SV Sandhausen - FC Carl Zeiss Jena 2:2

Tore: 1:0 Ristic (32.), 2:0 Öztürk (34.), 2:1 Amirante (49.), 2:2 Schembri (53.)
Sandhausen: Gurski; Bindnagel, Kirsch, Eberlein, Throm; Pinto, Fießer (69. Kolb), Leandro, Müller (79. Waldecker), Ristic, Öztürk (71. Boskovic)
Jena: Nulle; Wuttke (88. Hansen), Riemer, Petersen, R. Schmidt; Sträßer, Kikuchi, Ziegner, Eckardt (46. Schröter); Schembri (64. Hähnge), Amirante

Zuschauer: 5400

Schiedsrichter: Perl (Pullach)

Spielbericht
Das Gestümper hat ein versöhnliches Ende gefunden! Wir dürfen auch im nächsten Jahr wieder Drittligafußball im EAS gucken. Dementsprechend groß waren Jubel und Erleichterung nach dem Spiel in Sandhausen. Platzsturm. Uffta. Freibier. Aber ein zweites Augsburg war es nicht. Das ganz große Glücksgefühl blieb aus. Dazu war die vergangene Saison eine zu große Enttäuschung, paßte der Anspruch zur Wirklichkeit wie ein Trabant in die Formel 1. Es war vielmehr Erschöpfung, die am Ende aus den meisten Augen sprach. Und die Hoffnung auf bessere Zeiten, in denen der Etat nicht so unendlich viel größer ist als die Fähigkeit damit umzugehen. Aber egal. Wir bleiben drin! Nur das ist erst mal wichtig.

Nach der ersten Halbzeit war das noch nicht unbedingt zu vermuten. Zwar stimmten die Ergebnisse von den anderen Plätzen weihnachtlich, aber daß die elf aufgeschreckten Nervenbündel im FCC-Trikot hier nicht mit fliegenden Zeiss-Fähnchen untergehen, durfte getrost angezweifelt werden. Während man bei der Ballannahme gerade so noch Grundkenntnisse konstatieren konnte (aber nicht mußte), war die Raumaufteilung eine echte Katastrophe. Außerdem war das Zittern in den Beinen der sichere Tod für jeden Paß, auch wenn der Weg noch so kurz war. Dabei hatte Amirante doch gleich zu Beginn die große Chance zur Führung gehabt. Ganz allein war er nach Schembris Anspiel auf das Sandhäuser Tor zugelaufen (10.). Aber sobald der Mann Zeit zum Überlegen hat, ist es Quatsch überhaupt hinzuschauen. Das wäre es doch gewesen! Stattdessen scheitert er mit der hölzernen Eleganz von Pinocchio an Torhüter Gurski. Absolut plump!
Was dann folgt kann am besten als kollektiver Nervenzusammenbruch beschrieben werden. Es klappt gar nichts mehr. Entsprechend ließen die Hausherren, angefeuert von einem handverlesenen Kreis Einheimischer, den Ball geduldig durch die Jenaer Verteidigung laufen. Schon zwanzig Sekunden vor der Sandhäuser Führung war klar was jetzt kommt. Man konnte regelrecht sehen, daß sich die Jenaer Ordnung auflöst wie eine Brausetablette. Tranigkeit von ganz vorne bis ganz hinten. Flanke von rechts, Kopfball Ristic. Dreieinhalbtausendfaches Entsetzen (32.). Und weil’s in Jena keine halben Sachen gibt, war das Ganze gleich noch mal zu bestaunen. Diesmal lief ein Sandhäuser – von Mittelfeldreihe und Verteidigung weitestgehend unbemerkt – Richtung Strafraum, legte den Ball quer auf Öztürk ab, der einfach mal draufhält. Und tschüß (35.). Wäre Bindnagels Lattenknaller auch noch im Tor gelandet, ich hätte den Rest des Spiels wahrscheinlich im Bus gewartet (37.). So aber lohnte es sich vielleicht noch, daß gellende Pfeifkonzert zu unterstützen, daß die Mannschaft Richtung Kabine begleitete. Was dort geschah, läßt sich in irdischen Denkschemata wahrscheinlich nur schwer nachvollziehen. Es muß wohl Großes passiert sein. Ein orthopädisches Wunder oder so.

Auf einmal können jedenfalls alle Fußballspielen, die es gerade noch nicht konnten. Es gibt jetzt sogar richtige Zweikämpfe! Der Erfolg läßt – sehr untypisch für diese Saison – nicht lange auf sich warten. Nach Schmidts Flanke von der linken Seite, kann Amirante den Ball per Kopf in Gurskis Gehäuse unterbringen (49.). Wie gesagt, er darf halt keine Zeit zum Überlegen haben. Dreieinhalbtausendfacher Jubel. Wir leben wieder. Ein bißchen wenigstens. Jetzt nur nicht nachlassen, dranbleiben! Und wirklich, gleich die nächste Möglichkeit führt zum nicht für möglich gehaltenen Ausgleich. Strässer bringt den Ball flach in die Mitte. Diesmal steht Schembri richtig, trifft noch den Torwart. Dreieinhalbtausend schreien den Ball über die Linie (53.). Ein ohrenbetäubender Lärm bricht los. Es ist nicht zu glauben. Das ist der gleiche Haufen, der vor einer halben Stunde noch wie die Bewegungsgruppe einer Reha-Klinik hier rumhüpfte. Aber jetzt brennt die Bude. Es spielt nur noch Jena; muß auch spielen, denn es hängt alles noch am seidenen Faden: Aalen hat in Unterhaching ausgeglichen. Jetzt ein Gegentor und wir sind weg vom Fenster. Aber die Mannschaft kämpft. Schembri hat die nächste Möglichkeit. Aus dem Gewühl heraus donnert er den Ball knapp über Gurskis Gehäuse (57.). Mist. Aber die Führung wäre nach der ersten Halbzeit auch ein Witz. Dann hält Strässer vom Strafraumeck drauf (66.). Der hätte es echt verdient, aber Gurski hält! Nach Hähnges abgefälschten Schuß, der sich knapp neben das Tor senkt (71.), gibt auch Sandhausen wieder ein Lebenszeichen von sich. Aber Nulle kann den Schuß parieren (74.). Das war knapp. Jena erklärt sich daraufhin mit dem Unentschieden einverstanden. Hauptsache nicht verlieren. Die Gastgeber haben auch keinen Bock mehr. Warum den Jenaern die Feier versauen, wenn die Zäune schon so bedrohlich wackeln? Das Friedensabkommen hält bis zum Schluß. Haching führt auch inzwischen wieder. Es reicht!

Als Schiedsrichter Perl die Partie abpfeift, öffnen sich alle Schleusen. Überall fallen sich wildfremde Leute in die Arme. Die Erleichterung ist allgegenwärtig. Carsten Nulle wird auf Schultern durch das Stadion getragen. Der Rest der Mannschaft ist abgehauen. Aber es ist trotzdem nicht Augsburg. Dort geschah ein kleines Wunder, hier wurde nur das Ärgste verhindert. Mit viel Glück! Wir waren nicht besser, sondern es haben sich einfach vier andere gefunden, die noch schlechter waren. Und das wissen alle – Fans, Spieler und auch Verantwortliche. Es ist schlimm genug, daß sich Jenas drittklassige Gegenwart auf diversen Bolzplätzen in westdeutschen Klein- und Mittelstädten abspielt. Aber das man am Ende noch froh sein muß, sich gegen Truppen wie Burghausen und Aalen im Abstiegskampf durchgesetzt zu haben, um nicht wieder gänzlich im Nichts zu verschwinden, darf kein Anspruch werden und nicht wieder passieren. Dazu ist ein Umdenken im Verein unumgänglich. Die sportliche Talfahrt hat zunächst kaum einer bemerkt in der Führungsetage, weil man sich dort oben sinnlose Grabenkämpfe geliefert, neue Stadien geplant und einen Mentaltrainer gesucht hat. Wenn sich das nicht ändert, gibt es guten Fußball in Jena aber bald nur noch in der Kulturarena. <bpf>

Bericht auf svsandhausen.de

FC Carl Zeiss Jena - SpVgg. Unterhaching 4:3

Tore: 1:0 Ziegner (4., FE), 2:0 Amirante (9.), 2:1 Nagy (28.), 2:2 A. Fink (35.), 3:2 Schembri (45.), 4:2 Hähnge (67.), 4:3 Zillner (88.)
Jena: Nulle; Riemer, Müller (38. Wuttke), Petersen, R. Schmidt; Eckardt, Kikuchi, Ziegner, Holzner (18. Sträßer); Schembri (60. Hähnge), Amirante
U'haching: Kampa; Zillner, Bucher, Susak (70. Schweinsteiger), Nagy; Konrad, Tyce, O. Fink, Villar (70. Bajan); Rathgeber (73. Steegmann), A. Fink

Zuschauer: 7342

Schiedsrichter: Dr. Drees (Münster-Saarsheim)

Spielbericht
Als die Jenaer Mannschaft in Düsseldorf nach einer knappen, aber leistungsgerechten Niederlage in die Abstiegsränge gerutscht war, hielt so manch einer den Absturz in Liga vier schon für besiegelt. Angesichts der überwiegend schwachen Auftritte in den letzten Wochen, der teils überraschenden Punktgewinne der Konkurrenz und des eigenen schweren Restprogramms stellte sich die Frage, ob die Jenaer Mannschaft dem Druck standhalten würde. Jene Mannschaft, die sich anfangs gänzlich ohne Druck seit Jahresbeginn selbst in den Schlamassel hinein manövriert hatte.

Dass Carsten Sträßer nach seinem Auftritt vom letzten Mittwoch Felix Holzner Platz im Startaufgebot machen musste, kam nicht überraschend. Einen Sebastian Hähnge jedoch ausgerechnet im letzten Heimspiel dieser Saison zum ersten Mal überhaupt nicht in der Anfangself zu sehen, sorgte schon vor Anpfiff für Gesprächsstoff. Torsten Ziegner übernahm seinen Platz hinter den Spitzen, Rene Eckardt neu auf der Außenbahn.
Entsprechend der Tabellenkonstellation besaßen die Gäste die erste Möglichkeit im Spiel. Villars Pass Richtung Nulle-Gehäuse versuchte Rathgeber mit der Hacke einzulochen, trat aber am Ball vorbei (2.). Sechzig Sekunden später kommt Schembri im Strafraum nahe der Grundlinie zu Fall, nachdem er von Nagy ein wenig geschoben worden war. Schiedsrichter Dress zeigt sofort auf den Punkt. Die Frage war nun: Wer würde nach diversen Fehlversuchen im Saisonverlauf die Verantwortung als Elfmeterschütze übernehmen ? Torsten Ziegner trat an. Und hielt als Erster dem Druck stand so wie er damals in Stuttgart den legendären Schlusspunkt gesetzt hatte. Scharf und humorlos hämmerte er das Leder mittig ins Netz.
Und Jena setzte nach. Müller mit langem Ball auf Amirante, der wird gerade noch am Torschuss gehindert - Eckball. Ziegner bringt ihn hoch in die Mitte, wo Salvatore Amirante zum Kopfball kommt und trifft ! Ja, was war denn hier los ? 2:0 nach neun Minuten für den Tabellenachtzehnten gegen den Zweiten ? Jenas Aktionen erinnerten in der Folgezeit an die Phase nach dem Ausgleich gegen Bremen. Jedem noch so aussichtslos scheinenden Ball wurde hinterher gerannt. Verdutzte Hachinger kamen erst gar nicht zu einem geordneten Spielaufbau. Auch Felix Holzner sprintete nach 17 Minuten wieder einem langen Ball hinterher – und trat dabei unglücklich in den Rasen. Schnell war klar, hier ist Schlimmeres passiert. Mit schmerzverzerrtem Gesicht wurde er vom Platz getragen, die erste Diagnose lässt einen erneuten Kreuzbandriss befürchten. Wie bitter für Einen, der es nie an hundertprozentigem Einsatz für den Verein hat fehlen lassen, was sich auf die Saison bezogen ja nicht von allen gleichermaßen behaupten lässt. Für ihn kam Sträßer dann doch noch zu einem längeren Einsatz, the show must go on. Schembri auf Eckardt, doch Kampa ist auf dem Posten (20.).
Zeit für einen ersten Blick auf die Resultate in den anderen Stadien. Burghausen lag bereits 0:2 zurück (um am Ende gegen Paderborn das halbe Dutzend zu kassieren), Aalen mit 0:1 - sollte für den FCC heute wirklich mal die Sonne scheinen ?
Zillner legte nach 28 Minuten nach links auf Nagy ab, den die Jenaer Abwehr dort völlig vergessen hatte. Die Rettungsversuche von Riemer und Nulle blieben ohne Erfolg, der Schuss landete im rechten Eck. Seit der 2. Spielminute hatten die Hachinger keinen vernünftigen Angriff mehr hinbekommen und dann gelingt ihnen mit dem ersten Torschuss gleich der Anschlusstreffer ! Die gerade erworbene Sicherheit in den Jenaer Reihen war urplötzlich dahin. Das Spiel begann sich zu drehen. Wären sich Tyce und A. Fink nicht gegenseitig ins Gehege gekommen, die Führung wäre dahin gewesen, so günstig und unbedrängt wie die Beiden standen. Doch der Ausgleich, er fiel auch so. 36. Minute, Rathgeber taucht nach einem Doppelpass frei vor Nulle auf. Zwar kann unser Torhüter den Ball zur Seite ablenken, doch Anton Fink schaltet am schnellsten und trifft per Kopf aus etwa zehn Metern. Es war der 20. Saisontreffer des besten Schützen der Liga. Kapitän Nulle war bei seiner Rettungsaktion gleich doppelt im Pech. Nicht nur, dass er damit den Ausgleichstreffer nicht verhindern konnte, er erwischte Mitspieler Robert Müller auch noch unglücklich am Unterschenkel, sodass dieser als zweiter Jenaer Akteur noch während der ersten Halbzeit verletzt raus musste. Was eine verglichen mit Spielbeginn komplett neue Besetzung auf der rechte Seite zur Folge hatte, denn Riemer rückte in der Viererkette nach innen, der frisch eingewechselte Wuttke sollte hinter Sträßer absichern.
In einer Phase, in der alles gegen Jena zu laufen schien, brachte uns eine Einzelleistung zurück in die Spur. Einen langen Ball im Strafraum annehmend, bedrängt von Susak, zog Andre Schembri aus einem Winkel ab, der den meisten wohl schon als zu spitz erschienen wäre. Doch der Ball landete im entlegenen Toreck. 3:2, Sekunden vor der Pause. Jetzt müsste Schluss sein, hieß es zur Halbzeit mit Blick auf die anderen Resultate. Bis auf die ohnehin schon ziemlich enteilten Wuppertaler lag keine der mitbedrohten Mannschaften in Führung.

Ein Schrägschuss von Amirante an die Hintertorstange (51.) bildete den Auftakt zu Hälfte zwei eines attraktiven Fußballspiels. Doch das war gar nichts im Vergleich zu jener Aktion zwei Minuten später auf der anderen Seite. Dort hatte sich, noch während ein langer Ball aus dem Mittelfeld in der Luft war, der Hachinger Villar in den Rücken der Jenaer Abwehr geschlichen. Als ihn Eckardt und Kikuchi bemerkten, war es für sie zu spät zum Eingreifen. Villar stand bereits frei vor Nulle, musste sich praktisch nur noch die Ecke aussuchen. Doch mit einem Riesen-Reflex bekam unser Schlussmann noch die Hand an den Ball und wieder wurde eines klar: Wenn das mit dem Klassenerhalt noch was werden sollte, hat er eine riesengroße Aktie dran !
Der knappe Vorsprung, er war also wieder in Gefahr. Zeit für eine Antwort. 57. Minute, Eckardt und Schembri bereiten für Amirante vor, dessen Schuss meistert Kampa. Ein Nachsetzen kommt nicht zustande, weil Eckardt wegrutscht. Es war die letzte Aktion des Andre Schembri in diesem Spiel. Das Unverständnis, mit dem die Zuschauer auf seine Auswechslung reagierten, war noch aussagekräftiger als der Beifall, den es nachher für ihn gab. Erst nach dem Spiel wurde klar, dass der Malteser selbst um seine Auswechslung gebeten hatte, weil er sich mit seinen Kräften am Ende fühlte. Sebastian Hähnge rückte neu in die Spitze und er schien sein Intermezzo auf der Bank als Denkzettel begriffen zu haben. Hochmotiviert war Hähnge an allen Angriffsaktionen unmittelbar nach seiner Einwechslung beteiligt, wenn auch nicht immer glücklich. Insbesondere als Kampa den außerhalb des Sechzehners rollenden Ball nicht mit der Hand aufnehmen durfte, Hähnge aber zurücksteuerte statt nachzusetzen, fühlten sich seine Kritiker wieder auf den Plan gerufen. Doch diese verstummten schnell, jubelten ihm sogar zu, als Hähnge aus fünf Metern Entfernung eine Flanke Amirantes dem Kampa durch die Hosenträger köpfte. 4:2 ! Nicht erst seit Katja Ebstein weiß man, dass es Wunder immer wieder gibt - aber hier bahnte sich etwas Großes an. Gar nicht auszudenken, wenn auch Amirantes Kopfball an die Oberseite des Lattenkreuzes ins Tor gegangen wäre; wir hätten dem Schlusspfiff mal ganz entspannt entgegen sehen können ! Aber auch so schien der Zweitore-Vorsprung erst einmal nicht in Gefahr. Haching verkrampfte ein wenig im Bemühen, die Aufstiegschancen wieder ins Lot zu bringen. Hoffen, Zittern, Bangen hieß es für uns beim Blick auf die anderen Resultate. Bremens Zweite hatte die Weichen auf drei Punkte gestellt, immerhin lag Aalen nach zwischenzeitlichem Ausgleich wieder zurück.
Drei Minuten vor Spielende wurde der Fokus wieder aufs Geschehen im Ernst-Abbe-Sportfeld gelenkt. Den Schuss des eingewechselten Steegmann konnte Nulle parieren, doch wieder erhielt einer der Randmünchener die Gelegenheit zum Abstauben. Zillner verkürzte auf 3:4. Blankes Entsetzen, als der gleiche Spieler eine Minute vor Spielende nach einem Doppelpass von links erneut aufs Jenaer Tor zusteuerte. Doch Marco Riemer tackelte den Ball sauber zur Ecke, die ebenso nichts einbrachte wie Hachings Versuche in der schier endlosen Nachspielzeit. Bis dann doch der Schlusspfiff ertönte und fast im Jubel unterging auch angesichts des Endresultats in Aalen. Für einen Tag war der FCC ein Joint Venture mit Fortuna Düsseldorf eingegangen, das nach Hachings Niederlage einen Aufstiegsrang einnimmt, dafür Jena zum Sprung auf den Nichtabstiegsrang verhalf.

Damit das so bleibt, werden die Zeiss-Fans garantiert alles daran setzen, aus der Begegnung in Sandhausen stimmungsmäßig ein Heimspiel werden zu lassen. <fc>

Fortuna Düsseldorf - FC Carl Zeiss Jena 1:0

Tore: 1:0 Christ (52.)
Düsseldorf: Melka; Halet, Cakir, Schwertfeger, Hergesell; Lambertz, Costa, Christ (61. Cebe), Heidinger; Kastrati (71. Kadah), Lawaree (87. Sieger)
Jena: Nulle; Riemer, Müllerr, Petersen, R. Schmidt; Ziegner (76. Mayombo), Kikuchi, Hähnge, Sträßer (63. Holzner); Schembri (64. Schröter), Amirante

Zuschauer: 14.034

Schiedsrichter: Leicher (Weihmichl)

Spielbericht
Fußballfans sind in der Regel optimistische Zeitgenossen. Wie anders wäre es zu erklären, dass selbst Anhänger erbärmlicher Kellerkinder Woche für Woche erneut hundertfach, getrieben von einem diffusen Glauben an das nun ganz gewiss fällige Glück die Reise quer durch die Länder dieser Erde antreten? Von jenem Optimismus war auf dem üppigen Parkplatzareal vor den Toren Düsseldorfs schon bei der Anreise der aus Thüringen und Umgebung Stammenden herzlich wenig zu spüren, selten bestimmte gefasste Hoffnungslosigkeit bereits vor dem Anpfiff eines Spieles derartig das Bild. Worauf sollte sie sich auch gründen, jene Hoffnung?  Aus den letzten Auftritten der Blau-gelb-weißen kaum, dazu versetzten die verheerenden Ergebnisse der Abstiegskonkurrenz am Vorabend einen zusätzlichen Schlag in die Magengrube.
So musste schon das historische Datum für Hoffnungskonstrukte herhalten. 13. Mai. Wenigstens an einem solchen Tage muss doch der Kurs Viertklassigkeit korrigiert werden können! Vor drei Jahren der in Lübeck quasi klargemachte Aufstieg in die 2. Bundesliga. Vor einhundertsechs Jahren die schicksalhafte Vereinsgründung in der Wilhelmshöhe. Und vor achtundzwanzig Jahren jener Höhepunkt der Clubgeschichte, das Europacupfinale eben hier auf diesem Grund und Boden. Dabei erinnert heute nichts mehr an die kühle Aura des Betonmonsters Rheinstadion, die Außenansicht der LTU-Arena eher an ein Funktionsgebäude des nahegelegenen Flughafens, während man sich in den glattgeleckten Katakomben erst Recht auf dem Weg vom Check-In zum Gate wähnte. Schöne neue sterile Fußballwelt, in der kunterbunte Schalensitze die trotz stattlicher Kulisse von über 14.000 Zuschauern klaffenden Lücken kaschieren sollen.

Jenas Coach Fascher vertraute erneut auf sein System der Mittelfeldraute mit Sträßer und Ziegner auf den Außen, während Hähnge den Spielmacher hinter dem südländischen Sturmduo Schembri/Amirante gab. Entfalten konnten die sich zunächst kaum, denn hinten spielte die Musik. Schiedsrichter Leicher aus Weihmichl zwischen Regensburg und Burghausen bescherte den Gastgebern von Beginn an eine Flut an Freistößen in erfolgversprechender Position, verwarnte Kikuchi zu Unrecht mit Gelb und fing sich erst nach etwa zwanzig Minuten, ebenso wie der FCC. Zwar gab die Fortuna weiterhin den Ton an und hatte mit Costas Kopfball auf die Latte (41.) die größte Möglichkeit überhaupt vor der Pause, doch anders noch als in Paderborn gelangen auch dem FCC einige Nadelstiche, insbesondere im Zusammenspiel der beiden Freunde Schembri und Amirante. So setzte Amirante in der 22. Minute das erste Achtungszeichen, nachdem er zunächst hängenbleibt reicht es doch noch zu einer Hereingabe, die Schembri um Haaresbreite verpasst. Nach 31 Minuten ist es dann Schembri, der sich gegen mehrere Gegenspieler toll durchsetzt und steil auf seinen Sturmpartner in den Strafraum spielt, doch Fortuna-Keeper Melka entschärft Amirantes Schuss. Sebastian Hähnge hatte kurz vor der Pause die Führung auf dem Schlappen, doch anstatt wie einst in Braunschweig oder Emden einfach mal draufzuziehen, entschied sich der heute völlig Glücklose für den Schlenker um seinen Gegenspieler und blieb prompt hängen.

So ging es torlos in die Pause und man konnte durchaus zufrieden sein mit dem Ergebnis, wohl wissend, dass insbesondere unsere rechte Seite mit dem nicht immer aufmerksamen Riemer und einem laufschwachen Ziegner davor allzu viele Gefahrenmomente zuließ, während Carsten Sträßer auf der Gegenseite seine vom diesmal guten Ralf Schmidt ermöglichten Freiräume wieder einmal völlig verschenkte. Wechsel zur zweiten Hälfte gab es trotzdem auf keiner Seite, doch beide Teams erhöhten noch einmal die Intensität. Und wie so oft war es ein unsinniger Ballverlust in der Vorwärtsbewegung, der die Führung und Spielentscheidung für 95 durch einen Konter brachte. Zweimal konnte Jenas Verteidigung retten, beim Versuch von Marco Christ jedoch war auch der etwas vor seinem Tor postierte Carsten Nulle machtlos. 20 Meter, perfekte Schusstechnik und schon klingelte es knapp neben dem rechten Pfosten. Der Ball passte und der Schock bei Blau-gelb-weiß saß, Düsseldorf hätte die Partie schon drei Minuten später nach zwei weiteren Großchancen in Sack und Tüten haben können. Auch in der Folgezeit waren die Flingeraner der Entscheidung näher als der FCC dem Ausgleich, Nulle avancierte zum besten Mann. Wenngleich sich niemand beim FCC aufgab, man niemandem das Bemühen absprechen konnte, es blieb weitestgehend ein klägliches. Auch weil alle drei Wechsel wenig Impulse brachten, insbesondere die Herausnahme des an diesem Tage nicht enttäuschenden Schembri erschien fragwürdig. Zumindest einmal noch funktionierte das Zusammenspiel Hähnge/Amirante, als letzterer steil geschickt wurde und mit seinem Schuss aus spitzem Winkel Melka einige Mühe bereitet (81.). Ansonsten waren es bezeichnenderweise die Verteidiger Petersen (76., einen versprungenen Ball Amirantes in die Arme von Melka katapultierend) und in der Schlussminute Riemer mit einem Schüsschen, die für die wenigen Aufreger im Fortuna-Strafraum sorgten. Düsseldorf war jenes eine Tor besser, siegte verdient, und auch wenn F95-Käptn Lambertz nach dem Spiel äußerte „Die Jenaer stehen zu Unrecht da unten. Ich fand sie stark“: Mit seiner Meinung hätte er im 600 Mann starken Thüringer Anhang weitestgehend allein auf weiter Flur gestanden. Und so gründete sich nach dem Spiel auf dem gleichen Parkplatz die verbliebene Hoffnung auf den Klassenerhalt mehr auf Burghausens Niederlage, als auf neugewonnenes Vertrauen in die Fähigkeiten des eigenen Teams. Möge diese Mannschaft uns am Samstag gegen Angstgegner Unterhaching eines Besseren belehren und der Fußballgott die ungerechte Hinspielniederlage wiedergutmachen. Es ist Zeit für alle Glücksbringer dieser Welt, am Ende einer Saison voll faulem Zauber hilft nur noch Magie. <gunner>

Fotos von Jens Weißenburger
Bericht auf fortuna-duesseldorf.de

FC Carl Zeiss Jena - Stuttgarter Kickers 0:0

Tore: Fehlanzeige
Jena: Nulle; Riemer, Müller, Petersen, R. Schmidt; Kikuchi, Ziegner, Sträßer (76. Fuchs), Hähnge, Schembri, Mayombo
Stuttgart: Salz; Steinle; Mann, Traub, Härter; Traut, Rosen, Gambo, Ivanusa (69. Gentner), Smeekes (84. Tunjic), Galm (61. Tucci)

Zuschauer: 6548

Schiedsrichter: Metzen (Mechernich)

Spielbericht
Das war er auch nicht, der erhoffte Befreiungsschlag. Stattdessen nimmt die Bedrohung einer weiteren denkwürdigen Epoche in Liga vier immer realere Züge an. Aber warum auch nicht. Die notwendige Provinzialität legt der Verein ja schon die gesamte Saison über an den Tag. Nachdem alle Leistungsträger ohne Geldnot verabschiedet waren, weil sie die Anforderungen an ein nie gesehenes Spielsystem nicht erfüllten, wurde in Jena nur noch vom Stadionneubau geredet. Und während die Vereinsführung derart in eine strahlende Zukunft blickte, schoß sich das Ergebnis der verfehlten Spielerpolitik unter diversen Trainern immer tiefer in die Krise. Dazu paßt auch ein Stadionsprecher, der jeden Spielerwechsel wie den Gewinn der Champions League zelebriert. Realitätsverlust pur. In dieser Saison fügt sich eins nahtlos ins andere! Sicher, es war auch viel Pech im Spiel. Wenn einer der gefühlten dreihundertfünfzig Latten- bzw. Pfostentreffer im richtigen Moment mal den Weg ins Tor gefunden hätte, wäre vielleicht und überhaupt alles anders gekommen. So war es auch gestern wieder, als sich Schembri über halbrechts schön durchsetzen konnte und den Ball anschließend ans Lattenkreuz donnerte (84.). So einer kann auch mal reingehen, da fragt eine Woche später kein Mensch mehr nach dem Wie. Aber so? Am Ende darf halt keiner erwarten, nach zwei oder drei guten Chancen innerhalb von anderthalb Stunden den Platz als Sieger zu verlassen. Klar, der Einsatz hat gestimmt. Aber spielerisch? Wenn man ehrlich ist, war das meiste Gelungene eher ein Kind des Zufalls denn freier Wille. Und dieses Kind wurde meist mit der nächsten Aktion durch ungenaues Paßspiel oder schlichte Hilflosigkeit wieder zu Grabe getragen. Egal ob bei Schembris Paß in die Spitze, den Kickers-Torwart Salz vor dem heranstürmenden Mayombo klärt (19.), oder Mayombos Flanke von der rechten Seite, die ein Verteidiger in letzter Not noch ins Aus schlagen kann (24.). Immer wieder fehlt ein halber Schritt. Jena ist zwar optisch überlegen, aber was Zwingendes kommt nicht dabei raus. Dazu ist das Kombinationsspiel gegen eine dicht gestellte Stuttgarter Abwehr viel zu statisch und ideenlos. Kein raumöffnender Seitenwechsel oder gar ein präzise gespielter Doppelpaß. Das muß wohl aus einer anderen Sportart sein! Dementsprechend resultiert die beste Chance auch aus einer Einzelleistung. Nachdem Schembri - mit Sicherheit der beste Mann auf dem Platz - zwei Stuttgarter ziemlich alt aussehen läßt, kann er von der Strafraumgrenze frei abziehen (36.). Das Salz mit seiner tollen Parade den Traum von der Führung schnell wieder zunichte macht, paßt zur Tragik des Spiels. Schade! Halbzeit.

Nach der Pause wurde es nicht besser. Im Gegenteil. Dem Tabellenletzten ging nun offensichtlich ein Licht auf, daß Jena hier keine taktische Meisterleistung verfolgt, der es nicht auf den Leim zu gehen galt. Dementsprechend folgten nun selbst ein paar zaghafte Angriffsbemühungen der Schwaben, die aber allesamt nichts einbrachten. Zunächst verzog Traut aus vollem Lauf von halbrechter Position (48.), wenig später setzte ein Freistoß desselben Akteurs tückisch vor Nulle auf, konnte diesen aber nicht aus der Ruhe bringen (52.). Die Stuttgarter profitierten zunehmend vom Kleinklein im Jenaer Mittelfeld und ließen den Ball mitunter ganz gut laufen. Erst zwanzig Minuten vor dem Ende berappelten sich die Mannen um Ziege wieder ein bißchen, hatten aber einfach kein Glück im Abschluß, allen voran mal wieder Sebastian Hähnge. Der scheiterte zunächst mit einem satten Schuß am gut reagierenden Salz (67.), zehn Minuten später strich sein Knaller aus der Drehung nur um Zentimeter am rechten Pfosten vorbei. So ist halt Abstiegskampf. Derweil protestiert die Südkurve gegen alle Stadionverbote. Was soll das jetzt mitten im tiefsten Abstiegsschlamassel. Ich verstehe die Welt nicht mehr. Muß ich aber auch nicht länger. Denn außer Schembris Lattenknaller war danach nicht mehr viel zu bewundern. Da der schwache Schiri Metzen auch beim Abpfeifen noch Fehler machte und die fällige Nachspielzeit auf Null zusammenstrich, nahm das hilflose Hoffen auf ein Jenaer Tor zu allem Überfluß auch noch ein verfrühtes Ende. Das neuerliche Nichtsiegen auf den Schiri schieben zu wollen, ist aber zu einfach. Die Ursachen dafür sind auch mit Sicherheit nicht im gestrigen Spiel zu suchen, sondern resultieren aus einer unsäglich langen Kette von Fehlern, die sich durch die gesamten letzten zwei Jahre zieht. Die verlorenen zwei Punkte von gestern sind davon nur die letzte Folge, wahrscheinlich eine sehr schmerzhafte.

Es ist wirklich zu hoffen, daß diese grausame Saison noch ein positives Ende findet. Vorstellen kann ich es mir bei diesem heftigen Restprogramm nicht so richtig. Pech und Unvermögen bilden in diesem Jahr eine zu starke Allianz, sowohl auf dem Platz als auch hinter den Kulissen. Andererseits ist es auch mal wieder Zeit für ein kleines Fußballwunder wie in Augsburg erlebt. <bpf>

SC Paderborn - FC Carl Zeiss Jena 2:0

Tore: 1:0 Mohr (39.), 2:0 Kumbela (90.+2)
Paderborn: Lange; Wachsmuth, Holst, Mohr, Schuppan (80. Lindemann); Fischer (72. Brandy), Krösche, Alushi, Brückner; Löhning, Krause (71. Kumbela)
Jena: Nulle; Wuttke (59. Schembri), Müller, Riemer, Schmidt; Holzner, Kikuchi, Ziegner (78. Petersen), Sträßer (59. Fuchs); Hähnge, Amirante

Zuschauer: 6238

Schiedsrichter: Schempershauwe (Hildesheim)

Spielbericht
Ein fleißiger Statistiker unter den Fans hat in dieser Woche ausgerechnet, dass Andre Schembri und Salvatore Amirante nur gemeinsam so richtig erfolgreich sind. Sieben seiner acht Punktspieltreffer erzielte Amirante bei Anwesenheit Schembris. Und immerhin drei von vier Saisontreffern des Maltesers kamen zustande, wenn sich Amirante auf dem Platz befand. Macht zusammen zehn Erfolgserlebnisse - keine so schlechte Bilanz, wenn man berücksichtigt, dass dafür überhaupt nur 822 Minuten an Zeitreservoir zur Verfügung standen.

Das Erfolgsduo aus dem Bremen-Spiel blieb diesmal aber zunächst getrennt. Zwar keimte kurzzeitig Hoffnung, als Schembri zum Aufwärmen den Rasen der Paragon-Arena betrat. Doch eine Fußprellung vom Wochenbeginn verhinderte sein Mitwirken von Anfang an. Amirante bekam somit wieder Hähnge als Sturmpartner an die Seite gestellt, dessen Vorwochen-Part im offensiven Mittelfeld Ziegner begleitete. Die Gastgeber näherten sich mit einem 20-Meter-Schuss Alushis sowie dem Kopfball Krauses nach einer Ecke von rechts dem Jenaer Tor an. Sträßer leitete die erste Strafraumszene unserer Blau-Gelb-Gekleideten ein. Hähnge köpfte jedoch nur seinen Gegenspieler an. Dazu ein Kikuchi-Schuss nach zweimaliger Hackenablage in Minute 14 - der FCC spielte nicht nur gut mit, er hatte in der Anfangsphase sogar mehr Ballbesitz. Das mag angesichts des Tabellenstandes überraschend klingen. Nicht jedoch für den, der Paderborns Schwierigkeiten in den letzten Wochen verfolgt hat. In der Meisterschaft lief wenig rund, sodass der Verein statt des angestrebten sicheren Aufstiegsplatzes gerade noch den Relegationsplatz innehat. Mit Torwart Jensen nach einer Roten Karte und Stürmer Güvenisik wegen einer Disziplinlosigkeit sind zwei Stammspieler (und Ex-Jenaer) gesperrt. Der Vereinspräsident ist zurückgetreten - einen Tag, nachdem die Mannschaft im Halbfinale des Westfalenpokals gegen den Regionalligisten Preußen Münster unterlegen war. Mag angesichts Jenaer Abstiegsängste der eine oder andere hierzulande geneigt sein, auf ein Tauschgeschäft an Problemen eingehen zu wollen, durch Paderborns Gesamtsituation hatte sich die Aussicht auf Punktgewinne für die Thüringer gebessert.
Nach gut zwanzig Minuten fanden die Gastgeber allerdings allmählich ins Spiel. Schnell wurde deutlich, dass speziell auf Tim Wuttke jede Menge an Arbeit zukommen würde. Denn mit Daniel Brückner hatte er jenen schnellen, technisch beschlagenen Ex-Erfurter gegen sich, dem man keinen Zentimeter Spielfreiheit lassen sollte. Doch nicht nur Zentimeter standen Paderborns Linksaußen zur Verfügung, oftmals waren es mehrere Meter. Und so hatten die meisten Aktionen ihre Entstehung auf Jenas linker Abwehrseite. Von dort kam in Minute 28 ein Eckball hoch an die Torraumgrenze, Krause erwischte den Kopfball, aber das Standbein des auf der Linie postierten Sebastian Hähnge verhinderte den Rückstand. Der SC setzte nach. Alushi schoss ein weiteres Mal knapp daneben, Löhnings Kopfball nach Vorlage Brückners fing Nulle sicher. Und in Minute 39 war es dann soweit. Nach einem abgefangenen Eckball rückten Jenas Verteidiger zu weit heraus, sodass der darauffolgende hohe Ball in den Rücken der Abwehr fiel. Der aufgerückte Mohr nahm ihn mit der Brust an und hob ihn geschickt über Nulle hinweg ins Netz. Der Jubel in Paderborns Südkurve fiel verhalten aus, weil sich die Anhänger dort eigentlich ein 45minütiges Protestschweigen auferlegt hatten. Da Sträßer nach Pass von Hähnge durch gewesen wäre, bei der Ballabgabe aber knapp im Abseits gestanden haben soll, ging es mit dem 1:0 in die Kabinen.

