorn abgewehrt werden konnte, kam Jens Truckenbrod aus fünfzehn
Metern zum Torschuss. Wie gern hätten wir DEN ankommen sehen ! Doch
Paulus warf sich hinein, bescherte Jena damit nach 61 Minuten wenigstens noch
die erste Ecke, welche aber wie generell alle Standards an diesem Tag nichts
einbrachte. Die hohen Temperaturen sollten in der Schlussphase bei beiden
Mannschaften ihren Tribut fordern. Das Wort Sommerfußball machte nun
die Runde. Van Eck schien dennoch nicht unzufrieden,
tätigte seinen ersten Wechsel erst drei Minuten vor
Schluss und dies aus Verletzungsgründen. Dass auch Trainerkollege
Schmitt in der 90. Minuten noch einen neuen Mann auflaufen ließ, lässt
den Schluss zu, dass mit dem unentschiedenen Spielausgang am Ende alle recht
zufrieden waren. Die Gastgeber hatten dem Spitzenreiter einen Punkt abgerungen,
der FCC bereitete seiner schwarzen Serie im Erzgebirgsstadion endlich ein Ende.
Zwar ist die Tabellenführung damit schon wieder
passé, doch ist der FC Carl Zeiss Jena auch nach dem Auer Auswärtsspiel noch ungeschlagen in dieser Saison.
Und das ist schließlich auch schon etwas wert. <fc>
FC Carl Zeiss Jena - FC Bayern München II 6:0
Tore: 1:0 Eckardt (8.), 2:0 Smeekes (28.), 3:0 Amirante (48.), 4:0 Amirante (62.), 5:0 Amirante (64.), 6:0 Amirante (76.)
- Jena: Nulle; Sievers, Riemer, Lanzaat (23. Petersen),
Sträßer; Nagy, Truckenbrod, Ziegner, Eckardt; Smeekes (68.
Hähnge), Amirante (77. Benyamina)
- München: Kraft; Schütz, Lell
(
, 38.), Saba (56. Kopplin), Contento;
Erb, Rieß, Görlitz, Schürf (53. Yilmaz); Sikorski, Sene (43. Duhnke)
- Zuschauer: 8346
- Schiedsrichter: Gorniak (Bremen)
- Spielbericht
- Vor dem Spiel bestimmten noch Sorgen die Gedanken der
meisten Zuschauer, an die sich nach dem Spiel kaum noch jemand erinnerte. Wie
wird die Mannschaft die befürchteten Ausfälle von Carsten Sträßer
und Ralf Schmidt verkraften können? Wie kommt der FCC mit den
bundesligaerfahrenen Christian Lell und Andreas Görlitz zurecht? Wird
die zweite Garde des großen FC Bayern am dritten Spieltag ihr
zweifellos vorhandenes Potential zeigen, nachdem man eher schwach in die Saison
gestartet war?
Zumindest einer der Fragen löst sich noch vor dem
Anpfiff in Wohlgefallen auf, denn Carsten Sträßer stand in
der Startformation. Der Abwehrspieler ist mitverantwortlich für den
derzeitigen Erfolg des FCC und wird von vielen aufgrund seiner in der letzten
Saison oft gut versteckten Souveränität mit einem
Augenzwinkern als "Neuzugang" bezeichnet, entsprechend groß war die
Erleichterung bei der Lektüre seines Namens in der Startaufstellung. Die
Elf des gut in die Saison gestarteten FCC begann das Spiel auch gleich druckvoll
und schon die ersten Minuten ließen keinen Zweifel daran aufkommen,
wer heute der Herr im Haus sein wollte. Die erste Ecke des Spiels erhielten
trotzdem die Bayern, aber mehr als ein schneller Gegenstoß über
den starken Sievers sprang dabei nicht heraus. Dieser Konter war es, den Timo
Nagy mit einem herrlichen Pass auf Salvatore Amirante fortsetzte. Der Italiener
stand plötzlich vor Kraft im Tor des FCB und wollte den Ball in der
langen Ecke unterbringen, hatte dabei aber die Reflexe des Schlussmanns der
Bayern unterschätzt. Festhalten konnte er den scharfen Schuss aus
kurzer Distanz allerdings nicht, der mitgelaufene René Eckardt schaltete am
Schnellsten und konnte den Ball unbedrängt aus kurzer Distanz im Tor
unterbringen - 1:0 für den FCC nach nur acht Minuten! Die erfahrenen
Spieler der Bayern, namentlich Görlitz und Lell, sahen beim
vorhergehenden Zusammenspiel von Nagy und Amirante alles andere als gut aus und
verloren schon nach diesen wenigen Minuten einen Teil des von ihren Namen
ausgehenden Glanzes.
Die Gäste aus München zeigten sich aber
keineswegs geschockt vom frühen Rückstand, stattdessen bemühten
sie sich von nun an intensiv um den Ausgleich. Nur fünf Minuten nach
der Führung war es Carsten Nulle, der gegen den in dieser Phase
starken Sikorski klären musste. Der war nach einem Missverständnis
in der Jenaer Hintermannschaft plötzlich frei vor Nulle aufgetaucht
und scheiterte nur an der blitzschnellen Reaktion des auch heute sicheren Rückhalts.
Im Gegenzug hat Eckardt das 2:0 auf dem Fuß, nachdem er mit einem
herrlichen langen Ball von Nagy freigespielt wurde. Sein Ball geht aber leider
nicht nur an Torhüter Kraft vorbei, sondern auch am Tor. Für
die nächsten Minuten sollte dieser Gegenstoß das letzte
Lebenszeichen des FCC sein, von nun an drückten die Bayern. Dabei war
es immer wieder Marco Riemer, der in der Abwehr nicht überzeugen
konnte. In der 16. Minute profitiert er allein von der Fairness des Münchner
Stürmers Sikorski, der sich trotz leichtem Trikotzupfer aufrafft und
sich nicht fallen lässt, anderenfalls hätte man diese
Situation wohl als Notbremse werten müssen. So stand Sikorski zwar
allein vor dem Jenaer Gehäuse, aber dieses wurde ja von Carsten Nulle
bewacht - und dieser reagierte erneut glänzend. Auch wenn man sich
mittlerweile schon fast daran gewöhnt hat, mit Nulle einen extrem
sicheren Rückhalt zu haben - was dieser Mann Woche für Woche
für Bälle hält, ist aller Ehren wert. Völlig
zu Recht wurde "Wild Thing" auch vor dem Spiel als Spieler der letzten Saison
ausgezeichnet, denn ohne ihn hätte der FCC die Klasse wohl kaum
gehalten. Richtig ernste Mienen konnte man nur kurz darauf erblicken, denn
offenbar hatte sich Abwehrchef Quido Lanzaat ohne Fremdeinwirkung verletzt und
drängte auf seine Auswechslung, die nach 23 Spielminuten vollzogen
werden musste. Nicht wenige fürchteten nun den baldigen Ausgleich oder
zumindest massive Probleme mit den schnellen und ballsicheren Angreifern der
Bayern für die umgestellte Innenverteidigung. Genau in diese Phase des
größten Drucks der Bayern stürmt aber erneut
Orlando Smeekes hinein und spielte sich endgültig in die Herzen der
Fans. Nach einer kampfgeprägten Balleroberung des Hachinger Neuzugangs
Nagy hat Orlando nur noch Lell und das Tor vor sich. In seiner gewohnten,
unheimlich schnellen Art stürmt er auf Lell zu, schlägt noch
einen Haken und streichelt den Ball dann mit der Innenseite an den kurzen
Pfosten - von dem das Leder den erstrebenswertesten Weg wählt, nämlich
den ins Tor von Jenas Gegnern! Das 2:0 in der 28. Minuten fiel sprichwörtlich
genau zum richtigen Zeitpunkt, denn es setzte einen Schlussstrich unter eine
Phase gefährlicher Angriffe der Gäste, die immer wieder nur
vom Jenaer Schlussmann aufgehalten werden konnten. Auch in der Folge überforderte
der Mann von den niederländischen Antillen, der nun bereits vier Tore
in drei Spielen erzielt hat, seinen Gegenspieler Lell immer wieder mit seiner
Schnelligkeit. Zehn Minuten nach dem 2:0 wurde die Sprintstärke dem Münchner
endgültig zum Verhängnis, als ihn Orlando einmal mehr
regelrecht überlaufen konnte und von Lell nur noch per Foul zu stoppen
war. Da Lell zu diesem Zeitpunkt letzter Mann war und Smeekes freie Bahn aufs
Tor gehabt hätte, war die Entscheidung des unauffälligen
Schiedsrichters Gorniak durchaus nachvollziehbar - Rote Karte wegen Notbremse
und Freistoß für den FCC, denn der Bremer Unparteiische
hatte das Foul außerhalb des Strafraums gesehen. Auch wenn der
Freistoß und die folgenden Minuten vor der Halbzeit nichts
einbrachten, so hatte sich der FCC doch eine hervorragende Ausgangslage für
den zweiten Durchgang geschaffen. Doch trotz der Zwei-Tore-Führung und
der Jenaer Überzahl erwarteten viele eine spannende zweite Hälfte,
in der den Bayern im Falle eines schnellen Anschlusstreffers durchaus noch
Chancen eingeräumt wurden.
Derartige Sorgen und Ängste lösten sich
aber schon kurz nach dem Wiederanpfiff auf, denn die 8346 Zuschauer im Ernst
Abbe Sportfeld sahen einen FC Carl Zeiss Jena, der weiterhin mit voller
Konzentration zu Werke ging. Das aus der Führung und dem Spielverlauf
resultierende Selbstvertrauen sorgte außerdem dafür, dass
Flanken und Pässe scheinbar präziser ankamen und
leichtfertiger von der Hand gingen als in anderen Spielen. Nur drei Minuten
nach Wiederanpfiff war es dann auch schon so weit, dass auch die letzten
Zweifler vom Optimismus übermannt wurden, denn nach einer präzisen
Flanke des starken René Eckardt auf den Kopf von Salvatore Amirante dürfte
die Halbzeitansprache von Gästetrainer Mehmet Scholl bereits hinfällig
gewesen sein. Der Italiener stieg als einziger im Strafraum hoch zum Kopfball,
begleitet nur von den ungläubigen Blicken seines Gegenspielers. Der
musste mit ansehen, wie der wuchtige Kopfball unhaltbar für Kraft im
Netz landete und das Spiel faktisch entschieden war. Anders als nach dem 1:0
war nun auch ein gewisser Schockzustand bei den Bayern zu erkennen, die mit
einer derart druckvollen Offensive seitens der Jenaer offenbar nicht gerechnet
hatten. Nach einer guten Chance für den unauffälligen, aber
ebenfalls überzeugenden Truckenbrod in der 59. Minute war es nach
knapp über einer Stunde erneut Amirante, der einen Eckball von Nagy
per Kopf über die Linie bugsierte. Wieder fühlte sich keiner
der Bayern so richtig zuständig, erneut war gegen den starken Kopfball
aus kurzer Distanz nichts zu machen - 4:0 für den FC Carl Zeiss Jena!
Schon jetzt fragten sich einige, wann sie derartiges zuletzt erlebt hatten,
nicht ahnend, was die folgenden Minuten noch bringen würden. Der FCC
hatte nämlich noch lange nicht genug und spielte weiter attraktiven
Offensivfußball. Nur zwei Minuten später hatte sich Smeekes
auf links einmal mehr aller Gegenspieler entledigt und spielte dann einen
perfekten Pass in den Lauf des Doppeltorschützen Amirante, der den
Ball aus fünf Metern nur noch über die Linie schieben musste
und damit das 5:0 sowie seinen Hattrick vollendete! Nach 68 Spielminuten gönnt
Jena-Trainer René van Eck dem neuen Publikumsliebling und Torschützen
des Monats Orlando Smeekes nach einer weiteren starken Partie seinen verdienten
Applaus. Von stehenden Ovationen begleitet verlässt der Shooting-Star
den Platz, für ihn kommt Sebastian Hähnge. Der Eingewechselte
fügt sich sofort gut in das Spiel der Blau-Gelb-Weißen ein
und hat nur Minuten nach seiner Einwechslung das 6:0 auf dem Fuß, als
ihm Truckenbrod den Ball überlegt in den Lauf lupft. In dieser
Situation konnte sich allerdings zunächst der Münchner Torhüter
Kraft auszeichnen, als er den scharfen Schuss Hähnges pariert. Doch
das sollte am heutigen Tag nicht ausreichen, denn Hähnge setzt nach,
holt sich den Abpraller und flankt den Ball erneut butterweich auf den langen
Pfosten. Dort wartet, wie könnte es anders sein, Salvatore Amirante
und hat erneut keine Mühe, den Ball im Tor unterzubringen - 6:0 nach
76 Spielminuten, vier Tore von Amirante innerhalb von nicht einmal einer halben
Stunde, ungläubiges Staunen mischt sich in den unbändigen
Jubel im weiten Rund des Ernst Abbe Sportfelds.
Das halbe Dutzend war voll und die Jenaer Spieler ließen
es dabei bewenden, die folgenden fünfzehn Minuten waren mehr Schaulaufen
als ernsthafter Fußball und die Bayern hatten sich längst
mit der demütigenden Realität abgefunden. Gegenwehr wäre
bei diesem Spielstand ohnehin zwecklos gewesen und so konnten die leidgeprüften
Anhänger des FCC endlich mal wieder eine Schlussviertelstunde ohne
Angst vor späten Gegentoren oder in der Hoffnung auf ein dringend benötigtes
Jenaer Tor verbringen, stattdessen wurde der in dieser Form von niemandem
erwartete Sieg ausgiebig gefeiert. Neben dem Ergebnis gefiel vor allem die
Tatsache, dass neben dem beinahe unheimlich schnellen Orlando Smeekes auch die
beiden Außen Sievers und Nagy überzeugen konnten und Jena über
weite Strecken des Spiels sehr sehenswerten und dynamischen Offensivfußball
zeigte. Auch in Anbetracht eines bestimmten Ergebnisses vom Samstag bildete das
6:0 den perfekten Abschluss eines paradiesischen Wochenendes, das so schnell
keiner der anwesenden Jena-Fans wieder vergessen wird. Nun muss der neue
Spitzenreiter der Dritten Liga in Aue nachlegen bevor am kommenden Wochenende
ein ganz spezieller Gast im Ernst Abbe Sportfeld erwartet wird. Sollten Orlando
Smeekes & Co. auch dann wieder einen ähnlichen Auftritt wie in den
bisherigen Saisonspielen hinlegen, dürfte der Jubel selbst die
heutigen Freudenschreie noch einmal deutlich übertönen. Bis
es so weit sein kann, liegen aber noch zwei mal 90 Minuten vor der Mannschaft
von René van Eck - zumindest das nötige Selbstvertrauen für
die erfolgreiche Gestaltung der beiden Ostderbys sollte spätestens
nach dem heutigen Spiel vorhanden sein. <bh>
SV Sandhausen - FC Carl Zeiss Jena 2:2
Tore: 1:0 Schuon (9.), 1:1 Smeekes (19.), 1:2 Riemer (32.), 2:2 Pinto (90., FE)
- Sandhausen: Gurski; Bindnagel, Schuon, Eberlein, Mintzel; Pinto,
Hillenbrand, Jungwirth (66. Fischer), Schauerte (77. Hosiner); Ristic (23.
Öztürk, Dorn
- Jena: Nulle; Sträßer, Lanzaat, Riemer, R. Schmidt;
Sievers (60. Hähnge), Truckenbrod, Ziegner, Nagy; Smeekes (88.
Petersen), Amirante (81. Benyamina)
- Zuschauer: 3150
- Schiedsrichter: Kempter (Sauldorf)
- Spielbericht
- Gleiches
Ergebnis - unterschiedliche Gefühle. Wo vor zwei Monaten 3.500 verzückte
Zeissfans ob des Klassenerhalts den Sandhäuser Rasen stürmten, herrschte
diesmal betretenes Schweigen unter beachtlichen gut 500 mitgereisten
Blau-gelb-weißen. Die meisten unter ihnen wären vor dem Spiel wohl mit einem
Zähler zufrieden gewesen, doch nach diesem Spielverlauf musste man einfach
hadern. Mit einer späten und nicht nachvollziehbaren Spielentscheidung durch
Referee Kempter, und mit dem Auslassen unzähliger
Möglichkeiten zur Vorentscheidung durch die eigene Elf.
Dass
dieses Spiel ein ganz intensives werden sollte, deutete sich schon nach wenigen
Minuten an. Riemers und Smeekes' gefährlichen
Toraktionen folgte auf der Gegenseite nach 8 Minuten die Führung der Gastgeber.
Ralf Schmidt hatte einen unnötigen Eckball verursacht - nicht der einzige
Fehler des sich nach dem Wechsel steigernden Studenten in den ersten 45 Minuten
- und Sandhausens bulliger Neuzugang Schuon köpfte
das Leder kompromisslos wuchtig zur frühen Führung ins Netz. Und die Gastgeber
drängten weiter mit schön anzusehendem Kombinationsfußball, waren durch das nur
schwer zu bändigende bundesligaerfahrene Sturmduo Ristic/Dorn stets
kreuzgefährlich. Doch anders als im Mai behielt Jena die Ordnung und schlug
zurück. Sträßer und Sievers kämpften im Duett
Mintzel den Ball im eigenen Strafraum ab,
Sträßers weiter gefühlvoller Ball erreichte zur
Überraschung von Sandhausens Hintermannschaft Orlando Smeekes,
der dem verdutzten Gurski das Leder in die Maschen
servierte (19.). 1:1! Und Jena machte weiter. Nur zwei Minuten später die
nächste Riesenchance für den Holländer nach tollem Diagonalpass von Sievers,
doch der Hammer zischt knapp am Tor vorbei. Eine Minute drauf hatte Nagy dann
die Führung auf dem Fuß, als er eine schöne Kombination zu harmlos abschloss.
Jena war im Spiel, und bald begann auch der Tag des Marco Riemer freundlichere
Züge anzunehmen. Zunächst erlöste ihn die verletzungsbedingte Auswechslung
Ristics von diesem unangenehmen, einen Kopf größeren Gegenspieler. Dann durfte
sich der Apoldaer sogar in die Torschützenliste
eintragen, als er nach Amirantes artistischer
Fallrückziehervorlage aus Nahdistanz zur verdienten Führung nach 33 Minuten
abstaubte.
Von
Sandhausen kam bis zum Wechsel nichts mehr, und dennoch hatten 3.500 Zuschauer
ein packendes und völlig offen geführtes Spiel gesehen. Glaubten sie zumindest,
denn nach dem Pausentee ging es erst richtig los. Bindnagel eröffnete das
Offensivfestival mit einem Knallbonbon knapp am rechten Pfosten vorbei (48.).
Smeekes antwortete mit Zuckerpass auf Sievers, der sich
völlig freistehend vor Gurski den Ball etwas zu weit
vorlegte (49.). Minuten später zwei dicke Patzer von Riemer, die die Gastgeber
nicht zu nutzen verstehen. Jungwirth zieht nach 56 Minuten ab und zwingt Nulle
zu einer Glanzparade. Dann kommt Nagy über die rechte Seite, doch seine
Hereingabe auf den blank stehenden Amirante misslingt (59.). Es war eine der
wenigen Offensivaktionen Nagys, der sich nach vorn wenig zutraute. Ausgewechselt
wurde nach einer Stunde aber sein Flügel-Gegenüber Sievers, bei dem sich
gelungene Offensivakzente mit schlampigem Defensivverhalten abwechselten.
Sebastian Hähnge kam ins Spiel und legte Sekunden
später gleich gekonnt per Kopf auf Amirante auf, Gurski
klärt. Wiederum Sekunden später umkurvt Hähne den Sandhäuser Keeper, ist
eigentlich schon vorbei und der Ball gefühlt auf dem Weg ins Tor, doch
irgendwie kommt Gurski doch noch einmal ans Leder
(61.). Eine Minute darauf darf Smeekes die nächste
hundertprozentige Torchance versieben, allein rechts vor dem Kasten entscheidet
er sich gegen den Pass auf den mitlaufenden Amirante und für den Flachschuss,
den Gurski mit Fußbabwehr
pariert. Wahnsinn! Quasi im Gegenzug rettet Lanzaat
vor dem einschussbereiten Pinto (62.). 63. Minute, ein Schuss Sandhausens aus
dem Hinterhalt wird unfreiwillig von Hillenbrand abgefälscht und trudelt an den
Pfosten! Vier Minuten später dann wieder dann wieder Bindnagel mit
Volleyschuss, Nulle pariert.
Sandhausen ging nun noch mehr auf Risiko und
drückte die Thüringer, bei denen die ordnende Hand im Mittelfeld vermisst
wurde, mehr und mehr in die eigene Hälfte, in der sich Carsten
Sträßer mit einer tadellosen Leistung Bestnoten verdiente.
Einen Entlastungsangriff über die rechte Seite kann der bisweilen selbst
auffällig fallsüchtige Mintzel nur mittels einer
Mischung aus grobem und taktischem Foul an Smeekes an
der Torauslinie verhindern, ohne dafür den Karton zu sehen. In
Ziegners frechen Freistoß spritzt Amirante, und als der Ball
hinter dem Keeper die Torlinie entlang zischt, ist wieder einmal
Haareraufen im Gästeblock angesagt. Mehr noch als
Smeekes nach 80 Minuten die nächste Hundertprozentige
vergibt, allein vor Gurski diesen nicht überwinden
kann. So kam das, was kommen musste. Sandhausen verlegte sich auf das
Erarbeiten von Freistößen, von deren Berechtigung nur wenige im Gästeblock
überzeugt waren, und so stand Carsten Nulle mehr und mehr im Mittelpunkt,
rettete mehrmals großartig. Machtlos war er jedoch, als Robert
Kempter - wie Sandhausen in Baden-Württemberg beheimatet -
in der Schlussminute auf den Elfmeterpunkt zeigte, ein Foulspiel Riemers an
Dorn gesehen haben wollte. Roberto Pinto ließ sich das späte Geschenk nicht
entgehen und schickte die Zuschauer mit dem gleichen Ergebnis nach Hause wie
vor zwei Monaten.
Diesmal bleibt für den FCC zu konstatieren, zwei Zähler
verschenkt zu haben, und das in erster Linie wegen der sträflich ausgelassenen
Großchancen im zweiten Abschnitt. Auf der Leistung der Mannschaft aber darf aufgebaut
werden, und diesen positiven Eindruck nahm Jenas Anhang mit auf die 400
Kilometer lange Heimreise. <gunner>
FC Carl Zeiss Jena - SV Wehen Wiesbaden 2:1
Tore: 1:0 Smeekes (50.), 2:0 Smeekes (56.), 2:1 Bohl (74.)
- Jena: Nulle; Sträßer, Lanzaat, Riemer, R. Schmidt;
Sievers, Ziegner, Truckenbrod, Nagy (87. Petersen); Smeekes (90.+1
Eckardt), Amirante
- Wehen: Birkenbach; Hollmann, Barg, Glibo, Weigelt; Bohl, Reinert
(61. Ziegenbein), Hübner, Öztürk (72. Landeka); Boskovic,
Stroh-Engel (58. Ziemer)
- Zuschauer: 7713
- Schiedsrichter: Dr. Brych (München)
- Spielbericht
- Gemeinhin gilt es als Vorteil, gegen Absteiger aus der 2.
Bundesliga gleich am Anfang einer Saison antreten zu dürfen. Deren
personelle Fluktuation ist meist recht hoch, der neuformierte Kader muss sich
erst einspielen. Im Gegensatz zu den beiden anderen Absteigern blieb dem SV
Wehen aber die große Abgangswelle erspart. Und so versprach der 1.
Spieltag gleich eine Standortbestimmung für den FC Carl Zeiss zu
werden.
Erstmals seit 2003 durfte die Punktspielsaison mal wieder
mit einem Heimspiel eingeläutet werden. Wenn dabei trotz Aprilwetters
7713 Zuschauer ins Ernst-Abbe-Sportfeld kommen, zeugt das ungeachtet der
miserablen letzten Saison von einer deutlichen Erwartungshaltung. Sebastian Hähnge
saß mit auf der Tribüne. Schon einen Tag vor dem Match hatte seine linke
Wade zu zwicken begonnen, am Spieltag selbst war dann nicht einmal mehr ein
Kurzeinsatz möglich. Sollte es deshalb ein schnelles Revival der
Ein-Stürmer-Taktik von René van Eck geben ? Nein, denn der Rückkehrer
auf den Trainerstuhl beorderte Orlando Smeekes auf die zweite Angriffsposition.
Da Jan-André Sievers in die Startelf nachrückte, war diese mit allen fünf
Neuzugängen besetzt.
Verteiltes Spiel zu Beginn. Ein Kopfball im Anschluss an
Wehens zweite Ecke wurde am kurzen Pfosten abgefangen, den Spurt von Reinert in
den Strafraum stoppte Sträßer. Auf der anderen Seite war es
Salvatore Amirante, der mit einem Kopfball aus sechs Metern Birkenbach prüfte
und mit einem 19-Meter-Flachschuss knapp verzog.
All das waren Szenen aus den ersten 20 Minuten, danach
dominierten die Abwehrreihen und weitere nennenswerte Aktionen vor der Pause
blieben rar. Einzig Timo Nagy aus guter Schussposition in zwanzig Metern
Torentfernung forderte nach 35 Minuten noch einmal den Beifall heraus. So sehr
man sich über die stabile Viererkette mit dem neuen Abwehrchef Lanzaat
und dem wie ausgewechselt wirkenden Sträßer freuen durfte -
beim Offensivspiel blieb zunächst noch viel Luft nach oben.
Van Eck hatte seiner Mannschaft in der Kabine mehr Risiko
verordnet und diese setzte das gleich mit Wiederanpfiff um. Bälle, die
während der ersten 45 Minuten noch als Querpass gespielt worden waren,
flogen nun steil ins Angriffszentrum. Es war Salvatore Amirante, der von der
Mittellinie aus seinen Sturmpartner Orlando Smeekes mit einem Diagonalpass auf
die Reise schickte. Diese Reise führte um einen Gegenspieler herum,
zwischen zwei Verteidigern hindurch direkt zu Torhüter Birkenbach, an
dem vorbei Smeekes das Leder ins lange Eck schob. 1:0 - Zeit für den
ersten Torjubel der neuen Saison mit einem Flickflack, wie man ihn im
Ernst-Abbe-Sportfeld so wohl noch nie gesehen hat. Miroslav Kloses berühmte
Überschläge in der Nationalmannschaft wirken geradezu
armselig gegen jene eines Orlando
Smeekes beim FC Carl Zeiss Jena ! Auch wenn dessen artistische Brillanz nicht
von ungefähr kommt, war er in seiner Jugend doch dreimal holländischer
Meister im Turn-Mehrkampf, bevor er sich für die fußballerische
Laufbahn entschied. Eine gute Entscheidung, wie uns nur sechs Minuten später
ein weiteres Mal klar werden sollte. Da trat Smeekes in 35 Metern Torentfernung
zum Freistoß an. Für eine direkte Ausführung noch
viel zu weit vom Kasten entfernt, dachten die meisten. Doch der Nationalspieler der
niederländischen Antillen schoss direkt durch die Drei-Mann-Mauer der
Wehener hindurch ins linke untere Eck. Welch ein (P)fund !
Während wir Beobachter noch ganz fasziniert waren
von den gleichsam schönen und doch auf so unterschiedliche Weise
zustande gekommenen Treffern unseres Orlando, setzten die Gäste mit
dem Mute der Verzweiflung zur Aufholjagd an. Diese hatten sie in der
Vorbereitung bereits gegen Koblenz und Saarbrücken mit Erfolg
praktiziert. Boskovic mit Schuss ans Außennetz sowie die frisch
eingewechselten Ziemer und Ziegenbein zeigten an, dass dieses Mahl mit
den zwei Toren noch lange nicht gegessen war. Und tatsächlich, in der
74. Spielminute traf Bohl unhaltbar per Kopf zum Anschlusstreffer. Eine
Viertelstunde war danach noch zu spielen. 15 Minuten, die besonders der aus
Kaiserlautern gekommene Marcel Ziemer mit mehreren Chancen zur Zitterpartie für
alle Blau-Gelb-Weißen werden ließ. Bei Ziemers
Aufsetzerkopfball sechs Minuten vor Schluss rührte selbst Geburtskind
Carsten Nulle (Glückwunsch zum 34. !) keinen Finger mehr - doch das
Leder klatschte nur an die Werbebande hinter dem Tor. In der 89. kam Nulle an
einen Eckball nicht heran, dafür stand Sträßer
goldrichtig und konnte an der Torraumgrenze per Kopf klären. Mit
tollen Einzelaktionen hatte einer aus der Mannschaft den Vorsprung heraus geschossen
- alle elf zusammen sorgten nun dafür, dass aus ihm drei Punkte wurden.
Auch wenn in der letzten halben Stunde das Geschehen etwas
aus der Hand gegeben worden war - mit dem Sieg gegen Wehen hat die neue Jenaer
Mannschaft schon mal einen ersten Fingerzeig erhalten, dass auch gegen
Staffelfavoriten etwas gehen kann. Orlando Smeekes, der in seiner Freizeit auch
noch Thai-Boxen betreibt, will übrigens trotz seiner Erfolgserlebnisse
im Sturm so schnell wie möglich auf die Außenbahn zurück.
Nur da kann er seine Sprintschnelligkeit mit (wie man hört) 11,3
Sekunden über 100 Meter und die Stärken im eins gegen eins
voll zur Geltung bringen. Scheint so, als könnten wir uns auf die
Saison mit ihm freuen. <fc>
Fotos von Jens Weißenburger
Spielbericht auf svwehen-wiesbaden.de
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, 71.)
Hähnge, Nagy (79. Kolb); Mayombo (66. Amirante), Orlando
Für die erste kleine Überraschung im Gästeblock sorgt Trainer Rene van Eck, der statt des zuletzt stark auftrumpfenden Stefan Kolb oder des wieder spielberechtigten Amirante, mit Mayombo einen Stürmer in der Startaufstellung aufbietet, der zuletzt suspendiert worden war, lediglich in der zweiten Mannschaft spielte und dessen letzter Pflichtspieleinsatz in der Ersten bereits vier Monate zurückliegt. Neben ihm soll Orlando für den nötigen Angriffsdruck sorgen, während Sebastian Hähnge auf der offensiven Mittelfeldposition die beiden Stürmer mit Bällen versorgen soll. Und es beginnt gut: Bereits in der ersten Minute kann Orlando über die linke Seite die Braunschweiger Abwehr überlaufen, scheitert jedoch an Torwart Petkovic. In der Folgezeit kann der FCC eine optische Überlegenheit erarbeiten - "kontrolliert Ball und Gegner" - wie man so schön sagt, ohne dabei übermäßig torgefährlich zu werden. Mayombo wirkt dabei aber noch engagierter, als sein Sturmpartner. Die Blau-Gelben aus Niedersachsen kommen erst nach cirka zwanzig Minuten besser zu Rande und beginnen einzelne Konter zu setzen, die in einem durch die Mitte angespielten Calamita gipfeln, der aber, völlig frei vor Nulle auftauchend, an diesem scheitert. Damit hat es sich dann aber auch mit dem Braunschweiger Offensivdrang für die erste Hälfte und die Jenaer Viererkette in der Abwehr kann wiederholt mit starkem Zweikampfverhalten (Wuttke, Sträßer) die gegnerischen Angreifer "abkochen". Für den eigentlichen Gesprächsstoff der Halbzeitpause unter dem Jenaer Anhang sorgt Amirante, der bereits kurz vor der Halbzeitpause sich zum Aufwärmen hinter das Tor von Nulle begibt.
Die zweite Hälfte beginnt mit einem Paukenschlag der angenehmeren Sorte, als Holwijn wunderschön auf der rechten
Seite lang durch Sträßer angespielt wird, im spitzen Winkel auf das Petkovic-Tor zusteuert, scheinbar die lange Ecke
mit seinem Schuß anvisiert, es aber verfehlt, bevor Orlando am langen Pfosten den Ball erreicht und ihn gekonnt flach
über die Linie drückt.
