SC 1903 Weimar - FC Carl Zeiss JENA 0:4

Tore: 0:1 Maul (20.), 0:2 Müller (24.), 0:3 Treitl (52.), 0:4 Manai (55.)

Weimar: Reiter - Tietze, Riedel (79. Becker), Kucharz, Buschmann (56. Fredrich), Ahlgrimm, Müller, Giehl (65. Schulz), Gehre, Schröter, Kretzer
Jena: Berbig; Holetschek; Schwabe, Grasser (63. Böhme); Maul, G. Müller, Benedetti, Treitl (63. Noll), Manai; Jovic (62. Hänsel), Klee

Zuschauer: 600

Schiedsrichter: Zeng (Gotha)

Spiel-Stenogramm:
Konzentrierter Beginn ermöglicht frühe Vorentscheidung +++ Tempo anschließend etwas heraus genommen +++ dennoch Möglichkeiten zu höherem Sieg (Lattenkopfball Klee) +++ einzige Gastgeberchance vereiltelt Berbig


Achtelfinale, 16.11.03: 1. FC Gera 03 - FC Carl Zeiss JENA 0:1 n.V.

Gera: Hruby - Busse, Grüttner (46. Podlesak), Winterkorn, Eichelberger, Neubert, Ulrich (112. Metsch), Schaumkessel, Kowalski (86. Marschner), Baumann, Zahorec

Jena: Berbig; Holetschek; Grasser, Schwabe; Benedetti (69. Böhme), Treitl, Petrowsky, Ch. Müller (62. Hurt), Manai; Jovic (85. Hänsel), Klee

Tor: 0:1 Klee (111.)

Schiedsrichter: Lämmchen (Meuselwitz)

Zuschauer: 831

Zuerst: Vielen Dank, Frank! Er gestand mir eine Berichtlänge von einem Drittel des Üblichen zu. Mehr wäre mir zu dem Spiel auch nicht eingefallen.
Es war das typische Pokalspiel: Der Underdog mauerte sich mit 8 Spielern am eigenen Strafraum ein, die beiden anderen warteten aber auch nur 5 m weiter vorn. Ballbesitz Gera erzeugte innerhalb von wenigen Sekunden zumeist einen weit nach vorn gedroschenen Ball. In der 52. min war Gera das erste und fast einzige Mal ernsthaft vorm Jenaer Strafraum, der Freistoß wurde aber ganz sicher kniehoch in die Mauer getreten. Leider schaffte es der FCC fast die gesamte Spielzeit nicht, dauerhaft richtigen Druck zu erzeugen, um die Geraer Festung zu stürmen. Viele Angriffe liefen über die linke Seite, sowohl als Christian Müller die linke Außenbahn besetzte, als auch später mit Hurth, der nach seiner Einwechslung für eine sichtliche Belebung des Angriffschwungs sorgte. Insgesamt empfand ich das Spiel des FCC aber zu statisch und ohne Überraschungen. Was sonst an Schüssen aufs Tor kam, wurde eine Beute des sicheren Keepers. Aber so richtig dicke Chancen hatte der FCC erst kurz vor Feierabend: In der 90. min kratzte der Geraer Torwart nach einer Ecke Manais Kopfball aus der oberen Ecke heraus. 120 Sekunden später war er nur zuschauender Statist, als Klee ein Anspiel direkt aus vollem Lauf und 25 Meter Entfernung an die Lattenunterkante donnerte. Blöderweise sprang der Ball nach vorn weg und sorgte so für ein verlängertes Programm bei unverändertem Eintritt.
Und dann kam es beinahe so, wie es in solchen Spielen oft zu kommen pflegt: Der Underdog kommt plötzlich in Fahrt und macht das Tor. Glücklicherweise war Berbig hellwach und tauchte rechtzeitig ab, als kein Kopf oder Fuß in der 102. min an den von links in den Strafraum getretenen Freistoß kam und sich die Kugel anschickte, ins lange Eck zu hoppeln. Drei Preßschläge später war der Ball wieder aus der Gefahrenzone und der übliche Film lief weiter. Als torlos zum letzten Mal die Seiten gewechselt wurden, dachten alle Zuschauer schon ans Strafstoßschießen – die Jenaer mit Grauen, die Geraer voller Freude. 109. min: Manais Schlenzer von links außen landete – weil auch hier Freund und Feind den Ball verpaßten – am langen Pfosten. Eine Minute später brachte Manai wiederum von links den Ball hoch in der Strafraum, Klee schraubte sich hoch und erlöste per Kopfball die zahlreichen Jenaer Fans im Stadion. Gera nahm nochmals alle verbliebenen Kräfte zusammen und warf nun alles nach vorn. Daraus resultierte eine hochkarätige Konterchance für Hänsel, der allein aufs Tor zumarschierte, jedoch am herausstürzenden Torwart scheiterte. Den abgewehrten Ball flankte Treitl maßgenau auf den in der Mitte heranstürmenden Schwabe, der jedoch das Kunststück fertigbrachte, aus 5 m nicht ins leere Tor zu köpfen; irgendwie war ihm der Ball völlig abgerutscht. Egal, nach 120 min war dann doch ohne weitere Zugabe Schluß, der FCC hatte gewonnen und wenn wir den Pokal holen sollten, fragt sowieso keiner mehr, wie der Sieg im Achtelfinale zustande gekommen ist. Solange wir solche Pokalfights gewinnen, kann man sie irgendwie noch ertragen. <uk>
Schnappschüsse I <uk>
Schnappschüsse II <jw>


