FC Carl Zeiss Jena - VfB Stuttgart II 1:2

Tore: :0 Holwijn (28.), 1:1 Schipplock (74.), 1:2 Hofmann (90.)

Jena: Nulle - Riemer, Sträßer, Lukimya (90. Osadchenko), Wuttke - Gardawski (89. Kühne), Schmidt, Truckenbrod, Amrhein (52. Petersen) - Kolb, Holwijn
Stuttgart: Leno - Funk, Bicakcic, Hertner, Geyer - Schwarz, Vier (45. Karatas), Feisthammel, Didavi - Rühle (45. Hofmann), Schipplock (89. Klauß)

Zuschauer: 8878

Schiedsrichter: Deniz Aytekin (Oberasbach)

Spielbericht
Wer den Jena-Fans nach dem Hinspiel in Stuttgart gesagt hätte, dass man sich nach dem Rückspiel über den fünften Platz in der Tabelle ärgern würde, hätte wohl eine Menge Kopfschütteln geerntet. Nach der tollen Rückrunde, in der phasenweise sogar der Aufstieg möglich schien, fiel die Freude über Platz fünf aber doch einigermaßen verhalten aus. Die letzte Aufstiegshoffnung wurde den FCC-Fans am Montag vom DFB-Schiedsgericht genommen, denn mit drei Punkten aus dem Heidenheim-Spiel hätte man gegen die zweite Mannschaft des VfB Stuttgart noch voll ins Aufstiegsrennen eingreifen können. Ohne diese Punkte bestand nur noch die Hoffnung auf den vierten Platz, der zur Teilnahme am DFB-Pokal berechtigt und somit eine ansehnliche Summe in die leeren FCC-Kassen gespült hätte.

Vor dem Anpfiff wurden mit Assani Lukimya und Michael Gardawski noch zwei der Garanten der starken Rückrunde verabschiedet, aber nach aktuellem Kenntnisstand werden diesen beiden noch einige weitere Abgänge folgen, weil die finanzielle Situation umfangreiche Sparmaßnahmen fordert. Trotz dieser für den Verein durchaus dramatischen Ausgangslage hatte man während der ersten Halbzeit stellenweise den Eindruck, Besucher eines Freundschaftsspiels zu sein. In den ersten Minuten beobachtete man das gewohnte Abtasten, aber mit einem Kopfball von Stefan Kolb an den rechten Außenpfosten nach einer Gardawski-Flanke in der 14. Minute wurden wohl auch die anderen Akteure geweckt. Diesem ersten guten Angriff des Spiels war eine Einzelaktion von Melwin Holwijn vorausgegangen, der im Gegensatz zu den letzten Spielen einen ordentlichen Tag erwischt hatte. Die Gäste kamen im Gegenzug zur ersten gefährlichen Aktion, der Schlenzer von Didavi verfehlte das Tor allerdings knapp. Aber auch der FCC war nun gefährlicher und nach einer Ecke kommt der Ball zu Gardawski, der an der Strafraumgrenze gewartet hatte. Während sein erster Schuss noch geblockt werden konnte, zischte der zweite Ball zielstrebig in Richtung Tor. Während Gäste-Keeper Leno dem Ball nur hinterhergucken konnte, erledigte die Latte seinen Job und verhinderte den Jenaer Führungstreffer. Die Möglichkeit zum Nachsetzen erhielten die Jenaer nicht, weil der Schiedsrichterassistent eine Abseitsstellung gesehen haben wollte. Mit der nächsten Offensivaktion kam es aber doch zur Jenaer Führung, denn nachdem sich ein Jenaer an der Grundlinie gut durchsetzen konnte, versagten einem Stuttgarter Verteidiger die Nerven und die Kugel lag plötzlich vor den Füßen von Melvin Holwijn, der den Ball aus rund fünf Metern mit Wucht ins Tor beförderte. Die Schwaben zeigen erneut im direkten Gegenzug ihre Stärke und kommen beinahe zum Ausgleich, weil Didavi nicht richtig angegriffen wird. Sein Schuss, dem ein nicht geahndetes Foulspiel an Carsten Sträßer vorausgegangen war, knallt allerdings an die Latte, ansonsten wäre Carsten Nulle im FCC-Tor wohl chancenlos gewesen. In den folgenden Minuten kam der FCC durch einen Kopfball von Ralf Schmidt sowie nach Einzelaktionen von Amrhein und Holwijn zu weiteren Gelegenheiten, konnte die Führung aber nicht ausbauen. So ging es mit einem 1:0 in die Kabinen und in Anbetracht des Chancenverhältnisses ging diese Führung auch in Ordnung. Dafür war allerdings auch der VfB Stuttgart verantwortlich, denn die Gäste taten selten mehr als nötig und strahlten trotz der nicht immer sicher wirkenden Jenaer Hintermannschaft wenig Gefahr aus.

Gleich zu Beginn der zweiten Halbzeit sahen die 8878 Zuschauer, wie man seine Gäste zu Chancen einlädt: Im gegnerischen Strafraum hat Holwijn freie Schussbahn, traut sich den Abschluss aber offensichtlich nicht zu und legt stattdessen zu Patrick Amrhein zurück. Auch der will aber nicht schießen, stattdessen verliert er den Ball völlig überflüssig an die Verteidiger der Gäste, die einen schnellen Konter einleiten. Dieser wird in Folge der aufgerückten Jenaer Mannschaft auch brandgefährlich, in der Mitte verpasst Hofmann den Ball allerdings knapp und es bleibt vorerst beim 1:0. René van Eck hatte jedenfalls genug gesehen und holte Amrhein kurz darauf vom Platz, für ihn kam Petersen. Wer nun dachte, dass Petersen die Verteidigung stabilisieren sollte, sah sich getäuscht, denn der gelernte Verteidiger spielte fortan als Mittelstürmer und rief allen Zuschauern ins Gedächtnis, dass mit Orlando und Hähnge die beiden wichtigsten Offensivkräfte nicht mit von der Partie waren. Die Gäste blieben derweil bei ihrer Strategie, mit Schüssen aus der zweiten Reihe für Gefahr zu sorgen. Auch wenn hier zunächst die Präzision fehlte, sollten sich die zahlreichen Versuche in der 74. Minute bezahlt machen. Erneut konnte mit Schipplock ein Gästespieler in Richtung des Jenaer Strafraums marschieren und wird von den Verteidigern eher beobachtet als angegriffen. Kurz vor der Strafraumgrenze entscheidet sich der derart Eingeladene zum Schuss und macht es besser als seine Mitspieler, denn sein Ball schlägt unten rechts im Jenaer Tor ein und sorgt für den Ausgleich. Auch wenn dem Treffer zwei strittige Entscheidungen von Schiedsrichter Aytekin vorausgegangen waren, sollte man einen Stürmer natürlich nicht so frei zum Schuss kommen lassen.
Bei den anderen Partien gab es zu dieser Zeit Zwischenstände, die die Teilnahme am DFB-Pokal bei einem Jenaer Sieg gesichert hätten. Wer nun mit einem Jenaer Sturmlauf und zahlreichen Chancen gerechnet hatte, sah sich allerdings getäuscht. Fünf Minuten nach dem Ausgleich tritt Schmidt einen Freistoß auf das Tornetz der Gäste, danach folgen nur noch ein paar ungefährliche Versuche aus der Distanz. Der FCC strahlte wenig Gefahr aus und die Gäste konnten sich aufs Kontern verlegen und spielten auf Zeit, denn sie waren mit dem Punkt offenbar sehr zufrieden. Kurz vor Ablauf der regulären Spielzeit gönnte van Eck der Leihgabe Michael Gardawski einen Extra-Applaus und brachte Kühne ins Spiel. Während der FCC es weiter mit der Brechstange versuchte, spielten die Gäste einen Konter wunderbar aus und kamen durch Hofmann zum 2:1. Wie schon gegen Heidenheim profitierte ein Gegner des FCC davon, dass Lukimya wegen seiner Torgefahr gegen Spielende mit nach vorne geht und dann hinten fehlt. Direkt im Anschluss gelingt den Jenaern zwar noch ein Treffer, der vermeintliche Ausgleich findet wegen einer Abseitsstellung allerdings keine Anerkennung.

Mit Blick auf die Resultate der anderen Spiele schmerzt die Niederlage doppelt, denn mit einem Sieg wären die Jenaer Farben in der nächsten Saison im DFB-Pokal vertreten gewesen. Besonders mit Blick auf die offenbar äußerst angespannte Finanzlage hätte der vierte Platz also für etwas Entspannung gesorgt. Leider verfielen die Jenaer Spieler zum Abschluss der Rückrunde aber wieder in Verhaltensmuster, die man aus der Vorrunde bestens kannte - fehlender Mut vor dem Tor, unnötige Ballverluste, unentschlossene Arbeit in der Defensive. Diese Geschenke ließ sich letztlich auch die zweite Mannschaft des VfB Stuttgart nicht nehmen und ging am Ende als Sieger vom Platz. Trotz allem hatten die FCC-Fans eine tolle Rückrunde erlebt und bedankten sich bei der Mannschaft für die letzten Monate, auch wenn der krönende Abschluss in den letzten Wochen verspielt wurde. Wie es nun weitergeht, hängt vor allem vom Kontostand ab. Sicher ist offenbar schon jetzt, dass einige Leistungsträger nicht länger in Jena bleiben können und auch der Raum für Neuverpflichtungen dürfte sehr eng bemessen sein. Für die Sommerpause bleibt uns somit nur, den Verantwortlichen viel Erfolg und ein glückliches Händchen beim Zusammenstellen der neuen Mannschaft zu wünschen, denn ohne die Unterstützung von Fortuna wird man in der kommenden Saison wohl von Anfang an gegen den Abstieg spielen müssen. <bh>

Wuppertaler SV - FC Carl Zeiss Jena 1:1

Tore: 1:0 Fischer (17.), 1:1 Amrhein (89.)

Wuppertal: Maly (35. Samulewicz); Neunaber, Lorenz, Incilli, Neppe; Asaeda, Fischer, Weikl, Uca (59. Müller); Sindi (73. Bernhardt), Damm
Jena: Nulle; Sträßer, Riemer (84. Petersen), Wuttke, R. Schmidt; Holwijn (46. Kolb), Truckenbrod, Kühne (53. Amrhein), Gardawski; Hähnge, Orlando (RK, 90.+2)

Zuschauer: 1954

Schiedsrichter: Ittrich (Hamburg)

Spielbericht
Wenn der Vorletzte auf den Zweitbesten der Rückrundentabelle trifft und der Vorletzte bereits als Absteiger in die Regionalliga feststeht, gelten die Rollen in dieser Paarung gemeinhin als verteilt. Doch gibt es Mannschaften, die frei nach dem Motto "und ist der Ruf erst ruiniert, lebt es sich völlig ungeniert" erst dann befreit aufspielen, wenn es für sie zu spät ist. So wie Kiel drei Tage zuvor gegen Dresden. Der FCC war gewarnt.

Im Stadion bot sich einem das erwartete Bild eines Abgesangs aus Liga drei. Transparente mit der Aufschrift "Versager" und "ihr seid keine Wuppertaler", ein weißes Kreuz längs über den linken Tribünenblock und ein selbst auferlegter Stimmungsboykott der wenigen verbliebenen WSV-Anhänger. In solch tristen Umgebungen hatte sich der FCC schon während der letzten Wochen schwer getan, ins eigene Spiel zu finden. Ein Truckenbrod-Schuss übers Lattenkreuz wurde mit zwei Schussversuchen der Einheimischen beantwortet - mehr gibt es nicht zu berichten aus der ersten Viertelstunde. Es folgte ein Eckball für die Wuppertaler in Minute 17. Carsten Fischer kam zum Kopfball, den Namensvetter Carsten Nulle zur linken Seite abwehren konnte. Von dort flog das Leder allerdings postwendend zurück zum immer noch freistehenden Fischer, der es volley nahm und humorlos zum 1:0 ins Netz drosch. Mit Ausnahme ihres Torhüters waren die Jenaer Abwehrspieler bei diesem Gegentreffer zu Statisten degradiert und sie hinterließen auch in den Folgeminuten keinen souveränen Eindruck. Mehr als befürchtet machte es sich bemerkbar, dass mit dem gesperrten Lukimya und dem verletzten Lanzaat beide Leitwölfe in der Hintermannschaft fehlten. Zudem hatte der Kreuzbandriss von Timo Nagy eine Lücke gerissen. Der im defensiven Mittelfeld so wertvolle, in der Abwehr aber gehemmt wirkende Ralf Schmidt vermochte sie nur notdürftig auszufüllen.
Konnte man angesichts dieser personellen Probleme für die eine oder andere Unsicherheit hinten drin noch Verständnis aufbringen, lässt sich für das mangelhafte Offensivspiel während der ersten 45 Minuten nur schwerlich eine Erklärung finden. Da Punktegarant Michael Gardawski (mit ihm hat der FCC noch kein Spiel verloren) nach seiner Rotsperre wieder mitwirken durfte, war die Wunschformation eigentlich beisammen. Dass im Laufe einer Halbzeit keine einzige heraus gespielte Torchance zustande kommt, wo man den Aufstieg doch so nah vor Augen hat, ist dann schon ernüchternd. Wenn die Probleme wenigstens von Übereifer hervorgerufen sein würden... das Gegenteil schien eher der Fall. An Melvin Holwijn lief das Spiel derart vorbei, dass sich Stefan Kolb schon während der ersten Hälfte aufzuwärmen begann. Die in Führung liegenden Gastgeber zeigten sich einen Tick engagierter, ohne selbst in der Lage zu sein, klare Chancen heraus zu spielen und damit eine Vorentscheidung herbeiführen zu können. Dass WSV-Fan Heike das Spiel der ersten 45 Minuten ohne Anflug von Ironie ganz toll fand, kann eigentlich nur dem Spielstand geschuldet gewesen sein oder dem Umstand, dass auf diesem Rasen noch Übleres die Saison über stattgefunden hat.

Ein ähnliches Bild hatte sich zuletzt in Bremen geboten. Auch da verschlief der FCC die erste Hälfte komplett, um nach der Pause aufzudrehen und dem Spiel gerade noch eine Wende zu geben. Die Hoffnung auf eine Wiederholung dieses Verlaufs erhielt nach Wiederanpfiff zunächst einen Dämpfer, denn das Spiel der in Gelb gekleideten Gäste wirkte noch immer merkwürdig unorganisiert. Stefan Kühne räumte nach einer ganzen Reihe von Fehlabspielen kurz nach der Pause schon wieder das Feld, die Einwechslung von Patrick Amrhein sollte sich später noch als bedeutsam erweisen. Endlich, nach fünfundfünfzig Spielminuten, spielten sich die Jenaer mal eine Möglichkeit heraus. Im gegnerischen Strafraum passte Orlando rüber auf Hähnge, dessen Torschuss verunglückte und zur Vorlage für Truckenbrod wurde. Dieser konnte nicht damit rechnen, noch einbezogen zu werden und so sprang der Ball von Truckenbrods Fuß relativ ungefährlich in die Arme von Samulewicz, der für den an der Patellasehne verletzten Maly ins Spiel gekommen war. Immerhin, nach dieser Szene nimmt die Partie etwas an Fahrt auf. Zwei aneinander gekoppelte Fehler von Riemer und Schmidt bleiben ohne Folgen (62.). Auf der Gegenseite flankt Orlando genau auf den Kopf seines Sturmpartners Sebastian Hähnge, dessen herrlicher Kopfball über Samuliewicz hinweg fliegt, aber an der Querlatte hängen bleibt (71.). Den beiden Angreifern vorn drin ist am wenigsten ein Vorwurf zu machen, insbesondere Orlando versucht nun viel, drückt auf den Ausgleich. Auch Gardawski taut endlich auf. Sein Schrägschuss in Minute 75 streicht am langen Pfosten vorbei. Kurz darauf erreicht seine Vorlage den aufgerückten Wuttke, welcher mit einem Kopfball aus Nahdistanz die Zeiss-Fans hinter dem Tor schon zum Jubeln ansetzen lässt. Doch das Leder fliegt knapp am Pfosten vorbei. Die Jenaer Spieler agieren nun so, wie man es sich von Anfang gewünscht hatte. Doch die Zeit läuft ihnen davon. Als Orlando in der vorletzten Spielminute bei einem erfolgversprechenden Angriff am letzten WSV-Verteidiger hängen bleibt, läuft er weiter und tritt wütend gegen den Aluminium-Pfosten. Als wüsste er: Verdammt, das war's. Doch noch ist nicht Schluss. Carsten Nulle eilt bei einem Eckball mit nach vorn - vielleicht klappt es ja noch einmal mit solch einem Wahnsinnstor wie gegen Osnabrück. Oder er irritiert wenigstens den Kontrahenten. Und tatsächlich, Jenas Keeper bindet einen Gegenspieler mehr ins gegnerische Abwehrzentrum, Patrick Amrhein an der Strafraumgrenze kommt somit unbedrängt zum Schuss und trifft links unten zum mittlerweile hochverdienten Ausgleich kurz vor Schluss.
Das war es jedoch immer noch nicht. Als wolle dieses Match in den letzten Minuten all das aufholen, was es während der ersten Stunde schuldig geblieben war, haben die Spieler aus der bergischen Metropole gleich nach Wiederanstoß ihre Chance zum Sieg. Nulle steht inzwischen aber wieder zwischen den Pfosten, pariert den Schuss und schlägt den Ball unverzüglich nach vorn. Der Konter führt natürlich über den schnellen Orlando, doch als dieser in vollem Lauf hinterrücks von den Beinen geholt wird, brennt ihm eine Sicherung durch. Wütend springt er auf, schubst Lorenz um. Gelb für den Wuppertaler, Rot für den Jenaer, den wir deshalb in dieser Saison nicht mehr spielen sehen werden. Oh Mann, bei diesem Orlando liegen Genie und Wahnsinn wirklich ganz dicht beieinander ! Der anschließende Freistoß fliegt übers Tor.

Mit dem Abpfiff gab es betretene Gesichter auf beiden Seiten. Die Wuppertaler werden mit dem späten Gegentor hadern und dass der vergebene Sieg ein Spiegelbild der ganzen Saison darstellt. Und die Jenaer dürften sich im Klaren darüber sein, dass sie sich mit ihrer Spielweise über fast eine Stunde hinweg möglicherweise selbst um die Ernte einer herausragenden Rückrunde gebracht haben. Es sei denn, der DFB folgt der Meinung des Weltverbandes FIFA und es gibt wirklich noch die drei Punkte aus dem Heidenheim-Spiel am grünen Tisch zurück. Entscheidung am Montag. <fc>

Bericht auf wuppertalersv.com

Wacker Burghausen - FC Carl Zeiss Jena 2:3

Tore: 0:1 Hähnge (2.), 1:1 Cappek (20.), 1:2 Wolf (79., ET), 2:2 Wolf (81.), 2:3 Orlando (84.)

Burghausen: Michl; Holz, Kirsch, Wolf, Kokocinski; Burkhard, Hertl, Holzer (82. Kresin), Schmidt (25. Traut); El Haj Ali, Cappek (77. Grübl)
Jena: Nulle; Sträßer, Lukimya (GRK, 90.+1), Wuttke, Nagy (24. Riemer); Holwijn (61. Kolb), Truckenbrod, R. Schmidt, Ullmann (46. Amrhein); Hähnge, Orlando

Zuschauer: 2750

Schiedsrichter: Benedum (Mehlingen)

Spielbericht
Im Gegensatz zur Tour nach München lag diesmal nicht so viel auf bayerischen Autobahnen herum. Lediglich kurz vor Burghausen ließ eine Verkehrsmeldung aufhorchen: "...hat ein Bierlaster jede Menge Ladung verloren." Leider lag die kontaminierte Abfahrt weit weg, so dass man auf meine Mithilfe bei dieser Kampfmittelbeseitigung verzichten musste. Allerdings wäre ein gewisser Alkoholpegel für die in der Wacker-Arena anwesenden Zeiss-Fans ganz gut gewesen, denn das Spiel gehört in die Kategorie "Nicht möglich" und war mit 0,0 Promille nur schwer zu verkraften.

Vorm Spiel war natürlich die ominöse 10. Gelbe Karte für den Heidenheimer Klarer und das statistische Muschebubu der DFB Thema Nummer 1 der Jenaer Stadiongespräche. Egal, der FCC musste einfach den Kopf freibekommen und zusehen, dass Beste aus dem Rest der Saison machen. Bei wunderbarem Frühlingswetter legte der FCC - wie schon vor 3 Tagen gegen Heidenheim - los wie die Feuerwehr und nach anderthalb Minuten nahm Hähnge die erste Jenaer Ecke an und schob zur Führung ein. Die folgenden Minuten nährten die Hoffnung auf einen Spaziergang, denn die Gastgeber waren praktisch nicht anwesend. Erst in der 13. Spielminute verirrte sich ein harmloses Schüsschen zu Nulle. Aber wie schon gegen Heidenheim, schaffte es unser Team nicht, das frühe 1:0 auszubauen und mit dem Nutzen weiterer verheißungsvoller Gelegenheiten den Sack zuzubinden. U. a. wurde Hähnge in der Mitte wunderbar freigespielt, soll aber im Abseits gestanden haben (17.). Bei einem Zweikampf (18.) wurde Nagy verletzt und am Spielfeldrand behandelt. Dann wurden weitere szenische Elemente unseres Heimspiels vom vorigen Sonnabend eingebaut: Burghausen nutzte die Überzahl und mit einem Schuss (dem ersten ernsthaften überhaupt) ins lange Eck - ähnlich dem Siegestreffer der Heidenheimer - erzielte Cappek, der Mann mit der markanten Frisur, den Ausgleich. Nagy wurde durch Riemer ersetzt, der ins Mittelfeld ging. Dafür rückte Schmidt auf die rechte Abwehrseite, dessen Kreativität im Spielaufbau von nun an schmerzlich vermisst wurde. Hatte bis dahin des FCC durch Pressing faktisch jeglichen Spielaufbau der Gastgeber unterbunden und selbst nach vorn gespielt, kippte das Spiel nun völlig. Wacker setzte immer wieder mit langen Bällen auf die Außen gefährliche Akzente, während Jena nach vorn nichts mehr zustande brachte. Einzige Ausnahme: In der 28. Minute steht Orlando nach Doppelpass mit Truckenbrod vollkommen allein vor Michl, der jedoch mit schnellem Herausstürzen abwehren kann. Burghausen wurde immer stärker und der FCC fiel von einer Verlegenheit in die andere. Dazu hatte Referee Benedum, der eigentlich recht ordentlich agierte, irgendwie aus der Vorspieldebatte "10. Gelbe Karte" aufgeschnappt und arbeite nun zügig daran, den Jenaern die 10 Verwarnungen zu verpassen. Faktisch jedes ernsthafte Foul zog "Gelb" gegen den FCC nach sich, während bei rüden Attacken der Wackeren lediglich der Zeigefinger drohte. In der Nachspielzeit der 1. Halbzeit hatten die Hausherren die beste Chance, als nach einem schnellen Konter Wuttke die scharfe Flanke im letzten Moment vorm Stürmer wegschlagen kann.

Nach Wiederanpfiff keimte kurz die Hoffnung, dass der FCC jetzt wieder mitspielen würde. Erst zog Hähnge aus der Drehung ab (46., gehalten), dann konnte Michl den Schlenzer Amrheins auf lange Eck nur mit ganz langen Fingernägeln zur Ecke lenken. Dann wieder der übliche Ablauf: Burghausen stürmte, geriet stellenweise in einen regelrechten Spielrausch und erarbeitete sich eine Chance nach der anderen. Entweder hielt Nulle (zweimal in der 47., 55., 63.) oder Burghausen vergab einfach. Einzige für den FCC notierenswert die Gelbe Karte, die der Schiedsrichter nach einem normalen Zweikampf im Strafraum (der Verteidiger war erfolgreich) an Orlando vergab - wegen angeblicher Schwalbe! Weder Orlando noch jemand anderes forderte in dieser Szene Strafstoß oder zeigte sonst wie Unmut, die Verwarnung gab es wirklich ohne jeden Anlass. Die Wackeren lieferten aber die Höhepunkte dieser Druckphase und sorgten bei allen Zuschauern zweimal für untertassengroße Augen, wenn auch aus unterschiedlichen Beweggründen: Zunächst tauchte Ali mutterseelenallein vorm Tor auf (61.) und hob den Ball über den heranfliegenden Nulle hinweg AN DIE LATTE! Die himmlischen Heerscharen dürften eine Weile mit dem Bearbeiten der in diesem Moment über der Wacker-Arena aufsteigenden Stoßgebete zu tun gehabt haben. Und vermutlich war man dort oben immer noch bei der Arbeit, als der nächste Schwall in der 76. Spielminute eintraf: Nulle wehrte einen Schuss zur Mitte ab und Cappek brachte das Kunststück fertig, den Abpraller aus 6-7 Metern am leeren Tor vorbeizuschieben! Kategorie "Nicht möglich"!
Es gibt im Leben aber immer Steigerungsmöglichkeiten, denn während die FCC-Fans zehn Minuten vor Abpfiff bereits ein Pünktchen als höchstes Glück ansahen, stand es plötzlich 2:1 für Jena. Wolf sprang in Orlandos Pass, damit der Ball Hähnge nicht erreichte. Dies gelang ihm tadellos, denn vom Fuß des Verteidigers sauste der Ball ins Tor. Fassungslose Freude bei allen Zeiss-Fans angesichts der völlig unverdienten Führung!  Dagegen zeigte sich die Mannschaft sehr gönnerhaft und gab das Geschenk prompt zurück, indem bei der nächsten Ecke alle Blauen zuschauten, wie Wolf sein Eigentor korrigierte und die Ecke zum erneuten Ausgleich einköpfte. Burghausen musste diese Art Revanche erst einmal verdauen, die nächsten fünf Minuten gehörten dem FCC. Lukimya setzte sich in bester Stürmermanier links an der Grundlinie durch und ... kam noch vorm Keeper an den Ball, allerdings ohne Torerfolg (84). Und sechzig Sekunden später schwebte ein langer Ball von links diagonal in den Strafraum ein, Orlando nahm ihn runter, drehte sich jedoch nicht eine Vierteldrehung rechts, sondern wählte den langen Weg 270 Grad links herum. Während Michl brav versuchte, diesem Dreher zu folgen, und die Verteidiger unten alles dicht machten, knallte Orlando den Ball aus spitzem Winkel maßgenau unter die Latte - 3:2!!! Nun versuchte Burghausen alles, aber die Jenaer passten auf und Nulle entschärfte in der 89. min ein aus rund 20 m abgefeuertes scharfes Geschoss. In der Nachspielzeit warf sich Lukimya, bereits verwarnt, vor der Strafraumgrenze einem Weißen entgegen - der Schiedsrichter entschied nicht nur auf Foul, sondern zeigte bar jeglichen Feingefühls dem Jenaer Abwehrchef auch noch die zweite Verwarnung und schickte ihn vom Rasen. Der von Holz direkt ausgeführte Freistoß hatte alle Attribute eines Tor des Monats, aber Nulle boxte mit der letzten Aktion des Spieles den sich senkenden Schuss weg. Sieg! Drei Punkte und ab in den Bus und wegfahren, bevor die jemand zurückhaben möchte! Wer solche Spiele mit so viel Dusel gewinnt, steigt normalerweise auf. Wenn da nicht jemand an den Karten dreht.

Auf der Heimfahrt gab es keine Biermeldungen mehr, lediglich eine Holzlatte, Lkw-Reifen und eine tote Katze wurden gemeldet. Warum allerdings gerade bei letzterer "Fahren Sie hier bitte ganz vorsichtig!" gebeten wurde, ist unklar, denn die Mieze war ja, ebenso wie gesunde Fußballmenschenverstand an diesem Abend, mausetot. <uk>

Spielbericht auf sv-wacker.de

FC Carl Zeiss Jena - 1. FC Heidenheim 1:2

Tore: 1:0 Orlando (1.), 1:1 Spann (24.), 1:2 Schnatterer (89.)

Jena: Nulle; Sträßer, Lukimya, Wuttke, Nagy; Holwijn (53. Benyamina), Truckenbrod, R. Schmidt (60. Kühne), Amrhein (86. Ullmann); Hähnge, Orlando
Heidenheim: Baum; Meier, Göhlert, Krebs, Feistle; Schittenhelm, Bageci (70. Gül), Klarer, Schnatterer; Spann (87. Heidenfelder), Mayer (80. Jarosch)

Zuschauer: 9664

Schiedsrichter: Nowak (Bottrop)

Spielbericht
Normalerweise verlasse ich meinen Platz während des Spiels nicht. Das gehört sich einfach nicht! Man steht das durch. Der einen langsam übermannende Hunger, die bittere Kälte bei viel zu dünner Jacke, das dritte Bier, welches langsam damit droht, aus den Augenhöhlen wieder auszutreten, wenn nicht umgehend eine Toilette aufgesucht wird und das Ganze bei einem 3-Tore-Rückstand zehn Minuten vor Schluß. Alles kein Grund! Es wird stehengeblieben und anständig gelitten! Wenn ich also mitten im Spiel am Bulettenstand auftauche, ist der cholerische Ausnahmezustand bereits erreicht. Da sollte der Klops schön durch sein und der Senf nicht zu schwerfällig aus der Flasche kommen...
Schon dieses elende Wetter. Man hätte es ja wissen müssen. So eine Wohlfühltemperatur ist einfach der Tod für ein ordentliches Fußballspiel. Ein bißchen Regen ist doch nun wirklich nicht zu viel verlangt mitten im Aufstiegskampf. Dann wäre sicher auch die Fraktion mit den rot-weißen (!) Mützchen ein wenig kleiner ausgefallen, die mich so auf Puls bringt. Damit hatte man offensichtlich alle Erstgucker ausgestattet, die sich im Stadion noch nicht so stilsicher bewegen. Insofern versprühte die Gegengerade einen gespenstischen Charme, dem umgehend jede Stimmung erlag. Dominiert von agilen Klatschrhythmen, war es wie bei der Schlagerparade auf Radio Sachsen oder der wöchentlichen Gaudiveranstaltung bei der TSG Hoffenheim. Je nachdem, wo gerade mal weniger los ist. Ja sicher, es zeugt nicht immer von intellektueller Überlegenheit, wenn ich so loslege. Aber so eine Multitoleranz gegenüber Gegner und dessen sportlichen Leistung? Damit kann ich nicht umgehen! Eigentlich ein Grund zum Gehen! Aber ich durfte ja nicht.

Zur Belohnung gibt es aber wenigstens gleich ein zukünftiges Tor des Monats zu bewundern. Der Orlando macht offensichtlich lieber die Schwierigen - die, wenn er keine Zeit zum Überlegen hat. Hähnges langer Paß ist an sich schon ein Hingucker, wie sich der Orlando dann aber in der Luft verknotet und den Ball aus Nahdistanz über den Heidenheimer Tormann bugsiert, läßt schon nach 54 Sekunden von Höherem träumen. 10000facher Freudentaumel von zum Teil rot-weiß bemützten Fans. Wenn mir vorher jemand gesagt hätte, daß ich da auch dabei bin. Meine Güte...
Aber wie so oft, führt so ein zeitiger Treffer zu einer trügerischen Sicherheit, die im Zusammenspiel mit dem einschläfernden Sonnenschein ihre tückischen Nebenwirkungen voll entfalten kann. So gibt Jena zwar weiter den Ton an und hat durch Orlandos Schuß aufs lange Eck auch noch eine schöne Chance (18.), Heidenheim läßt sich aber zunehmend weniger bieten. Im Gegenteil, die Angriffsbemühungen der Gäste wirken nach und nach immer gefälliger. Jenas Spiel schläft förmlich ein und die ohne rote Mützen sehen auch schon, daß der Ausgleich mit bleierner Schwere über dem Stadion hängt. Kurz bevor ich am Bulettenstand aufschlage, arbeitet Holwijn den Ball zielsicher und ohne große Not den Gästen zu, die in Jenas Vorwärtsbewegung hinein den Ausgleich erzielen. Das klingt jetzt alles wahnsinnig schnell, wenn man aber ehrlich ist, formiert sich unsere Heldenabwehr in dieser Szene derart pomadig, daß einem schon beim Hinschauen die Augen zufallen. So hat Spann keinerlei Mühe, den Ball erst anzunehmen, sich dann in Ruhe in Position zu bringen und zum Schluß auch noch aus vielleicht zwanzig Metern Maß zu nehmen. Zu allem Überfluß steht der Nulle auch noch viel zu weit vor seinem Tor, so daß alles prächtig zusammenpaßt (25.). Die schöne Führung, einfach futsch. Sauwetter... Richtigerweise sucht Jena danach sein Heil weiter in der Offensive, wodurch sich die Deckungslücken bis zur Halbzeit weitestgehend kaschieren lassen. Aber es klappt einfach nicht mit dem zweiten Treffer. Holwijns Diagonalpaß durch den Strafraum schiebt der gute Orlando aus Nahdistanz einfach am Tor vorbei (34.). Da kann er heilfroh sein, daß der Linienrichter bereits auf Abseits entschieden hat! Fünf Minten später muß Amrhein eigentlich nur noch ein langes Bein machen, um Schmidts Flanke im Tor unterzubringen, kriegt das aber auch nicht hin und so kommen die Gäste mit einem blauen Auge in die Kabine.

Wer sich nun erhofft hat, eine zweite Hälfte wie in Dresden geboten zu bekommen, sieht sich aber schon kurz nach der Pause schwer verladen. Vor allem das Umschalten auf die notwendigen Defensivarbeiten will nicht so recht klappen, so daß die schnellen Gästeangreifer immer wieder gefährlich kontern können. Als Schnatterer mit dem Ball am Fuß über den ganzen Platz marschiert und den mitgelaufenen Mayer bedient, kann Nulle den Gewaltschuß mit viel Können gerade noch entschärfen (47.). Kurze Zeit später hat er einfach nur Megadusel, als Spanns Kopfballverlängerung quer vor unserem verwaisten Tor rumspringt, ohne einen Abnehmer in den Heidenheimer Reihen zu finden. Vor dieser Aktion war in Jenas Abwehrreihe keine Art von Organisation mehr auszumachen. Die ohne Mützen stellen spätestens ab jetzt auf Pessimismus um. Normalerweise die ideale Zeit für einen zweiten Klops. Wo ist die Mannschaft, die in Erfurt spielerisch so dominierte? Wo ist der unbedingte Siegeswille vom Dresdenspiel? Dazu dieser eklatante Mangel an guten Ideen. Da rumpelt Orlando einen Freistoß von der Strafraumgrenze einfach in die Mauer (70.), dann schießt Truckenbrod aus ähnlich aussichtsreicher Position dem viel zu kleinen Heidenheimer Tormann genau in die Arme (86.). In 1.80 Meter Höhe wäre er doch chancenlos gewesen! Und zwischendurch noch Orlandos Flugeinlage, als er sich über links schön durchsetzen kann und dann spektakulär abhebt (78.). Den Elfer hätte er höchstens auf dem Betzenberg gekriegt (und dort nicht mal sicher, was schon zeigt, wie schlecht die Schwalbe eigentlich war). Also wenn er sich schon fallen läßt, dann sollte er das a) ein bißchen eleganter tun und b) wenigstens bis in den Strafraum rennen und nicht davor schon umfallen. Manchmal ist es kaum zu verstehen, wie dicht der Wahnsinn beim Genie wohnt.
Was letztlich aus dem Ganzen folgt, kann sich schon jeder denken: Schnatterer war gerade noch mit einem Flachschuß von der Strafraumgrenze an Nulle gescheitert, als ihn Benyamina einlädt, das Ganze doch noch mal zu probieren. Es sah wirklich so unprofessionell aus, wie sich der Neunzehnjährige anstellte, daß es einem schon leid tun konnte. Will er nächste Saison wirklich in Hoffenheim spielen, würde er mit einem solchen Aussetzer auf einen Schlag viele neue Freunde in der ganzen Republik gewinnen. Im aktuellen Fall aber stiegen sicher nur ein paar verbliebenen Rot-Weiss-Fans die Freudentränen in die Augen. Überliefert ist weiter, daß Schnatterer nach Benyamina auch noch um Wuttke ein Schlenker macht und dann trocken den Auswärtssieg sicherstellt (90.).