Die Wende im gesamten Spiel wird eingeläutet, als Sträßer in der 56. Minute, leicht humpelnd, verletzt ausgewechselt
werden muss. Die bis dahin äußerst souverän wirkende Jenaer Abwehrviererkette wird mit Marco Riemer wieder aufgefüllt
und ist fortan kaum noch wieder zu erkennen. Obwohl sowohl bei der Entstehung des Elfmeters (aus dem Gästeblock schlecht
einzusehendes Handspiel Riemers), als auch bei der Entwicklung des Führungstreffers ein gehörige Portion Glück für die
Niedersachsen im Spiel ist, kommt man nicht umhin festzustellen, daß vor allem die Jenaer Elf plötzlich den Faden verlor.
Als Holwijn in der 72. Minute diese "schwarze" Viertelstunde für den FCC mit einem Foul an der Mittellinie und nachfolgendem
Ballwegschlagen abschließt, ist die Partie quasi gelaufen. Nur noch zu Zehnt gelingt es nun nicht mehr die Eintracht noch
mal in Bedrängnis zu bringen. Die Braunschweiger lassen sich nun auch nicht mehr aus der Defensive locken und glänzen im
Vorwärtsgang in den letzten zwanzig Minuten lediglich mit einem gefühlten Dutzend Fehlpässen. Auch der Versuch von van Eck,
mit der Einwechslung von Kolb, mit einem Dreiersturm noch einmal auf den Ausgleich zu gehen verpufft relativ wirkungslos.
Ein Sieg in Braunschweig wäre, meiner Meinung nach, für den FC Carl Zeiss Jena ohne weiteres zu realisieren gewesen, wenn man nach dem Führungstor, das zu einem äußerst günstigen Zeitpunkt fiel, weiter aggressiv die Entscheidung gesucht hätte und sich mit dem Ausgleich nicht so aus dem Takt hätte bringen lassen. Nicht Eintracht Braunschweig hat gewonnen, sondern der FCC hat verloren. Und zwar, weil man den Gegner zurück ins Spiel brachte, den der "Ringrichter" schon bis zur "9" ausgezählt hatte. Schade drum.
Nachtrag: Die Stadt Braunschweig bietet den per Zug anreisenden Gästefans einen kostenlosen Bustransfer vom Bahnhof zum Stadion an. Soweit so gut. Warum man aber nicht die ca. 6 km lange, direkte Strecke durch die Stadt nimmt, sondern den Gästefans eine ca. 20-minütige Strecke über die ortsansässigen Autobahnen anbietet, scheint schleierhaft. Ich habe diese "Stadtrundfahrt" jetzt insgesamt viermal genossen und hätte beim nächsten Mal gern eine andere Route. Danke im voraus. <tn>
- Jena: Nulle; Sievers, Wuttke, Lukimya, Sträßer;
Nagy (74.Holwijn), Truckenbrod, Riemer, Eckardt, Hähnge, Kolb (62.Orlando)
- Burghausen: Riemann; Wolf, Hertl, Kokocinski, Kresin, Nebihi (84.Schmidt), Burkhard, Grübl (73.Belleri), El Haj Ali, Gorka, Cappek (89.Holz)
- Zuschauer: 6948
- Schiedsrichter: Sönder (Lübeck)
- Spielbericht
- Burghausen: Riemann; Wolf, Hertl, Kokocinski, Kresin, Nebihi (84.Schmidt), Burkhard, Grübl (73.Belleri), El Haj Ali, Gorka, Cappek (89.Holz)
-
Dritter gegen Vierter - vom Papier her das Topspiel des heutigen Tages in der dritten Liga. Sonne pur und warme Temperaturen
waren beste Vorraussetzungen, um dem Spitzenspiel auch einen würdigen Rahmen zu verleihen. Die Partie musste eine
Viertelstunde später angepfiffen werden, da die Gäste bei Ihrer Anreise aus dem Hotel in Stadtroda infolge einer
Bombendrohung im Stau standen, und dadurch nicht rechtzeitig eine Stunde vor Spielbeginn im Stadion sein konnten.
Die erste gute Aktion des Spiel leitete Jenas Abwehrspieler Sträßer ein, der mit einem herrlichen Diagonalpass René Eckardt bediente, doch dessen Schuss in der siebenten Minute stellte für Keeper Riemann keine echte Gefahr dar. In der 18. Minute nutzte Truckenbrodt einen Ballverlust der Gäste aus und prüfte Riemann mit einem Schuss aus der zweiten Reihe, doch leider landete der Ball genau in den Armen des Schlussmannes. Nach der doch spielerisch armseligen Partie in Kiel wusste der FCC am heutigen Tage zu gefallen und kontrollierte im gesamten Spielverlauf die Partie. Doch auch mit schönen Kombinationen und Ballstafetten im Mittelfeld blieben die Torchancen auf Jenaer Seite Mangelware. Die Burghausener, die infolge einer Grippe auf vier wichtige Spieler verzichten mussten, stellten sich konsequent hinten rein, so dass es für die Jenaer recht schwierig war, in der dicht gestaffelten Abwehr eine Lücke zu finden. Erst nach gut einer halben Stunde die nächste Tormöglichkeit für die Jenaer. Hähnge hatte per Kopfball in den Lauf von Youngster Kolb verlängert, doch obwohl Riemann in dieser Aktion zu weit vor seinem Kasten stand, konnte Kolb diese gute Torchance nicht nutzen und ballerte über das Tor.
Auch nach der Pause änderte sich das Spiel nicht gravierend. In der 51. Minute versuchte sich Sievers mit einer hohen Flanke in den Strafraum, der Ball wurde lang und länger und fiel zur Verwunderung des Gästekeepers hinter ihm aufs Tornetz. Mit etwas Glück hätte diese Flanke auch zum erneuten Tor des Monats avancieren können. Gut eine Stunde war vorbei und ein Jubel auf den Rängen machte sich breit, als Publikumsliebling Orlando für Kolb eingewechselt wurde. Manch einer machte sich Gedanken, warum und weshalb dieser nicht von Anfang an spielen durfte. Doch Trainer van Eck machte in der anschließenden Pressekonferenz alle Gerüchte zunichte, als er gleich als erstes vermeldete, dass Orlando im am Vorabend ihm mitgeteilt habe, dass er sich für ein komplettes Spiel nicht fit fühle. Doch als er den Rasen betrat, spürte man noch einmal einen Ruck durch die Jenaer Mannschaft gehen. Er war es auch, der in der 71. Minute gleich eine gute Einschusschance hatte, doch leider kam er einen Schritt zu spät und rutschte einschussbereit knapp am Ball vorbei. Eine Viertelstunde vor dem Ende donnerte Nulle einen super weiten Abschlag heraus, der Ball sprang vor Orlando auf, doch leider konnte er diese Gelegenheit nicht verwerten oder den Ball zumindest unter Kontrolle nehmen. Die Abwehr der Gäste stand weiter recht sicher, so dass es die Spieler des FCC nun immer mehr mit Einzelaktionen probierten, die aber allesamt nichts einbrachten. Höhepunkt des Spiels war zweifelsohne die 82. Minute, in der bereits die Jenaer Fans von ihren Sitzen aufsprangen. Doch leider stand Orlando das Glück am heutigen Tag nicht zur Seite, denn sein gut getimter Kopfball nach Flanke vom starken Sievers klatschte an den Innenpfosten, von wo er anschließend direkt in die Arme des Keepers sprang. Da war sie, diese eine 100% Möglichkeit, doch leider sollte es auch die letzte nennenswerte Aktion gewesen sein.
Mit einer Minute Nachspielzeit pfiff Schiedsrichter Tim Sönder das Topspiel der 3.Liga ab, was es leider nicht geworden war. Die Gäste waren am Ende mit diesem Punkt hochzufrieden, während die Zeiss-Kicker mit hängenden Köpfen den Rasen verließen. Denn jedem war nach der Partie klar, dass es selten so leicht gewesen sei, heute die ansonsten starken Kicker von Wacker Burghausen zu bezwingen. Auch wenn viele Trainer und Verantwortliche eine Einzelkritik nicht unbedingt mögen, so muss doch am heutigen Tage die gesamte Abwehr mal explizit hervor gehoben werden. Besonders die beiden Außen mit Sträßer und Sievers taten sich heute besonders hervor und ermöglichten den Gästen während der gesamten Spielzeit keine nennenswerte Torchance.<vg>
Bilder auf fcc.weissenburger.de
Bericht auf fussball.sv-wacker.de
Holstein Kiel - FC Carl Zeiss Jena 0:1
Tore: 0:1 Kolb (72.)
- Kiel: Frech; Lamprecht, R. Müller, Schyrba, Meyer, K.Schulz, Holt,
Jerat (80. Siedschlag), Sembolo, Sykora (9. Guscinas), Heider (66. Stier)
- Jena: Nulle; Sievers, Wuttke, Lukimya, Sträßer;
Nagy (90. Fuss), Truckenbrod, Eckardt, Riemer, Orlando (64. Kolb), Hähnge (87. Petersen)
- Zuschauer: 4511
- Schiedsrichter: Dittrich (Bremen)
- Spielbericht
-
Mit Müller, Hasse und Sykora stehen gleich drei Ex-Jenaer im Kader der Kieler. Aber Hasse war gar nicht im Aufgebot
und Fiete Sykora musste bereits in der 9. min verletzungsbedingt ausgewechselt werden und konnte so gegen seinen
Ex-Club keinen Schaden anrichten. Bis zu diesem Zeitpunkt gab es bereits die ersten aufregenden Situationen vorm
Jenaer Tor. Kiel begann von Anpfiff an offensiv und setzte die Gäste unter Druck. Im Großen und Ganzen
stand Jenas Abwehr, stark unterstützt von den vier Mittelfeldspielern und Hähnge, relativ gut. Wenn man
aber 80 der 90 Spielminuten quasi mit dem Rücken an der Wand, sprich im eigenem Strafraum steht, ist es klar,
dass die Torchancen für die Gastgeber nicht ausbleiben. Vor allem bei Ecken konnte man immer wieder die Luft
anhalten. In der 5. min wehrte Nulle einen Kopfball Haiders aus 3 m Torentfernung zur nächsten Ecke ab. Diese
konnte von Orlando nicht geklärt werden und so hatte Robert Müller die Gelegenheit, seine ehemaligen
Mannschaftskollegen per Fernschuss (der aber in der vielbeinigen Abwehr hängenblieb) zu erschrecken. Nach
einem Stolper Riemers musste sich Lukimya, der wieder eine sehr gute Partie spielte, im letzten Moment in einen
Schuss werfen und zur Ecke klären. Diese führte zu einem Kopfballaufsetzer, gegen den wohl auch Nulle
keine Chance gehabt hätte, aber der Ball ging über die Torlatte. Ganz stark bei den Kielern war in der
Anfangsviertelstunde Sembolo, der ein paar Mal den Jenaern Knoten in die Beine dribbelte. Nachdem aber Sträßer
ihn mal etwas energischer bremste, wurde der auch ruhiger. Nach ein paar Minuten relativer Ruhe musst Nulle, wiederum
nach Ecke, sehr energisch den Ball (samt Gegner) wegfausten, um Schlimmeres zu vermeiden (25.). Nochmals zehn Minuten
danach hatten die Heimzuschauer den Jubelschrei auf den Lippen: Ein weiter Einwurf von rechts wurde verlängert
und den folgenden Kopfball Holts erwischte Nulle mit sensationellem Reflex gerade noch so. Holstein ließ den
Ball in dieser Phase schnell laufen und spielte oft direkt ab. Allerdings ging es zumeist nur bis zur Strafraumgrenze,
an der eine gelbe Wand sie aufhielt. Und so probierte es Sykora-Ersatz Guscinas aus 20 Metern mit einem Fernschuß,
der jedoch nur die Latte traf und die Zuschauern aufstöhnen ließ. Zur Pause konnte man über das
Unentschieden heilfroh sein, denn die Angriffsbemühungen des FCC konnte man bis dahin mit der Zahl "Null" beschreiben.
Nach der Pause ging es wie gehabt weiter, lediglich die Spielhälfte, in der sich alles abspielte, änderte sich.
Allerdings war Holstein jetzt so nett und verzichtete fast völlig auf das Spiel über die Flügel. 7,32 m ist
die Torbreite und ungefähr ebenso breit war der Korridor an Jenas Strafraumgrenze, durch den die "Störche" ihre
Angriffe versuchten. Die Jenaer Abwehrspieler hatten dadurch eigentlich ein leichtes Spiel, wurde doch einmal einer ausgetanzt,
so standen garantiert gleich zwei weitere Gelbe dahinter und klärten. Nur bei einem Fernschuss Lamprechts von rechts
außen (52.) und einem abgefälschten Freistoß (55.) kam der Ball mal in Nulles "Sichtweite", der Rest
waren Kinkerlitzchen. Nach vorn blieb alles unverändert, es ging nichts. Kam man doch einmal über die Mittellinie,
so war es ziemlich sicher, dass Orlando im Rücken der Abwehr im Abseits stand. In der 60. min dann hatte der FCC
mal eine Chance auf einen aussichtsreichen Angriff, aber Orlando rannte mit gesenktem Kopf in zwei Gegner hinein und
übersah den mitgelaufenen und freistehenden Hähnge. So konnte das nichts werden und folgerichtig kam in der
65. Minute Kolb für Orlando. Schon die ersten Zweikämpfe Kolb sahen völlig anders aus als Orlandos
Vorstellung: Der Achtzehnjährige ging in die Zweikämpfe, setzte bei Ballverlust sofort nach und steckte
nie auf. Mir rutschte da ein "Dem Kolb gönne ich ein Tor, der hat schon gegen Dortmund so gut gespielt" heraus
(wenn die Weissagung der Lottozahlen nur ebenso klappen würde…). Drei Minuten nach dem Wechsel (in der 68. min!!!)
hatte der FCC seinen ersten Torschuss, aber Truckenbrods Geschoss ging knapp am langen Pfosten vorbei. Der nächste
Kieler Angriff wurde kurz hinter der Mittellinie abgefangen und der FCC hatte eine perfekte Konterchance in 3:2-Überzahl,
jedoch vergeigte Riemer diese Gelegenheit kläglich. Kurz danach bekam Hähnge auf der rechten Seite den Ball,
ging bis zur Grundlinie, beschäftigte zwei Gegenspieler und spielte mit der Hacke auf den mitgelaufenen Eckardt.
Der schickte seinen Gegenspieler und bediente - wie schon in vorhergehenden Spielen - mit einer maßgenauen
Zuckerflanke den in der Mitte wartenden Mitspieler. Diesmal war es Kolb, der sich die Chance nicht entgehen ließ
und zur überraschenden Führung des FCC einnickte und auf der Gegentribüne für eisiges Schweigen um
mich herum sorgte (ich jubelte solo *g*).
Das Spiel war gekippt. Die "Störche" hatten einen gewaltigen Knacks bekommen,
denn sie versuchten zwar in der verbleibenden Zeit mit viel Einsatz und Elan, dieses Resultat zu reparieren, aber lediglich
ein weiterer Lattentreffer wiederum durch Guscina sorgte für Aufregung. Im Gegenteil, mit etwas Cleverness hätte
Jena jetzt den berühmten Sack zubinden könne, aber zunächst war nach Doppelpass Eckardt - Hähnge der
Kieler Torwart einen Tick schneller am Ball als Eckardt (85.) und dann fehlte Truckenbrod einfach die Kaltschnäuzigkeit,
allein vor Frech - der bis zur Strafraumgrenze herausgekommen war - mit einem Heber das 2:0 zu machen, er ballerte den Ball
voll auf den Keeper drauf. Ansonsten versuchte man ziemlich geschickt und erfolgreich, in den verbleibenden Minuten das Tempo
aus dem Spiel zu nehmen und den Ball in den eigenen Reihen zu halten.
Bis zu Kolbs Einwechslung wäre ich mit einem Punkt hochzufrieden gewesen. Der "Dreier" ist mit etwas Glück in
den ersten 70 und mit ansprechender Leistung in den letzten 20 Minuten eingefahren worden. <uk>
FC Carl Zeiss Jena - Borussia Dortmund II 2:1
Tore: 0:1 Neumeister (6.), 1:1 Lukimya (13.), 2:1 Riemer (80.)
- Jena: Nulle; Sievers, Wuttke, Lukimya, Sträßer;
Nagy (90. Petersen), Truckenbrod, Hähnge, Eckardt (85. Fuss); Orlando,
Kolb (73. Riemer)
- Dortmund: Höttecke; Koch, Eggert, Hünemeier, Neumeister;
Hille, Hasanbegovic (85. Boztepe), Tyrala, Öztekin; Ginczek (57.
Piossek), Kullmann
- Zuschauer: 6983
- Schiedsrichter: Dankert (Rostock)
- Spielbericht
-
Das Chaos beim FCC wurde gerade mal wieder etwas unübersichtlich. Nachdem
Peter Schreiber offenbar keine unbezahlten Rechnungen mehr auf seinem Wühltisch
findet (oder diese lieber wieder untendrunter steckt), fängt die
liebevoll zusammengesparte Mannschaft an sich in Wohlgefallen aufzulösen.
Der eine haut mit südländischer Besonnenheit einem Blumenzüchter
ins Gesicht, der andere wird aufgrund seiner Großartigkeit
suspendiert und der Dritte hat seine Bandscheiben nicht im Griff. Hinzu kommen
ungezählte Zerrungen und Risse diverser Muskelgruppen, schlechte
Blutwerte und Verstauchungen. Und die wenigen Verbliebenen, die sich stets gut
benommen haben und dazu gesund sind, können auch nicht mehr so
richtig. Zu groß ist der Druck nach dem Kulturarena-Debakel für
Rom, Ähnliches vollbringen zu müssen. Ernüchternde
Aussichten also für das gestrige Spiel gegen Dortmunds Zwote, zumal
die nach fünf Minuten schon in Führung lag. Neumeister hatte
die Aufwachprobleme in Jenas Deckungsverbund schamlos ausgenutzt und per Kopf
die Gästeführung hergestellt (6.). Zwar war der ursächliche
Freistoßpfiff völliger Mumpitz, gezählt hat es
trotzdem. Aber was soll's. Aus Ruinen wird auferstanden! Und überhaupt:
Bandscheibenvorfälle werden total überbewertet!
Zwar
folgte die Trotzreaktion erst nachdem Nulle das 0:2 und damit den unabwendbaren
Untergang verhindert hatte, dann aber kam die große Zeit des Rene
Eckardt. Ganz ehrlich, wenn der immer so spielen würde wie die
folgende Viertelstunde, die Nationalmannschaft wäre kein Thema. Seine
Vorlage auf Wuttke nach einer Ecke und sein Heber aus spitzem Winkel wären
bereits Treffer wert gewesen, Hötteke bekam aber beidemal noch
irgendein Körperteil dazwischen. Gegen Lukimyas Schuß aus
Nahdistanz konnte aber auch der Dortmunder Schlußmann nichts mehr
machen. Eckardt hatte Neumeister auf der rechten Seite schön zur
Schere gemacht und den Ball dann flach nach innen geschlagen. Von dort hätte
es wohl nur noch Gomez und dann auch nur im Nationaltrikot noch fertiggebracht,
das Tor nicht zu treffen. Jubeln unter Vorbehalt (13.). Ein Unentschieden
konnte hier ja nicht das Ziel sein! Dieser Vorbehalt legitimierte sich
schneller als gedacht. Mit der Gewißheit der uneingeschränkten
Überlegenheit zog sich Jena wieder aus dem Dortmunder Strafraum zurück.
Alle Maschinen Stop - im Notfall gleichen wir halt wieder aus. Zwar hatte
Eckardt nach eine Wuttke-Vorlage noch einmal die große Chance zur Führung,
sein strammer Volleyschuß fand aber den Weg ins Tor nicht und ist
jetzt wahrscheinlich ein dicker blauer Fleck auf einem Dortmunder Gesäß
(16.). Danach tickte nur noch die Uhr runter. Was dieser taktische Unsinn soll,
ist schwer zu sagen, zumal der Schwung des Ausgleichstreffers dadurch völlig
verpuffte. Die Kräfte jedenfalls hätten eigentlich noch ein
bißchen länger reichen sollen. Kurz vor der Pause hätte
sich dieses unheilvolle Fehlverhalten tatsächlich fast gerächt.
Wäre Kullmann nicht um Zentimeter an Boztepes Eingabe vorbeigerutscht,
die etwa 300 Mitgereisten Dortmunder hätten wohl unsere leise vor sich
hin tirilierende Südkurve vollends unter den Tisch gesungen. Glück
gehabt!
Nach der Pause war es vor allem Orlando, der für Aufsehen sorgte.
Inzwischen ist es für jeden Gegner offenbar ein probates taktisches
Mittel geworden, ihn einfach am Losrennen zu hindern. Ein kurzes Halten, ein
Schubser auf Höhe der Mittellinie, eigentlich ist alles besser als ihm
später hinterherzugucken. Zwei oder drei gelbe Karten werden dafür
augenscheinlich in Kauf genommen, welche die Schiedsrichter (vor allem der von
gestern) oft nicht mal geben. Wenn dann auch noch klarste Pfiffe ausbleiben,
geht mir langsam das ohnehin knapp bemessene Verständnis aus.
Stattdessen reichten auf der Gegenseite mitunter kleinste Scharmützel
aus, um aus gefährlichsten Positionen Freistöße zu
verhängen. Einer davon wäre Jena fast zum Verhängnis
geworden, als Hünemeier den hoch hineingeschlagenen Ball von Tyrala
nur knapp verfehlt, kann Nulle erst im Nachfassen das Unentschieden festhalten
(63.). Knapp! In dieser Phase überzeugt der FCC aber auch allenfalls
durch Gleichwertigkeit auf niedrigem Niveau. Die Führung kommt
dementsprechend wie aus dem Nichts. Wieder ist es Eckardt, dessen präzise
Flanke die Entscheidung bringt. Punktgenau schießt der den Ball auf
den eingewechselten Riemer, dessen Kopfstoß die vor sich hindämmernden
Fans aus der allgemeinen Lethargie reißt (80.). Nicht zu glauben! Dieses Murksspiel und dann auch noch der Riemer. Der
hatte gegen Erfurt nun wirklich einen Scheißtag erwischt. Und dann
noch das Ding mit seinem Rücken. Schön, daß es
offenbar doch nicht so schlimm war oder Bandscheibenvorfälle halt
einfach überbewertet werden (-:
Was folgt sind noch zehn zerrige Minuten Warterei plus einer unendlich
langen Nachspielzeit. Dann ist der dritte Sieg endlich in Sack und Tüten.
Glanzvoll war es nicht! Spielerisch herrschte mitunter unbeschreibliches Elend
auf dem Platz. Dazu kommen die Abstimmungsschwierigkeiten, die bei einer neu
formierten Elf aber ganz normal sind. Entscheidend aber war der größere
Wille. Das was Erfurt in Jena zum Sieg getragen hat, war gestern Jenas
Unterpfand. Die Mannschaft wollte einfach mehr. Das Derby ist damit nicht
vergessen, dieser Stachel sitzt zu tief. Aber ein Rückspiel in Erfurt
ist ja auch noch. Ein neues Spiel mit neuen Chancen. Und nächstes Jahr
wollen wir ja auch wieder in die Kulturarena... <bpf>
VfL Osnabrück - FC Carl Zeiss Jena 2:0
Tore: 1:0 Lindemann (21.), 2:0 Reichenberger (63.)
- Osnabrück: Berbig; Herrmann, Barletta, Nickenig, Krük;
Siegert, Heidrich, Lindemann, Hansen (76. Grieneisen); Reichenberger (85.
Samide), Schmidt
- Jena: Nulle; Sievers, Wuttke, Lukimya, Sträßer;
Nagy (66. Kolb), Truckenbrod, Ziegner, Holwijn (83. Eckardt); Orlando,
Hähnge
- Zuschauer: 9800
- Schiedsrichter: Aytekin (Oberasbach)
- Spielbericht
-
Der Überkreuzvergleich der bisherigen
Saisonresultate sprach von vornherein gegen den FCC: Ingolstadt hatte Erfurt
klar besiegt, Osnabrück die Ingolstädter und Erfurt am
vergangenen Sonntag....ach, lassen wir das. Fußballspiele werden
nicht mit dem Taschenrechner entschieden. Klären wir stattdessen
lieber die Frage: Was stellt eine Mannschaft am gescheitesten an, die mit
Lanzaat, Riemer, Petersen, Osadchenko sowie Ralf Schmidt gleich fünf
Ausfälle in der Abwehr zu verkraften hat ? Klar, sie spielt munter
nach vorn !
Genau das tat Jenas Elf in der Anfangsphase. Da Salvatore
Amirante nach seiner Rot-Sperre für mindestens vier Spiele von der
Bildfläche verschwunden sein wird, teilten sich die beiden Holländer
Orlando und Holwijn von außen kommend in die Rolle des zweiten Stürmers
hinein. Wobei Melvin Holwijn in seinem ersten Match von Anbeginn wesentlich mehr
auffiel. Selbst zwei Gegenspieler vermochten ihn nach fünf Minuten
nicht zu stoppen, zumindest nicht mit fairen Mitteln. Erst als Holwijn wie
nichts zwischen ihnen hindurch geschlüpft war, holte ihn der düpierte
Krük von den Beinen. Freistoß also von der rechten
Strafraumseite, lang auf die andere Seite geschlagen zu Wuttke, dieser sofort
zurück auf den vorm Tor stehenden Hähnge. Zeit zu überlegen
hatte Sebastian nicht, zwei Meter vor dem Kasten inmitten einer lila
Spielertraube handelt man sowieso besser instinktiv - wenn dann aber der Ball
Osnabrücks Keeper Tino Berbig mitten ins Gesicht fliegt, ist das
einfach nur riesengroßes Pech. Doch Jena blieb am Drücker.
Gerade mal zehn Minuten waren gespielt, als ein sichtlich
motivierter Sebastian Hähnge
diesmal von der rechten Seite kommend durchzog. Berbig verkürzte den
Winkel, Hähnge legte deshalb auf den zentral stehenden Truckenbrod ab,
doch schoss dieser aus sieben Metern weit über das leere VfL-Gehäuse.
Dies freilich war mit Pech nicht mehr zu erklären, muss doch auch von
einem defensiven Mittelfeldspieler erwartet werden dürfen, beim unbedrängten
Torschuss nicht in starke Rückenlage zu verfallen.
Ein Führungstreffer
wäre der gerechte Lohn für ansehnlichen Kombinationsfußball
in der ersten Viertelstunde gewesen. Außer einer Einzelleistung von
Jenas Ex-Kapitän Niels Hansen hatten die Gastgeber bis zu diesem
Zeitpunkt noch nichts zustande gebracht, unter anderem weil sich Tim Wuttke auf
der ungewohnten Innenverteidiger-Position gut in Jenas Viererkette einfügte.
Doch dann brach Minute 21 an. Siegert legte für Björn Lindemann
auf und der hatte als erster VfL-Spieler in diesem Match mal richtig Platz am
gegnerischen Sechzehner. Wie er den nutzte - mit einem Sonntagsschuss ins
Dreiangel - war zweifellos sehenswert. Die Führung ansich aber äußerst
glücklich. Erst jetzt kamen die Niedersachsen besser ins Spiel. Nachdem sich zwei Jenaer
gegenseitig angeschossen hatten (29.), drohte für Carsten Nulle ebenso
Gefahr wie beim Freistoß zehn Minuten später, den der Torhüter
aber auf Nummer sicher gehend über die Latte lenkte. Seinem Gegenüber
Tino Berbig, der selbst mal in Jena zwischen den Pfosten gestanden hatte und
hierher noch familäre Bindungen hat, misslang in der 40. Minute bei
einsetzendem Gewitterregen ein Abschlag, sodass Hähnge den Ball mit
einem Heber postwendend zurück brachte. Leider nur aufs Tornetz. Als
sich einige schon auf den Pausentee zu freuen schienen, gabs den ersten
erfolgreichen Antritt von Orlando. Bei dessen Eingabe von der linken Seite kam
Hähnge einen Schritt zu spät. Oder ließ er den Ball
absichtlich für Holwijn durch ? Möglich wäre es,
denn der Neuzugang hatte freie Bahn, nur -
was machte er daraus ? Halb Ballannahme, halb Torschuss, nichts von
beiden richtig, und so beförderte der Nationalspieler das Leder weit
am Pfosten vorbei ins Toraus. Zwei, drei dicke Torchancen teils kläglich
vergeben zu haben war der einzige Vorwurf, den man der Zeiss-Elf beim Gang in
die Kabinen machen konnte.
Die erste Aktion nach Wiederanpfiff war nahezu eine Kopie
der letzten Szene vor der Pause. Wieder ging Orlando auf der linken Seite auf
und davon, wieder kam Hähnge in der Mitte einen Schritt zu spät.
Nur dass diesmal kein Holwijn daneben stand. Auf der anderen Seite köpfte
Nickenig aufs Tornetz (48.). So wie sich das Spiel danach entwickelte, war
absehbar, dass es nicht bei dem einen Treffer in dieser Partie bleiben würde.
Beide Mannschaften schenkten sich nichts, noch aber fand niemand die Lücke.
Die Emotionen im Spiel übertragen sich sogar auf die Ersatzleute
hinter dem Tor. Als Sträßer bei einer Abwehraktion gehalten
wurde und somit nicht in der Lage war, den Eckball zu verhindern,
regte sich André Schmidt berechtigterweise über
den Schiri-Assistenten auf, der das Foul eigentlich hätte sehen müssen.
Die Konsequenz war die Gelbe Karte für einen Spieler, der in dieser
Saison noch nicht eine Punktspielminute in der ersten Mannschaft verbracht hat
(58.). Besagte Ecke beschwörte übrigens Gefahr durch
Reichenbergers Kopfball herauf, den Nulle wegfaustete.
Osnabrücks Stürmer-Oldie
drehte nun richtig auf. War beim Schuss in Minute 62 abermals bei Carsten Nulle
Endstation, sorgte Thomas Reichenberger schon zwei Minuten später für
die Spielentscheidung, indem er aus sieben Metern zum 2:0 traf. Ein Tor,
das Carsten Sträßer auf seine Kappe nehmen muss, vertändelte
er doch das Leder im eigenen Strafraum ohne Not gegen Hansen, der dann
Reichenberger ins Spiel brachte. Zwar hatte eine Jenaer Mannschaft schon einmal
im Osnabrücker Stadion das Kunststück fertig gebracht, aus
einem 0:2 noch ein Remis werden zu lassen - doch die Körpersprache
nach dem zweiten Gegentreffer zeigte an, dass sich das diesmal nicht
wiederholen würde. Weshalb ein über 70 Minuten recht intensiv
geführtes Spiel die verbleibende Zeit gemächlich austrudeln
durfte.
Die Art und Weise, wie diese Niederlage zustande kam, war
eine ganz andere als eine Woche zuvor. Kein Vergleich mit dem fast
hergeschenkten Derby. Und doch gerät die Mannschaft nach einem Punkt
und null Treffern aus den letzten drei Partien in Zugzwang. Schon im nächsten
Spiel muss der Schalter wieder umgelegt werden, soll eine weitere Spielzeit in
den Tabellenregionen der Vorsaison vermieden werden. <fc>
FC Carl Zeiss Jena - FC Rot-Weiß Erfurt 0:3
Tore: 0:1 Kammlott (1.), 0:2 Semmer (40.), 0:3 Kammlott (55.)
- Jena: Nulle; Sievers, Riemer (46.Petersen), Lukimya,
Sträßer; Nagy (46. Hähnge), Truckenbrod, Ziegner, Eckardt
(68. Holwijn); Smeekes, Amirante (
, 59.)
