Tore: 1:0 Ouro-Akpo (75.)
- Oberhausen: Semmler; Uster, Heller, Ernst, Landers (46. Robben);
Schäper, Gataric, Schneider (67. Ouro-Akpo), Scherbe (78.
Narewsky); Stiepermann, Urban
- Jena: Person; Schmidt, Hasse, Maul; Werner, Kühne, Thielemann,
Ziegner (61. Manai), Sykora; Zimmermann (46. Zaccanti), Hähnge (68.
Kunze)
- Zuschauer: 2143
- Schiedsrichter: Bippen (Haren)
- Spielbericht:
- Diese Nachricht schlug ein: Sebastian Hähnge, Jenas
Torschützenbester in den vergangenen zwei Spielzeiten, wird den FC Carl Zeiss
Richtung Rostock verlassen. Bei aller Enttäuschung, auch ein bisschen
Unverständnis über diesen Schritt: Danke Sebastian für schöne Spiele, tolle
Tore ! Ohne dich wären wir sicher nicht da, wo wir jetzt sind. Und da auch du
dem Verein einiges zu verdanken hast, werden alle eine großartige Zeit mit zwei
Aufstiegen in Erinnerung behalten. – Einmal mehr wird deutlich, dass der Vorstand
auch im Überschwang des Erfolges seiner
Linie treu bleibt, beim Vertragspoker bis an die Grenzen, nicht aber darüber
hinaus geht. Selbst wenn es schwer wird, für einen wie den Hähnge
gleichwertigen Ersatz zu finden.
Die erste Halbzeit von Oberhausen gestaltete sich so, wie es
nach der ausgelassenen Aufstiegsfeier zu vermuten war. Nicht der glorreiche
Tabellenzweite, sondern der von Liga zwei in Liga vier durchgereichte Gastgeber
schöpfte sein Leistungsvermögen besser aus. Scherpers Kopfball aus Mittelstürmerposition
und die Chance von Urban nach Landers’ Flanke ließen Jena zwischenzeitlich wach
werden, was sich in ein paar Torgelegenheiten für Thielemann, Zimmermann, Maul
und Sykora niederschlug. Mit der sonstigen Jenaer Art, Fußball zu spielen, hatte
dies aber nicht viel gemein. Kapitän Ziegner äußerte unter der Woche, nicht die
körperliche Belastung würde allmählich an die Substanz gehen, vielmehr die
psychische Komponente dieser langen, aufreibenden Saison. Wenn die Akkus leer
sind und kein Muss mehr dahinter steht, alles aus sich heraus zu holen, ist
eine Halbzeit wie die ersten 45 Minuten von Oberhausen wohl zu verstehen. Will
man überhaupt dieser einen positiven Aspekt abgewinnen, dann jenen, dass der
Schiri samt Assistenten getrost hätten in der Kabine bleiben können.
Wie abgesprochen kam nach der Pause Zaccanti ins Spiel und
hatte gleich wieder die erste Aktion. Minute 48, Steilpass von Ziegner,
Zaccanti frei vor Torwart Semmler, welcher mit einer Grätsche abwehren kann.
Noch ist ja nicht ganz klar, ob unser Italo-Argentinier in Jena eine Zukunft
haben wird – ein Treffer in dieser Situation wäre die optimale
Entscheidungshilfe gewesen. Schade drum. Jena nun mit mehr Initiative. Hähnge
bekam in der 53. Minute viel Platz zum Kontern, Semmler fing seine Eingabe weg.
Der RWO-Keeper vereitelte einen Ausstand nach Maß des Jenaer Stürmers,
insbesondere in der 62. Minute. Da steuerte Hähnge nach Vorarbeit Schmidts
allein auf Semmler zu, schien den Ball an ihm vorbei schieben zu können, doch
irgendwie brachte der Torhüter noch eine Hand ans Leder. Das Spiel nun
abwechslungsreicher. Tobi Werner knallt einen 20-Meter-Schuss an die Werbeband
hinterm Tor (72.). Mark Uster (an die mit seinem Namen verbundene Zeit beim FCC
erinnern wir uns weniger gern) setzt einen Kopfball über die Latte. Momente
trennen uns nun noch von der Spielentscheidung. Als Alexander Maul erst
Doppelpass mit Maik Kunze spielt und dann mit Ball am Fuß auf Semmler zurennt,
scheint die Zeit reif. Doch während Oberhausens Schlussmann zuvor bei Hähnge
und Zaccanti wenigstens noch reagieren musste, braucht er bei Mauls Schuss
einfach nur stehen zu bleiben, um auch die dritte Großchance dieser Art zu
vereiteln. Im Fußball, so scheint es, rächt sich solch ein fahrlässiger Umgang
mit den eigenen Möglichkeiten schneller als in anderen Sportarten. Noch in der
gleichen Spielminute griff Ralf Schmidt als letzter Mann den ballführenden
Ouro-Akpo zu unentschlossen an, sodass dieser mit Präzisionsschuss ins linke
untere Eck zum Tor des Tages traf. Die mitgereisten Zeiss-Fans kümmerte das
wenig. Sie waren zum Feiern nach Oberhausen gekommen und stellten ihre
Tauglichkeit für die nächsthöhere Spielklasse schon mal vorab unter Beweis.
Wie schon das Kalenderjahr 2005 endet auch die Rückrunde mit
zwei Niederlagen in Folge. Untypisch für eine Saison, die man getrost als die
Schönste der letzten zehn, zwölf Jahre bezeichnen kann ! In der sich die
Mannschaft, der Verein insgesamt als homogenes Ganzes präsentierten, wo jeder
seinen Teil zum Erfolg beitrug. Auf dieses Fundament sollte sich auch in
Zukunft bauen lassen. 2. Liga – wir kommen ! <fc>
Bilder vom Saisonabschluss
Tore: 0:1 Feinbier (19.), 1:1 Ziegner (37.), 1:2 Podszus (51.),
2:2 Zimmermann (58.), 2:3 Pusic (81.)
- Jena: Person; Kühne, Hasse (48. Wachsmuth), Maul; Werner,
Schmidt, Thielemann, Ziegner (65. Manai), Sykora; Zimmermann, Hähnge
(71. Zaccanti)
- Düsseldorf: Deuß Cakir, Steegmann, Heeren, Böcker;
Lamertz, Cebe, Wolf, Canale (60. Albertz); Feinbier, Podszus
- Zuschauer: 12.127
- Schiedsrichter: Schössling (Leipzig)
- Spielbericht:
- [von Gastkommentator Knut Oberländer]
Jena gegen Düsseldorf:
Ein Spiel mit Symbolwert. Genau so lautete die Paarung an jenem 36. Spieltag
der Saison 1997/98, an dem der FC Carl Zeiss sein letztes Match in der 2.
Bundesliga bestritt. Damals verlor Jena mit 3:4, wobei der Umstand, dass man
dabei eine 3:0 Führung verspielte, deutlich machte, wie zerrüttet die
Blaugelbweißen durch diese völlig vermurkste Saison kamen.
Nun gelang dem FCC
ausgerechnet nach einem Heimspiel gegen Düsseldorf der Wiedereinzug in die
zweithöchste deutsche Spielklasse. Kurioserweise konnte man sich dabei vor
eigenem Publikum sogar eine Pleite erlauben, die erste in diesem Jahr. Die
Niederlage gegen die Fortuna kündigte sich früh an, denn die Gäste zeigten zu
Anfang der Partie sehr guten Fußball und präsentierten sich spieltechnisch und
–taktisch um Längen besser als etwa der VfB Lübeck in der Vorwoche: Ballsichere
Kombinationen, gutes Flügelspiel – das war das Rezept, um Jenas Abwehr, in der
erstmals seit dem drei Spielen Ralf Schmidt wieder mitwirkte, in Verlegenheit
zu bringen. Nachdem Fortunas Podszus in der 9. Minute noch aus Nahdistanz an
Person gescheitert war, blieb es einem alten, für den FCC jedoch unguten
Bekannten vorbehalten, die verdiente Düsseldorfer Führung zu besorgen, denn
nachdem Jenas Keeper zuvor 700 Minuten lang unbezwungen war, besaß er gegen
Feinbiers Freistoßhammer aus 20 Metern keine Chance (19.). Jetzt war Jena
gefordert und Ziegner und Co. nahmen die Herausforderung an. Hähnges Schuss,
den Deuß im Fortunator erst im Nachfassen klärte (25.), war das erste
Lebenszeichen der Gastgeber. Dann konnte Zimmermann erst im letzten Augenblick
geblockt werden (30.), eh sich für Tobias Werner mit einem Flugkopfball knapp
über die Latte die bis dahin größte Ausgleichschance bot . Der FCC nun deutlich
am Drücker, hatte zwar noch Glück, dass dem frei durchlaufendem Wolf der Ball
bei einem Düsseldorfer Konter kurz vor dem Jenaer Strafraum noch versprang,
doch schon im Gegenzug gab es Freistoß für Carl Zeiss, fast genau auf der
Strafraumgrenze. Eine Sache für Torsten Ziegner, der sich den Ball in zentraler
Position zurecht legte, während sich vor ihm die Düsseldorfer Mauer aufbaute,
in die sich einige Spieler in Blau einschlichen. Ziegner lief an und drosch den
Ball aufs rechte Eck, wo zwar der Fortunenkeeper stand, der jedoch, irritiert
durch die abtauchenden Zeiss-Spieler in der Mauer, das Leder zu spät sah, als
dass er noch die Fäuste hochreißen konnte.
Der überfällige Ausgleich
sorgte für das erste Stimmungshoch bei Spielern und Fans im Paradies.
Schiedsrichter Schössling aus Leipzig hatte nun gut zu tun, die hitzigen
Gemüter zu beruhigen und zog kurz nacheinander Gelb für Werner auf Jenaer Seite
und Cebe bei den Düsseldorfern. Die Vorpausendruckphase des FCC brachte zwar
keinen weiteren Treffer für die Blauen, nährte aber die Hoffnung, dass es
genauso in der zweiten Halbzeit weiter gehen könne. Doch diese Hoffnung trog,
denn wie schon in Hälfte eins war die Fortuna zu Wiederbeginn das bessere Team
und nachdem Podzus in der 49. Minute noch die abermalige Düsseldorfer Führung
verpasste, machte es derselbe Spieler im Verbund mit Canale kurz darauf besser
und erzielte das 2:1 für sein Team, wobei die Jenaer Abwehr keinen
überzeugenden Eindruck hinterließ, denn obwohl sich sechs Blaue im und am
eigenen Strafraum den Düsseldorfern entgegen stellten, fehlte der letzte
energische Einsatz, um den erneuten Rückstand zu verhindern. Aber auch jetzt
kam es zur Parallelität der Ereignisse, denn der FCC fing sich sofort wieder
und drängte auf das 2:2. Diesmal mussten die Jenaer Fans nur 7 Minuten warten,
dann sahen sie den schönsten Angriff des Spiels. Bei der ersten blaugelbweißen
Welle hielt der Düsseldorfer Deich
noch, doch der Ball schwappte zurück auf Fiete Sykora, der das Leder unter Bedrängnis
behauptete und butterweich in den Fortunen-Strafraum flankte, so dass Hähnge
seine Eingabe direkt nahm und scharf in den Fünfmeterraum drosch, wo Zimme
einlief, der Mann mit den Aufsteigergenen, und den Ball aus Nahdistanz mit dem
Kopf in die Maschen hämmerte. Es war der Moment, an dem sich auf der Tribüne
die erste Bierdusche ergoss und ich, meine Chronistenpflicht vernachlässigend,
Stift und Zettel beiseite legte, um mit einzustimmen in den tausendfachen Chor:
„Wir steigen auf!“ Längst hatte die Kunde vom 1:3 Rückstand der Lübecker in Kiel
die Runde gemacht, auch auf der FCC-Bank, wo es sich Heiko Weber leisten
konnte, seinen Kapitän Torsten Ziegner und den besten Jenaer Saisontorschützen
Sebastian Hähnge früh vom Feld zu nehmen.
So vergingen die letzten
Minuten zwischen Triumphgesängen und La-Ola-Welle. Leider gelang den Blauen
nicht mehr das Sahnehäubchen eines 3:2 Siegtreffers für Jena, obwohl sich noch
zwei Riesenmöglichkeiten dafür boten, so für Sykora bei seinem Flachschuss aus
kurzer Distanz und Zimmermann mit einem knapp neben dem Tor landenden Heber
über den Fortunenkeeper. Im Gegenteil: Jenas Defensive, die in den
Abwehrschlachten bei HSV II. und in Lübeck noch durch höchste Konzentration und
taktische Disziplin glänzte, ließ sogar noch das Düsseldorfer 3:2 zu. Doch zu
diesem Zeitpunkt war längst bekannt, dass Lübeck 1:4 hinten lag, und so konnten
sich alle, die noch ein Hemd trugen, das gewebt war aus Zweifel und Skepsis,
das Teil vom Leibe reißen und stattdessen stolz aller Welt ihr „Aufsteiger
2006“-Shirt zeigen. Dann war Schluss, die Massen ergossen sich auf den Rasen
und feierten mit ihrer Mannschaft, die in dieser Saison, ungeachtet der zweiten
Saisonniederlage gegen Düsseldorf, etwas Großes, Sensationelles vollbrachte.
Nun geht es auf; nach Köln, zum Betzenberg wie in die Allianzarena: „Zweite
Liga – wir kommen! Jena ist dabei!“
Bilder des Aufstiegs <jw>
- Lübeck: Frech ; Türkmen (70. Kampf), Schröder, Neumann, D. Dogan; Hirsch,
Kullig, Möckel; Hesse (81. Karadas), Bärwolf (55. Neitzel), Streit
- Jena: Person; Hasse, Maul, Wachsmuth; Kowalik,
Kunze (66. Zaccanti), Thielemann, Zimmermann, Kühne (85. Holzner); Hähnge, Sykora
- Zuschauer: 7300
- Schiedsrichter: Pickel (Mendig)
- Spielbericht:
- Es gibt Spielberichte, die mag man gar nicht schreiben. Zum einen, weil es nach
menschlichem Ermessen eigentlich eh niemanden geben dürfte, der dem Kick nicht selbst
beiwohnen konnte. Zum anderen, weil die eigene Aufregung und die akustische Unterstützung
der blau-gelb-weißen Helden eine zuverlässige Chronistentätigkeit fast unmöglich
macht. Das Aufstiegsendspiel in Lübeck war eines dieser Spiele, ein Hauch von Neuruppin wehte um
die schon Stunden vor Anpfiff von einer Vielzahl der letztlich etwa 1.000 Jenaer Anhänger
bevölkerten Lohmühle. Doch wenn es einen Unterschied zum Relegationsspiel im letzten
Jahr gab, dann war es der selbstbewusste Optimismus der Mitgereisten. Das schiere Vertrauen in
die eigene Stärke und der fest Glaube an sich selbst scheint sich mehr und mehr auch in die
Herzen und Köpfe der Zeissfans geprägt zu haben, und so war das vielstimmige "Wir steigen
auf" schon vor der Begegnung der Dauerbrenner unter den Schlachtrufen. Von ihrer Mannschaft sollten
die Thüringer Fans nicht enttäuscht werden, zum wiederholten Male ging die Weber-Elf mit
einer Einstellung in ein Spitzenspiel, die jedem Überlebenden von vier Jahren Oberliga noch
immer das Herz höher hüpfen lässt. Selbstbewußt, bissig, zweikampfstark, aber
auch mit spielerischer Klasse stellte sich die Jenaer Elf auf das zu erwartende Feuerwerk der um
ihre letzte Chance kämpfenden Lübecker ein und sorgte dafür, dass dieses sich auf
ein paar kümmerliche Blitzknaller beschränkte und ein farbenfroh erleuchtetes Firmament
ausblieb. Klar, die Hausherren rannten fast pausenlos an, sorgten mit einer Flut von hohen Bällen
für dauerhafte Beschäftigung in Jenas Hintermannschaft. Aber die hatte die Lufthoheit und
ließ bis auf eine halbe Chance des bis auf rüde Attacken nicht sonderlich auffälligen
Geburtstagskindes Bärwolf (11.) kaum etwas zu. Dies ist umso bemerkenswerter, als dass Heiko
Weber vor dem Spiel wieder einmal seine Elf komplett umstellen musste. Zu dem gesperrten Kapitän
Ziegner und den Verletzten Schlitte und Schmidt hatte sich kurzfristig auch noch der fiebrige Werner
gesellt, und so griff Jenas Coach mal wieder tief in die Trickkiste bei der Aufstellung. Wachsmuth
ergänzte neben Maul und Hasse die Abwehr, während Kunze und Kowalik die beiden Außenbahnen
besetzten und dort jeweils gute Spiele ablieferten. Mark Zimmermann versuchte sich in der Rolle des
Spielgestalters hinter den Spitzen Sykora und Hähnge, und hatte nach 23 Minuten sogar die Riesenchance
zur Führung auf den Fuß, als er einen Kühne-Eckball an den kurzen Pfosten spitzelte.
So ging es aber mit einem leistungsgerechten 0:0 in die Pause, würde Lübeck nach dem Wechsel
endlich mehr Durchschlagskraft entwickeln oder aber wir mit einem Gegenangriff die grün-weißen
Hoffnungen beenden? Nun, Lübecks Coach Stefan Böger versuchte alles, brachte mit Neitzel, Kampf
und Karadas nach und nach drei weitere Stürmer. Auch der vor der Pause noch recht gut leitende Referee
verlor gänzlich die Linie, so dass es nun Lübecker Freistöße fast im Minutentakt hagelte.
Wirklich Gefahr erzielte von denen keiner, lediglich bei zwei Situationen aus dem Spiel heraus stockte der
blau-gelb-weißen Armada der Atem. In der 62. Spielminute nutzte Türkmen eine Schlafeinlage
Kowaliks und flankte auf den freistehenden Möckel. In Minute 74 war es Lübecks Kampf, der aus
abseitsverdächtiger Position halblinks freistehend ins lange Eck schlenzte. Doch beide
dieser 100%igen Chancen hatten eines gemeinsam, sie wurden von Christian Person in Weltklassemanier
pariert, der somit wieder einmal zum Held des Tages avancierte und nun schon seit 682 Minuten ohne
Gegentor ist. Der Jubel im Gästeblock hätte keine Grenzen gekannt, wenn der eingewechselte
Zaccanti nach Thielemann-Zuspiel freistehend nicht am VfB-Schlußmann Frech gescheitert
wäre (70.) oder Hähnge einen schnellen Gegenangriff über Zaccanti-Thielemann-Zaccanti-Zimmermann
platzierter abgeschlossen hätte (81.), doch auch so war nach dem endlich ertönten Schlusspfiff allen
klar. Die Entscheidung im Aufstiegskampf ist gefallen, und auch wenn Stefan Böger noch trotzig
verkündete "Jena und Essen sind noch nicht aufgestiegen. Es sind schon so viele Dinge im
Fußball passiert.", so brachte es ein zitierter Anhänger in den sonntäglichen
Lübecker Nachrichten auf den Punkt: "Jena war einfach zu stark und der Torwart für uns
zu gut". Wir steigen auf! Wir steigen auf wir steigen auf!!! <gunner>
Bilder aus Lübeck
Spielbericht auf der VfB-Seite
Tore: 1:0 Zaccanti (69.), 2:0 Ziegner (83.)
- Jena: Person; Maul, Hasse, Wachsmuth; Werner (60. Kowalik),
Thielemann, Kühne (46. Zaccanti), Ziegner, Schlitte; Zimmermann,
Hähnge (86. Kunze)
- Emden: Hoffmeister; Gerster, Kniat, Spanic, Gundelach;
Glöden, Nägelein (

, 79.), Schindler (76. Stahlberg), Unger; Crgic (87.
van Buskirk), Cannizarro (85. Siedschlag)
- Zuschauer: 6351
- Schiedsrichter: Kuhl (Köln)
- Spielbericht:
- Als sich einige Zeit nach Abpfiff die Arbeitsgruppe
Öffentlichkeitsarbeit des FCC-Supporterclubs im Fanhaus zu ihrer Sitzung traf,
hatten die meisten noch das eben gehörte Lied im Ohr und auf den Lippen: „Wir
steigen auf“ – jenen Gesang, der nun schon das zweite Jahr in Folge zum Hit an
den Kernbergen geworden ist.
Gut zwei Stunden zuvor. Nach dem Anpfiff des Kölner Referees
waren 37 Sekunden vergangen, da tackelte Sebastian Hähnge Emdens Kapitän Glöden
sauber den Ball vom Fuß. Eine Szene, die auf die richtige Einstellung der
Jenaer Mannschaft zu Spiel und Gegner
deutlich werden ließ. Nicht noch einmal wollte sie eine Hälfte verschlafen wie
gegen Bremen, stattdessen Pressing spielen schon am gegnerischen Strafraum und
den Kontrahentn unter Druck setzen. Wie gut dies anfangs gelang, verdeutlichen
vier Ecken in den ersten vier Minuten und ein herrlicher Schuss von Sebastian
Hähnge aus 18 Metern Torentfernung, den der in unserer Region gut bekannte
Hoffmeister über die Torlatte lenkte. „Jena
- Jena“, der Wechselgesang zwischen Gegengerade und Tribüne schien noch
etwas lauter als gewöhnlich angesichts der ebenso einseitigen wie schwungvollen
Anfangsviertelstunde. Erst danach konnten sich die Gäste aus der Umklammerung
befreien. Mit Sponsorengeldern nach Erfurt geflogen und von dort im Bus nach
Jena gekommen, hatten sich ihre Reisestrapazen trotz der großen Entfernung in
Grenzen gehalten. Und so konnten sie zunehmend Akzente setzen, wobei die Länge
eines Oliver Glöden und die Raketeneinwürfe von Sebastian Gundelach ständige
Gefahrenherde bildeten. Außerdem gibt es da diesen Massimo Cannizaro als
viertbesten Torschützen der Liga, welcher den Beweis seinen Könnens allerdings
schuldig bleiben sollte, in Minute 24 aus guter Position in die Wolken schoss.
Auch bei Jena lief in dieser Phase nicht mehr alles nach Wunsch. Trainer Heiko
Weber sprach hinterher davon, seine Elf hätte da eher wie eine Mannschaft im
Ringen gegen den Abstieg gewirkt. Naja, zumindest die nervliche Belastung
scheint beim Auf- und Abstiegskampf durchaus vergleichbar zu sein. Im
Bestreben, alles besonders gut machen zu wollen, verkrampft da schon mal der
Eine oder Andere. Markantestes Beispiel hierbei Tobias Werner. Es gibt
allerdings jemanden, der Nervosität (so sie denn besteht) in positive Energie
umsetzen kann: Torsten Ziegner. Praktisch überall auf dem Platz zu finden, zog
er das Spiel immer wieder an sich, mal mit Blick für den Nebenmann, mal auf
eigene Faust. So wie bei seinem schönen Solo in der 33. Minute, dem allerdings
ein Faller im Strafraum folgte, bei dem ich als Unparteiischer ehrlich gesagt
auch nicht auf den Punkt gezeigt hätte. Ziegner sah dafür seine zehnte Gelbe
Karte und wird in Lübeck fehlen. Möglicherweise sogar sehr.
Nach der Pause kam Edeljoker Zaccanti ins Spiel und brachte gleich
wieder frischen Wind in die Aktionen. Wobei sein Schuss in Minute 47 die
Zuschauer noch in zwei Lager spaltete: Die einen applaudierten über eine
gelungene Kombination über Ziegner und ihn, die anderen haderten mit dem
unscharfen, auf Hoffmeister gezogenen Schuss aus 15 Metern. Mit seiner
Hackenablage auf Schlitte überzeugte Zaccanti schon ein paar mehr und noch
waren ja vierzig Minuten zu spielen... Emden hatte beim Eckenverhältnis zur
Halbzeit mit 0:8 hinten gelegen, holte dies nun Stück für Stück auf. Kniats
Kopfball im Anschluss an Ecke numero quattro wirkte nicht ungefährlich. Insgesamt aber merkte man Jenas Abwehr an,
dass sie mit Holger Hasse ihren Kopf und Organisator zurück hat. Christian
Person, unsere Nummer 1, brauchte
diesmal keine einzige seiner Paraden zu zeigen, mit denen er noch in Erfurt die
drei Punkte buchstäblich festgehalten hatte. Kurzzeitiges Erstaunen deshalb,
als Heiko Weber für den Mittelfeldmann Werner Verteidiger Kowalik ins Spiel
brachte. Verstärkung der Defensive also ? Ein Zeichen und wenige Worte machten
schnell klar: Alexander Maul rückt von nun an aus der Abwehr nach vorn auf die
linke Seite. In der 67. Minute spielt Ziegner Hähnge an, der dreht sich um seinen Gegenspieler und schießt flach um
Zentimeter am Pfosten vorbei. Jenas Torschützenbester wirkte noch immer etwas
glücklos, aber schon wieder zielstrebiger in seinen Aktionen als in den Wochen
zuvor. Außerdem gibt es da noch ein paar andere in unseren Reihen, die mit dem
nötigen Torriecher ausgestattet sind ! Torsten Ziegner zum Beispiel.
Unwiderstehlich sein Sprint durch zwei Emdener hindurch, auch noch am Dritten
vorbei zur Grundlinie, dann der halbhohe Ball an den Torraum, wo der Schütze
nur noch den Fuß hinzuhalten braucht. „Zaccanti“, brüllte es mehrfach aus 6300
Kehlen – endlich war es da, das langersehnte Führungstor. Die Bemühungen der
Ostfriesen um den baldigen Ausgleich wurden kontrastiert von der zweiten
Unbeherrschtheit ihres Mittelfeldspielers Nägelein. In der 64. Minute bereits
gegen Hasse ausfällig geworden und mit Gelb verwarnt, belegte er bei seiner
Auswechslung den Schiri-Assistenten, um anschließend auch noch eine
Trinkflasche Richtung Spielfeld zu
befördern. Was er dabei nicht beachtet hatte: Der Wechsel war noch nicht
vollzogen. Nägelein bekam die Ampelkarte gezeigt und der eigentlich als
Einwechsler vorgesehene Cerci durfte sich wieder hinsetzen. Im weiten Rund
hielt es dagegen niemanden mehr auf seinem Sitz, als Jena mit dem 2:0 die
Entscheidung gelang: Ausgangspunkt einmal mehr Ziegner, mit 30-Meter-Spurt und
Ablage zu Hähnge. Während dieser auf der rechten Seite den Ball behauptet und
nach einer Anspielstation Ausschau hält, stürmt Jenas Kapitän ans Torraumeck
und hat massig Zeit, sich auf die Flanke einzustellen, den Kopfball
vorzubereiten. Mit Wucht netzt er ein und krönt damit seine überragende
Leistung des Tages.
Und nun stelle sich mal einer vor: Nächste Woche Auswärtsspiel
in Lübeck - mit einem brechend vollen Gästeblock im Rücken macht der FCC beim
ärgsten Konkurrenten den Aufstieg perfekt. Drei Spieltage vor Schluss.
Nette Vorstellung, nicht ?
Sicher nicht leicht in die Tat umzusetzen. Aber unmöglich scheint in dieser Saison rein gar
nichts. <fc>
Fotos auf weissenburger.de
Diashow von Rene Röder
Spielbericht auf bsv-kickers-emden.de
Tore: 0:1 Maul (18.)
- Erfurt: Orlishausen; Kühne, Holst, Bertram, Six (77. Aris);
Schnetzler, Hanke (61. Kumbela), Schnuphase (89. Anicic), Brunnemann;
David, Hebestreit
- Jena: Person; Kowalik, Kühne, Wachsmuth; Werner, Thielemann
(46. Zimmermann), Maul, Ziegner, Schlitte; Sykora (89. Kunze), Hähnge
(64. Zaccanti)
- Zuschauer: 16.137
- Schiedsrichter: Schalk (Augsburg)
- Spielbericht:
- Als Schiedsrichter Schalk das Spiel am Samstagnachmittag
anpfeift, ist das Ärgerlichste für die knapp 4000 Mitgereisten aus Jena
eigentlich schon überstanden. Schlimmer als die unaufhörlichen
Selbstbeweihräucherungen des Erfurter Stadionsprechers kann das Spiel auch
nicht mehr werden. Die geistarmen Versuche den Alleinvermarktungsanspruch des
Begriffs ‚Thüringer’ für seine Rot-Weißen zu untermauern, waren an Peinlichkeit
kaum noch zu überbieten. Zwischendurch immer wieder das Gedudel der allseits
bekannten Vereinshymnen. Dafür kein Begrüßen der Gästefans, nix. Unter der
untersten Schublade muß irgendwo noch ein Geheimfach sein. Wirklich kein
Wunder, wenn die Fans nach so einem Theater aufeinander losgehen!
Schlimm wird es aber selbst danach noch. Denn die so
gepriesenen Überthüringer spielen von Anfang an hoch konzentriert, Jena dagegen
eher abwartend, man könnte auch sagen uninteressiert. Von Kontrolle keine Spur,
geschweige denn von Überlegenheit. Die erste Möglichkeit haben denn auch
ziemlich schnell die Hausherren. Bertram zieht nach einem Freistoß von Schnetzler aus spitzem Winkel ab. Zwar kann Person den
nassen Ball reaktionsschnell abwehren, zu fassen bekommt er ihn aber erst im
dritten oder vierten Versuch. Bis dahin stochern Freund und Feind nach dem
Ball, ohne dabei außerordentlich große Fertigkeiten an den Tag zu legen (8.).
Aber auch nach diesem Warnschuß bringt Jena der gegnerischen Anfangsoffensive
einen nur wenig vertrauenserweckenden Gleichmut entgegen. Viel zu viel Platz
haben die Erfurter da, können das Mittelfeld meist ohne nennenswerte
Zwischenfälle überqueren und erarbeiten sich so einige gute Möglichkeiten.
Irgendwas platzt den Rot-Weißen Freudenausbrüchen dann aber immer wieder
dazwischen. In der 39. Minute ist es zunächst der Pfosten. Schlitte
hatte auf der Außenbahn das Duell gegen Kühne verloren, dessen präzise Flanke
der gute Hebestreit per Kopf ans Alu donnert. Kurze Zeit später läßt sich Maul
von Schnetzler auskurven, den schönen Schlenzer kann Person aber am langen Eck vorbeilenken
(41.). Und dann ist es kurz vor der Halbzeit schließlich noch der
Linienrichter, der uns mit seinem Fähnchen vor dem längst überfälligen
Gegentreffer bewahrt. David hatte zuvor einen abgefälschten Schuß von Bertram
in den Maschen des Jenaer Tores versenkt. Das Dotchev
in den Fernsehaufnahmen keine Abseitsstellung erkennen konnte, liegt
wahrscheinlich schlicht und ergreifend an der apathischen Drehbewegung des
Kameramanns. Die Stelle ist einfach nicht zu sehen. Über die Richtigkeit der
Entscheidung läßt sich im nachhinein nur noch mutmaßen. Egal, die Fahne war
oben. Kein Tor!
Und auf der Gegenseite? Nix! Jenas Angriffsbemühungen
verpuffen meistens schon kurz hinter der Mittellinie und erinnern eher an eine
Friedensdemo denn an den Versuch, hier ein Tor zu erzielen. Das bißchen
Kreativität im Aufbauspiel erstirbt meist in unschönen Schlampigkeiten beim
Umgang mit dem Spielgerät und verlangt bezüglich der gehegten
Aufstiegsambitionen nach allerhand Vorstellungskraft. Aber das Schicksal hat
seine Würfel längst geworfen! Hähnge läßt sich bei
seiner besten Darbietung des Nachmittags am rechten Spielfeldrand foulen und
den präzise geschlagenen Freistoß von Ziegner bringt Maul per Kopf im Tor des
netten Nachbarn unter (18.). 1:0. Traumhaft! 4000-facher Jubel. 12000 lange
Gesichter. Jetzt muß es doch besser werden. Vielleicht ja gleich noch das 2:0
hinterher! Aber dem unplazierten 20-Meter-Schuß von Sykora
kann Orlishausen auch beim besten Willen das Fangen
nicht versagen. Dann gleich wieder das alte Bild. Massig Platz für Thüringens
Tollste. Eine Nervenmühle. Dann endlich, der lang herbeigesehnte Pfiff zur
Pause. Das war ganz schön eng! Wieder 15 Minuten lang die lustige Musi vom Band! Meine Güte, schnell weiter!
Die zweite Halbzeit. Fast die Entscheidung. Werner setzt
sich auf der linken Seite wunderschön durch, aber die präzise Eingabe kann
Ziegner nicht im Tor unterbringen (48.). Das waren doch höchstens fünf Meter! Mannomann... Jena macht jetzt aber deutlich mehr, hält die
Rot-Weißen besser vom eigenen Tor weg. Nur einmal noch kommt Hebestreit nach
einer Eingabe von Brunnemann frei zum Kopfball. Aber
auch diesmal läßt sich Person die Butter nicht vom Brot nehmen (56.). Erfurts
Abwehr rückt jetzt mehr und mehr auf. Da ist jede Menge Platz zum Kontern.
