Lehrveranstaltungs-Evaluationen
werden an der Medizinischen Fakultät
der Friedrich-Schiller-Universität Jena seit 1993 - zunächst
unter rein studentischer Regie - regelmäßig durchgeführt.
In Zusammenarbeit mit der ehemaligen Studiendekanin
Prof. Anneliese Klein sollten diese Aktivitäten dann in ein multidimensionales
Evaluationsprojekt überführt werden, das von Juni 1998 bis Dezember
2000 durch Mittel aus dem Hochschulsonderprogramm
III (HSPIII) realisiert werden konnte. Die Fortführung der Evaluation
der Lehre wird seit Januar 2001 durch die finanzielle Absicherung aus Fakultätsmitteln
gewährleistet. Das Projekt steht unter der Leitung des Studiendekans
Prof.
Bernhard Strauß, mit der Durchführung ist Dipl.-Psych. Barbara
Schwark (bzw. zwischenzeitlich Dipl.-Psych. Heike Steenbeck) sowie Dr.
Uwe Berger beauftragt. Gemeinsam mit der Fachschaft
der Medizinischen Fakultät werden folgende Bereiche evaluiert:
-
Vorlesungen, Seminare und Kurse
-
Strukturelle Aspekte der Lehre (in Zusammenarbeit mit der Universität
Leipzig, Prof. Elmar Brähler)
-
Praktika
-
Praktisches Jahr
-
geplant sind außerdem Befragungen von Absolvent/inn/en
Für jeden Bereich wurden eigenständige
Fragebogen
entwickelt. Die Rückmeldung der Befragungsergebnisse erfolgt möglichst
noch während des laufenden Semesters an die Dozierenden, indem diese
sowohl die statistischen Informationen als auch die transkribierten wörtlichen
Kommentare ihrer jeweiligen Veranstaltungen erhalten. Ende des Semesters
erfolgt dann eine Rückmeldung über alle Veranstaltungen per Versand
einer Diskette oder CD, die alle Informationen, Tabellen und Grafiken als
HTML-Datei enthält. Lediglich die freien Kommentare der Studierenden
sind hier nur noch zusammengefasst enthalten, um einen Missbrauch der Evaluation
als Plattform für persönliche Angriffe zu vermeiden. Die Studierenden
können über ihre User-ID diese Rückmeldungen über die
Fachschaft direkt aus dem Netz abrufen. Zusätzlich liegt in der Fachschaft
eine komplette Papier-Ausgabe der Lehrveranstaltungs-Evaluationen jedes
Semesters bereit. Mit diesem Verfahren ist eine möglichst ökonomische
und universitätsinterne Veröffentlichung der Evaluationsergebnisse
gewährleistet.
Wesentliche Aufgabe des HSPIII-Projektes war die Implementierung eines
Verfahrens der Lehr-Evaluation, das den Vorgaben der entsprechenden Neuregelungen
des Thüringer
Hochschulgesetzes entspricht. Neben der transparenten Auseinandersetzung
mit der diesbezüglichen politischen Diskussion in Vorträgen
und Diskussionsforen
betraf dies die Erarbeitung einer technischen Lösung für die
Durchführung, Auswertung und Rückmeldung der Evaluation. Letzteres
geschah in Kooperation mit dem Rechenzentrum
der FSUJ (Dr. Rainer Wegner; Hochleistungs-Scanner zum Einlesen der
Fragebogen als Bilddatei) und dem Institut
für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin (Prof. Rainer Schiele,
Dr. Reinhard Bartsch; Konvertierung der Bilddateien in SPSS-Datensätze).
Eine Zusammenarbeit mit dem 'Universitätsprojekt
Evaluation der Lehre' (Prof. Rolf Steyer, Dr. Thomas Buhl) fand auf
mehreren Ebenen statt: Zum einen durch die Mitbenutzung der dort vorhandenen
Hard- und Software; zum anderen im Austausch der Erfahrungen mit - aufgrund
anderer institutioneller und ökonomischer Vorgaben - unterschiedlichen
technischen und inhaltlichen Lösungen des Evaluationsverfahrens und
schließlich im direkten Vergleich der beiden gesondert entwickelten
Erhebungsbogen für die Evaluation der Vorlesungen und Seminare zum
Zweck der Item- und Skalenanalyse.