- Erfurt: Orlishausen; Malura (

, 59.), Pohl, Möckel,
Ströhl; Cinaz, Rockenbach da Silva, Stenzel, Hauswald (84. Pinske); Semmer (64. Peßolat),
Kammlott (78. Cannizzaro)
- Zuschauer: 11.200
- Schiedsrichter: Leicher (Landshut)
- Spielbericht
- Ein paar Worte vorweg, zu den wenigen positiven Aspekten dieses Spiels:
Endlich,endlich, endlich hat es der Verein einmal geschafft, die Stadiontore mit
ausreichend Leuten zu besetzen, um einen flüssigen Einlass zu gewährleisten.
Man mag sich gar nicht ausmalen, wieviele frustrierte Zuschauer des FCC in
den letzten Monaten nicht wieder gekommen sind - nur weil der Verein die paar
Euro sparen wollte, die zusätzliche Einlasskräfte kosten? Bitte lasst es
keine Derby-Eintagsfliege sein...
Eine zweite gute Nachricht: Das Stadion war
nahezu ausverkauft, nur die Gäste hatten zu Hause irgendwie kleine Probleme
mit dem Kartenverteilen. Ja, und die Choreos kurz vor Beginn des Spiels:
die große Flagge auf der Haupttribüne und dann die Herzchen für Jena, erst
rot (WTF?!) und dann blau-gelb-weiß mit Feuer.
Beeindruckend(!) - dachten
sich wohl auch die Spieler des FCC, die sich in der ersten Minute
anscheinend auf alles andere drumherum konzentrierten, nur
nicht auf's Spiel. Der Anstoß des FCC wurde abgefangen, ein steiler Pass in
die Spitze, Abschluss von der Strafraumkante ins linke untere Eck, und nach
gefühlten drei Sekunden stand es Null-zu-Eins.
Braucht es wirklich nur ein Gegentor in der ersten Minute, um das in den
letzten Wochen vielgerühmte Wahnsinns-Jenaer Publikum komplett ruhigzustellen?
Offensichtlich. Nur die Südkurve zuckte noch in den ersten zehn Minuten,
in denen Jena sichtlich geschockt wirkte und nichts auf die Reihe kriegte.
Die Unaussprechlichen waren auch nicht wirklich gefährlich, und so plätscherte
es dahin bis zur 14. Minute, als Amirante kurz vor dem Strafraum gelegt
wurde. Ziegner trat an und schlenzte den Ball an die Querlatte... was für ein
Pech! Wenigstens war der FCC in dieser Phase gleichwertig und kam über das
Kurzpassspiel und gewonnene 1:1-Situationen auch mehrmals schnell bis
zum Strafraum der anderen. Irgendwie schienen sie aber den Ball heute
reintragen zu wollen: immer noch ein Abspiel oder Dribbling mehr aus aussichtsreicher
Position, aus der man auch einfach mal hätte draufhauen können und
müssen. Jenaer Verunsicherung wurde merklich. Je weiter die erste Halbzeit
voranschritt, desto mehr unforcierte Fehler schlichen sich in das Jenaer
Spiel ein. Kurz vor der Halbzeit verschätzte sich dann auch noch Nulle bei
einem Eckball und es stand 0:2. Auf den Tribünen machte sich Ratlosigkeit breit
- war das wirklich die gleiche Mannschaft, die bislang so begeisternden
Fußball gespielt hatte?
Es konnte nur besser werden und es wurde - bitterer. Da hatte der FCC
gleich nach der Pause eine gute Kopfballchance (der Ball landete auf dem
Tornetz), doch in der 54. Minute kam eine Bogenlampe in den Jenaer Strafraum
hereingesegelt, die ewig in der Luft war und trotzdem nach Direktabnahme
im Jenaer Tor landete. Wenn der Torschütze demnächst im Training versucht,
dieses Tor nachzustellen, wird er von 100 Versuchen wahrscheinlich 99 nicht
treffen...aber im Spiel ging er halt rein, und damit war die Luft vollständig raus.
Was danach passierte, war haarsträubend.
Es ist nicht unüblich, dass Mannschaften sich bei einem Rückstand von 0:3
nach 55 Minuten mitunter hängenlassen (wobei meine ganz persönliche Meinung
dazu ist, dass das dann auch keine Mannschaft ist). Aber dass so absolut gar
nichts mehr ging, dass einfachste Bälle zum Gegner gespielt, wirklich sinnlose
Dribblings angesetzt und Laufwege einfach abgebrochen wurden, macht
nachdenklich. Die erste Chance für den FCC gab es erst wieder in der 71.
(Hähnge vergibt aussichtsreich), dann nochmal eine kleine in der 75. Auf
der Gegenseite konnten wir uns bei Nulle bedanken, dass es am Ende nicht 0:5
stand - und zwar nicht, weil der Landeshauptstadtclub überragenden Fußball
gespielt hätte.
Einen "positiven" Aspekt hat die Sache am Ende doch noch: Dieses ganze
Geklapse mit angekündigtem Moonwalk, "Wir steigen auf"-Gesängen und 100:0-Fahnen
gehört erst mal wieder der Vergangenheit an. Die Chance besteht, dass die
Jenaer Spieler am Sonntag begriffen haben, dass sich Spiele gegen Mannschaften,
die unten stehen, nicht von selbst gewinnen. <ragnar>
Derby-Fotos von Jens Weißenburger
Bericht auf der Erfurter Homepage
FC Erzgebirge Aue - FC Carl Zeiss Jena 0:0
- Aue: Männel; Klingbeil, le Beau, Paulus, Schaffrath;
Cimen (68. Gambo), Stark, Müller (72. Klotz); Curri, Braham, Ramaj (90.
Hiemer)
- Jena: Nulle; Sievers, Riemer, Petersen, Sträßer;
Nagy, Truckenbrod, Ziegner, Orlando; Hähnge, Amirante (87. Eckardt)
- Zuschauer: 11.400
- Schiedsrichter: Dr. Fleischer (Sigmertshausen)
- Spielbericht
- 5:1, 5:0, 5:0. In den vergangenen drei Jahren ist der FCC im
Erzgebirgsstadion regelrecht vermöbelt worden. Bekanntlich hat der
Optimist keine Ahnung von den freudigen Überraschungen, die ein
Pessimist erlebt. Trotzdem fuhren wir diesmal mit einem besseren Gefühl
nach Aue und weigerten uns von vornherein, an eine Fortsetzung dieser schwarzen
Serie zu glauben. Dafür hatte die neue Jenaer Mannschaft in den ersten
Wochen der noch jungen Saison schon zu viel an Potential offenbart.
Entgegen seiner Ankündigung hatte René van Eck im
Vergleich zum letzten Spiel eine Änderung vorgenommen. Rene Eckardt
blieb trotz ansprechender Leistung gegen Bayerns Zweite erst mal wieder auf der
Bank, wohingegen Sebastian Hähnge zu seiner Premiere in der Startelf
kam. Waren es die besseren Trainingsleistungen, die dafür den
Ausschlag gaben ? Fürchtet van Eck, den Youngster zu schnell zu
verheizen ? Oder will er Jenas Offensivtaktik ein Stück weit
unberechenbarer für die Ligakonkurrenz gestalten ? Wie auch immer -
Smeekes, der am liebsten nur Orlando genannt werden möchte, rückte
aus dem Zentrum auf die Außenposition. Von da, nur in der anderen Hälfte,
kamen auch die meisten Bälle in den ersten zwanzig Minuten. Eckball um
Eckball holten die Gastgeber während ihrer Anfangssoffensive heraus.
Den ersten richtigen Torschuss gabs dennoch von einem Jenaer. Salvarore
Amirante prüfte Martin Männel nach achtzehn Minuten. Darüber
hinaus tat sich allerdings vor der Pause nicht viel an Offensivgeschehen
seitens der Thüringer. Dazu fehlte es im Mittelfeld an einem
Gestalter, der die Bälle verteilte oder einfach mal länger in
den eigenen Reihen hielt. Hähnge und Amirante hatten es schwer mit
ihren Gegenspielern. Und Orlando ? Zeigte auf rechtsaußen mehrmals
technische Kabinettstückchen, doch in echte Torgefahr mündeten
die meist nicht, sodass sich die Umstellung alles in allem nicht bezahlt
machte. Ein einziges Mal brachte er vor der Pause nach energischem Sprint eine
Eingabe vors Tor, doch die fing Männel vor dem einschussbereiten
Amirante weg.
Erfreulich hingegen, dass Jenas Viererkette auch ohne Lanzaat
lange Zeit nichts zuließ. Da konnten Curri und Ramaj rochieren, wie
sie wollten - sowohl Sievers wie auch Sträßer ließen
sie nicht zu Entfaltung kommen. Auch die 7:0 Ecken der Veilchen in Hälfte
eins bereiteten Nulle und seinen Vorderleuten keine Probleme. Lediglich in den
letzten drei Minuten vor dem Pausenpfiff schlich sich kurzzeitig mal etwas
Sorglosigkeit ins Jenaer Abwehrzentrum. Denn dass ausgerechnet der Kleinste auf
dem Platz, Skerdilaid Curri, nur um wenige Zentimeter an einem Kopfballtor
vorbeischrammt, darf eigentlich nicht
passieren. Und was war in Minute 44 los ? Bei Müllers Heber in den
Strafraum rannten gleich zwei Weiße mit Ramaj mit, wodurch sich
Braham zentral in 13 Metern
Torentfernung seelenruhig auf seinen Torschuss vorbereiten konnte. Doch vergeht
kein Spiel ohne eine Heldentat von Carsten Nulle ! Jenas Keeper entschärfte
Brahams Schuss mit toller Reaktion. Der Halbzeitpfiff kam den Jenaern nicht
ungelegen.
Mit Beginn der zweiten Hälfte hatte sich Jenas
Hintermannschaft wieder formiert. Aue zunächst wieder leicht feldüberlegen,
ohne groß zu Tormöglichkeiten zu gelangen. Ramajs Schlenzer
Richtung Dreiangel fing Nulle noch in dessen Steigphase (57.). Die optische Überlegenheit
auf Seiten der Gastgeber verschwand dann nach etwa einer Stunde Spielzeit. Erst
jetzt fiel auf, dass mit Kos auch bei den Erzgebirglern der Abwehrchef fehlte
und deren Hintermannschaft nicht unüberwindbar ist. Als Orlando seinen
Gegenspieler ins Leere rutschen ließ, die flache Hereingabe nur
unkontrolliert nach vorn abgewehrt werden konnte, kam Jens Truckenbrod aus fünfzehn
Metern zum Torschuss. Wie gern hätten wir DEN ankommen sehen ! Doch
Paulus warf sich hinein, bescherte Jena damit nach 61 Minuten wenigstens noch
die erste Ecke, welche aber wie generell alle Standards an diesem Tag nichts
einbrachte. Die hohen Temperaturen sollten in der Schlussphase bei beiden
Mannschaften ihren Tribut fordern. Das Wort Sommerfußball machte nun
die Runde. Van Eck schien dennoch nicht unzufrieden,
tätigte seinen ersten Wechsel erst drei Minuten vor
Schluss und dies aus Verletzungsgründen. Dass auch Trainerkollege
Schmitt in der 90. Minuten noch einen neuen Mann auflaufen ließ, lässt
den Schluss zu, dass mit dem unentschiedenen Spielausgang am Ende alle recht
zufrieden waren. Die Gastgeber hatten dem Spitzenreiter einen Punkt abgerungen,
der FCC bereitete seiner schwarzen Serie im Erzgebirgsstadion endlich ein Ende.
Zwar ist die Tabellenführung damit schon wieder
passé, doch ist der FC Carl Zeiss Jena auch nach dem Auer Auswärtsspiel noch ungeschlagen in dieser Saison.
Und das ist schließlich auch schon etwas wert. <fc>
FC Carl Zeiss Jena - FC Bayern München II 6:0
Tore: 1:0 Eckardt (8.), 2:0 Smeekes (28.), 3:0 Amirante (48.), 4:0 Amirante (62.), 5:0 Amirante (64.), 6:0 Amirante (76.)
- Jena: Nulle; Sievers, Riemer, Lanzaat (23. Petersen),
Sträßer; Nagy, Truckenbrod, Ziegner, Eckardt; Smeekes (68.
Hähnge), Amirante (77. Benyamina)
- München: Kraft; Schütz, Lell
(
, 38.), Saba (56. Kopplin), Contento;
Erb, Rieß, Görlitz, Schürf (53. Yilmaz); Sikorski, Sene (43. Duhnke)
- Zuschauer: 8346
- Schiedsrichter: Gorniak (Bremen)
- Spielbericht
- Vor dem Spiel bestimmten noch Sorgen die Gedanken der
meisten Zuschauer, an die sich nach dem Spiel kaum noch jemand erinnerte. Wie
wird die Mannschaft die befürchteten Ausfälle von Carsten Sträßer
und Ralf Schmidt verkraften können? Wie kommt der FCC mit den
bundesligaerfahrenen Christian Lell und Andreas Görlitz zurecht? Wird
die zweite Garde des großen FC Bayern am dritten Spieltag ihr
zweifellos vorhandenes Potential zeigen, nachdem man eher schwach in die Saison
gestartet war?
Zumindest einer der Fragen löst sich noch vor dem
Anpfiff in Wohlgefallen auf, denn Carsten Sträßer stand in
der Startformation. Der Abwehrspieler ist mitverantwortlich für den
derzeitigen Erfolg des FCC und wird von vielen aufgrund seiner in der letzten
Saison oft gut versteckten Souveränität mit einem
Augenzwinkern als "Neuzugang" bezeichnet, entsprechend groß war die
Erleichterung bei der Lektüre seines Namens in der Startaufstellung. Die
Elf des gut in die Saison gestarteten FCC begann das Spiel auch gleich druckvoll
und schon die ersten Minuten ließen keinen Zweifel daran aufkommen,
wer heute der Herr im Haus sein wollte. Die erste Ecke des Spiels erhielten
trotzdem die Bayern, aber mehr als ein schneller Gegenstoß über
den starken Sievers sprang dabei nicht heraus. Dieser Konter war es, den Timo
Nagy mit einem herrlichen Pass auf Salvatore Amirante fortsetzte. Der Italiener
stand plötzlich vor Kraft im Tor des FCB und wollte den Ball in der
langen Ecke unterbringen, hatte dabei aber die Reflexe des Schlussmanns der
Bayern unterschätzt. Festhalten konnte er den scharfen Schuss aus
kurzer Distanz allerdings nicht, der mitgelaufene René Eckardt schaltete am
Schnellsten und konnte den Ball unbedrängt aus kurzer Distanz im Tor
unterbringen - 1:0 für den FCC nach nur acht Minuten! Die erfahrenen
Spieler der Bayern, namentlich Görlitz und Lell, sahen beim
vorhergehenden Zusammenspiel von Nagy und Amirante alles andere als gut aus und
verloren schon nach diesen wenigen Minuten einen Teil des von ihren Namen
ausgehenden Glanzes.
Die Gäste aus München zeigten sich aber
keineswegs geschockt vom frühen Rückstand, stattdessen bemühten
sie sich von nun an intensiv um den Ausgleich. Nur fünf Minuten nach
der Führung war es Carsten Nulle, der gegen den in dieser Phase
starken Sikorski klären musste. Der war nach einem Missverständnis
in der Jenaer Hintermannschaft plötzlich frei vor Nulle aufgetaucht
und scheiterte nur an der blitzschnellen Reaktion des auch heute sicheren Rückhalts.
Im Gegenzug hat Eckardt das 2:0 auf dem Fuß, nachdem er mit einem
herrlichen langen Ball von Nagy freigespielt wurde. Sein Ball geht aber leider
nicht nur an Torhüter Kraft vorbei, sondern auch am Tor. Für
die nächsten Minuten sollte dieser Gegenstoß das letzte
Lebenszeichen des FCC sein, von nun an drückten die Bayern. Dabei war
es immer wieder Marco Riemer, der in der Abwehr nicht überzeugen
konnte. In der 16. Minute profitiert er allein von der Fairness des Münchner
Stürmers Sikorski, der sich trotz leichtem Trikotzupfer aufrafft und
sich nicht fallen lässt, anderenfalls hätte man diese
Situation wohl als Notbremse werten müssen. So stand Sikorski zwar
allein vor dem Jenaer Gehäuse, aber dieses wurde ja von Carsten Nulle
bewacht - und dieser reagierte erneut glänzend. Auch wenn man sich
mittlerweile schon fast daran gewöhnt hat, mit Nulle einen extrem
sicheren Rückhalt zu haben - was dieser Mann Woche für Woche
für Bälle hält, ist aller Ehren wert. Völlig
zu Recht wurde "Wild Thing" auch vor dem Spiel als Spieler der letzten Saison
ausgezeichnet, denn ohne ihn hätte der FCC die Klasse wohl kaum
gehalten. Richtig ernste Mienen konnte man nur kurz darauf erblicken, denn
offenbar hatte sich Abwehrchef Quido Lanzaat ohne Fremdeinwirkung verletzt und
drängte auf seine Auswechslung, die nach 23 Spielminuten vollzogen
werden musste. Nicht wenige fürchteten nun den baldigen Ausgleich oder
zumindest massive Probleme mit den schnellen und ballsicheren Angreifern der
Bayern für die umgestellte Innenverteidigung. Genau in diese Phase des
größten Drucks der Bayern stürmt aber erneut
Orlando Smeekes hinein und spielte sich endgültig in die Herzen der
Fans. Nach einer kampfgeprägten Balleroberung des Hachinger Neuzugangs
Nagy hat Orlando nur noch Lell und das Tor vor sich. In seiner gewohnten,
unheimlich schnellen Art stürmt er auf Lell zu, schlägt noch
einen Haken und streichelt den Ball dann mit der Innenseite an den kurzen
Pfosten - von dem das Leder den erstrebenswertesten Weg wählt, nämlich
den ins Tor von Jenas Gegnern! Das 2:0 in der 28. Minuten fiel sprichwörtlich
genau zum richtigen Zeitpunkt, denn es setzte einen Schlussstrich unter eine
Phase gefährlicher Angriffe der Gäste, die immer wieder nur
vom Jenaer Schlussmann aufgehalten werden konnten. Auch in der Folge überforderte
der Mann von den niederländischen Antillen, der nun bereits vier Tore
in drei Spielen erzielt hat, seinen Gegenspieler Lell immer wieder mit seiner
Schnelligkeit. Zehn Minuten nach dem 2:0 wurde die Sprintstärke dem Münchner
endgültig zum Verhängnis, als ihn Orlando einmal mehr
regelrecht überlaufen konnte und von Lell nur noch per Foul zu stoppen
war. Da Lell zu diesem Zeitpunkt letzter Mann war und Smeekes freie Bahn aufs
Tor gehabt hätte, war die Entscheidung des unauffälligen
Schiedsrichters Gorniak durchaus nachvollziehbar - Rote Karte wegen Notbremse
und Freistoß für den FCC, denn der Bremer Unparteiische
hatte das Foul außerhalb des Strafraums gesehen. Auch wenn der
Freistoß und die folgenden Minuten vor der Halbzeit nichts
einbrachten, so hatte sich der FCC doch eine hervorragende Ausgangslage für
den zweiten Durchgang geschaffen. Doch trotz der Zwei-Tore-Führung und
der Jenaer Überzahl erwarteten viele eine spannende zweite Hälfte,
in der den Bayern im Falle eines schnellen Anschlusstreffers durchaus noch
Chancen eingeräumt wurden.
Derartige Sorgen und Ängste lösten sich
aber schon kurz nach dem Wiederanpfiff auf, denn die 8346 Zuschauer im Ernst
Abbe Sportfeld sahen einen FC Carl Zeiss Jena, der weiterhin mit voller
Konzentration zu Werke ging. Das aus der Führung und dem Spielverlauf
resultierende Selbstvertrauen sorgte außerdem dafür, dass
Flanken und Pässe scheinbar präziser ankamen und
leichtfertiger von der Hand gingen als in anderen Spielen. Nur drei Minuten
nach Wiederanpfiff war es dann auch schon so weit, dass auch die letzten
Zweifler vom Optimismus übermannt wurden, denn nach einer präzisen
Flanke des starken René Eckardt auf den Kopf von Salvatore Amirante dürfte
die Halbzeitansprache von Gästetrainer Mehmet Scholl bereits hinfällig
gewesen sein. Der Italiener stieg als einziger im Strafraum hoch zum Kopfball,
begleitet nur von den ungläubigen Blicken seines Gegenspielers. Der
musste mit ansehen, wie der wuchtige Kopfball unhaltbar für Kraft im
Netz landete und das Spiel faktisch entschieden war. Anders als nach dem 1:0
war nun auch ein gewisser Schockzustand bei den Bayern zu erkennen, die mit
einer derart druckvollen Offensive seitens der Jenaer offenbar nicht gerechnet
hatten. Nach einer guten Chance für den unauffälligen, aber
ebenfalls überzeugenden Truckenbrod in der 59. Minute war es nach
knapp über einer Stunde erneut Amirante, der einen Eckball von Nagy
per Kopf über die Linie bugsierte. Wieder fühlte sich keiner
der Bayern so richtig zuständig, erneut war gegen den starken Kopfball
aus kurzer Distanz nichts zu machen - 4:0 für den FC Carl Zeiss Jena!
Schon jetzt fragten sich einige, wann sie derartiges zuletzt erlebt hatten,
nicht ahnend, was die folgenden Minuten noch bringen würden. Der FCC
hatte nämlich noch lange nicht genug und spielte weiter attraktiven
Offensivfußball. Nur zwei Minuten später hatte sich Smeekes
auf links einmal mehr aller Gegenspieler entledigt und spielte dann einen
perfekten Pass in den Lauf des Doppeltorschützen Amirante, der den
Ball aus fünf Metern nur noch über die Linie schieben musste
und damit das 5:0 sowie seinen Hattrick vollendete! Nach 68 Spielminuten gönnt
Jena-Trainer René van Eck dem neuen Publikumsliebling und Torschützen
des Monats Orlando Smeekes nach einer weiteren starken Partie seinen verdienten
Applaus. Von stehenden Ovationen begleitet verlässt der Shooting-Star
den Platz, für ihn kommt Sebastian Hähnge. Der Eingewechselte
fügt sich sofort gut in das Spiel der Blau-Gelb-Weißen ein
und hat nur Minuten nach seiner Einwechslung das 6:0 auf dem Fuß, als
ihm Truckenbrod den Ball überlegt in den Lauf lupft. In dieser
Situation konnte sich allerdings zunächst der Münchner Torhüter
Kraft auszeichnen, als er den scharfen Schuss Hähnges pariert. Doch
das sollte am heutigen Tag nicht ausreichen, denn Hähnge setzt nach,
holt sich den Abpraller und flankt den Ball erneut butterweich auf den langen
Pfosten. Dort wartet, wie könnte es anders sein, Salvatore Amirante
und hat erneut keine Mühe, den Ball im Tor unterzubringen - 6:0 nach
76 Spielminuten, vier Tore von Amirante innerhalb von nicht einmal einer halben
Stunde, ungläubiges Staunen mischt sich in den unbändigen
Jubel im weiten Rund des Ernst Abbe Sportfelds.
Das halbe Dutzend war voll und die Jenaer Spieler ließen
es dabei bewenden, die folgenden fünfzehn Minuten waren mehr Schaulaufen
als ernsthafter Fußball und die Bayern hatten sich längst
mit der demütigenden Realität abgefunden. Gegenwehr wäre
bei diesem Spielstand ohnehin zwecklos gewesen und so konnten die leidgeprüften
Anhänger des FCC endlich mal wieder eine Schlussviertelstunde ohne
Angst vor späten Gegentoren oder in der Hoffnung auf ein dringend benötigtes
Jenaer Tor verbringen, stattdessen wurde der in dieser Form von niemandem
erwartete Sieg ausgiebig gefeiert. Neben dem Ergebnis gefiel vor allem die
Tatsache, dass neben dem beinahe unheimlich schnellen Orlando Smeekes auch die
beiden Außen Sievers und Nagy überzeugen konnten und Jena über
weite Strecken des Spiels sehr sehenswerten und dynamischen Offensivfußball
zeigte. Auch in Anbetracht eines bestimmten Ergebnisses vom Samstag bildete das
6:0 den perfekten Abschluss eines paradiesischen Wochenendes, das so schnell
keiner der anwesenden Jena-Fans wieder vergessen wird. Nun muss der neue
Spitzenreiter der Dritten Liga in Aue nachlegen bevor am kommenden Wochenende
ein ganz spezieller Gast im Ernst Abbe Sportfeld erwartet wird. Sollten Orlando
Smeekes & Co. auch dann wieder einen ähnlichen Auftritt wie in den
bisherigen Saisonspielen hinlegen, dürfte der Jubel selbst die
heutigen Freudenschreie noch einmal deutlich übertönen. Bis
es so weit sein kann, liegen aber noch zwei mal 90 Minuten vor der Mannschaft
von René van Eck - zumindest das nötige Selbstvertrauen für
die erfolgreiche Gestaltung der beiden Ostderbys sollte spätestens
nach dem heutigen Spiel vorhanden sein. <bh>
SV Sandhausen - FC Carl Zeiss Jena 2:2
Tore: 1:0 Schuon (9.), 1:1 Smeekes (19.), 1:2 Riemer (32.), 2:2 Pinto (90., FE)
- Sandhausen: Gurski; Bindnagel, Schuon, Eberlein, Mintzel; Pinto,
Hillenbrand, Jungwirth (66. Fischer), Schauerte (77. Hosiner); Ristic (23.
Öztürk, Dorn
- Jena: Nulle; Sträßer, Lanzaat, Riemer, R. Schmidt;
Sievers (60. Hähnge), Truckenbrod, Ziegner, Nagy; Smeekes (88.
Petersen), Amirante (81. Benyamina)
- Zuschauer: 3150
- Schiedsrichter: Kempter (Sauldorf)
- Spielbericht
- Gleiches
Ergebnis - unterschiedliche Gefühle. Wo vor zwei Monaten 3.500 verzückte
Zeissfans ob des Klassenerhalts den Sandhäuser Rasen stürmten, herrschte
diesmal betretenes Schweigen unter beachtlichen gut 500 mitgereisten
Blau-gelb-weißen. Die meisten unter ihnen wären vor dem Spiel wohl mit einem
Zähler zufrieden gewesen, doch nach diesem Spielverlauf musste man einfach
hadern. Mit einer späten und nicht nachvollziehbaren Spielentscheidung durch
Referee Kempter, und mit dem Auslassen unzähliger
Möglichkeiten zur Vorentscheidung durch die eigene Elf.
Dass
dieses Spiel ein ganz intensives werden sollte, deutete sich schon nach wenigen
Minuten an. Riemers und Smeekes' gefährlichen
Toraktionen folgte auf der Gegenseite nach 8 Minuten die Führung der Gastgeber.
Ralf Schmidt hatte einen unnötigen Eckball verursacht - nicht der einzige
Fehler des sich nach dem Wechsel steigernden Studenten in den ersten 45 Minuten
- und Sandhausens bulliger Neuzugang Schuon köpfte
das Leder kompromisslos wuchtig zur frühen Führung ins Netz. Und die Gastgeber
drängten weiter mit schön anzusehendem Kombinationsfußball, waren durch das nur
schwer zu bändigende bundesligaerfahrene Sturmduo Ristic/Dorn stets
kreuzgefährlich. Doch anders als im Mai behielt Jena die Ordnung und schlug
zurück. Sträßer und Sievers kämpften im Duett
Mintzel den Ball im eigenen Strafraum ab,
Sträßers weiter gefühlvoller Ball erreichte zur
Überraschung von Sandhausens Hintermannschaft Orlando Smeekes,
der dem verdutzten Gurski das Leder in die Maschen
servierte (19.). 1:1! Und Jena machte weiter. Nur zwei Minuten später die
nächste Riesenchance für den Holländer nach tollem Diagonalpass von Sievers,
doch der Hammer zischt knapp am Tor vorbei. Eine Minute drauf hatte Nagy dann
die Führung auf dem Fuß, als er eine schöne Kombination zu harmlos abschloss.
Jena war im Spiel, und bald begann auch der Tag des Marco Riemer freundlichere
Züge anzunehmen. Zunächst erlöste ihn die verletzungsbedingte Auswechslung
Ristics von diesem unangenehmen, einen Kopf größeren Gegenspieler. Dann durfte
sich der Apoldaer sogar in die Torschützenliste
eintragen, als er nach Amirantes artistischer
Fallrückziehervorlage aus Nahdistanz zur verdienten Führung nach 33 Minuten
abstaubte.
Von
Sandhausen kam bis zum Wechsel nichts mehr, und dennoch hatten 3.500 Zuschauer
ein packendes und völlig offen geführtes Spiel gesehen. Glaubten sie zumindest,
denn nach dem Pausentee ging es erst richtig los. Bindnagel eröffnete das
Offensivfestival mit einem Knallbonbon knapp am rechten Pfosten vorbei (48.).
Smeekes antwortete mit Zuckerpass auf Sievers, der sich
völlig freistehend vor Gurski den Ball etwas zu weit
vorlegte (49.). Minuten später zwei dicke Patzer von Riemer, die die Gastgeber
nicht zu nutzen verstehen. Jungwirth zieht nach 56 Minuten ab und zwingt Nulle
zu einer Glanzparade. Dann kommt Nagy über die rechte Seite, doch seine
Hereingabe auf den blank stehenden Amirante misslingt (59.). Es war eine der
wenigen Offensivaktionen Nagys, der sich nach vorn wenig zutraute. Ausgewechselt
wurde nach einer Stunde aber sein Flügel-Gegenüber Sievers, bei dem sich
gelungene Offensivakzente mit schlampigem Defensivverhalten abwechselten.
Sebastian Hähnge kam ins Spiel und legte Sekunden
später gleich gekonnt per Kopf auf Amirante auf, Gurski
klärt. Wiederum Sekunden später umkurvt Hähne den Sandhäuser Keeper, ist
eigentlich schon vorbei und der Ball gefühlt auf dem Weg ins Tor, doch
irgendwie kommt Gurski doch noch einmal ans Leder
(61.). Eine Minute darauf darf Smeekes die nächste
hundertprozentige Torchance versieben, allein rechts vor dem Kasten entscheidet
er sich gegen den Pass auf den mitlaufenden Amirante und für den Flachschuss,
den Gurski mit Fußbabwehr
pariert. Wahnsinn! Quasi im Gegenzug rettet Lanzaat
vor dem einschussbereiten Pinto (62.). 63. Minute, ein Schuss Sandhausens aus
dem Hinterhalt wird unfreiwillig von Hillenbrand abgefälscht und trudelt an den
Pfosten! Vier Minuten später dann wieder dann wieder Bindnagel mit
Volleyschuss, Nulle pariert.
Sandhausen ging nun noch mehr auf Risiko und
drückte die Thüringer, bei denen die ordnende Hand im Mittelfeld vermisst
wurde, mehr und mehr in die eigene Hälfte, in der sich Carsten
Sträßer mit einer tadellosen Leistung Bestnoten verdiente.
Einen Entlastungsangriff über die rechte Seite kann der bisweilen selbst
auffällig fallsüchtige Mintzel nur mittels einer
Mischung aus grobem und taktischem Foul an Smeekes an
der Torauslinie verhindern, ohne dafür den Karton zu sehen. In
Ziegners frechen Freistoß spritzt Amirante, und als der Ball
hinter dem Keeper die Torlinie entlang zischt, ist wieder einmal
Haareraufen im Gästeblock angesagt. Mehr noch als
Smeekes nach 80 Minuten die nächste Hundertprozentige
vergibt, allein vor Gurski diesen nicht überwinden
kann. So kam das, was kommen musste. Sandhausen verlegte sich auf das
Erarbeiten von Freistößen, von deren Berechtigung nur wenige im Gästeblock
überzeugt waren, und so stand Carsten Nulle mehr und mehr im Mittelpunkt,
rettete mehrmals großartig. Machtlos war er jedoch, als Robert
Kempter - wie Sandhausen in Baden-Württemberg beheimatet -
in der Schlussminute auf den Elfmeterpunkt zeigte, ein Foulspiel Riemers an
Dorn gesehen haben wollte. Roberto Pinto ließ sich das späte Geschenk nicht
entgehen und schickte die Zuschauer mit dem gleichen Ergebnis nach Hause wie
vor zwei Monaten.
