FC Augsburg - FC Carl Zeiss Jena 1:1
Tore: 1:0 Dreßler (59.), 1:1 Torghelle (62.)
- Augsburg: Neuhaus; Möhrle, Dreßler, Benschneider;
Kern, Mölzl, Hdiuoad, Müller; Küntzel (64. Diabang),
Szabics, Thürk (76. da Costa)
- Jena: Khamutouski; Günther, Schmidt, Müller, Stegmayer;
Holzner, Hansen, Kandelaki (

, 75.), Kolitsch; Schied (74. Allagui), Torghelle
- Zuschauer: 23.278
- Schiedsrichter: Fischer (Hemer)
- Spielbericht:
-
Nach
Augsburg am letzten Spieltag. Wie vor einem Jahr. Genau wie damals war für eine
der beiden Mannschaften die Saison schon gelaufen, während die andere gegen den
Abstieg kämpfte. Der gemeine Unterschied: Diesmal ging es für den FCA um den
Klassenerhalt, während für Jena der Abstieg bereits besiegelt war.
Den
Gastgebern merkte man an, dass sie die Order bekommen hatten, bloß nicht ins
offene Messer zu laufen. Ein Punkt würde ihnen ja schon reichen. Und da auch
noch eine gehörige Portion durchaus verständlicher Nervosität hinzukam, zeigten
die Schützlinge von Holger Fach vor der Pause wenig Zug zum gegnerischen Tor.
Nur einmal konnte Khomutouski sein Können zeigen, als er einen Kern-Schuss
parierte, den folgenden Kopfball von Thürk über die Latte fliegen sah (19.).
Dazu ein Abseitstor in der 33. Minute – mehr war nicht. Der FCC hatte einen
Kopfball des Ungarn Torghelle nach Stegmayers Ecke dagegen zu setzen. Und
einiges an Kampfgeist, viel mehr als beim trostlosen Gekicke in Aue.
Spielerisch lief allerdings nicht sonderlich viel zusammen, da fehlt uns
derzeit wohl einfach das geeignete Personal im Mittelfeld. Wer sich nicht
selbst darum bemühte, erfuhr nichts über die Zwischenstände in den anderen
Stadien. Der Stadionsprecher hüllte sich in Schweigen. Und die Anzeigetafel
des Rosenau-Stadions kann lediglich die Uhrzeit digital darstellen, selbst der Spielstand wird noch manuell mit
Nummerntafeln korrigiert.
Halbzeit zwei begann mit einer Rettungstat von Günther
und einer guten Gelegenheit für Torghelle nach Vorarbeit des emsigen Holzner. Mittlerweile
hatte es stärker angefangen zu regnen
und irgendwie passte dieses trostlose Wetter zu unserem Tabellenstand. Wie
schön war das doch vor einem Jahr mit Hitze, Sonnenbrand und unbändigem Jubel !
Die Erinnerung wurde jäh unterbrochen durch das 1:0 von Dreßler, der einen
Freistoß per Kopf ins Jenaer Tor verlängert hatte. Die Entscheidung ? Nein,
Augsburg durfte sich nur drei Minuten lang in vollkommener Sicherheit wiegen, denn
Sandor Torghelle machte im dritten Versuch doch noch sein Tor, verwandelte eine
Ecke Stegmayers aus fünf Metern Entfernung. Da unser weißrussischer
Publikumsliebling zwischen den Pfosten einen Szabics-Kopfball in großem Stil
von der Linie fischte, mussten sich die Gastgeber dem Schlusspfiff entgegen
zittern. Dabei half ihnen die Gelb-Rote Karte für Kandelaki, der zunächst
reklamiert und wenig später gefoult hatte. Dann war Schluss, Augsburg
gerettet und die meisten von uns gönnten es den sympathischen Gastgebern mehr
als einem Konkurrenten in der Ferne. Schnell erhaschten wir noch einen Blick auf die Feiernden von gegenüber,
dann ging es zurück nach Thüringen im blau-gelb-weißen Partybus
mit der Nummer 1. Hätte ein Ahnungsloser
speziell auf dem letzten Teilstück die ausgelassene Stimmung erlebt, er wäre nie auf die Idee
gekommen, es mit Fans eines Absteigers zutun zu haben.
Was
bleibt unterm Strich von dieser Saison ? Der Abstieg wiegt schwer in der Bilanz 2007/2008. Die
Ursachen sind vielfältig und doch schwerer zu ermitteln als nach anderen
Abstiegen. Abgesehen von wenigen Ausnahmen (Wehen, Koblenz, Aue vor allem) hat
die Jenaer Elf die Punkte nicht kampflos hergeschenkt, oft fehlte wirklich nur
das kleine Quäntchen zum Erfolg. Die vielen Lobesreden der gegnerischen Trainer
bewiesen es. Und vergessen wir nicht, dass uns diese Saison auch richtig geile
Momente beschert hat ! Siege in der Allianz-Arena und auf dem Betzenberg ! Den
Cupverteidiger aus dem DFB-Pokal geworfen und den deutschen Meister ! Wer es
live erlebt hat, wird’s ewig in Erinnerung behalten. Allein das Erlebnis, mit
dem FCC vor 80.000 Zuschauern in Dortmund gespielt zu haben und nur einen
einzigen Sieg vom UEFA-Cup entfernt gewesen zu sein, machte diese Spielzeit zu
etwas Besonderem. Vereinsführung und die (vorwiegend neuen) Spieler stehen nun
in der Pflicht dafür zu sorgen, dass dies auch nächste Saison so sein wird. Fans,
die am letzten Spieltag in vierstelliger Anzahl ihrem bereits abgestiegenen
Verein die Treue beweisen, haben das
allemal verdient. <fc>
FC Carl Zeiss Jena - 1. FC Kaiserslautern 2:2
Tore: 1:0 Torghelle (6.), 1:1 Rundström (68.), 2:1 Günther (75.FE), 2:2 Simpson (87.)
- Jena: Khamutouski; Schmidt, Müller, Stegmayer, Günther, Hansen, Amrhein (46.Kolitsch), Holzner, Kandelaki,
Schied (81.Allagui), Torghelle (74.Petersen)
- Kaiserslautern: Sippel, Müller, Ouattara, Schönheim, Demai, Kotysch, (46.Lamprecht), Bellinghausen,
Lexa (64.Rundström), Bohl, Simpson, Ziemer (60.Jendrisek)
- Zuschauer: 11162
- Schiedsrichter: Dr.Brych (München)
- Spielbericht:
- „Wiedergutmachung“ hieß das Zauberwort, was der FC Carl Zeiss JENA in seinem letzten Heimspiel der Saison vor heimischer Kulisse
betreiben wollte, um sich mit erhobenen Hauptes nach der desolaten Leistung in Aue von seinen treuen Fans verabschieden zu können.
Bei bestem Wetter und strahlendem Sonnenschein fanden immerhin 11162 Zuschauer den Weg ins Ernst-Abbe-Sportfeld, wo doch bereits vor
der Partie feststand, dass der FCC als erster Absteiger die 2.Bundesliga am Ende der Spielzeit leider wieder verlassen muss.
Jenas Trainer Henning Bürger zeigte Mut und schenkte gleich zwei Jenaer Nachwuchskickern das Vertrauen, einmal das
Abenteuer 2.Bundesliga gespielt zu haben, indem er André Schmidt und in der zweiten Halbzeit Richard Kolitsch einsetzte.
Die Partie ging munter los und bereits nach nur sechs Minuten konnten die Anhänger des FCC über den ersten Treffer ihres Teams jubeln.
Stegmayer hatte mit einem genialen Pass in die Tiefe die gesamte Kaiserslauterner Abwehr überlistet, Schied zog von halblinks sofort
ab und Sippel konnte nur abklatschen, was Torghelle eiskalt nutzte und den Ball aus Nahdistanz über die Linie bugsierte. Aber die
Gäste zeigten sich vom frühen Rückstand wenig geschockt und hätten wenige Minuten später fast den Ausgleich durch Ziemer erzielt, doch
der Ball wurde noch von einem Jenaer abgefälscht und ging knapp am Kasten vorbei. Felix Holzner probierte es in der 18.Minute mit einem
herrlichen Schuss aus gut und gern 25 m, doch Sippel konnte den Ball gerade noch um den Pfosten lenken. Fünf Minuten vor der Pause
musste Khamutouski zum ersten Mal in diesem Spiel seine ganze Klasse unter Beweis stellen, als er einen scharfen Kopfball von Bohl
mit blitzartigem Reflex gerade noch parieren konnte. Sekunden vor der Pause hätte es dann noch fast zum Tor der Lauterer geklappt,
doch Ouattara knallte den Ball mit einem Seitfallzieher aus kurzer Entfernung über das Tor.
Auch nach der Pause setzte der FCC weiter auf Angriff, ohne jedoch zu zwingenden Möglichkeiten zu kommen. Aber man merkte den
Jungs an, dass sie zu jeder Zeit des Spiels gewillt waren, die 5:0-Packung von Aue vergessen zu machen. Kleiner Aufreger in
der 54. Minute, als Demai einen langen Freistoss vor das Jenaer Tor zirkelt. Die Sonne stand zu diesem Zeitpunkt so unglücklich
für Khamutouski, dass dieser stark geblendet den Ball erst sehr spät sah und dadurch erst in letzter Sekunde klären konnte. Gut
eine Stunde war vorbei und nun nahm das Spiel richtig Fahrt auf. Um ein Haar hätte Torghelle (62.) mit einem Direktschuss nach
Flanke von Holzer zum 2:0 einschießen können, aber der Ball zischte leider knapp über das Tor von Sippel. Trainer Sasic brachte
Rundström und hatte mit seiner Einwechslung ein goldenes Händchen, denn nur wenige Minuten später bedankte sich dieser und
versenkte den Ball im Jenaer Tor. Nur fünf Minuten später erneut ein Torjubel in Jena, doch diesmal konnten sich die Jenaer
wieder über einen Treffer freuen. Nils Petersen war vom herausstürmenden Sippel von den Beinen geholt worden und den fälligen
Elfmeter verwandelte „Simak-Vertreter“ Günther sicher zur erneuten Führung für die Platzherren. Sieben Minuten trennte der
FCC noch vom siebenten Sieg der Saison, doch leider zappelte nach einer Kopfballstafette der Ball erneut im Jenaer Kasten.
Schiedsrichter Dr. Brych hatte bereits diesen Treffer als Tor gegeben, doch nach kurzer Rücksprache mit seinem Schiri-Assistenten
gab er ihn wegen Abseitsstellung des Torschützen Jendrisek doch nicht, was sich im Nachhinein als absolut richtige Entscheidung
herausstellte. Aber es kam, wie es kommen musste. Auch dieses Spiel konnten die Jenaer nicht über die Zeit retten, denn drei
Minuten vor dem Abpfiff tauchte Simpson völlig frei vor Khamutouski auf, ließ diesem keine Abwehrchance und verwandelte sicher
zum fast nicht mehr erwarteten Ausgleich.
Was bleibt, ist die Erkenntnis, dass es der FCC auch in dieser Partie nicht verstand, eine zweimalige Führung noch über die Zeit zu
retten. Allerdings sollte man lobenswert anerkennen, dass die Wiedergutmachung durchaus gelungen war, denn in Sachen Engagement
und Einsatz war den Jenaern nichts vorzuwerfen. <vg>
FC Erzgebirge Aue - FC Carl Zeiss Jena 5:0
Tore: 1:0 Sykora (21.), 2:0 Geißler (37.), 3:0 Heller (66.),
4:0 Kaufmann (68.), 5:0 Kaufmann (88.)
- Aue: Bobel; Geißler, Kos, Paulus, Sträßer;
Heller (78. Kurth), Emmerich, Curri (67. Kaufmann), Orahovac (46. Leandro);
Sykora, Müller
- Jena: Khamutouski; Maul, Müller, Stegmayer; Günther,
Hansen, Oniani (34. Saka), Kandelaki, Werner; Schied, Allagui (65. Petersen)
- Zuschauer: 10.500
- Schiedsrichter: Stark (Ergolding)
- Spielbericht:
- Jetzt ist es auch rechnerisch vollbracht. Glaubwürdiger
hätte keine Theatergruppe der Welt einen solchen Untergang inszenieren können.
Nicht mit weniger Mut. Nicht mit weniger Leidenschaft. Und auch nicht mit
weniger Glauben an das Unmögliche. Nur das es halt kein Theater war, sondern
die bittere Wahrheit. 90 Minuten Auslaufen einer Mannschaft, die nie eine war. 90
Minuten als Sargdeckel auf eine ganze beschissene Saison. So steigt man ab!
Mehr fällt mir nicht ein. Keine Leistung kann man nicht
beschreiben. Ein lausiger Schuß von Werner aus 20 m (74.) und so was wie eine
Rückgabe auf das Auer Tor von Saka (75.). Damit ist
Jenas Drangphase erschöpfend diskutiert. Der Rest der Angriffsbemühungen wirkte,
als ob eine Brigade Nußknacker versucht, im Berufsverkehr die A4 zu überqueren.
Absolut kein Durchkommen. Da hatten die Hoffenheim-Fahrer
noch richtig Schwein.
Meistens erkämpften sich die Auer den Ball bereits an der
Mittellinie, wobei das Wort ‚erkämpfen’ hier fälschlicherweise Gegenwehr vermuten
läßt. In Wirklichkeit ließ sich Anwesenheit Jenaer Abwehrspieler bis zum Ende
nicht mit letzter Sicherheit nachweisen. Das fängt schon beim 1:0 an.
Ausgerechnet Fiete Sykora vollendet per Kopf so einen
Freistoß (19.), wie sie offensichtlich die ganze Liga trainiert, bevor es gegen
Jena geht. Hoch rein damit in den Strafraum und dann ran mit der Birne. Kein
Alex Maul weit und breit, kein Irgendwer. Danach kapieren sogar die Auer – bis
dahin selbst völlig unbeholfen – daß Jena nicht etwa eine undurchschaubare
taktische Meisterleistung plant, der es nicht auf den Leim zu gehen gilt,
sondern – im Gegenteil – völlig planlos
agiert. Mit dieser Erkenntnis gesegnet, schießen die Veilchen den FCC anschließend
auf Drittliganiveau zusammen. Als Geißler nach Fallrückzieher von
Sykora das 2:0 erzielt (man stelle sich Sykora
beim Fallrückzieher vor, meine Güte!), macht schon keiner mehr richtig mit. Da,
wo vorher mal unsere Abwehr gestanden haben muß, laufen alle nur noch
aufgescheucht durcheinander. Es herrscht blankes Chaos. Ich schätze mal, daß es
beim Untergang der Titanic geordneter zuging.
Nach der Pause wurde es nur noch schlimmer. Ich frage mich
ehrlich, wo die elf Jenaer eigentlich gestanden haben. Die, die vorne nicht
anspielbar waren, haben in der Mitte und hinten gefehlt.
Keiner da. Daß Aue bis zur 69. Minute braucht, um das dritte Tor zu schießen,
grenzt an ein Wunder. Bis dahin üben sich Fiete und seine Kumpels darin, auch
beste Gelegenheiten zirkusreif auszulassen. Dann ist
es Heller, der erst den rausgelaufenen Vasili auskurvt, dann
Stegmayer noch schnell zum Kasper macht und mit seinem
Schuß Jenas Qualifikation für die 3. Bundesliga absichert. Flasche leer. Der
frisch eingewechselte Kaufman darf dann auch noch zweimal
ran. Nach Paß von Emmerich (70.) bzw. Flanke von Grech
(88.) stellt der den Endstand zum 5:0 her. Dann ist es endlich vorbei.
Schlechter hat eine Jenaer Mannschaft seit der Abstiegssaison 2000/01 nicht
mehr gespielt. Absolut unfaßbar.
Was bleibt ist – wie immer in solchen Fällen – ein Haufen
Scherben. Der Abstieg ist perfekt, ohne Garantie auf eine schnelle
Wiedergeburt. Die eingestaubte Tradition unseres großen FC Carl Zeiss hat mal
wieder nichts gebracht außer jede Menge frustrierter Fans. Die Probleme im
sportlichen Bereich waren größtenteils hausgemacht, hier gibt es keine
Entschuldigung. Trotzdem steckt mehr dahinter. In Zeiten, in denen die Dietmar
Hopps dieser Welt einen ganzen Sport für ihre wohltätigen Eingebungen
mißbrauchen können, wird es immer schwerer für die kleineren und finanzschwächeren
Vereine, sich gegen reine Wirtschaftsinteressen zu etablieren. Dummerweise und
entgegen der geltenden Political Correctness
wird es genau an dieser Stelle auch zu einem Ost-West-Problem. Spätestens wenn
ab der nächsten Saison nur noch zwei, vielleicht auch drei Ostclubs in den
Bundesligen 1 und 2 spielen, sollten alle von der erfolgreichen Eingliederung
des Ostfußballs Überzeugten ihr Weltbild mal gründlich überdenken – vor
allem, weil zum fehlenden Geld auch noch eine
fehlende Lobby kommt. Eine eigene Tradition wird den hiesigen Vereinen nur sehr
widerwillig zugestanden. Die diesbezügliche Ignoranz in der Berichterstattung
ist himmelschreiend, besonders wenn man dem z.B. die penetrant betriebene Beweihräucherung
des geliebten FCK gegenüberstellt. Hinzu kommen jede Menge fehlerhafter
Schiedsrichterentscheidungen. Hier gleicht sich schon lange nichts mehr aus. Das
gilt nicht nur für Jena. Auch in Aue, Rostock und Cottbus kann man ein
trauriges Lied davon singen (www.wahretabelle.de/fussball-bundesliga/wahre-tabelle.php).
Das soll nicht alle Entwicklungen erklären, aber wenn sich die ostdeutsche
Fußball-Tradition in den nächsten Jahren vor allem in den dritten und vierten
Ligen abspielt, während Hoffenheim gleichzeitig Kurs
auf den UEFA-Cup nimmt, darf sich manch ein DFB-Funktionär ruhig auch mal
schämen. Wenigstens wenn er Fußballfan ist.
Wir kommen wieder!
<bpf>
Für alle, die noch einen 2. Bericht über dieses Spiel lesen möchten...
FC Carl Zeiss Jena - VfL Osnabrück 1:1
Tore: 1:0 Allagui (63.), 1:1 Reichenberger (65.)
- Jena: Khamutouski; Maul, Müller, Stegmayer; Werner,
Günther (71. Oniani), Hansen (83. Petersen), Ziegner
(
, 90.), Kandelaki; Schied (75. Torghelle),
Allagui
- Osnabrück: Berbig; Schuon, Cichon, Schanda, Thomik;
Aziz (35. Reichenberger), Surmann, Heidrich (46. De Wit), Grieneisen
(77. Schäfer); Hennings, Frommer
- Zuschauer: 9297
- Schiedsrichter: Kircher (Rottenburg)
- Spielbericht:
-
Pünktlich zum Anpfiff erhöhte Petrus den Schwierigkeitsgrad
dieses Spiels durch einen mittleren Wolkenbruch. Und sicher ist es zum Teil
auch dem schmierseifigen Untergrund geschuldet gewesen, dass es zur Pause nur
torlos stand. Chancen gab es auf beiden Seiten genügend. Der FCC startete mit
den Ansatz einer Chance, als Allaguis Eingabe von links keinen Mitspieler
erreichte (3. min), dann verfehlte Kandelaki am Elfmeterpunkt nur knapp Werners
Flanke (13.) und schließlich vergab Allagui die erste Einhundertprozentige, als
ihm frei vor Berbig der Ball im Moment des Schusses versprang und himmelwärts
zischte (16.). Unmittelbar zuvor zeigten die Gäste, dass auch sie auf dem
glitschigen Rasen Probleme hatten, sich um Ball und eigene Standfestigkeit
gleichzeitig zu kümmern, denn Hennings Flanke orientierte sich eher Richtung
Eckfahne als zum Tor hin. Trotz der widrigen Wetterverhältnisse und der
Nervenanspannung ging es hin und her, wobei die Gäste schon jetzt eher den Eindruck
erweckten, dass sie über ein Unentschieden nicht sehr böse wären. Nichtsdestotrotz
hatten auch sie ihre dicken Torchancen, meist begünstigt durch
Abstimmungsschwierigkeiten in der Jenaer Abwehr. So guckten alle Weißen zu, wie
Cichon in eine Freistoßflanke rutscht, zum Glück aber die gleiche Höhe wie
wenige Minuten vor Allagui erreichte. Zwei Minuten später warteten im Osnabrücker
Strafraum alle auf eine Freistoßflanke, Werner legte jedoch quer auf Ziegner,
dessen Direktschuss ebenfalls in die Zu-hoch-Schublade kam. Im Gegenzug durften
die Gäste wieder vergeben, als Khamutouski eine Flanke verpasste, Surmann sich
aber nicht zwischen Stehenbleiben und Schießen entscheiden konnte. In der 24.
min spielte sich der Schiedsrichter, der zuvor schon mit seltsamen
Zweikampfentscheidungen auffiel, endgültig in den Mittelpunkt des Interesses
und verweigerte dem FCC einen klaren Strafstoß. Schied startete nach einem lila
Abwehrfehler in den Strafraum und der mitsprintende Verteidiger fuhr dem Jenaer
Stürmer in die Beine wie eine Bowlingkugel zwischen die Pins. Wer dort „Ball
gespielt“ anzeigt, hatte mehr als die berühmt-berüchtigten Tomaten auf den
Augen. Der wievielte für uns nichtgegebene Strafstoß war denn das schon in
dieser Saison!?! Wiederum zwei Minuten später wird Grieneisens Flanke am kurzen
Toreck verlängert und der freistehende Hennings köpfte mutterseelenallein aus
knapp 8 m genau ans Lattenkreuz. Auf der Gegenseite konnte Schied nach einer
Pingpongeinlage zweier Abwehrspieler zur Grundlinie durchziehen, perfekt
zurückpassen und bei Hansens Geschoß rissen schon alle Jenaer Zuschauer die
Arme hoch – manch einer verwandelte den abgebrochen Jubel flugs in ein
Stoßgebet, denn der liebe Fußballgott ließ das Spielgerät von der
Lattenunterkante nach vorn wegspringen! Wenig später bekommt Allagui einen
Zuckerpass in den Lauf, trifft jedoch unter starker Bedrängnis nur den Pfosten.
Kurz vor der Pause wummerte Stegmayer einen Freistoß aus 18 m Entfernung aufs
Tor, Berbig klärte jedoch mit beidhändiger Faustabwehr. Dann war Pause und es
stand seltsamerweise noch 0:0.
Nach Wiederanpfiff ging es zunächst etwas verhaltener weiter
als in der ersten Halbzeit. In der 52. min setzte Hansen das erste Zeichen, als
er nach starkem Körpereinsatz links außen in Ballbesitz bleibt, mit seiner
Außenristflanke leider den vor Allagui stehenden Osnabrücker anvisierte.
Khamutouski hatte seinerseits bei Hennings Flachschuss wenig Mühe (55.). Kurz
danach beobachtete die sich zwischenzeitlich durch die Wolken blinzelnde Sonne
Tobias Werners Direktabnahme einer langen Flanke, der verfehlte aber sein Ziel
um wenige Zentimeter. Immer noch Sonnenschein, als Allagui eine Ecke Berbig
maßgenau durch die Beine köpfte und die Stimmung ebenfalls auf „sonnig“ setzte.
Ich weiß nicht, was in den folgenden 120 Sekunden in die Jenaer Mannschaft
gefahren war und warum sie jetzt auf die Taktik „Hühnerhaufen“ setzten, aber
der Ausgleich fiel mit langer Ansage. Die Gäste rannten wütend und mit deutlich
mehr Elan als im bisherigen Spiel an und dem FCC gelang außer Ballwegschlagen
plötzlich gar nichts. Dann schaute man interessiert zu, wie ein Osnabrücker
immer mehr zur Mitte zog, eigentlich harmlos abschoss und der Ball plötzlich im
Tor einschlug: Reichenberger, der bis dahin nur durch viele versteckte
Bösartigkeiten und Jammern beim Schiri aufgefallen war, lenkte per Kopf den
Schuss ab und Khamutouski – der schon ins andere Eck eilte – war machtlos.
Danach war zunächst die Luft raus auf dem Spiel. Die einen mussten den Schock
verdauen, die anderen hatten ihr erwünschtes Remis. In der 83. hatte der FCC
zur Abwechslung mal wieder Glück, denn nach einer Flanke hielt Khamutouski mit
einer Parade gegen den nach einer Flanke frei zum Schuss kommenden Hennings im
Spiel. Danach kam vom FCC eigentlich nichts planvolles mehr, irgendwie wartete
man auf den Zufall. Kandelaki (neben Allagui der stärkste Jenaer) wartete in
der 90. min nicht mehr, sondern leitete links den letzten gefährlichen Angriff
ein. Maul verlängerte, Allagui köpfte über den herausfliegenden Berbig, dieser bekam
irgendwie noch ein Fingerchen an die Bogenlampe und lenkte den Ball Richtung
Pfosten und dort verpasste es Petersen mit der Beweglichkeit eines 80jährigen,
die Kuller auf die richtigen Seite des Pfostens zu lenken und seine Rolle als
Edeljoker neu aufzulegen. In der Nachspielzeit konterte Osnabrück nochmals und
Ziegner sorgte durch sein im wahrsten Sinne des Wortes blitzschnelles
Eingreifen (was anderes konnte er in dieser Situation gar nicht tun) für eine
der wenigen unumstrittenen Entscheidungen Kirchers und holte sich einen
Platzverweis wegen Notbremse ab. Dann war Schluss und die Stimmung bei allen
Jenaer wie das Wetter der ersten Spielhälfte: besch…eiden.<
Das zweite Heimunentschieden hintereinander, das wie eine
Niederlage zu werten ist. Nur ein Pünktchen gegen einen direkten Konkurrenten
im Abstiegskampf – zu wenig, um das Flämmchen der Hoffnung nochmals richtig anzufachen,
aber auch zu viel, um dieses Flämmchen endgültig auszutreten.
<uk>
TSG 1899 Hoffenheim - FC Carl Zeiss Jena 5:0
Tore: 1:0 Ba (6.), 2:0 Ba (18.), 3:0 Ba (26.), 4:0 Salihovic (37.), 5:0 Obasi (67.)
- Hoffenheim: Özcan; Ibertsberger, P. Nilsson (21. Janker),
Compper, Löw; Jaissle, Weis, Carlos Eduardo (75. Seitz), Salihovic
(63. Copado); Ba, Obasi
- Jena: Khamutouski; Maul, Müller, Stegmayer (31. Torghelle);
Werner, Hansen, Kikuchi (83. Saka), Ziegner, Kandelaki; Schied
(85. Günther), Allagui
- Zuschauer: 5700
- Schiedsrichter: Wagner (Kriftel)
- Spielbericht:
- Ein wichtiges, fast unverzichtbares Utensil
zum Verfassen eines Spielberichtes stellt ein Kugelschreiber für die während
der 90 Minuten zu notierenden Ereignisse dar. Ein Gegenstand, dessen Mitnahme
ins Stadion dem Autor vom Hoffenheimer Ordnungsdienst ebenso verwehrt wurde,
wie allen anderen Jenaer Fans. Gelebte Fremdenfeindlichkeit auf
baden-württembergisch, die aber zumindest den Vorteil hat, über das schlimmste
FCC-Auswärtsdebakel seit Wehen nicht unnötig viele Worte an dieser Stelle
verlieren zu müssen.
Der Gang zum Stadion erinnerte in vielerlei Hinsicht an
die Oberligaauftritte beim Zipsendorfer FC Meuselwitz. Dörflicher Charakter,
ein heimeliger Waldweg hinauf zum Sportplatz, wo man mit dem ausreichenden
Bereitstellen von Eintrittskarten für Gästefans größere Probleme hatte und schließlich
ein kleines putziges Stadion wie aus dem Legoland, hingezimmert vom Mäzen aus
der IT-Branche. Doch so albern und unpassend wie wohl fast jeder Gästefan die
Atmosphäre rund um diese Spielstätte empfunden haben muß, so gänzlich
ernstzunehmend sollten jene 11 Gespielen auf dem Rasen sein, die sich
Milliardär Hopp zur Befriedigung seiner privaten Obsessionen gönnt. Dass einige
dieser millionenschweren Neueinkäufe Angebote von Champions-League-Teilnehmern
ablehnten, um statt der sportlichen Herausforderung nun im Kraichgau völlig
unter ihrem eigenen spielerischen Niveau deutlich mehr zu verdienen, mag man
als moderne Form von Prostitution bedauern. Dass einige Kicker im Kader des
badischen Retortenvereins soviel an Ablöse kosteten, wie der gesamte Verein FC
Carl Zeiss Jena als Saisonetat aufzubieten hat, machte schon vorher klar, dass
für die Abstiegskampfgeplagten hier nur mit sehr viel Glück etwas zu holen
wäre. Ein Glück, das schon im Vorfeld der Begegnung fehlte, neben Petersen,
Riemer und Amrhein gesellte sich auch Spielgestalter Jan Simak in die Riege der
verletzten Spieler.
Für die elf Aufgebotenen währte die Hoffnung auf etwas
Zählbares im 3000-Seelen-Dorf nur fünf Minuten, dann begann die Demba-Ba-Show,
welche die vom Sponsor verteilten Handklappern in den Händen der Heimbesucher
lärmen ließ. 6. Minute: Jenas erste Halbchance für Tobias Werner versandet, der
weite Abschlag von TSG-Keeper Özcan findet Ba, dessen feine Ballannahme und
eiskalter Abschluß Weltklasseformat ausstrahlen. 18. Minute: Einen unberechtigten
Freistoß zirkelt Salihovic auf den Kopf von Ba, und da Alexander Maul das
Abseits aufhebt steht es 2:0. 26. Minute: Feiner Pass von Eduardo auf wieder
einmal Ba, der erneut vollendet. Jena, in der Anfangsphase noch Gegenwehr
leistend, wirkte zunehmend hilfloser. Die Hereinnahme von Torghelle für
Stegmayer, dafür rückte Allagui auf die Spielmacherposition zurück, Kikuchi
nach rechts außen und Kandelaki nach hinten, brachte weder mehr
Durchschlagskraft in der Offensive, noch Stabilität in der Hintermannschaft.
Stattdessen reichte eine geschickte Seitenverlagerung auf den in die völlig
entblößte rechte FCC-Abwehrseite durchspritzenden Salihovic, um mit dem 4:0 den
Pausenstand perfekt zu machen. Als wäre dieser Umstand nicht schon schlimm
genug, so muß konstatiert werden, dass das Ergebnis den Weißgekleideten gar
noch schmeichelte.
Henning Bürger wartete lange, bis er seine gedemütigten
Spieler in die Kabine begleitete. Die Ansprache schien jedoch gefruchtet zu
haben, denn der FCC kam geordneter aus der Pause, willig auf eine
Resultatsverbesserung, allein es fehlte die Qualität. Was Jenas
Offensivabteilung fabrizierte, ist mit den Worten unglücklich, harm- und
hilflos noch milde beschrieben. So schaltete sich nach 66 Minuten gar
Verteidiger Alex Maul ins Angriffsspiel ein, doch da sein Vorstoß an der
Strafraumgrenze höchst unsanft gestoppt wurde und der Gegenzug in die entblößte
Hintermannschaft diesmal Obasi allein auf den bedauernswerten Khamutouski
zusteuern ließ, hieß es 5:0. Genug für viele der Heimzuschauer, die sich fortan
auf den Heimweg begaben, Erdbeerkuchen und Sonnenbad entgegen. Jenas Fans
ertrugen auch die letzten Minuten des Auswärtsdebakels tapfer und
verabschiedeten ihre Lieblinge nach Schlusspfiff wärmer, als das der gebotenen
Leistung angemessen gewesen wäre. So wurden auch die Kamerateams von Premiere
und DSF in der Hoffnung auf lauternähnliche Schimpf- und Wuttiraden den eigenen
Spielern gegenüber enttäuscht und zogen kurzentschlossen wieder vom Gästeblock
ab.
Genauso kurz sollte auch das Nachdenken über diese Niederlage sein, die an
der Situation des FCC nicht allzu viel geändert hat. Schnell abhaken und am
Freitag gegen Osnabrück die Antwort folgen lassen. Denn „Marmor, Stein und
Eisen bricht, aber unser Jena nicht!“. <gunner>
Report auf fansmedia.org zum Geschehen am Rande des Spiels
FC Carl Zeiss Jena - Borussia Mönchengladbach 2:2
Tore: 1:0 Schied (9.), 2:0 Schied (45.), 2:1 Colautti (64.), 2:2 Colautti (76.)
- Jena: Khamutouski; Maul, Müller, Kandelaki; Kikuchi, Hansen, Ziegner, Simak, Werner; Schied (82. Torghelle), Allagui
- M'gladbach: Heimeroth; Levels (22. Coulibaly), Brouwers, Daems,
Voigt (46. Colautti); Ndjeng, Paauwe, Rösler, Marin; Friend, Neuville (83. Kleine)
- Zuschauer: 13.486
- Schiedsrichter: Weiner (Giesen)
-
Spielbericht:
- Dieser Bericht entstand aus organisatorischen Gründen erst
zwei Tage nach dem Spiel. So schlecht ist das nicht, denn an jenem Abend hätte
ich keine Zeile zustande gebracht. Zu groß war die innere Zerrissenheit, das
Für und Wider des Abends. Der FCC – Vorletzter! – spielte den Tabellenführer an
die Wand und hätte in der zweiten Halbzeit mit einem Minimum an
Chancenverwertung nicht nur den sprichwörtlichen Sack zumachen, sondern die
Gäste regelrecht abschießen können. Über vier oder fünf Gegentreffer hätte sich
Gladbach nicht beschweren können, ABER: die Chancen blieben ungenutzt, unsere
Abwehr schnarchte zweimal und so blieb uns nur ein Punkt.
Auf Simak, der nach seiner Gelbsperre wieder zur Verfügung stand,
ruhten de facto alle Hoffnungen des FCC, gegen den haushohen Favoriten die
Aufholjagd auf Platz 14 fortsetzen zu können. Das erste tiefe Luftholen gab es
nach 5 Minuten, als Kikuchi per Hackentrick Allagui in Szene setzte, dieser
jedoch in Mittelstürmerposition im Abseits stand. Kurze Zeit später beackerte
Ziegner an der Außenlinie auf Höhe des eigenen Strafraums solange einen
Gladbacher, bis er den Ball erobert hatte und sofort lang auf Allagui spielte.
Der legte quer, Simak sah Schied in den freien Raum laufen und bediente ihn mit
dem Traumpass des Tages. Ein kleiner Schubs an den Ball und noch bevor die
Spielkugel über die Linie trudelte jubelten die Zuschauer. Es ging in der
Folgezeit flott hin und her und die Pessimisten warteten auf den Ausgleich. Als
jedoch die Miniserie von Gästestandards (2 Ecken und 1 Freistoß) unbeschadet
überstanden war, konnte man hoffen. Borussia hatte keinen guten Tag erwischt,
deren Zusammenspiel war holprig, ungenau und ideenlos. Und so gab es seitens
der Dunkelgrünen lediglich die Andeutung eines Schüsschens von
Neuville ins Nirgendwo und einen Fernschuss Röslers übers
Tor. Auf der Gegenseite schlenzte Allagui den Ball nach Schieds Zuspiel leider
übers Tor. In der 45. min standen bei einem Konter 4 Jenaer 3 Abwehrspielern
gegenüber, aber der ballführende Werner – links lief Allagui, rechts Schied und
in der Mitte sperrte Simak im den Weg frei – wählte die schlechteste aller
Varianten und schoss unkonzentriert auf die falsche Torecke und klar vorbei.
Als alle Blau-gelb-weißen sich schon auf die 1:0-Pausenführung freuten, sauste
der Ball über die Stationen Allagui, Simak, Schied, wieder Simak auf halblinks
zu Werner. Dessen Flachschuss konnte Heimeroth zwar
noch aufhalten, aber Schied stand goldrichtig und sorgte mit seinem zweiten
Treffer für allgemeines Verzücken im Stadion.
„Sch…, warum hat Fußball immer zwei Halbzeiten!“, so mein
Stoßseufzer in der Pause und mir kam jenes vorjährige 3:3 gegen Duisburg in den
Kopf. Aber anscheinend und glücklicherweise hatten die Jenaer Spieler dieses
Unentschieden vergessen, denn es ging weiter nach vorn und vor allem Schied
setzte sein Duell mit Heimeroth fort. Nach einem hoch
in den Jenaer Strafraum getreten Freistoß zappelte der Ball im Tor des FCC,
aber der Kopfballtäter Rösler stand abseits. Den Rest des Spieles könnte man kurz zusammenfassen:
Gladbach bemüht, aber wirkungslos, der FCC mit saugefährlichen, blitzschnellen
Angriffen, in denen Simak fast immer Dreh- und Angel-
und Ausgangspunkt war. Simak auf Werner (abgefälscht und knapp drüber), auf
Schied, wieder auf Werner, wieder auf Schied… Aber immer kam etwas dazwischen,
Heimeroth, ein Verteidiger – das 3:0 schien lediglich eine
Frage der Zeit zu sein und ein bezüglich der Trikotfarben Ahnungsloser hätte in
den Weißen den Fasterstligisten vermutet, der dem Tabellenkellerkind gerade
zeigt, wie Fußball funktioniert. Selbst Simak sündigte mit einer
Hundertprozentigen, als er sich nach Doppelpass mit Werner die Torecke
aussuchen konnte, leider jedoch das hellblaue Trikot Heimeroths
als Ziel wählte. Aber oben steht „könnte“, denn plötzlich brachte Marin eine
Flanke von links vor Khamutouskis Tor und Colautti,
der von Kandelaki lediglich begleitet wurde, köpfte
den Anschlusstreffer. Sollte mal jemand ein Anschauungsbeispiel für ein Tor der
Marke „Völlig überraschend und unverdient“ benötigen, so kann er auf dieses
zurückgreifen. Wer nun einen Bruch im Jenaer Spiel erwartet hatte, wurde
positiv überrascht. Es ging weiter nach vorn und eine Chance nach der anderen
wurde vergeben. Fünf Minuten nach dem 2:1 war es wieder einmal Schied, der frei
vorm Torwart scheiterte. Und als dann auch noch Schiedsrichter Weiner das Foul
an Simak (73.) nicht dort ahndete, wo es ausgeführt wurde – nämlich auf der
Strafraumgrenze bzw. knapp drin -, sondern dort, wo Paauwe
es offensichtlich geplant hatte – 3 Meter vorm Strafraum – schienen sich alle
Götter gegen den FCC verschworen zu haben. In der 75. Minute konnte Khamutouski
nach einem Gäste-Freistoß gerade noch zur Ecke klären. Diese Ecke jedoch
verdarb allen Zeiss-Fans den Abend: Statt „Langholz“ wie bisher, flog der Ball
aufs kurze Torraumeck und da vier Jenaer vom Boden nur in die Luft starrten,
durfte Colautti unbedrängt das 2:2 einköpfen. Das
konnte doch nicht wahr sein! Drohte gar noch eine Niederlage, kam jetzt
Gladbach in Fahrt? Nö, es war weiterhin der FCC, der das Spiel bestimmte – und
seine Chancen vergab. Zunächst stoppte die Abseitsfahne (*zweifel_anmeld*)
den durch Simak freigespielten Schied (83.), dann köpfte der eingewechselte
Torghelle eine Ziegner-Flanke an den Pfosten. Den
kräftigen Stoß, den der dabei von hinten bekam, pfeifen etliche Referees
sicherlich als Foul. Und nochmals war es Torghelle, der aufs Tor und leider
auch direkt auf den Torwart köpfte. Weiner bekam schließlich Mitleid mit Borussia
und rettet sie nach nur einer Minute Nachspielzeit mit dem Schlusspfiff. Stände
der FCC irgendwo im sicheren Mittelfeld, wären ihm „standing
ovations“ der knapp 13.500 Zuschauer sicher gewesen
(das war wie schon das Hinspiel ein ganz starkes Spiel), aber so dominierte die
Enttäuschung über zwei vergebene Punkte.
Das 2:2 (vor dem Anpfiff wäre ich damit schon zufrieden
gewesen) war gerade angesichts des Spielverlaufs ein großer Eimer Wasser auf
den Hoffnungsfunken Klassenerhalt, aber deswegen aufgeben? Es sind noch 5
Spieltage und Einstellung und Spielkultur unserer Mannschaft verbieten es
einfach, jetzt schon zu kapitulieren. Zudem fehlt in meiner DVD-Sammlung noch
das Exemplar „Die Sensation von Jena“. <uk>
SC Freiburg - FC Carl Zeiss Jena 2:0
Tore: 1:0 Idrissou (32.), 2:0 Butscher (48.)
- Freiburg: Langer; Schwaab, Krmas, Butscher, Schlitte; Banovic, Glockner, Pitroipa, Idrissou, Günes; Bencik
- Jena: Khamutouski; Maul, Müller, Kandelaki; Seturidze
(56. Torghelle), Kikuchi, Hansen, Ziegner, Werner; Schied (75. Petersen),
Allagui
- Zuschauer: 14.050
- Schiedsrichter: Perl (München)
- Spielbericht:
- Eigentlich passierte nichts Unerwartetes: Die Siegesserie
des FCC riss und es gab in Freiburg, der uns letzte Saison noch alle sechs
Punkte überlassen musste, eine Niederlage. Ärgerlich war nur, dass (mit etwas Glück
und Überblick) diese Niederlage vermeidbar gewesen wäre. Auf- und
Abstiegskandidat lagen spielerisch wesentlich dichter beieinander, als es ein
Blick auf die Tabelle vermuten ließ. Es waren aber die eigentlich spielerisch
und technisch starken Gastgeber, die den einfacheren, klar strukturierten – und
letztendlich effektiveren – Fußball spielten, während beim FCC zu viele
Schnörkel und Schlenker den Spielaufbau bremsten und oft der direkte Zug zum
Tor fehlte. Zudem dürften die vielen Ungenauigkeiten nicht nur die Fans
geärgert haben, da fehlte Jan Simak.
Doch der Reihe nach: Freiburg begann druckvoll und bereits
nach 2 Minuten rauschte der erste Schuss auf unser Tor, zum Glück deutlich zu
hoch. Und auch die weiteren Angriffe kamen über die rechte Angriffsseite und
insgesamt erspielten sich die Hausherren ein optisches Übergewicht. Der FCC
stellte sich aber nicht hinten hinein, sondern spielte auch selbst nach vorn
und erarbeitete sich Chancen. So konnte Hansen – mit Khamutouski und
Allagui einer der drei stärksten Jenaer – erst im letzten
Moment an der Strafraumgrenze am Torschuss gehindert werden. Und nach einer
Viertelstunde versuchte es Hansen selbst durch die Mitte anstatt auf den
halblinks startenden Werner zu passen. Den ersten ernsthaften Angriff auf die
Nerven der mitgereisten FCC-Fans gab es in der 18. min, als ein scharfer Schuss
eines Freiburgers am Pfosten landete und Maul den zweiten Versuch gerade so
kurz vor der Linie entschärfte. Mit dieser Aktion schien dann das Schlimmste
überstanden zu sein, denn der FCC schaffte ein spielerisches Gleichgewicht und
es ging auf dem Rasen relativ ausgeglichen hin und her. Zwar musste Khamutouski
innerhalb von Sekunden zweimal ganz stark reagieren (26.), doch auch der FCC
hatte Chancen. Erst flankt Werner bei einem Konter viel zu ungenau auf
Allagui (25.), später wird Schied im Strafraum zu Fall
gebracht (ob es Foul war, konnte man quer durchs ganze Stadion nicht erkennen),
den querspringenden Ball jagt Maul leider nicht in die Tormaschen, sondern hoch
auf die Freiburger Endtribüne. Hier etwas Abgeklärtheit…
In dieser Phase
spielte sich der Schiedsrichter mit einigen seltsamen Entscheidungen ins
Rampenlicht. Einen Schlag auf Ziegners Hals –
Ziegner ging zu Boden und musste behandelt werden – übersah
er aus nächster Nähe großzügig und die Freiburger dankten dies entsprechend:
Banovic schickte innerhalb von sechzig Sekunden zwei Jenaer
in Zweikämpfen mit dem Ellenbogen auf die grüne Wiese, ohne dass er die
hochverdiente Gelbe Karte sah. In der 32. min wird Hansen im Zweikampf zu Boden
gestoßen – kein Pfiff – und Kikuchi klärte in der
folgenden Szene mit einem blitzsauberen Tackling, das seltsamerweise mit einem
Freistoß bestraft wurde. Der Ball schwebte eine mittlere Ewigkeit in der Luft,
trotzdem schauten alle Jenaer zu, wie Idrissou
unbehelligt zum Kopfball hochstieg und das 1:0 machte. Der Gegentreffer schien
einige Bremsen in unserem Team zu lösen, denn es begann die stärkste Phase des
FCC. Freiburg wurde in deren eigene Hälfte gedrängt und der Ausgleich lag in der
Luft. In der 34. min köpfte Allagui aus wenigen
Metern unbedrängt fast genau auf Langer, fünf Minuten später zielte er nach
einem Zuspiel Schieds zu hoch und in der 42. min
vollendete Allagui seinen Hattrick der vergebenen
Gelegenheiten, in dem ihm nach einer Eck der Ball am langen Pfosten versprang.
Als Langer sich einen harmlosen Rückpass fast selbst ins Tor legte, hatte der
Referee Erbarmen und pfiff zur Pause. Nach dem Spielverlauf der ersten 45
Minuten war die Freiburger Führung etwas glücklich und so war die Hoffnung im
Gästeblock in der Halbzeitpause mit den Händen zu greifen.
Es begann nach Wiederanpfiff auch ganz flott mit je einer
Chance für jedes Team: Erst brannte nach Doppelfehler von Maul und Hansen die
Luft vorm Jenaer Tor, dann kam Schied gegen Langer nur einen Schritt zu spät.
Plötzlich jedoch blankes Entsetzen unter den Zeiss-Fans, als eine Quasi-Kopie
jener Freistoßszene aus der 32. min ablief – Flanke (Freiburg), Zugucken (FCC),
Kopfball (Freiburg) = 2:0. Der Rest ist schnell erzählt: Freiburg immer dann
gefährlich, wenn sie schnell über die Außenpositionen kamen und Flanken vor
Khamutouskis Tor schlugen. Da hatten wir es einige Male unserem Keeper zu
verdanken, dass es nicht schlimmer kam. Der FCC bemühte sich redlich und kam
auch immer wieder an und in den Strafraum, aber dort agierte man zu
umständlich. Beste Beispiele: Allagui setzt sich
links durch, legt auf Schied ab, der zögert mit dem Schuss, legt wieder ab, der
Ball kam irgendwie zu Hansen und der schafft unter Bedrängnis nur ein
Schüsschen (62.); später (83.) tanzt Allagui an der
rechten Strafraumecke einen Freiburger aus, legt quer auf Werner, der jedoch –
anstatt zu schießen – zweieinhalb Haken schlägt und die Chance zum Schuss nicht
nutzt. Die Zusammenfassung des FCC-Spiels der zweiten Halbzeit bot die letzte
Szene in der Nachspielzeit, als Werner eine Ecke hektisch kurz auf
Ziegner ablegte und der sich am Gegenspieler festdribbelte…
Bemüht, aber ungenau, uneffektiv und überhastet.
Fazit: 1. Mit der Niederlage und den anderen Ergebnissen
sind die Chancen auf den Klassenerhalt gesunken, aber es sind noch sechs
Punktspiele, die man nicht kampflos hingeben kann. 2. Es gibt derzeit
niemanden, der Simaks Rolle ausfüllen kann. 3. Aufgeben? Niemals. <uk>
FC Carl Zeiss Jena - SC Paderborn 07 3:0
Tore: 1:0 Allagui (39.), 2:0 Simak (53.,FE), 3:0 Werner (89.)
- Jena: Khamutouski; Maul, Müller, Stegmayer (28.Ziegner); Riemer, Hansen, Werner, Simak, Kandelaki; Schied (79.Torghelle), Allagui (90.Oniani)
- Paderborn: Nulle; Gouiffe à Goufan (63.Hoilett), Djurisic,
Gonther, de Graef (71.Damjanovic); Fischer, Schüßler, Koen
(26.Halfar), Krösche; Müller, Löbe
- Zuschauer: 10.112
- Schiedsrichter: Sippel (München)
- Spielbericht:
- (von Gastkommentator Benny Hiltscher)
Es ist nur ausgesprochen selten der Fall, dass bei einem Spiel des Tabellenvorletzten gegen den Tabellenletzten beide Mannschaften
von sich behaupten können, sechs Punkte aus den vorangegangenen beiden Spielen geholt zu haben. In Anbetracht der Tabellensituation,
die trotz der letzten Erfolge für beide Mannschaften einen Rückstand von acht Punkten zum rettenden Ufer auswies, war dennoch
von vornherein klar, dass keiner der beiden Mannschaften heute ein Unentschieden weiterhelfen würde. Wenn man noch einmal ernsthaft
in den Kampf um den Klassenerhalt eingreifen wollte, musste heute unbedingt ein Sieg her. Nicht wenigen der 10112 Zuschauer im
Ernst Abbe Sportfeld machte die Folge dieser Situation Sorgen - die Jenaer Mannschaft stand wieder unter Druck, man musste etwas
zeigen. Hatten sich viele Fans vor dem Spiel gegen Greuther Fürth bereits mit dem wahrscheinlichen Abstieg abgefunden, so
hatten die zuletzt erkämpften sechs Punkte gegen eben jene Fürther und die Mannschaft von 1860 München nun doch
wieder leise Hoffnungen auf das nächste "Wunder von Jena" geweckt. Das Überleben dieses Hoffnungsschimmers hing
maßgeblich von den bevorstehenden 90 Minuten ab, denn ein Unentschieden oder gar eine Niederlage gegen den unmittelbaren
Tabellennachbarn hätte der gerade erst wiederbelebten Hoffnung wohl endgültig den Garaus gemacht. Für die
Gäste aus Paderborn, seit der Winterpause vom ehemaligen Erfurt-Trainer Pavel Dotchev trainiert, galt natürlich das Gleiche.
Die erste Hiobsbotschaft für Paderborn kam bereits vor dem Anpfiff des Spiels, Stammtorwart Lukas Kruse verletzte sich beim
Aufwärmen und für ihn musste Carsten Nulle, in der Winterpause auch als mögliche Verstärkung für den
FCC im Gespräch gewesen, das Tor der Gäste hüten. Die ersten Minuten des Spiels verstrichen dann auch ohne
große Torchancen, beiden Mannschaften war anzumerken, dass man unnötige Fehler um jeden Preis vermeiden wollte.
Nach 15 Minuten hatten beide Seiten ihren ersten zaghaften Torschuss abgeliefert, ohne die Torhüter jedoch vor schwierige
Aufgaben zu stellen. In der 24. Minute erspielten sich die Jenaer dann die bis dato größte Chance des Spiels,
nach einer punktgenauen Hereingabe von Ilya Kandelaki kommt Marcel Schied aus kurzer Distanz zum Abschluss, seinen Schuss
aus der Drehung kann Paderborns Schlussmann jedoch mit Glück und Können parieren. Nur sieben Minuten später
wäre allerdings um ein Haar die Gastmannschaft in Führung gegangen, nach einer Flanke von Markus Krösche
kommt Alexander Löbe relativ unbedrängt zum Kopfball, zum Glück für Jena fliegt der Ball aber wenige
Zentimeter am rechten Pfosten vorbei. Aus dieser Distanz wäre auch Vasili Khamutouski, der heute kaum Gelegenheit
hatte sich auszuzeichnen, chancenlos gewesen. Nur drei Minuten später die nächste gefährliche Aktion der
Gäste, ein Müller-Freistoß aus etwas mehr als 25 Metern Entfernung geht nur haarscharf am linken Pfosten
vorbei, diesmal wäre Khamutouski aber zur Stelle gewesen.
Die Jenaer Antwort auf diese beiden Möglichkeiten der Dotchev-Elf kam prompt und hätte nicht besser aussehen
können, Tobias Werner schlägt den Ball die linke Außenlinie entlang und schickt Jan Simak, der den Ball
erläuft und gefühlvoll flach in die Mitte flankt, wo Sami Allagui am Fünf-Meter-Raum in den Ball grätscht -
keine Chance für Carsten Nulle, die Führung für den FCC! Die wichtige Führung gab der Mannschaft Sicherheit,
nur vier Minuten später konnte Allagui nach schönem Solo erst im letzten Moment der Ball vom Fuß gespitzelt
werden; wiederum nur Sekunden später kommt Marcel Schied aus etwa 20 Metern zum Schuss, den Nulle nur abprallen
lassen kann - Jena gehörte die Schlussphase der ersten Halbzeit. In Anbetracht dieser Chancen und des Eckenverhältnisses
von 5:0 war die Jenaer Pausenführung durchaus berechtigt, Paderborn zeigte vor allem dann Schwächen, wenn es darum ging,
aus Ballbesitz und Feldüberlegenheit auch Torchancen zu erspielen, woran die mit gutem Stellungsspiel glänzende
Jenaer Abwehr natürlich maßgeblichen Anteil hatte.
Zu Beginn der zweiten Halbzeit hatte man den Eindruck, dass sich Gäste-Trainer Dotchev die Halbzeitansprache hätte
sparen können, denn die Jenaer Elf machte genau dort weiter, wo sie vor dem Pausenpfiff aufgehört hatte. Ein wunderbares
Zusammenspiel zwischen Ilya Kandelaki und Marcel Schied schloss letzterer schließlich mit einem sehenswerten Schlenzer aus
halblinker Position ab, der Ball senkte sich genau im richtigen Moment, landete aber zur Enttäuschung (fast) aller nur auf
dem Tornetz. Vier Minuten nach Wiederbeginn schon die nächste dicke Chance für die nun deutlich überlegenen Jenaer,
nach gefühlvollem Simak-Lupfer in die Lücke zwischen zwei Abwehrspielern kommt Allagui im Strafraum zum Schuss,
Torwart Nulle nutzt die Gelegenheit allerdings um sich auszuzeichnen und klärt den Ball mit den Fingerspitzen zur Ecke.
Weitere vier Minuten später ist Marcel Schied erneut freigespielt und wird kurz vorm Abschluss vom letzten Paderborner
von hinten umgerempelt. Schiedsrichter Sippel aus München, der unterm Strich eine gute Leistung zeigte, zögerte
nicht und zeigte auf den Punkt. Der wieder einmal groß aufspielende Jan Simak legt sich den Ball zurecht, schickt
Carsten Nulle in die falsche Ecke und verwandelt seinen fünften Elfmeter für Carl Zeiss Jena trocken und todsicher
in die rechte untere Ecke zum 2:0. Wer nun mit wütenden Angriffen der Paderborner rechnete, sah sich getäuscht,
echte Chancen für die Gäste-Elf blieben Mangelware, stattdessen war Jena sichtlich um eine weitere Verbesserung
der Tordifferenz bemüht. Leider war man im Abschluss der zahlreichen sich bietenden Gelegenheiten nicht konsequent
genug, ansonsten wäre heute durchaus Raum für weitere Tore vorhanden gewesen. Nur zwei Minuten nach dem 2:0 kontert
der FCC im eigenen Stadion die Paderborner aus, aus der 4-gegen-2-Situation wird allerdings zu wenig gemacht, weil Marcel
Schied zu spät auf Marco Riemer ablegt, der einen auf der Linie stehenden Paderborner Verteidiger anschießt, den
Abpraller jagt Torsten Ziegner schließlich in die Wolken. Nach fast 70 Minuten Spielzeit gibt es den ersten Eckball
für Paderborn, Khamutouski klärt die Situation aber souverän per Faustabwehr. Nicht wenige Leute werden
sich auch heute wieder gefragt haben, wo der FCC wohl heute stünde, wenn er ab dem ersten Spieltag den weißrussischen
Nationaltorhüter im Gehäuse gehabt hätte, die Sicherheit, Ruhe und Souveränität, die dieser ausstrahlt,
ist Balsam auf die leidgeprüfte Jenaer Fußballseele. In der 71. Minute kommt es dennoch fast zum Anschlusstreffer
der Paderborner, der zu diesem Zeitpunkt alles andere als verdient gewesen wäre, denn die Jenaer Abwehr tut sich schwer
damit, den Ball im eigenen Strafraum zu klären. Nach gefühlten Minuten des Durcheinanders im Strafraum wirft sich
Alex Maul in den Schuss und klärt zur zweiten Ecke für Paderborn - Durchatmen. Geweckt von dieser Chance übernimmt
Jena wieder die Initiative, keine Spur von Angst oder mangelndem Selbstvertrauen. In der 77. Minute leitet wieder einmal Simak
mit einem herrlichen Pass aus dem Stand über den halben Platz eine Allagui-Chance ein, der aus rund 16 Metern leider
genau auf den Torhüter des Tabellenschlusslichts schießt. Nur eine Minute später nimmt sich Allagui erneut
ein Herz, sprintet über die gesamte Außenbahn und legt schließlich auf Simak ab, der die Chance verpasst,
sein tolles Spiel mit einem zweiten Treffer zu krönen, denn Markus Krösche kann ihm im letzten Moment den Ball
vom einschussbereiten Fuß spitzeln. Auch die nächste Chance gehört dem FCC, nach einer der zahlreichen
Simak-Ecken kommt Alex Maul sechs Minuten vor Spielende völlig unbedrängt aus fünf Metern zum Kopfball,
schafft es aber analog zu Löbe im ersten Durchgang, diese hundertprozentige Chance neben den Pfosten zu setzen.
Den aus Jenaer Sicht krönenden Abschluss des Spiels realisiert in der letzten Spielminute Tobias Werner, der einen
weiteren Jenaer Konter nach Vorlage von Jan Simak mit einem sehenswerten Volleyschuss aus 16 Metern unter die Latte
zum 3:0-Endstand abschließt.
Jan Simak, an dem der VfB Stuttgart unter der Woche sein Interesse erneut bekundet hat, war auch heute wieder an allen
drei Toren beteiligt - zweimal als Vorbereiter, einmal selbst als Torschütze. Ebenfalls hervorragend spielten Robert
Müller, der in der Abwehr ein ums andere Mal goldrichtig stand und mehrfach Paderborner Angriffe souverän bereits
im Ansatz geklärt hat sowie der quirlige und sehr lauffreudige Sami Allagui. Aber nicht nur die gerade genannten, die
gesamte Jenaer Mannschaft zeigte heute eine überzeugende Leistung. Es war jederzeit zu erkennen, wie wichtig jeder
Spieler das Spiel nahm und erfreulicherweise waren auch alle in der Lage, dem resultierenden Druck standzuhalten. Wenn man
am heutigen Spiel etwas kritisieren will, dann muss man die Chancenverwertung ansprechen, die wie so oft nicht optimal war -
Aber wer will schon nach einem 3:0 über mangelhafte Chancenverwertung reden? Der Jenaer Auftritt insgesamt macht
tatsächlich wieder Hoffnung, die Chance zum Klassenerhalt besteht weiterhin, der Rückstand auf das rettende
Ufer hat sich mit dem heutigen Tag auf sechs Punkte verkürzt. Auch wenn sich am Tabellenplatz nichts geändert hat,
war die Stimmung im Stadion nach dem Schlusspfiff von Hoffnung und dem Glauben an die Mannschaft geprägt, der von
vielen schon als unvermeidlich akzeptierte Abstieg scheint nach neun Punkten aus den letzten drei Spielen plötzlich
doch wieder vermeidbar. Ob die Hoffnung der Jenaer Fans berechtigt ist, wird sich in den nächsten Wochen zeigen, die
Gegner heißen Freiburg, Mönchengladbach und Hoffenheim und hegen allesamt Aufstiegsaspirationen - jetzt muss die
Mannschaft zeigen, was die grade begonnene Serie wert ist!
44 Fotos von Jens Weißenburger
Simak macht den Unterschied - Der Bericht auf scpaderborn07.de
TSV 1860 München - FC Carl Zeiss Jena 1:2
Tore: 0:1 Werner (60.), 1:1 Göktan (72.); 1:2 Schied (87.)
- München: Tschauner; Hoffmann, Thorandt, Berhalter, B. Schwarz
(69. Kucukovic); L. Bender (33. S. Bender), Bierofka, Göktan, Holebas,
D. Schwarz (89. Gebhart); Di Salvo
- Jena: Khamutouski; Maul, Müller, Stegmayer; Werner (90.
Kühne), Hansen, Riemer, Simak, Kandelaki; Allagui (84. Oniani), Petersen
(69. Schied)
- Zuschauer: 38.100
- Schiedsrichter: Frank (Hannover)
- Spielbericht:
- Es war alles so einfach. Noch vor dem Fürth-Spiel endeten
alle Rechenspiele eine Liga tiefer. 12 Punkte Rückstand vom rettenden 14. Platz
entsprechen ungefähr der Entfernung von Telly
Savalas’ Glatze zu einer Vollhaarfrisur. Und so waren auch
die größten Sonnenscheinchen unter den Fans inzwischen von der Vorstellung geheilt,
nächstes Jahr noch in die Allianz-Arena oder nach Köln zu müssen. Jetzt, eine
Woche später und sechs Punkte näher am rettenden Ufer ist alles viel
schwieriger. Die Tabelle wird hin und her gedreht, alle Wenn und Abers werden erschöpfend
durchdiskutiert. Der Patient FC Carl Zeiss lebt auf einmal wieder. Zwar nur ein
bißchen, aber er lebt. Und viel wichtiger: Er will auch leben! Beziehungsweise wenn
er schon sterben soll, dann wenigstens schön! Befreit von der Sorge, nächstes
Jahr eventuell im UEFA-Cup kicken zu müssen, ist es offensichtlich wieder
leichter sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Nur so ist die gute
Leistung von gestern zu erklären. Die 60er waren am Ende völlig verdient in die
Knie gezwungen.
Für Herzkranke war es allerdings nix, da die Jenaer das
Auslassen von Großchancen offenbar zur höchsten Vollendung entwickelt haben.
Die erste Heldentat diesbezüglich vollbrachte Niels Hansen in der 9.
Spielminute. Schön freigespielt von Sami Allagui
schob er den Ball aus Nahdistanz am langen Pfosten vorbei. Allagui
versuchte sich nach einer knappen halben Stunde dann auch noch selbst. Er stand
zwar etwas weiter weg, vollbrachte aber ansonsten exakt das gleiche
Kunststückchen. So ist das halt, wenn man im gesicherten Tabellenkeller
rangiert! Zehn Minuten vor der Pause war Simak dann
eigentlich frei durch, der Linienrichter verweigerte ihm aber die Möglichkeit
des Nichttreffens. Eine glatte Fehlentscheidung, aber das kennen wir ja… Und
die Münchener? Deren Selbstbewußtsein hatte nach sechs sieglosen Spielen
offensichtlich derart gelitten, da kam nicht viel. Selbst die Anfangsoffensive,
mit der uns der Gegner üblicherweise beglückt, blieb aus. Keine Spur von
Aufstiegsambitionen. Ein oder zweimal rumpelten die Stürmer zwar durch unseren
Strafraum, zum Aufschreiben war das allerdings nix. Und so muß man die beste
Jenaer Halbzeit seit langer, langer Zeit konstatieren.
Aber was nützt das alles
ohne ein Tor? Das mußte in Halbzeit 2 unbedingt anders werden, denn alles andere
als drei Punkten wäre zu wenig. Dementsprechend engagiert ging es von Jenaer
Seite zur Sache. Zunächst aber das gleiche Spiel. Erst versaut Tobias Werner einen
schönen Konter (47.), drei Minuten später setzt sich
Simak nach einem Doppelpaß mit Allagui
gegen mehrere Löwen durch, kommt dann aber – wie so oft – nicht zum Ende. Und
einen Elfer gibt’s für so einen Faller auch nicht.
Dann aber, gerade als uns Thorandt mit seinem
35m-Schuß auf die ‚Kreuzecklatte’ (O-Ton 1860-Ticker (-:) einen ‚kleinen’
Schreck eingejagt hatte, war es soweit. Allagui
(fleißig aber meistens glücklos) erkämpft sich den Ball an der Mittellinie von
Berhalter, paßt auf den mitgelaufenen Werner (fleißig aber
meistens ebenso glücklos), der beiden Akteuren das ‚Glücklos’ aus der
Arbeitsbeschreibung schießt. Der Ball landet im kurzen Eck; endlich die
verdiente Führung und riesiger Jubel im Jena-Block (60.). Doch damit beginnt
auch das große Zittern. Ab dieser Zeit werden meine Notizen immer lückenhafter,
Schreiben geht nicht mehr. Die Spannung wird unerträglich. Und sie steht in
jedes Gesicht geschrieben. Hoffentlich hält das Bollwerk da hinten.
Vasili
Khamutouski kriegt alle Hände voll zu tun. Zunächst
kann er einen Schuß aus Nahdistanz von Di Salvo zur
Ecke abwehren (62.), kurze Zeit später verpaßt Di Salvo
noch eine Vorlage von Bierofka nur ganz knapp (65.).
Durchatmen. Dann ist Schied auf einmal durch, kommt knapp vor
Tschauner im Löwen-Tor an den Ball. Der Preßschlag landet
wieder bei Schied, der mit einem mißglückten Anspiel auf Allagui
die schlechteste Entscheidung trifft. Warum haut er denn nicht einfach drauf.
Blankes Entsetzen (67.). Das weicht kurze Zeit später einer gewissen
Trostlosigkeit, nachdem Göktan die sich häufenden
Zuordnungsfehler in der Jenaer Abwehr ausnutzt und Khamutouski
mit einem Flachschuß überwinden kann. Wie kann man den Gegner nur so stark
machen? Erst später höre ich, daß hier ein Abseits im Spiel gewesen ist. Sollte
es so sein, sticht diese Fehlentscheidung wenigstens nicht sonderlich raus.
Hätte Khamutouski ähnlich schwach gehalten, wie
Thomas Frank pfiff bzw. seine beiden Assistenten winkten, wir hätten die Jacke
jetzt so richtig voll gekriegt. Haben wir aber nicht, denn Vasili hält alles.
Er muß den Ball ähnlich gemächlich auf sich zufliegen sehen, wie der Keanu
Reaves in Matrix die Kugeln. Bloß das Reaves
immer schnell weghüpft (Feigling!), während sich Khamutouski
zunächst in Da Silvos Flugkopfball wirft, um den
Bruchteil einer Sekunde später auch noch den Nachschuß zu parieren (77.). Nicht
anders zu erklären!
Jetzt sind wir wieder am Drücker. Simak
holt einen Freistoß raus, schießt ihn selbst. Die Hälfte unseres Blocks fällt
sich in die Arme, die andere sieht es etwas realistischer. Knapp drüber (85.).
Dann die große Möglichkeit für Schied. Ach nö, wie
kann man denn so was machen. Sein Kopfball von der Torraumgrenze geht rechts am
Tor vorbei. So steigt man ab! Dann sind nur noch drei Minuten zu spielen. Auf
einmal taucht Schied wieder vor Tschauners Tor auf.
Was jetzt passiert, läßt sich nicht mehr genau rekonstruieren. Es geht alles
rasendschnell. Wir liegen uns in den Armen, die Mannschaft steht vor dem
Fanblock und feiert. Alles flippt aus. Wir leben wieder! Schied hat das Ding
reingehämmert. 2:1. Das muß es doch sein. Der Rest ist Brüllen, Singen, Zittern
und dann… Feiern. Wir sind schweißgebadet, die Nerven sind runter, die
Stimmbänder abgenutzt. Erst im Parkhaus kommt der Puls wieder unter 200. Dort
haben wir auch genug Zeit dafür. Der Automat an der Ausfahrt ist im Eimer, einfach
weltmeisterlich! Aber auch das kann einen solchen Tag nicht mehr verderben!
Nächsten Sonntag kommt dann das Endspiel um Platz 17. Im
Falle des Nichtsiegens wird sich das Jenseits unter uns wieder ganz weit
auftun. Aber bis dahin aber können wir erst mal wieder Hoffen. Und das alleine
ist schon mehr als man vor einer Woche erwarten durfte. <bpf>
Bilder des Tages
Bericht auf tsv1860.de
Bericht auf fansmedia.org zu Vorgängen am Rande des Spiels
FC Carl Zeiss Jena - SpVgg. Greuther Fürth 1:0
Tor 1:0 Simak (11., FE)
- Jena: Khamutouski; Maul, Müller, Stegmayer; Werner, Hansen, Ziegner (46. Riemer), Simak, Kandelaki; Allagui (83. Schied), Torghelle (68. Petersen)
- Fürth: Kirschstein; Felgenhauer (66. Schröck), Biliskov,
Mausersberger, Achenbach; Ilicevic, Burkhardt, Lanig, Adlung (66. Nehrig,
, 90.); Kotuljac, Reisinger (46. Cidimar)
- Zuschauer: 5446
- Schiedsrichter: Anklam (Buchholz)
- Spielbericht:
-
Zu Ostern kehrte der Winter zurück. So konnte die vom Verband
vorgeschriebene, kostspielige Rasenheizung wenigstens einmal in dieser
Zweitligasaison ihren Zweck erfüllen, die über Nacht gefallenen Schneeflocken
zum Schmelzen zu bringen und einen möglichen Spielausfall abzuwenden.
Henning Bürger hatte im Vergleich zum Pokalaus von Dortmund
drei Veränderungen in der Anfangself vorgenommen. Diese sollten
spielentscheidenden Charakter tragen, denn alle drei Neuen waren an der
Entstehung des 1:0 beteiligt. Sandor Torghelle ging zum Mann und eroberte den
Ball. Nach Zuspiel des Ungarn auf seinen Stürmerkollegen leitete Sami Allagui
den Ball in die Mitte, wo Fürths Torhüter Kirschstein zwar den Ball erwischte,
aber auch das Bein von Ilja Kandelaki. Der Schiedsrichter zeigte auf den
Elfmeterpunkt und obendrein noch Gelb. Mit gewohnter Kaltschnäuzigkeit
verwandelte Jan Simak den Strafstoß genau ins linke untere Eck. Kirschstein
hatte zwar die Ecke geahnt, kam aber nicht mehr ganz hin.
Frühzeitig in
Rückstand geraten, mussten die Franken nun das Spiel gestalten. Eine Rolle, die
ihnen in den vergangenen Wochen nicht so wirklich lag und in Heimniederlagen
gegen Kaiserslautern und Koblenz mündete. Erschwerend kam hinzu, dass die
Rasenheizung zwar einen Großteil des Schnees wegbekommen hatte, der Boden
dennoch feucht und glatt war, bei jeder ruckartig schnellen Bewegung Probleme
bereitete. Gemessen an diesen Voraussetzungen war die Partie insgesamt durchaus
ansehnlich. So honorierten die Zuschauer beispielsweise Torghelles überlegt
gelupften Ball, den Kirschstein einen Augenblick vor Simak wegfing. Oder
Ziegners Fernschuss, der knapp am linken Pfosten vorbei strich. Mit 53 zu 47
Prozent gestalteten sich diesmal sogar die Zweikampfwerte positiv für den FC
Carl Zeiss. Dies hatte es nicht einmal in der total überlegen geführten ersten
Halbzeit gegen Wehen Wiesbaden gegeben. Auf
Fürther Seite sorgte Alksandar Kotuljac drei Minuten vor dem Pausenpfiff
für Gefahr. Seinen Torschuss fing zunächst Hansen kurz vor der Torlinie ab;
beim neuaufgebauten Angriff flankte Adlung von rechts, Kotuljac in der Mitte
kam einen Moment zu spät. Was sonst noch aufs Jenaer Tor flog, wurde zur Beute
des gewohnt sicheren Vasili Khamutouski. Dank seiner Paraden ging es mit
einem knappen Vorsprung in die Kabine.
Torsten Ziegner blieb gleich dort. Schon nach acht Minuten
hatte der Schiedsrichter-Assistent Jenas Trainer Henning Bürger geraten, den
Meckerns rotgefährdete Ziegner herunter zu nehmen, dieser besann sich aber bis zur Pause. Dass für ihn
danach Marco Riemer ins Spiel kam, kann durchaus als Wechsel auf die Zukunft
gesehen werden. Denn Talente wie das 20jährige Eigengewächs mit den roten
Zottelhaaren werden wir in Liga drei (wenn es denn dazu kommen sollte) gut
gebrauchen können. Da ist es auf jeden Fall von Vorteil, vorab schon mal
Zweitligaluft geschnuppert zu haben. Auf der ungewohnten Position im Mittelfeld
wäre dem gelernten Verteidiger beinahe ein ähnlicher Einstand gelungen wie
weiland Nils Petersen aus dem selben Jahrgang, der gleich nach seiner
Einwechslung beim Debüt einen Treffer erzielt hatte. Auch Riemer bot sich diese
Möglichkeit, stand er doch Sekunden nach Wiederanpfiff mutterseelenallein auf
Höhe des rechten Pfostens. Doch war er wohl zu sehr davon überrascht, dass der
Ball durch eine Spielertraube hindurch noch zu ihm gelangt war, um selbigen
überlegt im Tor versenken zu können.
Kurz danach mussten gleich zwei Jenaer behandelt werden.
Nach Foulspiel erwischte es zunächst Niels Hansen. Mit dem ehemaligen
Freiburger scheinen unsere Probleme auf der Sechserposition vor der Abwehr
beseitigt. Nun aber drohte sein Ausfall. Doch Hansen rappelte sich hoch. Kaum stand er wieder auf dem
Platz, warf sich Khamutouski mit vollem Einsatz in den Schuss eines allerdings
im Abseits befindlichen Fürthers. Aus drei Metern Entfernung traf ihn der Ball
voll auf die Nase. „Ich muss hinten die Null halten, wie ist egal“,
konnte der Weißrusse nach dem Spiel schon
wieder drüber lächeln. Nach endlos langen Minuten des Bangens um unseren
Top-Torhüter konnte aber auch dieser mit blutverschmiertem Trikot weitermachen.
Und das war wichtig, galt es doch nach einundsechzig Spielminuten eine Gästechance
zunichte zu machen, die entstanden war, nachdem Maul Gegenspieler Kotuljac
angeschossen hatte. In der Folgezeit rückte allerdings auch der ehemalige
HSV-Keeper Kirschstein wieder in den Brennpunkt. Zunächst bei Schüssen von
Torghelle (63.) und Allagui (73.). Nach deren Auswechslung im eins-eins gegen
Ilja Kandelaki, welcher eine schöne Einzelaktion von Nils Petersen nicht
verwerten konnte, das Leder nicht an Kirschstein vorbei brachte.
Der
Tabellenvierte, der in dieser Saison so gern das Prädikat „Unaufsteigbar“
loswerden möchte, wirkte insgesamt nicht zielstrebig genug. Lediglich der
Ex-Magdeburger Kotuljac mochte sich mit einer drohenden Niederlage in Jena
partout nicht abfinden, war links wie rechts als ständiger Unruheherd zu finden
und kam bei einer gefährlichen Flanke vors Tor erneut nur um einen Schritt zu
spät. Die Erhöhung der Pulsfrequenz, die nach dem Anzeigen von sechs Minuten
Nachspielzeit durch den Schiedsrichter hervorgerufen wurde, wurde abgemildert
durch die Rote Karte für Nehrig, der Kandelaki hinterrücks von den Beinen
geholt hatte. Da konnten auch zwei weitere Nachspielminuten nichts mehr
anrichten. Tobias Werner hätte aus spitzem Winkel sogar noch das 2:0 machen
können.
Dann war Schluss. Jubel bei den Zuschauern. Ähnlich wie beim Hinrundenerfolg gegen Offenbach, dem bisherigen Besucherminus, wurden die
Treuesten der Treuen für ihr Kommen belohnt. Spielt der FCC etwa
am erfolgreichsten, wenn der öffentliche Erwartungsdruck gering ist ? Dann
sollte er nächste Woche gleich da weitermachen, wo er diesmal aufgehört
hat. Denn so gut dieser Sieg für die Moral ist - er allein taugt noch
nicht für neue Rechenspielchen. <fc>
Kickers Offenbach - FC Carl Zeiss Jena 2:1
Tore: 1:0 Bancé (19.), 2:0 Bancé (47.), 2:1 Torghelle (89.)
- Offenbach: Thier; Hysky, Bungert, Sichone, Pinske; Mokhtari (81.
Watzka), Wörle, Sousa (58. Ogungbure), Judt (85. Epstein); Bancé,
Türker
- Jena: Khamutouski; Maul, Müller, Stegmayer; Amrhein (46.
Torghelle), Hansen, Ziegner, Simak, Werner; Allagui, Schied (80. Saka)
- Zuschauer: 9285
- Schiedsrichterin: Steinhaus (Hannover)
- Spielbericht:
-
Dortmund im Kopf – Offenbach vor der Brust. Es war von
vornherein zu befürchten, dass dieses Spiel vier Tage vor dem
DFB-Pokalhalbfinale so laufen würde wie es gelaufen ist. Selbst deutsche
Spitzenklubs patzen regelmäßig, wenn sie mit ihren Gedanken bereits bei der
Championsleague sind. Klar hätten wir uns angesichts des prekären
Tabellenstandes anderes gewünscht. Schließlich war es wohl die allerletzte
Chance, doch noch eine zum Klassenerhalt führende Siegesserie einzuleiten. Aber
auf Dortmund und erst viel später mal aufs Offenbach-Spiel zu sprechen kamen ?
Für die Hessen ist der Kampf gegen den Abstieg hingegen
allgegenwärtig und diesen Unterschied merkte man bereits zu Beginn. Stegmayer
musste gegen Mokhtari und Türker zweimal in höchster Not zur Ecke klären,
Khamutouski den Kopfball des unbedrängten Bancé halten. Dass die Gastgeber
nicht frei von Nervosität waren, wurde in der 16. Minute deutlich, als sich
zwei OFC-Verteidiger nach Allaguis Eingabe gegenseitig anschossen. Amrhein
wusste mit der sich bietenden Chance jedoch nichts anzufangen. Im Gegenzug holte
Mokhtari erneut einen Eckball heraus. Hoch flog dieser an die Torraumgrenze, wo
Bancé den Kopfball genau zwischen Keeper und den am Pfosten postierten
Verteidiger ins Netz setzte. Nun besitzt dieser Bancé mit einem Meter
zweiundneunzig Körpergröße annähernd Gardemaß, nur ist unser Alexander Maul ja auch kein
Zwerg ! Allerdings hätte er mindestens genauso hoch springen und vor allem enger am Mann zum Ball
gehen müssen, um den Riesen im Sturmzentrum ernsthaft zu stören.
Jena lag 0:1 zurück
und der eine oder andere Spieler wird wieder Dortmund im Kopf gehabt haben.
Könnte die zu investierende Kraft, die nötig ist um dieses Spiel zu drehen, am
Dienstag nicht eventuell fehlen ? Nur zweimal vor der Pause blitzte Klasse auf.
Wie zu seinen besten Zeiten spielte Torsten Ziegner in der 28. Minute einen klugen Pass auf
Allagui, dessen Schuss aber am langen Pfosten vorbei strich.
Und in der 37. Minute bekam Thier Probleme mit
einem 25-Meter-Schuss Simaks. Den Abpraller versuchte Schied zu erlaufen, wurde
von Hysky aber umgerempelt. Deutschlands Vorzeigeschiedsrichterin Bibiana
Steinhaus ließ weiterspielen. In der Nachspielzeit der ersten Hälfte wurde
Mokhtari auf Rechtsaußen nicht gestört, denn tückisch aufsetzenden Ball
parierte Khamutouski genauso souverän wie den anschließenden Volleyschuss
Sousas.
„Der Gast aus Carl Zeiss Jena“ (Zitat Stadionsprecher)
brachte zur zweiten Halbzeit Torghelle für Amrhein. Alles oder nichts also mit
drei Stürmern. Doch was nutzen sämtliche in der Kabine gefassten Vorsätze, wenn eine
Minute nach Wiederanpfiff wieder so eine Panne in der Zuordnung passiert !
Bancé erfreute sich diesmal der Begleitung durch Stegmayer und diese
Formulierung ist ganz bewusst so gewählt. Denn Stegi mit seinen
176 Zentimetern ist von seinen körperlichen Voraussetzungen her natürlich kaum in
der Lage, dem Riesen mit den goldenen Schuhen und gleichfarbigen Haaren Paroli
zu bieten.
Mit dem zweiten Gegentor schienen die Messen gelesen. Zwar spielte
sich Mitte der zweiten Halbzeit
viel in der Hälfte der Gastgeber ab. Doch hatte man nicht den Eindruck, das
Blatt könne sich noch mal wenden. Auch weil Jan Simak zwar gewohnt viel am Ball
war, ihm aber deutlich mehr Fehlpässe unterliefen als sonst. Die besseren
Chancen hatten auch in dieser Phase die Jungs vom Bieberer Berg. Bancé und
Türker scheiterten jedoch wiederholt an Khamutouski – dem Einzigen, der unter
Beobachtung von Dortmunds Trainer Doll am Freitag uneingeschränkte Klasse
nachwies. Arm an Emotionen plätscherte das Spiel seinem Ende entgegen. Dem bei
solchen Szenarien obligatorischen „Ihr könnt nach Hause fahrn“ der OFC-Fans
begegneten Jenas Anhänger mit einem weniger üblichen „Dritte Liga und
UEFA-Cup“. Und siehe da, plötzlich begannen die Blauen in den letzten zehn Minuten
noch richtig Fußball zu spielen ! Simak rutschte der Schuss nach Sakas
Vorarbeit noch über den Spann (84.). Ein Offenbacher Verteidiger rettete im
letzten Moment vor dem einköpfbereiten Allagui (85.). Und Jan Simak traf drei
Minuten vor Schluss wieder einmal das Aluminium. Das Glück ist uns - zumindest
in den Meisterschaftsspielen - wahrlich nicht hold in letzter Zeit. So fiel der
im zweiten Zupacken gegen Thier erzielte Anschlusstreffer von Sandor Torghelle
zu spät.
Dortmund im Kopf und Dortmund nun auch bald vor der Brust.
Endlich. Wenn an der Geschichte mit der verpatzten Generalprobe vor einem
gelungenen Auftritt was Wahres dran ist, wird es am Dienstag ein sehr schöner
Abend. <fc>
FC Carl Zeiss Jena - SV Wehen Wiesbaden 2:2
Tore: 1:0 Schied (25.), 2:0 Werner (33.), 2:1 Werner (82.ET), 2:2 Schmidt (89.)
- Jena: Khamutouski; Maul, Müller, Stegmayer; Amrhein, Hansen (75.Kühne), Ziegner, Simak, Werner; Allagui, Schied (73.Petersen)
- Wiesbaden: Richter; Simac (76.Hollmann), Kopilas, Glibo, Kokot
(67.Atem); Siegert, Schwarz, Bick (84.Schmidt), Nicu; König, Diaketé
- Zuschauer: 6721
- Schiedsrichter: Wingenbach (Diez)
- Spielbericht:
- Blauer Himmel, Sonnenschein und beste Stimmung auf den Zuschauerrängen waren beste Rahmenbedingungen, um endlich die längst
erhoffte Aufholjagd mit einem Sieg zu starten und die bittere Hinspielniederlage in der Commerzbankarena endgültig vergessen zu machen.
Die Jenaer begannen auch sofort druckvoll und schnürten die Gäste in deren Hälfte ein, und bereits nach gut 30 Sekunden
hätte es bereits schon 1:0 für die Platzherren heißen können. Allagui tauchte nach einem abgefälschten Steilpass
urplötzlich vor Gästekeeper Richter auf, aber anstatt sich die Torecke auszusuchen, um die Führung zu erzielen, entschied
er sich für einen Querpass auf Schied, für den dieser Pass aber letztendlich zu ungenau ankam und der Schusswinkel dadurch zu
spitz wurde. Aber diese Möglichkeit war gleichzeitig die Initialzündung im Jenaer Spiel, und sie begannen ihr druckvolles Spiel
zu entfachen. Bis auf zwei Freistoss-Standardsituationen war von den Gästen in Halbzeit eins fast nichts zu sehen. Ganz anders
dagegen der FCC, der in der 22.Minute die nächste gute Tormöglichkeit besaß. Ziegner hatte einen Freistoss von halbrechts
gefährlich vor das Tor der Wiesbadener gezirkelt, die diesen Ball einfach nicht aus der Gefahrenzone brachten. Jan Simak fasste
sich ein Herz und Richter musste sein ganzes Können in dieser Szene unter Beweis stellen, um diesen herrlichen Schuss gerade noch
aus dem Toreck zu entfernen. Aber nur drei Minuten war auch er dann machtlos, als diesmal Schied mit einem wunderschönen Steilpass
bedient wurde. Dieser ließ sich diese Chance nicht entgehen und schob den Ball zum viel umjubelten Führungstreffer für
die Jenaer ein. Der FCC machte nach diesem Treffer weiter Druck und Hansen scheiterte nur wenig später per Kopfball aufs kurze Eck
an Richter, der sich mittlerweile zum besten Akteur seines Teams avancierte. Der Sekundenzeiger hatte sich nach dieser Toraktion noch
keine Runde gedreht, da klingelte es erneut im Kasten der Wiesbadener. Der am heutigen Tage unheimlich quirlige Allagui konnte sich
wiederholt im 1:1-Duell im Strafraum gegen seinen Widersacher durchsetzen und zog diesmal sofort ab. Torwart Richter war zwar erneut
auf dem Posten und konnte den Schuss parieren, allerdings nur zur Seite, wo Werner goldrichtig stand und keine Mühe hatte, den
Ball über die Linie zu schieben. Schiedsrichter Wingenbach hätte kurz danach fast entscheidend in das Spiel eingegriffen,
als er ein glasklaren Handspiel eines Wiesbadener Spielers nicht abpfiff, sondern den Hessen dadurch eine gute Konterchance ermöglichte,
die aber Diaketé per Kopfball aus Nahdistanz zum Glück der Jenaer nicht nutzen konnte. Und noch einmal war es Allagui, der
kurz vor dem Pausentee (41.) seinem Gegenspieler entwischt war, aber auch diesmal konnte Richter dieses Duell für sich entscheiden
und die eventuelle Vorentscheidung in dieser Partie verhindern.
Nach der Pause kamen die Gäste wie verwandelt aus der Kabine und setzen die Jenaer gehörig unter Druck. Aber die entscheidenden
Tormöglichkeiten blieben noch aus, da die Abwehr des FCC bis dato sicher stand. In der 56.Minute dann doch fast der Anschlusstreffer,
doch Jenas Kapitän Alex Maul konnte in letzter Sekunde noch vor Nicu klären. Aber der Druck der Hessen ließ nicht nach und
Trainer Hock setzte alles auf eine Karte und wechselte einen weiteren Angriffspieler für einen Abwehrspieler ein. Doch trotz Überlegenheit
der Gäste waren es die Jenaer, die durch Allagui eine weitere Torchance zur Vorentscheidung hatten, doch bei Richter konnten sich die
Hessen heute bedanken, dass sie speziell in der ersten Halbzeit nicht unter die Räder gekommen waren. Die Minuten vergingen, die Partie
wurde zunehmend hektischer und die Nickligkeiten im Spiel häuften sich. In dieser Phase (80.) hätte der FCC alles klar machen können,
als ein gefährlicher Konter über Allagui und Simak gestartet wurde, doch zur Verzweiflung der Zuschauer bleib auch diese gute
Tormöglichkeit ungenutzt, da es Allagui nicht gelang, den vor dem Tor freistehenden Simak mit einem Querpass anzuspielen. Kurz darauf
waren die Gäste wieder an der Reihe und Stegmayer war es, der gerade noch zur Ecke klären konnte. Der anschließende Eckball (82.)
kam herein und Werner wollte am langen Pfosten der Ball aus der Gefahrenzone befördern, aber leider rutschte ihm bei dieser Rettungsaktion
der Ball über den Spann und der Ball lag im eigenen Tor. Ratlose Gesichter auf dem Rasen. Die Angst ging fortan um und man merkte den
Zeiss-Kickern die zunehmende Verunsicherung an. Sechs Minuten vor Ultimo hätten die Jenaer endgültig alles klar machen können,
doch das Glück blieb den Jenaern nicht hold und der herrliche Kopfball von Petersen klatschte an den Pfosten. Sekunden später
versuchte der eingewechselte Petersen sein Glück, aber auch sein Schuss verfehlte nur um Zentimeter das Gehäuse. Es lief bereits
die vorletzte Minute, da warfen die Hessen noch einmal alles nach vorn. Jenas Abwehr war einen Moment überhaupt nicht im Bilde und
Schmidt nutzte diesen Fauxpas eiskalt aus und verwandelte zum fast nicht mehr für möglich gehaltenen Ausgleich. Sekunden vor
dem Abpfiff hätte Simak die Jenaer Fans mit seinem Freistoß doch noch in Jubelschreie versetzen können, doch Keeper
Richter hatte etwas dagegen und verwehrte den Jenaern den verdienten Sieg.
Ein Fazit nach dieser Partie zu ziehen fällt sichtlich schwer, doch leider sollte sich auch heute erneut eine der abgedroschenen
Fußballerweisheiten bewahrheiten: Wer seine Chancen nicht nutzt, muss sich nicht wundern, am Ende mit leeren Händen dazustehen.<vg>
TuS Koblenz - FC Carl Zeiss Jena 2:0
Tore: 1:0 Djokaj (17.), 2:0 Pektürk (90. +1)
- Koblenz: Eilhoff; Mavric, Hartmann, Ziehl (77. Sukalo),
Cha, Richter, Fernandez (55. Vata), Lomic, Dzaka, Djokaj, Kuqi (66.
Pektürk)
- Jena: Khamutouski; Müller, Omodiagbe, Stegmayer; Holzner
(75. Saka), Kühne, Ziegner, Simak, Werner (62. Allagui);
Schied, Petersen (62. Amrhein)
- Zuschauer: 10.676
- Schiedsrichter: Bandurski (Essen)
- Spielbericht:
- „Ich weiß nicht was soll es bedeuten, dass
ich so traurig bin“ eröffnete Heinrich Heine einst sein Gedicht zu Ehren jener
Loreley, die der Sage nach nur wenige Kilometer rheinaufwärts von Koblenz auf
einem Felsen singend ein ums andere Schiff an der zerklüfteten Flussbiegung
zerschellen ließ. Ins Reich der Sagen und Legenden wird auch Jenas
Viertelfinalerfolg in Stuttgart bald Einzug halten, und angesichts der noch
immer unfassbaren Sensation, die Bürgers Elf in Schwaben erreichte, fiel es
schwer, das Augenmerk wieder voll auf den Ligaalltag zu lenken. Bitter nötig
war dies, wollte man die Hoffnungen auf den Klassenerhalt nicht endgültig am
Deutschen Eck zerschellen sehen, und selbst auf den Grund der Zweitligatabelle
sinken.
Henning Bürger musste seine heldenhafte
Pokal-Elf notgedrungen umstellen, angesichts der seltsamen DFB-Gerichtsbarkeit
saß Alexander Maul weiterhin eine nicht nachvollziehbare Sperre ab, so dass der
wiedergenesene Omodiagbe seinen Platz in der Innenverteidigung einnahm.
Sicherheit brachte dies nicht, im Gegenteil, ganz ähnlich der allgemein
grassierenden Grippewelle steckte der Nigerianer seine Kameraden mit
zahlreichen Unsicherheiten an und man fragte sich nach 10 gespielten Minuten
verdutzt, ob die Körpersprache, das ausgestrahlte Selbstbewusstsein ein
jämmerlicheres Bild gegeben hätte, wäre der FCC in Stuttgart mit 0:5 unterlegen
Halbzeit unter dem aktuellen Trainer, in der bis auf eine Schied-Chance (2.),
der einen Ziegner-Schuss um ein Haar ins Tor abfälschte, rein gar nichts
zusammenlief. Koblenz lockte Jena heraus, um dann überfallartig mit weiten
Bällen auf die meist über außen kommenden Spitzen Gefahr zu erzeugen. Der FCC,
wieder mit Dreierkette agierend, fand dagegen überhaupt kein Rezept. Doch da
Hartmann, Djokaj, Dzaka und Co. ihre Chancen gleich reihenweise liegen ließen,
bei Müllers Fast-Eigentor auch etwas Pech hatten, wäre es möglicherweise mit
einem für den FCC angesichts des Spielverlaufs hochgradig zufriedenstellenden
0:0 in die Kabinen gegangen, hätte die in den letzten Wochen schon
ungewöhnliche Pechsträhne mit Schiedsrichterentscheidungen nicht ihre
Fortsetzung gefunden. Ein langer Ball aus der eigenen Hälfte findet Djokaj, der
die Kugel mit der Hand an Khamutouski vorbeilegt und dann im leeren Tor
einschiebt. Schiedsrichter Bandurski hatte freie Sicht auf die Aktion, wollte
aber dennoch keine Regelwidrigkeit gesehen haben, so dass der FCC nach Aachen
und Hamburg nun schon das dritte irreguläre Gegentor binnen weniger Wochen
kassierte. Von umstrittenen Platzverweisen ganz zu schweigen, denn Sandor
Torghelle dürfte sich bei Lomics nur mit gelb geahndetem Nachtreten gegen
Holzner schon gefragt haben, wofür er eigentlich vier Spiele Sperre aufgebrummt
bekam. Ich weiß nicht, was soll es bedeuten. Doch bei aller Kritik am Referee, was
Jena in den ersten 45 Minuten bot, war nicht im Ansatz besser und man fragte
sich, wer außer dem Keeper und Robert Müller eigentlich nicht ausgewechselt
werden müsste.
Dies sollte sich nach dem Seitenwechsel zumindest phasenweise
ändern, Petersens kurz vor der Linie geklärter Flachschuss (47.) im Anschluss
an eine Simak-Ecke sorgte für Hoffnung im mit knapp 1.000 Zeissfans
proppevollen Gästeblock. Beide Protagonisten fanden sich auch eine
Viertelstunde später im Zusammenspiel im Mittelpunkt, als Simak ein
Petersen-Abspiel artistisch aufnahm und auf das Eilhoff-Gehäuse zusteuerte,
aber im Strafraum bei der Schussabgabe umgerannt wurde. Der Ball landete am
Außenpfosten – der Elfmeterpfiff blieb aus. Koblenz sah sich nun vorwiegend in
die eigene Hälfte gedrängt, die Ballbesitzstatistik von 60:40 für Jena kam
nicht von ungefähr, verteidigte aber geschickt und blieb mit schnellen
Gegenstößen stets gefährlich, Dzaka und der für den Ex-Jenenser Kuqi
eingewechselte Pektürk verpassten die Vorentscheidung. So hatte Torsten Ziegner
mit einer strammen, von Eilhoff gerade noch so um den Pfosten gelenkten
Freistoßablage Simaks den Ausgleich auf dem Fuß. Doch als auch Stefan Kühne
seine Großchance um Zentimeter am Pfosten vorbeistocherte (86.), war den
meisten klar, „was dies bedeuten sollte“. 91. Minute, nach Ballverlust des
eingewechselten Saka wieder ein schneller Gegenstoß über Vata, und diesmal
machte es Pektürk besser, bugsierte das Leder unter Mithilfe des Innenpfostens
zur Vorentscheidung ins Tor. Dass sich Jenas Elf selbst danach nicht aufgab und
sich mit Stefan Kühnes Knaller knapp am Tor vorbei sogar noch eine Möglichkeit
bot, spricht für die Moral in der Mannschaft. Für die Qualität, die Klasse zu
halten, sprach der Auftritt über 90 Minuten jedoch nicht. Auch wenn erneut ein
Schiedsrichter – nebst dem Koblenzer Handballspieler – die Begegnung maßgeblich
beeinflusste, das war einfach zu wenig, um die „nun wirklich“ letzte Chance
beim Schopfe zu packen. „Ich weiß nicht was soll es bedeuten, dass ich so
traurig bin“. Abstieg. 3. Liga. <gunner>
FSV Mainz 05 - FC Carl Zeiss Jena 2:2
Tore: 1:0 Feulner (28.), 2:0 Karhan (56./FE), 2:1
Simak (59.), 2:2 Allagui (83.)
- Mainz: Ischdonat; Hoogland, Subotic, Noveski, Rose (46.
Demirtas); Karhan, Damir, Vrancic (84. Amri), Pekovic, Feulner;
Borja (85. Jovanovic), Boakye
- Jena: Khamutouski; Holzner, Müller, Omodiagbe, Stegmayer;
Ziegner (78. Saka), Kühne, Simak, Werner; Petersen (58. Allagui),
Schied (78. Amrhein)
- Zuschauer: 19.500
- Schiedsrichter: Willenborg (Osnabrück)
- Spielbericht:
- Die Tage des Mainzer Stadions sind gezählt. Mit Beginn der
Saison 2010/2011 soll eine neue Fußball-Arena eingeweiht werden. Angesichts der
Tabellensituation beider Mannschaften stellt sich also die Frage, ob das Spiel
vom Freitagabend das letzte Jenaer Gastspiel am Bruchweg gewesen ist.
Fast 20.000 Zuschauer sorgten für die gewohnt gute
Atmosphäre. Mögen die Gastgeber mit ihren unzähligen Mainz 05-Liedern
vielleicht etwas zu viel Primborium veranstalten – ihr „you’ll never walk
alone“ bekommen nicht viele in Liga zwei so hin. Jenas 500 mitgereiste Anhänger
mochten sich daran nicht beteiligen (warum eigentlich nicht?), verschafften
sich dafür nach zehn gespielten Minuten Gehör: Mit „Hier regiert der FCC“ lagen
sie zu diesem frühen Zeitpunkt durchaus richtig, denn die ersten Akzente, die
ersten Standarts hatten die Thüringer gesetzt. Holzner war für Amrhein in die
Startelf gerückt, machte sein erstes Spiel seit November. Die erste
Tormöglichkeit im Spiel besaß dann aber doch der Tabellenzweite. Karhans weiten
Einwurf konnte Müller mal eben noch vor Boakye zur Ecke klären. Derartig
drangvoll erlebten wir die vier Tage zuvor mit einem Auswärtssieg in
Mönchengladbach glänzenden Mainzer jedoch selten. Einer der Gründe hierfür
heißt Jan Simak, der im Mittelfeld für ein Gleichgewicht sorgte, spielerisch
wie kämpferisch erneut eine herausragende Leistung bot. Kein Wunder, dass immer
mehr Bundesligisten hinter ihm her sind. Vom technischen Potential her gab es
nach Bernd Schneider sicherlich keinen besseren im Zeiss-Trikot als
ihn. Simaks Schrägschuss vom linken Strafraumeck in Minute 21 rauschte nur
knapp am Mainzer Gehäuse vorbei.
Sieben Minuten später: Felix Holzner fängt
einen Mainzer Angriff ab, doch verspringt ihm das Leder zu weit vom Fuß. Weil
das Not-Tackling misslingt, hat Feulner freie Bahn zum Tor, umspielt
Khamutouski und trifft zum Führungstreffer. Woche für Woche das selbe Bild: Es
sind die individuellen Patzer im Abwehrzentrum, die den FC Carl Zeiss immer
wieder ins Hintertreffen geraten lassen. Da half auch ein weiterer schöner
Simak-Schuss vor der Pause nichts mehr.
Nach Wiederanpfiff legte Karhan für Feulner auf. Doch erst
dessen Wegrutschen eröffnete den Mainzern eine Torgelegenheit, bei der Boakye
von Khamutouski und Omodiagbe mit vereinten Kräften gestört werden konnte.
Chancen gleichsam aus dem Nichts – irgendwie war das typisch für dieses Spiel.
Auch fürs zweite Gegentor. Klar drängte der ballführende Feulner mit viel Elan
in den Strafraum. Doch unmittelbare Torgefahr bestand da kaum, dafür war der
Winkel zu spitz und Omodiagbe noch in der Nähe. Holzner zog Feulner jedoch so
ungestüm zu Boden, dass der Referee sofort auf den Elfmeterpunkt zeigte. Da der
Strafstoß saß, drohte Holzner bei seinem Comeback zur tragischen Figur zu
werden. Dabei hatte er insgesamt keine schlechte Partie gespielt, jedoch in
zwei entscheidenden Szenen das Nachsehen gehabt. Nur gut, dass auch Jena noch
seine Chance aus dem Nichts bekam. Bei Simaks diagonalem Freistoß rückten fünf
Mainzer und vier Jenaer in Richtung Tor, keiner berührte jedoch den Ball. Auch
nicht Torwart Ischdonat, der durch die Spielertraube wohl irritiert war. 1:2 -
da ging noch was. Bürger versuchte es mit frischen Kräften, brachte zunächst
Allagui, dann Saka und Amrhein. Was umgehend Wirkung zeigte. Amrheins straffen
Schuss aus 23 Metern konnte Ischdonat nur nach vorn abwehren, Saka setzte den
Abpraller aber am langen Eck vorbei. Welch ein Glück, das da noch was nachkam
! Und zwar in Minute 83: Eckball von
Simak, präzise auf Allagui, der aus Nahdistanz trotz Bedrängnis ins Netz köpft.
Wieder einmal hatte der FCC aus scheinbar aussichtsloser Lage herausgefunden.
Dass er den redlich erkämpften Punkt am Ende auch mitnehmen durfte, verdankt er
seinem Torhüter. Klasse, wie Vasili Khamutouski in der 85. Minute Hooglands
tückischen Aufsetzerkopfball aus nur sechs Metern Torentfernung zur Ecke lenkte
!
Eine Unsportlichkeit der Mainer hätte der Partie dann beinahe ein schlimmes
Ende bereitet. Mehrere Male zuvor hatten die da noch zurückliegenden Jenaer den
Ball ins Aus gespielt, wenn ein 05er verletzt am Boden lag. Doch als Darlington
Omodiagbe nach Zweikampf unglücklich aufgekommen regungslos auf dem Rasen
liegen blieb, spielten die Rot-Weißen weiter. Dabei zählte jede Sekunde, denn
Omodiagbe hatte das Bewusstsein verloren und seine Zunge verschluckt ! Gottseidank
erfolgte die Hilfe gerade noch rechtzeitig und mit einer leichten
Gehirnersschütterung ging alles noch recht glimpflich ab. Dass die Jenaer
das Match zum dritten Mal in Folge nur zu zehnt beenden konnten, hatte keinen Einfluss auf das Endergebnis.
Henning Bürger hatte unter der Woche kein bisschen
übertrieben. Die Moral stimmt in dieser Mannschaft hundertprozentig.
Das ist wichtig, weil sich der Druck weiter erhöhen wird. Denn gegen
die nun folgenden Punktspielgegner müssen endlich wieder Siege her. <fc>
FC Carl Zeiss Jena - 1. FC Köln 1:3
Tore: 0:1 Helmes (28.), 1:1 Müller (61.), 1:2 Novakovic (80.), 1:3 Novakovic (90.)
- Jena: Khamutouski; Maul (
, 48.),
Müller, Omodiagbe, Stegmayer (83. Saka); Amrhein (59. Allagui),
Kühne, Ziegner, Simak, Werner (83. Petersen); Schied
- Köln: Mondragon; Ümit Özat, Mohamad, McKenna, Ehret;
Broich (72. Gambino), Mitreski, Antar, Vucicevic (68. Chihi); Helmes (89.
Scherz), Novakovic
- Zuschauer: 9904
- Schiedsrichter: Henschel (Braunschweig)
- Spielbericht:
- Es gibt Spiele, da ist auf dem Rasen richtig viel los – und
hinterher fehlen dir trotzdem die Worte für den Spielbericht. Und im Stadion,
nach dem Spiel, verhindern lediglich Anstand und gute Erziehung (und vielleicht
auch die doppelte Kette aus Gelb und Dunkelblau), dass du deine Meinung über
Referee und DFB-Lieblinge in den Gästebus stanzt.
Am kalten Freitagabend begann der FCC zunächst
unterkühlt-vorsichtig, um nicht ins offene Messer der Gäste zu laufen, die spielerisch
eine schnelle, feine Klinge schlugen. Trotzdem kam der FCC ganz gut nach vorn
und hatte einige interessante Szenen, z.B. als Stegmayer eine scharfe Flanke
vors Tor schlug oder Mondragon Ziegners
Freistoß wegfaustete. In der 23. min gab es dann nach der dritten Kölner Ecke
die erste brenzlige Szene vor unserem Tor, als Kühne den Ball zu kurz abwehrt,
Khamutouski den Schuss jedoch parieren kann. In der 27. min gab es dann auf der
Gegenseite die erste zornerregende Szene, als nach einer Ecke Schied (?) schießen
will, der Kölner jedoch mit gestrecktem Bein „drüberhält“.
weiterspielen. Zwei Minuten später tändeln Khamutouski und Omodiagbe bei einem
Abstoß herum, der schwache Abschlag des Torwarts in den Mittelkreis kommt
prompt als Steilpass auf Helmes, der zum 0:1 einschiebt; Müller stand zu weit
weg. Kurz danach verhindert Khamutouski mit einer tollen Parade das
spielvorentscheidende 0:2, als er gegen Broich blitzschnell reagierte. Ein Aufstöhnen
ging durchs Stadion, als Werner nach der dritten FCC-Ecke einen Schuss von der
Strafraumgrenze an die Lattenunterkante nagelte. Den zurückspringenden Ball
erlief einer im weißen Trikot (Kühne?), wurde jedoch durch einen Kölner
umgerissen. Strafstoß? Vergiss es! Der Herr Henschel aus Braunschweig –
spätestens jetzt war die Bezeichnung „Unparteiischer“ falsch – schien zur
60-Jahr-Feier nach Köln eingeladen gewesen zu sein und verteilte hier sein
zweites Geschenk des Abends an den Ziegenverein. Tut mir leid, aber so etwas
kann man nicht falsch oder gar nicht sehen – das ist Vorsatz! Im Jenaer Angriff
merkte man doch, dass man mit einem Ein-Mann-Sturm agierte – und Simak, der
immer wieder mal als zweite Spitze in den aufrückte, konnte sich die Pässe trotz
einer ganz starken Leistung ja schließlich nicht selbst vorlegen. Aber vor der
Pause erreichte eines dieser Anspiele den rechts in den Kölner Strafraum
laufenden Schied, der aber mit seinem Schuss aus spitzem Winkel keinen Erfolg
hatte.
Unmittelbar nach Wiederanpfiff gab es das nächste
Geburtstagsgeschenk an die Kölner. Maul trennte per Tackling an der rechten
Seitenlinie den Ball vom Kölner Spieler und während auf der Tribüne
Diskussionen über den Freistoßpfiff an sich aufbrandeten, zeigte der Schiedsrichter
Alex Maul… „Rot“!!! Was ging denn hier ab! Ich war einfach sprachlos! Wut,
Entsetzen, Fassungslosigkeit – die Gesichter meiner Platznachbarn spiegelten
vieles wieder, aber nicht einmal ansatzweise gab es Verständnis für diese
Entscheidung. Wenn sich bis dahin vielleicht bei einigen oder vielen auf dem Rasen
und den Rängen innerlich Resignation breitmachen wollte, mit diesem
Platzverweis hatte der Schiedsrichter alle, die sich dem FCC verbunden fühlen,
aufgerüttelt. Die Stimmung auf den Rängen brodelte, die Mannschaft drehte auf
und das Spiel kippte optisch zu Gunsten des FCC. Und Mondragon
tauchte in der 55. min blitzschnell ins lange Eck, um Schieds
Schuss den Weg ins Netz zu verwehren. Fünf Umdrehungen des Sekundenzeigers
später: Simaks Freistoß hoch in den Strafraum neben das lange Toreck, Kopfball
von Kühne quer und Müller machte den Ausgleich. Jaaaaaa!
Der Vulkan EAS schien zu explodieren! Und der FCC machte weiter, drückte auf
das wichtige drei Punkte bedeutende 2:1 und hatte eine gute Chance, als
Schied gegen den herausstürzenden
Mondragon leider einen Schritt zu spät kam. Und die Kölner
schienen völlig überrascht zu sein, dass diese Jenaer Mannschaft trotz
Unterzahl, trotz permanenter Benachteiligung in der Zweikampfbeurteilung
(Werner wird in der 69. min gefoult und bekommt dafür „Gelb“ wegen „Schwalbe“!)
Das sah richtig gut aus. Und Köln leistete einen weiteren Beitrag zur
Unbeliebtheit, als man den Ball trotz eines am Boden liegenden Werner nicht
sportlich-fair ins Seitenaus spielte, sondern ungerührt einen Angriff
initiierte. Chihi köpfte aber freistehend vorbei.
Und
dann lief es wie so oft in dieser Saison: Jena machte (in Unterzahl) das Spiel,
der Gegner einen vernünftige Spielzug, dazu ein Abwehrfehler (einem Jenaer
rutschte die Flanke unterm Fuß durch) und wir lagen wieder hinten. Novakovic knallte
den Ball aus 22 m Entfernung ins untere Toreck und Khamutouski war chancenlos.
Dieser Gegentreffer war der moralische Genickbruck für unser Team, es lief
nicht mehr viel, die fehlende Kräfte (bis dahin durch überdurchschnittlichen
Kampfgeist wettgemacht) und es war eigentlich der Dummheit der Kölner
geschuldet, dass das 1:3 erst tief in der Nachspielzeit fiel.
Interessant war noch die Pressekonferenz: Bürger fasste sich
sehr kurz (ein passendes Statement wäre sicher zu teuer geworden), Daum
palaverte minutenlang Nichtssagendes und Rainer Zipfel sagte – mit sehr
gesetzten Worten – was er von der Schiedsrichterleistung heute und in den
letzten Wochen hielt. Bravo! Sollte die Aussage des FCC-Präsidenten
irgendwelche finanziellen Sanktionen seitens des DFB nach sich ziehen,
beteilige ich mich an einer Sammlung beim nächsten Heimspiel. <uk>
FC St. Pauli - FC Carl Zeiss Jena 2:2
Tore: 1:0 Takyi (13.,FE), 1:1 Ziegner (54.), 1:2 Simak (68.,FE), 2:2 Bruns (88.)
- St.Pauli: Borger; Rothenbach, Morena, Eger, Gunesch; Takyi, Boll, Meggle,
Schultz (46.Sako); Schnitzler (65.Braun), Kuru
- Jena: Khamutouski; Maul, Müller, Stegmayer; Amrhein, Kühne, Ziegner, Werner; Simak (83.Kandelaki);
Torghelle (
, 17.), Schied (87. Petersen)
- Zuschauer: 20.217
- Schiedsrichter: Winkmann (Kerken)
- Spielbericht:
- (von Gastkommentator Thomas Neumann)
13 Punkte, Platz 17, Spieltag 19 - das ist die wenig schmeichelhafte Zwischenbilanz vor dem Auswärtskick in Hamburg. Ich neige nicht
zu übermäßigen Optimismus oder Pessimismus im Bezug auf meinen FCC, aber realistisch betrachtet sollte man die Möglichkeit
des Abstieges mittlerweile wohl in die Prognosen für das Saisonergebnis mit einbeziehen.
Was solls - hilft ja nix. Auswärts läuft es diese Saison ja eh besser als zu Hause und so startet die dreiköpfige Niedersachsen -
Fraktion am Freitagmittag von Hannover nach Hamburg. Auf der A7 bis Hamburg gibt's jede Menge Thüringer Kennzeichen zu begucken und auch
der "Vor dem Spiel" - Bummel durch den Kiez bietet jede Menge blau - gelb - weiße Fanutensilien fürs Auge. Der guten Ordnung halber
sei natürlich noch erwähnt, dass das Ganze nach eigenem Erleben total "stressfrei" abläuft und nette Gesten und Wünsche der
Einheimischen keineswegs die Ausnahme sind.
In einer Ecke der Nordtribüne ist seit Neuestem der Gästeblock auf St. Pauli untergebracht, der von den anwesenden ca. 1500 FCClern
gut gefüllt wird. Das die Hafenhamburger nun extra für das Gastspiel des Europapokalfinalisten von 1981 eine zusätzliche
Stahlrohrtribüne auf der Nordseite ihres Stadions errichtet haben, erscheint auf den ersten Blick zwar übertrieben, ist aber
angesichts des Gegners nun nicht gar so abwegig.
Der sportliche Teil des Abends beginnt mit einer Jenaer Großchance als Jan Simak sich in der 4. Minute schön auf der rechten
Seite durchsetzen kann, jedoch lieber in der Mitte Thorgelle bedient, statt selber direkt abzuschließen. Während der Gästeblock
noch dieser Chance nachtrauert, spielt sich am anderen Ende des Stadions bereits Teil 1 der mysteriösen Schiedsrichterentscheidungen des
Abends ab. Fakt ist, ich habe aus ca,. 100 m Entfernung in einem Gestocher im Strafraums kein Handspiel - ein Dank an den Stadionsprecher der
den Grund für den Elfmeter mitmeldete - gesehen. Ohne mein Einverständnis verwandelt Takyi trotzdem sicher zum 1:0 in der 13. Minute.
Wenig später (18. Min.) scheint das Spiel schon endgültig gelaufen, als Sandor Torghelle wegen einer Tätlichkeit mit Rot vom
Platz fliegt. Ich habe unter den reichlich bescheidenen Sichtverhältnissen des Gästeblockes, dieses Nachtreten von ihm mit dem
Fuß relativ klar gesehen - der Schiri wohl auch - und bin gespannt, ob dies nicht schon bereits der letzte Pflichtspielauftritt
unseres "Gulaschbombers" war, der ja auch im Pokal gesperrt ist. Der Rest der ersten Halbzeit besteht aus ziemlich laschen Mittelfeldgekicke
und -geschiebe der St. Paulianer, daß die Jenaer bis auf einen Simak - Schuss ans Außennetz (34.) nicht bestrafen können.
Die Kabinenaufenthalt in der Halbzeitpause für die, diesmal blauen Helden, ist kürzer als normal, als sie nach der "gefühlten"
Hälfte der Spielunterbrechung bereits wieder auf dem Platz stehen. Dem Neutrainer Henning Bürger sei an dieser Stelle geweissagt,
dass solche "Nummern" zwar nicht schlecht sind aber auch nur gefühlte zweimal ziehen, bevor sie ihre Wirkung verfehlen. Aber diesmal
scheint es definitiv noch zu wirken. In der 54. Minute setzt sich Ziegner durch und kann im zweiten Versuch den St. Pauli-Keeper Borger
überwinden. Hätte man mich jetzt gefragt ob ich mit dem Unentschieden zufrieden gewesen wäre, hätte ich sofort abpfeiffen
lassen. Mehr ist doch in Unterzahl echt nicht drin…
Für den "Auswärts - FCC" in dieser Saison ist dies aber das natürliche Signal auch in Unterzahl die Siegchancen zu suchen.
Und als Patrik Amrhein kurze Zeit später nach schönem Solo freistehend vor dem Tor nur an den Pfosten schiebt, wagt der gemeine
FCC - Fan im Gästeblock endlich vom "Auswärtssieg" zu träumen und singen. Was in der 68. Minute zum Elfmeter für Jena führt
kann ich nicht nachvollziehen, da die Aktion schon wieder am anderen Ende des Stadions stattfindet, aber wenn der erste Elfer berechtigt gewesen
sein soll, wird es dieser wohl auch. Wenigstens in den Augen des Schiedsrichters.
Das es am Ende doch nicht zum Auswärtsdreier reicht, ach herrjee, wem will ich das denn vorwerfen? Die Mannschaft hat auch in der Schlussphase
alles geboten, was sie konnte. Der Ausgleich in der 88. Minute ist natürlich der "Hammer" ins Genick des eh schon taumelnden Boxers. Andererseits
muss den Jungs doch endlich mal jemand ins Gehirn prügeln, dass sie auch zu Hause so auftreten müssen, dann besteht vielleicht noch Hoffnung
auch mit einem Unentschieden auf St. Pauli leben zu können.
FC Carl Zeiss Jena - Alemannia Aachen 2:3
Tore: 1:0 Werner (17.), 1:1 Reghecampf (29.), 2:1 Schied (66.), 2:2 Lehmann, 2:3 Krontires (81.)
- Jena: Khamutouski; Günther, Maul, Omodiagbe, Stegmayer;
Amrhein (75.Saka), Müller, Simak, Werner; Petersen (64.Torghelle),
Schied
- Aachen: Straub; Polenz, Klitzpera, Herzig, Leiwakabessy;
Reghecampf, Lehmann (90.Olajengbesi), Lagerblom, Krontiris (90.Brinkmann);
Ebbers (58.Mosquera), Kolev
- Zuschauer: 6513
- Schiedsrichter: Gräfe (Berlin)
- Spielbericht:
- Die fußballfreie Zeit war endlich zu Ende und auch für Jena sollte nun der Ball in der 2. Bundesliga wieder rollen. Die guten
Ergebnisse in der Vorbereitung ließen bei jedem Zeiss-Fan Hoffnung aufkommen, welche in einem grandiosen Sieg im DFB-Pokal gegen die
Arminia aus Bielefeld gekrönt wurde. Diesen Schwung und Optimismus wollte man unbedingt in die heutige Partie mitnehmen, um gleich im
ersten Spiel der Rückrunde gegen die Gäste aus Aachen die Aufholjagd starten zu können und den ersten wichtigen Dreier einzufahren.
Die Jenaer begannen auch gleich wie die Feuerwehr und bereits nach 20 Sekunden sah Herzig die erste gelbe Karte im Spiel, da er den aufs
Tor stürmende Schied nur durch Foulspiel bremsen konnte. Gut eine Minuten später fast schon das 1:0 für die Platzherren,
doch ein gefährlich abgefälschter Freistoss mit anschließendem Torschuss von Schied wurde wegen Abseitsposition abgepfiffen.
Aber leider war es das erst einmal mit den Jenaer Angriffbemühungen, denn die Aachener stellten sich im besser auf das Jenaer Spiel ein
und setzten frühzeitiger nach. Dadurch verflachte die Partie zunehmend und beide Teams neutralisierten sich weitgehend im Mittelfeld,
ohne sich dabei nennenswerte Chancen zu erspielen. So dauerte es bis zur 17. Minute, als der Jenaer Anhang zum ersten Mal jubeln durfte.
Ein von Simak getretener Eckball wurde zunächst per Kopf geklärt, Amrhein nahm den abprallenden auf, schoss erneut auf das Tor
und in der Mitte stand Werner goldrichtig und fälschte per Kopfball zur 1:0 Führung ab. Doch leider konnten die Jenaer dieses
Stimmungshoch nicht weiter nutzen, denn sie führten erst zum zweiten Mal in dieser Saison auf eigenem Platz, sondern sie ließen
die Aachener wieder ins Spiel kommen. Nach gut einer halben Stunde nutzten diese ihre erste gute Möglichkeit eiskalt und Reghecampf
traf mit einem herrlichen Kopfball aus 11m zum Ausgleich. Kurz vor der Pause sogar noch fast die Führung für die Gäste, doch
Jenas neuer Keeper Khamutouski konnte den Schuss von Krontiris gerade noch parieren.
Die Aachen kamen zielstrebiger aus der Kabine und hatten bereits in der 51. Minute erneut eine dicke Möglichkeit zur Führung, aber
Ebbers konnte in bester Position mit seinem Kopfball aus Nahdistanz den Jenaer Schlussmann nicht überwinden. Nun zogen die Gäste ihr
Spiel auf und beherrschten das Mittelfeld mühelos. Die Jenaer wirkten dagegen zunehmend verunsichert und versuchten es mit langen Bällen
nach vorn, die aber allesamt keinen Abnehmer fanden. Trainer Henning Bürger brachte Torghelle ins Spiel und erhoffte sich noch einmal einen
Schub nach vorn. Und es dauerte auch nur wenige Augenblicke und da hatte sich die Einwechslung bereits ausgezahlt. Simak hatte erneut einen Eckball
getreten, den Torghelle per Kopf genau vor das Tor verlängerte, wo Marcel Schied goldrichtig stand und den Ball aus wenigen Zentimetern nur
über die Linie drücken musste. Hoffnung auf den wichtigen Dreier keimte wieder auf, aber leider konnten die Jenaer auch in dieser Phase
den Schub nicht nutzen. Nur fünf Minuten später musste Khamutouski, der mit Abstand beste Spieler des FCC an diesem Tage, Kopf und
Kragen riskieren, um den erneuten Ausgleich zu verhindern. Aber zwei Minuten später war auch er machtlos, als Lehmann aus wenigen Metern
mit einem schönen Schuss zum Ausgleich traf. Die Thüringen wirkten in ihren Aktionen immer konfuser und man mochte gar nicht glauben,
dass fast genau dieses Team nur wenige Tage zuvor die Arminen aus Bielefeld in einer packenden Partie aus dem DFB-Pokal geworfen hatten. Als
wenn die zwei Gegentore nach zweimaliger Führung nicht schon schlimm genug wären - es sollte heute noch dicker kommen. Lehmann hatte
sich in der 82. Minute im Mittelkreis das Leder geschnappt und konnte ungehindert bis kurz vor den Strafraum spazieren, wo er Krontiris mit
einem Pass genau in den Lauf bediente, der sich diese Chance nicht entgehen ließ und zur Gästeführung einschoss. Der FCC
versuchte in der Folgezeit noch einmal alles und wurde eine Minute vor Ultimo auch fast noch belohnt, doch zum Pech der Saalestädter
krachte einer herrlicher Schuss von Simak nur an das Lattenkreuz.
Wenig später war die Partie zu Ende und erneut konnte der FCC nach einem packenden und auch erfolgreichen DFB-Pokalsieg den Schwung und die
Euphorie nicht ins anschließende Punktspiel hinüberretten, um endlich auch hier einen wichtigen Sieg erringen zu können.<vg>
FC Carl Zeiss Jena - FC Augsburg 1:2
Tore: 0:1 da Costa (25.), 0:2 Ledezma (38.), 1:2 Petersen (79.)
- Jena: Kraus; Stegmayer, Omodiagbe, Maul, Oniani; Werner, Müller (46. Kühne), Simak, Charalambides; Helbig (65. Fröhlich), Torghelle (76. Petersen)
- Augsburg: Neuhaus; Wenzel, Benschneider, Hertzsch, Möhrle;
Müller, Hdiouad, da Costa, Kern; Diabang (90.Hlinka), Ledezma (74.Luz),
- Zuschauer: 8453
- Schiedsrichter: Lupp (Zossen)
- Spielbericht:
- Nach den Siegen in den letzten beiden Partien war es heute für die Kicker des FC Carl Zeiss Jena immens wichtig, auch das letzte Heimspiel der
Hin-Serie positiv zu gestalten und mit einem Sieg gegen den FC Augsburg das Kalenderjahr noch ein wenig freundlicher zu beenden.
Die Platzherren hatten sich auch wirklich viel vorgenommen, denn sie begannen gleich elanvoll und drückten die Bayern in deren Hälfte. Nach acht
Minuten die erste gute Chance für die Jenaer, doch Helbig bekam freistehend den Ball im Strafraum nicht richtig unter Kontrolle und er landete beim Tormann.
Sekunden später erneut eine gute Möglichkeit durch einen Freistoß von Simak, aber Maul berührte noch den Ball und fälschte ihn so ab,
dass er über das Tor abgelenkt wurde. Erneut Simak war es, der für eine weitere gute Aktion (19.) der Jenaer sorgte. Auf der linken Seite düpierte
er erst einen Gegenspieler mit einer Körperfinte, stürmte weiter und drang in den Strafraum ein. Den zweiten Abwehrspieler umkurvte er und spielte
anschließend noch Doppelpass mit Charalambidis, doch als er aufs Tor schießen wollte, stand erneut ein Augsburger vor seiner Nase, so dass diese
geniale Einzelaktion ohne Krönung blieb. Es lief bereits die 25.Minute und von den Gästen war noch nichts zu sehen gewesen. Aber das sollte sich
leider schnell ändern. Zunächst scheiterte da Costa mit seinem Freistoß aus gut 22m an Kraus. Doch beim anschließenden Eckball stand
er völlig frei und konnte so ungehindert die Führung für die Augsburger erzielen. Die Jenaer steckten nicht auf und nach 34 Minuten prüfte
Werner mit einem schönen Schuss Gästekeeper Neuhaus, der zur Ecke klären konnte. Ein langer Ball der Gäste wurde per Kopfball noch einmal
verlängert, so dass Ledezma das Leder genau in den Lauf gespielt bekam. Das 1:1-Duell gegen Maul entschied er für sich, zog aus halbrechter Position
ab und der Ball landete im langen Toreck und es stand nach 38 Minuten 0:2 aus Jenaer Sicht. Da hatten sich die Jenaer Spieler für das heutige Spiel so
viel vorgenommen, spielten phasenweise mal wieder richtig schönen Fußball und die Augsburger, von denen kaum etwas zu sehen war, führten
mit 2:0. Unglaublich. Kurz vor der Pause noch einmal ein gefährlicher Freistoß des FCC in den Strafraum, aber ein Abwehrspieler konnte per Kopf
zu Ecke klären.
Nach der Pause begannen die Spieler des FCC ihre Aufholjagd und setzten die Augsburger unter Druck. Neuhaus im Tor der Gäste mit seiner einzigen
Unsicherheit am heutigen Tage, als er einen Schuss von Werner (49.) erst im zweiten Versuch festhalten konnte. Aber nun ging es Schlag auf Schlag und
die Jenaer drängten auf den Anschlusstreffer. Nach einem Eckball Getümmel im Augsburger Strafraum und der Ball kam zu Helbig, der sofort abzog,
aber an den Fingerspitzen von Neuhaus scheiterte, wie auch kurz darauf mit einem Schuss aus spitzem Winkel (53.). Dann war es Simak, der nach einem Konter
mit seinem Schuss aus 20m nur um Zentimeter das Tor verfehlte. Wenig später legte Torghelle auf Charalambis ab, dessen Schuss Neuhaus mit den
Fingerspitzen noch berührte, der Ball rollte Richtung Torlinie, doch ein Augsburger konnte den Ball gerade noch vor der Linie wegschlagen. In
der 76. Minute schickte Jenas Trainer Ivanauskas seinen Edeljoker Nils Peterson auf das Feld, der bereits in den letzten beiden Partien jeweils mit
seinem Tor zum Matchwinner der Spiele geworden war. Nur drei Minuten waren vergangen, da flankte Charalambidis hoch in den Strafraum, Peterson stieg
am höchsten und traf per Kopf zum 1:2. Großer Jubel auf den Rängen und nun dachte ein jeder, dass wenigsten ein Unentschieden am
heutigen Tag noch möglich sei. Aber es waren die Gäste, die näher am Torerfolg waren, denn Diabang stürmte in der 81.Minute allein
auf Torwart Kraus zu, wollte diesen umspielen und legte sich den Ball dabei zu weit vor, so dass ein Verteidiger gerade noch klären konnte. Die
Zeit lief den Platzherren davon und fast hätte Luz fünf Minuten vor Ultimo den Jenaern das endgültige K.O. versetzt, doch sein Ball
zischt um Haaresbreite am Pfosten vorbei. Die zwei Minuten Nachspiel liefen bereits, als Simak mit einem herrlichen Schuss das nun kaum noch geglaubte
Unentschieden erzielen wollte, aber der am heutigen Tage überragend haltende Torwart Neuhaus hatte etwas dagegen und konnte mit einer hervorragenden
Parade den Ball mit den Fingerspitzen noch über das Tor lenken. Wenig später pfiff Schieri Lupp die Partie ab und erneut eine Heimniederlage
stand zu Buche.
Kopfschütteln auf den Rängen. Da hatten die Kicker des FCC in den letzten Partien spielerisch völlig versagt und erkämpften sich
zwei Siege und ein Remis, und am heutigen Tage hatte man endlich mal wieder phasenweise richtig guten Fußball gespielt, war die gesamte
Partie überlegen und heraus gesprungen ist erneut eine ganz bittere Niederlage. Nun heißt es regenerieren und das letzte Spiel schnell
vergessen, damit im neuen Jahr die Aufholjagd fortgesetzt werden kann. <vg>
1. FC Kaiserslautern - FC Carl Zeiss Jena 2:3
Tore: 1:0 Jendrisek (19.), 2:0 Simpson (47.), 2:1 Torghelle (61.), 2:2 Omodiagbe (73.), 2:3 Petersen (80.)
- Kaiserslautern: Sippel; Bellinghausen, Schönheim (83. Opara), Beda, Müllerr; Denai, Broniszewski, Simpson, Reinert (67. Neubauer); Jendrisek, Runström (71. Ziemer)
- Jena: Kraus; Stegmayer, Omodiagbe, Maul, Oniani; Kandelaki (69. Petersen), Kühne (46. Müller), Ziegner (25. Simak), Charalambides; Werner, Torghelle
- Zuschauer: 24.517
- Schiedsrichter: Hartmann (Augsburg)
- Spielbericht:
- Fußball
ist ein seltsamer Sport. Da spielt der FC Carl Zeiss Jena über weite Strecken
der Hinrunde gerade auswärts tollen Fußball, ohne daraus auch Kapital in Form
von Punkten zu ziehen. Und dann liefert er drei wahrhaft schlechte Spiele in
Folge ab mit dem Resultat, daraus mehr Zähler zu holen als in den 13
vorangegangenen Begegnungen zusammen. Die Gemeinsamkeit der drei Spiele gegen
Osnabrück, Aue und nun Kaiserslautern bestand darin, dass sich all diese Gegner
nach Spielende vor Wut in den Allerwertesten beißen mussten darüber, einem
bereits klinisch toten FCC nicht mit etwas mehr Entschlossenheit den
endgültigen Knockout versetzt zu haben. Der Unterschied: Jenas erster
Auswärtssieg in Kaiserslautern war nicht ansatzweise verdient.
Valdas Ivanauskas behielt sein Bäumchen-wechsle-dich-Spiel in Sachen Aufstellung bei.
Der gegen Aue indisponierte Tapalovic stand nicht einmal im Kader und Helbig
fand sich neben dem angeschlagenen Simak auf der Bank wieder. Stattdessen
Oniani von Beginn an in der Viererkette, und vorn stürmten Torghelle und nach
seiner abgesessenen Gelbsperre auch wieder Tobias Werner Seite an Seite. Beide
waren es auch, die im Zusammenspiel die ersten Duftmarken setzten. Nach drei
Minuten nimmt Torghelle einen Zauberpass Werners auf, lässt sich aber von
Bellinghausen im Strafraum abdrängen und hofft zu Recht vergeblich auf einen
Elfmeterpfiff, eine Viertelstunde später segelt der Ungar nur haarscharf an
einer Werner-Freistoßhereingabe vorbei. Jena war das aktivere Team und die
Gastgeber schienen doch etwas überrascht davon, dass sich der Tabellenletzte
keineswegs nur hinten rein stellte, sondern das Spiel mehr und mehr an sich
riss. Riss ist das richtige Stichwort, denn das Bersten von Jenas Spielfaden
ließ sich selten so punktgenau datieren wie in diesem Spiel. 19. Minute, ein
schwacher Freistoß Torsten Ziegners gelangt zum Ausführenden zurück, dessen
kapitalen Stockfehler an der Mittellinie Josh Simpson – zuvor schon durch eine
nicht geahndete Tätlichkeit gegen Stegmayer auffällig – ausnutzt und gemeinsam
mit zwei Teamkameraden allein auf Daniel Kraus und Stegmayer zuläuft. Auch wenn
die Lauterer dies schlampig ausspielen, der Ball zappelt im Netz und Jenas Anhänger
erleben ihr ewiges Deja vu aus der Abteilung „Wie besorge ich es mir selbst“.
Was sich in den folgenden Minuten auf dem Rasen abspielte, lässt sich aus
Thüringer Sicht nur mit erbärmlich, hilflos, hoffnungslos umschreiben. Die
Zeiss-Elf geschockt, während die Betzebuben sich nun fast im Minutentakt Chance
um Chance erspielten. Oniani klärt gefährliche Freistoßflanke (21.), Kraus
pariert Jendrisek-Schuß (23.), Broniszewski knapp neben das Tor (24.),
Runströms Heber landet auf der Latte (25.), Maul klärt Jendrisek-Schuß für den
geschlagenen Kraus auf der Linie (30.), Kraus rettet todesmutig gegen den
heranstürmenden Runström (35.), Lautern drückte und Jena schwamm, frei von
jeglicher Ordnung, frei von jeglichem Selbstbewusstsein. Dass mitten in diese
Phase die Herausnahme des Kapitäns fiel, ist zwar eine bemerkenswerte
Personalie, Einfluß auf das Geschehen auf dem Platz hatte sie nicht, denn auch
Jan Simak fügte sich nahtlos in die desaströse Vorstellung der Jenaer Elf ein.
Und just als man sich noch sagte, dass der Spielstand zur herannahenden
Halbzeitpause noch das Beste der ersten 45 Minuten sei, hatte auch dieser
keinen Bestand mehr. Hauptprotagonist diesmal Daniel Kraus, der erst einen fast
gefangenen Eckball wieder prallen ließ und bei der anschließenden Flanke
danebengriff, so dass sich Josh Simpson mit dem 2:0 bedankte und für
Endzeitstimmung bei 2.000 Jenensern im Gästeblock sorgte.
Die löste sich auch nicht mit Wiederanpfiff, als die Hereinnahme Robert Müllers für
den noch zu den Besseren gehörenden Stefan Kühne wohl nur von den Wenigsten als
Startsignal zu Jenas Aufholjagd verstanden wurde. Und so setzte sich das
planlose Vorpausenspiel nahtlos fort, kapitale Abwehrschnitzer (Oniani, Maul)
ermöglichten Broniszewski und Jendrisek beste Einschußchancen zur
Resultatserhöhung, während der FC Carl Zeiss im Offensivspiel schlicht nicht
existent war. Ähnlich wie die Pfälzer also anfangs der ersten Halbzeit und so
wollte es das Schicksal, dass auch diesmal ein unfassbarer Bock des Gegners den
Weg zum Tor bereitet. Lauterns Innenverteidiger Mathieu Beda wird des nächtens
wohl von jener Szene in der 61. Spielminute träumen, als er plötzlich völlig
unmotiviert und in der irrigen Annahme, sein Torhüter käme ihm entgegen,
Torghelle das Leder herschenkt. Der Ungar schlägt die Einladung nicht aus,
schlenzt gekonnt über Keeper Sippel ins Netz und Jena ist zurück im Spiel, ohne
eigentlich zu wissen, warum. Vier Minuten später schien dann alles wieder in
gewohnte Bahnen zu laufen, als sich der von seinen Vorderleuten erneut im Stich
gelassene Kraus im Strafraum nur mit einem plumpen Foul an Sven Müller zu
helfen weiß, Elfmeter. Ob man auf diesen Elfer später als den Knackpunkt
unserer Saison zurückblicken wird? Kraus springt in die richtige Ecke, hält,
der Nachschuß landet am Pfosten, alles Glück dieser Welt scheint in diesem
Moment auf jenen wenigen Quadradmetern Rasen vereint zu sein. Und endlich
begreifen auch die Blau-gelb-weißen dies als Wachrüttler, zückt Ivanauskas mit
Nils Petersen seinen ultimativen Joker und nimmt dafür Ilja Kandelaki aus der
Begegnung, wobei der Gang des Georgiers vom Feld seine aufsehenerregendste
Szene nach 69 Minuten Alibifußball darstellte, sieht man einmal von einer Flut
an Fehlpässen ab. Werner rückte für Petersen nun ins linke Mittelfeld zurück
und prompt setzte man den Gastgebern zu, übte Druck aus, setzte Nadelstiche.
Und einer davon saß: Simaks Ecke wird zu kurz geklärt, Werners Knaller pariert
Sippel, aber gegen den erneuten Nachschuß Omodiagbes ist auch er machtlos. 2:2,
unfassbar. Unfassbar auch, dass Jena nun nachsetzte, Lautern spürbar wankte und
seinerseits völlig den Faden verlor. Werners Schußversuch konnten sie noch ins
Toraus abfälschen (76.), Simak verzog im Strafraum knapp (79.) und dennoch
hätte es im Gegenzug beinahe bei Daniel Kraus geklingelt, doch der
eingewechselte Ziemer agiert freistehend zu umständlich. Der erneute Gegenzug,
die Roten Teufel bekommen das Leder nicht aus der Gefahrenzone, Simak zu
Torghelle, Torghelle zu Simak, Simak mit einem Anflug von Genialität
millimetergenau auf Petersen und was ist das für ein Wahnsinnsjunge, den Ball
furztrocken volley ins entlegene Eck zu katapultieren? Das Spiel war gedreht
und Jenas Youngster hätte gar noch einen draufsetzen können, als er sich nach
86 Minuten in den Strafraum dribbelt, aber zu Torghelle zurücklegt, der aus fünf
Metern über den leeren Kasten zieht. Lautern riskierte nun alles, hohe
Verzweiflungsbälle in den Jenaer Strafraum wechselten sich mit
kreuzgefährlichen FCC-Kontern ab, mit denen ebenso fahrlässig umgegangen wurde,
wie der mehrfache Deutsche Meister das in Halbzeit eins vorgemacht hatte. Dass
sich dies nicht noch rächte, verdankte man Lauterns Jendrisek, dessen Kopfball
in der 92. Minute knapp das Ziel verfehlte.
Dann war Schluß, fassungsloser
Jubel im Gästeblock, binnen 30 verrückten Minuten war aus „Wir woll’n euch
kämpfen seh’n“ ein „Wir woll’n die Mannschaft seh’n“ geworden, aus „Wir ham’
die Schnauze voll“ ein „Oh wie ist das schön“. Und nachdem der Puls erst einmal
etwas herunter gefahren war, da war sie wieder, die Parallele zu den beiden
vorangegangenen Spielen, jene brennende Frage: Abgesehen von der Freude über
die in den Schlussminuten eingefahrenen Punkte, von der Hoffnung auf einen
psychologischen Schub für’s nächste Match: Was soll einem aus der gebotenen
Leistung heraus Hoffnung für den Klassenerhalt geben? Sicherlich nicht viel,
doch wenn dieser glückliche Auswärtssieg eines war, dann Balsam auf die Wunde
der so vielen unnötig verschenkten Punkte im Verlaufe der letzten vier Monate.
Fußballfans sind die größten Philosophen, und wer wollte meinem Bruder
widersprechen in seinem Fazit: „Wir ham’s zwar nicht verdient, aber das ham’wer
uns mal verdient“. Auf die Hoffnung! <gunner>
FC Carl Zeiss Jena - FC Erzgebirge Aue 2:1
Tore: 0:1 Emmerich (8./FE), 1:1 Petersen (74.), 2:1 Simak (89./FE)
- Jena: Kraus; Stegmayer, Omodiagbe, Oniani, Tapalovic (41. Maul);
Kandelaki, Kühne, Ziegner (57. Torghelle), Simak, Charalmabides;
Helbig (72. Petersen)
- Aue: Keller; Trehkopf, Kos, Loose, Sträßer; Liebers,
Emmerich (76. Kurth), Curri (80. Geißler), Feldhahn; Sykora, Klinka
(76. Kaufman)
- Zuschauer: 9587
- Schiedsrichter: Gagelmann (Bremen)
- Spielbericht:
- Die ersten Überraschungen gab es beim Blick in die
Aufstellung. Ziegner verblieb trotz Simaks Rückkehr in der Startelf. Maul ein
weiteres Mal draußen. Doch die meisten Fragezeichen ergaben sich mit Blick auf
den Einmannsturm. Angesichts der Tabellensituation in einem Heimspiel nur mit
Helbig zu beginnen und Jenas besten Schützen Torghelle draußen zu lassen,
weckte jede Menge Unverständnis. Sollte der Ungar für seine übermotivierte
Spielweise in Osnabrück nachträglich noch bestraft werden ? Ist Motivation in
unserer Situation nicht wertvoll genug, um zu versuchen, sie in geordnete
Bahnen zu lenken ?
Das Ostderby gegen Erzgebirge Aue war nüchtern betrachtet
schon fast die letzte Gelegenheit, sich die Hoffnungen auf den Klassenerhalt
bewahren zu können. Deshalb wirkte der erneute frühzeitige Rückstand wie ein
Schlag in die Magengrube. Tapalovics Foul im Strafraum war nichts Grobes. Eines
von der Sorte, wo im Mittelfeld kurz Freistoß gepfiffen wird und das Spiel
gleich weiterläuft. Aber es passierte nun mal nicht im Mittelfeld, sondern im
eigenen Sechzehner und somit geht der Elfmeterpfiff in Ordnung. Emmerich
verwandelte sicher. In den diesjährigen Meisterschaftsspielen war es Jena noch
nicht gelungen, ein 0:1 in einen Sieg umzuwandeln. Und so ängstlich, wie es in
der Folgezeit zu Werke ging, schien daraus auch diesmal nichts zu werden.
Symptomatisch für die allgemeine Verunsicherung war die Szene, in der Oniani
unbedrängt den Ball am eigenen Keeper vorbei ins Toraus schob. Am meisten in
Erscheinung trat anfangs das promblemlos amtierende Schiedsrichter-Gespann, das in regelmäßigen
Abständen von acht Minuten seinen Auftritt hatte: Strafstoßpfiff in der 8.
Minute, Gelbe Garte für Stegmayer in der 16., Abseitsfahne beim Kopfballtor
Sykoras in der 24. Erst in Minute 25 ergab sich mal eine Tormöglichkeit für die
Thüringer, welche Ilia Kandelaki jedoch kläglich vergab: Drei Meter vor dem Tor
stehend köpfte er einen Flankenball um zehn Meter am Kasten vorbei ! Schlimmer
noch: Es sollte die einzige echte Chance in Halbzeit eins bleiben für den FC
Carl Zeiss, auch weil sich Alleinunterhalter Helbig zumeist von mehreren
Gegenspielern umringt sah und wie befürchtet damit auf verlorenem Posten
stand. Während Charalambides auf seiner lila-verwaisten Seite ein ums andere
Mal vergeblich auf sich aufmerksam zu machen versuchte, sorgte ein simpler
Fehler Kandelakis in der Ballannahme auf der anderen Seite für erste
Unmutsäußerungen von den Rängen. Fünf Minuten vor der Pause unterlief
Elfmetersünder Tapalovic ein Ballverlust, den Sykora nicht zu nutzen wusste,
jedoch Valdas Ivanauskas auf die Palme brachte. Noch vor dem Seitenwechsel nahm
er Tapalovic vom Feld, um dafür Alexander Maul ins Abwehrzentrum zu beordern.
Dieser berichtete hinterher, dass die Spieler in der Kabine
einiges zu hören bekommen und sich danach gesagt hätten: „Das Match drehen wir
heute“. Ganz ehrlich, lieber Alexander, lange Zeit sah euer Spiel in der
zweiten Hälfte kein bisschen besser aus als in der Ersten. So war in Minute 67
nicht nur aus dem Ball die Luft heraus, sondern anscheinend auch aus dem Spiel.
Das Schlimme an der Situation war, dass die auswärtsschwachen Auer keinen Deut
stärker spielten, aber scheinbar sicher in Führung lagen. Weil in diesem Spiel eben
einfach nichts passierte. Doch siehe da, mit neuem Spielgerät und zwei frischen
Stürmern kam die Wende. Nils Petersen war gerade zwei Minuten im Spiel, als er
eine Rechtsflanke von Charalambides erwischte und zum Ausgleich in die Maschen köpfte. „Ich habe
den Ball fliegen sehen und gedacht, da musst du hin“, schilderte der Youngster
das 1:1 aus seiner Sicht. Nun ging noch mal ein Ruck durch die Mannschaft, das
Spiel wurde schneller, doch auch die Zeit rannte davon. Kühnes Schuss landete
in Kellers Armen (81.). Doch mit dem Schuss von Maul hatte der
Auer Torwart größere Problem, musste das Leder prallen lassen. Torghelle wollte
abstauben und wurde durch Kos gefoult – Elfmeter ! In der vorletzten Spielminute ! Jan
Simak hielt dem immensen Druck stand, indem er scharf oben links verwandelte.
Petersen hatte den Ausgleich erzielt, Maul den vorentscheidenden Schuss abgegeben,
Torghelle den Elfmeter herausgeholt - mit seinen Einwechslungen lag Ivanauskas
immerhin wieder richtig. Der einzig wahre Held hieß dabei natürlich
Nils Petersen !
Eben noch auf dem Abstellgleis und nun das. Nach langer Pause wieder in die
Erste berufen, auf Anhieb einen Treffer erzielt,
zum Tor der Woche nominiert und in die U20-Nationalmannschaft berufen. Mehr
geht nicht in sieben Tagen. Ein Zeiss-Talent startet durch. Es wäre so wichtig,
würden sich seine Mannschaftskameraden davon anstecken lassen.
Denn eines muss klar sein: „Beide Halbzeiten zusammen
betrachtet war das nicht ausreichend für die zweite Liga“. Dieses Urteil hat
der Auer Spieler Marco Kurth über die Leistung seines Teams gefällt. Es gilt
wortwörtlich aber auch für die 90 Minuten des siegreichen FCC. <fc>
Bilder auf fcc.weissenburger.de
Spielbericht auf fc-erzgebirge.de
VfL Osnabrück - FC Carl Zeiss Jena 1:1
Tore: 1:0 Cichon (20., FE), 1:1 Werner (90.+2)
- Osnabrück: Gößling; Schäfer, Ndjeng,
Cichon, Thomik; Aziz (68. Nouri), Grieneisen (85. Manno), Heidrich, Schuon;
Hennings (89. Ehlers), Reichenberger
- Jena: Kraus; Stegmayer, Omodiagbe, Oniani, Günther
(

, 19.);
Kandelaki (85. Helbig), Kühne, Ziegner, Holzner (46. Charalambides);
Werner, Torghelle (37. Tapalovic)
- Zuschauer: 12.000
- Schiedsrichter: Kinhöfer (Herne)
- Spielbericht:
- (von Gastkommentator Thomas Neumann)
Das Osnabrücker Stadion an
der Bremer Brücke war Spielstätte des siebenten Auswärtsauftritts des FCC in
der Saison 2007/2008 und ich war wohl nicht der einzige Besucher, der die Parallelen
zum Spiel vor zwei Jahren sah. Nach einer Heimniederlage und eigentlich doch
recht ansprechenden Auswärtsauftritten in der Saison durfte man eigentlich
hoffen in Osnabrück zu punkten. Ähnlich
wie vor zwei Jahren, als der etatmäßige Spielmacher in der Regionalliga,
Torsten Ziegner, in Osnabrück fehlte, fiel diesmal Jan Simak aufgrund der 5. Gelben
Karte aus. Und das genau jener Torsten Ziegner nun diesmal den fehlenden Jan
Simak vertreten sollte, gab dem ganzen so eine besondere Note.
Aber um auch das nicht zu
vergessen, es gab auch einen Riesenunterschied zum Vergleich vor zwei Jahren:
Der FCC reiste dazumal als Tabellensiebenter zum VfL nach Osnabrück. Diesmal
kamen wir als Tabellenletzter nach Westniedersachsen und dementsprechend
pendelten die Ergebnistipps der Heimfans auf dem Weg vom Parkplatz zum Stadion
so zwischen einem 3:0 und einem 5:0 für ihre in der letzten Zeit extrem
heimstarken Lila-Weißen.
Die Mannschaft des FCC hatte
sich vor dem Spiel in einem viertägigen Trainingslager in Bad Blankenburg noch
einmal auf dieses Spiel eingeschworen und Jenas Cheftrainer Valdas Ivanauskas
wartete mit einigen Veränderungen in der Mannschaftsaufstellung auf. Neben
Torsten Ziegner in der Startformation, kamen auch Felix Holzner im rechten
Mittelfeld und Ilia Kandelaki im linken Mittelfeld zum Einsatz. Außerdem
spielten Omodiagbe und Oniani in der Innenverteidigung, Sven Günther mal wieder
hinten rechts und Michael Stegmayer hinten links, sowie Stefan Kühne als
Staubsauger vor der Abwehr. Und nachdem mit Sandor Torghelle und Tobias Werner
auch vorne mal wieder mit zwei Spitzen angefangen wurde, kann man Jenas Trainer
Valdas Ivanauskas wohl eher nicht vorwerfen, nicht mal etwas Neues
auszuprobieren.
Das Spiel begann für die
Jenaer eigentlich ganz ansprechend. Die Mannschaft kann das Spiel auch in des
Gegners Hälfte verlagern und von einer Anfangsoffensive der Heimmannschaft ist
wenig zu sehen. Felix Holzner zielt bei einer Schusschance in der 3. Minute aus
ca. 20 Metern nur knapp über das Tor. Nach und nach gewinnen die Osnabrücker
aber die Oberhand und als der FCC nach einer guten Viertelstunde einen Einwurf
in der eigenen Hälfte auf Links zugesprochen bekommt, nimmt das Unglück an Fehlern
mal wieder seinen Lauf. Man wirft den Ball nicht zurück zum eigenen Torwart,
wenn die gegnerische Mannschaft so aufgerückt ist. Man fängt als Torwart nicht
an, im eigenen Strafraum den Gegner auszuspielen. Und man reißt den Gegner im
Strafraum auch nicht um (wobei ich zugebe die Szene nicht genau gesehen zu
haben). Das Ergebnis dieser Fehler: Strafstoss für Osnabrück und eine rote
Karte für Sven Günther! Den Elfmeter verwandelt Thomas Cichon (20.) souverän
ins linke Eck und im mit ca. 400 bis 500 FCC – Fans gefüllten Gästeblock
beginnt sich sofort Defätismus breit zu machen.
Was sich in den nächsten 40
Minuten auf dem Platz abspielt, ist im Grunde genommen nebensächlich, weil
unerheblich. Die Osnabrücker können ihre Vorteile nicht wirklich nutzen und
beweisen auch nicht wirklich warum sie so viel mehr Punkte auf dem Konto haben
als der FCC. Der FCC vertut sich in Harmlosigkeiten und schwächt sich am Ende
selbst, als Oniani in einem Luftzweikampf Holzner (41.) ausschaltet.
Erst am Ende kommt der
Tabellenletzte wieder zu ansprechenden Szenen, die jedoch harmlos vergeben
werden.
Tja, und wenn es denn noch
mal eines Vergleiches mit jenem Treffen vor zwei Jahren bedarf, dann war es
eben jenes Ausgleichstor in der 90+x Minute durch einen Kopfball von Tobias
Werner. Danach war dann auch aber auch zum Glück schnell Schluss.
Ich spare mir lieber jede
Prognose zu Chancen und Möglichkeiten zum Klassenerhalt. Möglich ist vieles,
machbar auch. Die recht verhaltenen Gesten der Mannschaft nach dem Schlusspfiff
am Zaun vor dem Gästeblock sprechen aber Bände. Realistisch betrachtet haben
wir aber nur wieder einen Spieltag gegen einen Konkurrenten vergeben.
FC Carl Zeiss Jena - TSG 1899 Hoffenheim 0:1
Tore: 0:1 Obasi (72.)
- Jena: Kraus; Stegmayer, Omodiagbe, Maul, Oniani; Hansen (46.
Zimmermann), Müller, Simak, Charalambides (74. Helbig); Torghelle,
Werner
- Hoffenheim: D. Haas; Gustavo, Löw, Nilsson, Seitz; Eduardo
(68. Ibisevic), Vorsah, Copado, Salihovic (85. S. Haas); Paljic (62. Ba),
Obasi
- Zuschauer: 6895
- Schiedsrichter: Fischer (Hemer)
- Spielbericht:
- Vor Wochen sorgte der Streit zwischen Mainz 05 und
Hoffenheim 1899 für Diskussionen. „Bayern München erwirtschaftet sein Geld. In
Hoffenheim ist es nur ein Sponsor. Schade, dass so eine Mannschaft einen der 36
Plätze im Profifußball wegnimmt“, hatte sich der Mainzer Manager Christian
Heidel negativ über die Hoffenheimer geäußert. Dass diese verärgert darauf
reagierten, ist nachvollziehbar. Den Beweis, dass in diesem Verein mehr
Substanz steckt als ein starker Sponsor, der sich fähige Spieler an Land zieht,
bleibt die TSG aber bis zum heutigen Tag schuldig. Wenn beispielsweise von
Herrn Hopp die Auswärtsbusfahrt komplett bezahlt wird und sich dennoch gerade
mal 54 Fans auf den Weg machen, eine zuletzt sehr erfolgreiche Mannschaft
auswärts zu unterstützen, wird das keinen höheren Ansprüchen gerecht.
Die Schützlinge von Ralf Rangnick begannen offensiv, mit
gutem Passspiel. Dreimal musste Daniel Kraus bereits in den ersten zwanzig
Minuten zeigen, dass die Zeit der „Flattermänner“ im Jenaer Gehäuse ein Ende hat.
Den Schuss von Paljic lenkte Kraus zur Ecke. Auf den tückischen Ball im
Anschluss an einen Freistoß hechtete er sich kurz vor der Torlinie. Und beim
direkten Freistoß von Salihovic ging er auf Nummer sicher, versuchte das nasse
Leder gar nicht erst zu fangen, sondern faustete es konsequent weg. Das Glück
des Tüchtigen kam Jenas Keeper in Minute 29 zu Hilfe, als im Anschluss an eine
gelungene Dreierkombination Salihovic nur die Lattenoberkante traf.
Kraus war
von Beginn an voll da, was von seinen Vorderleuten leider nicht behauptet
werden kann. Im Vergleich zu der couragierten ersten Hälfte in Mönchengladbach
waren sie kaum wieder zu erkennen, reagierten nur statt zu agieren. Ihr Trainer
hatte vor einer offensive Gästeelf gewarnt, den Überraschungseffekt kann also
niemand geltend machen. Fast sechzig Prozent verlorene Zweikämpfe in der ersten
halben Stunde sind ein unerklärlicher, so bislang nicht gekannter Beleg von
Schwäche, der sich naturgemäß aufs Spielgeschehen auswirkte. Keine Torszene aus
dem Spiel heraus war in Halbzeit eins zu verzeichnen und es dauerte bis zur 34.
Minute, bis Jena wenigstens mal aus einer Standartsituation heraus etwas zuwege
brachte. Simaks Freistoß musste Haas prallen lassen, beim anschließenden Kopfball
von Alexander Maul brandete schon Torjubel auf, doch der Torwart vermochte ihn
noch zur Ecke zu lenken. Klar wäre eine Führung zu diesem
Zeitpunkt ganz und gar unverdient gewesen – doch darum hat sich so mancher Gast
im Ernst-Abbe-Sportfeld bislang schließlich auch nicht geschert. Ein Solo noch
von Jan Simak, der zuvor für ein „Warum hast du das gepfiffen?“ seine 5. Gelbe
Karte gesehen hatte – dann war wieder
Hoffenheim am Drücker. Copado scheiterte zweimal innerhalb einer Minute an Kraus
(41.). Der Flachschuss von Obaris sauste am langen Pfosten vorbei (42.). Ecken,
Zweikämpfe, Chancenverhältnis, scheinbar auch in der Gunst des Schiris –
überall lagen die Gäste zur Pause vorn. Nur in Tore hatten sie diese
Überlegenheit nicht umgesetzt.
Mit Wiederanpfiff kam Zimmermann für Hansen, der sich nach
unserer Beobachtung bei einem Absatzkick ohne gegnerische Einwirkung verletzt
hatte. Am Spielverlauf änderte sich zunächst mal nichts. Bis zur 55. Minute. Da tauchte
nach Vorarbeit von Werner und Maul plötzlich Sandor Torghelle am
Gäste-Strafraum auf, seinen scharfen und eigentlich gut platzierten Schuss
erwischte Haas aber reaktionsschnell mit der Hand. Diese Aktion wirkte wie eine
Initialzündung. Jetzt endlich wurde die berühmte letzte
Konsequenz in den Jenaer Handlungen
deutlich. Die nächsten Hochkaräter ließ nicht lange auf sich warten. Werners
Schrägschuss fing Haas. Dann, nur zwei Minuten nach seiner ersten vergebenen
Möglichkeit erwischte Torghelle im Mittelfeld einen Abschlag des Torhüters, sprintete
mit Ball am Fuß auf den Keeper zu und – scheiterte erneut. Kein Vorwurf beim
ersten Ding, aber DEN hätte er machen müssen ! Der Ungar, mit seinem
Pokaltreffer gerade erst in der Wahl zum Torschützen des Monats gewesen, sollte
sogar noch eine dritte Chance bekommen. Doch sprang er um einige Zentimeter an
Werners Freistoßball vorbei. Immerhin hatten die Jenaer nun Zugang zu diesem
Spiel gefunden und deshalb ist es besonders bitter, im Anschluss an die
stärkste Phase den k.o.-Schlag einstecken zu müssen. Jan Simak, an diesem Tag
ohnehin mit größerer Fehlerrate als sonst, unterlief der spielentscheidende
Ballverlust im Mittelfeld. Über Vorsah und Salihovic kam Chinedu Ogbuke Obasi
in Ballbesitz und ließ Daniel Kraus keine Chance. 0:1. Was danach kam, kannten
wir schon aus anderen Spielen in dieser Saison. Jena gab kämpferisch alles,
konnte mit der Brechstange aber nichts mehr bewegen. Und da der Schiri bei zwei
strittigen Strafraumentscheidungen weiterspielen ließ, brachte Hoffenheim das
Ergebnis ziemlich ungefährdet über die Zeit.
Es ist ja nicht so, dass der FC Carl Zeiss irre weit weg
wäre von der Musik. Sieben der neun Niederlagen fielen mit einem Tor Differenz
aus ! Doch gerade das macht diese Saison so frustrierend. Daran hat sich auch
am 11.11. nichts verändert. <fc>
Borussia Mönchengladbach - FC Carl Zeiss Jena 2:1
Tore: 1:0 Neuville (9.), 1:1 Torghelle (34.), 2:1 Neuville (80.)
- M'Gladbach: Heimeroth; Voigt (74. van den Bergh), Brouwers, Daems, Levels; Marin,
Paauwe, Rösler (74. Coulibaly), Ndjeng; Friend, Neuville (85. Svärd)
- Jena: Kraus; Stegmayer, Omodiagbe, Maul, Oniani (72. Tapalovic);
Hansen (82. Helbig), Müller, Simak, Charalambides; Werner, Torghelle
- Zuschauer: 28.759
- Schiedsrichter: Schmidt (Stuttgart)
- Spielbericht:
- Den Frust im Bier ersaufen oder einfach nur ertragen? Ich
weiß es ehrlich gesagt nicht. Nicht mehr. Klar, solche Abende gibt es. Da
rennen sich die Jungs anderthalb Stunden die Seele aus dem Leib und am Ende
bleibt nix außer Enttäuschung. Aber so ist Fußball halt. Dafür kommen andere
Spiele, nach denen man sich besorgt fragt, ob die drei Punkte mit dem einen
gegebenen Gerechtigkeitsempfinden überhaupt vereinbar sind. Nur, wo bleiben die
in dieser Saison? Wann löst sich diese Gleichung endlich auf? Nach Gestern muß
man sich fragen, ob sie das überhaupt noch tut. Acht Punkte Rückstand auf einen
Nichtabstiegsplatz sind schon ganz schön fett. Also doch ins Bier stürzen?
Jein! Es sieht schon ganz schön übel aus, ohne Frage. Und als Gladbach nach nur
neun Minuten die Führung erzielte, war auch wieder klar warum. Ein schlichter
Paß von Marin durch die Viererkette und schon war es
soweit. Das es auch schon Zeiten gab, in denen sich Neuville bei einem solchen
Ding den Fuß gebrochen hätte, ist halt Schicksal. Wenn du eben ohne Licht im
düsteren Tabellenkeller hockst, dann nimmt er ihn halt wunderschön an und
donnert ihn dir aus der Drehung in die kurze Ecke. Unhaltbar. Man hätte es in
den nächsten 70 Minuten glatt vergessen
können, hätte sich nicht das gleiche in der 80. Spielminute so ähnlich
wiederholt. Der einzige Fehler Omodiagbes im ganzen
Spiel, verwandelte den ganzen mühsam gehegten Optimisumus
in ein Häufchen Elend. Wieder war es Neuville, der nach der mißglückten
Kopfballabwehr des Nigerianers mit seiner Direktabnahme die endgültige
Entscheidung erzwang. Man konnte nahezu jeden einzelnen Fehler der Jenaer
Hintermannschaft auf der Anzeigetafel ablesen. Wirklich zum Brechen. Soviel zur
Hoffnungslosigkeit der Situation. Was sich zwischen den beiden geschilderten Szenen
abspielte läßt aber – wenn schon nix Zählbares dabei rausspringt – trotzdem
auch viel Raum für Zuversicht. Und zwar deshalb, weil wieder eine Mannschaft
mit Wir-Gefühl auf dem Platz stand in der einer für den anderen die Kastanien
aus dem Feuer zu holen bereit ist. In der Torghelle
das Laufen für sich entdeckt hat (ich hätte es noch vor Wochen nicht für
möglich gehalten) und das Tor trifft. In der Simak
langsam das Bewußtsein für das aufbaut, was wirklich in ihm steckt und die
Fäden in die Hand nimmt. Und in der das (manchmal) mangelnde spielerische
potential durch Kampf und Einsatzwillen aufgewogen wird.
Das sah gut aus! Vor allem in der ersten Halbzeit, als die
Gladbacher den Selbstfindungsbemühungen von Simak kaum
ein Mittel entgegenzusetzen hatten. Erst sein Knaller aus ca. 20 m, den
Heimeroth im Gladbacher Tor nur mit Mühe abwehren kann
(16.), dann der etwas zu hoch angesetzte Schuß vom linken Strafraumeck nach
einer schönen Einzelleistung (23.). Und dann schließlich seine Vorarbeit für
Stegmayers Flanke direkt auf Torghelle.
Ein langgezogener Brüller begleitet den wunderschönen
Kopfball des Ungarn zum Ausgleich in lange Eck (34.). Wunderschön!!! Und das
auch noch völlig verdient, denn hier spielte phasenweise nur noch Jena. Kommt
Jungs, nachsetzen. Kurz vor der Pause hält Werner noch mal drauf. Aber der hat
einfach kein Glück, bekommt nicht mal eine Ecke für den abgefälschten Schuß…
Nach der Halbzeit schwinden sichtbar schnell die Kräfte. Das
merkt man vor allem an den kleinen Fehlern, die sich allenthalben so einschleichen.
Simaks Pässe kommen nicht mehr so oft an und wenn,
dann deutlich unpräziser. Auch diese kleinen Schlampigkeiten machen das
Fußballerleben immer schwerer. Auf der linken Abwehrseite werden sich
Charalambidis und Müller (?) nicht einig. Nimm du ihn, ich
hab ihn sicher, fällt mir dazu nur ein. Glück, daß Neuville die anschließende Flanke
von Ndjeng aus drei Metern über das Gehäuse wuchtet. Na
also, es geht doch (58.)! Und dann noch das Ding von Daniel Kraus als er einen
seltsam geschlagenen Aufsetzer nur mit Mühe und unter Einsatz diverser
Körperteile am Überqueren der Linie hindern kann (59.). Sah komisch aus, war
aber auch schwer! Hauptsache nicht drin.
Jena steht in dieser Phase ganz schön unter Druck, aber das
sieht trotzdem alles ganz passabel aus. Kaum richtige Chancen für Gladbach. Ein
Freistoß von Simak sorgt sogar noch mal für etwas
Entlastung. Aber mit letztem Einsatz kann Heimeroth
den Ball noch über die Latte lenken (55.). Scheiße. Schönes Ding. Und dann –
gerade als man als Jenaer Anhänger mit einem Pünktchen zu liebäugeln beginnt –
Neuvilles zweiter Treffer. Aus der Kalten. Und das nach so
einer starken Leistung.
Ein Tal tiefer Depression tut sich kurzzeitig vor mir
auf. So lande ich nach dem Abpfiff auch unweigerlich bei der Frage nach einem
den Umständen gerecht werdenden Bierkonsum. Die Antwort will sich mir nicht so
recht erschließen, schwankt mit dem jeweiligen Gemütszustand zwischen fast
schwarz und sehr dunklem Hell. Am Ende entschließe ich mich, die ganze Sache
auszusitzen. Bis Sonntag jedenfalls. Wer hat schon mit einem Punkt oder gar
Sieg gegen Gladbach gerechnet? Kaum jemand. Es ist also alles noch wie vorher.
Für den Fall, daß es gegen Hoffenheim wieder nicht
klappt mit dem Dreier, sollte man aber sicherheitshalber schon mal eine
Palette Öttinger kaltstellen. <bpf>
FC Carl Zeiss Jena - SC Freiburg 1:2
Tore: 0:1 Pitroipa (35.), 0:2 Kmas (83.), 1:2 Werner (90.)
- Jena: Kraus; Stegmayer, Omodiagbe, Maul, Günther (46.
Tapalovic); Hansen (77. Torghelle), Zimmermann (70. Ziegner), Simak,
Kühne; Werner, Helbig
- Freiburg: Walke; Ibertsberger, Butscher, Krmas, Schwaab; Aogo,
Uzoma, Pitroipa (75. Schlitte), Banovic; Bencik (56. Cafu), Matmour (79.
Mesic)
- Zuschauer: 7026
- Schiedsrichter: Walz (Pfedelbach)
- Spielbericht:
- In der 25. Spielminute, als Hansens Kopfball knapp das Tor
verfehlte, beneidete ich etwas den Verfasser des heutigen Spielberichts, weil
er bis dahin etliches Notierenswertes und eine starke Jenaer Anfangsphase geboten
bekam. Sekundenbruchteile später wandelte sich mein Neid in Entsetzen, denn mir
fiel schlagartig ein, dass ich vom Chefredakteur zum Schreiben vergattert
worden war…
Dabei sah man vorm Anpfiff überall skeptische Gesichter,
gegen unseren Lieblingsgegner der letzten Saison rechnete sich eigentlich
niemand etwas aus. Die erste Aktion schien allen recht zu geben, denn nach der
ersten Gästeecke musste Kraus einen scharfen Kopfball parieren. Faktisch im
Gegenzug parierte Walke einen Schuss Hansens aus nächster Nähe. Kurz danach
rettete Walke gegen Helbig. Das Gesamtbild sah gar nicht so übel aus (daran
änderte auch die nervige und überflüssige Information auf der Anzeigetafel vom
Eckenverhältnis von 5:0 für den SC nichts), der FCC war die überlegene, aggressivere
Mannschaft, die den Freiburgern immer wieder
feine Nadelstiche verpasste. In der 12. min wusste sich ein von Simaks Antritt
überforderter Verteidiger gar nicht mehr anders zu helfen, als sich ans Jenaer
Trikot mit der Nr. 19 zu klammern und dieses samt Simak auf den Rasen zu
befördern. Ich weiß nicht, ob Schiedsrichter Walz vom Rugby kommt, aber anders
kann man sich nicht erklären, warum er bei diesem klaren Foul nicht auf
Strafstoß entschied. Walz’ Gepfeife in der ersten Halbzeit war sowieso unterirdisch,
prinzipiell wurde nach Freiburger Ballverlust im Zweikampf auf Freistoß für die
Gäste entschieden und seine putzigen Eckenballentscheidungen für den SC
inspirierten die Haupttribüne zu lautstarkem ironischem „Ecke, Ecke“ bei jedem
Ausball. Bis zu jener oben erwähnten 25. min war der FCC im Vorwärtsgang, aber
erfolglos. Und so kam alles wie immer, nach der 34. die 35. Minute und in jener
der obligatorische Abwehrpatzer, als plötzlich drei „Blaue“ (die Gäste liefen
in einer ungewohnten Farbe auf) durch Jenas Abwehrmitte rauschten, Kraus
erwischte den Ball nicht, ein Freiburger spielt auf den nächsten, der im
Abseits stehend die Kugel ins Tor schob. Ein weiterer Höhepunkt jener
grässlichen Schiedsrichterleistung, dass der Treffer trotzdem anerkannt wurde.
Und so hatte nicht nur ich zur Halbzeitpause die Nase
gestrichen voll: Der FCC machte dass Spiel, der Gegner das Tor und der
Schiedsrichter leistete mit zwei extremen Fehlentscheidungen seinen Beitrag.
Zum Speien!!!
Nach der Pause war Freiburgs Taktik klar: Am eigenen
Strafraum aufstellen und in Ruhe die Führung nach Hause schaukeln, eventuell
mal kontern. Der FCC schaffte es aber trotz der badischen Zurückhaltung richtig
energisch Druck aufzubauen. Man spielte zu durchsichtig, machte zu viele
einfache Fehler im Aufbau und den Freiburgern die Abwehrarbeit ziemlich leicht.
Unerträglich, aber nicht neu, waren zudem die Schauspieleinlagen von
Pitroipa & Co., die nach kleinsten Berührungen oder
auch völlig ohne Anlass regelmäßig den „sterbenden Schwan“ abspulten, wie in
den letzten Zügen liegend. Nachdem sie fürs anscheinend letzte Schnauferchen
ins Seitenaus verbracht wurden, gab es ebenso regelmäßig die blitzschnelle
Wiederauferstehung inklusive Genesung. Und es ist sicher keine schlechte
Bilanz, durch solche „Verletzungen“ mehrfach längere Unterbrechungen zu
provozieren, die am Ende mit nur zwei Nachspielminuten belohnt wurden.
Jedenfalls fiel dem FCC nicht ein, wie die Gästeabwehr zu knacken wäre. Zu
vermelden war lediglich ein 20-m-Schuss Werners, der das Tor verfehlte –
typisch, dass in dieser Situation Stegmayer links völlig freigelaufen war, aber
vergeblich aufs Anspiel wartete. Eine knappe Viertelstunde vor Schluss sorgte
die Einwechslung des Ex-Jenaer Schlittes für ein
Anheizen der Stimmung im Publikum und fortan begleitete ein gigantisches
Pfeifkonzert jeden seiner Ballkontakte, das Eintauschen der angeblichen
Herzenssache FCC gegen Freiburger Geld war nicht vergessen worden. Freiburg
schaffte in der 82. min die befürchtete Vorentscheidung, allerdings nicht nach
einem Konter, sondern nach einem Freistoß von links außen. Omodiagbe ließ
Krmas kurzen Pfosten zu viel Raum und der drückte den Ball
ins Netz. Die erloschene Hoffnung glomm nochmals kurz auf, als Werner nach
Ziegners Flanke den Anschluss per Kopf erzielte. Aber
selbst Kraus’ Eingreifen ins Angriffsspiel brachte nichts Zählbares mehr, so
dass der FCC zum wiederholten Male in dieser Saison nach einem Heimspiel mit
leeren Händen dastand.
Nach dem guten Anfang fehlte heute in der Phase, in der der
FCC das Spiel hätte noch kippen können, jener letzte Kick, jener letzte Wille
zum bedingungslosen Fighten. Und wenn wir nicht schon im Dezember mit den
Planungen für die dritte Liga 2008/09 beginnen wollen, müssen nach den vielen
vergebenen möglichen Punkten in den nächsten Wochen endlich mal ein paar
unmögliche Punkte her. <uk>
SC Paderborn - FC Carl Zeiss Jena 2:2
Tore: 0:1 Torghelle (8.), 1:1 Koen (12.), 1:2 Werner (14.), 2:2 Sinkala (33.)
- Paderborn: Bade; Fall, Döring, Kläsener, de Graef, Gouiffe à Goufan, Sinkala (68. Männer),
Koen (68. Halfar), Krupnikovic, Löbe, Schüßler (56. Siradze)
- Jena: Kraus; Günther (66. Tapalovic), A. Maul, Omodiagbe, Stegmayer, Kühne, Charalambidis,
Werner, Simak (86. Ziegner), Torghelle (75. Hansen), Helbig
- Zuschauer: 6.079
- Schiedsrichter: Dr. Brych (München)
- Spielbericht:
- Nach der Spielpause war man allseits besonders gespannt, ob der FCC endlich den Bogen in die Erfolgsspur
findet, zumal es gegen einen Mitabstiegskonkurrenten ging. Die "Baustelle" Tor war mit dem dritten Keeper
Daniel Kraus besetzt worden. Neu war auch die Zusammensetzung des Angriffsduos, diesmal stand Helbig neben
Torghelle. Dafür rückte Tobias Werner auf die linke Außenbahn des Mittelfelds.
Und der FCC begann wirklich mit viel Elan, bereits in der 1. Spielminute verfehlte Charalambides
das 07er Tor nur knapp. Der Sekundenzeiger hatte gerade einmal zwei weitere Runden gedreht, da schoss
Helbig aus 25 m Entfernung knapp über die Torlatte. Im Gegenzug durfte Kraus Löbes Schuss aus
nächster Nähe abwehren. Dann war wieder der FCC im Vorwärtsgang: Einwurf Günthers
auf Charalambides, der legt zurück und in der Mitte köpfte Torghelle Günthers Bilderbuchflanke
zum 1:0 ein! Leider verschenkte man den Vorteil bald wieder, als Günther und Charalambides interessiert
einem Ball nachschauten, der sich zwischen ihnen zu Koen - dem stärksten Paderborner in der ersten
Halbzeit - durchdrängelte und der ließ sich die Chance nicht entgehen und knallte den Ball
ins lange Eck - 1:1. Die rund 500 mitgereisten Fans hatten aber keine Zeit, über diesen Rückschlag
richtig zu jammern. In der 14. Minute gab es auf der rechten Seite Freistoß für den FCC. Simak
und Werner standen bereit, letzterer trat die Spielkugel mit links hoch in den Strafraum, Maul ging zum
Ball, stieg jedoch drüber und so landete dieser im langen Eck - 2:1, der FCC hatte nach dem Ausgleich
sofort wieder zurückgeschlagen! Also alles bestens? Denkste, umgehend grub man sich in der eigenen
Hälfte ein und ließ die Gastgeber ihr Spiel aufziehen. Die optische Überlegenheit
Paderborns brachte jedoch nichts Zählbares, da entweder der finale Pass in der weißen Abwehr
steckenblieb oder man bei den Fernschüssen aufs Dach der Endtribüne zielte. Herzinfarktfördernd
war die 28. min, als eine lange Flanke am auf Sinkalas Kopf landete, dem Ball jedoch sprichwörtlich die
Luft ausging und er auf dem Strich zwischen Gut und Böse von Kraus festgehalten werden konnte. Fünf
Minuten später war es jedoch soweit, als es pingpongartig zwischen Jenaer Abwehr und Paderborner
Angreifern hin und her ging und Sinkala dem Treiben mit einem satten Schuss ins untere Toreck ein Ende
bereitete - wieder Ausgleich! Zum Heulen!!! Und wie jetzt weiter? Jedenfalls vergaßen die Abwehrrecken
des FCC bei einem Freistoß kurz nach dem Ausgleich, dass Schüßler ein blau-schwarzes Trikot
trug und so marschierte er mutterseelenallein zur Grundlinie, jagte seine Flanke zum Glück weit
Richtung Seitenlinie. Unmittelbar köpfte Maul zum Gegner und wieder war es Schüßler, der
auf der linken Seite davon profitierte, aber auch diesmal keinen Mitspieler fand. Die letzten Minuten vor
der Pause riss sich der FCC aber noch einmal zusammen und machte seinerseits Druck. Wer weiß, wie
die Partie ausgegangen wäre, hätte Jena auch nur eine der drei folgenden Konterchancen in den
Spielminuten 39 bis 44 genutzt hätte. Zunächst sahen sich drei Weiße kurz nach der
Mittellinie nur einem Abwehrspieler gegenüber, Werners Pass landete leider genau in dessen Füßen
anstatt bei den beiden mitlaufenden Teamkollegen. Dann sprintete wiederum Werner los, schoss aber von
links am Tor vorbei und ließ Helbig und Torghelle vergeblich in der Mitte warten. Und letztendlich
rannte sich Helbig bei seinem halbherzigen Dribbelversuch fest, nachdem er von Simak wunderbar
freigespielt worden war.
Zwischendurch erwischte ein abgefälschter Schuss Werners Alexander Bade beinahe auf dem falschen
Fuß, er schaffte es jedoch noch, gleichzeitig mit dem Ball in der unteren Torecke einzutreffen.
Mit 2 Sekunden Nachspielzeit beendete Schiedsrichter Dr. Brych diese sehenswerte Halbzeit.
Es war eigentlich klar, dass es nach der Pause nicht so weitergehen konnte. Die zweite Halbzeit war
dann auch etwas dezenter und es passierte deutlich weniger, was den Puls nach oben trieb. Zwei
Freistöße rund 25 m vorm Tor bis zur 50. Spielminute wurden mehr oder weniger
kläglich vergeigt. In der 52. min wurde zunächst Charalambides' Schuss abgeblockt
und ein Paderborner lenkte kurz vor der Torlinie Werners Nachschuss zur Ecke. Nach einer
Stunde tauchte Paderborn das erste Mal nach der Pause ernsthaft vor Kraus' Kasten auf und
Löbe setzte einen Kopfball auf der richtigen Seite neben den Pfosten ins Aus.
Anschließend gönnten sich beide Mannschaften eine ruhigere Phase zwischen den
Strafräumen. Erst in der 78. min gab es eine Strafraumszene, als die Paderborner
Nummer 24 mit dem klangvollen Namen Gouiffe á Goufan eine Simak-Flanke im letzten Moment
vor dem heranstürmenden Hansen zur Ecke entschärfte. Die anschließende Ecke
(wieder von Simak) wurde am kurzen Pfosten verlängert und fand weiter hinten Kühnes Kopf,
der maßgenau und kraftvoll köpfte und die Arme der Jenaer Fans in die Höhe jagte.
Da sich jedoch der Ball um wenige Millimeter verirrte und vom Aluminium des 07er Tores wieder
zurücksprang, landeten die Hände schließlich am Kopf zum Haareraufen. Paderborn
verließen nun sichtbar die Kräfte und Jena übernahm in der verbleibenden Zeit
die Initiative. Mit etwas Übersicht hätte der FCC noch einen Sieg holen können,
aber Werner entschied sich in der 83. für einen Schlenzer aufs lange Toreck und gegen den
in der linken Strafraumhälfte einsam und allein wartenden Helbig. Auch eine Minute später
nahm Werner den Kopf nicht hoch, sondern rannte sich nach Helbigs Zuspiel an ein paar schwarz-blauen
fest. Auf der Gegenseite testete Maul noch fix die Nerven von Mitspielern und Fans, als er eine an
sich harmlose Flanke fast ins eigene Tor stolperte, bevor dann Dr. Brych nach gigantischen 12 Sekunden
Nachspielzeit abpfiff.
Wie soll man nun das Unentschieden bewerten? Positiv (ein Auswärtspunkt) oder negativ (nicht
einmal beim Schlusslicht gewonnen)? Sicherlich irgendwo dazwischen: Es war mehr möglich, aber
andererseits können wir den schlechten Saisonstart nicht im Handumdrehen vergessen machen,
sondern müssen wie die Eichhörnchen mühsam Nuss für Nuss (bzw. Punkt für Punkt)
einsammeln, um im Dezember einen Vorrat zu haben, der für die Rückrunde reelle Chancen auf den
Klassenerhalt bietet.<uk>
FC Carl Zeiss Jena - TSV 1860 München 0:2
Tore: 0:1 Bierofka (47.), 0:2 Göktan (90.)
- Jena: Person; Stegmayer, Omodiagbe, Maul, Günther; Hansen
(62. Helbig), Kühne, Simak, Charalambides (76. Ziegner); Werner,
Torghelle
- München: Hofmann; Hoffmann, Berhalter, Ghvinianidze (85.
Szukala), Thorandt; L. Bender (67. Gebhart), Schwarz, Bierofka, Johnson
(67. S. Bender); Göktan, di Salvo
- Zuschauer: 11.314
- Schiedsrichter: Wingenbach (Diez)
- Spielbericht:
-
Wer ihn damals hörte, wird sich jetzt noch an ihn erinnern:
Den Kommentar von DSF-Reporter Martin Quast zum Spiel Jena – 1860 im Februar
2007. Da war zunächst die Schilderung des 1:0 nach sechs Minuten: „Eckball kurz
aufgeführt, Hoffmann klärt, da ist nur Tapalovic – (Stimme plötzlich erhebend)
NUR TAPALOVIC ! Boah, was’n Gerät ! Tor des Monats, hundert Prozent.
Volltreffer – so schön kann Zweitligafußball sein.“ Filip Tapalovic hatte den
FCC mit einem Volleyknaller aus 25 Metern in Führung geschossen und auch wenn
Herr Quast mit der Tor-des-Monats-Prognose nicht
recht behalten sollte, geriet er auch noch wegen der
darauffolgenden Spielminuten aus dem Häuschen. „Ich raffs nicht, ich fass es
nicht – ja, wo bin ich denn hier?“, rief er nach 10 Minuten, als gerade das 3:0
gefallen war, „jetzt tanzen sie im Thüringer Wald Samba mit den Wildschweinen
und allem Drum und Dran. Unfassbar, was hier im Ernst-Abbe-Sportfeld in den
ersten Minuten passiert“.
Obwohl noch nicht lange her, ist diese Anfangsphase bereits legendär.
Und die ver-quast-ete Schilderung gleich mit.
Doch das ist Vergangenheit und mit einer Wiederholung jenes
Ablaufs war von vornherein nicht zu rechnen. Wobei sich die Frage stellt,
welchen Verlauf solch ein Spiel nimmt, wenn der straffe Schuss von Kühne nach
drei Minuten im Netz landet. Münchens Keeper Hofmann rührte da keinen Finger,
leider flog das Leder knapp an seinem Kasten vorbei. Die erste Halbzeit konnte sich durchaus
sehen lassen auf Jenaer Seite. Mit Forechecking versuchte man in Ballbesitz zu
gelangen. Die Flügelzangen Stegmayer-Hansen und Günther-Charalambides zeigten
sich in der Abstimmung weiter verbessert. Und zentral überzeugte Simak wieder
mit klugen Pässen. Nur im Abschluss erwiesen sich Charalambides (23.) und
Hansen (26.) als nicht treffsicher genug. Die vielleicht beste Gelegenheit vor
der Pause vergab Tobias Werner bei einem energischen Konter, als er es nicht
fertig brachte, dem freigelaufenen Simak den Ball „durch zu stecken“, vielmehr
an einem Verteidiger hängen blieb. Auch beim Durcheinander im gegnerischen
Strafraum fanden die Jenaer keine Lücke, Mauls Heber wurde schließlich zur
leichten Beute Hofmanns. Und die Münchner ? Waren zu Beginn um Abgeklärtheit
bemüht und ließen dabei erstaunlich große Lücken im Mittelfeld. Abgesehen von
Hoffmanns Flachschuss (25.) drohte Jenas Abwehr zunächst keine Gefahr. Dies
änderte sich kurz vor der Pause. Da sah sich Stegmayer auf seiner Seite mit dem
ballführenden Bender sowie Johnsson gleich zwei Gegenspielern gegenüber. Nicht
wissend, wen er attackieren sollte, griff er im Grunde niemanden richtig an.
Bender konnte unbedrängt zum Schuss ansetzen, zielte aber ein wenig zu hoch.
Kurz darauf zeigten die Sechziger eine ihrer einstudierten Freistoßvarianten –
diesmal war es Göktan, der nur knapp verfehlte.
Verglichen mit diesen Hochkarätern strahlte der Torschuss in
Minute 47 eigentlich geringes Gefahrenpotential aus. Es hatte den Anschein, als
hätte ihn Person zunächst fausten wollen, vielleicht erschien er ihm dafür mit
einem Mal nicht scharf genug – jedenfalls versuchte er plötzlich, den Ball zu fangen
und dieses Umgreifen ging gründlich daneben. Plötzlich lag der Ball im Netz. Ohje, Jena und seine Torhüter ! Ob sie
nun Jensen oder Person heißen, bislang haben sie uns in dieser Saison mehr
Punkte gekostet als gerettet. Doch eine
Mannschaft gewinnt und verliert zusammen und noch war fast eine Halbzeit lang
Zeit, wenigstens ein Remis zu schaffen. Werner und Hansen hätten es
erzielen können, Sandor Torghelle nach mustergültiger Kopfballvorlage
von Omodiagbe sogar müssen, schoss jedoch nur den herauslaufenden Hofmann an. Bei allen erkennbaren Bemühungen – die
Vorherrschaft im Mittelfeld ging verloren, weil bei Simak und Charalambides die
Kräfte schwanden. Die Gäste konnten nun ungestört den Ball laufen lassen. Zwar war
die Münchner Überlegenheit nicht so groß, wie es ein Eckenverhältnis von 9:1
nach einer Stunde vorgaukelt. Doch macht es deutlich, dass 1860 die technisch
feinere Klinge schlug, sich nicht so oft damit helfen musste, den Ball ins
Toraus zu befördern. Ihr Tagesbester Daniel Bierofka wirkt vom technischen
Vermögen her schon fast überqualifiziert für diese Liga.
Valdas Ivanauskas holte seine beiden einzigen
Offensivwechsler von der Bank. Ohne Erfolg. Doch eine letzte Geheimwaffe besaß
er noch: Darlington Omodiagbe als Stürmer ! Dass er vorn den einen oder anderen
Kopfball holt, war uns ja bereits bekannt. Doch wenn ‚Omo’ dazu noch kluge Offensivpässe
spielt, sollte er solche Ausflüge ruhig häufiger machen dürfen. Perfekt sein
Zuspiel auf Günther in der letzten regulären Spielminute, dessen Flanke kam
auch vors Tor, wo Helbig sie aber nicht richtig erwischte. Und wie das so ist
im Fußball – setzt eine Mannschaft alles auf eine Karte und verpasst knapp den
Ausgleich, geht sie im Gegenzug nur allzu oft k.o. Dass Ziegner als letzter
Mann wegrutschte, Göktan frei vor Person zunächst nur den Pfosten traf und dann
noch eine Gelegenheit zum Nachschuss bekam, rundete das Bild ab.
Zweitligafußball in Jena kann nicht nur schön, sondern auch deprimierend sein. <fc>
Fotos auf weissenburger.de
SpVgg Greuther Fürth - FC Carl Zeiss Jena 2:2
Tore: 1:0 Reisinger (28.), 1:1 Charalambides (34.), 1:2 Torghelle (49.), 2:2 Lanig (63.)
- Fürth: Kirchstein; Achenbach, Mauersberger, Karaslavov, Schröck (72. Adlung); Judt, Haas, Burkhardt (80. Maierhofer), Lanig; Nehrig, Reisinger
- Jena: Person; Stegmayer, Omodiagbe (32. Oniani), Maul, Günther;
Kühne, Hansen (72. Kandelaki), Simak, Charalambides (64. Tapalovic);
Werner, Torghelle
- Zuschauer: 8.900
- Schiedsrichter: Zwayer (Berlin)
- Spielbericht:
- Freuen oder ärgern? So richtig wusste nach Abpfiff kaum einer im
blau-gelb-weißen
Lager, wie mit diesem Remis in Fürth umzugehen wäre. Spielerisch war an diesem
Nachmittag wohl so leicht wie noch nie am Ronhof
ein Dreier zu holen, andererseits grenzt es
an ein Wunder, angesichts der Leistung des Unparteiischen überhaupt noch einen
Punkt verteidigt gehabt zu haben, den sich ein aufopferungsvoll kämpfendes Team
redlich verdiente.
„Never
change a winning team“ hieß die Devise und so schickte Valdas Ivanauskas die
siegreiche Offenbach-Elf auf den Rasen. Der Club begann furios und die über
1.500 mitgereisten FCC-Fans hatten schon nach 34 Sekunden den Torschrei auf den
Lippen, als Torghelle Fürths Karaslavov den Ball abnimmt, sofort auf Werner
passt, der völlig frei vor dem gegnerischen Tor eine Sekunde zuviel Zeit zum
Überlegen hat und den Ball an Keeper Kirchstein vorbei ins Toraus schiebt. Was
für eine Möglichkeit! 10 Minuten später durften sich die Gastgeber die Haare
raufen, als Burkhardt einen zunächst abgewehrten Eckball flach an den
Innenpfosten setzt. 5 Minuten später, andere Seite, Hansen bedient
Charalambides, der freie Schussbahn hat, aber nicht genug Druck hinter den Ball
bekommt, so dass Ex-Bundesligakeeper Kirchstein das Leder noch um Haaresbreite
um den Pfosten lenken kann. Es war ein tolles, offenes Spiel beider Teams in
den ersten Minuten und Fürth schien beeindruckt zu sein von Jenas
Offensivdrang, richtete sein Spiel fast ausschließlich auf das Provozieren von
Standardsituationen aus und lange weite Bälle auf den emsigen Reisinger. Dass
jenem nach 28 gespielten Minuten die Führung gelang, hatte er aber zwei
Jenensern zu verdanken. Stefan Kühne bringt mit viel zu kurzem Rückpass seinen
Keeper in Bedrängnis und warum Christian Person den Ball nicht nach links oder
rechts klärt, sondern ausgerechnet an die ausgestreckte Hand des heranstürmenen
Reisingers, bleibt sein Geheimnis. Der Ball trudelt ins leere Tor, 1:0. Ein
Schock zweifellos dieser Treffer in Unterzahl, denn Omodiagbe musste sich am
Spielfeldrand nach einem nicht geahndeten Foul behandeln lassen und kurz darauf
gegen Oniani ausgewechselt werden, aber anders als noch vor Wochenfrist in
Frankfurt reagierte der FCC unbeeindruckt und kommt nur sechs Minuten später
zum verdienten Ausgleich. Stegmayer täuscht eine Flanke an, passt aber flach
auf Simak, der düpiert mit Körpertäuschung gleich zwei Fürther und findet
Charalambides, dessen Ball auch für den 1,96-Riesen Kirchstein zu platziert ist
und ins lange Eck kullert.
Kurz vor der Pause zappelt der Ball erneut im Netz,
nachdem Kühne einen Eckball einnickt, doch die Anerkennung bleibt verwehrt, ein
Stürmerfoul will Referee Zwayer zuvor gesehen haben. So geht es mit einem
leistungsgerechten Remis in die Pause und Jenas Fans durften vor allem mit dem
mannschaftlich geschlossenen Auftreten zufrieden sein, lediglich die einfach
nicht abzustellenden teils haarsträubenden individuellen Fehler bereiteten
graue Haare.
Von denen dürfte Fürths Coach Bruno Labbadia kurz nach
Wiederanpfiff auch einige mehr bekommen haben, denn wie schon in der ersten
Halbzeit bereitete sein Innenverteidiger Karaslavov eine Großchance für den FCC
vor, nur dass Torghelle die Einladung nach katastrophalem Rückpass diesmal
nicht ausschlug und durch die Beine Kirchsteins zur Jenaer Führung vollendete,
unmittelbar vor dem proppevollem Gästeblock für Partystimmung sorgte.
Siegeszuversicht machte sich breit, doch wie man ein Team gänzlich zermürben
kann, stellte Schiedsrichter Zwayer eindrucksvoll unter Beweis. Die Folge einer
völlig einseitigen Regelauslegung waren unter anderem sage und schreibe acht
gelbe Karten für Jenas Kicker, die sich in der Folge mehr und mehr zurückzogen
und Zweikämpfe scheuten, deren Ausgang schon vorher festzustehen schien. Und so
wäre etwas mehr Nähe zum Gegenmann durchaus empfehlenswert gewesen, als der für
den gesperrten Fürther Kapitän Felgenhauer ins Team gerückte Stephan Schröck im
Doppelpass mit Nehrig Stegmayer düpierte und unbedrängt in den 5m-Raum flanken
durfte, wo Lanig den Ball artistisch über die Linie drückte. Eine knappe halbe
Stunde war da noch zu spielen und diese wurde bestimmt durch eine Flut von
Freistößen. Jan Simak setzte seinen knapp neben den Pfosten (66.), auf Fürther
Seite vergab Mauersberger die größte Gelegenheit, als er eine Freistoßflanke
per Fuß abnahm und das Leder knapp neben das Tor setzte, den Außenpfosten
streifend. Der für Charalambides eingewechselte Tapalovic hatte vier Minuten
vor dem Ende auf Zuckerpass Simaks die letzte Möglichkeit für den FCC, ließ
aber Torghelles Kaltschnäuzigkeit vermissen und gab die Verantwortung lieber
per verunglücktem Querpass weiter. So musste gar um den einen Punkt bis in die
93. Minute gezittert werden, als eine faire Aktion von Oniani an der
Strafraumgrenze wieder einmal mit Freistoß für die Kleeblätter geahndet wurde
und Stefan Kühne die Flanke artistisch vor dem einköpfbereiten Mauersberger
entschärft.
So ein klein wenig hatte der
Fußballgott sein Herz also für Thüringens Traditionsverein wiederentdeckt und
auch Jenas Spieler durften sich – anders als vor 7 Tagen – Streicheleinheiten
der eigenen Fans gefallen lassen, zu denen sich auch Neu-Clubberer und
Herzens-Jenenser Ralf Schmidt gesellte. Nach drei schlimmen Auftritten am
Ronhof holte der FC Carl Zeiss also zum ersten Male Zählbares, doch irgendwie war
mehr drin. <gunner>
FC Carl Zeiss Jena - Kickers Offenbach 2:0
Tore: 1:0 Simak (43.), 2:0 Werner (75.)
- Jena: Person; Stegmayer, Omodiage, Maul, Günther (75.Oniani);
Hansen (70.Tapalovic), Kühne, Simak, Charalambides (61.Holzner); Werner,
Torghelle
- Offenbach: Thier, Pinske (60.Sidney), Müller, Hysky, Bungert, Cimen, Sieger
(46.Ogungbure

,89.),
Judt (70.Epstein), Moktari, Türker
- Zuschauer: 5867
- Schiedsrichter: Bandurski (Essen)
- Spielbericht:
- Ein mulmiges Gefühl machte sich in meiner Magengegend breit, als ich vor der heutigen Partie gegen die Kickers aus
Offenbach das Stadion betrat. Nach fünf Niederlagen in Folge und zuletzt einer katastrophalen Leistung in Frankfurt gegen
Wehen schwante mir auch heute nichts Gutes. Die spielerisch guten Leistungen der ersten Saisonpartien waren vorbei und wer
das Match in Frankfurt live miterleben musste, konnte mein Gefühl durchaus verstehen. Zu viel lief in der Hessenmetropole
bei den Jenaern schief, als dass man ausgerechnet heute gegen die zuletzt starken Hessen vermuten konnte, dass es anders werden würde.
Aber beim Blick auf die Aufstellung der Partie wich mein mulmiges Gefühl blanker Zuversicht, denn Neu-Couch Ivanauskas bewies Mut und
krempelte sein Team gegenüber der letzten Partie auf sechs Positionen um und brachte "Typen" wie Günther, Hansen, Maul und Kühne,
welche gegen Wehen so schmerzlich vermisst wurden.
Der FCC begann auch von Beginn an couragiert und drückte die Offenbacher in deren Hälfte, woraus auch nach zwei Minuten die
erste Minichance resultierte. Nach gut einer Viertelstunde bot sich dann den Gästen auch ihre erste Möglichkeit, doch Siegers
Schuss ging über den Kasten. Den Spielern des FCC merkte man am heutigen Tage zu jeder Sekunde an, dass sie den unbedingten
Willen hatten, sich nicht so "abschlachten" zu lassen bzw. gewinnen zu wollen. Nach einer halbe Stunde waren einige der
Zuschauer schon froh, dass die Jenaer bis dahin kein Tor kassiert hatten. Doch kurz vor der Halbzeitpause sollte es noch
besser kommen, als Simak einen Freistoß aus 30m auf das Tor zirkelte und der Ball auf einmal im Tor zappelte. Grenzenloser
Jubel auf den Rängen, doch die meisten wollten es trotzdem kaum glauben, da sie dieses unglaubliche Glückgefühl gar nicht
mehr kannten.
Fünf Minuten nach Wiederanpfiff die erste Schrecksekunde für die Jenaer, als Dino Toppmöller völlig freistehend aus
gut sechs Metern den Ball zum Glück über das Tor donnerte. Der bis dahin relativ souveräne Schiedsrichter Bandurski
fing nun an, seine Linie zu verlieren, und sorgte mit einigen Fehlentscheidungen für Unruhe auf dem Platz und den
Zuschauerrängen, was in der Gelb-Roten Karte für Ogungbure gipfelte. Die Partie wurde dadurch nun zunehmend hektischer
und es war ein Tanz auf Messers Schneide. Die Offenbacher machten nun hinten ein wenig auf und drückten auf den Ausgleich,
doch der Abwehrriegel des FCC stand. Das Hoffen und Bangen ging weiter und eine Viertelstunde war noch zu spielen, da kam
ein langer Ball in des Gegners Strafraum. Gästekeeper Thier und ein Offenbacher Verteidiger waren sich in dieser Szene
nicht einig genug, wer diesen Ball retten sollte. Nutznießer dieser Aktion war Werner, der sich einfach das Leder schnappte,
Thier umkurvte und zum 2:0 vollendete. Vier Minuten vor Ultimo hätte Werner noch zum absoluten Held des Spiels werden
könnten, doch nach einem erneuten Fehler des Offenbacher Schlußmannes schloss Werner aus spitzen Winkel ein wenig zu
ungenau ab, so dass der Ball Zentimeter vor der Torlinie entlang rollte und doch nicht den Weg ins Tor fand. Kurz darauf
war die Partie zu Ende und der erste lang ersehnte Dreier unter Dach und Fach.
Die wenigsten Zuschauer hätten nach dem Katastrophenspiel vor gerade einmal drei Tagen erwartet, dass sich die Mannschaft
so aufraffen könnte, um die starken Hessen heute gar besiegen zu können. "Der FCC, der FCC, der FCC ist wieder da…"
skandierten die Fans von den Rängen und die Freude war natürlich umso größer, weil mit einem derartigen Wandel in
so kurzer Zeit wohl kaum einer gerechnet hatte. Aber letztendlich waren es trotzdem "nur" drei Punkte und wie
Ivanauskas sagte:" Der Tunnel ist noch sehr lang, bis wir das Licht am Ende sehen". <vg>
SV Wehen Wiesbaden -FC Carl Zeiss Jena 5:1
Tore: 1:0 Diakite (9.), 2:0 Diakite (11.), 3:0 Siegert (20.), 4:0
Nicu (41.), 5:0 Nicu (73.), 5:1 Simak (82., FE)
- Wehen: Richter; Kokot, Jeknic, Kopilas, Nakas; Catic (62.
Amstätter), Nicu (78. Cailas), Siegert, Schwarz; König,
Diakite (85. Lombe)
- Jena: Jensen; Kandelaki, Omodiagbe, Müller (46. Oniani),
Holzner; Stegmayer, Lorenzon, Ziegner (46. Werner), Simak, Charalambides;
Torghelle
- Zuschauer: 5626
- Schiedsrichter: Seemann (Essen)
- Spielbericht:
- (von Gastkommentator Jens Klebe)
Nach einem völlig verkorksten Saisonstart mit nur einem
Punkt auf der Habenseite griffen in der vergangenen Woche auch in Jena die so
genannten ungeschriebenen Gesetze des Geschäfts. Klassenerhalts-Held Neubarth
räumte sein Trainerzimmer welches kurz darauf mit Valdas Iwanauskas einen neuen
Nutzer fand. Um zu sehen, was dieser Wechsel bewirken könne, hatten sich
immerhin gut 1.500 Zeissfans auf den Weg nach Frankfurt gemacht. Würde im
Frankfurter Waldstadion gegen den SV Wehen endlich der erste Dreier eingefahren?
Da die Leistung au dem Koblenz-Spiel ja nur schwer zu unterbieten sein würde,
bestand Anlass zur Hoffnung.
Aber selbst dieses zarte Pflänzchen verdorrte schnell.
Jena startete zwar ohne Kühne, Hansen und Werner – dafür aber gewohnt schlafmützig.
Bereits nach 11 Minuten hatte Diakite mit einem Doppelschlag
klare Verhältnisse geschaffen. Zunächst bekam die FCC-Abwehr in Person Ziegners
nach einer Wehener Flanke den Ball nicht aus der Gefahrenzone, aus 20 Metern
zog ein Wehener ab und als Diakite den Ball abfälschte schlug er unhaltbar
neben Jensen ein. Ganz einfach dann Tor Nummer 2: Flanke von links, Diakite
frei im Sechzehner, draufgehalten und drin!
ass=MsoNormal>Nach 15 Minuten versuchte sich dann auch Simak erstmals für
den FCC an einem Torschuss, setzte diesen aber drüber.
Nach 20 Minuten vertändelte Charalambidis den Ball
leichtfertig in der Vorärtsbewegung, es folgt ein Konter über rechts, Schwarz
bediente Siegert und der zog vom Strafraumeck in die lange Ecke ab – 3:0!
Die Jenaer glichen nun einem Häuflein Elend und so spielten
sie auch weiter. Kaum waren weitere 10 Minuten vergangen, als Omo und Holzner
den ballführenden Nicu auf seinem Weg zum Tor brav begleiteten, ohne ihn
entscheidend zu stören. Nicu hob den Ball über Jensen und dieser schlug zum 4:0
ein. (40.)
Jenas Anhang hatte jetzt „die Schnauze voll“. So sang es
jedenfalls ein Großteil der Mitgereisten und verabschiedete sich mit dem
Pausenpfiff aus dem Stadioninneren.
Ansonsten waren in der Zwischenzeit die blaugelbweißen
Anfeuerungsrufe durch weitere zornige Schmährufe ersetzt worden.
Halbzeit 2 begann mit Werner und Oniani für Ziegner und
Müller. Werner war auch der Einzige in der Gästeelf der sich nachhaltig
versuchte, in Szene zu setzen.
Da Wehen jetzt nicht mehr tat, als für die Verwaltung des Resultats
nötig war, konnte der FCC zumindest zeitweilig fast optische Ausgeglichenheit
erreichen. In einer Phase, als Jena auch der eine oder andere gute Angriff
gelang (meist über Werner und Simak), dann die kalte Dusche. Mit einem
Freistoß-Trick aus der Schüler-Trickkiste wurde erneut Nicu freigespielt und
mit etwas Glück schlug sein Schuss zum 5:0 ein (73.).
Der FCC war demontiert. Daran änderte auch Simaks
Elfmetertreffer nichts mehr, den er nach einem Halten an Torghelle sicher
markierte.
Insgesamt bot der FCC eine erschreckend desolate Leistung
und es dürfte einem Wunder gleichkommen, wenn Iwanauskas aus diesem
verunsicherten Haufen binnen Kürze ein siegfähiges Team formen könnte. Ansätze
–mehr aber auch nicht- konnte man in der zweiten Hälfte zumindest bei Einigen
wenigstens erkennen. Dennoch, eigentlich ist jedes Wort über das heutige Spiel
eigentlich eines zu viel. Außer vielleicht diesem: beschämend!
So traurig und erschreckend das klingt: der FCC holte sich
eine verdiente Niederlage ab und kann schon am 7. Spieltag mit der Devise „Wir
haben ja nichts mehr zu verlieren!“ antreten.
Ca. 400 Jenaer Fans, die ohnehin die 2. Halbzeit außerhalb
des Stadions zugebracht hatten, blockierten anschließend friedlich die Ausfahrt
des FCC-Mannschaftsbusses und machten ihren Unmut deutlich. Adressaten waren
neben dem Team auch der Sportliche Leiter Lutz Lindemann und Präsident Zipfel.
Nach Gesprächen mit den Spielern Maul, Werner, Hansen,
Co-Trainer Holetschek und einer kurzen (aber eher schwachen) Ansprache des Kapitäns
Ziegner löste sich der Protest friedlich auf.
FC Carl Zeiss Jena - TuS Koblenz 1:2
Tore: 0:1 Daham (29.), 1:1 Omodiagbe (39.), 1:2 Daham (43.)
- Jena: Jensen; Kühne (46. Ziegner), Omodiage, Maul, Holzner;
Hansen (64. Fardjad-Azad), Müller, Simak, Stegmayer; Werner,
Torghelle (36. Petersen)
- Koblenz: Eilhoff; Lomic, Bajic, Mavric, Forkel; Djokaj (63.
Langen), Dzaka, Hartmann, Sukalo; Cha (82. Bogavac), Daham (90. Richter)
- Zuschauer: 8251
- Schiedsrichter: Schriever (Dorum)
- Spielbericht:
- Konnte man sich nach der
Heimniederlage gegen Mainz noch damit trösten, gegen einen klar besseren
Gegner, der noch dazu aus der 1. Bundesliga gekommen war, verloren zu haben, so
fehlte diese Trostmöglichkeit nach dem Abpfiff gegen Koblenz völlig.
Dabei sah es anfangs recht gut aus,
wenn man von den ungewohnten Trikots absah, die an übergezogene gelbe Trainingsleibchen
erinnerten. Von der ersten Minute an spielte der FCC nach vorn und drückte die
Gäste an ihren Strafraum. Und so ergaben sich auch schnell einige Chancen, z.B.
als Werner in der 3. Spielminute nach links auf Stegmayer spielte, der flankte
in die Mitte, wo Hansen allerdings zu hoch schoss. Drei Minuten später das
gleiche Strickmuster Mitte – links – Strafraum – drüber, diesmal waren Simak,
Werner und Torghelle die Beteiligten.
Dann hatte Schiedsrichter Schriever
seinen großen – oder besser: peinlichen – Auftritt: Hansen führte einen Einwurf
blitzschnell aus und der Koblenzer Torwart fischte den Ball genauso
blitzschnell vor Torghelle weg, stand dabei allerdings zwei, drei Meter vorm
Strafraum. Anstatt Eilhoff regelgerecht "Rot" zu zeigen, ließ
Schriever den Einwurf wiederholen. Warum? Das bliebt sein ewiges Geheimnis. Und
so ging es mit 0:0 im bisherigen Szenario weiter. Es fehlte jedoch bei allen
Zuspielen die letzte Abstimmung und Präzision, so auch, als Torghelle in
Mittelstürmerposition ein Zuspiel Simaks nur um Fußbreite verpasste (22.). Irgendwann
ließ der Jenaer Druck nach und die Koblenzer erkundeten die gegnerische Hälfte.
Tatkräftige Aufbauhilfe bekamen sie dabei von Stegmayer (26.) und Omodiagbe
(28.), die jeweils aus eigentlich schon geklärten Situationen unnötigerweise
Eckbälle für Koblenz fabrizierten. Und so kam es zum schon fast üblichen Ritual
im EAS: Die Gäste erhielten mit ihrem ersten vernünftigen Spielzug den
Führungstreffer geschenkt. Hansen rutschte auf der rechten Abwehrseite im an
sich harmlosen Zweikampf aus, Forkel flankte ungestört, Maul tauchte mit dem
Sprungvermögen eines Kanonenofens unterm Ball durch und Daham köpfte das
Geschenk ein – 0:1! The same
procedure as every week! Danach trug die
allgemeine Verunsicherung zehn gelb-blaue Trikots und wir hatten Glück, dass es
nicht gleich noch einen Gegentreffer gab. Doch Jensen tauchte in die untere
Ecke und verwehrte dem Kopfballaufsetzer Sukalos den Weg ins Netz. Neubarth
reagierte auf diesen Rückschlag und wechselte den bis dahin vielleicht etwas
glücklosen, aber insgesamt nicht besser oder schlechter als seine Mitspieler
agierenden Torghelle aus und brachte statt dessen Petersen. Für mich war diese
Auswechslung die entscheidende Szene für die weiteren lauen Angriffsversuche
und die logisch folgende Niederlage. In der 39. Minute hatte der Fußballgott
dann aber ein Einsehen mit den geplagten Zeiss-Fans und ließ Eilhoff eine Ecke
fehlerhaft wegfausten, Werner flankte den Abpraller in die Mitte und Jenas
Torgarantie Omodiagbe machte per Kopfball den Ausgleich. Jaaa, jetzt aber…
denkste! Der nächste Koblenzer Angriff bestand aus einem einfachen langen
Flankenball von der Mittelinie an die Strafraumgrenze. Dabei war der Ball so
lange in der Luft, dass sich Omo und Stegmayer rechts und links in
ausreichendem Abstand von Dahame aufstellen konnten, um diesem beim
Direktschuss ins lange Eck bewundernd zuzusehen. Mit den Händen aufgebaut
(Ausgleich) und sofort mit dem Hintern wieder eingerissen (1:2) – derzeit
typisch für den FCC!
Aussage eines Zuschauers in der
Halbzeitpause: "So mies wie diesmal war die Stimmung in der Halbzeitpause auf
der Toilette ewig nicht mehr." Es sollte nach der Pause nichts
Stimmungsförderndes mehr passieren. Zwar kam Ziegner für Kühne ins Team, aber
auch der passte sich der allgemeinen Leistung an. Es waren lediglich noch
vereinzelte Standards, die Eilhoff etwas Ablenkung brachten: Petersen köpfte
nach Ziegner-Freistoß übers Tor (50.) und Stegmayer donnerte einen 25-m-Knaller
direkt aufs Trikot des Gästekeepers. Jensen zeigte in der 62. min seinen
„running gag“ und ließ auch diesmal einen Ball nach vorn prallen, allerdings
folgenlos. Bezeichnend fürs Jenaer Spiel war die Tatsache, dass Holzner als
rechter Außenverteidiger die größten Angriffsbemühungen zeigte, sich immer
wieder für Zuspiele anbot und lange Wege zwischen vorn und hinten ging. Da
ansonsten kaum Bewegung im Jenaer Spiel war, prallten alle Bälle von der roten
Gummiwand ab, die Koblenz am Strafraum errichtet hatte.
Einziger Farbtupfer war Fardjad-Azad, der
nach seiner Einwechslung innerhalb von 5 Minuten dreimal aufs Tor schoß und
mehr Torgefahr erzeugte als alle anderen zusammen. Der Neunzehnjährige mühte
sich redlich und umkurvte einige Male seine Gegenspieler, aber da seine
Mannschaftskameraden nicht annähernd so viel Einsatz zeigten, war er auf
verlorenem Posten. In der letzten Viertelstunde bot Koblenz noch alle
Varianten, wie man beste Konterchancen kläglich vergibt – zum Glück, sonst wäre
es nicht beim 1:2 geblieben.
Diese Niederlage war nicht eine
unglückliche, nach der man zum Tagesgeschäft übergehen könnte. Im Verein muss
man sich auf Grund der Art und Weise, wie sich unsere Mannschaft in diesen 90
Minuten präsentierte, ernsthafte Gedanken machen, wie man eine totale
Pleitesaison verhindern kann. Noch ist die Zeit dafür! <uk>
FC Carl Zeiss Jena - FSV Mainz 05 1:2
Tore: 0:1 Feulner (17.), 1:1 Omodigabe (54.), 1:2 Gunkel (77.)
- Jena: Jensen; Kandelaki, Omodiage, Maul, Holzner; Hansen,
Müller (82. Helbig), Simak, Ziegner (46. Charalambides); Werner,
Torghelle (78. Petersen)
- Mainz: Wetklo; Demirtas, Noveski, Subotiv, Hoogland; Feulner,
Petkovic, Gunkel, Karhan (72. Laurent); Borja (61. Jovanovic), Amri
(89. Vrancic)
- Zuschauer: 11.798
- Schiedsrichter: Willenborg (Osnabrück)
- Spielbericht:
- Mainz 05 – ich muss gestehen, dass ich gewisse Sympathien
für diesen Verein hege. Selbige haben ein ganzes Stück mit Trainer Jürgen Klopp
zutun, aber auch mit dem Erscheinungsbild des FSV insgesamt. Wenn es jedoch gegen
den FC Carl Zeiss geht, gibt es kein Pardon
– dann gehört Mainz in der persönlichen Werteskala nur noch zu „best of the
rest“.
Es konnte mir also nicht gefallen, was sich da in Halbzeit
eins auf dem Rasen abspielte. Vom Anpfiff weg bestimmten die Gäste mit
scheinbarer Leichtigkeit die Szenerie. Zweite Minute, erste Chance – Amri aus
15 Metern knapp drüber. In der 6.
Minute lud Omodiagbe mit Fehlpass Feulner zum Torschuss ein. Der nach Köln
zurecht kritisierte, mit „Tri Tra Trullala“-Artikeln aber nahe der Gürtellinie
getroffene Kasper Jensen zeigte sich in dieser und den folgenden Situationen
wieder auf der Höhe. Den frühen Rückstand vermochte er aber nicht zu
verhindern. Weil bei einem schnellen Mainzer Angriff noch ein Stürmer im
Zentrum mitlief, gingen nicht ausreichend
Jenaer Verteidiger auf den ballführenden Markus Feulner. Dieser ließ Müller als
seinen einzigen Gegenspieler ins Leere grätschen und Jensen keine Chance.
Hallo wach ? – Weit
gefehlt, statt mit Aufbäumen reagierten Jenas Akteure mit Verunsicherung. Dass sich
Omodiagbe bei allen Qualitäten seine zwei, drei Aussetzer pro Spiel leistet,
wissen wir schon. Auch dass sich bei Holzner Licht und Schatten noch zu sehr
abwechseln. Doch selbst ein Alexander Maul ließ sich in dieser Phase von der
allgemeinen Nervosität in der Hintermannschaft anstecken.
Auch nach vorn lief wenig rund, keine Spur von einem konstruktiven Zusammmenspiel. Simaks
30-Meter-Freistoß war der erste Jenaer Torschuss überhaupt. Nach 32 Minuten !
Zu diesem Zeitpunkt hatte Mainz bereits ein halbes Dutzend Male aufs Tor geschossen.
Schon ein kurzer Antritt von Tobias Werner und die hohe Hereingabe, welche
Wetklo locker herunterfischte, ließen kurzzeitig Stimmung aufkommen. Wie
Dürstende auf jeden Tropfen Wasser stürzten sich die Zeiss-Fans auf diese
unaufregende Szene. Kein Wunder angesichts der Tristesse in Hälfte eins.
Omodiagbes Kopfball (42.) war da noch die beste Gelegenheit vor der Pause, vor
Probleme wurde Wetklo aber auch damit nicht gestellt. Dessen Gegenüber Jensen
hatte da ganz andere Kaliber zu meistern. Bei Feulners Kopfball aus Nahdistanz
reagierte der Däne großartig, auch Hooglands Nachschuss lenkte er zur Ecke.
Mainz dominierte. Mit dem 0:1-Rückstand war Jena zur Pause gut bedient.
Gelbe Schuhe zu blau-weißen Stutzen – rein optisch passt der
zypriotische Nationalspieler Constantinos Charalambides schon mal sehr gut nach
Jena. Zumindest in den ersten Minuten nach seiner Einwechslung war der
Neuzugang überall auf dem Platz zu finden, als wolle er im Alleingang dem
Geschehen eine Wende geben. Doch auch seine neuen Mannschaftskameraden
steigerten sich endlich auf jenes Niveau, dass man von Anfang an hätte erwarten
dürfen. Torghelles Einsatz auf der rechten Seite brachte nach 53 Minuten den
ersten Jenaer Eckball. Und der führte zum Ausgleich durch Darlington Omodiagbe.
Per Kopf traf der Nigerianer aus Nahdistanz. Zwischen Genie und Wahnsinn liegt
eben manchmal nur eine Halbzeitpause. Jetzt war Jena am Drücker, auch
akkustisch. Von den recht wenigen Mainzer Anhängern war vorübergehend nichts zu
hören. Bis hinauf zur letzten Reihe der neuen Zusatztribüne feuerten die
Zuschauer ihre Elf an. Jürgen Klopp lobte nach dem Spiel die tolle Atmosphäre
im Jenaer Stadion. Schade nur, dass sich seine Spieler davon nicht beeindrucken
ließen. Die Bundesligaabsteiger nahmen den Kampf an und da sie in der
Spielanlage einen Tick reifer wirkten, gewannen sie dieses Match. Amris
Schrecksekunde (Ball rollte parallel zur Linie des verwaisten Tores) beendete
die beste Jenaer Phase. Gunkels Diagonalfreistoß machte sinnbildlich den Deckel
zu. Dass der vom Schiri als indirekt ausgeschriebene Freistoß direkt verwandelt
wurde, passt ebenso ins Bild wie Werners unglücklich vergebene Großchance drei
Minuten vor Schluss – wenn du da unten drin stehst, bekommst du den Mist nicht
so schnell vom Hacken. Auf diese Art verlor der FCC sein drittes Spiel in Folge
mit einem Tor Differenz. Wobei es
Jensen mit einer weiteren Rettungstat gegen Feulner (90.) zu verdanken ist,
dass es nicht mehr wurde.
Die Schwere des Auftaktprogramms war uns allen bewusst. Dass
aus vier Partien nur ein mickriges Pünktchen herausspringt, ist allerdings
ernüchternd, insbesondere nach den Spielverläufen gegen St. Pauli und Köln. Bei
aufmerksamer Betrachtung des Jenaer Spiels gewinnt man den Eindruck, die
Komponenten für eine erfolgreiche Saison sind da, aber noch nicht richtig zusammengefügt.
Vielleicht kommt die 12tätige Punktspielpause gar nicht so ungelegen. <fc>
1. FC Köln - FC Carl Zeiss Jena 4:3
Tore: 0:1 Torghelle (5.), 1:1 Novakovic (20.), 1:2 Müller (37.),
1:3 Omodiagbe (55.), 2:3 Chihi (73.), 3:3 Chihi (84.), 4:3 Jensen (86., ET)
- Köln: Mondragon; Ehret, Mitreski, McKenna, Nickenig
(60. Schöneberg); Antar, Broich (60. Scherz), Helmes; Chihi, Vucicevic, Novakovic (60. Gambino)
- Jena: Jensen; Kandelaki, Omodiage, Müller, Holzner;
Hansen (84. Stegmayer), Lorenzon (46. Kühne), Werner, Simak,
Ziegner; Torghelle (81. Petersen)
- Zuschauer: 37.700
- Schiedsrichter: Dr. Fleischer (Sigmertshausen)
- Spielbericht:
- Es war die Woche der
unverdienten Auswärtssiege mit St. Paulis Dreier im Ernst-Abbe-Sportfeld und
Deutschlands glücklichem Erfolg in Wembley, und so mancher hegte die Hoffnung
auf eine Fortsetzung dieser Serie in Köln-Müngersdorf, waren die Vorzeichen
zwischen den beiden ungleichen Gegnern doch klar. Einen unverdienten Verlierer
gab es auch diesmal, jedoch war dies nicht etwa der haushohe Favorit, sondern
ein FC Carl Zeiss, der sich in der Schlussphase selbst um den Lohn eines
großartigen Spieles brachte.
Durch
den Platzverweis Alexander Mauls war Coach Frank Neubarth zu Umstellungen
gezwungen, nahm Robert Müller in die Innenverteidigung und ließ mit Nils Hansen
und dem erstmals nach seiner Verletzungspause wieder kickenden Lorenzon gleich
zwei Abräumer im defensiven zentralen Mittelfeld auflaufen. Werner und Ziegner
besetzten die Außenpositionen im Mittelfeld, während Jan Simak als Spielmacher
fungierte, hinter der einzigen Spitze Torghelle. Und was der drauf hat, sorgte
schon nach 5 Minuten für den ersten Jubelschrei unter den 1.500 mitgereisten
Zeissfans. Langer Abschlag Jensen, Kopfball-Doppelpass
Torghelle-Werner-Torghelle und unser ungarischer Neuzugang hämmerte die Kugel
trocken von der Strafraumgrenze ins Netz. 0:1, was für ein Auftakt, und um ein
Haar hätte Broich nachgelegt, dessen Rückpass Mondragon verfehlte, aber knapp
am Kölner Kasten vorbeirollte (14.).
Beim Gastgeber hatte man im Vorfeld einen mauernden Gegner erwartet,
doch der FCC spielte auch nach der Führung munter nach vorn, fast zu munter,
denn Kölner Gelegenheiten resultierten fast ausschließlich aus Kontern nach
jenenser Abspielfehlern. In der 10. Minute ging das noch gut, als Jensen einen
tückischen Helmes-Knaller im Nachfassen parierte, nach 20 Minuten jedoch hatten
die Domstädter mit ihrer zweiten Möglichkeit im Spiel ausgeglichen. Novakovic
hatte von Omodiagbe bedrängt Vucicevic angespielt, welcher an der rechten
Strafraumgrenze Lorenzon düpierte und auf den von Omodiagbe und Werner
sträflich vernachlässigten Novakovic zurückpasste. Dass dessen Schuß durch die
Beine von Hansen den Weg ins Netz fand ist sicher unglücklich zu nennen, das
Abwehrverhalten zuvor dilettantisch. Köln hatte nun Oberwasser, baute gehörigen
Druck auf und hatte mit Vucicevics Schussversuch nach Kandelakis
verhängnisvollem Ballverlust (24., knapp daneben) und Broichs abgefälschtem
Schuß (29., Jensen hält) auch die ein oder andere Möglichkeit. Doch als Simak
mit einem wahren Zauberpass den durchlaufenden Holzner bedient und dieser aus
Nahdistanz an Mondragon scheiterte (30.), wirkte das wie ein Signal an die
eigene Mannschaft zur Besinnung auf das überlegte Spiel der ersten Minuten. Kurz
darauf hätte es Elfmeter für den FC Carl Zeiss geben müssen, als Torghelle im
Strafraum gefoult wurde, doch nicht nur in dieser Szene zeigte sich die
nachhaltige Wirkung des Daumschen Montagstheaters bei Referee Dr. Fleischer.
Jena ließ sich nicht beirren, es war eine Freude, dem Kombinationsfußball von
Jenas Offensivabteilung um den immer besser werdenden Kapitän Ziegner, den an
allen Ecken des Spielfeldes zu findenden Hansen (bester Mann auf dem Platz) und
einen Jan Simak zuzusehen und manch einer rieb sich die Augen, mit welchem
Selbstbewusstsein der Underdog hier in der WM-Arena auftrat. Werners Schuß nach
36 Minuten parierte Mondragon im Nachfassen, Ziegners Freistoß eine Minute
später kratzte der kölsche Schlussmann noch aus dem Eck, doch die
darauffolgende Ecke brachte die verdiente Führung. Torghelle hatte Ziegners
Eckball an den langen Pfosten verlängert, wo Robert Müller eiskalt vollendete.
Der Gast wirkte nun wie paralysiert, beinahe hätte Torghelle das Ergebnis noch
höher schrauben können, verzettelte sich aber im Strafraum (39.) und so war der
Schlusspunkt unter die erste Hälfte symptomatisch, als der wenige Tage zuvor
noch zum Deutschlandkader gehörende Helmes eine Freistoßablage von Vucicevic 15
Meter über das Jensen-Gehäuse beförderte. Kölns Mannschaft ratlos, Kölns
Publikum fassungslos und ein gellendes Pfeifkonzert verabschiedete die
Millionentruppe in die Kabinen.
Aufbäumen,
Dagegenhalten, Druck aufbauen, so in etwa hätte man die Gastgeber nach
Wiederanpfiff erwartet, doch stattdessen spielte Thüringens Stolz so, als hätte
er einen Rückstand aufzuholen. Werner prüfte Mondragon mit Schuß aus spitzem
Winkel (51.), das Eckenverhältnis war inzwischen auf 7:3 für Jena angestiegen
und als Ziegners Freistoß den Fuß des völlig unbedrängt durchlaufenden
Omodiagbe fand, hieß es 1:3, das Spiel schien entschieden. Auch wenn Helmes nur
eine Minute später den Anschlusstreffer auf dem Kopf hatte und knapp verzog,
das Auftreten der völlig konsternierten Gastgeber glich insgesamt einem
Fehlpassfestival, begleitet von eisigem Schweigen des Opernpublikums auf den
Tribünen. Christoph Daum hatte die Nase voll, wechselte gleich drei Spieler auf
einmal aus und vor allem die Hereinnahme von Matthias Scherz, der ja schon in
der Vorsaison den mehr als glücklichen Siegtreffer der Kölner vom Elfmeterpunkt
erzielt hatte, sollte sich als folgenschwer erweisen. Doch zuvor hatte Referee Fleischer
seinen Auftritt, schickte Zeiss-Trainer Frank Neubarth auf die Tribüne, als der
sich lautstark über eine der unzähligen Freistoßfehlentscheidungen zugunsten
des 1. FC Köln mokierte (65.), übersah eine Tätlichkeit Antars an Stefan Kühne
(Kopfstoß, 68.) und gab für McKennas Notbremse an dem durchbrechenden Torghelle
nur gelb (71.). Jener Torghelle hatte bis dahin ein großartiges Spiel gehabt,
zerrte unermüdlich an den Ketten und war von seinem Gegenspieler meist nur
durch Foulspiele zu stoppen. Doch er wurde ebenso wie Jan Simak müder und so
verlagerte sich das Spielgeschehen mehr und mehr in die Jenaer Hälfte, Chihi
mit Freistoß und Antar per Kopfball (69.) besaßen gute Möglichkeiten, ehe in
der 73. Minute das Unheil für den FCC seinen Lauf nahm. Die Fehlerkette war
lang. Jensen ließ sich eine Kölner Flanke von Robert Müller zum Einwurf
wegköpfen, anstatt sie selbst herunterzupflücken. Omodiagbe musste erkennen,
dass auch 1,88m nicht ausreichen, wenn man 2 Meter hinter einem kopfballstarken
Matthias Scherz steht, dessen Verlängerung Adel Chihi fand, der von Felix
Holzner völlig unbedrängt zum Anschlusstreffer einschoß. Fünf Minuten später
hatte Scherz selbst die Riesenchance zum Ausgleich, köpfte aber freistehend am
völlig leeren Tor vorbei. Durchatmen, doch die Partie wurde hitziger. Mondragon
erhielt gelb, als er den sich bei der Auswechslung zu viel Zeit lassenden
Torghelle vom Platz schubste, Holzner kassierte den gelben Karton für ein an
ihm begangenes Foulspiel und Jan Simaks Bedrängen Vucicevics wurde mit Freistoß
für Köln geahndet, den Scherz aufs Tor platziert, Jensen lässt den schon sicher
geglaubten Ball vor die Füße von Chihi fallen, der nur noch abstauben muß.
Ausgleich, Kölns Publikum aus dem Dornröschenschlaf erwacht und Kasper Jensen der
einsamste Mann auf dem Platz. Ob ihm diese Szene noch durch den Kopf schwirrte,
als er kurz darauf Chihis Eckball (Omodiagbe hatte zur Ecke klären müssen, da
ein Ellenbogencheck von Scherz gegen ihn ungeahndet blieb) zum Kölner 4:3 ins
eigene Tor patschte?
Ein mehr als bitteres Ende für den zuvor gut spielenden
Keeper, der nach dem Abpfiff sofort den Trost seines Kapitäns Torsten Ziegner
bekam. Vergessen wird er diesen Abend wohl nie, ebenso wie Jenas Anhang. Fassungslose,
entsetzte Gesichter noch Minuten nach Spielende im Gästeblock. Was für eine
Riesenchance hatte sich der FC Carl Zeiss hier selbst vergeben. Ob die
tadellose Moral der Mannschaft mit diesem erneuten Tiefschlag einen dauerhaften
Knacks wegbekommen hat, oder ob man sich am 70 Minuten lang wirklich tollen
eigenen Spiel aufbaut, wird die nächste Partie gegen Mainz zeigen. Nachdem der
Trainer, dessen vorgenommene und unterlassene Auswechslungen in Köln nicht
jedermanns Geschmack trafen, aus den vielen Neuzugängen mehr und mehr eine
Mannschaft zu formen scheint, ist in den kommenden Tagen in erster Linie der
Psychologe Frank Neubarth gefragt! <gunner>
FC Carl Zeiss Jena - FC St.Pauli 0:1
Tore: 0:1 Schnitzler (20.)
- Jena: Jensen; Kandelaki, Maul
(

, 40.),
Omodiagbe, Holzner; Kühne (67. Petersen), Hansen, Ziegner (46. Simak),
Müller; Werner, Torghelle (77. Helbig)
- St.Pauli: Borger; Gunesch, Eger, Morena, Rothenbach; Trojan (79. Bruns), Boll, Meggle, Takyi (