Von Ausnahmen wie Dresden einmal abgesehen, waren die zweiten 45 Minuten in den vergangenen Wochen Jenas bessere Halbzeit gewesen. Doch in Paderborn standen unsere Kicker nach Wiederanpfiff gleich wieder hinten drin, mussten sich gegen Paderborns Bemühungen um eine frühe Vorentscheidung stemmen. Nach Brückner den Ball von Wuttke erobert hatte, mussten Schmidt, Riemer und Nulle zu dritt den für Güvenisik ins Team gerückten Krause am Torschuss hindern (48.). Drei Minuten später zischte ein Kopfball Krauses haarscharf am Pfosten vorbei. Die Vorlage war, na klar, wieder von Brückner gekommen. Irgendwann schien Wuttke zu kapitulieren, orientierte sich ein ums andere Mal in die Mitte und überließ dem kleinen Holzner die rechte Abwehrseite. Der fehlte dann natürlich vorn, wo sich ohnehin schon nicht mehr viel tat, weil Ziegner und vor allem Sträßer nicht ihren besten Tag erwischt hatten. Trainer Fascher war zum Handeln gezwungen, nahm die richtigen Leute vom Platz und brachte mit Fuchs und Schembri zwei Neue. Jenas Stürmertio nahm sofort die Plätze aus dem Bremen-Spiel ein, mit Amirante und Schembri ganz vorn, Hähnge dahinter. Das brachte frischen Wind ins Offensivspiel. 64. Minute, Schembri mit 15-Meter-Pass auf Amirante, der zieht von der Strafraumgrenze aus ab und zwingt Paderborns Ersatzkeeper Lange zu dessen erster Parade im Spiel. Da war es also wieder, das Duo Schembri/Amirante, das nicht zufällig nur gemeinsam zum Erfolg kommt. Zwei Minuten später die beiden erneut im Zusammenspiel. Schembri fast von der Grundlinie auf Amirante, der Italiener ist jedoch eng gedeckt, legt deshalb auf den unbedrängten Hähnge zurück, welcher aus fünfzehn Metern in die Wolken schießt. Ärgerlich, sollte dies doch Jenas letzte klare Chance zum Ausgleich gewesen sein. Denn "Brücknerborn" startete gleich wieder den Gegenangriff. Von Löning angespielt, dreht sich der Linksaußen mit Ball um seinen Gegenspieler herum, sein Schuss springt an den Innenpfosten und von dort Nulle in die Arme.
Jenas Kapitän hielt es bei einem Eckball kurz vor Schluss nicht mehr zwischen den Pfosten, nach vorn stürmend wollte er den Ausgleich am gegnerischen Strafraum erzwingen helfen. Da Holzner als letzter Mann den Ball nicht kontrolliert spielen konnte, schien Lindemann beim Konterzug aufs leeres Tor leichtes Spiel zu bekommen. Doch machte Felix Holzner in sprintstarker Manier seinen Fehler wieder wett und tackelte Paderborns Stürmer das Leder sauber vom Fuß.
Die zweite Minute der Nachspielzeit, bis auf Nulle und den eingewechselten Fuchs sind alle Jenaer Spieler mit aufgerückt. Wieder aber kommt Paderborn zum Kontern und diesmal ist Brückner dabei. Nachdem den die ganze Zeit über niemand in den Griff bekommen hatte, stand auch Fuchs auf verlorenem Posten. Die Eingabe brauchte Kumbela nur noch über die Linie zu drücken, weshalb die Sprechchöre der Fans dann auch mehr dem Vorlagengeber galten. Direkt nach dem Torjubel ertönte der Abpfiff. Paderborns Spieler bedankten sich zwar artig in der Kurve, die Welle verweigerten sie den Fans jedoch, wohl als Reaktion auf den Boykott der ersten 45 Minuten.

So etwas mitzubekommen, macht die eigene Niederlage nur noch bedauerlicher. Wie ein angeschlagener Boxer war der Tabellendritte in den Ring getaumelt, doch der FCC hatte es nicht verstanden, ihm den K.O. zu versetzen. Wenigstens eine Punkteteilung wäre in Paderborn allemal drin gewesen. Stattdessen muss Jena in den verbleibenden Spielen nun selbst zusehen, dem totalen Knockout zu entgehen. Unser effizientestes Sturmduo wird beim immens wichtigen Heimspiel gegen die Kickers aus Stuttgart erneut nicht zusammen spielen können, denn Amirante ist nach seiner zehnten Gelben Karte gesperrt. <fc>

FC Carl Zeiss Jena - Werder Bremen II 3:1

Tore: 0:1 Schmidt (42.), 1:1 Schembri (63.), 2:1 Amirante (68.), 3:1 Amirante (74.)
Jena: Nulle; Holzner, Müller, Petersen, Riemer; Ziegner, Kikuchi, Hähnge, Sträßer (88. Eckardt); Schembri (76. Fuchs), Amirante (90.+1 Bochud)
Bremen: Pellatz; Holsing (75. Menga), Schmidt, Stallbaum, Andersen (RK, 32.); Perthel (36. Schiller), Feldhahn, Krusen, Ikeng; Harnik (81. Kempe), Oehrl

Zuschauer: 6102

Schiedsrichter: Sippel (München)

Spielbericht
Einen Tanz auf der Rasierklinge und dies bis zum letzten Spieltag hat Marc Fascher unter der Woche prognostiziert. Den Duellen mit direkten Konkurrenten gegen den Abstieg kommt dabei eine besondere Bedeutung zu. Zum ersten dieser Sechs-Punkte-Spiele war die U23 von Werder Bremen zu Gast. Das erste Problem tat sich dabei schon vor Anpfiff der Partie auf. Der für die Anfangself vorgesehene Tim Wuttke musste nach dem Aufwärmen mit einer Bauchmuskelzerrung passen. Jenas Trainer hätte es sich einfach machen, mit Eckardt oder Fuchs einen Mittelfeldspieler nominieren können oder mit Bochud einen Defensiven. Doch aus dem Bauch heraus, wie er hinterher zugab, entschied sich Marc Fascher für die große Rotation. Statt Verteidiger Wuttke stand nunmehr Stürmer Amirante in der Startformation, Hähnge rückte ins zentrale Mittelfeld, Ziegner etwas nach rechts. Holzner bildete mit Riemer die Enden der Viererabwehrkette, da auch Ralf Schmidt nach der fünften Gelben Karte fehlte.

Sebastian Hähnge setzte nach vier Minuten die ersten Akzente. Seinen Schuss aus 15 Metern halbrechts fälschte ein Bremer so ab, dass sich das Leder ins Tor gesenkt hätte, wäre nicht Pellatz mit den Fingerspitzen noch heran gekommen. Der Bremer Torhüter vertrat den zu den Profis abkommandierten Mielitz und sah zu Beginn eine Angriffswelle nach der anderen auf sich zurollen. Vier Ecken in zehn Anfangsminuten sind deutlicher Beleg dafür, dass die Jenaer eine gänzlich andere erste Halbzeit anzubieten gedachten als noch gegen Braunschweig oder gar in Aalen. Nach zwölf Minuten reklamierten viele auf ein Bremer Handspiel im Strafraum. Die Hand von Holsing ging aber nicht mehr zum Ball als die von Holzner eine Woche zuvor - und diese Szene hatte beinahe jeder als nicht elfmeterwürdig eingestuft. Bremen kam nach zwanzig Minuten zum Luftholen und zu ersten, noch zaghaften Angriffsbemühungen. Als Robert Müller zu Fall kam und Gegenspieler Oehrl in fünf Metern Torentfernung über den Ball säbelte, zog aber ein Raunen durchs Stadion (26.). Darüber hinaus tat sich nicht viel in dieser Phase vor beiden Strafräumen, weil viele Unterbrechungen nach Fouls den Spielfluss hemmten. Herausragend in negativer Hinsicht dabei das Einsteigen von Andersen gegen Sträßer im Mittelkreis. Mit dem Stollen nach vorn grätschte der Bremer in seinen Gegenspieler hinein und bekam von Schiri Sippel glatt Rot. Wie durch ein Wunder konnte Sträßer nach kurzer Behandlungspause zurück aufs Spielfeld laufen. Doch wirkte der Jenaer Mittelfeldspieler eine Zeitlang danach ziemlich gehemmt, musste dieses Erlebnis (welches ihn auf direktem Wege ins Krankenhaus hätte befördern können) erst einmal verdauen.
Zehn Minuten später. Riemer wirft sich Ikeng genau in den Mann, nach anfänglicher Vorteilsauslegung pfeift Sippel doch noch Freistoß. Bedingt durch ungute Erfahrungen aus der Vorwoche den Ball nicht aus den Augen verlierend, stellen die Jenaer ihre Mauer. Doch da Riemer bei der Freistoßausführung nach oben wegspringt, tut sich ein Loch auf in dieser Mauer und der Ball schlägt genau im rechten unteren Toreck ein. Jene 16 Bremer Fans, welche die Reise mit der Zweiten dem zeitgleich stattfindenden Spiel der ersten Werder-Mannschaft den Vorzug gegeben hatten, konnten ihr Glück kaum fassen. Der erste Schuss gleich drin ! Und das in Unterzahl ! Mit dem 0:1 ging es in die Kabinen.

Dort versuchte Marc Fascher seinen Jungs klar zu machen, dass eine numerische Überlegenheit nur mit viel Laufarbeit zu realen Überzahl-Situationen führt. Ob er weiß, dass sich Jenaer Mannschaften traditionell schwer tun mit dem Spiel zu elft gegen zehn ? Der Beginn der zweiten Halbzeit wirkte alles andere als ermutigend. Leichtfertig vertändelte Bälle, fehlende Impulse von den Außenpositionen und schlampig aus dem Fußgelenk getretene Standartsituationen zerrten am Geduldsfaden der eigenen Anhänger. Und wenn mal was Gefährliches zustande kam, fehlten wenige Zentimeter wie bei Ziegners langem Freistoßball auf den langen Pfosten zu Schembri (56.). Oder der Szene drei Minuten danach. Von wem der intelligente Pass in die Gasse kam, war auf die Schnelle nicht auszumachen. Doch wie der Ball von Hähnge im Fallen mit letztem Einsatz an Pellatz vorbeigelegt wurde, dann eine gefühlte Ewigkeit Richtung Gäste-Gehäuse unterwegs war, am Pfosten landete, sich hinter die Linie zu drehen versprach und doch noch vor ihr von Holsing weggeschlagen wurde - dies alles war in quälender Detailgenauigkeit gut auszumachen. Stoßgebete, Haare raufen. Der Fußballgott schien sich im Abstiegskampf endgültig abgewandt zu haben vom FC Carl Zeiss. Die elf Akteure da unten ließen sich aber nicht entmutigen und kamen nach dem eigentlichen Misserfolgserlebnis nun wieder besser ins Spiel. Amirante versuchte es nach gut einer Stunde aus fast dreißig Metern mit Gewalt - allerdings direkt auf den Torhüter, der so zur Ecke lenken konnte. Die Ecke kommt, Pellatz mit einer Faust dran, Ziegner befördert das Leder postwendend zurück, wo Hähnge es gleich weiterleitet - an den Innenpfosten ! Den Gedanken "Nicht schon wieder..." gar nicht zu Ende gebracht, steht aber diesmal kein Bremer, sondern ein Jenaer Spieler goldrichtig und staubt aus vier Metern ab. Andre Schembri zum Ausgleich - tonnenschwerer Ballast schien von seinen Schultern und denen seiner Mitspieler zu fallen. Die gaben nun keinen Ball mehr verloren, wollten den Sieg. 68. Minute, Schembri auf Salvatore Amriante. Jenen Spieler, der es vor einer Woche ZU schön machen wollte und deshalb nur den Pfosten traf. Diesmal machte er alles genau richtig. Von zwei Grünen nur flankiert, hob er den Ball an Pellatz vorbei ins Netz und nahm anschließend eine Gelbe Karte billigend in Kauf, indem er am Zaun das Bad in der jubelnden Fanmenge genoss. Sein Sturmpartner Andre Schembri feierte vergleichsweise im Stillen - wohlwissend, dass sich seine Ausbeute als Angriffsspieler mit einem Tor und zwei Vorlagen in drei Spielen sehen lassen kann. Von Bürger ins zentrale Mittelfeld beordert und von van Eck auf die ungeliebten Außenpositionen verfrachtet, scheint Maltas Nationalspieler unter dem dritten Trainer der Saison endlich seine Mission gefunden zu haben. Vater Eric und Mutter Vivian Schembri, die ihren Sohn sonst immer via Satelliten-TV zu sehen kriegen und nun das erste Mal live im Stadion weilten, sahen es mit Freude. Zwar war der Sieg mit dem 2:1 noch nicht unter Dach und Fach, doch nun hatten die Jenaer den Gegner da, wo sie ihn brechen konnten. Sie taten es mit der Vorarbeit Sebastian Hähnges, der für den strauchelnden Schembri in die Bresche sprang und eine hohe Flanke auf den langen Pfosten schlug. Amirante köpfte aus spitzem Winkel ein, noch bevor ihm Bremens Keeper den Weg verstellen konnte und wurde so zum Man of the Match. Dass für ihn auch noch der Hattrick möglich gewesen wäre, den er mit einem versuchten Beinschuss vergab, nahm ihm hinterher niemand übel. Beweis dafür der Applaus für den Italiener bei dessen Auswechslung, den er in diesem Maße bisher noch nicht bekommen hatte.

Mag Marc Fascher mit seiner eingangs erwähnten Prognose recht behalten. Nach den neunzig Minuten gegen Bremen kann man wieder ein bisschen optimistischer sein, dass Jena den Tanz auf der Rasierklinge unbeschadet überstehen wird. <fc>

Jenas Trainer auf der Pressekonferenz nach dem Spiel
Fotos von Jens Weißenburger
Spielbericht auf werder.de

VfR Aalen - FC Carl Zeiss Jena 3:2

Tore: 1:0 Stegmayer (2.), 2:0 Sailer (19.), 2:1 Holzner (47.), 2:2 Amirante (52.), 3:2 Saieler (59., HE)
Aalen: Linse; Schiele, Sichone, Bader, Stegmayer; Andersen (68. Müller), Bohl, Lechleiter (90. Okic), Hägele (68. Hofmann); Nagorny, Sailer
Jena: Nulle; Wuttke (81. Amrhein), Petersen, Müller, R. Schmidt; Holzner, Kikuchi, Riemer (46. Amirante), Schröter (62. Sträßer); Schembri, Hähnge

Zuschauer: 2975

Schiedsrichter: Zwayer (Berlin)

Spielbericht
(Premiere für Gastreporter Tobias Häfner)
Nach zuletzt 2 Siegen in Folge wollte unser Team heute in Aalen nachlegen und somit nach Wacker Burghausen einen weiteren direkten Konkurrenten im Abstiegskampf auf Distanz halten. Circa 400 dem Dauerregen strotzende blaugelbweisse Fans hatten sich auf den Weg gemacht um der Mannschaft dafür die nötige Unterstützung zu geben.
Eine viel spekulierte Frage vor Spielbeginn war wer Ziegner im Mittelfeld ersetzen würde. Beim Aufwärmen wurde klar das der zuletzt gelbgesperrte Riemer wieder in die Anfangself rücken würde. Offen blieb bis Spielbeginn ob er den Part als Innenverteidiger übernimmt und Tim Petersen vielleicht ins Mittelfeld rückt ( wie bei seiner guten Partie in Stuttgart ) oder umgekehrt. Trainer Fascher entschied sich für eine Variante mit Riemer im defensiven Mittelfeld neben Kikuchi , Petersen blieb in der Abwehrzentrale.
Vor Spielbeginn löste das sogenannte Fanlied der Aalener erst einmal allgemeines Amüsement aus. Dieses lotete sowohl in Inhalt als auch Form erneute Grenzen nach unten aus , was man sich nach dem "Deutsch-Hip-Hop" im Rudolf-Harbig-Stadion eigentlich gar nicht vorstellen konnte. Auch eine gehörige Portion Größenwahn schimmerte da durch. ;-) Nach Spielbeginn sollte die Häme uns allerdings schnell im Halse stecken bleiben.

Der erste Annäherung der Gastgeber an unser Tor wurde mit einem Tritt auf den Fuß von Nagorny unterbunden. Stegmayr führte den Freistoß schnell aus und versenkte den Ball im Tor zum 1:0 für die Gastgeber , bevor sich unsere Mauer richtig postieren konnte. Ein denkbar ungünstiger Auftakt ! Schon zwei Minuten später versucht sich Lechleiter auf dem linken Flügel durchzusetzen , fällt dann aber zu theatralisch. Aalen hat auch anschließend mehr vom Spiel , das Mittelfeld wird meist schnell überbrückt und die Taktik mit 3 Stürmern (Sailer , Nagorny , Lechleiter) stellt unsere Verteidigung vor etliche Probleme. In Minute 12 ein erster zaghafter Angriffsversuch auf Jenaer Seite , aber der Paß von Schembri war viel zu steil als das ihn Hähnge erlaufen konnte. Keine 60 Sekunden später brannte es wieder auf der Gegenseite, Lechleiter zieht zentral aus 20 Metern ab und sein Schuß streicht am Tor vorbei. Symptomatisch für die Jenaer Angriffsversuche eine Szene kurz danach , Schröter versucht erneut Hähnge in Szene zu setzen aber der Pass kommt einfach zu ungenau. Die Szenerie bestimmte aber weiterhin der Gastgeber. In der 17. Minute verfehlte ein Schuß von Bohl den Kasten um einen Meter. Zwei Minuten später musste Carsten Nulle erneut hinter sich greifen. Nach einer Ecke von Lechleiter gewinnen Sichone und Nagorny ihre Kopfballduelle , Nulle pariert , aber Sailer vollendet ebenfalls per Kopf im Nachsetzen.
2:0 - wie würde unsere Mannschaft darauf reagieren ? Die einzige richtige Gelegenheit der ersten Halbzeit für Jena hatte Hähnge per Kopf nach einer Ecke , die Aalener Verteidigung konnte jedoch schlußendlich klären. Aufgrund offensichtlicher Behäbigkeit im Spielaufbau , einer ganzen Reihe von Stockfehlern und auch fehlender Resolutheit im Zweikampfverhalten auf Jenaer Seite gelang es dagegen den Gastgebern immer wieder gefährliche Situationen vor unserem Tor heraufzubeschwören. Bei einem Torschußversuch von Lechtleiter kann Robert Müller klären. Sekunden später köpft Sichone nach einer Ecke einen guten Meter über das Tor. Und auch die letzte Chance der ersten Halbzeit verbuchte Aalen , doch Nagorny konnte mit vereinten Abwehrkräften abgeblockt werden. 2:0 der Pausenstand - und so behäbig und leidenschaftslos wie die Mannschaft 45 Minuten agierte glaubten wohl nur notorische Optimisten das hier noch etwas drin sei. Aber wie man sich doch täuschen kann !

Amirante kam zum Anpfiff der zweiten Halbzeit für den leider heute völlig neben sich stehenden Marco Riemer. Und ausgerechnet der so oft gescholtene Salvatore sollte es sein der in den nächsten Minuten richtige Ausrufezeichen setzte. In der 47. Minute zieht er aus zentraler Position und 18 Metern Entfernung einfach mal ab , der Aalener Torwart Linse kann den Ball zwar wegfausten , der auf der rechten Seite mitgelaufene Felix Holzner verwandelt den Abpraller zum zu seinem allerersten Punktspiel- und zum Anschlußtreffer. Dieses Tor war förmlich ein Weckruf für das gesamte Team , denn nun war die Aalener Verteidigung gehörig am wackeln. Zwei Minuten später versucht sich Amirante erneut aus der Distanz , sein Schuß geht jedoch einen Meter über das Tor. Aber schon in der 52. Minute der euphorisch umjubelte Ausgleichstreffer. Kikuchi mit Steilpass auf Schembri , der konnte sich durchsetzen , bedient Amirante der den Ball an Torwart Linse zum 2:2 vorbeischob.
Jetzt Aalen wieder mit eigenen Offensivbemühungen , es wurde aber zunächst nicht wirklich gefährlich. So konnte Nulle einen Flachschuß mühelos aufnehmen. In der 59. Minute spielte jedoch Schiri Zwayer Schicksal und verpasste Jena einen herben Genickschlag im Bemühen aus Aalen doch noch Zählbares mitzunehmen. Beim Versuch einer Flanke wurde Felix Holzner am Unteram getroffen und Schiri Zwayer zeigte auf den Punkt. Eine abenteuerliche Entscheidung , denn der Arm von Felix war deutlich angelegt und keine Chance vorhanden dem Ball auszuweichen. Sailer sagte "Danke" zu dem Geschenk und versenkte den Elfmeter mit straffem Schuß in die Tormitte zum 3:2.
Jena ließ sich nicht beirren und schon kurz darauf hatte Hähnge den erneuten Ausgleich auf dem Schlappen , sein Schuß ging jedoch knapp am Tor vorbei. Dann ein weiterer Wechsel um nochmals neuen Schwung zu erzeugen. Sträßer kommt für den leider blass gebliebenen Schröter.r. Jena weiter bemüht , aber richtig große Chancen gab es jetzt erstmal nicht. Hähnges Vesuch aus spitzem Winkel stellte Linse vor keine Probleme.. Mehr und mehr kam jetzt Aufregung ins Spiel durch Schiri Zwayer. Gelbe Karten für Schembri wegen einer angeblichen Schwalbe und einen unserer sich hinter dem Tor von Nulle warmmachenden Auswechselspieler ( Fuchs ) wegen Reklamierens , dazu eine Zweikampfbeurteilung bei der sehr unterschiedliche Maßstäbe angesetzt wurden. Dies brachte Jenaer Spieler und Zuschauer mehr und mehr in Rage. Dazu kam das unser Offensivspiel zwar weiterhin die nötige Leidenschaft hatte, jedoch die Präzision ein wenig fehlte - vor allem bei Standardsituatioonen. Ein Freistoß von Amirante aus 22 Metern ging weit über den Kasten und eine Ecke von Sträßer landete gleich gar hinter dem Tor. In den letzten 10 Minuten konnte Jena allerdings nochmals den Druck erhöhen und Amirante hätte sich unsterblich machen können hätte er in der 82. Minute den einfachsten Weg zum Torerfolg gewählt. Stattdessen setzt er aus Nahdistanz zum Seitfallzieher an , trifft jedoch damit nur den Pfosten. Drei Minuten später verpasst Robert Müller eine Freistoßvorlage von Ralf Schmidt am langen Pfosten. Die letzte Möglichkeit zum Ausgleich hatte dann Carsten Sträßer dessen Schuß aber weit über das Tor ging.

Das die Aalener Spieler und Offiziellen nach dem Schlußpfiff mit dem Handshaking für das Schiedsrichtergespann gar nicht mehr aufhören wollten wirkte irgendwie bezeichnend. Hatten Zwayer und Co doch mit ihren "Entscheidungen" vor allem in der zweiten Halbzeit ein gerüttelt Maß Anteil am Spielausgang. Dennoch wäre das nur die halbe Wahrheit. Denn so sehr sich unsere Spieler den warmen , aufmunternden Beifall beim Gang in die Kurve aufgrund der engagierten zweiten 45 Minuten verdienten - mit der indiskutablen Vorstellung der ersten Halbzeit wurde sich selbst die Chance verbaut im Abstiegskampf einen direkten Konkurrenten weiter hinter sich zu lassen.

Bilder des Tages
Kurzbericht auf vfr-aalen.de

SV Wacker Burghausen - FC Carl Zeiss Jena 0:2

Tore: 0:1 Hähnge (27.), 0:2 Sträßer (90.+3)
Burghausen: Riemann; Lastovka, Hertl, Buchner, Satilmis; Grübl, Bonimeier (59. Galuschka), Solga (72. Calamita), Mitterhuber; Schultz (59. Schmidt), Belleri
Jena: Nulle; Wuttke, Müller, Petersen, R. Schmidt; Holzner (59. Sträßer), Kikuchi, Ziegner, Schröter (66. Eckardt); Schembri (75. Amirante), Hähnge

Zuschauer: 3000

Schiedsrichter: Trautmann (Bodenwerder)

Spielbericht
Alles anders. Diesmal war (fast) nichts wie 2007. Das ging schon beim Wetter los, welches eher an Juli als an Ostern erinnerte. Und auch der Gästeblock war im Vergleich zum letzten Gastspiel diesmal eher locker gefüllt. Nicht umgewöhnen musste man sich bezüglich der Tabellensituation, der FCC steckte bis über beide Ohren im Tabellenkeller und Burghausen war direkter Konkurrent im Kampf um den Klassenerhalt.

Marc Fascher hatte die Startelf gegenüber dem Sieg gegen Braunschweig in jedem Mannschaftsteil auf je einer Position geändert: Wuttke, Holzner und Schembri liefen an Stelle von Riemer, Fuchs und Amirante auf. Für die Gastgeber ging es fast um alles und so begannen die schwarz-weiß Gestreiften mit großen Bemühungen, hatten aber ihre Visiere falsch justiert. So verflog sich eine Flanke (5. min) weit Richtung Eckfahne und nachdem Petersen zu lasch in einen Zweikampf ging, landete der Schuss im oberen Drittel des Ballfangnetzes. Der nächste Versuch der Burghausener war eine plumpe Schwalbe, aber Herr Trautmann (Traudel…?), der Referee, hatte seine Karten so gut versteckt, dass der Sünder ebenso kartenfrei davonkam wie einige Burghausener Grobmotoriker im weiteren Spielverlauf. Die erste Chance vorm richtigen Tor hatte Schembri in der 19. Minute, als er mit dem Rücken zum Tor stehend den Ball bekam und unter Bedrängnis aus der Drehung abzog. Holzners Nachschuss wurde leider zur Ecke abgelenkt. Fünf Minuten später schob Ziegner den Ball auf die linke Außenbahn zu Schröter, dessen Flanke köpfte Schembri neben das Tor. Wäre unsere insgesamt gut stehende Abwehr nicht in einigen Situationen in unverständliche Passivität verfallen, hätte Burghausen wohl keine weiteren Chancen bekommen. Aber so guckten einige Blaue zu, wie sich die Wackeren den Ball am Strafraum zuschoben und letztendlich den Ball wieder 3 m über Nulles Gehäuse ballerten (25.). In der 27. min hatte der FCC auf der Höhe des gegnerischen Strafraums an der rechten Außenlinie Freistoß. Schmidt trat die Kugel hoch in die Mitte und Sebastian Hähnge köpfte ins lange Eck ein!!! Endlich mal eine Auswärtsführung! Diese wäre fast sofort wieder „im Eimer“ gewesen, jedoch Nulle verwehrte mit einer Riesenparade einem Kopfball (nach Freistoß von rechts) den Weg ins Netz. Dies war der Beginn einer Burghausener Druckphase: Nach einem lang getretenen Freistoß aus dem Mittelfeld sauste eine Kopfballverlängerung sauknapp am langen Pfosten vorbei (35.) und kurz danach (38.) ging ein weiterer Kopfball übers Tor. Kurz zuvor wurde deutlich, dass der FCC trotz Führung noch am mangelnden Selbstvertrauen krankt. Ziegner hatte sich am linken Strafraumeck durchgesetzt, anstatt jedoch mal volles Ballett draufzuhämmern, ging er noch einen Schritt und noch einen und noch einen… und dann war der Ball weg. Burghausen machte bereits vor der Pause seine Abwehr weit auf, um ausreichend Offensivdruck zu entwickeln, und so boten sich für den FCC etliche Konterchancen. Erst kam Hähnge einen Schritt zu spät (39.), dann bediente er selbst mustergültig den durchlaufenden Schembri. Der entschied sich für einen Heber gegen den herausstürzenden Torwart, aber der erwischte das Spielgerät. Den anwesenden Zeiss-Fans wäre viel Nervenflattern erspart geblieben, hätte Schembri da den Ball einen Meter höher gelupft. Unmittelbar vor der Pause legte Kikuchi eine (weitere) astreine Bewerbung für den Titel „Mr. Tackling“ hin, als er innerhalb weniger Sekunden zweimal den Ball weggrätschte. Da seine Mitspieler in diesem Moment leider nicht so aktiv waren, tauchte plötzlich Belleri frei vor Nulle auf und schob den Ball am Keeper vorbei. Das Entsetzen wurde jedoch von einem guten blauen Geist namens Müller gestoppt, der kurz vor der Torlinie den Ball wegdrosch. Dass so ein Erlebnis allen Jenaern Kraft gab, sah man daran, wie sich Nulle, Müller und Schmidt anschließend abklatschten. Da wurde viel positive Energie frei!

Nach der Pause hatte sich lediglich die Trikotfarbe des Wacker-Torwarts von rot nach gelb geändert, ansonsten lief das Match unverändert: Burghausen mit einem Daueransturm und der FCC mit gelegentlichen Konterversuchen. Als gelernter FCC-Fan bekommt man bei solchen Konstellationen immer den kalten Angstschweiß auf die Stirn, denn so etwas ging vermutlich das letzte Mal in Newport gut. Aber mit etwas Abstand kann man feststellen, dass die FCC-Abwehr in dieser zweiten Halbzeit sicher stand. Und für den Fall der Fälle stand ja Nulle im Kasten, der lediglich dreimal ernsthaft eingreifen musste: einen abgefälschten Schuss faustet er weg (51.), als Belleri nach Traumanspiel frei vor ihm stand, reagierte er blitzschnell (55.) und auch bei der scharf und flach geschlagenen Flanke von links war Nulle schneller als alle Schwarz-Weißen. Und die restlichen Angriffe prallten an der blauen Mauer aus gefühlten 15 Spielern ab, die sich geschickt verschob und in der einer für den anderen fightete.
Wäre doch nur einer der Konterversuche vor der 90. Minute von Erfolg gekrönt gewesen! Hähnge verlor in der 47. Minute den Ball viel zu leicht, als er sich nicht getraute, mit Volldampf in den Strafraum zu ziehen. Für Kikuchis Zuckerpass „in die Gasse“ war Schembri einen Schritt zu langsam (52.), genau wie bei Hähnges Anspiel 120 Sekunden später, als der faktisch Libero spielende Riemann vor ihm den Ball erwischte. Die beste Gelegenheit bot sich jedoch Ziegner nach einer Stunde Spielzeit, als er kurz hinter der Mittellinie zwei Burghausener aussteigen ließ und zwischen den Optionen „Schembri links“ und „Hähnge rechts“ wählen durfte, die beide frei Bahn und vollen Schwung hatten. „Ziege“ entschied sich jedoch fürs Weiterdribbeln und verlor den Ball gegen den dritten Gegenspieler. Zwischen der 65. und 85. Minute blieb mein Notizzettel leer – Burghausen rannte zwar unaufhörlich an, aber man merkte schon deutlich, dass ihnen nur noch Gevatter Zufall hätte helfen können. Sie fanden einfach kein Konzept, die Jenaer Abwehr in Verlegenheit zu bringen und Schussversuche aus der Ferne verpufften auf Grund der bereits oben erwähnten falsch eingestellten Zielvorrichtungen. So auch der Freistoß aus rund 25 Metern Entfernung. Zuvor hörte man hinter mir das „Nein, die werden doch nicht…“ eines Zeiss-Fans. Aber der Schuss hätte nur beim American Football Zählbares gebracht. Und dann begannen drei unendliche Nachspielminuten. Burghausen warf alles inklusive Torwart nach vorn, die Erinnerungen an die Schlusssekunden von 2007 machten sich breit… Nein! Kikuchi krönte seine Leistung, holte sich den Ball vorm eigenen Strafraum mit einem Monstertackling und bediente mit viel Übersicht den blitzschnell startenden Amirante. Der hatte nur einen Verteidiger und – das begriff ich vor lauter Aufregung erst, als alle Umstehenden „Schiiiiiieß!“ brüllten – das verwaiste Tor vor sich. Amirante ging aber auf Nummer sicher und legte den Ball nach rechts zum mitgelaufenen Sträßer, der quasi mit dem Schlusspfiff alle quälenden Ängste abschoss: 2:0. Schluss! Aus! Ende! Auswärtssieg! Verdient.

P.S. In Nachhinein wurde klar, dass Amirante niemals abspielen durfte: Sträßer stand zwar beim Abspiel auf Höhe des Verteidigers, aber es fehlte der Torwart als zweiter Mann zwischen ihm und der Grundlinie – so war es Abseits. Ist aber egal, da es die allerletzte Aktion des Spieles war. <uk>

Fotos von Jens Weißenburger
Bericht auf sv-wacker.de

FC Carl Zeiss Jena - Eintracht Braunschweig 2:0

Tore: 1:0 Ziegner (74.), 2:0 Hähnge (86.)
Jena: Nulle; Wuttke, Müller, Riemer, R. Schmidt; Schröter (86. Petersen), Kikuchi, Ziegner, Fuchs (46. Schembri); Amirante (46. Holzner), Hähnge
Braunschweig: Fejzic; Brinkmann, Schanda, Dogan, Boland; Banser, Danneberg (75. Lenze), Washausen (81. Onuegbu), Rodrigues (87. Morabit); Schied, Kruppke

Zuschauer: 6943

Schiedsrichter: Dingert (Thallichtenberg)

Spielbericht
Streng genommen waren es nur drei Tage, die seit dem letzten Sieg vergangen waren. Doch das 6:2 gegen Meuselwitz vom Wochenende war eben doch nur ein Pokalspiel gegen einen unterklassigen Gegner, in der Liga musste man schon deutlich tiefer im Gedächtnis kramen, um sich an den letzten Sieg zu erinnern. Den gab es am 13. Dezember 2008 gegen Sandhausen, in den folgenden zehn Partien reichte es dann nur noch zu drei Punkten und einer desaströsen Tordifferenz von 2:17. Im Resultat stand der FCC mal wieder "unterm Strich" und benötigte dringend ein Erfolgserlebnis. Gut gespielt hatte man auch 2009 schon gelegentlich, die tristen Resultate verschlissen neben dem Selbstbewusstsein aber auch Trainer René van Eck. Nun also das dritte Punktspiel unter dem neuen Trainer Marc Fascher und allen war klar, dass endlich ein Sieg her musste.

Leider merkte man diese Anspannung auch den Spielern des FCC an, die zumindest zu Beginn der Partie ihre liebe Mühe hatten und nur schlecht ins Spiel fanden. Wo war das Selbstvertrauen, das man sich in Meuselwitz scheinbar geholt hatte? Auf dem Platz war es jedenfalls nicht zu erkennen. Stattdessen gelang es den Gästen aus Braunschweig in der Anfangsphase, den Ball in der Jenaer Hälfte zu halten. Allerdings kamen dabei auch keine zwingenden Chancen zustande, bis Robert Müller in der 18. Minute den Ball völlig unnötig gegen Fait Banser verliert. Der schnell vorgetragene Konter konnte aber letztlich mit etwas Glück durch den gut aufgelegten Marco Riemer geklärt werden, sodass Carsten Nulle im Tor nicht eingreifen musste.
Den ersten Schussversuch von Jenaer Seite gab es erst fünf Minuten später, als Ziegner aus rund 20 Metern schießt, das Gehäuse dabei aber auch um rund fünf Meter verfehlt. Jena insgesamt erschreckend harmlos, aber auch die Gäste zwangen Nulle bis hierhin nicht zu Glanztaten. Stattdessen war er der gewohnt sichere Rückhalt, der immer da war, wenn er gebraucht wurde. In der 30. Minute konnte aber auch er einem Schuss von Kruppke nur hinterherschauen, der Ball ging aber knapp am langen Pfosten vorbei. Die ersten Jenaer Ecken gab es schließlich nach 40 Minuten. Nachdem Ziegner den ersten Versuch flach in einen Braunschweiger drosch, kam beim zweiten Versuch Hähnge im Strafraum der Gäste zum Kopfball, allerdings war der Ball etwas zu hoch und ging aus kurzer Distanz übers Tor. Es sah so aus, als ob Gäste-Torwart Fejzic in der ersten Halbzeit nicht ein einziges Mal eingreifen müsste, aber mit dem Wetter wechselten auch die Spielanteile. Kurz vor der Halbzeit begann es zu regnen und das Wasser weckte die Jenaer offenbar, denn in der 45. Minute lag den fast 7000 Zuschauern der Torschrei gleich zwei mal auf den Lippen. Zuerst köpfte Hähnge einen Ziegner-Freistoß aus kurzer Distanz an die Latte, dann versuchte Silvio Schröter aus rund 18 Metern den Abpraller zu verwerten. Sein Schuss hätte vermutlich gut gepasst, doch Fejzic war hellwach und konnte den Ball grade noch klären. Alles in allem dennoch eine schwache erste Halbzeit der Gastgeber, andererseits versäumten es auch die Gäste, Nulle und das Jenaer Tor ernsthaft in Bedrängnis zu bringen.

