Infos von der Mitgliederversammlung 2005

Schon fast gewohnt harmonisch ging es auf der diesjährigen Mitgliederversammlung in den Räumlichkeiten der Carl Zeiss GmbH zu. Der Präsident zog ein Fazit des abgelaufenen Geschäftsjahres, das natürlich zuvorderst vom endlich geglückten Aufstieg in die Regionalliga bei gleichzeitig stabiler wirtschaftlicher Lage geprägt war. Von den 1.838.000 Euro Gesamteinnahmen entfielen 886.000 Euro auf Sponsorengelder, während die Zuschauereinnahmen stattliche 421.000 Euro ausmachten. Unterm Strich blieb ein Plusbetrag von 20.000 Euro, so daß der Verein mit einem quasi ausgeglichenen Ergebnis ins nächste Geschäftsjahr geht, welches mit einem Etat von 2,2 Millionen Euro veranschlagt wird. Eine Steigerung, die nahezu vollständig auf den höheren TV-Einnahmen i.H.v. 375.000 Euro beruht. Kritisch angemerkt vom trotz letztjähriger Verabschiedung mangels Nachfolger doch noch aktiven Schatzmeister Glöhckner wurde allerdings die Steigerung der Ausgaben für die erste Mannschaft. Mußten hierfür vor 2 Jahren noch 695.000 Euro eingeplant werden, kostete das Aufstiegsteam schon 831.000 Euro, in der Regionalliga stehen gar 1,25 Millionen Euro zu Buche. Dennoch erhielt man die Lizenz ohne Probleme, mußte lediglich eine Summe von 11.000 Euro hinterlegen. Ein Klacks, betrachtet man die Probleme anderer Vereine. Ein Stützpfeiler der soliden Finanzlage ist im übrigen auch weiterhin die Kooperation mit Werder Bremen. Statt der vereinbarten Freundschaftsspiele mit den Norddeutschen und auch dem VfB Stuttgart erhielt der FCC eine Garantiesumme von je 50.000 Euro. Unabhängig davon soll es dennoch eine Begegnung mit Werder geben, aber noch ohne genauere Terminvorstellungen. Das kritisierte Fehlen von Testspielen in Jena selbst erklärte Rainer Zipfel mit der Verbundenheit zu den stets zahlreich anreisenden Anhängern aus dem Umland Jenas, denen man etwas zurückgeben wollte.

