1. Hauptrunde am 05. August 2007
1. FC Gera 03 - FC Carl Zeiss Jena 0:3
Der Zufall wollte es, dass dem Thüringer Landespokalgewinner unter 32 Möglichkeiten ausgerechnet der einzige Profiverein des Freistaates zugelost wurde. Dies rief bei Gera 03 zunächst wenig Begeisterung hervor. In der Endabrechnung sollte es sich aber im wahrsten Sinne des Wortes bezahlt gemacht haben, waren doch mindestens zwei Drittel der Stadionbesucher dem FCC-Lager zuzuordnen.
Dieser Fraktion fuhr nach zwei Minuten allerdings erst einmal der Schreck in die Glieder. Neuzugang Omodiagbe bekam an der eigenen Grundlinie nicht mit, dass er gleich von zwei Gegenspielern verfolgt wurde. Der Versuch des Herausspielens musste zwangsläufig scheitern, Sadlo jagte ihm das Leder ab, Raab schob es parallel zur Torlinie vors Jensen-Gehäuse – wo sich allerdings kein Mannschaftskamerad aufhielt. Nach dieser Schrecksekunde übernahm der Favorit die Regie. Da Roß Ecke Nummer drei unterlief, ergab sich für Junioren Nationalspieler Petersen die erste Gelegenheit (10.), gefolgt von Werners Kopfball drei Minuten später, der knapp am rechten Pfosten vorbei strich. Es war der Auftakt zu einer ganzen Serie von Chancen des Tobias Werner, dem besten Jenaer an diesem Tag. Als wolle er allein die Meinung widerlegen, Jena leide unter akutem Stürmermangel, wirbelte der eigentlich auf der linken Mittelfeldposition beheimatete Werner die gegnerische Abwehr tüchtig durcheinander. In der 19. Minute mit Flachschuss nebens Tor, in der 22. mit Kopfball, in der 37. mit Heber über Torwart und Latte sowie in der 42. mit einem Solo. Und zum einzigen Treffer in Hälfte eins leistete er die Vorarbeit: Nach Werners Flanke überwand Stefan Kühne Geras Keeper mittels Flugkopfball. Die Ausgleichsbemühungen der Platzherren blieben im Ansatz stecken, weil Jenas Akteure wie vom Trainer gefordert die Zweikämpfe eins zu eins annahmen und in der Mehrzahl als Sieger daraus hervorgingen. An welch seidenem Faden solch ein 1:0 dennoch hängt, wurde in Minute 45 deutlich. Ein Freistoß von Stefan Bloß wurde leicht abgefälscht, Jenas neuer Keeper Jensen holte ihn gerade noch aus dem Dreiangel.
Auch nach dem Wiederanpfiff behielt der FC Carl Zeiss das Geschehen weitestgehend im Griff. Mit Stefan Kühne mauserte sich ein weiterer gelernter Mittelfeldspieler zum Torjäger, stand mehrfach ganz nah vor seinem zweiten Erfolgserlebnis. Die letzte Ausgleichschance des Oberligaaufsteigers datiert aus der 72. Minute, als sich Stegmayer in den Schuss des freistehenden Janke warf. Kurz darauf wurde Werner im gegnerischen Sechzehner von den Beinen geholt, sorgte Fröhlich vom Punkt für die Vorentscheidung. Doch erst ein Treffer von Tobi Werner rundete diesen Nachmittag ab. Von Jan Simak mit kurzem Antritt und klugem Pass in Szene gesetzt, ließ Werner dem Kraus-Vertreter Roß keine Chance. „Ihr könnt zur BUGA geh’n“, sangen Jenas Fans daraufhin in Richtung der allmählich abwandernden Geraer Zuschauer. Da Tröger eine Minute vor Schluss einen Ball von der Torlinie holte, blieb es bei Gera null - drei gegen den FC Carl Zeiss.
Jenas Mannschaft mit sechs ihrer Neuzugänge bekam am Ende
viel Beifall für ein ordentliches Spiel bei sommerlichen Temperaturen. Wobei
alle wissen, dass der erste echte Prüfstein dieser Saison erst am kommenden Freitag in
Aachen bereitliegt.