In der Halbzeitpause fand Marc Fascher aber offenbar die richtigen Worte, denn die Jenaer machten dort weiter, wo sie zum Ende der ersten Halbzeit aufgehört hatten. Auch die Umstellung durch die Auswechslung der glücklosen Amirante und Fuchs machte sich bezahlt. Im mittlerweile strömenden Regen versäumte es Braunschweig auch weiterhin, Carsten Nulle ernsthaft zu prüfen. In der 69. Minute bleibt Nulle dann allerdings liegen und muss behandelt werden, nachdem er bei einer Ecke im Fünf-Meter-Raum unsanft angegangen wurde. Aber auch mit dem nun verpassten Turban blieb er auf dem Posten und leistete sich keinerlei Fehler. Kurz darauf schnappt sich Ziegner den Ball und läuft in Richtung Gäste-Strafraum, auf seinem Weg dorthin wird er aber rund 20 Meter vor dem Tor unsanft gestoppt – Freistoß für den FCC. Ziegner legt sich den Ball zurecht und will ihn über die Mauer schlenzen, einer der Verteidiger dort hält aber den Kopf dazwischen und fälscht den Ball gegen die Laufrichtung seines Torwarts ab. Spätestens jetzt war Meuselwitz wieder in den Köpfen, dort hatte Ziegner auf ganz ähnliche Art und Weise getroffen. Die Worte des Stadionsprechers waren für die meisten anwesenden Zuschauer eine wahre Wohltat, viel zu lange konnte man nicht mehr gemeinsam über eine Jenaer Führung jubeln.
Kurz darauf versuchten die Braunschweiger, was schon den Gästen aus der anderen Stadt kein Glück gebracht hatte: Mit Feuerwerk und Bengalos machte man auf sich aufmerksam, die wachere Mannschaft blieb aber eindeutig der FCC. So auch in der 79. Minute, als Hähnge aus großer Distanz einen Heber probierte, weil Gäste-Keeper Fejzic etwas weit vor seinem Tor stand. Dieser erreichte den Ball zwar noch, aber es zeigte, dass der FCC auf keinen Fall gewillt war, den Sieg noch aus der Hand zu geben. Vier Minuten vor Ablauf der regulären Spielzeit gab es nach einem Foul an Schembri erneut einen Freistoß für den FCC an der rechten Strafraumseite, wieder legte sich Ziegner den Ball zurecht. Dieses mal flankte er in den Strafraum, wo Hähnge erneut unbewacht war und aus kurzer Distanz aufs Tor kopfen konnte. Fejzic konnte den Treffer zwar zunächst verhindern, den Ball aber nicht festhalten, sodass sich für Hähnge die Chance zum Nachschuss bot. Mit Wucht vollendete er auch seine eigene Torflaute und machte endgültig klar, woran viele in den letzten Wochen zweifelten: Der FCC kann noch gewinnen! Im Anschluss war erneut Nulle im Mittelpunkt des Geschehens, der erneut umgerannt wurde. Dieses mal blieb aber ein Braunschweiger verletzt liegen und musste behandelt werden. So verstrichen die letzten Minuten dieses Spiels ohne größere Aufreger. Mit einer 2:0-Führung im Rücken kann man der Uhr doch recht entspannt beim Ablaufen zusehen - wenn uns der FCC solche Wohltaten doch nur öfter gönnen würde...

Am Ende bleibt festzuhalten, dass der Sieg gegen Braunschweig gewiss nicht aus einem überragenden Spiel oder einer groß aufspielenden Jenaer Mannschaft resultierte, aber im Moment sind die drei Punkte alles was zählt. Endlich ist der Knoten geplatzt, der FCC kann noch Tore schießen und sogar gewinnen. Auch das Fehlen von Gegentoren in zwei der drei Spiele unter Marc Fascher macht Mut. Die Mannschaft muss jetzt unbedingt an diesen Erfolg anknüpfen und am Wochenende in Burghausen gewinnen. Wacker steht momentan noch unter dem Strich, über den Jena dank der drei Punkte von heute wieder gerutscht ist. Hoffentlich gelingt es den Spielern des FCC, diese Tabellensituation auch über das kommende Wochenende hinaus zu erhalten. Dreckige Siege wie der gegen Braunschweig könnten da durchaus ein probates Mittel sein. <bh>

Die Pressekonferenz nach dem Spiel im MP3-Format
Bericht und Bilder auf eintracht.com

SG Dynamo Dresden - FC Carl Zeiss Jena 2:0

Tore: 1:0 Dobry (51.), 2:0 Pergl (83.)
Dresden: Keller; Pergl, Oppitz, Palionis, Nikol; Pfeffer (87. T. Schmidt), Truckenbrod, Wagefeld; Dobry (89. Kügler), G. Müller (63. Kegel), Bröker
Jena: Nulle; Wuttke, Petersen, Müller, R. Schmidt; Kikuchi, Riemer (82. Mayombo), Ziegner (69. Eckhardt), Sträßer (63. Schröter); Amirante, Hähnge

Zuschauer: 13.493

Schiedsrichter: Weiner (Giesen)

Spielbericht
Festen Boden unter den abstiegsbedrohten Füßen sollte der FCC auf der imposanten Baustelle Harbig-Stadion im Spiel zwei von Neutrainer Fascher bekommen. Stattdessen scheint diesem so langsam die Schwere seiner Aufgabe zu dämmern. Eine Elf aus dem Sumpf zu holen, die nicht nur ihre guinnessbuchverdächtige Torlos-Serie auf mittlerweile 10 Stunden und 30 Minuten ausgeweitet hat, sondern auch von sämtlichen Glücksgöttern dieser Welt verlassen scheint. Es gibt unnötige und unglückliche Niederlagen, die in Dresden war einfach nur unendlich unsinnig für eine über weite Strecken dominante Gastmannschaft, die allein drei Mal Aluminium traf und klarste Tormöglichkeiten nicht zu verwerten vermochte.

Dabei war es zwei Zeigerumdrehungen nach Anpfiff zunächst Dynamo, das das erste Achtungszeichen setzte, als Bröker mit Ball am Fuß durch Jenas Hintermannschaft kurvte, Tim Petersen zum ersten und nicht letzten Mal narrte und sein Flachschuß am langen Pfosten landete. „Das kann ja heiter werden“ dachte sich so mancher, und das wurde es auch – überraschenderweise aber vornehmlich in der Hälfte der Gastgeber. Jena spielte wie entfesselt, gewann 2/3 aller Zweikämpfe und war dank aufwändigem Laufspiels vor allem bei den zweiten Bällen immer einen Tick schneller als die Schwarz-Gelben. Dresdens Trainer brachte es auf den Punkt, hatte er doch nicht als einziger „das Gefühl, dass wir gegen 13 Mann spielen“. Insbesondere der wiederum starke Kikuchi lief und grätschte sich in Ekstase, auch die beiden äußeren Mittelfeldspieler Riemer und Sträßer glänzten mit Zweikampfhärte, während Torsten Ziegner ein ums andere Mal mit klugen Bällen für die zündende Gefahr sorgte. Dass Jena zur Pause nicht glasklar führte, lässt sich je nach Sichtweise nur mit höheren Mächten, dem geschundenen Selbstvertrauen oder einfach Exkrementen am Tretwerk erklären. Schon nach 6 Minuten hätte es Elfmeter geben müssen, als Dresdens Palionis Amirantes wegspringenden Ball mit der Hand im Strafraum kontrollierte. Achte Spielminute, Freistoßflanke Schmidt, Hähnge verlängert, Amirante spitzelt etwas überrascht den Ball mit der Hacke übers Tor. Zehnte Minute, Ziegner in wunderbarer Schussposition an der Strafraumgrenze, zieht ab, ein Schüsschen nur und kein Problem für Keller.
Kleine Verschnaufpause, dann rollte die zweite Welle in Richtung Keller-Tor. 21. Minute, Riemer und Ziegner im schönen Zusammenspiel auf der rechten Seite, letzterer flankt, Amirante setzt den Ball aus vier Metern an den Pfosten. Die gerauften Haare kaum wieder in Form gebracht, schon der nächste Aufreger direkt vor dem Gästeblock. Perfekt temperierter Ball Ziegners in die Spitze, Oppitz unterläuft und Hähnge marschiert mutterseelenallein auf Axel Keller zu, um diesen dann anzuschießen. Ja, gibt’s denn das? Nun einmal wieder Dresden, Wagefelds Freistoß wird von Nulle herrlich aus dem Winkel gekratzt. Sechzig Sekunden später ist es Keller, der sich gegen Amirantes Schuss glanzvoll auszeichnet. 27. Minute, Sträßer-Flanke von links, Hähnge per Kopf, Keller hält. 33. Minute, Amirantes verunglückte Ballannahme bringt Sträßer in Position, dessen herrlicher Schlenzer verfehlt das Dreiangel um Zentimeter. 36. Minute, Freistoßflanke Ziegners, Hähnge verfehlt knapp. 40. Minute, Amirante knallt das Leder aus spitzem Winkel ans Außennetz. 45. Minute, Sträßer mit Kopfballchance im Anschluß an Jenas dritte Ecke, Brökers Flachschuß nach direktem Konter der Sachsen auf der Gegenseite gefährlich. Pause. Der FCC hatte sich in 45 Minuten etwa so viele Tormöglichkeiten erarbeitet wie in fünf Rückrundenspielen zuvor – die Ausbeute jedoch identisch. Null.

Würde Dresden nach der Pause weiterhin Katz und Maus mit sich spielen lassen, oder nun energischer dagegen halten? Zunächst nicht, denn die erste Möglichkeit nach dem Wechsel gehörte erneut Amirante und dem FCC. Dann kam alles wie immer. Kikuchi verliert gegen zwei attackierende Dresdener den Ball, Bröker passt auf Gerrit Müller, dessen geschickte Weiterleitung Tim Petersen derartig übertölpelt, dass Dobry am langen Pfosten mutterseelenallein steht und an Nulle vorbei zur ebenso überraschenden wie unverdienten Führung vollendet. Beinahe postwendend ist es ausgerechnet der an diesem Tage offensiv überzeugende Außenverteidiger Wuttke, der sich ein Herz fasst und in den Dynamo-Strafraum marschiert, doch sein Flachschuß streicht um Haaresbreite am langen Pfosten vorbei. Kurz darauf ein weiterer folgenschwerer Patzer Petersens, den Nulle noch ausbügeln kann. Eine Auswechslung des größten Unsicherheitsfaktors in Jenas Defensive wäre allzu verständlich gewesen, stattdessen notierte Referee Weiner Rauch und Böller in der Ultra-Ecke des Gästeblocks. Unverständlich, wie einige Fans so viel Zeit und Energie in die Liebe zu ihrem Verein investieren, um diesen dann postwendend Schaden zuzufügen. Den hätte Amirante zumindest etwas mindern können, hätte er Hähnges präzise Flanke per Kopf in die Maschen befördert (63.), aber nicht an diesem Tage. Ohnehin war Jenas Dominanz nun gebrochen, gegen tiefer stehende Gastgeber fehlten die zündenden Ideen, Überraschungsmomente und wohl auch der echte Glaube, die Begegnung drehen zu können. Dresden indes gefiel sich in der abwartenden und vor allem über die beiden Außenstürmer schnell und klug konternden Rolle. Klare Tormöglichkeiten für Dynamo sprangen dennoch kaum heraus, stattdessen hätte Naoya Kikuchi in der 75. Minute seine Leistung beinahe mit dem Ausgleich gekrönt, wäre bei seinem 20-Meter-Schuß nicht erneut der Pfosten für den geschlagenen Keller im Wege gewesen. Wie einfach Fußball sein kann, zeigte Pavel Pergl sieben Minuten vor dem Ende, als er vom eingewechselten Mayombo unbedrängt einen Wagefeld-Freistoß per Kopf ins Eck verlängert. Die Entscheidung, aber noch lange nicht der Schlusspunkt, sollte dieser doch Jenas ganzes Elend erneut manifestieren. Silvio Schröter, der eingewechselt für Sträßer ein nur wenig einprägsames Debüt im FCC-Trikot gab, hob den Ball über Keeper Keller hinweg auf die Querlatte.

Keine Punkte, keine Tore in Dresden. Und man braucht wohl etwas Abstand zu dieser Partie, um in der fußballerisch deutlichen Steigerung zu allen anderen Rückrundenpartien ein wenig Trost und Hoffnung für die verbleibenden Begegnungen dieser Unglückssaison zu finden. Vielleicht reichen ja sieben Tage… <gunner>

Bericht auf dynamo-dresden.de

FC Carl Zeiss Jena - Wuppertaler SV Borussia 0:0

Jena: Nulle; Riemer, Müller, Petersen, Schmidt; Wuttke, Kikuchi, Ziegner (71. Fuchs), Eckardt (46. Sträßer); Hähnge, Amirante
Wuppertal: Maly; Willers, Fischer, Schäfer, Lejan; Hammes, Lorenzon, Jerat, Lintjens (70. Stuckmann); Damm (79. Heinzmann), Reichwein (63. Mahrt)

Zuschauer: 5535

Schiedsrichter: Schriever (Dorum)

Spielbericht
(von Gastkommentator Ragnar Boedefeld)
FC Null(e) gegen Wuppertal, 5535 Zuschauer, windiges Wetter, ab und zu mal ein Regenschauer. Das Spiel – ein absoluter Langweiler, in dem Jena nicht eine echte Torchance hatte. Wupptertal zwar auch nicht, aber die gefährlichste Aktion des ganzen Spiels war dennoch ein Gäste-Fernschuss in der zweiten Halbzeit, an dem Nulle gerade noch mit den Fingerspitzen dran war. Der hätte gepasst, ich saß genau dahinter. Der Schiri gab nicht mal Ecke, was aber auch so ziemlich seine einzige Entscheidung war, die irrtümlich für den FCC ausfiel. Dafür ziemlich viel sinnloses Gepfeife in die andere Richtung, wie wir es inzwischen gewohnt sind. Zweite Halbzeit ziemlich viele Schauspieleinlagen, aus den privat gestoppten ca. vier Minuten Nachspielzeit wurden knappe zwei. Spiel aus, nullnull – geht heim, Leute! Es gibt hier nichts zu sehen...
Wenn Spielberichte des FCC der letzten paar Wochen alle so ausfielen wie die Spiele, die sie beschreiben – keiner würde sie mehr lesen wollen. Deshalb muss ich doch noch was dazu schreiben. Zum Beispiel ist mir diesmal besonders aufgefallen, dass sich beim Einwurf für den FCC gefühlte zwanzig Mal niemand anbot, und der Einwerfende deshalb ewig nicht einwerfen konnte oder wollte. Wenn eine Mannschaft soweit ist, dass sich beim Einwurf niemand mehr anbietet, ist gewissermaßen ein Endstadium erreicht. Vorher äußert sich der Verfall der Moral in vielen anderen kleinen Dingen, die schon während der letzten Spiele unangenehm auffielen.
Das Spiel ohne Ball ist zum Beispiel seit Wochen eine Katastrophe. Lokale Überzahl bzw. jederzeit wenigstens ein Anspielpunkt kommen kaum noch vor – kommt das daher, weil die Spieler das nicht wissen, weil sie es nicht können oder weil sie es nicht wollen?!
Einfachste Bälle ohne Gegenspieler werden hektisch verschlagen, anstatt den Ball anzunehmen; Zuspiele auf drei Meter und Torschüsse gehen weit daneben oder hoppeln gemächlich dahin, um vom gegnerischen Torwart aufgelesen zu werden. Von zehn Standards wird im Schnitt nur einer gefährlich. Gegen Schalke im Pokal waren wir doch aber spielerisch fast gleichwertig – mit fast den gleichen Spielern. Ist es also doch eine Einstellungssache?
Meine Meinung dazu: Der Verein, die Mannschaft, der Trainer, der andere Trainer, das Verhältnis des Vereins zu den Fans, das Verhältnis der Fans zu den Spielern und zur Vereinsspitze – alles ist verkrampft. Verkrampfte Spieler spielen verkrampften Fußball. Verkrampfte Fans zeigen verkrampften Spielern den verbalen Stinkefinger, letztere zeigen daraufhin den echten zurück. Die Kinder unter den Zuschauern kriegen große Augen...
Es gäbe wirklich nichts Positives zu berichten, wenn nicht ein FCC-Spieler (außer Nulle) doch ordentlich Fußball gespielt hätte. Unser kleiner Japaner rackerte, bot sich an, grätschte ab, verteilte Bälle und zauberte im defensiven Mittelfeld, dass es mehr als einmal Szenenapplaus für ihn gab. Nulle, Kikuchi und neun andere Spieler mit dieser Einstellung bzw. mit diesem Selbstvertrauen – und der FCC hätte mit dem Abstiegskampf nichts zu tun.
Das Spiel gegen Wupptertal war trotz des Kikuchi-Schaulaufens der absolute Tiefpunkt meiner „Profifussballzuschauerlaufbahn“ - wenn man das 0:6 gegen VfB II aus dem Herbst nicht mitzählt. Darüber musste ich aber wenigstens nichts schreiben. Dazu kommt dann auch noch, dass nur alkoholfreie Getränke ausgeschenkt wurden, wie sonst nur bei Spielen mit erhöhtem Sicherheitsrisiko. Wer immer das entschieden hat, hat mit Sicherheit seine Gründe dafür schriftlich formuliert – die Masse der Fans ist nach solchen grundlegenden (und (für sie unbegründeten) Eingriffen in ihre Freizeitsphäre jedenfalls gereizter als vorher. Ob das jemandem nützt?

Fotos auf weissenburger.de

1. FC Union Berlin - FC Carl Zeiss Jena 1:0

Tore: 1:0 Mattuschka (78.,FE)
Union: Glinker; Bemben, Stuff, Göhlert, Parensen (79. Kohlmann); Younga-Mouhani, Mattuschka, Dogan, Gebhardt (87. Schulz); Biran, Benyamina (67. Sahin)
Jena: Nulle; Wuttke, Müller, Petersen, Schmidt; Eckardt (85. Schembri), Kikuchi, Hansen (51. Riemer), Hähnge, Fuchs (67. Sträßer); Amirante

Zuschauer: 8560

Schiedsrichter: Pflaum

Spielbericht
[von Gastkommentator Jens Klebe]
Am Tage 1 nach Frühlingsbeginn reiste der FCC zum Spitzenreiter nach Berlin. Mit einem Punktgewinn (oder gar mehr) hätten sich unendliche Möglichkeiten ergeben, ein solches Erfolgserlebnis der neuen Jahreszeit entsprechend halbwegs poetisch umzusetzen. Da der Herr in Gelb, Herr Pflaum, nach 78 Minuten aber ganz unpoetisch und auch noch fälschlicherweise auf den Elfmeterpunkt zeigte, fallen all die Metaphern über "Frühlingserwachen", "zarte Hoffnungspflänzchen" oder "neue Frühlingsgefühle" aber aus. Die Realität ist eine andere.

Als RvE seinerzeit seinen Trainerjob in Jena begann, hieß der Gegner ebenfalls FC Union. Damals ließ sich konstatieren, daß die Berliner über weite Strecken die bessere Mannschaft waren und am Ende knapp, aber verdient in Jena gewannen. Und heute? Heute waren die Berliner lediglich streckenweise die bessere Mannschaft und gewannen am Ende erneut knapp, wenn auch bei weitem nicht so verdient wie beim Hinspiel im Paradies. Dramatisch ist allerdings das Maß an unterschiedlicher Entwicklung, das beide Teams seit jenem unglücklichen Einstand des Holländers in Jena genommen haben. Union scheint unaufhaltsam in Liga 2 zu stürmen, während der FCC im Abstiegssturm immer schwerer ins Trudeln gerät. Ebenso unaufhaltsam?

Wer als einer von rund 1.000 FCC-Fans heute ins Stadion wollte, mußte zunächst eine quälend langsame, personell unterbesetzte und stressige Einlaßkontrolle über sich ergehen lassen. Noch dazu von "Fachpersonal", welches sich selber wichtiger nahm, als den Job, den es zu erledigen hatte. Der FCC, mit Amirante und Wuttke für Ziegner und Wallschläger startend, hielt die Berliner zunächst 10 Minuten erfolgreich vom eigenen Strafraum fern und setzte mit Amirante sogar 2 eigene offensive Akzente. Allerdings kam dieser einmal einen Schritt zu spät und konnte sich in seiner zweiten Aktion nicht zwischen Flanke und Schuß entscheiden. Erstmal geährlich wurde es für die Unseren, als Wuttke auf der rechten Abwehrseite den Ball nicht weg bekam und nach der anschließenden FCU Flanke alle Jenaer Verteidiger und zum Glück auch alle Unioner Angreifer über den Ball säbelten. (12.) Schon 3 Minuten später mußte Nulle bei einem hohen Berliner Ball höllisch aufpassen. Die Gastgeber starteten jetzt eine erste kurze Druckphase, in der die Jenaer lediglich einen zu weiten Paß auf Eckardt entgegenzusetzen hatten.
Daß die ersten 20 Minuten ohne zwingende Torchance auf beiden Seiten vergingen, kann als Lob für die Jenaer Abwehr verstanden werden, es belegt aber auch, wie wenig selbst in der Offensive erreicht wurde. Dann war es Nulle, der einen Volleyschuß Benyaminas sensationell entschärfte und mal wieder "die Null" rettete. Hansen stand dabei zu weit weg vom Mann und Schmidt schien wie vom Erdboden verschluckt... Eine Jenaer Kontermöglichkeit in Minute 26 blieb im Ansatz stecken, da Hähnge doppelt mit seinem Zuspiel scheiterte. Nach einer halben Stunde hatte dann Unon deutlich mehr vom Spiel, weitere klare Torchancen hatte der FCC aber nicht zugelassen, sieht man von einem verzogenen Gebhardt-Schuß mal ab. Vor allem wenn die Berliner im Tempo anzogen, wirkte die Jenaer Abwehr dennoch nicht souverän. So mußte Nulle nach 33 Minuten einen Kopfball nach Freistoß schon hellwach aus dem Winkel fischen, um Ärgeres zu verhindern. Da einerseits Müller 2 Minuten später stark gegen einen durchbrechenden Berliner rettete, Amirante im Gegenzug schwach zu Hähnge in die Spitze paßte und kurz darauf Amirante aus guter Freistoßposition das Tor nicht traf, blieb es nach 45 Minuten beim 0:0, mit dem der FCC recht gut bedient war. Einerseits, weil wir eigentlich nur 2 Berliner Chancen zugelassen hatten und dennoch Nulle der Remis-Retter war, andererseits da wir selbst keinen echten Torschuß zu verbuchen hatten.

Um so erstaunlicher, daß Halbzeit 2 gleich mit 2 FCC-Ecken begann und Hähnges Hackenversuch als erster Torschuß in die Wertung ging. Die ersten 10 Nachpausenminuten sahen den FCC als Punktsieger, ärgerlich nur, daß der von Eckardt eingeleitete Konter in Minute 52 durch Fuchs einen so furchterregend harmlosen Abschluß fand. Da die Jenaer dann wieder in ihr gefürchtetes "Wir-spielen-jeden-eroberten-Ball-ganz-schnell-zurück-zum- Gegner-Muster" verfielen, konnte Union ohne großartiges eigenes Zutun den Druck wieder erhöhen, was auch Ausdruck in mehreren gefährlichen Ecken fand. Nach 57 Minuten, kurz nachdem Nulle im Anschluß an einen Berliner Eckball sicher auf der Linie reagierte, hätte der FCCdann zum großen Befreiungsschlag zumindest ansetzen können. Eckard stürmte rechts torwärts und paßte klug nach innen. Amirante steiß jedoch nur halbherzig in die Spitze und verpaßte somit den Ball, der aber bei Fuchs landete, welcher ihn auch gleich direkt vorbei an Glinker direkt aufs Tor hämmerte. Leider stand vor der Linie noch ein Berliner Verteidiger im Weg.
Herzinfarktgefahr für alle FCC-Fans dann in Minute 62. Union greift über rechts an und irgendwie scheint der Ball sich unaufhaltsam hinter die Jenaer Torlinie mogeln zu wollen. Der erneut großartige Nulle und 2 stolpernde Berliner Angreifer wissen das aber zu verhindern. Danach war's mit der Berliner Herrlichkeit zunächst vorbei - der Spitzenreiter schien genervt und ratlos. Ein cleverer Gegner hätte dies eiskalt ausgenutzt. Aber "clever" ist ein Wort, daß derzeit auf den FCC so wenig zutrifft, wie "stabil" auf das Weltfinanzsystem. 20 Minuten vor Ultimo faßte sich Hähnge (der inzwischen ackerte und sich redlich um die Spielgestalterrolle mühte, was einigen Dauernörglern allerdings wieder mal verborgen blieb) ein Herz und stürmte an etlichen Berlin vorbei Richtung Sechzehner und über links in diesen hinein. Dann folgte ein herrlicher Heber aufs lange Eck zum kurzen Eckardt. Direkt will der den Ball aus 5 Metern ins Tor hämmern - aber der gute Ecki kommt momentan über das "Wollen" nicht hinaus. Der Ball rauschte in den Berliner Frühlingshimmel. Der FCC wurde zusehends sicherer und Union zusehends harmloser. Das ersehnte Minimalziel rückte immer näher. Zumindest ein Punkt schien Realität zu werden und das nach dem Verlauf der 2. Halbzeit nicht mal mehr unverdient.
Dann kam es zum Zweikampf zwischen Eckardt und Sahin. Noch jetzt (nur die Stadionbilder und keinerlei TV-Aufzeichnungen vor Augen) behaupte ich felsenfest, daß der Zweikampf sein Ende außerhalb des Strafraums fand. Der/die gelbe Pflaum/e war anderer Meinung, verlegte das Foul in den Strafraum und pfiff zum Entsetzen aller Jenaer Anhänger Elfmeter. Nulle ahnte zwar die Ecke, konnte diesmal das Übel aber nicht verhindern. 1:0 Union. Um so ärgerlicher war das Ganze, da Sahin nur in Ballbesitz kommen konnte, weil zuvor ein klares Foul an Hähnge im Mittelkreis seltsamerweise ungeahndet blieb. 3 Minuten später beseitigte Herr Pflaum dann alle Zweifel an seiner Parteilichkeit. Als der ansonsten erschreckend harmlose Amirante seinem Gegenspieler im Laufduell zu enteilen drohte, schnappte der sich des Jenaers Trikotärmel und riß diesen um. Als Pflaum pfiff war klar, der Berliner würde Rot sehen! Denkste! Freistoß für den Sünder! Als dann Riemer nach 83 Minuten im Strafraum noch den Ball verstolperte, war klar: Nix mit Frühlingspoesie.

Mit leeren Händen stand der FCC am Ende diese Spieles da und auf den Rängen machte tausendfach die uralte Geschichte die Runde, daß "die da oben" solche Spiele eben gewinnen und "die da unten" sie ebenso gesetzmäßig verlieren. Und weiter als bis zum nächsten Heimspiel, will man als FCC-Fan grad sowieso nicht denken...

Spielbericht auf fc-union-berlin.de
Bericht auf fansmedia.org zu Vorfällen am Rande des Spiels

FC Carl Zeiss Jena - Offenbacher Kickers 0:2

Tore: 0:1 Türker (45.), 0:2 Zinnow (79.)
Jena: Nulle; Petersen, Müller, Schmidt, Wallschläger; Fuchs, Kikuchi, Eckardt, Hansen (69. Riemer), Ziegner (64. Amirante); Hähnge (77. Wuttke)
Offenbach: Wulnikowski; Huber, Hysky, Brighache, Heitmeier; Zinnow, Haas, Pospischil (88. Damm), Fröhlich (56. Morys); Tosunoglu, Türker (73. Becker)

Zuschauer: 4621

Schiedsrichter: Kampka (Mainz)

Spielbericht
Es ist mal wieder so weit: Schon vor den Spielen macht man sich Gedanken über die Folgen einer eventuellen Niederlage, in der Abwehr wie auch im Angriff wird auf die tatkräftige Hilfe vom lieben Gott gehofft und der Stadionsprecher spricht vor dem Anpfiff von einem Schicksalsspiel für den FC Carl Zeiss Jena.
Der Blick auf die Tabelle machte auf den ersten Blick klar, wer heute der Favorit auf den Sieg war, allerdings waren die Offenbacher bereits unter der Woche aktiv und gelten zudem als nicht besonders Auswärtsstark. Außerdem hatten die Jenaer in den letzten Spielen ja trotz der teilweise deutlichen Niederlagen Steigerungen erkennen lassen. Konnten die Offenbacher Kickers also doch der erhoffte und dringend benötigte Punktelieferant sein, der bei der Jenaer Elf den Knoten platzen lässt?

In den ersten Minuten konnte man durchaus diesen Eindruck gewinnen, denn der FCC begann druckvoll, kam gut in die Zweikämpfe und ließ den Offenbachern, die von zahlreichen Fans begleitet wurden, wenig Raum zum Spielen. Die ersten Offensivaktionen gingen dann auch von Jena aus, allerdings fehlte den ersten Aktionen wie der Hähnge-Flanke hinters Tor oder dem Ziegner-Schuss aus 20 Metern die nötige Präzision. In der 9. Spielminute lag den Zuschauern dann aber doch erstmals der Tor-Schrei auf den Lippen: ein sehenswerter Spielzug über Ziegner, Wallschläger und Eckardt, der von rechts auf Höhe der Grundlinie in den Gäste-Strafraum eindringen und dann einen scharfen Pass in Richtung Fünf-Meter-Raum spielen konnte, wäre beinahe vom wiedermal einzigen Jenaer Stürmer Sebastian Hähnge vollendet worden, allerdings kam dieser einen Hauch zu spät und verpasste den Ball. Aber die Jenaer zeigten sich keineswegs entmutigt und spielten munter weiter nach vorn, wofür sie auch mit einigen Gelegenheiten belohnt wurden. Nach einem Missverständnis in der Gäste-Abwehr bot sich Lars Fuchs eine gute Schussgelegenheit, sein etwas überhasteter Abschluss aus rund 20 Metern verfehlte das Gehäuse aber deutlich. Nur eine Minute später war es wieder Fuchs, der dieses mal von links in den Strafraum eindrang und flach in die Mitte spielte, wo der Ball aus dem Fünf-Meter-Raum heraus auch im Tor untergebracht werden konnte - allerdings hatte er bereits vor der Fuchs-Flanke die Torauslinie passiert und folgerichtig gab es statt dem 1:0 Abstoß für die Gäste.
Auch die nächsten Aktionen gehörten der Zeiss-Elf, aber Hähnge stand knapp im Abseits, als er nach einem Zuspiel von Fuchs alleine auf Wulnikowski zulief und OFC-Verteidiger Huber klärte kurz darauf eine Ziegner-Flanke zwar nur knapp, aber eben doch am Tor vorbei. In der 34. Spielminute war es Hansen, der aus etwa 15 Metern mit einer artistischen Einlage zum Schuss kam, sein gut platzierter Ball hatte aber nicht genügend Schwung, um für Wulnikowski mehr als eine leichte Beute zu sein. Und die Kickers? Die zeigten in der 35. Minute erstmals ihre Gefährlichkeit, als Hansen einen schnell gespielten Konter über Türker und Zinnow grade noch zur Ecke klären konnte. Direkt im Anschluss aber wieder der FCC, Wallschläger hatte sich auf der rechten Seite gut durchgesetzt und konnte in den Strafraum flanken, der Ball fiel Sebastian Hähnge vor die Füße, der es aber versäumte, ihm die entscheidende Richtungsänderung aus kurzer Distanz zu geben. So wurde auch dieser Ball eine leichte Beute für den Gäste-Torwart, der noch immer nicht ernstlich gefordert worden war, aber immerhin schon mehr zu tun hatte als Carsten Nulle im Tor der Zeiss-Elf. Als sich Spieler und Fans schon langsam mit einem Halbzeitstand von 0:0 angefreundet hatten, kam dann aber doch noch der OFC zu seiner ersten Torchance. In einem gut vorgetragenen Konter spielten sich Zinnow und Haas mehrfach den Ball zu, ehe ersterer auf den nun ungedeckten Suat Türker ablegen konnte, der aus kurzer Distanz keine Mühe hatte, den Ball im Tor des FCC unterzubringen. Die Stimmung auf den Rängen schwankte irgendwo zwischen Wut und Enttäuschung, wieder einmal lag der FCC nach gutem Spiel völlig unverdient zurück. Der OFC-Anhang konnte sein Glück dagegen kaum fassen, es war schließlich der erste Offenbacher Torschuss nach einer Reihe guter Jenaer Möglichkeiten.

In Anbetracht des eigentlich guten Jenaer Spiels war es auch verständlich, dass René van Eck trotz Rückstands nicht wechselte und zunächst die selben Elf weiterspielen ließ. Diese schienen das in sie gesetzte Vertrauen zurückzahlen zu wollen, die erste Chance der zweiten Halbzeit besaßen aber die Gäste. Carsten Nulle konnte den scharfen Schuss des Ex-Jenaers Christian Fröhlich aber souverän parieren und sollte im Anschluss wieder einige Zeit arbeitslos bleiben. Sechs Minuten nach Wiederbeginn starteten die Jenaer erneut einen schönen Angriff über den gut aufgelegten Rene Eckardt, der im Zusammenspiel mit Hähnge Lars Fuchs freispielte, dessen flach und überlegt gespielter Torschuss konnte aber von Wulnikowski noch zur Ecke abgelenkt werden. Wiederrum nur zwei Minuten später flankte Fuchs scharf in den Strafraum, wo Sebastian Hähnge am Fünf-Meter-Raum zum Kopfball stieg und dabei von einem Offenbacher Verteidiger behindert wurde. Ob man hier wirklich Elfmeter geben muss, bleibt fraglich, aber Geschenke lehnt man ja schließlich nicht ab. Oder doch? Der alten Weisheit, nach der der Gefoulte nicht selbst schießen soll, zum Trotz trat Hähnge zum Elfmeter an - und wurde für das Missachten der ungeschriebenen Regel gnadenlos bestraft. Sein eher schwach und unplatziert geschossener Ball konnte von OFC-Keeper Wulnikowski abgewehrt werden, der Nachschuss-Versuch von Fuchs führte nur zu einer weiteren Ecke. Nach dem Spiel sagte Hähnge, dass dies der erste verschossene Elfmeter seiner Profilaufbahn gewesen sei, was angesichts der aktuellen ‚Glückssträhne' des FCC perfekt ins Bild passt. Doch selbst der verschossene Elfmeter und der unverdiente Rückstand konnten die Jenaer nicht entmutigen, noch immer spielte nur der FCC. Aber trotz des häufigen Ballbesitzes versäumten es die Jenaer, wirklich Druck zu machen, die wenigen guten Torchancen waren zwar hochkarätig, sahen aber teilweise doch wie Zufallsprodukte aus. So auch in der 64. Minute, als der wenige Minuten später leicht verletzt ausgewechselte Kapitän Niels Hansen einen sehenswerten Kopfball an den rechten Pfosten setzte.
Fortuna würdigte den FCC auch weiterhin keines Blickes, die Offenbacher Führung wackelte. Allerdings blieben gefährliche Aktionen auch jetzt noch Mangelware, der Schuss des eingewechselten Amirante in der 75. Minute von der Strafraumecke sah bereits mehr nach Verzweiflung als nach durchdachtem Angriffsspiel aus. Nur drei Minuten später gab es wieder einen Aufschrei im Stadion, nachdem Robert Müller von Hähnge und dem eingewechselten Tim Wuttke freigespielt worden war. Sein Schuss suchte scheinbar zielstrebig die Hand eines Offenbacher Verteidigers, der von den meisten der 4621 Zuschauern erwartete Elfmeter-Pfiff von Schiedsrichter Kampka blieb aber aus. Stattdessen nutzten die Gäste die entstandene Verwirrung für einen schnell vorgetragenen Konter, den Stefan Zinnow letztlich relativ unbedrängt neben den rechten Pfosten setzte und die Führung der Gäste auf 2:0 erhöhte. Jenas Torwart Carsten Nulle war chancenlos, der Widerstand der Zeiss-Elf gebrochen. Von nun sahen die Zuschauer elf Jenaer, die sich ihrem Schicksal ergeben hatten und jedem im Stadion war klar, dass an eine Rückkehr der Jenaer in den verbleibenden zehn Minuten nicht zu denken war. Die planlos vorgetragenen Angriffsversuche der FCC-Kicker sorgten für keinerlei Gefahr, stattdessen hatte Offenbach bei diversen Kontersituationen sogar noch die Chance, auf 3:0 zu erhöhen. Schiedsrichter Kampka, der insgesamt eine gute Leistung bot, erlöste den Jenaer Anhang und die Spieler nach kurzer Nachspielzeit von der drohenden Gefahr einer noch höheren Niederlage.