Zwölf Minuten vor dem Ende läuft der eingewechselte Zaccanti nach einem Fehler
von Kühne alleine auf Orlishausen zu. Das muß es
eigentlich sein. Aber dann verspringt der Ball, hüpft vor Zaccanti in die Luft
und der Schuß fliegt einen Meter über das Tor. Zum Haareraufen.
Dann gleich wieder der Argentinier. Der macht echt Ballett da vorne. Aber auch
sein Schlenzer von halblinks fliegt haarscharf am rechten Pfosten vorbei (79.).
Wenn sich das mal nicht rächt. Aber Jena steht hinten jetzt sicher. Dann doch
noch mal Erfurt. Die 89. Minute. Ein unnötiger Ballverlust von Ziegner. Ein
Rot-Weißer marschiert mit Ball am Fuß über den ganzen Platz. Die Flanke von
links hoppelt durch den Torraum. Kumbela setzt zum Seitfallzieher an. Person ist geschlagen. Aber – wie gesagt
– das Schicksal hat schon längst gewürfelt. Der Ball springt vom Lattenkreuz
zurück, genau in die Arme des Jenaer Schlußmanns. Bah! Unglaublich!
Und dann ist endlich Schluß. Der Jubel will kein Ende
nehmen. Die Mannschaft sitzt vor dem Fanblock. Macht ein „Uffta“
mit. Die Ergebnisse aus den anderen Stadien bringen das Faß zum Überlaufen.
„Spitzenreiter, Spitzenreiter“. Und das vier Spieltage vor Saisonende. Hätte
mir das jemand vor einem Jahr gesagt, ich wäre wahrscheinlich auf der Stelle
zusammengebrochen. Wieder nicht aufgestiegen. Gegen Neuruppin noch die
Relegation vergeigt! Und dann noch ein Jahr sämtliche Bolzwiesen
Ostdeutschlands. Nach Völpke. Und noch viel schlimmer, gegen Erfurts Zwote auf
irgendeinem Nebenplatz des Steigerwaldstadions, ach nee Leute. Aber so? Wer hätte
das geglaubt? Es ist kurz vor vier und wir stehen im Steigerwaldstadion. Kein
Nebenplatz! Die Rot-Weißen haben sich gerade getrollt. Mal wieder geschlagen.
Und wir? Wir brüllen. Wir brüllen so
laut es geht: „Wir steigen auf, wir steigen auf!“. Und das erste Mal glaube ich
auch an das, was da durchs Stadion hallt. Wir schaffen das! Auch wenn die
Nerven bis dahin wahrscheinlich völlig runter sind... <bpf>
Derbyfotos
Bericht auf rot-weiss-erfurt.de
- Jena: Person; Kowalik (46. Zaccanti), Schmidt, Maul; Werner,
Kühne, Thielemann (82. Anicic), Ziegner, Schlitte; Zimmermann,
Hähnge (62. Sykora)
- Bremen: Jensen; Theuerkauf, Banecki, Mohr, Schachten;
Rockenbach da Silva, Stallbaum, Schierenbeck, Bischoff (85. Wittke);
Polenz (89. Schmidt), Harnik (90. Avcioglu)
- Zuschauer: 6201
- Schiedsrichter: Schriever (Ottendorf)
- Spielbericht:
- Der FCC steht auf der
Schwelle zum Zweitligaaufstieg, die Kommunalwahlen stehen vor der Tür
und so entdeckt plötzlich auch der ein oder andere
Lokalpolitiker sein Herz für den Club. Diesmal durfte Kandidat
Schröter seinen Tip zum Besten geben, die "Südkurve!
Südkurve!" - Gesänge von den Traversen machten hingegen
deutlich, dass die Wähler mehr von Politik erwarten als
beifallheischende Worte übers Stadionmikrofon.
Die Erwartungen
an die Mannschaft waren dagegen recht einfach gestrickt - drei
Punkte sollten her gegen die Reserve des Kooperationspartners und nur
wenige Sekunden nach Anpfiff hätte es beinahe das erste Mal
geklingelt. Hähnge dreht sich wunderbar um seinen Gegenspieler,
zieht flach ab und das Leder zischt nur um Zentimeter am rechten
Pfosten vorbei. "Macht nix, weiter geht's" dachten sich wohl
viele im mit über 6.000 Zuschauern annehmbar gefüllten
Stadionrund, doch sie sahen sich in der Folge getäuscht. Jena
wirkte wie schon in den ersten Halbzeiten der letzten beiden
Heimspiele gehemmt, die Last des Aufsteigenkönnens schien die
Beine ebenso zu lähmen wie die in den Knochen steckenden
englischen Wochen. Zudem hatte Gästecoach Thomas Wolter seine
Mannen bestens auf den Tabellenzweiten eingestellt. Eng am Mann ließ
man die Blaugelbweißen im Mittelfeld kaum zur Entfaltung
kommen, der bundesligaerfahrene Werder-Kapitän Björn
Schierenbeck ergänzte die Bremer Viererkette noch zusätzlich,
indem er sich bei Jenaer Aufbauspiel oft zu den beiden Spitzen Hähnge
und Zimmermann orientierte, die kaum Luft zum Atmen bekamen.
Überhaupt "Aufbauspiel". Dieses fand über die linke
Seite kaum statt, da Kowalik wieder einmal einen rabenschwarzen Tag
hatte und so waren bis zum Seitenwechsel mehr Bremer Möglichkeiten
(8. nach Maul-Patzer, 15. als Maul in einer 1:2-Situation Harniks
tödlichen Querpass gleich zweimal stoppt) zu verzeichnen als auf
der Gegenseite. Und dennoch hätte der FCC zur Pause führen
müssen, doch Ziegners schwach geschossener Elfmeter nach einer
Attacke an Maul fischte Werders Jensen mit Leichtigkeit aus dem
rechten unteren Eck. So hätten beim Halbzeitpfiff lediglich die
19 anwesenden Gästefans Grund zum lauten Jubel gehabt, wäre
da nicht ihr über 90 Minuten aufrecht gehaltenes Schweigegelübde
gewesen.
Es musste etwas passieren beim FCC und Heiko Weber
reagierte. Stürmer für Verteidiger lautete die Devise, für
Kowalik kam Edeljoker Zaccanti ins Spiel, Ralf Schmidt rückte
nach links, Stefan Kühne, auf dessen Position nun Zimmermann
agierte, übernahm den zentralen Abwehrpart. Diese Umstellung
brachte nicht nur mehr Sicherheit in Halbzweit zwei (nur bei einem
Polenz-Flugkopfball (53.) und einer von zwei Werderanern verpassten
Eingabe stockte den Zeissfans der Atem), sondern unsere Mannschaft
raffte sich nun zu einer bemerkenswerten Energieleistung auf.
Angriffswelle um Angriffswelle rollte auf das Jensen-Gehäuse,
die Flut an Ecken stieg ins Unerfassbare. Richtig gefährlich
wurden diese Ecken gegen die luftsichere Werderverteidigung jedoch
meist erst im zweiten Versuch, doch das uns zuletzt so treue Glück
war Kühne (53.), Werner (57., 64.), Ziegner (57.), Zimmermann
(63.), Thielmann (78.) bei diesen Möglichkeiten genauso wenig
hold wie aus dem Spiel heraus bei Werners Sololauf (56.), Zaccantis
Schuß übers Tor (66.), Hähnges und Sykoras einen Tick
zu steile Zuspiele auf Zaccanti (47., 68.), Ziegners nur durch übles
Foul gestopptem Solo und anschließendem von einem
Werder-Feldspieler auf der Linie geklärten Ziege-Freistoß
(51.), Sykoras von Jensen nach großem Sololauf über die
Latte gelenkten 20m-Knaller (70.), oder Schlittes von Jensen
parierter Ball freistehend aus 8 Metern, den auch Zaccanti am langen
Pfosten nicht mehr unterbringen konnte (71.). Es war zum Haareraufen,
doch als Jensen den links steil geschickten Zaccanti im Herauslaufen
umsäbelte und das dummerweise im Strafraum, schien die Zeit
gekommen für den verdienten Lohn des Jenaer Angriffsspiels. Der
gefoulte Argentinier schnappte sich in freudiger Erregung sofort
selbst den Ball und konnte es kaum erwarten, wie schon gegen
Osnabrück zum Matchwinner zu werden. Vielleicht hätte er
den Puls doch ein wenig herunterfahren sollen, denn auch dieser
Elfmeterversuch landete geradezu kläglich in den Armen Jensens
(81.), der sein Glück kaum fassen konnte. Es war wieder einmal
Zeit für die Historiker, sich an ein Spiel zu erinnern, in dem
der FCC gleich zwei Chancen vom Punkt ausgelassen hatte. Weber setzte
noch einmal alles auf eine Karte, brachte für Thielemann den
offensiven Anicic und der noch nicht ganz Wiedergenesene prüfte
gleich mit seiner ersten Aktion den Gästekeeper, der seinen
Freistoß nur mit Mühe entschärfen konnte (82.). Die
jungen Werderaner ließen sich nun fast aufreizend viel Zeit,
ohne dass dies den Mann in schwarz zu nennenswerten Reaktionen
hinreißen ließe. Allein für eine einzige
Auswechslung brauchte man so lange wie der Referee insgesamt
nachspielen ließ (zwei Minuten) und so reichte es in der
Schlussphase nur noch zu einer 100%igen Möglichkeit, als Anicics
Heber von Jensen mit allerletzter Kraft entschärft wird und der
einschussbereite Zaccanti eine Hundertstelsekunde zu spät kommt,
um das Leder im Tor unterzubringen (91.).
Dann war Schluß, mit
den aus dem Zeiss-Nachwuchs an die Weser gewechselten Theuerkauf und
Wittke hatten nur zwei Jenaer Grund zum Jubel, während die
Blaugekleideten enttäuscht und entkräftet am Boden lagen.
Von den Rängen gab es dennoch riesigen Applaus für Jenas
Elf, die zwar geradezu sinnbildlich den "Elfmeter" zum Sprung an
die Tabellenspitze verpasst hat, doch mit drei Zählern Vorsprung
auf Rang drei weiterhin sensationell im Aufstiegsrennen liegt. <gunner>
Schnappschüsse auf weissenburger.de
Spielbericht auf werder-online.de
Tore: 1:0 Zaccanti (80.)
- Jena: Person; Kowalik, Schmidt, Kühne; Werner (59. Kunze),
Thielemann, Ziegner, Zimmermann, Schlitte (75. Manai); Sykora (54. Zaccanti),
Hähnge
- Osnabrück: Berbig; Schäfer (84. Biran), Heidenreich,
Schanda; Menga, Ewertz, Wedau, Joppe (88. Villar), Kügler (84. Bernhardt); Heider, Reichenberger
- Zuschauer: 6588
- Schiedsrichter: Walz (Pfedelbach)
- Spielbericht:
- Es ist kurz vor halb acht. Als sich Jenas Abwehr eine
neuerliche Auszeit gönnt und Heider alleine auf Person zuspaziert, ist das Märchen
eigentlich schon fast zu Ende. In weniger als drei Sekunden wird es einschlagen
und es unserem sorgsam verhätschelten Traum vom Aufstieg das Fundament
wegreißen. Sekunden, die kaum vergehen... So mußte es ja irgendwann kommen. Zu
groß der Druck des Siegenmüssens. Zu groß die Löcher, die Schiedsrichter
Metzger am letzten Wochenende in die Jenaer Abwehr gerissen hat. Und zu groß
auch die Abstimmungsprobleme, die Heiko Webers Abwehrflickwerk bis dato so
offenbarte. Erst Kühnes Kopfballrückgabe, die Person gerade noch entschärfen
kann (12.). Wenig später dann Ziegners (ups!) perfekter Querpaß auf Reichenberger,
der den Ball vom Elfmeterpunkt nicht im Jenaer Tor unterbringen kann (13.). Und kurz vor der Pause noch eine
Möglichkeit zur Osnabrücker Führung. Nach einem Abpraller kann Person dem
allein heranstürmenden Heider den Ball aber gerade noch vom Fuß angeln (45.).
Ganz schön viel Dusel. Zwischendurch auch ein paar schöne Angriffe von Jena.
Über Ziegner und Thielemann kommt der Ball zunächst zum
gutpostierten Werner. Dessen überhasteter Schuß aber ein paar Meter am Tor
vorbei fliegt (21.). Dann das dickste Ding nach einer knappen halben Stunde.
Werner spielt den freistehenden Zimmermann in der Spitze an, der den Ball in
seiner Aufregung aber ziemlich stümperhaft am langen Pfosten vorbeimurkst. Das
gibt’s doch gar nicht! Dann noch ein Freistoß von Schmidt auf Kowalik, dessen Kopfball aber den Weg ins Tor ebenfalls
nicht findet (32.) Zwischendurch ganz viel Murks bei Jena. Da ist Ziegner, der sich einen Ball nach dem anderen erkämpft um sich
Sekunden später am anderen Ende des Platzes hoffnungslos festzurennen. Da gibt
es für den sonst so starken Werner auf seiner Seite kein Durchkommen. Und auch Hähnge ist für die robusten Abwehrspieler der Niedersachsen
viel zu apathisch und ungelenk. Ganz zu schweigen von der Abwehr, welche immer
wieder mit besagten Abstimmungsproblemen zu kämpfen hat und für reichlich
Anspannung im weiten Rund sorgt.
Dann die zweite Halbzeit. Zunächst eine Kategorie 5-Rückgabe
von Schmidt auf Person. Schön auf Kniehöhe angelupft, um den Schwierigkeitsgrad
deutlich anzuheben, kann der Jenaer Schlußmann den Ball gerade noch Richtung
Mittellinie entsorgen. Dann läuft Menga auf Person
zu, scheitert aber am winkenden Schiedsrichterassistenten. Wenn überhaupt, war
das ganz schön knapp. Osnabrück ist dem Führungstreffer
jetzt näher als Jena. Dann ist es kurz vor halb acht. Heider kommt alleine vor
Person zu. Die drei Sekunden sind um… Jetzt schießt er. Es klatscht (71.). Der
Ball hoppelt von Person zurück ins Spielfeld. Gehalten. Ein Aufschrei im
Publikum. Wir leben noch! Ich kann´s kaum glauben, wieder
nicht drin. Unser Traum darf also weiter verhätschelt werden! Jetzt wenigstens
den Punkt retten. Doch der eingewechselte Zaccanti
köpft im Gegenzug sogar fast die Führung (72.). Jetzt sind alle wieder
hellwach. Kunze, ebenfalls eingewechselt, macht jetzt mächtig Druck über links,
rennt sich aber immer wieder mit der gleichen Körpertäuschung fest. Dem muß
doch mal was anderes einfallen! Vielleicht jetzt mal. Sein Schuß aus 20 m ist
keine Gefahr für das Osnabrücker Tor. Oder? Berbig
läßt prallen. Zaccanti aus 4 Metern. Drin! Drin! Das
kann doch gar nicht wahr sein (80.). Am Spielfeldrand fliegen die Jenaer
Spieler im Jubel übereinander. Im Publikum entlädt sich die aufgestaute
Spannung in tosendem Krach, einander wildfremde Menschen liegen sich in den
Armen. Ausgerechnet der bis dahin fehlerfreie Berbig
verhilft uns zur unverhofften Führung. Jetzt nur noch 10 Minuten durchhalten. Viel
läuft nicht mehr zusammen, auch bei Osnabrück nicht. Nur noch Kampf. Fast doch noch
der Ausgleich, aber der Schuß eines Osnabrückers fliegt nur an das Außennetz.
Wie lange will der denn noch spielen lassen? Pfeif ab! Pfeiff
doch ab! Dann ist endlich Schluß. Wahnsinn!!! Wir bleiben auch sechs Spieltage
vor dem Ende oben dran. Wenn man solche Spiele gewinnt, muß es doch eigentlich
klappen mit dem Aufstieg!
Die Mannschaft tappt noch Minuten nach dem Abpfiff durchs
Stadion und macht einen Laola nach dem anderen. Die
Spieler grinsen wie nach einer frühweihnachtlichen Bescherung. Sie wissen ganz
genau, daß sie heute beschenkt worden sind. So ein Spiel gewinnt man nur, wenn
man eh oben drinne steht. Verlassen sollte man sich
auf dieses kränkelnde Gesetz aber lieber nicht. Will man aufsteigen, muß
spätestens gegen Bremen wieder ein überzeugender Sieg her. Denn Weihnachten ist
schließlich nur einmal im Jahr. <bpf>
Bilder vom Mittwochabend
Kurzbericht auf www.vfl.de
Tore: 0:1 Kühne (25.)
- Hamburg: Hesl; Lauser, Klingbeil, Gouhari, S.Müller(60.Reichel); Karl, Feilhaber,
Fillinger(46.Ben-Hatira), Takyi; Hennings, Asma
- Jena: Person; Maul (
, 42.),
Hasse (
, 57.), Schmidt (83. Kunze);
Werner, Thielemann (64.Kowalik), Kühne, Ziegner, Schlitte;
Zimmermann (73.Sykora), Hähnge
- Zuschauer: 950
- Schiedsrichter: Metzger (Aachen)
- Spielbericht:
- [von Gastkommentator Thomas Neumann]
Da grübelt man nun eine ganze Woche lang über den richtigen Anfang für den Spielbericht vom Auswärtsspiel bei den
HSV Amateuren und kann sich doch nicht entscheiden. Dabei ließe sich doch so schön philosophieren über Auswärtsspiele
am Auferstehungssonntag oder über das Hamburger "Schiet" - Wetter, dass fast zu schön klischeehaft daherkommt und eine ganze Anzahl
der insgesamt wohl ca. 500 FCC - Fans unter das Dach der Tribüne treibt. Die Eintrittspreise treiben einem jedoch auch die Feuchtigkeit
in die Augen. Ein Platz auf dieser Tribüne für vierzehn Euro zu verkaufen ist …. ach lassen wir das.
Eigentlich ist alles wie gewünscht vor diesem Spiel: Die unmittelbare Konkurrenz hat sich an den Vortagen gegenseitig die Punkte
geteilt bzw. sogar gegen Abstiegskandidaten verloren, während der FCC erst am Ostersonntag mit kompletter Kapelle in Hamburg antritt.
Mit einem Auswärtssieg würde sich sogar ein kleiner 2 - Punkte Vorsprung auf einen Nichtaufstiegsplatz auftun. Und im Kicker-Interview
teilt Präsi Zipfel sogar mit, dass man sich mittlerweile nicht mehr gegen einen möglichen Aufstieg wehren würde. Na immerhin! ;-)
Der FCC beginnt wie eigentlich immer in den letzten Spielen. Bereits in der ersten Viertelstunde bieten sich Hähnge (8.) Werner ( 12.)
und Zimmermann ( 13.) Chancen für ein zeitiges Führungstor. Die HSV U 23 kommt dabei nur in der 10. Minute nach einem Foul von
Zimmermann zu einer gefährlichen Standardsituation vor dem Jenaer Tor. Nach einer Ecke von Ziegner ist es in der 24. Minute dann soweit
und Stefan Kühne steigt im Fünfmeterraum am höchsten und köpft den Ball zum 1:0 über die Linie.
In der 29. Minute rückt erstmals der Schiedsrichter in den Mittelpunkt. Nach einem groben Foul an Kühne direkt an der
Mittelfeldlinie und anschließender etwas heftigerer Reaktion des Jenaers bekommen sowohl der Hamburger als auch Kühne den
gelben Karton zu sehen. Der FCC drückt in der Folgezeit weiter mit sehenswerten Kombinationen auf das Tempo. Ein Schuss von
Schlitte (31.) auf das HSV - Gehäuse kann durch die Abwehrspieler des HSV abgeblockt werden. Sebastian Hähnge kann sich
zweimal kurz hintereinander (31. & 33.) auf der rechten Seite bzw. in der Mitte durchsetzen - kann aber beide Male letztlich nicht
kontrolliert abschließen. Für die Abwehr des FCC wird es lediglich nach einem Freistoss den Person prallen lässt etwas gefährlich.
Für den FCC - Fan ist es eigentlich nur noch eine Frage der Zeit, dass sich die Überlegenheit auf dem Feld auch in einem höheren
Spielstand niederschlägt, bevor in der 43. Minute der Schiedsrichter ein erstes Mal richtig zuschlägt. Der HSV startet über
die linke Seite einen Konter - der Jenaer Maul kreuzt als letzter Mann hinter dem Hamburger Hennings - und dieser fällt. Das ist
jedenfalls das, was aus meiner Sicht zu dem für Maul folgenden Platzverweis führte. Mit welcher Sicherheit der Schiedsrichter
aus ca. 40 Metern Entfernung diese Entscheidung trifft, nötigt schon Respekt ab und spricht für sein gutes Auge oder eben doch
nur für die gute Flugeinlage des Hamburgers. Der anschließende Freistoss wird von den Hamburgern links oben über den Kasten
von Person gesetzt, bevor die erste Halbzeit abgepfiffen wird.
Der FCC kommt unverändert aus der Kabine zurück und kann den HSV - Nachwuchs trotz Unterzahl auch weiterhin gut beschäftigen.
Nach einem Ziegner Freistoss kommt Werner zu einem Nachschuss (47. Min.), den er jedoch den Ball in den Hamburger Nachmittagshimmel schickt.
In der 57. Minute hat es Schiedsrichter Karl-Josef Metzger aus Aachen dann entgültig geschafft, den Ausflug nach Hamburg und dieses Spiel
auch noch in Jahren zum Gesprächsstoff für die Jenaer Fans zu machen. Der Hamburger Takyi soll von Holger Hasse in Höhe der
Mittellinie, etwas entfernt vom Ball, gefoult worden sein. Hasse sieht deshalb Rot und Takyi hat in der Folgezeit bei jeder Ballberührung
ein gellendes Pfeifkonzert der Jenaer Fans in den Ohren.
Was jetzt folgen könnte, kann sich jeder der Anwesenden in den schwärzesten Farben selbst ausmalen. Mit Neun gegen Elf gegen sollte es
für die bis dahin schwachen Hamburger ja nun wohl möglich sein, die Jenaer Abwehr auszuhebeln und das Spiel locker zu drehen. Nichts
davon passiert! Zwar beschränken sich die Jenaer Offensivbemühungen logischerweise jetzt nur noch auf Ballhaltespiele in der gegnerischen
Hälfte, aber auch die Hamburger kommen lediglich noch zweimal, in der 64. Minute nach einem Fernschuss den Person im Nachfassen festhält
und in der 68. Minute als Ziegner vor dem eigenen Tor ein Luftloch schlägt, wirklich gefährlich vor das Jenaer Tor. Danach wird das Spiel
des HSV immer einfallsloser. Die HSV-Bubis versuchen trotz zahlenmäßiger Überlegenheit immer und immer wieder auf den direkten Weg
durch die Mitte die tief stehende Jenaer Abwehr zu knacken. Die Krönung des Ganzen ist dann ein Freistoss (85.) aus zentraler Position ca. 20 Meter
vor dem Tor, bei dem sich erst ca. die Hälfte der Hamburger Mannschaft um die Ausführung bewirbt, der jedoch dann direkt zu einem Jenaer gelupft wird.
Höchste Zeit für den Schreiber dieser Zeilen endlich den Notizzettel einzupacken und etwas entspannter das Geschehen zu verfolgen. Hier
brennt nix mehr an. Trotz Unterzahl gewinnt der FCC souverän an der Hamburger Hagenbeckstrasse gegen die zweite Mannschaft des HSV mit 1:0.
Wäre das Spiel ohne rote Karten über die Bühne gegangen, wäre ein höherer Sieg absolut realistisch gewesen und wohl auch
eingetreten. Beide Platzverweise werden so auf den Fussballplätzen des Landes an jedem Wochenende verteilt und sollten m. E. auch nicht zum
Gegenstand irgendwelcher sinnfreien "DFB-Mafia" Diskussionen gemacht werden. Dem Schiedsrichter fehlte ein wenig viel, von dem was man gemeinhin
als Fingerspitzengefühl bezeichnet. Immerhin wohl sieben gelbe Karten und zwei rote Karten passen im Ergebnis nicht zu einem Spiel das nicht
wirklich so unfair von beiden Seiten geführt wurde. Festzuhalten bleibt aber auch, dass sowohl Kühne als auch Ziegner und Thielemann ihre
gelben Karten jeweils aufgrund von Diskussionen mit dem Schiedsrichter, also völlig unnötig, bekamen. Soll es mit dem großen Ziel
am Ende der Saison tatsächlich etwas werden, heißt es kühleren Kopf zu bewahren - erst Recht in Spielen in denen es eigentlich ganz
klar für den FCC läuft.
Ob die drei Ostereier aus Hamburg nicht am Ende "vergiftet" sind, werden erst die kommenden Spiele zeigen, in denen der FCC mit einer
komplett neuen Abwehr antreten muss. Rein faktisch ist die Ausgangssituation jetzt jedoch so - ach nein - träumen wir erst einmal
einfach weiter von Spiel zu Spiel.
Bilder aus Hamburg
Tore: 1:0 Hähnge (60.)
- Jena: Person; Maul, Hasse, Schmidt; Werner, Kühne, Thielemann,
Ziegner (88. Kunze), Schlitte; Sykora (55. Zaccanti), Hähnge (81. Kowalik)
- St. Pauli: Hollerieth; Palikuca, Gunesch, Morena, Lechner; Schultz
(67. Sulentic), Scharping, Boll, Tornieporth (64. Arifi); Luz, Mazingu-Dinzey
(67. Shubititze)
- Zuschauer: 11.000
- Schiedsrichter: Rafati (Hannover)
- Spielbericht:
- FC Carl Zeiss JENA gegen FC St. Pauli - was für ein Spiel! Ganze 95 Monate mussten die Jenaer Fans ausharren,
um den Ex-Bundesligist mal wieder im Jenaer Rund begrüßen zu können. Damals endete die Partie mit einem
Unentschieden von 1:1, wobei der heutige Teamchef des FCC Heiko Weber den Treffer des FCC erzielen konnte. Jahre der
Viertklassigkeit sind zum Glück vorüber, und die Jenaer Fans befinden sich spätestens nach den Siegen
gegen Essen und Kiel in einem Fußball-Traum, der für sie bis zum Saisonende nicht enden möge. Daher
sollte auch heute unbedingt ein Jenaer Heimsieg her, um weiter auf Wolke Sieben schweben zu können. Die
Geschäftsführung des FCC rieb sich seit Wochen die Hände, denn die Karten im Vorverkauf gingen
für dieses brisante Duell weg wie warme Semmeln. Aber so einen Boom hatten die Verantwortlichen für
das heutige Match wohl doch nicht erwartet, so dass Schiedsrichter Rafiti die Partie mit sieben Minuten Verspätung
anpfeifen musste, um auch den letzten der 11000 gekommenen Fans die Möglichkeit zu geben, den Anpfiff in diesem
denkwürdigen Spiel mitzuerleben.
Bereits nach sieben Minuten der erste Angriff des FCC, doch der Schuss von Schmidt ging weit über das
Gehäuse. Wenige Sekunden erneut eine Möglichkeit der Jenaer, doch auch Maul konnte per Kopfball das
Tor leider nicht treffen. St. Pauli wurde nun zunehmend stärker, und nach gut einer Viertelstunde hatten die
Jenaer Glück, dass Mazingu-Dinzey aus Nahdistanz den Ball im Jenaer Tor nicht unterbringen konnte. In
der 26.Minute erneut eine Möglichkeit für die Hamburger. Einen gefährlich getretenen Freistoß
konnte Person nicht festhalten, doch zum Glück pfiff der Unparteiische wenig später die Aktion wegen
Torwartbehinderung ab. Durchatmen bei der Jenaer Anhängerschar. Der FCC wirkte in dieser Phase ein wenig
verunsichert und lange nicht mehr gesehene Abspielfehler und Missverständnisse im Mittelfeld häuften
sich. Aber zum Glück überstanden die Hausherren diese Phase und konnten kurz vor der Pause noch
einmal gefährlich vor dem Tor der Gäste auftauchen. Kühne hatte mit einem öffnenden Pass
in die Tiefe Schlitte auf die Reise geschickt, doch anstatt quer in den Strafraum zu passen, entschied er sich
zum Torschuss, den Hollerieth im Tor der Gäste locker parieren konnte.
Jedem der Zuschauer war spätestens zur Pause klar, dass eine Leistungssteigerung in der zweiten Halbzeit
dringend von Nöten war, um auch im heutigen Spiel gegen die Kiez-Kicker als Sieger vom Platz gehen zu
können. Dementsprechend forsch begannen die Jenaer die zweiten 45 Minuten, doch die erste Möglichkeit
nach der Pause ergab sich für die Gäste. Den ersten und einzigen Eckball der Hamburger unterlief Person,
doch der Schuss von Palikuca konnte von Werner gerade noch kurz vor der Torlinie abgewehrt werden. Erst jetzt
begann der FCC, das Heft des Handelns in die Hand zu nehmen. Zunächst scheiterte Sykora (51.) nach einem
Sololauf, doch wenig später nahm Trainer Weber den glücklosen Sykora vom Platz und Neuzugang Daniel
Zaccanti durfte sein Heimspiel-Debüt feiern. Weber hoffte wohl auf eine Initialzündung im Team, die
auch spürbar wurde.
Knapp eine Stunde war bereits vorbei, da hatten die Jenaer Fans zum ersten Mal den Torschrei auf den Lippen.
Kapitän Ziegner war von halbrechts in den Strafraum eingedrungen und die gesamte Hamburger Abwehr rechnete
mit einer Eingabe vor das Tor, doch Ziegner entschied sich für einen genialen Pass in den Rücken der
Abwehr genau auf Werner, der aber diese Großchance nicht verwerten konnte und das Leder weit über das
Tor donnerte. Aber nur eine Minute machte er seinen "Fehler" wieder gut, indem er mit einer herrlichen Flanke in
den Sechszehner Schlitte bediente, der jedoch zum Entsetzen der Zuschauer per Kopf nur den langen Pfosten traf.
Den abprallenden Ball nahm Goalgetter Hähnge direkt und schoss die Kugel erneut ans Gebälk, von wo sie
aber zum Glück der Jenaer in das Tor sprang. Ein Torschrei hallte durchs weite Rund, wie man ihn lange nicht
erlebt hatte. Der Druck war weg, und der FCC begann nun endlich richtig Fußball zu spielen. So ergaben sich
nun auch weitere Chancen, doch sowohl Hähnge (62.) und Zaccanti (66.) wie auch Werner (67.) konnten die
Vorentscheidung nicht herbeiführen. Um ein Haar wären die Gäste nach einem völlig unnötigen
Ballverlust von Thielemann (77.) im Mittelfeld sogar noch zum Ausgleich gekommen, doch Person behielt auch in dieser
Szene die Ruhe und konnte die Tormöglichkeit vereiteln. Nun lief die Zeit den Hamburgern davon, und der
Tabellenzweite spielte die letzten Minuten sicher und kontrolliert zu Ende. Was am Ende blieb war grenzenloser
Jubel, als Schiedsrichter Rafati nach 91 Minuten zum letzten Mal am heutigen Tag in seine Trillerpfeife blies.
Standing Ovations begleiteten die Sieger in die Kabine - der FCC lässt seine Fans noch immer nicht aus
ihrem Fußball-Traum erwachen. <vg>
Fotos von Jens Weißenburger
Spielbericht auf fcstpauli.de
Tore: 1:0 Chitsulo (38.), 1:1 Zaccanti (81.)
- Köln: Pauken; Schöneberg, Nickenig, Schwellenbach,
Volkert; Tosun (82. Schlösser), Zinke, Pagano, Alushi (84. Laux);
Chitsulo (77. Eßler), Chihi
- Jena: Person; Maul, Hasse, Kowalik (46. Erfen); Schmidt, Kühne,
Ziegner, Zimmermann, Schlitte; Kunze (61. Zaccanti), Hähnge (77.
Juraschek)
- Zuschauer: 500
- Schiedsrichter: Leicher (Weihmichel)
- Spielbericht:
- Nach acht Jahren ging es wieder ins Kölner Südstadion, in
dem ich - im Gegensatz zu etlichen anderen Zeiss-Fans - eine
ungeschlagene Bilanz mit zwei Siegen (1993, 1998) und einem
Unentschieden (1994) aufzuweisen habe. Ging es damals gegen die
Fortuna, so war jetzt die U 23 vom 1. FC der Konkurrent. Nach den
beiden Siegen gegen Essen und in Kiel eigentlich eine Pflichtübung,
aber es war der 1. April, an dem es häufig derbe Scherze gibt.
Und das war so ein Tag, an dem beim FCC fast gar nichts lief.
Nach dem Anpfiff begann unser Team wie gewohnt sofort mit Offensive.
Bereits nach 33 Sekunden mußte der Kölner Keeper Paucken
Schmidts Schuß von der Strafraumgrenze aus dem Toreck fausten.
