FC Augsburg - FC Carl Zeiss Jena 1:2

Tore: 0:1 Fröhlich (35.), 1:1 Lawaree (48./FE), 1:2 Tapalovic (75.)
Augsburg: Neuhaus; Benschneider, Dreßler, Hertzsch; Müller, Wenzel, Strauß (78. Hutwelker), Kern; Luz (76. Diabang), Lawaree
Jena: Lomaia; Holzner (73. Kowalik), Voigt (78. Wachsmuth), A. Maul, Günther; Fröhlich, Kühne, Zimmermann (65. Tapalovic), Schlitte; Sykora, Werner

Zuschauer: 24.050

Schiedsrichter: Kempter (Sauldorf)

Spielbericht:
Draußen vor dem Stadion. Ich lasse mich ins Gras fallen. Endlich Schatten. Alles tut weh. Das neue Trikot klebt ganz furchtbar an mir, total naßgeschwitzt. Ich brauche jetzt echt was zu trinken. Um mich herum lauter Leute, die aussehen, als seien sie nur knapp der heiligen Inquisition entkommen. Total im Eimer. Der monatelange Tanz am Abgrund hat Nerven gekostet. Und das heute hat allen den Rest gegeben. Es war unerträglich! Und trotzdem spürt man überall die unglaubliche Erleichterung! Denn wir leben! Sind aus dem Fahrstuhl nach unten wieder rausgesprungen! Keine Rückkehr in eine Liga, die in der nächsten Saison durchgängig Pokalcharakter haben dürfte. Und auch keine Fahrt nach Erfurt! Ein Typ neben mir grölt was. Der Inhalt seiner Ausführungen läßt sich nicht mehr mit Sicherheit ergründen. Ein letztes Aufbäumen der Stimmbänder wohl. Und trotzdem, ich weiß was er sagen will: Nicht noch mal Jungs, nächstes Jahr bitte ein bißchen weniger nervenaufreibend, da altert man ja um Jahre! Meine Güte, diesmal hat sich Fortuna aber auch angestellt. So eine zähe Saison! Der beständige Wechsel aller möglichen Gefühlslagen und dann doch dieser Taumel am Ende.

Genau wie in diesem Spiel auch wieder. Zunächst der Dauerdruck von Augsburg und die erste dicke Möglichkeit nach einer Viertelstunde, als Lomaia einen Schrägschuß von Kern gerade noch um den Pfosten lenken kann. Oder der Schuß von Lawarée aus vielleicht 20 m irgendwo in den Augsburger Himmel (21.). Das hätte es schon sein können. Aber Fortuna ist heute hellwach, schiebt Sonderschichten für Jena. Hennecke wäre stolz! Zwischendurch immer wieder dieses lustige Fanblock-Stille-Post. Zehn Meter links von mir ein nüchternes ‚Immer noch 0:0 in Duisburg’. Das macht ganz schnell die Runde, von Ohr zu Ohr. Keine Minute später dann ein ekstatischer Aufschrei zehn Meter weiter rechts: „Duisburg führt, Duisburg führt“. Irgendwas muß da schiefgelaufen sein. Das geht dreimal so in Halbzeit 1. Von Jena indes nicht sehr viel. Dann endlich kann Sykora mal den Ball behaupten, läuft quer zum Strafraum der Augsburger und holt wenigstens mal einen Freistoß raus. Fröhlichs Schuß ist wie Blitz und Donner aus heiterem Himmel. Aus 32 m haut er den Ball in den Winkel. Was für ein Knaller. Unhaltbar und wunderschön (35.). Wir flippen fast aus, liegen uns alle in den Armen. Wenn doch jetzt Schluß sein könnte. Aber es ist noch so lange. Dann ist endlich Halbzeit. Dann die Wahrheit über Duisburg. Es steht noch 0:0. Soviel dazu. Aber wenigstens Rostock führt. Im Moment sind wir drin. Das muß der Mannschaft doch Feuer machen!

Was dann aus der Kabine wieder raus kommt wirkt aber eher wie eine adrenalinbehandelte Variante von Louis de Funes. Nicht ganz so schnell, aber mindestens so hektisch und durcheinander. Sofort nutzten die Augsburger die Unordnung und machten die Räume in der Jenaer Abwehr immer enger. Und keiner da hinten, der den Ball einfach mal weghaut. Fehler sind dann halt die unabwendbare Konsequenz und Holzners Luftloch war da nur der krönende Abschluß einer Abfolge feinmotorischer Irrtümer. Als Kern dann auch noch über Holzners Bein fällt ist die Katastrophe angerichtet. Erst Stunden später wird klar, daß das der Prototyp einer Schwalbe war. Egal, Lawarée verwandelt den fälligen Elfer unhaltbar (47.). Die Essener flippen jetzt sicherlich aus in Duisburg, zumal es dort immer noch Unentschieden steht. Aber was soll´s. Selbst wenn Duisburg gewinnt, so ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis dieses fragile Jenaer Abwehrkonstrukt ein weiteres Mal nachgibt. Inzwischen geht gar nichts mehr. Spätestens an der Mittellinie verwandelt sich das bißchen Mut der Jenaer Angreifer in blanke Hilflosigkeit. Und das was vorne fehlt, ist hinten auch nicht mehr zu finden. Jena ist mausetot! Alle warten auf das scheinbar Unabwendbare. Einen Freistoß von Da Costa kann Lomaia aus dem Winkel kratzen (67.). Wenn er keine Zeit zum Nachdenken hat ist er Weltklasse! Das Gerücht von Duisburg Führung macht wenigstens mal wieder die Runde. Hoffentlich stimmt es diesmal. Dann wieder Lomaia. Hält zwei Dinger von Lawarée und Müller (71./72.).
Noch eine Viertelstunde. Los Jungs! Die Anspannung ist unerträglich. Jena jetzt endlich mal in der Vorwärtsbewegung. Wenigstens mal ein bißchen Entlastung. Flanke von rechts, Sykora verlängert per Kopf. Da steht einer von uns! Tapalovic schiebt den Ball an Neuhaus vorbei. Unbeschreibliche Szenen. Wir führen!!! Das gibt’s doch gar nicht. Alle fallen übereinander. Der erste Angriff überhaupt! Der Klassenerhalt auf einmal wieder zum Greifen nah. Jetzt nur noch durchhalten. Hinten zumachen! Lawarée läuft noch mal alleine auf Lomaia zu, aber der hält jetzt einfach alles. Rostock führt inzwischen mit zwei Toren Unterschied gegen Haching. Und Duisburg? 3:0 gegen Essen. Das reicht! Noch zwei Minuten. Dann ist es aus! Erwachsene Menschen hüpfen rum wie kleine Kinder, fallen sich in die Arme. Versuchen zitternd irgendwelche SMS in ihr Handy zu tippen. Anrufen ist jetzt eh sinnlos. Man versteht sein eigenes Wort nicht: „…halten fest zusammen und kämpfen bis zum Schluß…“. 6000fach!!! Die Fans singen bis zur totalen Entkräftung. Die Mannschaft hüpft derweil aufgescheucht vor dem Fanblock hin und her. Kann es selber kaum fassen. Was für ein Spiel. Eine richtige Chance und zwei Tore. Da war es endlich, das Glück, daß so oft gefehlt hat. Ich denke da an die Nachspielzeit gegen Fürth oder die Freistoß-Orgie der Duisburger vor ein paar Wochen. Dann auch noch der Gegentreffer der Burghäuser in letzter Sekunde. Was hätten wir uns für Nerven sparen können! Aber dann wäre hier auch nur halb so schön gewesen.

Auf dem Heimweg denke ich über das Vergangene nach, bin stolz auf die Mannschaft, die so viel Charakter gezeigt hat. Da kann man keinen rausheben. Das ist eine Mannschaft, unsere Mannschaft, die nach jedem Tiefschlag wieder aufgestanden ist, sprichwörtlich bis zum Schluß gekämpft hat. Ich träume so vor mich hin, biege fast auf die Autobahn Richtung Chemnitz ab. Im letzten Moment komme ich über eine Sperrfläche noch zurück auf die A9. Und bin gleich wieder in Gedanken versunken über das wunderschöne Ende dieser Saison. An solchen Tagen dürfte man eigentlich nicht Auto fahren. <bpf>

Bilder vom Saison-Happy-End
Bericht auf fcaugsburg.com

FC Carl Zeiss Jena - 1.FC Kaiserslautern 1:1

Tore: 0:1 Simpson (10.), 1:1 Ashvetia (51.)
Jena: Lomaia; R. Maul, Voigt, A. Maul, Günther; Werner (75. Holzner), Kühne, Zimmermann (46. Fröhlich), Schlitte (88. Ziegner); Sykora, Ashvetia (RK, 55.)
Kaiserslautern: Macho; Bohl, Bouzid, Beda (GRK, 55.), Müller; Simpson, Meißner, Hajnal, Lexa (67. Reinert); Opara, Ziemer

Zuschauer: 12.500

Schiedsrichter: Dr. Fleischer (Sigmertshausen)

Spielbericht:
"Den Teufel aus dem Paradies vertreiben" so hieß einer der Werbeslogans für diese Partie und gab auch gleichzeitig die Marschroute für die Kicker des FC Carl Zeiss Jena vor, denn in der letzten Partie der Saison im heimischen Ernst-Abbe-Sportfeld musste im Abstiegskampf unbedingt ein Sieg her, um die Chancen auf den Klassenerhalt doch noch zu wahren. Ausverkauftes Haus, bestes Wetter und eine gigantische Stimmung auf den Rängen waren die besten Voraussetzungen, um das Vorhaben "Sieg" umsetzen zu können.

Der FCC begann sofort couragiert und wollte von Anfang an ein Zeichen setzen. Nach sechs Minuten bereits die erste Möglichkeit, doch Werner brauchte beim Konter der Jenaer viel zu lange, um den bestens postierten Ashvetia, der nach Verletzungspause erstmals wieder im Spiel war, mit einem Zuspiel zu bedienen. Der Sekundenzeiger hatte sich noch keine zehn Mal gedreht, da konnten die "Roten Teufel", die heute in ihren giftgrünen Trikots alles andere wie Teufel aussahen, bereits zum ersten mal jubeln. Ein einfacher Querpass von links in den Strafraum genügte den Gästen und Simpson stand vor Lomaia goldrichtig und brauchte nur noch den Fuß hinzuhalten. Aber die Jenaer zeigten sich überhaupt nicht geschockt, sonders sie spielten sofort wieder weiter nach vorn. Gut eine Minute später hätte diese Moral bereits belohnt werden müssen, stattdessen klatschte das Leder nach einem herrlichen Kopfball von Kevin Schlitte nur an die Latte. Der FCC erhöhte ein wenig das Tempo, doch die Konter der Gäste blieben stets gefährlich. So hätte in der 19. Minute Opara fast die Führung ausgebaut, doch zum Glück ging sein Schuss gut einen Meter am Tor vorbei. Wenige Minuten später stand Opara erneut im Mittelpunkt des Geschehens, aber er vermochte es nicht mit seinem Aufsetzerkopfball, für eine kleine Vorentscheidung zu sorgen. Stattdessen machten die Jenaer weiter Druck, aber die Abspiele im Mittelfeld kamen meist zu ungenau, so dass gute Torchancen oder Kontermöglichkeiten fast ausblieben. Nach einer halben Stunde durfte sich Lomaia einmal auszeichnen, der einen guten Schuss von Ziemer mit Fußabwehr noch klären konnte. Wenige Minuten waren es noch bis zur Pause und da probierte es Kühne mit einem beherzten Schuss, doch Gästekeeper Macho war auf dem Posten und konnte den gefährlichen Schuss aus dem Dreiangel fischen. Aber das war es auch schon in den ersten 45 Minuten mit den Jenaer Torchancen. Es wurde oft zu umständlich oder ungenau im Mittelfeld kombiniert und wenn sich Möglichkeiten per Standard boten (Ecke oder Freistoß), so wurden diese kläglich vergeben.

Trainer Neubarth reagierte zur Pause und brachte mit Fröhlich einen ballsicheren Akteur, um die Fehlerquote im Mittelfeld zu reduzieren. Kurz nach Wiederanpfiff gleich die erste gute Torchance für Fröhlich, doch Macho konnte seinen guten Schuss gerade noch zur Ecke fausten. 51 Minuten waren vorbei, da krachte es erneut am Toraluminium der Pfälzer. Diesmal hieß der Unglücksrabe Sykora, der mit seinem Kopfball nach Freistoß nur den Pfosten traf. Aber die Jenaer steckten nie auf und wurden Sekunden später mit dem Ausgleich belohnt (51.). Schlitte konnte sich auf der rechten Seite gegen den Torschützen Simpson durchsetzten und passte flach nach innen in den Strafraum auf Ashvetia, die aus der Nahdistanz eiskalt verwandelte. "Der FCC, der FCC, der FCC ist wieder da" schallte es aus tausenden Kehlen. Die Stimmung war zurück und keinen hielt es mehr auf den Plätzen. Kaum hatte sich der letzte Zuschauer nach dem Torjubel wieder gesetzt, da sprangen alle Fans erneut wie die Verrückten auf. Was war passiert? Mathieu Beda, der Kapitän der Pfälzer hatte mit einem rüden Foul an Werner direkt vor der Zuschauertribüne die Zuschauer zum Toben gebracht. Und da er bereits wenige Minuten zuvor nach Foulspiel die Gelbe Karte gesehen hatte, konnte die Entscheidung des Schiedsrichters Dr. Fleischer gar nicht anders heißen als Gelb-Rot. Doch leider war dies nicht alles. Ashvetia, der bei diesem Foulspiel unmittelbar neben Beda stand, verlor für Sekunden die Beherrschung und griff den Übertäter an die Gurgel, wofür er ebenfalls die Rote Karte sah. Das Spiel wurde nun giftiger und die Gelben Karten auf beiden Seiten häuften sich. Nach gut einer Stunde (65.) endlich mal wieder eine nennenswerte Tormöglichkeit, doch der Ball landete nach Sykoras Seitfallzieher direkt in den Armen von Macho. Die Minuten vergingen für die Platzherren und in der 72. Minute hatten sie großes Glück, das Opara mit seiner dritten guten Torchance den FCC nicht abschoss, sondern völlig freistehend das Tor verfehlte. Die letzten Minuten hatten begonnen (85.) und Kühne versuchte es per Kopf, aber Macho ließ sich an diesem Tage nicht noch einmal überwinden. Im Gegenzug noch einmal Hektik vor dem Jenaer Gehäuse, denn die Gäste wollen bei einem Schuss ein Handspiel von Holzner als Rettungsaktion auf der Linie gesehen haben. Schiri Fleischer ließ weiterspielen und kurz darauf war die Partie zu Ende.

Alles im allen ein verdientes Unendschieden, was den Jenaern im Abstiegskampf aber nicht wirklich hilft. Wie auch immer die anderen Spiele der unmittelbaren Gegner heute ausgegangen waren - es war bereits vor dieser Partie klar, dass die endgültige Entscheidung über Verbleib oder Abstieg nur am letzten Spieltag fallen kann. Nun heißt es alle alle Daumen zu drücken, dass es dem FC Carl Zeiss Jena am letzten Spieltag doch noch gelingen möge, mit einem Sieg in Augsburg die Klasse zu halten.<vg>

Bildes des Tages

SV Wacker Burghausen - FC Carl Zeiss Jena 1:1

Tore: 0:1 Werner (33.), 1:1 Hertl (90.)
Burghausen: Gospodarek; Nagy (82. Mosquera) Schmidt (46. Toleski), Hertl, Lastovka (73. Wolkow); Nicu, Ledgerwood, Bonimeier, Burkhardt, Fink; Bogavac
Jena: Lomaia; R. Maul, Voigt, A. Maul, Günther; Fröhlich, Kühne, Zimmermann (89. Tapalovic), Holzner; Sykora, Werner

Zuschauer: 4750

Schiedsrichter: Fischer (Hemer)

Spielbericht:
Keine Frage, diese Saison stellt aus FCC-Warte betrachtet neue Superlative auf. Quantität und Qualität der Fanunterstützung gehören zweifelsohne dazu. Auch im 460 Kilometer entfernten Burghausen waren wieder mehr als eintausend Zeiss-Fans live dabei. Der Spannungsgrad im Abstiegskampf ist gerade dabei, sich in die Reihe der Superlative einzureihen. Denn wann zuvor hatten wir schon einmal die Situation, dass drei Mannschaften zwei Spieltage vor Schluss gerade mal durch das Torverhältnis auf Abstiegs- und Nichtabstiegsplätzen voneinander getrennt werden ? Spaß macht solch eine Situation freilich nur, wenn der eigenen Verein nicht involviert ist.

Trainer Frank Neubarth hatte von seinen Spielern verlangt, mit der selben Einstellung in die Partie zu gehen wie gegen Aue, Freiburg, Duisburg. Zumindest der Wille war erkennbar, dies umzusetzen. Jena zunächst häufiger am Ball. Der unter der Woche erkrankte Schlitte saß nur auf der Bank, für ihn Holzner auf der rechten Seite mit Günther als Absicherung dahinter. Nach einer Viertelstunde verschaffte Schmidts Ballverlust Tobias Werner die erste Chance, welche dieser jedoch überhastet vergab. Kurz darauf zeigte sich Georgi Lomaia bei einem gefährlichen Ding von Burkhardt, Burghausens auffälligstem Akteur, auf dem Posten. Ein bisschen orientierungslos irrte unser Keeper hingegen zwei Minuten später bei der doppelten Einschusschance von Nicu und Fink umher. Der nach Gelbsperre ins Team zurückgekehrte Alexander Voigt konnte hier gleich zweimal kurz vor der Torlinie retten . Nach dieser Szene verflachte das Geschehen ein bisschen und passte damit zum Wetter. Denn während im Thüringischen den ganzen Tag über die Sonne schien, goss es in Bayern wie aus Kannen. Dem allgemeinen Niveau in dieser Phase verfiel einmal auch der ansonsten ordentlich leitende Referee, als er ein klares Handspiel Lastovkas im Strafraum der Gastgeber ignorierte (30.). Viel Zeit zum Lamentieren blieb freilich nicht. Eine Minute später: Nach Fröhlichs Freistoß streicht Sykoras Kopfball knapp über die Latte. Drei Minuten später: Ein Burghausener will den Ball vom eigenen Strafraum nach vorn spielen. Genau darauf scheint Fiete Sykora spekuliert zu haben ! Mit langem Bein angelt er sich den Ball und kickt ihn genau im richtigen Moment rechts raus auf Tobias Werner. Der läuft auf den herausstürzenden Gospodarek  zu und schießt das Leder über den Torhüter hinweg in die Maschen. 1:0 ! Während Tobias Werner wieder einmal demonstriert, dass er nicht eben zu den ausgelassensten Jublern auf unserem Planeten gehört, liegen sich die Zeiss-Fans in den Armen. Niemand hadert mehr mit dem Regen, im Gegenteil, dies verspricht Jenas Erfolgwetter zu werden ! Und wie abgebrüht die beiden das gemacht haben, der Fiete und der Tobi ! Noch vor einem Monat stellte Sykora die personifizierte Verunsicherung da und Werner schien selbst für die zweite Mannschaft nicht gut genug. Seit dem Trainerwechsel wirken beide wie verwandelt. Was so ein bisschen Selbstvertrauen doch ausmachen kann...

Hälfte zwei begann mit einer dicken Chance für die Gastgeber. Erneut war es Burkhardt auf der linken Seite mit der Vorarbeit für Toleski. Lomaia hechtete vergebens nach dessen Schuss, zum Glück stand Stefan Kühne goldrichtig am rechten Pfosten und rettete auf der Linie (51.). Viel mehr ließ Jenas Hintermannschaft mit R. Maul und Kühne als besten Abräumern die darauffolgende Zeit über nicht zu. Doch so ordentlich die Defensive stand, nach vorn hakte es gewaltig. Kein geordnetes Aufbauspiel, nicht einmal eine gefährliche Kontertaktik brachten die Neubarth-Schützlinge nach dem Wechsel zustande. Lediglich ein einziger Werner-Schuss kam in 45 Minuten aufs Gospodarek-Gehäuse. Zu wenig. So war das Zittern bis zum Abpfiff wieder einmal vorprogrammiert.
„Allez Carl Zeiss Allez, nur der FCC“, machen die Zeiss-Fans ihrer Anspannung Luft. Volle zehn Minuten lang. Der ganze Block singt mit. Geil. Auf dem Rasen liefern sich unsere Jungs derweil ihre Abwehrschlacht. Einmal bekommt Ronald Maul gerade noch die Fußspitze dazwischen. Dann lenkt Lomaia einen Schuss über die Latte. Gleich geschafft. Nur noch Sekunden sind zu spielen. Ein Eckball noch, dann ist Finito. „...wir halten fest zusammen und kämpfen bis zum Schluss...“ Die Ecke kommt, Voigt wehrt zu kurz ab, Hertl schießt – an die Lattenunterkante, von dort ins Netz. Abpfiff. Der Gesang verstummt. Blankes Entsetzen. 1:1 – in den letzten Sekunden der zweiten Nachspielminute !
Müßig, darüber zu diskutieren, ob diese überhaupt angebracht war. Und ob zwei weitere Wechsel auf Jenaer Seite vielleicht gerade diese Sekunden gebracht hätten. Der Last Second-Ausgleich trifft uns schon jetzt bis ins Mark und könnte ähnlich wie drei Duisburger Treffer eine Woche zuvor noch böse Langzeitfolgen haben.

Unmittelbar nach Abpfiff gerieten einige Jenaer Anhänger mit dem Ordnungsdienst aneinander, was die bayrische Polizei zum Anlass nahm, Pfefferspray und Tränengas einzusetzen. Hierbei schienen nicht alle Beamten die gebotene Verhältnismäßkeit der Mittel berücksichtigt zu haben. Als wäre die seelische Pein nicht schon genug, kamen für eine Handvoll Jenaer somit noch körperliche Schmerzen hinzu. <fc>

Fotos von Jens Weißenburger
Bericht auf sv-wacker.de

FC Carl Zeiss Jena - MSV Duisburg 3:3

Tore: 1:0 Sykora (18.), 2:0 Fröhlich (34.), 3:0 Sykora (39.), 3:1 Grlic (68.), 3:2 Lavric (82.), 3:3 Grlic (85.)
Jena: Lomaia; R. Maul, Wachsmuth, A. Maul, Holzner; Fröhlich (65. Kowalik), Kühne, Zimmermann (75. Güvenisik), Schlitte (83. van Steensel); Sykora, Werner
Duisburg: Beuckert; Weber (46. Kurth), Filipescu, Schlicke, Brugera (74. Book); Willi, Tararache (46. Daun), Mokhtari, Grlic; Lavric, Idrissou

Zuschauer: 10.481

Schiedsrichter: Dingert (Thallichtenberg)

Spielbericht:
Bei schönem Wetter waren wiederum mehr als 10.000 Zuschauer ins sonnige Ernst-Abbe-Sportfeld gekommen. Bis auf die für ein „großes“ Team, das ernsthafte Aufstiegschancen hat, auch für freitägliche Zweitligaverhältnisse lächerliche Anzahl MSV-Fans wollten alle die Fortsetzung des Wunders erleben, das in den letzten beiden Spielen gegen Aue und in Freiburg mit 6 Punkten die Hoffnungen auf den Klassenerhalt deutlich wiederbelebten.

Doch nach nicht einmal zwei Minuten schienen bereits alle Träume zu platzen, als der Ball nach einem Kopfball im Jenaer Tornetz zappelte. Doch der in dieser Beziehung übers ganze Spiel hinweg sichere Assistent hatte schon Sekunden vorher die Fahne oben – Abseits. Zurecht, denn an der Torraumlinie, wenige Schritte vorm Torwart, steht man nicht passiv, auch wenn den Ball der benachbarte Mitspieler köpft. In der Folgezeit versuchte der MSV weiterhin Druck aufzubauen, aber 10 Meter vorm Jenaer Strafraum endeten die Angriffe stets in einer weißen Wand, die sich erfolgreich um strikte Disziplin bemühte und nur vereinzelt den Zebras Nadelstiche in Form von Kontern verpasste. Beim ersten dieser Konter fand Holzners Flanke von links Werners Kopf, der jedoch nicht genügend Druck hinter den Ball bekam. In der 15. min spielte Wachsmuth mit den Nerven der Zuschauer, als er durch sein Ausrutschen Willi freie Schussbahn ermöglichte, der jedoch deutlich zu hoch zielte. In der 18. min gab es den ersten von 6 Freistößen, die an diesem Abend zu Toren führten: Kurz hinter der Mittellinie von Werner ausgeführt, eigentlich ungefährlich, fliegt der Ball hoch in den Strafraum. Beukert kommt raus und als alle die Szene gedanklich schon abgehakt hatten, trat ein Mitspieler dem Keeper den Ball aus den Händen. Sykora nahm die Einladung dankend an und versenkte zum 1:0.
Duisburg zeigte sich beeindruckt, verlor zwischenzeitlich den Spielfaden und der FCC wurde vorsichtig offensiver. In der 24. min spielten Werner und Sykora am linken Strafraumeck mit den Zebras ein bisschen Katz und Maus, vergaßen leider den Zug zum Tor und so entwickelte sich aus dem aussichtsreichen Angriff ein schneller Gästeangriff, der zum Glück nichts einbrachte. Die Stadionuhr hatte noch nicht einmal 120 Sekunden weitergezählt, als Zimmermann Schlitte auf der rechten Seite in die Spur schickte und der Ball nach Flanke und Kopfball Werners zur Ecke abgewehrt wurde. Die folgende Ecke brachte einen weiteren Kopfball, der den Ball nur den rechten Torpfosten treffen. In der 34. Minute gibt es wiederum einen Freistoß im tiefen Mittelfeld – weit hinaus nach rechts zu Schlitte geschlagen, bedient dieser Zimmermann: Flanke, ein in der Mitte heranfliegender Fröhlich, das 2:0 und ein ausflippendes Stadion schienen gleichzeitig zu geschehen. Als sich alle wieder beruhigt hatten und die Minuten bis zur Halbzeitpause zählten, gab es erneut Freistoß. Ich äußerte halblaut, dass beide Tore bereits nach entsprechend Standards gefallen waren und dies jetzt der dritte Freistoß wäre... Das weiße Ballett schien gute Ohren zu haben: Fröhlich zirkelte die Spielkugel über die Mauer, Ball und Beukert prallten an den Pfosten. Während jedoch Beukert liegenblieb, hoppelte der Ball ein paar Schritte zurück und gab Sykora die Gelegenheit zum 3:0!!! Ich konnte nicht jubeln, ich war einfach platt und hoffte, dass jetzt nicht der Wecker klingelte. In der Pause wurde in einigen Gesprächen klar, dass nicht nur ich sprachlos war. Was ging hier ab?!? Vor 3 Wochen eine Offenbahrung in Fürth und nun führte der FCC DREI zu NULL gegen den Tabellendritten!  Wahnsinn! MSV-Coach Bommer war nicht so sprachlos und attackierte noch auf dem Platz verbal den Schiedsrichter.

Der MSV kam wild entschlossen aus der Kabine, hatte die Abwehr auf eine Dreierkette reduziert und zwei Stürmer eingewechselt. Doch eigentlich gelang ihnen nicht viel und Torchancen blieben aus. Und so war das kleine Missverständnis zwischen R. und A. Maul, als sie sich bei einem harmlosen Ball nicht einig waren (wahrscheinlich hatte jemand „Maul, nimm du ihn“ gerufen), fast der einzige echte Aufreger, obwohl der MSV optisch mehr vom Spiel hatte. Lomaia musste in der 66. min lediglich gegen einen Kopfball klären. So war die Einwechslung Kowaliks für Fröhlich nicht überraschend, es ging um die Sicherung des Spielstandes. Der Blick pendelte da schon immer wieder zur Uhr und als sich in mir so ein kleines Gefühl „das könnte heute was werden“ breitmachte, gab es den vierten Freistoß mit Folgen, diesmal leider für die Gäste. Grlic schoss ganz flach auf die lange Ecke – drin! Kurz danach versetzte Werner bei einem schnellen Angriff seinen Gegenspieler, der den Wernerschen Übersteiger nicht kannte, und Filipescu ließ Werner über die Klinge springen, sprich stoppte ihn per Beinbremse – Strafstoß? Denkste, Herr Dingert wollte sich sicher eine weitere Standpauke Rudi Bommers ersparen und ließ die Pfeife schweigen. Von da an konnte man Duisburgs Angriffskonzept kurz und knapp zusammenfassen: lang und hoch und weit nach vorn und gucken was passiert. Der FCC getraute sich nur noch sporadisch über die Mittelinie, meistens wurde der Ball einfach rausgedroschen. Der eingewechselte Güvenisik legte in der 78. quer ab auf Sykora, Fiete schoß jedoch viel zu zeitig, obwohl er freie Bahn zum Tor hatte und noch hätte einige Meter laufen können. Auf der anderen Seite beförderte Lomaia einen tückischen Kopfballaufsetzer noch gerade so über die Latte.
Dann gab es – na was schon – Freistoß für den MSV. Moktaris weite Flanke ist ewig in der Luft, Lavric kommt am langen Pfosten ungehindert angeschwebt und köpft zum 2:3 ein. Die Angst in den blau-gelb-weißen Reihen auf dem Platz und den Rängen konnte man nun mit den Händen greifen und beim nächsten Freistoß geschah es: Fast gleiche Position wie vorm ersten Gegentreffer, Lomaia steht wieder in der Tormitte, Grlic schoss diesmal nicht flach, sondern hoch, aber Lomaias Reaktion (keine) und der Effekt (Tor) blieben gleich. Wer weiß, wie es ausgegangen wäre, wenn Güvenisiks unmittelbar vorm Ausgleich van Steensels Zuckerpaß aus Nahdistanz eingeschoben hätte, anstatt überrascht zu verstolpern (84.). Nun ging es eigentlich nur noch darum, wenigstens dieses eine Pünktchen festzuhalten.

Als der Schiedsrichter – der 2 Minuten Nachspielzeit  anzeigte und fast 4 Minuten zugab – endlich abpfiff, war ich zunächst unschlüssig, ob ich mich freuen oder ärgern sollte. Nach kurzer Zeit entschied ich mich fürs Freuen – es war letztendlich ein Punktgewinn für den FCC gegen einen Aufstiegsaspiranten. Zwar ist ein Unentschieden nach einer 3:0-Führung ärgerlich, aber schließlich spielten wir nicht gegen irgendwen, sondern gegen ein Topteam der Liga. Vorentscheidend wird das Spiel in Burghausen werden, und mit der Einstellung und der Leistung der Spiele seit dem 16. April können wir da optimistisch sein. <uk>

Fotos auf fcc.weissenburger.de
Bericht auf msv-duisburg.de

SC Freiburg - FC Carl Zeiss Jena 1:3

Tore: 0:1 Voigt (39.), 0:2 Voigt (61., FE), 1:2 Mohamad (62.), 1:3 Werner (90.)
Freiburg: Walke; Olajengbesi (58. Bencik), Ibertsberger, Riether, Mohamad, Schwaab, Coulibaly, Pitroipa (45. Matmour), Antar, Iashvili, Sanou (77. Cafu)
Jena: Lomaia; R. Maul, Voigt, A. Maul, Holzner; Fröhlich (45. Güvenisik (84. Kowalik)), Kühne (31. Tapalovic), Zimmermann, Sykora, Schlitte; Werner

Zuschauer: 19.500

Schiedsrichter: Weiner (Gießen)

Spielbericht:
Sven Günthers Beitrag zur Saison des FCC mag umstritten sein, zumindest in Freiburg aber gereicht es auch ein halbes Jahr nach dem Hinspiel gegen die Breisgauer, als er selbige mit ihren ureigensten Mitteln düpierte, zu unverblasster Berühmtheit und natürlich wurde die Szene vor dem Duell der ungleichen Gegner auch von der lokalen Presse noch einmal dankbar aufgewärmt.