Am Ende muss man sagen, dass es Jena über weite Strecken versäumt hat, sich aus dem Ballbesitz klare Torchancen zu erspielen. Dennoch boten sich genügend Einschussmöglichkeiten, die dann entweder durch Unvermögen auf Jenaer Seite wie beim Elfmeter oder durch Glück auf Offenbacher Seite wie beim Pfosten-Treffer ungenutzt blieben. Die Bilanz nach 26 Spielen ist für einen selbsternannten Aufstiegsaspiranten erschütternd, denn aus den 26 Spielen konnten auch nur ebensowenige Punkte geholt werden. Damit hat man mit dem Aufstieg selbstredend nichts zu tun, sondern muss vielmehr sorgenvoll nach unten blicken, wo sich allerdings nicht mehr viele Mannschaften unterhalb des FCC befinden. Am Wochenende steht das Auswärtsspiel beim Tabellenführer Union Berlin an, auf dem Papier steht dem FCC also eine beinahe unlösbare Aufgabe bevor. Allerdings sind es nicht selten grade diese Spiele, bei denen der sprichwörtliche Knoten platzt und das Glück auch endlich einmal wieder den Blaugelbweißen hold ist. <bh>

VfB Stuttgart II - FC Carl Zeiss Jena 3:0

Tore: 1:0 Funk (7., FE), 2:0 Walch (81.), 3:0 Klauß (90.)
Stuttgart: Ulreich; Pisot, Pischorn, Kovacevic, Enderle; Funk, Kolinger, Pazurek, Dausch (65. Klauß); Schipplock (78. Hofmann), Rahn (65. Walch)
Jena: Nulle; Wuttke, Müller, Riemer, R. Schmidt; Eckardt (60. Amrhein), Kikuchi, Petersen, Ziegner (46. Amirante), Fuchs; Hähnge

Zuschauer: 900

Schiedsrichter: Leicher (Weihmichl)

Spielbericht
Noch im Januar hätte es kaum einer für möglich gehalten, dass die Stuttgarter Zweite auch im Rückspiel auf eine verunsicherte Jenaer Elf im Abstiegskampf treffen sollte. Schien sich die Mannschaft doch nach dem 0:6 im Hinspiel und dem unmittelbar darauffolgenden Trainerwechsel doch so weit stabilisiert zu haben, um vorsichtig nach oben blicken zu können. Aber die Rolle rückwärts in den Leistungen mit einer Torbilanz von 3:15 in den bisherigen Pflichtspielen des Jahres 2009 hat Spuren hinterlassen.

Wie schon in Aue hatte sich die Jenaer Elf erkennbar viel vorgenommen. Noch schneller als vor vier Tagen im Erzgebirge erhielt sie den ersten Dämpfer in Form eines Elfmeterpfiffs. Was war geschehen ? Nach einem langen Ball hatte Müller abgebremst, um mit Rahn den dreifachen Torschützen des Hinspiels abzuschirmen. So sprang der Ball über die Strafraumgrenze, wo Nulle im Herauslaufen aber noch nicht angekommen war. Es enstand eine Lücke, in die Schipplock hineingrätschte und über den ausgestreckten Arm des Keepers fiel. Die Entscheidung des Referees ging somit in Ordnung. Funke verwandelte sicher, auch wenn Nulle die Ecke geahnt hatte - 1:0. Verärgert stellte sich unser Mister Zuverlässig bei Wiederanstoß weit vor seinem Strafraum auf, so als wollte er dieses Missgeschick am liebsten selbst korrigieren helfen. Was für einen Torhüter in dieser Phase des Spiels natürlich illusorisch ist, das müssen schon seine Vorderleute für ihn ihn richten. Und tatsächlich - nur zwei Minuten später zappelte das Leder im anderen Netz, hinein befördert von Sebastian Hähnge. Es war dennoch nicht der Ausgleich. Denn zuvor, bei Petersens Schuss stand Jenas Stürmer im Abseits. Petersen hätte direkt treffen müssen, damit der Treffer seine Anerkennung gefunden hätte. Doch Ulreich bekam eine Hand an den Ball, das Nachsetzen Hähnges blieb somit wertlos.
Mit dem Wind im Rücken hatten die Thüringer danach mehr vom Spiel. Bei Ziegners Schuss aus 22 Metern fehlte nicht viel (21.). Und eine Aktion wie jene, in der Lars Fuchs erst einen Haken schlug und dann aus vollem Lauf aufs linke untere Toreck abzog, hatten wir schon eine Weile nicht mehr von unseren Jungs gesehen. Ulreich kratzte den Ball gerade so zur Ecke (24.). Gute Ansätze waren also wieder vorhanden im Jenaer Spiel, im dem der etatmäßige Verteidiger Petersen diesmal den Part des gesperrten Schembri im offensiveren Mittelfeld übernommen hatte. Freilich gab es auch eine Menge Leerlauf sowie hin und wieder eine Unsicherheit in der Abwehr. Nach dem Freistoßball in Minute 27 beispielsweise war gar kein Stuttgarter mehr dran und trotzdem wurde die Sache gefährlich, da sich drei Zeiss-Verteidiger zunächst nicht einig darüber waren, wer auf welche Weise klären sollte. In den letzten Minuten vor der Pause ist dann noch einmal der Versuch zu spüren, vor der Halbzeit auszugleichen. Einen Flugball Eckardts tippt Ulreich über die Latte aufs Tornetz (42.). Wie ein Hase auf der Flucht schlägt Fuchs zwei Minuten später noch einmal einen schönen Haken, irgendwie kommt sein Ball auch zum besser postierten Petersen durch, doch reagiert dieser einen Tick zu spät.

Mit Hähnges Wechsel ins Mittelfeld (schließlich war mit Amirante ein neuer Stürmer im Spiel) begannen die zweiten 45 Minuten. In seiner neuen Rolle betätigte sich Hähnge sogleich als Vorbereiter, als er dem aus dem Mittelfeld heranbrausenden Riemer den Ball in den Lauf spielte, sodass dieser nur noch Stuttgarts Torwart vor sich hatte. Von der Bewegung her wollte er den Ball flach am Torhüter vorbei spielen, an welcher Seite war aber nicht erkennbar. Folglich brauchte sich Ulreich nur auf den Boden plumpsen lassen, um den Schuss aufzuhalten – auch zweimaliges Nachsetzen von Amirante und Co. blieb ohne Erfolg. Riemer raufte sich anschließend seine roten Haare. Er ahnte wohl schon, dass er soeben die größte Jenaer Tormöglichkeit im ganzen Spiel kläglich vergeben hatte.
Sicher, auch Amirantes Direktspiel auf Hähnge nur zwei Zeigerumdrehungen später hätte noch zum Erfolg führen können. Oder das Beinahe-Eigentor von Pisot, der seinen eigenen Kopfball Richtung leeres Vfb-Gehäuse noch vor der Linie erwischte (60.). Szenen, in denen klar wurde, dass der Stuttgarter Nachwuchs bei allem Talent zu packen gewesen wäre. Tormöglichkeiten waren diesmal vorhanden, was schon ein Fortschritt gegenüber den letzten Partien darstellt, sofern man das Herausspielen von Chancen in anderthalb Stunden Spielzeit nicht irgendwo als Selbstverständlichkeit ansieht. Dass Patrick Amrhein nach einer Stunde für die Außenbahn kam, zeigt van Ecks Bemühen, im Laufe der Wochen alle personellen Möglichkeiten auszuloten, die ihm zur Verfügung gestellt wurden. Genutzt hat es letztendlich nichts. Denn in der letzten halben Stunde mussten die Jenaer ihrem Engagement kräftemäßig Tribut zollen. Infolgedessen kamen die häufig nur mit langen Bällen operierenden Schwaben vermehrt zu Chancen. Carsten Nulle vermochte in der 74. Minute den vorentscheidenden zweiten Gegentreffer noch zu verhindern. Sieben Minuten später tat einem der Keeper nur noch leid. Gleich drei seiner Vorderleute blieben auf Abseits reklamierend stehen, worauf Klauß vollkommen allein gelassen in den Strafraum spaziert. Nulle wirft sich ihm entgegen und bleibt wie eine Klette an ihm dran. Entnervt passt Klauß rüber zu Walch, für den sich irgendwie auch keiner so richtig zuständig fühlt. Das wars dann. Dem 0:3 in der Nachspielzeit mag vielleicht wirklich mal eine Abseitsstellung vorausgegangen sein - spielentscheidend war das nicht mehr.

Immerhin die Mehrheit der Jenaer Spieler fand nach Abpfiff den Weg zu den Fans, deren Leidensfähigkeit derzeit arg strapaziert wird. Während einige Akteure stumm abklatschen, findet Sebastian Hähnge schon klare Worte für das, was sich abgespielt hat: "Es tut mir leid. Wir machen das Spiel, irgendwann fehlt uns die Kraft. Mehr ist nicht drin. Es ist im Vorfeld verbockt worden." <fc>

Spielbericht auf vfb.de

FC Erzgebirge Aue - FC Carl Zeiss Jena 5:0

Tore: 1:0 Lukunku (33., FE), 2:0 Lukunku (36., HE), 3:0 Lukunku (40.), 4:0 Hensel (69.), 5:0 Curri (86.)
Aue: Männel; Hochscheidt (48. Cimen), Kos, Klingbeil, Schaffrath; Curri, Stark, Hensel (72. Baltes), Feick; Glasner, Lukunku (57. Müller)
Jena: Nulle; Wallschläger, Riemer, Müller, R. Schmidt; Sträßer (46. Amirante), Kikuchi, Ziegner (75. Petersen), Eckhardt, Fuchs (72. Schembri, RK, 83.); Hähnge

Zuschauer: 10.200

Schiedsrichter: Gräfe (Berlin)

Spielbericht
Wie gut war doch die Stimmung im Jenaer Lager noch vor vier Wochen, als im Erzgebirge der Rückrundenauftakt ursprünglich anstehen sollte, aus seltsamen Gründen jedoch verschoben werden musste. Anfang März 2009 hingegen die pure Düsternis an der Saale. Ein mickriger Punkt, stetig schlechtere Spielleistungen und nun wurde die schon länger befürchtete Insolvenz des Hauptsponsors auch noch bittere Realität. So prangte erstmals das Logo des Geraer Großküchenherstellers Jurke auf den weißen Trikots, in denen der FCC den Fünf-Gegentore-Fluch der letzten beiden Jahre in Aue zu besiegen gedachte.

Dass man es damit Ernst meinte, war von Anpfiff an zu spüren. Endlich einmal Kampf und Leidenschaft! Kikuchi, der für Hansen sein Comeback im zentralen defensiven Mittelfeld gab, erlief und ergrätschte sich reihenweise Bälle, Ziegner, Eckardt, Fuchs und Hähnge warteten mit schönen Offensivkombinationen auf. "Mensch, die spielen ja richtig Fußball" war im gut 800 Mann starken Gästeblock zu hören. Nur der letzte finale Ball, die Kaltschnäuzigkeit im 16er war es, die erneut fehlte, so bei Riemers Abschluss einer tollen Kombination in der 14. Minute übers Aue-Gehäuse oder Sträßers verkorkstem Abschluss nach 19 Zeigerumdrehungen.
Jena agierte im Stile einer Heimelf, während der Gastgeber ratlos wirkte und sein Heil in Bällen auf den quirligen Curri suchte, den einzigen Auer Spieler, der Jenas Defensive vor wirkliche Probleme stellte. So war er es auch, der nach 32 Minuten ein Desaster einläutete, auf welches selbst der risikoscheueste Buchmacher zu diesem Zeitpunkt bedenkenlos Wetten mit Höchsteinsatz angenommen hätte. Langer Ball auf Curri, Wallschläger orientiert sich erst vom Mann weg, dann im Strafraum plötzlich wieder zu Curri und fällt diesen in plumpester Manier. Elfmeter, Lukunku, 1:0. Nulle hätte den Ball beinahe noch abgewehrt, ging er ihm doch unglücklich durch die Beine. Drei Minuten später war die Sache dann schon klarer, als erneut Lukunku das Leder vom Punkt in die Maschen hämmert. Eine Curri-Flanke hatte Fuchs aus drei Metern an die Hand getroffen, für Schiedsrichter Gräfe, der übrigens auch Jenas letzten Auswärtssieg im Lössnitztal vor zehn Jahren pfiff Grund genug, erneut auf Strafstoß zu entscheiden. Jenas Reaktion durchaus ehrenhaft, wütend die Angriffe, voller Entschlossenheit, nur vor dem Tor eben in altbewährter Peinlichkeit. War Schmidts Schußchance aus spitzem Winkel (37.) schon eine 100%ige und das zu lange Zögern des völlig freistehenden Fuchs im 5m-Raum (38.) zum Haareraufen, so gibt es für das klägliche Versagen des gleichen Spielers frei vor dem Tor (39.) kaum eine Entschuldigung mehr. Wie Effektivität aussieht, offenbarte erneut Lukunku auf der Gegenseite. Flanke, Kopfball an die Latte, zweiter Versuch, drin. 3:0 und danach gar noch zwei weitere Kontermöglichkeiten für die Erzgebirgler gegen nun vogelwild stürmende Zeissianer, bei denen erneut Fuchs mit einem von Männel über die Querlatte gelenkten Kopfball (45.) den Schlusspunkt setzte. Es war Jenas sechste Ecke, Aue hatte derer keine. 0:6 nach Ecken für die bessere Mannschaft, 3:0 nach Toren, irgendwas lief hier ganz gründlich verkehrt.

Wenn Jenas Angriffe im ersten Abschnitt ins Stocken gerieten, dann meist bei Beteiligung Carsten Sträßers, seine Auswechslung nach der Pause somit folgerichtig. Van Eck brachte mit Amirante einen zweiten Stürmer, dessen umständliche Wirkungslosigkeit jedoch beispielhaft für das war, was der FCC nach dem Seitenwechsel bot. Stürmisch der Beginn, Fuchs' Geschoss aus spitzem Winkel entschärfte Männel glanzvoll, beim Kopfball des freistehenden Amirante brauchte er nicht einzugreifen, aber Aue hatte sich jetzt besser auf den Gast eingestellt. Man ließ Jena kommen und praktizierte das, was den FCC 2008/09 schon in so vielen Heimspielen vor unlösbare Aufgaben stellte: Beton anrühren. Aues Hintermannschaft um den umsichtigen Kos gab sich kaum eine Blöße, während die Thüringer Angriffsbemühungen trotz gefühlten 70% Ballbesitz immer hilfloser wirkten. Als dann Hensel nach 70 Minuten Aues ersten Torschuss der zweiten Hälfte abgab und mit seinem Kopfball nach feiner Freistoßflanke auf 4:0 erhöhte, war dann auch das letzte Fünkchen Widerstand gebrochen. Symptomatisch die Versuche der eingewechselten Schembri (74. verstolpert) und Petersen (76. Schüsschen neben das Tor), die sich nahtlos in eine desillusionierte Truppe einfügten, während man auf den Rängen auf jenes obligatorische fünfte Tor wartete, ohne dass der FCC in Aue seit drei Jahren nicht die Heimreise anzutreten gedenkt. Zuvor hatte Manuel Gräfe aber noch seinen finalen Auftritt. Spätestens seitdem er im Westfalenstadion mit Doppelgelb gegen Jan Simak Jenas Pokalfinalträume beerdigte, weiß man eigentlich um seine sehr leicht zu kränkende Eitelkeit. Nicht jedoch Andre Schembri, der sich nach einem zu Unrecht nicht geahndeten Foul gegen ihn zu Bemerkungen hinreißen ließ, die glatt "rot" zur Folge hatten und den Malteser für die nächsten Wochen einen Platz auf den Tribünen der Republik garantieren.
Viele Fans, auch die Horda geschlossen unter "Wir sind Jenaer und ihr nicht" - Gesängen, hatten da schon lange den Ort des Grauens verlassen, erst Recht als Curri einen wunderschönen Konter über die linke Angriffsseite zum 5:0 abschließt. Same procedure as every year also, und auch wenn das Ergebnis nicht ansatzweise die gezeigten Leistungen widerspiegelt, so scheint die Düsternis an der Saale nun noch ein ganzes Stück düsterer. <gunner>

Bericht auf fc-erzgebirge.de

FC Carl Zeiss Jena - FC Bayern München II 0:2

Tore: 0:1 Contento (82.), 0:2 Müller (90.)
Jena: Nulle; Wallschläger, Riemer, Müller, R. Schmidt; Ullmann (56. Sträßer), Hansen (60. Schembri), Eckardt (72. Mayombo), Ziegner, Fuchs; Hähnge
München: Kraft (19. Riedmüller); Heinze, Saba, Badstuber, Kopplin; Müller, Schütz, Haas Contento; Yilmaz (80. Rieß), Sikorski (69. Duhmke)

Zuschauer: 6102

Schiedsrichter: Steuer (Menden)

Spielbericht
Nicht das Videostudium der eigenen Leistung gegen Emden, sondern ein heimtückischer Virus war den Jenaer Spielern zu Wochenbeginn auf den Magen geschlagen. Mit sechs Ausnahmen waren alle davon betroffen. Die Befürchtung, dass sich die Mannschaft gegen Bayerns Zweite praktisch von allein aufstellen würde, traf letztendlich aber doch nicht ein. Lediglich drei Änderungen gab es im Vergleich zur Startformation der letzten Woche und mit Martin Ullmann im zweiten Punktspieleinsatz nur einen Akteur, der nicht zum Stammkader zu zählen ist.

Den ersten Warnschuss gab Schütz für die Gäste nach gerade mal zwei Minuten ab. Der kurze Zeit später in der Südkurve einsetzende Sprechchor "Wir woll'n euch kämpfen sehn" bezog sich aber wohl noch nicht auf das aktuelle Geschehen, sondern war als Weckruf gedacht. Eine solch unmotivierte Vorstellung wie gegen Emden wollte schließlich niemand mehr erleben müssen ! Das Bemühen um Wiedergutmachung war in den Anfangsminuten immerhin bei einigen erkennbar. Ziegner übte sich als Ballverteiler, Fuchs kämpfte sogar um aussichtslose Bälle. Zählbares entstand daraus nicht. Bei einer der seltenen Strafraumsituationen in den ersten 45 Minuten wurde Gästeschlussmann Kraft gleich von zwei Spielern, Kopplin und Hähnge, überrannt und musste mit Verdacht auf Gehirnerschütterung ausgewechselt werden. Ohne sich warm zu machen, rückte Riedmüller zwischen die Pfosten. Der Ersatzkeeper dürfte auch da nicht auf Betriebstemperatur gekommen sein, wurde er doch kein einziges Mal ernsthaft geprüft. Was die Folge einer Systemlosigkeit im Jenaer Offensivspiel ist, die immer bedrückendere Ausmaße annimmt. Da gibt es beispielsweise einen Sebastian Hähnge, über den Nationalcoach Bernd Stange schon vor Wochen gesagt hatte, er könne einem nur leid tun so sehr auf sich allein gestellt da vorn. Geändert hat sich seitdem nichts. Jenas einziger Stürmer begegnet dieser frustrierenden Situation zunehmend mit dem Ausweichen auf andere Positionen, um Bälle zu bekommen. Gegen Bayern sahen wir ihn wiederholt auf linksaußen, auch mal in der Nähe der Sechserpostion, dann wieder auf rechts. Von dort gelang Hähnge nach 38 Minuten immerhin die einzige brauchbare Flanke im Jenaer Spiel überhaupt, doch seine eigentliche Funktion als zentrale Sturmspitze füllt er so eben nicht aus. Ein variables Rochieren macht nur Sinn mit mehreren Angreifern. Oder einem ideenreichen Mittelfeldspiel. Beides findet in Jena derzeit nicht statt. Die Ursache dafür allein bei den gegnerischen Abwehrreihen zu suchen, die halt nicht mehr zulassen würden, sollte dabei nicht der Weisheit letzter Schluss sein. Bei aller Kritik darf aber nicht unerwähnt bleiben, dass sich die auf zwei Positionen neuformierte Abwehrreihe recht achtbar aus der Affäre zog. Und auf Carsten Nulle ist sowieso immer Verlass ! Stark wieder einmal, wie der Keeper bei Müllers scharfem 15-Meter-Flachschuss in der 43. Minute reagierte.

Nach Wiederanpfiff das gleiche Bild. Das Spiel plätscherte so dahin und wenn sich nach vorn überhaupt mal etwas tat, dann nach Initiative der Gäste. Bei Riemers Querschläger in die Mitte witterte Yilmaz seine Chance (54.), fünf Minuten später hatte Sikorski von der rechten Seite die Führung auf dem Fuß. Beide scheiterten am aufmerksamen Nulle. Die Einwechslungen von Sträßer als neuem Flankengeber, Schembri als zenralem Mittelfeldmotor und Mayombo mit Jokerqualitäten weckten jedes Mal Hoffnungen. Ohne dass sich auch nur eine erfüllte. Mit viel Wohlwollen kann man Heinzes Rettungskopfball übers eigene Tor nach Freistoß Fuchs (67.) als eine Jenaer Chance werten – anderenfalls wäre die Anzahl der Jenaer Tormöglichkeiten in neunzig Spielminuten bei 0 stecken geblieben ! Dafür kann auch nicht die Magen-Darm-Infektion als alleinige Entschuldigung herhalten. Wenngleich sie beim Kräfteabfall der letzten zwanzig Minute schon eine Rolle gespielt haben dürfte, den der als Remis-Spezialist auf fremden Terrain geltende Bayern-Nachwuchs diesmal zum Dreipunkte-Gewinn nutzte. Bei Kopplins weitem Einwurf und dem Kopfball Müllers bekam Nulle noch die Fingerspitzen an den Ball. Doch gegen Contentos abgefälschten 25-Meter-Schuss ins Dreiangel war auch er machtlos. Zu allem Überfluss verletzte sich Hähnge anschließend so schwer, dass er vom Platz getragen werden musste. Da das Wechselkontingent erschöpft war, standen von Wadenkrämpfen geplagte neun Feldspieler in den letzten Spielminuten vor einer Mission Impossible. Thomas Müller, der Auffälligste auf Münchner Seite, sorgte mit einem Konter für die Entscheidung.

Die schwache Jenaer Leistung an diesem Tag wäre wegen der geschilderten Beeinträchtigungen leichter zu verkraften, wenn rundum gesunde Spieler nicht schon in den Wochen davor viel Anlass zu Kritik gegeben hätten. Nach der couragierten Leistung gegen Schalke ging es stetig bergarb. Sollten nach dem Pokalaus tatsächlich Motivationsprobleme die Ursache sein ? Die Saison für einige schon gelaufen ? Dann genügt ein Blick auf die Tabelle, um festzustellen: Mittlerweile geht es wieder um etwas. Abstiegskampf. <fc>

Fotos von Jens Weißenburger
Spielbericht auf fcbayern.t-home.de

BSV Kickers Emden - FC Carl Zeiss Jena 3:1

Tore: 1:0 Pfingsten (6.), 2:0 Neitzel (68.), 3:0 Spahic (79.), 3:1 Hähnge (90.)
Emden: Masuch; Sievers, Rauw, Spahic, El-Hammouchi; Zedi (88. Ramaj), Nehrbauer, Pfingsten (84. Cannata), Moosmayer; Neitzel (88. Nägelein), Aidoo
Jena: Nulle; Wuttke, Petersen, Müller, R. Schmidt; Eckardt (75. Heidel), Hansen (46. Riemer), Ziegner, Hähnge, Fuchs (56. Schembri); Amirante

Zuschauer: 2777

Schiedsrichter: Benedum (Mehlingen)

Spielbericht
"Es wird langsam eng" mit den einst von Präsident Peter Schreiber anvisierten 70 Punkten für den FCC in dieser Saison, gaben sarkastisch veranlagte Zeitgenossen nach der Partie in Emden zum Besten. Und manch einem mag das Schmunzeln beim Blick auf die Tabelle doch etwas eingefrieren, insbesondere jenen Augenzeugen der wohl schlechtesten Mannschaftsleistung unter der Ägide Rene van Ecks. Jena spielte wie ein Abstiegskandidat.

Erstauntes Getuschel unter den gut 350 Gästeanhängern, als der Stadionsprecher beim Verlesen der Aufstellungen die Namen Hähnge UND Amirante nannte. Also doch zwei Stürmer heute? Nur nominell, denn van Eck blieb seinem System treu, ließ Amirante allein stürmen, während Sebastian Hähnge sich die Spielmacherrolle mit Torsten Ziegner teilte. Zumindest auf dem Papier, denn das Spiel machten nur die Gastgeber und gingen mit ihrem ersten Angriff bereits in Führung. Eine geschickte Körpertäuschung, ein kluger Pass von Aidoo und schon stand Emdens Pfingsten mutterseelenallein vor Carsten Nulle, ließ sich auch von dessen gewöhnungsbedürftigem lila Outfit nicht schrecken und markierte die Führung. Jenas Antwort? Ein Amirante-Kopfball nach Fuchs-Ecke neben das Tor (13.), ein von Masuch toll parierter Eckardt-Knaller (43.), das war's an Tormöglichkeiten in Halbzeit eins. Der FCC spielte umständlich, war weder körperlich in den Zweikämpfen präsent, noch gedanklich auf der Höhe der Gastgeber, die vor allem über ihre starke rechte Angriffsseite für Gefahr sorgten. Pfingsten übers Tor (16.), ein von Nulle unterschätzter Aufsetzerfreistoß an die Latte (19.), Aidoos Versuch der Kopie des ersten Farfan-Tores aus dem Schalkespiel (24.), Aidoo ans Außennetz (36.), das beste aus Sicht des FCC an dieser ersten Halbzeit war das Ergebnis. Vor allem den quirligen Aidoo bekam man nie in den Griff und Marko Riemer machte sich schon einmal warm für den Einsatz nach dem Wechsel. Als Austauschkandidaten eigneten sich eigentlich alle zehn Weißgekleideten, getroffen hatte es dann Kapitän Hansen, der nach überstandener Grippe ins Team zurückgekehrt war, aber im zentralen defensiven Mittelfeld für mehr Unruhe als Ruhe sorgte. Riemer rückte auf die Innenverteidigerposition, während überraschend Robert Müller nach dem Wechsel die "6" gab. Ein Experiment, das man nach der kurzen Ära Ivanauskas eigentlich für gescheitert hielt.

Zumindest mit etwas mehr Engagement kam der FCC aus der Kabine, doch die Achtungszeichen durch eine von Fuchs nicht vollendete tolle Kombination (49.) und Petersens Hinterkopfball (50.) erwiesen sich schnell als Strohfeuer. Daran änderte auch die Einwechslung Schembris für den schwachen Fuchs nichts, stumpf und umständlich blieben die Angriffsbemühungen. Selbst als mit Sebastian Heidel ein weiterer Juniorenspieler sein Debüt gab und somit gar vier gelernte Stürmer auf dem Rasen standen. Man hätte Heidel einen dankbareren Tag für seine Einwechslung gewünscht, stand es doch da schon 2:0 durch Neitzels Heber, von einem schlimmen Stellungsfehler des indisponierten Petersen profitierend (68.). Um ein Haar hätte Neitzel fünf Minuten später schon wieder getroffen, als er von der Mittellinie an allein auf Nulle zulief, in diesem aber seinen Meister fand. Elf Minuten vor dem Ende war aber auch dieser machtlos, als Spahic klug von der Strafraumgrenze ins lange Eck schlenzt. Emden effektiv, während Müllers missglückter Sturmlauf in der 89. Minute exemplarisch für Thüringens ewige Nummer eins war, als er sich seinen Weg durch den Strafraum bahnt, aber den Torschuss vergisst und letztlich hängen bleibt. Dass Hähnge dann in der Nachspielzeit doch noch mit sattem Schuß unter die Latte für Ergebniskosmetik sorgte, lockte keinem der völlig frustrierten Gästeanhänger einen ehrlichen Jubelschrei von den Lippen.

"Danke für's Herkommen" war alles, was Jenas Toptorjäger den Fans am Zaun sagen konnte, eine Erklärung für das kopf- und herzlose Auftreten auf Ostfrieslands bekanntestem Acker hatte auch er nicht. So hieß es - anders als noch vor dreieinhalb Jahren ohne Punkte die fast 600 Kilometer lange Heimreise anzutreten. Auch seinerzeit hatte es ein Heim-Thüringenderby und die Ostfrieslandreise im Doppelpack gegeben, die Gefühlslage im Vergleich zu damals könnte nach den beiden völlig verkorksten Spielen unterschiedlicher nicht sein. <gunner>

Spielbericht auf bsv-kickers-emden.de
Bericht und Video auf fansmedia.org über Vorfälle nach Abpfiff

FC Carl Zeiss Jena - FC Rot-Weiß Erfurt 1:1

Tore: 0:1 Cannizzarro (58.), 1:1 Mayombo (90.)
Jena: Nulle; Wuttke, Petersen, Müller, R. Schmidt; Sträßer (76. Hansen), Eckardt, Ziegner, Schembri (61. Mayombo), Fuchs; Hähnge
Erfurt: Orlishausen; Schnetzler, Loose, Möckel, Pinske; Peßolat, Cinaz, Rockenbach (67. Stenzel), Hauswald (81. Semmer); Pagenburg (88. Wolf), Cannizzaro

Zuschauer: 13.500

Schiedsrichter: Welz (Wiesbaden)

Spielbericht
14. Februar - Valentinstag. Liebende in aller Welt machen sich kleine Geschenke und frönen im Idealfall gemeinsam der Romantik. Dass ausgerechnet an diesem Termin die Thüringer Erzrivalen aus Erfurt und Jena auf- und gegeneinander angesetzt werden, ist eigentlich sinnwidrig. In einem aber sollte dieser Fußballnachmittag vortrefflich ins Bild passen: Zum Schluss gab's doch noch ein Geschenk.

Erfurts Karsten Baumann hatte vor der Partie Zweifel geäußert, ob sein Trainerkollege René van Eck in solch einem Spiel wirklich mit nur einem einzigen Stürmer beginnen würde. Da kannte er ihn aber schlecht. Der Holländer stellte auch im für viele Jenaer wichtigsten Match des Jahres Hähnge als Alleinunterhalter in den Sturm. Überraschender für uns da schon die Herausnahme von Hansen, auf dessen Sechser-Position diesmal der junge Eckardt begann.
Die Gäste mit der ersten Möglichkeit. Nachdem Petersen den Nebenmann angeschossen hatte, leitete Pagenburg die Vorlage Cannizzaros technisch gekonnt Richtung Tor weiter, jedoch ohne Nulle in Schwierigkeiten zu bringen. Wie motiviert beide Mannschaften in dieses Derby gingen, sah man in der Anfangsviertelstunde an den Rudelbildungen nach ersten Fouls von Cannizaro und Petersen, bei denen allerdings nur unser Verteidiger die Gelbe Karte erhielt. Jenaer Gefährlichkeit blitzte erstmals in Minute 16 auf, nachdem Hähnge schön auf Sträßer gespielt hatte. Dessen Flanke nahm Fuchs auf der anderen Seite direkt, fand Schembri aber im Abseits. Von Standartsituationen abgesehen sollte es die letzte Torraumsituation für gut zwanzig Minuten gewesen sein. Beide Mannschaften gaben zwar keinen Meter Boden preis, doch gerade dieses kämpferische Engagement schien den Spielfluss zu hemmen. Viel neutralisierte sich da im Mittelfeld. Richtiggehend dankbar reagierten die vom DFB zum Sicherheits-Limit erklärten 13.500 Zuschauer, als Schembri in Minute 40 mal wieder etwas aus dem Spiel heraus zuwege brachte. Der vom Nationalmannschaftseinsatz zurückgekehrte Malteser bekam das Leder von Fuchs aufgelegt und wuchtete es aus 22 Metern Entfernung knapp am Dreiangel vorbei. In der letzten Spielminute der ersten Hälfte bekam Jena noch einmal einen Eckball zugesprochen - hoch herein gegeben von Fuchs. Orlishausen läuft ein paar Schritte aus seinen Kasten, wird aber vom eigenen Mann behindert. Der Ball springt vor Müller auf, welcher ihn mit der Brust annehmen und dann schießen will. Doch das dauert zu lange, Erfurts Keeper ist zur Stelle.

Erschien das 0:0-Resultat schon eine logische Konsequenz der ersten 45 Minuten, drohte das Match in der Phase nach Wiederanpfiff endgültig im Klein-Klein zu ersticken. Da mitten hinein platzte Erfurts Führungstreffer. Beim Doppelpass von Peßolat und Pagenburg drehte sich Petersen einmal um die eigene Achse und der Rest der Hintermannschaft schaute tatenlos zu. Ausgenommen Nulle, der immerhin Pagenburgs Schuss reaktionsschnell parierte, gegen den Abstauber von Cannizzaro allein gelassen aber machtlos war. Jetzt musste etwas passieren auf Jenaer Seite. Nur wen sollte van Eck bringen ? Nils Petersen war in der Winterpause nach Cottbus gewechselt, Salvatore Amirante saß seine 5. Gelbe Karte ab. Folglich zauberte der Trainer einen A-Junioren aus dem Hut - Exauce Mayombo, einen Berliner mit kongolesischen Vorfahren, an dem sich auch schon Hertha BSC interessiert gezeigt hatte. Zunächst biss der aber wie Hähnge bei Erfurts Abwehr auf Granit. Lediglich Lars Fuchs flog in der 69. Minute einmal erfolgversprechend durch den Strafraum, Schnetzler und Orlishausen konnten gemeinschaftlich klären. Zwanzig Minuten vor Schluss beschlich einen ein ungutes Gefühl. Bahnt sich hier die zweite Derbyschlappe in einer Saison an ? 77. Minute, Mayombo versucht es mit einem Schuss. Eine Minute später Lars Fuchs. Unsere beiden Punktspieldebütanten also - doch wo bleiben die Anderen ? Müssten sie, die mit einer leidenschaftslosen Vorstellung beim Hinspiel in letzter Minute verloren hatten, nicht alles versuchen, ihnen und uns eine zweite Schmach zu ersparen ? Monoton werden lange Bälle aus dem Mittelfeld nach vorn geschlagen. So ist Erfurts Abwehrriegel nicht zu knacken ! Fraglos hat der Gegentreffer seine Spuren in den Köpfen unserer Jungs hinterlassen. Weil keine Mauer gestellt wird, kann Cinaz ohne Sichtbehinderung seinen Freistoß direkt aufs Tor schießen (82.). Nulle pariert hier ebenso wie eine Minute später gegen den selben Schützen. Nach vorn geht in dieser Phase gar nichts mehr.
Und so plätschert das Derby ganz allmählich seinem für unsereins trostlosen Ende entgegen. Plötzlich gibt es Rabatz im Erfurter Fanblock. Was ist denn da los ? Eine Rauchbombe wird gezündet, Nebelschwaden steigen auf. Als Feuerwehrleute versuchen, den Brand zu löschen, werden diese mit Knallkörpern beschmissen. RWE-Präsident, Manager, Spieler - alle rennen sie in die Kurve, versuchen verzweifelt zu beruhigen. "Was macht ihr denn ? Wir liegen doch in Führung !". Sie bleiben ungehört. Schiri Welz wird das Treiben zu bunt, er schickt die Mannschaften für zehn Minuten in die Kabinen. Dort haben Trainer van Eck und Kapitän Ziegner Gelegenheit, die Jenaer Mannschaft noch mal auf die verbleibenden vier Minuten regulärer Spielzeit einzuschwören. An deren Körpersprache ist der Wille jetzt klar erkennbar. Doch birgt bedingungslose Offensive auch Gefahren in sich. Als Cannizaro im Kontern unbedrängt auf Karsten Nulle zuläuft, scheint es um den FCC geschehen. Doch Nulle, dieser Teufelskerl, luchst Erfurts Stürmer den Ball ab, macht sich dann selbst auf den Weg nach vorn und stellt eine Überzahlsituation im Gäste-Strafraum her. Ein Lupfer in den Sechzehner, Petersen springt ins Leere, Mayombo zunächst auch, doch im Nachsetzen spitzelt er mit der Pike dem Orlishausen den Ball zwischen den Beinen hindurch. Der Ausgleich in der Nachspielzeit ! "Da kamen mir ein bisschen meine langen Beine zugute", bleibt der 1,88 Meter große Junior gelassen, während um ihn herum alles tobt. Ist dieses 1:1 doch wie ein gefühlter Sieg.