Diesmal bleibt für den FCC zu konstatieren, zwei Zähler
verschenkt zu haben, und das in erster Linie wegen der sträflich ausgelassenen
Großchancen im zweiten Abschnitt. Auf der Leistung der Mannschaft aber darf aufgebaut
werden, und diesen positiven Eindruck nahm Jenas Anhang mit auf die 400
Kilometer lange Heimreise. <gunner>
FC Carl Zeiss Jena - SV Wehen Wiesbaden 2:1
Tore: 1:0 Smeekes (50.), 2:0 Smeekes (56.), 2:1 Bohl (74.)
- Jena: Nulle; Sträßer, Lanzaat, Riemer, R. Schmidt;
Sievers, Ziegner, Truckenbrod, Nagy (87. Petersen); Smeekes (90.+1
Eckardt), Amirante
- Wehen: Birkenbach; Hollmann, Barg, Glibo, Weigelt; Bohl, Reinert
(61. Ziegenbein), Hübner, Öztürk (72. Landeka); Boskovic,
Stroh-Engel (58. Ziemer)
- Zuschauer: 7713
- Schiedsrichter: Dr. Brych (München)
- Spielbericht
- Gemeinhin gilt es als Vorteil, gegen Absteiger aus der 2.
Bundesliga gleich am Anfang einer Saison antreten zu dürfen. Deren
personelle Fluktuation ist meist recht hoch, der neuformierte Kader muss sich
erst einspielen. Im Gegensatz zu den beiden anderen Absteigern blieb dem SV
Wehen aber die große Abgangswelle erspart. Und so versprach der 1.
Spieltag gleich eine Standortbestimmung für den FC Carl Zeiss zu
werden.
Erstmals seit 2003 durfte die Punktspielsaison mal wieder
mit einem Heimspiel eingeläutet werden. Wenn dabei trotz Aprilwetters
7713 Zuschauer ins Ernst-Abbe-Sportfeld kommen, zeugt das ungeachtet der
miserablen letzten Saison von einer deutlichen Erwartungshaltung. Sebastian Hähnge
saß mit auf der Tribüne. Schon einen Tag vor dem Match hatte seine linke
Wade zu zwicken begonnen, am Spieltag selbst war dann nicht einmal mehr ein
Kurzeinsatz möglich. Sollte es deshalb ein schnelles Revival der
Ein-Stürmer-Taktik von René van Eck geben ? Nein, denn der Rückkehrer
auf den Trainerstuhl beorderte Orlando Smeekes auf die zweite Angriffsposition.
Da Jan-André Sievers in die Startelf nachrückte, war diese mit allen fünf
Neuzugängen besetzt.
Verteiltes Spiel zu Beginn. Ein Kopfball im Anschluss an
Wehens zweite Ecke wurde am kurzen Pfosten abgefangen, den Spurt von Reinert in
den Strafraum stoppte Sträßer. Auf der anderen Seite war es
Salvatore Amirante, der mit einem Kopfball aus sechs Metern Birkenbach prüfte
und mit einem 19-Meter-Flachschuss knapp verzog.
All das waren Szenen aus den ersten 20 Minuten, danach
dominierten die Abwehrreihen und weitere nennenswerte Aktionen vor der Pause
blieben rar. Einzig Timo Nagy aus guter Schussposition in zwanzig Metern
Torentfernung forderte nach 35 Minuten noch einmal den Beifall heraus. So sehr
man sich über die stabile Viererkette mit dem neuen Abwehrchef Lanzaat
und dem wie ausgewechselt wirkenden Sträßer freuen durfte -
beim Offensivspiel blieb zunächst noch viel Luft nach oben.
Van Eck hatte seiner Mannschaft in der Kabine mehr Risiko
verordnet und diese setzte das gleich mit Wiederanpfiff um. Bälle, die
während der ersten 45 Minuten noch als Querpass gespielt worden waren,
flogen nun steil ins Angriffszentrum. Es war Salvatore Amirante, der von der
Mittellinie aus seinen Sturmpartner Orlando Smeekes mit einem Diagonalpass auf
die Reise schickte. Diese Reise führte um einen Gegenspieler herum,
zwischen zwei Verteidigern hindurch direkt zu Torhüter Birkenbach, an
dem vorbei Smeekes das Leder ins lange Eck schob. 1:0 - Zeit für den
ersten Torjubel der neuen Saison mit einem Flickflack, wie man ihn im
Ernst-Abbe-Sportfeld so wohl noch nie gesehen hat. Miroslav Kloses berühmte
Überschläge in der Nationalmannschaft wirken geradezu
armselig gegen jene eines Orlando
Smeekes beim FC Carl Zeiss Jena ! Auch wenn dessen artistische Brillanz nicht
von ungefähr kommt, war er in seiner Jugend doch dreimal holländischer
Meister im Turn-Mehrkampf, bevor er sich für die fußballerische
Laufbahn entschied. Eine gute Entscheidung, wie uns nur sechs Minuten später
ein weiteres Mal klar werden sollte. Da trat Smeekes in 35 Metern Torentfernung
zum Freistoß an. Für eine direkte Ausführung noch
viel zu weit vom Kasten entfernt, dachten die meisten. Doch der Nationalspieler der
niederländischen Antillen schoss direkt durch die Drei-Mann-Mauer der
Wehener hindurch ins linke untere Eck. Welch ein (P)fund !
Während wir Beobachter noch ganz fasziniert waren
von den gleichsam schönen und doch auf so unterschiedliche Weise
zustande gekommenen Treffern unseres Orlando, setzten die Gäste mit
dem Mute der Verzweiflung zur Aufholjagd an. Diese hatten sie in der
Vorbereitung bereits gegen Koblenz und Saarbrücken mit Erfolg
praktiziert. Boskovic mit Schuss ans Außennetz sowie die frisch
eingewechselten Ziemer und Ziegenbein zeigten an, dass dieses Mahl mit
den zwei Toren noch lange nicht gegessen war. Und tatsächlich, in der
74. Spielminute traf Bohl unhaltbar per Kopf zum Anschlusstreffer. Eine
Viertelstunde war danach noch zu spielen. 15 Minuten, die besonders der aus
Kaiserlautern gekommene Marcel Ziemer mit mehreren Chancen zur Zitterpartie für
alle Blau-Gelb-Weißen werden ließ. Bei Ziemers
Aufsetzerkopfball sechs Minuten vor Schluss rührte selbst Geburtskind
Carsten Nulle (Glückwunsch zum 34. !) keinen Finger mehr - doch das
Leder klatschte nur an die Werbebande hinter dem Tor. In der 89. kam Nulle an
einen Eckball nicht heran, dafür stand Sträßer
goldrichtig und konnte an der Torraumgrenze per Kopf klären. Mit
tollen Einzelaktionen hatte einer aus der Mannschaft den Vorsprung heraus geschossen
- alle elf zusammen sorgten nun dafür, dass aus ihm drei Punkte wurden.
Auch wenn in der letzten halben Stunde das Geschehen etwas
aus der Hand gegeben worden war - mit dem Sieg gegen Wehen hat die neue Jenaer
Mannschaft schon mal einen ersten Fingerzeig erhalten, dass auch gegen
Staffelfavoriten etwas gehen kann. Orlando Smeekes, der in seiner Freizeit auch
noch Thai-Boxen betreibt, will übrigens trotz seiner Erfolgserlebnisse
im Sturm so schnell wie möglich auf die Außenbahn zurück.
Nur da kann er seine Sprintschnelligkeit mit (wie man hört) 11,3
Sekunden über 100 Meter und die Stärken im eins gegen eins
voll zur Geltung bringen. Scheint so, als könnten wir uns auf die
Saison mit ihm freuen. <fc>
Fotos von Jens Weißenburger
Spielbericht auf svwehen-wiesbaden.de
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Nach der Pause ging es wie gehabt weiter, lediglich die Spielhälfte, in der sich alles abspielte, änderte sich.
Allerdings war Holstein jetzt so nett und verzichtete fast völlig auf das Spiel über die Flügel. 7,32 m ist
die Torbreite und ungefähr ebenso breit war der Korridor an Jenas Strafraumgrenze, durch den die "Störche" ihre
Angriffe versuchten. Die Jenaer Abwehrspieler hatten dadurch eigentlich ein leichtes Spiel, wurde doch einmal einer ausgetanzt,
so standen garantiert gleich zwei weitere Gelbe dahinter und klärten. Nur bei einem Fernschuss Lamprechts von rechts
außen (52.) und einem abgefälschten Freistoß (55.) kam der Ball mal in Nulles "Sichtweite", der Rest
waren Kinkerlitzchen. Nach vorn blieb alles unverändert, es ging nichts. Kam man doch einmal über die Mittellinie,
so war es ziemlich sicher, dass Orlando im Rücken der Abwehr im Abseits stand. In der 60. min dann hatte der FCC
mal eine Chance auf einen aussichtsreichen Angriff, aber Orlando rannte mit gesenktem Kopf in zwei Gegner hinein und
übersah den mitgelaufenen und freistehenden Hähnge. So konnte das nichts werden und folgerichtig kam in der
65. Minute Kolb für Orlando. Schon die ersten Zweikämpfe Kolb sahen völlig anders aus als Orlandos
Vorstellung: Der Achtzehnjährige ging in die Zweikämpfe, setzte bei Ballverlust sofort nach und steckte
nie auf. Mir rutschte da ein "Dem Kolb gönne ich ein Tor, der hat schon gegen Dortmund so gut gespielt" heraus
(wenn die Weissagung der Lottozahlen nur ebenso klappen würde…). Drei Minuten nach dem Wechsel (in der 68. min!!!)
hatte der FCC seinen ersten Torschuss, aber Truckenbrods Geschoss ging knapp am langen Pfosten vorbei. Der nächste
Kieler Angriff wurde kurz hinter der Mittellinie abgefangen und der FCC hatte eine perfekte Konterchance in 3:2-Überzahl,
jedoch vergeigte Riemer diese Gelegenheit kläglich. Kurz danach bekam Hähnge auf der rechten Seite den Ball,
ging bis zur Grundlinie, beschäftigte zwei Gegenspieler und spielte mit der Hacke auf den mitgelaufenen Eckardt.
Der schickte seinen Gegenspieler und bediente - wie schon in vorhergehenden Spielen - mit einer maßgenauen
Zuckerflanke den in der Mitte wartenden Mitspieler. Diesmal war es Kolb, der sich die Chance nicht entgehen ließ
und zur überraschenden Führung des FCC einnickte und auf der Gegentribüne für eisiges Schweigen um
mich herum sorgte (ich jubelte solo *g*).
Das Spiel war gekippt. Die "Störche" hatten einen gewaltigen Knacks bekommen,
denn sie versuchten zwar in der verbleibenden Zeit mit viel Einsatz und Elan, dieses Resultat zu reparieren, aber lediglich
ein weiterer Lattentreffer wiederum durch Guscina sorgte für Aufregung. Im Gegenteil, mit etwas Cleverness hätte
Jena jetzt den berühmten Sack zubinden könne, aber zunächst war nach Doppelpass Eckardt - Hähnge der
Kieler Torwart einen Tick schneller am Ball als Eckardt (85.) und dann fehlte Truckenbrod einfach die Kaltschnäuzigkeit,
allein vor Frech - der bis zur Strafraumgrenze herausgekommen war - mit einem Heber das 2:0 zu machen, er ballerte den Ball
voll auf den Keeper drauf. Ansonsten versuchte man ziemlich geschickt und erfolgreich, in den verbleibenden Minuten das Tempo
aus dem Spiel zu nehmen und den Ball in den eigenen Reihen zu halten.
Bis zu Kolbs Einwechslung wäre ich mit einem Punkt hochzufrieden gewesen. Der "Dreier" ist mit etwas Glück in den ersten 70 und mit ansprechender Leistung in den letzten 20 Minuten eingefahren worden. <uk>
- Jena: Nulle; Sievers, Wuttke, Lukimya, Sträßer;
Nagy (90. Petersen), Truckenbrod, Hähnge, Eckardt (85. Fuss); Orlando,
Kolb (73. Riemer)
- Dortmund: Höttecke; Koch, Eggert, Hünemeier, Neumeister; Hille, Hasanbegovic (85. Boztepe), Tyrala, Öztekin; Ginczek (57. Piossek), Kullmann
- Zuschauer: 6983
- Schiedsrichter: Dankert (Rostock)
- Spielbericht
- Dortmund: Höttecke; Koch, Eggert, Hünemeier, Neumeister; Hille, Hasanbegovic (85. Boztepe), Tyrala, Öztekin; Ginczek (57. Piossek), Kullmann
-
Das Chaos beim FCC wurde gerade mal wieder etwas unübersichtlich. Nachdem
Peter Schreiber offenbar keine unbezahlten Rechnungen mehr auf seinem Wühltisch
findet (oder diese lieber wieder untendrunter steckt), fängt die
liebevoll zusammengesparte Mannschaft an sich in Wohlgefallen aufzulösen.
Der eine haut mit südländischer Besonnenheit einem Blumenzüchter
ins Gesicht, der andere wird aufgrund seiner Großartigkeit
suspendiert und der Dritte hat seine Bandscheiben nicht im Griff. Hinzu kommen
ungezählte Zerrungen und Risse diverser Muskelgruppen, schlechte
Blutwerte und Verstauchungen. Und die wenigen Verbliebenen, die sich stets gut
benommen haben und dazu gesund sind, können auch nicht mehr so
richtig. Zu groß ist der Druck nach dem Kulturarena-Debakel für
Rom, Ähnliches vollbringen zu müssen. Ernüchternde
Aussichten also für das gestrige Spiel gegen Dortmunds Zwote, zumal
die nach fünf Minuten schon in Führung lag. Neumeister hatte
die Aufwachprobleme in Jenas Deckungsverbund schamlos ausgenutzt und per Kopf
die Gästeführung hergestellt (6.). Zwar war der ursächliche
Freistoßpfiff völliger Mumpitz, gezählt hat es
trotzdem. Aber was soll's. Aus Ruinen wird auferstanden! Und überhaupt:
Bandscheibenvorfälle werden total überbewertet!
Zwar folgte die Trotzreaktion erst nachdem Nulle das 0:2 und damit den unabwendbaren Untergang verhindert hatte, dann aber kam die große Zeit des Rene Eckardt. Ganz ehrlich, wenn der immer so spielen würde wie die folgende Viertelstunde, die Nationalmannschaft wäre kein Thema. Seine Vorlage auf Wuttke nach einer Ecke und sein Heber aus spitzem Winkel wären bereits Treffer wert gewesen, Hötteke bekam aber beidemal noch irgendein Körperteil dazwischen. Gegen Lukimyas Schuß aus Nahdistanz konnte aber auch der Dortmunder Schlußmann nichts mehr machen. Eckardt hatte Neumeister auf der rechten Seite schön zur Schere gemacht und den Ball dann flach nach innen geschlagen. Von dort hätte es wohl nur noch Gomez und dann auch nur im Nationaltrikot noch fertiggebracht, das Tor nicht zu treffen. Jubeln unter Vorbehalt (13.). Ein Unentschieden konnte hier ja nicht das Ziel sein! Dieser Vorbehalt legitimierte sich schneller als gedacht. Mit der Gewißheit der uneingeschränkten Überlegenheit zog sich Jena wieder aus dem Dortmunder Strafraum zurück. Alle Maschinen Stop - im Notfall gleichen wir halt wieder aus. Zwar hatte Eckardt nach eine Wuttke-Vorlage noch einmal die große Chance zur Führung, sein strammer Volleyschuß fand aber den Weg ins Tor nicht und ist jetzt wahrscheinlich ein dicker blauer Fleck auf einem Dortmunder Gesäß (16.). Danach tickte nur noch die Uhr runter. Was dieser taktische Unsinn soll, ist schwer zu sagen, zumal der Schwung des Ausgleichstreffers dadurch völlig verpuffte. Die Kräfte jedenfalls hätten eigentlich noch ein bißchen länger reichen sollen. Kurz vor der Pause hätte sich dieses unheilvolle Fehlverhalten tatsächlich fast gerächt. Wäre Kullmann nicht um Zentimeter an Boztepes Eingabe vorbeigerutscht, die etwa 300 Mitgereisten Dortmunder hätten wohl unsere leise vor sich hin tirilierende Südkurve vollends unter den Tisch gesungen. Glück gehabt!
Nach der Pause war es vor allem Orlando, der für Aufsehen sorgte. Inzwischen ist es für jeden Gegner offenbar ein probates taktisches Mittel geworden, ihn einfach am Losrennen zu hindern. Ein kurzes Halten, ein Schubser auf Höhe der Mittellinie, eigentlich ist alles besser als ihm später hinterherzugucken. Zwei oder drei gelbe Karten werden dafür augenscheinlich in Kauf genommen, welche die Schiedsrichter (vor allem der von gestern) oft nicht mal geben. Wenn dann auch noch klarste Pfiffe ausbleiben, geht mir langsam das ohnehin knapp bemessene Verständnis aus. Stattdessen reichten auf der Gegenseite mitunter kleinste Scharmützel aus, um aus gefährlichsten Positionen Freistöße zu verhängen. Einer davon wäre Jena fast zum Verhängnis geworden, als Hünemeier den hoch hineingeschlagenen Ball von Tyrala nur knapp verfehlt, kann Nulle erst im Nachfassen das Unentschieden festhalten (63.). Knapp! In dieser Phase überzeugt der FCC aber auch allenfalls durch Gleichwertigkeit auf niedrigem Niveau. Die Führung kommt dementsprechend wie aus dem Nichts. Wieder ist es Eckardt, dessen präzise Flanke die Entscheidung bringt. Punktgenau schießt der den Ball auf den eingewechselten Riemer, dessen Kopfstoß die vor sich hindämmernden Fans aus der allgemeinen Lethargie reißt (80.). Nicht zu glauben! Dieses Murksspiel und dann auch noch der Riemer. Der hatte gegen Erfurt nun wirklich einen Scheißtag erwischt. Und dann noch das Ding mit seinem Rücken. Schön, daß es offenbar doch nicht so schlimm war oder Bandscheibenvorfälle halt einfach überbewertet werden (-:
Was folgt sind noch zehn zerrige Minuten Warterei plus einer unendlich langen Nachspielzeit. Dann ist der dritte Sieg endlich in Sack und Tüten. Glanzvoll war es nicht! Spielerisch herrschte mitunter unbeschreibliches Elend auf dem Platz. Dazu kommen die Abstimmungsschwierigkeiten, die bei einer neu formierten Elf aber ganz normal sind. Entscheidend aber war der größere Wille. Das was Erfurt in Jena zum Sieg getragen hat, war gestern Jenas Unterpfand. Die Mannschaft wollte einfach mehr. Das Derby ist damit nicht vergessen, dieser Stachel sitzt zu tief. Aber ein Rückspiel in Erfurt ist ja auch noch. Ein neues Spiel mit neuen Chancen. Und nächstes Jahr wollen wir ja auch wieder in die Kulturarena... <bpf>
VfL Osnabrück - FC Carl Zeiss Jena 2:0
Tore: 1:0 Lindemann (21.), 2:0 Reichenberger (63.)
- Osnabrück: Berbig; Herrmann, Barletta, Nickenig, Krük;
Siegert, Heidrich, Lindemann, Hansen (76. Grieneisen); Reichenberger (85.
Samide), Schmidt
- Jena: Nulle; Sievers, Wuttke, Lukimya, Sträßer;
Nagy (66. Kolb), Truckenbrod, Ziegner, Holwijn (83. Eckardt); Orlando,
Hähnge
- Zuschauer: 9800
- Schiedsrichter: Aytekin (Oberasbach)
- Spielbericht
-
Der Überkreuzvergleich der bisherigen
Saisonresultate sprach von vornherein gegen den FCC: Ingolstadt hatte Erfurt
klar besiegt, Osnabrück die Ingolstädter und Erfurt am
vergangenen Sonntag....ach, lassen wir das. Fußballspiele werden
nicht mit dem Taschenrechner entschieden. Klären wir stattdessen
lieber die Frage: Was stellt eine Mannschaft am gescheitesten an, die mit
Lanzaat, Riemer, Petersen, Osadchenko sowie Ralf Schmidt gleich fünf
Ausfälle in der Abwehr zu verkraften hat ? Klar, sie spielt munter
nach vorn !
Genau das tat Jenas Elf in der Anfangsphase. Da Salvatore
Amirante nach seiner Rot-Sperre für mindestens vier Spiele von der
Bildfläche verschwunden sein wird, teilten sich die beiden Holländer
Orlando und Holwijn von außen kommend in die Rolle des zweiten Stürmers
hinein. Wobei Melvin Holwijn in seinem ersten Match von Anbeginn wesentlich mehr
auffiel. Selbst zwei Gegenspieler vermochten ihn nach fünf Minuten
nicht zu stoppen, zumindest nicht mit fairen Mitteln. Erst als Holwijn wie
nichts zwischen ihnen hindurch geschlüpft war, holte ihn der düpierte
Krük von den Beinen. Freistoß also von der rechten
Strafraumseite, lang auf die andere Seite geschlagen zu Wuttke, dieser sofort
zurück auf den vorm Tor stehenden Hähnge. Zeit zu überlegen
hatte Sebastian nicht, zwei Meter vor dem Kasten inmitten einer lila
Spielertraube handelt man sowieso besser instinktiv - wenn dann aber der Ball
Osnabrücks Keeper Tino Berbig mitten ins Gesicht fliegt, ist das
einfach nur riesengroßes Pech. Doch Jena blieb am Drücker.
Gerade mal zehn Minuten waren gespielt, als ein sichtlich
motivierter Sebastian Hähnge
diesmal von der rechten Seite kommend durchzog. Berbig verkürzte den
Winkel, Hähnge legte deshalb auf den zentral stehenden Truckenbrod ab,
doch schoss dieser aus sieben Metern weit über das leere VfL-Gehäuse.
Dies freilich war mit Pech nicht mehr zu erklären, muss doch auch von
einem defensiven Mittelfeldspieler erwartet werden dürfen, beim unbedrängten
Torschuss nicht in starke Rückenlage zu verfallen.
Ein Führungstreffer
wäre der gerechte Lohn für ansehnlichen Kombinationsfußball
in der ersten Viertelstunde gewesen. Außer einer Einzelleistung von
Jenas Ex-Kapitän Niels Hansen hatten die Gastgeber bis zu diesem
Zeitpunkt noch nichts zustande gebracht, unter anderem weil sich Tim Wuttke auf
der ungewohnten Innenverteidiger-Position gut in Jenas Viererkette einfügte.
Doch dann brach Minute 21 an. Siegert legte für Björn Lindemann
auf und der hatte als erster VfL-Spieler in diesem Match mal richtig Platz am
gegnerischen Sechzehner. Wie er den nutzte - mit einem Sonntagsschuss ins
Dreiangel - war zweifellos sehenswert. Die Führung ansich aber äußerst
glücklich. Erst jetzt kamen die Niedersachsen besser ins Spiel. Nachdem sich zwei Jenaer
gegenseitig angeschossen hatten (29.), drohte für Carsten Nulle ebenso
Gefahr wie beim Freistoß zehn Minuten später, den der Torhüter
aber auf Nummer sicher gehend über die Latte lenkte. Seinem Gegenüber
Tino Berbig, der selbst mal in Jena zwischen den Pfosten gestanden hatte und
hierher noch familäre Bindungen hat, misslang in der 40. Minute bei
einsetzendem Gewitterregen ein Abschlag, sodass Hähnge den Ball mit
einem Heber postwendend zurück brachte. Leider nur aufs Tornetz. Als
sich einige schon auf den Pausentee zu freuen schienen, gabs den ersten
erfolgreichen Antritt von Orlando. Bei dessen Eingabe von der linken Seite kam
Hähnge einen Schritt zu spät. Oder ließ er den Ball
absichtlich für Holwijn durch ? Möglich wäre es,
denn der Neuzugang hatte freie Bahn, nur -
was machte er daraus ? Halb Ballannahme, halb Torschuss, nichts von
beiden richtig, und so beförderte der Nationalspieler das Leder weit
am Pfosten vorbei ins Toraus. Zwei, drei dicke Torchancen teils kläglich
vergeben zu haben war der einzige Vorwurf, den man der Zeiss-Elf beim Gang in
die Kabinen machen konnte.
Die erste Aktion nach Wiederanpfiff war nahezu eine Kopie
der letzten Szene vor der Pause. Wieder ging Orlando auf der linken Seite auf
und davon, wieder kam Hähnge in der Mitte einen Schritt zu spät.
Nur dass diesmal kein Holwijn daneben stand. Auf der anderen Seite köpfte
Nickenig aufs Tornetz (48.). So wie sich das Spiel danach entwickelte, war
absehbar, dass es nicht bei dem einen Treffer in dieser Partie bleiben würde.
Beide Mannschaften schenkten sich nichts, noch aber fand niemand die Lücke.
Die Emotionen im Spiel übertragen sich sogar auf die Ersatzleute
hinter dem Tor. Als Sträßer bei einer Abwehraktion gehalten
wurde und somit nicht in der Lage war, den Eckball zu verhindern,
regte sich André Schmidt berechtigterweise über
den Schiri-Assistenten auf, der das Foul eigentlich hätte sehen müssen.
Die Konsequenz war die Gelbe Karte für einen Spieler, der in dieser
Saison noch nicht eine Punktspielminute in der ersten Mannschaft verbracht hat
(58.). Besagte Ecke beschwörte übrigens Gefahr durch
Reichenbergers Kopfball herauf, den Nulle wegfaustete.
Osnabrücks Stürmer-Oldie
drehte nun richtig auf. War beim Schuss in Minute 62 abermals bei Carsten Nulle
Endstation, sorgte Thomas Reichenberger schon zwei Minuten später für
die Spielentscheidung, indem er aus sieben Metern zum 2:0 traf. Ein Tor,
das Carsten Sträßer auf seine Kappe nehmen muss, vertändelte
er doch das Leder im eigenen Strafraum ohne Not gegen Hansen, der dann
Reichenberger ins Spiel brachte. Zwar hatte eine Jenaer Mannschaft schon einmal
im Osnabrücker Stadion das Kunststück fertig gebracht, aus
einem 0:2 noch ein Remis werden zu lassen - doch die Körpersprache
nach dem zweiten Gegentreffer zeigte an, dass sich das diesmal nicht
wiederholen würde. Weshalb ein über 70 Minuten recht intensiv
geführtes Spiel die verbleibende Zeit gemächlich austrudeln
durfte.
Die Art und Weise, wie diese Niederlage zustande kam, war
eine ganz andere als eine Woche zuvor. Kein Vergleich mit dem fast
hergeschenkten Derby. Und doch gerät die Mannschaft nach einem Punkt
und null Treffern aus den letzten drei Partien in Zugzwang. Schon im nächsten
Spiel muss der Schalter wieder umgelegt werden, soll eine weitere Spielzeit in
den Tabellenregionen der Vorsaison vermieden werden. <fc>
FC Carl Zeiss Jena - FC Rot-Weiß Erfurt 0:3
Tore: 0:1 Kammlott (1.), 0:2 Semmer (40.), 0:3 Kammlott (55.)
- Jena: Nulle; Sievers, Riemer (46.Petersen), Lukimya,
Sträßer; Nagy (46. Hähnge), Truckenbrod, Ziegner, Eckardt
(68. Holwijn); Smeekes, Amirante (
, 59.)
- Erfurt: Orlishausen; Malura (

, 59.), Pohl, Möckel,
Ströhl; Cinaz, Rockenbach da Silva, Stenzel, Hauswald (84. Pinske); Semmer (64. Peßolat),
Kammlott (78. Cannizzaro)
- Zuschauer: 11.200
- Schiedsrichter: Leicher (Landshut)
- Spielbericht
- Ein paar Worte vorweg, zu den wenigen positiven Aspekten dieses Spiels:
Endlich,endlich, endlich hat es der Verein einmal geschafft, die Stadiontore mit
ausreichend Leuten zu besetzen, um einen flüssigen Einlass zu gewährleisten.
Man mag sich gar nicht ausmalen, wieviele frustrierte Zuschauer des FCC in
den letzten Monaten nicht wieder gekommen sind - nur weil der Verein die paar
Euro sparen wollte, die zusätzliche Einlasskräfte kosten? Bitte lasst es
keine Derby-Eintagsfliege sein...
Eine zweite gute Nachricht: Das Stadion war
nahezu ausverkauft, nur die Gäste hatten zu Hause irgendwie kleine Probleme
mit dem Kartenverteilen. Ja, und die Choreos kurz vor Beginn des Spiels:
die große Flagge auf der Haupttribüne und dann die Herzchen für Jena, erst
rot (WTF?!) und dann blau-gelb-weiß mit Feuer.
Beeindruckend(!) - dachten
sich wohl auch die Spieler des FCC, die sich in der ersten Minute
anscheinend auf alles andere drumherum konzentrierten, nur
nicht auf's Spiel. Der Anstoß des FCC wurde abgefangen, ein steiler Pass in
die Spitze, Abschluss von der Strafraumkante ins linke untere Eck, und nach
gefühlten drei Sekunden stand es Null-zu-Eins.
Braucht es wirklich nur ein Gegentor in der ersten Minute, um das in den
letzten Wochen vielgerühmte Wahnsinns-Jenaer Publikum komplett ruhigzustellen?
Offensichtlich. Nur die Südkurve zuckte noch in den ersten zehn Minuten,
in denen Jena sichtlich geschockt wirkte und nichts auf die Reihe kriegte.
Die Unaussprechlichen waren auch nicht wirklich gefährlich, und so plätscherte
es dahin bis zur 14. Minute, als Amirante kurz vor dem Strafraum gelegt
wurde. Ziegner trat an und schlenzte den Ball an die Querlatte... was für ein
Pech! Wenigstens war der FCC in dieser Phase gleichwertig und kam über das
Kurzpassspiel und gewonnene 1:1-Situationen auch mehrmals schnell bis
zum Strafraum der anderen. Irgendwie schienen sie aber den Ball heute
reintragen zu wollen: immer noch ein Abspiel oder Dribbling mehr aus aussichtsreicher
Position, aus der man auch einfach mal hätte draufhauen können und
müssen. Jenaer Verunsicherung wurde merklich. Je weiter die erste Halbzeit
voranschritt, desto mehr unforcierte Fehler schlichen sich in das Jenaer
Spiel ein. Kurz vor der Halbzeit verschätzte sich dann auch noch Nulle bei
einem Eckball und es stand 0:2. Auf den Tribünen machte sich Ratlosigkeit breit
- war das wirklich die gleiche Mannschaft, die bislang so begeisternden
Fußball gespielt hatte?
Es konnte nur besser werden und es wurde - bitterer. Da hatte der FCC
gleich nach der Pause eine gute Kopfballchance (der Ball landete auf dem
Tornetz), doch in der 54. Minute kam eine Bogenlampe in den Jenaer Strafraum
hereingesegelt, die ewig in der Luft war und trotzdem nach Direktabnahme
im Jenaer Tor landete. Wenn der Torschütze demnächst im Training versucht,
dieses Tor nachzustellen, wird er von 100 Versuchen wahrscheinlich 99 nicht
treffen...aber im Spiel ging er halt rein, und damit war die Luft vollständig raus.
Was danach passierte, war haarsträubend.