, 42.), Brunnemann (45. Braun); Schnitzler (64. Ludwig)
- Zuschauer: 12.129
- Schiedsrichter: Schalk (Augsburg)
- Spielbericht:
- [von Gastkommentator Ragnar Boedefeld]
Nach drei erfolgreichen Jahren in Folge und der Wiederholung eines
2:2-Auswärtserfolgs nach 0:2-Rückstand im ersten Saisonspiel war es wieder
einmal an der Zeit, dem Aberglauben zu frönen. Und so schreibt jetzt im vierten
Jahr in Folge ein- und derselbe Gastkommentator den ersten Heimspielbericht.
Angeblich soll einer aus dem Stammpersonal sogar geheiratet haben, damit er um
diesen Spielbericht drumrum kam...
Ähnlich wie im letzten Jahr (Braunschweig) war auch diesmal ein potentieller
Konkurrent im Abstiegskampf beim ersten Saisonheimspiel zu Gast.
Unvorhersehbare Auswärtsunentschieden sind gerne gesehen - doch wichtiger sind
die drei Heimpunkte aus diesen sogenannten "Sechs-Punkte-Spielen". Unbedingter
Siegeswillen war also Pflicht, und so harrte unsereiner gespannt, ob der
Trainer Neubarth dieses seinen Spielern verklickert hatte.
Er hatte - wenn man
die ersten zwanzig Minuten des Spiels als Maßstab nimmt. In dieser Zeit brachte
der FCC fünf gefährliche Situationen zustande, die in ihrer Vielfalt
überraschten. Ein Freistoß von Ziegner, der knapp neben das Tor ging, ein
gefährlicher Fernschuss von Kühne, dann einer von Werner, den Borger abprallen
ließ - Torghelle war einen Schritt zu spät. Kurze Zeit später war es umgekehrt:
Torghelle ließ zwei Gäste aussteigen und versuchte einen Schlenzer mit dem
linken Bein, Borger ließ wieder prallen - doch der Ball wollte einfach nicht
rein. Dann folgte noch ein gefährlicher Kühne-Kopfball. Von Pauli war bis dahin
nichts zu sehen, die besten Aktionen der Gäste hatte noch der Fanblock.
Plötzlich zack-zack, ein Querpass, einer in die Spitze - und Schnitzler kann
frei vor Jensen einschieben. Ausgerechnet Pauli, das seinerseits letzte Woche
gegen Köln reihenweise vor dem Tor versagt hatte, machte mit seinem ersten
zusammenhängenden Spielzug das 0:1. Nur kurz danach wäre beinahe das 0:2
gefallen, der Ball ging links unten knapp vorbei. Beim FCC war jetzt ein Knacks
im Spiel, keiner lief richtig und elementare Dinge wie flache Anspiele und
Ballannahmen aus der Luft misslangen. Eine Viertelstunde lang war einmal mehr
der Fluch der ersten Saisonspiele zu ertragen: eine bunt zusammengekaufte
Mannschaft (gleichwohl mit Niveau) ist noch nicht wirklich eine Truppe, wirkt
verunsichert und ängstlich in einem ihr häufig noch fremden Heim-Umfeld, das
wegen des Rückstandes nicht erbaut ist. Bad Vibes... warum nur?
Individuelle Klasse hat der Kader jedenfalls, wie man in der 35. Minute sehen
konnte. Kandelaki wurde auf links steil geschickt, passte flach nach innen, wo
Torghelle den Ball annehmen, kontrollieren und auf Ziegner zurücklegen konnte,
der leider links vorbeisemmelte. Das tat weh, ebenso der knapp verfehlte
Ziegner-Freistoß kurz vor der Pause, bei dem Borger keine Regung zeigte. Ab der
40. Minute spielte übrigens der FCC nur noch zu zehnt, Maul war geampelt worden.
Zwei Minuten später hatte auch Pauli einen weniger auf dem Platz, nachdem Takuy
wiederholt das Spiel verzögert hatte.
Und dann kam der Abschnitt des Spiels, den ich nicht begreife. Freilich kann man
nicht 90 Minuten lang höchstes Tempo gehen, sicherlich muss man zwischendurch
auch mal verschnaufen. Aber wieso kann man nach einer Halbzeitpause voller
Regeneration nicht genau dort weitermachen, wo man vor der Pause aufgehört hat
- nämlich Druck auf den zeitweilig überforderten Gegner auszuüben? Pauli war
mit der Pause eigentlich sturmreif, wurde dann aber bis zur 70. Minute durch
einfache Fehler und mangelhaftes Laufspiel wieder aufgebaut. Wenn nur alle in
der zweiten Halbzeit so gerannt wären wie der Holzner...
Erst in der
Schlussviertelstunde wurde Pauli wieder in der eigenen Hälfte eingeschnürt.
Auffällig war dabei Jan Simak, der die Bälle jetzt schön verteilte und auch
selbst gefährlich wurde. Es ergaben sich Chancen im Minutentakt, fast jeder
durfte mal ran. Leider ging alles daneben (Torghelle 74., Petersen 78. und 86.,
Werner 83.), an den Pfosten (Petersen 74.) oder wurde von Borger entschärft
(Kopfball von Helbig 83.). Dann war Schluss und die erste Heimniederlage in der
neuen Saison Tatsache.
Trotz dieser Niederlage bleibt ein besseres Gefühl als im letzten Jahr nach dem
0:0 gegen Braunschweig, weil der FCC seinen Gegner diesmal spielerisch
beherrschte, obwohl die Hälfte der Neuzugänge noch auf der Bank saß bzw.
verletzt war. Heuer steht auch nicht zu befürchten, dass das Potential des
Clubs einbricht, sollten Spieler wie Ziegner und Helbig eine ganze Saison lang
verletzt ausfallen - der Kader ist wesentlich breiter und auch besser geworden.
Wie sagte Gästetrainer Trulsen in der Pressekonferenz: "Es wird für jede
Mannschaft schwer, in Jena zu punkten." Allerdings nur, wenn die Dinger vorne
auch jemand reinmacht!
Alemannia Aachen - FC Carl Zeiss Jena 2:2
Tore: 1:0 Vukovic (1.), 2:0 Nemeth (6.), 2:1 Maul (28.), 2:2 Petersen
(76.)
- Aachen: Nicht; Stehle, Klitzpera, Vukovic (33. Casper), Weigelt;
Lehmann, Polenz (75. Leiwakabessy), Reghecampf, Nemeth, Pecka (81. Milchraum),
Ebbers
- Jena: Jensen; Kandelaki, Maul, Omodiagbe, Holzner; Kühne,
Müller (72. Petersen), Hansen, Ziegner (72. Fröhlich), Simak
(58. Stegmayer); Werner
- Zuschauer: 19.986
- Schiedsrichter: Aytekin
- Spielbericht:
- Wenn ein Verein aus der Bundesliga kommend zuhause auf den
Zweitliga-Dreizehnten des Vorjahres trofft, ist die Favoritenrolle am 1.
Spieltag klar gegeben. Dass sich der Webmaster aus Aachen bei der
Live-Ticker-Ankündigung aber gleich für ein fingierte 5:2-Vorhersage entschied, kam
uns vor dem Spiel doch etwas übertrieben vor.
Nach sechs Minuten Spielzeit schien allerdings nichts mehr
unmöglich. Zwei Gegentore hatte sich der FC Carl Zeiss zu diesem Zeitpunkt
schon eingefangen, das Erste nach 50 Sekunden ! Einen Freistoß-Ball von
Reghecampf verlängerte Vukovic per Kopf unhaltbar ins Jenaer Gehäuse. Robert
Müller war zwar mit hochgestiegen, hatte aber das Nachsehen. Keinen
Gegenspieler besaß Nemeth nach 5:30 min. Omodiagbe hatte die Abseitsfalle
aufgehoben.
0:2 - Mann oh Mann, welch ein Fehlstart in die insgesamt achte
Zweitligasaison des FCC ! Nachdem der erste Schock verdaut war, erinnerte man
sich als Auswärtsfahrer an den 1. Spieltag der Vorsaison, als Jena in Offenbach
ebenfalls mit zwei Toren hinten gelegen hatte, sich aber noch zum Remis
kämpfte. Sollte dies erneut möglich sein ? Hier, auf dem berühmten Aachener
Tivoli ? Nicht das Stadion selbst macht den Reiz aus, in vielen Dingen erinnert
es an die alte Heimstätte des FC Sachsen Leipzig. Nein, es ist die Atmosphäre,
bei der das Dabeisein einfach Spaß macht, weil die Stimmung enthustiastisch,
aber nicht aggressiv ist und häufig von drei Seiten gleichzeitig gepuscht wird.
Es sah noch immer nicht gut aus. Nach 25 Minuten war kein einziger
gefährlicher Ball auf das vom Ex-Jenaer Kristian Nicht gehütete Aachen-Gehäuse
abgegeben worden. Stattdessen musste Gegenüber Kasper Jensen beim
Aachener Konter die fehlende Innenverteidigung ersetzen und zehn Meter vor
seinem Strafraum per Kopf klären. Dann die 28. Minute. Ziegner aus einer
Spielertraube heraus auf Hansen, Flachschuss aus 15 Metern, Torwart Nicht pariert auf
Kosten einer Ecke. Das war sie, die erste Jenaer Gelegenheit im Punktspieljahr
2007/2008. Eine Ansage „Wir sind auch da“. Den anschließenden Eckball
erwischt Stefan Kühne am langen Pfosten, köpft ihn zur Torlinie, wo Alexander
Maul steht und unter Bedrängnis einköpft. Der Anschlusstreffer noch vor der
Pause. Wie damals in Offenbach. Hoffnung bei uns. Ein aus allen Wolken fallen
bei den Alemannen. Zu deutlich hatten sie die Anfangsphase dominiert,
zu leicht ihre Tore gemacht gegen einen in
dieser Phase unsortierten und harmlosen Gegner. Nun kämpften sich die
Neubarth-Schützlinge in das Spiel hinein. Nur vier Minuten nach dem
Anschlusstreffer spielte Simak einen ähnlich genialen Pass wie im Pokal eine Woche zuvor
auf Werner, der hatte gegen den heranstürmenden Nicht die Idee eines
Hebers – nur leider fiel dieser zu hoch aus. Eine Partie mit umgekehrten
Vorzeichen – jetzt spielte Jena Fußball. Wäre Kühne in der 43. Minute nicht
selbst überrascht gewesen über eine sich bietende Kopfballchance, es hätte noch
vor der Pause Unentschieden gestanden. Der Offenbacher Regievorlage hätte dies
freilich nicht entsprochen.
Mit ein bisschen Magengrummeln empfingen wir unsere Mannen
aus der Kabine. Nur nicht wieder solch eine Schlafwagen-Einlage wie zu Beginn.
Doch die Sorgen erwiesen sich als unbegründet. Lediglich Keeper Jensen sorgte
für erhöhte Herzfrequenz in Minute 51, als er bei zwei heranstürmenden
Gegenspielern den Ball nicht einfach wegschlug, sondern ihn kalt wie
Hundeschnauze behauptete. Außerdem Holzner, der am eigenen Strafraum den Ball
vertändelte und von Glück sagen kann, dass die Abseitsfahne nach oben
schnellte, da ansonsten eine 3 gegen 1-Überzahlsituation für die Westdeutschen
entstanden wäre.
Die Leistungssteigerung der Jenaer Elf lässt sich treffend am Bild festmachen, dass Ilia Kandelaki in den ersten neunzig Minuten
für seinen Verein abgab. Nach Stegmayers gutem Pokalauftritt war er für mancheinen
überraschend in die Startelf gerückt. Die etwas defensivere Variante schien
anfangs nach hinten loszugehen, weil der Georgier einige Male Unsicherheiten
auf seiner linken Seite offenbarte. Doch nach der Pause fand Kandelaki zu sich selbst,
seinen Mannschaftskameraden und ins Spiel. Wobei Stegmayer später noch eingewechselt wurde,
ebenso wie Fröhlich und Petersen. Die aus den Wechseln hervorgehenden
taktischen Umstellungen waren riskant, besonders der Austausch des defensiven
Müller gegen den stürmenden Petersen. Das Risiko sollte sich aber bezahlt machen. Denn
Nils Peteresen war gerade drei Minuten im Spiel, da verlängerte er einen Ball
von Kühne ins Tor. Wahnsinn ! Ausgerechnet Jenas Jüngster schafft den
Ausgleich. Klar hat der in Junioren-Länderspielen schon gegen
U19-Nationalmannschaften getroffen, doch ein solche wichtiger Treffer „bei den
Großen“ ist dann doch etwas Besonderes. Wäre der Bursche in Minute 79 doch noch
einmal etwas kaltblütiger gewesen, er hätte den FCC gar zum Sieg geschossen.
Nach einer Unsicherheit seines Gegenspielers verzog Petersen jedoch
deutlich.
Remember OFC – aus einem 0:2 ein 2:2 gemacht und dem Sieg
sehr nahe gekommen. Auch Kandelakis
Flanke fünf Minuten vor Schluss brachte Gefahr, neutralisierte sich aber mit
Reghecampfs Hereingabe in Minute 88. Beide Male fehlte ein Abnehmer im
Sturmzentrum.
Das Unentschieden feierten die Jenaer wie einen Sieg,
während die Gastgeber ziemlich konsterniert das Stadion verließen. Auch dieses
Bild hatten wir vor einem Jahr schon einmal. Neu ist die Serie, in der sich die
Jenaer Mannschaft befindet. Unter Frank Neubarth bleibt sie in Pflichtspielen
weiterhin unbesiegt. <fc>
Bilder von der ersten Partie
Spielbericht auf alemannia-aachen.de
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, 75.), Kolitsch; Schied (74. Allagui), Torghelle
Den Gastgebern merkte man an, dass sie die Order bekommen hatten, bloß nicht ins offene Messer zu laufen. Ein Punkt würde ihnen ja schon reichen. Und da auch noch eine gehörige Portion durchaus verständlicher Nervosität hinzukam, zeigten die Schützlinge von Holger Fach vor der Pause wenig Zug zum gegnerischen Tor. Nur einmal konnte Khomutouski sein Können zeigen, als er einen Kern-Schuss parierte, den folgenden Kopfball von Thürk über die Latte fliegen sah (19.). Dazu ein Abseitstor in der 33. Minute – mehr war nicht. Der FCC hatte einen Kopfball des Ungarn Torghelle nach Stegmayers Ecke dagegen zu setzen. Und einiges an Kampfgeist, viel mehr als beim trostlosen Gekicke in Aue. Spielerisch lief allerdings nicht sonderlich viel zusammen, da fehlt uns derzeit wohl einfach das geeignete Personal im Mittelfeld. Wer sich nicht selbst darum bemühte, erfuhr nichts über die Zwischenstände in den anderen Stadien. Der Stadionsprecher hüllte sich in Schweigen. Und die Anzeigetafel des Rosenau-Stadions kann lediglich die Uhrzeit digital darstellen, selbst der Spielstand wird noch manuell mit Nummerntafeln korrigiert.
Halbzeit zwei begann mit einer Rettungstat von Günther und einer guten Gelegenheit für Torghelle nach Vorarbeit des emsigen Holzner. Mittlerweile hatte es stärker angefangen zu regnen und irgendwie passte dieses trostlose Wetter zu unserem Tabellenstand. Wie schön war das doch vor einem Jahr mit Hitze, Sonnenbrand und unbändigem Jubel ! Die Erinnerung wurde jäh unterbrochen durch das 1:0 von Dreßler, der einen Freistoß per Kopf ins Jenaer Tor verlängert hatte. Die Entscheidung ? Nein, Augsburg durfte sich nur drei Minuten lang in vollkommener Sicherheit wiegen, denn Sandor Torghelle machte im dritten Versuch doch noch sein Tor, verwandelte eine Ecke Stegmayers aus fünf Metern Entfernung. Da unser weißrussischer Publikumsliebling zwischen den Pfosten einen Szabics-Kopfball in großem Stil von der Linie fischte, mussten sich die Gastgeber dem Schlusspfiff entgegen zittern. Dabei half ihnen die Gelb-Rote Karte für Kandelaki, der zunächst reklamiert und wenig später gefoult hatte. Dann war Schluss, Augsburg gerettet und die meisten von uns gönnten es den sympathischen Gastgebern mehr als einem Konkurrenten in der Ferne. Schnell erhaschten wir noch einen Blick auf die Feiernden von gegenüber, dann ging es zurück nach Thüringen im blau-gelb-weißen Partybus mit der Nummer 1. Hätte ein Ahnungsloser speziell auf dem letzten Teilstück die ausgelassene Stimmung erlebt, er wäre nie auf die Idee gekommen, es mit Fans eines Absteigers zutun zu haben.
Was bleibt unterm Strich von dieser Saison ? Der Abstieg wiegt schwer in der Bilanz 2007/2008. Die Ursachen sind vielfältig und doch schwerer zu ermitteln als nach anderen Abstiegen. Abgesehen von wenigen Ausnahmen (Wehen, Koblenz, Aue vor allem) hat die Jenaer Elf die Punkte nicht kampflos hergeschenkt, oft fehlte wirklich nur das kleine Quäntchen zum Erfolg. Die vielen Lobesreden der gegnerischen Trainer bewiesen es. Und vergessen wir nicht, dass uns diese Saison auch richtig geile Momente beschert hat ! Siege in der Allianz-Arena und auf dem Betzenberg ! Den Cupverteidiger aus dem DFB-Pokal geworfen und den deutschen Meister ! Wer es live erlebt hat, wird’s ewig in Erinnerung behalten. Allein das Erlebnis, mit dem FCC vor 80.000 Zuschauern in Dortmund gespielt zu haben und nur einen einzigen Sieg vom UEFA-Cup entfernt gewesen zu sein, machte diese Spielzeit zu etwas Besonderem. Vereinsführung und die (vorwiegend neuen) Spieler stehen nun in der Pflicht dafür zu sorgen, dass dies auch nächste Saison so sein wird. Fans, die am letzten Spieltag in vierstelliger Anzahl ihrem bereits abgestiegenen Verein die Treue beweisen, haben das allemal verdient. <fc>
- Jena: Khamutouski; Schmidt, Müller, Stegmayer, Günther, Hansen, Amrhein (46.Kolitsch), Holzner, Kandelaki,
Schied (81.Allagui), Torghelle (74.Petersen)
- Kaiserslautern: Sippel, Müller, Ouattara, Schönheim, Demai, Kotysch, (46.Lamprecht), Bellinghausen, Lexa (64.Rundström), Bohl, Simpson, Ziemer (60.Jendrisek)
- Zuschauer: 11162
- Schiedsrichter: Dr.Brych (München)
- Spielbericht:
- Kaiserslautern: Sippel, Müller, Ouattara, Schönheim, Demai, Kotysch, (46.Lamprecht), Bellinghausen, Lexa (64.Rundström), Bohl, Simpson, Ziemer (60.Jendrisek)
- „Wiedergutmachung“ hieß das Zauberwort, was der FC Carl Zeiss JENA in seinem letzten Heimspiel der Saison vor heimischer Kulisse
betreiben wollte, um sich mit erhobenen Hauptes nach der desolaten Leistung in Aue von seinen treuen Fans verabschieden zu können.
Bei bestem Wetter und strahlendem Sonnenschein fanden immerhin 11162 Zuschauer den Weg ins Ernst-Abbe-Sportfeld, wo doch bereits vor
der Partie feststand, dass der FCC als erster Absteiger die 2.Bundesliga am Ende der Spielzeit leider wieder verlassen muss.
Jenas Trainer Henning Bürger zeigte Mut und schenkte gleich zwei Jenaer Nachwuchskickern das Vertrauen, einmal das
Abenteuer 2.Bundesliga gespielt zu haben, indem er André Schmidt und in der zweiten Halbzeit Richard Kolitsch einsetzte.
Die Partie ging munter los und bereits nach nur sechs Minuten konnten die Anhänger des FCC über den ersten Treffer ihres Teams jubeln. Stegmayer hatte mit einem genialen Pass in die Tiefe die gesamte Kaiserslauterner Abwehr überlistet, Schied zog von halblinks sofort ab und Sippel konnte nur abklatschen, was Torghelle eiskalt nutzte und den Ball aus Nahdistanz über die Linie bugsierte. Aber die Gäste zeigten sich vom frühen Rückstand wenig geschockt und hätten wenige Minuten später fast den Ausgleich durch Ziemer erzielt, doch der Ball wurde noch von einem Jenaer abgefälscht und ging knapp am Kasten vorbei. Felix Holzner probierte es in der 18.Minute mit einem herrlichen Schuss aus gut und gern 25 m, doch Sippel konnte den Ball gerade noch um den Pfosten lenken. Fünf Minuten vor der Pause musste Khamutouski zum ersten Mal in diesem Spiel seine ganze Klasse unter Beweis stellen, als er einen scharfen Kopfball von Bohl mit blitzartigem Reflex gerade noch parieren konnte. Sekunden vor der Pause hätte es dann noch fast zum Tor der Lauterer geklappt, doch Ouattara knallte den Ball mit einem Seitfallzieher aus kurzer Entfernung über das Tor.
Auch nach der Pause setzte der FCC weiter auf Angriff, ohne jedoch zu zwingenden Möglichkeiten zu kommen. Aber man merkte den Jungs an, dass sie zu jeder Zeit des Spiels gewillt waren, die 5:0-Packung von Aue vergessen zu machen. Kleiner Aufreger in der 54. Minute, als Demai einen langen Freistoss vor das Jenaer Tor zirkelt. Die Sonne stand zu diesem Zeitpunkt so unglücklich für Khamutouski, dass dieser stark geblendet den Ball erst sehr spät sah und dadurch erst in letzter Sekunde klären konnte. Gut eine Stunde war vorbei und nun nahm das Spiel richtig Fahrt auf. Um ein Haar hätte Torghelle (62.) mit einem Direktschuss nach Flanke von Holzer zum 2:0 einschießen können, aber der Ball zischte leider knapp über das Tor von Sippel. Trainer Sasic brachte Rundström und hatte mit seiner Einwechslung ein goldenes Händchen, denn nur wenige Minuten später bedankte sich dieser und versenkte den Ball im Jenaer Tor. Nur fünf Minuten später erneut ein Torjubel in Jena, doch diesmal konnten sich die Jenaer wieder über einen Treffer freuen. Nils Petersen war vom herausstürmenden Sippel von den Beinen geholt worden und den fälligen Elfmeter verwandelte „Simak-Vertreter“ Günther sicher zur erneuten Führung für die Platzherren. Sieben Minuten trennte der FCC noch vom siebenten Sieg der Saison, doch leider zappelte nach einer Kopfballstafette der Ball erneut im Jenaer Kasten. Schiedsrichter Dr. Brych hatte bereits diesen Treffer als Tor gegeben, doch nach kurzer Rücksprache mit seinem Schiri-Assistenten gab er ihn wegen Abseitsstellung des Torschützen Jendrisek doch nicht, was sich im Nachhinein als absolut richtige Entscheidung herausstellte. Aber es kam, wie es kommen musste. Auch dieses Spiel konnten die Jenaer nicht über die Zeit retten, denn drei Minuten vor dem Abpfiff tauchte Simpson völlig frei vor Khamutouski auf, ließ diesem keine Abwehrchance und verwandelte sicher zum fast nicht mehr erwarteten Ausgleich.
Was bleibt, ist die Erkenntnis, dass es der FCC auch in dieser Partie nicht verstand, eine zweimalige Führung noch über die Zeit zu retten. Allerdings sollte man lobenswert anerkennen, dass die Wiedergutmachung durchaus gelungen war, denn in Sachen Engagement und Einsatz war den Jenaern nichts vorzuwerfen. <vg>
FC Erzgebirge Aue - FC Carl Zeiss Jena 5:0
Tore: 1:0 Sykora (21.), 2:0 Geißler (37.), 3:0 Heller (66.),
4:0 Kaufmann (68.), 5:0 Kaufmann (88.)
- Aue: Bobel; Geißler, Kos, Paulus, Sträßer;
Heller (78. Kurth), Emmerich, Curri (67. Kaufmann), Orahovac (46. Leandro);
Sykora, Müller
- Jena: Khamutouski; Maul, Müller, Stegmayer; Günther,
Hansen, Oniani (34. Saka), Kandelaki, Werner; Schied, Allagui (65. Petersen)
- Zuschauer: 10.500
- Schiedsrichter: Stark (Ergolding)
- Spielbericht:
- Jetzt ist es auch rechnerisch vollbracht. Glaubwürdiger
hätte keine Theatergruppe der Welt einen solchen Untergang inszenieren können.
Nicht mit weniger Mut. Nicht mit weniger Leidenschaft. Und auch nicht mit
weniger Glauben an das Unmögliche. Nur das es halt kein Theater war, sondern
die bittere Wahrheit. 90 Minuten Auslaufen einer Mannschaft, die nie eine war. 90
Minuten als Sargdeckel auf eine ganze beschissene Saison. So steigt man ab!
Mehr fällt mir nicht ein. Keine Leistung kann man nicht
beschreiben. Ein lausiger Schuß von Werner aus 20 m (74.) und so was wie eine
Rückgabe auf das Auer Tor von Saka (75.). Damit ist
Jenas Drangphase erschöpfend diskutiert. Der Rest der Angriffsbemühungen wirkte,
als ob eine Brigade Nußknacker versucht, im Berufsverkehr die A4 zu überqueren.
Absolut kein Durchkommen. Da hatten die Hoffenheim-Fahrer
noch richtig Schwein.
Meistens erkämpften sich die Auer den Ball bereits an der
Mittellinie, wobei das Wort ‚erkämpfen’ hier fälschlicherweise Gegenwehr vermuten
läßt. In Wirklichkeit ließ sich Anwesenheit Jenaer Abwehrspieler bis zum Ende
nicht mit letzter Sicherheit nachweisen. Das fängt schon beim 1:0 an.
Ausgerechnet Fiete Sykora vollendet per Kopf so einen
Freistoß (19.), wie sie offensichtlich die ganze Liga trainiert, bevor es gegen
Jena geht. Hoch rein damit in den Strafraum und dann ran mit der Birne. Kein
Alex Maul weit und breit, kein Irgendwer. Danach kapieren sogar die Auer – bis
dahin selbst völlig unbeholfen – daß Jena nicht etwa eine undurchschaubare
taktische Meisterleistung plant, der es nicht auf den Leim zu gehen gilt,
sondern – im Gegenteil – völlig planlos
agiert. Mit dieser Erkenntnis gesegnet, schießen die Veilchen den FCC anschließend
auf Drittliganiveau zusammen. Als Geißler nach Fallrückzieher von
Sykora das 2:0 erzielt (man stelle sich Sykora
beim Fallrückzieher vor, meine Güte!), macht schon keiner mehr richtig mit. Da,
wo vorher mal unsere Abwehr gestanden haben muß, laufen alle nur noch
aufgescheucht durcheinander. Es herrscht blankes Chaos. Ich schätze mal, daß es
beim Untergang der Titanic geordneter zuging.
Nach der Pause wurde es nur noch schlimmer. Ich frage mich
ehrlich, wo die elf Jenaer eigentlich gestanden haben. Die, die vorne nicht
anspielbar waren, haben in der Mitte und hinten gefehlt.
Keiner da. Daß Aue bis zur 69. Minute braucht, um das dritte Tor zu schießen,
grenzt an ein Wunder. Bis dahin üben sich Fiete und seine Kumpels darin, auch
beste Gelegenheiten zirkusreif auszulassen. Dann ist
es Heller, der erst den rausgelaufenen Vasili auskurvt, dann
Stegmayer noch schnell zum Kasper macht und mit seinem
Schuß Jenas Qualifikation für die 3. Bundesliga absichert. Flasche leer. Der
frisch eingewechselte Kaufman darf dann auch noch zweimal
ran. Nach Paß von Emmerich (70.) bzw. Flanke von Grech
(88.) stellt der den Endstand zum 5:0 her. Dann ist es endlich vorbei.
Schlechter hat eine Jenaer Mannschaft seit der Abstiegssaison 2000/01 nicht
mehr gespielt. Absolut unfaßbar.
Was bleibt ist – wie immer in solchen Fällen – ein Haufen
Scherben. Der Abstieg ist perfekt, ohne Garantie auf eine schnelle
Wiedergeburt. Die eingestaubte Tradition unseres großen FC Carl Zeiss hat mal
wieder nichts gebracht außer jede Menge frustrierter Fans. Die Probleme im
sportlichen Bereich waren größtenteils hausgemacht, hier gibt es keine
Entschuldigung. Trotzdem steckt mehr dahinter. In Zeiten, in denen die Dietmar
Hopps dieser Welt einen ganzen Sport für ihre wohltätigen Eingebungen
mißbrauchen können, wird es immer schwerer für die kleineren und finanzschwächeren
Vereine, sich gegen reine Wirtschaftsinteressen zu etablieren. Dummerweise und
entgegen der geltenden Political Correctness
wird es genau an dieser Stelle auch zu einem Ost-West-Problem. Spätestens wenn
ab der nächsten Saison nur noch zwei, vielleicht auch drei Ostclubs in den
Bundesligen 1 und 2 spielen, sollten alle von der erfolgreichen Eingliederung
des Ostfußballs Überzeugten ihr Weltbild mal gründlich überdenken – vor
allem, weil zum fehlenden Geld auch noch eine
fehlende Lobby kommt. Eine eigene Tradition wird den hiesigen Vereinen nur sehr
widerwillig zugestanden. Die diesbezügliche Ignoranz in der Berichterstattung
ist himmelschreiend, besonders wenn man dem z.B. die penetrant betriebene Beweihräucherung
des geliebten FCK gegenüberstellt. Hinzu kommen jede Menge fehlerhafter
Schiedsrichterentscheidungen. Hier gleicht sich schon lange nichts mehr aus. Das
gilt nicht nur für Jena. Auch in Aue, Rostock und Cottbus kann man ein
trauriges Lied davon singen (www.wahretabelle.de/fussball-bundesliga/wahre-tabelle.php).
Das soll nicht alle Entwicklungen erklären, aber wenn sich die ostdeutsche
Fußball-Tradition in den nächsten Jahren vor allem in den dritten und vierten
Ligen abspielt, während Hoffenheim gleichzeitig Kurs
auf den UEFA-Cup nimmt, darf sich manch ein DFB-Funktionär ruhig auch mal
schämen. Wenigstens wenn er Fußballfan ist.
Wir kommen wieder!
<bpf>
Für alle, die noch einen 2. Bericht über dieses Spiel lesen möchten...
FC Carl Zeiss Jena - VfL Osnabrück 1:1
Tore: 1:0 Allagui (63.), 1:1 Reichenberger (65.)
- Jena: Khamutouski; Maul, Müller, Stegmayer; Werner,
Günther (71. Oniani), Hansen (83. Petersen), Ziegner
(
, 90.), Kandelaki; Schied (75. Torghelle),
Allagui
- Osnabrück: Berbig; Schuon, Cichon, Schanda, Thomik;
Aziz (35. Reichenberger), Surmann, Heidrich (46. De Wit), Grieneisen
(77. Schäfer); Hennings, Frommer
- Zuschauer: 9297
- Schiedsrichter: Kircher (Rottenburg)
- Spielbericht:
-
Pünktlich zum Anpfiff erhöhte Petrus den Schwierigkeitsgrad
dieses Spiels durch einen mittleren Wolkenbruch. Und sicher ist es zum Teil
auch dem schmierseifigen Untergrund geschuldet gewesen, dass es zur Pause nur
torlos stand. Chancen gab es auf beiden Seiten genügend. Der FCC startete mit
den Ansatz einer Chance, als Allaguis Eingabe von links keinen Mitspieler
erreichte (3. min), dann verfehlte Kandelaki am Elfmeterpunkt nur knapp Werners
Flanke (13.) und schließlich vergab Allagui die erste Einhundertprozentige, als
ihm frei vor Berbig der Ball im Moment des Schusses versprang und himmelwärts
zischte (16.). Unmittelbar zuvor zeigten die Gäste, dass auch sie auf dem
glitschigen Rasen Probleme hatten, sich um Ball und eigene Standfestigkeit
gleichzeitig zu kümmern, denn Hennings Flanke orientierte sich eher Richtung
Eckfahne als zum Tor hin. Trotz der widrigen Wetterverhältnisse und der
Nervenanspannung ging es hin und her, wobei die Gäste schon jetzt eher den Eindruck
erweckten, dass sie über ein Unentschieden nicht sehr böse wären. Nichtsdestotrotz
hatten auch sie ihre dicken Torchancen, meist begünstigt durch
Abstimmungsschwierigkeiten in der Jenaer Abwehr. So guckten alle Weißen zu, wie
Cichon in eine Freistoßflanke rutscht, zum Glück aber die gleiche Höhe wie
wenige Minuten vor Allagui erreichte. Zwei Minuten später warteten im Osnabrücker
Strafraum alle auf eine Freistoßflanke, Werner legte jedoch quer auf Ziegner,
dessen Direktschuss ebenfalls in die Zu-hoch-Schublade kam. Im Gegenzug durften
die Gäste wieder vergeben, als Khamutouski eine Flanke verpasste, Surmann sich
aber nicht zwischen Stehenbleiben und Schießen entscheiden konnte. In der 24.
min spielte sich der Schiedsrichter, der zuvor schon mit seltsamen
Zweikampfentscheidungen auffiel, endgültig in den Mittelpunkt des Interesses
und verweigerte dem FCC einen klaren Strafstoß. Schied startete nach einem lila
Abwehrfehler in den Strafraum und der mitsprintende Verteidiger fuhr dem Jenaer
Stürmer in die Beine wie eine Bowlingkugel zwischen die Pins. Wer dort „Ball
gespielt“ anzeigt, hatte mehr als die berühmt-berüchtigten Tomaten auf den
Augen. Der wievielte für uns nichtgegebene Strafstoß war denn das schon in
dieser Saison!?! Wiederum zwei Minuten später wird Grieneisens Flanke am kurzen
Toreck verlängert und der freistehende Hennings köpfte mutterseelenallein aus
knapp 8 m genau ans Lattenkreuz. Auf der Gegenseite konnte Schied nach einer
Pingpongeinlage zweier Abwehrspieler zur Grundlinie durchziehen, perfekt
zurückpassen und bei Hansens Geschoß rissen schon alle Jenaer Zuschauer die
Arme hoch – manch einer verwandelte den abgebrochen Jubel flugs in ein
Stoßgebet, denn der liebe Fußballgott ließ das Spielgerät von der
Lattenunterkante nach vorn wegspringen! Wenig später bekommt Allagui einen
Zuckerpass in den Lauf, trifft jedoch unter starker Bedrängnis nur den Pfosten.
Kurz vor der Pause wummerte Stegmayer einen Freistoß aus 18 m Entfernung aufs
Tor, Berbig klärte jedoch mit beidhändiger Faustabwehr. Dann war Pause und es
stand seltsamerweise noch 0:0.
Nach Wiederanpfiff ging es zunächst etwas verhaltener weiter
als in der ersten Halbzeit. In der 52. min setzte Hansen das erste Zeichen, als
er nach starkem Körpereinsatz links außen in Ballbesitz bleibt, mit seiner
Außenristflanke leider den vor Allagui stehenden Osnabrücker anvisierte.
Khamutouski hatte seinerseits bei Hennings Flachschuss wenig Mühe (55.). Kurz
danach beobachtete die sich zwischenzeitlich durch die Wolken blinzelnde Sonne
Tobias Werners Direktabnahme einer langen Flanke, der verfehlte aber sein Ziel
um wenige Zentimeter. Immer noch Sonnenschein, als Allagui eine Ecke Berbig
maßgenau durch die Beine köpfte und die Stimmung ebenfalls auf „sonnig“ setzte.
Ich weiß nicht, was in den folgenden 120 Sekunden in die Jenaer Mannschaft
gefahren war und warum sie jetzt auf die Taktik „Hühnerhaufen“ setzten, aber
der Ausgleich fiel mit langer Ansage. Die Gäste rannten wütend und mit deutlich
mehr Elan als im bisherigen Spiel an und dem FCC gelang außer Ballwegschlagen
plötzlich gar nichts. Dann schaute man interessiert zu, wie ein Osnabrücker
immer mehr zur Mitte zog, eigentlich harmlos abschoss und der Ball plötzlich im
Tor einschlug: Reichenberger, der bis dahin nur durch viele versteckte
Bösartigkeiten und Jammern beim Schiri aufgefallen war, lenkte per Kopf den
Schuss ab und Khamutouski – der schon ins andere Eck eilte – war machtlos.
Danach war zunächst die Luft raus auf dem Spiel. Die einen mussten den Schock
verdauen, die anderen hatten ihr erwünschtes Remis. In der 83. hatte der FCC
zur Abwechslung mal wieder Glück, denn nach einer Flanke hielt Khamutouski mit
einer Parade gegen den nach einer Flanke frei zum Schuss kommenden Hennings im
Spiel. Danach kam vom FCC eigentlich nichts planvolles mehr, irgendwie wartete
man auf den Zufall. Kandelaki (neben Allagui der stärkste Jenaer) wartete in
der 90. min nicht mehr, sondern leitete links den letzten gefährlichen Angriff
ein. Maul verlängerte, Allagui köpfte über den herausfliegenden Berbig, dieser bekam
irgendwie noch ein Fingerchen an die Bogenlampe und lenkte den Ball Richtung
Pfosten und dort verpasste es Petersen mit der Beweglichkeit eines 80jährigen,
die Kuller auf die richtigen Seite des Pfostens zu lenken und seine Rolle als
Edeljoker neu aufzulegen. In der Nachspielzeit konterte Osnabrück nochmals und
Ziegner sorgte durch sein im wahrsten Sinne des Wortes blitzschnelles
Eingreifen (was anderes konnte er in dieser Situation gar nicht tun) für eine
der wenigen unumstrittenen Entscheidungen Kirchers und holte sich einen
Platzverweis wegen Notbremse ab. Dann war Schluss und die Stimmung bei allen
Jenaer wie das Wetter der ersten Spielhälfte: besch…eiden.<
Das zweite Heimunentschieden hintereinander, das wie eine
Niederlage zu werten ist. Nur ein Pünktchen gegen einen direkten Konkurrenten
im Abstiegskampf – zu wenig, um das Flämmchen der Hoffnung nochmals richtig anzufachen,
aber auch zu viel, um dieses Flämmchen endgültig auszutreten.
<uk>
TSG 1899 Hoffenheim - FC Carl Zeiss Jena 5:0
Tore: 1:0 Ba (6.), 2:0 Ba (18.), 3:0 Ba (26.), 4:0 Salihovic (37.), 5:0 Obasi (67.)
- Hoffenheim: Özcan; Ibertsberger, P. Nilsson (21. Janker),
Compper, Löw; Jaissle, Weis, Carlos Eduardo (75. Seitz), Salihovic
(63. Copado); Ba, Obasi
- Jena: Khamutouski; Maul, Müller, Stegmayer (31. Torghelle);
Werner, Hansen, Kikuchi (83. Saka), Ziegner, Kandelaki; Schied
(85. Günther), Allagui
- Zuschauer: 5700
- Schiedsrichter: Wagner (Kriftel)
- Spielbericht:
- Ein wichtiges, fast unverzichtbares Utensil
zum Verfassen eines Spielberichtes stellt ein Kugelschreiber für die während
der 90 Minuten zu notierenden Ereignisse dar. Ein Gegenstand, dessen Mitnahme
ins Stadion dem Autor vom Hoffenheimer Ordnungsdienst ebenso verwehrt wurde,
wie allen anderen Jenaer Fans. Gelebte Fremdenfeindlichkeit auf
baden-württembergisch, die aber zumindest den Vorteil hat, über das schlimmste
FCC-Auswärtsdebakel seit Wehen nicht unnötig viele Worte an dieser Stelle
verlieren zu müssen.
Der Gang zum Stadion erinnerte in vielerlei Hinsicht an
die Oberligaauftritte beim Zipsendorfer FC Meuselwitz. Dörflicher Charakter,
ein heimeliger Waldweg hinauf zum Sportplatz, wo man mit dem ausreichenden
Bereitstellen von Eintrittskarten für Gästefans größere Probleme hatte und schließlich
ein kleines putziges Stadion wie aus dem Legoland, hingezimmert vom Mäzen aus
der IT-Branche. Doch so albern und unpassend wie wohl fast jeder Gästefan die
Atmosphäre rund um diese Spielstätte empfunden haben muß, so gänzlich
ernstzunehmend sollten jene 11 Gespielen auf dem Rasen sein, die sich
Milliardär Hopp zur Befriedigung seiner privaten Obsessionen gönnt. Dass einige
dieser millionenschweren Neueinkäufe Angebote von Champions-League-Teilnehmern
ablehnten, um statt der sportlichen Herausforderung nun im Kraichgau völlig
unter ihrem eigenen spielerischen Niveau deutlich mehr zu verdienen, mag man
als moderne Form von Prostitution bedauern. Dass einige Kicker im Kader des
badischen Retortenvereins soviel an Ablöse kosteten, wie der gesamte Verein FC
Carl Zeiss Jena als Saisonetat aufzubieten hat, machte schon vorher klar, dass
für die Abstiegskampfgeplagten hier nur mit sehr viel Glück etwas zu holen
wäre. Ein Glück, das schon im Vorfeld der Begegnung fehlte, neben Petersen,
Riemer und Amrhein gesellte sich auch Spielgestalter Jan Simak in die Riege der
verletzten Spieler.
Für die elf Aufgebotenen währte die Hoffnung auf etwas
Zählbares im 3000-Seelen-Dorf nur fünf Minuten, dann begann die Demba-Ba-Show,
welche die vom Sponsor verteilten Handklappern in den Händen der Heimbesucher
lärmen ließ. 6. Minute: Jenas erste Halbchance für Tobias Werner versandet, der
weite Abschlag von TSG-Keeper Özcan findet Ba, dessen feine Ballannahme und
eiskalter Abschluß Weltklasseformat ausstrahlen. 18. Minute: Einen unberechtigten
Freistoß zirkelt Salihovic auf den Kopf von Ba, und da Alexander Maul das
Abseits aufhebt steht es 2:0. 26. Minute: Feiner Pass von Eduardo auf wieder
einmal Ba, der erneut vollendet. Jena, in der Anfangsphase noch Gegenwehr
leistend, wirkte zunehmend hilfloser. Die Hereinnahme von Torghelle für
Stegmayer, dafür rückte Allagui auf die Spielmacherposition zurück, Kikuchi
nach rechts außen und Kandelaki nach hinten, brachte weder mehr
Durchschlagskraft in der Offensive, noch Stabilität in der Hintermannschaft.
Stattdessen reichte eine geschickte Seitenverlagerung auf den in die völlig
entblößte rechte FCC-Abwehrseite durchspritzenden Salihovic, um mit dem 4:0 den
Pausenstand perfekt zu machen. Als wäre dieser Umstand nicht schon schlimm
genug, so muß konstatiert werden, dass das Ergebnis den Weißgekleideten gar
noch schmeichelte.
Henning Bürger wartete lange, bis er seine gedemütigten
Spieler in die Kabine begleitete. Die Ansprache schien jedoch gefruchtet zu
haben, denn der FCC kam geordneter aus der Pause, willig auf eine
Resultatsverbesserung, allein es fehlte die Qualität. Was Jenas
Offensivabteilung fabrizierte, ist mit den Worten unglücklich, harm- und
hilflos noch milde beschrieben. So schaltete sich nach 66 Minuten gar
Verteidiger Alex Maul ins Angriffsspiel ein, doch da sein Vorstoß an der
Strafraumgrenze höchst unsanft gestoppt wurde und der Gegenzug in die entblößte
Hintermannschaft diesmal Obasi allein auf den bedauernswerten Khamutouski
zusteuern ließ, hieß es 5:0. Genug für viele der Heimzuschauer, die sich fortan
auf den Heimweg begaben, Erdbeerkuchen und Sonnenbad entgegen. Jenas Fans
ertrugen auch die letzten Minuten des Auswärtsdebakels tapfer und
verabschiedeten ihre Lieblinge nach Schlusspfiff wärmer, als das der gebotenen
Leistung angemessen gewesen wäre. So wurden auch die Kamerateams von Premiere
und DSF in der Hoffnung auf lauternähnliche Schimpf- und Wuttiraden den eigenen
Spielern gegenüber enttäuscht und zogen kurzentschlossen wieder vom Gästeblock
ab.
Genauso kurz sollte auch das Nachdenken über diese Niederlage sein, die an
der Situation des FCC nicht allzu viel geändert hat. Schnell abhaken und am
Freitag gegen Osnabrück die Antwort folgen lassen. Denn „Marmor, Stein und
Eisen bricht, aber unser Jena nicht!“. <gunner>
Report auf fansmedia.org zum Geschehen am Rande des Spiels
FC Carl Zeiss Jena - Borussia Mönchengladbach 2:2
Tore: 1:0 Schied (9.), 2:0 Schied (45.), 2:1 Colautti (64.), 2:2 Colautti (76.)
- Jena: Khamutouski; Maul, Müller, Kandelaki; Kikuchi, Hansen, Ziegner, Simak, Werner; Schied (82. Torghelle), Allagui
- M'gladbach: Heimeroth; Levels (22. Coulibaly), Brouwers, Daems,
Voigt (46. Colautti); Ndjeng, Paauwe, Rösler, Marin; Friend, Neuville (83. Kleine)
- Zuschauer: 13.486
- Schiedsrichter: Weiner (Giesen)
-
Spielbericht:
- Dieser Bericht entstand aus organisatorischen Gründen erst
zwei Tage nach dem Spiel. So schlecht ist das nicht, denn an jenem Abend hätte
ich keine Zeile zustande gebracht. Zu groß war die innere Zerrissenheit, das
Für und Wider des Abends. Der FCC – Vorletzter! – spielte den Tabellenführer an
die Wand und hätte in der zweiten Halbzeit mit einem Minimum an
Chancenverwertung nicht nur den sprichwörtlichen Sack zumachen, sondern die
Gäste regelrecht abschießen können. Über vier oder fünf Gegentreffer hätte sich
Gladbach nicht beschweren können, ABER: die Chancen blieben ungenutzt, unsere
Abwehr schnarchte zweimal und so blieb uns nur ein Punkt.
Auf Simak, der nach seiner Gelbsperre wieder zur Verfügung stand,
ruhten de facto alle Hoffnungen des FCC, gegen den haushohen Favoriten die
Aufholjagd auf Platz 14 fortsetzen zu können. Das erste tiefe Luftholen gab es
nach 5 Minuten, als Kikuchi per Hackentrick Allagui in Szene setzte, dieser
jedoch in Mittelstürmerposition im Abseits stand. Kurze Zeit später beackerte
Ziegner an der Außenlinie auf Höhe des eigenen Strafraums solange einen
Gladbacher, bis er den Ball erobert hatte und sofort lang auf Allagui spielte.
Der legte quer, Simak sah Schied in den freien Raum laufen und bediente ihn mit
dem Traumpass des Tages. Ein kleiner Schubs an den Ball und noch bevor die
Spielkugel über die Linie trudelte jubelten die Zuschauer. Es ging in der
Folgezeit flott hin und her und die Pessimisten warteten auf den Ausgleich. Als
jedoch die Miniserie von Gästestandards (2 Ecken und 1 Freistoß) unbeschadet
überstanden war, konnte man hoffen. Borussia hatte keinen guten Tag erwischt,
deren Zusammenspiel war holprig, ungenau und ideenlos. Und so gab es seitens
der Dunkelgrünen lediglich die Andeutung eines Schüsschens von
Neuville ins Nirgendwo und einen Fernschuss Röslers übers
Tor. Auf der Gegenseite schlenzte Allagui den Ball nach Schieds Zuspiel leider
übers Tor. In der 45. min standen bei einem Konter 4 Jenaer 3 Abwehrspielern
gegenüber, aber der ballführende Werner – links lief Allagui, rechts Schied und
in der Mitte sperrte Simak im den Weg frei – wählte die schlechteste aller
Varianten und schoss unkonzentriert auf die falsche Torecke und klar vorbei.
Als alle Blau-gelb-weißen sich schon auf die 1:0-Pausenführung freuten, sauste
der Ball über die Stationen Allagui, Simak, Schied, wieder Simak auf halblinks
zu Werner. Dessen Flachschuss konnte Heimeroth zwar
noch aufhalten, aber Schied stand goldrichtig und sorgte mit seinem zweiten
Treffer für allgemeines Verzücken im Stadion.
„Sch…, warum hat Fußball immer zwei Halbzeiten!“, so mein
Stoßseufzer in der Pause und mir kam jenes vorjährige 3:3 gegen Duisburg in den
Kopf. Aber anscheinend und glücklicherweise hatten die Jenaer Spieler dieses
Unentschieden vergessen, denn es ging weiter nach vorn und vor allem Schied
setzte sein Duell mit Heimeroth fort. Nach einem hoch
in den Jenaer Strafraum getreten Freistoß zappelte der Ball im Tor des FCC,
aber der Kopfballtäter Rösler stand abseits. Den Rest des Spieles könnte man kurz zusammenfassen:
Gladbach bemüht, aber wirkungslos, der FCC mit saugefährlichen, blitzschnellen
Angriffen, in denen Simak fast immer Dreh- und Angel-
und Ausgangspunkt war. Simak auf Werner (abgefälscht und knapp drüber), auf
Schied, wieder auf Werner, wieder auf Schied… Aber immer kam etwas dazwischen,
Heimeroth, ein Verteidiger – das 3:0 schien lediglich eine
Frage der Zeit zu sein und ein bezüglich der Trikotfarben Ahnungsloser hätte in
den Weißen den Fasterstligisten vermutet, der dem Tabellenkellerkind gerade
zeigt, wie Fußball funktioniert. Selbst Simak sündigte mit einer
Hundertprozentigen, als er sich nach Doppelpass mit Werner die Torecke
aussuchen konnte, leider jedoch das hellblaue Trikot Heimeroths
als Ziel wählte. Aber oben steht „könnte“, denn plötzlich brachte Marin eine
Flanke von links vor Khamutouskis Tor und Colautti,
der von Kandelaki lediglich begleitet wurde, köpfte
den Anschlusstreffer. Sollte mal jemand ein Anschauungsbeispiel für ein Tor der
Marke „Völlig überraschend und unverdient“ benötigen, so kann er auf dieses
zurückgreifen. Wer nun einen Bruch im Jenaer Spiel erwartet hatte, wurde
positiv überrascht. Es ging weiter nach vorn und eine Chance nach der anderen
wurde vergeben. Fünf Minuten nach dem 2:1 war es wieder einmal Schied, der frei
vorm Torwart scheiterte. Und als dann auch noch Schiedsrichter Weiner das Foul
an Simak (73.) nicht dort ahndete, wo es ausgeführt wurde – nämlich auf der
Strafraumgrenze bzw. knapp drin -, sondern dort, wo Paauwe
es offensichtlich geplant hatte – 3 Meter vorm Strafraum – schienen sich alle
Götter gegen den FCC verschworen zu haben. In der 75. Minute konnte Khamutouski
nach einem Gäste-Freistoß gerade noch zur Ecke klären. Diese Ecke jedoch
verdarb allen Zeiss-Fans den Abend: Statt „Langholz“ wie bisher, flog der Ball
aufs kurze Torraumeck und da vier Jenaer vom Boden nur in die Luft starrten,
durfte Colautti unbedrängt das 2:2 einköpfen. Das
konnte doch nicht wahr sein! Drohte gar noch eine Niederlage, kam jetzt
Gladbach in Fahrt? Nö, es war weiterhin der FCC, der das Spiel bestimmte – und
seine Chancen vergab. Zunächst stoppte die Abseitsfahne (*zweifel_anmeld*)
den durch Simak freigespielten Schied (83.), dann köpfte der eingewechselte
Torghelle eine Ziegner-Flanke an den Pfosten. Den
kräftigen Stoß, den der dabei von hinten bekam, pfeifen etliche Referees
sicherlich als Foul. Und nochmals war es Torghelle, der aufs Tor und leider
auch direkt auf den Torwart köpfte. Weiner bekam schließlich Mitleid mit Borussia
und rettet sie nach nur einer Minute Nachspielzeit mit dem Schlusspfiff. Stände
der FCC irgendwo im sicheren Mittelfeld, wären ihm „standing
ovations“ der knapp 13.500 Zuschauer sicher gewesen
(das war wie schon das Hinspiel ein ganz starkes Spiel), aber so dominierte die
Enttäuschung über zwei vergebene Punkte.
Das 2:2 (vor dem Anpfiff wäre ich damit schon zufrieden
gewesen) war gerade angesichts des Spielverlaufs ein großer Eimer Wasser auf
den Hoffnungsfunken Klassenerhalt, aber deswegen aufgeben? Es sind noch 5
Spieltage und Einstellung und Spielkultur unserer Mannschaft verbieten es
einfach, jetzt schon zu kapitulieren. Zudem fehlt in meiner DVD-Sammlung noch
das Exemplar „Die Sensation von Jena“. <uk>
SC Freiburg - FC Carl Zeiss Jena 2:0
Tore: 1:0 Idrissou (32.), 2:0 Butscher (48.)
- Freiburg: Langer; Schwaab, Krmas, Butscher, Schlitte; Banovic, Glockner, Pitroipa, Idrissou, Günes; Bencik
- Jena: Khamutouski; Maul, Müller, Kandelaki; Seturidze
(56. Torghelle), Kikuchi, Hansen, Ziegner, Werner; Schied (75. Petersen),
Allagui
- Zuschauer: 14.050
- Schiedsrichter: Perl (München)
- Spielbericht:
- Eigentlich passierte nichts Unerwartetes: Die Siegesserie
des FCC riss und es gab in Freiburg, der uns letzte Saison noch alle sechs
Punkte überlassen musste, eine Niederlage. Ärgerlich war nur, dass (mit etwas Glück
und Überblick) diese Niederlage vermeidbar gewesen wäre. Auf- und
Abstiegskandidat lagen spielerisch wesentlich dichter beieinander, als es ein
Blick auf die Tabelle vermuten ließ. Es waren aber die eigentlich spielerisch
und technisch starken Gastgeber, die den einfacheren, klar strukturierten – und
letztendlich effektiveren – Fußball spielten, während beim FCC zu viele
Schnörkel und Schlenker den Spielaufbau bremsten und oft der direkte Zug zum
Tor fehlte. Zudem dürften die vielen Ungenauigkeiten nicht nur die Fans
geärgert haben, da fehlte Jan Simak.
Doch der Reihe nach: Freiburg begann druckvoll und bereits
nach 2 Minuten rauschte der erste Schuss auf unser Tor, zum Glück deutlich zu
hoch. Und auch die weiteren Angriffe kamen über die rechte Angriffsseite und
insgesamt erspielten sich die Hausherren ein optisches Übergewicht. Der FCC
stellte sich aber nicht hinten hinein, sondern spielte auch selbst nach vorn
und erarbeitete sich Chancen. So konnte Hansen – mit Khamutouski und
Allagui einer der drei stärksten Jenaer – erst im letzten
Moment an der Strafraumgrenze am Torschuss gehindert werden. Und nach einer
Viertelstunde versuchte es Hansen selbst durch die Mitte anstatt auf den
halblinks startenden Werner zu passen. Den ersten ernsthaften Angriff auf die
Nerven der mitgereisten FCC-Fans gab es in der 18. min, als ein scharfer Schuss
eines Freiburgers am Pfosten landete und Maul den zweiten Versuch gerade so
kurz vor der Linie entschärfte. Mit dieser Aktion schien dann das Schlimmste
überstanden zu sein, denn der FCC schaffte ein spielerisches Gleichgewicht und
es ging auf dem Rasen relativ ausgeglichen hin und her. Zwar musste Khamutouski
innerhalb von Sekunden zweimal ganz stark reagieren (26.), doch auch der FCC
hatte Chancen. Erst flankt Werner bei einem Konter viel zu ungenau auf
Allagui (25.), später wird Schied im Strafraum zu Fall
gebracht (ob es Foul war, konnte man quer durchs ganze Stadion nicht erkennen),
den querspringenden Ball jagt Maul leider nicht in die Tormaschen, sondern hoch
auf die Freiburger Endtribüne. Hier etwas Abgeklärtheit…
In dieser Phase
spielte sich der Schiedsrichter mit einigen seltsamen Entscheidungen ins
Rampenlicht. Einen Schlag auf Ziegners Hals –
Ziegner ging zu Boden und musste behandelt werden – übersah
er aus nächster Nähe großzügig und die Freiburger dankten dies entsprechend:
Banovic schickte innerhalb von sechzig Sekunden zwei Jenaer
in Zweikämpfen mit dem Ellenbogen auf die grüne Wiese, ohne dass er die
hochverdiente Gelbe Karte sah. In der 32. min wird Hansen im Zweikampf zu Boden
gestoßen – kein Pfiff – und Kikuchi klärte in der
folgenden Szene mit einem blitzsauberen Tackling, das seltsamerweise mit einem
Freistoß bestraft wurde. Der Ball schwebte eine mittlere Ewigkeit in der Luft,
trotzdem schauten alle Jenaer zu, wie Idrissou
unbehelligt zum Kopfball hochstieg und das 1:0 machte. Der Gegentreffer schien
einige Bremsen in unserem Team zu lösen, denn es begann die stärkste Phase des
FCC. Freiburg wurde in deren eigene Hälfte gedrängt und der Ausgleich lag in der
Luft. In der 34. min köpfte Allagui aus wenigen
Metern unbedrängt fast genau auf Langer, fünf Minuten später zielte er nach
einem Zuspiel Schieds zu hoch und in der 42. min
vollendete Allagui seinen Hattrick der vergebenen
Gelegenheiten, in dem ihm nach einer Eck der Ball am langen Pfosten versprang.
Als Langer sich einen harmlosen Rückpass fast selbst ins Tor legte, hatte der
Referee Erbarmen und pfiff zur Pause. Nach dem Spielverlauf der ersten 45
Minuten war die Freiburger Führung etwas glücklich und so war die Hoffnung im
Gästeblock in der Halbzeitpause mit den Händen zu greifen.
Es begann nach Wiederanpfiff auch ganz flott mit je einer
Chance für jedes Team: Erst brannte nach Doppelfehler von Maul und Hansen die
Luft vorm Jenaer Tor, dann kam Schied gegen Langer nur einen Schritt zu spät.
Plötzlich jedoch blankes Entsetzen unter den Zeiss-Fans, als eine Quasi-Kopie
jener Freistoßszene aus der 32. min ablief – Flanke (Freiburg), Zugucken (FCC),
Kopfball (Freiburg) = 2:0. Der Rest ist schnell erzählt: Freiburg immer dann
gefährlich, wenn sie schnell über die Außenpositionen kamen und Flanken vor
Khamutouskis Tor schlugen. Da hatten wir es einige Male unserem Keeper zu
verdanken, dass es nicht schlimmer kam. Der FCC bemühte sich redlich und kam
auch immer wieder an und in den Strafraum, aber dort agierte man zu
umständlich. Beste Beispiele: Allagui setzt sich
links durch, legt auf Schied ab, der zögert mit dem Schuss, legt wieder ab, der
Ball kam irgendwie zu Hansen und der schafft unter Bedrängnis nur ein
Schüsschen (62.); später (83.) tanzt Allagui an der
rechten Strafraumecke einen Freiburger aus, legt quer auf Werner, der jedoch –
anstatt zu schießen – zweieinhalb Haken schlägt und die Chance zum Schuss nicht
nutzt. Die Zusammenfassung des FCC-Spiels der zweiten Halbzeit bot die letzte
Szene in der Nachspielzeit, als Werner eine Ecke hektisch kurz auf
Ziegner ablegte und der sich am Gegenspieler festdribbelte…
Bemüht, aber ungenau, uneffektiv und überhastet.
Fazit: 1. Mit der Niederlage und den anderen Ergebnissen
sind die Chancen auf den Klassenerhalt gesunken, aber es sind noch sechs
Punktspiele, die man nicht kampflos hingeben kann. 2. Es gibt derzeit
niemanden, der Simaks Rolle ausfüllen kann. 3. Aufgeben? Niemals. <uk>
FC Carl Zeiss Jena - SC Paderborn 07 3:0
Tore: 1:0 Allagui (39.), 2:0 Simak (53.,FE), 3:0 Werner (89.)
- Jena: Khamutouski; Maul, Müller, Stegmayer (28.Ziegner); Riemer, Hansen, Werner, Simak, Kandelaki; Schied (79.Torghelle), Allagui (90.Oniani)
- Paderborn: Nulle; Gouiffe à Goufan (63.Hoilett), Djurisic,
Gonther, de Graef (71.Damjanovic); Fischer, Schüßler, Koen
(26.Halfar), Krösche; Müller, Löbe
- Zuschauer: 10.112
- Schiedsrichter: Sippel (München)
- Spielbericht:
- (von Gastkommentator Benny Hiltscher)
Es ist nur ausgesprochen selten der Fall, dass bei einem Spiel des Tabellenvorletzten gegen den Tabellenletzten beide Mannschaften
von sich behaupten können, sechs Punkte aus den vorangegangenen beiden Spielen geholt zu haben. In Anbetracht der Tabellensituation,
die trotz der letzten Erfolge für beide Mannschaften einen Rückstand von acht Punkten zum rettenden Ufer auswies, war dennoch
von vornherein klar, dass keiner der beiden Mannschaften heute ein Unentschieden weiterhelfen würde. Wenn man noch einmal ernsthaft
in den Kampf um den Klassenerhalt eingreifen wollte, musste heute unbedingt ein Sieg her. Nicht wenigen der 10112 Zuschauer im
Ernst Abbe Sportfeld machte die Folge dieser Situation Sorgen - die Jenaer Mannschaft stand wieder unter Druck, man musste etwas
zeigen. Hatten sich viele Fans vor dem Spiel gegen Greuther Fürth bereits mit dem wahrscheinlichen Abstieg abgefunden, so
hatten die zuletzt erkämpften sechs Punkte gegen eben jene Fürther und die Mannschaft von 1860 München nun doch
wieder leise Hoffnungen auf das nächste "Wunder von Jena" geweckt. Das Überleben dieses Hoffnungsschimmers hing
maßgeblich von den bevorstehenden 90 Minuten ab, denn ein Unentschieden oder gar eine Niederlage gegen den unmittelbaren
Tabellennachbarn hätte der gerade erst wiederbelebten Hoffnung wohl endgültig den Garaus gemacht. Für die
Gäste aus Paderborn, seit der Winterpause vom ehemaligen Erfurt-Trainer Pavel Dotchev trainiert, galt natürlich das Gleiche.
Die erste Hiobsbotschaft für Paderborn kam bereits vor dem Anpfiff des Spiels, Stammtorwart Lukas Kruse verletzte sich beim
Aufwärmen und für ihn musste Carsten Nulle, in der Winterpause auch als mögliche Verstärkung für den
FCC im Gespräch gewesen, das Tor der Gäste hüten. Die ersten Minuten des Spiels verstrichen dann auch ohne
große Torchancen, beiden Mannschaften war anzumerken, dass man unnötige Fehler um jeden Preis vermeiden wollte.
Nach 15 Minuten hatten beide Seiten ihren ersten zaghaften Torschuss abgeliefert, ohne die Torhüter jedoch vor schwierige
Aufgaben zu stellen. In der 24. Minute erspielten sich die Jenaer dann die bis dato größte Chance des Spiels,
nach einer punktgenauen Hereingabe von Ilya Kandelaki kommt Marcel Schied aus kurzer Distanz zum Abschluss, seinen Schuss
aus der Drehung kann Paderborns Schlussmann jedoch mit Glück und Können parieren. Nur sieben Minuten später
wäre allerdings um ein Haar die Gastmannschaft in Führung gegangen, nach einer Flanke von Markus Krösche
kommt Alexander Löbe relativ unbedrängt zum Kopfball, zum Glück für Jena fliegt der Ball aber wenige
Zentimeter am rechten Pfosten vorbei. Aus dieser Distanz wäre auch Vasili Khamutouski, der heute kaum Gelegenheit
hatte sich auszuzeichnen, chancenlos gewesen. Nur drei Minuten später die nächste gefährliche Aktion der
Gäste, ein Müller-Freistoß aus etwas mehr als 25 Metern Entfernung geht nur haarscharf am linken Pfosten
vorbei, diesmal wäre Khamutouski aber zur Stelle gewesen.
Die Jenaer Antwort auf diese beiden Möglichkeiten der Dotchev-Elf kam prompt und hätte nicht besser aussehen
können, Tobias Werner schlägt den Ball die linke Außenlinie entlang und schickt Jan Simak, der den Ball
erläuft und gefühlvoll flach in die Mitte flankt, wo Sami Allagui am Fünf-Meter-Raum in den Ball grätscht -
keine Chance für Carsten Nulle, die Führung für den FCC! Die wichtige Führung gab der Mannschaft Sicherheit,
nur vier Minuten später konnte Allagui nach schönem Solo erst im letzten Moment der Ball vom Fuß gespitzelt
werden; wiederum nur Sekunden später kommt Marcel Schied aus etwa 20 Metern zum Schuss, den Nulle nur abprallen
lassen kann - Jena gehörte die Schlussphase der ersten Halbzeit. In Anbetracht dieser Chancen und des Eckenverhältnisses
von 5:0 war die Jenaer Pausenführung durchaus berechtigt, Paderborn zeigte vor allem dann Schwächen, wenn es darum ging,
aus Ballbesitz und Feldüberlegenheit auch Torchancen zu erspielen, woran die mit gutem Stellungsspiel glänzende
Jenaer Abwehr natürlich maßgeblichen Anteil hatte.
Zu Beginn der zweiten Halbzeit hatte man den Eindruck, dass sich Gäste-Trainer Dotchev die Halbzeitansprache hätte
sparen können, denn die Jenaer Elf machte genau dort weiter, wo sie vor dem Pausenpfiff aufgehört hatte. Ein wunderbares
Zusammenspiel zwischen Ilya Kandelaki und Marcel Schied schloss letzterer schließlich mit einem sehenswerten Schlenzer aus
halblinker Position ab, der Ball senkte sich genau im richtigen Moment, landete aber zur Enttäuschung (fast) aller nur auf
dem Tornetz. Vier Minuten nach Wiederbeginn schon die nächste dicke Chance für die nun deutlich überlegenen Jenaer,
nach gefühlvollem Simak-Lupfer in die Lücke zwischen zwei Abwehrspielern kommt Allagui im Strafraum zum Schuss,
Torwart Nulle nutzt die Gelegenheit allerdings um sich auszuzeichnen und klärt den Ball mit den Fingerspitzen zur Ecke.
Weitere vier Minuten später ist Marcel Schied erneut freigespielt und wird kurz vorm Abschluss vom letzten Paderborner
von hinten umgerempelt. Schiedsrichter Sippel aus München, der unterm Strich eine gute Leistung zeigte, zögerte
nicht und zeigte auf den Punkt. Der wieder einmal groß aufspielende Jan Simak legt sich den Ball zurecht, schickt
Carsten Nulle in die falsche Ecke und verwandelt seinen fünften Elfmeter für Carl Zeiss Jena trocken und todsicher
in die rechte untere Ecke zum 2:0. Wer nun mit wütenden Angriffen der Paderborner rechnete, sah sich getäuscht,
echte Chancen für die Gäste-Elf blieben Mangelware, stattdessen war Jena sichtlich um eine weitere Verbesserung
der Tordifferenz bemüht. Leider war man im Abschluss der zahlreichen sich bietenden Gelegenheiten nicht konsequent
genug, ansonsten wäre heute durchaus Raum für weitere Tore vorhanden gewesen. Nur zwei Minuten nach dem 2:0 kontert
der FCC im eigenen Stadion die Paderborner aus, aus der 4-gegen-2-Situation wird allerdings zu wenig gemacht, weil Marcel
Schied zu spät auf Marco Riemer ablegt, der einen auf der Linie stehenden Paderborner Verteidiger anschießt, den
Abpraller jagt Torsten Ziegner schließlich in die Wolken. Nach fast 70 Minuten Spielzeit gibt es den ersten Eckball
für Paderborn, Khamutouski klärt die Situation aber souverän per Faustabwehr. Nicht wenige Leute werden
sich auch heute wieder gefragt haben, wo der FCC wohl heute stünde, wenn er ab dem ersten Spieltag den weißrussischen
Nationaltorhüter im Gehäuse gehabt hätte, die Sicherheit, Ruhe und Souveränität, die dieser ausstrahlt,
ist Balsam auf die leidgeprüfte Jenaer Fußballseele. In der 71. Minute kommt es dennoch fast zum Anschlusstreffer
der Paderborner, der zu diesem Zeitpunkt alles andere als verdient gewesen wäre, denn die Jenaer Abwehr tut sich schwer
damit, den Ball im eigenen Strafraum zu klären. Nach gefühlten Minuten des Durcheinanders im Strafraum wirft sich
Alex Maul in den Schuss und klärt zur zweiten Ecke für Paderborn - Durchatmen. Geweckt von dieser Chance übernimmt
Jena wieder die Initiative, keine Spur von Angst oder mangelndem Selbstvertrauen. In der 77. Minute leitet wieder einmal Simak
mit einem herrlichen Pass aus dem Stand über den halben Platz eine Allagui-Chance ein, der aus rund 16 Metern leider
genau auf den Torhüter des Tabellenschlusslichts schießt. Nur eine Minute später nimmt sich Allagui erneut
ein Herz, sprintet über die gesamte Außenbahn und legt schließlich auf Simak ab, der die Chance verpasst,
sein tolles Spiel mit einem zweiten Treffer zu krönen, denn Markus Krösche kann ihm im letzten Moment den Ball
vom einschussbereiten Fuß spitzeln. Auch die nächste Chance gehört dem FCC, nach einer der zahlreichen
Simak-Ecken kommt Alex Maul sechs Minuten vor Spielende völlig unbedrängt aus fünf Metern zum Kopfball,
schafft es aber analog zu Löbe im ersten Durchgang, diese hundertprozentige Chance neben den Pfosten zu setzen.
Den aus Jenaer Sicht krönenden Abschluss des Spiels realisiert in der letzten Spielminute Tobias Werner, der einen
weiteren Jenaer Konter nach Vorlage von Jan Simak mit einem sehenswerten Volleyschuss aus 16 Metern unter die Latte
zum 3:0-Endstand abschließt.
Jan Simak, an dem der VfB Stuttgart unter der Woche sein Interesse erneut bekundet hat, war auch heute wieder an allen
drei Toren beteiligt - zweimal als Vorbereiter, einmal selbst als Torschütze. Ebenfalls hervorragend spielten Robert
Müller, der in der Abwehr ein ums andere Mal goldrichtig stand und mehrfach Paderborner Angriffe souverän bereits
im Ansatz geklärt hat sowie der quirlige und sehr lauffreudige Sami Allagui. Aber nicht nur die gerade genannten, die
gesamte Jenaer Mannschaft zeigte heute eine überzeugende Leistung. Es war jederzeit zu erkennen, wie wichtig jeder
Spieler das Spiel nahm und erfreulicherweise waren auch alle in der Lage, dem resultierenden Druck standzuhalten. Wenn man
am heutigen Spiel etwas kritisieren will, dann muss man die Chancenverwertung ansprechen, die wie so oft nicht optimal war -
Aber wer will schon nach einem 3:0 über mangelhafte Chancenverwertung reden? Der Jenaer Auftritt insgesamt macht
tatsächlich wieder Hoffnung, die Chance zum Klassenerhalt besteht weiterhin, der Rückstand auf das rettende
Ufer hat sich mit dem heutigen Tag auf sechs Punkte verkürzt. Auch wenn sich am Tabellenplatz nichts geändert hat,
war die Stimmung im Stadion nach dem Schlusspfiff von Hoffnung und dem Glauben an die Mannschaft geprägt, der von
vielen schon als unvermeidlich akzeptierte Abstieg scheint nach neun Punkten aus den letzten drei Spielen plötzlich
doch wieder vermeidbar. Ob die Hoffnung der Jenaer Fans berechtigt ist, wird sich in den nächsten Wochen zeigen, die
Gegner heißen Freiburg, Mönchengladbach und Hoffenheim und hegen allesamt Aufstiegsaspirationen - jetzt muss die
Mannschaft zeigen, was die grade begonnene Serie wert ist!
44 Fotos von Jens Weißenburger
Simak macht den Unterschied - Der Bericht auf scpaderborn07.de
TSV 1860 München - FC Carl Zeiss Jena 1:2
Tore: 0:1 Werner (60.), 1:1 Göktan (72.); 1:2 Schied (87.)
- München: Tschauner; Hoffmann, Thorandt, Berhalter, B. Schwarz
(69. Kucukovic); L. Bender (33. S. Bender), Bierofka, Göktan, Holebas,
D. Schwarz (89. Gebhart); Di Salvo
- Jena: Khamutouski; Maul, Müller, Stegmayer; Werner (90.
Kühne), Hansen, Riemer, Simak, Kandelaki; Allagui (84. Oniani), Petersen
(69. Schied)
- Zuschauer: 38.100
- Schiedsrichter: Frank (Hannover)
- Spielbericht:
- Es war alles so einfach. Noch vor dem Fürth-Spiel endeten
alle Rechenspiele eine Liga tiefer. 12 Punkte Rückstand vom rettenden 14. Platz
entsprechen ungefähr der Entfernung von Telly
Savalas’ Glatze zu einer Vollhaarfrisur. Und so waren auch
die größten Sonnenscheinchen unter den Fans inzwischen von der Vorstellung geheilt,
nächstes Jahr noch in die Allianz-Arena oder nach Köln zu müssen. Jetzt, eine
Woche später und sechs Punkte näher am rettenden Ufer ist alles viel
schwieriger. Die Tabelle wird hin und her gedreht, alle Wenn und Abers werden erschöpfend
durchdiskutiert. Der Patient FC Carl Zeiss lebt auf einmal wieder. Zwar nur ein
bißchen, aber er lebt. Und viel wichtiger: Er will auch leben! Beziehungsweise wenn
er schon sterben soll, dann wenigstens schön! Befreit von der Sorge, nächstes
Jahr eventuell im UEFA-Cup kicken zu müssen, ist es offensichtlich wieder
leichter sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Nur so ist die gute
Leistung von gestern zu erklären. Die 60er waren am Ende völlig verdient in die
Knie gezwungen.
Für Herzkranke war es allerdings nix, da die Jenaer das
Auslassen von Großchancen offenbar zur höchsten Vollendung entwickelt haben.
Die erste Heldentat diesbezüglich vollbrachte Niels Hansen in der 9.
Spielminute. Schön freigespielt von Sami Allagui
schob er den Ball aus Nahdistanz am langen Pfosten vorbei. Allagui
versuchte sich nach einer knappen halben Stunde dann auch noch selbst. Er stand
zwar etwas weiter weg, vollbrachte aber ansonsten exakt das gleiche
Kunststückchen. So ist das halt, wenn man im gesicherten Tabellenkeller
rangiert! Zehn Minuten vor der Pause war Simak dann
eigentlich frei durch, der Linienrichter verweigerte ihm aber die Möglichkeit
des Nichttreffens. Eine glatte Fehlentscheidung, aber das kennen wir ja… Und
die Münchener? Deren Selbstbewußtsein hatte nach sechs sieglosen Spielen
offensichtlich derart gelitten, da kam nicht viel. Selbst die Anfangsoffensive,
mit der uns der Gegner üblicherweise beglückt, blieb aus. Keine Spur von
Aufstiegsambitionen. Ein oder zweimal rumpelten die Stürmer zwar durch unseren
Strafraum, zum Aufschreiben war das allerdings nix. Und so muß man die beste
Jenaer Halbzeit seit langer, langer Zeit konstatieren.
Aber was nützt das alles
ohne ein Tor? Das mußte in Halbzeit 2 unbedingt anders werden, denn alles andere
als drei Punkten wäre zu wenig. Dementsprechend engagiert ging es von Jenaer
Seite zur Sache. Zunächst aber das gleiche Spiel. Erst versaut Tobias Werner einen
schönen Konter (47.), drei Minuten später setzt sich
Simak nach einem Doppelpaß mit Allagui
gegen mehrere Löwen durch, kommt dann aber – wie so oft – nicht zum Ende. Und
einen Elfer gibt’s für so einen Faller auch nicht.
Dann aber, gerade als uns Thorandt mit seinem
35m-Schuß auf die ‚Kreuzecklatte’ (O-Ton 1860-Ticker (-:) einen ‚kleinen’
Schreck eingejagt hatte, war es soweit. Allagui
(fleißig aber meistens glücklos) erkämpft sich den Ball an der Mittellinie von
Berhalter, paßt auf den mitgelaufenen Werner (fleißig aber
meistens ebenso glücklos), der beiden Akteuren das ‚Glücklos’ aus der
Arbeitsbeschreibung schießt. Der Ball landet im kurzen Eck; endlich die
verdiente Führung und riesiger Jubel im Jena-Block (60.). Doch damit beginnt
auch das große Zittern. Ab dieser Zeit werden meine Notizen immer lückenhafter,
Schreiben geht nicht mehr. Die Spannung wird unerträglich. Und sie steht in
jedes Gesicht geschrieben. Hoffentlich hält das Bollwerk da hinten.
Vasili
Khamutouski kriegt alle Hände voll zu tun. Zunächst
kann er einen Schuß aus Nahdistanz von Di Salvo zur
Ecke abwehren (62.), kurze Zeit später verpaßt Di Salvo
noch eine Vorlage von Bierofka nur ganz knapp (65.).
Durchatmen. Dann ist Schied auf einmal durch, kommt knapp vor
Tschauner im Löwen-Tor an den Ball. Der Preßschlag landet
wieder bei Schied, der mit einem mißglückten Anspiel auf Allagui
die schlechteste Entscheidung trifft. Warum haut er denn nicht einfach drauf.
Blankes Entsetzen (67.). Das weicht kurze Zeit später einer gewissen
Trostlosigkeit, nachdem Göktan die sich häufenden
Zuordnungsfehler in der Jenaer Abwehr ausnutzt und Khamutouski
mit einem Flachschuß überwinden kann. Wie kann man den Gegner nur so stark
machen? Erst später höre ich, daß hier ein Abseits im Spiel gewesen ist. Sollte
es so sein, sticht diese Fehlentscheidung wenigstens nicht sonderlich raus.
Hätte Khamutouski ähnlich schwach gehalten, wie
Thomas Frank pfiff bzw. seine beiden Assistenten winkten, wir hätten die Jacke
jetzt so richtig voll gekriegt. Haben wir aber nicht, denn Vasili hält alles.
Er muß den Ball ähnlich gemächlich auf sich zufliegen sehen, wie der Keanu
Reaves in Matrix die Kugeln. Bloß das Reaves
immer schnell weghüpft (Feigling!), während sich Khamutouski
zunächst in Da Silvos Flugkopfball wirft, um den
Bruchteil einer Sekunde später auch noch den Nachschuß zu parieren (77.). Nicht
anders zu erklären!
Jetzt sind wir wieder am Drücker. Simak
holt einen Freistoß raus, schießt ihn selbst. Die Hälfte unseres Blocks fällt
sich in die Arme, die andere sieht es etwas realistischer. Knapp drüber (85.).
Dann die große Möglichkeit für Schied. Ach nö, wie
kann man denn so was machen. Sein Kopfball von der Torraumgrenze geht rechts am
Tor vorbei. So steigt man ab! Dann sind nur noch drei Minuten zu spielen. Auf
einmal taucht Schied wieder vor Tschauners Tor auf.
Was jetzt passiert, läßt sich nicht mehr genau rekonstruieren. Es geht alles
rasendschnell. Wir liegen uns in den Armen, die Mannschaft steht vor dem
Fanblock und feiert. Alles flippt aus. Wir leben wieder! Schied hat das Ding
reingehämmert. 2:1. Das muß es doch sein. Der Rest ist Brüllen, Singen, Zittern
und dann… Feiern. Wir sind schweißgebadet, die Nerven sind runter, die
Stimmbänder abgenutzt. Erst im Parkhaus kommt der Puls wieder unter 200. Dort
haben wir auch genug Zeit dafür. Der Automat an der Ausfahrt ist im Eimer, einfach
weltmeisterlich! Aber auch das kann einen solchen Tag nicht mehr verderben!
Nächsten Sonntag kommt dann das Endspiel um Platz 17. Im
Falle des Nichtsiegens wird sich das Jenseits unter uns wieder ganz weit
auftun. Aber bis dahin aber können wir erst mal wieder Hoffen. Und das alleine
ist schon mehr als man vor einer Woche erwarten durfte. <bpf>
Bilder des Tages
Bericht auf tsv1860.de
Bericht auf fansmedia.org zu Vorgängen am Rande des Spiels
FC Carl Zeiss Jena - SpVgg. Greuther Fürth 1:0
Tor 1:0 Simak (11., FE)
- Jena: Khamutouski; Maul, Müller, Stegmayer; Werner, Hansen, Ziegner (46. Riemer), Simak, Kandelaki; Allagui (83. Schied), Torghelle (68. Petersen)
- Fürth: Kirschstein; Felgenhauer (66. Schröck), Biliskov,
Mausersberger, Achenbach; Ilicevic, Burkhardt, Lanig, Adlung (66. Nehrig,
, 90.); Kotuljac, Reisinger (46. Cidimar)
- Zuschauer: 5446
- Schiedsrichter: Anklam (Buchholz)
- Spielbericht:
-
Zu Ostern kehrte der Winter zurück. So konnte die vom Verband
vorgeschriebene, kostspielige Rasenheizung wenigstens einmal in dieser
Zweitligasaison ihren Zweck erfüllen, die über Nacht gefallenen Schneeflocken
zum Schmelzen zu bringen und einen möglichen Spielausfall abzuwenden.
Henning Bürger hatte im Vergleich zum Pokalaus von Dortmund
drei Veränderungen in der Anfangself vorgenommen. Diese sollten
spielentscheidenden Charakter tragen, denn alle drei Neuen waren an der
Entstehung des 1:0 beteiligt. Sandor Torghelle ging zum Mann und eroberte den
Ball. Nach Zuspiel des Ungarn auf seinen Stürmerkollegen leitete Sami Allagui
den Ball in die Mitte, wo Fürths Torhüter Kirschstein zwar den Ball erwischte,
aber auch das Bein von Ilja Kandelaki. Der Schiedsrichter zeigte auf den
Elfmeterpunkt und obendrein noch Gelb. Mit gewohnter Kaltschnäuzigkeit
verwandelte Jan Simak den Strafstoß genau ins linke untere Eck. Kirschstein
hatte zwar die Ecke geahnt, kam aber nicht mehr ganz hin.
Frühzeitig in
Rückstand geraten, mussten die Franken nun das Spiel gestalten. Eine Rolle, die
ihnen in den vergangenen Wochen nicht so wirklich lag und in Heimniederlagen
gegen Kaiserslautern und Koblenz mündete. Erschwerend kam hinzu, dass die
Rasenheizung zwar einen Großteil des Schnees wegbekommen hatte, der Boden
dennoch feucht und glatt war, bei jeder ruckartig schnellen Bewegung Probleme
bereitete. Gemessen an diesen Voraussetzungen war die Partie insgesamt durchaus
ansehnlich. So honorierten die Zuschauer beispielsweise Torghelles überlegt
gelupften Ball, den Kirschstein einen Augenblick vor Simak wegfing. Oder
Ziegners Fernschuss, der knapp am linken Pfosten vorbei strich. Mit 53 zu 47
Prozent gestalteten sich diesmal sogar die Zweikampfwerte positiv für den FC
Carl Zeiss. Dies hatte es nicht einmal in der total überlegen geführten ersten
Halbzeit gegen Wehen Wiesbaden gegeben. Auf
Fürther Seite sorgte Alksandar Kotuljac drei Minuten vor dem Pausenpfiff
für Gefahr. Seinen Torschuss fing zunächst Hansen kurz vor der Torlinie ab;
beim neuaufgebauten Angriff flankte Adlung von rechts, Kotuljac in der Mitte
kam einen Moment zu spät. Was sonst noch aufs Jenaer Tor flog, wurde zur Beute
des gewohnt sicheren Vasili Khamutouski. Dank seiner Paraden ging es mit
einem knappen Vorsprung in die Kabine.
Torsten Ziegner blieb gleich dort. Schon nach acht Minuten
hatte der Schiedsrichter-Assistent Jenas Trainer Henning Bürger geraten, den
Meckerns rotgefährdete Ziegner herunter zu nehmen, dieser besann sich aber bis zur Pause. Dass für ihn
danach Marco Riemer ins Spiel kam, kann durchaus als Wechsel auf die Zukunft
gesehen werden. Denn Talente wie das 20jährige Eigengewächs mit den roten
Zottelhaaren werden wir in Liga drei (wenn es denn dazu kommen sollte) gut
gebrauchen können. Da ist es auf jeden Fall von Vorteil, vorab schon mal
Zweitligaluft geschnuppert zu haben. Auf der ungewohnten Position im Mittelfeld
wäre dem gelernten Verteidiger beinahe ein ähnlicher Einstand gelungen wie
weiland Nils Petersen aus dem selben Jahrgang, der gleich nach seiner
Einwechslung beim Debüt einen Treffer erzielt hatte. Auch Riemer bot sich diese
Möglichkeit, stand er doch Sekunden nach Wiederanpfiff mutterseelenallein auf
Höhe des rechten Pfostens. Doch war er wohl zu sehr davon überrascht, dass der
Ball durch eine Spielertraube hindurch noch zu ihm gelangt war, um selbigen
überlegt im Tor versenken zu können.
Kurz danach mussten gleich zwei Jenaer behandelt werden.
Nach Foulspiel erwischte es zunächst Niels Hansen. Mit dem ehemaligen
Freiburger scheinen unsere Probleme auf der Sechserposition vor der Abwehr
beseitigt. Nun aber drohte sein Ausfall. Doch Hansen rappelte sich hoch. Kaum stand er wieder auf dem
Platz, warf sich Khamutouski mit vollem Einsatz in den Schuss eines allerdings
im Abseits befindlichen Fürthers. Aus drei Metern Entfernung traf ihn der Ball
voll auf die Nase. „Ich muss hinten die Null halten, wie ist egal“,
konnte der Weißrusse nach dem Spiel schon
wieder drüber lächeln. Nach endlos langen Minuten des Bangens um unseren
Top-Torhüter konnte aber auch dieser mit blutverschmiertem Trikot weitermachen.
Und das war wichtig, galt es doch nach einundsechzig Spielminuten eine Gästechance
zunichte zu machen, die entstanden war, nachdem Maul Gegenspieler Kotuljac
angeschossen hatte. In der Folgezeit rückte allerdings auch der ehemalige
HSV-Keeper Kirschstein wieder in den Brennpunkt. Zunächst bei Schüssen von
Torghelle (63.) und Allagui (73.). Nach deren Auswechslung im eins-eins gegen
Ilja Kandelaki, welcher eine schöne Einzelaktion von Nils Petersen nicht
verwerten konnte, das Leder nicht an Kirschstein vorbei brachte.
Der
Tabellenvierte, der in dieser Saison so gern das Prädikat „Unaufsteigbar“
loswerden möchte, wirkte insgesamt nicht zielstrebig genug. Lediglich der
Ex-Magdeburger Kotuljac mochte sich mit einer drohenden Niederlage in Jena
partout nicht abfinden, war links wie rechts als ständiger Unruheherd zu finden
und kam bei einer gefährlichen Flanke vors Tor erneut nur um einen Schritt zu
spät. Die Erhöhung der Pulsfrequenz, die nach dem Anzeigen von sechs Minuten
Nachspielzeit durch den Schiedsrichter hervorgerufen wurde, wurde abgemildert
durch die Rote Karte für Nehrig, der Kandelaki hinterrücks von den Beinen
geholt hatte. Da konnten auch zwei weitere Nachspielminuten nichts mehr
anrichten. Tobias Werner hätte aus spitzem Winkel sogar noch das 2:0 machen
können.
Dann war Schluss. Jubel bei den Zuschauern. Ähnlich wie beim Hinrundenerfolg gegen Offenbach, dem bisherigen Besucherminus, wurden die
Treuesten der Treuen für ihr Kommen belohnt. Spielt der FCC etwa
am erfolgreichsten, wenn der öffentliche Erwartungsdruck gering ist ? Dann
sollte er nächste Woche gleich da weitermachen, wo er diesmal aufgehört
hat. Denn so gut dieser Sieg für die Moral ist - er allein taugt noch
nicht für neue Rechenspielchen. <fc>
Kickers Offenbach - FC Carl Zeiss Jena 2:1
Tore: 1:0 Bancé (19.), 2:0 Bancé (47.), 2:1 Torghelle (89.)
- Offenbach: Thier; Hysky, Bungert, Sichone, Pinske; Mokhtari (81.
Watzka), Wörle, Sousa (58. Ogungbure), Judt (85. Epstein); Bancé,
Türker
- Jena: Khamutouski; Maul, Müller, Stegmayer; Amrhein (46.
Torghelle), Hansen, Ziegner, Simak, Werner; Allagui, Schied (80. Saka)
- Zuschauer: 9285
- Schiedsrichterin: Steinhaus (Hannover)
- Spielbericht:
-
Dortmund im Kopf – Offenbach vor der Brust. Es war von
vornherein zu befürchten, dass dieses Spiel vier Tage vor dem
DFB-Pokalhalbfinale so laufen würde wie es gelaufen ist. Selbst deutsche
Spitzenklubs patzen regelmäßig, wenn sie mit ihren Gedanken bereits bei der
Championsleague sind. Klar hätten wir uns angesichts des prekären
Tabellenstandes anderes gewünscht. Schließlich war es wohl die allerletzte
Chance, doch noch eine zum Klassenerhalt führende Siegesserie einzuleiten. Aber
auf Dortmund und erst viel später mal aufs Offenbach-Spiel zu sprechen kamen ?
Für die Hessen ist der Kampf gegen den Abstieg hingegen
allgegenwärtig und diesen Unterschied merkte man bereits zu Beginn. Stegmayer
musste gegen Mokhtari und Türker zweimal in höchster Not zur Ecke klären,
Khamutouski den Kopfball des unbedrängten Bancé halten. Dass die Gastgeber
nicht frei von Nervosität waren, wurde in der 16. Minute deutlich, als sich
zwei OFC-Verteidiger nach Allaguis Eingabe gegenseitig anschossen. Amrhein
wusste mit der sich bietenden Chance jedoch nichts anzufangen. Im Gegenzug holte
Mokhtari erneut einen Eckball heraus. Hoch flog dieser an die Torraumgrenze, wo
Bancé den Kopfball genau zwischen Keeper und den am Pfosten postierten
Verteidiger ins Netz setzte. Nun besitzt dieser Bancé mit einem Meter
zweiundneunzig Körpergröße annähernd Gardemaß, nur ist unser Alexander Maul ja auch kein
Zwerg ! Allerdings hätte er mindestens genauso hoch springen und vor allem enger am Mann zum Ball
gehen müssen, um den Riesen im Sturmzentrum ernsthaft zu stören.
Jena lag 0:1 zurück
und der eine oder andere Spieler wird wieder Dortmund im Kopf gehabt haben.
Könnte die zu investierende Kraft, die nötig ist um dieses Spiel zu drehen, am
Dienstag nicht eventuell fehlen ? Nur zweimal vor der Pause blitzte Klasse auf.
Wie zu seinen besten Zeiten spielte Torsten Ziegner in der 28. Minute einen klugen Pass auf
Allagui, dessen Schuss aber am langen Pfosten vorbei strich.
Und in der 37. Minute bekam Thier Probleme mit
einem 25-Meter-Schuss Simaks. Den Abpraller versuchte Schied zu erlaufen, wurde
von Hysky aber umgerempelt. Deutschlands Vorzeigeschiedsrichterin Bibiana
Steinhaus ließ weiterspielen. In der Nachspielzeit der ersten Hälfte wurde
Mokhtari auf Rechtsaußen nicht gestört, denn tückisch aufsetzenden Ball
parierte Khamutouski genauso souverän wie den anschließenden Volleyschuss
Sousas.
„Der Gast aus Carl Zeiss Jena“ (Zitat Stadionsprecher)
brachte zur zweiten Halbzeit Torghelle für Amrhein. Alles oder nichts also mit
drei Stürmern. Doch was nutzen sämtliche in der Kabine gefassten Vorsätze, wenn eine
Minute nach Wiederanpfiff wieder so eine Panne in der Zuordnung passiert !
Bancé erfreute sich diesmal der Begleitung durch Stegmayer und diese
Formulierung ist ganz bewusst so gewählt. Denn Stegi mit seinen
176 Zentimetern ist von seinen körperlichen Voraussetzungen her natürlich kaum in
der Lage, dem Riesen mit den goldenen Schuhen und gleichfarbigen Haaren Paroli
zu bieten.
Mit dem zweiten Gegentor schienen die Messen gelesen. Zwar spielte
sich Mitte der zweiten Halbzeit
viel in der Hälfte der Gastgeber ab. Doch hatte man nicht den Eindruck, das
Blatt könne sich noch mal wenden. Auch weil Jan Simak zwar gewohnt viel am Ball
war, ihm aber deutlich mehr Fehlpässe unterliefen als sonst. Die besseren
Chancen hatten auch in dieser Phase die Jungs vom Bieberer Berg. Bancé und
Türker scheiterten jedoch wiederholt an Khamutouski – dem Einzigen, der unter
Beobachtung von Dortmunds Trainer Doll am Freitag uneingeschränkte Klasse
nachwies. Arm an Emotionen plätscherte das Spiel seinem Ende entgegen. Dem bei
solchen Szenarien obligatorischen „Ihr könnt nach Hause fahrn“ der OFC-Fans
begegneten Jenas Anhänger mit einem weniger üblichen „Dritte Liga und
UEFA-Cup“. Und siehe da, plötzlich begannen die Blauen in den letzten zehn Minuten
noch richtig Fußball zu spielen ! Simak rutschte der Schuss nach Sakas
Vorarbeit noch über den Spann (84.). Ein Offenbacher Verteidiger rettete im
letzten Moment vor dem einköpfbereiten Allagui (85.). Und Jan Simak traf drei
Minuten vor Schluss wieder einmal das Aluminium. Das Glück ist uns - zumindest
in den Meisterschaftsspielen - wahrlich nicht hold in letzter Zeit. So fiel der
im zweiten Zupacken gegen Thier erzielte Anschlusstreffer von Sandor Torghelle
zu spät.
Dortmund im Kopf und Dortmund nun auch bald vor der Brust.
Endlich. Wenn an der Geschichte mit der verpatzten Generalprobe vor einem
gelungenen Auftritt was Wahres dran ist, wird es am Dienstag ein sehr schöner
Abend. <fc>
FC Carl Zeiss Jena - SV Wehen Wiesbaden 2:2
Tore: 1:0 Schied (25.), 2:0 Werner (33.), 2:1 Werner (82.ET), 2:2 Schmidt (89.)
- Jena: Khamutouski; Maul, Müller, Stegmayer; Amrhein, Hansen (75.Kühne), Ziegner, Simak, Werner; Allagui, Schied (73.Petersen)
- Wiesbaden: Richter; Simac (76.Hollmann), Kopilas, Glibo, Kokot
(67.Atem); Siegert, Schwarz, Bick (84.Schmidt), Nicu; König, Diaketé
- Zuschauer: 6721
- Schiedsrichter: Wingenbach (Diez)
- Spielbericht:
- Blauer Himmel, Sonnenschein und beste Stimmung auf den Zuschauerrängen waren beste Rahmenbedingungen, um endlich die längst
erhoffte Aufholjagd mit einem Sieg zu starten und die bittere Hinspielniederlage in der Commerzbankarena endgültig vergessen zu machen.
Die Jenaer begannen auch sofort druckvoll und schnürten die Gäste in deren Hälfte ein, und bereits nach gut 30 Sekunden
hätte es bereits schon 1:0 für die Platzherren heißen können. Allagui tauchte nach einem abgefälschten Steilpass
urplötzlich vor Gästekeeper Richter auf, aber anstatt sich die Torecke auszusuchen, um die Führung zu erzielen, entschied
er sich für einen Querpass auf Schied, für den dieser Pass aber letztendlich zu ungenau ankam und der Schusswinkel dadurch zu
spitz wurde. Aber diese Möglichkeit war gleichzeitig die Initialzündung im Jenaer Spiel, und sie begannen ihr druckvolles Spiel
zu entfachen. Bis auf zwei Freistoss-Standardsituationen war von den Gästen in Halbzeit eins fast nichts zu sehen. Ganz anders
dagegen der FCC, der in der 22.Minute die nächste gute Tormöglichkeit besaß. Ziegner hatte einen Freistoss von halbrechts
gefährlich vor das Tor der Wiesbadener gezirkelt, die diesen Ball einfach nicht aus der Gefahrenzone brachten. Jan Simak fasste
sich ein Herz und Richter musste sein ganzes Können in dieser Szene unter Beweis stellen, um diesen herrlichen Schuss gerade noch
aus dem Toreck zu entfernen. Aber nur drei Minuten war auch er dann machtlos, als diesmal Schied mit einem wunderschönen Steilpass
bedient wurde. Dieser ließ sich diese Chance nicht entgehen und schob den Ball zum viel umjubelten Führungstreffer für
die Jenaer ein. Der FCC machte nach diesem Treffer weiter Druck und Hansen scheiterte nur wenig später per Kopfball aufs kurze Eck
an Richter, der sich mittlerweile zum besten Akteur seines Teams avancierte. Der Sekundenzeiger hatte sich nach dieser Toraktion noch
keine Runde gedreht, da klingelte es erneut im Kasten der Wiesbadener. Der am heutigen Tage unheimlich quirlige Allagui konnte sich
wiederholt im 1:1-Duell im Strafraum gegen seinen Widersacher durchsetzen und zog diesmal sofort ab. Torwart Richter war zwar erneut
auf dem Posten und konnte den Schuss parieren, allerdings nur zur Seite, wo Werner goldrichtig stand und keine Mühe hatte, den
Ball über die Linie zu schieben. Schiedsrichter Wingenbach hätte kurz danach fast entscheidend in das Spiel eingegriffen,
als er ein glasklaren Handspiel eines Wiesbadener Spielers nicht abpfiff, sondern den Hessen dadurch eine gute Konterchance ermöglichte,
die aber Diaketé per Kopfball aus Nahdistanz zum Glück der Jenaer nicht nutzen konnte. Und noch einmal war es Allagui, der
kurz vor dem Pausentee (41.) seinem Gegenspieler entwischt war, aber auch diesmal konnte Richter dieses Duell für sich entscheiden
und die eventuelle Vorentscheidung in dieser Partie verhindern.
Nach der Pause kamen die Gäste wie verwandelt aus der Kabine und setzen die Jenaer gehörig unter Druck. Aber die entscheidenden
Tormöglichkeiten blieben noch aus, da die Abwehr des FCC bis dato sicher stand. In der 56.Minute dann doch fast der Anschlusstreffer,
doch Jenas Kapitän Alex Maul konnte in letzter Sekunde noch vor Nicu klären. Aber der Druck der Hessen ließ nicht nach und
Trainer Hock setzte alles auf eine Karte und wechselte einen weiteren Angriffspieler für einen Abwehrspieler ein. Doch trotz Überlegenheit
der Gäste waren es die Jenaer, die durch Allagui eine weitere Torchance zur Vorentscheidung hatten, doch bei Richter konnten sich die
Hessen heute bedanken, dass sie speziell in der ersten Halbzeit nicht unter die Räder gekommen waren. Die Minuten vergingen, die Partie
wurde zunehmend hektischer und die Nickligkeiten im Spiel häuften sich. In dieser Phase (80.) hätte der FCC alles klar machen können,
als ein gefährlicher Konter über Allagui und Simak gestartet wurde, doch zur Verzweiflung der Zuschauer bleib auch diese gute
Tormöglichkeit ungenutzt, da es Allagui nicht gelang, den vor dem Tor freistehenden Simak mit einem Querpass anzuspielen. Kurz darauf
waren die Gäste wieder an der Reihe und Stegmayer war es, der gerade noch zur Ecke klären konnte. Der anschließende Eckball (82.)
kam herein und Werner wollte am langen Pfosten der Ball aus der Gefahrenzone befördern, aber leider rutschte ihm bei dieser Rettungsaktion
der Ball über den Spann und der Ball lag im eigenen Tor. Ratlose Gesichter auf dem Rasen. Die Angst ging fortan um und man merkte den
Zeiss-Kickern die zunehmende Verunsicherung an. Sechs Minuten vor Ultimo hätten die Jenaer endgültig alles klar machen können,
doch das Glück blieb den Jenaern nicht hold und der herrliche Kopfball von Petersen klatschte an den Pfosten. Sekunden später
versuchte der eingewechselte Petersen sein Glück, aber auch sein Schuss verfehlte nur um Zentimeter das Gehäuse. Es lief bereits
die vorletzte Minute, da warfen die Hessen noch einmal alles nach vorn. Jenas Abwehr war einen Moment überhaupt nicht im Bilde und
Schmidt nutzte diesen Fauxpas eiskalt aus und verwandelte zum fast nicht mehr für möglich gehaltenen Ausgleich. Sekunden vor
dem Abpfiff hätte Simak die Jenaer Fans mit seinem Freistoß doch noch in Jubelschreie versetzen können, doch Keeper
Richter hatte etwas dagegen und verwehrte den Jenaern den verdienten Sieg.
Ein Fazit nach dieser Partie zu ziehen fällt sichtlich schwer, doch leider sollte sich auch heute erneut eine der abgedroschenen
Fußballerweisheiten bewahrheiten: Wer seine Chancen nicht nutzt, muss sich nicht wundern, am Ende mit leeren Händen dazustehen.<vg>
TuS Koblenz - FC Carl Zeiss Jena 2:0
Tore: 1:0 Djokaj (17.), 2:0 Pektürk (90. +1)
- Koblenz: Eilhoff; Mavric, Hartmann, Ziehl (77. Sukalo),
Cha, Richter, Fernandez (55. Vata), Lomic, Dzaka, Djokaj, Kuqi (66.
Pektürk)
- Jena: Khamutouski; Müller, Omodiagbe, Stegmayer; Holzner
(75. Saka), Kühne, Ziegner, Simak, Werner (62. Allagui);
Schied, Petersen (62. Amrhein)
- Zuschauer: 10.676
- Schiedsrichter: Bandurski (Essen)
- Spielbericht:
- „Ich weiß nicht was soll es bedeuten, dass
ich so traurig bin“ eröffnete Heinrich Heine einst sein Gedicht zu Ehren jener
Loreley, die der Sage nach nur wenige Kilometer rheinaufwärts von Koblenz auf
einem Felsen singend ein ums andere Schiff an der zerklüfteten Flussbiegung
zerschellen ließ. Ins Reich der Sagen und Legenden wird auch Jenas
Viertelfinalerfolg in Stuttgart bald Einzug halten, und angesichts der noch
immer unfassbaren Sensation, die Bürgers Elf in Schwaben erreichte, fiel es
schwer, das Augenmerk wieder voll auf den Ligaalltag zu lenken. Bitter nötig
war dies, wollte man die Hoffnungen auf den Klassenerhalt nicht endgültig am
Deutschen Eck zerschellen sehen, und selbst auf den Grund der Zweitligatabelle
sinken.
Henning Bürger musste seine heldenhafte
Pokal-Elf notgedrungen umstellen, angesichts der seltsamen DFB-Gerichtsbarkeit
saß Alexander Maul weiterhin eine nicht nachvollziehbare Sperre ab, so dass der
wiedergenesene Omodiagbe seinen Platz in der Innenverteidigung einnahm.
Sicherheit brachte dies nicht, im Gegenteil, ganz ähnlich der allgemein
grassierenden Grippewelle steckte der Nigerianer seine Kameraden mit
zahlreichen Unsicherheiten an und man fragte sich nach 10 gespielten Minuten
verdutzt, ob die Körpersprache, das ausgestrahlte Selbstbewusstsein ein
jämmerlicheres Bild gegeben hätte, wäre der FCC in Stuttgart mit 0:5 unterlegen
Halbzeit unter dem aktuellen Trainer, in der bis auf eine Schied-Chance (2.),
der einen Ziegner-Schuss um ein Haar ins Tor abfälschte, rein gar nichts
zusammenlief. Koblenz lockte Jena heraus, um dann überfallartig mit weiten
Bällen auf die meist über außen kommenden Spitzen Gefahr zu erzeugen. Der FCC,
wieder mit Dreierkette agierend, fand dagegen überhaupt kein Rezept. Doch da
Hartmann, Djokaj, Dzaka und Co. ihre Chancen gleich reihenweise liegen ließen,
bei Müllers Fast-Eigentor auch etwas Pech hatten, wäre es möglicherweise mit
einem für den FCC angesichts des Spielverlaufs hochgradig zufriedenstellenden
0:0 in die Kabinen gegangen, hätte die in den letzten Wochen schon
ungewöhnliche Pechsträhne mit Schiedsrichterentscheidungen nicht ihre
Fortsetzung gefunden. Ein langer Ball aus der eigenen Hälfte findet Djokaj, der
die Kugel mit der Hand an Khamutouski vorbeilegt und dann im leeren Tor
einschiebt. Schiedsrichter Bandurski hatte freie Sicht auf die Aktion, wollte
aber dennoch keine Regelwidrigkeit gesehen haben, so dass der FCC nach Aachen
und Hamburg nun schon das dritte irreguläre Gegentor binnen weniger Wochen
kassierte. Von umstrittenen Platzverweisen ganz zu schweigen, denn Sandor
Torghelle dürfte sich bei Lomics nur mit gelb geahndetem Nachtreten gegen
Holzner schon gefragt haben, wofür er eigentlich vier Spiele Sperre aufgebrummt
bekam. Ich weiß nicht, was soll es bedeuten. Doch bei aller Kritik am Referee, was
Jena in den ersten 45 Minuten bot, war nicht im Ansatz besser und man fragte
sich, wer außer dem Keeper und Robert Müller eigentlich nicht ausgewechselt
werden müsste.
Dies sollte sich nach dem Seitenwechsel zumindest phasenweise
ändern, Petersens kurz vor der Linie geklärter Flachschuss (47.) im Anschluss
an eine Simak-Ecke sorgte für Hoffnung im mit knapp 1.000 Zeissfans
proppevollen Gästeblock. Beide Protagonisten fanden sich auch eine
Viertelstunde später im Zusammenspiel im Mittelpunkt, als Simak ein
Petersen-Abspiel artistisch aufnahm und auf das Eilhoff-Gehäuse zusteuerte,
aber im Strafraum bei der Schussabgabe umgerannt wurde. Der Ball landete am
Außenpfosten – der Elfmeterpfiff blieb aus. Koblenz sah sich nun vorwiegend in
die eigene Hälfte gedrängt, die Ballbesitzstatistik von 60:40 für Jena kam
nicht von ungefähr, verteidigte aber geschickt und blieb mit schnellen
Gegenstößen stets gefährlich, Dzaka und der für den Ex-Jenenser Kuqi
eingewechselte Pektürk verpassten die Vorentscheidung. So hatte Torsten Ziegner
mit einer strammen, von Eilhoff gerade noch so um den Pfosten gelenkten
Freistoßablage Simaks den Ausgleich auf dem Fuß. Doch als auch Stefan Kühne
seine Großchance um Zentimeter am Pfosten vorbeistocherte (86.), war den
meisten klar, „was dies bedeuten sollte“. 91. Minute, nach Ballverlust des
eingewechselten Saka wieder ein schneller Gegenstoß über Vata, und diesmal
machte es Pektürk besser, bugsierte das Leder unter Mithilfe des Innenpfostens
zur Vorentscheidung ins Tor. Dass sich Jenas Elf selbst danach nicht aufgab und
sich mit Stefan Kühnes Knaller knapp am Tor vorbei sogar noch eine Möglichkeit
bot, spricht für die Moral in der Mannschaft. Für die Qualität, die Klasse zu
halten, sprach der Auftritt über 90 Minuten jedoch nicht. Auch wenn erneut ein
Schiedsrichter – nebst dem Koblenzer Handballspieler – die Begegnung maßgeblich
beeinflusste, das war einfach zu wenig, um die „nun wirklich“ letzte Chance
beim Schopfe zu packen. „Ich weiß nicht was soll es bedeuten, dass ich so
traurig bin“. Abstieg. 3. Liga. <gunner>
FSV Mainz 05 - FC Carl Zeiss Jena 2:2
Tore: 1:0 Feulner (28.), 2:0 Karhan (56./FE), 2:1
Simak (59.), 2:2 Allagui (83.)
- Mainz: Ischdonat; Hoogland, Subotic, Noveski, Rose (46.
Demirtas); Karhan, Damir, Vrancic (84. Amri), Pekovic, Feulner;
Borja (85. Jovanovic), Boakye
- Jena: Khamutouski; Holzner, Müller, Omodiagbe, Stegmayer;
Ziegner (78. Saka), Kühne, Simak, Werner; Petersen (58. Allagui),
Schied (78. Amrhein)
- Zuschauer: 19.500
- Schiedsrichter: Willenborg (Osnabrück)
- Spielbericht:
- Die Tage des Mainzer Stadions sind gezählt. Mit Beginn der
Saison 2010/2011 soll eine neue Fußball-Arena eingeweiht werden. Angesichts der
Tabellensituation beider Mannschaften stellt sich also die Frage, ob das Spiel
vom Freitagabend das letzte Jenaer Gastspiel am Bruchweg gewesen ist.
Fast 20.000 Zuschauer sorgten für die gewohnt gute
Atmosphäre. Mögen die Gastgeber mit ihren unzähligen Mainz 05-Liedern
vielleicht etwas zu viel Primborium veranstalten – ihr „you’ll never walk
alone“ bekommen nicht viele in Liga zwei so hin. Jenas 500 mitgereiste Anhänger
mochten sich daran nicht beteiligen (warum eigentlich nicht?), verschafften
sich dafür nach zehn gespielten Minuten Gehör: Mit „Hier regiert der FCC“ lagen
sie zu diesem frühen Zeitpunkt durchaus richtig, denn die ersten Akzente, die
ersten Standarts hatten die Thüringer gesetzt. Holzner war für Amrhein in die
Startelf gerückt, machte sein erstes Spiel seit November. Die erste
Tormöglichkeit im Spiel besaß dann aber doch der Tabellenzweite. Karhans weiten
Einwurf konnte Müller mal eben noch vor Boakye zur Ecke klären. Derartig
drangvoll erlebten wir die vier Tage zuvor mit einem Auswärtssieg in
Mönchengladbach glänzenden Mainzer jedoch selten. Einer der Gründe hierfür
heißt Jan Simak, der im Mittelfeld für ein Gleichgewicht sorgte, spielerisch
wie kämpferisch erneut eine herausragende Leistung bot. Kein Wunder, dass immer
mehr Bundesligisten hinter ihm her sind. Vom technischen Potential her gab es
nach Bernd Schneider sicherlich keinen besseren im Zeiss-Trikot als
ihn. Simaks Schrägschuss vom linken Strafraumeck in Minute 21 rauschte nur
knapp am Mainzer Gehäuse vorbei.
Sieben Minuten später: Felix Holzner fängt
einen Mainzer Angriff ab, doch verspringt ihm das Leder zu weit vom Fuß. Weil
das Not-Tackling misslingt, hat Feulner freie Bahn zum Tor, umspielt
Khamutouski und trifft zum Führungstreffer. Woche für Woche das selbe Bild: Es
sind die individuellen Patzer im Abwehrzentrum, die den FC Carl Zeiss immer
wieder ins Hintertreffen geraten lassen. Da half auch ein weiterer schöner
Simak-Schuss vor der Pause nichts mehr.
Nach Wiederanpfiff legte Karhan für Feulner auf. Doch erst
dessen Wegrutschen eröffnete den Mainzern eine Torgelegenheit, bei der Boakye
von Khamutouski und Omodiagbe mit vereinten Kräften gestört werden konnte.
Chancen gleichsam aus dem Nichts – irgendwie war das typisch für dieses Spiel.
Auch fürs zweite Gegentor. Klar drängte der ballführende Feulner mit viel Elan
in den Strafraum. Doch unmittelbare Torgefahr bestand da kaum, dafür war der
Winkel zu spitz und Omodiagbe noch in der Nähe. Holzner zog Feulner jedoch so
ungestüm zu Boden, dass der Referee sofort auf den Elfmeterpunkt zeigte. Da der
Strafstoß saß, drohte Holzner bei seinem Comeback zur tragischen Figur zu
werden. Dabei hatte er insgesamt keine schlechte Partie gespielt, jedoch in
zwei entscheidenden Szenen das Nachsehen gehabt. Nur gut, dass auch Jena noch
seine Chance aus dem Nichts bekam. Bei Simaks diagonalem Freistoß rückten fünf
Mainzer und vier Jenaer in Richtung Tor, keiner berührte jedoch den Ball. Auch
nicht Torwart Ischdonat, der durch die Spielertraube wohl irritiert war. 1:2 -
da ging noch was. Bürger versuchte es mit frischen Kräften, brachte zunächst
Allagui, dann Saka und Amrhein. Was umgehend Wirkung zeigte. Amrheins straffen
Schuss aus 23 Metern konnte Ischdonat nur nach vorn abwehren, Saka setzte den
Abpraller aber am langen Eck vorbei. Welch ein Glück, das da noch was nachkam
! Und zwar in Minute 83: Eckball von
Simak, präzise auf Allagui, der aus Nahdistanz trotz Bedrängnis ins Netz köpft.
Wieder einmal hatte der FCC aus scheinbar aussichtsloser Lage herausgefunden.
Dass er den redlich erkämpften Punkt am Ende auch mitnehmen durfte, verdankt er
seinem Torhüter. Klasse, wie Vasili Khamutouski in der 85. Minute Hooglands
tückischen Aufsetzerkopfball aus nur sechs Metern Torentfernung zur Ecke lenkte
!
Eine Unsportlichkeit der Mainer hätte der Partie dann beinahe ein schlimmes
Ende bereitet. Mehrere Male zuvor hatten die da noch zurückliegenden Jenaer den
Ball ins Aus gespielt, wenn ein 05er verletzt am Boden lag. Doch als Darlington
Omodiagbe nach Zweikampf unglücklich aufgekommen regungslos auf dem Rasen
liegen blieb, spielten die Rot-Weißen weiter. Dabei zählte jede Sekunde, denn
Omodiagbe hatte das Bewusstsein verloren und seine Zunge verschluckt ! Gottseidank
erfolgte die Hilfe gerade noch rechtzeitig und mit einer leichten
Gehirnersschütterung ging alles noch recht glimpflich ab. Dass die Jenaer
das Match zum dritten Mal in Folge nur zu zehnt beenden konnten, hatte keinen Einfluss auf das Endergebnis.
Henning Bürger hatte unter der Woche kein bisschen
übertrieben. Die Moral stimmt in dieser Mannschaft hundertprozentig.
Das ist wichtig, weil sich der Druck weiter erhöhen wird. Denn gegen
die nun folgenden Punktspielgegner müssen endlich wieder Siege her. <fc>
FC Carl Zeiss Jena - 1. FC Köln 1:3
Tore: 0:1 Helmes (28.), 1:1 Müller (61.), 1:2 Novakovic (80.), 1:3 Novakovic (90.)
- Jena: Khamutouski; Maul (
, 48.),
Müller, Omodiagbe, Stegmayer (83. Saka); Amrhein (59. Allagui),
Kühne, Ziegner, Simak, Werner (83. Petersen); Schied
- Köln: Mondragon; Ümit Özat, Mohamad, McKenna, Ehret;
Broich (72. Gambino), Mitreski, Antar, Vucicevic (68. Chihi); Helmes (89.
Scherz), Novakovic
- Zuschauer: 9904
- Schiedsrichter: Henschel (Braunschweig)
- Spielbericht:
- Es gibt Spiele, da ist auf dem Rasen richtig viel los – und
hinterher fehlen dir trotzdem die Worte für den Spielbericht. Und im Stadion,
nach dem Spiel, verhindern lediglich Anstand und gute Erziehung (und vielleicht
auch die doppelte Kette aus Gelb und Dunkelblau), dass du deine Meinung über
Referee und DFB-Lieblinge in den Gästebus stanzt.
Am kalten Freitagabend begann der FCC zunächst
unterkühlt-vorsichtig, um nicht ins offene Messer der Gäste zu laufen, die spielerisch
eine schnelle, feine Klinge schlugen. Trotzdem kam der FCC ganz gut nach vorn
und hatte einige interessante Szenen, z.B. als Stegmayer eine scharfe Flanke
vors Tor schlug oder Mondragon Ziegners
Freistoß wegfaustete. In der 23. min gab es dann nach der dritten Kölner Ecke
die erste brenzlige Szene vor unserem Tor, als Kühne den Ball zu kurz abwehrt,
Khamutouski den Schuss jedoch parieren kann. In der 27. min gab es dann auf der
Gegenseite die erste zornerregende Szene, als nach einer Ecke Schied (?) schießen
will, der Kölner jedoch mit gestrecktem Bein „drüberhält“.
weiterspielen. Zwei Minuten später tändeln Khamutouski und Omodiagbe bei einem
Abstoß herum, der schwache Abschlag des Torwarts in den Mittelkreis kommt
prompt als Steilpass auf Helmes, der zum 0:1 einschiebt; Müller stand zu weit
weg. Kurz danach verhindert Khamutouski mit einer tollen Parade das
spielvorentscheidende 0:2, als er gegen Broich blitzschnell reagierte. Ein Aufstöhnen
ging durchs Stadion, als Werner nach der dritten FCC-Ecke einen Schuss von der
Strafraumgrenze an die Lattenunterkante nagelte. Den zurückspringenden Ball
erlief einer im weißen Trikot (Kühne?), wurde jedoch durch einen Kölner
umgerissen. Strafstoß? Vergiss es! Der Herr Henschel aus Braunschweig –
spätestens jetzt war die Bezeichnung „Unparteiischer“ falsch – schien zur
60-Jahr-Feier nach Köln eingeladen gewesen zu sein und verteilte hier sein
zweites Geschenk des Abends an den Ziegenverein. Tut mir leid, aber so etwas
kann man nicht falsch oder gar nicht sehen – das ist Vorsatz! Im Jenaer Angriff
merkte man doch, dass man mit einem Ein-Mann-Sturm agierte – und Simak, der
immer wieder mal als zweite Spitze in den aufrückte, konnte sich die Pässe trotz
einer ganz starken Leistung ja schließlich nicht selbst vorlegen. Aber vor der
Pause erreichte eines dieser Anspiele den rechts in den Kölner Strafraum
laufenden Schied, der aber mit seinem Schuss aus spitzem Winkel keinen Erfolg
hatte.
Unmittelbar nach Wiederanpfiff gab es das nächste
Geburtstagsgeschenk an die Kölner. Maul trennte per Tackling an der rechten
Seitenlinie den Ball vom Kölner Spieler und während auf der Tribüne
Diskussionen über den Freistoßpfiff an sich aufbrandeten, zeigte der Schiedsrichter
Alex Maul… „Rot“!!! Was ging denn hier ab! Ich war einfach sprachlos! Wut,
Entsetzen, Fassungslosigkeit – die Gesichter meiner Platznachbarn spiegelten
vieles wieder, aber nicht einmal ansatzweise gab es Verständnis für diese
Entscheidung. Wenn sich bis dahin vielleicht bei einigen oder vielen auf dem Rasen
und den Rängen innerlich Resignation breitmachen wollte, mit diesem
Platzverweis hatte der Schiedsrichter alle, die sich dem FCC verbunden fühlen,
aufgerüttelt. Die Stimmung auf den Rängen brodelte, die Mannschaft drehte auf
und das Spiel kippte optisch zu Gunsten des FCC. Und Mondragon
tauchte in der 55. min blitzschnell ins lange Eck, um Schieds
Schuss den Weg ins Netz zu verwehren. Fünf Umdrehungen des Sekundenzeigers
später: Simaks Freistoß hoch in den Strafraum neben das lange Toreck, Kopfball
von Kühne quer und Müller machte den Ausgleich. Jaaaaaa!
Der Vulkan EAS schien zu explodieren! Und der FCC machte weiter, drückte auf
das wichtige drei Punkte bedeutende 2:1 und hatte eine gute Chance, als
Schied gegen den herausstürzenden
Mondragon leider einen Schritt zu spät kam. Und die Kölner
schienen völlig überrascht zu sein, dass diese Jenaer Mannschaft trotz
Unterzahl, trotz permanenter Benachteiligung in der Zweikampfbeurteilung
(Werner wird in der 69. min gefoult und bekommt dafür „Gelb“ wegen „Schwalbe“!)
Das sah richtig gut aus. Und Köln leistete einen weiteren Beitrag zur
Unbeliebtheit, als man den Ball trotz eines am Boden liegenden Werner nicht
sportlich-fair ins Seitenaus spielte, sondern ungerührt einen Angriff
initiierte. Chihi köpfte aber freistehend vorbei.
Und
dann lief es wie so oft in dieser Saison: Jena machte (in Unterzahl) das Spiel,
der Gegner einen vernünftige Spielzug, dazu ein Abwehrfehler (einem Jenaer
rutschte die Flanke unterm Fuß durch) und wir lagen wieder hinten. Novakovic knallte
den Ball aus 22 m Entfernung ins untere Toreck und Khamutouski war chancenlos.
Dieser Gegentreffer war der moralische Genickbruck für unser Team, es lief
nicht mehr viel, die fehlende Kräfte (bis dahin durch überdurchschnittlichen
Kampfgeist wettgemacht) und es war eigentlich der Dummheit der Kölner
geschuldet, dass das 1:3 erst tief in der Nachspielzeit fiel.
Interessant war noch die Pressekonferenz: Bürger fasste sich
sehr kurz (ein passendes Statement wäre sicher zu teuer geworden), Daum
palaverte minutenlang Nichtssagendes und Rainer Zipfel sagte – mit sehr
gesetzten Worten – was er von der Schiedsrichterleistung heute und in den
letzten Wochen hielt. Bravo! Sollte die Aussage des FCC-Präsidenten
irgendwelche finanziellen Sanktionen seitens des DFB nach sich ziehen,
beteilige ich mich an einer Sammlung beim nächsten Heimspiel. <uk>
FC St. Pauli - FC Carl Zeiss Jena 2:2
Tore: 1:0 Takyi (13.,FE), 1:1 Ziegner (54.), 1:2 Simak (68.,FE), 2:2 Bruns (88.)
- St.Pauli: Borger; Rothenbach, Morena, Eger, Gunesch; Takyi, Boll, Meggle,
Schultz (46.Sako); Schnitzler (65.Braun), Kuru
- Jena: Khamutouski; Maul, Müller, Stegmayer; Amrhein, Kühne, Ziegner, Werner; Simak (83.Kandelaki);
Torghelle (
, 17.), Schied (87. Petersen)
- Zuschauer: 20.217
- Schiedsrichter: Winkmann (Kerken)
- Spielbericht:
- (von Gastkommentator Thomas Neumann)
13 Punkte, Platz 17, Spieltag 19 - das ist die wenig schmeichelhafte Zwischenbilanz vor dem Auswärtskick in Hamburg. Ich neige nicht
zu übermäßigen Optimismus oder Pessimismus im Bezug auf meinen FCC, aber realistisch betrachtet sollte man die Möglichkeit
des Abstieges mittlerweile wohl in die Prognosen für das Saisonergebnis mit einbeziehen.
Was solls - hilft ja nix. Auswärts läuft es diese Saison ja eh besser als zu Hause und so startet die dreiköpfige Niedersachsen -
Fraktion am Freitagmittag von Hannover nach Hamburg. Auf der A7 bis Hamburg gibt's jede Menge Thüringer Kennzeichen zu begucken und auch
der "Vor dem Spiel" - Bummel durch den Kiez bietet jede Menge blau - gelb - weiße Fanutensilien fürs Auge. Der guten Ordnung halber
sei natürlich noch erwähnt, dass das Ganze nach eigenem Erleben total "stressfrei" abläuft und nette Gesten und Wünsche der
Einheimischen keineswegs die Ausnahme sind.
In einer Ecke der Nordtribüne ist seit Neuestem der Gästeblock auf St. Pauli untergebracht, der von den anwesenden ca. 1500 FCClern
gut gefüllt wird. Das die Hafenhamburger nun extra für das Gastspiel des Europapokalfinalisten von 1981 eine zusätzliche
Stahlrohrtribüne auf der Nordseite ihres Stadions errichtet haben, erscheint auf den ersten Blick zwar übertrieben, ist aber
angesichts des Gegners nun nicht gar so abwegig.
Der sportliche Teil des Abends beginnt mit einer Jenaer Großchance als Jan Simak sich in der 4. Minute schön auf der rechten
Seite durchsetzen kann, jedoch lieber in der Mitte Thorgelle bedient, statt selber direkt abzuschließen. Während der Gästeblock
noch dieser Chance nachtrauert, spielt sich am anderen Ende des Stadions bereits Teil 1 der mysteriösen Schiedsrichterentscheidungen des
Abends ab. Fakt ist, ich habe aus ca,. 100 m Entfernung in einem Gestocher im Strafraums kein Handspiel - ein Dank an den Stadionsprecher der
den Grund für den Elfmeter mitmeldete - gesehen. Ohne mein Einverständnis verwandelt Takyi trotzdem sicher zum 1:0 in der 13. Minute.
Wenig später (18. Min.) scheint das Spiel schon endgültig gelaufen, als Sandor Torghelle wegen einer Tätlichkeit mit Rot vom
Platz fliegt. Ich habe unter den reichlich bescheidenen Sichtverhältnissen des Gästeblockes, dieses Nachtreten von ihm mit dem
Fuß relativ klar gesehen - der Schiri wohl auch - und bin gespannt, ob dies nicht schon bereits der letzte Pflichtspielauftritt
unseres "Gulaschbombers" war, der ja auch im Pokal gesperrt ist. Der Rest der ersten Halbzeit besteht aus ziemlich laschen Mittelfeldgekicke
und -geschiebe der St. Paulianer, daß die Jenaer bis auf einen Simak - Schuss ans Außennetz (34.) nicht bestrafen können.
Die Kabinenaufenthalt in der Halbzeitpause für die, diesmal blauen Helden, ist kürzer als normal, als sie nach der "gefühlten"
Hälfte der Spielunterbrechung bereits wieder auf dem Platz stehen. Dem Neutrainer Henning Bürger sei an dieser Stelle geweissagt,
dass solche "Nummern" zwar nicht schlecht sind aber auch nur gefühlte zweimal ziehen, bevor sie ihre Wirkung verfehlen. Aber diesmal
scheint es definitiv noch zu wirken. In der 54. Minute setzt sich Ziegner durch und kann im zweiten Versuch den St. Pauli-Keeper Borger
überwinden. Hätte man mich jetzt gefragt ob ich mit dem Unentschieden zufrieden gewesen wäre, hätte ich sofort abpfeiffen
lassen. Mehr ist doch in Unterzahl echt nicht drin…
Für den "Auswärts - FCC" in dieser Saison ist dies aber das natürliche Signal auch in Unterzahl die Siegchancen zu suchen.
Und als Patrik Amrhein kurze Zeit später nach schönem Solo freistehend vor dem Tor nur an den Pfosten schiebt, wagt der gemeine
FCC - Fan im Gästeblock endlich vom "Auswärtssieg" zu träumen und singen. Was in der 68. Minute zum Elfmeter für Jena führt
kann ich nicht nachvollziehen, da die Aktion schon wieder am anderen Ende des Stadions stattfindet, aber wenn der erste Elfer berechtigt gewesen
sein soll, wird es dieser wohl auch. Wenigstens in den Augen des Schiedsrichters.
Das es am Ende doch nicht zum Auswärtsdreier reicht, ach herrjee, wem will ich das denn vorwerfen? Die Mannschaft hat auch in der Schlussphase
alles geboten, was sie konnte. Der Ausgleich in der 88. Minute ist natürlich der "Hammer" ins Genick des eh schon taumelnden Boxers. Andererseits
muss den Jungs doch endlich mal jemand ins Gehirn prügeln, dass sie auch zu Hause so auftreten müssen, dann besteht vielleicht noch Hoffnung
auch mit einem Unentschieden auf St. Pauli leben zu können.
FC Carl Zeiss Jena - Alemannia Aachen 2:3
Tore: 1:0 Werner (17.), 1:1 Reghecampf (29.), 2:1 Schied (66.), 2:2 Lehmann, 2:3 Krontires (81.)
- Jena: Khamutouski; Günther, Maul, Omodiagbe, Stegmayer;
Amrhein (75.Saka), Müller, Simak, Werner; Petersen (64.Torghelle),
Schied
- Aachen: Straub; Polenz, Klitzpera, Herzig, Leiwakabessy;
Reghecampf, Lehmann (90.Olajengbesi), Lagerblom, Krontiris (90.Brinkmann);
Ebbers (58.Mosquera), Kolev
- Zuschauer: 6513
- Schiedsrichter: Gräfe (Berlin)
- Spielbericht:
- Die fußballfreie Zeit war endlich zu Ende und auch für Jena sollte nun der Ball in der 2. Bundesliga wieder rollen. Die guten
Ergebnisse in der Vorbereitung ließen bei jedem Zeiss-Fan Hoffnung aufkommen, welche in einem grandiosen Sieg im DFB-Pokal gegen die
Arminia aus Bielefeld gekrönt wurde. Diesen Schwung und Optimismus wollte man unbedingt in die heutige Partie mitnehmen, um gleich im
ersten Spiel der Rückrunde gegen die Gäste aus Aachen die Aufholjagd starten zu können und den ersten wichtigen Dreier einzufahren.
Die Jenaer begannen auch gleich wie die Feuerwehr und bereits nach 20 Sekunden sah Herzig die erste gelbe Karte im Spiel, da er den aufs
Tor stürmende Schied nur durch Foulspiel bremsen konnte. Gut eine Minuten später fast schon das 1:0 für die Platzherren,
doch ein gefährlich abgefälschter Freistoss mit anschließendem Torschuss von Schied wurde wegen Abseitsposition abgepfiffen.
Aber leider war es das erst einmal mit den Jenaer Angriffbemühungen, denn die Aachener stellten sich im besser auf das Jenaer Spiel ein
und setzten frühzeitiger nach. Dadurch verflachte die Partie zunehmend und beide Teams neutralisierten sich weitgehend im Mittelfeld,
ohne sich dabei nennenswerte Chancen zu erspielen. So dauerte es bis zur 17. Minute, als der Jenaer Anhang zum ersten Mal jubeln durfte.
Ein von Simak getretener Eckball wurde zunächst per Kopf geklärt, Amrhein nahm den abprallenden auf, schoss erneut auf das Tor
und in der Mitte stand Werner goldrichtig und fälschte per Kopfball zur 1:0 Führung ab. Doch leider konnten die Jenaer dieses
Stimmungshoch nicht weiter nutzen, denn sie führten erst zum zweiten Mal in dieser Saison auf eigenem Platz, sondern sie ließen
die Aachener wieder ins Spiel kommen. Nach gut einer halben Stunde nutzten diese ihre erste gute Möglichkeit eiskalt und Reghecampf
traf mit einem herrlichen Kopfball aus 11m zum Ausgleich. Kurz vor der Pause sogar noch fast die Führung für die Gäste, doch
Jenas neuer Keeper Khamutouski konnte den Schuss von Krontiris gerade noch parieren.
Die Aachen kamen zielstrebiger aus der Kabine und hatten bereits in der 51. Minute erneut eine dicke Möglichkeit zur Führung, aber
Ebbers konnte in bester Position mit seinem Kopfball aus Nahdistanz den Jenaer Schlussmann nicht überwinden. Nun zogen die Gäste ihr
Spiel auf und beherrschten das Mittelfeld mühelos. Die Jenaer wirkten dagegen zunehmend verunsichert und versuchten es mit langen Bällen
nach vorn, die aber allesamt keinen Abnehmer fanden. Trainer Henning Bürger brachte Torghelle ins Spiel und erhoffte sich noch einmal einen
Schub nach vorn. Und es dauerte auch nur wenige Augenblicke und da hatte sich die Einwechslung bereits ausgezahlt. Simak hatte erneut einen Eckball
getreten, den Torghelle per Kopf genau vor das Tor verlängerte, wo Marcel Schied goldrichtig stand und den Ball aus wenigen Zentimetern nur
über die Linie drücken musste. Hoffnung auf den wichtigen Dreier keimte wieder auf, aber leider konnten die Jenaer auch in dieser Phase
den Schub nicht nutzen. Nur fünf Minuten später musste Khamutouski, der mit Abstand beste Spieler des FCC an diesem Tage, Kopf und
Kragen riskieren, um den erneuten Ausgleich zu verhindern. Aber zwei Minuten später war auch er machtlos, als Lehmann aus wenigen Metern
mit einem schönen Schuss zum Ausgleich traf. Die Thüringen wirkten in ihren Aktionen immer konfuser und man mochte gar nicht glauben,
dass fast genau dieses Team nur wenige Tage zuvor die Arminen aus Bielefeld in einer packenden Partie aus dem DFB-Pokal geworfen hatten. Als
wenn die zwei Gegentore nach zweimaliger Führung nicht schon schlimm genug wären - es sollte heute noch dicker kommen. Lehmann hatte
sich in der 82. Minute im Mittelkreis das Leder geschnappt und konnte ungehindert bis kurz vor den Strafraum spazieren, wo er Krontiris mit
einem Pass genau in den Lauf bediente, der sich diese Chance nicht entgehen ließ und zur Gästeführung einschoss. Der FCC
versuchte in der Folgezeit noch einmal alles und wurde eine Minute vor Ultimo auch fast noch belohnt, doch zum Pech der Saalestädter
krachte einer herrlicher Schuss von Simak nur an das Lattenkreuz.
Wenig später war die Partie zu Ende und erneut konnte der FCC nach einem packenden und auch erfolgreichen DFB-Pokalsieg den Schwung und die
Euphorie nicht ins anschließende Punktspiel hinüberretten, um endlich auch hier einen wichtigen Sieg erringen zu können.<vg>
FC Carl Zeiss Jena - FC Augsburg 1:2
Tore: 0:1 da Costa (25.), 0:2 Ledezma (38.), 1:2 Petersen (79.)
- Jena: Kraus; Stegmayer, Omodiagbe, Maul, Oniani; Werner, Müller (46. Kühne), Simak, Charalambides; Helbig (65. Fröhlich), Torghelle (76. Petersen)
- Augsburg: Neuhaus; Wenzel, Benschneider, Hertzsch, Möhrle;
Müller, Hdiouad, da Costa, Kern; Diabang (90.Hlinka), Ledezma (74.Luz),
- Zuschauer: 8453
- Schiedsrichter: Lupp (Zossen)
- Spielbericht:
- Nach den Siegen in den letzten beiden Partien war es heute für die Kicker des FC Carl Zeiss Jena immens wichtig, auch das letzte Heimspiel der
Hin-Serie positiv zu gestalten und mit einem Sieg gegen den FC Augsburg das Kalenderjahr noch ein wenig freundlicher zu beenden.
Die Platzherren hatten sich auch wirklich viel vorgenommen, denn sie begannen gleich elanvoll und drückten die Bayern in deren Hälfte. Nach acht
Minuten die erste gute Chance für die Jenaer, doch Helbig bekam freistehend den Ball im Strafraum nicht richtig unter Kontrolle und er landete beim Tormann.
Sekunden später erneut eine gute Möglichkeit durch einen Freistoß von Simak, aber Maul berührte noch den Ball und fälschte ihn so ab,
dass er über das Tor abgelenkt wurde. Erneut Simak war es, der für eine weitere gute Aktion (19.) der Jenaer sorgte. Auf der linken Seite düpierte
er erst einen Gegenspieler mit einer Körperfinte, stürmte weiter und drang in den Strafraum ein. Den zweiten Abwehrspieler umkurvte er und spielte
anschließend noch Doppelpass mit Charalambidis, doch als er aufs Tor schießen wollte, stand erneut ein Augsburger vor seiner Nase, so dass diese
geniale Einzelaktion ohne Krönung blieb. Es lief bereits die 25.Minute und von den Gästen war noch nichts zu sehen gewesen. Aber das sollte sich
leider schnell ändern. Zunächst scheiterte da Costa mit seinem Freistoß aus gut 22m an Kraus. Doch beim anschließenden Eckball stand
er völlig frei und konnte so ungehindert die Führung für die Augsburger erzielen. Die Jenaer steckten nicht auf und nach 34 Minuten prüfte
Werner mit einem schönen Schuss Gästekeeper Neuhaus, der zur Ecke klären konnte. Ein langer Ball der Gäste wurde per Kopfball noch einmal
verlängert, so dass Ledezma das Leder genau in den Lauf gespielt bekam. Das 1:1-Duell gegen Maul entschied er für sich, zog aus halbrechter Position
ab und der Ball landete im langen Toreck und es stand nach 38 Minuten 0:2 aus Jenaer Sicht. Da hatten sich die Jenaer Spieler für das heutige Spiel so
viel vorgenommen, spielten phasenweise mal wieder richtig schönen Fußball und die Augsburger, von denen kaum etwas zu sehen war, führten
mit 2:0. Unglaublich. Kurz vor der Pause noch einmal ein gefährlicher Freistoß des FCC in den Strafraum, aber ein Abwehrspieler konnte per Kopf
zu Ecke klären.
Nach der Pause begannen die Spieler des FCC ihre Aufholjagd und setzten die Augsburger unter Druck. Neuhaus im Tor der Gäste mit seiner einzigen
Unsicherheit am heutigen Tage, als er einen Schuss von Werner (49.) erst im zweiten Versuch festhalten konnte. Aber nun ging es Schlag auf Schlag und
die Jenaer drängten auf den Anschlusstreffer. Nach einem Eckball Getümmel im Augsburger Strafraum und der Ball kam zu Helbig, der sofort abzog,
aber an den Fingerspitzen von Neuhaus scheiterte, wie auch kurz darauf mit einem Schuss aus spitzem Winkel (53.). Dann war es Simak, der nach einem Konter
mit seinem Schuss aus 20m nur um Zentimeter das Tor verfehlte. Wenig später legte Torghelle auf Charalambis ab, dessen Schuss Neuhaus mit den
Fingerspitzen noch berührte, der Ball rollte Richtung Torlinie, doch ein Augsburger konnte den Ball gerade noch vor der Linie wegschlagen. In
der 76. Minute schickte Jenas Trainer Ivanauskas seinen Edeljoker Nils Peterson auf das Feld, der bereits in den letzten beiden Partien jeweils mit
seinem Tor zum Matchwinner der Spiele geworden war. Nur drei Minuten waren vergangen, da flankte Charalambidis hoch in den Strafraum, Peterson stieg
am höchsten und traf per Kopf zum 1:2. Großer Jubel auf den Rängen und nun dachte ein jeder, dass wenigsten ein Unentschieden am
heutigen Tag noch möglich sei. Aber es waren die Gäste, die näher am Torerfolg waren, denn Diabang stürmte in der 81.Minute allein
auf Torwart Kraus zu, wollte diesen umspielen und legte sich den Ball dabei zu weit vor, so dass ein Verteidiger gerade noch klären konnte. Die
Zeit lief den Platzherren davon und fast hätte Luz fünf Minuten vor Ultimo den Jenaern das endgültige K.O. versetzt, doch sein Ball
zischt um Haaresbreite am Pfosten vorbei. Die zwei Minuten Nachspiel liefen bereits, als Simak mit einem herrlichen Schuss das nun kaum noch geglaubte
Unentschieden erzielen wollte, aber der am heutigen Tage überragend haltende Torwart Neuhaus hatte etwas dagegen und konnte mit einer hervorragenden
Parade den Ball mit den Fingerspitzen noch über das Tor lenken. Wenig später pfiff Schieri Lupp die Partie ab und erneut eine Heimniederlage
stand zu Buche.
Kopfschütteln auf den Rängen. Da hatten die Kicker des FCC in den letzten Partien spielerisch völlig versagt und erkämpften sich
zwei Siege und ein Remis, und am heutigen Tage hatte man endlich mal wieder phasenweise richtig guten Fußball gespielt, war die gesamte
Partie überlegen und heraus gesprungen ist erneut eine ganz bittere Niederlage. Nun heißt es regenerieren und das letzte Spiel schnell
vergessen, damit im neuen Jahr die Aufholjagd fortgesetzt werden kann. <vg>
1. FC Kaiserslautern - FC Carl Zeiss Jena 2:3
Tore: 1:0 Jendrisek (19.), 2:0 Simpson (47.), 2:1 Torghelle (61.), 2:2 Omodiagbe (73.), 2:3 Petersen (80.)
- Kaiserslautern: Sippel; Bellinghausen, Schönheim (83. Opara), Beda, Müllerr; Denai, Broniszewski, Simpson, Reinert (67. Neubauer); Jendrisek, Runström (71. Ziemer)
- Jena: Kraus; Stegmayer, Omodiagbe, Maul, Oniani; Kandelaki (69. Petersen), Kühne (46. Müller), Ziegner (25. Simak), Charalambides; Werner, Torghelle
- Zuschauer: 24.517
- Schiedsrichter: Hartmann (Augsburg)
- Spielbericht:
- Fußball
ist ein seltsamer Sport. Da spielt der FC Carl Zeiss Jena über weite Strecken
der Hinrunde gerade auswärts tollen Fußball, ohne daraus auch Kapital in Form
von Punkten zu ziehen. Und dann liefert er drei wahrhaft schlechte Spiele in
Folge ab mit dem Resultat, daraus mehr Zähler zu holen als in den 13
vorangegangenen Begegnungen zusammen. Die Gemeinsamkeit der drei Spiele gegen
Osnabrück, Aue und nun Kaiserslautern bestand darin, dass sich all diese Gegner
nach Spielende vor Wut in den Allerwertesten beißen mussten darüber, einem
bereits klinisch toten FCC nicht mit etwas mehr Entschlossenheit den
endgültigen Knockout versetzt zu haben. Der Unterschied: Jenas erster
Auswärtssieg in Kaiserslautern war nicht ansatzweise verdient.
Valdas Ivanauskas behielt sein Bäumchen-wechsle-dich-Spiel in Sachen Aufstellung bei.
Der gegen Aue indisponierte Tapalovic stand nicht einmal im Kader und Helbig
fand sich neben dem angeschlagenen Simak auf der Bank wieder. Stattdessen
Oniani von Beginn an in der Viererkette, und vorn stürmten Torghelle und nach
seiner abgesessenen Gelbsperre auch wieder Tobias Werner Seite an Seite. Beide
waren es auch, die im Zusammenspiel die ersten Duftmarken setzten. Nach drei
Minuten nimmt Torghelle einen Zauberpass Werners auf, lässt sich aber von
Bellinghausen im Strafraum abdrängen und hofft zu Recht vergeblich auf einen
Elfmeterpfiff, eine Viertelstunde später segelt der Ungar nur haarscharf an
einer Werner-Freistoßhereingabe vorbei. Jena war das aktivere Team und die
Gastgeber schienen doch etwas überrascht davon, dass sich der Tabellenletzte
keineswegs nur hinten rein stellte, sondern das Spiel mehr und mehr an sich
riss. Riss ist das richtige Stichwort, denn das Bersten von Jenas Spielfaden
ließ sich selten so punktgenau datieren wie in diesem Spiel. 19. Minute, ein
schwacher Freistoß Torsten Ziegners gelangt zum Ausführenden zurück, dessen
kapitalen Stockfehler an der Mittellinie Josh Simpson – zuvor schon durch eine
nicht geahndete Tätlichkeit gegen Stegmayer auffällig – ausnutzt und gemeinsam
mit zwei Teamkameraden allein auf Daniel Kraus und Stegmayer zuläuft. Auch wenn
die Lauterer dies schlampig ausspielen, der Ball zappelt im Netz und Jenas Anhänger
erleben ihr ewiges Deja vu aus der Abteilung „Wie besorge ich es mir selbst“.
Was sich in den folgenden Minuten auf dem Rasen abspielte, lässt sich aus
Thüringer Sicht nur mit erbärmlich, hilflos, hoffnungslos umschreiben. Die
Zeiss-Elf geschockt, während die Betzebuben sich nun fast im Minutentakt Chance
um Chance erspielten. Oniani klärt gefährliche Freistoßflanke (21.), Kraus
pariert Jendrisek-Schuß (23.), Broniszewski knapp neben das Tor (24.),
Runströms Heber landet auf der Latte (25.), Maul klärt Jendrisek-Schuß für den
geschlagenen Kraus auf der Linie (30.), Kraus rettet todesmutig gegen den
heranstürmenden Runström (35.), Lautern drückte und Jena schwamm, frei von
jeglicher Ordnung, frei von jeglichem Selbstbewusstsein. Dass mitten in diese
Phase die Herausnahme des Kapitäns fiel, ist zwar eine bemerkenswerte
Personalie, Einfluß auf das Geschehen auf dem Platz hatte sie nicht, denn auch
Jan Simak fügte sich nahtlos in die desaströse Vorstellung der Jenaer Elf ein.
Und just als man sich noch sagte, dass der Spielstand zur herannahenden
Halbzeitpause noch das Beste der ersten 45 Minuten sei, hatte auch dieser
keinen Bestand mehr. Hauptprotagonist diesmal Daniel Kraus, der erst einen fast
gefangenen Eckball wieder prallen ließ und bei der anschließenden Flanke
danebengriff, so dass sich Josh Simpson mit dem 2:0 bedankte und für
Endzeitstimmung bei 2.000 Jenensern im Gästeblock sorgte.
Die löste sich auch nicht mit Wiederanpfiff, als die Hereinnahme Robert Müllers für
den noch zu den Besseren gehörenden Stefan Kühne wohl nur von den Wenigsten als
Startsignal zu Jenas Aufholjagd verstanden wurde. Und so setzte sich das
planlose Vorpausenspiel nahtlos fort, kapitale Abwehrschnitzer (Oniani, Maul)
ermöglichten Broniszewski und Jendrisek beste Einschußchancen zur
Resultatserhöhung, während der FC Carl Zeiss im Offensivspiel schlicht nicht
existent war. Ähnlich wie die Pfälzer also anfangs der ersten Halbzeit und so
wollte es das Schicksal, dass auch diesmal ein unfassbarer Bock des Gegners den
Weg zum Tor bereitet. Lauterns Innenverteidiger Mathieu Beda wird des nächtens
wohl von jener Szene in der 61. Spielminute träumen, als er plötzlich völlig
unmotiviert und in der irrigen Annahme, sein Torhüter käme ihm entgegen,
Torghelle das Leder herschenkt. Der Ungar schlägt die Einladung nicht aus,
schlenzt gekonnt über Keeper Sippel ins Netz und Jena ist zurück im Spiel, ohne
eigentlich zu wissen, warum. Vier Minuten später schien dann alles wieder in
gewohnte Bahnen zu laufen, als sich der von seinen Vorderleuten erneut im Stich
gelassene Kraus im Strafraum nur mit einem plumpen Foul an Sven Müller zu
helfen weiß, Elfmeter. Ob man auf diesen Elfer später als den Knackpunkt
unserer Saison zurückblicken wird? Kraus springt in die richtige Ecke, hält,
der Nachschuß landet am Pfosten, alles Glück dieser Welt scheint in diesem
Moment auf jenen wenigen Quadradmetern Rasen vereint zu sein. Und endlich
begreifen auch die Blau-gelb-weißen dies als Wachrüttler, zückt Ivanauskas mit
Nils Petersen seinen ultimativen Joker und nimmt dafür Ilja Kandelaki aus der
Begegnung, wobei der Gang des Georgiers vom Feld seine aufsehenerregendste
Szene nach 69 Minuten Alibifußball darstellte, sieht man einmal von einer Flut
an Fehlpässen ab. Werner rückte für Petersen nun ins linke Mittelfeld zurück
und prompt setzte man den Gastgebern zu, übte Druck aus, setzte Nadelstiche.
Und einer davon saß: Simaks Ecke wird zu kurz geklärt, Werners Knaller pariert
Sippel, aber gegen den erneuten Nachschuß Omodiagbes ist auch er machtlos. 2:2,
unfassbar. Unfassbar auch, dass Jena nun nachsetzte, Lautern spürbar wankte und
seinerseits völlig den Faden verlor. Werners Schußversuch konnten sie noch ins
Toraus abfälschen (76.), Simak verzog im Strafraum knapp (79.) und dennoch
hätte es im Gegenzug beinahe bei Daniel Kraus geklingelt, doch der
eingewechselte Ziemer agiert freistehend zu umständlich. Der erneute Gegenzug,
die Roten Teufel bekommen das Leder nicht aus der Gefahrenzone, Simak zu
Torghelle, Torghelle zu Simak, Simak mit einem Anflug von Genialität
millimetergenau auf Petersen und was ist das für ein Wahnsinnsjunge, den Ball
furztrocken volley ins entlegene Eck zu katapultieren? Das Spiel war gedreht
und Jenas Youngster hätte gar noch einen draufsetzen können, als er sich nach
86 Minuten in den Strafraum dribbelt, aber zu Torghelle zurücklegt, der aus fünf
Metern über den leeren Kasten zieht. Lautern riskierte nun alles, hohe
Verzweiflungsbälle in den Jenaer Strafraum wechselten sich mit
kreuzgefährlichen FCC-Kontern ab, mit denen ebenso fahrlässig umgegangen wurde,
wie der mehrfache Deutsche Meister das in Halbzeit eins vorgemacht hatte. Dass
sich dies nicht noch rächte, verdankte man Lauterns Jendrisek, dessen Kopfball
in der 92. Minute knapp das Ziel verfehlte.
Dann war Schluß, fassungsloser
Jubel im Gästeblock, binnen 30 verrückten Minuten war aus „Wir woll’n euch
kämpfen seh’n“ ein „Wir woll’n die Mannschaft seh’n“ geworden, aus „Wir ham’
die Schnauze voll“ ein „Oh wie ist das schön“. Und nachdem der Puls erst einmal
etwas herunter gefahren war, da war sie wieder, die Parallele zu den beiden
vorangegangenen Spielen, jene brennende Frage: Abgesehen von der Freude über
die in den Schlussminuten eingefahrenen Punkte, von der Hoffnung auf einen
psychologischen Schub für’s nächste Match: Was soll einem aus der gebotenen
Leistung heraus Hoffnung für den Klassenerhalt geben? Sicherlich nicht viel,
doch wenn dieser glückliche Auswärtssieg eines war, dann Balsam auf die Wunde
der so vielen unnötig verschenkten Punkte im Verlaufe der letzten vier Monate.
Fußballfans sind die größten Philosophen, und wer wollte meinem Bruder
widersprechen in seinem Fazit: „Wir ham’s zwar nicht verdient, aber das ham’wer
uns mal verdient“. Auf die Hoffnung! <gunner>
FC Carl Zeiss Jena - FC Erzgebirge Aue 2:1
Tore: 0:1 Emmerich (8./FE), 1:1 Petersen (74.), 2:1 Simak (89./FE)
- Jena: Kraus; Stegmayer, Omodiagbe, Oniani, Tapalovic (41. Maul);
Kandelaki, Kühne, Ziegner (57. Torghelle), Simak, Charalmabides;
Helbig (72. Petersen)
- Aue: Keller; Trehkopf, Kos, Loose, Sträßer; Liebers,
Emmerich (76. Kurth), Curri (80. Geißler), Feldhahn; Sykora, Klinka
(76. Kaufman)
- Zuschauer: 9587
- Schiedsrichter: Gagelmann (Bremen)
- Spielbericht:
- Die ersten Überraschungen gab es beim Blick in die
Aufstellung. Ziegner verblieb trotz Simaks Rückkehr in der Startelf. Maul ein
weiteres Mal draußen. Doch die meisten Fragezeichen ergaben sich mit Blick auf
den Einmannsturm. Angesichts der Tabellensituation in einem Heimspiel nur mit
Helbig zu beginnen und Jenas besten Schützen Torghelle draußen zu lassen,
weckte jede Menge Unverständnis. Sollte der Ungar für seine übermotivierte
Spielweise in Osnabrück nachträglich noch bestraft werden ? Ist Motivation in
unserer Situation nicht wertvoll genug, um zu versuchen, sie in geordnete
Bahnen zu lenken ?
Das Ostderby gegen Erzgebirge Aue war nüchtern betrachtet
schon fast die letzte Gelegenheit, sich die Hoffnungen auf den Klassenerhalt
bewahren zu können. Deshalb wirkte der erneute frühzeitige Rückstand wie ein
Schlag in die Magengrube. Tapalovics Foul im Strafraum war nichts Grobes. Eines
von der Sorte, wo im Mittelfeld kurz Freistoß gepfiffen wird und das Spiel
gleich weiterläuft. Aber es passierte nun mal nicht im Mittelfeld, sondern im
eigenen Sechzehner und somit geht der Elfmeterpfiff in Ordnung. Emmerich
verwandelte sicher. In den diesjährigen Meisterschaftsspielen war es Jena noch
nicht gelungen, ein 0:1 in einen Sieg umzuwandeln. Und so ängstlich, wie es in
der Folgezeit zu Werke ging, schien daraus auch diesmal nichts zu werden.
Symptomatisch für die allgemeine Verunsicherung war die Szene, in der Oniani
unbedrängt den Ball am eigenen Keeper vorbei ins Toraus schob. Am meisten in
Erscheinung trat anfangs das promblemlos amtierende Schiedsrichter-Gespann, das in regelmäßigen
Abständen von acht Minuten seinen Auftritt hatte: Strafstoßpfiff in der 8.
Minute, Gelbe Garte für Stegmayer in der 16., Abseitsfahne beim Kopfballtor
Sykoras in der 24. Erst in Minute 25 ergab sich mal eine Tormöglichkeit für die
Thüringer, welche Ilia Kandelaki jedoch kläglich vergab: Drei Meter vor dem Tor
stehend köpfte er einen Flankenball um zehn Meter am Kasten vorbei ! Schlimmer
noch: Es sollte die einzige echte Chance in Halbzeit eins bleiben für den FC
Carl Zeiss, auch weil sich Alleinunterhalter Helbig zumeist von mehreren
Gegenspielern umringt sah und wie befürchtet damit auf verlorenem Posten
stand. Während Charalambides auf seiner lila-verwaisten Seite ein ums andere
Mal vergeblich auf sich aufmerksam zu machen versuchte, sorgte ein simpler
Fehler Kandelakis in der Ballannahme auf der anderen Seite für erste
Unmutsäußerungen von den Rängen. Fünf Minuten vor der Pause unterlief
Elfmetersünder Tapalovic ein Ballverlust, den Sykora nicht zu nutzen wusste,
jedoch Valdas Ivanauskas auf die Palme brachte. Noch vor dem Seitenwechsel nahm
er Tapalovic vom Feld, um dafür Alexander Maul ins Abwehrzentrum zu beordern.
Dieser berichtete hinterher, dass die Spieler in der Kabine
einiges zu hören bekommen und sich danach gesagt hätten: „Das Match drehen wir
heute“. Ganz ehrlich, lieber Alexander, lange Zeit sah euer Spiel in der
zweiten Hälfte kein bisschen besser aus als in der Ersten. So war in Minute 67
nicht nur aus dem Ball die Luft heraus, sondern anscheinend auch aus dem Spiel.
Das Schlimme an der Situation war, dass die auswärtsschwachen Auer keinen Deut
stärker spielten, aber scheinbar sicher in Führung lagen. Weil in diesem Spiel eben
einfach nichts passierte. Doch siehe da, mit neuem Spielgerät und zwei frischen
Stürmern kam die Wende. Nils Petersen war gerade zwei Minuten im Spiel, als er
eine Rechtsflanke von Charalambides erwischte und zum Ausgleich in die Maschen köpfte. „Ich habe
den Ball fliegen sehen und gedacht, da musst du hin“, schilderte der Youngster
das 1:1 aus seiner Sicht. Nun ging noch mal ein Ruck durch die Mannschaft, das
Spiel wurde schneller, doch auch die Zeit rannte davon. Kühnes Schuss landete
in Kellers Armen (81.). Doch mit dem Schuss von Maul hatte der
Auer Torwart größere Problem, musste das Leder prallen lassen. Torghelle wollte
abstauben und wurde durch Kos gefoult – Elfmeter ! In der vorletzten Spielminute ! Jan
Simak hielt dem immensen Druck stand, indem er scharf oben links verwandelte.
Petersen hatte den Ausgleich erzielt, Maul den vorentscheidenden Schuss abgegeben,
Torghelle den Elfmeter herausgeholt - mit seinen Einwechslungen lag Ivanauskas
immerhin wieder richtig. Der einzig wahre Held hieß dabei natürlich
Nils Petersen !
Eben noch auf dem Abstellgleis und nun das. Nach langer Pause wieder in die
Erste berufen, auf Anhieb einen Treffer erzielt,
zum Tor der Woche nominiert und in die U20-Nationalmannschaft berufen. Mehr
geht nicht in sieben Tagen. Ein Zeiss-Talent startet durch. Es wäre so wichtig,
würden sich seine Mannschaftskameraden davon anstecken lassen.
Denn eines muss klar sein: „Beide Halbzeiten zusammen
betrachtet war das nicht ausreichend für die zweite Liga“. Dieses Urteil hat
der Auer Spieler Marco Kurth über die Leistung seines Teams gefällt. Es gilt
wortwörtlich aber auch für die 90 Minuten des siegreichen FCC. <fc>
Bilder auf fcc.weissenburger.de
Spielbericht auf fc-erzgebirge.de
VfL Osnabrück - FC Carl Zeiss Jena 1:1
Tore: 1:0 Cichon (20., FE), 1:1 Werner (90.+2)
- Osnabrück: Gößling; Schäfer, Ndjeng,
Cichon, Thomik; Aziz (68. Nouri), Grieneisen (85. Manno), Heidrich, Schuon;
Hennings (89. Ehlers), Reichenberger
- Jena: Kraus; Stegmayer, Omodiagbe, Oniani, Günther
(

, 19.);
Kandelaki (85. Helbig), Kühne, Ziegner, Holzner (46. Charalambides);
Werner, Torghelle (37. Tapalovic)
- Zuschauer: 12.000
- Schiedsrichter: Kinhöfer (Herne)
- Spielbericht:
- (von Gastkommentator Thomas Neumann)
Das Osnabrücker Stadion an
der Bremer Brücke war Spielstätte des siebenten Auswärtsauftritts des FCC in
der Saison 2007/2008 und ich war wohl nicht der einzige Besucher, der die Parallelen
zum Spiel vor zwei Jahren sah. Nach einer Heimniederlage und eigentlich doch
recht ansprechenden Auswärtsauftritten in der Saison durfte man eigentlich
hoffen in Osnabrück zu punkten. Ähnlich
wie vor zwei Jahren, als der etatmäßige Spielmacher in der Regionalliga,
Torsten Ziegner, in Osnabrück fehlte, fiel diesmal Jan Simak aufgrund der 5. Gelben
Karte aus. Und das genau jener Torsten Ziegner nun diesmal den fehlenden Jan
Simak vertreten sollte, gab dem ganzen so eine besondere Note.
Aber um auch das nicht zu
vergessen, es gab auch einen Riesenunterschied zum Vergleich vor zwei Jahren:
Der FCC reiste dazumal als Tabellensiebenter zum VfL nach Osnabrück. Diesmal
kamen wir als Tabellenletzter nach Westniedersachsen und dementsprechend
pendelten die Ergebnistipps der Heimfans auf dem Weg vom Parkplatz zum Stadion
so zwischen einem 3:0 und einem 5:0 für ihre in der letzten Zeit extrem
heimstarken Lila-Weißen.
Die Mannschaft des FCC hatte
sich vor dem Spiel in einem viertägigen Trainingslager in Bad Blankenburg noch
einmal auf dieses Spiel eingeschworen und Jenas Cheftrainer Valdas Ivanauskas
wartete mit einigen Veränderungen in der Mannschaftsaufstellung auf. Neben
Torsten Ziegner in der Startformation, kamen auch Felix Holzner im rechten
Mittelfeld und Ilia Kandelaki im linken Mittelfeld zum Einsatz. Außerdem
spielten Omodiagbe und Oniani in der Innenverteidigung, Sven Günther mal wieder
hinten rechts und Michael Stegmayer hinten links, sowie Stefan Kühne als
Staubsauger vor der Abwehr. Und nachdem mit Sandor Torghelle und Tobias Werner
auch vorne mal wieder mit zwei Spitzen angefangen wurde, kann man Jenas Trainer
Valdas Ivanauskas wohl eher nicht vorwerfen, nicht mal etwas Neues
auszuprobieren.
Das Spiel begann für die
Jenaer eigentlich ganz ansprechend. Die Mannschaft kann das Spiel auch in des
Gegners Hälfte verlagern und von einer Anfangsoffensive der Heimmannschaft ist
wenig zu sehen. Felix Holzner zielt bei einer Schusschance in der 3. Minute aus
ca. 20 Metern nur knapp über das Tor. Nach und nach gewinnen die Osnabrücker
aber die Oberhand und als der FCC nach einer guten Viertelstunde einen Einwurf
in der eigenen Hälfte auf Links zugesprochen bekommt, nimmt das Unglück an Fehlern
mal wieder seinen Lauf. Man wirft den Ball nicht zurück zum eigenen Torwart,
wenn die gegnerische Mannschaft so aufgerückt ist. Man fängt als Torwart nicht
an, im eigenen Strafraum den Gegner auszuspielen. Und man reißt den Gegner im
Strafraum auch nicht um (wobei ich zugebe die Szene nicht genau gesehen zu
haben). Das Ergebnis dieser Fehler: Strafstoss für Osnabrück und eine rote
Karte für Sven Günther! Den Elfmeter verwandelt Thomas Cichon (20.) souverän
ins linke Eck und im mit ca. 400 bis 500 FCC – Fans gefüllten Gästeblock
beginnt sich sofort Defätismus breit zu machen.
Was sich in den nächsten 40
Minuten auf dem Platz abspielt, ist im Grunde genommen nebensächlich, weil
unerheblich. Die Osnabrücker können ihre Vorteile nicht wirklich nutzen und
beweisen auch nicht wirklich warum sie so viel mehr Punkte auf dem Konto haben
als der FCC. Der FCC vertut sich in Harmlosigkeiten und schwächt sich am Ende
selbst, als Oniani in einem Luftzweikampf Holzner (41.) ausschaltet.
Erst am Ende kommt der
Tabellenletzte wieder zu ansprechenden Szenen, die jedoch harmlos vergeben
werden.
Tja, und wenn es denn noch
mal eines Vergleiches mit jenem Treffen vor zwei Jahren bedarf, dann war es
eben jenes Ausgleichstor in der 90+x Minute durch einen Kopfball von Tobias
Werner. Danach war dann auch aber auch zum Glück schnell Schluss.
Ich spare mir lieber jede
Prognose zu Chancen und Möglichkeiten zum Klassenerhalt. Möglich ist vieles,
machbar auch. Die recht verhaltenen Gesten der Mannschaft nach dem Schlusspfiff
am Zaun vor dem Gästeblock sprechen aber Bände. Realistisch betrachtet haben
wir aber nur wieder einen Spieltag gegen einen Konkurrenten vergeben.
FC Carl Zeiss Jena - TSG 1899 Hoffenheim 0:1
Tore: 0:1 Obasi (72.)
- Jena: Kraus; Stegmayer, Omodiagbe, Maul, Oniani; Hansen (46.
Zimmermann), Müller, Simak, Charalambides (74. Helbig); Torghelle,
Werner
- Hoffenheim: D. Haas; Gustavo, Löw, Nilsson, Seitz; Eduardo
(68. Ibisevic), Vorsah, Copado, Salihovic (85. S. Haas); Paljic (62. Ba),
Obasi
- Zuschauer: 6895
- Schiedsrichter: Fischer (Hemer)
- Spielbericht:
- Vor Wochen sorgte der Streit zwischen Mainz 05 und
Hoffenheim 1899 für Diskussionen. „Bayern München erwirtschaftet sein Geld. In
Hoffenheim ist es nur ein Sponsor. Schade, dass so eine Mannschaft einen der 36
Plätze im Profifußball wegnimmt“, hatte sich der Mainzer Manager Christian
Heidel negativ über die Hoffenheimer geäußert. Dass diese verärgert darauf
reagierten, ist nachvollziehbar. Den Beweis, dass in diesem Verein mehr
Substanz steckt als ein starker Sponsor, der sich fähige Spieler an Land zieht,
bleibt die TSG aber bis zum heutigen Tag schuldig. Wenn beispielsweise von
Herrn Hopp die Auswärtsbusfahrt komplett bezahlt wird und sich dennoch gerade
mal 54 Fans auf den Weg machen, eine zuletzt sehr erfolgreiche Mannschaft
auswärts zu unterstützen, wird das keinen höheren Ansprüchen gerecht.
Die Schützlinge von Ralf Rangnick begannen offensiv, mit
gutem Passspiel. Dreimal musste Daniel Kraus bereits in den ersten zwanzig
Minuten zeigen, dass die Zeit der „Flattermänner“ im Jenaer Gehäuse ein Ende hat.
Den Schuss von Paljic lenkte Kraus zur Ecke. Auf den tückischen Ball im
Anschluss an einen Freistoß hechtete er sich kurz vor der Torlinie. Und beim
direkten Freistoß von Salihovic ging er auf Nummer sicher, versuchte das nasse
Leder gar nicht erst zu fangen, sondern faustete es konsequent weg. Das Glück
des Tüchtigen kam Jenas Keeper in Minute 29 zu Hilfe, als im Anschluss an eine
gelungene Dreierkombination Salihovic nur die Lattenoberkante traf.
Kraus war
von Beginn an voll da, was von seinen Vorderleuten leider nicht behauptet
werden kann. Im Vergleich zu der couragierten ersten Hälfte in Mönchengladbach
waren sie kaum wieder zu erkennen, reagierten nur statt zu agieren. Ihr Trainer
hatte vor einer offensive Gästeelf gewarnt, den Überraschungseffekt kann also
niemand geltend machen. Fast sechzig Prozent verlorene Zweikämpfe in der ersten
halben Stunde sind ein unerklärlicher, so bislang nicht gekannter Beleg von
Schwäche, der sich naturgemäß aufs Spielgeschehen auswirkte. Keine Torszene aus
dem Spiel heraus war in Halbzeit eins zu verzeichnen und es dauerte bis zur 34.
Minute, bis Jena wenigstens mal aus einer Standartsituation heraus etwas zuwege
brachte. Simaks Freistoß musste Haas prallen lassen, beim anschließenden Kopfball
von Alexander Maul brandete schon Torjubel auf, doch der Torwart vermochte ihn
noch zur Ecke zu lenken. Klar wäre eine Führung zu diesem
Zeitpunkt ganz und gar unverdient gewesen – doch darum hat sich so mancher Gast
im Ernst-Abbe-Sportfeld bislang schließlich auch nicht geschert. Ein Solo noch
von Jan Simak, der zuvor für ein „Warum hast du das gepfiffen?“ seine 5. Gelbe
Karte gesehen hatte – dann war wieder
Hoffenheim am Drücker. Copado scheiterte zweimal innerhalb einer Minute an Kraus
(41.). Der Flachschuss von Obaris sauste am langen Pfosten vorbei (42.). Ecken,
Zweikämpfe, Chancenverhältnis, scheinbar auch in der Gunst des Schiris –
überall lagen die Gäste zur Pause vorn. Nur in Tore hatten sie diese
Überlegenheit nicht umgesetzt.
Mit Wiederanpfiff kam Zimmermann für Hansen, der sich nach
unserer Beobachtung bei einem Absatzkick ohne gegnerische Einwirkung verletzt
hatte. Am Spielverlauf änderte sich zunächst mal nichts. Bis zur 55. Minute. Da tauchte
nach Vorarbeit von Werner und Maul plötzlich Sandor Torghelle am
Gäste-Strafraum auf, seinen scharfen und eigentlich gut platzierten Schuss
erwischte Haas aber reaktionsschnell mit der Hand. Diese Aktion wirkte wie eine
Initialzündung. Jetzt endlich wurde die berühmte letzte
Konsequenz in den Jenaer Handlungen
deutlich. Die nächsten Hochkaräter ließ nicht lange auf sich warten. Werners
Schrägschuss fing Haas. Dann, nur zwei Minuten nach seiner ersten vergebenen
Möglichkeit erwischte Torghelle im Mittelfeld einen Abschlag des Torhüters, sprintete
mit Ball am Fuß auf den Keeper zu und – scheiterte erneut. Kein Vorwurf beim
ersten Ding, aber DEN hätte er machen müssen ! Der Ungar, mit seinem
Pokaltreffer gerade erst in der Wahl zum Torschützen des Monats gewesen, sollte
sogar noch eine dritte Chance bekommen. Doch sprang er um einige Zentimeter an
Werners Freistoßball vorbei. Immerhin hatten die Jenaer nun Zugang zu diesem
Spiel gefunden und deshalb ist es besonders bitter, im Anschluss an die
stärkste Phase den k.o.-Schlag einstecken zu müssen. Jan Simak, an diesem Tag
ohnehin mit größerer Fehlerrate als sonst, unterlief der spielentscheidende
Ballverlust im Mittelfeld. Über Vorsah und Salihovic kam Chinedu Ogbuke Obasi
in Ballbesitz und ließ Daniel Kraus keine Chance. 0:1. Was danach kam, kannten
wir schon aus anderen Spielen in dieser Saison. Jena gab kämpferisch alles,
konnte mit der Brechstange aber nichts mehr bewegen. Und da der Schiri bei zwei
strittigen Strafraumentscheidungen weiterspielen ließ, brachte Hoffenheim das
Ergebnis ziemlich ungefährdet über die Zeit.
Es ist ja nicht so, dass der FC Carl Zeiss irre weit weg
wäre von der Musik. Sieben der neun Niederlagen fielen mit einem Tor Differenz
aus ! Doch gerade das macht diese Saison so frustrierend. Daran hat sich auch
am 11.11. nichts verändert. <fc>
Borussia Mönchengladbach - FC Carl Zeiss Jena 2:1
Tore: 1:0 Neuville (9.), 1:1 Torghelle (34.), 2:1 Neuville (80.)
- M'Gladbach: Heimeroth; Voigt (74. van den Bergh), Brouwers, Daems, Levels; Marin,
Paauwe, Rösler (74. Coulibaly), Ndjeng; Friend, Neuville (85. Svärd)
- Jena: Kraus; Stegmayer, Omodiagbe, Maul, Oniani (72. Tapalovic);
Hansen (82. Helbig), Müller, Simak, Charalambides; Werner, Torghelle
- Zuschauer: 28.759
- Schiedsrichter: Schmidt (Stuttgart)
- Spielbericht:
- Den Frust im Bier ersaufen oder einfach nur ertragen? Ich
weiß es ehrlich gesagt nicht. Nicht mehr. Klar, solche Abende gibt es. Da
rennen sich die Jungs anderthalb Stunden die Seele aus dem Leib und am Ende
bleibt nix außer Enttäuschung. Aber so ist Fußball halt. Dafür kommen andere
Spiele, nach denen man sich besorgt fragt, ob die drei Punkte mit dem einen
gegebenen Gerechtigkeitsempfinden überhaupt vereinbar sind. Nur, wo bleiben die
in dieser Saison? Wann löst sich diese Gleichung endlich auf? Nach Gestern muß
man sich fragen, ob sie das überhaupt noch tut. Acht Punkte Rückstand auf einen
Nichtabstiegsplatz sind schon ganz schön fett. Also doch ins Bier stürzen?
Jein! Es sieht schon ganz schön übel aus, ohne Frage. Und als Gladbach nach nur
neun Minuten die Führung erzielte, war auch wieder klar warum. Ein schlichter
Paß von Marin durch die Viererkette und schon war es
soweit. Das es auch schon Zeiten gab, in denen sich Neuville bei einem solchen
Ding den Fuß gebrochen hätte, ist halt Schicksal. Wenn du eben ohne Licht im
düsteren Tabellenkeller hockst, dann nimmt er ihn halt wunderschön an und
donnert ihn dir aus der Drehung in die kurze Ecke. Unhaltbar. Man hätte es in
den nächsten 70 Minuten glatt vergessen
können, hätte sich nicht das gleiche in der 80. Spielminute so ähnlich
wiederholt. Der einzige Fehler Omodiagbes im ganzen
Spiel, verwandelte den ganzen mühsam gehegten Optimisumus
in ein Häufchen Elend. Wieder war es Neuville, der nach der mißglückten
Kopfballabwehr des Nigerianers mit seiner Direktabnahme die endgültige
Entscheidung erzwang. Man konnte nahezu jeden einzelnen Fehler der Jenaer
Hintermannschaft auf der Anzeigetafel ablesen. Wirklich zum Brechen. Soviel zur
Hoffnungslosigkeit der Situation. Was sich zwischen den beiden geschilderten Szenen
abspielte läßt aber – wenn schon nix Zählbares dabei rausspringt – trotzdem
auch viel Raum für Zuversicht. Und zwar deshalb, weil wieder eine Mannschaft
mit Wir-Gefühl auf dem Platz stand in der einer für den anderen die Kastanien
aus dem Feuer zu holen bereit ist. In der Torghelle
das Laufen für sich entdeckt hat (ich hätte es noch vor Wochen nicht für
möglich gehalten) und das Tor trifft. In der Simak
langsam das Bewußtsein für das aufbaut, was wirklich in ihm steckt und die
Fäden in die Hand nimmt. Und in der das (manchmal) mangelnde spielerische
potential durch Kampf und Einsatzwillen aufgewogen wird.
Das sah gut aus! Vor allem in der ersten Halbzeit, als die
Gladbacher den Selbstfindungsbemühungen von Simak kaum
ein Mittel entgegenzusetzen hatten. Erst sein Knaller aus ca. 20 m, den
Heimeroth im Gladbacher Tor nur mit Mühe abwehren kann
(16.), dann der etwas zu hoch angesetzte Schuß vom linken Strafraumeck nach
einer schönen Einzelleistung (23.). Und dann schließlich seine Vorarbeit für
Stegmayers Flanke direkt auf Torghelle.
Ein langgezogener Brüller begleitet den wunderschönen
Kopfball des Ungarn zum Ausgleich in lange Eck (34.). Wunderschön!!! Und das
auch noch völlig verdient, denn hier spielte phasenweise nur noch Jena. Kommt
Jungs, nachsetzen. Kurz vor der Pause hält Werner noch mal drauf. Aber der hat
einfach kein Glück, bekommt nicht mal eine Ecke für den abgefälschten Schuß…
Nach der Halbzeit schwinden sichtbar schnell die Kräfte. Das
merkt man vor allem an den kleinen Fehlern, die sich allenthalben so einschleichen.
Simaks Pässe kommen nicht mehr so oft an und wenn,
dann deutlich unpräziser. Auch diese kleinen Schlampigkeiten machen das
Fußballerleben immer schwerer. Auf der linken Abwehrseite werden sich
Charalambidis und Müller (?) nicht einig. Nimm du ihn, ich
hab ihn sicher, fällt mir dazu nur ein. Glück, daß Neuville die anschließende Flanke
von Ndjeng aus drei Metern über das Gehäuse wuchtet. Na
also, es geht doch (58.)! Und dann noch das Ding von Daniel Kraus als er einen
seltsam geschlagenen Aufsetzer nur mit Mühe und unter Einsatz diverser
Körperteile am Überqueren der Linie hindern kann (59.). Sah komisch aus, war
aber auch schwer! Hauptsache nicht drin.
Jena steht in dieser Phase ganz schön unter Druck, aber das
sieht trotzdem alles ganz passabel aus. Kaum richtige Chancen für Gladbach. Ein
Freistoß von Simak sorgt sogar noch mal für etwas
Entlastung. Aber mit letztem Einsatz kann Heimeroth
den Ball noch über die Latte lenken (55.). Scheiße. Schönes Ding. Und dann –
gerade als man als Jenaer Anhänger mit einem Pünktchen zu liebäugeln beginnt –
Neuvilles zweiter Treffer. Aus der Kalten. Und das nach so
einer starken Leistung.
Ein Tal tiefer Depression tut sich kurzzeitig vor mir
auf. So lande ich nach dem Abpfiff auch unweigerlich bei der Frage nach einem
den Umständen gerecht werdenden Bierkonsum. Die Antwort will sich mir nicht so
recht erschließen, schwankt mit dem jeweiligen Gemütszustand zwischen fast
schwarz und sehr dunklem Hell. Am Ende entschließe ich mich, die ganze Sache
auszusitzen. Bis Sonntag jedenfalls. Wer hat schon mit einem Punkt oder gar
Sieg gegen Gladbach gerechnet? Kaum jemand. Es ist also alles noch wie vorher.
Für den Fall, daß es gegen Hoffenheim wieder nicht
klappt mit dem Dreier, sollte man aber sicherheitshalber schon mal eine
Palette Öttinger kaltstellen. <bpf>
FC Carl Zeiss Jena - SC Freiburg 1:2
Tore: 0:1 Pitroipa (35.), 0:2 Kmas (83.), 1:2 Werner (90.)
- Jena: Kraus; Stegmayer, Omodiagbe, Maul, Günther (46.
Tapalovic); Hansen (77. Torghelle), Zimmermann (70. Ziegner), Simak,
Kühne; Werner, Helbig
- Freiburg: Walke; Ibertsberger, Butscher, Krmas, Schwaab; Aogo,
Uzoma, Pitroipa (75. Schlitte), Banovic; Bencik (56. Cafu), Matmour (79.
Mesic)
- Zuschauer: 7026
- Schiedsrichter: Walz (Pfedelbach)
- Spielbericht:
- In der 25. Spielminute, als Hansens Kopfball knapp das Tor
verfehlte, beneidete ich etwas den Verfasser des heutigen Spielberichts, weil
er bis dahin etliches Notierenswertes und eine starke Jenaer Anfangsphase geboten
bekam. Sekundenbruchteile später wandelte sich mein Neid in Entsetzen, denn mir
fiel schlagartig ein, dass ich vom Chefredakteur zum Schreiben vergattert
worden war…
Dabei sah man vorm Anpfiff überall skeptische Gesichter,
gegen unseren Lieblingsgegner der letzten Saison rechnete sich eigentlich
niemand etwas aus. Die erste Aktion schien allen recht zu geben, denn nach der
ersten Gästeecke musste Kraus einen scharfen Kopfball parieren. Faktisch im
Gegenzug parierte Walke einen Schuss Hansens aus nächster Nähe. Kurz danach
rettete Walke gegen Helbig. Das Gesamtbild sah gar nicht so übel aus (daran
änderte auch die nervige und überflüssige Information auf der Anzeigetafel vom
Eckenverhältnis von 5:0 für den SC nichts), der FCC war die überlegene, aggressivere
Mannschaft, die den Freiburgern immer wieder
feine Nadelstiche verpasste. In der 12. min wusste sich ein von Simaks Antritt
überforderter Verteidiger gar nicht mehr anders zu helfen, als sich ans Jenaer
Trikot mit der Nr. 19 zu klammern und dieses samt Simak auf den Rasen zu
befördern. Ich weiß nicht, ob Schiedsrichter Walz vom Rugby kommt, aber anders
kann man sich nicht erklären, warum er bei diesem klaren Foul nicht auf
Strafstoß entschied. Walz’ Gepfeife in der ersten Halbzeit war sowieso unterirdisch,
prinzipiell wurde nach Freiburger Ballverlust im Zweikampf auf Freistoß für die
Gäste entschieden und seine putzigen Eckenballentscheidungen für den SC
inspirierten die Haupttribüne zu lautstarkem ironischem „Ecke, Ecke“ bei jedem
Ausball. Bis zu jener oben erwähnten 25. min war der FCC im Vorwärtsgang, aber
erfolglos. Und so kam alles wie immer, nach der 34. die 35. Minute und in jener
der obligatorische Abwehrpatzer, als plötzlich drei „Blaue“ (die Gäste liefen
in einer ungewohnten Farbe auf) durch Jenas Abwehrmitte rauschten, Kraus
erwischte den Ball nicht, ein Freiburger spielt auf den nächsten, der im
Abseits stehend die Kugel ins Tor schob. Ein weiterer Höhepunkt jener
grässlichen Schiedsrichterleistung, dass der Treffer trotzdem anerkannt wurde.
Und so hatte nicht nur ich zur Halbzeitpause die Nase
gestrichen voll: Der FCC machte dass Spiel, der Gegner das Tor und der
Schiedsrichter leistete mit zwei extremen Fehlentscheidungen seinen Beitrag.
Zum Speien!!!
Nach der Pause war Freiburgs Taktik klar: Am eigenen
Strafraum aufstellen und in Ruhe die Führung nach Hause schaukeln, eventuell
mal kontern. Der FCC schaffte es aber trotz der badischen Zurückhaltung richtig
energisch Druck aufzubauen. Man spielte zu durchsichtig, machte zu viele
einfache Fehler im Aufbau und den Freiburgern die Abwehrarbeit ziemlich leicht.
Unerträglich, aber nicht neu, waren zudem die Schauspieleinlagen von
Pitroipa & Co., die nach kleinsten Berührungen oder
auch völlig ohne Anlass regelmäßig den „sterbenden Schwan“ abspulten, wie in
den letzten Zügen liegend. Nachdem sie fürs anscheinend letzte Schnauferchen
ins Seitenaus verbracht wurden, gab es ebenso regelmäßig die blitzschnelle
Wiederauferstehung inklusive Genesung. Und es ist sicher keine schlechte
Bilanz, durch solche „Verletzungen“ mehrfach längere Unterbrechungen zu
provozieren, die am Ende mit nur zwei Nachspielminuten belohnt wurden.
Jedenfalls fiel dem FCC nicht ein, wie die Gästeabwehr zu knacken wäre. Zu
vermelden war lediglich ein 20-m-Schuss Werners, der das Tor verfehlte –
typisch, dass in dieser Situation Stegmayer links völlig freigelaufen war, aber
vergeblich aufs Anspiel wartete. Eine knappe Viertelstunde vor Schluss sorgte
die Einwechslung des Ex-Jenaer Schlittes für ein
Anheizen der Stimmung im Publikum und fortan begleitete ein gigantisches
Pfeifkonzert jeden seiner Ballkontakte, das Eintauschen der angeblichen
Herzenssache FCC gegen Freiburger Geld war nicht vergessen worden. Freiburg
schaffte in der 82. min die befürchtete Vorentscheidung, allerdings nicht nach
einem Konter, sondern nach einem Freistoß von links außen. Omodiagbe ließ
Krmas kurzen Pfosten zu viel Raum und der drückte den Ball
ins Netz. Die erloschene Hoffnung glomm nochmals kurz auf, als Werner nach
Ziegners Flanke den Anschluss per Kopf erzielte. Aber
selbst Kraus’ Eingreifen ins Angriffsspiel brachte nichts Zählbares mehr, so
dass der FCC zum wiederholten Male in dieser Saison nach einem Heimspiel mit
leeren Händen dastand.
Nach dem guten Anfang fehlte heute in der Phase, in der der
FCC das Spiel hätte noch kippen können, jener letzte Kick, jener letzte Wille
zum bedingungslosen Fighten. Und wenn wir nicht schon im Dezember mit den
Planungen für die dritte Liga 2008/09 beginnen wollen, müssen nach den vielen
vergebenen möglichen Punkten in den nächsten Wochen endlich mal ein paar
unmögliche Punkte her. <uk>
SC Paderborn - FC Carl Zeiss Jena 2:2
Tore: 0:1 Torghelle (8.), 1:1 Koen (12.), 1:2 Werner (14.), 2:2 Sinkala (33.)
- Paderborn: Bade; Fall, Döring, Kläsener, de Graef, Gouiffe à Goufan, Sinkala (68. Männer),
Koen (68. Halfar), Krupnikovic, Löbe, Schüßler (56. Siradze)
- Jena: Kraus; Günther (66. Tapalovic), A. Maul, Omodiagbe, Stegmayer, Kühne, Charalambidis,
Werner, Simak (86. Ziegner), Torghelle (75. Hansen), Helbig
- Zuschauer: 6.079
- Schiedsrichter: Dr. Brych (München)
- Spielbericht:
- Nach der Spielpause war man allseits besonders gespannt, ob der FCC endlich den Bogen in die Erfolgsspur
findet, zumal es gegen einen Mitabstiegskonkurrenten ging. Die "Baustelle" Tor war mit dem dritten Keeper
Daniel Kraus besetzt worden. Neu war auch die Zusammensetzung des Angriffsduos, diesmal stand Helbig neben
Torghelle. Dafür rückte Tobias Werner auf die linke Außenbahn des Mittelfelds.
Und der FCC begann wirklich mit viel Elan, bereits in der 1. Spielminute verfehlte Charalambides
das 07er Tor nur knapp. Der Sekundenzeiger hatte gerade einmal zwei weitere Runden gedreht, da schoss
Helbig aus 25 m Entfernung knapp über die Torlatte. Im Gegenzug durfte Kraus Löbes Schuss aus
nächster Nähe abwehren. Dann war wieder der FCC im Vorwärtsgang: Einwurf Günthers
auf Charalambides, der legt zurück und in der Mitte köpfte Torghelle Günthers Bilderbuchflanke
zum 1:0 ein! Leider verschenkte man den Vorteil bald wieder, als Günther und Charalambides interessiert
einem Ball nachschauten, der sich zwischen ihnen zu Koen - dem stärksten Paderborner in der ersten
Halbzeit - durchdrängelte und der ließ sich die Chance nicht entgehen und knallte den Ball
ins lange Eck - 1:1. Die rund 500 mitgereisten Fans hatten aber keine Zeit, über diesen Rückschlag
richtig zu jammern. In der 14. Minute gab es auf der rechten Seite Freistoß für den FCC. Simak
und Werner standen bereit, letzterer trat die Spielkugel mit links hoch in den Strafraum, Maul ging zum
Ball, stieg jedoch drüber und so landete dieser im langen Eck - 2:1, der FCC hatte nach dem Ausgleich
sofort wieder zurückgeschlagen! Also alles bestens? Denkste, umgehend grub man sich in der eigenen
Hälfte ein und ließ die Gastgeber ihr Spiel aufziehen. Die optische Überlegenheit
Paderborns brachte jedoch nichts Zählbares, da entweder der finale Pass in der weißen Abwehr
steckenblieb oder man bei den Fernschüssen aufs Dach der Endtribüne zielte. Herzinfarktfördernd
war die 28. min, als eine lange Flanke am auf Sinkalas Kopf landete, dem Ball jedoch sprichwörtlich die
Luft ausging und er auf dem Strich zwischen Gut und Böse von Kraus festgehalten werden konnte. Fünf
Minuten später war es jedoch soweit, als es pingpongartig zwischen Jenaer Abwehr und Paderborner
Angreifern hin und her ging und Sinkala dem Treiben mit einem satten Schuss ins untere Toreck ein Ende
bereitete - wieder Ausgleich! Zum Heulen!!! Und wie jetzt weiter? Jedenfalls vergaßen die Abwehrrecken
des FCC bei einem Freistoß kurz nach dem Ausgleich, dass Schüßler ein blau-schwarzes Trikot
trug und so marschierte er mutterseelenallein zur Grundlinie, jagte seine Flanke zum Glück weit
Richtung Seitenlinie. Unmittelbar köpfte Maul zum Gegner und wieder war es Schüßler, der
auf der linken Seite davon profitierte, aber auch diesmal keinen Mitspieler fand. Die letzten Minuten vor
der Pause riss sich der FCC aber noch einmal zusammen und machte seinerseits Druck. Wer weiß, wie
die Partie ausgegangen wäre, hätte Jena auch nur eine der drei folgenden Konterchancen in den
Spielminuten 39 bis 44 genutzt hätte. Zunächst sahen sich drei Weiße kurz nach der
Mittellinie nur einem Abwehrspieler gegenüber, Werners Pass landete leider genau in dessen Füßen
anstatt bei den beiden mitlaufenden Teamkollegen. Dann sprintete wiederum Werner los, schoss aber von
links am Tor vorbei und ließ Helbig und Torghelle vergeblich in der Mitte warten. Und letztendlich
rannte sich Helbig bei seinem halbherzigen Dribbelversuch fest, nachdem er von Simak wunderbar
freigespielt worden war.
Zwischendurch erwischte ein abgefälschter Schuss Werners Alexander Bade beinahe auf dem falschen
Fuß, er schaffte es jedoch noch, gleichzeitig mit dem Ball in der unteren Torecke einzutreffen.
Mit 2 Sekunden Nachspielzeit beendete Schiedsrichter Dr. Brych diese sehenswerte Halbzeit.
Es war eigentlich klar, dass es nach der Pause nicht so weitergehen konnte. Die zweite Halbzeit war
dann auch etwas dezenter und es passierte deutlich weniger, was den Puls nach oben trieb. Zwei
Freistöße rund 25 m vorm Tor bis zur 50. Spielminute wurden mehr oder weniger
kläglich vergeigt. In der 52. min wurde zunächst Charalambides' Schuss abgeblockt
und ein Paderborner lenkte kurz vor der Torlinie Werners Nachschuss zur Ecke. Nach einer
Stunde tauchte Paderborn das erste Mal nach der Pause ernsthaft vor Kraus' Kasten auf und
Löbe setzte einen Kopfball auf der richtigen Seite neben den Pfosten ins Aus.
Anschließend gönnten sich beide Mannschaften eine ruhigere Phase zwischen den
Strafräumen. Erst in der 78. min gab es eine Strafraumszene, als die Paderborner
Nummer 24 mit dem klangvollen Namen Gouiffe á Goufan eine Simak-Flanke im letzten Moment
vor dem heranstürmenden Hansen zur Ecke entschärfte. Die anschließende Ecke
(wieder von Simak) wurde am kurzen Pfosten verlängert und fand weiter hinten Kühnes Kopf,
der maßgenau und kraftvoll köpfte und die Arme der Jenaer Fans in die Höhe jagte.
Da sich jedoch der Ball um wenige Millimeter verirrte und vom Aluminium des 07er Tores wieder
zurücksprang, landeten die Hände schließlich am Kopf zum Haareraufen. Paderborn
verließen nun sichtbar die Kräfte und Jena übernahm in der verbleibenden Zeit
die Initiative. Mit etwas Übersicht hätte der FCC noch einen Sieg holen können,
aber Werner entschied sich in der 83. für einen Schlenzer aufs lange Toreck und gegen den
in der linken Strafraumhälfte einsam und allein wartenden Helbig. Auch eine Minute später
nahm Werner den Kopf nicht hoch, sondern rannte sich nach Helbigs Zuspiel an ein paar schwarz-blauen
fest. Auf der Gegenseite testete Maul noch fix die Nerven von Mitspielern und Fans, als er eine an
sich harmlose Flanke fast ins eigene Tor stolperte, bevor dann Dr. Brych nach gigantischen 12 Sekunden
Nachspielzeit abpfiff.
Wie soll man nun das Unentschieden bewerten? Positiv (ein Auswärtspunkt) oder negativ (nicht
einmal beim Schlusslicht gewonnen)? Sicherlich irgendwo dazwischen: Es war mehr möglich, aber
andererseits können wir den schlechten Saisonstart nicht im Handumdrehen vergessen machen,
sondern müssen wie die Eichhörnchen mühsam Nuss für Nuss (bzw. Punkt für Punkt)
einsammeln, um im Dezember einen Vorrat zu haben, der für die Rückrunde reelle Chancen auf den
Klassenerhalt bietet.<uk>
FC Carl Zeiss Jena - TSV 1860 München 0:2
Tore: 0:1 Bierofka (47.), 0:2 Göktan (90.)
- Jena: Person; Stegmayer, Omodiagbe, Maul, Günther; Hansen
(62. Helbig), Kühne, Simak, Charalambides (76. Ziegner); Werner,
Torghelle
- München: Hofmann; Hoffmann, Berhalter, Ghvinianidze (85.
Szukala), Thorandt; L. Bender (67. Gebhart), Schwarz, Bierofka, Johnson
(67. S. Bender); Göktan, di Salvo
- Zuschauer: 11.314
- Schiedsrichter: Wingenbach (Diez)
- Spielbericht:
-
Wer ihn damals hörte, wird sich jetzt noch an ihn erinnern:
Den Kommentar von DSF-Reporter Martin Quast zum Spiel Jena – 1860 im Februar
2007. Da war zunächst die Schilderung des 1:0 nach sechs Minuten: „Eckball kurz
aufgeführt, Hoffmann klärt, da ist nur Tapalovic – (Stimme plötzlich erhebend)
NUR TAPALOVIC ! Boah, was’n Gerät ! Tor des Monats, hundert Prozent.
Volltreffer – so schön kann Zweitligafußball sein.“ Filip Tapalovic hatte den
FCC mit einem Volleyknaller aus 25 Metern in Führung geschossen und auch wenn
Herr Quast mit der Tor-des-Monats-Prognose nicht
recht behalten sollte, geriet er auch noch wegen der
darauffolgenden Spielminuten aus dem Häuschen. „Ich raffs nicht, ich fass es
nicht – ja, wo bin ich denn hier?“, rief er nach 10 Minuten, als gerade das 3:0
gefallen war, „jetzt tanzen sie im Thüringer Wald Samba mit den Wildschweinen
und allem Drum und Dran. Unfassbar, was hier im Ernst-Abbe-Sportfeld in den
ersten Minuten passiert“.
Obwohl noch nicht lange her, ist diese Anfangsphase bereits legendär.
Und die ver-quast-ete Schilderung gleich mit.
Doch das ist Vergangenheit und mit einer Wiederholung jenes
Ablaufs war von vornherein nicht zu rechnen. Wobei sich die Frage stellt,
welchen Verlauf solch ein Spiel nimmt, wenn der straffe Schuss von Kühne nach
drei Minuten im Netz landet. Münchens Keeper Hofmann rührte da keinen Finger,
leider flog das Leder knapp an seinem Kasten vorbei. Die erste Halbzeit konnte sich durchaus
sehen lassen auf Jenaer Seite. Mit Forechecking versuchte man in Ballbesitz zu
gelangen. Die Flügelzangen Stegmayer-Hansen und Günther-Charalambides zeigten
sich in der Abstimmung weiter verbessert. Und zentral überzeugte Simak wieder
mit klugen Pässen. Nur im Abschluss erwiesen sich Charalambides (23.) und
Hansen (26.) als nicht treffsicher genug. Die vielleicht beste Gelegenheit vor
der Pause vergab Tobias Werner bei einem energischen Konter, als er es nicht
fertig brachte, dem freigelaufenen Simak den Ball „durch zu stecken“, vielmehr
an einem Verteidiger hängen blieb. Auch beim Durcheinander im gegnerischen
Strafraum fanden die Jenaer keine Lücke, Mauls Heber wurde schließlich zur
leichten Beute Hofmanns. Und die Münchner ? Waren zu Beginn um Abgeklärtheit
bemüht und ließen dabei erstaunlich große Lücken im Mittelfeld. Abgesehen von
Hoffmanns Flachschuss (25.) drohte Jenas Abwehr zunächst keine Gefahr. Dies
änderte sich kurz vor der Pause. Da sah sich Stegmayer auf seiner Seite mit dem
ballführenden Bender sowie Johnsson gleich zwei Gegenspielern gegenüber. Nicht
wissend, wen er attackieren sollte, griff er im Grunde niemanden richtig an.
Bender konnte unbedrängt zum Schuss ansetzen, zielte aber ein wenig zu hoch.
Kurz darauf zeigten die Sechziger eine ihrer einstudierten Freistoßvarianten –
diesmal war es Göktan, der nur knapp verfehlte.
Verglichen mit diesen Hochkarätern strahlte der Torschuss in
Minute 47 eigentlich geringes Gefahrenpotential aus. Es hatte den Anschein, als
hätte ihn Person zunächst fausten wollen, vielleicht erschien er ihm dafür mit
einem Mal nicht scharf genug – jedenfalls versuchte er plötzlich, den Ball zu fangen
und dieses Umgreifen ging gründlich daneben. Plötzlich lag der Ball im Netz. Ohje, Jena und seine Torhüter ! Ob sie
nun Jensen oder Person heißen, bislang haben sie uns in dieser Saison mehr
Punkte gekostet als gerettet. Doch eine
Mannschaft gewinnt und verliert zusammen und noch war fast eine Halbzeit lang
Zeit, wenigstens ein Remis zu schaffen. Werner und Hansen hätten es
erzielen können, Sandor Torghelle nach mustergültiger Kopfballvorlage
von Omodiagbe sogar müssen, schoss jedoch nur den herauslaufenden Hofmann an. Bei allen erkennbaren Bemühungen – die
Vorherrschaft im Mittelfeld ging verloren, weil bei Simak und Charalambides die
Kräfte schwanden. Die Gäste konnten nun ungestört den Ball laufen lassen. Zwar war
die Münchner Überlegenheit nicht so groß, wie es ein Eckenverhältnis von 9:1
nach einer Stunde vorgaukelt. Doch macht es deutlich, dass 1860 die technisch
feinere Klinge schlug, sich nicht so oft damit helfen musste, den Ball ins
Toraus zu befördern. Ihr Tagesbester Daniel Bierofka wirkt vom technischen
Vermögen her schon fast überqualifiziert für diese Liga.
Valdas Ivanauskas holte seine beiden einzigen
Offensivwechsler von der Bank. Ohne Erfolg. Doch eine letzte Geheimwaffe besaß
er noch: Darlington Omodiagbe als Stürmer ! Dass er vorn den einen oder anderen
Kopfball holt, war uns ja bereits bekannt. Doch wenn ‚Omo’ dazu noch kluge Offensivpässe
spielt, sollte er solche Ausflüge ruhig häufiger machen dürfen. Perfekt sein
Zuspiel auf Günther in der letzten regulären Spielminute, dessen Flanke kam
auch vors Tor, wo Helbig sie aber nicht richtig erwischte. Und wie das so ist
im Fußball – setzt eine Mannschaft alles auf eine Karte und verpasst knapp den
Ausgleich, geht sie im Gegenzug nur allzu oft k.o. Dass Ziegner als letzter
Mann wegrutschte, Göktan frei vor Person zunächst nur den Pfosten traf und dann
noch eine Gelegenheit zum Nachschuss bekam, rundete das Bild ab.
Zweitligafußball in Jena kann nicht nur schön, sondern auch deprimierend sein. <fc>
Fotos auf weissenburger.de
SpVgg Greuther Fürth - FC Carl Zeiss Jena 2:2
Tore: 1:0 Reisinger (28.), 1:1 Charalambides (34.), 1:2 Torghelle (49.), 2:2 Lanig (63.)
- Fürth: Kirchstein; Achenbach, Mauersberger, Karaslavov, Schröck (72. Adlung); Judt, Haas, Burkhardt (80. Maierhofer), Lanig; Nehrig, Reisinger
- Jena: Person; Stegmayer, Omodiagbe (32. Oniani), Maul, Günther;
Kühne, Hansen (72. Kandelaki), Simak, Charalambides (64. Tapalovic);
Werner, Torghelle
- Zuschauer: 8.900
- Schiedsrichter: Zwayer (Berlin)
- Spielbericht:
- Freuen oder ärgern? So richtig wusste nach Abpfiff kaum einer im
blau-gelb-weißen
Lager, wie mit diesem Remis in Fürth umzugehen wäre. Spielerisch war an diesem
Nachmittag wohl so leicht wie noch nie am Ronhof
ein Dreier zu holen, andererseits grenzt es
an ein Wunder, angesichts der Leistung des Unparteiischen überhaupt noch einen
Punkt verteidigt gehabt zu haben, den sich ein aufopferungsvoll kämpfendes Team
redlich verdiente.
„Never
change a winning team“ hieß die Devise und so schickte Valdas Ivanauskas die
siegreiche Offenbach-Elf auf den Rasen. Der Club begann furios und die über
1.500 mitgereisten FCC-Fans hatten schon nach 34 Sekunden den Torschrei auf den
Lippen, als Torghelle Fürths Karaslavov den Ball abnimmt, sofort auf Werner
passt, der völlig frei vor dem gegnerischen Tor eine Sekunde zuviel Zeit zum
Überlegen hat und den Ball an Keeper Kirchstein vorbei ins Toraus schiebt. Was
für eine Möglichkeit! 10 Minuten später durften sich die Gastgeber die Haare
raufen, als Burkhardt einen zunächst abgewehrten Eckball flach an den
Innenpfosten setzt. 5 Minuten später, andere Seite, Hansen bedient
Charalambides, der freie Schussbahn hat, aber nicht genug Druck hinter den Ball
bekommt, so dass Ex-Bundesligakeeper Kirchstein das Leder noch um Haaresbreite
um den Pfosten lenken kann. Es war ein tolles, offenes Spiel beider Teams in
den ersten Minuten und Fürth schien beeindruckt zu sein von Jenas
Offensivdrang, richtete sein Spiel fast ausschließlich auf das Provozieren von
Standardsituationen aus und lange weite Bälle auf den emsigen Reisinger. Dass
jenem nach 28 gespielten Minuten die Führung gelang, hatte er aber zwei
Jenensern zu verdanken. Stefan Kühne bringt mit viel zu kurzem Rückpass seinen
Keeper in Bedrängnis und warum Christian Person den Ball nicht nach links oder
rechts klärt, sondern ausgerechnet an die ausgestreckte Hand des heranstürmenen
Reisingers, bleibt sein Geheimnis. Der Ball trudelt ins leere Tor, 1:0. Ein
Schock zweifellos dieser Treffer in Unterzahl, denn Omodiagbe musste sich am
Spielfeldrand nach einem nicht geahndeten Foul behandeln lassen und kurz darauf
gegen Oniani ausgewechselt werden, aber anders als noch vor Wochenfrist in
Frankfurt reagierte der FCC unbeeindruckt und kommt nur sechs Minuten später
zum verdienten Ausgleich. Stegmayer täuscht eine Flanke an, passt aber flach
auf Simak, der düpiert mit Körpertäuschung gleich zwei Fürther und findet
Charalambides, dessen Ball auch für den 1,96-Riesen Kirchstein zu platziert ist
und ins lange Eck kullert.
Kurz vor der Pause zappelt der Ball erneut im Netz,
nachdem Kühne einen Eckball einnickt, doch die Anerkennung bleibt verwehrt, ein
Stürmerfoul will Referee Zwayer zuvor gesehen haben. So geht es mit einem
leistungsgerechten Remis in die Pause und Jenas Fans durften vor allem mit dem
mannschaftlich geschlossenen Auftreten zufrieden sein, lediglich die einfach
nicht abzustellenden teils haarsträubenden individuellen Fehler bereiteten
graue Haare.
Von denen dürfte Fürths Coach Bruno Labbadia kurz nach
Wiederanpfiff auch einige mehr bekommen haben, denn wie schon in der ersten
Halbzeit bereitete sein Innenverteidiger Karaslavov eine Großchance für den FCC
vor, nur dass Torghelle die Einladung nach katastrophalem Rückpass diesmal
nicht ausschlug und durch die Beine Kirchsteins zur Jenaer Führung vollendete,
unmittelbar vor dem proppevollem Gästeblock für Partystimmung sorgte.
Siegeszuversicht machte sich breit, doch wie man ein Team gänzlich zermürben
kann, stellte Schiedsrichter Zwayer eindrucksvoll unter Beweis. Die Folge einer
völlig einseitigen Regelauslegung waren unter anderem sage und schreibe acht
gelbe Karten für Jenas Kicker, die sich in der Folge mehr und mehr zurückzogen
und Zweikämpfe scheuten, deren Ausgang schon vorher festzustehen schien. Und so
wäre etwas mehr Nähe zum Gegenmann durchaus empfehlenswert gewesen, als der für
den gesperrten Fürther Kapitän Felgenhauer ins Team gerückte Stephan Schröck im
Doppelpass mit Nehrig Stegmayer düpierte und unbedrängt in den 5m-Raum flanken
durfte, wo Lanig den Ball artistisch über die Linie drückte. Eine knappe halbe
Stunde war da noch zu spielen und diese wurde bestimmt durch eine Flut von
Freistößen. Jan Simak setzte seinen knapp neben den Pfosten (66.), auf Fürther
Seite vergab Mauersberger die größte Gelegenheit, als er eine Freistoßflanke
per Fuß abnahm und das Leder knapp neben das Tor setzte, den Außenpfosten
streifend. Der für Charalambides eingewechselte Tapalovic hatte vier Minuten
vor dem Ende auf Zuckerpass Simaks die letzte Möglichkeit für den FCC, ließ
aber Torghelles Kaltschnäuzigkeit vermissen und gab die Verantwortung lieber
per verunglücktem Querpass weiter. So musste gar um den einen Punkt bis in die
93. Minute gezittert werden, als eine faire Aktion von Oniani an der
Strafraumgrenze wieder einmal mit Freistoß für die Kleeblätter geahndet wurde
und Stefan Kühne die Flanke artistisch vor dem einköpfbereiten Mauersberger
entschärft.
So ein klein wenig hatte der
Fußballgott sein Herz also für Thüringens Traditionsverein wiederentdeckt und
auch Jenas Spieler durften sich – anders als vor 7 Tagen – Streicheleinheiten
der eigenen Fans gefallen lassen, zu denen sich auch Neu-Clubberer und
Herzens-Jenenser Ralf Schmidt gesellte. Nach drei schlimmen Auftritten am
Ronhof holte der FC Carl Zeiss also zum ersten Male Zählbares, doch irgendwie war
mehr drin. <gunner>
FC Carl Zeiss Jena - Kickers Offenbach 2:0
Tore: 1:0 Simak (43.), 2:0 Werner (75.)
- Jena: Person; Stegmayer, Omodiage, Maul, Günther (75.Oniani);
Hansen (70.Tapalovic), Kühne, Simak, Charalambides (61.Holzner); Werner,
Torghelle
- Offenbach: Thier, Pinske (60.Sidney), Müller, Hysky, Bungert, Cimen, Sieger
(46.Ogungbure

,89.),
Judt (70.Epstein), Moktari, Türker
- Zuschauer: 5867
- Schiedsrichter: Bandurski (Essen)
- Spielbericht:
- Ein mulmiges Gefühl machte sich in meiner Magengegend breit, als ich vor der heutigen Partie gegen die Kickers aus
Offenbach das Stadion betrat. Nach fünf Niederlagen in Folge und zuletzt einer katastrophalen Leistung in Frankfurt gegen
Wehen schwante mir auch heute nichts Gutes. Die spielerisch guten Leistungen der ersten Saisonpartien waren vorbei und wer
das Match in Frankfurt live miterleben musste, konnte mein Gefühl durchaus verstehen. Zu viel lief in der Hessenmetropole
bei den Jenaern schief, als dass man ausgerechnet heute gegen die zuletzt starken Hessen vermuten konnte, dass es anders werden würde.
Aber beim Blick auf die Aufstellung der Partie wich mein mulmiges Gefühl blanker Zuversicht, denn Neu-Couch Ivanauskas bewies Mut und
krempelte sein Team gegenüber der letzten Partie auf sechs Positionen um und brachte "Typen" wie Günther, Hansen, Maul und Kühne,
welche gegen Wehen so schmerzlich vermisst wurden.
Der FCC begann auch von Beginn an couragiert und drückte die Offenbacher in deren Hälfte, woraus auch nach zwei Minuten die
erste Minichance resultierte. Nach gut einer Viertelstunde bot sich dann den Gästen auch ihre erste Möglichkeit, doch Siegers
Schuss ging über den Kasten. Den Spielern des FCC merkte man am heutigen Tage zu jeder Sekunde an, dass sie den unbedingten
Willen hatten, sich nicht so "abschlachten" zu lassen bzw. gewinnen zu wollen. Nach einer halbe Stunde waren einige der
Zuschauer schon froh, dass die Jenaer bis dahin kein Tor kassiert hatten. Doch kurz vor der Halbzeitpause sollte es noch
besser kommen, als Simak einen Freistoß aus 30m auf das Tor zirkelte und der Ball auf einmal im Tor zappelte. Grenzenloser
Jubel auf den Rängen, doch die meisten wollten es trotzdem kaum glauben, da sie dieses unglaubliche Glückgefühl gar nicht
mehr kannten.
Fünf Minuten nach Wiederanpfiff die erste Schrecksekunde für die Jenaer, als Dino Toppmöller völlig freistehend aus
gut sechs Metern den Ball zum Glück über das Tor donnerte. Der bis dahin relativ souveräne Schiedsrichter Bandurski
fing nun an, seine Linie zu verlieren, und sorgte mit einigen Fehlentscheidungen für Unruhe auf dem Platz und den
Zuschauerrängen, was in der Gelb-Roten Karte für Ogungbure gipfelte. Die Partie wurde dadurch nun zunehmend hektischer
und es war ein Tanz auf Messers Schneide. Die Offenbacher machten nun hinten ein wenig auf und drückten auf den Ausgleich,
doch der Abwehrriegel des FCC stand. Das Hoffen und Bangen ging weiter und eine Viertelstunde war noch zu spielen, da kam
ein langer Ball in des Gegners Strafraum. Gästekeeper Thier und ein Offenbacher Verteidiger waren sich in dieser Szene
nicht einig genug, wer diesen Ball retten sollte. Nutznießer dieser Aktion war Werner, der sich einfach das Leder schnappte,
Thier umkurvte und zum 2:0 vollendete. Vier Minuten vor Ultimo hätte Werner noch zum absoluten Held des Spiels werden
könnten, doch nach einem erneuten Fehler des Offenbacher Schlußmannes schloss Werner aus spitzen Winkel ein wenig zu
ungenau ab, so dass der Ball Zentimeter vor der Torlinie entlang rollte und doch nicht den Weg ins Tor fand. Kurz darauf
war die Partie zu Ende und der erste lang ersehnte Dreier unter Dach und Fach.
Die wenigsten Zuschauer hätten nach dem Katastrophenspiel vor gerade einmal drei Tagen erwartet, dass sich die Mannschaft
so aufraffen könnte, um die starken Hessen heute gar besiegen zu können. "Der FCC, der FCC, der FCC ist wieder da…"
skandierten die Fans von den Rängen und die Freude war natürlich umso größer, weil mit einem derartigen Wandel in
so kurzer Zeit wohl kaum einer gerechnet hatte. Aber letztendlich waren es trotzdem "nur" drei Punkte und wie
Ivanauskas sagte:" Der Tunnel ist noch sehr lang, bis wir das Licht am Ende sehen". <vg>
SV Wehen Wiesbaden -FC Carl Zeiss Jena 5:1
Tore: 1:0 Diakite (9.), 2:0 Diakite (11.), 3:0 Siegert (20.), 4:0
Nicu (41.), 5:0 Nicu (73.), 5:1 Simak (82., FE)
- Wehen: Richter; Kokot, Jeknic, Kopilas, Nakas; Catic (62.
Amstätter), Nicu (78. Cailas), Siegert, Schwarz; König,
Diakite (85. Lombe)
- Jena: Jensen; Kandelaki, Omodiagbe, Müller (46. Oniani),
Holzner; Stegmayer, Lorenzon, Ziegner (46. Werner), Simak, Charalambides;
Torghelle
- Zuschauer: 5626
- Schiedsrichter: Seemann (Essen)
- Spielbericht:
- (von Gastkommentator Jens Klebe)
Nach einem völlig verkorksten Saisonstart mit nur einem
Punkt auf der Habenseite griffen in der vergangenen Woche auch in Jena die so
genannten ungeschriebenen Gesetze des Geschäfts. Klassenerhalts-Held Neubarth
räumte sein Trainerzimmer welches kurz darauf mit Valdas Iwanauskas einen neuen
Nutzer fand. Um zu sehen, was dieser Wechsel bewirken könne, hatten sich
immerhin gut 1.500 Zeissfans auf den Weg nach Frankfurt gemacht. Würde im
Frankfurter Waldstadion gegen den SV Wehen endlich der erste Dreier eingefahren?
Da die Leistung au dem Koblenz-Spiel ja nur schwer zu unterbieten sein würde,
bestand Anlass zur Hoffnung.
Aber selbst dieses zarte Pflänzchen verdorrte schnell.
Jena startete zwar ohne Kühne, Hansen und Werner – dafür aber gewohnt schlafmützig.
Bereits nach 11 Minuten hatte Diakite mit einem Doppelschlag
klare Verhältnisse geschaffen. Zunächst bekam die FCC-Abwehr in Person Ziegners
nach einer Wehener Flanke den Ball nicht aus der Gefahrenzone, aus 20 Metern
zog ein Wehener ab und als Diakite den Ball abfälschte schlug er unhaltbar
neben Jensen ein. Ganz einfach dann Tor Nummer 2: Flanke von links, Diakite
frei im Sechzehner, draufgehalten und drin!
ass=MsoNormal>Nach 15 Minuten versuchte sich dann auch Simak erstmals für
den FCC an einem Torschuss, setzte diesen aber drüber.
Nach 20 Minuten vertändelte Charalambidis den Ball
leichtfertig in der Vorärtsbewegung, es folgt ein Konter über rechts, Schwarz
bediente Siegert und der zog vom Strafraumeck in die lange Ecke ab – 3:0!
Die Jenaer glichen nun einem Häuflein Elend und so spielten
sie auch weiter. Kaum waren weitere 10 Minuten vergangen, als Omo und Holzner
den ballführenden Nicu auf seinem Weg zum Tor brav begleiteten, ohne ihn
entscheidend zu stören. Nicu hob den Ball über Jensen und dieser schlug zum 4:0
ein. (40.)
Jenas Anhang hatte jetzt „die Schnauze voll“. So sang es
jedenfalls ein Großteil der Mitgereisten und verabschiedete sich mit dem
Pausenpfiff aus dem Stadioninneren.
Ansonsten waren in der Zwischenzeit die blaugelbweißen
Anfeuerungsrufe durch weitere zornige Schmährufe ersetzt worden.
Halbzeit 2 begann mit Werner und Oniani für Ziegner und
Müller. Werner war auch der Einzige in der Gästeelf der sich nachhaltig
versuchte, in Szene zu setzen.
Da Wehen jetzt nicht mehr tat, als für die Verwaltung des Resultats
nötig war, konnte der FCC zumindest zeitweilig fast optische Ausgeglichenheit
erreichen. In einer Phase, als Jena auch der eine oder andere gute Angriff
gelang (meist über Werner und Simak), dann die kalte Dusche. Mit einem
Freistoß-Trick aus der Schüler-Trickkiste wurde erneut Nicu freigespielt und
mit etwas Glück schlug sein Schuss zum 5:0 ein (73.).
Der FCC war demontiert. Daran änderte auch Simaks
Elfmetertreffer nichts mehr, den er nach einem Halten an Torghelle sicher
markierte.
Insgesamt bot der FCC eine erschreckend desolate Leistung
und es dürfte einem Wunder gleichkommen, wenn Iwanauskas aus diesem
verunsicherten Haufen binnen Kürze ein siegfähiges Team formen könnte. Ansätze
–mehr aber auch nicht- konnte man in der zweiten Hälfte zumindest bei Einigen
wenigstens erkennen. Dennoch, eigentlich ist jedes Wort über das heutige Spiel
eigentlich eines zu viel. Außer vielleicht diesem: beschämend!
So traurig und erschreckend das klingt: der FCC holte sich
eine verdiente Niederlage ab und kann schon am 7. Spieltag mit der Devise „Wir
haben ja nichts mehr zu verlieren!“ antreten.
Ca. 400 Jenaer Fans, die ohnehin die 2. Halbzeit außerhalb
des Stadions zugebracht hatten, blockierten anschließend friedlich die Ausfahrt
des FCC-Mannschaftsbusses und machten ihren Unmut deutlich. Adressaten waren
neben dem Team auch der Sportliche Leiter Lutz Lindemann und Präsident Zipfel.
Nach Gesprächen mit den Spielern Maul, Werner, Hansen,
Co-Trainer Holetschek und einer kurzen (aber eher schwachen) Ansprache des Kapitäns
Ziegner löste sich der Protest friedlich auf.
FC Carl Zeiss Jena - TuS Koblenz 1:2
Tore: 0:1 Daham (29.), 1:1 Omodiagbe (39.), 1:2 Daham (43.)
- Jena: Jensen; Kühne (46. Ziegner), Omodiage, Maul, Holzner;
Hansen (64. Fardjad-Azad), Müller, Simak, Stegmayer; Werner,
Torghelle (36. Petersen)
- Koblenz: Eilhoff; Lomic, Bajic, Mavric, Forkel; Djokaj (63.
Langen), Dzaka, Hartmann, Sukalo; Cha (82. Bogavac), Daham (90. Richter)
- Zuschauer: 8251
- Schiedsrichter: Schriever (Dorum)
- Spielbericht:
- Konnte man sich nach der
Heimniederlage gegen Mainz noch damit trösten, gegen einen klar besseren
Gegner, der noch dazu aus der 1. Bundesliga gekommen war, verloren zu haben, so
fehlte diese Trostmöglichkeit nach dem Abpfiff gegen Koblenz völlig.
Dabei sah es anfangs recht gut aus,
wenn man von den ungewohnten Trikots absah, die an übergezogene gelbe Trainingsleibchen
erinnerten. Von der ersten Minute an spielte der FCC nach vorn und drückte die
Gäste an ihren Strafraum. Und so ergaben sich auch schnell einige Chancen, z.B.
als Werner in der 3. Spielminute nach links auf Stegmayer spielte, der flankte
in die Mitte, wo Hansen allerdings zu hoch schoss. Drei Minuten später das
gleiche Strickmuster Mitte – links – Strafraum – drüber, diesmal waren Simak,
Werner und Torghelle die Beteiligten.
Dann hatte Schiedsrichter Schriever
seinen großen – oder besser: peinlichen – Auftritt: Hansen führte einen Einwurf
blitzschnell aus und der Koblenzer Torwart fischte den Ball genauso
blitzschnell vor Torghelle weg, stand dabei allerdings zwei, drei Meter vorm
Strafraum. Anstatt Eilhoff regelgerecht "Rot" zu zeigen, ließ
Schriever den Einwurf wiederholen. Warum? Das bliebt sein ewiges Geheimnis. Und
so ging es mit 0:0 im bisherigen Szenario weiter. Es fehlte jedoch bei allen
Zuspielen die letzte Abstimmung und Präzision, so auch, als Torghelle in
Mittelstürmerposition ein Zuspiel Simaks nur um Fußbreite verpasste (22.). Irgendwann
ließ der Jenaer Druck nach und die Koblenzer erkundeten die gegnerische Hälfte.
Tatkräftige Aufbauhilfe bekamen sie dabei von Stegmayer (26.) und Omodiagbe
(28.), die jeweils aus eigentlich schon geklärten Situationen unnötigerweise
Eckbälle für Koblenz fabrizierten. Und so kam es zum schon fast üblichen Ritual
im EAS: Die Gäste erhielten mit ihrem ersten vernünftigen Spielzug den
Führungstreffer geschenkt. Hansen rutschte auf der rechten Abwehrseite im an
sich harmlosen Zweikampf aus, Forkel flankte ungestört, Maul tauchte mit dem
Sprungvermögen eines Kanonenofens unterm Ball durch und Daham köpfte das
Geschenk ein – 0:1! The same
procedure as every week! Danach trug die
allgemeine Verunsicherung zehn gelb-blaue Trikots und wir hatten Glück, dass es
nicht gleich noch einen Gegentreffer gab. Doch Jensen tauchte in die untere
Ecke und verwehrte dem Kopfballaufsetzer Sukalos den Weg ins Netz. Neubarth
reagierte auf diesen Rückschlag und wechselte den bis dahin vielleicht etwas
glücklosen, aber insgesamt nicht besser oder schlechter als seine Mitspieler
agierenden Torghelle aus und brachte statt dessen Petersen. Für mich war diese
Auswechslung die entscheidende Szene für die weiteren lauen Angriffsversuche
und die logisch folgende Niederlage. In der 39. Minute hatte der Fußballgott
dann aber ein Einsehen mit den geplagten Zeiss-Fans und ließ Eilhoff eine Ecke
fehlerhaft wegfausten, Werner flankte den Abpraller in die Mitte und Jenas
Torgarantie Omodiagbe machte per Kopfball den Ausgleich. Jaaa, jetzt aber…
denkste! Der nächste Koblenzer Angriff bestand aus einem einfachen langen
Flankenball von der Mittelinie an die Strafraumgrenze. Dabei war der Ball so
lange in der Luft, dass sich Omo und Stegmayer rechts und links in
ausreichendem Abstand von Dahame aufstellen konnten, um diesem beim
Direktschuss ins lange Eck bewundernd zuzusehen. Mit den Händen aufgebaut
(Ausgleich) und sofort mit dem Hintern wieder eingerissen (1:2) – derzeit
typisch für den FCC!
Aussage eines Zuschauers in der
Halbzeitpause: "So mies wie diesmal war die Stimmung in der Halbzeitpause auf
der Toilette ewig nicht mehr." Es sollte nach der Pause nichts
Stimmungsförderndes mehr passieren. Zwar kam Ziegner für Kühne ins Team, aber
auch der passte sich der allgemeinen Leistung an. Es waren lediglich noch
vereinzelte Standards, die Eilhoff etwas Ablenkung brachten: Petersen köpfte
nach Ziegner-Freistoß übers Tor (50.) und Stegmayer donnerte einen 25-m-Knaller
direkt aufs Trikot des Gästekeepers. Jensen zeigte in der 62. min seinen
„running gag“ und ließ auch diesmal einen Ball nach vorn prallen, allerdings
folgenlos. Bezeichnend fürs Jenaer Spiel war die Tatsache, dass Holzner als
rechter Außenverteidiger die größten Angriffsbemühungen zeigte, sich immer
wieder für Zuspiele anbot und lange Wege zwischen vorn und hinten ging. Da
ansonsten kaum Bewegung im Jenaer Spiel war, prallten alle Bälle von der roten
Gummiwand ab, die Koblenz am Strafraum errichtet hatte.
Einziger Farbtupfer war Fardjad-Azad, der
nach seiner Einwechslung innerhalb von 5 Minuten dreimal aufs Tor schoß und
mehr Torgefahr erzeugte als alle anderen zusammen. Der Neunzehnjährige mühte
sich redlich und umkurvte einige Male seine Gegenspieler, aber da seine
Mannschaftskameraden nicht annähernd so viel Einsatz zeigten, war er auf
verlorenem Posten. In der letzten Viertelstunde bot Koblenz noch alle
Varianten, wie man beste Konterchancen kläglich vergibt – zum Glück, sonst wäre
es nicht beim 1:2 geblieben.
Diese Niederlage war nicht eine
unglückliche, nach der man zum Tagesgeschäft übergehen könnte. Im Verein muss
man sich auf Grund der Art und Weise, wie sich unsere Mannschaft in diesen 90
Minuten präsentierte, ernsthafte Gedanken machen, wie man eine totale
Pleitesaison verhindern kann. Noch ist die Zeit dafür! <uk>
FC Carl Zeiss Jena - FSV Mainz 05 1:2
Tore: 0:1 Feulner (17.), 1:1 Omodigabe (54.), 1:2 Gunkel (77.)
- Jena: Jensen; Kandelaki, Omodiage, Maul, Holzner; Hansen,
Müller (82. Helbig), Simak, Ziegner (46. Charalambides); Werner,
Torghelle (78. Petersen)
- Mainz: Wetklo; Demirtas, Noveski, Subotiv, Hoogland; Feulner,
Petkovic, Gunkel, Karhan (72. Laurent); Borja (61. Jovanovic), Amri
(89. Vrancic)
- Zuschauer: 11.798
- Schiedsrichter: Willenborg (Osnabrück)
- Spielbericht:
- Mainz 05 – ich muss gestehen, dass ich gewisse Sympathien
für diesen Verein hege. Selbige haben ein ganzes Stück mit Trainer Jürgen Klopp
zutun, aber auch mit dem Erscheinungsbild des FSV insgesamt. Wenn es jedoch gegen
den FC Carl Zeiss geht, gibt es kein Pardon
– dann gehört Mainz in der persönlichen Werteskala nur noch zu „best of the
rest“.
Es konnte mir also nicht gefallen, was sich da in Halbzeit
eins auf dem Rasen abspielte. Vom Anpfiff weg bestimmten die Gäste mit
scheinbarer Leichtigkeit die Szenerie. Zweite Minute, erste Chance – Amri aus
15 Metern knapp drüber. In der 6.
Minute lud Omodiagbe mit Fehlpass Feulner zum Torschuss ein. Der nach Köln
zurecht kritisierte, mit „Tri Tra Trullala“-Artikeln aber nahe der Gürtellinie
getroffene Kasper Jensen zeigte sich in dieser und den folgenden Situationen
wieder auf der Höhe. Den frühen Rückstand vermochte er aber nicht zu
verhindern. Weil bei einem schnellen Mainzer Angriff noch ein Stürmer im
Zentrum mitlief, gingen nicht ausreichend
Jenaer Verteidiger auf den ballführenden Markus Feulner. Dieser ließ Müller als
seinen einzigen Gegenspieler ins Leere grätschen und Jensen keine Chance.
Hallo wach ? – Weit
gefehlt, statt mit Aufbäumen reagierten Jenas Akteure mit Verunsicherung. Dass sich
Omodiagbe bei allen Qualitäten seine zwei, drei Aussetzer pro Spiel leistet,
wissen wir schon. Auch dass sich bei Holzner Licht und Schatten noch zu sehr
abwechseln. Doch selbst ein Alexander Maul ließ sich in dieser Phase von der
allgemeinen Nervosität in der Hintermannschaft anstecken.
Auch nach vorn lief wenig rund, keine Spur von einem konstruktiven Zusammmenspiel. Simaks
30-Meter-Freistoß war der erste Jenaer Torschuss überhaupt. Nach 32 Minuten !
Zu diesem Zeitpunkt hatte Mainz bereits ein halbes Dutzend Male aufs Tor geschossen.
Schon ein kurzer Antritt von Tobias Werner und die hohe Hereingabe, welche
Wetklo locker herunterfischte, ließen kurzzeitig Stimmung aufkommen. Wie
Dürstende auf jeden Tropfen Wasser stürzten sich die Zeiss-Fans auf diese
unaufregende Szene. Kein Wunder angesichts der Tristesse in Hälfte eins.
Omodiagbes Kopfball (42.) war da noch die beste Gelegenheit vor der Pause, vor
Probleme wurde Wetklo aber auch damit nicht gestellt. Dessen Gegenüber Jensen
hatte da ganz andere Kaliber zu meistern. Bei Feulners Kopfball aus Nahdistanz
reagierte der Däne großartig, auch Hooglands Nachschuss lenkte er zur Ecke.
Mainz dominierte. Mit dem 0:1-Rückstand war Jena zur Pause gut bedient.
Gelbe Schuhe zu blau-weißen Stutzen – rein optisch passt der
zypriotische Nationalspieler Constantinos Charalambides schon mal sehr gut nach
Jena. Zumindest in den ersten Minuten nach seiner Einwechslung war der
Neuzugang überall auf dem Platz zu finden, als wolle er im Alleingang dem
Geschehen eine Wende geben. Doch auch seine neuen Mannschaftskameraden
steigerten sich endlich auf jenes Niveau, dass man von Anfang an hätte erwarten
dürfen. Torghelles Einsatz auf der rechten Seite brachte nach 53 Minuten den
ersten Jenaer Eckball. Und der führte zum Ausgleich durch Darlington Omodiagbe.
Per Kopf traf der Nigerianer aus Nahdistanz. Zwischen Genie und Wahnsinn liegt
eben manchmal nur eine Halbzeitpause. Jetzt war Jena am Drücker, auch
akkustisch. Von den recht wenigen Mainzer Anhängern war vorübergehend nichts zu
hören. Bis hinauf zur letzten Reihe der neuen Zusatztribüne feuerten die
Zuschauer ihre Elf an. Jürgen Klopp lobte nach dem Spiel die tolle Atmosphäre
im Jenaer Stadion. Schade nur, dass sich seine Spieler davon nicht beeindrucken
ließen. Die Bundesligaabsteiger nahmen den Kampf an und da sie in der
Spielanlage einen Tick reifer wirkten, gewannen sie dieses Match. Amris
Schrecksekunde (Ball rollte parallel zur Linie des verwaisten Tores) beendete
die beste Jenaer Phase. Gunkels Diagonalfreistoß machte sinnbildlich den Deckel
zu. Dass der vom Schiri als indirekt ausgeschriebene Freistoß direkt verwandelt
wurde, passt ebenso ins Bild wie Werners unglücklich vergebene Großchance drei
Minuten vor Schluss – wenn du da unten drin stehst, bekommst du den Mist nicht
so schnell vom Hacken. Auf diese Art verlor der FCC sein drittes Spiel in Folge
mit einem Tor Differenz. Wobei es
Jensen mit einer weiteren Rettungstat gegen Feulner (90.) zu verdanken ist,
dass es nicht mehr wurde.
Die Schwere des Auftaktprogramms war uns allen bewusst. Dass
aus vier Partien nur ein mickriges Pünktchen herausspringt, ist allerdings
ernüchternd, insbesondere nach den Spielverläufen gegen St. Pauli und Köln. Bei
aufmerksamer Betrachtung des Jenaer Spiels gewinnt man den Eindruck, die
Komponenten für eine erfolgreiche Saison sind da, aber noch nicht richtig zusammengefügt.
Vielleicht kommt die 12tätige Punktspielpause gar nicht so ungelegen. <fc>
1. FC Köln - FC Carl Zeiss Jena 4:3
Tore: 0:1 Torghelle (5.), 1:1 Novakovic (20.), 1:2 Müller (37.),
1:3 Omodiagbe (55.), 2:3 Chihi (73.), 3:3 Chihi (84.), 4:3 Jensen (86., ET)
- Köln: Mondragon; Ehret, Mitreski, McKenna, Nickenig
(60. Schöneberg); Antar, Broich (60. Scherz), Helmes; Chihi, Vucicevic, Novakovic (60. Gambino)
- Jena: Jensen; Kandelaki, Omodiage, Müller, Holzner;
Hansen (84. Stegmayer), Lorenzon (46. Kühne), Werner, Simak,
Ziegner; Torghelle (81. Petersen)
- Zuschauer: 37.700
- Schiedsrichter: Dr. Fleischer (Sigmertshausen)
- Spielbericht:
- Es war die Woche der
unverdienten Auswärtssiege mit St. Paulis Dreier im Ernst-Abbe-Sportfeld und
Deutschlands glücklichem Erfolg in Wembley, und so mancher hegte die Hoffnung
auf eine Fortsetzung dieser Serie in Köln-Müngersdorf, waren die Vorzeichen
zwischen den beiden ungleichen Gegnern doch klar. Einen unverdienten Verlierer
gab es auch diesmal, jedoch war dies nicht etwa der haushohe Favorit, sondern
ein FC Carl Zeiss, der sich in der Schlussphase selbst um den Lohn eines
großartigen Spieles brachte.
Durch
den Platzverweis Alexander Mauls war Coach Frank Neubarth zu Umstellungen
gezwungen, nahm Robert Müller in die Innenverteidigung und ließ mit Nils Hansen
und dem erstmals nach seiner Verletzungspause wieder kickenden Lorenzon gleich
zwei Abräumer im defensiven zentralen Mittelfeld auflaufen. Werner und Ziegner
besetzten die Außenpositionen im Mittelfeld, während Jan Simak als Spielmacher
fungierte, hinter der einzigen Spitze Torghelle. Und was der drauf hat, sorgte
schon nach 5 Minuten für den ersten Jubelschrei unter den 1.500 mitgereisten
Zeissfans. Langer Abschlag Jensen, Kopfball-Doppelpass
Torghelle-Werner-Torghelle und unser ungarischer Neuzugang hämmerte die Kugel
trocken von der Strafraumgrenze ins Netz. 0:1, was für ein Auftakt, und um ein
Haar hätte Broich nachgelegt, dessen Rückpass Mondragon verfehlte, aber knapp
am Kölner Kasten vorbeirollte (14.).
Beim Gastgeber hatte man im Vorfeld einen mauernden Gegner erwartet,
doch der FCC spielte auch nach der Führung munter nach vorn, fast zu munter,
denn Kölner Gelegenheiten resultierten fast ausschließlich aus Kontern nach
jenenser Abspielfehlern. In der 10. Minute ging das noch gut, als Jensen einen
tückischen Helmes-Knaller im Nachfassen parierte, nach 20 Minuten jedoch hatten
die Domstädter mit ihrer zweiten Möglichkeit im Spiel ausgeglichen. Novakovic
hatte von Omodiagbe bedrängt Vucicevic angespielt, welcher an der rechten
Strafraumgrenze Lorenzon düpierte und auf den von Omodiagbe und Werner
sträflich vernachlässigten Novakovic zurückpasste. Dass dessen Schuß durch die
Beine von Hansen den Weg ins Netz fand ist sicher unglücklich zu nennen, das
Abwehrverhalten zuvor dilettantisch. Köln hatte nun Oberwasser, baute gehörigen
Druck auf und hatte mit Vucicevics Schussversuch nach Kandelakis
verhängnisvollem Ballverlust (24., knapp daneben) und Broichs abgefälschtem
Schuß (29., Jensen hält) auch die ein oder andere Möglichkeit. Doch als Simak
mit einem wahren Zauberpass den durchlaufenden Holzner bedient und dieser aus
Nahdistanz an Mondragon scheiterte (30.), wirkte das wie ein Signal an die
eigene Mannschaft zur Besinnung auf das überlegte Spiel der ersten Minuten. Kurz
darauf hätte es Elfmeter für den FC Carl Zeiss geben müssen, als Torghelle im
Strafraum gefoult wurde, doch nicht nur in dieser Szene zeigte sich die
nachhaltige Wirkung des Daumschen Montagstheaters bei Referee Dr. Fleischer.
Jena ließ sich nicht beirren, es war eine Freude, dem Kombinationsfußball von
Jenas Offensivabteilung um den immer besser werdenden Kapitän Ziegner, den an
allen Ecken des Spielfeldes zu findenden Hansen (bester Mann auf dem Platz) und
einen Jan Simak zuzusehen und manch einer rieb sich die Augen, mit welchem
Selbstbewusstsein der Underdog hier in der WM-Arena auftrat. Werners Schuß nach
36 Minuten parierte Mondragon im Nachfassen, Ziegners Freistoß eine Minute
später kratzte der kölsche Schlussmann noch aus dem Eck, doch die
darauffolgende Ecke brachte die verdiente Führung. Torghelle hatte Ziegners
Eckball an den langen Pfosten verlängert, wo Robert Müller eiskalt vollendete.
Der Gast wirkte nun wie paralysiert, beinahe hätte Torghelle das Ergebnis noch
höher schrauben können, verzettelte sich aber im Strafraum (39.) und so war der
Schlusspunkt unter die erste Hälfte symptomatisch, als der wenige Tage zuvor
noch zum Deutschlandkader gehörende Helmes eine Freistoßablage von Vucicevic 15
Meter über das Jensen-Gehäuse beförderte. Kölns Mannschaft ratlos, Kölns
Publikum fassungslos und ein gellendes Pfeifkonzert verabschiedete die
Millionentruppe in die Kabinen.
Aufbäumen,
Dagegenhalten, Druck aufbauen, so in etwa hätte man die Gastgeber nach
Wiederanpfiff erwartet, doch stattdessen spielte Thüringens Stolz so, als hätte
er einen Rückstand aufzuholen. Werner prüfte Mondragon mit Schuß aus spitzem
Winkel (51.), das Eckenverhältnis war inzwischen auf 7:3 für Jena angestiegen
und als Ziegners Freistoß den Fuß des völlig unbedrängt durchlaufenden
Omodiagbe fand, hieß es 1:3, das Spiel schien entschieden. Auch wenn Helmes nur
eine Minute später den Anschlusstreffer auf dem Kopf hatte und knapp verzog,
das Auftreten der völlig konsternierten Gastgeber glich insgesamt einem
Fehlpassfestival, begleitet von eisigem Schweigen des Opernpublikums auf den
Tribünen. Christoph Daum hatte die Nase voll, wechselte gleich drei Spieler auf
einmal aus und vor allem die Hereinnahme von Matthias Scherz, der ja schon in
der Vorsaison den mehr als glücklichen Siegtreffer der Kölner vom Elfmeterpunkt
erzielt hatte, sollte sich als folgenschwer erweisen. Doch zuvor hatte Referee Fleischer
seinen Auftritt, schickte Zeiss-Trainer Frank Neubarth auf die Tribüne, als der
sich lautstark über eine der unzähligen Freistoßfehlentscheidungen zugunsten
des 1. FC Köln mokierte (65.), übersah eine Tätlichkeit Antars an Stefan Kühne
(Kopfstoß, 68.) und gab für McKennas Notbremse an dem durchbrechenden Torghelle
nur gelb (71.). Jener Torghelle hatte bis dahin ein großartiges Spiel gehabt,
zerrte unermüdlich an den Ketten und war von seinem Gegenspieler meist nur
durch Foulspiele zu stoppen. Doch er wurde ebenso wie Jan Simak müder und so
verlagerte sich das Spielgeschehen mehr und mehr in die Jenaer Hälfte, Chihi
mit Freistoß und Antar per Kopfball (69.) besaßen gute Möglichkeiten, ehe in
der 73. Minute das Unheil für den FCC seinen Lauf nahm. Die Fehlerkette war
lang. Jensen ließ sich eine Kölner Flanke von Robert Müller zum Einwurf
wegköpfen, anstatt sie selbst herunterzupflücken. Omodiagbe musste erkennen,
dass auch 1,88m nicht ausreichen, wenn man 2 Meter hinter einem kopfballstarken
Matthias Scherz steht, dessen Verlängerung Adel Chihi fand, der von Felix
Holzner völlig unbedrängt zum Anschlusstreffer einschoß. Fünf Minuten später
hatte Scherz selbst die Riesenchance zum Ausgleich, köpfte aber freistehend am
völlig leeren Tor vorbei. Durchatmen, doch die Partie wurde hitziger. Mondragon
erhielt gelb, als er den sich bei der Auswechslung zu viel Zeit lassenden
Torghelle vom Platz schubste, Holzner kassierte den gelben Karton für ein an
ihm begangenes Foulspiel und Jan Simaks Bedrängen Vucicevics wurde mit Freistoß
für Köln geahndet, den Scherz aufs Tor platziert, Jensen lässt den schon sicher
geglaubten Ball vor die Füße von Chihi fallen, der nur noch abstauben muß.
Ausgleich, Kölns Publikum aus dem Dornröschenschlaf erwacht und Kasper Jensen der
einsamste Mann auf dem Platz. Ob ihm diese Szene noch durch den Kopf schwirrte,
als er kurz darauf Chihis Eckball (Omodiagbe hatte zur Ecke klären müssen, da
ein Ellenbogencheck von Scherz gegen ihn ungeahndet blieb) zum Kölner 4:3 ins
eigene Tor patschte?
Ein mehr als bitteres Ende für den zuvor gut spielenden
Keeper, der nach dem Abpfiff sofort den Trost seines Kapitäns Torsten Ziegner
bekam. Vergessen wird er diesen Abend wohl nie, ebenso wie Jenas Anhang. Fassungslose,
entsetzte Gesichter noch Minuten nach Spielende im Gästeblock. Was für eine
Riesenchance hatte sich der FC Carl Zeiss hier selbst vergeben. Ob die
tadellose Moral der Mannschaft mit diesem erneuten Tiefschlag einen dauerhaften
Knacks wegbekommen hat, oder ob man sich am 70 Minuten lang wirklich tollen
eigenen Spiel aufbaut, wird die nächste Partie gegen Mainz zeigen. Nachdem der
Trainer, dessen vorgenommene und unterlassene Auswechslungen in Köln nicht
jedermanns Geschmack trafen, aus den vielen Neuzugängen mehr und mehr eine
Mannschaft zu formen scheint, ist in den kommenden Tagen in erster Linie der
Psychologe Frank Neubarth gefragt! <gunner>
FC Carl Zeiss Jena - FC St.Pauli 0:1
Tore: 0:1 Schnitzler (20.)
- Jena: Jensen; Kandelaki, Maul
(

, 40.),
Omodiagbe, Holzner; Kühne (67. Petersen), Hansen, Ziegner (46. Simak),
Müller; Werner, Torghelle (77. Helbig)
- St.Pauli: Borger; Gunesch, Eger, Morena, Rothenbach; Trojan (79. Bruns), Boll, Meggle, Takyi (

, 42.), Brunnemann (45. Braun); Schnitzler (64. Ludwig)
- Zuschauer: 12.129
- Schiedsrichter: Schalk (Augsburg)
- Spielbericht:
- [von Gastkommentator Ragnar Boedefeld]
Nach drei erfolgreichen Jahren in Folge und der Wiederholung eines
2:2-Auswärtserfolgs nach 0:2-Rückstand im ersten Saisonspiel war es wieder
einmal an der Zeit, dem Aberglauben zu frönen. Und so schreibt jetzt im vierten
Jahr in Folge ein- und derselbe Gastkommentator den ersten Heimspielbericht.
Angeblich soll einer aus dem Stammpersonal sogar geheiratet haben, damit er um
diesen Spielbericht drumrum kam...
Ähnlich wie im letzten Jahr (Braunschweig) war auch diesmal ein potentieller
Konkurrent im Abstiegskampf beim ersten Saisonheimspiel zu Gast.
Unvorhersehbare Auswärtsunentschieden sind gerne gesehen - doch wichtiger sind
die drei Heimpunkte aus diesen sogenannten "Sechs-Punkte-Spielen". Unbedingter
Siegeswillen war also Pflicht, und so harrte unsereiner gespannt, ob der
Trainer Neubarth dieses seinen Spielern verklickert hatte.
Er hatte - wenn man
die ersten zwanzig Minuten des Spiels als Maßstab nimmt. In dieser Zeit brachte
der FCC fünf gefährliche Situationen zustande, die in ihrer Vielfalt
überraschten. Ein Freistoß von Ziegner, der knapp neben das Tor ging, ein
gefährlicher Fernschuss von Kühne, dann einer von Werner, den Borger abprallen
ließ - Torghelle war einen Schritt zu spät. Kurze Zeit später war es umgekehrt:
Torghelle ließ zwei Gäste aussteigen und versuchte einen Schlenzer mit dem
linken Bein, Borger ließ wieder prallen - doch der Ball wollte einfach nicht
rein. Dann folgte noch ein gefährlicher Kühne-Kopfball. Von Pauli war bis dahin
nichts zu sehen, die besten Aktionen der Gäste hatte noch der Fanblock.
Plötzlich zack-zack, ein Querpass, einer in die Spitze - und Schnitzler kann
frei vor Jensen einschieben. Ausgerechnet Pauli, das seinerseits letzte Woche
gegen Köln reihenweise vor dem Tor versagt hatte, machte mit seinem ersten
zusammenhängenden Spielzug das 0:1. Nur kurz danach wäre beinahe das 0:2
gefallen, der Ball ging links unten knapp vorbei. Beim FCC war jetzt ein Knacks
im Spiel, keiner lief richtig und elementare Dinge wie flache Anspiele und
Ballannahmen aus der Luft misslangen. Eine Viertelstunde lang war einmal mehr
der Fluch der ersten Saisonspiele zu ertragen: eine bunt zusammengekaufte
Mannschaft (gleichwohl mit Niveau) ist noch nicht wirklich eine Truppe, wirkt
verunsichert und ängstlich in einem ihr häufig noch fremden Heim-Umfeld, das
wegen des Rückstandes nicht erbaut ist. Bad Vibes... warum nur?
Individuelle Klasse hat der Kader jedenfalls, wie man in der 35. Minute sehen
konnte. Kandelaki wurde auf links steil geschickt, passte flach nach innen, wo
Torghelle den Ball annehmen, kontrollieren und auf Ziegner zurücklegen konnte,
der leider links vorbeisemmelte. Das tat weh, ebenso der knapp verfehlte
Ziegner-Freistoß kurz vor der Pause, bei dem Borger keine Regung zeigte. Ab der
40. Minute spielte übrigens der FCC nur noch zu zehnt, Maul war geampelt worden.
Zwei Minuten später hatte auch Pauli einen weniger auf dem Platz, nachdem Takuy
wiederholt das Spiel verzögert hatte.
Und dann kam der Abschnitt des Spiels, den ich nicht begreife. Freilich kann man
nicht 90 Minuten lang höchstes Tempo gehen, sicherlich muss man zwischendurch
auch mal verschnaufen. Aber wieso kann man nach einer Halbzeitpause voller
Regeneration nicht genau dort weitermachen, wo man vor der Pause aufgehört hat
- nämlich Druck auf den zeitweilig überforderten Gegner auszuüben? Pauli war
mit der Pause eigentlich sturmreif, wurde dann aber bis zur 70. Minute durch
einfache Fehler und mangelhaftes Laufspiel wieder aufgebaut. Wenn nur alle in
der zweiten Halbzeit so gerannt wären wie der Holzner...
Erst in der
Schlussviertelstunde wurde Pauli wieder in der eigenen Hälfte eingeschnürt.
Auffällig war dabei Jan Simak, der die Bälle jetzt schön verteilte und auch
selbst gefährlich wurde. Es ergaben sich Chancen im Minutentakt, fast jeder
durfte mal ran. Leider ging alles daneben (Torghelle 74., Petersen 78. und 86.,
Werner 83.), an den Pfosten (Petersen 74.) oder wurde von Borger entschärft
(Kopfball von Helbig 83.). Dann war Schluss und die erste Heimniederlage in der
neuen Saison Tatsache.
Trotz dieser Niederlage bleibt ein besseres Gefühl als im letzten Jahr nach dem
0:0 gegen Braunschweig, weil der FCC seinen Gegner diesmal spielerisch
beherrschte, obwohl die Hälfte der Neuzugänge noch auf der Bank saß bzw.
verletzt war. Heuer steht auch nicht zu befürchten, dass das Potential des
Clubs einbricht, sollten Spieler wie Ziegner und Helbig eine ganze Saison lang
verletzt ausfallen - der Kader ist wesentlich breiter und auch besser geworden.
Wie sagte Gästetrainer Trulsen in der Pressekonferenz: "Es wird für jede
Mannschaft schwer, in Jena zu punkten." Allerdings nur, wenn die Dinger vorne
auch jemand reinmacht!
Alemannia Aachen - FC Carl Zeiss Jena 2:2
Tore: 1:0 Vukovic (1.), 2:0 Nemeth (6.), 2:1 Maul (28.), 2:2 Petersen
(76.)
- Aachen: Nicht; Stehle, Klitzpera, Vukovic (33. Casper), Weigelt;
Lehmann, Polenz (75. Leiwakabessy), Reghecampf, Nemeth, Pecka (81. Milchraum),
Ebbers
- Jena: Jensen; Kandelaki, Maul, Omodiagbe, Holzner; Kühne,
Müller (72. Petersen), Hansen, Ziegner (72. Fröhlich), Simak
(58. Stegmayer); Werner
- Zuschauer: 19.986
- Schiedsrichter: Aytekin
- Spielbericht:
- Wenn ein Verein aus der Bundesliga kommend zuhause auf den
Zweitliga-Dreizehnten des Vorjahres trofft, ist die Favoritenrolle am 1.
Spieltag klar gegeben. Dass sich der Webmaster aus Aachen bei der
Live-Ticker-Ankündigung aber gleich für ein fingierte 5:2-Vorhersage entschied, kam
uns vor dem Spiel doch etwas übertrieben vor.
Nach sechs Minuten Spielzeit schien allerdings nichts mehr
unmöglich. Zwei Gegentore hatte sich der FC Carl Zeiss zu diesem Zeitpunkt
schon eingefangen, das Erste nach 50 Sekunden ! Einen Freistoß-Ball von
Reghecampf verlängerte Vukovic per Kopf unhaltbar ins Jenaer Gehäuse. Robert
Müller war zwar mit hochgestiegen, hatte aber das Nachsehen. Keinen
Gegenspieler besaß Nemeth nach 5:30 min. Omodiagbe hatte die Abseitsfalle
aufgehoben.
0:2 - Mann oh Mann, welch ein Fehlstart in die insgesamt achte
Zweitligasaison des FCC ! Nachdem der erste Schock verdaut war, erinnerte man
sich als Auswärtsfahrer an den 1. Spieltag der Vorsaison, als Jena in Offenbach
ebenfalls mit zwei Toren hinten gelegen hatte, sich aber noch zum Remis
kämpfte. Sollte dies erneut möglich sein ? Hier, auf dem berühmten Aachener
Tivoli ? Nicht das Stadion selbst macht den Reiz aus, in vielen Dingen erinnert
es an die alte Heimstätte des FC Sachsen Leipzig. Nein, es ist die Atmosphäre,
bei der das Dabeisein einfach Spaß macht, weil die Stimmung enthustiastisch,
aber nicht aggressiv ist und häufig von drei Seiten gleichzeitig gepuscht wird.
Es sah noch immer nicht gut aus. Nach 25 Minuten war kein einziger
gefährlicher Ball auf das vom Ex-Jenaer Kristian Nicht gehütete Aachen-Gehäuse
abgegeben worden. Stattdessen musste Gegenüber Kasper Jensen beim
Aachener Konter die fehlende Innenverteidigung ersetzen und zehn Meter vor
seinem Strafraum per Kopf klären. Dann die 28. Minute. Ziegner aus einer
Spielertraube heraus auf Hansen, Flachschuss aus 15 Metern, Torwart Nicht pariert auf
Kosten einer Ecke. Das war sie, die erste Jenaer Gelegenheit im Punktspieljahr
2007/2008. Eine Ansage „Wir sind auch da“. Den anschließenden Eckball
erwischt Stefan Kühne am langen Pfosten, köpft ihn zur Torlinie, wo Alexander
Maul steht und unter Bedrängnis einköpft. Der Anschlusstreffer noch vor der
Pause. Wie damals in Offenbach. Hoffnung bei uns. Ein aus allen Wolken fallen
bei den Alemannen. Zu deutlich hatten sie die Anfangsphase dominiert,
zu leicht ihre Tore gemacht gegen einen in
dieser Phase unsortierten und harmlosen Gegner. Nun kämpften sich die
Neubarth-Schützlinge in das Spiel hinein. Nur vier Minuten nach dem
Anschlusstreffer spielte Simak einen ähnlich genialen Pass wie im Pokal eine Woche zuvor
auf Werner, der hatte gegen den heranstürmenden Nicht die Idee eines
Hebers – nur leider fiel dieser zu hoch aus. Eine Partie mit umgekehrten
Vorzeichen – jetzt spielte Jena Fußball. Wäre Kühne in der 43. Minute nicht
selbst überrascht gewesen über eine sich bietende Kopfballchance, es hätte noch
vor der Pause Unentschieden gestanden. Der Offenbacher Regievorlage hätte dies
freilich nicht entsprochen.
Mit ein bisschen Magengrummeln empfingen wir unsere Mannen
aus der Kabine. Nur nicht wieder solch eine Schlafwagen-Einlage wie zu Beginn.
Doch die Sorgen erwiesen sich als unbegründet. Lediglich Keeper Jensen sorgte
für erhöhte Herzfrequenz in Minute 51, als er bei zwei heranstürmenden
Gegenspielern den Ball nicht einfach wegschlug, sondern ihn kalt wie
Hundeschnauze behauptete. Außerdem Holzner, der am eigenen Strafraum den Ball
vertändelte und von Glück sagen kann, dass die Abseitsfahne nach oben
schnellte, da ansonsten eine 3 gegen 1-Überzahlsituation für die Westdeutschen
entstanden wäre.
Die Leistungssteigerung der Jenaer Elf lässt sich treffend am Bild festmachen, dass Ilia Kandelaki in den ersten neunzig Minuten
für seinen Verein abgab. Nach Stegmayers gutem Pokalauftritt war er für mancheinen
überraschend in die Startelf gerückt. Die etwas defensivere Variante schien
anfangs nach hinten loszugehen, weil der Georgier einige Male Unsicherheiten
auf seiner linken Seite offenbarte. Doch nach der Pause fand Kandelaki zu sich selbst,
seinen Mannschaftskameraden und ins Spiel. Wobei Stegmayer später noch eingewechselt wurde,
ebenso wie Fröhlich und Petersen. Die aus den Wechseln hervorgehenden
taktischen Umstellungen waren riskant, besonders der Austausch des defensiven
Müller gegen den stürmenden Petersen. Das Risiko sollte sich aber bezahlt machen. Denn
Nils Peteresen war gerade drei Minuten im Spiel, da verlängerte er einen Ball
von Kühne ins Tor. Wahnsinn ! Ausgerechnet Jenas Jüngster schafft den
Ausgleich. Klar hat der in Junioren-Länderspielen schon gegen
U19-Nationalmannschaften getroffen, doch ein solche wichtiger Treffer „bei den
Großen“ ist dann doch etwas Besonderes. Wäre der Bursche in Minute 79 doch noch
einmal etwas kaltblütiger gewesen, er hätte den FCC gar zum Sieg geschossen.
Nach einer Unsicherheit seines Gegenspielers verzog Petersen jedoch
deutlich.
Remember OFC – aus einem 0:2 ein 2:2 gemacht und dem Sieg
sehr nahe gekommen. Auch Kandelakis
Flanke fünf Minuten vor Schluss brachte Gefahr, neutralisierte sich aber mit
Reghecampfs Hereingabe in Minute 88. Beide Male fehlte ein Abnehmer im
Sturmzentrum.
Das Unentschieden feierten die Jenaer wie einen Sieg,
während die Gastgeber ziemlich konsterniert das Stadion verließen. Auch dieses
Bild hatten wir vor einem Jahr schon einmal. Neu ist die Serie, in der sich die
Jenaer Mannschaft befindet. Unter Frank Neubarth bleibt sie in Pflichtspielen
weiterhin unbesiegt. <fc>
Bilder von der ersten Partie
Spielbericht auf alemannia-aachen.de
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Mehr fällt mir nicht ein. Keine Leistung kann man nicht beschreiben. Ein lausiger Schuß von Werner aus 20 m (74.) und so was wie eine Rückgabe auf das Auer Tor von Saka (75.). Damit ist Jenas Drangphase erschöpfend diskutiert. Der Rest der Angriffsbemühungen wirkte, als ob eine Brigade Nußknacker versucht, im Berufsverkehr die A4 zu überqueren. Absolut kein Durchkommen. Da hatten die Hoffenheim-Fahrer noch richtig Schwein.
Meistens erkämpften sich die Auer den Ball bereits an der Mittellinie, wobei das Wort ‚erkämpfen’ hier fälschlicherweise Gegenwehr vermuten läßt. In Wirklichkeit ließ sich Anwesenheit Jenaer Abwehrspieler bis zum Ende nicht mit letzter Sicherheit nachweisen. Das fängt schon beim 1:0 an. Ausgerechnet Fiete Sykora vollendet per Kopf so einen Freistoß (19.), wie sie offensichtlich die ganze Liga trainiert, bevor es gegen Jena geht. Hoch rein damit in den Strafraum und dann ran mit der Birne. Kein Alex Maul weit und breit, kein Irgendwer. Danach kapieren sogar die Auer – bis dahin selbst völlig unbeholfen – daß Jena nicht etwa eine undurchschaubare taktische Meisterleistung plant, der es nicht auf den Leim zu gehen gilt, sondern – im Gegenteil – völlig planlos agiert. Mit dieser Erkenntnis gesegnet, schießen die Veilchen den FCC anschließend auf Drittliganiveau zusammen. Als Geißler nach Fallrückzieher von Sykora das 2:0 erzielt (man stelle sich Sykora beim Fallrückzieher vor, meine Güte!), macht schon keiner mehr richtig mit. Da, wo vorher mal unsere Abwehr gestanden haben muß, laufen alle nur noch aufgescheucht durcheinander. Es herrscht blankes Chaos. Ich schätze mal, daß es beim Untergang der Titanic geordneter zuging.
Nach der Pause wurde es nur noch schlimmer. Ich frage mich ehrlich, wo die elf Jenaer eigentlich gestanden haben. Die, die vorne nicht anspielbar waren, haben in der Mitte und hinten gefehlt. Keiner da. Daß Aue bis zur 69. Minute braucht, um das dritte Tor zu schießen, grenzt an ein Wunder. Bis dahin üben sich Fiete und seine Kumpels darin, auch beste Gelegenheiten zirkusreif auszulassen. Dann ist es Heller, der erst den rausgelaufenen Vasili auskurvt, dann Stegmayer noch schnell zum Kasper macht und mit seinem Schuß Jenas Qualifikation für die 3. Bundesliga absichert. Flasche leer. Der frisch eingewechselte Kaufman darf dann auch noch zweimal ran. Nach Paß von Emmerich (70.) bzw. Flanke von Grech (88.) stellt der den Endstand zum 5:0 her. Dann ist es endlich vorbei. Schlechter hat eine Jenaer Mannschaft seit der Abstiegssaison 2000/01 nicht mehr gespielt. Absolut unfaßbar.
Was bleibt ist – wie immer in solchen Fällen – ein Haufen Scherben. Der Abstieg ist perfekt, ohne Garantie auf eine schnelle Wiedergeburt. Die eingestaubte Tradition unseres großen FC Carl Zeiss hat mal wieder nichts gebracht außer jede Menge frustrierter Fans. Die Probleme im sportlichen Bereich waren größtenteils hausgemacht, hier gibt es keine Entschuldigung. Trotzdem steckt mehr dahinter. In Zeiten, in denen die Dietmar Hopps dieser Welt einen ganzen Sport für ihre wohltätigen Eingebungen mißbrauchen können, wird es immer schwerer für die kleineren und finanzschwächeren Vereine, sich gegen reine Wirtschaftsinteressen zu etablieren. Dummerweise und entgegen der geltenden Political Correctness wird es genau an dieser Stelle auch zu einem Ost-West-Problem. Spätestens wenn ab der nächsten Saison nur noch zwei, vielleicht auch drei Ostclubs in den Bundesligen 1 und 2 spielen, sollten alle von der erfolgreichen Eingliederung des Ostfußballs Überzeugten ihr Weltbild mal gründlich überdenken – vor allem, weil zum fehlenden Geld auch noch eine fehlende Lobby kommt. Eine eigene Tradition wird den hiesigen Vereinen nur sehr widerwillig zugestanden. Die diesbezügliche Ignoranz in der Berichterstattung ist himmelschreiend, besonders wenn man dem z.B. die penetrant betriebene Beweihräucherung des geliebten FCK gegenüberstellt. Hinzu kommen jede Menge fehlerhafter Schiedsrichterentscheidungen. Hier gleicht sich schon lange nichts mehr aus. Das gilt nicht nur für Jena. Auch in Aue, Rostock und Cottbus kann man ein trauriges Lied davon singen (www.wahretabelle.de/fussball-bundesliga/wahre-tabelle.php). Das soll nicht alle Entwicklungen erklären, aber wenn sich die ostdeutsche Fußball-Tradition in den nächsten Jahren vor allem in den dritten und vierten Ligen abspielt, während Hoffenheim gleichzeitig Kurs auf den UEFA-Cup nimmt, darf sich manch ein DFB-Funktionär ruhig auch mal schämen. Wenigstens wenn er Fußballfan ist.
Wir kommen wieder!
<bpf>
Für alle, die noch einen 2. Bericht über dieses Spiel lesen möchten...
- Jena: Khamutouski; Maul, Müller, Stegmayer; Werner,
Günther (71. Oniani), Hansen (83. Petersen), Ziegner
(
, 90.), Kandelaki; Schied (75. Torghelle),
Allagui
- Osnabrück: Berbig; Schuon, Cichon, Schanda, Thomik; Aziz (35. Reichenberger), Surmann, Heidrich (46. De Wit), Grieneisen (77. Schäfer); Hennings, Frommer
- Zuschauer: 9297
- Schiedsrichter: Kircher (Rottenburg)
- Spielbericht:
- Osnabrück: Berbig; Schuon, Cichon, Schanda, Thomik; Aziz (35. Reichenberger), Surmann, Heidrich (46. De Wit), Grieneisen (77. Schäfer); Hennings, Frommer
-
Pünktlich zum Anpfiff erhöhte Petrus den Schwierigkeitsgrad dieses Spiels durch einen mittleren Wolkenbruch. Und sicher ist es zum Teil auch dem schmierseifigen Untergrund geschuldet gewesen, dass es zur Pause nur torlos stand. Chancen gab es auf beiden Seiten genügend. Der FCC startete mit den Ansatz einer Chance, als Allaguis Eingabe von links keinen Mitspieler erreichte (3. min), dann verfehlte Kandelaki am Elfmeterpunkt nur knapp Werners Flanke (13.) und schließlich vergab Allagui die erste Einhundertprozentige, als ihm frei vor Berbig der Ball im Moment des Schusses versprang und himmelwärts zischte (16.). Unmittelbar zuvor zeigten die Gäste, dass auch sie auf dem glitschigen Rasen Probleme hatten, sich um Ball und eigene Standfestigkeit gleichzeitig zu kümmern, denn Hennings Flanke orientierte sich eher Richtung Eckfahne als zum Tor hin. Trotz der widrigen Wetterverhältnisse und der Nervenanspannung ging es hin und her, wobei die Gäste schon jetzt eher den Eindruck erweckten, dass sie über ein Unentschieden nicht sehr böse wären. Nichtsdestotrotz hatten auch sie ihre dicken Torchancen, meist begünstigt durch Abstimmungsschwierigkeiten in der Jenaer Abwehr. So guckten alle Weißen zu, wie Cichon in eine Freistoßflanke rutscht, zum Glück aber die gleiche Höhe wie wenige Minuten vor Allagui erreichte. Zwei Minuten später warteten im Osnabrücker Strafraum alle auf eine Freistoßflanke, Werner legte jedoch quer auf Ziegner, dessen Direktschuss ebenfalls in die Zu-hoch-Schublade kam. Im Gegenzug durften die Gäste wieder vergeben, als Khamutouski eine Flanke verpasste, Surmann sich aber nicht zwischen Stehenbleiben und Schießen entscheiden konnte. In der 24. min spielte sich der Schiedsrichter, der zuvor schon mit seltsamen Zweikampfentscheidungen auffiel, endgültig in den Mittelpunkt des Interesses und verweigerte dem FCC einen klaren Strafstoß. Schied startete nach einem lila Abwehrfehler in den Strafraum und der mitsprintende Verteidiger fuhr dem Jenaer Stürmer in die Beine wie eine Bowlingkugel zwischen die Pins. Wer dort „Ball gespielt“ anzeigt, hatte mehr als die berühmt-berüchtigten Tomaten auf den Augen. Der wievielte für uns nichtgegebene Strafstoß war denn das schon in dieser Saison!?! Wiederum zwei Minuten später wird Grieneisens Flanke am kurzen Toreck verlängert und der freistehende Hennings köpfte mutterseelenallein aus knapp 8 m genau ans Lattenkreuz. Auf der Gegenseite konnte Schied nach einer Pingpongeinlage zweier Abwehrspieler zur Grundlinie durchziehen, perfekt zurückpassen und bei Hansens Geschoß rissen schon alle Jenaer Zuschauer die Arme hoch – manch einer verwandelte den abgebrochen Jubel flugs in ein Stoßgebet, denn der liebe Fußballgott ließ das Spielgerät von der Lattenunterkante nach vorn wegspringen! Wenig später bekommt Allagui einen Zuckerpass in den Lauf, trifft jedoch unter starker Bedrängnis nur den Pfosten. Kurz vor der Pause wummerte Stegmayer einen Freistoß aus 18 m Entfernung aufs Tor, Berbig klärte jedoch mit beidhändiger Faustabwehr. Dann war Pause und es stand seltsamerweise noch 0:0.
Nach Wiederanpfiff ging es zunächst etwas verhaltener weiter als in der ersten Halbzeit. In der 52. min setzte Hansen das erste Zeichen, als er nach starkem Körpereinsatz links außen in Ballbesitz bleibt, mit seiner Außenristflanke leider den vor Allagui stehenden Osnabrücker anvisierte. Khamutouski hatte seinerseits bei Hennings Flachschuss wenig Mühe (55.). Kurz danach beobachtete die sich zwischenzeitlich durch die Wolken blinzelnde Sonne Tobias Werners Direktabnahme einer langen Flanke, der verfehlte aber sein Ziel um wenige Zentimeter. Immer noch Sonnenschein, als Allagui eine Ecke Berbig maßgenau durch die Beine köpfte und die Stimmung ebenfalls auf „sonnig“ setzte. Ich weiß nicht, was in den folgenden 120 Sekunden in die Jenaer Mannschaft gefahren war und warum sie jetzt auf die Taktik „Hühnerhaufen“ setzten, aber der Ausgleich fiel mit langer Ansage. Die Gäste rannten wütend und mit deutlich mehr Elan als im bisherigen Spiel an und dem FCC gelang außer Ballwegschlagen plötzlich gar nichts. Dann schaute man interessiert zu, wie ein Osnabrücker immer mehr zur Mitte zog, eigentlich harmlos abschoss und der Ball plötzlich im Tor einschlug: Reichenberger, der bis dahin nur durch viele versteckte Bösartigkeiten und Jammern beim Schiri aufgefallen war, lenkte per Kopf den Schuss ab und Khamutouski – der schon ins andere Eck eilte – war machtlos. Danach war zunächst die Luft raus auf dem Spiel. Die einen mussten den Schock verdauen, die anderen hatten ihr erwünschtes Remis. In der 83. hatte der FCC zur Abwechslung mal wieder Glück, denn nach einer Flanke hielt Khamutouski mit einer Parade gegen den nach einer Flanke frei zum Schuss kommenden Hennings im Spiel. Danach kam vom FCC eigentlich nichts planvolles mehr, irgendwie wartete man auf den Zufall. Kandelaki (neben Allagui der stärkste Jenaer) wartete in der 90. min nicht mehr, sondern leitete links den letzten gefährlichen Angriff ein. Maul verlängerte, Allagui köpfte über den herausfliegenden Berbig, dieser bekam irgendwie noch ein Fingerchen an die Bogenlampe und lenkte den Ball Richtung Pfosten und dort verpasste es Petersen mit der Beweglichkeit eines 80jährigen, die Kuller auf die richtigen Seite des Pfostens zu lenken und seine Rolle als Edeljoker neu aufzulegen. In der Nachspielzeit konterte Osnabrück nochmals und Ziegner sorgte durch sein im wahrsten Sinne des Wortes blitzschnelles Eingreifen (was anderes konnte er in dieser Situation gar nicht tun) für eine der wenigen unumstrittenen Entscheidungen Kirchers und holte sich einen Platzverweis wegen Notbremse ab. Dann war Schluss und die Stimmung bei allen Jenaer wie das Wetter der ersten Spielhälfte: besch…eiden.<
Das zweite Heimunentschieden hintereinander, das wie eine Niederlage zu werten ist. Nur ein Pünktchen gegen einen direkten Konkurrenten im Abstiegskampf – zu wenig, um das Flämmchen der Hoffnung nochmals richtig anzufachen, aber auch zu viel, um dieses Flämmchen endgültig auszutreten. <uk>
TSG 1899 Hoffenheim - FC Carl Zeiss Jena 5:0
Tore: 1:0 Ba (6.), 2:0 Ba (18.), 3:0 Ba (26.), 4:0 Salihovic (37.), 5:0 Obasi (67.)
- Hoffenheim: Özcan; Ibertsberger, P. Nilsson (21. Janker),
Compper, Löw; Jaissle, Weis, Carlos Eduardo (75. Seitz), Salihovic
(63. Copado); Ba, Obasi
- Jena: Khamutouski; Maul, Müller, Stegmayer (31. Torghelle);
Werner, Hansen, Kikuchi (83. Saka), Ziegner, Kandelaki; Schied
(85. Günther), Allagui
- Zuschauer: 5700
- Schiedsrichter: Wagner (Kriftel)
- Spielbericht:
- Ein wichtiges, fast unverzichtbares Utensil
zum Verfassen eines Spielberichtes stellt ein Kugelschreiber für die während
der 90 Minuten zu notierenden Ereignisse dar. Ein Gegenstand, dessen Mitnahme
ins Stadion dem Autor vom Hoffenheimer Ordnungsdienst ebenso verwehrt wurde,
wie allen anderen Jenaer Fans. Gelebte Fremdenfeindlichkeit auf
baden-württembergisch, die aber zumindest den Vorteil hat, über das schlimmste
FCC-Auswärtsdebakel seit Wehen nicht unnötig viele Worte an dieser Stelle
verlieren zu müssen.
Der Gang zum Stadion erinnerte in vielerlei Hinsicht an
die Oberligaauftritte beim Zipsendorfer FC Meuselwitz. Dörflicher Charakter,
ein heimeliger Waldweg hinauf zum Sportplatz, wo man mit dem ausreichenden
Bereitstellen von Eintrittskarten für Gästefans größere Probleme hatte und schließlich
ein kleines putziges Stadion wie aus dem Legoland, hingezimmert vom Mäzen aus
der IT-Branche. Doch so albern und unpassend wie wohl fast jeder Gästefan die
Atmosphäre rund um diese Spielstätte empfunden haben muß, so gänzlich
ernstzunehmend sollten jene 11 Gespielen auf dem Rasen sein, die sich
Milliardär Hopp zur Befriedigung seiner privaten Obsessionen gönnt. Dass einige
dieser millionenschweren Neueinkäufe Angebote von Champions-League-Teilnehmern
ablehnten, um statt der sportlichen Herausforderung nun im Kraichgau völlig
unter ihrem eigenen spielerischen Niveau deutlich mehr zu verdienen, mag man
als moderne Form von Prostitution bedauern. Dass einige Kicker im Kader des
badischen Retortenvereins soviel an Ablöse kosteten, wie der gesamte Verein FC
Carl Zeiss Jena als Saisonetat aufzubieten hat, machte schon vorher klar, dass
für die Abstiegskampfgeplagten hier nur mit sehr viel Glück etwas zu holen
wäre. Ein Glück, das schon im Vorfeld der Begegnung fehlte, neben Petersen,
Riemer und Amrhein gesellte sich auch Spielgestalter Jan Simak in die Riege der
verletzten Spieler.
Für die elf Aufgebotenen währte die Hoffnung auf etwas
Zählbares im 3000-Seelen-Dorf nur fünf Minuten, dann begann die Demba-Ba-Show,
welche die vom Sponsor verteilten Handklappern in den Händen der Heimbesucher
lärmen ließ. 6. Minute: Jenas erste Halbchance für Tobias Werner versandet, der
weite Abschlag von TSG-Keeper Özcan findet Ba, dessen feine Ballannahme und
eiskalter Abschluß Weltklasseformat ausstrahlen. 18. Minute: Einen unberechtigten
Freistoß zirkelt Salihovic auf den Kopf von Ba, und da Alexander Maul das
Abseits aufhebt steht es 2:0. 26. Minute: Feiner Pass von Eduardo auf wieder
einmal Ba, der erneut vollendet. Jena, in der Anfangsphase noch Gegenwehr
leistend, wirkte zunehmend hilfloser. Die Hereinnahme von Torghelle für
Stegmayer, dafür rückte Allagui auf die Spielmacherposition zurück, Kikuchi
nach rechts außen und Kandelaki nach hinten, brachte weder mehr
Durchschlagskraft in der Offensive, noch Stabilität in der Hintermannschaft.
Stattdessen reichte eine geschickte Seitenverlagerung auf den in die völlig
entblößte rechte FCC-Abwehrseite durchspritzenden Salihovic, um mit dem 4:0 den
Pausenstand perfekt zu machen. Als wäre dieser Umstand nicht schon schlimm
genug, so muß konstatiert werden, dass das Ergebnis den Weißgekleideten gar
noch schmeichelte.
Henning Bürger wartete lange, bis er seine gedemütigten
Spieler in die Kabine begleitete. Die Ansprache schien jedoch gefruchtet zu
haben, denn der FCC kam geordneter aus der Pause, willig auf eine
Resultatsverbesserung, allein es fehlte die Qualität. Was Jenas
Offensivabteilung fabrizierte, ist mit den Worten unglücklich, harm- und
hilflos noch milde beschrieben. So schaltete sich nach 66 Minuten gar
Verteidiger Alex Maul ins Angriffsspiel ein, doch da sein Vorstoß an der
Strafraumgrenze höchst unsanft gestoppt wurde und der Gegenzug in die entblößte
Hintermannschaft diesmal Obasi allein auf den bedauernswerten Khamutouski
zusteuern ließ, hieß es 5:0. Genug für viele der Heimzuschauer, die sich fortan
auf den Heimweg begaben, Erdbeerkuchen und Sonnenbad entgegen. Jenas Fans
ertrugen auch die letzten Minuten des Auswärtsdebakels tapfer und
verabschiedeten ihre Lieblinge nach Schlusspfiff wärmer, als das der gebotenen
Leistung angemessen gewesen wäre. So wurden auch die Kamerateams von Premiere
und DSF in der Hoffnung auf lauternähnliche Schimpf- und Wuttiraden den eigenen
Spielern gegenüber enttäuscht und zogen kurzentschlossen wieder vom Gästeblock
ab.
Genauso kurz sollte auch das Nachdenken über diese Niederlage sein, die an
der Situation des FCC nicht allzu viel geändert hat. Schnell abhaken und am
Freitag gegen Osnabrück die Antwort folgen lassen. Denn „Marmor, Stein und
Eisen bricht, aber unser Jena nicht!“. <gunner>
Report auf fansmedia.org zum Geschehen am Rande des Spiels
FC Carl Zeiss Jena - Borussia Mönchengladbach 2:2
Tore: 1:0 Schied (9.), 2:0 Schied (45.), 2:1 Colautti (64.), 2:2 Colautti (76.)
- Jena: Khamutouski; Maul, Müller, Kandelaki; Kikuchi, Hansen, Ziegner, Simak, Werner; Schied (82. Torghelle), Allagui
- M'gladbach: Heimeroth; Levels (22. Coulibaly), Brouwers, Daems,
Voigt (46. Colautti); Ndjeng, Paauwe, Rösler, Marin; Friend, Neuville (83. Kleine)
- Zuschauer: 13.486
- Schiedsrichter: Weiner (Giesen)
-
Spielbericht:
- Dieser Bericht entstand aus organisatorischen Gründen erst
zwei Tage nach dem Spiel. So schlecht ist das nicht, denn an jenem Abend hätte
ich keine Zeile zustande gebracht. Zu groß war die innere Zerrissenheit, das
Für und Wider des Abends. Der FCC – Vorletzter! – spielte den Tabellenführer an
die Wand und hätte in der zweiten Halbzeit mit einem Minimum an
Chancenverwertung nicht nur den sprichwörtlichen Sack zumachen, sondern die
Gäste regelrecht abschießen können. Über vier oder fünf Gegentreffer hätte sich
Gladbach nicht beschweren können, ABER: die Chancen blieben ungenutzt, unsere
Abwehr schnarchte zweimal und so blieb uns nur ein Punkt.
Auf Simak, der nach seiner Gelbsperre wieder zur Verfügung stand,
ruhten de facto alle Hoffnungen des FCC, gegen den haushohen Favoriten die
Aufholjagd auf Platz 14 fortsetzen zu können. Das erste tiefe Luftholen gab es
nach 5 Minuten, als Kikuchi per Hackentrick Allagui in Szene setzte, dieser
jedoch in Mittelstürmerposition im Abseits stand. Kurze Zeit später beackerte
Ziegner an der Außenlinie auf Höhe des eigenen Strafraums solange einen
Gladbacher, bis er den Ball erobert hatte und sofort lang auf Allagui spielte.
Der legte quer, Simak sah Schied in den freien Raum laufen und bediente ihn mit
dem Traumpass des Tages. Ein kleiner Schubs an den Ball und noch bevor die
Spielkugel über die Linie trudelte jubelten die Zuschauer. Es ging in der
Folgezeit flott hin und her und die Pessimisten warteten auf den Ausgleich. Als
jedoch die Miniserie von Gästestandards (2 Ecken und 1 Freistoß) unbeschadet
überstanden war, konnte man hoffen. Borussia hatte keinen guten Tag erwischt,
deren Zusammenspiel war holprig, ungenau und ideenlos. Und so gab es seitens
der Dunkelgrünen lediglich die Andeutung eines Schüsschens von
Neuville ins Nirgendwo und einen Fernschuss Röslers übers
Tor. Auf der Gegenseite schlenzte Allagui den Ball nach Schieds Zuspiel leider
übers Tor. In der 45. min standen bei einem Konter 4 Jenaer 3 Abwehrspielern
gegenüber, aber der ballführende Werner – links lief Allagui, rechts Schied und
in der Mitte sperrte Simak im den Weg frei – wählte die schlechteste aller
Varianten und schoss unkonzentriert auf die falsche Torecke und klar vorbei.
Als alle Blau-gelb-weißen sich schon auf die 1:0-Pausenführung freuten, sauste
der Ball über die Stationen Allagui, Simak, Schied, wieder Simak auf halblinks
zu Werner. Dessen Flachschuss konnte Heimeroth zwar
noch aufhalten, aber Schied stand goldrichtig und sorgte mit seinem zweiten
Treffer für allgemeines Verzücken im Stadion.
„Sch…, warum hat Fußball immer zwei Halbzeiten!“, so mein
Stoßseufzer in der Pause und mir kam jenes vorjährige 3:3 gegen Duisburg in den
Kopf. Aber anscheinend und glücklicherweise hatten die Jenaer Spieler dieses
Unentschieden vergessen, denn es ging weiter nach vorn und vor allem Schied
setzte sein Duell mit Heimeroth fort. Nach einem hoch
in den Jenaer Strafraum getreten Freistoß zappelte der Ball im Tor des FCC,
aber der Kopfballtäter Rösler stand abseits. Den Rest des Spieles könnte man kurz zusammenfassen:
Gladbach bemüht, aber wirkungslos, der FCC mit saugefährlichen, blitzschnellen
Angriffen, in denen Simak fast immer Dreh- und Angel-
und Ausgangspunkt war. Simak auf Werner (abgefälscht und knapp drüber), auf
Schied, wieder auf Werner, wieder auf Schied… Aber immer kam etwas dazwischen,
Heimeroth, ein Verteidiger – das 3:0 schien lediglich eine
Frage der Zeit zu sein und ein bezüglich der Trikotfarben Ahnungsloser hätte in
den Weißen den Fasterstligisten vermutet, der dem Tabellenkellerkind gerade
zeigt, wie Fußball funktioniert. Selbst Simak sündigte mit einer
Hundertprozentigen, als er sich nach Doppelpass mit Werner die Torecke
aussuchen konnte, leider jedoch das hellblaue Trikot Heimeroths
als Ziel wählte. Aber oben steht „könnte“, denn plötzlich brachte Marin eine
Flanke von links vor Khamutouskis Tor und Colautti,
der von Kandelaki lediglich begleitet wurde, köpfte
den Anschlusstreffer. Sollte mal jemand ein Anschauungsbeispiel für ein Tor der
Marke „Völlig überraschend und unverdient“ benötigen, so kann er auf dieses
zurückgreifen. Wer nun einen Bruch im Jenaer Spiel erwartet hatte, wurde
positiv überrascht. Es ging weiter nach vorn und eine Chance nach der anderen
wurde vergeben. Fünf Minuten nach dem 2:1 war es wieder einmal Schied, der frei
vorm Torwart scheiterte. Und als dann auch noch Schiedsrichter Weiner das Foul
an Simak (73.) nicht dort ahndete, wo es ausgeführt wurde – nämlich auf der
Strafraumgrenze bzw. knapp drin -, sondern dort, wo Paauwe
es offensichtlich geplant hatte – 3 Meter vorm Strafraum – schienen sich alle
Götter gegen den FCC verschworen zu haben. In der 75. Minute konnte Khamutouski
nach einem Gäste-Freistoß gerade noch zur Ecke klären. Diese Ecke jedoch
verdarb allen Zeiss-Fans den Abend: Statt „Langholz“ wie bisher, flog der Ball
aufs kurze Torraumeck und da vier Jenaer vom Boden nur in die Luft starrten,
durfte Colautti unbedrängt das 2:2 einköpfen. Das
konnte doch nicht wahr sein! Drohte gar noch eine Niederlage, kam jetzt
Gladbach in Fahrt? Nö, es war weiterhin der FCC, der das Spiel bestimmte – und
seine Chancen vergab. Zunächst stoppte die Abseitsfahne (*zweifel_anmeld*)
den durch Simak freigespielten Schied (83.), dann köpfte der eingewechselte
Torghelle eine Ziegner-Flanke an den Pfosten. Den
kräftigen Stoß, den der dabei von hinten bekam, pfeifen etliche Referees
sicherlich als Foul. Und nochmals war es Torghelle, der aufs Tor und leider
auch direkt auf den Torwart köpfte. Weiner bekam schließlich Mitleid mit Borussia
und rettet sie nach nur einer Minute Nachspielzeit mit dem Schlusspfiff. Stände
der FCC irgendwo im sicheren Mittelfeld, wären ihm „standing
ovations“ der knapp 13.500 Zuschauer sicher gewesen
(das war wie schon das Hinspiel ein ganz starkes Spiel), aber so dominierte die
Enttäuschung über zwei vergebene Punkte.
Das 2:2 (vor dem Anpfiff wäre ich damit schon zufrieden
gewesen) war gerade angesichts des Spielverlaufs ein großer Eimer Wasser auf
den Hoffnungsfunken Klassenerhalt, aber deswegen aufgeben? Es sind noch 5
Spieltage und Einstellung und Spielkultur unserer Mannschaft verbieten es
einfach, jetzt schon zu kapitulieren. Zudem fehlt in meiner DVD-Sammlung noch
das Exemplar „Die Sensation von Jena“. <uk>
SC Freiburg - FC Carl Zeiss Jena 2:0
Tore: 1:0 Idrissou (32.), 2:0 Butscher (48.)
- Freiburg: Langer; Schwaab, Krmas, Butscher, Schlitte; Banovic, Glockner, Pitroipa, Idrissou, Günes; Bencik
- Jena: Khamutouski; Maul, Müller, Kandelaki; Seturidze
(56. Torghelle), Kikuchi, Hansen, Ziegner, Werner; Schied (75. Petersen),
Allagui
- Zuschauer: 14.050
- Schiedsrichter: Perl (München)
- Spielbericht:
- Eigentlich passierte nichts Unerwartetes: Die Siegesserie
des FCC riss und es gab in Freiburg, der uns letzte Saison noch alle sechs
Punkte überlassen musste, eine Niederlage. Ärgerlich war nur, dass (mit etwas Glück
und Überblick) diese Niederlage vermeidbar gewesen wäre. Auf- und
Abstiegskandidat lagen spielerisch wesentlich dichter beieinander, als es ein
Blick auf die Tabelle vermuten ließ. Es waren aber die eigentlich spielerisch
und technisch starken Gastgeber, die den einfacheren, klar strukturierten – und
letztendlich effektiveren – Fußball spielten, während beim FCC zu viele
Schnörkel und Schlenker den Spielaufbau bremsten und oft der direkte Zug zum
Tor fehlte. Zudem dürften die vielen Ungenauigkeiten nicht nur die Fans
geärgert haben, da fehlte Jan Simak.
Doch der Reihe nach: Freiburg begann druckvoll und bereits
nach 2 Minuten rauschte der erste Schuss auf unser Tor, zum Glück deutlich zu
hoch. Und auch die weiteren Angriffe kamen über die rechte Angriffsseite und
insgesamt erspielten sich die Hausherren ein optisches Übergewicht. Der FCC
stellte sich aber nicht hinten hinein, sondern spielte auch selbst nach vorn
und erarbeitete sich Chancen. So konnte Hansen – mit Khamutouski und
Allagui einer der drei stärksten Jenaer – erst im letzten
Moment an der Strafraumgrenze am Torschuss gehindert werden. Und nach einer
Viertelstunde versuchte es Hansen selbst durch die Mitte anstatt auf den
halblinks startenden Werner zu passen. Den ersten ernsthaften Angriff auf die
Nerven der mitgereisten FCC-Fans gab es in der 18. min, als ein scharfer Schuss
eines Freiburgers am Pfosten landete und Maul den zweiten Versuch gerade so
kurz vor der Linie entschärfte. Mit dieser Aktion schien dann das Schlimmste
überstanden zu sein, denn der FCC schaffte ein spielerisches Gleichgewicht und
es ging auf dem Rasen relativ ausgeglichen hin und her. Zwar musste Khamutouski
innerhalb von Sekunden zweimal ganz stark reagieren (26.), doch auch der FCC
hatte Chancen. Erst flankt Werner bei einem Konter viel zu ungenau auf
Allagui (25.), später wird Schied im Strafraum zu Fall
gebracht (ob es Foul war, konnte man quer durchs ganze Stadion nicht erkennen),
den querspringenden Ball jagt Maul leider nicht in die Tormaschen, sondern hoch
auf die Freiburger Endtribüne. Hier etwas Abgeklärtheit…
In dieser Phase
spielte sich der Schiedsrichter mit einigen seltsamen Entscheidungen ins
Rampenlicht. Einen Schlag auf Ziegners Hals –
Ziegner ging zu Boden und musste behandelt werden – übersah
er aus nächster Nähe großzügig und die Freiburger dankten dies entsprechend:
Banovic schickte innerhalb von sechzig Sekunden zwei Jenaer
in Zweikämpfen mit dem Ellenbogen auf die grüne Wiese, ohne dass er die
hochverdiente Gelbe Karte sah. In der 32. min wird Hansen im Zweikampf zu Boden
gestoßen – kein Pfiff – und Kikuchi klärte in der
folgenden Szene mit einem blitzsauberen Tackling, das seltsamerweise mit einem
Freistoß bestraft wurde. Der Ball schwebte eine mittlere Ewigkeit in der Luft,
trotzdem schauten alle Jenaer zu, wie Idrissou
unbehelligt zum Kopfball hochstieg und das 1:0 machte. Der Gegentreffer schien
einige Bremsen in unserem Team zu lösen, denn es begann die stärkste Phase des
FCC. Freiburg wurde in deren eigene Hälfte gedrängt und der Ausgleich lag in der
Luft. In der 34. min köpfte Allagui aus wenigen
Metern unbedrängt fast genau auf Langer, fünf Minuten später zielte er nach
einem Zuspiel Schieds zu hoch und in der 42. min
vollendete Allagui seinen Hattrick der vergebenen
Gelegenheiten, in dem ihm nach einer Eck der Ball am langen Pfosten versprang.
Als Langer sich einen harmlosen Rückpass fast selbst ins Tor legte, hatte der
Referee Erbarmen und pfiff zur Pause. Nach dem Spielverlauf der ersten 45
Minuten war die Freiburger Führung etwas glücklich und so war die Hoffnung im
Gästeblock in der Halbzeitpause mit den Händen zu greifen.
Es begann nach Wiederanpfiff auch ganz flott mit je einer
Chance für jedes Team: Erst brannte nach Doppelfehler von Maul und Hansen die
Luft vorm Jenaer Tor, dann kam Schied gegen Langer nur einen Schritt zu spät.
Plötzlich jedoch blankes Entsetzen unter den Zeiss-Fans, als eine Quasi-Kopie
jener Freistoßszene aus der 32. min ablief – Flanke (Freiburg), Zugucken (FCC),
Kopfball (Freiburg) = 2:0. Der Rest ist schnell erzählt: Freiburg immer dann
gefährlich, wenn sie schnell über die Außenpositionen kamen und Flanken vor
Khamutouskis Tor schlugen. Da hatten wir es einige Male unserem Keeper zu
verdanken, dass es nicht schlimmer kam. Der FCC bemühte sich redlich und kam
auch immer wieder an und in den Strafraum, aber dort agierte man zu
umständlich. Beste Beispiele: Allagui setzt sich
links durch, legt auf Schied ab, der zögert mit dem Schuss, legt wieder ab, der
Ball kam irgendwie zu Hansen und der schafft unter Bedrängnis nur ein
Schüsschen (62.); später (83.) tanzt Allagui an der
rechten Strafraumecke einen Freiburger aus, legt quer auf Werner, der jedoch –
anstatt zu schießen – zweieinhalb Haken schlägt und die Chance zum Schuss nicht
nutzt. Die Zusammenfassung des FCC-Spiels der zweiten Halbzeit bot die letzte
Szene in der Nachspielzeit, als Werner eine Ecke hektisch kurz auf
Ziegner ablegte und der sich am Gegenspieler festdribbelte…
Bemüht, aber ungenau, uneffektiv und überhastet.
Fazit: 1. Mit der Niederlage und den anderen Ergebnissen
sind die Chancen auf den Klassenerhalt gesunken, aber es sind noch sechs
Punktspiele, die man nicht kampflos hingeben kann. 2. Es gibt derzeit
niemanden, der Simaks Rolle ausfüllen kann. 3. Aufgeben? Niemals. <uk>
FC Carl Zeiss Jena - SC Paderborn 07 3:0
Tore: 1:0 Allagui (39.), 2:0 Simak (53.,FE), 3:0 Werner (89.)
- Jena: Khamutouski; Maul, Müller, Stegmayer (28.Ziegner); Riemer, Hansen, Werner, Simak, Kandelaki; Schied (79.Torghelle), Allagui (90.Oniani)
- Paderborn: Nulle; Gouiffe à Goufan (63.Hoilett), Djurisic,
Gonther, de Graef (71.Damjanovic); Fischer, Schüßler, Koen
(26.Halfar), Krösche; Müller, Löbe
- Zuschauer: 10.112
- Schiedsrichter: Sippel (München)
- Spielbericht:
- (von Gastkommentator Benny Hiltscher)
Es ist nur ausgesprochen selten der Fall, dass bei einem Spiel des Tabellenvorletzten gegen den Tabellenletzten beide Mannschaften
von sich behaupten können, sechs Punkte aus den vorangegangenen beiden Spielen geholt zu haben. In Anbetracht der Tabellensituation,
die trotz der letzten Erfolge für beide Mannschaften einen Rückstand von acht Punkten zum rettenden Ufer auswies, war dennoch
von vornherein klar, dass keiner der beiden Mannschaften heute ein Unentschieden weiterhelfen würde. Wenn man noch einmal ernsthaft
in den Kampf um den Klassenerhalt eingreifen wollte, musste heute unbedingt ein Sieg her. Nicht wenigen der 10112 Zuschauer im
Ernst Abbe Sportfeld machte die Folge dieser Situation Sorgen - die Jenaer Mannschaft stand wieder unter Druck, man musste etwas
zeigen. Hatten sich viele Fans vor dem Spiel gegen Greuther Fürth bereits mit dem wahrscheinlichen Abstieg abgefunden, so
hatten die zuletzt erkämpften sechs Punkte gegen eben jene Fürther und die Mannschaft von 1860 München nun doch
wieder leise Hoffnungen auf das nächste "Wunder von Jena" geweckt. Das Überleben dieses Hoffnungsschimmers hing
maßgeblich von den bevorstehenden 90 Minuten ab, denn ein Unentschieden oder gar eine Niederlage gegen den unmittelbaren
Tabellennachbarn hätte der gerade erst wiederbelebten Hoffnung wohl endgültig den Garaus gemacht. Für die
Gäste aus Paderborn, seit der Winterpause vom ehemaligen Erfurt-Trainer Pavel Dotchev trainiert, galt natürlich das Gleiche.
Die erste Hiobsbotschaft für Paderborn kam bereits vor dem Anpfiff des Spiels, Stammtorwart Lukas Kruse verletzte sich beim
Aufwärmen und für ihn musste Carsten Nulle, in der Winterpause auch als mögliche Verstärkung für den
FCC im Gespräch gewesen, das Tor der Gäste hüten. Die ersten Minuten des Spiels verstrichen dann auch ohne
große Torchancen, beiden Mannschaften war anzumerken, dass man unnötige Fehler um jeden Preis vermeiden wollte.
Nach 15 Minuten hatten beide Seiten ihren ersten zaghaften Torschuss abgeliefert, ohne die Torhüter jedoch vor schwierige
Aufgaben zu stellen. In der 24. Minute erspielten sich die Jenaer dann die bis dato größte Chance des Spiels,
nach einer punktgenauen Hereingabe von Ilya Kandelaki kommt Marcel Schied aus kurzer Distanz zum Abschluss, seinen Schuss
aus der Drehung kann Paderborns Schlussmann jedoch mit Glück und Können parieren. Nur sieben Minuten später
wäre allerdings um ein Haar die Gastmannschaft in Führung gegangen, nach einer Flanke von Markus Krösche
kommt Alexander Löbe relativ unbedrängt zum Kopfball, zum Glück für Jena fliegt der Ball aber wenige
Zentimeter am rechten Pfosten vorbei. Aus dieser Distanz wäre auch Vasili Khamutouski, der heute kaum Gelegenheit
hatte sich auszuzeichnen, chancenlos gewesen. Nur drei Minuten später die nächste gefährliche Aktion der
Gäste, ein Müller-Freistoß aus etwas mehr als 25 Metern Entfernung geht nur haarscharf am linken Pfosten
vorbei, diesmal wäre Khamutouski aber zur Stelle gewesen.
Die Jenaer Antwort auf diese beiden Möglichkeiten der Dotchev-Elf kam prompt und hätte nicht besser aussehen
können, Tobias Werner schlägt den Ball die linke Außenlinie entlang und schickt Jan Simak, der den Ball
erläuft und gefühlvoll flach in die Mitte flankt, wo Sami Allagui am Fünf-Meter-Raum in den Ball grätscht -
keine Chance für Carsten Nulle, die Führung für den FCC! Die wichtige Führung gab der Mannschaft Sicherheit,
nur vier Minuten später konnte Allagui nach schönem Solo erst im letzten Moment der Ball vom Fuß gespitzelt
werden; wiederum nur Sekunden später kommt Marcel Schied aus etwa 20 Metern zum Schuss, den Nulle nur abprallen
lassen kann - Jena gehörte die Schlussphase der ersten Halbzeit. In Anbetracht dieser Chancen und des Eckenverhältnisses
von 5:0 war die Jenaer Pausenführung durchaus berechtigt, Paderborn zeigte vor allem dann Schwächen, wenn es darum ging,
aus Ballbesitz und Feldüberlegenheit auch Torchancen zu erspielen, woran die mit gutem Stellungsspiel glänzende
Jenaer Abwehr natürlich maßgeblichen Anteil hatte.
Zu Beginn der zweiten Halbzeit hatte man den Eindruck, dass sich Gäste-Trainer Dotchev die Halbzeitansprache hätte
sparen können, denn die Jenaer Elf machte genau dort weiter, wo sie vor dem Pausenpfiff aufgehört hatte. Ein wunderbares
Zusammenspiel zwischen Ilya Kandelaki und Marcel Schied schloss letzterer schließlich mit einem sehenswerten Schlenzer aus
halblinker Position ab, der Ball senkte sich genau im richtigen Moment, landete aber zur Enttäuschung (fast) aller nur auf
dem Tornetz. Vier Minuten nach Wiederbeginn schon die nächste dicke Chance für die nun deutlich überlegenen Jenaer,
nach gefühlvollem Simak-Lupfer in die Lücke zwischen zwei Abwehrspielern kommt Allagui im Strafraum zum Schuss,
Torwart Nulle nutzt die Gelegenheit allerdings um sich auszuzeichnen und klärt den Ball mit den Fingerspitzen zur Ecke.
Weitere vier Minuten später ist Marcel Schied erneut freigespielt und wird kurz vorm Abschluss vom letzten Paderborner
von hinten umgerempelt. Schiedsrichter Sippel aus München, der unterm Strich eine gute Leistung zeigte, zögerte
nicht und zeigte auf den Punkt. Der wieder einmal groß aufspielende Jan Simak legt sich den Ball zurecht, schickt
Carsten Nulle in die falsche Ecke und verwandelt seinen fünften Elfmeter für Carl Zeiss Jena trocken und todsicher
in die rechte untere Ecke zum 2:0. Wer nun mit wütenden Angriffen der Paderborner rechnete, sah sich getäuscht,
echte Chancen für die Gäste-Elf blieben Mangelware, stattdessen war Jena sichtlich um eine weitere Verbesserung
der Tordifferenz bemüht. Leider war man im Abschluss der zahlreichen sich bietenden Gelegenheiten nicht konsequent
genug, ansonsten wäre heute durchaus Raum für weitere Tore vorhanden gewesen. Nur zwei Minuten nach dem 2:0 kontert
der FCC im eigenen Stadion die Paderborner aus, aus der 4-gegen-2-Situation wird allerdings zu wenig gemacht, weil Marcel
Schied zu spät auf Marco Riemer ablegt, der einen auf der Linie stehenden Paderborner Verteidiger anschießt, den
Abpraller jagt Torsten Ziegner schließlich in die Wolken. Nach fast 70 Minuten Spielzeit gibt es den ersten Eckball
für Paderborn, Khamutouski klärt die Situation aber souverän per Faustabwehr. Nicht wenige Leute werden
sich auch heute wieder gefragt haben, wo der FCC wohl heute stünde, wenn er ab dem ersten Spieltag den weißrussischen
Nationaltorhüter im Gehäuse gehabt hätte, die Sicherheit, Ruhe und Souveränität, die dieser ausstrahlt,
ist Balsam auf die leidgeprüfte Jenaer Fußballseele. In der 71. Minute kommt es dennoch fast zum Anschlusstreffer
der Paderborner, der zu diesem Zeitpunkt alles andere als verdient gewesen wäre, denn die Jenaer Abwehr tut sich schwer
damit, den Ball im eigenen Strafraum zu klären. Nach gefühlten Minuten des Durcheinanders im Strafraum wirft sich
Alex Maul in den Schuss und klärt zur zweiten Ecke für Paderborn - Durchatmen. Geweckt von dieser Chance übernimmt
Jena wieder die Initiative, keine Spur von Angst oder mangelndem Selbstvertrauen. In der 77. Minute leitet wieder einmal Simak
mit einem herrlichen Pass aus dem Stand über den halben Platz eine Allagui-Chance ein, der aus rund 16 Metern leider
genau auf den Torhüter des Tabellenschlusslichts schießt. Nur eine Minute später nimmt sich Allagui erneut
ein Herz, sprintet über die gesamte Außenbahn und legt schließlich auf Simak ab, der die Chance verpasst,
sein tolles Spiel mit einem zweiten Treffer zu krönen, denn Markus Krösche kann ihm im letzten Moment den Ball
vom einschussbereiten Fuß spitzeln. Auch die nächste Chance gehört dem FCC, nach einer der zahlreichen
Simak-Ecken kommt Alex Maul sechs Minuten vor Spielende völlig unbedrängt aus fünf Metern zum Kopfball,
schafft es aber analog zu Löbe im ersten Durchgang, diese hundertprozentige Chance neben den Pfosten zu setzen.
Den aus Jenaer Sicht krönenden Abschluss des Spiels realisiert in der letzten Spielminute Tobias Werner, der einen
weiteren Jenaer Konter nach Vorlage von Jan Simak mit einem sehenswerten Volleyschuss aus 16 Metern unter die Latte
zum 3:0-Endstand abschließt.
Jan Simak, an dem der VfB Stuttgart unter der Woche sein Interesse erneut bekundet hat, war auch heute wieder an allen
drei Toren beteiligt - zweimal als Vorbereiter, einmal selbst als Torschütze. Ebenfalls hervorragend spielten Robert
Müller, der in der Abwehr ein ums andere Mal goldrichtig stand und mehrfach Paderborner Angriffe souverän bereits
im Ansatz geklärt hat sowie der quirlige und sehr lauffreudige Sami Allagui. Aber nicht nur die gerade genannten, die
gesamte Jenaer Mannschaft zeigte heute eine überzeugende Leistung. Es war jederzeit zu erkennen, wie wichtig jeder
Spieler das Spiel nahm und erfreulicherweise waren auch alle in der Lage, dem resultierenden Druck standzuhalten. Wenn man
am heutigen Spiel etwas kritisieren will, dann muss man die Chancenverwertung ansprechen, die wie so oft nicht optimal war -
Aber wer will schon nach einem 3:0 über mangelhafte Chancenverwertung reden? Der Jenaer Auftritt insgesamt macht
tatsächlich wieder Hoffnung, die Chance zum Klassenerhalt besteht weiterhin, der Rückstand auf das rettende
Ufer hat sich mit dem heutigen Tag auf sechs Punkte verkürzt. Auch wenn sich am Tabellenplatz nichts geändert hat,
war die Stimmung im Stadion nach dem Schlusspfiff von Hoffnung und dem Glauben an die Mannschaft geprägt, der von
vielen schon als unvermeidlich akzeptierte Abstieg scheint nach neun Punkten aus den letzten drei Spielen plötzlich
doch wieder vermeidbar. Ob die Hoffnung der Jenaer Fans berechtigt ist, wird sich in den nächsten Wochen zeigen, die
Gegner heißen Freiburg, Mönchengladbach und Hoffenheim und hegen allesamt Aufstiegsaspirationen - jetzt muss die
Mannschaft zeigen, was die grade begonnene Serie wert ist!
44 Fotos von Jens Weißenburger
Simak macht den Unterschied - Der Bericht auf scpaderborn07.de
TSV 1860 München - FC Carl Zeiss Jena 1:2
Tore: 0:1 Werner (60.), 1:1 Göktan (72.); 1:2 Schied (87.)
- München: Tschauner; Hoffmann, Thorandt, Berhalter, B. Schwarz
(69. Kucukovic); L. Bender (33. S. Bender), Bierofka, Göktan, Holebas,
D. Schwarz (89. Gebhart); Di Salvo
- Jena: Khamutouski; Maul, Müller, Stegmayer; Werner (90.
Kühne), Hansen, Riemer, Simak, Kandelaki; Allagui (84. Oniani), Petersen
(69. Schied)
- Zuschauer: 38.100
- Schiedsrichter: Frank (Hannover)
- Spielbericht:
- Es war alles so einfach. Noch vor dem Fürth-Spiel endeten
alle Rechenspiele eine Liga tiefer. 12 Punkte Rückstand vom rettenden 14. Platz
entsprechen ungefähr der Entfernung von Telly
Savalas’ Glatze zu einer Vollhaarfrisur. Und so waren auch
die größten Sonnenscheinchen unter den Fans inzwischen von der Vorstellung geheilt,
nächstes Jahr noch in die Allianz-Arena oder nach Köln zu müssen. Jetzt, eine
Woche später und sechs Punkte näher am rettenden Ufer ist alles viel
schwieriger. Die Tabelle wird hin und her gedreht, alle Wenn und Abers werden erschöpfend
durchdiskutiert. Der Patient FC Carl Zeiss lebt auf einmal wieder. Zwar nur ein
bißchen, aber er lebt. Und viel wichtiger: Er will auch leben! Beziehungsweise wenn
er schon sterben soll, dann wenigstens schön! Befreit von der Sorge, nächstes
Jahr eventuell im UEFA-Cup kicken zu müssen, ist es offensichtlich wieder
leichter sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Nur so ist die gute
Leistung von gestern zu erklären. Die 60er waren am Ende völlig verdient in die
Knie gezwungen.
Für Herzkranke war es allerdings nix, da die Jenaer das
Auslassen von Großchancen offenbar zur höchsten Vollendung entwickelt haben.
Die erste Heldentat diesbezüglich vollbrachte Niels Hansen in der 9.
Spielminute. Schön freigespielt von Sami Allagui
schob er den Ball aus Nahdistanz am langen Pfosten vorbei. Allagui
versuchte sich nach einer knappen halben Stunde dann auch noch selbst. Er stand
zwar etwas weiter weg, vollbrachte aber ansonsten exakt das gleiche
Kunststückchen. So ist das halt, wenn man im gesicherten Tabellenkeller
rangiert! Zehn Minuten vor der Pause war Simak dann
eigentlich frei durch, der Linienrichter verweigerte ihm aber die Möglichkeit
des Nichttreffens. Eine glatte Fehlentscheidung, aber das kennen wir ja… Und
die Münchener? Deren Selbstbewußtsein hatte nach sechs sieglosen Spielen
offensichtlich derart gelitten, da kam nicht viel. Selbst die Anfangsoffensive,
mit der uns der Gegner üblicherweise beglückt, blieb aus. Keine Spur von
Aufstiegsambitionen. Ein oder zweimal rumpelten die Stürmer zwar durch unseren
Strafraum, zum Aufschreiben war das allerdings nix. Und so muß man die beste
Jenaer Halbzeit seit langer, langer Zeit konstatieren.
Aber was nützt das alles
ohne ein Tor? Das mußte in Halbzeit 2 unbedingt anders werden, denn alles andere
als drei Punkten wäre zu wenig. Dementsprechend engagiert ging es von Jenaer
Seite zur Sache. Zunächst aber das gleiche Spiel. Erst versaut Tobias Werner einen
schönen Konter (47.), drei Minuten später setzt sich
Simak nach einem Doppelpaß mit Allagui
gegen mehrere Löwen durch, kommt dann aber – wie so oft – nicht zum Ende. Und
einen Elfer gibt’s für so einen Faller auch nicht.
Dann aber, gerade als uns Thorandt mit seinem
35m-Schuß auf die ‚Kreuzecklatte’ (O-Ton 1860-Ticker (-:) einen ‚kleinen’
Schreck eingejagt hatte, war es soweit. Allagui
(fleißig aber meistens glücklos) erkämpft sich den Ball an der Mittellinie von
Berhalter, paßt auf den mitgelaufenen Werner (fleißig aber
meistens ebenso glücklos), der beiden Akteuren das ‚Glücklos’ aus der
Arbeitsbeschreibung schießt. Der Ball landet im kurzen Eck; endlich die
verdiente Führung und riesiger Jubel im Jena-Block (60.). Doch damit beginnt
auch das große Zittern. Ab dieser Zeit werden meine Notizen immer lückenhafter,
Schreiben geht nicht mehr. Die Spannung wird unerträglich. Und sie steht in
jedes Gesicht geschrieben. Hoffentlich hält das Bollwerk da hinten.
Vasili
Khamutouski kriegt alle Hände voll zu tun. Zunächst
kann er einen Schuß aus Nahdistanz von Di Salvo zur
Ecke abwehren (62.), kurze Zeit später verpaßt Di Salvo
noch eine Vorlage von Bierofka nur ganz knapp (65.).
Durchatmen. Dann ist Schied auf einmal durch, kommt knapp vor
Tschauner im Löwen-Tor an den Ball. Der Preßschlag landet
wieder bei Schied, der mit einem mißglückten Anspiel auf Allagui
die schlechteste Entscheidung trifft. Warum haut er denn nicht einfach drauf.
Blankes Entsetzen (67.). Das weicht kurze Zeit später einer gewissen
Trostlosigkeit, nachdem Göktan die sich häufenden
Zuordnungsfehler in der Jenaer Abwehr ausnutzt und Khamutouski
mit einem Flachschuß überwinden kann. Wie kann man den Gegner nur so stark
machen? Erst später höre ich, daß hier ein Abseits im Spiel gewesen ist. Sollte
es so sein, sticht diese Fehlentscheidung wenigstens nicht sonderlich raus.
Hätte Khamutouski ähnlich schwach gehalten, wie
Thomas Frank pfiff bzw. seine beiden Assistenten winkten, wir hätten die Jacke
jetzt so richtig voll gekriegt. Haben wir aber nicht, denn Vasili hält alles.
Er muß den Ball ähnlich gemächlich auf sich zufliegen sehen, wie der Keanu
Reaves in Matrix die Kugeln. Bloß das Reaves
immer schnell weghüpft (Feigling!), während sich Khamutouski
zunächst in Da Silvos Flugkopfball wirft, um den
Bruchteil einer Sekunde später auch noch den Nachschuß zu parieren (77.). Nicht
anders zu erklären!
Jetzt sind wir wieder am Drücker. Simak
holt einen Freistoß raus, schießt ihn selbst. Die Hälfte unseres Blocks fällt
sich in die Arme, die andere sieht es etwas realistischer. Knapp drüber (85.).
Dann die große Möglichkeit für Schied. Ach nö, wie
kann man denn so was machen. Sein Kopfball von der Torraumgrenze geht rechts am
Tor vorbei. So steigt man ab! Dann sind nur noch drei Minuten zu spielen. Auf
einmal taucht Schied wieder vor Tschauners Tor auf.
Was jetzt passiert, läßt sich nicht mehr genau rekonstruieren. Es geht alles
rasendschnell. Wir liegen uns in den Armen, die Mannschaft steht vor dem
Fanblock und feiert. Alles flippt aus. Wir leben wieder! Schied hat das Ding
reingehämmert. 2:1. Das muß es doch sein. Der Rest ist Brüllen, Singen, Zittern
und dann… Feiern. Wir sind schweißgebadet, die Nerven sind runter, die
Stimmbänder abgenutzt. Erst im Parkhaus kommt der Puls wieder unter 200. Dort
haben wir auch genug Zeit dafür. Der Automat an der Ausfahrt ist im Eimer, einfach
weltmeisterlich! Aber auch das kann einen solchen Tag nicht mehr verderben!
Nächsten Sonntag kommt dann das Endspiel um Platz 17. Im
Falle des Nichtsiegens wird sich das Jenseits unter uns wieder ganz weit
auftun. Aber bis dahin aber können wir erst mal wieder Hoffen. Und das alleine
ist schon mehr als man vor einer Woche erwarten durfte. <bpf>
Bilder des Tages
Bericht auf tsv1860.de
Bericht auf fansmedia.org zu Vorgängen am Rande des Spiels
FC Carl Zeiss Jena - SpVgg. Greuther Fürth 1:0
Tor 1:0 Simak (11., FE)
- Jena: Khamutouski; Maul, Müller, Stegmayer; Werner, Hansen, Ziegner (46. Riemer), Simak, Kandelaki; Allagui (83. Schied), Torghelle (68. Petersen)
- Fürth: Kirschstein; Felgenhauer (66. Schröck), Biliskov,
Mausersberger, Achenbach; Ilicevic, Burkhardt, Lanig, Adlung (66. Nehrig,
, 90.); Kotuljac, Reisinger (46. Cidimar)
- Zuschauer: 5446
- Schiedsrichter: Anklam (Buchholz)
- Spielbericht:
-
Zu Ostern kehrte der Winter zurück. So konnte die vom Verband
vorgeschriebene, kostspielige Rasenheizung wenigstens einmal in dieser
Zweitligasaison ihren Zweck erfüllen, die über Nacht gefallenen Schneeflocken
zum Schmelzen zu bringen und einen möglichen Spielausfall abzuwenden.
Henning Bürger hatte im Vergleich zum Pokalaus von Dortmund
drei Veränderungen in der Anfangself vorgenommen. Diese sollten
spielentscheidenden Charakter tragen, denn alle drei Neuen waren an der
Entstehung des 1:0 beteiligt. Sandor Torghelle ging zum Mann und eroberte den
Ball. Nach Zuspiel des Ungarn auf seinen Stürmerkollegen leitete Sami Allagui
den Ball in die Mitte, wo Fürths Torhüter Kirschstein zwar den Ball erwischte,
aber auch das Bein von Ilja Kandelaki. Der Schiedsrichter zeigte auf den
Elfmeterpunkt und obendrein noch Gelb. Mit gewohnter Kaltschnäuzigkeit
verwandelte Jan Simak den Strafstoß genau ins linke untere Eck. Kirschstein
hatte zwar die Ecke geahnt, kam aber nicht mehr ganz hin.
Frühzeitig in
Rückstand geraten, mussten die Franken nun das Spiel gestalten. Eine Rolle, die
ihnen in den vergangenen Wochen nicht so wirklich lag und in Heimniederlagen
gegen Kaiserslautern und Koblenz mündete. Erschwerend kam hinzu, dass die
Rasenheizung zwar einen Großteil des Schnees wegbekommen hatte, der Boden
dennoch feucht und glatt war, bei jeder ruckartig schnellen Bewegung Probleme
bereitete. Gemessen an diesen Voraussetzungen war die Partie insgesamt durchaus
ansehnlich. So honorierten die Zuschauer beispielsweise Torghelles überlegt
gelupften Ball, den Kirschstein einen Augenblick vor Simak wegfing. Oder
Ziegners Fernschuss, der knapp am linken Pfosten vorbei strich. Mit 53 zu 47
Prozent gestalteten sich diesmal sogar die Zweikampfwerte positiv für den FC
Carl Zeiss. Dies hatte es nicht einmal in der total überlegen geführten ersten
Halbzeit gegen Wehen Wiesbaden gegeben. Auf
Fürther Seite sorgte Alksandar Kotuljac drei Minuten vor dem Pausenpfiff
für Gefahr. Seinen Torschuss fing zunächst Hansen kurz vor der Torlinie ab;
beim neuaufgebauten Angriff flankte Adlung von rechts, Kotuljac in der Mitte
kam einen Moment zu spät. Was sonst noch aufs Jenaer Tor flog, wurde zur Beute
des gewohnt sicheren Vasili Khamutouski. Dank seiner Paraden ging es mit
einem knappen Vorsprung in die Kabine.
Torsten Ziegner blieb gleich dort. Schon nach acht Minuten
hatte der Schiedsrichter-Assistent Jenas Trainer Henning Bürger geraten, den
Meckerns rotgefährdete Ziegner herunter zu nehmen, dieser besann sich aber bis zur Pause. Dass für ihn
danach Marco Riemer ins Spiel kam, kann durchaus als Wechsel auf die Zukunft
gesehen werden. Denn Talente wie das 20jährige Eigengewächs mit den roten
Zottelhaaren werden wir in Liga drei (wenn es denn dazu kommen sollte) gut
gebrauchen können. Da ist es auf jeden Fall von Vorteil, vorab schon mal
Zweitligaluft geschnuppert zu haben. Auf der ungewohnten Position im Mittelfeld
wäre dem gelernten Verteidiger beinahe ein ähnlicher Einstand gelungen wie
weiland Nils Petersen aus dem selben Jahrgang, der gleich nach seiner
Einwechslung beim Debüt einen Treffer erzielt hatte. Auch Riemer bot sich diese
Möglichkeit, stand er doch Sekunden nach Wiederanpfiff mutterseelenallein auf
Höhe des rechten Pfostens. Doch war er wohl zu sehr davon überrascht, dass der
Ball durch eine Spielertraube hindurch noch zu ihm gelangt war, um selbigen
überlegt im Tor versenken zu können.
Kurz danach mussten gleich zwei Jenaer behandelt werden.
Nach Foulspiel erwischte es zunächst Niels Hansen. Mit dem ehemaligen
Freiburger scheinen unsere Probleme auf der Sechserposition vor der Abwehr
beseitigt. Nun aber drohte sein Ausfall. Doch Hansen rappelte sich hoch. Kaum stand er wieder auf dem
Platz, warf sich Khamutouski mit vollem Einsatz in den Schuss eines allerdings
im Abseits befindlichen Fürthers. Aus drei Metern Entfernung traf ihn der Ball
voll auf die Nase. „Ich muss hinten die Null halten, wie ist egal“,
konnte der Weißrusse nach dem Spiel schon
wieder drüber lächeln. Nach endlos langen Minuten des Bangens um unseren
Top-Torhüter konnte aber auch dieser mit blutverschmiertem Trikot weitermachen.
Und das war wichtig, galt es doch nach einundsechzig Spielminuten eine Gästechance
zunichte zu machen, die entstanden war, nachdem Maul Gegenspieler Kotuljac
angeschossen hatte. In der Folgezeit rückte allerdings auch der ehemalige
HSV-Keeper Kirschstein wieder in den Brennpunkt. Zunächst bei Schüssen von
Torghelle (63.) und Allagui (73.). Nach deren Auswechslung im eins-eins gegen
Ilja Kandelaki, welcher eine schöne Einzelaktion von Nils Petersen nicht
verwerten konnte, das Leder nicht an Kirschstein vorbei brachte.
Der
Tabellenvierte, der in dieser Saison so gern das Prädikat „Unaufsteigbar“
loswerden möchte, wirkte insgesamt nicht zielstrebig genug. Lediglich der
Ex-Magdeburger Kotuljac mochte sich mit einer drohenden Niederlage in Jena
partout nicht abfinden, war links wie rechts als ständiger Unruheherd zu finden
und kam bei einer gefährlichen Flanke vors Tor erneut nur um einen Schritt zu
spät. Die Erhöhung der Pulsfrequenz, die nach dem Anzeigen von sechs Minuten
Nachspielzeit durch den Schiedsrichter hervorgerufen wurde, wurde abgemildert
durch die Rote Karte für Nehrig, der Kandelaki hinterrücks von den Beinen
geholt hatte. Da konnten auch zwei weitere Nachspielminuten nichts mehr
anrichten. Tobias Werner hätte aus spitzem Winkel sogar noch das 2:0 machen
können.
Dann war Schluss. Jubel bei den Zuschauern. Ähnlich wie beim Hinrundenerfolg gegen Offenbach, dem bisherigen Besucherminus, wurden die
Treuesten der Treuen für ihr Kommen belohnt. Spielt der FCC etwa
am erfolgreichsten, wenn der öffentliche Erwartungsdruck gering ist ? Dann
sollte er nächste Woche gleich da weitermachen, wo er diesmal aufgehört
hat. Denn so gut dieser Sieg für die Moral ist - er allein taugt noch
nicht für neue Rechenspielchen. <fc>
Kickers Offenbach - FC Carl Zeiss Jena 2:1
Tore: 1:0 Bancé (19.), 2:0 Bancé (47.), 2:1 Torghelle (89.)
- Offenbach: Thier; Hysky, Bungert, Sichone, Pinske; Mokhtari (81.
Watzka), Wörle, Sousa (58. Ogungbure), Judt (85. Epstein); Bancé,
Türker
- Jena: Khamutouski; Maul, Müller, Stegmayer; Amrhein (46.
Torghelle), Hansen, Ziegner, Simak, Werner; Allagui, Schied (80. Saka)
- Zuschauer: 9285
- Schiedsrichterin: Steinhaus (Hannover)
- Spielbericht:
-
Dortmund im Kopf – Offenbach vor der Brust. Es war von
vornherein zu befürchten, dass dieses Spiel vier Tage vor dem
DFB-Pokalhalbfinale so laufen würde wie es gelaufen ist. Selbst deutsche
Spitzenklubs patzen regelmäßig, wenn sie mit ihren Gedanken bereits bei der
Championsleague sind. Klar hätten wir uns angesichts des prekären
Tabellenstandes anderes gewünscht. Schließlich war es wohl die allerletzte
Chance, doch noch eine zum Klassenerhalt führende Siegesserie einzuleiten. Aber
auf Dortmund und erst viel später mal aufs Offenbach-Spiel zu sprechen kamen ?
Für die Hessen ist der Kampf gegen den Abstieg hingegen
allgegenwärtig und diesen Unterschied merkte man bereits zu Beginn. Stegmayer
musste gegen Mokhtari und Türker zweimal in höchster Not zur Ecke klären,
Khamutouski den Kopfball des unbedrängten Bancé halten. Dass die Gastgeber
nicht frei von Nervosität waren, wurde in der 16. Minute deutlich, als sich
zwei OFC-Verteidiger nach Allaguis Eingabe gegenseitig anschossen. Amrhein
wusste mit der sich bietenden Chance jedoch nichts anzufangen. Im Gegenzug holte
Mokhtari erneut einen Eckball heraus. Hoch flog dieser an die Torraumgrenze, wo
Bancé den Kopfball genau zwischen Keeper und den am Pfosten postierten
Verteidiger ins Netz setzte. Nun besitzt dieser Bancé mit einem Meter
zweiundneunzig Körpergröße annähernd Gardemaß, nur ist unser Alexander Maul ja auch kein
Zwerg ! Allerdings hätte er mindestens genauso hoch springen und vor allem enger am Mann zum Ball
gehen müssen, um den Riesen im Sturmzentrum ernsthaft zu stören.
Jena lag 0:1 zurück
und der eine oder andere Spieler wird wieder Dortmund im Kopf gehabt haben.
Könnte die zu investierende Kraft, die nötig ist um dieses Spiel zu drehen, am
Dienstag nicht eventuell fehlen ? Nur zweimal vor der Pause blitzte Klasse auf.
Wie zu seinen besten Zeiten spielte Torsten Ziegner in der 28. Minute einen klugen Pass auf
Allagui, dessen Schuss aber am langen Pfosten vorbei strich.
Und in der 37. Minute bekam Thier Probleme mit
einem 25-Meter-Schuss Simaks. Den Abpraller versuchte Schied zu erlaufen, wurde
von Hysky aber umgerempelt. Deutschlands Vorzeigeschiedsrichterin Bibiana
Steinhaus ließ weiterspielen. In der Nachspielzeit der ersten Hälfte wurde
Mokhtari auf Rechtsaußen nicht gestört, denn tückisch aufsetzenden Ball
parierte Khamutouski genauso souverän wie den anschließenden Volleyschuss
Sousas.
„Der Gast aus Carl Zeiss Jena“ (Zitat Stadionsprecher)
brachte zur zweiten Halbzeit Torghelle für Amrhein. Alles oder nichts also mit
drei Stürmern. Doch was nutzen sämtliche in der Kabine gefassten Vorsätze, wenn eine
Minute nach Wiederanpfiff wieder so eine Panne in der Zuordnung passiert !
Bancé erfreute sich diesmal der Begleitung durch Stegmayer und diese
Formulierung ist ganz bewusst so gewählt. Denn Stegi mit seinen
176 Zentimetern ist von seinen körperlichen Voraussetzungen her natürlich kaum in
der Lage, dem Riesen mit den goldenen Schuhen und gleichfarbigen Haaren Paroli
zu bieten.
Mit dem zweiten Gegentor schienen die Messen gelesen. Zwar spielte
sich Mitte der zweiten Halbzeit
viel in der Hälfte der Gastgeber ab. Doch hatte man nicht den Eindruck, das
Blatt könne sich noch mal wenden. Auch weil Jan Simak zwar gewohnt viel am Ball
war, ihm aber deutlich mehr Fehlpässe unterliefen als sonst. Die besseren
Chancen hatten auch in dieser Phase die Jungs vom Bieberer Berg. Bancé und
Türker scheiterten jedoch wiederholt an Khamutouski – dem Einzigen, der unter
Beobachtung von Dortmunds Trainer Doll am Freitag uneingeschränkte Klasse
nachwies. Arm an Emotionen plätscherte das Spiel seinem Ende entgegen. Dem bei
solchen Szenarien obligatorischen „Ihr könnt nach Hause fahrn“ der OFC-Fans
begegneten Jenas Anhänger mit einem weniger üblichen „Dritte Liga und
UEFA-Cup“. Und siehe da, plötzlich begannen die Blauen in den letzten zehn Minuten
noch richtig Fußball zu spielen ! Simak rutschte der Schuss nach Sakas
Vorarbeit noch über den Spann (84.). Ein Offenbacher Verteidiger rettete im
letzten Moment vor dem einköpfbereiten Allagui (85.). Und Jan Simak traf drei
Minuten vor Schluss wieder einmal das Aluminium. Das Glück ist uns - zumindest
in den Meisterschaftsspielen - wahrlich nicht hold in letzter Zeit. So fiel der
im zweiten Zupacken gegen Thier erzielte Anschlusstreffer von Sandor Torghelle
zu spät.
Dortmund im Kopf und Dortmund nun auch bald vor der Brust.
Endlich. Wenn an der Geschichte mit der verpatzten Generalprobe vor einem
gelungenen Auftritt was Wahres dran ist, wird es am Dienstag ein sehr schöner
Abend. <fc>
FC Carl Zeiss Jena - SV Wehen Wiesbaden 2:2
Tore: 1:0 Schied (25.), 2:0 Werner (33.), 2:1 Werner (82.ET), 2:2 Schmidt (89.)
- Jena: Khamutouski; Maul, Müller, Stegmayer; Amrhein, Hansen (75.Kühne), Ziegner, Simak, Werner; Allagui, Schied (73.Petersen)
- Wiesbaden: Richter; Simac (76.Hollmann), Kopilas, Glibo, Kokot
(67.Atem); Siegert, Schwarz, Bick (84.Schmidt), Nicu; König, Diaketé
- Zuschauer: 6721
- Schiedsrichter: Wingenbach (Diez)
- Spielbericht:
- Blauer Himmel, Sonnenschein und beste Stimmung auf den Zuschauerrängen waren beste Rahmenbedingungen, um endlich die längst
erhoffte Aufholjagd mit einem Sieg zu starten und die bittere Hinspielniederlage in der Commerzbankarena endgültig vergessen zu machen.
Die Jenaer begannen auch sofort druckvoll und schnürten die Gäste in deren Hälfte ein, und bereits nach gut 30 Sekunden
hätte es bereits schon 1:0 für die Platzherren heißen können. Allagui tauchte nach einem abgefälschten Steilpass
urplötzlich vor Gästekeeper Richter auf, aber anstatt sich die Torecke auszusuchen, um die Führung zu erzielen, entschied
er sich für einen Querpass auf Schied, für den dieser Pass aber letztendlich zu ungenau ankam und der Schusswinkel dadurch zu
spitz wurde. Aber diese Möglichkeit war gleichzeitig die Initialzündung im Jenaer Spiel, und sie begannen ihr druckvolles Spiel
zu entfachen. Bis auf zwei Freistoss-Standardsituationen war von den Gästen in Halbzeit eins fast nichts zu sehen. Ganz anders
dagegen der FCC, der in der 22.Minute die nächste gute Tormöglichkeit besaß. Ziegner hatte einen Freistoss von halbrechts
gefährlich vor das Tor der Wiesbadener gezirkelt, die diesen Ball einfach nicht aus der Gefahrenzone brachten. Jan Simak fasste
sich ein Herz und Richter musste sein ganzes Können in dieser Szene unter Beweis stellen, um diesen herrlichen Schuss gerade noch
aus dem Toreck zu entfernen. Aber nur drei Minuten war auch er dann machtlos, als diesmal Schied mit einem wunderschönen Steilpass
bedient wurde. Dieser ließ sich diese Chance nicht entgehen und schob den Ball zum viel umjubelten Führungstreffer für
die Jenaer ein. Der FCC machte nach diesem Treffer weiter Druck und Hansen scheiterte nur wenig später per Kopfball aufs kurze Eck
an Richter, der sich mittlerweile zum besten Akteur seines Teams avancierte. Der Sekundenzeiger hatte sich nach dieser Toraktion noch
keine Runde gedreht, da klingelte es erneut im Kasten der Wiesbadener. Der am heutigen Tage unheimlich quirlige Allagui konnte sich
wiederholt im 1:1-Duell im Strafraum gegen seinen Widersacher durchsetzen und zog diesmal sofort ab. Torwart Richter war zwar erneut
auf dem Posten und konnte den Schuss parieren, allerdings nur zur Seite, wo Werner goldrichtig stand und keine Mühe hatte, den
Ball über die Linie zu schieben. Schiedsrichter Wingenbach hätte kurz danach fast entscheidend in das Spiel eingegriffen,
als er ein glasklaren Handspiel eines Wiesbadener Spielers nicht abpfiff, sondern den Hessen dadurch eine gute Konterchance ermöglichte,
die aber Diaketé per Kopfball aus Nahdistanz zum Glück der Jenaer nicht nutzen konnte. Und noch einmal war es Allagui, der
kurz vor dem Pausentee (41.) seinem Gegenspieler entwischt war, aber auch diesmal konnte Richter dieses Duell für sich entscheiden
und die eventuelle Vorentscheidung in dieser Partie verhindern.
Nach der Pause kamen die Gäste wie verwandelt aus der Kabine und setzen die Jenaer gehörig unter Druck. Aber die entscheidenden
Tormöglichkeiten blieben noch aus, da die Abwehr des FCC bis dato sicher stand. In der 56.Minute dann doch fast der Anschlusstreffer,
doch Jenas Kapitän Alex Maul konnte in letzter Sekunde noch vor Nicu klären. Aber der Druck der Hessen ließ nicht nach und
Trainer Hock setzte alles auf eine Karte und wechselte einen weiteren Angriffspieler für einen Abwehrspieler ein. Doch trotz Überlegenheit
der Gäste waren es die Jenaer, die durch Allagui eine weitere Torchance zur Vorentscheidung hatten, doch bei Richter konnten sich die
Hessen heute bedanken, dass sie speziell in der ersten Halbzeit nicht unter die Räder gekommen waren. Die Minuten vergingen, die Partie
wurde zunehmend hektischer und die Nickligkeiten im Spiel häuften sich. In dieser Phase (80.) hätte der FCC alles klar machen können,
als ein gefährlicher Konter über Allagui und Simak gestartet wurde, doch zur Verzweiflung der Zuschauer bleib auch diese gute
Tormöglichkeit ungenutzt, da es Allagui nicht gelang, den vor dem Tor freistehenden Simak mit einem Querpass anzuspielen. Kurz darauf
waren die Gäste wieder an der Reihe und Stegmayer war es, der gerade noch zur Ecke klären konnte. Der anschließende Eckball (82.)
kam herein und Werner wollte am langen Pfosten der Ball aus der Gefahrenzone befördern, aber leider rutschte ihm bei dieser Rettungsaktion
der Ball über den Spann und der Ball lag im eigenen Tor. Ratlose Gesichter auf dem Rasen. Die Angst ging fortan um und man merkte den
Zeiss-Kickern die zunehmende Verunsicherung an. Sechs Minuten vor Ultimo hätten die Jenaer endgültig alles klar machen können,
doch das Glück blieb den Jenaern nicht hold und der herrliche Kopfball von Petersen klatschte an den Pfosten. Sekunden später
versuchte der eingewechselte Petersen sein Glück, aber auch sein Schuss verfehlte nur um Zentimeter das Gehäuse. Es lief bereits
die vorletzte Minute, da warfen die Hessen noch einmal alles nach vorn. Jenas Abwehr war einen Moment überhaupt nicht im Bilde und
Schmidt nutzte diesen Fauxpas eiskalt aus und verwandelte zum fast nicht mehr für möglich gehaltenen Ausgleich. Sekunden vor
dem Abpfiff hätte Simak die Jenaer Fans mit seinem Freistoß doch noch in Jubelschreie versetzen können, doch Keeper
Richter hatte etwas dagegen und verwehrte den Jenaern den verdienten Sieg.
Ein Fazit nach dieser Partie zu ziehen fällt sichtlich schwer, doch leider sollte sich auch heute erneut eine der abgedroschenen
Fußballerweisheiten bewahrheiten: Wer seine Chancen nicht nutzt, muss sich nicht wundern, am Ende mit leeren Händen dazustehen.<vg>
TuS Koblenz - FC Carl Zeiss Jena 2:0
Tore: 1:0 Djokaj (17.), 2:0 Pektürk (90. +1)
- Koblenz: Eilhoff; Mavric, Hartmann, Ziehl (77. Sukalo),
Cha, Richter, Fernandez (55. Vata), Lomic, Dzaka, Djokaj, Kuqi (66.
Pektürk)
- Jena: Khamutouski; Müller, Omodiagbe, Stegmayer; Holzner
(75. Saka), Kühne, Ziegner, Simak, Werner (62. Allagui);
Schied, Petersen (62. Amrhein)
- Zuschauer: 10.676
- Schiedsrichter: Bandurski (Essen)
- Spielbericht:
- „Ich weiß nicht was soll es bedeuten, dass
ich so traurig bin“ eröffnete Heinrich Heine einst sein Gedicht zu Ehren jener
Loreley, die der Sage nach nur wenige Kilometer rheinaufwärts von Koblenz auf
einem Felsen singend ein ums andere Schiff an der zerklüfteten Flussbiegung
zerschellen ließ. Ins Reich der Sagen und Legenden wird auch Jenas
Viertelfinalerfolg in Stuttgart bald Einzug halten, und angesichts der noch
immer unfassbaren Sensation, die Bürgers Elf in Schwaben erreichte, fiel es
schwer, das Augenmerk wieder voll auf den Ligaalltag zu lenken. Bitter nötig
war dies, wollte man die Hoffnungen auf den Klassenerhalt nicht endgültig am
Deutschen Eck zerschellen sehen, und selbst auf den Grund der Zweitligatabelle
sinken.
Henning Bürger musste seine heldenhafte
Pokal-Elf notgedrungen umstellen, angesichts der seltsamen DFB-Gerichtsbarkeit
saß Alexander Maul weiterhin eine nicht nachvollziehbare Sperre ab, so dass der
wiedergenesene Omodiagbe seinen Platz in der Innenverteidigung einnahm.
Sicherheit brachte dies nicht, im Gegenteil, ganz ähnlich der allgemein
grassierenden Grippewelle steckte der Nigerianer seine Kameraden mit
zahlreichen Unsicherheiten an und man fragte sich nach 10 gespielten Minuten
verdutzt, ob die Körpersprache, das ausgestrahlte Selbstbewusstsein ein
jämmerlicheres Bild gegeben hätte, wäre der FCC in Stuttgart mit 0:5 unterlegen
Halbzeit unter dem aktuellen Trainer, in der bis auf eine Schied-Chance (2.),
der einen Ziegner-Schuss um ein Haar ins Tor abfälschte, rein gar nichts
zusammenlief. Koblenz lockte Jena heraus, um dann überfallartig mit weiten
Bällen auf die meist über außen kommenden Spitzen Gefahr zu erzeugen. Der FCC,
wieder mit Dreierkette agierend, fand dagegen überhaupt kein Rezept. Doch da
Hartmann, Djokaj, Dzaka und Co. ihre Chancen gleich reihenweise liegen ließen,
bei Müllers Fast-Eigentor auch etwas Pech hatten, wäre es möglicherweise mit
einem für den FCC angesichts des Spielverlaufs hochgradig zufriedenstellenden
0:0 in die Kabinen gegangen, hätte die in den letzten Wochen schon
ungewöhnliche Pechsträhne mit Schiedsrichterentscheidungen nicht ihre
Fortsetzung gefunden. Ein langer Ball aus der eigenen Hälfte findet Djokaj, der
die Kugel mit der Hand an Khamutouski vorbeilegt und dann im leeren Tor
einschiebt. Schiedsrichter Bandurski hatte freie Sicht auf die Aktion, wollte
aber dennoch keine Regelwidrigkeit gesehen haben, so dass der FCC nach Aachen
und Hamburg nun schon das dritte irreguläre Gegentor binnen weniger Wochen
kassierte. Von umstrittenen Platzverweisen ganz zu schweigen, denn Sandor
Torghelle dürfte sich bei Lomics nur mit gelb geahndetem Nachtreten gegen
Holzner schon gefragt haben, wofür er eigentlich vier Spiele Sperre aufgebrummt
bekam. Ich weiß nicht, was soll es bedeuten. Doch bei aller Kritik am Referee, was
Jena in den ersten 45 Minuten bot, war nicht im Ansatz besser und man fragte
sich, wer außer dem Keeper und Robert Müller eigentlich nicht ausgewechselt
werden müsste.
Dies sollte sich nach dem Seitenwechsel zumindest phasenweise
ändern, Petersens kurz vor der Linie geklärter Flachschuss (47.) im Anschluss
an eine Simak-Ecke sorgte für Hoffnung im mit knapp 1.000 Zeissfans
proppevollen Gästeblock. Beide Protagonisten fanden sich auch eine
Viertelstunde später im Zusammenspiel im Mittelpunkt, als Simak ein
Petersen-Abspiel artistisch aufnahm und auf das Eilhoff-Gehäuse zusteuerte,
aber im Strafraum bei der Schussabgabe umgerannt wurde. Der Ball landete am
Außenpfosten – der Elfmeterpfiff blieb aus. Koblenz sah sich nun vorwiegend in
die eigene Hälfte gedrängt, die Ballbesitzstatistik von 60:40 für Jena kam
nicht von ungefähr, verteidigte aber geschickt und blieb mit schnellen
Gegenstößen stets gefährlich, Dzaka und der für den Ex-Jenenser Kuqi
eingewechselte Pektürk verpassten die Vorentscheidung. So hatte Torsten Ziegner
mit einer strammen, von Eilhoff gerade noch so um den Pfosten gelenkten
Freistoßablage Simaks den Ausgleich auf dem Fuß. Doch als auch Stefan Kühne
seine Großchance um Zentimeter am Pfosten vorbeistocherte (86.), war den
meisten klar, „was dies bedeuten sollte“. 91. Minute, nach Ballverlust des
eingewechselten Saka wieder ein schneller Gegenstoß über Vata, und diesmal
machte es Pektürk besser, bugsierte das Leder unter Mithilfe des Innenpfostens
zur Vorentscheidung ins Tor. Dass sich Jenas Elf selbst danach nicht aufgab und
sich mit Stefan Kühnes Knaller knapp am Tor vorbei sogar noch eine Möglichkeit
bot, spricht für die Moral in der Mannschaft. Für die Qualität, die Klasse zu
halten, sprach der Auftritt über 90 Minuten jedoch nicht. Auch wenn erneut ein
Schiedsrichter – nebst dem Koblenzer Handballspieler – die Begegnung maßgeblich
beeinflusste, das war einfach zu wenig, um die „nun wirklich“ letzte Chance
beim Schopfe zu packen. „Ich weiß nicht was soll es bedeuten, dass ich so
traurig bin“. Abstieg. 3. Liga. <gunner>
FSV Mainz 05 - FC Carl Zeiss Jena 2:2
Tore: 1:0 Feulner (28.), 2:0 Karhan (56./FE), 2:1
Simak (59.), 2:2 Allagui (83.)
- Mainz: Ischdonat; Hoogland, Subotic, Noveski, Rose (46.
Demirtas); Karhan, Damir, Vrancic (84. Amri), Pekovic, Feulner;
Borja (85. Jovanovic), Boakye
- Jena: Khamutouski; Holzner, Müller, Omodiagbe, Stegmayer;
Ziegner (78. Saka), Kühne, Simak, Werner; Petersen (58. Allagui),
Schied (78. Amrhein)
- Zuschauer: 19.500
- Schiedsrichter: Willenborg (Osnabrück)
- Spielbericht:
- Die Tage des Mainzer Stadions sind gezählt. Mit Beginn der
Saison 2010/2011 soll eine neue Fußball-Arena eingeweiht werden. Angesichts der
Tabellensituation beider Mannschaften stellt sich also die Frage, ob das Spiel
vom Freitagabend das letzte Jenaer Gastspiel am Bruchweg gewesen ist.
Fast 20.000 Zuschauer sorgten für die gewohnt gute
Atmosphäre. Mögen die Gastgeber mit ihren unzähligen Mainz 05-Liedern
vielleicht etwas zu viel Primborium veranstalten – ihr „you’ll never walk
alone“ bekommen nicht viele in Liga zwei so hin. Jenas 500 mitgereiste Anhänger
mochten sich daran nicht beteiligen (warum eigentlich nicht?), verschafften
sich dafür nach zehn gespielten Minuten Gehör: Mit „Hier regiert der FCC“ lagen
sie zu diesem frühen Zeitpunkt durchaus richtig, denn die ersten Akzente, die
ersten Standarts hatten die Thüringer gesetzt. Holzner war für Amrhein in die
Startelf gerückt, machte sein erstes Spiel seit November. Die erste
Tormöglichkeit im Spiel besaß dann aber doch der Tabellenzweite. Karhans weiten
Einwurf konnte Müller mal eben noch vor Boakye zur Ecke klären. Derartig
drangvoll erlebten wir die vier Tage zuvor mit einem Auswärtssieg in
Mönchengladbach glänzenden Mainzer jedoch selten. Einer der Gründe hierfür
heißt Jan Simak, der im Mittelfeld für ein Gleichgewicht sorgte, spielerisch
wie kämpferisch erneut eine herausragende Leistung bot. Kein Wunder, dass immer
mehr Bundesligisten hinter ihm her sind. Vom technischen Potential her gab es
nach Bernd Schneider sicherlich keinen besseren im Zeiss-Trikot als
ihn. Simaks Schrägschuss vom linken Strafraumeck in Minute 21 rauschte nur
knapp am Mainzer Gehäuse vorbei.
Sieben Minuten später: Felix Holzner fängt
einen Mainzer Angriff ab, doch verspringt ihm das Leder zu weit vom Fuß. Weil
das Not-Tackling misslingt, hat Feulner freie Bahn zum Tor, umspielt
Khamutouski und trifft zum Führungstreffer. Woche für Woche das selbe Bild: Es
sind die individuellen Patzer im Abwehrzentrum, die den FC Carl Zeiss immer
wieder ins Hintertreffen geraten lassen. Da half auch ein weiterer schöner
Simak-Schuss vor der Pause nichts mehr.
Nach Wiederanpfiff legte Karhan für Feulner auf. Doch erst
dessen Wegrutschen eröffnete den Mainzern eine Torgelegenheit, bei der Boakye
von Khamutouski und Omodiagbe mit vereinten Kräften gestört werden konnte.
Chancen gleichsam aus dem Nichts – irgendwie war das typisch für dieses Spiel.
Auch fürs zweite Gegentor. Klar drängte der ballführende Feulner mit viel Elan
in den Strafraum. Doch unmittelbare Torgefahr bestand da kaum, dafür war der
Winkel zu spitz und Omodiagbe noch in der Nähe. Holzner zog Feulner jedoch so
ungestüm zu Boden, dass der Referee sofort auf den Elfmeterpunkt zeigte. Da der
Strafstoß saß, drohte Holzner bei seinem Comeback zur tragischen Figur zu
werden. Dabei hatte er insgesamt keine schlechte Partie gespielt, jedoch in
zwei entscheidenden Szenen das Nachsehen gehabt. Nur gut, dass auch Jena noch
seine Chance aus dem Nichts bekam. Bei Simaks diagonalem Freistoß rückten fünf
Mainzer und vier Jenaer in Richtung Tor, keiner berührte jedoch den Ball. Auch
nicht Torwart Ischdonat, der durch die Spielertraube wohl irritiert war. 1:2 -
da ging noch was. Bürger versuchte es mit frischen Kräften, brachte zunächst
Allagui, dann Saka und Amrhein. Was umgehend Wirkung zeigte. Amrheins straffen
Schuss aus 23 Metern konnte Ischdonat nur nach vorn abwehren, Saka setzte den
Abpraller aber am langen Eck vorbei. Welch ein Glück, das da noch was nachkam
! Und zwar in Minute 83: Eckball von
Simak, präzise auf Allagui, der aus Nahdistanz trotz Bedrängnis ins Netz köpft.
Wieder einmal hatte der FCC aus scheinbar aussichtsloser Lage herausgefunden.
Dass er den redlich erkämpften Punkt am Ende auch mitnehmen durfte, verdankt er
seinem Torhüter. Klasse, wie Vasili Khamutouski in der 85. Minute Hooglands
tückischen Aufsetzerkopfball aus nur sechs Metern Torentfernung zur Ecke lenkte
!
Eine Unsportlichkeit der Mainer hätte der Partie dann beinahe ein schlimmes
Ende bereitet. Mehrere Male zuvor hatten die da noch zurückliegenden Jenaer den
Ball ins Aus gespielt, wenn ein 05er verletzt am Boden lag. Doch als Darlington
Omodiagbe nach Zweikampf unglücklich aufgekommen regungslos auf dem Rasen
liegen blieb, spielten die Rot-Weißen weiter. Dabei zählte jede Sekunde, denn
Omodiagbe hatte das Bewusstsein verloren und seine Zunge verschluckt ! Gottseidank
erfolgte die Hilfe gerade noch rechtzeitig und mit einer leichten
Gehirnersschütterung ging alles noch recht glimpflich ab. Dass die Jenaer
das Match zum dritten Mal in Folge nur zu zehnt beenden konnten, hatte keinen Einfluss auf das Endergebnis.
Henning Bürger hatte unter der Woche kein bisschen
übertrieben. Die Moral stimmt in dieser Mannschaft hundertprozentig.
Das ist wichtig, weil sich der Druck weiter erhöhen wird. Denn gegen
die nun folgenden Punktspielgegner müssen endlich wieder Siege her. <fc>
FC Carl Zeiss Jena - 1. FC Köln 1:3
Tore: 0:1 Helmes (28.), 1:1 Müller (61.), 1:2 Novakovic (80.), 1:3 Novakovic (90.)
- Jena: Khamutouski; Maul (
, 48.),
Müller, Omodiagbe, Stegmayer (83. Saka); Amrhein (59. Allagui),
Kühne, Ziegner, Simak, Werner (83. Petersen); Schied
- Köln: Mondragon; Ümit Özat, Mohamad, McKenna, Ehret;
Broich (72. Gambino), Mitreski, Antar, Vucicevic (68. Chihi); Helmes (89.
Scherz), Novakovic
- Zuschauer: 9904
- Schiedsrichter: Henschel (Braunschweig)
- Spielbericht:
- Es gibt Spiele, da ist auf dem Rasen richtig viel los – und
hinterher fehlen dir trotzdem die Worte für den Spielbericht. Und im Stadion,
nach dem Spiel, verhindern lediglich Anstand und gute Erziehung (und vielleicht
auch die doppelte Kette aus Gelb und Dunkelblau), dass du deine Meinung über
Referee und DFB-Lieblinge in den Gästebus stanzt.
Am kalten Freitagabend begann der FCC zunächst
unterkühlt-vorsichtig, um nicht ins offene Messer der Gäste zu laufen, die spielerisch
eine schnelle, feine Klinge schlugen. Trotzdem kam der FCC ganz gut nach vorn
und hatte einige interessante Szenen, z.B. als Stegmayer eine scharfe Flanke
vors Tor schlug oder Mondragon Ziegners
Freistoß wegfaustete. In der 23. min gab es dann nach der dritten Kölner Ecke
die erste brenzlige Szene vor unserem Tor, als Kühne den Ball zu kurz abwehrt,
Khamutouski den Schuss jedoch parieren kann. In der 27. min gab es dann auf der
Gegenseite die erste zornerregende Szene, als nach einer Ecke Schied (?) schießen
will, der Kölner jedoch mit gestrecktem Bein „drüberhält“.
weiterspielen. Zwei Minuten später tändeln Khamutouski und Omodiagbe bei einem
Abstoß herum, der schwache Abschlag des Torwarts in den Mittelkreis kommt
prompt als Steilpass auf Helmes, der zum 0:1 einschiebt; Müller stand zu weit
weg. Kurz danach verhindert Khamutouski mit einer tollen Parade das
spielvorentscheidende 0:2, als er gegen Broich blitzschnell reagierte. Ein Aufstöhnen
ging durchs Stadion, als Werner nach der dritten FCC-Ecke einen Schuss von der
Strafraumgrenze an die Lattenunterkante nagelte. Den zurückspringenden Ball
erlief einer im weißen Trikot (Kühne?), wurde jedoch durch einen Kölner
umgerissen. Strafstoß? Vergiss es! Der Herr Henschel aus Braunschweig –
spätestens jetzt war die Bezeichnung „Unparteiischer“ falsch – schien zur
60-Jahr-Feier nach Köln eingeladen gewesen zu sein und verteilte hier sein
zweites Geschenk des Abends an den Ziegenverein. Tut mir leid, aber so etwas
kann man nicht falsch oder gar nicht sehen – das ist Vorsatz! Im Jenaer Angriff
merkte man doch, dass man mit einem Ein-Mann-Sturm agierte – und Simak, der
immer wieder mal als zweite Spitze in den aufrückte, konnte sich die Pässe trotz
einer ganz starken Leistung ja schließlich nicht selbst vorlegen. Aber vor der
Pause erreichte eines dieser Anspiele den rechts in den Kölner Strafraum
laufenden Schied, der aber mit seinem Schuss aus spitzem Winkel keinen Erfolg
hatte.
Unmittelbar nach Wiederanpfiff gab es das nächste
Geburtstagsgeschenk an die Kölner. Maul trennte per Tackling an der rechten
Seitenlinie den Ball vom Kölner Spieler und während auf der Tribüne
Diskussionen über den Freistoßpfiff an sich aufbrandeten, zeigte der Schiedsrichter
Alex Maul… „Rot“!!! Was ging denn hier ab! Ich war einfach sprachlos! Wut,
Entsetzen, Fassungslosigkeit – die Gesichter meiner Platznachbarn spiegelten
vieles wieder, aber nicht einmal ansatzweise gab es Verständnis für diese
Entscheidung. Wenn sich bis dahin vielleicht bei einigen oder vielen auf dem Rasen
und den Rängen innerlich Resignation breitmachen wollte, mit diesem
Platzverweis hatte der Schiedsrichter alle, die sich dem FCC verbunden fühlen,
aufgerüttelt. Die Stimmung auf den Rängen brodelte, die Mannschaft drehte auf
und das Spiel kippte optisch zu Gunsten des FCC. Und Mondragon
tauchte in der 55. min blitzschnell ins lange Eck, um Schieds
Schuss den Weg ins Netz zu verwehren. Fünf Umdrehungen des Sekundenzeigers
später: Simaks Freistoß hoch in den Strafraum neben das lange Toreck, Kopfball
von Kühne quer und Müller machte den Ausgleich. Jaaaaaa!
Der Vulkan EAS schien zu explodieren! Und der FCC machte weiter, drückte auf
das wichtige drei Punkte bedeutende 2:1 und hatte eine gute Chance, als
Schied gegen den herausstürzenden
Mondragon leider einen Schritt zu spät kam. Und die Kölner
schienen völlig überrascht zu sein, dass diese Jenaer Mannschaft trotz
Unterzahl, trotz permanenter Benachteiligung in der Zweikampfbeurteilung
(Werner wird in der 69. min gefoult und bekommt dafür „Gelb“ wegen „Schwalbe“!)
Das sah richtig gut aus. Und Köln leistete einen weiteren Beitrag zur
Unbeliebtheit, als man den Ball trotz eines am Boden liegenden Werner nicht
sportlich-fair ins Seitenaus spielte, sondern ungerührt einen Angriff
initiierte. Chihi köpfte aber freistehend vorbei.
Und
dann lief es wie so oft in dieser Saison: Jena machte (in Unterzahl) das Spiel,
der Gegner einen vernünftige Spielzug, dazu ein Abwehrfehler (einem Jenaer
rutschte die Flanke unterm Fuß durch) und wir lagen wieder hinten. Novakovic knallte
den Ball aus 22 m Entfernung ins untere Toreck und Khamutouski war chancenlos.
Dieser Gegentreffer war der moralische Genickbruck für unser Team, es lief
nicht mehr viel, die fehlende Kräfte (bis dahin durch überdurchschnittlichen
Kampfgeist wettgemacht) und es war eigentlich der Dummheit der Kölner
geschuldet, dass das 1:3 erst tief in der Nachspielzeit fiel.
Interessant war noch die Pressekonferenz: Bürger fasste sich
sehr kurz (ein passendes Statement wäre sicher zu teuer geworden), Daum
palaverte minutenlang Nichtssagendes und Rainer Zipfel sagte – mit sehr
gesetzten Worten – was er von der Schiedsrichterleistung heute und in den
letzten Wochen hielt. Bravo! Sollte die Aussage des FCC-Präsidenten
irgendwelche finanziellen Sanktionen seitens des DFB nach sich ziehen,
beteilige ich mich an einer Sammlung beim nächsten Heimspiel. <uk>
FC St. Pauli - FC Carl Zeiss Jena 2:2
Tore: 1:0 Takyi (13.,FE), 1:1 Ziegner (54.), 1:2 Simak (68.,FE), 2:2 Bruns (88.)
- St.Pauli: Borger; Rothenbach, Morena, Eger, Gunesch; Takyi, Boll, Meggle,
Schultz (46.Sako); Schnitzler (65.Braun), Kuru
- Jena: Khamutouski; Maul, Müller, Stegmayer; Amrhein, Kühne, Ziegner, Werner; Simak (83.Kandelaki);
Torghelle (
, 17.), Schied (87. Petersen)
- Zuschauer: 20.217
- Schiedsrichter: Winkmann (Kerken)
- Spielbericht:
- (von Gastkommentator Thomas Neumann)
13 Punkte, Platz 17, Spieltag 19 - das ist die wenig schmeichelhafte Zwischenbilanz vor dem Auswärtskick in Hamburg. Ich neige nicht
zu übermäßigen Optimismus oder Pessimismus im Bezug auf meinen FCC, aber realistisch betrachtet sollte man die Möglichkeit
des Abstieges mittlerweile wohl in die Prognosen für das Saisonergebnis mit einbeziehen.
Was solls - hilft ja nix. Auswärts läuft es diese Saison ja eh besser als zu Hause und so startet die dreiköpfige Niedersachsen -
Fraktion am Freitagmittag von Hannover nach Hamburg. Auf der A7 bis Hamburg gibt's jede Menge Thüringer Kennzeichen zu begucken und auch
der "Vor dem Spiel" - Bummel durch den Kiez bietet jede Menge blau - gelb - weiße Fanutensilien fürs Auge. Der guten Ordnung halber
sei natürlich noch erwähnt, dass das Ganze nach eigenem Erleben total "stressfrei" abläuft und nette Gesten und Wünsche der
Einheimischen keineswegs die Ausnahme sind.
In einer Ecke der Nordtribüne ist seit Neuestem der Gästeblock auf St. Pauli untergebracht, der von den anwesenden ca. 1500 FCClern
gut gefüllt wird. Das die Hafenhamburger nun extra für das Gastspiel des Europapokalfinalisten von 1981 eine zusätzliche
Stahlrohrtribüne auf der Nordseite ihres Stadions errichtet haben, erscheint auf den ersten Blick zwar übertrieben, ist aber
angesichts des Gegners nun nicht gar so abwegig.
Der sportliche Teil des Abends beginnt mit einer Jenaer Großchance als Jan Simak sich in der 4. Minute schön auf der rechten
Seite durchsetzen kann, jedoch lieber in der Mitte Thorgelle bedient, statt selber direkt abzuschließen. Während der Gästeblock
noch dieser Chance nachtrauert, spielt sich am anderen Ende des Stadions bereits Teil 1 der mysteriösen Schiedsrichterentscheidungen des
Abends ab. Fakt ist, ich habe aus ca,. 100 m Entfernung in einem Gestocher im Strafraums kein Handspiel - ein Dank an den Stadionsprecher der
den Grund für den Elfmeter mitmeldete - gesehen. Ohne mein Einverständnis verwandelt Takyi trotzdem sicher zum 1:0 in der 13. Minute.
Wenig später (18. Min.) scheint das Spiel schon endgültig gelaufen, als Sandor Torghelle wegen einer Tätlichkeit mit Rot vom
Platz fliegt. Ich habe unter den reichlich bescheidenen Sichtverhältnissen des Gästeblockes, dieses Nachtreten von ihm mit dem
Fuß relativ klar gesehen - der Schiri wohl auch - und bin gespannt, ob dies nicht schon bereits der letzte Pflichtspielauftritt
unseres "Gulaschbombers" war, der ja auch im Pokal gesperrt ist. Der Rest der ersten Halbzeit besteht aus ziemlich laschen Mittelfeldgekicke
und -geschiebe der St. Paulianer, daß die Jenaer bis auf einen Simak - Schuss ans Außennetz (34.) nicht bestrafen können.
Die Kabinenaufenthalt in der Halbzeitpause für die, diesmal blauen Helden, ist kürzer als normal, als sie nach der "gefühlten"
Hälfte der Spielunterbrechung bereits wieder auf dem Platz stehen. Dem Neutrainer Henning Bürger sei an dieser Stelle geweissagt,
dass solche "Nummern" zwar nicht schlecht sind aber auch nur gefühlte zweimal ziehen, bevor sie ihre Wirkung verfehlen. Aber diesmal
scheint es definitiv noch zu wirken. In der 54. Minute setzt sich Ziegner durch und kann im zweiten Versuch den St. Pauli-Keeper Borger
überwinden. Hätte man mich jetzt gefragt ob ich mit dem Unentschieden zufrieden gewesen wäre, hätte ich sofort abpfeiffen
lassen. Mehr ist doch in Unterzahl echt nicht drin…
Für den "Auswärts - FCC" in dieser Saison ist dies aber das natürliche Signal auch in Unterzahl die Siegchancen zu suchen.
Und als Patrik Amrhein kurze Zeit später nach schönem Solo freistehend vor dem Tor nur an den Pfosten schiebt, wagt der gemeine
FCC - Fan im Gästeblock endlich vom "Auswärtssieg" zu träumen und singen. Was in der 68. Minute zum Elfmeter für Jena führt
kann ich nicht nachvollziehen, da die Aktion schon wieder am anderen Ende des Stadions stattfindet, aber wenn der erste Elfer berechtigt gewesen
sein soll, wird es dieser wohl auch. Wenigstens in den Augen des Schiedsrichters.
Das es am Ende doch nicht zum Auswärtsdreier reicht, ach herrjee, wem will ich das denn vorwerfen? Die Mannschaft hat auch in der Schlussphase
alles geboten, was sie konnte. Der Ausgleich in der 88. Minute ist natürlich der "Hammer" ins Genick des eh schon taumelnden Boxers. Andererseits
muss den Jungs doch endlich mal jemand ins Gehirn prügeln, dass sie auch zu Hause so auftreten müssen, dann besteht vielleicht noch Hoffnung
auch mit einem Unentschieden auf St. Pauli leben zu können.
FC Carl Zeiss Jena - Alemannia Aachen 2:3
Tore: 1:0 Werner (17.), 1:1 Reghecampf (29.), 2:1 Schied (66.), 2:2 Lehmann, 2:3 Krontires (81.)
- Jena: Khamutouski; Günther, Maul, Omodiagbe, Stegmayer;
Amrhein (75.Saka), Müller, Simak, Werner; Petersen (64.Torghelle),
Schied
- Aachen: Straub; Polenz, Klitzpera, Herzig, Leiwakabessy;
Reghecampf, Lehmann (90.Olajengbesi), Lagerblom, Krontiris (90.Brinkmann);
Ebbers (58.Mosquera), Kolev
- Zuschauer: 6513
- Schiedsrichter: Gräfe (Berlin)
- Spielbericht:
- Die fußballfreie Zeit war endlich zu Ende und auch für Jena sollte nun der Ball in der 2. Bundesliga wieder rollen. Die guten
Ergebnisse in der Vorbereitung ließen bei jedem Zeiss-Fan Hoffnung aufkommen, welche in einem grandiosen Sieg im DFB-Pokal gegen die
Arminia aus Bielefeld gekrönt wurde. Diesen Schwung und Optimismus wollte man unbedingt in die heutige Partie mitnehmen, um gleich im
ersten Spiel der Rückrunde gegen die Gäste aus Aachen die Aufholjagd starten zu können und den ersten wichtigen Dreier einzufahren.
Die Jenaer begannen auch gleich wie die Feuerwehr und bereits nach 20 Sekunden sah Herzig die erste gelbe Karte im Spiel, da er den aufs
Tor stürmende Schied nur durch Foulspiel bremsen konnte. Gut eine Minuten später fast schon das 1:0 für die Platzherren,
doch ein gefährlich abgefälschter Freistoss mit anschließendem Torschuss von Schied wurde wegen Abseitsposition abgepfiffen.
Aber leider war es das erst einmal mit den Jenaer Angriffbemühungen, denn die Aachener stellten sich im besser auf das Jenaer Spiel ein
und setzten frühzeitiger nach. Dadurch verflachte die Partie zunehmend und beide Teams neutralisierten sich weitgehend im Mittelfeld,
ohne sich dabei nennenswerte Chancen zu erspielen. So dauerte es bis zur 17. Minute, als der Jenaer Anhang zum ersten Mal jubeln durfte.
Ein von Simak getretener Eckball wurde zunächst per Kopf geklärt, Amrhein nahm den abprallenden auf, schoss erneut auf das Tor
und in der Mitte stand Werner goldrichtig und fälschte per Kopfball zur 1:0 Führung ab. Doch leider konnten die Jenaer dieses
Stimmungshoch nicht weiter nutzen, denn sie führten erst zum zweiten Mal in dieser Saison auf eigenem Platz, sondern sie ließen
die Aachener wieder ins Spiel kommen. Nach gut einer halben Stunde nutzten diese ihre erste gute Möglichkeit eiskalt und Reghecampf
traf mit einem herrlichen Kopfball aus 11m zum Ausgleich. Kurz vor der Pause sogar noch fast die Führung für die Gäste, doch
Jenas neuer Keeper Khamutouski konnte den Schuss von Krontiris gerade noch parieren.
Die Aachen kamen zielstrebiger aus der Kabine und hatten bereits in der 51. Minute erneut eine dicke Möglichkeit zur Führung, aber
Ebbers konnte in bester Position mit seinem Kopfball aus Nahdistanz den Jenaer Schlussmann nicht überwinden. Nun zogen die Gäste ihr
Spiel auf und beherrschten das Mittelfeld mühelos. Die Jenaer wirkten dagegen zunehmend verunsichert und versuchten es mit langen Bällen
nach vorn, die aber allesamt keinen Abnehmer fanden. Trainer Henning Bürger brachte Torghelle ins Spiel und erhoffte sich noch einmal einen
Schub nach vorn. Und es dauerte auch nur wenige Augenblicke und da hatte sich die Einwechslung bereits ausgezahlt. Simak hatte erneut einen Eckball
getreten, den Torghelle per Kopf genau vor das Tor verlängerte, wo Marcel Schied goldrichtig stand und den Ball aus wenigen Zentimetern nur
über die Linie drücken musste. Hoffnung auf den wichtigen Dreier keimte wieder auf, aber leider konnten die Jenaer auch in dieser Phase
den Schub nicht nutzen. Nur fünf Minuten später musste Khamutouski, der mit Abstand beste Spieler des FCC an diesem Tage, Kopf und
Kragen riskieren, um den erneuten Ausgleich zu verhindern. Aber zwei Minuten später war auch er machtlos, als Lehmann aus wenigen Metern
mit einem schönen Schuss zum Ausgleich traf. Die Thüringen wirkten in ihren Aktionen immer konfuser und man mochte gar nicht glauben,
dass fast genau dieses Team nur wenige Tage zuvor die Arminen aus Bielefeld in einer packenden Partie aus dem DFB-Pokal geworfen hatten. Als
wenn die zwei Gegentore nach zweimaliger Führung nicht schon schlimm genug wären - es sollte heute noch dicker kommen. Lehmann hatte
sich in der 82. Minute im Mittelkreis das Leder geschnappt und konnte ungehindert bis kurz vor den Strafraum spazieren, wo er Krontiris mit
einem Pass genau in den Lauf bediente, der sich diese Chance nicht entgehen ließ und zur Gästeführung einschoss. Der FCC
versuchte in der Folgezeit noch einmal alles und wurde eine Minute vor Ultimo auch fast noch belohnt, doch zum Pech der Saalestädter
krachte einer herrlicher Schuss von Simak nur an das Lattenkreuz.
Wenig später war die Partie zu Ende und erneut konnte der FCC nach einem packenden und auch erfolgreichen DFB-Pokalsieg den Schwung und die
Euphorie nicht ins anschließende Punktspiel hinüberretten, um endlich auch hier einen wichtigen Sieg erringen zu können.<vg>
FC Carl Zeiss Jena - FC Augsburg 1:2
Tore: 0:1 da Costa (25.), 0:2 Ledezma (38.), 1:2 Petersen (79.)
- Jena: Kraus; Stegmayer, Omodiagbe, Maul, Oniani; Werner, Müller (46. Kühne), Simak, Charalambides; Helbig (65. Fröhlich), Torghelle (76. Petersen)
- Augsburg: Neuhaus; Wenzel, Benschneider, Hertzsch, Möhrle;
Müller, Hdiouad, da Costa, Kern; Diabang (90.Hlinka), Ledezma (74.Luz),
- Zuschauer: 8453
- Schiedsrichter: Lupp (Zossen)
- Spielbericht:
- Nach den Siegen in den letzten beiden Partien war es heute für die Kicker des FC Carl Zeiss Jena immens wichtig, auch das letzte Heimspiel der
Hin-Serie positiv zu gestalten und mit einem Sieg gegen den FC Augsburg das Kalenderjahr noch ein wenig freundlicher zu beenden.
Die Platzherren hatten sich auch wirklich viel vorgenommen, denn sie begannen gleich elanvoll und drückten die Bayern in deren Hälfte. Nach acht
Minuten die erste gute Chance für die Jenaer, doch Helbig bekam freistehend den Ball im Strafraum nicht richtig unter Kontrolle und er landete beim Tormann.
Sekunden später erneut eine gute Möglichkeit durch einen Freistoß von Simak, aber Maul berührte noch den Ball und fälschte ihn so ab,
dass er über das Tor abgelenkt wurde. Erneut Simak war es, der für eine weitere gute Aktion (19.) der Jenaer sorgte. Auf der linken Seite düpierte
er erst einen Gegenspieler mit einer Körperfinte, stürmte weiter und drang in den Strafraum ein. Den zweiten Abwehrspieler umkurvte er und spielte
anschließend noch Doppelpass mit Charalambidis, doch als er aufs Tor schießen wollte, stand erneut ein Augsburger vor seiner Nase, so dass diese
geniale Einzelaktion ohne Krönung blieb. Es lief bereits die 25.Minute und von den Gästen war noch nichts zu sehen gewesen. Aber das sollte sich
leider schnell ändern. Zunächst scheiterte da Costa mit seinem Freistoß aus gut 22m an Kraus. Doch beim anschließenden Eckball stand
er völlig frei und konnte so ungehindert die Führung für die Augsburger erzielen. Die Jenaer steckten nicht auf und nach 34 Minuten prüfte
Werner mit einem schönen Schuss Gästekeeper Neuhaus, der zur Ecke klären konnte. Ein langer Ball der Gäste wurde per Kopfball noch einmal
verlängert, so dass Ledezma das Leder genau in den Lauf gespielt bekam. Das 1:1-Duell gegen Maul entschied er für sich, zog aus halbrechter Position
ab und der Ball landete im langen Toreck und es stand nach 38 Minuten 0:2 aus Jenaer Sicht. Da hatten sich die Jenaer Spieler für das heutige Spiel so
viel vorgenommen, spielten phasenweise mal wieder richtig schönen Fußball und die Augsburger, von denen kaum etwas zu sehen war, führten
mit 2:0. Unglaublich. Kurz vor der Pause noch einmal ein gefährlicher Freistoß des FCC in den Strafraum, aber ein Abwehrspieler konnte per Kopf
zu Ecke klären.
Nach der Pause begannen die Spieler des FCC ihre Aufholjagd und setzten die Augsburger unter Druck. Neuhaus im Tor der Gäste mit seiner einzigen
Unsicherheit am heutigen Tage, als er einen Schuss von Werner (49.) erst im zweiten Versuch festhalten konnte. Aber nun ging es Schlag auf Schlag und
die Jenaer drängten auf den Anschlusstreffer. Nach einem Eckball Getümmel im Augsburger Strafraum und der Ball kam zu Helbig, der sofort abzog,
aber an den Fingerspitzen von Neuhaus scheiterte, wie auch kurz darauf mit einem Schuss aus spitzem Winkel (53.). Dann war es Simak, der nach einem Konter
mit seinem Schuss aus 20m nur um Zentimeter das Tor verfehlte. Wenig später legte Torghelle auf Charalambis ab, dessen Schuss Neuhaus mit den
Fingerspitzen noch berührte, der Ball rollte Richtung Torlinie, doch ein Augsburger konnte den Ball gerade noch vor der Linie wegschlagen. In
der 76. Minute schickte Jenas Trainer Ivanauskas seinen Edeljoker Nils Peterson auf das Feld, der bereits in den letzten beiden Partien jeweils mit
seinem Tor zum Matchwinner der Spiele geworden war. Nur drei Minuten waren vergangen, da flankte Charalambidis hoch in den Strafraum, Peterson stieg
am höchsten und traf per Kopf zum 1:2. Großer Jubel auf den Rängen und nun dachte ein jeder, dass wenigsten ein Unentschieden am
heutigen Tag noch möglich sei. Aber es waren die Gäste, die näher am Torerfolg waren, denn Diabang stürmte in der 81.Minute allein
auf Torwart Kraus zu, wollte diesen umspielen und legte sich den Ball dabei zu weit vor, so dass ein Verteidiger gerade noch klären konnte. Die
Zeit lief den Platzherren davon und fast hätte Luz fünf Minuten vor Ultimo den Jenaern das endgültige K.O. versetzt, doch sein Ball
zischt um Haaresbreite am Pfosten vorbei. Die zwei Minuten Nachspiel liefen bereits, als Simak mit einem herrlichen Schuss das nun kaum noch geglaubte
Unentschieden erzielen wollte, aber der am heutigen Tage überragend haltende Torwart Neuhaus hatte etwas dagegen und konnte mit einer hervorragenden
Parade den Ball mit den Fingerspitzen noch über das Tor lenken. Wenig später pfiff Schieri Lupp die Partie ab und erneut eine Heimniederlage
stand zu Buche.
Kopfschütteln auf den Rängen. Da hatten die Kicker des FCC in den letzten Partien spielerisch völlig versagt und erkämpften sich
zwei Siege und ein Remis, und am heutigen Tage hatte man endlich mal wieder phasenweise richtig guten Fußball gespielt, war die gesamte
Partie überlegen und heraus gesprungen ist erneut eine ganz bittere Niederlage. Nun heißt es regenerieren und das letzte Spiel schnell
vergessen, damit im neuen Jahr die Aufholjagd fortgesetzt werden kann. <vg>
1. FC Kaiserslautern - FC Carl Zeiss Jena 2:3
Tore: 1:0 Jendrisek (19.), 2:0 Simpson (47.), 2:1 Torghelle (61.), 2:2 Omodiagbe (73.), 2:3 Petersen (80.)
- Kaiserslautern: Sippel; Bellinghausen, Schönheim (83. Opara), Beda, Müllerr; Denai, Broniszewski, Simpson, Reinert (67. Neubauer); Jendrisek, Runström (71. Ziemer)
- Jena: Kraus; Stegmayer, Omodiagbe, Maul, Oniani; Kandelaki (69. Petersen), Kühne (46. Müller), Ziegner (25. Simak), Charalambides; Werner, Torghelle
- Zuschauer: 24.517
- Schiedsrichter: Hartmann (Augsburg)
- Spielbericht:
- Fußball
ist ein seltsamer Sport. Da spielt der FC Carl Zeiss Jena über weite Strecken
der Hinrunde gerade auswärts tollen Fußball, ohne daraus auch Kapital in Form
von Punkten zu ziehen. Und dann liefert er drei wahrhaft schlechte Spiele in
Folge ab mit dem Resultat, daraus mehr Zähler zu holen als in den 13
vorangegangenen Begegnungen zusammen. Die Gemeinsamkeit der drei Spiele gegen
Osnabrück, Aue und nun Kaiserslautern bestand darin, dass sich all diese Gegner
nach Spielende vor Wut in den Allerwertesten beißen mussten darüber, einem
bereits klinisch toten FCC nicht mit etwas mehr Entschlossenheit den
endgültigen Knockout versetzt zu haben. Der Unterschied: Jenas erster
Auswärtssieg in Kaiserslautern war nicht ansatzweise verdient.
Valdas Ivanauskas behielt sein Bäumchen-wechsle-dich-Spiel in Sachen Aufstellung bei.
Der gegen Aue indisponierte Tapalovic stand nicht einmal im Kader und Helbig
fand sich neben dem angeschlagenen Simak auf der Bank wieder. Stattdessen
Oniani von Beginn an in der Viererkette, und vorn stürmten Torghelle und nach
seiner abgesessenen Gelbsperre auch wieder Tobias Werner Seite an Seite. Beide
waren es auch, die im Zusammenspiel die ersten Duftmarken setzten. Nach drei
Minuten nimmt Torghelle einen Zauberpass Werners auf, lässt sich aber von
Bellinghausen im Strafraum abdrängen und hofft zu Recht vergeblich auf einen
Elfmeterpfiff, eine Viertelstunde später segelt der Ungar nur haarscharf an
einer Werner-Freistoßhereingabe vorbei. Jena war das aktivere Team und die
Gastgeber schienen doch etwas überrascht davon, dass sich der Tabellenletzte
keineswegs nur hinten rein stellte, sondern das Spiel mehr und mehr an sich
riss. Riss ist das richtige Stichwort, denn das Bersten von Jenas Spielfaden
ließ sich selten so punktgenau datieren wie in diesem Spiel. 19. Minute, ein
schwacher Freistoß Torsten Ziegners gelangt zum Ausführenden zurück, dessen
kapitalen Stockfehler an der Mittellinie Josh Simpson – zuvor schon durch eine
nicht geahndete Tätlichkeit gegen Stegmayer auffällig – ausnutzt und gemeinsam
mit zwei Teamkameraden allein auf Daniel Kraus und Stegmayer zuläuft. Auch wenn
die Lauterer dies schlampig ausspielen, der Ball zappelt im Netz und Jenas Anhänger
erleben ihr ewiges Deja vu aus der Abteilung „Wie besorge ich es mir selbst“.
Was sich in den folgenden Minuten auf dem Rasen abspielte, lässt sich aus
Thüringer Sicht nur mit erbärmlich, hilflos, hoffnungslos umschreiben. Die
Zeiss-Elf geschockt, während die Betzebuben sich nun fast im Minutentakt Chance
um Chance erspielten. Oniani klärt gefährliche Freistoßflanke (21.), Kraus
pariert Jendrisek-Schuß (23.), Broniszewski knapp neben das Tor (24.),
Runströms Heber landet auf der Latte (25.), Maul klärt Jendrisek-Schuß für den
geschlagenen Kraus auf der Linie (30.), Kraus rettet todesmutig gegen den
heranstürmenden Runström (35.), Lautern drückte und Jena schwamm, frei von
jeglicher Ordnung, frei von jeglichem Selbstbewusstsein. Dass mitten in diese
Phase die Herausnahme des Kapitäns fiel, ist zwar eine bemerkenswerte
Personalie, Einfluß auf das Geschehen auf dem Platz hatte sie nicht, denn auch
Jan Simak fügte sich nahtlos in die desaströse Vorstellung der Jenaer Elf ein.
Und just als man sich noch sagte, dass der Spielstand zur herannahenden
Halbzeitpause noch das Beste der ersten 45 Minuten sei, hatte auch dieser
keinen Bestand mehr. Hauptprotagonist diesmal Daniel Kraus, der erst einen fast
gefangenen Eckball wieder prallen ließ und bei der anschließenden Flanke
danebengriff, so dass sich Josh Simpson mit dem 2:0 bedankte und für
Endzeitstimmung bei 2.000 Jenensern im Gästeblock sorgte.
Die löste sich auch nicht mit Wiederanpfiff, als die Hereinnahme Robert Müllers für
den noch zu den Besseren gehörenden Stefan Kühne wohl nur von den Wenigsten als
Startsignal zu Jenas Aufholjagd verstanden wurde. Und so setzte sich das
planlose Vorpausenspiel nahtlos fort, kapitale Abwehrschnitzer (Oniani, Maul)
ermöglichten Broniszewski und Jendrisek beste Einschußchancen zur
Resultatserhöhung, während der FC Carl Zeiss im Offensivspiel schlicht nicht
existent war. Ähnlich wie die Pfälzer also anfangs der ersten Halbzeit und so
wollte es das Schicksal, dass auch diesmal ein unfassbarer Bock des Gegners den
Weg zum Tor bereitet. Lauterns Innenverteidiger Mathieu Beda wird des nächtens
wohl von jener Szene in der 61. Spielminute träumen, als er plötzlich völlig
unmotiviert und in der irrigen Annahme, sein Torhüter käme ihm entgegen,
Torghelle das Leder herschenkt. Der Ungar schlägt die Einladung nicht aus,
schlenzt gekonnt über Keeper Sippel ins Netz und Jena ist zurück im Spiel, ohne
eigentlich zu wissen, warum. Vier Minuten später schien dann alles wieder in
gewohnte Bahnen zu laufen, als sich der von seinen Vorderleuten erneut im Stich
gelassene Kraus im Strafraum nur mit einem plumpen Foul an Sven Müller zu
helfen weiß, Elfmeter. Ob man auf diesen Elfer später als den Knackpunkt
unserer Saison zurückblicken wird? Kraus springt in die richtige Ecke, hält,
der Nachschuß landet am Pfosten, alles Glück dieser Welt scheint in diesem
Moment auf jenen wenigen Quadradmetern Rasen vereint zu sein. Und endlich
begreifen auch die Blau-gelb-weißen dies als Wachrüttler, zückt Ivanauskas mit
Nils Petersen seinen ultimativen Joker und nimmt dafür Ilja Kandelaki aus der
Begegnung, wobei der Gang des Georgiers vom Feld seine aufsehenerregendste
Szene nach 69 Minuten Alibifußball darstellte, sieht man einmal von einer Flut
an Fehlpässen ab. Werner rückte für Petersen nun ins linke Mittelfeld zurück
und prompt setzte man den Gastgebern zu, übte Druck aus, setzte Nadelstiche.
Und einer davon saß: Simaks Ecke wird zu kurz geklärt, Werners Knaller pariert
Sippel, aber gegen den erneuten Nachschuß Omodiagbes ist auch er machtlos. 2:2,
unfassbar. Unfassbar auch, dass Jena nun nachsetzte, Lautern spürbar wankte und
seinerseits völlig den Faden verlor. Werners Schußversuch konnten sie noch ins
Toraus abfälschen (76.), Simak verzog im Strafraum knapp (79.) und dennoch
hätte es im Gegenzug beinahe bei Daniel Kraus geklingelt, doch der
eingewechselte Ziemer agiert freistehend zu umständlich. Der erneute Gegenzug,
die Roten Teufel bekommen das Leder nicht aus der Gefahrenzone, Simak zu
Torghelle, Torghelle zu Simak, Simak mit einem Anflug von Genialität
millimetergenau auf Petersen und was ist das für ein Wahnsinnsjunge, den Ball
furztrocken volley ins entlegene Eck zu katapultieren? Das Spiel war gedreht
und Jenas Youngster hätte gar noch einen draufsetzen können, als er sich nach
86 Minuten in den Strafraum dribbelt, aber zu Torghelle zurücklegt, der aus fünf
Metern über den leeren Kasten zieht. Lautern riskierte nun alles, hohe
Verzweiflungsbälle in den Jenaer Strafraum wechselten sich mit
kreuzgefährlichen FCC-Kontern ab, mit denen ebenso fahrlässig umgegangen wurde,
wie der mehrfache Deutsche Meister das in Halbzeit eins vorgemacht hatte. Dass
sich dies nicht noch rächte, verdankte man Lauterns Jendrisek, dessen Kopfball
in der 92. Minute knapp das Ziel verfehlte.
Dann war Schluß, fassungsloser
Jubel im Gästeblock, binnen 30 verrückten Minuten war aus „Wir woll’n euch
kämpfen seh’n“ ein „Wir woll’n die Mannschaft seh’n“ geworden, aus „Wir ham’
die Schnauze voll“ ein „Oh wie ist das schön“. Und nachdem der Puls erst einmal
etwas herunter gefahren war, da war sie wieder, die Parallele zu den beiden
vorangegangenen Spielen, jene brennende Frage: Abgesehen von der Freude über
die in den Schlussminuten eingefahrenen Punkte, von der Hoffnung auf einen
psychologischen Schub für’s nächste Match: Was soll einem aus der gebotenen
Leistung heraus Hoffnung für den Klassenerhalt geben? Sicherlich nicht viel,
doch wenn dieser glückliche Auswärtssieg eines war, dann Balsam auf die Wunde
der so vielen unnötig verschenkten Punkte im Verlaufe der letzten vier Monate.
Fußballfans sind die größten Philosophen, und wer wollte meinem Bruder
widersprechen in seinem Fazit: „Wir ham’s zwar nicht verdient, aber das ham’wer
uns mal verdient“. Auf die Hoffnung! <gunner>
FC Carl Zeiss Jena - FC Erzgebirge Aue 2:1
Tore: 0:1 Emmerich (8./FE), 1:1 Petersen (74.), 2:1 Simak (89./FE)
- Jena: Kraus; Stegmayer, Omodiagbe, Oniani, Tapalovic (41. Maul);
Kandelaki, Kühne, Ziegner (57. Torghelle), Simak, Charalmabides;
Helbig (72. Petersen)
- Aue: Keller; Trehkopf, Kos, Loose, Sträßer; Liebers,
Emmerich (76. Kurth), Curri (80. Geißler), Feldhahn; Sykora, Klinka
(76. Kaufman)
- Zuschauer: 9587
- Schiedsrichter: Gagelmann (Bremen)
- Spielbericht:
- Die ersten Überraschungen gab es beim Blick in die
Aufstellung. Ziegner verblieb trotz Simaks Rückkehr in der Startelf. Maul ein
weiteres Mal draußen. Doch die meisten Fragezeichen ergaben sich mit Blick auf
den Einmannsturm. Angesichts der Tabellensituation in einem Heimspiel nur mit
Helbig zu beginnen und Jenas besten Schützen Torghelle draußen zu lassen,
weckte jede Menge Unverständnis. Sollte der Ungar für seine übermotivierte
Spielweise in Osnabrück nachträglich noch bestraft werden ? Ist Motivation in
unserer Situation nicht wertvoll genug, um zu versuchen, sie in geordnete
Bahnen zu lenken ?
Das Ostderby gegen Erzgebirge Aue war nüchtern betrachtet
schon fast die letzte Gelegenheit, sich die Hoffnungen auf den Klassenerhalt
bewahren zu können. Deshalb wirkte der erneute frühzeitige Rückstand wie ein
Schlag in die Magengrube. Tapalovics Foul im Strafraum war nichts Grobes. Eines
von der Sorte, wo im Mittelfeld kurz Freistoß gepfiffen wird und das Spiel
gleich weiterläuft. Aber es passierte nun mal nicht im Mittelfeld, sondern im
eigenen Sechzehner und somit geht der Elfmeterpfiff in Ordnung. Emmerich
verwandelte sicher. In den diesjährigen Meisterschaftsspielen war es Jena noch
nicht gelungen, ein 0:1 in einen Sieg umzuwandeln. Und so ängstlich, wie es in
der Folgezeit zu Werke ging, schien daraus auch diesmal nichts zu werden.
Symptomatisch für die allgemeine Verunsicherung war die Szene, in der Oniani
unbedrängt den Ball am eigenen Keeper vorbei ins Toraus schob. Am meisten in
Erscheinung trat anfangs das promblemlos amtierende Schiedsrichter-Gespann, das in regelmäßigen
Abständen von acht Minuten seinen Auftritt hatte: Strafstoßpfiff in der 8.
Minute, Gelbe Garte für Stegmayer in der 16., Abseitsfahne beim Kopfballtor
Sykoras in der 24. Erst in Minute 25 ergab sich mal eine Tormöglichkeit für die
Thüringer, welche Ilia Kandelaki jedoch kläglich vergab: Drei Meter vor dem Tor
stehend köpfte er einen Flankenball um zehn Meter am Kasten vorbei ! Schlimmer
noch: Es sollte die einzige echte Chance in Halbzeit eins bleiben für den FC
Carl Zeiss, auch weil sich Alleinunterhalter Helbig zumeist von mehreren
Gegenspielern umringt sah und wie befürchtet damit auf verlorenem Posten
stand. Während Charalambides auf seiner lila-verwaisten Seite ein ums andere
Mal vergeblich auf sich aufmerksam zu machen versuchte, sorgte ein simpler
Fehler Kandelakis in der Ballannahme auf der anderen Seite für erste
Unmutsäußerungen von den Rängen. Fünf Minuten vor der Pause unterlief
Elfmetersünder Tapalovic ein Ballverlust, den Sykora nicht zu nutzen wusste,
jedoch Valdas Ivanauskas auf die Palme brachte. Noch vor dem Seitenwechsel nahm
er Tapalovic vom Feld, um dafür Alexander Maul ins Abwehrzentrum zu beordern.
Dieser berichtete hinterher, dass die Spieler in der Kabine
einiges zu hören bekommen und sich danach gesagt hätten: „Das Match drehen wir
heute“. Ganz ehrlich, lieber Alexander, lange Zeit sah euer Spiel in der
zweiten Hälfte kein bisschen besser aus als in der Ersten. So war in Minute 67
nicht nur aus dem Ball die Luft heraus, sondern anscheinend auch aus dem Spiel.
Das Schlimme an der Situation war, dass die auswärtsschwachen Auer keinen Deut
stärker spielten, aber scheinbar sicher in Führung lagen. Weil in diesem Spiel eben
einfach nichts passierte. Doch siehe da, mit neuem Spielgerät und zwei frischen
Stürmern kam die Wende. Nils Petersen war gerade zwei Minuten im Spiel, als er
eine Rechtsflanke von Charalambides erwischte und zum Ausgleich in die Maschen köpfte. „Ich habe
den Ball fliegen sehen und gedacht, da musst du hin“, schilderte der Youngster
das 1:1 aus seiner Sicht. Nun ging noch mal ein Ruck durch die Mannschaft, das
Spiel wurde schneller, doch auch die Zeit rannte davon. Kühnes Schuss landete
in Kellers Armen (81.). Doch mit dem Schuss von Maul hatte der
Auer Torwart größere Problem, musste das Leder prallen lassen. Torghelle wollte
abstauben und wurde durch Kos gefoult – Elfmeter ! In der vorletzten Spielminute ! Jan
Simak hielt dem immensen Druck stand, indem er scharf oben links verwandelte.
Petersen hatte den Ausgleich erzielt, Maul den vorentscheidenden Schuss abgegeben,
Torghelle den Elfmeter herausgeholt - mit seinen Einwechslungen lag Ivanauskas
immerhin wieder richtig. Der einzig wahre Held hieß dabei natürlich
Nils Petersen !
Eben noch auf dem Abstellgleis und nun das. Nach langer Pause wieder in die
Erste berufen, auf Anhieb einen Treffer erzielt,
zum Tor der Woche nominiert und in die U20-Nationalmannschaft berufen. Mehr
geht nicht in sieben Tagen. Ein Zeiss-Talent startet durch. Es wäre so wichtig,
würden sich seine Mannschaftskameraden davon anstecken lassen.
Denn eines muss klar sein: „Beide Halbzeiten zusammen
betrachtet war das nicht ausreichend für die zweite Liga“. Dieses Urteil hat
der Auer Spieler Marco Kurth über die Leistung seines Teams gefällt. Es gilt
wortwörtlich aber auch für die 90 Minuten des siegreichen FCC. <fc>
Bilder auf fcc.weissenburger.de
Spielbericht auf fc-erzgebirge.de
VfL Osnabrück - FC Carl Zeiss Jena 1:1
Tore: 1:0 Cichon (20., FE), 1:1 Werner (90.+2)
- Osnabrück: Gößling; Schäfer, Ndjeng,
Cichon, Thomik; Aziz (68. Nouri), Grieneisen (85. Manno), Heidrich, Schuon;
Hennings (89. Ehlers), Reichenberger
- Jena: Kraus; Stegmayer, Omodiagbe, Oniani, Günther
(