Während sich Jenas Anhänger lobende Worte über ihr Verhalten die neunzig Minuten über anhören durften, reagierten die Erfurter Offiziellen nachvollziehbar verärgert. Die Spielanalyse Karsten Baumanns bestand einzig und allein im sarkastischen Dank an die Fans, die das Unentschieden erst möglich gemacht hatten. Mehr Worte fand Rot-Weiß-Kapitän Alexander Schnetzler: "Wenn es diese Pause nicht gibt, dann gewinnen wir dieses Spiel. Davon bin ich überzeugt. Deshalb haben wir es diesen zwanzig Volldeppen zu verdanken, dass wir das Derby nicht gewonnen haben. Klar sind das nur wenige. Aber wenn die normalen Fans in der Überzahl sind, müssen sie die Übeltäter halt auch mal zur Seite ziehen." <fc>

Fotos von Jens Weißenburger
Bericht auf rot-weiss-erfurt.de

FC Carl Zeiss Jena - SSV Jahn Regensburg 0:0

Jena: Nulle; Wallschläger, Müller, Riemer, R. Schmidt; Sträßer (64. Amirante), Hansen (64. T. Petersen), Ziegner, Schembri, Eckardt (87. Ullmann), Hähnge

Regensburg: Sattelmaier; Bambara (79. Schäffer), Selimbegovic, Maul, Binder; Hiemer (87. Würll), Zellner, Schlauderer, Brysch; Beigang (38. Jarosch), Stoilov

Zuschauer: 5964

Schiedsrichter: Kampka (Mainz)

Spielbericht
[von Gastkommentator Ragnar Boedefeld]
Willkommen zum Rückrundenstart in Jena! Der FCC spielt zu Hause vor knapp 6000 Zuschauern gegen Regensburg - da sollte ja eigentlich alles glatt gehen. Von wegen rechtzeitig reinkommen und so. Aber denkste! Wer am Samstag wie wir das Pech hatte, bei dichtem Weihnachtsmarktzubringerverkehr hinter einem Hutfahrer herzockeln zu müssen und erst zehn Minuten vor dem Anpfiff am Stadiontor einzutreffen, der hatte ins Klo gegriffen. Fünf Kassen am Saaletor waren geschlossen, weswegen man schonmal zehn Minuten wegen der Karten anstand. Weiterhin wurden die Einlassströme pünktlich zum Spielbeginn auf stolze zwei reduziert, es standen ja "nur noch" knapp 200 Leute draußen. Das hieß für uns: weitere zehn Minuten in der Strafecke. Die Stimmung da war bestens... Logisch: Zusätzliches Personal kostet etwas mehr Geld - aber die dort gesparten Euro verliert man auf jeden Fall wieder, wenn angenervte Gelegenheitsbesucher beim nächsten Spiel zu Hause bleiben! Und was will der Service eigentlich anstellen, wenn mal plötzlich so 12000 Leute unangemeldet FCC im Stadion gucken wollen, weil gerade so schön die Sonne scheint?

Wir waren also erst zwölf Minuten nach Anpfiff im Stadion. Bis dahin war es noch nicht ein einziges Mal richtig laut geworden. Es könnte daran gelegen haben, dass sich die Südkurve für die erste Halbzeit ein Schweigegelübde auferlegt hatte. Solange sie aber ihren Eintritt immer schön bezahlen, wird's "oben" kaum einen interessieren, was sie eigentlich wollen. Die Stimmung leidet freilich etwas durch solche Aktionen, aber das Beispiel der Bayern zeigt ja, dass man auch ohne Stimmung Kohle scheffeln kann.
Kaum hatten wir Platz genommen, köpfte Müller nach einer Ecke einen Regensburger Abwehrspieler an, der dummerweise vor der Torlinie stand. Unser erster Eindruck in den folgenden Minuten: Jena war deutlich feldüberlegen und kombinierte bis zum Strafraum ansprechend. Nur vor dem Tor passierte erstmal nicht viel. Hähnge wirkte zwar ballsicher, aber auch irgendwie müde. Nachdem er zweimal Zuspiele knapp verpasste, kamen schon die ersten Schmährufe von den Rängen, vermutlich deswegen, weil er in den vergangenen Partien ein paar wirklich dicke Dinger versemmelt hatte. Wenn's mal nicht so läuft, ist das derzeitige Jenaer Publikum wirklich vorn dabei, vor allem wenn's darum geht, seine eigenen Spieler derart von der Seite anzumachen, dass es keiner hämischen Gäste-Fans mehr bedarf.
In der 24. Minute wurde aus "Gurken-Hähnge" mit einem Mal ein genialer Spieler, weil er den Ball im Strafraum schön bis zur Grundlinie mitnahm und in den Rücken der Abwehr spielte, so dass ihn Eckardt aus gefühlten sechs Metern halblinks eigentlich nur noch reinmachen musste. Er machte ihn leider drüber. Von den Jahnkickern war während des gesamten Spiels nach vorn nicht viel zu sehen, bis auf zwei Ausnahmen, die Mitte der ersten Halbzeit innerhalb von sechs Minuten vorkamen. Zuerst klärte Nulle vor Beigang nach einem individuellen Fehler in der Abwehr, und dann kam Brysch nach einer Ecke derart frei zum Kopfball, wie es auch in der dritten Liga nie, nie, nie(!) passieren darf. Was ein Glück, dass sein Timing nicht stimmte!
Das war es aber auch, Abwehr und defensives Mittelfeld des FCC standen sonst sehr sicher. In Umkehrsituationen wurde schnell Überzahl geschaffen und nach Balleroberung der Ball gesichert. Man hatte kaum das Gefühl, dass Regensburg irgendwie gefährlich werden könnte. Der Schiedsrichter hatte das Gefühl wohl auch. Anders ist es kaum zu erklären, dass er dem FCC zwischen der 25. und 40. Minute das komplette Kopfballspiel abpfiff. Wieder einmal bestätigte sich (natürlich subjektiv!), dass man sich in Jena in der Nähe eines FCC-Spielers nur fallen zu lassen braucht, um einen Freistoß rauszuschinden. Skurril wurde es in der zweiten Halbzeit, als der FCC sowas auch probierte und in der Tat (wegen der Gerechtigkeit?) zwei wirklich alberne Freistöße zugesprochen bekam.

Fußball wurde nach der Pause auch noch gespielt - und zwar nur vom FCC. Es gab Chancen in Hülle und Fülle, das Ei wollte nur einfach nicht rein. Ziegner mit zwei schönen Freistößen, Hähnge, Schembri und Amirante kurz vor Schluss hatten die besten Chancen, aus einem Punkt dreie zu machen. Es wäre auf jeden Fall verdient gewesen, auch wenn es bei weitem nicht das stärkste Spiel der Saison war. Bei einem Sieg für Jena hätte sich wohl niemand nachher noch einen Kopp um das Spiel gemacht...

Es bleibt festzuhalten, dass inzwischen eine ganz andere Mannschaft auf dem Platz steht als noch vor ein paar Wochen. Die Verunsicherung und die daraus folgenden groben Schnitzer sind kaum noch zu sehen. Das Selbstvertrauen der Spieler ist gewachsen (man denke an das Ding von Riemer an der eigenen Eckfahne), das Spiel ohne Ball hat sich wieder verbessert, ebenso das Direktspiel. Diese erkennbare Handschrift des neuen Trainers macht Lust auf die Rückrunde.

Fotos vom Rückrundenauftakt
Bericht auf ssv-jahn.de

FC Carl Zeiss Jena - SV Sandhausen 2:0

Tore: 1:0 Schembri (72.), 2:0 Ziegner (80.)
Jena: Nulle; Wallschläger, Müller, Riemer, R. Schmidt; N. Petersen (46. Sträßer), Hansen, Ziegner, Schembri (84. T. Petersen), Eckardt; Hähnge (70. Amirante)

Sandhausen: Gurski; Bindnagel, Göttlicher, Beisel, Throm; Pinto, Kolb, Fiesser (79. Öztürk), Leandro, Mintzel; Haas (66. Ristic)

Zuschauer: 6403

Schiedsrichter: Gorniak (Bremen)

Spielbericht
Gerade mal drei, mit der Straßenbahn zum Sportforum gefahrenen Anhänger verloren sich im Gästeblock kurz vor Spielbeginn, sodass sie vom Stadionsprecher sogar einzeln namentlich begrüßt werden konnten. Und auch wenn sich bis zum Anpfiff noch 15 weitere hinzu gesellten, blieb es ein sehr überschaubarer Gästemob. Immerhin war er bei Spielbeginn vollzählig und hatten damit den Jenaer Fans etwas voraus. Standen diese noch in Scharen die erste Halbzeit über an den Vorverkaufsschaltern für den Pokalhit gegen Schalke 04.

Um es vorweg zu nehmen - so arg viel verpasst haben sie nicht die ersten 45 Minuten über. Ihre Mannschaft agierte meist ballführend in der Anfangsphase, mit einer guten Möglichkeit in der ersten Viertelstunde. Sebastian Hähnge nahm Eckardts Kerzenball mit dem Kopf, zwang Gurski aus sieben Metern zu einer Parade. Sandhausens Keeper wäre sechzig Sekunden später bei Ziegners Freistoß wahrscheinlich zu spät im Eck gewesen, leider flog das Leder einige Zentimeter neben das Tor. Die nach super Saisonstart zuletzt nicht gerade erfolgsverwöhnten Gäste waren defensiv aufgestellt, vom erwarteten Sturmduo Ristic und Öztürk stand zunächst niemand auf dem Platz. Diese defensive Grundhaltung übertrug sich naturgemäß auf die Spielweise. Aber wenn die SV-Akteure dann mal nach vorn kamen, meist durch unnötige Ballverluste der Jenaer, wurde es oft kribbelig. Was nicht gerade für unsere Vierer-Abwehrkette spricht, bei der anfangs nur Ralf Schmidt die Kriterien überlegt und ballsicher auf sich vereinen konnte. An den Bodenverhältnissen kann dies nicht gelegen haben, hatte die eingebaute Rasenheizung aus Zweitligazeiten (wo sie nicht wirklich gebraucht worden war) doch ganze Arbeit geleistet.
Die größte Chance der ersten Hälfte ergab sich in Minute 23: Von Hansen und einem generischen Abwehrbein springt der Ball zu Nils Petersen, der ihn aus elf Metern Torentfernung über das Dreiangel schlenzt. So frei, wie der wieder auf links aufgebotene Petersen in dieser Szene stand, hätte er einfach mehr draus machen müssen ! Ein Schuss noch von Müller ans Außennetz, danach passierte eine Viertelstunde lang nichts mehr in beiden Strafräumen. Bis plötzlich wieder mal die Gäste vorn auftauchten. Bindnagels gewonnenen Zweikampf gegen Schmidt bügelte Hansen aus (38.). Noch in der selben Spielminute zog Minzel aus halbrechter Position ab. Da Nulle etwas die Sicht verdeckt, der Schuss zudem noch minimal abgefälscht war, kann die Fußabwehr des Jenaer Torwarts gar nicht hoch genug gewürdigt werden. Torlos ging es in die Kabinen. Dem von der Tribüne aus zuschauenden Henning Bürger konnten die unter seinem Nachfolger gemachten Fortschritte bis hierhin noch nicht so richtig demonstriert werden. Gegen Düsseldorf und auch in Unterhaching waren da ganz andere Vorpausenleistungen zu sehen gewesen.

Die ohnehin geringe Quote an Tormöglichkeiten sank noch in der Phase nach Wiederanpfiff. Vorn wirkte Hähnge mehr und mehr auf sich allein gestellt, weil niemand konsequent nachrückte. Für Petersen war bei Jena ein hochmotivierter Carsten Sträßer in die Partie gekommen. Obwohl nicht frei von Abspielfehlern, merkte man ihm das Bestreben an, sich den verlorenen Platz in der Anfangsformation zurück zu holen. Kein Zufall also, dass Sträßer maßgeblich am Zustandekommen des ersten Treffers beteiligt war. Ausgangsstation war mit Salvatore Amirante ein weiterer eingewechselter Spieler, der für den müde gewordenen Hähnge in die Partie gekommen war. Amirante zog an der rechten Strafraumgrenze zwei gegnerische Verteidiger auf sich, sodass der angespielte Sträßer plötzlich ohne Bewacher dastand. Dessen hohe Flanke köpfte Andre Schembri aus neun Metern an den linken Innenpfosten, von wo aus das Leder zum umjubelten 1:0 ins Netz sprang. Es war der erste Punktspieltreffer des Maltesers, welcher mit 178 Zentimetern Körpergröße nicht gerade prädestiniert scheint für Kopfballtore, aber bereits im Braunschweiger Trikot auf diese Weise getroffen hatte.
Fortan waren die meisten taktischen Bremsen nun gelöst. Beim Versuch nachzusetzen, wird Torsten Ziegner gefoult. Freistoß, fast dreißig Meter Torentfernung. Als sich der Gefoulte den Ball selbst zurecht legt, kommt manch einem ein skeptisches 'Die Distanz ist doch viel zu groß für Ziege, warum lässt er nicht jemand anderes ran?' in den Sinn. Und dann diese Granate ! Direkt am durch die Luft fliegenden Gurski vorbei unter die Latte, wahrlich ein Hammer ! Mitspieler Ralf Schmidt meinte hinterher, solch einen Freistoß hätte er von Ziegner noch nie gesehen, nicht mal im Training. Und auch Gästetrainer Dais anerkannte: "So etwas sieht man nicht alle Tage". Im Fragebogen des Stadionjournals hatte Ziegner so viele Lücken gelassen wie kein anderer vor ihm - ein Beweis dafür, dass unser Routinier die passenden Antworten halt am liebsten immer noch auf dem Platz gibt.
Wie Ristic im Gegenzug fast den Anschlusstreffer markierte, deutete an, dass dessen Nichtberücksichtigung zu Beginn vielleicht nicht die glücklichste Entscheidung seines Coaches war. Uns war's recht. Blieben die drei Punkte doch an der Saale nach einer überaus fairen Partie, in der es die einzige Gelbe Karte erst vier Minuten vor Ultimo gab.

Nach Abschluss der Hinrunde stellt sich für den FCC die Frage nach dem Wohin. Durch den sich langsam, aber stetig vollziehenden Aufwärtstrend sollte das Wort Abstiegskampf nun eigentlich keine Rolle mehr spielen, dafür hat diese Mannschaft mittlerweile zu gut zueinander gefunden. Gleichzeitig ist es nach oben aber ziemlich weit, möglicherweise schon zu weit. Für René van Eck und seine Jungs wird es deshalb bis auf weiteres darum gehen, von Spiel zu Spiel zu denken und jedes dieser Matches ambitioniert anzugehen. <fc>

Fotos auf fcc.weissenburger.de
Bericht auf svsandhausen.de

SpVgg Unterhaching - FC Carl Zeiss Jena 1:0

Tore: 1:0 A. Fink (30.)
U'haching: Kampa; Schulz, Bucher, Hörnig, Nagy; O. Fink, Tyce (RK, 67.), Villar (90. Hain), Zillner; A. Fink, Steegmann (82. Schweinsteiger, (RK, 90.))
Jena: Nulle; Wallschläger, Müller, Riemer, R. Schmidt; Sträßer (71. Amrhein), Hansen, Eckardt, Schembri, N. Petersen (81. Amirante); Hähnge

Zuschauer: 4200

Schiedsrichter: Stieler (Obertshausen)

Spielbericht
Die Statistiker mussten unter der Woche schon die ganz dicken Geschichtsbücher wälzen, um sich an das letzte FCC-Erfolgserlebnis in Unterhaching zu erinnern, denn seit dem Sommer 1992 gab für Blau-gelb-weiß in dem gesichtslosen Gewerbegebiet südlich Münchens rein gar nichts zu holen, außer tiefen Frust. Ob Gewaltexzesse bayerischer Polizisten, skandalöse Schiedsrichterleistungen, die Nichtexistenz einer nennenswerten Fanszene des Heimvereins oder schlicht das Versagen des eigenen Teams wie vor zwei Jahren, die Erinnerungen langgedienter Zeissfans an den Sportplatz Hachings hatten alles zu bieten, nur nichts Positives. Und so waren die Gefühle bei den meisten der gut 700 FCC-Jünger bei der Anreise gespaltener Natur, würde van Ecks Auswärtsserie auch hier halten?

Um das Unternehmen "Bock umstoßen" zu meistern, veränderte Jenas Coach das gegen Düsseldorf siegreiche Team nur auf einer Position, Sträßer rückte für den gesperrten Ziegner ins Team, agierte auf der rechten Außenbahn, während der junge Eckardt die zentralere Position im Mittelfeld übernahm. Van Ecks Gegenüber mit dem poetischen Namen Hasenhüttel hatte da angesichts einer langen Verletztenliste größere Sorgen, konnte aber zumindest auf den wiedergenesenen Ex-Bundesligaprofi Roman Tyce zurückgreifen. Für Hachinger Dominanz im Mittelfeld konnte auch der aber mitnichten sorgen, vielmehr bestimmte der FCC im Stile einer Heimelf das Geschehen ab den ersten 10 Minuten des Abtastens an, und hätte in der 17. Minute bereist in Führung gehen müssen. Eckardts Flanke köpft Sträßer an die Latte, den satten Nachschuss Petersens entschärft Kampa glanzvoll, es war der Auftakt zu einem wahren Festival vergebener Großchancen. Hähnge aus 7 Metern, Hachings Bucher wirft sich in den Ball, drüber. Wieder Hähnge über rechts kommend, schlenzt knapp am Tor vorbei. Eckardts verunglückter Schussversuch nimmt Hähnge in Mittelstürmerposition artistisch auf, dreht sich, Kampa pariert überragend. Müller kommt frei vor dem Keeper an den Ball und will diesen ins lange Eck vorbei schieben, Kampa reagiert glänzend und lenkt den Ball erneut an die Querlatte. Eckardts Flanke verlängert Sträßer an den langen Pfosten, Petersens Knallbonbon liegt perfekt, doch ein Hachinger Abwehrbein lenkt das Geschoss über die Latte.
Es war zum Verzweifeln, Jena hätte zur Pause nicht führen können, sondern müssen und zwar haushoch. Stattdessen zeigte die Anzeigetafel ein 1:0 für die Hausherren, einen Befreiungsschlag der Bajuwaren aus der eigenen Hälfte nach einer halben Stunde schätzt Robert Müller völlig falsch ein, seine verunglückte Kopfballvorlage nimmt Anton Fink dankend auf, marschiert mutterseelenallein auf Carsten Nulle zu, der die kurze Ecke nicht ganz abdeckt und beim strammen Schuss in ebendiese machtlos ist. Verkehrte Welt, Jenas Keeper wurde in den ersten 45 Minuten lediglich bei einem weiteren Schuss Anton Finks beschäftigt, den er über die Latte bugsierte, schüttelte beim Pausenpfiff ähnlich fassungslos den Kopf wie die Thüringer Streitmacht hinter ihm.

Die Spielvereinigung wusste sich nach dem Wechsel etwas zu befreien, spielte den ein oder anderen Konter geschickt aus und hatte durch die beiden Finks in ihren Reihen auch Möglichkeiten zur Resultatserhöhung. Die wahren Riesen aber vergab weiterhin der Gast. Schembri konnte sich die Ecke aussuchen, als er von Sebastian Hähnge mit Zuckerpass in Szene gesetzt wurde, ließ sich aber beim Versuch, Kampa zu umspielen abdrängen und traf lediglich das Außennetz (53.). Zwei Minuten später senkt sich Hähnges Lupfer aufs Netz. Es schien, als wollte man das Torzubehör von allen Seiten auf seine Festigkeit prüfen, nur nicht in der dafür vorgesehenen Weise. Als Tyce nach 68 Minuten wegen Schiedsrichterbeleidigung vom Platz muss, spannt sich ein Halbkreis aus weißen Trikots rund um den Strafraum der Gastgeber auf der verzweifelten Suche nach der entscheidenden Lücke. Sträßer findet sie, flankt schön auf den völlig freistehenden Hähnge, Kopfball, drüber. Schembri findet sie ebenfalls, setzt Hähnge in Szene, der den Ball erstklassig mitnimmt und von Hachings Schulz per Notbremse im Strafraum von den Beinen geholt wird. Elfmeter? Nicht heute, Referee Stieber formt mit seinen Händen einen angeblich gespielten Ball, was für eine Fehlentscheidung!
Jena fehlt nun die Präzision, Haching verteidigt mit Mann und Maus und Zeitspiel, da ist es Amrhein, der in der Schlussminute noch einmal über rechts kommt, endlich segelt Kampa einmal an einer Flanke vorbei, doch der Minuten zuvor ungestrafte Elfmetersünder Schulz klärt akrobatisch auf der Linie. Auch Carsten Nulle stürmt in der hektischen Nachspielzeit, in der Schweinsteiger nach üblem Foul an Schmidt ebenfalls rot sieht, mit nach vorn, seine finale Flanke verpufft, Schluss. Nulles Handschuhe fliegen auf den matschigen Rasen, Marco Riemer tritt wütend auf die entfernten Schienbeinschoner ein, René Eckardt, bei Jenas letztem Triumph an gleicher Stelle gerade einmal zwei Jahre alt, sackt in sich zusammen, Sebastian Hähnge marschiert zur Fankurve und muss sich dort von einer Handvoll Idioten bepöbeln lassen. Und Jenas Fans dürfen ein ganz neues Kapitel einfügen in ihrem Sammelband "Nightmare in Oberbayern" <gunner>

Bilder des Tages

FC Carl Zeiss Jena - Fortuna Düsseldorf 1:0

Tore: 1:0 Riemer (4.)
Jena: Nulle; Wallschläger, R. Müller, M. Riemer, R. Schmidt; Eckardt, Hansen (69.Amirante), Schembri (83.Bochud), Ziegner, N. Petersen (74.Sträßer); Hähnge
Düsseldorf: Melka; Halet (79.Sahin), Cakir, Langeneke, Hergesell; Cebe, Sieger (66.Lambertz), Christ, Caillas; Lawarée, Jovanovic (75.Kadah)

Zuschauer: 5963

Schiedsrichter: Dr. Kunzmann (Bad Hersfeld)

Spielbericht
Manche Strafen entpuppen sich im Nachhinein glatt als Geschenk. Hätte der DFB das geahnt, wir hätten gegen Paderborn sicherlich alle eine Freikarte bekommen und wären gestern vor dem heimischen Videotext verzweifelt. So aber durften wir, der geläuterte Jenaer Fußball-Mob, am ersten Heimsieg seit fast vier Monaten teilhaben. Und was war das für ein Spiel! Dabei wollte nach Riemers Kopfballtreffer zunächst gar kein rechter Jubel in mir aufkommen. Klar, so ein nach innen kaum hörbarer Freudenschrei war da schon, der Gedanke an die verbleibenden 86 Spielminuten plus unendlich viel Nachspielzeit schnürte mir aber eher den Magen zusammen. Die schlechten Erfahrungen haben sich tief eingebrannt…
Die dunkle Vorahnung schien auch gleich Wahrheit werden zu wollen. Als Lawaree eine Cebe-Vorlage direkt in Nulles Arme verlängerte, war wohl mehr Glück als Verstand im Spiel (6.). Und da waren immer noch 84 Minuten zu spielen, in denen der Tabellenzweite in der bisherigen Saison durchschnittlich 1,57 Tore geschossen und  Jena die gleiche Anzahl hinten reingeballert gekriegt hat. Es galt also das 1:0 bis mindestens in die 64. Minute hinein zu retten. In den verbleibenden 26 Minuten trifft die Fortuna dann normalerweise weniger als 0,5 mal. Da abgerundet wird, wäre der Sieg unser. Ist doch klar, oder? Daß Jena sein Pulver rein statistisch bereits verschossen hatte, war auch logisch. Nur noch 0.35 Tore waren demnach durch unseren Heldenangriff zu erwarten. Die Mannschaft hätte sich den Sturmlauf der nächsten 20 Minuten also getrost sparen können. Aber Fußballer sind halt keine Mathematiker. Und so begann die Zeit des großen Scheiterns…
Zunächst spitzelte Schembri dem Düsseldorfer Langeneke den Ball vom Fuß, der damit völlig konzeptfrei vor dem eigenen Strafraum umherirrte. Erst in Düsseldorfs Torhüter Melka fand Schembri seinen Meister. Der konnte dem unplazierten Schuß des Maltesers wahrscheinlich einfach nicht mehr ausweichen (10.). Absolut schlampig. Im nächsten Anlauf konnte Petersen den Ball nicht im leeren Tor unterbringen, nachdem Melka einen schönen Schuß von Eckardt nur abklatschen konnte (12.). Und dann rutschen erst Petersen und dann auch noch Schembri an einer Flanke von Hähnge vorbei. Unglaublich. Zu diesem Zeitpunkt hätte Jena mindestens mit zwei oder drei Treffern führen müssen. Aber die Statistik läßt sich halt nicht bescheißen…
Und Düsseldorf? Nichts bis dahin. Hansen rackerte vor der Viererkette über den ganzen Platz und eroberte sich fast jeden Ball. Und was trotzdem noch durchkam droschen vor allem die überragenden Schmidt und Riemer hinten raus. Es kamen jedenfalls niemals Zweifel daran auf, daß die rechte Düsseldorfer Angriffsseite umsonst angereist war. Dementsprechend wurde es für Jena auch erstmals von der anderen Seite gefährlich. An Christs 25m-Schuß wäre Nulle im Leben nicht drangekommen, aber die Torlatte stellte sich dem Ausgleich mutig in den Weg. Den abgeprallten Ball konnte ein Düsseldorfer zwar von rechts noch mal in den Strafraum bringen, aber auch Lawaree traf aus 3m Entfernung das Tor nicht (32.). Glück gehabt und dafür wieder ein paar graue Haare mehr. Und die Statistik? Durchschnittlich verblieben immer noch 1,06 Tore für Düsseldorf. Entmutigend! Allerdings arbeitete die Zeit für Jena! Da die Fortuna seit der ersten Statistik 26 weitere Minuten ohne Treffer war, mußte Jena jetzt nur noch bis zur 63. Minute warten, um das Ding sicher zu machen. Man muß sich halt an allem festklammern! Vor der Pause tat sich danach nicht mehr viel. Zwar hätte Langeneke fast noch einen Ball ins eigene Tor abgefälscht, er entging aber der Rolle des tragischen Helden zum zweiten Mal um Haaresbreite. Ein echter Glückspilz…

Nach dem Seitenwechsel war klar was kommen würde. Aber es kam nicht. Nach vorne ging zwar bei Jena nicht mehr viel zusammen, Düsseldorf stand dem aber in nichts nach. Und so hätte es ruhig weitergehen können. Aber dann war da die 59. Minute. Als Hansen einen Melka-Abschlag unterläuft, gibt es keine Rettung mehr. Die Fernsehbilder zeigen die grenzenlose Enttäuschung van Ecks, als Cebe den Ball technisch einwandfrei über Nulle hebt. Wieder ein Heimsieg verschenkt! Aus dem Nichts! Doch statt Jubel aus dem Düsseldorfer Block ist nur ein langgezogenes Raunen zu hören, dessen verärgerter Grundton zunächst dem Erstaunen, am Ende einer gewissen Vergnüglichkeit weicht. Sekunden später steht van Eck mit offenem Mund am Spielfeldrand. Er hat damit sicherlich nicht weniger intelligent geglotzt als die meisten anderen im Stadion, die so langsam begreifen, das Cebe den Ball am leeren Tor vorbeigeschoben hat. Was für ein Geschenk! Wenn es so was wie den Darwin-Award für die schönsten Nicht-Tore gäbe, wir hätten hier einen ganz heißen Kandidaten auf den Sieg.
Die nächsten Minuten überstand Jena ohne weitere Katastrophe, so daß die berechnete magische Grenze unbeschadet erreicht wurde. Durchatmen, wir würden in jedem Fall gewinnen! Zwar trug Jena über Hähnge und Riemer noch einen wunderschönen Konter vor, aber auch hier blieb die Statistik unnachgiebig. Sträßer konnte mit der punktgenauen Eingabe von rechts nichts anfangen und semmelte den Ball aus 8m vorbei. Vorentscheidungen gibt es in Jena diese Saison nicht. Stattdessen folgte wieder mal eine nervige Schlußphase. Die Düsseldorfer warfen jetzt alles nach vorn, Jena dem alles entgegen. Zunächst scheiterte erneut Cebe mit einem Schrägschuß am toll reagierenden Nulle, in der Nachspielzeit vergeigte dann auch noch Sahin eine Hundertprozentige mit dem Kopf. Wieder so ein Ding, wo die Glücksgöttin zeigte, daß Rot-Weiß nicht ihr Ding ist. Dann war endlich Schluß. Kein später Ausgleich, kein maßlose Enttäuschung. Einfach durchatmen und freuen. Welche Statistik hätte das vorhersagen können? Aber ich sag´s ja, Fußballer sind halt keine Mathematiker!

Der Himmel über Jena reißt langsam wieder auf und man kann ab und zu sogar mal einen Blick nach oben erhaschen. Van Eck hat aus guten Einzelspielern wieder eine Mannschaft geformt, in der jeder für den anderen kämpft und rackert. Und vor allem die Verteidigung verdient auch diesen Namen wieder. Es werden aber auch noch verregnete Tage auf uns zukommen, soviel ist sicher. Für den Blick nach ganz unten braucht man aber erfreulicherweise langsam viel Weitsicht.<bpf>

Fotos von Jens Weißenburger
Fortuna-Bericht vom 17. Spieltag

Stuttgarter Kickers - FC Carl Zeiss Jena 0:3

Tore: 0:1 Eckardt (68.), 0:2 Reiß (82./ET), 0:3 Amirante (90.)
Stuttgart: Salz; Reiß, Rapp (64. Orlando), Ortlieb, Härter; Traut, Deigendesch (55. Prediger), Landeka, Gambo; Vaccaro (64. Tucci), Schürg
Jena: Nulle; Wallschläger, Müller, Wuttke (46. Schembri), R. Schmidt; Sträßer (88. Eggemann), Riemer, Eckardt, Hansen, N. Petersen (77. Amirante); Hähnge

Zuschauer: 3440

Schiedsrichter: Rafati (Hannover)

Spielbericht
Bedingt durch die Vorfälle der letzten Wochen war das Heimspiel der Stuttgarter Kickers gegen unseren FC Carl Zeiss als Sicherheitsspiel eingestuft worden. Daran, wie eine solche Veranstaltung dennoch ganz entspannt angegangen werden kann, kann sich so mancher Verein in Liga drei ein Beispiel nehmen. Ein eigens zugesandter Flyer hatte den Gast schon im Vorfeld willkommen geheißen und über die Gegebenheiten informiert. Am Spielort selbst dann mal keine finster-selbstdarstellerische Security-Truppe, die Polizei hielt sich im Hintergrund und angesichts der Wettervorhersage bekamen 500 Zeiss-Fans sogar einen überdachten Gästeblock spendiert im Waldau-Stadion Marke Old-School. Allerdings offenbarte dieser Gästeblock auch einen Nachteil: Doppelt und dreifache Gitterzäune behinderten die Sicht an manchen Stellen extrem. Wer glücklich war, einen Ausweichplatz gefunden zu haben, lief dennoch Gefahr, ein Teil des Spielgeschehens zu verpassen. Denn in guter Absicht, Präsenz zu zeigen, versperrten ihm die eigenen Ultras mit großen Fahnen die Sicht.

In den ersten Spielminuten freilich gab es nicht allzu viel zu verpassen. Beide Mannschaften benötigten eine Weile, um sich auf den mit dünner Schneedecke belegten Rasenplatz einzustellen. Lediglich ein mit Effet geschossener Freistoßball nach vier Minuten stellte Nulle zum ersten Mal auf die Probe. Nach der Ankündigung vom Paderborn-Spieltag, verstärkt auf die Defensive achten zu wollen, hatte René van Eck mit der Hereinnahme von Nils Petersen in die Startformation überrascht. Jedoch stellte er Petersen nicht auf dessen gewohnte Position in der Sturmmitte, sondern erstmals nach linksaußen. Mit Pässen in die Tiefe, so die taktische Order, sollte die aufgerückte Abwehrkette des Kontrahenten überlistet werden. Solche Pässe kamen zunächst aber überhaupt nicht. Wenn sich vorn ein bisschen was tat, dann durch Einzelaktionen wie der von Hähnge in Minute 29, als er dem ballführenden Stuttgarter an der Eckfahne den Ball abluchste. Der Abschluss durch den angespielten Petersen geriet aber auch hier viel zu harmlos. Da war Stuttgart zumindest in der letzten Viertelstunde der ersten Hälfte aus anderem Holz geschnitzt. Nach einer Kombination über drei Stationen kam Schürg bedrängt von Ralf Schmidt zum Schuss aufs rechte untere Eck. Nulle reagierte blitzartig, erwischte mit dem Unterarm den Ball, welcher an den linken Pfosten sprang und von dort dem hinterher stürzenden Torwart in die Arme (33.). Zwei Minuten später berechnete Wuttke als letzter zentraler Abwehrspieler einen Flugball aus dem Mittelfeld falsch. Vaccaro deshalb auf und davon allein aufs Jenaer Tor zu, mit Vollspannschuss aufs linke Toreck. Doch Carsten Nulle reagierte auch gegen den mit fünf Treffern erfolgreichsten Stuttgarter phänomenal, klärte zur Ecke. Dass es noch torlos stand, als Schiedsrichter Rafati zur Pause pfiff, war einzig und allein dem Jenaer Torhüter zu verdanken.

Nach vorn muss einfach mehr kommen. Dachte sich wohl auch van Eck und brachte für den unsicheren, gelbbelasteten Wuttke keinen Verteidiger, sondern mit Schembri einen für die Offensive. Riemer und Hansen rückten positionell dafür etwas zurück. Die erste Chance in Halbzeit zwei besaßen dennoch wieder die Gastgeber. Und was für eine ! Ein Freistoßball gelangt zunächst auf die rechte Seite, um anschließend flach in die Mitte gepasst zu werden. Aus einer Traube von Spielern schaltet Rapp am schnellsten, schießt kurz und trocken an den rechten Innenpfosten, von wo das Leder vor die Linie springt. Die Art und Weise, wie Sträßer den unmittelbar danach folgenden Konter abschloss - mit einem Ball, der weder zur Vorlage noch als Torschuss taugte - zeigte den Unterschied im Spiel nach vorn bis zu diesem Zeitpunkt und ließ nichts Gutes ahnen für die letzte halbe Stunde.
Doch mit einem Mal fanden die Jenaer besser ins Spiel. Hähnge setzte Petersen gekonnt in Szene und auch wenn dieser den Ball seinem Gegenspieler nur an den Hacken bugsierte, konnten wir endlich die erste Torgelegenheit für den FC Carl Zeiss nach der Pause verbuchen. Vom gegnerischen Schuh sprang der Ball nämlich in Richtung Kickers-Gehäuse beziehungsweise Torauslinie, bevor ihn Salz unter sich begrub. Kurze Zeit später, nach Doppelpass mit Sträßer, wird Eckardts Hereingabe zum Torschuss abgefälscht, leider nur ans Außennetz. Gerade der Youngster, in Hälfte eins wie alle Jenaer Akteure vor der Abwehr kaum zu sehen, drehte nun auf. Minute 68, von Schembri angespielt lässt Eckardt schon bei der Ballannahme den ersten Gegenspieler stehen. Die nächsten beiden Stuttgarter kommen heran gebraust, Eckardt spielt entgegen ihrer Laufrichtung und bekommt dadurch für zwei Sekunden freie Schussbahn. Im letzten Augenblick, bevor sich diese Gasse zu schließen droht, zieht er aus 15 Metern ab und trifft ! Von den Chancen her stellte dieses Tor das Geschehen bis dato ziemlich auf den Kopf und doch kam es nicht mehr völlig überraschend. Hatten die Jenaer in den Minuten zuvor doch zusehends die Oberhand gewonnen. Ihr neuer Linksaußen Petersen hatte wohl irgendetwas gegen den Kehlkopf bekommen, wurde auf eigenen Wunsch von Amirante ersetzt. Interessant, dass nicht Schembri an die Seite wechselte, wo er die letzten Spiele mehrfach zugebracht hatte, auch nicht Hansen (der zu Saisonbeginn dort zu überzeugen wusste), sondern Rene Eckardt.
Die Hausherren hatten durch den Gegentreffer den Spielfaden verloren, Jena nun klar am Drücker. Schon bei Riemers Schuss nach Müllers Kopfballablage fehlte nicht viel zum 2:0, welches drei Minuten später zur schönen Realität wurde: Amirante bekommt von Hähnge aus 30 Metern Entfernung in den Lauf gespielt, umkurvt seinen Gegenspieler, zieht das Leder flach in die Mitte, wo nicht der freistehende Schembri, sondern der vor ihm postierte Reiß ins (eigene) Netz schießt. Nicht zu unrecht schrieb Salvatore Amirante diesen Treffer ein Stück weit sich selbst zu und gab uns jubelnden Fans anschließend den Violinisten. Die Erleichterung allenthalben war deutlich zu spüren. Denn so wie sich das Geschehen in der Phase zuvor entwickelt hatte, war nicht damit zu rechnen, dass die Kickers noch einmal zurückkommen würden. Der erste Sieg also, um den nicht bis zur letzten Sekunde gezittert werden muss ? Jawohl, denn Nulle erwischte auch den gefährlichen Freistoß aus Minute 89, welcher sich über ihn ins Dreiangel zu senken drohte. Und beim Gegenstoß machte Amirante alles klar, wiederum nach schöner Vorarbeit seines Sturmpartners Sebastian Hähnge. So tat der FCC sogar noch etwas zum Aufbessern seines ramponierten Torverhältnisses, welches bekanntlich durch eine andere Stuttgarter Mannschaft arg in Mitleidenschaft gezogen worden war.