Ob die 19.500 Zuschauer in Vorfreude auf eine Bekanntschaft mit dem Sachsen oder eher wegen Freiburgs phänomenalen Siegeszug der letzten Wochen kamen, der sie zurück in den Aufstiegskampf katapultierte? Wohl letzteres, zumal Sven Günther ebenso wie der gesperrte Toni Wachsmuth fehlte und Neutrainer Frank Neubarth zu Umstellungen in der Hintermannschaft zwang. Alexander Maul bekleidete die freigewordene Innenverteidigerposition, während Felix Holzner auf der rechten Außenseite der Abwehr seine Chance bekam. „Nach guten Trainingsleistungen“, wie Neubarth später erklärte, und weil er als wendiger schneller Spieler gut zu den Freiburger Angreifern passte. Dennoch war es gerade er, der in der ersten Hälfte die größten Probleme mit dem wieselflinken Pitroipa hatte, der auf Freiburgs linker Angriffsseite ständig für Unruhe und Durchbrüche sorgte. Freiburg spielte und kombinierte mit dem Selbstbewusstsein eines ungeschlagenen Jahres 2007, jedoch war im Strafraum zumeist Schluß mit der Herrlichkeit bei Finkes Weltauswahl, der Frank Neubarth eine komplett aus deutschen Feldspielern bestehende Truppe gegenüberstellte, die sich mit teutonischer Kampfeskraft und neuem Vertrauen in die eigene Stärke schier zerrissen. Bis auf Ibertsbergers eher harmlosen Schuß (18.) musste Jenas Schlussmann in der ersten Hälfte kein einziges Mal sein Können zeigen, was jedoch nicht an Freiburgs fehlender Offensivkraft lag, sondern der Tatsache geschuldet, dass eine taktisch hervorragend eingestellte Jenaer Elf sich in jeden Schussversuch warf, jeden Zweikampf suchte und den Gastgebern mehr und mehr den Spaß am Fußballspielen nahm. Beispielhaft dafür eine Szene aus der 45. Minute, als Antar im Strafraum scheinbar doch einmal frei zum Abschluss kommt, sich in letzter Sekunde jedoch Sykora und Tapalovic im Duett in den Ball werfen und die Führung in die Halbzeitpause retten.
Führung? Ja, der FCC führte tatsächlich erstmals seit Paderborn wieder einmal auf fremdem Platz und das nicht einmal gänzlich unverdient. Tobias Werner, unter Heiko Weber zwischenzeitlich wegen Formschwäche ins Oberligateam verbannt und schon gegen Aue wie ausgewechselt spielend, agierte als einzige Sturmspitze und lief sich die Hacken wund, um die immer wieder auf ihn von hinten lang gespielten Bälle zu erreichen. Seine von Sykora schön durchgelassene Ablage auf den den Ball nicht voll treffenden Schlitte (13.) fand nicht den Weg ins Netz, aber nach 38 Minuten wurde Werners enormer läuferischer Einsatz belohnt. Wieder ein weiter Ball, diesmal war Lomaia der Absender, von Freiburgs Verteidiger unterschätzt und so musste SCF-Keeper Walke im Luftduell Kopf und Kragen riskieren, um den Ball vor Werner in Sicherheit zu bringen. Da ihm dies den Ball über der Strafraumlinie haltend, aber mit beiden Beinen außerhalb des 16ers stehend gelang, entschied Schiedsrichter Weiner fälschlicherweise auf Freistoß für den FCC, ließ aber die bei derartigen Vergehen eigentlich zwingende rote Karte gegen Walke stecken, eine seltsame Entscheidung. Alexander Voigt war es egal, er schob den Freistoß unter der hochspringenden Freiburger Mauer hindurch ins Netz zum entfesselten Jubel von 400-500 mitgereisten Anhängern der blau-gelb-weißen Farben. Voigt höchst selbst hätte Sekunden vor der Pause gar noch erhöhen können, aber sein Flachschuß strich knapp am Pfosten vorbei.

Vorbei war die Partie zur Pause dann auch für Christian Fröhlich, der durch Stürmer Sercan Güvenisik ersetzt wurde, womit Tobias Werner nun wieder auf seine Rolle im linken Mittelfeld zurückrutschte, die er aber weiterhin offensiv, vielleicht etwas zu offensiv interpretierte. Hinten bekam Georgi Lomaia nun mehr zu tun, als ihm lieb sein konnte, so als Iashvili nach 48 Minuten einen vom sonst starken Zimmermann fahrlässig verschuldeten Konter abschloß, aber seinen Landsmann aus 11 Metern freistehend nicht überwinden konnte. Nur vier Minuten später das gleiche Duell, von der gleichen Stelle, mit dem einzigen Unterschied, dass der Ball diesmal ruhte. Schiedsrichter Weiner hatte bei einer Schwalbe des für den angeschlagenen Pitroipa eingewechselten Karim Matmour statt der fälligen gelben Karte für den Franzosen auf den Punkt gezeigt. Eine Fehlentscheidung sicherlich, eine Konzessionsentscheidung für den Freistoß in HZ 1 vielleicht, wenngleich Studienrat Finke in der Pressekonferenz nach dem Spiel die Elfmeterszene in seiner ausschweifenden Kritik am Unparteiischen zufällig vergaß. Ob man sich nach Saisonende an die 52. Minute in Freiburg erinnern wird als eine der Schlüsselszenen im Saisonendspurt? Für dieses Spiel jedenfalls war es eine solche, denn das Duell der beiden Kollegen aus der georgischen Nationalmannschaft endete erneut mit einem Sieger Lomaia, der den ebenso flach wie schwach geschossenen Versuch sicher unter sich begrub, Jenas Fans nun endgültig in Ekstase versetzte und die Weißgekleideten in der Folge beflügelte. Scheiterte Güvenisik mit Madjer-Gedächtnis-Hackentrick im 5m-Raum nach Schlitte-Flanke noch (57.), so setzte er drei Minuten später Mohamad derartig zu, dass dessen verunglückter Befreiungspass von Sykora erlaufen wird, der vom gleichen Spieler im Strafraum nur durch ein Foul zu stoppen ist. Jenas etatmäßiger Elferschütze war mit Fröhlich bereits ausgewechselt, also trug der heimliche FCC-Kapitän Voigt die Verantwortung und machte es besser als sein Gegenüber Minuten zuvor.
2:0 für das Auswärtsteam, eine Sensation lag in der Luft, doch der Jubel war noch nicht einmal verklungen, so bügelte Mohamad seinen Fehler auf der Gegenseite wieder aus und köpfte von Voigt und Tapalovic nicht bedrängt zum Anschlusstreffer für die Breisgauer ein. Lomaia hatte einen von elf Freiburger Eckbällen nicht weit genug wegfausten können und die erneute Flanke Schwaabs die Unordnung in Jenas Hintermannschaft offenbart. Noch 28 Minuten auf der Uhr, „dieses Tor kam zu früh“ wisperte es aus allen Ecken des Gästeblocks, Angst machte sich breit und so wechselten sich nervöses Fingerkauen, ständiges Auf-die-Uhr-gucken und weiterhin peitschender Support nahezu sekündlich ab bei Jenas Anhängerschaft, die nun gemeinsam mit ihrer aufopferungsvoll kämpfenden Mannschaft um wenigstens einen Punkt, vielleicht ja auch den nicht für möglich gehaltenen Auswärtssieg bangte. Entlastung gab es kaum noch im Spiel des FCC, gefühlte 90% Ballbesitz der Gastgeber und so musste Güvenisik sechs Minuten vor dem Ende zurück auf die Bank, als Frank Neubarth nach zwei Freiburger Großchancen von Coulibaly und Mohamad einen weiteren kopfballstarken Defensivkünstler brachte. Als auch Cafú ganz knapp verzieht und nur noch eine Minute auf der Uhr verbleibt, die Gedanken schweifen zwischen Siegeszuversicht und der Erinnerung an jene unglückselige 97. Minute im Jahre 1991 an gleicher Stelle, erlöst ein Bilderbuchkonter die Jenaer Fanseele. Über die Stationen Zimmermann, Tapalovic und Sykora mit Zauberpass startet Tobias Werner allein auf Keeper Walke und wie ein Sahnehäubchen auf seine großartige Leistung lupft er das Leder ins Netz, so wie er es vor nur drei Wochen im Oberligaspiel gegen Sachsen Leipzig nie und nimmer überhaupt versucht hätte. Er hatte es sich verdient, und die gesamte Mannschaft hatte es sich verdient mit einer kämpferischen Leistung, die auch so manchem Freiburger Zuschauer im Gespräch nach Spielende Respekt abforderte.
Und wer kurz vor dem Ende in das völlig grüne Gesicht des einen Einwurf direkt vor dem Gästeblock ausführenden und offenbar kurz vor dem Erschöpfungstod stehenden Ronald Maul blickte, der war versöhnt mit seiner Mannschaft, die zwei Wochen zuvor in Fürth auf andere Weise leblos wirkte. Der FCC ist wieder da…um genau da weitermachen zu müssen! <gunner>

Bericht auf scfreiburg.com
Bilder des Tages

FC Carl Zeiss Jena - FC Erzgebirge Aue 2:1

Tore: 1:0 Zimmermann (10.), 2:0 Schlitte (45.+1), 2:1 Sykora (84./ET)
Jena: Lomaia; Kühne, Wachsmuth (RK, 87.), Voigt, R. Maul (90. Kowalik); Werner, Fröhlich (86. Holzner), Günther (64. A. Maul), Zimmermann, Schlitte; Sykora
Aue: Keller; Trehkopf (30. Adamski), Emmerich (46. Geißler), Kos (RK, 87.), Loose; Dostalek, Heller, Klinka (64. Demir), Lenze; Rangelov (GRK, 85.), Juskowiak

Zuschauer: 10.845

Schiedsrichter: Rafati (Hannover)

Spielbericht:
Weniger als ein Sieg im Heimspiel gegen Aue durfte es nicht sein, wenn sich der FCC noch ernsthafte Chancen auf den Klassenerhalt bewahren wollte. Und fast 11.000 Zuschauer wollten dieses Match und das Debüt von Frank Neubarth als Trainer erleben. Es ist schon beeindruckend, was in der Rückrunde im Ernst-Abbe-Sportfeld passiert – die Kulisse ist garantiert sowohl zahlenmäßig als auch akustisch zweitligareif und es wäre ungeheuer wertvoll, den Zweitligafußball auch 2007/08 in Jena zu erhalten.

Die Mannschaft schien das ebenso zu sehen und legte eine erste Halbzeit hin, wie wir sie in dieser Spielzeit nicht so oft sahen: druckvoll, engagiert, dicht am Gegner. So war es letztendlich nicht verwunderlich, dass Aue im Gegensatz zum FCC bis zur Pause keine Torchance hatte. In den ersten fünf Minuten liefen alle FCC-Angriffe über die rechte Seite, auf der Schlitte derart mit seinem Gegenspieler Karussell fuhr, dass Schädlich nach einer halben Stunde Erbarmen hatte und den völlig überforderten Trehkopf auswechselte. Der erste Angriff über links verwandelte das Stadion zum ersten Mal an diesem Abend in einen explodierenden Vulkan – Werners Flanke von links wurde zu kurz abgewehrt und Zimmermann knallte den Ball aus etwa 10 Metern Entfernung in die Maschen! Dann wurde es zunächst 10 Minuten lang etwas ruhiger und optisch ausgeglichener, aber Aue gelang gegen die sicherstehenden Hausherren nichts. Deshalb meinte wohl der Schiedsrichter, sich mal in den Mittelpunkt spielen zu müssen und verteilte überzogene Gelbe Karten gegen R. Maul und Sykora. Danach ging es, wie gehabt, ohne große Torchancen weiter, aber der FCC blieb spielbestimmend. In der 37. min ging ein Aufstöhnen durchs Rund, als Zimmermann Mauls abgefälschten Schuss leider nicht kontrolliert und platziert Richtung Axel Keller, sondern neben das Tor bugsierte. Als die ersten Zuschauer schon zum Pausenbierholen gingen, nahm Kühne an der linken Außenline einem Auer den Ball weg, zog zur Grundlinie, flankte und Schlitte beglückte die Zuschauer, in dem er auf 2:0 erhöhte.

2:0 nach einer starken Halbzeit, das sollte doch die Nerven beruhigen. Aber der gelernte Jena-Fan dachte an 1998, als man im April gegen Unterhaching auch schon 2:0 zur Pause führte. Der FCC ließ nach Wiederanpfiff Aue optisch immer mehr ins Spiel kommen und wartete in der eigenen Hälfte auf Konterchancen. In der 54. min ergab sich dann auch die Gelegenheit, den Gästen den Knockout zu versetzen, als Tobias Werner (der wie etliche andere wie verwandelt spielte) links mit dem Ball am Fuß lossauste und, als der Auer Verteidiger auf Schlagdistanz heran war, perfekt nach rechts auf Fröhlich ablegte. Dessen straffen Schuss konnte Keller, der insgesamt nicht gerade sicher wirkte, jedoch parieren. Und so verging die Zeit: Aue spielte zwar im Mittelfeld, prallte aber regelmäßig an der weißen Jenaer Abwehrmauer ab, und die Gastgeber warteten auf Konter. Aber erst mit Demirs Einwechslung (64.) kam halbwegs wieder Leben ins Auer Offensivspiel. Und Demir hatte auch die einzige Chance, die die Jenaer Zuschauer ernsthaft in Unruhe versetzte, schoss aber am kurzen Pfosten vorbei (75.).
Etwa zehn Minuten vor Schluss erkundete der FCC, wie lange man den Gegner ungestraft in Ballbesitz lassen kann, verzichtete auf Attacken und beobachtete, wie sich die Auer die Spielkugel hin und her zuschoben. Bezeichnend aber für diesen Abend, dass die Gäste aus dieser Einladung lediglich eine Ecke herausholten, die in einem Schuss Demirs in den Abendhimmel endete. Weitere Auer Ecken folgten und als eine nur bis zur Strafraumgrenze abgewehrt werden konnte, schoss Demir von halblinks aufs Tor. Der Schuss wäre vermutlich eine Beute Lomaias geworden, hätte Sykora den Ball nicht aufs kurze Toreck umgeleitet und so seinen Keeper zu einer Kehrtwende auf der Torlinie gezwungen. Da aber auch ein georgischer Löwe die physikalischen Trägheitsgesetze außer Kraft setzen kann, bekam er die Hand nicht mehr richtig an den Ball und dieser trudelte ins Netz. Eigentlich wieder einmal ein für diese Saison typisches Jenaer Geschenk an eine Gastmannschaft, diesmal jedoch ohne Punktefolgen, da wir schon zwei Treffer vorgelegt hatten. Allerdings hätten alle Blau-Gelb-Weißen, egal ob im Stadioninnenraum, auf den Rängen oder vorm heimischen Fernseher,  liebend gern auf diesen zusätzlichen Nervenkitzel verzichtet.
Danach ging noch einmal richtig die Post ab. Zunächst erlitt Rangelov beim Sprint in Richtung Jenaer Strafraum einen Schwächeanfall (manche sagen auch Schwalbe dazu) und bekam daraufhin seine zweite Verwarnung und den damit verbundenen vorzeitigen Feierabend verordnet. Wenig später bremste Wachsmuth einen Gegenspieler an der linken Außenbahn per Foul und kassierte dafür „Rot“. Diese – wie schon bei den beiden Verwarnungen in der 1. Halbzeit – völlig überzogene Reaktion kompensierte der Referee wenigstens dadurch, dass er dem Auer Kos für dessen Würgegriff gegen „Wachser“ gerechterweise auch mit einem Feldverweis bedachte. Der Rest bestand in Dauerblick auf die Uhr und dem Zeitherunterzählen, bis endlich nach zwei endlos erscheinenden Nachspielminuten der Schlusspfiff Fan, Mannschaft und Trainer erlöste.

Was dieser Sieg wert war, werden wir am Nachmittag des 20. Mai 2007 wissen, wenn der letzte Abpfiff der Zweitligasaison erfolgt ist. <uk>

SpVgg. Fürth - FC Carl Zeiss Jena 2:0

Tore: 1:0 Cidimar (52.), 2:0 Timm (56.)
Fürth: Loboue; Felgenhauer, Kleine (68. Kelhar), Mauersberger, Achenbach; Adlung, Judt, Lanig, Fuchs (82. Caillas); Timm, Kucukovic (46. Cidimar)
Jena: Lomaia (23. Kraus); Kühne, Wachsmuth, Voigt, R. Maul; Fröhlich, Günther, Sykora, Zimmermann, Schlitte; Ashvetia (60. Werner)

Zuschauer: 11.000

Schiedsrichter: Schempershauwe (Hildesheim)

Spielbericht:
Jenas Sportdirektor war Ende März auf Spielersuche in Belgien. „Wenn man dort sagt, ich komme vom FC Carl Zeiss Jena“, berichtet Lutz Lindemann, „merkt man, welchen Stellenwert der Verein noch hat, obwohl er nun schon viele Jahre international nicht dabei war. Diesen Stellenwert müssen alle Spieler verinnerlichen. Wir stehen über dem Strich und müssen da bleiben.“

Da Rot-Weiß Essen in Koblenz gewonnen hatte, war klar, dass nur ein Jenaer Sieg der Forderung Lindemanns Rechnung tragen konnte. Für den mit Bänderverletzung ausfallenden Tapalovic war erneut Sven Günther in die Anfangself befördert worden, in der sich Stefan Kühne und Fiete Sykora neu befanden.
Jena startete keineswegs stur defensiv, auch wenn Schussversuche von Zimmermann und Schlitte zunächst daneben gingen. Auf der Gegenseite zeigte sich Wachsmuth bei Kucovics Versuchs eines Hackentricks aus 5 Metern Torentfernung ebenso aufmerksam wie Lomaia bei Timms Schuss aus spitzem Winkel. Allerdings war schon zuvor erkennbar, dass der Keeper sich nur unter Schmerzen bewegen konnte. Er versuchte zunächst weiter zu machen. Doch als Felgenhauer aus 19 Metern an die Lattenunterkante ballerte und Lomaias Reaktionsvermögen beeinträchtigt wirkte, war klar: Das geht so nicht. Daniel Kraus, gegen Rostock erstmals auf der Bank, stieg damit innerhalb von zwei Wochen von der Nummer drei zur Nummer eins im Kasten auf. Und bekam gleich zutun: Kucukovics Schuss holte er aus dem langen Eck, Kleins Kopfball aus nur 5 Metern lenkte er über die Latte. Beide Szenen innerhalb einer Minute. Und es vergingen wiederum nur Sekunden, bis Kleine aus der Drehung den linken Innenpfosten traf, bevor Kraus das Leder von der Linie fischen konnte.
Einmal tief durchatmen und dann endlich aus der Umklammerung befreien – ein Fehlpass der Hausherren bot die Gelegenheit dazu. War es Kühne, der den Ball bekam und ihn lang nach vorn schlug ? Verbürgen kann ich mich nicht dafür, denn die Aufmerksamkeit wechselte schlagartig zu Mikheil Ashvetia als Empfänger dieser Vorlage. Zunächst gekonnt den Ball mitnehmend, läuft der Georgier allein Loboue zu, noch drei Meter, zwei Meter, ein Meter .... plötzlich stoppt er ab, dreht sich um und spielt in die Mitte, wo Maul beim Torschuss geblockt wird. Diese Szene galt es erst mal zu verarbeiten. Was bitte war das denn ? Jenas einziger Angreifer, seines Zeichens aktueller Nationalstürmer, traut sich nicht zu, aus dieser Position selbst zu vollenden ?  Macht Ashvetia das Ding, verläuft so ein Nachmittag ganz anders. So blieb es zunächst torlos, aber die Thüringer hatten jetzt ihre beste Phase. 33. Minute, schöner Konter mit Voigts Flankenwechsel auf Kevin Schlitte, dessen Schuss von der Strafraumgrenze nur knapp über die Latte strich. „Das Lob vom Gewinner haben wir uns schon wieder verdient“, zog mein Hintermann ironisch sein Fazit der ersten Hälfte. Zwar war mächtig Dusel dabei, denn Felgenhauer traf zwei Minuten vor dem Pausenpfiff das dritte Mal nur Aluminium. Aber vom Engagement her war Jenas Leistung der ersten Halbzeit recht ordentlich. So ganz aussichtslos schien das hier nicht zu sein.

Die Meinung eines Einzelnen hätte man als Fehleinschätzung ignorieren können. Doch teilten mir gleich mehrere Personen gleichlautend ihre Beobachtungen mit, Jenas Spieler hätten bei der Rückkehr aufs Spielfeld den Eindruck geprügelter Hunde vermittelt. Langsam, mit hängenden Schultern sollen sie aus den Katakomben gekommen sein. Wenn dem wirklich so war – hatte Heiko Weber diesmal nicht die richtigen Worte in der Kabine gefunden ? Sie mit dem später auch im TV geäußerten Vorwurf fehlender Klasse in die falsche Richtung motiviert ? Fakt ist einzig und allein, dass nach zehn Minuten in Hälfte zwei alle Messen gelesen waren. Beim 1:0 veränderte Günther unglücklich die Richtung des Balles und Wachsmuth tackelte ins Leere. Der Nutznießer hieß Cidimar. Vier Minuten später spielte Ashvetia wieder einmal ab statt zu schießen. Der Ball landet beim Gegner, wird schnell gespielt auf Cidimar, Cidimar auf Judt, Judt auf Timm und dessen Schuss aus 15 Metern landet im Dreiangel. Solch ein Angriffsspiel mit langen Bällen und Flankenwechseln lieben sie in Fürth. Jenas Hintermannschaft jetzt tüchtig von der Rolle. Cidimar scheitert per Kopf an Kraus (58.). Adlung schießt knapp vorbei (62.). Timm vergibt nach Vorarbeit von Fuchs schon beinahe lässig (63.). Diese Möglichkeiten am Fließband, ohne größere Gegenwehr herausgespielt, brachten selbst die geduldigen Zeiss-Fans allmählich auf die Palme. „Wir woll’n euch kämpfen sehen“, skandierten sie aus dem proppenvollen Gästeblock. Als Kraus mit Kleine zusammenprallt, werden kurzzeitig Befürchtungen wach, wir könnten plötzlich ohne Torhüter dastehen. Doch im Gegensatz zu Fürths Kapitän konnte Kraus weitermachen. Und das war wichtig. Denn er allein verhinderte ein mögliches Debakel, machte auch noch in der Schlussphase Großchancen mittels guter Reflexe zunichte, beispielsweise bei Mauersbergers Kopfball in Minute 87.

Der eingewechselte Ersatztorhüter verdiente sich als Einziger gute Noten. Bei seinen Vorderleuten wirkte vieles alibihaft, kaum einmal wurde Verantwortung übernommen, sodass man sich fragen muss: Fehlen dieser Mannschaft die Leitwölfe ? Jener Spielertyp, den eine Mannschaft in solche einer Tabellensituation so dringend braucht ? Bilanzen mit einem einzigen echtem Torschuss plus einer herausgespielten (aber kläglich vergebenen) Chance taugen nicht im Kampf gegen den Abstieg. Pfiffe aus dem Jenaer Fanblock, mehr als 2000 waren am Ostersonntag mitgekommen, hat es nach Abpfiff seit Ewigkeiten nicht gegeben. Berechtigt waren sie allemal. Mit Leistungen wie der von Fürth insbesondere nach der Pause wird die Klasse nicht zu halten sein. <fc>

Bilder des Tages
bericht auf greuther-fuerth.de

FC Carl Zeiss Jena - FC Hansa Rostock 1:2

Tore: 0:1 de Silva Menezes (36.), 1:1 Ashvetia (85.), 1:2 Cetkovic (86.)
Jena: Lomaia - Voigt, Günther (53. Güvenisik), Zimmermann, Fröhlich, Schlitte, Wachsmuth (78. Sykora), R. Maul, van Steensel (46. Holzner), Ashvetia, Tapalovic
Rostock: Schober - Langen, Kern, Hähnge (46. Cetkovic), Stein, Sebastian, Rahn (74. Madsen), Shapourzadeh, Beinlich, da Silva, Yelen (67. Hansen)

Zuschauer: 12500

Schiedsrichter: Georg Schalk (Augsburg)

Spielbericht:
Da war er endlich wieder - diese alte Ost-Klassiker vergangener Zeiten. Die Euphorie vor dieser Partie war groß und der FC Carl Zeiss Jena konnte bereits einige Tage vor der Begegnung zum ersten Mal in dieser Saison ein ausverkauftes Haus vermelden. Aber die Vorzeichen dieses Spieles hatten sich im Laufe der letzen Jahre gewaltig verändert. Während es den Rostockern gelang, sich jahrelang in der Bundesliga zu etablieren, mussten die Kicker aus Jena diese Zeit in den Niederungen der Regional- als auch Oberliga verbringen. Zu DDR-Zeiten diskutierte man vor dieser Partie maximal über die Höhe des Jenaer Sieges, so wäre man am doch heutigen Spieltag bereits mit einem Unentschieden mehr als zufrieden.

Die Jenaer kamen mutig aus der Kabine und setzten von Beginn an die Ostseestädter unter Druck. Bereits nach einer Minute die erste Möglichkeit für Zimmermann, doch sein Schuss aus 18m wurde kurz vor dem Tor nach abgefälscht. Es dauerte dann über eine Viertelstunde, bis sich mal wieder etwas tat, doch auch die folgenden Aktionen gehörten den Jenaern. Zunächst eine sehenswerte Aktion von Zimme, der mit einer Hackenablage Fröhlich bediente, doch dessen Flanke brachte nichts sein. Wenig später die erste dicke Tormöglichkeit (20.) für die Platzherren: Schlitte wurde mit einem Steilpass mustergültig bedient und auf die Reise geschickt, doch im 1-1 Duell mit Keeper Schober zeigte er keine Coolness und schoss den Ball nur an das Außennetz. Bis auf einen Hansa-Konter, der vom hoch motivierten Maul per Tackling gestoppt werden konnte, war vom Tabellenzweiten bis dahin fast gar nichts zu sehen. Günther versuchte es nach knapp einer halben Stunde mit einem Schuss aus der Distanz, doch Schober konnte diesen Ball nicht festhalten und konnte sich das Leder gerade noch vor dem anstürmenden Zimmermann sichern. Die Jenaer waren bis hierher die klar dominierende Mannschaft und eine Führung wäre vielleicht sogar schon verdient gewesen. Die aber machten zum Schreck der Zuschauer die Gäste in der 36.Minute. Der bis dahin fast beschäftigungslose Jenaer Keeper Lomalia wollte sich anscheinend in dieser Szene auch einmal auszeichnen und so stürmte er völlig unnötig bei einem von Beinlich getretenen Freistoß aus seinem Kasten, um im Strafraumgewühl den Ball wegfausten zu können. Doch leider traf er den Ball nicht und so senkte sich die Kugel nach einem Kopfball von de Silva Menezes in Zeitlupe ins leere Tor. Unglaublich dieses Geschenk in dieser Phase des Spiels. Der FCC, war wie schon gesagt, bis dahin das klar aktivere und couragierte Team auf dem Platz, aber wieder einmal waren es die Gäste, die einen Treffer verbuchen konnten. Danach folgten bis zur Pause noch einmal wütende Angriffe der Platzherren, doch bis auf einen gefährlichen Freistoß, den ein Rostocker gerade noch zur Ecke klären konnte, sprang nichts Nennenswertes heraus.

Zur zweiten Halbzeit kamen die Jenaer mit dem neu eingewechselten Holzner mit Schwung aus der Kabine und setzen die Hanseaten sofort wieder und Druck. Nach 53 Minuten reagierte Trainer Weber und brachte mit Güvensisik einen zweiten Stürmer aufs Feld, um den Ausgleich so schnell wie möglich erzielen zu können. Kurz darauf wäre es um ein Haar auch so weit gewesen, wenn…ja wenn der Torschütze der Woche Filip Tapalovic seine Tausendprozentige genutzt hätte. Stattdessen köpfte er freistehend vor dem leeren Gehäuse einen Flankenball knapp neben den Pfosten. Ein Wahnsinn in dieser Phase des Spiels, denn der Ausgleich wäre mehr als verdient gewesen. Aber die Thüringen ließen nicht locker und schnürten die Rostocker in deren Hälfte ein. Diesmal war es Fröhlich, der mit einem Distanzschuss das Können von Schober testete, doch auch hier konnte er diesen Ball nur abklatschen. Güvenisik bekam den Ball, flankte umgehend auf Ashvetia, doch dieser konnte unter Bedrängnis durch zwei Rostocker Bewacher den Ball nicht platziert aufs Tor köpfen. Die Jenaer spielten jetzt hopp oder topp und setzten alles auf eine Karte. Das allerdings ermöglichte den Gästen nun gefährliche Konter zu starten, die um Haaresbreite auch fast mit dem 0:2 geendet hätten. Cetkovic versuchte im Strafraum Lomaia zu umspielen, was zwar misslang, doch Kern setzte nach und donnerte das Leder aufs Tor, wo Maul mit einer großartigen Rettungstat auf der Linie gerade noch Schlimmeres verhindern konnte. Aber der unbändige Kampfeswille der Jenaer sollte sich doch noch bezahlt machen. Sechs Minuten waren noch zu spielen, da wurde Ashvetia mit einer genialen Hackenablage bedient und dieser ließ sich die Chance nicht entgehen, und donnerte den Ball in die Maschen. Das Stadion stand Kopf und der Jubel war nicht richtig verklungen, da führten die Gäste erneut mit 1:2. Was war passiert? Anstatt den verdienten Punktgewinn die letzten Minuten über zu sichern, gaben sich die Jenaer einem kollektiven Tiefschlaf hin und ermöglichten den Ostseestädtern nur gut eine Minute später die erneute Führung. Dabei hatten die Thüringer erst riesiges Glück, denn der erste Schuss knallte an den Pfosten und der abprallenden Ball wurde wieder Richtung Tor befördert und landete diesmal an der Latte. Doch anstatt den dritten Ball noch einmal draufzuknallen, bedienten die Rostocker den völlig freistehenden Cetkovic, der nun keine Mühe hatte, den Ball im langen Eck zu versenken. Während der Nachspielzeit zappelte der Ball auch noch einmal im Tor von Schober, doch die meisten der Zuschauer konnten bereits erkennen, dass der Ball während der Flanke auf Sykora bereits im Toraus war, und so hielt sich der Jubel bzw. der Ärger bei dieser Aktion in Grenzen. Kurz darauf wurde die Partie vom Schiedsrichter Schalk aus Augsburg abgepfiffen und der FCC kassierte erneut eine ganz ganz bittere Niederlage.