Auch danach ging es fast immer nur Richtung Kölner Tor. In der
9. Minute brachen die mitgereisten 350 Zeiss Fans, denen nicht einmal
halb so viele Zuschauer außerhalb der Gästekurve (und
darunter auch etliche Zeiss-Fans) gegenüberstanden, nach einer
halben Sekunde ihren Torjubel ab und transformierten ihn in einen
kräftigen Fluch: Schlitte hatte rechts seinen Gegenspieler
vernascht und maßgenau zur Mitte auf Kunzes Kopf geflankt, aber
leider haschte sich Paucken diesen Ball aus Nahdistanz noch auf der
Linie. Nach einer Viertelstunde ging der Adrenalinspiegel wieder
hoch, als Kowalik eine Flanke unterlief und der Kölner Schuß
zunächst von Maul kurz vor der Linie gestoppt und Person und ein
Kühne mit vereinten Kräften den Nachschuß abblockten.
Die folgende Viertelstunde relativer Langeweile - der FCC nahm den
Schwung heraus - wurde nur von einer weiteren Kölner Chance
unterbrochen, als Person einen Fernschuß abklatschen mußte,
Hasse sich in den Nachschuß warf und der zweite Versuch am
Jenaer Tor vorbeiging. In der 33. Minute blies Kunze mit einem etwas
abgerutschten Kopfball nach erneuter Schlitte-Flanke zur Attacke. Nur
zwei Minuten durfte sich Schlitte selbst versuchen, sein Kopfball
nach Ziegners Flanke von links landete aber an der Torlatte. Kunze
wollte dem nicht nachstehen und donnerte den Ball nicht einmal 60
Sekunden später auch an den Querbalken. Und eine weitere Minute
später gewann wiederum Paucken das Duell gegen Kunze und hielt.
Die Jenaer Hoffnungen, nun bis zur Pause die bis dahin verdiente
Führung zu erzielen, wurde im Gegenzug jäh zunichte
gemacht. Eine Flanke von rechts senkt sich am langen Torraumeck, und
genau zwischen den beiden "Riesen" Kowalik (zu weit vorn) und
Maul springt der 1,70 m große (oder besser: kleine) Chitsolu
hoch und köpft via Lattenunterkante zum 1:0 ein. Unmittelbar vor
der Pause gab es noch einen Aufreger, als Paucken Kowaliks Schuß
prallen ließ und Schlitte für seinen Nachschußversuch
Gelb kassierte.
Alle Zeiss-Fans hofften nun auf ein Angriffsfeuerwerk ihres Teams,
aber mehr als eine optische Überlegenheit ohne Chancen sprang
nicht heraus - im Gegenteil, die Kölner versiebte beste
Chancen zum 2:0. Erst rannte Pagano mit Ball an der Mittelinie los
(49.), vergaß aber zum Glück an der Strafraumgrenze die
Abseitsregel und paßte schräg auf den zu weit
vorgepreschten Chitsolu, so daß die Fahne des Assistenten Jena
vorm (wahrscheinlichen) Knockout rettete. Eine Weile später
endete ein fast perfekter Kölner Konter am Pfosten von Persons
Tor. Das war nicht das Jenaer Team der letzten 4 Spiele, in dem sich
jeder vor Ehrgeiz zerriß und man miteinander spielte.
Viel Umständlichkeit, Klein-klein, Ungenauigkeiten und
technische Fehler, die man in diesem Jahr noch nie sah, sorgten für
wachsende Sorgenfalten. Zaccanti sorgte in seinem ersten Einsatz (er
kam für Kunze) vorn für etwas Belebung. Er hatte aber in
zwei Situationen kein Glück: einmal wurde sein herausgeholter
Eckball vom Referee völlig falsch in Abstoß umgedeutet und
beim anderen Mal mußte es nicht unbedingt Freistoß für
Köln gegen, als Paucken Zaccanti außerhalb des Torraums
beim Flankenfangen von hinten klar umriß. Zaccanti erkämpfte
in der 72. min einen Freistoß am linken Strafraumeck, Hähnge
beförderte jedoch Ziegners Eingabe per Kopf und Schulter
deutlich neben das Tor. In der 76. min versuchte es der FCC mit der
Wiederholung des 1:0 in Kieler, Kühne köpfte nach Freistoß
den Ball von der Grundlinie zurück in die Mitte, aber Sykora war
diesmal nicht zur Stelle, da er es von der Tribüne nicht so
schnell in den Kölner Strafraum schaffte. Weitere vier Minuten
später bekam Zaccanti einen Freistoß in der Nähe der
linken Eckfahne zugesprochen. Ich bin mir nicht mehr sicher, was mit
Ziegners Flanke zwischendurch geschah: Im Stadion hatte ich mich auf
Verlängerung durch Maul festgelegt, nach dem Fernsehbildern
könnte der Ball auch ohne Zwischenberührung in der Mitte
aufgesetzt haben - aber völlig egal, in jedem Fall stand
Zaccanti goldrichtig und köpfte aus drei Metern Torentfernung
zum Ausgleich und beendete im Gästeblock das Zittern vor der
Niederlage. Köln verzichtete nämlich wie in der
vorangegangenen Viertelstunde auf ernsthafte Angriffsversuche und
versuchte nicht ungeschickt, den Ball mit allen Mitteln in den
eigenen Reihen zu halten. Und trotzdem wäre plötzlich in
der 87. min sogar noch der Sieg machbar gewesen: Nach einer Ecke von
Ziegner schraubte sich Schlitte an der Torraumgrenze hoch und köpfte
- es war zum Verzweifeln - fast genau auf Paucken. Ein Stückchen
mehr Richtung Ecke zielen und..., aber das wäre vielleicht auch
zuviel des Glücks gewesen. Ein bißchen benötigen wir
davon ja noch für die nächsten Spiele und wenn man sich die
2006er Gesamtbilanz anschaut, so hätte wohl im Januar ein Tip
auf 'Ungeschlagen mit sechs Siegen' in den ersten sieben Spielen
eine traumhafte Quote gebracht.
Das Unentschieden beim Underdog war nach der Euphorie der letzten
Spiele sicherlich ein Dämpfer, hat aber unsere Chancen auf das
überraschend eingetretene Saisonziel nicht zerstört, auch
im nächsten Jahr wieder in die Domstadt zu fahren - dann aber
nach Müngersdorf. Zumal wir auch nach meinem letzten
Südstadion-1:1 die Liga gewechselt hatten. <uk>
Bilder des Tages
Tore: 0:1 Sykora (32.), 0:2 Hähnge (44.), 1:2 Piorunek (71.)
- Kiel: Henzler; Spasskov (70. Piorunek), Paulus (46. Bartels),
Molata, Sandmann
(
, 90.); Lindemann, Rietpietsch (70. Heithölter), Breitenreiter,
Rohwer; Coiner, Dobry
- Jena: Person; Maul, Hasse, Schmidt; Werner (89. Zimmermann),
Kühne, Thielemann (74. Kowalik), Ziegner, Schlitte (69. Kunze);
Sykora (

, 84.), Hähnge
- Zuschauer: 6054
- Schiedsrichter: Schössling (Leipzig)
- Spielbericht:
- "Ich hätte schon gedacht, dass meine Mannschaft es den
Kielern etwas schwerer macht, hier zu gewinnen. Im Moment sieht es so aus, als
wenn wir nicht in der Lage wären, solche Gegner in die Knie zu zwingen". Worte
Heiko Webers vom 3. September 2005.
Gut ein halbes Jahr später machten wir uns auf ins 600
Kilometer entfernte Kiel zum Rückspiel. Das Stadion liegt mitten im
Geflügelpest-Beobachtungsgebiet und war schnell gefunden. Bei der Suche nach
Essbarem taten wir uns schon schwerer, nicht wegen der Vogelgrippe, sondern
weil fast sämtliche Lokalitäten im Umkreis geschlossen hatten. Mit der Furcht
vor ‚wilden Gästefans’ hatte das aber wohl nichts zutun, denn wo immer
wir mit Einheimischen in Kontakt gerieten,
fühlten wir uns freundlich empfangen. Das überaus ansehnliche
Gratis-Programmheft widmete dem FC Carl Zeiss und dem Ostfußball sogar
Sonderseiten, um den Stellenwert der zahlreichen Traditionsklubs zu
verdeutlichen. Das Spiel begann wie erwartet mit Kieler Offensive. Der anfangs
sehr agile Lindemann schlug einen Freistoß diagonal durch den Jenaer Strafraum,
Freund und Feind verpassten (4.). Drei Minuten später landete ein Flankenball
von ihm auf dem Tornetz. Erstmals gefährlich wurde es in Minute 8: Rechtsflanke
von Paulus, Breitenreiter unterläuft den Ball, was Coiner wohl irritiert,
sodass er am Torraumeck den Ball von der Brust ins Aus springen lässt. In den
ersten zehn Minuten hatte Holstein Kiel den Alleinunterhalter gespielt, ganz
allmählich begann unsere Mannschaft Akzente zu setzen, auch wenn Werners Schuss
nach einem Konter noch recht harmlos wirkte. Beim Linksschuss von Lindemann
zeigte sich Person auf der Hut. Stefan Kühne, in der Hinrunde von Kiels Trainer
ausgemustert und nun in Jenas Stammelf, hatte kürzlich beim Fan-Stammtisch
erzählt, der FCC hätte gute Karten, wenn er die ersten zwanzig Minuten
unbeschadet übersteht. Daran erinnerte ich mich, als die Zeiss-Akteure
begannen, ihre guten Karten auszuspielen. Erst Hähnges Schuss aus der Drehung
(24.), dann Sykoras Ball zwei Meter neben den Pfosten nach Vorarbeit von Hähnge
und Ziegner (26.). Jena war jetzt richtig drin in dieser Partie. In der 31.
Minute gibt Schiri Schössling Freistoß. Direkt ausgeführt, landet der Schuss
von Ziegner im Netz, doch der Pfiff war längst ertönt – zu früh ausgeführt,
Wiederholung. Ziegners Ball diesmal
lang auf den linken Pfosten zu Kühne. Der steht zwar nah am Tor, hat aber noch
zwei Kieler vor sich. Klug also, zurück zu köpfen auf Sykora zentral in sechs
Metern Entfernung. Sykora nimmt den Ball an, lässt ihn einmal aufspringen,
schießt – und trifft ! 1:0 ! Die Zeiss-Fans liegen sich in den Armen. Ihr
Fiete hat wieder getroffen und damit das Vorurteil endgültig beseitigt, er wäre
nur als Einwechsler wirklich erfolgreich. Dabei sollte dies längst noch nicht alles
von ihm gewesen sein, doch zunächst galt es, kurz die Luft anzuhalten. Drei Minuten
nach der Führung setzt sich Coiner gegen Maul und Kühne im Strafraum durch,
schiebt den Ball am herausstürzenden Person vorbei – neben den Pfosten. Uff.
Bis auf diese Szene wirkten die Kieler Ausgleichsbemühungen aber wenig
zwingend. Anders der FC Carl Zeiss. Da beendet ein Ralf Schmidt den
gegnerischen Angriff eben nicht mit blindem Ballwegschlagen, sondern kombiniert
seine Abwehraktion mit einer Steilvorlage auf Sykora. Der schießt nicht auf gut
Glück, sondern legt mit viel Übersicht zurück auf Sebastian Hähnge. Und wie
abgezockt der seine Tore macht, hat sich mittlerweile in halb Deutschland herum
gesprochen ! Unhaltbar sein Schuss und der Auslöser unbeschreiblicher
Jubelszenen vor und noch während der Halbzeitpause. Wohl wissend, dass ich
dieses Wort bereits im Essen-Bericht verwendet habe – einfach nur Wahnsinn
diese Leistungen der letzten Wochen. Selbst Anhänger der Kieler Störche, so
wurde mir später zugetragen, äußerten in der Pause ihre Bewunderung. Solch eine
Halbzeit hatte bei ihnen in dieser Saison noch kein Kontrahent hin bekommen.
Mit neuem Schwung kamen die Gastgeber aus der Kabine, versuchten
gleich einen Fallrückzieher, aber Jena beeindruckte das kein bisschen.
Herrlich der Pass von Sykora auf Werner, welcher zwei Haken schlägt,
schießt und an Henzler scheitert. Der FCC
blieb zunächst mal tonangebend, nicht nur auf dem Rasen.
300 Zeiss-Fans hatten die lange Reise zum Nachholspiel angetreten und
übten sich bei böigem Gegenwind im Dauersupport. Direkt vor ihnen köpfte Maul
eine Ziegner-Ecke aufs Tor, einen Meter vor der Linie rettete ein Holsteiner
Feldspieler für seinen schon
geschlagenen Torwart. Aber wie das manchmal so ist – da stehst Du selbst dicht vor dem
3:0 und kriegst eine Minute später den Anschlusstreffer. Heithölters Flanke
wird nach rechts verlängert, dann direkt vors Tor geschoben, wo Piorunek nur
noch den Fuß hinhalten muss. Oha, nun wird es hier doch noch eng. Hatte nicht Kiel
vor drei Tagen in Unterzahl noch einen 0:2-Rückstand aufgeholt ? Als Dobry,
bereits zehn Saisontreffer, in der 78. Minute auf Person zurennt,
wird es richtig brenzlig. Doch Person kommt raus und zeigt ähnlich wie gegen
Younga-Mouhani im Essen-Match eine Riesen-Parade. Kiel drückt die Jenaer Elf nun zunehmend
hinten rein. Molatas Kopfball – scharf, aber nicht platziert genug. Noch neun
Minuten. „Wir woll’n Jeeenaaa, wir woll’n Jeeeeeeeeeeeeenaaaaaaaaaaaaa siegen
sehn.....“. Der Gesang aus 300 Kehlen hat etwas von einem Stoßgebet, doch es
wird noch enger. Fiete Sykora muss nach einem Foul an der Seitenlinie mit
Gelb-Rot vom Platz. Die auf dem Platz verbliebenen Zehn kämpfen für ihn mit.
Person hält fünf Minuten vor Ultimo einen Flachschuss ganz fest. Die
reguläre Spielzeit ist abgelaufen, der Schiri hebt drei Finger in die Luft. Weitere 180
Sekunden ungebremster Adrenalin-Ausstoß. Zum Glück hält Jena den Ball in den
eigenen Reihen, bekommt Freistoß am gegnerischen Strafraum.
Als nach dessen Ausführung Torsten Ziegner
den Ball sichert, springt Sandmann frontal in ihn rein. Der roten Karte folgt
der Schlusspfiff. Spieler und Fans hüpfen sich im gemeinsamen Uffta die
Anspannung aus den Gliedern. Sie haben das zweite Spitzenspiel innerhalb von
drei Tagen gewonnen.
Fußball mit dem FC Carl Zeiss ist zur Zeit wie ein schöner
Traum, aus dem man nicht geweckt werden möchte. <fc>
Fotos auf weissenburger.de
Bericht auf holstein-kiel.de
Tore: 1:0 Schlitte (24.), 2:0 Ziegner (36.), 3:0 Sykora (52.), 3:1
Calik (88.)
- Jena: Person; Maul, Hasse, Schmidt; Werner, Kühne, Thielemann
(40. Zimmermann), Ziegner (69. Kunze), Schlitte (72. Erfen); Sykora,
Hähnge
- Essen: Maczkowiak; Bemben, Lorenzon, Thorwart, S. Lorenz;
Bilgin (56. Calik), Kiskanc (66. Stefulj), Haeldermans, Younga-Mouhani (27.
Boskovic), M. Lorenz; van Lent
- Zuschauer: 6810
- Schiedsrichter: Schmidt (Stuttgart)
- Spielbericht:
- Seit Monaten gibt es in Jena das Phänomen, dass unter der
Woche das Wetter noch so schön sein kann, wenn der Spieltag heran ist, fängt es
an zu regnen. Der Mannschaftsleistung tut dies keinen Abbruch, den
Schatzmeister aber kostet es Einnahmen. Pünktlich am Spieltag, wenige Stunden
vor Spielbeginn, öffnete der Himmel auch diesmal wieder seine Schleusen. Nicht
lang, für einige aber lang genug, um den ins Auge gefassten Stadionbesuch
abzublasen. Ob alle wirklich begriffen haben, was sich da in Fußball-Jena
anbahnt ?
Neuling hin oder her – wenn ein Verein so weit oben in der
Tabelle steht, wäre es töricht, die sich bietende Aufstiegschance nicht beim
Schopf packen zu wollen. Heiko Weber und seine Jungs stellen sich diesem Ziel,
hatten als Vorgabe mindestens vier Punkte aus den nächsten zwei Spielen
ausgegeben. Der Druck also eher auf Seiten der Gastgeber, doch daran lag es
nicht, dass Mouhani bereits nach acht Minuten mit Ball am Fuß geradewegs auf
Christian Person zumarschierte. Werners Pressschlag mit Bemben eröffnete dem
dreifachen Torschützen des letzten Wochenendes eine klare Chance zur frühen
Führung, doch warf sich Person in seinen Schuss. Nach dieser Szene war der
Fight eröffnet. Werners Eingabe nach schönem Antritt auf der linken Seite
fehlte ein Abnehmer. Sekunden später wird Sykora in aussichtsreicher Position
am Schuss gehindert. Der Ex-Rostocker durfte trotz eines wiedergenesenen
Zimmermann als zweite Spitze ran. Bei Essen stand van Lent in vorderster Linie,
Bilgin und Mouhani sollten ihn abwechselnd unterstützen. Nach 17 Minuten
zunächst Unmut beim Jenaer Anhang darüber, dass Schiedsrichter Schmidt
Freistoß pfiff statt Vorteil laufen zu lassen. Doch eben jener Freistoß hätte
um ein Haar die Führung gebracht, da Hähnge ihn aus gut zwanzig Metern
gefährlich über die Mauer hob, knapp neben den Pfosten. Mindestens ebenso knapp
am Feldverweis vorbei schrammte Mouhani, als er Hasse umrannte, nachdem er zwei
Minuten zuvor bereits die Gelbe Karte gesehen hatte. RWE-Trainer Neuhaus blieb
nichts anderes übrig, als Mouhani frühzeitig vom Platz zu nehmen. Ein
Schicksal, dass der Kongolese mit Ronny Thielemann teilte, der noch in Hälfte
eins ebenfalls gelb-rot-gefährdet weichen musste. Dann war der Zeitpunkt
gekommen für die schönste Aktion des Spiels: Ausgehend von Ziegner, der mit dem
Ball nach innen zieht. Pass in den Strafraum auf Hähnge, dessen sofortige
Weiterleitung mit der Hacke auf Schlitte, welcher aus vollem Lauf aus 12 Metern
Entfernung flach ins Tor schießt. Traumhaft ! Euphorisiert durch das 1:0
schauten wir ins Internet nach den Zwischenständen auf den anderen Plätzen und
erkannten: Für Kiel, Lübeck und St. Pauli würde dieser Spieltag kein
Spaziergang werden. Jenas Spieler zogen derweil weiter ihr Spiel durch. Nachdem
Sykora sekundenlang festgehalten worden war, ertönt ein Pfiff – Freistoß für
den Gastgeber. Unweit der Strafraumlinie. Ohne Anlauf fast aus dem Stand
schießt diesmal Ziegner – und trifft ! Maczkowiak hatte sich zunächst mehr nach
links orientiert, machte dann zwei Schritte Richtung Tormitte und musste
perplex mit ansehen, dass der Ball genau dahin flog, wo der Keeper soeben noch
gestanden hatte. Drei Tage zuvor hatte es noch Trainerschelte gegeben ob der
harmlosen Standartsituationen in Münster. Dies war die Antwort Marke Torsten
Ziegner. Die Gala-Vorstellung mit zwei Toren ließ das Stadion eine Zeitlang zum
Tollhaus werden, doch noch war nicht Halbzeit. Essen wollte bis dahin
wenigstens den Anschlusstreffer. Bilgins Kopfball sprang knapp vorbei,
Bembens Freistoß bekam Person im Nachfassen unter Kontrolle.
Egal, mit wem man in der Pause sprach, alle vertraten die
Ansicht, dass Jena in der ersten Viertelstunde nach Wiederanpfiff eine Essener
Druckperiode zu erwarten hätte. Nichts wars. Der FCC suchte die Offensive, als
stünde es noch torlos. Sehenswert das schnelle Weiterleiten des Balles von
Sykora auf Werner, der leider nicht zum Schuss kam (47.). Und jene Szene,
welche die Entscheidung brachte: Aus 25 Metern zieht Kühne flach aufs Eck. Dass
Maczkowiak den scharfen Ball nicht festhalten konnte, wird ihm von Essener
Seite niemand zum Vorwurf machen. Eher schon die mangelnde Geschwindigkeit beim
Hochrappeln, welche Sykora als Erster erkannte und mit Beinschuss eiskalt zu
nutzen wusste. Wahnsinn, 3:0 gegen den Spitzenreiter - einer Mannschaft, die seit November
vergangenen Jahres nicht mehr verloren hatte ! Und spätestens jetzt auf
verlorenem Posten stand. Was macht es da schon, dass nach dem dritten Treffer
vorübergehend Sendepause im Essener Strafraum herrschte. Der FC Carl Zeiss
behielt dennoch alles im Griff, auch weil sich in der gesamten Mannschaft
niemand zu schade war, nach hinten zu
arbeiten und die in der Hinrunde gelegentlich als löchrig eingestufte Abwehr
felsenfest stand. Hervorzuheben hierbei das Zweikampfverhalten eines Ralf
Schmidt. Die Westdeutschen brachten es
zwar auf mehr Eckbälle, dürften in allen anderen Kategorien aber nur zweiter
Sieger gewesen sein. Auch ihr prominenter Neuzugang Arie van Lent vermochte abgesehen von einem
Flatterball übers Dreiangel nichts auszurichten. Lediglich der junge Serkan Calik
traf kurz vor Schluss aus elf Metern nach Vorarbeit Haeldermans. Dem Jubel auf
Jenaer Seite tat dies keinen Abbruch, zumal aus dem Spitzensextett der Tabelle
nur der FC Carl Zeiss dreifach punkten konnte.
Ich sehe schon die Schlagzeile: FCC entzaubert den Tabellenführer ! - Die Partie
gegen Essen gehörte aber auch wirklich zum Besten, was diese Saison bislang zu bieten
hatte. Sogar der Wettergott
zeigte sich beeindruckt und ließ während des Spiels die Sonne scheinen. Für die
Daheimgebliebenen vom Samstag gibt es wohl bald keine Ausreden mehr. Denn
seit diesem Spiel befindet sich Jena erklärtermaßen im Aufstiegskampf.<fc>
Bildes eines grandiosen Sieges
Spielbericht auf rot-weiss-essen.de
Tor: 0:1 Kunze (87.)
- Münster: Gößling; Schyrba, Beer; Cozza (72. Plate/74.
Schupp), Niestroj, Heineke, Tammen, Bäumer, Gockel; Gibson, Brinkmann (82. Milde)
- Jena: Person; Maul, Hasse, Schmidt; Werner, Kühne, Thielemann,
Ziegner, Schlitte (90. Erfen); Sykora (70. Kunze), Hähnge
- Zuschauer: 3300
- Schiedsrichter: Fischer (Leer)
- Spielbericht:
- Revanche bitte!“ hieß es vor vier Tagen im Programmheft der Wattenscheider, diesmal war
es unsere Mannschaft, die sich für die ungerechte und ob der Art und Weise des
Münsteraner Auftritts noch immer schwer im Magen liegende Hinspielniederlage zu
rehabilitieren versuchte. Edeljoker Fiete Sykora
hatte nach seinem Doppelpack in Bochum mit den Worten „Ich gehe davon aus, dass
ich in Münster von Beginn an spiele“ etwas lautere Ansprüche angemeldet und
profitierte tatsächlich davon, dass Michael Anicic
mit Grippe gar nicht erst ins Münsterland gereist war.
Bis auf diese
Veränderung schickte Heiko Weber die gleiche Elf wie am Freitag in eine
Begegnung, die er vorher als „Spitzenspiel“ titulierte, da schließlich der
Erst- auf den Drittplatzierten der Nachwinterpausentabelle treffen würde. Nun,
Spitzenspiele haben bekanntlich die Angewohnheit, nur selten die hochgesteckten
Erwartungen zu erfüllen und zumindest in dieser Hinsicht war auch die heutige
Begegnung ein echter Kracher. Beide Teams zeigten gehörigen Respekt
voreinander, viele Zweikämpfe und Nickligkeiten im
Mittelfeld prägten das Geschehen, Strafraumszenen blieben Mangelware. Es ist
unserer Mannschaft zugute zu halten, dass sie den Kampf annahm und keineswegs
zurücksteckte, spielerische Klasse blitzte aber beiderseits nur allzu selten
auf. Die Hausherren, immerhin mit 4 Siegen aus 5 Spielen seit dem Jahreswechsel,
prüften Christian Person ein erstes Mal nach 9 Minuten, als Arne
Tammen urplötzlich auf links in abseitsverdächtiger
Position durchmarschierte und statt auf seinen mitgelaufenen Nebenmann zu
passen versuchte, Christian Person mit einem Knaller ins kurze Eck zu
überraschen. Jenas Keeper jedoch war auf der Hut, sah jedoch bei Münsters
zweiter Großchance in der 1. Halbzeit nicht mehr so gut aus.
Cozza und Brinkmann hatten sich auf rechts schön
freigespielt und letzterer nutzte die Unordnung in Jenas
linker Abwehrhälfte zur flachen Hereingabe, die an Freund, Feind, linkem
Pfosten, Christian Person und glücklicherweise auch dem rechten Pfosten
vorbeistrich, ohne dass ein Preuße daraus Kapital schlagen
konnte. Und der FCC? Hatte nach vorn kaum mehr zu bieten als die Hausherren.
Schlittes Schussversuch nach Werner-Flanke, die
Hähnge zunächst nicht unter Kontrolle bekam, blieb hängen
(8.), Schlittes durch die Preußenabwehr
durchgerutschte Rechtsflanke setzte Hähnge knapp
neben den linken Pfosten (24.) und Gößlings
Rettungstat gegen den steil von Sykora bedienten
Hähnge (31.) wären da anzumerken. Und natürlich die
Riesenchance von Jenas Goalgetter vom Dienst, als er nach einer tollen
Kombination quasi mit dem Pausenpfiff wiederum am aufmerksamen Schlussmann der
Gastgeber scheiterte. Eine Führung wäre Lohn für die gegen Ende der ersten
Hälfte insgesamt aktiver werdenden Jenenser gewesen, doch der Pausenstand von
0:0 spiegelte deutlich das Spiel zweier Mannschaften wider, die das letzte
Risiko in ihren Aktionen scheuten.
Daran änderte sich auch nach dem
Seitenwechsel wenig. Ansgar Brinkmann, Deutschlands Vorzeigeexemplar aus der
Gattung der Wandervögel und in HZ 1 wegen wiederholter Schwalbe mit dem gelben
Karton verwarnt, vernaschte auf Rechts gleich mehrere Jenenser, seine Flanke
fand auch einen Abnehmer, dessen Schuß jedoch
Christian Person vor kein Problem stellte. Wir schrieben die 48. Minute und es
sollte die letzte nennenswerte Offensivaktion der Hausherren sein. Nicht, dass
dies im Umkehrschluß ein Jenaer Angriffsfeuerwerk
bedeutet hätte, nein, die Partie spielte sich weiterhin weitestgehend zwischen
den Strafräumen ab und drohte zwischendurch fast einzuschlafen. Jedoch sprang
die ein oder andere Gelegenheit für den Tabellendritten
doch heraus, so als Gößling eine Freistoßflanke von
Ziegner vor den einköpfbereiten Kühne und
Hähnge noch mit den Fingerspitzen zur Ecke klärte (55.),
als Werner urplötzlich aus gut 20 Metern zentral abzog und Münsters Keeper das
Leder aus dem rechten unteren Eck kratzte (59.), als Hähnge
mit einer schönen Körpertäuschung seinen Gegenspieler an der Strafraumgrenze
narrte und die Kugel an die Latte hämmerte (67.) oder als Schlitte
nach tollem Zusammenspiel mit Hähnge von rechts in
den Strafraum eindrang, unsanft von den Beinen geholt wurde und der
Elfmeterpfiff des schlecht postierten Referees ausblieb (74.). Glück für den
SCP, Pech aber für deren eingewechselten Sebastian Plate,
der sich in seiner ersten Aktion schwer verletzte und postwendend wieder vom
Feld getragen werden musste. Münsters Trainer Hans-Werner Moors, schon vor dem
Spiel mit größeren Verletzungssorgen konfrontiert, konnte einem da schon leid
tun, doch seine Mannschaft schien das torlose Remis über die Zeit zu bringen,
bis Jena vier Minuten vor dem Ende doch noch einmal eine Schippe drauflegte. 86
Minuten waren gespielt, Hähnge ging auf rechts durch,
wurde kurz vor dem Strafraum gefällt, den fälligen Freistoß vergab Ralf Schmidt
leichtfertig, Ziegner erhielt noch einmal die Chance
zur Flanke – Eckball direkt vor den Augen des Gästeblocks. Noch einmal
Anfeuerungsrufe der deutlich über 200 mitgereisten Jenaer Anhänger,
Ziegners Ecke köpft Kühne straff aufs Tor,
Gößling kann nur abprallen lassen und der zuvor
eingewechselte Maik Kunze bugsiert das Leder mit dem
Oberschenkel je nach Sichtweise artistisch oder ungelenk über die Linie.
Freudentänze in blau-gelb-weiß, „Tooooor“,
„Auswärtssieg“, „Es tut uns leid - wir sind zu gut“, plötzlich war der nächste
Auswärtsdreier in greifbarer Nähe und das in einem Spiel, das scheinbar klar
auf ein 0:0 hinauslief. Während Münsters Zuschauer prompt in Scharen das
Stadion verließen, wirkten auch die Angriffsbemühungen der Hausherren in den
letzten drei Minuten eher verzweifelt als vom Glauben an den Ausgleich beseelt.
Stattdessen bot sich der Zeiss-Elf die Möglichkeit zur Resultatserhöhung, doch
der Linienrichter verwehrte Tobias Werners Traumtor die Anerkennung, als dieser
eine Flanke volley nahm und in den Winkel drosch,
dabei jedoch im Abseits gestanden haben soll.
Es wäre aber auch zuviel des
Guten gewesen in einem Spiel, dass unsere Mannschaft zwar nicht unverdient,
aber doch glücklich für sich entscheiden konnte und Münsters Coach zur
vielzitierten Bemerkung zum entscheidenden Unterschied
zwischen Auf- und Abstiegskandidaten bewog. Also doch keine Rede mehr vom
Spitzenspiel, nein, das war es wirklich nicht, doch der vierte Sieg in Folge
lässt Jena träumen. <gunner>
Spielbericht auf preussen-muenster.de
Bildes des Tages <jw>
Tore: 0:1 Hähnge (27.), 0:2 Sykora (62.), 0:3 Sykora (90.)
- Wattenscheid: Joswig; Koitka, Dragowich, Matlik, Schikora
(64. Kushev); Rietz (47. Molinari), Özkara, Aznagoustou (77.
Abdulai), Katriniok; Terranova, Toborg
- Jena: Person; Maul, Hasse, Schmidt; Werner, Kühne,
Thielemann, Anicic (56. Sykora), Ziegner, Schlitte (78. Erfen);
Hähnge (83. Kunze)
- Zuschauer: 1182
- Schiedsrichter: Steinhaus (Hannover)
- Spielbericht:
- Das Wetter paßte zwar eher zum Januar oder Februar im
Ruhrgebiet, trotzdem trieb es rund 250 Zeiss-Fans nach vierwöchiger zweiter
Winterpause in die halbdunkle Kälte des Lohrheidestadions. Befürchtungen
machten vor dem Spiel die Runde, ob und wie das Team wohl die spielerische
Zwangspause verkraftet haben würde,
aber nach dem Abpfiff hatten sich diese Befürchtungen in der kalten März-Luft
aufgelöst.
Die erste Chance hatten zwar die Gastgeber bereits nach zwei
Minuten, aber der erste Versuch per Kopf nach einem Freistoß lag deutlich zu
hoch. Die erste spannende Szene im weit, weit vom Gästeblock entfernten 09er
Strafraum gab es in der 6. Spielminute nach dem ersten Jenaer Eckball, als ein
Wattenscheider auf der Linie im kurzen Eck Schlittes Kopfball abwehrte. Danach
bewegte sich alles längere Zeit im Mittelfeld. Die Wattenscheider versuchten es
häufig mit langen Bällen in die Spitze. Meistens räumten Hasse & Co. alles
weg, einmal jedoch mußte Schmidt Kopf und Kragen riskieren und einem
durchgebrochenen Angreifer den Ball per Tiefflugtackling vom Fuß schubsen. Die
nette, zuweilen etwas kleinliche Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus stand nicht
weit entfernt und gab dem lautstarken Drängen der Tribünenbesucher nach
Bewertung als „Notbremse“ gerechterweise nicht nach. In der 27. Minute
erreichte ein langer Paß Ziegners (?) einen im blauen Trikot, der spielt auf
den Richtung Grundlinie startenden Werner, bekam das Spielgerät per Flanke
maßgerecht zurück und schob zum 1:0 ein. Jubel im Gästeblock und dann die Frage
nach dem Torschützen? Den hatte im Schein der 4 Flutlichtmasten genannten Straßenlaternen
und über die Riesenentfernung keiner eindeutig identifizieren können, also
fragte man telefonisch zu Hause an und bekam im Videotext den geäußerten
Verdacht bestätigt, daß Hähnge wieder zugeschlagen hatte. Wattenscheid
versuchte nun, mehr Druck aufzubauen, war aber im Spiel nach vorn zu harmlos. Nur
einmal erreichte eine Flanke von links einen halbrechts völlig freistehenden
Wattenscheider, der zum Glück aus 12 Metern Entfernung ziemlich lasch und weit
vorbeizielte. In den letzten Minuten vor der Pause brannte dann wieder die Luft
im 09er Strafraum. In der 43. min stand Kühne nach einem Doppelpaß frei vorm
Keeper, der jedoch mit breiter Brust das 2:0 verhinderte.