Das wars mit dem Aufstieg. Nach dreizehn ungeschlagenen Spielen eine wirklich dümmliche Niederlage, die aber auch viel über die Wirklichkeit beim FCC in sich trägt. Wir haben eine gute erste Elf, mit der alles möglich scheint. Sobald aber ein Gardawski fehlt, ein Lanzaat verletzt ist oder einfach nur einer einen schlechten Tag erwischt, hat die Herrlichkeit ein abruptes Ende. Das war schon die ganze Saison so, man erinnere sich da nur an die wochenlange Phase in der weder Hähnge noch Orlando als Fußballer durchgegangen wären. Wir hatten das nur schon fast vergessen.
Für die Planung der kommenden Saison könnten die gute Rückrunde und der Fast-Aufstieg eine ziemliche Bürde werden. Einige Leistungsträger haben sich mit Sicherheit für höhere Ligen empfohlen und sind schon am Kofferpacken. Da fangen wir dann wieder ganz von vorne an. Wenigstens haben dann aber die mit den Mützen wieder 36 Spieltage frei... <bpf>

Kurzbericht auf fc-heidenheim.de

FC Bayern München II - FC Carl Zeiss Jena 0:0

Tore: -

München: Rensing; Kopplin, Haas, Schütz, Rohracker; Knasmüller, Schwarz, Ekici (65. Sikorski), Rieß; Sene, Yilmaz
Jena: Nulle; Sträßer, Lukimya, Wuttke, Nagy; Benyamina (37. Kolitsch), Kühne, Truckenbrod, R. Schmidt; Amrhein (76. Petersen), Hähnge

Zuschauer: 1300

Schiedsrichter: Osmers (Hannover)

Spielbericht
Es schien auf der Hinfahrt angesichts der Verkehrsmeldungen so, als ob der liebe Gott sein Gartenhaus überm blau-weißen Freistaat entleert hatte. Was da nicht alles auf den Autobahnen lag: eine Leiter, eine Schaufel, ein Hammer, ein Fahrrad, ein 4 m langes Eisenteil, ein Besen und eine Schubkarre. Zudem noch eine Ente - aber die lag nicht, sondern lief. Bei so viel Großzügigkeit auf "Bayern III" hofft man natürlich, auch von Bayern II etwas zu bekommen.
Das altehrwürdige Stadion an der Grünwalder Straße war wohlbekannt und wehmütig erinnert man sich an die tolle Kulisse 1993 vor 24.000 Zuschauern. Allerdings gab es damals null Punkte, wie so oft in der Grünwalder Straße. Nur beim allerersten Auftritt 1991 ergatterte der FCC mit einem 0:0 ein Pünktchen. Auch diesmal wurden es ein torloses Remis und ein Punkt. Trotzdem konnte man damit zufrieden sein, denn in letzter Zeit waren die Bayern-"Amateure" recht gut drauf und Aufstiegsaspirant Ingolstadt unterlag dort kürzlich sogar.

Es war insgesamt ein Spiel zweier starker Mannschaften, in dem die Gastgeber den etwas offensiveren Part gaben, während der FCC - auch angesichts der Ausfälle im offensiven Bereich - aus einer massiven Deckung heraus agierte. Bayern II wollte (ähnlich den Dresdnern 3 Tage zuvor) schnell ein Tor erzielen, dies zeigten sie in der Anfangsviertelstunde sehr deutlich. Bereits nach 3 Minuten hatten sie nach einem Freistoß mit anschließendem Kopf ihre erste Torchance. Kurz danach vermittelten zwei kreuzgefährliche Ecken den Eindruck, dass unsere Abwehr noch nicht richtig sortiert sei. Dies war in den anderen Mannschaftsteilen aber nicht anders, denn viele Ungenauigkeiten und das starke Pressing der Bayern, die zudem balltechnisch 1A waren, verhinderten einen vernünftigen Spielaufbau. In der 17. Minute hatte der FCC seine erste Chance, als Hähnge eine Flanke Amrheins leider nicht mit dem notwendigen Druck aufs Tor köpfte und der aus der 1. Mannschaft importierte Rensing keine Mühe hatte. Insgesamt konnte der FCC jetzt das Spiel etwas von seinem Strafraum wegdrücken und die Abwehr gab sich kaum noch eine Blöße. Nur einmal (25. min) erwischte Sene einen Traumpass und marschierte allein auf Nulle zu. Der nachsetzende Wuttke riskierte den Ritt auf der Rasierklinge und attackierte ihn im Strafraum von hinten erfolgreich und fair, so dass Sene keinen Torschuss ansetzen konnte. Nach vorn lief beim FCC nicht viel, denn zumeist beschränkte man sich auf die "Orlando-Taktik" und ballerte lange Bälle nach vorn. Hähnge und Amrhein rannten vorn viel und vergeblich, denn genau darauf hatte sich Bayern eingerichtet und klärte alles problemlos. Erfolgversprechender schienen Angriffe über die Flügel - und prompt, nach dem ich dies notiert hatte, versuchte man dies zweimal hintereinander (45.). Doch auch da ließ sich die Bayernabwehr nicht überraschen.

0:0 zur Pause und starken Gastgebern Paroli geboten, deutete sich da eine Wiederholung des Gastspiels bei Dynamo an? Mitnichten, denn im Gegensatz zu den Schwarz-Gelben spielten die ganz in Rot gekleideten Bayern weiter und zeigten keinen Leistungsabfall. Im Wesentlichen lief das Spiel jetzt zwischen beiden Strafräumen hin und her und beide Teams gaben sich größte Mühe, Fehler zu vermeiden. Nur gelegentlich konnten Torchancen notiert werden. So in der 55. min, als Truckenbrod nach einer zu kurz abgewehrten Ecke Rensing prüfte. Es dauerte auch mehr als eine Viertelstunde, bis Bayern II überhaupt einen Torschuss hatte, aber Yilmaz verfehlte das Ziel deutlich. Der bereits gegen Ende der ersten Hälfte für den indisponierten Benyamina eingewechselte Kolitsch und Amrhein versuchten über die Außenbahnen den Jenaer Angriff anzukurbeln, aber die sehr diszipliniert spielenden Bayern ließen nichts zu. Und so war es Truckenbrod mit einem 25-m-Freistoß, flach aufs Tor getreten, der die nächste Jenaer Chance hatte. Eine Minute später versuchte es Hähnge nach einer Ecke per Kopf, aber Rensing war auf dem Posten. Und wiederum eine Minute später stockte den rund 500 Zeiss-Fans im Stadion der Atem, als nach Senes Zuspiel der eingewechselte Sikorski frei vor Nulle stand, dieser jedoch mit einer sensationellen Fußabwehr den Gegentreffer verhinderte. Und damit war auch die vorletzte - und die hochkarätigste - Bayern-Chance dahin. Yilmaz hatte in der 86. min offensichtlich noch zu viel Adrenalin geladen (er war sehr frustriert auf Grund seiner Gegenspieler) und so ballerte er aus 7 - 8 Metern übers Tor. Der FCC nutzte allerdings seine Chancen auch nicht: Nach Kolitsch' Flanke entschied sich Petersen für eine Ablage anstatt selbst zu schießen (81), und Truckenbrods Flachschuss aus 25 Metern Entfernung erwischte Rensing gerade noch so (88.).

Letztendlich war es ein leistungsgerechtes Unentschieden. Ob dieser Punkt als Gewinn für den Kampf um den Aufstieg anzusehen ist, werden die verbleibenden Spiele der Saison zeigen. <uk>

Spielbericht auf der Bayern-Homepage

SG Dynamo Dresden - FC Carl Zeiss Jena 0:3

Tore: 0:1 Hähnge (59.), 0:2 Truckenbrod (71.), 0:3 Amrhein (79.)

Dresden: Keller; Strifler, Hübener, Palionis, Mikolajczak; G. Müller, Jungnickel (67. Dobry), Wagefeld, Kegel, Koch (67. Gundersen); Savran
Jena: Nulle; Sträßer, Lukimya, Lanzaat (31. Amrhein), Nagy; Wuttke, Truckenbrod, R. Schmidt (53. Kühne), Gardawski (RK, 82.); Hähnge, Orlando (86. Petersen)

Zuschauer: 29.000

Schiedsrichter: Gorniak (Bremen)

Spielbericht
Ganze 6.500 Zuschauer waren es im Rudolf-Harbig-Stadion zu Dresden, die im Oktober 1990 Jenas letzten Sieg beim ewig jungen Duell der beiden Traditionsvereine bewunderten. Heiko Weber traf zum 2:1 im Achtelfinale des Pokals der soeben beerdigten DDR, schon einige Monate zuvor beim 4:0-Punktspielsieg an gleicher Stelle war er - unter anderem gegen den jetzigen Dynamo-Trainer Mauksch - doppelt erfolgreich gewesen. Eine lange Zeit war seitdem vergangen, fast 20 Jahre, aber eben auch nur vier Punktspiele, in denen der FCC jeweils ohne Tor die Heimreise aus Elbflorenz antreten musste.

Wollte man weiter im Kampf um die ersten 4 Plätze mitmischen, hatte sich das zu ändern vor der rekordverdächtigen Kulisse von fast 30.000 Fans, was für ein Kontrast zu eben jenem letzten Auswärtssieg in Elbflorenz. Präsentierte sich der Neubau Rudolf-Harbig-Stadion vor einem Jahr noch als Baustelle, so durften Jenas Anhänger sich nun neidvoll in einem schicken, engen und steilen Fußballtempel umschauen. Dresdens Fans taten ihr übriges mit einer hübschen Choreographie, das Jackpot-Motiv möglicherweise ein Dankeschön an die Finanzhilfen durch die Stadt. Dynamo-Coach Mauksch hatte vor dem Spiel der Hoffnung Ausdruck verliehen, dass Jenas Spieler dieser imposanten Kulisse nicht gewachsen sein könnten, doch die nahmen in den Anfangsminuten den Kampf sofort auf und agierten so, wie man das in einem Derby erwartet. Es war der in orange-schwarz gewandete Referee Gorniak aus Bremen, der sichtlich größere Probleme hatte, unter dem Druck von 26.500 Sachsen eine beiderseits faire Gewichtung von Zweikämpfen vorzunehmen. Und spätestens als infolge einer seiner abstrusen Freistoßentscheidungen Robert Koch nach 10 Minuten Carsten Nulle zu einer Glanzparade zwang, schlug das Pendel auch spielerisch klar zugunsten der Gasteber aus. Vornehmlich über ihre quirligen Außenspieler Koch und vor allem Müller beschäftigten die Dynamos Jenas Hintermannschaft pausenlos, Nagy und Sträßer hatten Schwerstarbeit zu leisten, während van Eck nach 31 Minuten auch noch Abwehrchef Lanzaat auswechseln musste, der in einem Laufduell mit dem ebenso giftigen wie theatralischen Savran einen Pferdekuss mitbekommen hatte. Müller mit knapp am langen Pfosten vorbei streichenden Flachschuss nach 35 Minuten und Savran per Kopf mit dem Pausenpfiff hatten die größten Möglichkeiten, die Sachsen verdient in Führung zu bringen.
Jena fand im Offensivspiel kaum statt, viel zu sehr waren die Außenspieler zu Defensivaufgaben gezwungen, die erste Halbchance datierte aus der 40. Spielminute, als der eingewechselte Amrhein sein schönes Solo nicht erfolgreich abschließen konnte. Das Resultat war aus FCC-Sicht das Beste zum Pausentee, und manch einer erinnerte sich an die Begegnung vor Jahresfrist an gleicher Stelle. Da war es der FC Carl Zeiss, der reihenweise Großchancen liegen ließ, drei Mal Aluminium traf und am Ende unglücklich verlor.

Würde sich die Geschichte unter umgekehrten Vorzeichen vielleicht wiederholen? Ja! Denn der FCC kam nun besser aus der Kabine, spielte endlich auch selbst Fußball, statt nur zu reagieren und kam durch Hähnge und den kurz darauf gegen Kühne ausgetauschten Schmidt zu ersten Möglichkeiten. Nach 59 Minuten explodierte dann der mit 2.500 bangenden Zeissfans gefüllte Gästeblock endlich. Amrhein erkämpfte sich gegen Mikolajczak das Leder in der eigenen Hälfte, schickte Smeekes steil den rechten Flügel entlang, der gänzlich uneigensinnig millimetergenau auf den in der Mitte mitlaufenden Hähnge gab. Linker Fuß hingehalten, Tor, 1:0 Jena!
Zehn Minuten später fast das zweite Tor für Thüringens Nummer eins, doch Amrheins Schuss bleibt hängen und Truckenbrod bringt den Abpraller nicht unter Kontrolle. Auf der Gegenseite pariert Nulle gegen Müllers Hereingabe glänzend und hat Glück, dass der gemeinsam mit Dobry eingewechselte Gundersen haarscharf an einer Linksflanke vorbeitaucht. Eine Co-Produktion zweier Ex-Dynamos bringt dann die Vorentscheidung. Hähnge düpiert die Abseitsfalle der ausschließlich auf Smeekes fixierten schwarz-gelben Verteidiger und schickt den von hinten durchstartenden Truckenbrod auf die Reise zum 2:0. Der gefühlvolle Heber des sonst eher für brachiale Schusstechnik bekannten Mittelfeldspielers ins Netz verwundert und verzückt Jenas Anhang gleichermaßen. Party in blau-gelb-weiß auf den Rängen, und als Patrick Amrhein einen klugen Pass Gardawskis in die Gasse erläuft, das Leder an Keller vorbei spitzelt und dem Ball dabei einen solchen Drall mitgibt, dass er sich noch an den Innenpfosten und ins Tor dreht, brechen alle Dämme. Es scheint einfach der Tag des FCC zu sein, während Dobry noch an Nulle und Gundersen an der Latte scheitert. Einziger Wermutstropfen der dumme Platzverweis für Michael Gardawski kurz vor Spielende, der auf die Provokation von Dynamos Hübener ebenso hereinfällt, wie Referee Gorniak auf dessen schauspielerische Einlage. Hübener, in Halbzeit eins gegen Smeekes ordentlich und ungestraft austeilend hatte durch eine ähnlich hollywoodreife Leistung bereits die fünfte gelbe Karte gegen Orlando provoziert, so dass die Fahrt nach München am Dienstag nun keine leichtere sein wird.
Doch derartige Gedanken waren noch weit weg an jenem denkwürdigen Nachmittag, als im Dynamo-Block das "Wir gewinnen sowieso"-Plakat verschämt eingerollt wurde, während das komplette FCC-Team noch einmal aus der Kabine zu seinen Fans kam, um bei Uffta, Pogo und Orlandos Moonwalk einen hart erkämpften Auswärtssieg zu feiern, der die Dresdner Serie von 8 Heimsiegen in Folge beendet und Jenas auf nunmehr 12 ungeschlagene Begegnungen anwachsen lässt. <gunner>

Kurzbericht auf dynamo-dresden.de

FC Carl Zeiss Jena - SSV Jahn Regensburg 3:1

Tore: 0:1 Kreis (4.), 1:1 Truckenbrod (34.), 2:1 Gardawski (67.), 3:1 Orlando (77.)

Jena: Nulle; Sträßer, Lukimya, Lanzaat, Nagy; Wuttke (90. Petersen), Truckenbrod, R. Schmidt, Gardawski (82. Kühne); Amrhein, Orlando (90. Ullmann)
Regensburg: Sattelmaier; Erfen, Maul, Hagmann, Romminger; Hein (58. Zellner), Kreis (71. Schmid), Schlauderer (75. Berger), Shynder; Stoilov, Reichwein

Zuschauer: 6246

Schiedsrichter: Dankert (Rostock)

Spielbericht
Anfang Februar hatte die Erfolgsserie des FC Carl Zeiss in der Rückrunde ihren Anfang genommen. Mehrere englische Wochen hindurch eilte die Elf von Sieg zu Sieg, selbst die Unentschieden zwischendurch fühlten sich irgendwie so an. Dass die erste Enttäuschung, ein Heimremis gegen Unterhaching, mit dem Abschluss der englischen Wochen zusammenfiel, mag kein Zufall gewesen sein. Vielleicht hatte der eine oder andere Spieler mit einem Mal zu viel Zeit zum Rechnen gehabt und sich selbst jenen Druck auferlegt, den der Trainer standhaft zu vermeiden sucht. Doch könnte das 1:1 vom Sonnabend nicht auch positive Auswirkungen gebracht haben ? Die Rückkehr der Erkenntnis zum Beispiel, dass jeder Erfolg aufs Neue erarbeitet werden muss und kein einziger Kontrahent auf die leichte Schulter genommen werden darf ?

Nimmt man die ersten 100 Sekunden der Partie gegen Regensburg zum Maßstab, haben das unsere Spieler verinnerlicht. Einem Tornado gleich bestürmten sie mit dem Anpfiff das Gästegehäuse. Nach dreißig Sekunden war Orlando freigespielt und scheiterte nur knapp beim Versuch, den Ball am Torhüter vorbei zu legen, um anschließend freie Bahn haben zu können. Dann setzte Timo Nagy einen Freistoß aus 25 Metern derart raffiniert aufs Tor, dass ihn Sattelmaier nur mit Mühe über die Latte zur Ecke lenken konnte. Schließlich war da noch der Kopfball von Jens Truckenbrod, den ein Regensburger Verteidiger von der Linie fischte. Auftakt furioso ! Die Gäste kommen nach drei Spielminuten erstmals an den Jenaer Strafraum. Ralf Schmidt wirft sich zunächst mit Erfolg in einen Schuss, der Abpraller aber fällt Sebastian Kreis vor die Füße, welcher aus achtzehn Metern gleich noch mal abzieht und den Innenpfosten trifft, von wo aus der Ball ins Netz fliegt. 0:1. Erst kein Glück gehabt und dann kam auch noch Pech hinzu - zeitig wie nie zuvor fand dieser abgenutzte Fußballerspruch bereits nach 240 Sekunden seine Berechtigung.
Der Gegentreffer zeigte Wirkung, der Spielfaden nun erst einmal gerissen. Nur sporadisch strahlten die Jenaer Angriffbemühungen in dieser Phase Torgefahr aus. So wie in Minute 20, als Amrhein einen Pass fast ängstlich in die Spitze spielte. Immerhin fand dieser Pass mal seinen Adressaten namens Orlando, welcher aber an Sattelmaier scheiterte. Fünf Minuten darauf bekamen die SSV-Verteidiger das Leder nach einem Eckball nicht aus dem eigenen Sechzehner. Tim Wuttke versuchte dies zu nutzen, schoss dem Gästekeeper aber direkt in die Arme. Schnell war klar, die Jenaer brauchen ein Erfolgserlebnis, um in diese Begegnung zurück zu finden. In Minute 33 spielt Gardawski flach nach innen. Der Ball rollt durch bis zu Jens Truckenbrod, der aus zwanzig Metern Torentfernung drauf hält und links unten ins Eck trifft. Jubel unter den leider nur gut sechstausend Zuschauern, die gleich darauf die schönste Kombination in Hälfte eins zu sehen bekommen. Schnell und direkt zaubern sich Amrhein, Wuttke und Truckenbrod mit neuem Selbstvertrauen vors Tor, diesmal bleibt „Trucke“ mit seinem Schuss allerdings hängen. Halbzeit.

Nach der Pause machten die Jenaer zunächst da weiter, wo sie aufgehört hatten. Orlando eröffnete sich in der 51. Minute eine Doppelchance, von der er hinterher selbst sagen wird, er hätte eine von ihnen nutzen müssen. Scheiterte er im ersten Versuch mit straffem Schuss an Sattelmaier, bugsierte er den zurückspringenden Ball direkt ans Außennetz. Dem folgte noch ein schöner Schuss von Amrhein nach Zuspiel von Orlando, ehe sich das Spiel seine nächste kleine Auszeit nahm. Bis zu Minute 67. Wieder ist es Orlando, der sich einen Ball auf der linken Seite erläuft. Einmal, zweimal täuscht er ein Dribbling an und als das halbe Stadion schon verzweifelt 'Spiel doch ab' brüllt, kommt endlich das Zuspiel, rüber zu Michael Gardawski. Dessen Fackel aus 20 Metern zischt nur so ins Netz zum längst verdienten Führungstreffer. Wir wissen nicht, weshalb die Kölner Leihgabe ("Ob ich hier bleibe, müssen die Vereine unter sich klären. An mir wird's nicht liegen") diesmal seine roten Schuhe in der Kabine gelassen hatte. Doch die Erfolgsgeschichte im Jenaer Dress fand für Gardawski auch mit den weißen Tretern ihre Fortsetzung.
Regensburg wäre mit einem Unentschieden sicher zufrieden gewesen, hatte eine gefühlte Ewigkeit keine Torchance mehr herausgespielt. Das blieb auch so, in Rückstand liegend taten sie nun aber gezwungenermaßen mehr für den Spielaufbau und schufen zumindest mit Standarts Gefahr. Spätestens nachdem Shynder einen Freistoßball ans Lattenkreuz verlängert hatte (69.), waren die Glückskonten beider Mannschaften wieder ausgeglichen. In Anbetracht solcher Schrecksekunden sind wir Orlando mehr als dankbar, dass er uns mit seinem Treffer dreizehn Minuten vor Schluss eine nervenaufreibende Schlussphase ersparte. Mit einem Solo von der linken Seite in die Mitte ziehend an drei Gegenspielern vorbei und dem Torschuss von der Strafraumgrenze schraubte der Holländer seine Trefferquote auf nunmehr 15 nach oben ! Ihm verschaffte sein Trainer mittels Auswechslung genauso noch den verdienten Einzelbeifall wie den beiden Außen Gardawski und Wuttke, welche ebenfalls zu den Besten zählten. Wuttke war statt des an der Ferse verletzten Benyamina diesmal vom Start weg zum Einsatz gekommen. Und obwohl er nicht zum ersten Mal in seiner Karriere so weit vorn spielte - seine erfrischenden Offensivaktionen auf der rechten Seite waren die vielleicht überraschendste Entdeckung dieser neunzig Minuten.

"Jetzt sieht es nicht so schlecht aus", freute sich Carsten Nulle als Mannschaftskapitän darüber, nach dem Hachinger Remis wieder die Kurve bekommen zu haben. Da in Jena aber offiziell niemand von einem möglichen Aufstieg redet, sondern nur von Spiel zu Spiel denkt, darf sich erst einmal auf die Atmosphäre vor 25.000 im neuen Dresdner Dynamo-Stadion gefreut werden. <fc>

Spielbericht auf ssv-jahn.de

FC Carl Zeiss Jena - SpVgg Unterhaching 1:1

Tore: 1:0 Gardawski (41.), 1:1 Bischoff (72.)

Jena: Nulle; Sträßer, Lukimya, Lanzaat, Nagy; Benyamina (84. Amrhein), Truckenbrod, Schmidt (86. Kühne), Gardawski (74. Wuttke); Orlando, Holwijn
Unterhaching: Kampa; Brysch, Susak, Hain, Ziegler; Grech (86.Pasiciel), Schaschko, Kanca (46. Schwabl), Mützel; Rathgeber (70. Bischoff), Schweinsteiger

Zuschauer: 7165

Schiedsrichter: Aarnink (Nordhorn)

Spielbericht
Neun Spiele ungeschlagen - seit der Heimniederlage am 23.Januar gegen Sandhausen setzte der FCC zu einer Serie an, die ihn ganz schnell aus der grauen Masse des Mittelfelds in die oberen Tabellenpositionen beförderte. Und gegen den Tabellen-Vierzehnten aus Unterhaching sollte auch nach dem heutigen Spiel diese Serie noch weiter Bestand haben. Die Jenaer begannen auch von Beginn an druckvoll und drückten die Bayern in deren Hälfte und prompt gab es bereits nach vier Minuten die erste gute Möglichkeit für die Platzherren. Nachdem der zu flach geschossene Eckball von Nagy noch geblockt werden konnte, versuchte er es mit seinem zweiten Versuch auf den langen Pfosten, doch Orlando rutschte knapp am Ball vorbei. Fortan blieb der FCC auch weiter am Drücker, doch mehr als Eckstöße sprangen nicht heraus. Die Gäste, die auf 7-8 Stammkräfte verzichten mussten, taten nicht mehr als nötig und blieben bei ihren Angriffsbemühungen lau. Aber ein richtiges Rezept fanden die Jenaer am heutigen Tage nicht, das Abwehrbollwerk der Hachinger zu knacken. Nach 25 Minuten mal wieder eine schöne Einzelaktion von Orlando, aber sein Schuss aus der halblinken Position ging am langen Pfosten vorbei. Keine 120 Sekunden später ein erster Jubelschrei im Ernst-Abbe-Sportfeld, doch leider erkannte Schiedsrichter Aarnink den Schuss von Holwijn wegen Abseitsstellung nicht an. Herrliche Kombination in der 36. Minute zwischen Holwijn und Orlando, doch der Versuch einer Flanke landet hinter dem Tor. Vier Minuten vor der Pause dann der Höhepunkt der ersten Halbzeit. Zunächst hatte Orlando aufs Tor geschossen, doch sein geblockter Schuss kommt erneut hoch in den Strafraum, wo am langen Pfosten Gardawski steht und die Kugel unter die Latte nagelt. 1:0 für Jena. Nach den Spielanteilen eine hoch verdiente Führung, denn von den Gästen war bis dato nur sehr wenig zu sehen.

Das änderte sich auch nach der Pause zunächst nicht gravierend, denn auch in Halbzeit zwei waren die Platzherren das spielbestimmende Team. Ralf Schmidt setzte nach 51 Minuten zu einem wunderschönen Sololauf an, bei dem er gleich mehrere Gegenspieler locker umkurvte, doch sein Schuss aus gut 20m konnte Kampa parieren. Sekunden später erneut eine gute Chance für die Jenaer. Gardawski probierte sich diesmal per Eckstoß, der Ball kam hoch hinein und in der Mitte springt Orlando zum Fallrückzieher ab, doch leider ging sein Ball über den Kasten. Aber der FCC setzte nicht nach, sondern ließ fortan die Gäste mehr und mehr ins Spiel kommen, die aber bis dato nach vorn immer noch sehr harmlos blieben. Das änderte sich schlagartig nach der Einwechslung vom langzeitverletzten Bastian Bischoff in der 70. Minute, der nun die Jenaer Abwehrreihen beschäftige. Keine zwei Minuten waren nach seiner Einwechslung vorbei, da stand er nach einer langen Flanke völlig frei und konnte zum Ausgleich für Unterhachinger einköpfen. Siebzig Minuten war von den Gästen nichts zu sehen und gleich die erste Torchance konnten sie nutzen. So ist manchmal Fußball… Aber der Treffer schien die Bayern erweckt zu haben, denn nun trauten sie sich schlagartig mehr zu und ließen die Jenaer gar nicht mehr richtig ins Spiel kommen. So verging über eine Viertelstunde, in der es zum Ende der Partie zu keiner nennenswerten Tormöglichkeit mehr kam. Erst wieder zwei Minuten vor Ultimo noch eine gute Möglichkeit, als der gerade eingewechselte Stefan Kühne einfach frech aus der zweiten Reihe abzog, doch zum Pech der Jenaer konnte Kampa seinen schönen Schuss gerade noch parieren. Sekunden vor dem Abpfiff noch eine allerletzte Chance, diesmal für Amrhein, doch auch er hatte kein Glück mehr und sein Kopfball ging über das Tor.

Für die Hachinger am Ende ein glücklicher Punkt, während der Punkt den Jenaern zweifelsohne weniger hilft, denn von der Tabellenkonstellation musste heute einfach ein Heimsieg her. Aber Jenas Coach René van Eck war am Ende auch mit diesem Unentschieden zufrieden, zumal die Serie der Jenaer nun auch im zehnten Spiel noch Bestand hat. <vg>

FC Ingolstadt - FC Carl Zeiss Jena 2:2

Tore: 1:0 Wohlfahrt (1.), 2:0 Wohlfarth (60.), 2:1 Orlando (68.), 2:2 Orlando (84.)

Ingolstadt: Sejna; Keidel, Pisot, Fleßers, Fink; Bambara, Metzelder, Leitl, Buchner (83. Neuendorf); Hartmann (58. Gerber), Wohlfarth (76. Braber)
Jena: Nulle; Wuttke, Lukimya, Lanzaat, Nagy; Benjamina (62. Amrhein), Truckenbrod, R. Schmidt, Gardawski (89. Kühne); Holwijn, Orlando

Zuschauer: 5353

Schiedsrichter: Petersen (Stuttgart)

Spielbericht
Fußball unmittelbar zur Osterzeit. Wie günstig, da kann man in Spielberichten von (selbst) ins Nest gelegten Eiern fabulieren und trefflich das Motiv der Wiederauferstehung ergreifen. Muß man aber nicht.

Man stelle sich vor, daß Editorial des Jenaer "Anpfiff"-Heftes würde am 38. Spieltag mit dem Satz beginnen: Mit dem VfB stellt sich zum 16. und letzten Mal in dieser Saison ein Westklub im EAS vor. Klingt albern und wäre es auch. Die Macher der "Schanzer News" hielten derart absurdes Kategorisieren jedoch für angebracht und begrüßten daher mit dem FCC "zum letzten Mal in dieser Saison einen Ostklub in Ingolstadt". Aber man hätte ja gewarnt sein müssen, denn sollte jemals das peinlichste Titelbild eines Stadionheftes gewählt werden, so wäre der gestrigen Ausgabe der FCI-Postille Platz 1 unangefochten sicher. Wundern würde dies sicher nicht, verfügt der FCI doch zusätzlich über einen jener Stadionsprecher, die ihren Job mit dem eines mittelmäßigen Animateurs auf einer provinziellen Dorfkirmes verwechseln. Ich bin ja sonst kein großer Freund von Stadionverboten, aber in dem Fall...

Mit solchen Ärgerlichkeiten konnte man sich allerdings nicht lange aufhalten, denn die nächste ereignete sich schon eine halbe Minute nach Anpfiff. Direkt vorm Block der ca. 1200 FCC-Fans einigten sich Nagy und Lanzaat darauf, die Abseitsvariante zu probieren, statt die Attacke zu suchen und bescherten damit Wuttke in der Mitte ein nicht lösbares Problem. Drei Rote tauchten somit frei vor Nulle auf und Wohlfahrt hatte keine Mühe beim 1:0, auch wenn etliche FCC-Fans meinten, zumindest der Paß auf den Torschützen entspräche dem Abseitstatbestand. Die Jenaer schüttelten sich kurz und waren fortan bemüht, das Spiel unter Kontrolle zu bekommen, diesmal wieder ohne Sievers (dafür Lanzaat)und mit Holwijn für den gesperrten Hähnge. Die ersten beiden langen Pässe auf Orlando konnten die Hausherren noch ungestraft foulend bzw. haltend verhindern, was beim 3. allerdings schon nicht mehr gelang. (9.) Dafür hatte Jenas Sturmpfeil etwas zu viel Schwung, versuchte sich an Sejna festzuhalten und sank gemeinsam mit diesem völlig harmlos zu Boden. Sejna ist ja so etwas, wie der Prototyp des torhütenden Mittelmaßes. Der taucht immer mal irgendwo wieder auf, ohne daß ihn jemand bemerkt oder anderswo vermißt. Logisch, daß der eine solche Harmlosigkeit nutzt, um sich aufzuplustern wie ein lüsterner Pfau. Nach gut einer Viertelstunde hatte der FCC sein Ziel, das Spiel zu beruhigen und es zu kontrollieren, erreicht. Die Ingolstädter begannen, sich aufs Kontern zu verlegen. Die offensiveren Akzente setzte der FCC, z. B. über Gardawski in der 14., Orlando in der 16. und erneut Gardawski in der 20. Minute. Ja, die Unseren wehrten sich gegen diesen unnötigen Rückstand, den entscheidenden Erfolg verhinderten aber kleine Konzentrationsmängel in den finalen Aktionen. Vielleicht würden ja Freistöße helfen? Einen trat Nagy (zuvor Foul an Ralf Schmidt) von halbrechts, die Aktion endete jedoch mit einem Abseitspfiff. Nach Foul an Orlando im linken Halbfeld, zirkelte Gardawski den nächsten aus 30 Metern auf die lange Ecke, wo Sejna allerdings faustend klären konnte. (23., 28.) Schon rollte der nächste FCC-Angriff über rechts, doch Orlando mag sich nicht so recht zwischen Schuß und Hereingabe zu entscheiden, wodurch der Ball am langen Pfosten ins Aus geht. Nach knapp einer halben Stunde muß dann auch Nulle mal wieder beweisen, was für ein famoser Torwächter er ist und nach FCI-Freistoß und Schmidt-Fehler gelingt dieser Beweis eindrucksvoll.
Dennoch, zu dieser Zeit verfügte der FCC eindeutig über mehr Spielanteile, was vor allem einem offensiv eindrucksvoll agierenden Schmidt zu verdanken war, ebenso einem starken Nagy und einem emsigen Gardawski. Holwijns Spiel wirkte dagegen war zwar bemüht aber etwas fahrig und unkonzentriert und Benyamina blieb unauffällig (sieht man mal von seinen neuen Schuhen ab). In den Minuten 33 und 34 durfte man sich dann darüber wundern, daß zwei grobe Fouls an Wuttke und Benyamina kartenlos blieben. Letzteren schien das allerdings anzustacheln, denn gleich darauf zog er von links außen nach innen, setzte seinen 18-Meter-Schuß allerdings neben das Tor. (37.) Bis zur Pause dominierte weiter der FCC, erst mit einem schönen Wuttke-Solo über rechts und dann mit einem Gardawski-Freistoß von halblinks, den Sejna nur mühevoll zu Ecke bugsieren kann. Letzter Aufreger in HZ 1 war dann das brutale (natürlich nicht mit Gelb geahndete) Foul an RS, als dieser nach einem FCI-Freistoß einen Jenaer Konter einleitete. (41.)
Nach dem Pausenpfiff wußte man eigentlich nicht so recht, was man unseren Jungs (außer der mißratenen Aktion nach 20 Sekunden) trotz des Rückstandes vorwerfen sollte. Sie hatten das Spiel unter Kontrolle, führten die Mehrzahl der Angriffe und hatten sich in etwa doppelt soviel bewegt wie ihre Gegenspieler. Immer und immer wieder spielten sie aus einem starken Mittelfeld couragiert nach vorn, wo sie dann allerdings leider die notwendige Präzision vermissen ließen. Während wir also den deutlich höheren spielerischen und läuferischen Aufwand betrieben, hatten sich die Gastgeber auf frühzeitiges Abwarten -allerdings nicht ungefährlich- verlegt.