Ein Fazit zum Spiel fällt diesmal schwer. Der FCC hätte es an diesem Tage mehr als verdient gehabt, zumindest mit einem Unentschieden das Feld zu verlassen. Sie waren fast über die gesamte Spielzeit hinweg das aktivere und auch spielbestimmendere Team, doch am Ende wurden die Jenaer durch zwei individuelle Fehler um den Lohn ihrer guten Leistung gebracht. <vg>

Bilder des Tages
Bericht auf fc-hansa.de

TuS Koblenz - FC Carl Zeiss Jena 0:0

Koblenz: Eilhoff; Tieku, Ziehl, Grenier, Evers; Langen, Dzaka, Sukalo, Nessos; Maierhofer (82. Rahn), Diakite (65. Sahin)
Jena: Lomaia; A. Maul, Wachsmuth, Voigt, van Steensel (27. Holzner); Fröhlich (87. R. Maul), Tapalovic, Zimmermann, Schlitte; Güvernisik, Ashvetia (58. Sykora)

Zuschauer: 9348

Schiedsrichter: Grudzinski (Hamburg)

Spielbericht:
Ein hässliches Spiel hatte Heiko Weber angekündigt, und dennoch machten sich knapp 600 Jenaer Schlachtenbummler auf ans Deutsche Eck, um ihrem FCC im richtungsweisenden Spiel gegen den Mitabstiegskonkurrenten den Rücken zu stärken. Im Vergleich zur Vorwoche gab es zwei personelle Veränderungen, für Sykora rückte Güvenisik in die Startformation, während Alexander Maul seinen Namensvetter Ronald auf der Position des linken Außenverteidigers beerbte, um im Luftkampf gegen die hochaufgeschossenen Koblenzer besser bestehen zu können.

Die gut 9.000 Zuschauer sahen zunächst einen mutig und entschlossen startenden FC Carl Zeiss und nach drei Spielminuten die erste Chance, als Güvenisik einen durchgerutschten Fröhlich-Freistoß allerdings zu lasch aufs Tor köpft. Doch als nur drei Minuten später Fröhlich im Mittelfeld den Ball verliert und Koblenz gefährlich kontert, auch wenn Maierhofers Schuß nur gut genug für die zweite Etage war, schien die Weißgekleideten im Eindruck des Unterhaching-Spiels wohl doch die Angst vor der eigenen Courage zu befallen und was folgte, waren 84 Minuten grausamster Fußball der Marke „Nur nicht verlieren“. Koblenz’ Trainerfuchs Milan Sasic hatte seine Mannschaft ohnehin – das sah man früh – auf Sicherung der Null hinten ausgerichtet, man empfing Jena kurz vor der Mittellinie und hoffte auf schnelle Gegenstöße gegen eine Thüringer Mannschaft, die der Tabellensituation nach ja kommen musste. Tat sie aber nicht, stattdessen hingen beide FCC-Stürmer völlig in der Luft, wobei Ashvetia in einer Stunde nicht eine einzige Offensivaktion zu verzeichnen hatte. Da vor allem die beiden Außen Fröhlich und Schlitte nahezu völlig abgemeldet waren, blieb als einziges Positivum das relativ sichere Stehen der Hintermannschaft. Zwei Kopfbälle des 2,02m-Riesen Maierhofer (14., 40.), dazu noch ein Freistoß vom TuS-Regisseur Dzaka war alles, was man zuließ. Gefährlich war aber auch das alles nicht.
Dass aus dem Spiel heraus auf beiden Seiten rein gar nichts passierte, lag sicherlich auch am unerfahrenen und äußerst schwachen Unparteiischen, der nahezu jeden Zweikampf abpfiff und jeglichen Spielfluß im Keim erstickte. Als er wirklich gefordert war, versagte er jedoch, ahndete in der 24. Minute einen in dieser Form einmalig brutalen Karatetritt Tiékus ins Gesicht von van Steensel nicht mit der zwingend angezeigten roten Karte. Während Jenas völlig benommener Holländer mit glücklicherweise nicht bestätigtem Verdacht auf Schlüsselbein- und Kieferbruch in ein Koblenzer Krankenhaus eingeliefert wurde und dort auch noch einige Zeit verbleiben muß, durfte Tiéku auch weiterhin Kevin Schlitte das Leben auf der rechten Seite schwer machen und hatte nur einmal das Nachsehen, als der Haldenslebener in der 32. Minute von Güvenisik schön steil geschickt wurde aber anstatt scharf auf den mittig freistehenden Ashvetia zu passen ein Zuspiel in den Rücken der Abwehr probierte, welches abgefangen wurde.

So ging es torlos in die Kabinen und die Hoffnung, dass eine der beiden Teams nach der Pause ihr Visier ein wenig öffnen würde, erfüllte sich genauso wenig wie die auf Torchancen des FCC. Gut, ein Flachschuß von Alex Maul (54.) aus 20 Metern am rechten Pfosten vorbei ließ sich notieren, aber es war erschreckend, wie wenig sich Jenas Offensivkräfte gegen die massierte Verteidigung der Gastgeber auch nach der Einwechslung Sykoras durchsetzen konnten. Und während Sercan Güvenisik am Hamburger Referee verzweifelte, der ihm jeden Zweikampf gegen Koblenz’ 100-Kilogramm-Ungeheuer Grenier abpfiff, setzte sich die Freistoßorgie der ersten Halbzeit nahtlos fort. Immer wieder wurde Maierhofer gesucht, der wiederum den Freistoßpfiff suchte (während seine Tätlichkeit gegen Wachsmuth aus der ersten Halbzeit ungestraft blieb), damit man ihn mit eben jenem Freistoß wieder suchen konnte. Doch wie schon in Halbzeit eins stand Jenas Defensive gut, und so probierte sich die TuS mit Schüssen aus der zweiten Reihe, wie in der 49. Minute, als Nessos mal aus der Drehung abzog und den zuvor nicht immer sicheren Lomaia die dankbare Gelegenheit zu einer kleinen Parade für die Galerie bot. Noch einmal eine Rettungstat Lomaias im Herauslaufen gegen Maierhofer (69.), was wars auch in Sachen Koblenzer Offensivaktionen und der Schlusspfiff nach 92 Minuten geriet so zur echten Erlösung.

Was man von diesem einen Zähler halten soll, wusste kaum einer so recht und was er wert ist, werden wir wohl erst in der Endabrechnung wissen. Im Moment nützt er Koblenz mehr als Jena, wenngleich er einem offensiv nicht existenten FCC mehr schmeichelte als den Gastgebern. Verdient hatte einen Sieg ohnehin keine der beiden Teams in einem Spiel, das das prognostizierte Attribut „hässlich“ nun wahrlich in jeder Form verdiente. <gunner>
Fotos von Jens Weißenburger

FC Carl Zeiss Jena - Karlsruher SC 1:3

Tore: 0:1 Federico (3.), 1:1 Zimmermann (23.), 1:2 Kapllani (42.), 1:3 Carnell (66.)
Jena: Lomaia; R.Maul, Wachsmuth, Voigt, van Steensel (77. Petersen); Fröhlich, Tapalovic, Zimmermann, Schlitte (69. Holzner); Sykora (46. Güvernisik), Ashvetia
Karlsruhe: Miller; Eichner, Stoll, Eggimann, Kies; Carnell (84. Mutzel), Porcello, Aduobe, Federico (90. Kaufmann); Kapllani, Freis (68. Staffeldt)

Zuschauer: 10394

Schiedsrichter: Dr. Brych (München)

Spielbericht:
Es gibt nicht viele Personen, die sich dem FC Carl Zeiss so mit Leib und Seele verschrieben haben wie Uwe Dern. Nach Jahren im Fanprojekt ist er nun schon einige Zeit Leiter der ersten Mannschaft und so etwas wie deren guter Geist. Einen Tag vor dem Match gegen den Tabellenführer feierte er Geburtstag. Glückwunsch, Uwe ! Wer ihn kennt, der weiß, dass sich Uwe nichts sehnlicher wünschte als drei Punkte gegen den Abstieg für seinen Verein. Dass daraus nichts wurde, hatte gleich mehrere Ursachen.

Eine davon ist der neuerliche Gegentreffer in der Anfangsphase. Als Berichterstatter wird man unweigerlich an den berühmten Film mit dem Murmeltier erinnert, wenn es eine Woche nach dem Haching-Spiel schon wieder zu konstatieren gilt: Der Sekundenzeiger hat seine zweite Runde gerade vollendet,  als sich Jena einen Rückstand einfängt. Mit Giovanni Federico, nächste Saison bei Dortmund erste (oder doch wieder zweite?)  Liga spielend, stand der Top-Torschütze der Liga unbedrängt am Jenaer Strafraum.  Kein Unbekannter also und einer, den man gern etwas enger markieren darf. Allerdings waren seine zwei Haken sowie der Schuss ins Dreiangel technisch vom Feinsten und erwischte die Jenaer eiskalt.
Dabei hatten diese sich erkennbar viel vorgenommen ! Gleich nach Anpfiff machte Schlitte beim Sprintduell einen Rückstand von drei Metern wett und holte noch eine Ecke heraus. Filip Tapalovic probierte gleich mal eine Neuauflage seines Traumtors aus dem München-Spiel. Und dann das !
Während die Tribünenfans vom frühen 0:1 vorrübergehend ruhig gestellt wurden, wirkten Spieler und Südkurve nicht über Gebühr schockiert. Leendert van Steensel köpfte einen von links geschlagenen Eckball nur knapp neben den Pfosten (12.), Maul wurde im Strafraum elfmeterverdächtig zu Fall gebracht.  Doch Gegenangriffe wie jener von Freis, der Voigt auf der rechten Seite davon lief, zeigten auch, dass bedingungslose Offensive gegen diesen Kontrahenten das falsche Mittel gewesen wäre. Um nicht ins offene Messer zu laufen, wurde ein Angriff auch mal in Unterzahl vorgetragen. Irgendwann würde sich die Chance zum Ausgleich schon bieten. Und siehe da, in Minute 23 ist es soweit. Eine tolle Eingabe Schlittes (wenn ihm doch häufiger so was gelingen würde) versucht zunächst Ashvetia zu verwerten – abgeblockt – danach Zimmermann – drin ! 1 : 1 !
Der Ausgleich setzt zusätzliches Selbstvertrauen frei. Nach 31 Minuten probiert sich Schlitte im Zusammenspiel mit dem erneut überzeugenden Zimmermann, nach dessen Zuspiel gerät Sykora aber in Rücklage.  Sieben Minuten darauf zischt ein Fröhlich-Freistoß am Pfosten vorbei. Der FCC war dem Führungstor in dieser Phase näher, doch erzielt wurde es wiederum vom KSC: Eine Ecke flog auf den langen Pfosten, wurde von Stoll auf den kurzen befördert, wo Kapllani aus Nahdistanz vollendete, auch wenn Lomaia noch die Finger am Ball hatte.

Für Sykora kam mit Beginn der zweiten Halbzeit Sercan Güvenisik ins Spiel und erwies sich auf Anhieb als die bessere Wahl. Nur knapp über die Latte ging sein Schuss in Minute 57, sechs Minuten später kam er gegen Miller einen Schritt zu spät. Die Szene, als der Türke beim Erlaufen einer weiten Vorlage zu Fall kam, wurde von vielen im Stadion als Foul bewertet. Schiedsrichter Dr. Brych lag mit seiner gestenreichen Entscheidung ‚Ball gespielt’ hier aber ebenso richtig wie bei der Beurteilung des Handspiels von Ashvetia im gegnerischen Sechzehner.
Absolut keinen Durchblick hatte jedoch Herr Hartmann aus Augsburg. Der Assistent auf der Tribünenseite übersah zunächst einen Ball im Seitenaus und unmittelbar darauf eine klare Abseitsstellung. Bradley Carnell hatte freie Bahn und nahm das Geschenk mit einem Lupfer über Lomaia dankend an. „Schieber Schieber“, hallte es durchs Stadion. Wussten die Zehneinhalbtausend doch ganz genau, dass dieser Fehler das Spiel entschieden hatte. Zugunsten des Spitzenreiters, der abgezockt mit bemerkenswert wenig Aufwand zu drei Toren und ebenso vielen Punkten gelangte. Im Vergleich hatte Jena mehr investiert, stand durch Fehler von sich und anderen aber mit leeren Händen da. Da half auch die Hereinnahme von zwei weiteren Offensivkräften nichts mehr. Lediglich eine Möglichkeit erspielten sich die Thüringer noch und die hatte Symbolcharakter: Schöne Ballstaffette über vier Stationen, abgeschlossen von Güvenisik. Ans Außennetz (84.). Aufwand und Nutzen standen an diesem Tag in keinem guten Verhältnis. <fc>

Bilder des Tages
Bericht auf ksc.de

SpVgg. Unterhaching - FC Carl Zeiss Jena 2:0

Tore: 1:0 Lechleitner (3.), 2:0 Rathgeber (80.)
Unterhaching: Heerwagen; Schaschko, Frühbeis, Omodiagbe, Majstorovic; Custos (88. Bucher), Sobotzik, N'Diaye (65. Gülselam), Sträßer; Kolomaznik (73. Rathgeber), Lechleitner
Jena: Lomaia; R.Maul, Wachsmuth, Voigt, Kühne; Werner, Tapalovic (81. Ziegner), Zimmermann (60. Sykora), Schlitte; Güvernisik (70. Pettersen), Ashvetia

Zuschauer: 5100

Schiedsrichter: Schriever (Otterndorf)

Spielbericht:
Mark Zimmermann muss es wissen, schließlich hat er zwei Jahre da gespielt: In Unterhaching herrscht eine andere Atmosphäre als in den übrigen Zweitligastadien. Schon so mancher Kontrahent hat sich hier einlullen lassen von bayrischer Vorstadtruhe.

Eigentlich hätten die Warnungen des Jenaer Routiniers und die Sprechchöre von etwa 2300 mitgereisten Zeiss-Fans Aufputschmittel genug gewesen sein sollen. Doch nein, die Schlafmittel-ähnliche Wirkung des Generali-Stadions erwies sich als unüberbrückbar. Der Minutenzeiger hatte seine zweite Runde gerade vollendet, da spitzelte Sobotzik das Leder in den Rücken der Jenaer Abwehr, wohin Lechleitner lief, Lomaia umkurvte und aus acht Metern vollendete. Puh, was war das denn ? Die Phase der frühen Gegentore in jedem Spiel glaubten wir in dieser Saison eigentlich schon hinter uns zu haben. Zwar probierten Güvernisik mit Flachschuss und Maul per Freistoß, den sofortigen Ausgleich zu erzielen. Doch für unsere Viererkette hatte das Gegentor noch nicht den erhofften Hallo-Wach-Effekt. So frei, wie zwei Hachinger nach einem Freistoß am Fünf-Meter-Raum standen, dürfen sie dort nie und nimmer sein. Frühbeis köpfte den Ball zum Glück über die Latte (22.). Und damit nicht genug. Lechleitner, der Torschütze, durfte am Strafraum so lange ungestört entlang laufen, bis er sich den Ball in Schussposition gebracht hatte. Das Leder zischte auch hier über die Latte (25.). Eine Minute später wird Kolomaznik zwar von drei Jenaern umringt, am Schuss hindert ihn aber keiner. Was war los da hinten ? Nur mit der Hereinnahme von Kühne für den gesperrten van Steensel lassen sich die Unsicherheiten speziell in der Anfangsphase nicht erklären. Freilich darf bei der Suche nach Erklärungen auch nicht außer acht gelassen werden, dass die Unterhachinger in dieser Phase  Kombinationsfußball boten wie vielleicht noch nicht so häufig in dieser Saison. Nur ihr Zeitspiel bereits in der ersten Halbzeit hätten sie sich getrost schenken können. Der Torwart sah deswegen eine Gelbe Karte und dass auf dem Spielfeld erst mal beratschlagt werden muss, wer denn den nächsten Eckball treten wird, kann irgendwie auch nicht sein.
Nach knapp einer halben Stunde fand Jenas Elf etwas besser ins Spiel. Allen voran Mark Zimmermann, gegen den Ex-Verein natürlich besonders motiviert. Seinen 18-Meter-Schuss lenkte Heerwagen um den Pfosten. In Minute 37 musste Zimme im Rückwärtslaufen aufs Tor köpfen, um die Flanke noch zu erwischen, wodurch die Aktion an Gefährlichkeit einbüßte. Schön anzusehen auch Zimmermanns Doppelpass mit Werner, dessen Schuss zur Ecke abgefälscht wurde, welche wiederum Güvernisik knapp verpasste.

Pause. Beim Halbzeitspiel durften wieder die selben drei Hachinger Fans zum Torwandschießen ran wie beim letzten Mal. Nunja, was soll man machen, wenn die Auswahl nicht so groß ist...

Dafür gab deren Mannschaft gleich wieder Gas – nach Strässers Zuspiel und Lechleitners Schuss war es Georgi Lomaia zu verdanken, dass Jenas Hoffnungen auf Punktgewinne intakt blieben. Mark Zimmermann muss nach einer Stunde mit seinen Kräften am Ende gewesen sein – wie sonst ist es zu erklären, dass der agilste Mittelfeldspieler vom Platz musste ? Andere legten für ihn nun eine Schippe mehr drauf. Kevin Schlitte zum Beispiel, dessen Schuss Heerwagen zur Ecke lenkte. Diese kommt auf den eingewechselten Sykora, dessen Kopfball Richtung Dreiangel fliegt und  -  von Schaschko auf der Linie geklärt wird (63.). Verflixt noch mal ! Neun Minuten später – wieder Sykora, diesmal aus 18 Metern Torentfernung straff geschossen. Doch Heerwagen pariert erneut. Pech für Fiete, im Grunde zweimal alles richtig gemacht zu haben und doch nicht zum Joker-Tor gelangt zu sein.
Für die Gastgeber gab es nur noch selten Entlastung. Lechleitner scheiterte einmal mehr an Lomaia. Die Musik spielte jetzt ohnehin fast nur auf der anderen Seite. In Eishockey-Manier zogen Jenas Mannen ein Powerplay am Strafraum auf. Es fehlte nur der letzte Tick, die zündende Idee zur Vollendung. Mensch, der Ziegner muss rein ! Als ihn die Trainer heranwinken, geht ein Ruck durch den Fanblock. „Ziege Ziege !“ Hoffnungsvolle Blicke Richtung Ersatzbank. So manch einer wird deshalb den verhängnisvollen, spielentscheidenden Eckball von gegenüber gar nicht gesehen haben. Von Sträßer getreten, köpfte ihn Rathgeber unhaltbar in die Maschen. Dass Ziegners Einwechslung anschließend für die Katz war, weil das 0:2 wie ein Genickschlag wirkte und sich prompt sämtliche Offensivstrukturen auflösten, war schade. Dem Kopf der Mannschaft wäre nach seinem Schienbeinbruch ein anderes Comeback zu wünschen gewesen. So durfte lediglich nochmals Lomaia sein Können unter Beweis stellen, bei Gülselans Fernschuss in der Schlussminute.

Da überfährt eine Mannschaft die Münchner Löwen und verliert eine Woche darauf bei dessen kleinen Nachbarn. Wie ist so etwas zu erklären ? Entscheidend war in beiden Fällen die erste halbe Stunde, wo man dem Kontrahenten das Spiel zunächst aufzwang und es sich Tage später aufzwingen ließ. Die Mehrheit der Spieler applaudierte nach Abpfiff nur kurz den Fans zu und trabte dann enttäuscht vom Platz. Eine riesen Chance blieb ungenutzt. Nun steht Jena wieder da, wo es nicht stehen soll. Und nächste Woche kommt der Tabellenführer. <fc>

Bilder auf weissenburger.de

FC Carl Zeiss Jena - TSV 1860 München 3:1

Tore: 1:0 Tapalovic (7.), 2:0 Ashvetia (9.), 3:0 Ashvetia (11.), 3:1 Vucicevic (76.)
Jena: Lomaia; R.Maul, Wachsmuth, Voigt, van Steensel (GRK, 78.); Fröhlich, Tapalovic, Zimmermann (69. Holzner), Schlitte; El Berkani (46. Güvernisik), Ashvetia (81. A. Maul)
München: Tschauner; Schäfer, Berhalter, Hoffmann, Thorandt (GRK, 71.); Milchraum (56. Johnson), Sven Bender, Baier, Adler (56. Ziegenbein); Wolff (75. Eberlein), Vucicevic

Zuschauer: 11.022

Schiedsrichter: Fischer (Hemer)

Spielbericht:
Die Zeit zwischen dem Spiel in Paderborn und dem Heimspiel gegen 1860 nutzten wir dank eines Billigfliegerschnäppchens für einen Ausflug nach Rom. Dort war natürlich ein Besuch des Kolosseums Pflicht, in dem bei einem Fassungsvermögen von 67.000 Menschen im antiken Rom u. a. auch Leute den Löwen zum Fraß vorgeworfen wurden. Ins Jenaer EAS passen zwar deutlich weniger Zuschauer, aber es waren ebenfalls Löwen zu Gast, die auf eine Punktemahlzeit hofften.

Im mit 11.000 Besuchern sehr gut gefüllten Ernst-Abbe-Sportfeld waren aber nach 10 Spielminuten auch dem pessimistischsten Zeiss-Fan die schlechten Gedanken verflogen und so mancher befürchtete, dass ihn das Weckerklingeln aus dem wunderschönen Traum reißt: Der FCC führte 3:0!!! Dabei vergab El Berkani bereits in der ersten Minute eine Riesenchance, als er frei vorm Torwart einen Querpass versuchte, anstatt selbst zu schießen. Es folgte ein Trommelfeuer an Ecken und die Sechziger wurden in ihrer eigenen Hälfte festgenagelt. Tapalovic startete dann die Löwenjagd mit dem „Tor des Monats“, als er einen nach einer Ecke aus der Verteidigung gedroschen Ball direkt aus etwa 25 m in den oberen Dreiangel platzierte. Endlich mal eine frühe Führung, das musste doch Sicherheit geben! Und wie: keine drei Minuten später schienen die Gäste einen Jenaer Angriff abgewehrt zu haben, aber Ronald Maul holte den Ball zurück, stieß – wie der Habicht in den Hühnerhaufen – in die herauslaufende Münchner Deckung, legte perfekt auf Ashvetia ab und der schob aus 13-14 m flach ins lange Eck zum 2:0 ein. Wahnsinn! Was war denn heute los? Und die Tribünezuschauer saßen noch nicht wieder richtig, da durften sie wieder aufspringen und jubeln: Der Sekundenzeiger hatte gerade so seine zehnte Runde vollendet, als ein weiter Einwurf per 60er Kopfballverlängerung Ashvetia vor die Füße fällt und der von der Torraumgrenze problemlos das 3:0 machte. Jetzt schien das Stadion zu explodieren und die Atmosphäre erinnerte spätestens jetzt an legendäre EC-Schlachten der 80er Jahre.
Eigentlich war es klar, dass dieses Spiel nicht so weitergehen konnte, sondern sich etwas beruhigte. Der FCC spielte kontrolliert und die Löwen führten sich in der ersten Halbzeit eher wie kleine Miezekätzchen auf, die wild durcheinander und völlig unkontrolliert nach einem Wollknäuel sprangen. Offensichtlich hatten Verletzungen und Grippe doch deutliche Auswirkungen beim TSV 1860 hinterlassen. Lediglich in der 31. min gab es ein spielerisches Lebenszeichen, als Vucicevic eine Flanke von rechts aus Nahdistanz übers Tor köpfte. Leider fiel unmittelbar vor der Pause ein Wermutstropfen in den Becher der blau-gelb-weißen Freude, als ein Münchner, ohne Chance den Ball zu spielen, an der Außenlinie El Berkani umtrat, der auf Grund dieser Verletzung ausgewechselt werden musste.

Nach der Pause zeigte sich das für den Zeiss-Fan gewohnte Bild der beiden vorherigen Spiele, denn der FCC agierte in Führung liegend nun viel defensiver, zog sich an den eigenen Strafraum zurück und überließ dem Gegner das Mittelfeld. Bezeichnenderweise schlugen die 60er daraus kein Kapital, was allerdings nicht unbedingt an deren Schwäche, sondern an einer hervorragend stehenden Jenaer Abwehr lag. In der 72. Minute musste schließlich Thorandt mit Gelb-Rot vom Platz und es war dem letzten Zuschauer an diesem Abend eigentlich klar, dass die drei Punkte in Jena bleiben würden. Daran änderte auch die 76. Minute nichts, als zunächst Vucicevic beim Versuch eines Solosprints durch Wachsmuths cleveres Zweikampfverhalten vorm Strafraum ausgebremst wurde. Da Holzner in der Mauer einen halben Kopf zu klein war und R. Maul gar nicht hochsprang, fand der von Vucicevic Klasse getretene Ball den Weg ins Jenaer Tor, ohne dass Lomaia eine Chance zum Eingreifen gehabt hätte. Erwähnenswert waren zudem noch zwei Szenen: Zum einen verwehrte der ansonsten sehr gute Schiedsrichter dem FCC einen Elfmeter, als ein Gästespieler den Ball im Strafraum klar mit der Hand spielte (60.). Zum anderen kassierte van Steensel nach einem Foul an der Außenlinie ebenfalls Gelb-Rot, so dass die Partie mit „Zehn zu zehn“ nach Spielern beendet wurde. Entscheidender fürs allgemeine Wohlbefinden waren aber die Tore, auch wenn es etwas schmerzt, dass unsere sicher stehende Viererabwehr im wichtigen Spiel in Unterhaching verändert werden muss.

In Rom waren wir übrigens auch bei einer Papstaudienz, und irgendwie scheint es doch zu stimmen, dass man für lange Leiden letztendlich im Paradies belohnt wird – nur das unser Paradies ganz irdisch in Jena steht. Unser kleiner Funke Hoffnung auf Klassenerhalt hat sich in den letzten beiden Wochen zu einer kräftigen Flamme entwickelt. <uk>

Bilder des Tages <jw>
Spielbericht auf tsv1860.de

SC Paderborn - FC Carl Zeiss JENA 0:1

Tore: 0:1 Wachsmuth (45.)
Paderborn: Kruse; Fall, Brouwers, Sinkala, de Graef; Krösche, Brinkmann, Schulp (59. Röttger), Fischer (73. Koen); Schüßler (59. Krupnikovic), Bröker
Jena: Lomaia; R.Maul, Wachsmuth, Voigt, van Steensel; Fröhlich, Tapalovic, Zimmermann, Schlitte (77. Holzner); El Berkani (67. Sykora), Ashvetia (58. Güvernisik)

Zuschauer: 5361

Schiedsrichter: Welz (Wiesbaden)

Spielbericht:
(von Gastkommentator Jens Klebe)
Sucht und Entzug bilden ein unzertrennliches Paar. Befriedigt man die Erstere, schmerzt später Letzteres. Selbst wer sich zuletzt Woche für Woche seine unverzichtbare blaugelbweiße Dosis gönnte, blieb dennoch permanent auf Entzug: Wie sich ein Auswärtssieg anfühlt, war den meisten nur noch eine ferne, vage und fast vergessene Erinnerung. So wurde Sucht zur Sehnsucht. Wer heute in Schloss Neuhaus war, konnte beides stillen.

Zur selben Zeit als wir in Schloss Neuhaus ankamen, beendeten die Einheimischen gerade den sonntäglichen Kirchenbesuch. Die Einen hatten ihrem Gott gehuldigt, die Anderen mussten ihrer Götter noch harren. Auf ins Stadion! Die Hermann-Löns-Kampfbahn ist optisch eher ein Weggucker. „Regionalliganiveau“ war wohl der Begriff, welcher den meisten spontan einfiel. Security machte einen eher zurückhaltenden Job und auch die zunächst bedenklich anmutende Tatsache, dass ihre Jungs an der Innenseite der Gästekurve stehen, erwies sich später als völlig unproblematisch. Wohltuend im Vergleich zum Gehabe der im EAS Tätigen. Von einigen der anwesenden üblichen Verdächtigen wurde darüber hinaus die Auswahl des „Fisch-Imbiss-Wagens“ als sensationell gut eingestuft und soll daher nicht unerwähnt bleiben.
Die Kampfbahn füllt sich im Heimbereich nur langsam und spärlich und der Stadionsprecher gefällt sich zunächst darin, mit immer gleichen langweiligen „Applaus für den SC Paderborn-Parolen“ zu nerven. Aber vielleicht macht er das ja schon einige Jahre und da die Kampfbahn direkt unter einer Starkstromleitung liegt (welche das Stadion längs überquert), zeigen sich allmählich bedauerliche Nebenwirkungen. Aber der gute Mann kann auch anders. Er wendet sich zunächst an die Anhänger des ehrwürdigen FCC und dann auch ans Paderborner Publikum. Er würdigt Georg Buschner. Eine umfassende und passende Würdigung. Respekt. Und wer schon immer mal wissen wollte, wie es ist, wenn man in einer Fankurve eine fallende Stecknadel hören kann, der konnte dies heute erfahren. Gelungen und der Person Buschners angemessen auch das daraufhin in der FCC-Kurve entrollte Transpi. Ja, er war, ist und bleibt einer von uns!

Pünktlich um 14 Uhr beginnt ein weiteres Endspiel für den FCC. Zwar geben die Paderborner nach 2 Minuten den ersten Torschuss ab, die erste wirklich gelungene Aktion bietet sich jedoch nach 5 Minuten Schlitte, als er über rechts vorwärts strebt, seine flache Eingabe jedoch nur den westfälischen Keeper erreicht. Schon eine Minute später dringt El Berkani von links in den Strafraum ein, aber auch seine Eingabe ist zu ungenau. Den Paderborner Gegenzug unterbindet Wachsmuth per sensationellem Sprint und beweist somit nachdrücklich, wieso er derzeit eine feste Größe in Jenas Deckung ist. (7.) Überhaupt strahlt diese Deckung in den ersten 20 Minuten trotz aller Paderborner Angriffsbemühungen eine erfreuliche Ruhe und Sicherheit aus. Voigt dirigiert umsichtig, R. Maul ist emsig und aufmerksam und davor spielt Tapalovic einen starken und abgeklärten defensiven „Sechser“. Insgesamt kann man beim FCC eine selbstbewusste Körpersprache erkennen, wie man sie (viel zu) lange vermisst hat. Die Jenaer halten das Spiel weitgehend offen und haben in der 19. Minute erneut selbst eine gute Chance. Voigts Kopfball nach Fröhlichs Ecke fehlt es jedoch an Präzision.
Nach 26 Minuten verheißt Zimmermanns Ausholbewegung und der daraus resultierende Schuss aus 20 Metern sogleich ausbrechendes Netzzappeln – doch leider trifft er nur Fröhlich mitten ins Gesicht. Während die Abwehr der Zeiss-Städter weiter einen abgeklärten und gefestigten Eindruck macht, fehlt es unserer Offensive weiterhin an der notwendigen Präzision. Im Vorwärtsgang werden im Mittelfeld zu wenige Zweikämpfe gewonnen und zu schnell das Tempo raus genommen. El Berkani ist zwar ballsicher (bei der Annahme verspringt ihm kein Ball), in seinen offensiven Bewegungsabläufen fehlen ihm jedoch die Handlungsschnelligkeit und oft auch die erforderliche Präzision. Außerdem geht über unsere linke Angriffsseite auch nicht viel nach vorn, denn dort spielt PB’s Verteidiger mit der 2 eine starke Partie und kaum ein Weißer ist im 1 gegen 1 erfolgreich. Dennoch zeigen die Blaugelbweißen weiterhin Präsenz und in der 35. Minute kann Fröhlich im Mittelfeld nur per taktischem Foul gestellt werden. Die in dieser Situation ausbleibende GK war wohl die einzige wirkliche Falschentscheidung des ansonsten guten Schiris samt seiner ebenso guten Fahnenträger. Den fälligen Freistoß aus 35-40 Metern probiert Voigt einfach mal direkt, setzt ihn aber rechts neben den Pfosten. Nach drei weiteren Minuten ist Ashvetia nach Fröhlich-Ecke per Kopf zur Stelle, allerdings weniger erfolgreich als noch vor einer Woche. In Minute 40 starten die Paderborner mal wieder einen Konter, aber erneut klärt Wachsmuth stark, resolut und unerbittlich zur Ecke.
HZ 1 ist schont vorüber, die Nachspielzeit läuft und die ersten Pausenresümees werden schon gezogen, als der glorreiche FCC noch eine Ecke von rechts zugesprochen bekommt. Nicht Fröhlich, der heute wieder einen eher durchwachsenen Tag erwischte, sondern diesmal Alex Voigt läuft zum Ball. Alex tritt die Murmel scharf und halbhoch in den Sechzehner der Gastgeber. Da steht Fröhlich – der macht ihn jetzt rein! Nein, er bekommt den Ball nicht unter Kontrolle – Mist! Oohh! Da ist ja auch noch Wachsmuth und zu dem springt der Ball, was macht der denn da??? Er macht ihn rein! Jena führt! a u s w ä r t s !