Eigentlich hatten wir in der zweiten Hälfte auf einen
Spielverlauf gehofft, bei dem sich das Geschehen weitgehend in der dem
Gästeblock zugewandten Hälfte abspielen würde, aber denkste! Zunächst fand
alles wieder weit weg vorm Jenaer Tor statt, da Wattenscheid sehr offensiv
startete und sich der FCC an den eigenen Strafraum zurückzog. Sämtliche
Kopfbälle und Schüsse waren aber bessere Erwärmungsübungen für Person. Joker
Sykora ließ in der 64. min die Zeiss-Fans „probejubeln“, sein Schuß von der
Torraumgrenze nach Eingabe von Schlitte wurde aber – verdeckt von den
Werbebanden – von Joswig noch auf der Linie gestoppt. Der Sekundenzeiger war
gerade eine Runde gelaufen, dann war der Jubel berechtigt. Sykora köpfte nach Ziegners
hoch in den Strafraum geschlagenen Freistoß maßgenau zum 2:0 ins linke untere
Toreck – und jeder im Gästeblock ahnte: Das war’s für heute! Und tatsächlich
versuchte die SG 09 zwar nochmals, dem FCC irgendwie einen Treffer
einzuschenken, aber ernsthafte Zittereinlagen blieben aus. Dafür erfreute der
FCC seine Fans mit weiteren Chancen: Sykoras Kopfball (72.) wurde genauso
gehalten wie Werners Schuß aus spitzem Winkel (88.) und Schlittes flache
Eingabe auf Hähnge (75.) vom Torwart abgefangen. In seltener
Einmütigkeit hatten wir alle drei vorm Match im „Alten Gasthaus Kampmann“ um
die Ecke bei Kaffee, Bier und Cola ein 2:0 vorausgesagt und unsere Einmütigkeit
schien belohnt zu werden. Doch Ziegner hebelte mit einem Musterpaß die
Wattenscheider Abwehr aus und schickte Sykora mit dem Ball Richtung Joswig.
Jenas Superjoker blieb ruhig und ließ Kaisers Familientip in der letzten Minute
platzten. Aber unser „Ärger“ hielt sich sehr in Grenzen, im Gegenteil...
<uk>
Fotos auf weissenburger.de
Bericht auf sgwattenscheid09.de
Tore: 1:0 Ziegner (26.), 2:0 Zimmermann (68.), 3:0 Hasse (76.),
3:1 Adamu (87.)
- Jena: Person; Maul, Hasse, Schmidt; Werner, Thielemann,
Anicic (60. Kühne), Ziegner, Schlitte;
Zimmermann (77. Kowalik), Hähnge (74. Sykora)
- Chemnitz: Süßner; Berger, Görke, Baumann, Ensrud;
Kunert, Göhlert, Adamu, Devoli (57. Schumann), Ahlf (37. Homola); Mayer
- Zuschauer: 5333
- Schiedsrichter: Lupp (Zossen)
- Spielbericht:
- Die Spielverlegung war folgenschwer. Einmal bei der
mütterlichen Mittagszeremonie eingeplant, gibt es von dort ohne ärztliches
Attest kein Entrinnen. Knapper als üblich war dementsprechend die Fahrt nach
Jena kalkuliert. Egal, ein bißchen aufs
Gas gedrückt, dann wird´s schon gehen. Leider spielten
in dieser Kalkulation die Optimierungsversuche der Jenaer Schutzmacht eine eher
untergeordnete Rolle. Ein böser Lapsus. Die hatte nämlich einen ihrer Besten in
ein weißes Kittelchen gesteckt und in der Parkplatz-Einfahrt plaziert, Abbiegen
Fehlanzeige. Statt dessen weiter Richtung Lobeda, in Burgau
runter, mit großzügig veranschlagten 70 km/h wieder zurück, am Stadion vorbei
und das Auto auf dem Seidelparkplatz in der vorletzten Lücke versenkt. Jetzt
aber schnell! Endlich an der Kasse angekommen, strebte das Kontingent an
Eintrittskarten schnell seinen absoluten Nullpunkt entgegen. Da stand ich nun
mit 50 Begeisterten und kein Rad drehte sich mehr. Irgendwann war dann für
Nachschub gesorgt. Jetzt noch ein bißchen Durcheinander. Rollo hier runter,
dort wieder hoch, hier nur solche Karten, nein solche nicht, Rollo wieder
runter, alle da rüber, nein doch lieber dorthin und so weiter. Maximaler
Humorverschleiß! Endlich doch die Karte erstanden kam noch die übliche Abtastnummer
und schwups, schon war ich drin. Na also, nicht mal 15 Minuten verpaßt. Böse
Laune!
Was ich dann zu sehen bekam erspart mir aber wenigstens eine
endlose Auflistung von Torchancen. Einzig und allein Ziegners
Freistoß aus 22 m war mir in der verbleibenden Zeit bis zur Pause noch an
Sehenswertem vergönnt. Der saß dafür aber auch. Aus halbrechter Position
segelte der Ball an Torwart Süßner vorbei ins Chemnitzer
Tor (26.). Absolut unhaltbar. Der Ärger verflogen. Danach aber dann nix mehr. Alles
was einen leichten Ansatz von Anmut zeigte, blieb in den Resten des umgeackerten
Rasens stecken, so daß sich keine rechte Ästhetik einstellen wollte. Dafür viel
Rumgematsche im Mittelfeld
ohne übertriebenes Nervenaufreiben. Jena hatte das Geschehen fest
im Griff, Chemnitz fand das offensichtlich ganz okay und so verging im ersten
Sonnenschein des Jahres die Zeit…
Nach der Pause, in der Horden von Nachwuchsspielern den Platz
wieder zu einem Ganzen zusammengefügt hatten, zunächst das gleiche Bild. Keine
Gefahr, hüben wie drüben. Derart warteten die Chemnitzer geduldig, bis sich unsere
Hintermannschaft in totaler Teilnahmslosigkeit ergab. Auch ´ne Art Taktik. Und
so passierte es, daß Homolas Volleyabnahme aus
halblinker Position fast im Jenaer Tor landete (62.). Ganz knapp vorbei! Das
war aber noch nicht alles, denn nur Sekunden später landet ein abgefälschter
Ball beim freistehenden Mayer, der sich aber von der Torraumgrenze aus nicht so
recht entschließen kann den Ausgleich zu erzielen und statt dessen auf den
heraneilenden Ralf Schmidt wartet. Ganz schön viel Dusel an dieser Stelle! Nachdem
nun alle wieder munter waren, leitet Hähnge fast im
Gegenzug das Ende der Chemnitzer Druckperiode ein. Seine Flanke landet bei
Werner, der direkt abzieht. Zwar kann Süßner den
harten Schuß noch parieren, gegen den Kopfball des mitgelaufenen Zimmermann ist
er dann aber machtlos. 2:0 und spürbare Erleichterung (68.) ! Eine
Viertelstunde vor dem Ende dann der endgültige K.o.
für die Sachsen. Ein verlängerter Ziegner-Freistoß
fällt dem aufgerückten Hasse auf den rechten Fuß, rollt von dort wie in
Zeitlupe durch den gesamten Gäste-Torraum, beschreibt dann noch eine leichte
Linkskurve und sucht sich den Weg ins rechte Toreck. Süßner
war auf dem falschen Fuß erwischt! Sicherlich weniger ein geplanter
Schußversuch als vielmehr ein Reflex, aber wenn man oben drin steht, gehen
solche Dinger halt rein! Kurz vor dem Ende fast sogar noch das 4:0. Zuerst pariert Süßner einen Schuß des frei vor ihm auftauchenden Kühne
(85.), dann scheitert auch noch Werner mit einem Distanzschuß am Chemnitzer
Torhüter (86.). Wie es dann immer so ist, kann Adamu
auf der Gegenseite eine verunglückte Kopfball-Abwehr von Hasse noch zum
Anschlußtreffer nutzen (87.). Hatte Person sieben Minuten vorher noch glänzend
reagiert und einen abgefälschten Versuch von Schurmann abgewehrt, so war er in
diesem Fall machtlos. Zu scharf und plaziert kam Adamus
Schuß aus guten 20 m einher. Vielleicht rettet dieses Tor ja die Chemnitzer am
Ende wieder. Wäre ja nicht das erste mal.
Mehr gab´s nicht. Ein
standesgemäßer und darüber hinaus auch überzeugender Sieg gegen einen gebuchten
Abstiegsaspiranten. Und der Sprung über die magische 40-Punkte-Grenze. Ab jetzt
kommt dann wohl die Kür… <bpf>
Bilder von Jens Weißenburger
Spielbericht auf der CFC-Fanpage
Tore: 1:0 Schmidt (21.), 1:1 Dejagah (38.), 2:1 Hähnge (48.),
3:1 Zimmermann (51.), 4:1 Sykora (90.)
- Jena: Person; Maul, Hasse, Kowalik; Schmidt, Thielemann,
Zimmermann (80. Juraschek) , Anicic (56. Kühne), Ziegner, Schlitte;
Hähnge (85. Sykora)
- Berlin: Pallatz; Krecidlo, Samba, Bieler; Schmidt, Hoeneß,
Wallschläger, Covic (79. Stachnik), Salihovic (54. Cubukcu),
Altin (46. Müller); Dejagah
- Zuschauer: 2705
- Schiedsrichter: Stachowiak (Duisburg)
- Spielbericht:
- Verglichen mit der Startaufstellung vom Spiel in Leverkusen
fand sich gerade mal die Hälfte der Jenaer Feldspieler beim Anpfiff zum
Jahresauftakt 2006 auf dem Platz wieder. Sperren, Verletzungen und nicht
zuletzt je vier Ab – und Zugänge hatten das Bild der Mannschaft während der
Winterpause entscheidend verändert.
Von den Neuverpflichtungen schafften es mit Anicic und
Schlitte zwei auf Anhieb in die Anfangsformation.
Dass Kevin Schlitte die rechte Außenposition besetzen würde, war
von vornherein klar. Wo aber würde sich Michael Anicic einordnen ? Trainer
Weber hatte sich eine Variante mit nur einer permanenten Sturmspitze
ausgedacht. Dahinter agierten Anicic und Ziegner mit allen Freiheiten im
offensiven Mittelfeld, während Mark Zimmermann deutlich zurückgezogener
aufgestellt wurde als noch vor Jahresfrist. Die beiden Neuen setzten gleich
Akzente. Der Ex-Frankfurter Bundesligaprofi Anicic flankte nach energischem
Antritt von der linken Seite auf Hähnge, welcher bereits nach drei Minuten den
Versuch startete, sein Torkonto aus der Herbstserie weiter aufzustocken. Seinen
Schuss aus der Drehung fing Pellatz aber sicher. Schlitte wiederum wechselte in
der 10. Minute die Seite, schüttelte Wallschläger ab.
Die Entscheidung, nicht den freien Nebenmann gesucht zu haben,
sondern aus spitzem Winkel auf das vom Torwart bewachte kurze Eck zu zielen,
mag nicht die bestmögliche gewesen sein und brachte Schlitte gleich mal einen
Rüffel von Thielemann ein. Sie zeigt aber, welches Stürmerblut in dem
Halberstädter steckt. Dass selbiges auch in den Adern von Ralf Schmidt fließt,
war bislang maximal zu erahnen gewesen, das 1:0 erbrachte den Beweis.
Mit der Brust nahm Schmidt einen hohen Ball
aus dem Mittelfeld an, lief ein paar Schritte in den Strafraum und schoss dann
aus zehn Metern ins lange Eck zu seinem ersten Saisontreffer. Deren zwei hat
schon Ronny Thielemann zu Buche stehen, wenige Zentimeter fehlten beim
Scharfschuss am dritten. (25.). Von der Hertha war nach dem Rückstand noch
immer nichts zu sehen, stattdessen erhöhte Jena weiter die Schlagzahl.
Nach Eckball Ziegners wuchtete Maul einen
Kopfball aufs Tor. Eigentlich geht es gar nicht, dass ein Keeper da noch die
Hand heran bekommt, Pellatz brachte es irgendwie fertig. Die anschließende
Ecke, wenig resolut abgewehrt und dazu
noch in die Bahn von Ziegner – der nimmt solche Einladungen gerne an und
katapultierte das Leder aus fast 25 Metern an die Latte ! Über zwei – drei - ja
sogar vier Gegentore hätten sich die Gäste zu diesem Zeitpunkt nicht beschweren
dürfen. Ihr Glück, bis dahin nur eines bekommen zu haben, potenziert sich in
der 38. Minute zu einem eigenen Treffer: Einen Vierzig-Meter-Ball aus der Berliner Hälfte versuchen Hasse und
Dejagah zu erlaufen. Einen Moment, bevor ihn Hasse ins Seitenaus lenken will,
bekommt Berlins Rückennummer 32 die Fußspitze an den Ball. Nun ist eine
Bogenlampe aus 25 Metern für einen Torhüter kein Problem – wenn er denn
tatsächlich sein Tor hütet. Person stand jedoch irgendwo auf Höhe des
Elfmeterpunktes und musste tatenlos mit ansehen, wie sich der Ball über ihn
hinweg ins Netz senkte. War das Jenaer Spiel bis dato wie aus einem Guss, nach
dem überraschenden Ausgleich gab es einen kleinen Bruch. Das Selbstverständnis
in den Aktionen kam abhanden, die Hertha-Bubis besser ins Spiel. Technisch
gekonnt beförderte Manager-Sohn Hoeneß rückwärts einen Ball über sich und seine
Gegenspieler auf das Tornetz (44.).
Mit einem mulmigen Gefühl sei man in die Kabine gegangen,
gestand Heiko Weber später. Die beste Medizin gegen derartige Symptome ist
immer noch ein schnelles Tor, wobei die doppelte Menge hier nicht zur
Überdosierung führt. 48. Minute, Ziegner sieht beim Freistoß Schlitte in die
Gasse starten, der läuft bis zur Grundlinie, schaut und findet mit seinem Pass
den von vier Herthanern umringten Sebastian Hähnge. Irgendwie schafft der es,
den Ball über den sich zu Boden werfenden Torhüter und am herbei springenden
Verteidiger ins Netz zu bugsieren. Jubel und Erleichterung, noch mehr nach dem
3:1, welches Mark Zimmermann mit schönem Kopfball nach noch schönerer Vorarbeit
von Torsten Ziegner erzielte. Der Mannschaftskapitän hatte das Leder an der
Mittellinie bekommen, war dann in die Berliner Hälfte gespurtet, hatte
abgestoppt, Gegenspieler Salihovic aussteigen lassen und dann geflankt. Wenig
später ging Anicic vom Platz, der einfach etwas mehr Zeit als nur 2 Tage
braucht, um sich mit dem neuen Spielsystem vertraut zu machen. Für ihn kam mit Stefan Kühne der nächste
Neuzugang. Und noch jemand verabschiedete sich. Das Häufchen aufrechter Hertha-Amateur-Fans
verließ bereits lange vor Schluss den Gästebereich. Spätestens als Dejagah zwar
Person umspielt hatte, seine Flanke aber von Alexander Maul entschärft werden
konnte, war der Zug für die bis dahin erfolgreichste Bundesligareserve
abgefahren. Einzig Torhüter Pellatz erntete weiterhin Respekt für seine
beeindruckenden Reflexe, mit der er auch Schmids Außenrist-Ball nach einer
Stunde zunichte machte. Da Nieselregen den gefrorenen Platz zunehmend glatt
werden ließ, passierte nichts Aufregendes mehr bis zur 90. Minute. In der
Nachspielzeit traf Fiete Sykora zum Endstand. Sein drittes Jokertor war diesmal
kein Entscheidendes und sicher auch kein schwer zu Erzielendes; für unser
Nordlicht im Team dürfte es angesichts der wachsenden Konkurrenz im Offensivbereich
dennoch wichtig sein, sich mit solchen Aktionen beständig anzubieten.
Drei Tore Unterschied entsprachen am Ende den tatsächlich
gezeigten Leistungen. Nicht nur die etablierten Spieler vollführten einen
Qualitätssprung über mehrere Stufen im Vergleich zum Dezember 2005, auch ein
Neuzugang namens Schlitte gab ein beeindruckendes Debüt. Die Winterpause
scheint dem FC Carl Zeiss in jeder Hinsicht gut getan zu haben. <fc>
Spielbericht auf der Hertha-Seite
Tore: 1:0 Röttger (22.), 1:1 Hähnge (47.), 2:1 Röttger
(60.)
- Leverkusen: Adler; Cannata, Hübner, Hergesell, Dum;
Cozza (82. Döpper), Camdali; Lartey (54. Bendovskyi), de Wit;
Röttger, Schnitzler (59. Reichwein)
- Jena: Person; Maul, Schmidt, Paulick; Werner, Thielemann,
Hildebrandt (46. Juraschek), Zimmermann, Erfen (87. Jovic); Sykora,
Hähnge
- Zuschauer: 700
- Schiedsrichter: Schepershauwe (Hildesheim)
- Spielbericht:
-
Die gleiche Autobesatzung wie beim
Auswärtsspiel in Essen trat frühmorgens die Reise nach Leverkusen an. Da wir
dort 1:2 verloren hatten, änderten wir – es ist ja niemand abergläubisch,
aber... – die Sitzordnung im Auto und die beiden auf der Rückbank mußten die
Plätze tauschen. Achtzehn Stunden und knapp 1100 km später waren wir mit der
Erkenntnis zu Hause, daß man mit solch schwerwiegenden Aktionen wie Platztausch
im Auto Fußballergebnisse nicht beeinflussen kann, wenn die eigene Mannschaft
nicht mitspielt.
Das Spiel war auf Grund der
Vorkommnisse in das Schmuckkästchen „BayArena“ verlegt worden, in der sich 600
Zuschauer – darunter etwa 200 Jenaer im Gästekäfig in der Kurve und weitere 50
im Heimbereich – verloren. Auf Grund dessen, was in Leverkusen über die
Vorfälle beim letzten Jenaer Heimspiel angekommen war, wurde durch den
Ordnungsdienst der Mittelblock der Haupttribüne gesperrt, so daß sage und
schreibe 3 große Blöcke (= zwei Drittel der Geraden) Pufferzone zum
eingezäunten Gästebereich gehalten wurden. Was machen die eigentlich in dem
Stadion bei Bundesligaspielen? Die Gäste ganz aussperren? Einen Vorteil bot das
Stadion: Die Akustikwertung ging zu 100 % an die Gästefans, deren Anfeuerung
durch die leeren Tribünen perfekt verstärkt wurde. Leider zeigte der Support
bis auf die letzte Viertelstunde keine Auswirkungen auf das Spiel des FCC. Die
ersten 20 Minuten verliefen beiderseits so lala, es fehlte allseits die
Präzision bei den Zuspielen. Sehr präzise kam leider der Paß auf Röttger in genau
eine Lücke der Jenaer Abwehr und Person konnte der Bogenlampe zum Bayer-1:0 nur
noch hinterherschauen. Zwei Minuten später hatten wir einfach nur Glück, als
Röttger nach einem erneuten maßgenauen Paß in die Lücke allein vor Person
auftauchte, den Ball aber rechts neben das Gehäuse setzte. Genau wie in der 28.
Spielminute, daß ein Kopfball nach langem Freistoß in den Strafraum auf der
Jenaer Torlatte landete. Vom FCC gab es vor der Pause nur eine richtige gefährliche
Aktion (25.), als Hildebrandt einen Verteidiger attackierte, der Ball zu Hähnge
sprang, an dessen flacher Eingabe erst Sykora vorbeirauschte und dann Erfen aus
ca. 12 m von halbrechts am Tor vorbeischoß. Ansonsten fehlte – trotz optischer
Steigerung in den letzten zehn Minuten der 1. Halbzeit – die Präzision im
Zusammenspiel. Und das war angesichts der Jenaer Aufstellung verständlich:
Hasse, Hujdurovic, Kowalik, Ziegner, Manai, Holzner – was sich wie die sonstige
Stammelf liest, war die Fehlliste! Und so mußte eben Hildebrandt, der bis dahin
NULL Spielminuten im ersten Team hatte, von Anfang an im defensiven Mittelfeld
ran. Besonders ein kreativer Kopf im Mittelfeld, wie eben Ziegner oder Manai,
wurde schmerzlich vermißt. Hähnge ließ sich zwar im gesamten
Spiel einige Male zurückfallen, um dieses
Gestaltungsdefizit auszugleichen, aber er kann ja nicht gleichzeitig im
Mittelfeld die Pässe schlagen und sie dann vorn auch noch selbst annehmen. Leider
vermißten wir auch bei den „alten Hasen“ jenen allerletzten Biß, der notwendig
gewesen wäre, um dieses Spiel gegen Leverkusener in den Griff zu bekommen, die
zwar handwerklich solide, gewiß aber nicht unverwundbar waren.
Es war einer Verletzung geschuldet,
daß Hildebrandt in der Pause nicht wieder auflief. Für ihn kam mit Juraschek der
nächste Regionalliga-Neuling, der neben Hähnge im Angriff spielte, Sykora ging
zurück ins Mittelfeld. Sofort nach Wiederanpfiff sah man das Bemühen des FCC,
das Blatt zu wenden, alles sah bissiger aus. Und in der 48. min wurde deutlich,
wie viele Jenaer wirklich auf der Tribüne saßen, die jubelnd aufsprangen, als
Hähnge den Ausgleich erzielte: Anspiel von Sykora auf Hähnge, der im Strafraum
noch einen Verteidiger austanzte und den Ball aus spitzem Winkel ins lange Eck
schob. Jetzt geht’s richtig los, dachten alle Blau-Gelb-Weißen! Doch denkste,
plötzlich schienen die Gastgeber eine Hallowach-Pille aus der Bayer-Kollektion
eingeworfen zu haben. Der FCC tauchte – angesichts des erfolgreichen Starts
unverständlich – in der eigenen Hälfte ab und mußte ein Dauerfeuer aus
Eckbällen und Freistößen über sich ergehen lassen. Aber bis auf die 51. min,
als Person auch den zweiten Kopfballversuch Röttgers um den Pfosten schubste, gab
es eigentlich keine echten Aufreger. Und als es den Anschein hatte, daß sich
die Leverkusener Offensive abschwächte, schlug Paulick bei einer an für sich
ungefährlichen Flanke vorm Strafraum übern Ball und in seinem Rücken kam
Röttger an den Ball, lief allein auf Person zu, umkurvte diesen und stocherte
den Ball im Fallen zur erneuten 04er Führung ins Tor. Ein Tiefschlag für die
Moral der Gäste, von dem sich Jena zunächst auch nicht zu erholen schien.
Bemüht, aber wirkungslos, konnte man die nächste Viertelstunde des FCC getrost
umschreiben, während die Gastgeber nun vornehmlich ihr Glück bei Kontern
versuchten. Die Gästekurve ging ungeachtet dessen zum Dauergesang über und
schien dadurch die Lebensgeister des FCC wiederzubeleben, denn ab der 75.
Minute zeigten die Bemühungen auch Wirkung. Die Leverkusener reagierten
umgehend – durch Zeitschinden aller Art. Der reiche Verein 04 schien auch nur
einen Ball zu besitzen, denn auf die leere Gegentribüne gedroschene Bälle
sorgten andauernd für längere Spielunterbrechungen. In der 78. min setzte Maul
mit seinem Fernschuß (Torwart hielt) ein Signal für die Schlußoffensive.
Zimmermann versuchte sich eine Minute später mit einem
Aufsetzer. Die Chance auf den Titel „Held
des Tages“ hatte aber wiederum Hähnge, der – nach schönem Zuspiel Jurascheks –
zehn Minuten vor Feierabend frei vor Adler stand, aber sowohl seinen Versuch,
den Ball zu schieben, als auch den Nachschuß parierte der Keeper. Die
Einwechslung Jovics als letzter Offensivversuch kam in der 86. min für ein
„Alles oder Nichts“ eindeutig zu spät. Und so blieb als letzte Chance Werners
straffer Schuß von halblinks, der ebenfalls eine Beute (des) Adlers wurde. Mit
einem Engagement wie in der Schlußviertelstunde wäre in der „BayArena“ ein
versöhnlicherer Jahresabschluß dringewesen. Das Potential dafür steckte auch in
dieser Aufstellung, und die beiden Youngster Hildebrandt und Juraschek sehen
wir bestimmt nach der Winterpause in der ersten Mannschaft wieder.
Weihnachtsfazit: Die Winterpause
kam zwei Spieltage zu spät. Allerdings kann man trotzdem zufrieden sein, denn
eine Prophezeiung zu Saisonbeginn, daß wir mit 36 Punkten – 18 Punkte vor den Abstiegsplätzen
und ein glattes Dutzend Punkte vorm ungeliebten Verein aus Vieselbach – auf
Platz 6 überwintern werden, hätte beim Gegenüber bestenfalls den berühmten
„Scheibenwischer“ provoziert. Es kommt nun darauf an, diese gute
Ausgangsposition für den Rest der Rückrunde zu nutzen, um nach unten alles
abzusichern und sich vielleicht sogar in dieser Spitzengruppe festzusetzen. <uk>
Bilder des Tages
Tore: 0:1 Gensler (2.), 1:1 Maul (20.), 1:2 Bayertz (67.)
- Jena: Person; Kowalik, (32.Sykora), Hasse, Hujdurovic; Werner,
Thielemann, Schmidt, Ziegner, Maul; Zimmermann (73.Manai), Hähnge (55.Jovic)
- Wuppertal: Maly; Schaffrath, Stuckmann, Bayertz, Pfingsten (78.Marten),
Tavarez (70.Lejan), Sowislo (58. Malura), Gensler, Wiwerink, Ortlieb, Heinzmann
- Zuschauer: 3123
- Schiedsrichter: Steinhaus (Hannover)
- Spielbericht:
- Die Zeiten haben sich gewandelt. Als
der FCC und seine Anhängerschar vor ziemlich genau vier Monaten ins Tal der
Wupper reiste, verschwendete dort kaum einer der Einheimischen einen Gedanken
an eine mögliche Niederlage gegen den Aufsteiger aus der Oberliga und auch im
Gästeblock rieb man sich verwundert die Augen ob des starken Auftretens der
eigenen Lieblinge bei einer Mannschaft, die vor der Saison als Mitfavorit um
die Aufstiegsränge gehandelt wurde. Nach 18 absolvierten Spielen kann davon an
der Wupper keine Rede mehr sein, stattdessen darf sich der FCC zum Kreis jener
Teams zählen. Die Erwartungshaltung ist gestiegen und so stand nichts anderes
als ein Heimsieg zur Debatte für die 3.123 Zuschauer im Ernst-Abbe-Sportfeld,
zumindest bis der Sekundenzeiger die erste Runde voll gemacht hatte, denn als
wären die Temperaturen nicht schon frostig genug, wurde Jena eiskalt erwischt.
Wuppertals Nils Pfingsten konnte von Osterspaziergänger Kowalik
nicht an seinem schnellen
Durchbruch auf der rechten Seite gestoppt werden, die perfekt getimte Hereingabe
ließ Person chancenlos und da Gensler zwar bedrängte, aber nicht daran hindern konnte,
den Ball die fehlenden Zentimeter über die Linie zu drücken, stand es 1:0 für
die Gäste. Der Schock saß, und so dauerte es 10 Minuten, bis Jena die Partie
endlich in die Hand nahm. Zimmermann mit Flachschuß
knapp neben das Tor (10.), Werners von Maly im
Wuppertaler Kasten geklärte Granate (11.), Zimmermanns Kopfball aus Nahdistanz
an die Latte sowie Mauls Nachschuß am Tor vorbei
(15.) waren Ausdruck des nun druckvolleren Jenaer Spiels und nach 20 Minuten
war es endlich soweit. Kapitän Ziegner mit
wunderschöner Freistoßflanke von rechts, halb Jena steigt hoch und Alexander
Maul am höchsten, um das Leder unhaltbar per Kopf in die Maschen zu wuchten. Zwei
Minuten zuvor hatte er diese Präzision noch vermissen lassen, als er mit einer
verunglückten Kopfballrückgabe Gensler die
Möglichkeit zu seinem zweiten Treffer verschaffte, doch dessen versuchter Heber
über Person misslang. Überhaupt offenbarte der FCC heute gravierende
Unsicherheiten im Defensivspiel, das konsequente Pressing
der Gäste stellte die Hujdurovic und Co. ein ums
andere Mal vor Probleme, so dass auch in das Spiel der Weißgekleideten
insgesamt keine Ruhe und Sicherheit Einzug hielt. Dies änderte sich auch nach
der verletzungsbedingten Auswechslung Kowaliks nicht,
er hatte einen Pferdekuss mitbekommen, für den Ralf Schmidt die linke
Verteidigerposition übernahm, während Mark Zimmermann ins Mittelfeld rutschte
und somit vorn Platz machte für den eingewechselten Neustürmer
Sykora. Stürmisch auf dem Rasen ging es jedoch mitnichten
weiter, Ziegners unwiderstehliches Solo, das von
Thielemann ungenügend abgeschlossen wurde (29.) und auf der anderen Seite zwei
gefährliche Freistoßflanken Pfingstens (32., 34.) sorgten
für Gefahr. Ansonsten taten sich beide Teams schwer im Umgang mit den sehr komplizierten
Platzverhältnissen, die angetaute Oberfläche auf gefrorenem Boden wirkte wie
Schmierseife. Eine klare Einwurffehlentscheidung riß
die Zuschauer dann kurz vor der Pause doch noch einmal von den Sitzen,
bescherte Torsten Ziegner seine fünfte gelbe Karte
wegen zu heftigen Meckerns und läutete die hektische Schlussphase des ersten
Durchgangs ein. Ziegners Freistoßflanke von der
magischen Ausgleichsstelle getreten konnte Maly noch
wegfausten, doch nur eine Minute später wäre er machtlos gewesen. Thielemann
hatte Ziegner mustergültig auf rechts bedient, der
steuerte in den Strafraum, knallte das Leder jedoch eine Spur zu scharf die
Linie entlang, so dass der am langen Pfosten heranstürmende Hujdurovic
die Kugel nicht gut genug erwischte, um sie aus drei Metern ins leere Tor zu
befördern.
Wer sich auf eine ähnlich turbulente Fortsetzung nach dem
Pausentee gefreut hatte, sah sich getäuscht. Beide Teams
scheuten das letzte Risiko, dennoch hätte Wuppertals Sowislo
beinahe von einem weiteren Jenaer Abwehrschnitzer profitiert, als er an der
Strafraumgrenze vor Person an den Ball kommt, ihn aber nur auf das Tor hebt.
Heiko Weber hatte seinen Jungs in der Kabine gesagt, notfalls mit dem Remis
zufrieden zu sein, aber dennoch nach vorn zu spielen und nach einer Stunde
taten sie endlich auch letzteres. Jovic war
inzwischen für Hähnge im Spiel, dem sein Coach auf
diesem Geläuf nicht mehr viel zutraute, und der 34jährige sollte zum tragischen
Helden werden. In Minute 62 vertändelte er den Ball in aussichtsreicher
Position statt auf den zentral freistehenden Sykora
zu passen, zwei Minuten später wurde er aus dem Gewühl heraus von
Hujdurovic bedient und schießt aus fünf Metern völlig
freistehend Maly an. Dazwischen noch eine Großchance
von Zimmermann, der mit seinem Flachschuß ebenfalls
am besten Wuppertaler scheitert. Und so war es wieder einmal die bis zum
Erbrechen wiederholte Weisheit der sich rächenden vergebenen Chancen, die WSV-Kapitän
Bayertz aus 22 Metern mit schöner Direktabnahme einer
zu kurzen Kopfballabwehr Thielemanns zu bestätigen wusste. Person im Jenaer
Kasten streckte sich vergeblich, der Ball passte millimetergenau, die Gäste
hatten den Spielverlauf auf den Kopf gestellt und Jenas Antwort blieb diesmal
aus. Zwar gelang es, die Gäste aus dem Bergischen Land permanent in ihre eigene
Hälfte zu drängen, doch den Aktionen im Jenaer Spiel fehlte
die Präzision und das Überraschungsmoment. Hohe weite Bälle in die Spitze waren
gerade ohne Hähnge als Rezept untauglich gegen die
klug und bissig verteidigenden Rot-Blauen. Sykora mit
Schmackes übers Tor (80.) und zwei Mal Jovic (85.)
hatten zwar den Ausgleich auf dem Fuß, doch der Schlusspunkt des Spieles war
symptomatisch für das blinde Anrennen des FCC ohne Fortune und Cleverness in
der Endphase der Begegnung, als Ziegner in der
vierten Minute der Nachspielzeit einen Eckball aufs Wuppertaler Gehäuse setzt. Jenas
Anhang hatte die Niederlage schon lange akzeptiert und feierte die Helden der
Hinrunde trotzig mit Sprechchören, zeigte sich versöhnt mit seiner Elf. Doch als
Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus mit dem Schlusspfiff dem Treiben auf dem
Platz ein Ende bereitete, begann für einige Hohlköpfe aus Block A und später
auch K eine Aktion, die dem FCC wohl eine saftige Geldstrafe einbringen wird.