Achtelfinale, 16.11.03: FC Carl Zeiss JENA II - VfB Pößneck 0:3

Jena: Kraus - Noll, Stephan, Porn-Lautert, Schulz, Wiegand, M. Urbansky, Intek (61. Seibeck), Ramos (74. Neubauer), Zimmermann, Schuhte

Pößneck Okrucky - Tews, Kowalik, Bartholme (46. Ludwig), Daume (82. Förster), Schimmelpfennig, Hempel, Bloß, Heynig (46. Mußler), Reimann, Walther

Tore: 0:1 Walther (13.), 0:2 Schimmelpfennig (51.), 0:3 Reimann (90.)

Schiedsrichter: Kasenow (Greiz)

Zuschauer: 200

Das Vordringen ins Pokal-Achtelfinale war willkommene Gelegenheit für mich, mal wieder die zweite Mannschaft des FC Carl Zeiss ins Visier zu nehmen. Die vagen Hoffnungen auf eine Pokalüberraschung erhielten jedoch bereits in Minute 13 einen Dämpfer, als Walthers Freistoß aus gut 25 Metern im Jenaer Kasten einschlug, ohne das Kraus auch nur die kleinste Zuckung gemacht hätte. Es war Torszene Nummer zwei in diesem Spiel, denn kurz zuvor hatte Daum das Leder aus zehn Metern an die Latte geschlenzt. Nach fast zwanzig Spielminuten kamen die von Thomas Vogel trainierten Jenaer erstmals gefährlich vors gegnerische Tor. Svetozar Okrucky konnte den Schuss von Ramos gerade noch neben den Pfosten lenken. Das Wiedersehen mit Okrucky war eine von mehreren Begegnungen mit Ex-Jenaern, zu denen auch der einstige Präsident und heutige VfB-Trainer Lothar Kurbjuweit gehörte. Er dürfte sich die Haare gerauft haben, als sein Top-Stürmer Reimann in der 25. Minute freistehend klar vergab. Die ansonsten von Eric Noll gut organisierte Jenaer Abwehr hatte in diesem Fall die linke Seite komplett vernachlässigt. Zimmermanns Schlenzer (25.) und Porn-Lauters Kopfball (37.) vervollständigen die Bilanz der ersten Hälfte.
Halbzeit zwei begann mit einer Kopfballchance von Dirk Hempel, der die Flanke des gerade eingewechselten Mußler am rechten Pfosten vorbei bugsierte, was angesichts der Entfernung zum Tor bald als Kunststück einzustufen ist. Ebenso kunstvoll, nur weitaus gewinnbringender die elegante Vorarbeit von Bloß zum 0:2, der Schimmelpfennig mit einem Lupfer bediente. Der Oberligist beschränkte sich danach weitestgehend auf das Absichern des Vorsprungs. Und so kam Zimmermann, der erneut in Okrucky seinen Meister fand, noch zu zwei guten Gelegenheiten. Bei der jungen Jenaer Elf wusste der Brasilianer Marcel Porn-Lautert zu gefallen, es fehlte allerdings ein Gestalter im Mittelfeld. Schade auch, dass unser einstiger Fußballgott Röser nicht auf Krzysztof Kowaliks Ermunterung "Mario komm rein" reagierte, hatte er sich doch tatsächlich noch einmal als Wechselspieler zur Verfügung gestellt. - Sechs Minuten vor Ultimo versuchte Reimann nach einem Konter Kraus zu umspielen und wurde von den Beinen geholt. Der Elfmeterpfiff blieb aus, was den kleiner VfB-Anhang und Trainer Kurbjuweit zu allerlei Beschimpfungen auf den Referee animierte. Dabei hätten die Gäste die Fehlentscheidung mit mehr Gelassenheit hinnehmen können, denn das Weiterkommen war längst unter Dach und Fach. Mittels Abpraller kam Reimann doch noch zu seinem Erfolgserlebnis, nachdem Schimmelpfennig bei einem Überzahlangriff zunächst den Pfosten getroffen hatte. Pößnecks Weiterkommen war ebenso glanzlos wie verdient und der Verdacht liegt nahe, dass es nicht das letzte Pokalspiel zwischen den beiden Stadtwerke-Vereinen in dieser Saison war. <fc>