Was sich mit Beginn der 2. HZ ebenfalls fortsetzt, ist die Stimmungshoheit der ca. 700 Gästefans. Und auch in dieser HZ bekommen die Weitgereisten eine wahrhaft „ultimative“ Megaphon-Show geboten und das mit vollem Körpereinsatz. Um so anerkennungswerter, als das die Gästekurve eigentlich ob ihrer Abmessungen (flach aber breit) eher ein Stimmungsgrab ist. Schon Minute 46 bot eine Ahnung des zu Erwartenden. Hohe Flanke in den Jenaer Strafraum und Kopfball eines Paderborners aus 8 m. Während der Flanke sieht es so aus, als würde die georgische Wand im Thüringischen Tor seinen Vorderleuten noch Anweisungen geben und als Sekunden später der Ball auf ihn zusegelt, pflückt er diesen ebenso eiskalt wie sicher. Noch halten die Unseren den Ball aus der eigenen Hälfte fern und kommen in der 52. zu einer weiteren Ecke. Fröhlich tritt diese, doch van Steensel hat Pech, dass sein Kopfball über das Tor streicht. PB übernimmt jetzt allmählich die Regie des Spieles und Jena kommt immer seltener in Gegners Tornähe. Als in der 60. Minute jedoch eine Ecke Fröhlichs gefährlich und mutterseelenallein durch den westfälischen Fünfmeterraum zischt, war das 0:2 nicht fern. Eine Minute später setzt Zimmermann einen 20 Meter-Schuss nur knapp neben das Tor und in der 62. setzt Wachsmuth einen Kopfball nach Fröhlich-Ecke neben das Tor.
Was danach folgte, war in weiten Teilen eine Wiederholung von schon im Heimspiel gegen Essen Gesehenem. Jena überlässt dem Gegner die Initiative und tut sich schwer, Ball und Gegner vom eigenen Strafraum fern zu halten. Zwar steht die Abwehr um den souveränen Voigt ziemlich sicher, da die Bälle im Vorwärtsgang jedoch zu ungenau gespielt werden, gehen sie einfach zu schnell wieder verloren. Des Gegners Druck, angetrieben vom starken Brinkmann, nimmt daher ständig zu. Chancen bleiben zwangsläufig nicht aus. In der 65. Minute halten die 700 FCC-Fans kollektiv den Atem an. Acht Meter vor dem Tor kommt ein Einheimischer frei zum Schuss. Pech für ihn: Lomaia ist trotz seiner Körpergröße blitzschnell unten und fischt sich die Kugel als wäre es die normalste Sache der Welt. Unglaublich! Aber auch mit hohen Geschossen ist der Neueinkauf nicht zu bezwingen. 10 Minuten später beweist er dies mit einer sensationellen Flugparade, als er einen Ball aus dem linken, oberen Eck bugsiert. Unfassbar! Und als der stoisch gelassen wirkende Schwarzschopf auch in der 75. Minute souverän klärt ist allen klar: wenn dies hier und heute der 2. Teil einer hoffentlich noch lang anhaltenden Serie wird, hat diese ihren ersten Serienhelden – Lomaia !
Ziegner agierte derweil als verbaler Antreiber hinter dem Tor und ihm fiel wohl ebenso ein zentnerschwerer Stein vom blaugelbweißen, als ein weiterer Paderborner Kopfball in Minute 81 knapp am Pfosten vorbei geht.
Noch 10 Minuten. Jena kämpft aufopferungsvoll, alle scheinen an ihre Grenzen zu gehen. Kein Ball wird verloren gegeben. Ringsum ist „Auf-die-Uhr-schauen“ die meist ausgeübte Tätigkeit. Noch 5 Minuten. Die Zeit scheint sich zu dehnen. Endlos. Gegenseitiges Festhalten, Abducken oder Umdrehen im Gästeblock. Wer noch kann, schreit, singt oder klatscht. Der Schiri hebt die Hand und reckt den Daumen – noch eine Minute. Die Blaugelbweißen setzen sich links in der Paderborner Hälfte fest. Gestocher. Geschiebe. Gewürge. Abpfiff!!! AUSWÄRTSSIEG! So fühlt sich das also an. Jenas Anhang feiert seine Helden. Aber einem scheint das alles zu viel. Lomaia klatscht ein Viertel der ihm entgegen gestreckten Fan-Hände ab, winkt noch 3-4 mal, lächelt und trabt ab.

Wann sah man letztmalig so viele FCC’ler derart beseelt lächelnd einen Auswärtsground verlassen? Jeder scheint dieses Gefühl bis zur Neige auskosten zu wollen. Der Parkplatz wird zur Partymeile umfunktioniert. An jedem Auto oder Kleinbus singende, feiernde Blaugelbweiße. Was für eine Stimmung! Die Besatzung des SC-Busses tanzt Polonaise. Nur langsam leert sich der Platz.
Wieder waren wir ihr verfallen – der Droge namens FC Carl Zeiss Jena! Spätestens morgen melden sich dann die ersten Entzugserscheinungen. Aber schon am Freitag gibt’s ne neue Dosis! Auf geht’s – Löwen jagen!

Bilder von Jens Weißenburger
Spielbericht auf scpaderborn.de

FC Carl Zeiss JENA - Rot-Weiß Essen 2:0

Tore: 1:0 Ashvetia (39.), 2:0 Sykora (87.)
Jena: Lomaia; R.Maul, Wachsmuth, Voigt, van Steensel; Fröhlich, Tapalovic, Zimmermann (67. Sykora), Schlitte (59. Holzner); El Berkani, Ashvetia (73. Güvernisik)

Essen: Zaza; S. Lorenz, Kläsener, Hysky, Bieler; Lorenzon, Bemben (67. Boskovic), Epstein (56. Epstein), Oezbek (84. Haeldermans); Okoronkwo, Calik

Zuschauer: 7019

Schiedsrichter: Pickel (Mendig)

Spielbericht:

Fast ein Vierteljahr ist es her, als der FC Carl Zeiss JENA zum letzten Mal in der 2. Bundesliga damals gegen den SC Freiburg jubeln konnte. Seitdem sind viele Wochen und auch Spiele vergangen und die Mannen von Trainer Heiko Weber konnten aus den letzten sieben Partien nur einen einzigen Zähler auf der Habenseite verbuchen. Viel zu wenig war dies natürlich, und so ging es im heutigen so genannten 6-Punktespiel gegen den Tabellennachbarn aus Essen um Alles oder Nichts. Ein gewaltiger Druck lastete auf den Schultern der Akteure, der aber auch nicht geringer werden sollte, wenn es mit einem Sieg am heutigen Tage erneut nichts werden sollte.

Die Jenaer übernahmen von der ersten Sekunde an die Initiative und drückten die Gäste in deren Hälfte. Es dauerte auch nur knapp zwei Minuten bis zur ersten Möglichkeit, aber Schlitte konnte den Ball aus spitzem Winkel nicht am Gästekeeper Zaza vorbei schieben. Wenig später begann es leicht zu regnen, was es beiden Teams auf dem ohnehin weichen Boden nicht leichter machte, ein gutes Kombinationsspiel aufzuziehen. Viele Spieler haderten mit dem glatten Geläuf, und so dauerte es bis zur 20. Minute, als der FCC in Person von Schlitte eine neue Duftmarke setzte. Der quirlige Ashvetia hatte nach außen auf Schlitte gepasst, der mit dem Ball nach innen startete und mit einem Schuss aus gut 20m nur die Lattenkante traf. Aber diese Aktion wirkte befreiend, denn die Jenaer setzten sofort nach und kamen zu weiteren guten Torchancen, die aber leider alle noch ungenutzt blieben. Zunächst hatte El Berkani eine Eingabe in bester Position knapp verpasst (22.) und Sekunden später verpassten gleich zwei Jenaer am langen Pfosten eine scharfe Eingabe von links. Aber der unbedingte Siegeswille des FCC war heute über weite Strecken der Partie deutlich zu erkennen, und so kam es auch nicht von ungefähr, dass nach knapp einer halben Stunde erneut eine große Torchance für die Jenaer heraussprang, die aber El Berkani in bester Position leider nicht nutzen konnte. Nur drei Minuten später musste Zaza im Tor der Essener sein ganzes Können demonstrieren, doch nach herrlichem Doppelpass mit Fröhlich verstand es auch Zimmermann nicht, den Ball im Tor zu versenken. Es war in dieser Phase einfach fast zum Verzweifeln, denn der FCC hätte zu diesem Zeitpunkt in diesem eminent wichtigen Spiel längst mit 2 bis 3 Toren führen müssen. Aber die Jenaer setzten weiter nach und nach einer Flanke von Schlitte (39.) erzielte der georgische Nationalspieler und Neuzugang Mikheil Ashvetia mit einem wunderbaren Kopfballtor das viel umjubelte und hoch verdiente 1:0 für die Thüringer.

Beide Teams kamen personell unverändert aus der Kabine, aber die Gäste spielten jetzt aggressiver nach vorn, als sie es noch in den ersten 45 Minuten getan hatten. Nach rund einer Stunde dann die erste gute Möglichkeit für den RWE durch Lorenzon, aber sein Schuss aus 25m konnte Jenas Keeper Lomaia sicher parieren. Essens Trainer Lorenz-Günther Köstner setzte jetzt alles auf eine Karte und brachte noch ein paar offensivere Spieler auf den mittlerweile durchgewühlten Rasen. So dauerte es auch nicht lange und die Essen kamen zu dicken Ausgleichchancen. Erst hatte am langen Pfosten Lorenz den gerade neu eingewechselten Jenaer Sykora übersprungen und mit seinem Kopfball Lomaia alles abverlangt (69.), dann nur zwei Minuten die nächste super Gelegenheit, doch zum Glück konnte auch hier der bärenstarke Neuzugang Lomaia, der schon am Mittwoch im Länderspiel gegen die Türkei sensationell gehalten hatte, erneut seine ganze Klasse zeigen und einen gefährlichen Aufsetzerkopfball aus dem Toreck wegfausten. Das 1:1 lag förmlich in der Luft und die Jenaer konnten sich in dieser Phase bei ihrem Torwart bedanken, dass es noch immer 1:0 für Jena stand. 10 Minuten vor dem Spielende endlich mal wieder eine gute Aktion für die Platzherren, doch der Konter über Güvernisik konnte nicht genutzt werden. Das Zittern ging also weiter und es waren noch drei Minuten zu spielen, als Güvernisik mit einem Pass in die Tiefe Felix Holzner bediente. Dieser setzte zum Sturmlauf in den Strafraum an, umkurvte noch den heraus eilenden Keeper Zawa und flankte anschließend mustergültig nach innen auf Sykora, der nur noch seinen Kopf hinhalten musste, um das viel umjubelte 2:0 zu köpfen. Kurz darauf durfte sich Lomaia erneut noch einmal auszeichnen und dann war der Dreier unter Dach und Fach.

Am Ende ging der Sieg der Jenaer aufgrund der größeren Spielanteile und besseren Torchancen voll in Ordnung. Nun gilt es beim nächsten Spiel in Paderborn gleich nachzulegen, um die Abstiegsränge endlich wieder verlassen zu können. Die Neuzugänge der letzten Tage hinterließen alle eine spielerisch und kämpferisch hervorragende Leistung, so dass es mit diesem Team doch jetzt gelingen sollte, das Ziel Klassenerhalt auf jeden Fall zu realisieren. <vg>

Fotos von Jens Weißenburger

1. FC Köln - FC Carl Zeiss JENA 1:0

Tore: 1:0 Scherz (83., FE)
Köln: Wessels; Johnson, Luciano, Alpay; Lagerblom (62. Scherz), Sinkiewicz, Serhat (46. Madsen), Broich, Haas; Tiago, Chihi (69. Andre)
Jena: Lomaia; R.Maul, Wachsmuth, Voigt, van Steensel; Werner, Tapalovic, Sykora (89. Zimmermann), Schlitte; El Berkani (89. Petersen), Ashvetia (74. Güvernisik)

Zuschauer: 42.500

Schiedsrichter: Kempter (Sauldorf)

Spielbericht:

Leinen los für die MS Wappen. Hauptsponsor Rameder hatte die geniale Idee, das größte Passierschiff des Rheins exklusiv für die Anhänger des FC Carl Zeiss Jena zu chartern. 90 Minuten lang schipperte es blau-gelb-weiß beflackt mit 1000 Fans an Bord, die ihr Vergnügen hatten, noch bevor sie am Stadion angelangt waren. Gut so, man kann schließlich nie wissen, was einen an solch einem Tag noch erwartet. Oder um es mit den Titanen zu sagen: Wenn wir uns schon blamieren, hauen wir wenigstens vorher noch ordentlich auf den Schlamm.

Doch siehe da, nach Blamage sah das vom Anpfiff weg gar nicht aus. Der Ex-Kölner Voigt war in die Viererkette zurück beordert worden, Tapalovic spielte neu auf der 6er Position. Diese Umstellungen brachte Jena Sicherheit und Köln wenig Spielraum. Erst nach einer Viertelstunde kam erstmals Gefahr auf. Van Steensel gewann seinen Zweikampf mit Chihi, worauf seine Nebenleute den Vorwärtsgang einlegten. Doch Chihi setzte nach, holte dem Holländer das Leder vom Fuß, spielte Doppelpass mit Tiago und schoss aus sieben Metern aufs kurze Eck. Mit ansehnlicher Flugeinlage faustete Georgi Lomaia den Ball über die Latte und hatte seine Taufe als neue Nummer 1 zwischen den Pfosten bestanden. Die anschließende Kölner Ecke wäre nicht weiter erwähnenswert, wenn aus ihr nicht der schönste Jenaer Konter des gesamten Spiels hervorgegangen wäre. Mitten in der eigenen Hälfte nahm Mohammed El Berkani den abgewehrten Ball auf und rannte auf der linken Seite los. Ein solches Solo bis an den gegnerischen Strafraum hatten wir lange nicht mehr geboten bekommen. Gekrönt wurde es vom genauen Zuspiel El Berkanis auf Sykora, der nun eigentlich vor der Wahl stand: Schießen oder aufs Tor zulaufen ? Da Fiete Sykora der Ball unkontrolliert versprang, erübrigte sich diese Entscheidung jedoch und es fragten sich anschließend wieder etliche Personen mehr: Welchen Narren hat der Trainer an ihm gefressen, um Sykora Woche für Woche in die Anfangself zu stellen ? Zumal diesem auch im weiteren Spielverlauf partout nichts gelingen sollte.
Bis zur Pause war die Begegnung geprägt durch Kampf und Einsatz, aber wenig Torchancen. Johnsons Schuss wurde zur leichten Beute Lomaias (31.). Bei Chihis Eingabe nach Durchbruch zur Grundlinie demonstrierte Voigt gutes Stellungsspiel (45.).

Nach hinten hatten sie bis dahin gut gearbeitet, die Jenaer, mit Wiederanpfiff trauten sie sich auch offensiv mehr zu. Wieder war es El Berkani, der einen Ball an der Seitenlinie erlief und auf Tobias Werner weiterleitete. Dessen Flanke köpfte Ashvetia im Rückwärtslaufen aufs Tor, der hinter ihm anlaufende Schlitte hätte wohl mehr Druck hinten den Ball bekommen. Nach einer Stunde setzte van Steensel einen Kopfball aufs gegnerische Tornetz und war schnell genug zurück, um dem einschussbereiten Broich den Ball vom Fuß zu stibitzen, als dieser von Wachsmuths Strauchler zu profitieren drohte. Mensch hier ist was drin, spürten die insgesamt 3500 Jenaer Fans, legten sich richtig ins Zeug und trieben die Spieler mit Dauergesang in den Kölner Strafraum. Bei Werners Schuss musste Wessels prallen lassen, leider fand sich niemand zum Abstauben (75.).
Dann kam die 83., jene Minute, in der bereits in Braunschweig Verhängnisvolles passiert war. Lomaia ließ einen Ball fallen und holte in seiner Not Tiago von den Beinen. Hier war keine Zeitlupe vonnöten. Zwar hatte der Schiedsrichter zuvor ständig zweierlei Maß bei Fouls und Gelben Karten angelegt – sein Elfmeterpfiff aber ertönte zurecht. Matthias Scherz schickte Lomaia in die falsche Ecke und machte den Georgier zum tragischen Helden des Spiels. Bis dahin absolut souverän, auch in der Strafraumbeherrschung, hatte der Keeper ungestüm den entscheidenden Elfer verursacht. Zwar waren danach noch 300 Sekunden zu spielen, doch gingen diese chancenlos vorüber, da Luciano eine schwere Verletzung vortäuschte und Heiko Weber den Gastgebern mit zwei Wechseln in der 89. Minute einen Gefallen tat.

Zweimal 0:1. Hatten Thüringens Zweitligakicker in Braunschweig viel zu wenig investiert, konnte man ihnen von kämpferischer Seite her diesmal keinen Vorwurf machen. Allerdings darf solch eine Vorstellung nicht nur Spielen gegen renommierte Teams wie Lautern, Rostock, Köln vorbehalten bleiben, sondern sollte ab sofort gegen Vertreter der unteren Tabellenhälfte zum Standard werden. Zudem fällt auf, dass der letzte Treffer aus dem Spiel heraus (also nicht nach Standartsituationen) extrem lange zurückliegt, am 11. Spieltag gegen Fürth fiel ! Hier muss der Hebel schnellstmöglich angesetzt werden, sonst droht das Jenaer Zweitligaschiff nach einem Jahr zu kentern. <fc>

Bilder von Schiff und Rasen
Aus Kölner Sicht

Eintracht Braunschweig - FC Carl Zeiss JENA 1:0

Tore: 1:0 Rische (83.)
Braunschweig: Stuckmann; Horacek, Huber, Husterer (45. Banecki), Brinkmann, Zikovic (69. Rische), Rodrigues, Barukcic (29. Otacilio), Tauer, Schweinsteiger, Siegert
Jena: Person; R. Maul, Kowalik, Wachsmuth, Van Steensel - Fröhlich (68. Werner), Voigt, Kühne, Schlitte - Sykora, Zimmermann (54. El Berkani)

Zuschauer: 13.700

Schiedsrichter: Gagelmann (Bremen)

Spielbericht:

Lange mussten wir warten, doch am Mittwoch hatte der Winter Einzug in Thüringen gehalten und mit zweitägiger Verzögerung beehrte er am Freitagnachmittag auch das niedersächsische Braunschweig mit stürmischem Schneefall bei unangenehmen Temperaturen. Bedingungen, für die man im Jenaer Lager vor Spielen in Karlsruhe, Duisburg oder Köln wohl dankbar gewesen wäre, verwischen sie doch spielerische Unterschiede zwischen Mannschaften auf ein Minimum. Ein Lotteriespiel beim mit dem Mute der Verzweiflung kämpfenden Tabellenletzten dürfte bei diesen Bedingungen hingegen wohl das letzte sein, das man sich wünschen konnte, der Fußballgott meint es derzeit wahrlich nicht gut mit dem Doppelaufsteiger aus Jena. Zumal das bereits gut gefüllte Lazarett weiteren Zuwachs bekam, als sich Neuzugang und Kopfballkunstschütze Kai Oswald im Abschlusstraining am Knie verletzte und mit Verdacht auf Kreuzbandriß passen musste. Für ihn rückte Kowalik in die Innenverteidigung neben den den anginaerkrankten Hobbyornithologen Günther ersetzenden Wachsmuth, dafür rückte van Steensel auf die rechte Außenverteidigerposition hinaus. Im Sturm vertraute Heiko Weber neben Fiete Sykora auf Mark Zimmermann, während der grippegeschwächte El Berkani zunächst auf der Bank Platz nahm.

Doch nicht die Zwangsumstellungen bestimmten den Eindruck der ersten Minuten, sondern der Kampf mit dem ein Fußballspiel im wirklichen Sinne unmöglich machenden Untergrund. So waren Rugbyqualitäten gefragt, Raumgewinn hieß das Zauberwort, weite Bälle in die Spitze und schnellstmöglich nachrücken, den Gegner in dessen Hälfte pressen und schieben, um von unkontrolliert abprallenden Bällen zu profitieren oder bei Standards Gefahr auszuüben. Letzteres gelang – soviel sei vorweggenommen – unserer Mannschaft sowohl vor als auch nach der Auswechslung von Christian Fröhlich zu keinem Zeitpunkt, und so blieben zwei durch unpräzise Hereingaben brotlos bleibende Flankenläufe von Zimmermann (7.) und Schlitte (17.) die einzig ansatzweisen Offensivaktionen der Zeissianer in der ersten Hälfte, die Anzahl an Torschüssen lag bei exakt Null. Beide Teams neutralisierten sich zu Beginn weitestgehend, doch je näher der Zeiger vorrückte, desto mehr gewannen die Gastgeber mit ihrer kompromisslosen Spiel- bzw. Kampfweise die Oberhand und konnten die einzigen beiden Torchancen vor dem Pausenpfiff verzeichnen, als Horacek nach Freistoßflanke per Kopf Person zu einer Glanztag zwang (24.) und Schweinsteiger eine Siegert-Hereingabe freistehend am Elfmeterpunkt in den verschneiten Braunschweiger Nachthimmel beförderte. Nein, warm ums Herz konnte den über 500 mitgereisten Jenensern, die im zu dreiviertel überdachten Stadion in der einzigen Wind und Wetter ausgesetzten Kurve fröstelten, weder ob des Spieles und schon gar nicht angesichts der Darbietungen der eigenen Elf werden.

Immerhin, die Null stand hinten und Heiko Weber, der vor dem Spiel genau dies gefordert hatte und meinte, seiner Elf sei dann nach der Pause alles zuzutrauen, schickte seine Mannen zunächst mit einer deutlich kämpferischeren Einstellung wieder aus der Kabine. Man hatte den Gastgeber im Griff, erreichte Ausgewogenheit, doch Chancen? Fehlanzeige. Impulse aus dem Mittelfeld fehlten, Fröhlich wirkte auf links verschenkt und unsere Spitzen hingen einerseits in der Luft, waren – abgesehen von Sykoras deutlichen Problemen mit dem Boden - andererseits bei steilen Zuspielen in die Spitze auch deutlich zu langsam, um wirklich für Gefahr zu sorgen, was sich auch mit der Einwechslung El Berkanis nicht ändern sollte. So war es dann doch ein Standard, der Jenas ersten und einzigen Torschuß in 90 Minuten bringen sollte, als der starke Wachsmuth Werners Freistoßhereingabe von links über das Gehäuse des mangels Beschäftigung bibbernden Stuckmann katapultierte (70.). Einen Knalleffekt hatte dies jedoch nur für die Eintracht, die nun richtig munter geworden, quasi im Gegenzug durch Schweinsteiger eine Riesenmöglichkeit besaßen. Es folgten Chancen im Minutentakt, Christian Person geriet nun mehr und mehr in den Mittelpunkt des Geschehens und schwankte dabei zwischen tollen Paraden auf der Linie und im 1:1 (Rische-Schuß gehalten (72.), Horacek-Kopfball über die Latte gelenkt (73.), Schweinsteiger-Schuß um den Pfosten gedreht (77.)) sowie großen Problemen in der Strafraumbeherrschung, die glücklicherweise ungestraft blieben (73., 74.). Um ein Haar hätte der FCC Braunschweigs Offensivfeuerwerk jäh beendet, als Alexander Voigt sich nach schönem Zusammenspiel über die linke Seite gleich gegen zwei Verteidiger durchsetzte, in den Strafraum zog und der heranstürmende Kevin Schlitte seine Hereingabe freistehend nur um Zentimeter verpasste. Verdient wäre dies freilich nicht gewesen und verdient es nicht eine Mannschaft, die sich bis auf zwei abgeblockte Schussversuche von Kühne und Werner so beharrlich weigert, einfach mal draufzuziehen, genau so abgeschossen zu werden wie in der 83. Minute? Kopfballabwehr Wachsmuth, Horacek hält nicht gestört von Sykora blind drauf und ausgerechnet der von früheren Duellen mit dem VfB Leipzig schon in unguter Erinnerung gebliebene Oldie Jürgen Rische fälscht die Kugel unhaltbar ins rechte untere Eck ab. Ein Glückstor, wie es derzeit wohl nur der FC Carl Zeiss kassieren kann, und doch auch die Quittung für ein völlig uninspiriertes Offensivspiel. Wer bei solchen widrigen Bedingungen führt, gewinnt, lautet eine alte Regel, und so verdiente Jenas Schlussoffensive diesen Namen auch nicht, stattdessen verhinderte Person mit Glanztat Risches zweiten Treffer per Fußabwehr (88.), dann war Schluß und für viele der restlos entmutigt abwandernden Blau-Gelb-Weißen der Abstieg in die Regionalliga besiegelt.

War es das wirklich? Läßt das Braunschweiger Schneegebolze wirklich Rückschlüsse darauf zu, ob der Mannschaft noch die Wende zuzutrauen ist? Vielleicht gibt ja ein Blick auf genau den Gegner, den Jena mit seiner Niederlage wieder stark gemacht hat, eine Antwort. Denn wenn in Braunschweig trotz Mistwetter und mageren 10 Pünktchen auf der Habenseite über 13.000 Zuschauer ins Stadion strömen und gemeinsam mit einer aufopferungsvoll fightenden Mannschaft an das Wunder Klassenerhalt glauben, sollten wir das dann nicht auch können? Männer sind jetzt gefragt! Echte Männer! <gunner>

Fotos auf weissenburger.de
Spielbericht auf Braunschweigs offizieller Homepage

FC Carl Zeiss JENA - Kickers Offenbach 2:3

Tore: 0:1 Türker (19.), 0:2 Oswald (27./ET), 1:2 Voigt (47.), 1:3 Türker (51.), 2:3 Fröhlich (90., FE)
Jena: Person; Günther, Oswald (46. Werner), van Steensel, R. Maul; Schlitte, Kühne, Voigt, Fröhlich; El Berkani (65. Kuqi), Sykora (80. Zimmermann)

Offenbach: Thier; Bungert, Miljatovic (84. Schumann), Happe, Rehm (GRK, 59.); Müller, Sieger, Wörle, Judt; Türker (80. Mokhtari), Toppmöller (61. Mintzel)

Zuschauer: 6611

Schiedsrichter: Gräfe (Berlin)

Spielbericht:

Spät am Abend. Ich hocke zu Hause und glotze dem Fernseher bei Versprühen geistiger Husarenstücke zu. Nee, kein Sport. Bloß das nicht! Statt dessen flimmert Reklame auf mich ein, immer wieder unterbrochen von der zweifelhaften Freitagskomik diverser Possenreißer. Die finde ich schon scheiße, wenn ich gute Laune habe. Jetzt aber ist es unerträglich! Wie kann man nur so dämlich sein? Bei dem Gedanken bin ich auch schon wieder beim Fußball. Wie kann man nur soooo dämlich sein? Verlieren ist ja sicherlich eine Sache, aber muß man sich denn die Dinger auch noch selber reinhauen? Erst pennt da der van Steensel rum, läßt Türker massenhaft Platz, dessen Probleme sich beim 0:1 dementsprechend in Grenzen halten (19.). Und dann duckt sich acht Minuten später auch noch der Oswald unter einer hohen Hereingabe weg. Leider duckt er sich halt nicht so weit, wie er vielleicht dachte, so daß der an sich harmlose Ball auf seinem Hinterkopf landet und von dort ins Tor kullert. Der fangbereite Person, auf halbem Weg sichtlich überrascht, sieht wieder nicht glücklich aus, aber was soll er da auch machen. Ist ja nicht David Copperfield. Zwischenfazit: Die neu formierte Abwehr ist ein Trümmerfeld. ‚Nimm du ihn – ich hab ihn’, mehr gibt es nicht zu sagen. Das der van Steensel nach dem Spiel irgendwas von guter Abstimmung in der Viererkette faselt, ist der größte Hammer. Ich hoffe, der TLZ-Mann hat ihn falsch verstanden. Ansonsten muß man dem Holländer wohl ernsthafte Wahrnehmungsstörungen konstatieren!

Dabei hatte Jena doch das Spiel in der Anfangsphase fest im Griff. Fast hätte Schlitte schon nach sieben Minuten die Führung erzielt. Einen langen Ball von Fröhlich hatte er mit der Brust mitgenommen, seinen Schuß aus spitzem Winkel konnte Thier im Offenbacher Tor aber in letzter Not noch parieren. Danach wurde das Mittelfeld traumwandlerisch sicher überbrückt, Offenbach hinten rein gedrückt. Zwei, drei Kombinationen waren wunderschön, aber was nützt es denn. Zwingende Möglichkeiten oder gar Zählbares ergaben sich dabei nicht. Und dann Jenas Selbstmord, wie aus heiterem Himmel. War nach dem 0:1 noch so was wie Trotz zu verspüren, reißt der Faden nach dem 0:2 völlig. Erst mit der Einwechslung von Werner in der zweiten Halbzeit fängt die Mannschaft wieder Feuer. Und hat auch gleich Erfolg, als Voigt eine Vorlage von Sykora ins Tor donnert. Unmöglicher Winkel, wunderschönes Tor (48.). Kommt Jungs, da geht doch noch was! Es ist noch so viel Zeit. Aber dann...Türker trampelt fast im Gegenzug einfach über das aufkeimende Pflänzchen Hoffnung drüber, kurvt Person aus und tschüß (51.)! Und wieder diese Abstimmungsprobleme. Ich möchte wirklich wissen, was der van Steensel gemeint hat…

Trotzdem bleibt Jena dran, kämpft bis zum letzten Mann. Aber alles zu ungefährlich. Ab und zu mal ein bißchen Gewühl vor dem Offenbacher Tor. Nichts Klares, nur Zufall. Und das auch noch in Überzahl. Rehm hatte nach einer Stunde Schlitte vor der Strafraumgrenze zu Fall gebracht. Gelb-Rot. Damit wird es aber nicht leichter. Offenbach jetzt nur noch hinten drin und Jena mit überzeugender Einfallslosigkeit. Sykora hat noch eine Chance, scheitert aber an Thier (65.). Das wär’s noch mal gewesen, aber so. Das Spiel trudelt seinem Ende entgegen. Der eingewechselte Zimmermann geht noch einmal in den Strafraum, wird zu Fall gebracht. Fröhlich hämmert den fälligen Elfer in die Maschen. 2:3! Jetzt muß ein Wunder her. Aber es gibt keins. Es ist einfach nur Schluß. Schon wieder verloren! Ich gebe mich meinen Depressionen hin, trotte mit meiner Freundin nach Hause. Schlitte war stark, ja. Aber was war mit der Abwehr? Und jetzt die zwei schweren Auswärtsspiele in Braunschweig in Köln. Wie soll denn das gehen? Wir stehen endgültig mit dem Rücken zur Wand. Fehlt nur noch jemand, der uns durchschießt! <bpf>
Bilder vom Rückrundenauftakt

FC Carl Zeiss JENA - FC Augsburg 0:2

Tore: 0:1 Hdiouad (66., FE), 0:2 Lawaree (90+1.)
Jena: Person, Hasse (61.Thielemann), Kowalik, A.Maul, Werner, Fröhlich, Schlitte, Wachsmuth, Kühne, Holzner, de Napoli (61.Juraschek)
Augsburg: Neuhaus, Dressler, Wenzel (78.Kern), Lawaree, Pircher, Müller, Hdiouad, Galuschka (71.Vaccaro), Becker (85.Traub), Benschneider, Strauß

Zuschauer: 6316

Schiedsrichter: Sahler (Mutterstadt)

Spielbericht:

19 Punkte aus 17 Spielen - vor dem Augsburg-Spiel schien diese Ausbeute einen versöhnlichen Jahresabschluss darzustellen, auch wenn man sich insgeheim vor der Saison mehr versprochen hatte, von einem Platz im gesicherten Mittelfeld war da noch die Rede. Nach dem ernüchternden Saisonverlauf hofften die meisten Anwesenden noch auf einen ordentlichen Abschluss der Hinrunde und ein Weihnachtsfest, bei dem unser FCC keinen der drei Abstiegsplätze belegen muss.