Nach dem Überwinden der Absperrungen stürmte man über die Tartanbahn zum mit
gut 100 Feiernden gefüllten Gästeblock, lieferte sich davor Scharmützel mit dem
Sicherheitsdienst, riß Transparente ab und konnte
erst von der Tränengas einsetzenden Polizei und dem beruhigenden Einsatz von
Alexander Maul und Torsten Ziegner zur Räson gebracht
werden. Szenen wie es sie in Jena noch nie gab, entsprechend fassungslos war
man auch allerorts über diesen peinlichen Auftritt einiger Krawallmacher, der
unserem Verein und seinen Fans wohl mehr schaden wird als der unglückliche Punktverlust
auf dem Platz. So stolz man auf die Mannschaft sein darf, als Jena-Fan musste
man sich nach diesem traurigen Nachmittag schämen. <gunner>
Bilder vom Spiel
Tore: 1:0 Hähnge (8.), 1:1 Schwarz (21.), 2:1 Sykora (30.),
3:1 Ziegner (56.), 4:1 Maul (62.)
- Jena: Person; Kowalik, Schmidt, Hujdurovic; Werner (77. Paulick),
Thielemann, Ziegner (81. Wachsmuth), Zimmermann, Maul; Sykora (74. Jovic),
Hähnge
- Oberhausen: Masuch; Saur, Scherbe, Ernst, Heller; Reichert, Schwarz
(74. Landers), Kuhtrieb, Schäper; Mehic, Bella (66. Sirin)
- Zuschauer: 2904
- Schiedsrichter: Thielert (Buchholz)
- Spielbericht:
- Ein Jubiläum, das niemand bemerkt hat, zunächst nicht einmal die
Jubilare selbst: Vor 10 Jahren, im August 1995, schrieben wir in seligen
Zweitligazeiten unseren ersten Spielbericht ! Ein Jahrzehnt lang ist der FCC seitdem ununterbrochen
im Internet vertreten, mittlerweile auf breiter Basis. Von Höhen und Tiefen gab
es zu berichten, wobei letztere leider überwogen. Das Jubiläumsjahr gehört aber
zweifellos zu den Erfreulichsten in unserer Kommentatoren-Tätigkeit. Der
Aufstieg und eine phantastische Hinserie als Neuling in der Regionalliga
entschädigen für so manches Frustwochenende in vier Jahren Oberliga.
Als Berichterstatter geht man mit gewissen Erwartungen in
eine Partie. Die gegen Oberhausen deuteten auf Kampf und Krampf hin, war uns
der Kontrahent doch als sehr defensiv mit gelegentlichen Konterambitionen
annonciert worden. Die ersten Szenen schienen das zu bestätigen. Oberhausen gab
kampflos das Mittelfeld preis und zog sich mit zehn Mann an den eigenen
Strafraum zurück, ähnlich wie Lübeck zwei Wochen zuvor. „Na, das kann ja heiter
werden“, beschlichen einen böse Vorahnungen, als auch noch Schiri Thielert bei
den ersten drei unsauberen Aktionen der Gäste kein einziges Mal die Pfeife zum
Mund führte. Doch die düsteren Orakel lösten sich nach sieben Minuten in Nichts
auf: Kluger Heber von Sykora auf Hähnge. Der steht wegen eines Verteidigers in
der Mitte nicht im Abseits, hat aber von der rechten Seite her freie Bahn zum
Tor. Solch eine Möglichkeit lässt sich Sebastian Hähnge nicht entgehen ! Nach
seinem Spurt bis zum Elfmeterpunkt schob er das Leder an Torhüter Masuch vorbei
flach ins rechte Eck. Beim Torjubel kamen alle Feldspieler in eine Reihe vor
die Tribüne und stellten die bekannte Wiegenbewegung nach. Den ersten Treffer,
so hatten sie sich vorgenommen, widmen wir Elias Manai, den keine zwei Stunden
zuvor geborenen Sohn von Kais Manai. Viel hat nicht gefehlt und wir alle wären
bereits vier Minuten später mit dem
zweiten Tor beschenkt worden: Freistoß Ziegner, von Masuch nach vorn gefaustet
auf Zimmermann, der unverzüglich aufs Tor schießt. Doch Oberhausens Keeper
reißt die Fäuste nach oben und lenkte den Ball über die Latte. Das zweite Tor
schien dennoch nur eine Frage der Zeit, da die Gastgeber mit viel Tempo
spielten, dabei die gesamte Breite des Platzes nutzten, nur ab und zu den
besten Moment zum Abspiel verpassten. Das zweite Tor, es fiel tatsächlich nach
zwanzig Spielminuten, völlig überraschend aber auf der anderen Seite. Nach
einer Rechtsflanke kam Maul vor Bella
zum Kopfball, beförderte das Leder damit aber in eine Art Niemandsland. Schwarz
schaltete am schnellsten, stahl sich im Rücken Thielemanns an den Brennpunkt
des Geschehens und kam vor dem heranbrausenden Schmidt zum Torschuss, welcher
unhaltbar im linken Eck einschlug. Sechs Minuten später eine vergleichbare Situation
im RWO-Strafraum: Nach einer Hereingabe von Hähnge stand ein Verteidiger besser
zum Ball, wurde aber von Zimmermann überlaufen. Leider vermochte Zimme dem
Schuss nicht die passende Richtung zu verleihen. - Auffallend, dass sich
Oberhausen nach dem Ausgleich nicht wieder einigelte, sondern nun seinen
dritten Auswärtssieg in Folge anpeilte. Mehr Gefahr aber strahlten bis zur
Pause die Aktionen der Gastgeber aus, Resultat dessen war die erneute Führung.
Wieder war Hähnge beteiligt – zwei Mann auf sich ziehend brachte er mit
Seitkick Thielemann ins Spiel. In dessen Eingabe rutschte Sykora und traf aus
vier Metern Entfernung. Den guten Gesamteindruck der ersten Hälfte störte
eigentlich nur der Schiedsrichter, dem zwischenzeitlich jegliches
Fingerspitzengefühl abhanden gekommen schien. Besonders in jener Szene, als
Sykora mit einem Schlag ins Gesicht an einer möglichen Torvorlage gehindert
wurde, zog der Referee zurecht den Unmut der Heimkulisse auf sich. Vorteil
laufen zu lassen, obwohl nicht einmal der Olympiasieger im 100-Meter-Lauf den
Ball erreicht hätte und auch noch nachträglich auf die Gelbe Karte zu
verzichten, erwies sich als Fehlentscheidung.
Keine Ahnung, was die Jenaer Spieler in der Halbzeitpause so
abgelenkt hat. In den ersten Minuten der zweiten Hälfte schienen sie gedanklich
noch nicht wieder auf dem Platz. Sofort nach Wiederanstoß tauchte Bella vor
Person auf, der Torhüter entschärfte aus kurzer Entfernung den Schuss des
Kameruners. Dann stand Scherbe mutterseelenallein rechts am Torraum, drosch den
Ball in die Wolken. Zu(un)guterletzt kam auch Oberhausens Antreiber Kutrieb
unbehelligt zum Schuss, zielte aus sechzehn Metern einen Tick zu hoch. Wie gut,
dass Jena an diesem Tag zum richtigen Zeitpunkt seine Tore schoss ! Als die
Gäste auf den Ausgleich drängten, setzte Torsten Ziegner einen Konter. An der
Mittellinie nahm er den Ball mit der Brust an. Von einem Verteidiger gestört,
drohte er sich am Strafraum zu verheddern. Doch der Kapitän zog nach rechts
raus, um dann unhaltbar ins lange Eck zu treffen. Klasse ! Während das Notebook
für den Live-Ticker erste Anzeichen von permanenter Unterkühlung signalisierte,
wurde den viel zu wenigen Zuschauern richtig warm ums Herz angesichts des
wieder mal ansehnlichen Offensivfußballs der Jenaer. Fiete Sykora lieferte ein
überzeugendes Debüt als Stürmer. Die jeweils defensiver als sonst aufgestellten
Ziegner und Zimmermann fühlten sich in ihren neuen Rollen pudelwohl und könnten
ihren Trainer zum Nachdenken animiert haben, inwieweit sich dies wiederholen
ließe. Der Siegeswillen der Gäste war nach dem 3:1 gebrochen und so geriet die
verbleibende Spielzeit zu einer Art Thüringer Schlaulaufen mit dem vierten Tor
als Highlight. Nach Ziegners Eckball schraubte sich Alexander Maul am höchsten,
ein Verteidiger kam erst hinter der Torlinie mit der Hacke an den Ball. Hätte
nicht Masuch reaktionsschnell die linke Hand zum Ball gebracht, wären Maul
gegen seinen alten Verein zwei Tore in drei Minuten gelungen.
Eine Einwechslung soll noch gesondert Erwähnung finden: Zu
einem Zeitpunkt, als die Partie entschieden war, durfte noch einmal Miroslav
Jovic in der ersten Mannschaft ran. Dies fand auch bei uns besonderen Anklang.
Schließlich gehört Jovic zu jenen Spielern, die uns mit am längsten durch zehn
Jahre Spielbericht begleitet haben. <fc>
Bilder auf weissenburger.de
Tore: 1:0 Feinbier (48.), 1:1 Ziegner (49.), 2:1 Lambertz (67.), 3:1
Podszus (82.)
- Düsseldorf: Deuß - Cakir, Erislan, Barth, Kruse,
Böcker, Wolf (90. Alberz), Lambertz (74. Heeren), Cebe (88. Kizilaslan),
Podszus, Feinbier
- Jena: Person; Kowalik (61. Holzner), Hasse, Hujdurovic; Werner,
Thielemann, Schmidt, Ziegner, Maul; Zimmermann (70. Sykora), Hähnge
- Zuschauer: 6300
- Schiedsrichter: Wagner (Hofheim)
- Spielbericht:
- Temperaturen knapp überm Gefrierpunkt, Nebel, ein Sportplatz neben der Müllverbrennungsanlage – alles
war geeignet, das mulmige Gefühl zu verstärken, das nicht nur mich auf der Tour
nach Düsseldorf begleitete. Irgendwann reißt bekanntlich jede Serie, die
Fortuna hatte einen tollen Lauf, der FCC 120 Minuten Pokalspiel plus
Elfmeterschießen zusätzlich in den Knochen.
Um so bemerkenswerter, daß der FCC
in der ersten Halbzeit das Spiel sehr ausgeglichen gestaltete und die Fortuna
meistens weit von Persons Tor abfing. Nur selten gelangten die sehr bemühten
Gastgeber in „Schlagweite“. So in der 12. min, als eine Freistoßflanke zu kurz
abgewehrt wurde, der Düsseldorfer, dem der Ball vor die Füße fiel, jedoch ein
gutes Stück am Tor vorbei zielte. Auf der Gegenseite erzeugte der FCC auch
nicht viel mehr Gefahr, Mauls Schuß aus etwa 23 m Entfernung ging genau auf den
Keeper. Jena bekam das Spiel Mitte der ersten Hälfte allmählich in den Griff,
aber insgesamt war es ein mehr oder weniger langweiliges Spiel ohne große
Torchancen. Aufregend waren höchstens einige Pfiffe des erstligaerfahrenen Schiedsrichters
Wagner, so als er Maul nach Feinbiers Schwächeanfall die Gelbe Karte zeigte. Dafür
wurde das Foul an Ziegner, als er mit seinem Dribbling die
Fortuna-Hintermannschaft verzückte, vorm Strafraum nicht geahndet. Auch später
entwickelte er eine seltsame Zweikampfbeurteilung, ohne daß dies jedoch
spielentscheidend gewesen wäre. Kurz vor der Halbzeit hatte die Heimabwehr arge
Mühe, nach einem Ziegner-Freistoß das Spielgerät aus der Gefahrenzone zu
befördern.
Nach der Halbzeitpause ging es jedoch
mit dem ungünstigsten Fall für den FCC weiter: Hasse rückte aus der Abwehr
heraus, konnte aber den Ball nicht wegschlagen. Die Spielkugel kommt auf die
rechte Seite, wird in den Strafraum gespielt, kurz auf den nebenstehenden
Feinbier abgelegt, der sich entgegen zum Verteidiger dreht und nicht scharf,
aber plaziert ins lange Toreck schießt. Eigentlich war das erst die zweite
Torchance der Fortuna, aber die saß! Im Gegenzug gab es Freistoß für den FCC –
etwas links der Mitte, ca. 20 m Torentfernung. Ziegner schnippelte die Kugel so
perfekt über die Mauer ins linke Toreck, daß er sich mit der Aktion glatt für
die brasilianischen Meisterschaften im Freistoßschießen bewerben könnte. Keeper
Deuß machte einen auf Salzsäule, aber selbst mit einem fliegenden Teppich als
Hilfsmittel hätte er den Schuß nicht gehalten. Fehler ausgebügelt, jetzt konnte
es doch losgehen! Jena hatte auch das Heft des Handelns in der Hand und ein
Punkt (oder mit etwas Glück auch mehr) war in Reichweite. Aber denkste – bei
einem schnellen Gegenzug von rechts war die Flanke lange durch den Jenaer
Strafraum unterwegs, Holzner verpaßte noch und der dahinterstehende Lambertz schob
zum 2:1 ein. Der FCC versuchte nun wiederum, den Rückstand aufzuholen und
rückte dabei weit auf. Zunächst setzte jedoch Hähnge einen Kopfball (68., nach
Flanke von Ziegner) neben das Tor. Danach hatte Fortuna zweimal die
Gelegenheit, alles klarzumachen, aber sowohl Kruse (73.) als auch Feinbier
(81., hier lenkte Person den Schuß an den Pfosten) blieb der Torerfolg versagt.
Acht Minuten vor dem Spielende hatten die 800 Jena-Fans den Torschrei auf den
Lippen, aber ein auf der Torlinie herumstehender Verteidiger verwehrte Mauls
Kopfball die letzten Zentimeter Weg ins Netz. Und im Gegenzug schloß Podszus
nach Maßflanke zum dritten Tor für die Gastgeber ab. Aus die Maus! Werners
Schuß von rechts (86.) rutschte von Deuß’ Fäusten in die Mitte ab, aber der scharfe
Abpraller war für Thielmann zu scharf, so daß der Ball ins Toraus trudelte.
Unmittelbar vor dem Abpfiff vergab Düsseldorf eine weitere Chance, aber das
wäre zuviel des Schlechten gewesen.
Und so bleibt als Zusammenfassung,
daß eine Niederlage bei Fortuna Düsseldorf sicherlich keine Katastrophe
darstellt, aber – wie schon nach der letzten Niederlage in Essen – der FCC
mußte dieses Spiel nicht verlieren. Es waren die eigenen Fehler, die den Gegner
starkgemacht haben. ><uk>
Fotos von Jens Weißenburger
- Jena: Person; Thielemann, Hasse, Hujdurovic, Maul (75. Sykora),
Kowalik, Ziegner, Hähnge, Werner, Schmidt, Zimmermann
- Lübeck: Frech; Hirsch, Schröder, Rump, Dogan, Streit, Möckel,
Neitzel (65. Karadas), Türkmen, Hesse (89. Bruhn), Kampf (76. Aischmann)
- Zuschauer: 7074
- Schiedsrichter: Perl (München)
- Spielbericht:
- Erster kontra Dritter der Liga - der absolute Knaller des 17.Spieltages der Regionalliga Nord.
Die Lübecker mit Personalproblemen nach Jena gereist, stapelten vor dem Spiel tief und versuchten
den Jenaern, die Favoritenrolle zuzuschieben. Mit einem Sieg des FCC am heutigen Tage wäre am
kommenden Wochenende sogar das fast Unfassbare möglich, denn die Jenaer hätten dann auf dem
ersten Tabellenplatz landen können. Aber vielleicht wäre das auch zu viel des Guten.
Der FCC begann bei bestem Wetter mit der gleichen Erfolgself wie in der letzten Partie gegen Emden. Knapp 10 Minuten
waren gespielt, da kam es zu großer Aufregung auf dem Rasen. Hähnge hatte Zimmermann im Strafraum
mustergültig bedient, doch dieser wurde Sekunden später von Lübecks Kapitän Schröder
von den Beinen geholt, doch zum Unmut aller Jenaer blieb der Elfmeterpfiff des Unparteiischen aus. Aber die Jenaer
machten weiter Druck und schnürten den Tabellenführer in deren Hälfte ein. Ein Freistoss von
Ziegner (23.) quer durch den Strafraum erreicht Hähnge, doch dieser rutschte während des Schussversuches
weg. Erneut ein Freistoss musste herhalten, um überhaupt eine weitere Torchance vermelden zu können,
doch Kowalik verfehlte in der 37. Minute mit einem Kopfball nur knapp das Tor der Gäste. Es war ein offener
Schlagabtausch beider Spitzenteams, ohne jedoch ein Spitzenspiel entstehen zu lassen. Beide Mannschaften neutralisierten
sich zunehmend im Mittelfeld und so kam es, dass die Torchancen auf beiden Seiten absolute Mangelware waren. Die
Gastgeber bestimmten zwar klar das Spiel und waren auch die aktivere Mannschaft, aber das Bollwerk der Lübecker
Abwehr wankte einfach nicht.
Die Jenaer knüpften gleich zu Beginn der zweiten Hälfte nahtlos an ihre kämpferische Leistung der ersten
Halbzeit an. Zimmermann wurde in der 49. Minute mit einem schönen Pass in den Sechzehner bedient, doch leider sprang
ihm bei der Ballannahme der Ball an die Hand, was Schiedsrichter Perl auch noch mit der Gelben Karte ahndete. Auch in der
zweiten Halbzeit das gleiche Bild. Die Lübecker taten überhaupt nichts für ihr eigenes Angriffspiel nach
vorn und machten durch ihre passive Spielweise das Match zu einer langweiligen Partie. Die Jenaer versuchten dagegen
unentwegt, eine Lücke in der dicht gestaffelten Hintermannschaft der Gäste zu finden. Nach gut einer Stunde
mal wieder eine nennenswerte Aktion, doch leider brache diese auch keinen Erfolg. Jenas Kapitän Ziegner, der heute
zu den aktivsten Jenaer gehörte, umspielte zwei seiner Gegenspieler und zog dann auch aus gut 20m mit einem
beherzten Schuss ab, doch leider ging der Ball knapp am Tor vorbei. Eine Viertelstunde vor Abpfiff brachte Jenas Trainer
Heiko Weber seinen Edeljoker Fiete Sykora auf das Feld, der am letzten Spieltag kurz vor Ende noch das glückliche Siegtor
erzielen konnte. Sollte es ihm auch heute den Spitzenreiter gelingen? Nein. Denn Sykora bekam leider keine Möglichkeit
mehr, seine Kopfballstärke unter Beweis zu stellen. Drei Minuten vor dem Ende musste Gästekeeper Frech noch einmal
alles zeigen, als ein Freistoss von Ziegner, der eigentlich als Flanke in den Strafraum gedacht war, lang und länger
wurde und um ein Haar auch der Ball im Kasten der Gäste gelandet wäre, wenn nicht…ja wenn nicht Frech, der auch
noch von der tief stehenden Sonne geblendet wurde, den Ball über die Latte lenken konnte. Wenig später pfiff der
Unparteiische ab und das Spitzenspiel des 17. Spieltages war Geschichte.
Die Lübecker waren mit diesem Ergebnis hoch zufrieden und die Jenaer wurden trotz eines torlosen Spieles mit stehenden
Ovationen in die Kabine begleitet. Allerdings wurde der unbedingte Siegeswille und der Kampfgeist, den die Jenaer auch am
heutigen Tage an den Tag legten, leider nicht mit einem Sieg belohnt. Aber wer weiß, wie die Partie gelaufen wäre,
wenn nach neun Minuten Schiri Perl den glasklaren Elfmeter für Jena gegeben hätte und die Gäste bereits nach
kurzer Spielzeit ihre biedere Spielweise hätten ablegen müssen. Aber es nützt kein Wenn und Aber...
Bereits am kommenden Dienstag steht das nächste "Pokal-Knallerspiel" in Erfurt an, was die Jenaer natürlich unbedingt
gewinnen wollen. <vg>
Bilder des Tages <jw>
Spielbericht auf Lübecks offizieller Homepage
Tore: 1:0 Cannizzaro (15., FE), 1:1 Ziegner (65., HE), 1:2 Sykora (83.)
- Emden: Hoffmeister; Ewert, Spahic, Neunaber, Gundelach;
Cannizzaro (67. Gröger), Unger, Glöden
(

, 65.),
Nägelein; WilkingR (86. Buskirk), Grgic
- Jena: Person; Kowalik, Hasse, Hujdurovic; Werner, Thielemann
(60. Holzner), Schmidt, Ziegner, Maul (79. Sykora); Zimmermann (46. Manai),
Hähnge
- Zuschauer: 1850
- Schiedsrichter: Schumacher (Oberhausen)
- Spielbericht:
-
Erstmals
in dieser Saison führte der Weg den FCC in absolutes Fußballneuland. Während
man in seligen Zweitligazeiten ja schon im nahe gelegen Emsland oder dem
benachbarten Oldenburg aktiv war, so stellte das wahrhaftige Ostfriesland
selbst bisher einen weißen Flecken auf der Besuchslandkarte in der über
100jährigen Vereinsgeschichte dar.
Die Fahrt an die holländische Grenze geriet zudem zur längsten Anreise der Saison,
und auch wenn der Mannschaftsbus bereits am Vortag nach Emden gerollt war, so
konnte man in den Anfangsminuten den Eindruck gewinnen, die 600 Kilometer
steckten noch immer in den müden Beinen der Weberschützlinge. Vielleicht war es
auch nur ein Schuss zuviel Selbstzufriedenheit nach den lobenden Worten der
letzten Tage für die schon beim Warmmachen mit frenetischen „Derbysieger“-Rufen
gefeierten Helden des letzten Wochenendes. Jedenfalls schien der FC Carl Zeiss
abgesehen von zwei Ziegner-Freistößen von Beginn an kaum auf dem Platz, agierte
zu passiv und offenbarte ungewohnte Zweikampfschwächen. Besonders der nach
seiner Gelbsperre wieder ins Team gerückte Thielemann erwischte einen
rabenschwarzen Tag, hatte mit seinem fast doppelt so großen Gegenüber Glöden
große Probleme und war es auch, der die Führung der Emder maßgeblich
verschuldete. Seinen fahrlässigen Ballverlust nutzt der schnelle Grgic, der
anschließend vom heute weit von seiner Erfurt-Form entfernten Kowalik im
Strafraum zu Fall gebracht wurde. Eine Szene, die dem nach einem Zusammenprall
mit einem Emder zu Boden gegangenen jungen Schiedsrichter entgangen war, doch
sein Assistent an der Linie kannte kein Erbarmen, den fälligen Elfmeter
verwandelte Cannizzaro sicher zum 1:0. Seine anschließenden provozierenden
Gesten an die Jenafans wären in England zwingend mit Gelb bestraft worden,
hierzulande bleiben solche Respektlosigkeiten leider ungesühnt. Die Führung der
Emder war zu diesem Zeitpunkt nicht ganz unverdient, hatten sie durch Glödens
abgefälschten Schuss (10.) oder Ewerts Nachschusschance (14.) schon zuvor
kleinere Möglichkeiten, und auch danach tat sich Jena sehr schwer, eine Antwort
zu finden. Ein Fußballspiel im eigentlichen Sinne fand ohnehin kaum statt, der
sehr kleinlich pfeifende Referee unterband nahezu jeglichen Zweikampf, worauf
sich die Gastgeber zunächst besser einzustellen verstanden als die FCC-Elf.
Dennoch war es eine der wenigen Szenen aus dem Spiel heraus, die unserer
Mannschaft um ein Haar den Ausgleich bescherte, doch Hujdurovics herrlichem
Flugkopfballtor nach Schmidts weiter Flanke wurde wegen angeblich
vorangegangenen Foulspiels des heute weitgehend abgemeldeten Hähnge die
Anerkennung verweigert. Siebzehn Minuten waren da gespielt, doch es sollte
weitere 13 dauern, bis der Tabellenvierte endlich das Zepter in die Hand nahm.
Wirklich zwingende Möglichkeiten sprangen gegen die sich nun vollends
einigelnden Defensivspezialisten von der Emsmündung kaum heraus, sieht man
einmal von Hujdurovics 25m-Knaller in die Arme von Hoffmeister oder Mauls von
Hähnge und Werner verpasste gefährliche Flanke ab, doch zumindest konnte die
vom sich nun steigernden Kapitän Ziegner angetriebene Zeisself 10 Minuten lang
ein Powerplay aufziehen, das der Tabellenkonstellation gerecht wurde. Emden
verlegte sich aufs Kontern, hatte aber durch einen in die Wolken gejagten
18m-Freistoß Nägeleins nur eine halbwegs notierenswerte Gelegenheit zur
Resultatserhöhung.
Die Kabinenpredigt von Heiko Weber fiel kurz aus, bereits nach 10 Minuten
erschienen seine Jungs schon wieder auf dem Feld, doch sie muss um so
eindringlicher gewesen sein, denn die zweite Hälfte gehörte ganz klar Jena.
Manai war für den blassen Zimmermann ins Spiel gekommen, und nach dem
Überstehen einer Schrecksekunde kurz nach Wiederanpfiff, als Glöden einen
Abpraller nur knapp neben den kurzen Pfosten setzte, spielte nur noch Jena.
Nicht wirklich gut freilich und von dem tollen Kombinationsfußball der letzten
Wochen weit entfernt, nervös hingegen und fahrig in den Aktionen, doch das
Bemühen war erkennbar und mündete gegen die resolut verteidigenden Ostfriesen
in einer wahren Flut von Eckbällen und Freistößen in Richtung der mit über 300
Fans gut gefüllten Gästekurve. Die durfte nach einer Stunde beobachten, wie
Thielemann mit seiner Auswechslung durch Felix Holzner erlöst wurde, eine
folgenschwere. Nur kurz darauf flankte der Youngster in den Strafraum, wo der
baumlange Glöden in einem totalen Blackout den Ball mit der Hand aufzuhalten
versuchte und somit endgültig die Wende im Spiel einleitete. Strafstoß für
Jena, gelb-rot für den schon zuvor nach rüdem Foul an Hujdurovic verwarnten
Ex-Erfurter, und der Ausgleich durch Torsten Ziegner, der Hoffmeister in die
falsche Ecke schickte und trocken verwandelte. Die Vorzeichen für die restliche
Spieldauer waren nun klar, Jena drückte, flankte von links, flankte von rechts,
schoss (Werner, 71.), doch es fehlte ein Vollstrecker im Strafraum gegen die
zwar fußballerisch limitierten, doch tapfer kämpfenden Gastgeber. Benno Weber
muß sich daher an die Schlussphasen in Osnabrück und Essen erinnert haben und
brachte mit Sykora seinen letzten Joker. „Fiete! Fiete!“ schallte es denn auch
nach 83 Minuten aus dem Gästeblock, als Ziegner aus halblinker Position zum
Freistoß anlief, und brav folgsam schraubte sich der so angefeuerte Sykora in
die Luft, um das Leder unhaltbar unter die Latte zu köpfen. Grenzenlos der
Jubel der Spielertraube unmittelbar vor ihren Fans, erstmals in dieser Saison
hatten sie nach Rückstand ein Spiel drehen können. Emdens Trainer Fascher
setzte noch einmal alles auf eine Karte, brachte mit van Buskirk einen weiteren
Stürmer, aber Jenas Hintermannschaft überstand die durch viele Freistöße
geprägte Schlussphase sicher und durfte sich überglücklich über den sechsten
Sieg in Folge freuen.
Dass dies in einem äußerst schwachen Regionalligaspiel und nach allenfalls dürftiger
Leistung gelang, störte da niemanden mehr. Verdient war der Sieg allemal, und
zeichnet es Spitzenmannschaften nicht aus, gerade die schlechten Spiele
trotzdem zu ziehen? Insofern kann einem fast etwas Bange werden angesichts der
unheimlichen Siegesserie unserer Elf, die Zutaten für ein echtes Topspiel am
nächsten Samstag sind jedenfalls bereitet. <gunner>
Bilder
auf weissenburger.de
Tore: 1:0 Werner (12.), 2:0 Hähnge (60.)
- Jena: Person; Kowalik, Hasse, Hujdurovic; Werner, Maul, Schmidt,
Ziegner, Holzner (88. Paulick); Zimmermann (86. Manai), Hähnge
- Erfurt: Orlishausen; Nowak (66. Stark), Bertram, Holst, Six (74.
Kacani); Schnetzler, Pätz, Brunnemann, David; Mensah (46.
Onwuzuruike), Hebestreit
- Zuschauer: 11.962
- Schiedsrichter: Meyer (Burgdorf)
- Spielbericht:
- Als Jena im Frühsommer aus der Fußball-Tiefsee wieder
auftauchte, war unsere Welt wieder auf die Füße gestellt. Es war ein Rausch.
Ein Rausch der seitdem nicht vergangen ist. Aber eine Kleinigkeit fehlte noch.
Die Vorherrschaft in Thüringen war längst nicht mehr geklärt. Der Thron war verlassen,
der König in Frage gestellt. Und der ewige Kronprinz meldete unverhohlen seine
Ansprüche an. Christoph Dieckmann brachte es am Samstag im Stadion-Magazin auf
den Punkt. Der Erbfeind schien gestürzt. Aus Erfurter Sicht natürlich. Und das
unwiderruflich. Bis zu diesem Sommer, als sich der Zweiklassenunterschied innerhalb
weniger Tage in Luft auflöste und damit mal wieder eine neue Zeitrechnung im
Thüringer Fußball begann. Seitdem haben sich die Vorzeichen komplett ins Gegenteil
verkehrt.
Ein guter Moment also, einige Dinge mal wieder richtig zu
stellen... Trotzdem war sie natürlich mit auf dem bis auf ein Existenzminimum
geschrumpften Stehplatz gekommen. Die Angst das wichtigste Spiel des Jahres zu
verlieren. Nach 10 Minuten dann auch gleich der erste Adrenalinschub.
Holsts Freistoß aus dem Mittelfeld segelt durch das halbe
Stadion und landet durch Zufall bei David. Der fackelt nicht lange aber Person
lenkt den Schuß aus 3 m blitzschnell über die Latte. Stark gehalten! Nachdem
der Herzschrittmacher alle lebenswichtigen Körperfunktionen wieder in Gang
gesetzt hatte, verzichtete Jena auf weitere gesundheitsgefährdende Einlagen dieser
Art und zeigte, wer der wahre König im Land ist. Und wie! Hähnge flankt von der
rechten Seite auf Werner, dessen Volleyabnahme von der Strafraumgrenze plaziert
im rechten unteren Toreck einschlägt (12.). Der war unhaltbar! Ohrenbetäubender
Lärm. Traumtor! Jetzt nur nicht locker lassen. Gleich weiter. Und tatsächlich.
Jena fährt jetzt ganz großes Geschütz auf, führt Erfurt regelrecht vor. Hähnge
taucht alleine vor Orlishausen auf, wird aber von Holst am Bein getroffen (16.).
Elfer! Kein Elfer! Dann wieder Hähnge. Schießt aus vollem Lauf einen Fan aus
der REWE-Kurve (20.). Was war das denn? Der muß doch besser
kommen! Wenigstens Richtung Tor. Hähnge wirkt jetzt völlig verunsichert, läuft
nach Ziegners Anspiel schon wieder allein auf
Orlishausen zu und schiebt ihm den Ball in die Arme (24.). Was macht er nur?
Schieß sie doch ab! Schieß sie doch einfach ab! Zwischendurch
Kowalik. Seine Direktabnahme segelt diagonal durch den
Torraum über Orlishausen hinweg. Und springt an den Pfosten (18.). Das gibt’s
doch gar nicht! Meine Fingernägel sehen schlecht aus. Jetzt nur kein Gegentor.
Dann kippt das ganze Spiel. Aber wie sollte das passieren. Erfurt ist einfach
zu schwach. Wird überrollt. Nächster Versuch. Wieder Kowalik,
diesmal im Doppelpaß mit Zimmermann. Traumkombination! Aber wieder kein Lohn
für die Mühe! Diesmal kullert der Ball links am Tor vorbei (34.). Noch 10
Minuten bis zur Pause. Jena zieht sich ein bißchen zurück, sammelt neue Kraft. Jetzt
nur nicht einlullen lassen. Dann endlich der Halbzeitpfiff. Erstmal
runterkommen. Durchatmen. 15 Minuten Biba & die
Butzemänner.
Nach Wiederanpfiff gleich wieder Jena. Ziegner schlägt einen
Ball vor das Erfurter Tor (48.). Den Kopfball von Kowalik
kann Orlishausen aber mit Mühe am Weiterflug hindern. Dann endlich aber ist er
machtlos. Werner bringt den Ball von der linken Seite. Der kommt genau auf
Hähnge. Wie an der Schnur gezogen. Ich mache die Augen zu. Will es gar nicht
sehen. Dann wieder dieser Lärm. Drin! Diesmal hat er ihn reingemacht.