<fc>
- Gera:
- Roß - Großert, Fuhrmann, Friedrich, Bloß; Neubert (80. Tröger), Weißhaupt, Raab (55. Schlachta), Barich (62. Janke); Embingou, Sadlo
- Jena:
- Jensen; Holzner, Maul, Omodiagbe, Stegmayer;
Hansen, Ziegner (57. Fröhlich), Müller, Kühne (82.
Tapalovic); Werner, Petersen (57. Simak)
- Zuschauer: 8200
- Schiedsrichter: Bandurski (Essen)
- Tore: 0:1 Kühne (20.), 0:2 Fröhlich (76./FE), 0:3 Werner (84.)
- Schiedsrichter: Bandurski (Essen)
2. Hauptrunde am 31. Oktober 2007
FC Carl Zeiss Jena - 1. FC Nürnberg 7:6 n.E.
„Die Rückkehr des
verlorenen Sohnes“ lautete das Motto, unter dem die DFB-Pokalbegegnung mit dem
Titelverteidiger stand, und so nahmen nur die Wenigsten zur Kenntnis, dass
Valdas Ivanauskas gleich drei Spieler aus der Freiburg-Formation austauschte.
Tapalovic ersetzte den angeschlagenen Günther auf der rechten
Außenverteidigerposition, Hansen und Müller teilten sich für Kühne in die
Position des „6ers“ vor der Abwehr, was Sandor Torghelle als Alleinunterhalter
im Angriff zur Folge hatte, da Tobias Werner das linke Mittelfeld besetzte.
Der
neuformierte FCC begann inspiriert von einer göttlichen Südkurven-Choreographie
selbstbewusst, kampfstark und zielstrebig und setzte mit Simaks Distanzschuß
das erste Achtungszeichen, das Tor fiel aber – wie fast schon gewohnt – auf der
anderen Seite. Misimovic fand sich gekonnt freigespielt vor Daniel Kraus und
ließ ihm mit einem cleveren Schlenzer ins lange Eck keine Chance. 0:1, alles
wie immer, der Pfeffer schien frühzeitig aus dem erhofften Pokalfight zu
weichen. Doch nachdem wiederum Misimovic aus spitzem Winkel verzog (16.)
antwortete Jena, fand Tobias Werner in der 18. Spielminute in Nürnbergs Klewer
seinen Meister. 32. Minute, andere Seite, Mintal verzieht knapp, 39. Minute,
Verwirrung in Nürnbergs Strafraum im Anschluß an eine Ecke, aber Jenas
Offensivkräfte kommen nicht entscheidend hinter den Ball, 41. Minute, Werner
erspitzelt sich das Leder und wird von Reinhardt notgebremst, Simaks Freistoß
landet in der Mauer, der Nachschuß geht in die zweite Etage, 44. Minute, Tobias
Werner schließt eine kleine Druckperiode Jenas mit Kopfball über das
Gästegehäuse ab. Halbzeit, Durchatmen, Resümieren und eine hochklassige, aber
noch nicht von Fortuna begünstigte erste Hälfte der Blau-Weiß-Gestreiften konstatieren.
Nötigte Jenas Spiel in den ersten 45 Minuten schon Respekt ab, so legten die
Thüringer nach der Pause noch eine Schippe drauf, und nach der unsinnigen Pyro-
und Raketenshow vom Frankenanhang eröffnete Jan Simak mit seinem
Freistoß-Pfostenknaller in der 52. Minute das Offensivfeuerwerk des Gastgebers.
