Kunstwelten im Dialog.
Arthur Schnitzlers "Traumnovelle" und Stanley Kubricks "Eyes Wide Shut"

Dagmar von Hoff (Hannover)

"Vierundzwanzig braune Sklaven ruderten die prächtige Galeere, die den Prinzen Aimgad zu dem Palast des Kalifen bringen sollte. Der Prinz aber, in seinen Purpurmantel gehüllt, lag allein auf dem Verdeck unter dem dunkelblauen, sternbesäten Nachthimmel, und sein Blick ..."
     Mit diesem Märchen beginnt Schnitzlers Traumnovelle (1926) und Kubrick zeigt hierfür eine voyeuristische Szene am Anfang seines Films Eyes Wide Shut (1999). Literatur und Kino, Lesen und Schauen stehen sowohl bei Schnitzler als auch bei Kubrick zur Diskussion und finden sich in einem Kunstdialog thematisiert, der in meinem Vortrag als ein Beispiel für einen Kanonisierungsprozess im Medienbereich analysiert wird. Während der Film Eyes Wide Shut es uns ermöglicht, Schnitzlers Text neu zu lesen, sorgt die Lektüre der Novelle für ein anderes Verständnis des Films. Wurden bisher unter didaktischen Fragestellungen ausschließlich Fragen der Literaturverfilmung fokussiert und Text und Film unter den Aspekten von Adaption und Transformation (so auch in Kursthemen Deutsch: Literaturverfilmung. Berlin: Cornelsen 2001) betrachtet, soll in meinem Vortrag sowohl Schnitzlers Novelle als auch Kubricks Film als ein Beispiel für eine Kanonbildung im Bereich des Films im Deutschunterricht verstanden werden. Insofern ist es kein Zufall, dass die begleitende didaktische Literatur zur sog. Literaturverfilmung bisher am Beispiel von Arthur Schnitzlers Traumnovelle und Stanley Kubricks Eyes Wide Shut die spezifische Filmästhetik ausgeklammert hat und die eingangs genannte voyeuristische Szene unerwähnt bleibt. Damit ist aber verschenkt, was dem Film als besonderem Medium eigen ist. In meinem Vortrag möchte ich auf die Relevanz von Film, Literatur und Medienpraxis hinweisen und eine Konzeption für den Eingang von "Film-Studien" in den Deutschunterricht entwickeln. Bisher wurde ausschließlich die Frage der Transformation von Literatur in Film präferiert und wesentliche Fragen des Kunstdialogs ausgeklammert. Wie produktiv aber gerade das Zusammenspiel von Literatur und Film in der spezifischen Differenziertheit sein kann, soll in meinem Vortrag am konkreten Beispiel vorgestellt werden. Der Analyse der Filmästhetik kommt dabei eine besondere und eigenständige Bedeutung zu.

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