|
Wie oder wie weit kann
man Textverstehen durch Testaufgaben erfassen? Welche Aufgaben sind im Literatur- und Textunterricht sinnvoll? Das ist ein Frage, die einen bunten Strauß von Möglichkeiten in den Blick rückt, in dem auch kräftige Blätter kreativer und künstlerischer Aktivitäten enthalten sind. Eine solche Fülle wird aber durch die zweite Frage sofort reduziert: Welche dieser Aufgaben könnten wir in größeren Tests benutzen, die einen validen und zugleich reliablen Einblick in das Leseverhalten geben? Wir konzentrieren uns der Einfachheit halber auf die Lektüre eines einzigen Textes, an den sich weitere Kontexte anschließen könnten, die wiederum Lesen und ein Verstehen verlangen. Das vergleichende Verstehen, wie es die Germanistik und auch das Berufsleben fordern, brauchte noch einmal eine weitere Differenzierung der Perspektive. Bleiben wir also bei einem einzigen Text und fragen uns, welche Phasen des Leseprozesses und des Verstehens die einschlägigen psychologischen Forschungen gefunden haben. Aus der Vielfalt der Vorschläge greife ich fünf heraus, die eine gewisse Abstufung erlauben. Sie bezeichnen zunächst eine Zunahme der Textquantität und der Leseschwierigkeit, aber auch eine Progression der wachsenden eigenen Aktivität. (1) Semantische Oberfläche mit
den dirigierenden Schlüsselwörtern analysieren (1) Die semantische Oberfläche
ist öfters in Sachtexten widerständig als in literarischen. Wir befassen
uns damit, wie wir Leser/innen helfen können, Schlüsselwörter in beiden
Textsorten zu erkennen. Als Beispiel nehmen wir uns zwei Texte vor, um zu erkunden, welche Aspekte diese fünf Zugangsweisen öffnen. Und im letzten Teil sollten wir klären, wie diese Aufgaben für größere Tests geeignet sind, welche der Unterrichtsaktivitäten gut übertragbar sind und wo die Untiefen der offenen Testaufgaben beginnen. Denn so schön es sich ausnimmt, wenn Lesende auch bei größeren Überprüfungen konstruktiv agieren - die Probleme beginnen bei der Auswertung. Dort verlangen sie von den Testkonstrukteuren ein Maximum an Arbeit. Die Offenlegung aller relevanten Deutungsaspekte, die Konzentration der Deutungshinweise auf ein handhabbares Optimum und das intensive Training der Codierer, deren individuelle Sichtweisen, die ihnen in Unterricht und Studium nahegelegt wurden, nun in einem Konsens münden müssen! |