Die meisten der rund 6300 Zuschauer wünschten sich einen schwungvollen Beginn und eine Fortsetzung der in Kaiserslautern gezeigten guten Leistung. Leider wurde das Wenigste davon umgesetzt. Zwar überstand man wie schon gegen Kaiserslautern die Anfangsphase ohne Gegentor, doch tat man selbst auch kaum etwas für die Offensive. In der gesamten ersten Halbzeit kam es zu keiner gefährlichen Torchance, weder für Jena noch für Augsburg. Der FCC hatte allerdings bei zwei Schiedsrichterentscheidungen großes Glück, jeweils ohne Elfmeter davongekommen zu sein. Abgesehen von diesen Augsburger "Chancen" tat sich vor beiden Toren wenig bis gar nichts.
Mit Beginn der zweiten Halbzeit war dann aber endlich mehr von der Jenaer Elf zu sehen und es entstanden sogar Torchancen. Direkt nach dem Anpfiff der zweiten Halbzeit traf Werner aus guter Position nur das Außennetz und vergab eine der besten Jenaer Chancen des Spiels. Nach fünf druckvollen Minuten war der Schwung aber schon wieder verflogen und es war wieder das Bild der ersten Halbzeit zu sehen - zahlreiche unnötige Fehlpässe und ein ideen- und planloses Spiel nach vorn. Die derart eingeladenen Gäste kamen dann nach einer für Jenas Spiel charakteristischen Fehlerkette auch zu ihrer ersten Chance im zweiten Durchgang. Zunächst schafften es mehrere Jenaer immer wieder, den Ball dem nächsten Augsburger zuzuspielen, bis endlich ein Schuss zustande kam, den Person jedoch sicher halten konnte. Sein Abwurf machte dann jedoch dort weiter, wo seine Vorderleute gerade aufgehört hatten. Diesmal wussten selbige sich nur durch ein Foul zu helfen, der anschließende Freistoß führte zum ersten Gäste-Eckball und der Kopfball von Pircher fand beinahe den Weg ins Tor, lediglich die Latte rettete für den ansonsten souveränen Person. Derart leichte Ballverluste prägten das Spiel des FCC und weckten mit der Zeit auch Augsburger Interesse am Fußballspielen. Die wenigen gut vorgetragenen Jenaer Angriffe litten darunter, dass ab einer gewissen Entfernung zum Tor einfach nichts mehr gelingen wollte, Flanken hinters Tor und völlig unbedrängt gespielte Fehlpässe waren die Folge. In der 65. Minute wurde das Unverständnis über die schwache Leistung dann von Fassungslosigkeit verdrängt, als ausgerechnet der kämpferisch überzeugende Wachsmuth derart offensichtlich mit der Hand zum Ball ging, dass Schiedsrichter Sahler gar keine andere Wahl blieb, als auf Strafstoß zu entscheiden. Wachsmuth selbst fühlte sich vom Gegenspieler bedrängt und gestoßen, in Anbetracht der zwei nicht gegebenen Elfmeter in Halbzeit eins besteht allerdings kein Grund zur Klage über den Schiedsrichter. Den fälligen Strafstoß verwandelte Mourad Hdiouad und brachte die Augsburger in Führung, welche zu diesem Zeitpunkt in Anbetracht der Elfmetersituationen und der kaum stattfindenden Jenaer Offensive auch nicht unverdient war. In den folgenden Minuten erarbeitete sich der FCC immerhin die eine oder andere Chance, jedoch sprangen dabei keine wirklich brisanten Aktionen heraus. Erst in der 79. Minute tauchte wieder ein Jenaer gefährlich vor dem Augsburger Tor auf, der eingewechselte Juraschek schoss aus ähnlicher Position wie zu Beginn der zweiten Halbzeit Werner, zielte aber leider nicht deutlich besser als dieser und traf an Stelle des Außennetzes den Außenpfosten. Bis zum Schlusspfiff blieben diese beiden Schüsse die gefährlichsten Aktionen der unterm Strich viel zu harmlosen Zeiss-Elf. Es passte dabei ins Bild, dass die abgeklärter wirkenden Gäste in der Nachspielzeit einen Konter zum 2:0 abschlossen, Axel Lawaree überwand Person mit einem Lupfer aus kurzer Distanz und zerstörte auch die letzten Hoffnungen auf einen Punktgewinn kurz vor Weihnachten.

Aus einer über weite Strecken weit unter ihren Möglichkeiten spielenden Zeiss-Elf ragten lediglich die beiden "jungen Wilden" Holzner und Wachsmuth positiv heraus. Auch der junge Juraschek sah bei seinem Debüt nicht schlecht aus. Vielleicht zeigen diese drei ja stellvertretend für die gesamte Jugendarbeit des Vereins den praktikabelsten Weg aus der momentanen Krise.
Mit dem Abpfiff ging für den FC Carl Zeiss Jena ein Jahr zu Ende, das man trotz der momentanen sportlichen Situation positiv sehen sollte. Der im Winter noch nicht für möglich gehaltene Aufstieg im Sommer und die Rückkehr in die Zweite Liga sind definitiv gute Gründe zum Feiern. Auf der anderen Seite sollte man nicht aus den Augen verlieren, dass sportlich unbedingt etwas passieren muss, wenn Jena der Zweiten Bundesliga mehr als dieses eine Jahr lang Gesellschaft leisten will.
In diesem Sinne sollten wir auf wirkungsvolle Verstärkungen und die baldige Genesung unserer verletzten Leistungsträger hoffen, denn nur mit einer spielerisch ähnlich starken Rückrunde wie in der letzten Saison lässt sich die Klasse halten! <Benny Hiltscher>
Bilder des letzten Heimspiels vor der Pause

1.FC Kaiserslautern - FC Carl Zeiss Jena 0:0

Tore: Fehlanzeige
Kaiserslautern: 1. FC Kaiserslautern Macho, S.Müller (17.Karadas), Beda (GRK, 83.), Bouzid, Bohl, Borbely, Villar (57.Halfar), Lexa (71.Reinert), Hajnal, Bellinghausen, Daham
Jena: Person, Wachsmuth, Hasse, Kowalik, Holzner, Kühne, R. Schmidt (34.Werner), R. Maul (46.Thielmann), Schlitte, Fröhlich (88. A. Maul), Sykora

Zuschauer: 25.820

Schiedsrichter: Anklam (Buchholz)

Spielbericht:

Fußball ist eigentlich ein absolut ergebnisorientierter Sport.
Gelegentlich ist die Art und Weise wie ein Ergebnis erzielt wird von größerer Bedeutung als das Ergebnis selbst. So geschehen Freitagabend auf dem Betze. Es galt die Wiederentdeckung fußballerischer Leidenschaft zu feiern - und das ausgiebig (und trotz zweier "verlorener" Punkte). Insgesamt erklommen wohl rund 1.000 FCC-Fans den Berg, was den Ordnungsdienst völlig zu überraschen schien.
Das Spektakel konnte also beginnen. Und wie! Mit Kühne, aber vor allem mit Wachsmuth und Holzner. Heiko Weber entschied sich also für die Variante "Jugend forscht"..
Und dann das! Fünf Minuten vergingen, in denen der FCC -heute ganz in Blau- ruhig und konzentriert begann, keine rote Startoffensive duldete und eine in Karlsruhe, Aue und Duisburg vermisste, positive und selbstbewusste Körpersprache zeigte. Chancen für den FCK? Fehlanzeige! Es dauerte sechs Minuten bis eine erste harmloser Flanke erfolglos in den FCC-Strafraum kam und unendlich lang erscheinende neun Minuten, ehe ein erster FCK-Kopfball aus Nahdistanz über Persons Tor ging. Neun Minuten! Und noch immer 0:0! Was war nur los mit den Unseren? Jeder einzelne FCC'ler schien diesmal nicht nur seine Aufgabe im Team zu kennen, nein, ein Jeder hielt sich daran und spielte seinen Part konsequent und einsatzstark runter. Nach einer Viertelstunde Spielzeit hätten die Jenaer ihren bis dahin beherzten Auftritt erstmals mit dem 1:0 krönen können. Aber leider setzte Kühne den Freistoß Fröhlichs nur an die Latte und auch den Nachschuss vergab Schlitte. Auch Felix Holzner hatte mit seinem Schussversuch nach 20 Minuten leider kein Glück, dafür fing Person in gleicher Minute einen FCK-Köpfer ganz sicher. 20 Minuten vorbei - 0:0! Dazu auf dem grünen Rasen ein Team in Blau, dass mit seiner bis dato souveränen Leistung dafür sorgte, dass die FCC-Fans nun auch auf den Rängen eindeutig das Stimmungskommando übernahmen. Eine gute Jenaer Chance nach Fröhlich-Freistoss (22.) heizte dabei das Ganze weiter an. Ein Hauch von Gefahr in unserem 16er kam erstmals (!) nach 25 Minuten auf, blieb jedoch die Ausnahme. Zwar versuchten die Lauterer jetzt energischer das Spiel an sich zu reißen, allerdings blieb es beim Versuch. Und dies lag eindeutig an der blauen Gegenwehr: Ein sicher wirkender Person; Verteidiger, die ihren Gegenspielern schon bei der Ballannahme auf den Füßen standen und diese erfolgreich und konsequent doppelten; Mittelfeldspieler, die jedem Ball nachsetzten, defensiv ackerten und offensiv überlegt zu Werke gingen; dazu Angreifer, die ständig in Bewegung waren und kein Ball kampflos preisgaben! Das war einfach stark! Wenn es etwas zu kritisieren gab, war es die Tatsache, dass unsere Lieblinge es versäumten, den FCK mit 0:1 oder gar 0:2 in die Pause zu schicken. Ja, Chancen hierfür gab es jetzt mehrfach. Erst hielt Macho (30.) gegen Wachsmuth nach einem weiteren Freistoß Fröhlichs, dann traf Kühne wieder mal nur das Gestänge (35.) und Schlitte kam dann wohl einen Schritt zu spät. Hernach wagte R. Maul einen rotzfrechen Heber aus 45 Metern gegen den aufgerückten Macho (36.) und dann kam die 38. Minute! Den bis dahin besten Jenaer Angriff leitete wieder mal der um spielerische Linie bemühte Fröhlich ein, als er Schlitte rechts auf Reisen schickte, dieser genial flankte und Fiete am klasse reagierenden FCK-Keeper scheiterte. Außerdem ärgerlich: Schmidts wenig hoffnungsvoll anzusehende Verletzung (für ihn kam Werner in der 34.Minute). Nach 41 Minuten ging erneut Schlitte pfeilschnell ab, nach seiner Flanke kam jedoch Werner nur knapp zu spät. Nach 48 Minuten war diese 1. HZ vorbei. Und einen derart beherzt aufspielenden FCC gab es lange nicht mehr zu sehen.

Halbzeit zwei begann mit der Einwechselung Thielemanns für den wohl gezerrten R. Maul. Für die Stärke des heutigen FCC-Teams spricht, dass dies folgenlos blieb, auch wenn Thielemann weiterhin seiner Form vergeblich hinterher läuft, sich kämpferisch aber nichts vor zu werfen hat. Gleich gab's wieder Jena-Power, als Kowalik nach einem Fröhlich-Freistoss von links einfach mal abzog, wenn auch vergebens. (46.) Vier Minuten später endet ein Hasse-Freistoss leider am Hinterteil eines eigenen Kollegen und der Nachschuss brachte nur eine Ecke ein. Nach 54 Minuten fährt der FCC einen blitzsauberen Konter, allerdings fehlt Sykora bei seinem Schuss ein ganz klein wenig Präzision - links vorbei. Dann durften unsere Fachkräfte für Defensivarbeit mal wieder ran und sie machten ihren Job bestens, erst hielt Person und dann haute Hasse die Murmel von der Linie (60.). Nur eine Minute später war es erneut unser heute famoser Torwächter, der Lauterns unverdiente Führung verhinderte. Aber schon (65.) nahte der nächste gefährliche Jenaer Konter, als Sykora zwei FCK'ler austanzte, dann aber zu hastig abzog. Jena blieb bissig. Diesmal ging Wachsmuth energisch und unaufhaltsam durchs Mittelfeld (66.), setzte Schlitte ein aber dessen Schuss kann Macho aufnehmen. Nach Strafraumgrenzen-Foul an Sykora, bleibt Hasses Freistoß hängen, Jena rückt nach, aber irgendwie gelingt es den Lauterern dann doch, zu klären. In solchen Szenen fehlt uns derzeit auch einfach ein wenig das Glück. Dieses hatten wir dann aber beim Gegenzug, als der FCK seine wohl bis dahin beste Chance versiebten. Durchatmen! Nun übernahm der FCK optisch das Kommando, aber gegen ein konzentriertes FCC-Team nützte dies nichts, zumal die FCK'ler sich auch noch selbst dezimierten. Einen Kopfball in der 80. und einen knapp verzogenen Schuss in der 90+1. - mehr gab's für die Hausherren nicht zu verbuchen. Aber wie Felix Holzner sich in der Nachspielzeit das Leder schnappte, über den Platz fegte und diese Situation (da allein auf weiter Flur) clever zu Ende brachte, war bezeichnend für die Partie unserer Jungs, vor allem für den Auftritt unserer beiden "Neuen". Konzentriert, einsatzstark und einfach sauclever spielten die beiden Youngster ihr Pensum runter. Das war wohl die positivste Erkenntnis dieses leidenschaftlichen Matches! Beide haben das Zeug, sich einen Stammplatz als verlässliche Team-Player zu erobern, manchmal liegt das Gute eben ganz nah!
Besonderes Lob auch für Sykora: Ok, nicht jeden Zweikampf konnte er gewinnen und nicht jedes Zuspiel kam an, aber (Frage an die Statistiker), gab es einen Akteur mit mehr Ballkontakten, mehr gewonnenen Zweikämpfen und jemanden, der häufiger auf die Socken bekam als ihn? Hat irgendwer mehr Kilometer zurückgelegt? Was sich nach Spielschluss im Blaugelbweißen Block ereignete, war der Leistung unserer Helden ebenbürtig. Kaum ein FCC-Supporter verließ seinen Platz und das begeisterte "Allez! Carl Zeiss Allez! Nur der FCC!" hallte noch ewig durch die Lauterer Nacht. Sollten -und darauf kommt es jetzt an- Team und Fans am kommenden Freitag gleich heute auftreten, werden sie/wir mit dieser Kombination aus Einsatz, Mut, Zielstrebigkeit und Support auch neuerlichen Erfolg haben! <Jens Klebe>
Bilder des Tages

FC Carl Zeiss JENA - Wacker Burghausen 0:2

Tore: 0:1 Krejci (2.), 0:2 Bogavac (73.)
Jena: Person - Hasse, A. Maul, Schmidt, Helbig (44. de Napoli), Zimmermann (26. Werner), Fröhlich, Schlitte, Sykora (55. Jelic), Kühne, R. Maul
Burghausen: Gospodarek - Schmidt, Hertl, Jeknic, Vukovic, Rosin, Bogavac (77. Mosquera), Burkhardt (87. Fink), Krejci, Nicu, Drescher

Zuschauer: 6352

Schiedsrichter: Schriever (Otterndorf)

Spielbericht:

Wer nach dem 0:4 in Duisburg in der Hoffnung nach Hause fuhr, dass es ja nun nur noch besser werden könne, wurde leider enttäuscht. Hatte man im Vorfeld des Spiels noch den Eindruck, dass allen Akteuren die außerordentliche Wichtigkeit des Spiels gegen einen direkten Konkurrenten um den Klassenerhalt bewusst ist, war dies doch bereits in den ersten Minuten des Spiels nicht mehr zu erkennen. Wie schon viel zu oft in dieser Saison stand es bereits nach wenigen Spielminuten 0:1, wieder einmal war die Mannschaft zu Beginn des Spiels scheinbar nicht auf dem Platz. Die im Abstiegskampf erprobten Gäste aus Burghausen ließen sich die vorzeitigen Weihnachtsgeschenke nicht zweimal anbieten und sorgten bereits in der zweiten Minute für eine kalte Dusche, als Krejci kaum bedrängt nach einem Drescher-Freistoss aus halbrechter Position einköpfte. Inwiefern der tiefe Stand der Sonne hier begünstigend gewirkt hat, lässt sich nur noch vermuten, Fakt war jedenfalls erneut eine denkbar ungünstige Ausgangslage für die noch anstehenden fast 90 Minuten. Für Burghausen hätte das Spiel natürlich nicht besser beginnen können, dass die Gäste während der gesamten ersten Halbzeit nicht noch einmal vor dem Jenaer Tor auftauchten, sagt alles über die nun von ihnen an den Tag gelegte Spielweise.
Die in den folgenden Minuten erarbeitete Feldüberlegenheit konnte der FCC allerdings viel zu selten in Torchancen umsetzen. Trotz mehrerer Freistöße in aussichtsreicher Position und einiger Eckbälle erspielte man sich keine zwingenden Torchancen. Mauls Schuss aus der zweiten Reihe nach 14 Minuten, nach einem der zahlreichen Fröhlich-Freistöße, war noch die gefährlichste Jenaer Aktion in der ersten halben Stunde, und das obwohl der Ball das Tor doch um ein gutes Stück verfehlte. In der 24. Minute ereilt die 6300 Jena-Fans der nächste Schock, Mark Zimmermann ging im Strafraum nach einem leichten Foul zu Boden und fiel derart unglücklich auf die Schulter, dass er ausgewechselt werden musste. Wie lange er ausfällt, wird die genaue Diagnose der Verletzung zeigen, die ersten Vermutungen über die Schwere derselben lassen jedoch wenig Raum für Optimismus. Der eingewechselte Tobias Werner konnte ebenfalls kaum Akzente setzen. In der 33. Spielminute dann die beste Chance für den FCC: Nach einer Fröhlich-Ecke köpfte Alexander Maul aus etwa fünf Metern platziert in die Ecke, dort stand allerdings Thorsten Burkhardt und konnte auf der Linie klären, weshalb die beste Jenaer Chance lediglich zu einem weiteren Eckball führte. In Folge dieser Ecke zahlte sich dann die Anwesenheit von Gäste-Keeper Uwe Gospodarek erstmals aus, bis dahin hat er keinen einzigen von einem Jenaer abgegebenen Ball abwehren müssen.
Wer nun glaubte, dass die erste Halbzeit mit dem Rückstand, der Verletzung Zimmermanns und dem schwachen Spiel des FCC genug traurige Höhepunkte hatte, liest an dieser Stelle besser nicht weiter. Kurz vor der Halbzeit verdrehte sich auch noch Sebastian Helbig das Knie mit Verdacht auf Kreuzbandriss und es droht eine lange Zwangspause und damit eine weitere große Schwächung der FCC-Offensive. Auch der für ihn eingewechselte Patrick de Napoli strahlte lediglich einmal Gefahr aus. Das Halbzeit-Fazit fällt entsprechend ernüchternd aus: Erneut ein früher Rückstand gegen einen eigentlich erschreckend schwachen Gegner, viel zu wenig eigene Torchancen trotz jeder Menge Ballbesitz und zahlreicher Standardsituationen, dazu zwei vermutlich länger verletzte Leistungsträger.

Auch nach der Halbzeitpause, in der keiner der beiden Trainer auswechselte, blieb der erhoffte Sturmlauf des FCC aus. Zwar erarbeitete sich die Elf von Trainer Heiko Weber einige Eckbälle, doch auch Burghausen kam nun gelegentlich wieder vors Jenaer Tor, ohne zunächst tatsächlich gefährlich zu sein. Die Konter der Gäste wirkten dabei ein ums andere Mal ungeschickt vorgetragen und Burghausen bewies in diesen Situationen, dass auch sie nicht unbedingt die gefährlichsten Angreifer der Zweiten Liga in ihren Reihen haben. Nach etwa einer Stunde ergab sich mal wieder eine erwähnenswerte Aktion der Jenaer, ein Freistoss von Fröhlich aus viel versprechender Position landete auf dem Tornetz, Gäste-Keeper Gospodarek war allerdings erneut nicht zum Eingreifen gezwungen. Diese Aktion schien den einen oder anderen Akteur der Gäste aufgeweckt zu haben, jedenfalls spielt Burghausen danach etwas gefälliger und ist in dieser Phase des Spiels näher am 2:0 als Jena am 1:1. Mitten in diese kleine Offensive der Gäste fiel dann eine der größten Chancen zum Ausgleich: Patrick de Napoli kam rund 10 Meter vor dem Tor an den Ball, sein Schuss aus der Drehung war aber leider nicht platziert genug und Gospodarek muss nur die Hände nach oben reißen, um den Ball abzuwehren. Dennoch weckte diese Chance noch einmal die Hoffnung bei den Fans des FCC, zumindest der Ausgleich schien möglich zu sein. Nur vier Minuten später war die Hoffnung nach einem völlig unnötigen Gegentor allerdings verflogen. Person hatte den Ball beim Abschlag völlig unbedrängt in die Reihen der Gäste gebracht, die beim anschließenden Konter auf wenig Gegenwehr stießen. Die Abwehrspieler konzentrierten sich auf den ballführenden Nicu, der mit einem klugen Pass auf den völlig freistehenden Bogavac die Entscheidung einleitete und dieser hat keine Mühe den Ball aus kurzer Distanz an Person vorbei einzuschieben. Die folgenden Angriffe des FCC führten zu keiner einzigen gefährlichen Situation, am Ende stand zwar ein Eckenverhältnis von 10:0 und ein deutliches Plus bei den Spielanteilen für den FCC, allerdings sind daraus viel zu wenig echte Torchancen entstanden.

Burghausen blieb damit zum zweiten Mal in dieser Saison auswärts ohne Gegentor und Jena zum fünften Mal ohne eigenen Torerfolg. Das heutige Spiel bot wenig Anlass zur Hoffnung auf künftige Schützenfeste, aber auch unserem FCC müssen wir derart schwache Spiele zugestehen. Die Fans jedenfalls taten es und unterstützten den FCC trotz der wenig ansprechenden Leistung fast über die gesamten neunzig Minuten hinweg lautstark, erst in den letzten Minuten wurde die eigene Mannschaft mit Pfiffen bedacht, was in Anbetracht der erbrachten Leistung als Muntermacher nicht schaden konnte. Das Fazit kann nur Mund abputzen und weitermachen heißen. Auch wenn das anstehende Auswärtsspiel auf dem Betzenberg durch den Ausfall unserer beiden Stürmer sicherlich nicht leichter wird, so bleibt doch zumindest die Hoffnung, dass gerade die vermeintlich übermächtigen Gegner nicht selten die besten Aufbaugegner darstellen. Eventuell lässt sich eine Leistung wie gegen Köln oder Freiburg ja auch endlich einmal auf des Gegners Platz darstellen, es wäre an der Zeit, auch um den treuen Fans des FCC eine etwas beschaulichere Adventszeit zu ermöglichen. <Benny Hiltscher>
Bilder von Jens weissenburger.de

MSV Duisburg - FC Carl Zeiss Jena 4:0

Tore: 1:0 Kurth (5.), 2:0 Idrissou (29.), 3:0 Idrissou (38.), 4:0 Grlic (80.)
Duisburg: Koch - Weber, Schlicke, Filipescu, Bugera, Mokhtari (76. Grlic), Caligiuri (63. Willi), Tararache, Daun, Kurth (82. Book), Idrissou
Jena: Person - A. Maul, Kowalik, Schmidt, Günther (46. Kühne), Schlitte, Fröhlich (73. Werner), R. Maul, Sykora, Helbig, De Napoli (46. Zimmermann)

Zuschauer: 14.002

Schiedsrichter: Henschel (Braunschweig)

Spielbericht:

Schuld an der erneuten Auswärtspleite war das Spielberichte-in-letzter-Minute-aufs-Auge-drück-Team dieser Website. Wie schon beim Spiel in Karlsruhe ereilte mich auf der Anreise der Anruf, ob ich nicht mal schnell den Spielbericht übernehmen könnte. Und wie in Karlsruhe gab es eine heftige 4-Tore-Packung.
Doch nicht nur die Anzahl der Gegentreffer erinnerte an jenes 1:4, man sah auch einige weitere Parallelen. Unsere Taktik, möglichst lange torlos zu stehen, wurde jeweils ziemlich schnell durch das 0:1 über den Haufen geworfen und auch im Schmuckkästchen MSV-Arena lag der FCC bereits zur Pause hoffnungslos mit 0:3 hinten. Neben den reinen Fakten war jedoch auch der spielerische Auftritt ein Spiegelbild von Karlsruhe: In der ersten Halbzeit sah der FCC gegen starke Gastgeber keinen Stich. Alle Gelben sahen in der 5. min ungerührt zu, wie ein Duisburger in Reichweite unseres Strafraums den Ball erhielt, in Ruhe guckte und dann die Spielkugel in den Strafraum auf Kurth drosch, der aus Nahdistanz den Führungstreffer erzielte. Bis etwa zur 25. min versuchte dann der FCC teilweise erfolgreich, den Gegner vom Strafraum fernzuhalten und einen eigenen Spielaufbau umzusetzen. Leider war unsere Vorgehensweise sehr durchschaubar, man wusste meistens schon vorher, wo der Ball als nächstes hinkommt, so dass der MSV nicht ernsthaft in Verlegenheit geriet. Im Gegenteil, die zweite gefährliche Duisburger Aktion brachte in Verbindung mit der zweiten Jenaer Schlafeinlage das 2:0: Sykora foulte - aus meiner Sicht etwas unnötig - etwa 25 Meter vorm Tor. Der Freistoß krachte gegen die Latte und während alle Jenaer zunächst das Verhalten des zurückspringenden Balls studierten, galoppierten 3 Zebras aufs Tor zu und mussten nur noch aufpassen, sich beim Toreschießen nicht gegenseitig zu behindern. Danach war der FCC fußballerisch "tot", es ging eigentlich gar nichts mehr. In der 38. min verlor Fröhlich auf der rechten Seite noch in der eigenen Hälfte beim Dribbling den Ball, es folgte ein schneller Seitenwechsel und weil ein Jenaer Verteidiger im Sprintduell zu langsam war und Person auf der Linie klebte, hatte Idrissou keine Probleme, mit seinem zweiten Tor das 3:0 zu erzielen. Allerspätestens zu diesem Zeitpunkt dachten die 300 Jenaer Fans im Gästeblock mit Grauen daran, dass man sich erst in der Endphase der 1. Halbzeit und nicht kurz vorm Abpfiff befand.
Nach der Pause liefen Kühne und Zimmermann für Günther und De Napoli auf. Zusätzlich schien es entweder einen Anschiss vom Trainer oder ein anderes Aufwachmittel für unser Team gegeben zu haben. Wie schon in Karlsruhe präsentierte sich ein völlig anderer FCC, der aggressiver in die Zweikämpfe ging, schnell am Gegner dran war und endlich auch eigene Offensivaktionen zustande brachte. Dies war sicher auch zu einem gewissen Anteil, aber nicht ausschließlich, der defensiveren Spielweise der "Zebras" zu verdanken. Leider blieben einige schnelle Angriffe jeweils dann stecken, wenn der Ball zu Sykora kam, der diesmal einfach zu langatmig spielte und oft zu lange überlegte, wohin er den Ball spielen sollte. Da auch Fröhlich im linken Mittelfeld (auf seiner Stammposition stand Sykora) etwas deplaziert wirkte reichte es aber nicht für einen eigenen Treffer. Dabei ergaben sich auch einige Chancen für den FCC, aber irgendwie fehlten immer etwas Kraft, Genauigkeit oder einfach auch Glück. Dies hatte dafür der MSV, als er mit seiner zweiten Chance nach der Pause (zunächst hatte Person in der 75. gegen einen Angreifer glänzend pariert) das 4:0 erzielte: Grlic fiel der Ball etwa 25 Meter vor Persons Tor vor die Füße und er zog einfach ab. Der Ball tat ihm auch den Gefallen und drehte sich als Bewerbung fürs "Tor des Monats" (Wieso eigentlich immer gegen uns?!?) ins rechte obere Dreiangel. War die erste Halbzeit eine unterirdische Vorstellung unserer Mannschaft, so verlief die zweite etwas unglücklich und hatte in Grlic' Tor den bitteren Höhepunkt.
Blöderweise besteht ein Spiel immer aus zwei Halbzeiten, denn mit der Leistung nach der Pause konnte man wie schon beim KSC relativ zufrieden sein und es gab dafür nach dem Abpfiff auch den verdienten Beifall aus dem Gästeblock. Mit der Vorpausenleistung dagegen - die ein gigantisches Pfeifkonzert verdient gehabt hätte - wären wir gegen jede Mannschaft dieser 2. Liga eingebrochen.
Und in Analogie zum Karlsruhe-Spiel gab es eine herbe Auswärtsniederlage, nach der der FCC im kommenden Heimspiel wieder unter dem Druck des "Unbedingt-gewinnen-Müssens" steht. Nach dem 1:4 beim KSC hatte das geklappt…
Übrigens habe ich auch den Bericht vom Essen-Spiel (regulär und mittelfristig geplant) schreiben dürfen. Essen, Karlsruhe, Duisburg - ich als Schreiberling und jedes Mal vier Gegentore - liegt es vielleicht doch an mir…? <uk>
Bilder des Spiels

FC Carl Zeiss JENA - SC Freiburg 2:1

Tore: 0:1 Hansen (8.), 1:1 Helbig (56.), 2:1 Fröhlich (63., FE)
Jena: Person - A. Maul, Schmidt, Kowalik; Schlitte, Thielemann (35. Helbig), Günther, Fröhlich, R. Maul; Sykora, de Napoli (85. Wachsmuth)
Freiburg: Walke - Schwaab, Mohamad, Diarra, Ibertsberger; Hansen (46. Olajengbesi, 77. Bencik), Antar, Soumaila, Iaschwili, Coulibaly; Pitroipa, Matmour (52. Kruppke)

Zuschauer: 6852

Schiedsrichter: Aytekin (Nürnberg)

Spielbericht:

Es gibt Kontrahenten, gegen die scheinbar nichts zu holen ist. Greuther Fürth ist so einer, obwohl (oder gerade weil) ihn der FCC vor 14 Tagen bis in die Nachspielzeit hinein am Rande einer Niederlage hatte. Auch der SC Freiburg schien bislang dazu zu gehören. Nur ein Sieg in acht Spielen – jenem legendären 4:3 aus der Saison 1991/92. Klee, Weber, Löhnert und Wittke hießen damals die Torschützen. Lang lang ist’s her.

