"Wer sonst ?" - Als der Ex-Trainer und jetzige Spielbeobachter Frank Eulberg am Dienstag davon sprach, dass er hoffe, es würde sportlich bald wieder bergauf gehen und Achim Steffens schaffe das schon, blitzte der Humor des Sachsen ein letztes Mal in Jena auf. "Wer sonst?", die Antwort kam wie aus der Hüfte geschossen. Den trockenen Humor eines Achim Steffens werden wir vermissen. Denn drei Tage später, nach dem Spiel gegen den DSC, gab es keinen Grund mehr zum Scherzen.

Steffens Mannschaft hatte sich im eigenen Stadion mit einem 1:1-Unentschieden gegen den Tabellenletzten blamiert. Dies brachte das Fass zum Überlaufen. Ein Fass, dass sich ganz allmählich gefüllt hatte - in Neugersdorf beim 0:0, der 0:1-Niederlage in Magdeburg und dem 1:1 bei Dresden-Laubegast. Erschreckend, mit welcher Ideenlosigkeit der Tabellenführer zuletzt gegen die Dresdner Teams zu Werke gegangen war. "Steffens Raus"-Rufe waren dennoch nicht zu hören, was mit der Beliebheit des Achim Steffens im Fanlager zusammenhängen wird, vielleicht aber auch mit der Erkenntnis, dass zuallererst die Spieler versagt haben. Da sich aber nicht mal eben eine ganze Mannschaft austauschen lässt, ist wieder einmal der Trainer das schwächste Glied in der Kette, wenn Sponsoren an der einen und Fans an der anderen Seite daran ziehen, weil das Saisonziel in Gefahr gerät.

Wenige Tage vor dem DSC-Match hatte Präsdient Zipfel noch kategorisch verneint, dass Steffens zur Disposition steht. "Am Trainerstuhl wird nicht gesägt", ließ er sich in den Medien zitieren. Möglicherweise aus innerer Überzeugung, vielleicht stimmt aber auch das Gerücht, er habe in dieser Zeit bereits mit möglichen Nachfolgern verhandelt. Wie auch immer, als nach dem Spiel Michael Meier mit zur Pressekonferenz erschien und Rainer Zipfel eine Präsidiumssitzung ankündigte, war der Weg vorgezeichnet. Es wurde ein recht langer Abend in der Geschäftsstelle, an dessen Ende der einstimmige Beschluss stand, Achim Steffens zu beurlauben. "Wer die Spiele der Rückrunde gesehen hat, konnte feststellen, dass die Leistung der Mannschaft den sportlichen Erwartungen des Vorstandes und der Fans nicht entsprochen hat", wurde als Begründung verbreitet. Viel mehr wollte man zu dem Thema wohl nicht sagen. Denn wo in der Vergangenheit vielbeachtete Pressekonferenzen abgehalten wurden, belässt man es neuerdings bei einem lapidaren FAX. Trainerentlassungen sind in Jena schon zur Routine verkommen.

Bliebe noch die Antwort auf Steffens Frage der vorigen Woche: Wer sonst ... soll denn nun den Aufstieg im dritten Anlauf bewerkstelligen ? - Wieder soll es Thomas Vogel richten. Der Ex-Spieler, der eigentlich gar keine Lust auf Trainerstress hat und deshalb in der Vergangenheit lediglich als Übergangslösung zur Verfügung stand, ist sicherlich keine schlechte Wahl. Als bisheriger Trainer der zweiten Mannschaft muss er nicht neu in den Verein geholt werden, im Gegensatz zu Jürgen Raab ist er bezahlbar und seine Erfolge als Interimstrainer der Oberliga-Mannschaft sprechen für ihn. Dazu gehört unter anderem, einen Youngster namens Joachim Schwabe in die erste Elf befördert zu haben. Damals ein Wagnis, wechselt Schwabe am Ende der Saison zum Bundesligisten VfB Stuttgart. Es bleibt zu hoffen, dass Thomas Vogel auch in den kommenden Wochen ein derart glückliches Händchen beschieden sein wird. <fc>