Viertelfinale, 28.02.04: SC Heiligenstadt - FC Carl Zeiss JENA 0:3

Heiligenstadt: Scodnic - Siebert, Riedmüller, Papst, Deppe, Wedekind (72. Kruse), Wehr, Apel, Czosnyca, Fiedler (58. Perriello), Grimm

Jena: Berbig - Maul (72. Ch. Müller), G. Müller, Schwabe, Grasser, Treitl, Noll (69. Hänsel), Petrowsky, Jovic (66. Böhme), Zimmermann, Klee

Tor: 0:1 Maul (16.), 0:2 Treitl (37.), 0:3 Jovic (53.)

Zuschauer: 1200

Es war mein Vater, der mich irgendwann Anfang der 80er Jahre das erste mal zum Fußball nach Jena schleppte und meiner vorinstallierten Meise damit ein warmes zu Hause bereitete. Von da an funktionierte unser Familienleben immer nach dem gleichen Schema. Gewann Jena, war die Welt in Ordnung, verlor die Mannschaft, kühlte sich die häusliche Atmosphäre bis zum nächsten Spieltag meist deutlich ab. Das war einfach und funktionierte. Bis gestern! Mein Herr und Meister kommt nämlich aus Heiligenstadt und das anstehende Spiel wurde für ihn somit zur patriotischen Gewissensfrage, die zugunsten des vermeintlichen Außenseiters entschieden wurde. Die innere Harmonie der Familie stand also in gewisser Hinsicht auf dem Spiel. Und das ausgerechnet im Pokal, wo ein Unentschieden doch eher unwahrscheinlich ist...
Wir stellten uns also nicht wie gewohnt nebeneinander (man muß ja nix provozieren) und warteten jeder für sich, der eine auf das absolut Normale, der andere auf die so oft zitierte Pokalüberraschung. Was dann folgte, kam vor allen meinen Vorstellungen sehr entgegen. Jena zeigte von Anfang an, daß es hier kein zweites Gera geben sollte und erarbeitete sich schnell Chance auf Chance. Los ging´s gleich in der 2. Spielminute. Maul hatte sich über links schön durchgesetzt, sein Schuß klimperte allerdings nur an den Pfosten. Die endgültige Erleichterung folgte dann aber bereits mit der zweiten guten Möglichkeit nach etwa einer Viertelstunde. Jovic hatte von links geflankt, Nolls Kopfball landete bei Petrowski, der legte den Ball zurück auf Maul und der wiederum hatte keine Mühe seinen Flachschuß im linken Eck unterzubringen. Ein schönes und zudem sehr wichtiges Tor, war doch damit erstmal geklärt, daß die Gastgeber nicht mehr darauf hoffen konnten, Jena in ein zerriges 0:0-Spiel mit Verlängerung oder vielleicht sogar Elfmeterschießen verstricken zu können.
Jena ließ auch nach dem 1:0 nicht locker und trug jetzt in schöner Regelmäßigkeit gefährliche Angriffe vor. Vor allem mit Jovic kam die Abwehr der Gastgeber dabei nie so richtig zurecht. Sein Kopfball nach Flanke von Klee (21.) konnte aber vom guten Scodnik im Heiligenstädter Tor pariert werden, ein Schuß aus etwa 20 m verfehlte sein Ziel nur knapp. Erwähnenswert ist auch ein Schuß von Grasser, der eine wunderschöne Vorlage von Zimmermann volley abnahm und knapp über das Tor jagte (34.). In der 41. Minute entspannten sich meine Nerven dann gänzlich. Eine Ecke von Petrowski köpfte Grasser zurück auf die kurze Ecke, wo Treitl keine Mühe hatte per Kopf das 2:0 sicherzustellen. Eine gemütliche Pause mit Wolle Petri und Saunatuch-Tombola konnte also folgen.