, 19.);
Kandelaki (85. Helbig), Kühne, Ziegner, Holzner (46. Charalambides);
Werner, Torghelle (37. Tapalovic)
- Zuschauer: 12.000
- Schiedsrichter: Kinhöfer (Herne)
- Spielbericht:
- (von Gastkommentator Thomas Neumann)
Das Osnabrücker Stadion an
der Bremer Brücke war Spielstätte des siebenten Auswärtsauftritts des FCC in
der Saison 2007/2008 und ich war wohl nicht der einzige Besucher, der die Parallelen
zum Spiel vor zwei Jahren sah. Nach einer Heimniederlage und eigentlich doch
recht ansprechenden Auswärtsauftritten in der Saison durfte man eigentlich
hoffen in Osnabrück zu punkten. Ähnlich
wie vor zwei Jahren, als der etatmäßige Spielmacher in der Regionalliga,
Torsten Ziegner, in Osnabrück fehlte, fiel diesmal Jan Simak aufgrund der 5. Gelben
Karte aus. Und das genau jener Torsten Ziegner nun diesmal den fehlenden Jan
Simak vertreten sollte, gab dem ganzen so eine besondere Note.
Aber um auch das nicht zu
vergessen, es gab auch einen Riesenunterschied zum Vergleich vor zwei Jahren:
Der FCC reiste dazumal als Tabellensiebenter zum VfL nach Osnabrück. Diesmal
kamen wir als Tabellenletzter nach Westniedersachsen und dementsprechend
pendelten die Ergebnistipps der Heimfans auf dem Weg vom Parkplatz zum Stadion
so zwischen einem 3:0 und einem 5:0 für ihre in der letzten Zeit extrem
heimstarken Lila-Weißen.
Die Mannschaft des FCC hatte
sich vor dem Spiel in einem viertägigen Trainingslager in Bad Blankenburg noch
einmal auf dieses Spiel eingeschworen und Jenas Cheftrainer Valdas Ivanauskas
wartete mit einigen Veränderungen in der Mannschaftsaufstellung auf. Neben
Torsten Ziegner in der Startformation, kamen auch Felix Holzner im rechten
Mittelfeld und Ilia Kandelaki im linken Mittelfeld zum Einsatz. Außerdem
spielten Omodiagbe und Oniani in der Innenverteidigung, Sven Günther mal wieder
hinten rechts und Michael Stegmayer hinten links, sowie Stefan Kühne als
Staubsauger vor der Abwehr. Und nachdem mit Sandor Torghelle und Tobias Werner
auch vorne mal wieder mit zwei Spitzen angefangen wurde, kann man Jenas Trainer
Valdas Ivanauskas wohl eher nicht vorwerfen, nicht mal etwas Neues
auszuprobieren.
Das Spiel begann für die
Jenaer eigentlich ganz ansprechend. Die Mannschaft kann das Spiel auch in des
Gegners Hälfte verlagern und von einer Anfangsoffensive der Heimmannschaft ist
wenig zu sehen. Felix Holzner zielt bei einer Schusschance in der 3. Minute aus
ca. 20 Metern nur knapp über das Tor. Nach und nach gewinnen die Osnabrücker
aber die Oberhand und als der FCC nach einer guten Viertelstunde einen Einwurf
in der eigenen Hälfte auf Links zugesprochen bekommt, nimmt das Unglück an Fehlern
mal wieder seinen Lauf. Man wirft den Ball nicht zurück zum eigenen Torwart,
wenn die gegnerische Mannschaft so aufgerückt ist. Man fängt als Torwart nicht
an, im eigenen Strafraum den Gegner auszuspielen. Und man reißt den Gegner im
Strafraum auch nicht um (wobei ich zugebe die Szene nicht genau gesehen zu
haben). Das Ergebnis dieser Fehler: Strafstoss für Osnabrück und eine rote
Karte für Sven Günther! Den Elfmeter verwandelt Thomas Cichon (20.) souverän
ins linke Eck und im mit ca. 400 bis 500 FCC – Fans gefüllten Gästeblock
beginnt sich sofort Defätismus breit zu machen.
Was sich in den nächsten 40
Minuten auf dem Platz abspielt, ist im Grunde genommen nebensächlich, weil
unerheblich. Die Osnabrücker können ihre Vorteile nicht wirklich nutzen und
beweisen auch nicht wirklich warum sie so viel mehr Punkte auf dem Konto haben
als der FCC. Der FCC vertut sich in Harmlosigkeiten und schwächt sich am Ende
selbst, als Oniani in einem Luftzweikampf Holzner (41.) ausschaltet.
Erst am Ende kommt der
Tabellenletzte wieder zu ansprechenden Szenen, die jedoch harmlos vergeben
werden.
Tja, und wenn es denn noch
mal eines Vergleiches mit jenem Treffen vor zwei Jahren bedarf, dann war es
eben jenes Ausgleichstor in der 90+x Minute durch einen Kopfball von Tobias
Werner. Danach war dann auch aber auch zum Glück schnell Schluss.
Ich spare mir lieber jede
Prognose zu Chancen und Möglichkeiten zum Klassenerhalt. Möglich ist vieles,
machbar auch. Die recht verhaltenen Gesten der Mannschaft nach dem Schlusspfiff
am Zaun vor dem Gästeblock sprechen aber Bände. Realistisch betrachtet haben
wir aber nur wieder einen Spieltag gegen einen Konkurrenten vergeben.
FC Carl Zeiss Jena - TSG 1899 Hoffenheim 0:1
Tore: 0:1 Obasi (72.)
- Jena: Kraus; Stegmayer, Omodiagbe, Maul, Oniani; Hansen (46.
Zimmermann), Müller, Simak, Charalambides (74. Helbig); Torghelle,
Werner
- Hoffenheim: D. Haas; Gustavo, Löw, Nilsson, Seitz; Eduardo
(68. Ibisevic), Vorsah, Copado, Salihovic (85. S. Haas); Paljic (62. Ba),
Obasi
- Zuschauer: 6895
- Schiedsrichter: Fischer (Hemer)
- Spielbericht:
- Vor Wochen sorgte der Streit zwischen Mainz 05 und
Hoffenheim 1899 für Diskussionen. „Bayern München erwirtschaftet sein Geld. In
Hoffenheim ist es nur ein Sponsor. Schade, dass so eine Mannschaft einen der 36
Plätze im Profifußball wegnimmt“, hatte sich der Mainzer Manager Christian
Heidel negativ über die Hoffenheimer geäußert. Dass diese verärgert darauf
reagierten, ist nachvollziehbar. Den Beweis, dass in diesem Verein mehr
Substanz steckt als ein starker Sponsor, der sich fähige Spieler an Land zieht,
bleibt die TSG aber bis zum heutigen Tag schuldig. Wenn beispielsweise von
Herrn Hopp die Auswärtsbusfahrt komplett bezahlt wird und sich dennoch gerade
mal 54 Fans auf den Weg machen, eine zuletzt sehr erfolgreiche Mannschaft
auswärts zu unterstützen, wird das keinen höheren Ansprüchen gerecht.
Die Schützlinge von Ralf Rangnick begannen offensiv, mit
gutem Passspiel. Dreimal musste Daniel Kraus bereits in den ersten zwanzig
Minuten zeigen, dass die Zeit der „Flattermänner“ im Jenaer Gehäuse ein Ende hat.
Den Schuss von Paljic lenkte Kraus zur Ecke. Auf den tückischen Ball im
Anschluss an einen Freistoß hechtete er sich kurz vor der Torlinie. Und beim
direkten Freistoß von Salihovic ging er auf Nummer sicher, versuchte das nasse
Leder gar nicht erst zu fangen, sondern faustete es konsequent weg. Das Glück
des Tüchtigen kam Jenas Keeper in Minute 29 zu Hilfe, als im Anschluss an eine
gelungene Dreierkombination Salihovic nur die Lattenoberkante traf.
Kraus war
von Beginn an voll da, was von seinen Vorderleuten leider nicht behauptet
werden kann. Im Vergleich zu der couragierten ersten Hälfte in Mönchengladbach
waren sie kaum wieder zu erkennen, reagierten nur statt zu agieren. Ihr Trainer
hatte vor einer offensive Gästeelf gewarnt, den Überraschungseffekt kann also
niemand geltend machen. Fast sechzig Prozent verlorene Zweikämpfe in der ersten
halben Stunde sind ein unerklärlicher, so bislang nicht gekannter Beleg von
Schwäche, der sich naturgemäß aufs Spielgeschehen auswirkte. Keine Torszene aus
dem Spiel heraus war in Halbzeit eins zu verzeichnen und es dauerte bis zur 34.
Minute, bis Jena wenigstens mal aus einer Standartsituation heraus etwas zuwege
brachte. Simaks Freistoß musste Haas prallen lassen, beim anschließenden Kopfball
von Alexander Maul brandete schon Torjubel auf, doch der Torwart vermochte ihn
noch zur Ecke zu lenken. Klar wäre eine Führung zu diesem
Zeitpunkt ganz und gar unverdient gewesen – doch darum hat sich so mancher Gast
im Ernst-Abbe-Sportfeld bislang schließlich auch nicht geschert. Ein Solo noch
von Jan Simak, der zuvor für ein „Warum hast du das gepfiffen?“ seine 5. Gelbe
Karte gesehen hatte – dann war wieder
Hoffenheim am Drücker. Copado scheiterte zweimal innerhalb einer Minute an Kraus
(41.). Der Flachschuss von Obaris sauste am langen Pfosten vorbei (42.). Ecken,
Zweikämpfe, Chancenverhältnis, scheinbar auch in der Gunst des Schiris –
überall lagen die Gäste zur Pause vorn. Nur in Tore hatten sie diese
Überlegenheit nicht umgesetzt.
Mit Wiederanpfiff kam Zimmermann für Hansen, der sich nach
unserer Beobachtung bei einem Absatzkick ohne gegnerische Einwirkung verletzt
hatte. Am Spielverlauf änderte sich zunächst mal nichts. Bis zur 55. Minute. Da tauchte
nach Vorarbeit von Werner und Maul plötzlich Sandor Torghelle am
Gäste-Strafraum auf, seinen scharfen und eigentlich gut platzierten Schuss
erwischte Haas aber reaktionsschnell mit der Hand. Diese Aktion wirkte wie eine
Initialzündung. Jetzt endlich wurde die berühmte letzte
Konsequenz in den Jenaer Handlungen
deutlich. Die nächsten Hochkaräter ließ nicht lange auf sich warten. Werners
Schrägschuss fing Haas. Dann, nur zwei Minuten nach seiner ersten vergebenen
Möglichkeit erwischte Torghelle im Mittelfeld einen Abschlag des Torhüters, sprintete
mit Ball am Fuß auf den Keeper zu und – scheiterte erneut. Kein Vorwurf beim
ersten Ding, aber DEN hätte er machen müssen ! Der Ungar, mit seinem
Pokaltreffer gerade erst in der Wahl zum Torschützen des Monats gewesen, sollte
sogar noch eine dritte Chance bekommen. Doch sprang er um einige Zentimeter an
Werners Freistoßball vorbei. Immerhin hatten die Jenaer nun Zugang zu diesem
Spiel gefunden und deshalb ist es besonders bitter, im Anschluss an die
stärkste Phase den k.o.-Schlag einstecken zu müssen. Jan Simak, an diesem Tag
ohnehin mit größerer Fehlerrate als sonst, unterlief der spielentscheidende
Ballverlust im Mittelfeld. Über Vorsah und Salihovic kam Chinedu Ogbuke Obasi
in Ballbesitz und ließ Daniel Kraus keine Chance. 0:1. Was danach kam, kannten
wir schon aus anderen Spielen in dieser Saison. Jena gab kämpferisch alles,
konnte mit der Brechstange aber nichts mehr bewegen. Und da der Schiri bei zwei
strittigen Strafraumentscheidungen weiterspielen ließ, brachte Hoffenheim das
Ergebnis ziemlich ungefährdet über die Zeit.
Es ist ja nicht so, dass der FC Carl Zeiss irre weit weg
wäre von der Musik. Sieben der neun Niederlagen fielen mit einem Tor Differenz
aus ! Doch gerade das macht diese Saison so frustrierend. Daran hat sich auch
am 11.11. nichts verändert. <fc>
Borussia Mönchengladbach - FC Carl Zeiss Jena 2:1
Tore: 1:0 Neuville (9.), 1:1 Torghelle (34.), 2:1 Neuville (80.)
- M'Gladbach: Heimeroth; Voigt (74. van den Bergh), Brouwers, Daems, Levels; Marin,
Paauwe, Rösler (74. Coulibaly), Ndjeng; Friend, Neuville (85. Svärd)
- Jena: Kraus; Stegmayer, Omodiagbe, Maul, Oniani (72. Tapalovic);
Hansen (82. Helbig), Müller, Simak, Charalambides; Werner, Torghelle
- Zuschauer: 28.759
- Schiedsrichter: Schmidt (Stuttgart)
- Spielbericht:
- Den Frust im Bier ersaufen oder einfach nur ertragen? Ich
weiß es ehrlich gesagt nicht. Nicht mehr. Klar, solche Abende gibt es. Da
rennen sich die Jungs anderthalb Stunden die Seele aus dem Leib und am Ende
bleibt nix außer Enttäuschung. Aber so ist Fußball halt. Dafür kommen andere
Spiele, nach denen man sich besorgt fragt, ob die drei Punkte mit dem einen
gegebenen Gerechtigkeitsempfinden überhaupt vereinbar sind. Nur, wo bleiben die
in dieser Saison? Wann löst sich diese Gleichung endlich auf? Nach Gestern muß
man sich fragen, ob sie das überhaupt noch tut. Acht Punkte Rückstand auf einen
Nichtabstiegsplatz sind schon ganz schön fett. Also doch ins Bier stürzen?
Jein! Es sieht schon ganz schön übel aus, ohne Frage. Und als Gladbach nach nur
neun Minuten die Führung erzielte, war auch wieder klar warum. Ein schlichter
Paß von Marin durch die Viererkette und schon war es
soweit. Das es auch schon Zeiten gab, in denen sich Neuville bei einem solchen
Ding den Fuß gebrochen hätte, ist halt Schicksal. Wenn du eben ohne Licht im
düsteren Tabellenkeller hockst, dann nimmt er ihn halt wunderschön an und
donnert ihn dir aus der Drehung in die kurze Ecke. Unhaltbar. Man hätte es in
den nächsten 70 Minuten glatt vergessen
können, hätte sich nicht das gleiche in der 80. Spielminute so ähnlich
wiederholt. Der einzige Fehler Omodiagbes im ganzen
Spiel, verwandelte den ganzen mühsam gehegten Optimisumus
in ein Häufchen Elend. Wieder war es Neuville, der nach der mißglückten
Kopfballabwehr des Nigerianers mit seiner Direktabnahme die endgültige
Entscheidung erzwang. Man konnte nahezu jeden einzelnen Fehler der Jenaer
Hintermannschaft auf der Anzeigetafel ablesen. Wirklich zum Brechen. Soviel zur
Hoffnungslosigkeit der Situation. Was sich zwischen den beiden geschilderten Szenen
abspielte läßt aber – wenn schon nix Zählbares dabei rausspringt – trotzdem
auch viel Raum für Zuversicht. Und zwar deshalb, weil wieder eine Mannschaft
mit Wir-Gefühl auf dem Platz stand in der einer für den anderen die Kastanien
aus dem Feuer zu holen bereit ist. In der Torghelle
das Laufen für sich entdeckt hat (ich hätte es noch vor Wochen nicht für
möglich gehalten) und das Tor trifft. In der Simak
langsam das Bewußtsein für das aufbaut, was wirklich in ihm steckt und die
Fäden in die Hand nimmt. Und in der das (manchmal) mangelnde spielerische
potential durch Kampf und Einsatzwillen aufgewogen wird.
Das sah gut aus! Vor allem in der ersten Halbzeit, als die
Gladbacher den Selbstfindungsbemühungen von Simak kaum
ein Mittel entgegenzusetzen hatten. Erst sein Knaller aus ca. 20 m, den
Heimeroth im Gladbacher Tor nur mit Mühe abwehren kann
(16.), dann der etwas zu hoch angesetzte Schuß vom linken Strafraumeck nach
einer schönen Einzelleistung (23.). Und dann schließlich seine Vorarbeit für
Stegmayers Flanke direkt auf Torghelle.
Ein langgezogener Brüller begleitet den wunderschönen
Kopfball des Ungarn zum Ausgleich in lange Eck (34.). Wunderschön!!! Und das
auch noch völlig verdient, denn hier spielte phasenweise nur noch Jena. Kommt
Jungs, nachsetzen. Kurz vor der Pause hält Werner noch mal drauf. Aber der hat
einfach kein Glück, bekommt nicht mal eine Ecke für den abgefälschten Schuß…
Nach der Halbzeit schwinden sichtbar schnell die Kräfte. Das
merkt man vor allem an den kleinen Fehlern, die sich allenthalben so einschleichen.
Simaks Pässe kommen nicht mehr so oft an und wenn,
dann deutlich unpräziser. Auch diese kleinen Schlampigkeiten machen das
Fußballerleben immer schwerer. Auf der linken Abwehrseite werden sich
Charalambidis und Müller (?) nicht einig. Nimm du ihn, ich
hab ihn sicher, fällt mir dazu nur ein. Glück, daß Neuville die anschließende Flanke
von Ndjeng aus drei Metern über das Gehäuse wuchtet. Na
also, es geht doch (58.)! Und dann noch das Ding von Daniel Kraus als er einen
seltsam geschlagenen Aufsetzer nur mit Mühe und unter Einsatz diverser
Körperteile am Überqueren der Linie hindern kann (59.). Sah komisch aus, war
aber auch schwer! Hauptsache nicht drin.
Jena steht in dieser Phase ganz schön unter Druck, aber das
sieht trotzdem alles ganz passabel aus. Kaum richtige Chancen für Gladbach. Ein
Freistoß von Simak sorgt sogar noch mal für etwas
Entlastung. Aber mit letztem Einsatz kann Heimeroth
den Ball noch über die Latte lenken (55.). Scheiße. Schönes Ding. Und dann –
gerade als man als Jenaer Anhänger mit einem Pünktchen zu liebäugeln beginnt –
Neuvilles zweiter Treffer. Aus der Kalten. Und das nach so
einer starken Leistung.
Ein Tal tiefer Depression tut sich kurzzeitig vor mir
auf. So lande ich nach dem Abpfiff auch unweigerlich bei der Frage nach einem
den Umständen gerecht werdenden Bierkonsum. Die Antwort will sich mir nicht so
recht erschließen, schwankt mit dem jeweiligen Gemütszustand zwischen fast
schwarz und sehr dunklem Hell. Am Ende entschließe ich mich, die ganze Sache
auszusitzen. Bis Sonntag jedenfalls. Wer hat schon mit einem Punkt oder gar
Sieg gegen Gladbach gerechnet? Kaum jemand. Es ist also alles noch wie vorher.
Für den Fall, daß es gegen Hoffenheim wieder nicht
klappt mit dem Dreier, sollte man aber sicherheitshalber schon mal eine
Palette Öttinger kaltstellen. <bpf>
FC Carl Zeiss Jena - SC Freiburg 1:2
Tore: 0:1 Pitroipa (35.), 0:2 Kmas (83.), 1:2 Werner (90.)
- Jena: Kraus; Stegmayer, Omodiagbe, Maul, Günther (46.
Tapalovic); Hansen (77. Torghelle), Zimmermann (70. Ziegner), Simak,
Kühne; Werner, Helbig
- Freiburg: Walke; Ibertsberger, Butscher, Krmas, Schwaab; Aogo,
Uzoma, Pitroipa (75. Schlitte), Banovic; Bencik (56. Cafu), Matmour (79.
Mesic)
- Zuschauer: 7026
- Schiedsrichter: Walz (Pfedelbach)
- Spielbericht:
- In der 25. Spielminute, als Hansens Kopfball knapp das Tor
verfehlte, beneidete ich etwas den Verfasser des heutigen Spielberichts, weil
er bis dahin etliches Notierenswertes und eine starke Jenaer Anfangsphase geboten
bekam. Sekundenbruchteile später wandelte sich mein Neid in Entsetzen, denn mir
fiel schlagartig ein, dass ich vom Chefredakteur zum Schreiben vergattert
worden war…
Dabei sah man vorm Anpfiff überall skeptische Gesichter,
gegen unseren Lieblingsgegner der letzten Saison rechnete sich eigentlich
niemand etwas aus. Die erste Aktion schien allen recht zu geben, denn nach der
ersten Gästeecke musste Kraus einen scharfen Kopfball parieren. Faktisch im
Gegenzug parierte Walke einen Schuss Hansens aus nächster Nähe. Kurz danach
rettete Walke gegen Helbig. Das Gesamtbild sah gar nicht so übel aus (daran
änderte auch die nervige und überflüssige Information auf der Anzeigetafel vom
Eckenverhältnis von 5:0 für den SC nichts), der FCC war die überlegene, aggressivere
Mannschaft, die den Freiburgern immer wieder
feine Nadelstiche verpasste. In der 12. min wusste sich ein von Simaks Antritt
überforderter Verteidiger gar nicht mehr anders zu helfen, als sich ans Jenaer
Trikot mit der Nr. 19 zu klammern und dieses samt Simak auf den Rasen zu
befördern. Ich weiß nicht, ob Schiedsrichter Walz vom Rugby kommt, aber anders
kann man sich nicht erklären, warum er bei diesem klaren Foul nicht auf
Strafstoß entschied. Walz’ Gepfeife in der ersten Halbzeit war sowieso unterirdisch,
prinzipiell wurde nach Freiburger Ballverlust im Zweikampf auf Freistoß für die
Gäste entschieden und seine putzigen Eckenballentscheidungen für den SC
inspirierten die Haupttribüne zu lautstarkem ironischem „Ecke, Ecke“ bei jedem
Ausball. Bis zu jener oben erwähnten 25. min war der FCC im Vorwärtsgang, aber
erfolglos. Und so kam alles wie immer, nach der 34. die 35. Minute und in jener
der obligatorische Abwehrpatzer, als plötzlich drei „Blaue“ (die Gäste liefen
in einer ungewohnten Farbe auf) durch Jenas Abwehrmitte rauschten, Kraus
erwischte den Ball nicht, ein Freiburger spielt auf den nächsten, der im
Abseits stehend die Kugel ins Tor schob. Ein weiterer Höhepunkt jener
grässlichen Schiedsrichterleistung, dass der Treffer trotzdem anerkannt wurde.
Und so hatte nicht nur ich zur Halbzeitpause die Nase
gestrichen voll: Der FCC machte dass Spiel, der Gegner das Tor und der
Schiedsrichter leistete mit zwei extremen Fehlentscheidungen seinen Beitrag.
Zum Speien!!!
Nach der Pause war Freiburgs Taktik klar: Am eigenen
Strafraum aufstellen und in Ruhe die Führung nach Hause schaukeln, eventuell
mal kontern. Der FCC schaffte es aber trotz der badischen Zurückhaltung richtig
energisch Druck aufzubauen. Man spielte zu durchsichtig, machte zu viele
einfache Fehler im Aufbau und den Freiburgern die Abwehrarbeit ziemlich leicht.
Unerträglich, aber nicht neu, waren zudem die Schauspieleinlagen von
Pitroipa & Co., die nach kleinsten Berührungen oder
auch völlig ohne Anlass regelmäßig den „sterbenden Schwan“ abspulten, wie in
den letzten Zügen liegend. Nachdem sie fürs anscheinend letzte Schnauferchen
ins Seitenaus verbracht wurden, gab es ebenso regelmäßig die blitzschnelle
Wiederauferstehung inklusive Genesung. Und es ist sicher keine schlechte
Bilanz, durch solche „Verletzungen“ mehrfach längere Unterbrechungen zu
provozieren, die am Ende mit nur zwei Nachspielminuten belohnt wurden.
Jedenfalls fiel dem FCC nicht ein, wie die Gästeabwehr zu knacken wäre. Zu
vermelden war lediglich ein 20-m-Schuss Werners, der das Tor verfehlte –
typisch, dass in dieser Situation Stegmayer links völlig freigelaufen war, aber
vergeblich aufs Anspiel wartete. Eine knappe Viertelstunde vor Schluss sorgte
die Einwechslung des Ex-Jenaer Schlittes für ein
Anheizen der Stimmung im Publikum und fortan begleitete ein gigantisches
Pfeifkonzert jeden seiner Ballkontakte, das Eintauschen der angeblichen
Herzenssache FCC gegen Freiburger Geld war nicht vergessen worden. Freiburg
schaffte in der 82. min die befürchtete Vorentscheidung, allerdings nicht nach
einem Konter, sondern nach einem Freistoß von links außen. Omodiagbe ließ
Krmas kurzen Pfosten zu viel Raum und der drückte den Ball
ins Netz. Die erloschene Hoffnung glomm nochmals kurz auf, als Werner nach
Ziegners Flanke den Anschluss per Kopf erzielte. Aber
selbst Kraus’ Eingreifen ins Angriffsspiel brachte nichts Zählbares mehr, so
dass der FCC zum wiederholten Male in dieser Saison nach einem Heimspiel mit
leeren Händen dastand.
Nach dem guten Anfang fehlte heute in der Phase, in der der
FCC das Spiel hätte noch kippen können, jener letzte Kick, jener letzte Wille
zum bedingungslosen Fighten. Und wenn wir nicht schon im Dezember mit den
Planungen für die dritte Liga 2008/09 beginnen wollen, müssen nach den vielen
vergebenen möglichen Punkten in den nächsten Wochen endlich mal ein paar
unmögliche Punkte her. <uk>
SC Paderborn - FC Carl Zeiss Jena 2:2
Tore: 0:1 Torghelle (8.), 1:1 Koen (12.), 1:2 Werner (14.), 2:2 Sinkala (33.)
- Paderborn: Bade; Fall, Döring, Kläsener, de Graef, Gouiffe à Goufan, Sinkala (68. Männer),
Koen (68. Halfar), Krupnikovic, Löbe, Schüßler (56. Siradze)
- Jena: Kraus; Günther (66. Tapalovic), A. Maul, Omodiagbe, Stegmayer, Kühne, Charalambidis,
Werner, Simak (86. Ziegner), Torghelle (75. Hansen), Helbig
- Zuschauer: 6.079
- Schiedsrichter: Dr. Brych (München)
- Spielbericht:
- Nach der Spielpause war man allseits besonders gespannt, ob der FCC endlich den Bogen in die Erfolgsspur
findet, zumal es gegen einen Mitabstiegskonkurrenten ging. Die "Baustelle" Tor war mit dem dritten Keeper
Daniel Kraus besetzt worden. Neu war auch die Zusammensetzung des Angriffsduos, diesmal stand Helbig neben
Torghelle. Dafür rückte Tobias Werner auf die linke Außenbahn des Mittelfelds.
Und der FCC begann wirklich mit viel Elan, bereits in der 1. Spielminute verfehlte Charalambides
das 07er Tor nur knapp. Der Sekundenzeiger hatte gerade einmal zwei weitere Runden gedreht, da schoss
Helbig aus 25 m Entfernung knapp über die Torlatte. Im Gegenzug durfte Kraus Löbes Schuss aus
nächster Nähe abwehren. Dann war wieder der FCC im Vorwärtsgang: Einwurf Günthers
auf Charalambides, der legt zurück und in der Mitte köpfte Torghelle Günthers Bilderbuchflanke
zum 1:0 ein! Leider verschenkte man den Vorteil bald wieder, als Günther und Charalambides interessiert
einem Ball nachschauten, der sich zwischen ihnen zu Koen - dem stärksten Paderborner in der ersten
Halbzeit - durchdrängelte und der ließ sich die Chance nicht entgehen und knallte den Ball
ins lange Eck - 1:1. Die rund 500 mitgereisten Fans hatten aber keine Zeit, über diesen Rückschlag
richtig zu jammern. In der 14. Minute gab es auf der rechten Seite Freistoß für den FCC. Simak
und Werner standen bereit, letzterer trat die Spielkugel mit links hoch in den Strafraum, Maul ging zum
Ball, stieg jedoch drüber und so landete dieser im langen Eck - 2:1, der FCC hatte nach dem Ausgleich
sofort wieder zurückgeschlagen! Also alles bestens? Denkste, umgehend grub man sich in der eigenen
Hälfte ein und ließ die Gastgeber ihr Spiel aufziehen. Die optische Überlegenheit
Paderborns brachte jedoch nichts Zählbares, da entweder der finale Pass in der weißen Abwehr
steckenblieb oder man bei den Fernschüssen aufs Dach der Endtribüne zielte. Herzinfarktfördernd
war die 28. min, als eine lange Flanke am auf Sinkalas Kopf landete, dem Ball jedoch sprichwörtlich die
Luft ausging und er auf dem Strich zwischen Gut und Böse von Kraus festgehalten werden konnte. Fünf
Minuten später war es jedoch soweit, als es pingpongartig zwischen Jenaer Abwehr und Paderborner
Angreifern hin und her ging und Sinkala dem Treiben mit einem satten Schuss ins untere Toreck ein Ende
bereitete - wieder Ausgleich! Zum Heulen!!! Und wie jetzt weiter? Jedenfalls vergaßen die Abwehrrecken
des FCC bei einem Freistoß kurz nach dem Ausgleich, dass Schüßler ein blau-schwarzes Trikot
trug und so marschierte er mutterseelenallein zur Grundlinie, jagte seine Flanke zum Glück weit
Richtung Seitenlinie. Unmittelbar köpfte Maul zum Gegner und wieder war es Schüßler, der
auf der linken Seite davon profitierte, aber auch diesmal keinen Mitspieler fand. Die letzten Minuten vor
der Pause riss sich der FCC aber noch einmal zusammen und machte seinerseits Druck. Wer weiß, wie
die Partie ausgegangen wäre, hätte Jena auch nur eine der drei folgenden Konterchancen in den
Spielminuten 39 bis 44 genutzt hätte. Zunächst sahen sich drei Weiße kurz nach der
Mittellinie nur einem Abwehrspieler gegenüber, Werners Pass landete leider genau in dessen Füßen
anstatt bei den beiden mitlaufenden Teamkollegen. Dann sprintete wiederum Werner los, schoss aber von
links am Tor vorbei und ließ Helbig und Torghelle vergeblich in der Mitte warten. Und letztendlich
rannte sich Helbig bei seinem halbherzigen Dribbelversuch fest, nachdem er von Simak wunderbar
freigespielt worden war.
Zwischendurch erwischte ein abgefälschter Schuss Werners Alexander Bade beinahe auf dem falschen
Fuß, er schaffte es jedoch noch, gleichzeitig mit dem Ball in der unteren Torecke einzutreffen.
Mit 2 Sekunden Nachspielzeit beendete Schiedsrichter Dr. Brych diese sehenswerte Halbzeit.
Es war eigentlich klar, dass es nach der Pause nicht so weitergehen konnte. Die zweite Halbzeit war
dann auch etwas dezenter und es passierte deutlich weniger, was den Puls nach oben trieb. Zwei
Freistöße rund 25 m vorm Tor bis zur 50. Spielminute wurden mehr oder weniger
kläglich vergeigt. In der 52. min wurde zunächst Charalambides' Schuss abgeblockt
und ein Paderborner lenkte kurz vor der Torlinie Werners Nachschuss zur Ecke. Nach einer
Stunde tauchte Paderborn das erste Mal nach der Pause ernsthaft vor Kraus' Kasten auf und
Löbe setzte einen Kopfball auf der richtigen Seite neben den Pfosten ins Aus.
Anschließend gönnten sich beide Mannschaften eine ruhigere Phase zwischen den
Strafräumen. Erst in der 78. min gab es eine Strafraumszene, als die Paderborner
Nummer 24 mit dem klangvollen Namen Gouiffe á Goufan eine Simak-Flanke im letzten Moment
vor dem heranstürmenden Hansen zur Ecke entschärfte. Die anschließende Ecke
(wieder von Simak) wurde am kurzen Pfosten verlängert und fand weiter hinten Kühnes Kopf,
der maßgenau und kraftvoll köpfte und die Arme der Jenaer Fans in die Höhe jagte.
Da sich jedoch der Ball um wenige Millimeter verirrte und vom Aluminium des 07er Tores wieder
zurücksprang, landeten die Hände schließlich am Kopf zum Haareraufen. Paderborn
verließen nun sichtbar die Kräfte und Jena übernahm in der verbleibenden Zeit
die Initiative. Mit etwas Übersicht hätte der FCC noch einen Sieg holen können,
aber Werner entschied sich in der 83. für einen Schlenzer aufs lange Toreck und gegen den
in der linken Strafraumhälfte einsam und allein wartenden Helbig. Auch eine Minute später
nahm Werner den Kopf nicht hoch, sondern rannte sich nach Helbigs Zuspiel an ein paar schwarz-blauen
fest. Auf der Gegenseite testete Maul noch fix die Nerven von Mitspielern und Fans, als er eine an
sich harmlose Flanke fast ins eigene Tor stolperte, bevor dann Dr. Brych nach gigantischen 12 Sekunden
Nachspielzeit abpfiff.
Wie soll man nun das Unentschieden bewerten? Positiv (ein Auswärtspunkt) oder negativ (nicht
einmal beim Schlusslicht gewonnen)? Sicherlich irgendwo dazwischen: Es war mehr möglich, aber
andererseits können wir den schlechten Saisonstart nicht im Handumdrehen vergessen machen,
sondern müssen wie die Eichhörnchen mühsam Nuss für Nuss (bzw. Punkt für Punkt)
einsammeln, um im Dezember einen Vorrat zu haben, der für die Rückrunde reelle Chancen auf den
Klassenerhalt bietet.<uk>
FC Carl Zeiss Jena - TSV 1860 München 0:2
Tore: 0:1 Bierofka (47.), 0:2 Göktan (90.)
- Jena: Person; Stegmayer, Omodiagbe, Maul, Günther; Hansen
(62. Helbig), Kühne, Simak, Charalambides (76. Ziegner); Werner,
Torghelle
- München: Hofmann; Hoffmann, Berhalter, Ghvinianidze (85.
Szukala), Thorandt; L. Bender (67. Gebhart), Schwarz, Bierofka, Johnson
(67. S. Bender); Göktan, di Salvo
- Zuschauer: 11.314
- Schiedsrichter: Wingenbach (Diez)
- Spielbericht:
-
Wer ihn damals hörte, wird sich jetzt noch an ihn erinnern:
Den Kommentar von DSF-Reporter Martin Quast zum Spiel Jena – 1860 im Februar
2007. Da war zunächst die Schilderung des 1:0 nach sechs Minuten: „Eckball kurz
aufgeführt, Hoffmann klärt, da ist nur Tapalovic – (Stimme plötzlich erhebend)
NUR TAPALOVIC ! Boah, was’n Gerät ! Tor des Monats, hundert Prozent.
Volltreffer – so schön kann Zweitligafußball sein.“ Filip Tapalovic hatte den
FCC mit einem Volleyknaller aus 25 Metern in Führung geschossen und auch wenn
Herr Quast mit der Tor-des-Monats-Prognose nicht
recht behalten sollte, geriet er auch noch wegen der
darauffolgenden Spielminuten aus dem Häuschen. „Ich raffs nicht, ich fass es
nicht – ja, wo bin ich denn hier?“, rief er nach 10 Minuten, als gerade das 3:0
gefallen war, „jetzt tanzen sie im Thüringer Wald Samba mit den Wildschweinen
und allem Drum und Dran. Unfassbar, was hier im Ernst-Abbe-Sportfeld in den
ersten Minuten passiert“.
Obwohl noch nicht lange her, ist diese Anfangsphase bereits legendär.
Und die ver-quast-ete Schilderung gleich mit.
Doch das ist Vergangenheit und mit einer Wiederholung jenes
Ablaufs war von vornherein nicht zu rechnen. Wobei sich die Frage stellt,
welchen Verlauf solch ein Spiel nimmt, wenn der straffe Schuss von Kühne nach
drei Minuten im Netz landet. Münchens Keeper Hofmann rührte da keinen Finger,
leider flog das Leder knapp an seinem Kasten vorbei. Die erste Halbzeit konnte sich durchaus
sehen lassen auf Jenaer Seite. Mit Forechecking versuchte man in Ballbesitz zu
gelangen. Die Flügelzangen Stegmayer-Hansen und Günther-Charalambides zeigten
sich in der Abstimmung weiter verbessert. Und zentral überzeugte Simak wieder
mit klugen Pässen. Nur im Abschluss erwiesen sich Charalambides (23.) und
Hansen (26.) als nicht treffsicher genug. Die vielleicht beste Gelegenheit vor
der Pause vergab Tobias Werner bei einem energischen Konter, als er es nicht
fertig brachte, dem freigelaufenen Simak den Ball „durch zu stecken“, vielmehr
an einem Verteidiger hängen blieb. Auch beim Durcheinander im gegnerischen
Strafraum fanden die Jenaer keine Lücke, Mauls Heber wurde schließlich zur
leichten Beute Hofmanns. Und die Münchner ? Waren zu Beginn um Abgeklärtheit
bemüht und ließen dabei erstaunlich große Lücken im Mittelfeld. Abgesehen von
Hoffmanns Flachschuss (25.) drohte Jenas Abwehr zunächst keine Gefahr. Dies
änderte sich kurz vor der Pause. Da sah sich Stegmayer auf seiner Seite mit dem
ballführenden Bender sowie Johnsson gleich zwei Gegenspielern gegenüber. Nicht
wissend, wen er attackieren sollte, griff er im Grunde niemanden richtig an.
Bender konnte unbedrängt zum Schuss ansetzen, zielte aber ein wenig zu hoch.
Kurz darauf zeigten die Sechziger eine ihrer einstudierten Freistoßvarianten –
diesmal war es Göktan, der nur knapp verfehlte.
Verglichen mit diesen Hochkarätern strahlte der Torschuss in
Minute 47 eigentlich geringes Gefahrenpotential aus. Es hatte den Anschein, als
hätte ihn Person zunächst fausten wollen, vielleicht erschien er ihm dafür mit
einem Mal nicht scharf genug – jedenfalls versuchte er plötzlich, den Ball zu fangen
und dieses Umgreifen ging gründlich daneben. Plötzlich lag der Ball im Netz. Ohje, Jena und seine Torhüter ! Ob sie
nun Jensen oder Person heißen, bislang haben sie uns in dieser Saison mehr
Punkte gekostet als gerettet. Doch eine
Mannschaft gewinnt und verliert zusammen und noch war fast eine Halbzeit lang
Zeit, wenigstens ein Remis zu schaffen. Werner und Hansen hätten es
erzielen können, Sandor Torghelle nach mustergültiger Kopfballvorlage
von Omodiagbe sogar müssen, schoss jedoch nur den herauslaufenden Hofmann an. Bei allen erkennbaren Bemühungen – die
Vorherrschaft im Mittelfeld ging verloren, weil bei Simak und Charalambides die
Kräfte schwanden. Die Gäste konnten nun ungestört den Ball laufen lassen. Zwar war
die Münchner Überlegenheit nicht so groß, wie es ein Eckenverhältnis von 9:1
nach einer Stunde vorgaukelt. Doch macht es deutlich, dass 1860 die technisch
feinere Klinge schlug, sich nicht so oft damit helfen musste, den Ball ins
Toraus zu befördern. Ihr Tagesbester Daniel Bierofka wirkt vom technischen
Vermögen her schon fast überqualifiziert für diese Liga.
Valdas Ivanauskas holte seine beiden einzigen
Offensivwechsler von der Bank. Ohne Erfolg. Doch eine letzte Geheimwaffe besaß
er noch: Darlington Omodiagbe als Stürmer ! Dass er vorn den einen oder anderen
Kopfball holt, war uns ja bereits bekannt. Doch wenn ‚Omo’ dazu noch kluge Offensivpässe
spielt, sollte er solche Ausflüge ruhig häufiger machen dürfen. Perfekt sein
Zuspiel auf Günther in der letzten regulären Spielminute, dessen Flanke kam
auch vors Tor, wo Helbig sie aber nicht richtig erwischte. Und wie das so ist
im Fußball – setzt eine Mannschaft alles auf eine Karte und verpasst knapp den
Ausgleich, geht sie im Gegenzug nur allzu oft k.o. Dass Ziegner als letzter
Mann wegrutschte, Göktan frei vor Person zunächst nur den Pfosten traf und dann
noch eine Gelegenheit zum Nachschuss bekam, rundete das Bild ab.
Zweitligafußball in Jena kann nicht nur schön, sondern auch deprimierend sein. <fc>
Fotos auf weissenburger.de
SpVgg Greuther Fürth - FC Carl Zeiss Jena 2:2
Tore: 1:0 Reisinger (28.), 1:1 Charalambides (34.), 1:2 Torghelle (49.), 2:2 Lanig (63.)
- Fürth: Kirchstein; Achenbach, Mauersberger, Karaslavov, Schröck (72. Adlung); Judt, Haas, Burkhardt (80. Maierhofer), Lanig; Nehrig, Reisinger
- Jena: Person; Stegmayer, Omodiagbe (32. Oniani), Maul, Günther;
Kühne, Hansen (72. Kandelaki), Simak, Charalambides (64. Tapalovic);
Werner, Torghelle
- Zuschauer: 8.900
- Schiedsrichter: Zwayer (Berlin)
- Spielbericht:
- Freuen oder ärgern? So richtig wusste nach Abpfiff kaum einer im
blau-gelb-weißen
Lager, wie mit diesem Remis in Fürth umzugehen wäre. Spielerisch war an diesem
Nachmittag wohl so leicht wie noch nie am Ronhof
ein Dreier zu holen, andererseits grenzt es
an ein Wunder, angesichts der Leistung des Unparteiischen überhaupt noch einen
Punkt verteidigt gehabt zu haben, den sich ein aufopferungsvoll kämpfendes Team
redlich verdiente.
„Never
change a winning team“ hieß die Devise und so schickte Valdas Ivanauskas die
siegreiche Offenbach-Elf auf den Rasen. Der Club begann furios und die über
1.500 mitgereisten FCC-Fans hatten schon nach 34 Sekunden den Torschrei auf den
Lippen, als Torghelle Fürths Karaslavov den Ball abnimmt, sofort auf Werner
passt, der völlig frei vor dem gegnerischen Tor eine Sekunde zuviel Zeit zum
Überlegen hat und den Ball an Keeper Kirchstein vorbei ins Toraus schiebt. Was
für eine Möglichkeit! 10 Minuten später durften sich die Gastgeber die Haare
raufen, als Burkhardt einen zunächst abgewehrten Eckball flach an den
Innenpfosten setzt. 5 Minuten später, andere Seite, Hansen bedient
Charalambides, der freie Schussbahn hat, aber nicht genug Druck hinter den Ball
bekommt, so dass Ex-Bundesligakeeper Kirchstein das Leder noch um Haaresbreite
um den Pfosten lenken kann. Es war ein tolles, offenes Spiel beider Teams in
den ersten Minuten und Fürth schien beeindruckt zu sein von Jenas
Offensivdrang, richtete sein Spiel fast ausschließlich auf das Provozieren von
Standardsituationen aus und lange weite Bälle auf den emsigen Reisinger. Dass
jenem nach 28 gespielten Minuten die Führung gelang, hatte er aber zwei
Jenensern zu verdanken. Stefan Kühne bringt mit viel zu kurzem Rückpass seinen
Keeper in Bedrängnis und warum Christian Person den Ball nicht nach links oder
rechts klärt, sondern ausgerechnet an die ausgestreckte Hand des heranstürmenen
Reisingers, bleibt sein Geheimnis. Der Ball trudelt ins leere Tor, 1:0. Ein
Schock zweifellos dieser Treffer in Unterzahl, denn Omodiagbe musste sich am
Spielfeldrand nach einem nicht geahndeten Foul behandeln lassen und kurz darauf
gegen Oniani ausgewechselt werden, aber anders als noch vor Wochenfrist in
Frankfurt reagierte der FCC unbeeindruckt und kommt nur sechs Minuten später
zum verdienten Ausgleich. Stegmayer täuscht eine Flanke an, passt aber flach
auf Simak, der düpiert mit Körpertäuschung gleich zwei Fürther und findet
Charalambides, dessen Ball auch für den 1,96-Riesen Kirchstein zu platziert ist
und ins lange Eck kullert.
Kurz vor der Pause zappelt der Ball erneut im Netz,
nachdem Kühne einen Eckball einnickt, doch die Anerkennung bleibt verwehrt, ein
Stürmerfoul will Referee Zwayer zuvor gesehen haben. So geht es mit einem
leistungsgerechten Remis in die Pause und Jenas Fans durften vor allem mit dem
mannschaftlich geschlossenen Auftreten zufrieden sein, lediglich die einfach
nicht abzustellenden teils haarsträubenden individuellen Fehler bereiteten
graue Haare.
Von denen dürfte Fürths Coach Bruno Labbadia kurz nach
Wiederanpfiff auch einige mehr bekommen haben, denn wie schon in der ersten
Halbzeit bereitete sein Innenverteidiger Karaslavov eine Großchance für den FCC
vor, nur dass Torghelle die Einladung nach katastrophalem Rückpass diesmal
nicht ausschlug und durch die Beine Kirchsteins zur Jenaer Führung vollendete,
unmittelbar vor dem proppevollem Gästeblock für Partystimmung sorgte.
Siegeszuversicht machte sich breit, doch wie man ein Team gänzlich zermürben
kann, stellte Schiedsrichter Zwayer eindrucksvoll unter Beweis. Die Folge einer
völlig einseitigen Regelauslegung waren unter anderem sage und schreibe acht
gelbe Karten für Jenas Kicker, die sich in der Folge mehr und mehr zurückzogen
und Zweikämpfe scheuten, deren Ausgang schon vorher festzustehen schien. Und so
wäre etwas mehr Nähe zum Gegenmann durchaus empfehlenswert gewesen, als der für
den gesperrten Fürther Kapitän Felgenhauer ins Team gerückte Stephan Schröck im
Doppelpass mit Nehrig Stegmayer düpierte und unbedrängt in den 5m-Raum flanken
durfte, wo Lanig den Ball artistisch über die Linie drückte. Eine knappe halbe
Stunde war da noch zu spielen und diese wurde bestimmt durch eine Flut von
Freistößen. Jan Simak setzte seinen knapp neben den Pfosten (66.), auf Fürther
Seite vergab Mauersberger die größte Gelegenheit, als er eine Freistoßflanke
per Fuß abnahm und das Leder knapp neben das Tor setzte, den Außenpfosten
streifend. Der für Charalambides eingewechselte Tapalovic hatte vier Minuten
vor dem Ende auf Zuckerpass Simaks die letzte Möglichkeit für den FCC, ließ
aber Torghelles Kaltschnäuzigkeit vermissen und gab die Verantwortung lieber
per verunglücktem Querpass weiter. So musste gar um den einen Punkt bis in die
93. Minute gezittert werden, als eine faire Aktion von Oniani an der
Strafraumgrenze wieder einmal mit Freistoß für die Kleeblätter geahndet wurde
und Stefan Kühne die Flanke artistisch vor dem einköpfbereiten Mauersberger
entschärft.
So ein klein wenig hatte der
Fußballgott sein Herz also für Thüringens Traditionsverein wiederentdeckt und
auch Jenas Spieler durften sich – anders als vor 7 Tagen – Streicheleinheiten
der eigenen Fans gefallen lassen, zu denen sich auch Neu-Clubberer und
Herzens-Jenenser Ralf Schmidt gesellte. Nach drei schlimmen Auftritten am
Ronhof holte der FC Carl Zeiss also zum ersten Male Zählbares, doch irgendwie war
mehr drin. <gunner>
FC Carl Zeiss Jena - Kickers Offenbach 2:0
Tore: 1:0 Simak (43.), 2:0 Werner (75.)
- Jena: Person; Stegmayer, Omodiage, Maul, Günther (75.Oniani);
Hansen (70.Tapalovic), Kühne, Simak, Charalambides (61.Holzner); Werner,
Torghelle
- Offenbach: Thier, Pinske (60.Sidney), Müller, Hysky, Bungert, Cimen, Sieger
(46.Ogungbure

,89.),
Judt (70.Epstein), Moktari, Türker
- Zuschauer: 5867
- Schiedsrichter: Bandurski (Essen)
- Spielbericht:
- Ein mulmiges Gefühl machte sich in meiner Magengegend breit, als ich vor der heutigen Partie gegen die Kickers aus
Offenbach das Stadion betrat. Nach fünf Niederlagen in Folge und zuletzt einer katastrophalen Leistung in Frankfurt gegen
Wehen schwante mir auch heute nichts Gutes. Die spielerisch guten Leistungen der ersten Saisonpartien waren vorbei und wer
das Match in Frankfurt live miterleben musste, konnte mein Gefühl durchaus verstehen. Zu viel lief in der Hessenmetropole
bei den Jenaern schief, als dass man ausgerechnet heute gegen die zuletzt starken Hessen vermuten konnte, dass es anders werden würde.
Aber beim Blick auf die Aufstellung der Partie wich mein mulmiges Gefühl blanker Zuversicht, denn Neu-Couch Ivanauskas bewies Mut und
krempelte sein Team gegenüber der letzten Partie auf sechs Positionen um und brachte "Typen" wie Günther, Hansen, Maul und Kühne,
welche gegen Wehen so schmerzlich vermisst wurden.
Der FCC begann auch von Beginn an couragiert und drückte die Offenbacher in deren Hälfte, woraus auch nach zwei Minuten die
erste Minichance resultierte. Nach gut einer Viertelstunde bot sich dann den Gästen auch ihre erste Möglichkeit, doch Siegers
Schuss ging über den Kasten. Den Spielern des FCC merkte man am heutigen Tage zu jeder Sekunde an, dass sie den unbedingten
Willen hatten, sich nicht so "abschlachten" zu lassen bzw. gewinnen zu wollen. Nach einer halbe Stunde waren einige der
Zuschauer schon froh, dass die Jenaer bis dahin kein Tor kassiert hatten. Doch kurz vor der Halbzeitpause sollte es noch
besser kommen, als Simak einen Freistoß aus 30m auf das Tor zirkelte und der Ball auf einmal im Tor zappelte. Grenzenloser
Jubel auf den Rängen, doch die meisten wollten es trotzdem kaum glauben, da sie dieses unglaubliche Glückgefühl gar nicht
mehr kannten.
Fünf Minuten nach Wiederanpfiff die erste Schrecksekunde für die Jenaer, als Dino Toppmöller völlig freistehend aus
gut sechs Metern den Ball zum Glück über das Tor donnerte. Der bis dahin relativ souveräne Schiedsrichter Bandurski
fing nun an, seine Linie zu verlieren, und sorgte mit einigen Fehlentscheidungen für Unruhe auf dem Platz und den
Zuschauerrängen, was in der Gelb-Roten Karte für Ogungbure gipfelte. Die Partie wurde dadurch nun zunehmend hektischer
und es war ein Tanz auf Messers Schneide. Die Offenbacher machten nun hinten ein wenig auf und drückten auf den Ausgleich,
doch der Abwehrriegel des FCC stand. Das Hoffen und Bangen ging weiter und eine Viertelstunde war noch zu spielen, da kam
ein langer Ball in des Gegners Strafraum. Gästekeeper Thier und ein Offenbacher Verteidiger waren sich in dieser Szene
nicht einig genug, wer diesen Ball retten sollte. Nutznießer dieser Aktion war Werner, der sich einfach das Leder schnappte,
Thier umkurvte und zum 2:0 vollendete. Vier Minuten vor Ultimo hätte Werner noch zum absoluten Held des Spiels werden
könnten, doch nach einem erneuten Fehler des Offenbacher Schlußmannes schloss Werner aus spitzen Winkel ein wenig zu
ungenau ab, so dass der Ball Zentimeter vor der Torlinie entlang rollte und doch nicht den Weg ins Tor fand. Kurz darauf
war die Partie zu Ende und der erste lang ersehnte Dreier unter Dach und Fach.
Die wenigsten Zuschauer hätten nach dem Katastrophenspiel vor gerade einmal drei Tagen erwartet, dass sich die Mannschaft
so aufraffen könnte, um die starken Hessen heute gar besiegen zu können. "Der FCC, der FCC, der FCC ist wieder da…"
skandierten die Fans von den Rängen und die Freude war natürlich umso größer, weil mit einem derartigen Wandel in
so kurzer Zeit wohl kaum einer gerechnet hatte. Aber letztendlich waren es trotzdem "nur" drei Punkte und wie
Ivanauskas sagte:" Der Tunnel ist noch sehr lang, bis wir das Licht am Ende sehen". <vg>
SV Wehen Wiesbaden -FC Carl Zeiss Jena 5:1
Tore: 1:0 Diakite (9.), 2:0 Diakite (11.), 3:0 Siegert (20.), 4:0
Nicu (41.), 5:0 Nicu (73.), 5:1 Simak (82., FE)
- Wehen: Richter; Kokot, Jeknic, Kopilas, Nakas; Catic (62.
Amstätter), Nicu (78. Cailas), Siegert, Schwarz; König,
Diakite (85. Lombe)
- Jena: Jensen; Kandelaki, Omodiagbe, Müller (46. Oniani),
Holzner; Stegmayer, Lorenzon, Ziegner (46. Werner), Simak, Charalambides;
Torghelle
- Zuschauer: 5626
- Schiedsrichter: Seemann (Essen)
- Spielbericht:
- (von Gastkommentator Jens Klebe)
Nach einem völlig verkorksten Saisonstart mit nur einem
Punkt auf der Habenseite griffen in der vergangenen Woche auch in Jena die so
genannten ungeschriebenen Gesetze des Geschäfts. Klassenerhalts-Held Neubarth
räumte sein Trainerzimmer welches kurz darauf mit Valdas Iwanauskas einen neuen
Nutzer fand. Um zu sehen, was dieser Wechsel bewirken könne, hatten sich
immerhin gut 1.500 Zeissfans auf den Weg nach Frankfurt gemacht. Würde im
Frankfurter Waldstadion gegen den SV Wehen endlich der erste Dreier eingefahren?
Da die Leistung au dem Koblenz-Spiel ja nur schwer zu unterbieten sein würde,
bestand Anlass zur Hoffnung.
Aber selbst dieses zarte Pflänzchen verdorrte schnell.
Jena startete zwar ohne Kühne, Hansen und Werner – dafür aber gewohnt schlafmützig.
Bereits nach 11 Minuten hatte Diakite mit einem Doppelschlag
klare Verhältnisse geschaffen. Zunächst bekam die FCC-Abwehr in Person Ziegners
nach einer Wehener Flanke den Ball nicht aus der Gefahrenzone, aus 20 Metern
zog ein Wehener ab und als Diakite den Ball abfälschte schlug er unhaltbar
neben Jensen ein. Ganz einfach dann Tor Nummer 2: Flanke von links, Diakite
frei im Sechzehner, draufgehalten und drin!
ass=MsoNormal>Nach 15 Minuten versuchte sich dann auch Simak erstmals für
den FCC an einem Torschuss, setzte diesen aber drüber.
Nach 20 Minuten vertändelte Charalambidis den Ball
leichtfertig in der Vorärtsbewegung, es folgt ein Konter über rechts, Schwarz
bediente Siegert und der zog vom Strafraumeck in die lange Ecke ab – 3:0!
Die Jenaer glichen nun einem Häuflein Elend und so spielten
sie auch weiter. Kaum waren weitere 10 Minuten vergangen, als Omo und Holzner
den ballführenden Nicu auf seinem Weg zum Tor brav begleiteten, ohne ihn
entscheidend zu stören. Nicu hob den Ball über Jensen und dieser schlug zum 4:0
ein. (40.)
Jenas Anhang hatte jetzt „die Schnauze voll“. So sang es
jedenfalls ein Großteil der Mitgereisten und verabschiedete sich mit dem
Pausenpfiff aus dem Stadioninneren.
Ansonsten waren in der Zwischenzeit die blaugelbweißen
Anfeuerungsrufe durch weitere zornige Schmährufe ersetzt worden.
Halbzeit 2 begann mit Werner und Oniani für Ziegner und
Müller. Werner war auch der Einzige in der Gästeelf der sich nachhaltig
versuchte, in Szene zu setzen.
Da Wehen jetzt nicht mehr tat, als für die Verwaltung des Resultats
nötig war, konnte der FCC zumindest zeitweilig fast optische Ausgeglichenheit
erreichen. In einer Phase, als Jena auch der eine oder andere gute Angriff
gelang (meist über Werner und Simak), dann die kalte Dusche. Mit einem
Freistoß-Trick aus der Schüler-Trickkiste wurde erneut Nicu freigespielt und
mit etwas Glück schlug sein Schuss zum 5:0 ein (73.).
Der FCC war demontiert. Daran änderte auch Simaks
Elfmetertreffer nichts mehr, den er nach einem Halten an Torghelle sicher
markierte.
Insgesamt bot der FCC eine erschreckend desolate Leistung
und es dürfte einem Wunder gleichkommen, wenn Iwanauskas aus diesem
verunsicherten Haufen binnen Kürze ein siegfähiges Team formen könnte. Ansätze
–mehr aber auch nicht- konnte man in der zweiten Hälfte zumindest bei Einigen
wenigstens erkennen. Dennoch, eigentlich ist jedes Wort über das heutige Spiel
eigentlich eines zu viel. Außer vielleicht diesem: beschämend!
So traurig und erschreckend das klingt: der FCC holte sich
eine verdiente Niederlage ab und kann schon am 7. Spieltag mit der Devise „Wir
haben ja nichts mehr zu verlieren!“ antreten.
Ca. 400 Jenaer Fans, die ohnehin die 2. Halbzeit außerhalb
des Stadions zugebracht hatten, blockierten anschließend friedlich die Ausfahrt
des FCC-Mannschaftsbusses und machten ihren Unmut deutlich. Adressaten waren
neben dem Team auch der Sportliche Leiter Lutz Lindemann und Präsident Zipfel.
Nach Gesprächen mit den Spielern Maul, Werner, Hansen,
Co-Trainer Holetschek und einer kurzen (aber eher schwachen) Ansprache des Kapitäns
Ziegner löste sich der Protest friedlich auf.
FC Carl Zeiss Jena - TuS Koblenz 1:2
Tore: 0:1 Daham (29.), 1:1 Omodiagbe (39.), 1:2 Daham (43.)
- Jena: Jensen; Kühne (46. Ziegner), Omodiage, Maul, Holzner;
Hansen (64. Fardjad-Azad), Müller, Simak, Stegmayer; Werner,
Torghelle (36. Petersen)
- Koblenz: Eilhoff; Lomic, Bajic, Mavric, Forkel; Djokaj (63.
Langen), Dzaka, Hartmann, Sukalo; Cha (82. Bogavac), Daham (90. Richter)
- Zuschauer: 8251
- Schiedsrichter: Schriever (Dorum)
- Spielbericht:
- Konnte man sich nach der
Heimniederlage gegen Mainz noch damit trösten, gegen einen klar besseren
Gegner, der noch dazu aus der 1. Bundesliga gekommen war, verloren zu haben, so
fehlte diese Trostmöglichkeit nach dem Abpfiff gegen Koblenz völlig.
Dabei sah es anfangs recht gut aus,
wenn man von den ungewohnten Trikots absah, die an übergezogene gelbe Trainingsleibchen
erinnerten. Von der ersten Minute an spielte der FCC nach vorn und drückte die
Gäste an ihren Strafraum. Und so ergaben sich auch schnell einige Chancen, z.B.
als Werner in der 3. Spielminute nach links auf Stegmayer spielte, der flankte
in die Mitte, wo Hansen allerdings zu hoch schoss. Drei Minuten später das
gleiche Strickmuster Mitte – links – Strafraum – drüber, diesmal waren Simak,
Werner und Torghelle die Beteiligten.
Dann hatte Schiedsrichter Schriever
seinen großen – oder besser: peinlichen – Auftritt: Hansen führte einen Einwurf
blitzschnell aus und der Koblenzer Torwart fischte den Ball genauso
blitzschnell vor Torghelle weg, stand dabei allerdings zwei, drei Meter vorm
Strafraum. Anstatt Eilhoff regelgerecht "Rot" zu zeigen, ließ
Schriever den Einwurf wiederholen. Warum? Das bliebt sein ewiges Geheimnis. Und
so ging es mit 0:0 im bisherigen Szenario weiter. Es fehlte jedoch bei allen
Zuspielen die letzte Abstimmung und Präzision, so auch, als Torghelle in
Mittelstürmerposition ein Zuspiel Simaks nur um Fußbreite verpasste (22.). Irgendwann
ließ der Jenaer Druck nach und die Koblenzer erkundeten die gegnerische Hälfte.
Tatkräftige Aufbauhilfe bekamen sie dabei von Stegmayer (26.) und Omodiagbe
(28.), die jeweils aus eigentlich schon geklärten Situationen unnötigerweise
Eckbälle für Koblenz fabrizierten. Und so kam es zum schon fast üblichen Ritual
im EAS: Die Gäste erhielten mit ihrem ersten vernünftigen Spielzug den
Führungstreffer geschenkt. Hansen rutschte auf der rechten Abwehrseite im an
sich harmlosen Zweikampf aus, Forkel flankte ungestört, Maul tauchte mit dem
Sprungvermögen eines Kanonenofens unterm Ball durch und Daham köpfte das
Geschenk ein – 0:1! The same
procedure as every week! Danach trug die
allgemeine Verunsicherung zehn gelb-blaue Trikots und wir hatten Glück, dass es
nicht gleich noch einen Gegentreffer gab. Doch Jensen tauchte in die untere
Ecke und verwehrte dem Kopfballaufsetzer Sukalos den Weg ins Netz. Neubarth
reagierte auf diesen Rückschlag und wechselte den bis dahin vielleicht etwas
glücklosen, aber insgesamt nicht besser oder schlechter als seine Mitspieler
agierenden Torghelle aus und brachte statt dessen Petersen. Für mich war diese
Auswechslung die entscheidende Szene für die weiteren lauen Angriffsversuche
und die logisch folgende Niederlage. In der 39. Minute hatte der Fußballgott
dann aber ein Einsehen mit den geplagten Zeiss-Fans und ließ Eilhoff eine Ecke
fehlerhaft wegfausten, Werner flankte den Abpraller in die Mitte und Jenas
Torgarantie Omodiagbe machte per Kopfball den Ausgleich. Jaaa, jetzt aber…
denkste! Der nächste Koblenzer Angriff bestand aus einem einfachen langen
Flankenball von der Mittelinie an die Strafraumgrenze. Dabei war der Ball so
lange in der Luft, dass sich Omo und Stegmayer rechts und links in
ausreichendem Abstand von Dahame aufstellen konnten, um diesem beim
Direktschuss ins lange Eck bewundernd zuzusehen. Mit den Händen aufgebaut
(Ausgleich) und sofort mit dem Hintern wieder eingerissen (1:2) – derzeit
typisch für den FCC!
Aussage eines Zuschauers in der
Halbzeitpause: "So mies wie diesmal war die Stimmung in der Halbzeitpause auf
der Toilette ewig nicht mehr." Es sollte nach der Pause nichts
Stimmungsförderndes mehr passieren. Zwar kam Ziegner für Kühne ins Team, aber
auch der passte sich der allgemeinen Leistung an. Es waren lediglich noch
vereinzelte Standards, die Eilhoff etwas Ablenkung brachten: Petersen köpfte
nach Ziegner-Freistoß übers Tor (50.) und Stegmayer donnerte einen 25-m-Knaller
direkt aufs Trikot des Gästekeepers. Jensen zeigte in der 62. min seinen
„running gag“ und ließ auch diesmal einen Ball nach vorn prallen, allerdings
folgenlos. Bezeichnend fürs Jenaer Spiel war die Tatsache, dass Holzner als
rechter Außenverteidiger die größten Angriffsbemühungen zeigte, sich immer
wieder für Zuspiele anbot und lange Wege zwischen vorn und hinten ging. Da
ansonsten kaum Bewegung im Jenaer Spiel war, prallten alle Bälle von der roten
Gummiwand ab, die Koblenz am Strafraum errichtet hatte.
Einziger Farbtupfer war Fardjad-Azad, der
nach seiner Einwechslung innerhalb von 5 Minuten dreimal aufs Tor schoß und
mehr Torgefahr erzeugte als alle anderen zusammen. Der Neunzehnjährige mühte
sich redlich und umkurvte einige Male seine Gegenspieler, aber da seine
Mannschaftskameraden nicht annähernd so viel Einsatz zeigten, war er auf
verlorenem Posten. In der letzten Viertelstunde bot Koblenz noch alle
Varianten, wie man beste Konterchancen kläglich vergibt – zum Glück, sonst wäre
es nicht beim 1:2 geblieben.
Diese Niederlage war nicht eine
unglückliche, nach der man zum Tagesgeschäft übergehen könnte. Im Verein muss
man sich auf Grund der Art und Weise, wie sich unsere Mannschaft in diesen 90
Minuten präsentierte, ernsthafte Gedanken machen, wie man eine totale
Pleitesaison verhindern kann. Noch ist die Zeit dafür! <uk>
FC Carl Zeiss Jena - FSV Mainz 05 1:2
Tore: 0:1 Feulner (17.), 1:1 Omodigabe (54.), 1:2 Gunkel (77.)
- Jena: Jensen; Kandelaki, Omodiage, Maul, Holzner; Hansen,
Müller (82. Helbig), Simak, Ziegner (46. Charalambides); Werner,
Torghelle (78. Petersen)
- Mainz: Wetklo; Demirtas, Noveski, Subotiv, Hoogland; Feulner,
Petkovic, Gunkel, Karhan (72. Laurent); Borja (61. Jovanovic), Amri
(89. Vrancic)
- Zuschauer: 11.798
- Schiedsrichter: Willenborg (Osnabrück)
- Spielbericht:
- Mainz 05 – ich muss gestehen, dass ich gewisse Sympathien
für diesen Verein hege. Selbige haben ein ganzes Stück mit Trainer Jürgen Klopp
zutun, aber auch mit dem Erscheinungsbild des FSV insgesamt. Wenn es jedoch gegen
den FC Carl Zeiss geht, gibt es kein Pardon
– dann gehört Mainz in der persönlichen Werteskala nur noch zu „best of the
rest“.
Es konnte mir also nicht gefallen, was sich da in Halbzeit
eins auf dem Rasen abspielte. Vom Anpfiff weg bestimmten die Gäste mit
scheinbarer Leichtigkeit die Szenerie. Zweite Minute, erste Chance – Amri aus
15 Metern knapp drüber. In der 6.
Minute lud Omodiagbe mit Fehlpass Feulner zum Torschuss ein. Der nach Köln
zurecht kritisierte, mit „Tri Tra Trullala“-Artikeln aber nahe der Gürtellinie
getroffene Kasper Jensen zeigte sich in dieser und den folgenden Situationen
wieder auf der Höhe. Den frühen Rückstand vermochte er aber nicht zu
verhindern. Weil bei einem schnellen Mainzer Angriff noch ein Stürmer im
Zentrum mitlief, gingen nicht ausreichend
Jenaer Verteidiger auf den ballführenden Markus Feulner. Dieser ließ Müller als
seinen einzigen Gegenspieler ins Leere grätschen und Jensen keine Chance.
Hallo wach ? – Weit
gefehlt, statt mit Aufbäumen reagierten Jenas Akteure mit Verunsicherung. Dass sich
Omodiagbe bei allen Qualitäten seine zwei, drei Aussetzer pro Spiel leistet,
wissen wir schon. Auch dass sich bei Holzner Licht und Schatten noch zu sehr
abwechseln. Doch selbst ein Alexander Maul ließ sich in dieser Phase von der
allgemeinen Nervosität in der Hintermannschaft anstecken.
Auch nach vorn lief wenig rund, keine Spur von einem konstruktiven Zusammmenspiel. Simaks
30-Meter-Freistoß war der erste Jenaer Torschuss überhaupt. Nach 32 Minuten !
Zu diesem Zeitpunkt hatte Mainz bereits ein halbes Dutzend Male aufs Tor geschossen.
Schon ein kurzer Antritt von Tobias Werner und die hohe Hereingabe, welche
Wetklo locker herunterfischte, ließen kurzzeitig Stimmung aufkommen. Wie
Dürstende auf jeden Tropfen Wasser stürzten sich die Zeiss-Fans auf diese
unaufregende Szene. Kein Wunder angesichts der Tristesse in Hälfte eins.
Omodiagbes Kopfball (42.) war da noch die beste Gelegenheit vor der Pause, vor
Probleme wurde Wetklo aber auch damit nicht gestellt. Dessen Gegenüber Jensen
hatte da ganz andere Kaliber zu meistern. Bei Feulners Kopfball aus Nahdistanz
reagierte der Däne großartig, auch Hooglands Nachschuss lenkte er zur Ecke.
Mainz dominierte. Mit dem 0:1-Rückstand war Jena zur Pause gut bedient.
Gelbe Schuhe zu blau-weißen Stutzen – rein optisch passt der
zypriotische Nationalspieler Constantinos Charalambides schon mal sehr gut nach
Jena. Zumindest in den ersten Minuten nach seiner Einwechslung war der
Neuzugang überall auf dem Platz zu finden, als wolle er im Alleingang dem
Geschehen eine Wende geben. Doch auch seine neuen Mannschaftskameraden
steigerten sich endlich auf jenes Niveau, dass man von Anfang an hätte erwarten
dürfen. Torghelles Einsatz auf der rechten Seite brachte nach 53 Minuten den
ersten Jenaer Eckball. Und der führte zum Ausgleich durch Darlington Omodiagbe.
Per Kopf traf der Nigerianer aus Nahdistanz. Zwischen Genie und Wahnsinn liegt
eben manchmal nur eine Halbzeitpause. Jetzt war Jena am Drücker, auch
akkustisch. Von den recht wenigen Mainzer Anhängern war vorübergehend nichts zu
hören. Bis hinauf zur letzten Reihe der neuen Zusatztribüne feuerten die
Zuschauer ihre Elf an. Jürgen Klopp lobte nach dem Spiel die tolle Atmosphäre
im Jenaer Stadion. Schade nur, dass sich seine Spieler davon nicht beeindrucken
ließen. Die Bundesligaabsteiger nahmen den Kampf an und da sie in der
Spielanlage einen Tick reifer wirkten, gewannen sie dieses Match. Amris
Schrecksekunde (Ball rollte parallel zur Linie des verwaisten Tores) beendete
die beste Jenaer Phase. Gunkels Diagonalfreistoß machte sinnbildlich den Deckel
zu. Dass der vom Schiri als indirekt ausgeschriebene Freistoß direkt verwandelt
wurde, passt ebenso ins Bild wie Werners unglücklich vergebene Großchance drei
Minuten vor Schluss – wenn du da unten drin stehst, bekommst du den Mist nicht
so schnell vom Hacken. Auf diese Art verlor der FCC sein drittes Spiel in Folge
mit einem Tor Differenz. Wobei es
Jensen mit einer weiteren Rettungstat gegen Feulner (90.) zu verdanken ist,
dass es nicht mehr wurde.
Die Schwere des Auftaktprogramms war uns allen bewusst. Dass
aus vier Partien nur ein mickriges Pünktchen herausspringt, ist allerdings
ernüchternd, insbesondere nach den Spielverläufen gegen St. Pauli und Köln. Bei
aufmerksamer Betrachtung des Jenaer Spiels gewinnt man den Eindruck, die
Komponenten für eine erfolgreiche Saison sind da, aber noch nicht richtig zusammengefügt.
Vielleicht kommt die 12tätige Punktspielpause gar nicht so ungelegen. <fc>
1. FC Köln - FC Carl Zeiss Jena 4:3
Tore: 0:1 Torghelle (5.), 1:1 Novakovic (20.), 1:2 Müller (37.),
1:3 Omodiagbe (55.), 2:3 Chihi (73.), 3:3 Chihi (84.), 4:3 Jensen (86., ET)
- Köln: Mondragon; Ehret, Mitreski, McKenna, Nickenig
(60. Schöneberg); Antar, Broich (60. Scherz), Helmes; Chihi, Vucicevic, Novakovic (60. Gambino)
- Jena: Jensen; Kandelaki, Omodiage, Müller, Holzner;
Hansen (84. Stegmayer), Lorenzon (46. Kühne), Werner, Simak,
Ziegner; Torghelle (81. Petersen)
- Zuschauer: 37.700
- Schiedsrichter: Dr. Fleischer (Sigmertshausen)
- Spielbericht:
- Es war die Woche der
unverdienten Auswärtssiege mit St. Paulis Dreier im Ernst-Abbe-Sportfeld und
Deutschlands glücklichem Erfolg in Wembley, und so mancher hegte die Hoffnung
auf eine Fortsetzung dieser Serie in Köln-Müngersdorf, waren die Vorzeichen
zwischen den beiden ungleichen Gegnern doch klar. Einen unverdienten Verlierer
gab es auch diesmal, jedoch war dies nicht etwa der haushohe Favorit, sondern
ein FC Carl Zeiss, der sich in der Schlussphase selbst um den Lohn eines
großartigen Spieles brachte.
Durch
den Platzverweis Alexander Mauls war Coach Frank Neubarth zu Umstellungen
gezwungen, nahm Robert Müller in die Innenverteidigung und ließ mit Nils Hansen
und dem erstmals nach seiner Verletzungspause wieder kickenden Lorenzon gleich
zwei Abräumer im defensiven zentralen Mittelfeld auflaufen. Werner und Ziegner
besetzten die Außenpositionen im Mittelfeld, während Jan Simak als Spielmacher
fungierte, hinter der einzigen Spitze Torghelle. Und was der drauf hat, sorgte
schon nach 5 Minuten für den ersten Jubelschrei unter den 1.500 mitgereisten
Zeissfans. Langer Abschlag Jensen, Kopfball-Doppelpass
Torghelle-Werner-Torghelle und unser ungarischer Neuzugang hämmerte die Kugel
trocken von der Strafraumgrenze ins Netz. 0:1, was für ein Auftakt, und um ein
Haar hätte Broich nachgelegt, dessen Rückpass Mondragon verfehlte, aber knapp
am Kölner Kasten vorbeirollte (14.).
Beim Gastgeber hatte man im Vorfeld einen mauernden Gegner erwartet,
doch der FCC spielte auch nach der Führung munter nach vorn, fast zu munter,
denn Kölner Gelegenheiten resultierten fast ausschließlich aus Kontern nach
jenenser Abspielfehlern. In der 10. Minute ging das noch gut, als Jensen einen
tückischen Helmes-Knaller im Nachfassen parierte, nach 20 Minuten jedoch hatten
die Domstädter mit ihrer zweiten Möglichkeit im Spiel ausgeglichen. Novakovic
hatte von Omodiagbe bedrängt Vucicevic angespielt, welcher an der rechten
Strafraumgrenze Lorenzon düpierte und auf den von Omodiagbe und Werner
sträflich vernachlässigten Novakovic zurückpasste. Dass dessen Schuß durch die
Beine von Hansen den Weg ins Netz fand ist sicher unglücklich zu nennen, das
Abwehrverhalten zuvor dilettantisch. Köln hatte nun Oberwasser, baute gehörigen
Druck auf und hatte mit Vucicevics Schussversuch nach Kandelakis
verhängnisvollem Ballverlust (24., knapp daneben) und Broichs abgefälschtem
Schuß (29., Jensen hält) auch die ein oder andere Möglichkeit. Doch als Simak
mit einem wahren Zauberpass den durchlaufenden Holzner bedient und dieser aus
Nahdistanz an Mondragon scheiterte (30.), wirkte das wie ein Signal an die
eigene Mannschaft zur Besinnung auf das überlegte Spiel der ersten Minuten. Kurz
darauf hätte es Elfmeter für den FC Carl Zeiss geben müssen, als Torghelle im
Strafraum gefoult wurde, doch nicht nur in dieser Szene zeigte sich die
nachhaltige Wirkung des Daumschen Montagstheaters bei Referee Dr. Fleischer.
Jena ließ sich nicht beirren, es war eine Freude, dem Kombinationsfußball von
Jenas Offensivabteilung um den immer besser werdenden Kapitän Ziegner, den an
allen Ecken des Spielfeldes zu findenden Hansen (bester Mann auf dem Platz) und
einen Jan Simak zuzusehen und manch einer rieb sich die Augen, mit welchem
Selbstbewusstsein der Underdog hier in der WM-Arena auftrat. Werners Schuß nach
36 Minuten parierte Mondragon im Nachfassen, Ziegners Freistoß eine Minute
später kratzte der kölsche Schlussmann noch aus dem Eck, doch die
darauffolgende Ecke brachte die verdiente Führung. Torghelle hatte Ziegners
Eckball an den langen Pfosten verlängert, wo Robert Müller eiskalt vollendete.
Der Gast wirkte nun wie paralysiert, beinahe hätte Torghelle das Ergebnis noch
höher schrauben können, verzettelte sich aber im Strafraum (39.) und so war der
Schlusspunkt unter die erste Hälfte symptomatisch, als der wenige Tage zuvor
noch zum Deutschlandkader gehörende Helmes eine Freistoßablage von Vucicevic 15
Meter über das Jensen-Gehäuse beförderte. Kölns Mannschaft ratlos, Kölns
Publikum fassungslos und ein gellendes Pfeifkonzert verabschiedete die
Millionentruppe in die Kabinen.
Aufbäumen,
Dagegenhalten, Druck aufbauen, so in etwa hätte man die Gastgeber nach
Wiederanpfiff erwartet, doch stattdessen spielte Thüringens Stolz so, als hätte
er einen Rückstand aufzuholen. Werner prüfte Mondragon mit Schuß aus spitzem
Winkel (51.), das Eckenverhältnis war inzwischen auf 7:3 für Jena angestiegen
und als Ziegners Freistoß den Fuß des völlig unbedrängt durchlaufenden
Omodiagbe fand, hieß es 1:3, das Spiel schien entschieden. Auch wenn Helmes nur
eine Minute später den Anschlusstreffer auf dem Kopf hatte und knapp verzog,
das Auftreten der völlig konsternierten Gastgeber glich insgesamt einem
Fehlpassfestival, begleitet von eisigem Schweigen des Opernpublikums auf den
Tribünen. Christoph Daum hatte die Nase voll, wechselte gleich drei Spieler auf
einmal aus und vor allem die Hereinnahme von Matthias Scherz, der ja schon in
der Vorsaison den mehr als glücklichen Siegtreffer der Kölner vom Elfmeterpunkt
erzielt hatte, sollte sich als folgenschwer erweisen. Doch zuvor hatte Referee Fleischer
seinen Auftritt, schickte Zeiss-Trainer Frank Neubarth auf die Tribüne, als der
sich lautstark über eine der unzähligen Freistoßfehlentscheidungen zugunsten
des 1. FC Köln mokierte (65.), übersah eine Tätlichkeit Antars an Stefan Kühne
(Kopfstoß, 68.) und gab für McKennas Notbremse an dem durchbrechenden Torghelle
nur gelb (71.). Jener Torghelle hatte bis dahin ein großartiges Spiel gehabt,
zerrte unermüdlich an den Ketten und war von seinem Gegenspieler meist nur
durch Foulspiele zu stoppen. Doch er wurde ebenso wie Jan Simak müder und so
verlagerte sich das Spielgeschehen mehr und mehr in die Jenaer Hälfte, Chihi
mit Freistoß und Antar per Kopfball (69.) besaßen gute Möglichkeiten, ehe in
der 73. Minute das Unheil für den FCC seinen Lauf nahm. Die Fehlerkette war
lang. Jensen ließ sich eine Kölner Flanke von Robert Müller zum Einwurf
wegköpfen, anstatt sie selbst herunterzupflücken. Omodiagbe musste erkennen,
dass auch 1,88m nicht ausreichen, wenn man 2 Meter hinter einem kopfballstarken
Matthias Scherz steht, dessen Verlängerung Adel Chihi fand, der von Felix
Holzner völlig unbedrängt zum Anschlusstreffer einschoß. Fünf Minuten später
hatte Scherz selbst die Riesenchance zum Ausgleich, köpfte aber freistehend am
völlig leeren Tor vorbei. Durchatmen, doch die Partie wurde hitziger. Mondragon
erhielt gelb, als er den sich bei der Auswechslung zu viel Zeit lassenden
Torghelle vom Platz schubste, Holzner kassierte den gelben Karton für ein an
ihm begangenes Foulspiel und Jan Simaks Bedrängen Vucicevics wurde mit Freistoß
für Köln geahndet, den Scherz aufs Tor platziert, Jensen lässt den schon sicher
geglaubten Ball vor die Füße von Chihi fallen, der nur noch abstauben muß.
Ausgleich, Kölns Publikum aus dem Dornröschenschlaf erwacht und Kasper Jensen der
einsamste Mann auf dem Platz. Ob ihm diese Szene noch durch den Kopf schwirrte,
als er kurz darauf Chihis Eckball (Omodiagbe hatte zur Ecke klären müssen, da
ein Ellenbogencheck von Scherz gegen ihn ungeahndet blieb) zum Kölner 4:3 ins
eigene Tor patschte?
Ein mehr als bitteres Ende für den zuvor gut spielenden
Keeper, der nach dem Abpfiff sofort den Trost seines Kapitäns Torsten Ziegner
bekam. Vergessen wird er diesen Abend wohl nie, ebenso wie Jenas Anhang. Fassungslose,
entsetzte Gesichter noch Minuten nach Spielende im Gästeblock. Was für eine
Riesenchance hatte sich der FC Carl Zeiss hier selbst vergeben. Ob die
tadellose Moral der Mannschaft mit diesem erneuten Tiefschlag einen dauerhaften
Knacks wegbekommen hat, oder ob man sich am 70 Minuten lang wirklich tollen
eigenen Spiel aufbaut, wird die nächste Partie gegen Mainz zeigen. Nachdem der
Trainer, dessen vorgenommene und unterlassene Auswechslungen in Köln nicht
jedermanns Geschmack trafen, aus den vielen Neuzugängen mehr und mehr eine
Mannschaft zu formen scheint, ist in den kommenden Tagen in erster Linie der
Psychologe Frank Neubarth gefragt! <gunner>
FC Carl Zeiss Jena - FC St.Pauli 0:1
Tore: 0:1 Schnitzler (20.)
- Jena: Jensen; Kandelaki, Maul
(

, 40.),
Omodiagbe, Holzner; Kühne (67. Petersen), Hansen, Ziegner (46. Simak),
Müller; Werner, Torghelle (77. Helbig)
- St.Pauli: Borger; Gunesch, Eger, Morena, Rothenbach; Trojan (79. Bruns), Boll, Meggle, Takyi (

, 42.), Brunnemann (45. Braun); Schnitzler (64. Ludwig)
- Zuschauer: 12.129
- Schiedsrichter: Schalk (Augsburg)
- Spielbericht:
- [von Gastkommentator Ragnar Boedefeld]
Nach drei erfolgreichen Jahren in Folge und der Wiederholung eines
2:2-Auswärtserfolgs nach 0:2-Rückstand im ersten Saisonspiel war es wieder
einmal an der Zeit, dem Aberglauben zu frönen. Und so schreibt jetzt im vierten
Jahr in Folge ein- und derselbe Gastkommentator den ersten Heimspielbericht.
Angeblich soll einer aus dem Stammpersonal sogar geheiratet haben, damit er um
diesen Spielbericht drumrum kam...
Ähnlich wie im letzten Jahr (Braunschweig) war auch diesmal ein potentieller
Konkurrent im Abstiegskampf beim ersten Saisonheimspiel zu Gast.
Unvorhersehbare Auswärtsunentschieden sind gerne gesehen - doch wichtiger sind
die drei Heimpunkte aus diesen sogenannten "Sechs-Punkte-Spielen". Unbedingter
Siegeswillen war also Pflicht, und so harrte unsereiner gespannt, ob der
Trainer Neubarth dieses seinen Spielern verklickert hatte.
Er hatte - wenn man
die ersten zwanzig Minuten des Spiels als Maßstab nimmt. In dieser Zeit brachte
der FCC fünf gefährliche Situationen zustande, die in ihrer Vielfalt
überraschten. Ein Freistoß von Ziegner, der knapp neben das Tor ging, ein
gefährlicher Fernschuss von Kühne, dann einer von Werner, den Borger abprallen
ließ - Torghelle war einen Schritt zu spät. Kurze Zeit später war es umgekehrt:
Torghelle ließ zwei Gäste aussteigen und versuchte einen Schlenzer mit dem
linken Bein, Borger ließ wieder prallen - doch der Ball wollte einfach nicht
rein. Dann folgte noch ein gefährlicher Kühne-Kopfball. Von Pauli war bis dahin
nichts zu sehen, die besten Aktionen der Gäste hatte noch der Fanblock.
Plötzlich zack-zack, ein Querpass, einer in die Spitze - und Schnitzler kann
frei vor Jensen einschieben. Ausgerechnet Pauli, das seinerseits letzte Woche
gegen Köln reihenweise vor dem Tor versagt hatte, machte mit seinem ersten
zusammenhängenden Spielzug das 0:1. Nur kurz danach wäre beinahe das 0:2
gefallen, der Ball ging links unten knapp vorbei. Beim FCC war jetzt ein Knacks
im Spiel, keiner lief richtig und elementare Dinge wie flache Anspiele und
Ballannahmen aus der Luft misslangen. Eine Viertelstunde lang war einmal mehr
der Fluch der ersten Saisonspiele zu ertragen: eine bunt zusammengekaufte
Mannschaft (gleichwohl mit Niveau) ist noch nicht wirklich eine Truppe, wirkt
verunsichert und ängstlich in einem ihr häufig noch fremden Heim-Umfeld, das
wegen des Rückstandes nicht erbaut ist. Bad Vibes... warum nur?
Individuelle Klasse hat der Kader jedenfalls, wie man in der 35. Minute sehen
konnte. Kandelaki wurde auf links steil geschickt, passte flach nach innen, wo
Torghelle den Ball annehmen, kontrollieren und auf Ziegner zurücklegen konnte,
der leider links vorbeisemmelte. Das tat weh, ebenso der knapp verfehlte
Ziegner-Freistoß kurz vor der Pause, bei dem Borger keine Regung zeigte. Ab der
40. Minute spielte übrigens der FCC nur noch zu zehnt, Maul war geampelt worden.
Zwei Minuten später hatte auch Pauli einen weniger auf dem Platz, nachdem Takuy
wiederholt das Spiel verzögert hatte.
Und dann kam der Abschnitt des Spiels, den ich nicht begreife. Freilich kann man
nicht 90 Minuten lang höchstes Tempo gehen, sicherlich muss man zwischendurch
auch mal verschnaufen. Aber wieso kann man nach einer Halbzeitpause voller
Regeneration nicht genau dort weitermachen, wo man vor der Pause aufgehört hat
- nämlich Druck auf den zeitweilig überforderten Gegner auszuüben? Pauli war
mit der Pause eigentlich sturmreif, wurde dann aber bis zur 70. Minute durch
einfache Fehler und mangelhaftes Laufspiel wieder aufgebaut. Wenn nur alle in
der zweiten Halbzeit so gerannt wären wie der Holzner...
Erst in der
Schlussviertelstunde wurde Pauli wieder in der eigenen Hälfte eingeschnürt.
Auffällig war dabei Jan Simak, der die Bälle jetzt schön verteilte und auch
selbst gefährlich wurde. Es ergaben sich Chancen im Minutentakt, fast jeder
durfte mal ran. Leider ging alles daneben (Torghelle 74., Petersen 78. und 86.,
Werner 83.), an den Pfosten (Petersen 74.) oder wurde von Borger entschärft
(Kopfball von Helbig 83.). Dann war Schluss und die erste Heimniederlage in der
neuen Saison Tatsache.
Trotz dieser Niederlage bleibt ein besseres Gefühl als im letzten Jahr nach dem
0:0 gegen Braunschweig, weil der FCC seinen Gegner diesmal spielerisch
beherrschte, obwohl die Hälfte der Neuzugänge noch auf der Bank saß bzw.
verletzt war. Heuer steht auch nicht zu befürchten, dass das Potential des
Clubs einbricht, sollten Spieler wie Ziegner und Helbig eine ganze Saison lang
verletzt ausfallen - der Kader ist wesentlich breiter und auch besser geworden.
Wie sagte Gästetrainer Trulsen in der Pressekonferenz: "Es wird für jede
Mannschaft schwer, in Jena zu punkten." Allerdings nur, wenn die Dinger vorne
auch jemand reinmacht!
Alemannia Aachen - FC Carl Zeiss Jena 2:2
Tore: 1:0 Vukovic (1.), 2:0 Nemeth (6.), 2:1 Maul (28.), 2:2 Petersen
(76.)
- Aachen: Nicht; Stehle, Klitzpera, Vukovic (33. Casper), Weigelt;
Lehmann, Polenz (75. Leiwakabessy), Reghecampf, Nemeth, Pecka (81. Milchraum),
Ebbers
- Jena: Jensen; Kandelaki, Maul, Omodiagbe, Holzner; Kühne,
Müller (72. Petersen), Hansen, Ziegner (72. Fröhlich), Simak
(58. Stegmayer); Werner
- Zuschauer: 19.986
- Schiedsrichter: Aytekin
- Spielbericht:
- Wenn ein Verein aus der Bundesliga kommend zuhause auf den
Zweitliga-Dreizehnten des Vorjahres trofft, ist die Favoritenrolle am 1.
Spieltag klar gegeben. Dass sich der Webmaster aus Aachen bei der
Live-Ticker-Ankündigung aber gleich für ein fingierte 5:2-Vorhersage entschied, kam
uns vor dem Spiel doch etwas übertrieben vor.
Nach sechs Minuten Spielzeit schien allerdings nichts mehr
unmöglich. Zwei Gegentore hatte sich der FC Carl Zeiss zu diesem Zeitpunkt
schon eingefangen, das Erste nach 50 Sekunden ! Einen Freistoß-Ball von
Reghecampf verlängerte Vukovic per Kopf unhaltbar ins Jenaer Gehäuse. Robert
Müller war zwar mit hochgestiegen, hatte aber das Nachsehen. Keinen
Gegenspieler besaß Nemeth nach 5:30 min. Omodiagbe hatte die Abseitsfalle
aufgehoben.
0:2 - Mann oh Mann, welch ein Fehlstart in die insgesamt achte
Zweitligasaison des FCC ! Nachdem der erste Schock verdaut war, erinnerte man
sich als Auswärtsfahrer an den 1. Spieltag der Vorsaison, als Jena in Offenbach
ebenfalls mit zwei Toren hinten gelegen hatte, sich aber noch zum Remis
kämpfte. Sollte dies erneut möglich sein ? Hier, auf dem berühmten Aachener
Tivoli ? Nicht das Stadion selbst macht den Reiz aus, in vielen Dingen erinnert
es an die alte Heimstätte des FC Sachsen Leipzig. Nein, es ist die Atmosphäre,
bei der das Dabeisein einfach Spaß macht, weil die Stimmung enthustiastisch,
aber nicht aggressiv ist und häufig von drei Seiten gleichzeitig gepuscht wird.
Es sah noch immer nicht gut aus. Nach 25 Minuten war kein einziger
gefährlicher Ball auf das vom Ex-Jenaer Kristian Nicht gehütete Aachen-Gehäuse
abgegeben worden. Stattdessen musste Gegenüber Kasper Jensen beim
Aachener Konter die fehlende Innenverteidigung ersetzen und zehn Meter vor
seinem Strafraum per Kopf klären. Dann die 28. Minute. Ziegner aus einer
Spielertraube heraus auf Hansen, Flachschuss aus 15 Metern, Torwart Nicht pariert auf
Kosten einer Ecke. Das war sie, die erste Jenaer Gelegenheit im Punktspieljahr
2007/2008. Eine Ansage „Wir sind auch da“. Den anschließenden Eckball
erwischt Stefan Kühne am langen Pfosten, köpft ihn zur Torlinie, wo Alexander
Maul steht und unter Bedrängnis einköpft. Der Anschlusstreffer noch vor der
Pause. Wie damals in Offenbach. Hoffnung bei uns. Ein aus allen Wolken fallen
bei den Alemannen. Zu deutlich hatten sie die Anfangsphase dominiert,
zu leicht ihre Tore gemacht gegen einen in
dieser Phase unsortierten und harmlosen Gegner. Nun kämpften sich die
Neubarth-Schützlinge in das Spiel hinein. Nur vier Minuten nach dem
Anschlusstreffer spielte Simak einen ähnlich genialen Pass wie im Pokal eine Woche zuvor
auf Werner, der hatte gegen den heranstürmenden Nicht die Idee eines
Hebers – nur leider fiel dieser zu hoch aus. Eine Partie mit umgekehrten
Vorzeichen – jetzt spielte Jena Fußball. Wäre Kühne in der 43. Minute nicht
selbst überrascht gewesen über eine sich bietende Kopfballchance, es hätte noch
vor der Pause Unentschieden gestanden. Der Offenbacher Regievorlage hätte dies
freilich nicht entsprochen.
Mit ein bisschen Magengrummeln empfingen wir unsere Mannen
aus der Kabine. Nur nicht wieder solch eine Schlafwagen-Einlage wie zu Beginn.
Doch die Sorgen erwiesen sich als unbegründet. Lediglich Keeper Jensen sorgte
für erhöhte Herzfrequenz in Minute 51, als er bei zwei heranstürmenden
Gegenspielern den Ball nicht einfach wegschlug, sondern ihn kalt wie
Hundeschnauze behauptete. Außerdem Holzner, der am eigenen Strafraum den Ball
vertändelte und von Glück sagen kann, dass die Abseitsfahne nach oben
schnellte, da ansonsten eine 3 gegen 1-Überzahlsituation für die Westdeutschen
entstanden wäre.
Die Leistungssteigerung der Jenaer Elf lässt sich treffend am Bild festmachen, dass Ilia Kandelaki in den ersten neunzig Minuten
für seinen Verein abgab. Nach Stegmayers gutem Pokalauftritt war er für mancheinen
überraschend in die Startelf gerückt. Die etwas defensivere Variante schien
anfangs nach hinten loszugehen, weil der Georgier einige Male Unsicherheiten
auf seiner linken Seite offenbarte. Doch nach der Pause fand Kandelaki zu sich selbst,
seinen Mannschaftskameraden und ins Spiel. Wobei Stegmayer später noch eingewechselt wurde,
ebenso wie Fröhlich und Petersen. Die aus den Wechseln hervorgehenden
taktischen Umstellungen waren riskant, besonders der Austausch des defensiven
Müller gegen den stürmenden Petersen. Das Risiko sollte sich aber bezahlt machen. Denn
Nils Peteresen war gerade drei Minuten im Spiel, da verlängerte er einen Ball
von Kühne ins Tor. Wahnsinn ! Ausgerechnet Jenas Jüngster schafft den
Ausgleich. Klar hat der in Junioren-Länderspielen schon gegen
U19-Nationalmannschaften getroffen, doch ein solche wichtiger Treffer „bei den
Großen“ ist dann doch etwas Besonderes. Wäre der Bursche in Minute 79 doch noch
einmal etwas kaltblütiger gewesen, er hätte den FCC gar zum Sieg geschossen.
Nach einer Unsicherheit seines Gegenspielers verzog Petersen jedoch
deutlich.
Remember OFC – aus einem 0:2 ein 2:2 gemacht und dem Sieg
sehr nahe gekommen. Auch Kandelakis
Flanke fünf Minuten vor Schluss brachte Gefahr, neutralisierte sich aber mit
Reghecampfs Hereingabe in Minute 88. Beide Male fehlte ein Abnehmer im
Sturmzentrum.
Das Unentschieden feierten die Jenaer wie einen Sieg,
während die Gastgeber ziemlich konsterniert das Stadion verließen. Auch dieses
Bild hatten wir vor einem Jahr schon einmal. Neu ist die Serie, in der sich die
Jenaer Mannschaft befindet. Unter Frank Neubarth bleibt sie in Pflichtspielen
weiterhin unbesiegt. <fc>
Bilder von der ersten Partie
Spielbericht auf alemannia-aachen.de
Impressum
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Der Gang zum Stadion erinnerte in vielerlei Hinsicht an
die Oberligaauftritte beim Zipsendorfer FC Meuselwitz. Dörflicher Charakter,
ein heimeliger Waldweg hinauf zum Sportplatz, wo man mit dem ausreichenden
Bereitstellen von Eintrittskarten für Gästefans größere Probleme hatte und schließlich
ein kleines putziges Stadion wie aus dem Legoland, hingezimmert vom Mäzen aus
der IT-Branche. Doch so albern und unpassend wie wohl fast jeder Gästefan die
Atmosphäre rund um diese Spielstätte empfunden haben muß, so gänzlich
ernstzunehmend sollten jene 11 Gespielen auf dem Rasen sein, die sich
Milliardär Hopp zur Befriedigung seiner privaten Obsessionen gönnt. Dass einige
dieser millionenschweren Neueinkäufe Angebote von Champions-League-Teilnehmern
ablehnten, um statt der sportlichen Herausforderung nun im Kraichgau völlig
unter ihrem eigenen spielerischen Niveau deutlich mehr zu verdienen, mag man
als moderne Form von Prostitution bedauern. Dass einige Kicker im Kader des
badischen Retortenvereins soviel an Ablöse kosteten, wie der gesamte Verein FC
Carl Zeiss Jena als Saisonetat aufzubieten hat, machte schon vorher klar, dass
für die Abstiegskampfgeplagten hier nur mit sehr viel Glück etwas zu holen
wäre. Ein Glück, das schon im Vorfeld der Begegnung fehlte, neben Petersen,
Riemer und Amrhein gesellte sich auch Spielgestalter Jan Simak in die Riege der
verletzten Spieler.
Für die elf Aufgebotenen währte die Hoffnung auf etwas
Zählbares im 3000-Seelen-Dorf nur fünf Minuten, dann begann die Demba-Ba-Show,
welche die vom Sponsor verteilten Handklappern in den Händen der Heimbesucher
lärmen ließ. 6. Minute: Jenas erste Halbchance für Tobias Werner versandet, der
weite Abschlag von TSG-Keeper Özcan findet Ba, dessen feine Ballannahme und
eiskalter Abschluß Weltklasseformat ausstrahlen. 18. Minute: Einen unberechtigten
Freistoß zirkelt Salihovic auf den Kopf von Ba, und da Alexander Maul das
Abseits aufhebt steht es 2:0. 26. Minute: Feiner Pass von Eduardo auf wieder
einmal Ba, der erneut vollendet. Jena, in der Anfangsphase noch Gegenwehr
leistend, wirkte zunehmend hilfloser. Die Hereinnahme von Torghelle für
Stegmayer, dafür rückte Allagui auf die Spielmacherposition zurück, Kikuchi
nach rechts außen und Kandelaki nach hinten, brachte weder mehr
Durchschlagskraft in der Offensive, noch Stabilität in der Hintermannschaft.
Stattdessen reichte eine geschickte Seitenverlagerung auf den in die völlig
entblößte rechte FCC-Abwehrseite durchspritzenden Salihovic, um mit dem 4:0 den
Pausenstand perfekt zu machen. Als wäre dieser Umstand nicht schon schlimm
genug, so muß konstatiert werden, dass das Ergebnis den Weißgekleideten gar
noch schmeichelte.
Henning Bürger wartete lange, bis er seine gedemütigten Spieler in die Kabine begleitete. Die Ansprache schien jedoch gefruchtet zu haben, denn der FCC kam geordneter aus der Pause, willig auf eine Resultatsverbesserung, allein es fehlte die Qualität. Was Jenas Offensivabteilung fabrizierte, ist mit den Worten unglücklich, harm- und hilflos noch milde beschrieben. So schaltete sich nach 66 Minuten gar Verteidiger Alex Maul ins Angriffsspiel ein, doch da sein Vorstoß an der Strafraumgrenze höchst unsanft gestoppt wurde und der Gegenzug in die entblößte Hintermannschaft diesmal Obasi allein auf den bedauernswerten Khamutouski zusteuern ließ, hieß es 5:0. Genug für viele der Heimzuschauer, die sich fortan auf den Heimweg begaben, Erdbeerkuchen und Sonnenbad entgegen. Jenas Fans ertrugen auch die letzten Minuten des Auswärtsdebakels tapfer und verabschiedeten ihre Lieblinge nach Schlusspfiff wärmer, als das der gebotenen Leistung angemessen gewesen wäre. So wurden auch die Kamerateams von Premiere und DSF in der Hoffnung auf lauternähnliche Schimpf- und Wuttiraden den eigenen Spielern gegenüber enttäuscht und zogen kurzentschlossen wieder vom Gästeblock ab.
Genauso kurz sollte auch das Nachdenken über diese Niederlage sein, die an
der Situation des FCC nicht allzu viel geändert hat. Schnell abhaken und am
Freitag gegen Osnabrück die Antwort folgen lassen. Denn „Marmor, Stein und
Eisen bricht, aber unser Jena nicht!“. <gunner>
Report auf fansmedia.org zum Geschehen am Rande des Spiels
- Jena: Khamutouski; Maul, Müller, Kandelaki; Kikuchi, Hansen, Ziegner, Simak, Werner; Schied (82. Torghelle), Allagui
- M'gladbach: Heimeroth; Levels (22. Coulibaly), Brouwers, Daems, Voigt (46. Colautti); Ndjeng, Paauwe, Rösler, Marin; Friend, Neuville (83. Kleine)
- Zuschauer: 13.486
- Schiedsrichter: Weiner (Giesen)
- Spielbericht:
- M'gladbach: Heimeroth; Levels (22. Coulibaly), Brouwers, Daems, Voigt (46. Colautti); Ndjeng, Paauwe, Rösler, Marin; Friend, Neuville (83. Kleine)
- Dieser Bericht entstand aus organisatorischen Gründen erst
zwei Tage nach dem Spiel. So schlecht ist das nicht, denn an jenem Abend hätte
ich keine Zeile zustande gebracht. Zu groß war die innere Zerrissenheit, das
Für und Wider des Abends. Der FCC – Vorletzter! – spielte den Tabellenführer an
die Wand und hätte in der zweiten Halbzeit mit einem Minimum an
Chancenverwertung nicht nur den sprichwörtlichen Sack zumachen, sondern die
Gäste regelrecht abschießen können. Über vier oder fünf Gegentreffer hätte sich
Gladbach nicht beschweren können, ABER: die Chancen blieben ungenutzt, unsere
Abwehr schnarchte zweimal und so blieb uns nur ein Punkt.
Auf Simak, der nach seiner Gelbsperre wieder zur Verfügung stand, ruhten de facto alle Hoffnungen des FCC, gegen den haushohen Favoriten die Aufholjagd auf Platz 14 fortsetzen zu können. Das erste tiefe Luftholen gab es nach 5 Minuten, als Kikuchi per Hackentrick Allagui in Szene setzte, dieser jedoch in Mittelstürmerposition im Abseits stand. Kurze Zeit später beackerte Ziegner an der Außenlinie auf Höhe des eigenen Strafraums solange einen Gladbacher, bis er den Ball erobert hatte und sofort lang auf Allagui spielte. Der legte quer, Simak sah Schied in den freien Raum laufen und bediente ihn mit dem Traumpass des Tages. Ein kleiner Schubs an den Ball und noch bevor die Spielkugel über die Linie trudelte jubelten die Zuschauer. Es ging in der Folgezeit flott hin und her und die Pessimisten warteten auf den Ausgleich. Als jedoch die Miniserie von Gästestandards (2 Ecken und 1 Freistoß) unbeschadet überstanden war, konnte man hoffen. Borussia hatte keinen guten Tag erwischt, deren Zusammenspiel war holprig, ungenau und ideenlos. Und so gab es seitens der Dunkelgrünen lediglich die Andeutung eines Schüsschens von Neuville ins Nirgendwo und einen Fernschuss Röslers übers Tor. Auf der Gegenseite schlenzte Allagui den Ball nach Schieds Zuspiel leider übers Tor. In der 45. min standen bei einem Konter 4 Jenaer 3 Abwehrspielern gegenüber, aber der ballführende Werner – links lief Allagui, rechts Schied und in der Mitte sperrte Simak im den Weg frei – wählte die schlechteste aller Varianten und schoss unkonzentriert auf die falsche Torecke und klar vorbei. Als alle Blau-gelb-weißen sich schon auf die 1:0-Pausenführung freuten, sauste der Ball über die Stationen Allagui, Simak, Schied, wieder Simak auf halblinks zu Werner. Dessen Flachschuss konnte Heimeroth zwar noch aufhalten, aber Schied stand goldrichtig und sorgte mit seinem zweiten Treffer für allgemeines Verzücken im Stadion.
„Sch…, warum hat Fußball immer zwei Halbzeiten!“, so mein Stoßseufzer in der Pause und mir kam jenes vorjährige 3:3 gegen Duisburg in den Kopf. Aber anscheinend und glücklicherweise hatten die Jenaer Spieler dieses Unentschieden vergessen, denn es ging weiter nach vorn und vor allem Schied setzte sein Duell mit Heimeroth fort. Nach einem hoch in den Jenaer Strafraum getreten Freistoß zappelte der Ball im Tor des FCC, aber der Kopfballtäter Rösler stand abseits. Den Rest des Spieles könnte man kurz zusammenfassen: Gladbach bemüht, aber wirkungslos, der FCC mit saugefährlichen, blitzschnellen Angriffen, in denen Simak fast immer Dreh- und Angel- und Ausgangspunkt war. Simak auf Werner (abgefälscht und knapp drüber), auf Schied, wieder auf Werner, wieder auf Schied… Aber immer kam etwas dazwischen, Heimeroth, ein Verteidiger – das 3:0 schien lediglich eine Frage der Zeit zu sein und ein bezüglich der Trikotfarben Ahnungsloser hätte in den Weißen den Fasterstligisten vermutet, der dem Tabellenkellerkind gerade zeigt, wie Fußball funktioniert. Selbst Simak sündigte mit einer Hundertprozentigen, als er sich nach Doppelpass mit Werner die Torecke aussuchen konnte, leider jedoch das hellblaue Trikot Heimeroths als Ziel wählte. Aber oben steht „könnte“, denn plötzlich brachte Marin eine Flanke von links vor Khamutouskis Tor und Colautti, der von Kandelaki lediglich begleitet wurde, köpfte den Anschlusstreffer. Sollte mal jemand ein Anschauungsbeispiel für ein Tor der Marke „Völlig überraschend und unverdient“ benötigen, so kann er auf dieses zurückgreifen. Wer nun einen Bruch im Jenaer Spiel erwartet hatte, wurde positiv überrascht. Es ging weiter nach vorn und eine Chance nach der anderen wurde vergeben. Fünf Minuten nach dem 2:1 war es wieder einmal Schied, der frei vorm Torwart scheiterte. Und als dann auch noch Schiedsrichter Weiner das Foul an Simak (73.) nicht dort ahndete, wo es ausgeführt wurde – nämlich auf der Strafraumgrenze bzw. knapp drin -, sondern dort, wo Paauwe es offensichtlich geplant hatte – 3 Meter vorm Strafraum – schienen sich alle Götter gegen den FCC verschworen zu haben. In der 75. Minute konnte Khamutouski nach einem Gäste-Freistoß gerade noch zur Ecke klären. Diese Ecke jedoch verdarb allen Zeiss-Fans den Abend: Statt „Langholz“ wie bisher, flog der Ball aufs kurze Torraumeck und da vier Jenaer vom Boden nur in die Luft starrten, durfte Colautti unbedrängt das 2:2 einköpfen. Das konnte doch nicht wahr sein! Drohte gar noch eine Niederlage, kam jetzt Gladbach in Fahrt? Nö, es war weiterhin der FCC, der das Spiel bestimmte – und seine Chancen vergab. Zunächst stoppte die Abseitsfahne (*zweifel_anmeld*) den durch Simak freigespielten Schied (83.), dann köpfte der eingewechselte Torghelle eine Ziegner-Flanke an den Pfosten. Den kräftigen Stoß, den der dabei von hinten bekam, pfeifen etliche Referees sicherlich als Foul. Und nochmals war es Torghelle, der aufs Tor und leider auch direkt auf den Torwart köpfte. Weiner bekam schließlich Mitleid mit Borussia und rettet sie nach nur einer Minute Nachspielzeit mit dem Schlusspfiff. Stände der FCC irgendwo im sicheren Mittelfeld, wären ihm „standing ovations“ der knapp 13.500 Zuschauer sicher gewesen (das war wie schon das Hinspiel ein ganz starkes Spiel), aber so dominierte die Enttäuschung über zwei vergebene Punkte.
Das 2:2 (vor dem Anpfiff wäre ich damit schon zufrieden gewesen) war gerade angesichts des Spielverlaufs ein großer Eimer Wasser auf den Hoffnungsfunken Klassenerhalt, aber deswegen aufgeben? Es sind noch 5 Spieltage und Einstellung und Spielkultur unserer Mannschaft verbieten es einfach, jetzt schon zu kapitulieren. Zudem fehlt in meiner DVD-Sammlung noch das Exemplar „Die Sensation von Jena“. <uk>
SC Freiburg - FC Carl Zeiss Jena 2:0
Tore: 1:0 Idrissou (32.), 2:0 Butscher (48.)
- Freiburg: Langer; Schwaab, Krmas, Butscher, Schlitte; Banovic, Glockner, Pitroipa, Idrissou, Günes; Bencik
- Jena: Khamutouski; Maul, Müller, Kandelaki; Seturidze
(56. Torghelle), Kikuchi, Hansen, Ziegner, Werner; Schied (75. Petersen),
Allagui
- Zuschauer: 14.050
- Schiedsrichter: Perl (München)
- Spielbericht:
- Eigentlich passierte nichts Unerwartetes: Die Siegesserie
des FCC riss und es gab in Freiburg, der uns letzte Saison noch alle sechs
Punkte überlassen musste, eine Niederlage. Ärgerlich war nur, dass (mit etwas Glück
und Überblick) diese Niederlage vermeidbar gewesen wäre. Auf- und
Abstiegskandidat lagen spielerisch wesentlich dichter beieinander, als es ein
Blick auf die Tabelle vermuten ließ. Es waren aber die eigentlich spielerisch
und technisch starken Gastgeber, die den einfacheren, klar strukturierten – und
letztendlich effektiveren – Fußball spielten, während beim FCC zu viele
Schnörkel und Schlenker den Spielaufbau bremsten und oft der direkte Zug zum
Tor fehlte. Zudem dürften die vielen Ungenauigkeiten nicht nur die Fans
geärgert haben, da fehlte Jan Simak.
Doch der Reihe nach: Freiburg begann druckvoll und bereits
nach 2 Minuten rauschte der erste Schuss auf unser Tor, zum Glück deutlich zu
hoch. Und auch die weiteren Angriffe kamen über die rechte Angriffsseite und
insgesamt erspielten sich die Hausherren ein optisches Übergewicht. Der FCC
stellte sich aber nicht hinten hinein, sondern spielte auch selbst nach vorn
und erarbeitete sich Chancen. So konnte Hansen – mit Khamutouski und
Allagui einer der drei stärksten Jenaer – erst im letzten
Moment an der Strafraumgrenze am Torschuss gehindert werden. Und nach einer
Viertelstunde versuchte es Hansen selbst durch die Mitte anstatt auf den
halblinks startenden Werner zu passen. Den ersten ernsthaften Angriff auf die
Nerven der mitgereisten FCC-Fans gab es in der 18. min, als ein scharfer Schuss
eines Freiburgers am Pfosten landete und Maul den zweiten Versuch gerade so
kurz vor der Linie entschärfte. Mit dieser Aktion schien dann das Schlimmste
überstanden zu sein, denn der FCC schaffte ein spielerisches Gleichgewicht und
es ging auf dem Rasen relativ ausgeglichen hin und her. Zwar musste Khamutouski
innerhalb von Sekunden zweimal ganz stark reagieren (26.), doch auch der FCC
hatte Chancen. Erst flankt Werner bei einem Konter viel zu ungenau auf
Allagui (25.), später wird Schied im Strafraum zu Fall
gebracht (ob es Foul war, konnte man quer durchs ganze Stadion nicht erkennen),
den querspringenden Ball jagt Maul leider nicht in die Tormaschen, sondern hoch
auf die Freiburger Endtribüne. Hier etwas Abgeklärtheit…
In dieser Phase
spielte sich der Schiedsrichter mit einigen seltsamen Entscheidungen ins
Rampenlicht. Einen Schlag auf Ziegners Hals –
Ziegner ging zu Boden und musste behandelt werden – übersah
er aus nächster Nähe großzügig und die Freiburger dankten dies entsprechend:
Banovic schickte innerhalb von sechzig Sekunden zwei Jenaer
in Zweikämpfen mit dem Ellenbogen auf die grüne Wiese, ohne dass er die
hochverdiente Gelbe Karte sah. In der 32. min wird Hansen im Zweikampf zu Boden
gestoßen – kein Pfiff – und Kikuchi klärte in der
folgenden Szene mit einem blitzsauberen Tackling, das seltsamerweise mit einem
Freistoß bestraft wurde. Der Ball schwebte eine mittlere Ewigkeit in der Luft,
trotzdem schauten alle Jenaer zu, wie Idrissou
unbehelligt zum Kopfball hochstieg und das 1:0 machte. Der Gegentreffer schien
einige Bremsen in unserem Team zu lösen, denn es begann die stärkste Phase des
FCC. Freiburg wurde in deren eigene Hälfte gedrängt und der Ausgleich lag in der
Luft. In der 34. min köpfte Allagui aus wenigen
Metern unbedrängt fast genau auf Langer, fünf Minuten später zielte er nach
einem Zuspiel Schieds zu hoch und in der 42. min
vollendete Allagui seinen Hattrick der vergebenen
Gelegenheiten, in dem ihm nach einer Eck der Ball am langen Pfosten versprang.
Als Langer sich einen harmlosen Rückpass fast selbst ins Tor legte, hatte der
Referee Erbarmen und pfiff zur Pause. Nach dem Spielverlauf der ersten 45
Minuten war die Freiburger Führung etwas glücklich und so war die Hoffnung im
Gästeblock in der Halbzeitpause mit den Händen zu greifen.
Es begann nach Wiederanpfiff auch ganz flott mit je einer
Chance für jedes Team: Erst brannte nach Doppelfehler von Maul und Hansen die
Luft vorm Jenaer Tor, dann kam Schied gegen Langer nur einen Schritt zu spät.
Plötzlich jedoch blankes Entsetzen unter den Zeiss-Fans, als eine Quasi-Kopie
jener Freistoßszene aus der 32. min ablief – Flanke (Freiburg), Zugucken (FCC),
Kopfball (Freiburg) = 2:0. Der Rest ist schnell erzählt: Freiburg immer dann
gefährlich, wenn sie schnell über die Außenpositionen kamen und Flanken vor
Khamutouskis Tor schlugen. Da hatten wir es einige Male unserem Keeper zu
verdanken, dass es nicht schlimmer kam. Der FCC bemühte sich redlich und kam
auch immer wieder an und in den Strafraum, aber dort agierte man zu
umständlich. Beste Beispiele: Allagui setzt sich
links durch, legt auf Schied ab, der zögert mit dem Schuss, legt wieder ab, der
Ball kam irgendwie zu Hansen und der schafft unter Bedrängnis nur ein
Schüsschen (62.); später (83.) tanzt Allagui an der
rechten Strafraumecke einen Freiburger aus, legt quer auf Werner, der jedoch –
anstatt zu schießen – zweieinhalb Haken schlägt und die Chance zum Schuss nicht
nutzt. Die Zusammenfassung des FCC-Spiels der zweiten Halbzeit bot die letzte
Szene in der Nachspielzeit, als Werner eine Ecke hektisch kurz auf
Ziegner ablegte und der sich am Gegenspieler festdribbelte…
Bemüht, aber ungenau, uneffektiv und überhastet.
Fazit: 1. Mit der Niederlage und den anderen Ergebnissen
sind die Chancen auf den Klassenerhalt gesunken, aber es sind noch sechs
Punktspiele, die man nicht kampflos hingeben kann. 2. Es gibt derzeit
niemanden, der Simaks Rolle ausfüllen kann. 3. Aufgeben? Niemals. <uk>
FC Carl Zeiss Jena - SC Paderborn 07 3:0
Tore: 1:0 Allagui (39.), 2:0 Simak (53.,FE), 3:0 Werner (89.)
- Jena: Khamutouski; Maul, Müller, Stegmayer (28.Ziegner); Riemer, Hansen, Werner, Simak, Kandelaki; Schied (79.Torghelle), Allagui (90.Oniani)
- Paderborn: Nulle; Gouiffe à Goufan (63.Hoilett), Djurisic,
Gonther, de Graef (71.Damjanovic); Fischer, Schüßler, Koen
(26.Halfar), Krösche; Müller, Löbe
- Zuschauer: 10.112
- Schiedsrichter: Sippel (München)
- Spielbericht:
- (von Gastkommentator Benny Hiltscher)
Es ist nur ausgesprochen selten der Fall, dass bei einem Spiel des Tabellenvorletzten gegen den Tabellenletzten beide Mannschaften
von sich behaupten können, sechs Punkte aus den vorangegangenen beiden Spielen geholt zu haben. In Anbetracht der Tabellensituation,
die trotz der letzten Erfolge für beide Mannschaften einen Rückstand von acht Punkten zum rettenden Ufer auswies, war dennoch
von vornherein klar, dass keiner der beiden Mannschaften heute ein Unentschieden weiterhelfen würde. Wenn man noch einmal ernsthaft
in den Kampf um den Klassenerhalt eingreifen wollte, musste heute unbedingt ein Sieg her. Nicht wenigen der 10112 Zuschauer im
Ernst Abbe Sportfeld machte die Folge dieser Situation Sorgen - die Jenaer Mannschaft stand wieder unter Druck, man musste etwas
zeigen. Hatten sich viele Fans vor dem Spiel gegen Greuther Fürth bereits mit dem wahrscheinlichen Abstieg abgefunden, so
hatten die zuletzt erkämpften sechs Punkte gegen eben jene Fürther und die Mannschaft von 1860 München nun doch
wieder leise Hoffnungen auf das nächste "Wunder von Jena" geweckt. Das Überleben dieses Hoffnungsschimmers hing
maßgeblich von den bevorstehenden 90 Minuten ab, denn ein Unentschieden oder gar eine Niederlage gegen den unmittelbaren
Tabellennachbarn hätte der gerade erst wiederbelebten Hoffnung wohl endgültig den Garaus gemacht. Für die
Gäste aus Paderborn, seit der Winterpause vom ehemaligen Erfurt-Trainer Pavel Dotchev trainiert, galt natürlich das Gleiche.
Die erste Hiobsbotschaft für Paderborn kam bereits vor dem Anpfiff des Spiels, Stammtorwart Lukas Kruse verletzte sich beim
Aufwärmen und für ihn musste Carsten Nulle, in der Winterpause auch als mögliche Verstärkung für den
FCC im Gespräch gewesen, das Tor der Gäste hüten. Die ersten Minuten des Spiels verstrichen dann auch ohne
große Torchancen, beiden Mannschaften war anzumerken, dass man unnötige Fehler um jeden Preis vermeiden wollte.
Nach 15 Minuten hatten beide Seiten ihren ersten zaghaften Torschuss abgeliefert, ohne die Torhüter jedoch vor schwierige
Aufgaben zu stellen. In der 24. Minute erspielten sich die Jenaer dann die bis dato größte Chance des Spiels,
nach einer punktgenauen Hereingabe von Ilya Kandelaki kommt Marcel Schied aus kurzer Distanz zum Abschluss, seinen Schuss
aus der Drehung kann Paderborns Schlussmann jedoch mit Glück und Können parieren. Nur sieben Minuten später
wäre allerdings um ein Haar die Gastmannschaft in Führung gegangen, nach einer Flanke von Markus Krösche
kommt Alexander Löbe relativ unbedrängt zum Kopfball, zum Glück für Jena fliegt der Ball aber wenige
Zentimeter am rechten Pfosten vorbei. Aus dieser Distanz wäre auch Vasili Khamutouski, der heute kaum Gelegenheit
hatte sich auszuzeichnen, chancenlos gewesen. Nur drei Minuten später die nächste gefährliche Aktion der
Gäste, ein Müller-Freistoß aus etwas mehr als 25 Metern Entfernung geht nur haarscharf am linken Pfosten
vorbei, diesmal wäre Khamutouski aber zur Stelle gewesen.
Die Jenaer Antwort auf diese beiden Möglichkeiten der Dotchev-Elf kam prompt und hätte nicht besser aussehen
können, Tobias Werner schlägt den Ball die linke Außenlinie entlang und schickt Jan Simak, der den Ball
erläuft und gefühlvoll flach in die Mitte flankt, wo Sami Allagui am Fünf-Meter-Raum in den Ball grätscht -
keine Chance für Carsten Nulle, die Führung für den FCC! Die wichtige Führung gab der Mannschaft Sicherheit,
nur vier Minuten später konnte Allagui nach schönem Solo erst im letzten Moment der Ball vom Fuß gespitzelt
werden; wiederum nur Sekunden später kommt Marcel Schied aus etwa 20 Metern zum Schuss, den Nulle nur abprallen
lassen kann - Jena gehörte die Schlussphase der ersten Halbzeit. In Anbetracht dieser Chancen und des Eckenverhältnisses
von 5:0 war die Jenaer Pausenführung durchaus berechtigt, Paderborn zeigte vor allem dann Schwächen, wenn es darum ging,
aus Ballbesitz und Feldüberlegenheit auch Torchancen zu erspielen, woran die mit gutem Stellungsspiel glänzende
Jenaer Abwehr natürlich maßgeblichen Anteil hatte.
Zu Beginn der zweiten Halbzeit hatte man den Eindruck, dass sich Gäste-Trainer Dotchev die Halbzeitansprache hätte
sparen können, denn die Jenaer Elf machte genau dort weiter, wo sie vor dem Pausenpfiff aufgehört hatte. Ein wunderbares
Zusammenspiel zwischen Ilya Kandelaki und Marcel Schied schloss letzterer schließlich mit einem sehenswerten Schlenzer aus
halblinker Position ab, der Ball senkte sich genau im richtigen Moment, landete aber zur Enttäuschung (fast) aller nur auf
dem Tornetz. Vier Minuten nach Wiederbeginn schon die nächste dicke Chance für die nun deutlich überlegenen Jenaer,
nach gefühlvollem Simak-Lupfer in die Lücke zwischen zwei Abwehrspielern kommt Allagui im Strafraum zum Schuss,
Torwart Nulle nutzt die Gelegenheit allerdings um sich auszuzeichnen und klärt den Ball mit den Fingerspitzen zur Ecke.
Weitere vier Minuten später ist Marcel Schied erneut freigespielt und wird kurz vorm Abschluss vom letzten Paderborner
von hinten umgerempelt. Schiedsrichter Sippel aus München, der unterm Strich eine gute Leistung zeigte, zögerte
nicht und zeigte auf den Punkt. Der wieder einmal groß aufspielende Jan Simak legt sich den Ball zurecht, schickt
Carsten Nulle in die falsche Ecke und verwandelt seinen fünften Elfmeter für Carl Zeiss Jena trocken und todsicher
in die rechte untere Ecke zum 2:0. Wer nun mit wütenden Angriffen der Paderborner rechnete, sah sich getäuscht,
echte Chancen für die Gäste-Elf blieben Mangelware, stattdessen war Jena sichtlich um eine weitere Verbesserung
der Tordifferenz bemüht. Leider war man im Abschluss der zahlreichen sich bietenden Gelegenheiten nicht konsequent
genug, ansonsten wäre heute durchaus Raum für weitere Tore vorhanden gewesen. Nur zwei Minuten nach dem 2:0 kontert
der FCC im eigenen Stadion die Paderborner aus, aus der 4-gegen-2-Situation wird allerdings zu wenig gemacht, weil Marcel
Schied zu spät auf Marco Riemer ablegt, der einen auf der Linie stehenden Paderborner Verteidiger anschießt, den
Abpraller jagt Torsten Ziegner schließlich in die Wolken. Nach fast 70 Minuten Spielzeit gibt es den ersten Eckball
für Paderborn, Khamutouski klärt die Situation aber souverän per Faustabwehr. Nicht wenige Leute werden
sich auch heute wieder gefragt haben, wo der FCC wohl heute stünde, wenn er ab dem ersten Spieltag den weißrussischen
Nationaltorhüter im Gehäuse gehabt hätte, die Sicherheit, Ruhe und Souveränität, die dieser ausstrahlt,
ist Balsam auf die leidgeprüfte Jenaer Fußballseele. In der 71. Minute kommt es dennoch fast zum Anschlusstreffer
der Paderborner, der zu diesem Zeitpunkt alles andere als verdient gewesen wäre, denn die Jenaer Abwehr tut sich schwer
damit, den Ball im eigenen Strafraum zu klären. Nach gefühlten Minuten des Durcheinanders im Strafraum wirft sich
Alex Maul in den Schuss und klärt zur zweiten Ecke für Paderborn - Durchatmen. Geweckt von dieser Chance übernimmt
Jena wieder die Initiative, keine Spur von Angst oder mangelndem Selbstvertrauen. In der 77. Minute leitet wieder einmal Simak
mit einem herrlichen Pass aus dem Stand über den halben Platz eine Allagui-Chance ein, der aus rund 16 Metern leider
genau auf den Torhüter des Tabellenschlusslichts schießt. Nur eine Minute später nimmt sich Allagui erneut
ein Herz, sprintet über die gesamte Außenbahn und legt schließlich auf Simak ab, der die Chance verpasst,
sein tolles Spiel mit einem zweiten Treffer zu krönen, denn Markus Krösche kann ihm im letzten Moment den Ball
vom einschussbereiten Fuß spitzeln. Auch die nächste Chance gehört dem FCC, nach einer der zahlreichen
Simak-Ecken kommt Alex Maul sechs Minuten vor Spielende völlig unbedrängt aus fünf Metern zum Kopfball,
schafft es aber analog zu Löbe im ersten Durchgang, diese hundertprozentige Chance neben den Pfosten zu setzen.
Den aus Jenaer Sicht krönenden Abschluss des Spiels realisiert in der letzten Spielminute Tobias Werner, der einen
weiteren Jenaer Konter nach Vorlage von Jan Simak mit einem sehenswerten Volleyschuss aus 16 Metern unter die Latte
zum 3:0-Endstand abschließt.
Jan Simak, an dem der VfB Stuttgart unter der Woche sein Interesse erneut bekundet hat, war auch heute wieder an allen
drei Toren beteiligt - zweimal als Vorbereiter, einmal selbst als Torschütze. Ebenfalls hervorragend spielten Robert
Müller, der in der Abwehr ein ums andere Mal goldrichtig stand und mehrfach Paderborner Angriffe souverän bereits
im Ansatz geklärt hat sowie der quirlige und sehr lauffreudige Sami Allagui. Aber nicht nur die gerade genannten, die
gesamte Jenaer Mannschaft zeigte heute eine überzeugende Leistung. Es war jederzeit zu erkennen, wie wichtig jeder
Spieler das Spiel nahm und erfreulicherweise waren auch alle in der Lage, dem resultierenden Druck standzuhalten. Wenn man
am heutigen Spiel etwas kritisieren will, dann muss man die Chancenverwertung ansprechen, die wie so oft nicht optimal war -
Aber wer will schon nach einem 3:0 über mangelhafte Chancenverwertung reden? Der Jenaer Auftritt insgesamt macht
tatsächlich wieder Hoffnung, die Chance zum Klassenerhalt besteht weiterhin, der Rückstand auf das rettende
Ufer hat sich mit dem heutigen Tag auf sechs Punkte verkürzt. Auch wenn sich am Tabellenplatz nichts geändert hat,
war die Stimmung im Stadion nach dem Schlusspfiff von Hoffnung und dem Glauben an die Mannschaft geprägt, der von
vielen schon als unvermeidlich akzeptierte Abstieg scheint nach neun Punkten aus den letzten drei Spielen plötzlich
doch wieder vermeidbar. Ob die Hoffnung der Jenaer Fans berechtigt ist, wird sich in den nächsten Wochen zeigen, die
Gegner heißen Freiburg, Mönchengladbach und Hoffenheim und hegen allesamt Aufstiegsaspirationen - jetzt muss die
Mannschaft zeigen, was die grade begonnene Serie wert ist!
44 Fotos von Jens Weißenburger
Simak macht den Unterschied - Der Bericht auf scpaderborn07.de
TSV 1860 München - FC Carl Zeiss Jena 1:2
Tore: 0:1 Werner (60.), 1:1 Göktan (72.); 1:2 Schied (87.)
- München: Tschauner; Hoffmann, Thorandt, Berhalter, B. Schwarz
(69. Kucukovic); L. Bender (33. S. Bender), Bierofka, Göktan, Holebas,
D. Schwarz (89. Gebhart); Di Salvo
- Jena: Khamutouski; Maul, Müller, Stegmayer; Werner (90.
Kühne), Hansen, Riemer, Simak, Kandelaki; Allagui (84. Oniani), Petersen
(69. Schied)
- Zuschauer: 38.100
- Schiedsrichter: Frank (Hannover)
- Spielbericht:
- Es war alles so einfach. Noch vor dem Fürth-Spiel endeten
alle Rechenspiele eine Liga tiefer. 12 Punkte Rückstand vom rettenden 14. Platz
entsprechen ungefähr der Entfernung von Telly
Savalas’ Glatze zu einer Vollhaarfrisur. Und so waren auch
die größten Sonnenscheinchen unter den Fans inzwischen von der Vorstellung geheilt,
nächstes Jahr noch in die Allianz-Arena oder nach Köln zu müssen. Jetzt, eine
Woche später und sechs Punkte näher am rettenden Ufer ist alles viel
schwieriger. Die Tabelle wird hin und her gedreht, alle Wenn und Abers werden erschöpfend
durchdiskutiert. Der Patient FC Carl Zeiss lebt auf einmal wieder. Zwar nur ein
bißchen, aber er lebt. Und viel wichtiger: Er will auch leben! Beziehungsweise wenn
er schon sterben soll, dann wenigstens schön! Befreit von der Sorge, nächstes
Jahr eventuell im UEFA-Cup kicken zu müssen, ist es offensichtlich wieder
leichter sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Nur so ist die gute
Leistung von gestern zu erklären. Die 60er waren am Ende völlig verdient in die
Knie gezwungen.
Für Herzkranke war es allerdings nix, da die Jenaer das
Auslassen von Großchancen offenbar zur höchsten Vollendung entwickelt haben.
Die erste Heldentat diesbezüglich vollbrachte Niels Hansen in der 9.
Spielminute. Schön freigespielt von Sami Allagui
schob er den Ball aus Nahdistanz am langen Pfosten vorbei. Allagui
versuchte sich nach einer knappen halben Stunde dann auch noch selbst. Er stand
zwar etwas weiter weg, vollbrachte aber ansonsten exakt das gleiche
Kunststückchen. So ist das halt, wenn man im gesicherten Tabellenkeller
rangiert! Zehn Minuten vor der Pause war Simak dann
eigentlich frei durch, der Linienrichter verweigerte ihm aber die Möglichkeit
des Nichttreffens. Eine glatte Fehlentscheidung, aber das kennen wir ja… Und
die Münchener? Deren Selbstbewußtsein hatte nach sechs sieglosen Spielen
offensichtlich derart gelitten, da kam nicht viel. Selbst die Anfangsoffensive,
mit der uns der Gegner üblicherweise beglückt, blieb aus. Keine Spur von
Aufstiegsambitionen. Ein oder zweimal rumpelten die Stürmer zwar durch unseren
Strafraum, zum Aufschreiben war das allerdings nix. Und so muß man die beste
Jenaer Halbzeit seit langer, langer Zeit konstatieren.
Aber was nützt das alles
ohne ein Tor? Das mußte in Halbzeit 2 unbedingt anders werden, denn alles andere
als drei Punkten wäre zu wenig. Dementsprechend engagiert ging es von Jenaer
Seite zur Sache. Zunächst aber das gleiche Spiel. Erst versaut Tobias Werner einen
schönen Konter (47.), drei Minuten später setzt sich
Simak nach einem Doppelpaß mit Allagui
gegen mehrere Löwen durch, kommt dann aber – wie so oft – nicht zum Ende. Und
einen Elfer gibt’s für so einen Faller auch nicht.
Dann aber, gerade als uns Thorandt mit seinem
35m-Schuß auf die ‚Kreuzecklatte’ (O-Ton 1860-Ticker (-:) einen ‚kleinen’
Schreck eingejagt hatte, war es soweit. Allagui
(fleißig aber meistens glücklos) erkämpft sich den Ball an der Mittellinie von
Berhalter, paßt auf den mitgelaufenen Werner (fleißig aber
meistens ebenso glücklos), der beiden Akteuren das ‚Glücklos’ aus der
Arbeitsbeschreibung schießt. Der Ball landet im kurzen Eck; endlich die
verdiente Führung und riesiger Jubel im Jena-Block (60.). Doch damit beginnt
auch das große Zittern. Ab dieser Zeit werden meine Notizen immer lückenhafter,
Schreiben geht nicht mehr. Die Spannung wird unerträglich. Und sie steht in
jedes Gesicht geschrieben. Hoffentlich hält das Bollwerk da hinten.
Vasili
Khamutouski kriegt alle Hände voll zu tun. Zunächst
kann er einen Schuß aus Nahdistanz von Di Salvo zur
Ecke abwehren (62.), kurze Zeit später verpaßt Di Salvo
noch eine Vorlage von Bierofka nur ganz knapp (65.).
Durchatmen. Dann ist Schied auf einmal durch, kommt knapp vor
Tschauner im Löwen-Tor an den Ball. Der Preßschlag landet
wieder bei Schied, der mit einem mißglückten Anspiel auf Allagui
die schlechteste Entscheidung trifft. Warum haut er denn nicht einfach drauf.
Blankes Entsetzen (67.). Das weicht kurze Zeit später einer gewissen
Trostlosigkeit, nachdem Göktan die sich häufenden
Zuordnungsfehler in der Jenaer Abwehr ausnutzt und Khamutouski
mit einem Flachschuß überwinden kann. Wie kann man den Gegner nur so stark
machen? Erst später höre ich, daß hier ein Abseits im Spiel gewesen ist. Sollte
es so sein, sticht diese Fehlentscheidung wenigstens nicht sonderlich raus.
Hätte Khamutouski ähnlich schwach gehalten, wie
Thomas Frank pfiff bzw. seine beiden Assistenten winkten, wir hätten die Jacke
jetzt so richtig voll gekriegt. Haben wir aber nicht, denn Vasili hält alles.
Er muß den Ball ähnlich gemächlich auf sich zufliegen sehen, wie der Keanu
Reaves in Matrix die Kugeln. Bloß das Reaves
immer schnell weghüpft (Feigling!), während sich Khamutouski
zunächst in Da Silvos Flugkopfball wirft, um den
Bruchteil einer Sekunde später auch noch den Nachschuß zu parieren (77.). Nicht
anders zu erklären!
Jetzt sind wir wieder am Drücker. Simak
holt einen Freistoß raus, schießt ihn selbst. Die Hälfte unseres Blocks fällt
sich in die Arme, die andere sieht es etwas realistischer. Knapp drüber (85.).
Dann die große Möglichkeit für Schied. Ach nö, wie
kann man denn so was machen. Sein Kopfball von der Torraumgrenze geht rechts am
Tor vorbei. So steigt man ab! Dann sind nur noch drei Minuten zu spielen. Auf
einmal taucht Schied wieder vor Tschauners Tor auf.
Was jetzt passiert, läßt sich nicht mehr genau rekonstruieren. Es geht alles
rasendschnell. Wir liegen uns in den Armen, die Mannschaft steht vor dem
Fanblock und feiert. Alles flippt aus. Wir leben wieder! Schied hat das Ding
reingehämmert. 2:1. Das muß es doch sein. Der Rest ist Brüllen, Singen, Zittern
und dann… Feiern. Wir sind schweißgebadet, die Nerven sind runter, die
Stimmbänder abgenutzt. Erst im Parkhaus kommt der Puls wieder unter 200. Dort
haben wir auch genug Zeit dafür. Der Automat an der Ausfahrt ist im Eimer, einfach
weltmeisterlich! Aber auch das kann einen solchen Tag nicht mehr verderben!
Nächsten Sonntag kommt dann das Endspiel um Platz 17. Im
Falle des Nichtsiegens wird sich das Jenseits unter uns wieder ganz weit
auftun. Aber bis dahin aber können wir erst mal wieder Hoffen. Und das alleine
ist schon mehr als man vor einer Woche erwarten durfte. <bpf>
Bilder des Tages
Bericht auf tsv1860.de
Bericht auf fansmedia.org zu Vorgängen am Rande des Spiels
FC Carl Zeiss Jena - SpVgg. Greuther Fürth 1:0
Tor 1:0 Simak (11., FE)
- Jena: Khamutouski; Maul, Müller, Stegmayer; Werner, Hansen, Ziegner (46. Riemer), Simak, Kandelaki; Allagui (83. Schied), Torghelle (68. Petersen)
- Fürth: Kirschstein; Felgenhauer (66. Schröck), Biliskov,
Mausersberger, Achenbach; Ilicevic, Burkhardt, Lanig, Adlung (66. Nehrig,
, 90.); Kotuljac, Reisinger (46. Cidimar)
- Zuschauer: 5446
- Schiedsrichter: Anklam (Buchholz)
- Spielbericht:
-
Zu Ostern kehrte der Winter zurück. So konnte die vom Verband
vorgeschriebene, kostspielige Rasenheizung wenigstens einmal in dieser
Zweitligasaison ihren Zweck erfüllen, die über Nacht gefallenen Schneeflocken
zum Schmelzen zu bringen und einen möglichen Spielausfall abzuwenden.
Henning Bürger hatte im Vergleich zum Pokalaus von Dortmund
drei Veränderungen in der Anfangself vorgenommen. Diese sollten
spielentscheidenden Charakter tragen, denn alle drei Neuen waren an der
Entstehung des 1:0 beteiligt. Sandor Torghelle ging zum Mann und eroberte den
Ball. Nach Zuspiel des Ungarn auf seinen Stürmerkollegen leitete Sami Allagui
den Ball in die Mitte, wo Fürths Torhüter Kirschstein zwar den Ball erwischte,
aber auch das Bein von Ilja Kandelaki. Der Schiedsrichter zeigte auf den
Elfmeterpunkt und obendrein noch Gelb. Mit gewohnter Kaltschnäuzigkeit
verwandelte Jan Simak den Strafstoß genau ins linke untere Eck. Kirschstein
hatte zwar die Ecke geahnt, kam aber nicht mehr ganz hin.
Frühzeitig in
Rückstand geraten, mussten die Franken nun das Spiel gestalten. Eine Rolle, die
ihnen in den vergangenen Wochen nicht so wirklich lag und in Heimniederlagen
gegen Kaiserslautern und Koblenz mündete. Erschwerend kam hinzu, dass die
Rasenheizung zwar einen Großteil des Schnees wegbekommen hatte, der Boden
dennoch feucht und glatt war, bei jeder ruckartig schnellen Bewegung Probleme
bereitete. Gemessen an diesen Voraussetzungen war die Partie insgesamt durchaus
ansehnlich. So honorierten die Zuschauer beispielsweise Torghelles überlegt
gelupften Ball, den Kirschstein einen Augenblick vor Simak wegfing. Oder
Ziegners Fernschuss, der knapp am linken Pfosten vorbei strich. Mit 53 zu 47
Prozent gestalteten sich diesmal sogar die Zweikampfwerte positiv für den FC
Carl Zeiss. Dies hatte es nicht einmal in der total überlegen geführten ersten
Halbzeit gegen Wehen Wiesbaden gegeben. Auf
Fürther Seite sorgte Alksandar Kotuljac drei Minuten vor dem Pausenpfiff
für Gefahr. Seinen Torschuss fing zunächst Hansen kurz vor der Torlinie ab;
beim neuaufgebauten Angriff flankte Adlung von rechts, Kotuljac in der Mitte
kam einen Moment zu spät. Was sonst noch aufs Jenaer Tor flog, wurde zur Beute
des gewohnt sicheren Vasili Khamutouski. Dank seiner Paraden ging es mit
einem knappen Vorsprung in die Kabine.
Torsten Ziegner blieb gleich dort. Schon nach acht Minuten
hatte der Schiedsrichter-Assistent Jenas Trainer Henning Bürger geraten, den
Meckerns rotgefährdete Ziegner herunter zu nehmen, dieser besann sich aber bis zur Pause. Dass für ihn
danach Marco Riemer ins Spiel kam, kann durchaus als Wechsel auf die Zukunft
gesehen werden. Denn Talente wie das 20jährige Eigengewächs mit den roten
Zottelhaaren werden wir in Liga drei (wenn es denn dazu kommen sollte) gut
gebrauchen können. Da ist es auf jeden Fall von Vorteil, vorab schon mal
Zweitligaluft geschnuppert zu haben. Auf der ungewohnten Position im Mittelfeld
wäre dem gelernten Verteidiger beinahe ein ähnlicher Einstand gelungen wie
weiland Nils Petersen aus dem selben Jahrgang, der gleich nach seiner
Einwechslung beim Debüt einen Treffer erzielt hatte. Auch Riemer bot sich diese
Möglichkeit, stand er doch Sekunden nach Wiederanpfiff mutterseelenallein auf
Höhe des rechten Pfostens. Doch war er wohl zu sehr davon überrascht, dass der
Ball durch eine Spielertraube hindurch noch zu ihm gelangt war, um selbigen
überlegt im Tor versenken zu können.
Kurz danach mussten gleich zwei Jenaer behandelt werden.
Nach Foulspiel erwischte es zunächst Niels Hansen. Mit dem ehemaligen
Freiburger scheinen unsere Probleme auf der Sechserposition vor der Abwehr
beseitigt. Nun aber drohte sein Ausfall. Doch Hansen rappelte sich hoch. Kaum stand er wieder auf dem
Platz, warf sich Khamutouski mit vollem Einsatz in den Schuss eines allerdings
im Abseits befindlichen Fürthers. Aus drei Metern Entfernung traf ihn der Ball
voll auf die Nase. „Ich muss hinten die Null halten, wie ist egal“,
konnte der Weißrusse nach dem Spiel schon
wieder drüber lächeln. Nach endlos langen Minuten des Bangens um unseren
Top-Torhüter konnte aber auch dieser mit blutverschmiertem Trikot weitermachen.
Und das war wichtig, galt es doch nach einundsechzig Spielminuten eine Gästechance
zunichte zu machen, die entstanden war, nachdem Maul Gegenspieler Kotuljac
angeschossen hatte. In der Folgezeit rückte allerdings auch der ehemalige
HSV-Keeper Kirschstein wieder in den Brennpunkt. Zunächst bei Schüssen von
Torghelle (63.) und Allagui (73.). Nach deren Auswechslung im eins-eins gegen
Ilja Kandelaki, welcher eine schöne Einzelaktion von Nils Petersen nicht
verwerten konnte, das Leder nicht an Kirschstein vorbei brachte.
Der
Tabellenvierte, der in dieser Saison so gern das Prädikat „Unaufsteigbar“
loswerden möchte, wirkte insgesamt nicht zielstrebig genug. Lediglich der
Ex-Magdeburger Kotuljac mochte sich mit einer drohenden Niederlage in Jena
partout nicht abfinden, war links wie rechts als ständiger Unruheherd zu finden
und kam bei einer gefährlichen Flanke vors Tor erneut nur um einen Schritt zu
spät. Die Erhöhung der Pulsfrequenz, die nach dem Anzeigen von sechs Minuten
Nachspielzeit durch den Schiedsrichter hervorgerufen wurde, wurde abgemildert
durch die Rote Karte für Nehrig, der Kandelaki hinterrücks von den Beinen
geholt hatte. Da konnten auch zwei weitere Nachspielminuten nichts mehr
anrichten. Tobias Werner hätte aus spitzem Winkel sogar noch das 2:0 machen
können.
Dann war Schluss. Jubel bei den Zuschauern. Ähnlich wie beim Hinrundenerfolg gegen Offenbach, dem bisherigen Besucherminus, wurden die
Treuesten der Treuen für ihr Kommen belohnt. Spielt der FCC etwa
am erfolgreichsten, wenn der öffentliche Erwartungsdruck gering ist ? Dann
sollte er nächste Woche gleich da weitermachen, wo er diesmal aufgehört
hat. Denn so gut dieser Sieg für die Moral ist - er allein taugt noch
nicht für neue Rechenspielchen. <fc>
Kickers Offenbach - FC Carl Zeiss Jena 2:1
Tore: 1:0 Bancé (19.), 2:0 Bancé (47.), 2:1 Torghelle (89.)
- Offenbach: Thier; Hysky, Bungert, Sichone, Pinske; Mokhtari (81.
Watzka), Wörle, Sousa (58. Ogungbure), Judt (85. Epstein); Bancé,
Türker
- Jena: Khamutouski; Maul, Müller, Stegmayer; Amrhein (46.
Torghelle), Hansen, Ziegner, Simak, Werner; Allagui, Schied (80. Saka)
- Zuschauer: 9285
- Schiedsrichterin: Steinhaus (Hannover)
- Spielbericht:
-
Dortmund im Kopf – Offenbach vor der Brust. Es war von
vornherein zu befürchten, dass dieses Spiel vier Tage vor dem
DFB-Pokalhalbfinale so laufen würde wie es gelaufen ist. Selbst deutsche
Spitzenklubs patzen regelmäßig, wenn sie mit ihren Gedanken bereits bei der
Championsleague sind. Klar hätten wir uns angesichts des prekären
Tabellenstandes anderes gewünscht. Schließlich war es wohl die allerletzte
Chance, doch noch eine zum Klassenerhalt führende Siegesserie einzuleiten. Aber
auf Dortmund und erst viel später mal aufs Offenbach-Spiel zu sprechen kamen ?
Für die Hessen ist der Kampf gegen den Abstieg hingegen
allgegenwärtig und diesen Unterschied merkte man bereits zu Beginn. Stegmayer
musste gegen Mokhtari und Türker zweimal in höchster Not zur Ecke klären,
Khamutouski den Kopfball des unbedrängten Bancé halten. Dass die Gastgeber
nicht frei von Nervosität waren, wurde in der 16. Minute deutlich, als sich
zwei OFC-Verteidiger nach Allaguis Eingabe gegenseitig anschossen. Amrhein
wusste mit der sich bietenden Chance jedoch nichts anzufangen. Im Gegenzug holte
Mokhtari erneut einen Eckball heraus. Hoch flog dieser an die Torraumgrenze, wo
Bancé den Kopfball genau zwischen Keeper und den am Pfosten postierten
Verteidiger ins Netz setzte. Nun besitzt dieser Bancé mit einem Meter
zweiundneunzig Körpergröße annähernd Gardemaß, nur ist unser Alexander Maul ja auch kein
Zwerg ! Allerdings hätte er mindestens genauso hoch springen und vor allem enger am Mann zum Ball
gehen müssen, um den Riesen im Sturmzentrum ernsthaft zu stören.
Jena lag 0:1 zurück
und der eine oder andere Spieler wird wieder Dortmund im Kopf gehabt haben.
Könnte die zu investierende Kraft, die nötig ist um dieses Spiel zu drehen, am
Dienstag nicht eventuell fehlen ? Nur zweimal vor der Pause blitzte Klasse auf.
Wie zu seinen besten Zeiten spielte Torsten Ziegner in der 28. Minute einen klugen Pass auf
Allagui, dessen Schuss aber am langen Pfosten vorbei strich.
Und in der 37. Minute bekam Thier Probleme mit
einem 25-Meter-Schuss Simaks. Den Abpraller versuchte Schied zu erlaufen, wurde
von Hysky aber umgerempelt. Deutschlands Vorzeigeschiedsrichterin Bibiana
Steinhaus ließ weiterspielen. In der Nachspielzeit der ersten Hälfte wurde
Mokhtari auf Rechtsaußen nicht gestört, denn tückisch aufsetzenden Ball
parierte Khamutouski genauso souverän wie den anschließenden Volleyschuss
Sousas.
„Der Gast aus Carl Zeiss Jena“ (Zitat Stadionsprecher)
brachte zur zweiten Halbzeit Torghelle für Amrhein. Alles oder nichts also mit
drei Stürmern. Doch was nutzen sämtliche in der Kabine gefassten Vorsätze, wenn eine
Minute nach Wiederanpfiff wieder so eine Panne in der Zuordnung passiert !
Bancé erfreute sich diesmal der Begleitung durch Stegmayer und diese
Formulierung ist ganz bewusst so gewählt. Denn Stegi mit seinen
176 Zentimetern ist von seinen körperlichen Voraussetzungen her natürlich kaum in
der Lage, dem Riesen mit den goldenen Schuhen und gleichfarbigen Haaren Paroli
zu bieten.
Mit dem zweiten Gegentor schienen die Messen gelesen. Zwar spielte
sich Mitte der zweiten Halbzeit
viel in der Hälfte der Gastgeber ab. Doch hatte man nicht den Eindruck, das
Blatt könne sich noch mal wenden. Auch weil Jan Simak zwar gewohnt viel am Ball
war, ihm aber deutlich mehr Fehlpässe unterliefen als sonst. Die besseren
Chancen hatten auch in dieser Phase die Jungs vom Bieberer Berg. Bancé und
Türker scheiterten jedoch wiederholt an Khamutouski – dem Einzigen, der unter
Beobachtung von Dortmunds Trainer Doll am Freitag uneingeschränkte Klasse
nachwies. Arm an Emotionen plätscherte das Spiel seinem Ende entgegen. Dem bei
solchen Szenarien obligatorischen „Ihr könnt nach Hause fahrn“ der OFC-Fans
begegneten Jenas Anhänger mit einem weniger üblichen „Dritte Liga und
UEFA-Cup“. Und siehe da, plötzlich begannen die Blauen in den letzten zehn Minuten
noch richtig Fußball zu spielen ! Simak rutschte der Schuss nach Sakas
Vorarbeit noch über den Spann (84.). Ein Offenbacher Verteidiger rettete im
letzten Moment vor dem einköpfbereiten Allagui (85.). Und Jan Simak traf drei
Minuten vor Schluss wieder einmal das Aluminium. Das Glück ist uns - zumindest
in den Meisterschaftsspielen - wahrlich nicht hold in letzter Zeit. So fiel der
im zweiten Zupacken gegen Thier erzielte Anschlusstreffer von Sandor Torghelle
zu spät.
Dortmund im Kopf und Dortmund nun auch bald vor der Brust.
Endlich. Wenn an der Geschichte mit der verpatzten Generalprobe vor einem
gelungenen Auftritt was Wahres dran ist, wird es am Dienstag ein sehr schöner
Abend. <fc>
FC Carl Zeiss Jena - SV Wehen Wiesbaden 2:2
Tore: 1:0 Schied (25.), 2:0 Werner (33.), 2:1 Werner (82.ET), 2:2 Schmidt (89.)
- Jena: Khamutouski; Maul, Müller, Stegmayer; Amrhein, Hansen (75.Kühne), Ziegner, Simak, Werner; Allagui, Schied (73.Petersen)
- Wiesbaden: Richter; Simac (76.Hollmann), Kopilas, Glibo, Kokot
(67.Atem); Siegert, Schwarz, Bick (84.Schmidt), Nicu; König, Diaketé
- Zuschauer: 6721
- Schiedsrichter: Wingenbach (Diez)
- Spielbericht:
- Blauer Himmel, Sonnenschein und beste Stimmung auf den Zuschauerrängen waren beste Rahmenbedingungen, um endlich die längst
erhoffte Aufholjagd mit einem Sieg zu starten und die bittere Hinspielniederlage in der Commerzbankarena endgültig vergessen zu machen.
Die Jenaer begannen auch sofort druckvoll und schnürten die Gäste in deren Hälfte ein, und bereits nach gut 30 Sekunden
hätte es bereits schon 1:0 für die Platzherren heißen können. Allagui tauchte nach einem abgefälschten Steilpass
urplötzlich vor Gästekeeper Richter auf, aber anstatt sich die Torecke auszusuchen, um die Führung zu erzielen, entschied
er sich für einen Querpass auf Schied, für den dieser Pass aber letztendlich zu ungenau ankam und der Schusswinkel dadurch zu
spitz wurde. Aber diese Möglichkeit war gleichzeitig die Initialzündung im Jenaer Spiel, und sie begannen ihr druckvolles Spiel
zu entfachen. Bis auf zwei Freistoss-Standardsituationen war von den Gästen in Halbzeit eins fast nichts zu sehen. Ganz anders
dagegen der FCC, der in der 22.Minute die nächste gute Tormöglichkeit besaß. Ziegner hatte einen Freistoss von halbrechts
gefährlich vor das Tor der Wiesbadener gezirkelt, die diesen Ball einfach nicht aus der Gefahrenzone brachten. Jan Simak fasste
sich ein Herz und Richter musste sein ganzes Können in dieser Szene unter Beweis stellen, um diesen herrlichen Schuss gerade noch
aus dem Toreck zu entfernen. Aber nur drei Minuten war auch er dann machtlos, als diesmal Schied mit einem wunderschönen Steilpass
bedient wurde. Dieser ließ sich diese Chance nicht entgehen und schob den Ball zum viel umjubelten Führungstreffer für
die Jenaer ein. Der FCC machte nach diesem Treffer weiter Druck und Hansen scheiterte nur wenig später per Kopfball aufs kurze Eck
an Richter, der sich mittlerweile zum besten Akteur seines Teams avancierte. Der Sekundenzeiger hatte sich nach dieser Toraktion noch
keine Runde gedreht, da klingelte es erneut im Kasten der Wiesbadener. Der am heutigen Tage unheimlich quirlige Allagui konnte sich
wiederholt im 1:1-Duell im Strafraum gegen seinen Widersacher durchsetzen und zog diesmal sofort ab. Torwart Richter war zwar erneut
auf dem Posten und konnte den Schuss parieren, allerdings nur zur Seite, wo Werner goldrichtig stand und keine Mühe hatte, den
Ball über die Linie zu schieben. Schiedsrichter Wingenbach hätte kurz danach fast entscheidend in das Spiel eingegriffen,
als er ein glasklaren Handspiel eines Wiesbadener Spielers nicht abpfiff, sondern den Hessen dadurch eine gute Konterchance ermöglichte,
die aber Diaketé per Kopfball aus Nahdistanz zum Glück der Jenaer nicht nutzen konnte. Und noch einmal war es Allagui, der
kurz vor dem Pausentee (41.) seinem Gegenspieler entwischt war, aber auch diesmal konnte Richter dieses Duell für sich entscheiden
und die eventuelle Vorentscheidung in dieser Partie verhindern.
Nach der Pause kamen die Gäste wie verwandelt aus der Kabine und setzen die Jenaer gehörig unter Druck. Aber die entscheidenden
Tormöglichkeiten blieben noch aus, da die Abwehr des FCC bis dato sicher stand. In der 56.Minute dann doch fast der Anschlusstreffer,
doch Jenas Kapitän Alex Maul konnte in letzter Sekunde noch vor Nicu klären. Aber der Druck der Hessen ließ nicht nach und
Trainer Hock setzte alles auf eine Karte und wechselte einen weiteren Angriffspieler für einen Abwehrspieler ein. Doch trotz Überlegenheit
der Gäste waren es die Jenaer, die durch Allagui eine weitere Torchance zur Vorentscheidung hatten, doch bei Richter konnten sich die
Hessen heute bedanken, dass sie speziell in der ersten Halbzeit nicht unter die Räder gekommen waren. Die Minuten vergingen, die Partie
wurde zunehmend hektischer und die Nickligkeiten im Spiel häuften sich. In dieser Phase (80.) hätte der FCC alles klar machen können,
als ein gefährlicher Konter über Allagui und Simak gestartet wurde, doch zur Verzweiflung der Zuschauer bleib auch diese gute
Tormöglichkeit ungenutzt, da es Allagui nicht gelang, den vor dem Tor freistehenden Simak mit einem Querpass anzuspielen. Kurz darauf
waren die Gäste wieder an der Reihe und Stegmayer war es, der gerade noch zur Ecke klären konnte. Der anschließende Eckball (82.)
kam herein und Werner wollte am langen Pfosten der Ball aus der Gefahrenzone befördern, aber leider rutschte ihm bei dieser Rettungsaktion
der Ball über den Spann und der Ball lag im eigenen Tor. Ratlose Gesichter auf dem Rasen. Die Angst ging fortan um und man merkte den
Zeiss-Kickern die zunehmende Verunsicherung an. Sechs Minuten vor Ultimo hätten die Jenaer endgültig alles klar machen können,
doch das Glück blieb den Jenaern nicht hold und der herrliche Kopfball von Petersen klatschte an den Pfosten. Sekunden später
versuchte der eingewechselte Petersen sein Glück, aber auch sein Schuss verfehlte nur um Zentimeter das Gehäuse. Es lief bereits
die vorletzte Minute, da warfen die Hessen noch einmal alles nach vorn. Jenas Abwehr war einen Moment überhaupt nicht im Bilde und
Schmidt nutzte diesen Fauxpas eiskalt aus und verwandelte zum fast nicht mehr für möglich gehaltenen Ausgleich. Sekunden vor
dem Abpfiff hätte Simak die Jenaer Fans mit seinem Freistoß doch noch in Jubelschreie versetzen können, doch Keeper
Richter hatte etwas dagegen und verwehrte den Jenaern den verdienten Sieg.
Ein Fazit nach dieser Partie zu ziehen fällt sichtlich schwer, doch leider sollte sich auch heute erneut eine der abgedroschenen
Fußballerweisheiten bewahrheiten: Wer seine Chancen nicht nutzt, muss sich nicht wundern, am Ende mit leeren Händen dazustehen.<vg>
TuS Koblenz - FC Carl Zeiss Jena 2:0
Tore: 1:0 Djokaj (17.), 2:0 Pektürk (90. +1)
- Koblenz: Eilhoff; Mavric, Hartmann, Ziehl (77. Sukalo),
Cha, Richter, Fernandez (55. Vata), Lomic, Dzaka, Djokaj, Kuqi (66.
Pektürk)
- Jena: Khamutouski; Müller, Omodiagbe, Stegmayer; Holzner
(75. Saka), Kühne, Ziegner, Simak, Werner (62. Allagui);
Schied, Petersen (62. Amrhein)
- Zuschauer: 10.676
- Schiedsrichter: Bandurski (Essen)
- Spielbericht:
- „Ich weiß nicht was soll es bedeuten, dass
ich so traurig bin“ eröffnete Heinrich Heine einst sein Gedicht zu Ehren jener
Loreley, die der Sage nach nur wenige Kilometer rheinaufwärts von Koblenz auf
einem Felsen singend ein ums andere Schiff an der zerklüfteten Flussbiegung
zerschellen ließ. Ins Reich der Sagen und Legenden wird auch Jenas
Viertelfinalerfolg in Stuttgart bald Einzug halten, und angesichts der noch
immer unfassbaren Sensation, die Bürgers Elf in Schwaben erreichte, fiel es
schwer, das Augenmerk wieder voll auf den Ligaalltag zu lenken. Bitter nötig
war dies, wollte man die Hoffnungen auf den Klassenerhalt nicht endgültig am
Deutschen Eck zerschellen sehen, und selbst auf den Grund der Zweitligatabelle
sinken.
Henning Bürger musste seine heldenhafte
Pokal-Elf notgedrungen umstellen, angesichts der seltsamen DFB-Gerichtsbarkeit
saß Alexander Maul weiterhin eine nicht nachvollziehbare Sperre ab, so dass der
wiedergenesene Omodiagbe seinen Platz in der Innenverteidigung einnahm.
Sicherheit brachte dies nicht, im Gegenteil, ganz ähnlich der allgemein
grassierenden Grippewelle steckte der Nigerianer seine Kameraden mit
zahlreichen Unsicherheiten an und man fragte sich nach 10 gespielten Minuten
verdutzt, ob die Körpersprache, das ausgestrahlte Selbstbewusstsein ein
jämmerlicheres Bild gegeben hätte, wäre der FCC in Stuttgart mit 0:5 unterlegen
Halbzeit unter dem aktuellen Trainer, in der bis auf eine Schied-Chance (2.),
der einen Ziegner-Schuss um ein Haar ins Tor abfälschte, rein gar nichts
zusammenlief. Koblenz lockte Jena heraus, um dann überfallartig mit weiten
Bällen auf die meist über außen kommenden Spitzen Gefahr zu erzeugen. Der FCC,
wieder mit Dreierkette agierend, fand dagegen überhaupt kein Rezept. Doch da
Hartmann, Djokaj, Dzaka und Co. ihre Chancen gleich reihenweise liegen ließen,
bei Müllers Fast-Eigentor auch etwas Pech hatten, wäre es möglicherweise mit
einem für den FCC angesichts des Spielverlaufs hochgradig zufriedenstellenden
0:0 in die Kabinen gegangen, hätte die in den letzten Wochen schon
ungewöhnliche Pechsträhne mit Schiedsrichterentscheidungen nicht ihre
Fortsetzung gefunden. Ein langer Ball aus der eigenen Hälfte findet Djokaj, der
die Kugel mit der Hand an Khamutouski vorbeilegt und dann im leeren Tor
einschiebt. Schiedsrichter Bandurski hatte freie Sicht auf die Aktion, wollte
aber dennoch keine Regelwidrigkeit gesehen haben, so dass der FCC nach Aachen
und Hamburg nun schon das dritte irreguläre Gegentor binnen weniger Wochen
kassierte. Von umstrittenen Platzverweisen ganz zu schweigen, denn Sandor
Torghelle dürfte sich bei Lomics nur mit gelb geahndetem Nachtreten gegen
Holzner schon gefragt haben, wofür er eigentlich vier Spiele Sperre aufgebrummt
bekam. Ich weiß nicht, was soll es bedeuten. Doch bei aller Kritik am Referee, was
Jena in den ersten 45 Minuten bot, war nicht im Ansatz besser und man fragte
sich, wer außer dem Keeper und Robert Müller eigentlich nicht ausgewechselt
werden müsste.
Dies sollte sich nach dem Seitenwechsel zumindest phasenweise
ändern, Petersens kurz vor der Linie geklärter Flachschuss (47.) im Anschluss
an eine Simak-Ecke sorgte für Hoffnung im mit knapp 1.000 Zeissfans
proppevollen Gästeblock. Beide Protagonisten fanden sich auch eine
Viertelstunde später im Zusammenspiel im Mittelpunkt, als Simak ein
Petersen-Abspiel artistisch aufnahm und auf das Eilhoff-Gehäuse zusteuerte,
aber im Strafraum bei der Schussabgabe umgerannt wurde. Der Ball landete am
Außenpfosten – der Elfmeterpfiff blieb aus. Koblenz sah sich nun vorwiegend in
die eigene Hälfte gedrängt, die Ballbesitzstatistik von 60:40 für Jena kam
nicht von ungefähr, verteidigte aber geschickt und blieb mit schnellen
Gegenstößen stets gefährlich, Dzaka und der für den Ex-Jenenser Kuqi
eingewechselte Pektürk verpassten die Vorentscheidung. So hatte Torsten Ziegner
mit einer strammen, von Eilhoff gerade noch so um den Pfosten gelenkten
Freistoßablage Simaks den Ausgleich auf dem Fuß. Doch als auch Stefan Kühne
seine Großchance um Zentimeter am Pfosten vorbeistocherte (86.), war den
meisten klar, „was dies bedeuten sollte“. 91. Minute, nach Ballverlust des
eingewechselten Saka wieder ein schneller Gegenstoß über Vata, und diesmal
machte es Pektürk besser, bugsierte das Leder unter Mithilfe des Innenpfostens
zur Vorentscheidung ins Tor. Dass sich Jenas Elf selbst danach nicht aufgab und
sich mit Stefan Kühnes Knaller knapp am Tor vorbei sogar noch eine Möglichkeit
bot, spricht für die Moral in der Mannschaft. Für die Qualität, die Klasse zu
halten, sprach der Auftritt über 90 Minuten jedoch nicht. Auch wenn erneut ein
Schiedsrichter – nebst dem Koblenzer Handballspieler – die Begegnung maßgeblich
beeinflusste, das war einfach zu wenig, um die „nun wirklich“ letzte Chance
beim Schopfe zu packen. „Ich weiß nicht was soll es bedeuten, dass ich so
traurig bin“. Abstieg. 3. Liga. <gunner>
FSV Mainz 05 - FC Carl Zeiss Jena 2:2
Tore: 1:0 Feulner (28.), 2:0 Karhan (56./FE), 2:1
Simak (59.), 2:2 Allagui (83.)
- Mainz: Ischdonat; Hoogland, Subotic, Noveski, Rose (46.
Demirtas); Karhan, Damir, Vrancic (84. Amri), Pekovic, Feulner;
Borja (85. Jovanovic), Boakye
- Jena: Khamutouski; Holzner, Müller, Omodiagbe, Stegmayer;
Ziegner (78. Saka), Kühne, Simak, Werner; Petersen (58. Allagui),
Schied (78. Amrhein)
- Zuschauer: 19.500
- Schiedsrichter: Willenborg (Osnabrück)
- Spielbericht:
- Die Tage des Mainzer Stadions sind gezählt. Mit Beginn der
Saison 2010/2011 soll eine neue Fußball-Arena eingeweiht werden. Angesichts der
Tabellensituation beider Mannschaften stellt sich also die Frage, ob das Spiel
vom Freitagabend das letzte Jenaer Gastspiel am Bruchweg gewesen ist.
Fast 20.000 Zuschauer sorgten für die gewohnt gute
Atmosphäre. Mögen die Gastgeber mit ihren unzähligen Mainz 05-Liedern
vielleicht etwas zu viel Primborium veranstalten – ihr „you’ll never walk
alone“ bekommen nicht viele in Liga zwei so hin. Jenas 500 mitgereiste Anhänger
mochten sich daran nicht beteiligen (warum eigentlich nicht?), verschafften
sich dafür nach zehn gespielten Minuten Gehör: Mit „Hier regiert der FCC“ lagen
sie zu diesem frühen Zeitpunkt durchaus richtig, denn die ersten Akzente, die
ersten Standarts hatten die Thüringer gesetzt. Holzner war für Amrhein in die
Startelf gerückt, machte sein erstes Spiel seit November. Die erste
Tormöglichkeit im Spiel besaß dann aber doch der Tabellenzweite. Karhans weiten
Einwurf konnte Müller mal eben noch vor Boakye zur Ecke klären. Derartig
drangvoll erlebten wir die vier Tage zuvor mit einem Auswärtssieg in
Mönchengladbach glänzenden Mainzer jedoch selten. Einer der Gründe hierfür
heißt Jan Simak, der im Mittelfeld für ein Gleichgewicht sorgte, spielerisch
wie kämpferisch erneut eine herausragende Leistung bot. Kein Wunder, dass immer
mehr Bundesligisten hinter ihm her sind. Vom technischen Potential her gab es
nach Bernd Schneider sicherlich keinen besseren im Zeiss-Trikot als
ihn. Simaks Schrägschuss vom linken Strafraumeck in Minute 21 rauschte nur
knapp am Mainzer Gehäuse vorbei.
Sieben Minuten später: Felix Holzner fängt
einen Mainzer Angriff ab, doch verspringt ihm das Leder zu weit vom Fuß. Weil
das Not-Tackling misslingt, hat Feulner freie Bahn zum Tor, umspielt
Khamutouski und trifft zum Führungstreffer. Woche für Woche das selbe Bild: Es
sind die individuellen Patzer im Abwehrzentrum, die den FC Carl Zeiss immer
wieder ins Hintertreffen geraten lassen. Da half auch ein weiterer schöner
Simak-Schuss vor der Pause nichts mehr.
Nach Wiederanpfiff legte Karhan für Feulner auf. Doch erst
dessen Wegrutschen eröffnete den Mainzern eine Torgelegenheit, bei der Boakye
von Khamutouski und Omodiagbe mit vereinten Kräften gestört werden konnte.
Chancen gleichsam aus dem Nichts – irgendwie war das typisch für dieses Spiel.
Auch fürs zweite Gegentor. Klar drängte der ballführende Feulner mit viel Elan
in den Strafraum. Doch unmittelbare Torgefahr bestand da kaum, dafür war der
Winkel zu spitz und Omodiagbe noch in der Nähe. Holzner zog Feulner jedoch so
ungestüm zu Boden, dass der Referee sofort auf den Elfmeterpunkt zeigte. Da der
Strafstoß saß, drohte Holzner bei seinem Comeback zur tragischen Figur zu
werden. Dabei hatte er insgesamt keine schlechte Partie gespielt, jedoch in
zwei entscheidenden Szenen das Nachsehen gehabt. Nur gut, dass auch Jena noch
seine Chance aus dem Nichts bekam. Bei Simaks diagonalem Freistoß rückten fünf
Mainzer und vier Jenaer in Richtung Tor, keiner berührte jedoch den Ball. Auch
nicht Torwart Ischdonat, der durch die Spielertraube wohl irritiert war. 1:2 -
da ging noch was. Bürger versuchte es mit frischen Kräften, brachte zunächst
Allagui, dann Saka und Amrhein. Was umgehend Wirkung zeigte. Amrheins straffen
Schuss aus 23 Metern konnte Ischdonat nur nach vorn abwehren, Saka setzte den
Abpraller aber am langen Eck vorbei. Welch ein Glück, das da noch was nachkam
! Und zwar in Minute 83: Eckball von
Simak, präzise auf Allagui, der aus Nahdistanz trotz Bedrängnis ins Netz köpft.
Wieder einmal hatte der FCC aus scheinbar aussichtsloser Lage herausgefunden.
Dass er den redlich erkämpften Punkt am Ende auch mitnehmen durfte, verdankt er
seinem Torhüter. Klasse, wie Vasili Khamutouski in der 85. Minute Hooglands
tückischen Aufsetzerkopfball aus nur sechs Metern Torentfernung zur Ecke lenkte
!
Eine Unsportlichkeit der Mainer hätte der Partie dann beinahe ein schlimmes
Ende bereitet. Mehrere Male zuvor hatten die da noch zurückliegenden Jenaer den
Ball ins Aus gespielt, wenn ein 05er verletzt am Boden lag. Doch als Darlington
Omodiagbe nach Zweikampf unglücklich aufgekommen regungslos auf dem Rasen
liegen blieb, spielten die Rot-Weißen weiter. Dabei zählte jede Sekunde, denn
Omodiagbe hatte das Bewusstsein verloren und seine Zunge verschluckt ! Gottseidank
erfolgte die Hilfe gerade noch rechtzeitig und mit einer leichten
Gehirnersschütterung ging alles noch recht glimpflich ab. Dass die Jenaer
das Match zum dritten Mal in Folge nur zu zehnt beenden konnten, hatte keinen Einfluss auf das Endergebnis.
Henning Bürger hatte unter der Woche kein bisschen
übertrieben. Die Moral stimmt in dieser Mannschaft hundertprozentig.
Das ist wichtig, weil sich der Druck weiter erhöhen wird. Denn gegen
die nun folgenden Punktspielgegner müssen endlich wieder Siege her. <fc>
FC Carl Zeiss Jena - 1. FC Köln 1:3
Tore: 0:1 Helmes (28.), 1:1 Müller (61.), 1:2 Novakovic (80.), 1:3 Novakovic (90.)
- Jena: Khamutouski; Maul (
, 48.),
Müller, Omodiagbe, Stegmayer (83. Saka); Amrhein (59. Allagui),
Kühne, Ziegner, Simak, Werner (83. Petersen); Schied
- Köln: Mondragon; Ümit Özat, Mohamad, McKenna, Ehret;
Broich (72. Gambino), Mitreski, Antar, Vucicevic (68. Chihi); Helmes (89.
Scherz), Novakovic
- Zuschauer: 9904
- Schiedsrichter: Henschel (Braunschweig)
- Spielbericht:
- Es gibt Spiele, da ist auf dem Rasen richtig viel los – und
hinterher fehlen dir trotzdem die Worte für den Spielbericht. Und im Stadion,
nach dem Spiel, verhindern lediglich Anstand und gute Erziehung (und vielleicht
auch die doppelte Kette aus Gelb und Dunkelblau), dass du deine Meinung über
Referee und DFB-Lieblinge in den Gästebus stanzt.
Am kalten Freitagabend begann der FCC zunächst
unterkühlt-vorsichtig, um nicht ins offene Messer der Gäste zu laufen, die spielerisch
eine schnelle, feine Klinge schlugen. Trotzdem kam der FCC ganz gut nach vorn
und hatte einige interessante Szenen, z.B. als Stegmayer eine scharfe Flanke
vors Tor schlug oder Mondragon Ziegners
Freistoß wegfaustete. In der 23. min gab es dann nach der dritten Kölner Ecke
die erste brenzlige Szene vor unserem Tor, als Kühne den Ball zu kurz abwehrt,
Khamutouski den Schuss jedoch parieren kann. In der 27. min gab es dann auf der
Gegenseite die erste zornerregende Szene, als nach einer Ecke Schied (?) schießen
will, der Kölner jedoch mit gestrecktem Bein „drüberhält“.
weiterspielen. Zwei Minuten später tändeln Khamutouski und Omodiagbe bei einem
Abstoß herum, der schwache Abschlag des Torwarts in den Mittelkreis kommt
prompt als Steilpass auf Helmes, der zum 0:1 einschiebt; Müller stand zu weit
weg. Kurz danach verhindert Khamutouski mit einer tollen Parade das
spielvorentscheidende 0:2, als er gegen Broich blitzschnell reagierte. Ein Aufstöhnen
ging durchs Stadion, als Werner nach der dritten FCC-Ecke einen Schuss von der
Strafraumgrenze an die Lattenunterkante nagelte. Den zurückspringenden Ball
erlief einer im weißen Trikot (Kühne?), wurde jedoch durch einen Kölner
umgerissen. Strafstoß? Vergiss es! Der Herr Henschel aus Braunschweig –
spätestens jetzt war die Bezeichnung „Unparteiischer“ falsch – schien zur
60-Jahr-Feier nach Köln eingeladen gewesen zu sein und verteilte hier sein
zweites Geschenk des Abends an den Ziegenverein. Tut mir leid, aber so etwas
kann man nicht falsch oder gar nicht sehen – das ist Vorsatz! Im Jenaer Angriff
merkte man doch, dass man mit einem Ein-Mann-Sturm agierte – und Simak, der
immer wieder mal als zweite Spitze in den aufrückte, konnte sich die Pässe trotz
einer ganz starken Leistung ja schließlich nicht selbst vorlegen. Aber vor der
Pause erreichte eines dieser Anspiele den rechts in den Kölner Strafraum
laufenden Schied, der aber mit seinem Schuss aus spitzem Winkel keinen Erfolg
hatte.
Unmittelbar nach Wiederanpfiff gab es das nächste
Geburtstagsgeschenk an die Kölner. Maul trennte per Tackling an der rechten
Seitenlinie den Ball vom Kölner Spieler und während auf der Tribüne
Diskussionen über den Freistoßpfiff an sich aufbrandeten, zeigte der Schiedsrichter
Alex Maul… „Rot“!!! Was ging denn hier ab! Ich war einfach sprachlos! Wut,
Entsetzen, Fassungslosigkeit – die Gesichter meiner Platznachbarn spiegelten
vieles wieder, aber nicht einmal ansatzweise gab es Verständnis für diese
Entscheidung. Wenn sich bis dahin vielleicht bei einigen oder vielen auf dem Rasen
und den Rängen innerlich Resignation breitmachen wollte, mit diesem
Platzverweis hatte der Schiedsrichter alle, die sich dem FCC verbunden fühlen,
aufgerüttelt. Die Stimmung auf den Rängen brodelte, die Mannschaft drehte auf
und das Spiel kippte optisch zu Gunsten des FCC. Und Mondragon
tauchte in der 55. min blitzschnell ins lange Eck, um Schieds
Schuss den Weg ins Netz zu verwehren. Fünf Umdrehungen des Sekundenzeigers
später: Simaks Freistoß hoch in den Strafraum neben das lange Toreck, Kopfball
von Kühne quer und Müller machte den Ausgleich. Jaaaaaa!
Der Vulkan EAS schien zu explodieren! Und der FCC machte weiter, drückte auf
das wichtige drei Punkte bedeutende 2:1 und hatte eine gute Chance, als
Schied gegen den herausstürzenden
Mondragon leider einen Schritt zu spät kam. Und die Kölner
schienen völlig überrascht zu sein, dass diese Jenaer Mannschaft trotz
Unterzahl, trotz permanenter Benachteiligung in der Zweikampfbeurteilung
(Werner wird in der 69. min gefoult und bekommt dafür „Gelb“ wegen „Schwalbe“!)
Das sah richtig gut aus. Und Köln leistete einen weiteren Beitrag zur
Unbeliebtheit, als man den Ball trotz eines am Boden liegenden Werner nicht
sportlich-fair ins Seitenaus spielte, sondern ungerührt einen Angriff
initiierte. Chihi köpfte aber freistehend vorbei.
Und
dann lief es wie so oft in dieser Saison: Jena machte (in Unterzahl) das Spiel,
der Gegner einen vernünftige Spielzug, dazu ein Abwehrfehler (einem Jenaer
rutschte die Flanke unterm Fuß durch) und wir lagen wieder hinten. Novakovic knallte
den Ball aus 22 m Entfernung ins untere Toreck und Khamutouski war chancenlos.
Dieser Gegentreffer war der moralische Genickbruck für unser Team, es lief
nicht mehr viel, die fehlende Kräfte (bis dahin durch überdurchschnittlichen
Kampfgeist wettgemacht) und es war eigentlich der Dummheit der Kölner
geschuldet, dass das 1:3 erst tief in der Nachspielzeit fiel.
Interessant war noch die Pressekonferenz: Bürger fasste sich
sehr kurz (ein passendes Statement wäre sicher zu teuer geworden), Daum
palaverte minutenlang Nichtssagendes und Rainer Zipfel sagte – mit sehr
gesetzten Worten – was er von der Schiedsrichterleistung heute und in den
letzten Wochen hielt. Bravo! Sollte die Aussage des FCC-Präsidenten
irgendwelche finanziellen Sanktionen seitens des DFB nach sich ziehen,
beteilige ich mich an einer Sammlung beim nächsten Heimspiel. <uk>
FC St. Pauli - FC Carl Zeiss Jena 2:2
Tore: 1:0 Takyi (13.,FE), 1:1 Ziegner (54.), 1:2 Simak (68.,FE), 2:2 Bruns (88.)
- St.Pauli: Borger; Rothenbach, Morena, Eger, Gunesch; Takyi, Boll, Meggle,
Schultz (46.Sako); Schnitzler (65.Braun), Kuru
- Jena: Khamutouski; Maul, Müller, Stegmayer; Amrhein, Kühne, Ziegner, Werner; Simak (83.Kandelaki);
Torghelle (
, 17.), Schied (87. Petersen)
- Zuschauer: 20.217
- Schiedsrichter: Winkmann (Kerken)
- Spielbericht:
- (von Gastkommentator Thomas Neumann)
13 Punkte, Platz 17, Spieltag 19 - das ist die wenig schmeichelhafte Zwischenbilanz vor dem Auswärtskick in Hamburg. Ich neige nicht
zu übermäßigen Optimismus oder Pessimismus im Bezug auf meinen FCC, aber realistisch betrachtet sollte man die Möglichkeit
des Abstieges mittlerweile wohl in die Prognosen für das Saisonergebnis mit einbeziehen.
Was solls - hilft ja nix. Auswärts läuft es diese Saison ja eh besser als zu Hause und so startet die dreiköpfige Niedersachsen -
Fraktion am Freitagmittag von Hannover nach Hamburg. Auf der A7 bis Hamburg gibt's jede Menge Thüringer Kennzeichen zu begucken und auch
der "Vor dem Spiel" - Bummel durch den Kiez bietet jede Menge blau - gelb - weiße Fanutensilien fürs Auge. Der guten Ordnung halber
sei natürlich noch erwähnt, dass das Ganze nach eigenem Erleben total "stressfrei" abläuft und nette Gesten und Wünsche der
Einheimischen keineswegs die Ausnahme sind.
In einer Ecke der Nordtribüne ist seit Neuestem der Gästeblock auf St. Pauli untergebracht, der von den anwesenden ca. 1500 FCClern
gut gefüllt wird. Das die Hafenhamburger nun extra für das Gastspiel des Europapokalfinalisten von 1981 eine zusätzliche
Stahlrohrtribüne auf der Nordseite ihres Stadions errichtet haben, erscheint auf den ersten Blick zwar übertrieben, ist aber
angesichts des Gegners nun nicht gar so abwegig.
Der sportliche Teil des Abends beginnt mit einer Jenaer Großchance als Jan Simak sich in der 4. Minute schön auf der rechten
Seite durchsetzen kann, jedoch lieber in der Mitte Thorgelle bedient, statt selber direkt abzuschließen. Während der Gästeblock
noch dieser Chance nachtrauert, spielt sich am anderen Ende des Stadions bereits Teil 1 der mysteriösen Schiedsrichterentscheidungen des
Abends ab. Fakt ist, ich habe aus ca,. 100 m Entfernung in einem Gestocher im Strafraums kein Handspiel - ein Dank an den Stadionsprecher der
den Grund für den Elfmeter mitmeldete - gesehen. Ohne mein Einverständnis verwandelt Takyi trotzdem sicher zum 1:0 in der 13. Minute.
Wenig später (18. Min.) scheint das Spiel schon endgültig gelaufen, als Sandor Torghelle wegen einer Tätlichkeit mit Rot vom
Platz fliegt. Ich habe unter den reichlich bescheidenen Sichtverhältnissen des Gästeblockes, dieses Nachtreten von ihm mit dem
Fuß relativ klar gesehen - der Schiri wohl auch - und bin gespannt, ob dies nicht schon bereits der letzte Pflichtspielauftritt
unseres "Gulaschbombers" war, der ja auch im Pokal gesperrt ist. Der Rest der ersten Halbzeit besteht aus ziemlich laschen Mittelfeldgekicke
und -geschiebe der St. Paulianer, daß die Jenaer bis auf einen Simak - Schuss ans Außennetz (34.) nicht bestrafen können.
Die Kabinenaufenthalt in der Halbzeitpause für die, diesmal blauen Helden, ist kürzer als normal, als sie nach der "gefühlten"
Hälfte der Spielunterbrechung bereits wieder auf dem Platz stehen. Dem Neutrainer Henning Bürger sei an dieser Stelle geweissagt,
dass solche "Nummern" zwar nicht schlecht sind aber auch nur gefühlte zweimal ziehen, bevor sie ihre Wirkung verfehlen. Aber diesmal
scheint es definitiv noch zu wirken. In der 54. Minute setzt sich Ziegner durch und kann im zweiten Versuch den St. Pauli-Keeper Borger
überwinden. Hätte man mich jetzt gefragt ob ich mit dem Unentschieden zufrieden gewesen wäre, hätte ich sofort abpfeiffen
lassen. Mehr ist doch in Unterzahl echt nicht drin…
Für den "Auswärts - FCC" in dieser Saison ist dies aber das natürliche Signal auch in Unterzahl die Siegchancen zu suchen.
Und als Patrik Amrhein kurze Zeit später nach schönem Solo freistehend vor dem Tor nur an den Pfosten schiebt, wagt der gemeine
FCC - Fan im Gästeblock endlich vom "Auswärtssieg" zu träumen und singen. Was in der 68. Minute zum Elfmeter für Jena führt
kann ich nicht nachvollziehen, da die Aktion schon wieder am anderen Ende des Stadions stattfindet, aber wenn der erste Elfer berechtigt gewesen
sein soll, wird es dieser wohl auch. Wenigstens in den Augen des Schiedsrichters.
Das es am Ende doch nicht zum Auswärtsdreier reicht, ach herrjee, wem will ich das denn vorwerfen? Die Mannschaft hat auch in der Schlussphase
alles geboten, was sie konnte. Der Ausgleich in der 88. Minute ist natürlich der "Hammer" ins Genick des eh schon taumelnden Boxers. Andererseits
muss den Jungs doch endlich mal jemand ins Gehirn prügeln, dass sie auch zu Hause so auftreten müssen, dann besteht vielleicht noch Hoffnung
auch mit einem Unentschieden auf St. Pauli leben zu können.
FC Carl Zeiss Jena - Alemannia Aachen 2:3
Tore: 1:0 Werner (17.), 1:1 Reghecampf (29.), 2:1 Schied (66.), 2:2 Lehmann, 2:3 Krontires (81.)
- Jena: Khamutouski; Günther, Maul, Omodiagbe, Stegmayer;
Amrhein (75.Saka), Müller, Simak, Werner; Petersen (64.Torghelle),
Schied
- Aachen: Straub; Polenz, Klitzpera, Herzig, Leiwakabessy;
Reghecampf, Lehmann (90.Olajengbesi), Lagerblom, Krontiris (90.Brinkmann);
Ebbers (58.Mosquera), Kolev
- Zuschauer: 6513
- Schiedsrichter: Gräfe (Berlin)
- Spielbericht:
- Die fußballfreie Zeit war endlich zu Ende und auch für Jena sollte nun der Ball in der 2. Bundesliga wieder rollen. Die guten
Ergebnisse in der Vorbereitung ließen bei jedem Zeiss-Fan Hoffnung aufkommen, welche in einem grandiosen Sieg im DFB-Pokal gegen die
Arminia aus Bielefeld gekrönt wurde. Diesen Schwung und Optimismus wollte man unbedingt in die heutige Partie mitnehmen, um gleich im
ersten Spiel der Rückrunde gegen die Gäste aus Aachen die Aufholjagd starten zu können und den ersten wichtigen Dreier einzufahren.
Die Jenaer begannen auch gleich wie die Feuerwehr und bereits nach 20 Sekunden sah Herzig die erste gelbe Karte im Spiel, da er den aufs
Tor stürmende Schied nur durch Foulspiel bremsen konnte. Gut eine Minuten später fast schon das 1:0 für die Platzherren,
doch ein gefährlich abgefälschter Freistoss mit anschließendem Torschuss von Schied wurde wegen Abseitsposition abgepfiffen.
Aber leider war es das erst einmal mit den Jenaer Angriffbemühungen, denn die Aachener stellten sich im besser auf das Jenaer Spiel ein
und setzten frühzeitiger nach. Dadurch verflachte die Partie zunehmend und beide Teams neutralisierten sich weitgehend im Mittelfeld,
ohne sich dabei nennenswerte Chancen zu erspielen. So dauerte es bis zur 17. Minute, als der Jenaer Anhang zum ersten Mal jubeln durfte.
Ein von Simak getretener Eckball wurde zunächst per Kopf geklärt, Amrhein nahm den abprallenden auf, schoss erneut auf das Tor
und in der Mitte stand Werner goldrichtig und fälschte per Kopfball zur 1:0 Führung ab. Doch leider konnten die Jenaer dieses
Stimmungshoch nicht weiter nutzen, denn sie führten erst zum zweiten Mal in dieser Saison auf eigenem Platz, sondern sie ließen
die Aachener wieder ins Spiel kommen. Nach gut einer halben Stunde nutzten diese ihre erste gute Möglichkeit eiskalt und Reghecampf
traf mit einem herrlichen Kopfball aus 11m zum Ausgleich. Kurz vor der Pause sogar noch fast die Führung für die Gäste, doch
Jenas neuer Keeper Khamutouski konnte den Schuss von Krontiris gerade noch parieren.
Die Aachen kamen zielstrebiger aus der Kabine und hatten bereits in der 51. Minute erneut eine dicke Möglichkeit zur Führung, aber
Ebbers konnte in bester Position mit seinem Kopfball aus Nahdistanz den Jenaer Schlussmann nicht überwinden. Nun zogen die Gäste ihr
Spiel auf und beherrschten das Mittelfeld mühelos. Die Jenaer wirkten dagegen zunehmend verunsichert und versuchten es mit langen Bällen
nach vorn, die aber allesamt keinen Abnehmer fanden. Trainer Henning Bürger brachte Torghelle ins Spiel und erhoffte sich noch einmal einen
Schub nach vorn. Und es dauerte auch nur wenige Augenblicke und da hatte sich die Einwechslung bereits ausgezahlt. Simak hatte erneut einen Eckball
getreten, den Torghelle per Kopf genau vor das Tor verlängerte, wo Marcel Schied goldrichtig stand und den Ball aus wenigen Zentimetern nur
über die Linie drücken musste. Hoffnung auf den wichtigen Dreier keimte wieder auf, aber leider konnten die Jenaer auch in dieser Phase
den Schub nicht nutzen. Nur fünf Minuten später musste Khamutouski, der mit Abstand beste Spieler des FCC an diesem Tage, Kopf und
Kragen riskieren, um den erneuten Ausgleich zu verhindern. Aber zwei Minuten später war auch er machtlos, als Lehmann aus wenigen Metern
mit einem schönen Schuss zum Ausgleich traf. Die Thüringen wirkten in ihren Aktionen immer konfuser und man mochte gar nicht glauben,
dass fast genau dieses Team nur wenige Tage zuvor die Arminen aus Bielefeld in einer packenden Partie aus dem DFB-Pokal geworfen hatten. Als
wenn die zwei Gegentore nach zweimaliger Führung nicht schon schlimm genug wären - es sollte heute noch dicker kommen. Lehmann hatte
sich in der 82. Minute im Mittelkreis das Leder geschnappt und konnte ungehindert bis kurz vor den Strafraum spazieren, wo er Krontiris mit
einem Pass genau in den Lauf bediente, der sich diese Chance nicht entgehen ließ und zur Gästeführung einschoss. Der FCC
versuchte in der Folgezeit noch einmal alles und wurde eine Minute vor Ultimo auch fast noch belohnt, doch zum Pech der Saalestädter
krachte einer herrlicher Schuss von Simak nur an das Lattenkreuz.
Wenig später war die Partie zu Ende und erneut konnte der FCC nach einem packenden und auch erfolgreichen DFB-Pokalsieg den Schwung und die
Euphorie nicht ins anschließende Punktspiel hinüberretten, um endlich auch hier einen wichtigen Sieg erringen zu können.<vg>
FC Carl Zeiss Jena - FC Augsburg 1:2
Tore: 0:1 da Costa (25.), 0:2 Ledezma (38.), 1:2 Petersen (79.)
- Jena: Kraus; Stegmayer, Omodiagbe, Maul, Oniani; Werner, Müller (46. Kühne), Simak, Charalambides; Helbig (65. Fröhlich), Torghelle (76. Petersen)
- Augsburg: Neuhaus; Wenzel, Benschneider, Hertzsch, Möhrle;
Müller, Hdiouad, da Costa, Kern; Diabang (90.Hlinka), Ledezma (74.Luz),
- Zuschauer: 8453
- Schiedsrichter: Lupp (Zossen)
- Spielbericht:
- Nach den Siegen in den letzten beiden Partien war es heute für die Kicker des FC Carl Zeiss Jena immens wichtig, auch das letzte Heimspiel der
Hin-Serie positiv zu gestalten und mit einem Sieg gegen den FC Augsburg das Kalenderjahr noch ein wenig freundlicher zu beenden.
Die Platzherren hatten sich auch wirklich viel vorgenommen, denn sie begannen gleich elanvoll und drückten die Bayern in deren Hälfte. Nach acht
Minuten die erste gute Chance für die Jenaer, doch Helbig bekam freistehend den Ball im Strafraum nicht richtig unter Kontrolle und er landete beim Tormann.
Sekunden später erneut eine gute Möglichkeit durch einen Freistoß von Simak, aber Maul berührte noch den Ball und fälschte ihn so ab,
dass er über das Tor abgelenkt wurde. Erneut Simak war es, der für eine weitere gute Aktion (19.) der Jenaer sorgte. Auf der linken Seite düpierte
er erst einen Gegenspieler mit einer Körperfinte, stürmte weiter und drang in den Strafraum ein. Den zweiten Abwehrspieler umkurvte er und spielte
anschließend noch Doppelpass mit Charalambidis, doch als er aufs Tor schießen wollte, stand erneut ein Augsburger vor seiner Nase, so dass diese
geniale Einzelaktion ohne Krönung blieb. Es lief bereits die 25.Minute und von den Gästen war noch nichts zu sehen gewesen. Aber das sollte sich
leider schnell ändern. Zunächst scheiterte da Costa mit seinem Freistoß aus gut 22m an Kraus. Doch beim anschließenden Eckball stand
er völlig frei und konnte so ungehindert die Führung für die Augsburger erzielen. Die Jenaer steckten nicht auf und nach 34 Minuten prüfte
Werner mit einem schönen Schuss Gästekeeper Neuhaus, der zur Ecke klären konnte. Ein langer Ball der Gäste wurde per Kopfball noch einmal
verlängert, so dass Ledezma das Leder genau in den Lauf gespielt bekam. Das 1:1-Duell gegen Maul entschied er für sich, zog aus halbrechter Position
ab und der Ball landete im langen Toreck und es stand nach 38 Minuten 0:2 aus Jenaer Sicht. Da hatten sich die Jenaer Spieler für das heutige Spiel so
viel vorgenommen, spielten phasenweise mal wieder richtig schönen Fußball und die Augsburger, von denen kaum etwas zu sehen war, führten
mit 2:0. Unglaublich. Kurz vor der Pause noch einmal ein gefährlicher Freistoß des FCC in den Strafraum, aber ein Abwehrspieler konnte per Kopf
zu Ecke klären.
Nach der Pause begannen die Spieler des FCC ihre Aufholjagd und setzten die Augsburger unter Druck. Neuhaus im Tor der Gäste mit seiner einzigen
Unsicherheit am heutigen Tage, als er einen Schuss von Werner (49.) erst im zweiten Versuch festhalten konnte. Aber nun ging es Schlag auf Schlag und
die Jenaer drängten auf den Anschlusstreffer. Nach einem Eckball Getümmel im Augsburger Strafraum und der Ball kam zu Helbig, der sofort abzog,
aber an den Fingerspitzen von Neuhaus scheiterte, wie auch kurz darauf mit einem Schuss aus spitzem Winkel (53.). Dann war es Simak, der nach einem Konter
mit seinem Schuss aus 20m nur um Zentimeter das Tor verfehlte. Wenig später legte Torghelle auf Charalambis ab, dessen Schuss Neuhaus mit den
Fingerspitzen noch berührte, der Ball rollte Richtung Torlinie, doch ein Augsburger konnte den Ball gerade noch vor der Linie wegschlagen. In
der 76. Minute schickte Jenas Trainer Ivanauskas seinen Edeljoker Nils Peterson auf das Feld, der bereits in den letzten beiden Partien jeweils mit
seinem Tor zum Matchwinner der Spiele geworden war. Nur drei Minuten waren vergangen, da flankte Charalambidis hoch in den Strafraum, Peterson stieg
am höchsten und traf per Kopf zum 1:2. Großer Jubel auf den Rängen und nun dachte ein jeder, dass wenigsten ein Unentschieden am
heutigen Tag noch möglich sei. Aber es waren die Gäste, die näher am Torerfolg waren, denn Diabang stürmte in der 81.Minute allein
auf Torwart Kraus zu, wollte diesen umspielen und legte sich den Ball dabei zu weit vor, so dass ein Verteidiger gerade noch klären konnte. Die
Zeit lief den Platzherren davon und fast hätte Luz fünf Minuten vor Ultimo den Jenaern das endgültige K.O. versetzt, doch sein Ball
zischt um Haaresbreite am Pfosten vorbei. Die zwei Minuten Nachspiel liefen bereits, als Simak mit einem herrlichen Schuss das nun kaum noch geglaubte
Unentschieden erzielen wollte, aber der am heutigen Tage überragend haltende Torwart Neuhaus hatte etwas dagegen und konnte mit einer hervorragenden
Parade den Ball mit den Fingerspitzen noch über das Tor lenken. Wenig später pfiff Schieri Lupp die Partie ab und erneut eine Heimniederlage
stand zu Buche.
Kopfschütteln auf den Rängen. Da hatten die Kicker des FCC in den letzten Partien spielerisch völlig versagt und erkämpften sich
zwei Siege und ein Remis, und am heutigen Tage hatte man endlich mal wieder phasenweise richtig guten Fußball gespielt, war die gesamte
Partie überlegen und heraus gesprungen ist erneut eine ganz bittere Niederlage. Nun heißt es regenerieren und das letzte Spiel schnell
vergessen, damit im neuen Jahr die Aufholjagd fortgesetzt werden kann. <vg>
1. FC Kaiserslautern - FC Carl Zeiss Jena 2:3
Tore: 1:0 Jendrisek (19.), 2:0 Simpson (47.), 2:1 Torghelle (61.), 2:2 Omodiagbe (73.), 2:3 Petersen (80.)
- Kaiserslautern: Sippel; Bellinghausen, Schönheim (83. Opara), Beda, Müllerr; Denai, Broniszewski, Simpson, Reinert (67. Neubauer); Jendrisek, Runström (71. Ziemer)
- Jena: Kraus; Stegmayer, Omodiagbe, Maul, Oniani; Kandelaki (69. Petersen), Kühne (46. Müller), Ziegner (25. Simak), Charalambides; Werner, Torghelle
- Zuschauer: 24.517
- Schiedsrichter: Hartmann (Augsburg)
- Spielbericht:
- Fußball
ist ein seltsamer Sport. Da spielt der FC Carl Zeiss Jena über weite Strecken
der Hinrunde gerade auswärts tollen Fußball, ohne daraus auch Kapital in Form
von Punkten zu ziehen. Und dann liefert er drei wahrhaft schlechte Spiele in
Folge ab mit dem Resultat, daraus mehr Zähler zu holen als in den 13
vorangegangenen Begegnungen zusammen. Die Gemeinsamkeit der drei Spiele gegen
Osnabrück, Aue und nun Kaiserslautern bestand darin, dass sich all diese Gegner
nach Spielende vor Wut in den Allerwertesten beißen mussten darüber, einem
bereits klinisch toten FCC nicht mit etwas mehr Entschlossenheit den
endgültigen Knockout versetzt zu haben. Der Unterschied: Jenas erster
Auswärtssieg in Kaiserslautern war nicht ansatzweise verdient.
Valdas Ivanauskas behielt sein Bäumchen-wechsle-dich-Spiel in Sachen Aufstellung bei.
Der gegen Aue indisponierte Tapalovic stand nicht einmal im Kader und Helbig
fand sich neben dem angeschlagenen Simak auf der Bank wieder. Stattdessen
Oniani von Beginn an in der Viererkette, und vorn stürmten Torghelle und nach
seiner abgesessenen Gelbsperre auch wieder Tobias Werner Seite an Seite. Beide
waren es auch, die im Zusammenspiel die ersten Duftmarken setzten. Nach drei
Minuten nimmt Torghelle einen Zauberpass Werners auf, lässt sich aber von
Bellinghausen im Strafraum abdrängen und hofft zu Recht vergeblich auf einen
Elfmeterpfiff, eine Viertelstunde später segelt der Ungar nur haarscharf an
einer Werner-Freistoßhereingabe vorbei. Jena war das aktivere Team und die
Gastgeber schienen doch etwas überrascht davon, dass sich der Tabellenletzte
keineswegs nur hinten rein stellte, sondern das Spiel mehr und mehr an sich
riss. Riss ist das richtige Stichwort, denn das Bersten von Jenas Spielfaden
ließ sich selten so punktgenau datieren wie in diesem Spiel. 19. Minute, ein
schwacher Freistoß Torsten Ziegners gelangt zum Ausführenden zurück, dessen
kapitalen Stockfehler an der Mittellinie Josh Simpson – zuvor schon durch eine
nicht geahndete Tätlichkeit gegen Stegmayer auffällig – ausnutzt und gemeinsam
mit zwei Teamkameraden allein auf Daniel Kraus und Stegmayer zuläuft. Auch wenn
die Lauterer dies schlampig ausspielen, der Ball zappelt im Netz und Jenas Anhänger
erleben ihr ewiges Deja vu aus der Abteilung „Wie besorge ich es mir selbst“.
Was sich in den folgenden Minuten auf dem Rasen abspielte, lässt sich aus
Thüringer Sicht nur mit erbärmlich, hilflos, hoffnungslos umschreiben. Die
Zeiss-Elf geschockt, während die Betzebuben sich nun fast im Minutentakt Chance
um Chance erspielten. Oniani klärt gefährliche Freistoßflanke (21.), Kraus
pariert Jendrisek-Schuß (23.), Broniszewski knapp neben das Tor (24.),
Runströms Heber landet auf der Latte (25.), Maul klärt Jendrisek-Schuß für den
geschlagenen Kraus auf der Linie (30.), Kraus rettet todesmutig gegen den
heranstürmenden Runström (35.), Lautern drückte und Jena schwamm, frei von
jeglicher Ordnung, frei von jeglichem Selbstbewusstsein. Dass mitten in diese
Phase die Herausnahme des Kapitäns fiel, ist zwar eine bemerkenswerte
Personalie, Einfluß auf das Geschehen auf dem Platz hatte sie nicht, denn auch
Jan Simak fügte sich nahtlos in die desaströse Vorstellung der Jenaer Elf ein.
Und just als man sich noch sagte, dass der Spielstand zur herannahenden
Halbzeitpause noch das Beste der ersten 45 Minuten sei, hatte auch dieser
keinen Bestand mehr. Hauptprotagonist diesmal Daniel Kraus, der erst einen fast
gefangenen Eckball wieder prallen ließ und bei der anschließenden Flanke
danebengriff, so dass sich Josh Simpson mit dem 2:0 bedankte und für
Endzeitstimmung bei 2.000 Jenensern im Gästeblock sorgte.
Die löste sich auch nicht mit Wiederanpfiff, als die Hereinnahme Robert Müllers für
den noch zu den Besseren gehörenden Stefan Kühne wohl nur von den Wenigsten als
Startsignal zu Jenas Aufholjagd verstanden wurde. Und so setzte sich das
planlose Vorpausenspiel nahtlos fort, kapitale Abwehrschnitzer (Oniani, Maul)
ermöglichten Broniszewski und Jendrisek beste Einschußchancen zur
Resultatserhöhung, während der FC Carl Zeiss im Offensivspiel schlicht nicht
existent war. Ähnlich wie die Pfälzer also anfangs der ersten Halbzeit und so
wollte es das Schicksal, dass auch diesmal ein unfassbarer Bock des Gegners den
Weg zum Tor bereitet. Lauterns Innenverteidiger Mathieu Beda wird des nächtens
wohl von jener Szene in der 61. Spielminute träumen, als er plötzlich völlig
unmotiviert und in der irrigen Annahme, sein Torhüter käme ihm entgegen,
Torghelle das Leder herschenkt. Der Ungar schlägt die Einladung nicht aus,
schlenzt gekonnt über Keeper Sippel ins Netz und Jena ist zurück im Spiel, ohne
eigentlich zu wissen, warum. Vier Minuten später schien dann alles wieder in
gewohnte Bahnen zu laufen, als sich der von seinen Vorderleuten erneut im Stich
gelassene Kraus im Strafraum nur mit einem plumpen Foul an Sven Müller zu
helfen weiß, Elfmeter. Ob man auf diesen Elfer später als den Knackpunkt
unserer Saison zurückblicken wird? Kraus springt in die richtige Ecke, hält,
der Nachschuß landet am Pfosten, alles Glück dieser Welt scheint in diesem
Moment auf jenen wenigen Quadradmetern Rasen vereint zu sein. Und endlich
begreifen auch die Blau-gelb-weißen dies als Wachrüttler, zückt Ivanauskas mit
Nils Petersen seinen ultimativen Joker und nimmt dafür Ilja Kandelaki aus der
Begegnung, wobei der Gang des Georgiers vom Feld seine aufsehenerregendste
Szene nach 69 Minuten Alibifußball darstellte, sieht man einmal von einer Flut
an Fehlpässen ab. Werner rückte für Petersen nun ins linke Mittelfeld zurück
und prompt setzte man den Gastgebern zu, übte Druck aus, setzte Nadelstiche.
Und einer davon saß: Simaks Ecke wird zu kurz geklärt, Werners Knaller pariert
Sippel, aber gegen den erneuten Nachschuß Omodiagbes ist auch er machtlos. 2:2,
unfassbar. Unfassbar auch, dass Jena nun nachsetzte, Lautern spürbar wankte und
seinerseits völlig den Faden verlor. Werners Schußversuch konnten sie noch ins
Toraus abfälschen (76.), Simak verzog im Strafraum knapp (79.) und dennoch
hätte es im Gegenzug beinahe bei Daniel Kraus geklingelt, doch der
eingewechselte Ziemer agiert freistehend zu umständlich. Der erneute Gegenzug,
die Roten Teufel bekommen das Leder nicht aus der Gefahrenzone, Simak zu
Torghelle, Torghelle zu Simak, Simak mit einem Anflug von Genialität
millimetergenau auf Petersen und was ist das für ein Wahnsinnsjunge, den Ball
furztrocken volley ins entlegene Eck zu katapultieren? Das Spiel war gedreht
und Jenas Youngster hätte gar noch einen draufsetzen können, als er sich nach
86 Minuten in den Strafraum dribbelt, aber zu Torghelle zurücklegt, der aus fünf
Metern über den leeren Kasten zieht. Lautern riskierte nun alles, hohe
Verzweiflungsbälle in den Jenaer Strafraum wechselten sich mit
kreuzgefährlichen FCC-Kontern ab, mit denen ebenso fahrlässig umgegangen wurde,
wie der mehrfache Deutsche Meister das in Halbzeit eins vorgemacht hatte. Dass
sich dies nicht noch rächte, verdankte man Lauterns Jendrisek, dessen Kopfball
in der 92. Minute knapp das Ziel verfehlte.
Dann war Schluß, fassungsloser
Jubel im Gästeblock, binnen 30 verrückten Minuten war aus „Wir woll’n euch
kämpfen seh’n“ ein „Wir woll’n die Mannschaft seh’n“ geworden, aus „Wir ham’
die Schnauze voll“ ein „Oh wie ist das schön“. Und nachdem der Puls erst einmal
etwas herunter gefahren war, da war sie wieder, die Parallele zu den beiden
vorangegangenen Spielen, jene brennende Frage: Abgesehen von der Freude über
die in den Schlussminuten eingefahrenen Punkte, von der Hoffnung auf einen
psychologischen Schub für’s nächste Match: Was soll einem aus der gebotenen
Leistung heraus Hoffnung für den Klassenerhalt geben? Sicherlich nicht viel,
doch wenn dieser glückliche Auswärtssieg eines war, dann Balsam auf die Wunde
der so vielen unnötig verschenkten Punkte im Verlaufe der letzten vier Monate.
Fußballfans sind die größten Philosophen, und wer wollte meinem Bruder
widersprechen in seinem Fazit: „Wir ham’s zwar nicht verdient, aber das ham’wer
uns mal verdient“. Auf die Hoffnung! <gunner>
FC Carl Zeiss Jena - FC Erzgebirge Aue 2:1
Tore: 0:1 Emmerich (8./FE), 1:1 Petersen (74.), 2:1 Simak (89./FE)
- Jena: Kraus; Stegmayer, Omodiagbe, Oniani, Tapalovic (41. Maul);
Kandelaki, Kühne, Ziegner (57. Torghelle), Simak, Charalmabides;
Helbig (72. Petersen)
- Aue: Keller; Trehkopf, Kos, Loose, Sträßer; Liebers,
Emmerich (76. Kurth), Curri (80. Geißler), Feldhahn; Sykora, Klinka
(76. Kaufman)
- Zuschauer: 9587
- Schiedsrichter: Gagelmann (Bremen)
- Spielbericht:
- Die ersten Überraschungen gab es beim Blick in die
Aufstellung. Ziegner verblieb trotz Simaks Rückkehr in der Startelf. Maul ein
weiteres Mal draußen. Doch die meisten Fragezeichen ergaben sich mit Blick auf
den Einmannsturm. Angesichts der Tabellensituation in einem Heimspiel nur mit
Helbig zu beginnen und Jenas besten Schützen Torghelle draußen zu lassen,
weckte jede Menge Unverständnis. Sollte der Ungar für seine übermotivierte
Spielweise in Osnabrück nachträglich noch bestraft werden ? Ist Motivation in
unserer Situation nicht wertvoll genug, um zu versuchen, sie in geordnete
Bahnen zu lenken ?
Das Ostderby gegen Erzgebirge Aue war nüchtern betrachtet
schon fast die letzte Gelegenheit, sich die Hoffnungen auf den Klassenerhalt
bewahren zu können. Deshalb wirkte der erneute frühzeitige Rückstand wie ein
Schlag in die Magengrube. Tapalovics Foul im Strafraum war nichts Grobes. Eines
von der Sorte, wo im Mittelfeld kurz Freistoß gepfiffen wird und das Spiel
gleich weiterläuft. Aber es passierte nun mal nicht im Mittelfeld, sondern im
eigenen Sechzehner und somit geht der Elfmeterpfiff in Ordnung. Emmerich
verwandelte sicher. In den diesjährigen Meisterschaftsspielen war es Jena noch
nicht gelungen, ein 0:1 in einen Sieg umzuwandeln. Und so ängstlich, wie es in
der Folgezeit zu Werke ging, schien daraus auch diesmal nichts zu werden.
Symptomatisch für die allgemeine Verunsicherung war die Szene, in der Oniani
unbedrängt den Ball am eigenen Keeper vorbei ins Toraus schob. Am meisten in
Erscheinung trat anfangs das promblemlos amtierende Schiedsrichter-Gespann, das in regelmäßigen
Abständen von acht Minuten seinen Auftritt hatte: Strafstoßpfiff in der 8.
Minute, Gelbe Garte für Stegmayer in der 16., Abseitsfahne beim Kopfballtor
Sykoras in der 24. Erst in Minute 25 ergab sich mal eine Tormöglichkeit für die
Thüringer, welche Ilia Kandelaki jedoch kläglich vergab: Drei Meter vor dem Tor
stehend köpfte er einen Flankenball um zehn Meter am Kasten vorbei ! Schlimmer
noch: Es sollte die einzige echte Chance in Halbzeit eins bleiben für den FC
Carl Zeiss, auch weil sich Alleinunterhalter Helbig zumeist von mehreren
Gegenspielern umringt sah und wie befürchtet damit auf verlorenem Posten
stand. Während Charalambides auf seiner lila-verwaisten Seite ein ums andere
Mal vergeblich auf sich aufmerksam zu machen versuchte, sorgte ein simpler
Fehler Kandelakis in der Ballannahme auf der anderen Seite für erste
Unmutsäußerungen von den Rängen. Fünf Minuten vor der Pause unterlief
Elfmetersünder Tapalovic ein Ballverlust, den Sykora nicht zu nutzen wusste,
jedoch Valdas Ivanauskas auf die Palme brachte. Noch vor dem Seitenwechsel nahm
er Tapalovic vom Feld, um dafür Alexander Maul ins Abwehrzentrum zu beordern.
Dieser berichtete hinterher, dass die Spieler in der Kabine
einiges zu hören bekommen und sich danach gesagt hätten: „Das Match drehen wir
heute“. Ganz ehrlich, lieber Alexander, lange Zeit sah euer Spiel in der
zweiten Hälfte kein bisschen besser aus als in der Ersten. So war in Minute 67
nicht nur aus dem Ball die Luft heraus, sondern anscheinend auch aus dem Spiel.
Das Schlimme an der Situation war, dass die auswärtsschwachen Auer keinen Deut
stärker spielten, aber scheinbar sicher in Führung lagen. Weil in diesem Spiel eben
einfach nichts passierte. Doch siehe da, mit neuem Spielgerät und zwei frischen
Stürmern kam die Wende. Nils Petersen war gerade zwei Minuten im Spiel, als er
eine Rechtsflanke von Charalambides erwischte und zum Ausgleich in die Maschen köpfte. „Ich habe
den Ball fliegen sehen und gedacht, da musst du hin“, schilderte der Youngster
das 1:1 aus seiner Sicht. Nun ging noch mal ein Ruck durch die Mannschaft, das
Spiel wurde schneller, doch auch die Zeit rannte davon. Kühnes Schuss landete
in Kellers Armen (81.). Doch mit dem Schuss von Maul hatte der
Auer Torwart größere Problem, musste das Leder prallen lassen. Torghelle wollte
abstauben und wurde durch Kos gefoult – Elfmeter ! In der vorletzten Spielminute ! Jan
Simak hielt dem immensen Druck stand, indem er scharf oben links verwandelte.
Petersen hatte den Ausgleich erzielt, Maul den vorentscheidenden Schuss abgegeben,
Torghelle den Elfmeter herausgeholt - mit seinen Einwechslungen lag Ivanauskas
immerhin wieder richtig. Der einzig wahre Held hieß dabei natürlich
Nils Petersen !
Eben noch auf dem Abstellgleis und nun das. Nach langer Pause wieder in die
Erste berufen, auf Anhieb einen Treffer erzielt,
zum Tor der Woche nominiert und in die U20-Nationalmannschaft berufen. Mehr
geht nicht in sieben Tagen. Ein Zeiss-Talent startet durch. Es wäre so wichtig,
würden sich seine Mannschaftskameraden davon anstecken lassen.
Denn eines muss klar sein: „Beide Halbzeiten zusammen
betrachtet war das nicht ausreichend für die zweite Liga“. Dieses Urteil hat
der Auer Spieler Marco Kurth über die Leistung seines Teams gefällt. Es gilt
wortwörtlich aber auch für die 90 Minuten des siegreichen FCC. <fc>
Bilder auf fcc.weissenburger.de
Spielbericht auf fc-erzgebirge.de
VfL Osnabrück - FC Carl Zeiss Jena 1:1
Tore: 1:0 Cichon (20., FE), 1:1 Werner (90.+2)
- Osnabrück: Gößling; Schäfer, Ndjeng,
Cichon, Thomik; Aziz (68. Nouri), Grieneisen (85. Manno), Heidrich, Schuon;
Hennings (89. Ehlers), Reichenberger
- Jena: Kraus; Stegmayer, Omodiagbe, Oniani, Günther
(

, 19.);
Kandelaki (85. Helbig), Kühne, Ziegner, Holzner (46. Charalambides);
Werner, Torghelle (37. Tapalovic)
- Zuschauer: 12.000
- Schiedsrichter: Kinhöfer (Herne)
- Spielbericht:
- (von Gastkommentator Thomas Neumann)
Das Osnabrücker Stadion an
der Bremer Brücke war Spielstätte des siebenten Auswärtsauftritts des FCC in
der Saison 2007/2008 und ich war wohl nicht der einzige Besucher, der die Parallelen
zum Spiel vor zwei Jahren sah. Nach einer Heimniederlage und eigentlich doch
recht ansprechenden Auswärtsauftritten in der Saison durfte man eigentlich
hoffen in Osnabrück zu punkten. Ähnlich
wie vor zwei Jahren, als der etatmäßige Spielmacher in der Regionalliga,
Torsten Ziegner, in Osnabrück fehlte, fiel diesmal Jan Simak aufgrund der 5. Gelben
Karte aus. Und das genau jener Torsten Ziegner nun diesmal den fehlenden Jan
Simak vertreten sollte, gab dem ganzen so eine besondere Note.
Aber um auch das nicht zu
vergessen, es gab auch einen Riesenunterschied zum Vergleich vor zwei Jahren:
Der FCC reiste dazumal als Tabellensiebenter zum VfL nach Osnabrück. Diesmal
kamen wir als Tabellenletzter nach Westniedersachsen und dementsprechend
pendelten die Ergebnistipps der Heimfans auf dem Weg vom Parkplatz zum Stadion
so zwischen einem 3:0 und einem 5:0 für ihre in der letzten Zeit extrem
heimstarken Lila-Weißen.
Die Mannschaft des FCC hatte
sich vor dem Spiel in einem viertägigen Trainingslager in Bad Blankenburg noch
einmal auf dieses Spiel eingeschworen und Jenas Cheftrainer Valdas Ivanauskas
wartete mit einigen Veränderungen in der Mannschaftsaufstellung auf. Neben
Torsten Ziegner in der Startformation, kamen auch Felix Holzner im rechten
Mittelfeld und Ilia Kandelaki im linken Mittelfeld zum Einsatz. Außerdem
spielten Omodiagbe und Oniani in der Innenverteidigung, Sven Günther mal wieder
hinten rechts und Michael Stegmayer hinten links, sowie Stefan Kühne als
Staubsauger vor der Abwehr. Und nachdem mit Sandor Torghelle und Tobias Werner
auch vorne mal wieder mit zwei Spitzen angefangen wurde, kann man Jenas Trainer
Valdas Ivanauskas wohl eher nicht vorwerfen, nicht mal etwas Neues
auszuprobieren.
Das Spiel begann für die
Jenaer eigentlich ganz ansprechend. Die Mannschaft kann das Spiel auch in des
Gegners Hälfte verlagern und von einer Anfangsoffensive der Heimmannschaft ist
wenig zu sehen. Felix Holzner zielt bei einer Schusschance in der 3. Minute aus
ca. 20 Metern nur knapp über das Tor. Nach und nach gewinnen die Osnabrücker
aber die Oberhand und als der FCC nach einer guten Viertelstunde einen Einwurf
in der eigenen Hälfte auf Links zugesprochen bekommt, nimmt das Unglück an Fehlern
mal wieder seinen Lauf. Man wirft den Ball nicht zurück zum eigenen Torwart,
wenn die gegnerische Mannschaft so aufgerückt ist. Man fängt als Torwart nicht
an, im eigenen Strafraum den Gegner auszuspielen. Und man reißt den Gegner im
Strafraum auch nicht um (wobei ich zugebe die Szene nicht genau gesehen zu
haben). Das Ergebnis dieser Fehler: Strafstoss für Osnabrück und eine rote
Karte für Sven Günther! Den Elfmeter verwandelt Thomas Cichon (20.) souverän
ins linke Eck und im mit ca. 400 bis 500 FCC – Fans gefüllten Gästeblock
beginnt sich sofort Defätismus breit zu machen.
Was sich in den nächsten 40
Minuten auf dem Platz abspielt, ist im Grunde genommen nebensächlich, weil
unerheblich. Die Osnabrücker können ihre Vorteile nicht wirklich nutzen und
beweisen auch nicht wirklich warum sie so viel mehr Punkte auf dem Konto haben
als der FCC. Der FCC vertut sich in Harmlosigkeiten und schwächt sich am Ende
selbst, als Oniani in einem Luftzweikampf Holzner (41.) ausschaltet.
Erst am Ende kommt der
Tabellenletzte wieder zu ansprechenden Szenen, die jedoch harmlos vergeben
werden.
Tja, und wenn es denn noch
mal eines Vergleiches mit jenem Treffen vor zwei Jahren bedarf, dann war es
eben jenes Ausgleichstor in der 90+x Minute durch einen Kopfball von Tobias
Werner. Danach war dann auch aber auch zum Glück schnell Schluss.
Ich spare mir lieber jede
Prognose zu Chancen und Möglichkeiten zum Klassenerhalt. Möglich ist vieles,
machbar auch. Die recht verhaltenen Gesten der Mannschaft nach dem Schlusspfiff
am Zaun vor dem Gästeblock sprechen aber Bände. Realistisch betrachtet haben
wir aber nur wieder einen Spieltag gegen einen Konkurrenten vergeben.
FC Carl Zeiss Jena - TSG 1899 Hoffenheim 0:1
Tore: 0:1 Obasi (72.)
- Jena: Kraus; Stegmayer, Omodiagbe, Maul, Oniani; Hansen (46.
Zimmermann), Müller, Simak, Charalambides (74. Helbig); Torghelle,
Werner
- Hoffenheim: D. Haas; Gustavo, Löw, Nilsson, Seitz; Eduardo
(68. Ibisevic), Vorsah, Copado, Salihovic (85. S. Haas); Paljic (62. Ba),
Obasi
- Zuschauer: 6895
- Schiedsrichter: Fischer (Hemer)
- Spielbericht:
- Vor Wochen sorgte der Streit zwischen Mainz 05 und
Hoffenheim 1899 für Diskussionen. „Bayern München erwirtschaftet sein Geld. In
Hoffenheim ist es nur ein Sponsor. Schade, dass so eine Mannschaft einen der 36
Plätze im Profifußball wegnimmt“, hatte sich der Mainzer Manager Christian
Heidel negativ über die Hoffenheimer geäußert. Dass diese verärgert darauf
reagierten, ist nachvollziehbar. Den Beweis, dass in diesem Verein mehr
Substanz steckt als ein starker Sponsor, der sich fähige Spieler an Land zieht,
bleibt die TSG aber bis zum heutigen Tag schuldig. Wenn beispielsweise von
Herrn Hopp die Auswärtsbusfahrt komplett bezahlt wird und sich dennoch gerade
mal 54 Fans auf den Weg machen, eine zuletzt sehr erfolgreiche Mannschaft
auswärts zu unterstützen, wird das keinen höheren Ansprüchen gerecht.
Die Schützlinge von Ralf Rangnick begannen offensiv, mit
gutem Passspiel. Dreimal musste Daniel Kraus bereits in den ersten zwanzig
Minuten zeigen, dass die Zeit der „Flattermänner“ im Jenaer Gehäuse ein Ende hat.
Den Schuss von Paljic lenkte Kraus zur Ecke. Auf den tückischen Ball im
Anschluss an einen Freistoß hechtete er sich kurz vor der Torlinie. Und beim
direkten Freistoß von Salihovic ging er auf Nummer sicher, versuchte das nasse
Leder gar nicht erst zu fangen, sondern faustete es konsequent weg. Das Glück
des Tüchtigen kam Jenas Keeper in Minute 29 zu Hilfe, als im Anschluss an eine
gelungene Dreierkombination Salihovic nur die Lattenoberkante traf.
Kraus war
von Beginn an voll da, was von seinen Vorderleuten leider nicht behauptet
werden kann. Im Vergleich zu der couragierten ersten Hälfte in Mönchengladbach
waren sie kaum wieder zu erkennen, reagierten nur statt zu agieren. Ihr Trainer
hatte vor einer offensive Gästeelf gewarnt, den Überraschungseffekt kann also
niemand geltend machen. Fast sechzig Prozent verlorene Zweikämpfe in der ersten
halben Stunde sind ein unerklärlicher, so bislang nicht gekannter Beleg von
Schwäche, der sich naturgemäß aufs Spielgeschehen auswirkte. Keine Torszene aus
dem Spiel heraus war in Halbzeit eins zu verzeichnen und es dauerte bis zur 34.
Minute, bis Jena wenigstens mal aus einer Standartsituation heraus etwas zuwege
brachte. Simaks Freistoß musste Haas prallen lassen, beim anschließenden Kopfball
von Alexander Maul brandete schon Torjubel auf, doch der Torwart vermochte ihn
noch zur Ecke zu lenken. Klar wäre eine Führung zu diesem
Zeitpunkt ganz und gar unverdient gewesen – doch darum hat sich so mancher Gast
im Ernst-Abbe-Sportfeld bislang schließlich auch nicht geschert. Ein Solo noch
von Jan Simak, der zuvor für ein „Warum hast du das gepfiffen?“ seine 5. Gelbe
Karte gesehen hatte – dann war wieder
Hoffenheim am Drücker. Copado scheiterte zweimal innerhalb einer Minute an Kraus
(41.). Der Flachschuss von Obaris sauste am langen Pfosten vorbei (42.). Ecken,
Zweikämpfe, Chancenverhältnis, scheinbar auch in der Gunst des Schiris –
überall lagen die Gäste zur Pause vorn. Nur in Tore hatten sie diese
Überlegenheit nicht umgesetzt.
Mit Wiederanpfiff kam Zimmermann für Hansen, der sich nach
unserer Beobachtung bei einem Absatzkick ohne gegnerische Einwirkung verletzt
hatte. Am Spielverlauf änderte sich zunächst mal nichts. Bis zur 55. Minute. Da tauchte
nach Vorarbeit von Werner und Maul plötzlich Sandor Torghelle am
Gäste-Strafraum auf, seinen scharfen und eigentlich gut platzierten Schuss
erwischte Haas aber reaktionsschnell mit der Hand. Diese Aktion wirkte wie eine
Initialzündung. Jetzt endlich wurde die berühmte letzte
Konsequenz in den Jenaer Handlungen
deutlich. Die nächsten Hochkaräter ließ nicht lange auf sich warten. Werners
Schrägschuss fing Haas. Dann, nur zwei Minuten nach seiner ersten vergebenen
Möglichkeit erwischte Torghelle im Mittelfeld einen Abschlag des Torhüters, sprintete
mit Ball am Fuß auf den Keeper zu und – scheiterte erneut. Kein Vorwurf beim
ersten Ding, aber DEN hätte er machen müssen ! Der Ungar, mit seinem
Pokaltreffer gerade erst in der Wahl zum Torschützen des Monats gewesen, sollte
sogar noch eine dritte Chance bekommen. Doch sprang er um einige Zentimeter an
Werners Freistoßball vorbei. Immerhin hatten die Jenaer nun Zugang zu diesem
Spiel gefunden und deshalb ist es besonders bitter, im Anschluss an die
stärkste Phase den k.o.-Schlag einstecken zu müssen. Jan Simak, an diesem Tag
ohnehin mit größerer Fehlerrate als sonst, unterlief der spielentscheidende
Ballverlust im Mittelfeld. Über Vorsah und Salihovic kam Chinedu Ogbuke Obasi
in Ballbesitz und ließ Daniel Kraus keine Chance. 0:1. Was danach kam, kannten
wir schon aus anderen Spielen in dieser Saison. Jena gab kämpferisch alles,
konnte mit der Brechstange aber nichts mehr bewegen. Und da der Schiri bei zwei
strittigen Strafraumentscheidungen weiterspielen ließ, brachte Hoffenheim das
Ergebnis ziemlich ungefährdet über die Zeit.
Es ist ja nicht so, dass der FC Carl Zeiss irre weit weg
wäre von der Musik. Sieben der neun Niederlagen fielen mit einem Tor Differenz
aus ! Doch gerade das macht diese Saison so frustrierend. Daran hat sich auch
am 11.11. nichts verändert. <fc>
Borussia Mönchengladbach - FC Carl Zeiss Jena 2:1
Tore: 1:0 Neuville (9.), 1:1 Torghelle (34.), 2:1 Neuville (80.)
- M'Gladbach: Heimeroth; Voigt (74. van den Bergh), Brouwers, Daems, Levels; Marin,
Paauwe, Rösler (74. Coulibaly), Ndjeng; Friend, Neuville (85. Svärd)
- Jena: Kraus; Stegmayer, Omodiagbe, Maul, Oniani (72. Tapalovic);
Hansen (82. Helbig), Müller, Simak, Charalambides; Werner, Torghelle
- Zuschauer: 28.759
- Schiedsrichter: Schmidt (Stuttgart)
- Spielbericht:
- Den Frust im Bier ersaufen oder einfach nur ertragen? Ich
weiß es ehrlich gesagt nicht. Nicht mehr. Klar, solche Abende gibt es. Da
rennen sich die Jungs anderthalb Stunden die Seele aus dem Leib und am Ende
bleibt nix außer Enttäuschung. Aber so ist Fußball halt. Dafür kommen andere
Spiele, nach denen man sich besorgt fragt, ob die drei Punkte mit dem einen
gegebenen Gerechtigkeitsempfinden überhaupt vereinbar sind. Nur, wo bleiben die
in dieser Saison? Wann löst sich diese Gleichung endlich auf? Nach Gestern muß
man sich fragen, ob sie das überhaupt noch tut. Acht Punkte Rückstand auf einen
Nichtabstiegsplatz sind schon ganz schön fett. Also doch ins Bier stürzen?
Jein! Es sieht schon ganz schön übel aus, ohne Frage. Und als Gladbach nach nur
neun Minuten die Führung erzielte, war auch wieder klar warum. Ein schlichter
Paß von Marin durch die Viererkette und schon war es
soweit. Das es auch schon Zeiten gab, in denen sich Neuville bei einem solchen
Ding den Fuß gebrochen hätte, ist halt Schicksal. Wenn du eben ohne Licht im
düsteren Tabellenkeller hockst, dann nimmt er ihn halt wunderschön an und
donnert ihn dir aus der Drehung in die kurze Ecke. Unhaltbar. Man hätte es in
den nächsten 70 Minuten glatt vergessen
können, hätte sich nicht das gleiche in der 80. Spielminute so ähnlich
wiederholt. Der einzige Fehler Omodiagbes im ganzen
Spiel, verwandelte den ganzen mühsam gehegten Optimisumus
in ein Häufchen Elend. Wieder war es Neuville, der nach der mißglückten
Kopfballabwehr des Nigerianers mit seiner Direktabnahme die endgültige
Entscheidung erzwang. Man konnte nahezu jeden einzelnen Fehler der Jenaer
Hintermannschaft auf der Anzeigetafel ablesen. Wirklich zum Brechen. Soviel zur
Hoffnungslosigkeit der Situation. Was sich zwischen den beiden geschilderten Szenen
abspielte läßt aber – wenn schon nix Zählbares dabei rausspringt – trotzdem
auch viel Raum für Zuversicht. Und zwar deshalb, weil wieder eine Mannschaft
mit Wir-Gefühl auf dem Platz stand in der einer für den anderen die Kastanien
aus dem Feuer zu holen bereit ist. In der Torghelle
das Laufen für sich entdeckt hat (ich hätte es noch vor Wochen nicht für
möglich gehalten) und das Tor trifft. In der Simak
langsam das Bewußtsein für das aufbaut, was wirklich in ihm steckt und die
Fäden in die Hand nimmt. Und in der das (manchmal) mangelnde spielerische
potential durch Kampf und Einsatzwillen aufgewogen wird.
Das sah gut aus! Vor allem in der ersten Halbzeit, als die
Gladbacher den Selbstfindungsbemühungen von Simak kaum
ein Mittel entgegenzusetzen hatten. Erst sein Knaller aus ca. 20 m, den
Heimeroth im Gladbacher Tor nur mit Mühe abwehren kann
(16.), dann der etwas zu hoch angesetzte Schuß vom linken Strafraumeck nach
einer schönen Einzelleistung (23.). Und dann schließlich seine Vorarbeit für
Stegmayers Flanke direkt auf Torghelle.
Ein langgezogener Brüller begleitet den wunderschönen
Kopfball des Ungarn zum Ausgleich in lange Eck (34.). Wunderschön!!! Und das
auch noch völlig verdient, denn hier spielte phasenweise nur noch Jena. Kommt
Jungs, nachsetzen. Kurz vor der Pause hält Werner noch mal drauf. Aber der hat
einfach kein Glück, bekommt nicht mal eine Ecke für den abgefälschten Schuß…
Nach der Halbzeit schwinden sichtbar schnell die Kräfte. Das
merkt man vor allem an den kleinen Fehlern, die sich allenthalben so einschleichen.
Simaks Pässe kommen nicht mehr so oft an und wenn,
dann deutlich unpräziser. Auch diese kleinen Schlampigkeiten machen das
Fußballerleben immer schwerer. Auf der linken Abwehrseite werden sich
Charalambidis und Müller (?) nicht einig. Nimm du ihn, ich
hab ihn sicher, fällt mir dazu nur ein. Glück, daß Neuville die anschließende Flanke
von Ndjeng aus drei Metern über das Gehäuse wuchtet. Na
also, es geht doch (58.)! Und dann noch das Ding von Daniel Kraus als er einen
seltsam geschlagenen Aufsetzer nur mit Mühe und unter Einsatz diverser
Körperteile am Überqueren der Linie hindern kann (59.). Sah komisch aus, war
aber auch schwer! Hauptsache nicht drin.
Jena steht in dieser Phase ganz schön unter Druck, aber das
sieht trotzdem alles ganz passabel aus. Kaum richtige Chancen für Gladbach. Ein
Freistoß von Simak sorgt sogar noch mal für etwas
Entlastung. Aber mit letztem Einsatz kann Heimeroth
den Ball noch über die Latte lenken (55.). Scheiße. Schönes Ding. Und dann –
gerade als man als Jenaer Anhänger mit einem Pünktchen zu liebäugeln beginnt –
Neuvilles zweiter Treffer. Aus der Kalten. Und das nach so
einer starken Leistung.
Ein Tal tiefer Depression tut sich kurzzeitig vor mir
auf. So lande ich nach dem Abpfiff auch unweigerlich bei der Frage nach einem
den Umständen gerecht werdenden Bierkonsum. Die Antwort will sich mir nicht so
recht erschließen, schwankt mit dem jeweiligen Gemütszustand zwischen fast
schwarz und sehr dunklem Hell. Am Ende entschließe ich mich, die ganze Sache
auszusitzen. Bis Sonntag jedenfalls. Wer hat schon mit einem Punkt oder gar
Sieg gegen Gladbach gerechnet? Kaum jemand. Es ist also alles noch wie vorher.
Für den Fall, daß es gegen Hoffenheim wieder nicht
klappt mit dem Dreier, sollte man aber sicherheitshalber schon mal eine
Palette Öttinger kaltstellen. <bpf>
FC Carl Zeiss Jena - SC Freiburg 1:2
Tore: 0:1 Pitroipa (35.), 0:2 Kmas (83.), 1:2 Werner (90.)
- Jena: Kraus; Stegmayer, Omodiagbe, Maul, Günther (46.
Tapalovic); Hansen (77. Torghelle), Zimmermann (70. Ziegner), Simak,
Kühne; Werner, Helbig
- Freiburg: Walke; Ibertsberger, Butscher, Krmas, Schwaab; Aogo,
Uzoma, Pitroipa (75. Schlitte), Banovic; Bencik (56. Cafu), Matmour (79.
Mesic)
- Zuschauer: 7026
- Schiedsrichter: Walz (Pfedelbach)
- Spielbericht:
- In der 25. Spielminute, als Hansens Kopfball knapp das Tor
verfehlte, beneidete ich etwas den Verfasser des heutigen Spielberichts, weil
er bis dahin etliches Notierenswertes und eine starke Jenaer Anfangsphase geboten
bekam. Sekundenbruchteile später wandelte sich mein Neid in Entsetzen, denn mir
fiel schlagartig ein, dass ich vom Chefredakteur zum Schreiben vergattert
worden war…
Dabei sah man vorm Anpfiff überall skeptische Gesichter,
gegen unseren Lieblingsgegner der letzten Saison rechnete sich eigentlich
niemand etwas aus. Die erste Aktion schien allen recht zu geben, denn nach der
ersten Gästeecke musste Kraus einen scharfen Kopfball parieren. Faktisch im
Gegenzug parierte Walke einen Schuss Hansens aus nächster Nähe. Kurz danach
rettete Walke gegen Helbig. Das Gesamtbild sah gar nicht so übel aus (daran
änderte auch die nervige und überflüssige Information auf der Anzeigetafel vom
Eckenverhältnis von 5:0 für den SC nichts), der FCC war die überlegene, aggressivere
Mannschaft, die den Freiburgern immer wieder
feine Nadelstiche verpasste. In der 12. min wusste sich ein von Simaks Antritt
überforderter Verteidiger gar nicht mehr anders zu helfen, als sich ans Jenaer
Trikot mit der Nr. 19 zu klammern und dieses samt Simak auf den Rasen zu
befördern. Ich weiß nicht, ob Schiedsrichter Walz vom Rugby kommt, aber anders
kann man sich nicht erklären, warum er bei diesem klaren Foul nicht auf
Strafstoß entschied. Walz’ Gepfeife in der ersten Halbzeit war sowieso unterirdisch,
prinzipiell wurde nach Freiburger Ballverlust im Zweikampf auf Freistoß für die
Gäste entschieden und seine putzigen Eckenballentscheidungen für den SC
inspirierten die Haupttribüne zu lautstarkem ironischem „Ecke, Ecke“ bei jedem
Ausball. Bis zu jener oben erwähnten 25. min war der FCC im Vorwärtsgang, aber
erfolglos. Und so kam alles wie immer, nach der 34. die 35. Minute und in jener
der obligatorische Abwehrpatzer, als plötzlich drei „Blaue“ (die Gäste liefen
in einer ungewohnten Farbe auf) durch Jenas Abwehrmitte rauschten, Kraus
erwischte den Ball nicht, ein Freiburger spielt auf den nächsten, der im
Abseits stehend die Kugel ins Tor schob. Ein weiterer Höhepunkt jener
grässlichen Schiedsrichterleistung, dass der Treffer trotzdem anerkannt wurde.
Und so hatte nicht nur ich zur Halbzeitpause die Nase
gestrichen voll: Der FCC machte dass Spiel, der Gegner das Tor und der
Schiedsrichter leistete mit zwei extremen Fehlentscheidungen seinen Beitrag.
Zum Speien!!!
Nach der Pause war Freiburgs Taktik klar: Am eigenen
Strafraum aufstellen und in Ruhe die Führung nach Hause schaukeln, eventuell
mal kontern. Der FCC schaffte es aber trotz der badischen Zurückhaltung richtig
energisch Druck aufzubauen. Man spielte zu durchsichtig, machte zu viele
einfache Fehler im Aufbau und den Freiburgern die Abwehrarbeit ziemlich leicht.
Unerträglich, aber nicht neu, waren zudem die Schauspieleinlagen von
Pitroipa & Co., die nach kleinsten Berührungen oder
auch völlig ohne Anlass regelmäßig den „sterbenden Schwan“ abspulten, wie in
den letzten Zügen liegend. Nachdem sie fürs anscheinend letzte Schnauferchen
ins Seitenaus verbracht wurden, gab es ebenso regelmäßig die blitzschnelle
Wiederauferstehung inklusive Genesung. Und es ist sicher keine schlechte
Bilanz, durch solche „Verletzungen“ mehrfach längere Unterbrechungen zu
provozieren, die am Ende mit nur zwei Nachspielminuten belohnt wurden.
Jedenfalls fiel dem FCC nicht ein, wie die Gästeabwehr zu knacken wäre. Zu
vermelden war lediglich ein 20-m-Schuss Werners, der das Tor verfehlte –
typisch, dass in dieser Situation Stegmayer links völlig freigelaufen war, aber
vergeblich aufs Anspiel wartete. Eine knappe Viertelstunde vor Schluss sorgte
die Einwechslung des Ex-Jenaer Schlittes für ein
Anheizen der Stimmung im Publikum und fortan begleitete ein gigantisches
Pfeifkonzert jeden seiner Ballkontakte, das Eintauschen der angeblichen
Herzenssache FCC gegen Freiburger Geld war nicht vergessen worden. Freiburg
schaffte in der 82. min die befürchtete Vorentscheidung, allerdings nicht nach
einem Konter, sondern nach einem Freistoß von links außen. Omodiagbe ließ
Krmas kurzen Pfosten zu viel Raum und der drückte den Ball
ins Netz. Die erloschene Hoffnung glomm nochmals kurz auf, als Werner nach
Ziegners Flanke den Anschluss per Kopf erzielte. Aber
selbst Kraus’ Eingreifen ins Angriffsspiel brachte nichts Zählbares mehr, so
dass der FCC zum wiederholten Male in dieser Saison nach einem Heimspiel mit
leeren Händen dastand.
Nach dem guten Anfang fehlte heute in der Phase, in der der
FCC das Spiel hätte noch kippen können, jener letzte Kick, jener letzte Wille
zum bedingungslosen Fighten. Und wenn wir nicht schon im Dezember mit den
Planungen für die dritte Liga 2008/09 beginnen wollen, müssen nach den vielen
vergebenen möglichen Punkten in den nächsten Wochen endlich mal ein paar
unmögliche Punkte her. <uk>
SC Paderborn - FC Carl Zeiss Jena 2:2
Tore: 0:1 Torghelle (8.), 1:1 Koen (12.), 1:2 Werner (14.), 2:2 Sinkala (33.)
- Paderborn: Bade; Fall, Döring, Kläsener, de Graef, Gouiffe à Goufan, Sinkala (68. Männer),
Koen (68. Halfar), Krupnikovic, Löbe, Schüßler (56. Siradze)
- Jena: Kraus; Günther (66. Tapalovic), A. Maul, Omodiagbe, Stegmayer, Kühne, Charalambidis,
Werner, Simak (86. Ziegner), Torghelle (75. Hansen), Helbig
- Zuschauer: 6.079
- Schiedsrichter: Dr. Brych (München)
- Spielbericht:
- Nach der Spielpause war man allseits besonders gespannt, ob der FCC endlich den Bogen in die Erfolgsspur
findet, zumal es gegen einen Mitabstiegskonkurrenten ging. Die "Baustelle" Tor war mit dem dritten Keeper
Daniel Kraus besetzt worden. Neu war auch die Zusammensetzung des Angriffsduos, diesmal stand Helbig neben
Torghelle. Dafür rückte Tobias Werner auf die linke Außenbahn des Mittelfelds.
Und der FCC begann wirklich mit viel Elan, bereits in der 1. Spielminute verfehlte Charalambides
das 07er Tor nur knapp. Der Sekundenzeiger hatte gerade einmal zwei weitere Runden gedreht, da schoss
Helbig aus 25 m Entfernung knapp über die Torlatte. Im Gegenzug durfte Kraus Löbes Schuss aus
nächster Nähe abwehren. Dann war wieder der FCC im Vorwärtsgang: Einwurf Günthers
auf Charalambides, der legt zurück und in der Mitte köpfte Torghelle Günthers Bilderbuchflanke
zum 1:0 ein! Leider verschenkte man den Vorteil bald wieder, als Günther und Charalambides interessiert
einem Ball nachschauten, der sich zwischen ihnen zu Koen - dem stärksten Paderborner in der ersten
Halbzeit - durchdrängelte und der ließ sich die Chance nicht entgehen und knallte den Ball
ins lange Eck - 1:1. Die rund 500 mitgereisten Fans hatten aber keine Zeit, über diesen Rückschlag
richtig zu jammern. In der 14. Minute gab es auf der rechten Seite Freistoß für den FCC. Simak
und Werner standen bereit, letzterer trat die Spielkugel mit links hoch in den Strafraum, Maul ging zum
Ball, stieg jedoch drüber und so landete dieser im langen Eck - 2:1, der FCC hatte nach dem Ausgleich
sofort wieder zurückgeschlagen! Also alles bestens? Denkste, umgehend grub man sich in der eigenen
Hälfte ein und ließ die Gastgeber ihr Spiel aufziehen. Die optische Überlegenheit
Paderborns brachte jedoch nichts Zählbares, da entweder der finale Pass in der weißen Abwehr
steckenblieb oder man bei den Fernschüssen aufs Dach der Endtribüne zielte. Herzinfarktfördernd
war die 28. min, als eine lange Flanke am auf Sinkalas Kopf landete, dem Ball jedoch sprichwörtlich die
Luft ausging und er auf dem Strich zwischen Gut und Böse von Kraus festgehalten werden konnte. Fünf
Minuten später war es jedoch soweit, als es pingpongartig zwischen Jenaer Abwehr und Paderborner
Angreifern hin und her ging und Sinkala dem Treiben mit einem satten Schuss ins untere Toreck ein Ende
bereitete - wieder Ausgleich! Zum Heulen!!! Und wie jetzt weiter? Jedenfalls vergaßen die Abwehrrecken
des FCC bei einem Freistoß kurz nach dem Ausgleich, dass Schüßler ein blau-schwarzes Trikot
trug und so marschierte er mutterseelenallein zur Grundlinie, jagte seine Flanke zum Glück weit
Richtung Seitenlinie. Unmittelbar köpfte Maul zum Gegner und wieder war es Schüßler, der
auf der linken Seite davon profitierte, aber auch diesmal keinen Mitspieler fand. Die letzten Minuten vor
der Pause riss sich der FCC aber noch einmal zusammen und machte seinerseits Druck. Wer weiß, wie
die Partie ausgegangen wäre, hätte Jena auch nur eine der drei folgenden Konterchancen in den
Spielminuten 39 bis 44 genutzt hätte. Zunächst sahen sich drei Weiße kurz nach der
Mittellinie nur einem Abwehrspieler gegenüber, Werners Pass landete leider genau in dessen Füßen
anstatt bei den beiden mitlaufenden Teamkollegen. Dann sprintete wiederum Werner los, schoss aber von
links am Tor vorbei und ließ Helbig und Torghelle vergeblich in der Mitte warten. Und letztendlich
rannte sich Helbig bei seinem halbherzigen Dribbelversuch fest, nachdem er von Simak wunderbar
freigespielt worden war.
Zwischendurch erwischte ein abgefälschter Schuss Werners Alexander Bade beinahe auf dem falschen
Fuß, er schaffte es jedoch noch, gleichzeitig mit dem Ball in der unteren Torecke einzutreffen.
Mit 2 Sekunden Nachspielzeit beendete Schiedsrichter Dr. Brych diese sehenswerte Halbzeit.
Es war eigentlich klar, dass es nach der Pause nicht so weitergehen konnte. Die zweite Halbzeit war
dann auch etwas dezenter und es passierte deutlich weniger, was den Puls nach oben trieb. Zwei
Freistöße rund 25 m vorm Tor bis zur 50. Spielminute wurden mehr oder weniger
kläglich vergeigt. In der 52. min wurde zunächst Charalambides' Schuss abgeblockt
und ein Paderborner lenkte kurz vor der Torlinie Werners Nachschuss zur Ecke. Nach einer
Stunde tauchte Paderborn das erste Mal nach der Pause ernsthaft vor Kraus' Kasten auf und
Löbe setzte einen Kopfball auf der richtigen Seite neben den Pfosten ins Aus.
Anschließend gönnten sich beide Mannschaften eine ruhigere Phase zwischen den
Strafräumen. Erst in der 78. min gab es eine Strafraumszene, als die Paderborner
Nummer 24 mit dem klangvollen Namen Gouiffe á Goufan eine Simak-Flanke im letzten Moment
vor dem heranstürmenden Hansen zur Ecke entschärfte. Die anschließende Ecke
(wieder von Simak) wurde am kurzen Pfosten verlängert und fand weiter hinten Kühnes Kopf,
der maßgenau und kraftvoll köpfte und die Arme der Jenaer Fans in die Höhe jagte.
Da sich jedoch der Ball um wenige Millimeter verirrte und vom Aluminium des 07er Tores wieder
zurücksprang, landeten die Hände schließlich am Kopf zum Haareraufen. Paderborn
verließen nun sichtbar die Kräfte und Jena übernahm in der verbleibenden Zeit
die Initiative. Mit etwas Übersicht hätte der FCC noch einen Sieg holen können,
aber Werner entschied sich in der 83. für einen Schlenzer aufs lange Toreck und gegen den
in der linken Strafraumhälfte einsam und allein wartenden Helbig. Auch eine Minute später
nahm Werner den Kopf nicht hoch, sondern rannte sich nach Helbigs Zuspiel an ein paar schwarz-blauen
fest. Auf der Gegenseite testete Maul noch fix die Nerven von Mitspielern und Fans, als er eine an
sich harmlose Flanke fast ins eigene Tor stolperte, bevor dann Dr. Brych nach gigantischen 12 Sekunden
Nachspielzeit abpfiff.
Wie soll man nun das Unentschieden bewerten? Positiv (ein Auswärtspunkt) oder negativ (nicht
einmal beim Schlusslicht gewonnen)? Sicherlich irgendwo dazwischen: Es war mehr möglich, aber
andererseits können wir den schlechten Saisonstart nicht im Handumdrehen vergessen machen,
sondern müssen wie die Eichhörnchen mühsam Nuss für Nuss (bzw. Punkt für Punkt)
einsammeln, um im Dezember einen Vorrat zu haben, der für die Rückrunde reelle Chancen auf den
Klassenerhalt bietet.<uk>
FC Carl Zeiss Jena - TSV 1860 München 0:2
Tore: 0:1 Bierofka (47.), 0:2 Göktan (90.)
- Jena: Person; Stegmayer, Omodiagbe, Maul, Günther; Hansen
(62. Helbig), Kühne, Simak, Charalambides (76. Ziegner); Werner,
Torghelle
- München: Hofmann; Hoffmann, Berhalter, Ghvinianidze (85.
Szukala), Thorandt; L. Bender (67. Gebhart), Schwarz, Bierofka, Johnson
(67. S. Bender); Göktan, di Salvo
- Zuschauer: 11.314
- Schiedsrichter: Wingenbach (Diez)
- Spielbericht:
-
Wer ihn damals hörte, wird sich jetzt noch an ihn erinnern:
Den Kommentar von DSF-Reporter Martin Quast zum Spiel Jena – 1860 im Februar
2007. Da war zunächst die Schilderung des 1:0 nach sechs Minuten: „Eckball kurz
aufgeführt, Hoffmann klärt, da ist nur Tapalovic – (Stimme plötzlich erhebend)
NUR TAPALOVIC ! Boah, was’n Gerät ! Tor des Monats, hundert Prozent.
Volltreffer – so schön kann Zweitligafußball sein.“ Filip Tapalovic hatte den
FCC mit einem Volleyknaller aus 25 Metern in Führung geschossen und auch wenn
Herr Quast mit der Tor-des-Monats-Prognose nicht
recht behalten sollte, geriet er auch noch wegen der
darauffolgenden Spielminuten aus dem Häuschen. „Ich raffs nicht, ich fass es
nicht – ja, wo bin ich denn hier?“, rief er nach 10 Minuten, als gerade das 3:0
gefallen war, „jetzt tanzen sie im Thüringer Wald Samba mit den Wildschweinen
und allem Drum und Dran. Unfassbar, was hier im Ernst-Abbe-Sportfeld in den
ersten Minuten passiert“.
Obwohl noch nicht lange her, ist diese Anfangsphase bereits legendär.
Und die ver-quast-ete Schilderung gleich mit.
Doch das ist Vergangenheit und mit einer Wiederholung jenes
Ablaufs war von vornherein nicht zu rechnen. Wobei sich die Frage stellt,
welchen Verlauf solch ein Spiel nimmt, wenn der straffe Schuss von Kühne nach
drei Minuten im Netz landet. Münchens Keeper Hofmann rührte da keinen Finger,
leider flog das Leder knapp an seinem Kasten vorbei. Die erste Halbzeit konnte sich durchaus
sehen lassen auf Jenaer Seite. Mit Forechecking versuchte man in Ballbesitz zu
gelangen. Die Flügelzangen Stegmayer-Hansen und Günther-Charalambides zeigten
sich in der Abstimmung weiter verbessert. Und zentral überzeugte Simak wieder
mit klugen Pässen. Nur im Abschluss erwiesen sich Charalambides (23.) und
Hansen (26.) als nicht treffsicher genug. Die vielleicht beste Gelegenheit vor
der Pause vergab Tobias Werner bei einem energischen Konter, als er es nicht
fertig brachte, dem freigelaufenen Simak den Ball „durch zu stecken“, vielmehr
an einem Verteidiger hängen blieb. Auch beim Durcheinander im gegnerischen
Strafraum fanden die Jenaer keine Lücke, Mauls Heber wurde schließlich zur
leichten Beute Hofmanns. Und die Münchner ? Waren zu Beginn um Abgeklärtheit
bemüht und ließen dabei erstaunlich große Lücken im Mittelfeld. Abgesehen von
Hoffmanns Flachschuss (25.) drohte Jenas Abwehr zunächst keine Gefahr. Dies
änderte sich kurz vor der Pause. Da sah sich Stegmayer auf seiner Seite mit dem
ballführenden Bender sowie Johnsson gleich zwei Gegenspielern gegenüber. Nicht
wissend, wen er attackieren sollte, griff er im Grunde niemanden richtig an.
Bender konnte unbedrängt zum Schuss ansetzen, zielte aber ein wenig zu hoch.
Kurz darauf zeigten die Sechziger eine ihrer einstudierten Freistoßvarianten –
diesmal war es Göktan, der nur knapp verfehlte.
Verglichen mit diesen Hochkarätern strahlte der Torschuss in
Minute 47 eigentlich geringes Gefahrenpotential aus. Es hatte den Anschein, als
hätte ihn Person zunächst fausten wollen, vielleicht erschien er ihm dafür mit
einem Mal nicht scharf genug – jedenfalls versuchte er plötzlich, den Ball zu fangen
und dieses Umgreifen ging gründlich daneben. Plötzlich lag der Ball im Netz. Ohje, Jena und seine Torhüter ! Ob sie
nun Jensen oder Person heißen, bislang haben sie uns in dieser Saison mehr
Punkte gekostet als gerettet. Doch eine
Mannschaft gewinnt und verliert zusammen und noch war fast eine Halbzeit lang
Zeit, wenigstens ein Remis zu schaffen. Werner und Hansen hätten es
erzielen können, Sandor Torghelle nach mustergültiger Kopfballvorlage
von Omodiagbe sogar müssen, schoss jedoch nur den herauslaufenden Hofmann an. Bei allen erkennbaren Bemühungen – die
Vorherrschaft im Mittelfeld ging verloren, weil bei Simak und Charalambides die
Kräfte schwanden. Die Gäste konnten nun ungestört den Ball laufen lassen. Zwar war
die Münchner Überlegenheit nicht so groß, wie es ein Eckenverhältnis von 9:1
nach einer Stunde vorgaukelt. Doch macht es deutlich, dass 1860 die technisch
feinere Klinge schlug, sich nicht so oft damit helfen musste, den Ball ins
Toraus zu befördern. Ihr Tagesbester Daniel Bierofka wirkt vom technischen
Vermögen her schon fast überqualifiziert für diese Liga.
Valdas Ivanauskas holte seine beiden einzigen
Offensivwechsler von der Bank. Ohne Erfolg. Doch eine letzte Geheimwaffe besaß
er noch: Darlington Omodiagbe als Stürmer ! Dass er vorn den einen oder anderen
Kopfball holt, war uns ja bereits bekannt. Doch wenn ‚Omo’ dazu noch kluge Offensivpässe
spielt, sollte er solche Ausflüge ruhig häufiger machen dürfen. Perfekt sein
Zuspiel auf Günther in der letzten regulären Spielminute, dessen Flanke kam
auch vors Tor, wo Helbig sie aber nicht richtig erwischte. Und wie das so ist
im Fußball – setzt eine Mannschaft alles auf eine Karte und verpasst knapp den
Ausgleich, geht sie im Gegenzug nur allzu oft k.o. Dass Ziegner als letzter
Mann wegrutschte, Göktan frei vor Person zunächst nur den Pfosten traf und dann
noch eine Gelegenheit zum Nachschuss bekam, rundete das Bild ab.
Zweitligafußball in Jena kann nicht nur schön, sondern auch deprimierend sein. <fc>
Fotos auf weissenburger.de
SpVgg Greuther Fürth - FC Carl Zeiss Jena 2:2
Tore: 1:0 Reisinger (28.), 1:1 Charalambides (34.), 1:2 Torghelle (49.), 2:2 Lanig (63.)
- Fürth: Kirchstein; Achenbach, Mauersberger, Karaslavov, Schröck (72. Adlung); Judt, Haas, Burkhardt (80. Maierhofer), Lanig; Nehrig, Reisinger
- Jena: Person; Stegmayer, Omodiagbe (32. Oniani), Maul, Günther;
Kühne, Hansen (72. Kandelaki), Simak, Charalambides (64. Tapalovic);
Werner, Torghelle
- Zuschauer: 8.900
- Schiedsrichter: Zwayer (Berlin)
- Spielbericht:
- Freuen oder ärgern? So richtig wusste nach Abpfiff kaum einer im
blau-gelb-weißen
Lager, wie mit diesem Remis in Fürth umzugehen wäre. Spielerisch war an diesem
Nachmittag wohl so leicht wie noch nie am Ronhof
ein Dreier zu holen, andererseits grenzt es
an ein Wunder, angesichts der Leistung des Unparteiischen überhaupt noch einen
Punkt verteidigt gehabt zu haben, den sich ein aufopferungsvoll kämpfendes Team
redlich verdiente.
„Never
change a winning team“ hieß die Devise und so schickte Valdas Ivanauskas die
siegreiche Offenbach-Elf auf den Rasen. Der Club begann furios und die über
1.500 mitgereisten FCC-Fans hatten schon nach 34 Sekunden den Torschrei auf den
Lippen, als Torghelle Fürths Karaslavov den Ball abnimmt, sofort auf Werner
passt, der völlig frei vor dem gegnerischen Tor eine Sekunde zuviel Zeit zum
Überlegen hat und den Ball an Keeper Kirchstein vorbei ins Toraus schiebt. Was
für eine Möglichkeit! 10 Minuten später durften sich die Gastgeber die Haare
raufen, als Burkhardt einen zunächst abgewehrten Eckball flach an den
Innenpfosten setzt. 5 Minuten später, andere Seite, Hansen bedient
Charalambides, der freie Schussbahn hat, aber nicht genug Druck hinter den Ball
bekommt, so dass Ex-Bundesligakeeper Kirchstein das Leder noch um Haaresbreite
um den Pfosten lenken kann. Es war ein tolles, offenes Spiel beider Teams in
den ersten Minuten und Fürth schien beeindruckt zu sein von Jenas
Offensivdrang, richtete sein Spiel fast ausschließlich auf das Provozieren von
Standardsituationen aus und lange weite Bälle auf den emsigen Reisinger. Dass
jenem nach 28 gespielten Minuten die Führung gelang, hatte er aber zwei
Jenensern zu verdanken. Stefan Kühne bringt mit viel zu kurzem Rückpass seinen
Keeper in Bedrängnis und warum Christian Person den Ball nicht nach links oder
rechts klärt, sondern ausgerechnet an die ausgestreckte Hand des heranstürmenen
Reisingers, bleibt sein Geheimnis. Der Ball trudelt ins leere Tor, 1:0. Ein
Schock zweifellos dieser Treffer in Unterzahl, denn Omodiagbe musste sich am
Spielfeldrand nach einem nicht geahndeten Foul behandeln lassen und kurz darauf
gegen Oniani ausgewechselt werden, aber anders als noch vor Wochenfrist in
Frankfurt reagierte der FCC unbeeindruckt und kommt nur sechs Minuten später
zum verdienten Ausgleich. Stegmayer täuscht eine Flanke an, passt aber flach
auf Simak, der düpiert mit Körpertäuschung gleich zwei Fürther und findet
Charalambides, dessen Ball auch für den 1,96-Riesen Kirchstein zu platziert ist
und ins lange Eck kullert.
Kurz vor der Pause zappelt der Ball erneut im Netz,
nachdem Kühne einen Eckball einnickt, doch die Anerkennung bleibt verwehrt, ein
Stürmerfoul will Referee Zwayer zuvor gesehen haben. So geht es mit einem
leistungsgerechten Remis in die Pause und Jenas Fans durften vor allem mit dem
mannschaftlich geschlossenen Auftreten zufrieden sein, lediglich die einfach
nicht abzustellenden teils haarsträubenden individuellen Fehler bereiteten
graue Haare.
Von denen dürfte Fürths Coach Bruno Labbadia kurz nach
Wiederanpfiff auch einige mehr bekommen haben, denn wie schon in der ersten
Halbzeit bereitete sein Innenverteidiger Karaslavov eine Großchance für den FCC
vor, nur dass Torghelle die Einladung nach katastrophalem Rückpass diesmal
nicht ausschlug und durch die Beine Kirchsteins zur Jenaer Führung vollendete,
unmittelbar vor dem proppevollem Gästeblock für Partystimmung sorgte.
Siegeszuversicht machte sich breit, doch wie man ein Team gänzlich zermürben
kann, stellte Schiedsrichter Zwayer eindrucksvoll unter Beweis. Die Folge einer
völlig einseitigen Regelauslegung waren unter anderem sage und schreibe acht
gelbe Karten für Jenas Kicker, die sich in der Folge mehr und mehr zurückzogen
und Zweikämpfe scheuten, deren Ausgang schon vorher festzustehen schien. Und so
wäre etwas mehr Nähe zum Gegenmann durchaus empfehlenswert gewesen, als der für
den gesperrten Fürther Kapitän Felgenhauer ins Team gerückte Stephan Schröck im
Doppelpass mit Nehrig Stegmayer düpierte und unbedrängt in den 5m-Raum flanken
durfte, wo Lanig den Ball artistisch über die Linie drückte. Eine knappe halbe
Stunde war da noch zu spielen und diese wurde bestimmt durch eine Flut von
Freistößen. Jan Simak setzte seinen knapp neben den Pfosten (66.), auf Fürther
Seite vergab Mauersberger die größte Gelegenheit, als er eine Freistoßflanke
per Fuß abnahm und das Leder knapp neben das Tor setzte, den Außenpfosten
streifend. Der für Charalambides eingewechselte Tapalovic hatte vier Minuten
vor dem Ende auf Zuckerpass Simaks die letzte Möglichkeit für den FCC, ließ
aber Torghelles Kaltschnäuzigkeit vermissen und gab die Verantwortung lieber
per verunglücktem Querpass weiter. So musste gar um den einen Punkt bis in die
93. Minute gezittert werden, als eine faire Aktion von Oniani an der
Strafraumgrenze wieder einmal mit Freistoß für die Kleeblätter geahndet wurde
und Stefan Kühne die Flanke artistisch vor dem einköpfbereiten Mauersberger
entschärft.
So ein klein wenig hatte der
Fußballgott sein Herz also für Thüringens Traditionsverein wiederentdeckt und
auch Jenas Spieler durften sich – anders als vor 7 Tagen – Streicheleinheiten
der eigenen Fans gefallen lassen, zu denen sich auch Neu-Clubberer und
Herzens-Jenenser Ralf Schmidt gesellte. Nach drei schlimmen Auftritten am
Ronhof holte der FC Carl Zeiss also zum ersten Male Zählbares, doch irgendwie war
mehr drin. <gunner>
FC Carl Zeiss Jena - Kickers Offenbach 2:0
Tore: 1:0 Simak (43.), 2:0 Werner (75.)
- Jena: Person; Stegmayer, Omodiage, Maul, Günther (75.Oniani);
Hansen (70.Tapalovic), Kühne, Simak, Charalambides (61.Holzner); Werner,
Torghelle
- Offenbach: Thier, Pinske (60.Sidney), Müller, Hysky, Bungert, Cimen, Sieger
(46.Ogungbure