Nach einem gruseligen Pausenspektakel glich der Wiederanpfiff einer Erlösung und Ralf Schmidt setzte mit seinem 20-Meter-Schuß von halblinks das erste Achtungszeichen. (46.) Kurz darauf parierte Nulle nach einem bereits abgewehrten Ingolstädter Freistoß erneut prächtig. (49.) Dann wieder 2 Gardawski-Aktionen über rechts. Sein erster Schuß (nach Orlando-Zuspiel per Kopf) wurde jedoch abgeblockt (51.) Dann kommt der Ball auf direktem Wege über Benyamina und Holwijn erneut zu Gardawski und der zieht, halbrechts im Strafraum stehend, direkt per Außenrisst ab. Leider etwas zu schwach und so ist Sejna noch rechtzeitig unten. (52.) Beim anschließenden FCI-Angriff über links unternimmt dann Nulle einen Osterausflug raus aus dem Strafraum, letztendlich erfolgreich. Nach knapp einer Stunde ahndet der Gelbe Mann dann Holwijns Körpereinsatz mit einem Freistoß, 35 bis 40 Meter vor Nulles Kasten. Dieser Freistoß findet dann direkt seinen Weg in Richtung Nulle, der nur nach vorne abwehren kann. Dort kommt Lanzaat einen Schritt zu spät gegen Wohlfahrt und ebenso unerwartet wie unverdient steht es plötzlich 2:0.
Im Normalfall scheint ein solches Match gelaufen. Aber was ist beim FCC schon der Normalfall? Mindestens 4 gute Gründe sprachen dafür, daß die RvE-Elf zurückkommen würde: Erstens steht da seit einigen Wochen eine Mannschaft auf dem Platz, die sich spielerisch und taktisch enorm weiterentwickelt hat. Zweitens handelt es sich inzwischen wieder um ein echtes Team, das an sich und seine Fähigkeiten glaubt. Drittens gehört zu diesem Team neuerdings ein Michael Gardawski und mit diesem unbekümmerten Typen auf der rechten Seite hat der FCC noch kein Spiel verloren, warum dann gerade in Ingolstadt? (Schade, daß Gardawski nicht schon gegen Sandhausen wirbelte!) Und Viertens hat der FCC einen Orlando Smeekes, also jene launenhafte Diva, die noch vor einiger Zeit desorientiert durchs Paradies irrlichtete. Inzwischen scheint klar, daß van Eck wohl genau jene Ansprache gefunden hat, die dieser extrovertierte Typ versteht. Diesen Orlando kannst du pro Spiel zigfach wegen verlorener Zweikämpfe, unterlassener Flanken, aussichtsloser Dribblings oder versprungener Bälle verfluchen, aber mit seiner aufdringlichen Präsenz entnervt er irgendwann jeden Gegenspieler. Und neuerdings macht er aus genau diesen ein, zwei Szenen pro Spiel seine Buden. Was will man mehr?
Teil Eins der Orlando-Show leitete Gardawski ein. Er reagiert nach einem Freistoßpfiff blitzschnell und schlägt den Ball weit und präzise nach halblinks. Als Keidel den Ball auf sich zukommen sieht und Orlandos Atem spürt, werden ihm sofort die Knie weich und das sein Rückkopfball daneben gehen würde, war absehbar. Diebisch grinsend erlief sich Jenas Stürmer den Ball, düpierte den schwerfälligen Sejna und haspelte den Ball ins Netz zum Anschlußtreffer. (67.) Jetzt beherrscht der FCC die Hausherren und hat dennoch Glück, da er von einer umstrittenen Abseitsentscheidung profitiert. (78.) Pech hat dann Wuttke, als er zunächst auf der rechten Seite einen wunderbaren Doppelpaß mit Gardawski spielt, sein Laufduell mit einem Ingolstädter aber fälschlicherweise abgepfiffen wird. Was soll's, es gab ja noch Teil 2 der Orlando-Show. Zunächst wurde Holwijn 20 Meter vor dem Tor in zentraler Position umgerissen, folgerichtig Freistoß. Orlando läuft an. Gardawski blockt in der Abwehrmauer eine Lücke frei. Orlando schießt, der Ball findet den von Gardawski geebneten Weg und Sejna kann mit seinem Alibi-Flug auch nichts mehr ausrichten - TOOOR! 2:2 (84.) Völlig verdienter Ausgleich!
Seinen gerechten Ausgang hätte das Spiel dann in Minute 89 finden können, als Ralf Schmidt ein feines Zuspiel ebenso elegant mit der Brust annimmt und vom rechten Fünfmeterraumeck volley abzieht - leider mit etwas zu viel Rücklage. Seinen ungerechten Ausgang hätte das Spiel dann in Minute 90 finden können, wenn Nulle nicht sensationell den letzten Ingolstädter Kopfball abgewehrt hätte.

Was mit dieser Truppe und deren Moral tatsächlich noch zu erreichen ist - wer weiß das schon? Für Überraschungen ist der FCC ja immer gut - auch nach Ostern! Gute Gründe dafür gibt es genügend... <jk>

Bericht auf fcingolstadt.de

FC Carl Zeiss Jena - Kickers Offenbach 0:0

Tore: Fehlanzeige

Jena: Nulle; Sievers, Wuttke, Lukimya, Nagy; Benyamina (53. Holwijn), Truckenbrod (88. Ziegner), Schmidt, Gardawski (69. Amrhein); Smeekes, Hähnge (RK, 88.)
Offenbach: Wulnikowski; Huber; Schutzbach, Heitmeier, Kopilas; Zinnow, Pospischil (63. Ulm), Pfingsten-Reddig, Fröhlich (46. Moosmayer); Mesic, Hesse

Zuschauer: 9431

Schiedsrichter: Dittrich (Bremen)

Spielbericht
Fünf Spiele - Fünf Siege. Wann hatte es zuletzt diese beindruckende Serie gegeben? Da müssen wir schon in der Chronik bis ins Jahr 2006 zurückschauen. Damals schafften die Kicker des FCC sogar sechs Siege in Folge und stiegen am Ende der Saison verdient in die 2.Bundesliga auf. Ob es den Mannen um René van Eck noch einmal gelingen sollte, so eine Serie hinzulegen? Der sechste Sieg in Folge ist gegen die heutigen Gäste aus Offenbach allemal möglich, zumal sich die Hessen gerade in einer kleinen Krise befinden. Aber meist sind gerade immer diese Spiele die schwierigsten.

Der FCC begann auch von Beginn an druckvoll, aber die Gäste hielten voll dagegen. Es dauerte bis zur achten Minute, bis Gardawski mit einem Schuss aus 22m für die erste Jenaer Aktion sorgte. Aber fortan warteten beide Teams mit schönem Kombinationsfußball im Mittelfeld auf, ohne jedoch für Torchancen zu sorgen. Ein Freistoß von Orlando (13.) landete in den Beinen der Abwehr, Hähnge schaltete am schnellsten und bediente Lukyima, der allerdings nicht zum Torschuss kommt. Nach 19 Minuten glänzte Gardawski mit einer herrlichen Hackenablage genau in den Lauf von Truckenbrod, doch dessen Schuss konnte Wulnikowski parieren. Kurz darauf ließ Orlando mit zwei guten Aktionen (21./24.) sein Können aufblitzen, doch leider stand ihm bei diesen Aktionen das Glück nicht zur Seite. Nach 24 Minuten dann die erste Möglichkeit für die Hessen durch den Ex-Jenaer Christian Fröhlich, aber sein Schuss ging um einiges über das Tor. Der FCC erhöhte nun kontinuierlich den Druck und erspielte sich Chance um Chance. Zunächst war es erneut Orlando, der mit seinem Schuss aufs kurze Eck in Wulnikowski seinen Meister fand. Wenig später eine schöne Ballstafette zwischen dem überragenden Gardawaski und Schmidt, doch leider verfehlte letzterer mit seinem Schuss das Tor. Vier Minuten vor der Pause die schönste Aktion der Jenaer in Halbzeit eins: Orlando passte nach einem Sturmlauf von rechts flach in den Lauf von Truckenbrod, der sofort scharf und platziert aufs untere Toreck abzog, doch der Gästekeeper war erneut zu Stelle und konnte mit einer super Parade den Rückstand gerade noch verhindern.

Auch nach der Pause machten die Platzherren weiter Druck und kamen schon in der 48.Minute zur nächsten guten Tormöglichkeit, aber Schmidt hatte heute wirklich nicht das richtige Zielwasser getrunken und sein Schuss verfehlte erneut das Tor. In der 54.Minute hatten die meisten Zuschauer schon den Torschrei auf den Lippen, Wulnikowski war endlich einmal nicht an den Ball gekommen, doch Orlandos scharf geschossener Ball aus spitzem Winkel donnerte an den Pfosten. Erst nach gut einer Stunde erholten sich die Offenbacher von der Jenaer Offensive und kamen zum ersten Mal in Halbzeit Zwei gefährlich vor das Jenaer Gehäuse. Aber die beste Möglichkeit bot sich dem OFC in der 71. Minute, als Zinnow auf der rechten Seite bis zur Grundlinie durchstieß, aber zum Glück fand seine flache und scharfe Hereingabe keinen Abnehmer, so dass der Ball durch den Jenaer Strafraum zischte. Aber das war es dann auch schon von den Angriffbemühungen der Gäste, denn Orlando (80.) setzte erneut zu einem seiner vielen Sturmläufe an, aber auch mit seinem herrlich ansatzlosen Schuss konnte er am heutige Tage Wulnikowski nicht überwinden. Fünf Minuten vor Ultimo stockte dem Jenaer Anhang der Atem, als Hesse mutterseelenallein auf Nulle zustürmte. Doch zum Glück blieb der Jenaer Kapitän ganz cool und machte den Winkel spitz, so dass Hesse scheiterte.
Das Spiel war nun quasi gelaufen, doch dann kam es zum eigentlichen "Höhepunkt" der Partie. Holwijn war bis zur Grundlinie durchgestürmt, aber der Ball ging ins Aus. Wie von einer Tarantel gestochen kam Gästekeeper Wulnikowski aus seinem Tor und ging Holwijn an. Sofort kamen andere Spieler hinzu und es kam zu einer Rudelbildung, bei der der eine oder andere Spieler zu Boden ging. Schiedsrichter Dittrich, der mit dieser Aktion nun völlig überfordert schien, zeigte Holwijn und Wulnikowski die Gelbe Karte und zu allem Übel sah Sebastian Hähnge auch noch die Rote. Die Fans, Spieler und auch Verantwortlichen waren natürlich außer sich vor Wut, denn Wulnikowski hätte mindestens ebenso die Rote Karte sehen müssen. Stattdessen schickte der Schiri nun auch noch beide Trainer auf die Tribüne, was am Ende nun gar keiner mehr verstand. Die letzten Sekunden gingen vorbei und eine turbulente Partie war zu Ende.

Die Offenbacher werden in ihrer Situation mit diesem Punkt sicherlich zufrieden sein, doch für die Jenaer war der sechste Sieg in Folge allemal drin. Allerdings hatten die Hessen mit Wulnikowski den spielentscheidenden Mann in ihren Reihen, der 88. Minuten überragend hielt, aber dann mit seiner sinnlosen Aktion für solche Unruhe sorgte, dass die Jenaer in den kommenden Spielen auf einen wichtigen Angreifer verzichten müssen, was am Ende am meisten schmerzt.<vg>

Der Gästebericht auf ofc.de

SV Werder Bremen II - FC Carl Zeiss Jena 1:2

Tore: 1:0 Artmann (42.), 1:1 Orlando (49.), 1:2 Holwijn (85.)

Bremen: Wiedwald; Gerdes, Schmidt, Stallbaum, Perthel; Ronneburg, Feldhahn, Kempe, Artmann (74. Enga); Thy, Furtacs (RK, 90.)
Jena: Nulle; Wuttke, Lukimya, Lanzaat, R. Schmidt; Gardawski (86. Sievers), Kühne (27. Ziegner), Truckenbrod, Benyamina (79. Holwijn); Orlando, Hähnge

Zuschauer: 950

Schiedsrichter: Beitinger (Regensburg)

Spielbericht
So in etwa muss der Unterschied auf einen Championsleague-Teilnehmer wirken, der nach einem Gala-Auftritt vier Tage später in den Bundesliga-Alltag zurückkehrt. Nach zwölfeinhalbtausend Zuschauern am Mittwoch beim Thüringenderby musste der FCC auf einem Nebenplatz des Weser-Stadions vor einer nicht mal vierstelligen Besucherzahl antreten. Die Lightversion eines Drittligaspiels.

Da kann ein Trainer noch so oft betonen, dass genau wie in Erfurt drei Punkte zu vergeben sind - die Einstellung, mit der solch ein Spiel begonnen wird, ist eine ganz andere. Jeder Zeiss-Fan kann das an sich selbst nachvollziehen und die Tatsache, dass nach den zurückliegenden Erfolgswochen nur deren 300 den Weg nach Bremen fanden, belegt dies auch. Ein gewisses Maß an Verständnis für den offensichtlichen Druckabfall während der ersten 45 Minuten dürfen unsere Kicker also für sich in Anspruch nehmen. Zumal in dieser Halbzeit auch noch ein böiger Gegenwind ihren Spielaufbau massiv erschwerte. So kam es, dass Gardawski mit einem Kopfball in der 4. Minute eine erste Chance besaß - die folgende halbe Stunde aber keine einzige mehr hinzu kam. Bremens lange Kerle besaßen im Mittelfeld die Lufthoheit, taten sich in der Spielgestaltung jedoch schwer und wurden nur nach Standards gefährlich oder wenn Jena im Vorwärtsgang Abspielfehler unterliefen. Trieben uns Feldhahns Gelegenheiten noch nicht den Angstschweiß auf die Stirn (sein von Nulle zur Ecke gelenkter Flachschuss wäre ohnehin vorbei gegangen), war Perthels Geschoss aus 20 Metern und vollem Lauf schon von anderem Kaliber. Carsten Nulle lenkte es mit toller Flugeinlage über die Latte (24.). Dessen Vorderleute schienen noch immer nicht bei der Sache. Bei Einwürfen bietet sich keiner an und selbst dem über alle Zweifel erhabenen Assani Lukimya rollt als letzter Mann einmal der Ball durch die Beine.
Erst zehn Minuten vor der Pause lassen sich auch die Jenaer mal wieder vor dem gegnerischen Kasten sehen. Torsten Ziegner, für den verletzten Kühne frühzeitig eingewechselt, nimmt eine Vorlage Wuttkes auf, rennt damit Richtung Eckfahne und flankt scharf in die Mitte. Der heranpreschende Hähnge verfehlt unter Bedrängnis das Leder knapp. Zwei Schüsse von Wuttke und Truckenbrod noch, zaghaft wie kleine Knospen in der ersten Frühlingssonne begann Jenas Offensivspiel aufzublühen. Die Werderaner erhöhten derweil noch mal den Druck vor der Pause. Nach einem Eckball von der rechten Seite konnten Nulle und ein Verteidiger noch mit vereinten Kräften klären. In Minute 42 aber kam niemand mehr an den Ball, Artmanns Freistoß rutschte direkt durch ins lange Eck. Bremen führte verdient mit 1:0, da Jenas Vorstellung bis dahin einem Neujahrskater nach durchfeierter Silvesternacht glich.

René van Eck schien in der Kabine die richtige Medizin gefunden zu haben, denn seine Jungs kamen mit sichtbar veränderter Einstellung aus der Pause. Schmidts Flanke nur vier Minuten nach Wiederanpfiff verlängerte Lukimya mustergültig mit dem Hinterkopf. Über Torhüter Wiedwald hinweg senkte sich das Leder an den Innenpfosten und sprang dem Keeper direkt in die Arme. Ein Großteil der Zeiss-Fans hatte diesen Ball schon drin gesehen, ihr Torjubel kam also verfrüht - um exakt 10 Sekunden ! Denn während Wiedwald noch durchatmet, den Ball nach vorn wirft auf der Suche nach einer freien Anspielstation, pirscht sich Orlando in seinem Rücken an ihn heran. Jenas Stürmer hatte an der Torauslinie noch mit fehlendem Fortune in der Szene davor gehadert, als er plötzlich seine eigene Chance zu wittern beginnt. Listig mogelt er sich um Bremens verdutzten Keeper herum und schießt das Leder ins leere Tor. Der kuriose Ausgleich durch einen Orlando, dem in der ersten Hälfte so ziemlich jede Aktion misslungen war und der damit als das personifizierte Sinnbild zweier vollkommen unterschiedlicher Halbzeiten herhalten kann. Denn von nun an wehte für Jena ein anderer Wind in diesem Spiel - und das nicht nur meteorologisch gesehen ! Orlando hätte es zugunsten der Blau-Gelb-Weißen allein entscheiden können. Den von Gardawski adressierten, noch aufspringenden Ball bugsierte er über das Lattenkreuz (51.), Benyaminas Vorlage schob er am langen Pfosten vorbei. Zwischendurch scheiterte Hähnge aus 15 Metern am untröstlichen Wiedwald und dann blieb auch Orlando nach Vorarbeit Truckenbrods am Bremer Keeper hängen.
Jena will mehr als ein Unentschieden, doch allmählich läuft die Zeit davon. Melvin Holwijn kommt neu ins Spiel, setzt ab der Mittellinie zu einem unwiderstehlichen Solo an, lässt drei Bremer stehen und zielt um Zentimeter am linken Pfosten vorbei. Noch fünf Minuten. Ein hoher Ball in Werders Sechzehner wird nach links abgewehrt. Dort steht wieder Holwijn, der mit Ball am Fuß ein paar Meter nach innen läuft, abzieht - und trifft ! Spieler, Betreuer und Fans fallen sich in die Arme. 2:1, diesen Vorsprung geben sie nicht mehr aus der Hand. An Tim Wuttke kommt auf der rechten Seite nun niemand mehr vorbei, was den baumlangen Furtacs derart frustiert, dass er sich hinter dem Rücken des Schiedsrichters zu einem angedeuteten Kopfstoß hinreißen lässt. Der Assistent an der Seitenlinie hatte es beobachtet und deshalb beendete die U23 das Spiel zu zehnt.

Nachdem die für den Klassenerhalt erforderlichen 45 Punkte unter Dach und Fach gebracht sind, werden sich Trainer und Sportdirektor schon mal auf Fragen nach neuen Zielen gefasst machen können. Wie immer ihre Antwort ausfallen wird - einer Mannschaft, die solch ein Spiel wie das in Bremen noch zieht, ist einiges zuzutrauen. Wir haben das vor Jahren schon einmal erlebt... <fc>

Spielbericht auf werder.de

FC Rot-Weiß Erfurt - FC Carl Zeiss Jena 0:3

Tore: 0:1 Orlando (3.), 0:2 Hähnge (28.), 0:3 Benyamina (56.)

Erfurt: Orlishausen; Handke (26. Stenzel), Pohl (58. Humbert), Möckel, Ströhl (54. Pagenburg); Becker, Bölster, Rockenbach da Silva, Hillebrand; Kammlott, Semmer
Jena: Nulle; Sträßer (62. Wuttke), Lukimya, Lanzaat, Nagy; Gardawski, Kühne, Truckenbrod, Benyamina; Orlando (89. Osadchenko), Hähnge (76. Holwijn)

Zuschauer: 12.435

Schiedsrichter: Cortus (Nürnberg)

Spielbericht
In den Stadien der Republik versammeln sich jede Woche allerlei seltsame Menschen. Gestern teilte wieder ein besonders ungewöhnliches Geschöpf meine Nähe. Entweder hatte der Typ - nennen wir ihn der Einfachheit halber mal Philipp - überhaupt keine Ahnung vom Fußball, was ich aber nicht glaube. Er sah einfach nicht so aus, als würde er beim Wort Viererkette ausschließlich an die nächste Raucherpause denken. Oder aber, Philipp hatte das Spiel schon mal irgendwo gesehen und wußte, daß am Ende alles gut sein würde. So, als ob sich Vati die x-te Wiederholung des 54er-Finales reinzieht, bereits genüßlich darauf wartend, daß Rahn irgendwann schießen müßte und das auch tatsächlich tut und sich - wie immer - das Wunder erfüllt. Bei solch übersinnlicher Befähigung hätte mich Philipp aber sicher gewarnt, als ich mich anschickte, mir die schlechteste Bratwurst der Fußballgeschichte zu kaufen. Nein, so bösartig wirkte er eigentlich nicht... Die dritte, von mir inzwischen favorisierte Möglichkeit, ist, daß Philipp an jenem Maiabend im letzten Jahr nicht da war. Er hat es einfach nicht gesehen. Ihm fehlte die knallharte Erfahrung, wie eine Mannschaft die ohnehin verkorkste Saison in nicht mal einer Viertelstunde gänzlich vor die Wand fahren kann. Ja, Philipp war völlig ahnungslos! Das war es. Er freute sich am 1:0, ohne an die 87 folgenden Minuten zu denken, war nach dem 2:0 in Gedanken bereits beim Feiern und schaute sich den Rest mit der emotionalen Besessenheit an, mit der man sich in den 90ern einen Werbespot für Timotei-Shampoo reingezogen hat. Nein, ohne Zweifel, er war nicht dagewesen im Mai. Und da ich nun mal da war, war ich auch ein wenig neidisch auf Philipps naive Bedenkenlosigkeit. Ich habe dazugelernt! Kein "Auswärtssieg! Auswärtssieg!"-Gebrülle bei 2:0-Führung eine Viertelstunde vor Schluß, keine verfrühten "Derbysieger"-Rufe. Nur ab und zu mal "Die Nummer 1 im Land sind wir", aber das hatte ja auch nix mit dem Spiel gestern zu tun. Das ist historisch gewachsen.

Dabei bekommt mein Mißtrauen gleich zu Beginn einen herben Dämpfer. Als Kühnes Paß den blitzschnellen Orlando mustergültig erreicht, läßt der sich nicht lange bitten und hebt den Ball über den herausstürzenden Orle hinweg ins leere Tor. Die Führung nach nur drei gespielten Minuten. Ein unbeschreiblicher Freudentaumel bricht los. Aber ich reiße mich am Riemen. Die bösen Erinnerungen des letzten Frühjahrs mahnen zur Zurückhaltung, Ihr wißt schon. Und meine Vorbehalte erhalten auch gleich wieder ausreichend frische Nahrung, als Jena damit beginnt, ein Großkontingent guter Möglichkeiten zu verdaddeln. Der Gardawski muß nach 17 Minuten den Ball eigentlich nur noch an Orle vorbeischieben, macht statt dessen einen Haken mehr als gut und legt eine Millisekunde zu spät auf Benyamina ab, so daß Erfurts Abwehr noch klären kann. Drei Minuten später fliegt Hähnges Kopfball nach Gardawskis Musterflanke genau in Orles Arme. Fahrlässig! Ich fluche, Philipp lächelt überlegen. Vielleicht hat er das Spiel ja doch schon mal gesehen...
Dann dieser Freistoß von Erfurt, bei dem Nulle zunächst am Ball vorbeisegelt, ihn einen Moment später dann aber doch hat. "Das war knapp!" entfährt es mir erschrocken, "Souverän!" raunzt Philipp. Ich begreife ihn nicht... Jetzt nur den Gegner nicht stark machen. Lieber weiter nach vorn!!! Ecke für Jena. Diesmal kommt Orle angeflogen, hat aber den Ball am Ende genausowenig wie seine vier Kumpels auf der Linie, an denen Hähnge - der geduldig am langen Pfosten gewartet hatte - das Leder vorbei schiebt (28.). Waaaahnsinn! Mein Tanz fällt nun schon etwas lockerer aus. Aber sicher sein? Lieber noch nicht. Allein Jena läßt jetzt nicht mehr locker, entzieht der Phobie das Fundament. Erfurt steht völlig neben sich. Getragen von 3000facher Anfeuerung tritt Orlando abermals an, wird dann aber an der Strafraumgrenze unfair zu Fall gebracht, wobei die Strafraumgrenze offensichtlich ein ganzes Stück in den Strafraum reicht (37.). Um das 3:0 gebracht! So ein Mist aber auch.

Die Halbzeit hätte trotzdem kaum fröhlicher sein können. Entweder war zum Pokalfinale letztes Jahr kaum jemand im Steigerwald zugegen oder danach hat sich kollektiver Alzheimer weiter Fankreise bemächtigt, so daß die Sich-noch-gut-erinnern-Könnenden der Philipp-Fraktion nichts entgegenzusetzen haben. Mein Pessimismus prallt schlichtweg ab! Meine ganzen Lebensweisheiten will einfach keiner hören. Sowas!

Und auch der Mannschaft waren die wenigen mahnenden Zeigefinger herzlich egal. Keine Spur von Angst. Zwar kam Erfurt mit etwas mehr Schwung aus der Kabine, mehr als ein gefährlich getretener Freistoß durch Becker nach knapp einer Stunde und einen Lattentreffer durch Stenzel (77.) bekamen die Rot-Weiß-Fans aber nicht zu sehen. Im Gegenteil, die Mutter der Unzulänglichkeiten, ich nenne sie mal Desolatia, hielt die Rot-Weißen jetzt noch fester umarmt, so daß Benyamina zehn Minuten nach der Pause ungehindert (also einfach geradeaus) über den halben Platz rennen und den Ball an Orle vorbei ins lange Eck schieben konnte. Philipp wußte es. Jetzt glaubte ich es auch langsam. Diesmal wird es keinen Zusammenbruch geben. Die Thüringer Fußball-Welt steht wieder auf den Füßen. "Auswärtssieg! Auswärtssieg!". Und der hätte auch noch deutlicher ausfallen können. Allein der lange Truckenbrod-Pass auf Smeekes war für die dritte Liga deutlich zu genau, daß der den Ball aber aus vollem Lauf auch noch sauber mitnimmt, wäre letzte Saison allein ein Grund zum Kommen gewesen. Schade, daß sich Orlishausen mit letztem Einsatz noch in Orlandos Schuß werfen kann (77.). Und dann noch der schöne Konter über Holwijn, der aber viel zu lange mit seinem Anspiel auf Smeekes rumbummelt, so daß sich selbst Erfurts schläfrige Abwehr wieder imstande sieht, die Situation zu klären (84.). Sehen tut das schon längst nicht mehr jeder, der mal im Stadion war. Die Haupttribüne erstrahlt schon wieder im herrlichsten Rosa, viele Fans des Thüringer Vizekönigs schauen wahrscheinlich schon lange den Bayern im DFB-Pokal zu. Die, die noch da sind, höhnen gegen Hörgl. Auf der anderen Seite tobt die Blau-Gelb-Weiße Herrlichkeit, geht eine Laola nach der anderen durch den Block. Ein lang herbeigesehnter Sieg, über den nach etlichen grausamen Gastspielen in der Blumenstadt, auch in ein paar Jahren noch geredet werden dürfte.

Erfurt ist mit dem Ergebnis noch gut bedient und muß sich jetzt ganz schön strecken, um mit dem Abstieg am Ende nichts zu tun zu haben. Wünschen tue ich es ihnen nicht, allein in der Hoffnung, beizeiten mal wieder so einen Abend erleben zu dürfen. Und vielleicht bin ich ja dann der Philipp und wundere mich über all jene, die gestern nicht da waren. Von den Bratwürsten würde ich dann aber auch keinem abraten; die Erfahrung muß jeder selber machen. <bpf>

Spielbericht auf rot-weiss-erfurt.de

FC Carl Zeiss Jena - Eintracht Braunschweig 2:1

Tore: 0:1 Banser (8.), 1:1 Benyamina (29.), 2:1 Gardawski (39.)

Jena: Nulle; Sträßer, Lukimya, Lanzaat, Nagy; Gardawski (68. Wuttke), Kühne, R. Schmidt, Benyamina (89. Petersen); Orlando (76. Holwijn), Hähnge
Braunschweig: Petkovic; Reichel, Henn, Dogan, Boland; Onuegbu (46. Vrancic), Pfitzner (80. Morabit), Banser, Kragl (58. Calamita); Kruppke, Kumbela

Zuschauer: 7249

Schiedsrichter: Nowak (Bottrop)

Spielbericht
Kurz nach Abpfiff in der sogenannten Mixed Zone des Ernst-Abbe-Sportfelds. In die Freude über drei Punkte mischen sich nach Blick auf die Tabelle Journalistenfragen, ob nach drei Siegen in Folge nicht noch gänzlich andere Ziele angestrebt werden könnten als nur der Klassenerhalt. Doch Carsten Nulle bleibt auch diesmal cool und überlegt. "Wir sollten mal die Kirche im Dorf lassen", diktiert er den Reportern in die Schreibblöcke und Mikrofone, "im Januar waren wir fast tot. Da jetzt irgendwelche Dinge hinaus zu posaunen wäre töricht. Das haben wir letzte Saison so gemacht und dann sieben Spiele verloren. Wobei ich nichts dagegen hätte, wenn es so weiter geht. Aber noch haben wir keine 45 Punkte."

Anfangs sah es ganz und gar nicht nach einer Fortsetzung der kleinen Siegesserie aus. Braunschweig kam schon nach drei Minuten zu seiner ersten Gelegenheit, die ihr Torschütze vom Dienst, Dennis Kruppke gegen Nagy und Nulle vergab. So ähnlich hatte es für die Jenaer gegen Kiel auch begonnen, nur mit dem Unterschied, dass sie diesmal nicht ungeschoren über die (Anfangs-)Runden kommen sollten. Nach Kruppkes Freistoß von der rechten Außenlinie stieg Fait-Florian Banser an der Torraumlinie am höchsten und ließ unserem Keeper keine Chance zum Reagieren. 0:1, eine verdiente Führung, weil die Eintracht besser ins Spiel gekommen war und die Mehrheit der Zweikämpfe für sich entschied. Gegen ihr konsequentes Pressing bis in die Jenaer Hälfte hinein fand der FCC zunächst kein Rezept. Erschwerend kam hinzu, dass sich zwischen den beiden defensiven Mittelfeldspielern und den Offensiven davor eine ungewohnte Lücke auftat, die den Aufbau geordneter Angriffsaktionen massiv erschwerte. Infolgedessen hatte sich der Ausgleich nach einer halben Stunde nicht unbedingt abgezeichnet, ein schönes Tor war es trotzdem. Soufian Benyamina bekam den Ball von Ralf Schmidt in den Strafraum serviert und lupfte ihn mit rechts über Torhüter Petkovic hinweg in die lange Ecke. Jenas erster Treffer mit dem ersten Torschuss - effizienter geht's nicht.
Als wenn es eines solchen Weckrufes bedurft hätte, drehten die Jenaer nun richtig auf. 36. Minute, der starke Gardawski spielt Orlando an. Dem wirft man vielleicht nicht zu Unrecht vor, gern mal zu eigensinnig ohne Blick für den Nebenmann zu agieren. Nicht so aber in dieser Szene. In einer Position, aus der er selbst hätte den Abschluss suchen können, übersah er den noch besser postierten Sebastian Hähnge nicht. Jenas Stürmer schoss sofort, Petkovic war geschlagen, doch der rechte Pfosten verhinderte die Jenaer Führung zu diesem Zeitpunkt. Keine vier Minuten später gibt es den ersten Eckball des Spiels. Petkovic faustet ihn aus dem Strafraum, von wo aus aber wieder Orlando loszieht. Dessen Flanke von der rechten Seite fliegt hinüber in die linke Strafraumhälfte, wird von Michael Gardawski volley genommen und aus sieben, acht Metern direkt ins Netz befördert. 2:1, das Stadion tobt. Gar nicht auszudenken, wenn vor der Pause noch der dritte Jenaer Treffer gefallen wäre. Die Möglichkeit dazu war da, als Kühne nach Vorarbeit Gardawskis aus sechs Metern aufs Tor schoss, Henn und Petkovic mit vereinten Kräften gerade noch so klären konnten. An der Leistung Stefan Kühnes lassen sich die zwei unterschiedlichen Gesichter dieser ersten 45 Minuten anschaulich beschreiben. Gerade er hatte anfangs riesige Probleme, allein zwischen der 16. und 19. Spielminute registrierten wir von ihm fünf unglückliche Aktionen voller Verunsicherung. Und nun, kurz vor der Pause, gewinnt er plötzlich jeden seiner Zweikämpfe und wäre um ein Haar noch zum Torschützen geworden.

Es war zu vermuten, dass die zweite Halbzeit nicht so losgehen würde, wie die Erste geendet hatte. Braunschweigs Trainer Torsten Lieberknecht ("Ich habe schon vor der Saison Jena als Aufstiegskandidaten gesehen") hatte seine Elf wieder auf Kurs gebracht, wenngleich den Aktionen der Norddeutschen das letzte Bisschen an Entschlossenheit fehlte. Klar, sie waren häufiger in Ballbesitz, doch trafen sie auf eine nun kompakter stehende Jenaer Hintermannschaft mit einem wiederum überzeugenden Assani Lukimya in deren Zentrum. Einziger Wermutstropfen war nur die fünfte Gelbe Karte für Ralf Schmidt, für den das Thüringenderby damit nur von der Tribüne aus stattfinden darf. Da auch der FCC dem Dortmunder Spiel vom Mittwoch kräftemäßig ein wenig Tribut zollen musste, gab es nach der Pause so gut wie keine Tormöglichkeiten mehr. Den ersten Schuss aufs Gästetor gab Orlando mit einem Freistoß in Minute 71 ab. Auf der Gegenseite dauerte es noch fünf Minuten länger, ehe Calamita aus 16 Metern das Nulle-Gehäuse knapp verfehlte. Dies sollte jedoch die einzige Schrecksekunde bleiben, weil die in Rückstand liegenden Braunschweiger erstaunlicherweise auch in der Schlussphase ein höheres Risiko scheuten. Der Ausflug ihres Torhüters Petkovic während der Nachspielzeit in den gegnerischen Sechzehner vermochte darüber nicht hinweg zu täuschen. So blieb es bis zum Schluss beim knappen und verdienten Jenaer Sieg, den die Elf in Blau-Weiß mit einem von ihr so noch nicht beobachteten Jubelkreis feierte.

Zurück in der Mixed Zone. Auch Carsten Sträßer, mit Töchterchen Felicia Sophie auf dem Arm, stellt sich den Journalistenfragen. Spricht von einer gefestigten Jenaer Mannschaft, in der Einer für den Anderen einsteht. Und blickt vier Tage voraus: "Gegen Erfurt haben wir einiges gut zu machen !". Jenas Anhänger werden ihn beim Wort nehmen. <fc>

Ausführlich auch auf www.eintracht.com

Borussia Dortmund II - FC Carl Zeiss Jena 0:3

Tore: 0:1 Orlando (13.), 0:2 Nagy (32.), 0:3 Orlando (45., FE)

Dortmund: Höttecke; Evers, Hünemeier, Neumeister, Kaptan (RK, 45.); Großkeutz (46. Kandziora), Koch, Tyrala, Piossek (72. Oscislawski), Nottbeck; Kullmann (62. Hille)
Jena: Nulle; Wuttke, Lukimya, Lanzaat, Nagy; Gardawski (61. Holwijn), Kühne, R. Schmidt (74. Truckenbrod), Benyamina; Hähnge, Orlando (79. Sievers)

Zuschauer: 1256

Schiedsrichter: Kampka (Mainz)

Spielbericht
(von Gastkommentator Tobias Häfner)
Vergessen sollten sie nun endgültig sein sein, die endlosen Diskussionen in den Fußballforen um Schnee, Matsch und Rasenheizungen - das Gastspiel in der klassischen Fußballarena direkt neben dem "Signal Iduna Park" fand bei herrlichem Vorfrühlingswetter statt. In der Startelf unserer Mannschaft nur die eine bereits vorher vermutete Veränderung - für den gesperrten Carsten Sträßer rückte erwartungsgemäß Tim Wuttke auf die Position des Rechtsverteidigers, Ralf Schmidt dagegen konnte entgegen aller Befürchtungen im Vorfeld des Spiels auflaufen.