2:0 (60.). Wie bei einem Erdbeben entlädt sich die angestaute Energie. 8000fach.
Grenzenloser Jubel. Jetzt nur keinen Mist mehr machen. Weiter Druck nach vorn!!!
Wir werden erhört. Freistoß von Ziegner. Kowalik
läuft in den Ball hinein aber Orlishausen hält den Kopfball mit letztem Einsatz
(70.). Dann wieder so eine Traumkombination. Kowalik
bringt den Ball nach innen; Hähnge verlängert per Hacke auf den heranstürmenden
Zimmermann. Der Ball rauscht von der Strafraumgrenze auf das Erfurter Tor zu. Alles
oder nix. Und...nix. Wieder knapp vorbei (73.). Erfurt hat nichts (mehr)
entgegenzusetzen. Kann über das 2:0 froh sein. Endlich die Nachspielzeit. Ein Freistoß
von Ziegner klatscht an die Latte. Von dort springt der Ball Hasse vor die Füße.
Panik! Viel zu viel Platz. Wieder nur Pfosten. Meine Güte, diese Chancen. Und
dann fast noch der Anschlußtreffer. Kacani trifft
aber per Kopf nur die Latte. Alle warten auf den Schlußpfiff. Erfurts demontierte
Abwehrspieler wahrscheinlich am meisten. Dann ist es endlich soweit. Ein tiefes
Aufatmen geht durchs EAS, dann ein Johlen. Unglaublich diese
Leistungssteigerung gegenüber den letzten Heimspielen. Und das im Derby! So
kann Jena auf alle Fälle oben dran bleiben. Unsere Welt steht damit endgültig
wieder auf den Füßen. Der König war nie tot. Es lebe der König! Aber lieben
werden wir Erfurt dafür nicht, Herr Dieckmann! <bpf>
Fotos vom Derby-Tag
Erfurter Spielberichte auf der offiziellen Seite sowie
auf einer Fanclub-Page
Tore: 0:1 Ziegner (11., FE), 0:2 Hähnge (17.)
- Bremen: Jensen; Pekrul, Mohr, Schierenbeck, Theuerkauf (46.
Vonekamp); Bischoff, Peitz, Artmann, Schachten (46. da Silva); Stier
(66. Avcioglu), Polenz
- Jena: Person; Hasse; Kowalik, Maul; Werner, Thielemann,
Schmidt, Ziegner (81. Manai), Holzner (54. Sykora); Zimmermann (69.
Rushiti), Hähnge
- Zuschauer: 300
- Schiedsrichter: Joerend (Lübecke)
- Spielbericht:
- Auch wenn Werder II im hinteren
Tabellenteil steht, nahmen wir sie nicht auf die leichte Schulter und reisten
bereits am Donnerstag an, um das Training unseres nächsten Gegners zu
beobachten. – Na ja, eigentlich war das nicht der Grund für die frühe Anreise,
trotzdem waren wir tatsächlich beim Training der Profis – und mit einem
Seitenblick – der II. Mannschaft.
Am Spieltag vermißten wir im „Wuseum“ (dem Werder-Museum) die Erwähnung des IFC-Spiels 1985 gegen den FCC,
aber dafür „rächte“ sich unsere Mannschaft auf dem Platz 11 des Weserstadions. Der
FCC zeigte sofort, daß man auswärts „Herr im Hause“ ist und schon in der ersten
Spielminute hatte Hähnge nach Ziegner-Ecke das 1:0 vor den Füßen, sein Schuß
aus Nahdistanz wurde aber noch von einem Verteidiger über die Latte gelenkt.
Werder II stand zwar recht solide in der Abwehr, aber trotzdem fand Werners
Flanke Holzners Kopf (8.), der jedoch etwas zu hoch zielte. Kurz danach
marschierte Ziegner in der Mitte in den Strafraum und sein Gegenspieler konnte
den schnellen Schwenk nur noch mit einem energischen Haltegriff beantworten.
„Ziege“ führte den Strafstoß selbst aus und setzte den Ball um Zentimeter auf
der richtigen Seite neben den Pfosten. Anschließend trauten sich die Gastgeber
mehr zu, als in der eigenen Hälfte zu warten und es entwickelte sich ein
flottes Spiel zwischen den Strafräumen. Nach einem Stockfehler in der
Zeiss-Abwehr zog ein Bremer aus 25 m ab und Person drückte den Ball mit den
Fingerspitzen zur Ecke. Kurz danach kam ein Schuß aus der Drehung von der Strafraumgrenze,
doch Person hielt ganz sicher. Dann war wieder Jena an der Reihe und Ziegner
spielte wieder eine tragende Rolle: Er zog auf rechts bis zur Grundlinie durch,
sein Abspiel unter Bedrängnis zur Mitte wurde von Zimmermann am heranstürzenden
Keeper vorbeigeleitet und Hähnge hatte noch die „schwere“ Aufgabe, völlig
alleingelassen den Ball aus 3 Metern Entfernung über die Torlinie zu kullern.
Damit war eine glänzende Ausgangsposition für die restlichen 72 Minuten
geschaffen. Werder mußte nun wirklich aktiv werden, wenn sie noch eine Chance
haben wollten. Aber bei allen Angriffsbemühungen verzichteten sie nie auf eine
Grundsicherung – die Angst, per Konter restlos „versenkt“ zu werden, legten sie
nie ab, wie der Trainer dann auch auf der Pressekonferenz bestätigte. Und
unsere Mannschaft schürte diese Befürchtungen auch regelmäßig. In der 24. min
wurde Ziegners 22-m-Schuß so abgefälscht, daß der bereits in die falsche Ecke
rutschende Jensen den Ball mit Mühe und erst im zweiten Zupacken erwischte.
Werner verfehlte zwei Minuten danach nach Hähnges Zuspiel das Tor nur knapp.
Nur die Zeit zwischen der 35. min und dem Halbzeitpfiff trieben beim
Trainerstab und den ca. 160 im Gästekäfig und im Heimbereich anwesenden Zeiss-Fans
ernsthafte Sorgenfalten auf die Stirn. Der FCC verlor seine Linie und so
schlichen sich auch Fehler ein, die dem Gegner Torchancen ermöglichten.
Zunächst vertendelte Hasse den Ball, ein Werderaner schnappte sich die Kugel
und hämmerte von der Strafraumgrenze drauf und zum Glück knapp am rechten
Pfosten vorbei. Und beim nächsten Angriff war wieder Hasse der Pechvogel, als
er auf dem feuchten Rasen wegrutschte und so ein Angreifer frei auf Person
zulief und diesen – als er herauskam – überlupfte... Maul hatte jedoch den
Braten gerochen und war an die richtige Stelle gelaufen, um dem Ball kurz vor
der Linie den Weg zu versperren.
Nach der Halbzeit passierte mit zwei Ausnahmen vorm Jenaer Tor nichts
Aufregendes mehr. In der 51. min köpfte Peitz,
eine der beiden Bremer „Giraffen“ (Schierenbeck und Peitz sind mit 1,95 m und
1,96 m wirklich riesengroß), eine Freistoßflanke übers Tor. Und in der 74.
raste Venekamp (eigentlich Verteidiger) an der linken Außenlinie los und
erwischte den Ball mit voller Wucht noch kurz vor der Außenlinie –
glücklicherweise war die Flanke auch für Artmann zu scharf, dessen völlig
abgerutschter Schuß meterweit am Ziel vorbeihoppelte. Der FCC hatte das Spiel
ansonsten im Griff und ab und zu auch eine Chance zur Resultatserhöhung: Hähnge
schlug in der 55. min kurz vorm Tor ein Luftloch und Ziegners Freistoß aus 25
bis 30 m Torentfernung streifte die Lattenoberkante. Werner schoß erst ans
Außennetz (71.) und traf kurz vor Feierabend nach Rushitis butterweicher Flanke
per Flugkopfball den Pfosten.
Nach einer Nachspielminute war dann
Schluß und wir genossen den erfolgreichen Tag noch mit ein paar Kaffee in der
Werder-Vereinsgaststätte und später auf dem Freimarkt, dem Bremer Pendant zum
Oktoberfest. Insgesamt war es im Nachhinein gesehen, ein Spiel, daß durch die
beiden frühen Tore in gewünschte geordneten Bahnen geriet und der FCC spielte –
mit Ausnahme der zehn Minuten vor der Pause – es auch ruhig und kontrolliert zu
Ende. Einziger Wermutstropfen war die fünfte „Gelbe“ für Thielemann. <uk>
Bilder des Tages
Spielbericht auf werder-online.de
Tore: 1:0 Zott (53., ET), 2:0 Zimmermann (69.), 2:1 Hasse (71., ET)
- Jena: Person; Hasse; Kowalik, Maul; Werner, Thielemann,
Schmidt, Ziegner (44. Manai), Holzner (61. Sykora); Zimmermann (86.
Kunze), Hähnge
- Hamburg: Hesl; Ziebig (60. MacDonald), Schmidt (76.
Adewumni), Zott; Lauser, Hanke, Laas, Karl, Fillinger; Takyi (54.
Feilhaber), Kucukovic
- Zuschauer: 3343
- Schiedsrichter: Bauer (Seesbach)
- Spielbericht:
- Häufiger mal was Neues. Diesmal war es ein Heiratsantrag im
Stadionmagazin „Anpfiff“, den es in dieser Form wohl noch nicht gegeben hat.
Ob der angesprochene Roland Gregor JA gesagt hat ? Sachdienliche Hinweise bitte ans
Homepage-Team. :-)
Ja zum Bundesligafußball sagten an diesem Wochenende die
HSV-Fans und entschieden sich samt und sonders für das Spiel der ersten
Mannschaft in der heimischen AOL-Arena. Nicht ein Einziger fand den Weg nach
Jena, um die Amateurmannschaft anzufeuern. Diese ließ zunächst Vorsicht walten
mit Kurzpassspiel in der eigenen Hälfte, um dann irgendwann mal wahllos einen
langen Pass nach vorn zu spielen in der Hoffnung,
Kucukovic oder Takyi würden ihn erlaufen. Daraus wurde zunächst
nichts, immerhin brachten die Hamburger den Anfangsschwung der Thüringer
aber fast vollständig zum Erliegen. Lediglich über die rechte Jenaer Seite ging
noch mal die Post ab, wenn Felix Holzner nach Sololäufen seine Mitspieler mit
Flanken fütterte, auch wenn er in Minute 13 aus guter Position besser selbst
geschossen hätte. Dass die halbe Tribüne bei laufenden Spiel mitbekommen hat,
wie einem der Cheerleader-Mädels übel wurde, zeigt deutlich die Tristesse der
Anfangsphase. Erst ein Eckball in der 19. Minute fesselte den Blick wieder aufs
Spielfeld: Hoch hinein gegeben von Ziegner, sprang Ralf Schmidt am
Fünfmeterraum zum Kopfball hoch, brachte ihn aber nicht an Hesl vorbei. Der
HSV-Torhüter sollte weitere Male Gelegenheit bekommen, sich auszuzeichnen, so
bei Torsten Ziegners als Flanke getarntem Ball in Richtung Dreiangel. In Minute
27 flog wieder einmal einer der beschriebenen langen Pässe in die Jenaer
Hälfte. Kein Problem zunächst für Holger Hasse, der vor Kucukovic zur Stelle
war. Doch landete seine Abwehraktion genau bei Laas, der von der
Strafraumgrenze lediglich um einen Meter verzog. Die größte Schrecksituation
folgte aber erst zwei Minuten darauf, als Jenas Hintermannschaft den Takyi
auf der rechten Seite völlig außer Acht
gelassen hatte und dieser den Ball über den herausstürzenden Person hinweg
lupfte. 3343 Zuschauern stockte der Atem, bis das Leder um wenige Zentimeter am
Pfosten vorbei gesprungen war. Alle Hände voll zutun hatte danach die
medizinische Abteilung des FC Carl Zeiss. Zunächst blieb Thielemann nach einem
Zweikampf verletzt liegen, dann erhielt Ziegner einen Schlag gegen die Schläfe.
Während Ronny weiterspielen konnte, musste Torsten mit Sehstörungen zur
Untersuchung in die Klinik gebracht werden. Es spricht für die Stabilität in
der Jenaer Mannschaft, dass sie den Ausfall ihres Kapitäns ungerührt wegsteckte
und beinahe noch während der ersten Hälfte in Führung gegangen wäre. Nach einem
Eckball in Minute 44 waren die Gäste zweimal im dem Kopf dran, brachten das
Leder aber nicht aus der Gefahrenzone. Holzner hielt drauf und der noch leicht
abgefälschte Ball sprang extrem knapp am Pfosten vorbei. Damit aber noch immer
nicht genug in dieser anfangs so betulich wirkenden ersten Halbzeit:
Hartnäckig erkämpft sich Maul an der
Grundlinie den Ball, hebt ihn ans rechte Torraumeck, von wo aus Kais Manai
ebenso scharf wie unplatziert vorbei köpft.
So einen muss er eigentlich machen, waren wir uns in der
Pause einig. Doch manchmal bedarf es keines Torjägers, um in Führung zu gehen.
Sieben Minuten nach Wiederanpfiff zog Alexander Maul eine Flanke vors Tor.
Obwohl sich Zimmermann in respektvoller Entfernung befand, fühlte sich Hamburgs
Verteidiger Zott offenbar verfolgt, wollte den Ball ins Aus spielen, traf aber
ins eigene Netz. Dies tat dem Jubel keinen Abbruch und dem Spiel gut. Denn
natürlich mussten Hamburgs Youngster nun etwas aufmachen, hatte die Jenaer mehr Platz nach
vorn. Raum, den sie nutzten: Hähnge
schüttelte im Mittelfeld Zott ab, zog dadurch den letzten Verteidiger auf sich
– Abspiel zu Zimmermann, der nahm Maß und traf unhaltbar für Hesl halbhoch ins
Tor ! Nach dem 2:0 wähnte sich viele Jenaer bereits auf der sicheren Seite.
Doch Heimspiele, in denen wir uns während der letzten Minuten entspannt zurück
lehnen können, scheinen im Ablaufplan nicht vorgesehen. Kurioserweise unterlief
nämlich auch noch den Blau-Weißen ein Eigentor: Kowalik verfehlte Hankes
Eingabe, was nicht nur Person, sondern auch Hasse derart überraschte, dass
dessen Befreiungsschlag in der Rolle des letzten Manns buchstäblich nach hinten
losging. Immerhin scheinen die Jenaer aus der Vergangenheit gelernt zu haben
und stellen sich in solch einer Situation nicht mehr
permanent hinten rein. Besonders über die rechte Seite, wo
Alexander Maul mit Holzner und später Sykora prächtig harmonierte, kam jede
Menge Entlastung. Manais 18-Meter-Schuss boxte Hesl zur Ecke, auch Sykora
scheiterte zweimal knapp. Erst als das Spiel in den letzten Zügen lag, die
Hamburger noch mal einen Eckball, dann einen Freistoß bekamen, halfen alle Mann
hinten mit, den knappen aber verdienten Vorsprung über die Zeit zu bringen.
Vier Siege aus den letzten fünf Spielen, nun schon Platz 5
in der Tabelle – keine Frage, der Regionalliga-Aufsteiger hat derzeit seinen
Platz an der Sonne gebucht. Und doch begann Heiko Weber sein Statement zum Spiel mit den
Worten „Mich ärgert...“. Hatte er zusammen mit dem Präsidium die Fans nach dem
St. Pauli-Spiel noch öffentlich gelobt und Bratwürste spendiert, gab es diesmal
Schelte vom Trainer: „Die Schweine-RWE-Rufe will ich nicht mehr hören. Wir
brauchen die Unterstützung für unsere Mannschaft“. Ob seine Forderung Gehör
findet, wird sich zeigen. Nach dem Derby. <fc>
Bilder des Tages auf weissenburger.de
Tore: 0:1 Hähnge (44.), 0:2 Hähnge (50.), 1:2 Wojcik (80.)
- St. Pauli: Hollerieth; Lechner, Morena, Eger (42. Palikuca),
Gunesch; Adrion (66. Sulentic), Schultz, Ansorge (60. Arifi), Shubitidze;
Wojcik, Lutz
- Jena: Person; Hasse; Hujdurovic, Maul; Werner, Thielemann,
Schmidt (70. Kowalik), Ziegner, Holzner (46. Sykora); Zimmermann (79. Kunze),
Hähnge
- Zuschauer: 15749
- Schiedsrichter: Frank (Hannover)
- Spielbericht:
- Wer damals dabei war, wird es garantiert nicht vergessen
haben – jenes 1:2 am 7. November 1998, bei dem der FC Carl Zeiss eine
Viertelstunde vor Schluss durch Heiko Weber mit 1:0 in Führung ging, in der
letzten regulären Spielminute den Ausgleich kassierte und, als wäre dies nicht
schon schlimm genug, in der Nachspielzeit verlor. So etwas brennt sich ein in
die Seele eines Fußballfans. Ich hatte damals die undankbare Aufgabe, etwas in
Worte fassen zu müssen, dem man eigentlich nur sprachlos gegenüber stand. Jetzt
endlich, nach sieben Jahren, bot sich
die Gelegenheit zur Frustbewältigung. Nicht nur für die Mannschaft, auch für
den Kommentator.
Die Atmosphäre dafür konnte gar nicht besser sein. Mehr als
fünfzehneinhalbtausend Zuschauer hatten sich trotz des typischen Hamburger
Schietwetters auf den Weg ins Stadion gemacht. Darunter die angekündigte
vierstellige Anzahl Zeiss-Fans, irgendwo um die 1300 mag sie gelegen haben. Die
Kicker von St. Pauli schienen es diesmal nicht auf die Nachspielzeit ankommen
lassen zu wollen, so wie sie die erste Viertelstunde gestalteten. War
Shubititzes Freistoß in Minute 6 noch zum Aufwärmen für Person, hätte es 120
Sekunden später schon tüchtig rappeln können. Lechner war unbedrängt zum
Flanken gekommen, der Kopfball von Lutz flog aus neun Metern Entfernung an den
Pfosten. Daraufhin gab es erst mal eine Standpauke von Libero Hasse für
Hujdurovic, der hinter seinem Gegenspieler stand und ihn somit nicht am
Kopfball zu hindern vermochte. Doch auch mit der linken Abwehrseite konnte Hasse
zunächst nicht zufrieden sein. Nach zwanzig Minuten stabilisierte sich die
Verteidigung allmählich und der Gast konnte sich Stück für Stück mehr nach vorn
orientieren. Vorsichtig zunächst, mit einem an Ziegner verwirkten, von Hasse
getretenen 25-Meter-Freistoß in die Arme Hollerieths. Dann schon forscher mit
Kopfball Hähnges aufs Dreiangel, den der Hamburger Keeper heraus kratzte sowie
der anschließenden Ecke, die wiederum Hähnge nur wenig über die Querlatte
platzierte. Wie kleine Nadelstiche setzte der FC Carl Zeiss nun seine Angriffe.
Da gewinnt Thielemann im Mittelfeld einen Zweikampf, schiebt nach links auf die
linke Seite, wo Hähnge ungestört Maß nehmen kann. Hollerieth wirft sich ihm
entgegen, erwischt den Schuss gerade noch mit seinem Hinterteil, der Ball
hoppelt weiter zu Thielemann, welcher aus Metern halblinks hauchdünn am langen
Pfosten vorbei schießt. 37 Minuten waren da bereits gespielt, doch das
Highlight der ersten Hälfte stand uns noch bevor. Eine Minute vor dem
Pausenpfiff: Freistoß Ziegners von der rechten Seite über eine Traube von
Spielern im Torraum hinweg, dahinter kommt Hähnge angeflogen, drückt das Leder
aus Nahdistanz mit dem Kopf über die Linie und es heißt 1:0. Wie zu
Saisonbeginn in Wuppertal war Jenas Führung in jener magischen Zeit vor der
Halbzeitpause zustande gekommen. Dieses Tor ließ uns in der Pause den Regen
vergessen.
Mit viel Selbstbewusstsein kam die Jenaer Elf aus der Kabine
und setzte dem Kontrahenten schon im Mittelfeld zu. 50. Minute: Hähnge und
Zimmermann erzwingen einen Hamburger Ballverlust an der Seitenlinie. Während
Zimmermann zu Werner spielt, startet Hähnge schon wieder durch, bekommt den
Flugball in den Lauf, hat aber noch zwei Feldspieler und den Torhüter vor sich.
Ein Haken – ein Blick – ein Schuss – Tor !!! Und das direkt vor dem
Gästefanblock, wo es nun kein Halten mehr gab. Wahnsinn, wie abgezockt der
Hähnge neuerdings wieder Woche für Woche seine Tore macht ! Schon in der ersten
Halbserie der Vorsaison hatte er uns nach oben geschossen, war dann in ein
tiefes Formloch gefallen, von wo aus er nun eine Liga höher wie Phönix
aus der Asche emporsteigt. 2:0 am Millerntor – es regnete endlos weiter,
doch für Jena schien die Sonne. Viel hat nicht gefehlt und Mark Zimmermann wäre
nach 52 Minuten sogar der dritte Treffer gelungen. Werner und Ziegner hatten
einen Konter initiiert, bei dem Zimmermann plötzlich ganz viel Raum auf der
rechten Seite besaß. Hollerieth rannte ihm entgegen, stürzte zu Boden, was ein
erfahrener Spieler wie Zimmermann mit einem Lupfer zu nutzen versucht. Leider
rutschte ihm der Ball ein bisschen ab und flog einen Meter am leeren Kasten
vorbei. Hier hätte das Spiel bereits entschieden werden können, was schonender
gewesen wäre für das Nervenkostüm der Gäste, denn St. Pauli fing sich wieder.
Person konnte Lutz den Ball im Hechtflug
gerade noch vom Scheitel nehmen. Und in der 77. Minute herzten sie alle
den Alexander Maul, als hätte der gerade ein Tor erzielt. – Das zwar nicht,
aber verhindert hat er eines, denn an den Schuss von Arifi hätte Person nie und
nimmer heran kommen können. Maul
rettete einen Meter vor der Torlinie reaktionsschnell zur Ecke. Der Druck nahm
noch zu. Weber brachte mit Kunze einen neuen Spieler zur Entlastung, doch
dieser war kaum auf dem Platz, da schepperte es im eigenen Gehäuse. Hujdurovic
und Hasse waren von Shubititzes Antritt in die Mitte gezogen worden und hatten
Wojcik auf der rechten Abwehrseite übersehen. Dies war die eigentliche Ursache
des Anschlusstreffers, auch wenn Person den Ball unglücklich zwischen Arm und
Körper ins Netz rutschen ließ. Nur noch ein Tor Unterschied und noch zehn
Minuten plus Nachspielzeit zu spielen ! Das Freudenhaus der Liga war erwacht,
der Lärmpegel im Stadion erreichte seinen Tageshöchstwert. Und da kamen sie wieder
hoch gekrochen, diese unguten Erinnerungen an 1998. Auch damals, daran
erinnerte ich mich genau, hatten die Hamburger in Hälfte zwei auf das Tor in
der Nordkurve gespielt. Und zweimal getroffen. Sollte das diesmal wieder... ?
Ich hatte den Gedanken noch nicht zuende gebracht, da köpfte Lutz aus elf
Metern eine Eckenvorlage aufs Tor. Wieder rettete auf der Torlinie ein Jenaer
Feldspieler. Beim zweiten Hinsehen erkannten wir Tobias Werner und waren froh,
dass sich der Stadionsprecher geirrt hatte, als er dessen Auswechslung bekannt
gab. Ein dutzend Male blickten wir die verbleibende Spielzeit zur Uhr - dann,
nach quälend langen Nachspielminuten war Schluss ! Selten hat man nach Abpfiff
einen solch erleichert-glücklichen Heiko Weber gesehen. Damals als Spieler
verloren, heute als Trainer gesiegt. Für ihn, für mich und alle anderen
Augenzeugen von vor sieben Jahren ist das Trauma St. Pauli seit dem 1. Oktober
2005 nur noch Geschichte ! <fc>
Jede Menge Bilder aus Hamburg
Tore: 1:0 Hähnge (5.), 1:1 Chitsulo (6.), 2:1 Hähnge (53.)
- Jena: Person; Hasse; Hujdurovic, Maul; Werner, Schmidt, Holzner,
Ziegner (62. Kunze), Sykora (68. Paulick); Zimmermann (79. Manai), Hähnge
- Köln: Finke - Schöneberg, Sambou, Zinke, Heinrichs,
Tosun (74. Wunderlich), Epstein (79. Demir), Schwellenbach, Chitsulo, Alushi, Volkert (46. Laux)
- Zuschauer: 3161
- Schiedsrichter: Willenborg (Friesoythe)
- Spielbericht:
- Aufatmen bei den Jenaer Fans, als Schiedsrichter Frank Willenborg aus Friesoythe die Regionalligapartie zwischen
dem FC Carl Zeiss JENA und den Gästen aus der Domstadt abpfiff. Dabei war der Sieg der Platzherren keinesfalls
unverdient, aber die katastrophale Chancenverwertung der Jenaer und die zwar seltenen, aber umso gefährlicheren
Angriffe der Gäste ließen so manchem Fan die Haare zu Berge stehen.
Die Jenaer, bei denen Kapitän Ziegner und Maul wieder mit von der Partie waren, begannen von Beginn an,
die Gäste unter Druck zu setzen. Zunächst scheiterte Sykora mit seinem Kopfball am glänzenden Keeper
Finke (3.), doch nur weitere drei Minuten später krachte es bereits im Kasten der Kölner. Ziegner hatte
den ersten Eckball von rechts nach innen geflankt, Hasse verlängerte per Kopf und am langen Pfosten fasste
sich Hähnge ein Herz, und donnerte den Ball mit brachialer Gewalt volley in die Maschen. Endlich mal ein
Spielauftakt nach dem Geschmack der Jenaer Fans. Denkste. Es waren noch keine 60 Sekunden vergangen, da musste
auch der Jenaer Keeper Person hinter sich greifen, um den Ball aus dem Tornetz zu holen. Nach ein paar Ballkombinationen
im Mittelfeld spielte Tosun einen glänzenden Pass auf den im Strafraum postierten Chitsulo, der sich diese
Chance nicht entgehen ließ und mit einem Flachschuss ins lange Eck zum Ausgleich traf. Aber der FCC zeigte
Reaktion und spielte weiter forsch nach vorn. Nachdem Zimmermann (14.) mit seinem Schuss unter Bedrängnis Finke
prüfte, hätte letzterer wenige Minuten später keine Abwehrchance gehabt, aber zum Glück der
Kölner sprang der Querpass von Zimmermann dem Torschützen Hähnge so unglücklich an das "falsche"
Bein, so dass diese hundertprozentige Tormöglichkeit leichtfertig vergeben wurde. Aber die Jenaer machten permanent
weiter Druck. Zunächst scheiterte Zimmermann noch am Schlußmann Finke, doch wenig später leitete er den
nächsten gefährlichen Konter für die Jenaer ein. Hähnge hatte "Zimme" mit einem Steilpass bedient,
doch anstatt einen Querpass auf den völlig freistehenden Ziegner zu spielen, wartete er einen Tick zu lange und
legte dann den Ball auf seinen Nebenmann Hähnge ab, der diesen Ball verstolperte. Die nächste Chance war dahin.
Mittlerweile war Jenas Torschütze längst zum auffälligsten Spieler geworden, denn nach 36 Minuten
bereitete er erneut eine Chance vor. Nach Steilpass konnte er den Ball gerade noch vor der Linie retten, Querpass
in den Strafraum, doch Holzner verpasste. Den abprallenden Ball nahm Ziegner aus gut 12 m direkt, doch auch er hatte
kein Glück und sein schöner Schuss knallte an die Lattenunterkante. Die Minuten vergingen und auch die
weiteren Torchancen von Hähnge (39.) und Ziegner (43.) blieben allesamt ungenutzt.
Nach dem Wechsel setzten die Jenaer ihren Sturmlauf fort und drückten mit aller Macht auf die Führung.
Gut acht Minuten der zweiten Halbzeit waren vergangen, da erlöste der beste Spieler des Tages Sebastian Hähnge
Spieler, Trainer und Fans mit seinem zweiten Tor. Werner hatte von links außen in den Strafraum gespielt und
Hähnge ließ sich diesmal diese Chance nicht entgehen und versenkte die Kugel aus gut 6 Metern im Tor.
Der eingewechselte Kunze, der auch heute erneut weit unter seinen Möglichkeiten blieb, hatte dann noch die
Möglichkeit für die klare Entscheidung zu sorgen (66.), aber auch er scheiterte am besten Kölner
Spieler Finke. Den Fans schwante bei jedem Angriff der Kölner Böses, denn bekanntlich könnte sich
so etwas rächen, solch dicke Tormöglichkeiten ungenutzt zu lassen. So kam es dann auch, dass die
Geißböcke bei ihrem zweiten Eckball fast erneut den Ausgleich erzielt hätten, aber zum Glück
ging der Kopfball von Zinke nur knapp am Tor vorbei. Die letzten zehn Minuten waren kollektives Zittern, bis der
Schiedsrichter zum erlösenden Abpfiff ansetzte.
Die Jenaer sind an diesem Tage mit einem blauen Auge davon gekommen. Es gibt Tage, an denen sich eine solch
schlechte Chancenverwertung ganz bitter rächen kann (Münster!) und man am Ende gar mit leeren Händen
da steht. Natürlich ging der Sieg ganz klar in Ordnung und der FCC war auch fast die gesamte Spielzeit über
das bessere und auch aktivere Team, aber bei mindestens zehn! guten Tormöglichkeiten sind zwei erzielte Treffer
einfach viel zu wenig.<vg>
Bilder vom zweiten Heimsieg
Tore: 1:0 Haeldermans (60.), 2:0 Bilgin (81.), 2:1 Sykora (88.)
- Essen: Maczkowiak; Bemben, Ristau, S. Lorenz, Nikol; Haeldermans,
M. Lorenz, Younga-Mouhani (58. Kiskanc), Wehlage; Bilgin, Boskovic (76.
Löbe)
- Jena: Person; Hasse; Hujdurovic, Maul; Werner (79. Paulick),
Thielemann (

, 41.), Holzner, Manai (46. Kunze), Schmidt; Zimmermann (66. Sykora),
Hähnge
- Zuschauer: 9709
- Schiedsrichter: Metzger (Aachen)
- Spielbericht:
- Im Stadtzentrum von Essen wurde am Nachmittag ein
Gratis-Stress-Test angeboten. Sonderlich viele Leute schienen nicht davon Gebrauch zu
machen und auch wir schlenderten recht desinteressiert vorbei. Vielleicht
sollte der Stand mal im Stadion aufgebaut werden. Schließlich ist erst kürzlich
wieder in einer wissenschaftlichen Studie belegt worden, dass der Besuch eines
Fußballspiels zu Herzrasen bis hin zum Infarkt führen kann.
Zu Beginn des Spiels im Georg Melches-Stadion bestand
diesbezüglich allerdings keine Gefahr. Essens Akteure schienen die
eindringliche Warnung ihres Trainers vor den schnellen Jenaer Gegenangriffen
verinnerlicht zu haben. Vorsichtig spielten sie sich den Ball zu, mehr darauf
bedacht, ihn so schnell nicht zu verlieren als ihn im gegnerischen Tor unterzubringen.
Den Gästen war es recht, sie ordneten erst einmal ihre Abwehr, um danach den
ballführenden Gegner peu a peu ein bisschen weiter vorne zu attackieren. Eine
Taktik, die dem Tabellenzweiten so gar nicht schmeckte und ihm bis weit in die
erste Halbzeit hinein nur zwei Möglichkeiten zugestand: In der 13. Minute wurde
Wehlage steil geschickt, sein Flachschuss strich am Pfosten vorbei. Weitere
dreizehn Minuten darauf verlängerte Ristau einen Diagonal-Freistoß ebenfalls am
Tor vorbei. Ansonsten versuchte der Gastgeber oft, mit hohen Bällen zum Erfolg
zu kommen, was Jenas Hintermannschaft kaum vor Probleme stellte. Allerdings kam
auch Jenas Stärke in den bisherigen Auswärtspartien, das schnelle Umkehrspiel
nicht zum Tragen. Selbst die Rückkehr Mark Zimmermanns ins Team zeigte
diesbezüglich wenig Wirkung. Nur Sebastian Hähnge schoss einmal aufs
RWE-Gehäuse (22.). So verlief das Spiel lange Zeit in ruhigen Bahnen, ein
Stress-Detektor hätte hier ausnahmslos Werte im grünen Bereich angezeigt. Doch
fünf Minuten vor dem Pausenpfiff wären eventuell die ersten Pegelausschläge
erkennbar gewesen. Wie aus dem Nichts stand Boskovic plötzlich
mutterseelenallein vorm Tor. Da Person wegrutschte, schien es um das 0:0
geschehen, doch zog Essens Stürmer nicht sofort ab, sondern legte sich das
Leder erst von einem Fuß auf den anderen, womit Holger Hasse noch in die Lage
versetzt wurde, sich in Boskovics Schuss
zu werfen. Beim Gegenangriff verlor Werner den Ball, worauf ein Essener
damit durchs Mittelfeld Richtung Jenaer Strafraum rannte und von Thielemann
umgerissen wurde - Gelbe Karte. Leider hatte der Ronny zehn Minuten zuvor
bereits schon einmal diesen Karton gezeigt bekommen,
ergo folgte der rote gleich hinterher. Eine korrekte Entscheidung
– der Schiri hatte zwar Hasse für ein Allerweltsfoul mit Gelb bestraft, bei den
Vergehen Thielemanns aber durchaus
richtig gelegen. Folglich muss sich der Mittelfeldspieler schon selbst fragen,
ob eine solche Attacke weit vorm Sechzehner wirklich vonnöten war.