Nach der Halbzeit kontrollierte Jena das Spiel weiter und machte direkt mit der ersten guten Chance das Endergebnis perfekt. Jovic hatte ein flaches Anspiel nach einer schönen Freistoß-Variante angenommen, sich ein paar mal gedreht und gewendet und dann aus vielleicht 8 m flach ins linke Eck verwandelt (54.). Damit waren sich beide Mannschaften im Grunde auch schon einig. Klee hatte zwar in der 71. Minute noch die Möglichkeit auf 4:0 zu erhöhen - sein Schuß von der linken Seite flog aber über das Tor - und Grasser semmelte nach einer Müller-Flanke den Ball aus 3 m am Tor vorbei (73.), Bäume wurden aber von unseren Mannen nun nicht mehr entwurzelt. Auch Heiligenstadt schien mit dem Ergebnis zufrieden zu sein und war eher auf Schadensbegrenzung bedacht. Die Mannschaft blieb über die gesamte Spielzeit meist sehr bereitwillig in der eigenen Spielfeldhälfte und kam lediglich zu einer nennenswerten Gelegenheit, als ein Freistoß von Czosnyca beim freistehenden Perriello landete, der Berbig den Ball in die Arme köpfte (61.). Mehr war aber nicht drin und so nahm ein absoluter Langweiler sein für beide Seiten sicherlich erträgliches Ende.
Was meinen Vater angeht, so trug er es mit Fassung. Letztlich war ja auch `nur` das Erwartete e ingetreten. Für Heiligenstadt kommen ja sicherlich auch neue Möglichkeiten, sich im Thüringen-Pokal zu beweisen. Und ab nächstem Jahr spielt ja auch Erfurt wieder mit. Da könnten wir uns dann ja theoretisch auch wieder nebeneinander stellen...<bpf>


Halbfinale, 03.04.04: SV Wacker 04 Bad Salzungen - FC Carl Zeiss JENA 0:5

Bad Salzungen: S. Ader; Walther, Leimbach, M. Ader; D. Hlawatschek, Patz, Luck, Schößler, Niebergall (30. S. Hlawatschek); Weisheit (56. Krügel), Weyh (80. Kufler)

Jena: Berbig; Noll; G. Müller, Schwabe; C. Müller (73. Schmidt), Treitl, Petrowsky, Manai, Wille; Jovic (55. Hänsel), Schwesinger

Tore: 0:1 Manai (2.), 0:2 Jovic (17.), 0:3 Jovic (34.), 0:4 Schwesinger (52.), 0:5 Hänsel (89.)

Zuschauer: 990

Befürchtungen, der FC Carl Zeiss könnte sich nach durchwachsenen Punktspielauftritten zuletzt nun auch im Pokal schwer tun, zerschlugen sich bereits nach einer Spielminute: Petrowskys Freistoß wird zum rechten Pfosten auf Manai verlängert, der zunächst an Ader scheitert, den Nachschuss aber unter die Querlatte bugsiert. Der Freistoß in Minute neun, von Leimbach über die Mauer gezirkelt, sollte die einzige Bewährungsprobe für Jenas Keeper Berbig vor der Pause bleiben. Sein Gegenüber hatte da weitaus mehr zutun: Konnte Ader gegen Schwesinger (11.) und Manai (20.) noch parieren, stand er gegen Miroslav Jovic zweimal auf verlorenem Posten. Sehenswert dabei das 3:0, als Jovic drei Gegenspielern buchstäblich austanzte und überlegt ins linke Eck einschob. Nach Treffer Nummer vier, einem Flachschuss Schwesingers, ließ der Oberligist die Zügel etwas schleifen. So erhielt Berbig auch in Hälfte zwei Gelegenheit, sich zu bewähren, indem er Nolls Fehler mit Fußabwehr ausbügelte. Dem eingewechselten Hänsel war es vorbehalten, aus spitzem Winkel am herausstürzenden Torwart vorbei den Schlusspunkt zu markieren. Nach diesem durchweg nervenschonenden Halbfinale kommt es nun zum Endspiel gegen die zweite Mannschaft von Rot-Weiß Erfurt.