Die ersten Offensivaktionen kamen von unserem Team. Hähnges Kopfball konnte jedoch der Dortmunder Torhüter Höttecke mühelos aus der Luft pflücken und Orlando verpasste einen gut getimten Paß von Stefan Kühne. In der 6. Minute die erste richtige Chance jedoch auf der anderen Seite. Einen Flachschuß aus 14 Metern Entfernung konnte jedoch Nulle parieren. Dennoch nahm nun unser Team mehr und mehr das Heft des Handelns in die Hand und bereits in der 13. Minute wurden die ersten Früchte dieses Engagements geerntet. Wieder wurde Smeekes steil von Kühne geschickt und dieses Mal ließ er sich die Chance nicht entgehen und versenkte den Ball eiskalt. In der 16. Minuten prüfte Tim Wuttke den Torhüter der schwarz-gelben mit einem Schuß von der Außenposition. 4 Minuten später nach längerer Zeit mal wieder der Gastgeber mit einer Torraumszene, doch der scharf angeschnittene Freistoß des einst von uns umworbenen Tyrala wird von jedermann verpasst und landet hinter dem Tor. Danach verlagerten sich die Torgelegenheiten wieder vor das andere Gehäuse. Zunächst geht ein Freistoß von Orlando aus 28 Metern noch recht deutlich übers Tor. Aber mehr und mehr wird nun deutlich das vor allem in punkto Zweikampfverhalten unsere Mannschaft den Gastgebern deutlich überlegen war. Vor allem Lukimya, Kühne und Wuttke blieben nahezu in jedem defensiven Zweikampf Sieger. Aber auch offensiv sah das richtig gut aus. Kein schleppendes Aufbauspiel wie man es noch viel zu häufig in der Hinrunde beobachten musste, sondern meistens wurde schnell und schnörkellos nach vorn gespielt.
Die nächste Chance aus einem solch zügig nach vorn getragenen Angriff hatte Gardawski auf dem Fuß der mit einem Schuß aus halbrechter Position Höttecke zu einer tollen Parade zwang. Das nächste Beispiel - Orlando am Seitenaus in Höhe der Mittellinie scheinbar von viel zu vielen Dortmundern bedrängt. Jedoch weiß er sich daraus zu befreien und legt ein wahres Zaubersolo hin bis er 10 Meter von dem Strafraum unsanft gestoppt wird. Den folgendes Freistoß schlug Nagy mit viel Effet und scheinbar so verwirrend das der Ball - wie später bestätigt wurde ohne Freund- und Feindberührung - plötzlich im Netz zappelte. 0:2 nach 32 Minuten ! Aber unsere Jungs hatten in dieser bärenstarken ersten Halbzeit noch nicht genug. In der 35. Minute ist bei einem Flachschuß von Orlando der Dortmunder Keeper rechtzeitig ab Boden. In der 40. Minute wieder Orlando - sein gefühlvoller Linksschuß verfehlte jedoch knapp das Tor. Eine Minute vor Pausenpfiff ein mustergültiger Konter eingeleitet von Hähnge, dann sieht der wieder auf und davon gesprintete Orlando den mitgelaufenen Wuttke. Offenbar kurz hinter der Strafraumlinie wurde Wuttke aber vom Dortmunder Kaptan niedergemäht. Eine hundertprozentige Torchance verhindert, die folgerichtige Entscheidung war Rot für den schwarz-gelben Außenverteidiger und Elfmeter. Orlando schnappt sich den Ball und schoß scharf und platziert, auch war der Dortmunder Torwart in der falschen Ecke. Pausenstand also 0:3 und die folgenden 15 Pausenminuten wurden bei dem einen oder anderen der ca. 150 mitgereisten FCC Anhänger zum Anlaß genommen die Gedächtnisprotokolle zu verifizieren nach einer letzmaligen Pausenführung mit 3 Toren Unterschied. Auflösung : beim Studium alter Spielberichte auf dieser Website muss man bis zur
Saison 2003/2004 zurückblättern ;-)

2 Minuten nach Wiederanpfiff gleich die erste dicke Chance um das vierte Tor zu erzielen, den Schuß von Benyamina lenkt Höttecke mit den Fingerspitzen übers Tor. Aber mit fortschreitender Spielzeit sind nennenswerte Torszenen nun rarer gesät. Die Dortmunder versuchten mit viel läuferischem Einsatz ihre Unterzahl auszugleichen. Das gelang ihnen auch nun leidlich - aber der Versuch mit kurzen, flachen Pässen unsere Abwehr auszuhebeln scheiterte meistens so 5 Meter vor der Strafraumgrenze. Erwähnenswert lediglich in der 60. Minute ein Kopfball nach einem Freistoß an dem Nulle mit den Fingerspitzen dran war. Auf die gleiche Art und Weise klärte Nulle in der 77. Minute nach einem Schuß aus spitzen Winkel. Beim Lattentreffer der Gastgeber in der 88. Minute zeigte der Schiriassistent bereits Abseits an.
Auf der richtigen Seite gab es ebenfalls noch einige Chancen den Vorsprung sogar noch auszubauen. So in der 62. Minute eine gute Kopfballchance von Lukimya nach Ecke von Nagy. 3 Minuten später zwingt Hähnge den guten Dortmunder Keeper zu einer Fußparade. In der 85. Minute prüfte Truckenbrod am Ende einer schönen Kombination über Hähnge und Benyamina nochmals Höttecker. Sicher war die zweite Halbzeit offensiv nicht mehr so zwingend wie die 45 Minuten vor der Pause. Geschenkt - und irgendwie auch legitim aufgrund der vielen anstehenden englischen Wochen. In Gefahr geriet der sichere Sieg aufgrund der aufmerksamen Defensive nie.

Spielbericht auf bvb.de

FC Carl Zeiss Jena - Holstein Kiel 3:0

Tore: 1:0 Lukimya (32.), 2:0 Orlando (41.), 3:0 Hähnge (74.)

Jena: Nulle; Sträßer, Lanzaat, Lukimya, Nagy; Gardawski (76. Holwijn), Kühne (66. Truckenbrod), R. Schmidt, Benyamina; Hähnge (89. Wuttke), Orlando
Kiel: Frech; Lamprecht, Müller, Boy, Jürgensen (GRK, 88.); Schüßler (4. Siedschlag), Vujcic, Jerat, Meyer; Sykora (57. Holt), Cannizaro (70. Wulff)

Zuschauer: 5205

Schiedsrichter: Osmers (Hannover)

Spielbericht
Holstein Kiel war mit beachtlichem Etat und daraus resultierenden Erwartungen in die Saison gestartet. Schnell fand sich der Neuling jedoch auf dem Boden der Realität wieder und derzeit auf einem der Abstiegsränge. Das 1:6 in Bremen vor einer Woche wurde auf der vereinseigenen Homepage als Tiefpunkt der Auswärtsmisere bezeichnet. Solch einen Kontrahenten kann man als angeschlagenen Boxer ansehen, der umso gefährlicher ist, je mehr er sich in die Ecke gedrängt fühlt. Oder man kann ihn unterschätzen. Welche Einstellung würde sich die Jenaer Elf zueigen machen ?

Positiv war schon mal, dass sie in der selben Formation auflaufen konnte wie beim überzeugenden Auftritt gegen Osnabrück. Der angeschlagene Ralf Schmidt hatte beim Abschlusstraining grünes Licht gegeben und stand die neunzig Minuten durch. Die Anfangsphase freilich hielt einem Vergleich mit jener gegen den VfL nicht stand. Zwar besaß Orlando nach fünf Minuten die erste Chance im Spiel, als er gezwungen war, aus eher ungünstiger Position abzuschließen, weil keiner seiner Mitspieler mitgekommen war. Alles in allem aber konnte sich der Gastgeber glücklich schätzen, nach zwanzig Minuten nicht in Rückstand zu liegen. Da Lanzaat gegen Canizzaro das Nachsehen hatte, lief der bei Erfurt ausgemusterte Kieler Stürmer in Minute 15 unbedrängt auf Carsten Nulle zu. Unser Keeper, gerade erst zum Torschützen des Monats nominiert, warf sich ihm mit Erfolg entgegen und zeigte, dass er nicht nur offensiv, sondern auch defensiv zu überzeugen weiß, wie sein Trainer nach dem Spiel flachste. Da auch Jerat mit einem Freistoß am Jenaer Kapitän scheiterte und Sykoras Ablage nach einer Unsicherheit in der Thüringer Hintermannschaft nicht ankam, überstand der FCC die Anfangsperiode mit etwas Glück unbeschadet. Nach vorn lief zunächst nicht viel zusammen. Schon zweiundzwanzig Minuten waren vorbei, als Kiels Schlussmann Michael Frech mittels Faustabwehr das erste Mal eingreifen musste.
Die Jenaer Führung, sie fiel wie so häufig in den letzten Wochen aus einer Standartsituation heraus. Assani Lukimya hatte vor Wochenfrist beim Torerfolg seines Keepers genau hingeschaut und köpfte einen Freistoßball von Nagy in die Maschen. Dass der Freistoßpfiff zuvor durch Schiedsrichter Osmers eher geschenkt war, muss kein schlechtes Gewissen bereiten. Auch auf der Gegenseite gabs hier und da umstrittene Entscheidungen.
Vielleicht reagierten die "Störche" eine Spur zu passiv auf die neue Spielsituation, indem sie hinten drin blieben und auf Jenaer Angriffe warteten statt selbst welche zu initiieren. Andererseits muss man vielleicht auch Verständnis für ihre Situation haben. Nach der Klatsche gegen Werders U23 hatten sie hier passabel begonnen, sich auch von der schweren Verletzung ihres Mittelfeldspielers Schüßler (Verdacht auf Kreuzbandriss) nicht aus dem Konzept bringen lassen und lagen dennoch schon wieder im Rückstand. Als sie dann doch nochmal versuchten, vor der Pause den Ausgleich zu erzielen, liefen sie prompt in einen Konter. Nagy schlug aus der eigenen Hälfte einen weiten Pass auf Orlando. Dem war bis dahin noch nicht viel gelungen, doch jetzt machte er alles richtig. Vom Ex-Jenaer Robert Müller nicht einzuholen, schob der schnelle Holländer das Leder an Frech vorbei zum 2:0 über die Linie. Ohne geglänzt zu haben, lag der FCC zur Pause mit scheinbar beruhigenden zwei Toren in Front. Wann hatte es dies zuletzt gegeben ?

Der Schuss von Florian Meyer, einem der Besten in den Reihen der Holsteiner, nur zwei Minuten nach dem Wechsel sollte sich als Kieler Strohfeuer erweisen. Mit "Schüsschen, Eckbällchen und Freistößchen" (O-Ton Christian Wück) war den Jenaern nicht beizukommen. Und so lehnte der Gästecoach phasenweise selbst resigniert an der Trainerbank. Während das Dutzend Gästefans, welches aufgrund des Nachholtermins die weite Strecke womöglich zum zweiten Mal innerhalb weniger Tage auf sich genommen hatte, eine nun deutlich überlegene Jenaer Elf zu sehen bekam. Welch tolle Aktion war das zum Beispiel in Minute 62, als Orlando gleich zwei Gegenspieler düpierte und eine feine Vorlage für Hähnge zustande brachte. Der schoss sofort aus der Drehung und zwang Frech zu einer spektakulären Parade. Drei Minuten später wurden die Rollen getauscht. Hähnge spielte den Vorbereiter für Orlando, welcher sich hinterher maßlos ärgerte, in dieser Szene den Ball am langen Pfosten vorbei geschoben zu haben. Ein Happy End gab es dennoch für beide, denn nach Orlando in Hälfte eins kam auch Sebastian Hähnge noch zu Torehren. Sein Antritt ab Mitte der gegnerischen Hälfte, das Täuschungsmanöver, dann der Schuss mit dem linken Außenrist aus 18 Metern genau ins Dreiangel war nach Meinung aller das schönste Tor des Tages. Mit solchen Aktionen lässt Jenas Stürmer auch seine letzten Kritiker auf den Rängen für hoffentlich längere Zeit verstummen.
Dem Schiri saßen mit zunehmender Spielzeit die Karten allzu locker. Das mit Gelb geahndete Foul von Jürgensen kurz vor Schluss war genauso wenig verwarnungswürdig wie das von Carsten Sträßer eine halbe Stunde zuvor. Für den Jenaer war es die fünfte Gelbe in dieser Saison, für den Kieler die zweite im Match. Als Konsequenz müssen beide beim nächsten Mal zuschauen.

Drei Punkte zum 50. - wer Mannschaftsleiter Uwe Dern kennt, der weiß, dass ihm die Mannschaft kein schöneres Geburtstagsgeschenk hätte bereiten können. Auch von dieser Stelle aus herzlichen Glückwunsch, Uwe und alles Gute fürs nächste halbe Jahrhundert ! <fc>

Spielbericht auf holstein-kiel.de

FC Carl Zeiss Jena - VfL Osnabrück 1:1

Tore: 0:1 Barletta (72.,HE), 1:1 Nulle (90.+2)

Jena: Nulle; Sträßer, Lanzaat, Lukimya, Nagy; Gardawski, Kühne, R.Schmidt (82.Kolb), Benyamina; Hähnge, Orlando
Osnabrück: Berbig; Engel, Barletta, Nickenig (GRK, 75.), Tauer; Pinheiro, Heidrich (61.Schmidt); Siegert, Lejan (64.Grieneinsen), Kotuljac (76.Stang), Lindemann

Zuschauer: 5694

Schiedsrichter: Thomsen (Kleve)

Spielbericht
Der FCC empfing den Spitzenreiter Osnabrück, Weiß gegen Schwarz (nach den Trikotfarben), wie beim Schach. Und in den ersten 45 Minuten boten beide Mannschaften auch gepflegtes Rasenschach - taktisch diszipliniert, vorsichtig, unbedingt ein Gegentor vermeiden wollend, ohne große Aufregungen. Der FCC wählte dabei - trotz Doppelspitze mit zwei offensiven Außenbahnen - eine geschlossene Eröffnung, die auch den gewünschten Erfolg brachte. Aus einer sicheren Abwehr heraus suchte man mit gepflegten Pässen den Mitspieler und ließ dem Ligaspitzenreiter - der eigentlich im gesamten Spiel seine Auswärtsschwäche bewies - im Mittelfeld keinen Raum für den eigenen Aufbau. Die einzigen Ausnahmen bildeten die 35. und die 39. Minute: Nach einem misslungen Tackling Nagys starteten die Gäste einen schnellen Angriff über rechts, in dessen Ergebnis Pinheiro an die Latte des Jenaer Tores köpfte. Der FCC "revanchierte" sich nach einer Ecke, als Lanzaats Kopfball von einem Osnabrücker noch am Tor vorbeigelenkt werden konnte. Trotzdem war der FCC im Vergleich zu den vorigen Heimspielen nicht wiederzuerkennen. Es waren die kleinen Ungenauigkeiten, die Zählbares für den FCC verhinderten, obwohl man mit kleinen Nadelstichen den Favoriten einige Male ärgern konnte. Dabei rückte Orlando in den Mittelpunkt: Entweder er stand im Abseits (20., 21. min) oder der Ball wurde auf dem nassen Rasen zu schnell (22.) oder er war einfach zu überrascht, als ihm am langen Pfosten der Ball vor die Füße fiel (30.). Positiv fiel das gute Zusammenspiel zwischen Hähnge und Gardawski auf. Nicht zu übersehen war bereits in der erste Halbzeit die Unart der Gäste, bei Ballverlust am Boden liegen zu bleiben - gegen Ende des Spiels wurde diese Theatralik durch Bodenpirouetten und Schmerzensschreie ergänzt - und auf das Wohlwollen des Referees zu hoffen.

Die Spieler des FCC hatten dann gemerkt, dass heute mehr drin war als nur eine Schadensbegrenzung und so startete man nach der Pause deutlich offensiver. Vor allem Benyamina, der vor der Pause etliche Fehlabspiele bot, zeigte sein Stürmerblut. So in der 48. min als er den Verteidiger mit einem Haken alt aussehen ließ und den Ball an die Lattenunterkante hämmerte. Den zurückspringen Ball konnte Schmidt leider nicht mehr ins Tor drücken. Dann versuchte es Orlando über links, scheiterte jedoch am Verteidiger (53.). Benyamina testete Berbigs Reflexe mit einem Schuss aus etwa 8 Metern Entfernung (56.), bevor Orlando kurz danach mit einem Sprint mit Ball drei Osnabrücker in Verlegenheit brachte. Diese lösten das Problem mit einem Foul kurz vor der Strafraumgrenze, dass Schiedsrichter Thomsen jedoch nur mit "Gelb" ahndete. "Rot" wegen Notbremse wäre die richtige Entscheidung gewesen! Den Freistoß selbst vergab Orlando kläglich, in dem er ihn gefühlvoll mitten in die Mauer setzte. Einige Minuten später zeigte sich Orlando zu egoistisch, als er lieber allein einen Schuss versuchte, anstatt den besser stehenden Gardawski mit einem Steilpass zu bedienen.
Der FCC hatte den VfL in fester Umklammerung und ein Tor schien nur eine Frage der Zeit zu sein. Das fiel dann auch in der 72. min per Foulstrafstoß: Nach einer Ecke versuchte sich Orlando so deutlich als Handballer, dass der Referee gar nichts anderes als Elfmeter entscheiden konnte. 1:0 für Osnabrück - das Spiel nach der Pause war auf den Kopf gestellt! Der FCC ruckte noch einmal an, alle knieten sich mit doppeltem Eifer rein, Orlando warf sich in einen Abschlag Berbigs und so ergab sich für Hähnge die Chance, mit Ball am Fuß in den Strafraum einzudringen. Wieder kam die Notbremse zum Einsatz, gefühlt auf der Strafraumgrenze - aber anstatt Strafstoß und Feldverweis entschied Thomsen, der von dieser Szene an völlig den Überblick verlor, auf Freistoß und gab Nickenig nur "Gelb" (75.)! Lediglich die Tatsache, dass es bereits dessen zweite Verwarnung war, beförderte ihn vom Feld. Der Freistoß brachte nichts ein (diesmal versuchte sich Nagy), aber von da an brannte die Luft im Stadion. Die Gäste versuchten mit langen Bällen nach vorn und übelsten Schauspieleinlagen die den Vorsprung über die Zeit zu retten, der FCC rannte mit aller Macht an. Der Schiedsrichter - bis zur 75. min zwar kleinlich, aber dies auf beiden Seiten - verteilte nun munter Freistöße für die Gäste und Verwarnungen an Schmidt, Sträßer und Lukimya für Peanuts und animierte so das Publikum. Der FCC schien sich vergeblich zu bemühen, entweder das Außennetz (Orlando, 86.) oder Berbig (gegen Gardawski, 87.) waren jeweils Endstation. Nulle verhinderte zwischenzeitlich bei einem VfL-Konter das entscheidende 0:2, als er einen Schuss aus Nahdistanz parierte. Schlussminute, Eckball für Jena, Nulle ging mit vor - nichts. Nachspielzeit, weiterer Eckball für den FCC, wieder war Nulle vorn. Gardawski tritt die Ecke und aus der Ansammlung von 22 Spielern schraubte sich ein gelbes Trikot einen gefühlten halben Meter über den Rest der Meute und köpfte in bester Stürmermanier unhaltbar zum Ausgleich ein! Nulle als Torschütze - er lässt in dieser Saison wirklich nichts aus!!!

Vor dem Spiel wären viele sicher mit einem Punkt gegen den Spitzenreiter zufrieden gewesen, nach dem Abpfiff haderte man ein klein wenig mit den vergebenen zwei Punkten. In jedem Fall bot der FCC die beste Heimleistung seit einem halben Jahr und wusste endlich auch einmal spielerisch zu überzeugen. <uk>

Fotos von Jens Weißenburger
"Unglaubliches Spiel in Jena" - der Bericht auf vfl.de

FC Carl Zeiss Jena - FC Erzgebirge Aue 1:0

Tore: 1:0 Hähnge (88.)

Jena: Nulle; Sträßer, Wuttke, Lanzaat Nagy; Gardawski (75. Benyamina), Kühne, R. Schmidt, Kolb (65. Amrhein); Orlando (90.+3 Truckenbrodt), Hähnge
Aue: Männel; Klingbeil, Kos, Paulus, le Beau; Stark, Hensel, Curri (46. Klotz), Hochscheidt (78. Müller); Ramaj, Braham (70. Glasner)

Zuschauer: 7206

Schiedsrichter: Valentin (Taufkirchen)

Spielbericht
Derbyzeit in Jena. Innerhalb weniger Tage haben die Männer um René van Eck zwei eminent wichtige Derbys vor der Brust. Am heutigen Tag kamen die Veilchen aus Aue ins Jenaer Rund und bereits am Donnerstag geht die Reise des FCC zum 40 km entfernten Nachbarn aus Thüringen. Aber da die letzten Derbys der Jenaer alles andere als erfolgreich waren, so sollte heute unbedingt ein Sieg gelingen.

Die Platzherren waren auch sofort bemüht, das Zepter des Handelns in die Hand zu nehmen. Bereits nach fünf Minuten die erste Chance für den FCC durch Hähnge, doch leider verfehlte er mit seinem Schuss aus der Drehung das Tor nur knapp. Wenig später erneut eine gute Möglichkeit für den Jenaer Stürmer, aber nach Flanke von Schmidt stand er zwar goldrichtig, traf aber er den Ball nicht richtig. Die Gäste versteckten sich keinesfalls und kamen in der achten Minute zu ihrer ersten Chance. Einen hoch getretenen Freistoss verpassten alle Spieler im Strafraum, so dass der Ball an Freund und Feind vorbei zischte und um Zentimeter das Tor verfehlte. Ein Kopfball vom völlig freistehenden Najeh Braham (18.) hätte die Führung der Auer bedeuten können, denn auch hier fehlte nur wenig. Trotz der noch immer torlosen Begegnung sahen die 7200 Zuschauer eine hart umkämpfte Partie, bei der sich beide Teams keinen Zentimeter des Rasens schenkten. Nach gut einer halben Stunde (32.) dann der schönste Spielzug der Platzherren bis dato. Schmidt hatte mit einem Steilpass auf Hähnge gepasst, der aber zu lange brauchte, den Ball unter Kontrolle zu bringen - Querpass auf unseren Neuzugang Gardawski, der zum kurzen Sololauf ansetzte, seinen Gegenspieler umkurvte und mit einem mustergültigen Querpass vors Tor auf Orlando passte. Die meisten Fans hatten bereits den Jubelschrei auf den Lippen angesichts dieser 100% Torchance, doch Orlando brachte das Kunststück fertig, den Ball aus Nahdistanz Gästekeeper Männel vor die Brust zu schießen.

Auch nach der Pause das gleiche Spiel. Beide Teams fighteten um jeden Ball und die ein oder andere Gelbe Karte blieb nun auch nicht mehr aus. Zum Ärger der Jenaer traf es auch Tim Wuttke, dem nun durch seine fünfte Karte nur die Rolle des Zuschauers beim Thüringenderby bleibt. Die erste nennenswerte Möglichkeit der zweiten Halbzeit gehörte den Gästen, doch Nulle konnte einen gefährlichen Flachschuss von Hochscheidt zur Seite klären. Drei Minuten später hätte Braham erneut für die Führung der Veilchen sorgen können, doch glücklicherweise konnte er aus Nahdistanz seine Chance nicht nutzen. Schnell ausgeführter Gegenzug der Jenaer mit einem schönen Steilpass auf Hähnge, der von halb links aufs Gästetor zustürmte. Es folgte ein kurzer Schwenk nach rechts und anstatt nun sofort zu abzudrücken, entschied er sich erneut für einen Schwenk diesmal nach links, wodurch er sich selber den Winkel zum Tor so verkürzte, dass sein anschließender Schuss für Männel keine Gefahr mehr darstellte. Der Druck der Jenaer Mannschaft nahm nun stetig zu und der FCC drehte sein Eckenkonto nach oben. Nur leider wollte noch immer kein Tor gelingen. Beim 13. Eckball! der Thüringer hätte es dann fast geklappt, doch leider verfehlte Wuttke mit seinem wuchtigen Kopfball nur ganz knapp das Tor. Zehn Minuten vor Ultimo sorgte die mittlerweile 15. Ecke der Jenaer (Endstand 17:3) erneut für große Gefahr im Strafraum der Gäste, doch Ramaj konnte den Kopfball vom eingewechselten Benyamina noch auf der Torlinie klären. Die letzten Minuten plätscherten so dahin und beide Teams hatten sich eigentlich schon mit einem Unentschieden abgefunden. Doch es gab in der 88. Minute noch einmal Freistoß für den FCC. Nagy flanke platziert nach innen und dort schraubte sich Hähnge am höchsten und traf per Hinterkopf zum viel umjubelten Führungstreffer. Die Auer warfen in den wenigen verbliebenen Minuten noch einmal alles nach vorn, doch die Jenaer ließen sich am heutigen Tage diesen hoch verdienten Sieg nicht mehr nehmen.

Nach derben Pleiten in den letzten großen Derbys ist es dem FCC endlich mal wieder gelungen, ein so wichtiges Prestigeduell zu seinen Gunsten zu entscheiden. Nun gilt es die Kräfte zu bündeln, um beim zweiten Traditionsduell am kommenden Donnerstag erneut als Sieger den Platz zu verlassen. <vg>

Bilder des Tages

FC Carl Zeiss Jena - SV Sandhausen 0:1

Tore: 0:1 Dorn (44.)

Jena: Nulle; Sträßer, Lanzaat (53. Eckardt), R. Schmidt; Wuttke, Truckenbrod, Ziegner (87. Kühne), Orlando (75. Mayombo); Kolb, Hähnge
Sandhausen: Kirschbaum; Bindnagel, Tausenpfund, Glibo, Mintzel; Pinto (90. Throm), Hillenbrand, Jungwirth, Schauerte (74. Öztürk); Cenci, Dorn (90. Hosiner)

Zuschauer: 5513

Schiedsrichter: Dr. Kunzmann (Bad Hersfeld)

Spielbericht
"Meine Spieler sind so heiß im Training, dass ich Angst hatte, der Rasen könne verbrennen." - Sprüche wie dieser von René van Eck wecken nach dem Jahreswechsel Erwartungen, die vielleicht ein paar Zuschauer mehr ins winterkalte Stadion locken, dann aber auch erfüllt werden wollen. Im Falle eines Misserfolgs nämlich können einem die Zitate auch buchstäblich um die Ohren fliegen.

Den Auftakt dieses Nachholspiels bildete ein Kopfball des aufgerückten Lukimya-Mulongoti nach Freistoß Ziegners. Gäste-Torwart Kirschbaum zeigte sich auf dem Posten (3.). Ansonsten war es ein gemächlicher Beginn, zu dem die Theatralik nicht passen wollte, mit der sich die Sandhausener Spieler jedes Mal auch nach harmlosen Fouls auf dem Rasen wälzten. Das nahm ein Ende, als sie die erste Gelbe Karte des Spiels für Wuttke provoziert hatten. Am Schiedsrichtergespann allerdings sollten sich im Laufe der Partie noch häufiger die Gemüter erhitzen.
Sportlich tat sich zunächst wenig und wenn, dann in der Gästehälfte. Nach siebzehn Spielminuten spielte Ziegner schön in den Lauf des überraschend in die Anfangself gerückten Kolb. Dieser flankte von der rechten Seite vors Tor, wo Hähnge zunächst einen Schritt zu spät kam. Der von links heranbrausende Orlando kam zwar noch zum Schuss, mehr als ein Eckball sprang aus spitzem Winkel jedoch nicht heraus. Szenenapplaus gab es für Carsten Sträßer sieben Minuten später, als er einen schon verloren scheinenden Ball zurück eroberte. Hier bekam man einmal einen Ahnung von dem, was van Eck gemeint haben könnte. Doch die Regel war das leider nicht. Wie oft musste ein Spieler den Einwurf bis zum letzten Moment hinauszögern, weil die eigenen Mannschaftskameraden bei ihren Gegenspielern stehen blieben anstatt sich frei zu laufen ! Orlandos nächste Aktion - nach energischem Antritt übersah der Holländer den freistehenden Landsmann Lanzaat am Elfmeterpunkt - war Jenas letzte Gelegenheit vor der Pause. Und die Gäste ? Erspielten sich ihre erste Chance eine Minute vor dem Halbzeitpfiff. Einen mit dem Kopf verlängerten Ball nimmt Neuzugang Cenci gekonnt mit der Brust an, leitet ihn sauber mit der Hacke weiter und bringt Sturmpartner Dorn damit in eine vorzügliche Schussposition. Dieser Regis Dorn ist viel zu sehr Torjäger, um sich solch eine Gelegenheit entgehen zu lassen. Gegen seinen Schuss ins lange Eck hat Nulle nicht die Spur einer Chance. Mit der einzigen Möglichkeit in 45 Minuten die Führung zu erzielen - mehr an Effizienz geht nicht. Es war übrigens kein Konterzug, als welcher dieser Angriff vonseiten unseres Trainer bezeichnet wurde. Jenas Defensive durfte sich in aller Ruhe formieren und stand mit sieben gegen zwei Mann im eigenen Strafraum.

Quido Lanzaat hatte beim Gegentor etwas abbekommen, wollte sich aber durchbeißen und kam mit aus der Kabine. Um ein Haar wäre ihm in der 51. Minute der Ausgleichstreffer geglückt. Nach Foul an Kolb führte Ziegner einen Freistoß fünf Meter vorm rechten Strafraumeck aus. Den hohen Ball erwischte Lanzaat unter Bedrängnis mit dem Kopf, drückte ihn von der Torraumgrenze aus Richtung Gästegehäuse, doch Kirchbaum lenkte das Leder mit starkem Reflex zu Ecke. Gleich danach war Schluss für den auch gelbbelasteten Innenverteidiger. Wuttke nahm dessen Position ein, Eckardt kam neu ins Mittelfeld. Beim Doppelpass mit Hähnge führte sich Eckardt gut ein und weckte als Einwechsler Hoffnungen, die (nicht nur) sein Trainer nach dem Spiel als unerfüllt ansah. Gleiches gilt auch für Mayombo, dem jedoch rund eine Viertelstunde vor Schluss ein Elfmeter hätte zugesprochen werden müssen. Gegenspieler Tausendpfund hatte Jenas Stürmer von den Beinen geholt, Dr. Kunzmann entschied auf Weiterspielen. Diese Szene lag inmitten einer kurzen Drangperiode mit zwei hochwertigen Chancen für Sebastian Hähnge. Beim Kopfball in Minute 73 fehlte neben dem Druck auch die Präzision, da Kirchbaum sich nicht vom Fleck bewegen musste, um zu parieren. Doch fünf Minuten darauf hätte auch Sandhausens Schlussmann den Ausgleich nicht verhindern können, wenn Hähnges Kopfball nach Ziegners Ecke ins Netz statt nur ans Lattenkreuz geflogen wäre. Welch ein Pech.
Doch weder strittige Schiedsrichterentscheidungen noch Aluminiumtreffer dürfen darüber hinwegtäuschen, dass die Jenaer Spieler allzu viel schuldig blieben von dem, was man von ihnen nach der Winterpause erwarten durfte. Gefahr strahlten sie nur bei Standartsituationen aus. Zu statisch wirkten sie im Spielaufbau, sodass das grüne Geläuf lediglich von der Rasenheizung auf Temperatur gehalten wurde. Die Gäste, von denen man ein Hintenreinstellen nach der Pause vermutete, konnten wahrscheinlich irgendwann nicht mehr anders, als auf eigene Faust die Entscheidung zu suchen. Beim Kopfball von Tausendpfund und Schüssen des eingewechselten Öztürk boten sich Gelegenheiten dazu. Ihr knapper Vorsprung geriet während der Schlussminuten nicht weiter in Gefahr. Stattdessen bettelte Torsten Ziegner um seine fünfte Gelbe Karte, indem er auch nach zweimaligem Zurückweisen beim Schiri immer noch weiter meckerte. Und den Karton letztlich bekam.

In einem Spiel, das eigentlich keinen Sieger verdient, kann eine einzige geniale Idee während neunzig Minuten entscheidend sein. Cencis Hackentrick war solch eine Idee. Den Jenaer Spielern hingegen ist es nicht gelungen, ihren so hoch gelobten Trainingsfleiß ins erste Punktspiel des Jahres 2010 zu transportieren. <fc>

Kurzbericht auf svsandhausen.de

SV Wehen Wiesbaden - FC Carl Zeiss Jena 1:1

Tore: 1:0 Schönheim (72.), 1:1 Hähnge (77.)

Wehen: Domaschke; Hollmann, Gehring, Schönheim, Weigelt; Ziegenbein (90.+1 Bohl), Reinert, Hübner, Öztürk; Ziemer (82. Stroh-Engel), Boskovic (88. Kunert)
Jena: Nulle; Sträßer, Lanzaat, Lukimya, R. Schmidt (76. Nagy); Kühne (14. Amrhein), Truckenbrod (90.+1 Mayombo), Ziegner; Wuttke, Hähnge, Orlando

Zuschauer: 3386

Schiedsrichter: Beitinger (Regensburg)

Spielbericht
Weniger die sportliche als vielmehr die wirtschaftliche Situation geriet in dieser Woche in den Mittelpunkt des öffentlichen Interesses. Die Nachricht, dass sich die Liquiditätslücke während der letzten Wochen nochmals kräftig auf 947.000 Euro vergrößert hat und nun im Rahmen eines Sanierungskonzepts umfassende DFB-Auflagen zu erfüllen sind, sorgt für Gesprächsstoff unter den Kernbergen und darüber hinaus. Die Spieler können in solch einer Situation nichts weiter tun als bestmöglich ihren Job zu erledigen. Könnte es doch sein, dass jeder von ihnen errungene Punkt in der Endabrechnung noch von Bedeutung sein wird.

Beide Teams bemühten sich vom Anpfiff weg um Offensivaktionen, wobei ihnen dabei die Genauigkeit im Zusammenspiel abging. So verging eine Viertelstunde bis zur ersten Torgelegenheit, einem Schuss des freistehenden Boskovic genau auf unseren Schlussmann. Zu dieser Zeit hatte Trainer van Eck bereits das erste Mal wechseln müssen, da Stefan Kühne nach einem Zweikampf in der eigenen Hälfte mit einer Knieverletzung vom Platz musste. Tim Wuttke hat in dieser Saison schon fast alles gespielt, vom Innenverteidiger bis zur hängenden Spitze auf Außen - entsprechend reibunsglos ging nach der Hereinnahme Amrheins sein Wechsel auf die Kühne-Position vonstatten. Geschickt verlagerten er und seine Nebenleute die Positionen hin zum ballführenden Gegenspieler. Die häufiger in Ballbesitz befindlichen Gastgeber fanden dagegen lange Zeit kein Mittel. Es bedurfte eines direkt geschossenen Freistoßes, um Carsten Nulle nach 31 Minuten das zweite Mal zu fordern. Dessen Gegenüber hatte zu diesem Zeitpunkt noch keinen einzigen Ball halten müssen.
Doch mit einem Mal, ab Minute 38 veränderte sich die Szenerie. Schön freigespielt steht Sebastian Hähnge frei vor Eric Domaschke - und scheitert am herauslaufenden Keeper. Eine Minute später schießt der bis dahin noch gar nicht zur Geltung gekommene Orlando aus vollem Lauf über die Querlatte und nochmals 60 Sekunden darauf Hähnge flach aufs Tor. Die größte Gelegenheit vor der Pause aber bietet sich in Minute 43. Freistoß, knapp 30 Meter Torentfernung, halbrechte Position. Orlando steht zur Ausführung bereit, so als wolle er zum zweiten Mal das Tor des Monats gegen den selben Kontrahenten erzielen. Doch nicht er sondern Ziegner führt den Freistoß aus. Domaschke lässt prallen, zum aufgerückten Assani Lukimya, der jedoch aus bester Position vergibt. Freistoßschütze Torsten Ziegner hatte sich zu diesem Zeitpunkt bereits eine Gelbe Karte abgeholt. Nur gut, dass sich seine Verwarnung von voriger Woche als Falschmeldung herausgestellt hatte. Sonst wäre es jetzt die 5. gewesen und Ziegner hätte gegen Sandhausen ersetzt werden müssen. Selbst wenn er zuletzt auswärts eher zu überzeugen wusste als in Heimspielen.

Apropos Trainer, wie hatte René van Eck vor dem Spiel prophezeit ? Viele Chancen wird es in Wiesbaden nicht geben. Deshalb müssen diese konsequent genutzt werden. Genau das hatten seine Jungs vor der Pause versäumt, weshalb es mit Spielstand 0:0 in die zweite Halbzeit ging. Hier zeigte sich Nulle bei einem Schuss von Reinert gleich wieder auf dem Posten (49.). Das Spiel des SVW, dessen Hauptsponsor mit Wasser-Technologie seinen Umsatz macht, lief nun etwas flüssiger. Jenaer Konter besaßen Seltenheitswert, in Minute 64 war es wieder mal soweit. Hähnge auf der rechten Seite fehlte jedoch sein Anspielpartner im Zentrum, weil Hübner dem losspurtenden Orlando in die Hacken getreten war, ohne dass dies der Referee geahndet hätte. Jenas Hintermannschaft stand weiterhin sicher, geriet meist nur durch Standartsituationen in Gefahr. Weigelts Freistoß aus fast dreißig Metern hob Nulle in großem Stil über die Torlatte (65.). Und dann gab es da noch die Eckstöße. Es mag der sechste oder siebente gewesen sein in Minute 72 - Jenas Elf hatte sich wie immer komplett im eigenen Strafraum versammelt. Zunächst gelang es, den Eckball nach vorn abzuwehren. Doch genau an der Grenze zum Sechzehner stand Fabian Schönheim, welcher den als Befreiungsschlag gedachten Ball dreisterweise als Vorlage ansah und direkt ins rechte untere Eck traf.
Die seit sieben Spielen daheim ungeschlagenen Gastgeber führen 1:0 und nicht mal mehr zwanzig Minuten sind noch zu spielen. So manch einer mit Blau-Gelb-Weiß im Herzen wird hinterher zugeben, er hätte nicht mehr an einen Punktgewinn geglaubt. Doch Jenas Routiniers auf dem Spielfeld sehen das anders. Torsten Ziegner hebt einen Ball vor in den Sechzehner auf Sebastian Hähnge, der mit langem Bein zunächst dafür sorgt, dass das Leder nicht ins Toraus verspringt. Danach tunnelt er Domaschke im zweiten Versuch und vollendet überlegt mit halbhohem Schuss über zwei grätschende Verteidiger hinweg ins Netz. Jubel im gut gefüllten Gästeblock direkt dahinter. Obwohl es wie die meiste Zeit zuvor nun wieder unentschieden steht, scheint der Ausgleichstreffer noch einmal richtig das Feuer anzufachen. Nicht nur auf den Rängen, auch bei den blau-gelb gekleideten Spielern. Ein Torsten Ziegner erobert erst den Ball, lässt ihn dann zu weit wegspringen, verliert ihn dadurch wieder und hüpft vor Ärger darüber wie Rumpelstilzchen auf dem grünen Rasen. Jenas Spieler wollen drei Punkte, das ist zu spüren. Doch die geniale Idee, mit der der Willen in die Tat umzusetzen wäre, kommt ihnen an diesem Tag nicht mehr. Stattdessen besitzen sie bei Schönheims Chance in der 87. Minute sogar noch Glück, am Ende nicht mit leeren Händen da zu stehen. Dass beide Trainer in der Nachspielzeit noch je einen frischen Spieler für gerade mal fünfzehn Sekunden aufs Feld schicken, zeigt an, dass alle mit dem Punkt leben können. Auf Jenaer Seite wird er sogar wie ein Sieg gefeiert.

