Egal mit wem man sprach, in wessen Gesicht man blickte - Zuversicht konnte man nach dieser Mitgliederversammlung nirgendwo so recht entdecken. Zum einen mag dies mit der schwierigen Finanzlage des Vereins zutun haben. Eine Deckungslücke von 0,74 Millionen Mark drückt den Verein. Dies wurde am Dienstag bekannt gegeben. Wobei Einnahmen von 100 zu gewinnenenden Treue-Mitgliedern (Ist-Stand 8 !) und auch die Sportwelt-Gelder bereits auf der Haben-Seite eingerechnet wurden, das Finanzloch also noch größer werden könnte. Angesichts drohender Insolvenz in dieser Saison war für Schatzmeister-Träumereien nach dem Motto 'Wenn wir erst ein-, zweimal aufgestiegen sind, geht das alles wieder leichter' niemand zu begeistern. Doch es war nicht nur das Wissen um die Finanzlücke, das viele Mitglieder unzufrieden nach Hause gehen ließ. Viele hatten Signale erwartet, die von dieser Versammlung nicht ausgingen. Der vollständige Bericht des alten und designierten neuen Präsidenten Dr. Schmidt-Röh ist zwar im Internet nachzulesen; es wäre aber wohl besser gewesen, ihn auch auf der MV vorzutragen. Bei der gekürzten Fassung blieben gar zu viele Fragen offen, was dem Vorstand prompt den Vorwurf der Konzeptlosigkeit einbrachte.

Was blieb, waren Neuwahlen und Anträge, wobei die Wahl des neuen Aufsichtsrates im Mittelpunkt stand. Man werde möglicherweise nicht jeden Kandidaten auf die Kandidatenliste aufnehmen können, hatte in einem Schreiben des Oberbürgermeisters von Jena an die Mitglieder des FCC gestanden. Eine nette Umschreibung für den Ausschluss von zirka 50 Prozent der Kandidaten, die auf der MV keinerlei Erwähnung fanden ! Übrig blieben sieben Vertreter aus der Wirtschaft und einer aus der Politik, was dem neuen Aufsichtsrat von vornherein eine gewisse Eindimensionalität verleiht. Um nicht falsch verstanden zu werden - selbstverständlich gehören Sponsoren und Förderer, die das Geld in den Verein bringen, mehrheitlich ins höchste Gremium. Doch wenn sich der FCC im Vorfeld ausdrücklich Pluralismus auf seine Fahnen schreibt ("Der Wahlausschuss wird sicherstellen, dass die unterschiedlichen Gruppierungen angemessen in den Leistungsgremien des Vereins vertreten sind") und dann die Vertreter ehemaliger Fußballergrößen sowie der Fans gar nicht erst zulässt, trägt dies einen bitteren Beigeschmack. Platz wäre allemal genug gewesen auf der Wahlliste, wurden doch acht Personen für acht (von zwölf möglichen) Stellen im neuen AR nominiert. Über die Dr. Röhlinger als Vorsitzender des Wahlausschusses peinlicherweise am liebsten mal schnell im Block abgestimmt hätte. Nein, meine Herren - so stellt man sich Wahlen schon seit einigen Jahren nicht mehr vor...

Neben der Entscheidung, den Beitragssatz für aktive Mitglieder anzuheben, wurden auch zwei Anträge mit Auswirkungen auf die Vereinssatzung angenommen. Zum einen sind abgelehnte Bewerbungen auf Mitgliedschaft im Verein künftig zu begründen. Satzungsänderung Nummer zwei ermöglicht die Gründung eines Supporter-Clubs als Abteilung innerhalb des Vereines. Die Entsendung eines ständigen Mitgliedes zur Mitarbeit und -bestimmung im Präsidium wurde den Supporters allerdings verwehrt. Offen bleibt die Frage, weshalb der eingangs der Versammlung vom Präsidenten angekündigte Vorschlag eines "Notgroschens" in Krisenzeiten dann doch nicht zur Abstimmung gebracht wurde.

Zum Schluss wieder ein paar Worte zum Versammlungsleiter. In Zeiten sportlicher oder wirtschaftlicher Nöte ist diese Funktion auf einer MV zweifellos ein schwerer Job. Vizepräsident Donner versah ihn mit ungleich mehr Souveränität als Kollege Jäschke bei der AMV Monate zuvor. Doch wann nur bringt es der FCC endlich einmal fertig, einen Versammlungsleiter zu stellen, der keinen Einfluss auf das Abstimmungsverhalten ausübt ? Herr Donner gab nicht nur Wahlempfehlungen aus seiner und Sicht des Präsidiums, sondern stufte Anträge auch als wichtig und unwichtig ein. Was einen Sätzungsänderungsantrag zum Passus offener und geheimer Abstimmungen denkbar knapp scheitern ließ. Da die MV auch darüber hinaus brav den Empfehlungen des Versammlungsleiters folgte, wird vielleicht doch noch einer zufrieden nach Hause gegangen sein... <fc>

In den Aufsichtsrat wurden gewählt:

Herr Beyer (STRABAG), Herr Dr. v. Falckenhausen (Carl Zeiss GmbH), Herr Meier (Intersport Felke-Meier), Herr Noack (Stadtwerke Jena-P÷▀neck), Herr Dr. Pietzsch (Sozialminister), Herr Wolf (Stadtbäckerei Jena), Herr Zipfel (Rethmann Entsorgungswirtschaft GmbH), Herr Berka (Analytik Jena GmbH)

Ehrenratsmitglieder:

Georg Buschner, Udo Gräfe, Helmut Müller, Winfried Patzer, Jürgen Werner

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