Nach Hasses Rotsperre und Kühnes Magen-Darm-Erkrankung war vorherzusehen, dass Ralf Schmidt die Rolle des Abwehrorganisators zuteil werden würde. Die Hintermannschaft hatte sich jedoch kaum formiert, da stand es schon 0:1. Pitroipas Eingabe vorbei an Person parallel zur Grundlinie folgte zunächst ein Schuss an den Außenpfosten, dann einer ins Abwehrgetümmel und schließlich einer ins Netz. Dass Christian Fröhlich gleich nach Wiederanstoß ähnlich frei zum Schuss kam wie Torschütze Niels Hansen, allerdings an SC-Keeper Walke scheiterte, warf einmal mehr kein gutes Licht auf Jenas Chancenverwertung. Nur gut, dass auch Freiburg in der Folge fahrlässig mit seinen Möglichkeiten umging. Pitroipa traf nur das Außennetz und ein Pass des selben Spielers beim Konter auf Matmour war nicht exakt genug. Keine Frage, die Anfangsphase ging klar an ballsichere Gäste. Der Jenaer Fangesang „Wir woll’n euch kämpfen sehen“ nach 15 Minuten traf trotzdem nicht ins Schwarze, denn gekämpft haben sie schon, unsere Jungs. Nur waren Kampf und Wille eben das Einzige, was sie zu diesem Zeitpunkt in die Waagschale zu werfen vermochten. Spielerisch lief überhaupt noch nichts zusammen. In solchen Situationen fehlt ein Torsten Ziegner ganz besonders. Bis zum Januar muss es noch ohne ihn gehen.
Eine halbe Stunde war gespielt, da katapultierte sich erstmals Schiedsrichter Aytekin in den Mittelpunkt. Zunächst zeigte er Thielemann die gelbe Karte und vergaß, den Freiburger Antar gleich mit zu versorgen, der mehrfach Thielemanns Bestrafung durch Gesten gefordert hatte. Dann verweigerte er Patrick de Napoli seinen zweiten Saisonerfolg. Der Schweizer hatte Walke beim Abschlag attackiert und den Ball erobert, wohlgemerkt nachdem das Leder die Hand des Freiburger Schlussmanns verlassen hatte. Fairerhalber muss erwähnt werden, dass sein Bein dabei aber gestreckt war, hier also keine unbedingte Fehlentscheidung vorlag. De Napoli wollte es nicht wahrhaben, beförderte den Ball noch hinter die Linie und sah dafür Gelb. Da tröstete es auch wenig, dass Antar für seine neuerliche „Empfehlung“ ebenfalls verwarnt wurde.
Allmählich fand der FCC über den Kampf etwas besser ins Spiel und erhöhte den Druck. Mit Sebastian Helbig war mittlerweile ein weiterer Stürmer im Spiel und das machte sich bezahlt, denn dieser sorgte in 16 Minuten bis zur Pause für mehr Wirbel nach vorn als Sykora und de Napoli in einer Halbzeit zusammen. Herrlich sein Schuss aus 25 Metern (40.) sowie der Kopfball, den Walke auf der Linie fing (43.). Damit aber noch immer nicht genug in Halbzeit eins. Nach einem Pass von der rechten Seite traf Patrick de Napoli erneut ins Tor, doch der Jubel war einmal mehr verfrüht. Schiri-Assi Leichner hatte die Fahne gehoben. Ich hatte in der Pause Gelegenheit, mir auf arena-Monitoren mehrfach die Szene in Zeitlupe anzusehen. Es war eine Millimeter-Entscheidung, bei der sich de Napolis Fuß (und nur der zählt!) im Moment der Ballabgabe exakt auf gleicher Höhe mit dem des Freiburger Verteidigers befand. Klar, Linienrichter haben die Slow-Mo nicht zur Verfügung, sollen aber im Zweifel zugunsten der angreifenden Mannschaft entscheiden. Was hier fahrlässig unterlassen wurde.

Nun erst recht, dachten sich Jenas Spieler und liefen mit Wut im Bauch aus der Kabine. Nach Günthers Flanke kam Fiete Sykora in guter Position zum Kopfball und hätte selbigen gern etwas weiter weg vom Torwart platzieren dürfen (50.). Sechs Minuten später: Eckball Fröhlichs von rechts, hoch hinein gegeben und entsprechend lange in der Luft – Helbig schraubt sich am höchsten und erzielt das mittlerweile überfällige 1:1. Mit diesem Tor kehrte das Selbstvertrauen zurück und etwas spielerische Leichtigkeit. Eine Aktion wie den Doppelpass von Helbig und Schlitte suchte man zuvor jedenfalls vergebens. Hin und her ging es in den folgenden Minuten. Kein Wunder, würde doch ein Unentschieden beim derzeitigen Tabellenstand keiner Mannschaft weiterhelfen. Dementsprechend stand das Geschehen auf der Kippe. Als Sven Günther im Strafraum zu Boden ging, zeigte der Referee auf den Elfmeterpunkt. Diesmal war keine Zeitlupe vonnöten, um beurteilen zu können, dass sich eine Schwalbe in Freiburgs Sechzehner gemogelt hatte. Die Proteste der Freiburger, von denen Trainer Finke an diesem Abend so manche Sympathie verspielte, waren hier durchaus berechtigt. Und dennoch nahm Christian Fröhlich das Elfmeter-Geschenk guten Gewissens an, war es doch so etwas wie ausgleichende Gerechtigkeit für so manchen Schiri-Fauxpas heute und vor 14 Tagen.
Einer aufopferungsvoll kämpfenden Jenaer Elf gelang es bis in die Schlussphase hinein, Freiburger Torchancen zu vermeiden. Helbig und de Napoli hätten sogar für eine beruhigende Zwei-Tore-Führung sorgen können, verpassten nach Sykoras Vorarbeit aber im Duett. Als Person in der vorletzten Minute einen Flankenball sicher herunterpflückte, schienen für so manchen Beobachter schon die drei Punkte dran zu hängen. Doch die Skeptiker gaben noch keine Ruhe, denn es folgte ja noch die Nachspielzeit – wie vor zwei Wochen gegen Fürth, wir erinnern uns ungern. Und tatsächlich, freistehend wie dreißig Minuten zuvor nicht mehr, kam ein Freiburger zum Schuss. Ibertsberger zielte – und fand in Christian Person seinen Meister. Abpfiff. Jubel.

Der erste Sieg gegen Freiburg nach anderthalb Jahrzehnten ist perfekt. Errungen von einer Mannschaft, die über den Kampf zum Spiel gefunden hat. Und eines Anhangs, der in dieser Saison ebenso dann Präsenz zeigt, wenn es nicht so läuft. Jena ist auch diesbezüglich eine Klasse aufgestiegen.. <fc>

FC Erzgebirge Aue - FC Carl Zeiss Jena 5:1

Tore: 1:0 Heller (26.), 2:0 Juskowiak (44.), 3:0 Juskowiak (51.), 3:1 Sykora (60), 4:1 Heller (73.), 5:1 Liebers (85.)
Aue: Bobel (RK, 35.), Kos, Emmerich, Loose, Adamski, Heller, Kurth, Schäfer (55.Liebers), Klinka (36.Keller), Juskowiak (83.Hampf), Siratze
Jena: Person, A. Maul, Hasse (RK, 18.), Schmidt, Günther (69.Zimmermann), Fröhlich, R.Maul, Werner (27.Kowalik), Pagano (53.Helbig), de Napoli, Sykora

Zuschauer: 14.500

Schiedsrichter: Lupp (Zossen)

Spielbericht:

Mit einem mulmigen Gefühl fuhr wohl der Großteil von Jenas Anhang nach Aue zum so langersehnten Aufeinandertreffen mit dem alten Bekannten. War doch die Angst groß, der unglückliche Last-Minute-Ausgleich gegen Fürth würde in der Psyche der Mannschaft tiefere Spuren hinterlassen haben als vor dem Ostgipfel im Lößnitztal gut wäre. Doch weit gefehlt. Jena spielte von Beginn an gut mit, hatte mit Günthers Freistoß die erste kleinere Chance und es war zu erkennen, dass Heiko Weber nicht die Defensivstrategie aus dem Ostseestadion ausgegeben hatte, sondern man sich im Lande von Schwippbogen und Nußknacker mehr als nur einen Punkt erhoffte. So deutete sich nach der ersten Viertelstunde ein Spiel zweier gleichwertiger Teams an mit beiderseitigem Willen zu drei Punkten, welches vollkommen offen zu sein schien. Doch ausgerechnet der Zeissianer, der vor Wochen davon sprach, dass nicht etwa der Auftritt in der Allianz-Arena sein Spiel des Jahres wäre, sondern dieses hier in Aue, sorgte unfreiwillig für die Schlüsselszene des Spiels, welches fortan für den FCC eine solch fatale Wendung nehmen sollte. Jenas Offensivaktion über die rechte Seite (Günther, Pagano) wurde nicht konsequent ausgespielt, der abgefangene Ball erreicht blitzschnell Juskowiak, dessen Zuckerpass Sturmpartner Klinka auf halblinks schickt, bevor dieser vom Fuß Holger Hasses zu Boden gestreckt wird. Zweifellos war die Absicht des FCC-Abwehrchefs den Ball zu spielen unübersehbar, das Verfehlen des Leders nur eine Sache von 1000stel-Sekunden, auch liefen zentral noch weitere Gelbgekleidete mit und Klinkas Weg zum Tor wäre noch weit gewesen, doch die rote Karte für den Lockenschopf in seiner Geburtsstadt eine korrekte Entscheidung. Aue hatte nun Oberwasser gewonnen, Siradze prüfte Person gefährlich und nach 26 Minuten tönten dann erstmals erzgebirgische Volksweisen aus den Lautsprechern. Wieder war der FCC weit aufgerückt, wieder ein schneller Ball diesmal über die rechte Seite, Ronny Maul kann Siradze nicht folgen, der auf Heller ablegt, dessen Hammerschuß aus spitzem Winkel über Christian Person einschlägt. Benno Weber, der erstaunlicherweise nach dem Platzverweis des Abwehrchefs keine Auswechslungen vornahm, brachte nun umgehend Kowalik für Werner in die Begegnung, wobei der Pole Hasses Job im Abwehrzentrum übernahm. An der Verunsicherung in Jenas Mannschaft änderte das zunächst wenig, Siradzes Schussversuch strich knapp am langen Pfosten vorbei, doch plötzlich Aufregung auf der anderen Seite. De Napoli war mustergültig von Ronald Maul geschickt worden und diesmal war es Aue-Keeper Bobel, dessen Notbremse Schiedsrichter Lupp mit der roten Karte ahndete, so dass es für Jenas Fans ein Wiedersehen mit Axel Keller gab, der fortan das lilaweiße Gehäuse hütete. Von Schmidts Freistoß drohte ihm zunächst keine Gefahr, doch es ging nun ein Ruck durch die Jenaer Mannschaft, die den Gegner fortan in dessen Hälfte einschnürte, während die Veilchen sichtlich irritiert wirkten, wie sie mit der neuen Situation umgehen sollten. Sinnbildlich dafür die verunglückte Kopfballablage direkt vor die Füße von Alexander Maul, der allerdings einen Tick zu lange brauchte, um den Ball im vor ihm ausgebreiteten Gehäuse unterzubringen. Es war die größte Chance zum Ausgleich, doch nur kurz darauf wurde Jena erneut im fremden Stadion ausgekontert. Emmerich quasi mit dem Pausenpfiff mit weitem Ball auf Siradze, dessen Ablage Juskowiak aus 18 Metern ins Netz hämmert, wobei Christian Person noch am Leder war, sich dieses dennoch unglücklich in die Maschen senkte. Es sollte nicht unser Tag sein in Aue und wie zum Beweis führte die Wismut-Elf kurz nach Wiederanpfiff erneut mustergültig vor, wie man schnell zum Torerfolg kommt. Ein Foul an Pagano an der Mittellinie war nicht geahndet worden, was Aues Sturmabteilung am schnellsten realisierte und so lief das Leder über die Stationen Siradze-Heller-Siradze in Jenas Strafraum, wo Kowalik zwar auf der Linie Siradzes Schuß abwehren konnte, doch gegen Juskowiaks Abstauber keine Chance hatte. Die Begegnung schien gelaufen, Jenas Anhang nahm wie zum Trotz den in Rostock beendeten Dauergesang "Allez Carl Zeiss allez - nur der FCC - wir halten fest zusammen - und kämpfen bis zum Schluß" wieder auf und genau dies war auch das Motto, unter dem die verbliebenen 40 Minuten für die in blau-gelb-weiß Aufgelaufenen stand. Ansatzpunkte für harsche Kritik wird Heiko Weber nach diesem Spiel nicht wenige haben, doch die Einstellung und beinahe trotzige Kampfbereitschaft auch in der sicheren Niederlage nötigte Respekt ab. So kam es nicht von ungefähr, dass der auffällige Sykora nach Fröhlich-Freistoß zum Anschlusstreffer einköpfte, nachdem er zuvor noch knapp gescheitert war und auch der eingewechselte Helbig einen Riesen vergeben hatte. Jena war am Drücker und wer weiß, ob die Gastgeber nicht noch einmal ins Straucheln gekommen wären, wenn der von Fröhlich herrlich in Szene gesetzte De Napoli nicht ebenso am glänzend reagierenden Axel Keller gescheitert wäre wie Minuten später Sykora. Aues Strafraum befand sich in Belagerungszustand, zumindest bis Zimmermann in der 73. Minute das Leder vertändelte und den nächsten gelungenen Konter der Erzgebirgler einleitete, den Heller per Kopf vollendete. Unglaublich, welche Effektivität die Veilchen an jenem Tag bewiesen und genau jene Effektivität war der Unterschied, jede einzelne Chance der Sachsen nach der Pause war gleichbedeutend mit einem Treffer, bittere Erinnerungen an Karlsruhe kamen auf. Sinnbildlich dafür die Schlussminuten. Da rettet Keller gegen einen herrlichen Aufsetzerkopfball von Alexander Maul, während Liebers fünf Minuten vor dem Ende eine abgewehrte Freistoßflanke aus über 20 Metern Maß nimmt und volley versenkt. Traumtor die nächste, dann war die Lehrstunde für den Aufsteiger beendet und man registrierte trotz mehr Ballbesitz, mehr gewonnenen Zweikämpfen und insgesamt ausgeglichener Torschuß- und Eckballbilanz die höchste Niederlage seit dem unseligen 0:5 beim gleichnamigen Verein aus Mainz anno 1998. Dass der FCC "unter Wert geschlagen" wurde, attestierte auch Aues Trainerurgestein Gerd Schädlich ehrlich, seinem FC gelang an diesem Tage im Torabschluß alles, doch die erneut unbefriedigende Bilanz von Aufwand und Ertrag im Spiel des FC Carl Zeiss bereitet Sorge im Hinblick auf die noch verbleibenden Spiele bis zur Winterpause. Und so fuhren die 2.000 Mitgereisten, nachdem sie noch eine Weile im Gästeblock eingesperrt mit Holzmichl und weiteren Verbrechen der Unterschichtenunterhaltung traktiert wurden, mit weit mehr als nur dem mulmigen Gefühl vom Mittag zurück nach Hause. Es macht sich Angst breit. <gunner>

FC Carl Zeiss JENA - SpVgg. Greuther Fürth 1:1

Tore: 1:0 De Napoli (36.), 1:1 Klein (90.+1)
Jena: Person - Hasse, A. Maul, Günther (87. Kowalik), Schmidt, Werner, Fröhlich, Sykora (68. Helbig), Pagano, de Napoli (61. Zimmermann), R. Maul
Fürth: Mavric - Mijatovic, Kleine, Barut (46. Caillas), Andreasen, Fuchs, Timm, Reisinger (46. Oehrl), Judt, Adlung (80. Schröck), Achenbach

Zuschauer: 6403

Schiedsrichter: Frank (Hannover)

Spielbericht:

Nein Heimspiel unter der Woche, Anpfiff um halb sechs nachmittags und als Gegner ausgerechnet auch noch Greuther Fürth, deren Bayern-aus-dem-Pokal-rausschmeiß-Bonus nach 12 Jahren vollständig aufgebraucht ist und deren Meriten ansonsten eher denen des SV Meppen gleichen. Trotzdem war das Stadion mit 6400 Zuschauern recht gut gefüllt - im Sport 1-Ticker berichtete man dagegen von "nur 4500". Können die Berichterstatter dort nicht zählen, oder will man nur die Meinung verbreiten, dass der FCC eigentlich nicht in die zweite Liga gehört?
Die SpVgg Greuther Fürth hatte sich ja vor der Saison den Anspruch gestellt, um den Aufstieg mitzuspielen. Davon war allerdings während des gesamten Spiels nicht viel zu sehen. Der FCC stemmte sich von Anfang an richtig rein. Direkt nach dem Anpfiff gab es gleich die erste halbe Chance für Jena durch Pagano. Sofort war die Stimmung da - und der Puls auch. Der FCC zog ein effektives Pressing auf, welches immer wieder zu Ballverlusten der SpVgg führte. Exemplarisch seien hier zwei Ecken genannt, die durch Attackieren des letzten Manns der Fürther enstanden - und von denen nur eine gegeben wurde. Bei der anderen soll ein Jenaer Foul vorgelegen haben... und wieder einmal muss ich hier auf eine nicht ganz unparteiische Schiedsrichterleistung verweisen.
Zum Beispiel werden die Jenaer Stürmer in der ersten Halbzeit zweimal in ausichtsreicher Position zurückgepfiffen - angeblich wegen Abseits. Ich stand auf gleicher Höhe: nichts war, zumindest die zweite dieser Entscheidungen war grundfalsch! In der zweiten Halbzeit wurde, quasi zum Ausgleich, auch Greuther Fürth einmal fälschlich beabseitst - aber da war die Position nicht aussichtsreich. Kopfballduelle wurden häufig abgepfiffen, weil sich Jenaer Spieler angeblich aufgestützt hätten, auf der rechten Jenaer Abwehrseite dagegen kann ein Fürther Spieler den Jenaer Verteidiger vor dem Kopfball mit beiden Armen wegstoßen - und kein Pfiff ertönt. In der 52. Minute läuft steht Werner allein vor Mavric und wird von schräg hinten in die Zange genommen: Wenn Ball UND Gegner gleichzeitig gespielt werden, gibt es anderswo IMMER Elfmeter - nicht so in Jena, nicht für den FCC. Und der Freistoß vor dem Gegentor in der Nachspielzeit war auch ein Witz: Wie man sich rückwärts aufstützt, soll mir mal einer erklären. Wie man den Gegenspieler mit dem Hintern voran unterläuft, weiß ich dagegen...
Aber da gab es noch Jenaer Fußball, der diesen Widrigkeiten trotzte. Der FCC erarbeitete sich während der ganzen ersten Hälfte ein optisches Übergewicht. Über beide Angriffseiten ging es immer wieder variabel schnell nach vorn, nur die Flanken bzw. finalen Pässe blieben häufiger an der Abwehr der Fürther hängen. Wenn die Zuspiele ankamen, wurde es gefährlich: Ronald Maul hatte in der 12. Minute die Möglichkeit zum Torschuss (knapp rechts vorbei), Pagano in der 33. (noch knapper rechts drüber). In der 36. Minute war es dann soweit. Nach einer schönen Flanke standen gleich zwei Jenaer in der Mitte frei, und de Napoli brauchte aus sechs Metern Entfernung nur noch einzuschießen. Die SpVgg hatte in der ganzen ersten Halbzeit eigentlich nur eine nennenswerte Chance - einen Flachschuss durch Andreasen nach Flanke von links, der knapp links vorbeiging.
In der zweiten Halbzeit erkämpften sich die Greuther eine gewisse optische Überlegenheit im Mittelfeld, der FCC ließ die Gäste kommen - allerdings nur bis auf Höhe Strafraum. Wirklich gefährliche Situationen brachte die SpVgg auch in der zweiten Halbzeit nicht zustande, bis auf einen Kopfball in der 56. Minute, der oben auf der Latte landete, von dort ins Feld zurücksprang und danach geklärt werden konnte. Der FCC verlegte sich auf's Kontern, wobei mehr gefährliche Situationen herauskamen als bei Fürths stupidem Anrennen. Die umstrittene Szene von Werner im 16er wurde bereits beschrieben, außerdem gab es wie in Halbzeit 1 einige Situationen, in denen einfach nur der finale Pass zu ungenau oder gar nicht ankam, obwohl die Idee hinter dem Abspiel eigentlich immer zu erkennen war.
Eine gewisse Feierstimmung hub schon ab der 85. Minute an, von den Greuthern kam ja nach vorne auch überhaupt nichts an, es konnte quasi nur über eine Standardsituation gegen den FCC noch was passieren. Und so kam es denn auch, gefolgt von betretener Stille, dem sofortigen Abpfiff danach, einem gellenden Pfeifkonzert beim Abgang des Schiedsrichters und wohlwollendem Beklatschen derjenigen FCC-Spieler, die draußen geblieben waren. Schade um die zwei Punkte, aber dagegen kann man nichts machen. Fort mit Schaden, es hat sich wieder einmal gezeigt, dass auch selbsternannte Aufstiegsaspiranten in Jena nicht immer zu ihrem Spiel kommen. Die "Scheiße am Schuh" (OZ Andy Brehme) verschwindet auch wieder... <ragnar>

FC Hansa Rostock - FC Carl Zeiss JENA 1:1

Tore: 0:1 Hasse (68.), 1:1 Rydlewicz (73.)
Rostock: Schober - Langen, Sebastian, Madsen, Stein, Rydlewicz, Beinlich, Kern, Rahn (56. Yelen), Cetkovic (56. Hähnge), Schied
Jena: Person - Hasse, R. Schmidt, A. Maul, Günther, Werner, Fröhlich, Schlitte (87. Kowalik), R. Maul (65. Thielemann), Sykora, De Napoli (55. Helbig)

Zuschauer: 22.500

Schiedsrichter: Winkmann (Kerken)

Spielbericht:

Es gibt Siege, die wirken nach. Das 2:0 gegen Koblenz war wohl ein solcher. Wer unseren FCC einst im Wildpark sah und nun heute an der Küste, der erlebte zwei völlig verschiedene Teams. Und das nicht nur bezüglich der Aufstellungen ……..
Das Erwärmungsprogramm unseres FCC begann mit einem kurzen Rätselraten auf den Rängen. Wer ist der vierte "Geschorene" neben Thiele, Zimme und Tobias Werner? Voulin, derzeit ebenfalls recht kahl unterwegs, kann es ja ob seiner derzeitigen Form eigentlich nicht sein. Schnell wird klar, es ist De Napoli, der hier seiner eigenen Windschnittigkeit nachgeholfen hat. Derweil R. Maul und S. Hähnge Mitstreiter vergangener Tage herzen, werden die Aufstellungen verlesen und bei der Erwähnung des Letztgenannten erntet dieser im Jenaer Lager ein klein wenig mehr Pfiffe als Beifall. Als dann auch noch etwas "Jena-Wetter" einsetzt, kann es losgehen und Heiko Weber hat mit seiner Aufstellung Variabilität gezeigt. Schade nur, dass Kowalik das "Opfer" wurde.
Die ersten fünf Minuten lassen sich phrasentechnisch unter "Abtasten" zusammenfassen, aber nach dem Holger Hasse in der 6. Minute zunächst gut geklärt hatte, ging erstmals Schlitte über rechts fein in die Spitze, allerdings noch ohne große Wirkung. Also probierte er es eine Minute später gleich noch mal. Bei seiner Flanke von rechts ist das Sturmzentrum jedoch leider nicht besetzt. Anschließend musste Schmidt hinten klären (was er auch souverän tut) und kurze Zeit danach tauchte Fröhlich vorn rechts auf und nach seiner Flanke hätte nicht viel an einem Hansa-Eigentor gefehlt. Jedoch war eines schon zu erkennen: die Blaugelbweißen agierten bissig, aggressiv und waren in den Zweikämpfen ähnlich energisch wie in Halbzeit zwei gegen Koblenz. Nachdem die Hanseaten einen Freistoß in der 12. über das Tor semmelten und im Gegenzug Schlitte schön Fröhlich frei spielte, was allerdings verpuffte, war es Zeit für eine Hasse-Einlage: Erst erkämpfte er im Mittelfeld super den Ball, vertändelte ihn dann aber unsinnigerweise und bügelte diesen Lapsus sogleich großartig selbst wieder aus. Durchatmen. Wie gut unsere Jungs heute ihren defensiven Job erledigten, erkannte man auch daran, dass es bis zur 25. Minute dauerte, ehe Person die erste Flanke sicher pflückte. Und erst als ein Torschuss Fietes zur Ecke abgeblockt wurde (29.), die jedoch nichts einbrachte, kam Hansa kurze Zeit später zum ersten erwähnenswerten Torschuss, der aber kein Problem für Person darstellte. Der FCC dominierte jetzt das Spiel, Schlitte tankte sich rechts wieder herrlich durch (31.) und in der 35. probierte Fiete von halblinks mal einen nicht ungefährlichen Heber. Gut beschirmt (warum eigentlich?) trat Beinlich in der 36. Minute eine Ecke von links und jetzt war es erstmals so richtig heiß in unserem Sechzehner. Aber Person kühlte alles ganz schnell wieder ab. Dies schien ein Signal in zwei Richtungen zu sein. Erstens an die heute Blaugelbweißen auf dem Platz und Zweitens an die mindestens 800 FCC-Supporter im Gästeblock. Die einen setzten Hansa bis zur Pause nochmals richtig zu: De Napoli scheiterte in seinem Laufduell nur knapp (39.), ebenso wie Fröhlich mit seinem Schuss von der Mitte (44.) und Werner mit seinem Knaller von links (45.). Die anderen begannen nun mit einem grandiosen und für alle Beteiligten wohl lange nachwirkenden Dauersupport der Extra-Klasse, welcher über die Pause, die 2. HZ und den Schlusspfiff hinaus noch lange durch das Stadion waberte! Einfach genial! Nur der FCC!
Wir durften in der ersten Halbzeit einen formidablen Auftritt unserer Helden erleben, der so etwas wie die Wiedergeburt verloren geglaubter Jenaer Tugenden aufwies. Bennos Konzept, die Defensive zu betonen bzw. zu stabilisieren, ging voll auf. Da wurde schon früh im Mittelfeld gestört und gepresst und hinten standen unsere Jungs endlich wieder eng am Gegner, attackierten ohne langes Federlesen und sicherten sich auch gegenseitig bestens ab.
Nach der Pause ist zunächst Hansa zweimal am Drücker. Erst musste Maul nach einem Stellungsfehler Werners in höchster Not zur Ecke klären (50.) und eine Minute später war wieder Persons Wachheit gefragt. Aber schon eine Minute danach setzte De Napoli herrlich Schlitte ein, der super auf Fröhlich flankte - doch der sichere Torjubel blieb leider aus, denn Fröhlichs Kopfball ging um Zentimeter am Pfosten vorbei. In der 57.Minute sah Günther für sein erstes ernsthaftes Foul im Spiel Gelb. Schade, denn der Schiri machte heute einen prima Job. Vor allem deshalb, weil er stets bemüht war, das Spiel laufen zu lassen, auch wenn es mal hart (aber eben nicht unfair) zur Sache ging und weil er ohne übertriebene, selbstdarstellerische Gesten alles stets in Blick und Griff hatte. Bis zur 60.Minute hatten die Thüringer das Spiel recht sicher im Griff. Erst als Beinlich wieder etwas mehr Engagement zeigte und es zum Wiedersehen mit Sebastian Hähnge kam, gewannen die Norddeutschen auch wieder mehr Spielanteile. Es kam Minute 68 und mit ihr ein Freistoss für den FCC. Die Mauer steht (inklusive 3 Jenaern) maximal 7 m vom Ball entfernt. Hasse lief an, ein Jenaer spielt den Ball, der nächste stoppt ihn, Hasse trifft ihn, er segelt ….. vorbei an der Mauer ……. vorbei an Schober ………in's TOOOR! Ein Torschrei, der von kollektiver Besinnungslosigkeit zu künden scheint!!! Und schon eine Minute später droht der nächste Ohnmachtsanfall: einen Rostocker 16-Meter-Knaller hielt Person in einer Art und Weise, die man ruhig "Weltklasse" nennen darf! Durchatmen! Weitersingen! Doch jetzt macht Hansa Druck, wobei der FCC aber nichts schuldig bleibt. Und dann? Nach einer Hansa Ecke gelang es erstmals nicht, den Ball schnell und konsequent aus der Gefahrenzone zu bringen, irgendwie kam er zu Rydlewicz, der trocken und unhaltbar abzog - 1:1! Hansa witterte Morgenluft, setzt nach und hatte mit Schied eine weitere Chance. Doch heute kriegte der FCC nicht das große Flattern. Jeder Einzelne gab alles und ging weite Wege. Jena stellte sich nicht einfach hinten rein, sondern hielt dagegen und konterte und wäre in der 81.Minute nach einem Fröhlich-Freistoß und einem Schmidt- (oder Hasse?)-Kopfball fast erneut in Führung gegangen. Als Kerns Schuss in der Schlussminute am Pfosten vorbei zischte, ist uns der eine Punkt nicht mehr zu nehmen. Allerbeste Stimmung im Gästeblock!
Betretene Gesichter bei den Blauen. Mit einer solch starken Leistung der Thüringer hatte im rauen Norden wohl keiner gerechnet! Egal ob Einheimischer oder FCC-Fan. So paradox es aber klingen mag, aus diesem (unerwarteten) Punkt hätten heute auch Drei werden können, denn die Kogge hatte reichlich Schlagseite.
Jeder der heute das gelbe Trikot des FCC trug, hatte sich Dank seiner Leistung die Schlussovationen redlich verdient. Ebenso Benno für seinen Mut zu Veränderungen. Hut ab auch für Sebastian Hähnge, der applaudierend Richtung FCC-Block kam und nun ausschließlich Beifall erntete. <jens klebe>

FC Carl Zeiss JENA - TuS Koblenz 2:0

Tore: 1:0 Zimmermann (69.), 2:0 Sykora (79.)
Jena: Person; A. Maul, Hasse, Kowalik; Schlitte (89. Pagano), R. Maul (80. Thielemann), Günther, Fröhlich, Werner; Zimmermann, Helbig (60. Sykora)
Koblenz: Gurski; Evers, Tieku, Grenier, Wiblishauser (74. Olumide); Forkel, Ziehl, Dzaka, Sukalo, Nessos; Keita

Zuschauer: 6521

Schiedsrichter: Fischer (Hemer)

Spielbericht:

Nach der kleinen Negativserie der letzten Spiele war das Heimspiel gegen den Mitaufsteiger Koblenz ein 6-Punkte-Spiel – nicht nur für die Tabelle an sich, sondern vor allem auch für das Nervenkostüm unserer Spieler. Und fast die komplette erste Halbzeit war das angeknackste Selbstbewußtsein beim FCC für die rund 6500 Zuschauer unübersehbar: So trafen z. B. Kowalik, Hasse und A. Maul innerhalb kurzer Zeit bei langen Abspielversuchen jeweils zielsicher die vor ihnen stehenden Gegenspieler. So war es kein Wunder, daß die Gäste keine Mühe hatten, ihrem Keeper 35 ruhige Anfangsminuten zu verschaffen. Meistens ging es zwischen beiden Strafräumen hin und her. Ausnahmen wurden zunächst ausschließlich durch Koblenz verursacht. So in der 15. min, als Hasse den 18-m-Schuß Dzakas noch abfälschte und dieser den Außenpfosten streifte. Kurz danach ließ sich Person von einem Schuß aus dem Strafraumgedränge heraus nicht überraschen. Neuzugang Ronald Maul war neben Person eigentlich der einzige beim FCC, der nicht nervös wirkte und der in seiner Rolle als „Staubsauger“ vor der Abwehrkette wesentlich dazu beitrug, daß Gegentreffer ausblieben. TuS Koblenz kratzte noch einmal an der Torlosigkeit, als der pfeilschnelle Keita nach einem Steilpaß aufs Jenaer Tor zuraste (Hasse konnte lediglich Begleitschutz geben), aber Person seinen Brustkorb auf Schrankwandbreite aufpumpte und den Ball abwehrte.
Anschließend folgten zwei Szenen, die für mich das bisherige Spiel kippten: Zunächst wieder ein langer Ball auf Keita, Hasse sprintet parallel, aber entschärfte diesmal mit blitzsauberem Tackling die Situation. Unmittelbar danach fabrizierte Günther im Mittelfeld einen Fehlpaß, rauschte aber sofort mit Vollgas auf Ball und Gegenspieler drauf und korrigierte sein Mißgeschick (Ende von Situation 2). Plötzlich hatte man den Eindruck, andere Leute wären in die weißen Trikots geschlüpft. Helbig und Werner setzten sich im Folgenden an der linken Außenlinie genauso energisch durch und plötzlich kam Helbig von halblinks in den Strafraum, traf aber im Fallen den Ball nicht mehr richtig. Obwohl der Schußversuch deutlich am Tor vorbeiging, war der Koblenzer Keeper so nett, daraus eine Ecke zu machen. Diese verursachte in der Gästeabwehr ein mittleres Durcheinander, jedoch wurde Günthers plazierter Schuß von der Strafraumgrenze kurz vor der Linie gestoppt und Maul zielte dann etwas zu hoch. Und beim nächsten Angriff sah man ein schönes Zusammenspiel zwischen Helbig, Günther und Werner, aus dem wenigstens eine Ecke resultierte.

