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Fan-Projekt Jena protestiert gegen Polizeieinsatz in Regensburg

 

Das Fan-Projekt Jena protestiert gegen den völlig überzogenen, dem Grundsatz der Verhältnismäßigkeit der Mittel hohnsprechenden, teilweise brutal zu nennenden Einsatz der Regensburger Polizei gegen die zum Spiel des FC Carl Zeiss Jena mitgereisten Jenaer Fans. Während der FC Carl Zeiss Jena, das Fan-Projekt und auch Verantwortliche und Fans des SSV Jahn alles für einen freundschaftlichen Fußball-Nachmittag taten, u.a. Freikarten für jugendliche Fans austauschten und in der Halbzeitpause ein Strafstoßschießen von Fans beider Lager organisierten, die Jenaer Polizei die zu erwartenden Jenaer Fans eher als unproblematisch ankündigte, betätigten sich Verantwortliche der Regensburger Polizei unverantwortlich als "Scharfmacher" (so ein ortsansässiger Journalist), indem man auf einer eigens einberufenen Pressekonferenz am Freitag eine 4-seitige (!) Presseerklärung verteilte und die Öffentlichkeit Regensburgs vor der Invasion gewalttätiger ostdeutscher Hooligans warnte. Kein Wunder, dass der Lokalteil der "Mittelbayerischen Zeitung" mit der Schlagzeile "Heißer Saisonstart durch Hooligans?" aufwartete.

Trotz vorkommnisfreier Anreise wurden die zahlreichen Jenaer Zugfahrer am Regensburger Bahnhof wie ein Haufen Schwerstkriminelle empfangen und mußten sich hochnotpeinlichen Leibesvisitationen und Gepäckkontrollen (jeder weiß, dass diese am Stadion ohnehin nochmals erfolgen) unterziehen und selbst Taschen und Rucksäcke, die zur Aufbewahrung im Schließfach vorgesehen waren, mußten zuvor durch Polizeibeamte begutachtet werden, bevor diese unter polizeilicher Aufsicht (!) in die Gepäckschließfächer gebracht werden durften. Am Ausgang erfolgten dann die ersten Festnahmen unter massiver Gewaltanwendung, wobei selbst bei Vorliegen von Gründen die Verhältnismäßigkeit der Mittel und das nötige Fingerspitzengefühl in Hinsicht auf die Wirkung dieser Maßnahmen auf die übrige Fan-Gruppe hinterfragt werden müssen. Wenn dann im Stadion selbst massive Polizeikräfte mitten unter den Gästezuschauern stehen, bereits mit dem Anpfiff des Spiels ein völlig friedlicher Fan, der vom Zaun aus einen "Jena, Jena"-Chor zu dirigieren versucht, unter Gewaltanwendung heruntergerissen und aus dem Stadion geworfen wird, schließlich Fans, die beim Jubel über die Jenaer Treffer an den Zaun hüpfen, unter Gewaltanwendung verhaftet und mit Strafanzeigen wegen "Sachbeschädigung" (Begründung: der Stahlgitterzaun könnte "kaputtgehen") bedroht werden,  Fotoapparate wegen "Verstoß gegen die Urheberrechte" beschlagnahmt werden, kann man nicht mehr nur mit dem Kopf schütteln, da ist die Ausschöpfung aller zur Verfügung stehenden Mittel auf dem Rechtswege, in der Öffentlichkeitsarbeit und der Politik gefordert! Tragischer Höhepunkt, als ein Fan sich nach Spielende den Schal vor den Mund zog und sofort von mehreren Beamten wegen "Verstoßes gegen das Vermummungsverbot" überwältigt und anschließend selbst unter den Augen des herbeigeeilten Mannschaftskapitäns Raickovic geradezu –man kann es leider nicht anders sagen- geradezu brutal mißhandelt wurde. Das Fan-Projekt wird bei der übergeordneten Dienststelle der für diesen völlig überzogenen Einsatz verantwortlichen Polizeiinspektion 3 Am Jakobstor und deren Leiter, Polizeihauptkommisar Adalbert Schneider, Beschwerde führen. Bereits auf der nach dem Spiel durchgeführten Pressekonferenz hat der Jugendbildungsreferent des Fan-Projekts Jena und Sprecher der Bundesarbeitsgemeinschaft Fan-Projekte, Kollege Matthias Stein, die Vorgänge angesprochen, dabei jedoch ausdrücklich Verantwortliche und Fans des SSV Jahn von seiner Kritik ausgenommen.

 

 

Jena, den 26. Februar 2001