Die ordnende Hand aus dem Osnabrück-Spiel war also nicht
mehr dabei und irgendwie merkte man das dem Jenaer Spiel sofort an. Rot-Weiß
konnte nun Druck aufbauen. Boskovics Flachschuss meistert Person (48.) ebenso
wie Bilgins gefährliche Eingabe (50.). Beiden Aktionen gingen von Maul
verlorene Zweikämpfe voraus. Es folgte Lorenz’ Schlenzer übers Dreiangel nach
Eckball und Verwirrung im Strafraum. Beim Schuss von Bilgin bekam Hujdurovic
noch einen Fuß dazwischen (59.). Doch Sekunden später nahm das Unheil seinen
Lauf, wie häufig eingeleitet über die rechte Seite der Essener vom starken
Wehlage. Über Kiskanc kam das Leder zu Haeldermans, der Person keine Chance
ließ. Es war Essens erster Punktspieltreffer gegen unseren FCC – in vier
Begegnungen lautete die Bilanz bis dahin 0:13 Tore.
Nach dem Führungstreffer zogen sich die Westdeutschen ein wenig
zurück, verlegten sich auf die beliebtere Kontertaktik. Das bedeutete Gefahr
und Chance zugleich für die Jenaer, die bis dahin nicht einen wirklichen
Entlastungsangriff in Halbzeit zwei zustande gebracht hatten. Nun hielten sie
sich wieder häufiger am gegnerischen Sechzehner auf. Tobias Werner vergab die
Möglichkeit zum Ausgleich, als er ein Hähnge-Zuspiel nach der Devise ‚Hop oder
Top’ weit verzog (76.). Alles in allem zeigte sich aber, dass der Wechsel Manai
– Kunze getätigt wurde, als es noch torlos stand. Denn jetzt, wo
Offensivfußball gefragt war, fehlte Manai als Dribbler und Ballverteiler,
während Kunze bei seinem Gegenspieler keinen Stich sah. Mehr Glück hatte Heiko
Weber mit der Hereinnahme von Fiete Sykora, dem wie schon in Osnabrück kurz vor
Ultimo ein Kopfballtreffer gelang. Dass es diesmal einer ohne großen Wert war,
lag am 2:0 sieben Minuten zuvor. Wieder war Wehlage beteiligt, der den Ball
kurz vor der Torauslinie stoppte, Person ins kurze Eck zog und dann zum mühelos
verwandelnden Bilgin passte.
Die Jenaer Spieler, von 250 mitgereisten Fans unermüdlich
angefeuert, konnten den Platz mit erhobenem Kopf verlassen. Mit elf gegen elf,
dies hatte die erste Hälfte deutlich gemacht, hätten sie auch das fünfte
Auswärtsspiel ohne Niederlage überstehen können. Für ein fünfzigminütiges
Unterzahlspiel aber war der Kontrahent zu stark besetzt. Obwohl Younga-Mouhani
durch Felix Holzner neutralisiert wurde und vorzeitig den Platz verließ, hatte
der „RWE-West“ noch genügend Leistungsträger in seinen Reihen. Gegen dieses
Potential standen zehn Jenaer am Ende auf verlorenem Posten. <fc>
Bericht auf der offiziellen RWE-Page
Tore: 1:0 Hähnge (39.)
- Jena: Person, Thielemann, Hasse, Hujdurovic, Sykora (64.Paulick), Schmidt, Holzner, Hähnge,
Werner, Manai, Kunze (57.Rushiti (80.Bochtler))
- Wattenscheid: Joswig, Schikora (80.Ohnesorge), Koitka, Matlik, Terranova (70.Pereira), Özkaya, Iyodo,
Matarazzo, Caspers, Baumann (85.Jost), Toborg
- Zuschauer: 2889
- Schiedsrichter: Otte (Damme)
- Spielbericht:
- Schiedsrichter Otte hatte seinen zweifellos größten Moment, als er am Freitag Abend das Spiel wieder
abpfiff. Bis dahin hatte seine anarchistische Entscheidungsfindung für wenig Freude auf Platz und Rängen
gesorgt und man wünschte ihm allenthalben einen günstigen Optiker. Mit seinem letzten Einsatz aber wendete
er den bevorstehenden Herzkasper ab und beendete das große Zittern. Bis dahin lieferten die Gäste aus
Wattenscheid einen großen Kampf ab und brachten der drohenden Entpunktung nur wenig Verständnis entgegen.
Als Person fünf Minuten vor dem Ende der Partie einen Schuß von Ohnesorge prallen ließ und Matarazzo
den Ball über die Linie stocherte, schien sich der ersehnte Heimsieg sogar urplötzlich in Luft aufzulösen.
Otte fand das aber offensichtlich auch sehr traurig und entschied auf Handspiel. Der Publikumsjoker sozusagen. Na, ob das mal
stimmte? Egal, auf dieses wunderliche Urteil kam es nun auch nicht mehr an! Sechs Minuten später war es endlich
geschafft. Die Heimpsychose war überwunden, die ersten drei Punkte im Ernst-Abbe-Sportfeld endlich in Sack und
Tüten. Verdient aber auch irgendwie glücklich. Dementsprechend wurde nach dem Abpfiff von den knapp 2.900 Fans
(Auweia!) gefeiert, deren Aufatmen förmlich zu spüren war.
In den 90 Minuten hatte Jena zwar von Beginn an die Initiative übernommen, die Angst, erneut vor heimischer
Kulisse zu versagen, lag aber wie ein schmieriger Ölfilm über der ganzen Veranstaltung. Alles wirkte furchtbar
verkrampft und zeitweise unsortiert. So konnte Wattenscheid die kleinen Schlampereien im Zuspiel dann und wann für
eigene gute Möglichkeiten nutzen, während Jena nur mit Distanzschüssen durch Thielemann (10.) und Manai
(13.) ein bißchen Torgefahr ausstrahlte. Nach einem Konter verfehlte zunächst Toborgs Flachschuß das
Jenaer Tor um einen Meter (9.). Ebenso gefährlich war Koitkas Freistoß, der von halbrechts auf das kurze Eck
kam und von Person erst im Nachfassen entschärft werden konnte. Das war sauknapp. So richtig böse wurde es aber
erst zwei Minuten vor der Pause. Als nämlich Werner einen Koitka-Kopfball von der Torlinie über die Latte
köpfte, verkrampften sich mir alle Muskeln und die gute Stimmung war fast wieder im Eimer. Für die hatte
kurz zuvor Hähnges Flachschuß aus 12 m gesorgt. Der besitzt entweder einen raketenartigen Antritt oder
aber er stand bei Manais Paß meilenweit im Abseits. Egal, der Linienrichter, von seiner Anreise wohl noch ein
bißchen erschöpft (das Spiel mußte 10 Minuten später beginnen), drückte beide Augen zu und
schwups, schon stand es 1:0. Ungezügelte Freude folgte vor der gereiften Erkenntnis, daß die verbleibende
Spielzeit wohl wenig Zeit für Muße bereithalten wird.
Im zweiten Durchgang tat sich aber zunächst nicht mehr viel. Jena gelang es nun besser, die Wattenscheider vom
eigenen Tor fernzuhalten. Das Spiel verlagerte sich mehr und mehr ins Mittelfeld und bot nur noch wenig Ästhetik
feil. Koitkas Kopfball war denn auch alles, was noch bei Person vorbeikam (53.). Auf der anderen Seite hätte dagegen
Werner fast für die ersehnte Vorentscheidung gesorgt, sein Schrägschuß vom linken Strafraumeck rollte aber
ganz knapp am langen Eck vorbei (63.). Auch Rushiti, der zwischendurch mal 20 Minuten mitspielen durfte, hatte noch eine
Möglichkeit, verpaßte aber das Anspiel von Manai ganz knapp (69.). Mehr passierte nicht. Erst der nicht gegebene
Ausgleichstreffer war der erneute Funke im Pulverfaß. Wattenscheid marschierte jetzt wild entschlossen vor dem Jenaer
Strafraum auf, Jena suchte sein Heil in einem mehr oder weniger geordneten Rückzug und stellte sich zu elft hinten
rein. Auf den Plätzen hielt es nun niemanden mehr. Das Bollwerk wackelte zeitweilig bedrohlich. Ab und zu flog der
Ball aus der Spielertraube nach oben, tauchte dann wieder ein und verschwand minutenlang. Keine Befreiung mehr. Keine
Ordnung. Aber es reichte. Als Otte seinen finalen Einsatz hatte, waren alle längst fix und fertig. Viel länger
hätte es nicht mehr gehen dürfen... <bpf>
Bilder vom ersten Heimsieg
Tore: 1:0 de Jong (17.), 2:0 Reichenberger (23.), 2:1 Thielemann (28.),
2:2 Sykora (90.)
- Osnabrück: Berbig; Koch, Schanda, (72. Flottmann), de Jong, Schäfer (81. Ewerts), Nouri (84. Schütte), Wedau,
Enochs, Joppe (

), Reichenberger, Feldhoff
- Jena: Person; Hasse; Hujdurovic, Maul; Holzner (75. Paulick),
Thielemann, Schmidt, Werner, Manai (65. Endres), Hähnge, Kunze (62. Sykora)
- Zuschauer: 12000
- Schiedsrichter: Winkmann (Kerken)
- Spielbericht:
- Da wir am ersten Spieltag in Wuppertal noch urlaubsbedingt fehlten, war es für uns nach langer Zeit das erste
Auswärtsspiel mit einer richtig langen Anfahrt. Die 35 km Gesamtstaulänge verteilten sich auf der Hinfahrt
komplett auf die Gegenrichtung, so daß wir knapp 2 Stunden vorm Anpfiff in die Stadt des westfälischen
Friedens einrollten. Am Ortsschild war endgültig klar: Auswärtsspiel - Gänsehaut und Kribbeln in der
Magengrube verstärkten sich augenblicklich.
Am Stadion noch ein Bierchen getrunken, mal in den Fanshop geguckt und ab zum Gästeblock. Der kontrollierende Ordner
wollte mir ernsthaft den gerade erst gekauften VfL-Pin als "gefährlichen Gegenstand" abnehmen. Nach kurzer Debatte
kam der Oberordner hinzu und knurrte ihn an: "Du Trottel, den hat er doch hier erst gekauft!"
Vorm Anpfiff herrschte unter den rund 300 Jena-Fans eher Skepsis. Die Anfangsphase schien aber etwas anderes anzudeuten:
Der FCC spielte munter mit und hatte auch durch Kunze und Hähnge die ersten Offensivaktionen. Dann kam das, was
wir von den letzten beiden Heimspielen her schon kannten: Die erste ansatzweise torgefährliche Aktion des Gegners
war erfolgreich. De Jong profitierte von einem Stellungsfehler Hasses und köpfte in der 17. Minute eine
Freistoßflanke von rechts am langen Pfosten zum 1:0 ein. Schock im Gästeblock und auch bei der
Mannschaft! Nur kurz danach (23. min) wurde Thielemann im Mittelfeld umgerempelt, der die Zweikämpfe in
der 1. Halbzeit sehr seltsam beurteilende Referee ließ weiterspielen, Wedau paßte "in die Gasse" auf
Reichenberger, der Person mit einem Flachschuß ins lange Eck keine Chance ließ. Auweia! 0:4 oder 0:5,
in jedem Fall war der Abend gelaufen, so meine ersten Befürchtungen. Jedoch merkte man plötzlich eine Art
Trotzreaktion des FCC, das Spiel verlagerte sich in die Heimhälfte, ohne daß es dicke Chancen gab. In
der 30. min belebte jedoch Thielemann de facto aus dem Nichts heraus das Spiel und den Gästeblock, als er
einen kurz abgewehrten Ball aus etwa 23 Metern Entfernung mit Wucht und Verzweiflung Berbig flach ins Tor knallte.
Nun kippte das Spiel, der FCC übernahm das Kommando und alle Sicherheit der Gastgeber verflog. Der Schiedsrichter
blieb in der 36. min seiner seltsamen Pfeiferei treu, als Kunze halbrechts im vollen Vorwärtsgang auf Höhe der
Strafraumgrenze gelegt wurde und der Unparteiische die Frage "Drin oder draußen?" mit Freistoß für
Osnabrück beantwortete. Da hatte der gute Mann klar das weiße und das blaue Trikot verwechselt. Kurz danach
schoß Werner von links aufs kurze Dreiangel, Berbig gönnte jedoch seinen Ex-Kollegen den schnellen Ausgleich
nicht und wehrte zur Ecke ab. Zwischenzeitlich hatte der VfL nochmals zwei Ansätze zu guten Chancen, aber Person war
auf der Hut. Bei den Gastgebern begann aber jetzt das große Nervenflattern, denn anders ist es nicht zu erklären,
daß Joppe nach seiner völlig berechtigten Verwarnung nach Foul an Werner kurz danach Hasse einen Tritt
in den Oberschenkel verpaßte, der ihm genauso berechtigt einen vorzeitigen Arbeitsschluß bescherte.
Nach der Pause steigerte sich der FCC weiter und bestimmte jetzt eindeutig das Spiel. Osnabrück zog sich weit zurück
und hoffte anscheinend auf einen erfolgreichen Konter. Manai zielte zunächst bei einem Freistoß (46.), 120 s
später bei einem Fernschuß zu hoch, dann rettete ein Osnabrücker für den bereits geschlagenen Berbig,
als Maul eine Werner-Flanke nach kurzer Ecke aufs lange Eck köpfte. Danach hatten die Gastgeber ihre einzige ernsthafte
Chance nach der Pause, als Reichenberger im Jenaer Strafraum zum Schuß kam, Person jedoch blitzschnell abtauchte
und den Flachschuß abwehrte. Es entwickelte sich ein Klassespiel, in dem aber die Rollen "Gastgeber" und "Gast"
optisch vertauscht waren. Jena war drückend überlegen, war aber im Abschluß überhastet oder einfach
glücklos. Werner wiederholte die Aktion aus der ersten Halbzeit und visierte das kurze Dreiangel an, Berbig leistete
sich allerdings auch eine Wiederholung und wehrte erneut ab. Hujdurovic und Holzner schossen knapp neben das Tor, Werner
versuchte es noch mehrfach, zielte aber zweimal knapp zu hoch. Weber nutzte zwischen der 58. und 78. min das
Auswechselkontingent voll aus, um den Druck hochzuhalten, aber so in der letzten Viertelstunde schien der VfL mit seinem
Abwehrbollwerk doch erfolgreich zu sein. Jena setzte nun auch wiederholt Flanken aus dem Halbfeld ein, die aber alle nichts
einbrachten. In jedem Fall stimmte die Einstellung bis zur letzten Sekunde. Im Gästeblock machte sich schon leise
Bitterkeit breit (null Punkte trotz eines Riesenkampfes), als Werner in der Nachspielzeit rechts außen unverdrossen
zu einem seiner zahlreichen Sturmläufe ansetzte und der Abwehrspieler konnte sich nur mit einem kräftigen Ziehen
am Trikot des Jenaers wehren - Freistoß. Schmidt brachte den Ball hoch vors Tor und aus der Spielertraube schraubte
sich ein Blauer - das es Sykora war, erfuhr ich erst lange nach Spielschluß (um solche Details konnte ich mich da
wirklich nicht kümmern) - in die Höhe und bescherte den Mitspielern, Trainern und Fans jenes Urknallerlebnis,
das die Stimmung innerhalb von Zehntelsekunden von tieftraurig nach himmelhochjauchzend umkippen und alle kollektiv
ausrasten ließ. Oh, wie ist das schön...
Leider verwechselten die Ordnungskräfte die Freude im Jena-Block mit dem Ausbruch der Oktoberrevolution, bildeten
ein Riesenspalier und ließen ihren Hunden so viel Leine, daß das übliche Abklatschen der Mannschaft am
Zaun ausfallen mußte. Diese Konzeptionslosigkeit wurde auch vorm Stadion sichtbar, als die zweite Polizeireihe
hektisch eine Sperre aufbauen wollte, weil die erste Reihe Ordnungsmacht den Ausgang des Gästeblocks geöffnet
hatte.
Aber egal: Der FCC bleibt auswärts ungeschlagen und diese erfolgreiche Aufholjagd sollte auch genug Selbstvertrauen
geben, um gegen Wattenscheid den ersten Heimsieg einzufahren. <uk>
Bilder von Jens Weißenburger
Tore: 0:1 Dobry (10.), 0:2 Coiner (46.)
- Jena: Person; Hasse; Hujdurovic (57.Bochtler), Maul; Werner, Thielemann,
Schmidt (46. Kunze), Ziegner, Manai; Hähnge, Zimmermann (71. Endres)
- Kiel: Preuß; Sandmann, Molata, Tuta, Rohwer; Grieneisen, Niedrig, Lindemann 90. Nielsen),
Breitenreiter; Dobry (83. Würll), Coiner
- Zuschauer: 3304
- Schiedsrichter: Anklam (Hamburg)
- Spielbericht:
- Unterhalb der Woche hatte Trainer Heiko Weber noch in der Pressekonferenz, Bezug nehmend auf das letzte schwache und
auch verlorene Heimspiel gegen Münster, verkündet, dass es ein halbes Jahr her sei, dass der FCC in einem Spiel
kein Tor erzielt habe und dass es so einen Ausrutscher bestimmt nicht so schnell wieder geben würde. Wenn es wieder
ein halbes Jahr dauern würde, wäre ich sehr zufrieden, fügte er noch hinzu. Genau einundzwanzig Tage hielt
diese Zeit an, und es war erneut passiert, dass Jena das Tor nicht getroffen hat und zu allem Übel auch noch zwei
Gegentore kassierte. Dabei hatten sich die Jenaer für das heutige Spiel so viel vorgenommen und Mittelfeldspieler Kais
Manai erzählte, er würde sich auf den KSV Holstein Kiel freuen, denn ihm wären während seiner Zeit
beim TUS Celle schon einmal drei Treffer in einem Spiel gegen die Nordlichter gelungen.
Jena begann auch wie die Feuerwehr. Nur drei Minuten waren gespielt, da besaß Hähnge schon die erste
Möglichkeit für die Platzherren, doch Preuß im Kasten der Kieler konnte diesen Schuss mit den
Fingerspitzen gerade noch parieren. Dann der Schock für Jena: Gerade einmal waren zehn Minuten vergangen,
da konnten die Spieler des KSV zum ersten Mal jubeln. Nachdem Dobry im Strafraum angespielt wurde, drehte er sich
mit dem Ball um seinen Gegenüber Hasse herum und ließ Person, der den angeschlagenen Kraus vertrat, keine
Chance. Drei Minuten später fast das 0:2, aber zum Glück verfehlte Grieneisen mit seinem scharfen Schuss
nur um wenige Zentimeter das Tor. Der FCC erholte sich nur langsam von dem Schock des frühen Rückstandes,
denn er dauerte bis zur 34. Minute, bis Ziegner die erste Möglichkeit zum Ausgleich besaß, aber der gut
aufgelegte Preuß kann seinen knallharten Schuss aufs kurze Toreck gerade noch wegfausten. Vor der Partie wurde
Ziegner zum "Spieler der letzten Saison" geehrt, aber am heutigen Tage blieb er wie die meisten seiner Teamkameraden
meilenweit von der glänzenden Leistung des letzten Spieljahres entfernt. Nur wenige Augenblicke später erneut
eine gute Chance für den Jenaer Kapitän, doch wieder konnte der Gästekeeper den Ausgleich verhindern.
Die Jenaer erhöhten jetzt das Tempo und nun gelang es endlich auch, die Kieler in deren eigene Spielhälfte zu
drängen. Aber die zündende Idee oder der finale Pass auf einen der Jenaer Stürmer blieb bei allen
Bemühungen der Platzherren aus. Kurz vor der Pause noch einmal ein Hoffnungsschimmer für den FCC, doch
auch die beste Chance bis dato wurde leichtfertig vergeben. Hähnge, einer der noch aktivsten Jenaer am heutigen
Tage, hatte sich im Zweikampf durchgesetzt und mustergültig auf den gut postierten Zimmermann gespielt, doch
anstatt zu schießen, passte der kurz vor dem Tor auf Hujdurovic, der aber das zu ungenaue Anspiel nicht erreichen konnte.
Die Fans des FC Carl Zeiss JENA erhofften sich in der Pause, von ihrem Team nach Wiederanpfiff eine Trotzreaktion zu erleben,
um schnellstmöglich den Ausgleich zu erzielen. Aber schlimmer hätte es die hoffenden Fans auf den Rängen nicht
treffen können. Schiedsrichter Anklam aus Hamburg hatte gerade zur zweiten Halbzeit angepfiffen, da musste Jenas Keeper
Person erneut hinter sich greifen, um den Ball aus den Maschen zu holen. Was war passiert? Ein Anspiel von links außen
erreichte den freistehenden Coiner, der keine Mühe hatte, mit seinem Schuss ins lange Toreck das zweite Tor für
die Gäste zu erzielen. Sollte das jetzt die Vorentscheidung gewesen sein? Die Jenaer steckten zum Glück nicht
auf und der am heutigen Tage völlig unter Form spielende Werner probierte es aus spitzem Winkel, aber sein Schuss
stellte für Preuß keine echte Gefahr dar. Wenig später drängte Manai energisch auf den Anschlusstreffer,
aber auch ihm fehlte am heutigen Tage das nötige Quentchen Glück und sein herrlicher Schuss aus gut 20m
verfehlte das Dreiangel nur knapp. Nach knapp einer Stunde nahm Heiko Weber Hujdurovic vom Platz und schickte Debütant
Bochtler auf das Feld. Was diese Einwechslung in dieser Phase des Spieles allerdings bringen sollte, wird mir wohl ewig ein
Rätsel bleiben. Wollte er wohl die Abwehr stabilisieren, um eine noch höhere Niederlage zu verhindern? Auf jeden Fall
vermochte auch Bochtler es nicht, dem Spiel positive Impulse zu verleihen und der Abwehr die nötige Sicherheit zu geben;
im Gegenteil, mit seinem Fauxpas in der 70. Minute sorgte er um ein Haar für die endgültige Vorentscheidung. Auf
einfachste Weise hatte er in der Vorwärtsbewegung den Ball verloren, Grieneisen schnappte sich das Leder, sprintete
durch die gesamte Jenaer Hälfte auf das Tor und nur Hasse war zu danken, der den Schuss in letzter Sekunde noch blocken
konnte. Der letzte Hoffungsfunke für die Fans war die Einwechslung gut 20 Minuten vor Ultimo von Goalgetter Endres,
aber leider auch er passte sich nahtlos der Jenaer Spielweise an und hatte nicht eine einzige Tormöglichkeit, um
das vielleicht Unmögliche doch noch wahr werden zu lassen. Die Fans äußerten ihrem Unmut mit Sprechchören
wie "Jena erwache", jedoch schienen die Spieler auf dem Feld diese Worte nicht zu erhören. Die Minuten liefen so dahin
und irgendwann pfiff Schiri Anklam die Partie ab und der FCC hatte sein zweites Heimspiel in Folge verloren.
Was bleibt, ist die Erkenntnis, dass es den Jenaern erneut nicht gelang, die wenigen sich bietenden Torchancen auch
mal zu nutzen, um am Ende als Sieger vom Platz gehen zu können. Es fiel nach Ende des Spiels unheimlich schwer,
einen oder gar mehrere Spieler des FCC zu benennen, die an diesem Tage die Besten gewesen sein sollen. Letztendlich
konnte ich mir dann nur Spieler aussuchen, die zwar nicht wirklich gut waren, die aber von allen Spielern zumindest
die wenigsten Fehler gemacht hatten. Allein dieser Fakt macht deutlich, was die Spieler des FCC an diesem Tage für
eine Leistung abgeben hatten. Viele der Spieler sollten sich noch einmal verinnerlichen, dass sie sich nicht mehr in
der Oberliga befinden und jedes Spiel im Vorbeigehen gewinnen können. Ein einziger Trost für Anhänger
bleibt jedoch- zum Glück ist die nächste Partie ein Auswärtspiel…<vg>
Bilder vom Spiel
Tore: 0:1 Manai (9.), 0:2 Zimmermann (52.), 0:3 Hähnge (64.),
1:3 Mayer (80.)
- Chemnitz: Süßner; Becker, Göhlert, Stark,
Ensrud (45. Mayer); Homola, Vogel (63. Kunert), Okeke, Görke; Salonen
(68. Schumann), Schmidt
- Jena: Kraus; Hasse; Hujdurovic, Maul; Werner (75. Paulick),
Thielemann, Ziegner, Manai (85. Endres), Erfen (24. Holzner); Zimmermann, Hähnge
- Zuschauer: 5104
- Schiedsrichter: Sippel (Hamburg)
- Spielbericht:
- Eigentlich war das gar nicht so geplant. Eine Heimmacht
wollten wir werden. „Die anderen Mannschaften sollen ungern nach Jena kommen“,
hatte Heiko Weber vor Saisonbeginn gefordert. Nach dem Remis gegen Leverkusen
fiel zu diesem Thema kein Wort und nach der Niederlage gegen Münster musste der
Coach einräumen: „Das ist jetzt erst mal außen vor“. Dass die Stimmung bei
Mannschaft und Umfeld in diesen Tagen
dennoch ausnehmend gut ist, liegt an einer Auswärtsbilanz wie zu seligen
Oberliga-Zeiten: Drei Spiele, drei Siege, neun zu drei Tore mit durchweg
überzeugenden Leistungen.
Wie schon in Wuppertal begann das Spiel mit einer
zehnminütigen Verspätung, weil zur angesetzten Zeit noch etliche Besucher an
den Stadionkassen standen. Als der Anstoß dann endlich erfolgt war, orientierten
sich beide Teams nach vorn. Doch nur die Jenaer kamen während der ersten zehn
Minuten zu Torgelegenheiten. Die Erste entsprang einem Freistoß von Ziegner,
quer abgelegt auf Manai und aus zwanzig Metern übers Tor geschossen (4.).
Hähnge kam drei Minuten später bei einer Rechtsflanke einen Schritt zu spät.
Und dann war da noch Minute neun: Hujdurovics langer Ball nach vorn fällt
Hähnge in den Lauf. Noch bevor dieser zum Schuss kommt, tackelt ihm Ensrud den
Ball weg, allerdings genau in die Richtung Kais Manais, der mit langem Bein das
Leder vor Torwart Süßner ins Netz spitzelt. Bereits zu diesem Zeitpunkt hatte
sich die erstmalige Aufstellung des Tunesiers von Beginn an bezahlt gemacht.
Seine Hereinnahme war nicht nur Schmidts Verletzung geschuldet, sondern auch
der Erkenntnis beim Trainer, die Spielgestaltung nicht ausschließlich auf
Torsten Ziegners Ideen beschränken zu wollen. Die von einigen Verletzungssorgen
geplagten Chemnitzer hatten zwei Minuten nach dem Tor den Ausgleich auf dem
Fuß, als Okeke Hujdurvoic düpierte, dann aber um einen Meter verzog. Doch
insgesamt mussten sie glücklich sein, nicht schon in dieser ersten Halbzeit
höher in Rückstand geraten zu sein. Allein Sebastian Hähnge hätte das Spiel
frühzeitig entscheiden können: In der 19. Minute nach einem Tempo-Angriff über
Ziegner und Erfen. Oder in der 22., als
seinem Sprint auf der linken Seite ein ungenaues Zuspiel auf den freistehenden Zimmermann
folgte. In der 26., als sich nach Hereingabe Zimmermanns Süßner dem Jenaer
Stürmer entgegen warf. Und schließlich in der 36. Minute, wo Holzner auf der
rechten Seite vorbereitete und Hähnge einen Schritt zu spät kam. Neben
Sebastian Hähnge erwies sich auch Mark
Zimmermann als ständiger Unruheherd, obwohl ihm mit Becker der wohl
stärkste CFC-Verteidiger an diesem Tag gegenüber stand.
Der Wiederanpfiff führte zur Erkenntnis: Heh, der CFC hat
doch noch Fans ! Zwar war das Stadion gut gefüllt, doch stand, ja saß teilweise
der himmelblaue Fanblock während der ersten 45 Minuten apathisch in seiner
Nordkurve. Galt das als Warnstreik, nach drei Spieltagen ? Vor der Pause hatte
der etwa 1000 Mann starke Anhang der Jenaer allein für Stimmung gesorgt, nun
stieg der Lärmpegel rund um die Gellertstraße noch an. Auf dem Spielfeld
allerdings änderte sich wenig gegenüber der Vorpausen-Szenerie. Chemnitz bemüht,
aber Jena sicherer und zielstrebiger in seinen Aktionen. 51. Minute, Manai
zieht zentral zwei Verteidiger auf sich, dadurch kommt Zimmermann weiter rechts
in freie Schusspositionen – Süßner kann den Ball mit den Fingerspitzen über die
Latte lenken. Kurzes Haare-Raufen, dann tosender Applaus für diesen Angriff,
die Leistung insgesamt. Mannschaft und Fans puschten sich gegenseitig zu
Höchstleistungen und zur Vorentscheidung: Den Eckball, getreten von Ziegner,
nahm der eher kleingewachsene Zimmermann aus der Luft und köpfte ihn zum 2:0
ein. Übrigens der erste Saisontreffer aus einer Standartsituation heraus. Auch
danach spielte der FC Carl Zeiss so, als stünde es noch unentschieden und wurde
dafür mit einem weiteren Treffer belohnt. Maul gewann im Mittelfeld einen Kopfball
und Hähnge kam doch noch zu seinem verdienten Torerfolg. Vergeblich versuchten
ihn Kunert und Göhlert einzuholen, Süßner den Winkel zu verkürzen. Ihrem
Torhüter haben es die Chemnitzer zu verdanken, dass sie nicht noch Gegentreffer
Nummer vier schlucken mussten, als Manai eine herrliche Kombination über Hähnge
und Zimmermann abschloss. Auf der anderen Seite knallte Görke einen
Dreißig-Meter-Freistoß genau auf Kraus, Jenas Nummer 1 riss rechtzeitig die
Fäuste nach oben. Apropos Thorsten Görke – seinen Frust sah man ihm nach dem
0:3 noch auf hundert Metern an. Als das Spiel wegen Paulicks Einwechslung kurz
unterbrochen war, trat er eine Trinkflasche an der Seitenlinie sonst wohin –
das erste Spiel gegen seinen Ex-Verein hatte er sich ebenso anders vorgestellt
wie wir uns seinen Abschied aus Jena. Doch war dies nur eine Momentaufnahme inmitten der
Feierstimmung, welche durch den CFC-Ehrentreffer nur unwesentlich
beeinträchtigt wurde. Mayer hatte den Zweikampf gegen Maul gewonnen und Kraus
keine Chance gelassen.
1991/92 hatte es einmal einen Sieg gegeben, ansonsten war
Chemnitz immer ein traditionell schlechtes Pflaster für den FC Carl Zeiss
gewesen. Doch bei Jenas neuer Auswärtsstärke haben selbst alte Traditionen
keinen Bestand. Die nach Spielende unter den Anhängern kursierende Idee, unsere
Heimspiele zu verkaufen und nur noch auswärts anzutreten, ist aber vielleicht
doch nicht der Weisheit letzter Schluss. Denn wie wir Ziegner & Co. kennen,
werden sie unermüdlich daran arbeiten, auch zuhause eine Macht zu werden. So,
wie es eigentlich geplant war. <fc>
Bilder von Jens Weißenburger
Kurzbericht auf cfc-fanpage.de
Tore: 0:1 Noutsos (18.)
- Jena: Kraus; Hasse; Hujdurovic, Maul; Werner, Thielemann,
Schmidt (69. Endres), Ziegner, Kunze (64. Erfen); Hähnge, Zimmermann
- Münster: Gößling; Beer, Heineke, Kocholl, Schyrba; Schupp, Probst, Noutsos (72. Afryie),
Gockel, Yilmaz (90. Aktas), Tammen
- Zuschauer: 3753
- Schiedsrichter: Schriever (Otterndorf)
- Spielbericht:
- Die ärgerlichste Stelle der ganzen Bibel ist zweifellos der Rauswurf aus dem Paradies. Gerade als es am schönsten
war, kam diese dumme Sache mit dem Apfel dazwischen und Adam und Eva flogen hochkant raus. Das war´s. Vorbei das pralle Leben im
Garten Eden. Von nun an darbte das Menschengeschlecht in mühevoller Alltäglichkeit dahin. Toll hingekriegt, danke ihr
beiden! Und wir? Was hat das mit uns zu tun? Wir hatten uns auch gerade so schön eingerichtet in unserer
Sorglosigkeit. 3 Spiele, 7 Punkte. Und dazu die Verlockung. Die Verlockung des leichten Lebens in Liga 3. Und jetzt?
