Bereits am Vormittag des 06. März pfiffen es die sprichwörtlichen Spatzen von den Dächern. Als Präsident Michael Meier wenige Stunden später vor die Presse trat mit den Worten "Wir haben zu einer Pressekonferenz eingeladen, deren Brisanz sich heute noch erhöht hat" war klar: Der FC Carl Zeiss JENA trennt sich von Wolfgang Sandhowe. Dessen Nachfolger als Cheftrainer wird Frank Eulberg.

Der Neue. Frank Eulberg (Foto von Göttinger Homepage) ist 39 Jahre alt. Der gebürtige Wiesbadener ist seit zehn Jahren im Trainergeschäft und begann als Coach der Damenmannschaft bei seinem Heimatverein Sportfreunde Salzgitter. Mit Eintracht Wolfsburg trainierte er von 1993 bis 1995 eine Damen-Bundesligaelf. Seine Karriere als Trainer einer Herrenmannschaft begann er 1997 beim SV Wehstedt. Über TUS Celle, wo er nach Unstimmigkeiten mit dem Vorstand nach einem halben Jahr zurück trat, führte ihn sein Weg zu Göttingen 05. Hier war er, was die sportliche Situation angeht, in einer ähnlichen Situation wie jetzt in Jena: Die Staffelmeisterschaft und der Aufstieg waren das erklärte Ziel. Zwar wurde Platz eins erreicht, die finanziellen Bedingungen in Göttingen standen einer Lizenzerteilung jedoch im Wege. Die Finanzlage dort verschlechterte sich weiter und ermöglichte erst den Wechsel nach Jena - Göttingen 05 befindet sich in der Insolvenz. Somit kam die Freistellung auch nicht vom dortigen Vereinspräsidenten, sondern vom Insolvenzverwalter, der Eulberg zu seiner neuen Chance beglückwünscht hat. Die Spieler seines bisherigen Vereins verabschiedeten sich mit Blumen von ihm und drücken jetzt für Jena die Daumen. Eulberg charakterisiert sich selbst als Teamarbeiter: "Grundsätzlich bin ich einer, der kommunikativ ist und mit Spielern wie Medien ins Gespräch kommen will. Teamgeist kann man fördern und das kann in engen Situationen ausschlaggebend sein." Frank Eulbergs Vertrag läuft bis 30.06.2003 und gilt für Oberliga wie für Regionalliga.

Sandhowes Abschied. 8.30 Uhr, Geschäftsstelle des FC Carl Zeiss. Das Präsidium setzt Wolfgang Sandhowe über die getroffenen Entscheidungen in Kenntnis. Geahnt hat er vermutlich schon am Vorabend, dass was im Busch ist, als er erfuhr, dass eine Pressekonferenz unter anderem zur sportlichen Situation angesetzt ist, von deren Stattfinden er nicht in Kenntnis gesetzt worden war. Nach der Verabschiedung vom Vorstand verließ Sandhowe umgehend das Stadiongelände, ohne sich von der Manschaft zu verabschieden. Diese Vorgehensweise untermauert schon länger existierende Gerüchte, zwischen Trainer und Spielern würde die Chemie nicht mehr stimmen. Danach befragt, will Vizepräsident Zipfel keine Internas ausplaudern, lässt sich dann aber doch den vielsagenden Satz "Wenn alles bestens gewesen wäre, wäre Herr Sandhowe noch Trainer" entlocken. Gleichzeitig stellt Rainer Zipfel aber auch klar: "Kein Spieler aus der Mannschaft hat gefordert, dass der Trainer hier weg muss.". Entscheidend seien die zuletzt gezeigten Leistungen gewesen. - Was freilich auch irgendwie mit den Spielern zutun hat....

Der Wechsel. Frank Eulberg saß bereits am Sonntag gegen Hoyerswerda auf der Tribüne des Ernst-Abbe-Sportfelds. Dass er drei Tage später verantwortlicher Trainer für die gastgebende Mannschaft des FC Carl Zeiss werden würde, konnte er zu diesem Zeitpunkt noch nicht ahnen. Waren doch lediglich Gespräche die Saison 2002/2003 betreffend geplant. Das schlimme Gekicke gegen Hoyerswerda erhöhte den Druck auf Vorstand und Aufsichtsrat des FC Carl Zeiss zu handeln. Zwar liegt der FC Carl Zeiss in puncto Tabellenkonstellation nach wie vor gut im Rennen, kassierte in der laufenden Saison erst zwei Niederlagen, was die Trainerentlassung für manch einen überraschend und unverständlich erscheinen lässt. "Doch die zuletzt gezeigten Leistungen stellen das Erreichen des Saisonzieles in Frage.", gibt Präsident Michael Meiern den Journalisten zu Protokoll. In dieser Einschätzung läge er konform mit Meinungen aus dem Sponsoren- und Fanbereich, deren Ansichten die Entscheidung von Präsidium und Aufsichtsrat beeinflusst haben. Und warum fiel die Entscheidung nicht für einen Trainer aus der Jenaer Region ? Michael Meier: "Da hätten wir sicher auch Möglichkeiten gehabt. Wir wollten aber bewusst einen anderen Weg gehen." <fc>