,89.),
Judt (70.Epstein), Moktari, Türker
- Zuschauer: 5867
- Schiedsrichter: Bandurski (Essen)
- Spielbericht:
- Ein mulmiges Gefühl machte sich in meiner Magengegend breit, als ich vor der heutigen Partie gegen die Kickers aus
Offenbach das Stadion betrat. Nach fünf Niederlagen in Folge und zuletzt einer katastrophalen Leistung in Frankfurt gegen
Wehen schwante mir auch heute nichts Gutes. Die spielerisch guten Leistungen der ersten Saisonpartien waren vorbei und wer
das Match in Frankfurt live miterleben musste, konnte mein Gefühl durchaus verstehen. Zu viel lief in der Hessenmetropole
bei den Jenaern schief, als dass man ausgerechnet heute gegen die zuletzt starken Hessen vermuten konnte, dass es anders werden würde.
Aber beim Blick auf die Aufstellung der Partie wich mein mulmiges Gefühl blanker Zuversicht, denn Neu-Couch Ivanauskas bewies Mut und
krempelte sein Team gegenüber der letzten Partie auf sechs Positionen um und brachte "Typen" wie Günther, Hansen, Maul und Kühne,
welche gegen Wehen so schmerzlich vermisst wurden.
Der FCC begann auch von Beginn an couragiert und drückte die Offenbacher in deren Hälfte, woraus auch nach zwei Minuten die
erste Minichance resultierte. Nach gut einer Viertelstunde bot sich dann den Gästen auch ihre erste Möglichkeit, doch Siegers
Schuss ging über den Kasten. Den Spielern des FCC merkte man am heutigen Tage zu jeder Sekunde an, dass sie den unbedingten
Willen hatten, sich nicht so "abschlachten" zu lassen bzw. gewinnen zu wollen. Nach einer halbe Stunde waren einige der
Zuschauer schon froh, dass die Jenaer bis dahin kein Tor kassiert hatten. Doch kurz vor der Halbzeitpause sollte es noch
besser kommen, als Simak einen Freistoß aus 30m auf das Tor zirkelte und der Ball auf einmal im Tor zappelte. Grenzenloser
Jubel auf den Rängen, doch die meisten wollten es trotzdem kaum glauben, da sie dieses unglaubliche Glückgefühl gar nicht
mehr kannten.
Fünf Minuten nach Wiederanpfiff die erste Schrecksekunde für die Jenaer, als Dino Toppmöller völlig freistehend aus
gut sechs Metern den Ball zum Glück über das Tor donnerte. Der bis dahin relativ souveräne Schiedsrichter Bandurski
fing nun an, seine Linie zu verlieren, und sorgte mit einigen Fehlentscheidungen für Unruhe auf dem Platz und den
Zuschauerrängen, was in der Gelb-Roten Karte für Ogungbure gipfelte. Die Partie wurde dadurch nun zunehmend hektischer
und es war ein Tanz auf Messers Schneide. Die Offenbacher machten nun hinten ein wenig auf und drückten auf den Ausgleich,
doch der Abwehrriegel des FCC stand. Das Hoffen und Bangen ging weiter und eine Viertelstunde war noch zu spielen, da kam
ein langer Ball in des Gegners Strafraum. Gästekeeper Thier und ein Offenbacher Verteidiger waren sich in dieser Szene
nicht einig genug, wer diesen Ball retten sollte. Nutznießer dieser Aktion war Werner, der sich einfach das Leder schnappte,
Thier umkurvte und zum 2:0 vollendete. Vier Minuten vor Ultimo hätte Werner noch zum absoluten Held des Spiels werden
könnten, doch nach einem erneuten Fehler des Offenbacher Schlußmannes schloss Werner aus spitzen Winkel ein wenig zu
ungenau ab, so dass der Ball Zentimeter vor der Torlinie entlang rollte und doch nicht den Weg ins Tor fand. Kurz darauf
war die Partie zu Ende und der erste lang ersehnte Dreier unter Dach und Fach.
Die wenigsten Zuschauer hätten nach dem Katastrophenspiel vor gerade einmal drei Tagen erwartet, dass sich die Mannschaft
so aufraffen könnte, um die starken Hessen heute gar besiegen zu können. "Der FCC, der FCC, der FCC ist wieder da…"
skandierten die Fans von den Rängen und die Freude war natürlich umso größer, weil mit einem derartigen Wandel in
so kurzer Zeit wohl kaum einer gerechnet hatte. Aber letztendlich waren es trotzdem "nur" drei Punkte und wie
Ivanauskas sagte:" Der Tunnel ist noch sehr lang, bis wir das Licht am Ende sehen". <vg>
SV Wehen Wiesbaden -FC Carl Zeiss Jena 5:1
Tore: 1:0 Diakite (9.), 2:0 Diakite (11.), 3:0 Siegert (20.), 4:0
Nicu (41.), 5:0 Nicu (73.), 5:1 Simak (82., FE)
- Wehen: Richter; Kokot, Jeknic, Kopilas, Nakas; Catic (62.
Amstätter), Nicu (78. Cailas), Siegert, Schwarz; König,
Diakite (85. Lombe)
- Jena: Jensen; Kandelaki, Omodiagbe, Müller (46. Oniani),
Holzner; Stegmayer, Lorenzon, Ziegner (46. Werner), Simak, Charalambides;
Torghelle
- Zuschauer: 5626
- Schiedsrichter: Seemann (Essen)
- Spielbericht:
- (von Gastkommentator Jens Klebe)
Nach einem völlig verkorksten Saisonstart mit nur einem
Punkt auf der Habenseite griffen in der vergangenen Woche auch in Jena die so
genannten ungeschriebenen Gesetze des Geschäfts. Klassenerhalts-Held Neubarth
räumte sein Trainerzimmer welches kurz darauf mit Valdas Iwanauskas einen neuen
Nutzer fand. Um zu sehen, was dieser Wechsel bewirken könne, hatten sich
immerhin gut 1.500 Zeissfans auf den Weg nach Frankfurt gemacht. Würde im
Frankfurter Waldstadion gegen den SV Wehen endlich der erste Dreier eingefahren?
Da die Leistung au dem Koblenz-Spiel ja nur schwer zu unterbieten sein würde,
bestand Anlass zur Hoffnung.
Aber selbst dieses zarte Pflänzchen verdorrte schnell.
Jena startete zwar ohne Kühne, Hansen und Werner – dafür aber gewohnt schlafmützig.
Bereits nach 11 Minuten hatte Diakite mit einem Doppelschlag
klare Verhältnisse geschaffen. Zunächst bekam die FCC-Abwehr in Person Ziegners
nach einer Wehener Flanke den Ball nicht aus der Gefahrenzone, aus 20 Metern
zog ein Wehener ab und als Diakite den Ball abfälschte schlug er unhaltbar
neben Jensen ein. Ganz einfach dann Tor Nummer 2: Flanke von links, Diakite
frei im Sechzehner, draufgehalten und drin!
ass=MsoNormal>Nach 15 Minuten versuchte sich dann auch Simak erstmals für
den FCC an einem Torschuss, setzte diesen aber drüber.
Nach 20 Minuten vertändelte Charalambidis den Ball
leichtfertig in der Vorärtsbewegung, es folgt ein Konter über rechts, Schwarz
bediente Siegert und der zog vom Strafraumeck in die lange Ecke ab – 3:0!
Die Jenaer glichen nun einem Häuflein Elend und so spielten
sie auch weiter. Kaum waren weitere 10 Minuten vergangen, als Omo und Holzner
den ballführenden Nicu auf seinem Weg zum Tor brav begleiteten, ohne ihn
entscheidend zu stören. Nicu hob den Ball über Jensen und dieser schlug zum 4:0
ein. (40.)
Jenas Anhang hatte jetzt „die Schnauze voll“. So sang es
jedenfalls ein Großteil der Mitgereisten und verabschiedete sich mit dem
Pausenpfiff aus dem Stadioninneren.
Ansonsten waren in der Zwischenzeit die blaugelbweißen
Anfeuerungsrufe durch weitere zornige Schmährufe ersetzt worden.
Halbzeit 2 begann mit Werner und Oniani für Ziegner und
Müller. Werner war auch der Einzige in der Gästeelf der sich nachhaltig
versuchte, in Szene zu setzen.
Da Wehen jetzt nicht mehr tat, als für die Verwaltung des Resultats
nötig war, konnte der FCC zumindest zeitweilig fast optische Ausgeglichenheit
erreichen. In einer Phase, als Jena auch der eine oder andere gute Angriff
gelang (meist über Werner und Simak), dann die kalte Dusche. Mit einem
Freistoß-Trick aus der Schüler-Trickkiste wurde erneut Nicu freigespielt und
mit etwas Glück schlug sein Schuss zum 5:0 ein (73.).
Der FCC war demontiert. Daran änderte auch Simaks
Elfmetertreffer nichts mehr, den er nach einem Halten an Torghelle sicher
markierte.
Insgesamt bot der FCC eine erschreckend desolate Leistung
und es dürfte einem Wunder gleichkommen, wenn Iwanauskas aus diesem
verunsicherten Haufen binnen Kürze ein siegfähiges Team formen könnte. Ansätze
–mehr aber auch nicht- konnte man in der zweiten Hälfte zumindest bei Einigen
wenigstens erkennen. Dennoch, eigentlich ist jedes Wort über das heutige Spiel
eigentlich eines zu viel. Außer vielleicht diesem: beschämend!
So traurig und erschreckend das klingt: der FCC holte sich
eine verdiente Niederlage ab und kann schon am 7. Spieltag mit der Devise „Wir
haben ja nichts mehr zu verlieren!“ antreten.
Ca. 400 Jenaer Fans, die ohnehin die 2. Halbzeit außerhalb
des Stadions zugebracht hatten, blockierten anschließend friedlich die Ausfahrt
des FCC-Mannschaftsbusses und machten ihren Unmut deutlich. Adressaten waren
neben dem Team auch der Sportliche Leiter Lutz Lindemann und Präsident Zipfel.
Nach Gesprächen mit den Spielern Maul, Werner, Hansen,
Co-Trainer Holetschek und einer kurzen (aber eher schwachen) Ansprache des Kapitäns
Ziegner löste sich der Protest friedlich auf.
FC Carl Zeiss Jena - TuS Koblenz 1:2
Tore: 0:1 Daham (29.), 1:1 Omodiagbe (39.), 1:2 Daham (43.)
- Jena: Jensen; Kühne (46. Ziegner), Omodiage, Maul, Holzner;
Hansen (64. Fardjad-Azad), Müller, Simak, Stegmayer; Werner,
Torghelle (36. Petersen)
- Koblenz: Eilhoff; Lomic, Bajic, Mavric, Forkel; Djokaj (63.
Langen), Dzaka, Hartmann, Sukalo; Cha (82. Bogavac), Daham (90. Richter)
- Zuschauer: 8251
- Schiedsrichter: Schriever (Dorum)
- Spielbericht:
- Konnte man sich nach der
Heimniederlage gegen Mainz noch damit trösten, gegen einen klar besseren
Gegner, der noch dazu aus der 1. Bundesliga gekommen war, verloren zu haben, so
fehlte diese Trostmöglichkeit nach dem Abpfiff gegen Koblenz völlig.
Dabei sah es anfangs recht gut aus,
wenn man von den ungewohnten Trikots absah, die an übergezogene gelbe Trainingsleibchen
erinnerten. Von der ersten Minute an spielte der FCC nach vorn und drückte die
Gäste an ihren Strafraum. Und so ergaben sich auch schnell einige Chancen, z.B.
als Werner in der 3. Spielminute nach links auf Stegmayer spielte, der flankte
in die Mitte, wo Hansen allerdings zu hoch schoss. Drei Minuten später das
gleiche Strickmuster Mitte – links – Strafraum – drüber, diesmal waren Simak,
Werner und Torghelle die Beteiligten.
Dann hatte Schiedsrichter Schriever
seinen großen – oder besser: peinlichen – Auftritt: Hansen führte einen Einwurf
blitzschnell aus und der Koblenzer Torwart fischte den Ball genauso
blitzschnell vor Torghelle weg, stand dabei allerdings zwei, drei Meter vorm
Strafraum. Anstatt Eilhoff regelgerecht "Rot" zu zeigen, ließ
Schriever den Einwurf wiederholen. Warum? Das bliebt sein ewiges Geheimnis. Und
so ging es mit 0:0 im bisherigen Szenario weiter. Es fehlte jedoch bei allen
Zuspielen die letzte Abstimmung und Präzision, so auch, als Torghelle in
Mittelstürmerposition ein Zuspiel Simaks nur um Fußbreite verpasste (22.). Irgendwann
ließ der Jenaer Druck nach und die Koblenzer erkundeten die gegnerische Hälfte.
Tatkräftige Aufbauhilfe bekamen sie dabei von Stegmayer (26.) und Omodiagbe
(28.), die jeweils aus eigentlich schon geklärten Situationen unnötigerweise
Eckbälle für Koblenz fabrizierten. Und so kam es zum schon fast üblichen Ritual
im EAS: Die Gäste erhielten mit ihrem ersten vernünftigen Spielzug den
Führungstreffer geschenkt. Hansen rutschte auf der rechten Abwehrseite im an
sich harmlosen Zweikampf aus, Forkel flankte ungestört, Maul tauchte mit dem
Sprungvermögen eines Kanonenofens unterm Ball durch und Daham köpfte das
Geschenk ein – 0:1! The same
procedure as every week! Danach trug die
allgemeine Verunsicherung zehn gelb-blaue Trikots und wir hatten Glück, dass es
nicht gleich noch einen Gegentreffer gab. Doch Jensen tauchte in die untere
Ecke und verwehrte dem Kopfballaufsetzer Sukalos den Weg ins Netz. Neubarth
reagierte auf diesen Rückschlag und wechselte den bis dahin vielleicht etwas
glücklosen, aber insgesamt nicht besser oder schlechter als seine Mitspieler
agierenden Torghelle aus und brachte statt dessen Petersen. Für mich war diese
Auswechslung die entscheidende Szene für die weiteren lauen Angriffsversuche
und die logisch folgende Niederlage. In der 39. Minute hatte der Fußballgott
dann aber ein Einsehen mit den geplagten Zeiss-Fans und ließ Eilhoff eine Ecke
fehlerhaft wegfausten, Werner flankte den Abpraller in die Mitte und Jenas
Torgarantie Omodiagbe machte per Kopfball den Ausgleich. Jaaa, jetzt aber…
denkste! Der nächste Koblenzer Angriff bestand aus einem einfachen langen
Flankenball von der Mittelinie an die Strafraumgrenze. Dabei war der Ball so
lange in der Luft, dass sich Omo und Stegmayer rechts und links in
ausreichendem Abstand von Dahame aufstellen konnten, um diesem beim
Direktschuss ins lange Eck bewundernd zuzusehen. Mit den Händen aufgebaut
(Ausgleich) und sofort mit dem Hintern wieder eingerissen (1:2) – derzeit
typisch für den FCC!
Aussage eines Zuschauers in der
Halbzeitpause: "So mies wie diesmal war die Stimmung in der Halbzeitpause auf
der Toilette ewig nicht mehr." Es sollte nach der Pause nichts
Stimmungsförderndes mehr passieren. Zwar kam Ziegner für Kühne ins Team, aber
auch der passte sich der allgemeinen Leistung an. Es waren lediglich noch
vereinzelte Standards, die Eilhoff etwas Ablenkung brachten: Petersen köpfte
nach Ziegner-Freistoß übers Tor (50.) und Stegmayer donnerte einen 25-m-Knaller
direkt aufs Trikot des Gästekeepers. Jensen zeigte in der 62. min seinen
„running gag“ und ließ auch diesmal einen Ball nach vorn prallen, allerdings
folgenlos. Bezeichnend fürs Jenaer Spiel war die Tatsache, dass Holzner als
rechter Außenverteidiger die größten Angriffsbemühungen zeigte, sich immer
wieder für Zuspiele anbot und lange Wege zwischen vorn und hinten ging. Da
ansonsten kaum Bewegung im Jenaer Spiel war, prallten alle Bälle von der roten
Gummiwand ab, die Koblenz am Strafraum errichtet hatte.
Einziger Farbtupfer war Fardjad-Azad, der
nach seiner Einwechslung innerhalb von 5 Minuten dreimal aufs Tor schoß und
mehr Torgefahr erzeugte als alle anderen zusammen. Der Neunzehnjährige mühte
sich redlich und umkurvte einige Male seine Gegenspieler, aber da seine
Mannschaftskameraden nicht annähernd so viel Einsatz zeigten, war er auf
verlorenem Posten. In der letzten Viertelstunde bot Koblenz noch alle
Varianten, wie man beste Konterchancen kläglich vergibt – zum Glück, sonst wäre
es nicht beim 1:2 geblieben.
Diese Niederlage war nicht eine
unglückliche, nach der man zum Tagesgeschäft übergehen könnte. Im Verein muss
man sich auf Grund der Art und Weise, wie sich unsere Mannschaft in diesen 90
Minuten präsentierte, ernsthafte Gedanken machen, wie man eine totale
Pleitesaison verhindern kann. Noch ist die Zeit dafür! <uk>
FC Carl Zeiss Jena - FSV Mainz 05 1:2
Tore: 0:1 Feulner (17.), 1:1 Omodigabe (54.), 1:2 Gunkel (77.)
- Jena: Jensen; Kandelaki, Omodiage, Maul, Holzner; Hansen,
Müller (82. Helbig), Simak, Ziegner (46. Charalambides); Werner,
Torghelle (78. Petersen)
- Mainz: Wetklo; Demirtas, Noveski, Subotiv, Hoogland; Feulner,
Petkovic, Gunkel, Karhan (72. Laurent); Borja (61. Jovanovic), Amri
(89. Vrancic)
- Zuschauer: 11.798
- Schiedsrichter: Willenborg (Osnabrück)
- Spielbericht:
- Mainz 05 – ich muss gestehen, dass ich gewisse Sympathien
für diesen Verein hege. Selbige haben ein ganzes Stück mit Trainer Jürgen Klopp
zutun, aber auch mit dem Erscheinungsbild des FSV insgesamt. Wenn es jedoch gegen
den FC Carl Zeiss geht, gibt es kein Pardon
– dann gehört Mainz in der persönlichen Werteskala nur noch zu „best of the
rest“.
Es konnte mir also nicht gefallen, was sich da in Halbzeit
eins auf dem Rasen abspielte. Vom Anpfiff weg bestimmten die Gäste mit
scheinbarer Leichtigkeit die Szenerie. Zweite Minute, erste Chance – Amri aus
15 Metern knapp drüber. In der 6.
Minute lud Omodiagbe mit Fehlpass Feulner zum Torschuss ein. Der nach Köln
zurecht kritisierte, mit „Tri Tra Trullala“-Artikeln aber nahe der Gürtellinie
getroffene Kasper Jensen zeigte sich in dieser und den folgenden Situationen
wieder auf der Höhe. Den frühen Rückstand vermochte er aber nicht zu
verhindern. Weil bei einem schnellen Mainzer Angriff noch ein Stürmer im
Zentrum mitlief, gingen nicht ausreichend
Jenaer Verteidiger auf den ballführenden Markus Feulner. Dieser ließ Müller als
seinen einzigen Gegenspieler ins Leere grätschen und Jensen keine Chance.
Hallo wach ? – Weit
gefehlt, statt mit Aufbäumen reagierten Jenas Akteure mit Verunsicherung. Dass sich
Omodiagbe bei allen Qualitäten seine zwei, drei Aussetzer pro Spiel leistet,
wissen wir schon. Auch dass sich bei Holzner Licht und Schatten noch zu sehr
abwechseln. Doch selbst ein Alexander Maul ließ sich in dieser Phase von der
allgemeinen Nervosität in der Hintermannschaft anstecken.
Auch nach vorn lief wenig rund, keine Spur von einem konstruktiven Zusammmenspiel. Simaks
30-Meter-Freistoß war der erste Jenaer Torschuss überhaupt. Nach 32 Minuten !
Zu diesem Zeitpunkt hatte Mainz bereits ein halbes Dutzend Male aufs Tor geschossen.
Schon ein kurzer Antritt von Tobias Werner und die hohe Hereingabe, welche
Wetklo locker herunterfischte, ließen kurzzeitig Stimmung aufkommen. Wie
Dürstende auf jeden Tropfen Wasser stürzten sich die Zeiss-Fans auf diese
unaufregende Szene. Kein Wunder angesichts der Tristesse in Hälfte eins.
Omodiagbes Kopfball (42.) war da noch die beste Gelegenheit vor der Pause, vor
Probleme wurde Wetklo aber auch damit nicht gestellt. Dessen Gegenüber Jensen
hatte da ganz andere Kaliber zu meistern. Bei Feulners Kopfball aus Nahdistanz
reagierte der Däne großartig, auch Hooglands Nachschuss lenkte er zur Ecke.
Mainz dominierte. Mit dem 0:1-Rückstand war Jena zur Pause gut bedient.
Gelbe Schuhe zu blau-weißen Stutzen – rein optisch passt der
zypriotische Nationalspieler Constantinos Charalambides schon mal sehr gut nach
Jena. Zumindest in den ersten Minuten nach seiner Einwechslung war der
Neuzugang überall auf dem Platz zu finden, als wolle er im Alleingang dem
Geschehen eine Wende geben. Doch auch seine neuen Mannschaftskameraden
steigerten sich endlich auf jenes Niveau, dass man von Anfang an hätte erwarten
dürfen. Torghelles Einsatz auf der rechten Seite brachte nach 53 Minuten den
ersten Jenaer Eckball. Und der führte zum Ausgleich durch Darlington Omodiagbe.
Per Kopf traf der Nigerianer aus Nahdistanz. Zwischen Genie und Wahnsinn liegt
eben manchmal nur eine Halbzeitpause. Jetzt war Jena am Drücker, auch
akkustisch. Von den recht wenigen Mainzer Anhängern war vorübergehend nichts zu
hören. Bis hinauf zur letzten Reihe der neuen Zusatztribüne feuerten die
Zuschauer ihre Elf an. Jürgen Klopp lobte nach dem Spiel die tolle Atmosphäre
im Jenaer Stadion. Schade nur, dass sich seine Spieler davon nicht beeindrucken
ließen. Die Bundesligaabsteiger nahmen den Kampf an und da sie in der
Spielanlage einen Tick reifer wirkten, gewannen sie dieses Match. Amris
Schrecksekunde (Ball rollte parallel zur Linie des verwaisten Tores) beendete
die beste Jenaer Phase. Gunkels Diagonalfreistoß machte sinnbildlich den Deckel
zu. Dass der vom Schiri als indirekt ausgeschriebene Freistoß direkt verwandelt
wurde, passt ebenso ins Bild wie Werners unglücklich vergebene Großchance drei
Minuten vor Schluss – wenn du da unten drin stehst, bekommst du den Mist nicht
so schnell vom Hacken. Auf diese Art verlor der FCC sein drittes Spiel in Folge
mit einem Tor Differenz. Wobei es
Jensen mit einer weiteren Rettungstat gegen Feulner (90.) zu verdanken ist,
dass es nicht mehr wurde.
Die Schwere des Auftaktprogramms war uns allen bewusst. Dass
aus vier Partien nur ein mickriges Pünktchen herausspringt, ist allerdings
ernüchternd, insbesondere nach den Spielverläufen gegen St. Pauli und Köln. Bei
aufmerksamer Betrachtung des Jenaer Spiels gewinnt man den Eindruck, die
Komponenten für eine erfolgreiche Saison sind da, aber noch nicht richtig zusammengefügt.
Vielleicht kommt die 12tätige Punktspielpause gar nicht so ungelegen. <fc>
1. FC Köln - FC Carl Zeiss Jena 4:3
Tore: 0:1 Torghelle (5.), 1:1 Novakovic (20.), 1:2 Müller (37.),
1:3 Omodiagbe (55.), 2:3 Chihi (73.), 3:3 Chihi (84.), 4:3 Jensen (86., ET)
- Köln: Mondragon; Ehret, Mitreski, McKenna, Nickenig
(60. Schöneberg); Antar, Broich (60. Scherz), Helmes; Chihi, Vucicevic, Novakovic (60. Gambino)
- Jena: Jensen; Kandelaki, Omodiage, Müller, Holzner;
Hansen (84. Stegmayer), Lorenzon (46. Kühne), Werner, Simak,
Ziegner; Torghelle (81. Petersen)
- Zuschauer: 37.700
- Schiedsrichter: Dr. Fleischer (Sigmertshausen)
- Spielbericht:
- Es war die Woche der
unverdienten Auswärtssiege mit St. Paulis Dreier im Ernst-Abbe-Sportfeld und
Deutschlands glücklichem Erfolg in Wembley, und so mancher hegte die Hoffnung
auf eine Fortsetzung dieser Serie in Köln-Müngersdorf, waren die Vorzeichen
zwischen den beiden ungleichen Gegnern doch klar. Einen unverdienten Verlierer
gab es auch diesmal, jedoch war dies nicht etwa der haushohe Favorit, sondern
ein FC Carl Zeiss, der sich in der Schlussphase selbst um den Lohn eines
großartigen Spieles brachte.
Durch
den Platzverweis Alexander Mauls war Coach Frank Neubarth zu Umstellungen
gezwungen, nahm Robert Müller in die Innenverteidigung und ließ mit Nils Hansen
und dem erstmals nach seiner Verletzungspause wieder kickenden Lorenzon gleich
zwei Abräumer im defensiven zentralen Mittelfeld auflaufen. Werner und Ziegner
besetzten die Außenpositionen im Mittelfeld, während Jan Simak als Spielmacher
fungierte, hinter der einzigen Spitze Torghelle. Und was der drauf hat, sorgte
schon nach 5 Minuten für den ersten Jubelschrei unter den 1.500 mitgereisten
Zeissfans. Langer Abschlag Jensen, Kopfball-Doppelpass
Torghelle-Werner-Torghelle und unser ungarischer Neuzugang hämmerte die Kugel
trocken von der Strafraumgrenze ins Netz. 0:1, was für ein Auftakt, und um ein
Haar hätte Broich nachgelegt, dessen Rückpass Mondragon verfehlte, aber knapp
am Kölner Kasten vorbeirollte (14.).
Beim Gastgeber hatte man im Vorfeld einen mauernden Gegner erwartet,
doch der FCC spielte auch nach der Führung munter nach vorn, fast zu munter,
denn Kölner Gelegenheiten resultierten fast ausschließlich aus Kontern nach
jenenser Abspielfehlern. In der 10. Minute ging das noch gut, als Jensen einen
tückischen Helmes-Knaller im Nachfassen parierte, nach 20 Minuten jedoch hatten
die Domstädter mit ihrer zweiten Möglichkeit im Spiel ausgeglichen. Novakovic
hatte von Omodiagbe bedrängt Vucicevic angespielt, welcher an der rechten
Strafraumgrenze Lorenzon düpierte und auf den von Omodiagbe und Werner
sträflich vernachlässigten Novakovic zurückpasste. Dass dessen Schuß durch die
Beine von Hansen den Weg ins Netz fand ist sicher unglücklich zu nennen, das
Abwehrverhalten zuvor dilettantisch. Köln hatte nun Oberwasser, baute gehörigen
Druck auf und hatte mit Vucicevics Schussversuch nach Kandelakis
verhängnisvollem Ballverlust (24., knapp daneben) und Broichs abgefälschtem
Schuß (29., Jensen hält) auch die ein oder andere Möglichkeit. Doch als Simak
mit einem wahren Zauberpass den durchlaufenden Holzner bedient und dieser aus
Nahdistanz an Mondragon scheiterte (30.), wirkte das wie ein Signal an die
eigene Mannschaft zur Besinnung auf das überlegte Spiel der ersten Minuten. Kurz
darauf hätte es Elfmeter für den FC Carl Zeiss geben müssen, als Torghelle im
Strafraum gefoult wurde, doch nicht nur in dieser Szene zeigte sich die
nachhaltige Wirkung des Daumschen Montagstheaters bei Referee Dr. Fleischer.
Jena ließ sich nicht beirren, es war eine Freude, dem Kombinationsfußball von
Jenas Offensivabteilung um den immer besser werdenden Kapitän Ziegner, den an
allen Ecken des Spielfeldes zu findenden Hansen (bester Mann auf dem Platz) und
einen Jan Simak zuzusehen und manch einer rieb sich die Augen, mit welchem
Selbstbewusstsein der Underdog hier in der WM-Arena auftrat. Werners Schuß nach
36 Minuten parierte Mondragon im Nachfassen, Ziegners Freistoß eine Minute
später kratzte der kölsche Schlussmann noch aus dem Eck, doch die
darauffolgende Ecke brachte die verdiente Führung. Torghelle hatte Ziegners
Eckball an den langen Pfosten verlängert, wo Robert Müller eiskalt vollendete.
Der Gast wirkte nun wie paralysiert, beinahe hätte Torghelle das Ergebnis noch
höher schrauben können, verzettelte sich aber im Strafraum (39.) und so war der
Schlusspunkt unter die erste Hälfte symptomatisch, als der wenige Tage zuvor
noch zum Deutschlandkader gehörende Helmes eine Freistoßablage von Vucicevic 15
Meter über das Jensen-Gehäuse beförderte. Kölns Mannschaft ratlos, Kölns
Publikum fassungslos und ein gellendes Pfeifkonzert verabschiedete die
Millionentruppe in die Kabinen.
Aufbäumen,
Dagegenhalten, Druck aufbauen, so in etwa hätte man die Gastgeber nach
Wiederanpfiff erwartet, doch stattdessen spielte Thüringens Stolz so, als hätte
er einen Rückstand aufzuholen. Werner prüfte Mondragon mit Schuß aus spitzem
Winkel (51.), das Eckenverhältnis war inzwischen auf 7:3 für Jena angestiegen
und als Ziegners Freistoß den Fuß des völlig unbedrängt durchlaufenden
Omodiagbe fand, hieß es 1:3, das Spiel schien entschieden. Auch wenn Helmes nur
eine Minute später den Anschlusstreffer auf dem Kopf hatte und knapp verzog,
das Auftreten der völlig konsternierten Gastgeber glich insgesamt einem
Fehlpassfestival, begleitet von eisigem Schweigen des Opernpublikums auf den
Tribünen. Christoph Daum hatte die Nase voll, wechselte gleich drei Spieler auf
einmal aus und vor allem die Hereinnahme von Matthias Scherz, der ja schon in
der Vorsaison den mehr als glücklichen Siegtreffer der Kölner vom Elfmeterpunkt
erzielt hatte, sollte sich als folgenschwer erweisen. Doch zuvor hatte Referee Fleischer
seinen Auftritt, schickte Zeiss-Trainer Frank Neubarth auf die Tribüne, als der
sich lautstark über eine der unzähligen Freistoßfehlentscheidungen zugunsten
des 1. FC Köln mokierte (65.), übersah eine Tätlichkeit Antars an Stefan Kühne
(Kopfstoß, 68.) und gab für McKennas Notbremse an dem durchbrechenden Torghelle
nur gelb (71.). Jener Torghelle hatte bis dahin ein großartiges Spiel gehabt,
zerrte unermüdlich an den Ketten und war von seinem Gegenspieler meist nur
durch Foulspiele zu stoppen. Doch er wurde ebenso wie Jan Simak müder und so
verlagerte sich das Spielgeschehen mehr und mehr in die Jenaer Hälfte, Chihi
mit Freistoß und Antar per Kopfball (69.) besaßen gute Möglichkeiten, ehe in
der 73. Minute das Unheil für den FCC seinen Lauf nahm. Die Fehlerkette war
lang. Jensen ließ sich eine Kölner Flanke von Robert Müller zum Einwurf
wegköpfen, anstatt sie selbst herunterzupflücken. Omodiagbe musste erkennen,
dass auch 1,88m nicht ausreichen, wenn man 2 Meter hinter einem kopfballstarken
Matthias Scherz steht, dessen Verlängerung Adel Chihi fand, der von Felix
Holzner völlig unbedrängt zum Anschlusstreffer einschoß. Fünf Minuten später
hatte Scherz selbst die Riesenchance zum Ausgleich, köpfte aber freistehend am
völlig leeren Tor vorbei. Durchatmen, doch die Partie wurde hitziger. Mondragon
erhielt gelb, als er den sich bei der Auswechslung zu viel Zeit lassenden
Torghelle vom Platz schubste, Holzner kassierte den gelben Karton für ein an
ihm begangenes Foulspiel und Jan Simaks Bedrängen Vucicevics wurde mit Freistoß
für Köln geahndet, den Scherz aufs Tor platziert, Jensen lässt den schon sicher
geglaubten Ball vor die Füße von Chihi fallen, der nur noch abstauben muß.
Ausgleich, Kölns Publikum aus dem Dornröschenschlaf erwacht und Kasper Jensen der
einsamste Mann auf dem Platz. Ob ihm diese Szene noch durch den Kopf schwirrte,
als er kurz darauf Chihis Eckball (Omodiagbe hatte zur Ecke klären müssen, da
ein Ellenbogencheck von Scherz gegen ihn ungeahndet blieb) zum Kölner 4:3 ins
eigene Tor patschte?
Ein mehr als bitteres Ende für den zuvor gut spielenden
Keeper, der nach dem Abpfiff sofort den Trost seines Kapitäns Torsten Ziegner
bekam. Vergessen wird er diesen Abend wohl nie, ebenso wie Jenas Anhang. Fassungslose,
entsetzte Gesichter noch Minuten nach Spielende im Gästeblock. Was für eine
Riesenchance hatte sich der FC Carl Zeiss hier selbst vergeben. Ob die
tadellose Moral der Mannschaft mit diesem erneuten Tiefschlag einen dauerhaften
Knacks wegbekommen hat, oder ob man sich am 70 Minuten lang wirklich tollen
eigenen Spiel aufbaut, wird die nächste Partie gegen Mainz zeigen. Nachdem der
Trainer, dessen vorgenommene und unterlassene Auswechslungen in Köln nicht
jedermanns Geschmack trafen, aus den vielen Neuzugängen mehr und mehr eine
Mannschaft zu formen scheint, ist in den kommenden Tagen in erster Linie der
Psychologe Frank Neubarth gefragt! <gunner>
FC Carl Zeiss Jena - FC St.Pauli 0:1
Tore: 0:1 Schnitzler (20.)
- Jena: Jensen; Kandelaki, Maul
(

, 40.),
Omodiagbe, Holzner; Kühne (67. Petersen), Hansen, Ziegner (46. Simak),
Müller; Werner, Torghelle (77. Helbig)
- St.Pauli: Borger; Gunesch, Eger, Morena, Rothenbach; Trojan (79. Bruns), Boll, Meggle, Takyi (

, 42.), Brunnemann (45. Braun); Schnitzler (64. Ludwig)
- Zuschauer: 12.129
- Schiedsrichter: Schalk (Augsburg)
- Spielbericht:
- [von Gastkommentator Ragnar Boedefeld]
Nach drei erfolgreichen Jahren in Folge und der Wiederholung eines
2:2-Auswärtserfolgs nach 0:2-Rückstand im ersten Saisonspiel war es wieder
einmal an der Zeit, dem Aberglauben zu frönen. Und so schreibt jetzt im vierten
Jahr in Folge ein- und derselbe Gastkommentator den ersten Heimspielbericht.
Angeblich soll einer aus dem Stammpersonal sogar geheiratet haben, damit er um
diesen Spielbericht drumrum kam...
Ähnlich wie im letzten Jahr (Braunschweig) war auch diesmal ein potentieller
Konkurrent im Abstiegskampf beim ersten Saisonheimspiel zu Gast.
Unvorhersehbare Auswärtsunentschieden sind gerne gesehen - doch wichtiger sind
die drei Heimpunkte aus diesen sogenannten "Sechs-Punkte-Spielen". Unbedingter
Siegeswillen war also Pflicht, und so harrte unsereiner gespannt, ob der
Trainer Neubarth dieses seinen Spielern verklickert hatte.
Er hatte - wenn man
die ersten zwanzig Minuten des Spiels als Maßstab nimmt. In dieser Zeit brachte
der FCC fünf gefährliche Situationen zustande, die in ihrer Vielfalt
überraschten. Ein Freistoß von Ziegner, der knapp neben das Tor ging, ein
gefährlicher Fernschuss von Kühne, dann einer von Werner, den Borger abprallen
ließ - Torghelle war einen Schritt zu spät. Kurze Zeit später war es umgekehrt:
Torghelle ließ zwei Gäste aussteigen und versuchte einen Schlenzer mit dem
linken Bein, Borger ließ wieder prallen - doch der Ball wollte einfach nicht
rein. Dann folgte noch ein gefährlicher Kühne-Kopfball. Von Pauli war bis dahin
nichts zu sehen, die besten Aktionen der Gäste hatte noch der Fanblock.
Plötzlich zack-zack, ein Querpass, einer in die Spitze - und Schnitzler kann
frei vor Jensen einschieben. Ausgerechnet Pauli, das seinerseits letzte Woche
gegen Köln reihenweise vor dem Tor versagt hatte, machte mit seinem ersten
zusammenhängenden Spielzug das 0:1. Nur kurz danach wäre beinahe das 0:2
gefallen, der Ball ging links unten knapp vorbei. Beim FCC war jetzt ein Knacks
im Spiel, keiner lief richtig und elementare Dinge wie flache Anspiele und
Ballannahmen aus der Luft misslangen. Eine Viertelstunde lang war einmal mehr
der Fluch der ersten Saisonspiele zu ertragen: eine bunt zusammengekaufte
Mannschaft (gleichwohl mit Niveau) ist noch nicht wirklich eine Truppe, wirkt
verunsichert und ängstlich in einem ihr häufig noch fremden Heim-Umfeld, das
wegen des Rückstandes nicht erbaut ist. Bad Vibes... warum nur?
Individuelle Klasse hat der Kader jedenfalls, wie man in der 35. Minute sehen
konnte. Kandelaki wurde auf links steil geschickt, passte flach nach innen, wo
Torghelle den Ball annehmen, kontrollieren und auf Ziegner zurücklegen konnte,
der leider links vorbeisemmelte. Das tat weh, ebenso der knapp verfehlte
Ziegner-Freistoß kurz vor der Pause, bei dem Borger keine Regung zeigte. Ab der
40. Minute spielte übrigens der FCC nur noch zu zehnt, Maul war geampelt worden.
Zwei Minuten später hatte auch Pauli einen weniger auf dem Platz, nachdem Takuy
wiederholt das Spiel verzögert hatte.
Und dann kam der Abschnitt des Spiels, den ich nicht begreife. Freilich kann man
nicht 90 Minuten lang höchstes Tempo gehen, sicherlich muss man zwischendurch
auch mal verschnaufen. Aber wieso kann man nach einer Halbzeitpause voller
Regeneration nicht genau dort weitermachen, wo man vor der Pause aufgehört hat
- nämlich Druck auf den zeitweilig überforderten Gegner auszuüben? Pauli war
mit der Pause eigentlich sturmreif, wurde dann aber bis zur 70. Minute durch
einfache Fehler und mangelhaftes Laufspiel wieder aufgebaut. Wenn nur alle in
der zweiten Halbzeit so gerannt wären wie der Holzner...
Erst in der
Schlussviertelstunde wurde Pauli wieder in der eigenen Hälfte eingeschnürt.
Auffällig war dabei Jan Simak, der die Bälle jetzt schön verteilte und auch
selbst gefährlich wurde. Es ergaben sich Chancen im Minutentakt, fast jeder
durfte mal ran. Leider ging alles daneben (Torghelle 74., Petersen 78. und 86.,
Werner 83.), an den Pfosten (Petersen 74.) oder wurde von Borger entschärft
(Kopfball von Helbig 83.). Dann war Schluss und die erste Heimniederlage in der
neuen Saison Tatsache.
Trotz dieser Niederlage bleibt ein besseres Gefühl als im letzten Jahr nach dem
0:0 gegen Braunschweig, weil der FCC seinen Gegner diesmal spielerisch
beherrschte, obwohl die Hälfte der Neuzugänge noch auf der Bank saß bzw.
verletzt war. Heuer steht auch nicht zu befürchten, dass das Potential des
Clubs einbricht, sollten Spieler wie Ziegner und Helbig eine ganze Saison lang
verletzt ausfallen - der Kader ist wesentlich breiter und auch besser geworden.
Wie sagte Gästetrainer Trulsen in der Pressekonferenz: "Es wird für jede
Mannschaft schwer, in Jena zu punkten." Allerdings nur, wenn die Dinger vorne
auch jemand reinmacht!
Alemannia Aachen - FC Carl Zeiss Jena 2:2
Tore: 1:0 Vukovic (1.), 2:0 Nemeth (6.), 2:1 Maul (28.), 2:2 Petersen
(76.)
- Aachen: Nicht; Stehle, Klitzpera, Vukovic (33. Casper), Weigelt;
Lehmann, Polenz (75. Leiwakabessy), Reghecampf, Nemeth, Pecka (81. Milchraum),
Ebbers
- Jena: Jensen; Kandelaki, Maul, Omodiagbe, Holzner; Kühne,
Müller (72. Petersen), Hansen, Ziegner (72. Fröhlich), Simak
(58. Stegmayer); Werner
- Zuschauer: 19.986
- Schiedsrichter: Aytekin
- Spielbericht:
- Wenn ein Verein aus der Bundesliga kommend zuhause auf den
Zweitliga-Dreizehnten des Vorjahres trofft, ist die Favoritenrolle am 1.
Spieltag klar gegeben. Dass sich der Webmaster aus Aachen bei der
Live-Ticker-Ankündigung aber gleich für ein fingierte 5:2-Vorhersage entschied, kam
uns vor dem Spiel doch etwas übertrieben vor.
Nach sechs Minuten Spielzeit schien allerdings nichts mehr
unmöglich. Zwei Gegentore hatte sich der FC Carl Zeiss zu diesem Zeitpunkt
schon eingefangen, das Erste nach 50 Sekunden ! Einen Freistoß-Ball von
Reghecampf verlängerte Vukovic per Kopf unhaltbar ins Jenaer Gehäuse. Robert
Müller war zwar mit hochgestiegen, hatte aber das Nachsehen. Keinen
Gegenspieler besaß Nemeth nach 5:30 min. Omodiagbe hatte die Abseitsfalle
aufgehoben.
0:2 - Mann oh Mann, welch ein Fehlstart in die insgesamt achte
Zweitligasaison des FCC ! Nachdem der erste Schock verdaut war, erinnerte man
sich als Auswärtsfahrer an den 1. Spieltag der Vorsaison, als Jena in Offenbach
ebenfalls mit zwei Toren hinten gelegen hatte, sich aber noch zum Remis
kämpfte. Sollte dies erneut möglich sein ? Hier, auf dem berühmten Aachener
Tivoli ? Nicht das Stadion selbst macht den Reiz aus, in vielen Dingen erinnert
es an die alte Heimstätte des FC Sachsen Leipzig. Nein, es ist die Atmosphäre,
bei der das Dabeisein einfach Spaß macht, weil die Stimmung enthustiastisch,
aber nicht aggressiv ist und häufig von drei Seiten gleichzeitig gepuscht wird.
Es sah noch immer nicht gut aus. Nach 25 Minuten war kein einziger
gefährlicher Ball auf das vom Ex-Jenaer Kristian Nicht gehütete Aachen-Gehäuse
abgegeben worden. Stattdessen musste Gegenüber Kasper Jensen beim
Aachener Konter die fehlende Innenverteidigung ersetzen und zehn Meter vor
seinem Strafraum per Kopf klären. Dann die 28. Minute. Ziegner aus einer
Spielertraube heraus auf Hansen, Flachschuss aus 15 Metern, Torwart Nicht pariert auf
Kosten einer Ecke. Das war sie, die erste Jenaer Gelegenheit im Punktspieljahr
2007/2008. Eine Ansage „Wir sind auch da“. Den anschließenden Eckball
erwischt Stefan Kühne am langen Pfosten, köpft ihn zur Torlinie, wo Alexander
Maul steht und unter Bedrängnis einköpft. Der Anschlusstreffer noch vor der
Pause. Wie damals in Offenbach. Hoffnung bei uns. Ein aus allen Wolken fallen
bei den Alemannen. Zu deutlich hatten sie die Anfangsphase dominiert,
zu leicht ihre Tore gemacht gegen einen in
dieser Phase unsortierten und harmlosen Gegner. Nun kämpften sich die
Neubarth-Schützlinge in das Spiel hinein. Nur vier Minuten nach dem
Anschlusstreffer spielte Simak einen ähnlich genialen Pass wie im Pokal eine Woche zuvor
auf Werner, der hatte gegen den heranstürmenden Nicht die Idee eines
Hebers – nur leider fiel dieser zu hoch aus. Eine Partie mit umgekehrten
Vorzeichen – jetzt spielte Jena Fußball. Wäre Kühne in der 43. Minute nicht
selbst überrascht gewesen über eine sich bietende Kopfballchance, es hätte noch
vor der Pause Unentschieden gestanden. Der Offenbacher Regievorlage hätte dies
freilich nicht entsprochen.
Mit ein bisschen Magengrummeln empfingen wir unsere Mannen
aus der Kabine. Nur nicht wieder solch eine Schlafwagen-Einlage wie zu Beginn.
Doch die Sorgen erwiesen sich als unbegründet. Lediglich Keeper Jensen sorgte
für erhöhte Herzfrequenz in Minute 51, als er bei zwei heranstürmenden
Gegenspielern den Ball nicht einfach wegschlug, sondern ihn kalt wie
Hundeschnauze behauptete. Außerdem Holzner, der am eigenen Strafraum den Ball
vertändelte und von Glück sagen kann, dass die Abseitsfahne nach oben
schnellte, da ansonsten eine 3 gegen 1-Überzahlsituation für die Westdeutschen
entstanden wäre.
Die Leistungssteigerung der Jenaer Elf lässt sich treffend am Bild festmachen, dass Ilia Kandelaki in den ersten neunzig Minuten
für seinen Verein abgab. Nach Stegmayers gutem Pokalauftritt war er für mancheinen
überraschend in die Startelf gerückt. Die etwas defensivere Variante schien
anfangs nach hinten loszugehen, weil der Georgier einige Male Unsicherheiten
auf seiner linken Seite offenbarte. Doch nach der Pause fand Kandelaki zu sich selbst,
seinen Mannschaftskameraden und ins Spiel. Wobei Stegmayer später noch eingewechselt wurde,
ebenso wie Fröhlich und Petersen. Die aus den Wechseln hervorgehenden
taktischen Umstellungen waren riskant, besonders der Austausch des defensiven
Müller gegen den stürmenden Petersen. Das Risiko sollte sich aber bezahlt machen. Denn
Nils Peteresen war gerade drei Minuten im Spiel, da verlängerte er einen Ball
von Kühne ins Tor. Wahnsinn ! Ausgerechnet Jenas Jüngster schafft den
Ausgleich. Klar hat der in Junioren-Länderspielen schon gegen
U19-Nationalmannschaften getroffen, doch ein solche wichtiger Treffer „bei den
Großen“ ist dann doch etwas Besonderes. Wäre der Bursche in Minute 79 doch noch
einmal etwas kaltblütiger gewesen, er hätte den FCC gar zum Sieg geschossen.
Nach einer Unsicherheit seines Gegenspielers verzog Petersen jedoch
deutlich.
Remember OFC – aus einem 0:2 ein 2:2 gemacht und dem Sieg
sehr nahe gekommen. Auch Kandelakis
Flanke fünf Minuten vor Schluss brachte Gefahr, neutralisierte sich aber mit
Reghecampfs Hereingabe in Minute 88. Beide Male fehlte ein Abnehmer im
Sturmzentrum.
Das Unentschieden feierten die Jenaer wie einen Sieg,
während die Gastgeber ziemlich konsterniert das Stadion verließen. Auch dieses
Bild hatten wir vor einem Jahr schon einmal. Neu ist die Serie, in der sich die
Jenaer Mannschaft befindet. Unter Frank Neubarth bleibt sie in Pflichtspielen
weiterhin unbesiegt. <fc>
Bilder von der ersten Partie
Spielbericht auf alemannia-aachen.de
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Doch der Reihe nach: Freiburg begann druckvoll und bereits
nach 2 Minuten rauschte der erste Schuss auf unser Tor, zum Glück deutlich zu
hoch. Und auch die weiteren Angriffe kamen über die rechte Angriffsseite und
insgesamt erspielten sich die Hausherren ein optisches Übergewicht. Der FCC
stellte sich aber nicht hinten hinein, sondern spielte auch selbst nach vorn
und erarbeitete sich Chancen. So konnte Hansen – mit Khamutouski und
Allagui einer der drei stärksten Jenaer – erst im letzten
Moment an der Strafraumgrenze am Torschuss gehindert werden. Und nach einer
Viertelstunde versuchte es Hansen selbst durch die Mitte anstatt auf den
halblinks startenden Werner zu passen. Den ersten ernsthaften Angriff auf die
Nerven der mitgereisten FCC-Fans gab es in der 18. min, als ein scharfer Schuss
eines Freiburgers am Pfosten landete und Maul den zweiten Versuch gerade so
kurz vor der Linie entschärfte. Mit dieser Aktion schien dann das Schlimmste
überstanden zu sein, denn der FCC schaffte ein spielerisches Gleichgewicht und
es ging auf dem Rasen relativ ausgeglichen hin und her. Zwar musste Khamutouski
innerhalb von Sekunden zweimal ganz stark reagieren (26.), doch auch der FCC
hatte Chancen. Erst flankt Werner bei einem Konter viel zu ungenau auf
Allagui (25.), später wird Schied im Strafraum zu Fall
gebracht (ob es Foul war, konnte man quer durchs ganze Stadion nicht erkennen),
den querspringenden Ball jagt Maul leider nicht in die Tormaschen, sondern hoch
auf die Freiburger Endtribüne. Hier etwas Abgeklärtheit…
In dieser Phase
spielte sich der Schiedsrichter mit einigen seltsamen Entscheidungen ins
Rampenlicht. Einen Schlag auf Ziegners Hals –
Ziegner ging zu Boden und musste behandelt werden – übersah
er aus nächster Nähe großzügig und die Freiburger dankten dies entsprechend:
Banovic schickte innerhalb von sechzig Sekunden zwei Jenaer
in Zweikämpfen mit dem Ellenbogen auf die grüne Wiese, ohne dass er die
hochverdiente Gelbe Karte sah. In der 32. min wird Hansen im Zweikampf zu Boden
gestoßen – kein Pfiff – und Kikuchi klärte in der
folgenden Szene mit einem blitzsauberen Tackling, das seltsamerweise mit einem
Freistoß bestraft wurde. Der Ball schwebte eine mittlere Ewigkeit in der Luft,
trotzdem schauten alle Jenaer zu, wie Idrissou
unbehelligt zum Kopfball hochstieg und das 1:0 machte. Der Gegentreffer schien
einige Bremsen in unserem Team zu lösen, denn es begann die stärkste Phase des
FCC. Freiburg wurde in deren eigene Hälfte gedrängt und der Ausgleich lag in der
Luft. In der 34. min köpfte Allagui aus wenigen
Metern unbedrängt fast genau auf Langer, fünf Minuten später zielte er nach
einem Zuspiel Schieds zu hoch und in der 42. min
vollendete Allagui seinen Hattrick der vergebenen
Gelegenheiten, in dem ihm nach einer Eck der Ball am langen Pfosten versprang.
Als Langer sich einen harmlosen Rückpass fast selbst ins Tor legte, hatte der
Referee Erbarmen und pfiff zur Pause. Nach dem Spielverlauf der ersten 45
Minuten war die Freiburger Führung etwas glücklich und so war die Hoffnung im
Gästeblock in der Halbzeitpause mit den Händen zu greifen.
Es begann nach Wiederanpfiff auch ganz flott mit je einer Chance für jedes Team: Erst brannte nach Doppelfehler von Maul und Hansen die Luft vorm Jenaer Tor, dann kam Schied gegen Langer nur einen Schritt zu spät. Plötzlich jedoch blankes Entsetzen unter den Zeiss-Fans, als eine Quasi-Kopie jener Freistoßszene aus der 32. min ablief – Flanke (Freiburg), Zugucken (FCC), Kopfball (Freiburg) = 2:0. Der Rest ist schnell erzählt: Freiburg immer dann gefährlich, wenn sie schnell über die Außenpositionen kamen und Flanken vor Khamutouskis Tor schlugen. Da hatten wir es einige Male unserem Keeper zu verdanken, dass es nicht schlimmer kam. Der FCC bemühte sich redlich und kam auch immer wieder an und in den Strafraum, aber dort agierte man zu umständlich. Beste Beispiele: Allagui setzt sich links durch, legt auf Schied ab, der zögert mit dem Schuss, legt wieder ab, der Ball kam irgendwie zu Hansen und der schafft unter Bedrängnis nur ein Schüsschen (62.); später (83.) tanzt Allagui an der rechten Strafraumecke einen Freiburger aus, legt quer auf Werner, der jedoch – anstatt zu schießen – zweieinhalb Haken schlägt und die Chance zum Schuss nicht nutzt. Die Zusammenfassung des FCC-Spiels der zweiten Halbzeit bot die letzte Szene in der Nachspielzeit, als Werner eine Ecke hektisch kurz auf Ziegner ablegte und der sich am Gegenspieler festdribbelte… Bemüht, aber ungenau, uneffektiv und überhastet.
Fazit: 1. Mit der Niederlage und den anderen Ergebnissen sind die Chancen auf den Klassenerhalt gesunken, aber es sind noch sechs Punktspiele, die man nicht kampflos hingeben kann. 2. Es gibt derzeit niemanden, der Simaks Rolle ausfüllen kann. 3. Aufgeben? Niemals. <uk>
- Jena: Khamutouski; Maul, Müller, Stegmayer (28.Ziegner); Riemer, Hansen, Werner, Simak, Kandelaki; Schied (79.Torghelle), Allagui (90.Oniani)
- Paderborn: Nulle; Gouiffe à Goufan (63.Hoilett), Djurisic, Gonther, de Graef (71.Damjanovic); Fischer, Schüßler, Koen (26.Halfar), Krösche; Müller, Löbe
- Zuschauer: 10.112
- Schiedsrichter: Sippel (München)
- Spielbericht:
- Paderborn: Nulle; Gouiffe à Goufan (63.Hoilett), Djurisic, Gonther, de Graef (71.Damjanovic); Fischer, Schüßler, Koen (26.Halfar), Krösche; Müller, Löbe
- (von Gastkommentator Benny Hiltscher)
Es ist nur ausgesprochen selten der Fall, dass bei einem Spiel des Tabellenvorletzten gegen den Tabellenletzten beide Mannschaften von sich behaupten können, sechs Punkte aus den vorangegangenen beiden Spielen geholt zu haben. In Anbetracht der Tabellensituation, die trotz der letzten Erfolge für beide Mannschaften einen Rückstand von acht Punkten zum rettenden Ufer auswies, war dennoch von vornherein klar, dass keiner der beiden Mannschaften heute ein Unentschieden weiterhelfen würde. Wenn man noch einmal ernsthaft in den Kampf um den Klassenerhalt eingreifen wollte, musste heute unbedingt ein Sieg her. Nicht wenigen der 10112 Zuschauer im Ernst Abbe Sportfeld machte die Folge dieser Situation Sorgen - die Jenaer Mannschaft stand wieder unter Druck, man musste etwas zeigen. Hatten sich viele Fans vor dem Spiel gegen Greuther Fürth bereits mit dem wahrscheinlichen Abstieg abgefunden, so hatten die zuletzt erkämpften sechs Punkte gegen eben jene Fürther und die Mannschaft von 1860 München nun doch wieder leise Hoffnungen auf das nächste "Wunder von Jena" geweckt. Das Überleben dieses Hoffnungsschimmers hing maßgeblich von den bevorstehenden 90 Minuten ab, denn ein Unentschieden oder gar eine Niederlage gegen den unmittelbaren Tabellennachbarn hätte der gerade erst wiederbelebten Hoffnung wohl endgültig den Garaus gemacht. Für die Gäste aus Paderborn, seit der Winterpause vom ehemaligen Erfurt-Trainer Pavel Dotchev trainiert, galt natürlich das Gleiche.Die erste Hiobsbotschaft für Paderborn kam bereits vor dem Anpfiff des Spiels, Stammtorwart Lukas Kruse verletzte sich beim Aufwärmen und für ihn musste Carsten Nulle, in der Winterpause auch als mögliche Verstärkung für den FCC im Gespräch gewesen, das Tor der Gäste hüten. Die ersten Minuten des Spiels verstrichen dann auch ohne große Torchancen, beiden Mannschaften war anzumerken, dass man unnötige Fehler um jeden Preis vermeiden wollte. Nach 15 Minuten hatten beide Seiten ihren ersten zaghaften Torschuss abgeliefert, ohne die Torhüter jedoch vor schwierige Aufgaben zu stellen. In der 24. Minute erspielten sich die Jenaer dann die bis dato größte Chance des Spiels, nach einer punktgenauen Hereingabe von Ilya Kandelaki kommt Marcel Schied aus kurzer Distanz zum Abschluss, seinen Schuss aus der Drehung kann Paderborns Schlussmann jedoch mit Glück und Können parieren. Nur sieben Minuten später wäre allerdings um ein Haar die Gastmannschaft in Führung gegangen, nach einer Flanke von Markus Krösche kommt Alexander Löbe relativ unbedrängt zum Kopfball, zum Glück für Jena fliegt der Ball aber wenige Zentimeter am rechten Pfosten vorbei. Aus dieser Distanz wäre auch Vasili Khamutouski, der heute kaum Gelegenheit hatte sich auszuzeichnen, chancenlos gewesen. Nur drei Minuten später die nächste gefährliche Aktion der Gäste, ein Müller-Freistoß aus etwas mehr als 25 Metern Entfernung geht nur haarscharf am linken Pfosten vorbei, diesmal wäre Khamutouski aber zur Stelle gewesen.
Die Jenaer Antwort auf diese beiden Möglichkeiten der Dotchev-Elf kam prompt und hätte nicht besser aussehen können, Tobias Werner schlägt den Ball die linke Außenlinie entlang und schickt Jan Simak, der den Ball erläuft und gefühlvoll flach in die Mitte flankt, wo Sami Allagui am Fünf-Meter-Raum in den Ball grätscht - keine Chance für Carsten Nulle, die Führung für den FCC! Die wichtige Führung gab der Mannschaft Sicherheit, nur vier Minuten später konnte Allagui nach schönem Solo erst im letzten Moment der Ball vom Fuß gespitzelt werden; wiederum nur Sekunden später kommt Marcel Schied aus etwa 20 Metern zum Schuss, den Nulle nur abprallen lassen kann - Jena gehörte die Schlussphase der ersten Halbzeit. In Anbetracht dieser Chancen und des Eckenverhältnisses von 5:0 war die Jenaer Pausenführung durchaus berechtigt, Paderborn zeigte vor allem dann Schwächen, wenn es darum ging, aus Ballbesitz und Feldüberlegenheit auch Torchancen zu erspielen, woran die mit gutem Stellungsspiel glänzende Jenaer Abwehr natürlich maßgeblichen Anteil hatte.Zu Beginn der zweiten Halbzeit hatte man den Eindruck, dass sich Gäste-Trainer Dotchev die Halbzeitansprache hätte sparen können, denn die Jenaer Elf machte genau dort weiter, wo sie vor dem Pausenpfiff aufgehört hatte. Ein wunderbares Zusammenspiel zwischen Ilya Kandelaki und Marcel Schied schloss letzterer schließlich mit einem sehenswerten Schlenzer aus halblinker Position ab, der Ball senkte sich genau im richtigen Moment, landete aber zur Enttäuschung (fast) aller nur auf dem Tornetz. Vier Minuten nach Wiederbeginn schon die nächste dicke Chance für die nun deutlich überlegenen Jenaer, nach gefühlvollem Simak-Lupfer in die Lücke zwischen zwei Abwehrspielern kommt Allagui im Strafraum zum Schuss, Torwart Nulle nutzt die Gelegenheit allerdings um sich auszuzeichnen und klärt den Ball mit den Fingerspitzen zur Ecke. Weitere vier Minuten später ist Marcel Schied erneut freigespielt und wird kurz vorm Abschluss vom letzten Paderborner von hinten umgerempelt. Schiedsrichter Sippel aus München, der unterm Strich eine gute Leistung zeigte, zögerte nicht und zeigte auf den Punkt. Der wieder einmal groß aufspielende Jan Simak legt sich den Ball zurecht, schickt Carsten Nulle in die falsche Ecke und verwandelt seinen fünften Elfmeter für Carl Zeiss Jena trocken und todsicher in die rechte untere Ecke zum 2:0. Wer nun mit wütenden Angriffen der Paderborner rechnete, sah sich getäuscht, echte Chancen für die Gäste-Elf blieben Mangelware, stattdessen war Jena sichtlich um eine weitere Verbesserung der Tordifferenz bemüht. Leider war man im Abschluss der zahlreichen sich bietenden Gelegenheiten nicht konsequent genug, ansonsten wäre heute durchaus Raum für weitere Tore vorhanden gewesen. Nur zwei Minuten nach dem 2:0 kontert der FCC im eigenen Stadion die Paderborner aus, aus der 4-gegen-2-Situation wird allerdings zu wenig gemacht, weil Marcel Schied zu spät auf Marco Riemer ablegt, der einen auf der Linie stehenden Paderborner Verteidiger anschießt, den Abpraller jagt Torsten Ziegner schließlich in die Wolken. Nach fast 70 Minuten Spielzeit gibt es den ersten Eckball für Paderborn, Khamutouski klärt die Situation aber souverän per Faustabwehr. Nicht wenige Leute werden sich auch heute wieder gefragt haben, wo der FCC wohl heute stünde, wenn er ab dem ersten Spieltag den weißrussischen Nationaltorhüter im Gehäuse gehabt hätte, die Sicherheit, Ruhe und Souveränität, die dieser ausstrahlt, ist Balsam auf die leidgeprüfte Jenaer Fußballseele. In der 71. Minute kommt es dennoch fast zum Anschlusstreffer der Paderborner, der zu diesem Zeitpunkt alles andere als verdient gewesen wäre, denn die Jenaer Abwehr tut sich schwer damit, den Ball im eigenen Strafraum zu klären. Nach gefühlten Minuten des Durcheinanders im Strafraum wirft sich Alex Maul in den Schuss und klärt zur zweiten Ecke für Paderborn - Durchatmen. Geweckt von dieser Chance übernimmt Jena wieder die Initiative, keine Spur von Angst oder mangelndem Selbstvertrauen. In der 77. Minute leitet wieder einmal Simak mit einem herrlichen Pass aus dem Stand über den halben Platz eine Allagui-Chance ein, der aus rund 16 Metern leider genau auf den Torhüter des Tabellenschlusslichts schießt. Nur eine Minute später nimmt sich Allagui erneut ein Herz, sprintet über die gesamte Außenbahn und legt schließlich auf Simak ab, der die Chance verpasst, sein tolles Spiel mit einem zweiten Treffer zu krönen, denn Markus Krösche kann ihm im letzten Moment den Ball vom einschussbereiten Fuß spitzeln. Auch die nächste Chance gehört dem FCC, nach einer der zahlreichen Simak-Ecken kommt Alex Maul sechs Minuten vor Spielende völlig unbedrängt aus fünf Metern zum Kopfball, schafft es aber analog zu Löbe im ersten Durchgang, diese hundertprozentige Chance neben den Pfosten zu setzen. Den aus Jenaer Sicht krönenden Abschluss des Spiels realisiert in der letzten Spielminute Tobias Werner, der einen weiteren Jenaer Konter nach Vorlage von Jan Simak mit einem sehenswerten Volleyschuss aus 16 Metern unter die Latte zum 3:0-Endstand abschließt.
Jan Simak, an dem der VfB Stuttgart unter der Woche sein Interesse erneut bekundet hat, war auch heute wieder an allen drei Toren beteiligt - zweimal als Vorbereiter, einmal selbst als Torschütze. Ebenfalls hervorragend spielten Robert Müller, der in der Abwehr ein ums andere Mal goldrichtig stand und mehrfach Paderborner Angriffe souverän bereits im Ansatz geklärt hat sowie der quirlige und sehr lauffreudige Sami Allagui. Aber nicht nur die gerade genannten, die gesamte Jenaer Mannschaft zeigte heute eine überzeugende Leistung. Es war jederzeit zu erkennen, wie wichtig jeder Spieler das Spiel nahm und erfreulicherweise waren auch alle in der Lage, dem resultierenden Druck standzuhalten. Wenn man am heutigen Spiel etwas kritisieren will, dann muss man die Chancenverwertung ansprechen, die wie so oft nicht optimal war - Aber wer will schon nach einem 3:0 über mangelhafte Chancenverwertung reden? Der Jenaer Auftritt insgesamt macht tatsächlich wieder Hoffnung, die Chance zum Klassenerhalt besteht weiterhin, der Rückstand auf das rettende Ufer hat sich mit dem heutigen Tag auf sechs Punkte verkürzt. Auch wenn sich am Tabellenplatz nichts geändert hat, war die Stimmung im Stadion nach dem Schlusspfiff von Hoffnung und dem Glauben an die Mannschaft geprägt, der von vielen schon als unvermeidlich akzeptierte Abstieg scheint nach neun Punkten aus den letzten drei Spielen plötzlich doch wieder vermeidbar. Ob die Hoffnung der Jenaer Fans berechtigt ist, wird sich in den nächsten Wochen zeigen, die Gegner heißen Freiburg, Mönchengladbach und Hoffenheim und hegen allesamt Aufstiegsaspirationen - jetzt muss die Mannschaft zeigen, was die grade begonnene Serie wert ist!
44 Fotos von Jens Weißenburger
Simak macht den Unterschied - Der Bericht auf scpaderborn07.de
TSV 1860 München - FC Carl Zeiss Jena 1:2
Tore: 0:1 Werner (60.), 1:1 Göktan (72.); 1:2 Schied (87.)
- München: Tschauner; Hoffmann, Thorandt, Berhalter, B. Schwarz
(69. Kucukovic); L. Bender (33. S. Bender), Bierofka, Göktan, Holebas,
D. Schwarz (89. Gebhart); Di Salvo
- Jena: Khamutouski; Maul, Müller, Stegmayer; Werner (90.
Kühne), Hansen, Riemer, Simak, Kandelaki; Allagui (84. Oniani), Petersen
(69. Schied)
- Zuschauer: 38.100
- Schiedsrichter: Frank (Hannover)
- Spielbericht:
- Es war alles so einfach. Noch vor dem Fürth-Spiel endeten
alle Rechenspiele eine Liga tiefer. 12 Punkte Rückstand vom rettenden 14. Platz
entsprechen ungefähr der Entfernung von Telly
Savalas’ Glatze zu einer Vollhaarfrisur. Und so waren auch
die größten Sonnenscheinchen unter den Fans inzwischen von der Vorstellung geheilt,
nächstes Jahr noch in die Allianz-Arena oder nach Köln zu müssen. Jetzt, eine
Woche später und sechs Punkte näher am rettenden Ufer ist alles viel
schwieriger. Die Tabelle wird hin und her gedreht, alle Wenn und Abers werden erschöpfend
durchdiskutiert. Der Patient FC Carl Zeiss lebt auf einmal wieder. Zwar nur ein
bißchen, aber er lebt. Und viel wichtiger: Er will auch leben! Beziehungsweise wenn
er schon sterben soll, dann wenigstens schön! Befreit von der Sorge, nächstes
Jahr eventuell im UEFA-Cup kicken zu müssen, ist es offensichtlich wieder
leichter sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Nur so ist die gute
Leistung von gestern zu erklären. Die 60er waren am Ende völlig verdient in die
Knie gezwungen.
Für Herzkranke war es allerdings nix, da die Jenaer das
Auslassen von Großchancen offenbar zur höchsten Vollendung entwickelt haben.
Die erste Heldentat diesbezüglich vollbrachte Niels Hansen in der 9.
Spielminute. Schön freigespielt von Sami Allagui
schob er den Ball aus Nahdistanz am langen Pfosten vorbei. Allagui
versuchte sich nach einer knappen halben Stunde dann auch noch selbst. Er stand
zwar etwas weiter weg, vollbrachte aber ansonsten exakt das gleiche
Kunststückchen. So ist das halt, wenn man im gesicherten Tabellenkeller
rangiert! Zehn Minuten vor der Pause war Simak dann
eigentlich frei durch, der Linienrichter verweigerte ihm aber die Möglichkeit
des Nichttreffens. Eine glatte Fehlentscheidung, aber das kennen wir ja… Und
die Münchener? Deren Selbstbewußtsein hatte nach sechs sieglosen Spielen
offensichtlich derart gelitten, da kam nicht viel. Selbst die Anfangsoffensive,
mit der uns der Gegner üblicherweise beglückt, blieb aus. Keine Spur von
Aufstiegsambitionen. Ein oder zweimal rumpelten die Stürmer zwar durch unseren
Strafraum, zum Aufschreiben war das allerdings nix. Und so muß man die beste
Jenaer Halbzeit seit langer, langer Zeit konstatieren.
Aber was nützt das alles
ohne ein Tor? Das mußte in Halbzeit 2 unbedingt anders werden, denn alles andere
als drei Punkten wäre zu wenig. Dementsprechend engagiert ging es von Jenaer
Seite zur Sache. Zunächst aber das gleiche Spiel. Erst versaut Tobias Werner einen
schönen Konter (47.), drei Minuten später setzt sich
Simak nach einem Doppelpaß mit Allagui
gegen mehrere Löwen durch, kommt dann aber – wie so oft – nicht zum Ende. Und
einen Elfer gibt’s für so einen Faller auch nicht.
Dann aber, gerade als uns Thorandt mit seinem
35m-Schuß auf die ‚Kreuzecklatte’ (O-Ton 1860-Ticker (-:) einen ‚kleinen’
Schreck eingejagt hatte, war es soweit. Allagui
(fleißig aber meistens glücklos) erkämpft sich den Ball an der Mittellinie von
Berhalter, paßt auf den mitgelaufenen Werner (fleißig aber
meistens ebenso glücklos), der beiden Akteuren das ‚Glücklos’ aus der
Arbeitsbeschreibung schießt. Der Ball landet im kurzen Eck; endlich die
verdiente Führung und riesiger Jubel im Jena-Block (60.). Doch damit beginnt
auch das große Zittern. Ab dieser Zeit werden meine Notizen immer lückenhafter,
Schreiben geht nicht mehr. Die Spannung wird unerträglich. Und sie steht in
jedes Gesicht geschrieben. Hoffentlich hält das Bollwerk da hinten.
Vasili
Khamutouski kriegt alle Hände voll zu tun. Zunächst
kann er einen Schuß aus Nahdistanz von Di Salvo zur
Ecke abwehren (62.), kurze Zeit später verpaßt Di Salvo
noch eine Vorlage von Bierofka nur ganz knapp (65.).
Durchatmen. Dann ist Schied auf einmal durch, kommt knapp vor
Tschauner im Löwen-Tor an den Ball. Der Preßschlag landet
wieder bei Schied, der mit einem mißglückten Anspiel auf Allagui
die schlechteste Entscheidung trifft. Warum haut er denn nicht einfach drauf.
Blankes Entsetzen (67.). Das weicht kurze Zeit später einer gewissen
Trostlosigkeit, nachdem Göktan die sich häufenden
Zuordnungsfehler in der Jenaer Abwehr ausnutzt und Khamutouski
mit einem Flachschuß überwinden kann. Wie kann man den Gegner nur so stark
machen? Erst später höre ich, daß hier ein Abseits im Spiel gewesen ist. Sollte
es so sein, sticht diese Fehlentscheidung wenigstens nicht sonderlich raus.
Hätte Khamutouski ähnlich schwach gehalten, wie
Thomas Frank pfiff bzw. seine beiden Assistenten winkten, wir hätten die Jacke
jetzt so richtig voll gekriegt. Haben wir aber nicht, denn Vasili hält alles.
Er muß den Ball ähnlich gemächlich auf sich zufliegen sehen, wie der Keanu
Reaves in Matrix die Kugeln. Bloß das Reaves
immer schnell weghüpft (Feigling!), während sich Khamutouski
zunächst in Da Silvos Flugkopfball wirft, um den
Bruchteil einer Sekunde später auch noch den Nachschuß zu parieren (77.). Nicht
anders zu erklären!
Jetzt sind wir wieder am Drücker. Simak
holt einen Freistoß raus, schießt ihn selbst. Die Hälfte unseres Blocks fällt
sich in die Arme, die andere sieht es etwas realistischer. Knapp drüber (85.).
Dann die große Möglichkeit für Schied. Ach nö, wie
kann man denn so was machen. Sein Kopfball von der Torraumgrenze geht rechts am
Tor vorbei. So steigt man ab! Dann sind nur noch drei Minuten zu spielen. Auf
einmal taucht Schied wieder vor Tschauners Tor auf.
Was jetzt passiert, läßt sich nicht mehr genau rekonstruieren. Es geht alles
rasendschnell. Wir liegen uns in den Armen, die Mannschaft steht vor dem
Fanblock und feiert. Alles flippt aus. Wir leben wieder! Schied hat das Ding
reingehämmert. 2:1. Das muß es doch sein. Der Rest ist Brüllen, Singen, Zittern
und dann… Feiern. Wir sind schweißgebadet, die Nerven sind runter, die
Stimmbänder abgenutzt. Erst im Parkhaus kommt der Puls wieder unter 200. Dort
haben wir auch genug Zeit dafür. Der Automat an der Ausfahrt ist im Eimer, einfach
weltmeisterlich! Aber auch das kann einen solchen Tag nicht mehr verderben!
Nächsten Sonntag kommt dann das Endspiel um Platz 17. Im
Falle des Nichtsiegens wird sich das Jenseits unter uns wieder ganz weit
auftun. Aber bis dahin aber können wir erst mal wieder Hoffen. Und das alleine
ist schon mehr als man vor einer Woche erwarten durfte. <bpf>
Bilder des Tages
Bericht auf tsv1860.de
Bericht auf fansmedia.org zu Vorgängen am Rande des Spiels
FC Carl Zeiss Jena - SpVgg. Greuther Fürth 1:0
Tor 1:0 Simak (11., FE)
- Jena: Khamutouski; Maul, Müller, Stegmayer; Werner, Hansen, Ziegner (46. Riemer), Simak, Kandelaki; Allagui (83. Schied), Torghelle (68. Petersen)
- Fürth: Kirschstein; Felgenhauer (66. Schröck), Biliskov,
Mausersberger, Achenbach; Ilicevic, Burkhardt, Lanig, Adlung (66. Nehrig,
, 90.); Kotuljac, Reisinger (46. Cidimar)
- Zuschauer: 5446
- Schiedsrichter: Anklam (Buchholz)
- Spielbericht:
-
Zu Ostern kehrte der Winter zurück. So konnte die vom Verband
vorgeschriebene, kostspielige Rasenheizung wenigstens einmal in dieser
Zweitligasaison ihren Zweck erfüllen, die über Nacht gefallenen Schneeflocken
zum Schmelzen zu bringen und einen möglichen Spielausfall abzuwenden.
Henning Bürger hatte im Vergleich zum Pokalaus von Dortmund
drei Veränderungen in der Anfangself vorgenommen. Diese sollten
spielentscheidenden Charakter tragen, denn alle drei Neuen waren an der
Entstehung des 1:0 beteiligt. Sandor Torghelle ging zum Mann und eroberte den
Ball. Nach Zuspiel des Ungarn auf seinen Stürmerkollegen leitete Sami Allagui
den Ball in die Mitte, wo Fürths Torhüter Kirschstein zwar den Ball erwischte,
aber auch das Bein von Ilja Kandelaki. Der Schiedsrichter zeigte auf den
Elfmeterpunkt und obendrein noch Gelb. Mit gewohnter Kaltschnäuzigkeit
verwandelte Jan Simak den Strafstoß genau ins linke untere Eck. Kirschstein
hatte zwar die Ecke geahnt, kam aber nicht mehr ganz hin.
Frühzeitig in
Rückstand geraten, mussten die Franken nun das Spiel gestalten. Eine Rolle, die
ihnen in den vergangenen Wochen nicht so wirklich lag und in Heimniederlagen
gegen Kaiserslautern und Koblenz mündete. Erschwerend kam hinzu, dass die
Rasenheizung zwar einen Großteil des Schnees wegbekommen hatte, der Boden
dennoch feucht und glatt war, bei jeder ruckartig schnellen Bewegung Probleme
bereitete. Gemessen an diesen Voraussetzungen war die Partie insgesamt durchaus
ansehnlich. So honorierten die Zuschauer beispielsweise Torghelles überlegt
gelupften Ball, den Kirschstein einen Augenblick vor Simak wegfing. Oder
Ziegners Fernschuss, der knapp am linken Pfosten vorbei strich. Mit 53 zu 47
Prozent gestalteten sich diesmal sogar die Zweikampfwerte positiv für den FC
Carl Zeiss. Dies hatte es nicht einmal in der total überlegen geführten ersten
Halbzeit gegen Wehen Wiesbaden gegeben. Auf
Fürther Seite sorgte Alksandar Kotuljac drei Minuten vor dem Pausenpfiff
für Gefahr. Seinen Torschuss fing zunächst Hansen kurz vor der Torlinie ab;
beim neuaufgebauten Angriff flankte Adlung von rechts, Kotuljac in der Mitte
kam einen Moment zu spät. Was sonst noch aufs Jenaer Tor flog, wurde zur Beute
des gewohnt sicheren Vasili Khamutouski. Dank seiner Paraden ging es mit
einem knappen Vorsprung in die Kabine.
Torsten Ziegner blieb gleich dort. Schon nach acht Minuten
hatte der Schiedsrichter-Assistent Jenas Trainer Henning Bürger geraten, den
Meckerns rotgefährdete Ziegner herunter zu nehmen, dieser besann sich aber bis zur Pause. Dass für ihn
danach Marco Riemer ins Spiel kam, kann durchaus als Wechsel auf die Zukunft
gesehen werden. Denn Talente wie das 20jährige Eigengewächs mit den roten
Zottelhaaren werden wir in Liga drei (wenn es denn dazu kommen sollte) gut
gebrauchen können. Da ist es auf jeden Fall von Vorteil, vorab schon mal
Zweitligaluft geschnuppert zu haben. Auf der ungewohnten Position im Mittelfeld
wäre dem gelernten Verteidiger beinahe ein ähnlicher Einstand gelungen wie
weiland Nils Petersen aus dem selben Jahrgang, der gleich nach seiner
Einwechslung beim Debüt einen Treffer erzielt hatte. Auch Riemer bot sich diese
Möglichkeit, stand er doch Sekunden nach Wiederanpfiff mutterseelenallein auf
Höhe des rechten Pfostens. Doch war er wohl zu sehr davon überrascht, dass der
Ball durch eine Spielertraube hindurch noch zu ihm gelangt war, um selbigen
überlegt im Tor versenken zu können.
Kurz danach mussten gleich zwei Jenaer behandelt werden.
Nach Foulspiel erwischte es zunächst Niels Hansen. Mit dem ehemaligen
Freiburger scheinen unsere Probleme auf der Sechserposition vor der Abwehr
beseitigt. Nun aber drohte sein Ausfall. Doch Hansen rappelte sich hoch. Kaum stand er wieder auf dem
Platz, warf sich Khamutouski mit vollem Einsatz in den Schuss eines allerdings
im Abseits befindlichen Fürthers. Aus drei Metern Entfernung traf ihn der Ball
voll auf die Nase. „Ich muss hinten die Null halten, wie ist egal“,
konnte der Weißrusse nach dem Spiel schon
wieder drüber lächeln. Nach endlos langen Minuten des Bangens um unseren
Top-Torhüter konnte aber auch dieser mit blutverschmiertem Trikot weitermachen.
Und das war wichtig, galt es doch nach einundsechzig Spielminuten eine Gästechance
zunichte zu machen, die entstanden war, nachdem Maul Gegenspieler Kotuljac
angeschossen hatte. In der Folgezeit rückte allerdings auch der ehemalige
HSV-Keeper Kirschstein wieder in den Brennpunkt. Zunächst bei Schüssen von
Torghelle (63.) und Allagui (73.). Nach deren Auswechslung im eins-eins gegen
Ilja Kandelaki, welcher eine schöne Einzelaktion von Nils Petersen nicht
verwerten konnte, das Leder nicht an Kirschstein vorbei brachte.
Der
Tabellenvierte, der in dieser Saison so gern das Prädikat „Unaufsteigbar“
loswerden möchte, wirkte insgesamt nicht zielstrebig genug. Lediglich der
Ex-Magdeburger Kotuljac mochte sich mit einer drohenden Niederlage in Jena
partout nicht abfinden, war links wie rechts als ständiger Unruheherd zu finden
und kam bei einer gefährlichen Flanke vors Tor erneut nur um einen Schritt zu
spät. Die Erhöhung der Pulsfrequenz, die nach dem Anzeigen von sechs Minuten
Nachspielzeit durch den Schiedsrichter hervorgerufen wurde, wurde abgemildert
durch die Rote Karte für Nehrig, der Kandelaki hinterrücks von den Beinen
geholt hatte. Da konnten auch zwei weitere Nachspielminuten nichts mehr
anrichten. Tobias Werner hätte aus spitzem Winkel sogar noch das 2:0 machen
können.
Dann war Schluss. Jubel bei den Zuschauern. Ähnlich wie beim Hinrundenerfolg gegen Offenbach, dem bisherigen Besucherminus, wurden die
Treuesten der Treuen für ihr Kommen belohnt. Spielt der FCC etwa
am erfolgreichsten, wenn der öffentliche Erwartungsdruck gering ist ? Dann
sollte er nächste Woche gleich da weitermachen, wo er diesmal aufgehört
hat. Denn so gut dieser Sieg für die Moral ist - er allein taugt noch
nicht für neue Rechenspielchen. <fc>
Kickers Offenbach - FC Carl Zeiss Jena 2:1
Tore: 1:0 Bancé (19.), 2:0 Bancé (47.), 2:1 Torghelle (89.)
- Offenbach: Thier; Hysky, Bungert, Sichone, Pinske; Mokhtari (81.
Watzka), Wörle, Sousa (58. Ogungbure), Judt (85. Epstein); Bancé,
Türker
- Jena: Khamutouski; Maul, Müller, Stegmayer; Amrhein (46.
Torghelle), Hansen, Ziegner, Simak, Werner; Allagui, Schied (80. Saka)
- Zuschauer: 9285
- Schiedsrichterin: Steinhaus (Hannover)
- Spielbericht:
-
Dortmund im Kopf – Offenbach vor der Brust. Es war von
vornherein zu befürchten, dass dieses Spiel vier Tage vor dem
DFB-Pokalhalbfinale so laufen würde wie es gelaufen ist. Selbst deutsche
Spitzenklubs patzen regelmäßig, wenn sie mit ihren Gedanken bereits bei der
Championsleague sind. Klar hätten wir uns angesichts des prekären
Tabellenstandes anderes gewünscht. Schließlich war es wohl die allerletzte
Chance, doch noch eine zum Klassenerhalt führende Siegesserie einzuleiten. Aber
auf Dortmund und erst viel später mal aufs Offenbach-Spiel zu sprechen kamen ?
Für die Hessen ist der Kampf gegen den Abstieg hingegen
allgegenwärtig und diesen Unterschied merkte man bereits zu Beginn. Stegmayer
musste gegen Mokhtari und Türker zweimal in höchster Not zur Ecke klären,
Khamutouski den Kopfball des unbedrängten Bancé halten. Dass die Gastgeber
nicht frei von Nervosität waren, wurde in der 16. Minute deutlich, als sich
zwei OFC-Verteidiger nach Allaguis Eingabe gegenseitig anschossen. Amrhein
wusste mit der sich bietenden Chance jedoch nichts anzufangen. Im Gegenzug holte
Mokhtari erneut einen Eckball heraus. Hoch flog dieser an die Torraumgrenze, wo
Bancé den Kopfball genau zwischen Keeper und den am Pfosten postierten
Verteidiger ins Netz setzte. Nun besitzt dieser Bancé mit einem Meter
zweiundneunzig Körpergröße annähernd Gardemaß, nur ist unser Alexander Maul ja auch kein
Zwerg ! Allerdings hätte er mindestens genauso hoch springen und vor allem enger am Mann zum Ball
gehen müssen, um den Riesen im Sturmzentrum ernsthaft zu stören.
Jena lag 0:1 zurück
und der eine oder andere Spieler wird wieder Dortmund im Kopf gehabt haben.
Könnte die zu investierende Kraft, die nötig ist um dieses Spiel zu drehen, am
Dienstag nicht eventuell fehlen ? Nur zweimal vor der Pause blitzte Klasse auf.
Wie zu seinen besten Zeiten spielte Torsten Ziegner in der 28. Minute einen klugen Pass auf
Allagui, dessen Schuss aber am langen Pfosten vorbei strich.
Und in der 37. Minute bekam Thier Probleme mit
einem 25-Meter-Schuss Simaks. Den Abpraller versuchte Schied zu erlaufen, wurde
von Hysky aber umgerempelt. Deutschlands Vorzeigeschiedsrichterin Bibiana
Steinhaus ließ weiterspielen. In der Nachspielzeit der ersten Hälfte wurde
Mokhtari auf Rechtsaußen nicht gestört, denn tückisch aufsetzenden Ball
parierte Khamutouski genauso souverän wie den anschließenden Volleyschuss
Sousas.
„Der Gast aus Carl Zeiss Jena“ (Zitat Stadionsprecher)
brachte zur zweiten Halbzeit Torghelle für Amrhein. Alles oder nichts also mit
drei Stürmern. Doch was nutzen sämtliche in der Kabine gefassten Vorsätze, wenn eine
Minute nach Wiederanpfiff wieder so eine Panne in der Zuordnung passiert !
Bancé erfreute sich diesmal der Begleitung durch Stegmayer und diese
Formulierung ist ganz bewusst so gewählt. Denn Stegi mit seinen
176 Zentimetern ist von seinen körperlichen Voraussetzungen her natürlich kaum in
der Lage, dem Riesen mit den goldenen Schuhen und gleichfarbigen Haaren Paroli
zu bieten.
Mit dem zweiten Gegentor schienen die Messen gelesen. Zwar spielte
sich Mitte der zweiten Halbzeit
viel in der Hälfte der Gastgeber ab. Doch hatte man nicht den Eindruck, das
Blatt könne sich noch mal wenden. Auch weil Jan Simak zwar gewohnt viel am Ball
war, ihm aber deutlich mehr Fehlpässe unterliefen als sonst. Die besseren
Chancen hatten auch in dieser Phase die Jungs vom Bieberer Berg. Bancé und
Türker scheiterten jedoch wiederholt an Khamutouski – dem Einzigen, der unter
Beobachtung von Dortmunds Trainer Doll am Freitag uneingeschränkte Klasse
nachwies. Arm an Emotionen plätscherte das Spiel seinem Ende entgegen. Dem bei
solchen Szenarien obligatorischen „Ihr könnt nach Hause fahrn“ der OFC-Fans
begegneten Jenas Anhänger mit einem weniger üblichen „Dritte Liga und
UEFA-Cup“. Und siehe da, plötzlich begannen die Blauen in den letzten zehn Minuten
noch richtig Fußball zu spielen ! Simak rutschte der Schuss nach Sakas
Vorarbeit noch über den Spann (84.). Ein Offenbacher Verteidiger rettete im
letzten Moment vor dem einköpfbereiten Allagui (85.). Und Jan Simak traf drei
Minuten vor Schluss wieder einmal das Aluminium. Das Glück ist uns - zumindest
in den Meisterschaftsspielen - wahrlich nicht hold in letzter Zeit. So fiel der
im zweiten Zupacken gegen Thier erzielte Anschlusstreffer von Sandor Torghelle
zu spät.
Dortmund im Kopf und Dortmund nun auch bald vor der Brust.
Endlich. Wenn an der Geschichte mit der verpatzten Generalprobe vor einem
gelungenen Auftritt was Wahres dran ist, wird es am Dienstag ein sehr schöner
Abend. <fc>
FC Carl Zeiss Jena - SV Wehen Wiesbaden 2:2
Tore: 1:0 Schied (25.), 2:0 Werner (33.), 2:1 Werner (82.ET), 2:2 Schmidt (89.)
- Jena: Khamutouski; Maul, Müller, Stegmayer; Amrhein, Hansen (75.Kühne), Ziegner, Simak, Werner; Allagui, Schied (73.Petersen)
- Wiesbaden: Richter; Simac (76.Hollmann), Kopilas, Glibo, Kokot
(67.Atem); Siegert, Schwarz, Bick (84.Schmidt), Nicu; König, Diaketé
- Zuschauer: 6721
- Schiedsrichter: Wingenbach (Diez)
- Spielbericht:
- Blauer Himmel, Sonnenschein und beste Stimmung auf den Zuschauerrängen waren beste Rahmenbedingungen, um endlich die längst
erhoffte Aufholjagd mit einem Sieg zu starten und die bittere Hinspielniederlage in der Commerzbankarena endgültig vergessen zu machen.
Die Jenaer begannen auch sofort druckvoll und schnürten die Gäste in deren Hälfte ein, und bereits nach gut 30 Sekunden
hätte es bereits schon 1:0 für die Platzherren heißen können. Allagui tauchte nach einem abgefälschten Steilpass
urplötzlich vor Gästekeeper Richter auf, aber anstatt sich die Torecke auszusuchen, um die Führung zu erzielen, entschied
er sich für einen Querpass auf Schied, für den dieser Pass aber letztendlich zu ungenau ankam und der Schusswinkel dadurch zu
spitz wurde. Aber diese Möglichkeit war gleichzeitig die Initialzündung im Jenaer Spiel, und sie begannen ihr druckvolles Spiel
zu entfachen. Bis auf zwei Freistoss-Standardsituationen war von den Gästen in Halbzeit eins fast nichts zu sehen. Ganz anders
dagegen der FCC, der in der 22.Minute die nächste gute Tormöglichkeit besaß. Ziegner hatte einen Freistoss von halbrechts
gefährlich vor das Tor der Wiesbadener gezirkelt, die diesen Ball einfach nicht aus der Gefahrenzone brachten. Jan Simak fasste
sich ein Herz und Richter musste sein ganzes Können in dieser Szene unter Beweis stellen, um diesen herrlichen Schuss gerade noch
aus dem Toreck zu entfernen. Aber nur drei Minuten war auch er dann machtlos, als diesmal Schied mit einem wunderschönen Steilpass
bedient wurde. Dieser ließ sich diese Chance nicht entgehen und schob den Ball zum viel umjubelten Führungstreffer für
die Jenaer ein. Der FCC machte nach diesem Treffer weiter Druck und Hansen scheiterte nur wenig später per Kopfball aufs kurze Eck
an Richter, der sich mittlerweile zum besten Akteur seines Teams avancierte. Der Sekundenzeiger hatte sich nach dieser Toraktion noch
keine Runde gedreht, da klingelte es erneut im Kasten der Wiesbadener. Der am heutigen Tage unheimlich quirlige Allagui konnte sich
wiederholt im 1:1-Duell im Strafraum gegen seinen Widersacher durchsetzen und zog diesmal sofort ab. Torwart Richter war zwar erneut
auf dem Posten und konnte den Schuss parieren, allerdings nur zur Seite, wo Werner goldrichtig stand und keine Mühe hatte, den
Ball über die Linie zu schieben. Schiedsrichter Wingenbach hätte kurz danach fast entscheidend in das Spiel eingegriffen,
als er ein glasklaren Handspiel eines Wiesbadener Spielers nicht abpfiff, sondern den Hessen dadurch eine gute Konterchance ermöglichte,
die aber Diaketé per Kopfball aus Nahdistanz zum Glück der Jenaer nicht nutzen konnte. Und noch einmal war es Allagui, der
kurz vor dem Pausentee (41.) seinem Gegenspieler entwischt war, aber auch diesmal konnte Richter dieses Duell für sich entscheiden
und die eventuelle Vorentscheidung in dieser Partie verhindern.
Nach der Pause kamen die Gäste wie verwandelt aus der Kabine und setzen die Jenaer gehörig unter Druck. Aber die entscheidenden
Tormöglichkeiten blieben noch aus, da die Abwehr des FCC bis dato sicher stand. In der 56.Minute dann doch fast der Anschlusstreffer,
doch Jenas Kapitän Alex Maul konnte in letzter Sekunde noch vor Nicu klären. Aber der Druck der Hessen ließ nicht nach und
Trainer Hock setzte alles auf eine Karte und wechselte einen weiteren Angriffspieler für einen Abwehrspieler ein. Doch trotz Überlegenheit
der Gäste waren es die Jenaer, die durch Allagui eine weitere Torchance zur Vorentscheidung hatten, doch bei Richter konnten sich die
Hessen heute bedanken, dass sie speziell in der ersten Halbzeit nicht unter die Räder gekommen waren. Die Minuten vergingen, die Partie
wurde zunehmend hektischer und die Nickligkeiten im Spiel häuften sich. In dieser Phase (80.) hätte der FCC alles klar machen können,
als ein gefährlicher Konter über Allagui und Simak gestartet wurde, doch zur Verzweiflung der Zuschauer bleib auch diese gute
Tormöglichkeit ungenutzt, da es Allagui nicht gelang, den vor dem Tor freistehenden Simak mit einem Querpass anzuspielen. Kurz darauf
waren die Gäste wieder an der Reihe und Stegmayer war es, der gerade noch zur Ecke klären konnte. Der anschließende Eckball (82.)
kam herein und Werner wollte am langen Pfosten der Ball aus der Gefahrenzone befördern, aber leider rutschte ihm bei dieser Rettungsaktion
der Ball über den Spann und der Ball lag im eigenen Tor. Ratlose Gesichter auf dem Rasen. Die Angst ging fortan um und man merkte den
Zeiss-Kickern die zunehmende Verunsicherung an. Sechs Minuten vor Ultimo hätten die Jenaer endgültig alles klar machen können,
doch das Glück blieb den Jenaern nicht hold und der herrliche Kopfball von Petersen klatschte an den Pfosten. Sekunden später
versuchte der eingewechselte Petersen sein Glück, aber auch sein Schuss verfehlte nur um Zentimeter das Gehäuse. Es lief bereits
die vorletzte Minute, da warfen die Hessen noch einmal alles nach vorn. Jenas Abwehr war einen Moment überhaupt nicht im Bilde und
Schmidt nutzte diesen Fauxpas eiskalt aus und verwandelte zum fast nicht mehr für möglich gehaltenen Ausgleich. Sekunden vor
dem Abpfiff hätte Simak die Jenaer Fans mit seinem Freistoß doch noch in Jubelschreie versetzen können, doch Keeper
Richter hatte etwas dagegen und verwehrte den Jenaern den verdienten Sieg.
Ein Fazit nach dieser Partie zu ziehen fällt sichtlich schwer, doch leider sollte sich auch heute erneut eine der abgedroschenen
Fußballerweisheiten bewahrheiten: Wer seine Chancen nicht nutzt, muss sich nicht wundern, am Ende mit leeren Händen dazustehen.<vg>
TuS Koblenz - FC Carl Zeiss Jena 2:0
Tore: 1:0 Djokaj (17.), 2:0 Pektürk (90. +1)
- Koblenz: Eilhoff; Mavric, Hartmann, Ziehl (77. Sukalo),
Cha, Richter, Fernandez (55. Vata), Lomic, Dzaka, Djokaj, Kuqi (66.
Pektürk)
- Jena: Khamutouski; Müller, Omodiagbe, Stegmayer; Holzner
(75. Saka), Kühne, Ziegner, Simak, Werner (62. Allagui);
Schied, Petersen (62. Amrhein)
- Zuschauer: 10.676
- Schiedsrichter: Bandurski (Essen)
- Spielbericht:
- „Ich weiß nicht was soll es bedeuten, dass
ich so traurig bin“ eröffnete Heinrich Heine einst sein Gedicht zu Ehren jener
Loreley, die der Sage nach nur wenige Kilometer rheinaufwärts von Koblenz auf
einem Felsen singend ein ums andere Schiff an der zerklüfteten Flussbiegung
zerschellen ließ. Ins Reich der Sagen und Legenden wird auch Jenas
Viertelfinalerfolg in Stuttgart bald Einzug halten, und angesichts der noch
immer unfassbaren Sensation, die Bürgers Elf in Schwaben erreichte, fiel es
schwer, das Augenmerk wieder voll auf den Ligaalltag zu lenken. Bitter nötig
war dies, wollte man die Hoffnungen auf den Klassenerhalt nicht endgültig am
Deutschen Eck zerschellen sehen, und selbst auf den Grund der Zweitligatabelle
sinken.
Henning Bürger musste seine heldenhafte
Pokal-Elf notgedrungen umstellen, angesichts der seltsamen DFB-Gerichtsbarkeit
saß Alexander Maul weiterhin eine nicht nachvollziehbare Sperre ab, so dass der
wiedergenesene Omodiagbe seinen Platz in der Innenverteidigung einnahm.
Sicherheit brachte dies nicht, im Gegenteil, ganz ähnlich der allgemein
grassierenden Grippewelle steckte der Nigerianer seine Kameraden mit
zahlreichen Unsicherheiten an und man fragte sich nach 10 gespielten Minuten
verdutzt, ob die Körpersprache, das ausgestrahlte Selbstbewusstsein ein
jämmerlicheres Bild gegeben hätte, wäre der FCC in Stuttgart mit 0:5 unterlegen
Halbzeit unter dem aktuellen Trainer, in der bis auf eine Schied-Chance (2.),
der einen Ziegner-Schuss um ein Haar ins Tor abfälschte, rein gar nichts
zusammenlief. Koblenz lockte Jena heraus, um dann überfallartig mit weiten
Bällen auf die meist über außen kommenden Spitzen Gefahr zu erzeugen. Der FCC,
wieder mit Dreierkette agierend, fand dagegen überhaupt kein Rezept. Doch da
Hartmann, Djokaj, Dzaka und Co. ihre Chancen gleich reihenweise liegen ließen,
bei Müllers Fast-Eigentor auch etwas Pech hatten, wäre es möglicherweise mit
einem für den FCC angesichts des Spielverlaufs hochgradig zufriedenstellenden
0:0 in die Kabinen gegangen, hätte die in den letzten Wochen schon
ungewöhnliche Pechsträhne mit Schiedsrichterentscheidungen nicht ihre
Fortsetzung gefunden. Ein langer Ball aus der eigenen Hälfte findet Djokaj, der
die Kugel mit der Hand an Khamutouski vorbeilegt und dann im leeren Tor
einschiebt. Schiedsrichter Bandurski hatte freie Sicht auf die Aktion, wollte
aber dennoch keine Regelwidrigkeit gesehen haben, so dass der FCC nach Aachen
und Hamburg nun schon das dritte irreguläre Gegentor binnen weniger Wochen
kassierte. Von umstrittenen Platzverweisen ganz zu schweigen, denn Sandor
Torghelle dürfte sich bei Lomics nur mit gelb geahndetem Nachtreten gegen
Holzner schon gefragt haben, wofür er eigentlich vier Spiele Sperre aufgebrummt
bekam. Ich weiß nicht, was soll es bedeuten. Doch bei aller Kritik am Referee, was
Jena in den ersten 45 Minuten bot, war nicht im Ansatz besser und man fragte
sich, wer außer dem Keeper und Robert Müller eigentlich nicht ausgewechselt
werden müsste.
Dies sollte sich nach dem Seitenwechsel zumindest phasenweise
ändern, Petersens kurz vor der Linie geklärter Flachschuss (47.) im Anschluss
an eine Simak-Ecke sorgte für Hoffnung im mit knapp 1.000 Zeissfans
proppevollen Gästeblock. Beide Protagonisten fanden sich auch eine
Viertelstunde später im Zusammenspiel im Mittelpunkt, als Simak ein
Petersen-Abspiel artistisch aufnahm und auf das Eilhoff-Gehäuse zusteuerte,
aber im Strafraum bei der Schussabgabe umgerannt wurde. Der Ball landete am
Außenpfosten – der Elfmeterpfiff blieb aus. Koblenz sah sich nun vorwiegend in
die eigene Hälfte gedrängt, die Ballbesitzstatistik von 60:40 für Jena kam
nicht von ungefähr, verteidigte aber geschickt und blieb mit schnellen
Gegenstößen stets gefährlich, Dzaka und der für den Ex-Jenenser Kuqi
eingewechselte Pektürk verpassten die Vorentscheidung. So hatte Torsten Ziegner
mit einer strammen, von Eilhoff gerade noch so um den Pfosten gelenkten
Freistoßablage Simaks den Ausgleich auf dem Fuß. Doch als auch Stefan Kühne
seine Großchance um Zentimeter am Pfosten vorbeistocherte (86.), war den
meisten klar, „was dies bedeuten sollte“. 91. Minute, nach Ballverlust des
eingewechselten Saka wieder ein schneller Gegenstoß über Vata, und diesmal
machte es Pektürk besser, bugsierte das Leder unter Mithilfe des Innenpfostens
zur Vorentscheidung ins Tor. Dass sich Jenas Elf selbst danach nicht aufgab und
sich mit Stefan Kühnes Knaller knapp am Tor vorbei sogar noch eine Möglichkeit
bot, spricht für die Moral in der Mannschaft. Für die Qualität, die Klasse zu
halten, sprach der Auftritt über 90 Minuten jedoch nicht. Auch wenn erneut ein
Schiedsrichter – nebst dem Koblenzer Handballspieler – die Begegnung maßgeblich
beeinflusste, das war einfach zu wenig, um die „nun wirklich“ letzte Chance
beim Schopfe zu packen. „Ich weiß nicht was soll es bedeuten, dass ich so
traurig bin“. Abstieg. 3. Liga. <gunner>
FSV Mainz 05 - FC Carl Zeiss Jena 2:2
Tore: 1:0 Feulner (28.), 2:0 Karhan (56./FE), 2:1
Simak (59.), 2:2 Allagui (83.)
- Mainz: Ischdonat; Hoogland, Subotic, Noveski, Rose (46.
Demirtas); Karhan, Damir, Vrancic (84. Amri), Pekovic, Feulner;
Borja (85. Jovanovic), Boakye
- Jena: Khamutouski; Holzner, Müller, Omodiagbe, Stegmayer;
Ziegner (78. Saka), Kühne, Simak, Werner; Petersen (58. Allagui),
Schied (78. Amrhein)
- Zuschauer: 19.500
- Schiedsrichter: Willenborg (Osnabrück)
- Spielbericht:
- Die Tage des Mainzer Stadions sind gezählt. Mit Beginn der
Saison 2010/2011 soll eine neue Fußball-Arena eingeweiht werden. Angesichts der
Tabellensituation beider Mannschaften stellt sich also die Frage, ob das Spiel
vom Freitagabend das letzte Jenaer Gastspiel am Bruchweg gewesen ist.
Fast 20.000 Zuschauer sorgten für die gewohnt gute
Atmosphäre. Mögen die Gastgeber mit ihren unzähligen Mainz 05-Liedern
vielleicht etwas zu viel Primborium veranstalten – ihr „you’ll never walk
alone“ bekommen nicht viele in Liga zwei so hin. Jenas 500 mitgereiste Anhänger
mochten sich daran nicht beteiligen (warum eigentlich nicht?), verschafften
sich dafür nach zehn gespielten Minuten Gehör: Mit „Hier regiert der FCC“ lagen
sie zu diesem frühen Zeitpunkt durchaus richtig, denn die ersten Akzente, die
ersten Standarts hatten die Thüringer gesetzt. Holzner war für Amrhein in die
Startelf gerückt, machte sein erstes Spiel seit November. Die erste
Tormöglichkeit im Spiel besaß dann aber doch der Tabellenzweite. Karhans weiten
Einwurf konnte Müller mal eben noch vor Boakye zur Ecke klären. Derartig
drangvoll erlebten wir die vier Tage zuvor mit einem Auswärtssieg in
Mönchengladbach glänzenden Mainzer jedoch selten. Einer der Gründe hierfür
heißt Jan Simak, der im Mittelfeld für ein Gleichgewicht sorgte, spielerisch
wie kämpferisch erneut eine herausragende Leistung bot. Kein Wunder, dass immer
mehr Bundesligisten hinter ihm her sind. Vom technischen Potential her gab es
nach Bernd Schneider sicherlich keinen besseren im Zeiss-Trikot als
ihn. Simaks Schrägschuss vom linken Strafraumeck in Minute 21 rauschte nur
knapp am Mainzer Gehäuse vorbei.
Sieben Minuten später: Felix Holzner fängt
einen Mainzer Angriff ab, doch verspringt ihm das Leder zu weit vom Fuß. Weil
das Not-Tackling misslingt, hat Feulner freie Bahn zum Tor, umspielt
Khamutouski und trifft zum Führungstreffer. Woche für Woche das selbe Bild: Es
sind die individuellen Patzer im Abwehrzentrum, die den FC Carl Zeiss immer
wieder ins Hintertreffen geraten lassen. Da half auch ein weiterer schöner
Simak-Schuss vor der Pause nichts mehr.
Nach Wiederanpfiff legte Karhan für Feulner auf. Doch erst
dessen Wegrutschen eröffnete den Mainzern eine Torgelegenheit, bei der Boakye
von Khamutouski und Omodiagbe mit vereinten Kräften gestört werden konnte.
Chancen gleichsam aus dem Nichts – irgendwie war das typisch für dieses Spiel.
Auch fürs zweite Gegentor. Klar drängte der ballführende Feulner mit viel Elan
in den Strafraum. Doch unmittelbare Torgefahr bestand da kaum, dafür war der
Winkel zu spitz und Omodiagbe noch in der Nähe. Holzner zog Feulner jedoch so
ungestüm zu Boden, dass der Referee sofort auf den Elfmeterpunkt zeigte. Da der
Strafstoß saß, drohte Holzner bei seinem Comeback zur tragischen Figur zu
werden. Dabei hatte er insgesamt keine schlechte Partie gespielt, jedoch in
zwei entscheidenden Szenen das Nachsehen gehabt. Nur gut, dass auch Jena noch
seine Chance aus dem Nichts bekam. Bei Simaks diagonalem Freistoß rückten fünf
Mainzer und vier Jenaer in Richtung Tor, keiner berührte jedoch den Ball. Auch
nicht Torwart Ischdonat, der durch die Spielertraube wohl irritiert war. 1:2 -
da ging noch was. Bürger versuchte es mit frischen Kräften, brachte zunächst
Allagui, dann Saka und Amrhein. Was umgehend Wirkung zeigte. Amrheins straffen
Schuss aus 23 Metern konnte Ischdonat nur nach vorn abwehren, Saka setzte den
Abpraller aber am langen Eck vorbei. Welch ein Glück, das da noch was nachkam
! Und zwar in Minute 83: Eckball von
Simak, präzise auf Allagui, der aus Nahdistanz trotz Bedrängnis ins Netz köpft.
Wieder einmal hatte der FCC aus scheinbar aussichtsloser Lage herausgefunden.
Dass er den redlich erkämpften Punkt am Ende auch mitnehmen durfte, verdankt er
seinem Torhüter. Klasse, wie Vasili Khamutouski in der 85. Minute Hooglands
tückischen Aufsetzerkopfball aus nur sechs Metern Torentfernung zur Ecke lenkte
!
Eine Unsportlichkeit der Mainer hätte der Partie dann beinahe ein schlimmes
Ende bereitet. Mehrere Male zuvor hatten die da noch zurückliegenden Jenaer den
Ball ins Aus gespielt, wenn ein 05er verletzt am Boden lag. Doch als Darlington
Omodiagbe nach Zweikampf unglücklich aufgekommen regungslos auf dem Rasen
liegen blieb, spielten die Rot-Weißen weiter. Dabei zählte jede Sekunde, denn
Omodiagbe hatte das Bewusstsein verloren und seine Zunge verschluckt ! Gottseidank
erfolgte die Hilfe gerade noch rechtzeitig und mit einer leichten
Gehirnersschütterung ging alles noch recht glimpflich ab. Dass die Jenaer
das Match zum dritten Mal in Folge nur zu zehnt beenden konnten, hatte keinen Einfluss auf das Endergebnis.
Henning Bürger hatte unter der Woche kein bisschen
übertrieben. Die Moral stimmt in dieser Mannschaft hundertprozentig.
Das ist wichtig, weil sich der Druck weiter erhöhen wird. Denn gegen
die nun folgenden Punktspielgegner müssen endlich wieder Siege her. <fc>
FC Carl Zeiss Jena - 1. FC Köln 1:3
Tore: 0:1 Helmes (28.), 1:1 Müller (61.), 1:2 Novakovic (80.), 1:3 Novakovic (90.)
- Jena: Khamutouski; Maul (
, 48.),
Müller, Omodiagbe, Stegmayer (83. Saka); Amrhein (59. Allagui),
Kühne, Ziegner, Simak, Werner (83. Petersen); Schied
- Köln: Mondragon; Ümit Özat, Mohamad, McKenna, Ehret;
Broich (72. Gambino), Mitreski, Antar, Vucicevic (68. Chihi); Helmes (89.
Scherz), Novakovic
- Zuschauer: 9904
- Schiedsrichter: Henschel (Braunschweig)
- Spielbericht:
- Es gibt Spiele, da ist auf dem Rasen richtig viel los – und
hinterher fehlen dir trotzdem die Worte für den Spielbericht. Und im Stadion,
nach dem Spiel, verhindern lediglich Anstand und gute Erziehung (und vielleicht
auch die doppelte Kette aus Gelb und Dunkelblau), dass du deine Meinung über
Referee und DFB-Lieblinge in den Gästebus stanzt.
Am kalten Freitagabend begann der FCC zunächst
unterkühlt-vorsichtig, um nicht ins offene Messer der Gäste zu laufen, die spielerisch
eine schnelle, feine Klinge schlugen. Trotzdem kam der FCC ganz gut nach vorn
und hatte einige interessante Szenen, z.B. als Stegmayer eine scharfe Flanke
vors Tor schlug oder Mondragon Ziegners
Freistoß wegfaustete. In der 23. min gab es dann nach der dritten Kölner Ecke
die erste brenzlige Szene vor unserem Tor, als Kühne den Ball zu kurz abwehrt,
Khamutouski den Schuss jedoch parieren kann. In der 27. min gab es dann auf der
Gegenseite die erste zornerregende Szene, als nach einer Ecke Schied (?) schießen
will, der Kölner jedoch mit gestrecktem Bein „drüberhält“.
weiterspielen. Zwei Minuten später tändeln Khamutouski und Omodiagbe bei einem
Abstoß herum, der schwache Abschlag des Torwarts in den Mittelkreis kommt
prompt als Steilpass auf Helmes, der zum 0:1 einschiebt; Müller stand zu weit
weg. Kurz danach verhindert Khamutouski mit einer tollen Parade das
spielvorentscheidende 0:2, als er gegen Broich blitzschnell reagierte. Ein Aufstöhnen
ging durchs Stadion, als Werner nach der dritten FCC-Ecke einen Schuss von der
Strafraumgrenze an die Lattenunterkante nagelte. Den zurückspringenden Ball
erlief einer im weißen Trikot (Kühne?), wurde jedoch durch einen Kölner
umgerissen. Strafstoß? Vergiss es! Der Herr Henschel aus Braunschweig –
spätestens jetzt war die Bezeichnung „Unparteiischer“ falsch – schien zur
60-Jahr-Feier nach Köln eingeladen gewesen zu sein und verteilte hier sein
zweites Geschenk des Abends an den Ziegenverein. Tut mir leid, aber so etwas
kann man nicht falsch oder gar nicht sehen – das ist Vorsatz! Im Jenaer Angriff
merkte man doch, dass man mit einem Ein-Mann-Sturm agierte – und Simak, der
immer wieder mal als zweite Spitze in den aufrückte, konnte sich die Pässe trotz
einer ganz starken Leistung ja schließlich nicht selbst vorlegen. Aber vor der
Pause erreichte eines dieser Anspiele den rechts in den Kölner Strafraum
laufenden Schied, der aber mit seinem Schuss aus spitzem Winkel keinen Erfolg
hatte.
Unmittelbar nach Wiederanpfiff gab es das nächste
Geburtstagsgeschenk an die Kölner. Maul trennte per Tackling an der rechten
Seitenlinie den Ball vom Kölner Spieler und während auf der Tribüne
Diskussionen über den Freistoßpfiff an sich aufbrandeten, zeigte der Schiedsrichter
Alex Maul… „Rot“!!! Was ging denn hier ab! Ich war einfach sprachlos! Wut,
Entsetzen, Fassungslosigkeit – die Gesichter meiner Platznachbarn spiegelten
vieles wieder, aber nicht einmal ansatzweise gab es Verständnis für diese
Entscheidung. Wenn sich bis dahin vielleicht bei einigen oder vielen auf dem Rasen
und den Rängen innerlich Resignation breitmachen wollte, mit diesem
Platzverweis hatte der Schiedsrichter alle, die sich dem FCC verbunden fühlen,
aufgerüttelt. Die Stimmung auf den Rängen brodelte, die Mannschaft drehte auf
und das Spiel kippte optisch zu Gunsten des FCC. Und Mondragon
tauchte in der 55. min blitzschnell ins lange Eck, um Schieds
Schuss den Weg ins Netz zu verwehren. Fünf Umdrehungen des Sekundenzeigers
später: Simaks Freistoß hoch in den Strafraum neben das lange Toreck, Kopfball
von Kühne quer und Müller machte den Ausgleich. Jaaaaaa!
Der Vulkan EAS schien zu explodieren! Und der FCC machte weiter, drückte auf
das wichtige drei Punkte bedeutende 2:1 und hatte eine gute Chance, als
Schied gegen den herausstürzenden
Mondragon leider einen Schritt zu spät kam. Und die Kölner
schienen völlig überrascht zu sein, dass diese Jenaer Mannschaft trotz
Unterzahl, trotz permanenter Benachteiligung in der Zweikampfbeurteilung
(Werner wird in der 69. min gefoult und bekommt dafür „Gelb“ wegen „Schwalbe“!)
Das sah richtig gut aus. Und Köln leistete einen weiteren Beitrag zur
Unbeliebtheit, als man den Ball trotz eines am Boden liegenden Werner nicht
sportlich-fair ins Seitenaus spielte, sondern ungerührt einen Angriff
initiierte. Chihi köpfte aber freistehend vorbei.
Und
dann lief es wie so oft in dieser Saison: Jena machte (in Unterzahl) das Spiel,
der Gegner einen vernünftige Spielzug, dazu ein Abwehrfehler (einem Jenaer
rutschte die Flanke unterm Fuß durch) und wir lagen wieder hinten. Novakovic knallte
den Ball aus 22 m Entfernung ins untere Toreck und Khamutouski war chancenlos.
Dieser Gegentreffer war der moralische Genickbruck für unser Team, es lief
nicht mehr viel, die fehlende Kräfte (bis dahin durch überdurchschnittlichen
Kampfgeist wettgemacht) und es war eigentlich der Dummheit der Kölner
geschuldet, dass das 1:3 erst tief in der Nachspielzeit fiel.
Interessant war noch die Pressekonferenz: Bürger fasste sich
sehr kurz (ein passendes Statement wäre sicher zu teuer geworden), Daum
palaverte minutenlang Nichtssagendes und Rainer Zipfel sagte – mit sehr
gesetzten Worten – was er von der Schiedsrichterleistung heute und in den
letzten Wochen hielt. Bravo! Sollte die Aussage des FCC-Präsidenten
irgendwelche finanziellen Sanktionen seitens des DFB nach sich ziehen,
beteilige ich mich an einer Sammlung beim nächsten Heimspiel. <uk>
FC St. Pauli - FC Carl Zeiss Jena 2:2
Tore: 1:0 Takyi (13.,FE), 1:1 Ziegner (54.), 1:2 Simak (68.,FE), 2:2 Bruns (88.)
- St.Pauli: Borger; Rothenbach, Morena, Eger, Gunesch; Takyi, Boll, Meggle,
Schultz (46.Sako); Schnitzler (65.Braun), Kuru
- Jena: Khamutouski; Maul, Müller, Stegmayer; Amrhein, Kühne, Ziegner, Werner; Simak (83.Kandelaki);
Torghelle (
, 17.), Schied (87. Petersen)
- Zuschauer: 20.217
- Schiedsrichter: Winkmann (Kerken)
- Spielbericht:
- (von Gastkommentator Thomas Neumann)
13 Punkte, Platz 17, Spieltag 19 - das ist die wenig schmeichelhafte Zwischenbilanz vor dem Auswärtskick in Hamburg. Ich neige nicht
zu übermäßigen Optimismus oder Pessimismus im Bezug auf meinen FCC, aber realistisch betrachtet sollte man die Möglichkeit
des Abstieges mittlerweile wohl in die Prognosen für das Saisonergebnis mit einbeziehen.
Was solls - hilft ja nix. Auswärts läuft es diese Saison ja eh besser als zu Hause und so startet die dreiköpfige Niedersachsen -
Fraktion am Freitagmittag von Hannover nach Hamburg. Auf der A7 bis Hamburg gibt's jede Menge Thüringer Kennzeichen zu begucken und auch
der "Vor dem Spiel" - Bummel durch den Kiez bietet jede Menge blau - gelb - weiße Fanutensilien fürs Auge. Der guten Ordnung halber
sei natürlich noch erwähnt, dass das Ganze nach eigenem Erleben total "stressfrei" abläuft und nette Gesten und Wünsche der
Einheimischen keineswegs die Ausnahme sind.
In einer Ecke der Nordtribüne ist seit Neuestem der Gästeblock auf St. Pauli untergebracht, der von den anwesenden ca. 1500 FCClern
gut gefüllt wird. Das die Hafenhamburger nun extra für das Gastspiel des Europapokalfinalisten von 1981 eine zusätzliche
Stahlrohrtribüne auf der Nordseite ihres Stadions errichtet haben, erscheint auf den ersten Blick zwar übertrieben, ist aber
angesichts des Gegners nun nicht gar so abwegig.
Der sportliche Teil des Abends beginnt mit einer Jenaer Großchance als Jan Simak sich in der 4. Minute schön auf der rechten
Seite durchsetzen kann, jedoch lieber in der Mitte Thorgelle bedient, statt selber direkt abzuschließen. Während der Gästeblock
noch dieser Chance nachtrauert, spielt sich am anderen Ende des Stadions bereits Teil 1 der mysteriösen Schiedsrichterentscheidungen des
Abends ab. Fakt ist, ich habe aus ca,. 100 m Entfernung in einem Gestocher im Strafraums kein Handspiel - ein Dank an den Stadionsprecher der
den Grund für den Elfmeter mitmeldete - gesehen. Ohne mein Einverständnis verwandelt Takyi trotzdem sicher zum 1:0 in der 13. Minute.
Wenig später (18. Min.) scheint das Spiel schon endgültig gelaufen, als Sandor Torghelle wegen einer Tätlichkeit mit Rot vom
Platz fliegt. Ich habe unter den reichlich bescheidenen Sichtverhältnissen des Gästeblockes, dieses Nachtreten von ihm mit dem
Fuß relativ klar gesehen - der Schiri wohl auch - und bin gespannt, ob dies nicht schon bereits der letzte Pflichtspielauftritt
unseres "Gulaschbombers" war, der ja auch im Pokal gesperrt ist. Der Rest der ersten Halbzeit besteht aus ziemlich laschen Mittelfeldgekicke
und -geschiebe der St. Paulianer, daß die Jenaer bis auf einen Simak - Schuss ans Außennetz (34.) nicht bestrafen können.
Die Kabinenaufenthalt in der Halbzeitpause für die, diesmal blauen Helden, ist kürzer als normal, als sie nach der "gefühlten"
Hälfte der Spielunterbrechung bereits wieder auf dem Platz stehen. Dem Neutrainer Henning Bürger sei an dieser Stelle geweissagt,
dass solche "Nummern" zwar nicht schlecht sind aber auch nur gefühlte zweimal ziehen, bevor sie ihre Wirkung verfehlen. Aber diesmal
scheint es definitiv noch zu wirken. In der 54. Minute setzt sich Ziegner durch und kann im zweiten Versuch den St. Pauli-Keeper Borger
überwinden. Hätte man mich jetzt gefragt ob ich mit dem Unentschieden zufrieden gewesen wäre, hätte ich sofort abpfeiffen
lassen. Mehr ist doch in Unterzahl echt nicht drin…
Für den "Auswärts - FCC" in dieser Saison ist dies aber das natürliche Signal auch in Unterzahl die Siegchancen zu suchen.
Und als Patrik Amrhein kurze Zeit später nach schönem Solo freistehend vor dem Tor nur an den Pfosten schiebt, wagt der gemeine
FCC - Fan im Gästeblock endlich vom "Auswärtssieg" zu träumen und singen. Was in der 68. Minute zum Elfmeter für Jena führt
kann ich nicht nachvollziehen, da die Aktion schon wieder am anderen Ende des Stadions stattfindet, aber wenn der erste Elfer berechtigt gewesen
sein soll, wird es dieser wohl auch. Wenigstens in den Augen des Schiedsrichters.
Das es am Ende doch nicht zum Auswärtsdreier reicht, ach herrjee, wem will ich das denn vorwerfen? Die Mannschaft hat auch in der Schlussphase
alles geboten, was sie konnte. Der Ausgleich in der 88. Minute ist natürlich der "Hammer" ins Genick des eh schon taumelnden Boxers. Andererseits
muss den Jungs doch endlich mal jemand ins Gehirn prügeln, dass sie auch zu Hause so auftreten müssen, dann besteht vielleicht noch Hoffnung
auch mit einem Unentschieden auf St. Pauli leben zu können.
FC Carl Zeiss Jena - Alemannia Aachen 2:3
Tore: 1:0 Werner (17.), 1:1 Reghecampf (29.), 2:1 Schied (66.), 2:2 Lehmann, 2:3 Krontires (81.)
- Jena: Khamutouski; Günther, Maul, Omodiagbe, Stegmayer;
Amrhein (75.Saka), Müller, Simak, Werner; Petersen (64.Torghelle),
Schied
- Aachen: Straub; Polenz, Klitzpera, Herzig, Leiwakabessy;
Reghecampf, Lehmann (90.Olajengbesi), Lagerblom, Krontiris (90.Brinkmann);
Ebbers (58.Mosquera), Kolev
- Zuschauer: 6513
- Schiedsrichter: Gräfe (Berlin)
- Spielbericht:
- Die fußballfreie Zeit war endlich zu Ende und auch für Jena sollte nun der Ball in der 2. Bundesliga wieder rollen. Die guten
Ergebnisse in der Vorbereitung ließen bei jedem Zeiss-Fan Hoffnung aufkommen, welche in einem grandiosen Sieg im DFB-Pokal gegen die
Arminia aus Bielefeld gekrönt wurde. Diesen Schwung und Optimismus wollte man unbedingt in die heutige Partie mitnehmen, um gleich im
ersten Spiel der Rückrunde gegen die Gäste aus Aachen die Aufholjagd starten zu können und den ersten wichtigen Dreier einzufahren.
Die Jenaer begannen auch gleich wie die Feuerwehr und bereits nach 20 Sekunden sah Herzig die erste gelbe Karte im Spiel, da er den aufs
Tor stürmende Schied nur durch Foulspiel bremsen konnte. Gut eine Minuten später fast schon das 1:0 für die Platzherren,
doch ein gefährlich abgefälschter Freistoss mit anschließendem Torschuss von Schied wurde wegen Abseitsposition abgepfiffen.
Aber leider war es das erst einmal mit den Jenaer Angriffbemühungen, denn die Aachener stellten sich im besser auf das Jenaer Spiel ein
und setzten frühzeitiger nach. Dadurch verflachte die Partie zunehmend und beide Teams neutralisierten sich weitgehend im Mittelfeld,
ohne sich dabei nennenswerte Chancen zu erspielen. So dauerte es bis zur 17. Minute, als der Jenaer Anhang zum ersten Mal jubeln durfte.
Ein von Simak getretener Eckball wurde zunächst per Kopf geklärt, Amrhein nahm den abprallenden auf, schoss erneut auf das Tor
und in der Mitte stand Werner goldrichtig und fälschte per Kopfball zur 1:0 Führung ab. Doch leider konnten die Jenaer dieses
Stimmungshoch nicht weiter nutzen, denn sie führten erst zum zweiten Mal in dieser Saison auf eigenem Platz, sondern sie ließen
die Aachener wieder ins Spiel kommen. Nach gut einer halben Stunde nutzten diese ihre erste gute Möglichkeit eiskalt und Reghecampf
traf mit einem herrlichen Kopfball aus 11m zum Ausgleich. Kurz vor der Pause sogar noch fast die Führung für die Gäste, doch
Jenas neuer Keeper Khamutouski konnte den Schuss von Krontiris gerade noch parieren.
Die Aachen kamen zielstrebiger aus der Kabine und hatten bereits in der 51. Minute erneut eine dicke Möglichkeit zur Führung, aber
Ebbers konnte in bester Position mit seinem Kopfball aus Nahdistanz den Jenaer Schlussmann nicht überwinden. Nun zogen die Gäste ihr
Spiel auf und beherrschten das Mittelfeld mühelos. Die Jenaer wirkten dagegen zunehmend verunsichert und versuchten es mit langen Bällen
nach vorn, die aber allesamt keinen Abnehmer fanden. Trainer Henning Bürger brachte Torghelle ins Spiel und erhoffte sich noch einmal einen
Schub nach vorn. Und es dauerte auch nur wenige Augenblicke und da hatte sich die Einwechslung bereits ausgezahlt. Simak hatte erneut einen Eckball
getreten, den Torghelle per Kopf genau vor das Tor verlängerte, wo Marcel Schied goldrichtig stand und den Ball aus wenigen Zentimetern nur
über die Linie drücken musste. Hoffnung auf den wichtigen Dreier keimte wieder auf, aber leider konnten die Jenaer auch in dieser Phase
den Schub nicht nutzen. Nur fünf Minuten später musste Khamutouski, der mit Abstand beste Spieler des FCC an diesem Tage, Kopf und
Kragen riskieren, um den erneuten Ausgleich zu verhindern. Aber zwei Minuten später war auch er machtlos, als Lehmann aus wenigen Metern
mit einem schönen Schuss zum Ausgleich traf. Die Thüringen wirkten in ihren Aktionen immer konfuser und man mochte gar nicht glauben,
dass fast genau dieses Team nur wenige Tage zuvor die Arminen aus Bielefeld in einer packenden Partie aus dem DFB-Pokal geworfen hatten. Als
wenn die zwei Gegentore nach zweimaliger Führung nicht schon schlimm genug wären - es sollte heute noch dicker kommen. Lehmann hatte
sich in der 82. Minute im Mittelkreis das Leder geschnappt und konnte ungehindert bis kurz vor den Strafraum spazieren, wo er Krontiris mit
einem Pass genau in den Lauf bediente, der sich diese Chance nicht entgehen ließ und zur Gästeführung einschoss. Der FCC
versuchte in der Folgezeit noch einmal alles und wurde eine Minute vor Ultimo auch fast noch belohnt, doch zum Pech der Saalestädter
krachte einer herrlicher Schuss von Simak nur an das Lattenkreuz.
Wenig später war die Partie zu Ende und erneut konnte der FCC nach einem packenden und auch erfolgreichen DFB-Pokalsieg den Schwung und die
Euphorie nicht ins anschließende Punktspiel hinüberretten, um endlich auch hier einen wichtigen Sieg erringen zu können.<vg>
FC Carl Zeiss Jena - FC Augsburg 1:2
Tore: 0:1 da Costa (25.), 0:2 Ledezma (38.), 1:2 Petersen (79.)
- Jena: Kraus; Stegmayer, Omodiagbe, Maul, Oniani; Werner, Müller (46. Kühne), Simak, Charalambides; Helbig (65. Fröhlich), Torghelle (76. Petersen)
- Augsburg: Neuhaus; Wenzel, Benschneider, Hertzsch, Möhrle;
Müller, Hdiouad, da Costa, Kern; Diabang (90.Hlinka), Ledezma (74.Luz),
- Zuschauer: 8453
- Schiedsrichter: Lupp (Zossen)
- Spielbericht:
- Nach den Siegen in den letzten beiden Partien war es heute für die Kicker des FC Carl Zeiss Jena immens wichtig, auch das letzte Heimspiel der
Hin-Serie positiv zu gestalten und mit einem Sieg gegen den FC Augsburg das Kalenderjahr noch ein wenig freundlicher zu beenden.
Die Platzherren hatten sich auch wirklich viel vorgenommen, denn sie begannen gleich elanvoll und drückten die Bayern in deren Hälfte. Nach acht
Minuten die erste gute Chance für die Jenaer, doch Helbig bekam freistehend den Ball im Strafraum nicht richtig unter Kontrolle und er landete beim Tormann.
Sekunden später erneut eine gute Möglichkeit durch einen Freistoß von Simak, aber Maul berührte noch den Ball und fälschte ihn so ab,
dass er über das Tor abgelenkt wurde. Erneut Simak war es, der für eine weitere gute Aktion (19.) der Jenaer sorgte. Auf der linken Seite düpierte
er erst einen Gegenspieler mit einer Körperfinte, stürmte weiter und drang in den Strafraum ein. Den zweiten Abwehrspieler umkurvte er und spielte
anschließend noch Doppelpass mit Charalambidis, doch als er aufs Tor schießen wollte, stand erneut ein Augsburger vor seiner Nase, so dass diese
geniale Einzelaktion ohne Krönung blieb. Es lief bereits die 25.Minute und von den Gästen war noch nichts zu sehen gewesen. Aber das sollte sich
leider schnell ändern. Zunächst scheiterte da Costa mit seinem Freistoß aus gut 22m an Kraus. Doch beim anschließenden Eckball stand
er völlig frei und konnte so ungehindert die Führung für die Augsburger erzielen. Die Jenaer steckten nicht auf und nach 34 Minuten prüfte
Werner mit einem schönen Schuss Gästekeeper Neuhaus, der zur Ecke klären konnte. Ein langer Ball der Gäste wurde per Kopfball noch einmal
verlängert, so dass Ledezma das Leder genau in den Lauf gespielt bekam. Das 1:1-Duell gegen Maul entschied er für sich, zog aus halbrechter Position
ab und der Ball landete im langen Toreck und es stand nach 38 Minuten 0:2 aus Jenaer Sicht. Da hatten sich die Jenaer Spieler für das heutige Spiel so
viel vorgenommen, spielten phasenweise mal wieder richtig schönen Fußball und die Augsburger, von denen kaum etwas zu sehen war, führten
mit 2:0. Unglaublich. Kurz vor der Pause noch einmal ein gefährlicher Freistoß des FCC in den Strafraum, aber ein Abwehrspieler konnte per Kopf
zu Ecke klären.
Nach der Pause begannen die Spieler des FCC ihre Aufholjagd und setzten die Augsburger unter Druck. Neuhaus im Tor der Gäste mit seiner einzigen
Unsicherheit am heutigen Tage, als er einen Schuss von Werner (49.) erst im zweiten Versuch festhalten konnte. Aber nun ging es Schlag auf Schlag und
die Jenaer drängten auf den Anschlusstreffer. Nach einem Eckball Getümmel im Augsburger Strafraum und der Ball kam zu Helbig, der sofort abzog,
aber an den Fingerspitzen von Neuhaus scheiterte, wie auch kurz darauf mit einem Schuss aus spitzem Winkel (53.). Dann war es Simak, der nach einem Konter
mit seinem Schuss aus 20m nur um Zentimeter das Tor verfehlte. Wenig später legte Torghelle auf Charalambis ab, dessen Schuss Neuhaus mit den
Fingerspitzen noch berührte, der Ball rollte Richtung Torlinie, doch ein Augsburger konnte den Ball gerade noch vor der Linie wegschlagen. In
der 76. Minute schickte Jenas Trainer Ivanauskas seinen Edeljoker Nils Peterson auf das Feld, der bereits in den letzten beiden Partien jeweils mit
seinem Tor zum Matchwinner der Spiele geworden war. Nur drei Minuten waren vergangen, da flankte Charalambidis hoch in den Strafraum, Peterson stieg
am höchsten und traf per Kopf zum 1:2. Großer Jubel auf den Rängen und nun dachte ein jeder, dass wenigsten ein Unentschieden am
heutigen Tag noch möglich sei. Aber es waren die Gäste, die näher am Torerfolg waren, denn Diabang stürmte in der 81.Minute allein
auf Torwart Kraus zu, wollte diesen umspielen und legte sich den Ball dabei zu weit vor, so dass ein Verteidiger gerade noch klären konnte. Die
Zeit lief den Platzherren davon und fast hätte Luz fünf Minuten vor Ultimo den Jenaern das endgültige K.O. versetzt, doch sein Ball
zischt um Haaresbreite am Pfosten vorbei. Die zwei Minuten Nachspiel liefen bereits, als Simak mit einem herrlichen Schuss das nun kaum noch geglaubte
Unentschieden erzielen wollte, aber der am heutigen Tage überragend haltende Torwart Neuhaus hatte etwas dagegen und konnte mit einer hervorragenden
Parade den Ball mit den Fingerspitzen noch über das Tor lenken. Wenig später pfiff Schieri Lupp die Partie ab und erneut eine Heimniederlage
stand zu Buche.
Kopfschütteln auf den Rängen. Da hatten die Kicker des FCC in den letzten Partien spielerisch völlig versagt und erkämpften sich
zwei Siege und ein Remis, und am heutigen Tage hatte man endlich mal wieder phasenweise richtig guten Fußball gespielt, war die gesamte
Partie überlegen und heraus gesprungen ist erneut eine ganz bittere Niederlage. Nun heißt es regenerieren und das letzte Spiel schnell
vergessen, damit im neuen Jahr die Aufholjagd fortgesetzt werden kann. <vg>
1. FC Kaiserslautern - FC Carl Zeiss Jena 2:3
Tore: 1:0 Jendrisek (19.), 2:0 Simpson (47.), 2:1 Torghelle (61.), 2:2 Omodiagbe (73.), 2:3 Petersen (80.)
- Kaiserslautern: Sippel; Bellinghausen, Schönheim (83. Opara), Beda, Müllerr; Denai, Broniszewski, Simpson, Reinert (67. Neubauer); Jendrisek, Runström (71. Ziemer)
- Jena: Kraus; Stegmayer, Omodiagbe, Maul, Oniani; Kandelaki (69. Petersen), Kühne (46. Müller), Ziegner (25. Simak), Charalambides; Werner, Torghelle
- Zuschauer: 24.517
- Schiedsrichter: Hartmann (Augsburg)
- Spielbericht:
- Fußball
ist ein seltsamer Sport. Da spielt der FC Carl Zeiss Jena über weite Strecken
der Hinrunde gerade auswärts tollen Fußball, ohne daraus auch Kapital in Form
von Punkten zu ziehen. Und dann liefert er drei wahrhaft schlechte Spiele in
Folge ab mit dem Resultat, daraus mehr Zähler zu holen als in den 13
vorangegangenen Begegnungen zusammen. Die Gemeinsamkeit der drei Spiele gegen
Osnabrück, Aue und nun Kaiserslautern bestand darin, dass sich all diese Gegner
nach Spielende vor Wut in den Allerwertesten beißen mussten darüber, einem
bereits klinisch toten FCC nicht mit etwas mehr Entschlossenheit den
endgültigen Knockout versetzt zu haben. Der Unterschied: Jenas erster
Auswärtssieg in Kaiserslautern war nicht ansatzweise verdient.
Valdas Ivanauskas behielt sein Bäumchen-wechsle-dich-Spiel in Sachen Aufstellung bei.
Der gegen Aue indisponierte Tapalovic stand nicht einmal im Kader und Helbig
fand sich neben dem angeschlagenen Simak auf der Bank wieder. Stattdessen
Oniani von Beginn an in der Viererkette, und vorn stürmten Torghelle und nach
seiner abgesessenen Gelbsperre auch wieder Tobias Werner Seite an Seite. Beide
waren es auch, die im Zusammenspiel die ersten Duftmarken setzten. Nach drei
Minuten nimmt Torghelle einen Zauberpass Werners auf, lässt sich aber von
Bellinghausen im Strafraum abdrängen und hofft zu Recht vergeblich auf einen
Elfmeterpfiff, eine Viertelstunde später segelt der Ungar nur haarscharf an
einer Werner-Freistoßhereingabe vorbei. Jena war das aktivere Team und die
Gastgeber schienen doch etwas überrascht davon, dass sich der Tabellenletzte
keineswegs nur hinten rein stellte, sondern das Spiel mehr und mehr an sich
riss. Riss ist das richtige Stichwort, denn das Bersten von Jenas Spielfaden
ließ sich selten so punktgenau datieren wie in diesem Spiel. 19. Minute, ein
schwacher Freistoß Torsten Ziegners gelangt zum Ausführenden zurück, dessen
kapitalen Stockfehler an der Mittellinie Josh Simpson – zuvor schon durch eine
nicht geahndete Tätlichkeit gegen Stegmayer auffällig – ausnutzt und gemeinsam
mit zwei Teamkameraden allein auf Daniel Kraus und Stegmayer zuläuft. Auch wenn
die Lauterer dies schlampig ausspielen, der Ball zappelt im Netz und Jenas Anhänger
erleben ihr ewiges Deja vu aus der Abteilung „Wie besorge ich es mir selbst“.
Was sich in den folgenden Minuten auf dem Rasen abspielte, lässt sich aus
Thüringer Sicht nur mit erbärmlich, hilflos, hoffnungslos umschreiben. Die
Zeiss-Elf geschockt, während die Betzebuben sich nun fast im Minutentakt Chance
um Chance erspielten. Oniani klärt gefährliche Freistoßflanke (21.), Kraus
pariert Jendrisek-Schuß (23.), Broniszewski knapp neben das Tor (24.),
Runströms Heber landet auf der Latte (25.), Maul klärt Jendrisek-Schuß für den
geschlagenen Kraus auf der Linie (30.), Kraus rettet todesmutig gegen den
heranstürmenden Runström (35.), Lautern drückte und Jena schwamm, frei von
jeglicher Ordnung, frei von jeglichem Selbstbewusstsein. Dass mitten in diese
Phase die Herausnahme des Kapitäns fiel, ist zwar eine bemerkenswerte
Personalie, Einfluß auf das Geschehen auf dem Platz hatte sie nicht, denn auch
Jan Simak fügte sich nahtlos in die desaströse Vorstellung der Jenaer Elf ein.
Und just als man sich noch sagte, dass der Spielstand zur herannahenden
Halbzeitpause noch das Beste der ersten 45 Minuten sei, hatte auch dieser
keinen Bestand mehr. Hauptprotagonist diesmal Daniel Kraus, der erst einen fast
gefangenen Eckball wieder prallen ließ und bei der anschließenden Flanke
danebengriff, so dass sich Josh Simpson mit dem 2:0 bedankte und für
Endzeitstimmung bei 2.000 Jenensern im Gästeblock sorgte.
Die löste sich auch nicht mit Wiederanpfiff, als die Hereinnahme Robert Müllers für
den noch zu den Besseren gehörenden Stefan Kühne wohl nur von den Wenigsten als
Startsignal zu Jenas Aufholjagd verstanden wurde. Und so setzte sich das
planlose Vorpausenspiel nahtlos fort, kapitale Abwehrschnitzer (Oniani, Maul)
ermöglichten Broniszewski und Jendrisek beste Einschußchancen zur
Resultatserhöhung, während der FC Carl Zeiss im Offensivspiel schlicht nicht
existent war. Ähnlich wie die Pfälzer also anfangs der ersten Halbzeit und so
wollte es das Schicksal, dass auch diesmal ein unfassbarer Bock des Gegners den
Weg zum Tor bereitet. Lauterns Innenverteidiger Mathieu Beda wird des nächtens
wohl von jener Szene in der 61. Spielminute träumen, als er plötzlich völlig
unmotiviert und in der irrigen Annahme, sein Torhüter käme ihm entgegen,
Torghelle das Leder herschenkt. Der Ungar schlägt die Einladung nicht aus,
schlenzt gekonnt über Keeper Sippel ins Netz und Jena ist zurück im Spiel, ohne
eigentlich zu wissen, warum. Vier Minuten später schien dann alles wieder in
gewohnte Bahnen zu laufen, als sich der von seinen Vorderleuten erneut im Stich
gelassene Kraus im Strafraum nur mit einem plumpen Foul an Sven Müller zu
helfen weiß, Elfmeter. Ob man auf diesen Elfer später als den Knackpunkt
unserer Saison zurückblicken wird? Kraus springt in die richtige Ecke, hält,
der Nachschuß landet am Pfosten, alles Glück dieser Welt scheint in diesem
Moment auf jenen wenigen Quadradmetern Rasen vereint zu sein. Und endlich
begreifen auch die Blau-gelb-weißen dies als Wachrüttler, zückt Ivanauskas mit
Nils Petersen seinen ultimativen Joker und nimmt dafür Ilja Kandelaki aus der
Begegnung, wobei der Gang des Georgiers vom Feld seine aufsehenerregendste
Szene nach 69 Minuten Alibifußball darstellte, sieht man einmal von einer Flut
an Fehlpässen ab. Werner rückte für Petersen nun ins linke Mittelfeld zurück
und prompt setzte man den Gastgebern zu, übte Druck aus, setzte Nadelstiche.
Und einer davon saß: Simaks Ecke wird zu kurz geklärt, Werners Knaller pariert
Sippel, aber gegen den erneuten Nachschuß Omodiagbes ist auch er machtlos. 2:2,
unfassbar. Unfassbar auch, dass Jena nun nachsetzte, Lautern spürbar wankte und
seinerseits völlig den Faden verlor. Werners Schußversuch konnten sie noch ins
Toraus abfälschen (76.), Simak verzog im Strafraum knapp (79.) und dennoch
hätte es im Gegenzug beinahe bei Daniel Kraus geklingelt, doch der
eingewechselte Ziemer agiert freistehend zu umständlich. Der erneute Gegenzug,
die Roten Teufel bekommen das Leder nicht aus der Gefahrenzone, Simak zu
Torghelle, Torghelle zu Simak, Simak mit einem Anflug von Genialität
millimetergenau auf Petersen und was ist das für ein Wahnsinnsjunge, den Ball
furztrocken volley ins entlegene Eck zu katapultieren? Das Spiel war gedreht
und Jenas Youngster hätte gar noch einen draufsetzen können, als er sich nach
86 Minuten in den Strafraum dribbelt, aber zu Torghelle zurücklegt, der aus fünf
Metern über den leeren Kasten zieht. Lautern riskierte nun alles, hohe
Verzweiflungsbälle in den Jenaer Strafraum wechselten sich mit
kreuzgefährlichen FCC-Kontern ab, mit denen ebenso fahrlässig umgegangen wurde,
wie der mehrfache Deutsche Meister das in Halbzeit eins vorgemacht hatte. Dass
sich dies nicht noch rächte, verdankte man Lauterns Jendrisek, dessen Kopfball
in der 92. Minute knapp das Ziel verfehlte.
Dann war Schluß, fassungsloser
Jubel im Gästeblock, binnen 30 verrückten Minuten war aus „Wir woll’n euch
kämpfen seh’n“ ein „Wir woll’n die Mannschaft seh’n“ geworden, aus „Wir ham’
die Schnauze voll“ ein „Oh wie ist das schön“. Und nachdem der Puls erst einmal
etwas herunter gefahren war, da war sie wieder, die Parallele zu den beiden
vorangegangenen Spielen, jene brennende Frage: Abgesehen von der Freude über
die in den Schlussminuten eingefahrenen Punkte, von der Hoffnung auf einen
psychologischen Schub für’s nächste Match: Was soll einem aus der gebotenen
Leistung heraus Hoffnung für den Klassenerhalt geben? Sicherlich nicht viel,
doch wenn dieser glückliche Auswärtssieg eines war, dann Balsam auf die Wunde
der so vielen unnötig verschenkten Punkte im Verlaufe der letzten vier Monate.
Fußballfans sind die größten Philosophen, und wer wollte meinem Bruder
widersprechen in seinem Fazit: „Wir ham’s zwar nicht verdient, aber das ham’wer
uns mal verdient“. Auf die Hoffnung! <gunner>
FC Carl Zeiss Jena - FC Erzgebirge Aue 2:1
Tore: 0:1 Emmerich (8./FE), 1:1 Petersen (74.), 2:1 Simak (89./FE)
- Jena: Kraus; Stegmayer, Omodiagbe, Oniani, Tapalovic (41. Maul);
Kandelaki, Kühne, Ziegner (57. Torghelle), Simak, Charalmabides;
Helbig (72. Petersen)
- Aue: Keller; Trehkopf, Kos, Loose, Sträßer; Liebers,
Emmerich (76. Kurth), Curri (80. Geißler), Feldhahn; Sykora, Klinka
(76. Kaufman)
- Zuschauer: 9587
- Schiedsrichter: Gagelmann (Bremen)
- Spielbericht:
- Die ersten Überraschungen gab es beim Blick in die
Aufstellung. Ziegner verblieb trotz Simaks Rückkehr in der Startelf. Maul ein
weiteres Mal draußen. Doch die meisten Fragezeichen ergaben sich mit Blick auf
den Einmannsturm. Angesichts der Tabellensituation in einem Heimspiel nur mit
Helbig zu beginnen und Jenas besten Schützen Torghelle draußen zu lassen,
weckte jede Menge Unverständnis. Sollte der Ungar für seine übermotivierte
Spielweise in Osnabrück nachträglich noch bestraft werden ? Ist Motivation in
unserer Situation nicht wertvoll genug, um zu versuchen, sie in geordnete
Bahnen zu lenken ?
Das Ostderby gegen Erzgebirge Aue war nüchtern betrachtet
schon fast die letzte Gelegenheit, sich die Hoffnungen auf den Klassenerhalt
bewahren zu können. Deshalb wirkte der erneute frühzeitige Rückstand wie ein
Schlag in die Magengrube. Tapalovics Foul im Strafraum war nichts Grobes. Eines
von der Sorte, wo im Mittelfeld kurz Freistoß gepfiffen wird und das Spiel
gleich weiterläuft. Aber es passierte nun mal nicht im Mittelfeld, sondern im
eigenen Sechzehner und somit geht der Elfmeterpfiff in Ordnung. Emmerich
verwandelte sicher. In den diesjährigen Meisterschaftsspielen war es Jena noch
nicht gelungen, ein 0:1 in einen Sieg umzuwandeln. Und so ängstlich, wie es in
der Folgezeit zu Werke ging, schien daraus auch diesmal nichts zu werden.
Symptomatisch für die allgemeine Verunsicherung war die Szene, in der Oniani
unbedrängt den Ball am eigenen Keeper vorbei ins Toraus schob. Am meisten in
Erscheinung trat anfangs das promblemlos amtierende Schiedsrichter-Gespann, das in regelmäßigen
Abständen von acht Minuten seinen Auftritt hatte: Strafstoßpfiff in der 8.
Minute, Gelbe Garte für Stegmayer in der 16., Abseitsfahne beim Kopfballtor
Sykoras in der 24. Erst in Minute 25 ergab sich mal eine Tormöglichkeit für die
Thüringer, welche Ilia Kandelaki jedoch kläglich vergab: Drei Meter vor dem Tor
stehend köpfte er einen Flankenball um zehn Meter am Kasten vorbei ! Schlimmer
noch: Es sollte die einzige echte Chance in Halbzeit eins bleiben für den FC
Carl Zeiss, auch weil sich Alleinunterhalter Helbig zumeist von mehreren
Gegenspielern umringt sah und wie befürchtet damit auf verlorenem Posten
stand. Während Charalambides auf seiner lila-verwaisten Seite ein ums andere
Mal vergeblich auf sich aufmerksam zu machen versuchte, sorgte ein simpler
Fehler Kandelakis in der Ballannahme auf der anderen Seite für erste
Unmutsäußerungen von den Rängen. Fünf Minuten vor der Pause unterlief
Elfmetersünder Tapalovic ein Ballverlust, den Sykora nicht zu nutzen wusste,
jedoch Valdas Ivanauskas auf die Palme brachte. Noch vor dem Seitenwechsel nahm
er Tapalovic vom Feld, um dafür Alexander Maul ins Abwehrzentrum zu beordern.
Dieser berichtete hinterher, dass die Spieler in der Kabine
einiges zu hören bekommen und sich danach gesagt hätten: „Das Match drehen wir
heute“. Ganz ehrlich, lieber Alexander, lange Zeit sah euer Spiel in der
zweiten Hälfte kein bisschen besser aus als in der Ersten. So war in Minute 67
nicht nur aus dem Ball die Luft heraus, sondern anscheinend auch aus dem Spiel.
Das Schlimme an der Situation war, dass die auswärtsschwachen Auer keinen Deut
stärker spielten, aber scheinbar sicher in Führung lagen. Weil in diesem Spiel eben
einfach nichts passierte. Doch siehe da, mit neuem Spielgerät und zwei frischen
Stürmern kam die Wende. Nils Petersen war gerade zwei Minuten im Spiel, als er
eine Rechtsflanke von Charalambides erwischte und zum Ausgleich in die Maschen köpfte. „Ich habe
den Ball fliegen sehen und gedacht, da musst du hin“, schilderte der Youngster
das 1:1 aus seiner Sicht. Nun ging noch mal ein Ruck durch die Mannschaft, das
Spiel wurde schneller, doch auch die Zeit rannte davon. Kühnes Schuss landete
in Kellers Armen (81.). Doch mit dem Schuss von Maul hatte der
Auer Torwart größere Problem, musste das Leder prallen lassen. Torghelle wollte
abstauben und wurde durch Kos gefoult – Elfmeter ! In der vorletzten Spielminute ! Jan
Simak hielt dem immensen Druck stand, indem er scharf oben links verwandelte.
Petersen hatte den Ausgleich erzielt, Maul den vorentscheidenden Schuss abgegeben,
Torghelle den Elfmeter herausgeholt - mit seinen Einwechslungen lag Ivanauskas
immerhin wieder richtig. Der einzig wahre Held hieß dabei natürlich
Nils Petersen !
Eben noch auf dem Abstellgleis und nun das. Nach langer Pause wieder in die
Erste berufen, auf Anhieb einen Treffer erzielt,
zum Tor der Woche nominiert und in die U20-Nationalmannschaft berufen. Mehr
geht nicht in sieben Tagen. Ein Zeiss-Talent startet durch. Es wäre so wichtig,
würden sich seine Mannschaftskameraden davon anstecken lassen.
Denn eines muss klar sein: „Beide Halbzeiten zusammen
betrachtet war das nicht ausreichend für die zweite Liga“. Dieses Urteil hat
der Auer Spieler Marco Kurth über die Leistung seines Teams gefällt. Es gilt
wortwörtlich aber auch für die 90 Minuten des siegreichen FCC. <fc>
Bilder auf fcc.weissenburger.de
Spielbericht auf fc-erzgebirge.de
VfL Osnabrück - FC Carl Zeiss Jena 1:1
Tore: 1:0 Cichon (20., FE), 1:1 Werner (90.+2)
- Osnabrück: Gößling; Schäfer, Ndjeng,
Cichon, Thomik; Aziz (68. Nouri), Grieneisen (85. Manno), Heidrich, Schuon;
Hennings (89. Ehlers), Reichenberger
- Jena: Kraus; Stegmayer, Omodiagbe, Oniani, Günther
(

, 19.);
Kandelaki (85. Helbig), Kühne, Ziegner, Holzner (46. Charalambides);
Werner, Torghelle (37. Tapalovic)
- Zuschauer: 12.000
- Schiedsrichter: Kinhöfer (Herne)
- Spielbericht:
- (von Gastkommentator Thomas Neumann)
Das Osnabrücker Stadion an
der Bremer Brücke war Spielstätte des siebenten Auswärtsauftritts des FCC in
der Saison 2007/2008 und ich war wohl nicht der einzige Besucher, der die Parallelen
zum Spiel vor zwei Jahren sah. Nach einer Heimniederlage und eigentlich doch
recht ansprechenden Auswärtsauftritten in der Saison durfte man eigentlich
hoffen in Osnabrück zu punkten. Ähnlich
wie vor zwei Jahren, als der etatmäßige Spielmacher in der Regionalliga,
Torsten Ziegner, in Osnabrück fehlte, fiel diesmal Jan Simak aufgrund der 5. Gelben
Karte aus. Und das genau jener Torsten Ziegner nun diesmal den fehlenden Jan
Simak vertreten sollte, gab dem ganzen so eine besondere Note.
Aber um auch das nicht zu
vergessen, es gab auch einen Riesenunterschied zum Vergleich vor zwei Jahren:
Der FCC reiste dazumal als Tabellensiebenter zum VfL nach Osnabrück. Diesmal
kamen wir als Tabellenletzter nach Westniedersachsen und dementsprechend
pendelten die Ergebnistipps der Heimfans auf dem Weg vom Parkplatz zum Stadion
so zwischen einem 3:0 und einem 5:0 für ihre in der letzten Zeit extrem
heimstarken Lila-Weißen.
Die Mannschaft des FCC hatte
sich vor dem Spiel in einem viertägigen Trainingslager in Bad Blankenburg noch
einmal auf dieses Spiel eingeschworen und Jenas Cheftrainer Valdas Ivanauskas
wartete mit einigen Veränderungen in der Mannschaftsaufstellung auf. Neben
Torsten Ziegner in der Startformation, kamen auch Felix Holzner im rechten
Mittelfeld und Ilia Kandelaki im linken Mittelfeld zum Einsatz. Außerdem
spielten Omodiagbe und Oniani in der Innenverteidigung, Sven Günther mal wieder
hinten rechts und Michael Stegmayer hinten links, sowie Stefan Kühne als
Staubsauger vor der Abwehr. Und nachdem mit Sandor Torghelle und Tobias Werner
auch vorne mal wieder mit zwei Spitzen angefangen wurde, kann man Jenas Trainer
Valdas Ivanauskas wohl eher nicht vorwerfen, nicht mal etwas Neues
auszuprobieren.
Das Spiel begann für die
Jenaer eigentlich ganz ansprechend. Die Mannschaft kann das Spiel auch in des
Gegners Hälfte verlagern und von einer Anfangsoffensive der Heimmannschaft ist
wenig zu sehen. Felix Holzner zielt bei einer Schusschance in der 3. Minute aus
ca. 20 Metern nur knapp über das Tor. Nach und nach gewinnen die Osnabrücker
aber die Oberhand und als der FCC nach einer guten Viertelstunde einen Einwurf
in der eigenen Hälfte auf Links zugesprochen bekommt, nimmt das Unglück an Fehlern
mal wieder seinen Lauf. Man wirft den Ball nicht zurück zum eigenen Torwart,
wenn die gegnerische Mannschaft so aufgerückt ist. Man fängt als Torwart nicht
an, im eigenen Strafraum den Gegner auszuspielen. Und man reißt den Gegner im
Strafraum auch nicht um (wobei ich zugebe die Szene nicht genau gesehen zu
haben). Das Ergebnis dieser Fehler: Strafstoss für Osnabrück und eine rote
Karte für Sven Günther! Den Elfmeter verwandelt Thomas Cichon (20.) souverän
ins linke Eck und im mit ca. 400 bis 500 FCC – Fans gefüllten Gästeblock
beginnt sich sofort Defätismus breit zu machen.
Was sich in den nächsten 40
Minuten auf dem Platz abspielt, ist im Grunde genommen nebensächlich, weil
unerheblich. Die Osnabrücker können ihre Vorteile nicht wirklich nutzen und
beweisen auch nicht wirklich warum sie so viel mehr Punkte auf dem Konto haben
als der FCC. Der FCC vertut sich in Harmlosigkeiten und schwächt sich am Ende
selbst, als Oniani in einem Luftzweikampf Holzner (41.) ausschaltet.
Erst am Ende kommt der
Tabellenletzte wieder zu ansprechenden Szenen, die jedoch harmlos vergeben
werden.
Tja, und wenn es denn noch
mal eines Vergleiches mit jenem Treffen vor zwei Jahren bedarf, dann war es
eben jenes Ausgleichstor in der 90+x Minute durch einen Kopfball von Tobias
Werner. Danach war dann auch aber auch zum Glück schnell Schluss.
Ich spare mir lieber jede
Prognose zu Chancen und Möglichkeiten zum Klassenerhalt. Möglich ist vieles,
machbar auch. Die recht verhaltenen Gesten der Mannschaft nach dem Schlusspfiff
am Zaun vor dem Gästeblock sprechen aber Bände. Realistisch betrachtet haben
wir aber nur wieder einen Spieltag gegen einen Konkurrenten vergeben.
FC Carl Zeiss Jena - TSG 1899 Hoffenheim 0:1
Tore: 0:1 Obasi (72.)
- Jena: Kraus; Stegmayer, Omodiagbe, Maul, Oniani; Hansen (46.
Zimmermann), Müller, Simak, Charalambides (74. Helbig); Torghelle,
Werner
- Hoffenheim: D. Haas; Gustavo, Löw, Nilsson, Seitz; Eduardo
(68. Ibisevic), Vorsah, Copado, Salihovic (85. S. Haas); Paljic (62. Ba),
Obasi
- Zuschauer: 6895
- Schiedsrichter: Fischer (Hemer)
- Spielbericht:
- Vor Wochen sorgte der Streit zwischen Mainz 05 und
Hoffenheim 1899 für Diskussionen. „Bayern München erwirtschaftet sein Geld. In
Hoffenheim ist es nur ein Sponsor. Schade, dass so eine Mannschaft einen der 36
Plätze im Profifußball wegnimmt“, hatte sich der Mainzer Manager Christian
Heidel negativ über die Hoffenheimer geäußert. Dass diese verärgert darauf
reagierten, ist nachvollziehbar. Den Beweis, dass in diesem Verein mehr
Substanz steckt als ein starker Sponsor, der sich fähige Spieler an Land zieht,
bleibt die TSG aber bis zum heutigen Tag schuldig. Wenn beispielsweise von
Herrn Hopp die Auswärtsbusfahrt komplett bezahlt wird und sich dennoch gerade
mal 54 Fans auf den Weg machen, eine zuletzt sehr erfolgreiche Mannschaft
auswärts zu unterstützen, wird das keinen höheren Ansprüchen gerecht.
Die Schützlinge von Ralf Rangnick begannen offensiv, mit
gutem Passspiel. Dreimal musste Daniel Kraus bereits in den ersten zwanzig
Minuten zeigen, dass die Zeit der „Flattermänner“ im Jenaer Gehäuse ein Ende hat.
Den Schuss von Paljic lenkte Kraus zur Ecke. Auf den tückischen Ball im
Anschluss an einen Freistoß hechtete er sich kurz vor der Torlinie. Und beim
direkten Freistoß von Salihovic ging er auf Nummer sicher, versuchte das nasse
Leder gar nicht erst zu fangen, sondern faustete es konsequent weg. Das Glück
des Tüchtigen kam Jenas Keeper in Minute 29 zu Hilfe, als im Anschluss an eine
gelungene Dreierkombination Salihovic nur die Lattenoberkante traf.
Kraus war
von Beginn an voll da, was von seinen Vorderleuten leider nicht behauptet
werden kann. Im Vergleich zu der couragierten ersten Hälfte in Mönchengladbach
waren sie kaum wieder zu erkennen, reagierten nur statt zu agieren. Ihr Trainer
hatte vor einer offensive Gästeelf gewarnt, den Überraschungseffekt kann also
niemand geltend machen. Fast sechzig Prozent verlorene Zweikämpfe in der ersten
halben Stunde sind ein unerklärlicher, so bislang nicht gekannter Beleg von
Schwäche, der sich naturgemäß aufs Spielgeschehen auswirkte. Keine Torszene aus
dem Spiel heraus war in Halbzeit eins zu verzeichnen und es dauerte bis zur 34.
Minute, bis Jena wenigstens mal aus einer Standartsituation heraus etwas zuwege
brachte. Simaks Freistoß musste Haas prallen lassen, beim anschließenden Kopfball
von Alexander Maul brandete schon Torjubel auf, doch der Torwart vermochte ihn
noch zur Ecke zu lenken. Klar wäre eine Führung zu diesem
Zeitpunkt ganz und gar unverdient gewesen – doch darum hat sich so mancher Gast
im Ernst-Abbe-Sportfeld bislang schließlich auch nicht geschert. Ein Solo noch
von Jan Simak, der zuvor für ein „Warum hast du das gepfiffen?“ seine 5. Gelbe
Karte gesehen hatte – dann war wieder
Hoffenheim am Drücker. Copado scheiterte zweimal innerhalb einer Minute an Kraus
(41.). Der Flachschuss von Obaris sauste am langen Pfosten vorbei (42.). Ecken,
Zweikämpfe, Chancenverhältnis, scheinbar auch in der Gunst des Schiris –
überall lagen die Gäste zur Pause vorn. Nur in Tore hatten sie diese
Überlegenheit nicht umgesetzt.
Mit Wiederanpfiff kam Zimmermann für Hansen, der sich nach
unserer Beobachtung bei einem Absatzkick ohne gegnerische Einwirkung verletzt
hatte. Am Spielverlauf änderte sich zunächst mal nichts. Bis zur 55. Minute. Da tauchte
nach Vorarbeit von Werner und Maul plötzlich Sandor Torghelle am
Gäste-Strafraum auf, seinen scharfen und eigentlich gut platzierten Schuss
erwischte Haas aber reaktionsschnell mit der Hand. Diese Aktion wirkte wie eine
Initialzündung. Jetzt endlich wurde die berühmte letzte
Konsequenz in den Jenaer Handlungen
deutlich. Die nächsten Hochkaräter ließ nicht lange auf sich warten. Werners
Schrägschuss fing Haas. Dann, nur zwei Minuten nach seiner ersten vergebenen
Möglichkeit erwischte Torghelle im Mittelfeld einen Abschlag des Torhüters, sprintete
mit Ball am Fuß auf den Keeper zu und – scheiterte erneut. Kein Vorwurf beim
ersten Ding, aber DEN hätte er machen müssen ! Der Ungar, mit seinem
Pokaltreffer gerade erst in der Wahl zum Torschützen des Monats gewesen, sollte
sogar noch eine dritte Chance bekommen. Doch sprang er um einige Zentimeter an
Werners Freistoßball vorbei. Immerhin hatten die Jenaer nun Zugang zu diesem
Spiel gefunden und deshalb ist es besonders bitter, im Anschluss an die
stärkste Phase den k.o.-Schlag einstecken zu müssen. Jan Simak, an diesem Tag
ohnehin mit größerer Fehlerrate als sonst, unterlief der spielentscheidende
Ballverlust im Mittelfeld. Über Vorsah und Salihovic kam Chinedu Ogbuke Obasi
in Ballbesitz und ließ Daniel Kraus keine Chance. 0:1. Was danach kam, kannten
wir schon aus anderen Spielen in dieser Saison. Jena gab kämpferisch alles,
konnte mit der Brechstange aber nichts mehr bewegen. Und da der Schiri bei zwei
strittigen Strafraumentscheidungen weiterspielen ließ, brachte Hoffenheim das
Ergebnis ziemlich ungefährdet über die Zeit.
Es ist ja nicht so, dass der FC Carl Zeiss irre weit weg
wäre von der Musik. Sieben der neun Niederlagen fielen mit einem Tor Differenz
aus ! Doch gerade das macht diese Saison so frustrierend. Daran hat sich auch
am 11.11. nichts verändert. <fc>
Borussia Mönchengladbach - FC Carl Zeiss Jena 2:1
Tore: 1:0 Neuville (9.), 1:1 Torghelle (34.), 2:1 Neuville (80.)
- M'Gladbach: Heimeroth; Voigt (74. van den Bergh), Brouwers, Daems, Levels; Marin,
Paauwe, Rösler (74. Coulibaly), Ndjeng; Friend, Neuville (85. Svärd)
- Jena: Kraus; Stegmayer, Omodiagbe, Maul, Oniani (72. Tapalovic);
Hansen (82. Helbig), Müller, Simak, Charalambides; Werner, Torghelle
- Zuschauer: 28.759
- Schiedsrichter: Schmidt (Stuttgart)
- Spielbericht:
- Den Frust im Bier ersaufen oder einfach nur ertragen? Ich
weiß es ehrlich gesagt nicht. Nicht mehr. Klar, solche Abende gibt es. Da
rennen sich die Jungs anderthalb Stunden die Seele aus dem Leib und am Ende
bleibt nix außer Enttäuschung. Aber so ist Fußball halt. Dafür kommen andere
Spiele, nach denen man sich besorgt fragt, ob die drei Punkte mit dem einen
gegebenen Gerechtigkeitsempfinden überhaupt vereinbar sind. Nur, wo bleiben die
in dieser Saison? Wann löst sich diese Gleichung endlich auf? Nach Gestern muß
man sich fragen, ob sie das überhaupt noch tut. Acht Punkte Rückstand auf einen
Nichtabstiegsplatz sind schon ganz schön fett. Also doch ins Bier stürzen?
Jein! Es sieht schon ganz schön übel aus, ohne Frage. Und als Gladbach nach nur
neun Minuten die Führung erzielte, war auch wieder klar warum. Ein schlichter
Paß von Marin durch die Viererkette und schon war es
soweit. Das es auch schon Zeiten gab, in denen sich Neuville bei einem solchen
Ding den Fuß gebrochen hätte, ist halt Schicksal. Wenn du eben ohne Licht im
düsteren Tabellenkeller hockst, dann nimmt er ihn halt wunderschön an und
donnert ihn dir aus der Drehung in die kurze Ecke. Unhaltbar. Man hätte es in
den nächsten 70 Minuten glatt vergessen
können, hätte sich nicht das gleiche in der 80. Spielminute so ähnlich
wiederholt. Der einzige Fehler Omodiagbes im ganzen
Spiel, verwandelte den ganzen mühsam gehegten Optimisumus
in ein Häufchen Elend. Wieder war es Neuville, der nach der mißglückten
Kopfballabwehr des Nigerianers mit seiner Direktabnahme die endgültige
Entscheidung erzwang. Man konnte nahezu jeden einzelnen Fehler der Jenaer
Hintermannschaft auf der Anzeigetafel ablesen. Wirklich zum Brechen. Soviel zur
Hoffnungslosigkeit der Situation. Was sich zwischen den beiden geschilderten Szenen
abspielte läßt aber – wenn schon nix Zählbares dabei rausspringt – trotzdem
auch viel Raum für Zuversicht. Und zwar deshalb, weil wieder eine Mannschaft
mit Wir-Gefühl auf dem Platz stand in der einer für den anderen die Kastanien
aus dem Feuer zu holen bereit ist. In der Torghelle
das Laufen für sich entdeckt hat (ich hätte es noch vor Wochen nicht für
möglich gehalten) und das Tor trifft. In der Simak
langsam das Bewußtsein für das aufbaut, was wirklich in ihm steckt und die
Fäden in die Hand nimmt. Und in der das (manchmal) mangelnde spielerische
potential durch Kampf und Einsatzwillen aufgewogen wird.
Das sah gut aus! Vor allem in der ersten Halbzeit, als die
Gladbacher den Selbstfindungsbemühungen von Simak kaum
ein Mittel entgegenzusetzen hatten. Erst sein Knaller aus ca. 20 m, den
Heimeroth im Gladbacher Tor nur mit Mühe abwehren kann
(16.), dann der etwas zu hoch angesetzte Schuß vom linken Strafraumeck nach
einer schönen Einzelleistung (23.). Und dann schließlich seine Vorarbeit für
Stegmayers Flanke direkt auf Torghelle.
Ein langgezogener Brüller begleitet den wunderschönen
Kopfball des Ungarn zum Ausgleich in lange Eck (34.). Wunderschön!!! Und das
auch noch völlig verdient, denn hier spielte phasenweise nur noch Jena. Kommt
Jungs, nachsetzen. Kurz vor der Pause hält Werner noch mal drauf. Aber der hat
einfach kein Glück, bekommt nicht mal eine Ecke für den abgefälschten Schuß…
Nach der Halbzeit schwinden sichtbar schnell die Kräfte. Das
merkt man vor allem an den kleinen Fehlern, die sich allenthalben so einschleichen.
Simaks Pässe kommen nicht mehr so oft an und wenn,
dann deutlich unpräziser. Auch diese kleinen Schlampigkeiten machen das
Fußballerleben immer schwerer. Auf der linken Abwehrseite werden sich
Charalambidis und Müller (?) nicht einig. Nimm du ihn, ich
hab ihn sicher, fällt mir dazu nur ein. Glück, daß Neuville die anschließende Flanke
von Ndjeng aus drei Metern über das Gehäuse wuchtet. Na
also, es geht doch (58.)! Und dann noch das Ding von Daniel Kraus als er einen
seltsam geschlagenen Aufsetzer nur mit Mühe und unter Einsatz diverser
Körperteile am Überqueren der Linie hindern kann (59.). Sah komisch aus, war
aber auch schwer! Hauptsache nicht drin.
Jena steht in dieser Phase ganz schön unter Druck, aber das
sieht trotzdem alles ganz passabel aus. Kaum richtige Chancen für Gladbach. Ein
Freistoß von Simak sorgt sogar noch mal für etwas
Entlastung. Aber mit letztem Einsatz kann Heimeroth
den Ball noch über die Latte lenken (55.). Scheiße. Schönes Ding. Und dann –
gerade als man als Jenaer Anhänger mit einem Pünktchen zu liebäugeln beginnt –
Neuvilles zweiter Treffer. Aus der Kalten. Und das nach so
einer starken Leistung.
Ein Tal tiefer Depression tut sich kurzzeitig vor mir
auf. So lande ich nach dem Abpfiff auch unweigerlich bei der Frage nach einem
den Umständen gerecht werdenden Bierkonsum. Die Antwort will sich mir nicht so
recht erschließen, schwankt mit dem jeweiligen Gemütszustand zwischen fast
schwarz und sehr dunklem Hell. Am Ende entschließe ich mich, die ganze Sache
auszusitzen. Bis Sonntag jedenfalls. Wer hat schon mit einem Punkt oder gar
Sieg gegen Gladbach gerechnet? Kaum jemand. Es ist also alles noch wie vorher.
Für den Fall, daß es gegen Hoffenheim wieder nicht
klappt mit dem Dreier, sollte man aber sicherheitshalber schon mal eine
Palette Öttinger kaltstellen. <bpf>
FC Carl Zeiss Jena - SC Freiburg 1:2
Tore: 0:1 Pitroipa (35.), 0:2 Kmas (83.), 1:2 Werner (90.)
- Jena: Kraus; Stegmayer, Omodiagbe, Maul, Günther (46.
Tapalovic); Hansen (77. Torghelle), Zimmermann (70. Ziegner), Simak,
Kühne; Werner, Helbig
- Freiburg: Walke; Ibertsberger, Butscher, Krmas, Schwaab; Aogo,
Uzoma, Pitroipa (75. Schlitte), Banovic; Bencik (56. Cafu), Matmour (79.
Mesic)
- Zuschauer: 7026
- Schiedsrichter: Walz (Pfedelbach)
- Spielbericht:
- In der 25. Spielminute, als Hansens Kopfball knapp das Tor
verfehlte, beneidete ich etwas den Verfasser des heutigen Spielberichts, weil
er bis dahin etliches Notierenswertes und eine starke Jenaer Anfangsphase geboten
bekam. Sekundenbruchteile später wandelte sich mein Neid in Entsetzen, denn mir
fiel schlagartig ein, dass ich vom Chefredakteur zum Schreiben vergattert
worden war…
Dabei sah man vorm Anpfiff überall skeptische Gesichter,
gegen unseren Lieblingsgegner der letzten Saison rechnete sich eigentlich
niemand etwas aus. Die erste Aktion schien allen recht zu geben, denn nach der
ersten Gästeecke musste Kraus einen scharfen Kopfball parieren. Faktisch im
Gegenzug parierte Walke einen Schuss Hansens aus nächster Nähe. Kurz danach
rettete Walke gegen Helbig. Das Gesamtbild sah gar nicht so übel aus (daran
änderte auch die nervige und überflüssige Information auf der Anzeigetafel vom
Eckenverhältnis von 5:0 für den SC nichts), der FCC war die überlegene, aggressivere
Mannschaft, die den Freiburgern immer wieder
feine Nadelstiche verpasste. In der 12. min wusste sich ein von Simaks Antritt
überforderter Verteidiger gar nicht mehr anders zu helfen, als sich ans Jenaer
Trikot mit der Nr. 19 zu klammern und dieses samt Simak auf den Rasen zu
befördern. Ich weiß nicht, ob Schiedsrichter Walz vom Rugby kommt, aber anders
kann man sich nicht erklären, warum er bei diesem klaren Foul nicht auf
Strafstoß entschied. Walz’ Gepfeife in der ersten Halbzeit war sowieso unterirdisch,
prinzipiell wurde nach Freiburger Ballverlust im Zweikampf auf Freistoß für die
Gäste entschieden und seine putzigen Eckenballentscheidungen für den SC
inspirierten die Haupttribüne zu lautstarkem ironischem „Ecke, Ecke“ bei jedem
Ausball. Bis zu jener oben erwähnten 25. min war der FCC im Vorwärtsgang, aber
erfolglos. Und so kam alles wie immer, nach der 34. die 35. Minute und in jener
der obligatorische Abwehrpatzer, als plötzlich drei „Blaue“ (die Gäste liefen
in einer ungewohnten Farbe auf) durch Jenas Abwehrmitte rauschten, Kraus
erwischte den Ball nicht, ein Freiburger spielt auf den nächsten, der im
Abseits stehend die Kugel ins Tor schob. Ein weiterer Höhepunkt jener
grässlichen Schiedsrichterleistung, dass der Treffer trotzdem anerkannt wurde.
Und so hatte nicht nur ich zur Halbzeitpause die Nase
gestrichen voll: Der FCC machte dass Spiel, der Gegner das Tor und der
Schiedsrichter leistete mit zwei extremen Fehlentscheidungen seinen Beitrag.
Zum Speien!!!
Nach der Pause war Freiburgs Taktik klar: Am eigenen
Strafraum aufstellen und in Ruhe die Führung nach Hause schaukeln, eventuell
mal kontern. Der FCC schaffte es aber trotz der badischen Zurückhaltung richtig
energisch Druck aufzubauen. Man spielte zu durchsichtig, machte zu viele
einfache Fehler im Aufbau und den Freiburgern die Abwehrarbeit ziemlich leicht.
Unerträglich, aber nicht neu, waren zudem die Schauspieleinlagen von
Pitroipa & Co., die nach kleinsten Berührungen oder
auch völlig ohne Anlass regelmäßig den „sterbenden Schwan“ abspulten, wie in
den letzten Zügen liegend. Nachdem sie fürs anscheinend letzte Schnauferchen
ins Seitenaus verbracht wurden, gab es ebenso regelmäßig die blitzschnelle
Wiederauferstehung inklusive Genesung. Und es ist sicher keine schlechte
Bilanz, durch solche „Verletzungen“ mehrfach längere Unterbrechungen zu
provozieren, die am Ende mit nur zwei Nachspielminuten belohnt wurden.
Jedenfalls fiel dem FCC nicht ein, wie die Gästeabwehr zu knacken wäre. Zu
vermelden war lediglich ein 20-m-Schuss Werners, der das Tor verfehlte –
typisch, dass in dieser Situation Stegmayer links völlig freigelaufen war, aber
vergeblich aufs Anspiel wartete. Eine knappe Viertelstunde vor Schluss sorgte
die Einwechslung des Ex-Jenaer Schlittes für ein
Anheizen der Stimmung im Publikum und fortan begleitete ein gigantisches
Pfeifkonzert jeden seiner Ballkontakte, das Eintauschen der angeblichen
Herzenssache FCC gegen Freiburger Geld war nicht vergessen worden. Freiburg
schaffte in der 82. min die befürchtete Vorentscheidung, allerdings nicht nach
einem Konter, sondern nach einem Freistoß von links außen. Omodiagbe ließ
Krmas kurzen Pfosten zu viel Raum und der drückte den Ball
ins Netz. Die erloschene Hoffnung glomm nochmals kurz auf, als Werner nach
Ziegners Flanke den Anschluss per Kopf erzielte. Aber
selbst Kraus’ Eingreifen ins Angriffsspiel brachte nichts Zählbares mehr, so
dass der FCC zum wiederholten Male in dieser Saison nach einem Heimspiel mit
leeren Händen dastand.
Nach dem guten Anfang fehlte heute in der Phase, in der der
FCC das Spiel hätte noch kippen können, jener letzte Kick, jener letzte Wille
zum bedingungslosen Fighten. Und wenn wir nicht schon im Dezember mit den
Planungen für die dritte Liga 2008/09 beginnen wollen, müssen nach den vielen
vergebenen möglichen Punkten in den nächsten Wochen endlich mal ein paar
unmögliche Punkte her. <uk>
SC Paderborn - FC Carl Zeiss Jena 2:2
Tore: 0:1 Torghelle (8.), 1:1 Koen (12.), 1:2 Werner (14.), 2:2 Sinkala (33.)
- Paderborn: Bade; Fall, Döring, Kläsener, de Graef, Gouiffe à Goufan, Sinkala (68. Männer),
Koen (68. Halfar), Krupnikovic, Löbe, Schüßler (56. Siradze)
- Jena: Kraus; Günther (66. Tapalovic), A. Maul, Omodiagbe, Stegmayer, Kühne, Charalambidis,
Werner, Simak (86. Ziegner), Torghelle (75. Hansen), Helbig
- Zuschauer: 6.079
- Schiedsrichter: Dr. Brych (München)
- Spielbericht:
- Nach der Spielpause war man allseits besonders gespannt, ob der FCC endlich den Bogen in die Erfolgsspur
findet, zumal es gegen einen Mitabstiegskonkurrenten ging. Die "Baustelle" Tor war mit dem dritten Keeper
Daniel Kraus besetzt worden. Neu war auch die Zusammensetzung des Angriffsduos, diesmal stand Helbig neben
Torghelle. Dafür rückte Tobias Werner auf die linke Außenbahn des Mittelfelds.
Und der FCC begann wirklich mit viel Elan, bereits in der 1. Spielminute verfehlte Charalambides
das 07er Tor nur knapp. Der Sekundenzeiger hatte gerade einmal zwei weitere Runden gedreht, da schoss
Helbig aus 25 m Entfernung knapp über die Torlatte. Im Gegenzug durfte Kraus Löbes Schuss aus
nächster Nähe abwehren. Dann war wieder der FCC im Vorwärtsgang: Einwurf Günthers
auf Charalambides, der legt zurück und in der Mitte köpfte Torghelle Günthers Bilderbuchflanke
zum 1:0 ein! Leider verschenkte man den Vorteil bald wieder, als Günther und Charalambides interessiert
einem Ball nachschauten, der sich zwischen ihnen zu Koen - dem stärksten Paderborner in der ersten
Halbzeit - durchdrängelte und der ließ sich die Chance nicht entgehen und knallte den Ball
ins lange Eck - 1:1. Die rund 500 mitgereisten Fans hatten aber keine Zeit, über diesen Rückschlag
richtig zu jammern. In der 14. Minute gab es auf der rechten Seite Freistoß für den FCC. Simak
und Werner standen bereit, letzterer trat die Spielkugel mit links hoch in den Strafraum, Maul ging zum
Ball, stieg jedoch drüber und so landete dieser im langen Eck - 2:1, der FCC hatte nach dem Ausgleich
sofort wieder zurückgeschlagen! Also alles bestens? Denkste, umgehend grub man sich in der eigenen
Hälfte ein und ließ die Gastgeber ihr Spiel aufziehen. Die optische Überlegenheit
Paderborns brachte jedoch nichts Zählbares, da entweder der finale Pass in der weißen Abwehr
steckenblieb oder man bei den Fernschüssen aufs Dach der Endtribüne zielte. Herzinfarktfördernd
war die 28. min, als eine lange Flanke am auf Sinkalas Kopf landete, dem Ball jedoch sprichwörtlich die
Luft ausging und er auf dem Strich zwischen Gut und Böse von Kraus festgehalten werden konnte. Fünf
Minuten später war es jedoch soweit, als es pingpongartig zwischen Jenaer Abwehr und Paderborner
Angreifern hin und her ging und Sinkala dem Treiben mit einem satten Schuss ins untere Toreck ein Ende
bereitete - wieder Ausgleich! Zum Heulen!!! Und wie jetzt weiter? Jedenfalls vergaßen die Abwehrrecken
des FCC bei einem Freistoß kurz nach dem Ausgleich, dass Schüßler ein blau-schwarzes Trikot
trug und so marschierte er mutterseelenallein zur Grundlinie, jagte seine Flanke zum Glück weit
Richtung Seitenlinie. Unmittelbar köpfte Maul zum Gegner und wieder war es Schüßler, der
auf der linken Seite davon profitierte, aber auch diesmal keinen Mitspieler fand. Die letzten Minuten vor
der Pause riss sich der FCC aber noch einmal zusammen und machte seinerseits Druck. Wer weiß, wie
die Partie ausgegangen wäre, hätte Jena auch nur eine der drei folgenden Konterchancen in den
Spielminuten 39 bis 44 genutzt hätte. Zunächst sahen sich drei Weiße kurz nach der
Mittellinie nur einem Abwehrspieler gegenüber, Werners Pass landete leider genau in dessen Füßen
anstatt bei den beiden mitlaufenden Teamkollegen. Dann sprintete wiederum Werner los, schoss aber von
links am Tor vorbei und ließ Helbig und Torghelle vergeblich in der Mitte warten. Und letztendlich
rannte sich Helbig bei seinem halbherzigen Dribbelversuch fest, nachdem er von Simak wunderbar
freigespielt worden war.
Zwischendurch erwischte ein abgefälschter Schuss Werners Alexander Bade beinahe auf dem falschen
Fuß, er schaffte es jedoch noch, gleichzeitig mit dem Ball in der unteren Torecke einzutreffen.
Mit 2 Sekunden Nachspielzeit beendete Schiedsrichter Dr. Brych diese sehenswerte Halbzeit.
Es war eigentlich klar, dass es nach der Pause nicht so weitergehen konnte. Die zweite Halbzeit war
dann auch etwas dezenter und es passierte deutlich weniger, was den Puls nach oben trieb. Zwei
Freistöße rund 25 m vorm Tor bis zur 50. Spielminute wurden mehr oder weniger
kläglich vergeigt. In der 52. min wurde zunächst Charalambides' Schuss abgeblockt
und ein Paderborner lenkte kurz vor der Torlinie Werners Nachschuss zur Ecke. Nach einer
Stunde tauchte Paderborn das erste Mal nach der Pause ernsthaft vor Kraus' Kasten auf und
Löbe setzte einen Kopfball auf der richtigen Seite neben den Pfosten ins Aus.
Anschließend gönnten sich beide Mannschaften eine ruhigere Phase zwischen den
Strafräumen. Erst in der 78. min gab es eine Strafraumszene, als die Paderborner
Nummer 24 mit dem klangvollen Namen Gouiffe á Goufan eine Simak-Flanke im letzten Moment
vor dem heranstürmenden Hansen zur Ecke entschärfte. Die anschließende Ecke
(wieder von Simak) wurde am kurzen Pfosten verlängert und fand weiter hinten Kühnes Kopf,
der maßgenau und kraftvoll köpfte und die Arme der Jenaer Fans in die Höhe jagte.
Da sich jedoch der Ball um wenige Millimeter verirrte und vom Aluminium des 07er Tores wieder
zurücksprang, landeten die Hände schließlich am Kopf zum Haareraufen. Paderborn
verließen nun sichtbar die Kräfte und Jena übernahm in der verbleibenden Zeit
die Initiative. Mit etwas Übersicht hätte der FCC noch einen Sieg holen können,
aber Werner entschied sich in der 83. für einen Schlenzer aufs lange Toreck und gegen den
in der linken Strafraumhälfte einsam und allein wartenden Helbig. Auch eine Minute später
nahm Werner den Kopf nicht hoch, sondern rannte sich nach Helbigs Zuspiel an ein paar schwarz-blauen
fest. Auf der Gegenseite testete Maul noch fix die Nerven von Mitspielern und Fans, als er eine an
sich harmlose Flanke fast ins eigene Tor stolperte, bevor dann Dr. Brych nach gigantischen 12 Sekunden
Nachspielzeit abpfiff.
Wie soll man nun das Unentschieden bewerten? Positiv (ein Auswärtspunkt) oder negativ (nicht
einmal beim Schlusslicht gewonnen)? Sicherlich irgendwo dazwischen: Es war mehr möglich, aber
andererseits können wir den schlechten Saisonstart nicht im Handumdrehen vergessen machen,
sondern müssen wie die Eichhörnchen mühsam Nuss für Nuss (bzw. Punkt für Punkt)
einsammeln, um im Dezember einen Vorrat zu haben, der für die Rückrunde reelle Chancen auf den
Klassenerhalt bietet.<uk>
FC Carl Zeiss Jena - TSV 1860 München 0:2
Tore: 0:1 Bierofka (47.), 0:2 Göktan (90.)
- Jena: Person; Stegmayer, Omodiagbe, Maul, Günther; Hansen
(62. Helbig), Kühne, Simak, Charalambides (76. Ziegner); Werner,
Torghelle
- München: Hofmann; Hoffmann, Berhalter, Ghvinianidze (85.
Szukala), Thorandt; L. Bender (67. Gebhart), Schwarz, Bierofka, Johnson
(67. S. Bender); Göktan, di Salvo
- Zuschauer: 11.314
- Schiedsrichter: Wingenbach (Diez)
- Spielbericht:
-
Wer ihn damals hörte, wird sich jetzt noch an ihn erinnern:
Den Kommentar von DSF-Reporter Martin Quast zum Spiel Jena – 1860 im Februar
2007. Da war zunächst die Schilderung des 1:0 nach sechs Minuten: „Eckball kurz
aufgeführt, Hoffmann klärt, da ist nur Tapalovic – (Stimme plötzlich erhebend)
NUR TAPALOVIC ! Boah, was’n Gerät ! Tor des Monats, hundert Prozent.
Volltreffer – so schön kann Zweitligafußball sein.“ Filip Tapalovic hatte den
FCC mit einem Volleyknaller aus 25 Metern in Führung geschossen und auch wenn
Herr Quast mit der Tor-des-Monats-Prognose nicht
recht behalten sollte, geriet er auch noch wegen der
darauffolgenden Spielminuten aus dem Häuschen. „Ich raffs nicht, ich fass es
nicht – ja, wo bin ich denn hier?“, rief er nach 10 Minuten, als gerade das 3:0
gefallen war, „jetzt tanzen sie im Thüringer Wald Samba mit den Wildschweinen
und allem Drum und Dran. Unfassbar, was hier im Ernst-Abbe-Sportfeld in den
ersten Minuten passiert“.
Obwohl noch nicht lange her, ist diese Anfangsphase bereits legendär.
Und die ver-quast-ete Schilderung gleich mit.
Doch das ist Vergangenheit und mit einer Wiederholung jenes
Ablaufs war von vornherein nicht zu rechnen. Wobei sich die Frage stellt,
welchen Verlauf solch ein Spiel nimmt, wenn der straffe Schuss von Kühne nach
drei Minuten im Netz landet. Münchens Keeper Hofmann rührte da keinen Finger,
leider flog das Leder knapp an seinem Kasten vorbei. Die erste Halbzeit konnte sich durchaus
sehen lassen auf Jenaer Seite. Mit Forechecking versuchte man in Ballbesitz zu
gelangen. Die Flügelzangen Stegmayer-Hansen und Günther-Charalambides zeigten
sich in der Abstimmung weiter verbessert. Und zentral überzeugte Simak wieder
mit klugen Pässen. Nur im Abschluss erwiesen sich Charalambides (23.) und
Hansen (26.) als nicht treffsicher genug. Die vielleicht beste Gelegenheit vor
der Pause vergab Tobias Werner bei einem energischen Konter, als er es nicht
fertig brachte, dem freigelaufenen Simak den Ball „durch zu stecken“, vielmehr
an einem Verteidiger hängen blieb. Auch beim Durcheinander im gegnerischen
Strafraum fanden die Jenaer keine Lücke, Mauls Heber wurde schließlich zur
leichten Beute Hofmanns. Und die Münchner ? Waren zu Beginn um Abgeklärtheit
bemüht und ließen dabei erstaunlich große Lücken im Mittelfeld. Abgesehen von
Hoffmanns Flachschuss (25.) drohte Jenas Abwehr zunächst keine Gefahr. Dies
änderte sich kurz vor der Pause. Da sah sich Stegmayer auf seiner Seite mit dem
ballführenden Bender sowie Johnsson gleich zwei Gegenspielern gegenüber. Nicht
wissend, wen er attackieren sollte, griff er im Grunde niemanden richtig an.
Bender konnte unbedrängt zum Schuss ansetzen, zielte aber ein wenig zu hoch.
Kurz darauf zeigten die Sechziger eine ihrer einstudierten Freistoßvarianten –
diesmal war es Göktan, der nur knapp verfehlte.
Verglichen mit diesen Hochkarätern strahlte der Torschuss in
Minute 47 eigentlich geringes Gefahrenpotential aus. Es hatte den Anschein, als
hätte ihn Person zunächst fausten wollen, vielleicht erschien er ihm dafür mit
einem Mal nicht scharf genug – jedenfalls versuchte er plötzlich, den Ball zu fangen
und dieses Umgreifen ging gründlich daneben. Plötzlich lag der Ball im Netz. Ohje, Jena und seine Torhüter ! Ob sie
nun Jensen oder Person heißen, bislang haben sie uns in dieser Saison mehr
Punkte gekostet als gerettet. Doch eine
Mannschaft gewinnt und verliert zusammen und noch war fast eine Halbzeit lang
Zeit, wenigstens ein Remis zu schaffen. Werner und Hansen hätten es
erzielen können, Sandor Torghelle nach mustergültiger Kopfballvorlage
von Omodiagbe sogar müssen, schoss jedoch nur den herauslaufenden Hofmann an. Bei allen erkennbaren Bemühungen – die
Vorherrschaft im Mittelfeld ging verloren, weil bei Simak und Charalambides die
Kräfte schwanden. Die Gäste konnten nun ungestört den Ball laufen lassen. Zwar war
die Münchner Überlegenheit nicht so groß, wie es ein Eckenverhältnis von 9:1
nach einer Stunde vorgaukelt. Doch macht es deutlich, dass 1860 die technisch
feinere Klinge schlug, sich nicht so oft damit helfen musste, den Ball ins
Toraus zu befördern. Ihr Tagesbester Daniel Bierofka wirkt vom technischen
Vermögen her schon fast überqualifiziert für diese Liga.
Valdas Ivanauskas holte seine beiden einzigen
Offensivwechsler von der Bank. Ohne Erfolg. Doch eine letzte Geheimwaffe besaß
er noch: Darlington Omodiagbe als Stürmer ! Dass er vorn den einen oder anderen
Kopfball holt, war uns ja bereits bekannt. Doch wenn ‚Omo’ dazu noch kluge Offensivpässe
spielt, sollte er solche Ausflüge ruhig häufiger machen dürfen. Perfekt sein
Zuspiel auf Günther in der letzten regulären Spielminute, dessen Flanke kam
auch vors Tor, wo Helbig sie aber nicht richtig erwischte. Und wie das so ist
im Fußball – setzt eine Mannschaft alles auf eine Karte und verpasst knapp den
Ausgleich, geht sie im Gegenzug nur allzu oft k.o. Dass Ziegner als letzter
Mann wegrutschte, Göktan frei vor Person zunächst nur den Pfosten traf und dann
noch eine Gelegenheit zum Nachschuss bekam, rundete das Bild ab.
Zweitligafußball in Jena kann nicht nur schön, sondern auch deprimierend sein. <fc>
Fotos auf weissenburger.de
SpVgg Greuther Fürth - FC Carl Zeiss Jena 2:2
Tore: 1:0 Reisinger (28.), 1:1 Charalambides (34.), 1:2 Torghelle (49.), 2:2 Lanig (63.)
- Fürth: Kirchstein; Achenbach, Mauersberger, Karaslavov, Schröck (72. Adlung); Judt, Haas, Burkhardt (80. Maierhofer), Lanig; Nehrig, Reisinger
- Jena: Person; Stegmayer, Omodiagbe (32. Oniani), Maul, Günther;
Kühne, Hansen (72. Kandelaki), Simak, Charalambides (64. Tapalovic);
Werner, Torghelle
- Zuschauer: 8.900
- Schiedsrichter: Zwayer (Berlin)
- Spielbericht:
- Freuen oder ärgern? So richtig wusste nach Abpfiff kaum einer im
blau-gelb-weißen
Lager, wie mit diesem Remis in Fürth umzugehen wäre. Spielerisch war an diesem
Nachmittag wohl so leicht wie noch nie am Ronhof
ein Dreier zu holen, andererseits grenzt es
an ein Wunder, angesichts der Leistung des Unparteiischen überhaupt noch einen
Punkt verteidigt gehabt zu haben, den sich ein aufopferungsvoll kämpfendes Team
redlich verdiente.
„Never
change a winning team“ hieß die Devise und so schickte Valdas Ivanauskas die
siegreiche Offenbach-Elf auf den Rasen. Der Club begann furios und die über
1.500 mitgereisten FCC-Fans hatten schon nach 34 Sekunden den Torschrei auf den
Lippen, als Torghelle Fürths Karaslavov den Ball abnimmt, sofort auf Werner
passt, der völlig frei vor dem gegnerischen Tor eine Sekunde zuviel Zeit zum
Überlegen hat und den Ball an Keeper Kirchstein vorbei ins Toraus schiebt. Was
für eine Möglichkeit! 10 Minuten später durften sich die Gastgeber die Haare
raufen, als Burkhardt einen zunächst abgewehrten Eckball flach an den
Innenpfosten setzt. 5 Minuten später, andere Seite, Hansen bedient
Charalambides, der freie Schussbahn hat, aber nicht genug Druck hinter den Ball
bekommt, so dass Ex-Bundesligakeeper Kirchstein das Leder noch um Haaresbreite
um den Pfosten lenken kann. Es war ein tolles, offenes Spiel beider Teams in
den ersten Minuten und Fürth schien beeindruckt zu sein von Jenas
Offensivdrang, richtete sein Spiel fast ausschließlich auf das Provozieren von
Standardsituationen aus und lange weite Bälle auf den emsigen Reisinger. Dass
jenem nach 28 gespielten Minuten die Führung gelang, hatte er aber zwei
Jenensern zu verdanken. Stefan Kühne bringt mit viel zu kurzem Rückpass seinen
Keeper in Bedrängnis und warum Christian Person den Ball nicht nach links oder
rechts klärt, sondern ausgerechnet an die ausgestreckte Hand des heranstürmenen
Reisingers, bleibt sein Geheimnis. Der Ball trudelt ins leere Tor, 1:0. Ein
Schock zweifellos dieser Treffer in Unterzahl, denn Omodiagbe musste sich am
Spielfeldrand nach einem nicht geahndeten Foul behandeln lassen und kurz darauf
gegen Oniani ausgewechselt werden, aber anders als noch vor Wochenfrist in
Frankfurt reagierte der FCC unbeeindruckt und kommt nur sechs Minuten später
zum verdienten Ausgleich. Stegmayer täuscht eine Flanke an, passt aber flach
auf Simak, der düpiert mit Körpertäuschung gleich zwei Fürther und findet
Charalambides, dessen Ball auch für den 1,96-Riesen Kirchstein zu platziert ist
und ins lange Eck kullert.
Kurz vor der Pause zappelt der Ball erneut im Netz,
nachdem Kühne einen Eckball einnickt, doch die Anerkennung bleibt verwehrt, ein
Stürmerfoul will Referee Zwayer zuvor gesehen haben. So geht es mit einem
leistungsgerechten Remis in die Pause und Jenas Fans durften vor allem mit dem
mannschaftlich geschlossenen Auftreten zufrieden sein, lediglich die einfach
nicht abzustellenden teils haarsträubenden individuellen Fehler bereiteten
graue Haare.
Von denen dürfte Fürths Coach Bruno Labbadia kurz nach
Wiederanpfiff auch einige mehr bekommen haben, denn wie schon in der ersten
Halbzeit bereitete sein Innenverteidiger Karaslavov eine Großchance für den FCC
vor, nur dass Torghelle die Einladung nach katastrophalem Rückpass diesmal
nicht ausschlug und durch die Beine Kirchsteins zur Jenaer Führung vollendete,
unmittelbar vor dem proppevollem Gästeblock für Partystimmung sorgte.
Siegeszuversicht machte sich breit, doch wie man ein Team gänzlich zermürben
kann, stellte Schiedsrichter Zwayer eindrucksvoll unter Beweis. Die Folge einer
völlig einseitigen Regelauslegung waren unter anderem sage und schreibe acht
gelbe Karten für Jenas Kicker, die sich in der Folge mehr und mehr zurückzogen
und Zweikämpfe scheuten, deren Ausgang schon vorher festzustehen schien. Und so
wäre etwas mehr Nähe zum Gegenmann durchaus empfehlenswert gewesen, als der für
den gesperrten Fürther Kapitän Felgenhauer ins Team gerückte Stephan Schröck im
Doppelpass mit Nehrig Stegmayer düpierte und unbedrängt in den 5m-Raum flanken
durfte, wo Lanig den Ball artistisch über die Linie drückte. Eine knappe halbe
Stunde war da noch zu spielen und diese wurde bestimmt durch eine Flut von
Freistößen. Jan Simak setzte seinen knapp neben den Pfosten (66.), auf Fürther
Seite vergab Mauersberger die größte Gelegenheit, als er eine Freistoßflanke
per Fuß abnahm und das Leder knapp neben das Tor setzte, den Außenpfosten
streifend. Der für Charalambides eingewechselte Tapalovic hatte vier Minuten
vor dem Ende auf Zuckerpass Simaks die letzte Möglichkeit für den FCC, ließ
aber Torghelles Kaltschnäuzigkeit vermissen und gab die Verantwortung lieber
per verunglücktem Querpass weiter. So musste gar um den einen Punkt bis in die
93. Minute gezittert werden, als eine faire Aktion von Oniani an der
Strafraumgrenze wieder einmal mit Freistoß für die Kleeblätter geahndet wurde
und Stefan Kühne die Flanke artistisch vor dem einköpfbereiten Mauersberger
entschärft.
So ein klein wenig hatte der
Fußballgott sein Herz also für Thüringens Traditionsverein wiederentdeckt und
auch Jenas Spieler durften sich – anders als vor 7 Tagen – Streicheleinheiten
der eigenen Fans gefallen lassen, zu denen sich auch Neu-Clubberer und
Herzens-Jenenser Ralf Schmidt gesellte. Nach drei schlimmen Auftritten am
Ronhof holte der FC Carl Zeiss also zum ersten Male Zählbares, doch irgendwie war
mehr drin. <gunner>
FC Carl Zeiss Jena - Kickers Offenbach 2:0
Tore: 1:0 Simak (43.), 2:0 Werner (75.)
- Jena: Person; Stegmayer, Omodiage, Maul, Günther (75.Oniani);
Hansen (70.Tapalovic), Kühne, Simak, Charalambides (61.Holzner); Werner,
Torghelle
- Offenbach: Thier, Pinske (60.Sidney), Müller, Hysky, Bungert, Cimen, Sieger
(46.Ogungbure

,89.),
Judt (70.Epstein), Moktari, Türker
- Zuschauer: 5867
- Schiedsrichter: Bandurski (Essen)
- Spielbericht:
- Ein mulmiges Gefühl machte sich in meiner Magengegend breit, als ich vor der heutigen Partie gegen die Kickers aus
Offenbach das Stadion betrat. Nach fünf Niederlagen in Folge und zuletzt einer katastrophalen Leistung in Frankfurt gegen
Wehen schwante mir auch heute nichts Gutes. Die spielerisch guten Leistungen der ersten Saisonpartien waren vorbei und wer
das Match in Frankfurt live miterleben musste, konnte mein Gefühl durchaus verstehen. Zu viel lief in der Hessenmetropole
bei den Jenaern schief, als dass man ausgerechnet heute gegen die zuletzt starken Hessen vermuten konnte, dass es anders werden würde.
Aber beim Blick auf die Aufstellung der Partie wich mein mulmiges Gefühl blanker Zuversicht, denn Neu-Couch Ivanauskas bewies Mut und
krempelte sein Team gegenüber der letzten Partie auf sechs Positionen um und brachte "Typen" wie Günther, Hansen, Maul und Kühne,
welche gegen Wehen so schmerzlich vermisst wurden.
Der FCC begann auch von Beginn an couragiert und drückte die Offenbacher in deren Hälfte, woraus auch nach zwei Minuten die
erste Minichance resultierte. Nach gut einer Viertelstunde bot sich dann den Gästen auch ihre erste Möglichkeit, doch Siegers
Schuss ging über den Kasten. Den Spielern des FCC merkte man am heutigen Tage zu jeder Sekunde an, dass sie den unbedingten
Willen hatten, sich nicht so "abschlachten" zu lassen bzw. gewinnen zu wollen. Nach einer halbe Stunde waren einige der
Zuschauer schon froh, dass die Jenaer bis dahin kein Tor kassiert hatten. Doch kurz vor der Halbzeitpause sollte es noch
besser kommen, als Simak einen Freistoß aus 30m auf das Tor zirkelte und der Ball auf einmal im Tor zappelte. Grenzenloser
Jubel auf den Rängen, doch die meisten wollten es trotzdem kaum glauben, da sie dieses unglaubliche Glückgefühl gar nicht
mehr kannten.
Fünf Minuten nach Wiederanpfiff die erste Schrecksekunde für die Jenaer, als Dino Toppmöller völlig freistehend aus
gut sechs Metern den Ball zum Glück über das Tor donnerte. Der bis dahin relativ souveräne Schiedsrichter Bandurski
fing nun an, seine Linie zu verlieren, und sorgte mit einigen Fehlentscheidungen für Unruhe auf dem Platz und den
Zuschauerrängen, was in der Gelb-Roten Karte für Ogungbure gipfelte. Die Partie wurde dadurch nun zunehmend hektischer
und es war ein Tanz auf Messers Schneide. Die Offenbacher machten nun hinten ein wenig auf und drückten auf den Ausgleich,
doch der Abwehrriegel des FCC stand. Das Hoffen und Bangen ging weiter und eine Viertelstunde war noch zu spielen, da kam
ein langer Ball in des Gegners Strafraum. Gästekeeper Thier und ein Offenbacher Verteidiger waren sich in dieser Szene
nicht einig genug, wer diesen Ball retten sollte. Nutznießer dieser Aktion war Werner, der sich einfach das Leder schnappte,
Thier umkurvte und zum 2:0 vollendete. Vier Minuten vor Ultimo hätte Werner noch zum absoluten Held des Spiels werden
könnten, doch nach einem erneuten Fehler des Offenbacher Schlußmannes schloss Werner aus spitzen Winkel ein wenig zu
ungenau ab, so dass der Ball Zentimeter vor der Torlinie entlang rollte und doch nicht den Weg ins Tor fand. Kurz darauf
war die Partie zu Ende und der erste lang ersehnte Dreier unter Dach und Fach.
Die wenigsten Zuschauer hätten nach dem Katastrophenspiel vor gerade einmal drei Tagen erwartet, dass sich die Mannschaft
so aufraffen könnte, um die starken Hessen heute gar besiegen zu können. "Der FCC, der FCC, der FCC ist wieder da…"
skandierten die Fans von den Rängen und die Freude war natürlich umso größer, weil mit einem derartigen Wandel in
so kurzer Zeit wohl kaum einer gerechnet hatte. Aber letztendlich waren es trotzdem "nur" drei Punkte und wie
Ivanauskas sagte:" Der Tunnel ist noch sehr lang, bis wir das Licht am Ende sehen". <vg>
SV Wehen Wiesbaden -FC Carl Zeiss Jena 5:1
Tore: 1:0 Diakite (9.), 2:0 Diakite (11.), 3:0 Siegert (20.), 4:0
Nicu (41.), 5:0 Nicu (73.), 5:1 Simak (82., FE)
- Wehen: Richter; Kokot, Jeknic, Kopilas, Nakas; Catic (62.
Amstätter), Nicu (78. Cailas), Siegert, Schwarz; König,
Diakite (85. Lombe)
- Jena: Jensen; Kandelaki, Omodiagbe, Müller (46. Oniani),
Holzner; Stegmayer, Lorenzon, Ziegner (46. Werner), Simak, Charalambides;
Torghelle
- Zuschauer: 5626
- Schiedsrichter: Seemann (Essen)
- Spielbericht:
- (von Gastkommentator Jens Klebe)
Nach einem völlig verkorksten Saisonstart mit nur einem
Punkt auf der Habenseite griffen in der vergangenen Woche auch in Jena die so
genannten ungeschriebenen Gesetze des Geschäfts. Klassenerhalts-Held Neubarth
räumte sein Trainerzimmer welches kurz darauf mit Valdas Iwanauskas einen neuen
Nutzer fand. Um zu sehen, was dieser Wechsel bewirken könne, hatten sich
immerhin gut 1.500 Zeissfans auf den Weg nach Frankfurt gemacht. Würde im
Frankfurter Waldstadion gegen den SV Wehen endlich der erste Dreier eingefahren?
Da die Leistung au dem Koblenz-Spiel ja nur schwer zu unterbieten sein würde,
bestand Anlass zur Hoffnung.
Aber selbst dieses zarte Pflänzchen verdorrte schnell.
Jena startete zwar ohne Kühne, Hansen und Werner – dafür aber gewohnt schlafmützig.
Bereits nach 11 Minuten hatte Diakite mit einem Doppelschlag
klare Verhältnisse geschaffen. Zunächst bekam die FCC-Abwehr in Person Ziegners
nach einer Wehener Flanke den Ball nicht aus der Gefahrenzone, aus 20 Metern
zog ein Wehener ab und als Diakite den Ball abfälschte schlug er unhaltbar
neben Jensen ein. Ganz einfach dann Tor Nummer 2: Flanke von links, Diakite
frei im Sechzehner, draufgehalten und drin!
ass=MsoNormal>Nach 15 Minuten versuchte sich dann auch Simak erstmals für
den FCC an einem Torschuss, setzte diesen aber drüber.
Nach 20 Minuten vertändelte Charalambidis den Ball
leichtfertig in der Vorärtsbewegung, es folgt ein Konter über rechts, Schwarz
bediente Siegert und der zog vom Strafraumeck in die lange Ecke ab – 3:0!
Die Jenaer glichen nun einem Häuflein Elend und so spielten
sie auch weiter. Kaum waren weitere 10 Minuten vergangen, als Omo und Holzner
den ballführenden Nicu auf seinem Weg zum Tor brav begleiteten, ohne ihn
entscheidend zu stören. Nicu hob den Ball über Jensen und dieser schlug zum 4:0
ein. (40.)
Jenas Anhang hatte jetzt „die Schnauze voll“. So sang es
jedenfalls ein Großteil der Mitgereisten und verabschiedete sich mit dem
Pausenpfiff aus dem Stadioninneren.
Ansonsten waren in der Zwischenzeit die blaugelbweißen
Anfeuerungsrufe durch weitere zornige Schmährufe ersetzt worden.
Halbzeit 2 begann mit Werner und Oniani für Ziegner und
Müller. Werner war auch der Einzige in der Gästeelf der sich nachhaltig
versuchte, in Szene zu setzen.
Da Wehen jetzt nicht mehr tat, als für die Verwaltung des Resultats
nötig war, konnte der FCC zumindest zeitweilig fast optische Ausgeglichenheit
erreichen. In einer Phase, als Jena auch der eine oder andere gute Angriff
gelang (meist über Werner und Simak), dann die kalte Dusche. Mit einem
Freistoß-Trick aus der Schüler-Trickkiste wurde erneut Nicu freigespielt und
mit etwas Glück schlug sein Schuss zum 5:0 ein (73.).
Der FCC war demontiert. Daran änderte auch Simaks
Elfmetertreffer nichts mehr, den er nach einem Halten an Torghelle sicher
markierte.
Insgesamt bot der FCC eine erschreckend desolate Leistung
und es dürfte einem Wunder gleichkommen, wenn Iwanauskas aus diesem
verunsicherten Haufen binnen Kürze ein siegfähiges Team formen könnte. Ansätze
–mehr aber auch nicht- konnte man in der zweiten Hälfte zumindest bei Einigen
wenigstens erkennen. Dennoch, eigentlich ist jedes Wort über das heutige Spiel
eigentlich eines zu viel. Außer vielleicht diesem: beschämend!
So traurig und erschreckend das klingt: der FCC holte sich
eine verdiente Niederlage ab und kann schon am 7. Spieltag mit der Devise „Wir
haben ja nichts mehr zu verlieren!“ antreten.
Ca. 400 Jenaer Fans, die ohnehin die 2. Halbzeit außerhalb
des Stadions zugebracht hatten, blockierten anschließend friedlich die Ausfahrt
des FCC-Mannschaftsbusses und machten ihren Unmut deutlich. Adressaten waren
neben dem Team auch der Sportliche Leiter Lutz Lindemann und Präsident Zipfel.
Nach Gesprächen mit den Spielern Maul, Werner, Hansen,
Co-Trainer Holetschek und einer kurzen (aber eher schwachen) Ansprache des Kapitäns
Ziegner löste sich der Protest friedlich auf.
FC Carl Zeiss Jena - TuS Koblenz 1:2
Tore: 0:1 Daham (29.), 1:1 Omodiagbe (39.), 1:2 Daham (43.)
- Jena: Jensen; Kühne (46. Ziegner), Omodiage, Maul, Holzner;
Hansen (64. Fardjad-Azad), Müller, Simak, Stegmayer; Werner,
Torghelle (36. Petersen)
- Koblenz: Eilhoff; Lomic, Bajic, Mavric, Forkel; Djokaj (63.
Langen), Dzaka, Hartmann, Sukalo; Cha (82. Bogavac), Daham (90. Richter)
- Zuschauer: 8251
- Schiedsrichter: Schriever (Dorum)
- Spielbericht:
- Konnte man sich nach der
Heimniederlage gegen Mainz noch damit trösten, gegen einen klar besseren
Gegner, der noch dazu aus der 1. Bundesliga gekommen war, verloren zu haben, so
fehlte diese Trostmöglichkeit nach dem Abpfiff gegen Koblenz völlig.
Dabei sah es anfangs recht gut aus,
wenn man von den ungewohnten Trikots absah, die an übergezogene gelbe Trainingsleibchen
erinnerten. Von der ersten Minute an spielte der FCC nach vorn und drückte die
Gäste an ihren Strafraum. Und so ergaben sich auch schnell einige Chancen, z.B.
als Werner in der 3. Spielminute nach links auf Stegmayer spielte, der flankte
in die Mitte, wo Hansen allerdings zu hoch schoss. Drei Minuten später das
gleiche Strickmuster Mitte – links – Strafraum – drüber, diesmal waren Simak,
Werner und Torghelle die Beteiligten.
Dann hatte Schiedsrichter Schriever
seinen großen – oder besser: peinlichen – Auftritt: Hansen führte einen Einwurf
blitzschnell aus und der Koblenzer Torwart fischte den Ball genauso
blitzschnell vor Torghelle weg, stand dabei allerdings zwei, drei Meter vorm
Strafraum. Anstatt Eilhoff regelgerecht "Rot" zu zeigen, ließ
Schriever den Einwurf wiederholen. Warum? Das bliebt sein ewiges Geheimnis. Und
so ging es mit 0:0 im bisherigen Szenario weiter. Es fehlte jedoch bei allen
Zuspielen die letzte Abstimmung und Präzision, so auch, als Torghelle in
Mittelstürmerposition ein Zuspiel Simaks nur um Fußbreite verpasste (22.). Irgendwann
ließ der Jenaer Druck nach und die Koblenzer erkundeten die gegnerische Hälfte.
Tatkräftige Aufbauhilfe bekamen sie dabei von Stegmayer (26.) und Omodiagbe
(28.), die jeweils aus eigentlich schon geklärten Situationen unnötigerweise
Eckbälle für Koblenz fabrizierten. Und so kam es zum schon fast üblichen Ritual
im EAS: Die Gäste erhielten mit ihrem ersten vernünftigen Spielzug den
Führungstreffer geschenkt. Hansen rutschte auf der rechten Abwehrseite im an
sich harmlosen Zweikampf aus, Forkel flankte ungestört, Maul tauchte mit dem
Sprungvermögen eines Kanonenofens unterm Ball durch und Daham köpfte das
Geschenk ein – 0:1! The same
procedure as every week! Danach trug die
allgemeine Verunsicherung zehn gelb-blaue Trikots und wir hatten Glück, dass es
nicht gleich noch einen Gegentreffer gab. Doch Jensen tauchte in die untere
Ecke und verwehrte dem Kopfballaufsetzer Sukalos den Weg ins Netz. Neubarth
reagierte auf diesen Rückschlag und wechselte den bis dahin vielleicht etwas
glücklosen, aber insgesamt nicht besser oder schlechter als seine Mitspieler
agierenden Torghelle aus und brachte statt dessen Petersen. Für mich war diese
Auswechslung die entscheidende Szene für die weiteren lauen Angriffsversuche
und die logisch folgende Niederlage. In der 39. Minute hatte der Fußballgott
dann aber ein Einsehen mit den geplagten Zeiss-Fans und ließ Eilhoff eine Ecke
fehlerhaft wegfausten, Werner flankte den Abpraller in die Mitte und Jenas
Torgarantie Omodiagbe machte per Kopfball den Ausgleich. Jaaa, jetzt aber…
denkste! Der nächste Koblenzer Angriff bestand aus einem einfachen langen
Flankenball von der Mittelinie an die Strafraumgrenze. Dabei war der Ball so
lange in der Luft, dass sich Omo und Stegmayer rechts und links in
ausreichendem Abstand von Dahame aufstellen konnten, um diesem beim
Direktschuss ins lange Eck bewundernd zuzusehen. Mit den Händen aufgebaut
(Ausgleich) und sofort mit dem Hintern wieder eingerissen (1:2) – derzeit
typisch für den FCC!
Aussage eines Zuschauers in der
Halbzeitpause: "So mies wie diesmal war die Stimmung in der Halbzeitpause auf
der Toilette ewig nicht mehr." Es sollte nach der Pause nichts
Stimmungsförderndes mehr passieren. Zwar kam Ziegner für Kühne ins Team, aber
auch der passte sich der allgemeinen Leistung an. Es waren lediglich noch
vereinzelte Standards, die Eilhoff etwas Ablenkung brachten: Petersen köpfte
nach Ziegner-Freistoß übers Tor (50.) und Stegmayer donnerte einen 25-m-Knaller
direkt aufs Trikot des Gästekeepers. Jensen zeigte in der 62. min seinen
„running gag“ und ließ auch diesmal einen Ball nach vorn prallen, allerdings
folgenlos. Bezeichnend fürs Jenaer Spiel war die Tatsache, dass Holzner als
rechter Außenverteidiger die größten Angriffsbemühungen zeigte, sich immer
wieder für Zuspiele anbot und lange Wege zwischen vorn und hinten ging. Da
ansonsten kaum Bewegung im Jenaer Spiel war, prallten alle Bälle von der roten
Gummiwand ab, die Koblenz am Strafraum errichtet hatte.
Einziger Farbtupfer war Fardjad-Azad, der
nach seiner Einwechslung innerhalb von 5 Minuten dreimal aufs Tor schoß und
mehr Torgefahr erzeugte als alle anderen zusammen. Der Neunzehnjährige mühte
sich redlich und umkurvte einige Male seine Gegenspieler, aber da seine
Mannschaftskameraden nicht annähernd so viel Einsatz zeigten, war er auf
verlorenem Posten. In der letzten Viertelstunde bot Koblenz noch alle
Varianten, wie man beste Konterchancen kläglich vergibt – zum Glück, sonst wäre
es nicht beim 1:2 geblieben.
Diese Niederlage war nicht eine
unglückliche, nach der man zum Tagesgeschäft übergehen könnte. Im Verein muss
man sich auf Grund der Art und Weise, wie sich unsere Mannschaft in diesen 90
Minuten präsentierte, ernsthafte Gedanken machen, wie man eine totale
Pleitesaison verhindern kann. Noch ist die Zeit dafür! <uk>
FC Carl Zeiss Jena - FSV Mainz 05 1:2
Tore: 0:1 Feulner (17.), 1:1 Omodigabe (54.), 1:2 Gunkel (77.)
- Jena: Jensen; Kandelaki, Omodiage, Maul, Holzner; Hansen,
Müller (82. Helbig), Simak, Ziegner (46. Charalambides); Werner,
Torghelle (78. Petersen)
- Mainz: Wetklo; Demirtas, Noveski, Subotiv, Hoogland; Feulner,
Petkovic, Gunkel, Karhan (72. Laurent); Borja (61. Jovanovic), Amri
(89. Vrancic)
- Zuschauer: 11.798
- Schiedsrichter: Willenborg (Osnabrück)
- Spielbericht:
- Mainz 05 – ich muss gestehen, dass ich gewisse Sympathien
für diesen Verein hege. Selbige haben ein ganzes Stück mit Trainer Jürgen Klopp
zutun, aber auch mit dem Erscheinungsbild des FSV insgesamt. Wenn es jedoch gegen
den FC Carl Zeiss geht, gibt es kein Pardon
– dann gehört Mainz in der persönlichen Werteskala nur noch zu „best of the
rest“.
Es konnte mir also nicht gefallen, was sich da in Halbzeit
eins auf dem Rasen abspielte. Vom Anpfiff weg bestimmten die Gäste mit
scheinbarer Leichtigkeit die Szenerie. Zweite Minute, erste Chance – Amri aus
15 Metern knapp drüber. In der 6.
Minute lud Omodiagbe mit Fehlpass Feulner zum Torschuss ein. Der nach Köln
zurecht kritisierte, mit „Tri Tra Trullala“-Artikeln aber nahe der Gürtellinie
getroffene Kasper Jensen zeigte sich in dieser und den folgenden Situationen
wieder auf der Höhe. Den frühen Rückstand vermochte er aber nicht zu
verhindern. Weil bei einem schnellen Mainzer Angriff noch ein Stürmer im
Zentrum mitlief, gingen nicht ausreichend
Jenaer Verteidiger auf den ballführenden Markus Feulner. Dieser ließ Müller als
seinen einzigen Gegenspieler ins Leere grätschen und Jensen keine Chance.
Hallo wach ? – Weit
gefehlt, statt mit Aufbäumen reagierten Jenas Akteure mit Verunsicherung. Dass sich
Omodiagbe bei allen Qualitäten seine zwei, drei Aussetzer pro Spiel leistet,
wissen wir schon. Auch dass sich bei Holzner Licht und Schatten noch zu sehr
abwechseln. Doch selbst ein Alexander Maul ließ sich in dieser Phase von der
allgemeinen Nervosität in der Hintermannschaft anstecken.
Auch nach vorn lief wenig rund, keine Spur von einem konstruktiven Zusammmenspiel. Simaks
30-Meter-Freistoß war der erste Jenaer Torschuss überhaupt. Nach 32 Minuten !
Zu diesem Zeitpunkt hatte Mainz bereits ein halbes Dutzend Male aufs Tor geschossen.
Schon ein kurzer Antritt von Tobias Werner und die hohe Hereingabe, welche
Wetklo locker herunterfischte, ließen kurzzeitig Stimmung aufkommen. Wie
Dürstende auf jeden Tropfen Wasser stürzten sich die Zeiss-Fans auf diese
unaufregende Szene. Kein Wunder angesichts der Tristesse in Hälfte eins.
Omodiagbes Kopfball (42.) war da noch die beste Gelegenheit vor der Pause, vor
Probleme wurde Wetklo aber auch damit nicht gestellt. Dessen Gegenüber Jensen
hatte da ganz andere Kaliber zu meistern. Bei Feulners Kopfball aus Nahdistanz
reagierte der Däne großartig, auch Hooglands Nachschuss lenkte er zur Ecke.
Mainz dominierte. Mit dem 0:1-Rückstand war Jena zur Pause gut bedient.
Gelbe Schuhe zu blau-weißen Stutzen – rein optisch passt der
zypriotische Nationalspieler Constantinos Charalambides schon mal sehr gut nach
Jena. Zumindest in den ersten Minuten nach seiner Einwechslung war der
Neuzugang überall auf dem Platz zu finden, als wolle er im Alleingang dem
Geschehen eine Wende geben. Doch auch seine neuen Mannschaftskameraden
steigerten sich endlich auf jenes Niveau, dass man von Anfang an hätte erwarten
dürfen. Torghelles Einsatz auf der rechten Seite brachte nach 53 Minuten den
ersten Jenaer Eckball. Und der führte zum Ausgleich durch Darlington Omodiagbe.
Per Kopf traf der Nigerianer aus Nahdistanz. Zwischen Genie und Wahnsinn liegt
eben manchmal nur eine Halbzeitpause. Jetzt war Jena am Drücker, auch
akkustisch. Von den recht wenigen Mainzer Anhängern war vorübergehend nichts zu
hören. Bis hinauf zur letzten Reihe der neuen Zusatztribüne feuerten die
Zuschauer ihre Elf an. Jürgen Klopp lobte nach dem Spiel die tolle Atmosphäre
im Jenaer Stadion. Schade nur, dass sich seine Spieler davon nicht beeindrucken
ließen. Die Bundesligaabsteiger nahmen den Kampf an und da sie in der
Spielanlage einen Tick reifer wirkten, gewannen sie dieses Match. Amris
Schrecksekunde (Ball rollte parallel zur Linie des verwaisten Tores) beendete
die beste Jenaer Phase. Gunkels Diagonalfreistoß machte sinnbildlich den Deckel
zu. Dass der vom Schiri als indirekt ausgeschriebene Freistoß direkt verwandelt
wurde, passt ebenso ins Bild wie Werners unglücklich vergebene Großchance drei
Minuten vor Schluss – wenn du da unten drin stehst, bekommst du den Mist nicht
so schnell vom Hacken. Auf diese Art verlor der FCC sein drittes Spiel in Folge
mit einem Tor Differenz. Wobei es
Jensen mit einer weiteren Rettungstat gegen Feulner (90.) zu verdanken ist,
dass es nicht mehr wurde.
Die Schwere des Auftaktprogramms war uns allen bewusst. Dass
aus vier Partien nur ein mickriges Pünktchen herausspringt, ist allerdings
ernüchternd, insbesondere nach den Spielverläufen gegen St. Pauli und Köln. Bei
aufmerksamer Betrachtung des Jenaer Spiels gewinnt man den Eindruck, die
Komponenten für eine erfolgreiche Saison sind da, aber noch nicht richtig zusammengefügt.
Vielleicht kommt die 12tätige Punktspielpause gar nicht so ungelegen. <fc>
1. FC Köln - FC Carl Zeiss Jena 4:3
Tore: 0:1 Torghelle (5.), 1:1 Novakovic (20.), 1:2 Müller (37.),
1:3 Omodiagbe (55.), 2:3 Chihi (73.), 3:3 Chihi (84.), 4:3 Jensen (86., ET)
- Köln: Mondragon; Ehret, Mitreski, McKenna, Nickenig
(60. Schöneberg); Antar, Broich (60. Scherz), Helmes; Chihi, Vucicevic, Novakovic (60. Gambino)
- Jena: Jensen; Kandelaki, Omodiage, Müller, Holzner;
Hansen (84. Stegmayer), Lorenzon (46. Kühne), Werner, Simak,
Ziegner; Torghelle (81. Petersen)
- Zuschauer: 37.700
- Schiedsrichter: Dr. Fleischer (Sigmertshausen)
- Spielbericht:
- Es war die Woche der
unverdienten Auswärtssiege mit St. Paulis Dreier im Ernst-Abbe-Sportfeld und
Deutschlands glücklichem Erfolg in Wembley, und so mancher hegte die Hoffnung
auf eine Fortsetzung dieser Serie in Köln-Müngersdorf, waren die Vorzeichen
zwischen den beiden ungleichen Gegnern doch klar. Einen unverdienten Verlierer
gab es auch diesmal, jedoch war dies nicht etwa der haushohe Favorit, sondern
ein FC Carl Zeiss, der sich in der Schlussphase selbst um den Lohn eines
großartigen Spieles brachte.
Durch
den Platzverweis Alexander Mauls war Coach Frank Neubarth zu Umstellungen
gezwungen, nahm Robert Müller in die Innenverteidigung und ließ mit Nils Hansen
und dem erstmals nach seiner Verletzungspause wieder kickenden Lorenzon gleich
zwei Abräumer im defensiven zentralen Mittelfeld auflaufen. Werner und Ziegner
besetzten die Außenpositionen im Mittelfeld, während Jan Simak als Spielmacher
fungierte, hinter der einzigen Spitze Torghelle. Und was der drauf hat, sorgte
schon nach 5 Minuten für den ersten Jubelschrei unter den 1.500 mitgereisten
Zeissfans. Langer Abschlag Jensen, Kopfball-Doppelpass
Torghelle-Werner-Torghelle und unser ungarischer Neuzugang hämmerte die Kugel
trocken von der Strafraumgrenze ins Netz. 0:1, was für ein Auftakt, und um ein
Haar hätte Broich nachgelegt, dessen Rückpass Mondragon verfehlte, aber knapp
am Kölner Kasten vorbeirollte (14.).
Beim Gastgeber hatte man im Vorfeld einen mauernden Gegner erwartet,
doch der FCC spielte auch nach der Führung munter nach vorn, fast zu munter,
denn Kölner Gelegenheiten resultierten fast ausschließlich aus Kontern nach
jenenser Abspielfehlern. In der 10. Minute ging das noch gut, als Jensen einen
tückischen Helmes-Knaller im Nachfassen parierte, nach 20 Minuten jedoch hatten
die Domstädter mit ihrer zweiten Möglichkeit im Spiel ausgeglichen. Novakovic
hatte von Omodiagbe bedrängt Vucicevic angespielt, welcher an der rechten
Strafraumgrenze Lorenzon düpierte und auf den von Omodiagbe und Werner
sträflich vernachlässigten Novakovic zurückpasste. Dass dessen Schuß durch die
Beine von Hansen den Weg ins Netz fand ist sicher unglücklich zu nennen, das
Abwehrverhalten zuvor dilettantisch. Köln hatte nun Oberwasser, baute gehörigen
Druck auf und hatte mit Vucicevics Schussversuch nach Kandelakis
verhängnisvollem Ballverlust (24., knapp daneben) und Broichs abgefälschtem
Schuß (29., Jensen hält) auch die ein oder andere Möglichkeit. Doch als Simak
mit einem wahren Zauberpass den durchlaufenden Holzner bedient und dieser aus
Nahdistanz an Mondragon scheiterte (30.), wirkte das wie ein Signal an die
eigene Mannschaft zur Besinnung auf das überlegte Spiel der ersten Minuten. Kurz
darauf hätte es Elfmeter für den FC Carl Zeiss geben müssen, als Torghelle im
Strafraum gefoult wurde, doch nicht nur in dieser Szene zeigte sich die
nachhaltige Wirkung des Daumschen Montagstheaters bei Referee Dr. Fleischer.
Jena ließ sich nicht beirren, es war eine Freude, dem Kombinationsfußball von
Jenas Offensivabteilung um den immer besser werdenden Kapitän Ziegner, den an
allen Ecken des Spielfeldes zu findenden Hansen (bester Mann auf dem Platz) und
einen Jan Simak zuzusehen und manch einer rieb sich die Augen, mit welchem
Selbstbewusstsein der Underdog hier in der WM-Arena auftrat. Werners Schuß nach
36 Minuten parierte Mondragon im Nachfassen, Ziegners Freistoß eine Minute
später kratzte der kölsche Schlussmann noch aus dem Eck, doch die
darauffolgende Ecke brachte die verdiente Führung. Torghelle hatte Ziegners
Eckball an den langen Pfosten verlängert, wo Robert Müller eiskalt vollendete.
Der Gast wirkte nun wie paralysiert, beinahe hätte Torghelle das Ergebnis noch
höher schrauben können, verzettelte sich aber im Strafraum (39.) und so war der
Schlusspunkt unter die erste Hälfte symptomatisch, als der wenige Tage zuvor
noch zum Deutschlandkader gehörende Helmes eine Freistoßablage von Vucicevic 15
Meter über das Jensen-Gehäuse beförderte. Kölns Mannschaft ratlos, Kölns
Publikum fassungslos und ein gellendes Pfeifkonzert verabschiedete die
Millionentruppe in die Kabinen.
Aufbäumen,
Dagegenhalten, Druck aufbauen, so in etwa hätte man die Gastgeber nach
Wiederanpfiff erwartet, doch stattdessen spielte Thüringens Stolz so, als hätte
er einen Rückstand aufzuholen. Werner prüfte Mondragon mit Schuß aus spitzem
Winkel (51.), das Eckenverhältnis war inzwischen auf 7:3 für Jena angestiegen
und als Ziegners Freistoß den Fuß des völlig unbedrängt durchlaufenden
Omodiagbe fand, hieß es 1:3, das Spiel schien entschieden. Auch wenn Helmes nur
eine Minute später den Anschlusstreffer auf dem Kopf hatte und knapp verzog,
das Auftreten der völlig konsternierten Gastgeber glich insgesamt einem
Fehlpassfestival, begleitet von eisigem Schweigen des Opernpublikums auf den
Tribünen. Christoph Daum hatte die Nase voll, wechselte gleich drei Spieler auf
einmal aus und vor allem die Hereinnahme von Matthias Scherz, der ja schon in
der Vorsaison den mehr als glücklichen Siegtreffer der Kölner vom Elfmeterpunkt
erzielt hatte, sollte sich als folgenschwer erweisen. Doch zuvor hatte Referee Fleischer
seinen Auftritt, schickte Zeiss-Trainer Frank Neubarth auf die Tribüne, als der
sich lautstark über eine der unzähligen Freistoßfehlentscheidungen zugunsten
des 1. FC Köln mokierte (65.), übersah eine Tätlichkeit Antars an Stefan Kühne
(Kopfstoß, 68.) und gab für McKennas Notbremse an dem durchbrechenden Torghelle
nur gelb (71.). Jener Torghelle hatte bis dahin ein großartiges Spiel gehabt,
zerrte unermüdlich an den Ketten und war von seinem Gegenspieler meist nur
durch Foulspiele zu stoppen. Doch er wurde ebenso wie Jan Simak müder und so
verlagerte sich das Spielgeschehen mehr und mehr in die Jenaer Hälfte, Chihi
mit Freistoß und Antar per Kopfball (69.) besaßen gute Möglichkeiten, ehe in
der 73. Minute das Unheil für den FCC seinen Lauf nahm. Die Fehlerkette war
lang. Jensen ließ sich eine Kölner Flanke von Robert Müller zum Einwurf
wegköpfen, anstatt sie selbst herunterzupflücken. Omodiagbe musste erkennen,
dass auch 1,88m nicht ausreichen, wenn man 2 Meter hinter einem kopfballstarken
Matthias Scherz steht, dessen Verlängerung Adel Chihi fand, der von Felix
Holzner völlig unbedrängt zum Anschlusstreffer einschoß. Fünf Minuten später
hatte Scherz selbst die Riesenchance zum Ausgleich, köpfte aber freistehend am
völlig leeren Tor vorbei. Durchatmen, doch die Partie wurde hitziger. Mondragon
erhielt gelb, als er den sich bei der Auswechslung zu viel Zeit lassenden
Torghelle vom Platz schubste, Holzner kassierte den gelben Karton für ein an
ihm begangenes Foulspiel und Jan Simaks Bedrängen Vucicevics wurde mit Freistoß
für Köln geahndet, den Scherz aufs Tor platziert, Jensen lässt den schon sicher
geglaubten Ball vor die Füße von Chihi fallen, der nur noch abstauben muß.
Ausgleich, Kölns Publikum aus dem Dornröschenschlaf erwacht und Kasper Jensen der
einsamste Mann auf dem Platz. Ob ihm diese Szene noch durch den Kopf schwirrte,
als er kurz darauf Chihis Eckball (Omodiagbe hatte zur Ecke klären müssen, da
ein Ellenbogencheck von Scherz gegen ihn ungeahndet blieb) zum Kölner 4:3 ins
eigene Tor patschte?
Ein mehr als bitteres Ende für den zuvor gut spielenden
Keeper, der nach dem Abpfiff sofort den Trost seines Kapitäns Torsten Ziegner
bekam. Vergessen wird er diesen Abend wohl nie, ebenso wie Jenas Anhang. Fassungslose,
entsetzte Gesichter noch Minuten nach Spielende im Gästeblock. Was für eine
Riesenchance hatte sich der FC Carl Zeiss hier selbst vergeben. Ob die
tadellose Moral der Mannschaft mit diesem erneuten Tiefschlag einen dauerhaften
Knacks wegbekommen hat, oder ob man sich am 70 Minuten lang wirklich tollen
eigenen Spiel aufbaut, wird die nächste Partie gegen Mainz zeigen. Nachdem der
Trainer, dessen vorgenommene und unterlassene Auswechslungen in Köln nicht
jedermanns Geschmack trafen, aus den vielen Neuzugängen mehr und mehr eine
Mannschaft zu formen scheint, ist in den kommenden Tagen in erster Linie der
Psychologe Frank Neubarth gefragt! <gunner>
FC Carl Zeiss Jena - FC St.Pauli 0:1
Tore: 0:1 Schnitzler (20.)
- Jena: Jensen; Kandelaki, Maul
(

, 40.),
Omodiagbe, Holzner; Kühne (67. Petersen), Hansen, Ziegner (46. Simak),
Müller; Werner, Torghelle (77. Helbig)
- St.Pauli: Borger; Gunesch, Eger, Morena, Rothenbach; Trojan (79. Bruns), Boll, Meggle, Takyi (

, 42.), Brunnemann (45. Braun); Schnitzler (64. Ludwig)
- Zuschauer: 12.129
- Schiedsrichter: Schalk (Augsburg)
- Spielbericht:
- [von Gastkommentator Ragnar Boedefeld]
Nach drei erfolgreichen Jahren in Folge und der Wiederholung eines
2:2-Auswärtserfolgs nach 0:2-Rückstand im ersten Saisonspiel war es wieder
einmal an der Zeit, dem Aberglauben zu frönen. Und so schreibt jetzt im vierten
Jahr in Folge ein- und derselbe Gastkommentator den ersten Heimspielbericht.
Angeblich soll einer aus dem Stammpersonal sogar geheiratet haben, damit er um
diesen Spielbericht drumrum kam...
Ähnlich wie im letzten Jahr (Braunschweig) war auch diesmal ein potentieller
Konkurrent im Abstiegskampf beim ersten Saisonheimspiel zu Gast.
Unvorhersehbare Auswärtsunentschieden sind gerne gesehen - doch wichtiger sind
die drei Heimpunkte aus diesen sogenannten "Sechs-Punkte-Spielen". Unbedingter
Siegeswillen war also Pflicht, und so harrte unsereiner gespannt, ob der
Trainer Neubarth dieses seinen Spielern verklickert hatte.
Er hatte - wenn man
die ersten zwanzig Minuten des Spiels als Maßstab nimmt. In dieser Zeit brachte
der FCC fünf gefährliche Situationen zustande, die in ihrer Vielfalt
überraschten. Ein Freistoß von Ziegner, der knapp neben das Tor ging, ein
gefährlicher Fernschuss von Kühne, dann einer von Werner, den Borger abprallen
ließ - Torghelle war einen Schritt zu spät. Kurze Zeit später war es umgekehrt:
Torghelle ließ zwei Gäste aussteigen und versuchte einen Schlenzer mit dem
linken Bein, Borger ließ wieder prallen - doch der Ball wollte einfach nicht
rein. Dann folgte noch ein gefährlicher Kühne-Kopfball. Von Pauli war bis dahin
nichts zu sehen, die besten Aktionen der Gäste hatte noch der Fanblock.
Plötzlich zack-zack, ein Querpass, einer in die Spitze - und Schnitzler kann
frei vor Jensen einschieben. Ausgerechnet Pauli, das seinerseits letzte Woche
gegen Köln reihenweise vor dem Tor versagt hatte, machte mit seinem ersten
zusammenhängenden Spielzug das 0:1. Nur kurz danach wäre beinahe das 0:2
gefallen, der Ball ging links unten knapp vorbei. Beim FCC war jetzt ein Knacks
im Spiel, keiner lief richtig und elementare Dinge wie flache Anspiele und
Ballannahmen aus der Luft misslangen. Eine Viertelstunde lang war einmal mehr
der Fluch der ersten Saisonspiele zu ertragen: eine bunt zusammengekaufte
Mannschaft (gleichwohl mit Niveau) ist noch nicht wirklich eine Truppe, wirkt
verunsichert und ängstlich in einem ihr häufig noch fremden Heim-Umfeld, das
wegen des Rückstandes nicht erbaut ist. Bad Vibes... warum nur?
Individuelle Klasse hat der Kader jedenfalls, wie man in der 35. Minute sehen
konnte. Kandelaki wurde auf links steil geschickt, passte flach nach innen, wo
Torghelle den Ball annehmen, kontrollieren und auf Ziegner zurücklegen konnte,
der leider links vorbeisemmelte. Das tat weh, ebenso der knapp verfehlte
Ziegner-Freistoß kurz vor der Pause, bei dem Borger keine Regung zeigte. Ab der
40. Minute spielte übrigens der FCC nur noch zu zehnt, Maul war geampelt worden.
Zwei Minuten später hatte auch Pauli einen weniger auf dem Platz, nachdem Takuy
wiederholt das Spiel verzögert hatte.
Und dann kam der Abschnitt des Spiels, den ich nicht begreife. Freilich kann man
nicht 90 Minuten lang höchstes Tempo gehen, sicherlich muss man zwischendurch
auch mal verschnaufen. Aber wieso kann man nach einer Halbzeitpause voller
Regeneration nicht genau dort weitermachen, wo man vor der Pause aufgehört hat
- nämlich Druck auf den zeitweilig überforderten Gegner auszuüben? Pauli war
mit der Pause eigentlich sturmreif, wurde dann aber bis zur 70. Minute durch
einfache Fehler und mangelhaftes Laufspiel wieder aufgebaut. Wenn nur alle in
der zweiten Halbzeit so gerannt wären wie der Holzner...
Erst in der
Schlussviertelstunde wurde Pauli wieder in der eigenen Hälfte eingeschnürt.
Auffällig war dabei Jan Simak, der die Bälle jetzt schön verteilte und auch
selbst gefährlich wurde. Es ergaben sich Chancen im Minutentakt, fast jeder
durfte mal ran. Leider ging alles daneben (Torghelle 74., Petersen 78. und 86.,
Werner 83.), an den Pfosten (Petersen 74.) oder wurde von Borger entschärft
(Kopfball von Helbig 83.). Dann war Schluss und die erste Heimniederlage in der
neuen Saison Tatsache.
Trotz dieser Niederlage bleibt ein besseres Gefühl als im letzten Jahr nach dem
0:0 gegen Braunschweig, weil der FCC seinen Gegner diesmal spielerisch
beherrschte, obwohl die Hälfte der Neuzugänge noch auf der Bank saß bzw.
verletzt war. Heuer steht auch nicht zu befürchten, dass das Potential des
Clubs einbricht, sollten Spieler wie Ziegner und Helbig eine ganze Saison lang
verletzt ausfallen - der Kader ist wesentlich breiter und auch besser geworden.
Wie sagte Gästetrainer Trulsen in der Pressekonferenz: "Es wird für jede
Mannschaft schwer, in Jena zu punkten." Allerdings nur, wenn die Dinger vorne
auch jemand reinmacht!
Alemannia Aachen - FC Carl Zeiss Jena 2:2
Tore: 1:0 Vukovic (1.), 2:0 Nemeth (6.), 2:1 Maul (28.), 2:2 Petersen
(76.)
- Aachen: Nicht; Stehle, Klitzpera, Vukovic (33. Casper), Weigelt;
Lehmann, Polenz (75. Leiwakabessy), Reghecampf, Nemeth, Pecka (81. Milchraum),
Ebbers
- Jena: Jensen; Kandelaki, Maul, Omodiagbe, Holzner; Kühne,
Müller (72. Petersen), Hansen, Ziegner (72. Fröhlich), Simak
(58. Stegmayer); Werner
- Zuschauer: 19.986
- Schiedsrichter: Aytekin
- Spielbericht:
- Wenn ein Verein aus der Bundesliga kommend zuhause auf den
Zweitliga-Dreizehnten des Vorjahres trofft, ist die Favoritenrolle am 1.
Spieltag klar gegeben. Dass sich der Webmaster aus Aachen bei der
Live-Ticker-Ankündigung aber gleich für ein fingierte 5:2-Vorhersage entschied, kam
uns vor dem Spiel doch etwas übertrieben vor.
Nach sechs Minuten Spielzeit schien allerdings nichts mehr
unmöglich. Zwei Gegentore hatte sich der FC Carl Zeiss zu diesem Zeitpunkt
schon eingefangen, das Erste nach 50 Sekunden ! Einen Freistoß-Ball von
Reghecampf verlängerte Vukovic per Kopf unhaltbar ins Jenaer Gehäuse. Robert
Müller war zwar mit hochgestiegen, hatte aber das Nachsehen. Keinen
Gegenspieler besaß Nemeth nach 5:30 min. Omodiagbe hatte die Abseitsfalle
aufgehoben.
0:2 - Mann oh Mann, welch ein Fehlstart in die insgesamt achte
Zweitligasaison des FCC ! Nachdem der erste Schock verdaut war, erinnerte man
sich als Auswärtsfahrer an den 1. Spieltag der Vorsaison, als Jena in Offenbach
ebenfalls mit zwei Toren hinten gelegen hatte, sich aber noch zum Remis
kämpfte. Sollte dies erneut möglich sein ? Hier, auf dem berühmten Aachener
Tivoli ? Nicht das Stadion selbst macht den Reiz aus, in vielen Dingen erinnert
es an die alte Heimstätte des FC Sachsen Leipzig. Nein, es ist die Atmosphäre,
bei der das Dabeisein einfach Spaß macht, weil die Stimmung enthustiastisch,
aber nicht aggressiv ist und häufig von drei Seiten gleichzeitig gepuscht wird.
Es sah noch immer nicht gut aus. Nach 25 Minuten war kein einziger
gefährlicher Ball auf das vom Ex-Jenaer Kristian Nicht gehütete Aachen-Gehäuse
abgegeben worden. Stattdessen musste Gegenüber Kasper Jensen beim
Aachener Konter die fehlende Innenverteidigung ersetzen und zehn Meter vor
seinem Strafraum per Kopf klären. Dann die 28. Minute. Ziegner aus einer
Spielertraube heraus auf Hansen, Flachschuss aus 15 Metern, Torwart Nicht pariert auf
Kosten einer Ecke. Das war sie, die erste Jenaer Gelegenheit im Punktspieljahr
2007/2008. Eine Ansage „Wir sind auch da“. Den anschließenden Eckball
erwischt Stefan Kühne am langen Pfosten, köpft ihn zur Torlinie, wo Alexander
Maul steht und unter Bedrängnis einköpft. Der Anschlusstreffer noch vor der
Pause. Wie damals in Offenbach. Hoffnung bei uns. Ein aus allen Wolken fallen
bei den Alemannen. Zu deutlich hatten sie die Anfangsphase dominiert,
zu leicht ihre Tore gemacht gegen einen in
dieser Phase unsortierten und harmlosen Gegner. Nun kämpften sich die
Neubarth-Schützlinge in das Spiel hinein. Nur vier Minuten nach dem
Anschlusstreffer spielte Simak einen ähnlich genialen Pass wie im Pokal eine Woche zuvor
auf Werner, der hatte gegen den heranstürmenden Nicht die Idee eines
Hebers – nur leider fiel dieser zu hoch aus. Eine Partie mit umgekehrten
Vorzeichen – jetzt spielte Jena Fußball. Wäre Kühne in der 43. Minute nicht
selbst überrascht gewesen über eine sich bietende Kopfballchance, es hätte noch
vor der Pause Unentschieden gestanden. Der Offenbacher Regievorlage hätte dies
freilich nicht entsprochen.
Mit ein bisschen Magengrummeln empfingen wir unsere Mannen
aus der Kabine. Nur nicht wieder solch eine Schlafwagen-Einlage wie zu Beginn.
Doch die Sorgen erwiesen sich als unbegründet. Lediglich Keeper Jensen sorgte
für erhöhte Herzfrequenz in Minute 51, als er bei zwei heranstürmenden
Gegenspielern den Ball nicht einfach wegschlug, sondern ihn kalt wie
Hundeschnauze behauptete. Außerdem Holzner, der am eigenen Strafraum den Ball
vertändelte und von Glück sagen kann, dass die Abseitsfahne nach oben
schnellte, da ansonsten eine 3 gegen 1-Überzahlsituation für die Westdeutschen
entstanden wäre.
Die Leistungssteigerung der Jenaer Elf lässt sich treffend am Bild festmachen, dass Ilia Kandelaki in den ersten neunzig Minuten
für seinen Verein abgab. Nach Stegmayers gutem Pokalauftritt war er für mancheinen
überraschend in die Startelf gerückt. Die etwas defensivere Variante schien
anfangs nach hinten loszugehen, weil der Georgier einige Male Unsicherheiten
auf seiner linken Seite offenbarte. Doch nach der Pause fand Kandelaki zu sich selbst,
seinen Mannschaftskameraden und ins Spiel. Wobei Stegmayer später noch eingewechselt wurde,
ebenso wie Fröhlich und Petersen. Die aus den Wechseln hervorgehenden
taktischen Umstellungen waren riskant, besonders der Austausch des defensiven
Müller gegen den stürmenden Petersen. Das Risiko sollte sich aber bezahlt machen. Denn
Nils Peteresen war gerade drei Minuten im Spiel, da verlängerte er einen Ball
von Kühne ins Tor. Wahnsinn ! Ausgerechnet Jenas Jüngster schafft den
Ausgleich. Klar hat der in Junioren-Länderspielen schon gegen
U19-Nationalmannschaften getroffen, doch ein solche wichtiger Treffer „bei den
Großen“ ist dann doch etwas Besonderes. Wäre der Bursche in Minute 79 doch noch
einmal etwas kaltblütiger gewesen, er hätte den FCC gar zum Sieg geschossen.
Nach einer Unsicherheit seines Gegenspielers verzog Petersen jedoch
deutlich.
Remember OFC – aus einem 0:2 ein 2:2 gemacht und dem Sieg
sehr nahe gekommen. Auch Kandelakis
Flanke fünf Minuten vor Schluss brachte Gefahr, neutralisierte sich aber mit
Reghecampfs Hereingabe in Minute 88. Beide Male fehlte ein Abnehmer im
Sturmzentrum.
Das Unentschieden feierten die Jenaer wie einen Sieg,
während die Gastgeber ziemlich konsterniert das Stadion verließen. Auch dieses
Bild hatten wir vor einem Jahr schon einmal. Neu ist die Serie, in der sich die
Jenaer Mannschaft befindet. Unter Frank Neubarth bleibt sie in Pflichtspielen
weiterhin unbesiegt. <fc>
Bilder von der ersten Partie
Spielbericht auf alemannia-aachen.de
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Für Herzkranke war es allerdings nix, da die Jenaer das Auslassen von Großchancen offenbar zur höchsten Vollendung entwickelt haben. Die erste Heldentat diesbezüglich vollbrachte Niels Hansen in der 9. Spielminute. Schön freigespielt von Sami Allagui schob er den Ball aus Nahdistanz am langen Pfosten vorbei. Allagui versuchte sich nach einer knappen halben Stunde dann auch noch selbst. Er stand zwar etwas weiter weg, vollbrachte aber ansonsten exakt das gleiche Kunststückchen. So ist das halt, wenn man im gesicherten Tabellenkeller rangiert! Zehn Minuten vor der Pause war Simak dann eigentlich frei durch, der Linienrichter verweigerte ihm aber die Möglichkeit des Nichttreffens. Eine glatte Fehlentscheidung, aber das kennen wir ja… Und die Münchener? Deren Selbstbewußtsein hatte nach sechs sieglosen Spielen offensichtlich derart gelitten, da kam nicht viel. Selbst die Anfangsoffensive, mit der uns der Gegner üblicherweise beglückt, blieb aus. Keine Spur von Aufstiegsambitionen. Ein oder zweimal rumpelten die Stürmer zwar durch unseren Strafraum, zum Aufschreiben war das allerdings nix. Und so muß man die beste Jenaer Halbzeit seit langer, langer Zeit konstatieren.
Aber was nützt das alles
ohne ein Tor? Das mußte in Halbzeit 2 unbedingt anders werden, denn alles andere
als drei Punkten wäre zu wenig. Dementsprechend engagiert ging es von Jenaer
Seite zur Sache. Zunächst aber das gleiche Spiel. Erst versaut Tobias Werner einen
schönen Konter (47.), drei Minuten später setzt sich
Simak nach einem Doppelpaß mit Allagui
gegen mehrere Löwen durch, kommt dann aber – wie so oft – nicht zum Ende. Und
einen Elfer gibt’s für so einen Faller auch nicht.
Dann aber, gerade als uns Thorandt mit seinem
35m-Schuß auf die ‚Kreuzecklatte’ (O-Ton 1860-Ticker (-:) einen ‚kleinen’
Schreck eingejagt hatte, war es soweit. Allagui
(fleißig aber meistens glücklos) erkämpft sich den Ball an der Mittellinie von
Berhalter, paßt auf den mitgelaufenen Werner (fleißig aber
meistens ebenso glücklos), der beiden Akteuren das ‚Glücklos’ aus der
Arbeitsbeschreibung schießt. Der Ball landet im kurzen Eck; endlich die
verdiente Führung und riesiger Jubel im Jena-Block (60.). Doch damit beginnt
auch das große Zittern. Ab dieser Zeit werden meine Notizen immer lückenhafter,
Schreiben geht nicht mehr. Die Spannung wird unerträglich. Und sie steht in
jedes Gesicht geschrieben. Hoffentlich hält das Bollwerk da hinten.
Vasili
Khamutouski kriegt alle Hände voll zu tun. Zunächst
kann er einen Schuß aus Nahdistanz von Di Salvo zur
Ecke abwehren (62.), kurze Zeit später verpaßt Di Salvo
noch eine Vorlage von Bierofka nur ganz knapp (65.).
Durchatmen. Dann ist Schied auf einmal durch, kommt knapp vor
Tschauner im Löwen-Tor an den Ball. Der Preßschlag landet
wieder bei Schied, der mit einem mißglückten Anspiel auf Allagui
die schlechteste Entscheidung trifft. Warum haut er denn nicht einfach drauf.
Blankes Entsetzen (67.). Das weicht kurze Zeit später einer gewissen
Trostlosigkeit, nachdem Göktan die sich häufenden
Zuordnungsfehler in der Jenaer Abwehr ausnutzt und Khamutouski
mit einem Flachschuß überwinden kann. Wie kann man den Gegner nur so stark
machen? Erst später höre ich, daß hier ein Abseits im Spiel gewesen ist. Sollte
es so sein, sticht diese Fehlentscheidung wenigstens nicht sonderlich raus.
Hätte Khamutouski ähnlich schwach gehalten, wie
Thomas Frank pfiff bzw. seine beiden Assistenten winkten, wir hätten die Jacke
jetzt so richtig voll gekriegt. Haben wir aber nicht, denn Vasili hält alles.
Er muß den Ball ähnlich gemächlich auf sich zufliegen sehen, wie der Keanu
Reaves in Matrix die Kugeln. Bloß das Reaves
immer schnell weghüpft (Feigling!), während sich Khamutouski
zunächst in Da Silvos Flugkopfball wirft, um den
Bruchteil einer Sekunde später auch noch den Nachschuß zu parieren (77.). Nicht
anders zu erklären!
Jetzt sind wir wieder am Drücker. Simak
holt einen Freistoß raus, schießt ihn selbst. Die Hälfte unseres Blocks fällt
sich in die Arme, die andere sieht es etwas realistischer. Knapp drüber (85.).
Dann die große Möglichkeit für Schied. Ach nö, wie
kann man denn so was machen. Sein Kopfball von der Torraumgrenze geht rechts am
Tor vorbei. So steigt man ab! Dann sind nur noch drei Minuten zu spielen. Auf
einmal taucht Schied wieder vor Tschauners Tor auf.
Was jetzt passiert, läßt sich nicht mehr genau rekonstruieren. Es geht alles
rasendschnell. Wir liegen uns in den Armen, die Mannschaft steht vor dem
Fanblock und feiert. Alles flippt aus. Wir leben wieder! Schied hat das Ding
reingehämmert. 2:1. Das muß es doch sein. Der Rest ist Brüllen, Singen, Zittern
und dann… Feiern. Wir sind schweißgebadet, die Nerven sind runter, die
Stimmbänder abgenutzt. Erst im Parkhaus kommt der Puls wieder unter 200. Dort
haben wir auch genug Zeit dafür. Der Automat an der Ausfahrt ist im Eimer, einfach
weltmeisterlich! Aber auch das kann einen solchen Tag nicht mehr verderben!
Nächsten Sonntag kommt dann das Endspiel um Platz 17. Im Falle des Nichtsiegens wird sich das Jenseits unter uns wieder ganz weit auftun. Aber bis dahin aber können wir erst mal wieder Hoffen. Und das alleine ist schon mehr als man vor einer Woche erwarten durfte. <bpf>
Bilder des Tages
Bericht auf tsv1860.de
Bericht auf fansmedia.org zu Vorgängen am Rande des Spiels
- Jena: Khamutouski; Maul, Müller, Stegmayer; Werner, Hansen, Ziegner (46. Riemer), Simak, Kandelaki; Allagui (83. Schied), Torghelle (68. Petersen)
- Fürth: Kirschstein; Felgenhauer (66. Schröck), Biliskov, Mausersberger, Achenbach; Ilicevic, Burkhardt, Lanig, Adlung (66. Nehrig,
, 90.); Kotuljac, Reisinger (46. Cidimar)
- Zuschauer: 5446
- Schiedsrichter: Anklam (Buchholz)
- Spielbericht:
- Fürth: Kirschstein; Felgenhauer (66. Schröck), Biliskov, Mausersberger, Achenbach; Ilicevic, Burkhardt, Lanig, Adlung (66. Nehrig,
-
Zu Ostern kehrte der Winter zurück. So konnte die vom Verband
vorgeschriebene, kostspielige Rasenheizung wenigstens einmal in dieser
Zweitligasaison ihren Zweck erfüllen, die über Nacht gefallenen Schneeflocken
zum Schmelzen zu bringen und einen möglichen Spielausfall abzuwenden.
Henning Bürger hatte im Vergleich zum Pokalaus von Dortmund drei Veränderungen in der Anfangself vorgenommen. Diese sollten spielentscheidenden Charakter tragen, denn alle drei Neuen waren an der Entstehung des 1:0 beteiligt. Sandor Torghelle ging zum Mann und eroberte den Ball. Nach Zuspiel des Ungarn auf seinen Stürmerkollegen leitete Sami Allagui den Ball in die Mitte, wo Fürths Torhüter Kirschstein zwar den Ball erwischte, aber auch das Bein von Ilja Kandelaki. Der Schiedsrichter zeigte auf den Elfmeterpunkt und obendrein noch Gelb. Mit gewohnter Kaltschnäuzigkeit verwandelte Jan Simak den Strafstoß genau ins linke untere Eck. Kirschstein hatte zwar die Ecke geahnt, kam aber nicht mehr ganz hin.
Frühzeitig in Rückstand geraten, mussten die Franken nun das Spiel gestalten. Eine Rolle, die ihnen in den vergangenen Wochen nicht so wirklich lag und in Heimniederlagen gegen Kaiserslautern und Koblenz mündete. Erschwerend kam hinzu, dass die Rasenheizung zwar einen Großteil des Schnees wegbekommen hatte, der Boden dennoch feucht und glatt war, bei jeder ruckartig schnellen Bewegung Probleme bereitete. Gemessen an diesen Voraussetzungen war die Partie insgesamt durchaus ansehnlich. So honorierten die Zuschauer beispielsweise Torghelles überlegt gelupften Ball, den Kirschstein einen Augenblick vor Simak wegfing. Oder Ziegners Fernschuss, der knapp am linken Pfosten vorbei strich. Mit 53 zu 47 Prozent gestalteten sich diesmal sogar die Zweikampfwerte positiv für den FC Carl Zeiss. Dies hatte es nicht einmal in der total überlegen geführten ersten Halbzeit gegen Wehen Wiesbaden gegeben. Auf Fürther Seite sorgte Alksandar Kotuljac drei Minuten vor dem Pausenpfiff für Gefahr. Seinen Torschuss fing zunächst Hansen kurz vor der Torlinie ab; beim neuaufgebauten Angriff flankte Adlung von rechts, Kotuljac in der Mitte kam einen Moment zu spät. Was sonst noch aufs Jenaer Tor flog, wurde zur Beute des gewohnt sicheren Vasili Khamutouski. Dank seiner Paraden ging es mit einem knappen Vorsprung in die Kabine.Torsten Ziegner blieb gleich dort. Schon nach acht Minuten hatte der Schiedsrichter-Assistent Jenas Trainer Henning Bürger geraten, den Meckerns rotgefährdete Ziegner herunter zu nehmen, dieser besann sich aber bis zur Pause. Dass für ihn danach Marco Riemer ins Spiel kam, kann durchaus als Wechsel auf die Zukunft gesehen werden. Denn Talente wie das 20jährige Eigengewächs mit den roten Zottelhaaren werden wir in Liga drei (wenn es denn dazu kommen sollte) gut gebrauchen können. Da ist es auf jeden Fall von Vorteil, vorab schon mal Zweitligaluft geschnuppert zu haben. Auf der ungewohnten Position im Mittelfeld wäre dem gelernten Verteidiger beinahe ein ähnlicher Einstand gelungen wie weiland Nils Petersen aus dem selben Jahrgang, der gleich nach seiner Einwechslung beim Debüt einen Treffer erzielt hatte. Auch Riemer bot sich diese Möglichkeit, stand er doch Sekunden nach Wiederanpfiff mutterseelenallein auf Höhe des rechten Pfostens. Doch war er wohl zu sehr davon überrascht, dass der Ball durch eine Spielertraube hindurch noch zu ihm gelangt war, um selbigen überlegt im Tor versenken zu können.
Kurz danach mussten gleich zwei Jenaer behandelt werden. Nach Foulspiel erwischte es zunächst Niels Hansen. Mit dem ehemaligen Freiburger scheinen unsere Probleme auf der Sechserposition vor der Abwehr beseitigt. Nun aber drohte sein Ausfall. Doch Hansen rappelte sich hoch. Kaum stand er wieder auf dem Platz, warf sich Khamutouski mit vollem Einsatz in den Schuss eines allerdings im Abseits befindlichen Fürthers. Aus drei Metern Entfernung traf ihn der Ball voll auf die Nase. „Ich muss hinten die Null halten, wie ist egal“, konnte der Weißrusse nach dem Spiel schon wieder drüber lächeln. Nach endlos langen Minuten des Bangens um unseren Top-Torhüter konnte aber auch dieser mit blutverschmiertem Trikot weitermachen. Und das war wichtig, galt es doch nach einundsechzig Spielminuten eine Gästechance zunichte zu machen, die entstanden war, nachdem Maul Gegenspieler Kotuljac angeschossen hatte. In der Folgezeit rückte allerdings auch der ehemalige HSV-Keeper Kirschstein wieder in den Brennpunkt. Zunächst bei Schüssen von Torghelle (63.) und Allagui (73.). Nach deren Auswechslung im eins-eins gegen Ilja Kandelaki, welcher eine schöne Einzelaktion von Nils Petersen nicht verwerten konnte, das Leder nicht an Kirschstein vorbei brachte.
Der Tabellenvierte, der in dieser Saison so gern das Prädikat „Unaufsteigbar“ loswerden möchte, wirkte insgesamt nicht zielstrebig genug. Lediglich der Ex-Magdeburger Kotuljac mochte sich mit einer drohenden Niederlage in Jena partout nicht abfinden, war links wie rechts als ständiger Unruheherd zu finden und kam bei einer gefährlichen Flanke vors Tor erneut nur um einen Schritt zu spät. Die Erhöhung der Pulsfrequenz, die nach dem Anzeigen von sechs Minuten Nachspielzeit durch den Schiedsrichter hervorgerufen wurde, wurde abgemildert durch die Rote Karte für Nehrig, der Kandelaki hinterrücks von den Beinen geholt hatte. Da konnten auch zwei weitere Nachspielminuten nichts mehr anrichten. Tobias Werner hätte aus spitzem Winkel sogar noch das 2:0 machen können.Dann war Schluss. Jubel bei den Zuschauern. Ähnlich wie beim Hinrundenerfolg gegen Offenbach, dem bisherigen Besucherminus, wurden die Treuesten der Treuen für ihr Kommen belohnt. Spielt der FCC etwa am erfolgreichsten, wenn der öffentliche Erwartungsdruck gering ist ? Dann sollte er nächste Woche gleich da weitermachen, wo er diesmal aufgehört hat. Denn so gut dieser Sieg für die Moral ist - er allein taugt noch nicht für neue Rechenspielchen. <fc>
Kickers Offenbach - FC Carl Zeiss Jena 2:1
Tore: 1:0 Bancé (19.), 2:0 Bancé (47.), 2:1 Torghelle (89.)
- Offenbach: Thier; Hysky, Bungert, Sichone, Pinske; Mokhtari (81.
Watzka), Wörle, Sousa (58. Ogungbure), Judt (85. Epstein); Bancé,
Türker
- Jena: Khamutouski; Maul, Müller, Stegmayer; Amrhein (46.
Torghelle), Hansen, Ziegner, Simak, Werner; Allagui, Schied (80. Saka)
- Zuschauer: 9285
- Schiedsrichterin: Steinhaus (Hannover)
- Spielbericht:
-
Dortmund im Kopf – Offenbach vor der Brust. Es war von
vornherein zu befürchten, dass dieses Spiel vier Tage vor dem
DFB-Pokalhalbfinale so laufen würde wie es gelaufen ist. Selbst deutsche
Spitzenklubs patzen regelmäßig, wenn sie mit ihren Gedanken bereits bei der
Championsleague sind. Klar hätten wir uns angesichts des prekären
Tabellenstandes anderes gewünscht. Schließlich war es wohl die allerletzte
Chance, doch noch eine zum Klassenerhalt führende Siegesserie einzuleiten. Aber
auf Dortmund und erst viel später mal aufs Offenbach-Spiel zu sprechen kamen ?
Für die Hessen ist der Kampf gegen den Abstieg hingegen
allgegenwärtig und diesen Unterschied merkte man bereits zu Beginn. Stegmayer
musste gegen Mokhtari und Türker zweimal in höchster Not zur Ecke klären,
Khamutouski den Kopfball des unbedrängten Bancé halten. Dass die Gastgeber
nicht frei von Nervosität waren, wurde in der 16. Minute deutlich, als sich
zwei OFC-Verteidiger nach Allaguis Eingabe gegenseitig anschossen. Amrhein
wusste mit der sich bietenden Chance jedoch nichts anzufangen. Im Gegenzug holte
Mokhtari erneut einen Eckball heraus. Hoch flog dieser an die Torraumgrenze, wo
Bancé den Kopfball genau zwischen Keeper und den am Pfosten postierten
Verteidiger ins Netz setzte. Nun besitzt dieser Bancé mit einem Meter
zweiundneunzig Körpergröße annähernd Gardemaß, nur ist unser Alexander Maul ja auch kein
Zwerg ! Allerdings hätte er mindestens genauso hoch springen und vor allem enger am Mann zum Ball
gehen müssen, um den Riesen im Sturmzentrum ernsthaft zu stören.
Jena lag 0:1 zurück
und der eine oder andere Spieler wird wieder Dortmund im Kopf gehabt haben.
Könnte die zu investierende Kraft, die nötig ist um dieses Spiel zu drehen, am
Dienstag nicht eventuell fehlen ? Nur zweimal vor der Pause blitzte Klasse auf.
Wie zu seinen besten Zeiten spielte Torsten Ziegner in der 28. Minute einen klugen Pass auf
Allagui, dessen Schuss aber am langen Pfosten vorbei strich.
Und in der 37. Minute bekam Thier Probleme mit
einem 25-Meter-Schuss Simaks. Den Abpraller versuchte Schied zu erlaufen, wurde
von Hysky aber umgerempelt. Deutschlands Vorzeigeschiedsrichterin Bibiana
Steinhaus ließ weiterspielen. In der Nachspielzeit der ersten Hälfte wurde
Mokhtari auf Rechtsaußen nicht gestört, denn tückisch aufsetzenden Ball
parierte Khamutouski genauso souverän wie den anschließenden Volleyschuss
Sousas.
„Der Gast aus Carl Zeiss Jena“ (Zitat Stadionsprecher)
brachte zur zweiten Halbzeit Torghelle für Amrhein. Alles oder nichts also mit
drei Stürmern. Doch was nutzen sämtliche in der Kabine gefassten Vorsätze, wenn eine
Minute nach Wiederanpfiff wieder so eine Panne in der Zuordnung passiert !
Bancé erfreute sich diesmal der Begleitung durch Stegmayer und diese
Formulierung ist ganz bewusst so gewählt. Denn Stegi mit seinen
176 Zentimetern ist von seinen körperlichen Voraussetzungen her natürlich kaum in
der Lage, dem Riesen mit den goldenen Schuhen und gleichfarbigen Haaren Paroli
zu bieten.
Mit dem zweiten Gegentor schienen die Messen gelesen. Zwar spielte
sich Mitte der zweiten Halbzeit
viel in der Hälfte der Gastgeber ab. Doch hatte man nicht den Eindruck, das
Blatt könne sich noch mal wenden. Auch weil Jan Simak zwar gewohnt viel am Ball
war, ihm aber deutlich mehr Fehlpässe unterliefen als sonst. Die besseren
Chancen hatten auch in dieser Phase die Jungs vom Bieberer Berg. Bancé und
Türker scheiterten jedoch wiederholt an Khamutouski – dem Einzigen, der unter
Beobachtung von Dortmunds Trainer Doll am Freitag uneingeschränkte Klasse
nachwies. Arm an Emotionen plätscherte das Spiel seinem Ende entgegen. Dem bei
solchen Szenarien obligatorischen „Ihr könnt nach Hause fahrn“ der OFC-Fans
begegneten Jenas Anhänger mit einem weniger üblichen „Dritte Liga und
UEFA-Cup“. Und siehe da, plötzlich begannen die Blauen in den letzten zehn Minuten
noch richtig Fußball zu spielen ! Simak rutschte der Schuss nach Sakas
Vorarbeit noch über den Spann (84.). Ein Offenbacher Verteidiger rettete im
letzten Moment vor dem einköpfbereiten Allagui (85.). Und Jan Simak traf drei
Minuten vor Schluss wieder einmal das Aluminium. Das Glück ist uns - zumindest
in den Meisterschaftsspielen - wahrlich nicht hold in letzter Zeit. So fiel der
im zweiten Zupacken gegen Thier erzielte Anschlusstreffer von Sandor Torghelle
zu spät.
Dortmund im Kopf und Dortmund nun auch bald vor der Brust.
Endlich. Wenn an der Geschichte mit der verpatzten Generalprobe vor einem
gelungenen Auftritt was Wahres dran ist, wird es am Dienstag ein sehr schöner
Abend. <fc>
FC Carl Zeiss Jena - SV Wehen Wiesbaden 2:2
Tore: 1:0 Schied (25.), 2:0 Werner (33.), 2:1 Werner (82.ET), 2:2 Schmidt (89.)
- Jena: Khamutouski; Maul, Müller, Stegmayer; Amrhein, Hansen (75.Kühne), Ziegner, Simak, Werner; Allagui, Schied (73.Petersen)
- Wiesbaden: Richter; Simac (76.Hollmann), Kopilas, Glibo, Kokot
(67.Atem); Siegert, Schwarz, Bick (84.Schmidt), Nicu; König, Diaketé
- Zuschauer: 6721
- Schiedsrichter: Wingenbach (Diez)
- Spielbericht:
- Blauer Himmel, Sonnenschein und beste Stimmung auf den Zuschauerrängen waren beste Rahmenbedingungen, um endlich die längst
erhoffte Aufholjagd mit einem Sieg zu starten und die bittere Hinspielniederlage in der Commerzbankarena endgültig vergessen zu machen.
Die Jenaer begannen auch sofort druckvoll und schnürten die Gäste in deren Hälfte ein, und bereits nach gut 30 Sekunden
hätte es bereits schon 1:0 für die Platzherren heißen können. Allagui tauchte nach einem abgefälschten Steilpass
urplötzlich vor Gästekeeper Richter auf, aber anstatt sich die Torecke auszusuchen, um die Führung zu erzielen, entschied
er sich für einen Querpass auf Schied, für den dieser Pass aber letztendlich zu ungenau ankam und der Schusswinkel dadurch zu
spitz wurde. Aber diese Möglichkeit war gleichzeitig die Initialzündung im Jenaer Spiel, und sie begannen ihr druckvolles Spiel
zu entfachen. Bis auf zwei Freistoss-Standardsituationen war von den Gästen in Halbzeit eins fast nichts zu sehen. Ganz anders
dagegen der FCC, der in der 22.Minute die nächste gute Tormöglichkeit besaß. Ziegner hatte einen Freistoss von halbrechts
gefährlich vor das Tor der Wiesbadener gezirkelt, die diesen Ball einfach nicht aus der Gefahrenzone brachten. Jan Simak fasste
sich ein Herz und Richter musste sein ganzes Können in dieser Szene unter Beweis stellen, um diesen herrlichen Schuss gerade noch
aus dem Toreck zu entfernen. Aber nur drei Minuten war auch er dann machtlos, als diesmal Schied mit einem wunderschönen Steilpass
bedient wurde. Dieser ließ sich diese Chance nicht entgehen und schob den Ball zum viel umjubelten Führungstreffer für
die Jenaer ein. Der FCC machte nach diesem Treffer weiter Druck und Hansen scheiterte nur wenig später per Kopfball aufs kurze Eck
an Richter, der sich mittlerweile zum besten Akteur seines Teams avancierte. Der Sekundenzeiger hatte sich nach dieser Toraktion noch
keine Runde gedreht, da klingelte es erneut im Kasten der Wiesbadener. Der am heutigen Tage unheimlich quirlige Allagui konnte sich
wiederholt im 1:1-Duell im Strafraum gegen seinen Widersacher durchsetzen und zog diesmal sofort ab. Torwart Richter war zwar erneut
auf dem Posten und konnte den Schuss parieren, allerdings nur zur Seite, wo Werner goldrichtig stand und keine Mühe hatte, den
Ball über die Linie zu schieben. Schiedsrichter Wingenbach hätte kurz danach fast entscheidend in das Spiel eingegriffen,
als er ein glasklaren Handspiel eines Wiesbadener Spielers nicht abpfiff, sondern den Hessen dadurch eine gute Konterchance ermöglichte,
die aber Diaketé per Kopfball aus Nahdistanz zum Glück der Jenaer nicht nutzen konnte. Und noch einmal war es Allagui, der
kurz vor dem Pausentee (41.) seinem Gegenspieler entwischt war, aber auch diesmal konnte Richter dieses Duell für sich entscheiden
und die eventuelle Vorentscheidung in dieser Partie verhindern.
Nach der Pause kamen die Gäste wie verwandelt aus der Kabine und setzen die Jenaer gehörig unter Druck. Aber die entscheidenden
Tormöglichkeiten blieben noch aus, da die Abwehr des FCC bis dato sicher stand. In der 56.Minute dann doch fast der Anschlusstreffer,
doch Jenas Kapitän Alex Maul konnte in letzter Sekunde noch vor Nicu klären. Aber der Druck der Hessen ließ nicht nach und
Trainer Hock setzte alles auf eine Karte und wechselte einen weiteren Angriffspieler für einen Abwehrspieler ein. Doch trotz Überlegenheit
der Gäste waren es die Jenaer, die durch Allagui eine weitere Torchance zur Vorentscheidung hatten, doch bei Richter konnten sich die
Hessen heute bedanken, dass sie speziell in der ersten Halbzeit nicht unter die Räder gekommen waren. Die Minuten vergingen, die Partie
wurde zunehmend hektischer und die Nickligkeiten im Spiel häuften sich. In dieser Phase (80.) hätte der FCC alles klar machen können,
als ein gefährlicher Konter über Allagui und Simak gestartet wurde, doch zur Verzweiflung der Zuschauer bleib auch diese gute
Tormöglichkeit ungenutzt, da es Allagui nicht gelang, den vor dem Tor freistehenden Simak mit einem Querpass anzuspielen. Kurz darauf
waren die Gäste wieder an der Reihe und Stegmayer war es, der gerade noch zur Ecke klären konnte. Der anschließende Eckball (82.)
kam herein und Werner wollte am langen Pfosten der Ball aus der Gefahrenzone befördern, aber leider rutschte ihm bei dieser Rettungsaktion
der Ball über den Spann und der Ball lag im eigenen Tor. Ratlose Gesichter auf dem Rasen. Die Angst ging fortan um und man merkte den
Zeiss-Kickern die zunehmende Verunsicherung an. Sechs Minuten vor Ultimo hätten die Jenaer endgültig alles klar machen können,
doch das Glück blieb den Jenaern nicht hold und der herrliche Kopfball von Petersen klatschte an den Pfosten. Sekunden später
versuchte der eingewechselte Petersen sein Glück, aber auch sein Schuss verfehlte nur um Zentimeter das Gehäuse. Es lief bereits
die vorletzte Minute, da warfen die Hessen noch einmal alles nach vorn. Jenas Abwehr war einen Moment überhaupt nicht im Bilde und
Schmidt nutzte diesen Fauxpas eiskalt aus und verwandelte zum fast nicht mehr für möglich gehaltenen Ausgleich. Sekunden vor
dem Abpfiff hätte Simak die Jenaer Fans mit seinem Freistoß doch noch in Jubelschreie versetzen können, doch Keeper
Richter hatte etwas dagegen und verwehrte den Jenaern den verdienten Sieg.
Ein Fazit nach dieser Partie zu ziehen fällt sichtlich schwer, doch leider sollte sich auch heute erneut eine der abgedroschenen
Fußballerweisheiten bewahrheiten: Wer seine Chancen nicht nutzt, muss sich nicht wundern, am Ende mit leeren Händen dazustehen.<vg>
TuS Koblenz - FC Carl Zeiss Jena 2:0
Tore: 1:0 Djokaj (17.), 2:0 Pektürk (90. +1)
- Koblenz: Eilhoff; Mavric, Hartmann, Ziehl (77. Sukalo),
Cha, Richter, Fernandez (55. Vata), Lomic, Dzaka, Djokaj, Kuqi (66.
Pektürk)
- Jena: Khamutouski; Müller, Omodiagbe, Stegmayer; Holzner
(75. Saka), Kühne, Ziegner, Simak, Werner (62. Allagui);
Schied, Petersen (62. Amrhein)
- Zuschauer: 10.676
- Schiedsrichter: Bandurski (Essen)
- Spielbericht:
- „Ich weiß nicht was soll es bedeuten, dass
ich so traurig bin“ eröffnete Heinrich Heine einst sein Gedicht zu Ehren jener
Loreley, die der Sage nach nur wenige Kilometer rheinaufwärts von Koblenz auf
einem Felsen singend ein ums andere Schiff an der zerklüfteten Flussbiegung
zerschellen ließ. Ins Reich der Sagen und Legenden wird auch Jenas
Viertelfinalerfolg in Stuttgart bald Einzug halten, und angesichts der noch
immer unfassbaren Sensation, die Bürgers Elf in Schwaben erreichte, fiel es
schwer, das Augenmerk wieder voll auf den Ligaalltag zu lenken. Bitter nötig
war dies, wollte man die Hoffnungen auf den Klassenerhalt nicht endgültig am
Deutschen Eck zerschellen sehen, und selbst auf den Grund der Zweitligatabelle
sinken.
Henning Bürger musste seine heldenhafte
Pokal-Elf notgedrungen umstellen, angesichts der seltsamen DFB-Gerichtsbarkeit
saß Alexander Maul weiterhin eine nicht nachvollziehbare Sperre ab, so dass der
wiedergenesene Omodiagbe seinen Platz in der Innenverteidigung einnahm.
Sicherheit brachte dies nicht, im Gegenteil, ganz ähnlich der allgemein
grassierenden Grippewelle steckte der Nigerianer seine Kameraden mit
zahlreichen Unsicherheiten an und man fragte sich nach 10 gespielten Minuten
verdutzt, ob die Körpersprache, das ausgestrahlte Selbstbewusstsein ein
jämmerlicheres Bild gegeben hätte, wäre der FCC in Stuttgart mit 0:5 unterlegen
Halbzeit unter dem aktuellen Trainer, in der bis auf eine Schied-Chance (2.),
der einen Ziegner-Schuss um ein Haar ins Tor abfälschte, rein gar nichts
zusammenlief. Koblenz lockte Jena heraus, um dann überfallartig mit weiten
Bällen auf die meist über außen kommenden Spitzen Gefahr zu erzeugen. Der FCC,
wieder mit Dreierkette agierend, fand dagegen überhaupt kein Rezept. Doch da
Hartmann, Djokaj, Dzaka und Co. ihre Chancen gleich reihenweise liegen ließen,
bei Müllers Fast-Eigentor auch etwas Pech hatten, wäre es möglicherweise mit
einem für den FCC angesichts des Spielverlaufs hochgradig zufriedenstellenden
0:0 in die Kabinen gegangen, hätte die in den letzten Wochen schon
ungewöhnliche Pechsträhne mit Schiedsrichterentscheidungen nicht ihre
Fortsetzung gefunden. Ein langer Ball aus der eigenen Hälfte findet Djokaj, der
die Kugel mit der Hand an Khamutouski vorbeilegt und dann im leeren Tor
einschiebt. Schiedsrichter Bandurski hatte freie Sicht auf die Aktion, wollte
aber dennoch keine Regelwidrigkeit gesehen haben, so dass der FCC nach Aachen
und Hamburg nun schon das dritte irreguläre Gegentor binnen weniger Wochen
kassierte. Von umstrittenen Platzverweisen ganz zu schweigen, denn Sandor
Torghelle dürfte sich bei Lomics nur mit gelb geahndetem Nachtreten gegen
Holzner schon gefragt haben, wofür er eigentlich vier Spiele Sperre aufgebrummt
bekam. Ich weiß nicht, was soll es bedeuten. Doch bei aller Kritik am Referee, was
Jena in den ersten 45 Minuten bot, war nicht im Ansatz besser und man fragte
sich, wer außer dem Keeper und Robert Müller eigentlich nicht ausgewechselt
werden müsste.
Dies sollte sich nach dem Seitenwechsel zumindest phasenweise
ändern, Petersens kurz vor der Linie geklärter Flachschuss (47.) im Anschluss
an eine Simak-Ecke sorgte für Hoffnung im mit knapp 1.000 Zeissfans
proppevollen Gästeblock. Beide Protagonisten fanden sich auch eine
Viertelstunde später im Zusammenspiel im Mittelpunkt, als Simak ein
Petersen-Abspiel artistisch aufnahm und auf das Eilhoff-Gehäuse zusteuerte,
aber im Strafraum bei der Schussabgabe umgerannt wurde. Der Ball landete am
Außenpfosten – der Elfmeterpfiff blieb aus. Koblenz sah sich nun vorwiegend in
die eigene Hälfte gedrängt, die Ballbesitzstatistik von 60:40 für Jena kam
nicht von ungefähr, verteidigte aber geschickt und blieb mit schnellen
Gegenstößen stets gefährlich, Dzaka und der für den Ex-Jenenser Kuqi
eingewechselte Pektürk verpassten die Vorentscheidung. So hatte Torsten Ziegner
mit einer strammen, von Eilhoff gerade noch so um den Pfosten gelenkten
Freistoßablage Simaks den Ausgleich auf dem Fuß. Doch als auch Stefan Kühne
seine Großchance um Zentimeter am Pfosten vorbeistocherte (86.), war den
meisten klar, „was dies bedeuten sollte“. 91. Minute, nach Ballverlust des
eingewechselten Saka wieder ein schneller Gegenstoß über Vata, und diesmal
machte es Pektürk besser, bugsierte das Leder unter Mithilfe des Innenpfostens
zur Vorentscheidung ins Tor. Dass sich Jenas Elf selbst danach nicht aufgab und
sich mit Stefan Kühnes Knaller knapp am Tor vorbei sogar noch eine Möglichkeit
bot, spricht für die Moral in der Mannschaft. Für die Qualität, die Klasse zu
halten, sprach der Auftritt über 90 Minuten jedoch nicht. Auch wenn erneut ein
Schiedsrichter – nebst dem Koblenzer Handballspieler – die Begegnung maßgeblich
beeinflusste, das war einfach zu wenig, um die „nun wirklich“ letzte Chance
beim Schopfe zu packen. „Ich weiß nicht was soll es bedeuten, dass ich so
traurig bin“. Abstieg. 3. Liga. <gunner>
FSV Mainz 05 - FC Carl Zeiss Jena 2:2
Tore: 1:0 Feulner (28.), 2:0 Karhan (56./FE), 2:1
Simak (59.), 2:2 Allagui (83.)
- Mainz: Ischdonat; Hoogland, Subotic, Noveski, Rose (46.
Demirtas); Karhan, Damir, Vrancic (84. Amri), Pekovic, Feulner;
Borja (85. Jovanovic), Boakye
- Jena: Khamutouski; Holzner, Müller, Omodiagbe, Stegmayer;
Ziegner (78. Saka), Kühne, Simak, Werner; Petersen (58. Allagui),
Schied (78. Amrhein)
- Zuschauer: 19.500
- Schiedsrichter: Willenborg (Osnabrück)
- Spielbericht:
- Die Tage des Mainzer Stadions sind gezählt. Mit Beginn der
Saison 2010/2011 soll eine neue Fußball-Arena eingeweiht werden. Angesichts der
Tabellensituation beider Mannschaften stellt sich also die Frage, ob das Spiel
vom Freitagabend das letzte Jenaer Gastspiel am Bruchweg gewesen ist.
Fast 20.000 Zuschauer sorgten für die gewohnt gute
Atmosphäre. Mögen die Gastgeber mit ihren unzähligen Mainz 05-Liedern
vielleicht etwas zu viel Primborium veranstalten – ihr „you’ll never walk
alone“ bekommen nicht viele in Liga zwei so hin. Jenas 500 mitgereiste Anhänger
mochten sich daran nicht beteiligen (warum eigentlich nicht?), verschafften
sich dafür nach zehn gespielten Minuten Gehör: Mit „Hier regiert der FCC“ lagen
sie zu diesem frühen Zeitpunkt durchaus richtig, denn die ersten Akzente, die
ersten Standarts hatten die Thüringer gesetzt. Holzner war für Amrhein in die
Startelf gerückt, machte sein erstes Spiel seit November. Die erste
Tormöglichkeit im Spiel besaß dann aber doch der Tabellenzweite. Karhans weiten
Einwurf konnte Müller mal eben noch vor Boakye zur Ecke klären. Derartig
drangvoll erlebten wir die vier Tage zuvor mit einem Auswärtssieg in
Mönchengladbach glänzenden Mainzer jedoch selten. Einer der Gründe hierfür
heißt Jan Simak, der im Mittelfeld für ein Gleichgewicht sorgte, spielerisch
wie kämpferisch erneut eine herausragende Leistung bot. Kein Wunder, dass immer
mehr Bundesligisten hinter ihm her sind. Vom technischen Potential her gab es
nach Bernd Schneider sicherlich keinen besseren im Zeiss-Trikot als
ihn. Simaks Schrägschuss vom linken Strafraumeck in Minute 21 rauschte nur
knapp am Mainzer Gehäuse vorbei.
Sieben Minuten später: Felix Holzner fängt
einen Mainzer Angriff ab, doch verspringt ihm das Leder zu weit vom Fuß. Weil
das Not-Tackling misslingt, hat Feulner freie Bahn zum Tor, umspielt
Khamutouski und trifft zum Führungstreffer. Woche für Woche das selbe Bild: Es
sind die individuellen Patzer im Abwehrzentrum, die den FC Carl Zeiss immer
wieder ins Hintertreffen geraten lassen. Da half auch ein weiterer schöner
Simak-Schuss vor der Pause nichts mehr.
Nach Wiederanpfiff legte Karhan für Feulner auf. Doch erst
dessen Wegrutschen eröffnete den Mainzern eine Torgelegenheit, bei der Boakye
von Khamutouski und Omodiagbe mit vereinten Kräften gestört werden konnte.
Chancen gleichsam aus dem Nichts – irgendwie war das typisch für dieses Spiel.
Auch fürs zweite Gegentor. Klar drängte der ballführende Feulner mit viel Elan
in den Strafraum. Doch unmittelbare Torgefahr bestand da kaum, dafür war der
Winkel zu spitz und Omodiagbe noch in der Nähe. Holzner zog Feulner jedoch so
ungestüm zu Boden, dass der Referee sofort auf den Elfmeterpunkt zeigte. Da der
Strafstoß saß, drohte Holzner bei seinem Comeback zur tragischen Figur zu
werden. Dabei hatte er insgesamt keine schlechte Partie gespielt, jedoch in
zwei entscheidenden Szenen das Nachsehen gehabt. Nur gut, dass auch Jena noch
seine Chance aus dem Nichts bekam. Bei Simaks diagonalem Freistoß rückten fünf
Mainzer und vier Jenaer in Richtung Tor, keiner berührte jedoch den Ball. Auch
nicht Torwart Ischdonat, der durch die Spielertraube wohl irritiert war. 1:2 -
da ging noch was. Bürger versuchte es mit frischen Kräften, brachte zunächst
Allagui, dann Saka und Amrhein. Was umgehend Wirkung zeigte. Amrheins straffen
Schuss aus 23 Metern konnte Ischdonat nur nach vorn abwehren, Saka setzte den
Abpraller aber am langen Eck vorbei. Welch ein Glück, das da noch was nachkam
! Und zwar in Minute 83: Eckball von
Simak, präzise auf Allagui, der aus Nahdistanz trotz Bedrängnis ins Netz köpft.
Wieder einmal hatte der FCC aus scheinbar aussichtsloser Lage herausgefunden.
Dass er den redlich erkämpften Punkt am Ende auch mitnehmen durfte, verdankt er
seinem Torhüter. Klasse, wie Vasili Khamutouski in der 85. Minute Hooglands
tückischen Aufsetzerkopfball aus nur sechs Metern Torentfernung zur Ecke lenkte
!
Eine Unsportlichkeit der Mainer hätte der Partie dann beinahe ein schlimmes
Ende bereitet. Mehrere Male zuvor hatten die da noch zurückliegenden Jenaer den
Ball ins Aus gespielt, wenn ein 05er verletzt am Boden lag. Doch als Darlington
Omodiagbe nach Zweikampf unglücklich aufgekommen regungslos auf dem Rasen
liegen blieb, spielten die Rot-Weißen weiter. Dabei zählte jede Sekunde, denn
Omodiagbe hatte das Bewusstsein verloren und seine Zunge verschluckt ! Gottseidank
erfolgte die Hilfe gerade noch rechtzeitig und mit einer leichten
Gehirnersschütterung ging alles noch recht glimpflich ab. Dass die Jenaer
das Match zum dritten Mal in Folge nur zu zehnt beenden konnten, hatte keinen Einfluss auf das Endergebnis.
Henning Bürger hatte unter der Woche kein bisschen
übertrieben. Die Moral stimmt in dieser Mannschaft hundertprozentig.
Das ist wichtig, weil sich der Druck weiter erhöhen wird. Denn gegen
die nun folgenden Punktspielgegner müssen endlich wieder Siege her. <fc>
FC Carl Zeiss Jena - 1. FC Köln 1:3
Tore: 0:1 Helmes (28.), 1:1 Müller (61.), 1:2 Novakovic (80.), 1:3 Novakovic (90.)
- Jena: Khamutouski; Maul (
, 48.),
Müller, Omodiagbe, Stegmayer (83. Saka); Amrhein (59. Allagui),
Kühne, Ziegner, Simak, Werner (83. Petersen); Schied
- Köln: Mondragon; Ümit Özat, Mohamad, McKenna, Ehret;
Broich (72. Gambino), Mitreski, Antar, Vucicevic (68. Chihi); Helmes (89.
Scherz), Novakovic
- Zuschauer: 9904
- Schiedsrichter: Henschel (Braunschweig)
- Spielbericht:
- Es gibt Spiele, da ist auf dem Rasen richtig viel los – und
hinterher fehlen dir trotzdem die Worte für den Spielbericht. Und im Stadion,
nach dem Spiel, verhindern lediglich Anstand und gute Erziehung (und vielleicht
auch die doppelte Kette aus Gelb und Dunkelblau), dass du deine Meinung über
Referee und DFB-Lieblinge in den Gästebus stanzt.
Am kalten Freitagabend begann der FCC zunächst
unterkühlt-vorsichtig, um nicht ins offene Messer der Gäste zu laufen, die spielerisch
eine schnelle, feine Klinge schlugen. Trotzdem kam der FCC ganz gut nach vorn
und hatte einige interessante Szenen, z.B. als Stegmayer eine scharfe Flanke
vors Tor schlug oder Mondragon Ziegners
Freistoß wegfaustete. In der 23. min gab es dann nach der dritten Kölner Ecke
die erste brenzlige Szene vor unserem Tor, als Kühne den Ball zu kurz abwehrt,
Khamutouski den Schuss jedoch parieren kann. In der 27. min gab es dann auf der
Gegenseite die erste zornerregende Szene, als nach einer Ecke Schied (?) schießen
will, der Kölner jedoch mit gestrecktem Bein „drüberhält“.
weiterspielen. Zwei Minuten später tändeln Khamutouski und Omodiagbe bei einem
Abstoß herum, der schwache Abschlag des Torwarts in den Mittelkreis kommt
prompt als Steilpass auf Helmes, der zum 0:1 einschiebt; Müller stand zu weit
weg. Kurz danach verhindert Khamutouski mit einer tollen Parade das
spielvorentscheidende 0:2, als er gegen Broich blitzschnell reagierte. Ein Aufstöhnen
ging durchs Stadion, als Werner nach der dritten FCC-Ecke einen Schuss von der
Strafraumgrenze an die Lattenunterkante nagelte. Den zurückspringenden Ball
erlief einer im weißen Trikot (Kühne?), wurde jedoch durch einen Kölner
umgerissen. Strafstoß? Vergiss es! Der Herr Henschel aus Braunschweig –
spätestens jetzt war die Bezeichnung „Unparteiischer“ falsch – schien zur
60-Jahr-Feier nach Köln eingeladen gewesen zu sein und verteilte hier sein
zweites Geschenk des Abends an den Ziegenverein. Tut mir leid, aber so etwas
kann man nicht falsch oder gar nicht sehen – das ist Vorsatz! Im Jenaer Angriff
merkte man doch, dass man mit einem Ein-Mann-Sturm agierte – und Simak, der
immer wieder mal als zweite Spitze in den aufrückte, konnte sich die Pässe trotz
einer ganz starken Leistung ja schließlich nicht selbst vorlegen. Aber vor der
Pause erreichte eines dieser Anspiele den rechts in den Kölner Strafraum
laufenden Schied, der aber mit seinem Schuss aus spitzem Winkel keinen Erfolg
hatte.
Unmittelbar nach Wiederanpfiff gab es das nächste
Geburtstagsgeschenk an die Kölner. Maul trennte per Tackling an der rechten
Seitenlinie den Ball vom Kölner Spieler und während auf der Tribüne
Diskussionen über den Freistoßpfiff an sich aufbrandeten, zeigte der Schiedsrichter
Alex Maul… „Rot“!!! Was ging denn hier ab! Ich war einfach sprachlos! Wut,
Entsetzen, Fassungslosigkeit – die Gesichter meiner Platznachbarn spiegelten
vieles wieder, aber nicht einmal ansatzweise gab es Verständnis für diese
Entscheidung. Wenn sich bis dahin vielleicht bei einigen oder vielen auf dem Rasen
und den Rängen innerlich Resignation breitmachen wollte, mit diesem
Platzverweis hatte der Schiedsrichter alle, die sich dem FCC verbunden fühlen,
aufgerüttelt. Die Stimmung auf den Rängen brodelte, die Mannschaft drehte auf
und das Spiel kippte optisch zu Gunsten des FCC. Und Mondragon
tauchte in der 55. min blitzschnell ins lange Eck, um Schieds
Schuss den Weg ins Netz zu verwehren. Fünf Umdrehungen des Sekundenzeigers
später: Simaks Freistoß hoch in den Strafraum neben das lange Toreck, Kopfball
von Kühne quer und Müller machte den Ausgleich. Jaaaaaa!
Der Vulkan EAS schien zu explodieren! Und der FCC machte weiter, drückte auf
das wichtige drei Punkte bedeutende 2:1 und hatte eine gute Chance, als
Schied gegen den herausstürzenden
Mondragon leider einen Schritt zu spät kam. Und die Kölner
schienen völlig überrascht zu sein, dass diese Jenaer Mannschaft trotz
Unterzahl, trotz permanenter Benachteiligung in der Zweikampfbeurteilung
(Werner wird in der 69. min gefoult und bekommt dafür „Gelb“ wegen „Schwalbe“!)
Das sah richtig gut aus. Und Köln leistete einen weiteren Beitrag zur
Unbeliebtheit, als man den Ball trotz eines am Boden liegenden Werner nicht
sportlich-fair ins Seitenaus spielte, sondern ungerührt einen Angriff
initiierte. Chihi köpfte aber freistehend vorbei.
Und
dann lief es wie so oft in dieser Saison: Jena machte (in Unterzahl) das Spiel,
der Gegner einen vernünftige Spielzug, dazu ein Abwehrfehler (einem Jenaer
rutschte die Flanke unterm Fuß durch) und wir lagen wieder hinten. Novakovic knallte
den Ball aus 22 m Entfernung ins untere Toreck und Khamutouski war chancenlos.
Dieser Gegentreffer war der moralische Genickbruck für unser Team, es lief
nicht mehr viel, die fehlende Kräfte (bis dahin durch überdurchschnittlichen
Kampfgeist wettgemacht) und es war eigentlich der Dummheit der Kölner
geschuldet, dass das 1:3 erst tief in der Nachspielzeit fiel.
Interessant war noch die Pressekonferenz: Bürger fasste sich
sehr kurz (ein passendes Statement wäre sicher zu teuer geworden), Daum
palaverte minutenlang Nichtssagendes und Rainer Zipfel sagte – mit sehr
gesetzten Worten – was er von der Schiedsrichterleistung heute und in den
letzten Wochen hielt. Bravo! Sollte die Aussage des FCC-Präsidenten
irgendwelche finanziellen Sanktionen seitens des DFB nach sich ziehen,
beteilige ich mich an einer Sammlung beim nächsten Heimspiel. <uk>
FC St. Pauli - FC Carl Zeiss Jena 2:2
Tore: 1:0 Takyi (13.,FE), 1:1 Ziegner (54.), 1:2 Simak (68.,FE), 2:2 Bruns (88.)
- St.Pauli: Borger; Rothenbach, Morena, Eger, Gunesch; Takyi, Boll, Meggle,
Schultz (46.Sako); Schnitzler (65.Braun), Kuru
- Jena: Khamutouski; Maul, Müller, Stegmayer; Amrhein, Kühne, Ziegner, Werner; Simak (83.Kandelaki);
Torghelle (
, 17.), Schied (87. Petersen)
- Zuschauer: 20.217
- Schiedsrichter: Winkmann (Kerken)
- Spielbericht:
- (von Gastkommentator Thomas Neumann)
13 Punkte, Platz 17, Spieltag 19 - das ist die wenig schmeichelhafte Zwischenbilanz vor dem Auswärtskick in Hamburg. Ich neige nicht
zu übermäßigen Optimismus oder Pessimismus im Bezug auf meinen FCC, aber realistisch betrachtet sollte man die Möglichkeit
des Abstieges mittlerweile wohl in die Prognosen für das Saisonergebnis mit einbeziehen.
Was solls - hilft ja nix. Auswärts läuft es diese Saison ja eh besser als zu Hause und so startet die dreiköpfige Niedersachsen -
Fraktion am Freitagmittag von Hannover nach Hamburg. Auf der A7 bis Hamburg gibt's jede Menge Thüringer Kennzeichen zu begucken und auch
der "Vor dem Spiel" - Bummel durch den Kiez bietet jede Menge blau - gelb - weiße Fanutensilien fürs Auge. Der guten Ordnung halber
sei natürlich noch erwähnt, dass das Ganze nach eigenem Erleben total "stressfrei" abläuft und nette Gesten und Wünsche der
Einheimischen keineswegs die Ausnahme sind.
In einer Ecke der Nordtribüne ist seit Neuestem der Gästeblock auf St. Pauli untergebracht, der von den anwesenden ca. 1500 FCClern
gut gefüllt wird. Das die Hafenhamburger nun extra für das Gastspiel des Europapokalfinalisten von 1981 eine zusätzliche
Stahlrohrtribüne auf der Nordseite ihres Stadions errichtet haben, erscheint auf den ersten Blick zwar übertrieben, ist aber
angesichts des Gegners nun nicht gar so abwegig.
Der sportliche Teil des Abends beginnt mit einer Jenaer Großchance als Jan Simak sich in der 4. Minute schön auf der rechten
Seite durchsetzen kann, jedoch lieber in der Mitte Thorgelle bedient, statt selber direkt abzuschließen. Während der Gästeblock
noch dieser Chance nachtrauert, spielt sich am anderen Ende des Stadions bereits Teil 1 der mysteriösen Schiedsrichterentscheidungen des
Abends ab. Fakt ist, ich habe aus ca,. 100 m Entfernung in einem Gestocher im Strafraums kein Handspiel - ein Dank an den Stadionsprecher der
den Grund für den Elfmeter mitmeldete - gesehen. Ohne mein Einverständnis verwandelt Takyi trotzdem sicher zum 1:0 in der 13. Minute.
Wenig später (18. Min.) scheint das Spiel schon endgültig gelaufen, als Sandor Torghelle wegen einer Tätlichkeit mit Rot vom
Platz fliegt. Ich habe unter den reichlich bescheidenen Sichtverhältnissen des Gästeblockes, dieses Nachtreten von ihm mit dem
Fuß relativ klar gesehen - der Schiri wohl auch - und bin gespannt, ob dies nicht schon bereits der letzte Pflichtspielauftritt
unseres "Gulaschbombers" war, der ja auch im Pokal gesperrt ist. Der Rest der ersten Halbzeit besteht aus ziemlich laschen Mittelfeldgekicke
und -geschiebe der St. Paulianer, daß die Jenaer bis auf einen Simak - Schuss ans Außennetz (34.) nicht bestrafen können.
Die Kabinenaufenthalt in der Halbzeitpause für die, diesmal blauen Helden, ist kürzer als normal, als sie nach der "gefühlten"
Hälfte der Spielunterbrechung bereits wieder auf dem Platz stehen. Dem Neutrainer Henning Bürger sei an dieser Stelle geweissagt,
dass solche "Nummern" zwar nicht schlecht sind aber auch nur gefühlte zweimal ziehen, bevor sie ihre Wirkung verfehlen. Aber diesmal
scheint es definitiv noch zu wirken. In der 54. Minute setzt sich Ziegner durch und kann im zweiten Versuch den St. Pauli-Keeper Borger
überwinden. Hätte man mich jetzt gefragt ob ich mit dem Unentschieden zufrieden gewesen wäre, hätte ich sofort abpfeiffen
lassen. Mehr ist doch in Unterzahl echt nicht drin…
Für den "Auswärts - FCC" in dieser Saison ist dies aber das natürliche Signal auch in Unterzahl die Siegchancen zu suchen.
Und als Patrik Amrhein kurze Zeit später nach schönem Solo freistehend vor dem Tor nur an den Pfosten schiebt, wagt der gemeine
FCC - Fan im Gästeblock endlich vom "Auswärtssieg" zu träumen und singen. Was in der 68. Minute zum Elfmeter für Jena führt
kann ich nicht nachvollziehen, da die Aktion schon wieder am anderen Ende des Stadions stattfindet, aber wenn der erste Elfer berechtigt gewesen
sein soll, wird es dieser wohl auch. Wenigstens in den Augen des Schiedsrichters.
Das es am Ende doch nicht zum Auswärtsdreier reicht, ach herrjee, wem will ich das denn vorwerfen? Die Mannschaft hat auch in der Schlussphase
alles geboten, was sie konnte. Der Ausgleich in der 88. Minute ist natürlich der "Hammer" ins Genick des eh schon taumelnden Boxers. Andererseits
muss den Jungs doch endlich mal jemand ins Gehirn prügeln, dass sie auch zu Hause so auftreten müssen, dann besteht vielleicht noch Hoffnung
auch mit einem Unentschieden auf St. Pauli leben zu können.
FC Carl Zeiss Jena - Alemannia Aachen 2:3
Tore: 1:0 Werner (17.), 1:1 Reghecampf (29.), 2:1 Schied (66.), 2:2 Lehmann, 2:3 Krontires (81.)
- Jena: Khamutouski; Günther, Maul, Omodiagbe, Stegmayer;
Amrhein (75.Saka), Müller, Simak, Werner; Petersen (64.Torghelle),
Schied
- Aachen: Straub; Polenz, Klitzpera, Herzig, Leiwakabessy;
Reghecampf, Lehmann (90.Olajengbesi), Lagerblom, Krontiris (90.Brinkmann);
Ebbers (58.Mosquera), Kolev
- Zuschauer: 6513
- Schiedsrichter: Gräfe (Berlin)
- Spielbericht:
- Die fußballfreie Zeit war endlich zu Ende und auch für Jena sollte nun der Ball in der 2. Bundesliga wieder rollen. Die guten
Ergebnisse in der Vorbereitung ließen bei jedem Zeiss-Fan Hoffnung aufkommen, welche in einem grandiosen Sieg im DFB-Pokal gegen die
Arminia aus Bielefeld gekrönt wurde. Diesen Schwung und Optimismus wollte man unbedingt in die heutige Partie mitnehmen, um gleich im
ersten Spiel der Rückrunde gegen die Gäste aus Aachen die Aufholjagd starten zu können und den ersten wichtigen Dreier einzufahren.
Die Jenaer begannen auch gleich wie die Feuerwehr und bereits nach 20 Sekunden sah Herzig die erste gelbe Karte im Spiel, da er den aufs
Tor stürmende Schied nur durch Foulspiel bremsen konnte. Gut eine Minuten später fast schon das 1:0 für die Platzherren,
doch ein gefährlich abgefälschter Freistoss mit anschließendem Torschuss von Schied wurde wegen Abseitsposition abgepfiffen.
Aber leider war es das erst einmal mit den Jenaer Angriffbemühungen, denn die Aachener stellten sich im besser auf das Jenaer Spiel ein
und setzten frühzeitiger nach. Dadurch verflachte die Partie zunehmend und beide Teams neutralisierten sich weitgehend im Mittelfeld,
ohne sich dabei nennenswerte Chancen zu erspielen. So dauerte es bis zur 17. Minute, als der Jenaer Anhang zum ersten Mal jubeln durfte.
Ein von Simak getretener Eckball wurde zunächst per Kopf geklärt, Amrhein nahm den abprallenden auf, schoss erneut auf das Tor
und in der Mitte stand Werner goldrichtig und fälschte per Kopfball zur 1:0 Führung ab. Doch leider konnten die Jenaer dieses
Stimmungshoch nicht weiter nutzen, denn sie führten erst zum zweiten Mal in dieser Saison auf eigenem Platz, sondern sie ließen
die Aachener wieder ins Spiel kommen. Nach gut einer halben Stunde nutzten diese ihre erste gute Möglichkeit eiskalt und Reghecampf
traf mit einem herrlichen Kopfball aus 11m zum Ausgleich. Kurz vor der Pause sogar noch fast die Führung für die Gäste, doch
Jenas neuer Keeper Khamutouski konnte den Schuss von Krontiris gerade noch parieren.
Die Aachen kamen zielstrebiger aus der Kabine und hatten bereits in der 51. Minute erneut eine dicke Möglichkeit zur Führung, aber
Ebbers konnte in bester Position mit seinem Kopfball aus Nahdistanz den Jenaer Schlussmann nicht überwinden. Nun zogen die Gäste ihr
Spiel auf und beherrschten das Mittelfeld mühelos. Die Jenaer wirkten dagegen zunehmend verunsichert und versuchten es mit langen Bällen
nach vorn, die aber allesamt keinen Abnehmer fanden. Trainer Henning Bürger brachte Torghelle ins Spiel und erhoffte sich noch einmal einen
Schub nach vorn. Und es dauerte auch nur wenige Augenblicke und da hatte sich die Einwechslung bereits ausgezahlt. Simak hatte erneut einen Eckball
getreten, den Torghelle per Kopf genau vor das Tor verlängerte, wo Marcel Schied goldrichtig stand und den Ball aus wenigen Zentimetern nur
über die Linie drücken musste. Hoffnung auf den wichtigen Dreier keimte wieder auf, aber leider konnten die Jenaer auch in dieser Phase
den Schub nicht nutzen. Nur fünf Minuten später musste Khamutouski, der mit Abstand beste Spieler des FCC an diesem Tage, Kopf und
Kragen riskieren, um den erneuten Ausgleich zu verhindern. Aber zwei Minuten später war auch er machtlos, als Lehmann aus wenigen Metern
mit einem schönen Schuss zum Ausgleich traf. Die Thüringen wirkten in ihren Aktionen immer konfuser und man mochte gar nicht glauben,
dass fast genau dieses Team nur wenige Tage zuvor die Arminen aus Bielefeld in einer packenden Partie aus dem DFB-Pokal geworfen hatten. Als
wenn die zwei Gegentore nach zweimaliger Führung nicht schon schlimm genug wären - es sollte heute noch dicker kommen. Lehmann hatte
sich in der 82. Minute im Mittelkreis das Leder geschnappt und konnte ungehindert bis kurz vor den Strafraum spazieren, wo er Krontiris mit
einem Pass genau in den Lauf bediente, der sich diese Chance nicht entgehen ließ und zur Gästeführung einschoss. Der FCC
versuchte in der Folgezeit noch einmal alles und wurde eine Minute vor Ultimo auch fast noch belohnt, doch zum Pech der Saalestädter
krachte einer herrlicher Schuss von Simak nur an das Lattenkreuz.
Wenig später war die Partie zu Ende und erneut konnte der FCC nach einem packenden und auch erfolgreichen DFB-Pokalsieg den Schwung und die
Euphorie nicht ins anschließende Punktspiel hinüberretten, um endlich auch hier einen wichtigen Sieg erringen zu können.<vg>
FC Carl Zeiss Jena - FC Augsburg 1:2
Tore: 0:1 da Costa (25.), 0:2 Ledezma (38.), 1:2 Petersen (79.)
- Jena: Kraus; Stegmayer, Omodiagbe, Maul, Oniani; Werner, Müller (46. Kühne), Simak, Charalambides; Helbig (65. Fröhlich), Torghelle (76. Petersen)
- Augsburg: Neuhaus; Wenzel, Benschneider, Hertzsch, Möhrle;
Müller, Hdiouad, da Costa, Kern; Diabang (90.Hlinka), Ledezma (74.Luz),
- Zuschauer: 8453
- Schiedsrichter: Lupp (Zossen)
- Spielbericht:
- Nach den Siegen in den letzten beiden Partien war es heute für die Kicker des FC Carl Zeiss Jena immens wichtig, auch das letzte Heimspiel der
Hin-Serie positiv zu gestalten und mit einem Sieg gegen den FC Augsburg das Kalenderjahr noch ein wenig freundlicher zu beenden.
Die Platzherren hatten sich auch wirklich viel vorgenommen, denn sie begannen gleich elanvoll und drückten die Bayern in deren Hälfte. Nach acht
Minuten die erste gute Chance für die Jenaer, doch Helbig bekam freistehend den Ball im Strafraum nicht richtig unter Kontrolle und er landete beim Tormann.
Sekunden später erneut eine gute Möglichkeit durch einen Freistoß von Simak, aber Maul berührte noch den Ball und fälschte ihn so ab,
dass er über das Tor abgelenkt wurde. Erneut Simak war es, der für eine weitere gute Aktion (19.) der Jenaer sorgte. Auf der linken Seite düpierte
er erst einen Gegenspieler mit einer Körperfinte, stürmte weiter und drang in den Strafraum ein. Den zweiten Abwehrspieler umkurvte er und spielte
anschließend noch Doppelpass mit Charalambidis, doch als er aufs Tor schießen wollte, stand erneut ein Augsburger vor seiner Nase, so dass diese
geniale Einzelaktion ohne Krönung blieb. Es lief bereits die 25.Minute und von den Gästen war noch nichts zu sehen gewesen. Aber das sollte sich
leider schnell ändern. Zunächst scheiterte da Costa mit seinem Freistoß aus gut 22m an Kraus. Doch beim anschließenden Eckball stand
er völlig frei und konnte so ungehindert die Führung für die Augsburger erzielen. Die Jenaer steckten nicht auf und nach 34 Minuten prüfte
Werner mit einem schönen Schuss Gästekeeper Neuhaus, der zur Ecke klären konnte. Ein langer Ball der Gäste wurde per Kopfball noch einmal
verlängert, so dass Ledezma das Leder genau in den Lauf gespielt bekam. Das 1:1-Duell gegen Maul entschied er für sich, zog aus halbrechter Position
ab und der Ball landete im langen Toreck und es stand nach 38 Minuten 0:2 aus Jenaer Sicht. Da hatten sich die Jenaer Spieler für das heutige Spiel so
viel vorgenommen, spielten phasenweise mal wieder richtig schönen Fußball und die Augsburger, von denen kaum etwas zu sehen war, führten
mit 2:0. Unglaublich. Kurz vor der Pause noch einmal ein gefährlicher Freistoß des FCC in den Strafraum, aber ein Abwehrspieler konnte per Kopf
zu Ecke klären.
Nach der Pause begannen die Spieler des FCC ihre Aufholjagd und setzten die Augsburger unter Druck. Neuhaus im Tor der Gäste mit seiner einzigen
Unsicherheit am heutigen Tage, als er einen Schuss von Werner (49.) erst im zweiten Versuch festhalten konnte. Aber nun ging es Schlag auf Schlag und
die Jenaer drängten auf den Anschlusstreffer. Nach einem Eckball Getümmel im Augsburger Strafraum und der Ball kam zu Helbig, der sofort abzog,
aber an den Fingerspitzen von Neuhaus scheiterte, wie auch kurz darauf mit einem Schuss aus spitzem Winkel (53.). Dann war es Simak, der nach einem Konter
mit seinem Schuss aus 20m nur um Zentimeter das Tor verfehlte. Wenig später legte Torghelle auf Charalambis ab, dessen Schuss Neuhaus mit den
Fingerspitzen noch berührte, der Ball rollte Richtung Torlinie, doch ein Augsburger konnte den Ball gerade noch vor der Linie wegschlagen. In
der 76. Minute schickte Jenas Trainer Ivanauskas seinen Edeljoker Nils Peterson auf das Feld, der bereits in den letzten beiden Partien jeweils mit
seinem Tor zum Matchwinner der Spiele geworden war. Nur drei Minuten waren vergangen, da flankte Charalambidis hoch in den Strafraum, Peterson stieg
am höchsten und traf per Kopf zum 1:2. Großer Jubel auf den Rängen und nun dachte ein jeder, dass wenigsten ein Unentschieden am
heutigen Tag noch möglich sei. Aber es waren die Gäste, die näher am Torerfolg waren, denn Diabang stürmte in der 81.Minute allein
auf Torwart Kraus zu, wollte diesen umspielen und legte sich den Ball dabei zu weit vor, so dass ein Verteidiger gerade noch klären konnte. Die
Zeit lief den Platzherren davon und fast hätte Luz fünf Minuten vor Ultimo den Jenaern das endgültige K.O. versetzt, doch sein Ball
zischt um Haaresbreite am Pfosten vorbei. Die zwei Minuten Nachspiel liefen bereits, als Simak mit einem herrlichen Schuss das nun kaum noch geglaubte
Unentschieden erzielen wollte, aber der am heutigen Tage überragend haltende Torwart Neuhaus hatte etwas dagegen und konnte mit einer hervorragenden
Parade den Ball mit den Fingerspitzen noch über das Tor lenken. Wenig später pfiff Schieri Lupp die Partie ab und erneut eine Heimniederlage
stand zu Buche.
Kopfschütteln auf den Rängen. Da hatten die Kicker des FCC in den letzten Partien spielerisch völlig versagt und erkämpften sich
zwei Siege und ein Remis, und am heutigen Tage hatte man endlich mal wieder phasenweise richtig guten Fußball gespielt, war die gesamte
Partie überlegen und heraus gesprungen ist erneut eine ganz bittere Niederlage. Nun heißt es regenerieren und das letzte Spiel schnell
vergessen, damit im neuen Jahr die Aufholjagd fortgesetzt werden kann. <vg>
1. FC Kaiserslautern - FC Carl Zeiss Jena 2:3
Tore: 1:0 Jendrisek (19.), 2:0 Simpson (47.), 2:1 Torghelle (61.), 2:2 Omodiagbe (73.), 2:3 Petersen (80.)
- Kaiserslautern: Sippel; Bellinghausen, Schönheim (83. Opara), Beda, Müllerr; Denai, Broniszewski, Simpson, Reinert (67. Neubauer); Jendrisek, Runström (71. Ziemer)
- Jena: Kraus; Stegmayer, Omodiagbe, Maul, Oniani; Kandelaki (69. Petersen), Kühne (46. Müller), Ziegner (25. Simak), Charalambides; Werner, Torghelle
- Zuschauer: 24.517
- Schiedsrichter: Hartmann (Augsburg)
- Spielbericht:
- Fußball
ist ein seltsamer Sport. Da spielt der FC Carl Zeiss Jena über weite Strecken
der Hinrunde gerade auswärts tollen Fußball, ohne daraus auch Kapital in Form
von Punkten zu ziehen. Und dann liefert er drei wahrhaft schlechte Spiele in
Folge ab mit dem Resultat, daraus mehr Zähler zu holen als in den 13
vorangegangenen Begegnungen zusammen. Die Gemeinsamkeit der drei Spiele gegen
Osnabrück, Aue und nun Kaiserslautern bestand darin, dass sich all diese Gegner
nach Spielende vor Wut in den Allerwertesten beißen mussten darüber, einem
bereits klinisch toten FCC nicht mit etwas mehr Entschlossenheit den
endgültigen Knockout versetzt zu haben. Der Unterschied: Jenas erster
Auswärtssieg in Kaiserslautern war nicht ansatzweise verdient.
Valdas Ivanauskas behielt sein Bäumchen-wechsle-dich-Spiel in Sachen Aufstellung bei.
Der gegen Aue indisponierte Tapalovic stand nicht einmal im Kader und Helbig
fand sich neben dem angeschlagenen Simak auf der Bank wieder. Stattdessen
Oniani von Beginn an in der Viererkette, und vorn stürmten Torghelle und nach
seiner abgesessenen Gelbsperre auch wieder Tobias Werner Seite an Seite. Beide
waren es auch, die im Zusammenspiel die ersten Duftmarken setzten. Nach drei
Minuten nimmt Torghelle einen Zauberpass Werners auf, lässt sich aber von
Bellinghausen im Strafraum abdrängen und hofft zu Recht vergeblich auf einen
Elfmeterpfiff, eine Viertelstunde später segelt der Ungar nur haarscharf an
einer Werner-Freistoßhereingabe vorbei. Jena war das aktivere Team und die
Gastgeber schienen doch etwas überrascht davon, dass sich der Tabellenletzte
keineswegs nur hinten rein stellte, sondern das Spiel mehr und mehr an sich
riss. Riss ist das richtige Stichwort, denn das Bersten von Jenas Spielfaden
ließ sich selten so punktgenau datieren wie in diesem Spiel. 19. Minute, ein
schwacher Freistoß Torsten Ziegners gelangt zum Ausführenden zurück, dessen
kapitalen Stockfehler an der Mittellinie Josh Simpson – zuvor schon durch eine
nicht geahndete Tätlichkeit gegen Stegmayer auffällig – ausnutzt und gemeinsam
mit zwei Teamkameraden allein auf Daniel Kraus und Stegmayer zuläuft. Auch wenn
die Lauterer dies schlampig ausspielen, der Ball zappelt im Netz und Jenas Anhänger
erleben ihr ewiges Deja vu aus der Abteilung „Wie besorge ich es mir selbst“.
Was sich in den folgenden Minuten auf dem Rasen abspielte, lässt sich aus
Thüringer Sicht nur mit erbärmlich, hilflos, hoffnungslos umschreiben. Die
Zeiss-Elf geschockt, während die Betzebuben sich nun fast im Minutentakt Chance
um Chance erspielten. Oniani klärt gefährliche Freistoßflanke (21.), Kraus
pariert Jendrisek-Schuß (23.), Broniszewski knapp neben das Tor (24.),
Runströms Heber landet auf der Latte (25.), Maul klärt Jendrisek-Schuß für den
geschlagenen Kraus auf der Linie (30.), Kraus rettet todesmutig gegen den
heranstürmenden Runström (35.), Lautern drückte und Jena schwamm, frei von
jeglicher Ordnung, frei von jeglichem Selbstbewusstsein. Dass mitten in diese
Phase die Herausnahme des Kapitäns fiel, ist zwar eine bemerkenswerte
Personalie, Einfluß auf das Geschehen auf dem Platz hatte sie nicht, denn auch
Jan Simak fügte sich nahtlos in die desaströse Vorstellung der Jenaer Elf ein.
Und just als man sich noch sagte, dass der Spielstand zur herannahenden
Halbzeitpause noch das Beste der ersten 45 Minuten sei, hatte auch dieser
keinen Bestand mehr. Hauptprotagonist diesmal Daniel Kraus, der erst einen fast
gefangenen Eckball wieder prallen ließ und bei der anschließenden Flanke
danebengriff, so dass sich Josh Simpson mit dem 2:0 bedankte und für
Endzeitstimmung bei 2.000 Jenensern im Gästeblock sorgte.
Die löste sich auch nicht mit Wiederanpfiff, als die Hereinnahme Robert Müllers für
den noch zu den Besseren gehörenden Stefan Kühne wohl nur von den Wenigsten als
Startsignal zu Jenas Aufholjagd verstanden wurde. Und so setzte sich das
planlose Vorpausenspiel nahtlos fort, kapitale Abwehrschnitzer (Oniani, Maul)
ermöglichten Broniszewski und Jendrisek beste Einschußchancen zur
Resultatserhöhung, während der FC Carl Zeiss im Offensivspiel schlicht nicht
existent war. Ähnlich wie die Pfälzer also anfangs der ersten Halbzeit und so
wollte es das Schicksal, dass auch diesmal ein unfassbarer Bock des Gegners den
Weg zum Tor bereitet. Lauterns Innenverteidiger Mathieu Beda wird des nächtens
wohl von jener Szene in der 61. Spielminute träumen, als er plötzlich völlig
unmotiviert und in der irrigen Annahme, sein Torhüter käme ihm entgegen,
Torghelle das Leder herschenkt. Der Ungar schlägt die Einladung nicht aus,
schlenzt gekonnt über Keeper Sippel ins Netz und Jena ist zurück im Spiel, ohne
eigentlich zu wissen, warum. Vier Minuten später schien dann alles wieder in
gewohnte Bahnen zu laufen, als sich der von seinen Vorderleuten erneut im Stich
gelassene Kraus im Strafraum nur mit einem plumpen Foul an Sven Müller zu
helfen weiß, Elfmeter. Ob man auf diesen Elfer später als den Knackpunkt
unserer Saison zurückblicken wird? Kraus springt in die richtige Ecke, hält,
der Nachschuß landet am Pfosten, alles Glück dieser Welt scheint in diesem
Moment auf jenen wenigen Quadradmetern Rasen vereint zu sein. Und endlich
begreifen auch die Blau-gelb-weißen dies als Wachrüttler, zückt Ivanauskas mit
Nils Petersen seinen ultimativen Joker und nimmt dafür Ilja Kandelaki aus der
Begegnung, wobei der Gang des Georgiers vom Feld seine aufsehenerregendste
Szene nach 69 Minuten Alibifußball darstellte, sieht man einmal von einer Flut
an Fehlpässen ab. Werner rückte für Petersen nun ins linke Mittelfeld zurück
und prompt setzte man den Gastgebern zu, übte Druck aus, setzte Nadelstiche.
Und einer davon saß: Simaks Ecke wird zu kurz geklärt, Werners Knaller pariert
Sippel, aber gegen den erneuten Nachschuß Omodiagbes ist auch er machtlos. 2:2,
unfassbar. Unfassbar auch, dass Jena nun nachsetzte, Lautern spürbar wankte und
seinerseits völlig den Faden verlor. Werners Schußversuch konnten sie noch ins
Toraus abfälschen (76.), Simak verzog im Strafraum knapp (79.) und dennoch
hätte es im Gegenzug beinahe bei Daniel Kraus geklingelt, doch der
eingewechselte Ziemer agiert freistehend zu umständlich. Der erneute Gegenzug,
die Roten Teufel bekommen das Leder nicht aus der Gefahrenzone, Simak zu
Torghelle, Torghelle zu Simak, Simak mit einem Anflug von Genialität
millimetergenau auf Petersen und was ist das für ein Wahnsinnsjunge, den Ball
furztrocken volley ins entlegene Eck zu katapultieren? Das Spiel war gedreht
und Jenas Youngster hätte gar noch einen draufsetzen können, als er sich nach
86 Minuten in den Strafraum dribbelt, aber zu Torghelle zurücklegt, der aus fünf
Metern über den leeren Kasten zieht. Lautern riskierte nun alles, hohe
Verzweiflungsbälle in den Jenaer Strafraum wechselten sich mit
kreuzgefährlichen FCC-Kontern ab, mit denen ebenso fahrlässig umgegangen wurde,
wie der mehrfache Deutsche Meister das in Halbzeit eins vorgemacht hatte. Dass
sich dies nicht noch rächte, verdankte man Lauterns Jendrisek, dessen Kopfball
in der 92. Minute knapp das Ziel verfehlte.
Dann war Schluß, fassungsloser
Jubel im Gästeblock, binnen 30 verrückten Minuten war aus „Wir woll’n euch
kämpfen seh’n“ ein „Wir woll’n die Mannschaft seh’n“ geworden, aus „Wir ham’
die Schnauze voll“ ein „Oh wie ist das schön“. Und nachdem der Puls erst einmal
etwas herunter gefahren war, da war sie wieder, die Parallele zu den beiden
vorangegangenen Spielen, jene brennende Frage: Abgesehen von der Freude über
die in den Schlussminuten eingefahrenen Punkte, von der Hoffnung auf einen
psychologischen Schub für’s nächste Match: Was soll einem aus der gebotenen
Leistung heraus Hoffnung für den Klassenerhalt geben? Sicherlich nicht viel,
doch wenn dieser glückliche Auswärtssieg eines war, dann Balsam auf die Wunde
der so vielen unnötig verschenkten Punkte im Verlaufe der letzten vier Monate.
Fußballfans sind die größten Philosophen, und wer wollte meinem Bruder
widersprechen in seinem Fazit: „Wir ham’s zwar nicht verdient, aber das ham’wer
uns mal verdient“. Auf die Hoffnung! <gunner>
FC Carl Zeiss Jena - FC Erzgebirge Aue 2:1
Tore: 0:1 Emmerich (8./FE), 1:1 Petersen (74.), 2:1 Simak (89./FE)
- Jena: Kraus; Stegmayer, Omodiagbe, Oniani, Tapalovic (41. Maul);
Kandelaki, Kühne, Ziegner (57. Torghelle), Simak, Charalmabides;
Helbig (72. Petersen)
- Aue: Keller; Trehkopf, Kos, Loose, Sträßer; Liebers,
Emmerich (76. Kurth), Curri (80. Geißler), Feldhahn; Sykora, Klinka
(76. Kaufman)
- Zuschauer: 9587
- Schiedsrichter: Gagelmann (Bremen)
- Spielbericht:
- Die ersten Überraschungen gab es beim Blick in die
Aufstellung. Ziegner verblieb trotz Simaks Rückkehr in der Startelf. Maul ein
weiteres Mal draußen. Doch die meisten Fragezeichen ergaben sich mit Blick auf
den Einmannsturm. Angesichts der Tabellensituation in einem Heimspiel nur mit
Helbig zu beginnen und Jenas besten Schützen Torghelle draußen zu lassen,
weckte jede Menge Unverständnis. Sollte der Ungar für seine übermotivierte
Spielweise in Osnabrück nachträglich noch bestraft werden ? Ist Motivation in
unserer Situation nicht wertvoll genug, um zu versuchen, sie in geordnete
Bahnen zu lenken ?
Das Ostderby gegen Erzgebirge Aue war nüchtern betrachtet
schon fast die letzte Gelegenheit, sich die Hoffnungen auf den Klassenerhalt
bewahren zu können. Deshalb wirkte der erneute frühzeitige Rückstand wie ein
Schlag in die Magengrube. Tapalovics Foul im Strafraum war nichts Grobes. Eines
von der Sorte, wo im Mittelfeld kurz Freistoß gepfiffen wird und das Spiel
gleich weiterläuft. Aber es passierte nun mal nicht im Mittelfeld, sondern im
eigenen Sechzehner und somit geht der Elfmeterpfiff in Ordnung. Emmerich
verwandelte sicher. In den diesjährigen Meisterschaftsspielen war es Jena noch
nicht gelungen, ein 0:1 in einen Sieg umzuwandeln. Und so ängstlich, wie es in
der Folgezeit zu Werke ging, schien daraus auch diesmal nichts zu werden.
Symptomatisch für die allgemeine Verunsicherung war die Szene, in der Oniani
unbedrängt den Ball am eigenen Keeper vorbei ins Toraus schob. Am meisten in
Erscheinung trat anfangs das promblemlos amtierende Schiedsrichter-Gespann, das in regelmäßigen
Abständen von acht Minuten seinen Auftritt hatte: Strafstoßpfiff in der 8.
Minute, Gelbe Garte für Stegmayer in der 16., Abseitsfahne beim Kopfballtor
Sykoras in der 24. Erst in Minute 25 ergab sich mal eine Tormöglichkeit für die
Thüringer, welche Ilia Kandelaki jedoch kläglich vergab: Drei Meter vor dem Tor
stehend köpfte er einen Flankenball um zehn Meter am Kasten vorbei ! Schlimmer
noch: Es sollte die einzige echte Chance in Halbzeit eins bleiben für den FC
Carl Zeiss, auch weil sich Alleinunterhalter Helbig zumeist von mehreren
Gegenspielern umringt sah und wie befürchtet damit auf verlorenem Posten
stand. Während Charalambides auf seiner lila-verwaisten Seite ein ums andere
Mal vergeblich auf sich aufmerksam zu machen versuchte, sorgte ein simpler
Fehler Kandelakis in der Ballannahme auf der anderen Seite für erste
Unmutsäußerungen von den Rängen. Fünf Minuten vor der Pause unterlief
Elfmetersünder Tapalovic ein Ballverlust, den Sykora nicht zu nutzen wusste,
jedoch Valdas Ivanauskas auf die Palme brachte. Noch vor dem Seitenwechsel nahm
er Tapalovic vom Feld, um dafür Alexander Maul ins Abwehrzentrum zu beordern.
Dieser berichtete hinterher, dass die Spieler in der Kabine
einiges zu hören bekommen und sich danach gesagt hätten: „Das Match drehen wir
heute“. Ganz ehrlich, lieber Alexander, lange Zeit sah euer Spiel in der
zweiten Hälfte kein bisschen besser aus als in der Ersten. So war in Minute 67
nicht nur aus dem Ball die Luft heraus, sondern anscheinend auch aus dem Spiel.
Das Schlimme an der Situation war, dass die auswärtsschwachen Auer keinen Deut
stärker spielten, aber scheinbar sicher in Führung lagen. Weil in diesem Spiel eben
einfach nichts passierte. Doch siehe da, mit neuem Spielgerät und zwei frischen
Stürmern kam die Wende. Nils Petersen war gerade zwei Minuten im Spiel, als er
eine Rechtsflanke von Charalambides erwischte und zum Ausgleich in die Maschen köpfte. „Ich habe
den Ball fliegen sehen und gedacht, da musst du hin“, schilderte der Youngster
das 1:1 aus seiner Sicht. Nun ging noch mal ein Ruck durch die Mannschaft, das
Spiel wurde schneller, doch auch die Zeit rannte davon. Kühnes Schuss landete
in Kellers Armen (81.). Doch mit dem Schuss von Maul hatte der
Auer Torwart größere Problem, musste das Leder prallen lassen. Torghelle wollte
abstauben und wurde durch Kos gefoult – Elfmeter ! In der vorletzten Spielminute ! Jan
Simak hielt dem immensen Druck stand, indem er scharf oben links verwandelte.
Petersen hatte den Ausgleich erzielt, Maul den vorentscheidenden Schuss abgegeben,
Torghelle den Elfmeter herausgeholt - mit seinen Einwechslungen lag Ivanauskas
immerhin wieder richtig. Der einzig wahre Held hieß dabei natürlich
Nils Petersen !
Eben noch auf dem Abstellgleis und nun das. Nach langer Pause wieder in die
Erste berufen, auf Anhieb einen Treffer erzielt,
zum Tor der Woche nominiert und in die U20-Nationalmannschaft berufen. Mehr
geht nicht in sieben Tagen. Ein Zeiss-Talent startet durch. Es wäre so wichtig,
würden sich seine Mannschaftskameraden davon anstecken lassen.
Denn eines muss klar sein: „Beide Halbzeiten zusammen
betrachtet war das nicht ausreichend für die zweite Liga“. Dieses Urteil hat
der Auer Spieler Marco Kurth über die Leistung seines Teams gefällt. Es gilt
wortwörtlich aber auch für die 90 Minuten des siegreichen FCC. <fc>
Bilder auf fcc.weissenburger.de
Spielbericht auf fc-erzgebirge.de
VfL Osnabrück - FC Carl Zeiss Jena 1:1
Tore: 1:0 Cichon (20., FE), 1:1 Werner (90.+2)
- Osnabrück: Gößling; Schäfer, Ndjeng,
Cichon, Thomik; Aziz (68. Nouri), Grieneisen (85. Manno), Heidrich, Schuon;
Hennings (89. Ehlers), Reichenberger
- Jena: Kraus; Stegmayer, Omodiagbe, Oniani, Günther
(