Mittlerweile verfügt das Institut für Medizinische Psychologie
über einen eigenen Dokumenten-Scanner und ein Programm zur Grafik-Erkennung,
so dass die Fragebogen vor Ort an einem Arbeitsplatz eingelesen und bis
zum fertigen Druck bzw. Hypertext weiterverarbeitet werden können.
Die entsprechenden Arbeitsschritte, notwendige Hard- und Software sowie
eine detaillierte Kosten-Nutzen-Kalkulation sind mittlerweile in Vorträgen,
Posterausstellungen, Vorführungen und Forschungsarbeiten
dokumentiert.
Durch die stetigen Verbesserungen im Ablauf der Evaluation und durch
die deutlich gesteigerte Bereitschaft der Lehrenden, die Lehrveranstaltungs-Evaluationen
aktiv zu unterstützen, konnten wesentliche Schritte zur Umsetzung
mehrerer Zielvorstellungen bereits verwirklicht werden:
-
Verbesserung der Qualität der Lehre durch fundiertes gegenseitiges
Feedback zwischen Studierenden und Lehrenden
-> wurde erreicht durch Rückmeldung der Evaluations-Ergebnisse
noch während des laufenden Semesters
-
Mehr Transparenz des Lehrangebotes der Fakultät zur Profilbildung
nach außen und Bereitstellung von Gestaltungsspielräumen nach
innen
-> wurde erreicht durch Weitergabe unserer Erfahrungen an andere Medizinische
Fakultäten (z. B. Essen, Berlin-Charité)
-
Anregung neuer Kommunikationsstrukturen zwischen Lehrenden und Studierenden
zur Steigerung der Effektivität und Motivation in Theorie und Praxis
des Medizinstudiums
-> wurde noch nicht erreicht
-
Als generelles Mittel zur Organisationsentwicklung soll die Evaluation
bzw. die Auseinandersetzung mit der Evaluation der Lehre schließlich
den Weg bahnen für die Erprobung innovativer Studienkonzepte, wie
sie derzeit z. B. in der Kommission für Lehre und Studium (LUST) diskutiert
werden
-> wurde erreicht durch Erprobung einer an das Konzept des Problem-orientierten
Lernens (POL) angelehnten Seminar-Struktur in der vorklinischen Ausbildung
in Medizinischer Soziologie
-
Zur Stärkung der Bedeutung der universitären Lehre wurde zudem
an der Medizinischen Fakultät der FSU Jena auf Initiative des Studiendekans
Prof. Bernhard Strauß ein neues Modell zur
leistungsbezogenen Mittelvergabe eingeführt, in dem auch die Beteiligung
an der Evaluation Berücksichtigung findet
Weiterführende Informationen, speziell auch zu politischen Aspekten
der Lehr-Evaluation, finden Sie in einem allgemeinen
Vortrag
von Dr. Uwe Berger (Februar 1999) sowie einem Vortrag
zur aktuellen Situation der Evaluation an der Medizinischen Fakultät
der FSUJ (Juni 1999). Ein Streitgespräch zwischen Dr. Thomas Buhl,
Dr. Uwe Berger und der Studierenden-Vertreterin Konstanze Keutzer zu der
Frage der Veröffentlichung von Evaluationsergebnissen wurde in der
studentischen Zeitschrift Akrützel der FSU Jena im Mai 2000 veröffentlicht
(PDF-Version). Ein
Artikel von Berger & Buhl zum konkreten Ablauf einer Lehr-Veranstaltungs-Evaluation
erscheint Anfang 2001 unter dem Titel Praktische Durchführung einer
Lehrveranstaltungs-Evaluation: Qualität - Arbeitsschritte - Kosten
- Konsequenzen in der Zeitschrift Periodicum Medizinische Ausbildung
(Abstract
PDF-Version).
Einmal pro Semester findet ein
Diskussionsforum
bzw. eine Informationsveranstaltung für Studienbeginner zur Lehr-Evaluation
statt. Hierzu laden wir alle Interessierten herzlich ein.
Kontaktpersonen für Informationen, Fragen und Anregungen
Dipl.-Psych. Barbara Schwark, Tel ++49 (0)3641 9-37789, Fax ...37794,
Email
Dr. Uwe Berger, Tel ++49
(0)3641 9-37790, Fax ...37794, Email