Jetzt sind wir auch rausgeflogen aus dieser Traumwelt. Mitten in den trögen Alltag. Der wöchentliche Kampf um
Punkte. Mal hier einen, woanders mal drei. Und am Ende muß es halt zum Überleben reichen. Nicht mehr und nicht
weniger...
Für die Fans waren die schönen Zeiten bereits am Einlaß vorbei. Da durften wir in einer arschlangen
Schlange gemeinsam an der Erkenntnis partizipieren, daß ein handelsübliches Drehkreuz einen gewissen Durchsatz
pro Minute nicht übersteigt, wollen die ambitionierten Benutzer keine nachhaltigen Schäden davontragen. Eine
Dreiviertelstunde vor dem Spiel angetreten, schaffte ich es mit zwischenzeitigem Boulettenkauf gerade so noch an meinen
angestammten Platz. Vielleicht löst sich aber das Problem auch ganz von alleine. Sollten die Eintrittspreise für
Studenten und Arbeitslose nämlich derart exorbitant bleiben, geht es sicher bald wieder schneller...
Diesen
anfänglichen Ärger sollte das Spiel vergessen machen. Zwar hatte Jena gleich zu Beginn viel Glück
als Kraus einen Freistoß nur mit Mühe zu einer Ecke klären konnte (2.), danach wurde Münster
aber mit Nachdruck in die eigene Spielhälfte vertrieben. Hähnge setzte nach fünf Minuten das erste
Signal, seinen Schuß aus 20 m konnte Gößling aber parieren. Wie einst in Liga 4 – Gott habe sie
selig – versuchte Jena meist über hohe Bälle in den Strafraum zum Erfolg zu kommen, klare Chancen ergaben
sich daraus aber kaum. Mehr als die optische Überlegenheit und ein großer Haufen mies getretener Ecken
kam nicht dabei heraus. Statt dessen erlag die Mannschaft der Versuchung zu weit aus der eigenen Deckung herauszurücken
und wurde nach 18 Spielminuten ohne längere Umschweife dafür bestraft. Hujdurovic bildete für Gockel ein
nett anzuschauendes Geleit, der auf der linken Seite zunächst bis zur Grundlinie durchlaufen und dann den
mitgelaufenen Noutsos mustergültig bedienen konnte. Schuß aus 10 m. 0:1 und herzlich willkommen in der
Regionalliga. Die Westfalen stellten sich danach gleich wieder vor dem eigenen Strafraum auf, auch das ist uns ja
noch aus den letzten Spielzeiten bekannt, und harrten der Dinge, die an diesem Tag einfach nicht kommen sollten.
Einzig und allein Thielemann konnte auf der rechten Seite einmal in Szene gesetzt werden, flankte aber ins Nichts
anstatt zu schießen (40.). Eine enttäuschende erste Halbzeit.
Nach der Pause das gleiche Bild mit der Abwandlung, daß sich Münster nun auch ab und an mal über
die Mittellinie bemühte. Und das nicht mal ungefährlich. Zunächst machte Probst nach einem Konter
fast das 0:2, verpaßte aber die Flanke von der linken Seite um einen Schritt (53.). Viel später konnte
Hujdurovic (oder war´s Maul?) einen Ball mit viel Dusel noch ans Außennetz lenken und damit ein vorzeitiges
Ersterben unserer Hoffnungen verhindern.
Zwischendurch agierte aber nur Jena. Zunächst recht geschickt, mit zunehmender Spielzeit dann aber immer
ungefährlicher und bar jeder Phantasie. Zunächst landete ein Freistoß von Hasse nur knapp neben dem
Gehäuse von Gößling (49.), nach einer Stunde hatte Zimmermann den Ausgleich auf dem Fuß,
sein Volleyschuß jagte aber über das Tor. Die letzte aussichtsreiche Möglichkeit vergab der
eingewechselte Endres, der nach einer Hujdurovic-Flanke relativ frei zum Kopfball kam und wenig eindrucksvoll
zum Abstoß klärte (77.). Ärgerlich, daß Schiedsrichter Schriever aus Ottendorf einen
klaren Elfer für Jena verweigerte, als – ich glaube es war Zimmermann – mit einem Übermaß
an böswilliger Kreativität am Torschuß gehindert wurde. Aber das kennen wir ja schon. Mehr
passierte nicht: Münster spielte die letzte Viertelstunde fehlerfrei zu Ende und zeigte uns die
veränderten Realitäten ganz klar auf. Nicht die fußballerische Klasse entschied dieses Spiel
letztlich für die Gäste, sondern vielmehr die kindliche Naivität, mit der sich Jena auf den
Gegner stürzte.
Eine Liga höher ist einfach ein wenig mehr Schöpferkraft gefragt, als sie uns dargeboten wurde. Es reicht nicht mehr aus,
eine unbestimmte Anzahl hoher Bälle in den gegnerischen Strafraum zu schlagen und darauf zu hoffen, daß sich einer davon
mal an der richtigen Stelle senken möge. Die anderen sind ja nun auch nicht vom Gemüselaster gefallen. Und auch das
obligatorische Gegentor, was vielen Gegnern in der Vergangenheit gern – weil meist ohne Folgen – gewährt wurde, ist
jetzt zu viel. Dann lieber mal ein kleiner Rempler an der richtigen Stelle und schon hat es sich. Tja, wir durften
halt mal so richtig vom Baum der Erkenntnis naschen. Uns sind dafür rausgeflogen aus unserer Traumwelt, futsch unser
Paradies. Aber, dafür haben wir wenigstens viel gelernt. <bpf>
Hier einige Bilder vom Spiel
Münsterraner Berichte
...auf der offiziellen Homepage und
einer der Fanseiten
Tore: 0:1 Hähnge (1.), 0:2 Erfen (46.), 0:3 Thielemann (55.),
1:3 Dejagah (58.)
- Hertha: Pellatz; Bieler, R. Müller (46. Ebert), Samba,
Wallschläger; Chahed, Schmidt, Covic (46. Hoeneß), Ede (61.
Stachnik); Salihovic
(

, 68.), Dejagah
- Jena: Kraus; Hasse; Hujdurovic, Maul; Werner (64. Paulick),
Thielemann, Schmidt (77. Holzner), Ziegner, Erfen (61. Kunze);
Hähnge, Zimmermann
- Zuschauer: 1128
- Schiedsrichter: Kleve (Nordhorn)
- Spielbericht:
- [Kommentatoren-Premiere für Thomas Neumann]
Heiter bis wolkig - so lässt sich wohl am besten die Stimmung beschreiben,
die mich nach den ersten beiden Spieltagen in Verbindung mit dem FCC umtreibt.
Einem beeindruckenden Auswärtssieg in Wuppertal folgte ein leicht
enttäuschendes Unentschieden zu Hause gegen die zweite Vertretung von Bayer
Leverkusen. Am dritten Spieltag geht es nun gegen die „U23“ von Hertha BSC. Die
Hertha Bubis haben in den ersten beiden Spielen mit zwei Siegen aufhorchen
lassen, und so kommt es im F.-L.-Jahn-Sportpark zu einem „Spitzenspiel“ wie die
Berliner Stadionzeitung „wir Herthaner“ formuliert. In der Jenaer Lokalpresse
wurde dabei vor dem Spiel spekuliert, ob der gleichzeitig stattfindende Auftakt
in der 1. Bundesliga dem FCC wohl zu Gute kommen würde, da einige
Anschlusskader der ersten Mannschaft von Hertha wohl mit nach Hannover reisen
müssten. Der FCC - Trainer Heiko Weber formulierte gegenüber der OTZ ein
Unentschieden als Minimalziel. Gegenüber dem Auftaktsieg in Wuppertal vertraute
er dabei mit einer Ausnahme ( statt Kunze spielt Tim Erfen ) der gleichen
Anfangsformation.
Die Bundeshauptstadt empfängt die blau–gelb-weißen Gäste bei
17 Grad und stark bewölktem Himmel mit gelegentlichem Regenschauern. Immer mal
schaut auch kurzzeitig, aber heftig, die Sonne durch. Im weiten Rund verlaufen
sich um die tausend Zuschauer. Lediglich der doch recht zahlreiche Besuch im
Gästeblock – ca. 600-700 Zuschauer - lässt vielleicht auf ein Spitzenspiel
schließen. Die dargebotene bunte Sitzplatzvielfalt wirkt nicht gerade
förderlich auf die lautstarke Unterstützung der Gastmannschaft. Die Zeiss-Fans
verteilen sich im Block weitläufig und..... setzen sich. Lediglich die Jenaer
Ultraszene und die anlehnungsbedürftigen Zuschauer auf der Dammkrone verstehen
ihre Eintrittskarte als Stehplatzticket. Dabei weiß doch jeder Choranfänger,
daß sich eine laut- und ausdrucksstarke Stimme nur im Stehen bildet. Der
Support im Gästeblock bleibt bis auf die Schlussphase des Spieles im Großen und
Ganzen ein wenig enttäuschend. Es fehlte natürlich aber auch ein gegnerischer
Fanblock, der als Widerpart hätte dienen können.
Dem Jenaer Auswärtspublikum scheint aber auf jeden Fall ein trinkfreudiger Ruf
vorauszugehen. Sagenhafte vier Getränkestände wurden im Gästeblock aufgebaut.
Dies dürfte in etwa die Zahl sein, die auch im EAS ca. 4000 Zuschauer versorgen
soll.
Mein besonderes Bedauern gilt aber dem Berliner Bäckerhandwerk. Das, was als
„Tragehilfe“ für die sowieso schon fragwürdigen Würstchen geboten wurde, hat
vielleicht mal irgendwann auf der Heizung gelegen um zu trocknen, einen Ofen
hat es aber nicht von innen gesehen. Die bekannte Berliner „Schrippe“ scheint
ausgestorben... warum sonst wurde hier das „Aldi-Sonntagsbrötchen“ roh
verkauft. ;-(
Kaum ist der Anpfiff ertönt, steht es auch schon 1:0 für
Jena . Nach einer Flanke von Zimmermann von rechts außen, steht Sebastian
Hähnge am Fünfmeterraum mutterseelenallein und kann unbedrängt in den linken
oberen Winkel köpfen (1.) . Die schnelle Führung scheint die Berliner aber
wenig zu beeindrucken, oder sind sie jetzt erst aufgewacht? Die Berliner
übernehmen jedenfalls erst einmal das Kommando auf dem Platz und so kommt es
kurz hintereinander zu mehreren gefährlichen Vorstössen. In der vierten Minute
kann Tim Erfen eine Flanke von links außen gerade noch per Kopfball im
Strafraum klären, in der fünften Minute setzt Salihovic einen Freistoss knapp
über das Tor, in der siebenten Minute überwindet Ede mit einer Bogenlampe
Daniel Kraus, aber auch das Tor. Weitere Möglichkeiten zum Ausgleich haben die
Berliner nach Freistössen in der 13. und 15. Minute, die jedoch beide nichts
einbringen. Lediglich nach einem Freistoss von Torsten Ziegner in der siebten
Minute kommt es in der Anfangsphase noch einmal zu ein wenig Tumult im Berliner
Strafraum.
Erst Mitte der ersten Halbzeit kann der FCC wieder mehr in
die Berliner Hälfte drängen. In der 20.Minute schießt Tobias Werner, von
halblinks im Strafraum - nach Flanke von rechts, über das Tor. In der Folgezeit
bilden sich immer wieder die schnellen Kombinationen über die Außenpositionen
die auch schon in Wuppertal zu bewundern waren. Entweder setzt sich auf links
Werner ( 30. und 36.) oder rechts Ziegner ( 37. ) und Zimmermann ( 45.) bis zur
Grundlinie durch und kommen zum Flanken. Leider können diese jedoch nicht
weiter genutzt werden. Die Berliner kommen noch zu zwei Chancen nach einem
Freistoss ( 42. ) der in der Jenaer Mauer geblockt wird und einem Fernschuss (
45. ) . Alles in allem kann der FCC mit der 1:0 Halbzeitführung zufrieden sein.
Die zweite Halbzeit beginnt wie die Erste. Diesmal flankt
Sebastian Hähnge von links außen. Ein Herthaner Abwehrspieler will
offensichtlich per Kopf zur Ecke klären – der Ball bleibt jedoch an der linken
Ecke des Fünfmeterraumes liegen und Tim Erfen kann den Ball von dort aus über
die Linie drücken ( 46.) . Das „Blankziehen“ des Oberkörpers beim Torjubel von
Erfen, wohl als Gruß an die weiblichen Gästefans gedacht, ahndet der
Unparteiische jedoch humorlos mit einer gelben Karte. Die Jenaer drücken danach
weiter aufs Tempo. Es ergeben sich weitere Chancen das Ergebnis noch weiter
nach oben zu schrauben. Erst flankt Erfen auf Hähnge ( 50. ) , der den Ball
jedoch nicht kontrollieren kann. Dann setzt sich Sebastian Hähnge selbst gegen
zwei Gegenspieler durch und schiesst nur knapp rechts am Tor vorbei ( 54.) .
Die Berliner kontern im Rückstand liegend im eigenen Stadion – doch Krauss kann
gegen einen allein auf ihn zulaufenden Herthaner klären ( 52. ).
In der 55. Minute ist das Spiel dann wohl entgültig entschieden – Ziegner flankt
mal wieder von außen – diesmal steht Thielemann in der Mitte und vollendet per
Kopf zum 3:0. Sogar das 4:0 ist zu diesem Zeitpunkt noch drin, als Hähnge auf
Schmidt passt, dessen Schuss aber knapp am Tor vorbei geht ( 57.).
Wie aus heiterem Himmel kommt dann der Anschlusstreffer der Berliner – Erfen
verliert wohl ein Kopfduell im eigenen Strafraum ( am anderen Ende des Stadions
habe ich das nicht genau erkennen können ) und Dejagah köpft zum 3:1 ein. Kippt
das Spiel? Bei einem Freistoss der Berliner kann Kraus den Ball mit einer
Glanztat aus der Ecke kratzen (65.). Danach schwächen sich die Berliner selbst:
Der recht aktive Salihovic hatte schon in der ersten Halbzeit nach einem Foul
die gelbe Karte gesehen und sieht jetzt Gelb/Rot. Damit kann der FCC wieder das
Kommando übernehmen. Hähnge auf Zimmermann ( 68.) bringt noch einmal Gefahr für
das Berliner Tor und der eingewechselte Paulick setzt einen Schuss aus ca. 30
Metern an den Außenpfosten. Im FCC - Block macht sich die Gewissheit des zu
erwartenden Sieges , in einer lauter werdenden Kulisse Luft.
Erst in den letzten fünf Minuten kommen die Berliner noch
einmal zu ein paar kleineren Gelegenheiten nach Ecken und Freistössen, die
jedoch nicht wirklich gefährlich werden.
Der FCC beendet sein zweites Auswärtsspiel der Saison mit
dem zweiten Auswärtssieg! Ob diese beiden Auswärtssiege vielleicht nur
Pflichtsiege gegen die ( zukünftigen ) Absteiger waren, werden
wir erst am Ende der Saison wissen. Fakt
ist: Nach dem dritten Spieltag steht der FCC mit sieben Punkten auf dem dritten
Tabellenplatz und kann wohl von einem gelungenen Saisonstart sprechen. Wenn bei
den kommenden beiden Spielen gegen Münster und Chemnitz wenigstens drei oder
vier Punkte rausspringen, kann die Mannschaft nach der spielfreien Runde völlig
unbeschwert die folgenden, wahrscheinlich viel schwereren Aufgaben angehen.
Bilder aus der Hauptstadt
Ohne Chance gegen Jena - Der Bericht aus herthabsc.de
Tore: 1:0 Zimmermann (69.), 1:1 Schnitzler (84.)
- Jena: Kraus; Hasse; Hujdurovic, Maul; Hähnge (78.
Holzner), Thielemann, Schmidt, Ziegner, Kunze (58. Erfen); Zimmermann
, Endres (52. Manai)
- Leverkusen: Adler; Cozza, Gerdesell, Schultens, Callsen-Bracker;
Hübener, Bendovskyi (83. Döpper), Reichwein (81. Lazarevic),
Röttger; Schnitzler, Heber (46. De Wit)
- Zuschauer: 4813
- Schiedsrichter: Frank (Hannover)
- Spielbericht:
- [von Gastkommentator Ragnar Boedefeld]
Es ist Samstag, der 14.08.2004. Weil alle "regulären" Kommentatoren
auf die ein oder andere Art und Weise verhindert sind, springt ein
langjähriger "Gastkommentator" ein. Das Spiel wird sicher mit 3:0
gewonnen - und was am Ende der Saison rauskam, wissen wir alle und feiern
immer noch. Es ist Mittwoch, der 3. August 2005: Alle "regulären"
Kommentatoren... wie gehabt. Nicht, dass das Homepage-Team
abergläubisch wäre, aber man geht dann doch lieber auf Nummer
sicher und versucht wenigstens, eine Serie aufzubauen, die, wenn sie denn
hält, ja nur drei Jahre halten muss!
Leicht wurde es den Fans
nicht unbedingt gemacht, ihre Mannschaft von der ersten Minute an zu
unterstützen. Klar, wir sind aufgestiegen, es steht das erste
Heimspiel der Saison an - und nur vier von acht Kassenhäuschen an der
Saale sind besetzt? Vier weitere Kassierer, dort auf Bereitschaft
abgestellt und im E-Fall einsatzbereit, hätten den mit 20-30 Minuten
Wartezeit verbundenen Unmut wohl unterbinden können. Jeder kann sich
selbst beantworten, ob es einen Zusammenhang zwischen zügigem
Tageskartenverkauf und der Zuschauerzahl im nächsten Heimspiel gibt.
Schwamm auch darüber, dass Studenten und Arbeitslose nunmehr 36
Euretten pro Jahr abzudrücken haben, um in den Genuss
ermäßigter Eintrittskarten zu kommen - es werden am Ende
dadurch ja eh nur Gelegenheitszuschauer abgeschreckt. SO bleiben wir
schön unter uns, wenn es sich unter den 30.000 Betroffenen in dieser
Stadt rumgesprochen hat. Und, um das Maß vollzumachen,
präsentiert man uns als mannsgroßes Plüsch-Maskottchen
einer Bank - einen HAMSTER! Geht's noch? Gut, dass der FCC wenigstens
damit nichts zu tun hatte.
Davon reichlich angefressen, besserte sich
die Laune jedoch schlagartig, als die Mannschaft auf dem Platz über
weite Teile der ersten Halbzeit dort weitermachte, wo sie in Wuppertal
aufgehört hatte. Durch körperlichen Einsatz, viel Laufarbeit und
genaues Passspiel erarbeitete sie sich ein Übergewicht auf dem Platz.
1-gegen-1-Situationen wurden gesucht und häufig genug gewonnen; vor
allem Ziegner ließ immer wieder mehrere Leverkusener stehen.
Einziger Nachteil war, dass dabei keine klaren Chancen für den FCC
heraussprangen. Der erste gefährliche Torschuss kam von den
Gästen - ein Heber von Röttger aus 40 Metern Entfernung
über den weit vor dem Tor postierten Kraus, der das allerdings
vorausgesehen hatte und zur Ecke klären konnte. Zur Halbzeit der
ersten Halbzeit gab's die erste Großchance im Spiel - für die
Gäste. Im Spielaufbau hatten sie bis dahin keinen Stich gesehen, und
so war es ein Konter, der dazu führte, dass Röttger allein
vor Kraus auftauchte, der aber erste Sahne den Winkel verkürzte und
abblockte. Von unserer Position aus sah's übrigens aus wie Abseits,
aber zum Schiedsrichtergespann werde ich weiter unten noch ein paar Worte
verlieren... - Ab der 30. Minute war Jena derart überlegen, dass es
endlich auch Chancen zu verzeichnen gab. Dem Manuel Endres wurde seine
erste durch das Schiedsrichtergespann genommen, die nach letztem
Ballkontakt von Leverkusen auf Abseits entschieden. Weitere Schussversuche
von Ziegner, Thielemann und Zimmermann folgten; dann der zweite Auftritt
von Endres: nach steilem Zuspiel von Kunze verfehlte er das Tor knapp
links. Soll wieder Abseits gewesen sein - auch daran hatte man in unserem
Block Zweifel. Und schließlich Endres zum Dritten, nach Zuspiel von
Thielemann war leider Adler geringfügig eher am Ball und sicherte
dann im Nachfassen.
In der zweiten Halbzeit kam uns die Wurst. Nicht
weil der FCC es plötzlich mit der Laufarbeit schleifen ließ,
die Anspiele planloser wurden und (warum nur?) das Selbstvertrauen im 1-1
nachließ - nein, das Schiedsrichtergespann lief endgültig zu
Hochform auf. Die beiden gelben Karten für Thielemann und Hasse waren
ein Witz, damit standen zwei vorbelastete FCC-Abwehrspieler auf dem Platz
- Vorteil Leverkusen. Am berechtigtsten war vielleicht noch die Karte von
Hujdurovic, dann müssen aber auch die beiden Leverkusener Spieler
verwarnt werden, die einerseits Ziegner am Durchbruch und andererseits
Hähnge am Torschuss aus 20 Metern Entfernung unfair hinderten. Im
zweiten Fall gab's nicht mal einen Freistoß - Vorteil Leverkusen.
Jedesmal, wenn ein Leverkusener Spieler auf dem Platz unter
Schmerzensrufen dahinsank, kam der Pfiff, ob berechtigt oder nicht, so
sicher wie das Amen in der Kirche. Für Jena pfiff es zirka jedes
zweite Mal - Vorteil Leverkusen. Vorteilsauslegung für Jena?
Pustekuchen. Und als sich Jena nach Sahnetor von Zimmermann (Vorarbeit
Hähnge per Kopfabtropfer) trotz allem selbst einen Vorteil erarbeitet
hatte, wusste sich der Herr Schiedsrichter Frank aus Hannover nicht anders
zu helfen, als drei Jenaer Spieler, die mit vereinten, aber regelgerechten
Anstrengungen einem Leverkusener Spieler den Ball abliefen, mit einem
Freistoß nahe der rechten Strafraumkante zu bestrafen. Flanke,
Kopfball, Tor - SOLL erfüllt? Es ist widerlich, nach vier Jahren
Abstinenz gleich im ersten Heimspiel wieder daran erinnert zu werden,
warum keine Mannschaft aus dem Osten in welcher deutschen Profiliga auch
immer jemals einen Fairplay-Pokal gewinnen wird; warum im Gegenteil die
"Ostler" im Westen als Kloppertruppen verschrien sind.
Wir werden also
wieder verstärkt Spiele sehen (nicht alle, hoffentlich!), in denen
wir nicht nur gegen die gegnerische Mannschaft, sondern auch gegen die
Schiedsrichter spielen werden. Lasst uns bei besonders unfairen
Entscheidungen ALLE pfeifen, brüllen und schmähen - auf dass
ihnen die Hände an der Pfeife feucht werden und sie zur
Überlegung gezwungen werden, ob sie wirklich im nächsten
Schiedsrichterskandal auftauchen wollen, und wenn's nur im mdr ist...
Zum Schluss, aufgrund der deutlichen Worte, ein Reminder: Die hier
geäußerte Meinung ist die eines im angesprochenen Sinne
wiederholt gefoulten Fans des Ostfußballs und insbesondere des FCC.
Sie wird weder im Auftrag noch in Abhängigkeit von Offiziellen des
FCC veröffentlicht.
Bilder auf weissenburger.de
Kurzbericht auf bayer04.de
Tore: 0:1 Kunze (42.), 1:1 Plocella (56.), 1:2 Zimmermann (71.), 1:3 Zimmermann (84.)
- Wuppertal: Maly; Schaffrath (46. Narewsky), Hyza, Wiwerink,
Stuckmann; Pfingsten (46. Gensler), Mehnert, Bayertz, Lejan; Tokody (71.
Heinzmann), Policella
- Jena: Kraus; Hasse; Hujdurovic, Maul; Werner,
Thielemann, Schmidt (88. Erfen), Ziegner, Kunze; Zimmermann, Hähnge
- Zuschauer: 5054
- Schiedsrichter: Gagelmann (Bremen)
- Spielbericht:
- Erst mit der verpatzten Generalprobe gegen Union Berlin
hatte die Vorbereitung auf die neue Saison noch ihren Schönheitsfleck bekommen.
Allzu glatt war sie bis dahin verlaufen. Alle Spieler, die der FCC wollte,
wollten ihrerseits zum FCC. In Turnieren hatten nominell bessere Mannschaften
wie Dresden und Aue aus Liga zwei gegen Jena das Nachsehen. Und selbst die
Sperrandrohung gegen Thielemann im Zusammenhang mit dem Wettskandal erweist
sich bislang als kurzes Störfeuer. Liegt es nur an der Urlaubszeit oder haben
die Herren beim
DFB inzwischen mitbekommen, dass in Deutschland so lange die Unschuldsvermutung
gilt, bis Schuld bewiesen ist und nicht umgekehrt ?
‚Heute zu Gast am Zoo: FC Carl Zeiss Jena’ war im schön
aufgemachten, kostenlosen Programmheft zu lesen. Passend zum Namen war im
Stadion am Zoo während der ersten zwanzig Spielminuten tierisch
viel los. Die Szene, als ein Wuppertaler nach 100 Sekunden frei vor Kraus
auftauchte, hätte dem FC Carl Zeiss einen bösen Regionalliga-Einstand bescheren
können. Doch Daniel Kraus, stärkeren Konkurrenzdruck durch Neuzugang Person
fühlend, bewies gleich, weshalb er nach wie vor als Nummer eins aufgestellt
wird. Reaktionsschnell brachte er im
Herauslaufen eine Hand an den Ball, verhinderte einen allzu frühen Rückstand.
Auch bei Bayertz’ tückischem Aufsetzerball aus 27 Metern strahlte Kraus
Sicherheit aus, die er sich bis zum Abpfiff bewahrte. Sicherheit und
Selbstvertrauen übertrugen sich auf seine Vorderleute. Leichtfüßig, als würden
sie es noch immer mit Oberligisten zutun haben, kombinierten sie sich durchs
Mittelfeld. Wie in Minute 6: Ziegner in den Lauf von Thielemann, dessen
Schlenzer zu Werner, welcher seinen Gegenspieler narrt, indem er eine Flanke
vortäuscht, stattdessen aber antritt und aufs Tor schießt. Maly bekommt eine
Hand an den Ball, lenkt ihn damit aber auf den Kopf von Maik Kunze. Leider
wurde für diesen die Zeit zum Reagieren zu knapp, um den Ball nicht übers Tor,
sondern nach unten ins Netz zu drücken. Eine Minute später rutscht Wierink als
letzter Mann auf der linken Seite plötzlich weg. Ziegner schaltet sofort,
spielt Doppelpass mit Zimmermann und dribbelt rüber auf die andere Seite. Seine
Vorlage in die Mitte hätten andere vielleicht für einen Schuss verwendet, doch
Ronny Thielemann bewies ein weiteres Mal den Blick für den Mitspieler, bediente
mustergültig Mark Zimmermann, der schräg vor Wuppertals Keeper auftaucht – und
scheiterte. Zeit fürs erste Stoßgebet – können wir es uns noch leisten, solche
Hochkaräter ungenutzt zu lassen ? Böse konnte man den Jungs aber wirklich nicht
sein. Dass sie beim Aufstiegs-Mitfavoriten für diese Saison so forsch beginnen
würden, hatten die wenigsten erwartet. Hujdurovic köpfte einen Freistoßball am
Dreiangel vorbei (16.), eine Minute
später fand eine der schönsten Ballstafetten des Spiels keinen adäquaten
Abschluss. Wuppertals Bestem, Gustav
Policella, gelang von der rechten Seite ein Aufsetzerball, der
gefährlich am langen Pfosten vorbei sprang. Danach, so ab Minute 25, nahm das
temporeiche Spiel seine erste Atempause. Lufholen für das Stakkato von Hälfte
eins und ein Sprung in Minute 42. Wuppertal zu zehnt am eigenen Strafraum, Jena
mit regelrechtem Powerplay drum herum.
Da tut sich eine Lücke auf, Werner spritzt hinein, sein Gegenspieler wirft sich
ihm entgegen, wird angeschossen, Eckball. Während die Jena-Fans in der Südkurve
einer weiteren guten Gelegenheit hinterher trauern, tritt Ziegner die Ecke,
schlägt Hujdurovic ein Luftloch, zieht Kunze von der Strafraumgrenze aus
ab. Tooooor ! Maly hatte keinen Finger gerührt,
an diesen Ball ins linke untere Eck wäre er nicht heran gekommen. Die Führung
war verdient, aber noch war nicht Pause. Der Gastgeber bekam einen Freistoß,
bei dem sich mit Policella und Tokody
gleich zwei Mann in den Rücken der Jenaer Abwehr schlichen, zum Glück aber nur
das Gestänge hinter dem Zeiss-Tor trafen.
Die zweite Halbzeit begannen die Thüringer unverändert, also
weiterhin mit Hähnge im Sturm und neben ihm Zimmermann und Ziegner als Pendler
zwischen Mittelfeld und Angriff. Diesen beiden sollte in den 45 verbleibenden
Minuten eine Schlüsselrolle zufallen, doch zunächst war der Gastgeber am
Drücker. Tokody wirbelte durch den Strafraum, bedrängt durch die beiden Ex-Auer
Hasse und Kunze, doch erst Kraus konnte im zweiten Zupacken den Ball in Jenaer
Besitz bringen (51.). Die Jenaer Elf stand nun komplett (zu) tief hinten drin
und der Ausgleich deutete sich mehr und mehr
an. Minute 56, Gehlers Einwurf bis an den Fünfmeterraum, Hasse verschätzt sich
ein wenig, Policella nutzt das und trifft aus sieben Metern. 1:1 – ein
Schockerlebnis für den FCC ? Mitnichten. Nun schaltete er wieder auf Offensive,
Hähnges Schuss nach gutem Dribbling etwas zu hoch (58.). In der 71. Minute
lenkte ein Gong die Aufmerksamkeit vieler Zuschauer auf die Anzeigetafel. Nur
die, welche sich nicht um Spielstände auf fremden Plätzen kümmern, solange das
eigene Match nicht beendet ist, kamen in den vollständigen Genuss des 2:1. Es war eine
Koproduktion des bereits erwähnten Gespanns Ziegner/Zimmermann. Der
Mannschaftskapitän, dessen Aktionen nach der Pause weniger überhastet und damit
effektiver wirkten, narrte auf der rechten Außenbahn gleich zwei Gegenspieler,
schoss das Leder in die Mitte, von wo Mark Zimmermann mit ebensolcher Wucht
hoch und unhaltbar traf. „Nur noch 98“, sangen ein paar Spaßvögel in Anspielung
auf die 100 Saisontore vom Vorjahr. Die sind diesmal pure Illusion, das
Offensivspiel schloss aber nahtlos an die Galavorstellungen gegen Plauen und
Neuruppin an. Zieht man die Qualität des Kontrahenten zu Rate, erlebten wir
sogar noch eine Steigerung. Von der Spielanlage her hatten die Borussen einiges
zu bieten, phasenweise (beispielsweise nach dem Ausgleichstreffer)
mangelte es ihnen aber ein wenig der Biss. Gestört hat uns das nicht wirklich, im
Gegenteil, wir freuten uns an weiteren Ballstafetten der Qualitätsmarke Carl Zeiss.
Jene in Minute 84 führte zur Entscheidung. Wieder gab Ziegner den Vorbereiter,
Zimmermann den Vollstrecker – diesmal mit Hähnge als Zwischenstation.
Auffällig, dass der sonst wechselfreudige Heiko Weber bis kurz vor Schluss
keine neuen Leute brachte – es gab tatsächlich niemanden, den er heraus nehmen MUSSTE.
Aus einer völlig homogenen Mannschaft ragte Tobias
Werner noch heraus. Mit ihm hatten die Wuppertaler über 90 Minuten ihre liebe
Mühe und Not, irgendwie hatten alle seine Aktionen an diesem Tag Hand und Fuß.
„Oh, wie ist das schön“, sangen 600 mitgereiste Zeiss-Fans.
Die ersten drei Punkte gegen den Abstieg sind unter Dach und Fach, verbunden
mit der Zuversicht, in dieser Liga vielleicht ganz gut mithalten zu können. Da
sich Wuppertal darüber hinaus als Stadt mit entspannt-freundlicher Atmosphäre
zeigte, fühlte man sich als Zeiss-Fan einen Nachmittag lang wie in der
örtlichen Schwebebahn. Dieser erste Spieltag machte Lust auf mehr ! <fc>
Bilder vom Saisonauftakt
Kommentatorenteam:
<fc> - Frank Cichos
<vg>- Volker Große
<uk> - Uwe Kaiser
<jw> - Jens Weißenburger
<bpf> - Björn Pfennig
<gunner> - Stefan Meißner
zur Fanpage-Startseite
zur Startseite der offiziellen FCC-Page