, 19.);
Kandelaki (85. Helbig), Kühne, Ziegner, Holzner (46. Charalambides);
Werner, Torghelle (37. Tapalovic)
- Zuschauer: 12.000
- Schiedsrichter: Kinhöfer (Herne)
- Spielbericht:
- (von Gastkommentator Thomas Neumann)
Das Osnabrücker Stadion an
der Bremer Brücke war Spielstätte des siebenten Auswärtsauftritts des FCC in
der Saison 2007/2008 und ich war wohl nicht der einzige Besucher, der die Parallelen
zum Spiel vor zwei Jahren sah. Nach einer Heimniederlage und eigentlich doch
recht ansprechenden Auswärtsauftritten in der Saison durfte man eigentlich
hoffen in Osnabrück zu punkten. Ähnlich
wie vor zwei Jahren, als der etatmäßige Spielmacher in der Regionalliga,
Torsten Ziegner, in Osnabrück fehlte, fiel diesmal Jan Simak aufgrund der 5. Gelben
Karte aus. Und das genau jener Torsten Ziegner nun diesmal den fehlenden Jan
Simak vertreten sollte, gab dem ganzen so eine besondere Note.
Aber um auch das nicht zu
vergessen, es gab auch einen Riesenunterschied zum Vergleich vor zwei Jahren:
Der FCC reiste dazumal als Tabellensiebenter zum VfL nach Osnabrück. Diesmal
kamen wir als Tabellenletzter nach Westniedersachsen und dementsprechend
pendelten die Ergebnistipps der Heimfans auf dem Weg vom Parkplatz zum Stadion
so zwischen einem 3:0 und einem 5:0 für ihre in der letzten Zeit extrem
heimstarken Lila-Weißen.
Die Mannschaft des FCC hatte
sich vor dem Spiel in einem viertägigen Trainingslager in Bad Blankenburg noch
einmal auf dieses Spiel eingeschworen und Jenas Cheftrainer Valdas Ivanauskas
wartete mit einigen Veränderungen in der Mannschaftsaufstellung auf. Neben
Torsten Ziegner in der Startformation, kamen auch Felix Holzner im rechten
Mittelfeld und Ilia Kandelaki im linken Mittelfeld zum Einsatz. Außerdem
spielten Omodiagbe und Oniani in der Innenverteidigung, Sven Günther mal wieder
hinten rechts und Michael Stegmayer hinten links, sowie Stefan Kühne als
Staubsauger vor der Abwehr. Und nachdem mit Sandor Torghelle und Tobias Werner
auch vorne mal wieder mit zwei Spitzen angefangen wurde, kann man Jenas Trainer
Valdas Ivanauskas wohl eher nicht vorwerfen, nicht mal etwas Neues
auszuprobieren.
Das Spiel begann für die
Jenaer eigentlich ganz ansprechend. Die Mannschaft kann das Spiel auch in des
Gegners Hälfte verlagern und von einer Anfangsoffensive der Heimmannschaft ist
wenig zu sehen. Felix Holzner zielt bei einer Schusschance in der 3. Minute aus
ca. 20 Metern nur knapp über das Tor. Nach und nach gewinnen die Osnabrücker
aber die Oberhand und als der FCC nach einer guten Viertelstunde einen Einwurf
in der eigenen Hälfte auf Links zugesprochen bekommt, nimmt das Unglück an Fehlern
mal wieder seinen Lauf. Man wirft den Ball nicht zurück zum eigenen Torwart,
wenn die gegnerische Mannschaft so aufgerückt ist. Man fängt als Torwart nicht
an, im eigenen Strafraum den Gegner auszuspielen. Und man reißt den Gegner im
Strafraum auch nicht um (wobei ich zugebe die Szene nicht genau gesehen zu
haben). Das Ergebnis dieser Fehler: Strafstoss für Osnabrück und eine rote
Karte für Sven Günther! Den Elfmeter verwandelt Thomas Cichon (20.) souverän
ins linke Eck und im mit ca. 400 bis 500 FCC – Fans gefüllten Gästeblock
beginnt sich sofort Defätismus breit zu machen.
Was sich in den nächsten 40
Minuten auf dem Platz abspielt, ist im Grunde genommen nebensächlich, weil
unerheblich. Die Osnabrücker können ihre Vorteile nicht wirklich nutzen und
beweisen auch nicht wirklich warum sie so viel mehr Punkte auf dem Konto haben
als der FCC. Der FCC vertut sich in Harmlosigkeiten und schwächt sich am Ende
selbst, als Oniani in einem Luftzweikampf Holzner (41.) ausschaltet.
Erst am Ende kommt der
Tabellenletzte wieder zu ansprechenden Szenen, die jedoch harmlos vergeben
werden.
Tja, und wenn es denn noch
mal eines Vergleiches mit jenem Treffen vor zwei Jahren bedarf, dann war es
eben jenes Ausgleichstor in der 90+x Minute durch einen Kopfball von Tobias
Werner. Danach war dann auch aber auch zum Glück schnell Schluss.
Ich spare mir lieber jede
Prognose zu Chancen und Möglichkeiten zum Klassenerhalt. Möglich ist vieles,
machbar auch. Die recht verhaltenen Gesten der Mannschaft nach dem Schlusspfiff
am Zaun vor dem Gästeblock sprechen aber Bände. Realistisch betrachtet haben
wir aber nur wieder einen Spieltag gegen einen Konkurrenten vergeben.
FC Carl Zeiss Jena - TSG 1899 Hoffenheim 0:1
Tore: 0:1 Obasi (72.)
- Jena: Kraus; Stegmayer, Omodiagbe, Maul, Oniani; Hansen (46.
Zimmermann), Müller, Simak, Charalambides (74. Helbig); Torghelle,
Werner
- Hoffenheim: D. Haas; Gustavo, Löw, Nilsson, Seitz; Eduardo
(68. Ibisevic), Vorsah, Copado, Salihovic (85. S. Haas); Paljic (62. Ba),
Obasi
- Zuschauer: 6895
- Schiedsrichter: Fischer (Hemer)
- Spielbericht:
- Vor Wochen sorgte der Streit zwischen Mainz 05 und
Hoffenheim 1899 für Diskussionen. „Bayern München erwirtschaftet sein Geld. In
Hoffenheim ist es nur ein Sponsor. Schade, dass so eine Mannschaft einen der 36
Plätze im Profifußball wegnimmt“, hatte sich der Mainzer Manager Christian
Heidel negativ über die Hoffenheimer geäußert. Dass diese verärgert darauf
reagierten, ist nachvollziehbar. Den Beweis, dass in diesem Verein mehr
Substanz steckt als ein starker Sponsor, der sich fähige Spieler an Land zieht,
bleibt die TSG aber bis zum heutigen Tag schuldig. Wenn beispielsweise von
Herrn Hopp die Auswärtsbusfahrt komplett bezahlt wird und sich dennoch gerade
mal 54 Fans auf den Weg machen, eine zuletzt sehr erfolgreiche Mannschaft
auswärts zu unterstützen, wird das keinen höheren Ansprüchen gerecht.
Die Schützlinge von Ralf Rangnick begannen offensiv, mit
gutem Passspiel. Dreimal musste Daniel Kraus bereits in den ersten zwanzig
Minuten zeigen, dass die Zeit der „Flattermänner“ im Jenaer Gehäuse ein Ende hat.
Den Schuss von Paljic lenkte Kraus zur Ecke. Auf den tückischen Ball im
Anschluss an einen Freistoß hechtete er sich kurz vor der Torlinie. Und beim
direkten Freistoß von Salihovic ging er auf Nummer sicher, versuchte das nasse
Leder gar nicht erst zu fangen, sondern faustete es konsequent weg. Das Glück
des Tüchtigen kam Jenas Keeper in Minute 29 zu Hilfe, als im Anschluss an eine
gelungene Dreierkombination Salihovic nur die Lattenoberkante traf.
Kraus war
von Beginn an voll da, was von seinen Vorderleuten leider nicht behauptet
werden kann. Im Vergleich zu der couragierten ersten Hälfte in Mönchengladbach
waren sie kaum wieder zu erkennen, reagierten nur statt zu agieren. Ihr Trainer
hatte vor einer offensive Gästeelf gewarnt, den Überraschungseffekt kann also
niemand geltend machen. Fast sechzig Prozent verlorene Zweikämpfe in der ersten
halben Stunde sind ein unerklärlicher, so bislang nicht gekannter Beleg von
Schwäche, der sich naturgemäß aufs Spielgeschehen auswirkte. Keine Torszene aus
dem Spiel heraus war in Halbzeit eins zu verzeichnen und es dauerte bis zur 34.
Minute, bis Jena wenigstens mal aus einer Standartsituation heraus etwas zuwege
brachte. Simaks Freistoß musste Haas prallen lassen, beim anschließenden Kopfball
von Alexander Maul brandete schon Torjubel auf, doch der Torwart vermochte ihn
noch zur Ecke zu lenken. Klar wäre eine Führung zu diesem
Zeitpunkt ganz und gar unverdient gewesen – doch darum hat sich so mancher Gast
im Ernst-Abbe-Sportfeld bislang schließlich auch nicht geschert. Ein Solo noch
von Jan Simak, der zuvor für ein „Warum hast du das gepfiffen?“ seine 5. Gelbe
Karte gesehen hatte – dann war wieder
Hoffenheim am Drücker. Copado scheiterte zweimal innerhalb einer Minute an Kraus
(41.). Der Flachschuss von Obaris sauste am langen Pfosten vorbei (42.). Ecken,
Zweikämpfe, Chancenverhältnis, scheinbar auch in der Gunst des Schiris –
überall lagen die Gäste zur Pause vorn. Nur in Tore hatten sie diese
Überlegenheit nicht umgesetzt.
Mit Wiederanpfiff kam Zimmermann für Hansen, der sich nach
unserer Beobachtung bei einem Absatzkick ohne gegnerische Einwirkung verletzt
hatte. Am Spielverlauf änderte sich zunächst mal nichts. Bis zur 55. Minute. Da tauchte
nach Vorarbeit von Werner und Maul plötzlich Sandor Torghelle am
Gäste-Strafraum auf, seinen scharfen und eigentlich gut platzierten Schuss
erwischte Haas aber reaktionsschnell mit der Hand. Diese Aktion wirkte wie eine
Initialzündung. Jetzt endlich wurde die berühmte letzte
Konsequenz in den Jenaer Handlungen
deutlich. Die nächsten Hochkaräter ließ nicht lange auf sich warten. Werners
Schrägschuss fing Haas. Dann, nur zwei Minuten nach seiner ersten vergebenen
Möglichkeit erwischte Torghelle im Mittelfeld einen Abschlag des Torhüters, sprintete
mit Ball am Fuß auf den Keeper zu und – scheiterte erneut. Kein Vorwurf beim
ersten Ding, aber DEN hätte er machen müssen ! Der Ungar, mit seinem
Pokaltreffer gerade erst in der Wahl zum Torschützen des Monats gewesen, sollte
sogar noch eine dritte Chance bekommen. Doch sprang er um einige Zentimeter an
Werners Freistoßball vorbei. Immerhin hatten die Jenaer nun Zugang zu diesem
Spiel gefunden und deshalb ist es besonders bitter, im Anschluss an die
stärkste Phase den k.o.-Schlag einstecken zu müssen. Jan Simak, an diesem Tag
ohnehin mit größerer Fehlerrate als sonst, unterlief der spielentscheidende
Ballverlust im Mittelfeld. Über Vorsah und Salihovic kam Chinedu Ogbuke Obasi
in Ballbesitz und ließ Daniel Kraus keine Chance. 0:1. Was danach kam, kannten
wir schon aus anderen Spielen in dieser Saison. Jena gab kämpferisch alles,
konnte mit der Brechstange aber nichts mehr bewegen. Und da der Schiri bei zwei
strittigen Strafraumentscheidungen weiterspielen ließ, brachte Hoffenheim das
Ergebnis ziemlich ungefährdet über die Zeit.
Es ist ja nicht so, dass der FC Carl Zeiss irre weit weg
wäre von der Musik. Sieben der neun Niederlagen fielen mit einem Tor Differenz
aus ! Doch gerade das macht diese Saison so frustrierend. Daran hat sich auch
am 11.11. nichts verändert. <fc>
Borussia Mönchengladbach - FC Carl Zeiss Jena 2:1
Tore: 1:0 Neuville (9.), 1:1 Torghelle (34.), 2:1 Neuville (80.)
- M'Gladbach: Heimeroth; Voigt (74. van den Bergh), Brouwers, Daems, Levels; Marin,
Paauwe, Rösler (74. Coulibaly), Ndjeng; Friend, Neuville (85. Svärd)
- Jena: Kraus; Stegmayer, Omodiagbe, Maul, Oniani (72. Tapalovic);
Hansen (82. Helbig), Müller, Simak, Charalambides; Werner, Torghelle
- Zuschauer: 28.759
- Schiedsrichter: Schmidt (Stuttgart)
- Spielbericht:
- Den Frust im Bier ersaufen oder einfach nur ertragen? Ich
weiß es ehrlich gesagt nicht. Nicht mehr. Klar, solche Abende gibt es. Da
rennen sich die Jungs anderthalb Stunden die Seele aus dem Leib und am Ende
bleibt nix außer Enttäuschung. Aber so ist Fußball halt. Dafür kommen andere
Spiele, nach denen man sich besorgt fragt, ob die drei Punkte mit dem einen
gegebenen Gerechtigkeitsempfinden überhaupt vereinbar sind. Nur, wo bleiben die
in dieser Saison? Wann löst sich diese Gleichung endlich auf? Nach Gestern muß
man sich fragen, ob sie das überhaupt noch tut. Acht Punkte Rückstand auf einen
Nichtabstiegsplatz sind schon ganz schön fett. Also doch ins Bier stürzen?
Jein! Es sieht schon ganz schön übel aus, ohne Frage. Und als Gladbach nach nur
neun Minuten die Führung erzielte, war auch wieder klar warum. Ein schlichter
Paß von Marin durch die Viererkette und schon war es
soweit. Das es auch schon Zeiten gab, in denen sich Neuville bei einem solchen
Ding den Fuß gebrochen hätte, ist halt Schicksal. Wenn du eben ohne Licht im
düsteren Tabellenkeller hockst, dann nimmt er ihn halt wunderschön an und
donnert ihn dir aus der Drehung in die kurze Ecke. Unhaltbar. Man hätte es in
den nächsten 70 Minuten glatt vergessen
können, hätte sich nicht das gleiche in der 80. Spielminute so ähnlich
wiederholt. Der einzige Fehler Omodiagbes im ganzen
Spiel, verwandelte den ganzen mühsam gehegten Optimisumus
in ein Häufchen Elend. Wieder war es Neuville, der nach der mißglückten
Kopfballabwehr des Nigerianers mit seiner Direktabnahme die endgültige
Entscheidung erzwang. Man konnte nahezu jeden einzelnen Fehler der Jenaer
Hintermannschaft auf der Anzeigetafel ablesen. Wirklich zum Brechen. Soviel zur
Hoffnungslosigkeit der Situation. Was sich zwischen den beiden geschilderten Szenen
abspielte läßt aber – wenn schon nix Zählbares dabei rausspringt – trotzdem
auch viel Raum für Zuversicht. Und zwar deshalb, weil wieder eine Mannschaft
mit Wir-Gefühl auf dem Platz stand in der einer für den anderen die Kastanien
aus dem Feuer zu holen bereit ist. In der Torghelle
das Laufen für sich entdeckt hat (ich hätte es noch vor Wochen nicht für
möglich gehalten) und das Tor trifft. In der Simak
langsam das Bewußtsein für das aufbaut, was wirklich in ihm steckt und die
Fäden in die Hand nimmt. Und in der das (manchmal) mangelnde spielerische
potential durch Kampf und Einsatzwillen aufgewogen wird.
Das sah gut aus! Vor allem in der ersten Halbzeit, als die
Gladbacher den Selbstfindungsbemühungen von Simak kaum
ein Mittel entgegenzusetzen hatten. Erst sein Knaller aus ca. 20 m, den
Heimeroth im Gladbacher Tor nur mit Mühe abwehren kann
(16.), dann der etwas zu hoch angesetzte Schuß vom linken Strafraumeck nach
einer schönen Einzelleistung (23.). Und dann schließlich seine Vorarbeit für
Stegmayers Flanke direkt auf Torghelle.
Ein langgezogener Brüller begleitet den wunderschönen
Kopfball des Ungarn zum Ausgleich in lange Eck (34.). Wunderschön!!! Und das
auch noch völlig verdient, denn hier spielte phasenweise nur noch Jena. Kommt
Jungs, nachsetzen. Kurz vor der Pause hält Werner noch mal drauf. Aber der hat
einfach kein Glück, bekommt nicht mal eine Ecke für den abgefälschten Schuß…
Nach der Halbzeit schwinden sichtbar schnell die Kräfte. Das
merkt man vor allem an den kleinen Fehlern, die sich allenthalben so einschleichen.
Simaks Pässe kommen nicht mehr so oft an und wenn,
dann deutlich unpräziser. Auch diese kleinen Schlampigkeiten machen das
Fußballerleben immer schwerer. Auf der linken Abwehrseite werden sich
Charalambidis und Müller (?) nicht einig. Nimm du ihn, ich
hab ihn sicher, fällt mir dazu nur ein. Glück, daß Neuville die anschließende Flanke
von Ndjeng aus drei Metern über das Gehäuse wuchtet. Na
also, es geht doch (58.)! Und dann noch das Ding von Daniel Kraus als er einen
seltsam geschlagenen Aufsetzer nur mit Mühe und unter Einsatz diverser
Körperteile am Überqueren der Linie hindern kann (59.). Sah komisch aus, war
aber auch schwer! Hauptsache nicht drin.
Jena steht in dieser Phase ganz schön unter Druck, aber das
sieht trotzdem alles ganz passabel aus. Kaum richtige Chancen für Gladbach. Ein
Freistoß von Simak sorgt sogar noch mal für etwas
Entlastung. Aber mit letztem Einsatz kann Heimeroth
den Ball noch über die Latte lenken (55.). Scheiße. Schönes Ding. Und dann –
gerade als man als Jenaer Anhänger mit einem Pünktchen zu liebäugeln beginnt –
Neuvilles zweiter Treffer. Aus der Kalten. Und das nach so
einer starken Leistung.
Ein Tal tiefer Depression tut sich kurzzeitig vor mir
auf. So lande ich nach dem Abpfiff auch unweigerlich bei der Frage nach einem
den Umständen gerecht werdenden Bierkonsum. Die Antwort will sich mir nicht so
recht erschließen, schwankt mit dem jeweiligen Gemütszustand zwischen fast
schwarz und sehr dunklem Hell. Am Ende entschließe ich mich, die ganze Sache
auszusitzen. Bis Sonntag jedenfalls. Wer hat schon mit einem Punkt oder gar
Sieg gegen Gladbach gerechnet? Kaum jemand. Es ist also alles noch wie vorher.
Für den Fall, daß es gegen Hoffenheim wieder nicht
klappt mit dem Dreier, sollte man aber sicherheitshalber schon mal eine
Palette Öttinger kaltstellen. <bpf>
FC Carl Zeiss Jena - SC Freiburg 1:2
Tore: 0:1 Pitroipa (35.), 0:2 Kmas (83.), 1:2 Werner (90.)
- Jena: Kraus; Stegmayer, Omodiagbe, Maul, Günther (46.
Tapalovic); Hansen (77. Torghelle), Zimmermann (70. Ziegner), Simak,
Kühne; Werner, Helbig
- Freiburg: Walke; Ibertsberger, Butscher, Krmas, Schwaab; Aogo,
Uzoma, Pitroipa (75. Schlitte), Banovic; Bencik (56. Cafu), Matmour (79.
Mesic)
- Zuschauer: 7026
- Schiedsrichter: Walz (Pfedelbach)
- Spielbericht:
- In der 25. Spielminute, als Hansens Kopfball knapp das Tor
verfehlte, beneidete ich etwas den Verfasser des heutigen Spielberichts, weil
er bis dahin etliches Notierenswertes und eine starke Jenaer Anfangsphase geboten
bekam. Sekundenbruchteile später wandelte sich mein Neid in Entsetzen, denn mir
fiel schlagartig ein, dass ich vom Chefredakteur zum Schreiben vergattert
worden war…
Dabei sah man vorm Anpfiff überall skeptische Gesichter,
gegen unseren Lieblingsgegner der letzten Saison rechnete sich eigentlich
niemand etwas aus. Die erste Aktion schien allen recht zu geben, denn nach der
ersten Gästeecke musste Kraus einen scharfen Kopfball parieren. Faktisch im
Gegenzug parierte Walke einen Schuss Hansens aus nächster Nähe. Kurz danach
rettete Walke gegen Helbig. Das Gesamtbild sah gar nicht so übel aus (daran
änderte auch die nervige und überflüssige Information auf der Anzeigetafel vom
Eckenverhältnis von 5:0 für den SC nichts), der FCC war die überlegene, aggressivere
Mannschaft, die den Freiburgern immer wieder
feine Nadelstiche verpasste. In der 12. min wusste sich ein von Simaks Antritt
überforderter Verteidiger gar nicht mehr anders zu helfen, als sich ans Jenaer
Trikot mit der Nr. 19 zu klammern und dieses samt Simak auf den Rasen zu
befördern. Ich weiß nicht, ob Schiedsrichter Walz vom Rugby kommt, aber anders
kann man sich nicht erklären, warum er bei diesem klaren Foul nicht auf
Strafstoß entschied. Walz’ Gepfeife in der ersten Halbzeit war sowieso unterirdisch,
prinzipiell wurde nach Freiburger Ballverlust im Zweikampf auf Freistoß für die
Gäste entschieden und seine putzigen Eckenballentscheidungen für den SC
inspirierten die Haupttribüne zu lautstarkem ironischem „Ecke, Ecke“ bei jedem
Ausball. Bis zu jener oben erwähnten 25. min war der FCC im Vorwärtsgang, aber
erfolglos. Und so kam alles wie immer, nach der 34. die 35. Minute und in jener
der obligatorische Abwehrpatzer, als plötzlich drei „Blaue“ (die Gäste liefen
in einer ungewohnten Farbe auf) durch Jenas Abwehrmitte rauschten, Kraus
erwischte den Ball nicht, ein Freiburger spielt auf den nächsten, der im
Abseits stehend die Kugel ins Tor schob. Ein weiterer Höhepunkt jener
grässlichen Schiedsrichterleistung, dass der Treffer trotzdem anerkannt wurde.
Und so hatte nicht nur ich zur Halbzeitpause die Nase
gestrichen voll: Der FCC machte dass Spiel, der Gegner das Tor und der
Schiedsrichter leistete mit zwei extremen Fehlentscheidungen seinen Beitrag.
Zum Speien!!!
Nach der Pause war Freiburgs Taktik klar: Am eigenen
Strafraum aufstellen und in Ruhe die Führung nach Hause schaukeln, eventuell
mal kontern. Der FCC schaffte es aber trotz der badischen Zurückhaltung richtig
energisch Druck aufzubauen. Man spielte zu durchsichtig, machte zu viele
einfache Fehler im Aufbau und den Freiburgern die Abwehrarbeit ziemlich leicht.
Unerträglich, aber nicht neu, waren zudem die Schauspieleinlagen von
Pitroipa & Co., die nach kleinsten Berührungen oder
auch völlig ohne Anlass regelmäßig den „sterbenden Schwan“ abspulten, wie in
den letzten Zügen liegend. Nachdem sie fürs anscheinend letzte Schnauferchen
ins Seitenaus verbracht wurden, gab es ebenso regelmäßig die blitzschnelle
Wiederauferstehung inklusive Genesung. Und es ist sicher keine schlechte
Bilanz, durch solche „Verletzungen“ mehrfach längere Unterbrechungen zu
provozieren, die am Ende mit nur zwei Nachspielminuten belohnt wurden.
Jedenfalls fiel dem FCC nicht ein, wie die Gästeabwehr zu knacken wäre. Zu
vermelden war lediglich ein 20-m-Schuss Werners, der das Tor verfehlte –
typisch, dass in dieser Situation Stegmayer links völlig freigelaufen war, aber
vergeblich aufs Anspiel wartete. Eine knappe Viertelstunde vor Schluss sorgte
die Einwechslung des Ex-Jenaer Schlittes für ein
Anheizen der Stimmung im Publikum und fortan begleitete ein gigantisches
Pfeifkonzert jeden seiner Ballkontakte, das Eintauschen der angeblichen
Herzenssache FCC gegen Freiburger Geld war nicht vergessen worden. Freiburg
schaffte in der 82. min die befürchtete Vorentscheidung, allerdings nicht nach
einem Konter, sondern nach einem Freistoß von links außen. Omodiagbe ließ
Krmas kurzen Pfosten zu viel Raum und der drückte den Ball
ins Netz. Die erloschene Hoffnung glomm nochmals kurz auf, als Werner nach
Ziegners Flanke den Anschluss per Kopf erzielte. Aber
selbst Kraus’ Eingreifen ins Angriffsspiel brachte nichts Zählbares mehr, so
dass der FCC zum wiederholten Male in dieser Saison nach einem Heimspiel mit
leeren Händen dastand.
Nach dem guten Anfang fehlte heute in der Phase, in der der
FCC das Spiel hätte noch kippen können, jener letzte Kick, jener letzte Wille
zum bedingungslosen Fighten. Und wenn wir nicht schon im Dezember mit den
Planungen für die dritte Liga 2008/09 beginnen wollen, müssen nach den vielen
vergebenen möglichen Punkten in den nächsten Wochen endlich mal ein paar
unmögliche Punkte her. <uk>
SC Paderborn - FC Carl Zeiss Jena 2:2
Tore: 0:1 Torghelle (8.), 1:1 Koen (12.), 1:2 Werner (14.), 2:2 Sinkala (33.)
- Paderborn: Bade; Fall, Döring, Kläsener, de Graef, Gouiffe à Goufan, Sinkala (68. Männer),
Koen (68. Halfar), Krupnikovic, Löbe, Schüßler (56. Siradze)
- Jena: Kraus; Günther (66. Tapalovic), A. Maul, Omodiagbe, Stegmayer, Kühne, Charalambidis,
Werner, Simak (86. Ziegner), Torghelle (75. Hansen), Helbig
- Zuschauer: 6.079
- Schiedsrichter: Dr. Brych (München)
- Spielbericht:
- Nach der Spielpause war man allseits besonders gespannt, ob der FCC endlich den Bogen in die Erfolgsspur
findet, zumal es gegen einen Mitabstiegskonkurrenten ging. Die "Baustelle" Tor war mit dem dritten Keeper
Daniel Kraus besetzt worden. Neu war auch die Zusammensetzung des Angriffsduos, diesmal stand Helbig neben
Torghelle. Dafür rückte Tobias Werner auf die linke Außenbahn des Mittelfelds.
Und der FCC begann wirklich mit viel Elan, bereits in der 1. Spielminute verfehlte Charalambides
das 07er Tor nur knapp. Der Sekundenzeiger hatte gerade einmal zwei weitere Runden gedreht, da schoss
Helbig aus 25 m Entfernung knapp über die Torlatte. Im Gegenzug durfte Kraus Löbes Schuss aus
nächster Nähe abwehren. Dann war wieder der FCC im Vorwärtsgang: Einwurf Günthers
auf Charalambides, der legt zurück und in der Mitte köpfte Torghelle Günthers Bilderbuchflanke
zum 1:0 ein! Leider verschenkte man den Vorteil bald wieder, als Günther und Charalambides interessiert
einem Ball nachschauten, der sich zwischen ihnen zu Koen - dem stärksten Paderborner in der ersten
Halbzeit - durchdrängelte und der ließ sich die Chance nicht entgehen und knallte den Ball
ins lange Eck - 1:1. Die rund 500 mitgereisten Fans hatten aber keine Zeit, über diesen Rückschlag
richtig zu jammern. In der 14. Minute gab es auf der rechten Seite Freistoß für den FCC. Simak
und Werner standen bereit, letzterer trat die Spielkugel mit links hoch in den Strafraum, Maul ging zum
Ball, stieg jedoch drüber und so landete dieser im langen Eck - 2:1, der FCC hatte nach dem Ausgleich
sofort wieder zurückgeschlagen! Also alles bestens? Denkste, umgehend grub man sich in der eigenen
Hälfte ein und ließ die Gastgeber ihr Spiel aufziehen. Die optische Überlegenheit
Paderborns brachte jedoch nichts Zählbares, da entweder der finale Pass in der weißen Abwehr
steckenblieb oder man bei den Fernschüssen aufs Dach der Endtribüne zielte. Herzinfarktfördernd
war die 28. min, als eine lange Flanke am auf Sinkalas Kopf landete, dem Ball jedoch sprichwörtlich die
Luft ausging und er auf dem Strich zwischen Gut und Böse von Kraus festgehalten werden konnte. Fünf
Minuten später war es jedoch soweit, als es pingpongartig zwischen Jenaer Abwehr und Paderborner
Angreifern hin und her ging und Sinkala dem Treiben mit einem satten Schuss ins untere Toreck ein Ende
bereitete - wieder Ausgleich! Zum Heulen!!! Und wie jetzt weiter? Jedenfalls vergaßen die Abwehrrecken
des FCC bei einem Freistoß kurz nach dem Ausgleich, dass Schüßler ein blau-schwarzes Trikot
trug und so marschierte er mutterseelenallein zur Grundlinie, jagte seine Flanke zum Glück weit
Richtung Seitenlinie. Unmittelbar köpfte Maul zum Gegner und wieder war es Schüßler, der
auf der linken Seite davon profitierte, aber auch diesmal keinen Mitspieler fand. Die letzten Minuten vor
der Pause riss sich der FCC aber noch einmal zusammen und machte seinerseits Druck. Wer weiß, wie
die Partie ausgegangen wäre, hätte Jena auch nur eine der drei folgenden Konterchancen in den
Spielminuten 39 bis 44 genutzt hätte. Zunächst sahen sich drei Weiße kurz nach der
Mittellinie nur einem Abwehrspieler gegenüber, Werners Pass landete leider genau in dessen Füßen
anstatt bei den beiden mitlaufenden Teamkollegen. Dann sprintete wiederum Werner los, schoss aber von
links am Tor vorbei und ließ Helbig und Torghelle vergeblich in der Mitte warten. Und letztendlich
rannte sich Helbig bei seinem halbherzigen Dribbelversuch fest, nachdem er von Simak wunderbar
freigespielt worden war.
Zwischendurch erwischte ein abgefälschter Schuss Werners Alexander Bade beinahe auf dem falschen
Fuß, er schaffte es jedoch noch, gleichzeitig mit dem Ball in der unteren Torecke einzutreffen.
Mit 2 Sekunden Nachspielzeit beendete Schiedsrichter Dr. Brych diese sehenswerte Halbzeit.
Es war eigentlich klar, dass es nach der Pause nicht so weitergehen konnte. Die zweite Halbzeit war
dann auch etwas dezenter und es passierte deutlich weniger, was den Puls nach oben trieb. Zwei
Freistöße rund 25 m vorm Tor bis zur 50. Spielminute wurden mehr oder weniger
kläglich vergeigt. In der 52. min wurde zunächst Charalambides' Schuss abgeblockt
und ein Paderborner lenkte kurz vor der Torlinie Werners Nachschuss zur Ecke. Nach einer
Stunde tauchte Paderborn das erste Mal nach der Pause ernsthaft vor Kraus' Kasten auf und
Löbe setzte einen Kopfball auf der richtigen Seite neben den Pfosten ins Aus.
Anschließend gönnten sich beide Mannschaften eine ruhigere Phase zwischen den
Strafräumen. Erst in der 78. min gab es eine Strafraumszene, als die Paderborner
Nummer 24 mit dem klangvollen Namen Gouiffe á Goufan eine Simak-Flanke im letzten Moment
vor dem heranstürmenden Hansen zur Ecke entschärfte. Die anschließende Ecke
(wieder von Simak) wurde am kurzen Pfosten verlängert und fand weiter hinten Kühnes Kopf,
der maßgenau und kraftvoll köpfte und die Arme der Jenaer Fans in die Höhe jagte.
Da sich jedoch der Ball um wenige Millimeter verirrte und vom Aluminium des 07er Tores wieder
zurücksprang, landeten die Hände schließlich am Kopf zum Haareraufen. Paderborn
verließen nun sichtbar die Kräfte und Jena übernahm in der verbleibenden Zeit
die Initiative. Mit etwas Übersicht hätte der FCC noch einen Sieg holen können,
aber Werner entschied sich in der 83. für einen Schlenzer aufs lange Toreck und gegen den
in der linken Strafraumhälfte einsam und allein wartenden Helbig. Auch eine Minute später
nahm Werner den Kopf nicht hoch, sondern rannte sich nach Helbigs Zuspiel an ein paar schwarz-blauen
fest. Auf der Gegenseite testete Maul noch fix die Nerven von Mitspielern und Fans, als er eine an
sich harmlose Flanke fast ins eigene Tor stolperte, bevor dann Dr. Brych nach gigantischen 12 Sekunden
Nachspielzeit abpfiff.
Wie soll man nun das Unentschieden bewerten? Positiv (ein Auswärtspunkt) oder negativ (nicht
einmal beim Schlusslicht gewonnen)? Sicherlich irgendwo dazwischen: Es war mehr möglich, aber
andererseits können wir den schlechten Saisonstart nicht im Handumdrehen vergessen machen,
sondern müssen wie die Eichhörnchen mühsam Nuss für Nuss (bzw. Punkt für Punkt)
einsammeln, um im Dezember einen Vorrat zu haben, der für die Rückrunde reelle Chancen auf den
Klassenerhalt bietet.<uk>
FC Carl Zeiss Jena - TSV 1860 München 0:2
Tore: 0:1 Bierofka (47.), 0:2 Göktan (90.)
- Jena: Person; Stegmayer, Omodiagbe, Maul, Günther; Hansen
(62. Helbig), Kühne, Simak, Charalambides (76. Ziegner); Werner,
Torghelle
- München: Hofmann; Hoffmann, Berhalter, Ghvinianidze (85.
Szukala), Thorandt; L. Bender (67. Gebhart), Schwarz, Bierofka, Johnson
(67. S. Bender); Göktan, di Salvo
- Zuschauer: 11.314
- Schiedsrichter: Wingenbach (Diez)
- Spielbericht:
-
Wer ihn damals hörte, wird sich jetzt noch an ihn erinnern:
Den Kommentar von DSF-Reporter Martin Quast zum Spiel Jena – 1860 im Februar
2007. Da war zunächst die Schilderung des 1:0 nach sechs Minuten: „Eckball kurz
aufgeführt, Hoffmann klärt, da ist nur Tapalovic – (Stimme plötzlich erhebend)
NUR TAPALOVIC ! Boah, was’n Gerät ! Tor des Monats, hundert Prozent.
Volltreffer – so schön kann Zweitligafußball sein.“ Filip Tapalovic hatte den
FCC mit einem Volleyknaller aus 25 Metern in Führung geschossen und auch wenn
Herr Quast mit der Tor-des-Monats-Prognose nicht
recht behalten sollte, geriet er auch noch wegen der
darauffolgenden Spielminuten aus dem Häuschen. „Ich raffs nicht, ich fass es
nicht – ja, wo bin ich denn hier?“, rief er nach 10 Minuten, als gerade das 3:0
gefallen war, „jetzt tanzen sie im Thüringer Wald Samba mit den Wildschweinen
und allem Drum und Dran. Unfassbar, was hier im Ernst-Abbe-Sportfeld in den
ersten Minuten passiert“.
Obwohl noch nicht lange her, ist diese Anfangsphase bereits legendär.
Und die ver-quast-ete Schilderung gleich mit.
Doch das ist Vergangenheit und mit einer Wiederholung jenes
Ablaufs war von vornherein nicht zu rechnen. Wobei sich die Frage stellt,
welchen Verlauf solch ein Spiel nimmt, wenn der straffe Schuss von Kühne nach
drei Minuten im Netz landet. Münchens Keeper Hofmann rührte da keinen Finger,
leider flog das Leder knapp an seinem Kasten vorbei. Die erste Halbzeit konnte sich durchaus
sehen lassen auf Jenaer Seite. Mit Forechecking versuchte man in Ballbesitz zu
gelangen. Die Flügelzangen Stegmayer-Hansen und Günther-Charalambides zeigten
sich in der Abstimmung weiter verbessert. Und zentral überzeugte Simak wieder
mit klugen Pässen. Nur im Abschluss erwiesen sich Charalambides (23.) und
Hansen (26.) als nicht treffsicher genug. Die vielleicht beste Gelegenheit vor
der Pause vergab Tobias Werner bei einem energischen Konter, als er es nicht
fertig brachte, dem freigelaufenen Simak den Ball „durch zu stecken“, vielmehr
an einem Verteidiger hängen blieb. Auch beim Durcheinander im gegnerischen
Strafraum fanden die Jenaer keine Lücke, Mauls Heber wurde schließlich zur
leichten Beute Hofmanns. Und die Münchner ? Waren zu Beginn um Abgeklärtheit
bemüht und ließen dabei erstaunlich große Lücken im Mittelfeld. Abgesehen von
Hoffmanns Flachschuss (25.) drohte Jenas Abwehr zunächst keine Gefahr. Dies
änderte sich kurz vor der Pause. Da sah sich Stegmayer auf seiner Seite mit dem
ballführenden Bender sowie Johnsson gleich zwei Gegenspielern gegenüber. Nicht
wissend, wen er attackieren sollte, griff er im Grunde niemanden richtig an.
Bender konnte unbedrängt zum Schuss ansetzen, zielte aber ein wenig zu hoch.
Kurz darauf zeigten die Sechziger eine ihrer einstudierten Freistoßvarianten –
diesmal war es Göktan, der nur knapp verfehlte.
Verglichen mit diesen Hochkarätern strahlte der Torschuss in
Minute 47 eigentlich geringes Gefahrenpotential aus. Es hatte den Anschein, als
hätte ihn Person zunächst fausten wollen, vielleicht erschien er ihm dafür mit
einem Mal nicht scharf genug – jedenfalls versuchte er plötzlich, den Ball zu fangen
und dieses Umgreifen ging gründlich daneben. Plötzlich lag der Ball im Netz. Ohje, Jena und seine Torhüter ! Ob sie
nun Jensen oder Person heißen, bislang haben sie uns in dieser Saison mehr
Punkte gekostet als gerettet. Doch eine
Mannschaft gewinnt und verliert zusammen und noch war fast eine Halbzeit lang
Zeit, wenigstens ein Remis zu schaffen. Werner und Hansen hätten es
erzielen können, Sandor Torghelle nach mustergültiger Kopfballvorlage
von Omodiagbe sogar müssen, schoss jedoch nur den herauslaufenden Hofmann an. Bei allen erkennbaren Bemühungen – die
Vorherrschaft im Mittelfeld ging verloren, weil bei Simak und Charalambides die
Kräfte schwanden. Die Gäste konnten nun ungestört den Ball laufen lassen. Zwar war
die Münchner Überlegenheit nicht so groß, wie es ein Eckenverhältnis von 9:1
nach einer Stunde vorgaukelt. Doch macht es deutlich, dass 1860 die technisch
feinere Klinge schlug, sich nicht so oft damit helfen musste, den Ball ins
Toraus zu befördern. Ihr Tagesbester Daniel Bierofka wirkt vom technischen
Vermögen her schon fast überqualifiziert für diese Liga.
Valdas Ivanauskas holte seine beiden einzigen
Offensivwechsler von der Bank. Ohne Erfolg. Doch eine letzte Geheimwaffe besaß
er noch: Darlington Omodiagbe als Stürmer ! Dass er vorn den einen oder anderen
Kopfball holt, war uns ja bereits bekannt. Doch wenn ‚Omo’ dazu noch kluge Offensivpässe
spielt, sollte er solche Ausflüge ruhig häufiger machen dürfen. Perfekt sein
Zuspiel auf Günther in der letzten regulären Spielminute, dessen Flanke kam
auch vors Tor, wo Helbig sie aber nicht richtig erwischte. Und wie das so ist
im Fußball – setzt eine Mannschaft alles auf eine Karte und verpasst knapp den
Ausgleich, geht sie im Gegenzug nur allzu oft k.o. Dass Ziegner als letzter
Mann wegrutschte, Göktan frei vor Person zunächst nur den Pfosten traf und dann
noch eine Gelegenheit zum Nachschuss bekam, rundete das Bild ab.
Zweitligafußball in Jena kann nicht nur schön, sondern auch deprimierend sein. <fc>
Fotos auf weissenburger.de
SpVgg Greuther Fürth - FC Carl Zeiss Jena 2:2
Tore: 1:0 Reisinger (28.), 1:1 Charalambides (34.), 1:2 Torghelle (49.), 2:2 Lanig (63.)
- Fürth: Kirchstein; Achenbach, Mauersberger, Karaslavov, Schröck (72. Adlung); Judt, Haas, Burkhardt (80. Maierhofer), Lanig; Nehrig, Reisinger
- Jena: Person; Stegmayer, Omodiagbe (32. Oniani), Maul, Günther;
Kühne, Hansen (72. Kandelaki), Simak, Charalambides (64. Tapalovic);
Werner, Torghelle
- Zuschauer: 8.900
- Schiedsrichter: Zwayer (Berlin)
- Spielbericht:
- Freuen oder ärgern? So richtig wusste nach Abpfiff kaum einer im
blau-gelb-weißen
Lager, wie mit diesem Remis in Fürth umzugehen wäre. Spielerisch war an diesem
Nachmittag wohl so leicht wie noch nie am Ronhof
ein Dreier zu holen, andererseits grenzt es
an ein Wunder, angesichts der Leistung des Unparteiischen überhaupt noch einen
Punkt verteidigt gehabt zu haben, den sich ein aufopferungsvoll kämpfendes Team
redlich verdiente.
„Never
change a winning team“ hieß die Devise und so schickte Valdas Ivanauskas die
siegreiche Offenbach-Elf auf den Rasen. Der Club begann furios und die über
1.500 mitgereisten FCC-Fans hatten schon nach 34 Sekunden den Torschrei auf den
Lippen, als Torghelle Fürths Karaslavov den Ball abnimmt, sofort auf Werner
passt, der völlig frei vor dem gegnerischen Tor eine Sekunde zuviel Zeit zum
Überlegen hat und den Ball an Keeper Kirchstein vorbei ins Toraus schiebt. Was
für eine Möglichkeit! 10 Minuten später durften sich die Gastgeber die Haare
raufen, als Burkhardt einen zunächst abgewehrten Eckball flach an den
Innenpfosten setzt. 5 Minuten später, andere Seite, Hansen bedient
Charalambides, der freie Schussbahn hat, aber nicht genug Druck hinter den Ball
bekommt, so dass Ex-Bundesligakeeper Kirchstein das Leder noch um Haaresbreite
um den Pfosten lenken kann. Es war ein tolles, offenes Spiel beider Teams in
den ersten Minuten und Fürth schien beeindruckt zu sein von Jenas
Offensivdrang, richtete sein Spiel fast ausschließlich auf das Provozieren von
Standardsituationen aus und lange weite Bälle auf den emsigen Reisinger. Dass
jenem nach 28 gespielten Minuten die Führung gelang, hatte er aber zwei
Jenensern zu verdanken. Stefan Kühne bringt mit viel zu kurzem Rückpass seinen
Keeper in Bedrängnis und warum Christian Person den Ball nicht nach links oder
rechts klärt, sondern ausgerechnet an die ausgestreckte Hand des heranstürmenen
Reisingers, bleibt sein Geheimnis. Der Ball trudelt ins leere Tor, 1:0. Ein
Schock zweifellos dieser Treffer in Unterzahl, denn Omodiagbe musste sich am
Spielfeldrand nach einem nicht geahndeten Foul behandeln lassen und kurz darauf
gegen Oniani ausgewechselt werden, aber anders als noch vor Wochenfrist in
Frankfurt reagierte der FCC unbeeindruckt und kommt nur sechs Minuten später
zum verdienten Ausgleich. Stegmayer täuscht eine Flanke an, passt aber flach
auf Simak, der düpiert mit Körpertäuschung gleich zwei Fürther und findet
Charalambides, dessen Ball auch für den 1,96-Riesen Kirchstein zu platziert ist
und ins lange Eck kullert.
Kurz vor der Pause zappelt der Ball erneut im Netz,
nachdem Kühne einen Eckball einnickt, doch die Anerkennung bleibt verwehrt, ein
Stürmerfoul will Referee Zwayer zuvor gesehen haben. So geht es mit einem
leistungsgerechten Remis in die Pause und Jenas Fans durften vor allem mit dem
mannschaftlich geschlossenen Auftreten zufrieden sein, lediglich die einfach
nicht abzustellenden teils haarsträubenden individuellen Fehler bereiteten
graue Haare.
Von denen dürfte Fürths Coach Bruno Labbadia kurz nach
Wiederanpfiff auch einige mehr bekommen haben, denn wie schon in der ersten
Halbzeit bereitete sein Innenverteidiger Karaslavov eine Großchance für den FCC
vor, nur dass Torghelle die Einladung nach katastrophalem Rückpass diesmal
nicht ausschlug und durch die Beine Kirchsteins zur Jenaer Führung vollendete,
unmittelbar vor dem proppevollem Gästeblock für Partystimmung sorgte.
Siegeszuversicht machte sich breit, doch wie man ein Team gänzlich zermürben
kann, stellte Schiedsrichter Zwayer eindrucksvoll unter Beweis. Die Folge einer
völlig einseitigen Regelauslegung waren unter anderem sage und schreibe acht
gelbe Karten für Jenas Kicker, die sich in der Folge mehr und mehr zurückzogen
und Zweikämpfe scheuten, deren Ausgang schon vorher festzustehen schien. Und so
wäre etwas mehr Nähe zum Gegenmann durchaus empfehlenswert gewesen, als der für
den gesperrten Fürther Kapitän Felgenhauer ins Team gerückte Stephan Schröck im
Doppelpass mit Nehrig Stegmayer düpierte und unbedrängt in den 5m-Raum flanken
durfte, wo Lanig den Ball artistisch über die Linie drückte. Eine knappe halbe
Stunde war da noch zu spielen und diese wurde bestimmt durch eine Flut von
Freistößen. Jan Simak setzte seinen knapp neben den Pfosten (66.), auf Fürther
Seite vergab Mauersberger die größte Gelegenheit, als er eine Freistoßflanke
per Fuß abnahm und das Leder knapp neben das Tor setzte, den Außenpfosten
streifend. Der für Charalambides eingewechselte Tapalovic hatte vier Minuten
vor dem Ende auf Zuckerpass Simaks die letzte Möglichkeit für den FCC, ließ
aber Torghelles Kaltschnäuzigkeit vermissen und gab die Verantwortung lieber
per verunglücktem Querpass weiter. So musste gar um den einen Punkt bis in die
93. Minute gezittert werden, als eine faire Aktion von Oniani an der
Strafraumgrenze wieder einmal mit Freistoß für die Kleeblätter geahndet wurde
und Stefan Kühne die Flanke artistisch vor dem einköpfbereiten Mauersberger
entschärft.
So ein klein wenig hatte der
Fußballgott sein Herz also für Thüringens Traditionsverein wiederentdeckt und
auch Jenas Spieler durften sich – anders als vor 7 Tagen – Streicheleinheiten
der eigenen Fans gefallen lassen, zu denen sich auch Neu-Clubberer und
Herzens-Jenenser Ralf Schmidt gesellte. Nach drei schlimmen Auftritten am
Ronhof holte der FC Carl Zeiss also zum ersten Male Zählbares, doch irgendwie war
mehr drin. <gunner>
FC Carl Zeiss Jena - Kickers Offenbach 2:0
Tore: 1:0 Simak (43.), 2:0 Werner (75.)
- Jena: Person; Stegmayer, Omodiage, Maul, Günther (75.Oniani);
Hansen (70.Tapalovic), Kühne, Simak, Charalambides (61.Holzner); Werner,
Torghelle
- Offenbach: Thier, Pinske (60.Sidney), Müller, Hysky, Bungert, Cimen, Sieger
(46.Ogungbure

,89.),
Judt (70.Epstein), Moktari, Türker
- Zuschauer: 5867
- Schiedsrichter: Bandurski (Essen)
- Spielbericht:
- Ein mulmiges Gefühl machte sich in meiner Magengegend breit, als ich vor der heutigen Partie gegen die Kickers aus
Offenbach das Stadion betrat. Nach fünf Niederlagen in Folge und zuletzt einer katastrophalen Leistung in Frankfurt gegen
Wehen schwante mir auch heute nichts Gutes. Die spielerisch guten Leistungen der ersten Saisonpartien waren vorbei und wer
das Match in Frankfurt live miterleben musste, konnte mein Gefühl durchaus verstehen. Zu viel lief in der Hessenmetropole
bei den Jenaern schief, als dass man ausgerechnet heute gegen die zuletzt starken Hessen vermuten konnte, dass es anders werden würde.
Aber beim Blick auf die Aufstellung der Partie wich mein mulmiges Gefühl blanker Zuversicht, denn Neu-Couch Ivanauskas bewies Mut und
krempelte sein Team gegenüber der letzten Partie auf sechs Positionen um und brachte "Typen" wie Günther, Hansen, Maul und Kühne,
welche gegen Wehen so schmerzlich vermisst wurden.
Der FCC begann auch von Beginn an couragiert und drückte die Offenbacher in deren Hälfte, woraus auch nach zwei Minuten die
erste Minichance resultierte. Nach gut einer Viertelstunde bot sich dann den Gästen auch ihre erste Möglichkeit, doch Siegers
Schuss ging über den Kasten. Den Spielern des FCC merkte man am heutigen Tage zu jeder Sekunde an, dass sie den unbedingten
Willen hatten, sich nicht so "abschlachten" zu lassen bzw. gewinnen zu wollen. Nach einer halbe Stunde waren einige der
Zuschauer schon froh, dass die Jenaer bis dahin kein Tor kassiert hatten. Doch kurz vor der Halbzeitpause sollte es noch
besser kommen, als Simak einen Freistoß aus 30m auf das Tor zirkelte und der Ball auf einmal im Tor zappelte. Grenzenloser
Jubel auf den Rängen, doch die meisten wollten es trotzdem kaum glauben, da sie dieses unglaubliche Glückgefühl gar nicht
mehr kannten.
Fünf Minuten nach Wiederanpfiff die erste Schrecksekunde für die Jenaer, als Dino Toppmöller völlig freistehend aus
gut sechs Metern den Ball zum Glück über das Tor donnerte. Der bis dahin relativ souveräne Schiedsrichter Bandurski
fing nun an, seine Linie zu verlieren, und sorgte mit einigen Fehlentscheidungen für Unruhe auf dem Platz und den
Zuschauerrängen, was in der Gelb-Roten Karte für Ogungbure gipfelte. Die Partie wurde dadurch nun zunehmend hektischer
und es war ein Tanz auf Messers Schneide. Die Offenbacher machten nun hinten ein wenig auf und drückten auf den Ausgleich,
doch der Abwehrriegel des FCC stand. Das Hoffen und Bangen ging weiter und eine Viertelstunde war noch zu spielen, da kam
ein langer Ball in des Gegners Strafraum. Gästekeeper Thier und ein Offenbacher Verteidiger waren sich in dieser Szene
nicht einig genug, wer diesen Ball retten sollte. Nutznießer dieser Aktion war Werner, der sich einfach das Leder schnappte,
Thier umkurvte und zum 2:0 vollendete. Vier Minuten vor Ultimo hätte Werner noch zum absoluten Held des Spiels werden
könnten, doch nach einem erneuten Fehler des Offenbacher Schlußmannes schloss Werner aus spitzen Winkel ein wenig zu
ungenau ab, so dass der Ball Zentimeter vor der Torlinie entlang rollte und doch nicht den Weg ins Tor fand. Kurz darauf
war die Partie zu Ende und der erste lang ersehnte Dreier unter Dach und Fach.
Die wenigsten Zuschauer hätten nach dem Katastrophenspiel vor gerade einmal drei Tagen erwartet, dass sich die Mannschaft
so aufraffen könnte, um die starken Hessen heute gar besiegen zu können. "Der FCC, der FCC, der FCC ist wieder da…"
skandierten die Fans von den Rängen und die Freude war natürlich umso größer, weil mit einem derartigen Wandel in
so kurzer Zeit wohl kaum einer gerechnet hatte. Aber letztendlich waren es trotzdem "nur" drei Punkte und wie
Ivanauskas sagte:" Der Tunnel ist noch sehr lang, bis wir das Licht am Ende sehen". <vg>
SV Wehen Wiesbaden -FC Carl Zeiss Jena 5:1
Tore: 1:0 Diakite (9.), 2:0 Diakite (11.), 3:0 Siegert (20.), 4:0
Nicu (41.), 5:0 Nicu (73.), 5:1 Simak (82., FE)
- Wehen: Richter; Kokot, Jeknic, Kopilas, Nakas; Catic (62.
Amstätter), Nicu (78. Cailas), Siegert, Schwarz; König,
Diakite (85. Lombe)
- Jena: Jensen; Kandelaki, Omodiagbe, Müller (46. Oniani),
Holzner; Stegmayer, Lorenzon, Ziegner (46. Werner), Simak, Charalambides;
Torghelle
- Zuschauer: 5626
- Schiedsrichter: Seemann (Essen)
- Spielbericht:
- (von Gastkommentator Jens Klebe)
Nach einem völlig verkorksten Saisonstart mit nur einem
Punkt auf der Habenseite griffen in der vergangenen Woche auch in Jena die so
genannten ungeschriebenen Gesetze des Geschäfts. Klassenerhalts-Held Neubarth
räumte sein Trainerzimmer welches kurz darauf mit Valdas Iwanauskas einen neuen
Nutzer fand. Um zu sehen, was dieser Wechsel bewirken könne, hatten sich
immerhin gut 1.500 Zeissfans auf den Weg nach Frankfurt gemacht. Würde im
Frankfurter Waldstadion gegen den SV Wehen endlich der erste Dreier eingefahren?
Da die Leistung au dem Koblenz-Spiel ja nur schwer zu unterbieten sein würde,
bestand Anlass zur Hoffnung.
Aber selbst dieses zarte Pflänzchen verdorrte schnell.
Jena startete zwar ohne Kühne, Hansen und Werner – dafür aber gewohnt schlafmützig.
Bereits nach 11 Minuten hatte Diakite mit einem Doppelschlag
klare Verhältnisse geschaffen. Zunächst bekam die FCC-Abwehr in Person Ziegners
nach einer Wehener Flanke den Ball nicht aus der Gefahrenzone, aus 20 Metern
zog ein Wehener ab und als Diakite den Ball abfälschte schlug er unhaltbar
neben Jensen ein. Ganz einfach dann Tor Nummer 2: Flanke von links, Diakite
frei im Sechzehner, draufgehalten und drin!
ass=MsoNormal>Nach 15 Minuten versuchte sich dann auch Simak erstmals für
den FCC an einem Torschuss, setzte diesen aber drüber.
Nach 20 Minuten vertändelte Charalambidis den Ball
leichtfertig in der Vorärtsbewegung, es folgt ein Konter über rechts, Schwarz
bediente Siegert und der zog vom Strafraumeck in die lange Ecke ab – 3:0!
Die Jenaer glichen nun einem Häuflein Elend und so spielten
sie auch weiter. Kaum waren weitere 10 Minuten vergangen, als Omo und Holzner
den ballführenden Nicu auf seinem Weg zum Tor brav begleiteten, ohne ihn
entscheidend zu stören. Nicu hob den Ball über Jensen und dieser schlug zum 4:0
ein. (40.)
Jenas Anhang hatte jetzt „die Schnauze voll“. So sang es
jedenfalls ein Großteil der Mitgereisten und verabschiedete sich mit dem
Pausenpfiff aus dem Stadioninneren.
Ansonsten waren in der Zwischenzeit die blaugelbweißen
Anfeuerungsrufe durch weitere zornige Schmährufe ersetzt worden.
Halbzeit 2 begann mit Werner und Oniani für Ziegner und
Müller. Werner war auch der Einzige in der Gästeelf der sich nachhaltig
versuchte, in Szene zu setzen.
Da Wehen jetzt nicht mehr tat, als für die Verwaltung des Resultats
nötig war, konnte der FCC zumindest zeitweilig fast optische Ausgeglichenheit
erreichen. In einer Phase, als Jena auch der eine oder andere gute Angriff
gelang (meist über Werner und Simak), dann die kalte Dusche. Mit einem
Freistoß-Trick aus der Schüler-Trickkiste wurde erneut Nicu freigespielt und
mit etwas Glück schlug sein Schuss zum 5:0 ein (73.).
Der FCC war demontiert. Daran änderte auch Simaks
Elfmetertreffer nichts mehr, den er nach einem Halten an Torghelle sicher
markierte.
Insgesamt bot der FCC eine erschreckend desolate Leistung
und es dürfte einem Wunder gleichkommen, wenn Iwanauskas aus diesem
verunsicherten Haufen binnen Kürze ein siegfähiges Team formen könnte. Ansätze
–mehr aber auch nicht- konnte man in der zweiten Hälfte zumindest bei Einigen
wenigstens erkennen. Dennoch, eigentlich ist jedes Wort über das heutige Spiel
eigentlich eines zu viel. Außer vielleicht diesem: beschämend!
So traurig und erschreckend das klingt: der FCC holte sich
eine verdiente Niederlage ab und kann schon am 7. Spieltag mit der Devise „Wir
haben ja nichts mehr zu verlieren!“ antreten.
Ca. 400 Jenaer Fans, die ohnehin die 2. Halbzeit außerhalb
des Stadions zugebracht hatten, blockierten anschließend friedlich die Ausfahrt
des FCC-Mannschaftsbusses und machten ihren Unmut deutlich. Adressaten waren
neben dem Team auch der Sportliche Leiter Lutz Lindemann und Präsident Zipfel.
Nach Gesprächen mit den Spielern Maul, Werner, Hansen,
Co-Trainer Holetschek und einer kurzen (aber eher schwachen) Ansprache des Kapitäns
Ziegner löste sich der Protest friedlich auf.
FC Carl Zeiss Jena - TuS Koblenz 1:2
Tore: 0:1 Daham (29.), 1:1 Omodiagbe (39.), 1:2 Daham (43.)
- Jena: Jensen; Kühne (46. Ziegner), Omodiage, Maul, Holzner;
Hansen (64. Fardjad-Azad), Müller, Simak, Stegmayer; Werner,
Torghelle (36. Petersen)
- Koblenz: Eilhoff; Lomic, Bajic, Mavric, Forkel; Djokaj (63.
Langen), Dzaka, Hartmann, Sukalo; Cha (82. Bogavac), Daham (90. Richter)
- Zuschauer: 8251
- Schiedsrichter: Schriever (Dorum)
- Spielbericht:
- Konnte man sich nach der
Heimniederlage gegen Mainz noch damit trösten, gegen einen klar besseren
Gegner, der noch dazu aus der 1. Bundesliga gekommen war, verloren zu haben, so
fehlte diese Trostmöglichkeit nach dem Abpfiff gegen Koblenz völlig.
Dabei sah es anfangs recht gut aus,
wenn man von den ungewohnten Trikots absah, die an übergezogene gelbe Trainingsleibchen
erinnerten. Von der ersten Minute an spielte der FCC nach vorn und drückte die
Gäste an ihren Strafraum. Und so ergaben sich auch schnell einige Chancen, z.B.
als Werner in der 3. Spielminute nach links auf Stegmayer spielte, der flankte
in die Mitte, wo Hansen allerdings zu hoch schoss. Drei Minuten später das
gleiche Strickmuster Mitte – links – Strafraum – drüber, diesmal waren Simak,
Werner und Torghelle die Beteiligten.
Dann hatte Schiedsrichter Schriever
seinen großen – oder besser: peinlichen – Auftritt: Hansen führte einen Einwurf
blitzschnell aus und der Koblenzer Torwart fischte den Ball genauso
blitzschnell vor Torghelle weg, stand dabei allerdings zwei, drei Meter vorm
Strafraum. Anstatt Eilhoff regelgerecht "Rot" zu zeigen, ließ
Schriever den Einwurf wiederholen. Warum? Das bliebt sein ewiges Geheimnis. Und
so ging es mit 0:0 im bisherigen Szenario weiter. Es fehlte jedoch bei allen
Zuspielen die letzte Abstimmung und Präzision, so auch, als Torghelle in
Mittelstürmerposition ein Zuspiel Simaks nur um Fußbreite verpasste (22.). Irgendwann
ließ der Jenaer Druck nach und die Koblenzer erkundeten die gegnerische Hälfte.
Tatkräftige Aufbauhilfe bekamen sie dabei von Stegmayer (26.) und Omodiagbe
(28.), die jeweils aus eigentlich schon geklärten Situationen unnötigerweise
Eckbälle für Koblenz fabrizierten. Und so kam es zum schon fast üblichen Ritual
im EAS: Die Gäste erhielten mit ihrem ersten vernünftigen Spielzug den
Führungstreffer geschenkt. Hansen rutschte auf der rechten Abwehrseite im an
sich harmlosen Zweikampf aus, Forkel flankte ungestört, Maul tauchte mit dem
Sprungvermögen eines Kanonenofens unterm Ball durch und Daham köpfte das
Geschenk ein – 0:1! The same
procedure as every week! Danach trug die
allgemeine Verunsicherung zehn gelb-blaue Trikots und wir hatten Glück, dass es
nicht gleich noch einen Gegentreffer gab. Doch Jensen tauchte in die untere
Ecke und verwehrte dem Kopfballaufsetzer Sukalos den Weg ins Netz. Neubarth
reagierte auf diesen Rückschlag und wechselte den bis dahin vielleicht etwas
glücklosen, aber insgesamt nicht besser oder schlechter als seine Mitspieler
agierenden Torghelle aus und brachte statt dessen Petersen. Für mich war diese
Auswechslung die entscheidende Szene für die weiteren lauen Angriffsversuche
und die logisch folgende Niederlage. In der 39. Minute hatte der Fußballgott
dann aber ein Einsehen mit den geplagten Zeiss-Fans und ließ Eilhoff eine Ecke
fehlerhaft wegfausten, Werner flankte den Abpraller in die Mitte und Jenas
Torgarantie Omodiagbe machte per Kopfball den Ausgleich. Jaaa, jetzt aber…
denkste! Der nächste Koblenzer Angriff bestand aus einem einfachen langen
Flankenball von der Mittelinie an die Strafraumgrenze. Dabei war der Ball so
lange in der Luft, dass sich Omo und Stegmayer rechts und links in
ausreichendem Abstand von Dahame aufstellen konnten, um diesem beim
Direktschuss ins lange Eck bewundernd zuzusehen. Mit den Händen aufgebaut
(Ausgleich) und sofort mit dem Hintern wieder eingerissen (1:2) – derzeit
typisch für den FCC!
Aussage eines Zuschauers in der
Halbzeitpause: "So mies wie diesmal war die Stimmung in der Halbzeitpause auf
der Toilette ewig nicht mehr." Es sollte nach der Pause nichts
Stimmungsförderndes mehr passieren. Zwar kam Ziegner für Kühne ins Team, aber
auch der passte sich der allgemeinen Leistung an. Es waren lediglich noch
vereinzelte Standards, die Eilhoff etwas Ablenkung brachten: Petersen köpfte
nach Ziegner-Freistoß übers Tor (50.) und Stegmayer donnerte einen 25-m-Knaller
direkt aufs Trikot des Gästekeepers. Jensen zeigte in der 62. min seinen
„running gag“ und ließ auch diesmal einen Ball nach vorn prallen, allerdings
folgenlos. Bezeichnend fürs Jenaer Spiel war die Tatsache, dass Holzner als
rechter Außenverteidiger die größten Angriffsbemühungen zeigte, sich immer
wieder für Zuspiele anbot und lange Wege zwischen vorn und hinten ging. Da
ansonsten kaum Bewegung im Jenaer Spiel war, prallten alle Bälle von der roten
Gummiwand ab, die Koblenz am Strafraum errichtet hatte.
Einziger Farbtupfer war Fardjad-Azad, der
nach seiner Einwechslung innerhalb von 5 Minuten dreimal aufs Tor schoß und
mehr Torgefahr erzeugte als alle anderen zusammen. Der Neunzehnjährige mühte
sich redlich und umkurvte einige Male seine Gegenspieler, aber da seine
Mannschaftskameraden nicht annähernd so viel Einsatz zeigten, war er auf
verlorenem Posten. In der letzten Viertelstunde bot Koblenz noch alle
Varianten, wie man beste Konterchancen kläglich vergibt – zum Glück, sonst wäre
es nicht beim 1:2 geblieben.
Diese Niederlage war nicht eine
unglückliche, nach der man zum Tagesgeschäft übergehen könnte. Im Verein muss
man sich auf Grund der Art und Weise, wie sich unsere Mannschaft in diesen 90
Minuten präsentierte, ernsthafte Gedanken machen, wie man eine totale
Pleitesaison verhindern kann. Noch ist die Zeit dafür! <uk>
FC Carl Zeiss Jena - FSV Mainz 05 1:2
Tore: 0:1 Feulner (17.), 1:1 Omodigabe (54.), 1:2 Gunkel (77.)
- Jena: Jensen; Kandelaki, Omodiage, Maul, Holzner; Hansen,
Müller (82. Helbig), Simak, Ziegner (46. Charalambides); Werner,
Torghelle (78. Petersen)
- Mainz: Wetklo; Demirtas, Noveski, Subotiv, Hoogland; Feulner,
Petkovic, Gunkel, Karhan (72. Laurent); Borja (61. Jovanovic), Amri
(89. Vrancic)
- Zuschauer: 11.798
- Schiedsrichter: Willenborg (Osnabrück)
- Spielbericht:
- Mainz 05 – ich muss gestehen, dass ich gewisse Sympathien
für diesen Verein hege. Selbige haben ein ganzes Stück mit Trainer Jürgen Klopp
zutun, aber auch mit dem Erscheinungsbild des FSV insgesamt. Wenn es jedoch gegen
den FC Carl Zeiss geht, gibt es kein Pardon
– dann gehört Mainz in der persönlichen Werteskala nur noch zu „best of the
rest“.
Es konnte mir also nicht gefallen, was sich da in Halbzeit
eins auf dem Rasen abspielte. Vom Anpfiff weg bestimmten die Gäste mit
scheinbarer Leichtigkeit die Szenerie. Zweite Minute, erste Chance – Amri aus
15 Metern knapp drüber. In der 6.
Minute lud Omodiagbe mit Fehlpass Feulner zum Torschuss ein. Der nach Köln
zurecht kritisierte, mit „Tri Tra Trullala“-Artikeln aber nahe der Gürtellinie
getroffene Kasper Jensen zeigte sich in dieser und den folgenden Situationen
wieder auf der Höhe. Den frühen Rückstand vermochte er aber nicht zu
verhindern. Weil bei einem schnellen Mainzer Angriff noch ein Stürmer im
Zentrum mitlief, gingen nicht ausreichend
Jenaer Verteidiger auf den ballführenden Markus Feulner. Dieser ließ Müller als
seinen einzigen Gegenspieler ins Leere grätschen und Jensen keine Chance.
Hallo wach ? – Weit
gefehlt, statt mit Aufbäumen reagierten Jenas Akteure mit Verunsicherung. Dass sich
Omodiagbe bei allen Qualitäten seine zwei, drei Aussetzer pro Spiel leistet,
wissen wir schon. Auch dass sich bei Holzner Licht und Schatten noch zu sehr
abwechseln. Doch selbst ein Alexander Maul ließ sich in dieser Phase von der
allgemeinen Nervosität in der Hintermannschaft anstecken.
Auch nach vorn lief wenig rund, keine Spur von einem konstruktiven Zusammmenspiel. Simaks
30-Meter-Freistoß war der erste Jenaer Torschuss überhaupt. Nach 32 Minuten !
Zu diesem Zeitpunkt hatte Mainz bereits ein halbes Dutzend Male aufs Tor geschossen.
Schon ein kurzer Antritt von Tobias Werner und die hohe Hereingabe, welche
Wetklo locker herunterfischte, ließen kurzzeitig Stimmung aufkommen. Wie
Dürstende auf jeden Tropfen Wasser stürzten sich die Zeiss-Fans auf diese
unaufregende Szene. Kein Wunder angesichts der Tristesse in Hälfte eins.
Omodiagbes Kopfball (42.) war da noch die beste Gelegenheit vor der Pause, vor
Probleme wurde Wetklo aber auch damit nicht gestellt. Dessen Gegenüber Jensen
hatte da ganz andere Kaliber zu meistern. Bei Feulners Kopfball aus Nahdistanz
reagierte der Däne großartig, auch Hooglands Nachschuss lenkte er zur Ecke.
Mainz dominierte. Mit dem 0:1-Rückstand war Jena zur Pause gut bedient.
Gelbe Schuhe zu blau-weißen Stutzen – rein optisch passt der
zypriotische Nationalspieler Constantinos Charalambides schon mal sehr gut nach
Jena. Zumindest in den ersten Minuten nach seiner Einwechslung war der
Neuzugang überall auf dem Platz zu finden, als wolle er im Alleingang dem
Geschehen eine Wende geben. Doch auch seine neuen Mannschaftskameraden
steigerten sich endlich auf jenes Niveau, dass man von Anfang an hätte erwarten
dürfen. Torghelles Einsatz auf der rechten Seite brachte nach 53 Minuten den
ersten Jenaer Eckball. Und der führte zum Ausgleich durch Darlington Omodiagbe.
Per Kopf traf der Nigerianer aus Nahdistanz. Zwischen Genie und Wahnsinn liegt
eben manchmal nur eine Halbzeitpause. Jetzt war Jena am Drücker, auch
akkustisch. Von den recht wenigen Mainzer Anhängern war vorübergehend nichts zu
hören. Bis hinauf zur letzten Reihe der neuen Zusatztribüne feuerten die
Zuschauer ihre Elf an. Jürgen Klopp lobte nach dem Spiel die tolle Atmosphäre
im Jenaer Stadion. Schade nur, dass sich seine Spieler davon nicht beeindrucken
ließen. Die Bundesligaabsteiger nahmen den Kampf an und da sie in der
Spielanlage einen Tick reifer wirkten, gewannen sie dieses Match. Amris
Schrecksekunde (Ball rollte parallel zur Linie des verwaisten Tores) beendete
die beste Jenaer Phase. Gunkels Diagonalfreistoß machte sinnbildlich den Deckel
zu. Dass der vom Schiri als indirekt ausgeschriebene Freistoß direkt verwandelt
wurde, passt ebenso ins Bild wie Werners unglücklich vergebene Großchance drei
Minuten vor Schluss – wenn du da unten drin stehst, bekommst du den Mist nicht
so schnell vom Hacken. Auf diese Art verlor der FCC sein drittes Spiel in Folge
mit einem Tor Differenz. Wobei es
Jensen mit einer weiteren Rettungstat gegen Feulner (90.) zu verdanken ist,
dass es nicht mehr wurde.
Die Schwere des Auftaktprogramms war uns allen bewusst. Dass
aus vier Partien nur ein mickriges Pünktchen herausspringt, ist allerdings
ernüchternd, insbesondere nach den Spielverläufen gegen St. Pauli und Köln. Bei
aufmerksamer Betrachtung des Jenaer Spiels gewinnt man den Eindruck, die
Komponenten für eine erfolgreiche Saison sind da, aber noch nicht richtig zusammengefügt.
Vielleicht kommt die 12tätige Punktspielpause gar nicht so ungelegen. <fc>
1. FC Köln - FC Carl Zeiss Jena 4:3
Tore: 0:1 Torghelle (5.), 1:1 Novakovic (20.), 1:2 Müller (37.),
1:3 Omodiagbe (55.), 2:3 Chihi (73.), 3:3 Chihi (84.), 4:3 Jensen (86., ET)
- Köln: Mondragon; Ehret, Mitreski, McKenna, Nickenig
(60. Schöneberg); Antar, Broich (60. Scherz), Helmes; Chihi, Vucicevic, Novakovic (60. Gambino)
- Jena: Jensen; Kandelaki, Omodiage, Müller, Holzner;
Hansen (84. Stegmayer), Lorenzon (46. Kühne), Werner, Simak,
Ziegner; Torghelle (81. Petersen)
- Zuschauer: 37.700
- Schiedsrichter: Dr. Fleischer (Sigmertshausen)
- Spielbericht:
- Es war die Woche der
unverdienten Auswärtssiege mit St. Paulis Dreier im Ernst-Abbe-Sportfeld und
Deutschlands glücklichem Erfolg in Wembley, und so mancher hegte die Hoffnung
auf eine Fortsetzung dieser Serie in Köln-Müngersdorf, waren die Vorzeichen
zwischen den beiden ungleichen Gegnern doch klar. Einen unverdienten Verlierer
gab es auch diesmal, jedoch war dies nicht etwa der haushohe Favorit, sondern
ein FC Carl Zeiss, der sich in der Schlussphase selbst um den Lohn eines
großartigen Spieles brachte.
Durch
den Platzverweis Alexander Mauls war Coach Frank Neubarth zu Umstellungen
gezwungen, nahm Robert Müller in die Innenverteidigung und ließ mit Nils Hansen
und dem erstmals nach seiner Verletzungspause wieder kickenden Lorenzon gleich
zwei Abräumer im defensiven zentralen Mittelfeld auflaufen. Werner und Ziegner
besetzten die Außenpositionen im Mittelfeld, während Jan Simak als Spielmacher
fungierte, hinter der einzigen Spitze Torghelle. Und was der drauf hat, sorgte
schon nach 5 Minuten für den ersten Jubelschrei unter den 1.500 mitgereisten
Zeissfans. Langer Abschlag Jensen, Kopfball-Doppelpass
Torghelle-Werner-Torghelle und unser ungarischer Neuzugang hämmerte die Kugel
trocken von der Strafraumgrenze ins Netz. 0:1, was für ein Auftakt, und um ein
Haar hätte Broich nachgelegt, dessen Rückpass Mondragon verfehlte, aber knapp
am Kölner Kasten vorbeirollte (14.).
Beim Gastgeber hatte man im Vorfeld einen mauernden Gegner erwartet,
doch der FCC spielte auch nach der Führung munter nach vorn, fast zu munter,
denn Kölner Gelegenheiten resultierten fast ausschließlich aus Kontern nach
jenenser Abspielfehlern. In der 10. Minute ging das noch gut, als Jensen einen
tückischen Helmes-Knaller im Nachfassen parierte, nach 20 Minuten jedoch hatten
die Domstädter mit ihrer zweiten Möglichkeit im Spiel ausgeglichen. Novakovic
hatte von Omodiagbe bedrängt Vucicevic angespielt, welcher an der rechten
Strafraumgrenze Lorenzon düpierte und auf den von Omodiagbe und Werner
sträflich vernachlässigten Novakovic zurückpasste. Dass dessen Schuß durch die
Beine von Hansen den Weg ins Netz fand ist sicher unglücklich zu nennen, das
Abwehrverhalten zuvor dilettantisch. Köln hatte nun Oberwasser, baute gehörigen
Druck auf und hatte mit Vucicevics Schussversuch nach Kandelakis
verhängnisvollem Ballverlust (24., knapp daneben) und Broichs abgefälschtem
Schuß (29., Jensen hält) auch die ein oder andere Möglichkeit. Doch als Simak
mit einem wahren Zauberpass den durchlaufenden Holzner bedient und dieser aus
Nahdistanz an Mondragon scheiterte (30.), wirkte das wie ein Signal an die
eigene Mannschaft zur Besinnung auf das überlegte Spiel der ersten Minuten. Kurz
darauf hätte es Elfmeter für den FC Carl Zeiss geben müssen, als Torghelle im
Strafraum gefoult wurde, doch nicht nur in dieser Szene zeigte sich die
nachhaltige Wirkung des Daumschen Montagstheaters bei Referee Dr. Fleischer.
Jena ließ sich nicht beirren, es war eine Freude, dem Kombinationsfußball von
Jenas Offensivabteilung um den immer besser werdenden Kapitän Ziegner, den an
allen Ecken des Spielfeldes zu findenden Hansen (bester Mann auf dem Platz) und
einen Jan Simak zuzusehen und manch einer rieb sich die Augen, mit welchem
Selbstbewusstsein der Underdog hier in der WM-Arena auftrat. Werners Schuß nach
36 Minuten parierte Mondragon im Nachfassen, Ziegners Freistoß eine Minute
später kratzte der kölsche Schlussmann noch aus dem Eck, doch die
darauffolgende Ecke brachte die verdiente Führung. Torghelle hatte Ziegners
Eckball an den langen Pfosten verlängert, wo Robert Müller eiskalt vollendete.
Der Gast wirkte nun wie paralysiert, beinahe hätte Torghelle das Ergebnis noch
höher schrauben können, verzettelte sich aber im Strafraum (39.) und so war der
Schlusspunkt unter die erste Hälfte symptomatisch, als der wenige Tage zuvor
noch zum Deutschlandkader gehörende Helmes eine Freistoßablage von Vucicevic 15
Meter über das Jensen-Gehäuse beförderte. Kölns Mannschaft ratlos, Kölns
Publikum fassungslos und ein gellendes Pfeifkonzert verabschiedete die
Millionentruppe in die Kabinen.
Aufbäumen,
Dagegenhalten, Druck aufbauen, so in etwa hätte man die Gastgeber nach
Wiederanpfiff erwartet, doch stattdessen spielte Thüringens Stolz so, als hätte
er einen Rückstand aufzuholen. Werner prüfte Mondragon mit Schuß aus spitzem
Winkel (51.), das Eckenverhältnis war inzwischen auf 7:3 für Jena angestiegen
und als Ziegners Freistoß den Fuß des völlig unbedrängt durchlaufenden
Omodiagbe fand, hieß es 1:3, das Spiel schien entschieden. Auch wenn Helmes nur
eine Minute später den Anschlusstreffer auf dem Kopf hatte und knapp verzog,
das Auftreten der völlig konsternierten Gastgeber glich insgesamt einem
Fehlpassfestival, begleitet von eisigem Schweigen des Opernpublikums auf den
Tribünen. Christoph Daum hatte die Nase voll, wechselte gleich drei Spieler auf
einmal aus und vor allem die Hereinnahme von Matthias Scherz, der ja schon in
der Vorsaison den mehr als glücklichen Siegtreffer der Kölner vom Elfmeterpunkt
erzielt hatte, sollte sich als folgenschwer erweisen. Doch zuvor hatte Referee Fleischer
seinen Auftritt, schickte Zeiss-Trainer Frank Neubarth auf die Tribüne, als der
sich lautstark über eine der unzähligen Freistoßfehlentscheidungen zugunsten
des 1. FC Köln mokierte (65.), übersah eine Tätlichkeit Antars an Stefan Kühne
(Kopfstoß, 68.) und gab für McKennas Notbremse an dem durchbrechenden Torghelle
nur gelb (71.). Jener Torghelle hatte bis dahin ein großartiges Spiel gehabt,
zerrte unermüdlich an den Ketten und war von seinem Gegenspieler meist nur
durch Foulspiele zu stoppen. Doch er wurde ebenso wie Jan Simak müder und so
verlagerte sich das Spielgeschehen mehr und mehr in die Jenaer Hälfte, Chihi
mit Freistoß und Antar per Kopfball (69.) besaßen gute Möglichkeiten, ehe in
der 73. Minute das Unheil für den FCC seinen Lauf nahm. Die Fehlerkette war
lang. Jensen ließ sich eine Kölner Flanke von Robert Müller zum Einwurf
wegköpfen, anstatt sie selbst herunterzupflücken. Omodiagbe musste erkennen,
dass auch 1,88m nicht ausreichen, wenn man 2 Meter hinter einem kopfballstarken
Matthias Scherz steht, dessen Verlängerung Adel Chihi fand, der von Felix
Holzner völlig unbedrängt zum Anschlusstreffer einschoß. Fünf Minuten später
hatte Scherz selbst die Riesenchance zum Ausgleich, köpfte aber freistehend am
völlig leeren Tor vorbei. Durchatmen, doch die Partie wurde hitziger. Mondragon
erhielt gelb, als er den sich bei der Auswechslung zu viel Zeit lassenden
Torghelle vom Platz schubste, Holzner kassierte den gelben Karton für ein an
ihm begangenes Foulspiel und Jan Simaks Bedrängen Vucicevics wurde mit Freistoß
für Köln geahndet, den Scherz aufs Tor platziert, Jensen lässt den schon sicher
geglaubten Ball vor die Füße von Chihi fallen, der nur noch abstauben muß.
Ausgleich, Kölns Publikum aus dem Dornröschenschlaf erwacht und Kasper Jensen der
einsamste Mann auf dem Platz. Ob ihm diese Szene noch durch den Kopf schwirrte,
als er kurz darauf Chihis Eckball (Omodiagbe hatte zur Ecke klären müssen, da
ein Ellenbogencheck von Scherz gegen ihn ungeahndet blieb) zum Kölner 4:3 ins
eigene Tor patschte?
Ein mehr als bitteres Ende für den zuvor gut spielenden
Keeper, der nach dem Abpfiff sofort den Trost seines Kapitäns Torsten Ziegner
bekam. Vergessen wird er diesen Abend wohl nie, ebenso wie Jenas Anhang. Fassungslose,
entsetzte Gesichter noch Minuten nach Spielende im Gästeblock. Was für eine
Riesenchance hatte sich der FC Carl Zeiss hier selbst vergeben. Ob die
tadellose Moral der Mannschaft mit diesem erneuten Tiefschlag einen dauerhaften
Knacks wegbekommen hat, oder ob man sich am 70 Minuten lang wirklich tollen
eigenen Spiel aufbaut, wird die nächste Partie gegen Mainz zeigen. Nachdem der
Trainer, dessen vorgenommene und unterlassene Auswechslungen in Köln nicht
jedermanns Geschmack trafen, aus den vielen Neuzugängen mehr und mehr eine
Mannschaft zu formen scheint, ist in den kommenden Tagen in erster Linie der
Psychologe Frank Neubarth gefragt! <gunner>
FC Carl Zeiss Jena - FC St.Pauli 0:1
Tore: 0:1 Schnitzler (20.)
- Jena: Jensen; Kandelaki, Maul
(

, 40.),
Omodiagbe, Holzner; Kühne (67. Petersen), Hansen, Ziegner (46. Simak),
Müller; Werner, Torghelle (77. Helbig)
- St.Pauli: Borger; Gunesch, Eger, Morena, Rothenbach; Trojan (79. Bruns), Boll, Meggle, Takyi (

, 42.), Brunnemann (45. Braun); Schnitzler (64. Ludwig)
- Zuschauer: 12.129
- Schiedsrichter: Schalk (Augsburg)
- Spielbericht:
- [von Gastkommentator Ragnar Boedefeld]
Nach drei erfolgreichen Jahren in Folge und der Wiederholung eines
2:2-Auswärtserfolgs nach 0:2-Rückstand im ersten Saisonspiel war es wieder
einmal an der Zeit, dem Aberglauben zu frönen. Und so schreibt jetzt im vierten
Jahr in Folge ein- und derselbe Gastkommentator den ersten Heimspielbericht.
Angeblich soll einer aus dem Stammpersonal sogar geheiratet haben, damit er um
diesen Spielbericht drumrum kam...
Ähnlich wie im letzten Jahr (Braunschweig) war auch diesmal ein potentieller
Konkurrent im Abstiegskampf beim ersten Saisonheimspiel zu Gast.
Unvorhersehbare Auswärtsunentschieden sind gerne gesehen - doch wichtiger sind
die drei Heimpunkte aus diesen sogenannten "Sechs-Punkte-Spielen". Unbedingter
Siegeswillen war also Pflicht, und so harrte unsereiner gespannt, ob der
Trainer Neubarth dieses seinen Spielern verklickert hatte.
Er hatte - wenn man
die ersten zwanzig Minuten des Spiels als Maßstab nimmt. In dieser Zeit brachte
der FCC fünf gefährliche Situationen zustande, die in ihrer Vielfalt
überraschten. Ein Freistoß von Ziegner, der knapp neben das Tor ging, ein
gefährlicher Fernschuss von Kühne, dann einer von Werner, den Borger abprallen
ließ - Torghelle war einen Schritt zu spät. Kurze Zeit später war es umgekehrt:
Torghelle ließ zwei Gäste aussteigen und versuchte einen Schlenzer mit dem
linken Bein, Borger ließ wieder prallen - doch der Ball wollte einfach nicht
rein. Dann folgte noch ein gefährlicher Kühne-Kopfball. Von Pauli war bis dahin
nichts zu sehen, die besten Aktionen der Gäste hatte noch der Fanblock.
Plötzlich zack-zack, ein Querpass, einer in die Spitze - und Schnitzler kann
frei vor Jensen einschieben. Ausgerechnet Pauli, das seinerseits letzte Woche
gegen Köln reihenweise vor dem Tor versagt hatte, machte mit seinem ersten
zusammenhängenden Spielzug das 0:1. Nur kurz danach wäre beinahe das 0:2
gefallen, der Ball ging links unten knapp vorbei. Beim FCC war jetzt ein Knacks
im Spiel, keiner lief richtig und elementare Dinge wie flache Anspiele und
Ballannahmen aus der Luft misslangen. Eine Viertelstunde lang war einmal mehr
der Fluch der ersten Saisonspiele zu ertragen: eine bunt zusammengekaufte
Mannschaft (gleichwohl mit Niveau) ist noch nicht wirklich eine Truppe, wirkt
verunsichert und ängstlich in einem ihr häufig noch fremden Heim-Umfeld, das
wegen des Rückstandes nicht erbaut ist. Bad Vibes... warum nur?
Individuelle Klasse hat der Kader jedenfalls, wie man in der 35. Minute sehen
konnte. Kandelaki wurde auf links steil geschickt, passte flach nach innen, wo
Torghelle den Ball annehmen, kontrollieren und auf Ziegner zurücklegen konnte,
der leider links vorbeisemmelte. Das tat weh, ebenso der knapp verfehlte
Ziegner-Freistoß kurz vor der Pause, bei dem Borger keine Regung zeigte. Ab der
40. Minute spielte übrigens der FCC nur noch zu zehnt, Maul war geampelt worden.
Zwei Minuten später hatte auch Pauli einen weniger auf dem Platz, nachdem Takuy
wiederholt das Spiel verzögert hatte.
Und dann kam der Abschnitt des Spiels, den ich nicht begreife. Freilich kann man
nicht 90 Minuten lang höchstes Tempo gehen, sicherlich muss man zwischendurch
auch mal verschnaufen. Aber wieso kann man nach einer Halbzeitpause voller
Regeneration nicht genau dort weitermachen, wo man vor der Pause aufgehört hat
- nämlich Druck auf den zeitweilig überforderten Gegner auszuüben? Pauli war
mit der Pause eigentlich sturmreif, wurde dann aber bis zur 70. Minute durch
einfache Fehler und mangelhaftes Laufspiel wieder aufgebaut. Wenn nur alle in
der zweiten Halbzeit so gerannt wären wie der Holzner...
Erst in der
Schlussviertelstunde wurde Pauli wieder in der eigenen Hälfte eingeschnürt.
Auffällig war dabei Jan Simak, der die Bälle jetzt schön verteilte und auch
selbst gefährlich wurde. Es ergaben sich Chancen im Minutentakt, fast jeder
durfte mal ran. Leider ging alles daneben (Torghelle 74., Petersen 78. und 86.,
Werner 83.), an den Pfosten (Petersen 74.) oder wurde von Borger entschärft
(Kopfball von Helbig 83.). Dann war Schluss und die erste Heimniederlage in der
neuen Saison Tatsache.
Trotz dieser Niederlage bleibt ein besseres Gefühl als im letzten Jahr nach dem
0:0 gegen Braunschweig, weil der FCC seinen Gegner diesmal spielerisch
beherrschte, obwohl die Hälfte der Neuzugänge noch auf der Bank saß bzw.
verletzt war. Heuer steht auch nicht zu befürchten, dass das Potential des
Clubs einbricht, sollten Spieler wie Ziegner und Helbig eine ganze Saison lang
verletzt ausfallen - der Kader ist wesentlich breiter und auch besser geworden.
Wie sagte Gästetrainer Trulsen in der Pressekonferenz: "Es wird für jede
Mannschaft schwer, in Jena zu punkten." Allerdings nur, wenn die Dinger vorne
auch jemand reinmacht!
Alemannia Aachen - FC Carl Zeiss Jena 2:2
Tore: 1:0 Vukovic (1.), 2:0 Nemeth (6.), 2:1 Maul (28.), 2:2 Petersen
(76.)
- Aachen: Nicht; Stehle, Klitzpera, Vukovic (33. Casper), Weigelt;
Lehmann, Polenz (75. Leiwakabessy), Reghecampf, Nemeth, Pecka (81. Milchraum),
Ebbers
- Jena: Jensen; Kandelaki, Maul, Omodiagbe, Holzner; Kühne,
Müller (72. Petersen), Hansen, Ziegner (72. Fröhlich), Simak
(58. Stegmayer); Werner
- Zuschauer: 19.986
- Schiedsrichter: Aytekin
- Spielbericht:
- Wenn ein Verein aus der Bundesliga kommend zuhause auf den
Zweitliga-Dreizehnten des Vorjahres trofft, ist die Favoritenrolle am 1.
Spieltag klar gegeben. Dass sich der Webmaster aus Aachen bei der
Live-Ticker-Ankündigung aber gleich für ein fingierte 5:2-Vorhersage entschied, kam
uns vor dem Spiel doch etwas übertrieben vor.
Nach sechs Minuten Spielzeit schien allerdings nichts mehr
unmöglich. Zwei Gegentore hatte sich der FC Carl Zeiss zu diesem Zeitpunkt
schon eingefangen, das Erste nach 50 Sekunden ! Einen Freistoß-Ball von
Reghecampf verlängerte Vukovic per Kopf unhaltbar ins Jenaer Gehäuse. Robert
Müller war zwar mit hochgestiegen, hatte aber das Nachsehen. Keinen
Gegenspieler besaß Nemeth nach 5:30 min. Omodiagbe hatte die Abseitsfalle
aufgehoben.
0:2 - Mann oh Mann, welch ein Fehlstart in die insgesamt achte
Zweitligasaison des FCC ! Nachdem der erste Schock verdaut war, erinnerte man
sich als Auswärtsfahrer an den 1. Spieltag der Vorsaison, als Jena in Offenbach
ebenfalls mit zwei Toren hinten gelegen hatte, sich aber noch zum Remis
kämpfte. Sollte dies erneut möglich sein ? Hier, auf dem berühmten Aachener
Tivoli ? Nicht das Stadion selbst macht den Reiz aus, in vielen Dingen erinnert
es an die alte Heimstätte des FC Sachsen Leipzig. Nein, es ist die Atmosphäre,
bei der das Dabeisein einfach Spaß macht, weil die Stimmung enthustiastisch,
aber nicht aggressiv ist und häufig von drei Seiten gleichzeitig gepuscht wird.
Es sah noch immer nicht gut aus. Nach 25 Minuten war kein einziger
gefährlicher Ball auf das vom Ex-Jenaer Kristian Nicht gehütete Aachen-Gehäuse
abgegeben worden. Stattdessen musste Gegenüber Kasper Jensen beim
Aachener Konter die fehlende Innenverteidigung ersetzen und zehn Meter vor
seinem Strafraum per Kopf klären. Dann die 28. Minute. Ziegner aus einer
Spielertraube heraus auf Hansen, Flachschuss aus 15 Metern, Torwart Nicht pariert auf
Kosten einer Ecke. Das war sie, die erste Jenaer Gelegenheit im Punktspieljahr
2007/2008. Eine Ansage „Wir sind auch da“. Den anschließenden Eckball
erwischt Stefan Kühne am langen Pfosten, köpft ihn zur Torlinie, wo Alexander
Maul steht und unter Bedrängnis einköpft. Der Anschlusstreffer noch vor der
Pause. Wie damals in Offenbach. Hoffnung bei uns. Ein aus allen Wolken fallen
bei den Alemannen. Zu deutlich hatten sie die Anfangsphase dominiert,
zu leicht ihre Tore gemacht gegen einen in
dieser Phase unsortierten und harmlosen Gegner. Nun kämpften sich die
Neubarth-Schützlinge in das Spiel hinein. Nur vier Minuten nach dem
Anschlusstreffer spielte Simak einen ähnlich genialen Pass wie im Pokal eine Woche zuvor
auf Werner, der hatte gegen den heranstürmenden Nicht die Idee eines
Hebers – nur leider fiel dieser zu hoch aus. Eine Partie mit umgekehrten
Vorzeichen – jetzt spielte Jena Fußball. Wäre Kühne in der 43. Minute nicht
selbst überrascht gewesen über eine sich bietende Kopfballchance, es hätte noch
vor der Pause Unentschieden gestanden. Der Offenbacher Regievorlage hätte dies
freilich nicht entsprochen.
Mit ein bisschen Magengrummeln empfingen wir unsere Mannen
aus der Kabine. Nur nicht wieder solch eine Schlafwagen-Einlage wie zu Beginn.
Doch die Sorgen erwiesen sich als unbegründet. Lediglich Keeper Jensen sorgte
für erhöhte Herzfrequenz in Minute 51, als er bei zwei heranstürmenden
Gegenspielern den Ball nicht einfach wegschlug, sondern ihn kalt wie
Hundeschnauze behauptete. Außerdem Holzner, der am eigenen Strafraum den Ball
vertändelte und von Glück sagen kann, dass die Abseitsfahne nach oben
schnellte, da ansonsten eine 3 gegen 1-Überzahlsituation für die Westdeutschen
entstanden wäre.
Die Leistungssteigerung der Jenaer Elf lässt sich treffend am Bild festmachen, dass Ilia Kandelaki in den ersten neunzig Minuten
für seinen Verein abgab. Nach Stegmayers gutem Pokalauftritt war er für mancheinen
überraschend in die Startelf gerückt. Die etwas defensivere Variante schien
anfangs nach hinten loszugehen, weil der Georgier einige Male Unsicherheiten
auf seiner linken Seite offenbarte. Doch nach der Pause fand Kandelaki zu sich selbst,
seinen Mannschaftskameraden und ins Spiel. Wobei Stegmayer später noch eingewechselt wurde,
ebenso wie Fröhlich und Petersen. Die aus den Wechseln hervorgehenden
taktischen Umstellungen waren riskant, besonders der Austausch des defensiven
Müller gegen den stürmenden Petersen. Das Risiko sollte sich aber bezahlt machen. Denn
Nils Peteresen war gerade drei Minuten im Spiel, da verlängerte er einen Ball
von Kühne ins Tor. Wahnsinn ! Ausgerechnet Jenas Jüngster schafft den
Ausgleich. Klar hat der in Junioren-Länderspielen schon gegen
U19-Nationalmannschaften getroffen, doch ein solche wichtiger Treffer „bei den
Großen“ ist dann doch etwas Besonderes. Wäre der Bursche in Minute 79 doch noch
einmal etwas kaltblütiger gewesen, er hätte den FCC gar zum Sieg geschossen.
Nach einer Unsicherheit seines Gegenspielers verzog Petersen jedoch
deutlich.
Remember OFC – aus einem 0:2 ein 2:2 gemacht und dem Sieg
sehr nahe gekommen. Auch Kandelakis
Flanke fünf Minuten vor Schluss brachte Gefahr, neutralisierte sich aber mit
Reghecampfs Hereingabe in Minute 88. Beide Male fehlte ein Abnehmer im
Sturmzentrum.
Das Unentschieden feierten die Jenaer wie einen Sieg,
während die Gastgeber ziemlich konsterniert das Stadion verließen. Auch dieses
Bild hatten wir vor einem Jahr schon einmal. Neu ist die Serie, in der sich die
Jenaer Mannschaft befindet. Unter Frank Neubarth bleibt sie in Pflichtspielen
weiterhin unbesiegt. <fc>
Bilder von der ersten Partie
Spielbericht auf alemannia-aachen.de
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Für die Hessen ist der Kampf gegen den Abstieg hingegen
allgegenwärtig und diesen Unterschied merkte man bereits zu Beginn. Stegmayer
musste gegen Mokhtari und Türker zweimal in höchster Not zur Ecke klären,
Khamutouski den Kopfball des unbedrängten Bancé halten. Dass die Gastgeber
nicht frei von Nervosität waren, wurde in der 16. Minute deutlich, als sich
zwei OFC-Verteidiger nach Allaguis Eingabe gegenseitig anschossen. Amrhein
wusste mit der sich bietenden Chance jedoch nichts anzufangen. Im Gegenzug holte
Mokhtari erneut einen Eckball heraus. Hoch flog dieser an die Torraumgrenze, wo
Bancé den Kopfball genau zwischen Keeper und den am Pfosten postierten
Verteidiger ins Netz setzte. Nun besitzt dieser Bancé mit einem Meter
zweiundneunzig Körpergröße annähernd Gardemaß, nur ist unser Alexander Maul ja auch kein
Zwerg ! Allerdings hätte er mindestens genauso hoch springen und vor allem enger am Mann zum Ball
gehen müssen, um den Riesen im Sturmzentrum ernsthaft zu stören.
Jena lag 0:1 zurück
und der eine oder andere Spieler wird wieder Dortmund im Kopf gehabt haben.
Könnte die zu investierende Kraft, die nötig ist um dieses Spiel zu drehen, am
Dienstag nicht eventuell fehlen ? Nur zweimal vor der Pause blitzte Klasse auf.
Wie zu seinen besten Zeiten spielte Torsten Ziegner in der 28. Minute einen klugen Pass auf
Allagui, dessen Schuss aber am langen Pfosten vorbei strich.
Und in der 37. Minute bekam Thier Probleme mit
einem 25-Meter-Schuss Simaks. Den Abpraller versuchte Schied zu erlaufen, wurde
von Hysky aber umgerempelt. Deutschlands Vorzeigeschiedsrichterin Bibiana
Steinhaus ließ weiterspielen. In der Nachspielzeit der ersten Hälfte wurde
Mokhtari auf Rechtsaußen nicht gestört, denn tückisch aufsetzenden Ball
parierte Khamutouski genauso souverän wie den anschließenden Volleyschuss
Sousas.
„Der Gast aus Carl Zeiss Jena“ (Zitat Stadionsprecher)
brachte zur zweiten Halbzeit Torghelle für Amrhein. Alles oder nichts also mit
drei Stürmern. Doch was nutzen sämtliche in der Kabine gefassten Vorsätze, wenn eine
Minute nach Wiederanpfiff wieder so eine Panne in der Zuordnung passiert !
Bancé erfreute sich diesmal der Begleitung durch Stegmayer und diese
Formulierung ist ganz bewusst so gewählt. Denn Stegi mit seinen
176 Zentimetern ist von seinen körperlichen Voraussetzungen her natürlich kaum in
der Lage, dem Riesen mit den goldenen Schuhen und gleichfarbigen Haaren Paroli
zu bieten.
Mit dem zweiten Gegentor schienen die Messen gelesen. Zwar spielte
sich Mitte der zweiten Halbzeit
viel in der Hälfte der Gastgeber ab. Doch hatte man nicht den Eindruck, das
Blatt könne sich noch mal wenden. Auch weil Jan Simak zwar gewohnt viel am Ball
war, ihm aber deutlich mehr Fehlpässe unterliefen als sonst. Die besseren
Chancen hatten auch in dieser Phase die Jungs vom Bieberer Berg. Bancé und
Türker scheiterten jedoch wiederholt an Khamutouski – dem Einzigen, der unter
Beobachtung von Dortmunds Trainer Doll am Freitag uneingeschränkte Klasse
nachwies. Arm an Emotionen plätscherte das Spiel seinem Ende entgegen. Dem bei
solchen Szenarien obligatorischen „Ihr könnt nach Hause fahrn“ der OFC-Fans
begegneten Jenas Anhänger mit einem weniger üblichen „Dritte Liga und
UEFA-Cup“. Und siehe da, plötzlich begannen die Blauen in den letzten zehn Minuten
noch richtig Fußball zu spielen ! Simak rutschte der Schuss nach Sakas
Vorarbeit noch über den Spann (84.). Ein Offenbacher Verteidiger rettete im
letzten Moment vor dem einköpfbereiten Allagui (85.). Und Jan Simak traf drei
Minuten vor Schluss wieder einmal das Aluminium. Das Glück ist uns - zumindest
in den Meisterschaftsspielen - wahrlich nicht hold in letzter Zeit. So fiel der
im zweiten Zupacken gegen Thier erzielte Anschlusstreffer von Sandor Torghelle
zu spät.
Dortmund im Kopf und Dortmund nun auch bald vor der Brust. Endlich. Wenn an der Geschichte mit der verpatzten Generalprobe vor einem gelungenen Auftritt was Wahres dran ist, wird es am Dienstag ein sehr schöner Abend. <fc>
- Jena: Khamutouski; Maul, Müller, Stegmayer; Amrhein, Hansen (75.Kühne), Ziegner, Simak, Werner; Allagui, Schied (73.Petersen)
- Wiesbaden: Richter; Simac (76.Hollmann), Kopilas, Glibo, Kokot (67.Atem); Siegert, Schwarz, Bick (84.Schmidt), Nicu; König, Diaketé
- Zuschauer: 6721
- Schiedsrichter: Wingenbach (Diez)
- Spielbericht:
- Wiesbaden: Richter; Simac (76.Hollmann), Kopilas, Glibo, Kokot (67.Atem); Siegert, Schwarz, Bick (84.Schmidt), Nicu; König, Diaketé
- Blauer Himmel, Sonnenschein und beste Stimmung auf den Zuschauerrängen waren beste Rahmenbedingungen, um endlich die längst
erhoffte Aufholjagd mit einem Sieg zu starten und die bittere Hinspielniederlage in der Commerzbankarena endgültig vergessen zu machen.
Die Jenaer begannen auch sofort druckvoll und schnürten die Gäste in deren Hälfte ein, und bereits nach gut 30 Sekunden hätte es bereits schon 1:0 für die Platzherren heißen können. Allagui tauchte nach einem abgefälschten Steilpass urplötzlich vor Gästekeeper Richter auf, aber anstatt sich die Torecke auszusuchen, um die Führung zu erzielen, entschied er sich für einen Querpass auf Schied, für den dieser Pass aber letztendlich zu ungenau ankam und der Schusswinkel dadurch zu spitz wurde. Aber diese Möglichkeit war gleichzeitig die Initialzündung im Jenaer Spiel, und sie begannen ihr druckvolles Spiel zu entfachen. Bis auf zwei Freistoss-Standardsituationen war von den Gästen in Halbzeit eins fast nichts zu sehen. Ganz anders dagegen der FCC, der in der 22.Minute die nächste gute Tormöglichkeit besaß. Ziegner hatte einen Freistoss von halbrechts gefährlich vor das Tor der Wiesbadener gezirkelt, die diesen Ball einfach nicht aus der Gefahrenzone brachten. Jan Simak fasste sich ein Herz und Richter musste sein ganzes Können in dieser Szene unter Beweis stellen, um diesen herrlichen Schuss gerade noch aus dem Toreck zu entfernen. Aber nur drei Minuten war auch er dann machtlos, als diesmal Schied mit einem wunderschönen Steilpass bedient wurde. Dieser ließ sich diese Chance nicht entgehen und schob den Ball zum viel umjubelten Führungstreffer für die Jenaer ein. Der FCC machte nach diesem Treffer weiter Druck und Hansen scheiterte nur wenig später per Kopfball aufs kurze Eck an Richter, der sich mittlerweile zum besten Akteur seines Teams avancierte. Der Sekundenzeiger hatte sich nach dieser Toraktion noch keine Runde gedreht, da klingelte es erneut im Kasten der Wiesbadener. Der am heutigen Tage unheimlich quirlige Allagui konnte sich wiederholt im 1:1-Duell im Strafraum gegen seinen Widersacher durchsetzen und zog diesmal sofort ab. Torwart Richter war zwar erneut auf dem Posten und konnte den Schuss parieren, allerdings nur zur Seite, wo Werner goldrichtig stand und keine Mühe hatte, den Ball über die Linie zu schieben. Schiedsrichter Wingenbach hätte kurz danach fast entscheidend in das Spiel eingegriffen, als er ein glasklaren Handspiel eines Wiesbadener Spielers nicht abpfiff, sondern den Hessen dadurch eine gute Konterchance ermöglichte, die aber Diaketé per Kopfball aus Nahdistanz zum Glück der Jenaer nicht nutzen konnte. Und noch einmal war es Allagui, der kurz vor dem Pausentee (41.) seinem Gegenspieler entwischt war, aber auch diesmal konnte Richter dieses Duell für sich entscheiden und die eventuelle Vorentscheidung in dieser Partie verhindern.
Nach der Pause kamen die Gäste wie verwandelt aus der Kabine und setzen die Jenaer gehörig unter Druck. Aber die entscheidenden Tormöglichkeiten blieben noch aus, da die Abwehr des FCC bis dato sicher stand. In der 56.Minute dann doch fast der Anschlusstreffer, doch Jenas Kapitän Alex Maul konnte in letzter Sekunde noch vor Nicu klären. Aber der Druck der Hessen ließ nicht nach und Trainer Hock setzte alles auf eine Karte und wechselte einen weiteren Angriffspieler für einen Abwehrspieler ein. Doch trotz Überlegenheit der Gäste waren es die Jenaer, die durch Allagui eine weitere Torchance zur Vorentscheidung hatten, doch bei Richter konnten sich die Hessen heute bedanken, dass sie speziell in der ersten Halbzeit nicht unter die Räder gekommen waren. Die Minuten vergingen, die Partie wurde zunehmend hektischer und die Nickligkeiten im Spiel häuften sich. In dieser Phase (80.) hätte der FCC alles klar machen können, als ein gefährlicher Konter über Allagui und Simak gestartet wurde, doch zur Verzweiflung der Zuschauer bleib auch diese gute Tormöglichkeit ungenutzt, da es Allagui nicht gelang, den vor dem Tor freistehenden Simak mit einem Querpass anzuspielen. Kurz darauf waren die Gäste wieder an der Reihe und Stegmayer war es, der gerade noch zur Ecke klären konnte. Der anschließende Eckball (82.) kam herein und Werner wollte am langen Pfosten der Ball aus der Gefahrenzone befördern, aber leider rutschte ihm bei dieser Rettungsaktion der Ball über den Spann und der Ball lag im eigenen Tor. Ratlose Gesichter auf dem Rasen. Die Angst ging fortan um und man merkte den Zeiss-Kickern die zunehmende Verunsicherung an. Sechs Minuten vor Ultimo hätten die Jenaer endgültig alles klar machen können, doch das Glück blieb den Jenaern nicht hold und der herrliche Kopfball von Petersen klatschte an den Pfosten. Sekunden später versuchte der eingewechselte Petersen sein Glück, aber auch sein Schuss verfehlte nur um Zentimeter das Gehäuse. Es lief bereits die vorletzte Minute, da warfen die Hessen noch einmal alles nach vorn. Jenas Abwehr war einen Moment überhaupt nicht im Bilde und Schmidt nutzte diesen Fauxpas eiskalt aus und verwandelte zum fast nicht mehr für möglich gehaltenen Ausgleich. Sekunden vor dem Abpfiff hätte Simak die Jenaer Fans mit seinem Freistoß doch noch in Jubelschreie versetzen können, doch Keeper Richter hatte etwas dagegen und verwehrte den Jenaern den verdienten Sieg.
Ein Fazit nach dieser Partie zu ziehen fällt sichtlich schwer, doch leider sollte sich auch heute erneut eine der abgedroschenen Fußballerweisheiten bewahrheiten: Wer seine Chancen nicht nutzt, muss sich nicht wundern, am Ende mit leeren Händen dazustehen.<vg>
TuS Koblenz - FC Carl Zeiss Jena 2:0
Tore: 1:0 Djokaj (17.), 2:0 Pektürk (90. +1)
- Koblenz: Eilhoff; Mavric, Hartmann, Ziehl (77. Sukalo),
Cha, Richter, Fernandez (55. Vata), Lomic, Dzaka, Djokaj, Kuqi (66.
Pektürk)
- Jena: Khamutouski; Müller, Omodiagbe, Stegmayer; Holzner
(75. Saka), Kühne, Ziegner, Simak, Werner (62. Allagui);
Schied, Petersen (62. Amrhein)
- Zuschauer: 10.676
- Schiedsrichter: Bandurski (Essen)
- Spielbericht:
- „Ich weiß nicht was soll es bedeuten, dass
ich so traurig bin“ eröffnete Heinrich Heine einst sein Gedicht zu Ehren jener
Loreley, die der Sage nach nur wenige Kilometer rheinaufwärts von Koblenz auf
einem Felsen singend ein ums andere Schiff an der zerklüfteten Flussbiegung
zerschellen ließ. Ins Reich der Sagen und Legenden wird auch Jenas
Viertelfinalerfolg in Stuttgart bald Einzug halten, und angesichts der noch
immer unfassbaren Sensation, die Bürgers Elf in Schwaben erreichte, fiel es
schwer, das Augenmerk wieder voll auf den Ligaalltag zu lenken. Bitter nötig
war dies, wollte man die Hoffnungen auf den Klassenerhalt nicht endgültig am
Deutschen Eck zerschellen sehen, und selbst auf den Grund der Zweitligatabelle
sinken.
Henning Bürger musste seine heldenhafte
Pokal-Elf notgedrungen umstellen, angesichts der seltsamen DFB-Gerichtsbarkeit
saß Alexander Maul weiterhin eine nicht nachvollziehbare Sperre ab, so dass der
wiedergenesene Omodiagbe seinen Platz in der Innenverteidigung einnahm.
Sicherheit brachte dies nicht, im Gegenteil, ganz ähnlich der allgemein
grassierenden Grippewelle steckte der Nigerianer seine Kameraden mit
zahlreichen Unsicherheiten an und man fragte sich nach 10 gespielten Minuten
verdutzt, ob die Körpersprache, das ausgestrahlte Selbstbewusstsein ein
jämmerlicheres Bild gegeben hätte, wäre der FCC in Stuttgart mit 0:5 unterlegen
Halbzeit unter dem aktuellen Trainer, in der bis auf eine Schied-Chance (2.),
der einen Ziegner-Schuss um ein Haar ins Tor abfälschte, rein gar nichts
zusammenlief. Koblenz lockte Jena heraus, um dann überfallartig mit weiten
Bällen auf die meist über außen kommenden Spitzen Gefahr zu erzeugen. Der FCC,
wieder mit Dreierkette agierend, fand dagegen überhaupt kein Rezept. Doch da
Hartmann, Djokaj, Dzaka und Co. ihre Chancen gleich reihenweise liegen ließen,
bei Müllers Fast-Eigentor auch etwas Pech hatten, wäre es möglicherweise mit
einem für den FCC angesichts des Spielverlaufs hochgradig zufriedenstellenden
0:0 in die Kabinen gegangen, hätte die in den letzten Wochen schon
ungewöhnliche Pechsträhne mit Schiedsrichterentscheidungen nicht ihre
Fortsetzung gefunden. Ein langer Ball aus der eigenen Hälfte findet Djokaj, der
die Kugel mit der Hand an Khamutouski vorbeilegt und dann im leeren Tor
einschiebt. Schiedsrichter Bandurski hatte freie Sicht auf die Aktion, wollte
aber dennoch keine Regelwidrigkeit gesehen haben, so dass der FCC nach Aachen
und Hamburg nun schon das dritte irreguläre Gegentor binnen weniger Wochen
kassierte. Von umstrittenen Platzverweisen ganz zu schweigen, denn Sandor
Torghelle dürfte sich bei Lomics nur mit gelb geahndetem Nachtreten gegen
Holzner schon gefragt haben, wofür er eigentlich vier Spiele Sperre aufgebrummt
bekam. Ich weiß nicht, was soll es bedeuten. Doch bei aller Kritik am Referee, was
Jena in den ersten 45 Minuten bot, war nicht im Ansatz besser und man fragte
sich, wer außer dem Keeper und Robert Müller eigentlich nicht ausgewechselt
werden müsste.
Dies sollte sich nach dem Seitenwechsel zumindest phasenweise
ändern, Petersens kurz vor der Linie geklärter Flachschuss (47.) im Anschluss
an eine Simak-Ecke sorgte für Hoffnung im mit knapp 1.000 Zeissfans
proppevollen Gästeblock. Beide Protagonisten fanden sich auch eine
Viertelstunde später im Zusammenspiel im Mittelpunkt, als Simak ein
Petersen-Abspiel artistisch aufnahm und auf das Eilhoff-Gehäuse zusteuerte,
aber im Strafraum bei der Schussabgabe umgerannt wurde. Der Ball landete am
Außenpfosten – der Elfmeterpfiff blieb aus. Koblenz sah sich nun vorwiegend in
die eigene Hälfte gedrängt, die Ballbesitzstatistik von 60:40 für Jena kam
nicht von ungefähr, verteidigte aber geschickt und blieb mit schnellen
Gegenstößen stets gefährlich, Dzaka und der für den Ex-Jenenser Kuqi
eingewechselte Pektürk verpassten die Vorentscheidung. So hatte Torsten Ziegner
mit einer strammen, von Eilhoff gerade noch so um den Pfosten gelenkten
Freistoßablage Simaks den Ausgleich auf dem Fuß. Doch als auch Stefan Kühne
seine Großchance um Zentimeter am Pfosten vorbeistocherte (86.), war den
meisten klar, „was dies bedeuten sollte“. 91. Minute, nach Ballverlust des
eingewechselten Saka wieder ein schneller Gegenstoß über Vata, und diesmal
machte es Pektürk besser, bugsierte das Leder unter Mithilfe des Innenpfostens
zur Vorentscheidung ins Tor. Dass sich Jenas Elf selbst danach nicht aufgab und
sich mit Stefan Kühnes Knaller knapp am Tor vorbei sogar noch eine Möglichkeit
bot, spricht für die Moral in der Mannschaft. Für die Qualität, die Klasse zu
halten, sprach der Auftritt über 90 Minuten jedoch nicht. Auch wenn erneut ein
Schiedsrichter – nebst dem Koblenzer Handballspieler – die Begegnung maßgeblich
beeinflusste, das war einfach zu wenig, um die „nun wirklich“ letzte Chance
beim Schopfe zu packen. „Ich weiß nicht was soll es bedeuten, dass ich so
traurig bin“. Abstieg. 3. Liga. <gunner>
FSV Mainz 05 - FC Carl Zeiss Jena 2:2
Tore: 1:0 Feulner (28.), 2:0 Karhan (56./FE), 2:1
Simak (59.), 2:2 Allagui (83.)
- Mainz: Ischdonat; Hoogland, Subotic, Noveski, Rose (46.
Demirtas); Karhan, Damir, Vrancic (84. Amri), Pekovic, Feulner;
Borja (85. Jovanovic), Boakye
- Jena: Khamutouski; Holzner, Müller, Omodiagbe, Stegmayer;
Ziegner (78. Saka), Kühne, Simak, Werner; Petersen (58. Allagui),
Schied (78. Amrhein)
- Zuschauer: 19.500
- Schiedsrichter: Willenborg (Osnabrück)
- Spielbericht:
- Die Tage des Mainzer Stadions sind gezählt. Mit Beginn der
Saison 2010/2011 soll eine neue Fußball-Arena eingeweiht werden. Angesichts der
Tabellensituation beider Mannschaften stellt sich also die Frage, ob das Spiel
vom Freitagabend das letzte Jenaer Gastspiel am Bruchweg gewesen ist.
Fast 20.000 Zuschauer sorgten für die gewohnt gute
Atmosphäre. Mögen die Gastgeber mit ihren unzähligen Mainz 05-Liedern
vielleicht etwas zu viel Primborium veranstalten – ihr „you’ll never walk
alone“ bekommen nicht viele in Liga zwei so hin. Jenas 500 mitgereiste Anhänger
mochten sich daran nicht beteiligen (warum eigentlich nicht?), verschafften
sich dafür nach zehn gespielten Minuten Gehör: Mit „Hier regiert der FCC“ lagen
sie zu diesem frühen Zeitpunkt durchaus richtig, denn die ersten Akzente, die
ersten Standarts hatten die Thüringer gesetzt. Holzner war für Amrhein in die
Startelf gerückt, machte sein erstes Spiel seit November. Die erste
Tormöglichkeit im Spiel besaß dann aber doch der Tabellenzweite. Karhans weiten
Einwurf konnte Müller mal eben noch vor Boakye zur Ecke klären. Derartig
drangvoll erlebten wir die vier Tage zuvor mit einem Auswärtssieg in
Mönchengladbach glänzenden Mainzer jedoch selten. Einer der Gründe hierfür
heißt Jan Simak, der im Mittelfeld für ein Gleichgewicht sorgte, spielerisch
wie kämpferisch erneut eine herausragende Leistung bot. Kein Wunder, dass immer
mehr Bundesligisten hinter ihm her sind. Vom technischen Potential her gab es
nach Bernd Schneider sicherlich keinen besseren im Zeiss-Trikot als
ihn. Simaks Schrägschuss vom linken Strafraumeck in Minute 21 rauschte nur
knapp am Mainzer Gehäuse vorbei.
Sieben Minuten später: Felix Holzner fängt
einen Mainzer Angriff ab, doch verspringt ihm das Leder zu weit vom Fuß. Weil
das Not-Tackling misslingt, hat Feulner freie Bahn zum Tor, umspielt
Khamutouski und trifft zum Führungstreffer. Woche für Woche das selbe Bild: Es
sind die individuellen Patzer im Abwehrzentrum, die den FC Carl Zeiss immer
wieder ins Hintertreffen geraten lassen. Da half auch ein weiterer schöner
Simak-Schuss vor der Pause nichts mehr.
Nach Wiederanpfiff legte Karhan für Feulner auf. Doch erst
dessen Wegrutschen eröffnete den Mainzern eine Torgelegenheit, bei der Boakye
von Khamutouski und Omodiagbe mit vereinten Kräften gestört werden konnte.
Chancen gleichsam aus dem Nichts – irgendwie war das typisch für dieses Spiel.
Auch fürs zweite Gegentor. Klar drängte der ballführende Feulner mit viel Elan
in den Strafraum. Doch unmittelbare Torgefahr bestand da kaum, dafür war der
Winkel zu spitz und Omodiagbe noch in der Nähe. Holzner zog Feulner jedoch so
ungestüm zu Boden, dass der Referee sofort auf den Elfmeterpunkt zeigte. Da der
Strafstoß saß, drohte Holzner bei seinem Comeback zur tragischen Figur zu
werden. Dabei hatte er insgesamt keine schlechte Partie gespielt, jedoch in
zwei entscheidenden Szenen das Nachsehen gehabt. Nur gut, dass auch Jena noch
seine Chance aus dem Nichts bekam. Bei Simaks diagonalem Freistoß rückten fünf
Mainzer und vier Jenaer in Richtung Tor, keiner berührte jedoch den Ball. Auch
nicht Torwart Ischdonat, der durch die Spielertraube wohl irritiert war. 1:2 -
da ging noch was. Bürger versuchte es mit frischen Kräften, brachte zunächst
Allagui, dann Saka und Amrhein. Was umgehend Wirkung zeigte. Amrheins straffen
Schuss aus 23 Metern konnte Ischdonat nur nach vorn abwehren, Saka setzte den
Abpraller aber am langen Eck vorbei. Welch ein Glück, das da noch was nachkam
! Und zwar in Minute 83: Eckball von
Simak, präzise auf Allagui, der aus Nahdistanz trotz Bedrängnis ins Netz köpft.
Wieder einmal hatte der FCC aus scheinbar aussichtsloser Lage herausgefunden.
Dass er den redlich erkämpften Punkt am Ende auch mitnehmen durfte, verdankt er
seinem Torhüter. Klasse, wie Vasili Khamutouski in der 85. Minute Hooglands
tückischen Aufsetzerkopfball aus nur sechs Metern Torentfernung zur Ecke lenkte
!
Eine Unsportlichkeit der Mainer hätte der Partie dann beinahe ein schlimmes
Ende bereitet. Mehrere Male zuvor hatten die da noch zurückliegenden Jenaer den
Ball ins Aus gespielt, wenn ein 05er verletzt am Boden lag. Doch als Darlington
Omodiagbe nach Zweikampf unglücklich aufgekommen regungslos auf dem Rasen
liegen blieb, spielten die Rot-Weißen weiter. Dabei zählte jede Sekunde, denn
Omodiagbe hatte das Bewusstsein verloren und seine Zunge verschluckt ! Gottseidank
erfolgte die Hilfe gerade noch rechtzeitig und mit einer leichten
Gehirnersschütterung ging alles noch recht glimpflich ab. Dass die Jenaer
das Match zum dritten Mal in Folge nur zu zehnt beenden konnten, hatte keinen Einfluss auf das Endergebnis.
Henning Bürger hatte unter der Woche kein bisschen
übertrieben. Die Moral stimmt in dieser Mannschaft hundertprozentig.
Das ist wichtig, weil sich der Druck weiter erhöhen wird. Denn gegen
die nun folgenden Punktspielgegner müssen endlich wieder Siege her. <fc>
FC Carl Zeiss Jena - 1. FC Köln 1:3
Tore: 0:1 Helmes (28.), 1:1 Müller (61.), 1:2 Novakovic (80.), 1:3 Novakovic (90.)
- Jena: Khamutouski; Maul (
, 48.),
Müller, Omodiagbe, Stegmayer (83. Saka); Amrhein (59. Allagui),
Kühne, Ziegner, Simak, Werner (83. Petersen); Schied
- Köln: Mondragon; Ümit Özat, Mohamad, McKenna, Ehret;
Broich (72. Gambino), Mitreski, Antar, Vucicevic (68. Chihi); Helmes (89.
Scherz), Novakovic
- Zuschauer: 9904
- Schiedsrichter: Henschel (Braunschweig)
- Spielbericht:
- Es gibt Spiele, da ist auf dem Rasen richtig viel los – und
hinterher fehlen dir trotzdem die Worte für den Spielbericht. Und im Stadion,
nach dem Spiel, verhindern lediglich Anstand und gute Erziehung (und vielleicht
auch die doppelte Kette aus Gelb und Dunkelblau), dass du deine Meinung über
Referee und DFB-Lieblinge in den Gästebus stanzt.
Am kalten Freitagabend begann der FCC zunächst
unterkühlt-vorsichtig, um nicht ins offene Messer der Gäste zu laufen, die spielerisch
eine schnelle, feine Klinge schlugen. Trotzdem kam der FCC ganz gut nach vorn
und hatte einige interessante Szenen, z.B. als Stegmayer eine scharfe Flanke
vors Tor schlug oder Mondragon Ziegners
Freistoß wegfaustete. In der 23. min gab es dann nach der dritten Kölner Ecke
die erste brenzlige Szene vor unserem Tor, als Kühne den Ball zu kurz abwehrt,
Khamutouski den Schuss jedoch parieren kann. In der 27. min gab es dann auf der
Gegenseite die erste zornerregende Szene, als nach einer Ecke Schied (?) schießen
will, der Kölner jedoch mit gestrecktem Bein „drüberhält“.
weiterspielen. Zwei Minuten später tändeln Khamutouski und Omodiagbe bei einem
Abstoß herum, der schwache Abschlag des Torwarts in den Mittelkreis kommt
prompt als Steilpass auf Helmes, der zum 0:1 einschiebt; Müller stand zu weit
weg. Kurz danach verhindert Khamutouski mit einer tollen Parade das
spielvorentscheidende 0:2, als er gegen Broich blitzschnell reagierte. Ein Aufstöhnen
ging durchs Stadion, als Werner nach der dritten FCC-Ecke einen Schuss von der
Strafraumgrenze an die Lattenunterkante nagelte. Den zurückspringenden Ball
erlief einer im weißen Trikot (Kühne?), wurde jedoch durch einen Kölner
umgerissen. Strafstoß? Vergiss es! Der Herr Henschel aus Braunschweig –
spätestens jetzt war die Bezeichnung „Unparteiischer“ falsch – schien zur
60-Jahr-Feier nach Köln eingeladen gewesen zu sein und verteilte hier sein
zweites Geschenk des Abends an den Ziegenverein. Tut mir leid, aber so etwas
kann man nicht falsch oder gar nicht sehen – das ist Vorsatz! Im Jenaer Angriff
merkte man doch, dass man mit einem Ein-Mann-Sturm agierte – und Simak, der
immer wieder mal als zweite Spitze in den aufrückte, konnte sich die Pässe trotz
einer ganz starken Leistung ja schließlich nicht selbst vorlegen. Aber vor der
Pause erreichte eines dieser Anspiele den rechts in den Kölner Strafraum
laufenden Schied, der aber mit seinem Schuss aus spitzem Winkel keinen Erfolg
hatte.
Unmittelbar nach Wiederanpfiff gab es das nächste
Geburtstagsgeschenk an die Kölner. Maul trennte per Tackling an der rechten
Seitenlinie den Ball vom Kölner Spieler und während auf der Tribüne
Diskussionen über den Freistoßpfiff an sich aufbrandeten, zeigte der Schiedsrichter
Alex Maul… „Rot“!!! Was ging denn hier ab! Ich war einfach sprachlos! Wut,
Entsetzen, Fassungslosigkeit – die Gesichter meiner Platznachbarn spiegelten
vieles wieder, aber nicht einmal ansatzweise gab es Verständnis für diese
Entscheidung. Wenn sich bis dahin vielleicht bei einigen oder vielen auf dem Rasen
und den Rängen innerlich Resignation breitmachen wollte, mit diesem
Platzverweis hatte der Schiedsrichter alle, die sich dem FCC verbunden fühlen,
aufgerüttelt. Die Stimmung auf den Rängen brodelte, die Mannschaft drehte auf
und das Spiel kippte optisch zu Gunsten des FCC. Und Mondragon
tauchte in der 55. min blitzschnell ins lange Eck, um Schieds
Schuss den Weg ins Netz zu verwehren. Fünf Umdrehungen des Sekundenzeigers
später: Simaks Freistoß hoch in den Strafraum neben das lange Toreck, Kopfball
von Kühne quer und Müller machte den Ausgleich. Jaaaaaa!
Der Vulkan EAS schien zu explodieren! Und der FCC machte weiter, drückte auf
das wichtige drei Punkte bedeutende 2:1 und hatte eine gute Chance, als
Schied gegen den herausstürzenden
Mondragon leider einen Schritt zu spät kam. Und die Kölner
schienen völlig überrascht zu sein, dass diese Jenaer Mannschaft trotz
Unterzahl, trotz permanenter Benachteiligung in der Zweikampfbeurteilung
(Werner wird in der 69. min gefoult und bekommt dafür „Gelb“ wegen „Schwalbe“!)
Das sah richtig gut aus. Und Köln leistete einen weiteren Beitrag zur
Unbeliebtheit, als man den Ball trotz eines am Boden liegenden Werner nicht
sportlich-fair ins Seitenaus spielte, sondern ungerührt einen Angriff
initiierte. Chihi köpfte aber freistehend vorbei.
Und
dann lief es wie so oft in dieser Saison: Jena machte (in Unterzahl) das Spiel,
der Gegner einen vernünftige Spielzug, dazu ein Abwehrfehler (einem Jenaer
rutschte die Flanke unterm Fuß durch) und wir lagen wieder hinten. Novakovic knallte
den Ball aus 22 m Entfernung ins untere Toreck und Khamutouski war chancenlos.
Dieser Gegentreffer war der moralische Genickbruck für unser Team, es lief
nicht mehr viel, die fehlende Kräfte (bis dahin durch überdurchschnittlichen
Kampfgeist wettgemacht) und es war eigentlich der Dummheit der Kölner
geschuldet, dass das 1:3 erst tief in der Nachspielzeit fiel.
Interessant war noch die Pressekonferenz: Bürger fasste sich
sehr kurz (ein passendes Statement wäre sicher zu teuer geworden), Daum
palaverte minutenlang Nichtssagendes und Rainer Zipfel sagte – mit sehr
gesetzten Worten – was er von der Schiedsrichterleistung heute und in den
letzten Wochen hielt. Bravo! Sollte die Aussage des FCC-Präsidenten
irgendwelche finanziellen Sanktionen seitens des DFB nach sich ziehen,
beteilige ich mich an einer Sammlung beim nächsten Heimspiel. <uk>
FC St. Pauli - FC Carl Zeiss Jena 2:2
Tore: 1:0 Takyi (13.,FE), 1:1 Ziegner (54.), 1:2 Simak (68.,FE), 2:2 Bruns (88.)
- St.Pauli: Borger; Rothenbach, Morena, Eger, Gunesch; Takyi, Boll, Meggle,
Schultz (46.Sako); Schnitzler (65.Braun), Kuru
- Jena: Khamutouski; Maul, Müller, Stegmayer; Amrhein, Kühne, Ziegner, Werner; Simak (83.Kandelaki);
Torghelle (
, 17.), Schied (87. Petersen)
- Zuschauer: 20.217
- Schiedsrichter: Winkmann (Kerken)
- Spielbericht:
- (von Gastkommentator Thomas Neumann)
13 Punkte, Platz 17, Spieltag 19 - das ist die wenig schmeichelhafte Zwischenbilanz vor dem Auswärtskick in Hamburg. Ich neige nicht
zu übermäßigen Optimismus oder Pessimismus im Bezug auf meinen FCC, aber realistisch betrachtet sollte man die Möglichkeit
des Abstieges mittlerweile wohl in die Prognosen für das Saisonergebnis mit einbeziehen.
Was solls - hilft ja nix. Auswärts läuft es diese Saison ja eh besser als zu Hause und so startet die dreiköpfige Niedersachsen -
Fraktion am Freitagmittag von Hannover nach Hamburg. Auf der A7 bis Hamburg gibt's jede Menge Thüringer Kennzeichen zu begucken und auch
der "Vor dem Spiel" - Bummel durch den Kiez bietet jede Menge blau - gelb - weiße Fanutensilien fürs Auge. Der guten Ordnung halber
sei natürlich noch erwähnt, dass das Ganze nach eigenem Erleben total "stressfrei" abläuft und nette Gesten und Wünsche der
Einheimischen keineswegs die Ausnahme sind.
In einer Ecke der Nordtribüne ist seit Neuestem der Gästeblock auf St. Pauli untergebracht, der von den anwesenden ca. 1500 FCClern
gut gefüllt wird. Das die Hafenhamburger nun extra für das Gastspiel des Europapokalfinalisten von 1981 eine zusätzliche
Stahlrohrtribüne auf der Nordseite ihres Stadions errichtet haben, erscheint auf den ersten Blick zwar übertrieben, ist aber
angesichts des Gegners nun nicht gar so abwegig.
Der sportliche Teil des Abends beginnt mit einer Jenaer Großchance als Jan Simak sich in der 4. Minute schön auf der rechten
Seite durchsetzen kann, jedoch lieber in der Mitte Thorgelle bedient, statt selber direkt abzuschließen. Während der Gästeblock
noch dieser Chance nachtrauert, spielt sich am anderen Ende des Stadions bereits Teil 1 der mysteriösen Schiedsrichterentscheidungen des
Abends ab. Fakt ist, ich habe aus ca,. 100 m Entfernung in einem Gestocher im Strafraums kein Handspiel - ein Dank an den Stadionsprecher der
den Grund für den Elfmeter mitmeldete - gesehen. Ohne mein Einverständnis verwandelt Takyi trotzdem sicher zum 1:0 in der 13. Minute.
Wenig später (18. Min.) scheint das Spiel schon endgültig gelaufen, als Sandor Torghelle wegen einer Tätlichkeit mit Rot vom
Platz fliegt. Ich habe unter den reichlich bescheidenen Sichtverhältnissen des Gästeblockes, dieses Nachtreten von ihm mit dem
Fuß relativ klar gesehen - der Schiri wohl auch - und bin gespannt, ob dies nicht schon bereits der letzte Pflichtspielauftritt
unseres "Gulaschbombers" war, der ja auch im Pokal gesperrt ist. Der Rest der ersten Halbzeit besteht aus ziemlich laschen Mittelfeldgekicke
und -geschiebe der St. Paulianer, daß die Jenaer bis auf einen Simak - Schuss ans Außennetz (34.) nicht bestrafen können.
Die Kabinenaufenthalt in der Halbzeitpause für die, diesmal blauen Helden, ist kürzer als normal, als sie nach der "gefühlten"
Hälfte der Spielunterbrechung bereits wieder auf dem Platz stehen. Dem Neutrainer Henning Bürger sei an dieser Stelle geweissagt,
dass solche "Nummern" zwar nicht schlecht sind aber auch nur gefühlte zweimal ziehen, bevor sie ihre Wirkung verfehlen. Aber diesmal
scheint es definitiv noch zu wirken. In der 54. Minute setzt sich Ziegner durch und kann im zweiten Versuch den St. Pauli-Keeper Borger
überwinden. Hätte man mich jetzt gefragt ob ich mit dem Unentschieden zufrieden gewesen wäre, hätte ich sofort abpfeiffen
lassen. Mehr ist doch in Unterzahl echt nicht drin…
Für den "Auswärts - FCC" in dieser Saison ist dies aber das natürliche Signal auch in Unterzahl die Siegchancen zu suchen.
Und als Patrik Amrhein kurze Zeit später nach schönem Solo freistehend vor dem Tor nur an den Pfosten schiebt, wagt der gemeine
FCC - Fan im Gästeblock endlich vom "Auswärtssieg" zu träumen und singen. Was in der 68. Minute zum Elfmeter für Jena führt
kann ich nicht nachvollziehen, da die Aktion schon wieder am anderen Ende des Stadions stattfindet, aber wenn der erste Elfer berechtigt gewesen
sein soll, wird es dieser wohl auch. Wenigstens in den Augen des Schiedsrichters.
Das es am Ende doch nicht zum Auswärtsdreier reicht, ach herrjee, wem will ich das denn vorwerfen? Die Mannschaft hat auch in der Schlussphase
alles geboten, was sie konnte. Der Ausgleich in der 88. Minute ist natürlich der "Hammer" ins Genick des eh schon taumelnden Boxers. Andererseits
muss den Jungs doch endlich mal jemand ins Gehirn prügeln, dass sie auch zu Hause so auftreten müssen, dann besteht vielleicht noch Hoffnung
auch mit einem Unentschieden auf St. Pauli leben zu können.
FC Carl Zeiss Jena - Alemannia Aachen 2:3
Tore: 1:0 Werner (17.), 1:1 Reghecampf (29.), 2:1 Schied (66.), 2:2 Lehmann, 2:3 Krontires (81.)
- Jena: Khamutouski; Günther, Maul, Omodiagbe, Stegmayer;
Amrhein (75.Saka), Müller, Simak, Werner; Petersen (64.Torghelle),
Schied
- Aachen: Straub; Polenz, Klitzpera, Herzig, Leiwakabessy;
Reghecampf, Lehmann (90.Olajengbesi), Lagerblom, Krontiris (90.Brinkmann);
Ebbers (58.Mosquera), Kolev
- Zuschauer: 6513
- Schiedsrichter: Gräfe (Berlin)
- Spielbericht:
- Die fußballfreie Zeit war endlich zu Ende und auch für Jena sollte nun der Ball in der 2. Bundesliga wieder rollen. Die guten
Ergebnisse in der Vorbereitung ließen bei jedem Zeiss-Fan Hoffnung aufkommen, welche in einem grandiosen Sieg im DFB-Pokal gegen die
Arminia aus Bielefeld gekrönt wurde. Diesen Schwung und Optimismus wollte man unbedingt in die heutige Partie mitnehmen, um gleich im
ersten Spiel der Rückrunde gegen die Gäste aus Aachen die Aufholjagd starten zu können und den ersten wichtigen Dreier einzufahren.
Die Jenaer begannen auch gleich wie die Feuerwehr und bereits nach 20 Sekunden sah Herzig die erste gelbe Karte im Spiel, da er den aufs
Tor stürmende Schied nur durch Foulspiel bremsen konnte. Gut eine Minuten später fast schon das 1:0 für die Platzherren,
doch ein gefährlich abgefälschter Freistoss mit anschließendem Torschuss von Schied wurde wegen Abseitsposition abgepfiffen.
Aber leider war es das erst einmal mit den Jenaer Angriffbemühungen, denn die Aachener stellten sich im besser auf das Jenaer Spiel ein
und setzten frühzeitiger nach. Dadurch verflachte die Partie zunehmend und beide Teams neutralisierten sich weitgehend im Mittelfeld,
ohne sich dabei nennenswerte Chancen zu erspielen. So dauerte es bis zur 17. Minute, als der Jenaer Anhang zum ersten Mal jubeln durfte.
Ein von Simak getretener Eckball wurde zunächst per Kopf geklärt, Amrhein nahm den abprallenden auf, schoss erneut auf das Tor
und in der Mitte stand Werner goldrichtig und fälschte per Kopfball zur 1:0 Führung ab. Doch leider konnten die Jenaer dieses
Stimmungshoch nicht weiter nutzen, denn sie führten erst zum zweiten Mal in dieser Saison auf eigenem Platz, sondern sie ließen
die Aachener wieder ins Spiel kommen. Nach gut einer halben Stunde nutzten diese ihre erste gute Möglichkeit eiskalt und Reghecampf
traf mit einem herrlichen Kopfball aus 11m zum Ausgleich. Kurz vor der Pause sogar noch fast die Führung für die Gäste, doch
Jenas neuer Keeper Khamutouski konnte den Schuss von Krontiris gerade noch parieren.
Die Aachen kamen zielstrebiger aus der Kabine und hatten bereits in der 51. Minute erneut eine dicke Möglichkeit zur Führung, aber
Ebbers konnte in bester Position mit seinem Kopfball aus Nahdistanz den Jenaer Schlussmann nicht überwinden. Nun zogen die Gäste ihr
Spiel auf und beherrschten das Mittelfeld mühelos. Die Jenaer wirkten dagegen zunehmend verunsichert und versuchten es mit langen Bällen
nach vorn, die aber allesamt keinen Abnehmer fanden. Trainer Henning Bürger brachte Torghelle ins Spiel und erhoffte sich noch einmal einen
Schub nach vorn. Und es dauerte auch nur wenige Augenblicke und da hatte sich die Einwechslung bereits ausgezahlt. Simak hatte erneut einen Eckball
getreten, den Torghelle per Kopf genau vor das Tor verlängerte, wo Marcel Schied goldrichtig stand und den Ball aus wenigen Zentimetern nur
über die Linie drücken musste. Hoffnung auf den wichtigen Dreier keimte wieder auf, aber leider konnten die Jenaer auch in dieser Phase
den Schub nicht nutzen. Nur fünf Minuten später musste Khamutouski, der mit Abstand beste Spieler des FCC an diesem Tage, Kopf und
Kragen riskieren, um den erneuten Ausgleich zu verhindern. Aber zwei Minuten später war auch er machtlos, als Lehmann aus wenigen Metern
mit einem schönen Schuss zum Ausgleich traf. Die Thüringen wirkten in ihren Aktionen immer konfuser und man mochte gar nicht glauben,
dass fast genau dieses Team nur wenige Tage zuvor die Arminen aus Bielefeld in einer packenden Partie aus dem DFB-Pokal geworfen hatten. Als
wenn die zwei Gegentore nach zweimaliger Führung nicht schon schlimm genug wären - es sollte heute noch dicker kommen. Lehmann hatte
sich in der 82. Minute im Mittelkreis das Leder geschnappt und konnte ungehindert bis kurz vor den Strafraum spazieren, wo er Krontiris mit
einem Pass genau in den Lauf bediente, der sich diese Chance nicht entgehen ließ und zur Gästeführung einschoss. Der FCC
versuchte in der Folgezeit noch einmal alles und wurde eine Minute vor Ultimo auch fast noch belohnt, doch zum Pech der Saalestädter
krachte einer herrlicher Schuss von Simak nur an das Lattenkreuz.
Wenig später war die Partie zu Ende und erneut konnte der FCC nach einem packenden und auch erfolgreichen DFB-Pokalsieg den Schwung und die
Euphorie nicht ins anschließende Punktspiel hinüberretten, um endlich auch hier einen wichtigen Sieg erringen zu können.<vg>
FC Carl Zeiss Jena - FC Augsburg 1:2
Tore: 0:1 da Costa (25.), 0:2 Ledezma (38.), 1:2 Petersen (79.)
- Jena: Kraus; Stegmayer, Omodiagbe, Maul, Oniani; Werner, Müller (46. Kühne), Simak, Charalambides; Helbig (65. Fröhlich), Torghelle (76. Petersen)
- Augsburg: Neuhaus; Wenzel, Benschneider, Hertzsch, Möhrle;
Müller, Hdiouad, da Costa, Kern; Diabang (90.Hlinka), Ledezma (74.Luz),
- Zuschauer: 8453
- Schiedsrichter: Lupp (Zossen)
- Spielbericht:
- Nach den Siegen in den letzten beiden Partien war es heute für die Kicker des FC Carl Zeiss Jena immens wichtig, auch das letzte Heimspiel der
Hin-Serie positiv zu gestalten und mit einem Sieg gegen den FC Augsburg das Kalenderjahr noch ein wenig freundlicher zu beenden.
Die Platzherren hatten sich auch wirklich viel vorgenommen, denn sie begannen gleich elanvoll und drückten die Bayern in deren Hälfte. Nach acht
Minuten die erste gute Chance für die Jenaer, doch Helbig bekam freistehend den Ball im Strafraum nicht richtig unter Kontrolle und er landete beim Tormann.
Sekunden später erneut eine gute Möglichkeit durch einen Freistoß von Simak, aber Maul berührte noch den Ball und fälschte ihn so ab,
dass er über das Tor abgelenkt wurde. Erneut Simak war es, der für eine weitere gute Aktion (19.) der Jenaer sorgte. Auf der linken Seite düpierte
er erst einen Gegenspieler mit einer Körperfinte, stürmte weiter und drang in den Strafraum ein. Den zweiten Abwehrspieler umkurvte er und spielte
anschließend noch Doppelpass mit Charalambidis, doch als er aufs Tor schießen wollte, stand erneut ein Augsburger vor seiner Nase, so dass diese
geniale Einzelaktion ohne Krönung blieb. Es lief bereits die 25.Minute und von den Gästen war noch nichts zu sehen gewesen. Aber das sollte sich
leider schnell ändern. Zunächst scheiterte da Costa mit seinem Freistoß aus gut 22m an Kraus. Doch beim anschließenden Eckball stand
er völlig frei und konnte so ungehindert die Führung für die Augsburger erzielen. Die Jenaer steckten nicht auf und nach 34 Minuten prüfte
Werner mit einem schönen Schuss Gästekeeper Neuhaus, der zur Ecke klären konnte. Ein langer Ball der Gäste wurde per Kopfball noch einmal
verlängert, so dass Ledezma das Leder genau in den Lauf gespielt bekam. Das 1:1-Duell gegen Maul entschied er für sich, zog aus halbrechter Position
ab und der Ball landete im langen Toreck und es stand nach 38 Minuten 0:2 aus Jenaer Sicht. Da hatten sich die Jenaer Spieler für das heutige Spiel so
viel vorgenommen, spielten phasenweise mal wieder richtig schönen Fußball und die Augsburger, von denen kaum etwas zu sehen war, führten
mit 2:0. Unglaublich. Kurz vor der Pause noch einmal ein gefährlicher Freistoß des FCC in den Strafraum, aber ein Abwehrspieler konnte per Kopf
zu Ecke klären.
Nach der Pause begannen die Spieler des FCC ihre Aufholjagd und setzten die Augsburger unter Druck. Neuhaus im Tor der Gäste mit seiner einzigen
Unsicherheit am heutigen Tage, als er einen Schuss von Werner (49.) erst im zweiten Versuch festhalten konnte. Aber nun ging es Schlag auf Schlag und
die Jenaer drängten auf den Anschlusstreffer. Nach einem Eckball Getümmel im Augsburger Strafraum und der Ball kam zu Helbig, der sofort abzog,
aber an den Fingerspitzen von Neuhaus scheiterte, wie auch kurz darauf mit einem Schuss aus spitzem Winkel (53.). Dann war es Simak, der nach einem Konter
mit seinem Schuss aus 20m nur um Zentimeter das Tor verfehlte. Wenig später legte Torghelle auf Charalambis ab, dessen Schuss Neuhaus mit den
Fingerspitzen noch berührte, der Ball rollte Richtung Torlinie, doch ein Augsburger konnte den Ball gerade noch vor der Linie wegschlagen. In
der 76. Minute schickte Jenas Trainer Ivanauskas seinen Edeljoker Nils Peterson auf das Feld, der bereits in den letzten beiden Partien jeweils mit
seinem Tor zum Matchwinner der Spiele geworden war. Nur drei Minuten waren vergangen, da flankte Charalambidis hoch in den Strafraum, Peterson stieg
am höchsten und traf per Kopf zum 1:2. Großer Jubel auf den Rängen und nun dachte ein jeder, dass wenigsten ein Unentschieden am
heutigen Tag noch möglich sei. Aber es waren die Gäste, die näher am Torerfolg waren, denn Diabang stürmte in der 81.Minute allein
auf Torwart Kraus zu, wollte diesen umspielen und legte sich den Ball dabei zu weit vor, so dass ein Verteidiger gerade noch klären konnte. Die
Zeit lief den Platzherren davon und fast hätte Luz fünf Minuten vor Ultimo den Jenaern das endgültige K.O. versetzt, doch sein Ball
zischt um Haaresbreite am Pfosten vorbei. Die zwei Minuten Nachspiel liefen bereits, als Simak mit einem herrlichen Schuss das nun kaum noch geglaubte
Unentschieden erzielen wollte, aber der am heutigen Tage überragend haltende Torwart Neuhaus hatte etwas dagegen und konnte mit einer hervorragenden
Parade den Ball mit den Fingerspitzen noch über das Tor lenken. Wenig später pfiff Schieri Lupp die Partie ab und erneut eine Heimniederlage
stand zu Buche.
Kopfschütteln auf den Rängen. Da hatten die Kicker des FCC in den letzten Partien spielerisch völlig versagt und erkämpften sich
zwei Siege und ein Remis, und am heutigen Tage hatte man endlich mal wieder phasenweise richtig guten Fußball gespielt, war die gesamte
Partie überlegen und heraus gesprungen ist erneut eine ganz bittere Niederlage. Nun heißt es regenerieren und das letzte Spiel schnell
vergessen, damit im neuen Jahr die Aufholjagd fortgesetzt werden kann. <vg>
1. FC Kaiserslautern - FC Carl Zeiss Jena 2:3
Tore: 1:0 Jendrisek (19.), 2:0 Simpson (47.), 2:1 Torghelle (61.), 2:2 Omodiagbe (73.), 2:3 Petersen (80.)
- Kaiserslautern: Sippel; Bellinghausen, Schönheim (83. Opara), Beda, Müllerr; Denai, Broniszewski, Simpson, Reinert (67. Neubauer); Jendrisek, Runström (71. Ziemer)
- Jena: Kraus; Stegmayer, Omodiagbe, Maul, Oniani; Kandelaki (69. Petersen), Kühne (46. Müller), Ziegner (25. Simak), Charalambides; Werner, Torghelle
- Zuschauer: 24.517
- Schiedsrichter: Hartmann (Augsburg)
- Spielbericht:
- Fußball
ist ein seltsamer Sport. Da spielt der FC Carl Zeiss Jena über weite Strecken
der Hinrunde gerade auswärts tollen Fußball, ohne daraus auch Kapital in Form
von Punkten zu ziehen. Und dann liefert er drei wahrhaft schlechte Spiele in
Folge ab mit dem Resultat, daraus mehr Zähler zu holen als in den 13
vorangegangenen Begegnungen zusammen. Die Gemeinsamkeit der drei Spiele gegen
Osnabrück, Aue und nun Kaiserslautern bestand darin, dass sich all diese Gegner
nach Spielende vor Wut in den Allerwertesten beißen mussten darüber, einem
bereits klinisch toten FCC nicht mit etwas mehr Entschlossenheit den
endgültigen Knockout versetzt zu haben. Der Unterschied: Jenas erster
Auswärtssieg in Kaiserslautern war nicht ansatzweise verdient.
Valdas Ivanauskas behielt sein Bäumchen-wechsle-dich-Spiel in Sachen Aufstellung bei.
Der gegen Aue indisponierte Tapalovic stand nicht einmal im Kader und Helbig
fand sich neben dem angeschlagenen Simak auf der Bank wieder. Stattdessen
Oniani von Beginn an in der Viererkette, und vorn stürmten Torghelle und nach
seiner abgesessenen Gelbsperre auch wieder Tobias Werner Seite an Seite. Beide
waren es auch, die im Zusammenspiel die ersten Duftmarken setzten. Nach drei
Minuten nimmt Torghelle einen Zauberpass Werners auf, lässt sich aber von
Bellinghausen im Strafraum abdrängen und hofft zu Recht vergeblich auf einen
Elfmeterpfiff, eine Viertelstunde später segelt der Ungar nur haarscharf an
einer Werner-Freistoßhereingabe vorbei. Jena war das aktivere Team und die
Gastgeber schienen doch etwas überrascht davon, dass sich der Tabellenletzte
keineswegs nur hinten rein stellte, sondern das Spiel mehr und mehr an sich
riss. Riss ist das richtige Stichwort, denn das Bersten von Jenas Spielfaden
ließ sich selten so punktgenau datieren wie in diesem Spiel. 19. Minute, ein
schwacher Freistoß Torsten Ziegners gelangt zum Ausführenden zurück, dessen
kapitalen Stockfehler an der Mittellinie Josh Simpson – zuvor schon durch eine
nicht geahndete Tätlichkeit gegen Stegmayer auffällig – ausnutzt und gemeinsam
mit zwei Teamkameraden allein auf Daniel Kraus und Stegmayer zuläuft. Auch wenn
die Lauterer dies schlampig ausspielen, der Ball zappelt im Netz und Jenas Anhänger
erleben ihr ewiges Deja vu aus der Abteilung „Wie besorge ich es mir selbst“.
Was sich in den folgenden Minuten auf dem Rasen abspielte, lässt sich aus
Thüringer Sicht nur mit erbärmlich, hilflos, hoffnungslos umschreiben. Die
Zeiss-Elf geschockt, während die Betzebuben sich nun fast im Minutentakt Chance
um Chance erspielten. Oniani klärt gefährliche Freistoßflanke (21.), Kraus
pariert Jendrisek-Schuß (23.), Broniszewski knapp neben das Tor (24.),
Runströms Heber landet auf der Latte (25.), Maul klärt Jendrisek-Schuß für den
geschlagenen Kraus auf der Linie (30.), Kraus rettet todesmutig gegen den
heranstürmenden Runström (35.), Lautern drückte und Jena schwamm, frei von
jeglicher Ordnung, frei von jeglichem Selbstbewusstsein. Dass mitten in diese
Phase die Herausnahme des Kapitäns fiel, ist zwar eine bemerkenswerte
Personalie, Einfluß auf das Geschehen auf dem Platz hatte sie nicht, denn auch
Jan Simak fügte sich nahtlos in die desaströse Vorstellung der Jenaer Elf ein.
Und just als man sich noch sagte, dass der Spielstand zur herannahenden
Halbzeitpause noch das Beste der ersten 45 Minuten sei, hatte auch dieser
keinen Bestand mehr. Hauptprotagonist diesmal Daniel Kraus, der erst einen fast
gefangenen Eckball wieder prallen ließ und bei der anschließenden Flanke
danebengriff, so dass sich Josh Simpson mit dem 2:0 bedankte und für
Endzeitstimmung bei 2.000 Jenensern im Gästeblock sorgte.
Die löste sich auch nicht mit Wiederanpfiff, als die Hereinnahme Robert Müllers für
den noch zu den Besseren gehörenden Stefan Kühne wohl nur von den Wenigsten als
Startsignal zu Jenas Aufholjagd verstanden wurde. Und so setzte sich das
planlose Vorpausenspiel nahtlos fort, kapitale Abwehrschnitzer (Oniani, Maul)
ermöglichten Broniszewski und Jendrisek beste Einschußchancen zur
Resultatserhöhung, während der FC Carl Zeiss im Offensivspiel schlicht nicht
existent war. Ähnlich wie die Pfälzer also anfangs der ersten Halbzeit und so
wollte es das Schicksal, dass auch diesmal ein unfassbarer Bock des Gegners den
Weg zum Tor bereitet. Lauterns Innenverteidiger Mathieu Beda wird des nächtens
wohl von jener Szene in der 61. Spielminute träumen, als er plötzlich völlig
unmotiviert und in der irrigen Annahme, sein Torhüter käme ihm entgegen,
Torghelle das Leder herschenkt. Der Ungar schlägt die Einladung nicht aus,
schlenzt gekonnt über Keeper Sippel ins Netz und Jena ist zurück im Spiel, ohne
eigentlich zu wissen, warum. Vier Minuten später schien dann alles wieder in
gewohnte Bahnen zu laufen, als sich der von seinen Vorderleuten erneut im Stich
gelassene Kraus im Strafraum nur mit einem plumpen Foul an Sven Müller zu
helfen weiß, Elfmeter. Ob man auf diesen Elfer später als den Knackpunkt
unserer Saison zurückblicken wird? Kraus springt in die richtige Ecke, hält,
der Nachschuß landet am Pfosten, alles Glück dieser Welt scheint in diesem
Moment auf jenen wenigen Quadradmetern Rasen vereint zu sein. Und endlich
begreifen auch die Blau-gelb-weißen dies als Wachrüttler, zückt Ivanauskas mit
Nils Petersen seinen ultimativen Joker und nimmt dafür Ilja Kandelaki aus der
Begegnung, wobei der Gang des Georgiers vom Feld seine aufsehenerregendste
Szene nach 69 Minuten Alibifußball darstellte, sieht man einmal von einer Flut
an Fehlpässen ab. Werner rückte für Petersen nun ins linke Mittelfeld zurück
und prompt setzte man den Gastgebern zu, übte Druck aus, setzte Nadelstiche.
Und einer davon saß: Simaks Ecke wird zu kurz geklärt, Werners Knaller pariert
Sippel, aber gegen den erneuten Nachschuß Omodiagbes ist auch er machtlos. 2:2,
unfassbar. Unfassbar auch, dass Jena nun nachsetzte, Lautern spürbar wankte und
seinerseits völlig den Faden verlor. Werners Schußversuch konnten sie noch ins
Toraus abfälschen (76.), Simak verzog im Strafraum knapp (79.) und dennoch
hätte es im Gegenzug beinahe bei Daniel Kraus geklingelt, doch der
eingewechselte Ziemer agiert freistehend zu umständlich. Der erneute Gegenzug,
die Roten Teufel bekommen das Leder nicht aus der Gefahrenzone, Simak zu
Torghelle, Torghelle zu Simak, Simak mit einem Anflug von Genialität
millimetergenau auf Petersen und was ist das für ein Wahnsinnsjunge, den Ball
furztrocken volley ins entlegene Eck zu katapultieren? Das Spiel war gedreht
und Jenas Youngster hätte gar noch einen draufsetzen können, als er sich nach
86 Minuten in den Strafraum dribbelt, aber zu Torghelle zurücklegt, der aus fünf
Metern über den leeren Kasten zieht. Lautern riskierte nun alles, hohe
Verzweiflungsbälle in den Jenaer Strafraum wechselten sich mit
kreuzgefährlichen FCC-Kontern ab, mit denen ebenso fahrlässig umgegangen wurde,
wie der mehrfache Deutsche Meister das in Halbzeit eins vorgemacht hatte. Dass
sich dies nicht noch rächte, verdankte man Lauterns Jendrisek, dessen Kopfball
in der 92. Minute knapp das Ziel verfehlte.
Dann war Schluß, fassungsloser
Jubel im Gästeblock, binnen 30 verrückten Minuten war aus „Wir woll’n euch
kämpfen seh’n“ ein „Wir woll’n die Mannschaft seh’n“ geworden, aus „Wir ham’
die Schnauze voll“ ein „Oh wie ist das schön“. Und nachdem der Puls erst einmal
etwas herunter gefahren war, da war sie wieder, die Parallele zu den beiden
vorangegangenen Spielen, jene brennende Frage: Abgesehen von der Freude über
die in den Schlussminuten eingefahrenen Punkte, von der Hoffnung auf einen
psychologischen Schub für’s nächste Match: Was soll einem aus der gebotenen
Leistung heraus Hoffnung für den Klassenerhalt geben? Sicherlich nicht viel,
doch wenn dieser glückliche Auswärtssieg eines war, dann Balsam auf die Wunde
der so vielen unnötig verschenkten Punkte im Verlaufe der letzten vier Monate.
Fußballfans sind die größten Philosophen, und wer wollte meinem Bruder
widersprechen in seinem Fazit: „Wir ham’s zwar nicht verdient, aber das ham’wer
uns mal verdient“. Auf die Hoffnung! <gunner>
FC Carl Zeiss Jena - FC Erzgebirge Aue 2:1
Tore: 0:1 Emmerich (8./FE), 1:1 Petersen (74.), 2:1 Simak (89./FE)
- Jena: Kraus; Stegmayer, Omodiagbe, Oniani, Tapalovic (41. Maul);
Kandelaki, Kühne, Ziegner (57. Torghelle), Simak, Charalmabides;
Helbig (72. Petersen)
- Aue: Keller; Trehkopf, Kos, Loose, Sträßer; Liebers,
Emmerich (76. Kurth), Curri (80. Geißler), Feldhahn; Sykora, Klinka
(76. Kaufman)
- Zuschauer: 9587
- Schiedsrichter: Gagelmann (Bremen)
- Spielbericht:
- Die ersten Überraschungen gab es beim Blick in die
Aufstellung. Ziegner verblieb trotz Simaks Rückkehr in der Startelf. Maul ein
weiteres Mal draußen. Doch die meisten Fragezeichen ergaben sich mit Blick auf
den Einmannsturm. Angesichts der Tabellensituation in einem Heimspiel nur mit
Helbig zu beginnen und Jenas besten Schützen Torghelle draußen zu lassen,
weckte jede Menge Unverständnis. Sollte der Ungar für seine übermotivierte
Spielweise in Osnabrück nachträglich noch bestraft werden ? Ist Motivation in
unserer Situation nicht wertvoll genug, um zu versuchen, sie in geordnete
Bahnen zu lenken ?
Das Ostderby gegen Erzgebirge Aue war nüchtern betrachtet
schon fast die letzte Gelegenheit, sich die Hoffnungen auf den Klassenerhalt
bewahren zu können. Deshalb wirkte der erneute frühzeitige Rückstand wie ein
Schlag in die Magengrube. Tapalovics Foul im Strafraum war nichts Grobes. Eines
von der Sorte, wo im Mittelfeld kurz Freistoß gepfiffen wird und das Spiel
gleich weiterläuft. Aber es passierte nun mal nicht im Mittelfeld, sondern im
eigenen Sechzehner und somit geht der Elfmeterpfiff in Ordnung. Emmerich
verwandelte sicher. In den diesjährigen Meisterschaftsspielen war es Jena noch
nicht gelungen, ein 0:1 in einen Sieg umzuwandeln. Und so ängstlich, wie es in
der Folgezeit zu Werke ging, schien daraus auch diesmal nichts zu werden.
Symptomatisch für die allgemeine Verunsicherung war die Szene, in der Oniani
unbedrängt den Ball am eigenen Keeper vorbei ins Toraus schob. Am meisten in
Erscheinung trat anfangs das promblemlos amtierende Schiedsrichter-Gespann, das in regelmäßigen
Abständen von acht Minuten seinen Auftritt hatte: Strafstoßpfiff in der 8.
Minute, Gelbe Garte für Stegmayer in der 16., Abseitsfahne beim Kopfballtor
Sykoras in der 24. Erst in Minute 25 ergab sich mal eine Tormöglichkeit für die
Thüringer, welche Ilia Kandelaki jedoch kläglich vergab: Drei Meter vor dem Tor
stehend köpfte er einen Flankenball um zehn Meter am Kasten vorbei ! Schlimmer
noch: Es sollte die einzige echte Chance in Halbzeit eins bleiben für den FC
Carl Zeiss, auch weil sich Alleinunterhalter Helbig zumeist von mehreren
Gegenspielern umringt sah und wie befürchtet damit auf verlorenem Posten
stand. Während Charalambides auf seiner lila-verwaisten Seite ein ums andere
Mal vergeblich auf sich aufmerksam zu machen versuchte, sorgte ein simpler
Fehler Kandelakis in der Ballannahme auf der anderen Seite für erste
Unmutsäußerungen von den Rängen. Fünf Minuten vor der Pause unterlief
Elfmetersünder Tapalovic ein Ballverlust, den Sykora nicht zu nutzen wusste,
jedoch Valdas Ivanauskas auf die Palme brachte. Noch vor dem Seitenwechsel nahm
er Tapalovic vom Feld, um dafür Alexander Maul ins Abwehrzentrum zu beordern.
Dieser berichtete hinterher, dass die Spieler in der Kabine
einiges zu hören bekommen und sich danach gesagt hätten: „Das Match drehen wir
heute“. Ganz ehrlich, lieber Alexander, lange Zeit sah euer Spiel in der
zweiten Hälfte kein bisschen besser aus als in der Ersten. So war in Minute 67
nicht nur aus dem Ball die Luft heraus, sondern anscheinend auch aus dem Spiel.
Das Schlimme an der Situation war, dass die auswärtsschwachen Auer keinen Deut
stärker spielten, aber scheinbar sicher in Führung lagen. Weil in diesem Spiel eben
einfach nichts passierte. Doch siehe da, mit neuem Spielgerät und zwei frischen
Stürmern kam die Wende. Nils Petersen war gerade zwei Minuten im Spiel, als er
eine Rechtsflanke von Charalambides erwischte und zum Ausgleich in die Maschen köpfte. „Ich habe
den Ball fliegen sehen und gedacht, da musst du hin“, schilderte der Youngster
das 1:1 aus seiner Sicht. Nun ging noch mal ein Ruck durch die Mannschaft, das
Spiel wurde schneller, doch auch die Zeit rannte davon. Kühnes Schuss landete
in Kellers Armen (81.). Doch mit dem Schuss von Maul hatte der
Auer Torwart größere Problem, musste das Leder prallen lassen. Torghelle wollte
abstauben und wurde durch Kos gefoult – Elfmeter ! In der vorletzten Spielminute ! Jan
Simak hielt dem immensen Druck stand, indem er scharf oben links verwandelte.
Petersen hatte den Ausgleich erzielt, Maul den vorentscheidenden Schuss abgegeben,
Torghelle den Elfmeter herausgeholt - mit seinen Einwechslungen lag Ivanauskas
immerhin wieder richtig. Der einzig wahre Held hieß dabei natürlich
Nils Petersen !
Eben noch auf dem Abstellgleis und nun das. Nach langer Pause wieder in die
Erste berufen, auf Anhieb einen Treffer erzielt,
zum Tor der Woche nominiert und in die U20-Nationalmannschaft berufen. Mehr
geht nicht in sieben Tagen. Ein Zeiss-Talent startet durch. Es wäre so wichtig,
würden sich seine Mannschaftskameraden davon anstecken lassen.
Denn eines muss klar sein: „Beide Halbzeiten zusammen
betrachtet war das nicht ausreichend für die zweite Liga“. Dieses Urteil hat
der Auer Spieler Marco Kurth über die Leistung seines Teams gefällt. Es gilt
wortwörtlich aber auch für die 90 Minuten des siegreichen FCC. <fc>
Bilder auf fcc.weissenburger.de
Spielbericht auf fc-erzgebirge.de
VfL Osnabrück - FC Carl Zeiss Jena 1:1
Tore: 1:0 Cichon (20., FE), 1:1 Werner (90.+2)
- Osnabrück: Gößling; Schäfer, Ndjeng,
Cichon, Thomik; Aziz (68. Nouri), Grieneisen (85. Manno), Heidrich, Schuon;
Hennings (89. Ehlers), Reichenberger
- Jena: Kraus; Stegmayer, Omodiagbe, Oniani, Günther
(

, 19.);
Kandelaki (85. Helbig), Kühne, Ziegner, Holzner (46. Charalambides);
Werner, Torghelle (37. Tapalovic)
- Zuschauer: 12.000
- Schiedsrichter: Kinhöfer (Herne)
- Spielbericht:
- (von Gastkommentator Thomas Neumann)
Das Osnabrücker Stadion an
der Bremer Brücke war Spielstätte des siebenten Auswärtsauftritts des FCC in
der Saison 2007/2008 und ich war wohl nicht der einzige Besucher, der die Parallelen
zum Spiel vor zwei Jahren sah. Nach einer Heimniederlage und eigentlich doch
recht ansprechenden Auswärtsauftritten in der Saison durfte man eigentlich
hoffen in Osnabrück zu punkten. Ähnlich
wie vor zwei Jahren, als der etatmäßige Spielmacher in der Regionalliga,
Torsten Ziegner, in Osnabrück fehlte, fiel diesmal Jan Simak aufgrund der 5. Gelben
Karte aus. Und das genau jener Torsten Ziegner nun diesmal den fehlenden Jan
Simak vertreten sollte, gab dem ganzen so eine besondere Note.
Aber um auch das nicht zu
vergessen, es gab auch einen Riesenunterschied zum Vergleich vor zwei Jahren:
Der FCC reiste dazumal als Tabellensiebenter zum VfL nach Osnabrück. Diesmal
kamen wir als Tabellenletzter nach Westniedersachsen und dementsprechend
pendelten die Ergebnistipps der Heimfans auf dem Weg vom Parkplatz zum Stadion
so zwischen einem 3:0 und einem 5:0 für ihre in der letzten Zeit extrem
heimstarken Lila-Weißen.
Die Mannschaft des FCC hatte
sich vor dem Spiel in einem viertägigen Trainingslager in Bad Blankenburg noch
einmal auf dieses Spiel eingeschworen und Jenas Cheftrainer Valdas Ivanauskas
wartete mit einigen Veränderungen in der Mannschaftsaufstellung auf. Neben
Torsten Ziegner in der Startformation, kamen auch Felix Holzner im rechten
Mittelfeld und Ilia Kandelaki im linken Mittelfeld zum Einsatz. Außerdem
spielten Omodiagbe und Oniani in der Innenverteidigung, Sven Günther mal wieder
hinten rechts und Michael Stegmayer hinten links, sowie Stefan Kühne als
Staubsauger vor der Abwehr. Und nachdem mit Sandor Torghelle und Tobias Werner
auch vorne mal wieder mit zwei Spitzen angefangen wurde, kann man Jenas Trainer
Valdas Ivanauskas wohl eher nicht vorwerfen, nicht mal etwas Neues
auszuprobieren.
Das Spiel begann für die
Jenaer eigentlich ganz ansprechend. Die Mannschaft kann das Spiel auch in des
Gegners Hälfte verlagern und von einer Anfangsoffensive der Heimmannschaft ist
wenig zu sehen. Felix Holzner zielt bei einer Schusschance in der 3. Minute aus
ca. 20 Metern nur knapp über das Tor. Nach und nach gewinnen die Osnabrücker
aber die Oberhand und als der FCC nach einer guten Viertelstunde einen Einwurf
in der eigenen Hälfte auf Links zugesprochen bekommt, nimmt das Unglück an Fehlern
mal wieder seinen Lauf. Man wirft den Ball nicht zurück zum eigenen Torwart,
wenn die gegnerische Mannschaft so aufgerückt ist. Man fängt als Torwart nicht
an, im eigenen Strafraum den Gegner auszuspielen. Und man reißt den Gegner im
Strafraum auch nicht um (wobei ich zugebe die Szene nicht genau gesehen zu
haben). Das Ergebnis dieser Fehler: Strafstoss für Osnabrück und eine rote
Karte für Sven Günther! Den Elfmeter verwandelt Thomas Cichon (20.) souverän
ins linke Eck und im mit ca. 400 bis 500 FCC – Fans gefüllten Gästeblock
beginnt sich sofort Defätismus breit zu machen.
Was sich in den nächsten 40
Minuten auf dem Platz abspielt, ist im Grunde genommen nebensächlich, weil
unerheblich. Die Osnabrücker können ihre Vorteile nicht wirklich nutzen und
beweisen auch nicht wirklich warum sie so viel mehr Punkte auf dem Konto haben
als der FCC. Der FCC vertut sich in Harmlosigkeiten und schwächt sich am Ende
selbst, als Oniani in einem Luftzweikampf Holzner (41.) ausschaltet.
Erst am Ende kommt der
Tabellenletzte wieder zu ansprechenden Szenen, die jedoch harmlos vergeben
werden.
Tja, und wenn es denn noch
mal eines Vergleiches mit jenem Treffen vor zwei Jahren bedarf, dann war es
eben jenes Ausgleichstor in der 90+x Minute durch einen Kopfball von Tobias
Werner. Danach war dann auch aber auch zum Glück schnell Schluss.
Ich spare mir lieber jede
Prognose zu Chancen und Möglichkeiten zum Klassenerhalt. Möglich ist vieles,
machbar auch. Die recht verhaltenen Gesten der Mannschaft nach dem Schlusspfiff
am Zaun vor dem Gästeblock sprechen aber Bände. Realistisch betrachtet haben
wir aber nur wieder einen Spieltag gegen einen Konkurrenten vergeben.
FC Carl Zeiss Jena - TSG 1899 Hoffenheim 0:1
Tore: 0:1 Obasi (72.)
- Jena: Kraus; Stegmayer, Omodiagbe, Maul, Oniani; Hansen (46.
Zimmermann), Müller, Simak, Charalambides (74. Helbig); Torghelle,
Werner
- Hoffenheim: D. Haas; Gustavo, Löw, Nilsson, Seitz; Eduardo
(68. Ibisevic), Vorsah, Copado, Salihovic (85. S. Haas); Paljic (62. Ba),
Obasi
- Zuschauer: 6895
- Schiedsrichter: Fischer (Hemer)
- Spielbericht:
- Vor Wochen sorgte der Streit zwischen Mainz 05 und
Hoffenheim 1899 für Diskussionen. „Bayern München erwirtschaftet sein Geld. In
Hoffenheim ist es nur ein Sponsor. Schade, dass so eine Mannschaft einen der 36
Plätze im Profifußball wegnimmt“, hatte sich der Mainzer Manager Christian
Heidel negativ über die Hoffenheimer geäußert. Dass diese verärgert darauf
reagierten, ist nachvollziehbar. Den Beweis, dass in diesem Verein mehr
Substanz steckt als ein starker Sponsor, der sich fähige Spieler an Land zieht,
bleibt die TSG aber bis zum heutigen Tag schuldig. Wenn beispielsweise von
Herrn Hopp die Auswärtsbusfahrt komplett bezahlt wird und sich dennoch gerade
mal 54 Fans auf den Weg machen, eine zuletzt sehr erfolgreiche Mannschaft
auswärts zu unterstützen, wird das keinen höheren Ansprüchen gerecht.
Die Schützlinge von Ralf Rangnick begannen offensiv, mit
gutem Passspiel. Dreimal musste Daniel Kraus bereits in den ersten zwanzig
Minuten zeigen, dass die Zeit der „Flattermänner“ im Jenaer Gehäuse ein Ende hat.
Den Schuss von Paljic lenkte Kraus zur Ecke. Auf den tückischen Ball im
Anschluss an einen Freistoß hechtete er sich kurz vor der Torlinie. Und beim
direkten Freistoß von Salihovic ging er auf Nummer sicher, versuchte das nasse
Leder gar nicht erst zu fangen, sondern faustete es konsequent weg. Das Glück
des Tüchtigen kam Jenas Keeper in Minute 29 zu Hilfe, als im Anschluss an eine
gelungene Dreierkombination Salihovic nur die Lattenoberkante traf.
Kraus war
von Beginn an voll da, was von seinen Vorderleuten leider nicht behauptet
werden kann. Im Vergleich zu der couragierten ersten Hälfte in Mönchengladbach
waren sie kaum wieder zu erkennen, reagierten nur statt zu agieren. Ihr Trainer
hatte vor einer offensive Gästeelf gewarnt, den Überraschungseffekt kann also
niemand geltend machen. Fast sechzig Prozent verlorene Zweikämpfe in der ersten
halben Stunde sind ein unerklärlicher, so bislang nicht gekannter Beleg von
Schwäche, der sich naturgemäß aufs Spielgeschehen auswirkte. Keine Torszene aus
dem Spiel heraus war in Halbzeit eins zu verzeichnen und es dauerte bis zur 34.
Minute, bis Jena wenigstens mal aus einer Standartsituation heraus etwas zuwege
brachte. Simaks Freistoß musste Haas prallen lassen, beim anschließenden Kopfball
von Alexander Maul brandete schon Torjubel auf, doch der Torwart vermochte ihn
noch zur Ecke zu lenken. Klar wäre eine Führung zu diesem
Zeitpunkt ganz und gar unverdient gewesen – doch darum hat sich so mancher Gast
im Ernst-Abbe-Sportfeld bislang schließlich auch nicht geschert. Ein Solo noch
von Jan Simak, der zuvor für ein „Warum hast du das gepfiffen?“ seine 5. Gelbe
Karte gesehen hatte – dann war wieder
Hoffenheim am Drücker. Copado scheiterte zweimal innerhalb einer Minute an Kraus
(41.). Der Flachschuss von Obaris sauste am langen Pfosten vorbei (42.). Ecken,
Zweikämpfe, Chancenverhältnis, scheinbar auch in der Gunst des Schiris –
überall lagen die Gäste zur Pause vorn. Nur in Tore hatten sie diese
Überlegenheit nicht umgesetzt.
Mit Wiederanpfiff kam Zimmermann für Hansen, der sich nach
unserer Beobachtung bei einem Absatzkick ohne gegnerische Einwirkung verletzt
hatte. Am Spielverlauf änderte sich zunächst mal nichts. Bis zur 55. Minute. Da tauchte
nach Vorarbeit von Werner und Maul plötzlich Sandor Torghelle am
Gäste-Strafraum auf, seinen scharfen und eigentlich gut platzierten Schuss
erwischte Haas aber reaktionsschnell mit der Hand. Diese Aktion wirkte wie eine
Initialzündung. Jetzt endlich wurde die berühmte letzte
Konsequenz in den Jenaer Handlungen
deutlich. Die nächsten Hochkaräter ließ nicht lange auf sich warten. Werners
Schrägschuss fing Haas. Dann, nur zwei Minuten nach seiner ersten vergebenen
Möglichkeit erwischte Torghelle im Mittelfeld einen Abschlag des Torhüters, sprintete
mit Ball am Fuß auf den Keeper zu und – scheiterte erneut. Kein Vorwurf beim
ersten Ding, aber DEN hätte er machen müssen ! Der Ungar, mit seinem
Pokaltreffer gerade erst in der Wahl zum Torschützen des Monats gewesen, sollte
sogar noch eine dritte Chance bekommen. Doch sprang er um einige Zentimeter an
Werners Freistoßball vorbei. Immerhin hatten die Jenaer nun Zugang zu diesem
Spiel gefunden und deshalb ist es besonders bitter, im Anschluss an die
stärkste Phase den k.o.-Schlag einstecken zu müssen. Jan Simak, an diesem Tag
ohnehin mit größerer Fehlerrate als sonst, unterlief der spielentscheidende
Ballverlust im Mittelfeld. Über Vorsah und Salihovic kam Chinedu Ogbuke Obasi
in Ballbesitz und ließ Daniel Kraus keine Chance. 0:1. Was danach kam, kannten
wir schon aus anderen Spielen in dieser Saison. Jena gab kämpferisch alles,
konnte mit der Brechstange aber nichts mehr bewegen. Und da der Schiri bei zwei
strittigen Strafraumentscheidungen weiterspielen ließ, brachte Hoffenheim das
Ergebnis ziemlich ungefährdet über die Zeit.
Es ist ja nicht so, dass der FC Carl Zeiss irre weit weg
wäre von der Musik. Sieben der neun Niederlagen fielen mit einem Tor Differenz
aus ! Doch gerade das macht diese Saison so frustrierend. Daran hat sich auch
am 11.11. nichts verändert. <fc>
Borussia Mönchengladbach - FC Carl Zeiss Jena 2:1
Tore: 1:0 Neuville (9.), 1:1 Torghelle (34.), 2:1 Neuville (80.)
- M'Gladbach: Heimeroth; Voigt (74. van den Bergh), Brouwers, Daems, Levels; Marin,
Paauwe, Rösler (74. Coulibaly), Ndjeng; Friend, Neuville (85. Svärd)
- Jena: Kraus; Stegmayer, Omodiagbe, Maul, Oniani (72. Tapalovic);
Hansen (82. Helbig), Müller, Simak, Charalambides; Werner, Torghelle
- Zuschauer: 28.759
- Schiedsrichter: Schmidt (Stuttgart)
- Spielbericht:
- Den Frust im Bier ersaufen oder einfach nur ertragen? Ich
weiß es ehrlich gesagt nicht. Nicht mehr. Klar, solche Abende gibt es. Da
rennen sich die Jungs anderthalb Stunden die Seele aus dem Leib und am Ende
bleibt nix außer Enttäuschung. Aber so ist Fußball halt. Dafür kommen andere
Spiele, nach denen man sich besorgt fragt, ob die drei Punkte mit dem einen
gegebenen Gerechtigkeitsempfinden überhaupt vereinbar sind. Nur, wo bleiben die
in dieser Saison? Wann löst sich diese Gleichung endlich auf? Nach Gestern muß
man sich fragen, ob sie das überhaupt noch tut. Acht Punkte Rückstand auf einen
Nichtabstiegsplatz sind schon ganz schön fett. Also doch ins Bier stürzen?
Jein! Es sieht schon ganz schön übel aus, ohne Frage. Und als Gladbach nach nur
neun Minuten die Führung erzielte, war auch wieder klar warum. Ein schlichter
Paß von Marin durch die Viererkette und schon war es
soweit. Das es auch schon Zeiten gab, in denen sich Neuville bei einem solchen
Ding den Fuß gebrochen hätte, ist halt Schicksal. Wenn du eben ohne Licht im
düsteren Tabellenkeller hockst, dann nimmt er ihn halt wunderschön an und
donnert ihn dir aus der Drehung in die kurze Ecke. Unhaltbar. Man hätte es in
den nächsten 70 Minuten glatt vergessen
können, hätte sich nicht das gleiche in der 80. Spielminute so ähnlich
wiederholt. Der einzige Fehler Omodiagbes im ganzen
Spiel, verwandelte den ganzen mühsam gehegten Optimisumus
in ein Häufchen Elend. Wieder war es Neuville, der nach der mißglückten
Kopfballabwehr des Nigerianers mit seiner Direktabnahme die endgültige
Entscheidung erzwang. Man konnte nahezu jeden einzelnen Fehler der Jenaer
Hintermannschaft auf der Anzeigetafel ablesen. Wirklich zum Brechen. Soviel zur
Hoffnungslosigkeit der Situation. Was sich zwischen den beiden geschilderten Szenen
abspielte läßt aber – wenn schon nix Zählbares dabei rausspringt – trotzdem
auch viel Raum für Zuversicht. Und zwar deshalb, weil wieder eine Mannschaft
mit Wir-Gefühl auf dem Platz stand in der einer für den anderen die Kastanien
aus dem Feuer zu holen bereit ist. In der Torghelle
das Laufen für sich entdeckt hat (ich hätte es noch vor Wochen nicht für
möglich gehalten) und das Tor trifft. In der Simak
langsam das Bewußtsein für das aufbaut, was wirklich in ihm steckt und die
Fäden in die Hand nimmt. Und in der das (manchmal) mangelnde spielerische
potential durch Kampf und Einsatzwillen aufgewogen wird.
Das sah gut aus! Vor allem in der ersten Halbzeit, als die
Gladbacher den Selbstfindungsbemühungen von Simak kaum
ein Mittel entgegenzusetzen hatten. Erst sein Knaller aus ca. 20 m, den
Heimeroth im Gladbacher Tor nur mit Mühe abwehren kann
(16.), dann der etwas zu hoch angesetzte Schuß vom linken Strafraumeck nach
einer schönen Einzelleistung (23.). Und dann schließlich seine Vorarbeit für
Stegmayers Flanke direkt auf Torghelle.
Ein langgezogener Brüller begleitet den wunderschönen
Kopfball des Ungarn zum Ausgleich in lange Eck (34.). Wunderschön!!! Und das
auch noch völlig verdient, denn hier spielte phasenweise nur noch Jena. Kommt
Jungs, nachsetzen. Kurz vor der Pause hält Werner noch mal drauf. Aber der hat
einfach kein Glück, bekommt nicht mal eine Ecke für den abgefälschten Schuß…
Nach der Halbzeit schwinden sichtbar schnell die Kräfte. Das
merkt man vor allem an den kleinen Fehlern, die sich allenthalben so einschleichen.
Simaks Pässe kommen nicht mehr so oft an und wenn,
dann deutlich unpräziser. Auch diese kleinen Schlampigkeiten machen das
Fußballerleben immer schwerer. Auf der linken Abwehrseite werden sich
Charalambidis und Müller (?) nicht einig. Nimm du ihn, ich
hab ihn sicher, fällt mir dazu nur ein. Glück, daß Neuville die anschließende Flanke
von Ndjeng aus drei Metern über das Gehäuse wuchtet. Na
also, es geht doch (58.)! Und dann noch das Ding von Daniel Kraus als er einen
seltsam geschlagenen Aufsetzer nur mit Mühe und unter Einsatz diverser
Körperteile am Überqueren der Linie hindern kann (59.). Sah komisch aus, war
aber auch schwer! Hauptsache nicht drin.
Jena steht in dieser Phase ganz schön unter Druck, aber das
sieht trotzdem alles ganz passabel aus. Kaum richtige Chancen für Gladbach. Ein
Freistoß von Simak sorgt sogar noch mal für etwas
Entlastung. Aber mit letztem Einsatz kann Heimeroth
den Ball noch über die Latte lenken (55.). Scheiße. Schönes Ding. Und dann –
gerade als man als Jenaer Anhänger mit einem Pünktchen zu liebäugeln beginnt –
Neuvilles zweiter Treffer. Aus der Kalten. Und das nach so
einer starken Leistung.
Ein Tal tiefer Depression tut sich kurzzeitig vor mir
auf. So lande ich nach dem Abpfiff auch unweigerlich bei der Frage nach einem
den Umständen gerecht werdenden Bierkonsum. Die Antwort will sich mir nicht so
recht erschließen, schwankt mit dem jeweiligen Gemütszustand zwischen fast
schwarz und sehr dunklem Hell. Am Ende entschließe ich mich, die ganze Sache
auszusitzen. Bis Sonntag jedenfalls. Wer hat schon mit einem Punkt oder gar
Sieg gegen Gladbach gerechnet? Kaum jemand. Es ist also alles noch wie vorher.
Für den Fall, daß es gegen Hoffenheim wieder nicht
klappt mit dem Dreier, sollte man aber sicherheitshalber schon mal eine
Palette Öttinger kaltstellen. <bpf>
FC Carl Zeiss Jena - SC Freiburg 1:2
Tore: 0:1 Pitroipa (35.), 0:2 Kmas (83.), 1:2 Werner (90.)
- Jena: Kraus; Stegmayer, Omodiagbe, Maul, Günther (46.
Tapalovic); Hansen (77. Torghelle), Zimmermann (70. Ziegner), Simak,
Kühne; Werner, Helbig
- Freiburg: Walke; Ibertsberger, Butscher, Krmas, Schwaab; Aogo,
Uzoma, Pitroipa (75. Schlitte), Banovic; Bencik (56. Cafu), Matmour (79.
Mesic)
- Zuschauer: 7026
- Schiedsrichter: Walz (Pfedelbach)
- Spielbericht:
- In der 25. Spielminute, als Hansens Kopfball knapp das Tor
verfehlte, beneidete ich etwas den Verfasser des heutigen Spielberichts, weil
er bis dahin etliches Notierenswertes und eine starke Jenaer Anfangsphase geboten
bekam. Sekundenbruchteile später wandelte sich mein Neid in Entsetzen, denn mir
fiel schlagartig ein, dass ich vom Chefredakteur zum Schreiben vergattert
worden war…
Dabei sah man vorm Anpfiff überall skeptische Gesichter,
gegen unseren Lieblingsgegner der letzten Saison rechnete sich eigentlich
niemand etwas aus. Die erste Aktion schien allen recht zu geben, denn nach der
ersten Gästeecke musste Kraus einen scharfen Kopfball parieren. Faktisch im
Gegenzug parierte Walke einen Schuss Hansens aus nächster Nähe. Kurz danach
rettete Walke gegen Helbig. Das Gesamtbild sah gar nicht so übel aus (daran
änderte auch die nervige und überflüssige Information auf der Anzeigetafel vom
Eckenverhältnis von 5:0 für den SC nichts), der FCC war die überlegene, aggressivere
Mannschaft, die den Freiburgern immer wieder
feine Nadelstiche verpasste. In der 12. min wusste sich ein von Simaks Antritt
überforderter Verteidiger gar nicht mehr anders zu helfen, als sich ans Jenaer
Trikot mit der Nr. 19 zu klammern und dieses samt Simak auf den Rasen zu
befördern. Ich weiß nicht, ob Schiedsrichter Walz vom Rugby kommt, aber anders
kann man sich nicht erklären, warum er bei diesem klaren Foul nicht auf
Strafstoß entschied. Walz’ Gepfeife in der ersten Halbzeit war sowieso unterirdisch,
prinzipiell wurde nach Freiburger Ballverlust im Zweikampf auf Freistoß für die
Gäste entschieden und seine putzigen Eckenballentscheidungen für den SC
inspirierten die Haupttribüne zu lautstarkem ironischem „Ecke, Ecke“ bei jedem
Ausball. Bis zu jener oben erwähnten 25. min war der FCC im Vorwärtsgang, aber
erfolglos. Und so kam alles wie immer, nach der 34. die 35. Minute und in jener
der obligatorische Abwehrpatzer, als plötzlich drei „Blaue“ (die Gäste liefen
in einer ungewohnten Farbe auf) durch Jenas Abwehrmitte rauschten, Kraus
erwischte den Ball nicht, ein Freiburger spielt auf den nächsten, der im
Abseits stehend die Kugel ins Tor schob. Ein weiterer Höhepunkt jener
grässlichen Schiedsrichterleistung, dass der Treffer trotzdem anerkannt wurde.
Und so hatte nicht nur ich zur Halbzeitpause die Nase
gestrichen voll: Der FCC machte dass Spiel, der Gegner das Tor und der
Schiedsrichter leistete mit zwei extremen Fehlentscheidungen seinen Beitrag.
Zum Speien!!!
Nach der Pause war Freiburgs Taktik klar: Am eigenen
Strafraum aufstellen und in Ruhe die Führung nach Hause schaukeln, eventuell
mal kontern. Der FCC schaffte es aber trotz der badischen Zurückhaltung richtig
energisch Druck aufzubauen. Man spielte zu durchsichtig, machte zu viele
einfache Fehler im Aufbau und den Freiburgern die Abwehrarbeit ziemlich leicht.
Unerträglich, aber nicht neu, waren zudem die Schauspieleinlagen von
Pitroipa & Co., die nach kleinsten Berührungen oder
auch völlig ohne Anlass regelmäßig den „sterbenden Schwan“ abspulten, wie in
den letzten Zügen liegend. Nachdem sie fürs anscheinend letzte Schnauferchen
ins Seitenaus verbracht wurden, gab es ebenso regelmäßig die blitzschnelle
Wiederauferstehung inklusive Genesung. Und es ist sicher keine schlechte
Bilanz, durch solche „Verletzungen“ mehrfach längere Unterbrechungen zu
provozieren, die am Ende mit nur zwei Nachspielminuten belohnt wurden.
Jedenfalls fiel dem FCC nicht ein, wie die Gästeabwehr zu knacken wäre. Zu
vermelden war lediglich ein 20-m-Schuss Werners, der das Tor verfehlte –
typisch, dass in dieser Situation Stegmayer links völlig freigelaufen war, aber
vergeblich aufs Anspiel wartete. Eine knappe Viertelstunde vor Schluss sorgte
die Einwechslung des Ex-Jenaer Schlittes für ein
Anheizen der Stimmung im Publikum und fortan begleitete ein gigantisches
Pfeifkonzert jeden seiner Ballkontakte, das Eintauschen der angeblichen
Herzenssache FCC gegen Freiburger Geld war nicht vergessen worden. Freiburg
schaffte in der 82. min die befürchtete Vorentscheidung, allerdings nicht nach
einem Konter, sondern nach einem Freistoß von links außen. Omodiagbe ließ
Krmas kurzen Pfosten zu viel Raum und der drückte den Ball
ins Netz. Die erloschene Hoffnung glomm nochmals kurz auf, als Werner nach
Ziegners Flanke den Anschluss per Kopf erzielte. Aber
selbst Kraus’ Eingreifen ins Angriffsspiel brachte nichts Zählbares mehr, so
dass der FCC zum wiederholten Male in dieser Saison nach einem Heimspiel mit
leeren Händen dastand.
Nach dem guten Anfang fehlte heute in der Phase, in der der
FCC das Spiel hätte noch kippen können, jener letzte Kick, jener letzte Wille
zum bedingungslosen Fighten. Und wenn wir nicht schon im Dezember mit den
Planungen für die dritte Liga 2008/09 beginnen wollen, müssen nach den vielen
vergebenen möglichen Punkten in den nächsten Wochen endlich mal ein paar
unmögliche Punkte her. <uk>
SC Paderborn - FC Carl Zeiss Jena 2:2
Tore: 0:1 Torghelle (8.), 1:1 Koen (12.), 1:2 Werner (14.), 2:2 Sinkala (33.)
- Paderborn: Bade; Fall, Döring, Kläsener, de Graef, Gouiffe à Goufan, Sinkala (68. Männer),
Koen (68. Halfar), Krupnikovic, Löbe, Schüßler (56. Siradze)
- Jena: Kraus; Günther (66. Tapalovic), A. Maul, Omodiagbe, Stegmayer, Kühne, Charalambidis,
Werner, Simak (86. Ziegner), Torghelle (75. Hansen), Helbig
- Zuschauer: 6.079
- Schiedsrichter: Dr. Brych (München)
- Spielbericht:
- Nach der Spielpause war man allseits besonders gespannt, ob der FCC endlich den Bogen in die Erfolgsspur
findet, zumal es gegen einen Mitabstiegskonkurrenten ging. Die "Baustelle" Tor war mit dem dritten Keeper
Daniel Kraus besetzt worden. Neu war auch die Zusammensetzung des Angriffsduos, diesmal stand Helbig neben
Torghelle. Dafür rückte Tobias Werner auf die linke Außenbahn des Mittelfelds.
Und der FCC begann wirklich mit viel Elan, bereits in der 1. Spielminute verfehlte Charalambides
das 07er Tor nur knapp. Der Sekundenzeiger hatte gerade einmal zwei weitere Runden gedreht, da schoss
Helbig aus 25 m Entfernung knapp über die Torlatte. Im Gegenzug durfte Kraus Löbes Schuss aus
nächster Nähe abwehren. Dann war wieder der FCC im Vorwärtsgang: Einwurf Günthers
auf Charalambides, der legt zurück und in der Mitte köpfte Torghelle Günthers Bilderbuchflanke
zum 1:0 ein! Leider verschenkte man den Vorteil bald wieder, als Günther und Charalambides interessiert
einem Ball nachschauten, der sich zwischen ihnen zu Koen - dem stärksten Paderborner in der ersten
Halbzeit - durchdrängelte und der ließ sich die Chance nicht entgehen und knallte den Ball
ins lange Eck - 1:1. Die rund 500 mitgereisten Fans hatten aber keine Zeit, über diesen Rückschlag
richtig zu jammern. In der 14. Minute gab es auf der rechten Seite Freistoß für den FCC. Simak
und Werner standen bereit, letzterer trat die Spielkugel mit links hoch in den Strafraum, Maul ging zum
Ball, stieg jedoch drüber und so landete dieser im langen Eck - 2:1, der FCC hatte nach dem Ausgleich
sofort wieder zurückgeschlagen! Also alles bestens? Denkste, umgehend grub man sich in der eigenen
Hälfte ein und ließ die Gastgeber ihr Spiel aufziehen. Die optische Überlegenheit
Paderborns brachte jedoch nichts Zählbares, da entweder der finale Pass in der weißen Abwehr
steckenblieb oder man bei den Fernschüssen aufs Dach der Endtribüne zielte. Herzinfarktfördernd
war die 28. min, als eine lange Flanke am auf Sinkalas Kopf landete, dem Ball jedoch sprichwörtlich die
Luft ausging und er auf dem Strich zwischen Gut und Böse von Kraus festgehalten werden konnte. Fünf
Minuten später war es jedoch soweit, als es pingpongartig zwischen Jenaer Abwehr und Paderborner
Angreifern hin und her ging und Sinkala dem Treiben mit einem satten Schuss ins untere Toreck ein Ende
bereitete - wieder Ausgleich! Zum Heulen!!! Und wie jetzt weiter? Jedenfalls vergaßen die Abwehrrecken
des FCC bei einem Freistoß kurz nach dem Ausgleich, dass Schüßler ein blau-schwarzes Trikot
trug und so marschierte er mutterseelenallein zur Grundlinie, jagte seine Flanke zum Glück weit
Richtung Seitenlinie. Unmittelbar köpfte Maul zum Gegner und wieder war es Schüßler, der
auf der linken Seite davon profitierte, aber auch diesmal keinen Mitspieler fand. Die letzten Minuten vor
der Pause riss sich der FCC aber noch einmal zusammen und machte seinerseits Druck. Wer weiß, wie
die Partie ausgegangen wäre, hätte Jena auch nur eine der drei folgenden Konterchancen in den
Spielminuten 39 bis 44 genutzt hätte. Zunächst sahen sich drei Weiße kurz nach der
Mittellinie nur einem Abwehrspieler gegenüber, Werners Pass landete leider genau in dessen Füßen
anstatt bei den beiden mitlaufenden Teamkollegen. Dann sprintete wiederum Werner los, schoss aber von
links am Tor vorbei und ließ Helbig und Torghelle vergeblich in der Mitte warten. Und letztendlich
rannte sich Helbig bei seinem halbherzigen Dribbelversuch fest, nachdem er von Simak wunderbar
freigespielt worden war.
Zwischendurch erwischte ein abgefälschter Schuss Werners Alexander Bade beinahe auf dem falschen
Fuß, er schaffte es jedoch noch, gleichzeitig mit dem Ball in der unteren Torecke einzutreffen.
Mit 2 Sekunden Nachspielzeit beendete Schiedsrichter Dr. Brych diese sehenswerte Halbzeit.
Es war eigentlich klar, dass es nach der Pause nicht so weitergehen konnte. Die zweite Halbzeit war
dann auch etwas dezenter und es passierte deutlich weniger, was den Puls nach oben trieb. Zwei
Freistöße rund 25 m vorm Tor bis zur 50. Spielminute wurden mehr oder weniger
kläglich vergeigt. In der 52. min wurde zunächst Charalambides' Schuss abgeblockt
und ein Paderborner lenkte kurz vor der Torlinie Werners Nachschuss zur Ecke. Nach einer
Stunde tauchte Paderborn das erste Mal nach der Pause ernsthaft vor Kraus' Kasten auf und
Löbe setzte einen Kopfball auf der richtigen Seite neben den Pfosten ins Aus.
Anschließend gönnten sich beide Mannschaften eine ruhigere Phase zwischen den
Strafräumen. Erst in der 78. min gab es eine Strafraumszene, als die Paderborner
Nummer 24 mit dem klangvollen Namen Gouiffe á Goufan eine Simak-Flanke im letzten Moment
vor dem heranstürmenden Hansen zur Ecke entschärfte. Die anschließende Ecke
(wieder von Simak) wurde am kurzen Pfosten verlängert und fand weiter hinten Kühnes Kopf,
der maßgenau und kraftvoll köpfte und die Arme der Jenaer Fans in die Höhe jagte.
Da sich jedoch der Ball um wenige Millimeter verirrte und vom Aluminium des 07er Tores wieder
zurücksprang, landeten die Hände schließlich am Kopf zum Haareraufen. Paderborn
verließen nun sichtbar die Kräfte und Jena übernahm in der verbleibenden Zeit
die Initiative. Mit etwas Übersicht hätte der FCC noch einen Sieg holen können,
aber Werner entschied sich in der 83. für einen Schlenzer aufs lange Toreck und gegen den
in der linken Strafraumhälfte einsam und allein wartenden Helbig. Auch eine Minute später
nahm Werner den Kopf nicht hoch, sondern rannte sich nach Helbigs Zuspiel an ein paar schwarz-blauen
fest. Auf der Gegenseite testete Maul noch fix die Nerven von Mitspielern und Fans, als er eine an
sich harmlose Flanke fast ins eigene Tor stolperte, bevor dann Dr. Brych nach gigantischen 12 Sekunden
Nachspielzeit abpfiff.
Wie soll man nun das Unentschieden bewerten? Positiv (ein Auswärtspunkt) oder negativ (nicht
einmal beim Schlusslicht gewonnen)? Sicherlich irgendwo dazwischen: Es war mehr möglich, aber
andererseits können wir den schlechten Saisonstart nicht im Handumdrehen vergessen machen,
sondern müssen wie die Eichhörnchen mühsam Nuss für Nuss (bzw. Punkt für Punkt)
einsammeln, um im Dezember einen Vorrat zu haben, der für die Rückrunde reelle Chancen auf den
Klassenerhalt bietet.<uk>
FC Carl Zeiss Jena - TSV 1860 München 0:2
Tore: 0:1 Bierofka (47.), 0:2 Göktan (90.)
- Jena: Person; Stegmayer, Omodiagbe, Maul, Günther; Hansen
(62. Helbig), Kühne, Simak, Charalambides (76. Ziegner); Werner,
Torghelle
- München: Hofmann; Hoffmann, Berhalter, Ghvinianidze (85.
Szukala), Thorandt; L. Bender (67. Gebhart), Schwarz, Bierofka, Johnson
(67. S. Bender); Göktan, di Salvo
- Zuschauer: 11.314
- Schiedsrichter: Wingenbach (Diez)
- Spielbericht:
-
Wer ihn damals hörte, wird sich jetzt noch an ihn erinnern:
Den Kommentar von DSF-Reporter Martin Quast zum Spiel Jena – 1860 im Februar
2007. Da war zunächst die Schilderung des 1:0 nach sechs Minuten: „Eckball kurz
aufgeführt, Hoffmann klärt, da ist nur Tapalovic – (Stimme plötzlich erhebend)
NUR TAPALOVIC ! Boah, was’n Gerät ! Tor des Monats, hundert Prozent.
Volltreffer – so schön kann Zweitligafußball sein.“ Filip Tapalovic hatte den
FCC mit einem Volleyknaller aus 25 Metern in Führung geschossen und auch wenn
Herr Quast mit der Tor-des-Monats-Prognose nicht
recht behalten sollte, geriet er auch noch wegen der
darauffolgenden Spielminuten aus dem Häuschen. „Ich raffs nicht, ich fass es
nicht – ja, wo bin ich denn hier?“, rief er nach 10 Minuten, als gerade das 3:0
gefallen war, „jetzt tanzen sie im Thüringer Wald Samba mit den Wildschweinen
und allem Drum und Dran. Unfassbar, was hier im Ernst-Abbe-Sportfeld in den
ersten Minuten passiert“.
Obwohl noch nicht lange her, ist diese Anfangsphase bereits legendär.
Und die ver-quast-ete Schilderung gleich mit.
Doch das ist Vergangenheit und mit einer Wiederholung jenes
Ablaufs war von vornherein nicht zu rechnen. Wobei sich die Frage stellt,
welchen Verlauf solch ein Spiel nimmt, wenn der straffe Schuss von Kühne nach
drei Minuten im Netz landet. Münchens Keeper Hofmann rührte da keinen Finger,
leider flog das Leder knapp an seinem Kasten vorbei. Die erste Halbzeit konnte sich durchaus
sehen lassen auf Jenaer Seite. Mit Forechecking versuchte man in Ballbesitz zu
gelangen. Die Flügelzangen Stegmayer-Hansen und Günther-Charalambides zeigten
sich in der Abstimmung weiter verbessert. Und zentral überzeugte Simak wieder
mit klugen Pässen. Nur im Abschluss erwiesen sich Charalambides (23.) und
Hansen (26.) als nicht treffsicher genug. Die vielleicht beste Gelegenheit vor
der Pause vergab Tobias Werner bei einem energischen Konter, als er es nicht
fertig brachte, dem freigelaufenen Simak den Ball „durch zu stecken“, vielmehr
an einem Verteidiger hängen blieb. Auch beim Durcheinander im gegnerischen
Strafraum fanden die Jenaer keine Lücke, Mauls Heber wurde schließlich zur
leichten Beute Hofmanns. Und die Münchner ? Waren zu Beginn um Abgeklärtheit
bemüht und ließen dabei erstaunlich große Lücken im Mittelfeld. Abgesehen von
Hoffmanns Flachschuss (25.) drohte Jenas Abwehr zunächst keine Gefahr. Dies
änderte sich kurz vor der Pause. Da sah sich Stegmayer auf seiner Seite mit dem
ballführenden Bender sowie Johnsson gleich zwei Gegenspielern gegenüber. Nicht
wissend, wen er attackieren sollte, griff er im Grunde niemanden richtig an.
Bender konnte unbedrängt zum Schuss ansetzen, zielte aber ein wenig zu hoch.
Kurz darauf zeigten die Sechziger eine ihrer einstudierten Freistoßvarianten –
diesmal war es Göktan, der nur knapp verfehlte.
Verglichen mit diesen Hochkarätern strahlte der Torschuss in
Minute 47 eigentlich geringes Gefahrenpotential aus. Es hatte den Anschein, als
hätte ihn Person zunächst fausten wollen, vielleicht erschien er ihm dafür mit
einem Mal nicht scharf genug – jedenfalls versuchte er plötzlich, den Ball zu fangen
und dieses Umgreifen ging gründlich daneben. Plötzlich lag der Ball im Netz. Ohje, Jena und seine Torhüter ! Ob sie
nun Jensen oder Person heißen, bislang haben sie uns in dieser Saison mehr
Punkte gekostet als gerettet. Doch eine
Mannschaft gewinnt und verliert zusammen und noch war fast eine Halbzeit lang
Zeit, wenigstens ein Remis zu schaffen. Werner und Hansen hätten es
erzielen können, Sandor Torghelle nach mustergültiger Kopfballvorlage
von Omodiagbe sogar müssen, schoss jedoch nur den herauslaufenden Hofmann an. Bei allen erkennbaren Bemühungen – die
Vorherrschaft im Mittelfeld ging verloren, weil bei Simak und Charalambides die
Kräfte schwanden. Die Gäste konnten nun ungestört den Ball laufen lassen. Zwar war
die Münchner Überlegenheit nicht so groß, wie es ein Eckenverhältnis von 9:1
nach einer Stunde vorgaukelt. Doch macht es deutlich, dass 1860 die technisch
feinere Klinge schlug, sich nicht so oft damit helfen musste, den Ball ins
Toraus zu befördern. Ihr Tagesbester Daniel Bierofka wirkt vom technischen
Vermögen her schon fast überqualifiziert für diese Liga.
Valdas Ivanauskas holte seine beiden einzigen
Offensivwechsler von der Bank. Ohne Erfolg. Doch eine letzte Geheimwaffe besaß
er noch: Darlington Omodiagbe als Stürmer ! Dass er vorn den einen oder anderen
Kopfball holt, war uns ja bereits bekannt. Doch wenn ‚Omo’ dazu noch kluge Offensivpässe
spielt, sollte er solche Ausflüge ruhig häufiger machen dürfen. Perfekt sein
Zuspiel auf Günther in der letzten regulären Spielminute, dessen Flanke kam
auch vors Tor, wo Helbig sie aber nicht richtig erwischte. Und wie das so ist
im Fußball – setzt eine Mannschaft alles auf eine Karte und verpasst knapp den
Ausgleich, geht sie im Gegenzug nur allzu oft k.o. Dass Ziegner als letzter
Mann wegrutschte, Göktan frei vor Person zunächst nur den Pfosten traf und dann
noch eine Gelegenheit zum Nachschuss bekam, rundete das Bild ab.
Zweitligafußball in Jena kann nicht nur schön, sondern auch deprimierend sein. <fc>
Fotos auf weissenburger.de
SpVgg Greuther Fürth - FC Carl Zeiss Jena 2:2
Tore: 1:0 Reisinger (28.), 1:1 Charalambides (34.), 1:2 Torghelle (49.), 2:2 Lanig (63.)
- Fürth: Kirchstein; Achenbach, Mauersberger, Karaslavov, Schröck (72. Adlung); Judt, Haas, Burkhardt (80. Maierhofer), Lanig; Nehrig, Reisinger
- Jena: Person; Stegmayer, Omodiagbe (32. Oniani), Maul, Günther;
Kühne, Hansen (72. Kandelaki), Simak, Charalambides (64. Tapalovic);
Werner, Torghelle
- Zuschauer: 8.900
- Schiedsrichter: Zwayer (Berlin)
- Spielbericht:
- Freuen oder ärgern? So richtig wusste nach Abpfiff kaum einer im
blau-gelb-weißen
Lager, wie mit diesem Remis in Fürth umzugehen wäre. Spielerisch war an diesem
Nachmittag wohl so leicht wie noch nie am Ronhof
ein Dreier zu holen, andererseits grenzt es
an ein Wunder, angesichts der Leistung des Unparteiischen überhaupt noch einen
Punkt verteidigt gehabt zu haben, den sich ein aufopferungsvoll kämpfendes Team
redlich verdiente.
„Never
change a winning team“ hieß die Devise und so schickte Valdas Ivanauskas die
siegreiche Offenbach-Elf auf den Rasen. Der Club begann furios und die über
1.500 mitgereisten FCC-Fans hatten schon nach 34 Sekunden den Torschrei auf den
Lippen, als Torghelle Fürths Karaslavov den Ball abnimmt, sofort auf Werner
passt, der völlig frei vor dem gegnerischen Tor eine Sekunde zuviel Zeit zum
Überlegen hat und den Ball an Keeper Kirchstein vorbei ins Toraus schiebt. Was
für eine Möglichkeit! 10 Minuten später durften sich die Gastgeber die Haare
raufen, als Burkhardt einen zunächst abgewehrten Eckball flach an den
Innenpfosten setzt. 5 Minuten später, andere Seite, Hansen bedient
Charalambides, der freie Schussbahn hat, aber nicht genug Druck hinter den Ball
bekommt, so dass Ex-Bundesligakeeper Kirchstein das Leder noch um Haaresbreite
um den Pfosten lenken kann. Es war ein tolles, offenes Spiel beider Teams in
den ersten Minuten und Fürth schien beeindruckt zu sein von Jenas
Offensivdrang, richtete sein Spiel fast ausschließlich auf das Provozieren von
Standardsituationen aus und lange weite Bälle auf den emsigen Reisinger. Dass
jenem nach 28 gespielten Minuten die Führung gelang, hatte er aber zwei
Jenensern zu verdanken. Stefan Kühne bringt mit viel zu kurzem Rückpass seinen
Keeper in Bedrängnis und warum Christian Person den Ball nicht nach links oder
rechts klärt, sondern ausgerechnet an die ausgestreckte Hand des heranstürmenen
Reisingers, bleibt sein Geheimnis. Der Ball trudelt ins leere Tor, 1:0. Ein
Schock zweifellos dieser Treffer in Unterzahl, denn Omodiagbe musste sich am
Spielfeldrand nach einem nicht geahndeten Foul behandeln lassen und kurz darauf
gegen Oniani ausgewechselt werden, aber anders als noch vor Wochenfrist in
Frankfurt reagierte der FCC unbeeindruckt und kommt nur sechs Minuten später
zum verdienten Ausgleich. Stegmayer täuscht eine Flanke an, passt aber flach
auf Simak, der düpiert mit Körpertäuschung gleich zwei Fürther und findet
Charalambides, dessen Ball auch für den 1,96-Riesen Kirchstein zu platziert ist
und ins lange Eck kullert.
Kurz vor der Pause zappelt der Ball erneut im Netz,
nachdem Kühne einen Eckball einnickt, doch die Anerkennung bleibt verwehrt, ein
Stürmerfoul will Referee Zwayer zuvor gesehen haben. So geht es mit einem
leistungsgerechten Remis in die Pause und Jenas Fans durften vor allem mit dem
mannschaftlich geschlossenen Auftreten zufrieden sein, lediglich die einfach
nicht abzustellenden teils haarsträubenden individuellen Fehler bereiteten
graue Haare.
Von denen dürfte Fürths Coach Bruno Labbadia kurz nach
Wiederanpfiff auch einige mehr bekommen haben, denn wie schon in der ersten
Halbzeit bereitete sein Innenverteidiger Karaslavov eine Großchance für den FCC
vor, nur dass Torghelle die Einladung nach katastrophalem Rückpass diesmal
nicht ausschlug und durch die Beine Kirchsteins zur Jenaer Führung vollendete,
unmittelbar vor dem proppevollem Gästeblock für Partystimmung sorgte.
Siegeszuversicht machte sich breit, doch wie man ein Team gänzlich zermürben
kann, stellte Schiedsrichter Zwayer eindrucksvoll unter Beweis. Die Folge einer
völlig einseitigen Regelauslegung waren unter anderem sage und schreibe acht
gelbe Karten für Jenas Kicker, die sich in der Folge mehr und mehr zurückzogen
und Zweikämpfe scheuten, deren Ausgang schon vorher festzustehen schien. Und so
wäre etwas mehr Nähe zum Gegenmann durchaus empfehlenswert gewesen, als der für
den gesperrten Fürther Kapitän Felgenhauer ins Team gerückte Stephan Schröck im
Doppelpass mit Nehrig Stegmayer düpierte und unbedrängt in den 5m-Raum flanken
durfte, wo Lanig den Ball artistisch über die Linie drückte. Eine knappe halbe
Stunde war da noch zu spielen und diese wurde bestimmt durch eine Flut von
Freistößen. Jan Simak setzte seinen knapp neben den Pfosten (66.), auf Fürther
Seite vergab Mauersberger die größte Gelegenheit, als er eine Freistoßflanke
per Fuß abnahm und das Leder knapp neben das Tor setzte, den Außenpfosten
streifend. Der für Charalambides eingewechselte Tapalovic hatte vier Minuten
vor dem Ende auf Zuckerpass Simaks die letzte Möglichkeit für den FCC, ließ
aber Torghelles Kaltschnäuzigkeit vermissen und gab die Verantwortung lieber
per verunglücktem Querpass weiter. So musste gar um den einen Punkt bis in die
93. Minute gezittert werden, als eine faire Aktion von Oniani an der
Strafraumgrenze wieder einmal mit Freistoß für die Kleeblätter geahndet wurde
und Stefan Kühne die Flanke artistisch vor dem einköpfbereiten Mauersberger
entschärft.
So ein klein wenig hatte der
Fußballgott sein Herz also für Thüringens Traditionsverein wiederentdeckt und
auch Jenas Spieler durften sich – anders als vor 7 Tagen – Streicheleinheiten
der eigenen Fans gefallen lassen, zu denen sich auch Neu-Clubberer und
Herzens-Jenenser Ralf Schmidt gesellte. Nach drei schlimmen Auftritten am
Ronhof holte der FC Carl Zeiss also zum ersten Male Zählbares, doch irgendwie war
mehr drin. <gunner>
FC Carl Zeiss Jena - Kickers Offenbach 2:0
Tore: 1:0 Simak (43.), 2:0 Werner (75.)
- Jena: Person; Stegmayer, Omodiage, Maul, Günther (75.Oniani);
Hansen (70.Tapalovic), Kühne, Simak, Charalambides (61.Holzner); Werner,
Torghelle
- Offenbach: Thier, Pinske (60.Sidney), Müller, Hysky, Bungert, Cimen, Sieger
(46.Ogungbure

,89.),
Judt (70.Epstein), Moktari, Türker
- Zuschauer: 5867
- Schiedsrichter: Bandurski (Essen)
- Spielbericht:
- Ein mulmiges Gefühl machte sich in meiner Magengegend breit, als ich vor der heutigen Partie gegen die Kickers aus
Offenbach das Stadion betrat. Nach fünf Niederlagen in Folge und zuletzt einer katastrophalen Leistung in Frankfurt gegen
Wehen schwante mir auch heute nichts Gutes. Die spielerisch guten Leistungen der ersten Saisonpartien waren vorbei und wer
das Match in Frankfurt live miterleben musste, konnte mein Gefühl durchaus verstehen. Zu viel lief in der Hessenmetropole
bei den Jenaern schief, als dass man ausgerechnet heute gegen die zuletzt starken Hessen vermuten konnte, dass es anders werden würde.
Aber beim Blick auf die Aufstellung der Partie wich mein mulmiges Gefühl blanker Zuversicht, denn Neu-Couch Ivanauskas bewies Mut und
krempelte sein Team gegenüber der letzten Partie auf sechs Positionen um und brachte "Typen" wie Günther, Hansen, Maul und Kühne,
welche gegen Wehen so schmerzlich vermisst wurden.
Der FCC begann auch von Beginn an couragiert und drückte die Offenbacher in deren Hälfte, woraus auch nach zwei Minuten die
erste Minichance resultierte. Nach gut einer Viertelstunde bot sich dann den Gästen auch ihre erste Möglichkeit, doch Siegers
Schuss ging über den Kasten. Den Spielern des FCC merkte man am heutigen Tage zu jeder Sekunde an, dass sie den unbedingten
Willen hatten, sich nicht so "abschlachten" zu lassen bzw. gewinnen zu wollen. Nach einer halbe Stunde waren einige der
Zuschauer schon froh, dass die Jenaer bis dahin kein Tor kassiert hatten. Doch kurz vor der Halbzeitpause sollte es noch
besser kommen, als Simak einen Freistoß aus 30m auf das Tor zirkelte und der Ball auf einmal im Tor zappelte. Grenzenloser
Jubel auf den Rängen, doch die meisten wollten es trotzdem kaum glauben, da sie dieses unglaubliche Glückgefühl gar nicht
mehr kannten.
Fünf Minuten nach Wiederanpfiff die erste Schrecksekunde für die Jenaer, als Dino Toppmöller völlig freistehend aus
gut sechs Metern den Ball zum Glück über das Tor donnerte. Der bis dahin relativ souveräne Schiedsrichter Bandurski
fing nun an, seine Linie zu verlieren, und sorgte mit einigen Fehlentscheidungen für Unruhe auf dem Platz und den
Zuschauerrängen, was in der Gelb-Roten Karte für Ogungbure gipfelte. Die Partie wurde dadurch nun zunehmend hektischer
und es war ein Tanz auf Messers Schneide. Die Offenbacher machten nun hinten ein wenig auf und drückten auf den Ausgleich,
doch der Abwehrriegel des FCC stand. Das Hoffen und Bangen ging weiter und eine Viertelstunde war noch zu spielen, da kam
ein langer Ball in des Gegners Strafraum. Gästekeeper Thier und ein Offenbacher Verteidiger waren sich in dieser Szene
nicht einig genug, wer diesen Ball retten sollte. Nutznießer dieser Aktion war Werner, der sich einfach das Leder schnappte,
Thier umkurvte und zum 2:0 vollendete. Vier Minuten vor Ultimo hätte Werner noch zum absoluten Held des Spiels werden
könnten, doch nach einem erneuten Fehler des Offenbacher Schlußmannes schloss Werner aus spitzen Winkel ein wenig zu
ungenau ab, so dass der Ball Zentimeter vor der Torlinie entlang rollte und doch nicht den Weg ins Tor fand. Kurz darauf
war die Partie zu Ende und der erste lang ersehnte Dreier unter Dach und Fach.
Die wenigsten Zuschauer hätten nach dem Katastrophenspiel vor gerade einmal drei Tagen erwartet, dass sich die Mannschaft
so aufraffen könnte, um die starken Hessen heute gar besiegen zu können. "Der FCC, der FCC, der FCC ist wieder da…"
skandierten die Fans von den Rängen und die Freude war natürlich umso größer, weil mit einem derartigen Wandel in
so kurzer Zeit wohl kaum einer gerechnet hatte. Aber letztendlich waren es trotzdem "nur" drei Punkte und wie
Ivanauskas sagte:" Der Tunnel ist noch sehr lang, bis wir das Licht am Ende sehen". <vg>
SV Wehen Wiesbaden -FC Carl Zeiss Jena 5:1
Tore: 1:0 Diakite (9.), 2:0 Diakite (11.), 3:0 Siegert (20.), 4:0
Nicu (41.), 5:0 Nicu (73.), 5:1 Simak (82., FE)
- Wehen: Richter; Kokot, Jeknic, Kopilas, Nakas; Catic (62.
Amstätter), Nicu (78. Cailas), Siegert, Schwarz; König,
Diakite (85. Lombe)
- Jena: Jensen; Kandelaki, Omodiagbe, Müller (46. Oniani),
Holzner; Stegmayer, Lorenzon, Ziegner (46. Werner), Simak, Charalambides;
Torghelle
- Zuschauer: 5626
- Schiedsrichter: Seemann (Essen)
- Spielbericht:
- (von Gastkommentator Jens Klebe)
Nach einem völlig verkorksten Saisonstart mit nur einem
Punkt auf der Habenseite griffen in der vergangenen Woche auch in Jena die so
genannten ungeschriebenen Gesetze des Geschäfts. Klassenerhalts-Held Neubarth
räumte sein Trainerzimmer welches kurz darauf mit Valdas Iwanauskas einen neuen
Nutzer fand. Um zu sehen, was dieser Wechsel bewirken könne, hatten sich
immerhin gut 1.500 Zeissfans auf den Weg nach Frankfurt gemacht. Würde im
Frankfurter Waldstadion gegen den SV Wehen endlich der erste Dreier eingefahren?
Da die Leistung au dem Koblenz-Spiel ja nur schwer zu unterbieten sein würde,
bestand Anlass zur Hoffnung.
Aber selbst dieses zarte Pflänzchen verdorrte schnell.
Jena startete zwar ohne Kühne, Hansen und Werner – dafür aber gewohnt schlafmützig.
Bereits nach 11 Minuten hatte Diakite mit einem Doppelschlag
klare Verhältnisse geschaffen. Zunächst bekam die FCC-Abwehr in Person Ziegners
nach einer Wehener Flanke den Ball nicht aus der Gefahrenzone, aus 20 Metern
zog ein Wehener ab und als Diakite den Ball abfälschte schlug er unhaltbar
neben Jensen ein. Ganz einfach dann Tor Nummer 2: Flanke von links, Diakite
frei im Sechzehner, draufgehalten und drin!
ass=MsoNormal>Nach 15 Minuten versuchte sich dann auch Simak erstmals für
den FCC an einem Torschuss, setzte diesen aber drüber.
Nach 20 Minuten vertändelte Charalambidis den Ball
leichtfertig in der Vorärtsbewegung, es folgt ein Konter über rechts, Schwarz
bediente Siegert und der zog vom Strafraumeck in die lange Ecke ab – 3:0!
Die Jenaer glichen nun einem Häuflein Elend und so spielten
sie auch weiter. Kaum waren weitere 10 Minuten vergangen, als Omo und Holzner
den ballführenden Nicu auf seinem Weg zum Tor brav begleiteten, ohne ihn
entscheidend zu stören. Nicu hob den Ball über Jensen und dieser schlug zum 4:0
ein. (40.)
Jenas Anhang hatte jetzt „die Schnauze voll“. So sang es
jedenfalls ein Großteil der Mitgereisten und verabschiedete sich mit dem
Pausenpfiff aus dem Stadioninneren.
Ansonsten waren in der Zwischenzeit die blaugelbweißen
Anfeuerungsrufe durch weitere zornige Schmährufe ersetzt worden.
Halbzeit 2 begann mit Werner und Oniani für Ziegner und
Müller. Werner war auch der Einzige in der Gästeelf der sich nachhaltig
versuchte, in Szene zu setzen.
Da Wehen jetzt nicht mehr tat, als für die Verwaltung des Resultats
nötig war, konnte der FCC zumindest zeitweilig fast optische Ausgeglichenheit
erreichen. In einer Phase, als Jena auch der eine oder andere gute Angriff
gelang (meist über Werner und Simak), dann die kalte Dusche. Mit einem
Freistoß-Trick aus der Schüler-Trickkiste wurde erneut Nicu freigespielt und
mit etwas Glück schlug sein Schuss zum 5:0 ein (73.).
Der FCC war demontiert. Daran änderte auch Simaks
Elfmetertreffer nichts mehr, den er nach einem Halten an Torghelle sicher
markierte.
Insgesamt bot der FCC eine erschreckend desolate Leistung
und es dürfte einem Wunder gleichkommen, wenn Iwanauskas aus diesem
verunsicherten Haufen binnen Kürze ein siegfähiges Team formen könnte. Ansätze
–mehr aber auch nicht- konnte man in der zweiten Hälfte zumindest bei Einigen
wenigstens erkennen. Dennoch, eigentlich ist jedes Wort über das heutige Spiel
eigentlich eines zu viel. Außer vielleicht diesem: beschämend!
So traurig und erschreckend das klingt: der FCC holte sich
eine verdiente Niederlage ab und kann schon am 7. Spieltag mit der Devise „Wir
haben ja nichts mehr zu verlieren!“ antreten.
Ca. 400 Jenaer Fans, die ohnehin die 2. Halbzeit außerhalb
des Stadions zugebracht hatten, blockierten anschließend friedlich die Ausfahrt
des FCC-Mannschaftsbusses und machten ihren Unmut deutlich. Adressaten waren
neben dem Team auch der Sportliche Leiter Lutz Lindemann und Präsident Zipfel.
Nach Gesprächen mit den Spielern Maul, Werner, Hansen,
Co-Trainer Holetschek und einer kurzen (aber eher schwachen) Ansprache des Kapitäns
Ziegner löste sich der Protest friedlich auf.
FC Carl Zeiss Jena - TuS Koblenz 1:2
Tore: 0:1 Daham (29.), 1:1 Omodiagbe (39.), 1:2 Daham (43.)
- Jena: Jensen; Kühne (46. Ziegner), Omodiage, Maul, Holzner;
Hansen (64. Fardjad-Azad), Müller, Simak, Stegmayer; Werner,
Torghelle (36. Petersen)
- Koblenz: Eilhoff; Lomic, Bajic, Mavric, Forkel; Djokaj (63.
Langen), Dzaka, Hartmann, Sukalo; Cha (82. Bogavac), Daham (90. Richter)
- Zuschauer: 8251
- Schiedsrichter: Schriever (Dorum)
- Spielbericht:
- Konnte man sich nach der
Heimniederlage gegen Mainz noch damit trösten, gegen einen klar besseren
Gegner, der noch dazu aus der 1. Bundesliga gekommen war, verloren zu haben, so
fehlte diese Trostmöglichkeit nach dem Abpfiff gegen Koblenz völlig.
Dabei sah es anfangs recht gut aus,
wenn man von den ungewohnten Trikots absah, die an übergezogene gelbe Trainingsleibchen
erinnerten. Von der ersten Minute an spielte der FCC nach vorn und drückte die
Gäste an ihren Strafraum. Und so ergaben sich auch schnell einige Chancen, z.B.
als Werner in der 3. Spielminute nach links auf Stegmayer spielte, der flankte
in die Mitte, wo Hansen allerdings zu hoch schoss. Drei Minuten später das
gleiche Strickmuster Mitte – links – Strafraum – drüber, diesmal waren Simak,
Werner und Torghelle die Beteiligten.
Dann hatte Schiedsrichter Schriever
seinen großen – oder besser: peinlichen – Auftritt: Hansen führte einen Einwurf
blitzschnell aus und der Koblenzer Torwart fischte den Ball genauso
blitzschnell vor Torghelle weg, stand dabei allerdings zwei, drei Meter vorm
Strafraum. Anstatt Eilhoff regelgerecht "Rot" zu zeigen, ließ
Schriever den Einwurf wiederholen. Warum? Das bliebt sein ewiges Geheimnis. Und
so ging es mit 0:0 im bisherigen Szenario weiter. Es fehlte jedoch bei allen
Zuspielen die letzte Abstimmung und Präzision, so auch, als Torghelle in
Mittelstürmerposition ein Zuspiel Simaks nur um Fußbreite verpasste (22.). Irgendwann
ließ der Jenaer Druck nach und die Koblenzer erkundeten die gegnerische Hälfte.
Tatkräftige Aufbauhilfe bekamen sie dabei von Stegmayer (26.) und Omodiagbe
(28.), die jeweils aus eigentlich schon geklärten Situationen unnötigerweise
Eckbälle für Koblenz fabrizierten. Und so kam es zum schon fast üblichen Ritual
im EAS: Die Gäste erhielten mit ihrem ersten vernünftigen Spielzug den
Führungstreffer geschenkt. Hansen rutschte auf der rechten Abwehrseite im an
sich harmlosen Zweikampf aus, Forkel flankte ungestört, Maul tauchte mit dem
Sprungvermögen eines Kanonenofens unterm Ball durch und Daham köpfte das
Geschenk ein – 0:1! The same
procedure as every week! Danach trug die
allgemeine Verunsicherung zehn gelb-blaue Trikots und wir hatten Glück, dass es
nicht gleich noch einen Gegentreffer gab. Doch Jensen tauchte in die untere
Ecke und verwehrte dem Kopfballaufsetzer Sukalos den Weg ins Netz. Neubarth
reagierte auf diesen Rückschlag und wechselte den bis dahin vielleicht etwas
glücklosen, aber insgesamt nicht besser oder schlechter als seine Mitspieler
agierenden Torghelle aus und brachte statt dessen Petersen. Für mich war diese
Auswechslung die entscheidende Szene für die weiteren lauen Angriffsversuche
und die logisch folgende Niederlage. In der 39. Minute hatte der Fußballgott
dann aber ein Einsehen mit den geplagten Zeiss-Fans und ließ Eilhoff eine Ecke
fehlerhaft wegfausten, Werner flankte den Abpraller in die Mitte und Jenas
Torgarantie Omodiagbe machte per Kopfball den Ausgleich. Jaaa, jetzt aber…
denkste! Der nächste Koblenzer Angriff bestand aus einem einfachen langen
Flankenball von der Mittelinie an die Strafraumgrenze. Dabei war der Ball so
lange in der Luft, dass sich Omo und Stegmayer rechts und links in
ausreichendem Abstand von Dahame aufstellen konnten, um diesem beim
Direktschuss ins lange Eck bewundernd zuzusehen. Mit den Händen aufgebaut
(Ausgleich) und sofort mit dem Hintern wieder eingerissen (1:2) – derzeit
typisch für den FCC!
Aussage eines Zuschauers in der
Halbzeitpause: "So mies wie diesmal war die Stimmung in der Halbzeitpause auf
der Toilette ewig nicht mehr." Es sollte nach der Pause nichts
Stimmungsförderndes mehr passieren. Zwar kam Ziegner für Kühne ins Team, aber
auch der passte sich der allgemeinen Leistung an. Es waren lediglich noch
vereinzelte Standards, die Eilhoff etwas Ablenkung brachten: Petersen köpfte
nach Ziegner-Freistoß übers Tor (50.) und Stegmayer donnerte einen 25-m-Knaller
direkt aufs Trikot des Gästekeepers. Jensen zeigte in der 62. min seinen
„running gag“ und ließ auch diesmal einen Ball nach vorn prallen, allerdings
folgenlos. Bezeichnend fürs Jenaer Spiel war die Tatsache, dass Holzner als
rechter Außenverteidiger die größten Angriffsbemühungen zeigte, sich immer
wieder für Zuspiele anbot und lange Wege zwischen vorn und hinten ging. Da
ansonsten kaum Bewegung im Jenaer Spiel war, prallten alle Bälle von der roten
Gummiwand ab, die Koblenz am Strafraum errichtet hatte.
Einziger Farbtupfer war Fardjad-Azad, der
nach seiner Einwechslung innerhalb von 5 Minuten dreimal aufs Tor schoß und
mehr Torgefahr erzeugte als alle anderen zusammen. Der Neunzehnjährige mühte
sich redlich und umkurvte einige Male seine Gegenspieler, aber da seine
Mannschaftskameraden nicht annähernd so viel Einsatz zeigten, war er auf
verlorenem Posten. In der letzten Viertelstunde bot Koblenz noch alle
Varianten, wie man beste Konterchancen kläglich vergibt – zum Glück, sonst wäre
es nicht beim 1:2 geblieben.
Diese Niederlage war nicht eine
unglückliche, nach der man zum Tagesgeschäft übergehen könnte. Im Verein muss
man sich auf Grund der Art und Weise, wie sich unsere Mannschaft in diesen 90
Minuten präsentierte, ernsthafte Gedanken machen, wie man eine totale
Pleitesaison verhindern kann. Noch ist die Zeit dafür! <uk>
FC Carl Zeiss Jena - FSV Mainz 05 1:2
Tore: 0:1 Feulner (17.), 1:1 Omodigabe (54.), 1:2 Gunkel (77.)
- Jena: Jensen; Kandelaki, Omodiage, Maul, Holzner; Hansen,
Müller (82. Helbig), Simak, Ziegner (46. Charalambides); Werner,
Torghelle (78. Petersen)
- Mainz: Wetklo; Demirtas, Noveski, Subotiv, Hoogland; Feulner,
Petkovic, Gunkel, Karhan (72. Laurent); Borja (61. Jovanovic), Amri
(89. Vrancic)
- Zuschauer: 11.798
- Schiedsrichter: Willenborg (Osnabrück)
- Spielbericht:
- Mainz 05 – ich muss gestehen, dass ich gewisse Sympathien
für diesen Verein hege. Selbige haben ein ganzes Stück mit Trainer Jürgen Klopp
zutun, aber auch mit dem Erscheinungsbild des FSV insgesamt. Wenn es jedoch gegen
den FC Carl Zeiss geht, gibt es kein Pardon
– dann gehört Mainz in der persönlichen Werteskala nur noch zu „best of the
rest“.
Es konnte mir also nicht gefallen, was sich da in Halbzeit
eins auf dem Rasen abspielte. Vom Anpfiff weg bestimmten die Gäste mit
scheinbarer Leichtigkeit die Szenerie. Zweite Minute, erste Chance – Amri aus
15 Metern knapp drüber. In der 6.
Minute lud Omodiagbe mit Fehlpass Feulner zum Torschuss ein. Der nach Köln
zurecht kritisierte, mit „Tri Tra Trullala“-Artikeln aber nahe der Gürtellinie
getroffene Kasper Jensen zeigte sich in dieser und den folgenden Situationen
wieder auf der Höhe. Den frühen Rückstand vermochte er aber nicht zu
verhindern. Weil bei einem schnellen Mainzer Angriff noch ein Stürmer im
Zentrum mitlief, gingen nicht ausreichend
Jenaer Verteidiger auf den ballführenden Markus Feulner. Dieser ließ Müller als
seinen einzigen Gegenspieler ins Leere grätschen und Jensen keine Chance.
Hallo wach ? – Weit
gefehlt, statt mit Aufbäumen reagierten Jenas Akteure mit Verunsicherung. Dass sich
Omodiagbe bei allen Qualitäten seine zwei, drei Aussetzer pro Spiel leistet,
wissen wir schon. Auch dass sich bei Holzner Licht und Schatten noch zu sehr
abwechseln. Doch selbst ein Alexander Maul ließ sich in dieser Phase von der
allgemeinen Nervosität in der Hintermannschaft anstecken.
Auch nach vorn lief wenig rund, keine Spur von einem konstruktiven Zusammmenspiel. Simaks
30-Meter-Freistoß war der erste Jenaer Torschuss überhaupt. Nach 32 Minuten !
Zu diesem Zeitpunkt hatte Mainz bereits ein halbes Dutzend Male aufs Tor geschossen.
Schon ein kurzer Antritt von Tobias Werner und die hohe Hereingabe, welche
Wetklo locker herunterfischte, ließen kurzzeitig Stimmung aufkommen. Wie
Dürstende auf jeden Tropfen Wasser stürzten sich die Zeiss-Fans auf diese
unaufregende Szene. Kein Wunder angesichts der Tristesse in Hälfte eins.
Omodiagbes Kopfball (42.) war da noch die beste Gelegenheit vor der Pause, vor
Probleme wurde Wetklo aber auch damit nicht gestellt. Dessen Gegenüber Jensen
hatte da ganz andere Kaliber zu meistern. Bei Feulners Kopfball aus Nahdistanz
reagierte der Däne großartig, auch Hooglands Nachschuss lenkte er zur Ecke.
Mainz dominierte. Mit dem 0:1-Rückstand war Jena zur Pause gut bedient.
Gelbe Schuhe zu blau-weißen Stutzen – rein optisch passt der
zypriotische Nationalspieler Constantinos Charalambides schon mal sehr gut nach
Jena. Zumindest in den ersten Minuten nach seiner Einwechslung war der
Neuzugang überall auf dem Platz zu finden, als wolle er im Alleingang dem
Geschehen eine Wende geben. Doch auch seine neuen Mannschaftskameraden
steigerten sich endlich auf jenes Niveau, dass man von Anfang an hätte erwarten
dürfen. Torghelles Einsatz auf der rechten Seite brachte nach 53 Minuten den
ersten Jenaer Eckball. Und der führte zum Ausgleich durch Darlington Omodiagbe.
Per Kopf traf der Nigerianer aus Nahdistanz. Zwischen Genie und Wahnsinn liegt
eben manchmal nur eine Halbzeitpause. Jetzt war Jena am Drücker, auch
akkustisch. Von den recht wenigen Mainzer Anhängern war vorübergehend nichts zu
hören. Bis hinauf zur letzten Reihe der neuen Zusatztribüne feuerten die
Zuschauer ihre Elf an. Jürgen Klopp lobte nach dem Spiel die tolle Atmosphäre
im Jenaer Stadion. Schade nur, dass sich seine Spieler davon nicht beeindrucken
ließen. Die Bundesligaabsteiger nahmen den Kampf an und da sie in der
Spielanlage einen Tick reifer wirkten, gewannen sie dieses Match. Amris
Schrecksekunde (Ball rollte parallel zur Linie des verwaisten Tores) beendete
die beste Jenaer Phase. Gunkels Diagonalfreistoß machte sinnbildlich den Deckel
zu. Dass der vom Schiri als indirekt ausgeschriebene Freistoß direkt verwandelt
wurde, passt ebenso ins Bild wie Werners unglücklich vergebene Großchance drei
Minuten vor Schluss – wenn du da unten drin stehst, bekommst du den Mist nicht
so schnell vom Hacken. Auf diese Art verlor der FCC sein drittes Spiel in Folge
mit einem Tor Differenz. Wobei es
Jensen mit einer weiteren Rettungstat gegen Feulner (90.) zu verdanken ist,
dass es nicht mehr wurde.
Die Schwere des Auftaktprogramms war uns allen bewusst. Dass
aus vier Partien nur ein mickriges Pünktchen herausspringt, ist allerdings
ernüchternd, insbesondere nach den Spielverläufen gegen St. Pauli und Köln. Bei
aufmerksamer Betrachtung des Jenaer Spiels gewinnt man den Eindruck, die
Komponenten für eine erfolgreiche Saison sind da, aber noch nicht richtig zusammengefügt.
Vielleicht kommt die 12tätige Punktspielpause gar nicht so ungelegen. <fc>
1. FC Köln - FC Carl Zeiss Jena 4:3
Tore: 0:1 Torghelle (5.), 1:1 Novakovic (20.), 1:2 Müller (37.),
1:3 Omodiagbe (55.), 2:3 Chihi (73.), 3:3 Chihi (84.), 4:3 Jensen (86., ET)
- Köln: Mondragon; Ehret, Mitreski, McKenna, Nickenig
(60. Schöneberg); Antar, Broich (60. Scherz), Helmes; Chihi, Vucicevic, Novakovic (60. Gambino)
- Jena: Jensen; Kandelaki, Omodiage, Müller, Holzner;
Hansen (84. Stegmayer), Lorenzon (46. Kühne), Werner, Simak,
Ziegner; Torghelle (81. Petersen)
- Zuschauer: 37.700
- Schiedsrichter: Dr. Fleischer (Sigmertshausen)
- Spielbericht:
- Es war die Woche der
unverdienten Auswärtssiege mit St. Paulis Dreier im Ernst-Abbe-Sportfeld und
Deutschlands glücklichem Erfolg in Wembley, und so mancher hegte die Hoffnung
auf eine Fortsetzung dieser Serie in Köln-Müngersdorf, waren die Vorzeichen
zwischen den beiden ungleichen Gegnern doch klar. Einen unverdienten Verlierer
gab es auch diesmal, jedoch war dies nicht etwa der haushohe Favorit, sondern
ein FC Carl Zeiss, der sich in der Schlussphase selbst um den Lohn eines
großartigen Spieles brachte.
Durch
den Platzverweis Alexander Mauls war Coach Frank Neubarth zu Umstellungen
gezwungen, nahm Robert Müller in die Innenverteidigung und ließ mit Nils Hansen
und dem erstmals nach seiner Verletzungspause wieder kickenden Lorenzon gleich
zwei Abräumer im defensiven zentralen Mittelfeld auflaufen. Werner und Ziegner
besetzten die Außenpositionen im Mittelfeld, während Jan Simak als Spielmacher
fungierte, hinter der einzigen Spitze Torghelle. Und was der drauf hat, sorgte
schon nach 5 Minuten für den ersten Jubelschrei unter den 1.500 mitgereisten
Zeissfans. Langer Abschlag Jensen, Kopfball-Doppelpass
Torghelle-Werner-Torghelle und unser ungarischer Neuzugang hämmerte die Kugel
trocken von der Strafraumgrenze ins Netz. 0:1, was für ein Auftakt, und um ein
Haar hätte Broich nachgelegt, dessen Rückpass Mondragon verfehlte, aber knapp
am Kölner Kasten vorbeirollte (14.).
Beim Gastgeber hatte man im Vorfeld einen mauernden Gegner erwartet,
doch der FCC spielte auch nach der Führung munter nach vorn, fast zu munter,
denn Kölner Gelegenheiten resultierten fast ausschließlich aus Kontern nach
jenenser Abspielfehlern. In der 10. Minute ging das noch gut, als Jensen einen
tückischen Helmes-Knaller im Nachfassen parierte, nach 20 Minuten jedoch hatten
die Domstädter mit ihrer zweiten Möglichkeit im Spiel ausgeglichen. Novakovic
hatte von Omodiagbe bedrängt Vucicevic angespielt, welcher an der rechten
Strafraumgrenze Lorenzon düpierte und auf den von Omodiagbe und Werner
sträflich vernachlässigten Novakovic zurückpasste. Dass dessen Schuß durch die
Beine von Hansen den Weg ins Netz fand ist sicher unglücklich zu nennen, das
Abwehrverhalten zuvor dilettantisch. Köln hatte nun Oberwasser, baute gehörigen
Druck auf und hatte mit Vucicevics Schussversuch nach Kandelakis
verhängnisvollem Ballverlust (24., knapp daneben) und Broichs abgefälschtem
Schuß (29., Jensen hält) auch die ein oder andere Möglichkeit. Doch als Simak
mit einem wahren Zauberpass den durchlaufenden Holzner bedient und dieser aus
Nahdistanz an Mondragon scheiterte (30.), wirkte das wie ein Signal an die
eigene Mannschaft zur Besinnung auf das überlegte Spiel der ersten Minuten. Kurz
darauf hätte es Elfmeter für den FC Carl Zeiss geben müssen, als Torghelle im
Strafraum gefoult wurde, doch nicht nur in dieser Szene zeigte sich die
nachhaltige Wirkung des Daumschen Montagstheaters bei Referee Dr. Fleischer.
Jena ließ sich nicht beirren, es war eine Freude, dem Kombinationsfußball von
Jenas Offensivabteilung um den immer besser werdenden Kapitän Ziegner, den an
allen Ecken des Spielfeldes zu findenden Hansen (bester Mann auf dem Platz) und
einen Jan Simak zuzusehen und manch einer rieb sich die Augen, mit welchem
Selbstbewusstsein der Underdog hier in der WM-Arena auftrat. Werners Schuß nach
36 Minuten parierte Mondragon im Nachfassen, Ziegners Freistoß eine Minute
später kratzte der kölsche Schlussmann noch aus dem Eck, doch die
darauffolgende Ecke brachte die verdiente Führung. Torghelle hatte Ziegners
Eckball an den langen Pfosten verlängert, wo Robert Müller eiskalt vollendete.
Der Gast wirkte nun wie paralysiert, beinahe hätte Torghelle das Ergebnis noch
höher schrauben können, verzettelte sich aber im Strafraum (39.) und so war der
Schlusspunkt unter die erste Hälfte symptomatisch, als der wenige Tage zuvor
noch zum Deutschlandkader gehörende Helmes eine Freistoßablage von Vucicevic 15
Meter über das Jensen-Gehäuse beförderte. Kölns Mannschaft ratlos, Kölns
Publikum fassungslos und ein gellendes Pfeifkonzert verabschiedete die
Millionentruppe in die Kabinen.
Aufbäumen,
Dagegenhalten, Druck aufbauen, so in etwa hätte man die Gastgeber nach
Wiederanpfiff erwartet, doch stattdessen spielte Thüringens Stolz so, als hätte
er einen Rückstand aufzuholen. Werner prüfte Mondragon mit Schuß aus spitzem
Winkel (51.), das Eckenverhältnis war inzwischen auf 7:3 für Jena angestiegen
und als Ziegners Freistoß den Fuß des völlig unbedrängt durchlaufenden
Omodiagbe fand, hieß es 1:3, das Spiel schien entschieden. Auch wenn Helmes nur
eine Minute später den Anschlusstreffer auf dem Kopf hatte und knapp verzog,
das Auftreten der völlig konsternierten Gastgeber glich insgesamt einem
Fehlpassfestival, begleitet von eisigem Schweigen des Opernpublikums auf den
Tribünen. Christoph Daum hatte die Nase voll, wechselte gleich drei Spieler auf
einmal aus und vor allem die Hereinnahme von Matthias Scherz, der ja schon in
der Vorsaison den mehr als glücklichen Siegtreffer der Kölner vom Elfmeterpunkt
erzielt hatte, sollte sich als folgenschwer erweisen. Doch zuvor hatte Referee Fleischer
seinen Auftritt, schickte Zeiss-Trainer Frank Neubarth auf die Tribüne, als der
sich lautstark über eine der unzähligen Freistoßfehlentscheidungen zugunsten
des 1. FC Köln mokierte (65.), übersah eine Tätlichkeit Antars an Stefan Kühne
(Kopfstoß, 68.) und gab für McKennas Notbremse an dem durchbrechenden Torghelle
nur gelb (71.). Jener Torghelle hatte bis dahin ein großartiges Spiel gehabt,
zerrte unermüdlich an den Ketten und war von seinem Gegenspieler meist nur
durch Foulspiele zu stoppen. Doch er wurde ebenso wie Jan Simak müder und so
verlagerte sich das Spielgeschehen mehr und mehr in die Jenaer Hälfte, Chihi
mit Freistoß und Antar per Kopfball (69.) besaßen gute Möglichkeiten, ehe in
der 73. Minute das Unheil für den FCC seinen Lauf nahm. Die Fehlerkette war
lang. Jensen ließ sich eine Kölner Flanke von Robert Müller zum Einwurf
wegköpfen, anstatt sie selbst herunterzupflücken. Omodiagbe musste erkennen,
dass auch 1,88m nicht ausreichen, wenn man 2 Meter hinter einem kopfballstarken
Matthias Scherz steht, dessen Verlängerung Adel Chihi fand, der von Felix
Holzner völlig unbedrängt zum Anschlusstreffer einschoß. Fünf Minuten später
hatte Scherz selbst die Riesenchance zum Ausgleich, köpfte aber freistehend am
völlig leeren Tor vorbei. Durchatmen, doch die Partie wurde hitziger. Mondragon
erhielt gelb, als er den sich bei der Auswechslung zu viel Zeit lassenden
Torghelle vom Platz schubste, Holzner kassierte den gelben Karton für ein an
ihm begangenes Foulspiel und Jan Simaks Bedrängen Vucicevics wurde mit Freistoß
für Köln geahndet, den Scherz aufs Tor platziert, Jensen lässt den schon sicher
geglaubten Ball vor die Füße von Chihi fallen, der nur noch abstauben muß.
Ausgleich, Kölns Publikum aus dem Dornröschenschlaf erwacht und Kasper Jensen der
einsamste Mann auf dem Platz. Ob ihm diese Szene noch durch den Kopf schwirrte,
als er kurz darauf Chihis Eckball (Omodiagbe hatte zur Ecke klären müssen, da
ein Ellenbogencheck von Scherz gegen ihn ungeahndet blieb) zum Kölner 4:3 ins
eigene Tor patschte?
Ein mehr als bitteres Ende für den zuvor gut spielenden
Keeper, der nach dem Abpfiff sofort den Trost seines Kapitäns Torsten Ziegner
bekam. Vergessen wird er diesen Abend wohl nie, ebenso wie Jenas Anhang. Fassungslose,
entsetzte Gesichter noch Minuten nach Spielende im Gästeblock. Was für eine
Riesenchance hatte sich der FC Carl Zeiss hier selbst vergeben. Ob die
tadellose Moral der Mannschaft mit diesem erneuten Tiefschlag einen dauerhaften
Knacks wegbekommen hat, oder ob man sich am 70 Minuten lang wirklich tollen
eigenen Spiel aufbaut, wird die nächste Partie gegen Mainz zeigen. Nachdem der
Trainer, dessen vorgenommene und unterlassene Auswechslungen in Köln nicht
jedermanns Geschmack trafen, aus den vielen Neuzugängen mehr und mehr eine
Mannschaft zu formen scheint, ist in den kommenden Tagen in erster Linie der
Psychologe Frank Neubarth gefragt! <gunner>
FC Carl Zeiss Jena - FC St.Pauli 0:1
Tore: 0:1 Schnitzler (20.)
- Jena: Jensen; Kandelaki, Maul
(

, 40.),
Omodiagbe, Holzner; Kühne (67. Petersen), Hansen, Ziegner (46. Simak),
Müller; Werner, Torghelle (77. Helbig)
- St.Pauli: Borger; Gunesch, Eger, Morena, Rothenbach; Trojan (79. Bruns), Boll, Meggle, Takyi (