Vier Zeigerumdrehungen später war es dann soweit, das Ernst-Abbe-Sportfeld
brodelte wie zu Hans Meyers Europacupglanzzeiten, als Sandor Torghelle einen
Fehlpass Kristiansens abfing und per Kunststoß aus 20 Metern über Klewer ins
Netz beförderte. Jena nun am Drücker, Maul mit Kopfball knapp daneben, ebenso
fand der Kopfball nach Werner-Freistoß nicht den Weg ins Tor. Nürnberg wankte,
doch fand in Referee Seemann einen Freund, der Sandor Torghelle, der sich bis
dahin mit Nürnbergs Innenverteidiger Glauber rassige Zweikämpfe lieferte, für
sein zweites vermeintliches Foul im Spiel dank dem sterbenden Engelhardt vom
Platz stellte und somit die Karten neu mischte. Der Ex-Erfurter verdiente sich
damit ein gellendes Pfeifkonzert bei jeder seiner Ballberührungen,
Schiedsrichter Seemann verlor phasenweise den Überblick und Nürnberg versuchte
aus der numerischen Überlegenheit Kapital zu schlagen. Doch zunächst hätte
Niels Hansen beinahe für die Führung des Zweitligisten gesorgt, als sein
großartiger Schuß nach Kombination über Werner und Müller von Klewer gerade so
aus dem Winkel gekratzt wurde. Dann kam Nürnberg (83., Kopfball drüber, 86.
Schuß von der Strafraumgrenze pariert von Kraus, 89. Galasek scheitert nach abgewehrter
Ecke) und in der Nachspielzeit gar noch einmal Jena, als nach zwei Ecken in
Folge Alexander Maul die Sensation verpasst. Verlängerung also, und die bange
Frage, wie diese 10 aufopferungsvoll kämpfenden Jenenser diese 30 Minuten
überstehen sollten? Die Frage schien schnell beantwortet, denn nachdem Kraus
bereits in der ersten Minute der Verlängerung sein Können zweifach unter Beweis
stellen musste, war er nach Mauls Eigentor – welches offiziell Kennedy
zugeschrieben wurde – machtlos. Es schien symptomatisch für die gesamte Saison:
Jena betreibt einen unglaublichen Aufwand, rennt sich die Seele aus dem Leib
und bereitet am Ende dem Gegner doch Geschenke. Entsprechend konsterniert fiel
die Reaktion der Jungs in den 1981er-Traditionstrikots aus, und Nürnbergs
Großchancen nach Kontern in Überzahl zu erwähnen, würde den Rahmen dieses
kleinen Spielberichts sprengen. „Ganz schlecht ausgeführt“ urteilte
Trainerlegende Hans Meyer über die Art und Weise, wie seine Schützlinge mit den
sich bietenden Chancen umgingen, doch hielt genau dies Jena im Spiel,
ermöglichte Simaks Möglichkeit (97.), Werners von Klewer vereitelte Großchance
(102.) und wiederum Werners Kontermöglichkeit nach 105 Minuten, als er vor
Glauber an den Ball kommt, diesen aber nicht im gegnerischen Tor unterbringt.
Zu diesem Zeitpunkt fand sich Valdas Ivanauskas schon auf der Tribüne wieder,
von Herrn Seemann seiner Bank verwiesen und durfte sich von dort aus ansehen,
wie der mit unmenschlicher Laufleistung glänzende Tobias Werner in der zweiten
Hälfte der Verlängerung nur um Millimeter zu spät gegen Klewer kam (113.). „Wer 60 Minuten in Unterzahl spielt und nach
Rückstand zurück kommt, der hat es verdient, zu gewinnen“ belehrte der
verlorene Sohn die Pressevertreter und hatte Recht damit. Eine kämpferisch
überragende Elf war über sich hinaus gewachsen, und aus ihr ragten höchstens
ein souveräner Omodiagbe und ein Tobias Werner, nach dessen Arbeitspensum man
Angst haben musste, er brächte auf dem Weg zum Elfmeterpunkt entkräftet
zusammen, heraus. „Pokal ist immer etwas Schönes“ referierte „unser“ Hans, doch
auch das Ligageschehen hat solche Momente zu bieten. Macht es noch einmal,
Jungs, und stoßt auch dort endlich den Bock um! Tore: 0:1 Misimovic (11.), 1:1 Torghelle
(56.), 1:2 Kennedy (96.), 2:2 Müller (114.) Nürnberg: Klewer –
Glauber, Wolf, Galasek, Misimovic, Mintal, Saenko (17. Adler), Kristiansen (63.