Das Bild des Tages ergab sich im Anschluss an die gemeinsame Welle von Mannschaft und Fans. Auf dem Weg in die Kabine legte René van Eck einen Arm um die Schultern seines Torhüters Carsten Nulle. Es bedarf nicht viel an Phantasie, um erraten zu können, was er ihm gesagt hat. <fc>

Bericht auf stuttgarter-kickers.de

FC Carl Zeiss Jena - SC Paderborn 07 2:4

Tore: 1:0 Hähnge (1.), 1:1 Güvenisik (4.), 1:2 Güvenisik (8.), 1:3 Löning (33.), 2:3 Hähnge (74.), 2:4 Kumbela (80.)
Jena: Nulle; Wallschläger, Müller, Wuttke, R. Schmidt; Eckardt, Riemer (46. Amirante), Hansen, Schembri (65. N. Petersen), Sträßer; Hähnge
Paderborn: Jensen; Gonther, Wachsmuth (71. Holst), Mohr, Halfar; Brandy (82. Fischer), Krösche, Alushi, Lindemann; Güvenisik (79. Kumbela), Löning

Zuschauer: 2570

Schiedsrichter: Schumacher (Oberhausen)

Spielbericht
Das heutige Spiel war schon beim Blick auf die Aufstellungen der beiden Mannschaften hochbrisant, denn einige Akteure hatten bereits beim jeweils anderen gespielt oder standen, wie im Fall von Holst, Kumbela und Dotchev, einst auf der Gehaltsliste der Schlimmfarbenen aus der Landeshauptstadt. Auf Paderborner Seite standen mit Toni Wachsmuth und Sercan Güvenisik zwei Akteure in der Startelf, die einst für Jena gespielt hatten - neben dem unvergessenen Kasper Jensen, der durch manch unglückliche Aktion zu Zweitligazeiten in Erinnerung geblieben ist. Und auch auf Jenaer Seite stand mit Carsten Nulle ein Ex-Paderborner auf dem Platz, der mit seinen Paraden der Garant für die aktuelle Serie von sechs Spielen ohne Niederlage ist. Zudem sorgte natürlich die Strafe des DFB für Gesprächsstoff, durch die die Zuschauerzahl auf lediglich 2500 Zeiss-Fans sowie potentiell 500 Paderborner limitiert worden war.

Schiedsrichter Schumacher hatte die Partie grade erst angepfiffen, als er schon wieder in Richtung Mittelkreis zeigen musste. Der fulminante Beginn des FCC ließ vieles erhoffen und versprach einen aus Jenaer Sicht schönen Fußballnachmittag, denn nach nicht einmal einer Minute Spielzeit hatte Sebastian Hähnge bereits eine Flanke Sträßers aus Nahdistanz eingeköpft. Der von den Jena-Fans gelegentlich an die Vorsaison erinnerte Mann im Tor der Gäste sah hierbei nicht all zu gut aus. Er war allerdings auch von seinen Vorderleuten im Stich gelassen worden, denn wirklich bedrängt wurde Hähnge von niemandem. Leider waren aber nicht nur die Paderborner Verteidiger noch nicht richtig wach, denn nur drei Minuten später versäumt es die Jenaer Abwehr, eine Gäste-Ecke konsequent zu klären. Der herausgeköpfte Ball wird also prompt wieder in den Jenaer Strafraum geflankt und von Riemer unglücklich zum langen Pfosten verlängert, wo der völlig frei stehende Ex-Jenaer Sercan Güvenisik aus spitzem Winkel keine Mühe hat, den Ball im Tor unterzubringen. Und Güvenisik, der im Jenaer Trikot nie richtig überzeugen konnte, spielte auch weiterhin groß auf. Bereits in der achten Spielminute macht die Jenaer Abwehr nämlich erneut einen katastrophalen Eindruck, als ein einziger langer Ball die komplette Abwehr aushebelt. Güvenisiks Sturmpartner Löning setzt sich gegen den einzigen Jenaer Verteidiger Wuttke durch und läuft allein in den Strafraum, spielt uneigennützig quer zu Güvenisik, der erneut völlig unbedrängt keine Mühe hat, den Ball aus sieben Metern am chancenlosen Nulle vorbei im Tor unterzubringen.
Drei Tore und zwei Abwehrreihen im Tiefschlaf, so das Fazit nach acht Minuten. Und wenn Jenas Torhüter Carsten Nulle die Bälle von Alushi (13.) und erneut Güvenisik (15.) nicht pariert hätte, wäre das Spiel trotz des verheißungsvollen Beginns bereits an dieser Stelle entschieden gewesen. Und was machte der FCC? Nach vorne erschreckend wenig, auch weil jede Offensivaktion von den Unparteiischen mit dem Heben der Abseitsfahne quittiert wurde. Nach 25 Minuten hat Wallschläger Glück, als der insgesamt wenig souveräne Schiedsrichter ihm für ein Foul an Güvenisik, das man durchaus als Notbremse hätte auslegen können, nur die gelbe Karte zeigt. Wieder einmal hatte ein simpler langer Ball der Paderborner die Jenaer Hintermannschaft in arge Bedrängnis gebracht. Ein weiteres Tor der Gäste, die immer wieder ungestört ihr Spiel aufbauen konnten, lag in der Luft. Zwölf Minuten vor der Pause sieht die Jenaer Hintermannschaft erneut nicht gut aus, als ein schneller Gegenzug der Gäste über Güvenisik nicht gestoppt werden kann. Der zweifache Torschütze spielt diesmal auf den mitgelaufenen Löning, der aus leicht abseitsverdächtiger Position keine Mühe hat, Jenas Schlussmann mit einem Heber zum 1:3-Halbzeitstand zu überwinden. Vor allem die scheinbare Mühelosigkeit, mit der die Gäste die Jenaer Abwehr ein ums andere mal überwanden, überraschte nach den zuletzt guten Auftritten der Jenaer Defensive. Der erste gefährliche Angriff der Gastgeber nach dem 1:0 aus der ersten Minute kam erst in der 33. Minute zustande, als Hansen mit einem schönen Volleyschuss die Fähigkeiten von Gäste-Keeper Jensen testete, der den Ball allerdings gut parierte. Bis zur Halbzeit spielten dann wieder die Gäste und zeigten, wer heute der Herr im Haus war. Güvenisik nach einer Ecke in der 39. und Krösche mit sehenswertem Volley-Schuss in der 44. scheiterten jedoch an Nulle beziehungsweise dem Lattenkreuz. Unterm Strich eine Halbzeit zum Vergessen, die den 2500 Jena-Fans außer dem frühen Tor wenig Grund zur Freude bot.

Und auch die zweite Halbzeit begann so, wie die erste endete. Ein Lindemann-Solo konnte erst durch Nulle beendet werden, der über weite Strecken der einzige Jenaer war, der Normalform erreichte. In der 53. Minute sorgte dann noch einmal Jena für Gefahr, Hähnge fand jedoch bei seinem Schuss aus der Drehung in Jensen seinen Meister. Zu dieser Zeit sorgte auch ein Transparent auf den von der Tribüne gut einsehbaren Kernbergen für Ablenkung, auf dem die Medienberichterstattung der letzten Wochen mit der imaginären Schlagzeile "Sensationsgeilheit bestraft Fans" kritisiert wurde. Die Jenaer zeigten auch in der Folge weitere Offensiv-Aktionen, der Kopfball des zur Halbzeit eingewechselten Amirante sowie der Schuss von Eckardt verfehlten das Gäste-Tor allerdings deutlich. Einen Konter über Hansen in der 63. Minute spielte der FCC nicht konsequent genug aus, denn wenn Amirante den Ball zum frei nebenher laufenden Schembri gespielt hätte, wäre vielleicht mehr herausgesprungen als der Schuss des Italieners, der für Jensen leichte Beute war. Neun Minuten später kommt Sebastian Hähnge nach einer Amirante-Flanke frei zum Kopfball und hat aus kurzer Distanz auch dieses mal keine Mühe, den Ball zu verwerten - 2:3 und das Spiel schien wieder offen. Der Jenaer Anhang erinnerte den vor allem bei hohen Bällen wie gewohnt unsicheren Kasper Jensen im Tor der Paderborner freundlich an seinen Auftritt in Köln, als er noch das Jenaer Tor hüten sollte. Allerdings versäumten es die Spieler des FCC, solche Situationen häufig genug heraufzubeschwören und Jensen so in Fehler zu drängen. Kurz nachdem Gäste-Trainer Dotchev acht Minuten später den Ex-Erfurter Kumbela eingewechselt hatte, waren die Jenaer Hoffnungen auf einen Endspurt nach Maß allerdings dahin. Der Eingewechselte hatte wenige Sekunden nach seiner Einwechslung seinen ersten Ballkontakt, schoss aus 18 Metern aufs Jenaer Tor und der Ball flog unhaltbar in die lange Ecke zum 2:4. Frei nach Franz Beckenbauer konnte man spätestens jetzt ganz genau sehen, dass die Jenaer eben keine Kölner sind und folglich dann auch in der Schlussphase näher am 2:5 als am 3:4 waren. Durch das Tor von Kumbela war der letzte Jenaer Wiederstand offenbar gebrochen, selbst die letzten Minuten waren nicht besonders druckvoll und so verwehrten die Jenaer Kasper Jensen jede Chance, sich weiter auszuzeichnen. Leid tun musste einem vor allem Carsten Nulle, der wirklich jeden haltbaren Ball, der auf sein Gehäuse kam, auch hielt - und gegen seine ehemaligen Mitspieler dennoch vier mal hinter sich greifen musste. Trotz des Ergebnisses war immerhin eindeutig, dass der FCC beim Torhütertausch zwischen den Spielzeiten das bessere Geschäft gemacht hatte.

In der nächsten Woche muss der FCC nach Stuttgart zu den Kickers, die momentan den vorletzten Tabellenplatz belegen und angesichts des schmelzenden Abstands zu den Nichtabstiegsplätzen unbedingt besiegt werden sollten. Unabhängig vom Ergebnis des Spiels in Stuttgart muss man allerdings feststellen, dass das Saisonziel des FCC wohl auch in dieser Saison nur Klassenerhalt heißen kann. <bh>

Spielbericht auf scpaderborn.de
Kommentar auf fansmedia.org

SV Werder Bremen II - FC Carl Zeiss Jena 0:0

Bremen: Mielitz - Holsing, Schmidt, Stallbaum, Andersen - Ronneburg, Diekmeier (79. Kempe), Perthel, Artmann (78. Feldhahn) - Heider (61. Testroet), Oehrl
Jena: Nulle - Schmidt, T. Petersen (27. Sträßer), Müller, Wuttke - Riemer - Ullmann (84. Amrhein), Eckhardt, Hansen, Wallschläger - Hähnge (81. N. Petersen)

Zuschauer: 500

Schiedsrichter: Frank (Hannover)

Spielbericht
Wer bislang die Fragwürdigkeit des Mitwirkens zweiter Mannschaften in einer als Profiliga gedachten Spielklasse des DFB anzweifelte, dem dürfte die Absurdität dieser Regelung auf Platz 11 des Weserstadions schmerzhaft vor Augen geführt worden sein. Etwa 200 einheimische Zuschauer, etwas weniger Polizisten und etwas mehr Gästefans in einer Umgebung, die die Trostlosigkeit von Neugersdorf bis Laubegast noch überbot.

Manch einer musste gar noch weiter in die Vergangenheit zurück blicken, um sich an eine derartig höhepunktarme Begegnung erinnern zu können. Exakt drei Torchancen gab es in den ersten 45 Minuten zu bestaunen, nur eine davon für den FCC, als zunächst Robert Müller völlig freistehend sieben Meter vor dem Keeper das Kunststück fertig brachte diesen anzuschießen und auch Riemer den zurückgeprallten Ball per Kopf aus Nahdistanz nicht im Gehäuse unterbrachte. Carsten Nulle auf der Gegenseite hatte zwar etwas mehr zu tun als sein Gegenüber, brauchte bei zwei halbgefährlichen Standards nicht einzugreifen, war dann aber gleich zwei mal mächtig gefordert, als er Timo Perthels Fernschuß-Granate zur Ecke klärt (29.) und nur wenige Minuten gegen den allein auf ihn zusteuernden Heider sensationell pariert. Ansonsten passte sich das Gekicke zweier ebenso spielerisch limitierter wie offensiv uninspirierter Mannschaften der Tristesse drum herum nahtlos an, man mochte kaum hinschauen und erging sich lieber in Diskussionen über van Ecks etwas überraschende Aufstellung. Amirante und Schembri ("schlecht trainiert") fielen aus der Aalen-Aufstellung, dafür rückte der junge Wuttke und Debütant Ullmann ins Team, was gleich eine Reihe von Umstellungen zur Folge hatte. Wuttke bekam die Position des rechten Außenverteidigers zugeteilt, Wallschläger rückte somit ins rechte Mittelfeld nach vorn, Ullmann übernahm Eckardts Position im linken Mittelfeld, der sich wiederum zentral neben Nils Hansen direkt hinter dem in die Spitze zurückgekehrten Hähnge probieren durfte. Zu allem Unglück verletzte sich nach 25 Minuten auch noch Tim Petersen, für ihn kam Carsten Sträßer ins Spiel und übernahm das rechte Mittelfeld, während Wallschläger wieder zurück rutschte und Wuttke den Innenverteidiger mimte. Unter dem Strich also gleich acht Veränderungen und vielleicht ein Erklärungsansatz für das Kombinations-Stückwerk beim FCC, nicht aber für die saftlose Körpersprache von Beginn an.

Personelle Änderungen nahm van Eck nach dem Seitenwechsel zur Überraschung vieler keine vor, aber zumindest das Auftreten änderte sich, Jena wurde nun seiner Favoritenrolle optisch gerechter, in wirklich zwingende Offensivaktionen mündete dies jedoch weiterhin kaum. Während Bremens Spiel nach vorn völlig zum Erliegen kam, hatte Martin Ullmann nach 67 Minuten und schönem Zusammenspiel mit Hähnge die Führung auf dem Fuß, doch konnte Mielitz den Schuß aus spitzem Winkel noch um den Pfosten lenken. Wiederum Mielitz war es, der sieben Minuten später einen wunderbaren Freistoß von Ralf Schmidt aus dem Winkel fischte. Dann war die druckvollste Phase der Gäste auch schon wieder vorbei und man wusste nicht, ob man den Abpfiff herbei sehnen, oder doch lieber auf ein Wunder hoffen sollte. Van Eck wechselte sehr spät, brachte in den letzten 10 Minuten Amrhein und Nils Petersen. Letzterer hatte in der Nachspielzeit noch den Hauch einer Chance, die aber ebenso verpuffte wie Bremens Eckball, den Sträßer kurz vor der Linie entschärfte. Die Worte, die sich jener Sträßer dann nach dem Abpfiff am Zaun gefallen lassen musste, waren derb, und auch van Eck schien überrascht ob der Wut bei Jenas Anhang. Doch wenn man als Fan des FC Carl Zeiss Jena solche Leistungen als Maßstab anzuerkennen beginnt, sind Neugersdorf und Laubegast wirklich nicht mehr allzu weit weg. <gunner>

FC Carl Zeiss Jena - VfR Aalen 1:1

Tore: 1:0 Müller (35.), 1:1 Alder (88., FE)
Jena: Nulle; Wallschläger, Müller, T.Petersen, R. Schmidt; Eckardt (83. Sträßer), Riemer, Hansen, Hähnge, Schembri; Amirante (75. N. Petersen)
Aalen: Linse; Schöckel, Sichone, Alder, Stegmayer; Haller (81. Okic), Stickel, Bohl (46. A. Mayer), Andersen; Sailer, Shynder

Zuschauer: 5542

Schiedsrichter: Aytekin (Oberasbach)

Spielbericht
Nachdem man unter der Woche beim 2:2 gegen Burghausen zwei Punkte durch schlechte Chancenverwertung verschenkt hatte, wollte der FC Carl Zeiss gegen den Tabellennachbarn aus Aalen unbedingt gewinnen. Sowohl Aalen als auch Jena sahen sich vor dem Spiel am Beginn eines Aufwärtstrends und wollten selbigen natürlich fortsetzen.

Drei Ecken in den ersten drei Minuten sind ein klares Indiz für den druckvollen Beginn beider Mannschaften. In der Anfangsphase hatten die von Jürgen Kohler, seines Zeichens ehemaliger Weltfußballer des Jahres 1997, trainierten Gäste deutlich mehr vom Spiel als der seit vier Spielen ungeschlagene FCC. Die Aalener versäumten es allerdings, aus mehreren guten Freistoßpositionen sowie insgesamt drei Ecken in der ersten Viertelstunde auch zwingende Torchancen resultieren zu lassen, sodass Jenas Torhüter Carsten Nulle nicht zum Eingreifen gezwungen war. Aber auch der FCC präsentierte sich bis hierhin ungefährlich und verweigerte Gäste-Torhüter Linse jede Möglichkeit, sich auszuzeichnen. In Minute 17 dann endlich die erste gefährliche Aktion der Jenaer - und beinahe wäre Jena schon jetzt, zu diesem Zeitpunkt allerdings unverdient, in Führung gegangen. Nach einer schönen Flanke von Ralf Schmidt, der sowohl defensiv als auch offensiv eine gute Figur abgab, war es der diesmal im Mittelfeld spielende Sebastian Hähnge, der den Ball an den linken Außenpfosten köpfte. Selbigen hatte er bereits am Dienstag gegen Burghausen an gleicher Stelle und aus ähnlicher Position getroffen, was freilich weder ihm noch dem FCC etwas nützte. Der Pfostentreffer hatte allerdings immerhin den Effekt, dass in der verbleibenden halben Stunde bis zur Halbzeit das Spiel klar in Jenaer Hand war. Nach einem Schmidt-Freistoß lag Gäste-Torhüter Linse dann bereits zum zweiten Mal von Betreuern umgeben am Boden, nachdem erst Amirante in der 12. und nun sein eigener Mitspieler Moses Sichone in der 24. Spielminute mit ihm zusammengestoßen waren. Davon unbeeindruckt musste er kurz darauf mit ansehen, wie Jena nach einer Gäste-Ecke über den insgesamt glücklosen Schembri, den erneut starken Eckardt sowie Kapitän Niels Hansen einen schönen Konter spielte, bei dem Hansen erst in letzter Sekunde vom Torschuss abgehalten werden konnte. Dennoch war der FCC nun endgültig wach und nur drei Minuten später war es erneut Eckardt, der mit einer präzisen Flanke von der rechten Außenbahn Hansen bediente, dessen Kopfball aus kurzer Distanz auf die Querlatte prallte und sich von dieser direkt in Richtung des mitgelaufenen Robert Müller bewegte, der aus zwei Metern Entfernung nur noch einnicken musste und dadurch für paradiesische Stimmung auf den Rängen des Ernst Abbe Sportfelds sorgte. Da Jena bis hierhin die einzige Mannschaft war, die sich zwingende Torchancen erarbeiten konnte, ging die Führung auch in Ordnung. Kurz vor der Halbzeit hatte Eckardt dann sogar die Chance zum 2:0, sein Schuss von der Strafraumecke verfehlte das Tor allerdings um gut zwei Meter.
Und die Gäste? Die erspielten sich zwar in der ersten Halbzeit nicht weniger als sechs Ecken und gestalteten das Spiel insgesamt ausgeglichen, allerdings fanden die meist vom Ex-Jenaer Michael Stegmeyer getretenen Ecken ihren Abnehmer in aller Regel in Person von Carsten Nulle und strahlten insgesamt wenig Gefahr aus.

In Halbzeit zwei bot sich den 5542 Zuschauern dann ein anderes Bild, was vor allem an den Gästen lag, die deutlich druckvoller aus der Kabine gekommen waren. Das Spiel fand nun vor allem in der Jenaer Hälfte statt und folgerichtig kam der VfR auch zu Torchancen. Der erst zur Halbzeit eingewechselte Andreas Mayer war an den meisten Offensivaktionen der Aalener beteiligt, fand bei seinen zwei eigenen Versuchen aber stets in Carsten Nulle seinen Meister. Zehn Minuten nach Wiederanpfiff war es aber noch einmal der FCC, der für Gefahr sorgte. Nach Vorlage von Amirante schoss der kampfstarke Hansen, der allerdings insgesamt keinen guten Tag erwischt hatte, flach aufs Tor der Gäste. Seinen Schuss konnte Linse zur Ecke abwehren, die anschließend von Schmidt gefährlich in den Strafraum geschlagen wurde und dort jede Menge Chaos anrichtete. Allerdings versäumten es gleich mehrere Jenaer, den Ball aufs Tor zu schießen und die eigentlich gute Chance verpuffte, ohne gefährlich gewesen zu sein. Im direkten Gegenzug gelingt den Gästen dann beinahe der Ausgleich: Konnte der erste Angriff noch abgewehrt werden spielt Kapitän Hansen den Ball nun in der Vorwärtsbewegung einem Gästespieler direkt in die Füße, die anschließende Andersen-Flanke von rechts segelt halbhoch durch den Jenaer Strafraum, wo gleich zwei Aalener verpassen, weil Nulle die Flugbahn des Spielgeräts noch mit den Fingerspitzen verändert hatte. Bei dieser Aktion wird er von einem gegnerischen Stürmer getroffen und muss kurz behandelt werden, kann aber zum Glück weiterspielen. Der FCC kann von Glück reden, dass die zahllosen simplen und völlig unnötigen Ballverluste im Spielaufbau vom heutigen Gegner nicht konsequent ausgenutzt worden sind. Mit Fehlpässen wie dem von Hansen brachte man die Gäste ein ums andere mal wieder ins Spiel und sich selbst um die Möglichkeit zum Kontern. Spätestens in der 69. Spielminute musste dann auch dem letzten Besucher klar geworden sein, wie wichtig Carsten Nulle am heutigen Tag für Jena war. Er kratzte einen Kopfball des eingewechselten Mayer, der sich gegen den stellenweise überforderten Wallschläger durchgesetzt hatte, aus der linken unteren Torecke und bewahrte Jena vor dem Ausgleich, der zu diesem Zeitpunkt durchaus verdient gewesen wäre.
Als Zeiss-Trainer René van Eck in der 75. Minute Niels Petersen für Salvatore Amirante ins Spiel brachte, flammte kurz noch einmal Gefahr für die Gäste auf. Der soeben eingewechselte bekam den Ball in zentraler Position und etwa 18 Meter vom Gästetor entfernt zugespielt, drehte sich schnell und schloss sofort ab - sein scharf geschossener Ball verfehlte das Gästetor allerdings knapp. Es sollte leider die einzige torgefährliche Aktion Petersens bleiben. Kurz darauf kamen die Gäste zu zwei weiteren guten Chancen und die auf der Anzeigetafel stehende Null war nun endgültig nur noch Nulle zu verdanken, der beide male großartig reagierte. In der 85. Minute ist dann selbst der großartig aufgelegte Nulle machtlos, der scharfe Schuss von Shynder fliegt allerdings haarscharf am Jenaer Gehäuse vorbei - die Erleichterung auf der Tribüne ist unüberhörbar. Sollte Jena tatsächlich mal wieder eine knappe Führung im Abbe-Sportfeld über die Zeit schaukeln und als glücklicher Sieger vom Platz gehen? Nein, so weit sollte es dann doch nicht kommen. Der im defensiven Mittelfeld spielende Marco Riemer war es, der den eingewechselten Okic zwei Minuten später im Jenaer Strafraum ungeschickt vom Ball trennte und Schiedsrichter Aytekin keine andere Wahl ließ, als auf den Elfmeterpunkt zu zeigen. Gäste-Kapitän Alder ließ sich nicht lange bitten, schickte den am Gegentor völlig schuldlosen Nulle in die rechte und den Ball in die linke Ecke - 1:1, doch noch der Ausgleich, drei Minuten vor Ende der regulären Spielzeit. Und obwohl der Elfmeterpfiff Aytekins noch nachvollziehbar war, gelang es diesem in den verbleibenden Minuten, den Unmut der Zeiss-Fans auf sich zu ziehen. Eine gute Konterchance des FCC unterbrach er ohne ersichtlichen Grund mit einem Freistoß für Aalen und sorgte kurz darauf für noch mehr ungläubiges Staunen, als er das Spiel pünktlich nach 90 Minuten abpfiff, obwohl die zweite Halbzeit genügend Anlass für mindestens drei Minuten Nachspielzeit gegeben hätte.

Unter dem Strich kann man das heutige 1:1 als leistungsgerecht bezeichnen, allerdings ist es aus Jenaer Sicht natürlich ärgerlich, dass der Ausgleich so kurz vor Schluss fällt. Der FCC ist nun zwar seit fünf Spielen ungeschlagen, allerdings gab es dabei auch nur zwei Siege. Bei der zweiten Mannschaft des SV Werder Bremen müssen nun unbedingt drei Punkte her, wenn man nicht dauerhaft in der unteren Tabellenhälfte verweilen will. <bh>

FC Carl Zeiss Jena - Wacker Burghausen 2:2

Tore: 1:0 Riemer (8.), 1:1 Schultz (17.), 1:2 Schultz (31.), 2:2 T. Petersen (77.)
Jena: Nulle; Wallschläger, Müller, T.Petersen, R. Schmidt; Riemer, Hansen, Schembri, Eckardt; Hähnge (67.N.Petersen), Amirante
Burghausen: Kern; Lastovka, Kresin, S. Wolf, Satilmis; Mitterhuber, Bonimeier, Calamita, Solga (89.Oslislo), Schultz; Galuschka (70.Chokchev)

Zuschauer: 5533

Schiedsrichter: Bibiana Steinhaus (Hannover)

Spielbericht
"Alle guten Dinge sind drei" - so oder ähnlich kann die Zielsetzung der Gäste aus Burghausen heute gelautet haben, denn sowohl im Dezember 2000 als auch knapp sechs Jahre später gingen die Kicker von Wacker bei ihren Besuchen im Ernst-Abbe-Sportfeld als Sieger vom Platz. Trotz des letzten Sieges vor zwei Jahren schafften es die Bayern am Ende nicht, die Klasse zu halten, während es bekanntermaßen die Jenaer mit ihrem Sieg am letzten Spieltag in Augsburg besser machten. Aber nur ein Jahr später musste sich auch der FCC von der 2.Liga verabschieden und so kam es heute zu diesem dritten Aufeinandertreffen beider Teams in Jena.

Jenas Coach René von Eck musste vor der Partie im Mittelfeld Veränderungen vornehmen, denn Torsten Ziegner, der für seine verbale Entgleisung im letzten Spiel gegen Braunschweig zu fünf Spielen Sperre verdonnert wurde, fehlte ihm erstmals als gesetzter Spieler. Salvatore Amirante rückte dafür für ihn in die Startelf zurück und man merkte dem FCC von der ersten Sekunde an, dass es das sprichwörtliche dritte Mal heute auf keinem Fall geben sollte. Beide Teams begannen recht flott und es entwickelte sich bereits nach fünf Minuten ein recht schnelles Spiel auf dem glatten Geläuf, bei dem Jenas Keeper Nulle bereits mehrmals mit Rückpässen ins Spiel integriert wurde. Acht Minuten waren vergangen und der FCC hatte seinen ersten Eckball. Der Ball kam von Schmidt hoch und scharf herein und Keeper Kern konnte den Ball nicht energisch genug wegfausten. Marco Riemer stand am langen Pfosten goldrichtig, ließ sich diese Chance nicht entgehen ließ und verwandelte sicher zum 1:0 für die Thüringer. Nach 17 Minuten stand erneut Riemer im Mittelpunkt des Geschehens, nur diesmal leitete er mit seinem verunglückten Querpass im Mittelfeld eine gute Konterchance der Burghausener ein. Diese schalteten blitzschnell auf Angriff um, mustergültig wurde Levente Schulz angespielt, der einfach mal aus 25m abzog und der Ball zappelte im Kasten. Jenas ansonsten sicherer Rückhalt Nulle rutschte in dieser Szene unglücklich weg, so dass der Ball ohne große Gegenwehr den Ball in die Maschen fand. Aber die Platzherren verdauten schnell diesen Schock des unglücklichen Gegentores, denn schon vier Minuten später hätte der FCC erneut führen können, wenn, ja wenn der schöne Kopfball von Hähnge nicht den Pfosten getroffen hätte. Aber die Jenaer drückten weiter und schnürten die Gäste förmlich in der Hälfte ein. Sekunden darauf erneut die Chance zur Führung, doch diesen Kopfball der Jenaer verhindert Satilmis per Kopfabwehr auf der Torlinie. Der Druck der Jenaer wurde immer größer und von Burghausen war im Angriffsspiel überhaupt nichts mehr zu sehen. Aber anstatt dass Hansen nach gut einer halben Stunde das mehr als verdiente 2:1 erzielt, avancierte sich Riemer mittlerweile zum Unglücksraben, als er im Mittelfeld ausrutschte und den harmlosen Gästen damit die nächste Torchance ermöglichte. Erneut Levente Schulz zog aus 16m ab und traf per Sonntagsschuss zur völlig unverdienten Führung für die Gäste. Aber trotzdem steckten die Jenaer in keiner Phase auf und wurden bereits im Gegenzug fast dafür belohnt, doch auch Schembri war das Glück nicht hold und der Ball verfehlte um Zentimeter das Ziel. Minuten vor der Pause hätte Youngster René Eckardt sein Tor machen können, doch seinen Schuss konnte Keeper Kern gerade noch abwehren.

Nach der Pause plätscherte das Spiel zunächst dahin und es dauerte bis zur 56. Minute, als Amirante es per Kopfball probierte, doch leider ging auch sein Ball knapp am langen Pfosten vorbei. Nach der mehr als glücklichen Führung der Gäste machten diese im Spiel nach vorn fortan nun gar nichts mehr und boten den Jenaern Angreifern kaum noch Raum. Aber der unbedingte Wille der Jenaer wurde nach 77 Minuten doch noch belohnt. Einen mehr als schmeichelhaften Freistoß zirkelte Ralf Schmidt vor das Gehäuse, Kern konnte diesen Ball nicht festhalten und Tim Petersen traf zum hoch verdienten und viel umjubelten Ausgleich. Aber ein Unentschieden war es eigentlich nicht, was die Jenaer heute erreichen wollten, und so drückten sie weiter und weiter, doch die Burghausener verstanden es nun, sämtliche Jenaer Angriffe kurz vor dem Sechzehner im Keim zu ersticken, und droschen einen nach dem anderen Ball aus der Gefahrenzone. Die Minuten vergingen, und dann hätte der eingewechselte Nils Petersen zwei Minuten vor Ultimo zum Matchhelden aufsteigen können, doch leider konnte Torwart Kern seinen Kopfball sicher parieren. Kurz darauf pfiff Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus ab und erneut verschenkte der FCC in einem gut geführten Spiel zwei wichtige Punkte.<vg>

Bericht auf sv-wacker.de

Eintracht Braunschweig - FC Carl Zeiss Jena 1:2

Tore: 0:1 Hähnge (44.), 1:1 Schied (78.), 1:2 Ziegner (81.)
Braunschweig: Fejzic; Wehlage (81. Eilers), Schanda, Brinkmann, Dogan (55. Kruppke); Danneberg, Pfitzner, Lenze, Rodrigues; Banser (46. Onuegbu), Schied
Jena: Nulle; Wallschläger, Müller, T.Petersen, R. Schmidt; Eckardt (90. N. Petersen), Riemer, Ziegner (RK, 86.), Hansen, Schembri (76. Wuttke); Hähnge

Zuschauer: 14.700

Schiedsrichter: Gagelmann (Bremen)

Spielbericht
Auswärtsspiele erlebt der Verfasser dieser Zeilen normalerweise vom Jenaer Fanblock aus. Lediglich Gastspiele in Braunschweig bilden da die Ausnahme. Werden sie doch zusammen mit der niedersächsischen Verwandtschaft von der Tribüne aus begutachtet. Von be-GUT-achten konnte beim letzten Aufeinandertreffen vor zwei Jahren allerdings keine Rede sein. Denn angesichts einer völlig uninspiriert zu Werke gehenden Jenaer Mannschaft mit einem Torhüter, der bei jedem hohen Ball in seinem Sechzehner daneben griff, geriet die damalige Vorstellung zur Blamage. Dass sie vom Ergebnis her mit 0:1 noch moderat ausfiel, war allein der Tatsache zu zuschreiben, dass die Eintracht als Tabellenletzter zu jener Zeit selbst in der Krise steckte.

Voller Hoffnung, diesmal eine ganz andere Jenaer Mannschaft präsentieren zu können, nahm ich wieder meinen Tribünenplatz ein. Die Art und Weise, in der Braunschweigs erster Angriff abgefangen, der Ball überlegt herausgespielt und in eine erste Schusschance Ziegners umgewandelt wurde, ließ aus Hoffnung recht bald Zuversicht werden. Es dauerte eine Viertelstunde, bis die Gastgeber zu ersten Torgelegenheiten kamen. Beim von Nulle parierten Kopfball stand Schied ohnehin im Abseits, ein Lenze-Freistoß strich am rechten Pfosten vorbei und eine Bogenlampe ebenfalls von Lenze senkte sich aufs Tornetz. Kurz danach bekam der FC Carl Zeiss einen Freistoß aus gut 25 Metern zugesprochen. Jenas Standartsituationen taugten in den letzten Wochen nicht unbedingt fürs Lehrbuch, doch insbesondere Torsten Ziegner hatte daran offensichtlich gearbeitet. Wie er das Leder über die Mauer aufs linke Dreiangel zog, zeigte alte, schon verloren geglaubte Klasse. Fejzic verhinderte mit einer Flugeinlage den Braunschweiger Rückstand.
In den folgenden zwanzig Minuten gab es hüben wie drüben keine Chancen zu notieren, wohl aber etliche gute Ballstaffetten auf Jenaer Seite zu bestaunen. Unter van Ecks Regie strahlen die Spieler mittlerweile ein viel höheres Selbstbewusstsein aus, untereinander wird auf dem Platz mehr kommuniziert und zumindest in der Defensivarbeit kommen die gezeigten Fortschritte schon einem Quantensprung gleich. Was zu Saisonbeginn Woche für Woche als individueller Fehler gebrandmarkt wurde, findet nun einfach nicht mehr statt. In solch einem Team fällt es dann auch leicht, ein Auswärtsdebüt vor großer Kulisse zu geben. A-Junior Rene Eckardt durfte für den angeschlagenen Sträßer auf der linken Seite von Anbeginn ran, von hier auch die Standards ausführen und kompensierte fehlende Erfahrung durch jugendlichen Elan. Schembri rückte dafür nach rechts. Der Malteser spielte bis zur vorigen Saison noch in Braunschweig, hat da nach eigenem Bekunden auch noch etliche Freunde - die anscheinend aber nicht in der Fankurve zu finden sind.
Zurück zum Spiel. Gemächlich steuerte die erste Halbzeit ihrem Ende entgegen, als Ziegner mit einem langen Pass Jenas einzige Sturmspitze auf die Reise schickte. Nun ist Sebastian Hähnge wahrlich nicht der Schnellste im Team, aber in der Ballbehauptung macht ihm so leicht keiner etwas vor. Mitte der Braunschweiger Hälfte nimmt er das Leder in Empfang, schleppt es bis auf Höhe des Elfmeterpunkts und - knallt es unter die Latte ! Während ich inmitten einer blaugelben Meute meinen inneren Jubel auf ein kleinstmögliches Maß Außenwirkung reduzierte (ungefähr so wie der Schütze selbst), vernahm ich mit Stolz die anerkennenden Worte rings herum für den Stürmer, der das stark gemacht hätte, obwohl doch der Gegenspieler förmlich an ihm dran klebte. Die ersten 45 Minuten waren wie das Wuppertal-Spiel auf eine Halbzeit komprimiert: Hinten sicher, wenig nach vorn, bis irgendwann der Hähnge sein Tor macht.