Es ist nicht unüblich, dass Mannschaften sich bei einem Rückstand von 0:3
nach 55 Minuten mitunter hängenlassen (wobei meine ganz persönliche Meinung
dazu ist, dass das dann auch keine Mannschaft ist). Aber dass so absolut gar
nichts mehr ging, dass einfachste Bälle zum Gegner gespielt, wirklich sinnlose
Dribblings angesetzt und Laufwege einfach abgebrochen wurden, macht
nachdenklich. Die erste Chance für den FCC gab es erst wieder in der 71.
(Hähnge vergibt aussichtsreich), dann nochmal eine kleine in der 75. Auf
der Gegenseite konnten wir uns bei Nulle bedanken, dass es am Ende nicht 0:5
stand - und zwar nicht, weil der Landeshauptstadtclub überragenden Fußball
gespielt hätte.
Einen "positiven" Aspekt hat die Sache am Ende doch noch: Dieses ganze
Geklapse mit angekündigtem Moonwalk, "Wir steigen auf"-Gesängen und 100:0-Fahnen
gehört erst mal wieder der Vergangenheit an. Die Chance besteht, dass die
Jenaer Spieler am Sonntag begriffen haben, dass sich Spiele gegen Mannschaften,
die unten stehen, nicht von selbst gewinnen. <ragnar>
Derby-Fotos von Jens Weißenburger
Bericht auf der Erfurter Homepage
FC Erzgebirge Aue - FC Carl Zeiss Jena 0:0
- Aue: Männel; Klingbeil, le Beau, Paulus, Schaffrath;
Cimen (68. Gambo), Stark, Müller (72. Klotz); Curri, Braham, Ramaj (90.
Hiemer)
- Jena: Nulle; Sievers, Riemer, Petersen, Sträßer;
Nagy, Truckenbrod, Ziegner, Orlando; Hähnge, Amirante (87. Eckardt)
- Zuschauer: 11.400
- Schiedsrichter: Dr. Fleischer (Sigmertshausen)
- Spielbericht
- 5:1, 5:0, 5:0. In den vergangenen drei Jahren ist der FCC im
Erzgebirgsstadion regelrecht vermöbelt worden. Bekanntlich hat der
Optimist keine Ahnung von den freudigen Überraschungen, die ein
Pessimist erlebt. Trotzdem fuhren wir diesmal mit einem besseren Gefühl
nach Aue und weigerten uns von vornherein, an eine Fortsetzung dieser schwarzen
Serie zu glauben. Dafür hatte die neue Jenaer Mannschaft in den ersten
Wochen der noch jungen Saison schon zu viel an Potential offenbart.
Entgegen seiner Ankündigung hatte René van Eck im
Vergleich zum letzten Spiel eine Änderung vorgenommen. Rene Eckardt
blieb trotz ansprechender Leistung gegen Bayerns Zweite erst mal wieder auf der
Bank, wohingegen Sebastian Hähnge zu seiner Premiere in der Startelf
kam. Waren es die besseren Trainingsleistungen, die dafür den
Ausschlag gaben ? Fürchtet van Eck, den Youngster zu schnell zu
verheizen ? Oder will er Jenas Offensivtaktik ein Stück weit
unberechenbarer für die Ligakonkurrenz gestalten ? Wie auch immer -
Smeekes, der am liebsten nur Orlando genannt werden möchte, rückte
aus dem Zentrum auf die Außenposition. Von da, nur in der anderen Hälfte,
kamen auch die meisten Bälle in den ersten zwanzig Minuten. Eckball um
Eckball holten die Gastgeber während ihrer Anfangssoffensive heraus.
Den ersten richtigen Torschuss gabs dennoch von einem Jenaer. Salvarore
Amirante prüfte Martin Männel nach achtzehn Minuten. Darüber
hinaus tat sich allerdings vor der Pause nicht viel an Offensivgeschehen
seitens der Thüringer. Dazu fehlte es im Mittelfeld an einem
Gestalter, der die Bälle verteilte oder einfach mal länger in
den eigenen Reihen hielt. Hähnge und Amirante hatten es schwer mit
ihren Gegenspielern. Und Orlando ? Zeigte auf rechtsaußen mehrmals
technische Kabinettstückchen, doch in echte Torgefahr mündeten
die meist nicht, sodass sich die Umstellung alles in allem nicht bezahlt
machte. Ein einziges Mal brachte er vor der Pause nach energischem Sprint eine
Eingabe vors Tor, doch die fing Männel vor dem einschussbereiten
Amirante weg.
Erfreulich hingegen, dass Jenas Viererkette auch ohne Lanzaat
lange Zeit nichts zuließ. Da konnten Curri und Ramaj rochieren, wie
sie wollten - sowohl Sievers wie auch Sträßer ließen
sie nicht zu Entfaltung kommen. Auch die 7:0 Ecken der Veilchen in Hälfte
eins bereiteten Nulle und seinen Vorderleuten keine Probleme. Lediglich in den
letzten drei Minuten vor dem Pausenpfiff schlich sich kurzzeitig mal etwas
Sorglosigkeit ins Jenaer Abwehrzentrum. Denn dass ausgerechnet der Kleinste auf
dem Platz, Skerdilaid Curri, nur um wenige Zentimeter an einem Kopfballtor
vorbeischrammt, darf eigentlich nicht
passieren. Und was war in Minute 44 los ? Bei Müllers Heber in den
Strafraum rannten gleich zwei Weiße mit Ramaj mit, wodurch sich
Braham zentral in 13 Metern
Torentfernung seelenruhig auf seinen Torschuss vorbereiten konnte. Doch vergeht
kein Spiel ohne eine Heldentat von Carsten Nulle ! Jenas Keeper entschärfte
Brahams Schuss mit toller Reaktion. Der Halbzeitpfiff kam den Jenaern nicht
ungelegen.
Mit Beginn der zweiten Hälfte hatte sich Jenas
Hintermannschaft wieder formiert. Aue zunächst wieder leicht feldüberlegen,
ohne groß zu Tormöglichkeiten zu gelangen. Ramajs Schlenzer
Richtung Dreiangel fing Nulle noch in dessen Steigphase (57.). Die optische Überlegenheit
auf Seiten der Gastgeber verschwand dann nach etwa einer Stunde Spielzeit. Erst
jetzt fiel auf, dass mit Kos auch bei den Erzgebirglern der Abwehrchef fehlte
und deren Hintermannschaft nicht unüberwindbar ist. Als Orlando seinen
Gegenspieler ins Leere rutschen ließ, die flache Hereingabe nur
unkontrolliert nach vorn abgewehrt werden konnte, kam Jens Truckenbrod aus fünfzehn
Metern zum Torschuss. Wie gern hätten wir DEN ankommen sehen ! Doch
Paulus warf sich hinein, bescherte Jena damit nach 61 Minuten wenigstens noch
die erste Ecke, welche aber wie generell alle Standards an diesem Tag nichts
einbrachte. Die hohen Temperaturen sollten in der Schlussphase bei beiden
Mannschaften ihren Tribut fordern. Das Wort Sommerfußball machte nun
die Runde. Van Eck schien dennoch nicht unzufrieden,
tätigte seinen ersten Wechsel erst drei Minuten vor
Schluss und dies aus Verletzungsgründen. Dass auch Trainerkollege
Schmitt in der 90. Minuten noch einen neuen Mann auflaufen ließ, lässt
den Schluss zu, dass mit dem unentschiedenen Spielausgang am Ende alle recht
zufrieden waren. Die Gastgeber hatten dem Spitzenreiter einen Punkt abgerungen,
der FCC bereitete seiner schwarzen Serie im Erzgebirgsstadion endlich ein Ende.
Zwar ist die Tabellenführung damit schon wieder
passé, doch ist der FC Carl Zeiss Jena auch nach dem Auer Auswärtsspiel noch ungeschlagen in dieser Saison.
Und das ist schließlich auch schon etwas wert. <fc>
FC Carl Zeiss Jena - FC Bayern München II 6:0
Tore: 1:0 Eckardt (8.), 2:0 Smeekes (28.), 3:0 Amirante (48.), 4:0 Amirante (62.), 5:0 Amirante (64.), 6:0 Amirante (76.)
- Jena: Nulle; Sievers, Riemer, Lanzaat (23. Petersen),
Sträßer; Nagy, Truckenbrod, Ziegner, Eckardt; Smeekes (68.
Hähnge), Amirante (77. Benyamina)
- München: Kraft; Schütz, Lell
(
, 38.), Saba (56. Kopplin), Contento;
Erb, Rieß, Görlitz, Schürf (53. Yilmaz); Sikorski, Sene (43. Duhnke)
- Zuschauer: 8346
- Schiedsrichter: Gorniak (Bremen)
- Spielbericht
- Vor dem Spiel bestimmten noch Sorgen die Gedanken der
meisten Zuschauer, an die sich nach dem Spiel kaum noch jemand erinnerte. Wie
wird die Mannschaft die befürchteten Ausfälle von Carsten Sträßer
und Ralf Schmidt verkraften können? Wie kommt der FCC mit den
bundesligaerfahrenen Christian Lell und Andreas Görlitz zurecht? Wird
die zweite Garde des großen FC Bayern am dritten Spieltag ihr
zweifellos vorhandenes Potential zeigen, nachdem man eher schwach in die Saison
gestartet war?
Zumindest einer der Fragen löst sich noch vor dem
Anpfiff in Wohlgefallen auf, denn Carsten Sträßer stand in
der Startformation. Der Abwehrspieler ist mitverantwortlich für den
derzeitigen Erfolg des FCC und wird von vielen aufgrund seiner in der letzten
Saison oft gut versteckten Souveränität mit einem
Augenzwinkern als "Neuzugang" bezeichnet, entsprechend groß war die
Erleichterung bei der Lektüre seines Namens in der Startaufstellung. Die
Elf des gut in die Saison gestarteten FCC begann das Spiel auch gleich druckvoll
und schon die ersten Minuten ließen keinen Zweifel daran aufkommen,
wer heute der Herr im Haus sein wollte. Die erste Ecke des Spiels erhielten
trotzdem die Bayern, aber mehr als ein schneller Gegenstoß über
den starken Sievers sprang dabei nicht heraus. Dieser Konter war es, den Timo
Nagy mit einem herrlichen Pass auf Salvatore Amirante fortsetzte. Der Italiener
stand plötzlich vor Kraft im Tor des FCB und wollte den Ball in der
langen Ecke unterbringen, hatte dabei aber die Reflexe des Schlussmanns der
Bayern unterschätzt. Festhalten konnte er den scharfen Schuss aus
kurzer Distanz allerdings nicht, der mitgelaufene René Eckardt schaltete am
Schnellsten und konnte den Ball unbedrängt aus kurzer Distanz im Tor
unterbringen - 1:0 für den FCC nach nur acht Minuten! Die erfahrenen
Spieler der Bayern, namentlich Görlitz und Lell, sahen beim
vorhergehenden Zusammenspiel von Nagy und Amirante alles andere als gut aus und
verloren schon nach diesen wenigen Minuten einen Teil des von ihren Namen
ausgehenden Glanzes.
Die Gäste aus München zeigten sich aber
keineswegs geschockt vom frühen Rückstand, stattdessen bemühten
sie sich von nun an intensiv um den Ausgleich. Nur fünf Minuten nach
der Führung war es Carsten Nulle, der gegen den in dieser Phase
starken Sikorski klären musste. Der war nach einem Missverständnis
in der Jenaer Hintermannschaft plötzlich frei vor Nulle aufgetaucht
und scheiterte nur an der blitzschnellen Reaktion des auch heute sicheren Rückhalts.
Im Gegenzug hat Eckardt das 2:0 auf dem Fuß, nachdem er mit einem
herrlichen langen Ball von Nagy freigespielt wurde. Sein Ball geht aber leider
nicht nur an Torhüter Kraft vorbei, sondern auch am Tor. Für
die nächsten Minuten sollte dieser Gegenstoß das letzte
Lebenszeichen des FCC sein, von nun an drückten die Bayern. Dabei war
es immer wieder Marco Riemer, der in der Abwehr nicht überzeugen
konnte. In der 16. Minute profitiert er allein von der Fairness des Münchner
Stürmers Sikorski, der sich trotz leichtem Trikotzupfer aufrafft und
sich nicht fallen lässt, anderenfalls hätte man diese
Situation wohl als Notbremse werten müssen. So stand Sikorski zwar
allein vor dem Jenaer Gehäuse, aber dieses wurde ja von Carsten Nulle
bewacht - und dieser reagierte erneut glänzend. Auch wenn man sich
mittlerweile schon fast daran gewöhnt hat, mit Nulle einen extrem
sicheren Rückhalt zu haben - was dieser Mann Woche für Woche
für Bälle hält, ist aller Ehren wert. Völlig
zu Recht wurde "Wild Thing" auch vor dem Spiel als Spieler der letzten Saison
ausgezeichnet, denn ohne ihn hätte der FCC die Klasse wohl kaum
gehalten. Richtig ernste Mienen konnte man nur kurz darauf erblicken, denn
offenbar hatte sich Abwehrchef Quido Lanzaat ohne Fremdeinwirkung verletzt und
drängte auf seine Auswechslung, die nach 23 Spielminuten vollzogen
werden musste. Nicht wenige fürchteten nun den baldigen Ausgleich oder
zumindest massive Probleme mit den schnellen und ballsicheren Angreifern der
Bayern für die umgestellte Innenverteidigung. Genau in diese Phase des
größten Drucks der Bayern stürmt aber erneut
Orlando Smeekes hinein und spielte sich endgültig in die Herzen der
Fans. Nach einer kampfgeprägten Balleroberung des Hachinger Neuzugangs
Nagy hat Orlando nur noch Lell und das Tor vor sich. In seiner gewohnten,
unheimlich schnellen Art stürmt er auf Lell zu, schlägt noch
einen Haken und streichelt den Ball dann mit der Innenseite an den kurzen
Pfosten - von dem das Leder den erstrebenswertesten Weg wählt, nämlich
den ins Tor von Jenas Gegnern! Das 2:0 in der 28. Minuten fiel sprichwörtlich
genau zum richtigen Zeitpunkt, denn es setzte einen Schlussstrich unter eine
Phase gefährlicher Angriffe der Gäste, die immer wieder nur
vom Jenaer Schlussmann aufgehalten werden konnten. Auch in der Folge überforderte
der Mann von den niederländischen Antillen, der nun bereits vier Tore
in drei Spielen erzielt hat, seinen Gegenspieler Lell immer wieder mit seiner
Schnelligkeit. Zehn Minuten nach dem 2:0 wurde die Sprintstärke dem Münchner
endgültig zum Verhängnis, als ihn Orlando einmal mehr
regelrecht überlaufen konnte und von Lell nur noch per Foul zu stoppen
war. Da Lell zu diesem Zeitpunkt letzter Mann war und Smeekes freie Bahn aufs
Tor gehabt hätte, war die Entscheidung des unauffälligen
Schiedsrichters Gorniak durchaus nachvollziehbar - Rote Karte wegen Notbremse
und Freistoß für den FCC, denn der Bremer Unparteiische
hatte das Foul außerhalb des Strafraums gesehen. Auch wenn der
Freistoß und die folgenden Minuten vor der Halbzeit nichts
einbrachten, so hatte sich der FCC doch eine hervorragende Ausgangslage für
den zweiten Durchgang geschaffen. Doch trotz der Zwei-Tore-Führung und
der Jenaer Überzahl erwarteten viele eine spannende zweite Hälfte,
in der den Bayern im Falle eines schnellen Anschlusstreffers durchaus noch
Chancen eingeräumt wurden.
Derartige Sorgen und Ängste lösten sich
aber schon kurz nach dem Wiederanpfiff auf, denn die 8346 Zuschauer im Ernst
Abbe Sportfeld sahen einen FC Carl Zeiss Jena, der weiterhin mit voller
Konzentration zu Werke ging. Das aus der Führung und dem Spielverlauf
resultierende Selbstvertrauen sorgte außerdem dafür, dass
Flanken und Pässe scheinbar präziser ankamen und
leichtfertiger von der Hand gingen als in anderen Spielen. Nur drei Minuten
nach Wiederanpfiff war es dann auch schon so weit, dass auch die letzten
Zweifler vom Optimismus übermannt wurden, denn nach einer präzisen
Flanke des starken René Eckardt auf den Kopf von Salvatore Amirante dürfte
die Halbzeitansprache von Gästetrainer Mehmet Scholl bereits hinfällig
gewesen sein. Der Italiener stieg als einziger im Strafraum hoch zum Kopfball,
begleitet nur von den ungläubigen Blicken seines Gegenspielers. Der
musste mit ansehen, wie der wuchtige Kopfball unhaltbar für Kraft im
Netz landete und das Spiel faktisch entschieden war. Anders als nach dem 1:0
war nun auch ein gewisser Schockzustand bei den Bayern zu erkennen, die mit
einer derart druckvollen Offensive seitens der Jenaer offenbar nicht gerechnet
hatten. Nach einer guten Chance für den unauffälligen, aber
ebenfalls überzeugenden Truckenbrod in der 59. Minute war es nach
knapp über einer Stunde erneut Amirante, der einen Eckball von Nagy
per Kopf über die Linie bugsierte. Wieder fühlte sich keiner
der Bayern so richtig zuständig, erneut war gegen den starken Kopfball
aus kurzer Distanz nichts zu machen - 4:0 für den FC Carl Zeiss Jena!
Schon jetzt fragten sich einige, wann sie derartiges zuletzt erlebt hatten,
nicht ahnend, was die folgenden Minuten noch bringen würden. Der FCC
hatte nämlich noch lange nicht genug und spielte weiter attraktiven
Offensivfußball. Nur zwei Minuten später hatte sich Smeekes
auf links einmal mehr aller Gegenspieler entledigt und spielte dann einen
perfekten Pass in den Lauf des Doppeltorschützen Amirante, der den
Ball aus fünf Metern nur noch über die Linie schieben musste
und damit das 5:0 sowie seinen Hattrick vollendete! Nach 68 Spielminuten gönnt
Jena-Trainer René van Eck dem neuen Publikumsliebling und Torschützen
des Monats Orlando Smeekes nach einer weiteren starken Partie seinen verdienten
Applaus. Von stehenden Ovationen begleitet verlässt der Shooting-Star
den Platz, für ihn kommt Sebastian Hähnge. Der Eingewechselte
fügt sich sofort gut in das Spiel der Blau-Gelb-Weißen ein
und hat nur Minuten nach seiner Einwechslung das 6:0 auf dem Fuß, als
ihm Truckenbrod den Ball überlegt in den Lauf lupft. In dieser
Situation konnte sich allerdings zunächst der Münchner Torhüter
Kraft auszeichnen, als er den scharfen Schuss Hähnges pariert. Doch
das sollte am heutigen Tag nicht ausreichen, denn Hähnge setzt nach,
holt sich den Abpraller und flankt den Ball erneut butterweich auf den langen
Pfosten. Dort wartet, wie könnte es anders sein, Salvatore Amirante
und hat erneut keine Mühe, den Ball im Tor unterzubringen - 6:0 nach
76 Spielminuten, vier Tore von Amirante innerhalb von nicht einmal einer halben
Stunde, ungläubiges Staunen mischt sich in den unbändigen
Jubel im weiten Rund des Ernst Abbe Sportfelds.
Das halbe Dutzend war voll und die Jenaer Spieler ließen
es dabei bewenden, die folgenden fünfzehn Minuten waren mehr Schaulaufen
als ernsthafter Fußball und die Bayern hatten sich längst
mit der demütigenden Realität abgefunden. Gegenwehr wäre
bei diesem Spielstand ohnehin zwecklos gewesen und so konnten die leidgeprüften
Anhänger des FCC endlich mal wieder eine Schlussviertelstunde ohne
Angst vor späten Gegentoren oder in der Hoffnung auf ein dringend benötigtes
Jenaer Tor verbringen, stattdessen wurde der in dieser Form von niemandem
erwartete Sieg ausgiebig gefeiert. Neben dem Ergebnis gefiel vor allem die
Tatsache, dass neben dem beinahe unheimlich schnellen Orlando Smeekes auch die
beiden Außen Sievers und Nagy überzeugen konnten und Jena über
weite Strecken des Spiels sehr sehenswerten und dynamischen Offensivfußball
zeigte. Auch in Anbetracht eines bestimmten Ergebnisses vom Samstag bildete das
6:0 den perfekten Abschluss eines paradiesischen Wochenendes, das so schnell
keiner der anwesenden Jena-Fans wieder vergessen wird. Nun muss der neue
Spitzenreiter der Dritten Liga in Aue nachlegen bevor am kommenden Wochenende
ein ganz spezieller Gast im Ernst Abbe Sportfeld erwartet wird. Sollten Orlando
Smeekes & Co. auch dann wieder einen ähnlichen Auftritt wie in den
bisherigen Saisonspielen hinlegen, dürfte der Jubel selbst die
heutigen Freudenschreie noch einmal deutlich übertönen. Bis
es so weit sein kann, liegen aber noch zwei mal 90 Minuten vor der Mannschaft
von René van Eck - zumindest das nötige Selbstvertrauen für
die erfolgreiche Gestaltung der beiden Ostderbys sollte spätestens
nach dem heutigen Spiel vorhanden sein. <bh>
SV Sandhausen - FC Carl Zeiss Jena 2:2
Tore: 1:0 Schuon (9.), 1:1 Smeekes (19.), 1:2 Riemer (32.), 2:2 Pinto (90., FE)
- Sandhausen: Gurski; Bindnagel, Schuon, Eberlein, Mintzel; Pinto,
Hillenbrand, Jungwirth (66. Fischer), Schauerte (77. Hosiner); Ristic (23.
Öztürk, Dorn
- Jena: Nulle; Sträßer, Lanzaat, Riemer, R. Schmidt;
Sievers (60. Hähnge), Truckenbrod, Ziegner, Nagy; Smeekes (88.
Petersen), Amirante (81. Benyamina)
- Zuschauer: 3150
- Schiedsrichter: Kempter (Sauldorf)
- Spielbericht
- Gleiches
Ergebnis - unterschiedliche Gefühle. Wo vor zwei Monaten 3.500 verzückte
Zeissfans ob des Klassenerhalts den Sandhäuser Rasen stürmten, herrschte
diesmal betretenes Schweigen unter beachtlichen gut 500 mitgereisten
Blau-gelb-weißen. Die meisten unter ihnen wären vor dem Spiel wohl mit einem
Zähler zufrieden gewesen, doch nach diesem Spielverlauf musste man einfach
hadern. Mit einer späten und nicht nachvollziehbaren Spielentscheidung durch
Referee Kempter, und mit dem Auslassen unzähliger
Möglichkeiten zur Vorentscheidung durch die eigene Elf.
Dass
dieses Spiel ein ganz intensives werden sollte, deutete sich schon nach wenigen
Minuten an. Riemers und Smeekes' gefährlichen
Toraktionen folgte auf der Gegenseite nach 8 Minuten die Führung der Gastgeber.
Ralf Schmidt hatte einen unnötigen Eckball verursacht - nicht der einzige
Fehler des sich nach dem Wechsel steigernden Studenten in den ersten 45 Minuten
- und Sandhausens bulliger Neuzugang Schuon köpfte
das Leder kompromisslos wuchtig zur frühen Führung ins Netz. Und die Gastgeber
drängten weiter mit schön anzusehendem Kombinationsfußball, waren durch das nur
schwer zu bändigende bundesligaerfahrene Sturmduo Ristic/Dorn stets
kreuzgefährlich. Doch anders als im Mai behielt Jena die Ordnung und schlug
zurück. Sträßer und Sievers kämpften im Duett
Mintzel den Ball im eigenen Strafraum ab,
Sträßers weiter gefühlvoller Ball erreichte zur
Überraschung von Sandhausens Hintermannschaft Orlando Smeekes,
der dem verdutzten Gurski das Leder in die Maschen
servierte (19.). 1:1! Und Jena machte weiter. Nur zwei Minuten später die
nächste Riesenchance für den Holländer nach tollem Diagonalpass von Sievers,
doch der Hammer zischt knapp am Tor vorbei. Eine Minute drauf hatte Nagy dann
die Führung auf dem Fuß, als er eine schöne Kombination zu harmlos abschloss.
Jena war im Spiel, und bald begann auch der Tag des Marco Riemer freundlichere
Züge anzunehmen. Zunächst erlöste ihn die verletzungsbedingte Auswechslung
Ristics von diesem unangenehmen, einen Kopf größeren Gegenspieler. Dann durfte
sich der Apoldaer sogar in die Torschützenliste
eintragen, als er nach Amirantes artistischer
Fallrückziehervorlage aus Nahdistanz zur verdienten Führung nach 33 Minuten
abstaubte.
Von
Sandhausen kam bis zum Wechsel nichts mehr, und dennoch hatten 3.500 Zuschauer
ein packendes und völlig offen geführtes Spiel gesehen. Glaubten sie zumindest,
denn nach dem Pausentee ging es erst richtig los. Bindnagel eröffnete das
Offensivfestival mit einem Knallbonbon knapp am rechten Pfosten vorbei (48.).
Smeekes antwortete mit Zuckerpass auf Sievers, der sich
völlig freistehend vor Gurski den Ball etwas zu weit
vorlegte (49.). Minuten später zwei dicke Patzer von Riemer, die die Gastgeber
nicht zu nutzen verstehen. Jungwirth zieht nach 56 Minuten ab und zwingt Nulle
zu einer Glanzparade. Dann kommt Nagy über die rechte Seite, doch seine
Hereingabe auf den blank stehenden Amirante misslingt (59.). Es war eine der
wenigen Offensivaktionen Nagys, der sich nach vorn wenig zutraute. Ausgewechselt
wurde nach einer Stunde aber sein Flügel-Gegenüber Sievers, bei dem sich
gelungene Offensivakzente mit schlampigem Defensivverhalten abwechselten.
Sebastian Hähnge kam ins Spiel und legte Sekunden
später gleich gekonnt per Kopf auf Amirante auf, Gurski
klärt. Wiederum Sekunden später umkurvt Hähne den Sandhäuser Keeper, ist
eigentlich schon vorbei und der Ball gefühlt auf dem Weg ins Tor, doch
irgendwie kommt Gurski doch noch einmal ans Leder
(61.). Eine Minute darauf darf Smeekes die nächste
hundertprozentige Torchance versieben, allein rechts vor dem Kasten entscheidet
er sich gegen den Pass auf den mitlaufenden Amirante und für den Flachschuss,
den Gurski mit Fußbabwehr
pariert. Wahnsinn! Quasi im Gegenzug rettet Lanzaat
vor dem einschussbereiten Pinto (62.). 63. Minute, ein Schuss Sandhausens aus
dem Hinterhalt wird unfreiwillig von Hillenbrand abgefälscht und trudelt an den
Pfosten! Vier Minuten später dann wieder dann wieder Bindnagel mit
Volleyschuss, Nulle pariert.
Sandhausen ging nun noch mehr auf Risiko und
drückte die Thüringer, bei denen die ordnende Hand im Mittelfeld vermisst
wurde, mehr und mehr in die eigene Hälfte, in der sich Carsten
Sträßer mit einer tadellosen Leistung Bestnoten verdiente.
Einen Entlastungsangriff über die rechte Seite kann der bisweilen selbst
auffällig fallsüchtige Mintzel nur mittels einer
Mischung aus grobem und taktischem Foul an Smeekes an
der Torauslinie verhindern, ohne dafür den Karton zu sehen. In
Ziegners frechen Freistoß spritzt Amirante, und als der Ball
hinter dem Keeper die Torlinie entlang zischt, ist wieder einmal
Haareraufen im Gästeblock angesagt. Mehr noch als
Smeekes nach 80 Minuten die nächste Hundertprozentige
vergibt, allein vor Gurski diesen nicht überwinden
kann. So kam das, was kommen musste. Sandhausen verlegte sich auf das
Erarbeiten von Freistößen, von deren Berechtigung nur wenige im Gästeblock
überzeugt waren, und so stand Carsten Nulle mehr und mehr im Mittelpunkt,
rettete mehrmals großartig. Machtlos war er jedoch, als Robert
Kempter - wie Sandhausen in Baden-Württemberg beheimatet -
in der Schlussminute auf den Elfmeterpunkt zeigte, ein Foulspiel Riemers an
Dorn gesehen haben wollte. Roberto Pinto ließ sich das späte Geschenk nicht
entgehen und schickte die Zuschauer mit dem gleichen Ergebnis nach Hause wie
vor zwei Monaten.
Diesmal bleibt für den FCC zu konstatieren, zwei Zähler
verschenkt zu haben, und das in erster Linie wegen der sträflich ausgelassenen
Großchancen im zweiten Abschnitt. Auf der Leistung der Mannschaft aber darf aufgebaut
werden, und diesen positiven Eindruck nahm Jenas Anhang mit auf die 400
Kilometer lange Heimreise. <gunner>
FC Carl Zeiss Jena - SV Wehen Wiesbaden 2:1
Tore: 1:0 Smeekes (50.), 2:0 Smeekes (56.), 2:1 Bohl (74.)
- Jena: Nulle; Sträßer, Lanzaat, Riemer, R. Schmidt;
Sievers, Ziegner, Truckenbrod, Nagy (87. Petersen); Smeekes (90.+1
Eckardt), Amirante
- Wehen: Birkenbach; Hollmann, Barg, Glibo, Weigelt; Bohl, Reinert
(61. Ziegenbein), Hübner, Öztürk (72. Landeka); Boskovic,
Stroh-Engel (58. Ziemer)
- Zuschauer: 7713
- Schiedsrichter: Dr. Brych (München)
- Spielbericht
- Gemeinhin gilt es als Vorteil, gegen Absteiger aus der 2.
Bundesliga gleich am Anfang einer Saison antreten zu dürfen. Deren
personelle Fluktuation ist meist recht hoch, der neuformierte Kader muss sich
erst einspielen. Im Gegensatz zu den beiden anderen Absteigern blieb dem SV
Wehen aber die große Abgangswelle erspart. Und so versprach der 1.
Spieltag gleich eine Standortbestimmung für den FC Carl Zeiss zu
werden.
Erstmals seit 2003 durfte die Punktspielsaison mal wieder
mit einem Heimspiel eingeläutet werden. Wenn dabei trotz Aprilwetters
7713 Zuschauer ins Ernst-Abbe-Sportfeld kommen, zeugt das ungeachtet der
miserablen letzten Saison von einer deutlichen Erwartungshaltung. Sebastian Hähnge
saß mit auf der Tribüne. Schon einen Tag vor dem Match hatte seine linke
Wade zu zwicken begonnen, am Spieltag selbst war dann nicht einmal mehr ein
Kurzeinsatz möglich. Sollte es deshalb ein schnelles Revival der
Ein-Stürmer-Taktik von René van Eck geben ? Nein, denn der Rückkehrer
auf den Trainerstuhl beorderte Orlando Smeekes auf die zweite Angriffsposition.
Da Jan-André Sievers in die Startelf nachrückte, war diese mit allen fünf
Neuzugängen besetzt.
Verteiltes Spiel zu Beginn. Ein Kopfball im Anschluss an
Wehens zweite Ecke wurde am kurzen Pfosten abgefangen, den Spurt von Reinert in
den Strafraum stoppte Sträßer. Auf der anderen Seite war es
Salvatore Amirante, der mit einem Kopfball aus sechs Metern Birkenbach prüfte
und mit einem 19-Meter-Flachschuss knapp verzog.
All das waren Szenen aus den ersten 20 Minuten, danach
dominierten die Abwehrreihen und weitere nennenswerte Aktionen vor der Pause
blieben rar. Einzig Timo Nagy aus guter Schussposition in zwanzig Metern
Torentfernung forderte nach 35 Minuten noch einmal den Beifall heraus. So sehr
man sich über die stabile Viererkette mit dem neuen Abwehrchef Lanzaat
und dem wie ausgewechselt wirkenden Sträßer freuen durfte -
beim Offensivspiel blieb zunächst noch viel Luft nach oben.
