1. Hauptrunde am 21. August 2004

FC Carl Zeiss JENA gegen SpVgg. Greuther Fürth 1:2 n.V.

Alles geben. Weniger würde, das war klar, nicht reichen, um die zwei Ligen höher spielenden Mittelfranken aus Fürth und Vestenbergsgreuth aus dem Wettbewerb werfen zu können. Diesen olympischen Geist mußten zunächst aber auch die Zuschauer mitbringen, denn um dabeisein zu dürfen, mußten auch sie alles geben. Wer rein wollte, hatte einen wahrhaft olympischen Obolus zu entrichten. Im Hartz-IV-Zeitalter sollten sich die Vermarkter derartiger Veranstaltungen auch an denen orientieren, die man ins Stadion locken will, zumal dann, wenn die Ansetzung nicht unbedingt den Anschein erweckt, als ob man sein letztes Erspartes dafür von der Bank holen müßte. Die geringe Zuschauerzahl (2012) hat zwar sicherlich größtenteils andere Ursachen, ein Grund ist aber auch sicherlich am Stadioneingang zu suchen.
Wer einmal drin war, und damit endet meine Kritik, hatte aber die übertriebene Härte im Kassenbereich nicht weiter zu bereuen. Als die Gäste mehr als zwei Stunden später lauthals mit „Zweite Liga – keiner weiß warum“ besungen wurden und sich ziemlich schnell in die Kabinen verkrochen, mußte man sich ernsthaft fragen, wer eigentlich in die nächste Runde des DFB-Pokals eingezogen war. Jena oder Fürth. Aber vielleicht wäre ein „Vierte Liga – keiner weiß warum“ auch angebrachter gewesen. Denn die offenkundige Schwäche der Fürther war wohl in Wirklichkeit die Stärke Jenas. Kämpferisch aber durchaus auch spielerisch konnte die Mannschaft in allen Belangen mithalten und teilweise sogar das Spiel kontrollieren. Ein Klassenunterschied fand bis zum Wiederanpfiff der Verlängerung nicht statt. Konnte er auch nicht, denn der saß in Person von Markus Feinbier noch auf der Ersatzbank. Erst durch dessen Einwechslung rettete sich Fürth in die nächste Runde. Einen Freistoß köpfte Feinbier unhaltbar gegen die Laufrichtung von Jovanovic ins lange Eck (107.). Erst jetzt hatte Jena nicht mehr viel zuzusetzen und der Favorit konnte den Sieg unbeschadet nach Hause bummeln.
Noch 15 Minuten zuvor waren die Gäste am Rand einer Niederlage, als eine Ziegner-Ecke irgendwie an Gästetorwart Neuhaus vorbei in Richtung nächste Pokalrunde flatterte, sich aber weder Schieds- noch Linienrichter dafür entscheiden wollten, den Klärungsversuch der Fürther hinter die Torlinie zu verlegen (94.). Den Zuschauern fiel diese Entscheidung dagegen deutlich leichter, was die mangelnde Volksbeteiligung im Fußball mal wieder offenkundig werden ließ...
In der regulären Spielzeit zuvor bot sich lange Zeit das gleiche Bild. Die Spielvereinigung aus Mittelfranken versuchte meist über Flanken Ruman zu bedienen, der dann per Kopf entweder an Jovanovic scheiterte bzw. das Tor nicht traf. Vor allem in der ersten Viertelstunde mußte Jena Angst haben, auf diese Weise unter die Räder zu kommen. Erst dann wurde die Mannschaft mutiger und erarbeitete sich selber Chancen. Ein erstes Achtungszeichen setzte Schmidt, dessen kapitaler 25-Schuß von Neuhaus nur mit Mühe abgewehrt werden konnte (15.). Mit Fürth war ab diesem Moment nicht mehr viel los und die Abwehr sah sich ein ums andere Mal schwer getäuscht. Zunächst scheiterten Zimmermann mit einem Schrägschuß (23., gehalten) und Hähnge aus der Drehung (30., völlig verzogen), bevor Maul die größte Chance der ersten Halbzeit vergeigte. Freistehend köpfte er nach einer Ecke den Ball am Tor vorbei (32.). Solche Dinger müssen einfach rein...
In der Halbzeit wurde auf der Tribüne dementsprechend geweissagt und orakelt was das Zeug hielt. Die häufigste Prophezeiung war, daß wohl ein „Dummes Ding“ die Sache hier gegen Jena entscheiden würde, wenn man seine vielen Möglichkeiten selber nicht nutze. Wie recht die Fußball-Weisen behalten sollten zeigte sich drei Minuten vor dem Ende der Partie. Einen schnell ausgeführten Freistoß donnerte Westermann aus mindestens 30 m an Jovanovic vorbei ins Tor. Zwar waren die Fürther bis dahin leicht überlegen und auch zwei oder drei mal gefährlich vor dem Jenaer Tor aufgetaucht, ein Schuß von Rösler (51.) und ein Kopfball von Westermann (55.) hatten das Publikum zwischenzeitlich ein wenig eingeschüchtert, insgesamt wirkte dieser Treffer aber eher wie ein Kürbis im Erbsenfeld. Viel zu einfallslos war der Zweitligist bis dahin zur Sache gegangen.
Wer jetzt nach Hause ging, war allerdings zu früh dran und dürfte es ob der anschwellenden Geräuschkulisse nicht sonderlich weit geschafft haben. Zwar konnte Neuhaus einen 20m-Knaller von Ziegner noch gerade so aus dem Winkel kratzen (89.), gegen den Schuß von Zimmermann nach einem von Hähnge verlängerten Paß war er allerdings machtlos. Quasi mit dem Schlußpfiff wurde die „offensive Ausrichtung“ (O-Ton Benno Möhlmann) doch noch mit dem Erreichen der Verlängerung belohnt und löste einen lange nicht mehr erlebten Jubel auf Platz und Rängen aus. Da wurde gefeiert, als ob der Pokal schon in Jena stünde...
Dass am Ende nichts dabei rauskam, steht bereits eingangs geschrieben. Letztendlich behielt das Halbzeitorakel doch mal wieder recht, als mit Feinbier wirklich noch der Klassenunterschied auf den Platz kam. Es war sein erster Ballkontakt, der die Berlin-Träumereien der Jenaer beendete. Traurig braucht aber keiner zu sein (na ja, vielleicht der Kassenwart...), eher ein bißchen stolz. Zwar wäre mit einer effizienteren Chancenauswertung auch etwas mehr drin gewesen (mindestens das Elfmeterschießen), aber drittligatauglich hat sich Jena allemal präsentiert. Und dahin will die Mannschaft ja schließlich; mehr will am Ende der Saison keiner wissen. Und als letzte Thüringer Mannschaft ausgeschieden zu sein, ist ja schließlich auch nicht schlecht... (-: <bpf>

Jena:
Jovanovic; Holetschek; Görke, Hujdurovic; Maul, Schmidt (102. Kowalik), Ziegner, Keil (68. Böhme); Zimmermann, Hähnge, Jovic (74. Werner)
Fürth:
Neuhaus; Westermann; Votava, Kleine; Birk, Reichel (91. Burkhardt), Weber (59. Hilbert), Caillas, Page; Rumann, Rösler (106. Feinbier)

Zuschauer: 2012

Schiedsrichter: Weiner (Giesen)

Tore: 0:1 Westermann (87.), 1:1 Zimmermann (90.), 1:2 Feinbier (107.)

Fotos von René Röder

Bilder von Jens Weißenburger

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