Kammermeyer), Kennedy, Reinhardt, Mnari (36. Engelhardt) Zuschauer:
15.610 Schiedsrichter:
Seemann (Essen)
Auch im Achtelfinale trat der FC Carl Zeiss in seinen
gestreiften Retro-Pokalshirts an. Auf denen sind zwar die Rückennummern schwer
zu erkennen, aber immerhin hatte mit ihnen das Weiterkommen schon zweimal funktioniert.
Würden gegen Bielefeld der guten Dinge drei werden ? Die mit allen Neuzugängen aus der Winterpause antretenden
Jenaer bestimmten mit drei Ecken in den ersten fünf Minuten die Anfangsphase.
Die beste Aktion gelang Werner, der sich vehement am Strafraum durchsetzte.
Seine Flanke erwischte Gästekeeper Hain mal eben noch mit einer Faust vor den
heranstürmenden Schied und Petersen (7.).
Auch wenn sich die Arminia-Abwehr danach besser sortierte, blieb Jenas optische
Überlegenheit zunächst bestehen. Simak ließ sich am Sechzehner von einer ganzen
Meute von Gegenspielern nicht den Ball abjagen und hatte auch noch den Blick
für den gut postierten Petersen. Dessen Schuss lenkte Hain um den Pfosten. Im
Anschluss an diese Aktion in der 23. Minute setzte auch Bielefelds
Offensivspiel ein. Bei zwei mit Effet
getretenen Freistößen von Jörg Böhme bestand Vasili Khomutovski die
ersten Bewährungsproben im Jenaer Kasten. Dann rettete Sven Günther (unter
Henning Bürger vom Abstellgleis in die Stammelf befördert) auf der Linie,
anschließend wieder Weißrusslands Nationaltorwart gegen Gabriel und Nkosi. Auf
Jenas Neuen zwischen den Pfosten konnte man sich auf Anhieb verlassen. Gegen
den Führungstreffer der Gäste freilich war auch er machtlos. Kampers Eingabe
landete am Torraumeck, wohin Wichniarek vor Maul angestürmt kam und ins
Dreiangel traf. Es war keine sonderlich
spektakuläre Aktion, die zum 0:1 führte. Aber das zeigt halt den Unterschied zu
einem Erstligisten: Jeder noch so kleine Moment der Unachtsamkeit wird
gnadenlos bestraft. Nach engagierten ersten 45 Spielminuten lag Jena
bisschen unglücklich mit einem Tor hinten. Der Vorsprung spielte Bielefelds neuem Trainer Michael
Frontzeck in die Karten. Seine Jungs standen mit Beginn der zweiten Halbzeit
gut gestaffelt, sodass kaum ein Durchkommen mehr war. In solch einer Phase
machte sich dann doch das Fehlen des Strafraumwühlers Torghelle bemerkbar, der nach seiner Ampelkarte aus
dem Nürnberg-Spiel diesmal zum Zuschauen verdammt war. Zwar gelang Marcel
Schied in der 64. Minute ein Treffer, der wegen knapper Abseitsstellung nicht
anerkannt wurde. Doch die Mehrzahl der Torgelegenheiten besaßen die Gäste –
deren klarste durch Nkosi, der am herauslaufenden Khomutovski scheiterte (70.).
Henning Bürger bewies Mut zum Risiko, brachte mit Allagui einen dritten
Stürmer. Die Alles-oder-Nichts-Einstellung wurde belohnt. Denn es war jener Allagui,
der Hain ins Leere fausten ließ und den Werner-Freistoß per Kopf verlängerte.