Abgesehen von den finanziellen Daten geriet der Rückblick auf die einzelnen Abteilungen unterschiedlich. Des Beifalls der nur 173 anwesenden Stimmberechtigten konnte sich unser Regionalligateam sicher sein. Differenzierter blieb der Blick auf die Nachwuchsabteilungen. Der Abstieg der A-Junioren aus der Bundesliga ein Schock für den Verein, einige Gründe wurden dargelegt und der sofortige Wiederaufstieg als klares Ziel benannt. Überzeugende Aussagen, wie der Nachwuchsfußball in Jena aus seiner offensichtlichen derzeitigen Krise herausfinden soll, blieb Präsident Zipfel allerdings schuldig. Ronald Prause als neuer Chefscout soll vor allem im C- und D-Jugendbereich auf Talentesuche gehen, auch im Hinblick auf die im Sommer 2007 startende Bundesliga der B-Junioren. Kritik übte Rainer Zipfel an den Regularien der Verbände, die es einem Amateurverein wie Jena nicht ermöhglichen, für einen im Sommer von Hertha BSC abgeworbenen C-Junior aus dem Nationalmannschaftskader eine Ablöhsesumme zu erhalten. Dieses Recht bleibt derzeit lediglich den großen Profivereinen vorbehalten. Man möhchte hier versuchen, den Status des Jenaer Sportgymnasiums auf gleiche Stufe zu stellen. Durchweg positiv fiel Rainer Zipfels Fazit unter der Rubrik Vereinsleben zu den Aktivitäten des Supporters Club als nicht mehr wegzudenkendes Standbein des FC aus. Besonders vorgehoben wurde das Trikotsponsoring der D2-Junioren, die nun schon über Jahre zuverlässige Realisierung des Internetauftritts des FC Carl Zeiss und die Aktivitäten in der Mitgliederwerbung, die dem FCC immerhin einen Mitgliederstand von aktuell 1.082 bescherten. Gleichsam gewürdigt wurde die konstant gute Arbeit des Fanprojektes unter schwierigen finanziellen Bedingungen. Daran anschließend fand der Präsident jedoch auch deutliche Worte hinsichtlich der in den letzten Spielen zu beobachtenden Tendenz zu Gewalt unter einem Teil der FCC-Anhänger. Bei der in der letzten Woche stattgefundenen Sicherheitsberatung des DFB wurden die Fans unseres Clubs von mehreren kürzlich besuchten Vereinen als besonders sicherheitsrelevant eingestuft, was zu denken geben sollte. Der FC Carl Zeiss wird hier künftig hart durchgreifen, wenn die bisherige auf Vertrauen und Sympathie aufgebaute Beziehung zwischen Vereinsführung und Fans mißbraucht wird, und auch vor Stadionverboten nicht zurückschrecken. Auch Aufsichtsratsvorsitzender Till Noack thematisierte dieses Problem, wies andererseits darauf hin, wie sehr man sich bewußt sei, daß unser Verein ohne seine treuen Fans, denen auch vier Jahre Oberligatristesse nichts anhaben konnten, nichts wäre als eine bloße Hülle. Mit den Schlagworten "bescheiden nach außen - anspruchsvoll nach innen, seriös und verläßlich, leidenschaftlich aber fair" beschrieb er den Gang, den unser Verein weiterhin beschreiten möhchte. Und zwar nicht kurz- aber sehr wohl mittelfristig in Richtung 2. Bundesliga, wie Rainer Zipfel betonte. Bereits im Frühjahr 2006 werde man sich zusammensetzen, um auszuloten, welche Ziele in Jena und seinem Umfeld machbar und realistisch sind.

Angesichts der positiven Bestandsaufnahme war es keine Überraschung, daß Präsidium und Aufsichtsrat nahezu einstimmig entlastet wurden. Neu in das Kontrollgremium des Vereins gewählt wurde Dieter Hartmann, der als Geschäftsführer des Hyundai-Autohauses in Rothenstein den FCC bereits seit mehreren Jahren finanziell unterstützt. Ebenfalls ein neuer Name findet sich im Wahlausschuß. Der durch den Wechsel von Christoph Schwind in den Aufsichtsrat vor Jahresfrist freigewordene Platz wird von Sponsor Frank Schramm von der Firma CleanService ausgefüllt werden. Der komplette Wahlausschuß wurde im Block für weitere drei Jahre wiedergewählt, ebenso wie Klaus Schwarz als Vorsitzender der Disziplinarkommission.

Unterhaltsam gestaltete sich wie immer der letzte Tagesordnungspunkt "Verschiedenes", in dem der unbefriedigende Zustand der Anzeigetafel im Ernst-Abbe-Sportfeld, journalistische Entgleisungen eines TLZ-Schreibers, vergessene Geburtstage und Kritik am Souvenierverkauf thematisiert wurden. Die Darlegung der Probleme der Radiosendung "Anstoß - Sport aus Jena", die aufgrund geänderter rechtlicher Rahmenbedingungen nicht mehr kostenfrei von Auswärtsspielen berichten darf, führte zu einer Spontanspende des Aufsichtsrates von 200 Euro und der Ankündigung des Präsidenten, nach Hilfsmöhglichkeiten zu suchen. Und noch zwei weitere Ankündigungen personeller Art durfte Rainer Zipfel gegen Ende der kurzweiligen Mitgliederversammlung machen, nachdem er eindringlich auf den akuten Schiedsrichtermangel im Verein und die daraus resultierenden Probleme hinwies. Andreas Trautmann wird als neuer Pressesprecher des Vereins fungieren und soll die Öffentlichkeitsarbeit verbessern. Und Aufstiegstrainer Heiko Weber unterschrieb unter dem Beifall der Anwesenden eine Vertragsverlängerung bis 2007. Harmonischer konnte die Mitgliederversammlung gar nicht ausklingen.
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