Mag es in der spielerisch-taktischen Umsetzung noch etliche Reserven geben, kämpferisch war's allemal in Ordnung. Zumindest vom Sportlichen her scheint das Schlimmste erst einmal überwunden. <fc>

Spielbericht auf svwehen-wiesbaden.de

VfB Stuttgart II - FC Carl Zeiss Jena 0:1

Tore: 0:1 Orlando (68.)

Stuttgart: Stolz; Schimmel, Pischorn, Vier, Enderle; Didavi, Funk, Vecchione (83. Pala), Hertner (79. Riedle); Schipplock, Fischer (58. Walch)
Jena: Nulle; Sträßer, Lanzaat, Lukimya, R. Schmidt; Kühne, Truckenbrod (62. Amrhein), Ziegner, Wuttke; Hähnge (85. Mayombo), Orlando (90. A. Schmidt)

Zuschauer: 680

Schiedsrichter: Dingert (Thallichtenberg)

Spielbericht
Im fünften Spiel gegen Stuttgart II gelang das zweite Tor. Dieses brachte, da der FCC im Gegensatz zu den sonst üblichen dreieinhalb Gegentreffern pro Stuttgart-Spiel den Gastgebern keinen Treffer gönnte, drei Punkte ein.

Nach 13 Sekunden hätte der Abend bereits einen schlechten Verlauf nehmen können, als Nulle das erste Schüsschen prallen ließ, der Stuttgarter den Nachschuss jedoch nicht am Jenaer Torwart vorbeibrachte. Nach 5 Spielminuten brannte es erneut lichterloh vor Nulles Kasten, als ein Angreifer eine Eingabe um Haaresbreite verfehlte. Die einzig erwähnenswerte Situation des Jenaer Angriffsspiels war ein Schuss Wuttkes nach einer Ecke aus 20 Metern in die zweite Etage des kalten Stuttgarter Abendhimmels (9. min). Ansonsten sah sich Jenas einziger Stürmer Hähnge immer von einer erdrückenden weißen Abwehrübermacht umgeben, gegen die alle Dribblings nichts fruchteten. Die Unterstützung der Mitspieler war nicht gegeben, da z. B. Orlando sich im Hinfallen und Abseitsstehen übte. Die Jenaer Harmlosigkeit wurde in der 19. min perfekt demonstriert, als man auf Höhe des Stuttgarter Strafraums einen Einwurf hatte und den Ball innerhalb von fünf Sekunden zielsicher zurück zu Nulle brachte. Da Stuttgart außer einem Schuss am langen Eck vorbei (35.) auch nichts weiter zustande brachte, ging es nach einer langweiligen Halbzeit torlos in die Kabinen.

Nach Wiederanpfiff änderte sich das Bild. Der FCC hatte sofort eine Ecke, die aber gefahrlos in einem schnellen Konter der Gastgeber mündete und uns wie schon zu Beginn der ersten Halbzeit beinahe ein Gegentor beschert hätte. In der 52. min schirmte Lukimya den Ball gegen einen Angreifer ab, Nulle sorgte aber für kurzes Herzflattern, da er den Ball erst im zweiten Zupacken sicher hatte. Die Partie wurde nun deutlich besser. Ursachen waren nicht nur die jetzt deutlich gefälligeren Spielzüge der Stuttgarter, sondern auch die Leistungssteigerung etlicher Jenaer Spieler. So präsentierte sich Schmidt deutlich selbstbewusster und auch offensiver als vor der Pause, und Ziegner zog immer aktiver die Fäden im Jenaer Mittelfeld. Doch wieder waren es die Gastgeber, die kurz vorm Führungstreffer standen, als Schipplock nach einem langen Pass Lanzaat einfach überlief und Nulle im wahrsten Sinne Kopf und Kragen riskieren musste. Dafür bekam er eine dreiminütige Behandlungspause auf dem Rasen. In der 58. Spielminute hatte der FCC seine erste Torchance: Orlando vernaschte links seinen Gegenspieler, passte flach in die Mitte, aber Hähnge setzte den Direktschuss leider übers Tor. Zwei Minuten danach stand Nulle wieder im Brennpunkt, als er einen Fernschuss Schipplocks über die Querlatte lenken konnte.
Eine entscheidende Veränderung brachte die Einwechslung Amrheins für Truckenbrod. Amrhein ging auf die linke Außenbahn, Orlando wechselte nach rechts und Wuttke rückte auf die defensive Mittelfeldposition. Damit war Hähnge nicht mehr ganz allein in der Stuttgarter Hälfte und obwohl sich neben ihm zumeist nur Amrhein, Orlando und Ziegner in die gegnerische Hälfte getrauten, kam deutlich mehr Offensivleben ins Jenaer Spiel. Und nur wenige Minuten später, nach einem zwischenzeitlich weiteren Kapitel des Duells Schipplock vs. Nulle (66., letzterer klärte zur Ecke), gab es den verdienten Lohn: Hähnge bekommt in der Mitte kurz hinterm Mittelkreis den Ball, sieht rechts außen den startenden Orlando, passt die Spielkugel maßgenau hinüber, Jenas Nummer 10 setzt sich mit einem eleganten Haken gegen den Verteidiger durch und ballert aus spitzem Winkel ins lange Eck. 1:0!!! Nicht nur der Gästeblock, auch im sogenannten Heimbereich flippte ein gutes Drittel der Besucher aus.
Drei Minuten später verhinderte das Gebälk des Stuttgarter Tores Hähnges Nominierung für das "Tor des Monats": Der Jenaer Stürmer ignorierte die beiden Stuttgarter und zog aus der Drehung vom rechten Strafraumeck ab. Stolz, der VfB-Keeper, schaute bewundernd dem Ball, den er sowieso nie und nimmer erwischt hätte, hinterher und ihm dürfte einige Tonnen Gestein vom Herzen gefallen sein, dass ihm sein Torpfosten hilfreich zur Seite stand. Bis zur 88. min versuchte Stuttgarts Zweite mit viel Energie, jedoch ohne Ideen, Jenas Bollwerk zu knacken, Angstperlen trieb dies aber nicht einmal den sonst aus Prinzip vorm Gegentor zitternden FCC-Fans auf die Stirn. In jener 88. min kamen zwei Angreifer doch einmal fast in der Mitte durch, Nr. 1 nahm jedoch der schussbereiten Nr. 2 den Ball vom Fuß. Einer von beiden, ob Nr. 1 oder 2 ist egal, sank zu Boden (Nase voll?) und der Referee pfiff zum Entsetzen der Jenaer und zur Verwunderung der Stuttgarter Zuschauer und zeigte auf den Elfmeterpunkt. Nulle korrigierte den Fehler des Referees, wehrte den Schuss ins linke untere Eck ab und schubste den wegspringenden Ball vorm nachsetzenden Schützen zur Seite. Die verbleibende Zeit inklusive der vier Nachspielminuten überstand der FCC ziemlich problemlos, auch weil sich van Eck daran erinnerte, dass man dreimal pro Spiel auswechseln darf und dies immer ein paar Sekunden schindet. Und so hatten wir endlich, nach einem Vierteljahr (Kiel!!!), wieder einmal eine Heimfahrt, auf der man sich mit Freude an das erlebte Spiel erinnerte. <uk>

Spielbericht auf der Stuttgarter Homepage
Fotos auf fanclub-family.de

FC Carl Zeiss Jena - Wuppertaler SV 1:0

Tore: 1:0 Hähnge (43.)

Jena: Nulle; Sträßer, Lanzaat, Lukimya, R. Schmidt (46. Wuttke); Kühne, Truckenbrod (78. Mayombo), Ziegner, Amrhein (88. Nagy); Hähnge, Orlando
Wuppertal: Maly (RK, 6.); Neunaber, Neppe (76. Altin), Lorenz, Schauml;fer; Müller, Weikl (79. Bernhardt), Fischer, Celikovic; Formento (6. Karagiannis), Damm

Zuschauer: 5076

Schiedsrichter: Schriever (Dorum)

Spielbericht
Wie gewohnt konnte man sich auch im Vorfeld dieses Spiels nicht über mangelnde Unruhe im Umfeld des FC Carl Zeiss Jena beschweren, in der Woche vor dem Spiel wurde mit Hartmut Beyer der neue Präsident vorgestellt, der dann auch gleich die Kündigung für Salvatore Amirante zurückzog und diesem so formal die Rückkehr in die erste Mannschaft ermöglichte - der Italiener meldete sich aber zunächst krank und blieb Training und Spiel fern. Die personelle Situation hatte sich dennoch etwas entspannt, denn mit Sebastian Hähnge war zumindest eine der Stützen der Jenaer Elf wieder in der Anfangself zu finden. Das bestimmende Thema im Vorfeld war aber naturgemäß der Freitod von Robert Enke, der seine Karriere ja in Jena begann und der auch bis zuletzt noch den Kontakt in seine Heimat gehalten hat. Wie praktisch alle Außenstehenden traf die Nachricht vom Selbstmord Enkes auch seine Freunde in Jena unvorbereitet, der Schock über die nur schwierig nachvollziehbare Entscheidung des erfolgreichen Torhüters saß auch in Jena entsprechend tief.

Das Spiel begann dann auch mit einer Schweigeminute für den achtfachen Nationalspieler, bei der manchem Besucher die eine oder andere Träne über die Wange rollte. Die ersten Minuten des Spiels hatten dann auch irgendwie den Anschein, als ob die 22 Akteure nicht ganz bei der Sache wären. Zunächst schenken die Gäste den Jenaern eine Ecke, weil es ein Missverständnis zwischen einem Abwehrspieler und Gäste-Keeper Christian Maly gibt, ähnliches gibt es nur Sekunden später auf der Gegenseite zu sehen. Die erste halbwegs gefährliche Aktion ist dann ein langer Ball auf Orlando, der mit seiner Schnelligkeit auch die WSV-Abwehr überrascht und den Gäste-Torwart mit seiner plötzlichen Anwesenheit direkt vor dem Strafraum offenbar so überrascht, dass dieser in einem Moment der Unaufmerksamkeit die Hände zu Hilfe nimmt, obwohl er sich haarscharf außerhalb des Strafraums befindet. Schiedsrichter-Assistent und Schiedsrichter können in dieser Situation gar nicht anders, als Maly mit Rot vom Feld zu schicken und dem FCC eine aussichtsreiche Freistoßposition an der Strafraumgrenze zuzusprechen. Spätestens jetzt waren die Gedanken von Spielern und Zuschauern voll und ganz beim heutigen Spiel. Opfer der Aktion von Maly war letztlich der Wuppertaler Stürmer Formento, für den Gäste-Trainer Uwe Fuchs nun Ersatz-Torhüter Asterios Karagiannis bringen musste. Dieser sah sich gleich einer unbequemen Situation gegenüber, denn den Freistoß von der Strafraumgrenze wollten die Gastgeber natürlich im Tor unterbringen und dem Spiel so schon früh die richtige Tendenz geben. Letztlich war es Torsten Ziegner, der sich den Ball zurechtlegte, anlief und den Ball in Richtung Tor brachte - allerdings fehlten die berühmten Zentimeter und der Ball strich am rechten Pfosten vorbei. Schon direkt im Anschluss wurde klar, dass der WSV auch in Unterzahl ein unangenehmer Gegner sein würde, der sich keineswegs entmutigen ließ. Die Spieler aus der Stadt mit der Schwebebahn standen nun noch tiefer, als es vermutlich ohnehin geplant war, Tobias Damm stand jedoch jederzeit bereit, um einen schnellen Konter vorzutragen. Nach 13 Minuten waren es dann auch die Gäste, die die nächste gute Gelegenheit hatten: Ein Freistoß aus rund 25 Metern wurde von Celikovic vorbei an Freund und Feind auf den langen Pfosten geschlenzt, wo Nulle aber hellwach und mit guter Reaktion zur Ecke klären konnte. In der Folge bestimmte die in Überzahl spielende Jenaer Elf zwar die Partie und hatte deutlich mehr Ballbesitz, dennoch muss sie sich den Vorwurf einer gewissen Ideenlosigkeit anhören, denn gefährlich wurde es für das Gäste-Tor nur äußerst selten. Die tief stehenden Gäste machten geschickt die Räume eng und unterbanden es effektiv, dass Orlando seine Schnelligkeit ausspielen oder gefährliche Flanken in den Strafraum schlagen konnte. Wenn doch mal ein Jenaer die Gelegenheit zur Flanke bekam, landete diese meist weit hinter dem Tor und ließ das Jenaer Spiel entsprechend harmlos erscheinen. Nach 35 Minuten fasste sich Amrhein ein Herz, sein Schuss bedrohte aber vordergründig die Eckfahne und kann insofern als symptomatisch für die Harmlosigkeit des FCC bis zu diesem Punkt gesehen werden.
Nur eine Minute später wären beinahe die Gäste in Führung gegangen, denn einen schnellen Gegenzug konnte der schon erwähnte Damm aus rund acht Metern abschließen, allerdings war auch der selten geforderte Carsten Nulle gut drauf und konnte den Ball zwar nicht festhalten, aber doch parieren. Bis zu diesem Zeitpunkt waren es damit aber trotz Unterzahl doch die Wuppertaler, die die beste Chance der ersten Halbzeit herausgespielt hatten. Die Szene der ersten Halbzeit stand aber noch bevor, denn einmal mehr war es Orlando, der mit dem Ball am Fuß Fahrt aufnahm und gleich mehrere Gegenspieler ausspielte. Beim letzten Verteidiger Lorzenz versagten die Künste des kleinen Dribblers aber und es kam zum Zusammenstoß, den die Gäste als freistoßwürdig betrachteten und vehement den Pfiff des Schiedsrichters forderten. Dieser blieb aber aus und Jens Truckenbrod nahm sich den Ball, zog sofort ab und prüfte Karagiannis, der den Ball nicht festhalten konnte. Dieser prallte nun vor die Füße von Sebastian Hähnge, der bisher in dieser Saison torlos geblieben war und nun aus wenigen Metern nur noch einschieben musste - TOOOOR für den FCC, endlich das erlösende 1:0!

Mit diesem Ergebnis ging es dann auch in die Kabinen, aus denen die Gäste unverändert zur zweiten Halbzeit zurückkamen. Beim FCC kam Wuttke für Schmidt, der aus Sicht von Trainer René van Eck Gelb Rot-gefährdet war. Schon direkt nach Wiederanpfiff ist es erneut Orlando, der die Gäste-Abwehr quasi im Alleingang umspielt und dann nur noch den Torhüter vor sich hat, den Ball dann aber leider etwas überhastet am Tor vorbeihämmert, anstatt ihn überlegt einzuschieben. Die Gäste änderten zunächst wenig an ihrer Spielweise und standen weiter tief, genauso schwer taten sich aber auch die Jenaer. In der Folge plätscherte das Spiel dahin und auch in Folge zahlreicher unnötiger Ballverluste im Spielaufbau konnte keine der beiden Mannschaften gefährliche Chancen herausspielen. Wenn überhaupt etwas Gefahr zustande kam, dann in Folge von Freistößen. Doch auch hier versäumten es Gastgeber und Gäste, die Torhüter zum Eingreifen zu zwingen oder gar vor ernsthafte Herausforderungen zu stellen. In den letzten zehn Minuten wurden auch die Gäste noch einmal mutiger, die Jenaer Verteidigung stand aber überwiegend sicher und zwang Nulle nicht zum Eingreifen. Als bereits einige Minuten der Nachspielzeit gespielt waren, eröffnete sich dem FCC noch die Chance auf 2:0 zu erhöhen. Nach einem langen Ball lief Ziegner zusammen mit Orlando aufs Gäste-Tor zu, begleitet nur von einem letzten Gäste-Verteidiger. Als Ziegner den Ball zum einschussbereiten Orlando spielen wollte, versagten ihm aber die Kräfte und die Nerven, sodass der Ball unerreichbar für den mitgelaufenen Stürmer ins Aus trudelte.

Kurz darauf war aber auch Schluss und die Jenaer konnten sich über drei Punkte freuen, die gegen den direkten Tabellennachbarn natürlich sehr wichtig waren. Mit etwas mehr Kreativität und Konsequenz im Torabschluss hätte man die Partie allerdings weniger anstrengend für das leidgeprüfte Nervenkostüm der Jena-Fans gestalten können. Nun bleibt zu Hoffen, dass die Jenaer in den kommenden beiden Auswärtsspielen ebenfalls Punkten und so die Distanz zu den Abstiegsrängen weiter vergrößern können. <bh>

Spielbericht auf wuppertalersv.com

1. FC Heidenheim - FC Carl Zeiss Jena 3:1

Tore: 0:1 Truckenbrod (35.), 1:1 Lukimya (60., ET), 2:1 Mayer (79.), 3:1 Weil (90.)

Heidenheim: Bodemer; Meier, Göhlert, Krebs, Feistle; Bagceci (46. Gül), Klarer, Weil, Essig (59. Mayer); Spann (88. D. Jarosch), Heidenfelder
Jena: Nulle; Sträßer, Lanzaat, Lukimya, Wuttke; Kühne, Truckenbrod (86. Petersen), Ziegner, Amrhein; Orlando, Mayombo (75. Eckardt)

Zuschauer: 6130

Schiedsrichter: Nowak (Bottrop)

Spielbericht
Im Spiel eins nach seinem Tod war Robert Enke auch fern der thüringischen Heimat in Heidenheim allgegenwärtig. Der FCC verzichtete auf den üblichen Aufdruck der Trikotbrust und die FCH-Fans auf ihre geplante Choreo, beide Teams liefen mit Trauerflor auf und während der holprigen Gedenkrede des Heidenheimer Stadionsprechers erinnerte der Gästeblock ganz in schwarz an Jenas großen Sohn.

Wer gedacht hatte, der Nachmittag ginge derart besinnlich weiter, sah sich sehr schnell getäuscht. Auf der Stadionbaustelle nahe des Schlosses Hellenstein entwickelte sich ein überaus temporeiches Spiel mit Chancen hüben wie drüben. Amrhein und Ziegner (Außenpfosten) nach zwei und fünf Minuten hier - Meier (14.) und Weil (16.) dort, Smeekes mit Hammerschuß (17.), Amrhein nach Traumkombination (22.) sowie Kühne und Mayombo nach Eckball (25.) wieder hier, es brannte unentwegt in beiden Strafräumen. Gefährlich wurden die Gastgeber dabei fast immer bei ihren Angriffen über Jenas lichterloh brennende linke Abwehrseite. Es ist nicht überliefert, ob dies von Rene van Eck so gewollt war, aber Jena spielte quasi mit Dreierabwehrkette, während Sträßer als linker Läufer seine Seite über die gesamte Länge des Spielfeldes allein zu beackern hatte, Smeekes neben Mayombo im Zentrum stürmte. Was defensiv einem Harakiri glich, führte aber gleichzeitig zu einem personellen Übergewicht des FCC im Mittelfeld, welches die Heidenheimer vor große Probleme stellte, und Jenas Fans ob des gebotenen Kombinationsflusses erstaunte. Der FCC spielte als komplettes Kontrastprogramm zum letzten Heimauftritt einfach schön anzusehen, die Einstellung stimmte bei jedem Einzelnen und nach 35 Minuten folgte die Belohnung in Form der Führung. Der ins Team zurückgekehrte Torsten Ziegner tankt sich wie in alten Regionalligazeiten auf der rechten Seite ein, an zwei Heidenheimern vorbei zur Grundlinie durch, passt millimetergenau zurück auf Jens Truckenbrod, der den Ball aus zehn Metern zu seinem so lange überfälligen ersten Punktspieltor für den FCC versenkt. Was in Robert Enkes ehemaligem Klassenkamerad Torsten Ziegner vorgeht, der im stillen Jubel beide Arme gen Himmel reckt, kann man erahnen. Kurz darauf muss Smeekes eigentlich das zweite Tor nachlegen, als er mutterseelenallein von der Mittellinie aus aufs Tor zurast, aber am einzig verbliebenen Heidenheimer Verteidiger hängenbleibt. Dann heißt es erst einmal Sichern des Vorsprunges, Smeekes besetzt nun das linke Mittelfeld und nur noch einmal ist Zittern angesagt, als Weils Schuss nur knapp am Nulle-Gehäuse vorbeischrammt (37.). Pause, Jena führt und das verdient, wenn auch in der Innenverteidigung mit Lukimya und Rückkehrer Lanzaat alles andere als sicher.

René van Eck wechselt nicht, lässt aber seine Flügelzange Patrick Amrhein und Orlando Smeekes die Seiten tauschen, ein Schachzug mit Folgen. Jenas linke Seite ist nun endgültig zu für die Heidenheimer Angriffsbemühungen, während Smeekes auf rechts im völlig überforderten Außenverteidiger Feistle ein ums andere Mal ein leichtes Opfer für seine Flügelläufe vorfindet. Von Heidenheimer Ausgleichsdruck ist nicht einmal ein Ansatz zu spüren, hier und jetzt geht es ganz klar um die Spielentscheidung zugunsten der Gäste, die sich mit laufintensivem und beängstigend temporeichem Spiel Chance um Chance erarbeiten. Der als einzige Spitze stets anspielbereite Mayombo nach Kühne-Zuspiel knapp vorbei (46.), Ziegner mit Freistoß in die Mauer (49.), Amrhein aus dem Fußgelenk nur um Haaresbreite am Winkel vorbei (52.), Mayombo nach Ziegner-Zuckerpass mit von Ersatz-Ersatzkeeper Bodemer glanzvoll pariertem Schuss (55.), Kühne mit Flachschuss (61.), es stellte sich beinahe nur die Frage, welcher der 11 Jenaer der kommende Torschütze sein würde. Assani Lukimya war es dann, den der Stadionsprecher als solchen verkündete, leider im Jubelton und begleitet vom Kopfschütteln 500 fassungsloser Gesichter im Gästeblock. Was war passiert? Ballverlust Truckenbrods im Mittelfeld, geschickter Pass Güls auf den gerade eingewechselten Mayer, dessen Schuss Nulle sensationell nach vorn abwehrt, wo er von der Brust Jenas Abwehrchefs über den verdutzten Keeper ins Tor hüpft. Jenas Antwort ließ nicht auf sich warten: Aber Smeekes findet in Bodemer seinen Meister (66.), Ziegner zielt aus 20m knapp daneben (67.), Mayombo erwischt Ziegners Zuspiel drei Meter vor dem Tor eine Hundertstelsekunde zu spät (69.). Als dann nach 70 gespielten Minuten sowohl Lukimya, als auch Truckenbrod und Mayombo Wuttkes wunderbare Eingabe von rechts nicht im leeren Tor unterbringen können, hat der FCC nicht nur sein Pulver verschossen, sondern sich auch selbst den Nerv gezogen. Eckardts Einwechslung für Mayombo geht nach hinten los, weil nun die ballsichere Anspielstation in der Spitze fehlt, und Nulle muss bei Kontern der nun aufdrehenden Heidenheimer gleich zwei Mal binnen einer Minute sein ganzes Können aufbieten. Nach 79 Minuten ist auch er machtlos, als Ziegner Heidenfelders Schuss zunächst abblockt, aber der schwache Referee Nowak Göhlerts Foul an Kühne nicht ahndet und Mayer aus Nahdistanz vollendet. Ob der mitten in diese Aktion zu hörende Pfiff vom Referee oder aus dem Publikum kam, bleibt das Geheimnis des Mannes aus Bottrop, der Treffer zählte.
Jena blieben noch 11 Minuten, doch der Akku schien leer, zu sehr hatte das Powerplay nach der Pause geschlaucht, stattdessen konterten die Gastgeber ein ums andere Mal gefährlich und beseitigten mit dem dritten Treffer in der Nachspielzeit alle Zweifel am mehr als glücklichen Heimsieg. Dass Tim Wuttke - heute auch als rechter Außenverteidiger gewohnt zuverlässig - den Schuss Weils unhaltbar abfälschte, war ein sinnbildlicher Abschluss eines unglücklichen Spieles, in dem der FC Carl Zeiss vieles richtig machte, aber mit Fortuna und der eigenen Qualität vor dem gegnerischen Tor hadern muss. <gunner>

Bericht auf fc-heidenheim.de
Bilder des Tages <uk>

FC Carl Zeiss Jena - SG Dynamo Dresden 0:4

Tore: 0:1 Röttger (4.), 0:2 Röttger (22.), 0:3 Kühne (36., ET), 0:4 Müller (77.)

Jena: Nulle; Sträßer, Wuttke, Lukimya, Nagy (46. Ziegner); Amrhein, Kühne, Truckenbrod, Eckardt (33. Orlando); Mayombo, Benyamina (70. Kolb)
Dresden: Keller; Cozza (35. Kunze), Oppitz, Trehkopf, Röttger (46. Koch); Strifler, Hübener, Petrovic, Müller; Savran, Dobry (78. Jungnickel)

Zuschauer: 9846

Schiedsrichter: Kempter (Sauldorf)

Spielbericht
Eigentlich sollte man mit dem Schreiben erst anfangen, wenn man sich selbst wieder im Griff hat, der Puls die 200er-Marke unterschreitet, die Gedanken anfangen sich zu ordnen. Aber diesmal geht es nicht. Die Wut muß raus, muß ungefiltert aufs Papier, auch wenn es kein passendes Vokabular für ein derartiges Versagen geben dürfte.

Es war eine Demütigung, ein Untergang! Alleine die ersten fünf Minuten gegen Dresden sind bei normaler Finanzlage ein Kündigungsgrund für den Trainer und die halbe Mannschaft. Statt dem Tabellenvorletzten zu zeigen, warum er dort unten steht, wird die Schlacht kampflos preisgegeben, die Initiative gar nicht erst ergriffen. Dazu kommen diese dümmlichen Fehler bei der Ballbehandlung und schon wird es ein unvergeßlicher Nachmittag! Ein grundloser Querschläger von Nagy, ein bewunderndes Platzmachen Sträßers (wo war der denn auf einmal hin?), ein Schuß von Röttger. 0:1 (4.). Dann: Ein leichter Ballverlust von Mayombo in der Spitze, eine schnelle Kombination über den ganzen Platz ohne Jenaer Ballberührung oder auch nur die Chance dazu, eine flache Hereingabe von Dobry auf den völlig vereinsamten Röttger. Noch ein Schuß, diesmal ins andere Eck. 0:2 (23.). Und dann zu allem Überfluß auch noch so ein Eigentor der Kategorie 'Schöner geht's nicht', als Kühne einen Müller-Freistoß mit dem Knie in den Winkel donnert. Absolut unhaltbar für Nulle (35.). Ich hätte hier gerne ein bißchen was vom Aufbäumen geschrieben, vom Kampfgeist, der einfach nicht belohnt wurde oder so. Aber es war einfach nur erbärmlich. Ein Zweikampfverhalten wie zur Love-Parade. Kein Biß, kein Wille. Nicht mal den Ansatz einer Jenaer Chance gibt es hier zu beschreiben.
Dafür müssen die Zuschauer im Stadion noch 20 Spielminuten voller Jenaer Unzulänglichkeiten plus Halbzeit über sich ergehen lassen und das alles bei Heimspielatmosphäre für Dresden. Ich kann das hier gottlob schneller machen. Es war Lukimya, der einen Ziegner-Freistoß gefährlich in Richtung des Dresdner Tors verlängerte und Keller zu einer schönen Parade zwang (54.). Immerhin der Auftakt zu den stärksten fünfzehn Minuten unserer Helden, in denen sich zwei, drei gute Möglichkeiten zu einem Anschlußtreffer ergaben. Erst scheiterte Orlando mit einem Schuß von der Strafraumgrenze an Keller (55.), kurz darauf segelte ein 30-Meter-Knaller von Amrhein knapp am Dresdner Gehäuse vorbei (57.). Und dann die 68. Spielminute! Der erste Spielzug der Jenaer, der aussah wie gewollt. Da läuft der Ball mal über fünf, sechs Stationen, da kann sich Amrhein auf der linken Seite schön durchsetzen und auch Mayombo macht eigentlich alles richtig. Pech, daß sein Drehschuß am gedankenschnellen Keller hängenbleibt. Wäre diese erste Katastrophenhalbzeit nicht gewesen, das Publikum hätte sicherlich verzückt applaudiert. So aber war nur ein langgezogener Seufzer zu hören.
Aber die Jenaer Erfolgsgeschichte für diesen Nachmittag ist ohnehin schon wieder zu Ende. Was noch kommt ist stattdessen der endgültige Offenbarungseid. Nachdem Savran aus Ermangelung an Gegenspielen den Ball ungehindert aus 20 m an die Latte donnern kann (wieder waren Sträßer und Lukimya erst ganz eng dran und dann wie vom Erdboden verschluckt), bringen es die Jenaer dreißig Sekunden lang nicht fertig, für klare Verhältnisse im Strafraum zu sorgen. Als Savran zig verlorene Zweikämpfe später den Ball wieder kriegt, sehen alle Zuschauer schon was jetzt kommen muß, können in Ruhe ihre Fahnen einrollen, ihre Kissen einpacken und was sonst noch so zu tun ist, um ganz schnell nach Hause zu kommen. Es war wirklich so offensichtlich, daß der Savran dem Müller das Ding auflegt, daß man schon fast enttäuscht darüber sein mußte, nichts Spektakuläreres geboten zu bekommen. Noch den Nulle hübsch ausgekurvt und dann rein damit (77.). Schöner geht's nicht mehr. Nie habe bereits eine Viertelstunde vor dem Abpfiff so eine Abwanderungswelle erlebt (O-Ton: "Da glotze ich mir lieber die Kandinsky-Ausstellung an")

Es tut mir leid, wenn das hier alles sehr sarkastisch rüberkommt, aber es war bei diesem Spiel die einzige Möglichkeit, nicht völlig die Beherrschung zu verlieren oder sich diversen Gewaltphantasien hinzugeben. Eine solche Darbietung ist mir in Jena noch nicht untergekommen. Das Pfeifkonzert zum Ende konnte nicht annähernd wiedergeben, was sich hier gerade abgespielt hatte. Es ist ja nicht, daß Jena inzwischen nahezu jedes Ostderby als Zweitplazierter beendet, sondern es ist die Art und Weise, wie hier untergegangen wird. Spielerische Mängel sind verzeihlich, wenn auch nicht immer nachvollziehbar. Aber kämpferisch muß es einfach stimmen. Jeder Kreisklassespieler weiß, daß man sich in der Anfangsphase erst mal Respekt verschaffen muß, will man nicht den Rest des Spiels wie ein Depp aussehen ("gib dem Neuner gleich einen mit, damit er weiß, dass er seinen Hutzebutz hier vergessen kann" war der bekannte Slogan unseres Trainers vor jedem Derby in Zottelstedt). Die Dresdner wußten das, die Jenaer nicht. In meinen Augen das größte Problem ist und bleibt aber dieses konfuse Miteinander. Da sind keine Laufwege aufeinander abgestimmt, da gibt es keinerlei Zuordnung, da fehlen vorne die Leute, die hinten zu wenig sind. Was machen die eigentlich die Woche über? Persönlich fürchte ich, daß van Eck trotz aller Sympathien nicht der richtige Mann für diesen Job ist. Aber neu ist diese Erkenntnis im Verein ja nun auch nicht...

Das war ein grauenhafter Samstag! Wollen wir uns nicht schneller im Abstiegskampf wiederfinden als uns lieb ist, darf sowas nicht so schnell wieder passieren. Es sind jetzt zwei Wochen Zeit, irgendwie zu reagieren und diesem nervösen Haufen wieder Selbstvertrauen einzuflößen. Wie das gehen soll, ist mir ehrlich gesagt ein Rätsel. Aber vielleicht reicht es ja auch schon, wieder vor den für die dritte Liga typischen Gruselkulissen anzutreten. Zu viel Öffentlichkeit ist unserer Mannschaft scheinbar ein Graus. Insofern liegt über den nächsten Wochen ein zarter Hoffnungsschimmer, wenn wir uns mit Fußballgrößen wie dem 1. FC Heidenheim oder dem Wuppertaler SV der üblichen Tristesse hinzugeben haben. <bpf>

Für Dynamo war's ein Befreiungsschlag

SSV Jahn Regensburg - FC Carl Zeiss Jena 1:1

Tore: 0:1 Mayombo (27.), 1:1 Würll (90.)

Regensburg: Sattelmaier; Hörnig (57. Jarosch), Hagmann (RK, 88.), Maul, Binder; Zellner, Kreis (74. Schlauderer), Haller, Berger; Stoilov, Schmid (60. Würll)
Jena: Nulle; Sträßer, Lukimya, Wuttke, Nagy; Eckardt (70. Orlando), Truckenbrod, Kühne, Amrhein; Mayombo, Benyamina (90. Kolb)

Zuschauer: 4108

Schiedsrichter: Glasmacher (Alsdorf)

Spielbericht
Im letztjährigen Abstiegskampf hatte mir der Spielberichtsorganisator das Angebot abgerungen, im Falle des Nichtabstiegs mal wieder einen Spielbericht zu verfassen. Dies hatte die FCC-Helden dann tatsächlich noch so angestachelt, dass sie sich auf der Zielgeraden über den Strich retteten. Mein Versprechen sollte nun zum Abschluss der "Bayrischen Wochen" beim Gastspiel bei Jahn Regensburg eingelöst werden. Die Münchner FCC-Gemeinde um "Gleis 26" traf sich pünktlich nach dem Frühstück zur gemeinsam Fahrt in die Hauptstadt der Oberpfalz. Die Stimmung war entspannt, denn gegen Regensburg hatte der FCC noch nie verloren und in Regensburg stets 2:2 gespielt. Ein Resultat mit welchem man in der aktuellen Situation auch wieder zufrieden gewesen wäre.
Nach problemloser und zügiger Fahrt im ALEX wartete in Regensburg noch eine Busfahrt zum Stadion auf uns, die gefühlt so lange wie die Zugfahrt dauerte. Der Fahrer wollte uns wohl die Schönheit der Stadt genießen lassen, anders sind die minutenlangen Stopps an den Haltestellen nicht zu erklären. Letztendlich erreichten wir aber pünktlich das Jahnstadion, dessen Charme gleich deutlich darauf hinweist, dass man sich in einer der ältesten Städte Deutschlands befindet.

Die Gastgeber hatten nach ihrem sehr guten Saisonstart zuletzt etwas geschwächelt und vier Spiele in Folge nicht gewonnen (3 Niederlagen, 1 Unentschieden) und waren von den Aufstiegsrängen auf Platz sieben zurückgefallen. Angeführt vom Kapitän und Ex-Jenaer Alexander Maul übernahm Regensburg gleich die Initiative und bereits nach drei Minuten knallte der Ball zum ersten Mal gegen den Pfosten des Jenaer Tores. Allerdings stand Schütze Haller dabei im Abseits. Der FCC startete mit der Elf der zweiten Halbzeit vom Spiel in Unterhaching und meldet sich mit einem Schuss von Amrhein, den Sattelmaier zur Ecke abwehrte, in Minute sieben erstmals offensiv zu Wort. Regensburg blieb aber spielbestimmend und traf durch Stoilov erneut den Pfosten (19.). Den zurückspringenden Ball bugsierte Haller unbedrängt über das leere Tor. Dies wirkte allerdings als Wachruf für die Jenaer Kicker, die nun doch auch etwas mehr nach vorn versuchten. In der 26. Minute konnte Alexander Maul gerade noch René Eckardt an der Strafraumgrenze am Schuss hindern. Eine Minute später lupfte Amrhein im Mittelfeld den Ball schön zu Truckenbrod, der einen feinen Pass in den Strafraum spielte und Mayombo mit prima Einsatz noch vor dem zögerlichen Abwehrspieler am Ball war und ihn an Sattelmaier vorbei zum 1:0 ins Tor spitzelte. Die Führung war zu diesem Zeitpunkt sicher etwas überraschend, wäre aber fast noch erhöht worden, doch Truckenbrod kam bei einem weiten Pass von Nagy einen Schritt zu spät (34.). Regensburg kam vor der Pause nur noch zu einer Chance, die Nulle aber souverän meisterte (41.).