Grundtenor im Publikum (Klasse: Keine Pfiffe, immer wieder Anfeuerung der Mannschaft!!!) zur Halbzeit: Das muß besser werden, wenn wir nicht die nächste Niederlage erleben wollen. Lediglich die letzten 7 Minuten vor der Pause waren halbwegs zufriedenstellend. Die Jenaer Mannschaft stand ziemlich schnell wieder auf dem Platz, Heiko Webers Pausenansprache schien kurz, aber sehr erfolgreich gewesen zu sein. Kein Vergleich mehr mit der ersten Halbzeit! Im einsetzenden Regen ging der FCC engagiert ins Spiel, kämpfte nun um jeden Ball und drückte die Koblenzer in ihren Strafraum hinein. Und gucke da, die Gäste zeigten auch Nerven, schlugen die Bälle jetzt planloser und hatten ihrerseits alle Hände und Füße voll zu tun, einen Gegentreffer zu vermeiden. In der 50. min trennten uns nur wenige Zentimeter vom 1:0, als nach Fröhlichs Eckball Kowalik und Helbig etwas zu klein waren und auch Hasse am langen Pfosten verpaßte. Zwei Minuten später schlägt Werner einen Diagonalpaß von links nach rechts auf Schlitte, der legte auf Fröhlich ab und dessen Schuß lag nur wenige Zentimeter überm linken Dreiangel. Der Jenaer Tatendrang wurde lediglich zweimal von Koblenz gestört, aber Person ließ sich weder von Forkel (51.) noch von Keita (56.) überwinden und beide Schüsse endeten an seinem gelben Torwartpullover. In der 58. min tönte ein tausendfacher Torjubel durchs Stadion, als Werner steil auf Zimmermann spielte, der Ball kam zu Helbig, Drehung, Schuß, Tor… Denkste! Der Schiedsrichter – der nach der Pause einige schwache Momente hatte – wollte vorher ein Foul Helbigs gesehen haben. Aber wenn dies ein Foul war, gibt es demnächst eine dreistellige Anzahl „Fouls“ pro Spiel.
Zum Glück ließ sich der FCC davon nicht beeindrucken und spielte jetzt so, wie wir es wochenlang nicht gesehen hatten: selbstbewußt, druckvoll, über außen. Und in der 69. min war es Werner, der wieder einen langen Ball auf die rechte Außenseite spielte. Diesmal war Günther der Empfänger, der an seinem Gegenspieler vorbeiging und Zimmermann den Ball so punktgenau servierte, daß dieser per Aufsetzerkopfball die Führung erzielte! Man muß ein ganzes Stück in die Vorsaison zurückgehen, um einen vergleichbar leidenschaftlichen und lauten Torschrei zu finden, wie er in diesem Moment die Kernberge erschütterte und in dem der ganze Frust der letzten beiden Monate steckte! Und der FCC spielte wie befreit auf und machte weiter Dampf. Kurz nach der Führung konnte „Zimme“ im letzten Moment von einem Verteidiger am zweiten Treffer gehindert werden, Schlitte köpfte eine Fröhlich-Freistoß-Flanke knapp übers Tor (73.) und erneut Mark Zimmermann verfehlte in der 77.min nur knapp das Tor mit einem Seitfallrückzieher (oder wie man das auch nennen mag). In der 79. min gab es wieder eine Ecke für den FCC. Ich beobachtete bereits vor der Ausführung Sykora, sah ihn vor- und zurücklaufen, sich eine gute Ausgangsposition suchen – und er fand sie! Als der Ball kam, schwebte Sykora eine halbe Etage über dem Rest der Fußballwelt ein und beförderte den Ball per Kopf ins kurze Eck und alle Jenaer Zuschauer in den siebten Fußballhimmel!

So, wie sich der FCC ab der 35. min zeigte, wollen wir ihn auch in den nächsten Spielen erleben. Dann könnte der November erfolgreicher werden, als September und Oktober zusammen. <uk>
Bilder auf weissenburger.de
Bericht auf tuskoblenz.de

Karlsruher SC - FC Carl Zeiss JENA 4:1

Tore: 1:0 Freis (10.), 2:0 Freis (15.), 3:0 Kapllani (45.), 4:0 Carnell (51.), 4:1 Fröhlich (53., FE)
Karlsruhe: Miller; Dick, Franz, Eggimann, Eichner (56. Mutzel); Frederico (81. Männer), Aduobe, Porcello, Carnell; Kapllani, Freis (77. Orahovac)
Jena: Person; Maul, Hasse, Kühne, Kowalik; Schlitte, Günther, Fröhlich, Schmidt (57. Werner); Sykora, Helbig (46. de Napoli)

Zuschauer: 17.400

Schiedsrichter: Kuhl (Bornheim)

Spielbericht:

Das Beste an diesem Wochenende war unser Ausflug ins französische Strasbourg. Die Gelegenheit war geographisch gesehen günstig und beim Bummel durch diese schöne Stadt konnte man so Stück für Stück den Fußballfrust des Vorabends bewältigen.
Der Fußballabend in Karlsruhe war leider schon eine Viertelstunde nach dem Anpfiff vorbei und die pessimistischen Prognosen der meisten der mitgereisten Jena-Fans bestätigt. Dabei hatte der FCC sein Abwehrsystem auf Viererkette umgestellt, die bei gegnerischen Angriffen sogar noch durch Schlitte und Schmidt außen verstärkt wurde. Aber wenn einem das Wasser schon bis zum Hals steht, ist Murphys Prinzip nicht weit. In den ersten 10 Minuten ließ der FCC hinten nichts anbrennen und der KSC stand vor einer blauen Mauer. Aber die Nervosität guckte unseren Spielern aus allen nichtvorhandenen Knopflöchern: Fehler in der Ballannahme, Fehlabspiele - das hatten wir doch von den gleichen Spielern in den vergangenen beiden Jahren so noch nie gesehen! Der an diesem Abend mit etlichen Sehfehlern behaftete Schiedsrichter Kuhl wollte in der 10. Spielminute auf unserer rechten Abwehrseite ein Foul von Schlitte gesehen haben und schenkte den Gastgebern einen Freistoß. Die folgende Flanke prallte von unserer Abwehr ab, fiel aber genau Freis vor die Füße, der von der Strafraumgrenze mit dem ersten Sonntagsschuß dieses Freitags genau den oberen Dreiangel traf. So ein Sch… - damit war das fast alles übern Haufen geworfen, was sich unsere Mannschaft vorgenommen hatte. Fünf Minuten später keimte leise Hoffnung, als wir einen Freistoß in der gegnerischen Hälfte bekamen. Auch diese Flanke hatte keine Chance gegen die Abwehr, allerdings fiel der Ball keinem Jenaer vor die Füße, sondern binnen weniger Sekunden lag die Spielkugel wiederum im Jenaer Tor. Per Blitzkonter war die aufgerückte Jenaer Verteidigung schachmatt gesetzt worden. Damit war - wie oben erwähnt - der Abend eigentlich gelaufen. Der KSC ging die Sache etwas ruhiger an und der FCC kam optisch besser ins Spiel und tastete sich allmählich an den Karlsruher Strafraum heran. In der 27. min tanzte Sykora zwei Verteidiger aus, sein flache Eingabe fand jedoch vorm Tor keinen Abnehmer. Der nächste Versuch kam über die linke Seite: Fröhlich spielte von außen flach auf Helbig, der jedoch völlig freistehend 7 - 8 Meter vorm Tor mehr die Grashalme als den Ball traf. Helbig zeigte in der 36. min gleich noch einmal, daß es nicht sein Tag war: Sykora drehte sich wiederum um zwei KSCler und spielte Helbig an, dessen Kullerball von der Strafraumgrenze es mit Ach und Krach bis in Millers Arme schaffte. Der an diesem Abend positiv auffällige Sykora - wenn er doch nur bei eigenem Ballverlust nachsetzen und nicht stehenbleiben würde!!! - wurde eine Weile später "Gelbopfer" der Referees, als er klar den Ball spielte und dafür eine Verwarnung kassierte (40.). Unmittelbar vor der Pause nahm der KSC auf dem Weg in die Kabine noch einen Umweg durch die Jenaer Hälfte und ein punktgenauer Paß auf Kapllani zerlegte unsere Viererkette und Person kassierte mit dem dritten Schuß den dritten Gegentreffer.
Für die zweite Hälfte konnte man nur noch das Schlimmste befürchten und die 51. min schien allen Hell- Schwarzsehern recht zu geben, als ein KSC-Freistoß als zweiter Sonntagsschuß des Freitags unhaltbar im Dreiangel einschlug. Als nächstes durfte sich der Schiedsrichter wieder in den Mittelpunkt spielen, als er einen Elfmeter für den FCC gab. Ich hatte die Szene eher als Stürmerfoul gesehen, aber man kann ja auch mal Geschenke annehmen, auch wenn Fröhlichs 4:1 eher kosmetischen Charakter trug. Vielleicht wäre sogar noch einmal richtig Spannung aufgekommen, hätte Sykoras blitzsauberes Kopfballtor nach Fröhlichs Freistoß von rechts Anerkennung gefunden (55.) - aber hier nun wollte Referee Kuhl ein Foul gesehen haben. Versöhnliche Zuschauer konnten hier eine ausgleichende Blindheit erkennen… Die restliche Spielzeit passierte nicht mehr viel, was Erwähnung verdient. Der KSC beschränkte sich auf die Verwaltung des Spielstandes (Person hielt noch zweimal großartig, hatte ansonsten wenig zu tun) und hatte das Geschehen jederzeit im Griff, der FCC bemühte sich redlich und man sah einige Momente, die etwas Hoffnung für die nächsten Spiele geben könnten. Aber beim Abpfiff hatten auf beiden Seiten des Zauns alle Jenaer auf Grund des insgesamt verkorksten Auftritts die Nase voll und man tröstete sich gegenseitig beim Abklatschen.
Man sollte dem Spiel im Wildparkstadion nicht allzulange nachtrauern, der KSC ist im Moment einfach kein Maßstab für uns, sondern eine Nummer zu groß. Am nächsten Freitag kommt Mitaufsteiger Koblenz und hier geht es richtig um die Punktewurst, wenn der FCC nicht bis Weihnachten im tiefen Keller der Liga versinken will.<uk>
Bilder vom Spiel

FC Carl Zeiss JENA - SpVgg. Unterhaching 0:2

Tore: 0:1 Lechleiter (41.), 0:2 Lechleiter (57.)
Jena: Person - Hasse, Maul, Kowalik - Thielemann (66. Zimmermann), Günther, Werner (66. Schmidt), Schlitte, Fröhlich - De Napoli (58. Sykora), Helbig
Unterhaching: Heerwaren - Sträßer, Omodiagbe, Frühbeis, Oswald - Lechleiter (90. Thomik), Page, Buck, N'Diaye (46. Ghigani) - Spizak, Custos

Zuschauer: 8270

Schiedsrichter: Stachowiak (Duisburg)

Spielbericht:

Zwei Wochen hatten die Terminplaner Jenas Zuschauern und Kickern Zeit gegeben, sich vom atemberaubenden Fanauftritt in Münchens Allianz-Arena zu erholen und sich auf gewöhnliche Ligakost einzustellen, die da "nur" Unterhaching hieß und doch einen Gegner verkörperte, gegen den sich der FC Carl Zeiss in der Vergangenheit stets mehr als schwer tat. So hatte Heiko Weber unter der Woche den Pressevertretern noch sehr emotional nahegelegt, sich endlich davon zu verabschieden, Teams nach ihrem Namen zu beurteilen und Vereine, die seit Jahren in dieser 2. Liga ihre Qualität unter Beweis stellen, abzuqualifizieren. Seine Spieler schienen diese Warnungen überhört zu haben und hätte Christian Person nicht so glänzend gegen den von Lechleiter freigespielten N'Diaye reagiert, es hätte nach der Schlafeinlage in Jenas Hintermannschaft schon nach zwei Minuten den obligatorischen FCC-Rückstand gegeben. Jena, erstmals mit De Napoli für Sykora im Sturm, brauchte eine Weile, um das Spiel in den Griff zu bekommen, was aber vor allem dank eines an diesem Tage sehr guten Christian Fröhlich mehr und mehr gelang und auch zu Möglichkeiten führte. Die erste davon hatte der Ex-Dresdner selbst, als sein Schuß zur Ecke geklärt wurde (9.), eine Minute später kam Helbigs Versuch aus aussichtsreicher Position nicht durch und nach 12 Minuten sorgte eine von Fröhlichs stets kreuzgefährlichen Eckbällen zwar für reichlich Verwirrung, aber nicht für das erhoffte Führungstor. Doch Jena näherte sich dem Ziel, Keeper Christian Person war bis auf eine Rettungstat vor dem heranstürmenden Lechleiter beschäftigungslos und der Gastgeber baute im Rahmen der vorhandenen spielerischen Möglichkeiten immer mehr Druck auf das von einer geschickt verteidigenden Hachinger Mannschaft behütete Gästetor auf. Helbigs Schuß nach De Napoli - Ablage ging noch weit drüber (18.), doch nach einer Dreifachchance in der 20. Minute, als Kowalik immer wieder den Ball hineinbringt und jeder sich mal im Torschuß versuchen darf, hatten die über 8.000 Zuschauer den Torschrei schon auf den Lippen. Die ersten Haare wurde man 12 Minuten später los, als Helbigs abgefälschter Schuß nach toller Fröhlich-Vorarbeit von Gästekeeper Heerwagen riesig pariert und auch De Napolis im liegen abgegebener Nachschuß von Frühbeis auf der Linie geklärt wurde. Die Führung lag nun in der Luft, 35. Spielminute, schöner Distanzschuß Fröhlichs, gehalten, 37. Spielminute, toller Flankenlauf des starken Schlitte, Sträßer klärt per Kopf vor Helbig, jetzt musste es doch langsam fallen. Und es fiel, vorbereitet vom FCC, doch jubeln durften wieder einmal die anderen. Persons Abschlag überrascht den träumenden Kowalik, statt gezieltem Spielaufbau also Einwurf für die Gäste, keine Zuordnung, drei Mann kümmern sich um N'Diaye, der den Ball zu Lechleiter weiterleitet, welcher mit einem satten Schuß von der Strafraumgrenze Person keine Chance lässt. Während der FCC nach Eckbällen seit Oberligazeiten kein Gegentor mehr gefangen hat, klingelte es allein in dieser Saison schon zum wiederholten Male nach Einwürfen des Gegners. Trainingsbedarf? Vielleicht, in jedem Fall brachte man sich erneut um den Lohn einer zwar nicht berauschenden, aber dennoch soliden, kämpferisch starken und weitestgehend überlegenen Leistung in Halbzeit eins. Und man legte nach dem Seitenwechsel noch einen drauf, Schlittes Aufsetzerkopfball (51.) nach einer der unzähligen Fröhlich-Ecken (Endstand 13:2) parierte Heerwagen ebenso riesig wie Fröhlichs Gewaltschuß, den der erstligaerprobte Keeper in großer Manier über die Latte lenkte. Bei Helbigs Kopfball übers Tor nach Schlitte-Flanke (55.) wäre vielleicht auch er machtlos gewesen, doch war all das drei Minuten später vergessen, als sein Kollege Lechleiter die nächste Schlafwageneinlage in Jenas Hintermannschaft per Traumtor zum 0:2 eiskalt ausnutzte. Dabei erinnerte vieles an den Führungstreffer. Diesmal war es Custos, der in gleich drei Jenensern aufmerksame Bewunderer seiner Ballfertigkeiten fand, so dass der völlig freistehende Lechleiter mal eben übersehen wurde und das Leder furztrocken in den Winkel knallte. In der Gästevorstellung des Programmheftes fand der noch Erwähnung als blitzschnell, "nur trifft er das Tor nicht". Nun, seit heute dürfte der Redakteur anderer Meinung sein. Heiko Weber reagierte sofort, brachte Fiete Sykora für den brav kämpfenden, aber wenig durchschlagkräftigen De Napoli und sorgte damit ebenso für Belebung, wie mit der Einwechslung Zimmermanns, der nach 66 Minuten im Doppelpack mit dem leider glücklosen Ralf Schmidt ins Spielgeschehen eingreifen durfte. So sorgte "Zimme" - abgesehen von Fröhlichs abgefälschtem Freistoß - auch für die beiden größten Möglichkeiten in der von blindem Anrennen gegen eine glänzend gestaffelte Gästeverteidigung geprägten Schlussphase, wobei sein vom Mann des Tages im Kasten der Hachinger parierter Diagonalschuß in der 80. Minute, den der Ex-Jenaer Carsten Sträßer vor dem einköpfbereiten Helbig anschließend auch noch auf der Linie klärte, wohl jedem im hochnebelverhangenen Paradies klar machte: Dieses ist einer jener Tage, von denen nichts mehr zu erwarten ist, und so konnte man sich bei Christian Person und dem Pfosten bedanken, dass die Spielvereinigung nicht noch ihre beiden hochkarätigen Konterchancen in der Schlussphase zur Resultatserhöhung nutzte. "Zwei Jahre lang haben wir hier gesessen und uns immer gefreut, nun haben wir eine Krise und die müssen wir überwinden" meinte Heiko Weber nichts beschönigend auf der Pressekonferenz. Der FCC ist im Abstiegskampf angekommen, wünschen wir allen dabei einen kühlen Kopf, vor allem auch einmal wieder vor dem gegnerischen - und dem eigenen Tor. <gunner>

TSV 1860 München - FC Carl Zeiss JENA 2:0

Tore: 1:0 Baier (54.), 2:0 Ziegenbein (86.)
München: Hofmann - Berhalter, Ghvinianidze, Hoffmann, Schäfer, Burkhard (73.Ziegenbein), Schwarz, Baier, Milchraum (83.Johnson), Vucicevic, Di Salvo (73.Agostino)
Jena: Person - Hasse, Maul, Kowalik, Thielemann (80.Schmidt), Günther, Schlitte (66.Pagano), Fröhlich (55.De Napoli), Werner, Helbig, Sykora

Zuschauer: 44.600

Schiedsrichter: Schößling (Leipzig)

Spielbericht:

"Der FC Carl Zeiss Jena bestreitet sein kommendes Punktspiel am Sonntag in der WM-Arena in München!"
Was wäre das vor rund 20 Monaten für eine Hammerschlagzeile in der Presse gewesen! Damals gingen die Auswärtsfahrten noch nach Meuselwitz, Auerbach, Neugersdorf oder Pößneck. Und jetzt, nach nicht einmal zwei Jahren, ist diese Schlagzeile Realität geworden. Spätestens am heutigen Tage musste dem letzten Verantwortlichen, Spieler oder auch Jenaer Fan bewusst geworden sein - der FCC ist im Profifußball wieder angekommen. Dass so eine Schlagzeile natürlich für Euphorie bei den Jenaer Fans sorgte, die jahrelang die Niederungen des Ostdeutschen Fußballs bereisen mussten, war klar. Aber dass sich zum Auswärtsspiel in die Allianz-Arena mehr als 10000! Fans aufmachten, um die neue WM-Arena in Augenschein zu nehmen, das konnte auch vor Wochen der kühnste Optimist noch nicht vorhersehen. Zu groß war die offenbar die Sehnsucht der Jenaer Fans, endlich mal wieder ein Stadion bereisen zu können, was in Europa eine der Topadressen darstellt, auch wenn es an diesem Tage im Stadion "nur" gegen die "Kleinen" aus München, den TSV 1860 ging. Schon auf der Fahrt in die bayrische Metropole merkte man, dass heute ein besonderer Tag für die Thüringer war, denn die Autobahn A9 war fest in Jenaer Hand. So einen Ansturm auf ein Auswärtsspiel hatte es immerhin zuletzt vor gut 18 Jahren gegeben, als der FCC, damals in Berlin, im FDGB-Pokalendspiel gegen den BFC Dynamo stand.

Vor einer Saisonrekordkulisse von 44600 Zuschauern, wobei geschätzt ein Drittel der Fans aus Jena kamen, pfiff Schiedsrichter Schößling pünktlich um 14 Uhr die Partie an. Man merkte von der ersten Sekunde an, dass die Gastgeber heute nicht gewillt waren, sich die Punkte aus ihrer Arena entführen zu lassen. Die Jenaer dagegen schien das traumhafte Stadion und die tolle Atmosphäre ein wenig zu lähmen. In den Zweikämpfen waren sie oft zweiter Sieger oder kamen gar einen Schritt zu spät. In der ersten Halbzeit standen die Schützlinge von Trainer Heiko Weber noch sicher in der Abwehr und ließen kaum Nennenswertes zu. So dauert es fast zwanzig Minuten, bis Vucicevic für die erste Tormöglichkeit in der Partie sorgte, doch sein straffer Schuss aus gut 18m ging am Jenaer Tor vorbei. Fast im Gegenzug das 0:1 für die Jenaer, doch Helbigs Kopfball in der 18. Minute verfehlte das Tor ebenso. Die Jenaer Fans sangen trotz des niveauarmen Spiels munter weiter und peitschten ihre Mannschaft mit stetigen Sprechchören permanent an.

Nach der Pause kamen die Löwen wie die selbigen aus der Kabine und von Jena war nun erst einmal gar nichts mehr zu sehen. Zunächst war es erneut Vucicevic (51.), der mit einem Schuss von der Strafraumgrenze noch knapp scheiterte. Aber es bahnte sich schon förmlich an, was nun kommen sollte. Baier schnappte sich im Mittelfeld (54.) das Leder, marschierte munter auf Person zu und überwand ihn mit einem Lupfer zur verdienten Führung der Münchner. Jena nun mit einigen Trotzreaktionen, aber bis auf einen schönen Volleyschuss von Kowalik, der nach einem Eckball das Leder im Strafraum direkt nahm und fast den Ausgleich erzielt hätte, sprang nicht viel mehr Zählbares heraus. Ganz im Gegenteil, denn Maul musste schon wenige Minuten später das 0:2 verhindern, indem er einen Schuss gerade noch auf der Linie rettete, nachdem Person schon geschlagen war. Die Führung für München war bis dahin mehr als verdient, da sie einfach die aktivere Mannschaft waren. Bei Jena ging nach vorne gar nichts, die Spitzen Sykora und Helbig hingen in der Luft und bekamen keine Bälle aus dem Mittelfeld, so dass Keeper Hofmann fast das gesamte Spiel beschäftigungslos blieb. Schlitte und erneut Fröhlich erwischten einen schwarzen Tag, denn das Spiel fand quasi ohne sie statt. Trainer Weber reagierte auch und nahm beide vom Feld, doch auch die eingewechselten Akteure konnten dem Spiel keine Wende geben. Auch wenn es der eine oder andere nicht hören mag, in so einem Spiel wie heute fehlte Kapitän Torsten Ziegner an allen Ecken und Enden, denn keiner im Team vermochte es nur ansatzweise, in seine Rolle zu schlüpfen, um mit einer genialen Einzelaktion mal für ernsthafte Gefahr zu sorgen oder die Mannschaft mal so richtig zu puschen. Der FCC gab zwar nie auf, doch bis auf eine gute Aktion von de Napoli (78.), als er eine Eingabe von Sykora kurz vor dem Tor direkt nahm und nur knapp das Tor verfehlte, blieben gefährliche Torsituationen Mangelware. Und so kam es, wie es kommen musste: Einen Freistoss von Johnson in den Strafraum erreichte Ziegenbein, der hielt den Kopf hin und der Ball zappelte zum zweiten Mal im Netz der Jenaer (86.). Kurze Zeit später wurde die ansonsten faire Partie abgepfiffen und Jenas erste Saisonniederlage war besiegelt.

Die Fans nutzten das besondere Erlebnis dieser WM-Arena und sangen und feierten nach Abpfiff weiter, als hätte der FCC an diesem Tage einen Sieg errungen. Was bleibt, ist die Erkenntnis, dass der FCC wohl in jedem Spiel an seine Grenze gehen muss, will er die nächste Saison noch weiter im bezahlten Fußball mitmischen. Die guten Ansätze sind vorhanden, wie man deutlich in den Spielen gegen Köln und Essen gesehen hat, aber nun müssen im nächsten Heimspiel mit einer konzentrierten Leistung wieder drei Punkte her, will man nicht erst richtig in den Tabellenkeller rutschen. <vg>
Bilder des Tages
Bericht auf tsv1860.de

FC Carl Zeiss JENA - SC Paderborn 1:1

Tore: 0:1 Koen (54.), 1:1 Sykora (72.)
Jena: Person; Maul, Schmidt, Kowalik; Schlitte (61. Pagano), Thielemann, Günther, Fröhlich (68. de Napoli), Werner; Helbig, Sykora
Paderborn: Starke; Fall, Djurisic, Brouwers, de Graef; Gouiffe a Goufan, Colinet, Schüßler (46. Röttger), Dogan (46. Bröker, 85. Brinkmann), Koen; Müller

Zuschauer: 6257

Schiedsrichter: Schempershauwe (Hildesheim)

Spielbericht:

Dass ein Trainer direkt vor Punktspielstart kündigt, hat im Profifußball Seltenheitswert. Jos Luhukay brachte den SC Paderborn in die Schlagzeilen, als er im August das Handtuch warf und sich auch nicht zur Rückkehr überreden ließ. Hätten die Paderborner in Roland Seitz nicht bereits einen Nachfolger gefunden, man hätte meinen können, Slavko Petrovic wäre bei ihnen im Gespräch. Denn Jenas Ex-Coach tauchte am Sonntag unvermittelt im Ernst-Abbe-Sportfeld auf, ließ sich die Thüringer Bratwurst schmecken und beobachtete seinen ehemaligen Verein im Duell mit dem Tabellennachbarn.

Das Spiel begann so, wie es alle prophezeit hatten. Die Gäste versuchten erst gar nicht, offensiv zu spielen. Sieben Punkte hatten sie bei nur drei eigenen Treffern bislang ergattert, wer sie in der ersten Halbzeit gesehen hat, weiß wie so etwas möglich ist. Geschickt stellten sie schon im Mittelfeld den Raum zu und so kam es, dass in den ersten 25 Minuten keiner der beiden Torhüter einen Ball zu halten hatte. Erst bei Werners Stolperer, durch den er den Ball gegen die Brust bekam und ihm nicht mehr den nötigen Speed verleihen konnte, griff Tom Starke auf Paderborner Seite ein. Es folgten Günthers Freistoß aus 30 Metern sowie das Sprintduell zwischen Helbig und Starke um einen von Fröhlich gespielten Ball, den der Torhüter um zwei Schritte für sich entschied.
Dass unsere vielgescholtene Abwehr durchaus individuelle Klasse besitzt, zeigten die folgenden zwei Szenen. Erst stoppte Ralf Schmidt mit blitzsauberem Einsteigen das 50-Meter-Solo von David Fall. Danach nahm Alexander Maul dem gut postierten Schüßler das Leder ab. Nur nach vorn tat sich der FCC weiterhin schwer gegen die Torverhinderer aus Ostwestfalen. Auch weil Schlitte auf der rechten Seite deutlich weniger stattfand als in den vergangenen Wochen, in de Graef einen schnellen Widersacher hatte. Immerhin, kurz vor der Pause kamen sie noch einmal, unsere Jungs. Mit Werners 18m-Schuss, Mauls Hereingabe (die keinen Abnehmer fand) und einer Serie von Eckbällen, die nichts einbrachte.

Auch zu Beginn der zweiten Halbzeit deutete nichts darauf hin, dass hier Paderborn den ersten Treffer schießen würde. Doch genau dies trat ein: Ein etwas unkontrollierter Abschlag von Person springt Günther zu weit vom Fuß. Müller, Dogan, Müller, Koen hießen die Stationen eines ansich schön herausgespielten Tores. Wäre da nicht eine Hand zuviel im Spiel gewesen ! Klar ersichtlich hatte Rene Müller dem Ball mit der Hand die Richtung verliehen. Auf die Szene angesprochen, gab der Ex-Erfurter nach dem Spiel zu, er hätte sich nicht beschweren können, falls die Szene abgepfiffen worden wäre. Wenn nicht der Schiri, dann sein Assistent an der Linie – zumindest einer hätte das Handspiel sehen müssen !
Stefan Schempershauwe, welcher bis dahin sicher geleitet hatte und kleinere Sachen durchgehen ließ, brachte mit diesem Lapsus ein ganzes Stadion gegen sich auf. Die vergiftete Atmosphäre übertrug sich auf die Spieler und drohte in tumultartigen Szenen zu eskalieren. Brouwers, Schlitte und Maul an seinem 30. Geburtstag wandelten in den folgenden Minuten am Rande einer Roten Karte. Doch nicht nur dem Referee glitt das Spiel ein bisschen aus den Händen, auch den Jenaer Spielern. Paderborn begann Fußball zu spielen, war dem 2:0 eine Zeitlang ziemlich nahe – und kassierte prompt den Ausgleich. 72. Minute, der eingewechselte de Napoli zielt nach Zuspiel Werners aufs lange Eck. Starke bekommt reflexartig eine Hand an den Ball. Die Angriffsaktion scheint beendet, doch stellt Sykora den ballführenden Gästeakteur mal eben so zur Seite, zielt genau und trifft zum Ausgleich ! Vergessen die vielen unglücklichen Szenen des Fiete Sykora in der ersten Stunde, mit diesem Treffer wurde er zum Matchwinner. Dass Röttger drei Minuten später den Pfosten traf, ließ uns noch einmal den Schreck in die Glieder fahren und die Punkteteilung am Ende doch irgendwo gerechtfertigt erscheinen. Obwohl de Napoli (76., 84.) und Helbig (89., 90.) noch Chancen im Doppelpack besaßen.