Die zweite Hälfte begann mit einem Konter über Hansen und Ziegner (50.) sowie einer Hereingabe Eckardts, die Hähnge nicht erreichen konnte, durch ein Missverständnis zweier Braunschweiger Verteidiger aber noch gefährlich wurde (52.). Erste Unmutsbekundungen der Einheimischen von der Tribüne wurden durch ein lautstarkes "Eintracht, Eintracht" aus der Kurve erstickt. Davon angestachelt startete der eingewechselte Onuegbu sein Solo. An Müller vorbei, zwischen Schembri und T. Petersen hindurch, schließlich auch noch Nulle umkurvend. Der Ausgleichstreffer schien unumgänglich. Doch er fällt nicht. Denn fast an der Grundlinie entlang laufend schiebt Braunschweigs Nummer 20 das Leder nur weniger Zentimeter weit an den Außenpfosten. Riemer und Petersen können daraufhin klären.
Sechs Minuten später, genau eine Stunde ist zu diesem Zeitpunkt gespielt. Wallschläger schlägt im eigenen Strafraum ein Luftloch. Lenze schießt sofort, verzieht aber deutlich. Jena behält in dieser ersten Druckphase des Gegners den Kopf oben. Kein blindes Herausschlagen, sondern kontrolliertes Herausspielen des Balles ist angesagt. So eröffnen sich Kontergelegenheiten wie jene in der 66. Minute über vier Stationen - Ziegner, Hähnge, Schembri und Hansen - bis zu Eckardt, dessen Schuss von Brinkmann zur Ecke gelenkt wird. Torsten Ziegners zweite Freistoßgelegenheit ergab sich in Minute 68, wieder aus 25 Metern, diesmal am Dreiangel vorbei.
Eine Auszeit wie noch vor der Pause nimmt sich dieses Spiel nun nicht mehr. Jetzt ist wieder Braunschweig dran. Onuegbu, Kruppke und Lenze scheitern im Zwei-Minuten-Takt. Immer häufiger geht der Blick zur Uhr. Keine Viertelstunde mehr. Bekommen die Jungs das 1:0 über die Zeit ? Nein, denn Braunschweig hat zu Beginn der Saison einen Neuzugang namens Marcel Schied aus Jena bekommen. Und wie der das Leder aus vollem Lauf präzise über den an der Torraumlinie stehenden, großgewachsenen Carsten Nulle hinweg ins Tor lupfte, hatte zweifellos Klasse. Entsprechend der Jubel im Braunschweiger Rund. Zwei Minuten später legt sich Torsten Ziegner das Leder erneut zum Freistoß, diesmal in geringerer Torentfernung, achtzehn Meter. Da explodiert ein Knallkörper vor dem Gästeblock, verletzt einen Ordner. Als hätten 12.000 Euro Strafe in dieser Woche nicht schon gereicht. Ziegner läuft zu den Fans, beruhigt. Dann wieder rüber zum Ball, schaut, sieht die Lücke in der Mauer. Fejzic spekuliert auf einen erneuten Schlenzer ins linke Dreiangel, macht einen Schritt in diese Richtung - doch Ziege hat diesmal rechts unten im Visier und dorthin kommt der Keeper zu spät. 2:1, neun Minuten vor Schluss ! Aber die Dramatik sollte sich noch steigern. Schied verletzt sich im Gesicht, Jena spielt den Ball fair ins Aus, bekommt ihn aber beim folgenden Einwurf nicht wieder. Das bringt Torsten Ziegner derart in Rage, dass er sich zu einer Beleidigung gegen Onuegbu hinreißen lässt. Schiri Gagelmann bekommt dies mit und zeigt die Rote Karte. So muss Jena in Unterzahl die letzten Minuten überstehen. In dieser Situation ist es nicht mehr möglich, den Ball geordnet in den eigenen Reihen zu halten. Jetzt heißt es nur noch, irgendwie weg damit. Onuegbu, Schied, der eingewechselte Eilers, sie alle haben den Ausgleich auf dem Fuß. Doch immer wirft sich ihnen ein Jenaer entgegen. Während ich genau auf Höhe des Jenaer Tores meine, tausend Tode sterben zu müssen, entschärft Nulle in der Nachspielzeit den nächsten gefährlichen Schuss von Marcel Schied. Die vierte Nachspielminute bricht an und Gagelmann pfeift noch immer nicht ab. Braunschweigs Keeper erzeugt eine Überzahlsituation von elf gegen neun. Doch Jenas Bollwerk hält dem Druck stand und sorgt dafür, dass ich mit dem Abpfiff doch noch in ungebremsten Jubel ausbreche und Glückwünsche entgegen nehme stellvertretend für eine großartig kämpfende Jenaer Mannschaft. <fc>

Bericht und Fotos auf eintracht.com
Beitrag auf fansmedia.org zum Zwischenfall in der 78. Minute

FC Carl Zeiss Jena - SG Dynamo Dresden 0:0

Jena: Nulle; Wallschläger, Müller, T.Petersen, R. Schmidt; Sträßer, Riemer, Ziegner (62. Amirante), Hansen, Schembri (13. Eckardt); Hähnge (72. N. Petersen)
Dresden: Keller; Cozza, Hübener, Palionis, Röttger (64. Pfeffer); Truckenbrodt, Wagefeld, G. Müller (85. Jungnickel), Nikol; Bröker (46. Kügler), Savran

Zuschauer: 12.263

Schiedsrichter: Wagner (Kriftel)

Spielbericht
Es gibt Spiele da fallen keine Tore. Und jeder kann es spüren. Die Erkenntnis senkt sich mit jedem verunglückten Zuspiel, jedem Schuß neben das Tor tiefer ins Stadion, bis sie mit bleierner Schwere alle Aktionen beherrscht. Wie Zement, der langsam fest wird. Es ist die Entschlossenheit, mit der die Spieler sich falsch herum drehen, die Präzision mit der jeder Paß um Haaresbreite im Aus landet, das ganze unerträgliche Bemühen, den Ball doch noch irgendwie über die Linie zu stochern. Wie die Scheibe Brot, die immer mit der beschmierten Seite nach unten auf dem Boden landet. Es ist unumstößlich! Es werden keine Tore fallen. Als Amirante gestern vom Elfmeterpunkt scheiterte, war das längst Gesetzmäßigkeit. Er konnte wahrscheinlich nicht mal viel dazu...

Zu diesem Zeitpunkt hatten wir schon mehr als 80 Minuten Gründerzeitfußball hinter uns. Die Versuchsreihe begann mit Hansens unnötigem Querpaß in die Mitte. Die Dresdner Viererkette vollständig ausgehebelt, waren da plötzlich nur noch er und sein Gegenüber Keller. Von so viel Einsamkeit überwältigt, trifft Hansen die falscheste aller Entscheidungen. Der Zuversicht auf eine frühe Führung folgt die tiefe Ernüchterung, weil Hübener vor dem verdutzten Hähnge klären kann (7.). Danach passiert nicht mehr viel bis zur Pause. Maßgeblicher Grund dafür ist wohl Schembris verletzungsbedingtes Ausscheiden (13.). Zwar ist Jena auch danach deutlich aktiver, der Angriffsschwung der ersten Minuten ebbt aber spürbar ab. Die Ideen weichen der Verunsicherung. Endlose Fehlpaßstafetten im vollgestellten Mittelfeld sind die Folge. Lediglich Müllers Kopfball über das Dresdner Tor (heißt nicht irgendein Rasthof an der A4 so?) löst noch mal ein leichtes Raunen auf den Rängen aus (29.). Wohl mehr aus Anstand...

Als Hähnge nach der Pause das erste Ding freistehend verkaspert, wird klar, Jena schießt heute kein Tor mehr (63.). Nach schönem Zuspiel verbummelt er massig Zeit, legt sich den Ball von einem Fuß auf den anderen und haut ihn dann unplaziert aufs kurze Eck. Der Mann macht mich schwach. Keller im Dresdner Tor wartet natürlich längst an der richtigen Stelle (63.). Die Frage, ob so viel Fahrlässigkeit eventuell bestraft wird, beantworten die Dynamos aber ebenso eindrucksvoll, als Savran den Ball aus drei Metern Torentfernung aus dem Spielfeld schiebt (66.). Wahnsinn! Man mußte Mitte der zweiten Hälfte wahrlich kein Prophet mehr sein, um auf ein torloses Unentschieden zu tippen.
Etwas mehr Schwung in Jenas Offensivspiel brachte die Einwechslung von Amirante. Zwar wirkte Jena durch die Herausnahme von Ziegner plötzlich deutlich konteranfälliger, die zusätzliche Anspielstation in der Spitze stellte Dresden aber vor ungeahnte Probleme. Als Palionis sich von Amirante im Stile eines Kreisklassekeglers umkurven läßt, kann eigentlich schon nichts mehr schiefgehen. Daß es Hähnge aber wieder nicht fertigbringt den Schrägschuß über die Linie zu drücken, schlägt dem Faß den Boden aus (69.). Da fällt mir nix mehr zu ein. Nur vier Minuten später verfehlt Amirante abermals das Tor und als sich zwei Jenaer nach einem brillantem Zuspiel von Eckardt (?) gegenseitig am Torschuß hindern, bin ich eigentlich schon zu faul zum Hinschauen (81.). Wie gesagt, es gibt Spiele, da fallen einfach keine Tore. Warum also sollte man sich verrückt machen? Unfreiwillig parodierte Dresdens Trainer Ruud Kaiser später die ganze Veranstaltung, in dem er gefühlte 20 Minuten versuchte, das schlampige Dresdner Konterspiel zu beklagen, die Ungenauigkeit des finalen Passes und überhaupt. Man wußte genau was er sagen wollte, aber er brachte es einfach nicht raus. Wie passend...

Es sind also - wie so oft - die kleinen Dinge, an denen wir uns erfreuen müssen. Wenn die Alten in ihren Erinnerungen kramen und von zwei Spielen ohne Gegentor berichten, klingt das fast schon nach Vorkriegsrhetorik. Aber das wir das noch mal erleben dürfen, läßt mich doch ein kleines Tränchen verdrücken. Bemerkenswert ist das vor allem deshalb, weil die Abwehr bis auf eine Ausnahme sattelfest war. Die Ordnung ging zu keinem Zeitpunkt verloren, ob es nun an Jenas Stärke oder Dresdens Schwäche lag, sei mal dahingestellt. Auch schön, daß sich Torsten Ziegner einen maßgeblichen Anteil an dieser Null (die hinter dem Doppelpunkt!) verdient hat. Nicht immer ganz glücklich agierend, so rackerte er doch unermüdlich durchs Mittelfeld und behielt in den Zweikämpfen meistens die Oberhand. Hoffentlich ein Neuanfang. Und dann war da ja noch das Debüt von René Eckardt. Als Ersatz für Schembri gebracht, kriegte er seine anfängliche Nervosität schnell unter Kontrolle und rechtfertigte van Ecks Courage durch einige vielversprechende Aktionen. Wirklich hoffnungsvoll. Schade, daß das alles nicht genug war. <bpf>

Fotos von Jens Weißenburger
Bericht und Fotos auf dynamo-dresden.de
Dresdner Auswertung der Vorfälle im Gästeblock

Wuppertaler SV - FC Carl Zeiss Jena 0:1

Tor: 0:1 Hähnge (72.)
Wuppertal: Maly; Schäfer, Stuckmann, Barg, Willers; Erfen (64. Heinzmann), Lorenzon, Lejan, Celikovic (46. Rietpietsch); Damm (78. Mahrt), Reichwein
Jena: Nulle; Wuttke, Müller, T.Petersen, R. Schmidt; Sträßer, Riemer, Hansen, Ziegner (68. Amirante), Schembri (90. N. Petersen); Hähnge

Zuschauer: 4364

Schiedsrichter: Blos (Altbach)

Spielbericht
Am 3. Oktober 2008 wurde die deutsche Einheit volljährig. Achtzehn Jahre gemeinsames West und Ost nahmen die Busfahrenden des Supporters Clubs zum Anlass, ihre Tour diesmal nicht auf die reine Anfahrt zum Stadion zu beschränken, sondern das nordrhein-westfälische Wuppertal näher kennen zu lernen. Zwar waren wir schon vor drei Jahren dort. Doch die Schwebebahn beispielsweise, nach Empfehlungen Einheimischer die größte Attraktion der Stadt, hatten viele von uns damals nur von außen gesehen.

Jenas neuer Trainer René van Eck stellte mit Andre Schembri einen Spieler auf die linke Seite, der eine Woche zuvor noch neunzig Minuten auf der Bank schmoren musste. Die taktische Ausrichtung blieb hingegen gleich; erst einmal hinten sicher stehen und den Gegner kommen lassen. Dieser hatte nach fünf Minuten einen gefährlichen Freistoßball Lejans zu bieten, den der nach abgesessener Gelb-Rot-Sperre wieder zwischen den Pfosten stehende Nulle um den Pfosten lenkte. Und wenig später noch eine Aktion, bei der T. Petersen dem zum Torschuss ansetzenden Gegenspieler im letzten Moment den Ball abnahm. Ansonsten wusste Jenas Defensive die Wuppertaler Spieler recht gut vom Tor weg zu halten, wenngleich dies auf der anderen Seite genauso gut gelang. Van Ecks Bestreben, mit einer gelernten Spitze und der offensiven Flügelzange Druck zu erzeugen, funktionierte nicht, da von Schembri im Angriff wenig und von Sträßer gar nichts kam. Wenn einer der Außen dem Prototyp des stürmenden Flügelspielers entsprach, dann der hierzulande nicht unbekannte Tim Erfen. Erfen lieferte sich mit Schmidt in Hälfte eins rassige Duelle, wobei Jenas Verteidiger seinen Gegenpart zunehmend besser in den Griff bekam und bis zu dessen Abwechslung schließlich völlig abgemeldet hatte. Schon kurz nach überstandener Verletzung ist Ralf Schmidt so zu einer wertvollen Verstärkung in der Viererkette geworden. Doch zurück zur Offensive. Mangels Nebenmann blieb Sebastian Hähnge zentral auf sich allein gestellt und es drängt sich die Frage auf, ob mit der Aufstellung nur eines gelernten Stürmers auf Dauer nicht unnötig Potential nach vorn verschenkt wird. Immerhin ist Salvatore Amirante noch immer unser bester Angreifer, wenn es nach der Torausbeute geht - und an nichts anderem werden Stürmer bekanntlich gemessen. Mit Nils Petersen haben wir zudem noch einen aktuellen Junioren-Nationalspieler auf der Bank. Der zaghafte Applaus der Jenaer Anhänger zum Pausenpfiff galt einzig und allein einer gut funktionierenden Defensive. Die eine Minichance von Hansen ist in 45 Minuten ganz einfach zu wenig, zumal sie noch aus einem Eckball resultierte.

Blieb also die Hoffnung auf die zweite Halbzeit und tatsächlich, wie schon gegen Union forcierten Jenas Fußballer nach Wiederanpfiff ihr Angriffsspiel. Nicht ganz so vehement wie eine Woche zuvor, aber mit Chancen durch Riemers Seitfallzieher (50.) und der schönen Zusammenarbeit von Hansen und Hähnge auf der linken Seite, die in der Mitte keine Fortsetzung fand (53.). Leider blieb die Quote an Ungenauigkeiten noch immer zu hoch. Jenas Spieler liefen praktisch ihren eigenen Fehlern hinterher.
Eine strittige Szene ereignete sich nach knapp einer Stunde: Hansen erkämpft den Ball, läuft in die Mitte, spielt in den Lauf von Schembri, der im Strafraum zu Fall kommt. Sicher, eine Berührung durch den WSV-Verteidiger war zweifelsfrei gegeben, doch rechtfertigte diese einen Elfmeter ? Der Schiri sagte nein und tat dies konsequenterweise auch später bei einer ähnlich gelagerten Szene auf der anderen Seite. Niels Hansen war jetzt richtig auf Touren, versuchte es zwei Minuten später auf eigene Faust, doch fehlte es seinem Schuss an der nötigen Schärfe. Hatte auf den Rängen in den ersten 45 Minuten noch Lethargie geherrscht, weil es einfach nichts gab, wodurch der Funke überspringen konnte, fanden die Zuschauer nun allmählich etwas Gefallen am Geschehen auf dem Rasen. Uns gefiel, dass mit Amirantes Hereinnahme für den blass gebliebenen Ziegner ein Signal von außen gesetzt wurde - hier muss heute ein Sieg her ! Und siehe da, kaum waren zwei Stürmer auf dem Platz, zappelte der Ball im Netz. Riemer spielte in der entscheidenden Szene Schmidt an, der düste bis zur Grundlinie und brachte eine Flanke zur Torraumgrenze. Dort stieg Sebastian Hähnge hoch und drückte das Leder per Kopf in die Maschen. Die Gastgeber vermochten auch in der Folgezeit Jenas Abwehr mit einem souveränen Tim Kay Petersen nicht ins Wanken zu bringen. Es war höchstens ein leichtes Pendeln, vergleichbar mit dem der Wuppertaler Schwebebahn am Stationshalt. Nur einmal, in der 88. Minute, drohte sie aus den Angeln gehoben zu werden. Da bekam Wuppertal in 18 Metern Torentfernung einen Freistoß zugesprochen. Der Ausgleich kurz vor Schluss ? Wäre ja nun wirklich nicht zum ersten Mal. Der flach gehaltene Freistoßball pfiff jedoch am Pfosten vorbei ins Aus.
Die Nachspielzeit lief bereits, als Nils Petersen in guter Position nicht schoss, sondern einen Haken schlug, und noch einen und noch einen - und als sich vor ihm genügend Verteidiger angesammelt hatten, passte Petersen rüber auf den freistehenden Amirante. Der konnte sich die Ecke aussuchen, lupfte aber übers leere Tor. Jene vergebene Hundertprozentige werden sich die beiden auf der Rückfahrt noch mal durch den Kopf haben gehen lassen, denn so empfiehlt man sich halt auch nicht für einen Platz in der Startelf. Allerdings trug diese Szene keinen spielentscheidenden Charakter mehr. Ertönte doch gleich nach ihr der Schlusspfiff.

Am Tag der deutschen Einheit flossen drei Punkte von West nach Ost. Und beendeten eine sechsmonatige Durststrecke an Auswärtssiegen für den FC Carl Zeiss Jena. <fc>

Bericht auf wuppertalersv.com

FC Carl Zeiss Jena - 1.FC Union Berlin 1:2

Tore: 0:1 Biran (37.), 1:1 Hansen (47.), 1:2 Stuff (67.)
Jena: Kraus; Wuttke, Müller, T.Petersen, Sträßer; Hansen, Ziegner (75.N.Petersen), R.Schmidt, Riemer, Kolitsch (45.Wallschläger); Hähnge (81.Amirante)
Union: Glinker, Ruprecht, Göhlert, Stuff, Kohlmann; Younga-Mouhani, Mattuschke, (65.Patschinski), Bemben, Dogan, Gebhardt (85.Menz); Biran (90.Jahn)

Zuschauer: 8974

Schiedsrichter: Seitwert (Merzig-Merchingen)

Spielbericht
Blauer Himmel, warme Temperaturen und Sonne pur sorgten dafür, dass dem Ost-Klassiker ein würdiger Rahmen geschaffen wurde. Aber leider konnten die Kicker des FCC dieses Geschenk des Himmels nicht nutzen und vermasselten am Ende unglücklich das Debüt ihren neuen Trainers René van Eck.

Die Richtlinie des neuen Trainern war sofort zu erkennen, denn mit nur einer echten Spitze (Hähnge) wollte man am heutigen Tage zunächst die Abwehr stabilisieren und nach dem gelungen Pokalspiel gegen Frankfurt unter der Woche erneut zu Null spielen. Daher passierte in den ersten Minuten fast gar nichts auf dem Feld, denn die Berliner kamen nicht so recht aus ihrer Deckung heraus und die Jenaer taten ihnen ebenfalls diesen Gefallen nicht. So dauerte es bis zur 23. Minute, dass die Platzherren durch einen gefährlichen Freistoss von Ziegner zur ersten nennenswerte Torchance kamen. Doch leider nahm Ziege zu genau Maß und schlenzte das Leder zwar gefühlvoll, aber an die Latte. Die Tormöglichkeit beflügelte ein wenig, denn die Jenaer wurden fortan mutiger und spielten aggressiver nach vorn. Von den Gästen aus der Hauptstadt war nun gar nichts mehr zu sehen, doch die Jenaer vermochten es in dieser Phase trotzdem nicht, sich gute und hochkarätige Torchancen zu erarbeiten. Es lief bereits die 37.Minute, als ein Berliner von links mit einer gefühlvollen Flanke auf den kurzen Pfosten seinen Mitspieler Biran bediente. Dieser nahm diese Flanke gerne an und versenkte aus Nahdistanz per Kopf zum 0:1 für die Gäste. Trotz dieses unglücklichen Rückstandes setzten die Jenaer sofort nach und nur vier Minuten später hätte Riemer mit seinem Flugkopfball das Jenaer Stadion in einen Hexenkessel verwandeln können, doch leider ging sein herrlicher Hechtkopfball knapp am rechten Pfosten vorbei. Es liefen bereits die Nachspielminuten der ersten Halbzeit, als der FCC erneut zu einer guten Ausgleichschance durch wiederum Riemer kam, aber sein Schuss aus gut und gerne 20m ging über das Gebälk.

Wallschläger löste nach der Pause den unglücklich wirkenden Kolitsch ab, um über die verwaiste linke Seite für etwas mehr Schwung zu sorgen. Die Zeiss-Kicker kamen auch wie verwandelt aus der Kabine und setzten von nun an zur bedingungslosen Aufholjagd an. Zunächst konnte der einschussbereite Sträßer (47.) gerade noch vom Ball getrennt werden. Doch nur zwei Minuten später zappelte der Ball im Kasten der Berliner. Der erneut stark spielende Tim Wuttke hatte Hansen mustergültig mit einer herrlichen Flanke bedient, und dieser nahm diese Chance an und donnerte das Leder aus 7m per Seitfallzieher in die Maschen. Danach wollten die Jenaer Zuschauer ihren Augen kaum glauben, denn die Kicker des FCC brannten, beflügelt durch den verdienten Ausgleich, fortan ein Powerplay ab, wie man es lange nicht erlebt hatte. Allein Hähnge hätte sich in den kommenden acht Minuten (52., 54., 60.) berühmt schießen können, doch leider gingen seine herrlichen Schüsse allesamt knapp am Pfosten vorbei oder zischten über das Tor. Und so kam es, wie es in solchen Fällen häufig passiert. Der FCC war zwar klar das bessere Team auf dem Platz und es hätte nach einer Stunde schon gut und gerne 5:1 stehen können, doch das Tor machten die Berliner. Bei einem Eckball (67.) blieb Ersatzkeeper Kraus, der am heutigen Tag den Gelb-Rot gesperrten Nulle vertrat, auf der Linie stehen. Stuff nahm dieses Angebot an und köpfte zur erneuten Führung für die Kicker aus Berlin ein. Dieser Schock des erneuten Rückstandes war dann doch zu viel für den FCC, denn das gesehene Powerplay fand mit diesem Gegentor sein jähes Ende. Acht Minuten vor Ultimo kam Amirante für Hähnge ins Spiel und durfte sich sofort mit einem Freistoß probieren, doch auch er hatte heute leider kein Glück, denn sein Schuss ging ebenfalls knapp über das Tor. Noch zwei Minuten zeigte die Uhr, da bekamen die Platzherren noch einmal Eckball. Die Berliner bekamen den Ball einfach nicht aus ihrer Gefahrenzone und Riemer nahm einen abprallenden Ball direkt auf und donnerte das Leder Richtung Tor. Doch leider stand Keeper Glinker in diesem Moment goldrichtig und bekam diesen wuchtigen Schuss unter Kontrolle. Nach 94 Minuten war dann Schluss und erneut konnten die Gäste im Jenaer Ernst-Abbe-Sportfeld jubeln.
Ein Unentschieden, wenn nicht sogar ein Sieg, wäre am heutigen Tage auf jeden Fall mehr als verdient und gerecht gewesen, aber im Fußball zählen eben allein die Tore. Auffällig war, dass die Jenaer Mannschaft besonders in der Abwehr bedeutend gefestigter stand als in den vergangenen Wochen, nun muss noch die Chancenverwertung verbessert werden, denn es waren die vielen vergebenen Tormöglichkeiten, die die Kicker des FCC am Ende um ihren verdienten Lohn brachten.<vg>

Fotos von Jens Weißenburger
Bericht auf union-berlin.de

Kickers Offenbach - FC Carl Zeiss Jena 2:1

Tore: 0:1 Hansen (33.), 1:1 Kokocinski (53.), 2:1 Fröhlich (78.)
Offenbach: Wulnikowski; Huber, Banouas, Hysky, Damm (46. Baier); Zinnow (69. Fröhlich), Kokocinski, Haas, Tosunoglu, Morys; Mesic (77. Albayrak)
Jena: Nulle (GRK, 90.); Riemer, Müller, Wuttke, Sträßer; Schembri, Ziegner (90. Dwars), Kolitsch (67. R. Schmidt), Hansen; Hähnge, N. Petersen (77. Amirante)

Zuschauer: 6500

Schiedsrichter: Sippel (München)

Spielbericht
(von Gastkommentator Jens Klebe)
Es dürfte in ferneren Tagen wohl schwierig sein, den Überblick zu haben, wer gegen Ende der ersten Dekade dieses Jahrhunderts so alles Trainer beim FCC war. Heute in Offenbach, ein Woche nach der fulminanten Heimpleite gegen das VfB-Bubi-Team, stellte sich Mark Zimmermann dieser Aufgabe. Daß er sie ernst nahm, zeigte u. a. seine gleich auf mehreren Positionen veränderte Startelf: Kolitsch gab den linken Verteidiger und Schembri, N. Petersen und Wuttke trugen das blaue FCC-Trikot von Beginn an.

Und dennoch starteten die Saalestädter in altbekannter Manier. Kaum waren 2 Minuten um, waren die Gastgeber schon zwei Mal gefährlich vor Nulle aufgetaucht. Dank Offenbacher Unvermögens und Nulles Wachheit blieben wir aber zunächst gegentorlos. Es folgten Minuten, die kaum Spielszenen, dafür unendlich viele Standards boten. Fast hätten wir sogar von einem solchen Freistoß profitiert, aber Ziegner setzte in der 4. Minute einen solchen ganz knapp nur neben das Tor. Auch die gelungenen Offensivaktionen gehörten dem FCC. Aber erst kam Petersen einen Schritt zu spät (5.) und dann erwischte Hansen eine Ziegner-Ecke nur mit dem Hinterkopf (10.). Die beste Chance bot sich jedoch Petersen, als er nach Ziegner-Ecke freistehend zum Kopfball kam, aber aus 5 Metern das Tor nicht traf.
Insgesamt waren dies wohl die besten FCC-Minuten seit langer Zeit, auch wenn die Ansprüche ja inzwischen eher bescheidener Natur sind. Sei's drum, die Unseren standen kompakt im Mittelfeld, es gelang ihnen dort auch schon so manche Balleroberung, die Offenbacher Spielfluß erst gar nicht aufkommen ließ, was diese aber mit einer erbärmlichen Strafraum-Schwalbe nach 16 Minuten zu kompensieren versuchten.. Da Ziegner seine Bewegungsarmut der letzten Wochen abgelegt hatte und Schembri die Offensive zu strukturieren versuchte, wirkte der FCC nach 20 Minuten überraschend gefestigt. Nur das Einlegen des Vorwärtsganges dauerte meist noch etwas zu lange, so daß selbst behäbige Offenbacher kaum in Schwierigkeiten gerieten. Als sie es nach schöner Schembri-Vorarbeit einmal waren, verrumpelte Petersen den Ball im Offenbacher Strafraum. Der bisher beste Angriff des Spieles führte dann auch prompt zum ersten Tor und nicht unverdient war der Torschütze ein Blauer. Direkt hatte Ziegner aus dem Mittelkreis Sträßer angespielt und der flankte millimetergenau von der rechten Seite auf den am langen Pfosten lauernden Hansen. Hansen wiederum erwischte den Ball perfekt mit der Stirn und wuchtete den Ball direkt zum 0:1 ins Tor. (33.) Gleich darauf hätte Hähnge sogar noch erhöhen können, verzog aber knapp. Und dann geschah Wundersames, denn der FCC verteidigte die Führung. Bis zur 35., bis zur 40., bis zur Pause! Auch wenn noch reichlich Fehlerhaftes geboten wurde, diese erste Halbzeit war respektabel und hatte durchaus ein klein wenig heilende Wirkung. Nicht glanzvoll, aber effektiv.

Glanz und Elend der gegenwärtigen FCC-Kicker-Generation waren dann exemplarisch in den ersten 10 Minuten von Hälfte Zwei zu erleben. Für den Glanz zeichnete mal wieder Nulle verantwortlich, als er einen von Mesic erschwalbten und Baier getretenen Elfmeter reaktionsschnell entschärfte, wobei Ziegner ihm zuvor die Lieblingsecke des Schützen anzeigte. (47.) Elendiges bot kurz darauf mal wieder eine bewegungs- und hilflose Jenaer Verteidigung, die den Offenbachern nach einer Ecke die Kopfballgelegenheit zum 1:1 auf dem Silbertablett präsentierte. Diese wußten das nach 55 Minuten auch dankend anzunehmen.
Wie seit gefühlten Ewigkeiten sich ständig wiederholend, nahm das weitere Elend nun seinen Lauf. Im Jenaer Angriff regierte Harmlosigkeit, im Mittelfeld ging zusehend die Ordnung verloren und unsere Außenverteidiger demonstrierten ihre altbekannten Schwächen. Nur Nulle erhielt uns mit derselben Beständigkeit die Hoffnung auf einen Punktgewinn. Erwähnt sei noch, daß endlich Ralf Schmidt wieder einsatztauglich ist, seine Einwechslung erlöste alsbald den unglücklich agierenden Kolitsch. Daß das 1:1 noch Bestand hatte, war auch der hochgradigen Dämlichkeit des rotweißen Offensivpersonals geschuldet. Schien nämlich Nulle tatsächlich mal geschlagen, demonstrierten die Hausherren ein erschreckendes Maß an Umständlichkeit, Unbeholfenheit und Tölpelhaftigkeit. Also wechselten sie Christian Fröhlich ein. Nur leider schienen einige Jenaer noch nicht mitbekommen zu haben, daß der den Arbeitgeber gewechselt hat und so stand Fröhlich nach einer flachen Hereingabe von rechts jenasellenallein vor dem Jenaer Tor und haute den Ball in dieses. (76.) Warum Sippel unmittelbar vor der Flanke seinen fahnenschwenkenden Linien-Assi ignorierte, blieb allerdings im Dunkel. Jenas Bemühen, ein Remis zu ergattern war zwar spürbar, aber viel zu zaghaft. Nur Riemer legte in der 84. Minute seine Zaghaftigkeit ab und drosch eine Hähnge-Ablage fulminant aufs Offenbacher Tor. Leider bekam Wulnikowski da noch irgendwie die Hände dran und auch den Nachschuß verzog Amirante, der inzwischen den harmlosen Petersen ersetzte, aus 15 Metern. Anschließend sorgte noch Jenas Keeper Nulle doppelt für Furore. Zunächst spielte er seine inzwischen erworbene Routine im Spiel 1 gegen 3 aus und vereitelte das sichere 3. Offenbacher Gegentor. Dann schaltete er sich in den vermeintlich letzten Jenaer Angriff ein und erntete prompt für seinen übermotivierten Kopfballeinsatz die GRK. Wer auch immer nun in Jena auf Mark Zimmermann folgen wird, er hat gleich zu Beginn noch ein Problem mehr. Doch mit Nulles baldiger Rückkehr dürfte dieses Problem schnell behoben sein. Für den Rest gilt dies jedoch nicht.

Es ist schon erstaunlich. Da präsentiert sich das Team nach der Vorwochen-Blamage über weite Strecken in einem ordentlichen, zumindest Hoffnung machenden Zustand, geht engagiert zur Sache und ist bemüht, an längst verschollen geglaubte Tugenden zumindest teilweise anzuknüpfen. Und dann, als man nach dem gehaltenen Elfmeter wirklich alle Trümpfe selbst in der Hand hat, setzt das große Flattern ein und binnen weniger Minuten wird all der mühsam erworbene Kredit wieder verspielt. Was soll man tun? Weiter versuchen, was sonst!

FC Carl Zeiss Jena - VfB Stuttgart II 0:6

Tore: 0:1 Rahn (4.), 0:2 Rahn (8.), 0:3 Riemer (37., ET), 0:4 Rahn (57.), 0:5 Hofmann (86.), 0:6 Schieber (87.)
Jena: Nulle; Riemer, Müller, A. Schmidt, Sträßer; Reuther (69. Amrhein), Hansen, Ziegner (46. N. Petersen), Kolitsch (37. Schembri); Hähnge, Amirante
Stuttgart: Ulriech; Funk, Pisot, Kovacevic, Enderle; Karikari, Träsch, Schieber, Gidavi (79. Kolinger); Rahn (82. Klauß), Schipplock (57. Hofmann)

Zuschauer: 6041

Schiedsrichter: Benedum (Mehlingen)

"Die Mannschaft hat den Trainer heute im Stich gelassen."
(Carsten Linke nach dem Spiel)

Drei Tage vor dem Match war Henning Bürger noch voller Zuversicht gewesen. "Mit dem Esprit, der in unserer Mannschaft herrscht, werden wir den Stuttgartern ein leidenschaftliches Spiel liefern", hatte er versprochen. So redet einer, der von seiner Arbeit überzeugt ist und zudem große Stücke hält auf seine Jungs. Tage später steht Bürger vor dem Scherbenhaufen einer Karriere, die pro forma eigentlich noch gar nicht begonnen hat, weil er gerade dabei ist, in Köln seinen Trainerschein zu erlangen. - Esprit ? Leidenschaft ? Die suchte er, suchten wir an diesem Tag in dieser Mannschaft vergebens.

Natürlich kann man Henning Bürger nicht freisprechen von in der Vergangenheit begangenen handwerklichen Fehlern. Ein kontinuierlicher Aufwärtstrend war unter seiner Regie nie auszumachen, weder in der zweiten Bundesliga noch in Liga drei. Und doch bist du als Trainer machtlos, wenn Fußballer, die es erwiesenermaßen besser können, Woche für Woche mit individuellen Patzern alles zunichte machen. Was zum Beispiel hat Niels Hansen vorm ersten Gegentreffer in der vierten Minute des Stuttgarts-Spiels geritten, den Ball ganze zwei Meter weit ins Niemandsland zu spitzeln, obwohl Kolitzsch um ein Vielfaches von ihm entfernt stand ? Warum begleitete Riemer bei den ersten beiden Toren seinen Gegenspieler lediglich anstatt ihn zu stören ? Gerade für das Zustandekommen des zweiten Gegentreffers müsste die Viererkette eigentlich Schmerzensgeld entrichten: Riemer griff nicht ein, Schmidt leitete das Leder unkontrolliert in die Mitte weiter, Müller stolperte über seinen eigenen Torwart und Sträßer ließ Rahn den Ball ungestört über die Linie drücken. So leicht hatten es sich die Stuttgarter in Jena nicht vorgestellt. Deren 35 mitgereiste Anhänger waren zwar akustisch nie auszumachen, tanzten aber schon nach acht Minuten Polonäse. Um aus dieser Karnevals- noch Katerstimmung werden zu lassen, hätte Hansens Ball aus 19 Metern nicht an die Lattenoberkante, sondern ins Tor fliegen müssen (20.). Oder Hähnge nach Doppelpass mit Amirante nicht freistehend um einen Meter verziehen dürfen. Mitte der ersten Halbzeit waren kurzzeitig mal Ansätze im Spiel nach vorn zu erkennen, doch die Abwehr ist in dieser Form weder in punkto Schnelligkeit noch beim Stellungsspiel drittligatauglich. Und so kommt es eben, dass man sich mangels Klasse dann auch noch die Bälle ins eigene Netz bugsiert.

Wer Amirantes Schuss nach Schembris Vorarbeit in der 48. Minute als Vorbote für eine versöhnliche zweite Halbzeit und den Kampf um Henning Bürgers Arbeitsplatz sah, wurde enttäuscht. Es kam noch dicker, obwohl Stuttgart längst nicht mehr hundert Prozent gab. Beim 0:4 waren Schmidt und Müller gedanklich nicht schnell genug, beim 0:5 Müller und Sträßer nicht energisch bei ihren Gegenspielern. Gibt es etwas Schlimmeres, als die eigenen Fans beim Gegentor jubeln zu hören mit höhnischem Gesang "einer geht noch, einer geht noch rein "? Oh ja, es gibt noch etwas Schlimmeres ! Nämlich mit ansehen zu müssen, wie VIER Stuttgarter in einer Reihe unbedrängt auf Jenas Torhüter zulaufen, ohne von einem einzigen Jenaer Feldspieler gestört zu werden und das halbe Dutzend voll machen. Selbst alteingesessene Fußballfans konnten sich hinterher nicht erinnern, solch eine Arbeitsverweigerung zuvor schon einmal erlebt zu haben. Durch sie erlebte der FC Carl Zeiss, der im Vorjahr die Profis des VfB in dessen Stadion niedergekämpft hatte, ein regelrechtes Debakel.

Es spricht für die Jenaer Anhänger, dass sich ihre Wut im Angesicht solcher Szenen diesmal nicht primär am Trainer entlud. Denn den hatten seine Spieler tatsächlich im Stich gelassen. "Bürger raus"-Rufe waren kaum zu vernehmen, stattdessen schallte es "Außer Nulle könnt ihr alle gehen" durchs Stadion. Der Torhüter war der einzige Lichtblick an diesem Tag. Ohne seine teils spektakulären Paraden wäre diese Niederlage möglicherweise zweistellig ausgefallen !