Obgleich nicht in der gewohnten Jokerrolle, nutzte Nils Petersen auch diesmal
wieder seine Chance und traf zum umjubelten Ausgleich. Sieben Minuten vor
Ablauf der regulären Spielzeit war der FCC damit wieder im Geschäft. „...nur
der FCC.....kämpfen bis Schluss“, schallte es von den Rängen. Doch wann würde
Schluss sein ? Nach 90 Minuten ? Der Verlängerung ? Oder wieder erst nach
Elfmeterschießen ? Um zweimal fünfzehn Minuten kamen die Aktiven schon mal
nicht herum. Henning Bürger hatte sein 4-3-3-System wieder auf 4-4-2
zurückgestellt und mit Stefan Kühne einen zwischenzeitlich verbannten Spieler reaktiviert. In der Verlängerung
dominierte zunächst die Vorsicht. Jetzt nur keinen Fehler machen ! Als den
Jenaern ein Ballverlust im Vorwärtsgang unterlief, konterten die Ostwestfalen
in Überzahl. Doch Probleme bei der Ballmitnahme entspannten die Situation
wieder. Neue Aufregung dann in Minute 102: Sami Allagui trifft Mijatovic mit
dem Ellenbogen im Gesicht, sodass dieser verletzt raus muss. Was im
Bewegungsablauf wie ein normales Luftduell im Kampf um den Ball ausschaute,
bewertete Schiedsrichter Sippel als Tätlichkeit. Die Konsequenz: Rote Karte. Da
sich der bereits verwarnte Kamper ein gelbwürdiges Foul gegen Kühne leistete,
war die numerische Ausgeglichenheit aber bereits vier Minuten später wieder
hergestellt und der Boden bereitet für die entscheidende Szene: Simak legt auf
Günther ab, der spielt steil zu Schied, welcher im Strafraum über das
gestreckte Bein von Gabriel fällt – Elfmeter und die Chance, vier Minuten vor
Ablauf der Verlängerung in Führung zu gehen ! Doch würde sich Jan Simak dem nervlichen Druck
ein weiteres Mal gewachsen zeigen ? - Als wenn wir daran zweifeln müssten ! Von
Natur aus ein netter, zurückhaltender Typ wird der Tscheche in solchen
Situationen zum Eisblock und hämmerte auch diesmal wieder den alles
entscheidenden Ball ins Netz, als wäre es das Normalste von der Welt, keine
Nerven zu zeigen. Die verbleibenden Sekunden bis zum Abpfiff überstanden die
Jenaer ziemlich sorgenfrei. Um ein Haar wäre ihnen sogar noch ein drittes
Tor gelungen. Werner traf nach Hacken-Ablage von Simak den Pfosten. Dem
Raunen des Publikums folgte unmittelbar danach der Jubel über den
Abpfiff. Nach dem zweiten Husarenstück gegen einen Bundesligisten
befindet sich der FCC unter den letzten acht Mannschaften im DFB-Pokal und hält
nach Rostocks Scheitern nun allein das nordostdeutsche Fähnchen hoch. Ganz Jena
wird am Samstag gebannt vor den TV-Geräten die Auslosung des Viertelfinals
verfolgen. Danach aber muss volle Konzentration auf den Abstiegskampf gelegt
werden. Damit der Pokal unter dem Strich nicht das einzig Positive an dieser
Saison bleibt.
Bilder auf weissenburger.de
Es
war jenes Spiel mit „Herz“ Jenas, das Hans Meyer auf der Pressekonferenz
thematisierte und Jenas Eigengewächs so einzigartig vorlebte, doch als
Torschütze blinkte kurze Zeit später der Name Robert Müller auf der
Anzeigetafel auf, der einen Freistoß von Charalambides per Kopf unter Mithilfe
des wieder unter den Lebenden Weilenden Engelhardt ins lange Eck verlängerte
zum 2:2, das im Paradies sämtliche Dämme brechen ließ. Nur Wenige fragten sich,
ob die Auswechslung von Jenas etatmäßigem Elferschützen Simak nur drei Minuten
vor Ende der Verlängerung nicht unüberlegt sei, stattdessen „Hej FC Carl Zeiss“
und am Spielfeldrand hüpften und sangen die nicht eingewechselten Ur-Jenenser
Ziegner und Zimmermann kräftig mit. Dann war Schluß, und manch einer sinnierte,
ob die Aufstellung Klewers, der in der Vorsaison zum Elfmeterheld in Nürnberg
avancierte, uns nicht genau jetzt das Genick brechen könnte. Nicht aber die,
welche vor 19 Jahren den Pokalauftritt von Lok Leipzig mit Bordeaux-Hero René
Müller an gleicher Steller erlebten! Geschichte wiederholt sich nicht, und so
standen Nürnbergs vier sicheren Schützen und einem verpeilten Dominik Reinhardt
fünf Thüringer Musketiere gegenüber, die ihre Nerven im Zaum hatten. Robert
Müller gerade so, Tobias Werner ganz satt, George Oniani lässig mittig,
Constantinos Charalambides brachial unter die Latte und Kapitän Alexander Maul
final zur Gefühlsexplosion von 15.610 geschundenen Seelen ließen Thüringens Fußballhauptstadt
erzittern, erbeben, jubilieren.