Es ist schön zu sehen, wie die Mannschaft an sich glaubt und nun schon zum vierten Mal einen Rückstand in etwas Zählbares verwandelt hat. Fraglich allerdings, wie lange das ein Team durchhalten kann. Damit ist weniger die körperliche Belastung gemeint, welche sich bei einem Punktspiel pro Woche gut dosieren lässt. Vielmehr verlangt solch ein Kraftakt von der Psyche her jedes Mal viel an Investitionen. Schon deshalb müssen die Jenaer unermüdlich weiter daran arbeiten, sich nicht Woche für Woche selbst die Eier ins Nest zu legen. <fc>
Spielbericht auf scpaderborn07.de

Rot-Weiß Essen - FC Carl Zeiss JENA 4:4

Tore: 0:1 Schlitte (5.), 1:1 Younga-Mouhani (16.), 2:1 Paulo Sergio (18.), 3:1 Lorenzen (52. FE), 3:2 Fröhlich (54.), 4:2 Younga-Mouhani (55.), 4:3 Helbig (58.), 4:4 Helbig (72.)
Essen: Zaza; Bemben, Kläsener, Hysky, S. Lorenz (69. Nikol); Lorenzen, Wehlage, Younga-Mouhani (78. M. Lorenz), Haeldermans; Löbe, Paulo Sergio (75. Calik)
Jena: Person; Maul, Schmidt, Kowalik; Schlitte (69. Pagano), Thielemann, Günther, Fröhlich (69. de Napoli), Werner; Helbig (80. Kühne), Sykora

Zuschauer: 13.034

Schiedsrichter: Schalk (Augsburg)

Spielbericht:

Eigentlich fährst du mit einer „Packung“ nach Hause, wenn du auswärts vier Gegentore kassierst. Und üblicherweise hast du gewonnen, wenn du auf des Gegners Platz vier Tore schießt. Doch da gibt es auch solche uneigentlichen und unüblichen Spiele, die eine 1000-km-Freitagstour in die Kategorie "Das erzähle ich noch meinen Enkeln" katapultieren.
Der Grundtenor unter den SC-Busfahrern war, daß jeder niederlagenfreie Spielausgang als Erfolg einzustufen sei. Das Unentschieden und sein Zustandekommen sorgten aber für eine Heimfahrtslaune wie nach einem Sieg.

Zunächst sah es sogar vielversprechend nach mehr als "nur" einem Unentschieden, als Schlitte nach 5 Spielminuten Fröhlichs Ecke mit einem wuchtigen Kopfstoß ins Tor beförderte. Leider nutzte der FCC diese Ausgangsposition nicht, um das Spiel an sich zu ziehen, sondern postierte sich – von Werners Schuß (knapp vorbei) in der 8. min abgesehen – am eigenen Strafraum und ließ die Gastgeber kommen. Nach einer Viertelstunde rutschte Person eine flache Eingabe von rechts aus den Händen und Younga-Mouhani staubte zum Ausgleich ab. Der Frust im Gästeblock war noch nicht verflogen, als eine Freistoßflanke auf den langen Pfosten segelte. Person stieg hoch und hatte auch den Ball in den Händen, als er in der Luft von einem Essener attackiert wurde, den Ball verlor und der zweite Abstauber zur rot-weißen Führung führte. Lieber Referee, wenn selbst aus dem Gästeblock dieser Angriff auf den Keeper im Torraum erkennbar war, warum pfeifst du dann nicht ab? Der Schock saß tief bei Fans und Spielern und erst ab der 30. min kehrte wieder leise Hoffnung bei den Blau-Gelb-Weißen ein, als unsere Mannschaft endlich wieder gezielt nach vorn spielte und auch zu Chancen kam. Leider war die Fernschußserie von Fröhlich, Schlitte & Co. erfolglos.

Die positiven Erwartungen nach Wiederanpfiff wurden schon nach fünf Minuten gedämpft, als der Elfmeterpfiff ertönte. Eine Flanke erwischte Sergio erst weit in der linken Strafraumhälfte, Maul lief hinzu, Sergio ging zu Boden… Aus meiner Sicht heraus hätte ich Stein und Bein geschworen, daß es ein unberechtigter Pfiff war, aber von der anderen Seite sah man, das Maul den Arm zwar ausfuhr, aber wer so schnell zu Boden geht (nach dem Köln-Punktspiel schon der zweite Schwächeanfall in unserem Strafraum), sollte die eigene Wohnung besser nicht mehr ohne Betreuer verlassen, geschweige denn Leistungssport betreiben. Person ahnte zwar die Ecke, hatte aber gegen den scharfen, plazierten Schuß keine Chance. Wir kamen gar nicht richtig dazu uns zu ärgern, denn im Gegenzug bewarb sich Fröhlich mit seinem Freistoß um die Essener Mauer herum für das "Tor des Monats" – 2:3. Hurra, wir leben noch, auf geht’s! Doch leider dauerte das innerliche Umschalten von Freude auf den Ernst des Lebens bei unseren Spielern genauso lange wie bei den Fans: Anstoß, langer Ball in die Strafraummitte, Person und ein Verteidiger sind sich nicht einig und Younga-Mouhani sorgte mit gaaanz langem Bein für einen erneuten Zwei-Tore-Vorsprung der Hausherren. Wer jetzt im Gästeblock dachte, daß er so was Verrücktes noch nicht erlebt habe und dies der endgültige K. o. war, wurde eines Besseren belehrt. Der FCC griff sofort wieder an, per Doppelpaß Schlitte – Fröhlich – Schlitte wurde die linke Essener Abwehrseite atomisiert und Helbig sorgte mit seinem Kopfballtreffer für den erneuten Anschlußtreffer und einen erneuten Gefühlswandel bei den Jenaer Fans: Rein in die Kartoffeln, raus aus den Kartoffeln, Jubel, Ärger, Jubel, Ärger…– Vergleichbares habe ich nur 2005 in Istanbul erlebt, aber da ging es nur in eine Richtung. Im Vergleich zu diesen Minuten im Georg-Melches-Stadion war die vielzitierte "Achterbahn der Gefühle" eine ebene Piste. Der blanke Wahnsinn! Daß sich unsere Abwehr aber immer noch nicht so richtig gefangen hatte, waren weitere Rückschläge nicht ausgeschlossen. Aber erst bügelten Persons Vorderleute sein erneutes Ballwegwerfen aus (65.), dann fehlte glücklicherweise Löbe eine Minute später das Zielwasser und er verfehlte aus Mittelstürmerposition das Tor. Einige Minuten später drosch Person einen Ball nach vorn auf Helbig. Der drehte sich um den ersten Gegenspieler, lief ein paar Schritte und brachte mit seinem Hammer aus 22 m ins linke unter Toreck die FCC-Fans zum Ausflippen und Fröhlichs Hoffungen aufs "Tor des Monats" ins Wanken. Allein diese Sekunden – das Tor selbst und der anschließende Jubel – waren die Fahrt wert! In den letzten zehn Minuten erwartete ich eigentlich einen Sturmlauf der Gastgeber, aber gucke da, der FCC kontrollierte das Spiel und drängte aufs Essener Tor. Und fast wäre der Abend perfekt geworden, als der Heimkeeper de Napolis Flanke in die Mitte abfaustete, Tobias Werner aber mit seinem Direktschuß genau auf Zaza zielte. Zwei Jenaer Ecken in der 89. min konnte Essen abwehren und plötzlich rappelten die sich nochmals auf und besuchten den Jenaer Strafraum. Person zeigte aber, daß alles vorher Ausrutscher waren und parierte Wehlages Schuß. Dann war Feierabend! Sollten Arena oder das DSF mal einen Werbespot für die 2. Liga benötigen, können sie beruhigt auf dieses 4:4 zurückgreifen.

Einziger Wermutstropfen des Abends waren die übertriebenen Festnahmen zweier Jenaer Fans durch die – um es mal vorsichtig zu formulieren – übermotivierte Polizei und deren längeres Festhalten bis 75 min nach dem Spiel wegen Nichts. <uk>
Die Torflut aus Gastgebersicht

FC Carl Zeiss JENA - 1. FC Köln 3:2

Tore: 1:0 Schlitte (2.), 1:1 Helmes (12. FE), 1:2 Helmes (22.), 2:2 Werner (23.), 3:2 Schlitte (68.)
Jena: Person; Maul, Hasse, Kowalik; Schlitte, Schmidt (62. Thielemann), Günther, Ziegner (86. Zimmermann), Fröhlich (73. Sykora), Werner; Helbig
Köln: Wessels; Cullmann, Mitreski, Alpay, Ehret; Lagerblohm, (79. Gambino), Broich, Matip, Baykal (70. Epstein); Helmes, Chihi (54. Scherz)

Zuschauer: 10.159

Schiedsrichter: Welz (Wiesbaden)

Spielbericht:

Jena gegen Köln. Unterschiedlicher konnten die Ansprüche im Vorfeld des Spiels gar nicht sein. Die einen aus der Beletage des deutschen Fußballs mal wieder zum Bierholen in den Keller geschickt, wollen unbedingt wieder hoch, zurück an den Stammtisch der Dicken. Die anderen, schier unendlich lange im Mordor des Fußballs vermißt, haben in dieser Zeit eine Vielzahl schlimmster Bolzwiesen inspiziert. Nur nicht wieder da runter. Über alles andere kann man ja reden...

Dementsprechend groß war die Diskrepanz zwischen Erhofftem und Erwartetem. Ein Punkt wäre schon toll, drei die pure Utopie und alles andere wohl mehr als normal. Nach nur 22 Minuten schien denn auch jeder zuvor gehegte Gedankengang es könnte anders laufen einer überhöhten Anmaßung entsprungen zu sein. Kurz zuvor hatte Jenas Abseitsfalle das Klassenziel knapp verfehlt und Helmes nach seinem langen Marsch den Ball in Persons Kasten untergebracht. Zwar hatte der den Ball im ersten Versuch noch abwehren können, dann aber brauchte Helmes nur noch ins leere Tor einschieben. Was zu beweisen war. Die Führung für Köln...
Dabei hatte alles so gut angefangen. Als die meisten noch versuchten, ein weiches Sitzkissen unter ihrem Allerwertesten zu plazieren, konnte Schlitte den in Strömen herbeigepilgerten Massen den ersten Freudenschrei des Abends entlocken. Sein Kopfball nach einem Ziegner-Freistoß segelte unhaltbar für Wessels ins lange Eck des Kölner Tores (2.). Ein erster Taumel. Wenn da doch nicht noch die 88 zu spielenden Minuten wären...
Köln antwortete mit der Ungerührtheit absoluter Dominanz. Das schnelle Kombinationsspiel stellte Jenas Defensivabteilung ein ums andere mal vor nahezu unlösbare Probleme und führte zu einer Vielzahl guter Möglichkeiten für die Gäste. Zunächst war es die Latte, die sich gegen Cullmanns Kopfball querstellte (8.), dann der verunglückte Schußversuch von Helmes nach Vorarbeit von Broich (11.), die eine sorgenvolle Nachdenklichkeit in mir hochspülten. Und das nicht zu Unrecht. Als in der 12. Minute ein Kölner im Jenaer Strafraum recht spektakulär zu Boden ging, ließ der Pfiff von Schiedsrichter Welz keine Sekunde auf sich warten. Zwar ließ das auch meinen Hals nahezu auf Schulterbreite anschwellen und mich zur ein oder anderen nur maßvoll differenzierten Anschuldigung hinreißen, allein die Betrachtung der DSF-Bilder am späten Abend, rechtfertigte ein solches Theater kaum noch. Man muß schon die Frage zulassen, was der gute Schlitte zu dieser Zeit an diesem Ort mit genau dieser Bewegung bewirken wollte. Mensch, Hasse (?) war doch dran!!! Auf alle Fälle eine vertretbare Entscheidung, was die Sache nur noch ärgerlicher macht. Es war dann anschließend Helmes, der den Ball unter ohrenbetäubendem Pfeifen im Jenaer Tor unterbrachte.
Und dann Jenas defekte Abseitsfalle, das Ergebnis ist bereits bekannt. Von nun stellte sich nicht mehr die Frage nach einer möglichen Überraschung, sondern nur noch ob Jena mit fliegenden Fahnen ins Verderben rennt oder aber den geordneten Rückzug unter Inkaufnahme ein akzeptablen Niederlage antritt. Nichts von beiden passierte. Statt dessen hatte der große Regen eingesetzt. Und der verlangte den Kölner Mittelfeldspielern offensichtlich mehr ab, als deren feinmotorische Fähigkeiten zuließen. Die bis dahin brandgefährlichen Pässe in die Spitze verkamen zum Zeugnis eines viel zu kurzen Spielfeldes und fanden meist erst deutlich hinter der Auslinie einen Abnehmer. Wie Brasilianer im Schnee. Jena hingegen nutzte das plötzliche Entgegenkommen des Wetters, besann sich auf seine kämpferischen Fähigkeiten und fand prompt ins Spiel zurück. Wenn auch sehr glücklich. Als Werner sich kurz nach der Kölner Führung aus 25 Metern ein Herz nimmt, glaubt erst keiner an eine Gefahr. Aus unserer Position ein glatter Fehlversuch. So wie der ausgeholt hatte und der Ball danach in die Luft schnippte, würde im nächsten Augenblick zweifellos ein Gästefan aus seiner singenden Umgebung geschossen werden. Unzufriedenes Raunen in Block H. Die Blöcke A bis E jubelten da schon. Was wir nicht sehen konnten, war Mitreskis Einsatz, der Werners Ball in eine unhaltbare Bogenlampe verwandelt hatte (24.). Keine Chance für den bedeppert dreinschauenden Wessels. Danach waren zwar die Kölner Anhänger noch vollzählig, aber singen tat dort keiner mehr. 2:2! Mitten im Jenaer Untergang. Unbeschreibliche Szenen im ausverkauften Rund. Zurück im Spiel!
Jena verlagerte sich nun darauf, den moralischen Vorsprung in die Kabine zu retten, stellte das Mittelfeld zu. Volle Konzentration von nun an. Den Kölnern verdarb das gehörig den Spaß an der Sache. Keine schnellen Kombinationen mehr. Keine Möglichkeiten. Ersterbender Wunderfußball. Statt dessen fast sogar das 3:2 durch Helbig. Persons langen Ball, der zuvor die Kölner Abwehr nahezu unbeachtet passiert hatte, erwischte aber Wessels im Kölner Tor einen Tick schneller. Schade!

Nach der Pause dann eine Leistungssteigerung von Jena, wie sie nach dem zwischenzeitigen Rückstand wohl keiner erwarten konnte. Kein Respekt mehr. Kein Meter Rasen für die Gäste mehr. Kein Köln mehr. Statt dessen rackert Ziegner unermüdlich durchs Mittelfeld. Gewinnt jeden Zweikampf. Er wirkte in dieser Phase schon ein wenig wahnsinnig! Und Werner und Schlitte machen die Außenbahnen unsicher. Sensationell. Jetzt oder nie. Packt sie Euch! Eine Ecke von Ziegner schlägt Günther lang in den Strafraum. Der abgefälschte Ball landet bei Helbig. Schieß ihn doch rein. Schieß doch endlich. Aber Wessels pariert den schwachen Schuß. Das gibt´s doch gar nicht. Der abgewehrte Ball kullert hinter Schlitte lang. Nein, den kriegt er nicht mehr! Doch, er hat ihn. Schlitte stochert rum, stolpert, tritt noch irgendwie an den Ball. Der kullert an den Innenpfosten. Und von dort hinter die Torlinie. Schon wieder dieser Aufschrei im Stadion. Wir führen (68.). Unbeschreibliche Szenen. Vom echten Helden zwischenzeitlich zum tragischen mutiert, verwandelte sich Schlitte nun schon wieder zurück. Was für ein Abend. „Wir steigen auf, wir steigen auf“ hallt es mal wieder durchs Stadion. Eigentlich lustig! Köln scheint am Boden. Aber immer noch mehr als 20 Minuten. Schon wieder Helmes. Den muß doch mal einer aufhalten können, und wenn’s durch ein Foul ist. Sein Schuß aus 20 m knallt an den rechten Innenpfosten. Rollt dann quer vor der Torlinie lang. Kein Kölner da. Unglaubliches Glück (84.). Noch ein paar Minuten. Kommt Jungs. Dann ein wunderschöner Angriff der Gäste über links, direkt weitergeleitet auf Gambino. Der nimmt den Ball sicher runter. Steht frei vor Person. Nicht doch jetzt noch so ein Ding. Wir waren doch so dicht dran. Aber was ist das denn. Gambino schiebt den Ball einen Meter rechts am Tor vorbei. Waaaahnsinn! Wir leben noch. Dann die letzten Sekunden. Werner noch mal mit einem schönen Schuß vom 16er. Wessels hält sicher (90.).

Egal, es ist Schluß. Köln ist besiegt. Der große Favorit verdient geschlagen. Ich hüpfe rum wie Rumpelstilzchen, falle meiner Freundin in die Arme. Sie sieht auch ganz schön fertig aus, hat genauso gelitten. Um uns rum der absolute Kontrollverlust. Alle sind total aus dem Häuschen. So kann es weitergehen. Fünf Punkte nach drei Spielen. Und die sichere Erkenntnis, daß man mithalten kann, an einem guten Tag jeden schlagen kann. So war es immer in Liga 2. Jeder kann alles. Wir steigen vielleicht nicht auf, aber runter, das muß wirklich nicht sein. Nur nicht zu lange freuen. <bpf>
Fotos von Jens Weißenburger

FC Carl Zeiss JENA - Eintracht Braunschweig 0:0

Jena: Person; Maul, Hasse, Kowalik; Schlitte, Günther, Ziegner, Fröhlich (83. Thielemann), Werner; Sykora (61. de Napoli), Helbig (86. Zimmermann)
Braunschweig: Stuckmann; Siegert, Husterer, Grimm, Tauer; Graf, Weiland (87. Lieberknecht), Fuchs, Brinkmann; Kastrati (90. Rische), Koejoe (63. Kuru)

Zuschauer: 8615

Schiedsrichter: Dingert (Thallichtenberg)

Spielbericht:

Fußballfans sollen angeblich ziemlich abergläubig sein. Der eine zieht die Aufstiegssocken vom letzten Jahr vierunddreißig Spieltage lang an – natürlich, ohne sie zwischendurch zu waschen. Ein anderer stellt mitten in der Saison fest, dass sein Club in der Saison bis dahin immer dann zu Hause nicht gewonnen hatte, wenn er anwesend war - also bleibt er danach sechs Heimspiele lang zu Hause, der Club gewinnt logischerweise fünfmal – und erst nach der Niederlage im sechsten Spiel traut er sich wieder ins Stadion…
Auch das Homepage-Team ist abergläubig: Zwei Jahre in Folge ist der FCC aufgestiegen, zwei Jahre in Folge berichtete ein gewisser Gastreporter vom ersten Heimspiel – warum sollte man solche Serien bewusst brechen, solange sie halten?

Der FCC ist in der zweihöchsten deutschen Spielklasse angekommen. Spiele wie das gegen Eintracht Braunschweig, die in der bundesdeutschen Online-Sportberichterstattung durch die Bank weg Prädikate wie „schwach“ oder „grottenschlecht“ erhalten, haben wir im letzten Jahr mit 1:0 gewonnen, ohne dass überregional ein Hahn danach krähte, auf welche Art manche der Spiele gewonnen wurden. In der zweiten Liga reicht ein solches Spiel zu einem 0:0, welches für beide Mannschaften einen Gewinn darstellt, weil man das Spiel auch hätte verlieren können. Beide Seiten hatten so einige echte Torchancen; beim FCC war es vor allem Person und bei Braunschweig der Querlatte zu verdanken, dass hinten die Null stand.
Der FCC war dabei dem Torerfolg in der zweiten Minute am nächsten. Ziegner hatte einen Freistoß aus 22 Metern an die Querlatte genagelt, der Braunschweiger Torwart Stuckmann machte dabei keine Anstalten, seine Finger an den Ball zu bekommen – der wäre drin gewesen! Die Eintracht kam aber von Anfang an auch zu ihrem Spiel, vor allem über die linke Jenaer Abwehrseite, auf der Kowalik mehrfach im Laufduell überfordert wirkte. In der 5. Minute hätte der FCC auch zurückliegen können, wäre Person nicht beim Kopfball von Kastrati so schnell unten gewesen. Zwei weitere Braunschweiger Chancen verhinderte Maul, der im Torraum jeweils nach Flanken von rechts in höchster Not den Ball wegschlug. Das Jenaer Spiel nach vorn sah in der ersten Halbzeit streckenweise recht ansehnlich aus, wobei am 16er häufig Schluss war. Gefahr drohte dem Braunschweiger Tor vor allem nach Patzern in ihrer Hintermannschaft (Sykora, 39.) oder öffnenden Pässen von Ziegner oder Werner wie in der 43. Minute, als Helbig beim Abschluss aus 16 m aufzeigte, dass er in 1:1-Situationen durchaus dazu imstande ist sich durchzusetzen.

Auch in der stärksten spielerischen Phase des FCC in der ersten Viertelstunde der zweiten Halbzeit blieben genau diese 1:1-Situationen im gegnerischen Strafraum leider Mangelware. Bis zum 16er sah das richtig gut aus, vor allem über links im Zusammenspiel von Werner, Ziegner und den beiden Stürmern. Die Bälle wurden sicher angenommen und verteilt, auch im 1:1 gelang so manche überraschende Drehung. Sobald aber der Ball im Strafraum war, ging nichts – wie bei Sykora, dem der Ball in der 52. nach Rückpass von Helbig beim Abschluss versprang – ob uns da der „Acker“ den Sieg versaut hat? Drei Minuten vorher gab es auch noch einen Knaller von Günther, der vielleicht einen halben Meter am Tor vorbeirauschte und an den Stuckmann ebenfalls nie im Leben rangekommen wäre.
Braunschweig kam auch noch zweimal gefährlich vor das Tor von Person, beim ersten Mal klärte der jedoch doppelt gegen Kastrati, bei zweiten Mal Hasse angeblich mit der Hand – er wurde aber angeschossen. Ansonsten war Braunschweig anscheinend mit dem Ergebnis zufrieden, wie sich Mitte der zweiten Halbzeit begutachten ließ, als innerhalb von sieben Minuten sechs Braunschweiger wie vom Blitz getroffen umfielen und nach kurzer Pause wieder putzmunter über das Feld hüpften. Natürlich gab es jedes Mal Freistoß für die Eintracht. Jena versuchte das auch zweimal – und hatte immerhin einmal Erfolg, was zwar nicht wirklich eine bessere Quote darstellt als vor Jahresfrist gegen Leverkusen II, aber diesmal auch nicht so ins Gewicht fiel, weil z. B. die gelben Karten gerecht und angemessen verteilt waren.

Wenn man an die Gegner denkt, die da noch kommen werden, dann war Braunschweig sicher eine der Mannschaften, gegen die wir um den Klassenerhalt spielen. Allerdings ist die Truppe schon das zweite Jahr in der Liga, sie hatten also schon ein Jahr lang Zeit, sich einzuspielen. Sie haben die Klasse gehalten. Man sollte bei aller berechtigter Kritik am ersten Heimspiel im Auge behalten, dass der neue Sturm noch nicht eingespielt ist und dass die Laufwege der Stürmer dem Mittelfeld noch nicht hinreichend bekannt sind. Die Abwehr und das defensive Mittelfeld werden sich darauf einstellen müssen, dass das Umschalten von Angriff auf Abwehr in der zweiten Liga schneller erfolgen muss, um die Anzahl gefährlicher Konter niedriger zu halten als in diesem Spiel. Die Voraussetzungen für das Bestehen in der zweiten Liga sind aber auf jeden Fall vorhanden. Auf geht’s, Jena! <ragnar>
Fotos auf weissenburger.de

Kickers Offenbach - FC Carl Zeiss JENA 2:2

Tore: 1:0 Dorn (27.), 2:0 Türker (39.), 2:1 Helbig (53.), 2:2 Günther (87.)
Offenbach: Thier; Yildirim (79. Müller), Schumann, Miljatovic, Pinske (72. Rehm); Mokhtari, Sieger, Wörle, Judt; Dorn (85. Dundee), Türker
Jena: Person; Maul, Hasse, Schmidt; Schlitte, Günther, Thielemann (83. Kowalik), Ziegner, Fröhlich (46. Helbig), Werner; Sykora (72. Zimmermann)

Zuschauer: 11.479

Schiedsrichter: Schmidt (Stuttgart)

Spielbericht:

„Zeit, dass sich was dreht“ – Grönemeyers WM-Song ließ sich auch auf den Start der 2. Liga anwenden. Mag die Weltmeisterschaft atmosphärisch noch so schön gewesen sein, für den eingefleischten Zeiss-Fan war sie nur eine Draufgabe zum wahren Saisonhighlight, dem zweiten Aufstieg des FCC in Folge.

"Zeit, dass sich was dreht" - Mit Sykora als einziger Sturmspitze begann das Jenaer Comeback im Profifußball nach achtjähriger Unterbrechung. Von Defensivhaltung aber keine Spur. Nach dem ersten Eckball besitzen Maul und Hasse die erste Doppelchance zur Führung (6.). Offenbachs Trainer Wolfgang Frank hatte vor dem Spiel im Hessischen Rundfunk gemutmaßt, dass Jena keine Mannschaft sei, die mit Hurra-Fußball zu überrennen sei. Dies bestätigte sich gleich zu Beginn. Mit gut aufgeteiltem Offensivfußball verschaffte sich der Neuling Respekt. Werner agierte links, Günther und Fröhlich zentral, Ziegner rochierte zwischen den Außenpositionen und auf der rechten Seite rannte Schlitte wie ein Besessener seinem Gegenspieler ein ums andere Mal davon, war auffälligster Jenaer in der 1. Hälfte.
Eine Viertelstunde war gespielt, als Fröhlich am Offenbacher Strafraum gefoult wird – Freistoß. Mit viel Gefühl wird der Ball von Torsten Ziegner über die Mauer gezirkelt, Thiel macht sich lang, bringt die Fingerspitzen heran und lenkt ihn an die Latte. Beim Nachschuss Alexander Mauls ins Tor berührte Tobias Werner den Ball nicht, stand allerdings unmittelbar neben der Flugbahn. Zwischen aktivem und passivem Abseits liegt zuweilen nur ein schmaler Grat. Drei Minuten später wollte Ziegner einen Freistoß in der eigenen Hälfte schnell ausführen, doch landete dieser in den Beinen des Gegenspielers. Daraus entsteht eine Konterchance des OFC, Siegners Schrägschuss fliegt über die Latte (20.). Dieser Szene haftete etwas Symbolhaftes an: Wenn der Gastgeber zu Chancen kam, dann durch Jenaer Fehler. Statt den Ball kontrolliert anzunehmen oder ihn wenigstens rigoros nach vorn zu schlagen, bugsierte Sven Günther das Leder in Minute 27 unkontrolliert nach links. Miljatovic legt mit einem sauberen Hackentrick auf Mokhtari ab, dieser ohne Verzug an den langen Pfosten auf Dorn, welcher Person aus nur drei Metern keine Chance ließ.
Vielleicht hatten sie die Situation in den letzten beiden Jahren zu selten erlebt – jedenfalls brachte der Rückstand die Jenaer sichtlich aus dem Konzept. Hätte Dorn seine Kopfballchance mit der selben Präzision verwertet wie drei Minuten zuvor, hätten drei Offenbacher einen Angriff gegen einen Jenaer überlegte zuende gespielt, wäre schnell das 0:2 gefallen. Ein Resultat, um das wir dennoch nicht herum kamen. Diesmal war es eine ganze Kette von Fehlern; Hasses unkontrollierter Kopfball nach hinten links brachte Türker ins Spiel. Ralf Schmidt zunächst dazwischen. Allerdings köpft er das Leder, wahrscheinlich um eine Ecke zu vermeiden, postwendend zu Türker zurück, der sagt Danke und lässt sich die zweite Gelegenheit nicht entgehen. Das nun einsetzende Gewitter passte ins Bild. Jenaer im Regen. Während die Einheimischen unter ihren drei Tribünendächern das Naturschauspiel in aller Ruhe verfolgten, zogen die Zeiss-Fans auf dem Metallgerüst beim mächtigsten aller Donnerschläge kurz den Kopf ein. Um danach noch vehementer das Anfeuern der zweiten Hälfte zu beginnen.

„Wenn jetzt nichts geht, dann geht was verkehrt“, heißt es in Grönemeyers Song. Nicht nur die Fans spürten dies. Mittelfeldspieler raus, zweiter Stürmer rein. Ein langer Freistoß segelt diagonal durch den Hessen-Strafraum, niemand kommt ran (48.). Auf der Gegenseite wirft sich Alexander Maul zweimal dazwischen. Dass uns ein Fangfehler des Offenbacher Keepers die Hoffnung zurück brachte, war angesichts der vielen Gastgeschenke aus Hälfte eins nur legitim. Sykora und Werner störten außerhalb des Fünfmeterraumes, Thiel ließ fallen und Sebastian Helbig netzte ein. Dass die Serie mit Heiko Webers glücklichen Einwechslungen aus der vorigen Saison seine Fortsetzung fand, sollte uns erst später bewusst werden. Schließlich war die Aufholjagd in vollem Gange ! Schön das Zusammenspiel zwischen Schlitte und Ziegner, dessen Schuss abgeblockt wird. Ebenso das Anspiel Günthers auf Sebastian Helbig, der insgesamt mehr Zug ins Angriffsspiel brachte, hier aber verzog. Die Gastgeber tauchten nur noch ein einziges Mal gefährlich in der Jenaer Hälfte auf. Christian Person blieb mit toller Reaktion Sieger gegen Dorn (71.).
Angefeuert aus 1000 Jenaer Kehlen vesetzte der Aufsteiger den Offenbacher Strafraum in einen Belagerungszustand. Bei Günthers Schuss aus elf Metern hatten einige den Torschrei auf den Lippen, doch Thiel kratzte das Leder aus dem unteren Eck. Noch drei Minuten. Gegen Jenaer Angriffswogen finden die Gastgeber kein anderes Mittel mehr als Ballrausschlagen. Ziegner nimmt einen solchen Abschlag an, schaut, spielt auf den eingewechselten Zimmermann. Genial dessen blitzschnelles Weiterleiten auf Helbig, der bringt den Ball am Torwart vorbei in die Mitte, Sven Günther macht ein langes Bein – JAAAAAAAA ! Unbeschreiblich, die nachfolgenden Jubelszenen – wie ein Jahr zuvor in Osnabrück biegt der FC Carl Zeiss einen 0:2-Rückstand auf fremdem Platz kurz vor Schluss noch in ein 2:2 um. Hochverdient !
Ein einziger Punkt, der psychologisch aber viel mehr wert ist. Wenn man noch nicht weiß wo man steht, ist nichts schlimmer, als im ersten Spiel eine 0:2, 0:3, 0:4-Packung zu kassieren. Stattdessen auf diese Art und Weise noch zum Erfolg zu kommen, zu sehen, auch in dieser Liga geht was, ist eminent wertvoll.

„Du fühlst Du träumst – Du fühlst, Du glaubst Du fliegst“, heißt es in Grönemeyers Song. Viel besser sind die Jenaer Emotionen direkt nach Abpfiff nicht zu beschreiben. <fc>


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