, 42.), Brunnemann (45. Braun); Schnitzler (64. Ludwig)
- Zuschauer: 12.129
- Schiedsrichter: Schalk (Augsburg)
- Spielbericht:
- [von Gastkommentator Ragnar Boedefeld]
Nach drei erfolgreichen Jahren in Folge und der Wiederholung eines
2:2-Auswärtserfolgs nach 0:2-Rückstand im ersten Saisonspiel war es wieder
einmal an der Zeit, dem Aberglauben zu frönen. Und so schreibt jetzt im vierten
Jahr in Folge ein- und derselbe Gastkommentator den ersten Heimspielbericht.
Angeblich soll einer aus dem Stammpersonal sogar geheiratet haben, damit er um
diesen Spielbericht drumrum kam...
Ähnlich wie im letzten Jahr (Braunschweig) war auch diesmal ein potentieller
Konkurrent im Abstiegskampf beim ersten Saisonheimspiel zu Gast.
Unvorhersehbare Auswärtsunentschieden sind gerne gesehen - doch wichtiger sind
die drei Heimpunkte aus diesen sogenannten "Sechs-Punkte-Spielen". Unbedingter
Siegeswillen war also Pflicht, und so harrte unsereiner gespannt, ob der
Trainer Neubarth dieses seinen Spielern verklickert hatte.
Er hatte - wenn man
die ersten zwanzig Minuten des Spiels als Maßstab nimmt. In dieser Zeit brachte
der FCC fünf gefährliche Situationen zustande, die in ihrer Vielfalt
überraschten. Ein Freistoß von Ziegner, der knapp neben das Tor ging, ein
gefährlicher Fernschuss von Kühne, dann einer von Werner, den Borger abprallen
ließ - Torghelle war einen Schritt zu spät. Kurze Zeit später war es umgekehrt:
Torghelle ließ zwei Gäste aussteigen und versuchte einen Schlenzer mit dem
linken Bein, Borger ließ wieder prallen - doch der Ball wollte einfach nicht
rein. Dann folgte noch ein gefährlicher Kühne-Kopfball. Von Pauli war bis dahin
nichts zu sehen, die besten Aktionen der Gäste hatte noch der Fanblock.
Plötzlich zack-zack, ein Querpass, einer in die Spitze - und Schnitzler kann
frei vor Jensen einschieben. Ausgerechnet Pauli, das seinerseits letzte Woche
gegen Köln reihenweise vor dem Tor versagt hatte, machte mit seinem ersten
zusammenhängenden Spielzug das 0:1. Nur kurz danach wäre beinahe das 0:2
gefallen, der Ball ging links unten knapp vorbei. Beim FCC war jetzt ein Knacks
im Spiel, keiner lief richtig und elementare Dinge wie flache Anspiele und
Ballannahmen aus der Luft misslangen. Eine Viertelstunde lang war einmal mehr
der Fluch der ersten Saisonspiele zu ertragen: eine bunt zusammengekaufte
Mannschaft (gleichwohl mit Niveau) ist noch nicht wirklich eine Truppe, wirkt
verunsichert und ängstlich in einem ihr häufig noch fremden Heim-Umfeld, das
wegen des Rückstandes nicht erbaut ist. Bad Vibes... warum nur?
Individuelle Klasse hat der Kader jedenfalls, wie man in der 35. Minute sehen
konnte. Kandelaki wurde auf links steil geschickt, passte flach nach innen, wo
Torghelle den Ball annehmen, kontrollieren und auf Ziegner zurücklegen konnte,
der leider links vorbeisemmelte. Das tat weh, ebenso der knapp verfehlte
Ziegner-Freistoß kurz vor der Pause, bei dem Borger keine Regung zeigte. Ab der
40. Minute spielte übrigens der FCC nur noch zu zehnt, Maul war geampelt worden.
Zwei Minuten später hatte auch Pauli einen weniger auf dem Platz, nachdem Takuy
wiederholt das Spiel verzögert hatte.
Und dann kam der Abschnitt des Spiels, den ich nicht begreife. Freilich kann man
nicht 90 Minuten lang höchstes Tempo gehen, sicherlich muss man zwischendurch
auch mal verschnaufen. Aber wieso kann man nach einer Halbzeitpause voller
Regeneration nicht genau dort weitermachen, wo man vor der Pause aufgehört hat
- nämlich Druck auf den zeitweilig überforderten Gegner auszuüben? Pauli war
mit der Pause eigentlich sturmreif, wurde dann aber bis zur 70. Minute durch
einfache Fehler und mangelhaftes Laufspiel wieder aufgebaut. Wenn nur alle in
der zweiten Halbzeit so gerannt wären wie der Holzner...
Erst in der
Schlussviertelstunde wurde Pauli wieder in der eigenen Hälfte eingeschnürt.
Auffällig war dabei Jan Simak, der die Bälle jetzt schön verteilte und auch
selbst gefährlich wurde. Es ergaben sich Chancen im Minutentakt, fast jeder
durfte mal ran. Leider ging alles daneben (Torghelle 74., Petersen 78. und 86.,
Werner 83.), an den Pfosten (Petersen 74.) oder wurde von Borger entschärft
(Kopfball von Helbig 83.). Dann war Schluss und die erste Heimniederlage in der
neuen Saison Tatsache.
Trotz dieser Niederlage bleibt ein besseres Gefühl als im letzten Jahr nach dem
0:0 gegen Braunschweig, weil der FCC seinen Gegner diesmal spielerisch
beherrschte, obwohl die Hälfte der Neuzugänge noch auf der Bank saß bzw.
verletzt war. Heuer steht auch nicht zu befürchten, dass das Potential des
Clubs einbricht, sollten Spieler wie Ziegner und Helbig eine ganze Saison lang
verletzt ausfallen - der Kader ist wesentlich breiter und auch besser geworden.
Wie sagte Gästetrainer Trulsen in der Pressekonferenz: "Es wird für jede
Mannschaft schwer, in Jena zu punkten." Allerdings nur, wenn die Dinger vorne
auch jemand reinmacht!
Alemannia Aachen - FC Carl Zeiss Jena 2:2
Tore: 1:0 Vukovic (1.), 2:0 Nemeth (6.), 2:1 Maul (28.), 2:2 Petersen
(76.)
- Aachen: Nicht; Stehle, Klitzpera, Vukovic (33. Casper), Weigelt;
Lehmann, Polenz (75. Leiwakabessy), Reghecampf, Nemeth, Pecka (81. Milchraum),
Ebbers
- Jena: Jensen; Kandelaki, Maul, Omodiagbe, Holzner; Kühne,
Müller (72. Petersen), Hansen, Ziegner (72. Fröhlich), Simak
(58. Stegmayer); Werner
- Zuschauer: 19.986
- Schiedsrichter: Aytekin
- Spielbericht:
- Wenn ein Verein aus der Bundesliga kommend zuhause auf den
Zweitliga-Dreizehnten des Vorjahres trofft, ist die Favoritenrolle am 1.
Spieltag klar gegeben. Dass sich der Webmaster aus Aachen bei der
Live-Ticker-Ankündigung aber gleich für ein fingierte 5:2-Vorhersage entschied, kam
uns vor dem Spiel doch etwas übertrieben vor.
Nach sechs Minuten Spielzeit schien allerdings nichts mehr
unmöglich. Zwei Gegentore hatte sich der FC Carl Zeiss zu diesem Zeitpunkt
schon eingefangen, das Erste nach 50 Sekunden ! Einen Freistoß-Ball von
Reghecampf verlängerte Vukovic per Kopf unhaltbar ins Jenaer Gehäuse. Robert
Müller war zwar mit hochgestiegen, hatte aber das Nachsehen. Keinen
Gegenspieler besaß Nemeth nach 5:30 min. Omodiagbe hatte die Abseitsfalle
aufgehoben.
0:2 - Mann oh Mann, welch ein Fehlstart in die insgesamt achte
Zweitligasaison des FCC ! Nachdem der erste Schock verdaut war, erinnerte man
sich als Auswärtsfahrer an den 1. Spieltag der Vorsaison, als Jena in Offenbach
ebenfalls mit zwei Toren hinten gelegen hatte, sich aber noch zum Remis
kämpfte. Sollte dies erneut möglich sein ? Hier, auf dem berühmten Aachener
Tivoli ? Nicht das Stadion selbst macht den Reiz aus, in vielen Dingen erinnert
es an die alte Heimstätte des FC Sachsen Leipzig. Nein, es ist die Atmosphäre,
bei der das Dabeisein einfach Spaß macht, weil die Stimmung enthustiastisch,
aber nicht aggressiv ist und häufig von drei Seiten gleichzeitig gepuscht wird.
Es sah noch immer nicht gut aus. Nach 25 Minuten war kein einziger
gefährlicher Ball auf das vom Ex-Jenaer Kristian Nicht gehütete Aachen-Gehäuse
abgegeben worden. Stattdessen musste Gegenüber Kasper Jensen beim
Aachener Konter die fehlende Innenverteidigung ersetzen und zehn Meter vor
seinem Strafraum per Kopf klären. Dann die 28. Minute. Ziegner aus einer
Spielertraube heraus auf Hansen, Flachschuss aus 15 Metern, Torwart Nicht pariert auf
Kosten einer Ecke. Das war sie, die erste Jenaer Gelegenheit im Punktspieljahr
2007/2008. Eine Ansage „Wir sind auch da“. Den anschließenden Eckball
erwischt Stefan Kühne am langen Pfosten, köpft ihn zur Torlinie, wo Alexander
Maul steht und unter Bedrängnis einköpft. Der Anschlusstreffer noch vor der
Pause. Wie damals in Offenbach. Hoffnung bei uns. Ein aus allen Wolken fallen
bei den Alemannen. Zu deutlich hatten sie die Anfangsphase dominiert,
zu leicht ihre Tore gemacht gegen einen in
dieser Phase unsortierten und harmlosen Gegner. Nun kämpften sich die
Neubarth-Schützlinge in das Spiel hinein. Nur vier Minuten nach dem
Anschlusstreffer spielte Simak einen ähnlich genialen Pass wie im Pokal eine Woche zuvor
auf Werner, der hatte gegen den heranstürmenden Nicht die Idee eines
Hebers – nur leider fiel dieser zu hoch aus. Eine Partie mit umgekehrten
Vorzeichen – jetzt spielte Jena Fußball. Wäre Kühne in der 43. Minute nicht
selbst überrascht gewesen über eine sich bietende Kopfballchance, es hätte noch
vor der Pause Unentschieden gestanden. Der Offenbacher Regievorlage hätte dies
freilich nicht entsprochen.
Mit ein bisschen Magengrummeln empfingen wir unsere Mannen
aus der Kabine. Nur nicht wieder solch eine Schlafwagen-Einlage wie zu Beginn.
Doch die Sorgen erwiesen sich als unbegründet. Lediglich Keeper Jensen sorgte
für erhöhte Herzfrequenz in Minute 51, als er bei zwei heranstürmenden
Gegenspielern den Ball nicht einfach wegschlug, sondern ihn kalt wie
Hundeschnauze behauptete. Außerdem Holzner, der am eigenen Strafraum den Ball
vertändelte und von Glück sagen kann, dass die Abseitsfahne nach oben
schnellte, da ansonsten eine 3 gegen 1-Überzahlsituation für die Westdeutschen
entstanden wäre.
Die Leistungssteigerung der Jenaer Elf lässt sich treffend am Bild festmachen, dass Ilia Kandelaki in den ersten neunzig Minuten
für seinen Verein abgab. Nach Stegmayers gutem Pokalauftritt war er für mancheinen
überraschend in die Startelf gerückt. Die etwas defensivere Variante schien
anfangs nach hinten loszugehen, weil der Georgier einige Male Unsicherheiten
auf seiner linken Seite offenbarte. Doch nach der Pause fand Kandelaki zu sich selbst,
seinen Mannschaftskameraden und ins Spiel. Wobei Stegmayer später noch eingewechselt wurde,
ebenso wie Fröhlich und Petersen. Die aus den Wechseln hervorgehenden
taktischen Umstellungen waren riskant, besonders der Austausch des defensiven
Müller gegen den stürmenden Petersen. Das Risiko sollte sich aber bezahlt machen. Denn
Nils Peteresen war gerade drei Minuten im Spiel, da verlängerte er einen Ball
von Kühne ins Tor. Wahnsinn ! Ausgerechnet Jenas Jüngster schafft den
Ausgleich. Klar hat der in Junioren-Länderspielen schon gegen
U19-Nationalmannschaften getroffen, doch ein solche wichtiger Treffer „bei den
Großen“ ist dann doch etwas Besonderes. Wäre der Bursche in Minute 79 doch noch
einmal etwas kaltblütiger gewesen, er hätte den FCC gar zum Sieg geschossen.
Nach einer Unsicherheit seines Gegenspielers verzog Petersen jedoch
deutlich.
Remember OFC – aus einem 0:2 ein 2:2 gemacht und dem Sieg
sehr nahe gekommen. Auch Kandelakis
Flanke fünf Minuten vor Schluss brachte Gefahr, neutralisierte sich aber mit
Reghecampfs Hereingabe in Minute 88. Beide Male fehlte ein Abnehmer im
Sturmzentrum.
Das Unentschieden feierten die Jenaer wie einen Sieg,
während die Gastgeber ziemlich konsterniert das Stadion verließen. Auch dieses
Bild hatten wir vor einem Jahr schon einmal. Neu ist die Serie, in der sich die
Jenaer Mannschaft befindet. Unter Frank Neubarth bleibt sie in Pflichtspielen
weiterhin unbesiegt. <fc>
Bilder von der ersten Partie
Spielbericht auf alemannia-aachen.de
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Henning Bürger musste seine heldenhafte Pokal-Elf notgedrungen umstellen, angesichts der seltsamen DFB-Gerichtsbarkeit saß Alexander Maul weiterhin eine nicht nachvollziehbare Sperre ab, so dass der wiedergenesene Omodiagbe seinen Platz in der Innenverteidigung einnahm. Sicherheit brachte dies nicht, im Gegenteil, ganz ähnlich der allgemein grassierenden Grippewelle steckte der Nigerianer seine Kameraden mit zahlreichen Unsicherheiten an und man fragte sich nach 10 gespielten Minuten verdutzt, ob die Körpersprache, das ausgestrahlte Selbstbewusstsein ein jämmerlicheres Bild gegeben hätte, wäre der FCC in Stuttgart mit 0:5 unterlegen Halbzeit unter dem aktuellen Trainer, in der bis auf eine Schied-Chance (2.), der einen Ziegner-Schuss um ein Haar ins Tor abfälschte, rein gar nichts zusammenlief. Koblenz lockte Jena heraus, um dann überfallartig mit weiten Bällen auf die meist über außen kommenden Spitzen Gefahr zu erzeugen. Der FCC, wieder mit Dreierkette agierend, fand dagegen überhaupt kein Rezept. Doch da Hartmann, Djokaj, Dzaka und Co. ihre Chancen gleich reihenweise liegen ließen, bei Müllers Fast-Eigentor auch etwas Pech hatten, wäre es möglicherweise mit einem für den FCC angesichts des Spielverlaufs hochgradig zufriedenstellenden 0:0 in die Kabinen gegangen, hätte die in den letzten Wochen schon ungewöhnliche Pechsträhne mit Schiedsrichterentscheidungen nicht ihre Fortsetzung gefunden. Ein langer Ball aus der eigenen Hälfte findet Djokaj, der die Kugel mit der Hand an Khamutouski vorbeilegt und dann im leeren Tor einschiebt. Schiedsrichter Bandurski hatte freie Sicht auf die Aktion, wollte aber dennoch keine Regelwidrigkeit gesehen haben, so dass der FCC nach Aachen und Hamburg nun schon das dritte irreguläre Gegentor binnen weniger Wochen kassierte. Von umstrittenen Platzverweisen ganz zu schweigen, denn Sandor Torghelle dürfte sich bei Lomics nur mit gelb geahndetem Nachtreten gegen Holzner schon gefragt haben, wofür er eigentlich vier Spiele Sperre aufgebrummt bekam. Ich weiß nicht, was soll es bedeuten. Doch bei aller Kritik am Referee, was Jena in den ersten 45 Minuten bot, war nicht im Ansatz besser und man fragte sich, wer außer dem Keeper und Robert Müller eigentlich nicht ausgewechselt werden müsste.
Dies sollte sich nach dem Seitenwechsel zumindest phasenweise ändern, Petersens kurz vor der Linie geklärter Flachschuss (47.) im Anschluss an eine Simak-Ecke sorgte für Hoffnung im mit knapp 1.000 Zeissfans proppevollen Gästeblock. Beide Protagonisten fanden sich auch eine Viertelstunde später im Zusammenspiel im Mittelpunkt, als Simak ein Petersen-Abspiel artistisch aufnahm und auf das Eilhoff-Gehäuse zusteuerte, aber im Strafraum bei der Schussabgabe umgerannt wurde. Der Ball landete am Außenpfosten – der Elfmeterpfiff blieb aus. Koblenz sah sich nun vorwiegend in die eigene Hälfte gedrängt, die Ballbesitzstatistik von 60:40 für Jena kam nicht von ungefähr, verteidigte aber geschickt und blieb mit schnellen Gegenstößen stets gefährlich, Dzaka und der für den Ex-Jenenser Kuqi eingewechselte Pektürk verpassten die Vorentscheidung. So hatte Torsten Ziegner mit einer strammen, von Eilhoff gerade noch so um den Pfosten gelenkten Freistoßablage Simaks den Ausgleich auf dem Fuß. Doch als auch Stefan Kühne seine Großchance um Zentimeter am Pfosten vorbeistocherte (86.), war den meisten klar, „was dies bedeuten sollte“. 91. Minute, nach Ballverlust des eingewechselten Saka wieder ein schneller Gegenstoß über Vata, und diesmal machte es Pektürk besser, bugsierte das Leder unter Mithilfe des Innenpfostens zur Vorentscheidung ins Tor. Dass sich Jenas Elf selbst danach nicht aufgab und sich mit Stefan Kühnes Knaller knapp am Tor vorbei sogar noch eine Möglichkeit bot, spricht für die Moral in der Mannschaft. Für die Qualität, die Klasse zu halten, sprach der Auftritt über 90 Minuten jedoch nicht. Auch wenn erneut ein Schiedsrichter – nebst dem Koblenzer Handballspieler – die Begegnung maßgeblich beeinflusste, das war einfach zu wenig, um die „nun wirklich“ letzte Chance beim Schopfe zu packen. „Ich weiß nicht was soll es bedeuten, dass ich so traurig bin“. Abstieg. 3. Liga. <gunner>
- Mainz: Ischdonat; Hoogland, Subotic, Noveski, Rose (46.
Demirtas); Karhan, Damir, Vrancic (84. Amri), Pekovic, Feulner;
Borja (85. Jovanovic), Boakye
- Jena: Khamutouski; Holzner, Müller, Omodiagbe, Stegmayer; Ziegner (78. Saka), Kühne, Simak, Werner; Petersen (58. Allagui), Schied (78. Amrhein)
- Zuschauer: 19.500
- Schiedsrichter: Willenborg (Osnabrück)
- Spielbericht:
- Jena: Khamutouski; Holzner, Müller, Omodiagbe, Stegmayer; Ziegner (78. Saka), Kühne, Simak, Werner; Petersen (58. Allagui), Schied (78. Amrhein)
- Die Tage des Mainzer Stadions sind gezählt. Mit Beginn der
Saison 2010/2011 soll eine neue Fußball-Arena eingeweiht werden. Angesichts der
Tabellensituation beider Mannschaften stellt sich also die Frage, ob das Spiel
vom Freitagabend das letzte Jenaer Gastspiel am Bruchweg gewesen ist.
Fast 20.000 Zuschauer sorgten für die gewohnt gute Atmosphäre. Mögen die Gastgeber mit ihren unzähligen Mainz 05-Liedern vielleicht etwas zu viel Primborium veranstalten – ihr „you’ll never walk alone“ bekommen nicht viele in Liga zwei so hin. Jenas 500 mitgereiste Anhänger mochten sich daran nicht beteiligen (warum eigentlich nicht?), verschafften sich dafür nach zehn gespielten Minuten Gehör: Mit „Hier regiert der FCC“ lagen sie zu diesem frühen Zeitpunkt durchaus richtig, denn die ersten Akzente, die ersten Standarts hatten die Thüringer gesetzt. Holzner war für Amrhein in die Startelf gerückt, machte sein erstes Spiel seit November. Die erste Tormöglichkeit im Spiel besaß dann aber doch der Tabellenzweite. Karhans weiten Einwurf konnte Müller mal eben noch vor Boakye zur Ecke klären. Derartig drangvoll erlebten wir die vier Tage zuvor mit einem Auswärtssieg in Mönchengladbach glänzenden Mainzer jedoch selten. Einer der Gründe hierfür heißt Jan Simak, der im Mittelfeld für ein Gleichgewicht sorgte, spielerisch wie kämpferisch erneut eine herausragende Leistung bot. Kein Wunder, dass immer mehr Bundesligisten hinter ihm her sind. Vom technischen Potential her gab es nach Bernd Schneider sicherlich keinen besseren im Zeiss-Trikot als ihn. Simaks Schrägschuss vom linken Strafraumeck in Minute 21 rauschte nur knapp am Mainzer Gehäuse vorbei.
Sieben Minuten später: Felix Holzner fängt einen Mainzer Angriff ab, doch verspringt ihm das Leder zu weit vom Fuß. Weil das Not-Tackling misslingt, hat Feulner freie Bahn zum Tor, umspielt Khamutouski und trifft zum Führungstreffer. Woche für Woche das selbe Bild: Es sind die individuellen Patzer im Abwehrzentrum, die den FC Carl Zeiss immer wieder ins Hintertreffen geraten lassen. Da half auch ein weiterer schöner Simak-Schuss vor der Pause nichts mehr.Nach Wiederanpfiff legte Karhan für Feulner auf. Doch erst dessen Wegrutschen eröffnete den Mainzern eine Torgelegenheit, bei der Boakye von Khamutouski und Omodiagbe mit vereinten Kräften gestört werden konnte. Chancen gleichsam aus dem Nichts – irgendwie war das typisch für dieses Spiel. Auch fürs zweite Gegentor. Klar drängte der ballführende Feulner mit viel Elan in den Strafraum. Doch unmittelbare Torgefahr bestand da kaum, dafür war der Winkel zu spitz und Omodiagbe noch in der Nähe. Holzner zog Feulner jedoch so ungestüm zu Boden, dass der Referee sofort auf den Elfmeterpunkt zeigte. Da der Strafstoß saß, drohte Holzner bei seinem Comeback zur tragischen Figur zu werden. Dabei hatte er insgesamt keine schlechte Partie gespielt, jedoch in zwei entscheidenden Szenen das Nachsehen gehabt. Nur gut, dass auch Jena noch seine Chance aus dem Nichts bekam. Bei Simaks diagonalem Freistoß rückten fünf Mainzer und vier Jenaer in Richtung Tor, keiner berührte jedoch den Ball. Auch nicht Torwart Ischdonat, der durch die Spielertraube wohl irritiert war. 1:2 - da ging noch was. Bürger versuchte es mit frischen Kräften, brachte zunächst Allagui, dann Saka und Amrhein. Was umgehend Wirkung zeigte. Amrheins straffen Schuss aus 23 Metern konnte Ischdonat nur nach vorn abwehren, Saka setzte den Abpraller aber am langen Eck vorbei. Welch ein Glück, das da noch was nachkam ! Und zwar in Minute 83: Eckball von Simak, präzise auf Allagui, der aus Nahdistanz trotz Bedrängnis ins Netz köpft. Wieder einmal hatte der FCC aus scheinbar aussichtsloser Lage herausgefunden. Dass er den redlich erkämpften Punkt am Ende auch mitnehmen durfte, verdankt er seinem Torhüter. Klasse, wie Vasili Khamutouski in der 85. Minute Hooglands tückischen Aufsetzerkopfball aus nur sechs Metern Torentfernung zur Ecke lenkte !
Eine Unsportlichkeit der Mainer hätte der Partie dann beinahe ein schlimmes Ende bereitet. Mehrere Male zuvor hatten die da noch zurückliegenden Jenaer den Ball ins Aus gespielt, wenn ein 05er verletzt am Boden lag. Doch als Darlington Omodiagbe nach Zweikampf unglücklich aufgekommen regungslos auf dem Rasen liegen blieb, spielten die Rot-Weißen weiter. Dabei zählte jede Sekunde, denn Omodiagbe hatte das Bewusstsein verloren und seine Zunge verschluckt ! Gottseidank erfolgte die Hilfe gerade noch rechtzeitig und mit einer leichten Gehirnersschütterung ging alles noch recht glimpflich ab. Dass die Jenaer das Match zum dritten Mal in Folge nur zu zehnt beenden konnten, hatte keinen Einfluss auf das Endergebnis.Henning Bürger hatte unter der Woche kein bisschen übertrieben. Die Moral stimmt in dieser Mannschaft hundertprozentig. Das ist wichtig, weil sich der Druck weiter erhöhen wird. Denn gegen die nun folgenden Punktspielgegner müssen endlich wieder Siege her. <fc>
FC Carl Zeiss Jena - 1. FC Köln 1:3
Tore: 0:1 Helmes (28.), 1:1 Müller (61.), 1:2 Novakovic (80.), 1:3 Novakovic (90.)
- Jena: Khamutouski; Maul (
, 48.),
Müller, Omodiagbe, Stegmayer (83. Saka); Amrhein (59. Allagui),
Kühne, Ziegner, Simak, Werner (83. Petersen); Schied
- Köln: Mondragon; Ümit Özat, Mohamad, McKenna, Ehret;
Broich (72. Gambino), Mitreski, Antar, Vucicevic (68. Chihi); Helmes (89.
Scherz), Novakovic
- Zuschauer: 9904
- Schiedsrichter: Henschel (Braunschweig)
- Spielbericht:
- Es gibt Spiele, da ist auf dem Rasen richtig viel los – und
hinterher fehlen dir trotzdem die Worte für den Spielbericht. Und im Stadion,
nach dem Spiel, verhindern lediglich Anstand und gute Erziehung (und vielleicht
auch die doppelte Kette aus Gelb und Dunkelblau), dass du deine Meinung über
Referee und DFB-Lieblinge in den Gästebus stanzt.
Am kalten Freitagabend begann der FCC zunächst
unterkühlt-vorsichtig, um nicht ins offene Messer der Gäste zu laufen, die spielerisch
eine schnelle, feine Klinge schlugen. Trotzdem kam der FCC ganz gut nach vorn
und hatte einige interessante Szenen, z.B. als Stegmayer eine scharfe Flanke
vors Tor schlug oder Mondragon Ziegners
Freistoß wegfaustete. In der 23. min gab es dann nach der dritten Kölner Ecke
die erste brenzlige Szene vor unserem Tor, als Kühne den Ball zu kurz abwehrt,
Khamutouski den Schuss jedoch parieren kann. In der 27. min gab es dann auf der
Gegenseite die erste zornerregende Szene, als nach einer Ecke Schied (?) schießen
will, der Kölner jedoch mit gestrecktem Bein „drüberhält“.
weiterspielen. Zwei Minuten später tändeln Khamutouski und Omodiagbe bei einem
Abstoß herum, der schwache Abschlag des Torwarts in den Mittelkreis kommt
prompt als Steilpass auf Helmes, der zum 0:1 einschiebt; Müller stand zu weit
weg. Kurz danach verhindert Khamutouski mit einer tollen Parade das
spielvorentscheidende 0:2, als er gegen Broich blitzschnell reagierte. Ein Aufstöhnen
ging durchs Stadion, als Werner nach der dritten FCC-Ecke einen Schuss von der
Strafraumgrenze an die Lattenunterkante nagelte. Den zurückspringenden Ball
erlief einer im weißen Trikot (Kühne?), wurde jedoch durch einen Kölner
umgerissen. Strafstoß? Vergiss es! Der Herr Henschel aus Braunschweig –
spätestens jetzt war die Bezeichnung „Unparteiischer“ falsch – schien zur
60-Jahr-Feier nach Köln eingeladen gewesen zu sein und verteilte hier sein
zweites Geschenk des Abends an den Ziegenverein. Tut mir leid, aber so etwas
kann man nicht falsch oder gar nicht sehen – das ist Vorsatz! Im Jenaer Angriff
merkte man doch, dass man mit einem Ein-Mann-Sturm agierte – und Simak, der
immer wieder mal als zweite Spitze in den aufrückte, konnte sich die Pässe trotz
einer ganz starken Leistung ja schließlich nicht selbst vorlegen. Aber vor der
Pause erreichte eines dieser Anspiele den rechts in den Kölner Strafraum
laufenden Schied, der aber mit seinem Schuss aus spitzem Winkel keinen Erfolg
hatte.
Unmittelbar nach Wiederanpfiff gab es das nächste
Geburtstagsgeschenk an die Kölner. Maul trennte per Tackling an der rechten
Seitenlinie den Ball vom Kölner Spieler und während auf der Tribüne
Diskussionen über den Freistoßpfiff an sich aufbrandeten, zeigte der Schiedsrichter
Alex Maul… „Rot“!!! Was ging denn hier ab! Ich war einfach sprachlos! Wut,
Entsetzen, Fassungslosigkeit – die Gesichter meiner Platznachbarn spiegelten
vieles wieder, aber nicht einmal ansatzweise gab es Verständnis für diese
Entscheidung. Wenn sich bis dahin vielleicht bei einigen oder vielen auf dem Rasen
und den Rängen innerlich Resignation breitmachen wollte, mit diesem
Platzverweis hatte der Schiedsrichter alle, die sich dem FCC verbunden fühlen,
aufgerüttelt. Die Stimmung auf den Rängen brodelte, die Mannschaft drehte auf
und das Spiel kippte optisch zu Gunsten des FCC. Und Mondragon
tauchte in der 55. min blitzschnell ins lange Eck, um Schieds
Schuss den Weg ins Netz zu verwehren. Fünf Umdrehungen des Sekundenzeigers
später: Simaks Freistoß hoch in den Strafraum neben das lange Toreck, Kopfball
von Kühne quer und Müller machte den Ausgleich. Jaaaaaa!
Der Vulkan EAS schien zu explodieren! Und der FCC machte weiter, drückte auf
das wichtige drei Punkte bedeutende 2:1 und hatte eine gute Chance, als
Schied gegen den herausstürzenden
Mondragon leider einen Schritt zu spät kam. Und die Kölner
schienen völlig überrascht zu sein, dass diese Jenaer Mannschaft trotz
Unterzahl, trotz permanenter Benachteiligung in der Zweikampfbeurteilung
(Werner wird in der 69. min gefoult und bekommt dafür „Gelb“ wegen „Schwalbe“!)
Das sah richtig gut aus. Und Köln leistete einen weiteren Beitrag zur
Unbeliebtheit, als man den Ball trotz eines am Boden liegenden Werner nicht
sportlich-fair ins Seitenaus spielte, sondern ungerührt einen Angriff
initiierte. Chihi köpfte aber freistehend vorbei.
Und
dann lief es wie so oft in dieser Saison: Jena machte (in Unterzahl) das Spiel,
der Gegner einen vernünftige Spielzug, dazu ein Abwehrfehler (einem Jenaer
rutschte die Flanke unterm Fuß durch) und wir lagen wieder hinten. Novakovic knallte
den Ball aus 22 m Entfernung ins untere Toreck und Khamutouski war chancenlos.
Dieser Gegentreffer war der moralische Genickbruck für unser Team, es lief
nicht mehr viel, die fehlende Kräfte (bis dahin durch überdurchschnittlichen
Kampfgeist wettgemacht) und es war eigentlich der Dummheit der Kölner
geschuldet, dass das 1:3 erst tief in der Nachspielzeit fiel.
Interessant war noch die Pressekonferenz: Bürger fasste sich
sehr kurz (ein passendes Statement wäre sicher zu teuer geworden), Daum
palaverte minutenlang Nichtssagendes und Rainer Zipfel sagte – mit sehr
gesetzten Worten – was er von der Schiedsrichterleistung heute und in den
letzten Wochen hielt. Bravo! Sollte die Aussage des FCC-Präsidenten
irgendwelche finanziellen Sanktionen seitens des DFB nach sich ziehen,
beteilige ich mich an einer Sammlung beim nächsten Heimspiel. <uk>
FC St. Pauli - FC Carl Zeiss Jena 2:2
Tore: 1:0 Takyi (13.,FE), 1:1 Ziegner (54.), 1:2 Simak (68.,FE), 2:2 Bruns (88.)
- St.Pauli: Borger; Rothenbach, Morena, Eger, Gunesch; Takyi, Boll, Meggle,
Schultz (46.Sako); Schnitzler (65.Braun), Kuru
- Jena: Khamutouski; Maul, Müller, Stegmayer; Amrhein, Kühne, Ziegner, Werner; Simak (83.Kandelaki);
Torghelle (
, 17.), Schied (87. Petersen)
- Zuschauer: 20.217
- Schiedsrichter: Winkmann (Kerken)
- Spielbericht:
- (von Gastkommentator Thomas Neumann)
13 Punkte, Platz 17, Spieltag 19 - das ist die wenig schmeichelhafte Zwischenbilanz vor dem Auswärtskick in Hamburg. Ich neige nicht
zu übermäßigen Optimismus oder Pessimismus im Bezug auf meinen FCC, aber realistisch betrachtet sollte man die Möglichkeit
des Abstieges mittlerweile wohl in die Prognosen für das Saisonergebnis mit einbeziehen.
Was solls - hilft ja nix. Auswärts läuft es diese Saison ja eh besser als zu Hause und so startet die dreiköpfige Niedersachsen -
Fraktion am Freitagmittag von Hannover nach Hamburg. Auf der A7 bis Hamburg gibt's jede Menge Thüringer Kennzeichen zu begucken und auch
der "Vor dem Spiel" - Bummel durch den Kiez bietet jede Menge blau - gelb - weiße Fanutensilien fürs Auge. Der guten Ordnung halber
sei natürlich noch erwähnt, dass das Ganze nach eigenem Erleben total "stressfrei" abläuft und nette Gesten und Wünsche der
Einheimischen keineswegs die Ausnahme sind.
In einer Ecke der Nordtribüne ist seit Neuestem der Gästeblock auf St. Pauli untergebracht, der von den anwesenden ca. 1500 FCClern
gut gefüllt wird. Das die Hafenhamburger nun extra für das Gastspiel des Europapokalfinalisten von 1981 eine zusätzliche
Stahlrohrtribüne auf der Nordseite ihres Stadions errichtet haben, erscheint auf den ersten Blick zwar übertrieben, ist aber
angesichts des Gegners nun nicht gar so abwegig.
Der sportliche Teil des Abends beginnt mit einer Jenaer Großchance als Jan Simak sich in der 4. Minute schön auf der rechten
Seite durchsetzen kann, jedoch lieber in der Mitte Thorgelle bedient, statt selber direkt abzuschließen. Während der Gästeblock
noch dieser Chance nachtrauert, spielt sich am anderen Ende des Stadions bereits Teil 1 der mysteriösen Schiedsrichterentscheidungen des
Abends ab. Fakt ist, ich habe aus ca,. 100 m Entfernung in einem Gestocher im Strafraums kein Handspiel - ein Dank an den Stadionsprecher der
den Grund für den Elfmeter mitmeldete - gesehen. Ohne mein Einverständnis verwandelt Takyi trotzdem sicher zum 1:0 in der 13. Minute.
Wenig später (18. Min.) scheint das Spiel schon endgültig gelaufen, als Sandor Torghelle wegen einer Tätlichkeit mit Rot vom
Platz fliegt. Ich habe unter den reichlich bescheidenen Sichtverhältnissen des Gästeblockes, dieses Nachtreten von ihm mit dem
Fuß relativ klar gesehen - der Schiri wohl auch - und bin gespannt, ob dies nicht schon bereits der letzte Pflichtspielauftritt
unseres "Gulaschbombers" war, der ja auch im Pokal gesperrt ist. Der Rest der ersten Halbzeit besteht aus ziemlich laschen Mittelfeldgekicke
und -geschiebe der St. Paulianer, daß die Jenaer bis auf einen Simak - Schuss ans Außennetz (34.) nicht bestrafen können.
Die Kabinenaufenthalt in der Halbzeitpause für die, diesmal blauen Helden, ist kürzer als normal, als sie nach der "gefühlten"
Hälfte der Spielunterbrechung bereits wieder auf dem Platz stehen. Dem Neutrainer Henning Bürger sei an dieser Stelle geweissagt,
dass solche "Nummern" zwar nicht schlecht sind aber auch nur gefühlte zweimal ziehen, bevor sie ihre Wirkung verfehlen. Aber diesmal
scheint es definitiv noch zu wirken. In der 54. Minute setzt sich Ziegner durch und kann im zweiten Versuch den St. Pauli-Keeper Borger
überwinden. Hätte man mich jetzt gefragt ob ich mit dem Unentschieden zufrieden gewesen wäre, hätte ich sofort abpfeiffen
lassen. Mehr ist doch in Unterzahl echt nicht drin…
Für den "Auswärts - FCC" in dieser Saison ist dies aber das natürliche Signal auch in Unterzahl die Siegchancen zu suchen.
Und als Patrik Amrhein kurze Zeit später nach schönem Solo freistehend vor dem Tor nur an den Pfosten schiebt, wagt der gemeine
FCC - Fan im Gästeblock endlich vom "Auswärtssieg" zu träumen und singen. Was in der 68. Minute zum Elfmeter für Jena führt
kann ich nicht nachvollziehen, da die Aktion schon wieder am anderen Ende des Stadions stattfindet, aber wenn der erste Elfer berechtigt gewesen
sein soll, wird es dieser wohl auch. Wenigstens in den Augen des Schiedsrichters.
Das es am Ende doch nicht zum Auswärtsdreier reicht, ach herrjee, wem will ich das denn vorwerfen? Die Mannschaft hat auch in der Schlussphase
alles geboten, was sie konnte. Der Ausgleich in der 88. Minute ist natürlich der "Hammer" ins Genick des eh schon taumelnden Boxers. Andererseits
muss den Jungs doch endlich mal jemand ins Gehirn prügeln, dass sie auch zu Hause so auftreten müssen, dann besteht vielleicht noch Hoffnung
auch mit einem Unentschieden auf St. Pauli leben zu können.
FC Carl Zeiss Jena - Alemannia Aachen 2:3
Tore: 1:0 Werner (17.), 1:1 Reghecampf (29.), 2:1 Schied (66.), 2:2 Lehmann, 2:3 Krontires (81.)
- Jena: Khamutouski; Günther, Maul, Omodiagbe, Stegmayer;
Amrhein (75.Saka), Müller, Simak, Werner; Petersen (64.Torghelle),
Schied
- Aachen: Straub; Polenz, Klitzpera, Herzig, Leiwakabessy;
Reghecampf, Lehmann (90.Olajengbesi), Lagerblom, Krontiris (90.Brinkmann);
Ebbers (58.Mosquera), Kolev
- Zuschauer: 6513
- Schiedsrichter: Gräfe (Berlin)
- Spielbericht:
- Die fußballfreie Zeit war endlich zu Ende und auch für Jena sollte nun der Ball in der 2. Bundesliga wieder rollen. Die guten
Ergebnisse in der Vorbereitung ließen bei jedem Zeiss-Fan Hoffnung aufkommen, welche in einem grandiosen Sieg im DFB-Pokal gegen die
Arminia aus Bielefeld gekrönt wurde. Diesen Schwung und Optimismus wollte man unbedingt in die heutige Partie mitnehmen, um gleich im
ersten Spiel der Rückrunde gegen die Gäste aus Aachen die Aufholjagd starten zu können und den ersten wichtigen Dreier einzufahren.
Die Jenaer begannen auch gleich wie die Feuerwehr und bereits nach 20 Sekunden sah Herzig die erste gelbe Karte im Spiel, da er den aufs
Tor stürmende Schied nur durch Foulspiel bremsen konnte. Gut eine Minuten später fast schon das 1:0 für die Platzherren,
doch ein gefährlich abgefälschter Freistoss mit anschließendem Torschuss von Schied wurde wegen Abseitsposition abgepfiffen.
Aber leider war es das erst einmal mit den Jenaer Angriffbemühungen, denn die Aachener stellten sich im besser auf das Jenaer Spiel ein
und setzten frühzeitiger nach. Dadurch verflachte die Partie zunehmend und beide Teams neutralisierten sich weitgehend im Mittelfeld,
ohne sich dabei nennenswerte Chancen zu erspielen. So dauerte es bis zur 17. Minute, als der Jenaer Anhang zum ersten Mal jubeln durfte.
Ein von Simak getretener Eckball wurde zunächst per Kopf geklärt, Amrhein nahm den abprallenden auf, schoss erneut auf das Tor
und in der Mitte stand Werner goldrichtig und fälschte per Kopfball zur 1:0 Führung ab. Doch leider konnten die Jenaer dieses
Stimmungshoch nicht weiter nutzen, denn sie führten erst zum zweiten Mal in dieser Saison auf eigenem Platz, sondern sie ließen
die Aachener wieder ins Spiel kommen. Nach gut einer halben Stunde nutzten diese ihre erste gute Möglichkeit eiskalt und Reghecampf
traf mit einem herrlichen Kopfball aus 11m zum Ausgleich. Kurz vor der Pause sogar noch fast die Führung für die Gäste, doch
Jenas neuer Keeper Khamutouski konnte den Schuss von Krontiris gerade noch parieren.
Die Aachen kamen zielstrebiger aus der Kabine und hatten bereits in der 51. Minute erneut eine dicke Möglichkeit zur Führung, aber
Ebbers konnte in bester Position mit seinem Kopfball aus Nahdistanz den Jenaer Schlussmann nicht überwinden. Nun zogen die Gäste ihr
Spiel auf und beherrschten das Mittelfeld mühelos. Die Jenaer wirkten dagegen zunehmend verunsichert und versuchten es mit langen Bällen
nach vorn, die aber allesamt keinen Abnehmer fanden. Trainer Henning Bürger brachte Torghelle ins Spiel und erhoffte sich noch einmal einen
Schub nach vorn. Und es dauerte auch nur wenige Augenblicke und da hatte sich die Einwechslung bereits ausgezahlt. Simak hatte erneut einen Eckball
getreten, den Torghelle per Kopf genau vor das Tor verlängerte, wo Marcel Schied goldrichtig stand und den Ball aus wenigen Zentimetern nur
über die Linie drücken musste. Hoffnung auf den wichtigen Dreier keimte wieder auf, aber leider konnten die Jenaer auch in dieser Phase
den Schub nicht nutzen. Nur fünf Minuten später musste Khamutouski, der mit Abstand beste Spieler des FCC an diesem Tage, Kopf und
Kragen riskieren, um den erneuten Ausgleich zu verhindern. Aber zwei Minuten später war auch er machtlos, als Lehmann aus wenigen Metern
mit einem schönen Schuss zum Ausgleich traf. Die Thüringen wirkten in ihren Aktionen immer konfuser und man mochte gar nicht glauben,
dass fast genau dieses Team nur wenige Tage zuvor die Arminen aus Bielefeld in einer packenden Partie aus dem DFB-Pokal geworfen hatten. Als
wenn die zwei Gegentore nach zweimaliger Führung nicht schon schlimm genug wären - es sollte heute noch dicker kommen. Lehmann hatte
sich in der 82. Minute im Mittelkreis das Leder geschnappt und konnte ungehindert bis kurz vor den Strafraum spazieren, wo er Krontiris mit
einem Pass genau in den Lauf bediente, der sich diese Chance nicht entgehen ließ und zur Gästeführung einschoss. Der FCC
versuchte in der Folgezeit noch einmal alles und wurde eine Minute vor Ultimo auch fast noch belohnt, doch zum Pech der Saalestädter
krachte einer herrlicher Schuss von Simak nur an das Lattenkreuz.
Wenig später war die Partie zu Ende und erneut konnte der FCC nach einem packenden und auch erfolgreichen DFB-Pokalsieg den Schwung und die
Euphorie nicht ins anschließende Punktspiel hinüberretten, um endlich auch hier einen wichtigen Sieg erringen zu können.<vg>
FC Carl Zeiss Jena - FC Augsburg 1:2
Tore: 0:1 da Costa (25.), 0:2 Ledezma (38.), 1:2 Petersen (79.)
- Jena: Kraus; Stegmayer, Omodiagbe, Maul, Oniani; Werner, Müller (46. Kühne), Simak, Charalambides; Helbig (65. Fröhlich), Torghelle (76. Petersen)
- Augsburg: Neuhaus; Wenzel, Benschneider, Hertzsch, Möhrle;
Müller, Hdiouad, da Costa, Kern; Diabang (90.Hlinka), Ledezma (74.Luz),
- Zuschauer: 8453
- Schiedsrichter: Lupp (Zossen)
- Spielbericht:
- Nach den Siegen in den letzten beiden Partien war es heute für die Kicker des FC Carl Zeiss Jena immens wichtig, auch das letzte Heimspiel der
Hin-Serie positiv zu gestalten und mit einem Sieg gegen den FC Augsburg das Kalenderjahr noch ein wenig freundlicher zu beenden.
Die Platzherren hatten sich auch wirklich viel vorgenommen, denn sie begannen gleich elanvoll und drückten die Bayern in deren Hälfte. Nach acht
Minuten die erste gute Chance für die Jenaer, doch Helbig bekam freistehend den Ball im Strafraum nicht richtig unter Kontrolle und er landete beim Tormann.
Sekunden später erneut eine gute Möglichkeit durch einen Freistoß von Simak, aber Maul berührte noch den Ball und fälschte ihn so ab,
dass er über das Tor abgelenkt wurde. Erneut Simak war es, der für eine weitere gute Aktion (19.) der Jenaer sorgte. Auf der linken Seite düpierte
er erst einen Gegenspieler mit einer Körperfinte, stürmte weiter und drang in den Strafraum ein. Den zweiten Abwehrspieler umkurvte er und spielte
anschließend noch Doppelpass mit Charalambidis, doch als er aufs Tor schießen wollte, stand erneut ein Augsburger vor seiner Nase, so dass diese
geniale Einzelaktion ohne Krönung blieb. Es lief bereits die 25.Minute und von den Gästen war noch nichts zu sehen gewesen. Aber das sollte sich
leider schnell ändern. Zunächst scheiterte da Costa mit seinem Freistoß aus gut 22m an Kraus. Doch beim anschließenden Eckball stand
er völlig frei und konnte so ungehindert die Führung für die Augsburger erzielen. Die Jenaer steckten nicht auf und nach 34 Minuten prüfte
Werner mit einem schönen Schuss Gästekeeper Neuhaus, der zur Ecke klären konnte. Ein langer Ball der Gäste wurde per Kopfball noch einmal
verlängert, so dass Ledezma das Leder genau in den Lauf gespielt bekam. Das 1:1-Duell gegen Maul entschied er für sich, zog aus halbrechter Position
ab und der Ball landete im langen Toreck und es stand nach 38 Minuten 0:2 aus Jenaer Sicht. Da hatten sich die Jenaer Spieler für das heutige Spiel so
viel vorgenommen, spielten phasenweise mal wieder richtig schönen Fußball und die Augsburger, von denen kaum etwas zu sehen war, führten
mit 2:0. Unglaublich. Kurz vor der Pause noch einmal ein gefährlicher Freistoß des FCC in den Strafraum, aber ein Abwehrspieler konnte per Kopf
zu Ecke klären.
Nach der Pause begannen die Spieler des FCC ihre Aufholjagd und setzten die Augsburger unter Druck. Neuhaus im Tor der Gäste mit seiner einzigen
Unsicherheit am heutigen Tage, als er einen Schuss von Werner (49.) erst im zweiten Versuch festhalten konnte. Aber nun ging es Schlag auf Schlag und
die Jenaer drängten auf den Anschlusstreffer. Nach einem Eckball Getümmel im Augsburger Strafraum und der Ball kam zu Helbig, der sofort abzog,
aber an den Fingerspitzen von Neuhaus scheiterte, wie auch kurz darauf mit einem Schuss aus spitzem Winkel (53.). Dann war es Simak, der nach einem Konter
mit seinem Schuss aus 20m nur um Zentimeter das Tor verfehlte. Wenig später legte Torghelle auf Charalambis ab, dessen Schuss Neuhaus mit den
Fingerspitzen noch berührte, der Ball rollte Richtung Torlinie, doch ein Augsburger konnte den Ball gerade noch vor der Linie wegschlagen. In
der 76. Minute schickte Jenas Trainer Ivanauskas seinen Edeljoker Nils Peterson auf das Feld, der bereits in den letzten beiden Partien jeweils mit
seinem Tor zum Matchwinner der Spiele geworden war. Nur drei Minuten waren vergangen, da flankte Charalambidis hoch in den Strafraum, Peterson stieg
am höchsten und traf per Kopf zum 1:2. Großer Jubel auf den Rängen und nun dachte ein jeder, dass wenigsten ein Unentschieden am
heutigen Tag noch möglich sei. Aber es waren die Gäste, die näher am Torerfolg waren, denn Diabang stürmte in der 81.Minute allein
auf Torwart Kraus zu, wollte diesen umspielen und legte sich den Ball dabei zu weit vor, so dass ein Verteidiger gerade noch klären konnte. Die
Zeit lief den Platzherren davon und fast hätte Luz fünf Minuten vor Ultimo den Jenaern das endgültige K.O. versetzt, doch sein Ball
zischt um Haaresbreite am Pfosten vorbei. Die zwei Minuten Nachspiel liefen bereits, als Simak mit einem herrlichen Schuss das nun kaum noch geglaubte
Unentschieden erzielen wollte, aber der am heutigen Tage überragend haltende Torwart Neuhaus hatte etwas dagegen und konnte mit einer hervorragenden
Parade den Ball mit den Fingerspitzen noch über das Tor lenken. Wenig später pfiff Schieri Lupp die Partie ab und erneut eine Heimniederlage
stand zu Buche.
Kopfschütteln auf den Rängen. Da hatten die Kicker des FCC in den letzten Partien spielerisch völlig versagt und erkämpften sich
zwei Siege und ein Remis, und am heutigen Tage hatte man endlich mal wieder phasenweise richtig guten Fußball gespielt, war die gesamte
Partie überlegen und heraus gesprungen ist erneut eine ganz bittere Niederlage. Nun heißt es regenerieren und das letzte Spiel schnell
vergessen, damit im neuen Jahr die Aufholjagd fortgesetzt werden kann. <vg>
1. FC Kaiserslautern - FC Carl Zeiss Jena 2:3
Tore: 1:0 Jendrisek (19.), 2:0 Simpson (47.), 2:1 Torghelle (61.), 2:2 Omodiagbe (73.), 2:3 Petersen (80.)
- Kaiserslautern: Sippel; Bellinghausen, Schönheim (83. Opara), Beda, Müllerr; Denai, Broniszewski, Simpson, Reinert (67. Neubauer); Jendrisek, Runström (71. Ziemer)
- Jena: Kraus; Stegmayer, Omodiagbe, Maul, Oniani; Kandelaki (69. Petersen), Kühne (46. Müller), Ziegner (25. Simak), Charalambides; Werner, Torghelle
- Zuschauer: 24.517
- Schiedsrichter: Hartmann (Augsburg)
- Spielbericht:
- Fußball
ist ein seltsamer Sport. Da spielt der FC Carl Zeiss Jena über weite Strecken
der Hinrunde gerade auswärts tollen Fußball, ohne daraus auch Kapital in Form
von Punkten zu ziehen. Und dann liefert er drei wahrhaft schlechte Spiele in
Folge ab mit dem Resultat, daraus mehr Zähler zu holen als in den 13
vorangegangenen Begegnungen zusammen. Die Gemeinsamkeit der drei Spiele gegen
Osnabrück, Aue und nun Kaiserslautern bestand darin, dass sich all diese Gegner
nach Spielende vor Wut in den Allerwertesten beißen mussten darüber, einem
bereits klinisch toten FCC nicht mit etwas mehr Entschlossenheit den
endgültigen Knockout versetzt zu haben. Der Unterschied: Jenas erster
Auswärtssieg in Kaiserslautern war nicht ansatzweise verdient.
Valdas Ivanauskas behielt sein Bäumchen-wechsle-dich-Spiel in Sachen Aufstellung bei.
Der gegen Aue indisponierte Tapalovic stand nicht einmal im Kader und Helbig
fand sich neben dem angeschlagenen Simak auf der Bank wieder. Stattdessen
Oniani von Beginn an in der Viererkette, und vorn stürmten Torghelle und nach
seiner abgesessenen Gelbsperre auch wieder Tobias Werner Seite an Seite. Beide
waren es auch, die im Zusammenspiel die ersten Duftmarken setzten. Nach drei
Minuten nimmt Torghelle einen Zauberpass Werners auf, lässt sich aber von
Bellinghausen im Strafraum abdrängen und hofft zu Recht vergeblich auf einen
Elfmeterpfiff, eine Viertelstunde später segelt der Ungar nur haarscharf an
einer Werner-Freistoßhereingabe vorbei. Jena war das aktivere Team und die
Gastgeber schienen doch etwas überrascht davon, dass sich der Tabellenletzte
keineswegs nur hinten rein stellte, sondern das Spiel mehr und mehr an sich
riss. Riss ist das richtige Stichwort, denn das Bersten von Jenas Spielfaden
ließ sich selten so punktgenau datieren wie in diesem Spiel. 19. Minute, ein
schwacher Freistoß Torsten Ziegners gelangt zum Ausführenden zurück, dessen
kapitalen Stockfehler an der Mittellinie Josh Simpson – zuvor schon durch eine
nicht geahndete Tätlichkeit gegen Stegmayer auffällig – ausnutzt und gemeinsam
mit zwei Teamkameraden allein auf Daniel Kraus und Stegmayer zuläuft. Auch wenn
die Lauterer dies schlampig ausspielen, der Ball zappelt im Netz und Jenas Anhänger
erleben ihr ewiges Deja vu aus der Abteilung „Wie besorge ich es mir selbst“.
Was sich in den folgenden Minuten auf dem Rasen abspielte, lässt sich aus
Thüringer Sicht nur mit erbärmlich, hilflos, hoffnungslos umschreiben. Die
Zeiss-Elf geschockt, während die Betzebuben sich nun fast im Minutentakt Chance
um Chance erspielten. Oniani klärt gefährliche Freistoßflanke (21.), Kraus
pariert Jendrisek-Schuß (23.), Broniszewski knapp neben das Tor (24.),
Runströms Heber landet auf der Latte (25.), Maul klärt Jendrisek-Schuß für den
geschlagenen Kraus auf der Linie (30.), Kraus rettet todesmutig gegen den
heranstürmenden Runström (35.), Lautern drückte und Jena schwamm, frei von
jeglicher Ordnung, frei von jeglichem Selbstbewusstsein. Dass mitten in diese
Phase die Herausnahme des Kapitäns fiel, ist zwar eine bemerkenswerte
Personalie, Einfluß auf das Geschehen auf dem Platz hatte sie nicht, denn auch
Jan Simak fügte sich nahtlos in die desaströse Vorstellung der Jenaer Elf ein.
Und just als man sich noch sagte, dass der Spielstand zur herannahenden
Halbzeitpause noch das Beste der ersten 45 Minuten sei, hatte auch dieser
keinen Bestand mehr. Hauptprotagonist diesmal Daniel Kraus, der erst einen fast
gefangenen Eckball wieder prallen ließ und bei der anschließenden Flanke
danebengriff, so dass sich Josh Simpson mit dem 2:0 bedankte und für
Endzeitstimmung bei 2.000 Jenensern im Gästeblock sorgte.
Die löste sich auch nicht mit Wiederanpfiff, als die Hereinnahme Robert Müllers für
den noch zu den Besseren gehörenden Stefan Kühne wohl nur von den Wenigsten als
Startsignal zu Jenas Aufholjagd verstanden wurde. Und so setzte sich das
planlose Vorpausenspiel nahtlos fort, kapitale Abwehrschnitzer (Oniani, Maul)
ermöglichten Broniszewski und Jendrisek beste Einschußchancen zur
Resultatserhöhung, während der FC Carl Zeiss im Offensivspiel schlicht nicht
existent war. Ähnlich wie die Pfälzer also anfangs der ersten Halbzeit und so
wollte es das Schicksal, dass auch diesmal ein unfassbarer Bock des Gegners den
Weg zum Tor bereitet. Lauterns Innenverteidiger Mathieu Beda wird des nächtens
wohl von jener Szene in der 61. Spielminute träumen, als er plötzlich völlig
unmotiviert und in der irrigen Annahme, sein Torhüter käme ihm entgegen,
Torghelle das Leder herschenkt. Der Ungar schlägt die Einladung nicht aus,
schlenzt gekonnt über Keeper Sippel ins Netz und Jena ist zurück im Spiel, ohne
eigentlich zu wissen, warum. Vier Minuten später schien dann alles wieder in
gewohnte Bahnen zu laufen, als sich der von seinen Vorderleuten erneut im Stich
gelassene Kraus im Strafraum nur mit einem plumpen Foul an Sven Müller zu
helfen weiß, Elfmeter. Ob man auf diesen Elfer später als den Knackpunkt
unserer Saison zurückblicken wird? Kraus springt in die richtige Ecke, hält,
der Nachschuß landet am Pfosten, alles Glück dieser Welt scheint in diesem
Moment auf jenen wenigen Quadradmetern Rasen vereint zu sein. Und endlich
begreifen auch die Blau-gelb-weißen dies als Wachrüttler, zückt Ivanauskas mit
Nils Petersen seinen ultimativen Joker und nimmt dafür Ilja Kandelaki aus der
Begegnung, wobei der Gang des Georgiers vom Feld seine aufsehenerregendste
Szene nach 69 Minuten Alibifußball darstellte, sieht man einmal von einer Flut
an Fehlpässen ab. Werner rückte für Petersen nun ins linke Mittelfeld zurück
und prompt setzte man den Gastgebern zu, übte Druck aus, setzte Nadelstiche.
Und einer davon saß: Simaks Ecke wird zu kurz geklärt, Werners Knaller pariert
Sippel, aber gegen den erneuten Nachschuß Omodiagbes ist auch er machtlos. 2:2,
unfassbar. Unfassbar auch, dass Jena nun nachsetzte, Lautern spürbar wankte und
seinerseits völlig den Faden verlor. Werners Schußversuch konnten sie noch ins
Toraus abfälschen (76.), Simak verzog im Strafraum knapp (79.) und dennoch
hätte es im Gegenzug beinahe bei Daniel Kraus geklingelt, doch der
eingewechselte Ziemer agiert freistehend zu umständlich. Der erneute Gegenzug,
die Roten Teufel bekommen das Leder nicht aus der Gefahrenzone, Simak zu
Torghelle, Torghelle zu Simak, Simak mit einem Anflug von Genialität
millimetergenau auf Petersen und was ist das für ein Wahnsinnsjunge, den Ball
furztrocken volley ins entlegene Eck zu katapultieren? Das Spiel war gedreht
und Jenas Youngster hätte gar noch einen draufsetzen können, als er sich nach
86 Minuten in den Strafraum dribbelt, aber zu Torghelle zurücklegt, der aus fünf
Metern über den leeren Kasten zieht. Lautern riskierte nun alles, hohe
Verzweiflungsbälle in den Jenaer Strafraum wechselten sich mit
kreuzgefährlichen FCC-Kontern ab, mit denen ebenso fahrlässig umgegangen wurde,
wie der mehrfache Deutsche Meister das in Halbzeit eins vorgemacht hatte. Dass
sich dies nicht noch rächte, verdankte man Lauterns Jendrisek, dessen Kopfball
in der 92. Minute knapp das Ziel verfehlte.
Dann war Schluß, fassungsloser
Jubel im Gästeblock, binnen 30 verrückten Minuten war aus „Wir woll’n euch
kämpfen seh’n“ ein „Wir woll’n die Mannschaft seh’n“ geworden, aus „Wir ham’
die Schnauze voll“ ein „Oh wie ist das schön“. Und nachdem der Puls erst einmal
etwas herunter gefahren war, da war sie wieder, die Parallele zu den beiden
vorangegangenen Spielen, jene brennende Frage: Abgesehen von der Freude über
die in den Schlussminuten eingefahrenen Punkte, von der Hoffnung auf einen
psychologischen Schub für’s nächste Match: Was soll einem aus der gebotenen
Leistung heraus Hoffnung für den Klassenerhalt geben? Sicherlich nicht viel,
doch wenn dieser glückliche Auswärtssieg eines war, dann Balsam auf die Wunde
der so vielen unnötig verschenkten Punkte im Verlaufe der letzten vier Monate.
Fußballfans sind die größten Philosophen, und wer wollte meinem Bruder
widersprechen in seinem Fazit: „Wir ham’s zwar nicht verdient, aber das ham’wer
uns mal verdient“. Auf die Hoffnung! <gunner>
FC Carl Zeiss Jena - FC Erzgebirge Aue 2:1
Tore: 0:1 Emmerich (8./FE), 1:1 Petersen (74.), 2:1 Simak (89./FE)
- Jena: Kraus; Stegmayer, Omodiagbe, Oniani, Tapalovic (41. Maul);
Kandelaki, Kühne, Ziegner (57. Torghelle), Simak, Charalmabides;
Helbig (72. Petersen)
- Aue: Keller; Trehkopf, Kos, Loose, Sträßer; Liebers,
Emmerich (76. Kurth), Curri (80. Geißler), Feldhahn; Sykora, Klinka
(76. Kaufman)
- Zuschauer: 9587
- Schiedsrichter: Gagelmann (Bremen)
- Spielbericht:
- Die ersten Überraschungen gab es beim Blick in die
Aufstellung. Ziegner verblieb trotz Simaks Rückkehr in der Startelf. Maul ein
weiteres Mal draußen. Doch die meisten Fragezeichen ergaben sich mit Blick auf
den Einmannsturm. Angesichts der Tabellensituation in einem Heimspiel nur mit
Helbig zu beginnen und Jenas besten Schützen Torghelle draußen zu lassen,
weckte jede Menge Unverständnis. Sollte der Ungar für seine übermotivierte
Spielweise in Osnabrück nachträglich noch bestraft werden ? Ist Motivation in
unserer Situation nicht wertvoll genug, um zu versuchen, sie in geordnete
Bahnen zu lenken ?
Das Ostderby gegen Erzgebirge Aue war nüchtern betrachtet
schon fast die letzte Gelegenheit, sich die Hoffnungen auf den Klassenerhalt
bewahren zu können. Deshalb wirkte der erneute frühzeitige Rückstand wie ein
Schlag in die Magengrube. Tapalovics Foul im Strafraum war nichts Grobes. Eines
von der Sorte, wo im Mittelfeld kurz Freistoß gepfiffen wird und das Spiel
gleich weiterläuft. Aber es passierte nun mal nicht im Mittelfeld, sondern im
eigenen Sechzehner und somit geht der Elfmeterpfiff in Ordnung. Emmerich
verwandelte sicher. In den diesjährigen Meisterschaftsspielen war es Jena noch
nicht gelungen, ein 0:1 in einen Sieg umzuwandeln. Und so ängstlich, wie es in
der Folgezeit zu Werke ging, schien daraus auch diesmal nichts zu werden.
Symptomatisch für die allgemeine Verunsicherung war die Szene, in der Oniani
unbedrängt den Ball am eigenen Keeper vorbei ins Toraus schob. Am meisten in
Erscheinung trat anfangs das promblemlos amtierende Schiedsrichter-Gespann, das in regelmäßigen
Abständen von acht Minuten seinen Auftritt hatte: Strafstoßpfiff in der 8.
Minute, Gelbe Garte für Stegmayer in der 16., Abseitsfahne beim Kopfballtor
Sykoras in der 24. Erst in Minute 25 ergab sich mal eine Tormöglichkeit für die
Thüringer, welche Ilia Kandelaki jedoch kläglich vergab: Drei Meter vor dem Tor
stehend köpfte er einen Flankenball um zehn Meter am Kasten vorbei ! Schlimmer
noch: Es sollte die einzige echte Chance in Halbzeit eins bleiben für den FC
Carl Zeiss, auch weil sich Alleinunterhalter Helbig zumeist von mehreren
Gegenspielern umringt sah und wie befürchtet damit auf verlorenem Posten
stand. Während Charalambides auf seiner lila-verwaisten Seite ein ums andere
Mal vergeblich auf sich aufmerksam zu machen versuchte, sorgte ein simpler
Fehler Kandelakis in der Ballannahme auf der anderen Seite für erste
Unmutsäußerungen von den Rängen. Fünf Minuten vor der Pause unterlief
Elfmetersünder Tapalovic ein Ballverlust, den Sykora nicht zu nutzen wusste,
jedoch Valdas Ivanauskas auf die Palme brachte. Noch vor dem Seitenwechsel nahm
er Tapalovic vom Feld, um dafür Alexander Maul ins Abwehrzentrum zu beordern.
Dieser berichtete hinterher, dass die Spieler in der Kabine
einiges zu hören bekommen und sich danach gesagt hätten: „Das Match drehen wir
heute“. Ganz ehrlich, lieber Alexander, lange Zeit sah euer Spiel in der
zweiten Hälfte kein bisschen besser aus als in der Ersten. So war in Minute 67
nicht nur aus dem Ball die Luft heraus, sondern anscheinend auch aus dem Spiel.
Das Schlimme an der Situation war, dass die auswärtsschwachen Auer keinen Deut
stärker spielten, aber scheinbar sicher in Führung lagen. Weil in diesem Spiel eben
einfach nichts passierte. Doch siehe da, mit neuem Spielgerät und zwei frischen
Stürmern kam die Wende. Nils Petersen war gerade zwei Minuten im Spiel, als er
eine Rechtsflanke von Charalambides erwischte und zum Ausgleich in die Maschen köpfte. „Ich habe
den Ball fliegen sehen und gedacht, da musst du hin“, schilderte der Youngster
das 1:1 aus seiner Sicht. Nun ging noch mal ein Ruck durch die Mannschaft, das
Spiel wurde schneller, doch auch die Zeit rannte davon. Kühnes Schuss landete
in Kellers Armen (81.). Doch mit dem Schuss von Maul hatte der
Auer Torwart größere Problem, musste das Leder prallen lassen. Torghelle wollte
abstauben und wurde durch Kos gefoult – Elfmeter ! In der vorletzten Spielminute ! Jan
Simak hielt dem immensen Druck stand, indem er scharf oben links verwandelte.
Petersen hatte den Ausgleich erzielt, Maul den vorentscheidenden Schuss abgegeben,
Torghelle den Elfmeter herausgeholt - mit seinen Einwechslungen lag Ivanauskas
immerhin wieder richtig. Der einzig wahre Held hieß dabei natürlich
Nils Petersen !
Eben noch auf dem Abstellgleis und nun das. Nach langer Pause wieder in die
Erste berufen, auf Anhieb einen Treffer erzielt,
zum Tor der Woche nominiert und in die U20-Nationalmannschaft berufen. Mehr
geht nicht in sieben Tagen. Ein Zeiss-Talent startet durch. Es wäre so wichtig,
würden sich seine Mannschaftskameraden davon anstecken lassen.
Denn eines muss klar sein: „Beide Halbzeiten zusammen
betrachtet war das nicht ausreichend für die zweite Liga“. Dieses Urteil hat
der Auer Spieler Marco Kurth über die Leistung seines Teams gefällt. Es gilt
wortwörtlich aber auch für die 90 Minuten des siegreichen FCC. <fc>
Bilder auf fcc.weissenburger.de
Spielbericht auf fc-erzgebirge.de
VfL Osnabrück - FC Carl Zeiss Jena 1:1
Tore: 1:0 Cichon (20., FE), 1:1 Werner (90.+2)
- Osnabrück: Gößling; Schäfer, Ndjeng,
Cichon, Thomik; Aziz (68. Nouri), Grieneisen (85. Manno), Heidrich, Schuon;
Hennings (89. Ehlers), Reichenberger
- Jena: Kraus; Stegmayer, Omodiagbe, Oniani, Günther
(

, 19.);
Kandelaki (85. Helbig), Kühne, Ziegner, Holzner (46. Charalambides);
Werner, Torghelle (37. Tapalovic)
- Zuschauer: 12.000
- Schiedsrichter: Kinhöfer (Herne)
- Spielbericht:
- (von Gastkommentator Thomas Neumann)
Das Osnabrücker Stadion an
der Bremer Brücke war Spielstätte des siebenten Auswärtsauftritts des FCC in
der Saison 2007/2008 und ich war wohl nicht der einzige Besucher, der die Parallelen
zum Spiel vor zwei Jahren sah. Nach einer Heimniederlage und eigentlich doch
recht ansprechenden Auswärtsauftritten in der Saison durfte man eigentlich
hoffen in Osnabrück zu punkten. Ähnlich
wie vor zwei Jahren, als der etatmäßige Spielmacher in der Regionalliga,
Torsten Ziegner, in Osnabrück fehlte, fiel diesmal Jan Simak aufgrund der 5. Gelben
Karte aus. Und das genau jener Torsten Ziegner nun diesmal den fehlenden Jan
Simak vertreten sollte, gab dem ganzen so eine besondere Note.
Aber um auch das nicht zu
vergessen, es gab auch einen Riesenunterschied zum Vergleich vor zwei Jahren:
Der FCC reiste dazumal als Tabellensiebenter zum VfL nach Osnabrück. Diesmal
kamen wir als Tabellenletzter nach Westniedersachsen und dementsprechend
pendelten die Ergebnistipps der Heimfans auf dem Weg vom Parkplatz zum Stadion
so zwischen einem 3:0 und einem 5:0 für ihre in der letzten Zeit extrem
heimstarken Lila-Weißen.
Die Mannschaft des FCC hatte
sich vor dem Spiel in einem viertägigen Trainingslager in Bad Blankenburg noch
einmal auf dieses Spiel eingeschworen und Jenas Cheftrainer Valdas Ivanauskas
wartete mit einigen Veränderungen in der Mannschaftsaufstellung auf. Neben
Torsten Ziegner in der Startformation, kamen auch Felix Holzner im rechten
Mittelfeld und Ilia Kandelaki im linken Mittelfeld zum Einsatz. Außerdem
spielten Omodiagbe und Oniani in der Innenverteidigung, Sven Günther mal wieder
hinten rechts und Michael Stegmayer hinten links, sowie Stefan Kühne als
Staubsauger vor der Abwehr. Und nachdem mit Sandor Torghelle und Tobias Werner
auch vorne mal wieder mit zwei Spitzen angefangen wurde, kann man Jenas Trainer
Valdas Ivanauskas wohl eher nicht vorwerfen, nicht mal etwas Neues
auszuprobieren.
Das Spiel begann für die
Jenaer eigentlich ganz ansprechend. Die Mannschaft kann das Spiel auch in des
Gegners Hälfte verlagern und von einer Anfangsoffensive der Heimmannschaft ist
wenig zu sehen. Felix Holzner zielt bei einer Schusschance in der 3. Minute aus
ca. 20 Metern nur knapp über das Tor. Nach und nach gewinnen die Osnabrücker
aber die Oberhand und als der FCC nach einer guten Viertelstunde einen Einwurf
in der eigenen Hälfte auf Links zugesprochen bekommt, nimmt das Unglück an Fehlern
mal wieder seinen Lauf. Man wirft den Ball nicht zurück zum eigenen Torwart,
wenn die gegnerische Mannschaft so aufgerückt ist. Man fängt als Torwart nicht
an, im eigenen Strafraum den Gegner auszuspielen. Und man reißt den Gegner im
Strafraum auch nicht um (wobei ich zugebe die Szene nicht genau gesehen zu
haben). Das Ergebnis dieser Fehler: Strafstoss für Osnabrück und eine rote
Karte für Sven Günther! Den Elfmeter verwandelt Thomas Cichon (20.) souverän
ins linke Eck und im mit ca. 400 bis 500 FCC – Fans gefüllten Gästeblock
beginnt sich sofort Defätismus breit zu machen.
Was sich in den nächsten 40
Minuten auf dem Platz abspielt, ist im Grunde genommen nebensächlich, weil
unerheblich. Die Osnabrücker können ihre Vorteile nicht wirklich nutzen und
beweisen auch nicht wirklich warum sie so viel mehr Punkte auf dem Konto haben
als der FCC. Der FCC vertut sich in Harmlosigkeiten und schwächt sich am Ende
selbst, als Oniani in einem Luftzweikampf Holzner (41.) ausschaltet.
Erst am Ende kommt der
Tabellenletzte wieder zu ansprechenden Szenen, die jedoch harmlos vergeben
werden.
Tja, und wenn es denn noch
mal eines Vergleiches mit jenem Treffen vor zwei Jahren bedarf, dann war es
eben jenes Ausgleichstor in der 90+x Minute durch einen Kopfball von Tobias
Werner. Danach war dann auch aber auch zum Glück schnell Schluss.
Ich spare mir lieber jede
Prognose zu Chancen und Möglichkeiten zum Klassenerhalt. Möglich ist vieles,
machbar auch. Die recht verhaltenen Gesten der Mannschaft nach dem Schlusspfiff
am Zaun vor dem Gästeblock sprechen aber Bände. Realistisch betrachtet haben
wir aber nur wieder einen Spieltag gegen einen Konkurrenten vergeben.
FC Carl Zeiss Jena - TSG 1899 Hoffenheim 0:1
Tore: 0:1 Obasi (72.)
- Jena: Kraus; Stegmayer, Omodiagbe, Maul, Oniani; Hansen (46.
Zimmermann), Müller, Simak, Charalambides (74. Helbig); Torghelle,
Werner
- Hoffenheim: D. Haas; Gustavo, Löw, Nilsson, Seitz; Eduardo
(68. Ibisevic), Vorsah, Copado, Salihovic (85. S. Haas); Paljic (62. Ba),
Obasi
- Zuschauer: 6895
- Schiedsrichter: Fischer (Hemer)
- Spielbericht:
- Vor Wochen sorgte der Streit zwischen Mainz 05 und
Hoffenheim 1899 für Diskussionen. „Bayern München erwirtschaftet sein Geld. In
Hoffenheim ist es nur ein Sponsor. Schade, dass so eine Mannschaft einen der 36
Plätze im Profifußball wegnimmt“, hatte sich der Mainzer Manager Christian
Heidel negativ über die Hoffenheimer geäußert. Dass diese verärgert darauf
reagierten, ist nachvollziehbar. Den Beweis, dass in diesem Verein mehr
Substanz steckt als ein starker Sponsor, der sich fähige Spieler an Land zieht,
bleibt die TSG aber bis zum heutigen Tag schuldig. Wenn beispielsweise von
Herrn Hopp die Auswärtsbusfahrt komplett bezahlt wird und sich dennoch gerade
mal 54 Fans auf den Weg machen, eine zuletzt sehr erfolgreiche Mannschaft
auswärts zu unterstützen, wird das keinen höheren Ansprüchen gerecht.
Die Schützlinge von Ralf Rangnick begannen offensiv, mit
gutem Passspiel. Dreimal musste Daniel Kraus bereits in den ersten zwanzig
Minuten zeigen, dass die Zeit der „Flattermänner“ im Jenaer Gehäuse ein Ende hat.
Den Schuss von Paljic lenkte Kraus zur Ecke. Auf den tückischen Ball im
Anschluss an einen Freistoß hechtete er sich kurz vor der Torlinie. Und beim
direkten Freistoß von Salihovic ging er auf Nummer sicher, versuchte das nasse
Leder gar nicht erst zu fangen, sondern faustete es konsequent weg. Das Glück
des Tüchtigen kam Jenas Keeper in Minute 29 zu Hilfe, als im Anschluss an eine
gelungene Dreierkombination Salihovic nur die Lattenoberkante traf.
Kraus war
von Beginn an voll da, was von seinen Vorderleuten leider nicht behauptet
werden kann. Im Vergleich zu der couragierten ersten Hälfte in Mönchengladbach
waren sie kaum wieder zu erkennen, reagierten nur statt zu agieren. Ihr Trainer
hatte vor einer offensive Gästeelf gewarnt, den Überraschungseffekt kann also
niemand geltend machen. Fast sechzig Prozent verlorene Zweikämpfe in der ersten
halben Stunde sind ein unerklärlicher, so bislang nicht gekannter Beleg von
Schwäche, der sich naturgemäß aufs Spielgeschehen auswirkte. Keine Torszene aus
dem Spiel heraus war in Halbzeit eins zu verzeichnen und es dauerte bis zur 34.
Minute, bis Jena wenigstens mal aus einer Standartsituation heraus etwas zuwege
brachte. Simaks Freistoß musste Haas prallen lassen, beim anschließenden Kopfball
von Alexander Maul brandete schon Torjubel auf, doch der Torwart vermochte ihn
noch zur Ecke zu lenken. Klar wäre eine Führung zu diesem
Zeitpunkt ganz und gar unverdient gewesen – doch darum hat sich so mancher Gast
im Ernst-Abbe-Sportfeld bislang schließlich auch nicht geschert. Ein Solo noch
von Jan Simak, der zuvor für ein „Warum hast du das gepfiffen?“ seine 5. Gelbe
Karte gesehen hatte – dann war wieder
Hoffenheim am Drücker. Copado scheiterte zweimal innerhalb einer Minute an Kraus
(41.). Der Flachschuss von Obaris sauste am langen Pfosten vorbei (42.). Ecken,
Zweikämpfe, Chancenverhältnis, scheinbar auch in der Gunst des Schiris –
überall lagen die Gäste zur Pause vorn. Nur in Tore hatten sie diese
Überlegenheit nicht umgesetzt.
Mit Wiederanpfiff kam Zimmermann für Hansen, der sich nach
unserer Beobachtung bei einem Absatzkick ohne gegnerische Einwirkung verletzt
hatte. Am Spielverlauf änderte sich zunächst mal nichts. Bis zur 55. Minute. Da tauchte
nach Vorarbeit von Werner und Maul plötzlich Sandor Torghelle am
Gäste-Strafraum auf, seinen scharfen und eigentlich gut platzierten Schuss
erwischte Haas aber reaktionsschnell mit der Hand. Diese Aktion wirkte wie eine
Initialzündung. Jetzt endlich wurde die berühmte letzte
Konsequenz in den Jenaer Handlungen
deutlich. Die nächsten Hochkaräter ließ nicht lange auf sich warten. Werners
Schrägschuss fing Haas. Dann, nur zwei Minuten nach seiner ersten vergebenen
Möglichkeit erwischte Torghelle im Mittelfeld einen Abschlag des Torhüters, sprintete
mit Ball am Fuß auf den Keeper zu und – scheiterte erneut. Kein Vorwurf beim
ersten Ding, aber DEN hätte er machen müssen ! Der Ungar, mit seinem
Pokaltreffer gerade erst in der Wahl zum Torschützen des Monats gewesen, sollte
sogar noch eine dritte Chance bekommen. Doch sprang er um einige Zentimeter an
Werners Freistoßball vorbei. Immerhin hatten die Jenaer nun Zugang zu diesem
Spiel gefunden und deshalb ist es besonders bitter, im Anschluss an die
stärkste Phase den k.o.-Schlag einstecken zu müssen. Jan Simak, an diesem Tag
ohnehin mit größerer Fehlerrate als sonst, unterlief der spielentscheidende
Ballverlust im Mittelfeld. Über Vorsah und Salihovic kam Chinedu Ogbuke Obasi
in Ballbesitz und ließ Daniel Kraus keine Chance. 0:1. Was danach kam, kannten
wir schon aus anderen Spielen in dieser Saison. Jena gab kämpferisch alles,
konnte mit der Brechstange aber nichts mehr bewegen. Und da der Schiri bei zwei
strittigen Strafraumentscheidungen weiterspielen ließ, brachte Hoffenheim das
Ergebnis ziemlich ungefährdet über die Zeit.
Es ist ja nicht so, dass der FC Carl Zeiss irre weit weg
wäre von der Musik. Sieben der neun Niederlagen fielen mit einem Tor Differenz
aus ! Doch gerade das macht diese Saison so frustrierend. Daran hat sich auch
am 11.11. nichts verändert. <fc>
Borussia Mönchengladbach - FC Carl Zeiss Jena 2:1
Tore: 1:0 Neuville (9.), 1:1 Torghelle (34.), 2:1 Neuville (80.)
- M'Gladbach: Heimeroth; Voigt (74. van den Bergh), Brouwers, Daems, Levels; Marin,
Paauwe, Rösler (74. Coulibaly), Ndjeng; Friend, Neuville (85. Svärd)
- Jena: Kraus; Stegmayer, Omodiagbe, Maul, Oniani (72. Tapalovic);
Hansen (82. Helbig), Müller, Simak, Charalambides; Werner, Torghelle
- Zuschauer: 28.759
- Schiedsrichter: Schmidt (Stuttgart)
- Spielbericht:
- Den Frust im Bier ersaufen oder einfach nur ertragen? Ich
weiß es ehrlich gesagt nicht. Nicht mehr. Klar, solche Abende gibt es. Da
rennen sich die Jungs anderthalb Stunden die Seele aus dem Leib und am Ende
bleibt nix außer Enttäuschung. Aber so ist Fußball halt. Dafür kommen andere
Spiele, nach denen man sich besorgt fragt, ob die drei Punkte mit dem einen
gegebenen Gerechtigkeitsempfinden überhaupt vereinbar sind. Nur, wo bleiben die
in dieser Saison? Wann löst sich diese Gleichung endlich auf? Nach Gestern muß
man sich fragen, ob sie das überhaupt noch tut. Acht Punkte Rückstand auf einen
Nichtabstiegsplatz sind schon ganz schön fett. Also doch ins Bier stürzen?
Jein! Es sieht schon ganz schön übel aus, ohne Frage. Und als Gladbach nach nur
neun Minuten die Führung erzielte, war auch wieder klar warum. Ein schlichter
Paß von Marin durch die Viererkette und schon war es
soweit. Das es auch schon Zeiten gab, in denen sich Neuville bei einem solchen
Ding den Fuß gebrochen hätte, ist halt Schicksal. Wenn du eben ohne Licht im
düsteren Tabellenkeller hockst, dann nimmt er ihn halt wunderschön an und
donnert ihn dir aus der Drehung in die kurze Ecke. Unhaltbar. Man hätte es in
den nächsten 70 Minuten glatt vergessen
können, hätte sich nicht das gleiche in der 80. Spielminute so ähnlich
wiederholt. Der einzige Fehler Omodiagbes im ganzen
Spiel, verwandelte den ganzen mühsam gehegten Optimisumus
in ein Häufchen Elend. Wieder war es Neuville, der nach der mißglückten
Kopfballabwehr des Nigerianers mit seiner Direktabnahme die endgültige
Entscheidung erzwang. Man konnte nahezu jeden einzelnen Fehler der Jenaer
Hintermannschaft auf der Anzeigetafel ablesen. Wirklich zum Brechen. Soviel zur
Hoffnungslosigkeit der Situation. Was sich zwischen den beiden geschilderten Szenen
abspielte läßt aber – wenn schon nix Zählbares dabei rausspringt – trotzdem
auch viel Raum für Zuversicht. Und zwar deshalb, weil wieder eine Mannschaft
mit Wir-Gefühl auf dem Platz stand in der einer für den anderen die Kastanien
aus dem Feuer zu holen bereit ist. In der Torghelle
das Laufen für sich entdeckt hat (ich hätte es noch vor Wochen nicht für
möglich gehalten) und das Tor trifft. In der Simak
langsam das Bewußtsein für das aufbaut, was wirklich in ihm steckt und die
Fäden in die Hand nimmt. Und in der das (manchmal) mangelnde spielerische
potential durch Kampf und Einsatzwillen aufgewogen wird.
Das sah gut aus! Vor allem in der ersten Halbzeit, als die
Gladbacher den Selbstfindungsbemühungen von Simak kaum
ein Mittel entgegenzusetzen hatten. Erst sein Knaller aus ca. 20 m, den
Heimeroth im Gladbacher Tor nur mit Mühe abwehren kann
(16.), dann der etwas zu hoch angesetzte Schuß vom linken Strafraumeck nach
einer schönen Einzelleistung (23.). Und dann schließlich seine Vorarbeit für
Stegmayers Flanke direkt auf Torghelle.
Ein langgezogener Brüller begleitet den wunderschönen
Kopfball des Ungarn zum Ausgleich in lange Eck (34.). Wunderschön!!! Und das
auch noch völlig verdient, denn hier spielte phasenweise nur noch Jena. Kommt
Jungs, nachsetzen. Kurz vor der Pause hält Werner noch mal drauf. Aber der hat
einfach kein Glück, bekommt nicht mal eine Ecke für den abgefälschten Schuß…
Nach der Halbzeit schwinden sichtbar schnell die Kräfte. Das
merkt man vor allem an den kleinen Fehlern, die sich allenthalben so einschleichen.
Simaks Pässe kommen nicht mehr so oft an und wenn,
dann deutlich unpräziser. Auch diese kleinen Schlampigkeiten machen das
Fußballerleben immer schwerer. Auf der linken Abwehrseite werden sich
Charalambidis und Müller (?) nicht einig. Nimm du ihn, ich
hab ihn sicher, fällt mir dazu nur ein. Glück, daß Neuville die anschließende Flanke
von Ndjeng aus drei Metern über das Gehäuse wuchtet. Na
also, es geht doch (58.)! Und dann noch das Ding von Daniel Kraus als er einen
seltsam geschlagenen Aufsetzer nur mit Mühe und unter Einsatz diverser
Körperteile am Überqueren der Linie hindern kann (59.). Sah komisch aus, war
aber auch schwer! Hauptsache nicht drin.
Jena steht in dieser Phase ganz schön unter Druck, aber das
sieht trotzdem alles ganz passabel aus. Kaum richtige Chancen für Gladbach. Ein
Freistoß von Simak sorgt sogar noch mal für etwas
Entlastung. Aber mit letztem Einsatz kann Heimeroth
den Ball noch über die Latte lenken (55.). Scheiße. Schönes Ding. Und dann –
gerade als man als Jenaer Anhänger mit einem Pünktchen zu liebäugeln beginnt –
Neuvilles zweiter Treffer. Aus der Kalten. Und das nach so
einer starken Leistung.
Ein Tal tiefer Depression tut sich kurzzeitig vor mir
auf. So lande ich nach dem Abpfiff auch unweigerlich bei der Frage nach einem
den Umständen gerecht werdenden Bierkonsum. Die Antwort will sich mir nicht so
recht erschließen, schwankt mit dem jeweiligen Gemütszustand zwischen fast
schwarz und sehr dunklem Hell. Am Ende entschließe ich mich, die ganze Sache
auszusitzen. Bis Sonntag jedenfalls. Wer hat schon mit einem Punkt oder gar
Sieg gegen Gladbach gerechnet? Kaum jemand. Es ist also alles noch wie vorher.
Für den Fall, daß es gegen Hoffenheim wieder nicht
klappt mit dem Dreier, sollte man aber sicherheitshalber schon mal eine
Palette Öttinger kaltstellen. <bpf>
FC Carl Zeiss Jena - SC Freiburg 1:2
Tore: 0:1 Pitroipa (35.), 0:2 Kmas (83.), 1:2 Werner (90.)
- Jena: Kraus; Stegmayer, Omodiagbe, Maul, Günther (46.
Tapalovic); Hansen (77. Torghelle), Zimmermann (70. Ziegner), Simak,
Kühne; Werner, Helbig
- Freiburg: Walke; Ibertsberger, Butscher, Krmas, Schwaab; Aogo,
Uzoma, Pitroipa (75. Schlitte), Banovic; Bencik (56. Cafu), Matmour (79.
Mesic)
- Zuschauer: 7026
- Schiedsrichter: Walz (Pfedelbach)
- Spielbericht:
- In der 25. Spielminute, als Hansens Kopfball knapp das Tor
verfehlte, beneidete ich etwas den Verfasser des heutigen Spielberichts, weil
er bis dahin etliches Notierenswertes und eine starke Jenaer Anfangsphase geboten
bekam. Sekundenbruchteile später wandelte sich mein Neid in Entsetzen, denn mir
fiel schlagartig ein, dass ich vom Chefredakteur zum Schreiben vergattert
worden war…
Dabei sah man vorm Anpfiff überall skeptische Gesichter,
gegen unseren Lieblingsgegner der letzten Saison rechnete sich eigentlich
niemand etwas aus. Die erste Aktion schien allen recht zu geben, denn nach der
ersten Gästeecke musste Kraus einen scharfen Kopfball parieren. Faktisch im
Gegenzug parierte Walke einen Schuss Hansens aus nächster Nähe. Kurz danach
rettete Walke gegen Helbig. Das Gesamtbild sah gar nicht so übel aus (daran
änderte auch die nervige und überflüssige Information auf der Anzeigetafel vom
Eckenverhältnis von 5:0 für den SC nichts), der FCC war die überlegene, aggressivere
Mannschaft, die den Freiburgern immer wieder
feine Nadelstiche verpasste. In der 12. min wusste sich ein von Simaks Antritt
überforderter Verteidiger gar nicht mehr anders zu helfen, als sich ans Jenaer
Trikot mit der Nr. 19 zu klammern und dieses samt Simak auf den Rasen zu
befördern. Ich weiß nicht, ob Schiedsrichter Walz vom Rugby kommt, aber anders
kann man sich nicht erklären, warum er bei diesem klaren Foul nicht auf
Strafstoß entschied. Walz’ Gepfeife in der ersten Halbzeit war sowieso unterirdisch,
prinzipiell wurde nach Freiburger Ballverlust im Zweikampf auf Freistoß für die
Gäste entschieden und seine putzigen Eckenballentscheidungen für den SC
inspirierten die Haupttribüne zu lautstarkem ironischem „Ecke, Ecke“ bei jedem
Ausball. Bis zu jener oben erwähnten 25. min war der FCC im Vorwärtsgang, aber
erfolglos. Und so kam alles wie immer, nach der 34. die 35. Minute und in jener
der obligatorische Abwehrpatzer, als plötzlich drei „Blaue“ (die Gäste liefen
in einer ungewohnten Farbe auf) durch Jenas Abwehrmitte rauschten, Kraus
erwischte den Ball nicht, ein Freiburger spielt auf den nächsten, der im
Abseits stehend die Kugel ins Tor schob. Ein weiterer Höhepunkt jener
grässlichen Schiedsrichterleistung, dass der Treffer trotzdem anerkannt wurde.
Und so hatte nicht nur ich zur Halbzeitpause die Nase
gestrichen voll: Der FCC machte dass Spiel, der Gegner das Tor und der
Schiedsrichter leistete mit zwei extremen Fehlentscheidungen seinen Beitrag.
Zum Speien!!!
Nach der Pause war Freiburgs Taktik klar: Am eigenen
Strafraum aufstellen und in Ruhe die Führung nach Hause schaukeln, eventuell
mal kontern. Der FCC schaffte es aber trotz der badischen Zurückhaltung richtig
energisch Druck aufzubauen. Man spielte zu durchsichtig, machte zu viele
einfache Fehler im Aufbau und den Freiburgern die Abwehrarbeit ziemlich leicht.
Unerträglich, aber nicht neu, waren zudem die Schauspieleinlagen von
Pitroipa & Co., die nach kleinsten Berührungen oder
auch völlig ohne Anlass regelmäßig den „sterbenden Schwan“ abspulten, wie in
den letzten Zügen liegend. Nachdem sie fürs anscheinend letzte Schnauferchen
ins Seitenaus verbracht wurden, gab es ebenso regelmäßig die blitzschnelle
Wiederauferstehung inklusive Genesung. Und es ist sicher keine schlechte
Bilanz, durch solche „Verletzungen“ mehrfach längere Unterbrechungen zu
provozieren, die am Ende mit nur zwei Nachspielminuten belohnt wurden.
Jedenfalls fiel dem FCC nicht ein, wie die Gästeabwehr zu knacken wäre. Zu
vermelden war lediglich ein 20-m-Schuss Werners, der das Tor verfehlte –
typisch, dass in dieser Situation Stegmayer links völlig freigelaufen war, aber
vergeblich aufs Anspiel wartete. Eine knappe Viertelstunde vor Schluss sorgte
die Einwechslung des Ex-Jenaer Schlittes für ein
Anheizen der Stimmung im Publikum und fortan begleitete ein gigantisches
Pfeifkonzert jeden seiner Ballkontakte, das Eintauschen der angeblichen
Herzenssache FCC gegen Freiburger Geld war nicht vergessen worden. Freiburg
schaffte in der 82. min die befürchtete Vorentscheidung, allerdings nicht nach
einem Konter, sondern nach einem Freistoß von links außen. Omodiagbe ließ
Krmas kurzen Pfosten zu viel Raum und der drückte den Ball
ins Netz. Die erloschene Hoffnung glomm nochmals kurz auf, als Werner nach
Ziegners Flanke den Anschluss per Kopf erzielte. Aber
selbst Kraus’ Eingreifen ins Angriffsspiel brachte nichts Zählbares mehr, so
dass der FCC zum wiederholten Male in dieser Saison nach einem Heimspiel mit
leeren Händen dastand.
Nach dem guten Anfang fehlte heute in der Phase, in der der
FCC das Spiel hätte noch kippen können, jener letzte Kick, jener letzte Wille
zum bedingungslosen Fighten. Und wenn wir nicht schon im Dezember mit den
Planungen für die dritte Liga 2008/09 beginnen wollen, müssen nach den vielen
vergebenen möglichen Punkten in den nächsten Wochen endlich mal ein paar
unmögliche Punkte her. <uk>
SC Paderborn - FC Carl Zeiss Jena 2:2
Tore: 0:1 Torghelle (8.), 1:1 Koen (12.), 1:2 Werner (14.), 2:2 Sinkala (33.)
- Paderborn: Bade; Fall, Döring, Kläsener, de Graef, Gouiffe à Goufan, Sinkala (68. Männer),
Koen (68. Halfar), Krupnikovic, Löbe, Schüßler (56. Siradze)
- Jena: Kraus; Günther (66. Tapalovic), A. Maul, Omodiagbe, Stegmayer, Kühne, Charalambidis,
Werner, Simak (86. Ziegner), Torghelle (75. Hansen), Helbig
- Zuschauer: 6.079
- Schiedsrichter: Dr. Brych (München)
- Spielbericht:
- Nach der Spielpause war man allseits besonders gespannt, ob der FCC endlich den Bogen in die Erfolgsspur
findet, zumal es gegen einen Mitabstiegskonkurrenten ging. Die "Baustelle" Tor war mit dem dritten Keeper
Daniel Kraus besetzt worden. Neu war auch die Zusammensetzung des Angriffsduos, diesmal stand Helbig neben
Torghelle. Dafür rückte Tobias Werner auf die linke Außenbahn des Mittelfelds.
Und der FCC begann wirklich mit viel Elan, bereits in der 1. Spielminute verfehlte Charalambides
das 07er Tor nur knapp. Der Sekundenzeiger hatte gerade einmal zwei weitere Runden gedreht, da schoss
Helbig aus 25 m Entfernung knapp über die Torlatte. Im Gegenzug durfte Kraus Löbes Schuss aus
nächster Nähe abwehren. Dann war wieder der FCC im Vorwärtsgang: Einwurf Günthers
auf Charalambides, der legt zurück und in der Mitte köpfte Torghelle Günthers Bilderbuchflanke
zum 1:0 ein! Leider verschenkte man den Vorteil bald wieder, als Günther und Charalambides interessiert
einem Ball nachschauten, der sich zwischen ihnen zu Koen - dem stärksten Paderborner in der ersten
Halbzeit - durchdrängelte und der ließ sich die Chance nicht entgehen und knallte den Ball
ins lange Eck - 1:1. Die rund 500 mitgereisten Fans hatten aber keine Zeit, über diesen Rückschlag
richtig zu jammern. In der 14. Minute gab es auf der rechten Seite Freistoß für den FCC. Simak
und Werner standen bereit, letzterer trat die Spielkugel mit links hoch in den Strafraum, Maul ging zum
Ball, stieg jedoch drüber und so landete dieser im langen Eck - 2:1, der FCC hatte nach dem Ausgleich
sofort wieder zurückgeschlagen! Also alles bestens? Denkste, umgehend grub man sich in der eigenen
Hälfte ein und ließ die Gastgeber ihr Spiel aufziehen. Die optische Überlegenheit
Paderborns brachte jedoch nichts Zählbares, da entweder der finale Pass in der weißen Abwehr
steckenblieb oder man bei den Fernschüssen aufs Dach der Endtribüne zielte. Herzinfarktfördernd
war die 28. min, als eine lange Flanke am auf Sinkalas Kopf landete, dem Ball jedoch sprichwörtlich die
Luft ausging und er auf dem Strich zwischen Gut und Böse von Kraus festgehalten werden konnte. Fünf
Minuten später war es jedoch soweit, als es pingpongartig zwischen Jenaer Abwehr und Paderborner
Angreifern hin und her ging und Sinkala dem Treiben mit einem satten Schuss ins untere Toreck ein Ende
bereitete - wieder Ausgleich! Zum Heulen!!! Und wie jetzt weiter? Jedenfalls vergaßen die Abwehrrecken
des FCC bei einem Freistoß kurz nach dem Ausgleich, dass Schüßler ein blau-schwarzes Trikot
trug und so marschierte er mutterseelenallein zur Grundlinie, jagte seine Flanke zum Glück weit
Richtung Seitenlinie. Unmittelbar köpfte Maul zum Gegner und wieder war es Schüßler, der
auf der linken Seite davon profitierte, aber auch diesmal keinen Mitspieler fand. Die letzten Minuten vor
der Pause riss sich der FCC aber noch einmal zusammen und machte seinerseits Druck. Wer weiß, wie
die Partie ausgegangen wäre, hätte Jena auch nur eine der drei folgenden Konterchancen in den
Spielminuten 39 bis 44 genutzt hätte. Zunächst sahen sich drei Weiße kurz nach der
Mittellinie nur einem Abwehrspieler gegenüber, Werners Pass landete leider genau in dessen Füßen
anstatt bei den beiden mitlaufenden Teamkollegen. Dann sprintete wiederum Werner los, schoss aber von
links am Tor vorbei und ließ Helbig und Torghelle vergeblich in der Mitte warten. Und letztendlich
rannte sich Helbig bei seinem halbherzigen Dribbelversuch fest, nachdem er von Simak wunderbar
freigespielt worden war.
Zwischendurch erwischte ein abgefälschter Schuss Werners Alexander Bade beinahe auf dem falschen
Fuß, er schaffte es jedoch noch, gleichzeitig mit dem Ball in der unteren Torecke einzutreffen.
Mit 2 Sekunden Nachspielzeit beendete Schiedsrichter Dr. Brych diese sehenswerte Halbzeit.
Es war eigentlich klar, dass es nach der Pause nicht so weitergehen konnte. Die zweite Halbzeit war
dann auch etwas dezenter und es passierte deutlich weniger, was den Puls nach oben trieb. Zwei
Freistöße rund 25 m vorm Tor bis zur 50. Spielminute wurden mehr oder weniger
kläglich vergeigt. In der 52. min wurde zunächst Charalambides' Schuss abgeblockt
und ein Paderborner lenkte kurz vor der Torlinie Werners Nachschuss zur Ecke. Nach einer
Stunde tauchte Paderborn das erste Mal nach der Pause ernsthaft vor Kraus' Kasten auf und
Löbe setzte einen Kopfball auf der richtigen Seite neben den Pfosten ins Aus.
Anschließend gönnten sich beide Mannschaften eine ruhigere Phase zwischen den
Strafräumen. Erst in der 78. min gab es eine Strafraumszene, als die Paderborner
Nummer 24 mit dem klangvollen Namen Gouiffe á Goufan eine Simak-Flanke im letzten Moment
vor dem heranstürmenden Hansen zur Ecke entschärfte. Die anschließende Ecke
(wieder von Simak) wurde am kurzen Pfosten verlängert und fand weiter hinten Kühnes Kopf,
der maßgenau und kraftvoll köpfte und die Arme der Jenaer Fans in die Höhe jagte.
Da sich jedoch der Ball um wenige Millimeter verirrte und vom Aluminium des 07er Tores wieder
zurücksprang, landeten die Hände schließlich am Kopf zum Haareraufen. Paderborn
verließen nun sichtbar die Kräfte und Jena übernahm in der verbleibenden Zeit
die Initiative. Mit etwas Übersicht hätte der FCC noch einen Sieg holen können,
aber Werner entschied sich in der 83. für einen Schlenzer aufs lange Toreck und gegen den
in der linken Strafraumhälfte einsam und allein wartenden Helbig. Auch eine Minute später
nahm Werner den Kopf nicht hoch, sondern rannte sich nach Helbigs Zuspiel an ein paar schwarz-blauen
fest. Auf der Gegenseite testete Maul noch fix die Nerven von Mitspielern und Fans, als er eine an
sich harmlose Flanke fast ins eigene Tor stolperte, bevor dann Dr. Brych nach gigantischen 12 Sekunden
Nachspielzeit abpfiff.
Wie soll man nun das Unentschieden bewerten? Positiv (ein Auswärtspunkt) oder negativ (nicht
einmal beim Schlusslicht gewonnen)? Sicherlich irgendwo dazwischen: Es war mehr möglich, aber
andererseits können wir den schlechten Saisonstart nicht im Handumdrehen vergessen machen,
sondern müssen wie die Eichhörnchen mühsam Nuss für Nuss (bzw. Punkt für Punkt)
einsammeln, um im Dezember einen Vorrat zu haben, der für die Rückrunde reelle Chancen auf den
Klassenerhalt bietet.<uk>
FC Carl Zeiss Jena - TSV 1860 München 0:2
Tore: 0:1 Bierofka (47.), 0:2 Göktan (90.)
- Jena: Person; Stegmayer, Omodiagbe, Maul, Günther; Hansen
(62. Helbig), Kühne, Simak, Charalambides (76. Ziegner); Werner,
Torghelle
- München: Hofmann; Hoffmann, Berhalter, Ghvinianidze (85.
Szukala), Thorandt; L. Bender (67. Gebhart), Schwarz, Bierofka, Johnson
(67. S. Bender); Göktan, di Salvo
- Zuschauer: 11.314
- Schiedsrichter: Wingenbach (Diez)
- Spielbericht:
-
Wer ihn damals hörte, wird sich jetzt noch an ihn erinnern:
Den Kommentar von DSF-Reporter Martin Quast zum Spiel Jena – 1860 im Februar
2007. Da war zunächst die Schilderung des 1:0 nach sechs Minuten: „Eckball kurz
aufgeführt, Hoffmann klärt, da ist nur Tapalovic – (Stimme plötzlich erhebend)
NUR TAPALOVIC ! Boah, was’n Gerät ! Tor des Monats, hundert Prozent.
Volltreffer – so schön kann Zweitligafußball sein.“ Filip Tapalovic hatte den
FCC mit einem Volleyknaller aus 25 Metern in Führung geschossen und auch wenn
Herr Quast mit der Tor-des-Monats-Prognose nicht
recht behalten sollte, geriet er auch noch wegen der
darauffolgenden Spielminuten aus dem Häuschen. „Ich raffs nicht, ich fass es
nicht – ja, wo bin ich denn hier?“, rief er nach 10 Minuten, als gerade das 3:0
gefallen war, „jetzt tanzen sie im Thüringer Wald Samba mit den Wildschweinen
und allem Drum und Dran. Unfassbar, was hier im Ernst-Abbe-Sportfeld in den
ersten Minuten passiert“.
Obwohl noch nicht lange her, ist diese Anfangsphase bereits legendär.
Und die ver-quast-ete Schilderung gleich mit.
Doch das ist Vergangenheit und mit einer Wiederholung jenes
Ablaufs war von vornherein nicht zu rechnen. Wobei sich die Frage stellt,
welchen Verlauf solch ein Spiel nimmt, wenn der straffe Schuss von Kühne nach
drei Minuten im Netz landet. Münchens Keeper Hofmann rührte da keinen Finger,
leider flog das Leder knapp an seinem Kasten vorbei. Die erste Halbzeit konnte sich durchaus
sehen lassen auf Jenaer Seite. Mit Forechecking versuchte man in Ballbesitz zu
gelangen. Die Flügelzangen Stegmayer-Hansen und Günther-Charalambides zeigten
sich in der Abstimmung weiter verbessert. Und zentral überzeugte Simak wieder
mit klugen Pässen. Nur im Abschluss erwiesen sich Charalambides (23.) und
Hansen (26.) als nicht treffsicher genug. Die vielleicht beste Gelegenheit vor
der Pause vergab Tobias Werner bei einem energischen Konter, als er es nicht
fertig brachte, dem freigelaufenen Simak den Ball „durch zu stecken“, vielmehr
an einem Verteidiger hängen blieb. Auch beim Durcheinander im gegnerischen
Strafraum fanden die Jenaer keine Lücke, Mauls Heber wurde schließlich zur
leichten Beute Hofmanns. Und die Münchner ? Waren zu Beginn um Abgeklärtheit
bemüht und ließen dabei erstaunlich große Lücken im Mittelfeld. Abgesehen von
Hoffmanns Flachschuss (25.) drohte Jenas Abwehr zunächst keine Gefahr. Dies
änderte sich kurz vor der Pause. Da sah sich Stegmayer auf seiner Seite mit dem
ballführenden Bender sowie Johnsson gleich zwei Gegenspielern gegenüber. Nicht
wissend, wen er attackieren sollte, griff er im Grunde niemanden richtig an.
Bender konnte unbedrängt zum Schuss ansetzen, zielte aber ein wenig zu hoch.
Kurz darauf zeigten die Sechziger eine ihrer einstudierten Freistoßvarianten –
diesmal war es Göktan, der nur knapp verfehlte.
Verglichen mit diesen Hochkarätern strahlte der Torschuss in
Minute 47 eigentlich geringes Gefahrenpotential aus. Es hatte den Anschein, als
hätte ihn Person zunächst fausten wollen, vielleicht erschien er ihm dafür mit
einem Mal nicht scharf genug – jedenfalls versuchte er plötzlich, den Ball zu fangen
und dieses Umgreifen ging gründlich daneben. Plötzlich lag der Ball im Netz. Ohje, Jena und seine Torhüter ! Ob sie
nun Jensen oder Person heißen, bislang haben sie uns in dieser Saison mehr
Punkte gekostet als gerettet. Doch eine
Mannschaft gewinnt und verliert zusammen und noch war fast eine Halbzeit lang
Zeit, wenigstens ein Remis zu schaffen. Werner und Hansen hätten es
erzielen können, Sandor Torghelle nach mustergültiger Kopfballvorlage
von Omodiagbe sogar müssen, schoss jedoch nur den herauslaufenden Hofmann an. Bei allen erkennbaren Bemühungen – die
Vorherrschaft im Mittelfeld ging verloren, weil bei Simak und Charalambides die
Kräfte schwanden. Die Gäste konnten nun ungestört den Ball laufen lassen. Zwar war
die Münchner Überlegenheit nicht so groß, wie es ein Eckenverhältnis von 9:1
nach einer Stunde vorgaukelt. Doch macht es deutlich, dass 1860 die technisch
feinere Klinge schlug, sich nicht so oft damit helfen musste, den Ball ins
Toraus zu befördern. Ihr Tagesbester Daniel Bierofka wirkt vom technischen
Vermögen her schon fast überqualifiziert für diese Liga.
Valdas Ivanauskas holte seine beiden einzigen
Offensivwechsler von der Bank. Ohne Erfolg. Doch eine letzte Geheimwaffe besaß
er noch: Darlington Omodiagbe als Stürmer ! Dass er vorn den einen oder anderen
Kopfball holt, war uns ja bereits bekannt. Doch wenn ‚Omo’ dazu noch kluge Offensivpässe
spielt, sollte er solche Ausflüge ruhig häufiger machen dürfen. Perfekt sein
Zuspiel auf Günther in der letzten regulären Spielminute, dessen Flanke kam
auch vors Tor, wo Helbig sie aber nicht richtig erwischte. Und wie das so ist
im Fußball – setzt eine Mannschaft alles auf eine Karte und verpasst knapp den
Ausgleich, geht sie im Gegenzug nur allzu oft k.o. Dass Ziegner als letzter
Mann wegrutschte, Göktan frei vor Person zunächst nur den Pfosten traf und dann
noch eine Gelegenheit zum Nachschuss bekam, rundete das Bild ab.
Zweitligafußball in Jena kann nicht nur schön, sondern auch deprimierend sein. <fc>
Fotos auf weissenburger.de
SpVgg Greuther Fürth - FC Carl Zeiss Jena 2:2
Tore: 1:0 Reisinger (28.), 1:1 Charalambides (34.), 1:2 Torghelle (49.), 2:2 Lanig (63.)
- Fürth: Kirchstein; Achenbach, Mauersberger, Karaslavov, Schröck (72. Adlung); Judt, Haas, Burkhardt (80. Maierhofer), Lanig; Nehrig, Reisinger
- Jena: Person; Stegmayer, Omodiagbe (32. Oniani), Maul, Günther;
Kühne, Hansen (72. Kandelaki), Simak, Charalambides (64. Tapalovic);
Werner, Torghelle
- Zuschauer: 8.900
- Schiedsrichter: Zwayer (Berlin)
- Spielbericht:
- Freuen oder ärgern? So richtig wusste nach Abpfiff kaum einer im
blau-gelb-weißen
Lager, wie mit diesem Remis in Fürth umzugehen wäre. Spielerisch war an diesem
Nachmittag wohl so leicht wie noch nie am Ronhof
ein Dreier zu holen, andererseits grenzt es
an ein Wunder, angesichts der Leistung des Unparteiischen überhaupt noch einen
Punkt verteidigt gehabt zu haben, den sich ein aufopferungsvoll kämpfendes Team
redlich verdiente.
„Never
change a winning team“ hieß die Devise und so schickte Valdas Ivanauskas die
siegreiche Offenbach-Elf auf den Rasen. Der Club begann furios und die über
1.500 mitgereisten FCC-Fans hatten schon nach 34 Sekunden den Torschrei auf den
Lippen, als Torghelle Fürths Karaslavov den Ball abnimmt, sofort auf Werner
passt, der völlig frei vor dem gegnerischen Tor eine Sekunde zuviel Zeit zum
Überlegen hat und den Ball an Keeper Kirchstein vorbei ins Toraus schiebt. Was
für eine Möglichkeit! 10 Minuten später durften sich die Gastgeber die Haare
raufen, als Burkhardt einen zunächst abgewehrten Eckball flach an den
Innenpfosten setzt. 5 Minuten später, andere Seite, Hansen bedient
Charalambides, der freie Schussbahn hat, aber nicht genug Druck hinter den Ball
bekommt, so dass Ex-Bundesligakeeper Kirchstein das Leder noch um Haaresbreite
um den Pfosten lenken kann. Es war ein tolles, offenes Spiel beider Teams in
den ersten Minuten und Fürth schien beeindruckt zu sein von Jenas
Offensivdrang, richtete sein Spiel fast ausschließlich auf das Provozieren von
Standardsituationen aus und lange weite Bälle auf den emsigen Reisinger. Dass
jenem nach 28 gespielten Minuten die Führung gelang, hatte er aber zwei
Jenensern zu verdanken. Stefan Kühne bringt mit viel zu kurzem Rückpass seinen
Keeper in Bedrängnis und warum Christian Person den Ball nicht nach links oder
rechts klärt, sondern ausgerechnet an die ausgestreckte Hand des heranstürmenen
Reisingers, bleibt sein Geheimnis. Der Ball trudelt ins leere Tor, 1:0. Ein
Schock zweifellos dieser Treffer in Unterzahl, denn Omodiagbe musste sich am
Spielfeldrand nach einem nicht geahndeten Foul behandeln lassen und kurz darauf
gegen Oniani ausgewechselt werden, aber anders als noch vor Wochenfrist in
Frankfurt reagierte der FCC unbeeindruckt und kommt nur sechs Minuten später
zum verdienten Ausgleich. Stegmayer täuscht eine Flanke an, passt aber flach
auf Simak, der düpiert mit Körpertäuschung gleich zwei Fürther und findet
Charalambides, dessen Ball auch für den 1,96-Riesen Kirchstein zu platziert ist
und ins lange Eck kullert.
Kurz vor der Pause zappelt der Ball erneut im Netz,
nachdem Kühne einen Eckball einnickt, doch die Anerkennung bleibt verwehrt, ein
Stürmerfoul will Referee Zwayer zuvor gesehen haben. So geht es mit einem
leistungsgerechten Remis in die Pause und Jenas Fans durften vor allem mit dem
mannschaftlich geschlossenen Auftreten zufrieden sein, lediglich die einfach
nicht abzustellenden teils haarsträubenden individuellen Fehler bereiteten
graue Haare.
Von denen dürfte Fürths Coach Bruno Labbadia kurz nach
Wiederanpfiff auch einige mehr bekommen haben, denn wie schon in der ersten
Halbzeit bereitete sein Innenverteidiger Karaslavov eine Großchance für den FCC
vor, nur dass Torghelle die Einladung nach katastrophalem Rückpass diesmal
nicht ausschlug und durch die Beine Kirchsteins zur Jenaer Führung vollendete,
unmittelbar vor dem proppevollem Gästeblock für Partystimmung sorgte.
Siegeszuversicht machte sich breit, doch wie man ein Team gänzlich zermürben
kann, stellte Schiedsrichter Zwayer eindrucksvoll unter Beweis. Die Folge einer
völlig einseitigen Regelauslegung waren unter anderem sage und schreibe acht
gelbe Karten für Jenas Kicker, die sich in der Folge mehr und mehr zurückzogen
und Zweikämpfe scheuten, deren Ausgang schon vorher festzustehen schien. Und so
wäre etwas mehr Nähe zum Gegenmann durchaus empfehlenswert gewesen, als der für
den gesperrten Fürther Kapitän Felgenhauer ins Team gerückte Stephan Schröck im
Doppelpass mit Nehrig Stegmayer düpierte und unbedrängt in den 5m-Raum flanken
durfte, wo Lanig den Ball artistisch über die Linie drückte. Eine knappe halbe
Stunde war da noch zu spielen und diese wurde bestimmt durch eine Flut von
Freistößen. Jan Simak setzte seinen knapp neben den Pfosten (66.), auf Fürther
Seite vergab Mauersberger die größte Gelegenheit, als er eine Freistoßflanke
per Fuß abnahm und das Leder knapp neben das Tor setzte, den Außenpfosten
streifend. Der für Charalambides eingewechselte Tapalovic hatte vier Minuten
vor dem Ende auf Zuckerpass Simaks die letzte Möglichkeit für den FCC, ließ
aber Torghelles Kaltschnäuzigkeit vermissen und gab die Verantwortung lieber
per verunglücktem Querpass weiter. So musste gar um den einen Punkt bis in die
93. Minute gezittert werden, als eine faire Aktion von Oniani an der
Strafraumgrenze wieder einmal mit Freistoß für die Kleeblätter geahndet wurde
und Stefan Kühne die Flanke artistisch vor dem einköpfbereiten Mauersberger
entschärft.
So ein klein wenig hatte der
Fußballgott sein Herz also für Thüringens Traditionsverein wiederentdeckt und
auch Jenas Spieler durften sich – anders als vor 7 Tagen – Streicheleinheiten
der eigenen Fans gefallen lassen, zu denen sich auch Neu-Clubberer und
Herzens-Jenenser Ralf Schmidt gesellte. Nach drei schlimmen Auftritten am
Ronhof holte der FC Carl Zeiss also zum ersten Male Zählbares, doch irgendwie war
mehr drin. <gunner>
FC Carl Zeiss Jena - Kickers Offenbach 2:0
Tore: 1:0 Simak (43.), 2:0 Werner (75.)
- Jena: Person; Stegmayer, Omodiage, Maul, Günther (75.Oniani);
Hansen (70.Tapalovic), Kühne, Simak, Charalambides (61.Holzner); Werner,
Torghelle
- Offenbach: Thier, Pinske (60.Sidney), Müller, Hysky, Bungert, Cimen, Sieger
(46.Ogungbure

,89.),
Judt (70.Epstein), Moktari, Türker
- Zuschauer: 5867
- Schiedsrichter: Bandurski (Essen)
- Spielbericht:
- Ein mulmiges Gefühl machte sich in meiner Magengegend breit, als ich vor der heutigen Partie gegen die Kickers aus
Offenbach das Stadion betrat. Nach fünf Niederlagen in Folge und zuletzt einer katastrophalen Leistung in Frankfurt gegen
Wehen schwante mir auch heute nichts Gutes. Die spielerisch guten Leistungen der ersten Saisonpartien waren vorbei und wer
das Match in Frankfurt live miterleben musste, konnte mein Gefühl durchaus verstehen. Zu viel lief in der Hessenmetropole
bei den Jenaern schief, als dass man ausgerechnet heute gegen die zuletzt starken Hessen vermuten konnte, dass es anders werden würde.
Aber beim Blick auf die Aufstellung der Partie wich mein mulmiges Gefühl blanker Zuversicht, denn Neu-Couch Ivanauskas bewies Mut und
krempelte sein Team gegenüber der letzten Partie auf sechs Positionen um und brachte "Typen" wie Günther, Hansen, Maul und Kühne,
welche gegen Wehen so schmerzlich vermisst wurden.
Der FCC begann auch von Beginn an couragiert und drückte die Offenbacher in deren Hälfte, woraus auch nach zwei Minuten die
erste Minichance resultierte. Nach gut einer Viertelstunde bot sich dann den Gästen auch ihre erste Möglichkeit, doch Siegers
Schuss ging über den Kasten. Den Spielern des FCC merkte man am heutigen Tage zu jeder Sekunde an, dass sie den unbedingten
Willen hatten, sich nicht so "abschlachten" zu lassen bzw. gewinnen zu wollen. Nach einer halbe Stunde waren einige der
Zuschauer schon froh, dass die Jenaer bis dahin kein Tor kassiert hatten. Doch kurz vor der Halbzeitpause sollte es noch
besser kommen, als Simak einen Freistoß aus 30m auf das Tor zirkelte und der Ball auf einmal im Tor zappelte. Grenzenloser
Jubel auf den Rängen, doch die meisten wollten es trotzdem kaum glauben, da sie dieses unglaubliche Glückgefühl gar nicht
mehr kannten.
Fünf Minuten nach Wiederanpfiff die erste Schrecksekunde für die Jenaer, als Dino Toppmöller völlig freistehend aus
gut sechs Metern den Ball zum Glück über das Tor donnerte. Der bis dahin relativ souveräne Schiedsrichter Bandurski
fing nun an, seine Linie zu verlieren, und sorgte mit einigen Fehlentscheidungen für Unruhe auf dem Platz und den
Zuschauerrängen, was in der Gelb-Roten Karte für Ogungbure gipfelte. Die Partie wurde dadurch nun zunehmend hektischer
und es war ein Tanz auf Messers Schneide. Die Offenbacher machten nun hinten ein wenig auf und drückten auf den Ausgleich,
doch der Abwehrriegel des FCC stand. Das Hoffen und Bangen ging weiter und eine Viertelstunde war noch zu spielen, da kam
ein langer Ball in des Gegners Strafraum. Gästekeeper Thier und ein Offenbacher Verteidiger waren sich in dieser Szene
nicht einig genug, wer diesen Ball retten sollte. Nutznießer dieser Aktion war Werner, der sich einfach das Leder schnappte,
Thier umkurvte und zum 2:0 vollendete. Vier Minuten vor Ultimo hätte Werner noch zum absoluten Held des Spiels werden
könnten, doch nach einem erneuten Fehler des Offenbacher Schlußmannes schloss Werner aus spitzen Winkel ein wenig zu
ungenau ab, so dass der Ball Zentimeter vor der Torlinie entlang rollte und doch nicht den Weg ins Tor fand. Kurz darauf
war die Partie zu Ende und der erste lang ersehnte Dreier unter Dach und Fach.
Die wenigsten Zuschauer hätten nach dem Katastrophenspiel vor gerade einmal drei Tagen erwartet, dass sich die Mannschaft
so aufraffen könnte, um die starken Hessen heute gar besiegen zu können. "Der FCC, der FCC, der FCC ist wieder da…"
skandierten die Fans von den Rängen und die Freude war natürlich umso größer, weil mit einem derartigen Wandel in
so kurzer Zeit wohl kaum einer gerechnet hatte. Aber letztendlich waren es trotzdem "nur" drei Punkte und wie
Ivanauskas sagte:" Der Tunnel ist noch sehr lang, bis wir das Licht am Ende sehen". <vg>
SV Wehen Wiesbaden -FC Carl Zeiss Jena 5:1
Tore: 1:0 Diakite (9.), 2:0 Diakite (11.), 3:0 Siegert (20.), 4:0
Nicu (41.), 5:0 Nicu (73.), 5:1 Simak (82., FE)
- Wehen: Richter; Kokot, Jeknic, Kopilas, Nakas; Catic (62.
Amstätter), Nicu (78. Cailas), Siegert, Schwarz; König,
Diakite (85. Lombe)
- Jena: Jensen; Kandelaki, Omodiagbe, Müller (46. Oniani),
Holzner; Stegmayer, Lorenzon, Ziegner (46. Werner), Simak, Charalambides;
Torghelle
- Zuschauer: 5626
- Schiedsrichter: Seemann (Essen)
- Spielbericht:
- (von Gastkommentator Jens Klebe)
Nach einem völlig verkorksten Saisonstart mit nur einem
Punkt auf der Habenseite griffen in der vergangenen Woche auch in Jena die so
genannten ungeschriebenen Gesetze des Geschäfts. Klassenerhalts-Held Neubarth
räumte sein Trainerzimmer welches kurz darauf mit Valdas Iwanauskas einen neuen
Nutzer fand. Um zu sehen, was dieser Wechsel bewirken könne, hatten sich
immerhin gut 1.500 Zeissfans auf den Weg nach Frankfurt gemacht. Würde im
Frankfurter Waldstadion gegen den SV Wehen endlich der erste Dreier eingefahren?
Da die Leistung au dem Koblenz-Spiel ja nur schwer zu unterbieten sein würde,
bestand Anlass zur Hoffnung.
Aber selbst dieses zarte Pflänzchen verdorrte schnell.
Jena startete zwar ohne Kühne, Hansen und Werner – dafür aber gewohnt schlafmützig.
Bereits nach 11 Minuten hatte Diakite mit einem Doppelschlag
klare Verhältnisse geschaffen. Zunächst bekam die FCC-Abwehr in Person Ziegners
nach einer Wehener Flanke den Ball nicht aus der Gefahrenzone, aus 20 Metern
zog ein Wehener ab und als Diakite den Ball abfälschte schlug er unhaltbar
neben Jensen ein. Ganz einfach dann Tor Nummer 2: Flanke von links, Diakite
frei im Sechzehner, draufgehalten und drin!
ass=MsoNormal>Nach 15 Minuten versuchte sich dann auch Simak erstmals für
den FCC an einem Torschuss, setzte diesen aber drüber.
Nach 20 Minuten vertändelte Charalambidis den Ball
leichtfertig in der Vorärtsbewegung, es folgt ein Konter über rechts, Schwarz
bediente Siegert und der zog vom Strafraumeck in die lange Ecke ab – 3:0!
Die Jenaer glichen nun einem Häuflein Elend und so spielten
sie auch weiter. Kaum waren weitere 10 Minuten vergangen, als Omo und Holzner
den ballführenden Nicu auf seinem Weg zum Tor brav begleiteten, ohne ihn
entscheidend zu stören. Nicu hob den Ball über Jensen und dieser schlug zum 4:0
ein. (40.)
Jenas Anhang hatte jetzt „die Schnauze voll“. So sang es
jedenfalls ein Großteil der Mitgereisten und verabschiedete sich mit dem
Pausenpfiff aus dem Stadioninneren.
Ansonsten waren in der Zwischenzeit die blaugelbweißen
Anfeuerungsrufe durch weitere zornige Schmährufe ersetzt worden.
Halbzeit 2 begann mit Werner und Oniani für Ziegner und
Müller. Werner war auch der Einzige in der Gästeelf der sich nachhaltig
versuchte, in Szene zu setzen.
Da Wehen jetzt nicht mehr tat, als für die Verwaltung des Resultats
nötig war, konnte der FCC zumindest zeitweilig fast optische Ausgeglichenheit
erreichen. In einer Phase, als Jena auch der eine oder andere gute Angriff
gelang (meist über Werner und Simak), dann die kalte Dusche. Mit einem
Freistoß-Trick aus der Schüler-Trickkiste wurde erneut Nicu freigespielt und
mit etwas Glück schlug sein Schuss zum 5:0 ein (73.).
Der FCC war demontiert. Daran änderte auch Simaks
Elfmetertreffer nichts mehr, den er nach einem Halten an Torghelle sicher
markierte.
Insgesamt bot der FCC eine erschreckend desolate Leistung
und es dürfte einem Wunder gleichkommen, wenn Iwanauskas aus diesem
verunsicherten Haufen binnen Kürze ein siegfähiges Team formen könnte. Ansätze
–mehr aber auch nicht- konnte man in der zweiten Hälfte zumindest bei Einigen
wenigstens erkennen. Dennoch, eigentlich ist jedes Wort über das heutige Spiel
eigentlich eines zu viel. Außer vielleicht diesem: beschämend!
So traurig und erschreckend das klingt: der FCC holte sich
eine verdiente Niederlage ab und kann schon am 7. Spieltag mit der Devise „Wir
haben ja nichts mehr zu verlieren!“ antreten.
Ca. 400 Jenaer Fans, die ohnehin die 2. Halbzeit außerhalb
des Stadions zugebracht hatten, blockierten anschließend friedlich die Ausfahrt
des FCC-Mannschaftsbusses und machten ihren Unmut deutlich. Adressaten waren
neben dem Team auch der Sportliche Leiter Lutz Lindemann und Präsident Zipfel.
Nach Gesprächen mit den Spielern Maul, Werner, Hansen,
Co-Trainer Holetschek und einer kurzen (aber eher schwachen) Ansprache des Kapitäns
Ziegner löste sich der Protest friedlich auf.
FC Carl Zeiss Jena - TuS Koblenz 1:2
Tore: 0:1 Daham (29.), 1:1 Omodiagbe (39.), 1:2 Daham (43.)
- Jena: Jensen; Kühne (46. Ziegner), Omodiage, Maul, Holzner;
Hansen (64. Fardjad-Azad), Müller, Simak, Stegmayer; Werner,
Torghelle (36. Petersen)
- Koblenz: Eilhoff; Lomic, Bajic, Mavric, Forkel; Djokaj (63.
Langen), Dzaka, Hartmann, Sukalo; Cha (82. Bogavac), Daham (90. Richter)
- Zuschauer: 8251
- Schiedsrichter: Schriever (Dorum)
- Spielbericht:
- Konnte man sich nach der
Heimniederlage gegen Mainz noch damit trösten, gegen einen klar besseren
Gegner, der noch dazu aus der 1. Bundesliga gekommen war, verloren zu haben, so
fehlte diese Trostmöglichkeit nach dem Abpfiff gegen Koblenz völlig.
Dabei sah es anfangs recht gut aus,
wenn man von den ungewohnten Trikots absah, die an übergezogene gelbe Trainingsleibchen
erinnerten. Von der ersten Minute an spielte der FCC nach vorn und drückte die
Gäste an ihren Strafraum. Und so ergaben sich auch schnell einige Chancen, z.B.
als Werner in der 3. Spielminute nach links auf Stegmayer spielte, der flankte
in die Mitte, wo Hansen allerdings zu hoch schoss. Drei Minuten später das
gleiche Strickmuster Mitte – links – Strafraum – drüber, diesmal waren Simak,
Werner und Torghelle die Beteiligten.
Dann hatte Schiedsrichter Schriever
seinen großen – oder besser: peinlichen – Auftritt: Hansen führte einen Einwurf
blitzschnell aus und der Koblenzer Torwart fischte den Ball genauso
blitzschnell vor Torghelle weg, stand dabei allerdings zwei, drei Meter vorm
Strafraum. Anstatt Eilhoff regelgerecht "Rot" zu zeigen, ließ
Schriever den Einwurf wiederholen. Warum? Das bliebt sein ewiges Geheimnis. Und
so ging es mit 0:0 im bisherigen Szenario weiter. Es fehlte jedoch bei allen
Zuspielen die letzte Abstimmung und Präzision, so auch, als Torghelle in
Mittelstürmerposition ein Zuspiel Simaks nur um Fußbreite verpasste (22.). Irgendwann
ließ der Jenaer Druck nach und die Koblenzer erkundeten die gegnerische Hälfte.
Tatkräftige Aufbauhilfe bekamen sie dabei von Stegmayer (26.) und Omodiagbe
(28.), die jeweils aus eigentlich schon geklärten Situationen unnötigerweise
Eckbälle für Koblenz fabrizierten. Und so kam es zum schon fast üblichen Ritual
im EAS: Die Gäste erhielten mit ihrem ersten vernünftigen Spielzug den
Führungstreffer geschenkt. Hansen rutschte auf der rechten Abwehrseite im an
sich harmlosen Zweikampf aus, Forkel flankte ungestört, Maul tauchte mit dem
Sprungvermögen eines Kanonenofens unterm Ball durch und Daham köpfte das
Geschenk ein – 0:1! The same
procedure as every week! Danach trug die
allgemeine Verunsicherung zehn gelb-blaue Trikots und wir hatten Glück, dass es
nicht gleich noch einen Gegentreffer gab. Doch Jensen tauchte in die untere
Ecke und verwehrte dem Kopfballaufsetzer Sukalos den Weg ins Netz. Neubarth
reagierte auf diesen Rückschlag und wechselte den bis dahin vielleicht etwas
glücklosen, aber insgesamt nicht besser oder schlechter als seine Mitspieler
agierenden Torghelle aus und brachte statt dessen Petersen. Für mich war diese
Auswechslung die entscheidende Szene für die weiteren lauen Angriffsversuche
und die logisch folgende Niederlage. In der 39. Minute hatte der Fußballgott
dann aber ein Einsehen mit den geplagten Zeiss-Fans und ließ Eilhoff eine Ecke
fehlerhaft wegfausten, Werner flankte den Abpraller in die Mitte und Jenas
Torgarantie Omodiagbe machte per Kopfball den Ausgleich. Jaaa, jetzt aber…
denkste! Der nächste Koblenzer Angriff bestand aus einem einfachen langen
Flankenball von der Mittelinie an die Strafraumgrenze. Dabei war der Ball so
lange in der Luft, dass sich Omo und Stegmayer rechts und links in
ausreichendem Abstand von Dahame aufstellen konnten, um diesem beim
Direktschuss ins lange Eck bewundernd zuzusehen. Mit den Händen aufgebaut
(Ausgleich) und sofort mit dem Hintern wieder eingerissen (1:2) – derzeit
typisch für den FCC!
Aussage eines Zuschauers in der
Halbzeitpause: "So mies wie diesmal war die Stimmung in der Halbzeitpause auf
der Toilette ewig nicht mehr." Es sollte nach der Pause nichts
Stimmungsförderndes mehr passieren. Zwar kam Ziegner für Kühne ins Team, aber
auch der passte sich der allgemeinen Leistung an. Es waren lediglich noch
vereinzelte Standards, die Eilhoff etwas Ablenkung brachten: Petersen köpfte
nach Ziegner-Freistoß übers Tor (50.) und Stegmayer donnerte einen 25-m-Knaller
direkt aufs Trikot des Gästekeepers. Jensen zeigte in der 62. min seinen
„running gag“ und ließ auch diesmal einen Ball nach vorn prallen, allerdings
folgenlos. Bezeichnend fürs Jenaer Spiel war die Tatsache, dass Holzner als
rechter Außenverteidiger die größten Angriffsbemühungen zeigte, sich immer
wieder für Zuspiele anbot und lange Wege zwischen vorn und hinten ging. Da
ansonsten kaum Bewegung im Jenaer Spiel war, prallten alle Bälle von der roten
Gummiwand ab, die Koblenz am Strafraum errichtet hatte.
Einziger Farbtupfer war Fardjad-Azad, der
nach seiner Einwechslung innerhalb von 5 Minuten dreimal aufs Tor schoß und
mehr Torgefahr erzeugte als alle anderen zusammen. Der Neunzehnjährige mühte
sich redlich und umkurvte einige Male seine Gegenspieler, aber da seine
Mannschaftskameraden nicht annähernd so viel Einsatz zeigten, war er auf
verlorenem Posten. In der letzten Viertelstunde bot Koblenz noch alle
Varianten, wie man beste Konterchancen kläglich vergibt – zum Glück, sonst wäre
es nicht beim 1:2 geblieben.
Diese Niederlage war nicht eine
unglückliche, nach der man zum Tagesgeschäft übergehen könnte. Im Verein muss
man sich auf Grund der Art und Weise, wie sich unsere Mannschaft in diesen 90
Minuten präsentierte, ernsthafte Gedanken machen, wie man eine totale
Pleitesaison verhindern kann. Noch ist die Zeit dafür! <uk>
FC Carl Zeiss Jena - FSV Mainz 05 1:2
Tore: 0:1 Feulner (17.), 1:1 Omodigabe (54.), 1:2 Gunkel (77.)
- Jena: Jensen; Kandelaki, Omodiage, Maul, Holzner; Hansen,
Müller (82. Helbig), Simak, Ziegner (46. Charalambides); Werner,
Torghelle (78. Petersen)
- Mainz: Wetklo; Demirtas, Noveski, Subotiv, Hoogland; Feulner,
Petkovic, Gunkel, Karhan (72. Laurent); Borja (61. Jovanovic), Amri
(89. Vrancic)
- Zuschauer: 11.798
- Schiedsrichter: Willenborg (Osnabrück)
- Spielbericht:
- Mainz 05 – ich muss gestehen, dass ich gewisse Sympathien
für diesen Verein hege. Selbige haben ein ganzes Stück mit Trainer Jürgen Klopp
zutun, aber auch mit dem Erscheinungsbild des FSV insgesamt. Wenn es jedoch gegen
den FC Carl Zeiss geht, gibt es kein Pardon
– dann gehört Mainz in der persönlichen Werteskala nur noch zu „best of the
rest“.
Es konnte mir also nicht gefallen, was sich da in Halbzeit
eins auf dem Rasen abspielte. Vom Anpfiff weg bestimmten die Gäste mit
scheinbarer Leichtigkeit die Szenerie. Zweite Minute, erste Chance – Amri aus
15 Metern knapp drüber. In der 6.
Minute lud Omodiagbe mit Fehlpass Feulner zum Torschuss ein. Der nach Köln
zurecht kritisierte, mit „Tri Tra Trullala“-Artikeln aber nahe der Gürtellinie
getroffene Kasper Jensen zeigte sich in dieser und den folgenden Situationen
wieder auf der Höhe. Den frühen Rückstand vermochte er aber nicht zu
verhindern. Weil bei einem schnellen Mainzer Angriff noch ein Stürmer im
Zentrum mitlief, gingen nicht ausreichend
Jenaer Verteidiger auf den ballführenden Markus Feulner. Dieser ließ Müller als
seinen einzigen Gegenspieler ins Leere grätschen und Jensen keine Chance.
Hallo wach ? – Weit
gefehlt, statt mit Aufbäumen reagierten Jenas Akteure mit Verunsicherung. Dass sich
Omodiagbe bei allen Qualitäten seine zwei, drei Aussetzer pro Spiel leistet,
wissen wir schon. Auch dass sich bei Holzner Licht und Schatten noch zu sehr
abwechseln. Doch selbst ein Alexander Maul ließ sich in dieser Phase von der
allgemeinen Nervosität in der Hintermannschaft anstecken.
Auch nach vorn lief wenig rund, keine Spur von einem konstruktiven Zusammmenspiel. Simaks
30-Meter-Freistoß war der erste Jenaer Torschuss überhaupt. Nach 32 Minuten !
Zu diesem Zeitpunkt hatte Mainz bereits ein halbes Dutzend Male aufs Tor geschossen.
Schon ein kurzer Antritt von Tobias Werner und die hohe Hereingabe, welche
Wetklo locker herunterfischte, ließen kurzzeitig Stimmung aufkommen. Wie
Dürstende auf jeden Tropfen Wasser stürzten sich die Zeiss-Fans auf diese
unaufregende Szene. Kein Wunder angesichts der Tristesse in Hälfte eins.
Omodiagbes Kopfball (42.) war da noch die beste Gelegenheit vor der Pause, vor
Probleme wurde Wetklo aber auch damit nicht gestellt. Dessen Gegenüber Jensen
hatte da ganz andere Kaliber zu meistern. Bei Feulners Kopfball aus Nahdistanz
reagierte der Däne großartig, auch Hooglands Nachschuss lenkte er zur Ecke.
Mainz dominierte. Mit dem 0:1-Rückstand war Jena zur Pause gut bedient.
Gelbe Schuhe zu blau-weißen Stutzen – rein optisch passt der
zypriotische Nationalspieler Constantinos Charalambides schon mal sehr gut nach
Jena. Zumindest in den ersten Minuten nach seiner Einwechslung war der
Neuzugang überall auf dem Platz zu finden, als wolle er im Alleingang dem
Geschehen eine Wende geben. Doch auch seine neuen Mannschaftskameraden
steigerten sich endlich auf jenes Niveau, dass man von Anfang an hätte erwarten
dürfen. Torghelles Einsatz auf der rechten Seite brachte nach 53 Minuten den
ersten Jenaer Eckball. Und der führte zum Ausgleich durch Darlington Omodiagbe.
Per Kopf traf der Nigerianer aus Nahdistanz. Zwischen Genie und Wahnsinn liegt
eben manchmal nur eine Halbzeitpause. Jetzt war Jena am Drücker, auch
akkustisch. Von den recht wenigen Mainzer Anhängern war vorübergehend nichts zu
hören. Bis hinauf zur letzten Reihe der neuen Zusatztribüne feuerten die
Zuschauer ihre Elf an. Jürgen Klopp lobte nach dem Spiel die tolle Atmosphäre
im Jenaer Stadion. Schade nur, dass sich seine Spieler davon nicht beeindrucken
ließen. Die Bundesligaabsteiger nahmen den Kampf an und da sie in der
Spielanlage einen Tick reifer wirkten, gewannen sie dieses Match. Amris
Schrecksekunde (Ball rollte parallel zur Linie des verwaisten Tores) beendete
die beste Jenaer Phase. Gunkels Diagonalfreistoß machte sinnbildlich den Deckel
zu. Dass der vom Schiri als indirekt ausgeschriebene Freistoß direkt verwandelt
wurde, passt ebenso ins Bild wie Werners unglücklich vergebene Großchance drei
Minuten vor Schluss – wenn du da unten drin stehst, bekommst du den Mist nicht
so schnell vom Hacken. Auf diese Art verlor der FCC sein drittes Spiel in Folge
mit einem Tor Differenz. Wobei es
Jensen mit einer weiteren Rettungstat gegen Feulner (90.) zu verdanken ist,
dass es nicht mehr wurde.
Die Schwere des Auftaktprogramms war uns allen bewusst. Dass
aus vier Partien nur ein mickriges Pünktchen herausspringt, ist allerdings
ernüchternd, insbesondere nach den Spielverläufen gegen St. Pauli und Köln. Bei
aufmerksamer Betrachtung des Jenaer Spiels gewinnt man den Eindruck, die
Komponenten für eine erfolgreiche Saison sind da, aber noch nicht richtig zusammengefügt.
Vielleicht kommt die 12tätige Punktspielpause gar nicht so ungelegen. <fc>
1. FC Köln - FC Carl Zeiss Jena 4:3
Tore: 0:1 Torghelle (5.), 1:1 Novakovic (20.), 1:2 Müller (37.),
1:3 Omodiagbe (55.), 2:3 Chihi (73.), 3:3 Chihi (84.), 4:3 Jensen (86., ET)
- Köln: Mondragon; Ehret, Mitreski, McKenna, Nickenig
(60. Schöneberg); Antar, Broich (60. Scherz), Helmes; Chihi, Vucicevic, Novakovic (60. Gambino)
- Jena: Jensen; Kandelaki, Omodiage, Müller, Holzner;
Hansen (84. Stegmayer), Lorenzon (46. Kühne), Werner, Simak,
Ziegner; Torghelle (81. Petersen)
- Zuschauer: 37.700
- Schiedsrichter: Dr. Fleischer (Sigmertshausen)
- Spielbericht:
- Es war die Woche der
unverdienten Auswärtssiege mit St. Paulis Dreier im Ernst-Abbe-Sportfeld und
Deutschlands glücklichem Erfolg in Wembley, und so mancher hegte die Hoffnung
auf eine Fortsetzung dieser Serie in Köln-Müngersdorf, waren die Vorzeichen
zwischen den beiden ungleichen Gegnern doch klar. Einen unverdienten Verlierer
gab es auch diesmal, jedoch war dies nicht etwa der haushohe Favorit, sondern
ein FC Carl Zeiss, der sich in der Schlussphase selbst um den Lohn eines
großartigen Spieles brachte.
Durch
den Platzverweis Alexander Mauls war Coach Frank Neubarth zu Umstellungen
gezwungen, nahm Robert Müller in die Innenverteidigung und ließ mit Nils Hansen
und dem erstmals nach seiner Verletzungspause wieder kickenden Lorenzon gleich
zwei Abräumer im defensiven zentralen Mittelfeld auflaufen. Werner und Ziegner
besetzten die Außenpositionen im Mittelfeld, während Jan Simak als Spielmacher
fungierte, hinter der einzigen Spitze Torghelle. Und was der drauf hat, sorgte
schon nach 5 Minuten für den ersten Jubelschrei unter den 1.500 mitgereisten
Zeissfans. Langer Abschlag Jensen, Kopfball-Doppelpass
Torghelle-Werner-Torghelle und unser ungarischer Neuzugang hämmerte die Kugel
trocken von der Strafraumgrenze ins Netz. 0:1, was für ein Auftakt, und um ein
Haar hätte Broich nachgelegt, dessen Rückpass Mondragon verfehlte, aber knapp
am Kölner Kasten vorbeirollte (14.).
Beim Gastgeber hatte man im Vorfeld einen mauernden Gegner erwartet,
doch der FCC spielte auch nach der Führung munter nach vorn, fast zu munter,
denn Kölner Gelegenheiten resultierten fast ausschließlich aus Kontern nach
jenenser Abspielfehlern. In der 10. Minute ging das noch gut, als Jensen einen
tückischen Helmes-Knaller im Nachfassen parierte, nach 20 Minuten jedoch hatten
die Domstädter mit ihrer zweiten Möglichkeit im Spiel ausgeglichen. Novakovic
hatte von Omodiagbe bedrängt Vucicevic angespielt, welcher an der rechten
Strafraumgrenze Lorenzon düpierte und auf den von Omodiagbe und Werner
sträflich vernachlässigten Novakovic zurückpasste. Dass dessen Schuß durch die
Beine von Hansen den Weg ins Netz fand ist sicher unglücklich zu nennen, das
Abwehrverhalten zuvor dilettantisch. Köln hatte nun Oberwasser, baute gehörigen
Druck auf und hatte mit Vucicevics Schussversuch nach Kandelakis
verhängnisvollem Ballverlust (24., knapp daneben) und Broichs abgefälschtem
Schuß (29., Jensen hält) auch die ein oder andere Möglichkeit. Doch als Simak
mit einem wahren Zauberpass den durchlaufenden Holzner bedient und dieser aus
Nahdistanz an Mondragon scheiterte (30.), wirkte das wie ein Signal an die
eigene Mannschaft zur Besinnung auf das überlegte Spiel der ersten Minuten. Kurz
darauf hätte es Elfmeter für den FC Carl Zeiss geben müssen, als Torghelle im
Strafraum gefoult wurde, doch nicht nur in dieser Szene zeigte sich die
nachhaltige Wirkung des Daumschen Montagstheaters bei Referee Dr. Fleischer.
Jena ließ sich nicht beirren, es war eine Freude, dem Kombinationsfußball von
Jenas Offensivabteilung um den immer besser werdenden Kapitän Ziegner, den an
allen Ecken des Spielfeldes zu findenden Hansen (bester Mann auf dem Platz) und
einen Jan Simak zuzusehen und manch einer rieb sich die Augen, mit welchem
Selbstbewusstsein der Underdog hier in der WM-Arena auftrat. Werners Schuß nach
36 Minuten parierte Mondragon im Nachfassen, Ziegners Freistoß eine Minute
später kratzte der kölsche Schlussmann noch aus dem Eck, doch die
darauffolgende Ecke brachte die verdiente Führung. Torghelle hatte Ziegners
Eckball an den langen Pfosten verlängert, wo Robert Müller eiskalt vollendete.
Der Gast wirkte nun wie paralysiert, beinahe hätte Torghelle das Ergebnis noch
höher schrauben können, verzettelte sich aber im Strafraum (39.) und so war der
Schlusspunkt unter die erste Hälfte symptomatisch, als der wenige Tage zuvor
noch zum Deutschlandkader gehörende Helmes eine Freistoßablage von Vucicevic 15
Meter über das Jensen-Gehäuse beförderte. Kölns Mannschaft ratlos, Kölns
Publikum fassungslos und ein gellendes Pfeifkonzert verabschiedete die
Millionentruppe in die Kabinen.
Aufbäumen,
Dagegenhalten, Druck aufbauen, so in etwa hätte man die Gastgeber nach
Wiederanpfiff erwartet, doch stattdessen spielte Thüringens Stolz so, als hätte
er einen Rückstand aufzuholen. Werner prüfte Mondragon mit Schuß aus spitzem
Winkel (51.), das Eckenverhältnis war inzwischen auf 7:3 für Jena angestiegen
und als Ziegners Freistoß den Fuß des völlig unbedrängt durchlaufenden
Omodiagbe fand, hieß es 1:3, das Spiel schien entschieden. Auch wenn Helmes nur
eine Minute später den Anschlusstreffer auf dem Kopf hatte und knapp verzog,
das Auftreten der völlig konsternierten Gastgeber glich insgesamt einem
Fehlpassfestival, begleitet von eisigem Schweigen des Opernpublikums auf den
Tribünen. Christoph Daum hatte die Nase voll, wechselte gleich drei Spieler auf
einmal aus und vor allem die Hereinnahme von Matthias Scherz, der ja schon in
der Vorsaison den mehr als glücklichen Siegtreffer der Kölner vom Elfmeterpunkt
erzielt hatte, sollte sich als folgenschwer erweisen. Doch zuvor hatte Referee Fleischer
seinen Auftritt, schickte Zeiss-Trainer Frank Neubarth auf die Tribüne, als der
sich lautstark über eine der unzähligen Freistoßfehlentscheidungen zugunsten
des 1. FC Köln mokierte (65.), übersah eine Tätlichkeit Antars an Stefan Kühne
(Kopfstoß, 68.) und gab für McKennas Notbremse an dem durchbrechenden Torghelle
nur gelb (71.). Jener Torghelle hatte bis dahin ein großartiges Spiel gehabt,
zerrte unermüdlich an den Ketten und war von seinem Gegenspieler meist nur
durch Foulspiele zu stoppen. Doch er wurde ebenso wie Jan Simak müder und so
verlagerte sich das Spielgeschehen mehr und mehr in die Jenaer Hälfte, Chihi
mit Freistoß und Antar per Kopfball (69.) besaßen gute Möglichkeiten, ehe in
der 73. Minute das Unheil für den FCC seinen Lauf nahm. Die Fehlerkette war
lang. Jensen ließ sich eine Kölner Flanke von Robert Müller zum Einwurf
wegköpfen, anstatt sie selbst herunterzupflücken. Omodiagbe musste erkennen,
dass auch 1,88m nicht ausreichen, wenn man 2 Meter hinter einem kopfballstarken
Matthias Scherz steht, dessen Verlängerung Adel Chihi fand, der von Felix
Holzner völlig unbedrängt zum Anschlusstreffer einschoß. Fünf Minuten später
hatte Scherz selbst die Riesenchance zum Ausgleich, köpfte aber freistehend am
völlig leeren Tor vorbei. Durchatmen, doch die Partie wurde hitziger. Mondragon
erhielt gelb, als er den sich bei der Auswechslung zu viel Zeit lassenden
Torghelle vom Platz schubste, Holzner kassierte den gelben Karton für ein an
ihm begangenes Foulspiel und Jan Simaks Bedrängen Vucicevics wurde mit Freistoß
für Köln geahndet, den Scherz aufs Tor platziert, Jensen lässt den schon sicher
geglaubten Ball vor die Füße von Chihi fallen, der nur noch abstauben muß.
Ausgleich, Kölns Publikum aus dem Dornröschenschlaf erwacht und Kasper Jensen der
einsamste Mann auf dem Platz. Ob ihm diese Szene noch durch den Kopf schwirrte,
als er kurz darauf Chihis Eckball (Omodiagbe hatte zur Ecke klären müssen, da
ein Ellenbogencheck von Scherz gegen ihn ungeahndet blieb) zum Kölner 4:3 ins
eigene Tor patschte?
Ein mehr als bitteres Ende für den zuvor gut spielenden
Keeper, der nach dem Abpfiff sofort den Trost seines Kapitäns Torsten Ziegner
bekam. Vergessen wird er diesen Abend wohl nie, ebenso wie Jenas Anhang. Fassungslose,
entsetzte Gesichter noch Minuten nach Spielende im Gästeblock. Was für eine
Riesenchance hatte sich der FC Carl Zeiss hier selbst vergeben. Ob die
tadellose Moral der Mannschaft mit diesem erneuten Tiefschlag einen dauerhaften
Knacks wegbekommen hat, oder ob man sich am 70 Minuten lang wirklich tollen
eigenen Spiel aufbaut, wird die nächste Partie gegen Mainz zeigen. Nachdem der
Trainer, dessen vorgenommene und unterlassene Auswechslungen in Köln nicht
jedermanns Geschmack trafen, aus den vielen Neuzugängen mehr und mehr eine
Mannschaft zu formen scheint, ist in den kommenden Tagen in erster Linie der
Psychologe Frank Neubarth gefragt! <gunner>
FC Carl Zeiss Jena - FC St.Pauli 0:1
Tore: 0:1 Schnitzler (20.)
- Jena: Jensen; Kandelaki, Maul
(

, 40.),
Omodiagbe, Holzner; Kühne (67. Petersen), Hansen, Ziegner (46. Simak),
Müller; Werner, Torghelle (77. Helbig)
- St.Pauli: Borger; Gunesch, Eger, Morena, Rothenbach; Trojan (79. Bruns), Boll, Meggle, Takyi (

, 42.), Brunnemann (45. Braun); Schnitzler (64. Ludwig)
- Zuschauer: 12.129
- Schiedsrichter: Schalk (Augsburg)
- Spielbericht:
- [von Gastkommentator Ragnar Boedefeld]
Nach drei erfolgreichen Jahren in Folge und der Wiederholung eines
2:2-Auswärtserfolgs nach 0:2-Rückstand im ersten Saisonspiel war es wieder
einmal an der Zeit, dem Aberglauben zu frönen. Und so schreibt jetzt im vierten
Jahr in Folge ein- und derselbe Gastkommentator den ersten Heimspielbericht.
Angeblich soll einer aus dem Stammpersonal sogar geheiratet haben, damit er um
diesen Spielbericht drumrum kam...
Ähnlich wie im letzten Jahr (Braunschweig) war auch diesmal ein potentieller
Konkurrent im Abstiegskampf beim ersten Saisonheimspiel zu Gast.
Unvorhersehbare Auswärtsunentschieden sind gerne gesehen - doch wichtiger sind
die drei Heimpunkte aus diesen sogenannten "Sechs-Punkte-Spielen". Unbedingter
Siegeswillen war also Pflicht, und so harrte unsereiner gespannt, ob der
Trainer Neubarth dieses seinen Spielern verklickert hatte.
Er hatte - wenn man
die ersten zwanzig Minuten des Spiels als Maßstab nimmt. In dieser Zeit brachte
der FCC fünf gefährliche Situationen zustande, die in ihrer Vielfalt
überraschten. Ein Freistoß von Ziegner, der knapp neben das Tor ging, ein
gefährlicher Fernschuss von Kühne, dann einer von Werner, den Borger abprallen
ließ - Torghelle war einen Schritt zu spät. Kurze Zeit später war es umgekehrt:
Torghelle ließ zwei Gäste aussteigen und versuchte einen Schlenzer mit dem
linken Bein, Borger ließ wieder prallen - doch der Ball wollte einfach nicht
rein. Dann folgte noch ein gefährlicher Kühne-Kopfball. Von Pauli war bis dahin
nichts zu sehen, die besten Aktionen der Gäste hatte noch der Fanblock.
Plötzlich zack-zack, ein Querpass, einer in die Spitze - und Schnitzler kann
frei vor Jensen einschieben. Ausgerechnet Pauli, das seinerseits letzte Woche
gegen Köln reihenweise vor dem Tor versagt hatte, machte mit seinem ersten
zusammenhängenden Spielzug das 0:1. Nur kurz danach wäre beinahe das 0:2
gefallen, der Ball ging links unten knapp vorbei. Beim FCC war jetzt ein Knacks
im Spiel, keiner lief richtig und elementare Dinge wie flache Anspiele und
Ballannahmen aus der Luft misslangen. Eine Viertelstunde lang war einmal mehr
der Fluch der ersten Saisonspiele zu ertragen: eine bunt zusammengekaufte
Mannschaft (gleichwohl mit Niveau) ist noch nicht wirklich eine Truppe, wirkt
verunsichert und ängstlich in einem ihr häufig noch fremden Heim-Umfeld, das
wegen des Rückstandes nicht erbaut ist. Bad Vibes... warum nur?
Individuelle Klasse hat der Kader jedenfalls, wie man in der 35. Minute sehen
konnte. Kandelaki wurde auf links steil geschickt, passte flach nach innen, wo
Torghelle den Ball annehmen, kontrollieren und auf Ziegner zurücklegen konnte,
der leider links vorbeisemmelte. Das tat weh, ebenso der knapp verfehlte
Ziegner-Freistoß kurz vor der Pause, bei dem Borger keine Regung zeigte. Ab der
40. Minute spielte übrigens der FCC nur noch zu zehnt, Maul war geampelt worden.
Zwei Minuten später hatte auch Pauli einen weniger auf dem Platz, nachdem Takuy
wiederholt das Spiel verzögert hatte.
Und dann kam der Abschnitt des Spiels, den ich nicht begreife. Freilich kann man
nicht 90 Minuten lang höchstes Tempo gehen, sicherlich muss man zwischendurch
auch mal verschnaufen. Aber wieso kann man nach einer Halbzeitpause voller
Regeneration nicht genau dort weitermachen, wo man vor der Pause aufgehört hat
- nämlich Druck auf den zeitweilig überforderten Gegner auszuüben? Pauli war
mit der Pause eigentlich sturmreif, wurde dann aber bis zur 70. Minute durch
einfache Fehler und mangelhaftes Laufspiel wieder aufgebaut. Wenn nur alle in
der zweiten Halbzeit so gerannt wären wie der Holzner...
Erst in der
Schlussviertelstunde wurde Pauli wieder in der eigenen Hälfte eingeschnürt.
Auffällig war dabei Jan Simak, der die Bälle jetzt schön verteilte und auch
selbst gefährlich wurde. Es ergaben sich Chancen im Minutentakt, fast jeder
durfte mal ran. Leider ging alles daneben (Torghelle 74., Petersen 78. und 86.,
Werner 83.), an den Pfosten (Petersen 74.) oder wurde von Borger entschärft
(Kopfball von Helbig 83.). Dann war Schluss und die erste Heimniederlage in der
neuen Saison Tatsache.
Trotz dieser Niederlage bleibt ein besseres Gefühl als im letzten Jahr nach dem
0:0 gegen Braunschweig, weil der FCC seinen Gegner diesmal spielerisch
beherrschte, obwohl die Hälfte der Neuzugänge noch auf der Bank saß bzw.
verletzt war. Heuer steht auch nicht zu befürchten, dass das Potential des
Clubs einbricht, sollten Spieler wie Ziegner und Helbig eine ganze Saison lang
verletzt ausfallen - der Kader ist wesentlich breiter und auch besser geworden.
Wie sagte Gästetrainer Trulsen in der Pressekonferenz: "Es wird für jede
Mannschaft schwer, in Jena zu punkten." Allerdings nur, wenn die Dinger vorne
auch jemand reinmacht!
Alemannia Aachen - FC Carl Zeiss Jena 2:2
Tore: 1:0 Vukovic (1.), 2:0 Nemeth (6.), 2:1 Maul (28.), 2:2 Petersen
(76.)
- Aachen: Nicht; Stehle, Klitzpera, Vukovic (33. Casper), Weigelt;
Lehmann, Polenz (75. Leiwakabessy), Reghecampf, Nemeth, Pecka (81. Milchraum),
Ebbers
- Jena: Jensen; Kandelaki, Maul, Omodiagbe, Holzner; Kühne,
Müller (72. Petersen), Hansen, Ziegner (72. Fröhlich), Simak
(58. Stegmayer); Werner
- Zuschauer: 19.986
- Schiedsrichter: Aytekin
- Spielbericht:
- Wenn ein Verein aus der Bundesliga kommend zuhause auf den
Zweitliga-Dreizehnten des Vorjahres trofft, ist die Favoritenrolle am 1.
Spieltag klar gegeben. Dass sich der Webmaster aus Aachen bei der
Live-Ticker-Ankündigung aber gleich für ein fingierte 5:2-Vorhersage entschied, kam
uns vor dem Spiel doch etwas übertrieben vor.
Nach sechs Minuten Spielzeit schien allerdings nichts mehr
unmöglich. Zwei Gegentore hatte sich der FC Carl Zeiss zu diesem Zeitpunkt
schon eingefangen, das Erste nach 50 Sekunden ! Einen Freistoß-Ball von
Reghecampf verlängerte Vukovic per Kopf unhaltbar ins Jenaer Gehäuse. Robert
Müller war zwar mit hochgestiegen, hatte aber das Nachsehen. Keinen
Gegenspieler besaß Nemeth nach 5:30 min. Omodiagbe hatte die Abseitsfalle
aufgehoben.
0:2 - Mann oh Mann, welch ein Fehlstart in die insgesamt achte
Zweitligasaison des FCC ! Nachdem der erste Schock verdaut war, erinnerte man
sich als Auswärtsfahrer an den 1. Spieltag der Vorsaison, als Jena in Offenbach
ebenfalls mit zwei Toren hinten gelegen hatte, sich aber noch zum Remis
kämpfte. Sollte dies erneut möglich sein ? Hier, auf dem berühmten Aachener
Tivoli ? Nicht das Stadion selbst macht den Reiz aus, in vielen Dingen erinnert
es an die alte Heimstätte des FC Sachsen Leipzig. Nein, es ist die Atmosphäre,
bei der das Dabeisein einfach Spaß macht, weil die Stimmung enthustiastisch,
aber nicht aggressiv ist und häufig von drei Seiten gleichzeitig gepuscht wird.
Es sah noch immer nicht gut aus. Nach 25 Minuten war kein einziger
gefährlicher Ball auf das vom Ex-Jenaer Kristian Nicht gehütete Aachen-Gehäuse
abgegeben worden. Stattdessen musste Gegenüber Kasper Jensen beim
Aachener Konter die fehlende Innenverteidigung ersetzen und zehn Meter vor
seinem Strafraum per Kopf klären. Dann die 28. Minute. Ziegner aus einer
Spielertraube heraus auf Hansen, Flachschuss aus 15 Metern, Torwart Nicht pariert auf
Kosten einer Ecke. Das war sie, die erste Jenaer Gelegenheit im Punktspieljahr
2007/2008. Eine Ansage „Wir sind auch da“. Den anschließenden Eckball
erwischt Stefan Kühne am langen Pfosten, köpft ihn zur Torlinie, wo Alexander
Maul steht und unter Bedrängnis einköpft. Der Anschlusstreffer noch vor der
Pause. Wie damals in Offenbach. Hoffnung bei uns. Ein aus allen Wolken fallen
bei den Alemannen. Zu deutlich hatten sie die Anfangsphase dominiert,
zu leicht ihre Tore gemacht gegen einen in
dieser Phase unsortierten und harmlosen Gegner. Nun kämpften sich die
Neubarth-Schützlinge in das Spiel hinein. Nur vier Minuten nach dem
Anschlusstreffer spielte Simak einen ähnlich genialen Pass wie im Pokal eine Woche zuvor
auf Werner, der hatte gegen den heranstürmenden Nicht die Idee eines
Hebers – nur leider fiel dieser zu hoch aus. Eine Partie mit umgekehrten
Vorzeichen – jetzt spielte Jena Fußball. Wäre Kühne in der 43. Minute nicht
selbst überrascht gewesen über eine sich bietende Kopfballchance, es hätte noch
vor der Pause Unentschieden gestanden. Der Offenbacher Regievorlage hätte dies
freilich nicht entsprochen.
Mit ein bisschen Magengrummeln empfingen wir unsere Mannen
aus der Kabine. Nur nicht wieder solch eine Schlafwagen-Einlage wie zu Beginn.
Doch die Sorgen erwiesen sich als unbegründet. Lediglich Keeper Jensen sorgte
für erhöhte Herzfrequenz in Minute 51, als er bei zwei heranstürmenden
Gegenspielern den Ball nicht einfach wegschlug, sondern ihn kalt wie
Hundeschnauze behauptete. Außerdem Holzner, der am eigenen Strafraum den Ball
vertändelte und von Glück sagen kann, dass die Abseitsfahne nach oben
schnellte, da ansonsten eine 3 gegen 1-Überzahlsituation für die Westdeutschen
entstanden wäre.
Die Leistungssteigerung der Jenaer Elf lässt sich treffend am Bild festmachen, dass Ilia Kandelaki in den ersten neunzig Minuten
für seinen Verein abgab. Nach Stegmayers gutem Pokalauftritt war er für mancheinen
überraschend in die Startelf gerückt. Die etwas defensivere Variante schien
anfangs nach hinten loszugehen, weil der Georgier einige Male Unsicherheiten
auf seiner linken Seite offenbarte. Doch nach der Pause fand Kandelaki zu sich selbst,
seinen Mannschaftskameraden und ins Spiel. Wobei Stegmayer später noch eingewechselt wurde,
ebenso wie Fröhlich und Petersen. Die aus den Wechseln hervorgehenden
taktischen Umstellungen waren riskant, besonders der Austausch des defensiven
Müller gegen den stürmenden Petersen. Das Risiko sollte sich aber bezahlt machen. Denn
Nils Peteresen war gerade drei Minuten im Spiel, da verlängerte er einen Ball
von Kühne ins Tor. Wahnsinn ! Ausgerechnet Jenas Jüngster schafft den
Ausgleich. Klar hat der in Junioren-Länderspielen schon gegen
U19-Nationalmannschaften getroffen, doch ein solche wichtiger Treffer „bei den
Großen“ ist dann doch etwas Besonderes. Wäre der Bursche in Minute 79 doch noch
einmal etwas kaltblütiger gewesen, er hätte den FCC gar zum Sieg geschossen.
Nach einer Unsicherheit seines Gegenspielers verzog Petersen jedoch
deutlich.
Remember OFC – aus einem 0:2 ein 2:2 gemacht und dem Sieg
sehr nahe gekommen. Auch Kandelakis
Flanke fünf Minuten vor Schluss brachte Gefahr, neutralisierte sich aber mit
Reghecampfs Hereingabe in Minute 88. Beide Male fehlte ein Abnehmer im
Sturmzentrum.
Das Unentschieden feierten die Jenaer wie einen Sieg,
während die Gastgeber ziemlich konsterniert das Stadion verließen. Auch dieses
Bild hatten wir vor einem Jahr schon einmal. Neu ist die Serie, in der sich die
Jenaer Mannschaft befindet. Unter Frank Neubarth bleibt sie in Pflichtspielen
weiterhin unbesiegt. <fc>
Bilder von der ersten Partie
Spielbericht auf alemannia-aachen.de
Impressum
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Startseite offizielle Page
, 48.),
Müller, Omodiagbe, Stegmayer (83. Saka); Amrhein (59. Allagui),
Kühne, Ziegner, Simak, Werner (83. Petersen); Schied
Am kalten Freitagabend begann der FCC zunächst unterkühlt-vorsichtig, um nicht ins offene Messer der Gäste zu laufen, die spielerisch eine schnelle, feine Klinge schlugen. Trotzdem kam der FCC ganz gut nach vorn und hatte einige interessante Szenen, z.B. als Stegmayer eine scharfe Flanke vors Tor schlug oder Mondragon Ziegners Freistoß wegfaustete. In der 23. min gab es dann nach der dritten Kölner Ecke die erste brenzlige Szene vor unserem Tor, als Kühne den Ball zu kurz abwehrt, Khamutouski den Schuss jedoch parieren kann. In der 27. min gab es dann auf der Gegenseite die erste zornerregende Szene, als nach einer Ecke Schied (?) schießen will, der Kölner jedoch mit gestrecktem Bein „drüberhält“. weiterspielen. Zwei Minuten später tändeln Khamutouski und Omodiagbe bei einem Abstoß herum, der schwache Abschlag des Torwarts in den Mittelkreis kommt prompt als Steilpass auf Helmes, der zum 0:1 einschiebt; Müller stand zu weit weg. Kurz danach verhindert Khamutouski mit einer tollen Parade das spielvorentscheidende 0:2, als er gegen Broich blitzschnell reagierte. Ein Aufstöhnen ging durchs Stadion, als Werner nach der dritten FCC-Ecke einen Schuss von der Strafraumgrenze an die Lattenunterkante nagelte. Den zurückspringenden Ball erlief einer im weißen Trikot (Kühne?), wurde jedoch durch einen Kölner umgerissen. Strafstoß? Vergiss es! Der Herr Henschel aus Braunschweig – spätestens jetzt war die Bezeichnung „Unparteiischer“ falsch – schien zur 60-Jahr-Feier nach Köln eingeladen gewesen zu sein und verteilte hier sein zweites Geschenk des Abends an den Ziegenverein. Tut mir leid, aber so etwas kann man nicht falsch oder gar nicht sehen – das ist Vorsatz! Im Jenaer Angriff merkte man doch, dass man mit einem Ein-Mann-Sturm agierte – und Simak, der immer wieder mal als zweite Spitze in den aufrückte, konnte sich die Pässe trotz einer ganz starken Leistung ja schließlich nicht selbst vorlegen. Aber vor der Pause erreichte eines dieser Anspiele den rechts in den Kölner Strafraum laufenden Schied, der aber mit seinem Schuss aus spitzem Winkel keinen Erfolg hatte.
Unmittelbar nach Wiederanpfiff gab es das nächste
Geburtstagsgeschenk an die Kölner. Maul trennte per Tackling an der rechten
Seitenlinie den Ball vom Kölner Spieler und während auf der Tribüne
Diskussionen über den Freistoßpfiff an sich aufbrandeten, zeigte der Schiedsrichter
Alex Maul… „Rot“!!! Was ging denn hier ab! Ich war einfach sprachlos! Wut,
Entsetzen, Fassungslosigkeit – die Gesichter meiner Platznachbarn spiegelten
vieles wieder, aber nicht einmal ansatzweise gab es Verständnis für diese
Entscheidung. Wenn sich bis dahin vielleicht bei einigen oder vielen auf dem Rasen
und den Rängen innerlich Resignation breitmachen wollte, mit diesem
Platzverweis hatte der Schiedsrichter alle, die sich dem FCC verbunden fühlen,
aufgerüttelt. Die Stimmung auf den Rängen brodelte, die Mannschaft drehte auf
und das Spiel kippte optisch zu Gunsten des FCC. Und Mondragon
tauchte in der 55. min blitzschnell ins lange Eck, um Schieds
Schuss den Weg ins Netz zu verwehren. Fünf Umdrehungen des Sekundenzeigers
später: Simaks Freistoß hoch in den Strafraum neben das lange Toreck, Kopfball
von Kühne quer und Müller machte den Ausgleich. Jaaaaaa!
Der Vulkan EAS schien zu explodieren! Und der FCC machte weiter, drückte auf
das wichtige drei Punkte bedeutende 2:1 und hatte eine gute Chance, als
Schied gegen den herausstürzenden
Mondragon leider einen Schritt zu spät kam. Und die Kölner
schienen völlig überrascht zu sein, dass diese Jenaer Mannschaft trotz
Unterzahl, trotz permanenter Benachteiligung in der Zweikampfbeurteilung
(Werner wird in der 69. min gefoult und bekommt dafür „Gelb“ wegen „Schwalbe“!)
Das sah richtig gut aus. Und Köln leistete einen weiteren Beitrag zur
Unbeliebtheit, als man den Ball trotz eines am Boden liegenden Werner nicht
sportlich-fair ins Seitenaus spielte, sondern ungerührt einen Angriff
initiierte. Chihi köpfte aber freistehend vorbei.
Und
dann lief es wie so oft in dieser Saison: Jena machte (in Unterzahl) das Spiel,
der Gegner einen vernünftige Spielzug, dazu ein Abwehrfehler (einem Jenaer
rutschte die Flanke unterm Fuß durch) und wir lagen wieder hinten. Novakovic knallte
den Ball aus 22 m Entfernung ins untere Toreck und Khamutouski war chancenlos.
Dieser Gegentreffer war der moralische Genickbruck für unser Team, es lief
nicht mehr viel, die fehlende Kräfte (bis dahin durch überdurchschnittlichen
Kampfgeist wettgemacht) und es war eigentlich der Dummheit der Kölner
geschuldet, dass das 1:3 erst tief in der Nachspielzeit fiel.
Interessant war noch die Pressekonferenz: Bürger fasste sich sehr kurz (ein passendes Statement wäre sicher zu teuer geworden), Daum palaverte minutenlang Nichtssagendes und Rainer Zipfel sagte – mit sehr gesetzten Worten – was er von der Schiedsrichterleistung heute und in den letzten Wochen hielt. Bravo! Sollte die Aussage des FCC-Präsidenten irgendwelche finanziellen Sanktionen seitens des DFB nach sich ziehen, beteilige ich mich an einer Sammlung beim nächsten Heimspiel. <uk>
- St.Pauli: Borger; Rothenbach, Morena, Eger, Gunesch; Takyi, Boll, Meggle,
Schultz (46.Sako); Schnitzler (65.Braun), Kuru
- Jena: Khamutouski; Maul, Müller, Stegmayer; Amrhein, Kühne, Ziegner, Werner; Simak (83.Kandelaki); Torghelle (
, 17.), Schied (87. Petersen)
- Zuschauer: 20.217
- Schiedsrichter: Winkmann (Kerken)
- Spielbericht:
- Jena: Khamutouski; Maul, Müller, Stegmayer; Amrhein, Kühne, Ziegner, Werner; Simak (83.Kandelaki); Torghelle (
- (von Gastkommentator Thomas Neumann)
13 Punkte, Platz 17, Spieltag 19 - das ist die wenig schmeichelhafte Zwischenbilanz vor dem Auswärtskick in Hamburg. Ich neige nicht zu übermäßigen Optimismus oder Pessimismus im Bezug auf meinen FCC, aber realistisch betrachtet sollte man die Möglichkeit des Abstieges mittlerweile wohl in die Prognosen für das Saisonergebnis mit einbeziehen.
Was solls - hilft ja nix. Auswärts läuft es diese Saison ja eh besser als zu Hause und so startet die dreiköpfige Niedersachsen - Fraktion am Freitagmittag von Hannover nach Hamburg. Auf der A7 bis Hamburg gibt's jede Menge Thüringer Kennzeichen zu begucken und auch der "Vor dem Spiel" - Bummel durch den Kiez bietet jede Menge blau - gelb - weiße Fanutensilien fürs Auge. Der guten Ordnung halber sei natürlich noch erwähnt, dass das Ganze nach eigenem Erleben total "stressfrei" abläuft und nette Gesten und Wünsche der Einheimischen keineswegs die Ausnahme sind.
In einer Ecke der Nordtribüne ist seit Neuestem der Gästeblock auf St. Pauli untergebracht, der von den anwesenden ca. 1500 FCClern gut gefüllt wird. Das die Hafenhamburger nun extra für das Gastspiel des Europapokalfinalisten von 1981 eine zusätzliche Stahlrohrtribüne auf der Nordseite ihres Stadions errichtet haben, erscheint auf den ersten Blick zwar übertrieben, ist aber angesichts des Gegners nun nicht gar so abwegig.Der sportliche Teil des Abends beginnt mit einer Jenaer Großchance als Jan Simak sich in der 4. Minute schön auf der rechten Seite durchsetzen kann, jedoch lieber in der Mitte Thorgelle bedient, statt selber direkt abzuschließen. Während der Gästeblock noch dieser Chance nachtrauert, spielt sich am anderen Ende des Stadions bereits Teil 1 der mysteriösen Schiedsrichterentscheidungen des Abends ab. Fakt ist, ich habe aus ca,. 100 m Entfernung in einem Gestocher im Strafraums kein Handspiel - ein Dank an den Stadionsprecher der den Grund für den Elfmeter mitmeldete - gesehen. Ohne mein Einverständnis verwandelt Takyi trotzdem sicher zum 1:0 in der 13. Minute. Wenig später (18. Min.) scheint das Spiel schon endgültig gelaufen, als Sandor Torghelle wegen einer Tätlichkeit mit Rot vom Platz fliegt. Ich habe unter den reichlich bescheidenen Sichtverhältnissen des Gästeblockes, dieses Nachtreten von ihm mit dem Fuß relativ klar gesehen - der Schiri wohl auch - und bin gespannt, ob dies nicht schon bereits der letzte Pflichtspielauftritt unseres "Gulaschbombers" war, der ja auch im Pokal gesperrt ist. Der Rest der ersten Halbzeit besteht aus ziemlich laschen Mittelfeldgekicke und -geschiebe der St. Paulianer, daß die Jenaer bis auf einen Simak - Schuss ans Außennetz (34.) nicht bestrafen können.
Die Kabinenaufenthalt in der Halbzeitpause für die, diesmal blauen Helden, ist kürzer als normal, als sie nach der "gefühlten" Hälfte der Spielunterbrechung bereits wieder auf dem Platz stehen. Dem Neutrainer Henning Bürger sei an dieser Stelle geweissagt, dass solche "Nummern" zwar nicht schlecht sind aber auch nur gefühlte zweimal ziehen, bevor sie ihre Wirkung verfehlen. Aber diesmal scheint es definitiv noch zu wirken. In der 54. Minute setzt sich Ziegner durch und kann im zweiten Versuch den St. Pauli-Keeper Borger überwinden. Hätte man mich jetzt gefragt ob ich mit dem Unentschieden zufrieden gewesen wäre, hätte ich sofort abpfeiffen lassen. Mehr ist doch in Unterzahl echt nicht drin…
Für den "Auswärts - FCC" in dieser Saison ist dies aber das natürliche Signal auch in Unterzahl die Siegchancen zu suchen. Und als Patrik Amrhein kurze Zeit später nach schönem Solo freistehend vor dem Tor nur an den Pfosten schiebt, wagt der gemeine FCC - Fan im Gästeblock endlich vom "Auswärtssieg" zu träumen und singen. Was in der 68. Minute zum Elfmeter für Jena führt kann ich nicht nachvollziehen, da die Aktion schon wieder am anderen Ende des Stadions stattfindet, aber wenn der erste Elfer berechtigt gewesen sein soll, wird es dieser wohl auch. Wenigstens in den Augen des Schiedsrichters.Das es am Ende doch nicht zum Auswärtsdreier reicht, ach herrjee, wem will ich das denn vorwerfen? Die Mannschaft hat auch in der Schlussphase alles geboten, was sie konnte. Der Ausgleich in der 88. Minute ist natürlich der "Hammer" ins Genick des eh schon taumelnden Boxers. Andererseits muss den Jungs doch endlich mal jemand ins Gehirn prügeln, dass sie auch zu Hause so auftreten müssen, dann besteht vielleicht noch Hoffnung auch mit einem Unentschieden auf St. Pauli leben zu können.
FC Carl Zeiss Jena - Alemannia Aachen 2:3
Tore: 1:0 Werner (17.), 1:1 Reghecampf (29.), 2:1 Schied (66.), 2:2 Lehmann, 2:3 Krontires (81.)
- Jena: Khamutouski; Günther, Maul, Omodiagbe, Stegmayer;
Amrhein (75.Saka), Müller, Simak, Werner; Petersen (64.Torghelle),
Schied
- Aachen: Straub; Polenz, Klitzpera, Herzig, Leiwakabessy;
Reghecampf, Lehmann (90.Olajengbesi), Lagerblom, Krontiris (90.Brinkmann);
Ebbers (58.Mosquera), Kolev
- Zuschauer: 6513
- Schiedsrichter: Gräfe (Berlin)
- Spielbericht:
- Die fußballfreie Zeit war endlich zu Ende und auch für Jena sollte nun der Ball in der 2. Bundesliga wieder rollen. Die guten
Ergebnisse in der Vorbereitung ließen bei jedem Zeiss-Fan Hoffnung aufkommen, welche in einem grandiosen Sieg im DFB-Pokal gegen die
Arminia aus Bielefeld gekrönt wurde. Diesen Schwung und Optimismus wollte man unbedingt in die heutige Partie mitnehmen, um gleich im
ersten Spiel der Rückrunde gegen die Gäste aus Aachen die Aufholjagd starten zu können und den ersten wichtigen Dreier einzufahren.
Die Jenaer begannen auch gleich wie die Feuerwehr und bereits nach 20 Sekunden sah Herzig die erste gelbe Karte im Spiel, da er den aufs
Tor stürmende Schied nur durch Foulspiel bremsen konnte. Gut eine Minuten später fast schon das 1:0 für die Platzherren,
doch ein gefährlich abgefälschter Freistoss mit anschließendem Torschuss von Schied wurde wegen Abseitsposition abgepfiffen.
Aber leider war es das erst einmal mit den Jenaer Angriffbemühungen, denn die Aachener stellten sich im besser auf das Jenaer Spiel ein
und setzten frühzeitiger nach. Dadurch verflachte die Partie zunehmend und beide Teams neutralisierten sich weitgehend im Mittelfeld,
ohne sich dabei nennenswerte Chancen zu erspielen. So dauerte es bis zur 17. Minute, als der Jenaer Anhang zum ersten Mal jubeln durfte.
Ein von Simak getretener Eckball wurde zunächst per Kopf geklärt, Amrhein nahm den abprallenden auf, schoss erneut auf das Tor
und in der Mitte stand Werner goldrichtig und fälschte per Kopfball zur 1:0 Führung ab. Doch leider konnten die Jenaer dieses
Stimmungshoch nicht weiter nutzen, denn sie führten erst zum zweiten Mal in dieser Saison auf eigenem Platz, sondern sie ließen
die Aachener wieder ins Spiel kommen. Nach gut einer halben Stunde nutzten diese ihre erste gute Möglichkeit eiskalt und Reghecampf
traf mit einem herrlichen Kopfball aus 11m zum Ausgleich. Kurz vor der Pause sogar noch fast die Führung für die Gäste, doch
Jenas neuer Keeper Khamutouski konnte den Schuss von Krontiris gerade noch parieren.
Die Aachen kamen zielstrebiger aus der Kabine und hatten bereits in der 51. Minute erneut eine dicke Möglichkeit zur Führung, aber
Ebbers konnte in bester Position mit seinem Kopfball aus Nahdistanz den Jenaer Schlussmann nicht überwinden. Nun zogen die Gäste ihr
Spiel auf und beherrschten das Mittelfeld mühelos. Die Jenaer wirkten dagegen zunehmend verunsichert und versuchten es mit langen Bällen
nach vorn, die aber allesamt keinen Abnehmer fanden. Trainer Henning Bürger brachte Torghelle ins Spiel und erhoffte sich noch einmal einen
Schub nach vorn. Und es dauerte auch nur wenige Augenblicke und da hatte sich die Einwechslung bereits ausgezahlt. Simak hatte erneut einen Eckball
getreten, den Torghelle per Kopf genau vor das Tor verlängerte, wo Marcel Schied goldrichtig stand und den Ball aus wenigen Zentimetern nur
über die Linie drücken musste. Hoffnung auf den wichtigen Dreier keimte wieder auf, aber leider konnten die Jenaer auch in dieser Phase
den Schub nicht nutzen. Nur fünf Minuten später musste Khamutouski, der mit Abstand beste Spieler des FCC an diesem Tage, Kopf und
Kragen riskieren, um den erneuten Ausgleich zu verhindern. Aber zwei Minuten später war auch er machtlos, als Lehmann aus wenigen Metern
mit einem schönen Schuss zum Ausgleich traf. Die Thüringen wirkten in ihren Aktionen immer konfuser und man mochte gar nicht glauben,
dass fast genau dieses Team nur wenige Tage zuvor die Arminen aus Bielefeld in einer packenden Partie aus dem DFB-Pokal geworfen hatten. Als
wenn die zwei Gegentore nach zweimaliger Führung nicht schon schlimm genug wären - es sollte heute noch dicker kommen. Lehmann hatte
sich in der 82. Minute im Mittelkreis das Leder geschnappt und konnte ungehindert bis kurz vor den Strafraum spazieren, wo er Krontiris mit
einem Pass genau in den Lauf bediente, der sich diese Chance nicht entgehen ließ und zur Gästeführung einschoss. Der FCC
versuchte in der Folgezeit noch einmal alles und wurde eine Minute vor Ultimo auch fast noch belohnt, doch zum Pech der Saalestädter
krachte einer herrlicher Schuss von Simak nur an das Lattenkreuz.
Wenig später war die Partie zu Ende und erneut konnte der FCC nach einem packenden und auch erfolgreichen DFB-Pokalsieg den Schwung und die
Euphorie nicht ins anschließende Punktspiel hinüberretten, um endlich auch hier einen wichtigen Sieg erringen zu können.<vg>
FC Carl Zeiss Jena - FC Augsburg 1:2
Tore: 0:1 da Costa (25.), 0:2 Ledezma (38.), 1:2 Petersen (79.)
- Jena: Kraus; Stegmayer, Omodiagbe, Maul, Oniani; Werner, Müller (46. Kühne), Simak, Charalambides; Helbig (65. Fröhlich), Torghelle (76. Petersen)
- Augsburg: Neuhaus; Wenzel, Benschneider, Hertzsch, Möhrle;
Müller, Hdiouad, da Costa, Kern; Diabang (90.Hlinka), Ledezma (74.Luz),
- Zuschauer: 8453
- Schiedsrichter: Lupp (Zossen)
- Spielbericht:
- Nach den Siegen in den letzten beiden Partien war es heute für die Kicker des FC Carl Zeiss Jena immens wichtig, auch das letzte Heimspiel der
Hin-Serie positiv zu gestalten und mit einem Sieg gegen den FC Augsburg das Kalenderjahr noch ein wenig freundlicher zu beenden.
Die Platzherren hatten sich auch wirklich viel vorgenommen, denn sie begannen gleich elanvoll und drückten die Bayern in deren Hälfte. Nach acht
Minuten die erste gute Chance für die Jenaer, doch Helbig bekam freistehend den Ball im Strafraum nicht richtig unter Kontrolle und er landete beim Tormann.
Sekunden später erneut eine gute Möglichkeit durch einen Freistoß von Simak, aber Maul berührte noch den Ball und fälschte ihn so ab,
dass er über das Tor abgelenkt wurde. Erneut Simak war es, der für eine weitere gute Aktion (19.) der Jenaer sorgte. Auf der linken Seite düpierte
er erst einen Gegenspieler mit einer Körperfinte, stürmte weiter und drang in den Strafraum ein. Den zweiten Abwehrspieler umkurvte er und spielte
anschließend noch Doppelpass mit Charalambidis, doch als er aufs Tor schießen wollte, stand erneut ein Augsburger vor seiner Nase, so dass diese
geniale Einzelaktion ohne Krönung blieb. Es lief bereits die 25.Minute und von den Gästen war noch nichts zu sehen gewesen. Aber das sollte sich
leider schnell ändern. Zunächst scheiterte da Costa mit seinem Freistoß aus gut 22m an Kraus. Doch beim anschließenden Eckball stand
er völlig frei und konnte so ungehindert die Führung für die Augsburger erzielen. Die Jenaer steckten nicht auf und nach 34 Minuten prüfte
Werner mit einem schönen Schuss Gästekeeper Neuhaus, der zur Ecke klären konnte. Ein langer Ball der Gäste wurde per Kopfball noch einmal
verlängert, so dass Ledezma das Leder genau in den Lauf gespielt bekam. Das 1:1-Duell gegen Maul entschied er für sich, zog aus halbrechter Position
ab und der Ball landete im langen Toreck und es stand nach 38 Minuten 0:2 aus Jenaer Sicht. Da hatten sich die Jenaer Spieler für das heutige Spiel so
viel vorgenommen, spielten phasenweise mal wieder richtig schönen Fußball und die Augsburger, von denen kaum etwas zu sehen war, führten
mit 2:0. Unglaublich. Kurz vor der Pause noch einmal ein gefährlicher Freistoß des FCC in den Strafraum, aber ein Abwehrspieler konnte per Kopf
zu Ecke klären.
Nach der Pause begannen die Spieler des FCC ihre Aufholjagd und setzten die Augsburger unter Druck. Neuhaus im Tor der Gäste mit seiner einzigen
Unsicherheit am heutigen Tage, als er einen Schuss von Werner (49.) erst im zweiten Versuch festhalten konnte. Aber nun ging es Schlag auf Schlag und
die Jenaer drängten auf den Anschlusstreffer. Nach einem Eckball Getümmel im Augsburger Strafraum und der Ball kam zu Helbig, der sofort abzog,
aber an den Fingerspitzen von Neuhaus scheiterte, wie auch kurz darauf mit einem Schuss aus spitzem Winkel (53.). Dann war es Simak, der nach einem Konter
mit seinem Schuss aus 20m nur um Zentimeter das Tor verfehlte. Wenig später legte Torghelle auf Charalambis ab, dessen Schuss Neuhaus mit den
Fingerspitzen noch berührte, der Ball rollte Richtung Torlinie, doch ein Augsburger konnte den Ball gerade noch vor der Linie wegschlagen. In
der 76. Minute schickte Jenas Trainer Ivanauskas seinen Edeljoker Nils Peterson auf das Feld, der bereits in den letzten beiden Partien jeweils mit
seinem Tor zum Matchwinner der Spiele geworden war. Nur drei Minuten waren vergangen, da flankte Charalambidis hoch in den Strafraum, Peterson stieg
am höchsten und traf per Kopf zum 1:2. Großer Jubel auf den Rängen und nun dachte ein jeder, dass wenigsten ein Unentschieden am
heutigen Tag noch möglich sei. Aber es waren die Gäste, die näher am Torerfolg waren, denn Diabang stürmte in der 81.Minute allein
auf Torwart Kraus zu, wollte diesen umspielen und legte sich den Ball dabei zu weit vor, so dass ein Verteidiger gerade noch klären konnte. Die
Zeit lief den Platzherren davon und fast hätte Luz fünf Minuten vor Ultimo den Jenaern das endgültige K.O. versetzt, doch sein Ball
zischt um Haaresbreite am Pfosten vorbei. Die zwei Minuten Nachspiel liefen bereits, als Simak mit einem herrlichen Schuss das nun kaum noch geglaubte
Unentschieden erzielen wollte, aber der am heutigen Tage überragend haltende Torwart Neuhaus hatte etwas dagegen und konnte mit einer hervorragenden
Parade den Ball mit den Fingerspitzen noch über das Tor lenken. Wenig später pfiff Schieri Lupp die Partie ab und erneut eine Heimniederlage
stand zu Buche.
Kopfschütteln auf den Rängen. Da hatten die Kicker des FCC in den letzten Partien spielerisch völlig versagt und erkämpften sich
zwei Siege und ein Remis, und am heutigen Tage hatte man endlich mal wieder phasenweise richtig guten Fußball gespielt, war die gesamte
Partie überlegen und heraus gesprungen ist erneut eine ganz bittere Niederlage. Nun heißt es regenerieren und das letzte Spiel schnell
vergessen, damit im neuen Jahr die Aufholjagd fortgesetzt werden kann. <vg>
1. FC Kaiserslautern - FC Carl Zeiss Jena 2:3
Tore: 1:0 Jendrisek (19.), 2:0 Simpson (47.), 2:1 Torghelle (61.), 2:2 Omodiagbe (73.), 2:3 Petersen (80.)
- Kaiserslautern: Sippel; Bellinghausen, Schönheim (83. Opara), Beda, Müllerr; Denai, Broniszewski, Simpson, Reinert (67. Neubauer); Jendrisek, Runström (71. Ziemer)
- Jena: Kraus; Stegmayer, Omodiagbe, Maul, Oniani; Kandelaki (69. Petersen), Kühne (46. Müller), Ziegner (25. Simak), Charalambides; Werner, Torghelle
- Zuschauer: 24.517
- Schiedsrichter: Hartmann (Augsburg)
- Spielbericht:
- Fußball
ist ein seltsamer Sport. Da spielt der FC Carl Zeiss Jena über weite Strecken
der Hinrunde gerade auswärts tollen Fußball, ohne daraus auch Kapital in Form
von Punkten zu ziehen. Und dann liefert er drei wahrhaft schlechte Spiele in
Folge ab mit dem Resultat, daraus mehr Zähler zu holen als in den 13
vorangegangenen Begegnungen zusammen. Die Gemeinsamkeit der drei Spiele gegen
Osnabrück, Aue und nun Kaiserslautern bestand darin, dass sich all diese Gegner
nach Spielende vor Wut in den Allerwertesten beißen mussten darüber, einem
bereits klinisch toten FCC nicht mit etwas mehr Entschlossenheit den
endgültigen Knockout versetzt zu haben. Der Unterschied: Jenas erster
Auswärtssieg in Kaiserslautern war nicht ansatzweise verdient.
Valdas Ivanauskas behielt sein Bäumchen-wechsle-dich-Spiel in Sachen Aufstellung bei.
Der gegen Aue indisponierte Tapalovic stand nicht einmal im Kader und Helbig
fand sich neben dem angeschlagenen Simak auf der Bank wieder. Stattdessen
Oniani von Beginn an in der Viererkette, und vorn stürmten Torghelle und nach
seiner abgesessenen Gelbsperre auch wieder Tobias Werner Seite an Seite. Beide
waren es auch, die im Zusammenspiel die ersten Duftmarken setzten. Nach drei
Minuten nimmt Torghelle einen Zauberpass Werners auf, lässt sich aber von
Bellinghausen im Strafraum abdrängen und hofft zu Recht vergeblich auf einen
Elfmeterpfiff, eine Viertelstunde später segelt der Ungar nur haarscharf an
einer Werner-Freistoßhereingabe vorbei. Jena war das aktivere Team und die
Gastgeber schienen doch etwas überrascht davon, dass sich der Tabellenletzte
keineswegs nur hinten rein stellte, sondern das Spiel mehr und mehr an sich
riss. Riss ist das richtige Stichwort, denn das Bersten von Jenas Spielfaden
ließ sich selten so punktgenau datieren wie in diesem Spiel. 19. Minute, ein
schwacher Freistoß Torsten Ziegners gelangt zum Ausführenden zurück, dessen
kapitalen Stockfehler an der Mittellinie Josh Simpson – zuvor schon durch eine
nicht geahndete Tätlichkeit gegen Stegmayer auffällig – ausnutzt und gemeinsam
mit zwei Teamkameraden allein auf Daniel Kraus und Stegmayer zuläuft. Auch wenn
die Lauterer dies schlampig ausspielen, der Ball zappelt im Netz und Jenas Anhänger
erleben ihr ewiges Deja vu aus der Abteilung „Wie besorge ich es mir selbst“.
Was sich in den folgenden Minuten auf dem Rasen abspielte, lässt sich aus
Thüringer Sicht nur mit erbärmlich, hilflos, hoffnungslos umschreiben. Die
Zeiss-Elf geschockt, während die Betzebuben sich nun fast im Minutentakt Chance
um Chance erspielten. Oniani klärt gefährliche Freistoßflanke (21.), Kraus
pariert Jendrisek-Schuß (23.), Broniszewski knapp neben das Tor (24.),
Runströms Heber landet auf der Latte (25.), Maul klärt Jendrisek-Schuß für den
geschlagenen Kraus auf der Linie (30.), Kraus rettet todesmutig gegen den
heranstürmenden Runström (35.), Lautern drückte und Jena schwamm, frei von
jeglicher Ordnung, frei von jeglichem Selbstbewusstsein. Dass mitten in diese
Phase die Herausnahme des Kapitäns fiel, ist zwar eine bemerkenswerte
Personalie, Einfluß auf das Geschehen auf dem Platz hatte sie nicht, denn auch
Jan Simak fügte sich nahtlos in die desaströse Vorstellung der Jenaer Elf ein.
Und just als man sich noch sagte, dass der Spielstand zur herannahenden
Halbzeitpause noch das Beste der ersten 45 Minuten sei, hatte auch dieser
keinen Bestand mehr. Hauptprotagonist diesmal Daniel Kraus, der erst einen fast
gefangenen Eckball wieder prallen ließ und bei der anschließenden Flanke
danebengriff, so dass sich Josh Simpson mit dem 2:0 bedankte und für
Endzeitstimmung bei 2.000 Jenensern im Gästeblock sorgte.
Die löste sich auch nicht mit Wiederanpfiff, als die Hereinnahme Robert Müllers für
den noch zu den Besseren gehörenden Stefan Kühne wohl nur von den Wenigsten als
Startsignal zu Jenas Aufholjagd verstanden wurde. Und so setzte sich das
planlose Vorpausenspiel nahtlos fort, kapitale Abwehrschnitzer (Oniani, Maul)
ermöglichten Broniszewski und Jendrisek beste Einschußchancen zur
Resultatserhöhung, während der FC Carl Zeiss im Offensivspiel schlicht nicht
existent war. Ähnlich wie die Pfälzer also anfangs der ersten Halbzeit und so
wollte es das Schicksal, dass auch diesmal ein unfassbarer Bock des Gegners den
Weg zum Tor bereitet. Lauterns Innenverteidiger Mathieu Beda wird des nächtens
wohl von jener Szene in der 61. Spielminute träumen, als er plötzlich völlig
unmotiviert und in der irrigen Annahme, sein Torhüter käme ihm entgegen,
Torghelle das Leder herschenkt. Der Ungar schlägt die Einladung nicht aus,
schlenzt gekonnt über Keeper Sippel ins Netz und Jena ist zurück im Spiel, ohne
eigentlich zu wissen, warum. Vier Minuten später schien dann alles wieder in
gewohnte Bahnen zu laufen, als sich der von seinen Vorderleuten erneut im Stich
gelassene Kraus im Strafraum nur mit einem plumpen Foul an Sven Müller zu
helfen weiß, Elfmeter. Ob man auf diesen Elfer später als den Knackpunkt
unserer Saison zurückblicken wird? Kraus springt in die richtige Ecke, hält,
der Nachschuß landet am Pfosten, alles Glück dieser Welt scheint in diesem
Moment auf jenen wenigen Quadradmetern Rasen vereint zu sein. Und endlich
begreifen auch die Blau-gelb-weißen dies als Wachrüttler, zückt Ivanauskas mit
Nils Petersen seinen ultimativen Joker und nimmt dafür Ilja Kandelaki aus der
Begegnung, wobei der Gang des Georgiers vom Feld seine aufsehenerregendste
Szene nach 69 Minuten Alibifußball darstellte, sieht man einmal von einer Flut
an Fehlpässen ab. Werner rückte für Petersen nun ins linke Mittelfeld zurück
und prompt setzte man den Gastgebern zu, übte Druck aus, setzte Nadelstiche.
Und einer davon saß: Simaks Ecke wird zu kurz geklärt, Werners Knaller pariert
Sippel, aber gegen den erneuten Nachschuß Omodiagbes ist auch er machtlos. 2:2,
unfassbar. Unfassbar auch, dass Jena nun nachsetzte, Lautern spürbar wankte und
seinerseits völlig den Faden verlor. Werners Schußversuch konnten sie noch ins
Toraus abfälschen (76.), Simak verzog im Strafraum knapp (79.) und dennoch
hätte es im Gegenzug beinahe bei Daniel Kraus geklingelt, doch der
eingewechselte Ziemer agiert freistehend zu umständlich. Der erneute Gegenzug,
die Roten Teufel bekommen das Leder nicht aus der Gefahrenzone, Simak zu
Torghelle, Torghelle zu Simak, Simak mit einem Anflug von Genialität
millimetergenau auf Petersen und was ist das für ein Wahnsinnsjunge, den Ball
furztrocken volley ins entlegene Eck zu katapultieren? Das Spiel war gedreht
und Jenas Youngster hätte gar noch einen draufsetzen können, als er sich nach
86 Minuten in den Strafraum dribbelt, aber zu Torghelle zurücklegt, der aus fünf
Metern über den leeren Kasten zieht. Lautern riskierte nun alles, hohe
Verzweiflungsbälle in den Jenaer Strafraum wechselten sich mit
kreuzgefährlichen FCC-Kontern ab, mit denen ebenso fahrlässig umgegangen wurde,
wie der mehrfache Deutsche Meister das in Halbzeit eins vorgemacht hatte. Dass
sich dies nicht noch rächte, verdankte man Lauterns Jendrisek, dessen Kopfball
in der 92. Minute knapp das Ziel verfehlte.
Dann war Schluß, fassungsloser
Jubel im Gästeblock, binnen 30 verrückten Minuten war aus „Wir woll’n euch
kämpfen seh’n“ ein „Wir woll’n die Mannschaft seh’n“ geworden, aus „Wir ham’
die Schnauze voll“ ein „Oh wie ist das schön“. Und nachdem der Puls erst einmal
etwas herunter gefahren war, da war sie wieder, die Parallele zu den beiden
vorangegangenen Spielen, jene brennende Frage: Abgesehen von der Freude über
die in den Schlussminuten eingefahrenen Punkte, von der Hoffnung auf einen
psychologischen Schub für’s nächste Match: Was soll einem aus der gebotenen
Leistung heraus Hoffnung für den Klassenerhalt geben? Sicherlich nicht viel,
doch wenn dieser glückliche Auswärtssieg eines war, dann Balsam auf die Wunde
der so vielen unnötig verschenkten Punkte im Verlaufe der letzten vier Monate.
Fußballfans sind die größten Philosophen, und wer wollte meinem Bruder
widersprechen in seinem Fazit: „Wir ham’s zwar nicht verdient, aber das ham’wer
uns mal verdient“. Auf die Hoffnung! <gunner>
FC Carl Zeiss Jena - FC Erzgebirge Aue 2:1
Tore: 0:1 Emmerich (8./FE), 1:1 Petersen (74.), 2:1 Simak (89./FE)
- Jena: Kraus; Stegmayer, Omodiagbe, Oniani, Tapalovic (41. Maul);
Kandelaki, Kühne, Ziegner (57. Torghelle), Simak, Charalmabides;
Helbig (72. Petersen)
- Aue: Keller; Trehkopf, Kos, Loose, Sträßer; Liebers,
Emmerich (76. Kurth), Curri (80. Geißler), Feldhahn; Sykora, Klinka
(76. Kaufman)
- Zuschauer: 9587
- Schiedsrichter: Gagelmann (Bremen)
- Spielbericht:
- Die ersten Überraschungen gab es beim Blick in die
Aufstellung. Ziegner verblieb trotz Simaks Rückkehr in der Startelf. Maul ein
weiteres Mal draußen. Doch die meisten Fragezeichen ergaben sich mit Blick auf
den Einmannsturm. Angesichts der Tabellensituation in einem Heimspiel nur mit
Helbig zu beginnen und Jenas besten Schützen Torghelle draußen zu lassen,
weckte jede Menge Unverständnis. Sollte der Ungar für seine übermotivierte
Spielweise in Osnabrück nachträglich noch bestraft werden ? Ist Motivation in
unserer Situation nicht wertvoll genug, um zu versuchen, sie in geordnete
Bahnen zu lenken ?
Das Ostderby gegen Erzgebirge Aue war nüchtern betrachtet
schon fast die letzte Gelegenheit, sich die Hoffnungen auf den Klassenerhalt
bewahren zu können. Deshalb wirkte der erneute frühzeitige Rückstand wie ein
Schlag in die Magengrube. Tapalovics Foul im Strafraum war nichts Grobes. Eines
von der Sorte, wo im Mittelfeld kurz Freistoß gepfiffen wird und das Spiel
gleich weiterläuft. Aber es passierte nun mal nicht im Mittelfeld, sondern im
eigenen Sechzehner und somit geht der Elfmeterpfiff in Ordnung. Emmerich
verwandelte sicher. In den diesjährigen Meisterschaftsspielen war es Jena noch
nicht gelungen, ein 0:1 in einen Sieg umzuwandeln. Und so ängstlich, wie es in
der Folgezeit zu Werke ging, schien daraus auch diesmal nichts zu werden.
Symptomatisch für die allgemeine Verunsicherung war die Szene, in der Oniani
unbedrängt den Ball am eigenen Keeper vorbei ins Toraus schob. Am meisten in
Erscheinung trat anfangs das promblemlos amtierende Schiedsrichter-Gespann, das in regelmäßigen
Abständen von acht Minuten seinen Auftritt hatte: Strafstoßpfiff in der 8.
Minute, Gelbe Garte für Stegmayer in der 16., Abseitsfahne beim Kopfballtor
Sykoras in der 24. Erst in Minute 25 ergab sich mal eine Tormöglichkeit für die
Thüringer, welche Ilia Kandelaki jedoch kläglich vergab: Drei Meter vor dem Tor
stehend köpfte er einen Flankenball um zehn Meter am Kasten vorbei ! Schlimmer
noch: Es sollte die einzige echte Chance in Halbzeit eins bleiben für den FC
Carl Zeiss, auch weil sich Alleinunterhalter Helbig zumeist von mehreren
Gegenspielern umringt sah und wie befürchtet damit auf verlorenem Posten
stand. Während Charalambides auf seiner lila-verwaisten Seite ein ums andere
Mal vergeblich auf sich aufmerksam zu machen versuchte, sorgte ein simpler
Fehler Kandelakis in der Ballannahme auf der anderen Seite für erste
Unmutsäußerungen von den Rängen. Fünf Minuten vor der Pause unterlief
Elfmetersünder Tapalovic ein Ballverlust, den Sykora nicht zu nutzen wusste,
jedoch Valdas Ivanauskas auf die Palme brachte. Noch vor dem Seitenwechsel nahm
er Tapalovic vom Feld, um dafür Alexander Maul ins Abwehrzentrum zu beordern.
Dieser berichtete hinterher, dass die Spieler in der Kabine
einiges zu hören bekommen und sich danach gesagt hätten: „Das Match drehen wir
heute“. Ganz ehrlich, lieber Alexander, lange Zeit sah euer Spiel in der
zweiten Hälfte kein bisschen besser aus als in der Ersten. So war in Minute 67
nicht nur aus dem Ball die Luft heraus, sondern anscheinend auch aus dem Spiel.
Das Schlimme an der Situation war, dass die auswärtsschwachen Auer keinen Deut
stärker spielten, aber scheinbar sicher in Führung lagen. Weil in diesem Spiel eben
einfach nichts passierte. Doch siehe da, mit neuem Spielgerät und zwei frischen
Stürmern kam die Wende. Nils Petersen war gerade zwei Minuten im Spiel, als er
eine Rechtsflanke von Charalambides erwischte und zum Ausgleich in die Maschen köpfte. „Ich habe
den Ball fliegen sehen und gedacht, da musst du hin“, schilderte der Youngster
das 1:1 aus seiner Sicht. Nun ging noch mal ein Ruck durch die Mannschaft, das
Spiel wurde schneller, doch auch die Zeit rannte davon. Kühnes Schuss landete
in Kellers Armen (81.). Doch mit dem Schuss von Maul hatte der
Auer Torwart größere Problem, musste das Leder prallen lassen. Torghelle wollte
abstauben und wurde durch Kos gefoult – Elfmeter ! In der vorletzten Spielminute ! Jan
Simak hielt dem immensen Druck stand, indem er scharf oben links verwandelte.
Petersen hatte den Ausgleich erzielt, Maul den vorentscheidenden Schuss abgegeben,
Torghelle den Elfmeter herausgeholt - mit seinen Einwechslungen lag Ivanauskas
immerhin wieder richtig. Der einzig wahre Held hieß dabei natürlich
Nils Petersen !
Eben noch auf dem Abstellgleis und nun das. Nach langer Pause wieder in die
Erste berufen, auf Anhieb einen Treffer erzielt,
zum Tor der Woche nominiert und in die U20-Nationalmannschaft berufen. Mehr
geht nicht in sieben Tagen. Ein Zeiss-Talent startet durch. Es wäre so wichtig,
würden sich seine Mannschaftskameraden davon anstecken lassen.
Denn eines muss klar sein: „Beide Halbzeiten zusammen
betrachtet war das nicht ausreichend für die zweite Liga“. Dieses Urteil hat
der Auer Spieler Marco Kurth über die Leistung seines Teams gefällt. Es gilt
wortwörtlich aber auch für die 90 Minuten des siegreichen FCC. <fc>
Bilder auf fcc.weissenburger.de
Spielbericht auf fc-erzgebirge.de
VfL Osnabrück - FC Carl Zeiss Jena 1:1
Tore: 1:0 Cichon (20., FE), 1:1 Werner (90.+2)
- Osnabrück: Gößling; Schäfer, Ndjeng,
Cichon, Thomik; Aziz (68. Nouri), Grieneisen (85. Manno), Heidrich, Schuon;
Hennings (89. Ehlers), Reichenberger
- Jena: Kraus; Stegmayer, Omodiagbe, Oniani, Günther
(

, 19.);
Kandelaki (85. Helbig), Kühne, Ziegner, Holzner (46. Charalambides);
Werner, Torghelle (37. Tapalovic)
- Zuschauer: 12.000
- Schiedsrichter: Kinhöfer (Herne)
- Spielbericht:
- (von Gastkommentator Thomas Neumann)
Das Osnabrücker Stadion an
der Bremer Brücke war Spielstätte des siebenten Auswärtsauftritts des FCC in
der Saison 2007/2008 und ich war wohl nicht der einzige Besucher, der die Parallelen
zum Spiel vor zwei Jahren sah. Nach einer Heimniederlage und eigentlich doch
recht ansprechenden Auswärtsauftritten in der Saison durfte man eigentlich
hoffen in Osnabrück zu punkten. Ähnlich
wie vor zwei Jahren, als der etatmäßige Spielmacher in der Regionalliga,
Torsten Ziegner, in Osnabrück fehlte, fiel diesmal Jan Simak aufgrund der 5. Gelben
Karte aus. Und das genau jener Torsten Ziegner nun diesmal den fehlenden Jan
Simak vertreten sollte, gab dem ganzen so eine besondere Note.
Aber um auch das nicht zu
vergessen, es gab auch einen Riesenunterschied zum Vergleich vor zwei Jahren:
Der FCC reiste dazumal als Tabellensiebenter zum VfL nach Osnabrück. Diesmal
kamen wir als Tabellenletzter nach Westniedersachsen und dementsprechend
pendelten die Ergebnistipps der Heimfans auf dem Weg vom Parkplatz zum Stadion
so zwischen einem 3:0 und einem 5:0 für ihre in der letzten Zeit extrem
heimstarken Lila-Weißen.
Die Mannschaft des FCC hatte
sich vor dem Spiel in einem viertägigen Trainingslager in Bad Blankenburg noch
einmal auf dieses Spiel eingeschworen und Jenas Cheftrainer Valdas Ivanauskas
wartete mit einigen Veränderungen in der Mannschaftsaufstellung auf. Neben
Torsten Ziegner in der Startformation, kamen auch Felix Holzner im rechten
Mittelfeld und Ilia Kandelaki im linken Mittelfeld zum Einsatz. Außerdem
spielten Omodiagbe und Oniani in der Innenverteidigung, Sven Günther mal wieder
hinten rechts und Michael Stegmayer hinten links, sowie Stefan Kühne als
Staubsauger vor der Abwehr. Und nachdem mit Sandor Torghelle und Tobias Werner
auch vorne mal wieder mit zwei Spitzen angefangen wurde, kann man Jenas Trainer
Valdas Ivanauskas wohl eher nicht vorwerfen, nicht mal etwas Neues
auszuprobieren.
Das Spiel begann für die
Jenaer eigentlich ganz ansprechend. Die Mannschaft kann das Spiel auch in des
Gegners Hälfte verlagern und von einer Anfangsoffensive der Heimmannschaft ist
wenig zu sehen. Felix Holzner zielt bei einer Schusschance in der 3. Minute aus
ca. 20 Metern nur knapp über das Tor. Nach und nach gewinnen die Osnabrücker
aber die Oberhand und als der FCC nach einer guten Viertelstunde einen Einwurf
in der eigenen Hälfte auf Links zugesprochen bekommt, nimmt das Unglück an Fehlern
mal wieder seinen Lauf. Man wirft den Ball nicht zurück zum eigenen Torwart,
wenn die gegnerische Mannschaft so aufgerückt ist. Man fängt als Torwart nicht
an, im eigenen Strafraum den Gegner auszuspielen. Und man reißt den Gegner im
Strafraum auch nicht um (wobei ich zugebe die Szene nicht genau gesehen zu
haben). Das Ergebnis dieser Fehler: Strafstoss für Osnabrück und eine rote
Karte für Sven Günther! Den Elfmeter verwandelt Thomas Cichon (20.) souverän
ins linke Eck und im mit ca. 400 bis 500 FCC – Fans gefüllten Gästeblock
beginnt sich sofort Defätismus breit zu machen.
Was sich in den nächsten 40
Minuten auf dem Platz abspielt, ist im Grunde genommen nebensächlich, weil
unerheblich. Die Osnabrücker können ihre Vorteile nicht wirklich nutzen und
beweisen auch nicht wirklich warum sie so viel mehr Punkte auf dem Konto haben
als der FCC. Der FCC vertut sich in Harmlosigkeiten und schwächt sich am Ende
selbst, als Oniani in einem Luftzweikampf Holzner (41.) ausschaltet.
Erst am Ende kommt der
Tabellenletzte wieder zu ansprechenden Szenen, die jedoch harmlos vergeben
werden.
Tja, und wenn es denn noch
mal eines Vergleiches mit jenem Treffen vor zwei Jahren bedarf, dann war es
eben jenes Ausgleichstor in der 90+x Minute durch einen Kopfball von Tobias
Werner. Danach war dann auch aber auch zum Glück schnell Schluss.
Ich spare mir lieber jede
Prognose zu Chancen und Möglichkeiten zum Klassenerhalt. Möglich ist vieles,
machbar auch. Die recht verhaltenen Gesten der Mannschaft nach dem Schlusspfiff
am Zaun vor dem Gästeblock sprechen aber Bände. Realistisch betrachtet haben
wir aber nur wieder einen Spieltag gegen einen Konkurrenten vergeben.
FC Carl Zeiss Jena - TSG 1899 Hoffenheim 0:1
Tore: 0:1 Obasi (72.)
- Jena: Kraus; Stegmayer, Omodiagbe, Maul, Oniani; Hansen (46.
Zimmermann), Müller, Simak, Charalambides (74. Helbig); Torghelle,
Werner
- Hoffenheim: D. Haas; Gustavo, Löw, Nilsson, Seitz; Eduardo
(68. Ibisevic), Vorsah, Copado, Salihovic (85. S. Haas); Paljic (62. Ba),
Obasi
- Zuschauer: 6895
- Schiedsrichter: Fischer (Hemer)
- Spielbericht:
- Vor Wochen sorgte der Streit zwischen Mainz 05 und
Hoffenheim 1899 für Diskussionen. „Bayern München erwirtschaftet sein Geld. In
Hoffenheim ist es nur ein Sponsor. Schade, dass so eine Mannschaft einen der 36
Plätze im Profifußball wegnimmt“, hatte sich der Mainzer Manager Christian
Heidel negativ über die Hoffenheimer geäußert. Dass diese verärgert darauf
reagierten, ist nachvollziehbar. Den Beweis, dass in diesem Verein mehr
Substanz steckt als ein starker Sponsor, der sich fähige Spieler an Land zieht,
bleibt die TSG aber bis zum heutigen Tag schuldig. Wenn beispielsweise von
Herrn Hopp die Auswärtsbusfahrt komplett bezahlt wird und sich dennoch gerade
mal 54 Fans auf den Weg machen, eine zuletzt sehr erfolgreiche Mannschaft
auswärts zu unterstützen, wird das keinen höheren Ansprüchen gerecht.
Die Schützlinge von Ralf Rangnick begannen offensiv, mit
gutem Passspiel. Dreimal musste Daniel Kraus bereits in den ersten zwanzig
Minuten zeigen, dass die Zeit der „Flattermänner“ im Jenaer Gehäuse ein Ende hat.
Den Schuss von Paljic lenkte Kraus zur Ecke. Auf den tückischen Ball im
Anschluss an einen Freistoß hechtete er sich kurz vor der Torlinie. Und beim
direkten Freistoß von Salihovic ging er auf Nummer sicher, versuchte das nasse
Leder gar nicht erst zu fangen, sondern faustete es konsequent weg. Das Glück
des Tüchtigen kam Jenas Keeper in Minute 29 zu Hilfe, als im Anschluss an eine
gelungene Dreierkombination Salihovic nur die Lattenoberkante traf.
Kraus war
von Beginn an voll da, was von seinen Vorderleuten leider nicht behauptet
werden kann. Im Vergleich zu der couragierten ersten Hälfte in Mönchengladbach
waren sie kaum wieder zu erkennen, reagierten nur statt zu agieren. Ihr Trainer
hatte vor einer offensive Gästeelf gewarnt, den Überraschungseffekt kann also
niemand geltend machen. Fast sechzig Prozent verlorene Zweikämpfe in der ersten
halben Stunde sind ein unerklärlicher, so bislang nicht gekannter Beleg von
Schwäche, der sich naturgemäß aufs Spielgeschehen auswirkte. Keine Torszene aus
dem Spiel heraus war in Halbzeit eins zu verzeichnen und es dauerte bis zur 34.
Minute, bis Jena wenigstens mal aus einer Standartsituation heraus etwas zuwege
brachte. Simaks Freistoß musste Haas prallen lassen, beim anschließenden Kopfball
von Alexander Maul brandete schon Torjubel auf, doch der Torwart vermochte ihn
noch zur Ecke zu lenken. Klar wäre eine Führung zu diesem
Zeitpunkt ganz und gar unverdient gewesen – doch darum hat sich so mancher Gast
im Ernst-Abbe-Sportfeld bislang schließlich auch nicht geschert. Ein Solo noch
von Jan Simak, der zuvor für ein „Warum hast du das gepfiffen?“ seine 5. Gelbe
Karte gesehen hatte – dann war wieder
Hoffenheim am Drücker. Copado scheiterte zweimal innerhalb einer Minute an Kraus
(41.). Der Flachschuss von Obaris sauste am langen Pfosten vorbei (42.). Ecken,
Zweikämpfe, Chancenverhältnis, scheinbar auch in der Gunst des Schiris –
überall lagen die Gäste zur Pause vorn. Nur in Tore hatten sie diese
Überlegenheit nicht umgesetzt.
Mit Wiederanpfiff kam Zimmermann für Hansen, der sich nach
unserer Beobachtung bei einem Absatzkick ohne gegnerische Einwirkung verletzt
hatte. Am Spielverlauf änderte sich zunächst mal nichts. Bis zur 55. Minute. Da tauchte
nach Vorarbeit von Werner und Maul plötzlich Sandor Torghelle am
Gäste-Strafraum auf, seinen scharfen und eigentlich gut platzierten Schuss
erwischte Haas aber reaktionsschnell mit der Hand. Diese Aktion wirkte wie eine
Initialzündung. Jetzt endlich wurde die berühmte letzte
Konsequenz in den Jenaer Handlungen
deutlich. Die nächsten Hochkaräter ließ nicht lange auf sich warten. Werners
Schrägschuss fing Haas. Dann, nur zwei Minuten nach seiner ersten vergebenen
Möglichkeit erwischte Torghelle im Mittelfeld einen Abschlag des Torhüters, sprintete
mit Ball am Fuß auf den Keeper zu und – scheiterte erneut. Kein Vorwurf beim
ersten Ding, aber DEN hätte er machen müssen ! Der Ungar, mit seinem
Pokaltreffer gerade erst in der Wahl zum Torschützen des Monats gewesen, sollte
sogar noch eine dritte Chance bekommen. Doch sprang er um einige Zentimeter an
Werners Freistoßball vorbei. Immerhin hatten die Jenaer nun Zugang zu diesem
Spiel gefunden und deshalb ist es besonders bitter, im Anschluss an die
stärkste Phase den k.o.-Schlag einstecken zu müssen. Jan Simak, an diesem Tag
ohnehin mit größerer Fehlerrate als sonst, unterlief der spielentscheidende
Ballverlust im Mittelfeld. Über Vorsah und Salihovic kam Chinedu Ogbuke Obasi
in Ballbesitz und ließ Daniel Kraus keine Chance. 0:1. Was danach kam, kannten
wir schon aus anderen Spielen in dieser Saison. Jena gab kämpferisch alles,
konnte mit der Brechstange aber nichts mehr bewegen. Und da der Schiri bei zwei
strittigen Strafraumentscheidungen weiterspielen ließ, brachte Hoffenheim das
Ergebnis ziemlich ungefährdet über die Zeit.
Es ist ja nicht so, dass der FC Carl Zeiss irre weit weg
wäre von der Musik. Sieben der neun Niederlagen fielen mit einem Tor Differenz
aus ! Doch gerade das macht diese Saison so frustrierend. Daran hat sich auch
am 11.11. nichts verändert. <fc>
Borussia Mönchengladbach - FC Carl Zeiss Jena 2:1
Tore: 1:0 Neuville (9.), 1:1 Torghelle (34.), 2:1 Neuville (80.)
- M'Gladbach: Heimeroth; Voigt (74. van den Bergh), Brouwers, Daems, Levels; Marin,
Paauwe, Rösler (74. Coulibaly), Ndjeng; Friend, Neuville (85. Svärd)
- Jena: Kraus; Stegmayer, Omodiagbe, Maul, Oniani (72. Tapalovic);
Hansen (82. Helbig), Müller, Simak, Charalambides; Werner, Torghelle
- Zuschauer: 28.759
- Schiedsrichter: Schmidt (Stuttgart)
- Spielbericht:
- Den Frust im Bier ersaufen oder einfach nur ertragen? Ich
weiß es ehrlich gesagt nicht. Nicht mehr. Klar, solche Abende gibt es. Da
rennen sich die Jungs anderthalb Stunden die Seele aus dem Leib und am Ende
bleibt nix außer Enttäuschung. Aber so ist Fußball halt. Dafür kommen andere
Spiele, nach denen man sich besorgt fragt, ob die drei Punkte mit dem einen
gegebenen Gerechtigkeitsempfinden überhaupt vereinbar sind. Nur, wo bleiben die
in dieser Saison? Wann löst sich diese Gleichung endlich auf? Nach Gestern muß
man sich fragen, ob sie das überhaupt noch tut. Acht Punkte Rückstand auf einen
Nichtabstiegsplatz sind schon ganz schön fett. Also doch ins Bier stürzen?
Jein! Es sieht schon ganz schön übel aus, ohne Frage. Und als Gladbach nach nur
neun Minuten die Führung erzielte, war auch wieder klar warum. Ein schlichter
Paß von Marin durch die Viererkette und schon war es
soweit. Das es auch schon Zeiten gab, in denen sich Neuville bei einem solchen
Ding den Fuß gebrochen hätte, ist halt Schicksal. Wenn du eben ohne Licht im
düsteren Tabellenkeller hockst, dann nimmt er ihn halt wunderschön an und
donnert ihn dir aus der Drehung in die kurze Ecke. Unhaltbar. Man hätte es in
den nächsten 70 Minuten glatt vergessen
können, hätte sich nicht das gleiche in der 80. Spielminute so ähnlich
wiederholt. Der einzige Fehler Omodiagbes im ganzen
Spiel, verwandelte den ganzen mühsam gehegten Optimisumus
in ein Häufchen Elend. Wieder war es Neuville, der nach der mißglückten
Kopfballabwehr des Nigerianers mit seiner Direktabnahme die endgültige
Entscheidung erzwang. Man konnte nahezu jeden einzelnen Fehler der Jenaer
Hintermannschaft auf der Anzeigetafel ablesen. Wirklich zum Brechen. Soviel zur
Hoffnungslosigkeit der Situation. Was sich zwischen den beiden geschilderten Szenen
abspielte läßt aber – wenn schon nix Zählbares dabei rausspringt – trotzdem
auch viel Raum für Zuversicht. Und zwar deshalb, weil wieder eine Mannschaft
mit Wir-Gefühl auf dem Platz stand in der einer für den anderen die Kastanien
aus dem Feuer zu holen bereit ist. In der Torghelle
das Laufen für sich entdeckt hat (ich hätte es noch vor Wochen nicht für
möglich gehalten) und das Tor trifft. In der Simak
langsam das Bewußtsein für das aufbaut, was wirklich in ihm steckt und die
Fäden in die Hand nimmt. Und in der das (manchmal) mangelnde spielerische
potential durch Kampf und Einsatzwillen aufgewogen wird.
Das sah gut aus! Vor allem in der ersten Halbzeit, als die
Gladbacher den Selbstfindungsbemühungen von Simak kaum
ein Mittel entgegenzusetzen hatten. Erst sein Knaller aus ca. 20 m, den
Heimeroth im Gladbacher Tor nur mit Mühe abwehren kann
(16.), dann der etwas zu hoch angesetzte Schuß vom linken Strafraumeck nach
einer schönen Einzelleistung (23.). Und dann schließlich seine Vorarbeit für
Stegmayers Flanke direkt auf Torghelle.
Ein langgezogener Brüller begleitet den wunderschönen
Kopfball des Ungarn zum Ausgleich in lange Eck (34.). Wunderschön!!! Und das
auch noch völlig verdient, denn hier spielte phasenweise nur noch Jena. Kommt
Jungs, nachsetzen. Kurz vor der Pause hält Werner noch mal drauf. Aber der hat
einfach kein Glück, bekommt nicht mal eine Ecke für den abgefälschten Schuß…
Nach der Halbzeit schwinden sichtbar schnell die Kräfte. Das
merkt man vor allem an den kleinen Fehlern, die sich allenthalben so einschleichen.
Simaks Pässe kommen nicht mehr so oft an und wenn,
dann deutlich unpräziser. Auch diese kleinen Schlampigkeiten machen das
Fußballerleben immer schwerer. Auf der linken Abwehrseite werden sich
Charalambidis und Müller (?) nicht einig. Nimm du ihn, ich
hab ihn sicher, fällt mir dazu nur ein. Glück, daß Neuville die anschließende Flanke
von Ndjeng aus drei Metern über das Gehäuse wuchtet. Na
also, es geht doch (58.)! Und dann noch das Ding von Daniel Kraus als er einen
seltsam geschlagenen Aufsetzer nur mit Mühe und unter Einsatz diverser
Körperteile am Überqueren der Linie hindern kann (59.). Sah komisch aus, war
aber auch schwer! Hauptsache nicht drin.
Jena steht in dieser Phase ganz schön unter Druck, aber das
sieht trotzdem alles ganz passabel aus. Kaum richtige Chancen für Gladbach. Ein
Freistoß von Simak sorgt sogar noch mal für etwas
Entlastung. Aber mit letztem Einsatz kann Heimeroth
den Ball noch über die Latte lenken (55.). Scheiße. Schönes Ding. Und dann –
gerade als man als Jenaer Anhänger mit einem Pünktchen zu liebäugeln beginnt –
Neuvilles zweiter Treffer. Aus der Kalten. Und das nach so
einer starken Leistung.
Ein Tal tiefer Depression tut sich kurzzeitig vor mir
auf. So lande ich nach dem Abpfiff auch unweigerlich bei der Frage nach einem
den Umständen gerecht werdenden Bierkonsum. Die Antwort will sich mir nicht so
recht erschließen, schwankt mit dem jeweiligen Gemütszustand zwischen fast
schwarz und sehr dunklem Hell. Am Ende entschließe ich mich, die ganze Sache
auszusitzen. Bis Sonntag jedenfalls. Wer hat schon mit einem Punkt oder gar
Sieg gegen Gladbach gerechnet? Kaum jemand. Es ist also alles noch wie vorher.
Für den Fall, daß es gegen Hoffenheim wieder nicht
klappt mit dem Dreier, sollte man aber sicherheitshalber schon mal eine
Palette Öttinger kaltstellen. <bpf>
FC Carl Zeiss Jena - SC Freiburg 1:2
Tore: 0:1 Pitroipa (35.), 0:2 Kmas (83.), 1:2 Werner (90.)
- Jena: Kraus; Stegmayer, Omodiagbe, Maul, Günther (46.
Tapalovic); Hansen (77. Torghelle), Zimmermann (70. Ziegner), Simak,
Kühne; Werner, Helbig
- Freiburg: Walke; Ibertsberger, Butscher, Krmas, Schwaab; Aogo,
Uzoma, Pitroipa (75. Schlitte), Banovic; Bencik (56. Cafu), Matmour (79.
Mesic)
- Zuschauer: 7026
- Schiedsrichter: Walz (Pfedelbach)
- Spielbericht:
- In der 25. Spielminute, als Hansens Kopfball knapp das Tor
verfehlte, beneidete ich etwas den Verfasser des heutigen Spielberichts, weil
er bis dahin etliches Notierenswertes und eine starke Jenaer Anfangsphase geboten
bekam. Sekundenbruchteile später wandelte sich mein Neid in Entsetzen, denn mir
fiel schlagartig ein, dass ich vom Chefredakteur zum Schreiben vergattert
worden war…
Dabei sah man vorm Anpfiff überall skeptische Gesichter,
gegen unseren Lieblingsgegner der letzten Saison rechnete sich eigentlich
niemand etwas aus. Die erste Aktion schien allen recht zu geben, denn nach der
ersten Gästeecke musste Kraus einen scharfen Kopfball parieren. Faktisch im
Gegenzug parierte Walke einen Schuss Hansens aus nächster Nähe. Kurz danach
rettete Walke gegen Helbig. Das Gesamtbild sah gar nicht so übel aus (daran
änderte auch die nervige und überflüssige Information auf der Anzeigetafel vom
Eckenverhältnis von 5:0 für den SC nichts), der FCC war die überlegene, aggressivere
Mannschaft, die den Freiburgern immer wieder
feine Nadelstiche verpasste. In der 12. min wusste sich ein von Simaks Antritt
überforderter Verteidiger gar nicht mehr anders zu helfen, als sich ans Jenaer
Trikot mit der Nr. 19 zu klammern und dieses samt Simak auf den Rasen zu
befördern. Ich weiß nicht, ob Schiedsrichter Walz vom Rugby kommt, aber anders
kann man sich nicht erklären, warum er bei diesem klaren Foul nicht auf
Strafstoß entschied. Walz’ Gepfeife in der ersten Halbzeit war sowieso unterirdisch,
prinzipiell wurde nach Freiburger Ballverlust im Zweikampf auf Freistoß für die
Gäste entschieden und seine putzigen Eckenballentscheidungen für den SC
inspirierten die Haupttribüne zu lautstarkem ironischem „Ecke, Ecke“ bei jedem
Ausball. Bis zu jener oben erwähnten 25. min war der FCC im Vorwärtsgang, aber
erfolglos. Und so kam alles wie immer, nach der 34. die 35. Minute und in jener
der obligatorische Abwehrpatzer, als plötzlich drei „Blaue“ (die Gäste liefen
in einer ungewohnten Farbe auf) durch Jenas Abwehrmitte rauschten, Kraus
erwischte den Ball nicht, ein Freiburger spielt auf den nächsten, der im
Abseits stehend die Kugel ins Tor schob. Ein weiterer Höhepunkt jener
grässlichen Schiedsrichterleistung, dass der Treffer trotzdem anerkannt wurde.
Und so hatte nicht nur ich zur Halbzeitpause die Nase
gestrichen voll: Der FCC machte dass Spiel, der Gegner das Tor und der
Schiedsrichter leistete mit zwei extremen Fehlentscheidungen seinen Beitrag.
Zum Speien!!!
Nach der Pause war Freiburgs Taktik klar: Am eigenen
Strafraum aufstellen und in Ruhe die Führung nach Hause schaukeln, eventuell
mal kontern. Der FCC schaffte es aber trotz der badischen Zurückhaltung richtig
energisch Druck aufzubauen. Man spielte zu durchsichtig, machte zu viele
einfache Fehler im Aufbau und den Freiburgern die Abwehrarbeit ziemlich leicht.
Unerträglich, aber nicht neu, waren zudem die Schauspieleinlagen von
Pitroipa & Co., die nach kleinsten Berührungen oder
auch völlig ohne Anlass regelmäßig den „sterbenden Schwan“ abspulten, wie in
den letzten Zügen liegend. Nachdem sie fürs anscheinend letzte Schnauferchen
ins Seitenaus verbracht wurden, gab es ebenso regelmäßig die blitzschnelle
Wiederauferstehung inklusive Genesung. Und es ist sicher keine schlechte
Bilanz, durch solche „Verletzungen“ mehrfach längere Unterbrechungen zu
provozieren, die am Ende mit nur zwei Nachspielminuten belohnt wurden.
Jedenfalls fiel dem FCC nicht ein, wie die Gästeabwehr zu knacken wäre. Zu
vermelden war lediglich ein 20-m-Schuss Werners, der das Tor verfehlte –
typisch, dass in dieser Situation Stegmayer links völlig freigelaufen war, aber
vergeblich aufs Anspiel wartete. Eine knappe Viertelstunde vor Schluss sorgte
die Einwechslung des Ex-Jenaer Schlittes für ein
Anheizen der Stimmung im Publikum und fortan begleitete ein gigantisches
Pfeifkonzert jeden seiner Ballkontakte, das Eintauschen der angeblichen
Herzenssache FCC gegen Freiburger Geld war nicht vergessen worden. Freiburg
schaffte in der 82. min die befürchtete Vorentscheidung, allerdings nicht nach
einem Konter, sondern nach einem Freistoß von links außen. Omodiagbe ließ
Krmas kurzen Pfosten zu viel Raum und der drückte den Ball
ins Netz. Die erloschene Hoffnung glomm nochmals kurz auf, als Werner nach
Ziegners Flanke den Anschluss per Kopf erzielte. Aber
selbst Kraus’ Eingreifen ins Angriffsspiel brachte nichts Zählbares mehr, so
dass der FCC zum wiederholten Male in dieser Saison nach einem Heimspiel mit
leeren Händen dastand.
Nach dem guten Anfang fehlte heute in der Phase, in der der
FCC das Spiel hätte noch kippen können, jener letzte Kick, jener letzte Wille
zum bedingungslosen Fighten. Und wenn wir nicht schon im Dezember mit den
Planungen für die dritte Liga 2008/09 beginnen wollen, müssen nach den vielen
vergebenen möglichen Punkten in den nächsten Wochen endlich mal ein paar
unmögliche Punkte her. <uk>
SC Paderborn - FC Carl Zeiss Jena 2:2
Tore: 0:1 Torghelle (8.), 1:1 Koen (12.), 1:2 Werner (14.), 2:2 Sinkala (33.)
- Paderborn: Bade; Fall, Döring, Kläsener, de Graef, Gouiffe à Goufan, Sinkala (68. Männer),
Koen (68. Halfar), Krupnikovic, Löbe, Schüßler (56. Siradze)
- Jena: Kraus; Günther (66. Tapalovic), A. Maul, Omodiagbe, Stegmayer, Kühne, Charalambidis,
Werner, Simak (86. Ziegner), Torghelle (75. Hansen), Helbig
- Zuschauer: 6.079
- Schiedsrichter: Dr. Brych (München)
- Spielbericht:
- Nach der Spielpause war man allseits besonders gespannt, ob der FCC endlich den Bogen in die Erfolgsspur
findet, zumal es gegen einen Mitabstiegskonkurrenten ging. Die "Baustelle" Tor war mit dem dritten Keeper
Daniel Kraus besetzt worden. Neu war auch die Zusammensetzung des Angriffsduos, diesmal stand Helbig neben
Torghelle. Dafür rückte Tobias Werner auf die linke Außenbahn des Mittelfelds.
Und der FCC begann wirklich mit viel Elan, bereits in der 1. Spielminute verfehlte Charalambides
das 07er Tor nur knapp. Der Sekundenzeiger hatte gerade einmal zwei weitere Runden gedreht, da schoss
Helbig aus 25 m Entfernung knapp über die Torlatte. Im Gegenzug durfte Kraus Löbes Schuss aus
nächster Nähe abwehren. Dann war wieder der FCC im Vorwärtsgang: Einwurf Günthers
auf Charalambides, der legt zurück und in der Mitte köpfte Torghelle Günthers Bilderbuchflanke
zum 1:0 ein! Leider verschenkte man den Vorteil bald wieder, als Günther und Charalambides interessiert
einem Ball nachschauten, der sich zwischen ihnen zu Koen - dem stärksten Paderborner in der ersten
Halbzeit - durchdrängelte und der ließ sich die Chance nicht entgehen und knallte den Ball
ins lange Eck - 1:1. Die rund 500 mitgereisten Fans hatten aber keine Zeit, über diesen Rückschlag
richtig zu jammern. In der 14. Minute gab es auf der rechten Seite Freistoß für den FCC. Simak
und Werner standen bereit, letzterer trat die Spielkugel mit links hoch in den Strafraum, Maul ging zum
Ball, stieg jedoch drüber und so landete dieser im langen Eck - 2:1, der FCC hatte nach dem Ausgleich
sofort wieder zurückgeschlagen! Also alles bestens? Denkste, umgehend grub man sich in der eigenen
Hälfte ein und ließ die Gastgeber ihr Spiel aufziehen. Die optische Überlegenheit
Paderborns brachte jedoch nichts Zählbares, da entweder der finale Pass in der weißen Abwehr
steckenblieb oder man bei den Fernschüssen aufs Dach der Endtribüne zielte. Herzinfarktfördernd
war die 28. min, als eine lange Flanke am auf Sinkalas Kopf landete, dem Ball jedoch sprichwörtlich die
Luft ausging und er auf dem Strich zwischen Gut und Böse von Kraus festgehalten werden konnte. Fünf
Minuten später war es jedoch soweit, als es pingpongartig zwischen Jenaer Abwehr und Paderborner
Angreifern hin und her ging und Sinkala dem Treiben mit einem satten Schuss ins untere Toreck ein Ende
bereitete - wieder Ausgleich! Zum Heulen!!! Und wie jetzt weiter? Jedenfalls vergaßen die Abwehrrecken
des FCC bei einem Freistoß kurz nach dem Ausgleich, dass Schüßler ein blau-schwarzes Trikot
trug und so marschierte er mutterseelenallein zur Grundlinie, jagte seine Flanke zum Glück weit
Richtung Seitenlinie. Unmittelbar köpfte Maul zum Gegner und wieder war es Schüßler, der
auf der linken Seite davon profitierte, aber auch diesmal keinen Mitspieler fand. Die letzten Minuten vor
der Pause riss sich der FCC aber noch einmal zusammen und machte seinerseits Druck. Wer weiß, wie
die Partie ausgegangen wäre, hätte Jena auch nur eine der drei folgenden Konterchancen in den
Spielminuten 39 bis 44 genutzt hätte. Zunächst sahen sich drei Weiße kurz nach der
Mittellinie nur einem Abwehrspieler gegenüber, Werners Pass landete leider genau in dessen Füßen
anstatt bei den beiden mitlaufenden Teamkollegen. Dann sprintete wiederum Werner los, schoss aber von
links am Tor vorbei und ließ Helbig und Torghelle vergeblich in der Mitte warten. Und letztendlich
rannte sich Helbig bei seinem halbherzigen Dribbelversuch fest, nachdem er von Simak wunderbar
freigespielt worden war.
Zwischendurch erwischte ein abgefälschter Schuss Werners Alexander Bade beinahe auf dem falschen
Fuß, er schaffte es jedoch noch, gleichzeitig mit dem Ball in der unteren Torecke einzutreffen.
Mit 2 Sekunden Nachspielzeit beendete Schiedsrichter Dr. Brych diese sehenswerte Halbzeit.
Es war eigentlich klar, dass es nach der Pause nicht so weitergehen konnte. Die zweite Halbzeit war
dann auch etwas dezenter und es passierte deutlich weniger, was den Puls nach oben trieb. Zwei
Freistöße rund 25 m vorm Tor bis zur 50. Spielminute wurden mehr oder weniger
kläglich vergeigt. In der 52. min wurde zunächst Charalambides' Schuss abgeblockt
und ein Paderborner lenkte kurz vor der Torlinie Werners Nachschuss zur Ecke. Nach einer
Stunde tauchte Paderborn das erste Mal nach der Pause ernsthaft vor Kraus' Kasten auf und
Löbe setzte einen Kopfball auf der richtigen Seite neben den Pfosten ins Aus.
Anschließend gönnten sich beide Mannschaften eine ruhigere Phase zwischen den
Strafräumen. Erst in der 78. min gab es eine Strafraumszene, als die Paderborner
Nummer 24 mit dem klangvollen Namen Gouiffe á Goufan eine Simak-Flanke im letzten Moment
vor dem heranstürmenden Hansen zur Ecke entschärfte. Die anschließende Ecke
(wieder von Simak) wurde am kurzen Pfosten verlängert und fand weiter hinten Kühnes Kopf,
der maßgenau und kraftvoll köpfte und die Arme der Jenaer Fans in die Höhe jagte.
Da sich jedoch der Ball um wenige Millimeter verirrte und vom Aluminium des 07er Tores wieder
zurücksprang, landeten die Hände schließlich am Kopf zum Haareraufen. Paderborn
verließen nun sichtbar die Kräfte und Jena übernahm in der verbleibenden Zeit
die Initiative. Mit etwas Übersicht hätte der FCC noch einen Sieg holen können,
aber Werner entschied sich in der 83. für einen Schlenzer aufs lange Toreck und gegen den
in der linken Strafraumhälfte einsam und allein wartenden Helbig. Auch eine Minute später
nahm Werner den Kopf nicht hoch, sondern rannte sich nach Helbigs Zuspiel an ein paar schwarz-blauen
fest. Auf der Gegenseite testete Maul noch fix die Nerven von Mitspielern und Fans, als er eine an
sich harmlose Flanke fast ins eigene Tor stolperte, bevor dann Dr. Brych nach gigantischen 12 Sekunden
Nachspielzeit abpfiff.
Wie soll man nun das Unentschieden bewerten? Positiv (ein Auswärtspunkt) oder negativ (nicht
einmal beim Schlusslicht gewonnen)? Sicherlich irgendwo dazwischen: Es war mehr möglich, aber
andererseits können wir den schlechten Saisonstart nicht im Handumdrehen vergessen machen,
sondern müssen wie die Eichhörnchen mühsam Nuss für Nuss (bzw. Punkt für Punkt)
einsammeln, um im Dezember einen Vorrat zu haben, der für die Rückrunde reelle Chancen auf den
Klassenerhalt bietet.<uk>
FC Carl Zeiss Jena - TSV 1860 München 0:2
Tore: 0:1 Bierofka (47.), 0:2 Göktan (90.)
- Jena: Person; Stegmayer, Omodiagbe, Maul, Günther; Hansen
(62. Helbig), Kühne, Simak, Charalambides (76. Ziegner); Werner,
Torghelle
- München: Hofmann; Hoffmann, Berhalter, Ghvinianidze (85.
Szukala), Thorandt; L. Bender (67. Gebhart), Schwarz, Bierofka, Johnson
(67. S. Bender); Göktan, di Salvo
- Zuschauer: 11.314
- Schiedsrichter: Wingenbach (Diez)
- Spielbericht:
-
Wer ihn damals hörte, wird sich jetzt noch an ihn erinnern:
Den Kommentar von DSF-Reporter Martin Quast zum Spiel Jena – 1860 im Februar
2007. Da war zunächst die Schilderung des 1:0 nach sechs Minuten: „Eckball kurz
aufgeführt, Hoffmann klärt, da ist nur Tapalovic – (Stimme plötzlich erhebend)
NUR TAPALOVIC ! Boah, was’n Gerät ! Tor des Monats, hundert Prozent.
Volltreffer – so schön kann Zweitligafußball sein.“ Filip Tapalovic hatte den
FCC mit einem Volleyknaller aus 25 Metern in Führung geschossen und auch wenn
Herr Quast mit der Tor-des-Monats-Prognose nicht
recht behalten sollte, geriet er auch noch wegen der
darauffolgenden Spielminuten aus dem Häuschen. „Ich raffs nicht, ich fass es
nicht – ja, wo bin ich denn hier?“, rief er nach 10 Minuten, als gerade das 3:0
gefallen war, „jetzt tanzen sie im Thüringer Wald Samba mit den Wildschweinen
und allem Drum und Dran. Unfassbar, was hier im Ernst-Abbe-Sportfeld in den
ersten Minuten passiert“.
Obwohl noch nicht lange her, ist diese Anfangsphase bereits legendär.
Und die ver-quast-ete Schilderung gleich mit.
Doch das ist Vergangenheit und mit einer Wiederholung jenes
Ablaufs war von vornherein nicht zu rechnen. Wobei sich die Frage stellt,
welchen Verlauf solch ein Spiel nimmt, wenn der straffe Schuss von Kühne nach
drei Minuten im Netz landet. Münchens Keeper Hofmann rührte da keinen Finger,
leider flog das Leder knapp an seinem Kasten vorbei. Die erste Halbzeit konnte sich durchaus
sehen lassen auf Jenaer Seite. Mit Forechecking versuchte man in Ballbesitz zu
gelangen. Die Flügelzangen Stegmayer-Hansen und Günther-Charalambides zeigten
sich in der Abstimmung weiter verbessert. Und zentral überzeugte Simak wieder
mit klugen Pässen. Nur im Abschluss erwiesen sich Charalambides (23.) und
Hansen (26.) als nicht treffsicher genug. Die vielleicht beste Gelegenheit vor
der Pause vergab Tobias Werner bei einem energischen Konter, als er es nicht
fertig brachte, dem freigelaufenen Simak den Ball „durch zu stecken“, vielmehr
an einem Verteidiger hängen blieb. Auch beim Durcheinander im gegnerischen
Strafraum fanden die Jenaer keine Lücke, Mauls Heber wurde schließlich zur
leichten Beute Hofmanns. Und die Münchner ? Waren zu Beginn um Abgeklärtheit
bemüht und ließen dabei erstaunlich große Lücken im Mittelfeld. Abgesehen von
Hoffmanns Flachschuss (25.) drohte Jenas Abwehr zunächst keine Gefahr. Dies
änderte sich kurz vor der Pause. Da sah sich Stegmayer auf seiner Seite mit dem
ballführenden Bender sowie Johnsson gleich zwei Gegenspielern gegenüber. Nicht
wissend, wen er attackieren sollte, griff er im Grunde niemanden richtig an.
Bender konnte unbedrängt zum Schuss ansetzen, zielte aber ein wenig zu hoch.
Kurz darauf zeigten die Sechziger eine ihrer einstudierten Freistoßvarianten –
diesmal war es Göktan, der nur knapp verfehlte.
Verglichen mit diesen Hochkarätern strahlte der Torschuss in
Minute 47 eigentlich geringes Gefahrenpotential aus. Es hatte den Anschein, als
hätte ihn Person zunächst fausten wollen, vielleicht erschien er ihm dafür mit
einem Mal nicht scharf genug – jedenfalls versuchte er plötzlich, den Ball zu fangen
und dieses Umgreifen ging gründlich daneben. Plötzlich lag der Ball im Netz. Ohje, Jena und seine Torhüter ! Ob sie
nun Jensen oder Person heißen, bislang haben sie uns in dieser Saison mehr
Punkte gekostet als gerettet. Doch eine
Mannschaft gewinnt und verliert zusammen und noch war fast eine Halbzeit lang
Zeit, wenigstens ein Remis zu schaffen. Werner und Hansen hätten es
erzielen können, Sandor Torghelle nach mustergültiger Kopfballvorlage
von Omodiagbe sogar müssen, schoss jedoch nur den herauslaufenden Hofmann an. Bei allen erkennbaren Bemühungen – die
Vorherrschaft im Mittelfeld ging verloren, weil bei Simak und Charalambides die
Kräfte schwanden. Die Gäste konnten nun ungestört den Ball laufen lassen. Zwar war
die Münchner Überlegenheit nicht so groß, wie es ein Eckenverhältnis von 9:1
nach einer Stunde vorgaukelt. Doch macht es deutlich, dass 1860 die technisch
feinere Klinge schlug, sich nicht so oft damit helfen musste, den Ball ins
Toraus zu befördern. Ihr Tagesbester Daniel Bierofka wirkt vom technischen
Vermögen her schon fast überqualifiziert für diese Liga.
Valdas Ivanauskas holte seine beiden einzigen
Offensivwechsler von der Bank. Ohne Erfolg. Doch eine letzte Geheimwaffe besaß
er noch: Darlington Omodiagbe als Stürmer ! Dass er vorn den einen oder anderen
Kopfball holt, war uns ja bereits bekannt. Doch wenn ‚Omo’ dazu noch kluge Offensivpässe
spielt, sollte er solche Ausflüge ruhig häufiger machen dürfen. Perfekt sein
Zuspiel auf Günther in der letzten regulären Spielminute, dessen Flanke kam
auch vors Tor, wo Helbig sie aber nicht richtig erwischte. Und wie das so ist
im Fußball – setzt eine Mannschaft alles auf eine Karte und verpasst knapp den
Ausgleich, geht sie im Gegenzug nur allzu oft k.o. Dass Ziegner als letzter
Mann wegrutschte, Göktan frei vor Person zunächst nur den Pfosten traf und dann
noch eine Gelegenheit zum Nachschuss bekam, rundete das Bild ab.
Zweitligafußball in Jena kann nicht nur schön, sondern auch deprimierend sein. <fc>
Fotos auf weissenburger.de
SpVgg Greuther Fürth - FC Carl Zeiss Jena 2:2
Tore: 1:0 Reisinger (28.), 1:1 Charalambides (34.), 1:2 Torghelle (49.), 2:2 Lanig (63.)
- Fürth: Kirchstein; Achenbach, Mauersberger, Karaslavov, Schröck (72. Adlung); Judt, Haas, Burkhardt (80. Maierhofer), Lanig; Nehrig, Reisinger
- Jena: Person; Stegmayer, Omodiagbe (32. Oniani), Maul, Günther;
Kühne, Hansen (72. Kandelaki), Simak, Charalambides (64. Tapalovic);
Werner, Torghelle
- Zuschauer: 8.900
- Schiedsrichter: Zwayer (Berlin)
- Spielbericht:
- Freuen oder ärgern? So richtig wusste nach Abpfiff kaum einer im
blau-gelb-weißen
Lager, wie mit diesem Remis in Fürth umzugehen wäre. Spielerisch war an diesem
Nachmittag wohl so leicht wie noch nie am Ronhof
ein Dreier zu holen, andererseits grenzt es
an ein Wunder, angesichts der Leistung des Unparteiischen überhaupt noch einen
Punkt verteidigt gehabt zu haben, den sich ein aufopferungsvoll kämpfendes Team
redlich verdiente.
„Never
change a winning team“ hieß die Devise und so schickte Valdas Ivanauskas die
siegreiche Offenbach-Elf auf den Rasen. Der Club begann furios und die über
1.500 mitgereisten FCC-Fans hatten schon nach 34 Sekunden den Torschrei auf den
Lippen, als Torghelle Fürths Karaslavov den Ball abnimmt, sofort auf Werner
passt, der völlig frei vor dem gegnerischen Tor eine Sekunde zuviel Zeit zum
Überlegen hat und den Ball an Keeper Kirchstein vorbei ins Toraus schiebt. Was
für eine Möglichkeit! 10 Minuten später durften sich die Gastgeber die Haare
raufen, als Burkhardt einen zunächst abgewehrten Eckball flach an den
Innenpfosten setzt. 5 Minuten später, andere Seite, Hansen bedient
Charalambides, der freie Schussbahn hat, aber nicht genug Druck hinter den Ball
bekommt, so dass Ex-Bundesligakeeper Kirchstein das Leder noch um Haaresbreite
um den Pfosten lenken kann. Es war ein tolles, offenes Spiel beider Teams in
den ersten Minuten und Fürth schien beeindruckt zu sein von Jenas
Offensivdrang, richtete sein Spiel fast ausschließlich auf das Provozieren von
Standardsituationen aus und lange weite Bälle auf den emsigen Reisinger. Dass
jenem nach 28 gespielten Minuten die Führung gelang, hatte er aber zwei
Jenensern zu verdanken. Stefan Kühne bringt mit viel zu kurzem Rückpass seinen
Keeper in Bedrängnis und warum Christian Person den Ball nicht nach links oder
rechts klärt, sondern ausgerechnet an die ausgestreckte Hand des heranstürmenen
Reisingers, bleibt sein Geheimnis. Der Ball trudelt ins leere Tor, 1:0. Ein
Schock zweifellos dieser Treffer in Unterzahl, denn Omodiagbe musste sich am
Spielfeldrand nach einem nicht geahndeten Foul behandeln lassen und kurz darauf
gegen Oniani ausgewechselt werden, aber anders als noch vor Wochenfrist in
Frankfurt reagierte der FCC unbeeindruckt und kommt nur sechs Minuten später
zum verdienten Ausgleich. Stegmayer täuscht eine Flanke an, passt aber flach
auf Simak, der düpiert mit Körpertäuschung gleich zwei Fürther und findet
Charalambides, dessen Ball auch für den 1,96-Riesen Kirchstein zu platziert ist
und ins lange Eck kullert.
Kurz vor der Pause zappelt der Ball erneut im Netz,
nachdem Kühne einen Eckball einnickt, doch die Anerkennung bleibt verwehrt, ein
Stürmerfoul will Referee Zwayer zuvor gesehen haben. So geht es mit einem
leistungsgerechten Remis in die Pause und Jenas Fans durften vor allem mit dem
mannschaftlich geschlossenen Auftreten zufrieden sein, lediglich die einfach
nicht abzustellenden teils haarsträubenden individuellen Fehler bereiteten
graue Haare.
Von denen dürfte Fürths Coach Bruno Labbadia kurz nach
Wiederanpfiff auch einige mehr bekommen haben, denn wie schon in der ersten
Halbzeit bereitete sein Innenverteidiger Karaslavov eine Großchance für den FCC
vor, nur dass Torghelle die Einladung nach katastrophalem Rückpass diesmal
nicht ausschlug und durch die Beine Kirchsteins zur Jenaer Führung vollendete,
unmittelbar vor dem proppevollem Gästeblock für Partystimmung sorgte.
Siegeszuversicht machte sich breit, doch wie man ein Team gänzlich zermürben
kann, stellte Schiedsrichter Zwayer eindrucksvoll unter Beweis. Die Folge einer
völlig einseitigen Regelauslegung waren unter anderem sage und schreibe acht
gelbe Karten für Jenas Kicker, die sich in der Folge mehr und mehr zurückzogen
und Zweikämpfe scheuten, deren Ausgang schon vorher festzustehen schien. Und so
wäre etwas mehr Nähe zum Gegenmann durchaus empfehlenswert gewesen, als der für
den gesperrten Fürther Kapitän Felgenhauer ins Team gerückte Stephan Schröck im
Doppelpass mit Nehrig Stegmayer düpierte und unbedrängt in den 5m-Raum flanken
durfte, wo Lanig den Ball artistisch über die Linie drückte. Eine knappe halbe
Stunde war da noch zu spielen und diese wurde bestimmt durch eine Flut von
Freistößen. Jan Simak setzte seinen knapp neben den Pfosten (66.), auf Fürther
Seite vergab Mauersberger die größte Gelegenheit, als er eine Freistoßflanke
per Fuß abnahm und das Leder knapp neben das Tor setzte, den Außenpfosten
streifend. Der für Charalambides eingewechselte Tapalovic hatte vier Minuten
vor dem Ende auf Zuckerpass Simaks die letzte Möglichkeit für den FCC, ließ
aber Torghelles Kaltschnäuzigkeit vermissen und gab die Verantwortung lieber
per verunglücktem Querpass weiter. So musste gar um den einen Punkt bis in die
93. Minute gezittert werden, als eine faire Aktion von Oniani an der
Strafraumgrenze wieder einmal mit Freistoß für die Kleeblätter geahndet wurde
und Stefan Kühne die Flanke artistisch vor dem einköpfbereiten Mauersberger
entschärft.
So ein klein wenig hatte der
Fußballgott sein Herz also für Thüringens Traditionsverein wiederentdeckt und
auch Jenas Spieler durften sich – anders als vor 7 Tagen – Streicheleinheiten
der eigenen Fans gefallen lassen, zu denen sich auch Neu-Clubberer und
Herzens-Jenenser Ralf Schmidt gesellte. Nach drei schlimmen Auftritten am
Ronhof holte der FC Carl Zeiss also zum ersten Male Zählbares, doch irgendwie war
mehr drin. <gunner>
FC Carl Zeiss Jena - Kickers Offenbach 2:0
Tore: 1:0 Simak (43.), 2:0 Werner (75.)
- Jena: Person; Stegmayer, Omodiage, Maul, Günther (75.Oniani);
Hansen (70.Tapalovic), Kühne, Simak, Charalambides (61.Holzner); Werner,
Torghelle
- Offenbach: Thier, Pinske (60.Sidney), Müller, Hysky, Bungert, Cimen, Sieger
(46.Ogungbure

,89.),
Judt (70.Epstein), Moktari, Türker
- Zuschauer: 5867
- Schiedsrichter: Bandurski (Essen)
- Spielbericht:
- Ein mulmiges Gefühl machte sich in meiner Magengegend breit, als ich vor der heutigen Partie gegen die Kickers aus
Offenbach das Stadion betrat. Nach fünf Niederlagen in Folge und zuletzt einer katastrophalen Leistung in Frankfurt gegen
Wehen schwante mir auch heute nichts Gutes. Die spielerisch guten Leistungen der ersten Saisonpartien waren vorbei und wer
das Match in Frankfurt live miterleben musste, konnte mein Gefühl durchaus verstehen. Zu viel lief in der Hessenmetropole
bei den Jenaern schief, als dass man ausgerechnet heute gegen die zuletzt starken Hessen vermuten konnte, dass es anders werden würde.
Aber beim Blick auf die Aufstellung der Partie wich mein mulmiges Gefühl blanker Zuversicht, denn Neu-Couch Ivanauskas bewies Mut und
krempelte sein Team gegenüber der letzten Partie auf sechs Positionen um und brachte "Typen" wie Günther, Hansen, Maul und Kühne,
welche gegen Wehen so schmerzlich vermisst wurden.
Der FCC begann auch von Beginn an couragiert und drückte die Offenbacher in deren Hälfte, woraus auch nach zwei Minuten die
erste Minichance resultierte. Nach gut einer Viertelstunde bot sich dann den Gästen auch ihre erste Möglichkeit, doch Siegers
Schuss ging über den Kasten. Den Spielern des FCC merkte man am heutigen Tage zu jeder Sekunde an, dass sie den unbedingten
Willen hatten, sich nicht so "abschlachten" zu lassen bzw. gewinnen zu wollen. Nach einer halbe Stunde waren einige der
Zuschauer schon froh, dass die Jenaer bis dahin kein Tor kassiert hatten. Doch kurz vor der Halbzeitpause sollte es noch
besser kommen, als Simak einen Freistoß aus 30m auf das Tor zirkelte und der Ball auf einmal im Tor zappelte. Grenzenloser
Jubel auf den Rängen, doch die meisten wollten es trotzdem kaum glauben, da sie dieses unglaubliche Glückgefühl gar nicht
mehr kannten.
Fünf Minuten nach Wiederanpfiff die erste Schrecksekunde für die Jenaer, als Dino Toppmöller völlig freistehend aus
gut sechs Metern den Ball zum Glück über das Tor donnerte. Der bis dahin relativ souveräne Schiedsrichter Bandurski
fing nun an, seine Linie zu verlieren, und sorgte mit einigen Fehlentscheidungen für Unruhe auf dem Platz und den
Zuschauerrängen, was in der Gelb-Roten Karte für Ogungbure gipfelte. Die Partie wurde dadurch nun zunehmend hektischer
und es war ein Tanz auf Messers Schneide. Die Offenbacher machten nun hinten ein wenig auf und drückten auf den Ausgleich,
doch der Abwehrriegel des FCC stand. Das Hoffen und Bangen ging weiter und eine Viertelstunde war noch zu spielen, da kam
ein langer Ball in des Gegners Strafraum. Gästekeeper Thier und ein Offenbacher Verteidiger waren sich in dieser Szene
nicht einig genug, wer diesen Ball retten sollte. Nutznießer dieser Aktion war Werner, der sich einfach das Leder schnappte,
Thier umkurvte und zum 2:0 vollendete. Vier Minuten vor Ultimo hätte Werner noch zum absoluten Held des Spiels werden
könnten, doch nach einem erneuten Fehler des Offenbacher Schlußmannes schloss Werner aus spitzen Winkel ein wenig zu
ungenau ab, so dass der Ball Zentimeter vor der Torlinie entlang rollte und doch nicht den Weg ins Tor fand. Kurz darauf
war die Partie zu Ende und der erste lang ersehnte Dreier unter Dach und Fach.
Die wenigsten Zuschauer hätten nach dem Katastrophenspiel vor gerade einmal drei Tagen erwartet, dass sich die Mannschaft
so aufraffen könnte, um die starken Hessen heute gar besiegen zu können. "Der FCC, der FCC, der FCC ist wieder da…"
skandierten die Fans von den Rängen und die Freude war natürlich umso größer, weil mit einem derartigen Wandel in
so kurzer Zeit wohl kaum einer gerechnet hatte. Aber letztendlich waren es trotzdem "nur" drei Punkte und wie
Ivanauskas sagte:" Der Tunnel ist noch sehr lang, bis wir das Licht am Ende sehen". <vg>
SV Wehen Wiesbaden -FC Carl Zeiss Jena 5:1
Tore: 1:0 Diakite (9.), 2:0 Diakite (11.), 3:0 Siegert (20.), 4:0
Nicu (41.), 5:0 Nicu (73.), 5:1 Simak (82., FE)
- Wehen: Richter; Kokot, Jeknic, Kopilas, Nakas; Catic (62.
Amstätter), Nicu (78. Cailas), Siegert, Schwarz; König,
Diakite (85. Lombe)
- Jena: Jensen; Kandelaki, Omodiagbe, Müller (46. Oniani),
Holzner; Stegmayer, Lorenzon, Ziegner (46. Werner), Simak, Charalambides;
Torghelle
- Zuschauer: 5626
- Schiedsrichter: Seemann (Essen)
- Spielbericht:
- (von Gastkommentator Jens Klebe)
Nach einem völlig verkorksten Saisonstart mit nur einem
Punkt auf der Habenseite griffen in der vergangenen Woche auch in Jena die so
genannten ungeschriebenen Gesetze des Geschäfts. Klassenerhalts-Held Neubarth
räumte sein Trainerzimmer welches kurz darauf mit Valdas Iwanauskas einen neuen
Nutzer fand. Um zu sehen, was dieser Wechsel bewirken könne, hatten sich
immerhin gut 1.500 Zeissfans auf den Weg nach Frankfurt gemacht. Würde im
Frankfurter Waldstadion gegen den SV Wehen endlich der erste Dreier eingefahren?
Da die Leistung au dem Koblenz-Spiel ja nur schwer zu unterbieten sein würde,
bestand Anlass zur Hoffnung.
Aber selbst dieses zarte Pflänzchen verdorrte schnell.
Jena startete zwar ohne Kühne, Hansen und Werner – dafür aber gewohnt schlafmützig.
Bereits nach 11 Minuten hatte Diakite mit einem Doppelschlag
klare Verhältnisse geschaffen. Zunächst bekam die FCC-Abwehr in Person Ziegners
nach einer Wehener Flanke den Ball nicht aus der Gefahrenzone, aus 20 Metern
zog ein Wehener ab und als Diakite den Ball abfälschte schlug er unhaltbar
neben Jensen ein. Ganz einfach dann Tor Nummer 2: Flanke von links, Diakite
frei im Sechzehner, draufgehalten und drin!
ass=MsoNormal>Nach 15 Minuten versuchte sich dann auch Simak erstmals für
den FCC an einem Torschuss, setzte diesen aber drüber.
Nach 20 Minuten vertändelte Charalambidis den Ball
leichtfertig in der Vorärtsbewegung, es folgt ein Konter über rechts, Schwarz
bediente Siegert und der zog vom Strafraumeck in die lange Ecke ab – 3:0!
Die Jenaer glichen nun einem Häuflein Elend und so spielten
sie auch weiter. Kaum waren weitere 10 Minuten vergangen, als Omo und Holzner
den ballführenden Nicu auf seinem Weg zum Tor brav begleiteten, ohne ihn
entscheidend zu stören. Nicu hob den Ball über Jensen und dieser schlug zum 4:0
ein. (40.)
Jenas Anhang hatte jetzt „die Schnauze voll“. So sang es
jedenfalls ein Großteil der Mitgereisten und verabschiedete sich mit dem
Pausenpfiff aus dem Stadioninneren.
Ansonsten waren in der Zwischenzeit die blaugelbweißen
Anfeuerungsrufe durch weitere zornige Schmährufe ersetzt worden.
Halbzeit 2 begann mit Werner und Oniani für Ziegner und
Müller. Werner war auch der Einzige in der Gästeelf der sich nachhaltig
versuchte, in Szene zu setzen.
Da Wehen jetzt nicht mehr tat, als für die Verwaltung des Resultats
nötig war, konnte der FCC zumindest zeitweilig fast optische Ausgeglichenheit
erreichen. In einer Phase, als Jena auch der eine oder andere gute Angriff
gelang (meist über Werner und Simak), dann die kalte Dusche. Mit einem
Freistoß-Trick aus der Schüler-Trickkiste wurde erneut Nicu freigespielt und
mit etwas Glück schlug sein Schuss zum 5:0 ein (73.).
Der FCC war demontiert. Daran änderte auch Simaks
Elfmetertreffer nichts mehr, den er nach einem Halten an Torghelle sicher
markierte.
Insgesamt bot der FCC eine erschreckend desolate Leistung
und es dürfte einem Wunder gleichkommen, wenn Iwanauskas aus diesem
verunsicherten Haufen binnen Kürze ein siegfähiges Team formen könnte. Ansätze
–mehr aber auch nicht- konnte man in der zweiten Hälfte zumindest bei Einigen
wenigstens erkennen. Dennoch, eigentlich ist jedes Wort über das heutige Spiel
eigentlich eines zu viel. Außer vielleicht diesem: beschämend!
So traurig und erschreckend das klingt: der FCC holte sich
eine verdiente Niederlage ab und kann schon am 7. Spieltag mit der Devise „Wir
haben ja nichts mehr zu verlieren!“ antreten.
Ca. 400 Jenaer Fans, die ohnehin die 2. Halbzeit außerhalb
des Stadions zugebracht hatten, blockierten anschließend friedlich die Ausfahrt
des FCC-Mannschaftsbusses und machten ihren Unmut deutlich. Adressaten waren
neben dem Team auch der Sportliche Leiter Lutz Lindemann und Präsident Zipfel.
Nach Gesprächen mit den Spielern Maul, Werner, Hansen,
Co-Trainer Holetschek und einer kurzen (aber eher schwachen) Ansprache des Kapitäns
Ziegner löste sich der Protest friedlich auf.
FC Carl Zeiss Jena - TuS Koblenz 1:2
Tore: 0:1 Daham (29.), 1:1 Omodiagbe (39.), 1:2 Daham (43.)
- Jena: Jensen; Kühne (46. Ziegner), Omodiage, Maul, Holzner;
Hansen (64. Fardjad-Azad), Müller, Simak, Stegmayer; Werner,
Torghelle (36. Petersen)
- Koblenz: Eilhoff; Lomic, Bajic, Mavric, Forkel; Djokaj (63.
Langen), Dzaka, Hartmann, Sukalo; Cha (82. Bogavac), Daham (90. Richter)
- Zuschauer: 8251
- Schiedsrichter: Schriever (Dorum)
- Spielbericht:
- Konnte man sich nach der
Heimniederlage gegen Mainz noch damit trösten, gegen einen klar besseren
Gegner, der noch dazu aus der 1. Bundesliga gekommen war, verloren zu haben, so
fehlte diese Trostmöglichkeit nach dem Abpfiff gegen Koblenz völlig.
Dabei sah es anfangs recht gut aus,
wenn man von den ungewohnten Trikots absah, die an übergezogene gelbe Trainingsleibchen
erinnerten. Von der ersten Minute an spielte der FCC nach vorn und drückte die
Gäste an ihren Strafraum. Und so ergaben sich auch schnell einige Chancen, z.B.
als Werner in der 3. Spielminute nach links auf Stegmayer spielte, der flankte
in die Mitte, wo Hansen allerdings zu hoch schoss. Drei Minuten später das
gleiche Strickmuster Mitte – links – Strafraum – drüber, diesmal waren Simak,
Werner und Torghelle die Beteiligten.
Dann hatte Schiedsrichter Schriever
seinen großen – oder besser: peinlichen – Auftritt: Hansen führte einen Einwurf
blitzschnell aus und der Koblenzer Torwart fischte den Ball genauso
blitzschnell vor Torghelle weg, stand dabei allerdings zwei, drei Meter vorm
Strafraum. Anstatt Eilhoff regelgerecht "Rot" zu zeigen, ließ
Schriever den Einwurf wiederholen. Warum? Das bliebt sein ewiges Geheimnis. Und
so ging es mit 0:0 im bisherigen Szenario weiter. Es fehlte jedoch bei allen
Zuspielen die letzte Abstimmung und Präzision, so auch, als Torghelle in
Mittelstürmerposition ein Zuspiel Simaks nur um Fußbreite verpasste (22.). Irgendwann
ließ der Jenaer Druck nach und die Koblenzer erkundeten die gegnerische Hälfte.
Tatkräftige Aufbauhilfe bekamen sie dabei von Stegmayer (26.) und Omodiagbe
(28.), die jeweils aus eigentlich schon geklärten Situationen unnötigerweise
Eckbälle für Koblenz fabrizierten. Und so kam es zum schon fast üblichen Ritual
im EAS: Die Gäste erhielten mit ihrem ersten vernünftigen Spielzug den
Führungstreffer geschenkt. Hansen rutschte auf der rechten Abwehrseite im an
sich harmlosen Zweikampf aus, Forkel flankte ungestört, Maul tauchte mit dem
Sprungvermögen eines Kanonenofens unterm Ball durch und Daham köpfte das
Geschenk ein – 0:1! The same
procedure as every week! Danach trug die
allgemeine Verunsicherung zehn gelb-blaue Trikots und wir hatten Glück, dass es
nicht gleich noch einen Gegentreffer gab. Doch Jensen tauchte in die untere
Ecke und verwehrte dem Kopfballaufsetzer Sukalos den Weg ins Netz. Neubarth
reagierte auf diesen Rückschlag und wechselte den bis dahin vielleicht etwas
glücklosen, aber insgesamt nicht besser oder schlechter als seine Mitspieler
agierenden Torghelle aus und brachte statt dessen Petersen. Für mich war diese
Auswechslung die entscheidende Szene für die weiteren lauen Angriffsversuche
und die logisch folgende Niederlage. In der 39. Minute hatte der Fußballgott
dann aber ein Einsehen mit den geplagten Zeiss-Fans und ließ Eilhoff eine Ecke
fehlerhaft wegfausten, Werner flankte den Abpraller in die Mitte und Jenas
Torgarantie Omodiagbe machte per Kopfball den Ausgleich. Jaaa, jetzt aber…
denkste! Der nächste Koblenzer Angriff bestand aus einem einfachen langen
Flankenball von der Mittelinie an die Strafraumgrenze. Dabei war der Ball so
lange in der Luft, dass sich Omo und Stegmayer rechts und links in
ausreichendem Abstand von Dahame aufstellen konnten, um diesem beim
Direktschuss ins lange Eck bewundernd zuzusehen. Mit den Händen aufgebaut
(Ausgleich) und sofort mit dem Hintern wieder eingerissen (1:2) – derzeit
typisch für den FCC!
Aussage eines Zuschauers in der
Halbzeitpause: "So mies wie diesmal war die Stimmung in der Halbzeitpause auf
der Toilette ewig nicht mehr." Es sollte nach der Pause nichts
Stimmungsförderndes mehr passieren. Zwar kam Ziegner für Kühne ins Team, aber
auch der passte sich der allgemeinen Leistung an. Es waren lediglich noch
vereinzelte Standards, die Eilhoff etwas Ablenkung brachten: Petersen köpfte
nach Ziegner-Freistoß übers Tor (50.) und Stegmayer donnerte einen 25-m-Knaller
direkt aufs Trikot des Gästekeepers. Jensen zeigte in der 62. min seinen
„running gag“ und ließ auch diesmal einen Ball nach vorn prallen, allerdings
folgenlos. Bezeichnend fürs Jenaer Spiel war die Tatsache, dass Holzner als
rechter Außenverteidiger die größten Angriffsbemühungen zeigte, sich immer
wieder für Zuspiele anbot und lange Wege zwischen vorn und hinten ging. Da
ansonsten kaum Bewegung im Jenaer Spiel war, prallten alle Bälle von der roten
Gummiwand ab, die Koblenz am Strafraum errichtet hatte.
Einziger Farbtupfer war Fardjad-Azad, der
nach seiner Einwechslung innerhalb von 5 Minuten dreimal aufs Tor schoß und
mehr Torgefahr erzeugte als alle anderen zusammen. Der Neunzehnjährige mühte
sich redlich und umkurvte einige Male seine Gegenspieler, aber da seine
Mannschaftskameraden nicht annähernd so viel Einsatz zeigten, war er auf
verlorenem Posten. In der letzten Viertelstunde bot Koblenz noch alle
Varianten, wie man beste Konterchancen kläglich vergibt – zum Glück, sonst wäre
es nicht beim 1:2 geblieben.
Diese Niederlage war nicht eine
unglückliche, nach der man zum Tagesgeschäft übergehen könnte. Im Verein muss
man sich auf Grund der Art und Weise, wie sich unsere Mannschaft in diesen 90
Minuten präsentierte, ernsthafte Gedanken machen, wie man eine totale
Pleitesaison verhindern kann. Noch ist die Zeit dafür! <uk>
FC Carl Zeiss Jena - FSV Mainz 05 1:2
Tore: 0:1 Feulner (17.), 1:1 Omodigabe (54.), 1:2 Gunkel (77.)
- Jena: Jensen; Kandelaki, Omodiage, Maul, Holzner; Hansen,
Müller (82. Helbig), Simak, Ziegner (46. Charalambides); Werner,
Torghelle (78. Petersen)
- Mainz: Wetklo; Demirtas, Noveski, Subotiv, Hoogland; Feulner,
Petkovic, Gunkel, Karhan (72. Laurent); Borja (61. Jovanovic), Amri
(89. Vrancic)
- Zuschauer: 11.798
- Schiedsrichter: Willenborg (Osnabrück)
- Spielbericht:
- Mainz 05 – ich muss gestehen, dass ich gewisse Sympathien
für diesen Verein hege. Selbige haben ein ganzes Stück mit Trainer Jürgen Klopp
zutun, aber auch mit dem Erscheinungsbild des FSV insgesamt. Wenn es jedoch gegen
den FC Carl Zeiss geht, gibt es kein Pardon
– dann gehört Mainz in der persönlichen Werteskala nur noch zu „best of the
rest“.
Es konnte mir also nicht gefallen, was sich da in Halbzeit
eins auf dem Rasen abspielte. Vom Anpfiff weg bestimmten die Gäste mit
scheinbarer Leichtigkeit die Szenerie. Zweite Minute, erste Chance – Amri aus
15 Metern knapp drüber. In der 6.
Minute lud Omodiagbe mit Fehlpass Feulner zum Torschuss ein. Der nach Köln
zurecht kritisierte, mit „Tri Tra Trullala“-Artikeln aber nahe der Gürtellinie
getroffene Kasper Jensen zeigte sich in dieser und den folgenden Situationen
wieder auf der Höhe. Den frühen Rückstand vermochte er aber nicht zu
verhindern. Weil bei einem schnellen Mainzer Angriff noch ein Stürmer im
Zentrum mitlief, gingen nicht ausreichend
Jenaer Verteidiger auf den ballführenden Markus Feulner. Dieser ließ Müller als
seinen einzigen Gegenspieler ins Leere grätschen und Jensen keine Chance.
Hallo wach ? – Weit
gefehlt, statt mit Aufbäumen reagierten Jenas Akteure mit Verunsicherung. Dass sich
Omodiagbe bei allen Qualitäten seine zwei, drei Aussetzer pro Spiel leistet,
wissen wir schon. Auch dass sich bei Holzner Licht und Schatten noch zu sehr
abwechseln. Doch selbst ein Alexander Maul ließ sich in dieser Phase von der
allgemeinen Nervosität in der Hintermannschaft anstecken.
Auch nach vorn lief wenig rund, keine Spur von einem konstruktiven Zusammmenspiel. Simaks
30-Meter-Freistoß war der erste Jenaer Torschuss überhaupt. Nach 32 Minuten !
Zu diesem Zeitpunkt hatte Mainz bereits ein halbes Dutzend Male aufs Tor geschossen.
Schon ein kurzer Antritt von Tobias Werner und die hohe Hereingabe, welche
Wetklo locker herunterfischte, ließen kurzzeitig Stimmung aufkommen. Wie
Dürstende auf jeden Tropfen Wasser stürzten sich die Zeiss-Fans auf diese
unaufregende Szene. Kein Wunder angesichts der Tristesse in Hälfte eins.
Omodiagbes Kopfball (42.) war da noch die beste Gelegenheit vor der Pause, vor
Probleme wurde Wetklo aber auch damit nicht gestellt. Dessen Gegenüber Jensen
hatte da ganz andere Kaliber zu meistern. Bei Feulners Kopfball aus Nahdistanz
reagierte der Däne großartig, auch Hooglands Nachschuss lenkte er zur Ecke.
Mainz dominierte. Mit dem 0:1-Rückstand war Jena zur Pause gut bedient.
Gelbe Schuhe zu blau-weißen Stutzen – rein optisch passt der
zypriotische Nationalspieler Constantinos Charalambides schon mal sehr gut nach
Jena. Zumindest in den ersten Minuten nach seiner Einwechslung war der
Neuzugang überall auf dem Platz zu finden, als wolle er im Alleingang dem
Geschehen eine Wende geben. Doch auch seine neuen Mannschaftskameraden
steigerten sich endlich auf jenes Niveau, dass man von Anfang an hätte erwarten
dürfen. Torghelles Einsatz auf der rechten Seite brachte nach 53 Minuten den
ersten Jenaer Eckball. Und der führte zum Ausgleich durch Darlington Omodiagbe.
Per Kopf traf der Nigerianer aus Nahdistanz. Zwischen Genie und Wahnsinn liegt
eben manchmal nur eine Halbzeitpause. Jetzt war Jena am Drücker, auch
akkustisch. Von den recht wenigen Mainzer Anhängern war vorübergehend nichts zu
hören. Bis hinauf zur letzten Reihe der neuen Zusatztribüne feuerten die
Zuschauer ihre Elf an. Jürgen Klopp lobte nach dem Spiel die tolle Atmosphäre
im Jenaer Stadion. Schade nur, dass sich seine Spieler davon nicht beeindrucken
ließen. Die Bundesligaabsteiger nahmen den Kampf an und da sie in der
Spielanlage einen Tick reifer wirkten, gewannen sie dieses Match. Amris
Schrecksekunde (Ball rollte parallel zur Linie des verwaisten Tores) beendete
die beste Jenaer Phase. Gunkels Diagonalfreistoß machte sinnbildlich den Deckel
zu. Dass der vom Schiri als indirekt ausgeschriebene Freistoß direkt verwandelt
wurde, passt ebenso ins Bild wie Werners unglücklich vergebene Großchance drei
Minuten vor Schluss – wenn du da unten drin stehst, bekommst du den Mist nicht
so schnell vom Hacken. Auf diese Art verlor der FCC sein drittes Spiel in Folge
mit einem Tor Differenz. Wobei es
Jensen mit einer weiteren Rettungstat gegen Feulner (90.) zu verdanken ist,
dass es nicht mehr wurde.
Die Schwere des Auftaktprogramms war uns allen bewusst. Dass
aus vier Partien nur ein mickriges Pünktchen herausspringt, ist allerdings
ernüchternd, insbesondere nach den Spielverläufen gegen St. Pauli und Köln. Bei
aufmerksamer Betrachtung des Jenaer Spiels gewinnt man den Eindruck, die
Komponenten für eine erfolgreiche Saison sind da, aber noch nicht richtig zusammengefügt.
Vielleicht kommt die 12tätige Punktspielpause gar nicht so ungelegen. <fc>
1. FC Köln - FC Carl Zeiss Jena 4:3
Tore: 0:1 Torghelle (5.), 1:1 Novakovic (20.), 1:2 Müller (37.),
1:3 Omodiagbe (55.), 2:3 Chihi (73.), 3:3 Chihi (84.), 4:3 Jensen (86., ET)
- Köln: Mondragon; Ehret, Mitreski, McKenna, Nickenig
(60. Schöneberg); Antar, Broich (60. Scherz), Helmes; Chihi, Vucicevic, Novakovic (60. Gambino)
- Jena: Jensen; Kandelaki, Omodiage, Müller, Holzner;
Hansen (84. Stegmayer), Lorenzon (46. Kühne), Werner, Simak,
Ziegner; Torghelle (81. Petersen)
- Zuschauer: 37.700
- Schiedsrichter: Dr. Fleischer (Sigmertshausen)
- Spielbericht:
- Es war die Woche der
unverdienten Auswärtssiege mit St. Paulis Dreier im Ernst-Abbe-Sportfeld und
Deutschlands glücklichem Erfolg in Wembley, und so mancher hegte die Hoffnung
auf eine Fortsetzung dieser Serie in Köln-Müngersdorf, waren die Vorzeichen
zwischen den beiden ungleichen Gegnern doch klar. Einen unverdienten Verlierer
gab es auch diesmal, jedoch war dies nicht etwa der haushohe Favorit, sondern
ein FC Carl Zeiss, der sich in der Schlussphase selbst um den Lohn eines
großartigen Spieles brachte.
Durch
den Platzverweis Alexander Mauls war Coach Frank Neubarth zu Umstellungen
gezwungen, nahm Robert Müller in die Innenverteidigung und ließ mit Nils Hansen
und dem erstmals nach seiner Verletzungspause wieder kickenden Lorenzon gleich
zwei Abräumer im defensiven zentralen Mittelfeld auflaufen. Werner und Ziegner
besetzten die Außenpositionen im Mittelfeld, während Jan Simak als Spielmacher
fungierte, hinter der einzigen Spitze Torghelle. Und was der drauf hat, sorgte
schon nach 5 Minuten für den ersten Jubelschrei unter den 1.500 mitgereisten
Zeissfans. Langer Abschlag Jensen, Kopfball-Doppelpass
Torghelle-Werner-Torghelle und unser ungarischer Neuzugang hämmerte die Kugel
trocken von der Strafraumgrenze ins Netz. 0:1, was für ein Auftakt, und um ein
Haar hätte Broich nachgelegt, dessen Rückpass Mondragon verfehlte, aber knapp
am Kölner Kasten vorbeirollte (14.).
Beim Gastgeber hatte man im Vorfeld einen mauernden Gegner erwartet,
doch der FCC spielte auch nach der Führung munter nach vorn, fast zu munter,
denn Kölner Gelegenheiten resultierten fast ausschließlich aus Kontern nach
jenenser Abspielfehlern. In der 10. Minute ging das noch gut, als Jensen einen
tückischen Helmes-Knaller im Nachfassen parierte, nach 20 Minuten jedoch hatten
die Domstädter mit ihrer zweiten Möglichkeit im Spiel ausgeglichen. Novakovic
hatte von Omodiagbe bedrängt Vucicevic angespielt, welcher an der rechten
Strafraumgrenze Lorenzon düpierte und auf den von Omodiagbe und Werner
sträflich vernachlässigten Novakovic zurückpasste. Dass dessen Schuß durch die
Beine von Hansen den Weg ins Netz fand ist sicher unglücklich zu nennen, das
Abwehrverhalten zuvor dilettantisch. Köln hatte nun Oberwasser, baute gehörigen
Druck auf und hatte mit Vucicevics Schussversuch nach Kandelakis
verhängnisvollem Ballverlust (24., knapp daneben) und Broichs abgefälschtem
Schuß (29., Jensen hält) auch die ein oder andere Möglichkeit. Doch als Simak
mit einem wahren Zauberpass den durchlaufenden Holzner bedient und dieser aus
Nahdistanz an Mondragon scheiterte (30.), wirkte das wie ein Signal an die
eigene Mannschaft zur Besinnung auf das überlegte Spiel der ersten Minuten. Kurz
darauf hätte es Elfmeter für den FC Carl Zeiss geben müssen, als Torghelle im
Strafraum gefoult wurde, doch nicht nur in dieser Szene zeigte sich die
nachhaltige Wirkung des Daumschen Montagstheaters bei Referee Dr. Fleischer.
Jena ließ sich nicht beirren, es war eine Freude, dem Kombinationsfußball von
Jenas Offensivabteilung um den immer besser werdenden Kapitän Ziegner, den an
allen Ecken des Spielfeldes zu findenden Hansen (bester Mann auf dem Platz) und
einen Jan Simak zuzusehen und manch einer rieb sich die Augen, mit welchem
Selbstbewusstsein der Underdog hier in der WM-Arena auftrat. Werners Schuß nach
36 Minuten parierte Mondragon im Nachfassen, Ziegners Freistoß eine Minute
später kratzte der kölsche Schlussmann noch aus dem Eck, doch die
darauffolgende Ecke brachte die verdiente Führung. Torghelle hatte Ziegners
Eckball an den langen Pfosten verlängert, wo Robert Müller eiskalt vollendete.
Der Gast wirkte nun wie paralysiert, beinahe hätte Torghelle das Ergebnis noch
höher schrauben können, verzettelte sich aber im Strafraum (39.) und so war der
Schlusspunkt unter die erste Hälfte symptomatisch, als der wenige Tage zuvor
noch zum Deutschlandkader gehörende Helmes eine Freistoßablage von Vucicevic 15
Meter über das Jensen-Gehäuse beförderte. Kölns Mannschaft ratlos, Kölns
Publikum fassungslos und ein gellendes Pfeifkonzert verabschiedete die
Millionentruppe in die Kabinen.
Aufbäumen,
Dagegenhalten, Druck aufbauen, so in etwa hätte man die Gastgeber nach
Wiederanpfiff erwartet, doch stattdessen spielte Thüringens Stolz so, als hätte
er einen Rückstand aufzuholen. Werner prüfte Mondragon mit Schuß aus spitzem
Winkel (51.), das Eckenverhältnis war inzwischen auf 7:3 für Jena angestiegen
und als Ziegners Freistoß den Fuß des völlig unbedrängt durchlaufenden
Omodiagbe fand, hieß es 1:3, das Spiel schien entschieden. Auch wenn Helmes nur
eine Minute später den Anschlusstreffer auf dem Kopf hatte und knapp verzog,
das Auftreten der völlig konsternierten Gastgeber glich insgesamt einem
Fehlpassfestival, begleitet von eisigem Schweigen des Opernpublikums auf den
Tribünen. Christoph Daum hatte die Nase voll, wechselte gleich drei Spieler auf
einmal aus und vor allem die Hereinnahme von Matthias Scherz, der ja schon in
der Vorsaison den mehr als glücklichen Siegtreffer der Kölner vom Elfmeterpunkt
erzielt hatte, sollte sich als folgenschwer erweisen. Doch zuvor hatte Referee Fleischer
seinen Auftritt, schickte Zeiss-Trainer Frank Neubarth auf die Tribüne, als der
sich lautstark über eine der unzähligen Freistoßfehlentscheidungen zugunsten
des 1. FC Köln mokierte (65.), übersah eine Tätlichkeit Antars an Stefan Kühne
(Kopfstoß, 68.) und gab für McKennas Notbremse an dem durchbrechenden Torghelle
nur gelb (71.). Jener Torghelle hatte bis dahin ein großartiges Spiel gehabt,
zerrte unermüdlich an den Ketten und war von seinem Gegenspieler meist nur
durch Foulspiele zu stoppen. Doch er wurde ebenso wie Jan Simak müder und so
verlagerte sich das Spielgeschehen mehr und mehr in die Jenaer Hälfte, Chihi
mit Freistoß und Antar per Kopfball (69.) besaßen gute Möglichkeiten, ehe in
der 73. Minute das Unheil für den FCC seinen Lauf nahm. Die Fehlerkette war
lang. Jensen ließ sich eine Kölner Flanke von Robert Müller zum Einwurf
wegköpfen, anstatt sie selbst herunterzupflücken. Omodiagbe musste erkennen,
dass auch 1,88m nicht ausreichen, wenn man 2 Meter hinter einem kopfballstarken
Matthias Scherz steht, dessen Verlängerung Adel Chihi fand, der von Felix
Holzner völlig unbedrängt zum Anschlusstreffer einschoß. Fünf Minuten später
hatte Scherz selbst die Riesenchance zum Ausgleich, köpfte aber freistehend am
völlig leeren Tor vorbei. Durchatmen, doch die Partie wurde hitziger. Mondragon
erhielt gelb, als er den sich bei der Auswechslung zu viel Zeit lassenden
Torghelle vom Platz schubste, Holzner kassierte den gelben Karton für ein an
ihm begangenes Foulspiel und Jan Simaks Bedrängen Vucicevics wurde mit Freistoß
für Köln geahndet, den Scherz aufs Tor platziert, Jensen lässt den schon sicher
geglaubten Ball vor die Füße von Chihi fallen, der nur noch abstauben muß.
Ausgleich, Kölns Publikum aus dem Dornröschenschlaf erwacht und Kasper Jensen der
einsamste Mann auf dem Platz. Ob ihm diese Szene noch durch den Kopf schwirrte,
als er kurz darauf Chihis Eckball (Omodiagbe hatte zur Ecke klären müssen, da
ein Ellenbogencheck von Scherz gegen ihn ungeahndet blieb) zum Kölner 4:3 ins
eigene Tor patschte?
Ein mehr als bitteres Ende für den zuvor gut spielenden
Keeper, der nach dem Abpfiff sofort den Trost seines Kapitäns Torsten Ziegner
bekam. Vergessen wird er diesen Abend wohl nie, ebenso wie Jenas Anhang. Fassungslose,
entsetzte Gesichter noch Minuten nach Spielende im Gästeblock. Was für eine
Riesenchance hatte sich der FC Carl Zeiss hier selbst vergeben. Ob die
tadellose Moral der Mannschaft mit diesem erneuten Tiefschlag einen dauerhaften
Knacks wegbekommen hat, oder ob man sich am 70 Minuten lang wirklich tollen
eigenen Spiel aufbaut, wird die nächste Partie gegen Mainz zeigen. Nachdem der
Trainer, dessen vorgenommene und unterlassene Auswechslungen in Köln nicht
jedermanns Geschmack trafen, aus den vielen Neuzugängen mehr und mehr eine
Mannschaft zu formen scheint, ist in den kommenden Tagen in erster Linie der
Psychologe Frank Neubarth gefragt! <gunner>
FC Carl Zeiss Jena - FC St.Pauli 0:1
Tore: 0:1 Schnitzler (20.)
- Jena: Jensen; Kandelaki, Maul
(

, 40.),
Omodiagbe, Holzner; Kühne (67. Petersen), Hansen, Ziegner (46. Simak),
Müller; Werner, Torghelle (77. Helbig)
- St.Pauli: Borger; Gunesch, Eger, Morena, Rothenbach; Trojan (79. Bruns), Boll, Meggle, Takyi (

, 42.), Brunnemann (45. Braun); Schnitzler (64. Ludwig)
- Zuschauer: 12.129
- Schiedsrichter: Schalk (Augsburg)
- Spielbericht:
- [von Gastkommentator Ragnar Boedefeld]
Nach drei erfolgreichen Jahren in Folge und der Wiederholung eines
2:2-Auswärtserfolgs nach 0:2-Rückstand im ersten Saisonspiel war es wieder
einmal an der Zeit, dem Aberglauben zu frönen. Und so schreibt jetzt im vierten
Jahr in Folge ein- und derselbe Gastkommentator den ersten Heimspielbericht.
Angeblich soll einer aus dem Stammpersonal sogar geheiratet haben, damit er um
diesen Spielbericht drumrum kam...
Ähnlich wie im letzten Jahr (Braunschweig) war auch diesmal ein potentieller
Konkurrent im Abstiegskampf beim ersten Saisonheimspiel zu Gast.
Unvorhersehbare Auswärtsunentschieden sind gerne gesehen - doch wichtiger sind
die drei Heimpunkte aus diesen sogenannten "Sechs-Punkte-Spielen". Unbedingter
Siegeswillen war also Pflicht, und so harrte unsereiner gespannt, ob der
Trainer Neubarth dieses seinen Spielern verklickert hatte.
Er hatte - wenn man
die ersten zwanzig Minuten des Spiels als Maßstab nimmt. In dieser Zeit brachte
der FCC fünf gefährliche Situationen zustande, die in ihrer Vielfalt
überraschten. Ein Freistoß von Ziegner, der knapp neben das Tor ging, ein
gefährlicher Fernschuss von Kühne, dann einer von Werner, den Borger abprallen
ließ - Torghelle war einen Schritt zu spät. Kurze Zeit später war es umgekehrt:
Torghelle ließ zwei Gäste aussteigen und versuchte einen Schlenzer mit dem
linken Bein, Borger ließ wieder prallen - doch der Ball wollte einfach nicht
rein. Dann folgte noch ein gefährlicher Kühne-Kopfball. Von Pauli war bis dahin
nichts zu sehen, die besten Aktionen der Gäste hatte noch der Fanblock.
Plötzlich zack-zack, ein Querpass, einer in die Spitze - und Schnitzler kann
frei vor Jensen einschieben. Ausgerechnet Pauli, das seinerseits letzte Woche
gegen Köln reihenweise vor dem Tor versagt hatte, machte mit seinem ersten
zusammenhängenden Spielzug das 0:1. Nur kurz danach wäre beinahe das 0:2
gefallen, der Ball ging links unten knapp vorbei. Beim FCC war jetzt ein Knacks
im Spiel, keiner lief richtig und elementare Dinge wie flache Anspiele und
Ballannahmen aus der Luft misslangen. Eine Viertelstunde lang war einmal mehr
der Fluch der ersten Saisonspiele zu ertragen: eine bunt zusammengekaufte
Mannschaft (gleichwohl mit Niveau) ist noch nicht wirklich eine Truppe, wirkt
verunsichert und ängstlich in einem ihr häufig noch fremden Heim-Umfeld, das
wegen des Rückstandes nicht erbaut ist. Bad Vibes... warum nur?
Individuelle Klasse hat der Kader jedenfalls, wie man in der 35. Minute sehen
konnte. Kandelaki wurde auf links steil geschickt, passte flach nach innen, wo
Torghelle den Ball annehmen, kontrollieren und auf Ziegner zurücklegen konnte,
der leider links vorbeisemmelte. Das tat weh, ebenso der knapp verfehlte
Ziegner-Freistoß kurz vor der Pause, bei dem Borger keine Regung zeigte. Ab der
40. Minute spielte übrigens der FCC nur noch zu zehnt, Maul war geampelt worden.
Zwei Minuten später hatte auch Pauli einen weniger auf dem Platz, nachdem Takuy
wiederholt das Spiel verzögert hatte.
Und dann kam der Abschnitt des Spiels, den ich nicht begreife. Freilich kann man
nicht 90 Minuten lang höchstes Tempo gehen, sicherlich muss man zwischendurch
auch mal verschnaufen. Aber wieso kann man nach einer Halbzeitpause voller
Regeneration nicht genau dort weitermachen, wo man vor der Pause aufgehört hat
- nämlich Druck auf den zeitweilig überforderten Gegner auszuüben? Pauli war
mit der Pause eigentlich sturmreif, wurde dann aber bis zur 70. Minute durch
einfache Fehler und mangelhaftes Laufspiel wieder aufgebaut. Wenn nur alle in
der zweiten Halbzeit so gerannt wären wie der Holzner...
Erst in der
Schlussviertelstunde wurde Pauli wieder in der eigenen Hälfte eingeschnürt.
Auffällig war dabei Jan Simak, der die Bälle jetzt schön verteilte und auch
selbst gefährlich wurde. Es ergaben sich Chancen im Minutentakt, fast jeder
durfte mal ran. Leider ging alles daneben (Torghelle 74., Petersen 78. und 86.,
Werner 83.), an den Pfosten (Petersen 74.) oder wurde von Borger entschärft
(Kopfball von Helbig 83.). Dann war Schluss und die erste Heimniederlage in der
neuen Saison Tatsache.
Trotz dieser Niederlage bleibt ein besseres Gefühl als im letzten Jahr nach dem
0:0 gegen Braunschweig, weil der FCC seinen Gegner diesmal spielerisch
beherrschte, obwohl die Hälfte der Neuzugänge noch auf der Bank saß bzw.
verletzt war. Heuer steht auch nicht zu befürchten, dass das Potential des
Clubs einbricht, sollten Spieler wie Ziegner und Helbig eine ganze Saison lang
verletzt ausfallen - der Kader ist wesentlich breiter und auch besser geworden.
Wie sagte Gästetrainer Trulsen in der Pressekonferenz: "Es wird für jede
Mannschaft schwer, in Jena zu punkten." Allerdings nur, wenn die Dinger vorne
auch jemand reinmacht!
Alemannia Aachen - FC Carl Zeiss Jena 2:2
Tore: 1:0 Vukovic (1.), 2:0 Nemeth (6.), 2:1 Maul (28.), 2:2 Petersen
(76.)
- Aachen: Nicht; Stehle, Klitzpera, Vukovic (33. Casper), Weigelt;
Lehmann, Polenz (75. Leiwakabessy), Reghecampf, Nemeth, Pecka (81. Milchraum),
Ebbers
- Jena: Jensen; Kandelaki, Maul, Omodiagbe, Holzner; Kühne,
Müller (72. Petersen), Hansen, Ziegner (72. Fröhlich), Simak
(58. Stegmayer); Werner
- Zuschauer: 19.986
- Schiedsrichter: Aytekin
- Spielbericht:
- Wenn ein Verein aus der Bundesliga kommend zuhause auf den
Zweitliga-Dreizehnten des Vorjahres trofft, ist die Favoritenrolle am 1.
Spieltag klar gegeben. Dass sich der Webmaster aus Aachen bei der
Live-Ticker-Ankündigung aber gleich für ein fingierte 5:2-Vorhersage entschied, kam
uns vor dem Spiel doch etwas übertrieben vor.
Nach sechs Minuten Spielzeit schien allerdings nichts mehr
unmöglich. Zwei Gegentore hatte sich der FC Carl Zeiss zu diesem Zeitpunkt
schon eingefangen, das Erste nach 50 Sekunden ! Einen Freistoß-Ball von
Reghecampf verlängerte Vukovic per Kopf unhaltbar ins Jenaer Gehäuse. Robert
Müller war zwar mit hochgestiegen, hatte aber das Nachsehen. Keinen
Gegenspieler besaß Nemeth nach 5:30 min. Omodiagbe hatte die Abseitsfalle
aufgehoben.
0:2 - Mann oh Mann, welch ein Fehlstart in die insgesamt achte
Zweitligasaison des FCC ! Nachdem der erste Schock verdaut war, erinnerte man
sich als Auswärtsfahrer an den 1. Spieltag der Vorsaison, als Jena in Offenbach
ebenfalls mit zwei Toren hinten gelegen hatte, sich aber noch zum Remis
kämpfte. Sollte dies erneut möglich sein ? Hier, auf dem berühmten Aachener
Tivoli ? Nicht das Stadion selbst macht den Reiz aus, in vielen Dingen erinnert
es an die alte Heimstätte des FC Sachsen Leipzig. Nein, es ist die Atmosphäre,
bei der das Dabeisein einfach Spaß macht, weil die Stimmung enthustiastisch,
aber nicht aggressiv ist und häufig von drei Seiten gleichzeitig gepuscht wird.
Es sah noch immer nicht gut aus. Nach 25 Minuten war kein einziger
gefährlicher Ball auf das vom Ex-Jenaer Kristian Nicht gehütete Aachen-Gehäuse
abgegeben worden. Stattdessen musste Gegenüber Kasper Jensen beim
Aachener Konter die fehlende Innenverteidigung ersetzen und zehn Meter vor
seinem Strafraum per Kopf klären. Dann die 28. Minute. Ziegner aus einer
Spielertraube heraus auf Hansen, Flachschuss aus 15 Metern, Torwart Nicht pariert auf
Kosten einer Ecke. Das war sie, die erste Jenaer Gelegenheit im Punktspieljahr
2007/2008. Eine Ansage „Wir sind auch da“. Den anschließenden Eckball
erwischt Stefan Kühne am langen Pfosten, köpft ihn zur Torlinie, wo Alexander
Maul steht und unter Bedrängnis einköpft. Der Anschlusstreffer noch vor der
Pause. Wie damals in Offenbach. Hoffnung bei uns. Ein aus allen Wolken fallen
bei den Alemannen. Zu deutlich hatten sie die Anfangsphase dominiert,
zu leicht ihre Tore gemacht gegen einen in
dieser Phase unsortierten und harmlosen Gegner. Nun kämpften sich die
Neubarth-Schützlinge in das Spiel hinein. Nur vier Minuten nach dem
Anschlusstreffer spielte Simak einen ähnlich genialen Pass wie im Pokal eine Woche zuvor
auf Werner, der hatte gegen den heranstürmenden Nicht die Idee eines
Hebers – nur leider fiel dieser zu hoch aus. Eine Partie mit umgekehrten
Vorzeichen – jetzt spielte Jena Fußball. Wäre Kühne in der 43. Minute nicht
selbst überrascht gewesen über eine sich bietende Kopfballchance, es hätte noch
vor der Pause Unentschieden gestanden. Der Offenbacher Regievorlage hätte dies
freilich nicht entsprochen.
Mit ein bisschen Magengrummeln empfingen wir unsere Mannen
aus der Kabine. Nur nicht wieder solch eine Schlafwagen-Einlage wie zu Beginn.
Doch die Sorgen erwiesen sich als unbegründet. Lediglich Keeper Jensen sorgte
für erhöhte Herzfrequenz in Minute 51, als er bei zwei heranstürmenden
Gegenspielern den Ball nicht einfach wegschlug, sondern ihn kalt wie
Hundeschnauze behauptete. Außerdem Holzner, der am eigenen Strafraum den Ball
vertändelte und von Glück sagen kann, dass die Abseitsfahne nach oben
schnellte, da ansonsten eine 3 gegen 1-Überzahlsituation für die Westdeutschen
entstanden wäre.
Die Leistungssteigerung der Jenaer Elf lässt sich treffend am Bild festmachen, dass Ilia Kandelaki in den ersten neunzig Minuten
für seinen Verein abgab. Nach Stegmayers gutem Pokalauftritt war er für mancheinen
überraschend in die Startelf gerückt. Die etwas defensivere Variante schien
anfangs nach hinten loszugehen, weil der Georgier einige Male Unsicherheiten
auf seiner linken Seite offenbarte. Doch nach der Pause fand Kandelaki zu sich selbst,
seinen Mannschaftskameraden und ins Spiel. Wobei Stegmayer später noch eingewechselt wurde,
ebenso wie Fröhlich und Petersen. Die aus den Wechseln hervorgehenden
taktischen Umstellungen waren riskant, besonders der Austausch des defensiven
Müller gegen den stürmenden Petersen. Das Risiko sollte sich aber bezahlt machen. Denn
Nils Peteresen war gerade drei Minuten im Spiel, da verlängerte er einen Ball
von Kühne ins Tor. Wahnsinn ! Ausgerechnet Jenas Jüngster schafft den
Ausgleich. Klar hat der in Junioren-Länderspielen schon gegen
U19-Nationalmannschaften getroffen, doch ein solche wichtiger Treffer „bei den
Großen“ ist dann doch etwas Besonderes. Wäre der Bursche in Minute 79 doch noch
einmal etwas kaltblütiger gewesen, er hätte den FCC gar zum Sieg geschossen.
Nach einer Unsicherheit seines Gegenspielers verzog Petersen jedoch
deutlich.
Remember OFC – aus einem 0:2 ein 2:2 gemacht und dem Sieg
sehr nahe gekommen. Auch Kandelakis
Flanke fünf Minuten vor Schluss brachte Gefahr, neutralisierte sich aber mit
Reghecampfs Hereingabe in Minute 88. Beide Male fehlte ein Abnehmer im
Sturmzentrum.
Das Unentschieden feierten die Jenaer wie einen Sieg,
während die Gastgeber ziemlich konsterniert das Stadion verließen. Auch dieses
Bild hatten wir vor einem Jahr schon einmal. Neu ist die Serie, in der sich die
Jenaer Mannschaft befindet. Unter Frank Neubarth bleibt sie in Pflichtspielen
weiterhin unbesiegt. <fc>
Bilder von der ersten Partie
Spielbericht auf alemannia-aachen.de
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Die Jenaer begannen auch gleich wie die Feuerwehr und bereits nach 20 Sekunden sah Herzig die erste gelbe Karte im Spiel, da er den aufs Tor stürmende Schied nur durch Foulspiel bremsen konnte. Gut eine Minuten später fast schon das 1:0 für die Platzherren, doch ein gefährlich abgefälschter Freistoss mit anschließendem Torschuss von Schied wurde wegen Abseitsposition abgepfiffen. Aber leider war es das erst einmal mit den Jenaer Angriffbemühungen, denn die Aachener stellten sich im besser auf das Jenaer Spiel ein und setzten frühzeitiger nach. Dadurch verflachte die Partie zunehmend und beide Teams neutralisierten sich weitgehend im Mittelfeld, ohne sich dabei nennenswerte Chancen zu erspielen. So dauerte es bis zur 17. Minute, als der Jenaer Anhang zum ersten Mal jubeln durfte. Ein von Simak getretener Eckball wurde zunächst per Kopf geklärt, Amrhein nahm den abprallenden auf, schoss erneut auf das Tor und in der Mitte stand Werner goldrichtig und fälschte per Kopfball zur 1:0 Führung ab. Doch leider konnten die Jenaer dieses Stimmungshoch nicht weiter nutzen, denn sie führten erst zum zweiten Mal in dieser Saison auf eigenem Platz, sondern sie ließen die Aachener wieder ins Spiel kommen. Nach gut einer halben Stunde nutzten diese ihre erste gute Möglichkeit eiskalt und Reghecampf traf mit einem herrlichen Kopfball aus 11m zum Ausgleich. Kurz vor der Pause sogar noch fast die Führung für die Gäste, doch Jenas neuer Keeper Khamutouski konnte den Schuss von Krontiris gerade noch parieren.
Die Aachen kamen zielstrebiger aus der Kabine und hatten bereits in der 51. Minute erneut eine dicke Möglichkeit zur Führung, aber Ebbers konnte in bester Position mit seinem Kopfball aus Nahdistanz den Jenaer Schlussmann nicht überwinden. Nun zogen die Gäste ihr Spiel auf und beherrschten das Mittelfeld mühelos. Die Jenaer wirkten dagegen zunehmend verunsichert und versuchten es mit langen Bällen nach vorn, die aber allesamt keinen Abnehmer fanden. Trainer Henning Bürger brachte Torghelle ins Spiel und erhoffte sich noch einmal einen Schub nach vorn. Und es dauerte auch nur wenige Augenblicke und da hatte sich die Einwechslung bereits ausgezahlt. Simak hatte erneut einen Eckball getreten, den Torghelle per Kopf genau vor das Tor verlängerte, wo Marcel Schied goldrichtig stand und den Ball aus wenigen Zentimetern nur über die Linie drücken musste. Hoffnung auf den wichtigen Dreier keimte wieder auf, aber leider konnten die Jenaer auch in dieser Phase den Schub nicht nutzen. Nur fünf Minuten später musste Khamutouski, der mit Abstand beste Spieler des FCC an diesem Tage, Kopf und Kragen riskieren, um den erneuten Ausgleich zu verhindern. Aber zwei Minuten später war auch er machtlos, als Lehmann aus wenigen Metern mit einem schönen Schuss zum Ausgleich traf. Die Thüringen wirkten in ihren Aktionen immer konfuser und man mochte gar nicht glauben, dass fast genau dieses Team nur wenige Tage zuvor die Arminen aus Bielefeld in einer packenden Partie aus dem DFB-Pokal geworfen hatten. Als wenn die zwei Gegentore nach zweimaliger Führung nicht schon schlimm genug wären - es sollte heute noch dicker kommen. Lehmann hatte sich in der 82. Minute im Mittelkreis das Leder geschnappt und konnte ungehindert bis kurz vor den Strafraum spazieren, wo er Krontiris mit einem Pass genau in den Lauf bediente, der sich diese Chance nicht entgehen ließ und zur Gästeführung einschoss. Der FCC versuchte in der Folgezeit noch einmal alles und wurde eine Minute vor Ultimo auch fast noch belohnt, doch zum Pech der Saalestädter krachte einer herrlicher Schuss von Simak nur an das Lattenkreuz.
Wenig später war die Partie zu Ende und erneut konnte der FCC nach einem packenden und auch erfolgreichen DFB-Pokalsieg den Schwung und die Euphorie nicht ins anschließende Punktspiel hinüberretten, um endlich auch hier einen wichtigen Sieg erringen zu können.<vg>
- Jena: Kraus; Stegmayer, Omodiagbe, Maul, Oniani; Werner, Müller (46. Kühne), Simak, Charalambides; Helbig (65. Fröhlich), Torghelle (76. Petersen)
- Augsburg: Neuhaus; Wenzel, Benschneider, Hertzsch, Möhrle; Müller, Hdiouad, da Costa, Kern; Diabang (90.Hlinka), Ledezma (74.Luz),
- Zuschauer: 8453
- Schiedsrichter: Lupp (Zossen)
- Spielbericht:
- Augsburg: Neuhaus; Wenzel, Benschneider, Hertzsch, Möhrle; Müller, Hdiouad, da Costa, Kern; Diabang (90.Hlinka), Ledezma (74.Luz),
- Nach den Siegen in den letzten beiden Partien war es heute für die Kicker des FC Carl Zeiss Jena immens wichtig, auch das letzte Heimspiel der
Hin-Serie positiv zu gestalten und mit einem Sieg gegen den FC Augsburg das Kalenderjahr noch ein wenig freundlicher zu beenden.
Die Platzherren hatten sich auch wirklich viel vorgenommen, denn sie begannen gleich elanvoll und drückten die Bayern in deren Hälfte. Nach acht Minuten die erste gute Chance für die Jenaer, doch Helbig bekam freistehend den Ball im Strafraum nicht richtig unter Kontrolle und er landete beim Tormann. Sekunden später erneut eine gute Möglichkeit durch einen Freistoß von Simak, aber Maul berührte noch den Ball und fälschte ihn so ab, dass er über das Tor abgelenkt wurde. Erneut Simak war es, der für eine weitere gute Aktion (19.) der Jenaer sorgte. Auf der linken Seite düpierte er erst einen Gegenspieler mit einer Körperfinte, stürmte weiter und drang in den Strafraum ein. Den zweiten Abwehrspieler umkurvte er und spielte anschließend noch Doppelpass mit Charalambidis, doch als er aufs Tor schießen wollte, stand erneut ein Augsburger vor seiner Nase, so dass diese geniale Einzelaktion ohne Krönung blieb. Es lief bereits die 25.Minute und von den Gästen war noch nichts zu sehen gewesen. Aber das sollte sich leider schnell ändern. Zunächst scheiterte da Costa mit seinem Freistoß aus gut 22m an Kraus. Doch beim anschließenden Eckball stand er völlig frei und konnte so ungehindert die Führung für die Augsburger erzielen. Die Jenaer steckten nicht auf und nach 34 Minuten prüfte Werner mit einem schönen Schuss Gästekeeper Neuhaus, der zur Ecke klären konnte. Ein langer Ball der Gäste wurde per Kopfball noch einmal verlängert, so dass Ledezma das Leder genau in den Lauf gespielt bekam. Das 1:1-Duell gegen Maul entschied er für sich, zog aus halbrechter Position ab und der Ball landete im langen Toreck und es stand nach 38 Minuten 0:2 aus Jenaer Sicht. Da hatten sich die Jenaer Spieler für das heutige Spiel so viel vorgenommen, spielten phasenweise mal wieder richtig schönen Fußball und die Augsburger, von denen kaum etwas zu sehen war, führten mit 2:0. Unglaublich. Kurz vor der Pause noch einmal ein gefährlicher Freistoß des FCC in den Strafraum, aber ein Abwehrspieler konnte per Kopf zu Ecke klären.
Nach der Pause begannen die Spieler des FCC ihre Aufholjagd und setzten die Augsburger unter Druck. Neuhaus im Tor der Gäste mit seiner einzigen Unsicherheit am heutigen Tage, als er einen Schuss von Werner (49.) erst im zweiten Versuch festhalten konnte. Aber nun ging es Schlag auf Schlag und die Jenaer drängten auf den Anschlusstreffer. Nach einem Eckball Getümmel im Augsburger Strafraum und der Ball kam zu Helbig, der sofort abzog, aber an den Fingerspitzen von Neuhaus scheiterte, wie auch kurz darauf mit einem Schuss aus spitzem Winkel (53.). Dann war es Simak, der nach einem Konter mit seinem Schuss aus 20m nur um Zentimeter das Tor verfehlte. Wenig später legte Torghelle auf Charalambis ab, dessen Schuss Neuhaus mit den Fingerspitzen noch berührte, der Ball rollte Richtung Torlinie, doch ein Augsburger konnte den Ball gerade noch vor der Linie wegschlagen. In der 76. Minute schickte Jenas Trainer Ivanauskas seinen Edeljoker Nils Peterson auf das Feld, der bereits in den letzten beiden Partien jeweils mit seinem Tor zum Matchwinner der Spiele geworden war. Nur drei Minuten waren vergangen, da flankte Charalambidis hoch in den Strafraum, Peterson stieg am höchsten und traf per Kopf zum 1:2. Großer Jubel auf den Rängen und nun dachte ein jeder, dass wenigsten ein Unentschieden am heutigen Tag noch möglich sei. Aber es waren die Gäste, die näher am Torerfolg waren, denn Diabang stürmte in der 81.Minute allein auf Torwart Kraus zu, wollte diesen umspielen und legte sich den Ball dabei zu weit vor, so dass ein Verteidiger gerade noch klären konnte. Die Zeit lief den Platzherren davon und fast hätte Luz fünf Minuten vor Ultimo den Jenaern das endgültige K.O. versetzt, doch sein Ball zischt um Haaresbreite am Pfosten vorbei. Die zwei Minuten Nachspiel liefen bereits, als Simak mit einem herrlichen Schuss das nun kaum noch geglaubte Unentschieden erzielen wollte, aber der am heutigen Tage überragend haltende Torwart Neuhaus hatte etwas dagegen und konnte mit einer hervorragenden Parade den Ball mit den Fingerspitzen noch über das Tor lenken. Wenig später pfiff Schieri Lupp die Partie ab und erneut eine Heimniederlage stand zu Buche.
Kopfschütteln auf den Rängen. Da hatten die Kicker des FCC in den letzten Partien spielerisch völlig versagt und erkämpften sich zwei Siege und ein Remis, und am heutigen Tage hatte man endlich mal wieder phasenweise richtig guten Fußball gespielt, war die gesamte Partie überlegen und heraus gesprungen ist erneut eine ganz bittere Niederlage. Nun heißt es regenerieren und das letzte Spiel schnell vergessen, damit im neuen Jahr die Aufholjagd fortgesetzt werden kann. <vg>
1. FC Kaiserslautern - FC Carl Zeiss Jena 2:3
Tore: 1:0 Jendrisek (19.), 2:0 Simpson (47.), 2:1 Torghelle (61.), 2:2 Omodiagbe (73.), 2:3 Petersen (80.)
- Kaiserslautern: Sippel; Bellinghausen, Schönheim (83. Opara), Beda, Müllerr; Denai, Broniszewski, Simpson, Reinert (67. Neubauer); Jendrisek, Runström (71. Ziemer)
- Jena: Kraus; Stegmayer, Omodiagbe, Maul, Oniani; Kandelaki (69. Petersen), Kühne (46. Müller), Ziegner (25. Simak), Charalambides; Werner, Torghelle
- Zuschauer: 24.517
- Schiedsrichter: Hartmann (Augsburg)
- Spielbericht:
- Fußball
ist ein seltsamer Sport. Da spielt der FC Carl Zeiss Jena über weite Strecken
der Hinrunde gerade auswärts tollen Fußball, ohne daraus auch Kapital in Form
von Punkten zu ziehen. Und dann liefert er drei wahrhaft schlechte Spiele in
Folge ab mit dem Resultat, daraus mehr Zähler zu holen als in den 13
vorangegangenen Begegnungen zusammen. Die Gemeinsamkeit der drei Spiele gegen
Osnabrück, Aue und nun Kaiserslautern bestand darin, dass sich all diese Gegner
nach Spielende vor Wut in den Allerwertesten beißen mussten darüber, einem
bereits klinisch toten FCC nicht mit etwas mehr Entschlossenheit den
endgültigen Knockout versetzt zu haben. Der Unterschied: Jenas erster
Auswärtssieg in Kaiserslautern war nicht ansatzweise verdient.
Valdas Ivanauskas behielt sein Bäumchen-wechsle-dich-Spiel in Sachen Aufstellung bei.
Der gegen Aue indisponierte Tapalovic stand nicht einmal im Kader und Helbig
fand sich neben dem angeschlagenen Simak auf der Bank wieder. Stattdessen
Oniani von Beginn an in der Viererkette, und vorn stürmten Torghelle und nach
seiner abgesessenen Gelbsperre auch wieder Tobias Werner Seite an Seite. Beide
waren es auch, die im Zusammenspiel die ersten Duftmarken setzten. Nach drei
Minuten nimmt Torghelle einen Zauberpass Werners auf, lässt sich aber von
Bellinghausen im Strafraum abdrängen und hofft zu Recht vergeblich auf einen
Elfmeterpfiff, eine Viertelstunde später segelt der Ungar nur haarscharf an
einer Werner-Freistoßhereingabe vorbei. Jena war das aktivere Team und die
Gastgeber schienen doch etwas überrascht davon, dass sich der Tabellenletzte
keineswegs nur hinten rein stellte, sondern das Spiel mehr und mehr an sich
riss. Riss ist das richtige Stichwort, denn das Bersten von Jenas Spielfaden
ließ sich selten so punktgenau datieren wie in diesem Spiel. 19. Minute, ein
schwacher Freistoß Torsten Ziegners gelangt zum Ausführenden zurück, dessen
kapitalen Stockfehler an der Mittellinie Josh Simpson – zuvor schon durch eine
nicht geahndete Tätlichkeit gegen Stegmayer auffällig – ausnutzt und gemeinsam
mit zwei Teamkameraden allein auf Daniel Kraus und Stegmayer zuläuft. Auch wenn
die Lauterer dies schlampig ausspielen, der Ball zappelt im Netz und Jenas Anhänger
erleben ihr ewiges Deja vu aus der Abteilung „Wie besorge ich es mir selbst“.
Was sich in den folgenden Minuten auf dem Rasen abspielte, lässt sich aus
Thüringer Sicht nur mit erbärmlich, hilflos, hoffnungslos umschreiben. Die
Zeiss-Elf geschockt, während die Betzebuben sich nun fast im Minutentakt Chance
um Chance erspielten. Oniani klärt gefährliche Freistoßflanke (21.), Kraus
pariert Jendrisek-Schuß (23.), Broniszewski knapp neben das Tor (24.),
Runströms Heber landet auf der Latte (25.), Maul klärt Jendrisek-Schuß für den
geschlagenen Kraus auf der Linie (30.), Kraus rettet todesmutig gegen den
heranstürmenden Runström (35.), Lautern drückte und Jena schwamm, frei von
jeglicher Ordnung, frei von jeglichem Selbstbewusstsein. Dass mitten in diese
Phase die Herausnahme des Kapitäns fiel, ist zwar eine bemerkenswerte
Personalie, Einfluß auf das Geschehen auf dem Platz hatte sie nicht, denn auch
Jan Simak fügte sich nahtlos in die desaströse Vorstellung der Jenaer Elf ein.
Und just als man sich noch sagte, dass der Spielstand zur herannahenden
Halbzeitpause noch das Beste der ersten 45 Minuten sei, hatte auch dieser
keinen Bestand mehr. Hauptprotagonist diesmal Daniel Kraus, der erst einen fast
gefangenen Eckball wieder prallen ließ und bei der anschließenden Flanke
danebengriff, so dass sich Josh Simpson mit dem 2:0 bedankte und für
Endzeitstimmung bei 2.000 Jenensern im Gästeblock sorgte.
Die löste sich auch nicht mit Wiederanpfiff, als die Hereinnahme Robert Müllers für
den noch zu den Besseren gehörenden Stefan Kühne wohl nur von den Wenigsten als
Startsignal zu Jenas Aufholjagd verstanden wurde. Und so setzte sich das
planlose Vorpausenspiel nahtlos fort, kapitale Abwehrschnitzer (Oniani, Maul)
ermöglichten Broniszewski und Jendrisek beste Einschußchancen zur
Resultatserhöhung, während der FC Carl Zeiss im Offensivspiel schlicht nicht
existent war. Ähnlich wie die Pfälzer also anfangs der ersten Halbzeit und so
wollte es das Schicksal, dass auch diesmal ein unfassbarer Bock des Gegners den
Weg zum Tor bereitet. Lauterns Innenverteidiger Mathieu Beda wird des nächtens
wohl von jener Szene in der 61. Spielminute träumen, als er plötzlich völlig
unmotiviert und in der irrigen Annahme, sein Torhüter käme ihm entgegen,
Torghelle das Leder herschenkt. Der Ungar schlägt die Einladung nicht aus,
schlenzt gekonnt über Keeper Sippel ins Netz und Jena ist zurück im Spiel, ohne
eigentlich zu wissen, warum. Vier Minuten später schien dann alles wieder in
gewohnte Bahnen zu laufen, als sich der von seinen Vorderleuten erneut im Stich
gelassene Kraus im Strafraum nur mit einem plumpen Foul an Sven Müller zu
helfen weiß, Elfmeter. Ob man auf diesen Elfer später als den Knackpunkt
unserer Saison zurückblicken wird? Kraus springt in die richtige Ecke, hält,
der Nachschuß landet am Pfosten, alles Glück dieser Welt scheint in diesem
Moment auf jenen wenigen Quadradmetern Rasen vereint zu sein. Und endlich
begreifen auch die Blau-gelb-weißen dies als Wachrüttler, zückt Ivanauskas mit
Nils Petersen seinen ultimativen Joker und nimmt dafür Ilja Kandelaki aus der
Begegnung, wobei der Gang des Georgiers vom Feld seine aufsehenerregendste
Szene nach 69 Minuten Alibifußball darstellte, sieht man einmal von einer Flut
an Fehlpässen ab. Werner rückte für Petersen nun ins linke Mittelfeld zurück
und prompt setzte man den Gastgebern zu, übte Druck aus, setzte Nadelstiche.
Und einer davon saß: Simaks Ecke wird zu kurz geklärt, Werners Knaller pariert
Sippel, aber gegen den erneuten Nachschuß Omodiagbes ist auch er machtlos. 2:2,
unfassbar. Unfassbar auch, dass Jena nun nachsetzte, Lautern spürbar wankte und
seinerseits völlig den Faden verlor. Werners Schußversuch konnten sie noch ins
Toraus abfälschen (76.), Simak verzog im Strafraum knapp (79.) und dennoch
hätte es im Gegenzug beinahe bei Daniel Kraus geklingelt, doch der
eingewechselte Ziemer agiert freistehend zu umständlich. Der erneute Gegenzug,
die Roten Teufel bekommen das Leder nicht aus der Gefahrenzone, Simak zu
Torghelle, Torghelle zu Simak, Simak mit einem Anflug von Genialität
millimetergenau auf Petersen und was ist das für ein Wahnsinnsjunge, den Ball
furztrocken volley ins entlegene Eck zu katapultieren? Das Spiel war gedreht
und Jenas Youngster hätte gar noch einen draufsetzen können, als er sich nach
86 Minuten in den Strafraum dribbelt, aber zu Torghelle zurücklegt, der aus fünf
Metern über den leeren Kasten zieht. Lautern riskierte nun alles, hohe
Verzweiflungsbälle in den Jenaer Strafraum wechselten sich mit
kreuzgefährlichen FCC-Kontern ab, mit denen ebenso fahrlässig umgegangen wurde,
wie der mehrfache Deutsche Meister das in Halbzeit eins vorgemacht hatte. Dass
sich dies nicht noch rächte, verdankte man Lauterns Jendrisek, dessen Kopfball
in der 92. Minute knapp das Ziel verfehlte.
Dann war Schluß, fassungsloser
Jubel im Gästeblock, binnen 30 verrückten Minuten war aus „Wir woll’n euch
kämpfen seh’n“ ein „Wir woll’n die Mannschaft seh’n“ geworden, aus „Wir ham’
die Schnauze voll“ ein „Oh wie ist das schön“. Und nachdem der Puls erst einmal
etwas herunter gefahren war, da war sie wieder, die Parallele zu den beiden
vorangegangenen Spielen, jene brennende Frage: Abgesehen von der Freude über
die in den Schlussminuten eingefahrenen Punkte, von der Hoffnung auf einen
psychologischen Schub für’s nächste Match: Was soll einem aus der gebotenen
Leistung heraus Hoffnung für den Klassenerhalt geben? Sicherlich nicht viel,
doch wenn dieser glückliche Auswärtssieg eines war, dann Balsam auf die Wunde
der so vielen unnötig verschenkten Punkte im Verlaufe der letzten vier Monate.
Fußballfans sind die größten Philosophen, und wer wollte meinem Bruder
widersprechen in seinem Fazit: „Wir ham’s zwar nicht verdient, aber das ham’wer
uns mal verdient“. Auf die Hoffnung! <gunner>
FC Carl Zeiss Jena - FC Erzgebirge Aue 2:1
Tore: 0:1 Emmerich (8./FE), 1:1 Petersen (74.), 2:1 Simak (89./FE)
- Jena: Kraus; Stegmayer, Omodiagbe, Oniani, Tapalovic (41. Maul);
Kandelaki, Kühne, Ziegner (57. Torghelle), Simak, Charalmabides;
Helbig (72. Petersen)
- Aue: Keller; Trehkopf, Kos, Loose, Sträßer; Liebers,
Emmerich (76. Kurth), Curri (80. Geißler), Feldhahn; Sykora, Klinka
(76. Kaufman)
- Zuschauer: 9587
- Schiedsrichter: Gagelmann (Bremen)
- Spielbericht:
- Die ersten Überraschungen gab es beim Blick in die
Aufstellung. Ziegner verblieb trotz Simaks Rückkehr in der Startelf. Maul ein
weiteres Mal draußen. Doch die meisten Fragezeichen ergaben sich mit Blick auf
den Einmannsturm. Angesichts der Tabellensituation in einem Heimspiel nur mit
Helbig zu beginnen und Jenas besten Schützen Torghelle draußen zu lassen,
weckte jede Menge Unverständnis. Sollte der Ungar für seine übermotivierte
Spielweise in Osnabrück nachträglich noch bestraft werden ? Ist Motivation in
unserer Situation nicht wertvoll genug, um zu versuchen, sie in geordnete
Bahnen zu lenken ?
Das Ostderby gegen Erzgebirge Aue war nüchtern betrachtet
schon fast die letzte Gelegenheit, sich die Hoffnungen auf den Klassenerhalt
bewahren zu können. Deshalb wirkte der erneute frühzeitige Rückstand wie ein
Schlag in die Magengrube. Tapalovics Foul im Strafraum war nichts Grobes. Eines
von der Sorte, wo im Mittelfeld kurz Freistoß gepfiffen wird und das Spiel
gleich weiterläuft. Aber es passierte nun mal nicht im Mittelfeld, sondern im
eigenen Sechzehner und somit geht der Elfmeterpfiff in Ordnung. Emmerich
verwandelte sicher. In den diesjährigen Meisterschaftsspielen war es Jena noch
nicht gelungen, ein 0:1 in einen Sieg umzuwandeln. Und so ängstlich, wie es in
der Folgezeit zu Werke ging, schien daraus auch diesmal nichts zu werden.
Symptomatisch für die allgemeine Verunsicherung war die Szene, in der Oniani
unbedrängt den Ball am eigenen Keeper vorbei ins Toraus schob. Am meisten in
Erscheinung trat anfangs das promblemlos amtierende Schiedsrichter-Gespann, das in regelmäßigen
Abständen von acht Minuten seinen Auftritt hatte: Strafstoßpfiff in der 8.
Minute, Gelbe Garte für Stegmayer in der 16., Abseitsfahne beim Kopfballtor
Sykoras in der 24. Erst in Minute 25 ergab sich mal eine Tormöglichkeit für die
Thüringer, welche Ilia Kandelaki jedoch kläglich vergab: Drei Meter vor dem Tor
stehend köpfte er einen Flankenball um zehn Meter am Kasten vorbei ! Schlimmer
noch: Es sollte die einzige echte Chance in Halbzeit eins bleiben für den FC
Carl Zeiss, auch weil sich Alleinunterhalter Helbig zumeist von mehreren
Gegenspielern umringt sah und wie befürchtet damit auf verlorenem Posten
stand. Während Charalambides auf seiner lila-verwaisten Seite ein ums andere
Mal vergeblich auf sich aufmerksam zu machen versuchte, sorgte ein simpler
Fehler Kandelakis in der Ballannahme auf der anderen Seite für erste
Unmutsäußerungen von den Rängen. Fünf Minuten vor der Pause unterlief
Elfmetersünder Tapalovic ein Ballverlust, den Sykora nicht zu nutzen wusste,
jedoch Valdas Ivanauskas auf die Palme brachte. Noch vor dem Seitenwechsel nahm
er Tapalovic vom Feld, um dafür Alexander Maul ins Abwehrzentrum zu beordern.
Dieser berichtete hinterher, dass die Spieler in der Kabine
einiges zu hören bekommen und sich danach gesagt hätten: „Das Match drehen wir
heute“. Ganz ehrlich, lieber Alexander, lange Zeit sah euer Spiel in der
zweiten Hälfte kein bisschen besser aus als in der Ersten. So war in Minute 67
nicht nur aus dem Ball die Luft heraus, sondern anscheinend auch aus dem Spiel.
Das Schlimme an der Situation war, dass die auswärtsschwachen Auer keinen Deut
stärker spielten, aber scheinbar sicher in Führung lagen. Weil in diesem Spiel eben
einfach nichts passierte. Doch siehe da, mit neuem Spielgerät und zwei frischen
Stürmern kam die Wende. Nils Petersen war gerade zwei Minuten im Spiel, als er
eine Rechtsflanke von Charalambides erwischte und zum Ausgleich in die Maschen köpfte. „Ich habe
den Ball fliegen sehen und gedacht, da musst du hin“, schilderte der Youngster
das 1:1 aus seiner Sicht. Nun ging noch mal ein Ruck durch die Mannschaft, das
Spiel wurde schneller, doch auch die Zeit rannte davon. Kühnes Schuss landete
in Kellers Armen (81.). Doch mit dem Schuss von Maul hatte der
Auer Torwart größere Problem, musste das Leder prallen lassen. Torghelle wollte
abstauben und wurde durch Kos gefoult – Elfmeter ! In der vorletzten Spielminute ! Jan
Simak hielt dem immensen Druck stand, indem er scharf oben links verwandelte.
Petersen hatte den Ausgleich erzielt, Maul den vorentscheidenden Schuss abgegeben,
Torghelle den Elfmeter herausgeholt - mit seinen Einwechslungen lag Ivanauskas
immerhin wieder richtig. Der einzig wahre Held hieß dabei natürlich
Nils Petersen !
Eben noch auf dem Abstellgleis und nun das. Nach langer Pause wieder in die
Erste berufen, auf Anhieb einen Treffer erzielt,
zum Tor der Woche nominiert und in die U20-Nationalmannschaft berufen. Mehr
geht nicht in sieben Tagen. Ein Zeiss-Talent startet durch. Es wäre so wichtig,
würden sich seine Mannschaftskameraden davon anstecken lassen.
Denn eines muss klar sein: „Beide Halbzeiten zusammen
betrachtet war das nicht ausreichend für die zweite Liga“. Dieses Urteil hat
der Auer Spieler Marco Kurth über die Leistung seines Teams gefällt. Es gilt
wortwörtlich aber auch für die 90 Minuten des siegreichen FCC. <fc>
Bilder auf fcc.weissenburger.de
Spielbericht auf fc-erzgebirge.de
VfL Osnabrück - FC Carl Zeiss Jena 1:1
Tore: 1:0 Cichon (20., FE), 1:1 Werner (90.+2)
- Osnabrück: Gößling; Schäfer, Ndjeng,
Cichon, Thomik; Aziz (68. Nouri), Grieneisen (85. Manno), Heidrich, Schuon;
Hennings (89. Ehlers), Reichenberger
- Jena: Kraus; Stegmayer, Omodiagbe, Oniani, Günther
(