Finale, 28.04.04: FC Carl Zeiss JENA - FC Rot-Weiß Erfurt II 5:3 n.E.

Jena: Berbig; G. Müller; Schmidt, Benedetti; Maul (80. Ch. Müller), Treitl, Petrowsky, Manai, Schwesinger (46. Böhme); Werner, Klee (80. Dos Santos)

Erfurt II: Apel - Da Silva (98. Freitag), Traub, Scherer, Kaiser, Fischer, Six, Franz, Mees, Gerke, Fuchs (82. Sesselmann)

Tore im Elfmeterschießen:
1:0 Manai, 1:1 Traub, 2:1 Ch. Müller, 2:2 Fischer, 3:2 G. Müller, (Berbig pariert gegen Kaiser) 4:2 Böhme, 4:3 Freitag, 5:3 Treitl

Schiedsrichter: Wenkel (Mühlhausen)

Zuschauer: 2300

Das war knapp an der größten anzunehmenden Katastrophe vorbei. Eine Niederlage gegen die Zweite von Rot-Weiß hätte der momentanen Rangordnung im Thüringer Fußball den Stempel der Endgültigkeit aufgedrückt und Mannschaft sowie Fans der Erfurter Heiterkeit preisgegeben.
So aber fragte schon fünf Minuten nach dem Spiel kein Mensch mehr nach dem Wie. Als sich die Spieler mit der (ordentlich abgeholten) Trophäe in der Hand bei den (mindestens genauso erschöpften) Fans bedankten, regierte nur noch pure Begeisterung. Dabei war das, was der Anhang in den beiden zuvor vergangenen Stunden sehen mußte, wahrlich kein Grund für extatische Gefühlsregungen. Nur das Ergebnis stimmte halt diesmal und mehr verlangt ja gar keiner!
Jena begann mit dem Selbstvertrauen und der Sicherheit einer Mannschaft, die einen einstmals komfortablen Punktevorsprung binnen kürzester Zeit aufgezehrt und in eine nahezu aussichtslose Lage verkehrt hat. Viel zusammen lief da nicht, während die Erfurter entsprechend übermütig begannen. Bereits nach sieben Minuten hatte der sehr freizügig bewachte Fischer die erste Möglichkeit die Rot-Weißen in Führung zu bringen, sein Kopfball flog aber glücklicherweise über das Tor von Berbig. Nach diesem Warnschuß bemühte sich Jena das Spiel besser in den Griff zu bekommen, wobei das Verhindern gegnerischer Angriffe oberste Priorität genoß. Da Erfurt nach der gleichen Strategie zuwerke ging, waren kreative Offensivtätigkeiten von nun kein Thema mehr. Vielmehr verlor sich das Spiel meist irgendwo zwischen den Strafräumen in sehenswerten Fehlpaßstafetten und minutenlangen Einwurforgien. Dazu kam dann noch eine gehörige Portion Phantasielosigkeit, die dem ganzen ein gar grausiges Antlitz verlieh. So war es auch die logische Folge, daß die erste vernünftige Aktion erst nach einem Alleingang von Manai zustande kam, dessen Schuß aus 20 m aber leider nur an die Latte klatschte (30.). Verdient wäre die Führung aber auch wahrlich nicht gewesen. Nur kurze Zeit später hatte Werner nach einem per Kopf verlängerten Einwurf noch eine gute Möglichkeit zum 1:0, sein Schuß wurde aber noch von einem Erfurter Abwehrspieler abgeblockt (32.). An herausragenden Ereignissen hatte sich die erste Halbzeit damit auch schon erschöpft und ähnelte damit wohl eher einer Trauerfeier, denn einem Pokalendspiel...