Van Eck hatte seiner Mannschaft in der Kabine mehr Risiko
verordnet und diese setzte das gleich mit Wiederanpfiff um. Bälle, die
während der ersten 45 Minuten noch als Querpass gespielt worden waren,
flogen nun steil ins Angriffszentrum. Es war Salvatore Amirante, der von der
Mittellinie aus seinen Sturmpartner Orlando Smeekes mit einem Diagonalpass auf
die Reise schickte. Diese Reise führte um einen Gegenspieler herum,
zwischen zwei Verteidigern hindurch direkt zu Torhüter Birkenbach, an
dem vorbei Smeekes das Leder ins lange Eck schob. 1:0 - Zeit für den
ersten Torjubel der neuen Saison mit einem Flickflack, wie man ihn im
Ernst-Abbe-Sportfeld so wohl noch nie gesehen hat. Miroslav Kloses berühmte
Überschläge in der Nationalmannschaft wirken geradezu
armselig gegen jene eines Orlando
Smeekes beim FC Carl Zeiss Jena ! Auch wenn dessen artistische Brillanz nicht
von ungefähr kommt, war er in seiner Jugend doch dreimal holländischer
Meister im Turn-Mehrkampf, bevor er sich für die fußballerische
Laufbahn entschied. Eine gute Entscheidung, wie uns nur sechs Minuten später
ein weiteres Mal klar werden sollte. Da trat Smeekes in 35 Metern Torentfernung
zum Freistoß an. Für eine direkte Ausführung noch
viel zu weit vom Kasten entfernt, dachten die meisten. Doch der Nationalspieler der
niederländischen Antillen schoss direkt durch die Drei-Mann-Mauer der
Wehener hindurch ins linke untere Eck. Welch ein (P)fund !
Während wir Beobachter noch ganz fasziniert waren
von den gleichsam schönen und doch auf so unterschiedliche Weise
zustande gekommenen Treffern unseres Orlando, setzten die Gäste mit
dem Mute der Verzweiflung zur Aufholjagd an. Diese hatten sie in der
Vorbereitung bereits gegen Koblenz und Saarbrücken mit Erfolg
praktiziert. Boskovic mit Schuss ans Außennetz sowie die frisch
eingewechselten Ziemer und Ziegenbein zeigten an, dass dieses Mahl mit
den zwei Toren noch lange nicht gegessen war. Und tatsächlich, in der
74. Spielminute traf Bohl unhaltbar per Kopf zum Anschlusstreffer. Eine
Viertelstunde war danach noch zu spielen. 15 Minuten, die besonders der aus
Kaiserlautern gekommene Marcel Ziemer mit mehreren Chancen zur Zitterpartie für
alle Blau-Gelb-Weißen werden ließ. Bei Ziemers
Aufsetzerkopfball sechs Minuten vor Schluss rührte selbst Geburtskind
Carsten Nulle (Glückwunsch zum 34. !) keinen Finger mehr - doch das
Leder klatschte nur an die Werbebande hinter dem Tor. In der 89. kam Nulle an
einen Eckball nicht heran, dafür stand Sträßer
goldrichtig und konnte an der Torraumgrenze per Kopf klären. Mit
tollen Einzelaktionen hatte einer aus der Mannschaft den Vorsprung heraus geschossen
- alle elf zusammen sorgten nun dafür, dass aus ihm drei Punkte wurden.
Auch wenn in der letzten halben Stunde das Geschehen etwas
aus der Hand gegeben worden war - mit dem Sieg gegen Wehen hat die neue Jenaer
Mannschaft schon mal einen ersten Fingerzeig erhalten, dass auch gegen
Staffelfavoriten etwas gehen kann. Orlando Smeekes, der in seiner Freizeit auch
noch Thai-Boxen betreibt, will übrigens trotz seiner Erfolgserlebnisse
im Sturm so schnell wie möglich auf die Außenbahn zurück.
Nur da kann er seine Sprintschnelligkeit mit (wie man hört) 11,3
Sekunden über 100 Meter und die Stärken im eins gegen eins
voll zur Geltung bringen. Scheint so, als könnten wir uns auf die
Saison mit ihm freuen. <fc>
Fotos von Jens Weißenburger
Spielbericht auf svwehen-wiesbaden.de
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Genau das tat Jenas Elf in der Anfangsphase. Da Salvatore
Amirante nach seiner Rot-Sperre für mindestens vier Spiele von der
Bildfläche verschwunden sein wird, teilten sich die beiden Holländer
Orlando und Holwijn von außen kommend in die Rolle des zweiten Stürmers
hinein. Wobei Melvin Holwijn in seinem ersten Match von Anbeginn wesentlich mehr
auffiel. Selbst zwei Gegenspieler vermochten ihn nach fünf Minuten
nicht zu stoppen, zumindest nicht mit fairen Mitteln. Erst als Holwijn wie
nichts zwischen ihnen hindurch geschlüpft war, holte ihn der düpierte
Krük von den Beinen. Freistoß also von der rechten
Strafraumseite, lang auf die andere Seite geschlagen zu Wuttke, dieser sofort
zurück auf den vorm Tor stehenden Hähnge. Zeit zu überlegen
hatte Sebastian nicht, zwei Meter vor dem Kasten inmitten einer lila
Spielertraube handelt man sowieso besser instinktiv - wenn dann aber der Ball
Osnabrücks Keeper Tino Berbig mitten ins Gesicht fliegt, ist das
einfach nur riesengroßes Pech. Doch Jena blieb am Drücker.
Gerade mal zehn Minuten waren gespielt, als ein sichtlich
motivierter Sebastian Hähnge
diesmal von der rechten Seite kommend durchzog. Berbig verkürzte den
Winkel, Hähnge legte deshalb auf den zentral stehenden Truckenbrod ab,
doch schoss dieser aus sieben Metern weit über das leere VfL-Gehäuse.
Dies freilich war mit Pech nicht mehr zu erklären, muss doch auch von
einem defensiven Mittelfeldspieler erwartet werden dürfen, beim unbedrängten
Torschuss nicht in starke Rückenlage zu verfallen.
Ein Führungstreffer
wäre der gerechte Lohn für ansehnlichen Kombinationsfußball
in der ersten Viertelstunde gewesen. Außer einer Einzelleistung von
Jenas Ex-Kapitän Niels Hansen hatten die Gastgeber bis zu diesem
Zeitpunkt noch nichts zustande gebracht, unter anderem weil sich Tim Wuttke auf
der ungewohnten Innenverteidiger-Position gut in Jenas Viererkette einfügte.
Doch dann brach Minute 21 an. Siegert legte für Björn Lindemann
auf und der hatte als erster VfL-Spieler in diesem Match mal richtig Platz am
gegnerischen Sechzehner. Wie er den nutzte - mit einem Sonntagsschuss ins
Dreiangel - war zweifellos sehenswert. Die Führung ansich aber äußerst
glücklich. Erst jetzt kamen die Niedersachsen besser ins Spiel. Nachdem sich zwei Jenaer
gegenseitig angeschossen hatten (29.), drohte für Carsten Nulle ebenso
Gefahr wie beim Freistoß zehn Minuten später, den der Torhüter
aber auf Nummer sicher gehend über die Latte lenkte. Seinem Gegenüber
Tino Berbig, der selbst mal in Jena zwischen den Pfosten gestanden hatte und
hierher noch familäre Bindungen hat, misslang in der 40. Minute bei
einsetzendem Gewitterregen ein Abschlag, sodass Hähnge den Ball mit
einem Heber postwendend zurück brachte. Leider nur aufs Tornetz. Als
sich einige schon auf den Pausentee zu freuen schienen, gabs den ersten
erfolgreichen Antritt von Orlando. Bei dessen Eingabe von der linken Seite kam
Hähnge einen Schritt zu spät. Oder ließ er den Ball
absichtlich für Holwijn durch ? Möglich wäre es,
denn der Neuzugang hatte freie Bahn, nur -
was machte er daraus ? Halb Ballannahme, halb Torschuss, nichts von
beiden richtig, und so beförderte der Nationalspieler das Leder weit
am Pfosten vorbei ins Toraus. Zwei, drei dicke Torchancen teils kläglich
vergeben zu haben war der einzige Vorwurf, den man der Zeiss-Elf beim Gang in
die Kabinen machen konnte.
Die erste Aktion nach Wiederanpfiff war nahezu eine Kopie
der letzten Szene vor der Pause. Wieder ging Orlando auf der linken Seite auf
und davon, wieder kam Hähnge in der Mitte einen Schritt zu spät.
Nur dass diesmal kein Holwijn daneben stand. Auf der anderen Seite köpfte
Nickenig aufs Tornetz (48.). So wie sich das Spiel danach entwickelte, war
absehbar, dass es nicht bei dem einen Treffer in dieser Partie bleiben würde.
Beide Mannschaften schenkten sich nichts, noch aber fand niemand die Lücke.
Die Emotionen im Spiel übertragen sich sogar auf die Ersatzleute
hinter dem Tor. Als Sträßer bei einer Abwehraktion gehalten
wurde und somit nicht in der Lage war, den Eckball zu verhindern,
regte sich André Schmidt berechtigterweise über
den Schiri-Assistenten auf, der das Foul eigentlich hätte sehen müssen.
Die Konsequenz war die Gelbe Karte für einen Spieler, der in dieser
Saison noch nicht eine Punktspielminute in der ersten Mannschaft verbracht hat
(58.). Besagte Ecke beschwörte übrigens Gefahr durch
Reichenbergers Kopfball herauf, den Nulle wegfaustete.
Osnabrücks Stürmer-Oldie
drehte nun richtig auf. War beim Schuss in Minute 62 abermals bei Carsten Nulle
Endstation, sorgte Thomas Reichenberger schon zwei Minuten später für
die Spielentscheidung, indem er aus sieben Metern zum 2:0 traf. Ein Tor,
das Carsten Sträßer auf seine Kappe nehmen muss, vertändelte
er doch das Leder im eigenen Strafraum ohne Not gegen Hansen, der dann
Reichenberger ins Spiel brachte. Zwar hatte eine Jenaer Mannschaft schon einmal
im Osnabrücker Stadion das Kunststück fertig gebracht, aus
einem 0:2 noch ein Remis werden zu lassen - doch die Körpersprache
nach dem zweiten Gegentreffer zeigte an, dass sich das diesmal nicht
wiederholen würde. Weshalb ein über 70 Minuten recht intensiv
geführtes Spiel die verbleibende Zeit gemächlich austrudeln
durfte.
Die Art und Weise, wie diese Niederlage zustande kam, war eine ganz andere als eine Woche zuvor. Kein Vergleich mit dem fast hergeschenkten Derby. Und doch gerät die Mannschaft nach einem Punkt und null Treffern aus den letzten drei Partien in Zugzwang. Schon im nächsten Spiel muss der Schalter wieder umgelegt werden, soll eine weitere Spielzeit in den Tabellenregionen der Vorsaison vermieden werden. <fc>
- Jena: Nulle; Sievers, Riemer (46.Petersen), Lukimya,
Sträßer; Nagy (46. Hähnge), Truckenbrod, Ziegner, Eckardt
(68. Holwijn); Smeekes, Amirante (
, 59.)
- Erfurt: Orlishausen; Malura (

, 59.), Pohl, Möckel,
Ströhl; Cinaz, Rockenbach da Silva, Stenzel, Hauswald (84. Pinske); Semmer (64. Peßolat),
Kammlott (78. Cannizzaro)
- Zuschauer: 11.200
- Schiedsrichter: Leicher (Landshut)
- Spielbericht
- Erfurt: Orlishausen; Malura (
- Ein paar Worte vorweg, zu den wenigen positiven Aspekten dieses Spiels:
Endlich,endlich, endlich hat es der Verein einmal geschafft, die Stadiontore mit
ausreichend Leuten zu besetzen, um einen flüssigen Einlass zu gewährleisten.
Man mag sich gar nicht ausmalen, wieviele frustrierte Zuschauer des FCC in
den letzten Monaten nicht wieder gekommen sind - nur weil der Verein die paar
Euro sparen wollte, die zusätzliche Einlasskräfte kosten? Bitte lasst es
keine Derby-Eintagsfliege sein...
Eine zweite gute Nachricht: Das Stadion war nahezu ausverkauft, nur die Gäste hatten zu Hause irgendwie kleine Probleme mit dem Kartenverteilen. Ja, und die Choreos kurz vor Beginn des Spiels: die große Flagge auf der Haupttribüne und dann die Herzchen für Jena, erst rot (WTF?!) und dann blau-gelb-weiß mit Feuer.Beeindruckend(!) - dachten sich wohl auch die Spieler des FCC, die sich in der ersten Minute anscheinend auf alles andere drumherum konzentrierten, nur nicht auf's Spiel. Der Anstoß des FCC wurde abgefangen, ein steiler Pass in die Spitze, Abschluss von der Strafraumkante ins linke untere Eck, und nach gefühlten drei Sekunden stand es Null-zu-Eins. Braucht es wirklich nur ein Gegentor in der ersten Minute, um das in den letzten Wochen vielgerühmte Wahnsinns-Jenaer Publikum komplett ruhigzustellen?
Offensichtlich. Nur die Südkurve zuckte noch in den ersten zehn Minuten, in denen Jena sichtlich geschockt wirkte und nichts auf die Reihe kriegte. Die Unaussprechlichen waren auch nicht wirklich gefährlich, und so plätscherte es dahin bis zur 14. Minute, als Amirante kurz vor dem Strafraum gelegt wurde. Ziegner trat an und schlenzte den Ball an die Querlatte... was für ein Pech! Wenigstens war der FCC in dieser Phase gleichwertig und kam über das Kurzpassspiel und gewonnene 1:1-Situationen auch mehrmals schnell bis zum Strafraum der anderen. Irgendwie schienen sie aber den Ball heute reintragen zu wollen: immer noch ein Abspiel oder Dribbling mehr aus aussichtsreicher Position, aus der man auch einfach mal hätte draufhauen können und müssen. Jenaer Verunsicherung wurde merklich. Je weiter die erste Halbzeit voranschritt, desto mehr unforcierte Fehler schlichen sich in das Jenaer Spiel ein. Kurz vor der Halbzeit verschätzte sich dann auch noch Nulle bei einem Eckball und es stand 0:2. Auf den Tribünen machte sich Ratlosigkeit breit - war das wirklich die gleiche Mannschaft, die bislang so begeisternden Fußball gespielt hatte?Es konnte nur besser werden und es wurde - bitterer. Da hatte der FCC gleich nach der Pause eine gute Kopfballchance (der Ball landete auf dem Tornetz), doch in der 54. Minute kam eine Bogenlampe in den Jenaer Strafraum hereingesegelt, die ewig in der Luft war und trotzdem nach Direktabnahme im Jenaer Tor landete. Wenn der Torschütze demnächst im Training versucht, dieses Tor nachzustellen, wird er von 100 Versuchen wahrscheinlich 99 nicht treffen...aber im Spiel ging er halt rein, und damit war die Luft vollständig raus. Was danach passierte, war haarsträubend. Es ist nicht unüblich, dass Mannschaften sich bei einem Rückstand von 0:3 nach 55 Minuten mitunter hängenlassen (wobei meine ganz persönliche Meinung dazu ist, dass das dann auch keine Mannschaft ist). Aber dass so absolut gar nichts mehr ging, dass einfachste Bälle zum Gegner gespielt, wirklich sinnlose Dribblings angesetzt und Laufwege einfach abgebrochen wurden, macht nachdenklich. Die erste Chance für den FCC gab es erst wieder in der 71. (Hähnge vergibt aussichtsreich), dann nochmal eine kleine in der 75. Auf der Gegenseite konnten wir uns bei Nulle bedanken, dass es am Ende nicht 0:5 stand - und zwar nicht, weil der Landeshauptstadtclub überragenden Fußball gespielt hätte.
Einen "positiven" Aspekt hat die Sache am Ende doch noch: Dieses ganze Geklapse mit angekündigtem Moonwalk, "Wir steigen auf"-Gesängen und 100:0-Fahnen gehört erst mal wieder der Vergangenheit an. Die Chance besteht, dass die Jenaer Spieler am Sonntag begriffen haben, dass sich Spiele gegen Mannschaften, die unten stehen, nicht von selbst gewinnen. <ragnar>
Derby-Fotos von Jens Weißenburger
Bericht auf der Erfurter Homepage
FC Erzgebirge Aue - FC Carl Zeiss Jena 0:0
- Aue: Männel; Klingbeil, le Beau, Paulus, Schaffrath;
Cimen (68. Gambo), Stark, Müller (72. Klotz); Curri, Braham, Ramaj (90.
Hiemer)
- Jena: Nulle; Sievers, Riemer, Petersen, Sträßer;
Nagy, Truckenbrod, Ziegner, Orlando; Hähnge, Amirante (87. Eckardt)
- Zuschauer: 11.400
- Schiedsrichter: Dr. Fleischer (Sigmertshausen)
- Spielbericht
- 5:1, 5:0, 5:0. In den vergangenen drei Jahren ist der FCC im
Erzgebirgsstadion regelrecht vermöbelt worden. Bekanntlich hat der
Optimist keine Ahnung von den freudigen Überraschungen, die ein
Pessimist erlebt. Trotzdem fuhren wir diesmal mit einem besseren Gefühl
nach Aue und weigerten uns von vornherein, an eine Fortsetzung dieser schwarzen
Serie zu glauben. Dafür hatte die neue Jenaer Mannschaft in den ersten
Wochen der noch jungen Saison schon zu viel an Potential offenbart.
Entgegen seiner Ankündigung hatte René van Eck im
Vergleich zum letzten Spiel eine Änderung vorgenommen. Rene Eckardt
blieb trotz ansprechender Leistung gegen Bayerns Zweite erst mal wieder auf der
Bank, wohingegen Sebastian Hähnge zu seiner Premiere in der Startelf
kam. Waren es die besseren Trainingsleistungen, die dafür den
Ausschlag gaben ? Fürchtet van Eck, den Youngster zu schnell zu
verheizen ? Oder will er Jenas Offensivtaktik ein Stück weit
unberechenbarer für die Ligakonkurrenz gestalten ? Wie auch immer -
Smeekes, der am liebsten nur Orlando genannt werden möchte, rückte
aus dem Zentrum auf die Außenposition. Von da, nur in der anderen Hälfte,
kamen auch die meisten Bälle in den ersten zwanzig Minuten. Eckball um
Eckball holten die Gastgeber während ihrer Anfangssoffensive heraus.
Den ersten richtigen Torschuss gabs dennoch von einem Jenaer. Salvarore
Amirante prüfte Martin Männel nach achtzehn Minuten. Darüber
hinaus tat sich allerdings vor der Pause nicht viel an Offensivgeschehen
seitens der Thüringer. Dazu fehlte es im Mittelfeld an einem
Gestalter, der die Bälle verteilte oder einfach mal länger in
den eigenen Reihen hielt. Hähnge und Amirante hatten es schwer mit
ihren Gegenspielern. Und Orlando ? Zeigte auf rechtsaußen mehrmals
technische Kabinettstückchen, doch in echte Torgefahr mündeten
die meist nicht, sodass sich die Umstellung alles in allem nicht bezahlt
machte. Ein einziges Mal brachte er vor der Pause nach energischem Sprint eine
Eingabe vors Tor, doch die fing Männel vor dem einschussbereiten
Amirante weg.
Erfreulich hingegen, dass Jenas Viererkette auch ohne Lanzaat
lange Zeit nichts zuließ. Da konnten Curri und Ramaj rochieren, wie
sie wollten - sowohl Sievers wie auch Sträßer ließen
sie nicht zu Entfaltung kommen. Auch die 7:0 Ecken der Veilchen in Hälfte
eins bereiteten Nulle und seinen Vorderleuten keine Probleme. Lediglich in den
letzten drei Minuten vor dem Pausenpfiff schlich sich kurzzeitig mal etwas
Sorglosigkeit ins Jenaer Abwehrzentrum. Denn dass ausgerechnet der Kleinste auf
dem Platz, Skerdilaid Curri, nur um wenige Zentimeter an einem Kopfballtor
vorbeischrammt, darf eigentlich nicht
passieren. Und was war in Minute 44 los ? Bei Müllers Heber in den
Strafraum rannten gleich zwei Weiße mit Ramaj mit, wodurch sich
Braham zentral in 13 Metern
Torentfernung seelenruhig auf seinen Torschuss vorbereiten konnte. Doch vergeht
kein Spiel ohne eine Heldentat von Carsten Nulle ! Jenas Keeper entschärfte
Brahams Schuss mit toller Reaktion. Der Halbzeitpfiff kam den Jenaern nicht
ungelegen.
Mit Beginn der zweiten Hälfte hatte sich Jenas
Hintermannschaft wieder formiert. Aue zunächst wieder leicht feldüberlegen,
ohne groß zu Tormöglichkeiten zu gelangen. Ramajs Schlenzer
Richtung Dreiangel fing Nulle noch in dessen Steigphase (57.). Die optische Überlegenheit
auf Seiten der Gastgeber verschwand dann nach etwa einer Stunde Spielzeit. Erst
jetzt fiel auf, dass mit Kos auch bei den Erzgebirglern der Abwehrchef fehlte
und deren Hintermannschaft nicht unüberwindbar ist. Als Orlando seinen
Gegenspieler ins Leere rutschen ließ, die flache Hereingabe nur
unkontrolliert nach vorn abgewehrt werden konnte, kam Jens Truckenbrod aus fünfzehn
Metern zum Torschuss. Wie gern hätten wir DEN ankommen sehen ! Doch
Paulus warf sich hinein, bescherte Jena damit nach 61 Minuten wenigstens noch
die erste Ecke, welche aber wie generell alle Standards an diesem Tag nichts
einbrachte. Die hohen Temperaturen sollten in der Schlussphase bei beiden
Mannschaften ihren Tribut fordern. Das Wort Sommerfußball machte nun
die Runde. Van Eck schien dennoch nicht unzufrieden,
tätigte seinen ersten Wechsel erst drei Minuten vor
Schluss und dies aus Verletzungsgründen. Dass auch Trainerkollege
Schmitt in der 90. Minuten noch einen neuen Mann auflaufen ließ, lässt
den Schluss zu, dass mit dem unentschiedenen Spielausgang am Ende alle recht
zufrieden waren. Die Gastgeber hatten dem Spitzenreiter einen Punkt abgerungen,
der FCC bereitete seiner schwarzen Serie im Erzgebirgsstadion endlich ein Ende.
Zwar ist die Tabellenführung damit schon wieder
passé, doch ist der FC Carl Zeiss Jena auch nach dem Auer Auswärtsspiel noch ungeschlagen in dieser Saison.
Und das ist schließlich auch schon etwas wert. <fc>
FC Carl Zeiss Jena - FC Bayern München II 6:0
Tore: 1:0 Eckardt (8.), 2:0 Smeekes (28.), 3:0 Amirante (48.), 4:0 Amirante (62.), 5:0 Amirante (64.), 6:0 Amirante (76.)
- Jena: Nulle; Sievers, Riemer, Lanzaat (23. Petersen),
Sträßer; Nagy, Truckenbrod, Ziegner, Eckardt; Smeekes (68.
Hähnge), Amirante (77. Benyamina)
- München: Kraft; Schütz, Lell
(
, 38.), Saba (56. Kopplin), Contento;
Erb, Rieß, Görlitz, Schürf (53. Yilmaz); Sikorski, Sene (43. Duhnke)
- Zuschauer: 8346
- Schiedsrichter: Gorniak (Bremen)
- Spielbericht
- Vor dem Spiel bestimmten noch Sorgen die Gedanken der
meisten Zuschauer, an die sich nach dem Spiel kaum noch jemand erinnerte. Wie
wird die Mannschaft die befürchteten Ausfälle von Carsten Sträßer
und Ralf Schmidt verkraften können? Wie kommt der FCC mit den
bundesligaerfahrenen Christian Lell und Andreas Görlitz zurecht? Wird
die zweite Garde des großen FC Bayern am dritten Spieltag ihr
zweifellos vorhandenes Potential zeigen, nachdem man eher schwach in die Saison
gestartet war?
Zumindest einer der Fragen löst sich noch vor dem
Anpfiff in Wohlgefallen auf, denn Carsten Sträßer stand in
der Startformation. Der Abwehrspieler ist mitverantwortlich für den
derzeitigen Erfolg des FCC und wird von vielen aufgrund seiner in der letzten
Saison oft gut versteckten Souveränität mit einem
Augenzwinkern als "Neuzugang" bezeichnet, entsprechend groß war die
Erleichterung bei der Lektüre seines Namens in der Startaufstellung. Die
Elf des gut in die Saison gestarteten FCC begann das Spiel auch gleich druckvoll
und schon die ersten Minuten ließen keinen Zweifel daran aufkommen,
wer heute der Herr im Haus sein wollte. Die erste Ecke des Spiels erhielten
trotzdem die Bayern, aber mehr als ein schneller Gegenstoß über
den starken Sievers sprang dabei nicht heraus. Dieser Konter war es, den Timo
Nagy mit einem herrlichen Pass auf Salvatore Amirante fortsetzte. Der Italiener
stand plötzlich vor Kraft im Tor des FCB und wollte den Ball in der
langen Ecke unterbringen, hatte dabei aber die Reflexe des Schlussmanns der
Bayern unterschätzt. Festhalten konnte er den scharfen Schuss aus
kurzer Distanz allerdings nicht, der mitgelaufene René Eckardt schaltete am
Schnellsten und konnte den Ball unbedrängt aus kurzer Distanz im Tor
unterbringen - 1:0 für den FCC nach nur acht Minuten! Die erfahrenen
Spieler der Bayern, namentlich Görlitz und Lell, sahen beim
vorhergehenden Zusammenspiel von Nagy und Amirante alles andere als gut aus und
verloren schon nach diesen wenigen Minuten einen Teil des von ihren Namen
ausgehenden Glanzes.
Die Gäste aus München zeigten sich aber
keineswegs geschockt vom frühen Rückstand, stattdessen bemühten
sie sich von nun an intensiv um den Ausgleich. Nur fünf Minuten nach
der Führung war es Carsten Nulle, der gegen den in dieser Phase
starken Sikorski klären musste. Der war nach einem Missverständnis
in der Jenaer Hintermannschaft plötzlich frei vor Nulle aufgetaucht
und scheiterte nur an der blitzschnellen Reaktion des auch heute sicheren Rückhalts.
Im Gegenzug hat Eckardt das 2:0 auf dem Fuß, nachdem er mit einem
herrlichen langen Ball von Nagy freigespielt wurde. Sein Ball geht aber leider
nicht nur an Torhüter Kraft vorbei, sondern auch am Tor. Für
die nächsten Minuten sollte dieser Gegenstoß das letzte
Lebenszeichen des FCC sein, von nun an drückten die Bayern. Dabei war
es immer wieder Marco Riemer, der in der Abwehr nicht überzeugen
konnte. In der 16. Minute profitiert er allein von der Fairness des Münchner
Stürmers Sikorski, der sich trotz leichtem Trikotzupfer aufrafft und
sich nicht fallen lässt, anderenfalls hätte man diese
Situation wohl als Notbremse werten müssen. So stand Sikorski zwar
allein vor dem Jenaer Gehäuse, aber dieses wurde ja von Carsten Nulle
bewacht - und dieser reagierte erneut glänzend. Auch wenn man sich
mittlerweile schon fast daran gewöhnt hat, mit Nulle einen extrem
sicheren Rückhalt zu haben - was dieser Mann Woche für Woche
für Bälle hält, ist aller Ehren wert. Völlig
zu Recht wurde "Wild Thing" auch vor dem Spiel als Spieler der letzten Saison
ausgezeichnet, denn ohne ihn hätte der FCC die Klasse wohl kaum
gehalten. Richtig ernste Mienen konnte man nur kurz darauf erblicken, denn
offenbar hatte sich Abwehrchef Quido Lanzaat ohne Fremdeinwirkung verletzt und
drängte auf seine Auswechslung, die nach 23 Spielminuten vollzogen
werden musste. Nicht wenige fürchteten nun den baldigen Ausgleich oder
zumindest massive Probleme mit den schnellen und ballsicheren Angreifern der
Bayern für die umgestellte Innenverteidigung. Genau in diese Phase des
größten Drucks der Bayern stürmt aber erneut
Orlando Smeekes hinein und spielte sich endgültig in die Herzen der
Fans. Nach einer kampfgeprägten Balleroberung des Hachinger Neuzugangs
Nagy hat Orlando nur noch Lell und das Tor vor sich. In seiner gewohnten,
unheimlich schnellen Art stürmt er auf Lell zu, schlägt noch
einen Haken und streichelt den Ball dann mit der Innenseite an den kurzen
Pfosten - von dem das Leder den erstrebenswertesten Weg wählt, nämlich
den ins Tor von Jenas Gegnern! Das 2:0 in der 28. Minuten fiel sprichwörtlich
genau zum richtigen Zeitpunkt, denn es setzte einen Schlussstrich unter eine
Phase gefährlicher Angriffe der Gäste, die immer wieder nur
vom Jenaer Schlussmann aufgehalten werden konnten. Auch in der Folge überforderte
der Mann von den niederländischen Antillen, der nun bereits vier Tore
in drei Spielen erzielt hat, seinen Gegenspieler Lell immer wieder mit seiner
Schnelligkeit. Zehn Minuten nach dem 2:0 wurde die Sprintstärke dem Münchner
endgültig zum Verhängnis, als ihn Orlando einmal mehr
regelrecht überlaufen konnte und von Lell nur noch per Foul zu stoppen
war. Da Lell zu diesem Zeitpunkt letzter Mann war und Smeekes freie Bahn aufs
Tor gehabt hätte, war die Entscheidung des unauffälligen
Schiedsrichters Gorniak durchaus nachvollziehbar - Rote Karte wegen Notbremse
und Freistoß für den FCC, denn der Bremer Unparteiische
hatte das Foul außerhalb des Strafraums gesehen. Auch wenn der
Freistoß und die folgenden Minuten vor der Halbzeit nichts
einbrachten, so hatte sich der FCC doch eine hervorragende Ausgangslage für
den zweiten Durchgang geschaffen. Doch trotz der Zwei-Tore-Führung und
der Jenaer Überzahl erwarteten viele eine spannende zweite Hälfte,
in der den Bayern im Falle eines schnellen Anschlusstreffers durchaus noch
Chancen eingeräumt wurden.
Derartige Sorgen und Ängste lösten sich
aber schon kurz nach dem Wiederanpfiff auf, denn die 8346 Zuschauer im Ernst
Abbe Sportfeld sahen einen FC Carl Zeiss Jena, der weiterhin mit voller
Konzentration zu Werke ging. Das aus der Führung und dem Spielverlauf
resultierende Selbstvertrauen sorgte außerdem dafür, dass
Flanken und Pässe scheinbar präziser ankamen und
leichtfertiger von der Hand gingen als in anderen Spielen. Nur drei Minuten
nach Wiederanpfiff war es dann auch schon so weit, dass auch die letzten
Zweifler vom Optimismus übermannt wurden, denn nach einer präzisen
Flanke des starken René Eckardt auf den Kopf von Salvatore Amirante dürfte
die Halbzeitansprache von Gästetrainer Mehmet Scholl bereits hinfällig
gewesen sein. Der Italiener stieg als einziger im Strafraum hoch zum Kopfball,
begleitet nur von den ungläubigen Blicken seines Gegenspielers. Der
musste mit ansehen, wie der wuchtige Kopfball unhaltbar für Kraft im
Netz landete und das Spiel faktisch entschieden war. Anders als nach dem 1:0
war nun auch ein gewisser Schockzustand bei den Bayern zu erkennen, die mit
einer derart druckvollen Offensive seitens der Jenaer offenbar nicht gerechnet
hatten. Nach einer guten Chance für den unauffälligen, aber
ebenfalls überzeugenden Truckenbrod in der 59. Minute war es nach
knapp über einer Stunde erneut Amirante, der einen Eckball von Nagy
per Kopf über die Linie bugsierte. Wieder fühlte sich keiner
der Bayern so richtig zuständig, erneut war gegen den starken Kopfball
aus kurzer Distanz nichts zu machen - 4:0 für den FC Carl Zeiss Jena!