Der FCC kam besser aus der Pause und bestimmte nun zunächst das Spielgeschehen. Eckardt passt zu Amrhein, der legt auf Mayombo ab, der leider einen Schritt zu spät kommt (47.). Zwei Minuten später behauptete Mayombo im Strafraum den Ball gegen Maul. Dieser konnte sich nur mit einer Ringereinlage helfen. Der fällige Elfmeterpfiff des insgesamt recht schwachen Schiedsrichters Glasmacher blieb aber aus. Die nächste Chance hatte Sträßer nach Doppelpass mit Eckardt. Doch sein Schuss ging knapp am rechten Pfosten vorbei (53.). Regensburgs erste Offensivaktion in der zweiten Halbzeit war ein Fernschuss aus knapp 30 Metern, der aber weit am Kasten von Nuller vorbei ging (55.). Trainer Weinzierl reagierte und brachte mit Würll nach einer Stunde einen weiteren Angreifer. Auch wenn Regensburg damit das Spiel wieder etwas ausgeglichener gestalten konnte, blieben Chancen nun auf beiden Seiten zunächst aus. Nach 70 Minuten kam Orlando für Eckardt und damit auch neuer Schwung ins Spiel. Zunächst setzt sich Orlando auf rechts durch und flankt von der Grundlinie, den Kopfball von Amrhein kann Sattelmaier aber entschärfen (76.). Drei Minuten später ein Konter des FCC, Truckenbrod passt auf Mayombo, der in aussichtsreicher Position verstolpert. Und drei Minuten vor Ablauf der regulären Spielzeit wird Orlando über links geschickt, Hagmann kommt nicht hinterher und erwischt Orlando nur noch am Fuß und kassiert dafür - da letzter Mann - die Rote Karte. Die 90 Minuten waren abgelaufen, Regensburg bemüht sich noch einmal in Richtung Jenaer Tor und Mayombo geht etwas ungeschickt in den Zweikampf - Freistoß und wohl die letzte Aktion im Spiel. In der Gästekurve bangte man nun schon, dass es doch nicht schon wieder mit einem späten Ausgleich in Regensburg enden kann und darf ... Aus dem Fanblock vom anderen Ende des Spielfeldes sah man den Freistoß über Freund und Feind hinwegsegeln und dann tatsächlich im Netz zappeln. Hinterher hörte man, dass wohl Mayombo unglücklich ins eigene Tor getroffen hatte. Sehr ärgerlich! Dem Spielverlauf nach sicher eine akzeptable Punkteteilung. Aufgrund der besseren zweiten Halbzeit, in der vergessen wurde, den berühmten Sack zuzumachen, aber doch zwei verschenkte Punkte mit einem tragischen Helden Mayombo. <jw>

Bilder des Tages <jw>
So sahen es die Gastgeber

SpVgg Unterhaching - FC Carl Zeiss Jena 3:1

Tore: 1:0 Steegmann (43.), 2:0 Steegmann (63.), 3:0 Kanca (76.), 3:1 Benjamina (82.)

U'haching:Kampa; Konrad, Hain, Brysch, Schaschko (90. Ziegler); Tyce, Mitterhuber, Zillner, Leandro; Schweinsteiger (73. Kanca), Steegmann (79. Rathgeber)
Jena: Nulle; Sträßer (73. Osadchenko), Lukimya, Wuttke, Nagy; Eckardt, Kühne, Truckenbrod, Ziegner (46. Benyamina), Orlando (46. Mayombo); Amrhein

Zuschauer: 3300

Schiedsrichter: Fischer (Hemer)

Spielbericht
Same procedure as every year. Der FCC verliert obligatorisch sein Auswärtsspiel bei der Spielvereinigung Unterhaching, diesmal mit 3:1 und nach zwei völlig unterschiedlichen Halbzeiten.

Der Minutenzeiger hatte noch nicht einmal eine volle Umdrehung gemacht, da hatten Jenas Fans den Torschrei auf den Lippen, als Patrick Amrhein von Ziegner mustergültig bedient von der Strafraumgrenze abziehen kann, aber nur ein klägliches Schüsschen zustande bringt. Ein Auftakt mit Signalwirkung konnte man hoffen, doch als Referee Fischer 45 Minuten später zur Pause pfiff, war aus Sicht des FCC keine einzige weitere Möglichkeit zu notieren gewesen, von einem großzügig verzogenen Distanzschuss des überraschend sofort eingesetzten Kühne einmal abgesehen. Jena lieferte eine erste Hälfte ohne jeden Esprit, blieb im Offensivspiel erschreckend harmlos und lag verdient mit 0:1 zurück. Dass dieses Gegentor aus einer lächerlichen Schauspieleinlage Zillners an der Seitenauslinie direkt vor den Augen des schwachen Linienrichters und folgender Freistoßflanke resultierte, war bitter. Aber Steegmanns gegen Lukimya folgenschwer gewonnenes Kopfballduell zum Führungstreffer kurz vor der Pause (43.) eben auch nur eine der zahlreichen Hachinger Möglichkeiten. Von denen vergab der Torschütze selbst üppig (12., 26., 34.), aber Zillner nach seinem Sturmlauf zwischen den verdutzten Sträßer und Ziegner hindurch zweifellos die größte - Nulle rettete glanzvoll (33.).

So konnte es nicht weitergehen, und van Eck, der schon vor Anpfiff auf den sich beim Aufwärmen verletzenden Holwijn verzichten musste, stellte erneut um. Auch, weil der blasse Orlando Smeekes mit ausgekugelter Schulter passen musste. Aus dem 3-5-1 mit Doppelsechs Kühne/Truckenbrod und Amrhein als einziger Spitze wurde nun ein 4-4-2. Amrhein rückte zurück auf die linke Mittelfeldposition, als Spitzen agierte dabei das Sturmduo der in dieser Saison so begeisternden II. Mannschaft, und plötzlich ging beim FCC nach vorn die Post ab. Insbesondere Exaucé Mayombo war von Hachings Verteidigern kaum zu stellen und lieferte eine starke Partie ab. Kühnes Schuss nach Truckenbrod-Ablage gab nach 51 Minuten die Richtung vor, Mayombos abgefälschter Schuss folgte zwei Minuten später, Amrhein prüfte Kampa im Hachinger Tor aus 18 Metern (54.), Truckenbrod zieht knapp übers Tor (58.). Jena war jetzt richtig im Spiel, die Kombinationen liefen flüssig und spätestens in der 59. Minute musste es einfach soweit sein, als Rene Eckardt auf rechts mustergültig von Sträßer bedient wird, aber statt Kampa den Ball um die Ohren zu ballern eine unmotivierte Mischung aus Heber und Flanke ansetzt. Wie einfach Fußball sein kann, demonstrierten die Bayern kurz darauf auf der Gegenseite: Langer Befreiungsschlag Hains aus der eigenen Hälfte auf den durchstartenden Steegmann, der vernascht Wuttke im 16er und schiebt lässig zum 2:0 ein. Bewundernde Worte fielen im Gästeblock über die weise Voraussicht jenes sonst so viel- und weitreisenden Münchner FCC-Fans, der einem Gelübde folgend den Nachmittag lieber weit abseits seinen Hund Gassi führend verbrachte. Seit dem Sieg vor 17 Jahren scheint für unseren Club ein Fluch auf diesem Sportplatz zu liegen. Sonst hätten vielleicht auch Mayombo nach Traumzuspiel Benyaminas freistehend vor Kampa die Nerven nicht versagt (65.). Und sonst würde ein Schiedsrichter bei einem Foul wie dem Kampas an Carsten Sträßer im 16er auch einmal auf Elfmeter entscheiden. Für Sträßer bedeutete Kampas übles Einsteigen das Ende der Partie - Jenas dritte Verletzung an diesem Tage - und die Unordnung in der Hintermannschaft des FCC nutzte der eingewechselte Kanca zur endgültigen Entscheidung. Dabei hätte es vielleicht noch einmal eng werden können, wenn nach Benyaminas Anschlusstreffer per Kopf - Nagy hatte von links geflankt - mehr gekommen wäre als die vergebenen Möglichkeiten Benyaminas (Kopfball nach Eckball von rechts, 83.) und Amrheins Freistoßversuch übers Tor (84.). Wo das Problem des FCC liegt, demonstrierte dann eine Minute vor dem Ende René Eckardt noch einmal final, als er völlig freistehend an Kampas Blitzreaktion scheitert. Nein, nichts zu holen in Münchens Süden. Verflucht! <gunner>

Fotos von Jens Weißenburger

FC Carl Zeiss Jena - FC Ingolstadt 04 2:0

Tore: 1:0 Lukimya (72.), 2:0 Holwijn (83.)

Jena: Nulle; Sträßer, Lukimya, Wuttke, Nagy; Holwijn, Truckenbrod, Ziegner (85. Eckardt), Orlando (90. Fuss); Amrhein, Hähnge (73. Benyamina)
Ingolstadt: Lutz; Keidel, Pisot, Wenczel, Ruprecht; Leitl, Fleßers (71. Braber), Karl, Buchner; Neuendorf, Hartmann

Zuschauer: 5099

Schiedsrichter: Siebert (Berlin)

Spielbericht
Im Vorfeld des Spiels gab es jede Menge Aufregung im Umfeld des FCC: Spätestens mit der Pokalniederlage in Meuselwitz und der anschließenden Suspendierung von Salvatore Amirante hatte der FCC wieder einmal demonstriert, dass man in Jena mit allem rechnen muss. Dazu kam noch die Vorstellung des neuen Geschäftsführers Michael Born unter der Woche, Ablenkung von der Vorbereitung auf das Spiel gegen einen der Staffelfavoriten des Jahres gab es also zur Genüge.

Mit dem FC Ingolstadt 04 war eine Mannschaft im Ernst Abbe Sportfeld zu Gast, gegen die der FC Carl Zeiss Jena erst ein einziges Mal im Rahmen eines Winter-Trainingslagers gespielt hat. Das ist allerdings weniger überraschend, zumindest wenn man betrachtet, dass der FC Ingolstadt 04 erst im Jahr 2004 als Zusammenschluss von MTV 1881 und ESV Ingolstadt entstanden ist. Seitdem hat der Verein mit der Unterstützung des großen Sponsors im Rücken einen steilen Aufstieg erlebt und konnte schon im Jahr 2007 den Aufstieg in die zweite Bundesliga feiern. Der letztjährige Abstieg darf als Betriebsunfall verstanden werden, der den langfristigen Weg in Richtung erste Bundesliga wohl nur verzögert hat. Spätestens beim Blick auf das Mannschaftsfoto der Gäste wird deutlich, wie der Verein verstanden werden soll: Der Star ist nicht die Mannschaft, auch nicht bundesligaerfahrene Spieler wie "Zecke" Neuendorf Stefan Leitl, selbst Trainer Horst Köppel steht im zweiten Glied. Bei Ingolstadt 04 gilt einzig und allein: Der Star ist der Sponsor.

Aber kommen wir zum Spiel: Den Spielern des FCC war von Beginn an anzumerken, dass die Geschehnisse außerhalb des Platzes nicht völlig verdrängt werden konnten, jedenfalls waren die Gäste aus Ingolstadt von Beginn an die spielbestimmende Mannschaft. Bereits in der ersten Minute kommen die Gäste gefährlich vors Jenaer Tor, die Flanke von Leitl kann Buchner aber nicht verwerten. Nur wenige Augenblicke später versucht der rehabilitierte Ziegner einen Rückpass zu Carsten Nulle, der Ball ist allerdings beinahe zu kurz und bringt Nulle erstmals in Bedrängnis. Dank einer schnellen Reaktion kommt er allerdings noch vor dem Ingolstädter Spieler an den Ball und kann die Situation klären. Dennoch blieben die Gäste dominant und kamen noch in der zweiten Minute nach einer Keidel-Flanke durch Buchner zur nächsten Chance, auch dieser Kopfball verfehlte das Jenaer Tor aber knapp. Erst nach diesen drei Aufregern konnten die Jenaer Fans erstmals durchatmen; auch wenn die FCC-Elf sich keine eigenen Chancen erspielen konnte, gelang es nun immerhin, die Gäste vom eigenen Tor fernzuhalten. Dennoch wirkten die Gäste auf dem vom Regen getränkten Rasen stets spritziger und technisch versierter und konnten mit einfachen Doppelpässen immer wieder schnelle Vorstöße einleiten, die zum Glück für die Jenaer Elf nicht mit letzter Konsequenz ausgespielt wurden. Wenn die Ingolstädter doch einmal den Abschluss fanden, war dann allerdings Carsten Nulle zur Stelle, der insgesamt eine überzeugende Partie ablieferte. Auch nach einem Schuss von Karl aus rund zehn Metern war Nulle zur Stelle und konnte per Fußabwehr klären. Nach knapp einer halben Stunde kamen auch die Jenaer erstmals zu so etwas ähnlichem wie einer Torchance, als Patrick Amrhein auf der rechten Außenbahn vor dem unnötigerweise herauseilenden Ingolstädter Torhüter Lutz an den Ball kommt und an diesem auch vorbeikommt, dann aber ausrutscht und damit das großzügige Geschenk der Gäste dankend ablehnt. Kurz vor dem Halbzeitpfiff ist es wieder Amrhein, der an der Strafraumgrenze der Ingolstädter glücklich an den Ball kommt, die gebotene Chance aber mit einem Schuss zur Eckfahne kläglich vergibt. Damit blieb es zur Halbzeit beim 0:0 und obwohl die Ingolstädter nicht viele klare Torchancen erspielt hatten, waren sie doch ohne Zweifel die gefälliger spielende Mannschaft, die eine Führung zu diesem Zeitpunkt absolut verdient hätte.

In den Minuten nach Wiederanpfiff hatte man nicht den Eindruck, als ob René van Eck der Mannschaft in der Kabine entscheidende Impulse gegeben hat. Wieder hatten die Ingolstädter den besseren Beginn für sich: Mit zwei Freistößen aus rund 20 Metern brachte Keidel den Jenaer Torhüter Nulle in Bedrängnis, dieser war aber hellwach und ging in Anbetracht des glitschigen Balls zwei mal auf Nummer sicher und faustete den Ball wieder ins Spielfeld zurück. In der 51. Minute war es wieder Karl, der die Führung auf dem Fuß hat, aber im letzten Moment mit viel Glück von mehreren Jenaer Verteidigern am Abschluss gehindert wird. Nur zwei Minuten später die nächste Großchance für die Gäste, nun rettet wieder Nulle gegen Leitl, der völlig unbedrängt zum Schuss kommt - die Ingolstädter Führung schien nur eine Frage der Zeit zu sein, von Jenaer Seite kamen wie in der ersten Halbzeit praktisch keine Impulse für das Spiel. Nach 55 Spielminuten kam aber auch der FCC mal wieder vors Gäste-Tor, die Flanke von Truckenbrod auf Hähnge war präzise und gefühlvoll getreten, allerdings war auch Gäste-Torwart Lutz auf dem Posten und konnte mit den Fäusten vor Hähnge an den Ball kommen. Zehn Minuten später war es erneut Nulle, der die letzte Rettung für das scheinbar unverrückbare 0:0 an der Anzeigetafel darstellte. Gleich mehrere Stürmer der Gäste scheiterten mit ihren Schussversuchen am Jenaer Keeper, bevor die Situation endlich bereinigt werden konnte.
Die rot-weiß gekleidete Marketingmaßnahme der bekannten VW-Tochter hielt bis dahin also fast, was der Bus mit großen Lettern versprach: Der "Vorsprung durch Technik" schlug sich allerdings nur in Spielanteilen und Torchancen nieder, das Spielergebnis zeigte sich bisher unbeeindruckt. In der Folge gönnten sich die Gäste allerdings eine kleine Verschnaufpause und die Jenaer kämpften sich zurück ins Spiel. Torchancen blieben zwar zunächst Mangelware, aber immerhin musste man sich in dieser Phase keine großen Sorgen um das FCC-Tor machen. In der 72. Minute passierte dann das, was auch dem FCC schon oft genug widerfahren ist: Die Mannschaft, die bis dahin klar unterlegen war und praktisch keine echte Torchance zu verzeichnen hatte, geht völlig unverdient in Führung. Nach einem Freistoß aus halbrechter Position und rund 30 Metern Entfernung ist es Abwehrmann Assani Lukimya, der als erster an den Ball kommt und diesen per Kopf ins lange Ecke verlängern kann - 1:0 für den FCC und der Spielverlauf stand auf dem Kopf! Die Jenaer Zuschauer hatten sich noch nicht wieder hingesetzt, da wäre beinahe der hochverdiente Ausgleich gefallen, als Buchner per Kopf nur die Latte trifft und ein weiterer Ingolstädter seinen Nachschuss wenige Zentimeter neben den linken Pfosten setzt. Die Angriffe der Gäste wurden nun verständlicherweise wütender und brachten Nulle noch mehrmals in Bedrängnis. Nur zwei Minuten nach der Führung muss der Jenaer Torwart erneut per Faustabwehr retten, nachdem ein Angreifer eine Gäste-Ecke per Volleyschuss von der Strafraumgrenze aufs Tor brachte. Weitere drei Minuten später machte sich Nulle endgültig zum Mann des Spiels, als er einen weiteren Freistoß von "Zecke" Neuendorf, der ansonsten unauffällig agierte, klären konnte. Während die Gäste auf den Ausgleich drängten, zeigten die Jenaer, wie effizienter Fußball aussehen kann: Einen hohen Ball aus dem Mittelfeld legt Amrhein per Kopf auf Melvin Holwijn ab, der sich ein Herz nimmt und aus rund 18 Metern einfach mal draufhält. Der von Gäste-Trainer Köppel nicht ganz zu Unrecht als "Sonntagsschuss" bezeichnete Ball schlug unhaltbar für Gäste-Keeper Lutz in der linken Ecke ein und sicherte den Jenaer Sieg, der bis dahin noch heftig wankte.

Die Ingolstädter Bemühungen blieben auch in der Folge unbelohnt und fast hätte man den Eindruck haben können, dass sich an diesem Tag die über 100 Jahre längere Tradition des FCC gegen den noch in den Kinderschuhen steckenden Gast aus Ingolstadt durchgesetzt hat. Dennoch darf nicht unerwähnt bleiben, dass der Sieg und die damit verbundenen drei Punkte sehr glücklich für René van Eck und den FC Carl Zeiss waren, von einem verdienten Sieg kann beim besten Willen nicht die Rede sein. Entsprechend gedrückt dürfte die Stimmung im Ingolstädter Bus bei der Heimreise gewesen sein, denn es ist ohne Zweifel bitter, nach einem derart kraftraubenden und über weite Strecken gut geführten Spiel ohne Punkte nach Hause fahren zu müssen. Es bleibt zu hoffen, dass die Jenaer beim nächsten Spiel in Unterhaching auch spielerisch zu überzeugen wissen und auch in Bayern Punkte holen, bevor die bayerischen Wochen mit dem Spiel in Regensburg hoffentlich erfolgreich beendet werden. <bh>

Fotos auf weissenburger.de
Spielbericht auf fcingolstadt.de

Kickers Offenbach - FC Carl Zeiss Jena 4:0

Tore: 1:0 Pospischil (24.), 2:0 Ulm (41.), 3:0 Mesic (78.), 4:0 Pfingsten-Reddig (88.)

Offenbach: Wulnikowski; Huber, Hysky, Kopilas, Schutzbach; Haas (84. Pfingsten-Reddig), Pospischil, Zinnow, Fröhlich (72. Laux); Ulm, Mesic (81. Albayrak)
Jena: Nulle; Fuss, Lukimya, Wuttke, Sträßer; Holwijn (72. Kolb), Lanzaat (RK, 79.), Truckenbrod, Hähnge (46. Nagy), Orlando; Amirante

Zuschauer: 8563

Schiedsrichter: Thomsen (Kleve)

Spielbericht
Auf den Tag genau vor einem Jahr begleitete ich den FCC zum Auswärtsspiel nach Wuppertal. "Am Tag der deutschen Einheit flossen die Punkte von West nach Ost", beendete ich damals den Spielbericht und hoffte jetzt auf einen vergleichbaren Spielausgang ein Jahr später. Ein entlaufener Bulle vorm Polizeiauto auf der Hinfahrt sollte hierbei eigentlich als Glücksbringer fungieren. Allerdings ließen die letzten Auftritte der aktuellen Zeiss-Elf ebenso wenig einen Feier(tags)auftritt erwarten wie die Bilanz am Bieberer Berg mit nur einem mageren Pünktchen aus vier Spielen.

Ein Amirante-Schuss nach hundert Sekunden eröffnete die Partie, in der Wuttke auch nach Lanzaats Rückkehr zunächst in der Innenverteidigung blieb. Obwohl der Holländer bei seinem Kurzeinsatz gegen Bremen alles andere als souverän gewirkt hatte, wurde er ein weiteres Mal auf der Position vor der Abwehr neben Truckenbrod besetzt. Sein Fehler ohne Not nach 16 Minuten ließ Pospischil von der Strafraumgrenze aus zum Schuss kommen, Nulle bügelte aus. Es war die zweite Chance der Hausherren in diesem Match, da sich zuvor bereits Zinnow durch den kompletten Jenaer Strafraum gedribbelt hatte, dabei jedoch vergaß, aufs Tor zu schießen. Auch Truckenbrod probierte es nach siebzehn Minuten mal mit einem Schuss von der Strafraumgrenze. Wulnikowski kam mit einer Faust an den Ball und lenkte zur Ecke. Fünf Minuten später. Zinnows Faller nach Zweikampf mit Sträßer sah nach Schwalbe aus, der bis dahin großzügige Schiedsrichter gab jedoch Freistoß. Der Ball blieb in der 6-Mann-Mauer hängen, sprang aber nach seiner ersten Bodenberührung mit ungewöhnlichem Drall wieder zurück. Ein Lupfer in den Jenaer Strafraum, wo die Blauen vergebens auf Abseits reklamierten, ein zur Vorlage werdendes Luftloch sowie ein straffer Schuss auf zehn Metern führten zum 1:0.
Wie schon gegen Bremen galt es einem Rückstand hinterher zu laufen. Genau das aber wird zum schwierigen Unterfangen, wenn der Trainer ausgerechnet vor diesem Spiel klammheimlich zur Ein-Stürmer-Taktik zurückgekehrt ist, die schon im Jahr zuvor für Unverständnis und Erfolglosigkeit gesorgt hatte. Sebastian Hähnge ("Ich erwarte mehr von mir und die Leute auch") blieb nach dem Rückstand weiterhin konsequent im zentralen Mittelfeld und versuchte sich erfolglos als Ballverteiler für die einzige Spitze Salvatore Amirante. Da auch Melvin Holwijn sowie Orlando auf den Außenpositionen nichts rissen, verwalteten die Hessen ihren knappen Vorsprung ohne große Mühe und lauerten auf den möglicherweise vorentscheidenden Fehler des Kontrahenten. Den gab es dann auch in Form eines Jenaer Fehlpasses wenige Meter vorm Anstoßkreis. Dass er Lukimya unterlief, einem der wenigen beständig guten Spieler während der letzten Wochen, werteten einige Fans später als Zeichen um sich greifender Verunsicherung in den Jenaer Reihen. Jedenfalls nutzte David Ulm das Geschenk zu einem Solo durch die Jenaer Hälfte, um das Leder dann aus gut zwanzig Metern über Nulle hinweg ins Tor zu heben. Sehenswert, mit wie viel Gefühl im Fuß Ulm diesen Treffer markierte. Carsten Nulle eine Mitschuld zu geben, wäre aber wohl verfehlt. Wie sollte er ahnen, dass seinen Vorderleuten im Spielaufbau ein solcher Patzer unterläuft ? Unser Keeper schlich nach dem Pausenpfiff als Letzter vom Platz, begleitet von Schmährufen der OFC-Anhänger, die in einem bekennenden Sympathisanten von Eintracht Frankfurt so etwas wie ihren natürlichen Feind sehen.

Drei Jahre zuvor war es einer Jenaer Mannschaft an gleicher Stelle mal gelungen, aus einem 0:2-Pausenrückstand noch ein Remis werden zu lassen. Um eine Wiederholung dessen herbei zu führen, stellte van Eck während der Pause mehrfach um. Nagy kam für Hähnge rein, begab sich wie gewohnt nach links und schickte Holwijn auf die andere Seite. Aus Orlando wurde doch noch ein zweiter zentraler Stürmer. Dahinter tauschten Lanzaat und Wuttke ihre Positionen aus der ersten Hälfte, rückte Truckenbrod ein Stück weiter nach vorn. Der OFC ließ die Gäste nach Wiederanpfiff zunächst gewähren. Als sich die Hausherren dann doch mal wieder zu einem eigenen Angriff entschlossen, brachte der schnelle Gegenstoß endlich mal wieder Gefahr. Durch vier Abwehrbeine hindurch legte Orlando für Amirante auf, der schoss aus der Drehung jedoch genau zu Wulnikowski. Der Ball von Nagy drei Minuten später versprach mehr Erfolg, strich aus 19 Metern Torentfernung aber knapp am rechten Pfosten vorbei. Eine weitere Steigerung erfuhren Jenas Bemühungen um den Anschlusstreffer schließlich in Minute 69. Wiederholt versuchte sich Truckenbrod an einem Fernschuss, selten zuvor aber war das Geschoss von jener Güte wie diesmal. Aus 17 Metern volley abgefeuert, flog das Leder oben ans Gebälk, dass es nur so krachte.
Die Hausherren hatten offensiv nach dem Wechsel überhaupt noch nichts gezeigt. Doch mit ihrem ersten gelungenen Angriff in Halbzeit zwei, bezeichnenderweise einem Konter, sorgten sie fünfzehn Minuten vor Schluss für die Entscheidung. Ulm legte an Sträßer vorbei in die Mitte ab, wo Quido Lanzaat seinem Gegenspieler Mesic nicht hatte folgen können. 3:0. Dass Jenas Abwehrchef eben jenem Mesic kurz darauf in die Hacken trat, roch nach Frustfoul und wurde mit der Roten Karte geahndet. Und als hätte das alles nicht schon gereicht, flog auch noch der Schuss des eingewechselten Pfingsten-Reddig genau ins linke untere Eck. "Vier zu Nulle", höhnte es nach Ende der zweiten 45 Minuten von der Offenbacher Fangeraden.

Dass dem OFC eine durchschnittliche Leistung zu einem derart klaren Sieg reichte, sollte in Jena die Alarmglocken schellen lassen. Was nutzt ein sich steigernder Truckenbrod, ein auf allen Positionen sein Ding machender Wuttke - sie sind nun mal keine Antreiber, die den tödlichen Pass spielen können. Genau so einer fehlt dem Zeiss-Spiel aber zunehmend. Es scheint deshalb an der Zeit, die Verbannung Torsten Ziegners zu beenden. Zwar ist nicht garantiert, dass es mit ihm schlagartig besser laufen wird. In einer Phase, wo die Jenaer Mannschaft in ihren Leistungen nicht mehr nur stagniert, sondern abzubauen beginnt, müssen jedoch ausnahmslos alle Alternativen ausgelotet werden, die der Kader hergibt ! Es wird Zeit, sich mal wieder gemeinsam an einen Tisch zu setzen. <fc>

Fotos auf fanclub-family.de
Bericht auf ofc.de

FC Carl Zeiss Jena - SV Werder Bremen II 2:2

Tore: 0:1 Testroet (32.), 1:1 Orlando (52.), 1:2 Testroet (80.), 2:2 Amirante (82., FE)

Jena: Nulle; Sievers (70. Fuss), Lukimya, Wuttke, Sträßer; Eckardt, Truckenbrod, Hähnge, Nagy (46. Amirante); Kolb (74. Lanzaat), Orlando
Bremen: Wiedwald; Hessel, Gerdes, Stallbaum, Andersen; Ronneburg, Ayik, Menga, Feldhahn; Testroet, Oehrl

Zuschauer: 6062

Schiedsrichter: Blos (Köngen)

Spielbericht
Keiner weiß warum, doch in den vergangenen Jahren hatte der FC Carl Zeiss mit den zweiten Mannschaften von Bundesligavereinen so seine liebe Mühe. Mittlerweile sind drei von vier Hinrundenpartien gegen die U23-Teams gespielt, mit zwei Siegen und einem Remis gestaltet sich die Saisonzwischenbilanz ungewohnt positiv. Doch egal in welches Gesicht man auf Jenaer Seite nach Abpfiff des Bremen-Spiels blickte - Zufriedenheit schaut anders aus.

Daran hatte die erste Halbzeit einen gewichtigen Anteil. Denn es war ein äußerst müder Kick, den 6062 Zuschauer (darunter exakt zwei Dutzend Bremer Fans) während der ersten 45 Minuten geboten bekamen. Dass es nach gut einer Viertelstunde Beifall gab für einen ins Sturmzentrum gespielten Ball, den Kolb als eine von zwei Spitzen gar nicht erreichte, mag als Beschreibung für das Niveau in der Anfangsphase genügen. Eine Freistoßvorlage, die Wiedwald gegen die Sonne blickend im zweiten Zupacken fing, war die einzige Szene, in welcher ein Torhüter überhaupt eingreifen musste. Beim ersten gelungenen Angriffszug nach zwanzig Minuten stand Hähnge knapp im Abseits. Kurz darauf spielte Rene Eckardt zwar schön Doppelpass mit Orlando, stolperte danach aber über seine eigenen Beine. Und bei Lukimyias flacher Hereingabe erkannte der freistehende Kolb in der Mitte die Situation zu spät. So blieb ein satter 23-Meter-Schuss von Jens Truckenbrod, den Bremens Keeper über die Latte lenkte, die einzig wirkliche Torchance in Hälfte eins. Die Gästebilanz vor der Pause hätte sich sogar noch ärmlicher gelesen, wenn Testroet im Gegenzug nicht der Führungstreffer gelungen wäre. Begünstigt wurde er durch einen Fehler von Jan-Andre Sievers, welcher den Torschützen unbedrängt den Ball annehmen ließ und dann nicht hinterher kam. Nach einer überzeugenden Leistung im letzten Heimspiel gegen Burghausen blieb der Neuzugang aus Emden damit das zweite Match in Folge hinter den Erwartungen zurück, wurde später auch ausgewechselt.

Doch zunächst war es Nagy, der in der Kabine bleiben musste. Mit der Hereinnahme von Amirante wechselte Orlando ab Beginn der zweiten Halbzeit auf die Linksaußenposition. Eine Umstellung, die sich sofort bezahlt machte. War der Holländer bei seinem energischen Antritt von der linken Seite Richtung Zentrum doch nur mit unfairen Mitteln zu bremsen. Freistoß, 25 Meter Torentfernung. Ein paar der Stammzuschauer des FC Carl Zeiss werden es bemerkt haben, dieses ungewöhnliche Positionieren Jenaer Spieler im Rudel neben der gegnerischen Mauer. Von dort lösten sich wie auf Kommando vier Blaue bei der Freistoßausführung und rannten in den Sechzehner hinein. Truckenbrod schoss nicht direkt, sondern beförderte das Leder lang vor zu Orlando, welcher aus fünf Metern volley zum Ausgleich traf. 1:1 - eine eben erst im Training einstudierte Freistoßvariante hatte auf Anhieb funktioniert ! Damit lösten sich endlich einige der im bisherigen Spielverlauf eingebauten Bremsen. Salvatore Amirante zog auf 30 Metern ab, Wiedwald lenkte das Leder um den Pfosten (54.). Der Schlenzer von Feldhahn auf der anderen Seite flog nur knapp nebens Tor (56.). Und dass Kolb die schöne Vorarbeit von Orlando lieber selbst verwertet hätte, statt auf Eckardt zu spielen, war ihm hinterher auch klar.
Sie bildeten die stärkste Phase in einem mäßigen Jenaer Spiel, jene gut zwanzig Minuten nach dem Ausgleichstreffer. Sogar Sebastian Hähnge, bekanntlich nicht der Allerschnellste, ging hier mal aus einem Sprintduell als Sieger hervor. Den Gästen darf man bescheinigen, ebenfalls die Offensive gesucht und so zu einer deutlich spannenderen zweiten Halbzeit beigetragen zu haben. Beim Schuss des Deutschtüren Ayik reagierte Carsten Nulle im Tor hervorragend. Dann war noch eine Viertelstunde zu spielen und Orlando hatte wieder seinen Auftritt. Es ist beileibe nicht so, dass hier Jenas Schnellstem eine durchgängig überzeugende Leistung bescheinigt werden soll. Manches wirkt schon zu sehr auf Show getrimmt, zwischendurch taucht er auch mal ab und nach hinten lässt er eh lieber andere ackern. Doch klar ist auch - ohne Orlando wäre das Jenaer Spiel um viele Attraktionen ärmer ! Klasse, wie er in Minute 76 zwei Werder-Verteidiger förmlich stehen ließ und den Blick für den freistehenden Nebenmann hatte. Es war Salvatore Amirante, der in zehn Metern Torentfernung sofort abschloss - und an einem Abwehrbein hängen blieb.
Das Tragische an diesem Spiel ist aus Jenaer Sicht, dass immer im Anschluss an eine knapp vergebene Großchance die Quittung in Form eines Gegentreffers folgte. Hatte Pascal Testroet schon vor der Pause direkt nach Truckenbrodts Schuss getroffen, verging auch nach Amirantes Möglichkeit nicht viel Zeit, bis Bremens Spieler mit der Nummer 43 zum Erfolg kam. Dabei profitierte er wiederum von einem fehlenden Gegenspieler - der eingewechselte Benjamin Fuss war an der Strafraumgrenze ausgerutscht. Unter dem Körper Carsten Nulles hindurch flog der Ball ins Netz. Und nun ? Waren nur noch zehn Minuten Zeit für Jenaer Bemühungen um den abermaligen Ausgleich. Scheinbar unbeteiligt steht Orlando nach dem Anstoß an jener Stelle, wo Mittel- und Außenlinie aufeinander treffen. Genau da wird er angespielt, nimmt ein paar Meter lang Fahrt auf und legt dann den Turbo ein. Gerdes hatte sich diesmal vorgenommen, ihm im Sprintduell Paroli zu bieten - auch er war chancenlos und wusste sich deswegen nur mit einem Rempler im Strafraum zu helfen. Elfmeter. Als Amirante sich vor Sträßer den Ball zur Ausführung schnappte, stockte vielen der Atem - hatte der nicht schon einmal.... ? Noch ehe der Gedanke zuende gebracht wurde, hatte Salvatore den Werder-Schlussmann in die andere Ecke geschickt und zum 2:2-Endstand getroffen.

Zweimal war der FCC nach Rückstand wieder gekommen. Doch wie eingangs schon erwähnt - Zufriedenheit sieht anders aus. Mannschaftskapitän Nulle ärgerte sich über die beiden Gegentreffer sowie "Negativeinflüsse von außen", mit denen wohl Pressespekulationen über Notverkäufe von Leistungsträgern in der Winterpause gemeint sein dürften. Und Trainer van Eck monierte die Vorstellung seiner Mannschaft vor der Pause. Zurecht, denn dadurch sind zwei Punkte gegen talentierte, aber durchaus schlagbare Bremer verschenkt worden. <fc>

Bilder des Tages
Spielbericht auf werder.de

Eintracht Braunschweig - FC Carl Zeiss Jena 2:1

Tore: 0:1 Orlando (46.), 1:1 Kruppke (62., HE), 2:1 Kragl (69.)