Carsten Nulle war hinterher der Einzige, der sich trauen durfte, gleich nach Abpfiff Fans und Journalisten gegenüber zu treten. Und auch er vermochte ihnen kaum in die Augen zu schauen: "Ich bin komplett leer, Stuttgart hat uns vorgeführt. Ich habe mal mit Freiburg in Mainz 1:6 verloren, aber da haben wir noch halbwegs Fußball gespielt." Und dann sagte er noch einen Satz, dem sich jeder Zuschauer bedenkenlos anschließen konnte:

"Was hier heute passiert ist, ist mir unbegreiflich"

<fc>

Bilder vom Wochenende
Bericht auf vfb.de

FC Bayern München II - FC Carl Zeiss Jena 2:1

Tore: 1:0 Yilmaz (20.), 2:0 Müller (41.), 2:1 Amirante (88.)
München: Kraft; Heinze, Saba, Niedermeier, Stierle; Müller (74. Schütz), Badstuber, Edici (86. Rieß), Stier (58. Benede); Yilmaz, Sikorski
Jena: Nulle; Riemer, Müller, Wallschläger (46. Kolitsch), Sträßer; Hansen, Ziegner (46. N. Petersen), Schembri, Reuther (75. Amrhein); Hähnge, Amirante

Zuschauer: 2500

Schiedsrichter: Siebert (Berlin)

Spielbericht:
So ein wenig Wehmut schwang wohl bei den meisten FCC-Fans mit, als sie am Freitagnachmittag kurz vor München die Allianz-Arena neben sich liegen sahen, aber anders als in den letzten beiden Jahren nicht den Blinker rechts setzen durften, sondern sich in Münchens wenig anheimelnden Süden durchschlagen mussten. In jenes Stadion, in dem der FCC vor 17 Jahren seine bayerische Premiere in der 2. Bundesliga feierte mit einem 0:0 gegen die Münchner Löwen. Da die schon lange nicht mehr auf Giesings Höhen kicken, musste man gegen eine jener ungeliebten Zweitmannschaften ran, die nun wirklich niemand in dieser Liga sehen möchte, abgesehen von Rummenigge und Co., und jenen FCB-Spass-Supportern, die mit einem emotionslosen 90minütigen Singsang für Dauerbeschallung im Stile eines Staubsaugers sorgten und ihre unverarbeiteten Probleme mit der deutschen Wiedervereinigung textlich verarbeiteten.

So unattraktiv der Gegner auch sein mochte, unbequem war er allemal, durfte er sich doch vor dem Anpfiff sportlich mit dem Etikett "Tabellenführer" schmücken. Davon war zu Beginn der Partie wenig zu sehen, Jena hatte die beiderseits vorsichtig geführte Begegnung im Griff und mit Reuthers Diagonalrakete (2.), Schembris Hinterhaltsschuss (6.) und Hähnges verzogenem Versuch (11.) auch so etwas wie Chancen. Doch da Jenas Offensivabteilung das Toreschießen von Spiel zu Spiel schwerer fällt, erinnerte man sich in der Hintermannschaft wohl daran, für Gefahr vor dem Gehäuse zuständig zu sein, dem eigenen wohlgemerkt. Die jungen Bayern hatten bis dahin noch nicht ein einziges Mal auf das Tor des wiederum fehlerlosen Nulle geschossen, da durften sie nach 20 Minuten schon die Führung bejubeln. Wallschläger, für den verletzten Bochud ins Team gerutscht, sah einen eigentlich harmlosen Ball aus der eigenen Hälfte der Bayern auf sich zu fliegen. Hätte der Ex-Hertha-Bubi mit dem klangvollen Vornamen Amadeus im Stile eines mozartschen Marsches in D-Dur agiert, kein Mensch hätte sich an jene Szene überhaupt erinnern können. Stattdessen ließ er das Leder mit der Sanftheit einer Griegschen Sonate von der Brust abtropfen, viel zu kurz und somit vor die Füße von Yilmaz, der Nulle nur umspielen und ins leere Tor einzuschieben brauchte. Fast hätte Amirante ein ähnliches Missgeschick auf der Gegenseite zum postwendenden Ausgleich nutzen können, doch die Kaltschnäuzigkeit war wohl der größte Unterschied an diesem Freitagabend zwischen Spitzenreiter und Möchtegernspitzenteam. 41. Minute, Schembri verliert den Ball in der eigenen Hälfte an Ekici und eskortiert diesen über das halbe Feld, der bedankt sich für soviel Passivität mit einem Zuspiel auf Müller, welcher vor dem seelenruhig zwei Meter hinter ihm hertrottenden Sträßer auf 2:0 erhöht.

Zwei Geschenke, zwei Tore, man war bedient im Gästblock und auch Henning Bürger hatte nur wenige Worte für seine Schützlinge parat, standen die doch nach nur sieben Minuten geschlossen wieder auf dem Rasen. Mit dabei Richard Kolitsch und Nils Petersen für das Duo Wallschläger/Ziegner. Um es vorwegzunehmen, Impulse setzen konnten beide Einwechsler keine, doch die damit verbundene taktische Umstellung auf eine Dreierkette nebst einer deutlich gesteigerten Lauf- und Kampfbereitschaft ließ den FCC nun wirklich dominant erscheinen, man schnürte die kleinen Bayern förmlich in ihrer Hälfte ein. Dass bei all dem Ballbesitz, bei all dem Herumgespiele um den gegnerischen Strafraum so gut wie keine klaren Einschussmöglichkeiten heraussprangen, legt das ganze Dilemma des Jenaer Spieles offen. Hähnge per Kopf nach einer Ecke (56.) hatte die größte Gelegenheit, Hansens per Glanzparade über die Latte gelenkter Schuss zwei Minuten später ist ebenfalls der Kategorie Großchance zuzuordnen, der Rest war Stückwerk und nicht weiterer Erwähnung wert. Stattdessen boten sich den Nachwuchsbajuwaren in der Folge zahlreiche Kontermöglichkeiten zur Resultatserhöhung, bevor Salvatore Amirante mit einem schönen Freistoßtor für den Anschluss sorgen konnte. Zu spät, denn in den verbleibenden vier Minuten wurde es nicht ein einziges Mal brenzlich vor dem Kraft-Gehäuse, zu harmlos, umständlich und unglücklich agierte ein von Verunsicherung und mangelnder mannschaftlicher Geschlossenheit gezeichneter FC Carl Zeiss.

Reichlich Gesprächsbedarf gab es somit für den mickrigen Haufen von nur 350 mitgereisten Fans, denen sich zumindest Spieler wie Hansen, Hähnge und Nulle am Zaun stellten. Henning Bürger scheute den möglicherweise letzten Weg in die Gästekurve, angesichts der angestauten Wut im Fanlager sicherlich nicht von ungefähr. Quo vadis, FCC? <gunner>

Fotos von Jens Weißenburger
Bericht auf der Homepage des deutschen Meisters

FC Carl Zeiss Jena - Kickers Emden 1:1

Tore: 1:0 Hähnge (67.), 1:1 Unger (71.)
Jena: Nulle; Riemer, Müller, Bochud, Sträßer; Reuther (89. Amrhein), Ziegner, Schembri (62. N. Petersen), Hansen; Amirante, Hähnge
Emden: Masuch; Sievers, Rauw (54. Nägelein), Spahic, El-Hammouchi; Zedi, Nehrbauer (45. Aidoo), Pfingsten-Reddig, Unger, Moosmayer; Ramaj (90. Nennhuber)

Zuschauer: 5572

Schiedsrichter: Steinberg (Korntal-Münchingen)

Spielbericht:
Nach dem in letzter Minute verlorenen und vor allem von zu wenig Einsatz geprägtem Derby hieß es für die Jenaer Elf, Wiedergutmachung zu betreiben und den markigen Worten, die teilweise vor dem Derby fielen, nun endlich Taten folgen zu lassen.

Die Mannschaft hatte sich also viel vorgenommen, mit dem Feuerwerk der ersten 45 Minuten war dennoch nicht zu rechnen. Denn nicht nur der sportliche Leiter Carsten Linke sah eine der besten Halbzeiten des FCC, seit er in Jena ist. In der Tat brannte es fast die gesamten ersten 45 Minuten im Strafraum der Gäste aus Emden, die immerhin als Tabellenführer und mit blütenweißer Weste nach Jena gekommen waren: Drei Spiele, drei Siege und nur ein Gegentor, so die durchaus unerwartete Bilanz der Ostfriesen. Wie es dazu kommen konnte war im Paradies allerdings nicht ansatzweise erkennbar, Sebastian Hähnge und seine Mitspieler hätten das Spiel innerhalb der ersten Halbzeit entscheiden können, wenn nicht sogar müssen. Immer wieder lief der Ball in Richtung Gästestrafraum, teilweise spielten Schembri, Hähnge, Amirante und auch der gut aufgelegte Debütant Danny Reuther die Gäste schwindelig. Die resultierenden Chancen durch Hähnge (2., 25.), Reuther (20.) Bochud (32.), Amirante (34.) und Schembri (3., 36.) hatten allesamt nur einen Mangel: Die Null stand. Ob der Ball nun links oder rechts am Pfosten vorbeistrich, den Weg in Richtung Tor fand oder sogar schon am Torwart vorbei in Richtung Tor rollte - immer stand dem Jubelschrei der gut 5500 Jena-Fans irgendetwas im Wege. Gäste-Trainer Emmerling gab in der Pressekonferenz unumwunden zu, dass man Offensiv-Fußball nicht besser spielen kann und seine Mannschaft phasenweise an die Wand gespielt wurde. Von den Gästen aus Emden war die gesamte erste Halbzeit praktisch nichts zu sehen, die beste Chance für Emden hatte bezeichnenderweise Jenas Verteidiger Hervé Bochud, der mit einem Kopfball das eigene Gehäuse nur knapp verfehlte und sich auch sonst die eine oder andere Unsicherheit erlaubte. Auf der Tribüne herrschte zur Halbzeitpause trotz des insgesamt guten Spiels Frustration vor. Denn an Stelle einer unübersehbar hochverdienten Führung für den FCC zeigte die Anzeigetafel noch immer ein 0:0 an, worüber die Gäste in der Tat "überglücklich" (Emmerling) sein konnten. Mitschuld an der überwiegend negativen Stimmung auf den Rängen war sicherlich auch die Erinnerung an Spiele wie gegen St. Pauli vor einem Jahr, als man ebenfalls die klar bessere Mannschaft war, das Spiel aber trotz klarster Chancen mit 0:1 verlor. Und die Tatsache, dass ungenutzte Chancen sich im Fußball gerne einmal rächen, ist auch und besonders in Jena jedem Anhänger schmerzhaft bewusst.

Die zweite Halbzeit bot dann auch, wie von vielen befürchtet, ein ausgeglicheneres Bild, in dem auch die Gäste gelegentlich nach vorn spielten. Im Emder Strafraum gab es aber auch weiterhin Situationen, in denen sich die Zeiss-Spieler hauptsächlich selbst im Weg standen und es versäumten, die entstandene Unordnung wenigstens mit einem Torschuss abzuschließen. In der 62. Minute dann die erste richtig gut herausgespielte Chance des Tabellenführers aus Emden, dem Pfosten-Schuss ging allerdings eine Abseits-Stellung voraus. Kurz darauf wechselte Zeiss-Trainer Bürger den erschöpften und um seine Auswechslung bittenden Schembri aus, der an vielen Offensiv-Aktionen beteiligt war und sowohl im Zusammenspiel mit Hähnge als auch mit Amirante ständig für Gefahr sorgte. Für ihn kam mit Nils Petersen ein weiterer Stürmer, dieser versäumte es allerdings, Akzente zu setzen. Nur wenige Minuten später konnte die Zeiss-Elf dann endlich die hochverdiente Führung erzielen, Debütant Reuther flankte schön zum langen Pfosten, wo der Ex-Rostocker Sebastian Hähnge den Ball mit der Brust annehmen konnte und aus 4 Metern Entfernung keine Mühe hatte, den Ball in die Maschen zu hämmern. Doch der Jubel der Zeiss-Fans sollte nicht von langer Dauer sein, denn durch das Gegentor wurden die Kickers aus Emden endgültig geweckt und erspielten sich in der Folge mehrere Eckbälle. Vier Minuten nach dem 1:0 befanden sich die Jenaer bereits wieder im Vorwärtsgang, als die Emder den Ball in der Offensive leichtfertig verloren hatten. Allerdings versucht Carsten Sträßer die Situation zu spielerisch zu klären, sein Pass zu Kapitän Hansen ist für diesen unerreichbar, stattdessen spitzelt Jan-André Sievers ihm den Ball vom Fuß und läuft in den Strafraum hinein, ein kurzer Pass auf den mitgelaufenen Unger und dieser hat aus 12 Metern Entfernung keine Mühe, den Ball an Carsten Nulle vorbei im Jenaer Gehäuse unterzubringen. Die Jenaer Verteidigung sah hierbei nicht zum ersten Mal in dieser Saison alles andere als gut aus. Der individuelle Fehler Sträßers konnte nicht mehr korrigiert werden und das Resultat war das bereits siebte Gegentor im vierten Spiel, eine Bilanz, die unter normalen Umständen nicht ausreichend sein wird, um ganz oben mitspielen zu können. Kurz nach dem Gegentor war wieder der FCC am Drücker, allerdings wurde Gäste-Keeper Masuch trotz guter Angriffe nicht zum Eingreifen gezwungen. Stattdessen kamen kurz vor Spielende wieder die Kickers nach vorn und zwangen den insgesamt sicheren Carsten Nulle zu zwei sehenswerten Paraden, sodass man am Ende noch froh sein musste, wenigstens einen Punkt mitgenommen zu haben. Wäre Nulle nicht auch bei den Kopfbällen Aidoos und Nägeleins in der Nachspielzeit noch hellwach gewesen, hätte der FCC dieses Spiel sogar noch verloren. Selbst Gäste-Trainer Emmerling musste auf der Pressekonferenz aber zugeben, dass ein Emder Sieg dann doch "des Guten zu viel" gewesen wäre. Unterm Strich sah man einen vor allem in der ersten Halbzeit erschreckend schwachen Tabellenführer aus Emden und einen offensiv sehr gut aufgelegten FCC, der es allerdings versäumte, aus den klaren Torchancen auch die nötigen Tore zu machen.

Am nächsten Wochenende steht erneut ein Spiel gegen den Tabellenführer an, diesmal die zweite Mannschaft des FC Bayern. Hoffnung auf eine ähnlich schwache Vorstellung, wie sie Emden in der ersten Halbzeit abgeliefert hat, sollte man sich bei diesem Gegner aber nicht machen. Vor allem in der Abwehr muss mehr Stabilität herrschen, mit ähnlichen Unsicherheiten wie gegen die insgesamt schwachen Kickers aus Emden wird man es in München jedenfalls ganz ganz schwer haben. <bh>

Bericht auf bsv-kickers-emden.de

FC Rot-Weiß Erfurt - FC Carl Zeiss Jena 2:1

Tore: 0:1 Loose (1.,ET), 1:1 Semmer (27.), 2:1 Bunjaku (90.)
Erfurt: Orlishausen, Schnetzler, Pohl, Loose, Pinske, Hauswald (74.Wolf), Cinaz, Rockenbach da Silva, Judt, Semmer (46.Bunjaku), Cannizzaro
Jena: Nulle; Holzner, Müller, Bochud, Sträßer; Riemer, Ziegner, Hansen; Schembri, Hähnge, Amirante (81. N.Petersen)

Zuschauer: 15.722

Schiedsrichter: Trautmann

Spielbericht:
Da war es wieder - das berühmt berüchtigte Thüringen-Derby. Über zwei Jahre sind vergangen, als sich zum letzten Mal die beiden Traditionsvereine gegenüber standen. Damals im April 2006 siegten die Jenaer im Steigerwaldstadion mit 1:0 durch einen Treffer von Alexander Maul und machten dadurch einen riesigen Schritt in Richtung 2.Bundesliga. Während der FCC in der nachfolgenden Zeit die WM-Stadien Deutschlands bereiste, blieben die Erfurter lieber ihrer vertrauten Regionalliga treu. Damals beim letzten Aufeinandertreffen regnete es fast die gesamte Spielzeit durch, doch beim diesjährigen Aufeinandertreffen herrschten beste Wetterbedingungen, um dem brisanten Match einen angemessenen Rahmen zu verleihen.

Schiedsrichter Trautmann hatte gerade die Partie angepfiffen, da kam es zum ersten Paukenschlag. Gerade 30 Sekunden waren vergangen und die Jenaer konnten jubeln. Eine harmlose Eingabe legte Loose mit der Brust auf seinen Keeper Orlishausen zurück, den er jedoch auf dem falschen Fuß erwischte und so fand der Ball ungehindert seinen Weg in die Maschen. Riesiger Jubel auf der einen Seite und blankes Entsetzen auf der anderen Seite. Die Jenaer, beflügelt von diesem Geschenk, machten weiter Druck, doch bis auf einen Kopfball von Hähnge, den Orlishausen parieren konnte, sprang nichts Nennenswertes heraus. So nach und nach erholten sich die Platzherren vom Schock der ersten Minuten und kamen nun auch vor das Gehäuse des FCC. Und wie aus dem Nichts sorgte Semmer in der 27.Minute mit einem Sonntagsschuß von der Strafraumgrenze für den Ausgleich für die Rot-Weißen. Gut sieben Minuten später mal wieder eine gute Chance für denn FCC. Amirante wurde per Steilpass bedient, schlug einen Haken und schoss sofort ab, doch leider ging der Ball knapp am Pfosten vorbei. Wenig später konnte Holzner seinen Zweikampf nicht siegreich bestreiten, der Ball wurde sofort schnell weitergespielt, Flanke vor das Tor und im Strafraum stand Judt goldrichtig und donnerte das Leder aus Nahdistanz in die Maschen. Aber die Jenaer konnten sich in dieser Szene beim oft sehr kleinlich pfeifenden Schiri bedanken, der diesen Treffer wegen Abseitsstellung des Torschützen nicht anerkannte. Danach verflachte die Partie zunehmend und die Tormöglichkeiten blieben bis zum Halbzeitpfiff rar.

Kurz nach Wiederanpfiff fast wieder ein Tor für die Erfurter, aber Nulle konnte auch in dieser Partie seine Klasse unter Beweis stellen und entschied das Duell gegen den zur Pause einwechselten Bunjaku für sich. Aber wer dachte, dass es im zweiten Abschnitt noch einmal eine spielerische Steigerung geben würde, der sah sich getäuscht. Die Partie spielte sich fortan nur noch zwischen den beiden Strafräumen ab und es dauerte bis knapp eine Viertelstunde vor Abpfiff, bis doch mal wieder etwas Spannendes auf dem Rasen passierte. In einem Zweikampf setzte sich Bunjaku gegen seinen Widersacher Müller durch und konnte allein auf das Tor von Nulle zustürmen, doch Schiri Trautmann pfiff diesen Zweikampf zurück, wodurch er sich nun endgültig den Zorn der Zuschauer zuzog. Das Spiel plätscherte dahin, die Minuten vergingen und jeder im Stadionrund hatte sich bereits auf ein Unentschieden eingestellt. Doch einer im Team der Domstädter hatte da etwas dagegen und hatte Sekunden vor dem Abpfiff seinen Auftritt. Zunächst konnte Albert Bunjaku seinen Gegenpart Sträßer düpieren, drang anschließend in den Jenaer Strafraum ein und versenkte danach das Leder im kurzen Eck. Wenig später war die Partie zu Ende und nun war das Ensetzen auf Jenaer Seite.

Am Ende hatten die Rot-Weißen das Quäntchen Glück auf ihrer Seite, denn dieses Thüringen-Derby hatte eigentlich keinen Sieger verdient.<vg>

FC Carl Zeiss Jena - FC Erzgebirge Aue 3:2

Tore: 0:1 Feick (29.), 0:2 Feick (39.), 1:2 Amirante (59.), 2:2 Amirante (66.), 3:2 Hähnge (77.)
Jena: Nulle; Holzner (33. Schembri), Müller, T. Petersen, Sträßer; Riemer, Ziegner (90.+4 Wuttke), Kikuchi, Hansen; Hähnge, Amirante (77. N. Petersen)
Aue: Mä:nnel; Hensel, Kos, Paulus, Müller; El Berkani (61. Baltes), Hochscheidt (77. Yigitusagi), Cimen, Feick; Curri, Schmidt (46. Glasner)

Zuschauer: 8320

Schiedsrichter: Dr. Brych (München)

Spielbericht:
Vor Spielbeginn wurde die von den Hermsdorfer Holzköpfen vor längerer Zeit gestiftete und jetzt sanierte riesengroße Blockfahne präsentiert.

Kleiner, aber mit augenschädigenden Farben waren die Auswärtstrikots der Gäste. Von welcher Autobahnmeisterei diese entwendet wurden, konnten wir nicht ermitteln, aber in jedem Fall war die Gefahr gebannt, dass ein Jenaer seinen Gegenspieler übersehen konnte. Und der FCC legte in den ersten Minuten auch ordentlich los und umkurvte die orangen "Warnbaken". Bereits nach 45 Sekunden musste Männel im Auer Tor bei einem Schuss Kikuchis auf der Hut sein. Nach 5 gespielten Minuten nutzte Hansen auf linksaußen eine Vorteilsituation, spielte flach in die Mitte, aber Riemer brachte jedoch das Kunststück fertig, völlig freistehend das den Männel im Tor anzuschießen. Und auch die nächste gefährliche Situation entstand auf der linken Angriffsseite, als in der 12. min Kikuchi per Kopf auf Hähnge ablegte, dessen Abspiel jedoch von einem Auer zur Ecke abgefangen wurde. Diese gute Anfangsperiode des FCC endete weitere 2 Minuten später, als Ziegner in der eigenen Hälfte einen Ball leichtfertig vertändelte. Zwar sprang für die Auer nur eine Ecke heraus, aber von da an waren sie spielbestimmend. Eine Ecke folgte der nächsten, Nulle verpatzte einen Abschlag in Richtung Sträßer und vorwiegend über die linke Jenaer Abwehrseite rollte ein Gästeangriff nach dem nächsten. Und so war das 0:1 auch fast logisch und wenig überraschend, auch wenn es Feick mit einem Sonntagsschuss (nach abgewehrter Ecke) erzielte, den er bei den nächsten 99 Versuchen sicher nicht noch einmal so erwischen würde. Henning Bürger reagierte mit der Einwechslung Schembris, dass aber ausgerechnet Holzner dafür raus musste, stieß bei vielen auf Unverständnis. In der 34. gab es unter aktiver Mitwirkung des Maltesers die letzte Jenaer Chance vor der Pause, als Schembri auf Amirante spielte, Männel den Schuss noch wegboxte. Danach fand der FCC überhaupt nicht mehr statt. Riemer hatte anscheinend noch nicht begriffen, dass er nach Holzners Auswechslung rechter Verteidiger war, denn anders war es nicht zu erklären, wieso er in der 39. min irgendwo in der Mitte umherirrte und die Gäste dankend in diese Lücke stießen und Feick mit seinem zweiten Tor scheinbar für die Vorentscheidung im Spiel sorgte. Die Außenpositionen in der Jenaer Abwehrkette waren akute Schwachstellen, ein Spielgestalter im Mittelfeld nicht vorhanden und so waren die beiden Angreifer auf sich allein gestellt. Sollten sich einige der 8320 Zuschauer in der Halbzeitpause frustriert auf den Heimweg begeben haben, so wäre dies irgendwie verständlich gewesen, denn nach dieser Spielhälfte war Schlimmeres zu befürchten - allerdings hätten diese 45 min Frustbewältigung verpasst.

Wobei die ersten fünf Minuten nach Wiederanpfiff die Sorgenfalten bei den Jenaer Zuschauern immer tiefer werden ließen. Beide Mannschaften setzten das Vorpausenverhalten fort: Aue aktiv und zweikampfstark und Jena fast immer einen Schritt zu spät. Glücklicherweise blieben Resultatsänderungen aus. Das Spiel kippte mit einer an sich unscheinbaren Szene in der 50. min: Hähnge bekam den Ball an der rechten Strafraumgrenze, drehte sich um zwei Auer und brachte eine Flanke auf den langen Pfosten. Von da an kam der FCC besser ins Spiel. Zunächst wurde ein abgerutschter Fernschuss zur Vorlage für Hansen, der jedoch zu überrascht war, um daraus mehr zu machen (53.). Die Jenaer Spieler schienen endlich Gefallen am Spiel in der gegnerischen Hälfte zu finden und die Auer zogen sich zurück und warteten ab. Einen Ziegner-Freistoß verlängerte Tim Petersen noch neben das Tor (57.), aber in der 59. min war es endlich soweit: Schembri degradierte am linken Strafraumeck drei Auer nicht nur farblich zu Warnbaken, zog in den Strafraum und legte ganz überlegt auf Hähnge. Dessen Direktschuss wurde abgeblockt, der Ball fiel Amirante vor die Füße, der zum Anschlusstreffer einschoss! Durch das Tor beflügelt und jetzt mit deutlich mehr Selbstbewusstsein spielend, setzte der FCC die Angriffe fort und plötzlich spürten auch die Zuschauer, dass hier noch etwas möglich war. Nach einem Foul auf der linken Seite - erstaunlich, wie großzügig Referee Brych die ständigen Fouls der Auer von hinten in die Beine von Amirante und Hähnge bewertete - wurde zunächst der Versuch der schnellen Ausführung zurückgepfiffen und so hatte Sträßer viel Zeit, sich den Ball genau hinzulegen und die Ausführung zu planen. Die Spielkugel segelte maßgenau auf den Kopf eines Jenaer Spielers (wer war es?) und wird genauso maßgenau zu Amirante verlängerte. Den ersten Schuss wehrte Männel noch reaktionsschnell ab, aber gegen Amirantes zweiten Versuch hoch unter die Latte war er ohne Chance! 66. min: 2:2!
In den folgenden zehn Minuten wogte das Spiel hin und her und beide Teams wollten unbedingt das dritte Tor schießen. Bei den Gästen lief fast alles über Curri, der ein ständiger Unruheherd war. Beim FCC machte sich die Einwechslung Schembris sehr positiv bemerkbar, dessen Kreativität wohltuend Amirante und Hähnge unterstützte. In der 73. min stockte allen Blau-Gelb-Weißen gleich zweimal der Atem, als erst Müller aus spitzem Winkel an Nulle scheiterte und dann einer Jenaer Abwehrspieler Glasners Schuss von der gleichen Stelle aus im letzten Moment ans Außennetz lenkte. Und weiter ging es hin und her: Männel war einen Schritt schneller als Hähnge, dann klärte Robert Müller vor Curri. In der 77. min die Entscheidung: Sträßer stoppte an der Außenlinie zwei Auer und spielt sofort nach vorn auf Hansen. Der auf Hähnge, der wieder auf Hansen passte und zielstrebig in den Strafraum sauste, wo ihn Hansens erneutes Zuspiel perfekt erreichte - trockener Schuss ins lange Eck und es stand 3:2 für den FCC! In der 86. min hätte der inzwischen eingewechselte Nils Petersen alles klarmachen - und die Halbzeitprophezeiung eines Fans am Bierstand "Warte ab, wir gewinnen noch 4:2" erfüllen können, als er ab der Mittelinie frei durchlief. Jedoch schien die Angst vor den beiden Verfolgern seine Beine zu lähmen, er wurde immer langsamer, versuchte noch einen Haken und scheiterte letztendlich mit dem Schüsschen in den Beinen der Verteidiger. Nach schier endlosen viereinhalb Minuten Nachspielzeit pfiff Brych ab und sorgte für riesengroße Erleichterung im Ernst-Abbe-Sportfeld.

Am ersten Spieltag eine 2:0-Führung verschenkt, am zweiten ein 0:2 in einen Sieg umgewandelt - diese Liga fordert bis zur allerletzten Spielminute volle Konzentration und vollen Einsatz. Und wenn man da mit 4 Punkten auf Platz 4 steht, denkt man einerseits etwas wehmütig "was wäre, wenn wir in Regensburg gewonnen hätten.."., andererseits aber auch mit Grauen an die Möglichkeit einer Heimniederlage und eines völlig vergeigten Saisonstarts. Für den FCC kommt es darauf an, die taktischen Fehler abzustellen und vielleicht auch über ein, zwei personelle Verstärkungen (Abwehr, Spielmacher) nachzudenken. Bis zum 31.8. ist noch Zeit. <uk>

Fotos auf weissenburger.de

SSV Jahn Regensburg - FC Carl Zeiss Jena 2:2

Tore: 0:1 Amirante (39.), 0:2 Hansen (55.), 1:2 Bambara (75.), 2:2 Würll (84.)
Regensburg: Becker; Salimbegovic, Güntner (56. Beigang), Brysch, Binder; Zellner, Blessin, Bambara, Hiemer, Schäffer (69. Würll); Stoilov (88. Schmid)
Jena: Nulle; Holzner (78. Wallschläger), Müller, Bochud (GRK, 43.), Sträßer; Riemer, Ziegner, Kikuchi (78. A. Schmidt, RK, 86.), Hansen; Hähnge, Amirante (85. Schembri)

Zuschauer: 5100

Schiedsrichter: Schmidt (Stuttgart)

Spielbericht:

Coming Home Again. Mit Hähnge, Schmidt und Sträßer kehrten in der Sommerpause gleich drei Akteure nach Jena zurück, die früher bereits mehrere Jahre im Zeiss-Trikot gespielt hatten. So kam es, dass am ersten Spieltag mit Bochud und Amirante nur zwei wirklich neue Feldspieler in der Anfangsformation auftauchten. Für einen Absteiger aus der 2. Bundesliga eine bemerkenswert niedrige Zahl.

Rückkehrer Sträßer bildete im linken Mittelfeld mit Hansen ein Gespann, rechts spielte Holzner hinter Riemer, der gelegentlich mit dem zentralen Ziegner rochierte. Dazu Kikuchi auf der Sechserposition. Gemessen am Saisonzeitpunkt zeigte sich diese Mittelfeldachse schon recht ordentlich eingespielt. Schön wurde der Ball durch die eigenen Reihen laufen gelassen, auch wenn in der Anfangsphase nur ein Schuss Amirantes ans Außennetz dabei herauskam. Regensburg kam zunächst durch Standartsituationen vor den Jenaer Strafraum. Erst als sich Hiemer mit unlauteren Mitteln gegen Holzner an der Grundlinie durchsetzte - eine Szene, über die noch zu reden sein wird - musste Carsten Nulle im Jenaer Gehäuse das erste Mal sein Können zeigen. Und als hätten die Gastgeber dadurch Lunte gerochen, kamen sie nun ein ums andere Mal gefährlicher vors Jenaer Tor. Zum Glück ging ihre einzige Spitze, der Tscheche Stoilov, recht fahrlässig mit seinen Möglichkeiten um. Den Kopfball aus nur vier Metern Torentfernung setzte er neben den Pfosten (29.), fünf Minuten später säbelte er freistehend über den Ball. Der Mannschaft mit der besseren Spielkultur, und das waren die Jenaer ohne Zweifel, drohte das Spiel aus den Händen zu gleiten. Das Führungstor hätte also zu keinem besseren Zeitpunkt fallen können und kam durch eine schöne Einzelleistung zustande. Aus dem Mittelkreis heraus angespielt, sprintete Salvatore Amirante bis in den Regensburger Sechzehner und überwand Becker mit Schuss ins lange Eck. Lange Zeit zur Freude blieb uns aber nicht. Denn Bochud leistete sich eine Minute vor dem Pausenpfiff sein zweites Foul im Spiel und wurde vorzeitig vom Platz geschickt, nachdem er bereits in der 28. Minute die Gelbe Karte wegen Trikotzerrens gesehen hatte. Um es klar zu sagen - beide Szenen, die zum Platzverweis führten, kann man pfeifen. Bei strenger Regelauslegung auch mit Gelb bestrafen. Nur wenn er diese strenge Regelauslegung betreibt, muss ein Unparteiischer beim Klammern und Zupfen eines Hiemer gegen Holzner wenigstens den Freistoßpfiff zugunsten des Jenaer Abwehrspielers ertönen lassen. Dieses zweierlei Maß in seinen Entscheidungen brachte die Jenaer Fans schon vor der Pause auf die Palme.

Die beiden echten Neuen unter Jenas Feldspielern waren also gleich auf Anhieb in den Blickpunkt geraten, wenn auch auf höchst unterschiedliche Weise. Marco Riemer wurde auf Bochuds zentrale Abwehrposition zurückgezogen, versuchte sich aber zu Beginn der zweiten 45 Minuten auch in den Angriff einzuschalten. Was zunächst wie ein missglückter Fernschuss aussah, entpuppte sich als Riemers Vorlage zu Niels Hansen, dessen gut gedachter Lupfer aber über das Dreiangel flog (49.). Der frisch gewählte Mannschaftskapitän kniete sich förmlich in seine Aufgabe auf der eigentlich ungeliebten linken Seite, war vorn wie hinten präsent und krönte seine gute Leistung mit dem vermeintlich erlösenden 2:0. Aus vollem Lauf setzte er das Leder aus sechs Metern in die Maschen, profitierend von einen überlegten Hereingabe des Salvatore Amirante. Dieser war auf der rechten Seite in Ballbesitz gelangt, nahm den Kopf hoch, realisierte augenblicklich die Lage und gab exakt zum richtigen Zeitpunkt den zentimetergenauen Pass. Klasse !
Direkt nach Wiederanstoß vereitelte Carsten Nulle eine Hundertprozentige der Gastgeber, indem er Beigangs Schuss mit den Fingerspitzen um den Pfosten lenkte. Wenn eine Mannschaft mit zwei Toren vorn liegt und dann solch eine Szene unbeschadet übersteht, hat sie eigentlich alle Trümpfe in der Hand. Selbst in Unterzahl.
Doch dann kam der Gewitterregen. Vor nicht allzu langer Zeit war so etwas noch Jenaer Erfolgswetter, aber in Regensburg begannen eine Viertelstunde vor Schluss die Felle davon zu schwimmen. Sträßer wurde durch einen Gegenspieler im Zentrum gebunden, ließ deshalb seine Position auf der linken Seite unbesetzt. Das nutzte Bambara mit einem Heber aus spitzem Winkel über Nulle hinweg. Müllers Rettungsversuch kam zu spät. Jena versuchte daraufhin, mit eigenen Angriffen in die Erfolgsspur zurück zu kehren. Doch wurde nun deutlich, dass Zehn gegen Elf fast eine Halbzeit lang ein höheres Pensum absolvieren mussten (wenngleich man am 1. Spieltag vielleicht erwarten könnte, dass dies machbar ist). Auch unser Sturmduo war stehend k.o., selbst wenn der Italiener Amirante in der 83. Minute versuchte, es allein mit drei Abwehrspielern aufzunehmen. Sozusagen im Sommerschlussverkauf kam der SSV noch zum Ausgleich. Sträßer vermochte die Hereingabe nicht zu verhindern, Müllers Grätsche auch hier zu spät.
Sind wir diese Seuche noch immer nicht los ? Wieder wurde ein Vorsprung mit zwei Toren nicht über die Zeit gebracht. Wie so oft in der vergangenen Saison, wie bei der Generalprobe gegen Zizkov. Am Ende konnten wir uns bei unserer neuen Nummer eins im Tor bedanken, nicht noch mit leeren Händen nach Hause gefahren zu sein. Der eingewechselte Schmid stand in der Nachspielzeit frei vor Nulle, welcher aber mit stoischer Ruhe den Ball und mit ihm zusammen einen Punkt festhielt.

Da freilich war der FC Carl Zeiss auch nur noch zu neunt auf dem Feld. Der eingewechselte Andre Schmidt hatte nach Foulspiel die Rote Karte gesehen. Und wieder versetzte nicht der Platzverweis selbst die Jenaer in Rage. Es war die permanente Ungleichbewertung, die Schiedsrichter Schmidt aus Bayerns Nachbarland Baden-Württemberg praktizierte. Wenn ein Regensburger Spieler mit Anlauf beidbeinig in Kikuchi hinein springt, dass dieser sich im Krankenhaus wiedergefunden hätte, wäre er nicht aus purem Selbstschutz heraus hochgesprungen, ertönt kein Pfiff. Wird keine Karte gezückt. Damit verglichen für Harmlosigkeiten sehen Jenaer Spieler den Gelben Karton, dass sich einige irgendwann gar nicht mehr trauen, energisch in den Zweikampf zu gehen. Insofern muss sich der Referee sehr wohl vorwerfen lassen, Einfluss auf den Ausgang eines Spiels genommen zu haben, welches von beiden Seiten mit viel Einsatz, aber von keiner Seite überhart geführt worden war. <fc>

Bericht auf ssv-jahn.de


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