Schon jetzt fragten sich einige, wann sie derartiges zuletzt erlebt hatten,
nicht ahnend, was die folgenden Minuten noch bringen würden. Der FCC
hatte nämlich noch lange nicht genug und spielte weiter attraktiven
Offensivfußball. Nur zwei Minuten später hatte sich Smeekes
auf links einmal mehr aller Gegenspieler entledigt und spielte dann einen
perfekten Pass in den Lauf des Doppeltorschützen Amirante, der den
Ball aus fünf Metern nur noch über die Linie schieben musste
und damit das 5:0 sowie seinen Hattrick vollendete! Nach 68 Spielminuten gönnt
Jena-Trainer René van Eck dem neuen Publikumsliebling und Torschützen
des Monats Orlando Smeekes nach einer weiteren starken Partie seinen verdienten
Applaus. Von stehenden Ovationen begleitet verlässt der Shooting-Star
den Platz, für ihn kommt Sebastian Hähnge. Der Eingewechselte
fügt sich sofort gut in das Spiel der Blau-Gelb-Weißen ein
und hat nur Minuten nach seiner Einwechslung das 6:0 auf dem Fuß, als
ihm Truckenbrod den Ball überlegt in den Lauf lupft. In dieser
Situation konnte sich allerdings zunächst der Münchner Torhüter
Kraft auszeichnen, als er den scharfen Schuss Hähnges pariert. Doch
das sollte am heutigen Tag nicht ausreichen, denn Hähnge setzt nach,
holt sich den Abpraller und flankt den Ball erneut butterweich auf den langen
Pfosten. Dort wartet, wie könnte es anders sein, Salvatore Amirante
und hat erneut keine Mühe, den Ball im Tor unterzubringen - 6:0 nach
76 Spielminuten, vier Tore von Amirante innerhalb von nicht einmal einer halben
Stunde, ungläubiges Staunen mischt sich in den unbändigen
Jubel im weiten Rund des Ernst Abbe Sportfelds.
Das halbe Dutzend war voll und die Jenaer Spieler ließen
es dabei bewenden, die folgenden fünfzehn Minuten waren mehr Schaulaufen
als ernsthafter Fußball und die Bayern hatten sich längst
mit der demütigenden Realität abgefunden. Gegenwehr wäre
bei diesem Spielstand ohnehin zwecklos gewesen und so konnten die leidgeprüften
Anhänger des FCC endlich mal wieder eine Schlussviertelstunde ohne
Angst vor späten Gegentoren oder in der Hoffnung auf ein dringend benötigtes
Jenaer Tor verbringen, stattdessen wurde der in dieser Form von niemandem
erwartete Sieg ausgiebig gefeiert. Neben dem Ergebnis gefiel vor allem die
Tatsache, dass neben dem beinahe unheimlich schnellen Orlando Smeekes auch die
beiden Außen Sievers und Nagy überzeugen konnten und Jena über
weite Strecken des Spiels sehr sehenswerten und dynamischen Offensivfußball
zeigte. Auch in Anbetracht eines bestimmten Ergebnisses vom Samstag bildete das
6:0 den perfekten Abschluss eines paradiesischen Wochenendes, das so schnell
keiner der anwesenden Jena-Fans wieder vergessen wird. Nun muss der neue
Spitzenreiter der Dritten Liga in Aue nachlegen bevor am kommenden Wochenende
ein ganz spezieller Gast im Ernst Abbe Sportfeld erwartet wird. Sollten Orlando
Smeekes & Co. auch dann wieder einen ähnlichen Auftritt wie in den
bisherigen Saisonspielen hinlegen, dürfte der Jubel selbst die
heutigen Freudenschreie noch einmal deutlich übertönen. Bis
es so weit sein kann, liegen aber noch zwei mal 90 Minuten vor der Mannschaft
von René van Eck - zumindest das nötige Selbstvertrauen für
die erfolgreiche Gestaltung der beiden Ostderbys sollte spätestens
nach dem heutigen Spiel vorhanden sein. <bh>
SV Sandhausen - FC Carl Zeiss Jena 2:2
Tore: 1:0 Schuon (9.), 1:1 Smeekes (19.), 1:2 Riemer (32.), 2:2 Pinto (90., FE)
- Sandhausen: Gurski; Bindnagel, Schuon, Eberlein, Mintzel; Pinto,
Hillenbrand, Jungwirth (66. Fischer), Schauerte (77. Hosiner); Ristic (23.
Öztürk, Dorn
- Jena: Nulle; Sträßer, Lanzaat, Riemer, R. Schmidt;
Sievers (60. Hähnge), Truckenbrod, Ziegner, Nagy; Smeekes (88.
Petersen), Amirante (81. Benyamina)
- Zuschauer: 3150
- Schiedsrichter: Kempter (Sauldorf)
- Spielbericht
- Gleiches
Ergebnis - unterschiedliche Gefühle. Wo vor zwei Monaten 3.500 verzückte
Zeissfans ob des Klassenerhalts den Sandhäuser Rasen stürmten, herrschte
diesmal betretenes Schweigen unter beachtlichen gut 500 mitgereisten
Blau-gelb-weißen. Die meisten unter ihnen wären vor dem Spiel wohl mit einem
Zähler zufrieden gewesen, doch nach diesem Spielverlauf musste man einfach
hadern. Mit einer späten und nicht nachvollziehbaren Spielentscheidung durch
Referee Kempter, und mit dem Auslassen unzähliger
Möglichkeiten zur Vorentscheidung durch die eigene Elf.
Dass
dieses Spiel ein ganz intensives werden sollte, deutete sich schon nach wenigen
Minuten an. Riemers und Smeekes' gefährlichen
Toraktionen folgte auf der Gegenseite nach 8 Minuten die Führung der Gastgeber.
Ralf Schmidt hatte einen unnötigen Eckball verursacht - nicht der einzige
Fehler des sich nach dem Wechsel steigernden Studenten in den ersten 45 Minuten
- und Sandhausens bulliger Neuzugang Schuon köpfte
das Leder kompromisslos wuchtig zur frühen Führung ins Netz. Und die Gastgeber
drängten weiter mit schön anzusehendem Kombinationsfußball, waren durch das nur
schwer zu bändigende bundesligaerfahrene Sturmduo Ristic/Dorn stets
kreuzgefährlich. Doch anders als im Mai behielt Jena die Ordnung und schlug
zurück. Sträßer und Sievers kämpften im Duett
Mintzel den Ball im eigenen Strafraum ab,
Sträßers weiter gefühlvoller Ball erreichte zur
Überraschung von Sandhausens Hintermannschaft Orlando Smeekes,
der dem verdutzten Gurski das Leder in die Maschen
servierte (19.). 1:1! Und Jena machte weiter. Nur zwei Minuten später die
nächste Riesenchance für den Holländer nach tollem Diagonalpass von Sievers,
doch der Hammer zischt knapp am Tor vorbei. Eine Minute drauf hatte Nagy dann
die Führung auf dem Fuß, als er eine schöne Kombination zu harmlos abschloss.
Jena war im Spiel, und bald begann auch der Tag des Marco Riemer freundlichere
Züge anzunehmen. Zunächst erlöste ihn die verletzungsbedingte Auswechslung
Ristics von diesem unangenehmen, einen Kopf größeren Gegenspieler. Dann durfte
sich der Apoldaer sogar in die Torschützenliste
eintragen, als er nach Amirantes artistischer
Fallrückziehervorlage aus Nahdistanz zur verdienten Führung nach 33 Minuten
abstaubte.
Von
Sandhausen kam bis zum Wechsel nichts mehr, und dennoch hatten 3.500 Zuschauer
ein packendes und völlig offen geführtes Spiel gesehen. Glaubten sie zumindest,
denn nach dem Pausentee ging es erst richtig los. Bindnagel eröffnete das
Offensivfestival mit einem Knallbonbon knapp am rechten Pfosten vorbei (48.).
Smeekes antwortete mit Zuckerpass auf Sievers, der sich
völlig freistehend vor Gurski den Ball etwas zu weit
vorlegte (49.). Minuten später zwei dicke Patzer von Riemer, die die Gastgeber
nicht zu nutzen verstehen. Jungwirth zieht nach 56 Minuten ab und zwingt Nulle
zu einer Glanzparade. Dann kommt Nagy über die rechte Seite, doch seine
Hereingabe auf den blank stehenden Amirante misslingt (59.). Es war eine der
wenigen Offensivaktionen Nagys, der sich nach vorn wenig zutraute. Ausgewechselt
wurde nach einer Stunde aber sein Flügel-Gegenüber Sievers, bei dem sich
gelungene Offensivakzente mit schlampigem Defensivverhalten abwechselten.
Sebastian Hähnge kam ins Spiel und legte Sekunden
später gleich gekonnt per Kopf auf Amirante auf, Gurski
klärt. Wiederum Sekunden später umkurvt Hähne den Sandhäuser Keeper, ist
eigentlich schon vorbei und der Ball gefühlt auf dem Weg ins Tor, doch
irgendwie kommt Gurski doch noch einmal ans Leder
(61.). Eine Minute darauf darf Smeekes die nächste
hundertprozentige Torchance versieben, allein rechts vor dem Kasten entscheidet
er sich gegen den Pass auf den mitlaufenden Amirante und für den Flachschuss,
den Gurski mit Fußbabwehr
pariert. Wahnsinn! Quasi im Gegenzug rettet Lanzaat
vor dem einschussbereiten Pinto (62.). 63. Minute, ein Schuss Sandhausens aus
dem Hinterhalt wird unfreiwillig von Hillenbrand abgefälscht und trudelt an den
Pfosten! Vier Minuten später dann wieder dann wieder Bindnagel mit
Volleyschuss, Nulle pariert.
Sandhausen ging nun noch mehr auf Risiko und
drückte die Thüringer, bei denen die ordnende Hand im Mittelfeld vermisst
wurde, mehr und mehr in die eigene Hälfte, in der sich Carsten
Sträßer mit einer tadellosen Leistung Bestnoten verdiente.
Einen Entlastungsangriff über die rechte Seite kann der bisweilen selbst
auffällig fallsüchtige Mintzel nur mittels einer
Mischung aus grobem und taktischem Foul an Smeekes an
der Torauslinie verhindern, ohne dafür den Karton zu sehen. In
Ziegners frechen Freistoß spritzt Amirante, und als der Ball
hinter dem Keeper die Torlinie entlang zischt, ist wieder einmal
Haareraufen im Gästeblock angesagt. Mehr noch als
Smeekes nach 80 Minuten die nächste Hundertprozentige
vergibt, allein vor Gurski diesen nicht überwinden
kann. So kam das, was kommen musste. Sandhausen verlegte sich auf das
Erarbeiten von Freistößen, von deren Berechtigung nur wenige im Gästeblock
überzeugt waren, und so stand Carsten Nulle mehr und mehr im Mittelpunkt,
rettete mehrmals großartig. Machtlos war er jedoch, als Robert
Kempter - wie Sandhausen in Baden-Württemberg beheimatet -
in der Schlussminute auf den Elfmeterpunkt zeigte, ein Foulspiel Riemers an
Dorn gesehen haben wollte. Roberto Pinto ließ sich das späte Geschenk nicht
entgehen und schickte die Zuschauer mit dem gleichen Ergebnis nach Hause wie
vor zwei Monaten.
Diesmal bleibt für den FCC zu konstatieren, zwei Zähler
verschenkt zu haben, und das in erster Linie wegen der sträflich ausgelassenen
Großchancen im zweiten Abschnitt. Auf der Leistung der Mannschaft aber darf aufgebaut
werden, und diesen positiven Eindruck nahm Jenas Anhang mit auf die 400
Kilometer lange Heimreise. <gunner>
FC Carl Zeiss Jena - SV Wehen Wiesbaden 2:1
Tore: 1:0 Smeekes (50.), 2:0 Smeekes (56.), 2:1 Bohl (74.)
- Jena: Nulle; Sträßer, Lanzaat, Riemer, R. Schmidt;
Sievers, Ziegner, Truckenbrod, Nagy (87. Petersen); Smeekes (90.+1
Eckardt), Amirante
- Wehen: Birkenbach; Hollmann, Barg, Glibo, Weigelt; Bohl, Reinert
(61. Ziegenbein), Hübner, Öztürk (72. Landeka); Boskovic,
Stroh-Engel (58. Ziemer)
- Zuschauer: 7713
- Schiedsrichter: Dr. Brych (München)
- Spielbericht
- Gemeinhin gilt es als Vorteil, gegen Absteiger aus der 2.
Bundesliga gleich am Anfang einer Saison antreten zu dürfen. Deren
personelle Fluktuation ist meist recht hoch, der neuformierte Kader muss sich
erst einspielen. Im Gegensatz zu den beiden anderen Absteigern blieb dem SV
Wehen aber die große Abgangswelle erspart. Und so versprach der 1.
Spieltag gleich eine Standortbestimmung für den FC Carl Zeiss zu
werden.
Erstmals seit 2003 durfte die Punktspielsaison mal wieder
mit einem Heimspiel eingeläutet werden. Wenn dabei trotz Aprilwetters
7713 Zuschauer ins Ernst-Abbe-Sportfeld kommen, zeugt das ungeachtet der
miserablen letzten Saison von einer deutlichen Erwartungshaltung. Sebastian Hähnge
saß mit auf der Tribüne. Schon einen Tag vor dem Match hatte seine linke
Wade zu zwicken begonnen, am Spieltag selbst war dann nicht einmal mehr ein
Kurzeinsatz möglich. Sollte es deshalb ein schnelles Revival der
Ein-Stürmer-Taktik von René van Eck geben ? Nein, denn der Rückkehrer
auf den Trainerstuhl beorderte Orlando Smeekes auf die zweite Angriffsposition.
Da Jan-André Sievers in die Startelf nachrückte, war diese mit allen fünf
Neuzugängen besetzt.
Verteiltes Spiel zu Beginn. Ein Kopfball im Anschluss an
Wehens zweite Ecke wurde am kurzen Pfosten abgefangen, den Spurt von Reinert in
den Strafraum stoppte Sträßer. Auf der anderen Seite war es
Salvatore Amirante, der mit einem Kopfball aus sechs Metern Birkenbach prüfte
und mit einem 19-Meter-Flachschuss knapp verzog.
All das waren Szenen aus den ersten 20 Minuten, danach
dominierten die Abwehrreihen und weitere nennenswerte Aktionen vor der Pause
blieben rar. Einzig Timo Nagy aus guter Schussposition in zwanzig Metern
Torentfernung forderte nach 35 Minuten noch einmal den Beifall heraus. So sehr
man sich über die stabile Viererkette mit dem neuen Abwehrchef Lanzaat
und dem wie ausgewechselt wirkenden Sträßer freuen durfte -
beim Offensivspiel blieb zunächst noch viel Luft nach oben.
Van Eck hatte seiner Mannschaft in der Kabine mehr Risiko
verordnet und diese setzte das gleich mit Wiederanpfiff um. Bälle, die
während der ersten 45 Minuten noch als Querpass gespielt worden waren,
flogen nun steil ins Angriffszentrum. Es war Salvatore Amirante, der von der
Mittellinie aus seinen Sturmpartner Orlando Smeekes mit einem Diagonalpass auf
die Reise schickte. Diese Reise führte um einen Gegenspieler herum,
zwischen zwei Verteidigern hindurch direkt zu Torhüter Birkenbach, an
dem vorbei Smeekes das Leder ins lange Eck schob. 1:0 - Zeit für den
ersten Torjubel der neuen Saison mit einem Flickflack, wie man ihn im
Ernst-Abbe-Sportfeld so wohl noch nie gesehen hat. Miroslav Kloses berühmte
Überschläge in der Nationalmannschaft wirken geradezu
armselig gegen jene eines Orlando
Smeekes beim FC Carl Zeiss Jena ! Auch wenn dessen artistische Brillanz nicht
von ungefähr kommt, war er in seiner Jugend doch dreimal holländischer
Meister im Turn-Mehrkampf, bevor er sich für die fußballerische
Laufbahn entschied. Eine gute Entscheidung, wie uns nur sechs Minuten später
ein weiteres Mal klar werden sollte. Da trat Smeekes in 35 Metern Torentfernung
zum Freistoß an. Für eine direkte Ausführung noch
viel zu weit vom Kasten entfernt, dachten die meisten. Doch der Nationalspieler der
niederländischen Antillen schoss direkt durch die Drei-Mann-Mauer der
Wehener hindurch ins linke untere Eck. Welch ein (P)fund !
Während wir Beobachter noch ganz fasziniert waren
von den gleichsam schönen und doch auf so unterschiedliche Weise
zustande gekommenen Treffern unseres Orlando, setzten die Gäste mit
dem Mute der Verzweiflung zur Aufholjagd an. Diese hatten sie in der
Vorbereitung bereits gegen Koblenz und Saarbrücken mit Erfolg
praktiziert. Boskovic mit Schuss ans Außennetz sowie die frisch
eingewechselten Ziemer und Ziegenbein zeigten an, dass dieses Mahl mit
den zwei Toren noch lange nicht gegessen war. Und tatsächlich, in der
74. Spielminute traf Bohl unhaltbar per Kopf zum Anschlusstreffer. Eine
Viertelstunde war danach noch zu spielen. 15 Minuten, die besonders der aus
Kaiserlautern gekommene Marcel Ziemer mit mehreren Chancen zur Zitterpartie für
alle Blau-Gelb-Weißen werden ließ. Bei Ziemers
Aufsetzerkopfball sechs Minuten vor Schluss rührte selbst Geburtskind
Carsten Nulle (Glückwunsch zum 34. !) keinen Finger mehr - doch das
Leder klatschte nur an die Werbebande hinter dem Tor. In der 89. kam Nulle an
einen Eckball nicht heran, dafür stand Sträßer
goldrichtig und konnte an der Torraumgrenze per Kopf klären. Mit
tollen Einzelaktionen hatte einer aus der Mannschaft den Vorsprung heraus geschossen
- alle elf zusammen sorgten nun dafür, dass aus ihm drei Punkte wurden.
Auch wenn in der letzten halben Stunde das Geschehen etwas
aus der Hand gegeben worden war - mit dem Sieg gegen Wehen hat die neue Jenaer
Mannschaft schon mal einen ersten Fingerzeig erhalten, dass auch gegen
Staffelfavoriten etwas gehen kann. Orlando Smeekes, der in seiner Freizeit auch
noch Thai-Boxen betreibt, will übrigens trotz seiner Erfolgserlebnisse
im Sturm so schnell wie möglich auf die Außenbahn zurück.
Nur da kann er seine Sprintschnelligkeit mit (wie man hört) 11,3
Sekunden über 100 Meter und die Stärken im eins gegen eins
voll zur Geltung bringen. Scheint so, als könnten wir uns auf die
Saison mit ihm freuen. <fc>
Fotos von Jens Weißenburger
Spielbericht auf svwehen-wiesbaden.de
Entgegen seiner Ankündigung hatte René van Eck im
Vergleich zum letzten Spiel eine Änderung vorgenommen. Rene Eckardt
blieb trotz ansprechender Leistung gegen Bayerns Zweite erst mal wieder auf der
Bank, wohingegen Sebastian Hähnge zu seiner Premiere in der Startelf
kam. Waren es die besseren Trainingsleistungen, die dafür den
Ausschlag gaben ? Fürchtet van Eck, den Youngster zu schnell zu
verheizen ? Oder will er Jenas Offensivtaktik ein Stück weit
unberechenbarer für die Ligakonkurrenz gestalten ? Wie auch immer -
Smeekes, der am liebsten nur Orlando genannt werden möchte, rückte
aus dem Zentrum auf die Außenposition. Von da, nur in der anderen Hälfte,
kamen auch die meisten Bälle in den ersten zwanzig Minuten. Eckball um
Eckball holten die Gastgeber während ihrer Anfangssoffensive heraus.
Den ersten richtigen Torschuss gabs dennoch von einem Jenaer. Salvarore
Amirante prüfte Martin Männel nach achtzehn Minuten. Darüber
hinaus tat sich allerdings vor der Pause nicht viel an Offensivgeschehen
seitens der Thüringer. Dazu fehlte es im Mittelfeld an einem
Gestalter, der die Bälle verteilte oder einfach mal länger in
den eigenen Reihen hielt. Hähnge und Amirante hatten es schwer mit
ihren Gegenspielern. Und Orlando ? Zeigte auf rechtsaußen mehrmals
technische Kabinettstückchen, doch in echte Torgefahr mündeten
die meist nicht, sodass sich die Umstellung alles in allem nicht bezahlt
machte. Ein einziges Mal brachte er vor der Pause nach energischem Sprint eine
Eingabe vors Tor, doch die fing Männel vor dem einschussbereiten
Amirante weg.
Erfreulich hingegen, dass Jenas Viererkette auch ohne Lanzaat
lange Zeit nichts zuließ. Da konnten Curri und Ramaj rochieren, wie
sie wollten - sowohl Sievers wie auch Sträßer ließen
sie nicht zu Entfaltung kommen. Auch die 7:0 Ecken der Veilchen in Hälfte
eins bereiteten Nulle und seinen Vorderleuten keine Probleme. Lediglich in den
letzten drei Minuten vor dem Pausenpfiff schlich sich kurzzeitig mal etwas
Sorglosigkeit ins Jenaer Abwehrzentrum. Denn dass ausgerechnet der Kleinste auf
dem Platz, Skerdilaid Curri, nur um wenige Zentimeter an einem Kopfballtor
vorbeischrammt, darf eigentlich nicht
passieren. Und was war in Minute 44 los ? Bei Müllers Heber in den
Strafraum rannten gleich zwei Weiße mit Ramaj mit, wodurch sich
Braham zentral in 13 Metern
Torentfernung seelenruhig auf seinen Torschuss vorbereiten konnte. Doch vergeht
kein Spiel ohne eine Heldentat von Carsten Nulle ! Jenas Keeper entschärfte
Brahams Schuss mit toller Reaktion. Der Halbzeitpfiff kam den Jenaern nicht
ungelegen.
Mit Beginn der zweiten Hälfte hatte sich Jenas Hintermannschaft wieder formiert. Aue zunächst wieder leicht feldüberlegen, ohne groß zu Tormöglichkeiten zu gelangen. Ramajs Schlenzer Richtung Dreiangel fing Nulle noch in dessen Steigphase (57.). Die optische Überlegenheit auf Seiten der Gastgeber verschwand dann nach etwa einer Stunde Spielzeit. Erst jetzt fiel auf, dass mit Kos auch bei den Erzgebirglern der Abwehrchef fehlte und deren Hintermannschaft nicht unüberwindbar ist. Als Orlando seinen Gegenspieler ins Leere rutschen ließ, die flache Hereingabe nur unkontrolliert nach vorn abgewehrt werden konnte, kam Jens Truckenbrod aus fünfzehn Metern zum Torschuss. Wie gern hätten wir DEN ankommen sehen ! Doch Paulus warf sich hinein, bescherte Jena damit nach 61 Minuten wenigstens noch die erste Ecke, welche aber wie generell alle Standards an diesem Tag nichts einbrachte. Die hohen Temperaturen sollten in der Schlussphase bei beiden Mannschaften ihren Tribut fordern. Das Wort Sommerfußball machte nun die Runde. Van Eck schien dennoch nicht unzufrieden, tätigte seinen ersten Wechsel erst drei Minuten vor Schluss und dies aus Verletzungsgründen. Dass auch Trainerkollege Schmitt in der 90. Minuten noch einen neuen Mann auflaufen ließ, lässt den Schluss zu, dass mit dem unentschiedenen Spielausgang am Ende alle recht zufrieden waren. Die Gastgeber hatten dem Spitzenreiter einen Punkt abgerungen, der FCC bereitete seiner schwarzen Serie im Erzgebirgsstadion endlich ein Ende.
Zwar ist die Tabellenführung damit schon wieder passé, doch ist der FC Carl Zeiss Jena auch nach dem Auer Auswärtsspiel noch ungeschlagen in dieser Saison. Und das ist schließlich auch schon etwas wert. <fc>
- Jena: Nulle; Sievers, Riemer, Lanzaat (23. Petersen),
Sträßer; Nagy, Truckenbrod, Ziegner, Eckardt; Smeekes (68.
Hähnge), Amirante (77. Benyamina)
- München: Kraft; Schütz, Lell (
, 38.), Saba (56. Kopplin), Contento;
Erb, Rieß, Görlitz, Schürf (53. Yilmaz); Sikorski, Sene (43. Duhnke)
- Zuschauer: 8346
- Schiedsrichter: Gorniak (Bremen)
- Spielbericht
- München: Kraft; Schütz, Lell (
- Vor dem Spiel bestimmten noch Sorgen die Gedanken der
meisten Zuschauer, an die sich nach dem Spiel kaum noch jemand erinnerte. Wie
wird die Mannschaft die befürchteten Ausfälle von Carsten Sträßer
und Ralf Schmidt verkraften können? Wie kommt der FCC mit den
bundesligaerfahrenen Christian Lell und Andreas Görlitz zurecht? Wird
die zweite Garde des großen FC Bayern am dritten Spieltag ihr
zweifellos vorhandenes Potential zeigen, nachdem man eher schwach in die Saison
gestartet war?
Zumindest einer der Fragen löst sich noch vor dem Anpfiff in Wohlgefallen auf, denn Carsten Sträßer stand in der Startformation. Der Abwehrspieler ist mitverantwortlich für den derzeitigen Erfolg des FCC und wird von vielen aufgrund seiner in der letzten Saison oft gut versteckten Souveränität mit einem Augenzwinkern als "Neuzugang" bezeichnet, entsprechend groß war die Erleichterung bei der Lektüre seines Namens in der Startaufstellung. Die Elf des gut in die Saison gestarteten FCC begann das Spiel auch gleich druckvoll und schon die ersten Minuten ließen keinen Zweifel daran aufkommen, wer heute der Herr im Haus sein wollte. Die erste Ecke des Spiels erhielten trotzdem die Bayern, aber mehr als ein schneller Gegenstoß über den starken Sievers sprang dabei nicht heraus. Dieser Konter war es, den Timo Nagy mit einem herrlichen Pass auf Salvatore Amirante fortsetzte. Der Italiener stand plötzlich vor Kraft im Tor des FCB und wollte den Ball in der langen Ecke unterbringen, hatte dabei aber die Reflexe des Schlussmanns der Bayern unterschätzt. Festhalten konnte er den scharfen Schuss aus kurzer Distanz allerdings nicht, der mitgelaufene René Eckardt schaltete am Schnellsten und konnte den Ball unbedrängt aus kurzer Distanz im Tor unterbringen - 1:0 für den FCC nach nur acht Minuten! Die erfahrenen Spieler der Bayern, namentlich Görlitz und Lell, sahen beim vorhergehenden Zusammenspiel von Nagy und Amirante alles andere als gut aus und verloren schon nach diesen wenigen Minuten einen Teil des von ihren Namen ausgehenden Glanzes.
Die Gäste aus München zeigten sich aber keineswegs geschockt vom frühen Rückstand, stattdessen bemühten sie sich von nun an intensiv um den Ausgleich. Nur fünf Minuten nach der Führung war es Carsten Nulle, der gegen den in dieser Phase starken Sikorski klären musste. Der war nach einem Missverständnis in der Jenaer Hintermannschaft plötzlich frei vor Nulle aufgetaucht und scheiterte nur an der blitzschnellen Reaktion des auch heute sicheren Rückhalts. Im Gegenzug hat Eckardt das 2:0 auf dem Fuß, nachdem er mit einem herrlichen langen Ball von Nagy freigespielt wurde. Sein Ball geht aber leider nicht nur an Torhüter Kraft vorbei, sondern auch am Tor. Für die nächsten Minuten sollte dieser Gegenstoß das letzte Lebenszeichen des FCC sein, von nun an drückten die Bayern. Dabei war es immer wieder Marco Riemer, der in der Abwehr nicht überzeugen konnte. In der 16. Minute profitiert er allein von der Fairness des Münchner Stürmers Sikorski, der sich trotz leichtem Trikotzupfer aufrafft und sich nicht fallen lässt, anderenfalls hätte man diese Situation wohl als Notbremse werten müssen. So stand Sikorski zwar allein vor dem Jenaer Gehäuse, aber dieses wurde ja von Carsten Nulle bewacht - und dieser reagierte erneut glänzend. Auch wenn man sich mittlerweile schon fast daran gewöhnt hat, mit Nulle einen extrem sicheren Rückhalt zu haben - was dieser Mann Woche für Woche für Bälle hält, ist aller Ehren wert. Völlig zu Recht wurde "Wild Thing" auch vor dem Spiel als Spieler der letzten Saison ausgezeichnet, denn ohne ihn hätte der FCC die Klasse wohl kaum gehalten. Richtig ernste Mienen konnte man nur kurz darauf erblicken, denn offenbar hatte sich Abwehrchef Quido Lanzaat ohne Fremdeinwirkung verletzt und drängte auf seine Auswechslung, die nach 23 Spielminuten vollzogen werden musste. Nicht wenige fürchteten nun den baldigen Ausgleich oder zumindest massive Probleme mit den schnellen und ballsicheren Angreifern der Bayern für die umgestellte Innenverteidigung. Genau in diese Phase des größten Drucks der Bayern stürmt aber erneut Orlando Smeekes hinein und spielte sich endgültig in die Herzen der Fans. Nach einer kampfgeprägten Balleroberung des Hachinger Neuzugangs Nagy hat Orlando nur noch Lell und das Tor vor sich. In seiner gewohnten, unheimlich schnellen Art stürmt er auf Lell zu, schlägt noch einen Haken und streichelt den Ball dann mit der Innenseite an den kurzen Pfosten - von dem das Leder den erstrebenswertesten Weg wählt, nämlich den ins Tor von Jenas Gegnern! Das 2:0 in der 28. Minuten fiel sprichwörtlich genau zum richtigen Zeitpunkt, denn es setzte einen Schlussstrich unter eine Phase gefährlicher Angriffe der Gäste, die immer wieder nur vom Jenaer Schlussmann aufgehalten werden konnten. Auch in der Folge überforderte der Mann von den niederländischen Antillen, der nun bereits vier Tore in drei Spielen erzielt hat, seinen Gegenspieler Lell immer wieder mit seiner Schnelligkeit. Zehn Minuten nach dem 2:0 wurde die Sprintstärke dem Münchner endgültig zum Verhängnis, als ihn Orlando einmal mehr regelrecht überlaufen konnte und von Lell nur noch per Foul zu stoppen war. Da Lell zu diesem Zeitpunkt letzter Mann war und Smeekes freie Bahn aufs Tor gehabt hätte, war die Entscheidung des unauffälligen Schiedsrichters Gorniak durchaus nachvollziehbar - Rote Karte wegen Notbremse und Freistoß für den FCC, denn der Bremer Unparteiische hatte das Foul außerhalb des Strafraums gesehen. Auch wenn der Freistoß und die folgenden Minuten vor der Halbzeit nichts einbrachten, so hatte sich der FCC doch eine hervorragende Ausgangslage für den zweiten Durchgang geschaffen. Doch trotz der Zwei-Tore-Führung und der Jenaer Überzahl erwarteten viele eine spannende zweite Hälfte, in der den Bayern im Falle eines schnellen Anschlusstreffers durchaus noch Chancen eingeräumt wurden.Derartige Sorgen und Ängste lösten sich aber schon kurz nach dem Wiederanpfiff auf, denn die 8346 Zuschauer im Ernst Abbe Sportfeld sahen einen FC Carl Zeiss Jena, der weiterhin mit voller Konzentration zu Werke ging. Das aus der Führung und dem Spielverlauf resultierende Selbstvertrauen sorgte außerdem dafür, dass Flanken und Pässe scheinbar präziser ankamen und leichtfertiger von der Hand gingen als in anderen Spielen. Nur drei Minuten nach Wiederanpfiff war es dann auch schon so weit, dass auch die letzten Zweifler vom Optimismus übermannt wurden, denn nach einer präzisen Flanke des starken René Eckardt auf den Kopf von Salvatore Amirante dürfte die Halbzeitansprache von Gästetrainer Mehmet Scholl bereits hinfällig gewesen sein. Der Italiener stieg als einziger im Strafraum hoch zum Kopfball, begleitet nur von den ungläubigen Blicken seines Gegenspielers. Der musste mit ansehen, wie der wuchtige Kopfball unhaltbar für Kraft im Netz landete und das Spiel faktisch entschieden war. Anders als nach dem 1:0 war nun auch ein gewisser Schockzustand bei den Bayern zu erkennen, die mit einer derart druckvollen Offensive seitens der Jenaer offenbar nicht gerechnet hatten. Nach einer guten Chance für den unauffälligen, aber ebenfalls überzeugenden Truckenbrod in der 59. Minute war es nach knapp über einer Stunde erneut Amirante, der einen Eckball von Nagy per Kopf über die Linie bugsierte. Wieder fühlte sich keiner der Bayern so richtig zuständig, erneut war gegen den starken Kopfball aus kurzer Distanz nichts zu machen - 4:0 für den FC Carl Zeiss Jena! Schon jetzt fragten sich einige, wann sie derartiges zuletzt erlebt hatten, nicht ahnend, was die folgenden Minuten noch bringen würden. Der FCC hatte nämlich noch lange nicht genug und spielte weiter attraktiven Offensivfußball. Nur zwei Minuten später hatte sich Smeekes auf links einmal mehr aller Gegenspieler entledigt und spielte dann einen perfekten Pass in den Lauf des Doppeltorschützen Amirante, der den Ball aus fünf Metern nur noch über die Linie schieben musste und damit das 5:0 sowie seinen Hattrick vollendete! Nach 68 Spielminuten gönnt Jena-Trainer René van Eck dem neuen Publikumsliebling und Torschützen des Monats Orlando Smeekes nach einer weiteren starken Partie seinen verdienten Applaus. Von stehenden Ovationen begleitet verlässt der Shooting-Star den Platz, für ihn kommt Sebastian Hähnge. Der Eingewechselte fügt sich sofort gut in das Spiel der Blau-Gelb-Weißen ein und hat nur Minuten nach seiner Einwechslung das 6:0 auf dem Fuß, als ihm Truckenbrod den Ball überlegt in den Lauf lupft. In dieser Situation konnte sich allerdings zunächst der Münchner Torhüter Kraft auszeichnen, als er den scharfen Schuss Hähnges pariert. Doch das sollte am heutigen Tag nicht ausreichen, denn Hähnge setzt nach, holt sich den Abpraller und flankt den Ball erneut butterweich auf den langen Pfosten. Dort wartet, wie könnte es anders sein, Salvatore Amirante und hat erneut keine Mühe, den Ball im Tor unterzubringen - 6:0 nach 76 Spielminuten, vier Tore von Amirante innerhalb von nicht einmal einer halben Stunde, ungläubiges Staunen mischt sich in den unbändigen Jubel im weiten Rund des Ernst Abbe Sportfelds.