<gunner>
Elfmeterschießen: 2:3 Misimovic, 3:3 Müller, 3:4 Kennedy, 4:4 Werner, Reinhardt schießt übers Tor, 5:4 Oniani, 5:5 Mintal, 6:5 Charalambides, 6:6 Galasek, 7:6 Maul
Achtelfinale am 30. Januar 2008
FC Carl Zeiss Jena - DSC Arminia Bielefeld 2:1 n.V.
<fc>
, 102.), Kikuchi,
Simak, Werner; Petersen (87. Kühne), Schied

, 106.), Böhme (79. Marx), Kucera; Nkosi (81. Kobylik),
Wichniarek
Spielbericht auf arminia-bielefeld.de
Viertelfinale am 26. Februar 2008
VfB Stuttgart - FC Carl Zeiss Jena 6:7 n.E.
Ist es eigentlich eine dankbare Aufgabe, nach
einem SOLCHEN Abend einen Spielbericht verfassen zu dürfen? Oder ist die
Vergeblichkeit, den Wahnsinn dieser 120 Minuten in Worte zu fassen, nicht
einfach zu offensichtlich? Mutet es nicht schon blasphemisch an, jenen lichten
Moment am Fußballhimmel beschreiben oder gar erklären zu wollen? Zu schildern,
was gegen 21:45 Uhr in Schwaben zu 4.000 voller entrückter Ekstase
aufgerissenen Augenpaaren führte? Ist es nicht gänzlich unpassend, von den 16
Eckbällen des Deutschen Meisters zu erzählen und von den ungezählten Flanken,
die quer durch unseren Strafraum segelten? Ist nicht jede spröde Statistik eine
lächerliche Beleidigung des Schicksals, welches an diesem Abend blau-gelb-weiß
trug? Nein, dieses Spiel hat keinen klassischen Spielbericht verdient, der ihm
eh nicht gerecht werden könnte. Oder sollte man das Geschehene anders
bezeichnen als ein Wunder, ein Mirakel, eine Sensation, wenn der Vorletzte der
2. Bundesliga beim in Bestbesetzung auflaufenden Deutschen Meister mit fünf
Spielern aus der eigenen Jugend aufläuft, in 120 Minuten nur eine einzige gelbe
Karte kassiert, eine Halbzeit lang die bessere Mannschaft stellt, von Krämpfen
und Entkräftung geplagt bis zum Schluß an sich
glaubt, und letztlich als Sieger vom Platz geht? Nichts anderes als 13 Helden
haben hier Aufmerksamkeit verdient. Vasili Khamutouski, der seine Mannschaft mit sensationellen
Paraden im Spiel hielt und den späten Ausgleich maßgeblich ermöglichte.