Nach der Pause wurde Jena stärker ohne jedoch zu überzeugen. Ein Schrägschuß von Böhme (48.), der nahe der Anzeigetafel wieder ins Schwerefeld der Erde eintauchte, war erstmal alles, woran sich die Zuschauer für die nächsten 25 Minuten ergötzen konnten. Erst dann ergaben sich ein paar mehr oder weniger zufällig herausgespielte Möglichkeiten. Zunächst hatte Apel im Erfurter Tor mächtig zu tun, einen 25-Meter-Freistoß Manais aus dem Winkel zu kratzen (72.), kurz vor dem Ende blieb ein Schuß von Petrowsky aus etwa 10 m in der Rot-Weißen Abwehr hängen (86.). Zu diesem Zeitpunkt konnte sich Jena aber bereits bei höheren Mächten bedanken, daß es noch 0:0 stand. Bei einem Kopfball des Erfurter 11ers nach einer Ecke lagen nämlich nur wenige Zentimeter zwischen Verlängerung und vollendeter Blamage (82.). So aber durften wir 30 Minuten weiter zittern, in denen Jena zwar nach wie vor dominierte, sich - bei sichtlich nachlassenden Kräften - aber keine wirklich zwingenden Möglichkeiten mehr herausspielte. Ein Kopfball von Manai nach einem Petrowsky-Freistoß (95.), ein verunglückter Schuß von Werner nur eine Minute später und ein abgefälschter Schuß von Petrowsky aus etwa 25 m, der den Erfurter Schlußmann fast auf dem falschen Fuß erwischt hätte (108.), waren denn auch alles, was noch passierte.
In einem Punktspiel wäre das Unentschieden sicherlich leistungsgerecht gewesen, so aber blieb bei der Wahl der Mittel, wie vor zwei Jahren auch, nur noch die Elfmeter-Lotterie übrig. Nachdem Manai und die beiden Müllers für Jena sowie Traub und Fischer für Erfurt verwandelt hatten, folgte der große Auftritt von Tino Berbig, der den unplazierten Schuß von Kaiser souverän meistern konnte. Jetzt nur noch treffen, bitte... nur noch treffen...
Als nächster läuft Böhme an. Ganz sicher ins rechte Eck, 4:2! Vorübergehende Erleichterung. Jetzt Freitag für Erfurt. Wieder unplaziert, aber diesmal viel Pech für Berbig, hinter dem der bereits gehaltene Ball ins Tor trudelt. Pech. Na dann halt jetzt! Luft anhalten. Totenstille im Jenaer Fanblock, als sich Treitl den Ball zurechtlegt. Hingeschaut habe ich nicht, aber als sich bei meinem Hintermann die Gesichtsmuskeln entkrampfen und ein Feuerwerk an Emotionen aus ihm herausbricht, ist alles klar. Stefan hat den Ball über die Torlinie gezittert und dem Nervenkrieg ein glückliches Ende gemacht. Sieg!!! Diesmal hat´s endlich geklappt und der Pokal kommt endlich wieder mit nach Jena.
Die Szenen nach dem Spiel waren unbeschreiblich. Strahlende Spieler und ein Anhang, der sich nur schwer bis gar nicht wieder beruhigen konnte. Vergessen war der Ärger der vergangenen Wochen, wenn auch nur für zehn Minuten! Skeptiker mögen zurecht anführen, daß es ja ‚nur’ die Zweite von Erfurt war und sicher hat Jena auch schon größeren Sport gesehen. Man darf aber auch nicht vergessen, unter welchem Druck die Mannschaft nach den letzten Ergebnissen stand. Und dann ein hochmotivierter Gegner, gegen den eine Niederlage einen dauerhaften Imageverlust bedeutet hätte.
Bleibt zu hoffen, daß wir uns nach dem 34. Spieltag noch mal so freuen können, auch wenn die Wahrscheinlichkeit dafür zugegebenermaßen eher gering ist. <bpf>


Kommentatorenteam:

<fc> - Frank Cichos
<uk> - Uwe Kaiser
<jw> - Jens Weißenburger
<vg> - Volker Große
<bpf> - Björn Pfennig
<gunner> - Stefan Meißner

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