Das halbe Dutzend war voll und die Jenaer Spieler ließen es dabei bewenden, die folgenden fünfzehn Minuten waren mehr Schaulaufen als ernsthafter Fußball und die Bayern hatten sich längst mit der demütigenden Realität abgefunden. Gegenwehr wäre bei diesem Spielstand ohnehin zwecklos gewesen und so konnten die leidgeprüften Anhänger des FCC endlich mal wieder eine Schlussviertelstunde ohne Angst vor späten Gegentoren oder in der Hoffnung auf ein dringend benötigtes Jenaer Tor verbringen, stattdessen wurde der in dieser Form von niemandem erwartete Sieg ausgiebig gefeiert. Neben dem Ergebnis gefiel vor allem die Tatsache, dass neben dem beinahe unheimlich schnellen Orlando Smeekes auch die beiden Außen Sievers und Nagy überzeugen konnten und Jena über weite Strecken des Spiels sehr sehenswerten und dynamischen Offensivfußball zeigte. Auch in Anbetracht eines bestimmten Ergebnisses vom Samstag bildete das 6:0 den perfekten Abschluss eines paradiesischen Wochenendes, das so schnell keiner der anwesenden Jena-Fans wieder vergessen wird. Nun muss der neue Spitzenreiter der Dritten Liga in Aue nachlegen bevor am kommenden Wochenende ein ganz spezieller Gast im Ernst Abbe Sportfeld erwartet wird. Sollten Orlando Smeekes & Co. auch dann wieder einen ähnlichen Auftritt wie in den bisherigen Saisonspielen hinlegen, dürfte der Jubel selbst die heutigen Freudenschreie noch einmal deutlich übertönen. Bis es so weit sein kann, liegen aber noch zwei mal 90 Minuten vor der Mannschaft von René van Eck - zumindest das nötige Selbstvertrauen für die erfolgreiche Gestaltung der beiden Ostderbys sollte spätestens nach dem heutigen Spiel vorhanden sein. <bh>
SV Sandhausen - FC Carl Zeiss Jena 2:2
Tore: 1:0 Schuon (9.), 1:1 Smeekes (19.), 1:2 Riemer (32.), 2:2 Pinto (90., FE)
- Sandhausen: Gurski; Bindnagel, Schuon, Eberlein, Mintzel; Pinto,
Hillenbrand, Jungwirth (66. Fischer), Schauerte (77. Hosiner); Ristic (23.
Öztürk, Dorn
- Jena: Nulle; Sträßer, Lanzaat, Riemer, R. Schmidt;
Sievers (60. Hähnge), Truckenbrod, Ziegner, Nagy; Smeekes (88.
Petersen), Amirante (81. Benyamina)
- Zuschauer: 3150
- Schiedsrichter: Kempter (Sauldorf)
- Spielbericht
- Gleiches
Ergebnis - unterschiedliche Gefühle. Wo vor zwei Monaten 3.500 verzückte
Zeissfans ob des Klassenerhalts den Sandhäuser Rasen stürmten, herrschte
diesmal betretenes Schweigen unter beachtlichen gut 500 mitgereisten
Blau-gelb-weißen. Die meisten unter ihnen wären vor dem Spiel wohl mit einem
Zähler zufrieden gewesen, doch nach diesem Spielverlauf musste man einfach
hadern. Mit einer späten und nicht nachvollziehbaren Spielentscheidung durch
Referee Kempter, und mit dem Auslassen unzähliger
Möglichkeiten zur Vorentscheidung durch die eigene Elf.
Dass
dieses Spiel ein ganz intensives werden sollte, deutete sich schon nach wenigen
Minuten an. Riemers und Smeekes' gefährlichen
Toraktionen folgte auf der Gegenseite nach 8 Minuten die Führung der Gastgeber.
Ralf Schmidt hatte einen unnötigen Eckball verursacht - nicht der einzige
Fehler des sich nach dem Wechsel steigernden Studenten in den ersten 45 Minuten
- und Sandhausens bulliger Neuzugang Schuon köpfte
das Leder kompromisslos wuchtig zur frühen Führung ins Netz. Und die Gastgeber
drängten weiter mit schön anzusehendem Kombinationsfußball, waren durch das nur
schwer zu bändigende bundesligaerfahrene Sturmduo Ristic/Dorn stets
kreuzgefährlich. Doch anders als im Mai behielt Jena die Ordnung und schlug
zurück. Sträßer und Sievers kämpften im Duett
Mintzel den Ball im eigenen Strafraum ab,
Sträßers weiter gefühlvoller Ball erreichte zur
Überraschung von Sandhausens Hintermannschaft Orlando Smeekes,
der dem verdutzten Gurski das Leder in die Maschen
servierte (19.). 1:1! Und Jena machte weiter. Nur zwei Minuten später die
nächste Riesenchance für den Holländer nach tollem Diagonalpass von Sievers,
doch der Hammer zischt knapp am Tor vorbei. Eine Minute drauf hatte Nagy dann
die Führung auf dem Fuß, als er eine schöne Kombination zu harmlos abschloss.
Jena war im Spiel, und bald begann auch der Tag des Marco Riemer freundlichere
Züge anzunehmen. Zunächst erlöste ihn die verletzungsbedingte Auswechslung
Ristics von diesem unangenehmen, einen Kopf größeren Gegenspieler. Dann durfte
sich der Apoldaer sogar in die Torschützenliste
eintragen, als er nach Amirantes artistischer
Fallrückziehervorlage aus Nahdistanz zur verdienten Führung nach 33 Minuten
abstaubte.
Von
Sandhausen kam bis zum Wechsel nichts mehr, und dennoch hatten 3.500 Zuschauer
ein packendes und völlig offen geführtes Spiel gesehen. Glaubten sie zumindest,
denn nach dem Pausentee ging es erst richtig los. Bindnagel eröffnete das
Offensivfestival mit einem Knallbonbon knapp am rechten Pfosten vorbei (48.).
Smeekes antwortete mit Zuckerpass auf Sievers, der sich
völlig freistehend vor Gurski den Ball etwas zu weit
vorlegte (49.). Minuten später zwei dicke Patzer von Riemer, die die Gastgeber
nicht zu nutzen verstehen. Jungwirth zieht nach 56 Minuten ab und zwingt Nulle
zu einer Glanzparade. Dann kommt Nagy über die rechte Seite, doch seine
Hereingabe auf den blank stehenden Amirante misslingt (59.). Es war eine der
wenigen Offensivaktionen Nagys, der sich nach vorn wenig zutraute. Ausgewechselt
wurde nach einer Stunde aber sein Flügel-Gegenüber Sievers, bei dem sich
gelungene Offensivakzente mit schlampigem Defensivverhalten abwechselten.
Sebastian Hähnge kam ins Spiel und legte Sekunden
später gleich gekonnt per Kopf auf Amirante auf, Gurski
klärt. Wiederum Sekunden später umkurvt Hähne den Sandhäuser Keeper, ist
eigentlich schon vorbei und der Ball gefühlt auf dem Weg ins Tor, doch
irgendwie kommt Gurski doch noch einmal ans Leder
(61.). Eine Minute darauf darf Smeekes die nächste
hundertprozentige Torchance versieben, allein rechts vor dem Kasten entscheidet
er sich gegen den Pass auf den mitlaufenden Amirante und für den Flachschuss,
den Gurski mit Fußbabwehr
pariert. Wahnsinn! Quasi im Gegenzug rettet Lanzaat
vor dem einschussbereiten Pinto (62.). 63. Minute, ein Schuss Sandhausens aus
dem Hinterhalt wird unfreiwillig von Hillenbrand abgefälscht und trudelt an den
Pfosten! Vier Minuten später dann wieder dann wieder Bindnagel mit
Volleyschuss, Nulle pariert.
Sandhausen ging nun noch mehr auf Risiko und
drückte die Thüringer, bei denen die ordnende Hand im Mittelfeld vermisst
wurde, mehr und mehr in die eigene Hälfte, in der sich Carsten
Sträßer mit einer tadellosen Leistung Bestnoten verdiente.
Einen Entlastungsangriff über die rechte Seite kann der bisweilen selbst
auffällig fallsüchtige Mintzel nur mittels einer
Mischung aus grobem und taktischem Foul an Smeekes an
der Torauslinie verhindern, ohne dafür den Karton zu sehen. In
Ziegners frechen Freistoß spritzt Amirante, und als der Ball
hinter dem Keeper die Torlinie entlang zischt, ist wieder einmal
Haareraufen im Gästeblock angesagt. Mehr noch als
Smeekes nach 80 Minuten die nächste Hundertprozentige
vergibt, allein vor Gurski diesen nicht überwinden
kann. So kam das, was kommen musste. Sandhausen verlegte sich auf das
Erarbeiten von Freistößen, von deren Berechtigung nur wenige im Gästeblock
überzeugt waren, und so stand Carsten Nulle mehr und mehr im Mittelpunkt,
rettete mehrmals großartig. Machtlos war er jedoch, als Robert
Kempter - wie Sandhausen in Baden-Württemberg beheimatet -
in der Schlussminute auf den Elfmeterpunkt zeigte, ein Foulspiel Riemers an
Dorn gesehen haben wollte. Roberto Pinto ließ sich das späte Geschenk nicht
entgehen und schickte die Zuschauer mit dem gleichen Ergebnis nach Hause wie
vor zwei Monaten.
Diesmal bleibt für den FCC zu konstatieren, zwei Zähler
verschenkt zu haben, und das in erster Linie wegen der sträflich ausgelassenen
Großchancen im zweiten Abschnitt. Auf der Leistung der Mannschaft aber darf aufgebaut
werden, und diesen positiven Eindruck nahm Jenas Anhang mit auf die 400
Kilometer lange Heimreise. <gunner>
Dass dieses Spiel ein ganz intensives werden sollte, deutete sich schon nach wenigen Minuten an. Riemers und Smeekes' gefährlichen Toraktionen folgte auf der Gegenseite nach 8 Minuten die Führung der Gastgeber. Ralf Schmidt hatte einen unnötigen Eckball verursacht - nicht der einzige Fehler des sich nach dem Wechsel steigernden Studenten in den ersten 45 Minuten - und Sandhausens bulliger Neuzugang Schuon köpfte das Leder kompromisslos wuchtig zur frühen Führung ins Netz. Und die Gastgeber drängten weiter mit schön anzusehendem Kombinationsfußball, waren durch das nur schwer zu bändigende bundesligaerfahrene Sturmduo Ristic/Dorn stets kreuzgefährlich. Doch anders als im Mai behielt Jena die Ordnung und schlug zurück. Sträßer und Sievers kämpften im Duett Mintzel den Ball im eigenen Strafraum ab, Sträßers weiter gefühlvoller Ball erreichte zur Überraschung von Sandhausens Hintermannschaft Orlando Smeekes, der dem verdutzten Gurski das Leder in die Maschen servierte (19.). 1:1! Und Jena machte weiter. Nur zwei Minuten später die nächste Riesenchance für den Holländer nach tollem Diagonalpass von Sievers, doch der Hammer zischt knapp am Tor vorbei. Eine Minute drauf hatte Nagy dann die Führung auf dem Fuß, als er eine schöne Kombination zu harmlos abschloss. Jena war im Spiel, und bald begann auch der Tag des Marco Riemer freundlichere Züge anzunehmen. Zunächst erlöste ihn die verletzungsbedingte Auswechslung Ristics von diesem unangenehmen, einen Kopf größeren Gegenspieler. Dann durfte sich der Apoldaer sogar in die Torschützenliste eintragen, als er nach Amirantes artistischer Fallrückziehervorlage aus Nahdistanz zur verdienten Führung nach 33 Minuten abstaubte.
Von
Sandhausen kam bis zum Wechsel nichts mehr, und dennoch hatten 3.500 Zuschauer
ein packendes und völlig offen geführtes Spiel gesehen. Glaubten sie zumindest,
denn nach dem Pausentee ging es erst richtig los. Bindnagel eröffnete das
Offensivfestival mit einem Knallbonbon knapp am rechten Pfosten vorbei (48.).
Smeekes antwortete mit Zuckerpass auf Sievers, der sich
völlig freistehend vor Gurski den Ball etwas zu weit
vorlegte (49.). Minuten später zwei dicke Patzer von Riemer, die die Gastgeber
nicht zu nutzen verstehen. Jungwirth zieht nach 56 Minuten ab und zwingt Nulle
zu einer Glanzparade. Dann kommt Nagy über die rechte Seite, doch seine
Hereingabe auf den blank stehenden Amirante misslingt (59.). Es war eine der
wenigen Offensivaktionen Nagys, der sich nach vorn wenig zutraute. Ausgewechselt
wurde nach einer Stunde aber sein Flügel-Gegenüber Sievers, bei dem sich
gelungene Offensivakzente mit schlampigem Defensivverhalten abwechselten.
Sebastian Hähnge kam ins Spiel und legte Sekunden
später gleich gekonnt per Kopf auf Amirante auf, Gurski
klärt. Wiederum Sekunden später umkurvt Hähne den Sandhäuser Keeper, ist
eigentlich schon vorbei und der Ball gefühlt auf dem Weg ins Tor, doch
irgendwie kommt Gurski doch noch einmal ans Leder
(61.). Eine Minute darauf darf Smeekes die nächste
hundertprozentige Torchance versieben, allein rechts vor dem Kasten entscheidet
er sich gegen den Pass auf den mitlaufenden Amirante und für den Flachschuss,
den Gurski mit Fußbabwehr
pariert. Wahnsinn! Quasi im Gegenzug rettet Lanzaat
vor dem einschussbereiten Pinto (62.). 63. Minute, ein Schuss Sandhausens aus
dem Hinterhalt wird unfreiwillig von Hillenbrand abgefälscht und trudelt an den
Pfosten! Vier Minuten später dann wieder dann wieder Bindnagel mit
Volleyschuss, Nulle pariert.
Sandhausen ging nun noch mehr auf Risiko und
drückte die Thüringer, bei denen die ordnende Hand im Mittelfeld vermisst
wurde, mehr und mehr in die eigene Hälfte, in der sich Carsten
Sträßer mit einer tadellosen Leistung Bestnoten verdiente.
Einen Entlastungsangriff über die rechte Seite kann der bisweilen selbst
auffällig fallsüchtige Mintzel nur mittels einer
Mischung aus grobem und taktischem Foul an Smeekes an
der Torauslinie verhindern, ohne dafür den Karton zu sehen. In
Ziegners frechen Freistoß spritzt Amirante, und als der Ball
hinter dem Keeper die Torlinie entlang zischt, ist wieder einmal
Haareraufen im Gästeblock angesagt. Mehr noch als
Smeekes nach 80 Minuten die nächste Hundertprozentige
vergibt, allein vor Gurski diesen nicht überwinden
kann. So kam das, was kommen musste. Sandhausen verlegte sich auf das
Erarbeiten von Freistößen, von deren Berechtigung nur wenige im Gästeblock
überzeugt waren, und so stand Carsten Nulle mehr und mehr im Mittelpunkt,
rettete mehrmals großartig. Machtlos war er jedoch, als Robert
Kempter - wie Sandhausen in Baden-Württemberg beheimatet -
in der Schlussminute auf den Elfmeterpunkt zeigte, ein Foulspiel Riemers an
Dorn gesehen haben wollte. Roberto Pinto ließ sich das späte Geschenk nicht
entgehen und schickte die Zuschauer mit dem gleichen Ergebnis nach Hause wie
vor zwei Monaten.
Diesmal bleibt für den FCC zu konstatieren, zwei Zähler verschenkt zu haben, und das in erster Linie wegen der sträflich ausgelassenen Großchancen im zweiten Abschnitt. Auf der Leistung der Mannschaft aber darf aufgebaut werden, und diesen positiven Eindruck nahm Jenas Anhang mit auf die 400 Kilometer lange Heimreise. <gunner>
FC Carl Zeiss Jena - SV Wehen Wiesbaden 2:1
Tore: 1:0 Smeekes (50.), 2:0 Smeekes (56.), 2:1 Bohl (74.)
- Jena: Nulle; Sträßer, Lanzaat, Riemer, R. Schmidt;
Sievers, Ziegner, Truckenbrod, Nagy (87. Petersen); Smeekes (90.+1
Eckardt), Amirante
- Wehen: Birkenbach; Hollmann, Barg, Glibo, Weigelt; Bohl, Reinert
(61. Ziegenbein), Hübner, Öztürk (72. Landeka); Boskovic,
Stroh-Engel (58. Ziemer)
- Zuschauer: 7713
- Schiedsrichter: Dr. Brych (München)
- Spielbericht
- Gemeinhin gilt es als Vorteil, gegen Absteiger aus der 2.
Bundesliga gleich am Anfang einer Saison antreten zu dürfen. Deren
personelle Fluktuation ist meist recht hoch, der neuformierte Kader muss sich
erst einspielen. Im Gegensatz zu den beiden anderen Absteigern blieb dem SV
Wehen aber die große Abgangswelle erspart. Und so versprach der 1.
Spieltag gleich eine Standortbestimmung für den FC Carl Zeiss zu
werden.
Erstmals seit 2003 durfte die Punktspielsaison mal wieder
mit einem Heimspiel eingeläutet werden. Wenn dabei trotz Aprilwetters
7713 Zuschauer ins Ernst-Abbe-Sportfeld kommen, zeugt das ungeachtet der
miserablen letzten Saison von einer deutlichen Erwartungshaltung. Sebastian Hähnge
saß mit auf der Tribüne. Schon einen Tag vor dem Match hatte seine linke
Wade zu zwicken begonnen, am Spieltag selbst war dann nicht einmal mehr ein
Kurzeinsatz möglich. Sollte es deshalb ein schnelles Revival der
Ein-Stürmer-Taktik von René van Eck geben ? Nein, denn der Rückkehrer
auf den Trainerstuhl beorderte Orlando Smeekes auf die zweite Angriffsposition.
Da Jan-André Sievers in die Startelf nachrückte, war diese mit allen fünf
Neuzugängen besetzt.
Verteiltes Spiel zu Beginn. Ein Kopfball im Anschluss an
Wehens zweite Ecke wurde am kurzen Pfosten abgefangen, den Spurt von Reinert in
den Strafraum stoppte Sträßer. Auf der anderen Seite war es
Salvatore Amirante, der mit einem Kopfball aus sechs Metern Birkenbach prüfte
und mit einem 19-Meter-Flachschuss knapp verzog.
All das waren Szenen aus den ersten 20 Minuten, danach
dominierten die Abwehrreihen und weitere nennenswerte Aktionen vor der Pause
blieben rar. Einzig Timo Nagy aus guter Schussposition in zwanzig Metern
Torentfernung forderte nach 35 Minuten noch einmal den Beifall heraus. So sehr
man sich über die stabile Viererkette mit dem neuen Abwehrchef Lanzaat
und dem wie ausgewechselt wirkenden Sträßer freuen durfte -
beim Offensivspiel blieb zunächst noch viel Luft nach oben.
Van Eck hatte seiner Mannschaft in der Kabine mehr Risiko
verordnet und diese setzte das gleich mit Wiederanpfiff um. Bälle, die
während der ersten 45 Minuten noch als Querpass gespielt worden waren,
flogen nun steil ins Angriffszentrum. Es war Salvatore Amirante, der von der
Mittellinie aus seinen Sturmpartner Orlando Smeekes mit einem Diagonalpass auf
die Reise schickte. Diese Reise führte um einen Gegenspieler herum,
zwischen zwei Verteidigern hindurch direkt zu Torhüter Birkenbach, an
dem vorbei Smeekes das Leder ins lange Eck schob. 1:0 - Zeit für den
ersten Torjubel der neuen Saison mit einem Flickflack, wie man ihn im
Ernst-Abbe-Sportfeld so wohl noch nie gesehen hat. Miroslav Kloses berühmte
Überschläge in der Nationalmannschaft wirken geradezu
armselig gegen jene eines Orlando
Smeekes beim FC Carl Zeiss Jena ! Auch wenn dessen artistische Brillanz nicht
von ungefähr kommt, war er in seiner Jugend doch dreimal holländischer
Meister im Turn-Mehrkampf, bevor er sich für die fußballerische
Laufbahn entschied. Eine gute Entscheidung, wie uns nur sechs Minuten später
ein weiteres Mal klar werden sollte. Da trat Smeekes in 35 Metern Torentfernung
zum Freistoß an. Für eine direkte Ausführung noch
viel zu weit vom Kasten entfernt, dachten die meisten. Doch der Nationalspieler der
niederländischen Antillen schoss direkt durch die Drei-Mann-Mauer der
Wehener hindurch ins linke untere Eck. Welch ein (P)fund !
Während wir Beobachter noch ganz fasziniert waren
von den gleichsam schönen und doch auf so unterschiedliche Weise
zustande gekommenen Treffern unseres Orlando, setzten die Gäste mit
dem Mute der Verzweiflung zur Aufholjagd an. Diese hatten sie in der
Vorbereitung bereits gegen Koblenz und Saarbrücken mit Erfolg
praktiziert. Boskovic mit Schuss ans Außennetz sowie die frisch
eingewechselten Ziemer und Ziegenbein zeigten an, dass dieses Mahl mit
den zwei Toren noch lange nicht gegessen war. Und tatsächlich, in der
74. Spielminute traf Bohl unhaltbar per Kopf zum Anschlusstreffer. Eine
Viertelstunde war danach noch zu spielen. 15 Minuten, die besonders der aus
Kaiserlautern gekommene Marcel Ziemer mit mehreren Chancen zur Zitterpartie für
alle Blau-Gelb-Weißen werden ließ. Bei Ziemers
Aufsetzerkopfball sechs Minuten vor Schluss rührte selbst Geburtskind
Carsten Nulle (Glückwunsch zum 34. !) keinen Finger mehr - doch das
Leder klatschte nur an die Werbebande hinter dem Tor. In der 89. kam Nulle an
einen Eckball nicht heran, dafür stand Sträßer
goldrichtig und konnte an der Torraumgrenze per Kopf klären. Mit
tollen Einzelaktionen hatte einer aus der Mannschaft den Vorsprung heraus geschossen
- alle elf zusammen sorgten nun dafür, dass aus ihm drei Punkte wurden.
Auch wenn in der letzten halben Stunde das Geschehen etwas
aus der Hand gegeben worden war - mit dem Sieg gegen Wehen hat die neue Jenaer
Mannschaft schon mal einen ersten Fingerzeig erhalten, dass auch gegen
Staffelfavoriten etwas gehen kann. Orlando Smeekes, der in seiner Freizeit auch
noch Thai-Boxen betreibt, will übrigens trotz seiner Erfolgserlebnisse
im Sturm so schnell wie möglich auf die Außenbahn zurück.
Nur da kann er seine Sprintschnelligkeit mit (wie man hört) 11,3
Sekunden über 100 Meter und die Stärken im eins gegen eins
voll zur Geltung bringen. Scheint so, als könnten wir uns auf die
Saison mit ihm freuen. <fc>
Fotos von Jens Weißenburger
Spielbericht auf svwehen-wiesbaden.de
Erstmals seit 2003 durfte die Punktspielsaison mal wieder
mit einem Heimspiel eingeläutet werden. Wenn dabei trotz Aprilwetters
7713 Zuschauer ins Ernst-Abbe-Sportfeld kommen, zeugt das ungeachtet der
miserablen letzten Saison von einer deutlichen Erwartungshaltung. Sebastian Hähnge
saß mit auf der Tribüne. Schon einen Tag vor dem Match hatte seine linke
Wade zu zwicken begonnen, am Spieltag selbst war dann nicht einmal mehr ein
Kurzeinsatz möglich. Sollte es deshalb ein schnelles Revival der
Ein-Stürmer-Taktik von René van Eck geben ? Nein, denn der Rückkehrer
auf den Trainerstuhl beorderte Orlando Smeekes auf die zweite Angriffsposition.
Da Jan-André Sievers in die Startelf nachrückte, war diese mit allen fünf
Neuzugängen besetzt.
Verteiltes Spiel zu Beginn. Ein Kopfball im Anschluss an
Wehens zweite Ecke wurde am kurzen Pfosten abgefangen, den Spurt von Reinert in
den Strafraum stoppte Sträßer. Auf der anderen Seite war es
Salvatore Amirante, der mit einem Kopfball aus sechs Metern Birkenbach prüfte
und mit einem 19-Meter-Flachschuss knapp verzog.
All das waren Szenen aus den ersten 20 Minuten, danach
dominierten die Abwehrreihen und weitere nennenswerte Aktionen vor der Pause
blieben rar. Einzig Timo Nagy aus guter Schussposition in zwanzig Metern
Torentfernung forderte nach 35 Minuten noch einmal den Beifall heraus. So sehr
man sich über die stabile Viererkette mit dem neuen Abwehrchef Lanzaat
und dem wie ausgewechselt wirkenden Sträßer freuen durfte -
beim Offensivspiel blieb zunächst noch viel Luft nach oben.
Van Eck hatte seiner Mannschaft in der Kabine mehr Risiko
verordnet und diese setzte das gleich mit Wiederanpfiff um. Bälle, die
während der ersten 45 Minuten noch als Querpass gespielt worden waren,
flogen nun steil ins Angriffszentrum. Es war Salvatore Amirante, der von der
Mittellinie aus seinen Sturmpartner Orlando Smeekes mit einem Diagonalpass auf
die Reise schickte. Diese Reise führte um einen Gegenspieler herum,
zwischen zwei Verteidigern hindurch direkt zu Torhüter Birkenbach, an
dem vorbei Smeekes das Leder ins lange Eck schob. 1:0 - Zeit für den
ersten Torjubel der neuen Saison mit einem Flickflack, wie man ihn im
Ernst-Abbe-Sportfeld so wohl noch nie gesehen hat. Miroslav Kloses berühmte
Überschläge in der Nationalmannschaft wirken geradezu
armselig gegen jene eines Orlando
Smeekes beim FC Carl Zeiss Jena ! Auch wenn dessen artistische Brillanz nicht
von ungefähr kommt, war er in seiner Jugend doch dreimal holländischer
Meister im Turn-Mehrkampf, bevor er sich für die fußballerische
Laufbahn entschied. Eine gute Entscheidung, wie uns nur sechs Minuten später
ein weiteres Mal klar werden sollte. Da trat Smeekes in 35 Metern Torentfernung
zum Freistoß an. Für eine direkte Ausführung noch
viel zu weit vom Kasten entfernt, dachten die meisten. Doch der Nationalspieler der
niederländischen Antillen schoss direkt durch die Drei-Mann-Mauer der
Wehener hindurch ins linke untere Eck. Welch ein (P)fund !
Während wir Beobachter noch ganz fasziniert waren
von den gleichsam schönen und doch auf so unterschiedliche Weise
zustande gekommenen Treffern unseres Orlando, setzten die Gäste mit
dem Mute der Verzweiflung zur Aufholjagd an. Diese hatten sie in der
Vorbereitung bereits gegen Koblenz und Saarbrücken mit Erfolg
praktiziert. Boskovic mit Schuss ans Außennetz sowie die frisch
eingewechselten Ziemer und Ziegenbein zeigten an, dass dieses Mahl mit
den zwei Toren noch lange nicht gegessen war. Und tatsächlich, in der
74. Spielminute traf Bohl unhaltbar per Kopf zum Anschlusstreffer. Eine
Viertelstunde war danach noch zu spielen. 15 Minuten, die besonders der aus
Kaiserlautern gekommene Marcel Ziemer mit mehreren Chancen zur Zitterpartie für
alle Blau-Gelb-Weißen werden ließ. Bei Ziemers
Aufsetzerkopfball sechs Minuten vor Schluss rührte selbst Geburtskind
Carsten Nulle (Glückwunsch zum 34. !) keinen Finger mehr - doch das
Leder klatschte nur an die Werbebande hinter dem Tor. In der 89. kam Nulle an
einen Eckball nicht heran, dafür stand Sträßer
goldrichtig und konnte an der Torraumgrenze per Kopf klären. Mit
tollen Einzelaktionen hatte einer aus der Mannschaft den Vorsprung heraus geschossen
- alle elf zusammen sorgten nun dafür, dass aus ihm drei Punkte wurden.
Auch wenn in der letzten halben Stunde das Geschehen etwas aus der Hand gegeben worden war - mit dem Sieg gegen Wehen hat die neue Jenaer Mannschaft schon mal einen ersten Fingerzeig erhalten, dass auch gegen Staffelfavoriten etwas gehen kann. Orlando Smeekes, der in seiner Freizeit auch noch Thai-Boxen betreibt, will übrigens trotz seiner Erfolgserlebnisse im Sturm so schnell wie möglich auf die Außenbahn zurück. Nur da kann er seine Sprintschnelligkeit mit (wie man hört) 11,3 Sekunden über 100 Meter und die Stärken im eins gegen eins voll zur Geltung bringen. Scheint so, als könnten wir uns auf die Saison mit ihm freuen. <fc>
Fotos von Jens Weißenburger
Spielbericht auf svwehen-wiesbaden.de