Alexander Maul als Vorbild an Kampfesgeist, vor drei Jahren noch gegen Sondershausen
spielend, nun den Bundesligatorschützenkönig bewachend. Robert Müller als Chef
der Dreierkette mit einer Riesenpartie aufwartend und den Gästeblock in der
120. Minute in ein fern jeglicher Beschreibbarkeit befindliches wild wogendes
und waberndes Gebilde verwandelnd. Michael Stegmayer, nie um ein klärendes
Tackling verlegen. Felix Holzner, der nach der schwachen Partie in Mainz das
erneut in ihn gesetzte Vertrauen des Trainers mit einer großartigen Leistung
tausendfach zurückzahlte. Tobias Werner, der jeden einzelnen Quadratzentimeter
des Neckarstadions beackerte. Stefan Kühne, der unauffällige aber so eminent
wichtige Abräumer vor der Abwehr. Torsten Ziegner,
der mit einer wahren Leistungsexplosion im Vergleich zum Mainz-Auftritt
aufwartete, eine brilliante erste Halbzeit spielte
und mit seinem Elfer verantwortungsvoll den Schlusspunkt setzte. Jan Simak,
der als Dreh- und Angelpunkt des Jenaer Spiels die
letzten Zweifler an seiner Bundesligatauglichkeit zum Schweigen gebracht haben
dürfte. Marcel Schied, der lief und lief und lief und lief und lief. Nils
Petersen, deutlich formverbessert und um ein Haar das Tor des Monats erzielend.
Patrick Amrhein, dem man nicht anmerkte, dass er vor einem Jahr noch gegen die
A-Junioren Neubrandenburgs kickte. Kosi Saka, der
seinen Elfer furztrocken in die Maschen hämmerte. Danke FCC für diesen
bewegenden Abend. Danke!
<gunner>
Tore: 0:1 Werner (32.), 1:1, 2:1 Gomez (81., 94.), 2:2 Müller (120.)
Halbfinale am 18. März 2008
Borussia Dortmund - FC Carl Zeiss Jena 3:0
Beide Vereine hatten bei der Auslosung ihren Wunschgegner erhalten. Dortmund witterte den geringsten Widerstand auf dem Weg nach Berlin. Für Jenas Spieler und Fans ging ein Traum in Erfüllung, sich einmal in diesem Stadion vor einer Riesen-Kulisse präsentieren zu können.
80.708 Zuschauer, so viele wie noch nie in einem
DFB-Pokalspiel,sorgten für Gänsehaut-Atmoshäre. Die Dimensionen lassen sich
schon daran ermessen, dass allein die schwarz-gelbe Südtribüne das
Fassungsvermögen des gesamten Ernst-Abbe-Sportfelds übertrifft. Jenas Spielern
rutschte deswegen aber keineswegs das Herz in die Hose. Couragiert gestalteten
sie die Anfangsminuten ausgeglichen und besaßen durch Schied die erste klare
Chance des Spiels. Petersen hatte schnell das Mittelfeld überbrückt und seinen
Stürmerkollegen in Szene gesetzt, welcher aus zehn Metern Dortmunds Keeper
Ziegler zur Faustabwehr zwang. Henning Bürgers Taktik, mit Darlington Omodiagbe
einen zusätzlichen Abwehrspieler in Anfangself zu stellen, gestattete den
Borussen zunächst wenig Freiräume. Doch die braucht ein Erstligist bisweilen
auch nicht, wie sich in Minute 13 zeigen sollte. Dede kam trotz Stegmayers
Bedrängnis zum Flanken, Petric gegen Hansens Widerstand zum Kopfball. Dass
Vasili Khamutouski diesen Ball noch aus dem Eck kratzte, war einem
unglaublichen Reflex geschuldet – schade nur, dass seine Vorderleute in ihren
Reaktionszeiten einen Schritt langsamer waren als Dortmunds Tinga, der aus
einem Meter Torentfernung abstaubte. Das Vorhaben, den Gegner mit langem Halten
des 0:0 zunehmend nervöser werden zu lassen, war gescheitert. Doch ließen sich
Jenas Kicker dadurch nicht aus dem Konzept bringen. Schließlich haben sie in
dieser Saison schon genügend Erfahrung mit frühen Rückständen sammeln müssen.
21. Minute, Khamutouski hatte gerade einen Petric-Ball vor den heranstürmenden
Tinka und Federico abgefangen, da bekam Jan Simak die Gelegenheit zum
Ausgleich. Nach Werners Zuspiel schoss er jedoch übers Tor, weil es daraufhin
Eckball gab, wird wohl auch noch ein Verteidigerbein dazwischen gewesen sein.