Braunschweig: Petkovic; Fuchs, Brinkmann, Dogan, Boland; Pfitzner, Danneberg, Kruppke (86. Banser), Kragl (77. Theuerkauf); Onuegbu, Calamita (60. Morabit)
Jena: Nulle; Sievers, Lukimya, Wuttke, Sträßer (56. Riemer); Truckenbrod, Holwijn (GRK, 71.) Hähnge, Nagy (79. Kolb); Mayombo (66. Amirante), Orlando

Zuschauer: 12.200

Schiedsrichter: Achmüller (Bad Füssing)

Spielbericht
Der zehnte Spieltag bringt das Auswärtsspiel in Braunschweig auf den Plan und da die Stammautoren dieser Seite offensichtlich angesichts der letzten Ergebnisse von 0:3 bis 6:0 die Adjektive auszugehen scheinen darf ich mal wieder ran, als es gilt in Niedersachsen den Platz im oberen Tabellendrittel zu sichern.

Für die erste kleine Überraschung im Gästeblock sorgt Trainer Rene van Eck, der statt des zuletzt stark auftrumpfenden Stefan Kolb oder des wieder spielberechtigten Amirante, mit Mayombo einen Stürmer in der Startaufstellung aufbietet, der zuletzt suspendiert worden war, lediglich in der zweiten Mannschaft spielte und dessen letzter Pflichtspieleinsatz in der Ersten bereits vier Monate zurückliegt. Neben ihm soll Orlando für den nötigen Angriffsdruck sorgen, während Sebastian Hähnge auf der offensiven Mittelfeldposition die beiden Stürmer mit Bällen versorgen soll. Und es beginnt gut: Bereits in der ersten Minute kann Orlando über die linke Seite die Braunschweiger Abwehr überlaufen, scheitert jedoch an Torwart Petkovic. In der Folgezeit kann der FCC eine optische Überlegenheit erarbeiten - "kontrolliert Ball und Gegner" - wie man so schön sagt, ohne dabei übermäßig torgefährlich zu werden. Mayombo wirkt dabei aber noch engagierter, als sein Sturmpartner. Die Blau-Gelben aus Niedersachsen kommen erst nach cirka zwanzig Minuten besser zu Rande und beginnen einzelne Konter zu setzen, die in einem durch die Mitte angespielten Calamita gipfeln, der aber, völlig frei vor Nulle auftauchend, an diesem scheitert. Damit hat es sich dann aber auch mit dem Braunschweiger Offensivdrang für die erste Hälfte und die Jenaer Viererkette in der Abwehr kann wiederholt mit starkem Zweikampfverhalten (Wuttke, Sträßer) die gegnerischen Angreifer "abkochen". Für den eigentlichen Gesprächsstoff der Halbzeitpause unter dem Jenaer Anhang sorgt Amirante, der bereits kurz vor der Halbzeitpause sich zum Aufwärmen hinter das Tor von Nulle begibt.

Die zweite Hälfte beginnt mit einem Paukenschlag der angenehmeren Sorte, als Holwijn wunderschön auf der rechten Seite lang durch Sträßer angespielt wird, im spitzen Winkel auf das Petkovic-Tor zusteuert, scheinbar die lange Ecke mit seinem Schuß anvisiert, es aber verfehlt, bevor Orlando am langen Pfosten den Ball erreicht und ihn gekonnt flach über die Linie drückt.
Die Wende im gesamten Spiel wird eingeläutet, als Sträßer in der 56. Minute, leicht humpelnd, verletzt ausgewechselt werden muss. Die bis dahin äußerst souverän wirkende Jenaer Abwehrviererkette wird mit Marco Riemer wieder aufgefüllt und ist fortan kaum noch wieder zu erkennen. Obwohl sowohl bei der Entstehung des Elfmeters (aus dem Gästeblock schlecht einzusehendes Handspiel Riemers), als auch bei der Entwicklung des Führungstreffers ein gehörige Portion Glück für die Niedersachsen im Spiel ist, kommt man nicht umhin festzustellen, daß vor allem die Jenaer Elf plötzlich den Faden verlor. Als Holwijn in der 72. Minute diese "schwarze" Viertelstunde für den FCC mit einem Foul an der Mittellinie und nachfolgendem Ballwegschlagen abschließt, ist die Partie quasi gelaufen. Nur noch zu Zehnt gelingt es nun nicht mehr die Eintracht noch mal in Bedrängnis zu bringen. Die Braunschweiger lassen sich nun auch nicht mehr aus der Defensive locken und glänzen im Vorwärtsgang in den letzten zwanzig Minuten lediglich mit einem gefühlten Dutzend Fehlpässen. Auch der Versuch von van Eck, mit der Einwechslung von Kolb, mit einem Dreiersturm noch einmal auf den Ausgleich zu gehen verpufft relativ wirkungslos.

Ein Sieg in Braunschweig wäre, meiner Meinung nach, für den FC Carl Zeiss Jena ohne weiteres zu realisieren gewesen, wenn man nach dem Führungstor, das zu einem äußerst günstigen Zeitpunkt fiel, weiter aggressiv die Entscheidung gesucht hätte und sich mit dem Ausgleich nicht so aus dem Takt hätte bringen lassen. Nicht Eintracht Braunschweig hat gewonnen, sondern der FCC hat verloren. Und zwar, weil man den Gegner zurück ins Spiel brachte, den der "Ringrichter" schon bis zur "9" ausgezählt hatte. Schade drum.

Nachtrag: Die Stadt Braunschweig bietet den per Zug anreisenden Gästefans einen kostenlosen Bustransfer vom Bahnhof zum Stadion an. Soweit so gut. Warum man aber nicht die ca. 6 km lange, direkte Strecke durch die Stadt nimmt, sondern den Gästefans eine ca. 20-minütige Strecke über die ortsansässigen Autobahnen anbietet, scheint schleierhaft. Ich habe diese "Stadtrundfahrt" jetzt insgesamt viermal genossen und hätte beim nächsten Mal gern eine andere Route. Danke im voraus. <tn>

Der Bericht auf eintracht.com

FC Carl Zeiss Jena - SV Wacker Burghausen 0:0

Tore: Fehlanzeige

Jena: Nulle; Sievers, Wuttke, Lukimya, Sträßer; Nagy (74.Holwijn), Truckenbrod, Riemer, Eckardt, Hähnge, Kolb (62.Orlando)
Burghausen: Riemann; Wolf, Hertl, Kokocinski, Kresin, Nebihi (84.Schmidt), Burkhard, Grübl (73.Belleri), El Haj Ali, Gorka, Cappek (89.Holz)

Zuschauer: 6948

Schiedsrichter: Sönder (Lübeck)

Spielbericht
Dritter gegen Vierter - vom Papier her das Topspiel des heutigen Tages in der dritten Liga. Sonne pur und warme Temperaturen waren beste Vorraussetzungen, um dem Spitzenspiel auch einen würdigen Rahmen zu verleihen. Die Partie musste eine Viertelstunde später angepfiffen werden, da die Gäste bei Ihrer Anreise aus dem Hotel in Stadtroda infolge einer Bombendrohung im Stau standen, und dadurch nicht rechtzeitig eine Stunde vor Spielbeginn im Stadion sein konnten.

Die erste gute Aktion des Spiel leitete Jenas Abwehrspieler Sträßer ein, der mit einem herrlichen Diagonalpass René Eckardt bediente, doch dessen Schuss in der siebenten Minute stellte für Keeper Riemann keine echte Gefahr dar. In der 18. Minute nutzte Truckenbrodt einen Ballverlust der Gäste aus und prüfte Riemann mit einem Schuss aus der zweiten Reihe, doch leider landete der Ball genau in den Armen des Schlussmannes. Nach der doch spielerisch armseligen Partie in Kiel wusste der FCC am heutigen Tage zu gefallen und kontrollierte im gesamten Spielverlauf die Partie. Doch auch mit schönen Kombinationen und Ballstafetten im Mittelfeld blieben die Torchancen auf Jenaer Seite Mangelware. Die Burghausener, die infolge einer Grippe auf vier wichtige Spieler verzichten mussten, stellten sich konsequent hinten rein, so dass es für die Jenaer recht schwierig war, in der dicht gestaffelten Abwehr eine Lücke zu finden. Erst nach gut einer halben Stunde die nächste Tormöglichkeit für die Jenaer. Hähnge hatte per Kopfball in den Lauf von Youngster Kolb verlängert, doch obwohl Riemann in dieser Aktion zu weit vor seinem Kasten stand, konnte Kolb diese gute Torchance nicht nutzen und ballerte über das Tor.

Auch nach der Pause änderte sich das Spiel nicht gravierend. In der 51. Minute versuchte sich Sievers mit einer hohen Flanke in den Strafraum, der Ball wurde lang und länger und fiel zur Verwunderung des Gästekeepers hinter ihm aufs Tornetz. Mit etwas Glück hätte diese Flanke auch zum erneuten Tor des Monats avancieren können. Gut eine Stunde war vorbei und ein Jubel auf den Rängen machte sich breit, als Publikumsliebling Orlando für Kolb eingewechselt wurde. Manch einer machte sich Gedanken, warum und weshalb dieser nicht von Anfang an spielen durfte. Doch Trainer van Eck machte in der anschließenden Pressekonferenz alle Gerüchte zunichte, als er gleich als erstes vermeldete, dass Orlando im am Vorabend ihm mitgeteilt habe, dass er sich für ein komplettes Spiel nicht fit fühle. Doch als er den Rasen betrat, spürte man noch einmal einen Ruck durch die Jenaer Mannschaft gehen. Er war es auch, der in der 71. Minute gleich eine gute Einschusschance hatte, doch leider kam er einen Schritt zu spät und rutschte einschussbereit knapp am Ball vorbei. Eine Viertelstunde vor dem Ende donnerte Nulle einen super weiten Abschlag heraus, der Ball sprang vor Orlando auf, doch leider konnte er diese Gelegenheit nicht verwerten oder den Ball zumindest unter Kontrolle nehmen. Die Abwehr der Gäste stand weiter recht sicher, so dass es die Spieler des FCC nun immer mehr mit Einzelaktionen probierten, die aber allesamt nichts einbrachten. Höhepunkt des Spiels war zweifelsohne die 82. Minute, in der bereits die Jenaer Fans von ihren Sitzen aufsprangen. Doch leider stand Orlando das Glück am heutigen Tag nicht zur Seite, denn sein gut getimter Kopfball nach Flanke vom starken Sievers klatschte an den Innenpfosten, von wo er anschließend direkt in die Arme des Keepers sprang. Da war sie, diese eine 100% Möglichkeit, doch leider sollte es auch die letzte nennenswerte Aktion gewesen sein.

Mit einer Minute Nachspielzeit pfiff Schiedsrichter Tim Sönder das Topspiel der 3.Liga ab, was es leider nicht geworden war. Die Gäste waren am Ende mit diesem Punkt hochzufrieden, während die Zeiss-Kicker mit hängenden Köpfen den Rasen verließen. Denn jedem war nach der Partie klar, dass es selten so leicht gewesen sei, heute die ansonsten starken Kicker von Wacker Burghausen zu bezwingen. Auch wenn viele Trainer und Verantwortliche eine Einzelkritik nicht unbedingt mögen, so muss doch am heutigen Tage die gesamte Abwehr mal explizit hervor gehoben werden. Besonders die beiden Außen mit Sträßer und Sievers taten sich heute besonders hervor und ermöglichten den Gästen während der gesamten Spielzeit keine nennenswerte Torchance.<vg>

Bilder auf fcc.weissenburger.de
Bericht auf fussball.sv-wacker.de

Holstein Kiel - FC Carl Zeiss Jena 0:1

Tore: 0:1 Kolb (72.)

Kiel: Frech; Lamprecht, R. Müller, Schyrba, Meyer, K.Schulz, Holt, Jerat (80. Siedschlag), Sembolo, Sykora (9. Guscinas), Heider (66. Stier)
Jena: Nulle; Sievers, Wuttke, Lukimya, Sträßer; Nagy (90. Fuss), Truckenbrod, Eckardt, Riemer, Orlando (64. Kolb), Hähnge (87. Petersen)

Zuschauer: 4511

Schiedsrichter: Dittrich (Bremen)

Spielbericht
Mit Müller, Hasse und Sykora stehen gleich drei Ex-Jenaer im Kader der Kieler. Aber Hasse war gar nicht im Aufgebot und Fiete Sykora musste bereits in der 9. min verletzungsbedingt ausgewechselt werden und konnte so gegen seinen Ex-Club keinen Schaden anrichten. Bis zu diesem Zeitpunkt gab es bereits die ersten aufregenden Situationen vorm Jenaer Tor. Kiel begann von Anpfiff an offensiv und setzte die Gäste unter Druck. Im Großen und Ganzen stand Jenas Abwehr, stark unterstützt von den vier Mittelfeldspielern und Hähnge, relativ gut. Wenn man aber 80 der 90 Spielminuten quasi mit dem Rücken an der Wand, sprich im eigenem Strafraum steht, ist es klar, dass die Torchancen für die Gastgeber nicht ausbleiben. Vor allem bei Ecken konnte man immer wieder die Luft anhalten. In der 5. min wehrte Nulle einen Kopfball Haiders aus 3 m Torentfernung zur nächsten Ecke ab. Diese konnte von Orlando nicht geklärt werden und so hatte Robert Müller die Gelegenheit, seine ehemaligen Mannschaftskollegen per Fernschuss (der aber in der vielbeinigen Abwehr hängenblieb) zu erschrecken. Nach einem Stolper Riemers musste sich Lukimya, der wieder eine sehr gute Partie spielte, im letzten Moment in einen Schuss werfen und zur Ecke klären. Diese führte zu einem Kopfballaufsetzer, gegen den wohl auch Nulle keine Chance gehabt hätte, aber der Ball ging über die Torlatte. Ganz stark bei den Kielern war in der Anfangsviertelstunde Sembolo, der ein paar Mal den Jenaern Knoten in die Beine dribbelte. Nachdem aber Sträßer ihn mal etwas energischer bremste, wurde der auch ruhiger. Nach ein paar Minuten relativer Ruhe musst Nulle, wiederum nach Ecke, sehr energisch den Ball (samt Gegner) wegfausten, um Schlimmeres zu vermeiden (25.). Nochmals zehn Minuten danach hatten die Heimzuschauer den Jubelschrei auf den Lippen: Ein weiter Einwurf von rechts wurde verlängert und den folgenden Kopfball Holts erwischte Nulle mit sensationellem Reflex gerade noch so. Holstein ließ den Ball in dieser Phase schnell laufen und spielte oft direkt ab. Allerdings ging es zumeist nur bis zur Strafraumgrenze, an der eine gelbe Wand sie aufhielt. Und so probierte es Sykora-Ersatz Guscinas aus 20 Metern mit einem Fernschuß, der jedoch nur die Latte traf und die Zuschauern aufstöhnen ließ. Zur Pause konnte man über das Unentschieden heilfroh sein, denn die Angriffsbemühungen des FCC konnte man bis dahin mit der Zahl "Null" beschreiben.

Nach der Pause ging es wie gehabt weiter, lediglich die Spielhälfte, in der sich alles abspielte, änderte sich. Allerdings war Holstein jetzt so nett und verzichtete fast völlig auf das Spiel über die Flügel. 7,32 m ist die Torbreite und ungefähr ebenso breit war der Korridor an Jenas Strafraumgrenze, durch den die "Störche" ihre Angriffe versuchten. Die Jenaer Abwehrspieler hatten dadurch eigentlich ein leichtes Spiel, wurde doch einmal einer ausgetanzt, so standen garantiert gleich zwei weitere Gelbe dahinter und klärten. Nur bei einem Fernschuss Lamprechts von rechts außen (52.) und einem abgefälschten Freistoß (55.) kam der Ball mal in Nulles "Sichtweite", der Rest waren Kinkerlitzchen. Nach vorn blieb alles unverändert, es ging nichts. Kam man doch einmal über die Mittellinie, so war es ziemlich sicher, dass Orlando im Rücken der Abwehr im Abseits stand. In der 60. min dann hatte der FCC mal eine Chance auf einen aussichtsreichen Angriff, aber Orlando rannte mit gesenktem Kopf in zwei Gegner hinein und übersah den mitgelaufenen und freistehenden Hähnge. So konnte das nichts werden und folgerichtig kam in der 65. Minute Kolb für Orlando. Schon die ersten Zweikämpfe Kolb sahen völlig anders aus als Orlandos Vorstellung: Der Achtzehnjährige ging in die Zweikämpfe, setzte bei Ballverlust sofort nach und steckte nie auf. Mir rutschte da ein "Dem Kolb gönne ich ein Tor, der hat schon gegen Dortmund so gut gespielt" heraus (wenn die Weissagung der Lottozahlen nur ebenso klappen würde…). Drei Minuten nach dem Wechsel (in der 68. min!!!) hatte der FCC seinen ersten Torschuss, aber Truckenbrods Geschoss ging knapp am langen Pfosten vorbei. Der nächste Kieler Angriff wurde kurz hinter der Mittellinie abgefangen und der FCC hatte eine perfekte Konterchance in 3:2-Überzahl, jedoch vergeigte Riemer diese Gelegenheit kläglich. Kurz danach bekam Hähnge auf der rechten Seite den Ball, ging bis zur Grundlinie, beschäftigte zwei Gegenspieler und spielte mit der Hacke auf den mitgelaufenen Eckardt. Der schickte seinen Gegenspieler und bediente - wie schon in vorhergehenden Spielen - mit einer maßgenauen Zuckerflanke den in der Mitte wartenden Mitspieler. Diesmal war es Kolb, der sich die Chance nicht entgehen ließ und zur überraschenden Führung des FCC einnickte und auf der Gegentribüne für eisiges Schweigen um mich herum sorgte (ich jubelte solo *g*).
Das Spiel war gekippt. Die "Störche" hatten einen gewaltigen Knacks bekommen, denn sie versuchten zwar in der verbleibenden Zeit mit viel Einsatz und Elan, dieses Resultat zu reparieren, aber lediglich ein weiterer Lattentreffer wiederum durch Guscina sorgte für Aufregung. Im Gegenteil, mit etwas Cleverness hätte Jena jetzt den berühmten Sack zubinden könne, aber zunächst war nach Doppelpass Eckardt - Hähnge der Kieler Torwart einen Tick schneller am Ball als Eckardt (85.) und dann fehlte Truckenbrod einfach die Kaltschnäuzigkeit, allein vor Frech - der bis zur Strafraumgrenze herausgekommen war - mit einem Heber das 2:0 zu machen, er ballerte den Ball voll auf den Keeper drauf. Ansonsten versuchte man ziemlich geschickt und erfolgreich, in den verbleibenden Minuten das Tempo aus dem Spiel zu nehmen und den Ball in den eigenen Reihen zu halten.

Bis zu Kolbs Einwechslung wäre ich mit einem Punkt hochzufrieden gewesen. Der "Dreier" ist mit etwas Glück in den ersten 70 und mit ansprechender Leistung in den letzten 20 Minuten eingefahren worden. <uk>

Spielbericht auf holstein-kiel.de

FC Carl Zeiss Jena - Borussia Dortmund II 2:1

Tore: 0:1 Neumeister (6.), 1:1 Lukimya (13.), 2:1 Riemer (80.)

Jena: Nulle; Sievers, Wuttke, Lukimya, Sträßer; Nagy (90. Petersen), Truckenbrod, Hähnge, Eckardt (85. Fuss); Orlando, Kolb (73. Riemer)
Dortmund: Höttecke; Koch, Eggert, Hünemeier, Neumeister; Hille, Hasanbegovic (85. Boztepe), Tyrala, Öztekin; Ginczek (57. Piossek), Kullmann

Zuschauer: 6983

Schiedsrichter: Dankert (Rostock)

Spielbericht
Das Chaos beim FCC wurde gerade mal wieder etwas unübersichtlich. Nachdem Peter Schreiber offenbar keine unbezahlten Rechnungen mehr auf seinem Wühltisch findet (oder diese lieber wieder untendrunter steckt), fängt die liebevoll zusammengesparte Mannschaft an sich in Wohlgefallen aufzulösen. Der eine haut mit südländischer Besonnenheit einem Blumenzüchter ins Gesicht, der andere wird aufgrund seiner Großartigkeit suspendiert und der Dritte hat seine Bandscheiben nicht im Griff. Hinzu kommen ungezählte Zerrungen und Risse diverser Muskelgruppen, schlechte Blutwerte und Verstauchungen. Und die wenigen Verbliebenen, die sich stets gut benommen haben und dazu gesund sind, können auch nicht mehr so richtig. Zu groß ist der Druck nach dem Kulturarena-Debakel für Rom, Ähnliches vollbringen zu müssen. Ernüchternde Aussichten also für das gestrige Spiel gegen Dortmunds Zwote, zumal die nach fünf Minuten schon in Führung lag. Neumeister hatte die Aufwachprobleme in Jenas Deckungsverbund schamlos ausgenutzt und per Kopf die Gästeführung hergestellt (6.). Zwar war der ursächliche Freistoßpfiff völliger Mumpitz, gezählt hat es trotzdem. Aber was soll's. Aus Ruinen wird auferstanden! Und überhaupt: Bandscheibenvorfälle werden total überbewertet!

Zwar folgte die Trotzreaktion erst nachdem Nulle das 0:2 und damit den unabwendbaren Untergang verhindert hatte, dann aber kam die große Zeit des Rene Eckardt. Ganz ehrlich, wenn der immer so spielen würde wie die folgende Viertelstunde, die Nationalmannschaft wäre kein Thema. Seine Vorlage auf Wuttke nach einer Ecke und sein Heber aus spitzem Winkel wären bereits Treffer wert gewesen, Hötteke bekam aber beidemal noch irgendein Körperteil dazwischen. Gegen Lukimyas Schuß aus Nahdistanz konnte aber auch der Dortmunder Schlußmann nichts mehr machen. Eckardt hatte Neumeister auf der rechten Seite schön zur Schere gemacht und den Ball dann flach nach innen geschlagen. Von dort hätte es wohl nur noch Gomez und dann auch nur im Nationaltrikot noch fertiggebracht, das Tor nicht zu treffen. Jubeln unter Vorbehalt (13.). Ein Unentschieden konnte hier ja nicht das Ziel sein! Dieser Vorbehalt legitimierte sich schneller als gedacht. Mit der Gewißheit der uneingeschränkten Überlegenheit zog sich Jena wieder aus dem Dortmunder Strafraum zurück. Alle Maschinen Stop - im Notfall gleichen wir halt wieder aus. Zwar hatte Eckardt nach eine Wuttke-Vorlage noch einmal die große Chance zur Führung, sein strammer Volleyschuß fand aber den Weg ins Tor nicht und ist jetzt wahrscheinlich ein dicker blauer Fleck auf einem Dortmunder Gesäß (16.). Danach tickte nur noch die Uhr runter. Was dieser taktische Unsinn soll, ist schwer zu sagen, zumal der Schwung des Ausgleichstreffers dadurch völlig verpuffte. Die Kräfte jedenfalls hätten eigentlich noch ein bißchen länger reichen sollen. Kurz vor der Pause hätte sich dieses unheilvolle Fehlverhalten tatsächlich fast gerächt. Wäre Kullmann nicht um Zentimeter an Boztepes Eingabe vorbeigerutscht, die etwa 300 Mitgereisten Dortmunder hätten wohl unsere leise vor sich hin tirilierende Südkurve vollends unter den Tisch gesungen. Glück gehabt!

Nach der Pause war es vor allem Orlando, der für Aufsehen sorgte. Inzwischen ist es für jeden Gegner offenbar ein probates taktisches Mittel geworden, ihn einfach am Losrennen zu hindern. Ein kurzes Halten, ein Schubser auf Höhe der Mittellinie, eigentlich ist alles besser als ihm später hinterherzugucken. Zwei oder drei gelbe Karten werden dafür augenscheinlich in Kauf genommen, welche die Schiedsrichter (vor allem der von gestern) oft nicht mal geben. Wenn dann auch noch klarste Pfiffe ausbleiben, geht mir langsam das ohnehin knapp bemessene Verständnis aus. Stattdessen reichten auf der Gegenseite mitunter kleinste Scharmützel aus, um aus gefährlichsten Positionen Freistöße zu verhängen. Einer davon wäre Jena fast zum Verhängnis geworden, als Hünemeier den hoch hineingeschlagenen Ball von Tyrala nur knapp verfehlt, kann Nulle erst im Nachfassen das Unentschieden festhalten (63.). Knapp! In dieser Phase überzeugt der FCC aber auch allenfalls durch Gleichwertigkeit auf niedrigem Niveau. Die Führung kommt dementsprechend wie aus dem Nichts. Wieder ist es Eckardt, dessen präzise Flanke die Entscheidung bringt. Punktgenau schießt der den Ball auf den eingewechselten Riemer, dessen Kopfstoß die vor sich hindämmernden Fans aus der allgemeinen Lethargie reißt (80.). Nicht zu glauben! Dieses Murksspiel und dann auch noch der Riemer. Der hatte gegen Erfurt nun wirklich einen Scheißtag erwischt. Und dann noch das Ding mit seinem Rücken. Schön, daß es offenbar doch nicht so schlimm war oder Bandscheibenvorfälle halt einfach überbewertet werden (-:

Was folgt sind noch zehn zerrige Minuten Warterei plus einer unendlich langen Nachspielzeit. Dann ist der dritte Sieg endlich in Sack und Tüten. Glanzvoll war es nicht! Spielerisch herrschte mitunter unbeschreibliches Elend auf dem Platz. Dazu kommen die Abstimmungsschwierigkeiten, die bei einer neu formierten Elf aber ganz normal sind. Entscheidend aber war der größere Wille. Das was Erfurt in Jena zum Sieg getragen hat, war gestern Jenas Unterpfand. Die Mannschaft wollte einfach mehr. Das Derby ist damit nicht vergessen, dieser Stachel sitzt zu tief. Aber ein Rückspiel in Erfurt ist ja auch noch. Ein neues Spiel mit neuen Chancen. Und nächstes Jahr wollen wir ja auch wieder in die Kulturarena... <bpf>

Bericht auf bvb.de

VfL Osnabrück - FC Carl Zeiss Jena 2:0

Tore: 1:0 Lindemann (21.), 2:0 Reichenberger (63.)

Osnabrück: Berbig; Herrmann, Barletta, Nickenig, Krük; Siegert, Heidrich, Lindemann, Hansen (76. Grieneisen); Reichenberger (85. Samide), Schmidt
Jena: Nulle; Sievers, Wuttke, Lukimya, Sträßer; Nagy (66. Kolb), Truckenbrod, Ziegner, Holwijn (83. Eckardt); Orlando, Hähnge

Zuschauer: 9800

Schiedsrichter: Aytekin (Oberasbach)

Spielbericht
Der Überkreuzvergleich der bisherigen Saisonresultate sprach von vornherein gegen den FCC: Ingolstadt hatte Erfurt klar besiegt, Osnabrück die Ingolstädter und Erfurt am vergangenen Sonntag....ach, lassen wir das. Fußballspiele werden nicht mit dem Taschenrechner entschieden. Klären wir stattdessen lieber die Frage: Was stellt eine Mannschaft am gescheitesten an, die mit Lanzaat, Riemer, Petersen, Osadchenko sowie Ralf Schmidt gleich fünf Ausfälle in der Abwehr zu verkraften hat ? Klar, sie spielt munter nach vorn !

Genau das tat Jenas Elf in der Anfangsphase. Da Salvatore Amirante nach seiner Rot-Sperre für mindestens vier Spiele von der Bildfläche verschwunden sein wird, teilten sich die beiden Holländer Orlando und Holwijn von außen kommend in die Rolle des zweiten Stürmers hinein. Wobei Melvin Holwijn in seinem ersten Match von Anbeginn wesentlich mehr auffiel. Selbst zwei Gegenspieler vermochten ihn nach fünf Minuten nicht zu stoppen, zumindest nicht mit fairen Mitteln. Erst als Holwijn wie nichts zwischen ihnen hindurch geschlüpft war, holte ihn der düpierte Krük von den Beinen. Freistoß also von der rechten Strafraumseite, lang auf die andere Seite geschlagen zu Wuttke, dieser sofort zurück auf den vorm Tor stehenden Hähnge. Zeit zu überlegen hatte Sebastian nicht, zwei Meter vor dem Kasten inmitten einer lila Spielertraube handelt man sowieso besser instinktiv - wenn dann aber der Ball Osnabrücks Keeper Tino Berbig mitten ins Gesicht fliegt, ist das einfach nur riesengroßes Pech. Doch Jena blieb am Drücker. Gerade mal zehn Minuten waren gespielt, als ein sichtlich motivierter Sebastian Hähnge diesmal von der rechten Seite kommend durchzog. Berbig verkürzte den Winkel, Hähnge legte deshalb auf den zentral stehenden Truckenbrod ab, doch schoss dieser aus sieben Metern weit über das leere VfL-Gehäuse. Dies freilich war mit Pech nicht mehr zu erklären, muss doch auch von einem defensiven Mittelfeldspieler erwartet werden dürfen, beim unbedrängten Torschuss nicht in starke Rückenlage zu verfallen.
Ein Führungstreffer wäre der gerechte Lohn für ansehnlichen Kombinationsfußball in der ersten Viertelstunde gewesen. Außer einer Einzelleistung von Jenas Ex-Kapitän Niels Hansen hatten die Gastgeber bis zu diesem Zeitpunkt noch nichts zustande gebracht, unter anderem weil sich Tim Wuttke auf der ungewohnten Innenverteidiger-Position gut in Jenas Viererkette einfügte. Doch dann brach Minute 21 an. Siegert legte für Björn Lindemann auf und der hatte als erster VfL-Spieler in diesem Match mal richtig Platz am gegnerischen Sechzehner. Wie er den nutzte - mit einem Sonntagsschuss ins Dreiangel - war zweifellos sehenswert. Die Führung ansich aber äußerst glücklich. Erst jetzt kamen die Niedersachsen besser ins Spiel. Nachdem sich zwei Jenaer gegenseitig angeschossen hatten (29.), drohte für Carsten Nulle ebenso Gefahr wie beim Freistoß zehn Minuten später, den der Torhüter aber auf Nummer sicher gehend über die Latte lenkte. Seinem Gegenüber Tino Berbig, der selbst mal in Jena zwischen den Pfosten gestanden hatte und hierher noch familäre Bindungen hat, misslang in der 40. Minute bei einsetzendem Gewitterregen ein Abschlag, sodass Hähnge den Ball mit einem Heber postwendend zurück brachte. Leider nur aufs Tornetz. Als sich einige schon auf den Pausentee zu freuen schienen, gabs den ersten erfolgreichen Antritt von Orlando. Bei dessen Eingabe von der linken Seite kam Hähnge einen Schritt zu spät. Oder ließ er den Ball absichtlich für Holwijn durch ? Möglich wäre es, denn der Neuzugang hatte freie Bahn, nur - was machte er daraus ? Halb Ballannahme, halb Torschuss, nichts von beiden richtig, und so beförderte der Nationalspieler das Leder weit am Pfosten vorbei ins Toraus. Zwei, drei dicke Torchancen teils kläglich vergeben zu haben war der einzige Vorwurf, den man der Zeiss-Elf beim Gang in die Kabinen machen konnte.

Die erste Aktion nach Wiederanpfiff war nahezu eine Kopie der letzten Szene vor der Pause. Wieder ging Orlando auf der linken Seite auf und davon, wieder kam Hähnge in der Mitte einen Schritt zu spät. Nur dass diesmal kein Holwijn daneben stand. Auf der anderen Seite köpfte Nickenig aufs Tornetz (48.). So wie sich das Spiel danach entwickelte, war absehbar, dass es nicht bei dem einen Treffer in dieser Partie bleiben würde. Beide Mannschaften schenkten sich nichts, noch aber fand niemand die Lücke. Die Emotionen im Spiel übertragen sich sogar auf die Ersatzleute hinter dem Tor. Als Sträßer bei einer Abwehraktion gehalten wurde und somit nicht in der Lage war, den Eckball zu verhindern, regte sich André Schmidt berechtigterweise über den Schiri-Assistenten auf, der das Foul eigentlich hätte sehen müssen. Die Konsequenz war die Gelbe Karte für einen Spieler, der in dieser Saison noch nicht eine Punktspielminute in der ersten Mannschaft verbracht hat (58.). Besagte Ecke beschwörte übrigens Gefahr durch Reichenbergers Kopfball herauf, den Nulle wegfaustete.
Osnabrücks Stürmer-Oldie drehte nun richtig auf. War beim Schuss in Minute 62 abermals bei Carsten Nulle Endstation, sorgte Thomas Reichenberger schon zwei Minuten später für die Spielentscheidung, indem er aus sieben Metern zum 2:0 traf. Ein Tor, das Carsten Sträßer auf seine Kappe nehmen muss, vertändelte er doch das Leder im eigenen Strafraum ohne Not gegen Hansen, der dann Reichenberger ins Spiel brachte. Zwar hatte eine Jenaer Mannschaft schon einmal im Osnabrücker Stadion das Kunststück fertig gebracht, aus einem 0:2 noch ein Remis werden zu lassen - doch die Körpersprache nach dem zweiten Gegentreffer zeigte an, dass sich das diesmal nicht wiederholen würde. Weshalb ein über 70 Minuten recht intensiv geführtes Spiel die verbleibende Zeit gemächlich austrudeln durfte.

Die Art und Weise, wie diese Niederlage zustande kam, war eine ganz andere als eine Woche zuvor. Kein Vergleich mit dem fast hergeschenkten Derby. Und doch gerät die Mannschaft nach einem Punkt und null Treffern aus den letzten drei Partien in Zugzwang. Schon im nächsten Spiel muss der Schalter wieder umgelegt werden, soll eine weitere Spielzeit in den Tabellenregionen der Vorsaison vermieden werden. <fc>

Bericht auf vfl.de

FC Carl Zeiss Jena - FC Rot-Weiß Erfurt 0:3

Tore: 0:1 Kammlott (1.), 0:2 Semmer (40.), 0:3 Kammlott (55.)

Jena: Nulle; Sievers, Riemer (46.Petersen), Lukimya, Sträßer; Nagy (46. Hähnge), Truckenbrod, Ziegner, Eckardt (68. Holwijn); Smeekes, Amirante (RK, 59.)
Erfurt: Orlishausen; Malura (GRK, 59.), Pohl, Möckel, Ströhl; Cinaz, Rockenbach da Silva, Stenzel, Hauswald (84. Pinske); Semmer (64. Peßolat), Kammlott (78. Cannizzaro)

Zuschauer: 11.200

Schiedsrichter: Leicher (Landshut)

Spielbericht
Ein paar Worte vorweg, zu den wenigen positiven Aspekten dieses Spiels: Endlich,endlich, endlich hat es der Verein einmal geschafft, die Stadiontore mit ausreichend Leuten zu besetzen, um einen flüssigen Einlass zu gewährleisten. Man mag sich gar nicht ausmalen, wieviele frustrierte Zuschauer des FCC in den letzten Monaten nicht wieder gekommen sind - nur weil der Verein die paar Euro sparen wollte, die zusätzliche Einlasskräfte kosten? Bitte lasst es keine Derby-Eintagsfliege sein...
Eine zweite gute Nachricht: Das Stadion war nahezu ausverkauft, nur die Gäste hatten zu Hause irgendwie kleine Probleme mit dem Kartenverteilen. Ja, und die Choreos kurz vor Beginn des Spiels: die große Flagge auf der Haupttribüne und dann die Herzchen für Jena, erst rot (WTF?!) und dann blau-gelb-weiß mit Feuer.

Beeindruckend(!) - dachten sich wohl auch die Spieler des FCC, die sich in der ersten Minute anscheinend auf alles andere drumherum konzentrierten, nur nicht auf's Spiel. Der Anstoß des FCC wurde abgefangen, ein steiler Pass in die Spitze, Abschluss von der Strafraumkante ins linke untere Eck, und nach gefühlten drei Sekunden stand es Null-zu-Eins. Braucht es wirklich nur ein Gegentor in der ersten Minute, um das in den letzten Wochen vielgerühmte Wahnsinns-Jenaer Publikum komplett ruhigzustellen?
Offensichtlich. Nur die Südkurve zuckte noch in den ersten zehn Minuten, in denen Jena sichtlich geschockt wirkte und nichts auf die Reihe kriegte. Die Unaussprechlichen waren auch nicht wirklich gefährlich, und so plätscherte es dahin bis zur 14. Minute, als Amirante kurz vor dem Strafraum gelegt wurde. Ziegner trat an und schlenzte den Ball an die Querlatte... was für ein Pech! Wenigstens war der FCC in dieser Phase gleichwertig und kam über das Kurzpassspiel und gewonnene 1:1-Situationen auch mehrmals schnell bis zum Strafraum der anderen. Irgendwie schienen sie aber den Ball heute reintragen zu wollen: immer noch ein Abspiel oder Dribbling mehr aus aussichtsreicher Position, aus der man auch einfach mal hätte draufhauen können und müssen. Jenaer Verunsicherung wurde merklich. Je weiter die erste Halbzeit voranschritt, desto mehr unforcierte Fehler schlichen sich in das Jenaer Spiel ein. Kurz vor der Halbzeit verschätzte sich dann auch noch Nulle bei einem Eckball und es stand 0:2. Auf den Tribünen machte sich Ratlosigkeit breit - war das wirklich die gleiche Mannschaft, die bislang so begeisternden Fußball gespielt hatte?