, 19.);
Kandelaki (85. Helbig), Kühne, Ziegner, Holzner (46. Charalambides);
Werner, Torghelle (37. Tapalovic)
- Zuschauer: 12.000
- Schiedsrichter: Kinhöfer (Herne)
- Spielbericht:
- (von Gastkommentator Thomas Neumann)
Das Osnabrücker Stadion an
der Bremer Brücke war Spielstätte des siebenten Auswärtsauftritts des FCC in
der Saison 2007/2008 und ich war wohl nicht der einzige Besucher, der die Parallelen
zum Spiel vor zwei Jahren sah. Nach einer Heimniederlage und eigentlich doch
recht ansprechenden Auswärtsauftritten in der Saison durfte man eigentlich
hoffen in Osnabrück zu punkten. Ähnlich
wie vor zwei Jahren, als der etatmäßige Spielmacher in der Regionalliga,
Torsten Ziegner, in Osnabrück fehlte, fiel diesmal Jan Simak aufgrund der 5. Gelben
Karte aus. Und das genau jener Torsten Ziegner nun diesmal den fehlenden Jan
Simak vertreten sollte, gab dem ganzen so eine besondere Note.
Aber um auch das nicht zu
vergessen, es gab auch einen Riesenunterschied zum Vergleich vor zwei Jahren:
Der FCC reiste dazumal als Tabellensiebenter zum VfL nach Osnabrück. Diesmal
kamen wir als Tabellenletzter nach Westniedersachsen und dementsprechend
pendelten die Ergebnistipps der Heimfans auf dem Weg vom Parkplatz zum Stadion
so zwischen einem 3:0 und einem 5:0 für ihre in der letzten Zeit extrem
heimstarken Lila-Weißen.
Die Mannschaft des FCC hatte
sich vor dem Spiel in einem viertägigen Trainingslager in Bad Blankenburg noch
einmal auf dieses Spiel eingeschworen und Jenas Cheftrainer Valdas Ivanauskas
wartete mit einigen Veränderungen in der Mannschaftsaufstellung auf. Neben
Torsten Ziegner in der Startformation, kamen auch Felix Holzner im rechten
Mittelfeld und Ilia Kandelaki im linken Mittelfeld zum Einsatz. Außerdem
spielten Omodiagbe und Oniani in der Innenverteidigung, Sven Günther mal wieder
hinten rechts und Michael Stegmayer hinten links, sowie Stefan Kühne als
Staubsauger vor der Abwehr. Und nachdem mit Sandor Torghelle und Tobias Werner
auch vorne mal wieder mit zwei Spitzen angefangen wurde, kann man Jenas Trainer
Valdas Ivanauskas wohl eher nicht vorwerfen, nicht mal etwas Neues
auszuprobieren.
Das Spiel begann für die
Jenaer eigentlich ganz ansprechend. Die Mannschaft kann das Spiel auch in des
Gegners Hälfte verlagern und von einer Anfangsoffensive der Heimmannschaft ist
wenig zu sehen. Felix Holzner zielt bei einer Schusschance in der 3. Minute aus
ca. 20 Metern nur knapp über das Tor. Nach und nach gewinnen die Osnabrücker
aber die Oberhand und als der FCC nach einer guten Viertelstunde einen Einwurf
in der eigenen Hälfte auf Links zugesprochen bekommt, nimmt das Unglück an Fehlern
mal wieder seinen Lauf. Man wirft den Ball nicht zurück zum eigenen Torwart,
wenn die gegnerische Mannschaft so aufgerückt ist. Man fängt als Torwart nicht
an, im eigenen Strafraum den Gegner auszuspielen. Und man reißt den Gegner im
Strafraum auch nicht um (wobei ich zugebe die Szene nicht genau gesehen zu
haben). Das Ergebnis dieser Fehler: Strafstoss für Osnabrück und eine rote
Karte für Sven Günther! Den Elfmeter verwandelt Thomas Cichon (20.) souverän
ins linke Eck und im mit ca. 400 bis 500 FCC – Fans gefüllten Gästeblock
beginnt sich sofort Defätismus breit zu machen.
Was sich in den nächsten 40
Minuten auf dem Platz abspielt, ist im Grunde genommen nebensächlich, weil
unerheblich. Die Osnabrücker können ihre Vorteile nicht wirklich nutzen und
beweisen auch nicht wirklich warum sie so viel mehr Punkte auf dem Konto haben
als der FCC. Der FCC vertut sich in Harmlosigkeiten und schwächt sich am Ende
selbst, als Oniani in einem Luftzweikampf Holzner (41.) ausschaltet.
Erst am Ende kommt der
Tabellenletzte wieder zu ansprechenden Szenen, die jedoch harmlos vergeben
werden.
Tja, und wenn es denn noch
mal eines Vergleiches mit jenem Treffen vor zwei Jahren bedarf, dann war es
eben jenes Ausgleichstor in der 90+x Minute durch einen Kopfball von Tobias
Werner. Danach war dann auch aber auch zum Glück schnell Schluss.
Ich spare mir lieber jede
Prognose zu Chancen und Möglichkeiten zum Klassenerhalt. Möglich ist vieles,
machbar auch. Die recht verhaltenen Gesten der Mannschaft nach dem Schlusspfiff
am Zaun vor dem Gästeblock sprechen aber Bände. Realistisch betrachtet haben
wir aber nur wieder einen Spieltag gegen einen Konkurrenten vergeben.
FC Carl Zeiss Jena - TSG 1899 Hoffenheim 0:1
Tore: 0:1 Obasi (72.)
- Jena: Kraus; Stegmayer, Omodiagbe, Maul, Oniani; Hansen (46.
Zimmermann), Müller, Simak, Charalambides (74. Helbig); Torghelle,
Werner
- Hoffenheim: D. Haas; Gustavo, Löw, Nilsson, Seitz; Eduardo
(68. Ibisevic), Vorsah, Copado, Salihovic (85. S. Haas); Paljic (62. Ba),
Obasi
- Zuschauer: 6895
- Schiedsrichter: Fischer (Hemer)
- Spielbericht:
- Vor Wochen sorgte der Streit zwischen Mainz 05 und
Hoffenheim 1899 für Diskussionen. „Bayern München erwirtschaftet sein Geld. In
Hoffenheim ist es nur ein Sponsor. Schade, dass so eine Mannschaft einen der 36
Plätze im Profifußball wegnimmt“, hatte sich der Mainzer Manager Christian
Heidel negativ über die Hoffenheimer geäußert. Dass diese verärgert darauf
reagierten, ist nachvollziehbar. Den Beweis, dass in diesem Verein mehr
Substanz steckt als ein starker Sponsor, der sich fähige Spieler an Land zieht,
bleibt die TSG aber bis zum heutigen Tag schuldig. Wenn beispielsweise von
Herrn Hopp die Auswärtsbusfahrt komplett bezahlt wird und sich dennoch gerade
mal 54 Fans auf den Weg machen, eine zuletzt sehr erfolgreiche Mannschaft
auswärts zu unterstützen, wird das keinen höheren Ansprüchen gerecht.
Die Schützlinge von Ralf Rangnick begannen offensiv, mit
gutem Passspiel. Dreimal musste Daniel Kraus bereits in den ersten zwanzig
Minuten zeigen, dass die Zeit der „Flattermänner“ im Jenaer Gehäuse ein Ende hat.
Den Schuss von Paljic lenkte Kraus zur Ecke. Auf den tückischen Ball im
Anschluss an einen Freistoß hechtete er sich kurz vor der Torlinie. Und beim
direkten Freistoß von Salihovic ging er auf Nummer sicher, versuchte das nasse
Leder gar nicht erst zu fangen, sondern faustete es konsequent weg. Das Glück
des Tüchtigen kam Jenas Keeper in Minute 29 zu Hilfe, als im Anschluss an eine
gelungene Dreierkombination Salihovic nur die Lattenoberkante traf.
Kraus war
von Beginn an voll da, was von seinen Vorderleuten leider nicht behauptet
werden kann. Im Vergleich zu der couragierten ersten Hälfte in Mönchengladbach
waren sie kaum wieder zu erkennen, reagierten nur statt zu agieren. Ihr Trainer
hatte vor einer offensive Gästeelf gewarnt, den Überraschungseffekt kann also
niemand geltend machen. Fast sechzig Prozent verlorene Zweikämpfe in der ersten
halben Stunde sind ein unerklärlicher, so bislang nicht gekannter Beleg von
Schwäche, der sich naturgemäß aufs Spielgeschehen auswirkte. Keine Torszene aus
dem Spiel heraus war in Halbzeit eins zu verzeichnen und es dauerte bis zur 34.
Minute, bis Jena wenigstens mal aus einer Standartsituation heraus etwas zuwege
brachte. Simaks Freistoß musste Haas prallen lassen, beim anschließenden Kopfball
von Alexander Maul brandete schon Torjubel auf, doch der Torwart vermochte ihn
noch zur Ecke zu lenken. Klar wäre eine Führung zu diesem
Zeitpunkt ganz und gar unverdient gewesen – doch darum hat sich so mancher Gast
im Ernst-Abbe-Sportfeld bislang schließlich auch nicht geschert. Ein Solo noch
von Jan Simak, der zuvor für ein „Warum hast du das gepfiffen?“ seine 5. Gelbe
Karte gesehen hatte – dann war wieder
Hoffenheim am Drücker. Copado scheiterte zweimal innerhalb einer Minute an Kraus
(41.). Der Flachschuss von Obaris sauste am langen Pfosten vorbei (42.). Ecken,
Zweikämpfe, Chancenverhältnis, scheinbar auch in der Gunst des Schiris –
überall lagen die Gäste zur Pause vorn. Nur in Tore hatten sie diese
Überlegenheit nicht umgesetzt.
Mit Wiederanpfiff kam Zimmermann für Hansen, der sich nach
unserer Beobachtung bei einem Absatzkick ohne gegnerische Einwirkung verletzt
hatte. Am Spielverlauf änderte sich zunächst mal nichts. Bis zur 55. Minute. Da tauchte
nach Vorarbeit von Werner und Maul plötzlich Sandor Torghelle am
Gäste-Strafraum auf, seinen scharfen und eigentlich gut platzierten Schuss
erwischte Haas aber reaktionsschnell mit der Hand. Diese Aktion wirkte wie eine
Initialzündung. Jetzt endlich wurde die berühmte letzte
Konsequenz in den Jenaer Handlungen
deutlich. Die nächsten Hochkaräter ließ nicht lange auf sich warten. Werners
Schrägschuss fing Haas. Dann, nur zwei Minuten nach seiner ersten vergebenen
Möglichkeit erwischte Torghelle im Mittelfeld einen Abschlag des Torhüters, sprintete
mit Ball am Fuß auf den Keeper zu und – scheiterte erneut. Kein Vorwurf beim
ersten Ding, aber DEN hätte er machen müssen ! Der Ungar, mit seinem
Pokaltreffer gerade erst in der Wahl zum Torschützen des Monats gewesen, sollte
sogar noch eine dritte Chance bekommen. Doch sprang er um einige Zentimeter an
Werners Freistoßball vorbei. Immerhin hatten die Jenaer nun Zugang zu diesem
Spiel gefunden und deshalb ist es besonders bitter, im Anschluss an die
stärkste Phase den k.o.-Schlag einstecken zu müssen. Jan Simak, an diesem Tag
ohnehin mit größerer Fehlerrate als sonst, unterlief der spielentscheidende
Ballverlust im Mittelfeld. Über Vorsah und Salihovic kam Chinedu Ogbuke Obasi
in Ballbesitz und ließ Daniel Kraus keine Chance. 0:1. Was danach kam, kannten
wir schon aus anderen Spielen in dieser Saison. Jena gab kämpferisch alles,
konnte mit der Brechstange aber nichts mehr bewegen. Und da der Schiri bei zwei
strittigen Strafraumentscheidungen weiterspielen ließ, brachte Hoffenheim das
Ergebnis ziemlich ungefährdet über die Zeit.
Es ist ja nicht so, dass der FC Carl Zeiss irre weit weg
wäre von der Musik. Sieben der neun Niederlagen fielen mit einem Tor Differenz
aus ! Doch gerade das macht diese Saison so frustrierend. Daran hat sich auch
am 11.11. nichts verändert. <fc>
Borussia Mönchengladbach - FC Carl Zeiss Jena 2:1
Tore: 1:0 Neuville (9.), 1:1 Torghelle (34.), 2:1 Neuville (80.)
- M'Gladbach: Heimeroth; Voigt (74. van den Bergh), Brouwers, Daems, Levels; Marin,
Paauwe, Rösler (74. Coulibaly), Ndjeng; Friend, Neuville (85. Svärd)
- Jena: Kraus; Stegmayer, Omodiagbe, Maul, Oniani (72. Tapalovic);
Hansen (82. Helbig), Müller, Simak, Charalambides; Werner, Torghelle
- Zuschauer: 28.759
- Schiedsrichter: Schmidt (Stuttgart)
- Spielbericht:
- Den Frust im Bier ersaufen oder einfach nur ertragen? Ich
weiß es ehrlich gesagt nicht. Nicht mehr. Klar, solche Abende gibt es. Da
rennen sich die Jungs anderthalb Stunden die Seele aus dem Leib und am Ende
bleibt nix außer Enttäuschung. Aber so ist Fußball halt. Dafür kommen andere
Spiele, nach denen man sich besorgt fragt, ob die drei Punkte mit dem einen
gegebenen Gerechtigkeitsempfinden überhaupt vereinbar sind. Nur, wo bleiben die
in dieser Saison? Wann löst sich diese Gleichung endlich auf? Nach Gestern muß
man sich fragen, ob sie das überhaupt noch tut. Acht Punkte Rückstand auf einen
Nichtabstiegsplatz sind schon ganz schön fett. Also doch ins Bier stürzen?
Jein! Es sieht schon ganz schön übel aus, ohne Frage. Und als Gladbach nach nur
neun Minuten die Führung erzielte, war auch wieder klar warum. Ein schlichter
Paß von Marin durch die Viererkette und schon war es
soweit. Das es auch schon Zeiten gab, in denen sich Neuville bei einem solchen
Ding den Fuß gebrochen hätte, ist halt Schicksal. Wenn du eben ohne Licht im
düsteren Tabellenkeller hockst, dann nimmt er ihn halt wunderschön an und
donnert ihn dir aus der Drehung in die kurze Ecke. Unhaltbar. Man hätte es in
den nächsten 70 Minuten glatt vergessen
können, hätte sich nicht das gleiche in der 80. Spielminute so ähnlich
wiederholt. Der einzige Fehler Omodiagbes im ganzen
Spiel, verwandelte den ganzen mühsam gehegten Optimisumus
in ein Häufchen Elend. Wieder war es Neuville, der nach der mißglückten
Kopfballabwehr des Nigerianers mit seiner Direktabnahme die endgültige
Entscheidung erzwang. Man konnte nahezu jeden einzelnen Fehler der Jenaer
Hintermannschaft auf der Anzeigetafel ablesen. Wirklich zum Brechen. Soviel zur
Hoffnungslosigkeit der Situation. Was sich zwischen den beiden geschilderten Szenen
abspielte läßt aber – wenn schon nix Zählbares dabei rausspringt – trotzdem
auch viel Raum für Zuversicht. Und zwar deshalb, weil wieder eine Mannschaft
mit Wir-Gefühl auf dem Platz stand in der einer für den anderen die Kastanien
aus dem Feuer zu holen bereit ist. In der Torghelle
das Laufen für sich entdeckt hat (ich hätte es noch vor Wochen nicht für
möglich gehalten) und das Tor trifft. In der Simak
langsam das Bewußtsein für das aufbaut, was wirklich in ihm steckt und die
Fäden in die Hand nimmt. Und in der das (manchmal) mangelnde spielerische
potential durch Kampf und Einsatzwillen aufgewogen wird.
Das sah gut aus! Vor allem in der ersten Halbzeit, als die
Gladbacher den Selbstfindungsbemühungen von Simak kaum
ein Mittel entgegenzusetzen hatten. Erst sein Knaller aus ca. 20 m, den
Heimeroth im Gladbacher Tor nur mit Mühe abwehren kann
(16.), dann der etwas zu hoch angesetzte Schuß vom linken Strafraumeck nach
einer schönen Einzelleistung (23.). Und dann schließlich seine Vorarbeit für
Stegmayers Flanke direkt auf Torghelle.
Ein langgezogener Brüller begleitet den wunderschönen
Kopfball des Ungarn zum Ausgleich in lange Eck (34.). Wunderschön!!! Und das
auch noch völlig verdient, denn hier spielte phasenweise nur noch Jena. Kommt
Jungs, nachsetzen. Kurz vor der Pause hält Werner noch mal drauf. Aber der hat
einfach kein Glück, bekommt nicht mal eine Ecke für den abgefälschten Schuß…
Nach der Halbzeit schwinden sichtbar schnell die Kräfte. Das
merkt man vor allem an den kleinen Fehlern, die sich allenthalben so einschleichen.
Simaks Pässe kommen nicht mehr so oft an und wenn,
dann deutlich unpräziser. Auch diese kleinen Schlampigkeiten machen das
Fußballerleben immer schwerer. Auf der linken Abwehrseite werden sich
Charalambidis und Müller (?) nicht einig. Nimm du ihn, ich
hab ihn sicher, fällt mir dazu nur ein. Glück, daß Neuville die anschließende Flanke
von Ndjeng aus drei Metern über das Gehäuse wuchtet. Na
also, es geht doch (58.)! Und dann noch das Ding von Daniel Kraus als er einen
seltsam geschlagenen Aufsetzer nur mit Mühe und unter Einsatz diverser
Körperteile am Überqueren der Linie hindern kann (59.). Sah komisch aus, war
aber auch schwer! Hauptsache nicht drin.
Jena steht in dieser Phase ganz schön unter Druck, aber das
sieht trotzdem alles ganz passabel aus. Kaum richtige Chancen für Gladbach. Ein
Freistoß von Simak sorgt sogar noch mal für etwas
Entlastung. Aber mit letztem Einsatz kann Heimeroth
den Ball noch über die Latte lenken (55.). Scheiße. Schönes Ding. Und dann –
gerade als man als Jenaer Anhänger mit einem Pünktchen zu liebäugeln beginnt –
Neuvilles zweiter Treffer. Aus der Kalten. Und das nach so
einer starken Leistung.
Ein Tal tiefer Depression tut sich kurzzeitig vor mir
auf. So lande ich nach dem Abpfiff auch unweigerlich bei der Frage nach einem
den Umständen gerecht werdenden Bierkonsum. Die Antwort will sich mir nicht so
recht erschließen, schwankt mit dem jeweiligen Gemütszustand zwischen fast
schwarz und sehr dunklem Hell. Am Ende entschließe ich mich, die ganze Sache
auszusitzen. Bis Sonntag jedenfalls. Wer hat schon mit einem Punkt oder gar
Sieg gegen Gladbach gerechnet? Kaum jemand. Es ist also alles noch wie vorher.
Für den Fall, daß es gegen Hoffenheim wieder nicht
klappt mit dem Dreier, sollte man aber sicherheitshalber schon mal eine
Palette Öttinger kaltstellen. <bpf>
FC Carl Zeiss Jena - SC Freiburg 1:2
Tore: 0:1 Pitroipa (35.), 0:2 Kmas (83.), 1:2 Werner (90.)
- Jena: Kraus; Stegmayer, Omodiagbe, Maul, Günther (46.
Tapalovic); Hansen (77. Torghelle), Zimmermann (70. Ziegner), Simak,
Kühne; Werner, Helbig
- Freiburg: Walke; Ibertsberger, Butscher, Krmas, Schwaab; Aogo,
Uzoma, Pitroipa (75. Schlitte), Banovic; Bencik (56. Cafu), Matmour (79.
Mesic)
- Zuschauer: 7026
- Schiedsrichter: Walz (Pfedelbach)
- Spielbericht:
- In der 25. Spielminute, als Hansens Kopfball knapp das Tor
verfehlte, beneidete ich etwas den Verfasser des heutigen Spielberichts, weil
er bis dahin etliches Notierenswertes und eine starke Jenaer Anfangsphase geboten
bekam. Sekundenbruchteile später wandelte sich mein Neid in Entsetzen, denn mir
fiel schlagartig ein, dass ich vom Chefredakteur zum Schreiben vergattert
worden war…
Dabei sah man vorm Anpfiff überall skeptische Gesichter,
gegen unseren Lieblingsgegner der letzten Saison rechnete sich eigentlich
niemand etwas aus. Die erste Aktion schien allen recht zu geben, denn nach der
ersten Gästeecke musste Kraus einen scharfen Kopfball parieren. Faktisch im
Gegenzug parierte Walke einen Schuss Hansens aus nächster Nähe. Kurz danach
rettete Walke gegen Helbig. Das Gesamtbild sah gar nicht so übel aus (daran
änderte auch die nervige und überflüssige Information auf der Anzeigetafel vom
Eckenverhältnis von 5:0 für den SC nichts), der FCC war die überlegene, aggressivere
Mannschaft, die den Freiburgern immer wieder
feine Nadelstiche verpasste. In der 12. min wusste sich ein von Simaks Antritt
überforderter Verteidiger gar nicht mehr anders zu helfen, als sich ans Jenaer
Trikot mit der Nr. 19 zu klammern und dieses samt Simak auf den Rasen zu
befördern. Ich weiß nicht, ob Schiedsrichter Walz vom Rugby kommt, aber anders
kann man sich nicht erklären, warum er bei diesem klaren Foul nicht auf
Strafstoß entschied. Walz’ Gepfeife in der ersten Halbzeit war sowieso unterirdisch,
prinzipiell wurde nach Freiburger Ballverlust im Zweikampf auf Freistoß für die
Gäste entschieden und seine putzigen Eckenballentscheidungen für den SC
inspirierten die Haupttribüne zu lautstarkem ironischem „Ecke, Ecke“ bei jedem
Ausball. Bis zu jener oben erwähnten 25. min war der FCC im Vorwärtsgang, aber
erfolglos. Und so kam alles wie immer, nach der 34. die 35. Minute und in jener
der obligatorische Abwehrpatzer, als plötzlich drei „Blaue“ (die Gäste liefen
in einer ungewohnten Farbe auf) durch Jenas Abwehrmitte rauschten, Kraus
erwischte den Ball nicht, ein Freiburger spielt auf den nächsten, der im
Abseits stehend die Kugel ins Tor schob. Ein weiterer Höhepunkt jener
grässlichen Schiedsrichterleistung, dass der Treffer trotzdem anerkannt wurde.
Und so hatte nicht nur ich zur Halbzeitpause die Nase
gestrichen voll: Der FCC machte dass Spiel, der Gegner das Tor und der
Schiedsrichter leistete mit zwei extremen Fehlentscheidungen seinen Beitrag.
Zum Speien!!!
Nach der Pause war Freiburgs Taktik klar: Am eigenen
Strafraum aufstellen und in Ruhe die Führung nach Hause schaukeln, eventuell
mal kontern. Der FCC schaffte es aber trotz der badischen Zurückhaltung richtig
energisch Druck aufzubauen. Man spielte zu durchsichtig, machte zu viele
einfache Fehler im Aufbau und den Freiburgern die Abwehrarbeit ziemlich leicht.
Unerträglich, aber nicht neu, waren zudem die Schauspieleinlagen von
Pitroipa & Co., die nach kleinsten Berührungen oder
auch völlig ohne Anlass regelmäßig den „sterbenden Schwan“ abspulten, wie in
den letzten Zügen liegend. Nachdem sie fürs anscheinend letzte Schnauferchen
ins Seitenaus verbracht wurden, gab es ebenso regelmäßig die blitzschnelle
Wiederauferstehung inklusive Genesung. Und es ist sicher keine schlechte
Bilanz, durch solche „Verletzungen“ mehrfach längere Unterbrechungen zu
provozieren, die am Ende mit nur zwei Nachspielminuten belohnt wurden.
Jedenfalls fiel dem FCC nicht ein, wie die Gästeabwehr zu knacken wäre. Zu
vermelden war lediglich ein 20-m-Schuss Werners, der das Tor verfehlte –
typisch, dass in dieser Situation Stegmayer links völlig freigelaufen war, aber
vergeblich aufs Anspiel wartete. Eine knappe Viertelstunde vor Schluss sorgte
die Einwechslung des Ex-Jenaer Schlittes für ein
Anheizen der Stimmung im Publikum und fortan begleitete ein gigantisches
Pfeifkonzert jeden seiner Ballkontakte, das Eintauschen der angeblichen
Herzenssache FCC gegen Freiburger Geld war nicht vergessen worden. Freiburg
schaffte in der 82. min die befürchtete Vorentscheidung, allerdings nicht nach
einem Konter, sondern nach einem Freistoß von links außen. Omodiagbe ließ
Krmas kurzen Pfosten zu viel Raum und der drückte den Ball
ins Netz. Die erloschene Hoffnung glomm nochmals kurz auf, als Werner nach
Ziegners Flanke den Anschluss per Kopf erzielte. Aber
selbst Kraus’ Eingreifen ins Angriffsspiel brachte nichts Zählbares mehr, so
dass der FCC zum wiederholten Male in dieser Saison nach einem Heimspiel mit
leeren Händen dastand.
Nach dem guten Anfang fehlte heute in der Phase, in der der
FCC das Spiel hätte noch kippen können, jener letzte Kick, jener letzte Wille
zum bedingungslosen Fighten. Und wenn wir nicht schon im Dezember mit den
Planungen für die dritte Liga 2008/09 beginnen wollen, müssen nach den vielen
vergebenen möglichen Punkten in den nächsten Wochen endlich mal ein paar
unmögliche Punkte her. <uk>
SC Paderborn - FC Carl Zeiss Jena 2:2
Tore: 0:1 Torghelle (8.), 1:1 Koen (12.), 1:2 Werner (14.), 2:2 Sinkala (33.)
- Paderborn: Bade; Fall, Döring, Kläsener, de Graef, Gouiffe à Goufan, Sinkala (68. Männer),
Koen (68. Halfar), Krupnikovic, Löbe, Schüßler (56. Siradze)
- Jena: Kraus; Günther (66. Tapalovic), A. Maul, Omodiagbe, Stegmayer, Kühne, Charalambidis,
Werner, Simak (86. Ziegner), Torghelle (75. Hansen), Helbig
- Zuschauer: 6.079
- Schiedsrichter: Dr. Brych (München)
- Spielbericht:
- Nach der Spielpause war man allseits besonders gespannt, ob der FCC endlich den Bogen in die Erfolgsspur
findet, zumal es gegen einen Mitabstiegskonkurrenten ging. Die "Baustelle" Tor war mit dem dritten Keeper
Daniel Kraus besetzt worden. Neu war auch die Zusammensetzung des Angriffsduos, diesmal stand Helbig neben
Torghelle. Dafür rückte Tobias Werner auf die linke Außenbahn des Mittelfelds.
Und der FCC begann wirklich mit viel Elan, bereits in der 1. Spielminute verfehlte Charalambides
das 07er Tor nur knapp. Der Sekundenzeiger hatte gerade einmal zwei weitere Runden gedreht, da schoss
Helbig aus 25 m Entfernung knapp über die Torlatte. Im Gegenzug durfte Kraus Löbes Schuss aus
nächster Nähe abwehren. Dann war wieder der FCC im Vorwärtsgang: Einwurf Günthers
auf Charalambides, der legt zurück und in der Mitte köpfte Torghelle Günthers Bilderbuchflanke
zum 1:0 ein! Leider verschenkte man den Vorteil bald wieder, als Günther und Charalambides interessiert
einem Ball nachschauten, der sich zwischen ihnen zu Koen - dem stärksten Paderborner in der ersten
Halbzeit - durchdrängelte und der ließ sich die Chance nicht entgehen und knallte den Ball
ins lange Eck - 1:1. Die rund 500 mitgereisten Fans hatten aber keine Zeit, über diesen Rückschlag
richtig zu jammern. In der 14. Minute gab es auf der rechten Seite Freistoß für den FCC. Simak
und Werner standen bereit, letzterer trat die Spielkugel mit links hoch in den Strafraum, Maul ging zum
Ball, stieg jedoch drüber und so landete dieser im langen Eck - 2:1, der FCC hatte nach dem Ausgleich
sofort wieder zurückgeschlagen! Also alles bestens? Denkste, umgehend grub man sich in der eigenen
Hälfte ein und ließ die Gastgeber ihr Spiel aufziehen. Die optische Überlegenheit
Paderborns brachte jedoch nichts Zählbares, da entweder der finale Pass in der weißen Abwehr
steckenblieb oder man bei den Fernschüssen aufs Dach der Endtribüne zielte. Herzinfarktfördernd
war die 28. min, als eine lange Flanke am auf Sinkalas Kopf landete, dem Ball jedoch sprichwörtlich die
Luft ausging und er auf dem Strich zwischen Gut und Böse von Kraus festgehalten werden konnte. Fünf
Minuten später war es jedoch soweit, als es pingpongartig zwischen Jenaer Abwehr und Paderborner
Angreifern hin und her ging und Sinkala dem Treiben mit einem satten Schuss ins untere Toreck ein Ende
bereitete - wieder Ausgleich! Zum Heulen!!! Und wie jetzt weiter? Jedenfalls vergaßen die Abwehrrecken
des FCC bei einem Freistoß kurz nach dem Ausgleich, dass Schüßler ein blau-schwarzes Trikot
trug und so marschierte er mutterseelenallein zur Grundlinie, jagte seine Flanke zum Glück weit
Richtung Seitenlinie. Unmittelbar köpfte Maul zum Gegner und wieder war es Schüßler, der
auf der linken Seite davon profitierte, aber auch diesmal keinen Mitspieler fand. Die letzten Minuten vor
der Pause riss sich der FCC aber noch einmal zusammen und machte seinerseits Druck. Wer weiß, wie
die Partie ausgegangen wäre, hätte Jena auch nur eine der drei folgenden Konterchancen in den
Spielminuten 39 bis 44 genutzt hätte. Zunächst sahen sich drei Weiße kurz nach der
Mittellinie nur einem Abwehrspieler gegenüber, Werners Pass landete leider genau in dessen Füßen
anstatt bei den beiden mitlaufenden Teamkollegen. Dann sprintete wiederum Werner los, schoss aber von
links am Tor vorbei und ließ Helbig und Torghelle vergeblich in der Mitte warten. Und letztendlich
rannte sich Helbig bei seinem halbherzigen Dribbelversuch fest, nachdem er von Simak wunderbar
freigespielt worden war.
Zwischendurch erwischte ein abgefälschter Schuss Werners Alexander Bade beinahe auf dem falschen
Fuß, er schaffte es jedoch noch, gleichzeitig mit dem Ball in der unteren Torecke einzutreffen.
Mit 2 Sekunden Nachspielzeit beendete Schiedsrichter Dr. Brych diese sehenswerte Halbzeit.
Es war eigentlich klar, dass es nach der Pause nicht so weitergehen konnte. Die zweite Halbzeit war
dann auch etwas dezenter und es passierte deutlich weniger, was den Puls nach oben trieb. Zwei
Freistöße rund 25 m vorm Tor bis zur 50. Spielminute wurden mehr oder weniger
kläglich vergeigt. In der 52. min wurde zunächst Charalambides' Schuss abgeblockt
und ein Paderborner lenkte kurz vor der Torlinie Werners Nachschuss zur Ecke. Nach einer
Stunde tauchte Paderborn das erste Mal nach der Pause ernsthaft vor Kraus' Kasten auf und
Löbe setzte einen Kopfball auf der richtigen Seite neben den Pfosten ins Aus.
Anschließend gönnten sich beide Mannschaften eine ruhigere Phase zwischen den
Strafräumen. Erst in der 78. min gab es eine Strafraumszene, als die Paderborner
Nummer 24 mit dem klangvollen Namen Gouiffe á Goufan eine Simak-Flanke im letzten Moment
vor dem heranstürmenden Hansen zur Ecke entschärfte. Die anschließende Ecke
(wieder von Simak) wurde am kurzen Pfosten verlängert und fand weiter hinten Kühnes Kopf,
der maßgenau und kraftvoll köpfte und die Arme der Jenaer Fans in die Höhe jagte.
Da sich jedoch der Ball um wenige Millimeter verirrte und vom Aluminium des 07er Tores wieder
zurücksprang, landeten die Hände schließlich am Kopf zum Haareraufen. Paderborn
verließen nun sichtbar die Kräfte und Jena übernahm in der verbleibenden Zeit
die Initiative. Mit etwas Übersicht hätte der FCC noch einen Sieg holen können,
aber Werner entschied sich in der 83. für einen Schlenzer aufs lange Toreck und gegen den
in der linken Strafraumhälfte einsam und allein wartenden Helbig. Auch eine Minute später
nahm Werner den Kopf nicht hoch, sondern rannte sich nach Helbigs Zuspiel an ein paar schwarz-blauen
fest. Auf der Gegenseite testete Maul noch fix die Nerven von Mitspielern und Fans, als er eine an
sich harmlose Flanke fast ins eigene Tor stolperte, bevor dann Dr. Brych nach gigantischen 12 Sekunden
Nachspielzeit abpfiff.
Wie soll man nun das Unentschieden bewerten? Positiv (ein Auswärtspunkt) oder negativ (nicht
einmal beim Schlusslicht gewonnen)? Sicherlich irgendwo dazwischen: Es war mehr möglich, aber
andererseits können wir den schlechten Saisonstart nicht im Handumdrehen vergessen machen,
sondern müssen wie die Eichhörnchen mühsam Nuss für Nuss (bzw. Punkt für Punkt)
einsammeln, um im Dezember einen Vorrat zu haben, der für die Rückrunde reelle Chancen auf den
Klassenerhalt bietet.<uk>
FC Carl Zeiss Jena - TSV 1860 München 0:2
Tore: 0:1 Bierofka (47.), 0:2 Göktan (90.)
- Jena: Person; Stegmayer, Omodiagbe, Maul, Günther; Hansen
(62. Helbig), Kühne, Simak, Charalambides (76. Ziegner); Werner,
Torghelle
- München: Hofmann; Hoffmann, Berhalter, Ghvinianidze (85.
Szukala), Thorandt; L. Bender (67. Gebhart), Schwarz, Bierofka, Johnson
(67. S. Bender); Göktan, di Salvo
- Zuschauer: 11.314
- Schiedsrichter: Wingenbach (Diez)
- Spielbericht:
-
Wer ihn damals hörte, wird sich jetzt noch an ihn erinnern:
Den Kommentar von DSF-Reporter Martin Quast zum Spiel Jena – 1860 im Februar
2007. Da war zunächst die Schilderung des 1:0 nach sechs Minuten: „Eckball kurz
aufgeführt, Hoffmann klärt, da ist nur Tapalovic – (Stimme plötzlich erhebend)
NUR TAPALOVIC ! Boah, was’n Gerät ! Tor des Monats, hundert Prozent.
Volltreffer – so schön kann Zweitligafußball sein.“ Filip Tapalovic hatte den
FCC mit einem Volleyknaller aus 25 Metern in Führung geschossen und auch wenn
Herr Quast mit der Tor-des-Monats-Prognose nicht
recht behalten sollte, geriet er auch noch wegen der
darauffolgenden Spielminuten aus dem Häuschen. „Ich raffs nicht, ich fass es
nicht – ja, wo bin ich denn hier?“, rief er nach 10 Minuten, als gerade das 3:0
gefallen war, „jetzt tanzen sie im Thüringer Wald Samba mit den Wildschweinen
und allem Drum und Dran. Unfassbar, was hier im Ernst-Abbe-Sportfeld in den
ersten Minuten passiert“.
Obwohl noch nicht lange her, ist diese Anfangsphase bereits legendär.
Und die ver-quast-ete Schilderung gleich mit.
Doch das ist Vergangenheit und mit einer Wiederholung jenes
Ablaufs war von vornherein nicht zu rechnen. Wobei sich die Frage stellt,
welchen Verlauf solch ein Spiel nimmt, wenn der straffe Schuss von Kühne nach
drei Minuten im Netz landet. Münchens Keeper Hofmann rührte da keinen Finger,
leider flog das Leder knapp an seinem Kasten vorbei. Die erste Halbzeit konnte sich durchaus
sehen lassen auf Jenaer Seite. Mit Forechecking versuchte man in Ballbesitz zu
gelangen. Die Flügelzangen Stegmayer-Hansen und Günther-Charalambides zeigten
sich in der Abstimmung weiter verbessert. Und zentral überzeugte Simak wieder
mit klugen Pässen. Nur im Abschluss erwiesen sich Charalambides (23.) und
Hansen (26.) als nicht treffsicher genug. Die vielleicht beste Gelegenheit vor
der Pause vergab Tobias Werner bei einem energischen Konter, als er es nicht
fertig brachte, dem freigelaufenen Simak den Ball „durch zu stecken“, vielmehr
an einem Verteidiger hängen blieb. Auch beim Durcheinander im gegnerischen
Strafraum fanden die Jenaer keine Lücke, Mauls Heber wurde schließlich zur
leichten Beute Hofmanns. Und die Münchner ? Waren zu Beginn um Abgeklärtheit
bemüht und ließen dabei erstaunlich große Lücken im Mittelfeld. Abgesehen von
Hoffmanns Flachschuss (25.) drohte Jenas Abwehr zunächst keine Gefahr. Dies
änderte sich kurz vor der Pause. Da sah sich Stegmayer auf seiner Seite mit dem
ballführenden Bender sowie Johnsson gleich zwei Gegenspielern gegenüber. Nicht
wissend, wen er attackieren sollte, griff er im Grunde niemanden richtig an.
Bender konnte unbedrängt zum Schuss ansetzen, zielte aber ein wenig zu hoch.
Kurz darauf zeigten die Sechziger eine ihrer einstudierten Freistoßvarianten –
diesmal war es Göktan, der nur knapp verfehlte.
Verglichen mit diesen Hochkarätern strahlte der Torschuss in
Minute 47 eigentlich geringes Gefahrenpotential aus. Es hatte den Anschein, als
hätte ihn Person zunächst fausten wollen, vielleicht erschien er ihm dafür mit
einem Mal nicht scharf genug – jedenfalls versuchte er plötzlich, den Ball zu fangen
und dieses Umgreifen ging gründlich daneben. Plötzlich lag der Ball im Netz. Ohje, Jena und seine Torhüter ! Ob sie
nun Jensen oder Person heißen, bislang haben sie uns in dieser Saison mehr
Punkte gekostet als gerettet. Doch eine
Mannschaft gewinnt und verliert zusammen und noch war fast eine Halbzeit lang
Zeit, wenigstens ein Remis zu schaffen. Werner und Hansen hätten es
erzielen können, Sandor Torghelle nach mustergültiger Kopfballvorlage
von Omodiagbe sogar müssen, schoss jedoch nur den herauslaufenden Hofmann an. Bei allen erkennbaren Bemühungen – die
Vorherrschaft im Mittelfeld ging verloren, weil bei Simak und Charalambides die
Kräfte schwanden. Die Gäste konnten nun ungestört den Ball laufen lassen. Zwar war
die Münchner Überlegenheit nicht so groß, wie es ein Eckenverhältnis von 9:1
nach einer Stunde vorgaukelt. Doch macht es deutlich, dass 1860 die technisch
feinere Klinge schlug, sich nicht so oft damit helfen musste, den Ball ins
Toraus zu befördern. Ihr Tagesbester Daniel Bierofka wirkt vom technischen
Vermögen her schon fast überqualifiziert für diese Liga.
Valdas Ivanauskas holte seine beiden einzigen
Offensivwechsler von der Bank. Ohne Erfolg. Doch eine letzte Geheimwaffe besaß
er noch: Darlington Omodiagbe als Stürmer ! Dass er vorn den einen oder anderen
Kopfball holt, war uns ja bereits bekannt. Doch wenn ‚Omo’ dazu noch kluge Offensivpässe
spielt, sollte er solche Ausflüge ruhig häufiger machen dürfen. Perfekt sein
Zuspiel auf Günther in der letzten regulären Spielminute, dessen Flanke kam
auch vors Tor, wo Helbig sie aber nicht richtig erwischte. Und wie das so ist
im Fußball – setzt eine Mannschaft alles auf eine Karte und verpasst knapp den
Ausgleich, geht sie im Gegenzug nur allzu oft k.o. Dass Ziegner als letzter
Mann wegrutschte, Göktan frei vor Person zunächst nur den Pfosten traf und dann
noch eine Gelegenheit zum Nachschuss bekam, rundete das Bild ab.
Zweitligafußball in Jena kann nicht nur schön, sondern auch deprimierend sein. <fc>
Fotos auf weissenburger.de
SpVgg Greuther Fürth - FC Carl Zeiss Jena 2:2
Tore: 1:0 Reisinger (28.), 1:1 Charalambides (34.), 1:2 Torghelle (49.), 2:2 Lanig (63.)
- Fürth: Kirchstein; Achenbach, Mauersberger, Karaslavov, Schröck (72. Adlung); Judt, Haas, Burkhardt (80. Maierhofer), Lanig; Nehrig, Reisinger
- Jena: Person; Stegmayer, Omodiagbe (32. Oniani), Maul, Günther;
Kühne, Hansen (72. Kandelaki), Simak, Charalambides (64. Tapalovic);
Werner, Torghelle
- Zuschauer: 8.900
- Schiedsrichter: Zwayer (Berlin)
- Spielbericht:
- Freuen oder ärgern? So richtig wusste nach Abpfiff kaum einer im
blau-gelb-weißen
Lager, wie mit diesem Remis in Fürth umzugehen wäre. Spielerisch war an diesem
Nachmittag wohl so leicht wie noch nie am Ronhof
ein Dreier zu holen, andererseits grenzt es
an ein Wunder, angesichts der Leistung des Unparteiischen überhaupt noch einen
Punkt verteidigt gehabt zu haben, den sich ein aufopferungsvoll kämpfendes Team
redlich verdiente.
„Never
change a winning team“ hieß die Devise und so schickte Valdas Ivanauskas die
siegreiche Offenbach-Elf auf den Rasen. Der Club begann furios und die über
1.500 mitgereisten FCC-Fans hatten schon nach 34 Sekunden den Torschrei auf den
Lippen, als Torghelle Fürths Karaslavov den Ball abnimmt, sofort auf Werner
passt, der völlig frei vor dem gegnerischen Tor eine Sekunde zuviel Zeit zum
Überlegen hat und den Ball an Keeper Kirchstein vorbei ins Toraus schiebt. Was
für eine Möglichkeit! 10 Minuten später durften sich die Gastgeber die Haare
raufen, als Burkhardt einen zunächst abgewehrten Eckball flach an den
Innenpfosten setzt. 5 Minuten später, andere Seite, Hansen bedient
Charalambides, der freie Schussbahn hat, aber nicht genug Druck hinter den Ball
bekommt, so dass Ex-Bundesligakeeper Kirchstein das Leder noch um Haaresbreite
um den Pfosten lenken kann. Es war ein tolles, offenes Spiel beider Teams in
den ersten Minuten und Fürth schien beeindruckt zu sein von Jenas
Offensivdrang, richtete sein Spiel fast ausschließlich auf das Provozieren von
Standardsituationen aus und lange weite Bälle auf den emsigen Reisinger. Dass
jenem nach 28 gespielten Minuten die Führung gelang, hatte er aber zwei
Jenensern zu verdanken. Stefan Kühne bringt mit viel zu kurzem Rückpass seinen
Keeper in Bedrängnis und warum Christian Person den Ball nicht nach links oder
rechts klärt, sondern ausgerechnet an die ausgestreckte Hand des heranstürmenen
Reisingers, bleibt sein Geheimnis. Der Ball trudelt ins leere Tor, 1:0. Ein
Schock zweifellos dieser Treffer in Unterzahl, denn Omodiagbe musste sich am
Spielfeldrand nach einem nicht geahndeten Foul behandeln lassen und kurz darauf
gegen Oniani ausgewechselt werden, aber anders als noch vor Wochenfrist in
Frankfurt reagierte der FCC unbeeindruckt und kommt nur sechs Minuten später
zum verdienten Ausgleich. Stegmayer täuscht eine Flanke an, passt aber flach
auf Simak, der düpiert mit Körpertäuschung gleich zwei Fürther und findet
Charalambides, dessen Ball auch für den 1,96-Riesen Kirchstein zu platziert ist
und ins lange Eck kullert.
Kurz vor der Pause zappelt der Ball erneut im Netz,
nachdem Kühne einen Eckball einnickt, doch die Anerkennung bleibt verwehrt, ein
Stürmerfoul will Referee Zwayer zuvor gesehen haben. So geht es mit einem
leistungsgerechten Remis in die Pause und Jenas Fans durften vor allem mit dem
mannschaftlich geschlossenen Auftreten zufrieden sein, lediglich die einfach
nicht abzustellenden teils haarsträubenden individuellen Fehler bereiteten
graue Haare.
Von denen dürfte Fürths Coach Bruno Labbadia kurz nach
Wiederanpfiff auch einige mehr bekommen haben, denn wie schon in der ersten
Halbzeit bereitete sein Innenverteidiger Karaslavov eine Großchance für den FCC
vor, nur dass Torghelle die Einladung nach katastrophalem Rückpass diesmal
nicht ausschlug und durch die Beine Kirchsteins zur Jenaer Führung vollendete,
unmittelbar vor dem proppevollem Gästeblock für Partystimmung sorgte.
Siegeszuversicht machte sich breit, doch wie man ein Team gänzlich zermürben
kann, stellte Schiedsrichter Zwayer eindrucksvoll unter Beweis. Die Folge einer
völlig einseitigen Regelauslegung waren unter anderem sage und schreibe acht
gelbe Karten für Jenas Kicker, die sich in der Folge mehr und mehr zurückzogen
und Zweikämpfe scheuten, deren Ausgang schon vorher festzustehen schien. Und so
wäre etwas mehr Nähe zum Gegenmann durchaus empfehlenswert gewesen, als der für
den gesperrten Fürther Kapitän Felgenhauer ins Team gerückte Stephan Schröck im
Doppelpass mit Nehrig Stegmayer düpierte und unbedrängt in den 5m-Raum flanken
durfte, wo Lanig den Ball artistisch über die Linie drückte. Eine knappe halbe
Stunde war da noch zu spielen und diese wurde bestimmt durch eine Flut von
Freistößen. Jan Simak setzte seinen knapp neben den Pfosten (66.), auf Fürther
Seite vergab Mauersberger die größte Gelegenheit, als er eine Freistoßflanke
per Fuß abnahm und das Leder knapp neben das Tor setzte, den Außenpfosten
streifend. Der für Charalambides eingewechselte Tapalovic hatte vier Minuten
vor dem Ende auf Zuckerpass Simaks die letzte Möglichkeit für den FCC, ließ
aber Torghelles Kaltschnäuzigkeit vermissen und gab die Verantwortung lieber
per verunglücktem Querpass weiter. So musste gar um den einen Punkt bis in die
93. Minute gezittert werden, als eine faire Aktion von Oniani an der
Strafraumgrenze wieder einmal mit Freistoß für die Kleeblätter geahndet wurde
und Stefan Kühne die Flanke artistisch vor dem einköpfbereiten Mauersberger
entschärft.
So ein klein wenig hatte der
Fußballgott sein Herz also für Thüringens Traditionsverein wiederentdeckt und
auch Jenas Spieler durften sich – anders als vor 7 Tagen – Streicheleinheiten
der eigenen Fans gefallen lassen, zu denen sich auch Neu-Clubberer und
Herzens-Jenenser Ralf Schmidt gesellte. Nach drei schlimmen Auftritten am
Ronhof holte der FC Carl Zeiss also zum ersten Male Zählbares, doch irgendwie war
mehr drin. <gunner>
FC Carl Zeiss Jena - Kickers Offenbach 2:0
Tore: 1:0 Simak (43.), 2:0 Werner (75.)
- Jena: Person; Stegmayer, Omodiage, Maul, Günther (75.Oniani);
Hansen (70.Tapalovic), Kühne, Simak, Charalambides (61.Holzner); Werner,
Torghelle
- Offenbach: Thier, Pinske (60.Sidney), Müller, Hysky, Bungert, Cimen, Sieger
(46.Ogungbure

,89.),
Judt (70.Epstein), Moktari, Türker
- Zuschauer: 5867
- Schiedsrichter: Bandurski (Essen)
- Spielbericht:
- Ein mulmiges Gefühl machte sich in meiner Magengegend breit, als ich vor der heutigen Partie gegen die Kickers aus
Offenbach das Stadion betrat. Nach fünf Niederlagen in Folge und zuletzt einer katastrophalen Leistung in Frankfurt gegen
Wehen schwante mir auch heute nichts Gutes. Die spielerisch guten Leistungen der ersten Saisonpartien waren vorbei und wer
das Match in Frankfurt live miterleben musste, konnte mein Gefühl durchaus verstehen. Zu viel lief in der Hessenmetropole
bei den Jenaern schief, als dass man ausgerechnet heute gegen die zuletzt starken Hessen vermuten konnte, dass es anders werden würde.
Aber beim Blick auf die Aufstellung der Partie wich mein mulmiges Gefühl blanker Zuversicht, denn Neu-Couch Ivanauskas bewies Mut und
krempelte sein Team gegenüber der letzten Partie auf sechs Positionen um und brachte "Typen" wie Günther, Hansen, Maul und Kühne,
welche gegen Wehen so schmerzlich vermisst wurden.
Der FCC begann auch von Beginn an couragiert und drückte die Offenbacher in deren Hälfte, woraus auch nach zwei Minuten die
erste Minichance resultierte. Nach gut einer Viertelstunde bot sich dann den Gästen auch ihre erste Möglichkeit, doch Siegers
Schuss ging über den Kasten. Den Spielern des FCC merkte man am heutigen Tage zu jeder Sekunde an, dass sie den unbedingten
Willen hatten, sich nicht so "abschlachten" zu lassen bzw. gewinnen zu wollen. Nach einer halbe Stunde waren einige der
Zuschauer schon froh, dass die Jenaer bis dahin kein Tor kassiert hatten. Doch kurz vor der Halbzeitpause sollte es noch
besser kommen, als Simak einen Freistoß aus 30m auf das Tor zirkelte und der Ball auf einmal im Tor zappelte. Grenzenloser
Jubel auf den Rängen, doch die meisten wollten es trotzdem kaum glauben, da sie dieses unglaubliche Glückgefühl gar nicht
mehr kannten.
Fünf Minuten nach Wiederanpfiff die erste Schrecksekunde für die Jenaer, als Dino Toppmöller völlig freistehend aus
gut sechs Metern den Ball zum Glück über das Tor donnerte. Der bis dahin relativ souveräne Schiedsrichter Bandurski
fing nun an, seine Linie zu verlieren, und sorgte mit einigen Fehlentscheidungen für Unruhe auf dem Platz und den
Zuschauerrängen, was in der Gelb-Roten Karte für Ogungbure gipfelte. Die Partie wurde dadurch nun zunehmend hektischer
und es war ein Tanz auf Messers Schneide. Die Offenbacher machten nun hinten ein wenig auf und drückten auf den Ausgleich,
doch der Abwehrriegel des FCC stand. Das Hoffen und Bangen ging weiter und eine Viertelstunde war noch zu spielen, da kam
ein langer Ball in des Gegners Strafraum. Gästekeeper Thier und ein Offenbacher Verteidiger waren sich in dieser Szene
nicht einig genug, wer diesen Ball retten sollte. Nutznießer dieser Aktion war Werner, der sich einfach das Leder schnappte,
Thier umkurvte und zum 2:0 vollendete. Vier Minuten vor Ultimo hätte Werner noch zum absoluten Held des Spiels werden
könnten, doch nach einem erneuten Fehler des Offenbacher Schlußmannes schloss Werner aus spitzen Winkel ein wenig zu
ungenau ab, so dass der Ball Zentimeter vor der Torlinie entlang rollte und doch nicht den Weg ins Tor fand. Kurz darauf
war die Partie zu Ende und der erste lang ersehnte Dreier unter Dach und Fach.
Die wenigsten Zuschauer hätten nach dem Katastrophenspiel vor gerade einmal drei Tagen erwartet, dass sich die Mannschaft
so aufraffen könnte, um die starken Hessen heute gar besiegen zu können. "Der FCC, der FCC, der FCC ist wieder da…"
skandierten die Fans von den Rängen und die Freude war natürlich umso größer, weil mit einem derartigen Wandel in
so kurzer Zeit wohl kaum einer gerechnet hatte. Aber letztendlich waren es trotzdem "nur" drei Punkte und wie
Ivanauskas sagte:" Der Tunnel ist noch sehr lang, bis wir das Licht am Ende sehen". <vg>
SV Wehen Wiesbaden -FC Carl Zeiss Jena 5:1
Tore: 1:0 Diakite (9.), 2:0 Diakite (11.), 3:0 Siegert (20.), 4:0
Nicu (41.), 5:0 Nicu (73.), 5:1 Simak (82., FE)
- Wehen: Richter; Kokot, Jeknic, Kopilas, Nakas; Catic (62.
Amstätter), Nicu (78. Cailas), Siegert, Schwarz; König,
Diakite (85. Lombe)
- Jena: Jensen; Kandelaki, Omodiagbe, Müller (46. Oniani),
Holzner; Stegmayer, Lorenzon, Ziegner (46. Werner), Simak, Charalambides;
Torghelle
- Zuschauer: 5626
- Schiedsrichter: Seemann (Essen)
- Spielbericht:
- (von Gastkommentator Jens Klebe)
Nach einem völlig verkorksten Saisonstart mit nur einem
Punkt auf der Habenseite griffen in der vergangenen Woche auch in Jena die so
genannten ungeschriebenen Gesetze des Geschäfts. Klassenerhalts-Held Neubarth
räumte sein Trainerzimmer welches kurz darauf mit Valdas Iwanauskas einen neuen
Nutzer fand. Um zu sehen, was dieser Wechsel bewirken könne, hatten sich
immerhin gut 1.500 Zeissfans auf den Weg nach Frankfurt gemacht. Würde im
Frankfurter Waldstadion gegen den SV Wehen endlich der erste Dreier eingefahren?
Da die Leistung au dem Koblenz-Spiel ja nur schwer zu unterbieten sein würde,
bestand Anlass zur Hoffnung.
Aber selbst dieses zarte Pflänzchen verdorrte schnell.
Jena startete zwar ohne Kühne, Hansen und Werner – dafür aber gewohnt schlafmützig.
Bereits nach 11 Minuten hatte Diakite mit einem Doppelschlag
klare Verhältnisse geschaffen. Zunächst bekam die FCC-Abwehr in Person Ziegners
nach einer Wehener Flanke den Ball nicht aus der Gefahrenzone, aus 20 Metern
zog ein Wehener ab und als Diakite den Ball abfälschte schlug er unhaltbar
neben Jensen ein. Ganz einfach dann Tor Nummer 2: Flanke von links, Diakite
frei im Sechzehner, draufgehalten und drin!
ass=MsoNormal>Nach 15 Minuten versuchte sich dann auch Simak erstmals für
den FCC an einem Torschuss, setzte diesen aber drüber.
Nach 20 Minuten vertändelte Charalambidis den Ball
leichtfertig in der Vorärtsbewegung, es folgt ein Konter über rechts, Schwarz
bediente Siegert und der zog vom Strafraumeck in die lange Ecke ab – 3:0!
Die Jenaer glichen nun einem Häuflein Elend und so spielten
sie auch weiter. Kaum waren weitere 10 Minuten vergangen, als Omo und Holzner
den ballführenden Nicu auf seinem Weg zum Tor brav begleiteten, ohne ihn
entscheidend zu stören. Nicu hob den Ball über Jensen und dieser schlug zum 4:0
ein. (40.)
Jenas Anhang hatte jetzt „die Schnauze voll“. So sang es
jedenfalls ein Großteil der Mitgereisten und verabschiedete sich mit dem
Pausenpfiff aus dem Stadioninneren.
Ansonsten waren in der Zwischenzeit die blaugelbweißen
Anfeuerungsrufe durch weitere zornige Schmährufe ersetzt worden.
Halbzeit 2 begann mit Werner und Oniani für Ziegner und
Müller. Werner war auch der Einzige in der Gästeelf der sich nachhaltig
versuchte, in Szene zu setzen.
Da Wehen jetzt nicht mehr tat, als für die Verwaltung des Resultats
nötig war, konnte der FCC zumindest zeitweilig fast optische Ausgeglichenheit
erreichen. In einer Phase, als Jena auch der eine oder andere gute Angriff
gelang (meist über Werner und Simak), dann die kalte Dusche. Mit einem
Freistoß-Trick aus der Schüler-Trickkiste wurde erneut Nicu freigespielt und
mit etwas Glück schlug sein Schuss zum 5:0 ein (73.).
Der FCC war demontiert. Daran änderte auch Simaks
Elfmetertreffer nichts mehr, den er nach einem Halten an Torghelle sicher
markierte.
Insgesamt bot der FCC eine erschreckend desolate Leistung
und es dürfte einem Wunder gleichkommen, wenn Iwanauskas aus diesem
verunsicherten Haufen binnen Kürze ein siegfähiges Team formen könnte. Ansätze
–mehr aber auch nicht- konnte man in der zweiten Hälfte zumindest bei Einigen
wenigstens erkennen. Dennoch, eigentlich ist jedes Wort über das heutige Spiel
eigentlich eines zu viel. Außer vielleicht diesem: beschämend!
So traurig und erschreckend das klingt: der FCC holte sich
eine verdiente Niederlage ab und kann schon am 7. Spieltag mit der Devise „Wir
haben ja nichts mehr zu verlieren!“ antreten.
Ca. 400 Jenaer Fans, die ohnehin die 2. Halbzeit außerhalb
des Stadions zugebracht hatten, blockierten anschließend friedlich die Ausfahrt
des FCC-Mannschaftsbusses und machten ihren Unmut deutlich. Adressaten waren
neben dem Team auch der Sportliche Leiter Lutz Lindemann und Präsident Zipfel.
Nach Gesprächen mit den Spielern Maul, Werner, Hansen,
Co-Trainer Holetschek und einer kurzen (aber eher schwachen) Ansprache des Kapitäns
Ziegner löste sich der Protest friedlich auf.
FC Carl Zeiss Jena - TuS Koblenz 1:2
Tore: 0:1 Daham (29.), 1:1 Omodiagbe (39.), 1:2 Daham (43.)
- Jena: Jensen; Kühne (46. Ziegner), Omodiage, Maul, Holzner;
Hansen (64. Fardjad-Azad), Müller, Simak, Stegmayer; Werner,
Torghelle (36. Petersen)
- Koblenz: Eilhoff; Lomic, Bajic, Mavric, Forkel; Djokaj (63.
Langen), Dzaka, Hartmann, Sukalo; Cha (82. Bogavac), Daham (90. Richter)
- Zuschauer: 8251
- Schiedsrichter: Schriever (Dorum)
- Spielbericht:
- Konnte man sich nach der
Heimniederlage gegen Mainz noch damit trösten, gegen einen klar besseren
Gegner, der noch dazu aus der 1. Bundesliga gekommen war, verloren zu haben, so
fehlte diese Trostmöglichkeit nach dem Abpfiff gegen Koblenz völlig.
Dabei sah es anfangs recht gut aus,
wenn man von den ungewohnten Trikots absah, die an übergezogene gelbe Trainingsleibchen
erinnerten. Von der ersten Minute an spielte der FCC nach vorn und drückte die
Gäste an ihren Strafraum. Und so ergaben sich auch schnell einige Chancen, z.B.
als Werner in der 3. Spielminute nach links auf Stegmayer spielte, der flankte
in die Mitte, wo Hansen allerdings zu hoch schoss. Drei Minuten später das
gleiche Strickmuster Mitte – links – Strafraum – drüber, diesmal waren Simak,
Werner und Torghelle die Beteiligten.
Dann hatte Schiedsrichter Schriever
seinen großen – oder besser: peinlichen – Auftritt: Hansen führte einen Einwurf
blitzschnell aus und der Koblenzer Torwart fischte den Ball genauso
blitzschnell vor Torghelle weg, stand dabei allerdings zwei, drei Meter vorm
Strafraum. Anstatt Eilhoff regelgerecht "Rot" zu zeigen, ließ
Schriever den Einwurf wiederholen. Warum? Das bliebt sein ewiges Geheimnis. Und
so ging es mit 0:0 im bisherigen Szenario weiter. Es fehlte jedoch bei allen
Zuspielen die letzte Abstimmung und Präzision, so auch, als Torghelle in
Mittelstürmerposition ein Zuspiel Simaks nur um Fußbreite verpasste (22.). Irgendwann
ließ der Jenaer Druck nach und die Koblenzer erkundeten die gegnerische Hälfte.
Tatkräftige Aufbauhilfe bekamen sie dabei von Stegmayer (26.) und Omodiagbe
(28.), die jeweils aus eigentlich schon geklärten Situationen unnötigerweise
Eckbälle für Koblenz fabrizierten. Und so kam es zum schon fast üblichen Ritual
im EAS: Die Gäste erhielten mit ihrem ersten vernünftigen Spielzug den
Führungstreffer geschenkt. Hansen rutschte auf der rechten Abwehrseite im an
sich harmlosen Zweikampf aus, Forkel flankte ungestört, Maul tauchte mit dem
Sprungvermögen eines Kanonenofens unterm Ball durch und Daham köpfte das
Geschenk ein – 0:1! The same
procedure as every week! Danach trug die
allgemeine Verunsicherung zehn gelb-blaue Trikots und wir hatten Glück, dass es
nicht gleich noch einen Gegentreffer gab. Doch Jensen tauchte in die untere
Ecke und verwehrte dem Kopfballaufsetzer Sukalos den Weg ins Netz. Neubarth
reagierte auf diesen Rückschlag und wechselte den bis dahin vielleicht etwas
glücklosen, aber insgesamt nicht besser oder schlechter als seine Mitspieler
agierenden Torghelle aus und brachte statt dessen Petersen. Für mich war diese
Auswechslung die entscheidende Szene für die weiteren lauen Angriffsversuche
und die logisch folgende Niederlage. In der 39. Minute hatte der Fußballgott
dann aber ein Einsehen mit den geplagten Zeiss-Fans und ließ Eilhoff eine Ecke
fehlerhaft wegfausten, Werner flankte den Abpraller in die Mitte und Jenas
Torgarantie Omodiagbe machte per Kopfball den Ausgleich. Jaaa, jetzt aber…
denkste! Der nächste Koblenzer Angriff bestand aus einem einfachen langen
Flankenball von der Mittelinie an die Strafraumgrenze. Dabei war der Ball so
lange in der Luft, dass sich Omo und Stegmayer rechts und links in
ausreichendem Abstand von Dahame aufstellen konnten, um diesem beim
Direktschuss ins lange Eck bewundernd zuzusehen. Mit den Händen aufgebaut
(Ausgleich) und sofort mit dem Hintern wieder eingerissen (1:2) – derzeit
typisch für den FCC!
Aussage eines Zuschauers in der
Halbzeitpause: "So mies wie diesmal war die Stimmung in der Halbzeitpause auf
der Toilette ewig nicht mehr." Es sollte nach der Pause nichts
Stimmungsförderndes mehr passieren. Zwar kam Ziegner für Kühne ins Team, aber
auch der passte sich der allgemeinen Leistung an. Es waren lediglich noch
vereinzelte Standards, die Eilhoff etwas Ablenkung brachten: Petersen köpfte
nach Ziegner-Freistoß übers Tor (50.) und Stegmayer donnerte einen 25-m-Knaller
direkt aufs Trikot des Gästekeepers. Jensen zeigte in der 62. min seinen
„running gag“ und ließ auch diesmal einen Ball nach vorn prallen, allerdings
folgenlos. Bezeichnend fürs Jenaer Spiel war die Tatsache, dass Holzner als
rechter Außenverteidiger die größten Angriffsbemühungen zeigte, sich immer
wieder für Zuspiele anbot und lange Wege zwischen vorn und hinten ging. Da
ansonsten kaum Bewegung im Jenaer Spiel war, prallten alle Bälle von der roten
Gummiwand ab, die Koblenz am Strafraum errichtet hatte.
Einziger Farbtupfer war Fardjad-Azad, der
nach seiner Einwechslung innerhalb von 5 Minuten dreimal aufs Tor schoß und
mehr Torgefahr erzeugte als alle anderen zusammen. Der Neunzehnjährige mühte
sich redlich und umkurvte einige Male seine Gegenspieler, aber da seine
Mannschaftskameraden nicht annähernd so viel Einsatz zeigten, war er auf
verlorenem Posten. In der letzten Viertelstunde bot Koblenz noch alle
Varianten, wie man beste Konterchancen kläglich vergibt – zum Glück, sonst wäre
es nicht beim 1:2 geblieben.
Diese Niederlage war nicht eine
unglückliche, nach der man zum Tagesgeschäft übergehen könnte. Im Verein muss
man sich auf Grund der Art und Weise, wie sich unsere Mannschaft in diesen 90
Minuten präsentierte, ernsthafte Gedanken machen, wie man eine totale
Pleitesaison verhindern kann. Noch ist die Zeit dafür! <uk>
FC Carl Zeiss Jena - FSV Mainz 05 1:2
Tore: 0:1 Feulner (17.), 1:1 Omodigabe (54.), 1:2 Gunkel (77.)
- Jena: Jensen; Kandelaki, Omodiage, Maul, Holzner; Hansen,
Müller (82. Helbig), Simak, Ziegner (46. Charalambides); Werner,
Torghelle (78. Petersen)
- Mainz: Wetklo; Demirtas, Noveski, Subotiv, Hoogland; Feulner,
Petkovic, Gunkel, Karhan (72. Laurent); Borja (61. Jovanovic), Amri
(89. Vrancic)
- Zuschauer: 11.798
- Schiedsrichter: Willenborg (Osnabrück)
- Spielbericht:
- Mainz 05 – ich muss gestehen, dass ich gewisse Sympathien
für diesen Verein hege. Selbige haben ein ganzes Stück mit Trainer Jürgen Klopp
zutun, aber auch mit dem Erscheinungsbild des FSV insgesamt. Wenn es jedoch gegen
den FC Carl Zeiss geht, gibt es kein Pardon
– dann gehört Mainz in der persönlichen Werteskala nur noch zu „best of the
rest“.
Es konnte mir also nicht gefallen, was sich da in Halbzeit
eins auf dem Rasen abspielte. Vom Anpfiff weg bestimmten die Gäste mit
scheinbarer Leichtigkeit die Szenerie. Zweite Minute, erste Chance – Amri aus
15 Metern knapp drüber. In der 6.
Minute lud Omodiagbe mit Fehlpass Feulner zum Torschuss ein. Der nach Köln
zurecht kritisierte, mit „Tri Tra Trullala“-Artikeln aber nahe der Gürtellinie
getroffene Kasper Jensen zeigte sich in dieser und den folgenden Situationen
wieder auf der Höhe. Den frühen Rückstand vermochte er aber nicht zu
verhindern. Weil bei einem schnellen Mainzer Angriff noch ein Stürmer im
Zentrum mitlief, gingen nicht ausreichend
Jenaer Verteidiger auf den ballführenden Markus Feulner. Dieser ließ Müller als
seinen einzigen Gegenspieler ins Leere grätschen und Jensen keine Chance.
Hallo wach ? – Weit
gefehlt, statt mit Aufbäumen reagierten Jenas Akteure mit Verunsicherung. Dass sich
Omodiagbe bei allen Qualitäten seine zwei, drei Aussetzer pro Spiel leistet,
wissen wir schon. Auch dass sich bei Holzner Licht und Schatten noch zu sehr
abwechseln. Doch selbst ein Alexander Maul ließ sich in dieser Phase von der
allgemeinen Nervosität in der Hintermannschaft anstecken.
Auch nach vorn lief wenig rund, keine Spur von einem konstruktiven Zusammmenspiel. Simaks
30-Meter-Freistoß war der erste Jenaer Torschuss überhaupt. Nach 32 Minuten !
Zu diesem Zeitpunkt hatte Mainz bereits ein halbes Dutzend Male aufs Tor geschossen.
Schon ein kurzer Antritt von Tobias Werner und die hohe Hereingabe, welche
Wetklo locker herunterfischte, ließen kurzzeitig Stimmung aufkommen. Wie
Dürstende auf jeden Tropfen Wasser stürzten sich die Zeiss-Fans auf diese
unaufregende Szene. Kein Wunder angesichts der Tristesse in Hälfte eins.
Omodiagbes Kopfball (42.) war da noch die beste Gelegenheit vor der Pause, vor
Probleme wurde Wetklo aber auch damit nicht gestellt. Dessen Gegenüber Jensen
hatte da ganz andere Kaliber zu meistern. Bei Feulners Kopfball aus Nahdistanz
reagierte der Däne großartig, auch Hooglands Nachschuss lenkte er zur Ecke.
Mainz dominierte. Mit dem 0:1-Rückstand war Jena zur Pause gut bedient.
Gelbe Schuhe zu blau-weißen Stutzen – rein optisch passt der
zypriotische Nationalspieler Constantinos Charalambides schon mal sehr gut nach
Jena. Zumindest in den ersten Minuten nach seiner Einwechslung war der
Neuzugang überall auf dem Platz zu finden, als wolle er im Alleingang dem
Geschehen eine Wende geben. Doch auch seine neuen Mannschaftskameraden
steigerten sich endlich auf jenes Niveau, dass man von Anfang an hätte erwarten
dürfen. Torghelles Einsatz auf der rechten Seite brachte nach 53 Minuten den
ersten Jenaer Eckball. Und der führte zum Ausgleich durch Darlington Omodiagbe.
Per Kopf traf der Nigerianer aus Nahdistanz. Zwischen Genie und Wahnsinn liegt
eben manchmal nur eine Halbzeitpause. Jetzt war Jena am Drücker, auch
akkustisch. Von den recht wenigen Mainzer Anhängern war vorübergehend nichts zu
hören. Bis hinauf zur letzten Reihe der neuen Zusatztribüne feuerten die
Zuschauer ihre Elf an. Jürgen Klopp lobte nach dem Spiel die tolle Atmosphäre
im Jenaer Stadion. Schade nur, dass sich seine Spieler davon nicht beeindrucken
ließen. Die Bundesligaabsteiger nahmen den Kampf an und da sie in der
Spielanlage einen Tick reifer wirkten, gewannen sie dieses Match. Amris
Schrecksekunde (Ball rollte parallel zur Linie des verwaisten Tores) beendete
die beste Jenaer Phase. Gunkels Diagonalfreistoß machte sinnbildlich den Deckel
zu. Dass der vom Schiri als indirekt ausgeschriebene Freistoß direkt verwandelt
wurde, passt ebenso ins Bild wie Werners unglücklich vergebene Großchance drei
Minuten vor Schluss – wenn du da unten drin stehst, bekommst du den Mist nicht
so schnell vom Hacken. Auf diese Art verlor der FCC sein drittes Spiel in Folge
mit einem Tor Differenz. Wobei es
Jensen mit einer weiteren Rettungstat gegen Feulner (90.) zu verdanken ist,
dass es nicht mehr wurde.
Die Schwere des Auftaktprogramms war uns allen bewusst. Dass
aus vier Partien nur ein mickriges Pünktchen herausspringt, ist allerdings
ernüchternd, insbesondere nach den Spielverläufen gegen St. Pauli und Köln. Bei
aufmerksamer Betrachtung des Jenaer Spiels gewinnt man den Eindruck, die
Komponenten für eine erfolgreiche Saison sind da, aber noch nicht richtig zusammengefügt.
Vielleicht kommt die 12tätige Punktspielpause gar nicht so ungelegen. <fc>
1. FC Köln - FC Carl Zeiss Jena 4:3
Tore: 0:1 Torghelle (5.), 1:1 Novakovic (20.), 1:2 Müller (37.),
1:3 Omodiagbe (55.), 2:3 Chihi (73.), 3:3 Chihi (84.), 4:3 Jensen (86., ET)
- Köln: Mondragon; Ehret, Mitreski, McKenna, Nickenig
(60. Schöneberg); Antar, Broich (60. Scherz), Helmes; Chihi, Vucicevic, Novakovic (60. Gambino)
- Jena: Jensen; Kandelaki, Omodiage, Müller, Holzner;
Hansen (84. Stegmayer), Lorenzon (46. Kühne), Werner, Simak,
Ziegner; Torghelle (81. Petersen)
- Zuschauer: 37.700
- Schiedsrichter: Dr. Fleischer (Sigmertshausen)
- Spielbericht:
- Es war die Woche der
unverdienten Auswärtssiege mit St. Paulis Dreier im Ernst-Abbe-Sportfeld und
Deutschlands glücklichem Erfolg in Wembley, und so mancher hegte die Hoffnung
auf eine Fortsetzung dieser Serie in Köln-Müngersdorf, waren die Vorzeichen
zwischen den beiden ungleichen Gegnern doch klar. Einen unverdienten Verlierer
gab es auch diesmal, jedoch war dies nicht etwa der haushohe Favorit, sondern
ein FC Carl Zeiss, der sich in der Schlussphase selbst um den Lohn eines
großartigen Spieles brachte.
Durch
den Platzverweis Alexander Mauls war Coach Frank Neubarth zu Umstellungen
gezwungen, nahm Robert Müller in die Innenverteidigung und ließ mit Nils Hansen
und dem erstmals nach seiner Verletzungspause wieder kickenden Lorenzon gleich
zwei Abräumer im defensiven zentralen Mittelfeld auflaufen. Werner und Ziegner
besetzten die Außenpositionen im Mittelfeld, während Jan Simak als Spielmacher
fungierte, hinter der einzigen Spitze Torghelle. Und was der drauf hat, sorgte
schon nach 5 Minuten für den ersten Jubelschrei unter den 1.500 mitgereisten
Zeissfans. Langer Abschlag Jensen, Kopfball-Doppelpass
Torghelle-Werner-Torghelle und unser ungarischer Neuzugang hämmerte die Kugel
trocken von der Strafraumgrenze ins Netz. 0:1, was für ein Auftakt, und um ein
Haar hätte Broich nachgelegt, dessen Rückpass Mondragon verfehlte, aber knapp
am Kölner Kasten vorbeirollte (14.).
Beim Gastgeber hatte man im Vorfeld einen mauernden Gegner erwartet,
doch der FCC spielte auch nach der Führung munter nach vorn, fast zu munter,
denn Kölner Gelegenheiten resultierten fast ausschließlich aus Kontern nach
jenenser Abspielfehlern. In der 10. Minute ging das noch gut, als Jensen einen
tückischen Helmes-Knaller im Nachfassen parierte, nach 20 Minuten jedoch hatten
die Domstädter mit ihrer zweiten Möglichkeit im Spiel ausgeglichen. Novakovic
hatte von Omodiagbe bedrängt Vucicevic angespielt, welcher an der rechten
Strafraumgrenze Lorenzon düpierte und auf den von Omodiagbe und Werner
sträflich vernachlässigten Novakovic zurückpasste. Dass dessen Schuß durch die
Beine von Hansen den Weg ins Netz fand ist sicher unglücklich zu nennen, das
Abwehrverhalten zuvor dilettantisch. Köln hatte nun Oberwasser, baute gehörigen
Druck auf und hatte mit Vucicevics Schussversuch nach Kandelakis
verhängnisvollem Ballverlust (24., knapp daneben) und Broichs abgefälschtem
Schuß (29., Jensen hält) auch die ein oder andere Möglichkeit. Doch als Simak
mit einem wahren Zauberpass den durchlaufenden Holzner bedient und dieser aus
Nahdistanz an Mondragon scheiterte (30.), wirkte das wie ein Signal an die
eigene Mannschaft zur Besinnung auf das überlegte Spiel der ersten Minuten. Kurz
darauf hätte es Elfmeter für den FC Carl Zeiss geben müssen, als Torghelle im
Strafraum gefoult wurde, doch nicht nur in dieser Szene zeigte sich die
nachhaltige Wirkung des Daumschen Montagstheaters bei Referee Dr. Fleischer.
Jena ließ sich nicht beirren, es war eine Freude, dem Kombinationsfußball von
Jenas Offensivabteilung um den immer besser werdenden Kapitän Ziegner, den an
allen Ecken des Spielfeldes zu findenden Hansen (bester Mann auf dem Platz) und
einen Jan Simak zuzusehen und manch einer rieb sich die Augen, mit welchem
Selbstbewusstsein der Underdog hier in der WM-Arena auftrat. Werners Schuß nach
36 Minuten parierte Mondragon im Nachfassen, Ziegners Freistoß eine Minute
später kratzte der kölsche Schlussmann noch aus dem Eck, doch die
darauffolgende Ecke brachte die verdiente Führung. Torghelle hatte Ziegners
Eckball an den langen Pfosten verlängert, wo Robert Müller eiskalt vollendete.
Der Gast wirkte nun wie paralysiert, beinahe hätte Torghelle das Ergebnis noch
höher schrauben können, verzettelte sich aber im Strafraum (39.) und so war der
Schlusspunkt unter die erste Hälfte symptomatisch, als der wenige Tage zuvor
noch zum Deutschlandkader gehörende Helmes eine Freistoßablage von Vucicevic 15
Meter über das Jensen-Gehäuse beförderte. Kölns Mannschaft ratlos, Kölns
Publikum fassungslos und ein gellendes Pfeifkonzert verabschiedete die
Millionentruppe in die Kabinen.
Aufbäumen,
Dagegenhalten, Druck aufbauen, so in etwa hätte man die Gastgeber nach
Wiederanpfiff erwartet, doch stattdessen spielte Thüringens Stolz so, als hätte
er einen Rückstand aufzuholen. Werner prüfte Mondragon mit Schuß aus spitzem
Winkel (51.), das Eckenverhältnis war inzwischen auf 7:3 für Jena angestiegen
und als Ziegners Freistoß den Fuß des völlig unbedrängt durchlaufenden
Omodiagbe fand, hieß es 1:3, das Spiel schien entschieden. Auch wenn Helmes nur
eine Minute später den Anschlusstreffer auf dem Kopf hatte und knapp verzog,
das Auftreten der völlig konsternierten Gastgeber glich insgesamt einem
Fehlpassfestival, begleitet von eisigem Schweigen des Opernpublikums auf den
Tribünen. Christoph Daum hatte die Nase voll, wechselte gleich drei Spieler auf
einmal aus und vor allem die Hereinnahme von Matthias Scherz, der ja schon in
der Vorsaison den mehr als glücklichen Siegtreffer der Kölner vom Elfmeterpunkt
erzielt hatte, sollte sich als folgenschwer erweisen. Doch zuvor hatte Referee Fleischer
seinen Auftritt, schickte Zeiss-Trainer Frank Neubarth auf die Tribüne, als der
sich lautstark über eine der unzähligen Freistoßfehlentscheidungen zugunsten
des 1. FC Köln mokierte (65.), übersah eine Tätlichkeit Antars an Stefan Kühne
(Kopfstoß, 68.) und gab für McKennas Notbremse an dem durchbrechenden Torghelle
nur gelb (71.). Jener Torghelle hatte bis dahin ein großartiges Spiel gehabt,
zerrte unermüdlich an den Ketten und war von seinem Gegenspieler meist nur
durch Foulspiele zu stoppen. Doch er wurde ebenso wie Jan Simak müder und so
verlagerte sich das Spielgeschehen mehr und mehr in die Jenaer Hälfte, Chihi
mit Freistoß und Antar per Kopfball (69.) besaßen gute Möglichkeiten, ehe in
der 73. Minute das Unheil für den FCC seinen Lauf nahm. Die Fehlerkette war
lang. Jensen ließ sich eine Kölner Flanke von Robert Müller zum Einwurf
wegköpfen, anstatt sie selbst herunterzupflücken. Omodiagbe musste erkennen,
dass auch 1,88m nicht ausreichen, wenn man 2 Meter hinter einem kopfballstarken
Matthias Scherz steht, dessen Verlängerung Adel Chihi fand, der von Felix
Holzner völlig unbedrängt zum Anschlusstreffer einschoß. Fünf Minuten später
hatte Scherz selbst die Riesenchance zum Ausgleich, köpfte aber freistehend am
völlig leeren Tor vorbei. Durchatmen, doch die Partie wurde hitziger. Mondragon
erhielt gelb, als er den sich bei der Auswechslung zu viel Zeit lassenden
Torghelle vom Platz schubste, Holzner kassierte den gelben Karton für ein an
ihm begangenes Foulspiel und Jan Simaks Bedrängen Vucicevics wurde mit Freistoß
für Köln geahndet, den Scherz aufs Tor platziert, Jensen lässt den schon sicher
geglaubten Ball vor die Füße von Chihi fallen, der nur noch abstauben muß.
Ausgleich, Kölns Publikum aus dem Dornröschenschlaf erwacht und Kasper Jensen der
einsamste Mann auf dem Platz. Ob ihm diese Szene noch durch den Kopf schwirrte,
als er kurz darauf Chihis Eckball (Omodiagbe hatte zur Ecke klären müssen, da
ein Ellenbogencheck von Scherz gegen ihn ungeahndet blieb) zum Kölner 4:3 ins
eigene Tor patschte?
Ein mehr als bitteres Ende für den zuvor gut spielenden
Keeper, der nach dem Abpfiff sofort den Trost seines Kapitäns Torsten Ziegner
bekam. Vergessen wird er diesen Abend wohl nie, ebenso wie Jenas Anhang. Fassungslose,
entsetzte Gesichter noch Minuten nach Spielende im Gästeblock. Was für eine
Riesenchance hatte sich der FC Carl Zeiss hier selbst vergeben. Ob die
tadellose Moral der Mannschaft mit diesem erneuten Tiefschlag einen dauerhaften
Knacks wegbekommen hat, oder ob man sich am 70 Minuten lang wirklich tollen
eigenen Spiel aufbaut, wird die nächste Partie gegen Mainz zeigen. Nachdem der
Trainer, dessen vorgenommene und unterlassene Auswechslungen in Köln nicht
jedermanns Geschmack trafen, aus den vielen Neuzugängen mehr und mehr eine
Mannschaft zu formen scheint, ist in den kommenden Tagen in erster Linie der
Psychologe Frank Neubarth gefragt! <gunner>
FC Carl Zeiss Jena - FC St.Pauli 0:1
Tore: 0:1 Schnitzler (20.)
- Jena: Jensen; Kandelaki, Maul
(

, 40.),
Omodiagbe, Holzner; Kühne (67. Petersen), Hansen, Ziegner (46. Simak),
Müller; Werner, Torghelle (77. Helbig)
- St.Pauli: Borger; Gunesch, Eger, Morena, Rothenbach; Trojan (79. Bruns), Boll, Meggle, Takyi (

, 42.), Brunnemann (45. Braun); Schnitzler (64. Ludwig)
- Zuschauer: 12.129
- Schiedsrichter: Schalk (Augsburg)
- Spielbericht:
- [von Gastkommentator Ragnar Boedefeld]
Nach drei erfolgreichen Jahren in Folge und der Wiederholung eines
2:2-Auswärtserfolgs nach 0:2-Rückstand im ersten Saisonspiel war es wieder
einmal an der Zeit, dem Aberglauben zu frönen. Und so schreibt jetzt im vierten
Jahr in Folge ein- und derselbe Gastkommentator den ersten Heimspielbericht.
Angeblich soll einer aus dem Stammpersonal sogar geheiratet haben, damit er um
diesen Spielbericht drumrum kam...
Ähnlich wie im letzten Jahr (Braunschweig) war auch diesmal ein potentieller
Konkurrent im Abstiegskampf beim ersten Saisonheimspiel zu Gast.
Unvorhersehbare Auswärtsunentschieden sind gerne gesehen - doch wichtiger sind
die drei Heimpunkte aus diesen sogenannten "Sechs-Punkte-Spielen". Unbedingter
Siegeswillen war also Pflicht, und so harrte unsereiner gespannt, ob der
Trainer Neubarth dieses seinen Spielern verklickert hatte.
Er hatte - wenn man
die ersten zwanzig Minuten des Spiels als Maßstab nimmt. In dieser Zeit brachte
der FCC fünf gefährliche Situationen zustande, die in ihrer Vielfalt
überraschten. Ein Freistoß von Ziegner, der knapp neben das Tor ging, ein
gefährlicher Fernschuss von Kühne, dann einer von Werner, den Borger abprallen
ließ - Torghelle war einen Schritt zu spät. Kurze Zeit später war es umgekehrt:
Torghelle ließ zwei Gäste aussteigen und versuchte einen Schlenzer mit dem
linken Bein, Borger ließ wieder prallen - doch der Ball wollte einfach nicht
rein. Dann folgte noch ein gefährlicher Kühne-Kopfball. Von Pauli war bis dahin
nichts zu sehen, die besten Aktionen der Gäste hatte noch der Fanblock.
Plötzlich zack-zack, ein Querpass, einer in die Spitze - und Schnitzler kann
frei vor Jensen einschieben. Ausgerechnet Pauli, das seinerseits letzte Woche
gegen Köln reihenweise vor dem Tor versagt hatte, machte mit seinem ersten
zusammenhängenden Spielzug das 0:1. Nur kurz danach wäre beinahe das 0:2
gefallen, der Ball ging links unten knapp vorbei. Beim FCC war jetzt ein Knacks
im Spiel, keiner lief richtig und elementare Dinge wie flache Anspiele und
Ballannahmen aus der Luft misslangen. Eine Viertelstunde lang war einmal mehr
der Fluch der ersten Saisonspiele zu ertragen: eine bunt zusammengekaufte
Mannschaft (gleichwohl mit Niveau) ist noch nicht wirklich eine Truppe, wirkt
verunsichert und ängstlich in einem ihr häufig noch fremden Heim-Umfeld, das
wegen des Rückstandes nicht erbaut ist. Bad Vibes... warum nur?
Individuelle Klasse hat der Kader jedenfalls, wie man in der 35. Minute sehen
konnte. Kandelaki wurde auf links steil geschickt, passte flach nach innen, wo
Torghelle den Ball annehmen, kontrollieren und auf Ziegner zurücklegen konnte,
der leider links vorbeisemmelte. Das tat weh, ebenso der knapp verfehlte
Ziegner-Freistoß kurz vor der Pause, bei dem Borger keine Regung zeigte. Ab der
40. Minute spielte übrigens der FCC nur noch zu zehnt, Maul war geampelt worden.
Zwei Minuten später hatte auch Pauli einen weniger auf dem Platz, nachdem Takuy
wiederholt das Spiel verzögert hatte.
Und dann kam der Abschnitt des Spiels, den ich nicht begreife. Freilich kann man
nicht 90 Minuten lang höchstes Tempo gehen, sicherlich muss man zwischendurch
auch mal verschnaufen. Aber wieso kann man nach einer Halbzeitpause voller
Regeneration nicht genau dort weitermachen, wo man vor der Pause aufgehört hat
- nämlich Druck auf den zeitweilig überforderten Gegner auszuüben? Pauli war
mit der Pause eigentlich sturmreif, wurde dann aber bis zur 70. Minute durch
einfache Fehler und mangelhaftes Laufspiel wieder aufgebaut. Wenn nur alle in
der zweiten Halbzeit so gerannt wären wie der Holzner...
Erst in der
Schlussviertelstunde wurde Pauli wieder in der eigenen Hälfte eingeschnürt.
Auffällig war dabei Jan Simak, der die Bälle jetzt schön verteilte und auch
selbst gefährlich wurde. Es ergaben sich Chancen im Minutentakt, fast jeder
durfte mal ran. Leider ging alles daneben (Torghelle 74., Petersen 78. und 86.,
Werner 83.), an den Pfosten (Petersen 74.) oder wurde von Borger entschärft
(Kopfball von Helbig 83.). Dann war Schluss und die erste Heimniederlage in der
neuen Saison Tatsache.
Trotz dieser Niederlage bleibt ein besseres Gefühl als im letzten Jahr nach dem
0:0 gegen Braunschweig, weil der FCC seinen Gegner diesmal spielerisch
beherrschte, obwohl die Hälfte der Neuzugänge noch auf der Bank saß bzw.
verletzt war. Heuer steht auch nicht zu befürchten, dass das Potential des
Clubs einbricht, sollten Spieler wie Ziegner und Helbig eine ganze Saison lang
verletzt ausfallen - der Kader ist wesentlich breiter und auch besser geworden.
Wie sagte Gästetrainer Trulsen in der Pressekonferenz: "Es wird für jede
Mannschaft schwer, in Jena zu punkten." Allerdings nur, wenn die Dinger vorne
auch jemand reinmacht!
Alemannia Aachen - FC Carl Zeiss Jena 2:2
Tore: 1:0 Vukovic (1.), 2:0 Nemeth (6.), 2:1 Maul (28.), 2:2 Petersen
(76.)
- Aachen: Nicht; Stehle, Klitzpera, Vukovic (33. Casper), Weigelt;
Lehmann, Polenz (75. Leiwakabessy), Reghecampf, Nemeth, Pecka (81. Milchraum),
Ebbers
- Jena: Jensen; Kandelaki, Maul, Omodiagbe, Holzner; Kühne,
Müller (72. Petersen), Hansen, Ziegner (72. Fröhlich), Simak
(58. Stegmayer); Werner
- Zuschauer: 19.986
- Schiedsrichter: Aytekin
- Spielbericht:
- Wenn ein Verein aus der Bundesliga kommend zuhause auf den
Zweitliga-Dreizehnten des Vorjahres trofft, ist die Favoritenrolle am 1.
Spieltag klar gegeben. Dass sich der Webmaster aus Aachen bei der
Live-Ticker-Ankündigung aber gleich für ein fingierte 5:2-Vorhersage entschied, kam
uns vor dem Spiel doch etwas übertrieben vor.
Nach sechs Minuten Spielzeit schien allerdings nichts mehr
unmöglich. Zwei Gegentore hatte sich der FC Carl Zeiss zu diesem Zeitpunkt
schon eingefangen, das Erste nach 50 Sekunden ! Einen Freistoß-Ball von
Reghecampf verlängerte Vukovic per Kopf unhaltbar ins Jenaer Gehäuse. Robert
Müller war zwar mit hochgestiegen, hatte aber das Nachsehen. Keinen
Gegenspieler besaß Nemeth nach 5:30 min. Omodiagbe hatte die Abseitsfalle
aufgehoben.
0:2 - Mann oh Mann, welch ein Fehlstart in die insgesamt achte
Zweitligasaison des FCC ! Nachdem der erste Schock verdaut war, erinnerte man
sich als Auswärtsfahrer an den 1. Spieltag der Vorsaison, als Jena in Offenbach
ebenfalls mit zwei Toren hinten gelegen hatte, sich aber noch zum Remis
kämpfte. Sollte dies erneut möglich sein ? Hier, auf dem berühmten Aachener
Tivoli ? Nicht das Stadion selbst macht den Reiz aus, in vielen Dingen erinnert
es an die alte Heimstätte des FC Sachsen Leipzig. Nein, es ist die Atmosphäre,
bei der das Dabeisein einfach Spaß macht, weil die Stimmung enthustiastisch,
aber nicht aggressiv ist und häufig von drei Seiten gleichzeitig gepuscht wird.
Es sah noch immer nicht gut aus. Nach 25 Minuten war kein einziger
gefährlicher Ball auf das vom Ex-Jenaer Kristian Nicht gehütete Aachen-Gehäuse
abgegeben worden. Stattdessen musste Gegenüber Kasper Jensen beim
Aachener Konter die fehlende Innenverteidigung ersetzen und zehn Meter vor
seinem Strafraum per Kopf klären. Dann die 28. Minute. Ziegner aus einer
Spielertraube heraus auf Hansen, Flachschuss aus 15 Metern, Torwart Nicht pariert auf
Kosten einer Ecke. Das war sie, die erste Jenaer Gelegenheit im Punktspieljahr
2007/2008. Eine Ansage „Wir sind auch da“. Den anschließenden Eckball
erwischt Stefan Kühne am langen Pfosten, köpft ihn zur Torlinie, wo Alexander
Maul steht und unter Bedrängnis einköpft. Der Anschlusstreffer noch vor der
Pause. Wie damals in Offenbach. Hoffnung bei uns. Ein aus allen Wolken fallen
bei den Alemannen. Zu deutlich hatten sie die Anfangsphase dominiert,
zu leicht ihre Tore gemacht gegen einen in
dieser Phase unsortierten und harmlosen Gegner. Nun kämpften sich die
Neubarth-Schützlinge in das Spiel hinein. Nur vier Minuten nach dem
Anschlusstreffer spielte Simak einen ähnlich genialen Pass wie im Pokal eine Woche zuvor
auf Werner, der hatte gegen den heranstürmenden Nicht die Idee eines
Hebers – nur leider fiel dieser zu hoch aus. Eine Partie mit umgekehrten
Vorzeichen – jetzt spielte Jena Fußball. Wäre Kühne in der 43. Minute nicht
selbst überrascht gewesen über eine sich bietende Kopfballchance, es hätte noch
vor der Pause Unentschieden gestanden. Der Offenbacher Regievorlage hätte dies
freilich nicht entsprochen.
Mit ein bisschen Magengrummeln empfingen wir unsere Mannen
aus der Kabine. Nur nicht wieder solch eine Schlafwagen-Einlage wie zu Beginn.
Doch die Sorgen erwiesen sich als unbegründet. Lediglich Keeper Jensen sorgte
für erhöhte Herzfrequenz in Minute 51, als er bei zwei heranstürmenden
Gegenspielern den Ball nicht einfach wegschlug, sondern ihn kalt wie
Hundeschnauze behauptete. Außerdem Holzner, der am eigenen Strafraum den Ball
vertändelte und von Glück sagen kann, dass die Abseitsfahne nach oben
schnellte, da ansonsten eine 3 gegen 1-Überzahlsituation für die Westdeutschen
entstanden wäre.
Die Leistungssteigerung der Jenaer Elf lässt sich treffend am Bild festmachen, dass Ilia Kandelaki in den ersten neunzig Minuten
für seinen Verein abgab. Nach Stegmayers gutem Pokalauftritt war er für mancheinen
überraschend in die Startelf gerückt. Die etwas defensivere Variante schien
anfangs nach hinten loszugehen, weil der Georgier einige Male Unsicherheiten
auf seiner linken Seite offenbarte. Doch nach der Pause fand Kandelaki zu sich selbst,
seinen Mannschaftskameraden und ins Spiel. Wobei Stegmayer später noch eingewechselt wurde,
ebenso wie Fröhlich und Petersen. Die aus den Wechseln hervorgehenden
taktischen Umstellungen waren riskant, besonders der Austausch des defensiven
Müller gegen den stürmenden Petersen. Das Risiko sollte sich aber bezahlt machen. Denn
Nils Peteresen war gerade drei Minuten im Spiel, da verlängerte er einen Ball
von Kühne ins Tor. Wahnsinn ! Ausgerechnet Jenas Jüngster schafft den
Ausgleich. Klar hat der in Junioren-Länderspielen schon gegen
U19-Nationalmannschaften getroffen, doch ein solche wichtiger Treffer „bei den
Großen“ ist dann doch etwas Besonderes. Wäre der Bursche in Minute 79 doch noch
einmal etwas kaltblütiger gewesen, er hätte den FCC gar zum Sieg geschossen.
Nach einer Unsicherheit seines Gegenspielers verzog Petersen jedoch
deutlich.
Remember OFC – aus einem 0:2 ein 2:2 gemacht und dem Sieg
sehr nahe gekommen. Auch Kandelakis
Flanke fünf Minuten vor Schluss brachte Gefahr, neutralisierte sich aber mit
Reghecampfs Hereingabe in Minute 88. Beide Male fehlte ein Abnehmer im
Sturmzentrum.
Das Unentschieden feierten die Jenaer wie einen Sieg,
während die Gastgeber ziemlich konsterniert das Stadion verließen. Auch dieses
Bild hatten wir vor einem Jahr schon einmal. Neu ist die Serie, in der sich die
Jenaer Mannschaft befindet. Unter Frank Neubarth bleibt sie in Pflichtspielen
weiterhin unbesiegt. <fc>
Bilder von der ersten Partie
Spielbericht auf alemannia-aachen.de
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Valdas Ivanauskas behielt sein Bäumchen-wechsle-dich-Spiel in Sachen Aufstellung bei.
Der gegen Aue indisponierte Tapalovic stand nicht einmal im Kader und Helbig
fand sich neben dem angeschlagenen Simak auf der Bank wieder. Stattdessen
Oniani von Beginn an in der Viererkette, und vorn stürmten Torghelle und nach
seiner abgesessenen Gelbsperre auch wieder Tobias Werner Seite an Seite. Beide
waren es auch, die im Zusammenspiel die ersten Duftmarken setzten. Nach drei
Minuten nimmt Torghelle einen Zauberpass Werners auf, lässt sich aber von
Bellinghausen im Strafraum abdrängen und hofft zu Recht vergeblich auf einen
Elfmeterpfiff, eine Viertelstunde später segelt der Ungar nur haarscharf an
einer Werner-Freistoßhereingabe vorbei. Jena war das aktivere Team und die
Gastgeber schienen doch etwas überrascht davon, dass sich der Tabellenletzte
keineswegs nur hinten rein stellte, sondern das Spiel mehr und mehr an sich
riss. Riss ist das richtige Stichwort, denn das Bersten von Jenas Spielfaden
ließ sich selten so punktgenau datieren wie in diesem Spiel. 19. Minute, ein
schwacher Freistoß Torsten Ziegners gelangt zum Ausführenden zurück, dessen
kapitalen Stockfehler an der Mittellinie Josh Simpson – zuvor schon durch eine
nicht geahndete Tätlichkeit gegen Stegmayer auffällig – ausnutzt und gemeinsam
mit zwei Teamkameraden allein auf Daniel Kraus und Stegmayer zuläuft. Auch wenn
die Lauterer dies schlampig ausspielen, der Ball zappelt im Netz und Jenas Anhänger
erleben ihr ewiges Deja vu aus der Abteilung „Wie besorge ich es mir selbst“.
Was sich in den folgenden Minuten auf dem Rasen abspielte, lässt sich aus
Thüringer Sicht nur mit erbärmlich, hilflos, hoffnungslos umschreiben. Die
Zeiss-Elf geschockt, während die Betzebuben sich nun fast im Minutentakt Chance
um Chance erspielten. Oniani klärt gefährliche Freistoßflanke (21.), Kraus
pariert Jendrisek-Schuß (23.), Broniszewski knapp neben das Tor (24.),
Runströms Heber landet auf der Latte (25.), Maul klärt Jendrisek-Schuß für den
geschlagenen Kraus auf der Linie (30.), Kraus rettet todesmutig gegen den
heranstürmenden Runström (35.), Lautern drückte und Jena schwamm, frei von
jeglicher Ordnung, frei von jeglichem Selbstbewusstsein. Dass mitten in diese
Phase die Herausnahme des Kapitäns fiel, ist zwar eine bemerkenswerte
Personalie, Einfluß auf das Geschehen auf dem Platz hatte sie nicht, denn auch
Jan Simak fügte sich nahtlos in die desaströse Vorstellung der Jenaer Elf ein.
Und just als man sich noch sagte, dass der Spielstand zur herannahenden
Halbzeitpause noch das Beste der ersten 45 Minuten sei, hatte auch dieser
keinen Bestand mehr. Hauptprotagonist diesmal Daniel Kraus, der erst einen fast
gefangenen Eckball wieder prallen ließ und bei der anschließenden Flanke
danebengriff, so dass sich Josh Simpson mit dem 2:0 bedankte und für
Endzeitstimmung bei 2.000 Jenensern im Gästeblock sorgte.
Die löste sich auch nicht mit Wiederanpfiff, als die Hereinnahme Robert Müllers für den noch zu den Besseren gehörenden Stefan Kühne wohl nur von den Wenigsten als Startsignal zu Jenas Aufholjagd verstanden wurde. Und so setzte sich das planlose Vorpausenspiel nahtlos fort, kapitale Abwehrschnitzer (Oniani, Maul) ermöglichten Broniszewski und Jendrisek beste Einschußchancen zur Resultatserhöhung, während der FC Carl Zeiss im Offensivspiel schlicht nicht existent war. Ähnlich wie die Pfälzer also anfangs der ersten Halbzeit und so wollte es das Schicksal, dass auch diesmal ein unfassbarer Bock des Gegners den Weg zum Tor bereitet. Lauterns Innenverteidiger Mathieu Beda wird des nächtens wohl von jener Szene in der 61. Spielminute träumen, als er plötzlich völlig unmotiviert und in der irrigen Annahme, sein Torhüter käme ihm entgegen, Torghelle das Leder herschenkt. Der Ungar schlägt die Einladung nicht aus, schlenzt gekonnt über Keeper Sippel ins Netz und Jena ist zurück im Spiel, ohne eigentlich zu wissen, warum. Vier Minuten später schien dann alles wieder in gewohnte Bahnen zu laufen, als sich der von seinen Vorderleuten erneut im Stich gelassene Kraus im Strafraum nur mit einem plumpen Foul an Sven Müller zu helfen weiß, Elfmeter. Ob man auf diesen Elfer später als den Knackpunkt unserer Saison zurückblicken wird? Kraus springt in die richtige Ecke, hält, der Nachschuß landet am Pfosten, alles Glück dieser Welt scheint in diesem Moment auf jenen wenigen Quadradmetern Rasen vereint zu sein. Und endlich begreifen auch die Blau-gelb-weißen dies als Wachrüttler, zückt Ivanauskas mit Nils Petersen seinen ultimativen Joker und nimmt dafür Ilja Kandelaki aus der Begegnung, wobei der Gang des Georgiers vom Feld seine aufsehenerregendste Szene nach 69 Minuten Alibifußball darstellte, sieht man einmal von einer Flut an Fehlpässen ab. Werner rückte für Petersen nun ins linke Mittelfeld zurück und prompt setzte man den Gastgebern zu, übte Druck aus, setzte Nadelstiche. Und einer davon saß: Simaks Ecke wird zu kurz geklärt, Werners Knaller pariert Sippel, aber gegen den erneuten Nachschuß Omodiagbes ist auch er machtlos. 2:2, unfassbar. Unfassbar auch, dass Jena nun nachsetzte, Lautern spürbar wankte und seinerseits völlig den Faden verlor. Werners Schußversuch konnten sie noch ins Toraus abfälschen (76.), Simak verzog im Strafraum knapp (79.) und dennoch hätte es im Gegenzug beinahe bei Daniel Kraus geklingelt, doch der eingewechselte Ziemer agiert freistehend zu umständlich. Der erneute Gegenzug, die Roten Teufel bekommen das Leder nicht aus der Gefahrenzone, Simak zu Torghelle, Torghelle zu Simak, Simak mit einem Anflug von Genialität millimetergenau auf Petersen und was ist das für ein Wahnsinnsjunge, den Ball furztrocken volley ins entlegene Eck zu katapultieren? Das Spiel war gedreht und Jenas Youngster hätte gar noch einen draufsetzen können, als er sich nach 86 Minuten in den Strafraum dribbelt, aber zu Torghelle zurücklegt, der aus fünf Metern über den leeren Kasten zieht. Lautern riskierte nun alles, hohe Verzweiflungsbälle in den Jenaer Strafraum wechselten sich mit kreuzgefährlichen FCC-Kontern ab, mit denen ebenso fahrlässig umgegangen wurde, wie der mehrfache Deutsche Meister das in Halbzeit eins vorgemacht hatte. Dass sich dies nicht noch rächte, verdankte man Lauterns Jendrisek, dessen Kopfball in der 92. Minute knapp das Ziel verfehlte.
Dann war Schluß, fassungsloser Jubel im Gästeblock, binnen 30 verrückten Minuten war aus „Wir woll’n euch kämpfen seh’n“ ein „Wir woll’n die Mannschaft seh’n“ geworden, aus „Wir ham’ die Schnauze voll“ ein „Oh wie ist das schön“. Und nachdem der Puls erst einmal etwas herunter gefahren war, da war sie wieder, die Parallele zu den beiden vorangegangenen Spielen, jene brennende Frage: Abgesehen von der Freude über die in den Schlussminuten eingefahrenen Punkte, von der Hoffnung auf einen psychologischen Schub für’s nächste Match: Was soll einem aus der gebotenen Leistung heraus Hoffnung für den Klassenerhalt geben? Sicherlich nicht viel, doch wenn dieser glückliche Auswärtssieg eines war, dann Balsam auf die Wunde der so vielen unnötig verschenkten Punkte im Verlaufe der letzten vier Monate. Fußballfans sind die größten Philosophen, und wer wollte meinem Bruder widersprechen in seinem Fazit: „Wir ham’s zwar nicht verdient, aber das ham’wer uns mal verdient“. Auf die Hoffnung! <gunner>
- Jena: Kraus; Stegmayer, Omodiagbe, Oniani, Tapalovic (41. Maul);
Kandelaki, Kühne, Ziegner (57. Torghelle), Simak, Charalmabides;
Helbig (72. Petersen)
- Aue: Keller; Trehkopf, Kos, Loose, Sträßer; Liebers, Emmerich (76. Kurth), Curri (80. Geißler), Feldhahn; Sykora, Klinka (76. Kaufman)
- Zuschauer: 9587
- Schiedsrichter: Gagelmann (Bremen)
- Spielbericht:
- Aue: Keller; Trehkopf, Kos, Loose, Sträßer; Liebers, Emmerich (76. Kurth), Curri (80. Geißler), Feldhahn; Sykora, Klinka (76. Kaufman)
- Die ersten Überraschungen gab es beim Blick in die
Aufstellung. Ziegner verblieb trotz Simaks Rückkehr in der Startelf. Maul ein
weiteres Mal draußen. Doch die meisten Fragezeichen ergaben sich mit Blick auf
den Einmannsturm. Angesichts der Tabellensituation in einem Heimspiel nur mit
Helbig zu beginnen und Jenas besten Schützen Torghelle draußen zu lassen,
weckte jede Menge Unverständnis. Sollte der Ungar für seine übermotivierte
Spielweise in Osnabrück nachträglich noch bestraft werden ? Ist Motivation in
unserer Situation nicht wertvoll genug, um zu versuchen, sie in geordnete
Bahnen zu lenken ?
Das Ostderby gegen Erzgebirge Aue war nüchtern betrachtet schon fast die letzte Gelegenheit, sich die Hoffnungen auf den Klassenerhalt bewahren zu können. Deshalb wirkte der erneute frühzeitige Rückstand wie ein Schlag in die Magengrube. Tapalovics Foul im Strafraum war nichts Grobes. Eines von der Sorte, wo im Mittelfeld kurz Freistoß gepfiffen wird und das Spiel gleich weiterläuft. Aber es passierte nun mal nicht im Mittelfeld, sondern im eigenen Sechzehner und somit geht der Elfmeterpfiff in Ordnung. Emmerich verwandelte sicher. In den diesjährigen Meisterschaftsspielen war es Jena noch nicht gelungen, ein 0:1 in einen Sieg umzuwandeln. Und so ängstlich, wie es in der Folgezeit zu Werke ging, schien daraus auch diesmal nichts zu werden. Symptomatisch für die allgemeine Verunsicherung war die Szene, in der Oniani unbedrängt den Ball am eigenen Keeper vorbei ins Toraus schob. Am meisten in Erscheinung trat anfangs das promblemlos amtierende Schiedsrichter-Gespann, das in regelmäßigen Abständen von acht Minuten seinen Auftritt hatte: Strafstoßpfiff in der 8. Minute, Gelbe Garte für Stegmayer in der 16., Abseitsfahne beim Kopfballtor Sykoras in der 24. Erst in Minute 25 ergab sich mal eine Tormöglichkeit für die Thüringer, welche Ilia Kandelaki jedoch kläglich vergab: Drei Meter vor dem Tor stehend köpfte er einen Flankenball um zehn Meter am Kasten vorbei ! Schlimmer noch: Es sollte die einzige echte Chance in Halbzeit eins bleiben für den FC Carl Zeiss, auch weil sich Alleinunterhalter Helbig zumeist von mehreren Gegenspielern umringt sah und wie befürchtet damit auf verlorenem Posten stand. Während Charalambides auf seiner lila-verwaisten Seite ein ums andere Mal vergeblich auf sich aufmerksam zu machen versuchte, sorgte ein simpler Fehler Kandelakis in der Ballannahme auf der anderen Seite für erste Unmutsäußerungen von den Rängen. Fünf Minuten vor der Pause unterlief Elfmetersünder Tapalovic ein Ballverlust, den Sykora nicht zu nutzen wusste, jedoch Valdas Ivanauskas auf die Palme brachte. Noch vor dem Seitenwechsel nahm er Tapalovic vom Feld, um dafür Alexander Maul ins Abwehrzentrum zu beordern.
Dieser berichtete hinterher, dass die Spieler in der Kabine einiges zu hören bekommen und sich danach gesagt hätten: „Das Match drehen wir heute“. Ganz ehrlich, lieber Alexander, lange Zeit sah euer Spiel in der zweiten Hälfte kein bisschen besser aus als in der Ersten. So war in Minute 67 nicht nur aus dem Ball die Luft heraus, sondern anscheinend auch aus dem Spiel. Das Schlimme an der Situation war, dass die auswärtsschwachen Auer keinen Deut stärker spielten, aber scheinbar sicher in Führung lagen. Weil in diesem Spiel eben einfach nichts passierte. Doch siehe da, mit neuem Spielgerät und zwei frischen Stürmern kam die Wende. Nils Petersen war gerade zwei Minuten im Spiel, als er eine Rechtsflanke von Charalambides erwischte und zum Ausgleich in die Maschen köpfte. „Ich habe den Ball fliegen sehen und gedacht, da musst du hin“, schilderte der Youngster das 1:1 aus seiner Sicht. Nun ging noch mal ein Ruck durch die Mannschaft, das Spiel wurde schneller, doch auch die Zeit rannte davon. Kühnes Schuss landete in Kellers Armen (81.). Doch mit dem Schuss von Maul hatte der Auer Torwart größere Problem, musste das Leder prallen lassen. Torghelle wollte abstauben und wurde durch Kos gefoult – Elfmeter ! In der vorletzten Spielminute ! Jan Simak hielt dem immensen Druck stand, indem er scharf oben links verwandelte.
Petersen hatte den Ausgleich erzielt, Maul den vorentscheidenden Schuss abgegeben, Torghelle den Elfmeter herausgeholt - mit seinen Einwechslungen lag Ivanauskas immerhin wieder richtig. Der einzig wahre Held hieß dabei natürlich Nils Petersen ! Eben noch auf dem Abstellgleis und nun das. Nach langer Pause wieder in die Erste berufen, auf Anhieb einen Treffer erzielt, zum Tor der Woche nominiert und in die U20-Nationalmannschaft berufen. Mehr geht nicht in sieben Tagen. Ein Zeiss-Talent startet durch. Es wäre so wichtig, würden sich seine Mannschaftskameraden davon anstecken lassen.Denn eines muss klar sein: „Beide Halbzeiten zusammen betrachtet war das nicht ausreichend für die zweite Liga“. Dieses Urteil hat der Auer Spieler Marco Kurth über die Leistung seines Teams gefällt. Es gilt wortwörtlich aber auch für die 90 Minuten des siegreichen FCC. <fc>
Bilder auf fcc.weissenburger.de
Spielbericht auf fc-erzgebirge.de
VfL Osnabrück - FC Carl Zeiss Jena 1:1
Tore: 1:0 Cichon (20., FE), 1:1 Werner (90.+2)
- Osnabrück: Gößling; Schäfer, Ndjeng,
Cichon, Thomik; Aziz (68. Nouri), Grieneisen (85. Manno), Heidrich, Schuon;
Hennings (89. Ehlers), Reichenberger
- Jena: Kraus; Stegmayer, Omodiagbe, Oniani, Günther
(

, 19.);
Kandelaki (85. Helbig), Kühne, Ziegner, Holzner (46. Charalambides);
Werner, Torghelle (37. Tapalovic)
- Zuschauer: 12.000
- Schiedsrichter: Kinhöfer (Herne)
- Spielbericht:
- (von Gastkommentator Thomas Neumann)
Das Osnabrücker Stadion an
der Bremer Brücke war Spielstätte des siebenten Auswärtsauftritts des FCC in
der Saison 2007/2008 und ich war wohl nicht der einzige Besucher, der die Parallelen
zum Spiel vor zwei Jahren sah. Nach einer Heimniederlage und eigentlich doch
recht ansprechenden Auswärtsauftritten in der Saison durfte man eigentlich
hoffen in Osnabrück zu punkten. Ähnlich
wie vor zwei Jahren, als der etatmäßige Spielmacher in der Regionalliga,
Torsten Ziegner, in Osnabrück fehlte, fiel diesmal Jan Simak aufgrund der 5. Gelben
Karte aus. Und das genau jener Torsten Ziegner nun diesmal den fehlenden Jan
Simak vertreten sollte, gab dem ganzen so eine besondere Note.
Aber um auch das nicht zu
vergessen, es gab auch einen Riesenunterschied zum Vergleich vor zwei Jahren:
Der FCC reiste dazumal als Tabellensiebenter zum VfL nach Osnabrück. Diesmal
kamen wir als Tabellenletzter nach Westniedersachsen und dementsprechend
pendelten die Ergebnistipps der Heimfans auf dem Weg vom Parkplatz zum Stadion
so zwischen einem 3:0 und einem 5:0 für ihre in der letzten Zeit extrem
heimstarken Lila-Weißen.
Die Mannschaft des FCC hatte
sich vor dem Spiel in einem viertägigen Trainingslager in Bad Blankenburg noch
einmal auf dieses Spiel eingeschworen und Jenas Cheftrainer Valdas Ivanauskas
wartete mit einigen Veränderungen in der Mannschaftsaufstellung auf. Neben
Torsten Ziegner in der Startformation, kamen auch Felix Holzner im rechten
Mittelfeld und Ilia Kandelaki im linken Mittelfeld zum Einsatz. Außerdem
spielten Omodiagbe und Oniani in der Innenverteidigung, Sven Günther mal wieder
hinten rechts und Michael Stegmayer hinten links, sowie Stefan Kühne als
Staubsauger vor der Abwehr. Und nachdem mit Sandor Torghelle und Tobias Werner
auch vorne mal wieder mit zwei Spitzen angefangen wurde, kann man Jenas Trainer
Valdas Ivanauskas wohl eher nicht vorwerfen, nicht mal etwas Neues
auszuprobieren.
Das Spiel begann für die
Jenaer eigentlich ganz ansprechend. Die Mannschaft kann das Spiel auch in des
Gegners Hälfte verlagern und von einer Anfangsoffensive der Heimmannschaft ist
wenig zu sehen. Felix Holzner zielt bei einer Schusschance in der 3. Minute aus
ca. 20 Metern nur knapp über das Tor. Nach und nach gewinnen die Osnabrücker
aber die Oberhand und als der FCC nach einer guten Viertelstunde einen Einwurf
in der eigenen Hälfte auf Links zugesprochen bekommt, nimmt das Unglück an Fehlern
mal wieder seinen Lauf. Man wirft den Ball nicht zurück zum eigenen Torwart,
wenn die gegnerische Mannschaft so aufgerückt ist. Man fängt als Torwart nicht
an, im eigenen Strafraum den Gegner auszuspielen. Und man reißt den Gegner im
Strafraum auch nicht um (wobei ich zugebe die Szene nicht genau gesehen zu
haben). Das Ergebnis dieser Fehler: Strafstoss für Osnabrück und eine rote
Karte für Sven Günther! Den Elfmeter verwandelt Thomas Cichon (20.) souverän
ins linke Eck und im mit ca. 400 bis 500 FCC – Fans gefüllten Gästeblock
beginnt sich sofort Defätismus breit zu machen.
Was sich in den nächsten 40
Minuten auf dem Platz abspielt, ist im Grunde genommen nebensächlich, weil
unerheblich. Die Osnabrücker können ihre Vorteile nicht wirklich nutzen und
beweisen auch nicht wirklich warum sie so viel mehr Punkte auf dem Konto haben
als der FCC. Der FCC vertut sich in Harmlosigkeiten und schwächt sich am Ende
selbst, als Oniani in einem Luftzweikampf Holzner (41.) ausschaltet.
Erst am Ende kommt der
Tabellenletzte wieder zu ansprechenden Szenen, die jedoch harmlos vergeben
werden.
Tja, und wenn es denn noch
mal eines Vergleiches mit jenem Treffen vor zwei Jahren bedarf, dann war es
eben jenes Ausgleichstor in der 90+x Minute durch einen Kopfball von Tobias
Werner. Danach war dann auch aber auch zum Glück schnell Schluss.
Ich spare mir lieber jede
Prognose zu Chancen und Möglichkeiten zum Klassenerhalt. Möglich ist vieles,
machbar auch. Die recht verhaltenen Gesten der Mannschaft nach dem Schlusspfiff
am Zaun vor dem Gästeblock sprechen aber Bände. Realistisch betrachtet haben
wir aber nur wieder einen Spieltag gegen einen Konkurrenten vergeben.
FC Carl Zeiss Jena - TSG 1899 Hoffenheim 0:1
Tore: 0:1 Obasi (72.)
- Jena: Kraus; Stegmayer, Omodiagbe, Maul, Oniani; Hansen (46.
Zimmermann), Müller, Simak, Charalambides (74. Helbig); Torghelle,
Werner
- Hoffenheim: D. Haas; Gustavo, Löw, Nilsson, Seitz; Eduardo
(68. Ibisevic), Vorsah, Copado, Salihovic (85. S. Haas); Paljic (62. Ba),
Obasi
- Zuschauer: 6895
- Schiedsrichter: Fischer (Hemer)
- Spielbericht:
- Vor Wochen sorgte der Streit zwischen Mainz 05 und
Hoffenheim 1899 für Diskussionen. „Bayern München erwirtschaftet sein Geld. In
Hoffenheim ist es nur ein Sponsor. Schade, dass so eine Mannschaft einen der 36
Plätze im Profifußball wegnimmt“, hatte sich der Mainzer Manager Christian
Heidel negativ über die Hoffenheimer geäußert. Dass diese verärgert darauf
reagierten, ist nachvollziehbar. Den Beweis, dass in diesem Verein mehr
Substanz steckt als ein starker Sponsor, der sich fähige Spieler an Land zieht,
bleibt die TSG aber bis zum heutigen Tag schuldig. Wenn beispielsweise von
Herrn Hopp die Auswärtsbusfahrt komplett bezahlt wird und sich dennoch gerade
mal 54 Fans auf den Weg machen, eine zuletzt sehr erfolgreiche Mannschaft
auswärts zu unterstützen, wird das keinen höheren Ansprüchen gerecht.
Die Schützlinge von Ralf Rangnick begannen offensiv, mit
gutem Passspiel. Dreimal musste Daniel Kraus bereits in den ersten zwanzig
Minuten zeigen, dass die Zeit der „Flattermänner“ im Jenaer Gehäuse ein Ende hat.
Den Schuss von Paljic lenkte Kraus zur Ecke. Auf den tückischen Ball im
Anschluss an einen Freistoß hechtete er sich kurz vor der Torlinie. Und beim
direkten Freistoß von Salihovic ging er auf Nummer sicher, versuchte das nasse
Leder gar nicht erst zu fangen, sondern faustete es konsequent weg. Das Glück
des Tüchtigen kam Jenas Keeper in Minute 29 zu Hilfe, als im Anschluss an eine
gelungene Dreierkombination Salihovic nur die Lattenoberkante traf.
Kraus war
von Beginn an voll da, was von seinen Vorderleuten leider nicht behauptet
werden kann. Im Vergleich zu der couragierten ersten Hälfte in Mönchengladbach
waren sie kaum wieder zu erkennen, reagierten nur statt zu agieren. Ihr Trainer
hatte vor einer offensive Gästeelf gewarnt, den Überraschungseffekt kann also
niemand geltend machen. Fast sechzig Prozent verlorene Zweikämpfe in der ersten
halben Stunde sind ein unerklärlicher, so bislang nicht gekannter Beleg von
Schwäche, der sich naturgemäß aufs Spielgeschehen auswirkte. Keine Torszene aus
dem Spiel heraus war in Halbzeit eins zu verzeichnen und es dauerte bis zur 34.
Minute, bis Jena wenigstens mal aus einer Standartsituation heraus etwas zuwege
brachte. Simaks Freistoß musste Haas prallen lassen, beim anschließenden Kopfball
von Alexander Maul brandete schon Torjubel auf, doch der Torwart vermochte ihn
noch zur Ecke zu lenken. Klar wäre eine Führung zu diesem
Zeitpunkt ganz und gar unverdient gewesen – doch darum hat sich so mancher Gast
im Ernst-Abbe-Sportfeld bislang schließlich auch nicht geschert. Ein Solo noch
von Jan Simak, der zuvor für ein „Warum hast du das gepfiffen?“ seine 5. Gelbe
Karte gesehen hatte – dann war wieder
Hoffenheim am Drücker. Copado scheiterte zweimal innerhalb einer Minute an Kraus
(41.). Der Flachschuss von Obaris sauste am langen Pfosten vorbei (42.). Ecken,
Zweikämpfe, Chancenverhältnis, scheinbar auch in der Gunst des Schiris –
überall lagen die Gäste zur Pause vorn. Nur in Tore hatten sie diese
Überlegenheit nicht umgesetzt.
Mit Wiederanpfiff kam Zimmermann für Hansen, der sich nach
unserer Beobachtung bei einem Absatzkick ohne gegnerische Einwirkung verletzt
hatte. Am Spielverlauf änderte sich zunächst mal nichts. Bis zur 55. Minute. Da tauchte
nach Vorarbeit von Werner und Maul plötzlich Sandor Torghelle am
Gäste-Strafraum auf, seinen scharfen und eigentlich gut platzierten Schuss
erwischte Haas aber reaktionsschnell mit der Hand. Diese Aktion wirkte wie eine
Initialzündung. Jetzt endlich wurde die berühmte letzte
Konsequenz in den Jenaer Handlungen
deutlich. Die nächsten Hochkaräter ließ nicht lange auf sich warten. Werners
Schrägschuss fing Haas. Dann, nur zwei Minuten nach seiner ersten vergebenen
Möglichkeit erwischte Torghelle im Mittelfeld einen Abschlag des Torhüters, sprintete
mit Ball am Fuß auf den Keeper zu und – scheiterte erneut. Kein Vorwurf beim
ersten Ding, aber DEN hätte er machen müssen ! Der Ungar, mit seinem
Pokaltreffer gerade erst in der Wahl zum Torschützen des Monats gewesen, sollte
sogar noch eine dritte Chance bekommen. Doch sprang er um einige Zentimeter an
Werners Freistoßball vorbei. Immerhin hatten die Jenaer nun Zugang zu diesem
Spiel gefunden und deshalb ist es besonders bitter, im Anschluss an die
stärkste Phase den k.o.-Schlag einstecken zu müssen. Jan Simak, an diesem Tag
ohnehin mit größerer Fehlerrate als sonst, unterlief der spielentscheidende
Ballverlust im Mittelfeld. Über Vorsah und Salihovic kam Chinedu Ogbuke Obasi
in Ballbesitz und ließ Daniel Kraus keine Chance. 0:1. Was danach kam, kannten
wir schon aus anderen Spielen in dieser Saison. Jena gab kämpferisch alles,
konnte mit der Brechstange aber nichts mehr bewegen. Und da der Schiri bei zwei
strittigen Strafraumentscheidungen weiterspielen ließ, brachte Hoffenheim das
Ergebnis ziemlich ungefährdet über die Zeit.
Es ist ja nicht so, dass der FC Carl Zeiss irre weit weg
wäre von der Musik. Sieben der neun Niederlagen fielen mit einem Tor Differenz
aus ! Doch gerade das macht diese Saison so frustrierend. Daran hat sich auch
am 11.11. nichts verändert. <fc>
Borussia Mönchengladbach - FC Carl Zeiss Jena 2:1
Tore: 1:0 Neuville (9.), 1:1 Torghelle (34.), 2:1 Neuville (80.)
- M'Gladbach: Heimeroth; Voigt (74. van den Bergh), Brouwers, Daems, Levels; Marin,
Paauwe, Rösler (74. Coulibaly), Ndjeng; Friend, Neuville (85. Svärd)
- Jena: Kraus; Stegmayer, Omodiagbe, Maul, Oniani (72. Tapalovic);
Hansen (82. Helbig), Müller, Simak, Charalambides; Werner, Torghelle
- Zuschauer: 28.759
- Schiedsrichter: Schmidt (Stuttgart)
- Spielbericht:
- Den Frust im Bier ersaufen oder einfach nur ertragen? Ich
weiß es ehrlich gesagt nicht. Nicht mehr. Klar, solche Abende gibt es. Da
rennen sich die Jungs anderthalb Stunden die Seele aus dem Leib und am Ende
bleibt nix außer Enttäuschung. Aber so ist Fußball halt. Dafür kommen andere
Spiele, nach denen man sich besorgt fragt, ob die drei Punkte mit dem einen
gegebenen Gerechtigkeitsempfinden überhaupt vereinbar sind. Nur, wo bleiben die
in dieser Saison? Wann löst sich diese Gleichung endlich auf? Nach Gestern muß
man sich fragen, ob sie das überhaupt noch tut. Acht Punkte Rückstand auf einen
Nichtabstiegsplatz sind schon ganz schön fett. Also doch ins Bier stürzen?
Jein! Es sieht schon ganz schön übel aus, ohne Frage. Und als Gladbach nach nur
neun Minuten die Führung erzielte, war auch wieder klar warum. Ein schlichter
Paß von Marin durch die Viererkette und schon war es
soweit. Das es auch schon Zeiten gab, in denen sich Neuville bei einem solchen
Ding den Fuß gebrochen hätte, ist halt Schicksal. Wenn du eben ohne Licht im
düsteren Tabellenkeller hockst, dann nimmt er ihn halt wunderschön an und
donnert ihn dir aus der Drehung in die kurze Ecke. Unhaltbar. Man hätte es in
den nächsten 70 Minuten glatt vergessen
können, hätte sich nicht das gleiche in der 80. Spielminute so ähnlich
wiederholt. Der einzige Fehler Omodiagbes im ganzen
Spiel, verwandelte den ganzen mühsam gehegten Optimisumus
in ein Häufchen Elend. Wieder war es Neuville, der nach der mißglückten
Kopfballabwehr des Nigerianers mit seiner Direktabnahme die endgültige
Entscheidung erzwang. Man konnte nahezu jeden einzelnen Fehler der Jenaer
Hintermannschaft auf der Anzeigetafel ablesen. Wirklich zum Brechen. Soviel zur
Hoffnungslosigkeit der Situation. Was sich zwischen den beiden geschilderten Szenen
abspielte läßt aber – wenn schon nix Zählbares dabei rausspringt – trotzdem
auch viel Raum für Zuversicht. Und zwar deshalb, weil wieder eine Mannschaft
mit Wir-Gefühl auf dem Platz stand in der einer für den anderen die Kastanien
aus dem Feuer zu holen bereit ist. In der Torghelle
das Laufen für sich entdeckt hat (ich hätte es noch vor Wochen nicht für
möglich gehalten) und das Tor trifft. In der Simak
langsam das Bewußtsein für das aufbaut, was wirklich in ihm steckt und die
Fäden in die Hand nimmt. Und in der das (manchmal) mangelnde spielerische
potential durch Kampf und Einsatzwillen aufgewogen wird.
Das sah gut aus! Vor allem in der ersten Halbzeit, als die
Gladbacher den Selbstfindungsbemühungen von Simak kaum
ein Mittel entgegenzusetzen hatten. Erst sein Knaller aus ca. 20 m, den
Heimeroth im Gladbacher Tor nur mit Mühe abwehren kann
(16.), dann der etwas zu hoch angesetzte Schuß vom linken Strafraumeck nach
einer schönen Einzelleistung (23.). Und dann schließlich seine Vorarbeit für
Stegmayers Flanke direkt auf Torghelle.
Ein langgezogener Brüller begleitet den wunderschönen
Kopfball des Ungarn zum Ausgleich in lange Eck (34.). Wunderschön!!! Und das
auch noch völlig verdient, denn hier spielte phasenweise nur noch Jena. Kommt
Jungs, nachsetzen. Kurz vor der Pause hält Werner noch mal drauf. Aber der hat
einfach kein Glück, bekommt nicht mal eine Ecke für den abgefälschten Schuß…
Nach der Halbzeit schwinden sichtbar schnell die Kräfte. Das
merkt man vor allem an den kleinen Fehlern, die sich allenthalben so einschleichen.
Simaks Pässe kommen nicht mehr so oft an und wenn,
dann deutlich unpräziser. Auch diese kleinen Schlampigkeiten machen das
Fußballerleben immer schwerer. Auf der linken Abwehrseite werden sich
Charalambidis und Müller (?) nicht einig. Nimm du ihn, ich
hab ihn sicher, fällt mir dazu nur ein. Glück, daß Neuville die anschließende Flanke
von Ndjeng aus drei Metern über das Gehäuse wuchtet. Na
also, es geht doch (58.)! Und dann noch das Ding von Daniel Kraus als er einen
seltsam geschlagenen Aufsetzer nur mit Mühe und unter Einsatz diverser
Körperteile am Überqueren der Linie hindern kann (59.). Sah komisch aus, war
aber auch schwer! Hauptsache nicht drin.
Jena steht in dieser Phase ganz schön unter Druck, aber das
sieht trotzdem alles ganz passabel aus. Kaum richtige Chancen für Gladbach. Ein
Freistoß von Simak sorgt sogar noch mal für etwas
Entlastung. Aber mit letztem Einsatz kann Heimeroth
den Ball noch über die Latte lenken (55.). Scheiße. Schönes Ding. Und dann –
gerade als man als Jenaer Anhänger mit einem Pünktchen zu liebäugeln beginnt –
Neuvilles zweiter Treffer. Aus der Kalten. Und das nach so
einer starken Leistung.
Ein Tal tiefer Depression tut sich kurzzeitig vor mir
auf. So lande ich nach dem Abpfiff auch unweigerlich bei der Frage nach einem
den Umständen gerecht werdenden Bierkonsum. Die Antwort will sich mir nicht so
recht erschließen, schwankt mit dem jeweiligen Gemütszustand zwischen fast
schwarz und sehr dunklem Hell. Am Ende entschließe ich mich, die ganze Sache
auszusitzen. Bis Sonntag jedenfalls. Wer hat schon mit einem Punkt oder gar
Sieg gegen Gladbach gerechnet? Kaum jemand. Es ist also alles noch wie vorher.
Für den Fall, daß es gegen Hoffenheim wieder nicht
klappt mit dem Dreier, sollte man aber sicherheitshalber schon mal eine
Palette Öttinger kaltstellen. <bpf>
FC Carl Zeiss Jena - SC Freiburg 1:2
Tore: 0:1 Pitroipa (35.), 0:2 Kmas (83.), 1:2 Werner (90.)
- Jena: Kraus; Stegmayer, Omodiagbe, Maul, Günther (46.
Tapalovic); Hansen (77. Torghelle), Zimmermann (70. Ziegner), Simak,
Kühne; Werner, Helbig
- Freiburg: Walke; Ibertsberger, Butscher, Krmas, Schwaab; Aogo,
Uzoma, Pitroipa (75. Schlitte), Banovic; Bencik (56. Cafu), Matmour (79.
Mesic)
- Zuschauer: 7026
- Schiedsrichter: Walz (Pfedelbach)
- Spielbericht:
- In der 25. Spielminute, als Hansens Kopfball knapp das Tor
verfehlte, beneidete ich etwas den Verfasser des heutigen Spielberichts, weil
er bis dahin etliches Notierenswertes und eine starke Jenaer Anfangsphase geboten
bekam. Sekundenbruchteile später wandelte sich mein Neid in Entsetzen, denn mir
fiel schlagartig ein, dass ich vom Chefredakteur zum Schreiben vergattert
worden war…
Dabei sah man vorm Anpfiff überall skeptische Gesichter,
gegen unseren Lieblingsgegner der letzten Saison rechnete sich eigentlich
niemand etwas aus. Die erste Aktion schien allen recht zu geben, denn nach der
ersten Gästeecke musste Kraus einen scharfen Kopfball parieren. Faktisch im
Gegenzug parierte Walke einen Schuss Hansens aus nächster Nähe. Kurz danach
rettete Walke gegen Helbig. Das Gesamtbild sah gar nicht so übel aus (daran
änderte auch die nervige und überflüssige Information auf der Anzeigetafel vom
Eckenverhältnis von 5:0 für den SC nichts), der FCC war die überlegene, aggressivere
Mannschaft, die den Freiburgern immer wieder
feine Nadelstiche verpasste. In der 12. min wusste sich ein von Simaks Antritt
überforderter Verteidiger gar nicht mehr anders zu helfen, als sich ans Jenaer
Trikot mit der Nr. 19 zu klammern und dieses samt Simak auf den Rasen zu
befördern. Ich weiß nicht, ob Schiedsrichter Walz vom Rugby kommt, aber anders
kann man sich nicht erklären, warum er bei diesem klaren Foul nicht auf
Strafstoß entschied. Walz’ Gepfeife in der ersten Halbzeit war sowieso unterirdisch,
prinzipiell wurde nach Freiburger Ballverlust im Zweikampf auf Freistoß für die
Gäste entschieden und seine putzigen Eckenballentscheidungen für den SC
inspirierten die Haupttribüne zu lautstarkem ironischem „Ecke, Ecke“ bei jedem
Ausball. Bis zu jener oben erwähnten 25. min war der FCC im Vorwärtsgang, aber
erfolglos. Und so kam alles wie immer, nach der 34. die 35. Minute und in jener
der obligatorische Abwehrpatzer, als plötzlich drei „Blaue“ (die Gäste liefen
in einer ungewohnten Farbe auf) durch Jenas Abwehrmitte rauschten, Kraus
erwischte den Ball nicht, ein Freiburger spielt auf den nächsten, der im
Abseits stehend die Kugel ins Tor schob. Ein weiterer Höhepunkt jener
grässlichen Schiedsrichterleistung, dass der Treffer trotzdem anerkannt wurde.
Und so hatte nicht nur ich zur Halbzeitpause die Nase
gestrichen voll: Der FCC machte dass Spiel, der Gegner das Tor und der
Schiedsrichter leistete mit zwei extremen Fehlentscheidungen seinen Beitrag.
Zum Speien!!!
Nach der Pause war Freiburgs Taktik klar: Am eigenen
Strafraum aufstellen und in Ruhe die Führung nach Hause schaukeln, eventuell
mal kontern. Der FCC schaffte es aber trotz der badischen Zurückhaltung richtig
energisch Druck aufzubauen. Man spielte zu durchsichtig, machte zu viele
einfache Fehler im Aufbau und den Freiburgern die Abwehrarbeit ziemlich leicht.
Unerträglich, aber nicht neu, waren zudem die Schauspieleinlagen von
Pitroipa & Co., die nach kleinsten Berührungen oder
auch völlig ohne Anlass regelmäßig den „sterbenden Schwan“ abspulten, wie in
den letzten Zügen liegend. Nachdem sie fürs anscheinend letzte Schnauferchen
ins Seitenaus verbracht wurden, gab es ebenso regelmäßig die blitzschnelle
Wiederauferstehung inklusive Genesung. Und es ist sicher keine schlechte
Bilanz, durch solche „Verletzungen“ mehrfach längere Unterbrechungen zu
provozieren, die am Ende mit nur zwei Nachspielminuten belohnt wurden.
Jedenfalls fiel dem FCC nicht ein, wie die Gästeabwehr zu knacken wäre. Zu
vermelden war lediglich ein 20-m-Schuss Werners, der das Tor verfehlte –
typisch, dass in dieser Situation Stegmayer links völlig freigelaufen war, aber
vergeblich aufs Anspiel wartete. Eine knappe Viertelstunde vor Schluss sorgte
die Einwechslung des Ex-Jenaer Schlittes für ein
Anheizen der Stimmung im Publikum und fortan begleitete ein gigantisches
Pfeifkonzert jeden seiner Ballkontakte, das Eintauschen der angeblichen
Herzenssache FCC gegen Freiburger Geld war nicht vergessen worden. Freiburg
schaffte in der 82. min die befürchtete Vorentscheidung, allerdings nicht nach
einem Konter, sondern nach einem Freistoß von links außen. Omodiagbe ließ
Krmas kurzen Pfosten zu viel Raum und der drückte den Ball
ins Netz. Die erloschene Hoffnung glomm nochmals kurz auf, als Werner nach
Ziegners Flanke den Anschluss per Kopf erzielte. Aber
selbst Kraus’ Eingreifen ins Angriffsspiel brachte nichts Zählbares mehr, so
dass der FCC zum wiederholten Male in dieser Saison nach einem Heimspiel mit
leeren Händen dastand.
Nach dem guten Anfang fehlte heute in der Phase, in der der
FCC das Spiel hätte noch kippen können, jener letzte Kick, jener letzte Wille
zum bedingungslosen Fighten. Und wenn wir nicht schon im Dezember mit den
Planungen für die dritte Liga 2008/09 beginnen wollen, müssen nach den vielen
vergebenen möglichen Punkten in den nächsten Wochen endlich mal ein paar
unmögliche Punkte her. <uk>
SC Paderborn - FC Carl Zeiss Jena 2:2
Tore: 0:1 Torghelle (8.), 1:1 Koen (12.), 1:2 Werner (14.), 2:2 Sinkala (33.)
- Paderborn: Bade; Fall, Döring, Kläsener, de Graef, Gouiffe à Goufan, Sinkala (68. Männer),
Koen (68. Halfar), Krupnikovic, Löbe, Schüßler (56. Siradze)
- Jena: Kraus; Günther (66. Tapalovic), A. Maul, Omodiagbe, Stegmayer, Kühne, Charalambidis,
Werner, Simak (86. Ziegner), Torghelle (75. Hansen), Helbig
- Zuschauer: 6.079
- Schiedsrichter: Dr. Brych (München)
- Spielbericht:
- Nach der Spielpause war man allseits besonders gespannt, ob der FCC endlich den Bogen in die Erfolgsspur
findet, zumal es gegen einen Mitabstiegskonkurrenten ging. Die "Baustelle" Tor war mit dem dritten Keeper
Daniel Kraus besetzt worden. Neu war auch die Zusammensetzung des Angriffsduos, diesmal stand Helbig neben
Torghelle. Dafür rückte Tobias Werner auf die linke Außenbahn des Mittelfelds.
Und der FCC begann wirklich mit viel Elan, bereits in der 1. Spielminute verfehlte Charalambides
das 07er Tor nur knapp. Der Sekundenzeiger hatte gerade einmal zwei weitere Runden gedreht, da schoss
Helbig aus 25 m Entfernung knapp über die Torlatte. Im Gegenzug durfte Kraus Löbes Schuss aus
nächster Nähe abwehren. Dann war wieder der FCC im Vorwärtsgang: Einwurf Günthers
auf Charalambides, der legt zurück und in der Mitte köpfte Torghelle Günthers Bilderbuchflanke
zum 1:0 ein! Leider verschenkte man den Vorteil bald wieder, als Günther und Charalambides interessiert
einem Ball nachschauten, der sich zwischen ihnen zu Koen - dem stärksten Paderborner in der ersten
Halbzeit - durchdrängelte und der ließ sich die Chance nicht entgehen und knallte den Ball
ins lange Eck - 1:1. Die rund 500 mitgereisten Fans hatten aber keine Zeit, über diesen Rückschlag
richtig zu jammern. In der 14. Minute gab es auf der rechten Seite Freistoß für den FCC. Simak
und Werner standen bereit, letzterer trat die Spielkugel mit links hoch in den Strafraum, Maul ging zum
Ball, stieg jedoch drüber und so landete dieser im langen Eck - 2:1, der FCC hatte nach dem Ausgleich
sofort wieder zurückgeschlagen! Also alles bestens? Denkste, umgehend grub man sich in der eigenen
Hälfte ein und ließ die Gastgeber ihr Spiel aufziehen. Die optische Überlegenheit
Paderborns brachte jedoch nichts Zählbares, da entweder der finale Pass in der weißen Abwehr
steckenblieb oder man bei den Fernschüssen aufs Dach der Endtribüne zielte. Herzinfarktfördernd
war die 28. min, als eine lange Flanke am auf Sinkalas Kopf landete, dem Ball jedoch sprichwörtlich die
Luft ausging und er auf dem Strich zwischen Gut und Böse von Kraus festgehalten werden konnte. Fünf
Minuten später war es jedoch soweit, als es pingpongartig zwischen Jenaer Abwehr und Paderborner
Angreifern hin und her ging und Sinkala dem Treiben mit einem satten Schuss ins untere Toreck ein Ende
bereitete - wieder Ausgleich! Zum Heulen!!! Und wie jetzt weiter? Jedenfalls vergaßen die Abwehrrecken
des FCC bei einem Freistoß kurz nach dem Ausgleich, dass Schüßler ein blau-schwarzes Trikot
trug und so marschierte er mutterseelenallein zur Grundlinie, jagte seine Flanke zum Glück weit
Richtung Seitenlinie. Unmittelbar köpfte Maul zum Gegner und wieder war es Schüßler, der
auf der linken Seite davon profitierte, aber auch diesmal keinen Mitspieler fand. Die letzten Minuten vor
der Pause riss sich der FCC aber noch einmal zusammen und machte seinerseits Druck. Wer weiß, wie
die Partie ausgegangen wäre, hätte Jena auch nur eine der drei folgenden Konterchancen in den
Spielminuten 39 bis 44 genutzt hätte. Zunächst sahen sich drei Weiße kurz nach der
Mittellinie nur einem Abwehrspieler gegenüber, Werners Pass landete leider genau in dessen Füßen
anstatt bei den beiden mitlaufenden Teamkollegen. Dann sprintete wiederum Werner los, schoss aber von
links am Tor vorbei und ließ Helbig und Torghelle vergeblich in der Mitte warten. Und letztendlich
rannte sich Helbig bei seinem halbherzigen Dribbelversuch fest, nachdem er von Simak wunderbar
freigespielt worden war.
Zwischendurch erwischte ein abgefälschter Schuss Werners Alexander Bade beinahe auf dem falschen
Fuß, er schaffte es jedoch noch, gleichzeitig mit dem Ball in der unteren Torecke einzutreffen.
Mit 2 Sekunden Nachspielzeit beendete Schiedsrichter Dr. Brych diese sehenswerte Halbzeit.
Es war eigentlich klar, dass es nach der Pause nicht so weitergehen konnte. Die zweite Halbzeit war
dann auch etwas dezenter und es passierte deutlich weniger, was den Puls nach oben trieb. Zwei
Freistöße rund 25 m vorm Tor bis zur 50. Spielminute wurden mehr oder weniger
kläglich vergeigt. In der 52. min wurde zunächst Charalambides' Schuss abgeblockt
und ein Paderborner lenkte kurz vor der Torlinie Werners Nachschuss zur Ecke. Nach einer
Stunde tauchte Paderborn das erste Mal nach der Pause ernsthaft vor Kraus' Kasten auf und
Löbe setzte einen Kopfball auf der richtigen Seite neben den Pfosten ins Aus.
Anschließend gönnten sich beide Mannschaften eine ruhigere Phase zwischen den
Strafräumen. Erst in der 78. min gab es eine Strafraumszene, als die Paderborner
Nummer 24 mit dem klangvollen Namen Gouiffe á Goufan eine Simak-Flanke im letzten Moment
vor dem heranstürmenden Hansen zur Ecke entschärfte. Die anschließende Ecke
(wieder von Simak) wurde am kurzen Pfosten verlängert und fand weiter hinten Kühnes Kopf,
der maßgenau und kraftvoll köpfte und die Arme der Jenaer Fans in die Höhe jagte.
Da sich jedoch der Ball um wenige Millimeter verirrte und vom Aluminium des 07er Tores wieder
zurücksprang, landeten die Hände schließlich am Kopf zum Haareraufen. Paderborn
verließen nun sichtbar die Kräfte und Jena übernahm in der verbleibenden Zeit
die Initiative. Mit etwas Übersicht hätte der FCC noch einen Sieg holen können,
aber Werner entschied sich in der 83. für einen Schlenzer aufs lange Toreck und gegen den
in der linken Strafraumhälfte einsam und allein wartenden Helbig. Auch eine Minute später
nahm Werner den Kopf nicht hoch, sondern rannte sich nach Helbigs Zuspiel an ein paar schwarz-blauen
fest. Auf der Gegenseite testete Maul noch fix die Nerven von Mitspielern und Fans, als er eine an
sich harmlose Flanke fast ins eigene Tor stolperte, bevor dann Dr. Brych nach gigantischen 12 Sekunden
Nachspielzeit abpfiff.
Wie soll man nun das Unentschieden bewerten? Positiv (ein Auswärtspunkt) oder negativ (nicht
einmal beim Schlusslicht gewonnen)? Sicherlich irgendwo dazwischen: Es war mehr möglich, aber
andererseits können wir den schlechten Saisonstart nicht im Handumdrehen vergessen machen,
sondern müssen wie die Eichhörnchen mühsam Nuss für Nuss (bzw. Punkt für Punkt)
einsammeln, um im Dezember einen Vorrat zu haben, der für die Rückrunde reelle Chancen auf den
Klassenerhalt bietet.<uk>
FC Carl Zeiss Jena - TSV 1860 München 0:2
Tore: 0:1 Bierofka (47.), 0:2 Göktan (90.)
- Jena: Person; Stegmayer, Omodiagbe, Maul, Günther; Hansen
(62. Helbig), Kühne, Simak, Charalambides (76. Ziegner); Werner,
Torghelle
- München: Hofmann; Hoffmann, Berhalter, Ghvinianidze (85.
Szukala), Thorandt; L. Bender (67. Gebhart), Schwarz, Bierofka, Johnson
(67. S. Bender); Göktan, di Salvo
- Zuschauer: 11.314
- Schiedsrichter: Wingenbach (Diez)
- Spielbericht:
-
Wer ihn damals hörte, wird sich jetzt noch an ihn erinnern:
Den Kommentar von DSF-Reporter Martin Quast zum Spiel Jena – 1860 im Februar
2007. Da war zunächst die Schilderung des 1:0 nach sechs Minuten: „Eckball kurz
aufgeführt, Hoffmann klärt, da ist nur Tapalovic – (Stimme plötzlich erhebend)
NUR TAPALOVIC ! Boah, was’n Gerät ! Tor des Monats, hundert Prozent.
Volltreffer – so schön kann Zweitligafußball sein.“ Filip Tapalovic hatte den
FCC mit einem Volleyknaller aus 25 Metern in Führung geschossen und auch wenn
Herr Quast mit der Tor-des-Monats-Prognose nicht
recht behalten sollte, geriet er auch noch wegen der
darauffolgenden Spielminuten aus dem Häuschen. „Ich raffs nicht, ich fass es
nicht – ja, wo bin ich denn hier?“, rief er nach 10 Minuten, als gerade das 3:0
gefallen war, „jetzt tanzen sie im Thüringer Wald Samba mit den Wildschweinen
und allem Drum und Dran. Unfassbar, was hier im Ernst-Abbe-Sportfeld in den
ersten Minuten passiert“.
Obwohl noch nicht lange her, ist diese Anfangsphase bereits legendär.
Und die ver-quast-ete Schilderung gleich mit.
Doch das ist Vergangenheit und mit einer Wiederholung jenes
Ablaufs war von vornherein nicht zu rechnen. Wobei sich die Frage stellt,
welchen Verlauf solch ein Spiel nimmt, wenn der straffe Schuss von Kühne nach
drei Minuten im Netz landet. Münchens Keeper Hofmann rührte da keinen Finger,
leider flog das Leder knapp an seinem Kasten vorbei. Die erste Halbzeit konnte sich durchaus
sehen lassen auf Jenaer Seite. Mit Forechecking versuchte man in Ballbesitz zu
gelangen. Die Flügelzangen Stegmayer-Hansen und Günther-Charalambides zeigten
sich in der Abstimmung weiter verbessert. Und zentral überzeugte Simak wieder
mit klugen Pässen. Nur im Abschluss erwiesen sich Charalambides (23.) und
Hansen (26.) als nicht treffsicher genug. Die vielleicht beste Gelegenheit vor
der Pause vergab Tobias Werner bei einem energischen Konter, als er es nicht
fertig brachte, dem freigelaufenen Simak den Ball „durch zu stecken“, vielmehr
an einem Verteidiger hängen blieb. Auch beim Durcheinander im gegnerischen
Strafraum fanden die Jenaer keine Lücke, Mauls Heber wurde schließlich zur
leichten Beute Hofmanns. Und die Münchner ? Waren zu Beginn um Abgeklärtheit
bemüht und ließen dabei erstaunlich große Lücken im Mittelfeld. Abgesehen von
Hoffmanns Flachschuss (25.) drohte Jenas Abwehr zunächst keine Gefahr. Dies
änderte sich kurz vor der Pause. Da sah sich Stegmayer auf seiner Seite mit dem
ballführenden Bender sowie Johnsson gleich zwei Gegenspielern gegenüber. Nicht
wissend, wen er attackieren sollte, griff er im Grunde niemanden richtig an.
Bender konnte unbedrängt zum Schuss ansetzen, zielte aber ein wenig zu hoch.
Kurz darauf zeigten die Sechziger eine ihrer einstudierten Freistoßvarianten –
diesmal war es Göktan, der nur knapp verfehlte.
Verglichen mit diesen Hochkarätern strahlte der Torschuss in
Minute 47 eigentlich geringes Gefahrenpotential aus. Es hatte den Anschein, als
hätte ihn Person zunächst fausten wollen, vielleicht erschien er ihm dafür mit
einem Mal nicht scharf genug – jedenfalls versuchte er plötzlich, den Ball zu fangen
und dieses Umgreifen ging gründlich daneben. Plötzlich lag der Ball im Netz. Ohje, Jena und seine Torhüter ! Ob sie
nun Jensen oder Person heißen, bislang haben sie uns in dieser Saison mehr
Punkte gekostet als gerettet. Doch eine
Mannschaft gewinnt und verliert zusammen und noch war fast eine Halbzeit lang
Zeit, wenigstens ein Remis zu schaffen. Werner und Hansen hätten es
erzielen können, Sandor Torghelle nach mustergültiger Kopfballvorlage
von Omodiagbe sogar müssen, schoss jedoch nur den herauslaufenden Hofmann an. Bei allen erkennbaren Bemühungen – die
Vorherrschaft im Mittelfeld ging verloren, weil bei Simak und Charalambides die
Kräfte schwanden. Die Gäste konnten nun ungestört den Ball laufen lassen. Zwar war
die Münchner Überlegenheit nicht so groß, wie es ein Eckenverhältnis von 9:1
nach einer Stunde vorgaukelt. Doch macht es deutlich, dass 1860 die technisch
feinere Klinge schlug, sich nicht so oft damit helfen musste, den Ball ins
Toraus zu befördern. Ihr Tagesbester Daniel Bierofka wirkt vom technischen
Vermögen her schon fast überqualifiziert für diese Liga.
Valdas Ivanauskas holte seine beiden einzigen
Offensivwechsler von der Bank. Ohne Erfolg. Doch eine letzte Geheimwaffe besaß
er noch: Darlington Omodiagbe als Stürmer ! Dass er vorn den einen oder anderen
Kopfball holt, war uns ja bereits bekannt. Doch wenn ‚Omo’ dazu noch kluge Offensivpässe
spielt, sollte er solche Ausflüge ruhig häufiger machen dürfen. Perfekt sein
Zuspiel auf Günther in der letzten regulären Spielminute, dessen Flanke kam
auch vors Tor, wo Helbig sie aber nicht richtig erwischte. Und wie das so ist
im Fußball – setzt eine Mannschaft alles auf eine Karte und verpasst knapp den
Ausgleich, geht sie im Gegenzug nur allzu oft k.o. Dass Ziegner als letzter
Mann wegrutschte, Göktan frei vor Person zunächst nur den Pfosten traf und dann
noch eine Gelegenheit zum Nachschuss bekam, rundete das Bild ab.
Zweitligafußball in Jena kann nicht nur schön, sondern auch deprimierend sein. <fc>
Fotos auf weissenburger.de
SpVgg Greuther Fürth - FC Carl Zeiss Jena 2:2
Tore: 1:0 Reisinger (28.), 1:1 Charalambides (34.), 1:2 Torghelle (49.), 2:2 Lanig (63.)
- Fürth: Kirchstein; Achenbach, Mauersberger, Karaslavov, Schröck (72. Adlung); Judt, Haas, Burkhardt (80. Maierhofer), Lanig; Nehrig, Reisinger
- Jena: Person; Stegmayer, Omodiagbe (32. Oniani), Maul, Günther;
Kühne, Hansen (72. Kandelaki), Simak, Charalambides (64. Tapalovic);
Werner, Torghelle
- Zuschauer: 8.900
- Schiedsrichter: Zwayer (Berlin)
- Spielbericht:
- Freuen oder ärgern? So richtig wusste nach Abpfiff kaum einer im
blau-gelb-weißen
Lager, wie mit diesem Remis in Fürth umzugehen wäre. Spielerisch war an diesem
Nachmittag wohl so leicht wie noch nie am Ronhof
ein Dreier zu holen, andererseits grenzt es
an ein Wunder, angesichts der Leistung des Unparteiischen überhaupt noch einen
Punkt verteidigt gehabt zu haben, den sich ein aufopferungsvoll kämpfendes Team
redlich verdiente.
„Never
change a winning team“ hieß die Devise und so schickte Valdas Ivanauskas die
siegreiche Offenbach-Elf auf den Rasen. Der Club begann furios und die über
1.500 mitgereisten FCC-Fans hatten schon nach 34 Sekunden den Torschrei auf den
Lippen, als Torghelle Fürths Karaslavov den Ball abnimmt, sofort auf Werner
passt, der völlig frei vor dem gegnerischen Tor eine Sekunde zuviel Zeit zum
Überlegen hat und den Ball an Keeper Kirchstein vorbei ins Toraus schiebt. Was
für eine Möglichkeit! 10 Minuten später durften sich die Gastgeber die Haare
raufen, als Burkhardt einen zunächst abgewehrten Eckball flach an den
Innenpfosten setzt. 5 Minuten später, andere Seite, Hansen bedient
Charalambides, der freie Schussbahn hat, aber nicht genug Druck hinter den Ball
bekommt, so dass Ex-Bundesligakeeper Kirchstein das Leder noch um Haaresbreite
um den Pfosten lenken kann. Es war ein tolles, offenes Spiel beider Teams in
den ersten Minuten und Fürth schien beeindruckt zu sein von Jenas
Offensivdrang, richtete sein Spiel fast ausschließlich auf das Provozieren von
Standardsituationen aus und lange weite Bälle auf den emsigen Reisinger. Dass
jenem nach 28 gespielten Minuten die Führung gelang, hatte er aber zwei
Jenensern zu verdanken. Stefan Kühne bringt mit viel zu kurzem Rückpass seinen
Keeper in Bedrängnis und warum Christian Person den Ball nicht nach links oder
rechts klärt, sondern ausgerechnet an die ausgestreckte Hand des heranstürmenen
Reisingers, bleibt sein Geheimnis. Der Ball trudelt ins leere Tor, 1:0. Ein
Schock zweifellos dieser Treffer in Unterzahl, denn Omodiagbe musste sich am
Spielfeldrand nach einem nicht geahndeten Foul behandeln lassen und kurz darauf
gegen Oniani ausgewechselt werden, aber anders als noch vor Wochenfrist in
Frankfurt reagierte der FCC unbeeindruckt und kommt nur sechs Minuten später
zum verdienten Ausgleich. Stegmayer täuscht eine Flanke an, passt aber flach
auf Simak, der düpiert mit Körpertäuschung gleich zwei Fürther und findet
Charalambides, dessen Ball auch für den 1,96-Riesen Kirchstein zu platziert ist
und ins lange Eck kullert.
Kurz vor der Pause zappelt der Ball erneut im Netz,
nachdem Kühne einen Eckball einnickt, doch die Anerkennung bleibt verwehrt, ein
Stürmerfoul will Referee Zwayer zuvor gesehen haben. So geht es mit einem
leistungsgerechten Remis in die Pause und Jenas Fans durften vor allem mit dem
mannschaftlich geschlossenen Auftreten zufrieden sein, lediglich die einfach
nicht abzustellenden teils haarsträubenden individuellen Fehler bereiteten
graue Haare.
Von denen dürfte Fürths Coach Bruno Labbadia kurz nach
Wiederanpfiff auch einige mehr bekommen haben, denn wie schon in der ersten
Halbzeit bereitete sein Innenverteidiger Karaslavov eine Großchance für den FCC
vor, nur dass Torghelle die Einladung nach katastrophalem Rückpass diesmal
nicht ausschlug und durch die Beine Kirchsteins zur Jenaer Führung vollendete,
unmittelbar vor dem proppevollem Gästeblock für Partystimmung sorgte.
Siegeszuversicht machte sich breit, doch wie man ein Team gänzlich zermürben
kann, stellte Schiedsrichter Zwayer eindrucksvoll unter Beweis. Die Folge einer
völlig einseitigen Regelauslegung waren unter anderem sage und schreibe acht
gelbe Karten für Jenas Kicker, die sich in der Folge mehr und mehr zurückzogen
und Zweikämpfe scheuten, deren Ausgang schon vorher festzustehen schien. Und so
wäre etwas mehr Nähe zum Gegenmann durchaus empfehlenswert gewesen, als der für
den gesperrten Fürther Kapitän Felgenhauer ins Team gerückte Stephan Schröck im
Doppelpass mit Nehrig Stegmayer düpierte und unbedrängt in den 5m-Raum flanken
durfte, wo Lanig den Ball artistisch über die Linie drückte. Eine knappe halbe
Stunde war da noch zu spielen und diese wurde bestimmt durch eine Flut von
Freistößen. Jan Simak setzte seinen knapp neben den Pfosten (66.), auf Fürther
Seite vergab Mauersberger die größte Gelegenheit, als er eine Freistoßflanke
per Fuß abnahm und das Leder knapp neben das Tor setzte, den Außenpfosten
streifend. Der für Charalambides eingewechselte Tapalovic hatte vier Minuten
vor dem Ende auf Zuckerpass Simaks die letzte Möglichkeit für den FCC, ließ
aber Torghelles Kaltschnäuzigkeit vermissen und gab die Verantwortung lieber
per verunglücktem Querpass weiter. So musste gar um den einen Punkt bis in die
93. Minute gezittert werden, als eine faire Aktion von Oniani an der
Strafraumgrenze wieder einmal mit Freistoß für die Kleeblätter geahndet wurde
und Stefan Kühne die Flanke artistisch vor dem einköpfbereiten Mauersberger
entschärft.
So ein klein wenig hatte der
Fußballgott sein Herz also für Thüringens Traditionsverein wiederentdeckt und
auch Jenas Spieler durften sich – anders als vor 7 Tagen – Streicheleinheiten
der eigenen Fans gefallen lassen, zu denen sich auch Neu-Clubberer und
Herzens-Jenenser Ralf Schmidt gesellte. Nach drei schlimmen Auftritten am
Ronhof holte der FC Carl Zeiss also zum ersten Male Zählbares, doch irgendwie war
mehr drin. <gunner>
FC Carl Zeiss Jena - Kickers Offenbach 2:0
Tore: 1:0 Simak (43.), 2:0 Werner (75.)
- Jena: Person; Stegmayer, Omodiage, Maul, Günther (75.Oniani);
Hansen (70.Tapalovic), Kühne, Simak, Charalambides (61.Holzner); Werner,
Torghelle
- Offenbach: Thier, Pinske (60.Sidney), Müller, Hysky, Bungert, Cimen, Sieger
(46.Ogungbure

,89.),
Judt (70.Epstein), Moktari, Türker
- Zuschauer: 5867
- Schiedsrichter: Bandurski (Essen)
- Spielbericht:
- Ein mulmiges Gefühl machte sich in meiner Magengegend breit, als ich vor der heutigen Partie gegen die Kickers aus
Offenbach das Stadion betrat. Nach fünf Niederlagen in Folge und zuletzt einer katastrophalen Leistung in Frankfurt gegen
Wehen schwante mir auch heute nichts Gutes. Die spielerisch guten Leistungen der ersten Saisonpartien waren vorbei und wer
das Match in Frankfurt live miterleben musste, konnte mein Gefühl durchaus verstehen. Zu viel lief in der Hessenmetropole
bei den Jenaern schief, als dass man ausgerechnet heute gegen die zuletzt starken Hessen vermuten konnte, dass es anders werden würde.
Aber beim Blick auf die Aufstellung der Partie wich mein mulmiges Gefühl blanker Zuversicht, denn Neu-Couch Ivanauskas bewies Mut und
krempelte sein Team gegenüber der letzten Partie auf sechs Positionen um und brachte "Typen" wie Günther, Hansen, Maul und Kühne,
welche gegen Wehen so schmerzlich vermisst wurden.
Der FCC begann auch von Beginn an couragiert und drückte die Offenbacher in deren Hälfte, woraus auch nach zwei Minuten die
erste Minichance resultierte. Nach gut einer Viertelstunde bot sich dann den Gästen auch ihre erste Möglichkeit, doch Siegers
Schuss ging über den Kasten. Den Spielern des FCC merkte man am heutigen Tage zu jeder Sekunde an, dass sie den unbedingten
Willen hatten, sich nicht so "abschlachten" zu lassen bzw. gewinnen zu wollen. Nach einer halbe Stunde waren einige der
Zuschauer schon froh, dass die Jenaer bis dahin kein Tor kassiert hatten. Doch kurz vor der Halbzeitpause sollte es noch
besser kommen, als Simak einen Freistoß aus 30m auf das Tor zirkelte und der Ball auf einmal im Tor zappelte. Grenzenloser
Jubel auf den Rängen, doch die meisten wollten es trotzdem kaum glauben, da sie dieses unglaubliche Glückgefühl gar nicht
mehr kannten.
Fünf Minuten nach Wiederanpfiff die erste Schrecksekunde für die Jenaer, als Dino Toppmöller völlig freistehend aus
gut sechs Metern den Ball zum Glück über das Tor donnerte. Der bis dahin relativ souveräne Schiedsrichter Bandurski
fing nun an, seine Linie zu verlieren, und sorgte mit einigen Fehlentscheidungen für Unruhe auf dem Platz und den
Zuschauerrängen, was in der Gelb-Roten Karte für Ogungbure gipfelte. Die Partie wurde dadurch nun zunehmend hektischer
und es war ein Tanz auf Messers Schneide. Die Offenbacher machten nun hinten ein wenig auf und drückten auf den Ausgleich,
doch der Abwehrriegel des FCC stand. Das Hoffen und Bangen ging weiter und eine Viertelstunde war noch zu spielen, da kam
ein langer Ball in des Gegners Strafraum. Gästekeeper Thier und ein Offenbacher Verteidiger waren sich in dieser Szene
nicht einig genug, wer diesen Ball retten sollte. Nutznießer dieser Aktion war Werner, der sich einfach das Leder schnappte,
Thier umkurvte und zum 2:0 vollendete. Vier Minuten vor Ultimo hätte Werner noch zum absoluten Held des Spiels werden
könnten, doch nach einem erneuten Fehler des Offenbacher Schlußmannes schloss Werner aus spitzen Winkel ein wenig zu
ungenau ab, so dass der Ball Zentimeter vor der Torlinie entlang rollte und doch nicht den Weg ins Tor fand. Kurz darauf
war die Partie zu Ende und der erste lang ersehnte Dreier unter Dach und Fach.
Die wenigsten Zuschauer hätten nach dem Katastrophenspiel vor gerade einmal drei Tagen erwartet, dass sich die Mannschaft
so aufraffen könnte, um die starken Hessen heute gar besiegen zu können. "Der FCC, der FCC, der FCC ist wieder da…"
skandierten die Fans von den Rängen und die Freude war natürlich umso größer, weil mit einem derartigen Wandel in
so kurzer Zeit wohl kaum einer gerechnet hatte. Aber letztendlich waren es trotzdem "nur" drei Punkte und wie
Ivanauskas sagte:" Der Tunnel ist noch sehr lang, bis wir das Licht am Ende sehen". <vg>
SV Wehen Wiesbaden -FC Carl Zeiss Jena 5:1
Tore: 1:0 Diakite (9.), 2:0 Diakite (11.), 3:0 Siegert (20.), 4:0
Nicu (41.), 5:0 Nicu (73.), 5:1 Simak (82., FE)
- Wehen: Richter; Kokot, Jeknic, Kopilas, Nakas; Catic (62.
Amstätter), Nicu (78. Cailas), Siegert, Schwarz; König,
Diakite (85. Lombe)
- Jena: Jensen; Kandelaki, Omodiagbe, Müller (46. Oniani),
Holzner; Stegmayer, Lorenzon, Ziegner (46. Werner), Simak, Charalambides;
Torghelle
- Zuschauer: 5626
- Schiedsrichter: Seemann (Essen)
- Spielbericht:
- (von Gastkommentator Jens Klebe)
Nach einem völlig verkorksten Saisonstart mit nur einem
Punkt auf der Habenseite griffen in der vergangenen Woche auch in Jena die so
genannten ungeschriebenen Gesetze des Geschäfts. Klassenerhalts-Held Neubarth
räumte sein Trainerzimmer welches kurz darauf mit Valdas Iwanauskas einen neuen
Nutzer fand. Um zu sehen, was dieser Wechsel bewirken könne, hatten sich
immerhin gut 1.500 Zeissfans auf den Weg nach Frankfurt gemacht. Würde im
Frankfurter Waldstadion gegen den SV Wehen endlich der erste Dreier eingefahren?
Da die Leistung au dem Koblenz-Spiel ja nur schwer zu unterbieten sein würde,
bestand Anlass zur Hoffnung.
Aber selbst dieses zarte Pflänzchen verdorrte schnell.
Jena startete zwar ohne Kühne, Hansen und Werner – dafür aber gewohnt schlafmützig.
Bereits nach 11 Minuten hatte Diakite mit einem Doppelschlag
klare Verhältnisse geschaffen. Zunächst bekam die FCC-Abwehr in Person Ziegners
nach einer Wehener Flanke den Ball nicht aus der Gefahrenzone, aus 20 Metern
zog ein Wehener ab und als Diakite den Ball abfälschte schlug er unhaltbar
neben Jensen ein. Ganz einfach dann Tor Nummer 2: Flanke von links, Diakite
frei im Sechzehner, draufgehalten und drin!
ass=MsoNormal>Nach 15 Minuten versuchte sich dann auch Simak erstmals für
den FCC an einem Torschuss, setzte diesen aber drüber.
Nach 20 Minuten vertändelte Charalambidis den Ball
leichtfertig in der Vorärtsbewegung, es folgt ein Konter über rechts, Schwarz
bediente Siegert und der zog vom Strafraumeck in die lange Ecke ab – 3:0!
Die Jenaer glichen nun einem Häuflein Elend und so spielten
sie auch weiter. Kaum waren weitere 10 Minuten vergangen, als Omo und Holzner
den ballführenden Nicu auf seinem Weg zum Tor brav begleiteten, ohne ihn
entscheidend zu stören. Nicu hob den Ball über Jensen und dieser schlug zum 4:0
ein. (40.)
Jenas Anhang hatte jetzt „die Schnauze voll“. So sang es
jedenfalls ein Großteil der Mitgereisten und verabschiedete sich mit dem
Pausenpfiff aus dem Stadioninneren.
Ansonsten waren in der Zwischenzeit die blaugelbweißen
Anfeuerungsrufe durch weitere zornige Schmährufe ersetzt worden.
Halbzeit 2 begann mit Werner und Oniani für Ziegner und
Müller. Werner war auch der Einzige in der Gästeelf der sich nachhaltig
versuchte, in Szene zu setzen.
Da Wehen jetzt nicht mehr tat, als für die Verwaltung des Resultats
nötig war, konnte der FCC zumindest zeitweilig fast optische Ausgeglichenheit
erreichen. In einer Phase, als Jena auch der eine oder andere gute Angriff
gelang (meist über Werner und Simak), dann die kalte Dusche. Mit einem
Freistoß-Trick aus der Schüler-Trickkiste wurde erneut Nicu freigespielt und
mit etwas Glück schlug sein Schuss zum 5:0 ein (73.).
Der FCC war demontiert. Daran änderte auch Simaks
Elfmetertreffer nichts mehr, den er nach einem Halten an Torghelle sicher
markierte.
Insgesamt bot der FCC eine erschreckend desolate Leistung
und es dürfte einem Wunder gleichkommen, wenn Iwanauskas aus diesem
verunsicherten Haufen binnen Kürze ein siegfähiges Team formen könnte. Ansätze
–mehr aber auch nicht- konnte man in der zweiten Hälfte zumindest bei Einigen
wenigstens erkennen. Dennoch, eigentlich ist jedes Wort über das heutige Spiel
eigentlich eines zu viel. Außer vielleicht diesem: beschämend!
So traurig und erschreckend das klingt: der FCC holte sich
eine verdiente Niederlage ab und kann schon am 7. Spieltag mit der Devise „Wir
haben ja nichts mehr zu verlieren!“ antreten.
Ca. 400 Jenaer Fans, die ohnehin die 2. Halbzeit außerhalb
des Stadions zugebracht hatten, blockierten anschließend friedlich die Ausfahrt
des FCC-Mannschaftsbusses und machten ihren Unmut deutlich. Adressaten waren
neben dem Team auch der Sportliche Leiter Lutz Lindemann und Präsident Zipfel.
Nach Gesprächen mit den Spielern Maul, Werner, Hansen,
Co-Trainer Holetschek und einer kurzen (aber eher schwachen) Ansprache des Kapitäns
Ziegner löste sich der Protest friedlich auf.
FC Carl Zeiss Jena - TuS Koblenz 1:2
Tore: 0:1 Daham (29.), 1:1 Omodiagbe (39.), 1:2 Daham (43.)
- Jena: Jensen; Kühne (46. Ziegner), Omodiage, Maul, Holzner;
Hansen (64. Fardjad-Azad), Müller, Simak, Stegmayer; Werner,
Torghelle (36. Petersen)
- Koblenz: Eilhoff; Lomic, Bajic, Mavric, Forkel; Djokaj (63.
Langen), Dzaka, Hartmann, Sukalo; Cha (82. Bogavac), Daham (90. Richter)
- Zuschauer: 8251
- Schiedsrichter: Schriever (Dorum)
- Spielbericht:
- Konnte man sich nach der
Heimniederlage gegen Mainz noch damit trösten, gegen einen klar besseren
Gegner, der noch dazu aus der 1. Bundesliga gekommen war, verloren zu haben, so
fehlte diese Trostmöglichkeit nach dem Abpfiff gegen Koblenz völlig.
Dabei sah es anfangs recht gut aus,
wenn man von den ungewohnten Trikots absah, die an übergezogene gelbe Trainingsleibchen
erinnerten. Von der ersten Minute an spielte der FCC nach vorn und drückte die
Gäste an ihren Strafraum. Und so ergaben sich auch schnell einige Chancen, z.B.
als Werner in der 3. Spielminute nach links auf Stegmayer spielte, der flankte
in die Mitte, wo Hansen allerdings zu hoch schoss. Drei Minuten später das
gleiche Strickmuster Mitte – links – Strafraum – drüber, diesmal waren Simak,
Werner und Torghelle die Beteiligten.
Dann hatte Schiedsrichter Schriever
seinen großen – oder besser: peinlichen – Auftritt: Hansen führte einen Einwurf
blitzschnell aus und der Koblenzer Torwart fischte den Ball genauso
blitzschnell vor Torghelle weg, stand dabei allerdings zwei, drei Meter vorm
Strafraum. Anstatt Eilhoff regelgerecht "Rot" zu zeigen, ließ
Schriever den Einwurf wiederholen. Warum? Das bliebt sein ewiges Geheimnis. Und
so ging es mit 0:0 im bisherigen Szenario weiter. Es fehlte jedoch bei allen
Zuspielen die letzte Abstimmung und Präzision, so auch, als Torghelle in
Mittelstürmerposition ein Zuspiel Simaks nur um Fußbreite verpasste (22.). Irgendwann
ließ der Jenaer Druck nach und die Koblenzer erkundeten die gegnerische Hälfte.
Tatkräftige Aufbauhilfe bekamen sie dabei von Stegmayer (26.) und Omodiagbe
(28.), die jeweils aus eigentlich schon geklärten Situationen unnötigerweise
Eckbälle für Koblenz fabrizierten. Und so kam es zum schon fast üblichen Ritual
im EAS: Die Gäste erhielten mit ihrem ersten vernünftigen Spielzug den
Führungstreffer geschenkt. Hansen rutschte auf der rechten Abwehrseite im an
sich harmlosen Zweikampf aus, Forkel flankte ungestört, Maul tauchte mit dem
Sprungvermögen eines Kanonenofens unterm Ball durch und Daham köpfte das
Geschenk ein – 0:1! The same
procedure as every week! Danach trug die
allgemeine Verunsicherung zehn gelb-blaue Trikots und wir hatten Glück, dass es
nicht gleich noch einen Gegentreffer gab. Doch Jensen tauchte in die untere
Ecke und verwehrte dem Kopfballaufsetzer Sukalos den Weg ins Netz. Neubarth
reagierte auf diesen Rückschlag und wechselte den bis dahin vielleicht etwas
glücklosen, aber insgesamt nicht besser oder schlechter als seine Mitspieler
agierenden Torghelle aus und brachte statt dessen Petersen. Für mich war diese
Auswechslung die entscheidende Szene für die weiteren lauen Angriffsversuche
und die logisch folgende Niederlage. In der 39. Minute hatte der Fußballgott
dann aber ein Einsehen mit den geplagten Zeiss-Fans und ließ Eilhoff eine Ecke
fehlerhaft wegfausten, Werner flankte den Abpraller in die Mitte und Jenas
Torgarantie Omodiagbe machte per Kopfball den Ausgleich. Jaaa, jetzt aber…
denkste! Der nächste Koblenzer Angriff bestand aus einem einfachen langen
Flankenball von der Mittelinie an die Strafraumgrenze. Dabei war der Ball so
lange in der Luft, dass sich Omo und Stegmayer rechts und links in
ausreichendem Abstand von Dahame aufstellen konnten, um diesem beim
Direktschuss ins lange Eck bewundernd zuzusehen. Mit den Händen aufgebaut
(Ausgleich) und sofort mit dem Hintern wieder eingerissen (1:2) – derzeit
typisch für den FCC!
Aussage eines Zuschauers in der
Halbzeitpause: "So mies wie diesmal war die Stimmung in der Halbzeitpause auf
der Toilette ewig nicht mehr." Es sollte nach der Pause nichts
Stimmungsförderndes mehr passieren. Zwar kam Ziegner für Kühne ins Team, aber
auch der passte sich der allgemeinen Leistung an. Es waren lediglich noch
vereinzelte Standards, die Eilhoff etwas Ablenkung brachten: Petersen köpfte
nach Ziegner-Freistoß übers Tor (50.) und Stegmayer donnerte einen 25-m-Knaller
direkt aufs Trikot des Gästekeepers. Jensen zeigte in der 62. min seinen
„running gag“ und ließ auch diesmal einen Ball nach vorn prallen, allerdings
folgenlos. Bezeichnend fürs Jenaer Spiel war die Tatsache, dass Holzner als
rechter Außenverteidiger die größten Angriffsbemühungen zeigte, sich immer
wieder für Zuspiele anbot und lange Wege zwischen vorn und hinten ging. Da
ansonsten kaum Bewegung im Jenaer Spiel war, prallten alle Bälle von der roten
Gummiwand ab, die Koblenz am Strafraum errichtet hatte.
Einziger Farbtupfer war Fardjad-Azad, der
nach seiner Einwechslung innerhalb von 5 Minuten dreimal aufs Tor schoß und
mehr Torgefahr erzeugte als alle anderen zusammen. Der Neunzehnjährige mühte
sich redlich und umkurvte einige Male seine Gegenspieler, aber da seine
Mannschaftskameraden nicht annähernd so viel Einsatz zeigten, war er auf
verlorenem Posten. In der letzten Viertelstunde bot Koblenz noch alle
Varianten, wie man beste Konterchancen kläglich vergibt – zum Glück, sonst wäre
es nicht beim 1:2 geblieben.
Diese Niederlage war nicht eine
unglückliche, nach der man zum Tagesgeschäft übergehen könnte. Im Verein muss
man sich auf Grund der Art und Weise, wie sich unsere Mannschaft in diesen 90
Minuten präsentierte, ernsthafte Gedanken machen, wie man eine totale
Pleitesaison verhindern kann. Noch ist die Zeit dafür! <uk>
FC Carl Zeiss Jena - FSV Mainz 05 1:2
Tore: 0:1 Feulner (17.), 1:1 Omodigabe (54.), 1:2 Gunkel (77.)
- Jena: Jensen; Kandelaki, Omodiage, Maul, Holzner; Hansen,
Müller (82. Helbig), Simak, Ziegner (46. Charalambides); Werner,
Torghelle (78. Petersen)
- Mainz: Wetklo; Demirtas, Noveski, Subotiv, Hoogland; Feulner,
Petkovic, Gunkel, Karhan (72. Laurent); Borja (61. Jovanovic), Amri
(89. Vrancic)
- Zuschauer: 11.798
- Schiedsrichter: Willenborg (Osnabrück)
- Spielbericht:
- Mainz 05 – ich muss gestehen, dass ich gewisse Sympathien
für diesen Verein hege. Selbige haben ein ganzes Stück mit Trainer Jürgen Klopp
zutun, aber auch mit dem Erscheinungsbild des FSV insgesamt. Wenn es jedoch gegen
den FC Carl Zeiss geht, gibt es kein Pardon
– dann gehört Mainz in der persönlichen Werteskala nur noch zu „best of the
rest“.
Es konnte mir also nicht gefallen, was sich da in Halbzeit
eins auf dem Rasen abspielte. Vom Anpfiff weg bestimmten die Gäste mit
scheinbarer Leichtigkeit die Szenerie. Zweite Minute, erste Chance – Amri aus
15 Metern knapp drüber. In der 6.
Minute lud Omodiagbe mit Fehlpass Feulner zum Torschuss ein. Der nach Köln
zurecht kritisierte, mit „Tri Tra Trullala“-Artikeln aber nahe der Gürtellinie
getroffene Kasper Jensen zeigte sich in dieser und den folgenden Situationen
wieder auf der Höhe. Den frühen Rückstand vermochte er aber nicht zu
verhindern. Weil bei einem schnellen Mainzer Angriff noch ein Stürmer im
Zentrum mitlief, gingen nicht ausreichend
Jenaer Verteidiger auf den ballführenden Markus Feulner. Dieser ließ Müller als
seinen einzigen Gegenspieler ins Leere grätschen und Jensen keine Chance.
Hallo wach ? – Weit
gefehlt, statt mit Aufbäumen reagierten Jenas Akteure mit Verunsicherung. Dass sich
Omodiagbe bei allen Qualitäten seine zwei, drei Aussetzer pro Spiel leistet,
wissen wir schon. Auch dass sich bei Holzner Licht und Schatten noch zu sehr
abwechseln. Doch selbst ein Alexander Maul ließ sich in dieser Phase von der
allgemeinen Nervosität in der Hintermannschaft anstecken.
Auch nach vorn lief wenig rund, keine Spur von einem konstruktiven Zusammmenspiel. Simaks
30-Meter-Freistoß war der erste Jenaer Torschuss überhaupt. Nach 32 Minuten !
Zu diesem Zeitpunkt hatte Mainz bereits ein halbes Dutzend Male aufs Tor geschossen.
Schon ein kurzer Antritt von Tobias Werner und die hohe Hereingabe, welche
Wetklo locker herunterfischte, ließen kurzzeitig Stimmung aufkommen. Wie
Dürstende auf jeden Tropfen Wasser stürzten sich die Zeiss-Fans auf diese
unaufregende Szene. Kein Wunder angesichts der Tristesse in Hälfte eins.
Omodiagbes Kopfball (42.) war da noch die beste Gelegenheit vor der Pause, vor
Probleme wurde Wetklo aber auch damit nicht gestellt. Dessen Gegenüber Jensen
hatte da ganz andere Kaliber zu meistern. Bei Feulners Kopfball aus Nahdistanz
reagierte der Däne großartig, auch Hooglands Nachschuss lenkte er zur Ecke.
Mainz dominierte. Mit dem 0:1-Rückstand war Jena zur Pause gut bedient.
Gelbe Schuhe zu blau-weißen Stutzen – rein optisch passt der
zypriotische Nationalspieler Constantinos Charalambides schon mal sehr gut nach
Jena. Zumindest in den ersten Minuten nach seiner Einwechslung war der
Neuzugang überall auf dem Platz zu finden, als wolle er im Alleingang dem
Geschehen eine Wende geben. Doch auch seine neuen Mannschaftskameraden
steigerten sich endlich auf jenes Niveau, dass man von Anfang an hätte erwarten
dürfen. Torghelles Einsatz auf der rechten Seite brachte nach 53 Minuten den
ersten Jenaer Eckball. Und der führte zum Ausgleich durch Darlington Omodiagbe.
Per Kopf traf der Nigerianer aus Nahdistanz. Zwischen Genie und Wahnsinn liegt
eben manchmal nur eine Halbzeitpause. Jetzt war Jena am Drücker, auch
akkustisch. Von den recht wenigen Mainzer Anhängern war vorübergehend nichts zu
hören. Bis hinauf zur letzten Reihe der neuen Zusatztribüne feuerten die
Zuschauer ihre Elf an. Jürgen Klopp lobte nach dem Spiel die tolle Atmosphäre
im Jenaer Stadion. Schade nur, dass sich seine Spieler davon nicht beeindrucken
ließen. Die Bundesligaabsteiger nahmen den Kampf an und da sie in der
Spielanlage einen Tick reifer wirkten, gewannen sie dieses Match. Amris
Schrecksekunde (Ball rollte parallel zur Linie des verwaisten Tores) beendete
die beste Jenaer Phase. Gunkels Diagonalfreistoß machte sinnbildlich den Deckel
zu. Dass der vom Schiri als indirekt ausgeschriebene Freistoß direkt verwandelt
wurde, passt ebenso ins Bild wie Werners unglücklich vergebene Großchance drei
Minuten vor Schluss – wenn du da unten drin stehst, bekommst du den Mist nicht
so schnell vom Hacken. Auf diese Art verlor der FCC sein drittes Spiel in Folge
mit einem Tor Differenz. Wobei es
Jensen mit einer weiteren Rettungstat gegen Feulner (90.) zu verdanken ist,
dass es nicht mehr wurde.
Die Schwere des Auftaktprogramms war uns allen bewusst. Dass
aus vier Partien nur ein mickriges Pünktchen herausspringt, ist allerdings
ernüchternd, insbesondere nach den Spielverläufen gegen St. Pauli und Köln. Bei
aufmerksamer Betrachtung des Jenaer Spiels gewinnt man den Eindruck, die
Komponenten für eine erfolgreiche Saison sind da, aber noch nicht richtig zusammengefügt.
Vielleicht kommt die 12tätige Punktspielpause gar nicht so ungelegen. <fc>
1. FC Köln - FC Carl Zeiss Jena 4:3
Tore: 0:1 Torghelle (5.), 1:1 Novakovic (20.), 1:2 Müller (37.),
1:3 Omodiagbe (55.), 2:3 Chihi (73.), 3:3 Chihi (84.), 4:3 Jensen (86., ET)
- Köln: Mondragon; Ehret, Mitreski, McKenna, Nickenig
(60. Schöneberg); Antar, Broich (60. Scherz), Helmes; Chihi, Vucicevic, Novakovic (60. Gambino)
- Jena: Jensen; Kandelaki, Omodiage, Müller, Holzner;
Hansen (84. Stegmayer), Lorenzon (46. Kühne), Werner, Simak,
Ziegner; Torghelle (81. Petersen)
- Zuschauer: 37.700
- Schiedsrichter: Dr. Fleischer (Sigmertshausen)
- Spielbericht:
- Es war die Woche der
unverdienten Auswärtssiege mit St. Paulis Dreier im Ernst-Abbe-Sportfeld und
Deutschlands glücklichem Erfolg in Wembley, und so mancher hegte die Hoffnung
auf eine Fortsetzung dieser Serie in Köln-Müngersdorf, waren die Vorzeichen
zwischen den beiden ungleichen Gegnern doch klar. Einen unverdienten Verlierer
gab es auch diesmal, jedoch war dies nicht etwa der haushohe Favorit, sondern
ein FC Carl Zeiss, der sich in der Schlussphase selbst um den Lohn eines
großartigen Spieles brachte.
Durch
den Platzverweis Alexander Mauls war Coach Frank Neubarth zu Umstellungen
gezwungen, nahm Robert Müller in die Innenverteidigung und ließ mit Nils Hansen
und dem erstmals nach seiner Verletzungspause wieder kickenden Lorenzon gleich
zwei Abräumer im defensiven zentralen Mittelfeld auflaufen. Werner und Ziegner
besetzten die Außenpositionen im Mittelfeld, während Jan Simak als Spielmacher
fungierte, hinter der einzigen Spitze Torghelle. Und was der drauf hat, sorgte
schon nach 5 Minuten für den ersten Jubelschrei unter den 1.500 mitgereisten
Zeissfans. Langer Abschlag Jensen, Kopfball-Doppelpass
Torghelle-Werner-Torghelle und unser ungarischer Neuzugang hämmerte die Kugel
trocken von der Strafraumgrenze ins Netz. 0:1, was für ein Auftakt, und um ein
Haar hätte Broich nachgelegt, dessen Rückpass Mondragon verfehlte, aber knapp
am Kölner Kasten vorbeirollte (14.).
Beim Gastgeber hatte man im Vorfeld einen mauernden Gegner erwartet,
doch der FCC spielte auch nach der Führung munter nach vorn, fast zu munter,
denn Kölner Gelegenheiten resultierten fast ausschließlich aus Kontern nach
jenenser Abspielfehlern. In der 10. Minute ging das noch gut, als Jensen einen
tückischen Helmes-Knaller im Nachfassen parierte, nach 20 Minuten jedoch hatten
die Domstädter mit ihrer zweiten Möglichkeit im Spiel ausgeglichen. Novakovic
hatte von Omodiagbe bedrängt Vucicevic angespielt, welcher an der rechten
Strafraumgrenze Lorenzon düpierte und auf den von Omodiagbe und Werner
sträflich vernachlässigten Novakovic zurückpasste. Dass dessen Schuß durch die
Beine von Hansen den Weg ins Netz fand ist sicher unglücklich zu nennen, das
Abwehrverhalten zuvor dilettantisch. Köln hatte nun Oberwasser, baute gehörigen
Druck auf und hatte mit Vucicevics Schussversuch nach Kandelakis
verhängnisvollem Ballverlust (24., knapp daneben) und Broichs abgefälschtem
Schuß (29., Jensen hält) auch die ein oder andere Möglichkeit. Doch als Simak
mit einem wahren Zauberpass den durchlaufenden Holzner bedient und dieser aus
Nahdistanz an Mondragon scheiterte (30.), wirkte das wie ein Signal an die
eigene Mannschaft zur Besinnung auf das überlegte Spiel der ersten Minuten. Kurz
darauf hätte es Elfmeter für den FC Carl Zeiss geben müssen, als Torghelle im
Strafraum gefoult wurde, doch nicht nur in dieser Szene zeigte sich die
nachhaltige Wirkung des Daumschen Montagstheaters bei Referee Dr. Fleischer.
Jena ließ sich nicht beirren, es war eine Freude, dem Kombinationsfußball von
Jenas Offensivabteilung um den immer besser werdenden Kapitän Ziegner, den an
allen Ecken des Spielfeldes zu findenden Hansen (bester Mann auf dem Platz) und
einen Jan Simak zuzusehen und manch einer rieb sich die Augen, mit welchem
Selbstbewusstsein der Underdog hier in der WM-Arena auftrat. Werners Schuß nach
36 Minuten parierte Mondragon im Nachfassen, Ziegners Freistoß eine Minute
später kratzte der kölsche Schlussmann noch aus dem Eck, doch die
darauffolgende Ecke brachte die verdiente Führung. Torghelle hatte Ziegners
Eckball an den langen Pfosten verlängert, wo Robert Müller eiskalt vollendete.
Der Gast wirkte nun wie paralysiert, beinahe hätte Torghelle das Ergebnis noch
höher schrauben können, verzettelte sich aber im Strafraum (39.) und so war der
Schlusspunkt unter die erste Hälfte symptomatisch, als der wenige Tage zuvor
noch zum Deutschlandkader gehörende Helmes eine Freistoßablage von Vucicevic 15
Meter über das Jensen-Gehäuse beförderte. Kölns Mannschaft ratlos, Kölns
Publikum fassungslos und ein gellendes Pfeifkonzert verabschiedete die
Millionentruppe in die Kabinen.
Aufbäumen,
Dagegenhalten, Druck aufbauen, so in etwa hätte man die Gastgeber nach
Wiederanpfiff erwartet, doch stattdessen spielte Thüringens Stolz so, als hätte
er einen Rückstand aufzuholen. Werner prüfte Mondragon mit Schuß aus spitzem
Winkel (51.), das Eckenverhältnis war inzwischen auf 7:3 für Jena angestiegen
und als Ziegners Freistoß den Fuß des völlig unbedrängt durchlaufenden
Omodiagbe fand, hieß es 1:3, das Spiel schien entschieden. Auch wenn Helmes nur
eine Minute später den Anschlusstreffer auf dem Kopf hatte und knapp verzog,
das Auftreten der völlig konsternierten Gastgeber glich insgesamt einem
Fehlpassfestival, begleitet von eisigem Schweigen des Opernpublikums auf den
Tribünen. Christoph Daum hatte die Nase voll, wechselte gleich drei Spieler auf
einmal aus und vor allem die Hereinnahme von Matthias Scherz, der ja schon in
der Vorsaison den mehr als glücklichen Siegtreffer der Kölner vom Elfmeterpunkt
erzielt hatte, sollte sich als folgenschwer erweisen. Doch zuvor hatte Referee Fleischer
seinen Auftritt, schickte Zeiss-Trainer Frank Neubarth auf die Tribüne, als der
sich lautstark über eine der unzähligen Freistoßfehlentscheidungen zugunsten
des 1. FC Köln mokierte (65.), übersah eine Tätlichkeit Antars an Stefan Kühne
(Kopfstoß, 68.) und gab für McKennas Notbremse an dem durchbrechenden Torghelle
nur gelb (71.). Jener Torghelle hatte bis dahin ein großartiges Spiel gehabt,
zerrte unermüdlich an den Ketten und war von seinem Gegenspieler meist nur
durch Foulspiele zu stoppen. Doch er wurde ebenso wie Jan Simak müder und so
verlagerte sich das Spielgeschehen mehr und mehr in die Jenaer Hälfte, Chihi
mit Freistoß und Antar per Kopfball (69.) besaßen gute Möglichkeiten, ehe in
der 73. Minute das Unheil für den FCC seinen Lauf nahm. Die Fehlerkette war
lang. Jensen ließ sich eine Kölner Flanke von Robert Müller zum Einwurf
wegköpfen, anstatt sie selbst herunterzupflücken. Omodiagbe musste erkennen,
dass auch 1,88m nicht ausreichen, wenn man 2 Meter hinter einem kopfballstarken
Matthias Scherz steht, dessen Verlängerung Adel Chihi fand, der von Felix
Holzner völlig unbedrängt zum Anschlusstreffer einschoß. Fünf Minuten später
hatte Scherz selbst die Riesenchance zum Ausgleich, köpfte aber freistehend am
völlig leeren Tor vorbei. Durchatmen, doch die Partie wurde hitziger. Mondragon
erhielt gelb, als er den sich bei der Auswechslung zu viel Zeit lassenden
Torghelle vom Platz schubste, Holzner kassierte den gelben Karton für ein an
ihm begangenes Foulspiel und Jan Simaks Bedrängen Vucicevics wurde mit Freistoß
für Köln geahndet, den Scherz aufs Tor platziert, Jensen lässt den schon sicher
geglaubten Ball vor die Füße von Chihi fallen, der nur noch abstauben muß.
Ausgleich, Kölns Publikum aus dem Dornröschenschlaf erwacht und Kasper Jensen der
einsamste Mann auf dem Platz. Ob ihm diese Szene noch durch den Kopf schwirrte,
als er kurz darauf Chihis Eckball (Omodiagbe hatte zur Ecke klären müssen, da
ein Ellenbogencheck von Scherz gegen ihn ungeahndet blieb) zum Kölner 4:3 ins
eigene Tor patschte?
Ein mehr als bitteres Ende für den zuvor gut spielenden
Keeper, der nach dem Abpfiff sofort den Trost seines Kapitäns Torsten Ziegner
bekam. Vergessen wird er diesen Abend wohl nie, ebenso wie Jenas Anhang. Fassungslose,
entsetzte Gesichter noch Minuten nach Spielende im Gästeblock. Was für eine
Riesenchance hatte sich der FC Carl Zeiss hier selbst vergeben. Ob die
tadellose Moral der Mannschaft mit diesem erneuten Tiefschlag einen dauerhaften
Knacks wegbekommen hat, oder ob man sich am 70 Minuten lang wirklich tollen
eigenen Spiel aufbaut, wird die nächste Partie gegen Mainz zeigen. Nachdem der
Trainer, dessen vorgenommene und unterlassene Auswechslungen in Köln nicht
jedermanns Geschmack trafen, aus den vielen Neuzugängen mehr und mehr eine
Mannschaft zu formen scheint, ist in den kommenden Tagen in erster Linie der
Psychologe Frank Neubarth gefragt! <gunner>
FC Carl Zeiss Jena - FC St.Pauli 0:1
Tore: 0:1 Schnitzler (20.)
- Jena: Jensen; Kandelaki, Maul
(

, 40.),
Omodiagbe, Holzner; Kühne (67. Petersen), Hansen, Ziegner (46. Simak),
Müller; Werner, Torghelle (77. Helbig)
- St.Pauli: Borger; Gunesch, Eger, Morena, Rothenbach; Trojan (79. Bruns), Boll, Meggle, Takyi (

, 42.), Brunnemann (45. Braun); Schnitzler (64. Ludwig)
- Zuschauer: 12.129
- Schiedsrichter: Schalk (Augsburg)
- Spielbericht:
- [von Gastkommentator Ragnar Boedefeld]
Nach drei erfolgreichen Jahren in Folge und der Wiederholung eines
2:2-Auswärtserfolgs nach 0:2-Rückstand im ersten Saisonspiel war es wieder
einmal an der Zeit, dem Aberglauben zu frönen. Und so schreibt jetzt im vierten
Jahr in Folge ein- und derselbe Gastkommentator den ersten Heimspielbericht.
Angeblich soll einer aus dem Stammpersonal sogar geheiratet haben, damit er um
diesen Spielbericht drumrum kam...
Ähnlich wie im letzten Jahr (Braunschweig) war auch diesmal ein potentieller
Konkurrent im Abstiegskampf beim ersten Saisonheimspiel zu Gast.
Unvorhersehbare Auswärtsunentschieden sind gerne gesehen - doch wichtiger sind
die drei Heimpunkte aus diesen sogenannten "Sechs-Punkte-Spielen". Unbedingter
Siegeswillen war also Pflicht, und so harrte unsereiner gespannt, ob der
Trainer Neubarth dieses seinen Spielern verklickert hatte.
Er hatte - wenn man
die ersten zwanzig Minuten des Spiels als Maßstab nimmt. In dieser Zeit brachte
der FCC fünf gefährliche Situationen zustande, die in ihrer Vielfalt
überraschten. Ein Freistoß von Ziegner, der knapp neben das Tor ging, ein
gefährlicher Fernschuss von Kühne, dann einer von Werner, den Borger abprallen
ließ - Torghelle war einen Schritt zu spät. Kurze Zeit später war es umgekehrt:
Torghelle ließ zwei Gäste aussteigen und versuchte einen Schlenzer mit dem
linken Bein, Borger ließ wieder prallen - doch der Ball wollte einfach nicht
rein. Dann folgte noch ein gefährlicher Kühne-Kopfball. Von Pauli war bis dahin
nichts zu sehen, die besten Aktionen der Gäste hatte noch der Fanblock.
Plötzlich zack-zack, ein Querpass, einer in die Spitze - und Schnitzler kann
frei vor Jensen einschieben. Ausgerechnet Pauli, das seinerseits letzte Woche
gegen Köln reihenweise vor dem Tor versagt hatte, machte mit seinem ersten
zusammenhängenden Spielzug das 0:1. Nur kurz danach wäre beinahe das 0:2
gefallen, der Ball ging links unten knapp vorbei. Beim FCC war jetzt ein Knacks
im Spiel, keiner lief richtig und elementare Dinge wie flache Anspiele und
Ballannahmen aus der Luft misslangen. Eine Viertelstunde lang war einmal mehr
der Fluch der ersten Saisonspiele zu ertragen: eine bunt zusammengekaufte
Mannschaft (gleichwohl mit Niveau) ist noch nicht wirklich eine Truppe, wirkt
verunsichert und ängstlich in einem ihr häufig noch fremden Heim-Umfeld, das
wegen des Rückstandes nicht erbaut ist. Bad Vibes... warum nur?
Individuelle Klasse hat der Kader jedenfalls, wie man in der 35. Minute sehen
konnte. Kandelaki wurde auf links steil geschickt, passte flach nach innen, wo
Torghelle den Ball annehmen, kontrollieren und auf Ziegner zurücklegen konnte,
der leider links vorbeisemmelte. Das tat weh, ebenso der knapp verfehlte
Ziegner-Freistoß kurz vor der Pause, bei dem Borger keine Regung zeigte. Ab der
40. Minute spielte übrigens der FCC nur noch zu zehnt, Maul war geampelt worden.
Zwei Minuten später hatte auch Pauli einen weniger auf dem Platz, nachdem Takuy
wiederholt das Spiel verzögert hatte.
Und dann kam der Abschnitt des Spiels, den ich nicht begreife. Freilich kann man
nicht 90 Minuten lang höchstes Tempo gehen, sicherlich muss man zwischendurch
auch mal verschnaufen. Aber wieso kann man nach einer Halbzeitpause voller
Regeneration nicht genau dort weitermachen, wo man vor der Pause aufgehört hat
- nämlich Druck auf den zeitweilig überforderten Gegner auszuüben? Pauli war
mit der Pause eigentlich sturmreif, wurde dann aber bis zur 70. Minute durch
einfache Fehler und mangelhaftes Laufspiel wieder aufgebaut. Wenn nur alle in
der zweiten Halbzeit so gerannt wären wie der Holzner...
Erst in der
Schlussviertelstunde wurde Pauli wieder in der eigenen Hälfte eingeschnürt.
Auffällig war dabei Jan Simak, der die Bälle jetzt schön verteilte und auch
selbst gefährlich wurde. Es ergaben sich Chancen im Minutentakt, fast jeder
durfte mal ran. Leider ging alles daneben (Torghelle 74., Petersen 78. und 86.,
Werner 83.), an den Pfosten (Petersen 74.) oder wurde von Borger entschärft
(Kopfball von Helbig 83.). Dann war Schluss und die erste Heimniederlage in der
neuen Saison Tatsache.
Trotz dieser Niederlage bleibt ein besseres Gefühl als im letzten Jahr nach dem
0:0 gegen Braunschweig, weil der FCC seinen Gegner diesmal spielerisch
beherrschte, obwohl die Hälfte der Neuzugänge noch auf der Bank saß bzw.
verletzt war. Heuer steht auch nicht zu befürchten, dass das Potential des
Clubs einbricht, sollten Spieler wie Ziegner und Helbig eine ganze Saison lang
verletzt ausfallen - der Kader ist wesentlich breiter und auch besser geworden.
Wie sagte Gästetrainer Trulsen in der Pressekonferenz: "Es wird für jede
Mannschaft schwer, in Jena zu punkten." Allerdings nur, wenn die Dinger vorne
auch jemand reinmacht!
Alemannia Aachen - FC Carl Zeiss Jena 2:2
Tore: 1:0 Vukovic (1.), 2:0 Nemeth (6.), 2:1 Maul (28.), 2:2 Petersen
(76.)
- Aachen: Nicht; Stehle, Klitzpera, Vukovic (33. Casper), Weigelt;
Lehmann, Polenz (75. Leiwakabessy), Reghecampf, Nemeth, Pecka (81. Milchraum),
Ebbers
- Jena: Jensen; Kandelaki, Maul, Omodiagbe, Holzner; Kühne,
Müller (72. Petersen), Hansen, Ziegner (72. Fröhlich), Simak
(58. Stegmayer); Werner
- Zuschauer: 19.986
- Schiedsrichter: Aytekin
- Spielbericht:
- Wenn ein Verein aus der Bundesliga kommend zuhause auf den
Zweitliga-Dreizehnten des Vorjahres trofft, ist die Favoritenrolle am 1.
Spieltag klar gegeben. Dass sich der Webmaster aus Aachen bei der
Live-Ticker-Ankündigung aber gleich für ein fingierte 5:2-Vorhersage entschied, kam
uns vor dem Spiel doch etwas übertrieben vor.
Nach sechs Minuten Spielzeit schien allerdings nichts mehr
unmöglich. Zwei Gegentore hatte sich der FC Carl Zeiss zu diesem Zeitpunkt
schon eingefangen, das Erste nach 50 Sekunden ! Einen Freistoß-Ball von
Reghecampf verlängerte Vukovic per Kopf unhaltbar ins Jenaer Gehäuse. Robert
Müller war zwar mit hochgestiegen, hatte aber das Nachsehen. Keinen
Gegenspieler besaß Nemeth nach 5:30 min. Omodiagbe hatte die Abseitsfalle
aufgehoben.
0:2 - Mann oh Mann, welch ein Fehlstart in die insgesamt achte
Zweitligasaison des FCC ! Nachdem der erste Schock verdaut war, erinnerte man
sich als Auswärtsfahrer an den 1. Spieltag der Vorsaison, als Jena in Offenbach
ebenfalls mit zwei Toren hinten gelegen hatte, sich aber noch zum Remis
kämpfte. Sollte dies erneut möglich sein ? Hier, auf dem berühmten Aachener
Tivoli ? Nicht das Stadion selbst macht den Reiz aus, in vielen Dingen erinnert
es an die alte Heimstätte des FC Sachsen Leipzig. Nein, es ist die Atmosphäre,
bei der das Dabeisein einfach Spaß macht, weil die Stimmung enthustiastisch,
aber nicht aggressiv ist und häufig von drei Seiten gleichzeitig gepuscht wird.
Es sah noch immer nicht gut aus. Nach 25 Minuten war kein einziger
gefährlicher Ball auf das vom Ex-Jenaer Kristian Nicht gehütete Aachen-Gehäuse
abgegeben worden. Stattdessen musste Gegenüber Kasper Jensen beim
Aachener Konter die fehlende Innenverteidigung ersetzen und zehn Meter vor
seinem Strafraum per Kopf klären. Dann die 28. Minute. Ziegner aus einer
Spielertraube heraus auf Hansen, Flachschuss aus 15 Metern, Torwart Nicht pariert auf
Kosten einer Ecke. Das war sie, die erste Jenaer Gelegenheit im Punktspieljahr
2007/2008. Eine Ansage „Wir sind auch da“. Den anschließenden Eckball
erwischt Stefan Kühne am langen Pfosten, köpft ihn zur Torlinie, wo Alexander
Maul steht und unter Bedrängnis einköpft. Der Anschlusstreffer noch vor der
Pause. Wie damals in Offenbach. Hoffnung bei uns. Ein aus allen Wolken fallen
bei den Alemannen. Zu deutlich hatten sie die Anfangsphase dominiert,
zu leicht ihre Tore gemacht gegen einen in
dieser Phase unsortierten und harmlosen Gegner. Nun kämpften sich die
Neubarth-Schützlinge in das Spiel hinein. Nur vier Minuten nach dem
Anschlusstreffer spielte Simak einen ähnlich genialen Pass wie im Pokal eine Woche zuvor
auf Werner, der hatte gegen den heranstürmenden Nicht die Idee eines
Hebers – nur leider fiel dieser zu hoch aus. Eine Partie mit umgekehrten
Vorzeichen – jetzt spielte Jena Fußball. Wäre Kühne in der 43. Minute nicht
selbst überrascht gewesen über eine sich bietende Kopfballchance, es hätte noch
vor der Pause Unentschieden gestanden. Der Offenbacher Regievorlage hätte dies
freilich nicht entsprochen.
Mit ein bisschen Magengrummeln empfingen wir unsere Mannen
aus der Kabine. Nur nicht wieder solch eine Schlafwagen-Einlage wie zu Beginn.
Doch die Sorgen erwiesen sich als unbegründet. Lediglich Keeper Jensen sorgte
für erhöhte Herzfrequenz in Minute 51, als er bei zwei heranstürmenden
Gegenspielern den Ball nicht einfach wegschlug, sondern ihn kalt wie
Hundeschnauze behauptete. Außerdem Holzner, der am eigenen Strafraum den Ball
vertändelte und von Glück sagen kann, dass die Abseitsfahne nach oben
schnellte, da ansonsten eine 3 gegen 1-Überzahlsituation für die Westdeutschen
entstanden wäre.
Die Leistungssteigerung der Jenaer Elf lässt sich treffend am Bild festmachen, dass Ilia Kandelaki in den ersten neunzig Minuten
für seinen Verein abgab. Nach Stegmayers gutem Pokalauftritt war er für mancheinen
überraschend in die Startelf gerückt. Die etwas defensivere Variante schien
anfangs nach hinten loszugehen, weil der Georgier einige Male Unsicherheiten
auf seiner linken Seite offenbarte. Doch nach der Pause fand Kandelaki zu sich selbst,
seinen Mannschaftskameraden und ins Spiel. Wobei Stegmayer später noch eingewechselt wurde,
ebenso wie Fröhlich und Petersen. Die aus den Wechseln hervorgehenden
taktischen Umstellungen waren riskant, besonders der Austausch des defensiven
Müller gegen den stürmenden Petersen. Das Risiko sollte sich aber bezahlt machen. Denn
Nils Peteresen war gerade drei Minuten im Spiel, da verlängerte er einen Ball
von Kühne ins Tor. Wahnsinn ! Ausgerechnet Jenas Jüngster schafft den
Ausgleich. Klar hat der in Junioren-Länderspielen schon gegen
U19-Nationalmannschaften getroffen, doch ein solche wichtiger Treffer „bei den
Großen“ ist dann doch etwas Besonderes. Wäre der Bursche in Minute 79 doch noch
einmal etwas kaltblütiger gewesen, er hätte den FCC gar zum Sieg geschossen.
Nach einer Unsicherheit seines Gegenspielers verzog Petersen jedoch
deutlich.
Remember OFC – aus einem 0:2 ein 2:2 gemacht und dem Sieg
sehr nahe gekommen. Auch Kandelakis
Flanke fünf Minuten vor Schluss brachte Gefahr, neutralisierte sich aber mit
Reghecampfs Hereingabe in Minute 88. Beide Male fehlte ein Abnehmer im
Sturmzentrum.
Das Unentschieden feierten die Jenaer wie einen Sieg,
während die Gastgeber ziemlich konsterniert das Stadion verließen. Auch dieses
Bild hatten wir vor einem Jahr schon einmal. Neu ist die Serie, in der sich die
Jenaer Mannschaft befindet. Unter Frank Neubarth bleibt sie in Pflichtspielen
weiterhin unbesiegt. <fc>
Bilder von der ersten Partie
Spielbericht auf alemannia-aachen.de
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, 19.);
Kandelaki (85. Helbig), Kühne, Ziegner, Holzner (46. Charalambides);
Werner, Torghelle (37. Tapalovic)
Das Osnabrücker Stadion an der Bremer Brücke war Spielstätte des siebenten Auswärtsauftritts des FCC in der Saison 2007/2008 und ich war wohl nicht der einzige Besucher, der die Parallelen zum Spiel vor zwei Jahren sah. Nach einer Heimniederlage und eigentlich doch recht ansprechenden Auswärtsauftritten in der Saison durfte man eigentlich hoffen in Osnabrück zu punkten. Ähnlich wie vor zwei Jahren, als der etatmäßige Spielmacher in der Regionalliga, Torsten Ziegner, in Osnabrück fehlte, fiel diesmal Jan Simak aufgrund der 5. Gelben Karte aus. Und das genau jener Torsten Ziegner nun diesmal den fehlenden Jan Simak vertreten sollte, gab dem ganzen so eine besondere Note.
Aber um auch das nicht zu vergessen, es gab auch einen Riesenunterschied zum Vergleich vor zwei Jahren: Der FCC reiste dazumal als Tabellensiebenter zum VfL nach Osnabrück. Diesmal kamen wir als Tabellenletzter nach Westniedersachsen und dementsprechend pendelten die Ergebnistipps der Heimfans auf dem Weg vom Parkplatz zum Stadion so zwischen einem 3:0 und einem 5:0 für ihre in der letzten Zeit extrem heimstarken Lila-Weißen.
Die Mannschaft des FCC hatte sich vor dem Spiel in einem viertägigen Trainingslager in Bad Blankenburg noch einmal auf dieses Spiel eingeschworen und Jenas Cheftrainer Valdas Ivanauskas wartete mit einigen Veränderungen in der Mannschaftsaufstellung auf. Neben Torsten Ziegner in der Startformation, kamen auch Felix Holzner im rechten Mittelfeld und Ilia Kandelaki im linken Mittelfeld zum Einsatz. Außerdem spielten Omodiagbe und Oniani in der Innenverteidigung, Sven Günther mal wieder hinten rechts und Michael Stegmayer hinten links, sowie Stefan Kühne als Staubsauger vor der Abwehr. Und nachdem mit Sandor Torghelle und Tobias Werner auch vorne mal wieder mit zwei Spitzen angefangen wurde, kann man Jenas Trainer Valdas Ivanauskas wohl eher nicht vorwerfen, nicht mal etwas Neues auszuprobieren.
Das Spiel begann für die Jenaer eigentlich ganz ansprechend. Die Mannschaft kann das Spiel auch in des Gegners Hälfte verlagern und von einer Anfangsoffensive der Heimmannschaft ist wenig zu sehen. Felix Holzner zielt bei einer Schusschance in der 3. Minute aus ca. 20 Metern nur knapp über das Tor. Nach und nach gewinnen die Osnabrücker aber die Oberhand und als der FCC nach einer guten Viertelstunde einen Einwurf in der eigenen Hälfte auf Links zugesprochen bekommt, nimmt das Unglück an Fehlern mal wieder seinen Lauf. Man wirft den Ball nicht zurück zum eigenen Torwart, wenn die gegnerische Mannschaft so aufgerückt ist. Man fängt als Torwart nicht an, im eigenen Strafraum den Gegner auszuspielen. Und man reißt den Gegner im Strafraum auch nicht um (wobei ich zugebe die Szene nicht genau gesehen zu haben). Das Ergebnis dieser Fehler: Strafstoss für Osnabrück und eine rote Karte für Sven Günther! Den Elfmeter verwandelt Thomas Cichon (20.) souverän ins linke Eck und im mit ca. 400 bis 500 FCC – Fans gefüllten Gästeblock beginnt sich sofort Defätismus breit zu machen.
Was sich in den nächsten 40
Minuten auf dem Platz abspielt, ist im Grunde genommen nebensächlich, weil
unerheblich. Die Osnabrücker können ihre Vorteile nicht wirklich nutzen und
beweisen auch nicht wirklich warum sie so viel mehr Punkte auf dem Konto haben
als der FCC. Der FCC vertut sich in Harmlosigkeiten und schwächt sich am Ende
selbst, als Oniani in einem Luftzweikampf Holzner (41.) ausschaltet.
Erst am Ende kommt der
Tabellenletzte wieder zu ansprechenden Szenen, die jedoch harmlos vergeben
werden.
Tja, und wenn es denn noch
mal eines Vergleiches mit jenem Treffen vor zwei Jahren bedarf, dann war es
eben jenes Ausgleichstor in der 90+x Minute durch einen Kopfball von Tobias
Werner. Danach war dann auch aber auch zum Glück schnell Schluss.
Ich spare mir lieber jede Prognose zu Chancen und Möglichkeiten zum Klassenerhalt. Möglich ist vieles, machbar auch. Die recht verhaltenen Gesten der Mannschaft nach dem Schlusspfiff am Zaun vor dem Gästeblock sprechen aber Bände. Realistisch betrachtet haben wir aber nur wieder einen Spieltag gegen einen Konkurrenten vergeben.
- Jena: Kraus; Stegmayer, Omodiagbe, Maul, Oniani; Hansen (46.
Zimmermann), Müller, Simak, Charalambides (74. Helbig); Torghelle,
Werner
- Hoffenheim: D. Haas; Gustavo, Löw, Nilsson, Seitz; Eduardo (68. Ibisevic), Vorsah, Copado, Salihovic (85. S. Haas); Paljic (62. Ba), Obasi
- Zuschauer: 6895
- Schiedsrichter: Fischer (Hemer)
- Spielbericht:
- Hoffenheim: D. Haas; Gustavo, Löw, Nilsson, Seitz; Eduardo (68. Ibisevic), Vorsah, Copado, Salihovic (85. S. Haas); Paljic (62. Ba), Obasi
- Vor Wochen sorgte der Streit zwischen Mainz 05 und
Hoffenheim 1899 für Diskussionen. „Bayern München erwirtschaftet sein Geld. In
Hoffenheim ist es nur ein Sponsor. Schade, dass so eine Mannschaft einen der 36
Plätze im Profifußball wegnimmt“, hatte sich der Mainzer Manager Christian
Heidel negativ über die Hoffenheimer geäußert. Dass diese verärgert darauf
reagierten, ist nachvollziehbar. Den Beweis, dass in diesem Verein mehr
Substanz steckt als ein starker Sponsor, der sich fähige Spieler an Land zieht,
bleibt die TSG aber bis zum heutigen Tag schuldig. Wenn beispielsweise von
Herrn Hopp die Auswärtsbusfahrt komplett bezahlt wird und sich dennoch gerade
mal 54 Fans auf den Weg machen, eine zuletzt sehr erfolgreiche Mannschaft
auswärts zu unterstützen, wird das keinen höheren Ansprüchen gerecht.
Die Schützlinge von Ralf Rangnick begannen offensiv, mit gutem Passspiel. Dreimal musste Daniel Kraus bereits in den ersten zwanzig Minuten zeigen, dass die Zeit der „Flattermänner“ im Jenaer Gehäuse ein Ende hat. Den Schuss von Paljic lenkte Kraus zur Ecke. Auf den tückischen Ball im Anschluss an einen Freistoß hechtete er sich kurz vor der Torlinie. Und beim direkten Freistoß von Salihovic ging er auf Nummer sicher, versuchte das nasse Leder gar nicht erst zu fangen, sondern faustete es konsequent weg. Das Glück des Tüchtigen kam Jenas Keeper in Minute 29 zu Hilfe, als im Anschluss an eine gelungene Dreierkombination Salihovic nur die Lattenoberkante traf.
Kraus war von Beginn an voll da, was von seinen Vorderleuten leider nicht behauptet werden kann. Im Vergleich zu der couragierten ersten Hälfte in Mönchengladbach waren sie kaum wieder zu erkennen, reagierten nur statt zu agieren. Ihr Trainer hatte vor einer offensive Gästeelf gewarnt, den Überraschungseffekt kann also niemand geltend machen. Fast sechzig Prozent verlorene Zweikämpfe in der ersten halben Stunde sind ein unerklärlicher, so bislang nicht gekannter Beleg von Schwäche, der sich naturgemäß aufs Spielgeschehen auswirkte. Keine Torszene aus dem Spiel heraus war in Halbzeit eins zu verzeichnen und es dauerte bis zur 34. Minute, bis Jena wenigstens mal aus einer Standartsituation heraus etwas zuwege brachte. Simaks Freistoß musste Haas prallen lassen, beim anschließenden Kopfball von Alexander Maul brandete schon Torjubel auf, doch der Torwart vermochte ihn noch zur Ecke zu lenken. Klar wäre eine Führung zu diesem Zeitpunkt ganz und gar unverdient gewesen – doch darum hat sich so mancher Gast im Ernst-Abbe-Sportfeld bislang schließlich auch nicht geschert. Ein Solo noch von Jan Simak, der zuvor für ein „Warum hast du das gepfiffen?“ seine 5. Gelbe Karte gesehen hatte – dann war wieder Hoffenheim am Drücker. Copado scheiterte zweimal innerhalb einer Minute an Kraus (41.). Der Flachschuss von Obaris sauste am langen Pfosten vorbei (42.). Ecken, Zweikämpfe, Chancenverhältnis, scheinbar auch in der Gunst des Schiris – überall lagen die Gäste zur Pause vorn. Nur in Tore hatten sie diese Überlegenheit nicht umgesetzt.Mit Wiederanpfiff kam Zimmermann für Hansen, der sich nach unserer Beobachtung bei einem Absatzkick ohne gegnerische Einwirkung verletzt hatte. Am Spielverlauf änderte sich zunächst mal nichts. Bis zur 55. Minute. Da tauchte nach Vorarbeit von Werner und Maul plötzlich Sandor Torghelle am Gäste-Strafraum auf, seinen scharfen und eigentlich gut platzierten Schuss erwischte Haas aber reaktionsschnell mit der Hand. Diese Aktion wirkte wie eine Initialzündung. Jetzt endlich wurde die berühmte letzte Konsequenz in den Jenaer Handlungen deutlich. Die nächsten Hochkaräter ließ nicht lange auf sich warten. Werners Schrägschuss fing Haas. Dann, nur zwei Minuten nach seiner ersten vergebenen Möglichkeit erwischte Torghelle im Mittelfeld einen Abschlag des Torhüters, sprintete mit Ball am Fuß auf den Keeper zu und – scheiterte erneut. Kein Vorwurf beim ersten Ding, aber DEN hätte er machen müssen ! Der Ungar, mit seinem Pokaltreffer gerade erst in der Wahl zum Torschützen des Monats gewesen, sollte sogar noch eine dritte Chance bekommen. Doch sprang er um einige Zentimeter an Werners Freistoßball vorbei. Immerhin hatten die Jenaer nun Zugang zu diesem Spiel gefunden und deshalb ist es besonders bitter, im Anschluss an die stärkste Phase den k.o.-Schlag einstecken zu müssen. Jan Simak, an diesem Tag ohnehin mit größerer Fehlerrate als sonst, unterlief der spielentscheidende Ballverlust im Mittelfeld. Über Vorsah und Salihovic kam Chinedu Ogbuke Obasi in Ballbesitz und ließ Daniel Kraus keine Chance. 0:1. Was danach kam, kannten wir schon aus anderen Spielen in dieser Saison. Jena gab kämpferisch alles, konnte mit der Brechstange aber nichts mehr bewegen. Und da der Schiri bei zwei strittigen Strafraumentscheidungen weiterspielen ließ, brachte Hoffenheim das Ergebnis ziemlich ungefährdet über die Zeit.
Es ist ja nicht so, dass der FC Carl Zeiss irre weit weg wäre von der Musik. Sieben der neun Niederlagen fielen mit einem Tor Differenz aus ! Doch gerade das macht diese Saison so frustrierend. Daran hat sich auch am 11.11. nichts verändert. <fc>
Borussia Mönchengladbach - FC Carl Zeiss Jena 2:1
Tore: 1:0 Neuville (9.), 1:1 Torghelle (34.), 2:1 Neuville (80.)
- M'Gladbach: Heimeroth; Voigt (74. van den Bergh), Brouwers, Daems, Levels; Marin,
Paauwe, Rösler (74. Coulibaly), Ndjeng; Friend, Neuville (85. Svärd)
- Jena: Kraus; Stegmayer, Omodiagbe, Maul, Oniani (72. Tapalovic);
Hansen (82. Helbig), Müller, Simak, Charalambides; Werner, Torghelle
- Zuschauer: 28.759
- Schiedsrichter: Schmidt (Stuttgart)
- Spielbericht:
- Den Frust im Bier ersaufen oder einfach nur ertragen? Ich
weiß es ehrlich gesagt nicht. Nicht mehr. Klar, solche Abende gibt es. Da
rennen sich die Jungs anderthalb Stunden die Seele aus dem Leib und am Ende
bleibt nix außer Enttäuschung. Aber so ist Fußball halt. Dafür kommen andere
Spiele, nach denen man sich besorgt fragt, ob die drei Punkte mit dem einen
gegebenen Gerechtigkeitsempfinden überhaupt vereinbar sind. Nur, wo bleiben die
in dieser Saison? Wann löst sich diese Gleichung endlich auf? Nach Gestern muß
man sich fragen, ob sie das überhaupt noch tut. Acht Punkte Rückstand auf einen
Nichtabstiegsplatz sind schon ganz schön fett. Also doch ins Bier stürzen?
Jein! Es sieht schon ganz schön übel aus, ohne Frage. Und als Gladbach nach nur
neun Minuten die Führung erzielte, war auch wieder klar warum. Ein schlichter
Paß von Marin durch die Viererkette und schon war es
soweit. Das es auch schon Zeiten gab, in denen sich Neuville bei einem solchen
Ding den Fuß gebrochen hätte, ist halt Schicksal. Wenn du eben ohne Licht im
düsteren Tabellenkeller hockst, dann nimmt er ihn halt wunderschön an und
donnert ihn dir aus der Drehung in die kurze Ecke. Unhaltbar. Man hätte es in
den nächsten 70 Minuten glatt vergessen
können, hätte sich nicht das gleiche in der 80. Spielminute so ähnlich
wiederholt. Der einzige Fehler Omodiagbes im ganzen
Spiel, verwandelte den ganzen mühsam gehegten Optimisumus
in ein Häufchen Elend. Wieder war es Neuville, der nach der mißglückten
Kopfballabwehr des Nigerianers mit seiner Direktabnahme die endgültige
Entscheidung erzwang. Man konnte nahezu jeden einzelnen Fehler der Jenaer
Hintermannschaft auf der Anzeigetafel ablesen. Wirklich zum Brechen. Soviel zur
Hoffnungslosigkeit der Situation. Was sich zwischen den beiden geschilderten Szenen
abspielte läßt aber – wenn schon nix Zählbares dabei rausspringt – trotzdem
auch viel Raum für Zuversicht. Und zwar deshalb, weil wieder eine Mannschaft
mit Wir-Gefühl auf dem Platz stand in der einer für den anderen die Kastanien
aus dem Feuer zu holen bereit ist. In der Torghelle
das Laufen für sich entdeckt hat (ich hätte es noch vor Wochen nicht für
möglich gehalten) und das Tor trifft. In der Simak
langsam das Bewußtsein für das aufbaut, was wirklich in ihm steckt und die
Fäden in die Hand nimmt. Und in der das (manchmal) mangelnde spielerische
potential durch Kampf und Einsatzwillen aufgewogen wird.
Das sah gut aus! Vor allem in der ersten Halbzeit, als die
Gladbacher den Selbstfindungsbemühungen von Simak kaum
ein Mittel entgegenzusetzen hatten. Erst sein Knaller aus ca. 20 m, den
Heimeroth im Gladbacher Tor nur mit Mühe abwehren kann
(16.), dann der etwas zu hoch angesetzte Schuß vom linken Strafraumeck nach
einer schönen Einzelleistung (23.). Und dann schließlich seine Vorarbeit für
Stegmayers Flanke direkt auf Torghelle.
Ein langgezogener Brüller begleitet den wunderschönen
Kopfball des Ungarn zum Ausgleich in lange Eck (34.). Wunderschön!!! Und das
auch noch völlig verdient, denn hier spielte phasenweise nur noch Jena. Kommt
Jungs, nachsetzen. Kurz vor der Pause hält Werner noch mal drauf. Aber der hat
einfach kein Glück, bekommt nicht mal eine Ecke für den abgefälschten Schuß…
Nach der Halbzeit schwinden sichtbar schnell die Kräfte. Das
merkt man vor allem an den kleinen Fehlern, die sich allenthalben so einschleichen.
Simaks Pässe kommen nicht mehr so oft an und wenn,
dann deutlich unpräziser. Auch diese kleinen Schlampigkeiten machen das
Fußballerleben immer schwerer. Auf der linken Abwehrseite werden sich
Charalambidis und Müller (?) nicht einig. Nimm du ihn, ich
hab ihn sicher, fällt mir dazu nur ein. Glück, daß Neuville die anschließende Flanke
von Ndjeng aus drei Metern über das Gehäuse wuchtet. Na
also, es geht doch (58.)! Und dann noch das Ding von Daniel Kraus als er einen
seltsam geschlagenen Aufsetzer nur mit Mühe und unter Einsatz diverser
Körperteile am Überqueren der Linie hindern kann (59.). Sah komisch aus, war
aber auch schwer! Hauptsache nicht drin.
Jena steht in dieser Phase ganz schön unter Druck, aber das
sieht trotzdem alles ganz passabel aus. Kaum richtige Chancen für Gladbach. Ein
Freistoß von Simak sorgt sogar noch mal für etwas
Entlastung. Aber mit letztem Einsatz kann Heimeroth
den Ball noch über die Latte lenken (55.). Scheiße. Schönes Ding. Und dann –
gerade als man als Jenaer Anhänger mit einem Pünktchen zu liebäugeln beginnt –
Neuvilles zweiter Treffer. Aus der Kalten. Und das nach so
einer starken Leistung.
Ein Tal tiefer Depression tut sich kurzzeitig vor mir
auf. So lande ich nach dem Abpfiff auch unweigerlich bei der Frage nach einem
den Umständen gerecht werdenden Bierkonsum. Die Antwort will sich mir nicht so
recht erschließen, schwankt mit dem jeweiligen Gemütszustand zwischen fast
schwarz und sehr dunklem Hell. Am Ende entschließe ich mich, die ganze Sache
auszusitzen. Bis Sonntag jedenfalls. Wer hat schon mit einem Punkt oder gar
Sieg gegen Gladbach gerechnet? Kaum jemand. Es ist also alles noch wie vorher.
Für den Fall, daß es gegen Hoffenheim wieder nicht
klappt mit dem Dreier, sollte man aber sicherheitshalber schon mal eine
Palette Öttinger kaltstellen. <bpf>
FC Carl Zeiss Jena - SC Freiburg 1:2
Tore: 0:1 Pitroipa (35.), 0:2 Kmas (83.), 1:2 Werner (90.)
- Jena: Kraus; Stegmayer, Omodiagbe, Maul, Günther (46.
Tapalovic); Hansen (77. Torghelle), Zimmermann (70. Ziegner), Simak,
Kühne; Werner, Helbig
- Freiburg: Walke; Ibertsberger, Butscher, Krmas, Schwaab; Aogo,
Uzoma, Pitroipa (75. Schlitte), Banovic; Bencik (56. Cafu), Matmour (79.
Mesic)
- Zuschauer: 7026
- Schiedsrichter: Walz (Pfedelbach)
- Spielbericht:
- In der 25. Spielminute, als Hansens Kopfball knapp das Tor
verfehlte, beneidete ich etwas den Verfasser des heutigen Spielberichts, weil
er bis dahin etliches Notierenswertes und eine starke Jenaer Anfangsphase geboten
bekam. Sekundenbruchteile später wandelte sich mein Neid in Entsetzen, denn mir
fiel schlagartig ein, dass ich vom Chefredakteur zum Schreiben vergattert
worden war…
Dabei sah man vorm Anpfiff überall skeptische Gesichter,
gegen unseren Lieblingsgegner der letzten Saison rechnete sich eigentlich
niemand etwas aus. Die erste Aktion schien allen recht zu geben, denn nach der
ersten Gästeecke musste Kraus einen scharfen Kopfball parieren. Faktisch im
Gegenzug parierte Walke einen Schuss Hansens aus nächster Nähe. Kurz danach
rettete Walke gegen Helbig. Das Gesamtbild sah gar nicht so übel aus (daran
änderte auch die nervige und überflüssige Information auf der Anzeigetafel vom
Eckenverhältnis von 5:0 für den SC nichts), der FCC war die überlegene, aggressivere
Mannschaft, die den Freiburgern immer wieder
feine Nadelstiche verpasste. In der 12. min wusste sich ein von Simaks Antritt
überforderter Verteidiger gar nicht mehr anders zu helfen, als sich ans Jenaer
Trikot mit der Nr. 19 zu klammern und dieses samt Simak auf den Rasen zu
befördern. Ich weiß nicht, ob Schiedsrichter Walz vom Rugby kommt, aber anders
kann man sich nicht erklären, warum er bei diesem klaren Foul nicht auf
Strafstoß entschied. Walz’ Gepfeife in der ersten Halbzeit war sowieso unterirdisch,
prinzipiell wurde nach Freiburger Ballverlust im Zweikampf auf Freistoß für die
Gäste entschieden und seine putzigen Eckenballentscheidungen für den SC
inspirierten die Haupttribüne zu lautstarkem ironischem „Ecke, Ecke“ bei jedem
Ausball. Bis zu jener oben erwähnten 25. min war der FCC im Vorwärtsgang, aber
erfolglos. Und so kam alles wie immer, nach der 34. die 35. Minute und in jener
der obligatorische Abwehrpatzer, als plötzlich drei „Blaue“ (die Gäste liefen
in einer ungewohnten Farbe auf) durch Jenas Abwehrmitte rauschten, Kraus
erwischte den Ball nicht, ein Freiburger spielt auf den nächsten, der im
Abseits stehend die Kugel ins Tor schob. Ein weiterer Höhepunkt jener
grässlichen Schiedsrichterleistung, dass der Treffer trotzdem anerkannt wurde.
Und so hatte nicht nur ich zur Halbzeitpause die Nase
gestrichen voll: Der FCC machte dass Spiel, der Gegner das Tor und der
Schiedsrichter leistete mit zwei extremen Fehlentscheidungen seinen Beitrag.
Zum Speien!!!
Nach der Pause war Freiburgs Taktik klar: Am eigenen
Strafraum aufstellen und in Ruhe die Führung nach Hause schaukeln, eventuell
mal kontern. Der FCC schaffte es aber trotz der badischen Zurückhaltung richtig
energisch Druck aufzubauen. Man spielte zu durchsichtig, machte zu viele
einfache Fehler im Aufbau und den Freiburgern die Abwehrarbeit ziemlich leicht.
Unerträglich, aber nicht neu, waren zudem die Schauspieleinlagen von
Pitroipa & Co., die nach kleinsten Berührungen oder
auch völlig ohne Anlass regelmäßig den „sterbenden Schwan“ abspulten, wie in
den letzten Zügen liegend. Nachdem sie fürs anscheinend letzte Schnauferchen
ins Seitenaus verbracht wurden, gab es ebenso regelmäßig die blitzschnelle
Wiederauferstehung inklusive Genesung. Und es ist sicher keine schlechte
Bilanz, durch solche „Verletzungen“ mehrfach längere Unterbrechungen zu
provozieren, die am Ende mit nur zwei Nachspielminuten belohnt wurden.
Jedenfalls fiel dem FCC nicht ein, wie die Gästeabwehr zu knacken wäre. Zu
vermelden war lediglich ein 20-m-Schuss Werners, der das Tor verfehlte –
typisch, dass in dieser Situation Stegmayer links völlig freigelaufen war, aber
vergeblich aufs Anspiel wartete. Eine knappe Viertelstunde vor Schluss sorgte
die Einwechslung des Ex-Jenaer Schlittes für ein
Anheizen der Stimmung im Publikum und fortan begleitete ein gigantisches
Pfeifkonzert jeden seiner Ballkontakte, das Eintauschen der angeblichen
Herzenssache FCC gegen Freiburger Geld war nicht vergessen worden. Freiburg
schaffte in der 82. min die befürchtete Vorentscheidung, allerdings nicht nach
einem Konter, sondern nach einem Freistoß von links außen. Omodiagbe ließ
Krmas kurzen Pfosten zu viel Raum und der drückte den Ball
ins Netz. Die erloschene Hoffnung glomm nochmals kurz auf, als Werner nach
Ziegners Flanke den Anschluss per Kopf erzielte. Aber
selbst Kraus’ Eingreifen ins Angriffsspiel brachte nichts Zählbares mehr, so
dass der FCC zum wiederholten Male in dieser Saison nach einem Heimspiel mit
leeren Händen dastand.
Nach dem guten Anfang fehlte heute in der Phase, in der der
FCC das Spiel hätte noch kippen können, jener letzte Kick, jener letzte Wille
zum bedingungslosen Fighten. Und wenn wir nicht schon im Dezember mit den
Planungen für die dritte Liga 2008/09 beginnen wollen, müssen nach den vielen
vergebenen möglichen Punkten in den nächsten Wochen endlich mal ein paar
unmögliche Punkte her. <uk>
SC Paderborn - FC Carl Zeiss Jena 2:2
Tore: 0:1 Torghelle (8.), 1:1 Koen (12.), 1:2 Werner (14.), 2:2 Sinkala (33.)
- Paderborn: Bade; Fall, Döring, Kläsener, de Graef, Gouiffe à Goufan, Sinkala (68. Männer),
Koen (68. Halfar), Krupnikovic, Löbe, Schüßler (56. Siradze)
- Jena: Kraus; Günther (66. Tapalovic), A. Maul, Omodiagbe, Stegmayer, Kühne, Charalambidis,
Werner, Simak (86. Ziegner), Torghelle (75. Hansen), Helbig
- Zuschauer: 6.079
- Schiedsrichter: Dr. Brych (München)
- Spielbericht:
- Nach der Spielpause war man allseits besonders gespannt, ob der FCC endlich den Bogen in die Erfolgsspur
findet, zumal es gegen einen Mitabstiegskonkurrenten ging. Die "Baustelle" Tor war mit dem dritten Keeper
Daniel Kraus besetzt worden. Neu war auch die Zusammensetzung des Angriffsduos, diesmal stand Helbig neben
Torghelle. Dafür rückte Tobias Werner auf die linke Außenbahn des Mittelfelds.
Und der FCC begann wirklich mit viel Elan, bereits in der 1. Spielminute verfehlte Charalambides
das 07er Tor nur knapp. Der Sekundenzeiger hatte gerade einmal zwei weitere Runden gedreht, da schoss
Helbig aus 25 m Entfernung knapp über die Torlatte. Im Gegenzug durfte Kraus Löbes Schuss aus
nächster Nähe abwehren. Dann war wieder der FCC im Vorwärtsgang: Einwurf Günthers
auf Charalambides, der legt zurück und in der Mitte köpfte Torghelle Günthers Bilderbuchflanke
zum 1:0 ein! Leider verschenkte man den Vorteil bald wieder, als Günther und Charalambides interessiert
einem Ball nachschauten, der sich zwischen ihnen zu Koen - dem stärksten Paderborner in der ersten
Halbzeit - durchdrängelte und der ließ sich die Chance nicht entgehen und knallte den Ball
ins lange Eck - 1:1. Die rund 500 mitgereisten Fans hatten aber keine Zeit, über diesen Rückschlag
richtig zu jammern. In der 14. Minute gab es auf der rechten Seite Freistoß für den FCC. Simak
und Werner standen bereit, letzterer trat die Spielkugel mit links hoch in den Strafraum, Maul ging zum
Ball, stieg jedoch drüber und so landete dieser im langen Eck - 2:1, der FCC hatte nach dem Ausgleich
sofort wieder zurückgeschlagen! Also alles bestens? Denkste, umgehend grub man sich in der eigenen
Hälfte ein und ließ die Gastgeber ihr Spiel aufziehen. Die optische Überlegenheit
Paderborns brachte jedoch nichts Zählbares, da entweder der finale Pass in der weißen Abwehr
steckenblieb oder man bei den Fernschüssen aufs Dach der Endtribüne zielte. Herzinfarktfördernd
war die 28. min, als eine lange Flanke am auf Sinkalas Kopf landete, dem Ball jedoch sprichwörtlich die
Luft ausging und er auf dem Strich zwischen Gut und Böse von Kraus festgehalten werden konnte. Fünf
Minuten später war es jedoch soweit, als es pingpongartig zwischen Jenaer Abwehr und Paderborner
Angreifern hin und her ging und Sinkala dem Treiben mit einem satten Schuss ins untere Toreck ein Ende
bereitete - wieder Ausgleich! Zum Heulen!!! Und wie jetzt weiter? Jedenfalls vergaßen die Abwehrrecken
des FCC bei einem Freistoß kurz nach dem Ausgleich, dass Schüßler ein blau-schwarzes Trikot
trug und so marschierte er mutterseelenallein zur Grundlinie, jagte seine Flanke zum Glück weit
Richtung Seitenlinie. Unmittelbar köpfte Maul zum Gegner und wieder war es Schüßler, der
auf der linken Seite davon profitierte, aber auch diesmal keinen Mitspieler fand. Die letzten Minuten vor
der Pause riss sich der FCC aber noch einmal zusammen und machte seinerseits Druck. Wer weiß, wie
die Partie ausgegangen wäre, hätte Jena auch nur eine der drei folgenden Konterchancen in den
Spielminuten 39 bis 44 genutzt hätte. Zunächst sahen sich drei Weiße kurz nach der
Mittellinie nur einem Abwehrspieler gegenüber, Werners Pass landete leider genau in dessen Füßen
anstatt bei den beiden mitlaufenden Teamkollegen. Dann sprintete wiederum Werner los, schoss aber von
links am Tor vorbei und ließ Helbig und Torghelle vergeblich in der Mitte warten. Und letztendlich
rannte sich Helbig bei seinem halbherzigen Dribbelversuch fest, nachdem er von Simak wunderbar
freigespielt worden war.
Zwischendurch erwischte ein abgefälschter Schuss Werners Alexander Bade beinahe auf dem falschen
Fuß, er schaffte es jedoch noch, gleichzeitig mit dem Ball in der unteren Torecke einzutreffen.
Mit 2 Sekunden Nachspielzeit beendete Schiedsrichter Dr. Brych diese sehenswerte Halbzeit.
Es war eigentlich klar, dass es nach der Pause nicht so weitergehen konnte. Die zweite Halbzeit war
dann auch etwas dezenter und es passierte deutlich weniger, was den Puls nach oben trieb. Zwei
Freistöße rund 25 m vorm Tor bis zur 50. Spielminute wurden mehr oder weniger
kläglich vergeigt. In der 52. min wurde zunächst Charalambides' Schuss abgeblockt
und ein Paderborner lenkte kurz vor der Torlinie Werners Nachschuss zur Ecke. Nach einer
Stunde tauchte Paderborn das erste Mal nach der Pause ernsthaft vor Kraus' Kasten auf und
Löbe setzte einen Kopfball auf der richtigen Seite neben den Pfosten ins Aus.
Anschließend gönnten sich beide Mannschaften eine ruhigere Phase zwischen den
Strafräumen. Erst in der 78. min gab es eine Strafraumszene, als die Paderborner
Nummer 24 mit dem klangvollen Namen Gouiffe á Goufan eine Simak-Flanke im letzten Moment
vor dem heranstürmenden Hansen zur Ecke entschärfte. Die anschließende Ecke
(wieder von Simak) wurde am kurzen Pfosten verlängert und fand weiter hinten Kühnes Kopf,
der maßgenau und kraftvoll köpfte und die Arme der Jenaer Fans in die Höhe jagte.
Da sich jedoch der Ball um wenige Millimeter verirrte und vom Aluminium des 07er Tores wieder
zurücksprang, landeten die Hände schließlich am Kopf zum Haareraufen. Paderborn
verließen nun sichtbar die Kräfte und Jena übernahm in der verbleibenden Zeit
die Initiative. Mit etwas Übersicht hätte der FCC noch einen Sieg holen können,
aber Werner entschied sich in der 83. für einen Schlenzer aufs lange Toreck und gegen den
in der linken Strafraumhälfte einsam und allein wartenden Helbig. Auch eine Minute später
nahm Werner den Kopf nicht hoch, sondern rannte sich nach Helbigs Zuspiel an ein paar schwarz-blauen
fest. Auf der Gegenseite testete Maul noch fix die Nerven von Mitspielern und Fans, als er eine an
sich harmlose Flanke fast ins eigene Tor stolperte, bevor dann Dr. Brych nach gigantischen 12 Sekunden
Nachspielzeit abpfiff.
Wie soll man nun das Unentschieden bewerten? Positiv (ein Auswärtspunkt) oder negativ (nicht
einmal beim Schlusslicht gewonnen)? Sicherlich irgendwo dazwischen: Es war mehr möglich, aber
andererseits können wir den schlechten Saisonstart nicht im Handumdrehen vergessen machen,
sondern müssen wie die Eichhörnchen mühsam Nuss für Nuss (bzw. Punkt für Punkt)
einsammeln, um im Dezember einen Vorrat zu haben, der für die Rückrunde reelle Chancen auf den
Klassenerhalt bietet.<uk>
FC Carl Zeiss Jena - TSV 1860 München 0:2
Tore: 0:1 Bierofka (47.), 0:2 Göktan (90.)
- Jena: Person; Stegmayer, Omodiagbe, Maul, Günther; Hansen
(62. Helbig), Kühne, Simak, Charalambides (76. Ziegner); Werner,
Torghelle
- München: Hofmann; Hoffmann, Berhalter, Ghvinianidze (85.
Szukala), Thorandt; L. Bender (67. Gebhart), Schwarz, Bierofka, Johnson
(67. S. Bender); Göktan, di Salvo
- Zuschauer: 11.314
- Schiedsrichter: Wingenbach (Diez)
- Spielbericht:
-
Wer ihn damals hörte, wird sich jetzt noch an ihn erinnern:
Den Kommentar von DSF-Reporter Martin Quast zum Spiel Jena – 1860 im Februar
2007. Da war zunächst die Schilderung des 1:0 nach sechs Minuten: „Eckball kurz
aufgeführt, Hoffmann klärt, da ist nur Tapalovic – (Stimme plötzlich erhebend)
NUR TAPALOVIC ! Boah, was’n Gerät ! Tor des Monats, hundert Prozent.
Volltreffer – so schön kann Zweitligafußball sein.“ Filip Tapalovic hatte den
FCC mit einem Volleyknaller aus 25 Metern in Führung geschossen und auch wenn
Herr Quast mit der Tor-des-Monats-Prognose nicht
recht behalten sollte, geriet er auch noch wegen der
darauffolgenden Spielminuten aus dem Häuschen. „Ich raffs nicht, ich fass es
nicht – ja, wo bin ich denn hier?“, rief er nach 10 Minuten, als gerade das 3:0
gefallen war, „jetzt tanzen sie im Thüringer Wald Samba mit den Wildschweinen
und allem Drum und Dran. Unfassbar, was hier im Ernst-Abbe-Sportfeld in den
ersten Minuten passiert“.
Obwohl noch nicht lange her, ist diese Anfangsphase bereits legendär.
Und die ver-quast-ete Schilderung gleich mit.
Doch das ist Vergangenheit und mit einer Wiederholung jenes
Ablaufs war von vornherein nicht zu rechnen. Wobei sich die Frage stellt,
welchen Verlauf solch ein Spiel nimmt, wenn der straffe Schuss von Kühne nach
drei Minuten im Netz landet. Münchens Keeper Hofmann rührte da keinen Finger,
leider flog das Leder knapp an seinem Kasten vorbei. Die erste Halbzeit konnte sich durchaus
sehen lassen auf Jenaer Seite. Mit Forechecking versuchte man in Ballbesitz zu
gelangen. Die Flügelzangen Stegmayer-Hansen und Günther-Charalambides zeigten
sich in der Abstimmung weiter verbessert. Und zentral überzeugte Simak wieder
mit klugen Pässen. Nur im Abschluss erwiesen sich Charalambides (23.) und
Hansen (26.) als nicht treffsicher genug. Die vielleicht beste Gelegenheit vor
der Pause vergab Tobias Werner bei einem energischen Konter, als er es nicht
fertig brachte, dem freigelaufenen Simak den Ball „durch zu stecken“, vielmehr
an einem Verteidiger hängen blieb. Auch beim Durcheinander im gegnerischen
Strafraum fanden die Jenaer keine Lücke, Mauls Heber wurde schließlich zur
leichten Beute Hofmanns. Und die Münchner ? Waren zu Beginn um Abgeklärtheit
bemüht und ließen dabei erstaunlich große Lücken im Mittelfeld. Abgesehen von
Hoffmanns Flachschuss (25.) drohte Jenas Abwehr zunächst keine Gefahr. Dies
änderte sich kurz vor der Pause. Da sah sich Stegmayer auf seiner Seite mit dem
ballführenden Bender sowie Johnsson gleich zwei Gegenspielern gegenüber. Nicht
wissend, wen er attackieren sollte, griff er im Grunde niemanden richtig an.
Bender konnte unbedrängt zum Schuss ansetzen, zielte aber ein wenig zu hoch.
Kurz darauf zeigten die Sechziger eine ihrer einstudierten Freistoßvarianten –
diesmal war es Göktan, der nur knapp verfehlte.
Verglichen mit diesen Hochkarätern strahlte der Torschuss in
Minute 47 eigentlich geringes Gefahrenpotential aus. Es hatte den Anschein, als
hätte ihn Person zunächst fausten wollen, vielleicht erschien er ihm dafür mit
einem Mal nicht scharf genug – jedenfalls versuchte er plötzlich, den Ball zu fangen
und dieses Umgreifen ging gründlich daneben. Plötzlich lag der Ball im Netz. Ohje, Jena und seine Torhüter ! Ob sie
nun Jensen oder Person heißen, bislang haben sie uns in dieser Saison mehr
Punkte gekostet als gerettet. Doch eine
Mannschaft gewinnt und verliert zusammen und noch war fast eine Halbzeit lang
Zeit, wenigstens ein Remis zu schaffen. Werner und Hansen hätten es
erzielen können, Sandor Torghelle nach mustergültiger Kopfballvorlage
von Omodiagbe sogar müssen, schoss jedoch nur den herauslaufenden Hofmann an. Bei allen erkennbaren Bemühungen – die
Vorherrschaft im Mittelfeld ging verloren, weil bei Simak und Charalambides die
Kräfte schwanden. Die Gäste konnten nun ungestört den Ball laufen lassen. Zwar war
die Münchner Überlegenheit nicht so groß, wie es ein Eckenverhältnis von 9:1
nach einer Stunde vorgaukelt. Doch macht es deutlich, dass 1860 die technisch
feinere Klinge schlug, sich nicht so oft damit helfen musste, den Ball ins
Toraus zu befördern. Ihr Tagesbester Daniel Bierofka wirkt vom technischen
Vermögen her schon fast überqualifiziert für diese Liga.
Valdas Ivanauskas holte seine beiden einzigen
Offensivwechsler von der Bank. Ohne Erfolg. Doch eine letzte Geheimwaffe besaß
er noch: Darlington Omodiagbe als Stürmer ! Dass er vorn den einen oder anderen
Kopfball holt, war uns ja bereits bekannt. Doch wenn ‚Omo’ dazu noch kluge Offensivpässe
spielt, sollte er solche Ausflüge ruhig häufiger machen dürfen. Perfekt sein
Zuspiel auf Günther in der letzten regulären Spielminute, dessen Flanke kam
auch vors Tor, wo Helbig sie aber nicht richtig erwischte. Und wie das so ist
im Fußball – setzt eine Mannschaft alles auf eine Karte und verpasst knapp den
Ausgleich, geht sie im Gegenzug nur allzu oft k.o. Dass Ziegner als letzter
Mann wegrutschte, Göktan frei vor Person zunächst nur den Pfosten traf und dann
noch eine Gelegenheit zum Nachschuss bekam, rundete das Bild ab.
Zweitligafußball in Jena kann nicht nur schön, sondern auch deprimierend sein. <fc>
Fotos auf weissenburger.de
SpVgg Greuther Fürth - FC Carl Zeiss Jena 2:2
Tore: 1:0 Reisinger (28.), 1:1 Charalambides (34.), 1:2 Torghelle (49.), 2:2 Lanig (63.)
- Fürth: Kirchstein; Achenbach, Mauersberger, Karaslavov, Schröck (72. Adlung); Judt, Haas, Burkhardt (80. Maierhofer), Lanig; Nehrig, Reisinger
- Jena: Person; Stegmayer, Omodiagbe (32. Oniani), Maul, Günther;
Kühne, Hansen (72. Kandelaki), Simak, Charalambides (64. Tapalovic);
Werner, Torghelle
- Zuschauer: 8.900
- Schiedsrichter: Zwayer (Berlin)
- Spielbericht:
- Freuen oder ärgern? So richtig wusste nach Abpfiff kaum einer im
blau-gelb-weißen
Lager, wie mit diesem Remis in Fürth umzugehen wäre. Spielerisch war an diesem
Nachmittag wohl so leicht wie noch nie am Ronhof
ein Dreier zu holen, andererseits grenzt es
an ein Wunder, angesichts der Leistung des Unparteiischen überhaupt noch einen
Punkt verteidigt gehabt zu haben, den sich ein aufopferungsvoll kämpfendes Team
redlich verdiente.
„Never
change a winning team“ hieß die Devise und so schickte Valdas Ivanauskas die
siegreiche Offenbach-Elf auf den Rasen. Der Club begann furios und die über
1.500 mitgereisten FCC-Fans hatten schon nach 34 Sekunden den Torschrei auf den
Lippen, als Torghelle Fürths Karaslavov den Ball abnimmt, sofort auf Werner
passt, der völlig frei vor dem gegnerischen Tor eine Sekunde zuviel Zeit zum
Überlegen hat und den Ball an Keeper Kirchstein vorbei ins Toraus schiebt. Was
für eine Möglichkeit! 10 Minuten später durften sich die Gastgeber die Haare
raufen, als Burkhardt einen zunächst abgewehrten Eckball flach an den
Innenpfosten setzt. 5 Minuten später, andere Seite, Hansen bedient
Charalambides, der freie Schussbahn hat, aber nicht genug Druck hinter den Ball
bekommt, so dass Ex-Bundesligakeeper Kirchstein das Leder noch um Haaresbreite
um den Pfosten lenken kann. Es war ein tolles, offenes Spiel beider Teams in
den ersten Minuten und Fürth schien beeindruckt zu sein von Jenas
Offensivdrang, richtete sein Spiel fast ausschließlich auf das Provozieren von
Standardsituationen aus und lange weite Bälle auf den emsigen Reisinger. Dass
jenem nach 28 gespielten Minuten die Führung gelang, hatte er aber zwei
Jenensern zu verdanken. Stefan Kühne bringt mit viel zu kurzem Rückpass seinen
Keeper in Bedrängnis und warum Christian Person den Ball nicht nach links oder
rechts klärt, sondern ausgerechnet an die ausgestreckte Hand des heranstürmenen
Reisingers, bleibt sein Geheimnis. Der Ball trudelt ins leere Tor, 1:0. Ein
Schock zweifellos dieser Treffer in Unterzahl, denn Omodiagbe musste sich am
Spielfeldrand nach einem nicht geahndeten Foul behandeln lassen und kurz darauf
gegen Oniani ausgewechselt werden, aber anders als noch vor Wochenfrist in
Frankfurt reagierte der FCC unbeeindruckt und kommt nur sechs Minuten später
zum verdienten Ausgleich. Stegmayer täuscht eine Flanke an, passt aber flach
auf Simak, der düpiert mit Körpertäuschung gleich zwei Fürther und findet
Charalambides, dessen Ball auch für den 1,96-Riesen Kirchstein zu platziert ist
und ins lange Eck kullert.
Kurz vor der Pause zappelt der Ball erneut im Netz,
nachdem Kühne einen Eckball einnickt, doch die Anerkennung bleibt verwehrt, ein
Stürmerfoul will Referee Zwayer zuvor gesehen haben. So geht es mit einem
leistungsgerechten Remis in die Pause und Jenas Fans durften vor allem mit dem
mannschaftlich geschlossenen Auftreten zufrieden sein, lediglich die einfach
nicht abzustellenden teils haarsträubenden individuellen Fehler bereiteten
graue Haare.
Von denen dürfte Fürths Coach Bruno Labbadia kurz nach
Wiederanpfiff auch einige mehr bekommen haben, denn wie schon in der ersten
Halbzeit bereitete sein Innenverteidiger Karaslavov eine Großchance für den FCC
vor, nur dass Torghelle die Einladung nach katastrophalem Rückpass diesmal
nicht ausschlug und durch die Beine Kirchsteins zur Jenaer Führung vollendete,
unmittelbar vor dem proppevollem Gästeblock für Partystimmung sorgte.
Siegeszuversicht machte sich breit, doch wie man ein Team gänzlich zermürben
kann, stellte Schiedsrichter Zwayer eindrucksvoll unter Beweis. Die Folge einer
völlig einseitigen Regelauslegung waren unter anderem sage und schreibe acht
gelbe Karten für Jenas Kicker, die sich in der Folge mehr und mehr zurückzogen
und Zweikämpfe scheuten, deren Ausgang schon vorher festzustehen schien. Und so
wäre etwas mehr Nähe zum Gegenmann durchaus empfehlenswert gewesen, als der für
den gesperrten Fürther Kapitän Felgenhauer ins Team gerückte Stephan Schröck im
Doppelpass mit Nehrig Stegmayer düpierte und unbedrängt in den 5m-Raum flanken
durfte, wo Lanig den Ball artistisch über die Linie drückte. Eine knappe halbe
Stunde war da noch zu spielen und diese wurde bestimmt durch eine Flut von
Freistößen. Jan Simak setzte seinen knapp neben den Pfosten (66.), auf Fürther
Seite vergab Mauersberger die größte Gelegenheit, als er eine Freistoßflanke
per Fuß abnahm und das Leder knapp neben das Tor setzte, den Außenpfosten
streifend. Der für Charalambides eingewechselte Tapalovic hatte vier Minuten
vor dem Ende auf Zuckerpass Simaks die letzte Möglichkeit für den FCC, ließ
aber Torghelles Kaltschnäuzigkeit vermissen und gab die Verantwortung lieber
per verunglücktem Querpass weiter. So musste gar um den einen Punkt bis in die
93. Minute gezittert werden, als eine faire Aktion von Oniani an der
Strafraumgrenze wieder einmal mit Freistoß für die Kleeblätter geahndet wurde
und Stefan Kühne die Flanke artistisch vor dem einköpfbereiten Mauersberger
entschärft.
So ein klein wenig hatte der
Fußballgott sein Herz also für Thüringens Traditionsverein wiederentdeckt und
auch Jenas Spieler durften sich – anders als vor 7 Tagen – Streicheleinheiten
der eigenen Fans gefallen lassen, zu denen sich auch Neu-Clubberer und
Herzens-Jenenser Ralf Schmidt gesellte. Nach drei schlimmen Auftritten am
Ronhof holte der FC Carl Zeiss also zum ersten Male Zählbares, doch irgendwie war
mehr drin. <gunner>
FC Carl Zeiss Jena - Kickers Offenbach 2:0
Tore: 1:0 Simak (43.), 2:0 Werner (75.)
- Jena: Person; Stegmayer, Omodiage, Maul, Günther (75.Oniani);
Hansen (70.Tapalovic), Kühne, Simak, Charalambides (61.Holzner); Werner,
Torghelle
- Offenbach: Thier, Pinske (60.Sidney), Müller, Hysky, Bungert, Cimen, Sieger
(46.Ogungbure

,89.),
Judt (70.Epstein), Moktari, Türker
- Zuschauer: 5867
- Schiedsrichter: Bandurski (Essen)
- Spielbericht:
- Ein mulmiges Gefühl machte sich in meiner Magengegend breit, als ich vor der heutigen Partie gegen die Kickers aus
Offenbach das Stadion betrat. Nach fünf Niederlagen in Folge und zuletzt einer katastrophalen Leistung in Frankfurt gegen
Wehen schwante mir auch heute nichts Gutes. Die spielerisch guten Leistungen der ersten Saisonpartien waren vorbei und wer
das Match in Frankfurt live miterleben musste, konnte mein Gefühl durchaus verstehen. Zu viel lief in der Hessenmetropole
bei den Jenaern schief, als dass man ausgerechnet heute gegen die zuletzt starken Hessen vermuten konnte, dass es anders werden würde.
Aber beim Blick auf die Aufstellung der Partie wich mein mulmiges Gefühl blanker Zuversicht, denn Neu-Couch Ivanauskas bewies Mut und
krempelte sein Team gegenüber der letzten Partie auf sechs Positionen um und brachte "Typen" wie Günther, Hansen, Maul und Kühne,
welche gegen Wehen so schmerzlich vermisst wurden.
Der FCC begann auch von Beginn an couragiert und drückte die Offenbacher in deren Hälfte, woraus auch nach zwei Minuten die
erste Minichance resultierte. Nach gut einer Viertelstunde bot sich dann den Gästen auch ihre erste Möglichkeit, doch Siegers
Schuss ging über den Kasten. Den Spielern des FCC merkte man am heutigen Tage zu jeder Sekunde an, dass sie den unbedingten
Willen hatten, sich nicht so "abschlachten" zu lassen bzw. gewinnen zu wollen. Nach einer halbe Stunde waren einige der
Zuschauer schon froh, dass die Jenaer bis dahin kein Tor kassiert hatten. Doch kurz vor der Halbzeitpause sollte es noch
besser kommen, als Simak einen Freistoß aus 30m auf das Tor zirkelte und der Ball auf einmal im Tor zappelte. Grenzenloser
Jubel auf den Rängen, doch die meisten wollten es trotzdem kaum glauben, da sie dieses unglaubliche Glückgefühl gar nicht
mehr kannten.
Fünf Minuten nach Wiederanpfiff die erste Schrecksekunde für die Jenaer, als Dino Toppmöller völlig freistehend aus
gut sechs Metern den Ball zum Glück über das Tor donnerte. Der bis dahin relativ souveräne Schiedsrichter Bandurski
fing nun an, seine Linie zu verlieren, und sorgte mit einigen Fehlentscheidungen für Unruhe auf dem Platz und den
Zuschauerrängen, was in der Gelb-Roten Karte für Ogungbure gipfelte. Die Partie wurde dadurch nun zunehmend hektischer
und es war ein Tanz auf Messers Schneide. Die Offenbacher machten nun hinten ein wenig auf und drückten auf den Ausgleich,
doch der Abwehrriegel des FCC stand. Das Hoffen und Bangen ging weiter und eine Viertelstunde war noch zu spielen, da kam
ein langer Ball in des Gegners Strafraum. Gästekeeper Thier und ein Offenbacher Verteidiger waren sich in dieser Szene
nicht einig genug, wer diesen Ball retten sollte. Nutznießer dieser Aktion war Werner, der sich einfach das Leder schnappte,
Thier umkurvte und zum 2:0 vollendete. Vier Minuten vor Ultimo hätte Werner noch zum absoluten Held des Spiels werden
könnten, doch nach einem erneuten Fehler des Offenbacher Schlußmannes schloss Werner aus spitzen Winkel ein wenig zu
ungenau ab, so dass der Ball Zentimeter vor der Torlinie entlang rollte und doch nicht den Weg ins Tor fand. Kurz darauf
war die Partie zu Ende und der erste lang ersehnte Dreier unter Dach und Fach.
Die wenigsten Zuschauer hätten nach dem Katastrophenspiel vor gerade einmal drei Tagen erwartet, dass sich die Mannschaft
so aufraffen könnte, um die starken Hessen heute gar besiegen zu können. "Der FCC, der FCC, der FCC ist wieder da…"
skandierten die Fans von den Rängen und die Freude war natürlich umso größer, weil mit einem derartigen Wandel in
so kurzer Zeit wohl kaum einer gerechnet hatte. Aber letztendlich waren es trotzdem "nur" drei Punkte und wie
Ivanauskas sagte:" Der Tunnel ist noch sehr lang, bis wir das Licht am Ende sehen". <vg>
SV Wehen Wiesbaden -FC Carl Zeiss Jena 5:1
Tore: 1:0 Diakite (9.), 2:0 Diakite (11.), 3:0 Siegert (20.), 4:0
Nicu (41.), 5:0 Nicu (73.), 5:1 Simak (82., FE)
- Wehen: Richter; Kokot, Jeknic, Kopilas, Nakas; Catic (62.
Amstätter), Nicu (78. Cailas), Siegert, Schwarz; König,
Diakite (85. Lombe)
- Jena: Jensen; Kandelaki, Omodiagbe, Müller (46. Oniani),
Holzner; Stegmayer, Lorenzon, Ziegner (46. Werner), Simak, Charalambides;
Torghelle
- Zuschauer: 5626
- Schiedsrichter: Seemann (Essen)
- Spielbericht:
- (von Gastkommentator Jens Klebe)
Nach einem völlig verkorksten Saisonstart mit nur einem
Punkt auf der Habenseite griffen in der vergangenen Woche auch in Jena die so
genannten ungeschriebenen Gesetze des Geschäfts. Klassenerhalts-Held Neubarth
räumte sein Trainerzimmer welches kurz darauf mit Valdas Iwanauskas einen neuen
Nutzer fand. Um zu sehen, was dieser Wechsel bewirken könne, hatten sich
immerhin gut 1.500 Zeissfans auf den Weg nach Frankfurt gemacht. Würde im
Frankfurter Waldstadion gegen den SV Wehen endlich der erste Dreier eingefahren?
Da die Leistung au dem Koblenz-Spiel ja nur schwer zu unterbieten sein würde,
bestand Anlass zur Hoffnung.
Aber selbst dieses zarte Pflänzchen verdorrte schnell.
Jena startete zwar ohne Kühne, Hansen und Werner – dafür aber gewohnt schlafmützig.
Bereits nach 11 Minuten hatte Diakite mit einem Doppelschlag
klare Verhältnisse geschaffen. Zunächst bekam die FCC-Abwehr in Person Ziegners
nach einer Wehener Flanke den Ball nicht aus der Gefahrenzone, aus 20 Metern
zog ein Wehener ab und als Diakite den Ball abfälschte schlug er unhaltbar
neben Jensen ein. Ganz einfach dann Tor Nummer 2: Flanke von links, Diakite
frei im Sechzehner, draufgehalten und drin!
ass=MsoNormal>Nach 15 Minuten versuchte sich dann auch Simak erstmals für
den FCC an einem Torschuss, setzte diesen aber drüber.
Nach 20 Minuten vertändelte Charalambidis den Ball
leichtfertig in der Vorärtsbewegung, es folgt ein Konter über rechts, Schwarz
bediente Siegert und der zog vom Strafraumeck in die lange Ecke ab – 3:0!
Die Jenaer glichen nun einem Häuflein Elend und so spielten
sie auch weiter. Kaum waren weitere 10 Minuten vergangen, als Omo und Holzner
den ballführenden Nicu auf seinem Weg zum Tor brav begleiteten, ohne ihn
entscheidend zu stören. Nicu hob den Ball über Jensen und dieser schlug zum 4:0
ein. (40.)
Jenas Anhang hatte jetzt „die Schnauze voll“. So sang es
jedenfalls ein Großteil der Mitgereisten und verabschiedete sich mit dem
Pausenpfiff aus dem Stadioninneren.
Ansonsten waren in der Zwischenzeit die blaugelbweißen
Anfeuerungsrufe durch weitere zornige Schmährufe ersetzt worden.
Halbzeit 2 begann mit Werner und Oniani für Ziegner und
Müller. Werner war auch der Einzige in der Gästeelf der sich nachhaltig
versuchte, in Szene zu setzen.
Da Wehen jetzt nicht mehr tat, als für die Verwaltung des Resultats
nötig war, konnte der FCC zumindest zeitweilig fast optische Ausgeglichenheit
erreichen. In einer Phase, als Jena auch der eine oder andere gute Angriff
gelang (meist über Werner und Simak), dann die kalte Dusche. Mit einem
Freistoß-Trick aus der Schüler-Trickkiste wurde erneut Nicu freigespielt und
mit etwas Glück schlug sein Schuss zum 5:0 ein (73.).
Der FCC war demontiert. Daran änderte auch Simaks
Elfmetertreffer nichts mehr, den er nach einem Halten an Torghelle sicher
markierte.
Insgesamt bot der FCC eine erschreckend desolate Leistung
und es dürfte einem Wunder gleichkommen, wenn Iwanauskas aus diesem
verunsicherten Haufen binnen Kürze ein siegfähiges Team formen könnte. Ansätze
–mehr aber auch nicht- konnte man in der zweiten Hälfte zumindest bei Einigen
wenigstens erkennen. Dennoch, eigentlich ist jedes Wort über das heutige Spiel
eigentlich eines zu viel. Außer vielleicht diesem: beschämend!
So traurig und erschreckend das klingt: der FCC holte sich
eine verdiente Niederlage ab und kann schon am 7. Spieltag mit der Devise „Wir
haben ja nichts mehr zu verlieren!“ antreten.
Ca. 400 Jenaer Fans, die ohnehin die 2. Halbzeit außerhalb
des Stadions zugebracht hatten, blockierten anschließend friedlich die Ausfahrt
des FCC-Mannschaftsbusses und machten ihren Unmut deutlich. Adressaten waren
neben dem Team auch der Sportliche Leiter Lutz Lindemann und Präsident Zipfel.
Nach Gesprächen mit den Spielern Maul, Werner, Hansen,
Co-Trainer Holetschek und einer kurzen (aber eher schwachen) Ansprache des Kapitäns
Ziegner löste sich der Protest friedlich auf.
FC Carl Zeiss Jena - TuS Koblenz 1:2
Tore: 0:1 Daham (29.), 1:1 Omodiagbe (39.), 1:2 Daham (43.)
- Jena: Jensen; Kühne (46. Ziegner), Omodiage, Maul, Holzner;
Hansen (64. Fardjad-Azad), Müller, Simak, Stegmayer; Werner,
Torghelle (36. Petersen)
- Koblenz: Eilhoff; Lomic, Bajic, Mavric, Forkel; Djokaj (63.
Langen), Dzaka, Hartmann, Sukalo; Cha (82. Bogavac), Daham (90. Richter)
- Zuschauer: 8251
- Schiedsrichter: Schriever (Dorum)
- Spielbericht:
- Konnte man sich nach der
Heimniederlage gegen Mainz noch damit trösten, gegen einen klar besseren
Gegner, der noch dazu aus der 1. Bundesliga gekommen war, verloren zu haben, so
fehlte diese Trostmöglichkeit nach dem Abpfiff gegen Koblenz völlig.
Dabei sah es anfangs recht gut aus,
wenn man von den ungewohnten Trikots absah, die an übergezogene gelbe Trainingsleibchen
erinnerten. Von der ersten Minute an spielte der FCC nach vorn und drückte die
Gäste an ihren Strafraum. Und so ergaben sich auch schnell einige Chancen, z.B.
als Werner in der 3. Spielminute nach links auf Stegmayer spielte, der flankte
in die Mitte, wo Hansen allerdings zu hoch schoss. Drei Minuten später das
gleiche Strickmuster Mitte – links – Strafraum – drüber, diesmal waren Simak,
Werner und Torghelle die Beteiligten.
Dann hatte Schiedsrichter Schriever
seinen großen – oder besser: peinlichen – Auftritt: Hansen führte einen Einwurf
blitzschnell aus und der Koblenzer Torwart fischte den Ball genauso
blitzschnell vor Torghelle weg, stand dabei allerdings zwei, drei Meter vorm
Strafraum. Anstatt Eilhoff regelgerecht "Rot" zu zeigen, ließ
Schriever den Einwurf wiederholen. Warum? Das bliebt sein ewiges Geheimnis. Und
so ging es mit 0:0 im bisherigen Szenario weiter. Es fehlte jedoch bei allen
Zuspielen die letzte Abstimmung und Präzision, so auch, als Torghelle in
Mittelstürmerposition ein Zuspiel Simaks nur um Fußbreite verpasste (22.). Irgendwann
ließ der Jenaer Druck nach und die Koblenzer erkundeten die gegnerische Hälfte.
Tatkräftige Aufbauhilfe bekamen sie dabei von Stegmayer (26.) und Omodiagbe
(28.), die jeweils aus eigentlich schon geklärten Situationen unnötigerweise
Eckbälle für Koblenz fabrizierten. Und so kam es zum schon fast üblichen Ritual
im EAS: Die Gäste erhielten mit ihrem ersten vernünftigen Spielzug den
Führungstreffer geschenkt. Hansen rutschte auf der rechten Abwehrseite im an
sich harmlosen Zweikampf aus, Forkel flankte ungestört, Maul tauchte mit dem
Sprungvermögen eines Kanonenofens unterm Ball durch und Daham köpfte das
Geschenk ein – 0:1! The same
procedure as every week! Danach trug die
allgemeine Verunsicherung zehn gelb-blaue Trikots und wir hatten Glück, dass es
nicht gleich noch einen Gegentreffer gab. Doch Jensen tauchte in die untere
Ecke und verwehrte dem Kopfballaufsetzer Sukalos den Weg ins Netz. Neubarth
reagierte auf diesen Rückschlag und wechselte den bis dahin vielleicht etwas
glücklosen, aber insgesamt nicht besser oder schlechter als seine Mitspieler
agierenden Torghelle aus und brachte statt dessen Petersen. Für mich war diese
Auswechslung die entscheidende Szene für die weiteren lauen Angriffsversuche
und die logisch folgende Niederlage. In der 39. Minute hatte der Fußballgott
dann aber ein Einsehen mit den geplagten Zeiss-Fans und ließ Eilhoff eine Ecke
fehlerhaft wegfausten, Werner flankte den Abpraller in die Mitte und Jenas
Torgarantie Omodiagbe machte per Kopfball den Ausgleich. Jaaa, jetzt aber…
denkste! Der nächste Koblenzer Angriff bestand aus einem einfachen langen
Flankenball von der Mittelinie an die Strafraumgrenze. Dabei war der Ball so
lange in der Luft, dass sich Omo und Stegmayer rechts und links in
ausreichendem Abstand von Dahame aufstellen konnten, um diesem beim
Direktschuss ins lange Eck bewundernd zuzusehen. Mit den Händen aufgebaut
(Ausgleich) und sofort mit dem Hintern wieder eingerissen (1:2) – derzeit
typisch für den FCC!
Aussage eines Zuschauers in der
Halbzeitpause: "So mies wie diesmal war die Stimmung in der Halbzeitpause auf
der Toilette ewig nicht mehr." Es sollte nach der Pause nichts
Stimmungsförderndes mehr passieren. Zwar kam Ziegner für Kühne ins Team, aber
auch der passte sich der allgemeinen Leistung an. Es waren lediglich noch
vereinzelte Standards, die Eilhoff etwas Ablenkung brachten: Petersen köpfte
nach Ziegner-Freistoß übers Tor (50.) und Stegmayer donnerte einen 25-m-Knaller
direkt aufs Trikot des Gästekeepers. Jensen zeigte in der 62. min seinen
„running gag“ und ließ auch diesmal einen Ball nach vorn prallen, allerdings
folgenlos. Bezeichnend fürs Jenaer Spiel war die Tatsache, dass Holzner als
rechter Außenverteidiger die größten Angriffsbemühungen zeigte, sich immer
wieder für Zuspiele anbot und lange Wege zwischen vorn und hinten ging. Da
ansonsten kaum Bewegung im Jenaer Spiel war, prallten alle Bälle von der roten
Gummiwand ab, die Koblenz am Strafraum errichtet hatte.
Einziger Farbtupfer war Fardjad-Azad, der
nach seiner Einwechslung innerhalb von 5 Minuten dreimal aufs Tor schoß und
mehr Torgefahr erzeugte als alle anderen zusammen. Der Neunzehnjährige mühte
sich redlich und umkurvte einige Male seine Gegenspieler, aber da seine
Mannschaftskameraden nicht annähernd so viel Einsatz zeigten, war er auf
verlorenem Posten. In der letzten Viertelstunde bot Koblenz noch alle
Varianten, wie man beste Konterchancen kläglich vergibt – zum Glück, sonst wäre
es nicht beim 1:2 geblieben.
Diese Niederlage war nicht eine
unglückliche, nach der man zum Tagesgeschäft übergehen könnte. Im Verein muss
man sich auf Grund der Art und Weise, wie sich unsere Mannschaft in diesen 90
Minuten präsentierte, ernsthafte Gedanken machen, wie man eine totale
Pleitesaison verhindern kann. Noch ist die Zeit dafür! <uk>
FC Carl Zeiss Jena - FSV Mainz 05 1:2
Tore: 0:1 Feulner (17.), 1:1 Omodigabe (54.), 1:2 Gunkel (77.)
- Jena: Jensen; Kandelaki, Omodiage, Maul, Holzner; Hansen,
Müller (82. Helbig), Simak, Ziegner (46. Charalambides); Werner,
Torghelle (78. Petersen)
- Mainz: Wetklo; Demirtas, Noveski, Subotiv, Hoogland; Feulner,
Petkovic, Gunkel, Karhan (72. Laurent); Borja (61. Jovanovic), Amri
(89. Vrancic)
- Zuschauer: 11.798
- Schiedsrichter: Willenborg (Osnabrück)
- Spielbericht:
- Mainz 05 – ich muss gestehen, dass ich gewisse Sympathien
für diesen Verein hege. Selbige haben ein ganzes Stück mit Trainer Jürgen Klopp
zutun, aber auch mit dem Erscheinungsbild des FSV insgesamt. Wenn es jedoch gegen
den FC Carl Zeiss geht, gibt es kein Pardon
– dann gehört Mainz in der persönlichen Werteskala nur noch zu „best of the
rest“.
Es konnte mir also nicht gefallen, was sich da in Halbzeit
eins auf dem Rasen abspielte. Vom Anpfiff weg bestimmten die Gäste mit
scheinbarer Leichtigkeit die Szenerie. Zweite Minute, erste Chance – Amri aus
15 Metern knapp drüber. In der 6.
Minute lud Omodiagbe mit Fehlpass Feulner zum Torschuss ein. Der nach Köln
zurecht kritisierte, mit „Tri Tra Trullala“-Artikeln aber nahe der Gürtellinie
getroffene Kasper Jensen zeigte sich in dieser und den folgenden Situationen
wieder auf der Höhe. Den frühen Rückstand vermochte er aber nicht zu
verhindern. Weil bei einem schnellen Mainzer Angriff noch ein Stürmer im
Zentrum mitlief, gingen nicht ausreichend
Jenaer Verteidiger auf den ballführenden Markus Feulner. Dieser ließ Müller als
seinen einzigen Gegenspieler ins Leere grätschen und Jensen keine Chance.
Hallo wach ? – Weit
gefehlt, statt mit Aufbäumen reagierten Jenas Akteure mit Verunsicherung. Dass sich
Omodiagbe bei allen Qualitäten seine zwei, drei Aussetzer pro Spiel leistet,
wissen wir schon. Auch dass sich bei Holzner Licht und Schatten noch zu sehr
abwechseln. Doch selbst ein Alexander Maul ließ sich in dieser Phase von der
allgemeinen Nervosität in der Hintermannschaft anstecken.
Auch nach vorn lief wenig rund, keine Spur von einem konstruktiven Zusammmenspiel. Simaks
30-Meter-Freistoß war der erste Jenaer Torschuss überhaupt. Nach 32 Minuten !
Zu diesem Zeitpunkt hatte Mainz bereits ein halbes Dutzend Male aufs Tor geschossen.
Schon ein kurzer Antritt von Tobias Werner und die hohe Hereingabe, welche
Wetklo locker herunterfischte, ließen kurzzeitig Stimmung aufkommen. Wie
Dürstende auf jeden Tropfen Wasser stürzten sich die Zeiss-Fans auf diese
unaufregende Szene. Kein Wunder angesichts der Tristesse in Hälfte eins.
Omodiagbes Kopfball (42.) war da noch die beste Gelegenheit vor der Pause, vor
Probleme wurde Wetklo aber auch damit nicht gestellt. Dessen Gegenüber Jensen
hatte da ganz andere Kaliber zu meistern. Bei Feulners Kopfball aus Nahdistanz
reagierte der Däne großartig, auch Hooglands Nachschuss lenkte er zur Ecke.
Mainz dominierte. Mit dem 0:1-Rückstand war Jena zur Pause gut bedient.
Gelbe Schuhe zu blau-weißen Stutzen – rein optisch passt der
zypriotische Nationalspieler Constantinos Charalambides schon mal sehr gut nach
Jena. Zumindest in den ersten Minuten nach seiner Einwechslung war der
Neuzugang überall auf dem Platz zu finden, als wolle er im Alleingang dem
Geschehen eine Wende geben. Doch auch seine neuen Mannschaftskameraden
steigerten sich endlich auf jenes Niveau, dass man von Anfang an hätte erwarten
dürfen. Torghelles Einsatz auf der rechten Seite brachte nach 53 Minuten den
ersten Jenaer Eckball. Und der führte zum Ausgleich durch Darlington Omodiagbe.
Per Kopf traf der Nigerianer aus Nahdistanz. Zwischen Genie und Wahnsinn liegt
eben manchmal nur eine Halbzeitpause. Jetzt war Jena am Drücker, auch
akkustisch. Von den recht wenigen Mainzer Anhängern war vorübergehend nichts zu
hören. Bis hinauf zur letzten Reihe der neuen Zusatztribüne feuerten die
Zuschauer ihre Elf an. Jürgen Klopp lobte nach dem Spiel die tolle Atmosphäre
im Jenaer Stadion. Schade nur, dass sich seine Spieler davon nicht beeindrucken
ließen. Die Bundesligaabsteiger nahmen den Kampf an und da sie in der
Spielanlage einen Tick reifer wirkten, gewannen sie dieses Match. Amris
Schrecksekunde (Ball rollte parallel zur Linie des verwaisten Tores) beendete
die beste Jenaer Phase. Gunkels Diagonalfreistoß machte sinnbildlich den Deckel
zu. Dass der vom Schiri als indirekt ausgeschriebene Freistoß direkt verwandelt
wurde, passt ebenso ins Bild wie Werners unglücklich vergebene Großchance drei
Minuten vor Schluss – wenn du da unten drin stehst, bekommst du den Mist nicht
so schnell vom Hacken. Auf diese Art verlor der FCC sein drittes Spiel in Folge
mit einem Tor Differenz. Wobei es
Jensen mit einer weiteren Rettungstat gegen Feulner (90.) zu verdanken ist,
dass es nicht mehr wurde.
Die Schwere des Auftaktprogramms war uns allen bewusst. Dass
aus vier Partien nur ein mickriges Pünktchen herausspringt, ist allerdings
ernüchternd, insbesondere nach den Spielverläufen gegen St. Pauli und Köln. Bei
aufmerksamer Betrachtung des Jenaer Spiels gewinnt man den Eindruck, die
Komponenten für eine erfolgreiche Saison sind da, aber noch nicht richtig zusammengefügt.
Vielleicht kommt die 12tätige Punktspielpause gar nicht so ungelegen. <fc>
1. FC Köln - FC Carl Zeiss Jena 4:3
Tore: 0:1 Torghelle (5.), 1:1 Novakovic (20.), 1:2 Müller (37.),
1:3 Omodiagbe (55.), 2:3 Chihi (73.), 3:3 Chihi (84.), 4:3 Jensen (86., ET)
- Köln: Mondragon; Ehret, Mitreski, McKenna, Nickenig
(60. Schöneberg); Antar, Broich (60. Scherz), Helmes; Chihi, Vucicevic, Novakovic (60. Gambino)
- Jena: Jensen; Kandelaki, Omodiage, Müller, Holzner;
Hansen (84. Stegmayer), Lorenzon (46. Kühne), Werner, Simak,
Ziegner; Torghelle (81. Petersen)
- Zuschauer: 37.700
- Schiedsrichter: Dr. Fleischer (Sigmertshausen)
- Spielbericht:
- Es war die Woche der
unverdienten Auswärtssiege mit St. Paulis Dreier im Ernst-Abbe-Sportfeld und
Deutschlands glücklichem Erfolg in Wembley, und so mancher hegte die Hoffnung
auf eine Fortsetzung dieser Serie in Köln-Müngersdorf, waren die Vorzeichen
zwischen den beiden ungleichen Gegnern doch klar. Einen unverdienten Verlierer
gab es auch diesmal, jedoch war dies nicht etwa der haushohe Favorit, sondern
ein FC Carl Zeiss, der sich in der Schlussphase selbst um den Lohn eines
großartigen Spieles brachte.
Durch
den Platzverweis Alexander Mauls war Coach Frank Neubarth zu Umstellungen
gezwungen, nahm Robert Müller in die Innenverteidigung und ließ mit Nils Hansen
und dem erstmals nach seiner Verletzungspause wieder kickenden Lorenzon gleich
zwei Abräumer im defensiven zentralen Mittelfeld auflaufen. Werner und Ziegner
besetzten die Außenpositionen im Mittelfeld, während Jan Simak als Spielmacher
fungierte, hinter der einzigen Spitze Torghelle. Und was der drauf hat, sorgte
schon nach 5 Minuten für den ersten Jubelschrei unter den 1.500 mitgereisten
Zeissfans. Langer Abschlag Jensen, Kopfball-Doppelpass
Torghelle-Werner-Torghelle und unser ungarischer Neuzugang hämmerte die Kugel
trocken von der Strafraumgrenze ins Netz. 0:1, was für ein Auftakt, und um ein
Haar hätte Broich nachgelegt, dessen Rückpass Mondragon verfehlte, aber knapp
am Kölner Kasten vorbeirollte (14.).
Beim Gastgeber hatte man im Vorfeld einen mauernden Gegner erwartet,
doch der FCC spielte auch nach der Führung munter nach vorn, fast zu munter,
denn Kölner Gelegenheiten resultierten fast ausschließlich aus Kontern nach
jenenser Abspielfehlern. In der 10. Minute ging das noch gut, als Jensen einen
tückischen Helmes-Knaller im Nachfassen parierte, nach 20 Minuten jedoch hatten
die Domstädter mit ihrer zweiten Möglichkeit im Spiel ausgeglichen. Novakovic
hatte von Omodiagbe bedrängt Vucicevic angespielt, welcher an der rechten
Strafraumgrenze Lorenzon düpierte und auf den von Omodiagbe und Werner
sträflich vernachlässigten Novakovic zurückpasste. Dass dessen Schuß durch die
Beine von Hansen den Weg ins Netz fand ist sicher unglücklich zu nennen, das
Abwehrverhalten zuvor dilettantisch. Köln hatte nun Oberwasser, baute gehörigen
Druck auf und hatte mit Vucicevics Schussversuch nach Kandelakis
verhängnisvollem Ballverlust (24., knapp daneben) und Broichs abgefälschtem
Schuß (29., Jensen hält) auch die ein oder andere Möglichkeit. Doch als Simak
mit einem wahren Zauberpass den durchlaufenden Holzner bedient und dieser aus
Nahdistanz an Mondragon scheiterte (30.), wirkte das wie ein Signal an die
eigene Mannschaft zur Besinnung auf das überlegte Spiel der ersten Minuten. Kurz
darauf hätte es Elfmeter für den FC Carl Zeiss geben müssen, als Torghelle im
Strafraum gefoult wurde, doch nicht nur in dieser Szene zeigte sich die
nachhaltige Wirkung des Daumschen Montagstheaters bei Referee Dr. Fleischer.
Jena ließ sich nicht beirren, es war eine Freude, dem Kombinationsfußball von
Jenas Offensivabteilung um den immer besser werdenden Kapitän Ziegner, den an
allen Ecken des Spielfeldes zu findenden Hansen (bester Mann auf dem Platz) und
einen Jan Simak zuzusehen und manch einer rieb sich die Augen, mit welchem
Selbstbewusstsein der Underdog hier in der WM-Arena auftrat. Werners Schuß nach
36 Minuten parierte Mondragon im Nachfassen, Ziegners Freistoß eine Minute
später kratzte der kölsche Schlussmann noch aus dem Eck, doch die
darauffolgende Ecke brachte die verdiente Führung. Torghelle hatte Ziegners
Eckball an den langen Pfosten verlängert, wo Robert Müller eiskalt vollendete.
Der Gast wirkte nun wie paralysiert, beinahe hätte Torghelle das Ergebnis noch
höher schrauben können, verzettelte sich aber im Strafraum (39.) und so war der
Schlusspunkt unter die erste Hälfte symptomatisch, als der wenige Tage zuvor
noch zum Deutschlandkader gehörende Helmes eine Freistoßablage von Vucicevic 15
Meter über das Jensen-Gehäuse beförderte. Kölns Mannschaft ratlos, Kölns
Publikum fassungslos und ein gellendes Pfeifkonzert verabschiedete die
Millionentruppe in die Kabinen.
Aufbäumen,
Dagegenhalten, Druck aufbauen, so in etwa hätte man die Gastgeber nach
Wiederanpfiff erwartet, doch stattdessen spielte Thüringens Stolz so, als hätte
er einen Rückstand aufzuholen. Werner prüfte Mondragon mit Schuß aus spitzem
Winkel (51.), das Eckenverhältnis war inzwischen auf 7:3 für Jena angestiegen
und als Ziegners Freistoß den Fuß des völlig unbedrängt durchlaufenden
Omodiagbe fand, hieß es 1:3, das Spiel schien entschieden. Auch wenn Helmes nur
eine Minute später den Anschlusstreffer auf dem Kopf hatte und knapp verzog,
das Auftreten der völlig konsternierten Gastgeber glich insgesamt einem
Fehlpassfestival, begleitet von eisigem Schweigen des Opernpublikums auf den
Tribünen. Christoph Daum hatte die Nase voll, wechselte gleich drei Spieler auf
einmal aus und vor allem die Hereinnahme von Matthias Scherz, der ja schon in
der Vorsaison den mehr als glücklichen Siegtreffer der Kölner vom Elfmeterpunkt
erzielt hatte, sollte sich als folgenschwer erweisen. Doch zuvor hatte Referee Fleischer
seinen Auftritt, schickte Zeiss-Trainer Frank Neubarth auf die Tribüne, als der
sich lautstark über eine der unzähligen Freistoßfehlentscheidungen zugunsten
des 1. FC Köln mokierte (65.), übersah eine Tätlichkeit Antars an Stefan Kühne
(Kopfstoß, 68.) und gab für McKennas Notbremse an dem durchbrechenden Torghelle
nur gelb (71.). Jener Torghelle hatte bis dahin ein großartiges Spiel gehabt,
zerrte unermüdlich an den Ketten und war von seinem Gegenspieler meist nur
durch Foulspiele zu stoppen. Doch er wurde ebenso wie Jan Simak müder und so
verlagerte sich das Spielgeschehen mehr und mehr in die Jenaer Hälfte, Chihi
mit Freistoß und Antar per Kopfball (69.) besaßen gute Möglichkeiten, ehe in
der 73. Minute das Unheil für den FCC seinen Lauf nahm. Die Fehlerkette war
lang. Jensen ließ sich eine Kölner Flanke von Robert Müller zum Einwurf
wegköpfen, anstatt sie selbst herunterzupflücken. Omodiagbe musste erkennen,
dass auch 1,88m nicht ausreichen, wenn man 2 Meter hinter einem kopfballstarken
Matthias Scherz steht, dessen Verlängerung Adel Chihi fand, der von Felix
Holzner völlig unbedrängt zum Anschlusstreffer einschoß. Fünf Minuten später
hatte Scherz selbst die Riesenchance zum Ausgleich, köpfte aber freistehend am
völlig leeren Tor vorbei. Durchatmen, doch die Partie wurde hitziger. Mondragon
erhielt gelb, als er den sich bei der Auswechslung zu viel Zeit lassenden
Torghelle vom Platz schubste, Holzner kassierte den gelben Karton für ein an
ihm begangenes Foulspiel und Jan Simaks Bedrängen Vucicevics wurde mit Freistoß
für Köln geahndet, den Scherz aufs Tor platziert, Jensen lässt den schon sicher
geglaubten Ball vor die Füße von Chihi fallen, der nur noch abstauben muß.
Ausgleich, Kölns Publikum aus dem Dornröschenschlaf erwacht und Kasper Jensen der
einsamste Mann auf dem Platz. Ob ihm diese Szene noch durch den Kopf schwirrte,
als er kurz darauf Chihis Eckball (Omodiagbe hatte zur Ecke klären müssen, da
ein Ellenbogencheck von Scherz gegen ihn ungeahndet blieb) zum Kölner 4:3 ins
eigene Tor patschte?
Ein mehr als bitteres Ende für den zuvor gut spielenden
Keeper, der nach dem Abpfiff sofort den Trost seines Kapitäns Torsten Ziegner
bekam. Vergessen wird er diesen Abend wohl nie, ebenso wie Jenas Anhang. Fassungslose,
entsetzte Gesichter noch Minuten nach Spielende im Gästeblock. Was für eine
Riesenchance hatte sich der FC Carl Zeiss hier selbst vergeben. Ob die
tadellose Moral der Mannschaft mit diesem erneuten Tiefschlag einen dauerhaften
Knacks wegbekommen hat, oder ob man sich am 70 Minuten lang wirklich tollen
eigenen Spiel aufbaut, wird die nächste Partie gegen Mainz zeigen. Nachdem der
Trainer, dessen vorgenommene und unterlassene Auswechslungen in Köln nicht
jedermanns Geschmack trafen, aus den vielen Neuzugängen mehr und mehr eine
Mannschaft zu formen scheint, ist in den kommenden Tagen in erster Linie der
Psychologe Frank Neubarth gefragt! <gunner>
FC Carl Zeiss Jena - FC St.Pauli 0:1
Tore: 0:1 Schnitzler (20.)
- Jena: Jensen; Kandelaki, Maul
(

, 40.),
Omodiagbe, Holzner; Kühne (67. Petersen), Hansen, Ziegner (46. Simak),
Müller; Werner, Torghelle (77. Helbig)
- St.Pauli: Borger; Gunesch, Eger, Morena, Rothenbach; Trojan (79. Bruns), Boll, Meggle, Takyi (

