Gerade mal ein halbes Jahr ist seit der letzten Pressekonferenz zum Trainerwechsel beim FC Carl Zeiss vergangen. Im März war Frank Eulberg, aus Göttingen nach Jena kommend, als Nachfolger von Wolfgang Sandhowe präsentiert worden. Das Saisonziel Aufstieg sei in Gefahr, hieß es damals zur Begründung und deshalb habe man sich zum Wechsel entschlossen. Nun, im September 2002 ist Frank Eulberg schon wieder der Ex-Trainer, entbunden von seiner Funktion nach gerade mal fünf Spieltagen. Und die Begründung ist beinahe wieder die selbe: "Wenn man als Verein, der den Anspruch hat, um die Oberligameisterschaft zu spielen, das Fazit zieht, dreimal gewonnen und zweimal verloren zu haben, kommt man unter Druck, weil die erwartete Punktzahl nicht erreicht wurde. Zudem haben sich auch die Erwartungen im spielerischen Bereich nicht erfüllt", diktiert Präsident Rainer Zipfel den Medienvertretern in dessen Notizbücher. Leicht sei dem Vorstand diese einstimmige Entscheidung freilich nicht gefallen, da man menschlich einen guten Draht zu Herrn Eulberg gehabt habe. "Wir sind selbst der Meinung, dass es auch in Jena möglich sein muss, über einen längeren Zeitraum mit einem Trainer zusammen zu arbeiten. Im Fußball gibt es allerdings Ereignisse, die solche Planungen über Bord werfen." - Unseren Einwand, dass es nur bedingt dem Trainer angelastet werden kann, wenn die Jenaer Mannschaft bei Dresden-Laubegast nach 30 Minuten aufhört, Fussball zu spielen, lässt der Präsi teilweise gelten. Der Trainer sei nun einmal das schwächste Glied in der Kette. Er, Rainer Zipfel, habe aber den Spielern zu verstehen gegeben, dass man nicht noch einmal den Trainer entlassen werde, wenn der gewünschte Erfolg ausbliebe: "Dann müsste man einmal darüber nachdenken, dass man auch mal an die Spieler rangeht."

Sichtlich unwohl in seiner Haut wird es dem zu Beginn gutgelaunten Präsidenten, als Fragen von Journalisten nach persönlichen Konsequenzen an ihn gestellt werden. Schließlich habe Herr Zipfel ja maßgeblichen Anteil an der Verpflichtung Herrn Eulbergs gehabt. Es täte ihm schon leid, aber als persönliche Niederlage möchte er die Entlassung nicht bewerten. Die Frage nach Rücktrittsgedanken weist er entschieden zurück, sowas hätte es bei ihm zu keinem Zeitpunkt gegeben, "damit kein Chaosverein hier wächst." Am 16. September sei Aufsichtsratssitzung, und auf dieser Sitzung werde der amtierende Präsident bekannt geben, ob er sich auf der nächsten Mitgliederversammlung zur Wahl stellt und wie es mit ihm weiter geht.
Später erlauben wir uns die Frage, ob es denn wirklich nur das magere sportliche Abschneiden gewesen sei, das zu Eulbergs Entlassung geführt hätte. Oder ob der daraus entstehende Druck von außen, durch Fans und Sponsoren beispielsweise, nicht mitentscheidend gewesen sei. Teilweise schon, gibt Rainer Zipfel ehrlich zu. Die 'Eulberg raus'-Rufe einiger Anhänger hätte man natürlich gehört, auch wenn es nun nicht so sei, dass die Fans über das Schicksal eines Trainers entscheiden. Die Sponsoren würden aber irgendwann sagen, Geld gäbe es nur, wenn die Saisonziele auch endlich mal erreicht werden. "Und dieser Druck" fügt Rainer Zipfel hinzu, "ist auch berechtigt, solange Jena in der 4. Liga spielt."
Nicht verschwiegen werden soll der Rüffel, den die Presse einstecken musste: "Weil hier ihrerseits gerade die Stimmung entsteht, als hätte das Präsidium voreilig gehandelt; am Sonntag riefen mich Pressevertreter an - nicht etwa um sich zu erkundigen, wie das in Dresden passieren konnte, sondern mit der Frage, welche Konsequenzen das nach sich ziehen wird und wann der Trainer entlassen wird."

Wie gehts nun weiter ? Die finanziellen Dinge werde man mit Herrn Eulberg in der kommenden Woche klären. Der Verein favorisiert eine vorzeitige Auflösung des Vertrags, verbunden mit der Zahlung einer Abfindung. Denkbar sei aber auch, das Arbeitsverhältnis bis 30. Juni 2003 in anderer Funktion fortzuführen.
Den Trainerposten übernimmt einstweilen Thomas Vogel - über "Tage oder Wochen, wir werden sehen, wie lange es andauern wird" (Zipfel). Zu dem Zeitpunkt, als Vogel vor drei Wochen wieder in den Funktionsstab aufgenommen wurde, sei dessen Rückkehr auf den Trainerstuhl noch kein Thema gewesen, widersprach man seitens des Vorstandes Spekulationen in der Öffentlichkeit. Der Interimstrainer selbst bestätigte die begrenzte Verweilzeit als Chefcoach. "Wir haben uns schon Grenzen gesetzt, bis zu denen man sich Zeit lassen kann, jemanden Neues zu finden. Spätestens in der Winterpause sollte es soweit sein." Thomas Vogel selbst ist mit der neuen Situation alles andere als glücklich. Fast scheint es, als lege er besonderen Wert darauf, diesen Eindruck zu vermitteln. Sätze wie "Mir bliebe nach dem Einschätzen der derzeitigen Lage nichts anderes übrig, als das Amt anzunehmen" sowie "Ich komme mit dem Trainerposten auf Dauer nicht zurecht. Das ist nicht mein Ding und stimmt auch mit meinem Anspruchsdenken nicht überein", hat man von einem gerade berufenen Verantwortlichen jedenfalls selten zuvor gehört. Etwas befremdlich wirkt zudem auch, dass Vogels volle Konzentration bereits jetzt dem Plauen-Spiel gilt, so als würden die Spiele zuvor gegen die vermeintlich Kleinen gar nicht stattfinden. Plauen soll mit aller Macht siegreich gestaltet werden und dabei gehe Vogel "ganz bewusst das Risiko ein, die Spiele, die wir bis dahin haben zu unterschätzen." - Als hätte es die Pleite bei Dresden-Laubegast fünf Tage zuvor nie gegeben...
Selbstvertrauen wolle Vogel den Spielern in erster Linie vermiteln, denn das sei momentan nicht vorhanden. Am Spielsystem werde unter seiner Regie nichts geändert, er würde auch keinen aus der Truppe rauswerfen, denn jeder Spieler würde benötigt. So auch Youngsters wie Sonnenberg, Schwabe oder Paul, die mal ins kalte Wasser geworfen werden müssten.
Wann und durch wen Vogel abgelöst wird, scheint momentan noch völlig offen. Viele Kandidaten hätten sich in dieser Woche bereits beworben, so der Präsident. Man werde in Jena anfangen, sorgsam zu überprüfen, wer den Vorstellungen entspricht. Zwei, die vom Verein angesprochen worden, hätten allerdings bereits abgesagt mit der Begründung, sie wollten nicht mit einem durch andere festgelegten Spielerpotential arbeiten. - Auf eines gibt Rainer Zipfel Brief und Siegel: "Einen Schnellschuss wird es nicht geben. Sonst hätte heute schon einer hier gesessen." <fc>