Es konnte nur besser werden und es wurde - bitterer. Da hatte der FCC gleich nach der Pause eine gute Kopfballchance (der Ball landete auf dem Tornetz), doch in der 54. Minute kam eine Bogenlampe in den Jenaer Strafraum hereingesegelt, die ewig in der Luft war und trotzdem nach Direktabnahme im Jenaer Tor landete. Wenn der Torschütze demnächst im Training versucht, dieses Tor nachzustellen, wird er von 100 Versuchen wahrscheinlich 99 nicht treffen...aber im Spiel ging er halt rein, und damit war die Luft vollständig raus. Was danach passierte, war haarsträubend. Es ist nicht unüblich, dass Mannschaften sich bei einem Rückstand von 0:3 nach 55 Minuten mitunter hängenlassen (wobei meine ganz persönliche Meinung dazu ist, dass das dann auch keine Mannschaft ist). Aber dass so absolut gar nichts mehr ging, dass einfachste Bälle zum Gegner gespielt, wirklich sinnlose Dribblings angesetzt und Laufwege einfach abgebrochen wurden, macht nachdenklich. Die erste Chance für den FCC gab es erst wieder in der 71. (Hähnge vergibt aussichtsreich), dann nochmal eine kleine in der 75. Auf der Gegenseite konnten wir uns bei Nulle bedanken, dass es am Ende nicht 0:5 stand - und zwar nicht, weil der Landeshauptstadtclub überragenden Fußball gespielt hätte.

Einen "positiven" Aspekt hat die Sache am Ende doch noch: Dieses ganze Geklapse mit angekündigtem Moonwalk, "Wir steigen auf"-Gesängen und 100:0-Fahnen gehört erst mal wieder der Vergangenheit an. Die Chance besteht, dass die Jenaer Spieler am Sonntag begriffen haben, dass sich Spiele gegen Mannschaften, die unten stehen, nicht von selbst gewinnen. <ragnar>

Derby-Fotos von Jens Weißenburger
Bericht auf der Erfurter Homepage

FC Erzgebirge Aue - FC Carl Zeiss Jena 0:0

Aue: Männel; Klingbeil, le Beau, Paulus, Schaffrath; Cimen (68. Gambo), Stark, Müller (72. Klotz); Curri, Braham, Ramaj (90. Hiemer)
Jena: Nulle; Sievers, Riemer, Petersen, Sträßer; Nagy, Truckenbrod, Ziegner, Orlando; Hähnge, Amirante (87. Eckardt)

Zuschauer: 11.400

Schiedsrichter: Dr. Fleischer (Sigmertshausen)

Spielbericht
5:1, 5:0, 5:0. In den vergangenen drei Jahren ist der FCC im Erzgebirgsstadion regelrecht vermöbelt worden. Bekanntlich hat der Optimist keine Ahnung von den freudigen Überraschungen, die ein Pessimist erlebt. Trotzdem fuhren wir diesmal mit einem besseren Gefühl nach Aue und weigerten uns von vornherein, an eine Fortsetzung dieser schwarzen Serie zu glauben. Dafür hatte die neue Jenaer Mannschaft in den ersten Wochen der noch jungen Saison schon zu viel an Potential offenbart.

Entgegen seiner Ankündigung hatte René van Eck im Vergleich zum letzten Spiel eine Änderung vorgenommen. Rene Eckardt blieb trotz ansprechender Leistung gegen Bayerns Zweite erst mal wieder auf der Bank, wohingegen Sebastian Hähnge zu seiner Premiere in der Startelf kam. Waren es die besseren Trainingsleistungen, die dafür den Ausschlag gaben ? Fürchtet van Eck, den Youngster zu schnell zu verheizen ? Oder will er Jenas Offensivtaktik ein Stück weit unberechenbarer für die Ligakonkurrenz gestalten ? Wie auch immer - Smeekes, der am liebsten nur Orlando genannt werden möchte, rückte aus dem Zentrum auf die Außenposition. Von da, nur in der anderen Hälfte, kamen auch die meisten Bälle in den ersten zwanzig Minuten. Eckball um Eckball holten die Gastgeber während ihrer Anfangssoffensive heraus. Den ersten richtigen Torschuss gabs dennoch von einem Jenaer. Salvarore Amirante prüfte Martin Männel nach achtzehn Minuten. Darüber hinaus tat sich allerdings vor der Pause nicht viel an Offensivgeschehen seitens der Thüringer. Dazu fehlte es im Mittelfeld an einem Gestalter, der die Bälle verteilte oder einfach mal länger in den eigenen Reihen hielt. Hähnge und Amirante hatten es schwer mit ihren Gegenspielern. Und Orlando ? Zeigte auf rechtsaußen mehrmals technische Kabinettstückchen, doch in echte Torgefahr mündeten die meist nicht, sodass sich die Umstellung alles in allem nicht bezahlt machte. Ein einziges Mal brachte er vor der Pause nach energischem Sprint eine Eingabe vors Tor, doch die fing Männel vor dem einschussbereiten Amirante weg.
Erfreulich hingegen, dass Jenas Viererkette auch ohne Lanzaat lange Zeit nichts zuließ. Da konnten Curri und Ramaj rochieren, wie sie wollten - sowohl Sievers wie auch Sträßer ließen sie nicht zu Entfaltung kommen. Auch die 7:0 Ecken der Veilchen in Hälfte eins bereiteten Nulle und seinen Vorderleuten keine Probleme. Lediglich in den letzten drei Minuten vor dem Pausenpfiff schlich sich kurzzeitig mal etwas Sorglosigkeit ins Jenaer Abwehrzentrum. Denn dass ausgerechnet der Kleinste auf dem Platz, Skerdilaid Curri, nur um wenige Zentimeter an einem Kopfballtor vorbeischrammt, darf eigentlich nicht passieren. Und was war in Minute 44 los ? Bei Müllers Heber in den Strafraum rannten gleich zwei Weiße mit Ramaj mit, wodurch sich Braham zentral in 13 Metern Torentfernung seelenruhig auf seinen Torschuss vorbereiten konnte. Doch vergeht kein Spiel ohne eine Heldentat von Carsten Nulle ! Jenas Keeper entschärfte Brahams Schuss mit toller Reaktion. Der Halbzeitpfiff kam den Jenaern nicht ungelegen.

Mit Beginn der zweiten Hälfte hatte sich Jenas Hintermannschaft wieder formiert. Aue zunächst wieder leicht feldüberlegen, ohne groß zu Tormöglichkeiten zu gelangen. Ramajs Schlenzer Richtung Dreiangel fing Nulle noch in dessen Steigphase (57.). Die optische Überlegenheit auf Seiten der Gastgeber verschwand dann nach etwa einer Stunde Spielzeit. Erst jetzt fiel auf, dass mit Kos auch bei den Erzgebirglern der Abwehrchef fehlte und deren Hintermannschaft nicht unüberwindbar ist. Als Orlando seinen Gegenspieler ins Leere rutschen ließ, die flache Hereingabe nur unkontrolliert nach vorn abgewehrt werden konnte, kam Jens Truckenbrod aus fünfzehn Metern zum Torschuss. Wie gern hätten wir DEN ankommen sehen ! Doch Paulus warf sich hinein, bescherte Jena damit nach 61 Minuten wenigstens noch die erste Ecke, welche aber wie generell alle Standards an diesem Tag nichts einbrachte. Die hohen Temperaturen sollten in der Schlussphase bei beiden Mannschaften ihren Tribut fordern. Das Wort Sommerfußball machte nun die Runde. Van Eck schien dennoch nicht unzufrieden, tätigte seinen ersten Wechsel erst drei Minuten vor Schluss und dies aus Verletzungsgründen. Dass auch Trainerkollege Schmitt in der 90. Minuten noch einen neuen Mann auflaufen ließ, lässt den Schluss zu, dass mit dem unentschiedenen Spielausgang am Ende alle recht zufrieden waren. Die Gastgeber hatten dem Spitzenreiter einen Punkt abgerungen, der FCC bereitete seiner schwarzen Serie im Erzgebirgsstadion endlich ein Ende.

Zwar ist die Tabellenführung damit schon wieder passé, doch ist der FC Carl Zeiss Jena auch nach dem Auer Auswärtsspiel noch ungeschlagen in dieser Saison. Und das ist schließlich auch schon etwas wert. <fc>

FC Carl Zeiss Jena - FC Bayern München II 6:0

Tore: 1:0 Eckardt (8.), 2:0 Smeekes (28.), 3:0 Amirante (48.), 4:0 Amirante (62.), 5:0 Amirante (64.), 6:0 Amirante (76.)
Jena: Nulle; Sievers, Riemer, Lanzaat (23. Petersen), Sträßer; Nagy, Truckenbrod, Ziegner, Eckardt; Smeekes (68. Hähnge), Amirante (77. Benyamina)
München: Kraft; Schütz, Lell (RK, 38.), Saba (56. Kopplin), Contento; Erb, Rieß, Görlitz, Schürf (53. Yilmaz); Sikorski, Sene (43. Duhnke)

Zuschauer: 8346

Schiedsrichter: Gorniak (Bremen)

Spielbericht
Vor dem Spiel bestimmten noch Sorgen die Gedanken der meisten Zuschauer, an die sich nach dem Spiel kaum noch jemand erinnerte. Wie wird die Mannschaft die befürchteten Ausfälle von Carsten Sträßer und Ralf Schmidt verkraften können? Wie kommt der FCC mit den bundesligaerfahrenen Christian Lell und Andreas Görlitz zurecht? Wird die zweite Garde des großen FC Bayern am dritten Spieltag ihr zweifellos vorhandenes Potential zeigen, nachdem man eher schwach in die Saison gestartet war?

Zumindest einer der Fragen löst sich noch vor dem Anpfiff in Wohlgefallen auf, denn Carsten Sträßer stand in der Startformation. Der Abwehrspieler ist mitverantwortlich für den derzeitigen Erfolg des FCC und wird von vielen aufgrund seiner in der letzten Saison oft gut versteckten Souveränität mit einem Augenzwinkern als "Neuzugang" bezeichnet, entsprechend groß war die Erleichterung bei der Lektüre seines Namens in der Startaufstellung. Die Elf des gut in die Saison gestarteten FCC begann das Spiel auch gleich druckvoll und schon die ersten Minuten ließen keinen Zweifel daran aufkommen, wer heute der Herr im Haus sein wollte. Die erste Ecke des Spiels erhielten trotzdem die Bayern, aber mehr als ein schneller Gegenstoß über den starken Sievers sprang dabei nicht heraus. Dieser Konter war es, den Timo Nagy mit einem herrlichen Pass auf Salvatore Amirante fortsetzte. Der Italiener stand plötzlich vor Kraft im Tor des FCB und wollte den Ball in der langen Ecke unterbringen, hatte dabei aber die Reflexe des Schlussmanns der Bayern unterschätzt. Festhalten konnte er den scharfen Schuss aus kurzer Distanz allerdings nicht, der mitgelaufene René Eckardt schaltete am Schnellsten und konnte den Ball unbedrängt aus kurzer Distanz im Tor unterbringen - 1:0 für den FCC nach nur acht Minuten! Die erfahrenen Spieler der Bayern, namentlich Görlitz und Lell, sahen beim vorhergehenden Zusammenspiel von Nagy und Amirante alles andere als gut aus und verloren schon nach diesen wenigen Minuten einen Teil des von ihren Namen ausgehenden Glanzes.
Die Gäste aus München zeigten sich aber keineswegs geschockt vom frühen Rückstand, stattdessen bemühten sie sich von nun an intensiv um den Ausgleich. Nur fünf Minuten nach der Führung war es Carsten Nulle, der gegen den in dieser Phase starken Sikorski klären musste. Der war nach einem Missverständnis in der Jenaer Hintermannschaft plötzlich frei vor Nulle aufgetaucht und scheiterte nur an der blitzschnellen Reaktion des auch heute sicheren Rückhalts. Im Gegenzug hat Eckardt das 2:0 auf dem Fuß, nachdem er mit einem herrlichen langen Ball von Nagy freigespielt wurde. Sein Ball geht aber leider nicht nur an Torhüter Kraft vorbei, sondern auch am Tor. Für die nächsten Minuten sollte dieser Gegenstoß das letzte Lebenszeichen des FCC sein, von nun an drückten die Bayern. Dabei war es immer wieder Marco Riemer, der in der Abwehr nicht überzeugen konnte. In der 16. Minute profitiert er allein von der Fairness des Münchner Stürmers Sikorski, der sich trotz leichtem Trikotzupfer aufrafft und sich nicht fallen lässt, anderenfalls hätte man diese Situation wohl als Notbremse werten müssen. So stand Sikorski zwar allein vor dem Jenaer Gehäuse, aber dieses wurde ja von Carsten Nulle bewacht - und dieser reagierte erneut glänzend. Auch wenn man sich mittlerweile schon fast daran gewöhnt hat, mit Nulle einen extrem sicheren Rückhalt zu haben - was dieser Mann Woche für Woche für Bälle hält, ist aller Ehren wert. Völlig zu Recht wurde "Wild Thing" auch vor dem Spiel als Spieler der letzten Saison ausgezeichnet, denn ohne ihn hätte der FCC die Klasse wohl kaum gehalten. Richtig ernste Mienen konnte man nur kurz darauf erblicken, denn offenbar hatte sich Abwehrchef Quido Lanzaat ohne Fremdeinwirkung verletzt und drängte auf seine Auswechslung, die nach 23 Spielminuten vollzogen werden musste. Nicht wenige fürchteten nun den baldigen Ausgleich oder zumindest massive Probleme mit den schnellen und ballsicheren Angreifern der Bayern für die umgestellte Innenverteidigung. Genau in diese Phase des größten Drucks der Bayern stürmt aber erneut Orlando Smeekes hinein und spielte sich endgültig in die Herzen der Fans. Nach einer kampfgeprägten Balleroberung des Hachinger Neuzugangs Nagy hat Orlando nur noch Lell und das Tor vor sich. In seiner gewohnten, unheimlich schnellen Art stürmt er auf Lell zu, schlägt noch einen Haken und streichelt den Ball dann mit der Innenseite an den kurzen Pfosten - von dem das Leder den erstrebenswertesten Weg wählt, nämlich den ins Tor von Jenas Gegnern! Das 2:0 in der 28. Minuten fiel sprichwörtlich genau zum richtigen Zeitpunkt, denn es setzte einen Schlussstrich unter eine Phase gefährlicher Angriffe der Gäste, die immer wieder nur vom Jenaer Schlussmann aufgehalten werden konnten. Auch in der Folge überforderte der Mann von den niederländischen Antillen, der nun bereits vier Tore in drei Spielen erzielt hat, seinen Gegenspieler Lell immer wieder mit seiner Schnelligkeit. Zehn Minuten nach dem 2:0 wurde die Sprintstärke dem Münchner endgültig zum Verhängnis, als ihn Orlando einmal mehr regelrecht überlaufen konnte und von Lell nur noch per Foul zu stoppen war. Da Lell zu diesem Zeitpunkt letzter Mann war und Smeekes freie Bahn aufs Tor gehabt hätte, war die Entscheidung des unauffälligen Schiedsrichters Gorniak durchaus nachvollziehbar - Rote Karte wegen Notbremse und Freistoß für den FCC, denn der Bremer Unparteiische hatte das Foul außerhalb des Strafraums gesehen. Auch wenn der Freistoß und die folgenden Minuten vor der Halbzeit nichts einbrachten, so hatte sich der FCC doch eine hervorragende Ausgangslage für den zweiten Durchgang geschaffen. Doch trotz der Zwei-Tore-Führung und der Jenaer Überzahl erwarteten viele eine spannende zweite Hälfte, in der den Bayern im Falle eines schnellen Anschlusstreffers durchaus noch Chancen eingeräumt wurden.

Derartige Sorgen und Ängste lösten sich aber schon kurz nach dem Wiederanpfiff auf, denn die 8346 Zuschauer im Ernst Abbe Sportfeld sahen einen FC Carl Zeiss Jena, der weiterhin mit voller Konzentration zu Werke ging. Das aus der Führung und dem Spielverlauf resultierende Selbstvertrauen sorgte außerdem dafür, dass Flanken und Pässe scheinbar präziser ankamen und leichtfertiger von der Hand gingen als in anderen Spielen. Nur drei Minuten nach Wiederanpfiff war es dann auch schon so weit, dass auch die letzten Zweifler vom Optimismus übermannt wurden, denn nach einer präzisen Flanke des starken René Eckardt auf den Kopf von Salvatore Amirante dürfte die Halbzeitansprache von Gästetrainer Mehmet Scholl bereits hinfällig gewesen sein. Der Italiener stieg als einziger im Strafraum hoch zum Kopfball, begleitet nur von den ungläubigen Blicken seines Gegenspielers. Der musste mit ansehen, wie der wuchtige Kopfball unhaltbar für Kraft im Netz landete und das Spiel faktisch entschieden war. Anders als nach dem 1:0 war nun auch ein gewisser Schockzustand bei den Bayern zu erkennen, die mit einer derart druckvollen Offensive seitens der Jenaer offenbar nicht gerechnet hatten. Nach einer guten Chance für den unauffälligen, aber ebenfalls überzeugenden Truckenbrod in der 59. Minute war es nach knapp über einer Stunde erneut Amirante, der einen Eckball von Nagy per Kopf über die Linie bugsierte. Wieder fühlte sich keiner der Bayern so richtig zuständig, erneut war gegen den starken Kopfball aus kurzer Distanz nichts zu machen - 4:0 für den FC Carl Zeiss Jena! Schon jetzt fragten sich einige, wann sie derartiges zuletzt erlebt hatten, nicht ahnend, was die folgenden Minuten noch bringen würden. Der FCC hatte nämlich noch lange nicht genug und spielte weiter attraktiven Offensivfußball. Nur zwei Minuten später hatte sich Smeekes auf links einmal mehr aller Gegenspieler entledigt und spielte dann einen perfekten Pass in den Lauf des Doppeltorschützen Amirante, der den Ball aus fünf Metern nur noch über die Linie schieben musste und damit das 5:0 sowie seinen Hattrick vollendete! Nach 68 Spielminuten gönnt Jena-Trainer René van Eck dem neuen Publikumsliebling und Torschützen des Monats Orlando Smeekes nach einer weiteren starken Partie seinen verdienten Applaus. Von stehenden Ovationen begleitet verlässt der Shooting-Star den Platz, für ihn kommt Sebastian Hähnge. Der Eingewechselte fügt sich sofort gut in das Spiel der Blau-Gelb-Weißen ein und hat nur Minuten nach seiner Einwechslung das 6:0 auf dem Fuß, als ihm Truckenbrod den Ball überlegt in den Lauf lupft. In dieser Situation konnte sich allerdings zunächst der Münchner Torhüter Kraft auszeichnen, als er den scharfen Schuss Hähnges pariert. Doch das sollte am heutigen Tag nicht ausreichen, denn Hähnge setzt nach, holt sich den Abpraller und flankt den Ball erneut butterweich auf den langen Pfosten. Dort wartet, wie könnte es anders sein, Salvatore Amirante und hat erneut keine Mühe, den Ball im Tor unterzubringen - 6:0 nach 76 Spielminuten, vier Tore von Amirante innerhalb von nicht einmal einer halben Stunde, ungläubiges Staunen mischt sich in den unbändigen Jubel im weiten Rund des Ernst Abbe Sportfelds.

Das halbe Dutzend war voll und die Jenaer Spieler ließen es dabei bewenden, die folgenden fünfzehn Minuten waren mehr Schaulaufen als ernsthafter Fußball und die Bayern hatten sich längst mit der demütigenden Realität abgefunden. Gegenwehr wäre bei diesem Spielstand ohnehin zwecklos gewesen und so konnten die leidgeprüften Anhänger des FCC endlich mal wieder eine Schlussviertelstunde ohne Angst vor späten Gegentoren oder in der Hoffnung auf ein dringend benötigtes Jenaer Tor verbringen, stattdessen wurde der in dieser Form von niemandem erwartete Sieg ausgiebig gefeiert. Neben dem Ergebnis gefiel vor allem die Tatsache, dass neben dem beinahe unheimlich schnellen Orlando Smeekes auch die beiden Außen Sievers und Nagy überzeugen konnten und Jena über weite Strecken des Spiels sehr sehenswerten und dynamischen Offensivfußball zeigte. Auch in Anbetracht eines bestimmten Ergebnisses vom Samstag bildete das 6:0 den perfekten Abschluss eines paradiesischen Wochenendes, das so schnell keiner der anwesenden Jena-Fans wieder vergessen wird. Nun muss der neue Spitzenreiter der Dritten Liga in Aue nachlegen bevor am kommenden Wochenende ein ganz spezieller Gast im Ernst Abbe Sportfeld erwartet wird. Sollten Orlando Smeekes & Co. auch dann wieder einen ähnlichen Auftritt wie in den bisherigen Saisonspielen hinlegen, dürfte der Jubel selbst die heutigen Freudenschreie noch einmal deutlich übertönen. Bis es so weit sein kann, liegen aber noch zwei mal 90 Minuten vor der Mannschaft von René van Eck - zumindest das nötige Selbstvertrauen für die erfolgreiche Gestaltung der beiden Ostderbys sollte spätestens nach dem heutigen Spiel vorhanden sein. <bh>

Spielbericht auf der Bayern-Homepage

SV Sandhausen - FC Carl Zeiss Jena 2:2

Tore: 1:0 Schuon (9.), 1:1 Smeekes (19.), 1:2 Riemer (32.), 2:2 Pinto (90., FE)
Sandhausen: Gurski; Bindnagel, Schuon, Eberlein, Mintzel; Pinto, Hillenbrand, Jungwirth (66. Fischer), Schauerte (77. Hosiner); Ristic (23. Öztürk, Dorn
Jena: Nulle; Sträßer, Lanzaat, Riemer, R. Schmidt; Sievers (60. Hähnge), Truckenbrod, Ziegner, Nagy; Smeekes (88. Petersen), Amirante (81. Benyamina)

Zuschauer: 3150

Schiedsrichter: Kempter (Sauldorf)

Spielbericht
Gleiches Ergebnis - unterschiedliche Gefühle. Wo vor zwei Monaten 3.500 verzückte Zeissfans ob des Klassenerhalts den Sandhäuser Rasen stürmten, herrschte diesmal betretenes Schweigen unter beachtlichen gut 500 mitgereisten Blau-gelb-weißen. Die meisten unter ihnen wären vor dem Spiel wohl mit einem Zähler zufrieden gewesen, doch nach diesem Spielverlauf musste man einfach hadern. Mit einer späten und nicht nachvollziehbaren Spielentscheidung durch Referee Kempter, und mit dem Auslassen unzähliger Möglichkeiten zur Vorentscheidung durch die eigene Elf.

Dass dieses Spiel ein ganz intensives werden sollte, deutete sich schon nach wenigen Minuten an. Riemers und Smeekes' gefährlichen Toraktionen folgte auf der Gegenseite nach 8 Minuten die Führung der Gastgeber. Ralf Schmidt hatte einen unnötigen Eckball verursacht - nicht der einzige Fehler des sich nach dem Wechsel steigernden Studenten in den ersten 45 Minuten - und Sandhausens bulliger Neuzugang Schuon köpfte das Leder kompromisslos wuchtig zur frühen Führung ins Netz. Und die Gastgeber drängten weiter mit schön anzusehendem Kombinationsfußball, waren durch das nur schwer zu bändigende bundesligaerfahrene Sturmduo Ristic/Dorn stets kreuzgefährlich. Doch anders als im Mai behielt Jena die Ordnung und schlug zurück. Sträßer und Sievers kämpften im Duett Mintzel den Ball im eigenen Strafraum ab, Sträßers weiter gefühlvoller Ball erreichte zur Überraschung von Sandhausens Hintermannschaft Orlando Smeekes, der dem verdutzten Gurski das Leder in die Maschen servierte (19.). 1:1! Und Jena machte weiter. Nur zwei Minuten später die nächste Riesenchance für den Holländer nach tollem Diagonalpass von Sievers, doch der Hammer zischt knapp am Tor vorbei. Eine Minute drauf hatte Nagy dann die Führung auf dem Fuß, als er eine schöne Kombination zu harmlos abschloss. Jena war im Spiel, und bald begann auch der Tag des Marco Riemer freundlichere Züge anzunehmen. Zunächst erlöste ihn die verletzungsbedingte Auswechslung Ristics von diesem unangenehmen, einen Kopf größeren Gegenspieler. Dann durfte sich der Apoldaer sogar in die Torschützenliste eintragen, als er nach Amirantes artistischer Fallrückziehervorlage aus Nahdistanz zur verdienten Führung nach 33 Minuten abstaubte.

Von Sandhausen kam bis zum Wechsel nichts mehr, und dennoch hatten 3.500 Zuschauer ein packendes und völlig offen geführtes Spiel gesehen. Glaubten sie zumindest, denn nach dem Pausentee ging es erst richtig los. Bindnagel eröffnete das Offensivfestival mit einem Knallbonbon knapp am rechten Pfosten vorbei (48.). Smeekes antwortete mit Zuckerpass auf Sievers, der sich völlig freistehend vor Gurski den Ball etwas zu weit vorlegte (49.). Minuten später zwei dicke Patzer von Riemer, die die Gastgeber nicht zu nutzen verstehen. Jungwirth zieht nach 56 Minuten ab und zwingt Nulle zu einer Glanzparade. Dann kommt Nagy über die rechte Seite, doch seine Hereingabe auf den blank stehenden Amirante misslingt (59.). Es war eine der wenigen Offensivaktionen Nagys, der sich nach vorn wenig zutraute. Ausgewechselt wurde nach einer Stunde aber sein Flügel-Gegenüber Sievers, bei dem sich gelungene Offensivakzente mit schlampigem Defensivverhalten abwechselten. Sebastian Hähnge kam ins Spiel und legte Sekunden später gleich gekonnt per Kopf auf Amirante auf, Gurski klärt. Wiederum Sekunden später umkurvt Hähne den Sandhäuser Keeper, ist eigentlich schon vorbei und der Ball gefühlt auf dem Weg ins Tor, doch irgendwie kommt Gurski doch noch einmal ans Leder (61.). Eine Minute darauf darf Smeekes die nächste hundertprozentige Torchance versieben, allein rechts vor dem Kasten entscheidet er sich gegen den Pass auf den mitlaufenden Amirante und für den Flachschuss, den Gurski mit Fußbabwehr pariert. Wahnsinn! Quasi im Gegenzug rettet Lanzaat vor dem einschussbereiten Pinto (62.). 63. Minute, ein Schuss Sandhausens aus dem Hinterhalt wird unfreiwillig von Hillenbrand abgefälscht und trudelt an den Pfosten! Vier Minuten später dann wieder dann wieder Bindnagel mit Volleyschuss, Nulle pariert.
Sandhausen ging nun noch mehr auf Risiko und drückte die Thüringer, bei denen die ordnende Hand im Mittelfeld vermisst wurde, mehr und mehr in die eigene Hälfte, in der sich Carsten Sträßer mit einer tadellosen Leistung Bestnoten verdiente. Einen Entlastungsangriff über die rechte Seite kann der bisweilen selbst auffällig fallsüchtige Mintzel nur mittels einer Mischung aus grobem und taktischem Foul an Smeekes an der Torauslinie verhindern, ohne dafür den Karton zu sehen. In Ziegners frechen Freistoß spritzt Amirante, und als der Ball hinter dem Keeper die Torlinie entlang zischt, ist wieder einmal Haareraufen im Gästeblock angesagt. Mehr noch als Smeekes nach 80 Minuten die nächste Hundertprozentige vergibt, allein vor Gurski diesen nicht überwinden kann. So kam das, was kommen musste. Sandhausen verlegte sich auf das Erarbeiten von Freistößen, von deren Berechtigung nur wenige im Gästeblock überzeugt waren, und so stand Carsten Nulle mehr und mehr im Mittelpunkt, rettete mehrmals großartig. Machtlos war er jedoch, als Robert Kempter - wie Sandhausen in Baden-Württemberg beheimatet - in der Schlussminute auf den Elfmeterpunkt zeigte, ein Foulspiel Riemers an Dorn gesehen haben wollte. Roberto Pinto ließ sich das späte Geschenk nicht entgehen und schickte die Zuschauer mit dem gleichen Ergebnis nach Hause wie vor zwei Monaten.

Diesmal bleibt für den FCC zu konstatieren, zwei Zähler verschenkt zu haben, und das in erster Linie wegen der sträflich ausgelassenen Großchancen im zweiten Abschnitt. Auf der Leistung der Mannschaft aber darf aufgebaut werden, und diesen positiven Eindruck nahm Jenas Anhang mit auf die 400 Kilometer lange Heimreise. <gunner>

Bilder des Tages <jw>
Spielbericht auf svsandhausen.de

FC Carl Zeiss Jena - SV Wehen Wiesbaden 2:1

Tore: 1:0 Smeekes (50.), 2:0 Smeekes (56.), 2:1 Bohl (74.)
Jena: Nulle; Sträßer, Lanzaat, Riemer, R. Schmidt; Sievers, Ziegner, Truckenbrod, Nagy (87. Petersen); Smeekes (90.+1 Eckardt), Amirante
Wehen: Birkenbach; Hollmann, Barg, Glibo, Weigelt; Bohl, Reinert (61. Ziegenbein), Hübner, Öztürk (72. Landeka); Boskovic, Stroh-Engel (58. Ziemer)

Zuschauer: 7713

Schiedsrichter: Dr. Brych (München)

Spielbericht
Gemeinhin gilt es als Vorteil, gegen Absteiger aus der 2. Bundesliga gleich am Anfang einer Saison antreten zu dürfen. Deren personelle Fluktuation ist meist recht hoch, der neuformierte Kader muss sich erst einspielen. Im Gegensatz zu den beiden anderen Absteigern blieb dem SV Wehen aber die große Abgangswelle erspart. Und so versprach der 1. Spieltag gleich eine Standortbestimmung für den FC Carl Zeiss zu werden.

Erstmals seit 2003 durfte die Punktspielsaison mal wieder mit einem Heimspiel eingeläutet werden. Wenn dabei trotz Aprilwetters 7713 Zuschauer ins Ernst-Abbe-Sportfeld kommen, zeugt das ungeachtet der miserablen letzten Saison von einer deutlichen Erwartungshaltung. Sebastian Hähnge saß mit auf der Tribüne. Schon einen Tag vor dem Match hatte seine linke Wade zu zwicken begonnen, am Spieltag selbst war dann nicht einmal mehr ein Kurzeinsatz möglich. Sollte es deshalb ein schnelles Revival der Ein-Stürmer-Taktik von René van Eck geben ? Nein, denn der Rückkehrer auf den Trainerstuhl beorderte Orlando Smeekes auf die zweite Angriffsposition. Da Jan-André Sievers in die Startelf nachrückte, war diese mit allen fünf Neuzugängen besetzt.
Verteiltes Spiel zu Beginn. Ein Kopfball im Anschluss an Wehens zweite Ecke wurde am kurzen Pfosten abgefangen, den Spurt von Reinert in den Strafraum stoppte Sträßer. Auf der anderen Seite war es Salvatore Amirante, der mit einem Kopfball aus sechs Metern Birkenbach prüfte und mit einem 19-Meter-Flachschuss knapp verzog. All das waren Szenen aus den ersten 20 Minuten, danach dominierten die Abwehrreihen und weitere nennenswerte Aktionen vor der Pause blieben rar. Einzig Timo Nagy aus guter Schussposition in zwanzig Metern Torentfernung forderte nach 35 Minuten noch einmal den Beifall heraus. So sehr man sich über die stabile Viererkette mit dem neuen Abwehrchef Lanzaat und dem wie ausgewechselt wirkenden Sträßer freuen durfte - beim Offensivspiel blieb zunächst noch viel Luft nach oben.

Van Eck hatte seiner Mannschaft in der Kabine mehr Risiko verordnet und diese setzte das gleich mit Wiederanpfiff um. Bälle, die während der ersten 45 Minuten noch als Querpass gespielt worden waren, flogen nun steil ins Angriffszentrum. Es war Salvatore Amirante, der von der Mittellinie aus seinen Sturmpartner Orlando Smeekes mit einem Diagonalpass auf die Reise schickte. Diese Reise führte um einen Gegenspieler herum, zwischen zwei Verteidigern hindurch direkt zu Torhüter Birkenbach, an dem vorbei Smeekes das Leder ins lange Eck schob. 1:0 - Zeit für den ersten Torjubel der neuen Saison mit einem Flickflack, wie man ihn im Ernst-Abbe-Sportfeld so wohl noch nie gesehen hat. Miroslav Kloses berühmte Überschläge in der Nationalmannschaft wirken geradezu armselig gegen jene eines Orlando Smeekes beim FC Carl Zeiss Jena ! Auch wenn dessen artistische Brillanz nicht von ungefähr kommt, war er in seiner Jugend doch dreimal holländischer Meister im Turn-Mehrkampf, bevor er sich für die fußballerische Laufbahn entschied. Eine gute Entscheidung, wie uns nur sechs Minuten später ein weiteres Mal klar werden sollte. Da trat Smeekes in 35 Metern Torentfernung zum Freistoß an. Für eine direkte Ausführung noch viel zu weit vom Kasten entfernt, dachten die meisten. Doch der Nationalspieler der niederländischen Antillen schoss direkt durch die Drei-Mann-Mauer der Wehener hindurch ins linke untere Eck. Welch ein (P)fund !
Während wir Beobachter noch ganz fasziniert waren von den gleichsam schönen und doch auf so unterschiedliche Weise zustande gekommenen Treffern unseres Orlando, setzten die Gäste mit dem Mute der Verzweiflung zur Aufholjagd an. Diese hatten sie in der Vorbereitung bereits gegen Koblenz und Saarbrücken mit Erfolg praktiziert. Boskovic mit Schuss ans Außennetz sowie die frisch eingewechselten Ziemer und Ziegenbein zeigten an, dass dieses Mahl mit den zwei Toren noch lange nicht gegessen war. Und tatsächlich, in der 74. Spielminute traf Bohl unhaltbar per Kopf zum Anschlusstreffer. Eine Viertelstunde war danach noch zu spielen. 15 Minuten, die besonders der aus Kaiserlautern gekommene Marcel Ziemer mit mehreren Chancen zur Zitterpartie für alle Blau-Gelb-Weißen werden ließ. Bei Ziemers Aufsetzerkopfball sechs Minuten vor Schluss rührte selbst Geburtskind Carsten Nulle (Glückwunsch zum 34. !) keinen Finger mehr - doch das Leder klatschte nur an die Werbebande hinter dem Tor. In der 89. kam Nulle an einen Eckball nicht heran, dafür stand Sträßer goldrichtig und konnte an der Torraumgrenze per Kopf klären. Mit tollen Einzelaktionen hatte einer aus der Mannschaft den Vorsprung heraus geschossen - alle elf zusammen sorgten nun dafür, dass aus ihm drei Punkte wurden.

Auch wenn in der letzten halben Stunde das Geschehen etwas aus der Hand gegeben worden war - mit dem Sieg gegen Wehen hat die neue Jenaer Mannschaft schon mal einen ersten Fingerzeig erhalten, dass auch gegen Staffelfavoriten etwas gehen kann. Orlando Smeekes, der in seiner Freizeit auch noch Thai-Boxen betreibt, will übrigens trotz seiner Erfolgserlebnisse im Sturm so schnell wie möglich auf die Außenbahn zurück. Nur da kann er seine Sprintschnelligkeit mit (wie man hört) 11,3 Sekunden über 100 Meter und die Stärken im eins gegen eins voll zur Geltung bringen. Scheint so, als könnten wir uns auf die Saison mit ihm freuen. <fc>

Fotos von Jens Weißenburger
Spielbericht auf svwehen-wiesbaden.de


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