Jena war drin in diesem Match. Die Szene, in der Nils
Petersen von der Mittellinie an Rukavina hinterher spurtete, ihm an der Eckfahne
den Ball abjagte, um selbst mit Sprint durch die eigenen Hälfte den
Gegenangriff anzukurbeln, war symbolisch für die Einstellung der Jenaer Elf.
Welch gute Rolle sie damit in der ersten Halbzeit spielte, verdeutlicht das
Eckenverhältnis von 5:2 zugunsten des Zweitligisten. Mit einem Schuss aus
siebzehn Metern stellte Jan Simak eine Minute vor der Pause Ziegler ein
weiteres Mal vor Probleme.
Der Tscheche rückte asieben Minuten nach Wiederanpfiff wieder
in den Mittelpunkt. Gleichzeitig auch zum letzten Mal. Nach einer
Freistoßentscheidung sah er wegen Reklamierens zunächst die Gelbe Karte. Doch
brachte ihn die nicht zur Räson. Simak schimpfte weiter und als er auch noch
anfing zu gestikulieren, bekam er nacheinander beide Kartonfarben gezeigt.
Witzbolde interpretierten seine Geste als „Du hast wohl noch nicht
ausgeschlafen?“, doch zum Lachen war uns nicht zumute. Lieber Jan, du bist ein
genialer Fußballer, aber sich in solch einem Spiel Gelb-Rot einzig und allein
wegen Meckerns einzufangen, ist einfach nur dumm !
Der Zeiss-Anhang benötigte eine Augenblicke, um diesen
Nackenschlag zu verdauen, hängte sich anschließend aber noch mehr rein als
zuvor. Als wollten sie damit den Ausfall des Spielmachers kompensieren,
schrieen mehr als achttausend Fans ihre Pokalhelden nach vorn. Dortmunds
schwarz-gelbe Wand von gegenüber wirkte optisch noch immer beeindruckend,
akustisch in dieser Phase aber nicht mehr ganz so sehr. Angetrieben durch einen
Jena-Jena-Wechselgesang schlug der diesmal über rechts kommende Torsten Ziegner
eine Flanke vors Tor, Schied kam jedoch einen Moment zu spät (64.). Thomas Doll
sah den knappen Vorsprung in Gefahr, brachte mit Kringe und Klimowicz zwei
frische Spieler, die zwei Minuten nach ihrer Einwechslung die Entscheidung
herbeiführten. Scheiterte der Deutsche nach Tingas Vorarbeit noch an
Khamutouski, hatte der Argentinier mit dem zur Seite abgewehrten Ball wenig
Probleme. Damit war klar, dass der schöne Traum vom Pokalfinale für uns ein Traum
bleiben wird. Jenas Spieler ergaben
sich aber nicht kampflos ihrem Schicksal und besonders die Nummer 1 zwischen
den Pfosten demonstrierte weiterhin ihr Können. Ob bei Schüssen von Federico
und Kringe oder beim Herauslaufen wiederum gegen Kringe – Khamutouski hielt,
was zu halten war. Seine größte Tat vollbrachte er bei Dedes Schuss in der 81.
Minute. Da war er eigentlich schon auf dem Weg in die andere Ecke, um mit einem
katzengleichen Sprung den abgefälschten Ball zu parieren. Nur gegen Petric
stand er auf verlorenem Posten, weil die Jenaer Abseitsfalle nicht zugeschnappt
hatte.
So ein 3:0 nennt man wohl standesgemäß, beide Fanlager
feierten ihre Mannschaft nach Abpfiff ausgiebig. Das Halbfinale als größten
Vereinserfolg nach der Wiedervereinigung, drei Siege gegen Bundesligisten, das
Erlebnis eines Pokalspiels vor über 80.000 Zuschauern - all das werden wir über
Jahre hinaus mit dem Team der Saison 2007/2008
in Verbindung bringen. Genauso wie den Abstieg aus der zweiten Liga. Ein
beinahe unerträglicher Widerspruch.
<fc>
Tore: 1:0 Tinga (13.), 2:0 Klimowicz (70.). 3:0 Petric (87.)