, 42.), Brunnemann (45. Braun); Schnitzler (64. Ludwig)
- Zuschauer: 12.129
- Schiedsrichter: Schalk (Augsburg)
- Spielbericht:
- [von Gastkommentator Ragnar Boedefeld]
Nach drei erfolgreichen Jahren in Folge und der Wiederholung eines
2:2-Auswärtserfolgs nach 0:2-Rückstand im ersten Saisonspiel war es wieder
einmal an der Zeit, dem Aberglauben zu frönen. Und so schreibt jetzt im vierten
Jahr in Folge ein- und derselbe Gastkommentator den ersten Heimspielbericht.
Angeblich soll einer aus dem Stammpersonal sogar geheiratet haben, damit er um
diesen Spielbericht drumrum kam...
Ähnlich wie im letzten Jahr (Braunschweig) war auch diesmal ein potentieller
Konkurrent im Abstiegskampf beim ersten Saisonheimspiel zu Gast.
Unvorhersehbare Auswärtsunentschieden sind gerne gesehen - doch wichtiger sind
die drei Heimpunkte aus diesen sogenannten "Sechs-Punkte-Spielen". Unbedingter
Siegeswillen war also Pflicht, und so harrte unsereiner gespannt, ob der
Trainer Neubarth dieses seinen Spielern verklickert hatte.
Er hatte - wenn man
die ersten zwanzig Minuten des Spiels als Maßstab nimmt. In dieser Zeit brachte
der FCC fünf gefährliche Situationen zustande, die in ihrer Vielfalt
überraschten. Ein Freistoß von Ziegner, der knapp neben das Tor ging, ein
gefährlicher Fernschuss von Kühne, dann einer von Werner, den Borger abprallen
ließ - Torghelle war einen Schritt zu spät. Kurze Zeit später war es umgekehrt:
Torghelle ließ zwei Gäste aussteigen und versuchte einen Schlenzer mit dem
linken Bein, Borger ließ wieder prallen - doch der Ball wollte einfach nicht
rein. Dann folgte noch ein gefährlicher Kühne-Kopfball. Von Pauli war bis dahin
nichts zu sehen, die besten Aktionen der Gäste hatte noch der Fanblock.
Plötzlich zack-zack, ein Querpass, einer in die Spitze - und Schnitzler kann
frei vor Jensen einschieben. Ausgerechnet Pauli, das seinerseits letzte Woche
gegen Köln reihenweise vor dem Tor versagt hatte, machte mit seinem ersten
zusammenhängenden Spielzug das 0:1. Nur kurz danach wäre beinahe das 0:2
gefallen, der Ball ging links unten knapp vorbei. Beim FCC war jetzt ein Knacks
im Spiel, keiner lief richtig und elementare Dinge wie flache Anspiele und
Ballannahmen aus der Luft misslangen. Eine Viertelstunde lang war einmal mehr
der Fluch der ersten Saisonspiele zu ertragen: eine bunt zusammengekaufte
Mannschaft (gleichwohl mit Niveau) ist noch nicht wirklich eine Truppe, wirkt
verunsichert und ängstlich in einem ihr häufig noch fremden Heim-Umfeld, das
wegen des Rückstandes nicht erbaut ist. Bad Vibes... warum nur?
Individuelle Klasse hat der Kader jedenfalls, wie man in der 35. Minute sehen
konnte. Kandelaki wurde auf links steil geschickt, passte flach nach innen, wo
Torghelle den Ball annehmen, kontrollieren und auf Ziegner zurücklegen konnte,
der leider links vorbeisemmelte. Das tat weh, ebenso der knapp verfehlte
Ziegner-Freistoß kurz vor der Pause, bei dem Borger keine Regung zeigte. Ab der
40. Minute spielte übrigens der FCC nur noch zu zehnt, Maul war geampelt worden.
Zwei Minuten später hatte auch Pauli einen weniger auf dem Platz, nachdem Takuy
wiederholt das Spiel verzögert hatte.
Und dann kam der Abschnitt des Spiels, den ich nicht begreife. Freilich kann man
nicht 90 Minuten lang höchstes Tempo gehen, sicherlich muss man zwischendurch
auch mal verschnaufen. Aber wieso kann man nach einer Halbzeitpause voller
Regeneration nicht genau dort weitermachen, wo man vor der Pause aufgehört hat
- nämlich Druck auf den zeitweilig überforderten Gegner auszuüben? Pauli war
mit der Pause eigentlich sturmreif, wurde dann aber bis zur 70. Minute durch
einfache Fehler und mangelhaftes Laufspiel wieder aufgebaut. Wenn nur alle in
der zweiten Halbzeit so gerannt wären wie der Holzner...
Erst in der
Schlussviertelstunde wurde Pauli wieder in der eigenen Hälfte eingeschnürt.
Auffällig war dabei Jan Simak, der die Bälle jetzt schön verteilte und auch
selbst gefährlich wurde. Es ergaben sich Chancen im Minutentakt, fast jeder
durfte mal ran. Leider ging alles daneben (Torghelle 74., Petersen 78. und 86.,
Werner 83.), an den Pfosten (Petersen 74.) oder wurde von Borger entschärft
(Kopfball von Helbig 83.). Dann war Schluss und die erste Heimniederlage in der
neuen Saison Tatsache.
Trotz dieser Niederlage bleibt ein besseres Gefühl als im letzten Jahr nach dem
0:0 gegen Braunschweig, weil der FCC seinen Gegner diesmal spielerisch
beherrschte, obwohl die Hälfte der Neuzugänge noch auf der Bank saß bzw.
verletzt war. Heuer steht auch nicht zu befürchten, dass das Potential des
Clubs einbricht, sollten Spieler wie Ziegner und Helbig eine ganze Saison lang
verletzt ausfallen - der Kader ist wesentlich breiter und auch besser geworden.
Wie sagte Gästetrainer Trulsen in der Pressekonferenz: "Es wird für jede
Mannschaft schwer, in Jena zu punkten." Allerdings nur, wenn die Dinger vorne
auch jemand reinmacht!
Alemannia Aachen - FC Carl Zeiss Jena 2:2
Tore: 1:0 Vukovic (1.), 2:0 Nemeth (6.), 2:1 Maul (28.), 2:2 Petersen
(76.)
- Aachen: Nicht; Stehle, Klitzpera, Vukovic (33. Casper), Weigelt;
Lehmann, Polenz (75. Leiwakabessy), Reghecampf, Nemeth, Pecka (81. Milchraum),
Ebbers
- Jena: Jensen; Kandelaki, Maul, Omodiagbe, Holzner; Kühne,
Müller (72. Petersen), Hansen, Ziegner (72. Fröhlich), Simak
(58. Stegmayer); Werner
- Zuschauer: 19.986
- Schiedsrichter: Aytekin
- Spielbericht:
- Wenn ein Verein aus der Bundesliga kommend zuhause auf den
Zweitliga-Dreizehnten des Vorjahres trofft, ist die Favoritenrolle am 1.
Spieltag klar gegeben. Dass sich der Webmaster aus Aachen bei der
Live-Ticker-Ankündigung aber gleich für ein fingierte 5:2-Vorhersage entschied, kam
uns vor dem Spiel doch etwas übertrieben vor.
Nach sechs Minuten Spielzeit schien allerdings nichts mehr
unmöglich. Zwei Gegentore hatte sich der FC Carl Zeiss zu diesem Zeitpunkt
schon eingefangen, das Erste nach 50 Sekunden ! Einen Freistoß-Ball von
Reghecampf verlängerte Vukovic per Kopf unhaltbar ins Jenaer Gehäuse. Robert
Müller war zwar mit hochgestiegen, hatte aber das Nachsehen. Keinen
Gegenspieler besaß Nemeth nach 5:30 min. Omodiagbe hatte die Abseitsfalle
aufgehoben.
0:2 - Mann oh Mann, welch ein Fehlstart in die insgesamt achte
Zweitligasaison des FCC ! Nachdem der erste Schock verdaut war, erinnerte man
sich als Auswärtsfahrer an den 1. Spieltag der Vorsaison, als Jena in Offenbach
ebenfalls mit zwei Toren hinten gelegen hatte, sich aber noch zum Remis
kämpfte. Sollte dies erneut möglich sein ? Hier, auf dem berühmten Aachener
Tivoli ? Nicht das Stadion selbst macht den Reiz aus, in vielen Dingen erinnert
es an die alte Heimstätte des FC Sachsen Leipzig. Nein, es ist die Atmosphäre,
bei der das Dabeisein einfach Spaß macht, weil die Stimmung enthustiastisch,
aber nicht aggressiv ist und häufig von drei Seiten gleichzeitig gepuscht wird.
Es sah noch immer nicht gut aus. Nach 25 Minuten war kein einziger
gefährlicher Ball auf das vom Ex-Jenaer Kristian Nicht gehütete Aachen-Gehäuse
abgegeben worden. Stattdessen musste Gegenüber Kasper Jensen beim
Aachener Konter die fehlende Innenverteidigung ersetzen und zehn Meter vor
seinem Strafraum per Kopf klären. Dann die 28. Minute. Ziegner aus einer
Spielertraube heraus auf Hansen, Flachschuss aus 15 Metern, Torwart Nicht pariert auf
Kosten einer Ecke. Das war sie, die erste Jenaer Gelegenheit im Punktspieljahr
2007/2008. Eine Ansage „Wir sind auch da“. Den anschließenden Eckball
erwischt Stefan Kühne am langen Pfosten, köpft ihn zur Torlinie, wo Alexander
Maul steht und unter Bedrängnis einköpft. Der Anschlusstreffer noch vor der
Pause. Wie damals in Offenbach. Hoffnung bei uns. Ein aus allen Wolken fallen
bei den Alemannen. Zu deutlich hatten sie die Anfangsphase dominiert,
zu leicht ihre Tore gemacht gegen einen in
dieser Phase unsortierten und harmlosen Gegner. Nun kämpften sich die
Neubarth-Schützlinge in das Spiel hinein. Nur vier Minuten nach dem
Anschlusstreffer spielte Simak einen ähnlich genialen Pass wie im Pokal eine Woche zuvor
auf Werner, der hatte gegen den heranstürmenden Nicht die Idee eines
Hebers – nur leider fiel dieser zu hoch aus. Eine Partie mit umgekehrten
Vorzeichen – jetzt spielte Jena Fußball. Wäre Kühne in der 43. Minute nicht
selbst überrascht gewesen über eine sich bietende Kopfballchance, es hätte noch
vor der Pause Unentschieden gestanden. Der Offenbacher Regievorlage hätte dies
freilich nicht entsprochen.
Mit ein bisschen Magengrummeln empfingen wir unsere Mannen
aus der Kabine. Nur nicht wieder solch eine Schlafwagen-Einlage wie zu Beginn.
Doch die Sorgen erwiesen sich als unbegründet. Lediglich Keeper Jensen sorgte
für erhöhte Herzfrequenz in Minute 51, als er bei zwei heranstürmenden
Gegenspielern den Ball nicht einfach wegschlug, sondern ihn kalt wie
Hundeschnauze behauptete. Außerdem Holzner, der am eigenen Strafraum den Ball
vertändelte und von Glück sagen kann, dass die Abseitsfahne nach oben
schnellte, da ansonsten eine 3 gegen 1-Überzahlsituation für die Westdeutschen
entstanden wäre.
Die Leistungssteigerung der Jenaer Elf lässt sich treffend am Bild festmachen, dass Ilia Kandelaki in den ersten neunzig Minuten
für seinen Verein abgab. Nach Stegmayers gutem Pokalauftritt war er für mancheinen
überraschend in die Startelf gerückt. Die etwas defensivere Variante schien
anfangs nach hinten loszugehen, weil der Georgier einige Male Unsicherheiten
auf seiner linken Seite offenbarte. Doch nach der Pause fand Kandelaki zu sich selbst,
seinen Mannschaftskameraden und ins Spiel. Wobei Stegmayer später noch eingewechselt wurde,
ebenso wie Fröhlich und Petersen. Die aus den Wechseln hervorgehenden
taktischen Umstellungen waren riskant, besonders der Austausch des defensiven
Müller gegen den stürmenden Petersen. Das Risiko sollte sich aber bezahlt machen. Denn
Nils Peteresen war gerade drei Minuten im Spiel, da verlängerte er einen Ball
von Kühne ins Tor. Wahnsinn ! Ausgerechnet Jenas Jüngster schafft den
Ausgleich. Klar hat der in Junioren-Länderspielen schon gegen
U19-Nationalmannschaften getroffen, doch ein solche wichtiger Treffer „bei den
Großen“ ist dann doch etwas Besonderes. Wäre der Bursche in Minute 79 doch noch
einmal etwas kaltblütiger gewesen, er hätte den FCC gar zum Sieg geschossen.
Nach einer Unsicherheit seines Gegenspielers verzog Petersen jedoch
deutlich.
Remember OFC – aus einem 0:2 ein 2:2 gemacht und dem Sieg
sehr nahe gekommen. Auch Kandelakis
Flanke fünf Minuten vor Schluss brachte Gefahr, neutralisierte sich aber mit
Reghecampfs Hereingabe in Minute 88. Beide Male fehlte ein Abnehmer im
Sturmzentrum.
Das Unentschieden feierten die Jenaer wie einen Sieg,
während die Gastgeber ziemlich konsterniert das Stadion verließen. Auch dieses
Bild hatten wir vor einem Jahr schon einmal. Neu ist die Serie, in der sich die
Jenaer Mannschaft befindet. Unter Frank Neubarth bleibt sie in Pflichtspielen
weiterhin unbesiegt. <fc>
Bilder von der ersten Partie
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Jein! Es sieht schon ganz schön übel aus, ohne Frage. Und als Gladbach nach nur
neun Minuten die Führung erzielte, war auch wieder klar warum. Ein schlichter
Paß von Marin durch die Viererkette und schon war es
soweit. Das es auch schon Zeiten gab, in denen sich Neuville bei einem solchen
Ding den Fuß gebrochen hätte, ist halt Schicksal. Wenn du eben ohne Licht im
düsteren Tabellenkeller hockst, dann nimmt er ihn halt wunderschön an und
donnert ihn dir aus der Drehung in die kurze Ecke. Unhaltbar. Man hätte es in
den nächsten 70 Minuten glatt vergessen
können, hätte sich nicht das gleiche in der 80. Spielminute so ähnlich
wiederholt. Der einzige Fehler Omodiagbes im ganzen
Spiel, verwandelte den ganzen mühsam gehegten Optimisumus
in ein Häufchen Elend. Wieder war es Neuville, der nach der mißglückten
Kopfballabwehr des Nigerianers mit seiner Direktabnahme die endgültige
Entscheidung erzwang. Man konnte nahezu jeden einzelnen Fehler der Jenaer
Hintermannschaft auf der Anzeigetafel ablesen. Wirklich zum Brechen. Soviel zur
Hoffnungslosigkeit der Situation. Was sich zwischen den beiden geschilderten Szenen
abspielte läßt aber – wenn schon nix Zählbares dabei rausspringt – trotzdem
auch viel Raum für Zuversicht. Und zwar deshalb, weil wieder eine Mannschaft
mit Wir-Gefühl auf dem Platz stand in der einer für den anderen die Kastanien
aus dem Feuer zu holen bereit ist. In der Torghelle
das Laufen für sich entdeckt hat (ich hätte es noch vor Wochen nicht für
möglich gehalten) und das Tor trifft. In der Simak
langsam das Bewußtsein für das aufbaut, was wirklich in ihm steckt und die
Fäden in die Hand nimmt. Und in der das (manchmal) mangelnde spielerische
potential durch Kampf und Einsatzwillen aufgewogen wird.
Das sah gut aus! Vor allem in der ersten Halbzeit, als die
Gladbacher den Selbstfindungsbemühungen von Simak kaum
ein Mittel entgegenzusetzen hatten. Erst sein Knaller aus ca. 20 m, den
Heimeroth im Gladbacher Tor nur mit Mühe abwehren kann
(16.), dann der etwas zu hoch angesetzte Schuß vom linken Strafraumeck nach
einer schönen Einzelleistung (23.). Und dann schließlich seine Vorarbeit für
Stegmayers Flanke direkt auf Torghelle.
Ein langgezogener Brüller begleitet den wunderschönen
Kopfball des Ungarn zum Ausgleich in lange Eck (34.). Wunderschön!!! Und das
auch noch völlig verdient, denn hier spielte phasenweise nur noch Jena. Kommt
Jungs, nachsetzen. Kurz vor der Pause hält Werner noch mal drauf. Aber der hat
einfach kein Glück, bekommt nicht mal eine Ecke für den abgefälschten Schuß…
Nach der Halbzeit schwinden sichtbar schnell die Kräfte. Das
merkt man vor allem an den kleinen Fehlern, die sich allenthalben so einschleichen.
Simaks Pässe kommen nicht mehr so oft an und wenn,
dann deutlich unpräziser. Auch diese kleinen Schlampigkeiten machen das
Fußballerleben immer schwerer. Auf der linken Abwehrseite werden sich
Charalambidis und Müller (?) nicht einig. Nimm du ihn, ich
hab ihn sicher, fällt mir dazu nur ein. Glück, daß Neuville die anschließende Flanke
von Ndjeng aus drei Metern über das Gehäuse wuchtet. Na
also, es geht doch (58.)! Und dann noch das Ding von Daniel Kraus als er einen
seltsam geschlagenen Aufsetzer nur mit Mühe und unter Einsatz diverser
Körperteile am Überqueren der Linie hindern kann (59.). Sah komisch aus, war
aber auch schwer! Hauptsache nicht drin.
Jena steht in dieser Phase ganz schön unter Druck, aber das
sieht trotzdem alles ganz passabel aus. Kaum richtige Chancen für Gladbach. Ein
Freistoß von Simak sorgt sogar noch mal für etwas
Entlastung. Aber mit letztem Einsatz kann Heimeroth
den Ball noch über die Latte lenken (55.). Scheiße. Schönes Ding. Und dann –
gerade als man als Jenaer Anhänger mit einem Pünktchen zu liebäugeln beginnt –
Neuvilles zweiter Treffer. Aus der Kalten. Und das nach so
einer starken Leistung.
Ein Tal tiefer Depression tut sich kurzzeitig vor mir auf. So lande ich nach dem Abpfiff auch unweigerlich bei der Frage nach einem den Umständen gerecht werdenden Bierkonsum. Die Antwort will sich mir nicht so recht erschließen, schwankt mit dem jeweiligen Gemütszustand zwischen fast schwarz und sehr dunklem Hell. Am Ende entschließe ich mich, die ganze Sache auszusitzen. Bis Sonntag jedenfalls. Wer hat schon mit einem Punkt oder gar Sieg gegen Gladbach gerechnet? Kaum jemand. Es ist also alles noch wie vorher. Für den Fall, daß es gegen Hoffenheim wieder nicht klappt mit dem Dreier, sollte man aber sicherheitshalber schon mal eine Palette Öttinger kaltstellen. <bpf>
- Jena: Kraus; Stegmayer, Omodiagbe, Maul, Günther (46.
Tapalovic); Hansen (77. Torghelle), Zimmermann (70. Ziegner), Simak,
Kühne; Werner, Helbig
- Freiburg: Walke; Ibertsberger, Butscher, Krmas, Schwaab; Aogo, Uzoma, Pitroipa (75. Schlitte), Banovic; Bencik (56. Cafu), Matmour (79. Mesic)
- Zuschauer: 7026
- Schiedsrichter: Walz (Pfedelbach)
- Spielbericht:
- Freiburg: Walke; Ibertsberger, Butscher, Krmas, Schwaab; Aogo, Uzoma, Pitroipa (75. Schlitte), Banovic; Bencik (56. Cafu), Matmour (79. Mesic)
- In der 25. Spielminute, als Hansens Kopfball knapp das Tor
verfehlte, beneidete ich etwas den Verfasser des heutigen Spielberichts, weil
er bis dahin etliches Notierenswertes und eine starke Jenaer Anfangsphase geboten
bekam. Sekundenbruchteile später wandelte sich mein Neid in Entsetzen, denn mir
fiel schlagartig ein, dass ich vom Chefredakteur zum Schreiben vergattert
worden war…
Dabei sah man vorm Anpfiff überall skeptische Gesichter, gegen unseren Lieblingsgegner der letzten Saison rechnete sich eigentlich niemand etwas aus. Die erste Aktion schien allen recht zu geben, denn nach der ersten Gästeecke musste Kraus einen scharfen Kopfball parieren. Faktisch im Gegenzug parierte Walke einen Schuss Hansens aus nächster Nähe. Kurz danach rettete Walke gegen Helbig. Das Gesamtbild sah gar nicht so übel aus (daran änderte auch die nervige und überflüssige Information auf der Anzeigetafel vom Eckenverhältnis von 5:0 für den SC nichts), der FCC war die überlegene, aggressivere Mannschaft, die den Freiburgern immer wieder feine Nadelstiche verpasste. In der 12. min wusste sich ein von Simaks Antritt überforderter Verteidiger gar nicht mehr anders zu helfen, als sich ans Jenaer Trikot mit der Nr. 19 zu klammern und dieses samt Simak auf den Rasen zu befördern. Ich weiß nicht, ob Schiedsrichter Walz vom Rugby kommt, aber anders kann man sich nicht erklären, warum er bei diesem klaren Foul nicht auf Strafstoß entschied. Walz’ Gepfeife in der ersten Halbzeit war sowieso unterirdisch, prinzipiell wurde nach Freiburger Ballverlust im Zweikampf auf Freistoß für die Gäste entschieden und seine putzigen Eckenballentscheidungen für den SC inspirierten die Haupttribüne zu lautstarkem ironischem „Ecke, Ecke“ bei jedem Ausball. Bis zu jener oben erwähnten 25. min war der FCC im Vorwärtsgang, aber erfolglos. Und so kam alles wie immer, nach der 34. die 35. Minute und in jener der obligatorische Abwehrpatzer, als plötzlich drei „Blaue“ (die Gäste liefen in einer ungewohnten Farbe auf) durch Jenas Abwehrmitte rauschten, Kraus erwischte den Ball nicht, ein Freiburger spielt auf den nächsten, der im Abseits stehend die Kugel ins Tor schob. Ein weiterer Höhepunkt jener grässlichen Schiedsrichterleistung, dass der Treffer trotzdem anerkannt wurde.
Und so hatte nicht nur ich zur Halbzeitpause die Nase gestrichen voll: Der FCC machte dass Spiel, der Gegner das Tor und der Schiedsrichter leistete mit zwei extremen Fehlentscheidungen seinen Beitrag. Zum Speien!!!
Nach der Pause war Freiburgs Taktik klar: Am eigenen Strafraum aufstellen und in Ruhe die Führung nach Hause schaukeln, eventuell mal kontern. Der FCC schaffte es aber trotz der badischen Zurückhaltung richtig energisch Druck aufzubauen. Man spielte zu durchsichtig, machte zu viele einfache Fehler im Aufbau und den Freiburgern die Abwehrarbeit ziemlich leicht. Unerträglich, aber nicht neu, waren zudem die Schauspieleinlagen von Pitroipa & Co., die nach kleinsten Berührungen oder auch völlig ohne Anlass regelmäßig den „sterbenden Schwan“ abspulten, wie in den letzten Zügen liegend. Nachdem sie fürs anscheinend letzte Schnauferchen ins Seitenaus verbracht wurden, gab es ebenso regelmäßig die blitzschnelle Wiederauferstehung inklusive Genesung. Und es ist sicher keine schlechte Bilanz, durch solche „Verletzungen“ mehrfach längere Unterbrechungen zu provozieren, die am Ende mit nur zwei Nachspielminuten belohnt wurden. Jedenfalls fiel dem FCC nicht ein, wie die Gästeabwehr zu knacken wäre. Zu vermelden war lediglich ein 20-m-Schuss Werners, der das Tor verfehlte – typisch, dass in dieser Situation Stegmayer links völlig freigelaufen war, aber vergeblich aufs Anspiel wartete. Eine knappe Viertelstunde vor Schluss sorgte die Einwechslung des Ex-Jenaer Schlittes für ein Anheizen der Stimmung im Publikum und fortan begleitete ein gigantisches Pfeifkonzert jeden seiner Ballkontakte, das Eintauschen der angeblichen Herzenssache FCC gegen Freiburger Geld war nicht vergessen worden. Freiburg schaffte in der 82. min die befürchtete Vorentscheidung, allerdings nicht nach einem Konter, sondern nach einem Freistoß von links außen. Omodiagbe ließ Krmas kurzen Pfosten zu viel Raum und der drückte den Ball ins Netz. Die erloschene Hoffnung glomm nochmals kurz auf, als Werner nach Ziegners Flanke den Anschluss per Kopf erzielte. Aber selbst Kraus’ Eingreifen ins Angriffsspiel brachte nichts Zählbares mehr, so dass der FCC zum wiederholten Male in dieser Saison nach einem Heimspiel mit leeren Händen dastand.
Nach dem guten Anfang fehlte heute in der Phase, in der der FCC das Spiel hätte noch kippen können, jener letzte Kick, jener letzte Wille zum bedingungslosen Fighten. Und wenn wir nicht schon im Dezember mit den Planungen für die dritte Liga 2008/09 beginnen wollen, müssen nach den vielen vergebenen möglichen Punkten in den nächsten Wochen endlich mal ein paar unmögliche Punkte her. <uk>
SC Paderborn - FC Carl Zeiss Jena 2:2
Tore: 0:1 Torghelle (8.), 1:1 Koen (12.), 1:2 Werner (14.), 2:2 Sinkala (33.)
- Paderborn: Bade; Fall, Döring, Kläsener, de Graef, Gouiffe à Goufan, Sinkala (68. Männer),
Koen (68. Halfar), Krupnikovic, Löbe, Schüßler (56. Siradze)
- Jena: Kraus; Günther (66. Tapalovic), A. Maul, Omodiagbe, Stegmayer, Kühne, Charalambidis,
Werner, Simak (86. Ziegner), Torghelle (75. Hansen), Helbig
- Zuschauer: 6.079
- Schiedsrichter: Dr. Brych (München)
- Spielbericht:
- Nach der Spielpause war man allseits besonders gespannt, ob der FCC endlich den Bogen in die Erfolgsspur
findet, zumal es gegen einen Mitabstiegskonkurrenten ging. Die "Baustelle" Tor war mit dem dritten Keeper
Daniel Kraus besetzt worden. Neu war auch die Zusammensetzung des Angriffsduos, diesmal stand Helbig neben
Torghelle. Dafür rückte Tobias Werner auf die linke Außenbahn des Mittelfelds.
Und der FCC begann wirklich mit viel Elan, bereits in der 1. Spielminute verfehlte Charalambides
das 07er Tor nur knapp. Der Sekundenzeiger hatte gerade einmal zwei weitere Runden gedreht, da schoss
Helbig aus 25 m Entfernung knapp über die Torlatte. Im Gegenzug durfte Kraus Löbes Schuss aus
nächster Nähe abwehren. Dann war wieder der FCC im Vorwärtsgang: Einwurf Günthers
auf Charalambides, der legt zurück und in der Mitte köpfte Torghelle Günthers Bilderbuchflanke
zum 1:0 ein! Leider verschenkte man den Vorteil bald wieder, als Günther und Charalambides interessiert
einem Ball nachschauten, der sich zwischen ihnen zu Koen - dem stärksten Paderborner in der ersten
Halbzeit - durchdrängelte und der ließ sich die Chance nicht entgehen und knallte den Ball
ins lange Eck - 1:1. Die rund 500 mitgereisten Fans hatten aber keine Zeit, über diesen Rückschlag
richtig zu jammern. In der 14. Minute gab es auf der rechten Seite Freistoß für den FCC. Simak
und Werner standen bereit, letzterer trat die Spielkugel mit links hoch in den Strafraum, Maul ging zum
Ball, stieg jedoch drüber und so landete dieser im langen Eck - 2:1, der FCC hatte nach dem Ausgleich
sofort wieder zurückgeschlagen! Also alles bestens? Denkste, umgehend grub man sich in der eigenen
Hälfte ein und ließ die Gastgeber ihr Spiel aufziehen. Die optische Überlegenheit
Paderborns brachte jedoch nichts Zählbares, da entweder der finale Pass in der weißen Abwehr
steckenblieb oder man bei den Fernschüssen aufs Dach der Endtribüne zielte. Herzinfarktfördernd
war die 28. min, als eine lange Flanke am auf Sinkalas Kopf landete, dem Ball jedoch sprichwörtlich die
Luft ausging und er auf dem Strich zwischen Gut und Böse von Kraus festgehalten werden konnte. Fünf
Minuten später war es jedoch soweit, als es pingpongartig zwischen Jenaer Abwehr und Paderborner
Angreifern hin und her ging und Sinkala dem Treiben mit einem satten Schuss ins untere Toreck ein Ende
bereitete - wieder Ausgleich! Zum Heulen!!! Und wie jetzt weiter? Jedenfalls vergaßen die Abwehrrecken
des FCC bei einem Freistoß kurz nach dem Ausgleich, dass Schüßler ein blau-schwarzes Trikot
trug und so marschierte er mutterseelenallein zur Grundlinie, jagte seine Flanke zum Glück weit
Richtung Seitenlinie. Unmittelbar köpfte Maul zum Gegner und wieder war es Schüßler, der
auf der linken Seite davon profitierte, aber auch diesmal keinen Mitspieler fand. Die letzten Minuten vor
der Pause riss sich der FCC aber noch einmal zusammen und machte seinerseits Druck. Wer weiß, wie
die Partie ausgegangen wäre, hätte Jena auch nur eine der drei folgenden Konterchancen in den
Spielminuten 39 bis 44 genutzt hätte. Zunächst sahen sich drei Weiße kurz nach der
Mittellinie nur einem Abwehrspieler gegenüber, Werners Pass landete leider genau in dessen Füßen
anstatt bei den beiden mitlaufenden Teamkollegen. Dann sprintete wiederum Werner los, schoss aber von
links am Tor vorbei und ließ Helbig und Torghelle vergeblich in der Mitte warten. Und letztendlich
rannte sich Helbig bei seinem halbherzigen Dribbelversuch fest, nachdem er von Simak wunderbar
freigespielt worden war.
Zwischendurch erwischte ein abgefälschter Schuss Werners Alexander Bade beinahe auf dem falschen
Fuß, er schaffte es jedoch noch, gleichzeitig mit dem Ball in der unteren Torecke einzutreffen.
Mit 2 Sekunden Nachspielzeit beendete Schiedsrichter Dr. Brych diese sehenswerte Halbzeit.
Es war eigentlich klar, dass es nach der Pause nicht so weitergehen konnte. Die zweite Halbzeit war
dann auch etwas dezenter und es passierte deutlich weniger, was den Puls nach oben trieb. Zwei
Freistöße rund 25 m vorm Tor bis zur 50. Spielminute wurden mehr oder weniger
kläglich vergeigt. In der 52. min wurde zunächst Charalambides' Schuss abgeblockt
und ein Paderborner lenkte kurz vor der Torlinie Werners Nachschuss zur Ecke. Nach einer
Stunde tauchte Paderborn das erste Mal nach der Pause ernsthaft vor Kraus' Kasten auf und
Löbe setzte einen Kopfball auf der richtigen Seite neben den Pfosten ins Aus.
Anschließend gönnten sich beide Mannschaften eine ruhigere Phase zwischen den
Strafräumen. Erst in der 78. min gab es eine Strafraumszene, als die Paderborner
Nummer 24 mit dem klangvollen Namen Gouiffe á Goufan eine Simak-Flanke im letzten Moment
vor dem heranstürmenden Hansen zur Ecke entschärfte. Die anschließende Ecke
(wieder von Simak) wurde am kurzen Pfosten verlängert und fand weiter hinten Kühnes Kopf,
der maßgenau und kraftvoll köpfte und die Arme der Jenaer Fans in die Höhe jagte.
Da sich jedoch der Ball um wenige Millimeter verirrte und vom Aluminium des 07er Tores wieder
zurücksprang, landeten die Hände schließlich am Kopf zum Haareraufen. Paderborn
verließen nun sichtbar die Kräfte und Jena übernahm in der verbleibenden Zeit
die Initiative. Mit etwas Übersicht hätte der FCC noch einen Sieg holen können,
aber Werner entschied sich in der 83. für einen Schlenzer aufs lange Toreck und gegen den
in der linken Strafraumhälfte einsam und allein wartenden Helbig. Auch eine Minute später
nahm Werner den Kopf nicht hoch, sondern rannte sich nach Helbigs Zuspiel an ein paar schwarz-blauen
fest. Auf der Gegenseite testete Maul noch fix die Nerven von Mitspielern und Fans, als er eine an
sich harmlose Flanke fast ins eigene Tor stolperte, bevor dann Dr. Brych nach gigantischen 12 Sekunden
Nachspielzeit abpfiff.
Wie soll man nun das Unentschieden bewerten? Positiv (ein Auswärtspunkt) oder negativ (nicht
einmal beim Schlusslicht gewonnen)? Sicherlich irgendwo dazwischen: Es war mehr möglich, aber
andererseits können wir den schlechten Saisonstart nicht im Handumdrehen vergessen machen,
sondern müssen wie die Eichhörnchen mühsam Nuss für Nuss (bzw. Punkt für Punkt)
einsammeln, um im Dezember einen Vorrat zu haben, der für die Rückrunde reelle Chancen auf den
Klassenerhalt bietet.<uk>
FC Carl Zeiss Jena - TSV 1860 München 0:2
Tore: 0:1 Bierofka (47.), 0:2 Göktan (90.)
- Jena: Person; Stegmayer, Omodiagbe, Maul, Günther; Hansen
(62. Helbig), Kühne, Simak, Charalambides (76. Ziegner); Werner,
Torghelle
- München: Hofmann; Hoffmann, Berhalter, Ghvinianidze (85.
Szukala), Thorandt; L. Bender (67. Gebhart), Schwarz, Bierofka, Johnson
(67. S. Bender); Göktan, di Salvo
- Zuschauer: 11.314
- Schiedsrichter: Wingenbach (Diez)
- Spielbericht:
-
Wer ihn damals hörte, wird sich jetzt noch an ihn erinnern:
Den Kommentar von DSF-Reporter Martin Quast zum Spiel Jena – 1860 im Februar
2007. Da war zunächst die Schilderung des 1:0 nach sechs Minuten: „Eckball kurz
aufgeführt, Hoffmann klärt, da ist nur Tapalovic – (Stimme plötzlich erhebend)
NUR TAPALOVIC ! Boah, was’n Gerät ! Tor des Monats, hundert Prozent.
Volltreffer – so schön kann Zweitligafußball sein.“ Filip Tapalovic hatte den
FCC mit einem Volleyknaller aus 25 Metern in Führung geschossen und auch wenn
Herr Quast mit der Tor-des-Monats-Prognose nicht
recht behalten sollte, geriet er auch noch wegen der
darauffolgenden Spielminuten aus dem Häuschen. „Ich raffs nicht, ich fass es
nicht – ja, wo bin ich denn hier?“, rief er nach 10 Minuten, als gerade das 3:0
gefallen war, „jetzt tanzen sie im Thüringer Wald Samba mit den Wildschweinen
und allem Drum und Dran. Unfassbar, was hier im Ernst-Abbe-Sportfeld in den
ersten Minuten passiert“.
Obwohl noch nicht lange her, ist diese Anfangsphase bereits legendär.
Und die ver-quast-ete Schilderung gleich mit.
Doch das ist Vergangenheit und mit einer Wiederholung jenes
Ablaufs war von vornherein nicht zu rechnen. Wobei sich die Frage stellt,
welchen Verlauf solch ein Spiel nimmt, wenn der straffe Schuss von Kühne nach
drei Minuten im Netz landet. Münchens Keeper Hofmann rührte da keinen Finger,
leider flog das Leder knapp an seinem Kasten vorbei. Die erste Halbzeit konnte sich durchaus
sehen lassen auf Jenaer Seite. Mit Forechecking versuchte man in Ballbesitz zu
gelangen. Die Flügelzangen Stegmayer-Hansen und Günther-Charalambides zeigten
sich in der Abstimmung weiter verbessert. Und zentral überzeugte Simak wieder
mit klugen Pässen. Nur im Abschluss erwiesen sich Charalambides (23.) und
Hansen (26.) als nicht treffsicher genug. Die vielleicht beste Gelegenheit vor
der Pause vergab Tobias Werner bei einem energischen Konter, als er es nicht
fertig brachte, dem freigelaufenen Simak den Ball „durch zu stecken“, vielmehr
an einem Verteidiger hängen blieb. Auch beim Durcheinander im gegnerischen
Strafraum fanden die Jenaer keine Lücke, Mauls Heber wurde schließlich zur
leichten Beute Hofmanns. Und die Münchner ? Waren zu Beginn um Abgeklärtheit
bemüht und ließen dabei erstaunlich große Lücken im Mittelfeld. Abgesehen von
Hoffmanns Flachschuss (25.) drohte Jenas Abwehr zunächst keine Gefahr. Dies
änderte sich kurz vor der Pause. Da sah sich Stegmayer auf seiner Seite mit dem
ballführenden Bender sowie Johnsson gleich zwei Gegenspielern gegenüber. Nicht
wissend, wen er attackieren sollte, griff er im Grunde niemanden richtig an.
Bender konnte unbedrängt zum Schuss ansetzen, zielte aber ein wenig zu hoch.
Kurz darauf zeigten die Sechziger eine ihrer einstudierten Freistoßvarianten –
diesmal war es Göktan, der nur knapp verfehlte.
Verglichen mit diesen Hochkarätern strahlte der Torschuss in
Minute 47 eigentlich geringes Gefahrenpotential aus. Es hatte den Anschein, als
hätte ihn Person zunächst fausten wollen, vielleicht erschien er ihm dafür mit
einem Mal nicht scharf genug – jedenfalls versuchte er plötzlich, den Ball zu fangen
und dieses Umgreifen ging gründlich daneben. Plötzlich lag der Ball im Netz. Ohje, Jena und seine Torhüter ! Ob sie
nun Jensen oder Person heißen, bislang haben sie uns in dieser Saison mehr
Punkte gekostet als gerettet. Doch eine
Mannschaft gewinnt und verliert zusammen und noch war fast eine Halbzeit lang
Zeit, wenigstens ein Remis zu schaffen. Werner und Hansen hätten es
erzielen können, Sandor Torghelle nach mustergültiger Kopfballvorlage
von Omodiagbe sogar müssen, schoss jedoch nur den herauslaufenden Hofmann an. Bei allen erkennbaren Bemühungen – die
Vorherrschaft im Mittelfeld ging verloren, weil bei Simak und Charalambides die
Kräfte schwanden. Die Gäste konnten nun ungestört den Ball laufen lassen. Zwar war
die Münchner Überlegenheit nicht so groß, wie es ein Eckenverhältnis von 9:1
nach einer Stunde vorgaukelt. Doch macht es deutlich, dass 1860 die technisch
feinere Klinge schlug, sich nicht so oft damit helfen musste, den Ball ins
Toraus zu befördern. Ihr Tagesbester Daniel Bierofka wirkt vom technischen
Vermögen her schon fast überqualifiziert für diese Liga.
Valdas Ivanauskas holte seine beiden einzigen
Offensivwechsler von der Bank. Ohne Erfolg. Doch eine letzte Geheimwaffe besaß
er noch: Darlington Omodiagbe als Stürmer ! Dass er vorn den einen oder anderen
Kopfball holt, war uns ja bereits bekannt. Doch wenn ‚Omo’ dazu noch kluge Offensivpässe
spielt, sollte er solche Ausflüge ruhig häufiger machen dürfen. Perfekt sein
Zuspiel auf Günther in der letzten regulären Spielminute, dessen Flanke kam
auch vors Tor, wo Helbig sie aber nicht richtig erwischte. Und wie das so ist
im Fußball – setzt eine Mannschaft alles auf eine Karte und verpasst knapp den
Ausgleich, geht sie im Gegenzug nur allzu oft k.o. Dass Ziegner als letzter
Mann wegrutschte, Göktan frei vor Person zunächst nur den Pfosten traf und dann
noch eine Gelegenheit zum Nachschuss bekam, rundete das Bild ab.
Zweitligafußball in Jena kann nicht nur schön, sondern auch deprimierend sein. <fc>
Fotos auf weissenburger.de
SpVgg Greuther Fürth - FC Carl Zeiss Jena 2:2
Tore: 1:0 Reisinger (28.), 1:1 Charalambides (34.), 1:2 Torghelle (49.), 2:2 Lanig (63.)
- Fürth: Kirchstein; Achenbach, Mauersberger, Karaslavov, Schröck (72. Adlung); Judt, Haas, Burkhardt (80. Maierhofer), Lanig; Nehrig, Reisinger
- Jena: Person; Stegmayer, Omodiagbe (32. Oniani), Maul, Günther;
Kühne, Hansen (72. Kandelaki), Simak, Charalambides (64. Tapalovic);
Werner, Torghelle
- Zuschauer: 8.900
- Schiedsrichter: Zwayer (Berlin)
- Spielbericht:
- Freuen oder ärgern? So richtig wusste nach Abpfiff kaum einer im
blau-gelb-weißen
Lager, wie mit diesem Remis in Fürth umzugehen wäre. Spielerisch war an diesem
Nachmittag wohl so leicht wie noch nie am Ronhof
ein Dreier zu holen, andererseits grenzt es
an ein Wunder, angesichts der Leistung des Unparteiischen überhaupt noch einen
Punkt verteidigt gehabt zu haben, den sich ein aufopferungsvoll kämpfendes Team
redlich verdiente.
„Never
change a winning team“ hieß die Devise und so schickte Valdas Ivanauskas die
siegreiche Offenbach-Elf auf den Rasen. Der Club begann furios und die über
1.500 mitgereisten FCC-Fans hatten schon nach 34 Sekunden den Torschrei auf den
Lippen, als Torghelle Fürths Karaslavov den Ball abnimmt, sofort auf Werner
passt, der völlig frei vor dem gegnerischen Tor eine Sekunde zuviel Zeit zum
Überlegen hat und den Ball an Keeper Kirchstein vorbei ins Toraus schiebt. Was
für eine Möglichkeit! 10 Minuten später durften sich die Gastgeber die Haare
raufen, als Burkhardt einen zunächst abgewehrten Eckball flach an den
Innenpfosten setzt. 5 Minuten später, andere Seite, Hansen bedient
Charalambides, der freie Schussbahn hat, aber nicht genug Druck hinter den Ball
bekommt, so dass Ex-Bundesligakeeper Kirchstein das Leder noch um Haaresbreite
um den Pfosten lenken kann. Es war ein tolles, offenes Spiel beider Teams in
den ersten Minuten und Fürth schien beeindruckt zu sein von Jenas
Offensivdrang, richtete sein Spiel fast ausschließlich auf das Provozieren von
Standardsituationen aus und lange weite Bälle auf den emsigen Reisinger. Dass
jenem nach 28 gespielten Minuten die Führung gelang, hatte er aber zwei
Jenensern zu verdanken. Stefan Kühne bringt mit viel zu kurzem Rückpass seinen
Keeper in Bedrängnis und warum Christian Person den Ball nicht nach links oder
rechts klärt, sondern ausgerechnet an die ausgestreckte Hand des heranstürmenen
Reisingers, bleibt sein Geheimnis. Der Ball trudelt ins leere Tor, 1:0. Ein
Schock zweifellos dieser Treffer in Unterzahl, denn Omodiagbe musste sich am
Spielfeldrand nach einem nicht geahndeten Foul behandeln lassen und kurz darauf
gegen Oniani ausgewechselt werden, aber anders als noch vor Wochenfrist in
Frankfurt reagierte der FCC unbeeindruckt und kommt nur sechs Minuten später
zum verdienten Ausgleich. Stegmayer täuscht eine Flanke an, passt aber flach
auf Simak, der düpiert mit Körpertäuschung gleich zwei Fürther und findet
Charalambides, dessen Ball auch für den 1,96-Riesen Kirchstein zu platziert ist
und ins lange Eck kullert.
Kurz vor der Pause zappelt der Ball erneut im Netz,
nachdem Kühne einen Eckball einnickt, doch die Anerkennung bleibt verwehrt, ein
Stürmerfoul will Referee Zwayer zuvor gesehen haben. So geht es mit einem
leistungsgerechten Remis in die Pause und Jenas Fans durften vor allem mit dem
mannschaftlich geschlossenen Auftreten zufrieden sein, lediglich die einfach
nicht abzustellenden teils haarsträubenden individuellen Fehler bereiteten
graue Haare.
Von denen dürfte Fürths Coach Bruno Labbadia kurz nach
Wiederanpfiff auch einige mehr bekommen haben, denn wie schon in der ersten
Halbzeit bereitete sein Innenverteidiger Karaslavov eine Großchance für den FCC
vor, nur dass Torghelle die Einladung nach katastrophalem Rückpass diesmal
nicht ausschlug und durch die Beine Kirchsteins zur Jenaer Führung vollendete,
unmittelbar vor dem proppevollem Gästeblock für Partystimmung sorgte.
Siegeszuversicht machte sich breit, doch wie man ein Team gänzlich zermürben
kann, stellte Schiedsrichter Zwayer eindrucksvoll unter Beweis. Die Folge einer
völlig einseitigen Regelauslegung waren unter anderem sage und schreibe acht
gelbe Karten für Jenas Kicker, die sich in der Folge mehr und mehr zurückzogen
und Zweikämpfe scheuten, deren Ausgang schon vorher festzustehen schien. Und so
wäre etwas mehr Nähe zum Gegenmann durchaus empfehlenswert gewesen, als der für
den gesperrten Fürther Kapitän Felgenhauer ins Team gerückte Stephan Schröck im
Doppelpass mit Nehrig Stegmayer düpierte und unbedrängt in den 5m-Raum flanken
durfte, wo Lanig den Ball artistisch über die Linie drückte. Eine knappe halbe
Stunde war da noch zu spielen und diese wurde bestimmt durch eine Flut von
Freistößen. Jan Simak setzte seinen knapp neben den Pfosten (66.), auf Fürther
Seite vergab Mauersberger die größte Gelegenheit, als er eine Freistoßflanke
per Fuß abnahm und das Leder knapp neben das Tor setzte, den Außenpfosten
streifend. Der für Charalambides eingewechselte Tapalovic hatte vier Minuten
vor dem Ende auf Zuckerpass Simaks die letzte Möglichkeit für den FCC, ließ
aber Torghelles Kaltschnäuzigkeit vermissen und gab die Verantwortung lieber
per verunglücktem Querpass weiter. So musste gar um den einen Punkt bis in die
93. Minute gezittert werden, als eine faire Aktion von Oniani an der
Strafraumgrenze wieder einmal mit Freistoß für die Kleeblätter geahndet wurde
und Stefan Kühne die Flanke artistisch vor dem einköpfbereiten Mauersberger
entschärft.
So ein klein wenig hatte der
Fußballgott sein Herz also für Thüringens Traditionsverein wiederentdeckt und
auch Jenas Spieler durften sich – anders als vor 7 Tagen – Streicheleinheiten
der eigenen Fans gefallen lassen, zu denen sich auch Neu-Clubberer und
Herzens-Jenenser Ralf Schmidt gesellte. Nach drei schlimmen Auftritten am
Ronhof holte der FC Carl Zeiss also zum ersten Male Zählbares, doch irgendwie war
mehr drin. <gunner>
FC Carl Zeiss Jena - Kickers Offenbach 2:0
Tore: 1:0 Simak (43.), 2:0 Werner (75.)
- Jena: Person; Stegmayer, Omodiage, Maul, Günther (75.Oniani);
Hansen (70.Tapalovic), Kühne, Simak, Charalambides (61.Holzner); Werner,
Torghelle
- Offenbach: Thier, Pinske (60.Sidney), Müller, Hysky, Bungert, Cimen, Sieger
(46.Ogungbure

,89.),
Judt (70.Epstein), Moktari, Türker
- Zuschauer: 5867
- Schiedsrichter: Bandurski (Essen)
- Spielbericht:
- Ein mulmiges Gefühl machte sich in meiner Magengegend breit, als ich vor der heutigen Partie gegen die Kickers aus
Offenbach das Stadion betrat. Nach fünf Niederlagen in Folge und zuletzt einer katastrophalen Leistung in Frankfurt gegen
Wehen schwante mir auch heute nichts Gutes. Die spielerisch guten Leistungen der ersten Saisonpartien waren vorbei und wer
das Match in Frankfurt live miterleben musste, konnte mein Gefühl durchaus verstehen. Zu viel lief in der Hessenmetropole
bei den Jenaern schief, als dass man ausgerechnet heute gegen die zuletzt starken Hessen vermuten konnte, dass es anders werden würde.
Aber beim Blick auf die Aufstellung der Partie wich mein mulmiges Gefühl blanker Zuversicht, denn Neu-Couch Ivanauskas bewies Mut und
krempelte sein Team gegenüber der letzten Partie auf sechs Positionen um und brachte "Typen" wie Günther, Hansen, Maul und Kühne,
welche gegen Wehen so schmerzlich vermisst wurden.
Der FCC begann auch von Beginn an couragiert und drückte die Offenbacher in deren Hälfte, woraus auch nach zwei Minuten die
erste Minichance resultierte. Nach gut einer Viertelstunde bot sich dann den Gästen auch ihre erste Möglichkeit, doch Siegers
Schuss ging über den Kasten. Den Spielern des FCC merkte man am heutigen Tage zu jeder Sekunde an, dass sie den unbedingten
Willen hatten, sich nicht so "abschlachten" zu lassen bzw. gewinnen zu wollen. Nach einer halbe Stunde waren einige der
Zuschauer schon froh, dass die Jenaer bis dahin kein Tor kassiert hatten. Doch kurz vor der Halbzeitpause sollte es noch
besser kommen, als Simak einen Freistoß aus 30m auf das Tor zirkelte und der Ball auf einmal im Tor zappelte. Grenzenloser
Jubel auf den Rängen, doch die meisten wollten es trotzdem kaum glauben, da sie dieses unglaubliche Glückgefühl gar nicht
mehr kannten.
Fünf Minuten nach Wiederanpfiff die erste Schrecksekunde für die Jenaer, als Dino Toppmöller völlig freistehend aus
gut sechs Metern den Ball zum Glück über das Tor donnerte. Der bis dahin relativ souveräne Schiedsrichter Bandurski
fing nun an, seine Linie zu verlieren, und sorgte mit einigen Fehlentscheidungen für Unruhe auf dem Platz und den
Zuschauerrängen, was in der Gelb-Roten Karte für Ogungbure gipfelte. Die Partie wurde dadurch nun zunehmend hektischer
und es war ein Tanz auf Messers Schneide. Die Offenbacher machten nun hinten ein wenig auf und drückten auf den Ausgleich,
doch der Abwehrriegel des FCC stand. Das Hoffen und Bangen ging weiter und eine Viertelstunde war noch zu spielen, da kam
ein langer Ball in des Gegners Strafraum. Gästekeeper Thier und ein Offenbacher Verteidiger waren sich in dieser Szene
nicht einig genug, wer diesen Ball retten sollte. Nutznießer dieser Aktion war Werner, der sich einfach das Leder schnappte,
Thier umkurvte und zum 2:0 vollendete. Vier Minuten vor Ultimo hätte Werner noch zum absoluten Held des Spiels werden
könnten, doch nach einem erneuten Fehler des Offenbacher Schlußmannes schloss Werner aus spitzen Winkel ein wenig zu
ungenau ab, so dass der Ball Zentimeter vor der Torlinie entlang rollte und doch nicht den Weg ins Tor fand. Kurz darauf
war die Partie zu Ende und der erste lang ersehnte Dreier unter Dach und Fach.
Die wenigsten Zuschauer hätten nach dem Katastrophenspiel vor gerade einmal drei Tagen erwartet, dass sich die Mannschaft
so aufraffen könnte, um die starken Hessen heute gar besiegen zu können. "Der FCC, der FCC, der FCC ist wieder da…"
skandierten die Fans von den Rängen und die Freude war natürlich umso größer, weil mit einem derartigen Wandel in
so kurzer Zeit wohl kaum einer gerechnet hatte. Aber letztendlich waren es trotzdem "nur" drei Punkte und wie
Ivanauskas sagte:" Der Tunnel ist noch sehr lang, bis wir das Licht am Ende sehen". <vg>
SV Wehen Wiesbaden -FC Carl Zeiss Jena 5:1
Tore: 1:0 Diakite (9.), 2:0 Diakite (11.), 3:0 Siegert (20.), 4:0
Nicu (41.), 5:0 Nicu (73.), 5:1 Simak (82., FE)
- Wehen: Richter; Kokot, Jeknic, Kopilas, Nakas; Catic (62.
Amstätter), Nicu (78. Cailas), Siegert, Schwarz; König,
Diakite (85. Lombe)
- Jena: Jensen; Kandelaki, Omodiagbe, Müller (46. Oniani),
Holzner; Stegmayer, Lorenzon, Ziegner (46. Werner), Simak, Charalambides;
Torghelle
- Zuschauer: 5626
- Schiedsrichter: Seemann (Essen)
- Spielbericht:
- (von Gastkommentator Jens Klebe)
Nach einem völlig verkorksten Saisonstart mit nur einem
Punkt auf der Habenseite griffen in der vergangenen Woche auch in Jena die so
genannten ungeschriebenen Gesetze des Geschäfts. Klassenerhalts-Held Neubarth
räumte sein Trainerzimmer welches kurz darauf mit Valdas Iwanauskas einen neuen
Nutzer fand. Um zu sehen, was dieser Wechsel bewirken könne, hatten sich
immerhin gut 1.500 Zeissfans auf den Weg nach Frankfurt gemacht. Würde im
Frankfurter Waldstadion gegen den SV Wehen endlich der erste Dreier eingefahren?
Da die Leistung au dem Koblenz-Spiel ja nur schwer zu unterbieten sein würde,
bestand Anlass zur Hoffnung.
Aber selbst dieses zarte Pflänzchen verdorrte schnell.
Jena startete zwar ohne Kühne, Hansen und Werner – dafür aber gewohnt schlafmützig.
Bereits nach 11 Minuten hatte Diakite mit einem Doppelschlag
klare Verhältnisse geschaffen. Zunächst bekam die FCC-Abwehr in Person Ziegners
nach einer Wehener Flanke den Ball nicht aus der Gefahrenzone, aus 20 Metern
zog ein Wehener ab und als Diakite den Ball abfälschte schlug er unhaltbar
neben Jensen ein. Ganz einfach dann Tor Nummer 2: Flanke von links, Diakite
frei im Sechzehner, draufgehalten und drin!
ass=MsoNormal>Nach 15 Minuten versuchte sich dann auch Simak erstmals für
den FCC an einem Torschuss, setzte diesen aber drüber.
Nach 20 Minuten vertändelte Charalambidis den Ball
leichtfertig in der Vorärtsbewegung, es folgt ein Konter über rechts, Schwarz
bediente Siegert und der zog vom Strafraumeck in die lange Ecke ab – 3:0!
Die Jenaer glichen nun einem Häuflein Elend und so spielten
sie auch weiter. Kaum waren weitere 10 Minuten vergangen, als Omo und Holzner
den ballführenden Nicu auf seinem Weg zum Tor brav begleiteten, ohne ihn
entscheidend zu stören. Nicu hob den Ball über Jensen und dieser schlug zum 4:0
ein. (40.)
Jenas Anhang hatte jetzt „die Schnauze voll“. So sang es
jedenfalls ein Großteil der Mitgereisten und verabschiedete sich mit dem
Pausenpfiff aus dem Stadioninneren.
Ansonsten waren in der Zwischenzeit die blaugelbweißen
Anfeuerungsrufe durch weitere zornige Schmährufe ersetzt worden.
Halbzeit 2 begann mit Werner und Oniani für Ziegner und
Müller. Werner war auch der Einzige in der Gästeelf der sich nachhaltig
versuchte, in Szene zu setzen.
Da Wehen jetzt nicht mehr tat, als für die Verwaltung des Resultats
nötig war, konnte der FCC zumindest zeitweilig fast optische Ausgeglichenheit
erreichen. In einer Phase, als Jena auch der eine oder andere gute Angriff
gelang (meist über Werner und Simak), dann die kalte Dusche. Mit einem
Freistoß-Trick aus der Schüler-Trickkiste wurde erneut Nicu freigespielt und
mit etwas Glück schlug sein Schuss zum 5:0 ein (73.).
Der FCC war demontiert. Daran änderte auch Simaks
Elfmetertreffer nichts mehr, den er nach einem Halten an Torghelle sicher
markierte.
Insgesamt bot der FCC eine erschreckend desolate Leistung
und es dürfte einem Wunder gleichkommen, wenn Iwanauskas aus diesem
verunsicherten Haufen binnen Kürze ein siegfähiges Team formen könnte. Ansätze
–mehr aber auch nicht- konnte man in der zweiten Hälfte zumindest bei Einigen
wenigstens erkennen. Dennoch, eigentlich ist jedes Wort über das heutige Spiel
eigentlich eines zu viel. Außer vielleicht diesem: beschämend!
So traurig und erschreckend das klingt: der FCC holte sich
eine verdiente Niederlage ab und kann schon am 7. Spieltag mit der Devise „Wir
haben ja nichts mehr zu verlieren!“ antreten.
Ca. 400 Jenaer Fans, die ohnehin die 2. Halbzeit außerhalb
des Stadions zugebracht hatten, blockierten anschließend friedlich die Ausfahrt
des FCC-Mannschaftsbusses und machten ihren Unmut deutlich. Adressaten waren
neben dem Team auch der Sportliche Leiter Lutz Lindemann und Präsident Zipfel.
Nach Gesprächen mit den Spielern Maul, Werner, Hansen,
Co-Trainer Holetschek und einer kurzen (aber eher schwachen) Ansprache des Kapitäns
Ziegner löste sich der Protest friedlich auf.
FC Carl Zeiss Jena - TuS Koblenz 1:2
Tore: 0:1 Daham (29.), 1:1 Omodiagbe (39.), 1:2 Daham (43.)
- Jena: Jensen; Kühne (46. Ziegner), Omodiage, Maul, Holzner;
Hansen (64. Fardjad-Azad), Müller, Simak, Stegmayer; Werner,
Torghelle (36. Petersen)
- Koblenz: Eilhoff; Lomic, Bajic, Mavric, Forkel; Djokaj (63.
Langen), Dzaka, Hartmann, Sukalo; Cha (82. Bogavac), Daham (90. Richter)
- Zuschauer: 8251
- Schiedsrichter: Schriever (Dorum)
- Spielbericht:
- Konnte man sich nach der
Heimniederlage gegen Mainz noch damit trösten, gegen einen klar besseren
Gegner, der noch dazu aus der 1. Bundesliga gekommen war, verloren zu haben, so
fehlte diese Trostmöglichkeit nach dem Abpfiff gegen Koblenz völlig.
Dabei sah es anfangs recht gut aus,
wenn man von den ungewohnten Trikots absah, die an übergezogene gelbe Trainingsleibchen
erinnerten. Von der ersten Minute an spielte der FCC nach vorn und drückte die
Gäste an ihren Strafraum. Und so ergaben sich auch schnell einige Chancen, z.B.
als Werner in der 3. Spielminute nach links auf Stegmayer spielte, der flankte
in die Mitte, wo Hansen allerdings zu hoch schoss. Drei Minuten später das
gleiche Strickmuster Mitte – links – Strafraum – drüber, diesmal waren Simak,
Werner und Torghelle die Beteiligten.
Dann hatte Schiedsrichter Schriever
seinen großen – oder besser: peinlichen – Auftritt: Hansen führte einen Einwurf
blitzschnell aus und der Koblenzer Torwart fischte den Ball genauso
blitzschnell vor Torghelle weg, stand dabei allerdings zwei, drei Meter vorm
Strafraum. Anstatt Eilhoff regelgerecht "Rot" zu zeigen, ließ
Schriever den Einwurf wiederholen. Warum? Das bliebt sein ewiges Geheimnis. Und
so ging es mit 0:0 im bisherigen Szenario weiter. Es fehlte jedoch bei allen
Zuspielen die letzte Abstimmung und Präzision, so auch, als Torghelle in
Mittelstürmerposition ein Zuspiel Simaks nur um Fußbreite verpasste (22.). Irgendwann
ließ der Jenaer Druck nach und die Koblenzer erkundeten die gegnerische Hälfte.
Tatkräftige Aufbauhilfe bekamen sie dabei von Stegmayer (26.) und Omodiagbe
(28.), die jeweils aus eigentlich schon geklärten Situationen unnötigerweise
Eckbälle für Koblenz fabrizierten. Und so kam es zum schon fast üblichen Ritual
im EAS: Die Gäste erhielten mit ihrem ersten vernünftigen Spielzug den
Führungstreffer geschenkt. Hansen rutschte auf der rechten Abwehrseite im an
sich harmlosen Zweikampf aus, Forkel flankte ungestört, Maul tauchte mit dem
Sprungvermögen eines Kanonenofens unterm Ball durch und Daham köpfte das
Geschenk ein – 0:1! The same
procedure as every week! Danach trug die
allgemeine Verunsicherung zehn gelb-blaue Trikots und wir hatten Glück, dass es
nicht gleich noch einen Gegentreffer gab. Doch Jensen tauchte in die untere
Ecke und verwehrte dem Kopfballaufsetzer Sukalos den Weg ins Netz. Neubarth
reagierte auf diesen Rückschlag und wechselte den bis dahin vielleicht etwas
glücklosen, aber insgesamt nicht besser oder schlechter als seine Mitspieler
agierenden Torghelle aus und brachte statt dessen Petersen. Für mich war diese
Auswechslung die entscheidende Szene für die weiteren lauen Angriffsversuche
und die logisch folgende Niederlage. In der 39. Minute hatte der Fußballgott
dann aber ein Einsehen mit den geplagten Zeiss-Fans und ließ Eilhoff eine Ecke
fehlerhaft wegfausten, Werner flankte den Abpraller in die Mitte und Jenas
Torgarantie Omodiagbe machte per Kopfball den Ausgleich. Jaaa, jetzt aber…
denkste! Der nächste Koblenzer Angriff bestand aus einem einfachen langen
Flankenball von der Mittelinie an die Strafraumgrenze. Dabei war der Ball so
lange in der Luft, dass sich Omo und Stegmayer rechts und links in
ausreichendem Abstand von Dahame aufstellen konnten, um diesem beim
Direktschuss ins lange Eck bewundernd zuzusehen. Mit den Händen aufgebaut
(Ausgleich) und sofort mit dem Hintern wieder eingerissen (1:2) – derzeit
typisch für den FCC!
Aussage eines Zuschauers in der
Halbzeitpause: "So mies wie diesmal war die Stimmung in der Halbzeitpause auf
der Toilette ewig nicht mehr." Es sollte nach der Pause nichts
Stimmungsförderndes mehr passieren. Zwar kam Ziegner für Kühne ins Team, aber
auch der passte sich der allgemeinen Leistung an. Es waren lediglich noch
vereinzelte Standards, die Eilhoff etwas Ablenkung brachten: Petersen köpfte
nach Ziegner-Freistoß übers Tor (50.) und Stegmayer donnerte einen 25-m-Knaller
direkt aufs Trikot des Gästekeepers. Jensen zeigte in der 62. min seinen
„running gag“ und ließ auch diesmal einen Ball nach vorn prallen, allerdings
folgenlos. Bezeichnend fürs Jenaer Spiel war die Tatsache, dass Holzner als
rechter Außenverteidiger die größten Angriffsbemühungen zeigte, sich immer
wieder für Zuspiele anbot und lange Wege zwischen vorn und hinten ging. Da
ansonsten kaum Bewegung im Jenaer Spiel war, prallten alle Bälle von der roten
Gummiwand ab, die Koblenz am Strafraum errichtet hatte.
Einziger Farbtupfer war Fardjad-Azad, der
nach seiner Einwechslung innerhalb von 5 Minuten dreimal aufs Tor schoß und
mehr Torgefahr erzeugte als alle anderen zusammen. Der Neunzehnjährige mühte
sich redlich und umkurvte einige Male seine Gegenspieler, aber da seine
Mannschaftskameraden nicht annähernd so viel Einsatz zeigten, war er auf
verlorenem Posten. In der letzten Viertelstunde bot Koblenz noch alle
Varianten, wie man beste Konterchancen kläglich vergibt – zum Glück, sonst wäre
es nicht beim 1:2 geblieben.
Diese Niederlage war nicht eine
unglückliche, nach der man zum Tagesgeschäft übergehen könnte. Im Verein muss
man sich auf Grund der Art und Weise, wie sich unsere Mannschaft in diesen 90
Minuten präsentierte, ernsthafte Gedanken machen, wie man eine totale
Pleitesaison verhindern kann. Noch ist die Zeit dafür! <uk>
FC Carl Zeiss Jena - FSV Mainz 05 1:2
Tore: 0:1 Feulner (17.), 1:1 Omodigabe (54.), 1:2 Gunkel (77.)
- Jena: Jensen; Kandelaki, Omodiage, Maul, Holzner; Hansen,
Müller (82. Helbig), Simak, Ziegner (46. Charalambides); Werner,
Torghelle (78. Petersen)
- Mainz: Wetklo; Demirtas, Noveski, Subotiv, Hoogland; Feulner,
Petkovic, Gunkel, Karhan (72. Laurent); Borja (61. Jovanovic), Amri
(89. Vrancic)
- Zuschauer: 11.798
- Schiedsrichter: Willenborg (Osnabrück)
- Spielbericht:
- Mainz 05 – ich muss gestehen, dass ich gewisse Sympathien
für diesen Verein hege. Selbige haben ein ganzes Stück mit Trainer Jürgen Klopp
zutun, aber auch mit dem Erscheinungsbild des FSV insgesamt. Wenn es jedoch gegen
den FC Carl Zeiss geht, gibt es kein Pardon
– dann gehört Mainz in der persönlichen Werteskala nur noch zu „best of the
rest“.
Es konnte mir also nicht gefallen, was sich da in Halbzeit
eins auf dem Rasen abspielte. Vom Anpfiff weg bestimmten die Gäste mit
scheinbarer Leichtigkeit die Szenerie. Zweite Minute, erste Chance – Amri aus
15 Metern knapp drüber. In der 6.
Minute lud Omodiagbe mit Fehlpass Feulner zum Torschuss ein. Der nach Köln
zurecht kritisierte, mit „Tri Tra Trullala“-Artikeln aber nahe der Gürtellinie
getroffene Kasper Jensen zeigte sich in dieser und den folgenden Situationen
wieder auf der Höhe. Den frühen Rückstand vermochte er aber nicht zu
verhindern. Weil bei einem schnellen Mainzer Angriff noch ein Stürmer im
Zentrum mitlief, gingen nicht ausreichend
Jenaer Verteidiger auf den ballführenden Markus Feulner. Dieser ließ Müller als
seinen einzigen Gegenspieler ins Leere grätschen und Jensen keine Chance.
Hallo wach ? – Weit
gefehlt, statt mit Aufbäumen reagierten Jenas Akteure mit Verunsicherung. Dass sich
Omodiagbe bei allen Qualitäten seine zwei, drei Aussetzer pro Spiel leistet,
wissen wir schon. Auch dass sich bei Holzner Licht und Schatten noch zu sehr
abwechseln. Doch selbst ein Alexander Maul ließ sich in dieser Phase von der
allgemeinen Nervosität in der Hintermannschaft anstecken.
Auch nach vorn lief wenig rund, keine Spur von einem konstruktiven Zusammmenspiel. Simaks
30-Meter-Freistoß war der erste Jenaer Torschuss überhaupt. Nach 32 Minuten !
Zu diesem Zeitpunkt hatte Mainz bereits ein halbes Dutzend Male aufs Tor geschossen.
Schon ein kurzer Antritt von Tobias Werner und die hohe Hereingabe, welche
Wetklo locker herunterfischte, ließen kurzzeitig Stimmung aufkommen. Wie
Dürstende auf jeden Tropfen Wasser stürzten sich die Zeiss-Fans auf diese
unaufregende Szene. Kein Wunder angesichts der Tristesse in Hälfte eins.
Omodiagbes Kopfball (42.) war da noch die beste Gelegenheit vor der Pause, vor
Probleme wurde Wetklo aber auch damit nicht gestellt. Dessen Gegenüber Jensen
hatte da ganz andere Kaliber zu meistern. Bei Feulners Kopfball aus Nahdistanz
reagierte der Däne großartig, auch Hooglands Nachschuss lenkte er zur Ecke.
Mainz dominierte. Mit dem 0:1-Rückstand war Jena zur Pause gut bedient.
Gelbe Schuhe zu blau-weißen Stutzen – rein optisch passt der
zypriotische Nationalspieler Constantinos Charalambides schon mal sehr gut nach
Jena. Zumindest in den ersten Minuten nach seiner Einwechslung war der
Neuzugang überall auf dem Platz zu finden, als wolle er im Alleingang dem
Geschehen eine Wende geben. Doch auch seine neuen Mannschaftskameraden
steigerten sich endlich auf jenes Niveau, dass man von Anfang an hätte erwarten
dürfen. Torghelles Einsatz auf der rechten Seite brachte nach 53 Minuten den
ersten Jenaer Eckball. Und der führte zum Ausgleich durch Darlington Omodiagbe.
Per Kopf traf der Nigerianer aus Nahdistanz. Zwischen Genie und Wahnsinn liegt
eben manchmal nur eine Halbzeitpause. Jetzt war Jena am Drücker, auch
akkustisch. Von den recht wenigen Mainzer Anhängern war vorübergehend nichts zu
hören. Bis hinauf zur letzten Reihe der neuen Zusatztribüne feuerten die
Zuschauer ihre Elf an. Jürgen Klopp lobte nach dem Spiel die tolle Atmosphäre
im Jenaer Stadion. Schade nur, dass sich seine Spieler davon nicht beeindrucken
ließen. Die Bundesligaabsteiger nahmen den Kampf an und da sie in der
Spielanlage einen Tick reifer wirkten, gewannen sie dieses Match. Amris
Schrecksekunde (Ball rollte parallel zur Linie des verwaisten Tores) beendete
die beste Jenaer Phase. Gunkels Diagonalfreistoß machte sinnbildlich den Deckel
zu. Dass der vom Schiri als indirekt ausgeschriebene Freistoß direkt verwandelt
wurde, passt ebenso ins Bild wie Werners unglücklich vergebene Großchance drei
Minuten vor Schluss – wenn du da unten drin stehst, bekommst du den Mist nicht
so schnell vom Hacken. Auf diese Art verlor der FCC sein drittes Spiel in Folge
mit einem Tor Differenz. Wobei es
Jensen mit einer weiteren Rettungstat gegen Feulner (90.) zu verdanken ist,
dass es nicht mehr wurde.
Die Schwere des Auftaktprogramms war uns allen bewusst. Dass
aus vier Partien nur ein mickriges Pünktchen herausspringt, ist allerdings
ernüchternd, insbesondere nach den Spielverläufen gegen St. Pauli und Köln. Bei
aufmerksamer Betrachtung des Jenaer Spiels gewinnt man den Eindruck, die
Komponenten für eine erfolgreiche Saison sind da, aber noch nicht richtig zusammengefügt.
Vielleicht kommt die 12tätige Punktspielpause gar nicht so ungelegen. <fc>
1. FC Köln - FC Carl Zeiss Jena 4:3
Tore: 0:1 Torghelle (5.), 1:1 Novakovic (20.), 1:2 Müller (37.),
1:3 Omodiagbe (55.), 2:3 Chihi (73.), 3:3 Chihi (84.), 4:3 Jensen (86., ET)
- Köln: Mondragon; Ehret, Mitreski, McKenna, Nickenig
(60. Schöneberg); Antar, Broich (60. Scherz), Helmes; Chihi, Vucicevic, Novakovic (60. Gambino)
- Jena: Jensen; Kandelaki, Omodiage, Müller, Holzner;
Hansen (84. Stegmayer), Lorenzon (46. Kühne), Werner, Simak,
Ziegner; Torghelle (81. Petersen)
- Zuschauer: 37.700
- Schiedsrichter: Dr. Fleischer (Sigmertshausen)
- Spielbericht:
- Es war die Woche der
unverdienten Auswärtssiege mit St. Paulis Dreier im Ernst-Abbe-Sportfeld und
Deutschlands glücklichem Erfolg in Wembley, und so mancher hegte die Hoffnung
auf eine Fortsetzung dieser Serie in Köln-Müngersdorf, waren die Vorzeichen
zwischen den beiden ungleichen Gegnern doch klar. Einen unverdienten Verlierer
gab es auch diesmal, jedoch war dies nicht etwa der haushohe Favorit, sondern
ein FC Carl Zeiss, der sich in der Schlussphase selbst um den Lohn eines
großartigen Spieles brachte.
Durch
den Platzverweis Alexander Mauls war Coach Frank Neubarth zu Umstellungen
gezwungen, nahm Robert Müller in die Innenverteidigung und ließ mit Nils Hansen
und dem erstmals nach seiner Verletzungspause wieder kickenden Lorenzon gleich
zwei Abräumer im defensiven zentralen Mittelfeld auflaufen. Werner und Ziegner
besetzten die Außenpositionen im Mittelfeld, während Jan Simak als Spielmacher
fungierte, hinter der einzigen Spitze Torghelle. Und was der drauf hat, sorgte
schon nach 5 Minuten für den ersten Jubelschrei unter den 1.500 mitgereisten
Zeissfans. Langer Abschlag Jensen, Kopfball-Doppelpass
Torghelle-Werner-Torghelle und unser ungarischer Neuzugang hämmerte die Kugel
trocken von der Strafraumgrenze ins Netz. 0:1, was für ein Auftakt, und um ein
Haar hätte Broich nachgelegt, dessen Rückpass Mondragon verfehlte, aber knapp
am Kölner Kasten vorbeirollte (14.).
Beim Gastgeber hatte man im Vorfeld einen mauernden Gegner erwartet,
doch der FCC spielte auch nach der Führung munter nach vorn, fast zu munter,
denn Kölner Gelegenheiten resultierten fast ausschließlich aus Kontern nach
jenenser Abspielfehlern. In der 10. Minute ging das noch gut, als Jensen einen
tückischen Helmes-Knaller im Nachfassen parierte, nach 20 Minuten jedoch hatten
die Domstädter mit ihrer zweiten Möglichkeit im Spiel ausgeglichen. Novakovic
hatte von Omodiagbe bedrängt Vucicevic angespielt, welcher an der rechten
Strafraumgrenze Lorenzon düpierte und auf den von Omodiagbe und Werner
sträflich vernachlässigten Novakovic zurückpasste. Dass dessen Schuß durch die
Beine von Hansen den Weg ins Netz fand ist sicher unglücklich zu nennen, das
Abwehrverhalten zuvor dilettantisch. Köln hatte nun Oberwasser, baute gehörigen
Druck auf und hatte mit Vucicevics Schussversuch nach Kandelakis
verhängnisvollem Ballverlust (24., knapp daneben) und Broichs abgefälschtem
Schuß (29., Jensen hält) auch die ein oder andere Möglichkeit. Doch als Simak
mit einem wahren Zauberpass den durchlaufenden Holzner bedient und dieser aus
Nahdistanz an Mondragon scheiterte (30.), wirkte das wie ein Signal an die
eigene Mannschaft zur Besinnung auf das überlegte Spiel der ersten Minuten. Kurz
darauf hätte es Elfmeter für den FC Carl Zeiss geben müssen, als Torghelle im
Strafraum gefoult wurde, doch nicht nur in dieser Szene zeigte sich die
nachhaltige Wirkung des Daumschen Montagstheaters bei Referee Dr. Fleischer.
Jena ließ sich nicht beirren, es war eine Freude, dem Kombinationsfußball von
Jenas Offensivabteilung um den immer besser werdenden Kapitän Ziegner, den an
allen Ecken des Spielfeldes zu findenden Hansen (bester Mann auf dem Platz) und
einen Jan Simak zuzusehen und manch einer rieb sich die Augen, mit welchem
Selbstbewusstsein der Underdog hier in der WM-Arena auftrat. Werners Schuß nach
36 Minuten parierte Mondragon im Nachfassen, Ziegners Freistoß eine Minute
später kratzte der kölsche Schlussmann noch aus dem Eck, doch die
darauffolgende Ecke brachte die verdiente Führung. Torghelle hatte Ziegners
Eckball an den langen Pfosten verlängert, wo Robert Müller eiskalt vollendete.
Der Gast wirkte nun wie paralysiert, beinahe hätte Torghelle das Ergebnis noch
höher schrauben können, verzettelte sich aber im Strafraum (39.) und so war der
Schlusspunkt unter die erste Hälfte symptomatisch, als der wenige Tage zuvor
noch zum Deutschlandkader gehörende Helmes eine Freistoßablage von Vucicevic 15
Meter über das Jensen-Gehäuse beförderte. Kölns Mannschaft ratlos, Kölns
Publikum fassungslos und ein gellendes Pfeifkonzert verabschiedete die
Millionentruppe in die Kabinen.
Aufbäumen,
Dagegenhalten, Druck aufbauen, so in etwa hätte man die Gastgeber nach
Wiederanpfiff erwartet, doch stattdessen spielte Thüringens Stolz so, als hätte
er einen Rückstand aufzuholen. Werner prüfte Mondragon mit Schuß aus spitzem
Winkel (51.), das Eckenverhältnis war inzwischen auf 7:3 für Jena angestiegen
und als Ziegners Freistoß den Fuß des völlig unbedrängt durchlaufenden
Omodiagbe fand, hieß es 1:3, das Spiel schien entschieden. Auch wenn Helmes nur
eine Minute später den Anschlusstreffer auf dem Kopf hatte und knapp verzog,
das Auftreten der völlig konsternierten Gastgeber glich insgesamt einem
Fehlpassfestival, begleitet von eisigem Schweigen des Opernpublikums auf den
Tribünen. Christoph Daum hatte die Nase voll, wechselte gleich drei Spieler auf
einmal aus und vor allem die Hereinnahme von Matthias Scherz, der ja schon in
der Vorsaison den mehr als glücklichen Siegtreffer der Kölner vom Elfmeterpunkt
erzielt hatte, sollte sich als folgenschwer erweisen. Doch zuvor hatte Referee Fleischer
seinen Auftritt, schickte Zeiss-Trainer Frank Neubarth auf die Tribüne, als der
sich lautstark über eine der unzähligen Freistoßfehlentscheidungen zugunsten
des 1. FC Köln mokierte (65.), übersah eine Tätlichkeit Antars an Stefan Kühne
(Kopfstoß, 68.) und gab für McKennas Notbremse an dem durchbrechenden Torghelle
nur gelb (71.). Jener Torghelle hatte bis dahin ein großartiges Spiel gehabt,
zerrte unermüdlich an den Ketten und war von seinem Gegenspieler meist nur
durch Foulspiele zu stoppen. Doch er wurde ebenso wie Jan Simak müder und so
verlagerte sich das Spielgeschehen mehr und mehr in die Jenaer Hälfte, Chihi
mit Freistoß und Antar per Kopfball (69.) besaßen gute Möglichkeiten, ehe in
der 73. Minute das Unheil für den FCC seinen Lauf nahm. Die Fehlerkette war
lang. Jensen ließ sich eine Kölner Flanke von Robert Müller zum Einwurf
wegköpfen, anstatt sie selbst herunterzupflücken. Omodiagbe musste erkennen,
dass auch 1,88m nicht ausreichen, wenn man 2 Meter hinter einem kopfballstarken
Matthias Scherz steht, dessen Verlängerung Adel Chihi fand, der von Felix
Holzner völlig unbedrängt zum Anschlusstreffer einschoß. Fünf Minuten später
hatte Scherz selbst die Riesenchance zum Ausgleich, köpfte aber freistehend am
völlig leeren Tor vorbei. Durchatmen, doch die Partie wurde hitziger. Mondragon
erhielt gelb, als er den sich bei der Auswechslung zu viel Zeit lassenden
Torghelle vom Platz schubste, Holzner kassierte den gelben Karton für ein an
ihm begangenes Foulspiel und Jan Simaks Bedrängen Vucicevics wurde mit Freistoß
für Köln geahndet, den Scherz aufs Tor platziert, Jensen lässt den schon sicher
geglaubten Ball vor die Füße von Chihi fallen, der nur noch abstauben muß.
Ausgleich, Kölns Publikum aus dem Dornröschenschlaf erwacht und Kasper Jensen der
einsamste Mann auf dem Platz. Ob ihm diese Szene noch durch den Kopf schwirrte,
als er kurz darauf Chihis Eckball (Omodiagbe hatte zur Ecke klären müssen, da
ein Ellenbogencheck von Scherz gegen ihn ungeahndet blieb) zum Kölner 4:3 ins
eigene Tor patschte?
Ein mehr als bitteres Ende für den zuvor gut spielenden
Keeper, der nach dem Abpfiff sofort den Trost seines Kapitäns Torsten Ziegner
bekam. Vergessen wird er diesen Abend wohl nie, ebenso wie Jenas Anhang. Fassungslose,
entsetzte Gesichter noch Minuten nach Spielende im Gästeblock. Was für eine
Riesenchance hatte sich der FC Carl Zeiss hier selbst vergeben. Ob die
tadellose Moral der Mannschaft mit diesem erneuten Tiefschlag einen dauerhaften
Knacks wegbekommen hat, oder ob man sich am 70 Minuten lang wirklich tollen
eigenen Spiel aufbaut, wird die nächste Partie gegen Mainz zeigen. Nachdem der
Trainer, dessen vorgenommene und unterlassene Auswechslungen in Köln nicht
jedermanns Geschmack trafen, aus den vielen Neuzugängen mehr und mehr eine
Mannschaft zu formen scheint, ist in den kommenden Tagen in erster Linie der
Psychologe Frank Neubarth gefragt! <gunner>
FC Carl Zeiss Jena - FC St.Pauli 0:1
Tore: 0:1 Schnitzler (20.)
- Jena: Jensen; Kandelaki, Maul
(

, 40.),
Omodiagbe, Holzner; Kühne (67. Petersen), Hansen, Ziegner (46. Simak),
Müller; Werner, Torghelle (77. Helbig)
- St.Pauli: Borger; Gunesch, Eger, Morena, Rothenbach; Trojan (79. Bruns), Boll, Meggle, Takyi (

, 42.), Brunnemann (45. Braun); Schnitzler (64. Ludwig)
- Zuschauer: 12.129
- Schiedsrichter: Schalk (Augsburg)
- Spielbericht:
- [von Gastkommentator Ragnar Boedefeld]
Nach drei erfolgreichen Jahren in Folge und der Wiederholung eines
2:2-Auswärtserfolgs nach 0:2-Rückstand im ersten Saisonspiel war es wieder
einmal an der Zeit, dem Aberglauben zu frönen. Und so schreibt jetzt im vierten
Jahr in Folge ein- und derselbe Gastkommentator den ersten Heimspielbericht.
Angeblich soll einer aus dem Stammpersonal sogar geheiratet haben, damit er um
diesen Spielbericht drumrum kam...
Ähnlich wie im letzten Jahr (Braunschweig) war auch diesmal ein potentieller
Konkurrent im Abstiegskampf beim ersten Saisonheimspiel zu Gast.
Unvorhersehbare Auswärtsunentschieden sind gerne gesehen - doch wichtiger sind
die drei Heimpunkte aus diesen sogenannten "Sechs-Punkte-Spielen". Unbedingter
Siegeswillen war also Pflicht, und so harrte unsereiner gespannt, ob der
Trainer Neubarth dieses seinen Spielern verklickert hatte.
Er hatte - wenn man
die ersten zwanzig Minuten des Spiels als Maßstab nimmt. In dieser Zeit brachte
der FCC fünf gefährliche Situationen zustande, die in ihrer Vielfalt
überraschten. Ein Freistoß von Ziegner, der knapp neben das Tor ging, ein
gefährlicher Fernschuss von Kühne, dann einer von Werner, den Borger abprallen
ließ - Torghelle war einen Schritt zu spät. Kurze Zeit später war es umgekehrt:
Torghelle ließ zwei Gäste aussteigen und versuchte einen Schlenzer mit dem
linken Bein, Borger ließ wieder prallen - doch der Ball wollte einfach nicht
rein. Dann folgte noch ein gefährlicher Kühne-Kopfball. Von Pauli war bis dahin
nichts zu sehen, die besten Aktionen der Gäste hatte noch der Fanblock.
Plötzlich zack-zack, ein Querpass, einer in die Spitze - und Schnitzler kann
frei vor Jensen einschieben. Ausgerechnet Pauli, das seinerseits letzte Woche
gegen Köln reihenweise vor dem Tor versagt hatte, machte mit seinem ersten
zusammenhängenden Spielzug das 0:1. Nur kurz danach wäre beinahe das 0:2
gefallen, der Ball ging links unten knapp vorbei. Beim FCC war jetzt ein Knacks
im Spiel, keiner lief richtig und elementare Dinge wie flache Anspiele und
Ballannahmen aus der Luft misslangen. Eine Viertelstunde lang war einmal mehr
der Fluch der ersten Saisonspiele zu ertragen: eine bunt zusammengekaufte
Mannschaft (gleichwohl mit Niveau) ist noch nicht wirklich eine Truppe, wirkt
verunsichert und ängstlich in einem ihr häufig noch fremden Heim-Umfeld, das
wegen des Rückstandes nicht erbaut ist. Bad Vibes... warum nur?
Individuelle Klasse hat der Kader jedenfalls, wie man in der 35. Minute sehen
konnte. Kandelaki wurde auf links steil geschickt, passte flach nach innen, wo
Torghelle den Ball annehmen, kontrollieren und auf Ziegner zurücklegen konnte,
der leider links vorbeisemmelte. Das tat weh, ebenso der knapp verfehlte
Ziegner-Freistoß kurz vor der Pause, bei dem Borger keine Regung zeigte. Ab der
40. Minute spielte übrigens der FCC nur noch zu zehnt, Maul war geampelt worden.
Zwei Minuten später hatte auch Pauli einen weniger auf dem Platz, nachdem Takuy
wiederholt das Spiel verzögert hatte.
Und dann kam der Abschnitt des Spiels, den ich nicht begreife. Freilich kann man
nicht 90 Minuten lang höchstes Tempo gehen, sicherlich muss man zwischendurch
auch mal verschnaufen. Aber wieso kann man nach einer Halbzeitpause voller
Regeneration nicht genau dort weitermachen, wo man vor der Pause aufgehört hat
- nämlich Druck auf den zeitweilig überforderten Gegner auszuüben? Pauli war
mit der Pause eigentlich sturmreif, wurde dann aber bis zur 70. Minute durch
einfache Fehler und mangelhaftes Laufspiel wieder aufgebaut. Wenn nur alle in
der zweiten Halbzeit so gerannt wären wie der Holzner...
Erst in der
Schlussviertelstunde wurde Pauli wieder in der eigenen Hälfte eingeschnürt.
Auffällig war dabei Jan Simak, der die Bälle jetzt schön verteilte und auch
selbst gefährlich wurde. Es ergaben sich Chancen im Minutentakt, fast jeder
durfte mal ran. Leider ging alles daneben (Torghelle 74., Petersen 78. und 86.,
Werner 83.), an den Pfosten (Petersen 74.) oder wurde von Borger entschärft
(Kopfball von Helbig 83.). Dann war Schluss und die erste Heimniederlage in der
neuen Saison Tatsache.
Trotz dieser Niederlage bleibt ein besseres Gefühl als im letzten Jahr nach dem
0:0 gegen Braunschweig, weil der FCC seinen Gegner diesmal spielerisch
beherrschte, obwohl die Hälfte der Neuzugänge noch auf der Bank saß bzw.
verletzt war. Heuer steht auch nicht zu befürchten, dass das Potential des
Clubs einbricht, sollten Spieler wie Ziegner und Helbig eine ganze Saison lang
verletzt ausfallen - der Kader ist wesentlich breiter und auch besser geworden.
Wie sagte Gästetrainer Trulsen in der Pressekonferenz: "Es wird für jede
Mannschaft schwer, in Jena zu punkten." Allerdings nur, wenn die Dinger vorne
auch jemand reinmacht!
Alemannia Aachen - FC Carl Zeiss Jena 2:2
Tore: 1:0 Vukovic (1.), 2:0 Nemeth (6.), 2:1 Maul (28.), 2:2 Petersen
(76.)
- Aachen: Nicht; Stehle, Klitzpera, Vukovic (33. Casper), Weigelt;
Lehmann, Polenz (75. Leiwakabessy), Reghecampf, Nemeth, Pecka (81. Milchraum),
Ebbers
- Jena: Jensen; Kandelaki, Maul, Omodiagbe, Holzner; Kühne,
Müller (72. Petersen), Hansen, Ziegner (72. Fröhlich), Simak
(58. Stegmayer); Werner
- Zuschauer: 19.986
- Schiedsrichter: Aytekin
- Spielbericht:
- Wenn ein Verein aus der Bundesliga kommend zuhause auf den
Zweitliga-Dreizehnten des Vorjahres trofft, ist die Favoritenrolle am 1.
Spieltag klar gegeben. Dass sich der Webmaster aus Aachen bei der
Live-Ticker-Ankündigung aber gleich für ein fingierte 5:2-Vorhersage entschied, kam
uns vor dem Spiel doch etwas übertrieben vor.
Nach sechs Minuten Spielzeit schien allerdings nichts mehr
unmöglich. Zwei Gegentore hatte sich der FC Carl Zeiss zu diesem Zeitpunkt
schon eingefangen, das Erste nach 50 Sekunden ! Einen Freistoß-Ball von
Reghecampf verlängerte Vukovic per Kopf unhaltbar ins Jenaer Gehäuse. Robert
Müller war zwar mit hochgestiegen, hatte aber das Nachsehen. Keinen
Gegenspieler besaß Nemeth nach 5:30 min. Omodiagbe hatte die Abseitsfalle
aufgehoben.
0:2 - Mann oh Mann, welch ein Fehlstart in die insgesamt achte
Zweitligasaison des FCC ! Nachdem der erste Schock verdaut war, erinnerte man
sich als Auswärtsfahrer an den 1. Spieltag der Vorsaison, als Jena in Offenbach
ebenfalls mit zwei Toren hinten gelegen hatte, sich aber noch zum Remis
kämpfte. Sollte dies erneut möglich sein ? Hier, auf dem berühmten Aachener
Tivoli ? Nicht das Stadion selbst macht den Reiz aus, in vielen Dingen erinnert
es an die alte Heimstätte des FC Sachsen Leipzig. Nein, es ist die Atmosphäre,
bei der das Dabeisein einfach Spaß macht, weil die Stimmung enthustiastisch,
aber nicht aggressiv ist und häufig von drei Seiten gleichzeitig gepuscht wird.
Es sah noch immer nicht gut aus. Nach 25 Minuten war kein einziger
gefährlicher Ball auf das vom Ex-Jenaer Kristian Nicht gehütete Aachen-Gehäuse
abgegeben worden. Stattdessen musste Gegenüber Kasper Jensen beim
Aachener Konter die fehlende Innenverteidigung ersetzen und zehn Meter vor
seinem Strafraum per Kopf klären. Dann die 28. Minute. Ziegner aus einer
Spielertraube heraus auf Hansen, Flachschuss aus 15 Metern, Torwart Nicht pariert auf
Kosten einer Ecke. Das war sie, die erste Jenaer Gelegenheit im Punktspieljahr
2007/2008. Eine Ansage „Wir sind auch da“. Den anschließenden Eckball
erwischt Stefan Kühne am langen Pfosten, köpft ihn zur Torlinie, wo Alexander
Maul steht und unter Bedrängnis einköpft. Der Anschlusstreffer noch vor der
Pause. Wie damals in Offenbach. Hoffnung bei uns. Ein aus allen Wolken fallen
bei den Alemannen. Zu deutlich hatten sie die Anfangsphase dominiert,
zu leicht ihre Tore gemacht gegen einen in
dieser Phase unsortierten und harmlosen Gegner. Nun kämpften sich die
Neubarth-Schützlinge in das Spiel hinein. Nur vier Minuten nach dem
Anschlusstreffer spielte Simak einen ähnlich genialen Pass wie im Pokal eine Woche zuvor
auf Werner, der hatte gegen den heranstürmenden Nicht die Idee eines
Hebers – nur leider fiel dieser zu hoch aus. Eine Partie mit umgekehrten
Vorzeichen – jetzt spielte Jena Fußball. Wäre Kühne in der 43. Minute nicht
selbst überrascht gewesen über eine sich bietende Kopfballchance, es hätte noch
vor der Pause Unentschieden gestanden. Der Offenbacher Regievorlage hätte dies
freilich nicht entsprochen.
Mit ein bisschen Magengrummeln empfingen wir unsere Mannen
aus der Kabine. Nur nicht wieder solch eine Schlafwagen-Einlage wie zu Beginn.
Doch die Sorgen erwiesen sich als unbegründet. Lediglich Keeper Jensen sorgte
für erhöhte Herzfrequenz in Minute 51, als er bei zwei heranstürmenden
Gegenspielern den Ball nicht einfach wegschlug, sondern ihn kalt wie
Hundeschnauze behauptete. Außerdem Holzner, der am eigenen Strafraum den Ball
vertändelte und von Glück sagen kann, dass die Abseitsfahne nach oben
schnellte, da ansonsten eine 3 gegen 1-Überzahlsituation für die Westdeutschen
entstanden wäre.
Die Leistungssteigerung der Jenaer Elf lässt sich treffend am Bild festmachen, dass Ilia Kandelaki in den ersten neunzig Minuten
für seinen Verein abgab. Nach Stegmayers gutem Pokalauftritt war er für mancheinen
überraschend in die Startelf gerückt. Die etwas defensivere Variante schien
anfangs nach hinten loszugehen, weil der Georgier einige Male Unsicherheiten
auf seiner linken Seite offenbarte. Doch nach der Pause fand Kandelaki zu sich selbst,
seinen Mannschaftskameraden und ins Spiel. Wobei Stegmayer später noch eingewechselt wurde,
ebenso wie Fröhlich und Petersen. Die aus den Wechseln hervorgehenden
taktischen Umstellungen waren riskant, besonders der Austausch des defensiven
Müller gegen den stürmenden Petersen. Das Risiko sollte sich aber bezahlt machen. Denn
Nils Peteresen war gerade drei Minuten im Spiel, da verlängerte er einen Ball
von Kühne ins Tor. Wahnsinn ! Ausgerechnet Jenas Jüngster schafft den
Ausgleich. Klar hat der in Junioren-Länderspielen schon gegen
U19-Nationalmannschaften getroffen, doch ein solche wichtiger Treffer „bei den
Großen“ ist dann doch etwas Besonderes. Wäre der Bursche in Minute 79 doch noch
einmal etwas kaltblütiger gewesen, er hätte den FCC gar zum Sieg geschossen.
Nach einer Unsicherheit seines Gegenspielers verzog Petersen jedoch
deutlich.
Remember OFC – aus einem 0:2 ein 2:2 gemacht und dem Sieg
sehr nahe gekommen. Auch Kandelakis
Flanke fünf Minuten vor Schluss brachte Gefahr, neutralisierte sich aber mit
Reghecampfs Hereingabe in Minute 88. Beide Male fehlte ein Abnehmer im
Sturmzentrum.
Das Unentschieden feierten die Jenaer wie einen Sieg,
während die Gastgeber ziemlich konsterniert das Stadion verließen. Auch dieses
Bild hatten wir vor einem Jahr schon einmal. Neu ist die Serie, in der sich die
Jenaer Mannschaft befindet. Unter Frank Neubarth bleibt sie in Pflichtspielen
weiterhin unbesiegt. <fc>
Bilder von der ersten Partie
Spielbericht auf alemannia-aachen.de
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Und der FCC begann wirklich mit viel Elan, bereits in der 1. Spielminute verfehlte Charalambides
das 07er Tor nur knapp. Der Sekundenzeiger hatte gerade einmal zwei weitere Runden gedreht, da schoss
Helbig aus 25 m Entfernung knapp über die Torlatte. Im Gegenzug durfte Kraus Löbes Schuss aus
nächster Nähe abwehren. Dann war wieder der FCC im Vorwärtsgang: Einwurf Günthers
auf Charalambides, der legt zurück und in der Mitte köpfte Torghelle Günthers Bilderbuchflanke
zum 1:0 ein! Leider verschenkte man den Vorteil bald wieder, als Günther und Charalambides interessiert
einem Ball nachschauten, der sich zwischen ihnen zu Koen - dem stärksten Paderborner in der ersten
Halbzeit - durchdrängelte und der ließ sich die Chance nicht entgehen und knallte den Ball
ins lange Eck - 1:1. Die rund 500 mitgereisten Fans hatten aber keine Zeit, über diesen Rückschlag
richtig zu jammern. In der 14. Minute gab es auf der rechten Seite Freistoß für den FCC. Simak
und Werner standen bereit, letzterer trat die Spielkugel mit links hoch in den Strafraum, Maul ging zum
Ball, stieg jedoch drüber und so landete dieser im langen Eck - 2:1, der FCC hatte nach dem Ausgleich
sofort wieder zurückgeschlagen! Also alles bestens? Denkste, umgehend grub man sich in der eigenen
Hälfte ein und ließ die Gastgeber ihr Spiel aufziehen. Die optische Überlegenheit
Paderborns brachte jedoch nichts Zählbares, da entweder der finale Pass in der weißen Abwehr
steckenblieb oder man bei den Fernschüssen aufs Dach der Endtribüne zielte. Herzinfarktfördernd
war die 28. min, als eine lange Flanke am auf Sinkalas Kopf landete, dem Ball jedoch sprichwörtlich die
Luft ausging und er auf dem Strich zwischen Gut und Böse von Kraus festgehalten werden konnte. Fünf
Minuten später war es jedoch soweit, als es pingpongartig zwischen Jenaer Abwehr und Paderborner
Angreifern hin und her ging und Sinkala dem Treiben mit einem satten Schuss ins untere Toreck ein Ende
bereitete - wieder Ausgleich! Zum Heulen!!! Und wie jetzt weiter? Jedenfalls vergaßen die Abwehrrecken
des FCC bei einem Freistoß kurz nach dem Ausgleich, dass Schüßler ein blau-schwarzes Trikot
trug und so marschierte er mutterseelenallein zur Grundlinie, jagte seine Flanke zum Glück weit
Richtung Seitenlinie. Unmittelbar köpfte Maul zum Gegner und wieder war es Schüßler, der
auf der linken Seite davon profitierte, aber auch diesmal keinen Mitspieler fand. Die letzten Minuten vor
der Pause riss sich der FCC aber noch einmal zusammen und machte seinerseits Druck. Wer weiß, wie
die Partie ausgegangen wäre, hätte Jena auch nur eine der drei folgenden Konterchancen in den
Spielminuten 39 bis 44 genutzt hätte. Zunächst sahen sich drei Weiße kurz nach der
Mittellinie nur einem Abwehrspieler gegenüber, Werners Pass landete leider genau in dessen Füßen
anstatt bei den beiden mitlaufenden Teamkollegen. Dann sprintete wiederum Werner los, schoss aber von
links am Tor vorbei und ließ Helbig und Torghelle vergeblich in der Mitte warten. Und letztendlich
rannte sich Helbig bei seinem halbherzigen Dribbelversuch fest, nachdem er von Simak wunderbar
freigespielt worden war.
Zwischendurch erwischte ein abgefälschter Schuss Werners Alexander Bade beinahe auf dem falschen
Fuß, er schaffte es jedoch noch, gleichzeitig mit dem Ball in der unteren Torecke einzutreffen.
Mit 2 Sekunden Nachspielzeit beendete Schiedsrichter Dr. Brych diese sehenswerte Halbzeit.
Es war eigentlich klar, dass es nach der Pause nicht so weitergehen konnte. Die zweite Halbzeit war dann auch etwas dezenter und es passierte deutlich weniger, was den Puls nach oben trieb. Zwei Freistöße rund 25 m vorm Tor bis zur 50. Spielminute wurden mehr oder weniger kläglich vergeigt. In der 52. min wurde zunächst Charalambides' Schuss abgeblockt und ein Paderborner lenkte kurz vor der Torlinie Werners Nachschuss zur Ecke. Nach einer Stunde tauchte Paderborn das erste Mal nach der Pause ernsthaft vor Kraus' Kasten auf und Löbe setzte einen Kopfball auf der richtigen Seite neben den Pfosten ins Aus. Anschließend gönnten sich beide Mannschaften eine ruhigere Phase zwischen den Strafräumen. Erst in der 78. min gab es eine Strafraumszene, als die Paderborner Nummer 24 mit dem klangvollen Namen Gouiffe á Goufan eine Simak-Flanke im letzten Moment vor dem heranstürmenden Hansen zur Ecke entschärfte. Die anschließende Ecke (wieder von Simak) wurde am kurzen Pfosten verlängert und fand weiter hinten Kühnes Kopf, der maßgenau und kraftvoll köpfte und die Arme der Jenaer Fans in die Höhe jagte. Da sich jedoch der Ball um wenige Millimeter verirrte und vom Aluminium des 07er Tores wieder zurücksprang, landeten die Hände schließlich am Kopf zum Haareraufen. Paderborn verließen nun sichtbar die Kräfte und Jena übernahm in der verbleibenden Zeit die Initiative. Mit etwas Übersicht hätte der FCC noch einen Sieg holen können, aber Werner entschied sich in der 83. für einen Schlenzer aufs lange Toreck und gegen den in der linken Strafraumhälfte einsam und allein wartenden Helbig. Auch eine Minute später nahm Werner den Kopf nicht hoch, sondern rannte sich nach Helbigs Zuspiel an ein paar schwarz-blauen fest. Auf der Gegenseite testete Maul noch fix die Nerven von Mitspielern und Fans, als er eine an sich harmlose Flanke fast ins eigene Tor stolperte, bevor dann Dr. Brych nach gigantischen 12 Sekunden Nachspielzeit abpfiff.
Wie soll man nun das Unentschieden bewerten? Positiv (ein Auswärtspunkt) oder negativ (nicht einmal beim Schlusslicht gewonnen)? Sicherlich irgendwo dazwischen: Es war mehr möglich, aber andererseits können wir den schlechten Saisonstart nicht im Handumdrehen vergessen machen, sondern müssen wie die Eichhörnchen mühsam Nuss für Nuss (bzw. Punkt für Punkt) einsammeln, um im Dezember einen Vorrat zu haben, der für die Rückrunde reelle Chancen auf den Klassenerhalt bietet.<uk>
- Jena: Person; Stegmayer, Omodiagbe, Maul, Günther; Hansen
(62. Helbig), Kühne, Simak, Charalambides (76. Ziegner); Werner,
Torghelle
- München: Hofmann; Hoffmann, Berhalter, Ghvinianidze (85. Szukala), Thorandt; L. Bender (67. Gebhart), Schwarz, Bierofka, Johnson (67. S. Bender); Göktan, di Salvo
- Zuschauer: 11.314
- Schiedsrichter: Wingenbach (Diez)
- Spielbericht:
- München: Hofmann; Hoffmann, Berhalter, Ghvinianidze (85. Szukala), Thorandt; L. Bender (67. Gebhart), Schwarz, Bierofka, Johnson (67. S. Bender); Göktan, di Salvo
-
Wer ihn damals hörte, wird sich jetzt noch an ihn erinnern:
Den Kommentar von DSF-Reporter Martin Quast zum Spiel Jena – 1860 im Februar
2007. Da war zunächst die Schilderung des 1:0 nach sechs Minuten: „Eckball kurz
aufgeführt, Hoffmann klärt, da ist nur Tapalovic – (Stimme plötzlich erhebend)
NUR TAPALOVIC ! Boah, was’n Gerät ! Tor des Monats, hundert Prozent.
Volltreffer – so schön kann Zweitligafußball sein.“ Filip Tapalovic hatte den
FCC mit einem Volleyknaller aus 25 Metern in Führung geschossen und auch wenn
Herr Quast mit der Tor-des-Monats-Prognose nicht
recht behalten sollte, geriet er auch noch wegen der
darauffolgenden Spielminuten aus dem Häuschen. „Ich raffs nicht, ich fass es
nicht – ja, wo bin ich denn hier?“, rief er nach 10 Minuten, als gerade das 3:0
gefallen war, „jetzt tanzen sie im Thüringer Wald Samba mit den Wildschweinen
und allem Drum und Dran. Unfassbar, was hier im Ernst-Abbe-Sportfeld in den
ersten Minuten passiert“.
Obwohl noch nicht lange her, ist diese Anfangsphase bereits legendär. Und die ver-quast-ete Schilderung gleich mit.Doch das ist Vergangenheit und mit einer Wiederholung jenes Ablaufs war von vornherein nicht zu rechnen. Wobei sich die Frage stellt, welchen Verlauf solch ein Spiel nimmt, wenn der straffe Schuss von Kühne nach drei Minuten im Netz landet. Münchens Keeper Hofmann rührte da keinen Finger, leider flog das Leder knapp an seinem Kasten vorbei. Die erste Halbzeit konnte sich durchaus sehen lassen auf Jenaer Seite. Mit Forechecking versuchte man in Ballbesitz zu gelangen. Die Flügelzangen Stegmayer-Hansen und Günther-Charalambides zeigten sich in der Abstimmung weiter verbessert. Und zentral überzeugte Simak wieder mit klugen Pässen. Nur im Abschluss erwiesen sich Charalambides (23.) und Hansen (26.) als nicht treffsicher genug. Die vielleicht beste Gelegenheit vor der Pause vergab Tobias Werner bei einem energischen Konter, als er es nicht fertig brachte, dem freigelaufenen Simak den Ball „durch zu stecken“, vielmehr an einem Verteidiger hängen blieb. Auch beim Durcheinander im gegnerischen Strafraum fanden die Jenaer keine Lücke, Mauls Heber wurde schließlich zur leichten Beute Hofmanns. Und die Münchner ? Waren zu Beginn um Abgeklärtheit bemüht und ließen dabei erstaunlich große Lücken im Mittelfeld. Abgesehen von Hoffmanns Flachschuss (25.) drohte Jenas Abwehr zunächst keine Gefahr. Dies änderte sich kurz vor der Pause. Da sah sich Stegmayer auf seiner Seite mit dem ballführenden Bender sowie Johnsson gleich zwei Gegenspielern gegenüber. Nicht wissend, wen er attackieren sollte, griff er im Grunde niemanden richtig an. Bender konnte unbedrängt zum Schuss ansetzen, zielte aber ein wenig zu hoch. Kurz darauf zeigten die Sechziger eine ihrer einstudierten Freistoßvarianten – diesmal war es Göktan, der nur knapp verfehlte.
Verglichen mit diesen Hochkarätern strahlte der Torschuss in Minute 47 eigentlich geringes Gefahrenpotential aus. Es hatte den Anschein, als hätte ihn Person zunächst fausten wollen, vielleicht erschien er ihm dafür mit einem Mal nicht scharf genug – jedenfalls versuchte er plötzlich, den Ball zu fangen und dieses Umgreifen ging gründlich daneben. Plötzlich lag der Ball im Netz. Ohje, Jena und seine Torhüter ! Ob sie nun Jensen oder Person heißen, bislang haben sie uns in dieser Saison mehr Punkte gekostet als gerettet. Doch eine Mannschaft gewinnt und verliert zusammen und noch war fast eine Halbzeit lang Zeit, wenigstens ein Remis zu schaffen. Werner und Hansen hätten es erzielen können, Sandor Torghelle nach mustergültiger Kopfballvorlage von Omodiagbe sogar müssen, schoss jedoch nur den herauslaufenden Hofmann an. Bei allen erkennbaren Bemühungen – die Vorherrschaft im Mittelfeld ging verloren, weil bei Simak und Charalambides die Kräfte schwanden. Die Gäste konnten nun ungestört den Ball laufen lassen. Zwar war die Münchner Überlegenheit nicht so groß, wie es ein Eckenverhältnis von 9:1 nach einer Stunde vorgaukelt. Doch macht es deutlich, dass 1860 die technisch feinere Klinge schlug, sich nicht so oft damit helfen musste, den Ball ins Toraus zu befördern. Ihr Tagesbester Daniel Bierofka wirkt vom technischen Vermögen her schon fast überqualifiziert für diese Liga.
Valdas Ivanauskas holte seine beiden einzigen Offensivwechsler von der Bank. Ohne Erfolg. Doch eine letzte Geheimwaffe besaß er noch: Darlington Omodiagbe als Stürmer ! Dass er vorn den einen oder anderen Kopfball holt, war uns ja bereits bekannt. Doch wenn ‚Omo’ dazu noch kluge Offensivpässe spielt, sollte er solche Ausflüge ruhig häufiger machen dürfen. Perfekt sein Zuspiel auf Günther in der letzten regulären Spielminute, dessen Flanke kam auch vors Tor, wo Helbig sie aber nicht richtig erwischte. Und wie das so ist im Fußball – setzt eine Mannschaft alles auf eine Karte und verpasst knapp den Ausgleich, geht sie im Gegenzug nur allzu oft k.o. Dass Ziegner als letzter Mann wegrutschte, Göktan frei vor Person zunächst nur den Pfosten traf und dann noch eine Gelegenheit zum Nachschuss bekam, rundete das Bild ab. Zweitligafußball in Jena kann nicht nur schön, sondern auch deprimierend sein. <fc>
Fotos auf weissenburger.de
SpVgg Greuther Fürth - FC Carl Zeiss Jena 2:2
Tore: 1:0 Reisinger (28.), 1:1 Charalambides (34.), 1:2 Torghelle (49.), 2:2 Lanig (63.)
- Fürth: Kirchstein; Achenbach, Mauersberger, Karaslavov, Schröck (72. Adlung); Judt, Haas, Burkhardt (80. Maierhofer), Lanig; Nehrig, Reisinger
- Jena: Person; Stegmayer, Omodiagbe (32. Oniani), Maul, Günther;
Kühne, Hansen (72. Kandelaki), Simak, Charalambides (64. Tapalovic);
Werner, Torghelle
- Zuschauer: 8.900
- Schiedsrichter: Zwayer (Berlin)
- Spielbericht:
- Freuen oder ärgern? So richtig wusste nach Abpfiff kaum einer im
blau-gelb-weißen
Lager, wie mit diesem Remis in Fürth umzugehen wäre. Spielerisch war an diesem
Nachmittag wohl so leicht wie noch nie am Ronhof
ein Dreier zu holen, andererseits grenzt es
an ein Wunder, angesichts der Leistung des Unparteiischen überhaupt noch einen
Punkt verteidigt gehabt zu haben, den sich ein aufopferungsvoll kämpfendes Team
redlich verdiente.
„Never
change a winning team“ hieß die Devise und so schickte Valdas Ivanauskas die
siegreiche Offenbach-Elf auf den Rasen. Der Club begann furios und die über
1.500 mitgereisten FCC-Fans hatten schon nach 34 Sekunden den Torschrei auf den
Lippen, als Torghelle Fürths Karaslavov den Ball abnimmt, sofort auf Werner
passt, der völlig frei vor dem gegnerischen Tor eine Sekunde zuviel Zeit zum
Überlegen hat und den Ball an Keeper Kirchstein vorbei ins Toraus schiebt. Was
für eine Möglichkeit! 10 Minuten später durften sich die Gastgeber die Haare
raufen, als Burkhardt einen zunächst abgewehrten Eckball flach an den
Innenpfosten setzt. 5 Minuten später, andere Seite, Hansen bedient
Charalambides, der freie Schussbahn hat, aber nicht genug Druck hinter den Ball
bekommt, so dass Ex-Bundesligakeeper Kirchstein das Leder noch um Haaresbreite
um den Pfosten lenken kann. Es war ein tolles, offenes Spiel beider Teams in
den ersten Minuten und Fürth schien beeindruckt zu sein von Jenas
Offensivdrang, richtete sein Spiel fast ausschließlich auf das Provozieren von
Standardsituationen aus und lange weite Bälle auf den emsigen Reisinger. Dass
jenem nach 28 gespielten Minuten die Führung gelang, hatte er aber zwei
Jenensern zu verdanken. Stefan Kühne bringt mit viel zu kurzem Rückpass seinen
Keeper in Bedrängnis und warum Christian Person den Ball nicht nach links oder
rechts klärt, sondern ausgerechnet an die ausgestreckte Hand des heranstürmenen
Reisingers, bleibt sein Geheimnis. Der Ball trudelt ins leere Tor, 1:0. Ein
Schock zweifellos dieser Treffer in Unterzahl, denn Omodiagbe musste sich am
Spielfeldrand nach einem nicht geahndeten Foul behandeln lassen und kurz darauf
gegen Oniani ausgewechselt werden, aber anders als noch vor Wochenfrist in
Frankfurt reagierte der FCC unbeeindruckt und kommt nur sechs Minuten später
zum verdienten Ausgleich. Stegmayer täuscht eine Flanke an, passt aber flach
auf Simak, der düpiert mit Körpertäuschung gleich zwei Fürther und findet
Charalambides, dessen Ball auch für den 1,96-Riesen Kirchstein zu platziert ist
und ins lange Eck kullert.
Kurz vor der Pause zappelt der Ball erneut im Netz,
nachdem Kühne einen Eckball einnickt, doch die Anerkennung bleibt verwehrt, ein
Stürmerfoul will Referee Zwayer zuvor gesehen haben. So geht es mit einem
leistungsgerechten Remis in die Pause und Jenas Fans durften vor allem mit dem
mannschaftlich geschlossenen Auftreten zufrieden sein, lediglich die einfach
nicht abzustellenden teils haarsträubenden individuellen Fehler bereiteten
graue Haare.
Von denen dürfte Fürths Coach Bruno Labbadia kurz nach
Wiederanpfiff auch einige mehr bekommen haben, denn wie schon in der ersten
Halbzeit bereitete sein Innenverteidiger Karaslavov eine Großchance für den FCC
vor, nur dass Torghelle die Einladung nach katastrophalem Rückpass diesmal
nicht ausschlug und durch die Beine Kirchsteins zur Jenaer Führung vollendete,
unmittelbar vor dem proppevollem Gästeblock für Partystimmung sorgte.
Siegeszuversicht machte sich breit, doch wie man ein Team gänzlich zermürben
kann, stellte Schiedsrichter Zwayer eindrucksvoll unter Beweis. Die Folge einer
völlig einseitigen Regelauslegung waren unter anderem sage und schreibe acht
gelbe Karten für Jenas Kicker, die sich in der Folge mehr und mehr zurückzogen
und Zweikämpfe scheuten, deren Ausgang schon vorher festzustehen schien. Und so
wäre etwas mehr Nähe zum Gegenmann durchaus empfehlenswert gewesen, als der für
den gesperrten Fürther Kapitän Felgenhauer ins Team gerückte Stephan Schröck im
Doppelpass mit Nehrig Stegmayer düpierte und unbedrängt in den 5m-Raum flanken
durfte, wo Lanig den Ball artistisch über die Linie drückte. Eine knappe halbe
Stunde war da noch zu spielen und diese wurde bestimmt durch eine Flut von
Freistößen. Jan Simak setzte seinen knapp neben den Pfosten (66.), auf Fürther
Seite vergab Mauersberger die größte Gelegenheit, als er eine Freistoßflanke
per Fuß abnahm und das Leder knapp neben das Tor setzte, den Außenpfosten
streifend. Der für Charalambides eingewechselte Tapalovic hatte vier Minuten
vor dem Ende auf Zuckerpass Simaks die letzte Möglichkeit für den FCC, ließ
aber Torghelles Kaltschnäuzigkeit vermissen und gab die Verantwortung lieber
per verunglücktem Querpass weiter. So musste gar um den einen Punkt bis in die
93. Minute gezittert werden, als eine faire Aktion von Oniani an der
Strafraumgrenze wieder einmal mit Freistoß für die Kleeblätter geahndet wurde
und Stefan Kühne die Flanke artistisch vor dem einköpfbereiten Mauersberger
entschärft.
So ein klein wenig hatte der
Fußballgott sein Herz also für Thüringens Traditionsverein wiederentdeckt und
auch Jenas Spieler durften sich – anders als vor 7 Tagen – Streicheleinheiten
der eigenen Fans gefallen lassen, zu denen sich auch Neu-Clubberer und
Herzens-Jenenser Ralf Schmidt gesellte. Nach drei schlimmen Auftritten am
Ronhof holte der FC Carl Zeiss also zum ersten Male Zählbares, doch irgendwie war
mehr drin. <gunner>
FC Carl Zeiss Jena - Kickers Offenbach 2:0
Tore: 1:0 Simak (43.), 2:0 Werner (75.)
- Jena: Person; Stegmayer, Omodiage, Maul, Günther (75.Oniani);
Hansen (70.Tapalovic), Kühne, Simak, Charalambides (61.Holzner); Werner,
Torghelle
- Offenbach: Thier, Pinske (60.Sidney), Müller, Hysky, Bungert, Cimen, Sieger
(46.Ogungbure

,89.),
Judt (70.Epstein), Moktari, Türker
- Zuschauer: 5867
- Schiedsrichter: Bandurski (Essen)
- Spielbericht:
- Ein mulmiges Gefühl machte sich in meiner Magengegend breit, als ich vor der heutigen Partie gegen die Kickers aus
Offenbach das Stadion betrat. Nach fünf Niederlagen in Folge und zuletzt einer katastrophalen Leistung in Frankfurt gegen
Wehen schwante mir auch heute nichts Gutes. Die spielerisch guten Leistungen der ersten Saisonpartien waren vorbei und wer
das Match in Frankfurt live miterleben musste, konnte mein Gefühl durchaus verstehen. Zu viel lief in der Hessenmetropole
bei den Jenaern schief, als dass man ausgerechnet heute gegen die zuletzt starken Hessen vermuten konnte, dass es anders werden würde.
Aber beim Blick auf die Aufstellung der Partie wich mein mulmiges Gefühl blanker Zuversicht, denn Neu-Couch Ivanauskas bewies Mut und
krempelte sein Team gegenüber der letzten Partie auf sechs Positionen um und brachte "Typen" wie Günther, Hansen, Maul und Kühne,
welche gegen Wehen so schmerzlich vermisst wurden.
Der FCC begann auch von Beginn an couragiert und drückte die Offenbacher in deren Hälfte, woraus auch nach zwei Minuten die
erste Minichance resultierte. Nach gut einer Viertelstunde bot sich dann den Gästen auch ihre erste Möglichkeit, doch Siegers
Schuss ging über den Kasten. Den Spielern des FCC merkte man am heutigen Tage zu jeder Sekunde an, dass sie den unbedingten
Willen hatten, sich nicht so "abschlachten" zu lassen bzw. gewinnen zu wollen. Nach einer halbe Stunde waren einige der
Zuschauer schon froh, dass die Jenaer bis dahin kein Tor kassiert hatten. Doch kurz vor der Halbzeitpause sollte es noch
besser kommen, als Simak einen Freistoß aus 30m auf das Tor zirkelte und der Ball auf einmal im Tor zappelte. Grenzenloser
Jubel auf den Rängen, doch die meisten wollten es trotzdem kaum glauben, da sie dieses unglaubliche Glückgefühl gar nicht
mehr kannten.
Fünf Minuten nach Wiederanpfiff die erste Schrecksekunde für die Jenaer, als Dino Toppmöller völlig freistehend aus
gut sechs Metern den Ball zum Glück über das Tor donnerte. Der bis dahin relativ souveräne Schiedsrichter Bandurski
fing nun an, seine Linie zu verlieren, und sorgte mit einigen Fehlentscheidungen für Unruhe auf dem Platz und den
Zuschauerrängen, was in der Gelb-Roten Karte für Ogungbure gipfelte. Die Partie wurde dadurch nun zunehmend hektischer
und es war ein Tanz auf Messers Schneide. Die Offenbacher machten nun hinten ein wenig auf und drückten auf den Ausgleich,
doch der Abwehrriegel des FCC stand. Das Hoffen und Bangen ging weiter und eine Viertelstunde war noch zu spielen, da kam
ein langer Ball in des Gegners Strafraum. Gästekeeper Thier und ein Offenbacher Verteidiger waren sich in dieser Szene
nicht einig genug, wer diesen Ball retten sollte. Nutznießer dieser Aktion war Werner, der sich einfach das Leder schnappte,
Thier umkurvte und zum 2:0 vollendete. Vier Minuten vor Ultimo hätte Werner noch zum absoluten Held des Spiels werden
könnten, doch nach einem erneuten Fehler des Offenbacher Schlußmannes schloss Werner aus spitzen Winkel ein wenig zu
ungenau ab, so dass der Ball Zentimeter vor der Torlinie entlang rollte und doch nicht den Weg ins Tor fand. Kurz darauf
war die Partie zu Ende und der erste lang ersehnte Dreier unter Dach und Fach.
Die wenigsten Zuschauer hätten nach dem Katastrophenspiel vor gerade einmal drei Tagen erwartet, dass sich die Mannschaft
so aufraffen könnte, um die starken Hessen heute gar besiegen zu können. "Der FCC, der FCC, der FCC ist wieder da…"
skandierten die Fans von den Rängen und die Freude war natürlich umso größer, weil mit einem derartigen Wandel in
so kurzer Zeit wohl kaum einer gerechnet hatte. Aber letztendlich waren es trotzdem "nur" drei Punkte und wie
Ivanauskas sagte:" Der Tunnel ist noch sehr lang, bis wir das Licht am Ende sehen". <vg>
SV Wehen Wiesbaden -FC Carl Zeiss Jena 5:1
Tore: 1:0 Diakite (9.), 2:0 Diakite (11.), 3:0 Siegert (20.), 4:0
Nicu (41.), 5:0 Nicu (73.), 5:1 Simak (82., FE)
- Wehen: Richter; Kokot, Jeknic, Kopilas, Nakas; Catic (62.
Amstätter), Nicu (78. Cailas), Siegert, Schwarz; König,
Diakite (85. Lombe)
- Jena: Jensen; Kandelaki, Omodiagbe, Müller (46. Oniani),
Holzner; Stegmayer, Lorenzon, Ziegner (46. Werner), Simak, Charalambides;
Torghelle
- Zuschauer: 5626
- Schiedsrichter: Seemann (Essen)
- Spielbericht:
- (von Gastkommentator Jens Klebe)
Nach einem völlig verkorksten Saisonstart mit nur einem
Punkt auf der Habenseite griffen in der vergangenen Woche auch in Jena die so
genannten ungeschriebenen Gesetze des Geschäfts. Klassenerhalts-Held Neubarth
räumte sein Trainerzimmer welches kurz darauf mit Valdas Iwanauskas einen neuen
Nutzer fand. Um zu sehen, was dieser Wechsel bewirken könne, hatten sich
immerhin gut 1.500 Zeissfans auf den Weg nach Frankfurt gemacht. Würde im
Frankfurter Waldstadion gegen den SV Wehen endlich der erste Dreier eingefahren?
Da die Leistung au dem Koblenz-Spiel ja nur schwer zu unterbieten sein würde,
bestand Anlass zur Hoffnung.
Aber selbst dieses zarte Pflänzchen verdorrte schnell.
Jena startete zwar ohne Kühne, Hansen und Werner – dafür aber gewohnt schlafmützig.
Bereits nach 11 Minuten hatte Diakite mit einem Doppelschlag
klare Verhältnisse geschaffen. Zunächst bekam die FCC-Abwehr in Person Ziegners
nach einer Wehener Flanke den Ball nicht aus der Gefahrenzone, aus 20 Metern
zog ein Wehener ab und als Diakite den Ball abfälschte schlug er unhaltbar
neben Jensen ein. Ganz einfach dann Tor Nummer 2: Flanke von links, Diakite
frei im Sechzehner, draufgehalten und drin!
ass=MsoNormal>Nach 15 Minuten versuchte sich dann auch Simak erstmals für
den FCC an einem Torschuss, setzte diesen aber drüber.
Nach 20 Minuten vertändelte Charalambidis den Ball
leichtfertig in der Vorärtsbewegung, es folgt ein Konter über rechts, Schwarz
bediente Siegert und der zog vom Strafraumeck in die lange Ecke ab – 3:0!
Die Jenaer glichen nun einem Häuflein Elend und so spielten
sie auch weiter. Kaum waren weitere 10 Minuten vergangen, als Omo und Holzner
den ballführenden Nicu auf seinem Weg zum Tor brav begleiteten, ohne ihn
entscheidend zu stören. Nicu hob den Ball über Jensen und dieser schlug zum 4:0
ein. (40.)
Jenas Anhang hatte jetzt „die Schnauze voll“. So sang es
jedenfalls ein Großteil der Mitgereisten und verabschiedete sich mit dem
Pausenpfiff aus dem Stadioninneren.
Ansonsten waren in der Zwischenzeit die blaugelbweißen
Anfeuerungsrufe durch weitere zornige Schmährufe ersetzt worden.
Halbzeit 2 begann mit Werner und Oniani für Ziegner und
Müller. Werner war auch der Einzige in der Gästeelf der sich nachhaltig
versuchte, in Szene zu setzen.
Da Wehen jetzt nicht mehr tat, als für die Verwaltung des Resultats
nötig war, konnte der FCC zumindest zeitweilig fast optische Ausgeglichenheit
erreichen. In einer Phase, als Jena auch der eine oder andere gute Angriff
gelang (meist über Werner und Simak), dann die kalte Dusche. Mit einem
Freistoß-Trick aus der Schüler-Trickkiste wurde erneut Nicu freigespielt und
mit etwas Glück schlug sein Schuss zum 5:0 ein (73.).
Der FCC war demontiert. Daran änderte auch Simaks
Elfmetertreffer nichts mehr, den er nach einem Halten an Torghelle sicher
markierte.
Insgesamt bot der FCC eine erschreckend desolate Leistung
und es dürfte einem Wunder gleichkommen, wenn Iwanauskas aus diesem
verunsicherten Haufen binnen Kürze ein siegfähiges Team formen könnte. Ansätze
–mehr aber auch nicht- konnte man in der zweiten Hälfte zumindest bei Einigen
wenigstens erkennen. Dennoch, eigentlich ist jedes Wort über das heutige Spiel
eigentlich eines zu viel. Außer vielleicht diesem: beschämend!
So traurig und erschreckend das klingt: der FCC holte sich
eine verdiente Niederlage ab und kann schon am 7. Spieltag mit der Devise „Wir
haben ja nichts mehr zu verlieren!“ antreten.
Ca. 400 Jenaer Fans, die ohnehin die 2. Halbzeit außerhalb
des Stadions zugebracht hatten, blockierten anschließend friedlich die Ausfahrt
des FCC-Mannschaftsbusses und machten ihren Unmut deutlich. Adressaten waren
neben dem Team auch der Sportliche Leiter Lutz Lindemann und Präsident Zipfel.
Nach Gesprächen mit den Spielern Maul, Werner, Hansen,
Co-Trainer Holetschek und einer kurzen (aber eher schwachen) Ansprache des Kapitäns
Ziegner löste sich der Protest friedlich auf.
FC Carl Zeiss Jena - TuS Koblenz 1:2
Tore: 0:1 Daham (29.), 1:1 Omodiagbe (39.), 1:2 Daham (43.)
- Jena: Jensen; Kühne (46. Ziegner), Omodiage, Maul, Holzner;
Hansen (64. Fardjad-Azad), Müller, Simak, Stegmayer; Werner,
Torghelle (36. Petersen)
- Koblenz: Eilhoff; Lomic, Bajic, Mavric, Forkel; Djokaj (63.
Langen), Dzaka, Hartmann, Sukalo; Cha (82. Bogavac), Daham (90. Richter)
- Zuschauer: 8251
- Schiedsrichter: Schriever (Dorum)
- Spielbericht:
- Konnte man sich nach der
Heimniederlage gegen Mainz noch damit trösten, gegen einen klar besseren
Gegner, der noch dazu aus der 1. Bundesliga gekommen war, verloren zu haben, so
fehlte diese Trostmöglichkeit nach dem Abpfiff gegen Koblenz völlig.
Dabei sah es anfangs recht gut aus,
wenn man von den ungewohnten Trikots absah, die an übergezogene gelbe Trainingsleibchen
erinnerten. Von der ersten Minute an spielte der FCC nach vorn und drückte die
Gäste an ihren Strafraum. Und so ergaben sich auch schnell einige Chancen, z.B.
als Werner in der 3. Spielminute nach links auf Stegmayer spielte, der flankte
in die Mitte, wo Hansen allerdings zu hoch schoss. Drei Minuten später das
gleiche Strickmuster Mitte – links – Strafraum – drüber, diesmal waren Simak,
Werner und Torghelle die Beteiligten.
Dann hatte Schiedsrichter Schriever
seinen großen – oder besser: peinlichen – Auftritt: Hansen führte einen Einwurf
blitzschnell aus und der Koblenzer Torwart fischte den Ball genauso
blitzschnell vor Torghelle weg, stand dabei allerdings zwei, drei Meter vorm
Strafraum. Anstatt Eilhoff regelgerecht "Rot" zu zeigen, ließ
Schriever den Einwurf wiederholen. Warum? Das bliebt sein ewiges Geheimnis. Und
so ging es mit 0:0 im bisherigen Szenario weiter. Es fehlte jedoch bei allen
Zuspielen die letzte Abstimmung und Präzision, so auch, als Torghelle in
Mittelstürmerposition ein Zuspiel Simaks nur um Fußbreite verpasste (22.). Irgendwann
ließ der Jenaer Druck nach und die Koblenzer erkundeten die gegnerische Hälfte.
Tatkräftige Aufbauhilfe bekamen sie dabei von Stegmayer (26.) und Omodiagbe
(28.), die jeweils aus eigentlich schon geklärten Situationen unnötigerweise
Eckbälle für Koblenz fabrizierten. Und so kam es zum schon fast üblichen Ritual
im EAS: Die Gäste erhielten mit ihrem ersten vernünftigen Spielzug den
Führungstreffer geschenkt. Hansen rutschte auf der rechten Abwehrseite im an
sich harmlosen Zweikampf aus, Forkel flankte ungestört, Maul tauchte mit dem
Sprungvermögen eines Kanonenofens unterm Ball durch und Daham köpfte das
Geschenk ein – 0:1! The same
procedure as every week! Danach trug die
allgemeine Verunsicherung zehn gelb-blaue Trikots und wir hatten Glück, dass es
nicht gleich noch einen Gegentreffer gab. Doch Jensen tauchte in die untere
Ecke und verwehrte dem Kopfballaufsetzer Sukalos den Weg ins Netz. Neubarth
reagierte auf diesen Rückschlag und wechselte den bis dahin vielleicht etwas
glücklosen, aber insgesamt nicht besser oder schlechter als seine Mitspieler
agierenden Torghelle aus und brachte statt dessen Petersen. Für mich war diese
Auswechslung die entscheidende Szene für die weiteren lauen Angriffsversuche
und die logisch folgende Niederlage. In der 39. Minute hatte der Fußballgott
dann aber ein Einsehen mit den geplagten Zeiss-Fans und ließ Eilhoff eine Ecke
fehlerhaft wegfausten, Werner flankte den Abpraller in die Mitte und Jenas
Torgarantie Omodiagbe machte per Kopfball den Ausgleich. Jaaa, jetzt aber…
denkste! Der nächste Koblenzer Angriff bestand aus einem einfachen langen
Flankenball von der Mittelinie an die Strafraumgrenze. Dabei war der Ball so
lange in der Luft, dass sich Omo und Stegmayer rechts und links in
ausreichendem Abstand von Dahame aufstellen konnten, um diesem beim
Direktschuss ins lange Eck bewundernd zuzusehen. Mit den Händen aufgebaut
(Ausgleich) und sofort mit dem Hintern wieder eingerissen (1:2) – derzeit
typisch für den FCC!
Aussage eines Zuschauers in der
Halbzeitpause: "So mies wie diesmal war die Stimmung in der Halbzeitpause auf
der Toilette ewig nicht mehr." Es sollte nach der Pause nichts
Stimmungsförderndes mehr passieren. Zwar kam Ziegner für Kühne ins Team, aber
auch der passte sich der allgemeinen Leistung an. Es waren lediglich noch
vereinzelte Standards, die Eilhoff etwas Ablenkung brachten: Petersen köpfte
nach Ziegner-Freistoß übers Tor (50.) und Stegmayer donnerte einen 25-m-Knaller
direkt aufs Trikot des Gästekeepers. Jensen zeigte in der 62. min seinen
„running gag“ und ließ auch diesmal einen Ball nach vorn prallen, allerdings
folgenlos. Bezeichnend fürs Jenaer Spiel war die Tatsache, dass Holzner als
rechter Außenverteidiger die größten Angriffsbemühungen zeigte, sich immer
wieder für Zuspiele anbot und lange Wege zwischen vorn und hinten ging. Da
ansonsten kaum Bewegung im Jenaer Spiel war, prallten alle Bälle von der roten
Gummiwand ab, die Koblenz am Strafraum errichtet hatte.
Einziger Farbtupfer war Fardjad-Azad, der
nach seiner Einwechslung innerhalb von 5 Minuten dreimal aufs Tor schoß und
mehr Torgefahr erzeugte als alle anderen zusammen. Der Neunzehnjährige mühte
sich redlich und umkurvte einige Male seine Gegenspieler, aber da seine
Mannschaftskameraden nicht annähernd so viel Einsatz zeigten, war er auf
verlorenem Posten. In der letzten Viertelstunde bot Koblenz noch alle
Varianten, wie man beste Konterchancen kläglich vergibt – zum Glück, sonst wäre
es nicht beim 1:2 geblieben.
Diese Niederlage war nicht eine
unglückliche, nach der man zum Tagesgeschäft übergehen könnte. Im Verein muss
man sich auf Grund der Art und Weise, wie sich unsere Mannschaft in diesen 90
Minuten präsentierte, ernsthafte Gedanken machen, wie man eine totale
Pleitesaison verhindern kann. Noch ist die Zeit dafür! <uk>
FC Carl Zeiss Jena - FSV Mainz 05 1:2
Tore: 0:1 Feulner (17.), 1:1 Omodigabe (54.), 1:2 Gunkel (77.)
- Jena: Jensen; Kandelaki, Omodiage, Maul, Holzner; Hansen,
Müller (82. Helbig), Simak, Ziegner (46. Charalambides); Werner,
Torghelle (78. Petersen)
- Mainz: Wetklo; Demirtas, Noveski, Subotiv, Hoogland; Feulner,
Petkovic, Gunkel, Karhan (72. Laurent); Borja (61. Jovanovic), Amri
(89. Vrancic)
- Zuschauer: 11.798
- Schiedsrichter: Willenborg (Osnabrück)
- Spielbericht:
- Mainz 05 – ich muss gestehen, dass ich gewisse Sympathien
für diesen Verein hege. Selbige haben ein ganzes Stück mit Trainer Jürgen Klopp
zutun, aber auch mit dem Erscheinungsbild des FSV insgesamt. Wenn es jedoch gegen
den FC Carl Zeiss geht, gibt es kein Pardon
– dann gehört Mainz in der persönlichen Werteskala nur noch zu „best of the
rest“.
Es konnte mir also nicht gefallen, was sich da in Halbzeit
eins auf dem Rasen abspielte. Vom Anpfiff weg bestimmten die Gäste mit
scheinbarer Leichtigkeit die Szenerie. Zweite Minute, erste Chance – Amri aus
15 Metern knapp drüber. In der 6.
Minute lud Omodiagbe mit Fehlpass Feulner zum Torschuss ein. Der nach Köln
zurecht kritisierte, mit „Tri Tra Trullala“-Artikeln aber nahe der Gürtellinie
getroffene Kasper Jensen zeigte sich in dieser und den folgenden Situationen
wieder auf der Höhe. Den frühen Rückstand vermochte er aber nicht zu
verhindern. Weil bei einem schnellen Mainzer Angriff noch ein Stürmer im
Zentrum mitlief, gingen nicht ausreichend
Jenaer Verteidiger auf den ballführenden Markus Feulner. Dieser ließ Müller als
seinen einzigen Gegenspieler ins Leere grätschen und Jensen keine Chance.
Hallo wach ? – Weit
gefehlt, statt mit Aufbäumen reagierten Jenas Akteure mit Verunsicherung. Dass sich
Omodiagbe bei allen Qualitäten seine zwei, drei Aussetzer pro Spiel leistet,
wissen wir schon. Auch dass sich bei Holzner Licht und Schatten noch zu sehr
abwechseln. Doch selbst ein Alexander Maul ließ sich in dieser Phase von der
allgemeinen Nervosität in der Hintermannschaft anstecken.
Auch nach vorn lief wenig rund, keine Spur von einem konstruktiven Zusammmenspiel. Simaks
30-Meter-Freistoß war der erste Jenaer Torschuss überhaupt. Nach 32 Minuten !
Zu diesem Zeitpunkt hatte Mainz bereits ein halbes Dutzend Male aufs Tor geschossen.
Schon ein kurzer Antritt von Tobias Werner und die hohe Hereingabe, welche
Wetklo locker herunterfischte, ließen kurzzeitig Stimmung aufkommen. Wie
Dürstende auf jeden Tropfen Wasser stürzten sich die Zeiss-Fans auf diese
unaufregende Szene. Kein Wunder angesichts der Tristesse in Hälfte eins.
Omodiagbes Kopfball (42.) war da noch die beste Gelegenheit vor der Pause, vor
Probleme wurde Wetklo aber auch damit nicht gestellt. Dessen Gegenüber Jensen
hatte da ganz andere Kaliber zu meistern. Bei Feulners Kopfball aus Nahdistanz
reagierte der Däne großartig, auch Hooglands Nachschuss lenkte er zur Ecke.
Mainz dominierte. Mit dem 0:1-Rückstand war Jena zur Pause gut bedient.
Gelbe Schuhe zu blau-weißen Stutzen – rein optisch passt der
zypriotische Nationalspieler Constantinos Charalambides schon mal sehr gut nach
Jena. Zumindest in den ersten Minuten nach seiner Einwechslung war der
Neuzugang überall auf dem Platz zu finden, als wolle er im Alleingang dem
Geschehen eine Wende geben. Doch auch seine neuen Mannschaftskameraden
steigerten sich endlich auf jenes Niveau, dass man von Anfang an hätte erwarten
dürfen. Torghelles Einsatz auf der rechten Seite brachte nach 53 Minuten den
ersten Jenaer Eckball. Und der führte zum Ausgleich durch Darlington Omodiagbe.
Per Kopf traf der Nigerianer aus Nahdistanz. Zwischen Genie und Wahnsinn liegt
eben manchmal nur eine Halbzeitpause. Jetzt war Jena am Drücker, auch
akkustisch. Von den recht wenigen Mainzer Anhängern war vorübergehend nichts zu
hören. Bis hinauf zur letzten Reihe der neuen Zusatztribüne feuerten die
Zuschauer ihre Elf an. Jürgen Klopp lobte nach dem Spiel die tolle Atmosphäre
im Jenaer Stadion. Schade nur, dass sich seine Spieler davon nicht beeindrucken
ließen. Die Bundesligaabsteiger nahmen den Kampf an und da sie in der
Spielanlage einen Tick reifer wirkten, gewannen sie dieses Match. Amris
Schrecksekunde (Ball rollte parallel zur Linie des verwaisten Tores) beendete
die beste Jenaer Phase. Gunkels Diagonalfreistoß machte sinnbildlich den Deckel
zu. Dass der vom Schiri als indirekt ausgeschriebene Freistoß direkt verwandelt
wurde, passt ebenso ins Bild wie Werners unglücklich vergebene Großchance drei
Minuten vor Schluss – wenn du da unten drin stehst, bekommst du den Mist nicht
so schnell vom Hacken. Auf diese Art verlor der FCC sein drittes Spiel in Folge
mit einem Tor Differenz. Wobei es
Jensen mit einer weiteren Rettungstat gegen Feulner (90.) zu verdanken ist,
dass es nicht mehr wurde.
Die Schwere des Auftaktprogramms war uns allen bewusst. Dass
aus vier Partien nur ein mickriges Pünktchen herausspringt, ist allerdings
ernüchternd, insbesondere nach den Spielverläufen gegen St. Pauli und Köln. Bei
aufmerksamer Betrachtung des Jenaer Spiels gewinnt man den Eindruck, die
Komponenten für eine erfolgreiche Saison sind da, aber noch nicht richtig zusammengefügt.
Vielleicht kommt die 12tätige Punktspielpause gar nicht so ungelegen. <fc>
1. FC Köln - FC Carl Zeiss Jena 4:3
Tore: 0:1 Torghelle (5.), 1:1 Novakovic (20.), 1:2 Müller (37.),
1:3 Omodiagbe (55.), 2:3 Chihi (73.), 3:3 Chihi (84.), 4:3 Jensen (86., ET)
- Köln: Mondragon; Ehret, Mitreski, McKenna, Nickenig
(60. Schöneberg); Antar, Broich (60. Scherz), Helmes; Chihi, Vucicevic, Novakovic (60. Gambino)
- Jena: Jensen; Kandelaki, Omodiage, Müller, Holzner;
Hansen (84. Stegmayer), Lorenzon (46. Kühne), Werner, Simak,
Ziegner; Torghelle (81. Petersen)
- Zuschauer: 37.700
- Schiedsrichter: Dr. Fleischer (Sigmertshausen)
- Spielbericht:
- Es war die Woche der
unverdienten Auswärtssiege mit St. Paulis Dreier im Ernst-Abbe-Sportfeld und
Deutschlands glücklichem Erfolg in Wembley, und so mancher hegte die Hoffnung
auf eine Fortsetzung dieser Serie in Köln-Müngersdorf, waren die Vorzeichen
zwischen den beiden ungleichen Gegnern doch klar. Einen unverdienten Verlierer
gab es auch diesmal, jedoch war dies nicht etwa der haushohe Favorit, sondern
ein FC Carl Zeiss, der sich in der Schlussphase selbst um den Lohn eines
großartigen Spieles brachte.
Durch
den Platzverweis Alexander Mauls war Coach Frank Neubarth zu Umstellungen
gezwungen, nahm Robert Müller in die Innenverteidigung und ließ mit Nils Hansen
und dem erstmals nach seiner Verletzungspause wieder kickenden Lorenzon gleich
zwei Abräumer im defensiven zentralen Mittelfeld auflaufen. Werner und Ziegner
besetzten die Außenpositionen im Mittelfeld, während Jan Simak als Spielmacher
fungierte, hinter der einzigen Spitze Torghelle. Und was der drauf hat, sorgte
schon nach 5 Minuten für den ersten Jubelschrei unter den 1.500 mitgereisten
Zeissfans. Langer Abschlag Jensen, Kopfball-Doppelpass
Torghelle-Werner-Torghelle und unser ungarischer Neuzugang hämmerte die Kugel
trocken von der Strafraumgrenze ins Netz. 0:1, was für ein Auftakt, und um ein
Haar hätte Broich nachgelegt, dessen Rückpass Mondragon verfehlte, aber knapp
am Kölner Kasten vorbeirollte (14.).
Beim Gastgeber hatte man im Vorfeld einen mauernden Gegner erwartet,
doch der FCC spielte auch nach der Führung munter nach vorn, fast zu munter,
denn Kölner Gelegenheiten resultierten fast ausschließlich aus Kontern nach
jenenser Abspielfehlern. In der 10. Minute ging das noch gut, als Jensen einen
tückischen Helmes-Knaller im Nachfassen parierte, nach 20 Minuten jedoch hatten
die Domstädter mit ihrer zweiten Möglichkeit im Spiel ausgeglichen. Novakovic
hatte von Omodiagbe bedrängt Vucicevic angespielt, welcher an der rechten
Strafraumgrenze Lorenzon düpierte und auf den von Omodiagbe und Werner
sträflich vernachlässigten Novakovic zurückpasste. Dass dessen Schuß durch die
Beine von Hansen den Weg ins Netz fand ist sicher unglücklich zu nennen, das
Abwehrverhalten zuvor dilettantisch. Köln hatte nun Oberwasser, baute gehörigen
Druck auf und hatte mit Vucicevics Schussversuch nach Kandelakis
verhängnisvollem Ballverlust (24., knapp daneben) und Broichs abgefälschtem
Schuß (29., Jensen hält) auch die ein oder andere Möglichkeit. Doch als Simak
mit einem wahren Zauberpass den durchlaufenden Holzner bedient und dieser aus
Nahdistanz an Mondragon scheiterte (30.), wirkte das wie ein Signal an die
eigene Mannschaft zur Besinnung auf das überlegte Spiel der ersten Minuten. Kurz
darauf hätte es Elfmeter für den FC Carl Zeiss geben müssen, als Torghelle im
Strafraum gefoult wurde, doch nicht nur in dieser Szene zeigte sich die
nachhaltige Wirkung des Daumschen Montagstheaters bei Referee Dr. Fleischer.
Jena ließ sich nicht beirren, es war eine Freude, dem Kombinationsfußball von
Jenas Offensivabteilung um den immer besser werdenden Kapitän Ziegner, den an
allen Ecken des Spielfeldes zu findenden Hansen (bester Mann auf dem Platz) und
einen Jan Simak zuzusehen und manch einer rieb sich die Augen, mit welchem
Selbstbewusstsein der Underdog hier in der WM-Arena auftrat. Werners Schuß nach
36 Minuten parierte Mondragon im Nachfassen, Ziegners Freistoß eine Minute
später kratzte der kölsche Schlussmann noch aus dem Eck, doch die
darauffolgende Ecke brachte die verdiente Führung. Torghelle hatte Ziegners
Eckball an den langen Pfosten verlängert, wo Robert Müller eiskalt vollendete.
Der Gast wirkte nun wie paralysiert, beinahe hätte Torghelle das Ergebnis noch
höher schrauben können, verzettelte sich aber im Strafraum (39.) und so war der
Schlusspunkt unter die erste Hälfte symptomatisch, als der wenige Tage zuvor
noch zum Deutschlandkader gehörende Helmes eine Freistoßablage von Vucicevic 15
Meter über das Jensen-Gehäuse beförderte. Kölns Mannschaft ratlos, Kölns
Publikum fassungslos und ein gellendes Pfeifkonzert verabschiedete die
Millionentruppe in die Kabinen.
Aufbäumen,
Dagegenhalten, Druck aufbauen, so in etwa hätte man die Gastgeber nach
Wiederanpfiff erwartet, doch stattdessen spielte Thüringens Stolz so, als hätte
er einen Rückstand aufzuholen. Werner prüfte Mondragon mit Schuß aus spitzem
Winkel (51.), das Eckenverhältnis war inzwischen auf 7:3 für Jena angestiegen
und als Ziegners Freistoß den Fuß des völlig unbedrängt durchlaufenden
Omodiagbe fand, hieß es 1:3, das Spiel schien entschieden. Auch wenn Helmes nur
eine Minute später den Anschlusstreffer auf dem Kopf hatte und knapp verzog,
das Auftreten der völlig konsternierten Gastgeber glich insgesamt einem
Fehlpassfestival, begleitet von eisigem Schweigen des Opernpublikums auf den
Tribünen. Christoph Daum hatte die Nase voll, wechselte gleich drei Spieler auf
einmal aus und vor allem die Hereinnahme von Matthias Scherz, der ja schon in
der Vorsaison den mehr als glücklichen Siegtreffer der Kölner vom Elfmeterpunkt
erzielt hatte, sollte sich als folgenschwer erweisen. Doch zuvor hatte Referee Fleischer
seinen Auftritt, schickte Zeiss-Trainer Frank Neubarth auf die Tribüne, als der
sich lautstark über eine der unzähligen Freistoßfehlentscheidungen zugunsten
des 1. FC Köln mokierte (65.), übersah eine Tätlichkeit Antars an Stefan Kühne
(Kopfstoß, 68.) und gab für McKennas Notbremse an dem durchbrechenden Torghelle
nur gelb (71.). Jener Torghelle hatte bis dahin ein großartiges Spiel gehabt,
zerrte unermüdlich an den Ketten und war von seinem Gegenspieler meist nur
durch Foulspiele zu stoppen. Doch er wurde ebenso wie Jan Simak müder und so
verlagerte sich das Spielgeschehen mehr und mehr in die Jenaer Hälfte, Chihi
mit Freistoß und Antar per Kopfball (69.) besaßen gute Möglichkeiten, ehe in
der 73. Minute das Unheil für den FCC seinen Lauf nahm. Die Fehlerkette war
lang. Jensen ließ sich eine Kölner Flanke von Robert Müller zum Einwurf
wegköpfen, anstatt sie selbst herunterzupflücken. Omodiagbe musste erkennen,
dass auch 1,88m nicht ausreichen, wenn man 2 Meter hinter einem kopfballstarken
Matthias Scherz steht, dessen Verlängerung Adel Chihi fand, der von Felix
Holzner völlig unbedrängt zum Anschlusstreffer einschoß. Fünf Minuten später
hatte Scherz selbst die Riesenchance zum Ausgleich, köpfte aber freistehend am
völlig leeren Tor vorbei. Durchatmen, doch die Partie wurde hitziger. Mondragon
erhielt gelb, als er den sich bei der Auswechslung zu viel Zeit lassenden
Torghelle vom Platz schubste, Holzner kassierte den gelben Karton für ein an
ihm begangenes Foulspiel und Jan Simaks Bedrängen Vucicevics wurde mit Freistoß
für Köln geahndet, den Scherz aufs Tor platziert, Jensen lässt den schon sicher
geglaubten Ball vor die Füße von Chihi fallen, der nur noch abstauben muß.
Ausgleich, Kölns Publikum aus dem Dornröschenschlaf erwacht und Kasper Jensen der
einsamste Mann auf dem Platz. Ob ihm diese Szene noch durch den Kopf schwirrte,
als er kurz darauf Chihis Eckball (Omodiagbe hatte zur Ecke klären müssen, da
ein Ellenbogencheck von Scherz gegen ihn ungeahndet blieb) zum Kölner 4:3 ins
eigene Tor patschte?
Ein mehr als bitteres Ende für den zuvor gut spielenden
Keeper, der nach dem Abpfiff sofort den Trost seines Kapitäns Torsten Ziegner
bekam. Vergessen wird er diesen Abend wohl nie, ebenso wie Jenas Anhang. Fassungslose,
entsetzte Gesichter noch Minuten nach Spielende im Gästeblock. Was für eine
Riesenchance hatte sich der FC Carl Zeiss hier selbst vergeben. Ob die
tadellose Moral der Mannschaft mit diesem erneuten Tiefschlag einen dauerhaften
Knacks wegbekommen hat, oder ob man sich am 70 Minuten lang wirklich tollen
eigenen Spiel aufbaut, wird die nächste Partie gegen Mainz zeigen. Nachdem der
Trainer, dessen vorgenommene und unterlassene Auswechslungen in Köln nicht
jedermanns Geschmack trafen, aus den vielen Neuzugängen mehr und mehr eine
Mannschaft zu formen scheint, ist in den kommenden Tagen in erster Linie der
Psychologe Frank Neubarth gefragt! <gunner>
FC Carl Zeiss Jena - FC St.Pauli 0:1
Tore: 0:1 Schnitzler (20.)
- Jena: Jensen; Kandelaki, Maul
(

, 40.),
Omodiagbe, Holzner; Kühne (67. Petersen), Hansen, Ziegner (46. Simak),
Müller; Werner, Torghelle (77. Helbig)
- St.Pauli: Borger; Gunesch, Eger, Morena, Rothenbach; Trojan (79. Bruns), Boll, Meggle, Takyi (

, 42.), Brunnemann (45. Braun); Schnitzler (64. Ludwig)
- Zuschauer: 12.129
- Schiedsrichter: Schalk (Augsburg)
- Spielbericht:
- [von Gastkommentator Ragnar Boedefeld]
Nach drei erfolgreichen Jahren in Folge und der Wiederholung eines
2:2-Auswärtserfolgs nach 0:2-Rückstand im ersten Saisonspiel war es wieder
einmal an der Zeit, dem Aberglauben zu frönen. Und so schreibt jetzt im vierten
Jahr in Folge ein- und derselbe Gastkommentator den ersten Heimspielbericht.
Angeblich soll einer aus dem Stammpersonal sogar geheiratet haben, damit er um
diesen Spielbericht drumrum kam...
Ähnlich wie im letzten Jahr (Braunschweig) war auch diesmal ein potentieller
Konkurrent im Abstiegskampf beim ersten Saisonheimspiel zu Gast.
Unvorhersehbare Auswärtsunentschieden sind gerne gesehen - doch wichtiger sind
die drei Heimpunkte aus diesen sogenannten "Sechs-Punkte-Spielen". Unbedingter
Siegeswillen war also Pflicht, und so harrte unsereiner gespannt, ob der
Trainer Neubarth dieses seinen Spielern verklickert hatte.
Er hatte - wenn man
die ersten zwanzig Minuten des Spiels als Maßstab nimmt. In dieser Zeit brachte
der FCC fünf gefährliche Situationen zustande, die in ihrer Vielfalt
überraschten. Ein Freistoß von Ziegner, der knapp neben das Tor ging, ein
gefährlicher Fernschuss von Kühne, dann einer von Werner, den Borger abprallen
ließ - Torghelle war einen Schritt zu spät. Kurze Zeit später war es umgekehrt:
Torghelle ließ zwei Gäste aussteigen und versuchte einen Schlenzer mit dem
linken Bein, Borger ließ wieder prallen - doch der Ball wollte einfach nicht
rein. Dann folgte noch ein gefährlicher Kühne-Kopfball. Von Pauli war bis dahin
nichts zu sehen, die besten Aktionen der Gäste hatte noch der Fanblock.
Plötzlich zack-zack, ein Querpass, einer in die Spitze - und Schnitzler kann
frei vor Jensen einschieben. Ausgerechnet Pauli, das seinerseits letzte Woche
gegen Köln reihenweise vor dem Tor versagt hatte, machte mit seinem ersten
zusammenhängenden Spielzug das 0:1. Nur kurz danach wäre beinahe das 0:2
gefallen, der Ball ging links unten knapp vorbei. Beim FCC war jetzt ein Knacks
im Spiel, keiner lief richtig und elementare Dinge wie flache Anspiele und
Ballannahmen aus der Luft misslangen. Eine Viertelstunde lang war einmal mehr
der Fluch der ersten Saisonspiele zu ertragen: eine bunt zusammengekaufte
Mannschaft (gleichwohl mit Niveau) ist noch nicht wirklich eine Truppe, wirkt
verunsichert und ängstlich in einem ihr häufig noch fremden Heim-Umfeld, das
wegen des Rückstandes nicht erbaut ist. Bad Vibes... warum nur?
Individuelle Klasse hat der Kader jedenfalls, wie man in der 35. Minute sehen
konnte. Kandelaki wurde auf links steil geschickt, passte flach nach innen, wo
Torghelle den Ball annehmen, kontrollieren und auf Ziegner zurücklegen konnte,
der leider links vorbeisemmelte. Das tat weh, ebenso der knapp verfehlte
Ziegner-Freistoß kurz vor der Pause, bei dem Borger keine Regung zeigte. Ab der
40. Minute spielte übrigens der FCC nur noch zu zehnt, Maul war geampelt worden.
Zwei Minuten später hatte auch Pauli einen weniger auf dem Platz, nachdem Takuy
wiederholt das Spiel verzögert hatte.
Und dann kam der Abschnitt des Spiels, den ich nicht begreife. Freilich kann man
nicht 90 Minuten lang höchstes Tempo gehen, sicherlich muss man zwischendurch
auch mal verschnaufen. Aber wieso kann man nach einer Halbzeitpause voller
Regeneration nicht genau dort weitermachen, wo man vor der Pause aufgehört hat
- nämlich Druck auf den zeitweilig überforderten Gegner auszuüben? Pauli war
mit der Pause eigentlich sturmreif, wurde dann aber bis zur 70. Minute durch
einfache Fehler und mangelhaftes Laufspiel wieder aufgebaut. Wenn nur alle in
der zweiten Halbzeit so gerannt wären wie der Holzner...
Erst in der
Schlussviertelstunde wurde Pauli wieder in der eigenen Hälfte eingeschnürt.
Auffällig war dabei Jan Simak, der die Bälle jetzt schön verteilte und auch
selbst gefährlich wurde. Es ergaben sich Chancen im Minutentakt, fast jeder
durfte mal ran. Leider ging alles daneben (Torghelle 74., Petersen 78. und 86.,
Werner 83.), an den Pfosten (Petersen 74.) oder wurde von Borger entschärft
(Kopfball von Helbig 83.). Dann war Schluss und die erste Heimniederlage in der
neuen Saison Tatsache.
Trotz dieser Niederlage bleibt ein besseres Gefühl als im letzten Jahr nach dem
0:0 gegen Braunschweig, weil der FCC seinen Gegner diesmal spielerisch
beherrschte, obwohl die Hälfte der Neuzugänge noch auf der Bank saß bzw.
verletzt war. Heuer steht auch nicht zu befürchten, dass das Potential des
Clubs einbricht, sollten Spieler wie Ziegner und Helbig eine ganze Saison lang
verletzt ausfallen - der Kader ist wesentlich breiter und auch besser geworden.
Wie sagte Gästetrainer Trulsen in der Pressekonferenz: "Es wird für jede
Mannschaft schwer, in Jena zu punkten." Allerdings nur, wenn die Dinger vorne
auch jemand reinmacht!
Alemannia Aachen - FC Carl Zeiss Jena 2:2
Tore: 1:0 Vukovic (1.), 2:0 Nemeth (6.), 2:1 Maul (28.), 2:2 Petersen
(76.)
- Aachen: Nicht; Stehle, Klitzpera, Vukovic (33. Casper), Weigelt;
Lehmann, Polenz (75. Leiwakabessy), Reghecampf, Nemeth, Pecka (81. Milchraum),
Ebbers
- Jena: Jensen; Kandelaki, Maul, Omodiagbe, Holzner; Kühne,
Müller (72. Petersen), Hansen, Ziegner (72. Fröhlich), Simak
(58. Stegmayer); Werner
- Zuschauer: 19.986
- Schiedsrichter: Aytekin
- Spielbericht:
- Wenn ein Verein aus der Bundesliga kommend zuhause auf den
Zweitliga-Dreizehnten des Vorjahres trofft, ist die Favoritenrolle am 1.
Spieltag klar gegeben. Dass sich der Webmaster aus Aachen bei der
Live-Ticker-Ankündigung aber gleich für ein fingierte 5:2-Vorhersage entschied, kam
uns vor dem Spiel doch etwas übertrieben vor.
Nach sechs Minuten Spielzeit schien allerdings nichts mehr
unmöglich. Zwei Gegentore hatte sich der FC Carl Zeiss zu diesem Zeitpunkt
schon eingefangen, das Erste nach 50 Sekunden ! Einen Freistoß-Ball von
Reghecampf verlängerte Vukovic per Kopf unhaltbar ins Jenaer Gehäuse. Robert
Müller war zwar mit hochgestiegen, hatte aber das Nachsehen. Keinen
Gegenspieler besaß Nemeth nach 5:30 min. Omodiagbe hatte die Abseitsfalle
aufgehoben.
0:2 - Mann oh Mann, welch ein Fehlstart in die insgesamt achte
Zweitligasaison des FCC ! Nachdem der erste Schock verdaut war, erinnerte man
sich als Auswärtsfahrer an den 1. Spieltag der Vorsaison, als Jena in Offenbach
ebenfalls mit zwei Toren hinten gelegen hatte, sich aber noch zum Remis
kämpfte. Sollte dies erneut möglich sein ? Hier, auf dem berühmten Aachener
Tivoli ? Nicht das Stadion selbst macht den Reiz aus, in vielen Dingen erinnert
es an die alte Heimstätte des FC Sachsen Leipzig. Nein, es ist die Atmosphäre,
bei der das Dabeisein einfach Spaß macht, weil die Stimmung enthustiastisch,
aber nicht aggressiv ist und häufig von drei Seiten gleichzeitig gepuscht wird.
Es sah noch immer nicht gut aus. Nach 25 Minuten war kein einziger
gefährlicher Ball auf das vom Ex-Jenaer Kristian Nicht gehütete Aachen-Gehäuse
abgegeben worden. Stattdessen musste Gegenüber Kasper Jensen beim
Aachener Konter die fehlende Innenverteidigung ersetzen und zehn Meter vor
seinem Strafraum per Kopf klären. Dann die 28. Minute. Ziegner aus einer
Spielertraube heraus auf Hansen, Flachschuss aus 15 Metern, Torwart Nicht pariert auf
Kosten einer Ecke. Das war sie, die erste Jenaer Gelegenheit im Punktspieljahr
2007/2008. Eine Ansage „Wir sind auch da“. Den anschließenden Eckball
erwischt Stefan Kühne am langen Pfosten, köpft ihn zur Torlinie, wo Alexander
Maul steht und unter Bedrängnis einköpft. Der Anschlusstreffer noch vor der
Pause. Wie damals in Offenbach. Hoffnung bei uns. Ein aus allen Wolken fallen
bei den Alemannen. Zu deutlich hatten sie die Anfangsphase dominiert,
zu leicht ihre Tore gemacht gegen einen in
dieser Phase unsortierten und harmlosen Gegner. Nun kämpften sich die
Neubarth-Schützlinge in das Spiel hinein. Nur vier Minuten nach dem
Anschlusstreffer spielte Simak einen ähnlich genialen Pass wie im Pokal eine Woche zuvor
auf Werner, der hatte gegen den heranstürmenden Nicht die Idee eines
Hebers – nur leider fiel dieser zu hoch aus. Eine Partie mit umgekehrten
Vorzeichen – jetzt spielte Jena Fußball. Wäre Kühne in der 43. Minute nicht
selbst überrascht gewesen über eine sich bietende Kopfballchance, es hätte noch
vor der Pause Unentschieden gestanden. Der Offenbacher Regievorlage hätte dies
freilich nicht entsprochen.
Mit ein bisschen Magengrummeln empfingen wir unsere Mannen
aus der Kabine. Nur nicht wieder solch eine Schlafwagen-Einlage wie zu Beginn.
Doch die Sorgen erwiesen sich als unbegründet. Lediglich Keeper Jensen sorgte
für erhöhte Herzfrequenz in Minute 51, als er bei zwei heranstürmenden
Gegenspielern den Ball nicht einfach wegschlug, sondern ihn kalt wie
Hundeschnauze behauptete. Außerdem Holzner, der am eigenen Strafraum den Ball
vertändelte und von Glück sagen kann, dass die Abseitsfahne nach oben
schnellte, da ansonsten eine 3 gegen 1-Überzahlsituation für die Westdeutschen
entstanden wäre.
Die Leistungssteigerung der Jenaer Elf lässt sich treffend am Bild festmachen, dass Ilia Kandelaki in den ersten neunzig Minuten
für seinen Verein abgab. Nach Stegmayers gutem Pokalauftritt war er für mancheinen
überraschend in die Startelf gerückt. Die etwas defensivere Variante schien
anfangs nach hinten loszugehen, weil der Georgier einige Male Unsicherheiten
auf seiner linken Seite offenbarte. Doch nach der Pause fand Kandelaki zu sich selbst,
seinen Mannschaftskameraden und ins Spiel. Wobei Stegmayer später noch eingewechselt wurde,
ebenso wie Fröhlich und Petersen. Die aus den Wechseln hervorgehenden
taktischen Umstellungen waren riskant, besonders der Austausch des defensiven
Müller gegen den stürmenden Petersen. Das Risiko sollte sich aber bezahlt machen. Denn
Nils Peteresen war gerade drei Minuten im Spiel, da verlängerte er einen Ball
von Kühne ins Tor. Wahnsinn ! Ausgerechnet Jenas Jüngster schafft den
Ausgleich. Klar hat der in Junioren-Länderspielen schon gegen
U19-Nationalmannschaften getroffen, doch ein solche wichtiger Treffer „bei den
Großen“ ist dann doch etwas Besonderes. Wäre der Bursche in Minute 79 doch noch
einmal etwas kaltblütiger gewesen, er hätte den FCC gar zum Sieg geschossen.
Nach einer Unsicherheit seines Gegenspielers verzog Petersen jedoch
deutlich.
Remember OFC – aus einem 0:2 ein 2:2 gemacht und dem Sieg
sehr nahe gekommen. Auch Kandelakis
Flanke fünf Minuten vor Schluss brachte Gefahr, neutralisierte sich aber mit
Reghecampfs Hereingabe in Minute 88. Beide Male fehlte ein Abnehmer im
Sturmzentrum.
Das Unentschieden feierten die Jenaer wie einen Sieg,
während die Gastgeber ziemlich konsterniert das Stadion verließen. Auch dieses
Bild hatten wir vor einem Jahr schon einmal. Neu ist die Serie, in der sich die
Jenaer Mannschaft befindet. Unter Frank Neubarth bleibt sie in Pflichtspielen
weiterhin unbesiegt. <fc>
Bilder von der ersten Partie
Spielbericht auf alemannia-aachen.de
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„Never
change a winning team“ hieß die Devise und so schickte Valdas Ivanauskas die
siegreiche Offenbach-Elf auf den Rasen. Der Club begann furios und die über
1.500 mitgereisten FCC-Fans hatten schon nach 34 Sekunden den Torschrei auf den
Lippen, als Torghelle Fürths Karaslavov den Ball abnimmt, sofort auf Werner
passt, der völlig frei vor dem gegnerischen Tor eine Sekunde zuviel Zeit zum
Überlegen hat und den Ball an Keeper Kirchstein vorbei ins Toraus schiebt. Was
für eine Möglichkeit! 10 Minuten später durften sich die Gastgeber die Haare
raufen, als Burkhardt einen zunächst abgewehrten Eckball flach an den
Innenpfosten setzt. 5 Minuten später, andere Seite, Hansen bedient
Charalambides, der freie Schussbahn hat, aber nicht genug Druck hinter den Ball
bekommt, so dass Ex-Bundesligakeeper Kirchstein das Leder noch um Haaresbreite
um den Pfosten lenken kann. Es war ein tolles, offenes Spiel beider Teams in
den ersten Minuten und Fürth schien beeindruckt zu sein von Jenas
Offensivdrang, richtete sein Spiel fast ausschließlich auf das Provozieren von
Standardsituationen aus und lange weite Bälle auf den emsigen Reisinger. Dass
jenem nach 28 gespielten Minuten die Führung gelang, hatte er aber zwei
Jenensern zu verdanken. Stefan Kühne bringt mit viel zu kurzem Rückpass seinen
Keeper in Bedrängnis und warum Christian Person den Ball nicht nach links oder
rechts klärt, sondern ausgerechnet an die ausgestreckte Hand des heranstürmenen
Reisingers, bleibt sein Geheimnis. Der Ball trudelt ins leere Tor, 1:0. Ein
Schock zweifellos dieser Treffer in Unterzahl, denn Omodiagbe musste sich am
Spielfeldrand nach einem nicht geahndeten Foul behandeln lassen und kurz darauf
gegen Oniani ausgewechselt werden, aber anders als noch vor Wochenfrist in
Frankfurt reagierte der FCC unbeeindruckt und kommt nur sechs Minuten später
zum verdienten Ausgleich. Stegmayer täuscht eine Flanke an, passt aber flach
auf Simak, der düpiert mit Körpertäuschung gleich zwei Fürther und findet
Charalambides, dessen Ball auch für den 1,96-Riesen Kirchstein zu platziert ist
und ins lange Eck kullert.
Kurz vor der Pause zappelt der Ball erneut im Netz,
nachdem Kühne einen Eckball einnickt, doch die Anerkennung bleibt verwehrt, ein
Stürmerfoul will Referee Zwayer zuvor gesehen haben. So geht es mit einem
leistungsgerechten Remis in die Pause und Jenas Fans durften vor allem mit dem
mannschaftlich geschlossenen Auftreten zufrieden sein, lediglich die einfach
nicht abzustellenden teils haarsträubenden individuellen Fehler bereiteten
graue Haare.
Von denen dürfte Fürths Coach Bruno Labbadia kurz nach Wiederanpfiff auch einige mehr bekommen haben, denn wie schon in der ersten Halbzeit bereitete sein Innenverteidiger Karaslavov eine Großchance für den FCC vor, nur dass Torghelle die Einladung nach katastrophalem Rückpass diesmal nicht ausschlug und durch die Beine Kirchsteins zur Jenaer Führung vollendete, unmittelbar vor dem proppevollem Gästeblock für Partystimmung sorgte. Siegeszuversicht machte sich breit, doch wie man ein Team gänzlich zermürben kann, stellte Schiedsrichter Zwayer eindrucksvoll unter Beweis. Die Folge einer völlig einseitigen Regelauslegung waren unter anderem sage und schreibe acht gelbe Karten für Jenas Kicker, die sich in der Folge mehr und mehr zurückzogen und Zweikämpfe scheuten, deren Ausgang schon vorher festzustehen schien. Und so wäre etwas mehr Nähe zum Gegenmann durchaus empfehlenswert gewesen, als der für den gesperrten Fürther Kapitän Felgenhauer ins Team gerückte Stephan Schröck im Doppelpass mit Nehrig Stegmayer düpierte und unbedrängt in den 5m-Raum flanken durfte, wo Lanig den Ball artistisch über die Linie drückte. Eine knappe halbe Stunde war da noch zu spielen und diese wurde bestimmt durch eine Flut von Freistößen. Jan Simak setzte seinen knapp neben den Pfosten (66.), auf Fürther Seite vergab Mauersberger die größte Gelegenheit, als er eine Freistoßflanke per Fuß abnahm und das Leder knapp neben das Tor setzte, den Außenpfosten streifend. Der für Charalambides eingewechselte Tapalovic hatte vier Minuten vor dem Ende auf Zuckerpass Simaks die letzte Möglichkeit für den FCC, ließ aber Torghelles Kaltschnäuzigkeit vermissen und gab die Verantwortung lieber per verunglücktem Querpass weiter. So musste gar um den einen Punkt bis in die 93. Minute gezittert werden, als eine faire Aktion von Oniani an der Strafraumgrenze wieder einmal mit Freistoß für die Kleeblätter geahndet wurde und Stefan Kühne die Flanke artistisch vor dem einköpfbereiten Mauersberger entschärft.
So ein klein wenig hatte der Fußballgott sein Herz also für Thüringens Traditionsverein wiederentdeckt und auch Jenas Spieler durften sich – anders als vor 7 Tagen – Streicheleinheiten der eigenen Fans gefallen lassen, zu denen sich auch Neu-Clubberer und Herzens-Jenenser Ralf Schmidt gesellte. Nach drei schlimmen Auftritten am Ronhof holte der FC Carl Zeiss also zum ersten Male Zählbares, doch irgendwie war mehr drin. <gunner>
- Jena: Person; Stegmayer, Omodiage, Maul, Günther (75.Oniani);
Hansen (70.Tapalovic), Kühne, Simak, Charalambides (61.Holzner); Werner,
Torghelle
- Offenbach: Thier, Pinske (60.Sidney), Müller, Hysky, Bungert, Cimen, Sieger (46.Ogungbure

,89.),
Judt (70.Epstein), Moktari, Türker
- Zuschauer: 5867
- Schiedsrichter: Bandurski (Essen)
- Spielbericht:
- Offenbach: Thier, Pinske (60.Sidney), Müller, Hysky, Bungert, Cimen, Sieger (46.Ogungbure
- Ein mulmiges Gefühl machte sich in meiner Magengegend breit, als ich vor der heutigen Partie gegen die Kickers aus
Offenbach das Stadion betrat. Nach fünf Niederlagen in Folge und zuletzt einer katastrophalen Leistung in Frankfurt gegen
Wehen schwante mir auch heute nichts Gutes. Die spielerisch guten Leistungen der ersten Saisonpartien waren vorbei und wer
das Match in Frankfurt live miterleben musste, konnte mein Gefühl durchaus verstehen. Zu viel lief in der Hessenmetropole
bei den Jenaern schief, als dass man ausgerechnet heute gegen die zuletzt starken Hessen vermuten konnte, dass es anders werden würde.
Aber beim Blick auf die Aufstellung der Partie wich mein mulmiges Gefühl blanker Zuversicht, denn Neu-Couch Ivanauskas bewies Mut und
krempelte sein Team gegenüber der letzten Partie auf sechs Positionen um und brachte "Typen" wie Günther, Hansen, Maul und Kühne,
welche gegen Wehen so schmerzlich vermisst wurden.
Der FCC begann auch von Beginn an couragiert und drückte die Offenbacher in deren Hälfte, woraus auch nach zwei Minuten die erste Minichance resultierte. Nach gut einer Viertelstunde bot sich dann den Gästen auch ihre erste Möglichkeit, doch Siegers Schuss ging über den Kasten. Den Spielern des FCC merkte man am heutigen Tage zu jeder Sekunde an, dass sie den unbedingten Willen hatten, sich nicht so "abschlachten" zu lassen bzw. gewinnen zu wollen. Nach einer halbe Stunde waren einige der Zuschauer schon froh, dass die Jenaer bis dahin kein Tor kassiert hatten. Doch kurz vor der Halbzeitpause sollte es noch besser kommen, als Simak einen Freistoß aus 30m auf das Tor zirkelte und der Ball auf einmal im Tor zappelte. Grenzenloser Jubel auf den Rängen, doch die meisten wollten es trotzdem kaum glauben, da sie dieses unglaubliche Glückgefühl gar nicht mehr kannten.
Fünf Minuten nach Wiederanpfiff die erste Schrecksekunde für die Jenaer, als Dino Toppmöller völlig freistehend aus gut sechs Metern den Ball zum Glück über das Tor donnerte. Der bis dahin relativ souveräne Schiedsrichter Bandurski fing nun an, seine Linie zu verlieren, und sorgte mit einigen Fehlentscheidungen für Unruhe auf dem Platz und den Zuschauerrängen, was in der Gelb-Roten Karte für Ogungbure gipfelte. Die Partie wurde dadurch nun zunehmend hektischer und es war ein Tanz auf Messers Schneide. Die Offenbacher machten nun hinten ein wenig auf und drückten auf den Ausgleich, doch der Abwehrriegel des FCC stand. Das Hoffen und Bangen ging weiter und eine Viertelstunde war noch zu spielen, da kam ein langer Ball in des Gegners Strafraum. Gästekeeper Thier und ein Offenbacher Verteidiger waren sich in dieser Szene nicht einig genug, wer diesen Ball retten sollte. Nutznießer dieser Aktion war Werner, der sich einfach das Leder schnappte, Thier umkurvte und zum 2:0 vollendete. Vier Minuten vor Ultimo hätte Werner noch zum absoluten Held des Spiels werden könnten, doch nach einem erneuten Fehler des Offenbacher Schlußmannes schloss Werner aus spitzen Winkel ein wenig zu ungenau ab, so dass der Ball Zentimeter vor der Torlinie entlang rollte und doch nicht den Weg ins Tor fand. Kurz darauf war die Partie zu Ende und der erste lang ersehnte Dreier unter Dach und Fach.
Die wenigsten Zuschauer hätten nach dem Katastrophenspiel vor gerade einmal drei Tagen erwartet, dass sich die Mannschaft so aufraffen könnte, um die starken Hessen heute gar besiegen zu können. "Der FCC, der FCC, der FCC ist wieder da…" skandierten die Fans von den Rängen und die Freude war natürlich umso größer, weil mit einem derartigen Wandel in so kurzer Zeit wohl kaum einer gerechnet hatte. Aber letztendlich waren es trotzdem "nur" drei Punkte und wie Ivanauskas sagte:" Der Tunnel ist noch sehr lang, bis wir das Licht am Ende sehen". <vg>
SV Wehen Wiesbaden -FC Carl Zeiss Jena 5:1
Tore: 1:0 Diakite (9.), 2:0 Diakite (11.), 3:0 Siegert (20.), 4:0
Nicu (41.), 5:0 Nicu (73.), 5:1 Simak (82., FE)
- Wehen: Richter; Kokot, Jeknic, Kopilas, Nakas; Catic (62.
Amstätter), Nicu (78. Cailas), Siegert, Schwarz; König,
Diakite (85. Lombe)
- Jena: Jensen; Kandelaki, Omodiagbe, Müller (46. Oniani),
Holzner; Stegmayer, Lorenzon, Ziegner (46. Werner), Simak, Charalambides;
Torghelle
- Zuschauer: 5626
- Schiedsrichter: Seemann (Essen)
- Spielbericht:
- (von Gastkommentator Jens Klebe)
Nach einem völlig verkorksten Saisonstart mit nur einem
Punkt auf der Habenseite griffen in der vergangenen Woche auch in Jena die so
genannten ungeschriebenen Gesetze des Geschäfts. Klassenerhalts-Held Neubarth
räumte sein Trainerzimmer welches kurz darauf mit Valdas Iwanauskas einen neuen
Nutzer fand. Um zu sehen, was dieser Wechsel bewirken könne, hatten sich
immerhin gut 1.500 Zeissfans auf den Weg nach Frankfurt gemacht. Würde im
Frankfurter Waldstadion gegen den SV Wehen endlich der erste Dreier eingefahren?
Da die Leistung au dem Koblenz-Spiel ja nur schwer zu unterbieten sein würde,
bestand Anlass zur Hoffnung.
Aber selbst dieses zarte Pflänzchen verdorrte schnell.
Jena startete zwar ohne Kühne, Hansen und Werner – dafür aber gewohnt schlafmützig.
Bereits nach 11 Minuten hatte Diakite mit einem Doppelschlag
klare Verhältnisse geschaffen. Zunächst bekam die FCC-Abwehr in Person Ziegners
nach einer Wehener Flanke den Ball nicht aus der Gefahrenzone, aus 20 Metern
zog ein Wehener ab und als Diakite den Ball abfälschte schlug er unhaltbar
neben Jensen ein. Ganz einfach dann Tor Nummer 2: Flanke von links, Diakite
frei im Sechzehner, draufgehalten und drin!
ass=MsoNormal>Nach 15 Minuten versuchte sich dann auch Simak erstmals für
den FCC an einem Torschuss, setzte diesen aber drüber.
Nach 20 Minuten vertändelte Charalambidis den Ball
leichtfertig in der Vorärtsbewegung, es folgt ein Konter über rechts, Schwarz
bediente Siegert und der zog vom Strafraumeck in die lange Ecke ab – 3:0!
Die Jenaer glichen nun einem Häuflein Elend und so spielten
sie auch weiter. Kaum waren weitere 10 Minuten vergangen, als Omo und Holzner
den ballführenden Nicu auf seinem Weg zum Tor brav begleiteten, ohne ihn
entscheidend zu stören. Nicu hob den Ball über Jensen und dieser schlug zum 4:0
ein. (40.)
Jenas Anhang hatte jetzt „die Schnauze voll“. So sang es
jedenfalls ein Großteil der Mitgereisten und verabschiedete sich mit dem
Pausenpfiff aus dem Stadioninneren.
Ansonsten waren in der Zwischenzeit die blaugelbweißen
Anfeuerungsrufe durch weitere zornige Schmährufe ersetzt worden.
Halbzeit 2 begann mit Werner und Oniani für Ziegner und
Müller. Werner war auch der Einzige in der Gästeelf der sich nachhaltig
versuchte, in Szene zu setzen.
Da Wehen jetzt nicht mehr tat, als für die Verwaltung des Resultats
nötig war, konnte der FCC zumindest zeitweilig fast optische Ausgeglichenheit
erreichen. In einer Phase, als Jena auch der eine oder andere gute Angriff
gelang (meist über Werner und Simak), dann die kalte Dusche. Mit einem
Freistoß-Trick aus der Schüler-Trickkiste wurde erneut Nicu freigespielt und
mit etwas Glück schlug sein Schuss zum 5:0 ein (73.).
Der FCC war demontiert. Daran änderte auch Simaks
Elfmetertreffer nichts mehr, den er nach einem Halten an Torghelle sicher
markierte.
Insgesamt bot der FCC eine erschreckend desolate Leistung
und es dürfte einem Wunder gleichkommen, wenn Iwanauskas aus diesem
verunsicherten Haufen binnen Kürze ein siegfähiges Team formen könnte. Ansätze
–mehr aber auch nicht- konnte man in der zweiten Hälfte zumindest bei Einigen
wenigstens erkennen. Dennoch, eigentlich ist jedes Wort über das heutige Spiel
eigentlich eines zu viel. Außer vielleicht diesem: beschämend!
So traurig und erschreckend das klingt: der FCC holte sich
eine verdiente Niederlage ab und kann schon am 7. Spieltag mit der Devise „Wir
haben ja nichts mehr zu verlieren!“ antreten.
Ca. 400 Jenaer Fans, die ohnehin die 2. Halbzeit außerhalb
des Stadions zugebracht hatten, blockierten anschließend friedlich die Ausfahrt
des FCC-Mannschaftsbusses und machten ihren Unmut deutlich. Adressaten waren
neben dem Team auch der Sportliche Leiter Lutz Lindemann und Präsident Zipfel.
Nach Gesprächen mit den Spielern Maul, Werner, Hansen,
Co-Trainer Holetschek und einer kurzen (aber eher schwachen) Ansprache des Kapitäns
Ziegner löste sich der Protest friedlich auf.
FC Carl Zeiss Jena - TuS Koblenz 1:2
Tore: 0:1 Daham (29.), 1:1 Omodiagbe (39.), 1:2 Daham (43.)
- Jena: Jensen; Kühne (46. Ziegner), Omodiage, Maul, Holzner;
Hansen (64. Fardjad-Azad), Müller, Simak, Stegmayer; Werner,
Torghelle (36. Petersen)
- Koblenz: Eilhoff; Lomic, Bajic, Mavric, Forkel; Djokaj (63.
Langen), Dzaka, Hartmann, Sukalo; Cha (82. Bogavac), Daham (90. Richter)
- Zuschauer: 8251
- Schiedsrichter: Schriever (Dorum)
- Spielbericht:
- Konnte man sich nach der
Heimniederlage gegen Mainz noch damit trösten, gegen einen klar besseren
Gegner, der noch dazu aus der 1. Bundesliga gekommen war, verloren zu haben, so
fehlte diese Trostmöglichkeit nach dem Abpfiff gegen Koblenz völlig.
Dabei sah es anfangs recht gut aus,
wenn man von den ungewohnten Trikots absah, die an übergezogene gelbe Trainingsleibchen
erinnerten. Von der ersten Minute an spielte der FCC nach vorn und drückte die
Gäste an ihren Strafraum. Und so ergaben sich auch schnell einige Chancen, z.B.
als Werner in der 3. Spielminute nach links auf Stegmayer spielte, der flankte
in die Mitte, wo Hansen allerdings zu hoch schoss. Drei Minuten später das
gleiche Strickmuster Mitte – links – Strafraum – drüber, diesmal waren Simak,
Werner und Torghelle die Beteiligten.
Dann hatte Schiedsrichter Schriever
seinen großen – oder besser: peinlichen – Auftritt: Hansen führte einen Einwurf
blitzschnell aus und der Koblenzer Torwart fischte den Ball genauso
blitzschnell vor Torghelle weg, stand dabei allerdings zwei, drei Meter vorm
Strafraum. Anstatt Eilhoff regelgerecht "Rot" zu zeigen, ließ
Schriever den Einwurf wiederholen. Warum? Das bliebt sein ewiges Geheimnis. Und
so ging es mit 0:0 im bisherigen Szenario weiter. Es fehlte jedoch bei allen
Zuspielen die letzte Abstimmung und Präzision, so auch, als Torghelle in
Mittelstürmerposition ein Zuspiel Simaks nur um Fußbreite verpasste (22.). Irgendwann
ließ der Jenaer Druck nach und die Koblenzer erkundeten die gegnerische Hälfte.
Tatkräftige Aufbauhilfe bekamen sie dabei von Stegmayer (26.) und Omodiagbe
(28.), die jeweils aus eigentlich schon geklärten Situationen unnötigerweise
Eckbälle für Koblenz fabrizierten. Und so kam es zum schon fast üblichen Ritual
im EAS: Die Gäste erhielten mit ihrem ersten vernünftigen Spielzug den
Führungstreffer geschenkt. Hansen rutschte auf der rechten Abwehrseite im an
sich harmlosen Zweikampf aus, Forkel flankte ungestört, Maul tauchte mit dem
Sprungvermögen eines Kanonenofens unterm Ball durch und Daham köpfte das
Geschenk ein – 0:1! The same
procedure as every week! Danach trug die
allgemeine Verunsicherung zehn gelb-blaue Trikots und wir hatten Glück, dass es
nicht gleich noch einen Gegentreffer gab. Doch Jensen tauchte in die untere
Ecke und verwehrte dem Kopfballaufsetzer Sukalos den Weg ins Netz. Neubarth
reagierte auf diesen Rückschlag und wechselte den bis dahin vielleicht etwas
glücklosen, aber insgesamt nicht besser oder schlechter als seine Mitspieler
agierenden Torghelle aus und brachte statt dessen Petersen. Für mich war diese
Auswechslung die entscheidende Szene für die weiteren lauen Angriffsversuche
und die logisch folgende Niederlage. In der 39. Minute hatte der Fußballgott
dann aber ein Einsehen mit den geplagten Zeiss-Fans und ließ Eilhoff eine Ecke
fehlerhaft wegfausten, Werner flankte den Abpraller in die Mitte und Jenas
Torgarantie Omodiagbe machte per Kopfball den Ausgleich. Jaaa, jetzt aber…
denkste! Der nächste Koblenzer Angriff bestand aus einem einfachen langen
Flankenball von der Mittelinie an die Strafraumgrenze. Dabei war der Ball so
lange in der Luft, dass sich Omo und Stegmayer rechts und links in
ausreichendem Abstand von Dahame aufstellen konnten, um diesem beim
Direktschuss ins lange Eck bewundernd zuzusehen. Mit den Händen aufgebaut
(Ausgleich) und sofort mit dem Hintern wieder eingerissen (1:2) – derzeit
typisch für den FCC!
Aussage eines Zuschauers in der
Halbzeitpause: "So mies wie diesmal war die Stimmung in der Halbzeitpause auf
der Toilette ewig nicht mehr." Es sollte nach der Pause nichts
Stimmungsförderndes mehr passieren. Zwar kam Ziegner für Kühne ins Team, aber
auch der passte sich der allgemeinen Leistung an. Es waren lediglich noch
vereinzelte Standards, die Eilhoff etwas Ablenkung brachten: Petersen köpfte
nach Ziegner-Freistoß übers Tor (50.) und Stegmayer donnerte einen 25-m-Knaller
direkt aufs Trikot des Gästekeepers. Jensen zeigte in der 62. min seinen
„running gag“ und ließ auch diesmal einen Ball nach vorn prallen, allerdings
folgenlos. Bezeichnend fürs Jenaer Spiel war die Tatsache, dass Holzner als
rechter Außenverteidiger die größten Angriffsbemühungen zeigte, sich immer
wieder für Zuspiele anbot und lange Wege zwischen vorn und hinten ging. Da
ansonsten kaum Bewegung im Jenaer Spiel war, prallten alle Bälle von der roten
Gummiwand ab, die Koblenz am Strafraum errichtet hatte.
Einziger Farbtupfer war Fardjad-Azad, der
nach seiner Einwechslung innerhalb von 5 Minuten dreimal aufs Tor schoß und
mehr Torgefahr erzeugte als alle anderen zusammen. Der Neunzehnjährige mühte
sich redlich und umkurvte einige Male seine Gegenspieler, aber da seine
Mannschaftskameraden nicht annähernd so viel Einsatz zeigten, war er auf
verlorenem Posten. In der letzten Viertelstunde bot Koblenz noch alle
Varianten, wie man beste Konterchancen kläglich vergibt – zum Glück, sonst wäre
es nicht beim 1:2 geblieben.
Diese Niederlage war nicht eine
unglückliche, nach der man zum Tagesgeschäft übergehen könnte. Im Verein muss
man sich auf Grund der Art und Weise, wie sich unsere Mannschaft in diesen 90
Minuten präsentierte, ernsthafte Gedanken machen, wie man eine totale
Pleitesaison verhindern kann. Noch ist die Zeit dafür! <uk>
FC Carl Zeiss Jena - FSV Mainz 05 1:2
Tore: 0:1 Feulner (17.), 1:1 Omodigabe (54.), 1:2 Gunkel (77.)
- Jena: Jensen; Kandelaki, Omodiage, Maul, Holzner; Hansen,
Müller (82. Helbig), Simak, Ziegner (46. Charalambides); Werner,
Torghelle (78. Petersen)
- Mainz: Wetklo; Demirtas, Noveski, Subotiv, Hoogland; Feulner,
Petkovic, Gunkel, Karhan (72. Laurent); Borja (61. Jovanovic), Amri
(89. Vrancic)
- Zuschauer: 11.798
- Schiedsrichter: Willenborg (Osnabrück)
- Spielbericht:
- Mainz 05 – ich muss gestehen, dass ich gewisse Sympathien
für diesen Verein hege. Selbige haben ein ganzes Stück mit Trainer Jürgen Klopp
zutun, aber auch mit dem Erscheinungsbild des FSV insgesamt. Wenn es jedoch gegen
den FC Carl Zeiss geht, gibt es kein Pardon
– dann gehört Mainz in der persönlichen Werteskala nur noch zu „best of the
rest“.
Es konnte mir also nicht gefallen, was sich da in Halbzeit
eins auf dem Rasen abspielte. Vom Anpfiff weg bestimmten die Gäste mit
scheinbarer Leichtigkeit die Szenerie. Zweite Minute, erste Chance – Amri aus
15 Metern knapp drüber. In der 6.
Minute lud Omodiagbe mit Fehlpass Feulner zum Torschuss ein. Der nach Köln
zurecht kritisierte, mit „Tri Tra Trullala“-Artikeln aber nahe der Gürtellinie
getroffene Kasper Jensen zeigte sich in dieser und den folgenden Situationen
wieder auf der Höhe. Den frühen Rückstand vermochte er aber nicht zu
verhindern. Weil bei einem schnellen Mainzer Angriff noch ein Stürmer im
Zentrum mitlief, gingen nicht ausreichend
Jenaer Verteidiger auf den ballführenden Markus Feulner. Dieser ließ Müller als
seinen einzigen Gegenspieler ins Leere grätschen und Jensen keine Chance.
Hallo wach ? – Weit
gefehlt, statt mit Aufbäumen reagierten Jenas Akteure mit Verunsicherung. Dass sich
Omodiagbe bei allen Qualitäten seine zwei, drei Aussetzer pro Spiel leistet,
wissen wir schon. Auch dass sich bei Holzner Licht und Schatten noch zu sehr
abwechseln. Doch selbst ein Alexander Maul ließ sich in dieser Phase von der
allgemeinen Nervosität in der Hintermannschaft anstecken.
Auch nach vorn lief wenig rund, keine Spur von einem konstruktiven Zusammmenspiel. Simaks
30-Meter-Freistoß war der erste Jenaer Torschuss überhaupt. Nach 32 Minuten !
Zu diesem Zeitpunkt hatte Mainz bereits ein halbes Dutzend Male aufs Tor geschossen.
Schon ein kurzer Antritt von Tobias Werner und die hohe Hereingabe, welche
Wetklo locker herunterfischte, ließen kurzzeitig Stimmung aufkommen. Wie
Dürstende auf jeden Tropfen Wasser stürzten sich die Zeiss-Fans auf diese
unaufregende Szene. Kein Wunder angesichts der Tristesse in Hälfte eins.
Omodiagbes Kopfball (42.) war da noch die beste Gelegenheit vor der Pause, vor
Probleme wurde Wetklo aber auch damit nicht gestellt. Dessen Gegenüber Jensen
hatte da ganz andere Kaliber zu meistern. Bei Feulners Kopfball aus Nahdistanz
reagierte der Däne großartig, auch Hooglands Nachschuss lenkte er zur Ecke.
Mainz dominierte. Mit dem 0:1-Rückstand war Jena zur Pause gut bedient.
Gelbe Schuhe zu blau-weißen Stutzen – rein optisch passt der
zypriotische Nationalspieler Constantinos Charalambides schon mal sehr gut nach
Jena. Zumindest in den ersten Minuten nach seiner Einwechslung war der
Neuzugang überall auf dem Platz zu finden, als wolle er im Alleingang dem
Geschehen eine Wende geben. Doch auch seine neuen Mannschaftskameraden
steigerten sich endlich auf jenes Niveau, dass man von Anfang an hätte erwarten
dürfen. Torghelles Einsatz auf der rechten Seite brachte nach 53 Minuten den
ersten Jenaer Eckball. Und der führte zum Ausgleich durch Darlington Omodiagbe.
Per Kopf traf der Nigerianer aus Nahdistanz. Zwischen Genie und Wahnsinn liegt
eben manchmal nur eine Halbzeitpause. Jetzt war Jena am Drücker, auch
akkustisch. Von den recht wenigen Mainzer Anhängern war vorübergehend nichts zu
hören. Bis hinauf zur letzten Reihe der neuen Zusatztribüne feuerten die
Zuschauer ihre Elf an. Jürgen Klopp lobte nach dem Spiel die tolle Atmosphäre
im Jenaer Stadion. Schade nur, dass sich seine Spieler davon nicht beeindrucken
ließen. Die Bundesligaabsteiger nahmen den Kampf an und da sie in der
Spielanlage einen Tick reifer wirkten, gewannen sie dieses Match. Amris
Schrecksekunde (Ball rollte parallel zur Linie des verwaisten Tores) beendete
die beste Jenaer Phase. Gunkels Diagonalfreistoß machte sinnbildlich den Deckel
zu. Dass der vom Schiri als indirekt ausgeschriebene Freistoß direkt verwandelt
wurde, passt ebenso ins Bild wie Werners unglücklich vergebene Großchance drei
Minuten vor Schluss – wenn du da unten drin stehst, bekommst du den Mist nicht
so schnell vom Hacken. Auf diese Art verlor der FCC sein drittes Spiel in Folge
mit einem Tor Differenz. Wobei es
Jensen mit einer weiteren Rettungstat gegen Feulner (90.) zu verdanken ist,
dass es nicht mehr wurde.
Die Schwere des Auftaktprogramms war uns allen bewusst. Dass
aus vier Partien nur ein mickriges Pünktchen herausspringt, ist allerdings
ernüchternd, insbesondere nach den Spielverläufen gegen St. Pauli und Köln. Bei
aufmerksamer Betrachtung des Jenaer Spiels gewinnt man den Eindruck, die
Komponenten für eine erfolgreiche Saison sind da, aber noch nicht richtig zusammengefügt.
Vielleicht kommt die 12tätige Punktspielpause gar nicht so ungelegen. <fc>
1. FC Köln - FC Carl Zeiss Jena 4:3
Tore: 0:1 Torghelle (5.), 1:1 Novakovic (20.), 1:2 Müller (37.),
1:3 Omodiagbe (55.), 2:3 Chihi (73.), 3:3 Chihi (84.), 4:3 Jensen (86., ET)
- Köln: Mondragon; Ehret, Mitreski, McKenna, Nickenig
(60. Schöneberg); Antar, Broich (60. Scherz), Helmes; Chihi, Vucicevic, Novakovic (60. Gambino)
- Jena: Jensen; Kandelaki, Omodiage, Müller, Holzner;
Hansen (84. Stegmayer), Lorenzon (46. Kühne), Werner, Simak,
Ziegner; Torghelle (81. Petersen)
- Zuschauer: 37.700
- Schiedsrichter: Dr. Fleischer (Sigmertshausen)
- Spielbericht:
- Es war die Woche der
unverdienten Auswärtssiege mit St. Paulis Dreier im Ernst-Abbe-Sportfeld und
Deutschlands glücklichem Erfolg in Wembley, und so mancher hegte die Hoffnung
auf eine Fortsetzung dieser Serie in Köln-Müngersdorf, waren die Vorzeichen
zwischen den beiden ungleichen Gegnern doch klar. Einen unverdienten Verlierer
gab es auch diesmal, jedoch war dies nicht etwa der haushohe Favorit, sondern
ein FC Carl Zeiss, der sich in der Schlussphase selbst um den Lohn eines
großartigen Spieles brachte.
Durch
den Platzverweis Alexander Mauls war Coach Frank Neubarth zu Umstellungen
gezwungen, nahm Robert Müller in die Innenverteidigung und ließ mit Nils Hansen
und dem erstmals nach seiner Verletzungspause wieder kickenden Lorenzon gleich
zwei Abräumer im defensiven zentralen Mittelfeld auflaufen. Werner und Ziegner
besetzten die Außenpositionen im Mittelfeld, während Jan Simak als Spielmacher
fungierte, hinter der einzigen Spitze Torghelle. Und was der drauf hat, sorgte
schon nach 5 Minuten für den ersten Jubelschrei unter den 1.500 mitgereisten
Zeissfans. Langer Abschlag Jensen, Kopfball-Doppelpass
Torghelle-Werner-Torghelle und unser ungarischer Neuzugang hämmerte die Kugel
trocken von der Strafraumgrenze ins Netz. 0:1, was für ein Auftakt, und um ein
Haar hätte Broich nachgelegt, dessen Rückpass Mondragon verfehlte, aber knapp
am Kölner Kasten vorbeirollte (14.).
Beim Gastgeber hatte man im Vorfeld einen mauernden Gegner erwartet,
doch der FCC spielte auch nach der Führung munter nach vorn, fast zu munter,
denn Kölner Gelegenheiten resultierten fast ausschließlich aus Kontern nach
jenenser Abspielfehlern. In der 10. Minute ging das noch gut, als Jensen einen
tückischen Helmes-Knaller im Nachfassen parierte, nach 20 Minuten jedoch hatten
die Domstädter mit ihrer zweiten Möglichkeit im Spiel ausgeglichen. Novakovic
hatte von Omodiagbe bedrängt Vucicevic angespielt, welcher an der rechten
Strafraumgrenze Lorenzon düpierte und auf den von Omodiagbe und Werner
sträflich vernachlässigten Novakovic zurückpasste. Dass dessen Schuß durch die
Beine von Hansen den Weg ins Netz fand ist sicher unglücklich zu nennen, das
Abwehrverhalten zuvor dilettantisch. Köln hatte nun Oberwasser, baute gehörigen
Druck auf und hatte mit Vucicevics Schussversuch nach Kandelakis
verhängnisvollem Ballverlust (24., knapp daneben) und Broichs abgefälschtem
Schuß (29., Jensen hält) auch die ein oder andere Möglichkeit. Doch als Simak
mit einem wahren Zauberpass den durchlaufenden Holzner bedient und dieser aus
Nahdistanz an Mondragon scheiterte (30.), wirkte das wie ein Signal an die
eigene Mannschaft zur Besinnung auf das überlegte Spiel der ersten Minuten. Kurz
darauf hätte es Elfmeter für den FC Carl Zeiss geben müssen, als Torghelle im
Strafraum gefoult wurde, doch nicht nur in dieser Szene zeigte sich die
nachhaltige Wirkung des Daumschen Montagstheaters bei Referee Dr. Fleischer.
Jena ließ sich nicht beirren, es war eine Freude, dem Kombinationsfußball von
Jenas Offensivabteilung um den immer besser werdenden Kapitän Ziegner, den an
allen Ecken des Spielfeldes zu findenden Hansen (bester Mann auf dem Platz) und
einen Jan Simak zuzusehen und manch einer rieb sich die Augen, mit welchem
Selbstbewusstsein der Underdog hier in der WM-Arena auftrat. Werners Schuß nach
36 Minuten parierte Mondragon im Nachfassen, Ziegners Freistoß eine Minute
später kratzte der kölsche Schlussmann noch aus dem Eck, doch die
darauffolgende Ecke brachte die verdiente Führung. Torghelle hatte Ziegners
Eckball an den langen Pfosten verlängert, wo Robert Müller eiskalt vollendete.
Der Gast wirkte nun wie paralysiert, beinahe hätte Torghelle das Ergebnis noch
höher schrauben können, verzettelte sich aber im Strafraum (39.) und so war der
Schlusspunkt unter die erste Hälfte symptomatisch, als der wenige Tage zuvor
noch zum Deutschlandkader gehörende Helmes eine Freistoßablage von Vucicevic 15
Meter über das Jensen-Gehäuse beförderte. Kölns Mannschaft ratlos, Kölns
Publikum fassungslos und ein gellendes Pfeifkonzert verabschiedete die
Millionentruppe in die Kabinen.
Aufbäumen,
Dagegenhalten, Druck aufbauen, so in etwa hätte man die Gastgeber nach
Wiederanpfiff erwartet, doch stattdessen spielte Thüringens Stolz so, als hätte
er einen Rückstand aufzuholen. Werner prüfte Mondragon mit Schuß aus spitzem
Winkel (51.), das Eckenverhältnis war inzwischen auf 7:3 für Jena angestiegen
und als Ziegners Freistoß den Fuß des völlig unbedrängt durchlaufenden
Omodiagbe fand, hieß es 1:3, das Spiel schien entschieden. Auch wenn Helmes nur
eine Minute später den Anschlusstreffer auf dem Kopf hatte und knapp verzog,
das Auftreten der völlig konsternierten Gastgeber glich insgesamt einem
Fehlpassfestival, begleitet von eisigem Schweigen des Opernpublikums auf den
Tribünen. Christoph Daum hatte die Nase voll, wechselte gleich drei Spieler auf
einmal aus und vor allem die Hereinnahme von Matthias Scherz, der ja schon in
der Vorsaison den mehr als glücklichen Siegtreffer der Kölner vom Elfmeterpunkt
erzielt hatte, sollte sich als folgenschwer erweisen. Doch zuvor hatte Referee Fleischer
seinen Auftritt, schickte Zeiss-Trainer Frank Neubarth auf die Tribüne, als der
sich lautstark über eine der unzähligen Freistoßfehlentscheidungen zugunsten
des 1. FC Köln mokierte (65.), übersah eine Tätlichkeit Antars an Stefan Kühne
(Kopfstoß, 68.) und gab für McKennas Notbremse an dem durchbrechenden Torghelle
nur gelb (71.). Jener Torghelle hatte bis dahin ein großartiges Spiel gehabt,
zerrte unermüdlich an den Ketten und war von seinem Gegenspieler meist nur
durch Foulspiele zu stoppen. Doch er wurde ebenso wie Jan Simak müder und so
verlagerte sich das Spielgeschehen mehr und mehr in die Jenaer Hälfte, Chihi
mit Freistoß und Antar per Kopfball (69.) besaßen gute Möglichkeiten, ehe in
der 73. Minute das Unheil für den FCC seinen Lauf nahm. Die Fehlerkette war
lang. Jensen ließ sich eine Kölner Flanke von Robert Müller zum Einwurf
wegköpfen, anstatt sie selbst herunterzupflücken. Omodiagbe musste erkennen,
dass auch 1,88m nicht ausreichen, wenn man 2 Meter hinter einem kopfballstarken
Matthias Scherz steht, dessen Verlängerung Adel Chihi fand, der von Felix
Holzner völlig unbedrängt zum Anschlusstreffer einschoß. Fünf Minuten später
hatte Scherz selbst die Riesenchance zum Ausgleich, köpfte aber freistehend am
völlig leeren Tor vorbei. Durchatmen, doch die Partie wurde hitziger. Mondragon
erhielt gelb, als er den sich bei der Auswechslung zu viel Zeit lassenden
Torghelle vom Platz schubste, Holzner kassierte den gelben Karton für ein an
ihm begangenes Foulspiel und Jan Simaks Bedrängen Vucicevics wurde mit Freistoß
für Köln geahndet, den Scherz aufs Tor platziert, Jensen lässt den schon sicher
geglaubten Ball vor die Füße von Chihi fallen, der nur noch abstauben muß.
Ausgleich, Kölns Publikum aus dem Dornröschenschlaf erwacht und Kasper Jensen der
einsamste Mann auf dem Platz. Ob ihm diese Szene noch durch den Kopf schwirrte,
als er kurz darauf Chihis Eckball (Omodiagbe hatte zur Ecke klären müssen, da
ein Ellenbogencheck von Scherz gegen ihn ungeahndet blieb) zum Kölner 4:3 ins
eigene Tor patschte?
Ein mehr als bitteres Ende für den zuvor gut spielenden
Keeper, der nach dem Abpfiff sofort den Trost seines Kapitäns Torsten Ziegner
bekam. Vergessen wird er diesen Abend wohl nie, ebenso wie Jenas Anhang. Fassungslose,
entsetzte Gesichter noch Minuten nach Spielende im Gästeblock. Was für eine
Riesenchance hatte sich der FC Carl Zeiss hier selbst vergeben. Ob die
tadellose Moral der Mannschaft mit diesem erneuten Tiefschlag einen dauerhaften
Knacks wegbekommen hat, oder ob man sich am 70 Minuten lang wirklich tollen
eigenen Spiel aufbaut, wird die nächste Partie gegen Mainz zeigen. Nachdem der
Trainer, dessen vorgenommene und unterlassene Auswechslungen in Köln nicht
jedermanns Geschmack trafen, aus den vielen Neuzugängen mehr und mehr eine
Mannschaft zu formen scheint, ist in den kommenden Tagen in erster Linie der
Psychologe Frank Neubarth gefragt! <gunner>
FC Carl Zeiss Jena - FC St.Pauli 0:1
Tore: 0:1 Schnitzler (20.)
- Jena: Jensen; Kandelaki, Maul
(

, 40.),
Omodiagbe, Holzner; Kühne (67. Petersen), Hansen, Ziegner (46. Simak),
Müller; Werner, Torghelle (77. Helbig)
- St.Pauli: Borger; Gunesch, Eger, Morena, Rothenbach; Trojan (79. Bruns), Boll, Meggle, Takyi (

, 42.), Brunnemann (45. Braun); Schnitzler (64. Ludwig)
- Zuschauer: 12.129
- Schiedsrichter: Schalk (Augsburg)
- Spielbericht:
- [von Gastkommentator Ragnar Boedefeld]
Nach drei erfolgreichen Jahren in Folge und der Wiederholung eines
2:2-Auswärtserfolgs nach 0:2-Rückstand im ersten Saisonspiel war es wieder
einmal an der Zeit, dem Aberglauben zu frönen. Und so schreibt jetzt im vierten
Jahr in Folge ein- und derselbe Gastkommentator den ersten Heimspielbericht.
Angeblich soll einer aus dem Stammpersonal sogar geheiratet haben, damit er um
diesen Spielbericht drumrum kam...
Ähnlich wie im letzten Jahr (Braunschweig) war auch diesmal ein potentieller
Konkurrent im Abstiegskampf beim ersten Saisonheimspiel zu Gast.
Unvorhersehbare Auswärtsunentschieden sind gerne gesehen - doch wichtiger sind
die drei Heimpunkte aus diesen sogenannten "Sechs-Punkte-Spielen". Unbedingter
Siegeswillen war also Pflicht, und so harrte unsereiner gespannt, ob der
Trainer Neubarth dieses seinen Spielern verklickert hatte.
Er hatte - wenn man
die ersten zwanzig Minuten des Spiels als Maßstab nimmt. In dieser Zeit brachte
der FCC fünf gefährliche Situationen zustande, die in ihrer Vielfalt
überraschten. Ein Freistoß von Ziegner, der knapp neben das Tor ging, ein
gefährlicher Fernschuss von Kühne, dann einer von Werner, den Borger abprallen
ließ - Torghelle war einen Schritt zu spät. Kurze Zeit später war es umgekehrt:
Torghelle ließ zwei Gäste aussteigen und versuchte einen Schlenzer mit dem
linken Bein, Borger ließ wieder prallen - doch der Ball wollte einfach nicht
rein. Dann folgte noch ein gefährlicher Kühne-Kopfball. Von Pauli war bis dahin
nichts zu sehen, die besten Aktionen der Gäste hatte noch der Fanblock.
Plötzlich zack-zack, ein Querpass, einer in die Spitze - und Schnitzler kann
frei vor Jensen einschieben. Ausgerechnet Pauli, das seinerseits letzte Woche
gegen Köln reihenweise vor dem Tor versagt hatte, machte mit seinem ersten
zusammenhängenden Spielzug das 0:1. Nur kurz danach wäre beinahe das 0:2
gefallen, der Ball ging links unten knapp vorbei. Beim FCC war jetzt ein Knacks
im Spiel, keiner lief richtig und elementare Dinge wie flache Anspiele und
Ballannahmen aus der Luft misslangen. Eine Viertelstunde lang war einmal mehr
der Fluch der ersten Saisonspiele zu ertragen: eine bunt zusammengekaufte
Mannschaft (gleichwohl mit Niveau) ist noch nicht wirklich eine Truppe, wirkt
verunsichert und ängstlich in einem ihr häufig noch fremden Heim-Umfeld, das
wegen des Rückstandes nicht erbaut ist. Bad Vibes... warum nur?
Individuelle Klasse hat der Kader jedenfalls, wie man in der 35. Minute sehen
konnte. Kandelaki wurde auf links steil geschickt, passte flach nach innen, wo
Torghelle den Ball annehmen, kontrollieren und auf Ziegner zurücklegen konnte,
der leider links vorbeisemmelte. Das tat weh, ebenso der knapp verfehlte
Ziegner-Freistoß kurz vor der Pause, bei dem Borger keine Regung zeigte. Ab der
40. Minute spielte übrigens der FCC nur noch zu zehnt, Maul war geampelt worden.
Zwei Minuten später hatte auch Pauli einen weniger auf dem Platz, nachdem Takuy
wiederholt das Spiel verzögert hatte.
Und dann kam der Abschnitt des Spiels, den ich nicht begreife. Freilich kann man
nicht 90 Minuten lang höchstes Tempo gehen, sicherlich muss man zwischendurch
auch mal verschnaufen. Aber wieso kann man nach einer Halbzeitpause voller
Regeneration nicht genau dort weitermachen, wo man vor der Pause aufgehört hat
- nämlich Druck auf den zeitweilig überforderten Gegner auszuüben? Pauli war
mit der Pause eigentlich sturmreif, wurde dann aber bis zur 70. Minute durch
einfache Fehler und mangelhaftes Laufspiel wieder aufgebaut. Wenn nur alle in
der zweiten Halbzeit so gerannt wären wie der Holzner...
Erst in der
Schlussviertelstunde wurde Pauli wieder in der eigenen Hälfte eingeschnürt.
Auffällig war dabei Jan Simak, der die Bälle jetzt schön verteilte und auch
selbst gefährlich wurde. Es ergaben sich Chancen im Minutentakt, fast jeder
durfte mal ran. Leider ging alles daneben (Torghelle 74., Petersen 78. und 86.,
Werner 83.), an den Pfosten (Petersen 74.) oder wurde von Borger entschärft
(Kopfball von Helbig 83.). Dann war Schluss und die erste Heimniederlage in der
neuen Saison Tatsache.
Trotz dieser Niederlage bleibt ein besseres Gefühl als im letzten Jahr nach dem
0:0 gegen Braunschweig, weil der FCC seinen Gegner diesmal spielerisch
beherrschte, obwohl die Hälfte der Neuzugänge noch auf der Bank saß bzw.
verletzt war. Heuer steht auch nicht zu befürchten, dass das Potential des
Clubs einbricht, sollten Spieler wie Ziegner und Helbig eine ganze Saison lang
verletzt ausfallen - der Kader ist wesentlich breiter und auch besser geworden.
Wie sagte Gästetrainer Trulsen in der Pressekonferenz: "Es wird für jede
Mannschaft schwer, in Jena zu punkten." Allerdings nur, wenn die Dinger vorne
auch jemand reinmacht!
Alemannia Aachen - FC Carl Zeiss Jena 2:2
Tore: 1:0 Vukovic (1.), 2:0 Nemeth (6.), 2:1 Maul (28.), 2:2 Petersen
(76.)
- Aachen: Nicht; Stehle, Klitzpera, Vukovic (33. Casper), Weigelt;
Lehmann, Polenz (75. Leiwakabessy), Reghecampf, Nemeth, Pecka (81. Milchraum),
Ebbers
- Jena: Jensen; Kandelaki, Maul, Omodiagbe, Holzner; Kühne,
Müller (72. Petersen), Hansen, Ziegner (72. Fröhlich), Simak
(58. Stegmayer); Werner
- Zuschauer: 19.986
- Schiedsrichter: Aytekin
- Spielbericht:
- Wenn ein Verein aus der Bundesliga kommend zuhause auf den
Zweitliga-Dreizehnten des Vorjahres trofft, ist die Favoritenrolle am 1.
Spieltag klar gegeben. Dass sich der Webmaster aus Aachen bei der
Live-Ticker-Ankündigung aber gleich für ein fingierte 5:2-Vorhersage entschied, kam
uns vor dem Spiel doch etwas übertrieben vor.
Nach sechs Minuten Spielzeit schien allerdings nichts mehr
unmöglich. Zwei Gegentore hatte sich der FC Carl Zeiss zu diesem Zeitpunkt
schon eingefangen, das Erste nach 50 Sekunden ! Einen Freistoß-Ball von
Reghecampf verlängerte Vukovic per Kopf unhaltbar ins Jenaer Gehäuse. Robert
Müller war zwar mit hochgestiegen, hatte aber das Nachsehen. Keinen
Gegenspieler besaß Nemeth nach 5:30 min. Omodiagbe hatte die Abseitsfalle
aufgehoben.
0:2 - Mann oh Mann, welch ein Fehlstart in die insgesamt achte
Zweitligasaison des FCC ! Nachdem der erste Schock verdaut war, erinnerte man
sich als Auswärtsfahrer an den 1. Spieltag der Vorsaison, als Jena in Offenbach
ebenfalls mit zwei Toren hinten gelegen hatte, sich aber noch zum Remis
kämpfte. Sollte dies erneut möglich sein ? Hier, auf dem berühmten Aachener
Tivoli ? Nicht das Stadion selbst macht den Reiz aus, in vielen Dingen erinnert
es an die alte Heimstätte des FC Sachsen Leipzig. Nein, es ist die Atmosphäre,
bei der das Dabeisein einfach Spaß macht, weil die Stimmung enthustiastisch,
aber nicht aggressiv ist und häufig von drei Seiten gleichzeitig gepuscht wird.
Es sah noch immer nicht gut aus. Nach 25 Minuten war kein einziger
gefährlicher Ball auf das vom Ex-Jenaer Kristian Nicht gehütete Aachen-Gehäuse
abgegeben worden. Stattdessen musste Gegenüber Kasper Jensen beim
Aachener Konter die fehlende Innenverteidigung ersetzen und zehn Meter vor
seinem Strafraum per Kopf klären. Dann die 28. Minute. Ziegner aus einer
Spielertraube heraus auf Hansen, Flachschuss aus 15 Metern, Torwart Nicht pariert auf
Kosten einer Ecke. Das war sie, die erste Jenaer Gelegenheit im Punktspieljahr
2007/2008. Eine Ansage „Wir sind auch da“. Den anschließenden Eckball
erwischt Stefan Kühne am langen Pfosten, köpft ihn zur Torlinie, wo Alexander
Maul steht und unter Bedrängnis einköpft. Der Anschlusstreffer noch vor der
Pause. Wie damals in Offenbach. Hoffnung bei uns. Ein aus allen Wolken fallen
bei den Alemannen. Zu deutlich hatten sie die Anfangsphase dominiert,
zu leicht ihre Tore gemacht gegen einen in
dieser Phase unsortierten und harmlosen Gegner. Nun kämpften sich die
Neubarth-Schützlinge in das Spiel hinein. Nur vier Minuten nach dem
Anschlusstreffer spielte Simak einen ähnlich genialen Pass wie im Pokal eine Woche zuvor
auf Werner, der hatte gegen den heranstürmenden Nicht die Idee eines
Hebers – nur leider fiel dieser zu hoch aus. Eine Partie mit umgekehrten
Vorzeichen – jetzt spielte Jena Fußball. Wäre Kühne in der 43. Minute nicht
selbst überrascht gewesen über eine sich bietende Kopfballchance, es hätte noch
vor der Pause Unentschieden gestanden. Der Offenbacher Regievorlage hätte dies
freilich nicht entsprochen.
Mit ein bisschen Magengrummeln empfingen wir unsere Mannen
aus der Kabine. Nur nicht wieder solch eine Schlafwagen-Einlage wie zu Beginn.
Doch die Sorgen erwiesen sich als unbegründet. Lediglich Keeper Jensen sorgte
für erhöhte Herzfrequenz in Minute 51, als er bei zwei heranstürmenden
Gegenspielern den Ball nicht einfach wegschlug, sondern ihn kalt wie
Hundeschnauze behauptete. Außerdem Holzner, der am eigenen Strafraum den Ball
vertändelte und von Glück sagen kann, dass die Abseitsfahne nach oben
schnellte, da ansonsten eine 3 gegen 1-Überzahlsituation für die Westdeutschen
entstanden wäre.
Die Leistungssteigerung der Jenaer Elf lässt sich treffend am Bild festmachen, dass Ilia Kandelaki in den ersten neunzig Minuten
für seinen Verein abgab. Nach Stegmayers gutem Pokalauftritt war er für mancheinen
überraschend in die Startelf gerückt. Die etwas defensivere Variante schien
anfangs nach hinten loszugehen, weil der Georgier einige Male Unsicherheiten
auf seiner linken Seite offenbarte. Doch nach der Pause fand Kandelaki zu sich selbst,
seinen Mannschaftskameraden und ins Spiel. Wobei Stegmayer später noch eingewechselt wurde,
ebenso wie Fröhlich und Petersen. Die aus den Wechseln hervorgehenden
taktischen Umstellungen waren riskant, besonders der Austausch des defensiven
Müller gegen den stürmenden Petersen. Das Risiko sollte sich aber bezahlt machen. Denn
Nils Peteresen war gerade drei Minuten im Spiel, da verlängerte er einen Ball
von Kühne ins Tor. Wahnsinn ! Ausgerechnet Jenas Jüngster schafft den
Ausgleich. Klar hat der in Junioren-Länderspielen schon gegen
U19-Nationalmannschaften getroffen, doch ein solche wichtiger Treffer „bei den
Großen“ ist dann doch etwas Besonderes. Wäre der Bursche in Minute 79 doch noch
einmal etwas kaltblütiger gewesen, er hätte den FCC gar zum Sieg geschossen.
Nach einer Unsicherheit seines Gegenspielers verzog Petersen jedoch
deutlich.
Remember OFC – aus einem 0:2 ein 2:2 gemacht und dem Sieg
sehr nahe gekommen. Auch Kandelakis
Flanke fünf Minuten vor Schluss brachte Gefahr, neutralisierte sich aber mit
Reghecampfs Hereingabe in Minute 88. Beide Male fehlte ein Abnehmer im
Sturmzentrum.
Das Unentschieden feierten die Jenaer wie einen Sieg,
während die Gastgeber ziemlich konsterniert das Stadion verließen. Auch dieses
Bild hatten wir vor einem Jahr schon einmal. Neu ist die Serie, in der sich die
Jenaer Mannschaft befindet. Unter Frank Neubarth bleibt sie in Pflichtspielen
weiterhin unbesiegt. <fc>
Bilder von der ersten Partie
Spielbericht auf alemannia-aachen.de
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Nach einem völlig verkorksten Saisonstart mit nur einem Punkt auf der Habenseite griffen in der vergangenen Woche auch in Jena die so genannten ungeschriebenen Gesetze des Geschäfts. Klassenerhalts-Held Neubarth räumte sein Trainerzimmer welches kurz darauf mit Valdas Iwanauskas einen neuen Nutzer fand. Um zu sehen, was dieser Wechsel bewirken könne, hatten sich immerhin gut 1.500 Zeissfans auf den Weg nach Frankfurt gemacht. Würde im Frankfurter Waldstadion gegen den SV Wehen endlich der erste Dreier eingefahren? Da die Leistung au dem Koblenz-Spiel ja nur schwer zu unterbieten sein würde, bestand Anlass zur Hoffnung.
Aber selbst dieses zarte Pflänzchen verdorrte schnell.
Jena startete zwar ohne Kühne, Hansen und Werner – dafür aber gewohnt schlafmützig.
Bereits nach 11 Minuten hatte Diakite mit einem Doppelschlag
klare Verhältnisse geschaffen. Zunächst bekam die FCC-Abwehr in Person Ziegners
nach einer Wehener Flanke den Ball nicht aus der Gefahrenzone, aus 20 Metern
zog ein Wehener ab und als Diakite den Ball abfälschte schlug er unhaltbar
neben Jensen ein. Ganz einfach dann Tor Nummer 2: Flanke von links, Diakite
frei im Sechzehner, draufgehalten und drin!
ass=MsoNormal>Nach 15 Minuten versuchte sich dann auch Simak erstmals für
den FCC an einem Torschuss, setzte diesen aber drüber.
Nach 20 Minuten vertändelte Charalambidis den Ball
leichtfertig in der Vorärtsbewegung, es folgt ein Konter über rechts, Schwarz
bediente Siegert und der zog vom Strafraumeck in die lange Ecke ab – 3:0!
Die Jenaer glichen nun einem Häuflein Elend und so spielten
sie auch weiter. Kaum waren weitere 10 Minuten vergangen, als Omo und Holzner
den ballführenden Nicu auf seinem Weg zum Tor brav begleiteten, ohne ihn
entscheidend zu stören. Nicu hob den Ball über Jensen und dieser schlug zum 4:0
ein. (40.)
Jenas Anhang hatte jetzt „die Schnauze voll“. So sang es
jedenfalls ein Großteil der Mitgereisten und verabschiedete sich mit dem
Pausenpfiff aus dem Stadioninneren.
Ansonsten waren in der Zwischenzeit die blaugelbweißen
Anfeuerungsrufe durch weitere zornige Schmährufe ersetzt worden.
Halbzeit 2 begann mit Werner und Oniani für Ziegner und Müller. Werner war auch der Einzige in der Gästeelf der sich nachhaltig versuchte, in Szene zu setzen. Da Wehen jetzt nicht mehr tat, als für die Verwaltung des Resultats nötig war, konnte der FCC zumindest zeitweilig fast optische Ausgeglichenheit erreichen. In einer Phase, als Jena auch der eine oder andere gute Angriff gelang (meist über Werner und Simak), dann die kalte Dusche. Mit einem Freistoß-Trick aus der Schüler-Trickkiste wurde erneut Nicu freigespielt und mit etwas Glück schlug sein Schuss zum 5:0 ein (73.). Der FCC war demontiert. Daran änderte auch Simaks Elfmetertreffer nichts mehr, den er nach einem Halten an Torghelle sicher markierte.
Insgesamt bot der FCC eine erschreckend desolate Leistung
und es dürfte einem Wunder gleichkommen, wenn Iwanauskas aus diesem
verunsicherten Haufen binnen Kürze ein siegfähiges Team formen könnte. Ansätze
–mehr aber auch nicht- konnte man in der zweiten Hälfte zumindest bei Einigen
wenigstens erkennen. Dennoch, eigentlich ist jedes Wort über das heutige Spiel
eigentlich eines zu viel. Außer vielleicht diesem: beschämend!
So traurig und erschreckend das klingt: der FCC holte sich
eine verdiente Niederlage ab und kann schon am 7. Spieltag mit der Devise „Wir
haben ja nichts mehr zu verlieren!“ antreten.
Ca. 400 Jenaer Fans, die ohnehin die 2. Halbzeit außerhalb
des Stadions zugebracht hatten, blockierten anschließend friedlich die Ausfahrt
des FCC-Mannschaftsbusses und machten ihren Unmut deutlich. Adressaten waren
neben dem Team auch der Sportliche Leiter Lutz Lindemann und Präsident Zipfel.
Nach Gesprächen mit den Spielern Maul, Werner, Hansen,
Co-Trainer Holetschek und einer kurzen (aber eher schwachen) Ansprache des Kapitäns
Ziegner löste sich der Protest friedlich auf.
- Jena: Jensen; Kühne (46. Ziegner), Omodiage, Maul, Holzner;
Hansen (64. Fardjad-Azad), Müller, Simak, Stegmayer; Werner,
Torghelle (36. Petersen)
- Koblenz: Eilhoff; Lomic, Bajic, Mavric, Forkel; Djokaj (63. Langen), Dzaka, Hartmann, Sukalo; Cha (82. Bogavac), Daham (90. Richter)
- Zuschauer: 8251
- Schiedsrichter: Schriever (Dorum)
- Spielbericht:
- Koblenz: Eilhoff; Lomic, Bajic, Mavric, Forkel; Djokaj (63. Langen), Dzaka, Hartmann, Sukalo; Cha (82. Bogavac), Daham (90. Richter)
- Konnte man sich nach der
Heimniederlage gegen Mainz noch damit trösten, gegen einen klar besseren
Gegner, der noch dazu aus der 1. Bundesliga gekommen war, verloren zu haben, so
fehlte diese Trostmöglichkeit nach dem Abpfiff gegen Koblenz völlig.
Dabei sah es anfangs recht gut aus, wenn man von den ungewohnten Trikots absah, die an übergezogene gelbe Trainingsleibchen erinnerten. Von der ersten Minute an spielte der FCC nach vorn und drückte die Gäste an ihren Strafraum. Und so ergaben sich auch schnell einige Chancen, z.B. als Werner in der 3. Spielminute nach links auf Stegmayer spielte, der flankte in die Mitte, wo Hansen allerdings zu hoch schoss. Drei Minuten später das gleiche Strickmuster Mitte – links – Strafraum – drüber, diesmal waren Simak, Werner und Torghelle die Beteiligten.
Dann hatte Schiedsrichter Schriever seinen großen – oder besser: peinlichen – Auftritt: Hansen führte einen Einwurf blitzschnell aus und der Koblenzer Torwart fischte den Ball genauso blitzschnell vor Torghelle weg, stand dabei allerdings zwei, drei Meter vorm Strafraum. Anstatt Eilhoff regelgerecht "Rot" zu zeigen, ließ Schriever den Einwurf wiederholen. Warum? Das bliebt sein ewiges Geheimnis. Und so ging es mit 0:0 im bisherigen Szenario weiter. Es fehlte jedoch bei allen Zuspielen die letzte Abstimmung und Präzision, so auch, als Torghelle in Mittelstürmerposition ein Zuspiel Simaks nur um Fußbreite verpasste (22.). Irgendwann ließ der Jenaer Druck nach und die Koblenzer erkundeten die gegnerische Hälfte. Tatkräftige Aufbauhilfe bekamen sie dabei von Stegmayer (26.) und Omodiagbe (28.), die jeweils aus eigentlich schon geklärten Situationen unnötigerweise Eckbälle für Koblenz fabrizierten. Und so kam es zum schon fast üblichen Ritual im EAS: Die Gäste erhielten mit ihrem ersten vernünftigen Spielzug den Führungstreffer geschenkt. Hansen rutschte auf der rechten Abwehrseite im an sich harmlosen Zweikampf aus, Forkel flankte ungestört, Maul tauchte mit dem Sprungvermögen eines Kanonenofens unterm Ball durch und Daham köpfte das Geschenk ein – 0:1! The same procedure as every week! Danach trug die allgemeine Verunsicherung zehn gelb-blaue Trikots und wir hatten Glück, dass es nicht gleich noch einen Gegentreffer gab. Doch Jensen tauchte in die untere Ecke und verwehrte dem Kopfballaufsetzer Sukalos den Weg ins Netz. Neubarth reagierte auf diesen Rückschlag und wechselte den bis dahin vielleicht etwas glücklosen, aber insgesamt nicht besser oder schlechter als seine Mitspieler agierenden Torghelle aus und brachte statt dessen Petersen. Für mich war diese Auswechslung die entscheidende Szene für die weiteren lauen Angriffsversuche und die logisch folgende Niederlage. In der 39. Minute hatte der Fußballgott dann aber ein Einsehen mit den geplagten Zeiss-Fans und ließ Eilhoff eine Ecke fehlerhaft wegfausten, Werner flankte den Abpraller in die Mitte und Jenas Torgarantie Omodiagbe machte per Kopfball den Ausgleich. Jaaa, jetzt aber… denkste! Der nächste Koblenzer Angriff bestand aus einem einfachen langen Flankenball von der Mittelinie an die Strafraumgrenze. Dabei war der Ball so lange in der Luft, dass sich Omo und Stegmayer rechts und links in ausreichendem Abstand von Dahame aufstellen konnten, um diesem beim Direktschuss ins lange Eck bewundernd zuzusehen. Mit den Händen aufgebaut (Ausgleich) und sofort mit dem Hintern wieder eingerissen (1:2) – derzeit typisch für den FCC!Aussage eines Zuschauers in der Halbzeitpause: "So mies wie diesmal war die Stimmung in der Halbzeitpause auf der Toilette ewig nicht mehr." Es sollte nach der Pause nichts Stimmungsförderndes mehr passieren. Zwar kam Ziegner für Kühne ins Team, aber auch der passte sich der allgemeinen Leistung an. Es waren lediglich noch vereinzelte Standards, die Eilhoff etwas Ablenkung brachten: Petersen köpfte nach Ziegner-Freistoß übers Tor (50.) und Stegmayer donnerte einen 25-m-Knaller direkt aufs Trikot des Gästekeepers. Jensen zeigte in der 62. min seinen „running gag“ und ließ auch diesmal einen Ball nach vorn prallen, allerdings folgenlos. Bezeichnend fürs Jenaer Spiel war die Tatsache, dass Holzner als rechter Außenverteidiger die größten Angriffsbemühungen zeigte, sich immer wieder für Zuspiele anbot und lange Wege zwischen vorn und hinten ging. Da ansonsten kaum Bewegung im Jenaer Spiel war, prallten alle Bälle von der roten Gummiwand ab, die Koblenz am Strafraum errichtet hatte. Einziger Farbtupfer war Fardjad-Azad, der nach seiner Einwechslung innerhalb von 5 Minuten dreimal aufs Tor schoß und mehr Torgefahr erzeugte als alle anderen zusammen. Der Neunzehnjährige mühte sich redlich und umkurvte einige Male seine Gegenspieler, aber da seine Mannschaftskameraden nicht annähernd so viel Einsatz zeigten, war er auf verlorenem Posten. In der letzten Viertelstunde bot Koblenz noch alle Varianten, wie man beste Konterchancen kläglich vergibt – zum Glück, sonst wäre es nicht beim 1:2 geblieben.
Diese Niederlage war nicht eine unglückliche, nach der man zum Tagesgeschäft übergehen könnte. Im Verein muss man sich auf Grund der Art und Weise, wie sich unsere Mannschaft in diesen 90 Minuten präsentierte, ernsthafte Gedanken machen, wie man eine totale Pleitesaison verhindern kann. Noch ist die Zeit dafür! <uk>
FC Carl Zeiss Jena - FSV Mainz 05 1:2
Tore: 0:1 Feulner (17.), 1:1 Omodigabe (54.), 1:2 Gunkel (77.)
- Jena: Jensen; Kandelaki, Omodiage, Maul, Holzner; Hansen,
Müller (82. Helbig), Simak, Ziegner (46. Charalambides); Werner,
Torghelle (78. Petersen)
- Mainz: Wetklo; Demirtas, Noveski, Subotiv, Hoogland; Feulner,
Petkovic, Gunkel, Karhan (72. Laurent); Borja (61. Jovanovic), Amri
(89. Vrancic)
- Zuschauer: 11.798
- Schiedsrichter: Willenborg (Osnabrück)
- Spielbericht:
- Mainz 05 – ich muss gestehen, dass ich gewisse Sympathien
für diesen Verein hege. Selbige haben ein ganzes Stück mit Trainer Jürgen Klopp
zutun, aber auch mit dem Erscheinungsbild des FSV insgesamt. Wenn es jedoch gegen
den FC Carl Zeiss geht, gibt es kein Pardon
– dann gehört Mainz in der persönlichen Werteskala nur noch zu „best of the
rest“.
Es konnte mir also nicht gefallen, was sich da in Halbzeit
eins auf dem Rasen abspielte. Vom Anpfiff weg bestimmten die Gäste mit
scheinbarer Leichtigkeit die Szenerie. Zweite Minute, erste Chance – Amri aus
15 Metern knapp drüber. In der 6.
Minute lud Omodiagbe mit Fehlpass Feulner zum Torschuss ein. Der nach Köln
zurecht kritisierte, mit „Tri Tra Trullala“-Artikeln aber nahe der Gürtellinie
getroffene Kasper Jensen zeigte sich in dieser und den folgenden Situationen
wieder auf der Höhe. Den frühen Rückstand vermochte er aber nicht zu
verhindern. Weil bei einem schnellen Mainzer Angriff noch ein Stürmer im
Zentrum mitlief, gingen nicht ausreichend
Jenaer Verteidiger auf den ballführenden Markus Feulner. Dieser ließ Müller als
seinen einzigen Gegenspieler ins Leere grätschen und Jensen keine Chance.
Hallo wach ? – Weit
gefehlt, statt mit Aufbäumen reagierten Jenas Akteure mit Verunsicherung. Dass sich
Omodiagbe bei allen Qualitäten seine zwei, drei Aussetzer pro Spiel leistet,
wissen wir schon. Auch dass sich bei Holzner Licht und Schatten noch zu sehr
abwechseln. Doch selbst ein Alexander Maul ließ sich in dieser Phase von der
allgemeinen Nervosität in der Hintermannschaft anstecken.
Auch nach vorn lief wenig rund, keine Spur von einem konstruktiven Zusammmenspiel. Simaks
30-Meter-Freistoß war der erste Jenaer Torschuss überhaupt. Nach 32 Minuten !
Zu diesem Zeitpunkt hatte Mainz bereits ein halbes Dutzend Male aufs Tor geschossen.
Schon ein kurzer Antritt von Tobias Werner und die hohe Hereingabe, welche
Wetklo locker herunterfischte, ließen kurzzeitig Stimmung aufkommen. Wie
Dürstende auf jeden Tropfen Wasser stürzten sich die Zeiss-Fans auf diese
unaufregende Szene. Kein Wunder angesichts der Tristesse in Hälfte eins.
Omodiagbes Kopfball (42.) war da noch die beste Gelegenheit vor der Pause, vor
Probleme wurde Wetklo aber auch damit nicht gestellt. Dessen Gegenüber Jensen
hatte da ganz andere Kaliber zu meistern. Bei Feulners Kopfball aus Nahdistanz
reagierte der Däne großartig, auch Hooglands Nachschuss lenkte er zur Ecke.
Mainz dominierte. Mit dem 0:1-Rückstand war Jena zur Pause gut bedient.
Gelbe Schuhe zu blau-weißen Stutzen – rein optisch passt der
zypriotische Nationalspieler Constantinos Charalambides schon mal sehr gut nach
Jena. Zumindest in den ersten Minuten nach seiner Einwechslung war der
Neuzugang überall auf dem Platz zu finden, als wolle er im Alleingang dem
Geschehen eine Wende geben. Doch auch seine neuen Mannschaftskameraden
steigerten sich endlich auf jenes Niveau, dass man von Anfang an hätte erwarten
dürfen. Torghelles Einsatz auf der rechten Seite brachte nach 53 Minuten den
ersten Jenaer Eckball. Und der führte zum Ausgleich durch Darlington Omodiagbe.
Per Kopf traf der Nigerianer aus Nahdistanz. Zwischen Genie und Wahnsinn liegt
eben manchmal nur eine Halbzeitpause. Jetzt war Jena am Drücker, auch
akkustisch. Von den recht wenigen Mainzer Anhängern war vorübergehend nichts zu
hören. Bis hinauf zur letzten Reihe der neuen Zusatztribüne feuerten die
Zuschauer ihre Elf an. Jürgen Klopp lobte nach dem Spiel die tolle Atmosphäre
im Jenaer Stadion. Schade nur, dass sich seine Spieler davon nicht beeindrucken
ließen. Die Bundesligaabsteiger nahmen den Kampf an und da sie in der
Spielanlage einen Tick reifer wirkten, gewannen sie dieses Match. Amris
Schrecksekunde (Ball rollte parallel zur Linie des verwaisten Tores) beendete
die beste Jenaer Phase. Gunkels Diagonalfreistoß machte sinnbildlich den Deckel
zu. Dass der vom Schiri als indirekt ausgeschriebene Freistoß direkt verwandelt
wurde, passt ebenso ins Bild wie Werners unglücklich vergebene Großchance drei
Minuten vor Schluss – wenn du da unten drin stehst, bekommst du den Mist nicht
so schnell vom Hacken. Auf diese Art verlor der FCC sein drittes Spiel in Folge
mit einem Tor Differenz. Wobei es
Jensen mit einer weiteren Rettungstat gegen Feulner (90.) zu verdanken ist,
dass es nicht mehr wurde.
Die Schwere des Auftaktprogramms war uns allen bewusst. Dass
aus vier Partien nur ein mickriges Pünktchen herausspringt, ist allerdings
ernüchternd, insbesondere nach den Spielverläufen gegen St. Pauli und Köln. Bei
aufmerksamer Betrachtung des Jenaer Spiels gewinnt man den Eindruck, die
Komponenten für eine erfolgreiche Saison sind da, aber noch nicht richtig zusammengefügt.
Vielleicht kommt die 12tätige Punktspielpause gar nicht so ungelegen. <fc>
1. FC Köln - FC Carl Zeiss Jena 4:3
Tore: 0:1 Torghelle (5.), 1:1 Novakovic (20.), 1:2 Müller (37.),
1:3 Omodiagbe (55.), 2:3 Chihi (73.), 3:3 Chihi (84.), 4:3 Jensen (86., ET)
- Köln: Mondragon; Ehret, Mitreski, McKenna, Nickenig
(60. Schöneberg); Antar, Broich (60. Scherz), Helmes; Chihi, Vucicevic, Novakovic (60. Gambino)
- Jena: Jensen; Kandelaki, Omodiage, Müller, Holzner;
Hansen (84. Stegmayer), Lorenzon (46. Kühne), Werner, Simak,
Ziegner; Torghelle (81. Petersen)
- Zuschauer: 37.700
- Schiedsrichter: Dr. Fleischer (Sigmertshausen)
- Spielbericht:
- Es war die Woche der
unverdienten Auswärtssiege mit St. Paulis Dreier im Ernst-Abbe-Sportfeld und
Deutschlands glücklichem Erfolg in Wembley, und so mancher hegte die Hoffnung
auf eine Fortsetzung dieser Serie in Köln-Müngersdorf, waren die Vorzeichen
zwischen den beiden ungleichen Gegnern doch klar. Einen unverdienten Verlierer
gab es auch diesmal, jedoch war dies nicht etwa der haushohe Favorit, sondern
ein FC Carl Zeiss, der sich in der Schlussphase selbst um den Lohn eines
großartigen Spieles brachte.
Durch
den Platzverweis Alexander Mauls war Coach Frank Neubarth zu Umstellungen
gezwungen, nahm Robert Müller in die Innenverteidigung und ließ mit Nils Hansen
und dem erstmals nach seiner Verletzungspause wieder kickenden Lorenzon gleich
zwei Abräumer im defensiven zentralen Mittelfeld auflaufen. Werner und Ziegner
besetzten die Außenpositionen im Mittelfeld, während Jan Simak als Spielmacher
fungierte, hinter der einzigen Spitze Torghelle. Und was der drauf hat, sorgte
schon nach 5 Minuten für den ersten Jubelschrei unter den 1.500 mitgereisten
Zeissfans. Langer Abschlag Jensen, Kopfball-Doppelpass
Torghelle-Werner-Torghelle und unser ungarischer Neuzugang hämmerte die Kugel
trocken von der Strafraumgrenze ins Netz. 0:1, was für ein Auftakt, und um ein
Haar hätte Broich nachgelegt, dessen Rückpass Mondragon verfehlte, aber knapp
am Kölner Kasten vorbeirollte (14.).
Beim Gastgeber hatte man im Vorfeld einen mauernden Gegner erwartet,
doch der FCC spielte auch nach der Führung munter nach vorn, fast zu munter,
denn Kölner Gelegenheiten resultierten fast ausschließlich aus Kontern nach
jenenser Abspielfehlern. In der 10. Minute ging das noch gut, als Jensen einen
tückischen Helmes-Knaller im Nachfassen parierte, nach 20 Minuten jedoch hatten
die Domstädter mit ihrer zweiten Möglichkeit im Spiel ausgeglichen. Novakovic
hatte von Omodiagbe bedrängt Vucicevic angespielt, welcher an der rechten
Strafraumgrenze Lorenzon düpierte und auf den von Omodiagbe und Werner
sträflich vernachlässigten Novakovic zurückpasste. Dass dessen Schuß durch die
Beine von Hansen den Weg ins Netz fand ist sicher unglücklich zu nennen, das
Abwehrverhalten zuvor dilettantisch. Köln hatte nun Oberwasser, baute gehörigen
Druck auf und hatte mit Vucicevics Schussversuch nach Kandelakis
verhängnisvollem Ballverlust (24., knapp daneben) und Broichs abgefälschtem
Schuß (29., Jensen hält) auch die ein oder andere Möglichkeit. Doch als Simak
mit einem wahren Zauberpass den durchlaufenden Holzner bedient und dieser aus
Nahdistanz an Mondragon scheiterte (30.), wirkte das wie ein Signal an die
eigene Mannschaft zur Besinnung auf das überlegte Spiel der ersten Minuten. Kurz
darauf hätte es Elfmeter für den FC Carl Zeiss geben müssen, als Torghelle im
Strafraum gefoult wurde, doch nicht nur in dieser Szene zeigte sich die
nachhaltige Wirkung des Daumschen Montagstheaters bei Referee Dr. Fleischer.
Jena ließ sich nicht beirren, es war eine Freude, dem Kombinationsfußball von
Jenas Offensivabteilung um den immer besser werdenden Kapitän Ziegner, den an
allen Ecken des Spielfeldes zu findenden Hansen (bester Mann auf dem Platz) und
einen Jan Simak zuzusehen und manch einer rieb sich die Augen, mit welchem
Selbstbewusstsein der Underdog hier in der WM-Arena auftrat. Werners Schuß nach
36 Minuten parierte Mondragon im Nachfassen, Ziegners Freistoß eine Minute
später kratzte der kölsche Schlussmann noch aus dem Eck, doch die
darauffolgende Ecke brachte die verdiente Führung. Torghelle hatte Ziegners
Eckball an den langen Pfosten verlängert, wo Robert Müller eiskalt vollendete.
Der Gast wirkte nun wie paralysiert, beinahe hätte Torghelle das Ergebnis noch
höher schrauben können, verzettelte sich aber im Strafraum (39.) und so war der
Schlusspunkt unter die erste Hälfte symptomatisch, als der wenige Tage zuvor
noch zum Deutschlandkader gehörende Helmes eine Freistoßablage von Vucicevic 15
Meter über das Jensen-Gehäuse beförderte. Kölns Mannschaft ratlos, Kölns
Publikum fassungslos und ein gellendes Pfeifkonzert verabschiedete die
Millionentruppe in die Kabinen.
Aufbäumen,
Dagegenhalten, Druck aufbauen, so in etwa hätte man die Gastgeber nach
Wiederanpfiff erwartet, doch stattdessen spielte Thüringens Stolz so, als hätte
er einen Rückstand aufzuholen. Werner prüfte Mondragon mit Schuß aus spitzem
Winkel (51.), das Eckenverhältnis war inzwischen auf 7:3 für Jena angestiegen
und als Ziegners Freistoß den Fuß des völlig unbedrängt durchlaufenden
Omodiagbe fand, hieß es 1:3, das Spiel schien entschieden. Auch wenn Helmes nur
eine Minute später den Anschlusstreffer auf dem Kopf hatte und knapp verzog,
das Auftreten der völlig konsternierten Gastgeber glich insgesamt einem
Fehlpassfestival, begleitet von eisigem Schweigen des Opernpublikums auf den
Tribünen. Christoph Daum hatte die Nase voll, wechselte gleich drei Spieler auf
einmal aus und vor allem die Hereinnahme von Matthias Scherz, der ja schon in
der Vorsaison den mehr als glücklichen Siegtreffer der Kölner vom Elfmeterpunkt
erzielt hatte, sollte sich als folgenschwer erweisen. Doch zuvor hatte Referee Fleischer
seinen Auftritt, schickte Zeiss-Trainer Frank Neubarth auf die Tribüne, als der
sich lautstark über eine der unzähligen Freistoßfehlentscheidungen zugunsten
des 1. FC Köln mokierte (65.), übersah eine Tätlichkeit Antars an Stefan Kühne
(Kopfstoß, 68.) und gab für McKennas Notbremse an dem durchbrechenden Torghelle
nur gelb (71.). Jener Torghelle hatte bis dahin ein großartiges Spiel gehabt,
zerrte unermüdlich an den Ketten und war von seinem Gegenspieler meist nur
durch Foulspiele zu stoppen. Doch er wurde ebenso wie Jan Simak müder und so
verlagerte sich das Spielgeschehen mehr und mehr in die Jenaer Hälfte, Chihi
mit Freistoß und Antar per Kopfball (69.) besaßen gute Möglichkeiten, ehe in
der 73. Minute das Unheil für den FCC seinen Lauf nahm. Die Fehlerkette war
lang. Jensen ließ sich eine Kölner Flanke von Robert Müller zum Einwurf
wegköpfen, anstatt sie selbst herunterzupflücken. Omodiagbe musste erkennen,
dass auch 1,88m nicht ausreichen, wenn man 2 Meter hinter einem kopfballstarken
Matthias Scherz steht, dessen Verlängerung Adel Chihi fand, der von Felix
Holzner völlig unbedrängt zum Anschlusstreffer einschoß. Fünf Minuten später
hatte Scherz selbst die Riesenchance zum Ausgleich, köpfte aber freistehend am
völlig leeren Tor vorbei. Durchatmen, doch die Partie wurde hitziger. Mondragon
erhielt gelb, als er den sich bei der Auswechslung zu viel Zeit lassenden
Torghelle vom Platz schubste, Holzner kassierte den gelben Karton für ein an
ihm begangenes Foulspiel und Jan Simaks Bedrängen Vucicevics wurde mit Freistoß
für Köln geahndet, den Scherz aufs Tor platziert, Jensen lässt den schon sicher
geglaubten Ball vor die Füße von Chihi fallen, der nur noch abstauben muß.
Ausgleich, Kölns Publikum aus dem Dornröschenschlaf erwacht und Kasper Jensen der
einsamste Mann auf dem Platz. Ob ihm diese Szene noch durch den Kopf schwirrte,
als er kurz darauf Chihis Eckball (Omodiagbe hatte zur Ecke klären müssen, da
ein Ellenbogencheck von Scherz gegen ihn ungeahndet blieb) zum Kölner 4:3 ins
eigene Tor patschte?
Ein mehr als bitteres Ende für den zuvor gut spielenden
Keeper, der nach dem Abpfiff sofort den Trost seines Kapitäns Torsten Ziegner
bekam. Vergessen wird er diesen Abend wohl nie, ebenso wie Jenas Anhang. Fassungslose,
entsetzte Gesichter noch Minuten nach Spielende im Gästeblock. Was für eine
Riesenchance hatte sich der FC Carl Zeiss hier selbst vergeben. Ob die
tadellose Moral der Mannschaft mit diesem erneuten Tiefschlag einen dauerhaften
Knacks wegbekommen hat, oder ob man sich am 70 Minuten lang wirklich tollen
eigenen Spiel aufbaut, wird die nächste Partie gegen Mainz zeigen. Nachdem der
Trainer, dessen vorgenommene und unterlassene Auswechslungen in Köln nicht
jedermanns Geschmack trafen, aus den vielen Neuzugängen mehr und mehr eine
Mannschaft zu formen scheint, ist in den kommenden Tagen in erster Linie der
Psychologe Frank Neubarth gefragt! <gunner>
FC Carl Zeiss Jena - FC St.Pauli 0:1
Tore: 0:1 Schnitzler (20.)
- Jena: Jensen; Kandelaki, Maul
(

, 40.),
Omodiagbe, Holzner; Kühne (67. Petersen), Hansen, Ziegner (46. Simak),
Müller; Werner, Torghelle (77. Helbig)
- St.Pauli: Borger; Gunesch, Eger, Morena, Rothenbach; Trojan (79. Bruns), Boll, Meggle, Takyi (

, 42.), Brunnemann (45. Braun); Schnitzler (64. Ludwig)
- Zuschauer: 12.129
- Schiedsrichter: Schalk (Augsburg)
- Spielbericht:
- [von Gastkommentator Ragnar Boedefeld]
Nach drei erfolgreichen Jahren in Folge und der Wiederholung eines
2:2-Auswärtserfolgs nach 0:2-Rückstand im ersten Saisonspiel war es wieder
einmal an der Zeit, dem Aberglauben zu frönen. Und so schreibt jetzt im vierten
Jahr in Folge ein- und derselbe Gastkommentator den ersten Heimspielbericht.
Angeblich soll einer aus dem Stammpersonal sogar geheiratet haben, damit er um
diesen Spielbericht drumrum kam...
Ähnlich wie im letzten Jahr (Braunschweig) war auch diesmal ein potentieller
Konkurrent im Abstiegskampf beim ersten Saisonheimspiel zu Gast.
Unvorhersehbare Auswärtsunentschieden sind gerne gesehen - doch wichtiger sind
die drei Heimpunkte aus diesen sogenannten "Sechs-Punkte-Spielen". Unbedingter
Siegeswillen war also Pflicht, und so harrte unsereiner gespannt, ob der
Trainer Neubarth dieses seinen Spielern verklickert hatte.
Er hatte - wenn man
die ersten zwanzig Minuten des Spiels als Maßstab nimmt. In dieser Zeit brachte
der FCC fünf gefährliche Situationen zustande, die in ihrer Vielfalt
überraschten. Ein Freistoß von Ziegner, der knapp neben das Tor ging, ein
gefährlicher Fernschuss von Kühne, dann einer von Werner, den Borger abprallen
ließ - Torghelle war einen Schritt zu spät. Kurze Zeit später war es umgekehrt:
Torghelle ließ zwei Gäste aussteigen und versuchte einen Schlenzer mit dem
linken Bein, Borger ließ wieder prallen - doch der Ball wollte einfach nicht
rein. Dann folgte noch ein gefährlicher Kühne-Kopfball. Von Pauli war bis dahin
nichts zu sehen, die besten Aktionen der Gäste hatte noch der Fanblock.
Plötzlich zack-zack, ein Querpass, einer in die Spitze - und Schnitzler kann
frei vor Jensen einschieben. Ausgerechnet Pauli, das seinerseits letzte Woche
gegen Köln reihenweise vor dem Tor versagt hatte, machte mit seinem ersten
zusammenhängenden Spielzug das 0:1. Nur kurz danach wäre beinahe das 0:2
gefallen, der Ball ging links unten knapp vorbei. Beim FCC war jetzt ein Knacks
im Spiel, keiner lief richtig und elementare Dinge wie flache Anspiele und
Ballannahmen aus der Luft misslangen. Eine Viertelstunde lang war einmal mehr
der Fluch der ersten Saisonspiele zu ertragen: eine bunt zusammengekaufte
Mannschaft (gleichwohl mit Niveau) ist noch nicht wirklich eine Truppe, wirkt
verunsichert und ängstlich in einem ihr häufig noch fremden Heim-Umfeld, das
wegen des Rückstandes nicht erbaut ist. Bad Vibes... warum nur?
Individuelle Klasse hat der Kader jedenfalls, wie man in der 35. Minute sehen
konnte. Kandelaki wurde auf links steil geschickt, passte flach nach innen, wo
Torghelle den Ball annehmen, kontrollieren und auf Ziegner zurücklegen konnte,
der leider links vorbeisemmelte. Das tat weh, ebenso der knapp verfehlte
Ziegner-Freistoß kurz vor der Pause, bei dem Borger keine Regung zeigte. Ab der
40. Minute spielte übrigens der FCC nur noch zu zehnt, Maul war geampelt worden.
Zwei Minuten später hatte auch Pauli einen weniger auf dem Platz, nachdem Takuy
wiederholt das Spiel verzögert hatte.
Und dann kam der Abschnitt des Spiels, den ich nicht begreife. Freilich kann man
nicht 90 Minuten lang höchstes Tempo gehen, sicherlich muss man zwischendurch
auch mal verschnaufen. Aber wieso kann man nach einer Halbzeitpause voller
Regeneration nicht genau dort weitermachen, wo man vor der Pause aufgehört hat
- nämlich Druck auf den zeitweilig überforderten Gegner auszuüben? Pauli war
mit der Pause eigentlich sturmreif, wurde dann aber bis zur 70. Minute durch
einfache Fehler und mangelhaftes Laufspiel wieder aufgebaut. Wenn nur alle in
der zweiten Halbzeit so gerannt wären wie der Holzner...
Erst in der
Schlussviertelstunde wurde Pauli wieder in der eigenen Hälfte eingeschnürt.
Auffällig war dabei Jan Simak, der die Bälle jetzt schön verteilte und auch
selbst gefährlich wurde. Es ergaben sich Chancen im Minutentakt, fast jeder
durfte mal ran. Leider ging alles daneben (Torghelle 74., Petersen 78. und 86.,
Werner 83.), an den Pfosten (Petersen 74.) oder wurde von Borger entschärft
(Kopfball von Helbig 83.). Dann war Schluss und die erste Heimniederlage in der
neuen Saison Tatsache.
Trotz dieser Niederlage bleibt ein besseres Gefühl als im letzten Jahr nach dem
0:0 gegen Braunschweig, weil der FCC seinen Gegner diesmal spielerisch
beherrschte, obwohl die Hälfte der Neuzugänge noch auf der Bank saß bzw.
verletzt war. Heuer steht auch nicht zu befürchten, dass das Potential des
Clubs einbricht, sollten Spieler wie Ziegner und Helbig eine ganze Saison lang
verletzt ausfallen - der Kader ist wesentlich breiter und auch besser geworden.
Wie sagte Gästetrainer Trulsen in der Pressekonferenz: "Es wird für jede
Mannschaft schwer, in Jena zu punkten." Allerdings nur, wenn die Dinger vorne
auch jemand reinmacht!
Alemannia Aachen - FC Carl Zeiss Jena 2:2
Tore: 1:0 Vukovic (1.), 2:0 Nemeth (6.), 2:1 Maul (28.), 2:2 Petersen
(76.)
- Aachen: Nicht; Stehle, Klitzpera, Vukovic (33. Casper), Weigelt;
Lehmann, Polenz (75. Leiwakabessy), Reghecampf, Nemeth, Pecka (81. Milchraum),
Ebbers
- Jena: Jensen; Kandelaki, Maul, Omodiagbe, Holzner; Kühne,
Müller (72. Petersen), Hansen, Ziegner (72. Fröhlich), Simak
(58. Stegmayer); Werner
- Zuschauer: 19.986
- Schiedsrichter: Aytekin
- Spielbericht:
- Wenn ein Verein aus der Bundesliga kommend zuhause auf den
Zweitliga-Dreizehnten des Vorjahres trofft, ist die Favoritenrolle am 1.
Spieltag klar gegeben. Dass sich der Webmaster aus Aachen bei der
Live-Ticker-Ankündigung aber gleich für ein fingierte 5:2-Vorhersage entschied, kam
uns vor dem Spiel doch etwas übertrieben vor.
Nach sechs Minuten Spielzeit schien allerdings nichts mehr
unmöglich. Zwei Gegentore hatte sich der FC Carl Zeiss zu diesem Zeitpunkt
schon eingefangen, das Erste nach 50 Sekunden ! Einen Freistoß-Ball von
Reghecampf verlängerte Vukovic per Kopf unhaltbar ins Jenaer Gehäuse. Robert
Müller war zwar mit hochgestiegen, hatte aber das Nachsehen. Keinen
Gegenspieler besaß Nemeth nach 5:30 min. Omodiagbe hatte die Abseitsfalle
aufgehoben.
0:2 - Mann oh Mann, welch ein Fehlstart in die insgesamt achte
Zweitligasaison des FCC ! Nachdem der erste Schock verdaut war, erinnerte man
sich als Auswärtsfahrer an den 1. Spieltag der Vorsaison, als Jena in Offenbach
ebenfalls mit zwei Toren hinten gelegen hatte, sich aber noch zum Remis
kämpfte. Sollte dies erneut möglich sein ? Hier, auf dem berühmten Aachener
Tivoli ? Nicht das Stadion selbst macht den Reiz aus, in vielen Dingen erinnert
es an die alte Heimstätte des FC Sachsen Leipzig. Nein, es ist die Atmosphäre,
bei der das Dabeisein einfach Spaß macht, weil die Stimmung enthustiastisch,
aber nicht aggressiv ist und häufig von drei Seiten gleichzeitig gepuscht wird.
Es sah noch immer nicht gut aus. Nach 25 Minuten war kein einziger
gefährlicher Ball auf das vom Ex-Jenaer Kristian Nicht gehütete Aachen-Gehäuse
abgegeben worden. Stattdessen musste Gegenüber Kasper Jensen beim
Aachener Konter die fehlende Innenverteidigung ersetzen und zehn Meter vor
seinem Strafraum per Kopf klären. Dann die 28. Minute. Ziegner aus einer
Spielertraube heraus auf Hansen, Flachschuss aus 15 Metern, Torwart Nicht pariert auf
Kosten einer Ecke. Das war sie, die erste Jenaer Gelegenheit im Punktspieljahr
2007/2008. Eine Ansage „Wir sind auch da“. Den anschließenden Eckball
erwischt Stefan Kühne am langen Pfosten, köpft ihn zur Torlinie, wo Alexander
Maul steht und unter Bedrängnis einköpft. Der Anschlusstreffer noch vor der
Pause. Wie damals in Offenbach. Hoffnung bei uns. Ein aus allen Wolken fallen
bei den Alemannen. Zu deutlich hatten sie die Anfangsphase dominiert,
zu leicht ihre Tore gemacht gegen einen in
dieser Phase unsortierten und harmlosen Gegner. Nun kämpften sich die
Neubarth-Schützlinge in das Spiel hinein. Nur vier Minuten nach dem
Anschlusstreffer spielte Simak einen ähnlich genialen Pass wie im Pokal eine Woche zuvor
auf Werner, der hatte gegen den heranstürmenden Nicht die Idee eines
Hebers – nur leider fiel dieser zu hoch aus. Eine Partie mit umgekehrten
Vorzeichen – jetzt spielte Jena Fußball. Wäre Kühne in der 43. Minute nicht
selbst überrascht gewesen über eine sich bietende Kopfballchance, es hätte noch
vor der Pause Unentschieden gestanden. Der Offenbacher Regievorlage hätte dies
freilich nicht entsprochen.
Mit ein bisschen Magengrummeln empfingen wir unsere Mannen
aus der Kabine. Nur nicht wieder solch eine Schlafwagen-Einlage wie zu Beginn.
Doch die Sorgen erwiesen sich als unbegründet. Lediglich Keeper Jensen sorgte
für erhöhte Herzfrequenz in Minute 51, als er bei zwei heranstürmenden
Gegenspielern den Ball nicht einfach wegschlug, sondern ihn kalt wie
Hundeschnauze behauptete. Außerdem Holzner, der am eigenen Strafraum den Ball
vertändelte und von Glück sagen kann, dass die Abseitsfahne nach oben
schnellte, da ansonsten eine 3 gegen 1-Überzahlsituation für die Westdeutschen
entstanden wäre.
Die Leistungssteigerung der Jenaer Elf lässt sich treffend am Bild festmachen, dass Ilia Kandelaki in den ersten neunzig Minuten
für seinen Verein abgab. Nach Stegmayers gutem Pokalauftritt war er für mancheinen
überraschend in die Startelf gerückt. Die etwas defensivere Variante schien
anfangs nach hinten loszugehen, weil der Georgier einige Male Unsicherheiten
auf seiner linken Seite offenbarte. Doch nach der Pause fand Kandelaki zu sich selbst,
seinen Mannschaftskameraden und ins Spiel. Wobei Stegmayer später noch eingewechselt wurde,
ebenso wie Fröhlich und Petersen. Die aus den Wechseln hervorgehenden
taktischen Umstellungen waren riskant, besonders der Austausch des defensiven
Müller gegen den stürmenden Petersen. Das Risiko sollte sich aber bezahlt machen. Denn
Nils Peteresen war gerade drei Minuten im Spiel, da verlängerte er einen Ball
von Kühne ins Tor. Wahnsinn ! Ausgerechnet Jenas Jüngster schafft den
Ausgleich. Klar hat der in Junioren-Länderspielen schon gegen
U19-Nationalmannschaften getroffen, doch ein solche wichtiger Treffer „bei den
Großen“ ist dann doch etwas Besonderes. Wäre der Bursche in Minute 79 doch noch
einmal etwas kaltblütiger gewesen, er hätte den FCC gar zum Sieg geschossen.
Nach einer Unsicherheit seines Gegenspielers verzog Petersen jedoch
deutlich.
Remember OFC – aus einem 0:2 ein 2:2 gemacht und dem Sieg
sehr nahe gekommen. Auch Kandelakis
Flanke fünf Minuten vor Schluss brachte Gefahr, neutralisierte sich aber mit
Reghecampfs Hereingabe in Minute 88. Beide Male fehlte ein Abnehmer im
Sturmzentrum.
Das Unentschieden feierten die Jenaer wie einen Sieg,
während die Gastgeber ziemlich konsterniert das Stadion verließen. Auch dieses
Bild hatten wir vor einem Jahr schon einmal. Neu ist die Serie, in der sich die
Jenaer Mannschaft befindet. Unter Frank Neubarth bleibt sie in Pflichtspielen
weiterhin unbesiegt. <fc>
Bilder von der ersten Partie
Spielbericht auf alemannia-aachen.de
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Es konnte mir also nicht gefallen, was sich da in Halbzeit
eins auf dem Rasen abspielte. Vom Anpfiff weg bestimmten die Gäste mit
scheinbarer Leichtigkeit die Szenerie. Zweite Minute, erste Chance – Amri aus
15 Metern knapp drüber. In der 6.
Minute lud Omodiagbe mit Fehlpass Feulner zum Torschuss ein. Der nach Köln
zurecht kritisierte, mit „Tri Tra Trullala“-Artikeln aber nahe der Gürtellinie
getroffene Kasper Jensen zeigte sich in dieser und den folgenden Situationen
wieder auf der Höhe. Den frühen Rückstand vermochte er aber nicht zu
verhindern. Weil bei einem schnellen Mainzer Angriff noch ein Stürmer im
Zentrum mitlief, gingen nicht ausreichend
Jenaer Verteidiger auf den ballführenden Markus Feulner. Dieser ließ Müller als
seinen einzigen Gegenspieler ins Leere grätschen und Jensen keine Chance.
Hallo wach ? – Weit
gefehlt, statt mit Aufbäumen reagierten Jenas Akteure mit Verunsicherung. Dass sich
Omodiagbe bei allen Qualitäten seine zwei, drei Aussetzer pro Spiel leistet,
wissen wir schon. Auch dass sich bei Holzner Licht und Schatten noch zu sehr
abwechseln. Doch selbst ein Alexander Maul ließ sich in dieser Phase von der
allgemeinen Nervosität in der Hintermannschaft anstecken.
Auch nach vorn lief wenig rund, keine Spur von einem konstruktiven Zusammmenspiel. Simaks
30-Meter-Freistoß war der erste Jenaer Torschuss überhaupt. Nach 32 Minuten !
Zu diesem Zeitpunkt hatte Mainz bereits ein halbes Dutzend Male aufs Tor geschossen.
Schon ein kurzer Antritt von Tobias Werner und die hohe Hereingabe, welche
Wetklo locker herunterfischte, ließen kurzzeitig Stimmung aufkommen. Wie
Dürstende auf jeden Tropfen Wasser stürzten sich die Zeiss-Fans auf diese
unaufregende Szene. Kein Wunder angesichts der Tristesse in Hälfte eins.
Omodiagbes Kopfball (42.) war da noch die beste Gelegenheit vor der Pause, vor
Probleme wurde Wetklo aber auch damit nicht gestellt. Dessen Gegenüber Jensen
hatte da ganz andere Kaliber zu meistern. Bei Feulners Kopfball aus Nahdistanz
reagierte der Däne großartig, auch Hooglands Nachschuss lenkte er zur Ecke.
Mainz dominierte. Mit dem 0:1-Rückstand war Jena zur Pause gut bedient.
Gelbe Schuhe zu blau-weißen Stutzen – rein optisch passt der zypriotische Nationalspieler Constantinos Charalambides schon mal sehr gut nach Jena. Zumindest in den ersten Minuten nach seiner Einwechslung war der Neuzugang überall auf dem Platz zu finden, als wolle er im Alleingang dem Geschehen eine Wende geben. Doch auch seine neuen Mannschaftskameraden steigerten sich endlich auf jenes Niveau, dass man von Anfang an hätte erwarten dürfen. Torghelles Einsatz auf der rechten Seite brachte nach 53 Minuten den ersten Jenaer Eckball. Und der führte zum Ausgleich durch Darlington Omodiagbe. Per Kopf traf der Nigerianer aus Nahdistanz. Zwischen Genie und Wahnsinn liegt eben manchmal nur eine Halbzeitpause. Jetzt war Jena am Drücker, auch akkustisch. Von den recht wenigen Mainzer Anhängern war vorübergehend nichts zu hören. Bis hinauf zur letzten Reihe der neuen Zusatztribüne feuerten die Zuschauer ihre Elf an. Jürgen Klopp lobte nach dem Spiel die tolle Atmosphäre im Jenaer Stadion. Schade nur, dass sich seine Spieler davon nicht beeindrucken ließen. Die Bundesligaabsteiger nahmen den Kampf an und da sie in der Spielanlage einen Tick reifer wirkten, gewannen sie dieses Match. Amris Schrecksekunde (Ball rollte parallel zur Linie des verwaisten Tores) beendete die beste Jenaer Phase. Gunkels Diagonalfreistoß machte sinnbildlich den Deckel zu. Dass der vom Schiri als indirekt ausgeschriebene Freistoß direkt verwandelt wurde, passt ebenso ins Bild wie Werners unglücklich vergebene Großchance drei Minuten vor Schluss – wenn du da unten drin stehst, bekommst du den Mist nicht so schnell vom Hacken. Auf diese Art verlor der FCC sein drittes Spiel in Folge mit einem Tor Differenz. Wobei es Jensen mit einer weiteren Rettungstat gegen Feulner (90.) zu verdanken ist, dass es nicht mehr wurde.
Die Schwere des Auftaktprogramms war uns allen bewusst. Dass aus vier Partien nur ein mickriges Pünktchen herausspringt, ist allerdings ernüchternd, insbesondere nach den Spielverläufen gegen St. Pauli und Köln. Bei aufmerksamer Betrachtung des Jenaer Spiels gewinnt man den Eindruck, die Komponenten für eine erfolgreiche Saison sind da, aber noch nicht richtig zusammengefügt. Vielleicht kommt die 12tätige Punktspielpause gar nicht so ungelegen. <fc>
- Köln: Mondragon; Ehret, Mitreski, McKenna, Nickenig
(60. Schöneberg); Antar, Broich (60. Scherz), Helmes; Chihi, Vucicevic, Novakovic (60. Gambino)
- Jena: Jensen; Kandelaki, Omodiage, Müller, Holzner; Hansen (84. Stegmayer), Lorenzon (46. Kühne), Werner, Simak, Ziegner; Torghelle (81. Petersen)
- Zuschauer: 37.700
- Schiedsrichter: Dr. Fleischer (Sigmertshausen)
- Spielbericht:
- Jena: Jensen; Kandelaki, Omodiage, Müller, Holzner; Hansen (84. Stegmayer), Lorenzon (46. Kühne), Werner, Simak, Ziegner; Torghelle (81. Petersen)
- Es war die Woche der
unverdienten Auswärtssiege mit St. Paulis Dreier im Ernst-Abbe-Sportfeld und
Deutschlands glücklichem Erfolg in Wembley, und so mancher hegte die Hoffnung
auf eine Fortsetzung dieser Serie in Köln-Müngersdorf, waren die Vorzeichen
zwischen den beiden ungleichen Gegnern doch klar. Einen unverdienten Verlierer
gab es auch diesmal, jedoch war dies nicht etwa der haushohe Favorit, sondern
ein FC Carl Zeiss, der sich in der Schlussphase selbst um den Lohn eines
großartigen Spieles brachte.
Durch den Platzverweis Alexander Mauls war Coach Frank Neubarth zu Umstellungen gezwungen, nahm Robert Müller in die Innenverteidigung und ließ mit Nils Hansen und dem erstmals nach seiner Verletzungspause wieder kickenden Lorenzon gleich zwei Abräumer im defensiven zentralen Mittelfeld auflaufen. Werner und Ziegner besetzten die Außenpositionen im Mittelfeld, während Jan Simak als Spielmacher fungierte, hinter der einzigen Spitze Torghelle. Und was der drauf hat, sorgte schon nach 5 Minuten für den ersten Jubelschrei unter den 1.500 mitgereisten Zeissfans. Langer Abschlag Jensen, Kopfball-Doppelpass Torghelle-Werner-Torghelle und unser ungarischer Neuzugang hämmerte die Kugel trocken von der Strafraumgrenze ins Netz. 0:1, was für ein Auftakt, und um ein Haar hätte Broich nachgelegt, dessen Rückpass Mondragon verfehlte, aber knapp am Kölner Kasten vorbeirollte (14.). Beim Gastgeber hatte man im Vorfeld einen mauernden Gegner erwartet, doch der FCC spielte auch nach der Führung munter nach vorn, fast zu munter, denn Kölner Gelegenheiten resultierten fast ausschließlich aus Kontern nach jenenser Abspielfehlern. In der 10. Minute ging das noch gut, als Jensen einen tückischen Helmes-Knaller im Nachfassen parierte, nach 20 Minuten jedoch hatten die Domstädter mit ihrer zweiten Möglichkeit im Spiel ausgeglichen. Novakovic hatte von Omodiagbe bedrängt Vucicevic angespielt, welcher an der rechten Strafraumgrenze Lorenzon düpierte und auf den von Omodiagbe und Werner sträflich vernachlässigten Novakovic zurückpasste. Dass dessen Schuß durch die Beine von Hansen den Weg ins Netz fand ist sicher unglücklich zu nennen, das Abwehrverhalten zuvor dilettantisch. Köln hatte nun Oberwasser, baute gehörigen Druck auf und hatte mit Vucicevics Schussversuch nach Kandelakis verhängnisvollem Ballverlust (24., knapp daneben) und Broichs abgefälschtem Schuß (29., Jensen hält) auch die ein oder andere Möglichkeit. Doch als Simak mit einem wahren Zauberpass den durchlaufenden Holzner bedient und dieser aus Nahdistanz an Mondragon scheiterte (30.), wirkte das wie ein Signal an die eigene Mannschaft zur Besinnung auf das überlegte Spiel der ersten Minuten. Kurz darauf hätte es Elfmeter für den FC Carl Zeiss geben müssen, als Torghelle im Strafraum gefoult wurde, doch nicht nur in dieser Szene zeigte sich die nachhaltige Wirkung des Daumschen Montagstheaters bei Referee Dr. Fleischer.
Jena ließ sich nicht beirren, es war eine Freude, dem Kombinationsfußball von Jenas Offensivabteilung um den immer besser werdenden Kapitän Ziegner, den an allen Ecken des Spielfeldes zu findenden Hansen (bester Mann auf dem Platz) und einen Jan Simak zuzusehen und manch einer rieb sich die Augen, mit welchem Selbstbewusstsein der Underdog hier in der WM-Arena auftrat. Werners Schuß nach 36 Minuten parierte Mondragon im Nachfassen, Ziegners Freistoß eine Minute später kratzte der kölsche Schlussmann noch aus dem Eck, doch die darauffolgende Ecke brachte die verdiente Führung. Torghelle hatte Ziegners Eckball an den langen Pfosten verlängert, wo Robert Müller eiskalt vollendete. Der Gast wirkte nun wie paralysiert, beinahe hätte Torghelle das Ergebnis noch höher schrauben können, verzettelte sich aber im Strafraum (39.) und so war der Schlusspunkt unter die erste Hälfte symptomatisch, als der wenige Tage zuvor noch zum Deutschlandkader gehörende Helmes eine Freistoßablage von Vucicevic 15 Meter über das Jensen-Gehäuse beförderte. Kölns Mannschaft ratlos, Kölns Publikum fassungslos und ein gellendes Pfeifkonzert verabschiedete die Millionentruppe in die Kabinen.Aufbäumen, Dagegenhalten, Druck aufbauen, so in etwa hätte man die Gastgeber nach Wiederanpfiff erwartet, doch stattdessen spielte Thüringens Stolz so, als hätte er einen Rückstand aufzuholen. Werner prüfte Mondragon mit Schuß aus spitzem Winkel (51.), das Eckenverhältnis war inzwischen auf 7:3 für Jena angestiegen und als Ziegners Freistoß den Fuß des völlig unbedrängt durchlaufenden Omodiagbe fand, hieß es 1:3, das Spiel schien entschieden. Auch wenn Helmes nur eine Minute später den Anschlusstreffer auf dem Kopf hatte und knapp verzog, das Auftreten der völlig konsternierten Gastgeber glich insgesamt einem Fehlpassfestival, begleitet von eisigem Schweigen des Opernpublikums auf den Tribünen. Christoph Daum hatte die Nase voll, wechselte gleich drei Spieler auf einmal aus und vor allem die Hereinnahme von Matthias Scherz, der ja schon in der Vorsaison den mehr als glücklichen Siegtreffer der Kölner vom Elfmeterpunkt erzielt hatte, sollte sich als folgenschwer erweisen. Doch zuvor hatte Referee Fleischer seinen Auftritt, schickte Zeiss-Trainer Frank Neubarth auf die Tribüne, als der sich lautstark über eine der unzähligen Freistoßfehlentscheidungen zugunsten des 1. FC Köln mokierte (65.), übersah eine Tätlichkeit Antars an Stefan Kühne (Kopfstoß, 68.) und gab für McKennas Notbremse an dem durchbrechenden Torghelle nur gelb (71.). Jener Torghelle hatte bis dahin ein großartiges Spiel gehabt, zerrte unermüdlich an den Ketten und war von seinem Gegenspieler meist nur durch Foulspiele zu stoppen. Doch er wurde ebenso wie Jan Simak müder und so verlagerte sich das Spielgeschehen mehr und mehr in die Jenaer Hälfte, Chihi mit Freistoß und Antar per Kopfball (69.) besaßen gute Möglichkeiten, ehe in der 73. Minute das Unheil für den FCC seinen Lauf nahm. Die Fehlerkette war lang. Jensen ließ sich eine Kölner Flanke von Robert Müller zum Einwurf wegköpfen, anstatt sie selbst herunterzupflücken. Omodiagbe musste erkennen, dass auch 1,88m nicht ausreichen, wenn man 2 Meter hinter einem kopfballstarken Matthias Scherz steht, dessen Verlängerung Adel Chihi fand, der von Felix Holzner völlig unbedrängt zum Anschlusstreffer einschoß. Fünf Minuten später hatte Scherz selbst die Riesenchance zum Ausgleich, köpfte aber freistehend am völlig leeren Tor vorbei. Durchatmen, doch die Partie wurde hitziger. Mondragon erhielt gelb, als er den sich bei der Auswechslung zu viel Zeit lassenden Torghelle vom Platz schubste, Holzner kassierte den gelben Karton für ein an ihm begangenes Foulspiel und Jan Simaks Bedrängen Vucicevics wurde mit Freistoß für Köln geahndet, den Scherz aufs Tor platziert, Jensen lässt den schon sicher geglaubten Ball vor die Füße von Chihi fallen, der nur noch abstauben muß. Ausgleich, Kölns Publikum aus dem Dornröschenschlaf erwacht und Kasper Jensen der einsamste Mann auf dem Platz. Ob ihm diese Szene noch durch den Kopf schwirrte, als er kurz darauf Chihis Eckball (Omodiagbe hatte zur Ecke klären müssen, da ein Ellenbogencheck von Scherz gegen ihn ungeahndet blieb) zum Kölner 4:3 ins eigene Tor patschte?
Ein mehr als bitteres Ende für den zuvor gut spielenden Keeper, der nach dem Abpfiff sofort den Trost seines Kapitäns Torsten Ziegner bekam. Vergessen wird er diesen Abend wohl nie, ebenso wie Jenas Anhang. Fassungslose, entsetzte Gesichter noch Minuten nach Spielende im Gästeblock. Was für eine Riesenchance hatte sich der FC Carl Zeiss hier selbst vergeben. Ob die tadellose Moral der Mannschaft mit diesem erneuten Tiefschlag einen dauerhaften Knacks wegbekommen hat, oder ob man sich am 70 Minuten lang wirklich tollen eigenen Spiel aufbaut, wird die nächste Partie gegen Mainz zeigen. Nachdem der Trainer, dessen vorgenommene und unterlassene Auswechslungen in Köln nicht jedermanns Geschmack trafen, aus den vielen Neuzugängen mehr und mehr eine Mannschaft zu formen scheint, ist in den kommenden Tagen in erster Linie der Psychologe Frank Neubarth gefragt! <gunner>
FC Carl Zeiss Jena - FC St.Pauli 0:1
Tore: 0:1 Schnitzler (20.)
- Jena: Jensen; Kandelaki, Maul
(

, 40.),
Omodiagbe, Holzner; Kühne (67. Petersen), Hansen, Ziegner (46. Simak),
Müller; Werner, Torghelle (77. Helbig)
- St.Pauli: Borger; Gunesch, Eger, Morena, Rothenbach; Trojan (79. Bruns), Boll, Meggle, Takyi (

, 42.), Brunnemann (45. Braun); Schnitzler (64. Ludwig)
- Zuschauer: 12.129
- Schiedsrichter: Schalk (Augsburg)
- Spielbericht:
- [von Gastkommentator Ragnar Boedefeld]
Nach drei erfolgreichen Jahren in Folge und der Wiederholung eines
2:2-Auswärtserfolgs nach 0:2-Rückstand im ersten Saisonspiel war es wieder
einmal an der Zeit, dem Aberglauben zu frönen. Und so schreibt jetzt im vierten
Jahr in Folge ein- und derselbe Gastkommentator den ersten Heimspielbericht.
Angeblich soll einer aus dem Stammpersonal sogar geheiratet haben, damit er um
diesen Spielbericht drumrum kam...
Ähnlich wie im letzten Jahr (Braunschweig) war auch diesmal ein potentieller
Konkurrent im Abstiegskampf beim ersten Saisonheimspiel zu Gast.
Unvorhersehbare Auswärtsunentschieden sind gerne gesehen - doch wichtiger sind
die drei Heimpunkte aus diesen sogenannten "Sechs-Punkte-Spielen". Unbedingter
Siegeswillen war also Pflicht, und so harrte unsereiner gespannt, ob der
Trainer Neubarth dieses seinen Spielern verklickert hatte.
Er hatte - wenn man
die ersten zwanzig Minuten des Spiels als Maßstab nimmt. In dieser Zeit brachte
der FCC fünf gefährliche Situationen zustande, die in ihrer Vielfalt
überraschten. Ein Freistoß von Ziegner, der knapp neben das Tor ging, ein
gefährlicher Fernschuss von Kühne, dann einer von Werner, den Borger abprallen
ließ - Torghelle war einen Schritt zu spät. Kurze Zeit später war es umgekehrt:
Torghelle ließ zwei Gäste aussteigen und versuchte einen Schlenzer mit dem
linken Bein, Borger ließ wieder prallen - doch der Ball wollte einfach nicht
rein. Dann folgte noch ein gefährlicher Kühne-Kopfball. Von Pauli war bis dahin
nichts zu sehen, die besten Aktionen der Gäste hatte noch der Fanblock.
Plötzlich zack-zack, ein Querpass, einer in die Spitze - und Schnitzler kann
frei vor Jensen einschieben. Ausgerechnet Pauli, das seinerseits letzte Woche
gegen Köln reihenweise vor dem Tor versagt hatte, machte mit seinem ersten
zusammenhängenden Spielzug das 0:1. Nur kurz danach wäre beinahe das 0:2
gefallen, der Ball ging links unten knapp vorbei. Beim FCC war jetzt ein Knacks
im Spiel, keiner lief richtig und elementare Dinge wie flache Anspiele und
Ballannahmen aus der Luft misslangen. Eine Viertelstunde lang war einmal mehr
der Fluch der ersten Saisonspiele zu ertragen: eine bunt zusammengekaufte
Mannschaft (gleichwohl mit Niveau) ist noch nicht wirklich eine Truppe, wirkt
verunsichert und ängstlich in einem ihr häufig noch fremden Heim-Umfeld, das
wegen des Rückstandes nicht erbaut ist. Bad Vibes... warum nur?
Individuelle Klasse hat der Kader jedenfalls, wie man in der 35. Minute sehen
konnte. Kandelaki wurde auf links steil geschickt, passte flach nach innen, wo
Torghelle den Ball annehmen, kontrollieren und auf Ziegner zurücklegen konnte,
der leider links vorbeisemmelte. Das tat weh, ebenso der knapp verfehlte
Ziegner-Freistoß kurz vor der Pause, bei dem Borger keine Regung zeigte. Ab der
40. Minute spielte übrigens der FCC nur noch zu zehnt, Maul war geampelt worden.
Zwei Minuten später hatte auch Pauli einen weniger auf dem Platz, nachdem Takuy
wiederholt das Spiel verzögert hatte.
Und dann kam der Abschnitt des Spiels, den ich nicht begreife. Freilich kann man
nicht 90 Minuten lang höchstes Tempo gehen, sicherlich muss man zwischendurch
auch mal verschnaufen. Aber wieso kann man nach einer Halbzeitpause voller
Regeneration nicht genau dort weitermachen, wo man vor der Pause aufgehört hat
- nämlich Druck auf den zeitweilig überforderten Gegner auszuüben? Pauli war
mit der Pause eigentlich sturmreif, wurde dann aber bis zur 70. Minute durch
einfache Fehler und mangelhaftes Laufspiel wieder aufgebaut. Wenn nur alle in
der zweiten Halbzeit so gerannt wären wie der Holzner...
Erst in der
Schlussviertelstunde wurde Pauli wieder in der eigenen Hälfte eingeschnürt.
Auffällig war dabei Jan Simak, der die Bälle jetzt schön verteilte und auch
selbst gefährlich wurde. Es ergaben sich Chancen im Minutentakt, fast jeder
durfte mal ran. Leider ging alles daneben (Torghelle 74., Petersen 78. und 86.,
Werner 83.), an den Pfosten (Petersen 74.) oder wurde von Borger entschärft
(Kopfball von Helbig 83.). Dann war Schluss und die erste Heimniederlage in der
neuen Saison Tatsache.
Trotz dieser Niederlage bleibt ein besseres Gefühl als im letzten Jahr nach dem
0:0 gegen Braunschweig, weil der FCC seinen Gegner diesmal spielerisch
beherrschte, obwohl die Hälfte der Neuzugänge noch auf der Bank saß bzw.
verletzt war. Heuer steht auch nicht zu befürchten, dass das Potential des
Clubs einbricht, sollten Spieler wie Ziegner und Helbig eine ganze Saison lang
verletzt ausfallen - der Kader ist wesentlich breiter und auch besser geworden.
Wie sagte Gästetrainer Trulsen in der Pressekonferenz: "Es wird für jede
Mannschaft schwer, in Jena zu punkten." Allerdings nur, wenn die Dinger vorne
auch jemand reinmacht!
Alemannia Aachen - FC Carl Zeiss Jena 2:2
Tore: 1:0 Vukovic (1.), 2:0 Nemeth (6.), 2:1 Maul (28.), 2:2 Petersen
(76.)
- Aachen: Nicht; Stehle, Klitzpera, Vukovic (33. Casper), Weigelt;
Lehmann, Polenz (75. Leiwakabessy), Reghecampf, Nemeth, Pecka (81. Milchraum),
Ebbers
- Jena: Jensen; Kandelaki, Maul, Omodiagbe, Holzner; Kühne,
Müller (72. Petersen), Hansen, Ziegner (72. Fröhlich), Simak
(58. Stegmayer); Werner
- Zuschauer: 19.986
- Schiedsrichter: Aytekin
- Spielbericht:
- Wenn ein Verein aus der Bundesliga kommend zuhause auf den
Zweitliga-Dreizehnten des Vorjahres trofft, ist die Favoritenrolle am 1.
Spieltag klar gegeben. Dass sich der Webmaster aus Aachen bei der
Live-Ticker-Ankündigung aber gleich für ein fingierte 5:2-Vorhersage entschied, kam
uns vor dem Spiel doch etwas übertrieben vor.
Nach sechs Minuten Spielzeit schien allerdings nichts mehr
unmöglich. Zwei Gegentore hatte sich der FC Carl Zeiss zu diesem Zeitpunkt
schon eingefangen, das Erste nach 50 Sekunden ! Einen Freistoß-Ball von
Reghecampf verlängerte Vukovic per Kopf unhaltbar ins Jenaer Gehäuse. Robert
Müller war zwar mit hochgestiegen, hatte aber das Nachsehen. Keinen
Gegenspieler besaß Nemeth nach 5:30 min. Omodiagbe hatte die Abseitsfalle
aufgehoben.
0:2 - Mann oh Mann, welch ein Fehlstart in die insgesamt achte
Zweitligasaison des FCC ! Nachdem der erste Schock verdaut war, erinnerte man
sich als Auswärtsfahrer an den 1. Spieltag der Vorsaison, als Jena in Offenbach
ebenfalls mit zwei Toren hinten gelegen hatte, sich aber noch zum Remis
kämpfte. Sollte dies erneut möglich sein ? Hier, auf dem berühmten Aachener
Tivoli ? Nicht das Stadion selbst macht den Reiz aus, in vielen Dingen erinnert
es an die alte Heimstätte des FC Sachsen Leipzig. Nein, es ist die Atmosphäre,
bei der das Dabeisein einfach Spaß macht, weil die Stimmung enthustiastisch,
aber nicht aggressiv ist und häufig von drei Seiten gleichzeitig gepuscht wird.
Es sah noch immer nicht gut aus. Nach 25 Minuten war kein einziger
gefährlicher Ball auf das vom Ex-Jenaer Kristian Nicht gehütete Aachen-Gehäuse
abgegeben worden. Stattdessen musste Gegenüber Kasper Jensen beim
Aachener Konter die fehlende Innenverteidigung ersetzen und zehn Meter vor
seinem Strafraum per Kopf klären. Dann die 28. Minute. Ziegner aus einer
Spielertraube heraus auf Hansen, Flachschuss aus 15 Metern, Torwart Nicht pariert auf
Kosten einer Ecke. Das war sie, die erste Jenaer Gelegenheit im Punktspieljahr
2007/2008. Eine Ansage „Wir sind auch da“. Den anschließenden Eckball
erwischt Stefan Kühne am langen Pfosten, köpft ihn zur Torlinie, wo Alexander
Maul steht und unter Bedrängnis einköpft. Der Anschlusstreffer noch vor der
Pause. Wie damals in Offenbach. Hoffnung bei uns. Ein aus allen Wolken fallen
bei den Alemannen. Zu deutlich hatten sie die Anfangsphase dominiert,
zu leicht ihre Tore gemacht gegen einen in
dieser Phase unsortierten und harmlosen Gegner. Nun kämpften sich die
Neubarth-Schützlinge in das Spiel hinein. Nur vier Minuten nach dem
Anschlusstreffer spielte Simak einen ähnlich genialen Pass wie im Pokal eine Woche zuvor
auf Werner, der hatte gegen den heranstürmenden Nicht die Idee eines
Hebers – nur leider fiel dieser zu hoch aus. Eine Partie mit umgekehrten
Vorzeichen – jetzt spielte Jena Fußball. Wäre Kühne in der 43. Minute nicht
selbst überrascht gewesen über eine sich bietende Kopfballchance, es hätte noch
vor der Pause Unentschieden gestanden. Der Offenbacher Regievorlage hätte dies
freilich nicht entsprochen.
Mit ein bisschen Magengrummeln empfingen wir unsere Mannen
aus der Kabine. Nur nicht wieder solch eine Schlafwagen-Einlage wie zu Beginn.
Doch die Sorgen erwiesen sich als unbegründet. Lediglich Keeper Jensen sorgte
für erhöhte Herzfrequenz in Minute 51, als er bei zwei heranstürmenden
Gegenspielern den Ball nicht einfach wegschlug, sondern ihn kalt wie
Hundeschnauze behauptete. Außerdem Holzner, der am eigenen Strafraum den Ball
vertändelte und von Glück sagen kann, dass die Abseitsfahne nach oben
schnellte, da ansonsten eine 3 gegen 1-Überzahlsituation für die Westdeutschen
entstanden wäre.
Die Leistungssteigerung der Jenaer Elf lässt sich treffend am Bild festmachen, dass Ilia Kandelaki in den ersten neunzig Minuten
für seinen Verein abgab. Nach Stegmayers gutem Pokalauftritt war er für mancheinen
überraschend in die Startelf gerückt. Die etwas defensivere Variante schien
anfangs nach hinten loszugehen, weil der Georgier einige Male Unsicherheiten
auf seiner linken Seite offenbarte. Doch nach der Pause fand Kandelaki zu sich selbst,
seinen Mannschaftskameraden und ins Spiel. Wobei Stegmayer später noch eingewechselt wurde,
ebenso wie Fröhlich und Petersen. Die aus den Wechseln hervorgehenden
taktischen Umstellungen waren riskant, besonders der Austausch des defensiven
Müller gegen den stürmenden Petersen. Das Risiko sollte sich aber bezahlt machen. Denn
Nils Peteresen war gerade drei Minuten im Spiel, da verlängerte er einen Ball
von Kühne ins Tor. Wahnsinn ! Ausgerechnet Jenas Jüngster schafft den
Ausgleich. Klar hat der in Junioren-Länderspielen schon gegen
U19-Nationalmannschaften getroffen, doch ein solche wichtiger Treffer „bei den
Großen“ ist dann doch etwas Besonderes. Wäre der Bursche in Minute 79 doch noch
einmal etwas kaltblütiger gewesen, er hätte den FCC gar zum Sieg geschossen.
Nach einer Unsicherheit seines Gegenspielers verzog Petersen jedoch
deutlich.
Remember OFC – aus einem 0:2 ein 2:2 gemacht und dem Sieg
sehr nahe gekommen. Auch Kandelakis
Flanke fünf Minuten vor Schluss brachte Gefahr, neutralisierte sich aber mit
Reghecampfs Hereingabe in Minute 88. Beide Male fehlte ein Abnehmer im
Sturmzentrum.
Das Unentschieden feierten die Jenaer wie einen Sieg,
während die Gastgeber ziemlich konsterniert das Stadion verließen. Auch dieses
Bild hatten wir vor einem Jahr schon einmal. Neu ist die Serie, in der sich die
Jenaer Mannschaft befindet. Unter Frank Neubarth bleibt sie in Pflichtspielen
weiterhin unbesiegt. <fc>
Bilder von der ersten Partie
Spielbericht auf alemannia-aachen.de
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, 40.),
Omodiagbe, Holzner; Kühne (67. Petersen), Hansen, Ziegner (46. Simak),
Müller; Werner, Torghelle (77. Helbig)

, 42.), Brunnemann (45. Braun); Schnitzler (64. Ludwig)
Nach drei erfolgreichen Jahren in Folge und der Wiederholung eines 2:2-Auswärtserfolgs nach 0:2-Rückstand im ersten Saisonspiel war es wieder einmal an der Zeit, dem Aberglauben zu frönen. Und so schreibt jetzt im vierten Jahr in Folge ein- und derselbe Gastkommentator den ersten Heimspielbericht. Angeblich soll einer aus dem Stammpersonal sogar geheiratet haben, damit er um diesen Spielbericht drumrum kam...
Ähnlich wie im letzten Jahr (Braunschweig) war auch diesmal ein potentieller
Konkurrent im Abstiegskampf beim ersten Saisonheimspiel zu Gast.
Unvorhersehbare Auswärtsunentschieden sind gerne gesehen - doch wichtiger sind
die drei Heimpunkte aus diesen sogenannten "Sechs-Punkte-Spielen". Unbedingter
Siegeswillen war also Pflicht, und so harrte unsereiner gespannt, ob der
Trainer Neubarth dieses seinen Spielern verklickert hatte.
Er hatte - wenn man
die ersten zwanzig Minuten des Spiels als Maßstab nimmt. In dieser Zeit brachte
der FCC fünf gefährliche Situationen zustande, die in ihrer Vielfalt
überraschten. Ein Freistoß von Ziegner, der knapp neben das Tor ging, ein
gefährlicher Fernschuss von Kühne, dann einer von Werner, den Borger abprallen
ließ - Torghelle war einen Schritt zu spät. Kurze Zeit später war es umgekehrt:
Torghelle ließ zwei Gäste aussteigen und versuchte einen Schlenzer mit dem
linken Bein, Borger ließ wieder prallen - doch der Ball wollte einfach nicht
rein. Dann folgte noch ein gefährlicher Kühne-Kopfball. Von Pauli war bis dahin
nichts zu sehen, die besten Aktionen der Gäste hatte noch der Fanblock.
Plötzlich zack-zack, ein Querpass, einer in die Spitze - und Schnitzler kann
frei vor Jensen einschieben. Ausgerechnet Pauli, das seinerseits letzte Woche
gegen Köln reihenweise vor dem Tor versagt hatte, machte mit seinem ersten
zusammenhängenden Spielzug das 0:1. Nur kurz danach wäre beinahe das 0:2
gefallen, der Ball ging links unten knapp vorbei. Beim FCC war jetzt ein Knacks
im Spiel, keiner lief richtig und elementare Dinge wie flache Anspiele und
Ballannahmen aus der Luft misslangen. Eine Viertelstunde lang war einmal mehr
der Fluch der ersten Saisonspiele zu ertragen: eine bunt zusammengekaufte
Mannschaft (gleichwohl mit Niveau) ist noch nicht wirklich eine Truppe, wirkt
verunsichert und ängstlich in einem ihr häufig noch fremden Heim-Umfeld, das
wegen des Rückstandes nicht erbaut ist. Bad Vibes... warum nur?
Individuelle Klasse hat der Kader jedenfalls, wie man in der 35. Minute sehen
konnte. Kandelaki wurde auf links steil geschickt, passte flach nach innen, wo
Torghelle den Ball annehmen, kontrollieren und auf Ziegner zurücklegen konnte,
der leider links vorbeisemmelte. Das tat weh, ebenso der knapp verfehlte
Ziegner-Freistoß kurz vor der Pause, bei dem Borger keine Regung zeigte. Ab der
40. Minute spielte übrigens der FCC nur noch zu zehnt, Maul war geampelt worden.
Zwei Minuten später hatte auch Pauli einen weniger auf dem Platz, nachdem Takuy
wiederholt das Spiel verzögert hatte.
Und dann kam der Abschnitt des Spiels, den ich nicht begreife. Freilich kann man
nicht 90 Minuten lang höchstes Tempo gehen, sicherlich muss man zwischendurch
auch mal verschnaufen. Aber wieso kann man nach einer Halbzeitpause voller
Regeneration nicht genau dort weitermachen, wo man vor der Pause aufgehört hat
- nämlich Druck auf den zeitweilig überforderten Gegner auszuüben? Pauli war
mit der Pause eigentlich sturmreif, wurde dann aber bis zur 70. Minute durch
einfache Fehler und mangelhaftes Laufspiel wieder aufgebaut. Wenn nur alle in
der zweiten Halbzeit so gerannt wären wie der Holzner...
Erst in der
Schlussviertelstunde wurde Pauli wieder in der eigenen Hälfte eingeschnürt.
Auffällig war dabei Jan Simak, der die Bälle jetzt schön verteilte und auch
selbst gefährlich wurde. Es ergaben sich Chancen im Minutentakt, fast jeder
durfte mal ran. Leider ging alles daneben (Torghelle 74., Petersen 78. und 86.,
Werner 83.), an den Pfosten (Petersen 74.) oder wurde von Borger entschärft
(Kopfball von Helbig 83.). Dann war Schluss und die erste Heimniederlage in der
neuen Saison Tatsache.
Trotz dieser Niederlage bleibt ein besseres Gefühl als im letzten Jahr nach dem 0:0 gegen Braunschweig, weil der FCC seinen Gegner diesmal spielerisch beherrschte, obwohl die Hälfte der Neuzugänge noch auf der Bank saß bzw. verletzt war. Heuer steht auch nicht zu befürchten, dass das Potential des Clubs einbricht, sollten Spieler wie Ziegner und Helbig eine ganze Saison lang verletzt ausfallen - der Kader ist wesentlich breiter und auch besser geworden. Wie sagte Gästetrainer Trulsen in der Pressekonferenz: "Es wird für jede Mannschaft schwer, in Jena zu punkten." Allerdings nur, wenn die Dinger vorne auch jemand reinmacht!
- Aachen: Nicht; Stehle, Klitzpera, Vukovic (33. Casper), Weigelt;
Lehmann, Polenz (75. Leiwakabessy), Reghecampf, Nemeth, Pecka (81. Milchraum),
Ebbers
- Jena: Jensen; Kandelaki, Maul, Omodiagbe, Holzner; Kühne, Müller (72. Petersen), Hansen, Ziegner (72. Fröhlich), Simak (58. Stegmayer); Werner
- Zuschauer: 19.986
- Schiedsrichter: Aytekin
- Spielbericht:
- Jena: Jensen; Kandelaki, Maul, Omodiagbe, Holzner; Kühne, Müller (72. Petersen), Hansen, Ziegner (72. Fröhlich), Simak (58. Stegmayer); Werner
- Wenn ein Verein aus der Bundesliga kommend zuhause auf den
Zweitliga-Dreizehnten des Vorjahres trofft, ist die Favoritenrolle am 1.
Spieltag klar gegeben. Dass sich der Webmaster aus Aachen bei der
Live-Ticker-Ankündigung aber gleich für ein fingierte 5:2-Vorhersage entschied, kam
uns vor dem Spiel doch etwas übertrieben vor.
Nach sechs Minuten Spielzeit schien allerdings nichts mehr unmöglich. Zwei Gegentore hatte sich der FC Carl Zeiss zu diesem Zeitpunkt schon eingefangen, das Erste nach 50 Sekunden ! Einen Freistoß-Ball von Reghecampf verlängerte Vukovic per Kopf unhaltbar ins Jenaer Gehäuse. Robert Müller war zwar mit hochgestiegen, hatte aber das Nachsehen. Keinen Gegenspieler besaß Nemeth nach 5:30 min. Omodiagbe hatte die Abseitsfalle aufgehoben.
0:2 - Mann oh Mann, welch ein Fehlstart in die insgesamt achte Zweitligasaison des FCC ! Nachdem der erste Schock verdaut war, erinnerte man sich als Auswärtsfahrer an den 1. Spieltag der Vorsaison, als Jena in Offenbach ebenfalls mit zwei Toren hinten gelegen hatte, sich aber noch zum Remis kämpfte. Sollte dies erneut möglich sein ? Hier, auf dem berühmten Aachener Tivoli ? Nicht das Stadion selbst macht den Reiz aus, in vielen Dingen erinnert es an die alte Heimstätte des FC Sachsen Leipzig. Nein, es ist die Atmosphäre, bei der das Dabeisein einfach Spaß macht, weil die Stimmung enthustiastisch, aber nicht aggressiv ist und häufig von drei Seiten gleichzeitig gepuscht wird.
Es sah noch immer nicht gut aus. Nach 25 Minuten war kein einziger gefährlicher Ball auf das vom Ex-Jenaer Kristian Nicht gehütete Aachen-Gehäuse abgegeben worden. Stattdessen musste Gegenüber Kasper Jensen beim Aachener Konter die fehlende Innenverteidigung ersetzen und zehn Meter vor seinem Strafraum per Kopf klären. Dann die 28. Minute. Ziegner aus einer Spielertraube heraus auf Hansen, Flachschuss aus 15 Metern, Torwart Nicht pariert auf Kosten einer Ecke. Das war sie, die erste Jenaer Gelegenheit im Punktspieljahr 2007/2008. Eine Ansage „Wir sind auch da“. Den anschließenden Eckball erwischt Stefan Kühne am langen Pfosten, köpft ihn zur Torlinie, wo Alexander Maul steht und unter Bedrängnis einköpft. Der Anschlusstreffer noch vor der Pause. Wie damals in Offenbach. Hoffnung bei uns. Ein aus allen Wolken fallen bei den Alemannen. Zu deutlich hatten sie die Anfangsphase dominiert, zu leicht ihre Tore gemacht gegen einen in dieser Phase unsortierten und harmlosen Gegner. Nun kämpften sich die Neubarth-Schützlinge in das Spiel hinein. Nur vier Minuten nach dem Anschlusstreffer spielte Simak einen ähnlich genialen Pass wie im Pokal eine Woche zuvor auf Werner, der hatte gegen den heranstürmenden Nicht die Idee eines Hebers – nur leider fiel dieser zu hoch aus. Eine Partie mit umgekehrten Vorzeichen – jetzt spielte Jena Fußball. Wäre Kühne in der 43. Minute nicht selbst überrascht gewesen über eine sich bietende Kopfballchance, es hätte noch vor der Pause Unentschieden gestanden. Der Offenbacher Regievorlage hätte dies freilich nicht entsprochen.Mit ein bisschen Magengrummeln empfingen wir unsere Mannen aus der Kabine. Nur nicht wieder solch eine Schlafwagen-Einlage wie zu Beginn. Doch die Sorgen erwiesen sich als unbegründet. Lediglich Keeper Jensen sorgte für erhöhte Herzfrequenz in Minute 51, als er bei zwei heranstürmenden Gegenspielern den Ball nicht einfach wegschlug, sondern ihn kalt wie Hundeschnauze behauptete. Außerdem Holzner, der am eigenen Strafraum den Ball vertändelte und von Glück sagen kann, dass die Abseitsfahne nach oben schnellte, da ansonsten eine 3 gegen 1-Überzahlsituation für die Westdeutschen entstanden wäre.
Die Leistungssteigerung der Jenaer Elf lässt sich treffend am Bild festmachen, dass Ilia Kandelaki in den ersten neunzig Minuten für seinen Verein abgab. Nach Stegmayers gutem Pokalauftritt war er für mancheinen überraschend in die Startelf gerückt. Die etwas defensivere Variante schien anfangs nach hinten loszugehen, weil der Georgier einige Male Unsicherheiten auf seiner linken Seite offenbarte. Doch nach der Pause fand Kandelaki zu sich selbst, seinen Mannschaftskameraden und ins Spiel. Wobei Stegmayer später noch eingewechselt wurde, ebenso wie Fröhlich und Petersen. Die aus den Wechseln hervorgehenden taktischen Umstellungen waren riskant, besonders der Austausch des defensiven Müller gegen den stürmenden Petersen. Das Risiko sollte sich aber bezahlt machen. Denn Nils Peteresen war gerade drei Minuten im Spiel, da verlängerte er einen Ball von Kühne ins Tor. Wahnsinn ! Ausgerechnet Jenas Jüngster schafft den Ausgleich. Klar hat der in Junioren-Länderspielen schon gegen U19-Nationalmannschaften getroffen, doch ein solche wichtiger Treffer „bei den Großen“ ist dann doch etwas Besonderes. Wäre der Bursche in Minute 79 doch noch einmal etwas kaltblütiger gewesen, er hätte den FCC gar zum Sieg geschossen. Nach einer Unsicherheit seines Gegenspielers verzog Petersen jedoch deutlich.
Remember OFC – aus einem 0:2 ein 2:2 gemacht und dem Sieg sehr nahe gekommen. Auch Kandelakis Flanke fünf Minuten vor Schluss brachte Gefahr, neutralisierte sich aber mit Reghecampfs Hereingabe in Minute 88. Beide Male fehlte ein Abnehmer im Sturmzentrum.Das Unentschieden feierten die Jenaer wie einen Sieg, während die Gastgeber ziemlich konsterniert das Stadion verließen. Auch dieses Bild hatten wir vor einem Jahr schon einmal. Neu ist die Serie, in der sich die Jenaer Mannschaft befindet. Unter Frank Neubarth bleibt sie in Pflichtspielen weiterhin unbesiegt. <fc>
Bilder von der ersten Partie
Spielbericht auf alemannia-aachen.de