Reaktionen von Fans auf die Trennung vom bisherigen Trainer Joachim Steffens:
Thomas Vogel, der neue Coach des FC Carl Zeiss schritt zugleich zur Tat, indem er den Kader verringerte. Sechs Spieler wurden vorläufig gestrichen - aus unterschiedlichen Gründen: Die bislang mittrainierenden A-Junioren Manuel Stiefel, Tobias Werner und Ralf Schmidt kehren in ihr Junioren-Team zurück. Damit will Vogel sie vor der Unruhe der nächsten Wochen schützen und sie vor Situationen bewahren, die ihrer Entwicklung nicht zuträglich sein könnten. Reservetorhüter Daniel Kraus sowie die Stürmer Andreas Schwesinger und Kai Zimmermann spielen und trainieren bis auf weiteres in der zweiten Mannschaft. Dabei liegt die Versetzung von 'Zimme' und 'Schwes' (zusammen genommen immerhin schon zehnmal in dieser Saison zum Einsatz gekommen) nicht an deren Leistung auf dem Platz. Vogel: "Es haben sich bei ihnen ein paar Sachen angestaut, die mit Fußball nichts zutun haben und die geklärt werden müssen." Eine baldige Rückkehr in den Oberliga-Kader ist demnach nicht ausgeschlossen. Ohnehin möchte der neue Coach keine strikte Trennung mehr zwischen erster, zweiter und Juniorenmannschaft, sondern sie als Einheit verstanden wissen.
Generell strahlte Thomas Vogel beim ersten Gespräch mit einem Mitglied des Homepage-Teams wesentlich mehr Tatendrang aus als noch in jenen Zeiten, als er als 'Notnagel' und Übergangslösung für den geschassten Trainer Eulberg verpflichtet wurde. Damals wurde er nicht müde zu betonen, er hätte eigentlich gar keine Lust auf den stressigen Trainerjob, diesmal geht er mit mehr Schwung und Konzept an die Sache heran. Für den sportlichen Bereich ist ihm die uneingeschränkte Handlungsfähigkeit zugestanden worden. Als Allererstes hat Vogel mit jedem einzelnen Spieler gesprochen, ihm erzählt, wie er sich die Arbeit vorstellt und damit eine Art Basis für die Zusammenarbeit gelegt. Wichtig ist ihm, den Glauben an das Erreichen des Saisonziels wieder herzustellen. Er wird versuchen, den Spielern den Rücken frei zu halten, Probleme zu lösen und nimmt ihnen damit zugleich die Möglichkeit irgendwelcher Ausreden. Unterstützt wird er dabei von den Routiniers Klee, Holetschek und Treitl. Seinen bisherigen Job als Coach der zweiten Mannschaft übernehmen Penzel und Röser, was Vogel zu würdigen weiß, denn sowohl Jens-Uwe als auch Mario sind tagsüber berufstätig. Im Nachwuchsbereich ist neben Hans-Jürgen Backhaus der Trainer der A-Junioren, Heiko Weber sein Ansprechpartner. Pressemeldungen, wonach Weber als Co-Trainer für die Oberliga fungiere oder mit Vogel als Cheftrainer-Duo auftrete, stimmen so nicht.
Thomas Vogel will sich beileibe nicht nur um die erste Mannschaft kümmern, sondern generell im Verein einiges bewegen. "Ich werde Aufgaben anpacken, von denen bisher nur erzählt worden ist, wo aber keiner anpacken wollte und die deshalb in irgendwelchen Schubladen verschwunden sind", erzählt er uns und deutet an, dass er beispielsweise den Sachverstand einstiger Jenaer Fußballgrößen für den FC Carl Zeiss nutzen möchte.
Dass man für solche Aufgaben unter Umständen mehr Zeit braucht als ein Vierteljahr, ist Vogel vollkommen klar. Unserer Frage, ob er denn (sportlichen Erfolg vorausgesetzt) bereit wäre, länger als bis zum Ende dieser Saison als Cheftrainer tätig zu sein, begegnet er scherzhaft: "Ja, das nächste Mal muss man mich entlassen.". Darüber hinaus hatten wir aber das Gefühl, dass er seinen neuen Job verdammt ernst nimmt... <fc>